Taxi Times DACH - Doppelausgabe Juni / Juli 2019

taxitimes

Eine solch starke und flächendeckende Taxi-Protestaktion hatte Deutschland noch nie erlebt. 10.000 Taxis fuhren am 10. April 2019 in Autocorsos hupend durch über 20 Städte, hielten Mahnwachen ab und riefen in Kundgebungen zur „Scheuerwehr“ auf. Taxi Times hat die Ereignisse dieses Tages nun in einer Spezialausgabe veröffentlicht.

FOTOS: Taxi Times

FOTO: Name Name Name Name

11

DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 4,80 €

www.taxi-times.taxi

D – A – CH

ABKEHR UND KUNDENKLAU

DIE SEITEN-

WECHSLER

RUBRIK

www.taxi-times.taxi

SPECIAL

TAXIAKTIONSTAG »SCHEUERWEHR«

PROTESTE MIT WIRKUNG

Hauptaktion in Berlin

ÜBERFÜLLT

UND HITZIG

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

Taxikorsos in vielen Städten

ZAHLREICH

UND LAUT

Kreative Mahnwachen

RUHIG UND

FANTASIEVOLL

AUF 32 SONDERSEITEN:

ALLES ZUM BUNDESWEITEN

TAXIPROTEST

Wie reagieren die Zentralen-Apps?

IMPULSE

AUS LUXEMBURG

Wie läuft es mit Uber und Umwelt?

TAXIGEWERBE

IN LONDON


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DOPPELAUSGABE JUNI / 2019 TAXI


FARBE

BEKENNEN

Ein besonderer Tag verlangt

eine besondere Würdigung.

Der 10. April war

so ein besonderer Tag,

weil an diesem Mittwoch

mehr als 10.000 Taxiunternehmer(innen)

und

-fahrer(innen) überall in

Deutschland protestiert

und demonstriert haben.

Zentral geplant und organisiert vom Bundesverband Taxi

und Mietwagen e. V., waren alle Beteiligten von Hamburg bis

Passau und von Saarbrücken bis Dresden mit einheitlichen

„Scheuerwehr“-Protestmaterialien ausgestattet. Die Taxibranche

hat damit ein wunderbar einheitliches Bild abgegeben.

Taxi Times hat diesen Tag mit einem Live-Ticker begleitet.

Fast minütlich erreichten uns via WhatsApp oder Mail allerlei

Fotos und Videos aus ganz Deutschland. Unsere Redaktion

konnte bei Weitem nicht alles in den Live-Ticker aufnehmen,

aber doch immerhin so viel, dass jeder an jenem 10. April

auf unserer Homepage verfolgen konnte, dass die „Scheuerwehr“

an über 20 Orten in der Bundesrepublik ausgerückt

war. Zahlreich, laut – und mit einer klaren Forderung: Die

Eckpunkte müssen weg. Eine Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes

(PBefG) darf nicht zu einem Türöffner

ohne Pflichten für digitale Anbieter wie Uber, Moia oder auch

FREE NOW werden und erst recht nicht zur Existenzvernichtung

des Taxigewerbes führen.

Wie ernst es das Taxigewerbe damit meint, wurde an

diesem 10. April hör- und sichtbar. Die Akustik haben wir

mit vielen Videos in unserem Live-Ticker verewigt (abzurufen

unter www.taxi-times.com/Stichwortsuche „Liveticker“).

Die visuellen Eindrücke finden Sie als 32-seitiges Special

ab Seite 11.

INHALT

TITELSTORY SEITENWECHSEL

4 mytaxi wird zu FREE NOW

7 taxi.eu reagiert mit AG-Gründung

9 Bewegung beim Zentralentreffen Eurocab

TAXI TIMES SPECIAL –

ALLES ZUM TAXIAKTIONSTAG AM 10. APRIL

VORSPIEL

12 Generalprobe in Hannover

TAXIDEMONSTRATIONEN

4 Die große Hauptstadtdemo und das Rededuell

20 Taxidemos in Wiesbaden, Düsseldorf, Köln

28 Taxidemos in Dresden, Augsburg, Stuttgart

31 Taxidemos in Saarbrücken und Hamburg

38 Taxidemos in Passau und Viechtach

STERNFAHRTEN

26 Sternfahrten aus Niedersachsen, Bremen, NRW

MAHNWACHEN

34 Mahnwachen in Lüneburg, Celle, München

36 Mahnwachen in Nürnberg und Erlangen

37 Mahnwachen in Ingolstadt und Magdeburg

NACHSPIEL

39 Nadelstiche wie bei Hase und Igel

40 Frankfurts nachgelegte Taxidemo

TITELFOTO: mytaxi, Fotolia / peshkov

Bedauerlich ist allerdings: Selbst jetzt, Wochen später, hat

sich Herr Scheuer immer noch nicht von seinen Eckpunkten

öffentlich distanziert. Wem will er einen Gefallen tun? Der

angekündigte Seitenwechsel eines bisherigen Anbieters einer

Taxi-App lässt tief blicken. mytaxi wird in die Mobilitäts-App

FREE NOW integriert und allen bisherigen Taxikunden wird

dann wie selbstverständlich auch die Option eines Mietwagens

angeboten. Der soll dann günstiger sein und am liebsten

auch noch von bisherigen Taxiunternehmern gesteuert werden.

Wir berichten ab Seite 4 und blicken auf die Reaktion

der Anbieter der „echten“ Taxi-Apps (ab Seite 7).

Am 10. April haben mehr als 10.000 Menschen bewiesen,

dass sie auf der Seite des echten Taxigewerbes stehen. Jetzt

heißt es mehr denn je Farbe bekennen. Der Kampf ist noch

lange nicht zu Ende und der Kontrahent ist bei Weitem nicht

nur Herr Scheuer.

.

Jürgen Hartmann (Chefredakteur)

42 Positive Resonanz aus der Politik

MIETWAGEN & IHK

44 Konzept „CityLoop“, Verwirrung in Regensburg

INTERNATIONAL – LONDON

46 Umweltauflagen und Uber

PERSONEN & ELEKTRO

50 Hybrid-Pionier geht in Rente

52 VW & Daimler-Pläne, Stuttgarts Eco-Taxi

TAXITEST

54 Peugeot Rifter

GASTKOMMENTAR

56 Alles Verbände, oder was?

ÖSTERREICH:

58 Taxidemo in Wien

58 Impressum

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / 2019

3


SEITENWECHSEL

EINE APP

WECHSELT DIE SEITEN

Warum hatte sich eigentlich mytaxi an den Protestaktionen nicht beteiligt?

Die Antwort gaben die App-Betreiber wenige Tage später. mytaxi wird

Teil von FREE NOW werden und künftig auch Mietwagen vermitteln. Dazu

braucht es genau Scheuers Eckpunkte.

Startschuss war am 24. April, später

Nachmittag. Per Mail, über soziale

Medien und per Video-Botschaft

startete mytaxi eine Kommunikationsoffensive

und erläuterte den Taxiunternehmern

und deren Fahrern, warum man die mytaxi-

App künftig in FREE NOW integriert und

dazu unter anderem auch Mietwagen in die

Vermittlung einbezieht.

Bereits im Februar hatte der Daimler-

Konzern gemeinsam mit der BMW-Group

die künftige Zusammenarbeit im Mobilitätssektor

angekündigt. Unter den Produkten

Share Now, Charge Now, Park Now,

Reach Now und FREE NOW war damals

schon klar, dass die bisherige Taxi-Vermittlungs-App

mytaxi künftig in den Bereich

FREE NOW integriert wird und somit den

eigenen Namen verliert. Dass die Daimler/

BMW-Group innerhalb dieser App auch

Mietwagen vermitteln wird, war ebenfalls

im Februar bereits angedeutet worden.

Als Begründung für die Integration von

mytaxi in FREE NOW gibt der Konzern an,

dass sich die Personenbeförderungsbranche

mittlerweile in einem internationalen

Wettbewerb mit globalen Playern befinde.

Diesen Markt wolle man diesen Playern

nicht überlassen. „Wir müssen neue

Angebote schaffen, damit die bei uns angeschlossenen

Fahrer auch in Zukunft unter

optimalen Bedingungen ihre Dienstleistung

anbieten können“, schreibt mytaxi.

„FANTASTISCHE CHANCEN“

mytaxi-CEO Eckart Diepenhorst spricht in

einer Video-Botschaft an die Taxifahrer und

Unternehmer davon, dass man damit neue

Nachfrage schaffe. „Durch die Deregulierung,

die uns ins Haus steht, eröffnen sich

ganz neue Absatzpotenziale und fantastische

Chancen, mehr Geld zu verdienen“,

verspricht Diepenhorst. Anstatt also gegen

die neue Wettbewerbssituation zu pöbeln,

solle man auf Angriff gehen, indem man

einen besseren Service anbiete.

Bald werden in der bisherigen App auch

Mietwagen angezeigt – die dann von bisherigen

Taxifahrern gelenkt werden sollen.

Meint Diepenhorst mit Pöbeln etwa die

Taxiproteste am 10. April? mytaxi hatte

sich zu keiner Zeit an den Demos gegen

Scheuers Eckpunkte beteiligt. Man hatte

sogar noch eins draufgesetzt, indem man

in München just zu den Zeiten, als andere

Kollegen demonstrierten, eine zusätzliche

Prämie über 50 Euro an alle Fahrer ausbezahlt

hatte, die am Demotag mindestens

neun mytaxi-Aufträge gefahren waren.

Mit den FREE NOW-Plänen erscheint

auch Scheuers stures Festhalten an seinen

Eckpunkten in einem anderen Licht.

Die Verfehlungen und offensichtlichen

Kriegstreibereien von Uber sind so hanebüchen,

dass kein vernünftiger Politiker

dafür seinen guten Ruf aufs Spiel setzen

würde. Wenn der tatsächliche Lobbyist

aber aus dem eigenen Land kommt, ein

massives Dieselproblem hat und vor allen

Dingen mit Hunderttausenden von gefährdeten

Arbeitsplätzen drohen kann, dann

scheint es aus politischer Sicht nur das kleinere

Übel zu sein, ein paar Zehntausend

Taxifahrer zu opfern. Noch dazu, wo doch

mytaxi als einer der bisherigen Taxipartner

generös einen Teil davon in den neuen

Bereich des taxiähnlichen Mietwagenverkehrs

übernehmen möchte.

ERWEITERTE PARTNERSCHAFT

Genau dieses Ziel verfolgt nämlich die

Kommunikationsoffensive vom 24. April.

Ziemlich direkt bietet mytaxi den jetzigen

Taxipartnern eine erweiterte Zusammenarbeit

an. Man wolle bis zum offiziellen

Launch-Termin im Sommer mit den Unternehmern

in den Dialog gehen, um zusammen

das bestmögliche Produkt für den

jeweiligen Markt auf die Straße zu bringen.

„Haben Sie Interesse an einer Erweiterung

unserer Partnerschaft?“, heißt es in einer

E-Mail an alle angeschlossenen Partner

und auch Diepenhorst fragt im Video ganz

offen: „Wer möchte mit uns den Schritt in

das Mietwagengeschäft gehen?“

Warum mytaxi seinen Schwerpunkt

vom Taxi- ins Mietwagengeschäft verlagern

möchte, wird in einem Fragen-und-Antwort-Katalog

erläutert: „Mietwagen-Angebote

mit Fahrern werden stärker und

stärker nachgefragt. Dieser Nachfrage wollen

wir nachkommen.“ Dass dabei wieder

neue Fahrzeuge auf die Straße kommen,

müsse man zu Beginn in Kauf nehmen.

„Neue Verkehrskonzepte bedeuten

zunächst […], dass es neue Fahrzeuge auf

der Straße geben wird.“ Somit setzt mytaxi

seine Priorität weniger auf Umweltschutz.

FOTO: mytaxi

4 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


SEITENWECHSEL

Per Videobotschaft bittet mytaxi-CEO Eckart Diepenhorst die Taxifahrer,

die künftige Partnerschaft auf Mietwagen zu erweitern.

„Es wird dann ein Umdenken

der Bevölkerung stattfinden,

dass das Teilen effizienter

und billiger ist als das Besitzen.

Nur dann kann man die

Situation im urbanen Raum

nachhaltig verbessern.“ Motorisierten

Individualverkehr

zu reduzieren und die Städte

lebenswerter zu machen, sei

daher nur ein langfristiges

Ziel.

Welche Ziele mytaxi sonst

noch verfolgt, lässt sich ebenfalls

dem Fragen- und Antwort-

Katalog entnehmen. So befinde

man sich hinsichtlich der künftigen

Provision „in einem genauen Prozess

der Ausgestaltung“. Man stimme sich eng

mit allen angeschlossenen Unternehmern

und den zuständigen Behörden ab und

werde zusammen einen finalen Vorschlag

entwickeln, um so ein lukratives Geschäftsmodell

anzubieten.

Die Frage, ob man dem Taxigewerbe

bewusst Touren entziehen wolle, beantwortet

mytaxi mit der Einschätzung, dass

sich ein Mietwagenangebot und das Taxigewerbe

nicht kannibalisieren. „Aus diesem

Grund setzen wir uns auch weiterhin

für ein reformiertes Gemeinschaftsgewerbe

ein. Gleiche Bedingungen, Rechte und

Pflichten für alle Dienste, die Menschen

in urbanen Räumen ad hoc von A nach B

bewegen.“ Das Einkommen der Fahrer sieht

mytaxi weiterhin als gesichert

an, weil man sich für die Fahrer

einsetzen, sie vor prekären

Arbeitsverhältnissen schützen

und sich für soziale Standards

starkmachen wolle.

Die Frage, ob die guten

Touren dann nur noch an

Mietwagen vergeben werden,

wälzt mytaxi auf die Kunden

ab. Diese hätten verschiedene

Präferenzen. „Allein der Kunde

entscheidet“, sagt Diepenhorst

in seiner Videobotschaft.

Auf die Frage, ob man der

bisherigen Feststellung „mytaxi

sei Taxi“ noch glauben und

vertrauen darf, schreibt der Konzern:

„Unsere Fahrer sind unsere wichtigsten

Partner. Das wird sich auch nicht mit neuen

Angeboten ändern. Als Teil der Markenwelt

des BMW/Daimler-Joint-Ventures werden

wir unsere starke Marktposition ausbauen

und zusammen mit allen Fahrern für unsere

Kunden ein perfektes Mobilitätsangebot

mit dem richtigen Mix schaffen.“ jh

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SEITENWECHSEL

Die Solidarität zu mytaxi

bröckelt gewaltig bei den

Taxiunternehmern.

FRUST – WUT – KÜNDIGUNG

mytaxi wird zu FREE NOW und vermittelt Aufträge dann auch an Mietwagen.

Bei den bisherigen Taxi-Partnern löste diese Ankündigung Empörung,

Wut und eine Kündigungswelle aus. Als Alternativen rücken jetzt wieder

die echten Zentralen in den Fokus.

Ob mytaxi mit dieser heftigen

Reaktion gerechnet hatte? Bereits

unmittelbar nach der Ankündigung

von mytaxi, künftig als FREE NOW

auch Mietwagen vermitteln zu wollen, sprachen

unzählige betroffene Taxiunternehmer

und -fahrer von Verrat und Seitenwechsel,

riefen zum Boykott und zur Kündigung auf.

Dabei hatte mytaxi doch extra geschrieben,

dass die Fahrer „unsere wichtigsten Partner“

seien. Das werde sich auch nicht mit

neuen Angeboten ändern. „Als Teil der Markenwelt

des BMW/Daimler-Joint-Ventures

werden wir unsere starke Marktposition

ausbauen und zusammen mit allen Fahrern

für unsere Kunden ein perfektes Mobilitätsangebot

mit dem richtigen Mix schaffen“,

hieß es auf einer mytaxi-Seite, die über

den Backslash „Zukunft“ zu erreichen war.

AUFRUF ZUM BOYKOTT

Allerdings scheinen die bisherigen mytaxi-

Fahrer bei diesen Planspielen der Daimler-

Tochter nicht mitspielen zu wollen – ganz

im Gegenteil: „Wir wollen deren Dienstleistung

zum Erliegen bringen“, schreibt der

Kollege Gün in einer WhatsApp-Gruppe

und bittet daher die Taxifahrer, keine Aufträge

von mytaxi anzunehmen. „Es bringt

nichts, wenn ihr weiterhin Vorbestellungen

für morgen oder die nächste Woche

annehmt. Klar, super Kasse morgen und die

nächste Woche und was ist in drei Monaten?“

Für den Münchner Taxifahrer Tom

Buntrock ist genau das eingetreten, was

mytaxi-Kritiker von Beginn an befürchtet

haben: „Die von euch Stück für Stück zu

mytaxi gebrachten Kunden werden bald

nicht mehr mit euch, sondern mit Mietwagen

fahren“, schreibt Buntrock an seine

(Münchner) Kolleginnen und Kollegen und

blickt in die Zukunft: „Zuerst wird die Vermittlung

an Taxis nur schrittweise zurückgehen,

dann, eines gar nicht fernen Tages,

wird die Zusammenarbeit ganz eingestellt.“

»Wir wollen deren

Dienstleistung zum

Erliegen bringen.«

Kollege Gün

Buntrock plädiert daher an die Kollegen,

die App sofort abzuschalten, was andere

allerdings für eine schlechte Lösung halten.

„Heute Morgen stand ich am Halteplatz

und wartete eine Stunde, aber die Kollegen,

die hinter mir waren, sind nach kurzer Zeit

geflitzt wegen mytaxi-Aufträgen“, schreibt

ein Taxi Times-Leser, der selbst mytaxi

bereits abgeschaltet hatte. Genau wegen

solcher Erlebnisse sehen Mehrwagenunternehmer

die Gefahr, dass ihre angestellten

Fahrer im Falle einer Kündigung zu jenen

Betrieben wechseln, die weiterhin Partner

der in Ungnade gefallenen App-Vermittlung

bleiben. In München sind daher 60 Taxiunternehmen

zu dem Ergebnis gekommen,

dass nur ein einheitlicher Verzicht zielführend

sei. Sie trafen sich Anfang Mai und

entwickelten eine gemeinsame Strategie,

wie sie mit ihren insgesamt 800 Konzessionen

bei mytaxi aussteigen könnten.

Dabei wurde auch klar, dass man sich

die Kunden von mytaxi wieder zurückholen

muss. Ein Kollege beschreibt seine Strategie

gegenüber Taxi Times so: „Ich erzähle

den Fahrgästen, dass es mytaxi künftig

in dieser Form nicht mehr geben wird.

Dann erkläre ich ihnen, dass sie, wenn

sie weiterhin einen verlässlichen Taxidienst

in Anspruch nehmen wollen, dies

über die Apps taxi.eu, Taxi Deutschland

oder Cab4me der Taxizentralen tun können.

Anschließend gebe ich ihnen einen

Infoflyer in die Hand. Es überrascht mich

immer wieder negativ, wie viele meiner

Fahrgäste die Apps der Taxizentralen bisher

nicht kennen.“ Der Kollege bezeichnet

diesen Kommunikationsmangel als Schlafmützigkeit

seiner Zentrale.

Die so Gescholtenen haben allerdings

sehr schnell reagiert und sich als Alternativen

ins Spiel gebracht. „Wenn ihr Werbeflyer

für taxi.eu haben wollt, schickt uns

Name, Adresse und die gewünschte Stückzahl

an: info@taxi.eu und wir versuchen,

das so schnell wie möglich zu senden“,

wendet sich Hermann Waldner, einer der

Gründer von taxi.eu, direkt an die Unternehmer

und Fahrer. „Wir freuen uns auf

mehr Unterstützung von euch. So wichtig

wie jetzt waren unsere gewerbeeigenen

Apps noch nie. Lasst euch das von niemandem

kaputtreden.“

jh

FOTO: Kirschkowski

6 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIZENTRALEN

TAXI.EU SCHLÜPFT UNTER

DAS DACH EINER AG

Im harten Wettbewerb mit Uber, mytaxi & Co. will taxi.eu als echte Taxi-App ihr

Netzwerk massiv verstärken. Geplant ist deshalb, die Marke künftig unter dem

Dach der neu zu gründenden Aktiengesellschaft Taxi Europa zu positionieren.

Bei einer Fazitrunde mit Gastgeber Olivier Gallé (2. v. l.) lobte der Gast Michael Müller (rechts) die Konferenz als „wegweisend“.

FOTOS: Taxi Times

Ein entsprechendes Konzept präsentierten

die beiden taxi.eu-Geschäftsführer

Hermann Waldner und

Michael Weiss beim Zentralentreffen „Eurocab“

Ende Mai den rund 80 anwesenden

Chefs und Mitarbeitern diverser europäischer

Taxizentralen. Mit 165 angeschlossenen

Zentralen aus elf Ländern, 65.000

Fahrzeugen und 205.000 Fahrern sowie

knapp 300 Millionen Fahrten zähle man zu

Europas Nummer eins in der Fahrtenvermittlung

und müsse sich daher mehr denn

je den Herausforderungen der zukünftigen

Mobilitätsbedürfnisse stellen.

Dazu zähle, dass man das bestehende

Geschäft für sämtliche Bestellkanäle weiter

digitalisiere, den jungen Zielgruppen passende

Angebote im Share-Segment mache

und das frühere Einsteigergeschäft, das

sich mittlerweile in Richtung App-Bestellung

verschoben hat, zurückhole. Darüber

hinaus müsse man den Geschäftskunden

flächendeckende und europaweite Gesamtlösungen

bieten sowie die Services des taxi.

eu-Netzwerks durch ÖPNV-Kooperationen

für die ökologische Mobilität erweitern.

Um diese Zielsetzungen auch in Zukunft

zu erreichen, müsse sich die Struktur des

seit 2012 bestehenden losen Netzwerkverbunds

der Taxizentralen grundlegend

ändern. „Wir sind kein zentral gelenkter

Konzern, sondern ein Verbund aus einzelnen

Zentralen, an die einzelne Taxibetriebe

»Das Geld fließt 1:1

als Finanzmittel in die

Aktiengesellschaft.«

Michael Weiss

angeschlossen sind“, hatte Hermann Waldner

in diesem Zusammenhang erklärt. „Wir

müssen über das Denken an die eigene Zentrale

hinausgehen, uns über gemeinsame

Ziele bewusst sein und diese anstreben.

Wir müssen jetzt gemeinsam handeln.“

Weiss präsentierte daher die konkrete

Idee einer gemeinsamen Firma in Form

einer Aktiengesellschaft, in der sich nicht

nur alle Zentralen wiederfinden, sondern

auch deren Mitglieder bzw. Teilnehmer.

Den bisherigen taxi.eu- und FMS-Partnerzentralen

wollen Weiss und Waldner

Sonderkonditionen und einen Gründerrabatt

gewähren. Eine Aktie soll 20 Euro kosten,

pro teilnehmendem Auto erwerben die

Zentralen eine Aktie. Eine Zentrale mit

25 Autos würde dann Aktien für 500 Euro

kaufen, eine Zentrale mit 1.000 Taxis für

20.000 Euro. „Das Geld fließt 1:1 als Finanzmittel

in die Aktiengesellschaft“, verspricht

Weiss und kündigt darüber hinaus eine

gleichzeitige Kapitalerhöhung in Höhe von

300.000 Euro an, die von ihm und Waldner

beigesteuert werde.

SONDERRECHTE FÜR PARTNER

Zusätzlich zu den Sonderkonditionen erhalten

taxi.eu-Partner auch Sonderrechte. Als

Vorzugsaktionär und Syndikatsmitglied

habe man beispielsweise das Recht auf die

Entsendung eines Aufsichtsrats in die AG,

berichtet Weiss. Die gemeinsame Nutzung

der einen starken Marke taxi.eu erfolge

nach dem Franchise-System. „Jedes Taxi

trägt die gemeinsame Marke im Markt, alle

Taxis vertreten gemeinsame Werte und Serviceangebote.“

Als Franchise-Gebühr sind

80 Cent pro Auftrag vorgesehen, für Vorzugsaktionäre

40 Cent.

Sinn mache diese Aktiengesellschaft allerdings

nur dann, wenn die meisten Partner

mitmachen. Wenn bis 1. Oktober 2019 Optionen

für mindestens 30.000 Aktien gezeichnet

werden, werde das Projekt umgesetzt,

versprachen Weiss und Waldner. Die Verträge

und Statuten seien fertig und könnten

jedem Interessenten zugesendet werden. u

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

7


TAXIZENTRALEN

Das Interesse

der Taxizentralen

an einer Aktienbeteiligung

an

taxi.eu war groß.

Hier erläutern die

Gründer Hermann

Waldner und Michael

Weiss die Pläne den

Zen tralenbetreibern

in Frankreich und

der Schweiz.

Um das Vertrauen in die taxi.eu-App

unter den anwesenden Zentralenchefs

noch mal zu schärfen, hatte vor der Präsentation

der Aktienpläne Hermann Waldner

in einem eigenen Vortrag auf die

beachtlichen taxi.eu-Erfolge hingewiesen.

Man habe das Design der App regelmäßig

angepasst, sie als Bestelloption in Amazon-

Echo, Google Maps, Sixt oder auch Passengr

integriert, befinde sich bei der Eingabe

des Suchbegriffs „Taxi“ auf Platz 2 des

Google-Rankings (Android) und lande in

App-Vergleichstests regelmäßig auf den

ersten Plätzen. All dies habe man mit

einem Bruchteil des Etats der Wettbewerber

erreicht, berichtet Waldner stolz. Der

Grundstock ist damit gelegt, um künftig

gemeinsam gegenüber den Kunden und

Partnern aufzutreten. „Da es keine Großinvestitionen

in das Taxigewerbe durch

finanzstarke Konzerne gibt, müssen wir es

tun“, appelliert Waldner an die Eigeninitiative.

Ein Appell, der schon auf der Konferenz

Früchte trug, denn dem Aufruf, sich im

Anschluss an die Präsentation in eine Interessentenliste

einzutragen, folgten bis auf

zwei Ausnahmen alle Kongressteilnehmer.

„97 Prozent aller Anwesenden haben ihren

Willen erklärt, teilzunehmen“, erklärte

PRÄSIDENT MAHNTE ZU

BESSEREM NETWORKING

sind, seit dem letzten Jahr zugenommen

haben. Oft haben sich Unternehmen,

die noch vor wenigen Monaten

Mit einer kämpferischen Ansprache

hatte der Eurocab-Präsident Koen Van

Oorschot aus Antwerpen das Zentralentreffen

eröffnet. Er lobte die enge

Verbundenheit der taxi.eu-Familie,

mahnte aber auch, dass man in vielen

Bereichen noch mehr tun müsse, um

vom Netzwerk und von den Erfahrungen

des jeweils anderen profitieren zu

können. So müsse man zum Beispiel

dafür sorgen, „dass unsere Stimme in

den nationalen und europäischen Institutionen

gehört wird.

Das ist ein Bereich, in

dem taxi.eu mehr kann.

Viel mehr“, sagte Van

Oorschot.

Networking und

politische Einflussnahme

seien deshalb

so wichtig, weil

„die verschiedenen

unsere Partner waren, plötzlich zu

Mitbewerbern entwickelt. Sie werden

zu unseren direkten Konkurrenten und

denken zu Unrecht, dass der Taxi- und

Mietwagensektor der Vergangenheit

angehört.“

Darüber hinaus, so Van Oorschot

weiter, vergehe kein Tag, an dem nicht

irgendeine Mobilitätsplattform dazu

einlade, Partner zu werden. „Diese

neuen Kunden werden uns nur einen

kleinen Prozentsatz unserer Einnahmen

kosten“, sagen sie.

„Und was sehen wir in

Wirklichkeit?“, fragt

der Eurocab-Präsident.

„Plötzlich zahlen wir

einen Prozentsatz für

die Pflege eines Teils

unseres bestehenden

Kundenstamms. Die

Menge an Neugeschäft,

He rausforderungen, mit

denen wir konfrontiert

Eurocab-Präsident

Koen Van Oorschot

die diese Partner mitbringen,

ist spärlich.“ jh

Hermann Waldner

Waldner am zweiten Tag in einem Ab -

schlussstatement sichtlich beeindruckt

und euphorisiert. „Das ist eine rational und

emotional sehr hohe Zahl. Ich spüre eine

unglaubliche Kraft, die von euch ausgeht

und auf uns übertragen wird. Wir werden

eure Aufforderung ,Tut was, macht Dampf‘

annehmen und so schnell wie möglich die

AG gründen.“

Auch Michael Müller, Präsident des

Bundesverbands Taxi und Mietwagen e. V.,

der gemeinsam mit Geschäftsführer

Thomas Grätz als Gast am Eurocab

teilgenommen hatte, zog am Ende ein fast

schon pathetisches Fazit, hob dabei aber

auch den Zeigefinger: „Diese Konferenz

dürfte als wegweisend in die Geschichte

eingehen. Ich begrüße die große Zu -

stimmung, die Kraft des Gewerbes zu bündeln,

und wünsche der AG einen guten

Start.“ An Weiss und Waldner gewandt

fügte Müller hinzu: „Bei einer AG ist der

Shareholder Value in der Regel das

entscheidende Kriterium. Es ist daher eine

hohe Verantwortung, die AG so zu führen,

dass am Ende immer die Belange des

Taxigewerbes die Handlungen bestimmen.“

Ein Hinweis, den Weiss als Versprechen

und Eigenverpflichtung an Müller und alle

Anwesenden zurückspielte: „Das ist die

Kunst des Vertragswerks dieser AG – es

soll in der Branche bleiben, darauf müssen

alle aufpassen. Es ist für uns alle eine

Riesenchance, diesen Weg mit der nötigen

Weitsicht gemeinsam zu gehen.“ jh

FOTOS: Taxi Times

8 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIZENTRALEN

TAXIS WERDEN

GEBRAUCHT

Das Eurocab-Treffen der FMS- und taxi.eu-Taxizentralen

stand ganz im Zeichen des Mobilitäts wandels und eines

eindringlichen Appells, sich noch mehr zu digitalisieren.

Zentralenchefs aus sieben Ländern nahmen am Eurocab teil.

Ende Mai trafen sich die Verantwortlichen

europäischer Taxizentralen

zum Eurocab. Gastgeber des mittlerweile

zum 20. Mal ausgetragenen Meetings

aller FMS-Anwender war dieses Jahr

die Luxemburger Taxizentrale Taxis Colux,

deren Geschäftsführer Olivier Gallé bei

seiner Begrüßung auch gleich den Appell

„Gemeinsam sind wir stark“ formulierte,

ein Appell, den Eurocab-Präsident Koen

Van Oorschot dann auch gleich aufgriff

(siehe Kasten unten) und der sich fortan

wie ein roter Faden durch alle Vorträge

der beiden nächsten Tage ziehen sollte.

Die beschworene Gemeinsamkeit ist beim

Eurocab durch den einheitlichen Systemanbieter

fms/Austrosoft gegeben, allerdings

wurde schon beim ersten Vortrag klar, dass

ein einheitliches System noch lange keine

Garantie für eine geschlossene Außenwirkung

ist.

Jenen ersten Vortrag hielt Michael

Weiss, Geschäftsführer der FMS Austrosoft.

Anders als bei vielen Eurocabs zuvor war

das Treffen keine ausschließliche Leistungsschau

der Vermittlungsmöglichkeiten

(Callbot, Businessportal etc.), sondern

ein Ausblick auf die digitalen Heraus- u

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TAXIZENTRALEN

In Workshops

konnte man sich

an verschiedenen

Thementischen

untereinander und

mit den FMS-Experten

austauschen.

forderungen der Zukunft. Weiss baute seinen

Vortrag dazu stringent auf, indem er

zunächst einmal den Status quo der Mobilität

schilderte, von Städten berichtete, die

im Verkehr und in den damit verbundenen

Umweltproblemen ersticken und Studien

zitierte, die eine drastische Zunahme des

Individualverkehrs durch Uber & Co belegen

– mit dem Fazit, dass die Politik dringenden

Handlungsbedarf erkannt hat und

im Rahmen ihrer Lösungen nun zwischen

„Wildem Westen und Hypereffizienz“ entscheiden

muss.

TAXI = PARTNER DER POLITIK

Für Weiss ist klar, dass die neuen Anbieter

wie Didi, Lyft, Uber, Ola etc. diese Probleme

nicht lösen können. Er sieht hier, dass das

Taxi als eigentlicher Partner der Politik fungieren

kann, sofern man sich als Teil des

ÖPNV definiert bzw. politisch anerkannt

wird. „Wenn man sich diese Entwicklung

und all die Studien anschaut, müsste jetzt

eigentlich die beste Zeit des Taxigewerbes

kommen“, sagte Weiss. „In den über

30 Jahren, in denen ich dieses Geschäft

mache, habe noch nie gesehen, dass Taxis

so gebraucht werden wie aktuell.“

Doch trotz dieser Steilvorlage nimmt

Weiss das Taxi als eine „sich nicht ändern

wollende Branche“ wahr, welche die Zeichen

der Zeit nicht erkenne und primär

um ihre Existenz fürchte. Als hinderlich

im bevorstehenden Wandel bezeichnet der

FMS-Geschäftsführer, dass man Taxi als

Einheitsprodukt zum Einheitspreis präsentiere

und dass Kunden ihre Taxis ohne

Preisangaben bestellen müssten. „Wo gibt

es das sonst, dass man ein Produkt im

Internet bestellt und den Preis erst erfährt,

wenn die Rechnung im gelieferten Päckchen

auftaucht?“, fragte Weiss.

Als weiteren Mangel sieht Weiss, dass

es zwar bei den Angeboten eine Vielzahl

von Insellösungen gibt, aber keine intelligente

Vernetzung untereinander stattfindet.

Nicht zuletzt sei auch die fehlende

Öffnung der Kanäle zu Mobilitätspartnerschaften

ein großes Manko. Um also wirklich

zu einem Problemlöser für ökologische

Mobilität zu werden, benötigt die Taxibranche

einen internen Gesinnungswandel.

Dafür gebe es kein Patentrezept, aber

ein Bündel an Maßnahmen, die alle unter

dem Schlagwort „Digitalisierung“ getroffen

werden und die oben beschrieben Mängel

in Dienstleistungsangebote verwandeln –

für Kunden, die googeln, bei Amazon und

Ebay kaufen und deshalb ihre Mobilität

auch bei Apple und Google Maps suchen.

„Dort müssen sie uns finden, uns buchen

und auch bezahlen können“, sagt Weiss.

Solche digitalen Ketten funktionieren

aber nur mit modernster Technik

in den Taxis, weshalb Weiss an dieser

Stelle eindringlich an die anwesenden

Zentralenchefs appellierte, jetzt auf die entsprechende

Technik umzusteigen, die man

als Hersteller zur Verfügung stellen könne.

Dass die Dringlichkeit gegeben ist, ist

allen Beteiligten klar, doch in den Gesprächen

während der Kaffeepausen wird

schnell klar, dass es sich für die Zentralen

nicht so einfach darstellt. Jedes

»Die beste Zeit des

Taxigewerbes.«

Michael Weiss

Vermittlungsfeature verursacht Kosten

(Entwicklung, Lizenz, Wartung), die jede

wirtschaftlich hart kalkulierende Zentrale

an die angeschlossenen Teilnehmer weitergeben

muss. Das erhöht die Kosten und verschlechtert

deren Position im Wettbewerb

mit anderen lokalen Taxizentralen oder mit

den digitalen Anbietern. „Ein Teufelskreislauf“,

fasst ein Teilnehmer das Dilemma am

Rande des Kongresses zusammen.

Spätestens an dieser Stelle kam nun

wieder der rote Faden ins Spiel, dass man

als Taxibranche und auch als örtliche

Taxizentrale nur gemeinsam stark sein

kann. In allererster Linie natürlich durch

die eigene App taxi.eu, die man in Kürze

unter dem Dach einer „Europa Taxi Aktiengesellschaft“

auf finanziell breitere Füße

stellen will (siehe Seite 7), aber auch durch

Partnerschaften mit anderen Mobilitätsanbietern

und Vernetzungen mit deren System.

Ein Züricher Kollege der 44er Zentrale

präsentierte nicht ohne Stolz ein gemeinsam

mit FMS entwickeltes Feature, das

dem Kunden die Wahl zwischen verschiedenen

Preiskategorien ermöglicht. Neben

dem Standardtaxitarif kann er auch einen

Billigtarif wählen, mit dem er dann sogar

günstiger als Uber fährt. Dabei hat nicht

nur der Kunde die Wahl, sondern auch der

Taxifahrer.

Über die Fahrer-App kann er zu Schichtbeginn

auswählen, ob er Aufträge aller

Preiskategorien vermittelt bekommt oder

nur bestimmter Kategorien. Diese Möglichkeit

stehe nun auch den anderen Zentralen

zur Verfügung, sagt 44er-Mitarbeiter Daniel

Bienek. Für Zentralen in Deutschland

oder auch Wien, wo man auf politischer

Ebene für eine Beibehaltung der Tarifpflicht

kämpft, mag das nicht interessant

klingen. Und doch könnte es bei den Verhandlungen

ein Ass im Ärmel sein, wenn

man sich doch kompromissbereit zeigen

muss.

jh

FOTOS: Taxi Times

10 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


RUBRIK

www.taxi-times.taxi

SPECIAL

TAXIAKTIONSTAG »SCHEUERWEHR«

PROTESTE MIT WIRKUNG

FOTO: Name Name

Hauptaktion in Berlin

ÜBERFÜLLT

UND HITZIG

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

Taxikorsos in vielen Städten

ZAHLREICH

UND LAUT

11

Kreative Mahnwachen

RUHIG UND

FANTASIEVOLL


VORSPIEL

GELUNGENE

GENERALPROBE

Knapp zwei Wochen vor dem bundesweiten Taxi-

Aktionstag gingen die Taxifahrer aus Hannover und

anderen Städten Niedersachsens auf die Straße.

Rund 450 Taxis fuhren hupend durch die Innenstadt.

Aller guten Dinge

sind drei“, sagt

ein altes Sprichwort.

Nach den Protestkundgebungen

im Februar

in Berlin und am 13. März

in München sollte am

28. März Niedersachsens

Hauptstadt der dritte Protestort

des Taxigewerbes

werden. Es wurde gleichzeitig

zur Generalprobe für den bundesweiten

Taxi-Aktionstag am 10. April. Und diese

Generalprobe glückte in voller Hinsicht.

Nicht nur, weil fast 600 Taxis am Taxikorso

teilnahmen, sondern weil sich wie schon

zuvor in Berlin und München (siehe unten)

ein hochrangiger Verkehrspolitiker den

Demonstranten stellte.

Niedersachsens Verkehrsminister

Bernd Althusmann

In Hannover betrat der

niedersächsische Vizekanzler

sowie Wirtschaftsund

Verkehrsminister

Bernd Althusmann die

Bühne und stellte sich

den dort protestierenden

Taxiunternehmern und

-fahrern, die zahlreich

erschienen waren – nicht

nur aus Hannover, sondern

auch aus Braunschweig, Wolfsburg,

Langenhagen, Oldenburg, Lüneburg und

aus vielen ländlichen Bereichen. Sogar

aus Leipzig, Hannovers Partnerstadt, war

eine Handvoll Taxifahrer Richtung Westen

gefahren.

CDU-Minister Althusmann, neben Verkehr

auch zuständig für Digitalisierung,

KLARE BOTSCHAFT

AUS MÜNCHEN

Scheuers Eckpunkte müssen weg.

Um diese Botschaft auch im Heimatland

des Bundesverkehrsministers

deutlich und laut zu formulieren,

fand am 13. März eine weitere

Kundgebung in München statt. Dort

erschienen zwar nur rund 300 Teilnehmer

(mit Unterstützung u. a. aus

Nürnberg), dafür war die Botschaft

dieses Tages umso deutlicher: Vor

dem Sitz der Bayerischen Staatsregierung

und in Anwesenheit des

Verkehrsministers Hans Reichhart

fanden die Vertreter des Taxigewerbes

sehr deutliche Worte.

Hermann Waldner, Vizepräsident

beim Bundesverband Taxi, sprach

davon, dass man bisher ruhig und

diplomatisch gewesen wäre, „aber

wenn es um unsere Existenz geht,

wird man uns kennenlernen“. Ähnlich

äußerte sich auch Lokalmatador

Frank Kuhle, ebenfalls Vorstand im

Taxi-Bundesverband. „Ab jetzt gibt

es keine Suche nach dem Konsens

mehr, ab jetzt stimmen wir mit den

Füßen ab. Wir sind viele und wir

sind laut. Wir werden uns mit euch

anlegen.“

jh

SPONTANPROTEST IN BERLIN

Schnell und laut – unter diesem Motto hatte der damals noch als BZP firmierende

Bundesverband Taxi nur wenige Tage nach Bekanntwerden des Eckpunktepapiers

eine erste Spontandemo angemeldet. Ein Protest ohne Autokorso, stattdessen

eine Kundgebung unmittelbar vor dem Bundesverkehrsministerium. Gekommen

waren rund 1.000 Taxiunternehmer und -fahrer, gesprochen hatte Bundesverband-

Präsident Michael Müller, der die Forderungen der Taxibranche klar formulierte.

Gekommen war auch Verkehrsminister Andreas Scheuer, durchaus überraschend

und mutig, denn ein Pfeifkonzert signalisierte, dass dies kein einfacher Auftritt

werden würde. Schon damals wollte Scheuer nicht von seinen Eckpunkten

abrücken – auch nicht nach einem persönlichen Gespräch wenige Wochen später

mit den Vorständen des Bundesverbandes Taxi. Damit war klar, dass die Berliner

Kundgebung am 21. Februar nur der Protestauftakt war.

jh

kommt aus der gleichen politischen Fraktion

wie Verkehrsminister Scheuer, ließ aber bei

seiner Ansprache durchaus auch kritische

Töne hören. Er versprach, dass sich sein

Land Niedersachsen bei den Beratungen zur

PBefG-Novelle so positionieren werde, dass

auch die Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen

der Taxiseite mit einfließen werden.

Das Eckpunktepapier des Bundesverkehrsministers

sei den Ländern am 21. Februar

zugegangen und man sei in Niedersachsen

über den unabgestimmten Vorstoß des Bundesministeriums

für Verkehr und digitale

Infrastruktur (BMVI) überrascht gewesen.

Würde man die Rückkehrpflicht tatsächlich

aufheben, käme es zu einer nicht gerechtfertigten

Benachteiligung des Taxigewerbes.

FOTOS: Taxi Times

12 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


VORSPIEL

Zu Fuß ging es hinter dem Autokorso zum

Kundgebungsort vor der Niedersächsischen

Staatskanzlei.

Rund 600 Taxis aus Hannover und Umgebung

bildeten einen imposanten Autokorso.

„Ich kann Ihnen heute nicht sämtliche Sorgen

und Nöte nehmen, die Sie so haben“,

wandte sich der Minister direkt an die

anwesenden Taxiunternehmer: „Aber

meine politische Erfahrung zeigt, dass kein

einziger Eckpunkteentwurf und kein

Gesetz genau so umgesetzt wird, wie es

sich der Bundesgesetzgeber gedacht hat.“

Die Gesetzesnovelle des PBefG sei erst am

Beginn und man befinde sich mit den Beratungen

noch in einem frühen Stadium.

»GEBEN SIE MIR EINE CHANCE«

„Das endgültige Ergebnis wird einige Monate

in Anspruch nehmen“, sagte Althusmann.

„Bitte geben Sie mir eine Chance, die

Position Niedersachsens in diesen Diskussionsprozess

einzubringen. Ich hoffe, dass

es am Ende eine für alle verträgliche und

weit getragene Positionierung geben kann.“

Den Gesamtverband Verkehrsgewerbe

Niedersachen (GVN) lud Althusmann zu

einem Lösungsgespräch ein, in dem beratschlagt

werden soll, wie das Land Niedersachsen

in das Gespräch mit dem Bund

reingehen kann, sodass das Taxigewerbe

ausreichend sicher sein könne, dass dessen

Position eingebracht wird. „Wir werden dieses

Eckpunktepapier in dieser Form in keinem

Fall 1:1 durchgehen lassen“, versprach

Althusmann. Michael Müller nahm seinerseits

in seiner Funktion als Vorsitzender

der Fachgruppe Taxi und Mietwagen im

GVN das Gesprächsangebot an. „Lassen Sie

uns gemeinsam versuchen, eine moderne

Mobilität zu entwickeln.“ jh

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TAXIDEMO IN BERLIN

Die achtspurige Straße

des 17. Juni gehörte am

10. April 2019 ganz allein

dem Taxigewerbe.

6.500

HUPENDE

TAXIS

IN DER

HAUPTSTADT

Angemeldet waren 3.000 Taxis. Dass es

doppelt so viele wurden, freute den

Veranstalter, imponierte den Politikern und

überforderte die Polizei.

Der Bundesverband Taxi hatte als

Veranstalter des deutschlandweiten

Taxi-Aktionstags die Hauptstadt

Berlin als zentralen Ort ausgewählt.

Wer in der eigenen Region keine eigene

Veranstaltung vorfand, sollte stattdessen

nach Berlin kommen. Diesem Ruf waren

einige gefolgt, sodass sich zwischen die

Kennzeichen aus Berlin und dem Berliner

Umland auch allerlei andere Taxis mischten.

Manche der auswärtigen Taxis hatten

sich vorher an einem zentralen Punkt in

der Heimat versammelt und waren gemeinsam

gefahren (z. B. Dresdner, Leipziger,

aber auch Mitglieder des GVN), andere hatten

sich als Einzelkämpfer auf den Weg

gemacht. So wie beispielsweise der Coburger

Unternehmer Michael Höllein, von dem

eines der Fotos von dieser Seite stammt.

Über Hölleins Tagesausflug hatte hinterher

die „Coburger Zeitung“ einen ganzseitigen

Bericht verfasst.

Gestartet von drei Sammelstellen, sollten

die Taxis im Konvoi durch Berlin fahren

und sich anschließend alle zusammen auf

der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger

Tor versammeln. Geklappt hat dies

allerdings nur beim Konvoi, der vom Ostbahnhof

gestartet war. Die rund 1.000 Taxis,

die vom Olympischen Platz aus dem Westen

kamen, blieben immer wieder stecken, weil

die Polizei die Seitenstraßen nicht absperrte

und sich so immer mehr Privatfahrzeuge

unter die Taxis mischten.

CHAOS AM FLUGHAFEN TEGEL

Noch chaotischer entwickelte sich der

Korso vom Flughafen Tegel zum Brandenburger

Tor. Die große Anzahl der dortigen

Taxis und die mangelhafte Eskorte durch

die Polizei führten zu einer kompletten Verstopfung

der Zu- und Abfahrtstraßen des

Berliner Flughafens. Tausende Fluggäste

mussten die letzten Kilometer von der

6.500 demonstrierende

Taxis hatten an diesem Tag

den Verkehr in Berlin nahezu

lahmgelegt.

FOTOS: Michael Höllein, Axel Rühle, Hasan-Ali Yıldırım, Arif, Bodo, Simi, Adrien Coquet / nounproject

14 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIDEMO IN BERLIN

Stadtautobahn zu Fuß laufen. Die Berliner

BVG hatte ihre Linienbusse nach Tegel eingestellt.

Selbst einzelne Flüge mussten

abgesagt werden, weil Piloten und Bordpersonal

ebenfalls im Verkehr stecken geblieben

waren.

SOLIDARITÄT AUS WIEN

Viele erreichten deshalb gar nicht bzw.

nicht rechtzeitig die Schlusskundgebung

am Brandenburger Tor, darunter auch Taxi

Times-Redakteur Simi, der von Tegel aus

die Stimmungen filmte und live auf der Taxi

Times-Facebook-Seite übertrug. Dabei

bekam er auch Christian Holzhauser für

ein Spontan-Interview vor das Mikrofon.

Der Geschäftsführer der Wiener Taxizentrale

40100 und Vize-Obmann der österreichischen

Fachsparte Taxi in Österreich war

extra eingeflogen, um sich mit dem deutschen

Taxigewerbe solidarisch zu zeigen.

Er dürfte einer der wenigen Fluggäste

gewesen sein, die an diesem Vormittag ein

Taxi in Tegel bekommen haben.

Auch ohne die Tegel-Fraktion und große

Teile des Olympia-Korsos war die Straße

des 17. Juni mittlerweile vollständig gefüllt,

da neben der Ostbahnhof-Tour zahlreiche

Taxis ohne Konvoi Richtung Brandenburger

Tor gefahren waren. Dort hatten sich neben

dem Bundesverkehrsminister Scheuer, der

sein Kommen per Twitter-Botschaft am Vorabend

angekündigt hatte, auch zahlreiche

Bundes- wie Landespolitiker eingefunden,

unter anderem Michael Donth, der PBefG-

Experte der CDU, oder Tino Schopf, verkehrspolitischer

Sprecher der Berliner SPD.

Sie alle zeigten sich vom Bild der 3.000 aufgestellten

Taxis und der vor der Redebühne

mit Dutzenden Plakaten demonstrierenden

Taxiunternehmer und Fahrer sichtlich

beeindruckt.

jh

TAXIDEMO BERLIN

6.500 Teilnehmer

Vermittlungsstopp bei

Taxi Berlin ab 11.30 Uhr

Taxikorso von drei Startpunkten

(Ostbahnhof, Flughafen Tegel und

Olympischer Platz) in Richtung

Brandenburger Tor

Kundgebung vor dem

Brandenburger Tor

Redner bei der Kundgebung:

u. a. Michael Müller (Präsident

Bundesverband Taxi und Mietwagen

e. V., Andreas Scheuer (CSU,

Bundesverkehrsminister)

Medienresonanz: diverse Tageszeitungen

und Fernsehsender

(1 Video wird eingebettet)

Veranstalter: Bundesverband Taxi

und Mietwagen e. V.

Besonderheit: Weil der Verkehr

völlig zum Erliegen kam, mussten

sogar Flüge gecancelt werden.

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TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019


TAXIDEMO IN BERLIN

FESTGERANNT BEI DER

RÜCKKEHRPFLICHT

Der Auftritt von Andreas Scheuer bei der Kundgebung wurde zum verbalen

Schlagabtausch mit Verbandspräsident Michael Müller. Beim entscheidenden

Punkt verharrte der Verkehrsminister auf seiner Position.

Verkehrsminister

Scheuer und Taxi-

Präsident Müller:

Lange nicht so

harmonisch, wie

es auf diesem Foto

wirkt …

Schon das Motto der großen Taxidemo

(„Scheuerwehr“) machte

deutlich, wer aktuell der große Buhmann

des Taxigewerbes ist. Trotzdem war

Bundesverkehrsminister An dreas Scheuer

zur Abschlusskundgebung erschienen.

Der 44-jährige Minister aus Passau

hatte – anfangs in Gegenwart mehrerer

Parlamentskollegen, später alleine auf

weiter Flur zwischen seinen Gegnern und

Journalisten auf seinen Auftritt wartend –

gelassen auf der Bühne verharrt, während

Michael Oppermann vom Bundesverband

Taxi und Mietwagen e. V. als Moderator der

Kundgebung das Publikum begrüßt, seine

Freude über die hohe Teilnehmerzahl zum

Ausdruck gebracht und auch den Minister

willkommen geheißen hatte. Danach hatte

Verbandspräsident Michael Müller auf der

Bühne in prägnanter Dosierung die Forderungen

des Taxigewerbes aufgezählt und

seine einleitende Rede mit seiner Sicht auf

ein vorangegangenes Zusammentreffen mit

Verkehrsminister Scheuer abgeschlossen.

ENTTÄUSCHT ÜBER RÜCKZIEHER

Die Verbandsspitze und der CSU-Minister

waren am 22. März, fünf Wochen nach

Bekanntwerden des explosiven Eckpunktepapiers

aus dem Ministerium, am Dienstsitz

des Ministers zusammengetroffen und

Müller hatte Herrn Scheuer noch einmal die

drohenden Konsequenzen im Falle eines

Wegfalls der Rückkehrpflicht für Mietwagen

erläutert. Müller bezeichnete jene Unterredung

hinterher als – nach Eindruck des

Verbandes – „sehr gutes Arbeitsgespräch“,

weshalb die – wortwörtlich zu nehmende –

Enttäuschung über Scheuers Rückzieher

wenige Tage später umso größer gewesen sei.

Nicht erst seitdem fordert der Bundesverband

Taxi und Mietwagen e. V. unablässig

ein Bekenntnis zur Rückkehrpflicht

von Scheuer. Die „Worthülsen“, mit denen

Scheuer damals versucht habe, einen guten

FOTOS: Axel Rühle

16 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIDEMO IN BERLIN

Eindruck zu erreichen, „die zünden bei

uns nicht“, so Müller, der Herrn Scheuer

anschließend aufforderte, zu zeigen, dass er

zugehört und verstanden habe, dass seine

Eckpunkte „so nicht Bestandteil bleiben

dürfen“. Würde man nur wieder „die gleichen

Worthülsen zu hören bekommen“,

dann würden wir uns „gegenseitig Zeit

stehlen“. Mit den Worten „Herr Minister,

wir erwarten neue Aussagen von Ihnen –

bitte schön“ überließ Müller dem so Angesprochenen

das Rednerpult. Der musste

zuerst ein einminütiges Pfeifkonzert mit

Buh-Rufen und „Uber raus!“-Sprechchören

über sich ergehen lassen. Ein Teil der

Demonstranten hatte sich demonstrativ von

der Bühne weggedreht.

ZUERST AUSDISKUTIEREN

Wer zuhörte, bekam erneut die bekannte

Scheuer’sche Argumentationslinie zu

hören: Wenn er seine Eckpunkte, bevor sie

ausdiskutiert seien, zurückziehen würde,

dann ginge auch dieser und jener Punkt

verloren, der für das Taxigewerbe positiv

sei und es vor unlauterem Wettbewerb

schütze, und das wolle Müller doch sicherlich

nicht. „Ich habe Ihren Forderungskatalog

gelesen. Ich habe ihn aufgenommen,

und Sie haben zu meinem Eckpunktepapier

gesagt: Ja, wenn es fair zugeht, dann finden

wir eine Lösung.“ Anschließend las Scheuer

nacheinander die sieben Überschriften

aus dem Verbandspapier vor und bejahte

sie nachdrücklich: „Fairer Wettbewerb der

Anbieter – ja! Mein Wort haben Sie: fairer

Wettbewerb der Anbieter!“ Die nächsten

Punkte kommentierte er jeweils mit „Ja,

kann ich unterschreiben!“, wobei die

Menge langsam lauter wurde.

Auch die nächste Stufe der Argumentationslinie

kam vielen bekannt vor: „Wollt

ihr fairen Wettbewerb?“ – und eine Reihe

ähnlicher rhetorischer Fragen, wollt ihr

dies, wollt ihr das, wollt ihr auch am neuen

Großflughafen laden dürfen? Dann ein entscheidender

Punkt: „Die Frage der Rückkehrpflicht

überlasse ich den Städten. Die

Städte müssen entscheiden: ja oder nein.

Und die Städte bekommen die Möglichkeit.

Keiner will ungeregelte, ungerechte, unfaire

Verhältnisse der Personenbeförderung,

wie es in anderen Ländern ist. Keiner will

in Deutschland San Francisco, keiner will

New York, keiner will Los Angeles.“ Dann,

wegen der Lautstärke der Demonstranten

fast schreiend: „Kapieren Sie endlich, dass

ich Sie brauche für die Daseinsvorsorge!

Und ich kämpfe dafür, dass Ihr Gewerbe

geschützt wird […]. Das ist mein Ansinnen,

und das verspreche ich Ihnen auch.

Ich freue mich, dass so viele gekommen

sind, aber akzeptieren Sie auch, dass ich

zu meinen Zusagen stehe, und fangen Sie

nicht immer nur bei null an, sondern gehen

Sie auch darauf ein, dass ich mich bewege,

zum Wohl der Taxiunternehmer, zum Wohl

der Taxifahrer, gegen unfairen und ungeregelten

Wettbewerb, das sage ich Ihnen

heute zu.“

»Ja, mein

Wort haben Sie.«

Andreas Scheuer auf der Taxidemo

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Damit überließ der Minister vor der pfeifenden

und schreienden Menge das Rednerpult

wieder seinem Vorredner Müller.

Dieser erinnerte daran, dass es entscheidend

sei, die Abgrenzung zwischen Taxi

und Mietwagen aufrechtzuerhalten, und

bezog sich auf Scheuers Aussage, die Entscheidung

über die Rückkehrpflicht den

Städten überlassen zu wollen. „Dann heißt

das, Sie lassen im Bundesgesetz die Rückkehrpflicht

drin und stellen es den Kommunen

frei, diese eventuell auszuhebeln und

zu sagen, wir machen das über Schutzzonen.

Das wäre eine Lösung, mit der dieses

Gewerbe einigermaßen leben kann. Das

heißt, Sie verlagern nicht das Risiko, dass

überhaupt etwas passiert, in die Kommunen,

sondern halten erst einmal auf Bundesebene

den Rechtsrahmen so, wie er ist,

aufrecht. Wenn ich Sie da richtig verstanden

habe, dann würde ich Sie jetzt nochmals

um eine klare Antwort bitten, und

dann können wir klären, ob das ein Weg

ist, den wir gemeinsam gehen können.“

Scheuer ließ sich die gewünschte Zusage

mitnichten entlocken, sondern wiederholte

seine Allgemeinplätze über die „fairen

Wettbewerbsbedingungen“. Darauf reagierte

Müller leicht sarkastisch: „Es mag ja

sein, dass ich etwas schwerhörig bin, aber

es fehlt mir hier eine klare Aussage, ,das

Bundesgesetz wird die Rückkehrpflicht

weiter beinhalten und nur den Kommunen

hier Spielräume, davon abzuweichen,

geben‘. Wenn Sie andersrum sagen, ,wir

geben die Rückkehrpflicht weiter auf‘, was

Sie ja vorhaben mit dem Eckpunktepapier,

und erlauben dann den Kommunen etwas

zu tun, dann ist das kein Schutz für uns.

Dann sind wir der Willkür einer Kommune,

die sich hochgradig überfordert fühlt von

diesen Aufgaben, ausgesetzt. Dann ist u

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TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

17


TAXIDEMO IN BERLIN

das keine Lösung für uns und dann wird es

an dieser Stelle keinen Frieden schaffen.“

Müller ließ nicht locker und setzte Scheuer

nochmals die Pistole auf die Brust: „Erklären

Sie hier verbindlich: Sind Sie bereit, die

Rückkehrpflicht im Bundesgesetz weiterhin

zu erhalten – oder wollen Sie hier nur darauf

hinweisen, die Kommunen können ja, wenn

sie weggefallen ist, etwas für uns tun?“

Wieder keine konkrete Zusage aus dem

Mund des Ministers. Da es der strittigste

Punkt sei, sagte er zu, „dass wir über die

Rückkehrpflicht, ob wir es so machen oder

so machen, genau diskutieren. Aber Hintergrund

ist, dass wir die Stadt entscheiden

lassen: ja oder nein“. Das nun lauter

anschwellende Pfeifen und Schreien der

Demonstranten machte es selbst Scheuer

nicht leicht, flüssig weiterzureden: „ … und

damit eine Möglichkeit finden, ortsspezifisch

damit den Bedürfnissen Rechnung zu

tragen. Aber ich lade Sie ein: Wir können

es auch hier austragen, hier beim nächsten

Mal über die Rückkehrpflicht zu reden. Ich

sage Ihnen: Wir werden die Entscheidung

der Städte miteinbeziehen, ja oder nein, und

dann können wir darüber diskutieren, wie

weit wir das ausformulieren. Ausgemacht?“

»WERDEN NICHT AUFGEBEN«

Darauf ließ Michael Müller sich von An dreas

Scheuer die Hand geben und erklärte: „Herr

Minister, die Frage der Städte ist beantwortet:

Der Deutsche Städtetag hat […] genau

verkündet, dass er vom Aufgeben der Rückkehrpflicht

im Bundesgesetz ebenfalls

nichts hält. Das müssen wir nicht noch

zusätzlich diskutieren, sondern es ist eine

ganz klare Sache: Wenn tatsächlich Kommunen

der Meinung sind, sie könnten das

besser regeln, dann können sie das versuchen.

Dann werden wir feststellen, ob es

tatsächlich möglich ist, einem Unternehmer

zu verbieten, am Flughafen einzuladen.

Wir halten das aus verfassungsrechtlichen

Gründen schon für fragwürdig. Aber wenn

es so ist, dass eine Kommune das testet und

hinterher vor Gericht auf die Nase fällt, dann

haben wir wenigstens die Absicherung, dass

dann wieder die Rückkehrpflicht gilt. Und

deswegen sagen wir ganz klar: Im Bundesgesetz

muss die Rückkehrpflicht erhalten

bleiben, und diese Forderung werden wir

auch nicht aufgeben.“

ar

STÄDTE ENTSCHEIDEN SICH GEGEN SCHEUERS PLÄNE

Verkehrsminister Scheuer will die Entscheidung über eine

Rückkehrpflicht nicht mehr im PBefG regeln, sondern den

Kommunen überlassen. Doch er scheint die Rechnung ohne

die Städte gemacht zu haben. „Wir brauchen nicht mehr,

sondern weniger Fahrzeuge auf der Straße.“ Bereits vor

dem Taxi-Aktionstag erteilte der Hauptgeschäftsführer des

Deutschen Städtetags (DST), Helmut Dedy, dem Einsatz von

Pseudo-Taxi-Anbietern in deutschen Städten und den Plänen

aus dem Bundesverkehrsministerium zur „Lockerung“ des

Personenbeförderungsgesetzes eine klare Absage.

Pooling-Fahrten mehrerer voneinander unabhängiger Fahrgäste

zu erlauben oder die Rückkehrpflicht für Mietwagen

abzuschaffen, „halten wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt für

verfrüht“, so Dedy in einem Interview gegenüber der „Westdeutschen

Allgemeinen Zeitung“.

„Es sollten allenfalls Ausnahmen unter klar definierten

Anforderungen zugelassen werden.“ Alle Anbieter von

Verkehrsdienstleistungen müssten „die gleichen sozialen,

ökologischen und qualitativen Standards bei der Vergabe von

Verkehrsdienstleistungen erfüllen“, so Dedy. Da die ausufernden

Angebote der Pseudo-Taxi-Anbieter den Linienverkehr

schwächen, wie unabhängige Studien inzwischen klar gezeigt

haben, dürfe die Funktionsfähigkeit von Bussen und Bahnen

nicht durch eine Änderung des PBefG gefährdet werden.

Helmut Dedy, Hauptgeschäfts führer des Deutschen Städtetags

Somit ist von dieser Seite schon mal klar: Mit den Plänen von

Bundesverkehrsminister Scheuer oder den Vorstellungen der

FDP dürften diese Forderungen nicht vereinbar sein.

FOTOS: Axel Rühle, David Ausserhofer

18

DOPPELAUSGABE JUNI JUNI / JULI / 2019 2019 TAXI TAXI


HEJ TAXI.

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TAXIDEMO IN WIESBADEN

Nach dem Autokorso

versammelten

sich zahlreiche

Taxifahrer zur

Kundgebung vor

der Hessischen

Staatskanzlei.

FÜNFMAL SO VIELE

AUS ZWEI

BUNDESLÄNDERN

Eintausend Taxis hatten sich auf den Weg nach Wiesbaden gemacht.

Dabei bildeten die Frankfurter die große Mehrheit. Der Protest vor der Hessischen

Staatskanzlei wurde auch von den Rheinland-Pfälzern unterstützt.

Hans-Peter Kratz hatte 200 Taxis zur

Demo angemeldet und im Stillen

auf 300 bis 400 Taxis gehofft. Dass

es am Ende über 1.000 wurden, hat den

Vorstand der Frankfurter Taxivereinigung

sehr zufrieden gemacht.

„Es schwingt auch etwas Stolz mit, wenn

man sieht, dass das Taxigewerbe doch

zusammenstehen kann, wenn es ernst

wird“, schreibt Kratz in seiner Publikation

Taxi-Journal“.

„Wir haben der Politik einen kleinen

Vorgeschmack gegeben, was passiert, wenn

man unsere Existenz vernichten will, den

Verbraucherschutz in der Personenbeförderung

in den Mülleimer treten will und

den öffentlichen Personennahverkehr ins

All schießen will.“ Für Kratz sei es nur eine

Frage der Zeit, „bis die Busunternehmen,

die örtlichen Verkehrsgesellschaften und

-Verbünde merken, wo die Reise hingehen

soll, und sich uns anschließen.“

A66 IM ZEICHEN DES TAXIS

Der Stolz des Vorsitzenden lässt sich auch

aus der Reportage zum 10. April in ebenjenem

Taxi-Journal“ rauslesen, die wir an

dieser Stelle – natürlich mit freundlicher

Genehmigung der Taxivereinigung – ungefiltert

übernehmen wollen: „Die Frankfurter

sammelten sich auf Gateway Gardens

und wurden von dort ordentlich geschmückt

nach Wiesbaden geschickt. Die A66 stand

im Zeichen des Taxis. Hellelfenbein brachte

zum Ausdruck: ,Scheuer muss weg.‘ Und

deswegen rückte in Wiesbaden auch die

Scheuerwehr ein, um einen schlimmen Flächenbrand

noch in der Entstehung zu

löschen. Ziemlich schnell waren die Kapazitäten

von Wiesbaden erschöpft und die

Kolleginnen und Kollegen schlugen sich zu

Fuß zum Kranzplatz durch, wo die Glocken

das ,Fünf vor zwölf‘ läuteten.“

An jenem Kranzplatz in Wiesbaden

befindet sich die Hessische Staatskanzlei

FOTOS: Dario, Taxivereinigung, Christos

20 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIDEMO IN WIESBADEN

und dort wiederum haben jene Landespolitiker

das Sagen, die im Falle einer Novellierung

des Personenbeförderungsgesetzes

(PBefG) immer noch ihr Veto einlegen können.

Vor allen Dingen dann, wenn Scheuers

Eckpunkte so in ein neues Gesetz einfließen

und damit insbesondere die Rückkehrpflicht

für Mietwagen abgeschafft wird.

Verschiedene Redner der Kundgebung

hatten Scheuers Eckpunkte scharf kritisiert.

Sie seien ein Vernichtungsschlag

gegen das Taxi, bei dem die Verbraucher

auf der Strecke blieben, sagte beispielsweise

Hans-Peter Kratz. Ufuk Gergin vom

Rhein-Main Taxiverband machte klar, dass

das Personenbeförderungsgesetz ein Verbraucherschutzgesetz

ist. Er sieht die Forderung

nach Digitalisierung der Mobilität

als trojanisches Pferd, um den Konzernen

Marktanteile zu verschaffen. Scheuer sei

ein „politischer Arm der Konzerne“.

PFLICHT ZUR KONTROLLE

Thomas Schmidt vom Landesverband Hessen

verwies auf die verheerenden Folgen in

anderen Ländern, wo man den von Scheuer

geplanten Weg schon gegangen sei, wie

in New York oder London. Eine Gewährleistung

auf Beförderung sei nicht mehr

gegeben, wenn die neuen Mobilitätsdienstleister

als Rosinenpicker das Taxigewerbe

unwirtschaftlich machen. „Rosinenpicken

zu unfairen Preisen, keinerlei Pflichten,

Preisangebote nach Auslastung und Nachfrage

und der Kunde und Taxis bleiben auf

der Strecke. Alte, Kranke, Behinderte und

Schüler haben keine sichtbaren Vorteile

durch die neuen Mobilitätsplattformen“, so

Schmidt. Er forderte wie alle Redner einen

fairen Wettbewerb und sieht die kommunalen

Aufsichtsbehörden in der Pflicht, dies

auch zu kontrollieren.

Frankfurt ist seit Kurzem auch Uber-

Stadt, was die hohe Teilnahme der Frankfurter

Kollegen an der Demo erklärt. Der

Taxifahrer Christos wurde an jenem Tag von

einem RTL-Fernsehteam begleitet. Bei der

Kundgebung ging dann auch Herwig Kollar

von der Taxi Frankfurt eG und als Vertreter

des Bundesverbands auf der Bühne mit

einem Vergleich aus der Tierwelt auf die

Uber-Problematik ein. Vorher wies er darauf

hin, dass die einzige Innovation von Uber der

systematische und vorsätzliche Rechtsbruch

ist. „Wenn man das Uber-Geschäftsmodell

auf die Politik übertragen würde“, so Kollar,

„müsste man die Anzahl der Abgeordneten

verdoppeln und die Diäten halbieren. Dann

bekäme man mehr Politik für weniger Geld.

Und die Abgeordneten müssten für diese

tolle Geschäftsidee 25 % Provision an Uber

bezahlen!“ „Aber“, so Kollar weiter, „der hessische

Verkehrsminister spricht lieber über

das Taxigewerbe als mit dem Taxigewerbe.

Vielleicht handelt er nach dem Motto,

dass man die Frösche nicht fragen darf,

wenn man den Teich trockenlegen will.

Hier soll aber nicht der Teich trockengelegt

werden. Man will vielmehr die Frösche verjagen,

um einer Kröte namens Uber Platz

zu verschaffen. Diese Kröte wird das Taxigewerbe

aber nicht schlucken! Vielleicht

sollte der hessische Verkehrsminister

einen neuen Fahrradweg weniger einweihen

und die so gewonnene Zeit für den Dialog

mit dem Taxigewerbe nutzen.“

Einen kleinen Wermutstropfen hatte die

Veranstaltung dann doch: Obwohl über

1.000 Taxifahrer vor der Staatskanzlei

demonstrierten, ließen sich weder Hessens

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU)

noch der von Kollar so gescholtene grüne

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir auf der

Demo blicken. Lediglich die Landtagsfraktionsvorsitzende

der Linken, Janine Wissler,

mischte sich unter die Demonstranten

und richtete ein paar unterstützende Worte

an die Taxifahrer. Auch aus dem benachbarten

Mainz kam niemand, weder die

rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin

Malu Dreyer noch der vom VDV eingeladene

Verkehrsminister Dr. Volker Wissing

von der FDP.

Kratz stellte nicht zuletzt deshalb klar:

„In Wiesbaden ging rund vier Stunden

nichts mehr, aber man könne auch mal

Frankfurt mit allen Einrichtungen für eine

Woche stilllegen.“ Das sollte übrigens am

23. Mai bei einer weiteren Taxidemo passieren.

Dort richtete sich der Protest aber

nicht mehr nur gegen Scheuer, sondern

gegen die Frankfurter Aufsichtsbehörde,

weil diese nichts gegen die offensichtlichen

Rechtsbrüche von Uber & Co. unternimmt.

Kratz hatte dort vorsorglich 1.000 Taxis

angemeldet (siehe S. 40).

jh

Frankfurter

Taxis auf dem

Weg nach

Wiesbaden.

TAXIDEMO WIESBADEN

1.000 Teilnehmer, darunter

zahlreiche Frankfurter Taxis.

Vermittlungsstopp: Unter Federführung

der Taxizentrale Frankfurt eG

wurden in Frankfurt, Hanau, Offenbach,

Rüsselsheim und Wiesbaden

für zwei Stunden keine Fahrtaufträge

angenommen.

Taxikorso: von der Biebricher Allee

vorbei am Verkehrsministerium zum

Kranzplatz

Kundgebung: vor der Wiesbadener

Staatskanzlei

Redner: Ufuk Gergin, (Rhein-Main

Taxiverband e. V.), Herwig Kollar

(Bundesverband Taxi), Hans-Peter

Kratz (Taxi-Vereinigung Frankfurt

am Main e. V.), Thomas Schmidt

(Landesverband Hessen), Janine

Wissler (Fraktionsvorsitzende der

Linken im Hessischen Landtag)

Medienresonanz: diverse Tageszeitungen,

z. B. „Frankfurter

Rundschau“, „Pfälzischer Merkur“,

„Wiesbadener Tagblatt“

Organisator: Taxivereinigung

Frankfurt mit Unterstützung des

VDV Rheinland

Besonderheit: Aktiv mitgewirkt an

der Demo hatte auch der Verband

VDV Rheinland für Rheinland-

Pfalz. Unter den Taxis waren auch

zahlreiche Koblenzer Kennzeichen

und weiterer Gebiete aus Rheinland-

Pfalz zu sehen.

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

21


TAXIDEMO IN DÜSSELDORF

Impressionen vom Treffpunkt

vor dem Taxikorso.

Am Ende der Demo

parkten die Taxis auf

den Rheinwiesen. Von

dort ging es zu Fuß

zum Landtag.

TAXIS AUS GANZ NRW

Die Tausender-Hürde wurde geknackt: 1.200 Taxis nahmen am Düsseldorfer

Autokorso teil. Imposant waren auch die Aufstellung auf den Rheinwiesen und der

gemeinsame Fußmarsch zur Kundgebung vor dem Landtag.

Statistisch gesehen hat am 10. April

jedes Düsseldorfer Taxi an der

Demo teilgenommen, denn viel

mehr als die 1.200 Fahrzeuge, die hupend

von der Messe zu den Rheinwiesen nach

Oberkassel gefahren sind, hat die Landeshauptstadt

von Nordrhein-Westfalen

gar nicht. Wer aber genau hinsah, konnte

auf den Kennzeichen der Taxis auch

viele andere Städte und Regionen erkennen,

beispielsweise Dortmund, Remscheid,

Münster, Bonn, Duisburg oder auch Wedel,

worüber sich Dennis Klusmeier vom „Gastgeber“

Taxi Düsseldorf eG besonders freute:

„Wenn einer sogar aus Wedel kommt, dann

hat er verstanden, worum es hier geht“,

sagte Klusmeier rückblickend im Interview

mit der Zeitung „Express“.

Natürlich ging es auch in Düsseldorf

um Scheuers Eckpunkte, gegen die man

sich wehren muss, denn die darin geforderte

Abschaffung der Rückkehrpflicht für

Mietwagen belastet nicht nur das städtische

Taxigewerbe, sondern auch die Betriebe im

ländlichen Bereich. Und damit diese Pflicht

im geplanten reformierten PBefG auf keinen

Fall gestrichen wird, haben sich die

1.200 Taxis aus NRW auch nicht mit einem

Taxikorso zufriedengegeben, sondern sind

anschließend auch noch zu Fuß und mit

vielen Trillerpfeifen ausgestattet über die

Rheinbrücke vor den Düsseldorfer Landtag

gezogen. Verstärkung war zu diesem Zeitpunkt

auch aus Köln eingetroffen, wo die

Kölner Kollegen zuvor eine eigene Demo

organisiert hatten.

Während der kompletten Protestaktion

hatte die Taxi Düsseldorf eG ihre Auftragsvermittlung

eingestellt. Da auch viele Taxis

der Rhein-Taxi-Zentrale an der Demo teilgenommen

hatten, wurden auch dort zeitweise

keine Taxis vermittelt. Seit einigen Wochen

ist in Düsseldorf auch der US-Vermittler

Uber am Start. Deshalb waren während

Hauptsache, Taxi.

FOTOS: Kehren, Holger Goldberg, Blume, Taxi-Düsseldorf

22 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIDEMO IN DÜSSELDORF

der Kundgebung und des Fußmarsches in

Richtung Landtag auch immer wieder „Uber

raus!“-Rufe zu hören. Nicht etwa weil man

keinen Wettbewerb verträgt, sondern weil

sich die Uber-Partner mehrheitlich nicht an

die Rückkehrpflicht halten. Dass man diese

nun allen Ernstes abschaffen will, „sehen

die Kollegen als einen Kniefall, als ein Uber-

Willkommensgesetz“, erläutert Klusmeier

gegenüber dem „Express“ die Protest-Motivation

der Tausenden Kollegen. „Versetzen

Sie sich mal in die Situation eines Menschen,

der einen Kredit fürs Auto abzahlen muss,

noch andere Verpflichtungen gegenüber seiner

Familie hat und jetzt anstatt zehn plötzlich

zwölf Stunden oder mehr fahren muss,

um als Unternehmer über die Runden zu

kommen. Da entsteht ganz schöner Druck.

Ängste werden ausgelöst.“

MÜNCHNER GAST-REDNER

Angesprochen wurde das während der

Kundgebung von zahlreichen Rednern, zu

denen als Vertreter des Bundesverbands

Taxi auch das Vorstandsmitglied Frank

Kuhle zählte, der dafür extra aus München

angereist war. Verstanden wurde das

dann auch von den Politikern. Zwar ließen

sich, obwohl von den drei NRW-Taxiverbänden

eingeladen, weder Ministerpräsident

Armin Laschet noch Verkehrsminister Hendrik

Wüst blicken, dafür fand allerdings

Arndt Klocke, Fraktionsvorsitzender der

Grünen im Landtag, klare Worte: „Um in

diesem Land voranzukommen, braucht es

kein Unternehmen wie Uber“, rief er den

Taxiunternehmern zu und versprach, sich

auch für eine Kennzeichnungspflicht für

Mietwagen einzusetzen – eine Forderung,

die der Bundesverband Taxi wenige Tage

vor dem Aktionstag gegenüber der Presse

erneuert hatte.

Solche politischen Zusagen in Kombination

mit einer ausführlichen medialen

Berichterstattung haben das Bewusstsein

in der Bevölkerung von Nordrhein-Westfalen

für die Existenzängste der Taxibranche

sensibilisiert. Die über eintausend protestierenden

Taxiunternehmer und -fahrer

sind deshalb mit einem „Daumen hoch“ am

Nachmittag nach Hause gefahren – alle mit

einer mündlichen Einladung von Dennis

Klusmeier in der Tasche: „Wenn uns nicht

zugehört wird, lade ich euch ein, wieder

hierherzukommen und noch mehr Krach

zu machen.“

jh

TAXIDEMO DÜSSELDORF

1.200 Teilnehmer

Vermittlungsstopp der Taxizentrale

Taxi Düsseldorf eG zwischen 11 und

16 Uhr; Unterbrechung der Auftragsvermittlung

auch bei Rhein-Taxi

Taxikorso: vom Messeparkplatz zu

den Rheinwiesen in Oberkassel;

zu Fuß über die Rheinkniebrücke

zum Platz des Landtags

Kundgebung: vor dem Landtag von

Nordrhein-Westfalen

Redner: u. a. Arndt Klocke (MdL

NRW – Die Grünen), Dennis Klusmeier

(Vorstand Taxi Düsseldorf eG),

Frank Kuhle (Vorstandsmitglied

Bundesverband Taxi)

Medienresonanz: z. B. „Express“,

„Rheinische Post“

Organisator: Taxi Düsseldorf eG,

mit Unterstützung der FV Personenverkehr

Nordrhein, des VSPV und

des Taxiverbands NRW e. V.

Besonderheit: Nach einer eigenen

Demo fuhren die Kölner Taxis zur

Kundgebung nach Düsseldorf

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TAXIDEMO IN KÖLN

WARM-UP AM KÖLNER

DOM VORBEI

Obwohl die Hauptkundgebung für NRW in Düsseldorf stattfand, ließen es

sich die Kölner nicht nehmen, vorab einen eigenen Taxikorso durch die

Domstadt zu organisieren.

Als viertgrößte Stadt Deutschlands

mit knapp 1.200 Taxis wollten die

Kölner nicht nur zahlreich bei der

Kundgebung in Düsseldorf mitmischen,

sondern auch in der eigenen Stadt ein lautstarkes

Signal setzen, dass man gegen die

Eckpunkte von Verkehrsminister Scheuer

ist. Also hatten die Vorstände des Kölner

Taxirufs eine Demo angemeldet, an der 800

Taxis teilnahmen, darunter auch einige aus

Leverkusen, organisiert von der dortigen

Taxizentrale.

Das waren mehr Teilnehmer als erwartet,

trotzdem war die Polizei gut vorbereitet

und geleiteten den laut hupenden Korso

von Deutz über den Rhein in die Altstadt,

wo es am Hauptbahnhof und am Dom vorbeiging,

ehe man sich nach gut zwei Stunden

auflöste, um dann die Kollegen in

Düsseldorf bei deren Demo und Kundgebung

vor dem Landtag von Nordrhein-Westfalen

zu unterstützen.

Auch wenn wie überall in Deutschland

die „Scheuerwehr“ das Motto der Proteste

war: In Köln lag der Fokus ganz klar auf

Uber. Der US-Vermittler stand zu diesem

Zeitpunkt kurz vor dem Start in der Domstadt,

was die Taxifahrer(innen) und

Unternehmer(innen) sehr verunsicherte.

Eva Nohr beispielsweise, die seit 30 Jahren

im Taxi unterwegs und alleinerziehende

Mutter von vier Kindern ist, fürchtet, künftig

arbeitslos zu werden. „Ich habe Angst,

dass Uber jetzt, ähnlich wie in Amerika,

mit Niedrigpreisen den Markt kaputt

machen wird“, wird sie in der „Bild“-Zeitung

zitiert.

Dieser Kölner Kollege

glaubt noch an eine

Zukunft des Taxigewerbes.

TAXIDEMO KÖLN

800 Teilnehmer

Vermittlungsstopp: Der Taxi Ruf

Köln hat die Vermittlung von 10 bis

14 Uhr eingestellt.

Taxikorso: von der Gummersbacher

Straße über die Deutzer Brücke

quer durch die Altstadt, an Dom

und Bahnhof vorbei bis zur Inneren

Kanalstraße;

keine Kundgebung

Medienresonanz: Berichte in allen

Kölner Tageszeitungen

Organisator: Taxi Ruf Köln

Besonderheit: Nach dem Taxikorso

am Vormittag durch Köln fuhren

die Kollegen zur Kundgebung nach

Düsseldorf.

ARBEITSLOSE TAXIFAHRER

Ähnlich äußerte sich auch Stefanie Höller

gegenüber dem „Express“: „Wenn demnächst

jeder Hinz und Kunz Fahrten

machen kann, die auch möglicherweise

nicht versteuert werden, droht vielen seriösen

Taxifahrern die Arbeitslosigkeit. Und

das alles für ein Unternehmen, das in den

USA sitzt und hier nur abkassieren will.“

Thomas Wasserfuhr ist auf Verkehrsminister

Scheuer nicht gut zu sprechen: „Das ist

doch alles Lobby-Arbeit, die da gerade von

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

für Uber geleistet wird“, sagte er ebenfalls

dem „Express“. „Uber soll Wortbausteine

konstruiert haben, die im Koalitionsvertrag

von CDU und SPD wiederzufinden sind. Das

kann doch nicht sein, dass ein Wirtschaftsunternehmen

in die Politik eingreift.“ Sungur

Metehan ließ über den „Express“ an

Scheuer ausrichten, dass man nun deutlich

die Stimme gegen die Pläne erheben werde.

Den Anfang dazu haben sie am 10. April

mit ihrer Doppeldemo gemacht. Auffällig

dabei: Fast alle trugen gelbe Westen.

Erfreulich dabei: In Köln waren die „Gelbwesten“

vernünftig genug, keine Steine zu

werfen und Geschäfte zu verwüsten. jh

FOTOS: Taxi Ruf Köln

24 DOPPELAUSGABE JUNI / JUNI JULI / 2019 TAXI


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TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019


STERNFAHRTEN

BREMEN

COBURG

Zwischen all den demonstrierenden Taxis in Berlin ist

auf diesem Foto auch ein Taxi aus Coburg zu sehen.

Der Unternehmer Michael Höllein fuhr am 10. April aus

dem Norden Bayerns hin und zurück 760 Kilometer. Das

wiederum fand das „Coburger Tageblatt“ so bemerkenswert,

dass man dem Sprecher der Coburger Taxiunternehmer

ein großes Porträt über seinen

Tagesausflug nach Berlin widmete. Höllein

bekam dabei die Chance, die

Argumente aufzuzählen, warum

Scheuers Eckpunkte die Existenz

des Taxigewerbes gefährden.

Und zwar nicht nur in

den großen Metropolen,

sondern auch in einer

fränkischen Kleinstadt.

MÜNSTER

Zur gemeinsamen Fahrt

zur Unterstützung der

Kollegen in Düsseldorf hatte

die Taxizentrale Münster aufgerufen.

Treffpunkt war um

9 Uhr am Taxiplatz Hansa. Fußball

spielte an diesem Tag nur eine Nebenrolle,

stattdessen ging es „im Rhythmus

der Scheuerwehr“ in die NRW-Hauptstadt –

damit das Taxi nicht wie der hier beworbene Fußballclub

irgendwann nur mehr in der 3. Liga spielt, sondern weiterhin

Champions League.

AUFSTELLUNG

ZUR STERNFAHRT

Nicht alle engagierten Taxiunternehmen

und -zentralen haben in ihrer Heimatstadt

demonstriert oder Mahnwachen

abgehalten. Stattdessen organisierten

viele von ihnen Sternfahrten nach Berlin

zur Hauptkundgebung oder in die

Hauptstadt ihres Bundeslandes,

um an der dortigen Demo

teilzunehmen. Hier ein

paar Beispiele:

OLDENBURG

In Bremen engagierte man

sich zweigleisig. Während

sich rund ein halbes Dutzend

Kollegen an der Europa-Allee

zur gemeinsamen

Fahrt und Teilnahme an

der Demo in Hamburg

traf, platzierte die Bremer

Taxizentrale am Bremer

Flughafen an erster

Warteposition ein Oldie-

Taxi mit gut sichtbaren

„Scheuerwehr“-Plakaten.

An Passanten wurden Handzettel

verteilt.

Was sonst als Schlachtruf von Fußballfans für das

Fußball-Pokalfinale gesungen wird, machte sich am

10. April Thomas Kersten zum Motto. Von Oldenburg nach

Berlin bedeutete für Kersten: 900 Kilometer an einem Tag.

FOTOS: Michael Höllein, Kersten, Kehren, Heuermann, Timur, Taxi Dortmund eG, GVN, Uwe Franz

26

DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


STERNFAHRTEN

LEIPZIG

Der Landesverband Sächsischer Taxi- und

Mietwagenunternehmer hatte sich gegen

eine eigene Veranstaltung entschieden und

stattdessen gemeinsam mit den Taxizentralen

zur Sternfahrt nach Berlin aufgerufen. Mindestens

zwei Dutzend Leipziger Taxis trafen sich

am Messegelände und fuhren von dort 186 Kilometer

über die A9 in die Hauptstadt, von wo es

dann vom Ostbahnhof im (einzigen geordneten)

Taxikorso zum Brandenburger Tor ging.

DORTMUND

In Dortmund hatte die Zentrale Taxi

Dortmund eG einen Abfahrtsort

zur Taxidemo nach Düsseldorf

bestimmt. Morgens um halb zehn trafen

sich 80 Taxiunternehmer und

-fahrer auf dem Halteplatz des Westfalenstadions

zur Beflaggung ihrer

hellelfenbeinfarbenen Fahrzeuge

und machten sich dann – als „Scheuerwehr“

gekennzeichnet – auf den

Weg nach Düsseldorf.

DUISBURG

Wo sich normalerweise Fußballfans

des MSV Duisburg treffen,

sammelten sich am 10. April Taxis aus

Duisburg und Mühlheim. Kollege Timur

von der Taxizentrale 6x3 und sein

Unternehmerkollege Stephany hatten

die Gemeinschaftsaktion organisiert.

Ziel: Teilnahme an der Düsseldorfer

Demo und Kundgebung.

NIEDERSACHSEN

Da man in Hannover erst wenige Tage vor dem 10. April

eine beachtenswerte Taxidemo durchgeführt hatte (siehe

Seite 12), rief der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen

(GVN) e. V. für den eigentlichen Taxiaktionstag zur

gemeinsamen Sternfahrt nach Berlin auf. Treffpunkt war die

Raststätte Helmstedt Süd an der A2. Die ersten Taxis trafen um

8.30 Uhr ein und nach einem Gruppenfoto ging es dann los.

Manch ein Autofahrer der A2 dürfte sich an diesem Tag gewundert

haben, dass so viele Taxis brav hintereinander über die

Autobahn fuhren. 190 Kilometer später reihte man sich in Berlin

am Olympischen Platz zwischen den Berliner Kollegen ein –

und hatte dann leider das Pech, aufgrund des chaotischen

Korsoverlaufs nicht mehr rechtzeitig zur Kundgebung am Brandenburger

Tor anzukommen. Der Unternehmer Fabian Hoffmann

zog gegenüber Taxi Times trotzdem ein positives Fazit:

„Ein gelungener Tag! Wir sind stolz, aus Niedersachsen ein Teil

der Riesengemeinschaft gewesen zu sein und die Mega-Eindrücke

live mitbekommen zu haben.“

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

27


TAXIDEMO IN DRESDEN

Verkehrsminister

Martin Dulig

Einmal Flughafen, bitte:

Am 10. April bestimmten

164 Taxis aus Dresden ausnahmsweise

einmal selbst das Ziel ihrer Fahrt.

DRESDNER

FAHRER-INITIATIVE

Anders als in den anderen Städten wurde Dresdens Taxikorso ausschließlich

von engagierten Fahrern organisiert. Doch das war nicht die einzige Besonderheit

aus Sachsen.

Weil sich die Taxizentrale und

der Landesverband Sächsischer

Taxi- und Mietwagen

für eine Sternfahrt zur Hauptdemo nach

Berlin entschieden hatten, nahmen ein paar

Fahrer das Heft für eine lokale Taxidemo

selbst in die Hand. Alex Noack und Kollegen

hatten einen Taxikorso angemeldet, der

vom Dresdner Parkplatz für Fernbusse zum

Flughafen und wieder zurück führte. „Vorbei

an etlichen Knotenpunkten und natürlich

auch am Landtag“, berichtete Stefan

Thurm gegenüber Taxi Times. „Start war

bereits um 8 Uhr morgens und um

10.30 Uhr waren wir leider schon durch“,

schrieb der Taxifahrer Robert Schneider.

Taxifahrer Dominik hatte am Sammelpunkt

zu Beginn noch die teilnehmenden Taxis

gezählt, „aber bei 116 habe ich den Überblick

verloren“. Dafür hatte die Polizei

genau hingeschaut und später 164 Taxis

als genaue Teilnehmerzahl vermeldet.

Die gute Resonanz lag auch daran, dass

etliche Kollegen aus der Umgebung ebenfalls

in die Elbstadt gekommen waren. So

wie Dominik aus Radebeul oder andere Kollegen

aus Radeburg oder Pirna. Sie alle

waren am frühen Vormittag lautstark in

Dresden zu hören – was dann auch bereits

am Mittag zu einer ersten offiziellen Stellungnahme

aus dem Büro des Verkehrsministers

führte. Martin Dulig (SPD) bezog

per Pressemeldung Stellung und versprach

Unterstützung für die Taxibranche. „Ich

stehe an der Seite der Taxifahrer. Wenn wir

über eine Liberalisierung des Marktes

reden, dann müssen klare Bedingungen

erfüllt sein, welche die bisherigen Vorschläge

des Bundesverkehrsministers aber offenlassen.

Das bestehende Taxigewerbe darf

nicht benachteiligt werden, denn es ist ein

wichtiger Bestandteil unseres ÖPNV-Systems.“

DULIG DENKT AN DIE SENIOREN

Dulig weiß um die Qualität der Taxibranche

und er kann genau einschätzen, wie wichtig

eine Beförderungspflicht beispielsweise

gegenüber den Senioren ist: „Viele, vor

allem ältere Menschen, sind auf eine Beförderung

auf kurzen Strecken oder auch im

ländlichen Raum angewiesen. Eine Rosinenpickerei

für neue Anbieter, wie man sie

in anderen Ländern bereits beobachten

kann, darf es nicht geben. Dass die ökonomisch

weniger attraktiven Fahrten dann

ausschließlich von den bisherigen Taxis

gefahren werden müssten, in den Innenstädten

aber das Geschäft mit Dumpingpreisen

durch neue Anbieter erschwert

wird, würde den künftigen Wettbewerb

sofort verzerren. Eine entsprechende

gesetzliche Regelung ist zwingend.“ jh

TAXIDEMO DRESDEN

164 Teilnehmer

kein Vermittlungsstopp

Taxikorso: vom Busparkplatz

Ammonstraße zum Flughafen

und zurück;

keine Kundgebung

Medienresonanz: Bericht u. a. auf

Tag24.de

Organisator: Dresdner Taxifahrer

Besonderheit: Autokorso wurde angemeldet

und durchgeführt aufgrund

einer Eigeninitiative von Dresdner

Taxifahrern und -unternehmern.

FOTOS: Stefan Thurm, Yvette Mierell, privat, Thomas Tonnhofer, Yvette Mierell, Götz Schleser

28 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIDEMO IN AUGSBURG

ZWEI DRITTEL

PROTESTIERTEN

In Augsburg haben sich exakt 138 Taxis mit einer

Demofahrt an den Protesten beteiligt. Das belastete

dort vor allen Dingen den öffentlichen Nahverkehr.

Augsburger Taxis

fuhren im Korso zum Rathaus.

FOTOS: Taxi Augsburg eG

Die Polizei schien genau mitgezählt

zu haben, denn als offizielle Teilnehmerzahl

wurden exakt

138 Taxis angegeben. Das klingt nach

wenig, entspricht aber rund zwei Drittel

aller Augsburger Taxis. Dementsprechend

zufrieden zeigten sich die verantwortlichen

Vorstände und Aufsichtsräte der Taxi Augsburg

eG. Mehmet Özdemir, Aufsichtsratsvorsitzender,

freute sich beispielsweise

über „die positive Resonanz seiner Kollegen

und ihre Bereitschaft, die Stimme öffentlich

zu erheben“.

Die Taxis waren im Korso um die Mittagszeit

am Kulturpark West gestartet und

über den Hauptbahnhof zum Rathaus

gefahren. Das führte speziell im verkehrsberuhigten

Innenstadtbereich zu Einschränkungen

bei den städtischen Bus- und

Straßenbahnlinien, die Verspätungen von

bis zu 45 Minuten hinnehmen mussten.

Sich als Alternative ein Taxi zu bestellen,

fiel allerdings auch aus: Die Zentrale hatte

ihre Vermittlung für die Dauer der Demo

eingestellt.

Am Rathaus postierten sich die Taxikollegen

anschließend zu einer Mahnwache und

informierten die Bevölkerung sowie die

Medien per Handzettel. „Chancengleichheit

und Konkurrenz für alle, aber mit gleichen

Bedingungen“, forderte Mehmet Özdemir.

TAXIDEMO AUGSBURG

138 Teilnehmer

Vermittlungsstopp der Taxizentrale zwischen

12.15 Uhr und 14 Uhr

Taxikorso: vom Exerzierplatz bis zum Rathaus,

Mahnwache vor dem Rathaus

Medienresonanz: diverse Tageszeitungen

und Onlineportale, z. B. „Augsburger Allgemeine“

und der BR

Organisator: Taxi Augsburg eG

Besonderheit: Augsburgs Verkehrsbürgermeisterin

Eva Weber (CSU) spricht sich hinterher gegen

eine Aufhebung der Rückkehrpflicht aus.

VETO DER STADT

Die „Augsburger Allgemeine“ fragte bei der

Stadt nach, wie man sich denn bezüglich

der Rückkehrpflicht positioniere, und

bekam von der zuständigen Wirtschaftsbürgermeisterin

Eva Weber, immerhin der

gleichen Partei zugehörig wie Andreas

Scheuer, ein klares Statement: „Die Taxler

dürfen – bildlich gesprochen – nicht an die

Wand fahren. Sollte Scheuer seine Ankündigung

wahr machen, müssten in Augsburg

Mietwagen weiterhin in ihre Basis zurückkehren,

solange kein Folgeauftrag vorliegt.“


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TAXIDEMO IN STUTTGART

SCHWÄBISCHE

POLITIK-

IGNORANZ

400 Taxis hatten sich auf Demo-Fahrt

durch die Stuttgarter Innenstadt

begeben. Darunter auch Fahrzeuge aus

Mannheim und Karlsruhe. Die Politik

ignorierte das, aber die Medien waren

umso präsenter.

Schade: Viele Hundert schwäbische Taxiunternehmer und -fahrer vor

der Bühne, aber keine Politiker auf der Bühne.

In der schwäbischen Hauptstadt hatten

die Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart (TAZ)

und der Stuttgarter Taxiverband ihren

Autokorso bereits für 10 Uhr angesetzt.

Was zur Folge hatte, dass die Karlsruher

und Mannheimer Taxiunternehmer, die

sich ebenfalls an der Protestaktion beteiligen

wollten, schon sehr früh aufstehen

mussten. In Karlsruhe versammelte man

sich bereits um Viertel vor sieben auf dem

Messeplatz. In Mannheim sogar schon

TAXIDEMO STUTTGART

400 Teilnehmer

Vermittlungsstopp: zwischen 9.30

und 12 Uhr

Taxikorso: vom Cannstatter Wasen

bis zum Karlsplatz

Kundgebung: am Schlossplatz,

ohne politische Beteiligung

Medienresonanz: Bericht u. a. im

ARD/ZDF-„Morgenmagazin“ und in

den „Stuttgarter Nachrichten“

Organisator: Taxi-Auto-Zentrale

Stuttgart (TAZ) und der Stuttgarter

Taxiverband

Besonderheit: Die Mannheimer und

die Karlsruher Taxizentralen hatten

gemeinsame Fahrten nach Stuttgart

organisiert.

15 Minuten früher an der SAP Arena. Dort

wartete aber bereits das Fernsehen auf die

Frühaufsteher. Ein Reporter des gemeinsam

von ARD und ZDF ausgestrahlten „Morgenmagazins“

(MoMa) interviewte gleich mal

Wolfgang Hazemann von der Taxi-Zentrale

Mannheim. Dadurch wurde ganz Deutschland

schon zum Frühstück informiert, dass

und warum an diesem Tag in vielen Städten

Taxiproteste laufen würden. Es sollte nicht

der einzige Fernsehbeitrag über den Taxiaktionstag

bleiben.

UM HALB SIEBEN IM ZDF

Begleitet vom „MoMa“-Reporter, und zwischendurch

auch noch mal live auf Sendung,

kamen die Mannheimer – ebenso wie

die Karlsruher – pünktlich am Cannstatter

Wasen in Stuttgart an und mischten sich

dann dort unter die vielen Stuttgarter und

die sonstigen schwäbischen Kollegen.

Laut hupend und im Schritttempo ging

es dann Richtung Hauptbahnhof und über

die Paulinenbrücke zum Karlsplatz, wo die

Taxis geparkt wurden. Zu Fuß machte man

sich dann auf den Weg zum Schlossplatz,

wo die Tribüne für die Abschlusskundgebung

aufgebaut worden war.

Hier machten die Redner noch einmal

das deutlich, was man vorher in Einzelinterviews

auch gegenüber der zahlreich

erschienenen Presse schon zu Protokoll

gegeben hatte. „Die Aufhebung der Rückkehrpflicht

verzerrt die Auflagen zwischen

Taxi und Mietwagen dahingehend, dass

Taxis über kurz oder lang aufgeben müssen“,

sagte Alexander Bierig von der TAZ

Stuttgart. „Die Stuttgarter Taxiunternehmer

fordern daher, dass diese Aufhebung

der Rückkehrpflicht nicht vollzogen wird“,

so Bierig weiter. Gleichzeitig kritisierten

Verband und Taxizentrale die Abschaffung

der Ortskundeprüfung für Mietwagenfahrer

aus dem Jahr 2017 und forderten deren

Wiedereinführung. Zudem wolle man als

Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs

anerkannt werden und unter fairen und

gleichen Bedingungen agieren.

Bedauerlicherweise waren keine örtlichen

Politiker der Einladung zur Kundgebung

gefolgt, sodass ausschließlich

Gewerbevertreter bei der Kundgebung das

Wort ergriffen. Umso wichtiger war, dass

die Botschaft des Tages nicht nur an die

Politik gerichtet war, sondern auch direkt

an die Fahrgäste: „Wir wollen vor allem der

Bevölkerung und unseren Kunden klarmachen,

was für Probleme auf sie in den

nächsten Jahren zukommen werden, wenn

dieses Gesetz nicht verhindert wird“, klärte

Bierig im Fernsehen auf. „Es werden die

Qualität, der Service und die Verfügbarkeit

sinken und die Preise werden je nach

Marktlage massiv steigen.“

jh

FOTOS: Stuttgarter Taxiverband, Sandra Safak, Taxizentrale Mannheim, Stuttgarter Taxiverband

30 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TAXIDEMO IN SAARBRÜCKEN

EIN VIERTEL IM SAARLAND

In Deutschlands kleinstem Bundesland wurde es am 10. April richtig laut.

Rund 25 Prozent aller saarländischen Taxis hatten sich zur Demo in Saarbrücken

versammelt.

FOTOS: Paul Rupp, Schneider

Sie hatten sich um 11 Uhr an der

Saarlandhalle getroffen und waren

von dort im Korso quer durch die

Innenstadt bis zur Staatskanzlei gefahren.

Begleitet wurden sie dabei vom Saarländischen

Rundfunk (SR). „Wir befürchten,

dass eine Verschiebung des Marktes stattfinden

wird und dass wir nicht im fairen

Wettbewerb miteinander konkurrieren

können“, berichtete Steve Schneider, Taxiunternehmer

und Vorstandsmitglied der

Saarbrücker Taxizentrale, dem SR. „Das

Taxigewerbe ist sowieso schon ruinös“,

ergänzt Schneiders Kollege Arno Krug.

„Wenn das (Scheuers Eckpunkte, Anm.

der Redaktion) passieren wird, können wir

unseren Laden dichtmachen.“

Bei der Abschlusskundgebung vor der

Staatskanzlei gab es dann auch bereits

erste Solidaritätsbekundungen seitens der

Landesregierung. Der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär

Jürgen Barke (SPD)

kündigte dort Hilfe an. Die Taxifahrer

müssten fair behandelt werden. Die Rückkehrpflicht

der Mietwagen werde nicht

ohne Bedingungen abgeschafft. jh

Andächtig verharren saarländische Taxikollegen

vor den letzten Überbleibseln ihres

Gewerbes.

TAXIDEMO SAARBRÜCKEN

140 Teilnehmer

kein Vermittlungsstopp

Taxikorso: von der Saarlandhalle bis

zur Staatskanzlei.

Kundgebung: vor der Staatskanzlei

am Ludwigsplatz

Redner: u. a. Jürgen Barke (SPD,

Wirtschaftsstaatssekretär Saarland),

Udo Engelmann (Vorsitzender der

Saarbrücker Taxizentrale 33033),

Hartwig Schmidt, (GF Landes verband

Verkehrsgewerbe Saarland –

LVS e. V.)

Medienresonanz: u. a. Saarländischer

Rundfunk und „Saarbrücker

Zeitung“

Organisator: Landesverband Verkehrsgewerbe

Saarland (LVS) e. V.

Besonderheit: Mit 140 Teilnehmern

hat sich rund ein Viertel aller

saarländischen Taxiunternehmer

beteiligt.

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TAXIDEMO IN HAMBURG

HAMBURG: ZAHLREICH,

KREATIV, MULTIMEDIAL

Mit 600 demonstrierenden Taxifahrern hatten selbst die Hamburger Optimisten

nicht gerechnet. Die Hansestadt präsentierte eine lautstarke und multimedial

gestreute Protestaktion – leider auch mit zwei Wermutstropfen.

Hamburgs Vorbereitungen zur Taxidemo

wirkten zu Beginn etwas

zögerlich, die Organisatoren wussten

nicht so recht, ob die angemeldeten

Taxis auch wirklich teilnehmen würden.

Doch dann wurde es am Sammelplatz in

der Glacischaussee immer voller. Als die

Demofahrt zur SPD-Parteizentrale gegen

12 Uhr losging, fuhren 600 Taxis hupend

durch die Stadt.

Dass es weit mehr Taxis wurden als vom

Veranstalter – der Hamburger Taxen-Union

– erwartet, lag auch an der breiten Solidarität

des Nachbar-Bundeslandes Schleswig

Holstein. Taxis aus Rendsburg und Lübeck

und woanders wurden gesichtet. Der Landesverband

für das Taxi -und Mietwagengewerbe

Schleswig-Holstein e. V. hatte

anstelle einer eigenen Aktion in Kiel dazu

Hamburgs Taxi unternehmer haben das

Wortspiel „Scheuerwehr“ auch symbolisch

aufgegriffen.

aufgerufen, die Kolleginnen und Kollegen

in Hamburg zu unterstützten. Auch die Bremer

Kollegen waren einem solchen Aufruf

des dortigen Taxiverbands gefolgt. Sie alle

mischten sich in die Taxikolonne, auch ein

Crown Victoria und sogar ein ausrangiertes

Feuerwehr-Auto, dessen „Scheuerwehr“-

Spruchbänder den Slogan des bundesweiten

Aktionstages auch bildlich verstärkte.

#WIRSINDVIELE

Neben dem symbolischen Bild gab es

auch reichlich Live-Bilder von der Demo

zu sehen. Eine Teilnehmerin hatte unter

dem Hashtag #wirsindviele auf Instagram

gepostet, dazu konnte dank Svenja Alicia

Block über Facebook fast eine Stunde lang

live mitgesehen und vor allem mitgehört

werden.

Der Pressesprecher Claus Hönig von

Hansa Funk und der Taxen-Union hatte

schon im Vorfeld dafür gesorgt, dass die

Vorankündigung der Hamburger Demo

über die Deutsche Presse-Agentur (dpa)

platziert wurde, sodass nahezu alle relevanten

Medien die Demo sowohl ankündigten

als auch hinterher darüber berichteten.

Wie in ganz Deutschland stand auch in

Hamburg das Motto „Unsere Taxis + unsere

Jobs = deine Mobilität“ im Blickpunkt. Und

während in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt

oder München dabei ein enger Bezug zu

Uber hergestellt wurde, ging es in Hamburg

um die Auswirkungen des Shuttledienstes

Moia. Die VW-Tochter sei eher dazu da,

Leute von Bussen und Bahnen abzuhalten,

argumentierten die Demo-Veranstalter.

„Der Konzern bedroht mit seinem Angebot

das Taxigeschäft.“ Moia wurde in Hamburg

trotz Proteste der Taxibranche genehmigt,

TAXIDEMO HAMBURG

1.200 Teilnehmer

kein Vermittlungsstopp

Taxikorso: von der Glacischaussee

zur Kurt-Schumacher-Allee

Kundgebung: vor der SPD

Parteizentrale

Redner: u. a. Christian Brüggmann

(Hamburger Taxen-Union), Peter Zander

(Landesverband Bayerischer Taxiund

Mietwagen-Unternehmen e. V.)

Medienresonanz: diverse Tageszeitungen

und Fernsehsender

Organisator: Taxen-Union Hamburg

Hansa e. V.

Besonderheit: Unterstützung durch

zahlreiche Taxis aus Bremen und

Schleswig Holstein

allerdings unter hohen Auflagen. Das hätte

ein Redner aus der Behörde vielleicht auch

auf der Kundgebung erklären können, aber

bedauerlicherweise hatte niemand die

Einladung dazu angenommen.

Unter den demonstrierenden Taxifahrern0

waren übrigens auch viele mytaxi-

Partner, obwohl der App-Vermittler sich

wie überall in Deutschland von der Demo

ausdrücklich distanziert hatte. Um trotzdem

in die mediale Berichterstattung

aufgenommen zu werden, hatte die Daimler-Tochter

genau am 10. April per Pressemeldung

den Start von mytaxi-Fahrten

(match) zum Festpreis angekündigt. Diese

Kuckucksei-Taktik ging auf, in den Medienberichten

zur Demo tauchte so auch

mytaxi auf.

jh

FOTOS: M. Shark, TE Taxiteile Hamburg, Markus Gomolka,

32 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


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TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

taxi-deutschland.net


MAHNWACHEN

»LET’S GET LOUD«

IN LÜNEBURG

Spinnweben am Taxi: eine düstere, aber

realistische Zukunftsprognose, wenn

Scheuers Eckpunkte umgesetzt werden.

Plötzlich wurde es laut Am Sande, dem

zentralen Platz in Lüneburg. Blinkend und

mit eingeschalteter Alarmanlage fuhren

zwei Taxis auf den Platz. Ein Überfall? Im

übertragenen Sinne, ja, denn Scheuers

Pläne für eine Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes

wären ein drastischer

Übergriff auf die Existenz der

Taxifahrer. Auch in kleineren Städten wie

Lüneburg.

Deshalb haben sich auch rund 50 Lüneburger

Taxiunternehmer und -fahrer

an einer Mahnwache beteiligt. Zuerst

Am Sande, wo man nach dem lauten

Eintreffen Infoflyer an die Passanten

verteilte. Im Radio lief derweil „Let’s

get loud“ in Dauerschleife. Wenig später

fuhr man gemeinsam zum Marktplatz,

wo man die Taxis mit Spinnweben und

Friedhofskerzen „schmückte“ und so das

sterbende Taxi symbolisierte. Da die lokale

Zeitung bereits am Wochenende vorher

einen ausführlichen Bericht gebracht

hatte, kamen die Kollegen am Tag mit den

Passanten und auch an den Tagen danach

mit den Fahrgästen gut ins Gespräch. jh

MAHNWACHE LÜNEBURG

50 Teilnehmer

kein einheitlicher Vermittlungsstopp,

da sich eine von drei Zentralen

aktiv dagegen entschieden hat.

Spontanaktion: Anfahrt mit Taxialarmanlage

Am Sande, anschließend

Aufklärung der Passanten im

persönlichen Gespräch

Mahnwache am Marktplatz: Symbole

eines sterbenden Taxis (RIP,

Spinnweben, Friedhofskerzen)

Medienresonanz: Vorberichterstattung

mit Titelstory am

Wochenende vorher

Organisatoren: die beiden Taxiunter

nehmer Sebastian Glor und

Stefan Rüter

Besonderheit: Um trotz Absage

einer Zentrale Fahrzeuge bei der

Demonstration dabeizuhaben,

kamen Fahrer der Firmen während

ihrer Freizeit.

VON TAXIS EINGEKREIST

Während in der Bundes- und in den Landeshauptstädten

Tausende Taxis hupend

durch die Straßen fuhren, lief in der

70.000-Einwohner-Stadt Celle in Niedersachsen

alles zwar ein wenig kleiner, aber

keineswegs unspektakulärer ab. Rund

100 Kollegen waren mit ihren 50 Taxis zur

Mahnwache erschienen und hatten dem

farblosen, weil wegen Renovierung eingehüllten

Schloss so einen Farbtupfer in Hellelfenbein

mit gelben Signalspritzern

spendiert.

„Celler Schloss, es wird voll“, schrieb

der Taxiunternehmer Sebastian Ringler, als

er in der Taxi Times-WhatsApp-Gruppe um

kurz vor 14 Uhr ein erstes Foto postete. Mit

dieser Beteiligung hatten die Veranstalter

nicht gerechnet, auch wenn man vorsorglich

per Pressemitteilung die Celler Einwohner

gewarnt hatte: Es wird eine große

Zahl Taxis in der Zeit von 13 bis 15 Uhr

nicht zur Fahrgastbeförderung zur Verfügung

stehen, viele Taxistandplätze werden

in dieser Zeit verwaist sein. An der Aktion

hatten sich große und kleinere Taxibetriebe

und auch die Taxizentrale der TFR Taxen-

Funk-Ruf GmbH beteiligt.

jh

Einen solchen Blick auf ihr Schloss hatten die

Celler Einwohner und die Touristen sicherlich

noch nie.

MAHNWACHE CELLE

100 Teilnehmer

Vermittlungsstopp: zwischen 13 und

15 Uhr bei der Celler Taxizentrale

TFR Taxen-Funk-Ruf GmbH sowie

anderen Vermittlern und Einzelunternehmern.

In diesem Zeitraum

wurden auch keine Halteplätze

bedient.

Mahnwache: zwischen 14 und

14.30 Uhr am Celler Schlossplatz

Medienresonanz: u. a. „Celle Heute“

Organisatoren: TFR Taxen-Funk-Ruf

GmbH

Besonderheit: Zwei Celler Taxis

fehlten am Schloss. Sie waren nach

Berlin gefahren, um die Aktion in der

Hauptstadt zu unterstützen.

FOTOS: privat, Celler Taxiunternehmen

34 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


MAHNWACHEN

HUNDERT VOR DER MÜNCHNER

CSU-PARTEIZENTRALE

Sie versammelten sich dort zur Mahnwache

bei jener Partei, aus deren Reihen auch der

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

stammt. Mit Protestplakaten und Handzetteln

konnte man dort zahlreiche Passanten

von der Gefahr der aktuellen Scheuer-Pläne

überzeugen. Eine Aufhebung der Rückkehrpflicht

bedeutet eine Existenzgefährdung

des Taxigewerbes, wovon laut Organisator

Florian Bachmann vom Taxiverband München

rund 12.000 Menschen in der Stadt

betroffen wären. Eine Stadt ohne funktionierendes

Taxigewerbe schränkt wiederum

die Mobilitätschancen der Bevölkerung

massiv ein.

Viele Passanten haben das verstanden, nur

Politiker und Mitarbeiter aus der CSU-Parteizentrale

konnten – obwohl unmittelbar

vor ihrer Tür – nicht überzeugt werden. Sie

mieden das persönliche Gespräch, berichtete

der enttäuschte Münchner Unternehmer

Gregor Beiner gegenüber Taxi Times.

Vielleicht war das der Grund, warum

rund 20 Kollegen irgendwann während der

rund zweistündigen Mahnwache beschlossen,

mit ihren Taxis spontan und laut

hupend durch die kleine Seitenstraße der

Parteizentrale zu fahren und so gegenüber

der Münchner CSU auf ihr Anliegen aufmerksam

zu machen. Das war so weder

MAHNWACHE MÜNCHEN

Circa 110 Teilnehmer

kein Vermittlungsstopp

Mahnwache vor der Parteizentrale

der Münchner CSU in der Parkstadt

Schwabing

Medienresonanz: u. a. Radio Arabella

Organisatoren: Taxiverband München

(TVM) mit Unterstützung der beiden

Taxizentralen Taxi München eG

und IsarFunk

Besonderheit: kurzer spontaner

Konvoi mit ca. 20 Taxis unmittelbar

vor der Parteizentrale

FOTOS: TVM, Rainer Männicke Taxi München

Frustrierende

Ignoranz:

Bei der Mahnwache

vor der

Münchner CSU-

Parteizentrale

vermieden die

angesprochenen

Parteimitglieder

und -mitarbeiter

jeglichen Kontakt.

angemeldet noch vorgesehen, machte der

Münchner CSU aber sehr eindringlich deutlich,

dass man mit Ignoranz gegenüber dem

Münchner Taxigewerbe die Proteste keinesfalls

zum Verstummen bringt, sondern

damit nur noch lautere Aktionen hervorruft.


jh

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MAHNWACHEN

AB IN DIE TONNE

Mit solchen Eckpunkten kann man Dachzeichen

gleich in die Mülltonne werfen.

Für eine besondere Protestaktion hatten

sich am 10. April zwischen der Kirche St.

Sebald und dem Rathaus Taxifahrerinnen

und Taxifahrer aus Nürnberg und Fürth

zusammengefunden. Unter dem Motto

„Scheuer macht das Taxi kaputt – Taxifahrer

werfen ihr Taxischild in die Tonne!“ warfen

sie symbolisch ihr Taxi-Dachzeichen in

die Mülltonne. Sie wollten damit zeigen,

dass ohne fairen Wettbewerb ihre Arbeit

nichts wert ist und was bei der Umsetzung

des Eckpunktepapiers von Verkehrsminister

Scheuer alles auf dem Spiel steht.

Ein Infostand der Taxi Nürnberg eG

informierte darüber hinaus die Passanten,

welche Auswirkungen das auf sie als Kunden

hat, z. B. über die freie Preisgestaltung

des Wettbewerbers Uber, der bei geringer

Nachfrage die Tarife senkt, um dann in

Stoßzeiten das Mehrfache zu verlangen.

Unterstützung haben die Taxifahrer

auch vom Branchenverband des Öffentlichen

Verkehrs Nürnberg erhalten. Die

Kollegen meinten, dass der bundesweite

Aktionstag der Taxifahrer großen Respekt

verdient. Das Taxigewerbe werde mit unfairen

Mitteln angegriffen.

eg

MAHNWACHE NÜRNBERG

215 Teilnehmer

Vermittlungsstopp der Zentrale von

14 bis 14.30 Uhr

Mahnwache: von 14 bis 15 Uhr in der

Innenstadt

Medienresonanz: „Nürnberger

Nachrichten“

Organisator: Taxi-Zentrale Nürnberg

und der Landesverband Bayerischer

Taxi- und Mietwagenunternehmer

Besonderheit: Die Idee, symbolisch

Taxi-Dachzeichen in der Mülltonne

zu entsorgen, wurde bei den späteren

Mahnwachen in vielen Städten

übernommen.

ERLANGER SARGWACHE

auch an diesem Tag zu spüren. Zwischen

12 und 13 Uhr gab es keine Auftragsvermittlung,

nur die wichtigen Kranken- und

Notfallfahrten fanden statt. Sonst hätten

sich die Erlanger Taxifahrer wahrscheinlich

sogar zu 100 Prozent beteiligt. jh

Fast alle Erlanger Taxiunternehmer haben sich an der Mahnwache beteiligt.

74 Taxis hat Erlangen und 67 davon hatten

sich am 10. April zur Mahnwache auf

dem Erlanger Rathausplatz versammelt.

Die Taxiunternehmer und -fahrer waren

an diesem Tag ein echter Hingucker. Zum

einen, weil sie knallgelbe Warnwesten trugen,

die sie auch später, als sie längst wieder

im Dienst waren, noch trugen.

Zum anderen, weil sie zusätzlich zu den

„Scheuerwehr“-Plakaten, die man beim

Taxiaktionstag in ganz Deutschland lesen

konnte, einen großen Sarg platziert hatten,

auf dessen Deckel ein Taxi-Dachzeichen

montiert war.

Was es bedeutet, wenn die Taxibranche

durch Scheuers Eckpunkte einmal beerdigt

sein wird, machten die Protestler mit

Handzetteln gegenüber den Passanten

und Kunden deutlich. Einen kleinen Vorgeschmack

bekamen die Fahrgäste denn

MAHNWACHE ERLANGEN

65 Teilnehmer

Vermittlungsstopp der Zentrale von

12 bis 13 Uhr

Mahnwache: von 13 bis 15 Uhr auf

dem Rathausplatz

Medienresonanz: „Nürnberger

Nachrichten“

Organisator: Taxi-Zentrale Erlangen

und der Landesverband Bayerischer

Taxi- und Mietwagenunternehmer

Besonderheit: Taxisarg

FOTOS: Christian Liss, Taxi Erlangen

36 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


MAHNWACHEN

STILLSTAND AM STANDPLATZ

Sie planten als Erste und blieben am

längsten. Schon kurz nachdem der Bundesverband

Taxi den 10. April als bundesweiten

Taxiaktionstag festgelegt hatte,

meldeten die Ingolstädter Kollegen eine

Mahnwache an. Am Rathaus haben die

Die Taxi-Botschaft an die Ingolstädter Bürger

war an diesem Tag nicht zu übersehen.

Taxikollegen den dortigen Halteplatz von

10 bis 18 Uhr (!) zweckentfremdet. Zwar

standen dort Taxis, aber sie beförderten

keine Fahrgäste. Es wäre aus Sicherheitsund

Sichtgründen auch gar nicht möglich

gewesen, denn die Fahrzeuge waren an den

Scheiben mit Protestplakaten zur „Scheuerwehr“

beklebt.

Doch damit nicht genug: Auch die Kolleginnen

und Kollegen waren zu lebenden

Litfaßsäulen mutiert und hatten die

Plakate mit den bundesweit einheitlichen

Slogans an ihren Jacken befestigt: „Unsere

Taxis + unsere Jobs = deine Mobilität.“

Parallel dazu hatte die Funktaxizentrale

für zwei Stunden die Vermittlung eingestellt.

Dort bedankte man sich am nächsten

Tag via Facebook bei den Kunden für das

„teilweise aufgebrachte Verständnis“. jh

MAHNWACHE INGOLSTADT

20 ständige Teilnehmer

Vermittlungsstopp: Zentrale Taxi-

Funk Ingolstadt, zwischen

12 und 14 Uhr

Mahnwache: zwischen 10 und 18 Uhr

vor dem Hauptbahnhof und dem

Rathaus

Organisator: Vereinigung der Taxiunternehmen

in Ingolstadt e. V.

Besonderheit: Die Nutzung der

Taxistandplätze am Hauptbahnhof

und am Rathaus war während der

Mahnwache stark eingeschränkt.

TAXILÄUTEN AM DOM

FOTOS: Kugler, Vereinigung der Taxiunternehmen Ingolstadt e. V., Schroeder, Taxizentrale Magdeburg

Da staunten die Magdeburger Bürger nicht

schlecht, als sie am frühen Nachmittag den

Domplatz überqueren wollten und die 40

dort aufgestellten Taxis erblickten. Hatte

die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt

einen neuen Halteplatz genehmigt? Ja,

hatte sie, aber nicht zum Zwecke der Fahrgastaufnahme,

sondern als Mahnwache der

Taxiunternehmer und Taxifahrer gegen

Scheuers Eckpunkte.

40 Magdeburger Taxifahrer protestierten

vor dem Dom gegen Scheuers Eckpunkte.

Rund ein Drittel aller an die Taxizentrale

Magdeburg angeschlossenen Taxis war

dem Aufruf ihres Vorstands Frank Tempel

gefolgt und hatte sich mit dieser Aktion

an den bundesweiten Taxiprotesten

am 10. April 2019 beteiligt. Gleichzeitig

hatte die Zentrale für diese zwei Stunden

die Vermittlung eingestellt (auch die per

App). „Wenn die Rückkehrpflicht aufgehoben

wird“, erläuterte Tempel die Maßnahme

gegenüber der „Volksstimme“, „können

die Mietwagen durch die Stadt touren, um

Kunden aufzunehmen, oder sich auf einen

freien Parkplatz stellen und dort warten,

während die gelben Taxis ihre Stellplätze

anfahren. Das benachteiligt uns Taxifahrer

massiv.“

jh

MAHNWACHE MAGDEBURG

40 Teilnehmer

Vermittlungsstopp: Taxizentrale

Magdeburg, zwischen 13 und 15 Uhr

Mahnwache: am Domplatz,

zwischen 13 und 15 Uhr

Medienresonanz: Volksstimme.de

Organisator: Magdeburger

Taxikollegen und die

Taxizentrale Magdeburg 737373

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

37


NACHSPIEL

PROTEST IN SCHEUERS HEIMAT

Stoßstange an Stoßstange: der Taxikorso

durch die Passauer Altstadt

Die Taxidemo und anschließende Kundgebung

in Passau hatte im Vergleich zu den

Protesten in den anderen 16 Städten eine

ganz besondere Bedeutung. Die Stadt in

Niederbayern an der Grenze zu Österreich

ist die (Wahlkreis-)Heimat von Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer, weshalb es

den dort demonstrierenden Taxiunternehmern

und Fahrern besonders wichtig war,

Flagge zu zeigen. „Wenn er damit durchkommt,

schaut es nicht gut aus für uns“,

warnte Petra Hintermayr-Kindermann in

der „Passauer Neuen Presse“ vor Scheuers

Eckpunkten. „Ich glaube, Herrn Scheuer

ist überhaupt nicht bewusst, was er damit

anrichtet. Es geht wirklich um unsere

Existenz.“

Über 50 Taxis waren deshalb am

10. April von der Polizei durch die Passauer

Innenstadt geleitet worden, anschließend

versammelten sich die Taxiunternehmer

noch zu einer Kundgebung auf dem Rathausplatz,

wo unter anderem auch Thomas

Hedtke, Taxiunternehmer aus Bad Füssing,

zu den Teilnehmern sprach.

jh

TAXIDEMO PASSAU

45 Teilnehmer

Vermittlungsstopp: zwischen 14 und

15 Uhr

Taxikorso: durch die Passauer

Innenstadt

Medienresonanz: „Nürnberger

Nachrichten“

Organisator: Landesverband Bayerischer

Taxi- und Mietwagenunternehmer,

Kreisverband Niederbayern

Besonderheit: Passau ist die

Heimatstadt von Verkehrsminister

Scheuer.

PROTEST ZUM WOCHENENDE

Scheuers Eckpunkte betreffen alle Taxiunternehmer.

23 Taxiunternehmer in Niederbayern

machten das eindrucksvoll deutlich.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

wird den 10. April sicherlich nicht so

schnell vergessen, dafür haben Zehntausende

Taxiunternehmer und -fahrer

gesorgt. Und er war bestimmt froh, dass

zwei Tage später eine turbulente Woche mit

einem ruhigen Termin in der Nähe seiner

Heimat bei der CSU-Ortsgruppe Kollnburg–Einweging

enden würde. Da hatte er

allerdings die Rechnung ohne die Taxiunternehmer

aus dem Kreisverband Regen in

Niederbayern gemacht. 23 Taxis aus verschiedenen

örtlichen Landkreisen hatten

sich am Freitagabend spontan in der Ortschaft

Viechtach versammelt und waren

im Korso die rund sieben Kilometer lange

Strecke (ohne Hupen) nach Kollnburg–Einweging

gefahren.

„Herr Scheuer sollte merken, dass er

nicht einmal am Wochenende in einem heimatlichen

Kreisverband seine Ruhe vor den

Taxlern hat“, beschreibt Organisator Franz

Aichinger die Motivation für diese Aktion

gegenüber Taxi Times. Vor der Gaststätte

kam es dann auch tatsächlich zum persönlichen

Gespräch. Dabei machten die Kollegen

vor allen Dingen klar, dass sie gerade auf

dem Land mit ihren Krankenfahrten und

ihrer ständigen Verfügbarkeit unverzichtbar

seien und dass sie darüber hi naus oftmals

als „Problemhelfer“ gegenüber der Polizei

agierten, „was dem Verkehrsminister vor

Ort auch von seinen eigenen Parteikollegen

bestätigt wurde“, berichtete Aichinger.

Andreas Scheuer durfte auch in seiner Hei -

mat mit den Taxiunternehmern diskutieren.

Der Unternehmer zog insgesamt ein

positives Fazit: „Es war eine kurz

einberufene, spontane Demo und das

Gespräch mit Herrn Scheuer war so weit

in Ordnung.“

jh

FOTOS: Hintermayr-Kindermann, Aichinger

38 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


NACHSPIEL

DAS

HASE-

UND-IGEL-

PRINZIP

Auch nach dem Taxiaktionstag haben die Taxiunternehmer

und -fahrer unter der Regie des Bundesverbands

Taxi (früher BZP)und organisiert von Landesverbänden

und Zentralen weitere kleinere Protestaktionen durchgeführt. „Wir

verfolgen die aus der Kindergeschichte vom Hasen und dem Igel

bekannte Strategie des „Ich bin schon da“. Wo immer die Politik

auftaucht, sind wir schon da. Weil das genau das Taxi ausmacht:

jederzeit, überall. Man kann sich darauf verlassen“, erläutert Bundesverband-Sprecher

Michael Oppermann die Strategie. „Wir wollen

damit zeigen, das Thema ist für euch Politiker noch lange nicht

vom Tisch“, ergänzt Verbandspräsident Michael Müller. Hier ein

paar Eindrücke.

jh

MITTEN UNTER DEN GEWERK-

SCHAFTLERN

Während der Mai-Kundgebungen in

Frankfurt hatten sich am 1. Mai etliche

Taxiunternehmer und -fahrer unter die

Menge gemischt. Frankfurts Oberbürgermeister

Peter Feldmann (Foto) hat

daraufhin Vertreter des Taxigewerbes zu

persönlichen Gesprächen eingeladen.

IM GESPRÄCH MIT DIETMAR WOIDKE

Eine Woche nach der Mahnwache beim CDU-Treffen in Schönefeld

machten sich Berlins Taxiunternehmer und Verbandsfunktionäre

abermals auf den Weg nach Brandenburg,

diesmal zum Landesparteitag der SPD. Dort

kam man auch mit Ministerpräsident Dietmar

Woidke ins Gespräch.

FOTOS: Linke, Innung des Berliner Taxigewerbes, Taxi Düsseldorf,

Taxi Times, Verband des Verkehrsgewerbes Baden e.V

IM GESPRÄCH MIT

INGO SENFTLEBEN

Rund 40 Taxiunternehmer

und -fahrer versammelten

sich am 4. Mai vor

dem Hotel Holiday Inn.

Dort trafen sich die CDU-

Politiker Brandenburgs zu

ihrem Landesparteitag.

CDU-Landeschef Ingo Senftleben, Oppositionsführer im brandenburgischen

Landtag in Potsdam und Spitzenkandidat bei

der diesjährigen Landtagswahl, hörte sich die Erläuterungen

und Argumente des Taxigewerbes geduldig

und mit Interesse an.

ALS ANDREA NAHLES NOCH IM AMT WAR ...

Rund 40 Taxiunternehmer und -fahrer hatten sich am 18. Mai mit

ihren „Scheuerwehr“-Plakaten unter die Zuhörer einer SPD-Veranstaltung

am Marktplatz in Heidelberg gemischt. Sie wurden

dort von Andrea Nahles auf der Bühne

explizit begrüßt. Die damals noch SPD-Vorsitzende

hatte sich sogar vor der Veranstaltung

Zeit genommen und sich mit

Taxivertretern des Verbands Baden an eine

runden Tisch gesetzt. Kernaussage von

Frau Nahles: Mit der SPD werden Scheuers

Eckpunkte in der jetzigen Form nicht ins

Gesetz einfließen.

MÜLLTONNE BEI DER

NRW-CDU

Als die Delegierten der nordrheinwestfälischen

CDU am 4. Mai zu ihrem

Landesparteitag in Düsseldorf eintrafen,

wurden sie bereits von einigen

Taxiunternehmern und -fahrern mit

„Scheuerwehr“-Protestplakaten erwartet.

Bei der von der Taxi Düsseldorf eG

organisierten Mahnwache wurden die Taxischilder symbolisch in

eine Mülltonne geworfen.

WACHE MIT

SEEBLICK

Zum Abschluss des Europawahlkampfs

hatte

die CSU noch einmal

alle Granden inklusive

Bundeskanzlerin Angela

Merkel ins Münchner

Messegelände geladen. Uneingeladen erschienen auch die

Münchner Taxiunternehmer und -fahrer und bauten trotz großer

Hitze ihre Mahnwache auf. Leider war der zugewiesene Platz so

weit weg vom Eingangsbereich und durch einen See getrennt,

dass keine Kontaktaufnahme mit den Politikern

möglich war.

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

39


NACHSPIEL

Bei der Kundgebung

am Nachmittag wurde

es sehr emotional.

FRANKFURTS

DOPPELTE WUT

Schon am 10. April hatten die Frankfurter Taxis den Großteil der Wiesbadener

Proteste ausgemacht. Rund sechs Woche später führten sie dann ihre

eigene Demo durch und nahmen dabei auch die Stadtverwaltung ins Visier.

Am 23. Mai rückte in Frankfurt die

„Scheuerwehr“ ein weiteres Mal

aus und abermals nahmen über

eintausend Taxis am Autokorso und später

auch an der Kundgebung teil. Als zusätzlichen

Brandherd hatte der Veranstalter, die

Taxivereinigung Frankfurt e. V., neben den

Scheuer’schen Eckpunkten auch die Untätigkeit

der Verwaltung zum Thema gemacht.

Seit Dezember ist Uber auch in Frankfurt

aktiv und seitdem gibt es tägliche Verstöße

der Uber-Partner gegen die Rückkehrpflicht.

„Wir konnten in der letzten Zeit schon mehrere

einstweilige Verfügungen gegen diese

Mietwagenunternehmen erwirken. Warum

also schafft es die Behörde nicht, ebenfalls

gegen die Uber-Partner aktiv zu werden?“,

fragte sich Hans-Peter Kratz (Taxi-Vereinigung

Frankfurt e. V.) und nahm kurzerhand

das Motto „Brutaler Uber-Fall auf das Taxigewerbe

– nicht mit uns“ zur Protestveranstaltung

dazu.

VOM REBSTOCK ZUM MAINKAI

Während Kratz selber am Vormittag noch

eine Debatte im Hessischen Landtag zur

geplanten Änderung des PBefG verfolgte,

hatten sich zahlreiche seiner Mitgliedsunternehmer

und deren Fahrer bereits am

Frankfurter Flughafen versammelt, von wo

aus sie gemeinsam zum offiziellen Startpunkt

der Demo am Rebstock-Parkplatz fuhren,

wo zu diesem Zeitpunkt bereits mehr

als fast 800 Taxis warteten. Gegen 12 Uhr

setzte sich der Taxikorso dann mit Polizeibegleitung

in Bewegung. Laut hupend

machten die Taxiunternehmer und -fahrer

auf sich aufmerksam. Am Mainkai wurden

die Taxis auf der Straße geparkt. Das letzte

Stück zur Kundgebung auf dem Römerberg

gingen die Kollegen dann zu Fuß.

Kurz nach 14 Uhr begann dort die

Abschlusskundgebung und sie hatte gleich

zu Beginn einen Gänsehautmoment.

Hans-Peter Kratz, mittlerweile vom Landtag

zum Frankfurter Römerberg geeilt, hatte die

Veranstaltung mit dem Slogan „Scheuer

treibt ein böses Spiel – aber das Taxigewerbe

macht mobil“ eröffnet und anschließend

um eine Gedenkminute für die Opfer von

Uber & Co. gebeten, für die Kolleginnen und

FOTOS: Michael Linke; Shah Basharat; Barbaros Büyükdoğan; Simi

40 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


NACHSPIEL

Über eintausend Frankfurter Taxifahrer

demonstrierten am 23. Mai.

Kollegen, die ihre Existenz verloren haben

und die sogar in den Selbstmord getrieben

wurden. Die anwesenden Taxiunternehmer

und -fahrer (männlich wie weiblich) schwiegen

und Kratz beendete die Stille mit der

Kampfansage: „Mit uns macht das Uber

nicht. Mit uns wird niemand in den Selbstmord

getrieben. Dafür werden wir kämpfen.“

Kratz verwies darauf, dass just am heutigen

Tag das deutsche Grundgesetz seinen

70. Geburtstag feiert, und forderte ein, dass

ebenjenes Grundgesetz auch für die Taxibranche

gelten müsse. Beispielsweise das

Grundrecht für jeden Menschen auf Gewährung

eines Existenzminimums und das

Grundrecht auf Mobilität. Man werde auch

den Artikel 3 GG zu Hilfe nehmen: Vor dem

Gesetz sind alle gleich. „Wir stehen heute

hier, weil wir Wettbewerbsgleichheit und

Fairness haben wollen.“

»WIR STEHEN HINTER EUCH«

Nach ausführlichen Erläuterungen zur

Rückkehrpflicht und einer eindringlichen

Ermahnung an die Kontrollbehörden, auf

die Rechtseinhaltung zu achten, übergab

Kratz die Rednerbühne an Martin Kliehm

von der Partei Die Linke. Die Linken hatten

ein Plakat mit der Aufschrift „Wir stehen

hinter euch“ zur Demo mitgebracht.

Kliehm bestätigte die Argumentationen

des Taxigewerbes und kritisierte die Vertreter

der CDU, die auf Herrn Scheuer nicht

vehement genug einwirken würden. Mit

diesem Vorwurf richtete er sich speziell an

den Frankfurter Verkehrsdezernenten und

CDU-Stadtrat Markus Frank. Dieser betrat

im Anschluss die Rednerbühne, hatte aber

keinen leichten Stand, auch wenn er sich

gleich zu Beginn bei den Anwesenden für

das beeindruckende Bild bedankte, das ihm

die tausend demon strierenden Taxis heute

geboten hätten. Allerdings versäumte es

Frank in seiner Ansprache, auf das kritisierte

Kontrolldefizit seiner Behörde einzugehen

und dafür Lösungen anzubieten.

Stattdessen nahm er die Branche in die

Pflicht, dass es nicht nur bei einer hundertjährigen

Tradition bleiben solle, sondern

sich die Branche fit für die Zukunft zu

machen habe. „Es langt nicht ,Uber und

Scheuer müssen weg‘ zu rufen“, sagte

Frank. Man brauche ein gutes System, bei

dem die Qualität des Taxis erhalten bleibe.

Die Stadt wolle dabei gerne helfen.

Kratz nahm diese Steilvorlage an, forderte

im Sinne dieser Qualität die Wiedereinführung

der Ortskenntnisprüfung für

Mietwagenfahrer und übergab anschließend

das Mikrofon an die SPD-Bundestagsabgeordnete

Ulli Nissen. Die SPD-Frau

bezeichnete Scheuer als „Lobbyisten der

Automobilindustrie“. Das sei schäbig. Uber

habe in anderen Ländern Chaos angerichtet,

das dürfe es in Deutschland niemals

geben. Hinsichtlich der Rückkehrpflicht

vertrat auch Frau Nissen die Argumente

der Taxibranche.

GRÜSSE VOM OB

Bevor Ufuk Gergin vom Rhein-Main Taxiverband

e. V. das Wort ergriff, verlas Kratz

noch die Grußworte des Frankfurter Oberbürgermeisters

Peter Feldmann, des hessischen

Verkehrsministers Tarek Al-Wazir

und des Ministerpräsidenten Volker Bouffier,

die allesamt darauf schließen lassen,

dass seitens der Stadt mehr gegen Uber

unternommen wird und seitens des Landes

die Scheuer-Eckpunkte auf hessischen

Widerstand im Bundesrat stoßen.

Gergin kündigte an, dass man sich so

lange zu Protesten versammeln werde, bis

das Taxigewerbe mit seinen Anliegen

Gehör bekommt. Den Verkehrsminister

TAXIDEMO FRANKFURT

1.000 Teilnehmer

Taxikorso: vom Rebstock zum

Mainkai, unter anderem auch durch

das Bankenviertel

Kundgebung: am Römerberg

Redner:

Hans-Peter Kratz (Taxi-Vereinigung

Frankfurt e. V.), Martin Kliehm (Die

Linke), Markus Frank (Stadtrat CDU),

Ulli Nissen (MdB, SPD),

Ufuk Gergin, (Rhein-Main Taxiverband

e. V.), Marco Marchesani

(Taxiunternehmer)

Medienresonanz: diverse Tageszeitungen

sowie lolake Fernseh- und

Radiosender

Organisator: Taxivereinigung

Frankfurt

Besonderheit: Nur sechs Wochen

nach dem Taxi-Aktionstag

demonstrierten noch einmal mehr

als 1.000 Taxis in Frankfurt.

Andreas Scheuer forderte Ufuk Gergin zum

Rücktritt auf.

Marco Marchesani, seit sieben Jahren

Taxiunternehmer in Frankfurt, sprach stellvertretend

für die vielen Hundert Anwesenden

von den Sorgen, die sich die Taxifahrer

in Frankfurt machen, seit Uber im Dezember

Fahrten zu Dumpingpreisen anbietet.

Er wandte sich mit einer Warnung direkt

an die Bevölkerung: „Denkt daran, wenn

ihr an Silvester bei Regen oder während

einer Messe ein Uber bestellt, dann zahlt

ihr mehr. Das Taxi fährt zu fairen Preisen

– auch in Zukunft.“

Zum Abschluss bekam dann noch

Oğuzhan Oğul großen Applaus. Oğul ist

Vorstand von Taxi Ruf Köln und war aus

Solidarität nach Frankfurt gereist. Kratz

bedankte sich bei ihm für die Unterstützung

bei der juristischen Bekämpfung der

Uber-Fahrer.

jh & hs

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

41


POLITISCHE RESONANZ

Janine Wissler Tarek Al-Wazir Tobias Eckert Jörg Michael Müller

»EIN VÖLLIG

FALSCHER

SCHRITT«

Die Taxiproteste werden innerhalb

der Politik immer mehr zum Gesprächsthema.

Bestes Beispiel dafür

ist eine Aktuelle Stunde über das

PBefG im Hessischen Landtag.

Beantragt hatte die Gesprächsrunde Janine Wissler von der

Partei Die Linke, die demzufolge auch als erste Rednerin

vor die Mikrofone trat. Sie kritisierte die Eckpunkte des

Bundesverkehrsministers: „Wenn die Rückkehrpflicht zum

Betriebshof entfällt, bedeutet das noch mehr Verkehr, noch mehr

Autos in der Stadt und noch mehr Schadstoffe. Ein solcher Angriff

auf das Taxigewerbe muss uns alarmieren, denn Taxis sind ein

KEIN VERSTÄNDNIS UND NULL AHNUNG

Auch Parteivertreter der FDP und der AfD kamen bei der

Aktuellen Stunde zu Wort. Oliver Stirböck als Vertreter

der Liberalen sang die üblichen einseitigen Digital-Loblieder

(Dienste wie Uber, Free now und andere verändern

den Markt). Außerdem würde das Taxigewerbe doch

gerade erst dadurch zum Opfer werden, indem man es

weiterhin schütze.

Während Stirböck wenigstens noch etwas zur Sache zu

sagen hatte, entblößte sich der AfD-Politiker Arno Enners

mit einer geradezu peinlichen Unwissenheit. Zum einen,

weil er keine Unterscheidung zwischen einem angestellten

Taxi- bzw. Mietwagenfahrer und einem selbstständigen

Konzessionsinhaber machte, zum anderen, weil er allen

Ernstes davon sprach, das Finanzamt würde bei Taxis

einen Kilometerschnitt vorschreiben. Höhepunkt der

Inkompetenz war schließlich die Behauptung, Mietwagen

würden durch Umwege einen finanziellen Vorteil bei der

Privatwagen-Besteuerung erzielen, der Taxis aufgrund der

Tarifpflicht verwehrt werde.

jh

wichtiger Teil des ÖPNV und erfüllen eine Aufgabe für das Gemeinwesen.

Dieses System zu unterlaufen, indem noch mehr private

Konkurrenz zugelassen wird, ist ein völlig falscher Schritt“, sagte

die Fraktionsvorsitzende der hessischen Linken.

Prominentester Redner der Aktuellen Stunde war Wirtschaftsund

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Er erkannte die unterschiedlichen

Ebenen, auf denen innerhalb des Taxigewerbes aktuell

protestiert wird. Zum einen sei da der Änderungsbedarf des PBefG.

Dass dieser aufgrund der Herausforderungen durch die Digitalisierung

unumgänglich ist, sei ein parteiübergreifender Konsens. Zum

anderen und parallel dazu sei es ebenso wichtig, das jetzt geltende

PBefG durchzusetzen. Al-Wazir warb für die neuen Perspektiven,

stellte Scheuers Eckpunkte aber nur wenig infrage. Die Einhaltung

geltender Gesetze sei Grundlage für eine sachliche Diskussion.

GESETZ AN DIE WIRKLICHKEIT ANPASSEN?

Al-Wazirs Parteikollegin Karin Müller, Landtags-Vizepräsidentin

und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Energie, Verkehr und

Wohnen, forderte, das PBefG müsse per Novelle „an die Wirklichkeit“

angepasst werden, wobei ein fairer Wettbewerb gewährleistet

und die Interessen des Taxigewerbes berücksichtigt werden

müssen. Das jetzige PBefG fördere den Verkehrskollaps. Rosinenpickerei

zum Nachteil des Taxigewerbes dürfe aber auch nicht

stattfinden.

Laut Tobias Eckert, dem stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden,

müsse eine „Kannibalisierung des Marktes“ verhindert

werden. Dazu zähle insbesondere die Unterscheidung zwischen

Taxi und Mietwagen, weshalb die Aufhebung der Rückkehrpflicht

entschieden abzulehnen sei. „Wir brauchen eine Neuregelung für

die zukünftige Beförderung von Menschen, die fair, mit klaren,

sozialen, qualitativen und ökologischen Standards geregelt sein

muss.“ Uber wolle seine Dienste in ländlichen Regionen nicht

anbieten.

Von „zahlreichen Dienstanbietern“, nicht nur dem „großen

Gespenst Uber“, sprach Jörg Michael Müller: „Ein Großteil dieser

Anbieter – außerhalb von Uber“ agiere bereits in sozialversicherungspflichtigen

Beschäftigungsverhältnissen.

Dass man zu bestimmten Zeiten auf dem Land schwer von A

nach B komme, ist für den CDU-Abgeordneten kein Grund, das

Taxigewerbe zu schützen, sondern den Markt für andere Anbieter

zu entwickeln.

ar

FOTOS: Die Linke, HMWEVW – Oliver Rüther, Angelika Aschenbach, CDU, Hassischer Landtag – Kanzlei

42 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


POLITISCHE RESONANZ

Andrea Nahles Harald Klix Karl Lauterbach Andreas Wagner

LAUT GENUG BIS

IN DIE PARTEISPITZEN

»Scheuerwehr« war die Parole der Demo. Die Botschaft lautete, die Mobilität nicht

ohne das Taxi zu planen. Die Statements aus der Politik zeigen, wo die Botschaft

angekommen und verstanden worden ist.

Unterstützung kam schon kurz nach der Abschlusskundgebung

der Hauptdemo in Berlin von der damals noch

SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles: „Heute demonstrierten

Tausende Taxifahrer für den Erhalt ihres Gewerbes“,

twitterte Nahles. „Das geht uns alle an, denn Taxis sind Teil der

Daseinsvorsorge. Fahrdienste wie Uber legen mit Regelbeugung

und Dumpingpreisen daran die Axt an. Diese Praxis gehört eingedämmt,

nicht gefördert.“

Das Nachrichtenportal ntv.de zitiert SPD-Fraktionsvize Sören

Bartol ebenfalls kritisch zur Abschaffung der Rückkehrpflicht: „Die

SPD-Bundestagsfraktion wird dafür sorgen, dass durch die Modernisierung

der gesetzlichen Spielregeln niemand aus der Kurve

fliegt.“ Selbst Karl Lauterbach, eigentlich SPD-Gesundheitsexperte,

twitterte am Abend zu einem Foto der Politiker Scheuer und Bär

auf einer Games-Veranstaltung: „Doro Bär und Andy Scheuer amüsieren

sich köstlich bei sinnfreier Games-Auszeichnung. Draußen

streiken die Taxifahrer gegen Scheuers Gesetz für Uber-Ausbeutung

für ihre Existenz. Derweil fabuliert Bär schon von Flugtaxis.

Die CSU droht zur Spaßpartei (für sich) zu werden.“

mehr Politiker, gerade nach den Aktionen vom 10. April, sich auf

unserer Seite positionieren, macht die Demos zu einem Erfolg, und

dafür danke ich im Namen des Bundesverbandes jedem, der dabei

war. Wir machen weiter. Als Nächstes werden wir viele Diskussionen,

unter anderem mit Staatssekretären und Verkehrspolitikern,

führen.“

ar, jh

FOTOS: Janine Schmitz, Freie Wähler, Susie Knoll, Katja-Julia Fischer

DIE LINKE IST SOLIDARISCH

Auch von anderen Parteien kam Unterstützung: Andreas Wagner,

Abgeordneter des Bundestags und Mitglied im Verkehrsausschuss

(der in eine PBefG-Novellierung eng eingebunden ist),

schrieb an Taxi Times bereits am Abend vor dem Aktionstag: „Die

Bundestagsfraktion Die Linke steht beim bundesweiten Aktionstag

fest an Ihrer Seite. Das Taxigewerbe ist unabdingbarer Teil

des ÖPNV.“

Auch der Spitzenkandidat der Freien Wähler für die Europawahl,

Harald Klix, will das Taxigewerbe vor neuen Fahrdienstmodellen

schützen. Klix ist sicher, dass „insbesondere die Pläne zur

Aufhebung der Rückkehrpflicht einen integralen Bestandteil des

deutschen Mobilitätsmix gefährden würden“.

Hermann Waldner, Vizepräsident des Bundesverbandes Taxi

und Mietwagen und Berliner Funkzentralenchef, äußerte sich entsprechend

positiv über das Ergebnis des Aktionstags. „Nicht nur

die Unterstützung durch 6.000 Taxis alleine in Berlin und viele

Tausend weitere bundesweit war ein großes Zeichen. Dass immer

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TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

43


CHAUFFEURDIENSTE

Teurer Dienstwagen: Der Audi A8 L

wird von CityLoop für die Beförderung

bevorzugt.

KREISEN MIETWAGEN BALD

IM GROSSEN STIL?

Ein Reisebüro will mit einem Ride-Sharing-Angebot Geschäftsreisenden den

Arbeitsalltag erleichtern. Ausgeführt wird der Service von Mietwagenunternehmen.

Das System klingt altbekannt, denn bei MOIA, BerlKönig

oder CleverShuttle wird auch auf Ride-Sharing gesetzt.

CityLoop baut auf einem ähnlichen Grundprinzip auf,

will aber mit Geschäftsreisenden eine exklusive Zielgruppe

ansprechen.

Von den Mietwagenunternehmen, welche für CityLoop die Fahrgäste

befördern sollen, wird ein hoher Standard erwartet. Das

fängt bereits beim professionellen Auftritt der Chauffeure an, denn

korrekte Kleidung sowie Deutsch- und Englischkenntnisse werden

vorausgesetzt.

Auch sollen die Geschäftsreisenden in einem Fahrzeug der

oberen Luxusklasse befördert werden – in Autos, die über Massagesitze,

WLAN, Tablets, Steckdosen etc. verfügen, um die Fahrt

für den Kunden möglichst angenehm zu gestalten. Als Referenzfahrzeug

sieht CityLoop den Audi A8 L. Ein Wagen, der bereits in

der Grundausstattung mit über 80.000 Euro netto zu Buche

schlägt. Immerhin: Der Audi soll in seiner Klasse die geringsten

Emissionen aufweisen. Um das Umweltgewissen zusätzlich zu

entlasten, wird CityLoop in ein Waldschutzprojekt investieren und

will so die Fahrten weitestgehend klimaneutral halten.

Der Erprobungsbetrieb mit ausgewählten Kunden ist auf einer

genau definierten Strecke zwischen dem SAP-Campus in Walldorf

und dem Frankfurter Flughafen gestartet. Der Campus ist ein

Gebiet abseits der Großstadt mit einer hohen Unternehmensdichte.

Ähnlich wie bei einem Linienbus wird die Route (Loop) zu festen

Zeiten abgefahren. Wer mitfahren will, meldet

sich vorab per App oder per Telefon an. Laut dem

Unternehmenssprecher Oliver Schwartz ist diese

100 Kilometer lange Strecke bewusst für den Probebetrieb

ausgewählt worden, denn sie entspricht

genau der Entfernung, auf der CityLoop seine Stärken

sieht. Von dem Argument, dass der Manager

der teuerste Fahrer ist, verspricht sich das Unternehmen

letztlich seinen Erfolg, denn bislang griffen

die Geschäftsreisenden häufig selbst zum

Lenkrad.

Jörg Mayer, Geschäftsführer

der CityLoop Travel GmbH.

Interessant, aber auch kritisch zu hinterfragen

ist hierbei die Preisgestaltung. Auf der Erprobungsstrecke

werden die Fahrten ab 79 Euro angeboten. Dafür

müssen die Fahrgäste dann neben dem Fahrer Platz nehmen. Auf

den beiden Rücksitzen werden für eine Fahrt 99 Euro veranschlagt.

Da CityLoop seinen Service als Ride-Sharing versteht und maximal

drei Personen befördert werden, kann der Mietwagenunternehmer

klar kalkulieren, wie groß die Gewinnmarge sein könnte.

Bezieht man die Kosten für einen Wagen, wie den Audi A8 L, mit

ein, dann muss jeder Mietwagenunternehmer mit spitzem Bleistift

rechnen. Immerhin will CityLoop das unternehmerische Risiko

tragen, sprich das Mietwagenunternehmen soll unabhängig von

der Anzahl der beförderten Personen entlohnt werden. Wie hoch

diese Entlohnung für den Mietwagenbetreiber ausfällt? Darüber

schweigt sich CityLoop aus.

CITYLOOP MIETET DEN GANZEN WAGEN

Und überhaupt gibt es ja noch das Problem mit der Einzelplatzvermietung,

die für Mietwagen unzulässig ist. Hier meint CityLoop,

eine kreative Lösung gefunden zu haben, denn das Unternehmen

versteht sich als Reisebüro und mietet den ganzen Wagen. Die

einzelnen Sitzplätze werden dann erst im zweiten Schritt von dem

Reisebüro verkauft. Ein System, welches die Grenzen der aktuellen

Gesetzgebung recht kreativ auslegt.

Im Gespräch mit Taxi Times betont Schwartz, dass sich das

Unternehmen nicht in Konkurrenz zum Taxi sieht, unter anderem

weil keine innerstädtische Beförderung angeboten werden soll

und weil der Fokus auf der Mittelstrecke liegt. Das

CityLoop-Netzwerk soll des Weiteren künftig an

allen potenziellen „Haltestellen“ über Lounges verfügen,

was den Service durchaus aufwerten, aber

auch sehr teuer werden lassen würde. Dies zeigt,

dass CityLoop kräftig in sein Konzept investiert

und es langfristig hoch skalieren möchte.

Das Konzept ist im März auf der Internationalen

Tourismus-Börse (ITB) in Berlin vorgestellt

worden. Dort soll ein reges Interesse an der Dienstleistung

geherrscht haben, nicht nur von potenziellen

Fahrgästen, sondern auch vonseiten der

Mietwagenunternehmen.

sg

FOTOS: City Loop Travel GmbH

44 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


IHK

VERWIRRUNG BEI DER

EINZELAUFZEICHNUNG

Beim IHK-Taxitag in Regensburg lieferte ein DATEV-Mitarbeiter überraschende

Interpretationen zur digitalen Aufzeichnungspflicht.

Oben: Rund 25 Taxiunternehmer

nahmen sich für das Taxiseminar

der IHK Regensburg Zeit.

Links: Christian Goede-Diedering

deutlich bessere Aufklärung durch die Politik bzw. Gesetzgeber.

Dies gilt auch für das Thema Kassen-Nachschau. Im Rahmen des

Kassengesetzes darf ein Finanzbeamter seit dem 1. Januar 2018

ohne vorherige Ankündigung bei einem Unternehmer auftauchen

und dort die Kasse überprüfen. Das könne durchaus auch den

Geldbeutel des Taxifahrers betreffen, sagte Goede-Diedering, was

ebenfalls eine völlig konträre Umsetzungsvariante zur Vorgehensweise

in Niedersachsen darstellt.

Dort wurde bereits letztes Jahr durch einen Mitarbeiter des

dortigen Landesamtes für Steuern klargestellt, dass man bei Kassennachschauen

in Taxibetrieben keine Geldbeutel der angestellten

Taxifahrer kontrollieren würde.

Der vom IHK-Mitarbeiter Klaus Frank organisierte Taxitag

behandelte neben dem DATEV-Thema auch noch den aktuellen

Stand des „Eichrechts bezogen auf Taxameter“ und „Tipps zur

optimalen Unternehmens- und Fahrzeugfinanzierung“. Einen ausführlichen

Bericht zu allen Vorträgen können Sie unter www.taxitimes.com

nachlesen, Stichwortsuche mit „Eichhürde“. jh

FOTOS: Taxi Times

Christian Goede-Diedering arbeitet bei der DATEV. Die eingetragene

Genossenschaft hat mehr als 40.000 Mitglieder

aus dem Steuer- und Rechtsberatergewerbe und wickelt

als IT-Dienstleister 1,28 Millionen Buchführungen ab. Am Taxitag

der IHK Regensburg hatte der Steuerspezialist vor rund 25 Oberpfälzer

Taxiunternehmen einen Vortrag gehalten zum Thema

„Wenn der Prüfer mitfährt – das Taxameter als Datenspeicher für

den Fiskus“. Jene Daten werden für das Finanzamt auf der Rechtsgrundlage

des „Gesetzes zum Schutz vor Manipulationen an digitalen

Grundaufzeichnungen“ (Kassengesetz) überprüft, wobei

unter anderem auch die Bestimmungen der GoBD und der AO

einfließen. Den Fokus würden Finanzämter dabei auf die Unveränderbarkeit

und die Vollständigkeit der Daten richten.

Das Gesetz, führt Goede-Diedering aus, schreibt vor, dass alle

Unterlagen, die mittels elektronischer Registrierkassen (…) Taxametern

und Wegstreckenzählern erstellt worden sind, jederzeit

verfügbar, unverzüglich lesbar und maschinell auswertbar aufbewahrt

werden müssen. Neu seit dem 1. Januar 2017 sei dabei die

Einzelaufzeichnungspflicht. Für Taxibetriebe gelte dabei allerdings

eine Ausnahmegenehmigung, denn anstelle der Einzelaufzeichnungen

genügen auch weiterhin die Tagessummen aus einem

ordnungsgemäß geführten Schichtzettel, wie es im BMF-Schreiben

vom 26. November 2010 festgelegt wurde.

GROSSER AUSLEGUNGSSPIELRAUM

Diese von Goede-Diedering dargelegte Interpretation war durchaus

überraschend, steht sie doch völlig konträr zu anderen Interpretationen,

beispielsweise der Hamburger Kontroll- und Genehmigungsbehörde

– was aber wiederum ein trauriger Beleg dafür ist,

wie groß der Auslegungsspielraum auch im dritten Jahr des Kassengesetzes

immer noch ist. Nicht nur die beim Taxitag anwesenden

Taxiunternehmer wünschen sich bei diesem Thema eine

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INTERNATIONAL

»DIE

DINGE

SIND

IM FLUSS«

Londons Taxifahrer sehen Licht im

Wettbewerb mit Uber. Die hohen

Investitionen in E-Taxis scheinen sich

auszuzahlen. Kunden kehren zurück,

während auf Uber-Partner deutlich

höhere Kosten zukommen.

„Die Leute bevorzugen elektrische Taxis und fordern

andere auf, dasselbe zu tun. Es ist massiv.“

Vorsprung durch Antrieb, könnte man in Abwandlung

eines Werbeslogans sagen. Als Gegenpol zu den allgegenwärtigen

Toyota Prius der Uber-Mietwagen macht

sich auf Londons Straßen ein neues Phänomen bemerkbar: das

elektrische TX-Taxi. „Ausnahmsweise haben wir jetzt technologisch

einen Vorsprung“, sagt Steve McNamara von LTDA. Die

kostspieligen London-Cabs auf der Taxiseite, die relativ günstigen

Toyota Prius, die die zahlreichen Uber-Fahrer bevorzugen, im Mietwagensektor.

Der Wettbewerb mit dem US-Vermittler ist enorm.

Im März standen in London 87.745 Mietwagen (nicht alle Uber)

und 106.650 Mietwagen-Fahrer 20.065 Taxis und 23.177 lizenzierten

Taxifahrern gegenüber.

Vertreten werden sie von der Licensed Taxi Drivers’ Association

(LTDA), deren Sitz in einem Gebiet in London liegt, das komplett

renoviert wird. Dieses Büro wird bald der Vergangenheit

angehören, da der Verein seine erstklassigen Immobilien verkauft

hat und ein neues Büro in Southwark im Zentrum von London

errichtet. Der oben zitierte Steve McNamara ist Generalsekretär

des größten und mächtigsten Taxiverbandes in London (etwa

10.000 Fahrer als Mitglieder). „Wissen Sie, dass uns das Thema

Luftqualität sehr guttut? Viele Menschen in London sind sich ihrer

CO₂-Bilanz bewusst. Und sie winken E-Taxis an und fordern andere

auf, dasselbe zu tun. Es ist massiv! Die Leute warten, bis sie

einen elektrischen TX sehen.“

Der Londoner Taxiunternehmer Asher Moses baute sogar sein

neues Geschäft und seine neue App – Sherbet London – ausschließlich

auf die Bereitstellung von E-Taxis auf. „Der TX ist viel komfortabler

und leiser als die traditionellen Dieseltaxis“, sagt

McNamara. „Taxikunden haben erkannt, dass es in Londons Straßen

nun ein besseres Produkt gibt.“

Ein Produkt, das mit dazu beiträgt, die Luft in London zu verbessern.

Am 8. April trat die neue ULEZ (Ultra Low Emission Zone)

in Kraft. Sie gilt für das Herz der Stadt, wo die Luftqualität am

schlechtesten ist. Mindeststandards: Benzin Euro 4, Diesel Euro 6.

Der Größenunterschied

zwischen

einem TX4 (links)

und einem LEVC TX

ist bemerkenswert.

FOTOS: Wim Faber

46 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


INTERNATIONAL

„SIE BEFINDEN SICH IN IHRER EIGENEN BLASE“

Wie läuft das Londoner Taxigeschäft im Allgemeinen?

„Unseren Apps geht es gut“, sagt dazu Steve McNamara.

„Den Fahrern der elektrischen Taxis geht es sehr gut. Jedes

Taxi nimmt Kreditkarten, das hilft uns auch.“

Ähnlich äußert sich auch der Londoner Taxifahrer Thomas.

Er ist genauso begeistert von dem E-Taxi wie McNamara:

„Ich denke, es gibt jetzt etwa 700 bis 800 TX da draußen.

Du bemerkst sie immer mehr. Es ist eine andere

Erfahrung. Es ist, als ob sie sich in ihrer eigenen,

ruhigen Blase befinden. Sie bemerken kleine

Dinge wie die perfekte Sprechanlage. Bisher war

es schwer, Passagiere zu verstehen, wegen des

Lärms. Aber es gibt auch Softwareprobleme,

anfangs gab es schlechte Türscharniere und

Probleme mit Türwarnungen.“

Thomas erzählt weiter: „Die Passagiere lieben

Nacht hatte ich ein Paar, das mir sagte, dass sie andere Taxis

vorbeifahren ließen, bis sie ein elektrisches Taxi heranwinken

konnten. Für einen professio nellen ,Karrierefahrer‘ mit

einem persönlichen Mietvertrag wären es zwischen 170 und

180 Pfund pro Woche (ca. 200 Euro), etwa wie beim Mieten

eines Diesels. Ich habe früher in einem Monat 800 Euro für

Diesel ausgegeben. Sie können das E-Taxi mindestens zwölf

Jahre lang nutzen, aber ich wäre nicht überrascht, wenn es

nicht sogar 15 jahre im Einsatz wäre. Es hängt

alles von der Lebensdauer der Batterien ab.“

„Unser Geschäft? Das belebt sich wieder.

Vor allem wegen der Kreditkarte in jedem Taxi.

Es ist so praktisch für ein paar Mädchen, die einkaufen

gehen und danach etwas trinken gehen.

Man muss nur auf die Karte tippen und fertig.

Uber ist nicht jedermanns Sache. Wir müssen

vielleicht ein bisschen länger und härter für dasselbe

dieses Taxi. Es ist geräumig, komfortabel, ruhig

und sie schätzen das Panoramadach. Letzte

LTDA-Generalsekretär

Steve McNamara

Geld arbeiten, aber wir sind zurück.“

Taxis sind von der Zahlung befreit, aber das Gewerbe musste sich

umweltfreundliche Taxis anschaffen, um den ungehinderten

Zugang zur ULEZ zu erhalten.

UBER BEKOMMT DOPPELTE KOSTEN

Mietwagenfahrer, darunter die Uber-Jungs, müssen in den Jahren

2020 und 2021 auf eine saubere Lösung umstellen. „Ein Prius-

Mietwagen ist derzeit sauberer als vorhandene Dieseltaxis, kommt

aber nicht an ein Elektrotaxi heran“, sagt McNamara. „Uber-Partner

müssen ein gleichwertiges Fahrzeug kaufen, das mit Batterien

mehr als 30 Meilen schafft. Für sie verdoppeln sich die

Kapitalkosten und sie können nicht mit Diesel fahren.“

„Ein drei Jahre alter Mercedes – ebenfalls ein beliebtes Fahrzeug

für Mietwagenfahrer – ist nicht gut genug. Ab 2021 wird die

ULEZ auf die nördlichen und südlichen Ringstraßen ausgedehnt.

Das ist die Mehrheit von Greater London.“ Also, was wird der private

Mietsektor kaufen? Der LTDA-Chef glaubt, dass sie sich für

die 5er Reihe von BMW (35 Meilen mit Batterie) oder den entsprechenden

Mercedes entscheiden werden. „Mercedes hinkt hinterher.

Als sie einen Hybrid-Diesel herausbrachten, ruckelte das Auto

jedes Mal heftig, wenn der Motor ansprang.“

„Die Dinge sind im Fluss. In dieser Phase der Geschichte sind

wir einen Schritt voraus, weil wir uns mit dem LEVC TX auf dem

neuesten Stand der Technik befinden. Auf der anderen Seite ist

es ein sehr teures Fahrzeug: etwa 75.600 Euro anstelle der bisherigen

55.800 Euro für einen Diesel. Bei Mietwagen wird die Investitionsdifferenz

aber noch höher ausfallen. Von Fahrzeugen, die

ab 20.900 Euro kosteten, bis hin zu Mietwagen, die dann rund

40.000 Euro kosten werden.

Der Unterschied zwischen einem normalen und einem elektrischen

Taxi ist ein Quantensprung zu unseren Gunsten. Die

vorhandenen Dieseltaxis wurden noch auf einem Chassis gebaut.

Stellen Sie sich vor, mit Blattfedern an der Hinterachse. Sachen,

die Sie auf einem Oldtimer-Programm im Fernsehen sehen. u

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019


INTERNATIONAL

Sie haben sie bis vor drei Jahren so gebaut“,

sagt McNamara grinsend.

Die Macher des traditionellen Londoner

Taxis in Coventry haben es nie

geschafft, ein neues Taxi ohne Probleme

zu liefern. Und so hat auch der LEVC TX

seine Kinderkrankheiten. „Ja, es gibt Probleme“,

bestätigt McNamara auf Nachfrage.

„Hauptsächlich Software-Probleme, als

deren Folge die Fahrer ihr Taxi manchmal

nicht ein- oder ausschalten können.

Aber sie sind ziemlich gut drauf und lösen

diese Probleme nach und nach.“

McNamara sagt, dass die „Selbstmördertüren“

anfangs ein Problem waren.

Viele Taxifahrer seien nicht an diese Türen

gewöhnt gewesen, die sich im Vergleich zu

den vorderen Türen andersherum öffnen.

Sie fuhren mit geöffneten Türen los und

nahmen allerlei Dinge mit, die dann am Straßenrand noch im

Weg waren. „Vielleicht war der Warnton anfangs nicht laut genug.

Aber jetzt ist der Piepton lauter und die gesamte Instrumententafel

blinkt rot. Sie können nicht losfahren – oder sie müssen taub

und blind sein.“ Durch die neuen Türen lässt es sich leichter einund

aussteigen und sie sind eine sehr beliebte Innovation. Ältere

Die LTDA zieht um. Bald wird es an dieser

Stelle ein ähnliches Hochhaus geben.

Taxifahrer erinnern sich, wie sie früher die

Hintertüren für ihre Passagiere durch das

Fenster öffnen konnten, mit einem kurzen

Griff nach hinten. Jetzt können sie wieder

dasselbe tun. „Bisher waren Londoner Taxis

baukastengleich ausgestattet, in das vorhandene

Teile passten. Aber dieses Taxi ist

von Grund auf neu gebaut. Teilehersteller

erhielten Spezifikationen. Wie für Türgriffe.

Wie viel kostet es, sie zu produzieren,

das war die Frage. Viele Teile stammen von

Volvo. Die Schaltanlage, das Lenkrad, die

Sitze. Volvo ist bekannt für seine Sitze. Sie

sind fantastisch.“

Im Mai oder Juni erwartet McNamara

den neuen vollelektrischen Nissan

E-NV200. „Er erfüllt alle Voraussetzungen

für ein Taxi in London. Der Nachteil ist,

dass man damit sehr stark auf das Schnellladenetz

angewiesen ist. Und das ist karg bis nicht existent und

schlecht verwaltet. Wirklich skandalös, denn die Bezirke, die nach

sauberer Luft schreien, verzögern zugleich die Einführung des

Ladenetzes. Auch weil es Probleme mit der Stromversorgung und

Platzmangel gibt: Parkplätze müssen für Ladeflächen aufgegeben

werden.“

wf

»UBER WIRD WIEDER VERLIEREN«

DEN STREIT MIT UBER TRÄGT LONDON HAUPTSÄCHLICH JURISTISCH AUS, DIE POLITIK SUCHT NACH

REGULATORISCHEN LÖSUNGEN. DIE BRANCHE IST VERHALTEN OPTIMISTISCH.

„Die Gerichtsverfahren sind noch nicht

abgeschlossen“, sagt Londons Taxiboss

Steve McNamara. „Wenn es um den Status

von Uber-Fahrern geht, hat Uber bisher

jedes juristische Scharmützel verloren. Ich

gehe davon aus, dass sie wieder verlieren

werden, wenn die Berufung später in diesem

Jahr beim Obersten Gerichtshof

ankommt. Wenn sich herausstellt, dass

ihre Fahrer Angestellte sind, muss Uber

alle Sozialleistungen zahlen.“

Weniger optimistisch äußert sich

McNamara zum Fall über die Zahlung der

Mehrwertsteuer. „Der Richter weigerte

sich, eine Schutzgerichtsanordnung zu

erlassen, sodass die anklagende Partei vor

riesigen Ansprüchen von Uber im Falle

einer Niederlage geschützt würde.

Es scheint, als ob dieser Fall im

Moment nicht weitergeht.

Es sieht nicht gut aus.

Wenn es um die ordnungsgemäße

Gesetzgebung

geht, haben wir

noch lange nicht aufgegeben“,

fügt McNamara hinzu.

Der kürzlich veröffentlichte Bericht der

Task-and-finish-Gruppe für die Lizenzierung

von Taxis und privaten Mietfahrzeugen

empfiehlt eine vollständige Überarbeitung

des Taxi- und Mietwagen-Sektors

in Großbritannien.

Es gab auch eine Antwort der Regierung.

Kürzlich wurde der Vorsitzende

dieser Gruppe vom Transport Select Committee

befragt. Es sieht so aus, als würde

die Regierung in einigen Teilen des

Berichts handeln, nicht aber in anderen.

„Die LTDA fordert insbesondere eine Klarstellung

der Definition von ,Bereitstellung‘

und ,Vorbestellung‘. Das würde die Taxigesetzgebung

aus den 1830er-Jahren in

das 21. Jahrhundert bringen.“

Ein Klassiker:

Die meisten Uber-Fahrer in London bevorzugen

den relativ günstigen Toyota Prius.

Am Verhältnis zur Londoner Regulierungsbehörde

Transport for London (TfL) ändert

sich nichts. „Sie haben ihre Sichtweise

auf die Lizenzierung, wir haben unsere

Sichtweise. Derzeit veröffentlichen sie ein

Konsultationspapier zu den Sicherheitsanforderungen

für Mietfahrzeuge. Wir glauben,

dass dies erweiterte Fahrprüfungen

für Mietwagenfahrer, Training im Umgang

mit Menschen mit Behinderung und viele

andere Anforderungen in Bezug auf die

Sicherheit beinhalten wird. Es wird auch

eine Antwort auf die Beschilderung für

Mietfahrzeuge geben.“

McNamara ist verhalten optimistisch.

„Änderungen werden sehr langsam vorgenommen.

Zumindest sehen wir eine

Rückkehr zu einer sinnvollen Lizenzierung.

Die Obergrenze der Mietwagenzahl

wurde – wie in New

York praktiziert – von der Regierung

abgelehnt. Immerhin hat

Sadiq Khan, der Bürgermeister

von London, beschlossen, dass

jeder Mietwagen die congestion

charge, die Staugebühr plus die

Gebühr für die Ultra Low Emission

Zone bezahlen muss – täglich 24 Pfund

(etwa 28 Euro, Anm. d. Red.).“ wf

FOTOS: Wim Faber

48 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


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PERSONEN

EIN HYBRID-PIONIER

ÜBERGIBT DIE SCHLÜSSEL

Den Wandel vom Diesel zum ökologisch wie ökonomisch sinnvolleren Hybrid

prägte der Münchner Taxiunternehmer Peter Köhl wie kein anderer. Nun geht der

62-Jährige in den Ruhestand.

Nach mehr als 35 Jahren Taxi

ziehe ich mich aus dem Taxigewerbe

zurück und übergebe

die Firma Taxi Center Ostbahnhof (TCO)

nun in die kompetenten Hände von Ünal

Kücüksahin (früher MTS GmbH, 8 Taxis)

als neuen Geschäftsführer und an Deniz

Köse (Geschäftsführer bei Taxi Duschl,

20 Taxis) als Miteigentümer“, schreibt

Peter „Pit“ Köhl. „Die beiden neuen Inhaber

übernehmen alle Mitarbeiter und führen

den Betrieb in gewohnter Weise weiter.“

Köhl hatte als einer der ersten Mehrwagenbetriebe

überhaupt die Umstellung

seiner 52 Fahrzeuge umfassenden dieselbetriebenen

Flotte auf umweltschonende

Hybridfahrzeuge gewagt und dabei hauptsächlich

auf das Modell Prius gesetzt –

bereits zu einer Zeit, als es die inzwischen

etablierte größere Version Prius+ noch gar

nicht gab. Die betriebswirtschaftlichen

Auswirkungen dieses Umstiegs hat der

Unternehmer auch anderen Taxi-Inhabern

präsentiert – entweder auf Nachfrage in

persönlichen Gesprächen oder in einer der

zahlreichen Vorträge, mit denen sich der

Münchner auch bundesweit einen Namen

gemacht hat.

Neben der Botschaft der betriebswirtschaftlichen

Rentabilität trug Köhl auch

stets die umweltpolitische Motivation nach

außen. Er schuf das Label umwelt-taximuenchen.de

und errang aufgrund der mit

seiner Flotte erzielten CO2-Ersparnis auch

etliche Umweltpreise.

So wurde sein Taxibetrieb beispielsweise

im Jahr 2012 „silbernes Klimaschutz-

Mitglied“ der Landeshauptstadt München.

Ein Jahr zuvor hatte ihn die Stadt bereits

Peter Köhl bei der Schlüsselübergabe seines

Betriebs an Ünal Kücüksahin (rechts) und

Deniz Köse (links).

mit dem „Münchner Umweltpreis“ geehrt,

worüber sich seine ganze Familie freute

(Foto Nr. 1 unten). Im Oktober 2012 tauchte

TCO beim international renommierten

„ÖkoGlobe“ inmitten zahlreicher weltweit

agierender Fahrzeughersteller und Zulieferer

auf und wurde auf den zweiten Platz

gewählt.

Ganz besonders freute sich der in Augsburg

lebende Unternehmer, als ihm der

„National Energy Globe Award Germany“

verliehen wurde. „Ich bin überwältigt und

freue mich unglaublich, dass die Idee und

konsequente Umsetzung eines Münchner

Umwelt-Taxis bis nach Indien durchgedrungen

ist und dort entsprechend honoriert

wird“, sagte Köhl, als er die Award-Urkunde

im Juni 2013 überreicht bekam.

Im September 2012 nahm er an der Bertha-Benz-Challenge

teil und fuhr dabei in

einem Prius-Taxi, das bereits 310.000 Kilometer

auf dem Tacho stehen hatte, über den

Hockenheimring (Foto Nr. 2 unten). „Die

Veranstalter wollten zeigen, dass Elektromobilität

nicht erst in einigen Jahren kommen

wird, sondern bereits da ist und sich

längst im Alltag bewährt hat. Ich denke,

das konnte ich mit meinem Prius-Taxi eindrucksvoll

untermauern“, erläutert Köhl

damals die Motivation seiner Teilnahme.

„Ein Hybrid-Taxi, das 310.000 Kilometer

ohne Störungen im Stadtverkehr absolviert

hat, muss sich hinter keinem herkömmlichen

Antrieb verstecken.“

GELOBT IM KINDERBUCH

Selbst im neu überarbeiteten Band 3 „Energie“

der berühmten Kinderbuch-Reihe

„WAS IST WAS“ tauchte Köhls Taxiunternehmen

auf: „Auch in unseren Städten gibt

es zukunftsweisende Projekte, die die saubere

Energie nutzen“, heißt es auf Seite 47

der Wissenslektüre „Ein vorbildlicher Taxiunternehmer

aus München hat komplett

auf Hybridfahrzeuge umgestellt. Derzeit

sind 42 Ökotaxis in Betrieb, 21 davon sogar

mit Solardach. Im Vergleich zu normalen

Dieselautos kommt bei diesen Taxis nur

etwa halb so viel CO2 aus dem Auspuff.“

Köhl versuchte bei seinem Umweltengagement

auch stets, seine Fahrer mitzunehmen

und für eine ressourcenschonende

Fahrweise zu motivieren. 2011 nahm das

gesamte Unternehmen mit den eigenen

Taxis an einem Sicherheitstraining des

ADAC teil (Foto Nr. 3 unten), in dessen

Pause Toyota-Experten die Hybrid-Technologie

erläuterten. Im Mai 2013 führte

Köhl eine monetäre Umweltprämie ein, mit

der er alle Fahrer belohnte, die besonders

energieeffizient und spritsparend gefahren

waren. Für die individualisierte, manipulationssichere

Benzinverbrauchsmessung

1 2 3

FOTOS: TCO, Taxi Times, Krüger

50 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


PERSONEN

Nach und nach stellte Peter Köhl seine komplette Taxiflotte auf Hybrid-Taxis um.

ließ Köhl damals die Software FuelSpy in

die Taxis einbauen. Das Gerät wurde über

eine externe Schnittstelle an den CAN-Bus

des Fahrzeugs angedockt. „Dadurch konnten

wir passiv, also ohne Beeinflussung des

Fahrzeugs, das Einspritzsignal lesen und

ermitteln, wie viele Milliliter während der

Fahrt eingespritzt wurden“, erinnert sich

Köhl. „Der dadurch festgestellte absolute

Spritverbrauch wird über ein im Taxi sichtbar

eingebautes Display angezeigt.“

Auch im Bereich der reinen Elektromobilität

zählte Köhl zu den Pionieren. Er

nahm im April 2012 einen Opel Ampera-e in

seine Flotte auf und stellte damit deutschlandweit

das erste Elektro-Taxi der Rüsselsheimer

Marke. Auch das präsentierte er

öffentlichkeitswirksam nach außen, indem

er das Taxi auf der Frankfurter Fachmesse

Automechanika im Rahmen einer vom Bundesverband

eMobilität e.V. (BEM) organisierten

Sonderausstellung zukunftsfähiger

Mobilitätskonzepte ausstellte.

Während der Ampera noch mit relativ

geringer Reichweite und Range Extander

unterwegs war, schaffte das Tesla-Taxi als

vollelektrische Variante ein Vielfaches an

Ladevolumen. Natürlich zählte Köhl auch hier

zu den Pionieren, als er sich 2013 das Model

S des US-Unternehmens zum Taxi umrüsten

ließ – begleitet von einem Imagefilm, der in

den sozialen Medien durchstartete.

Mit Peter Köhl hatte die Taxibranche

einen Unternehmer, der Neuem gegenüber

stets aufgeschlossen war und als

Gründungsmitglied der Erfa-Gruppe auch

im Kampf gegen Schwarzarbeit voranschritt.

Zuletzt trat er sogar als Co-Autor

des Ratgebers „Taxi 4.0“ auf. Er übergibt

die Schlüssel nun an zwei jüngere Kollegen

und wird in Zukunft zwischen seinem

Wohnort Augsburg und einem Wochenend-Domizil

in Tirol pendeln. Natürlich

weiterhin in einem umweltschonenden

Hybrid-Fahrzeug – nur hellelfenbein farben

wird es nicht mehr sein.

jh

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TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019


ELEKTRO

DAS SPÄTE

ERWACHEN

Auf diese Plattform will

der VW-Konzern zahlreiche

elektrische Modelle aufsetzen.

Mercedes und Volkswagen haben die

Elektrifizierung ihrer Fahrzeugflotte

angekündigt. Bis sich das allerdings

auf den Taxibereich durchschlägt,

brauchen Unternehmer noch viel Geduld.

Beide deutschen Hersteller – und (noch) Lieblingskinder der

deutschen Taxi-Industrie – verfolgen das Ziel, irgendwann

einmal CO2-neutral unterwegs zu sein. Mercedes-Benz

bis 2039, Volkswagen bis 2050. Dabei setzt VW auf ausschließliche

Elektromobilität, während man im Daimler-Konzern auch

anderen Antrieben wie beispielsweise Wasserstoff noch die Türen

offenhalten will.

Für die Fahrzeuge der Zukunft bedeutet das bei Volkswagen,

dass man bis 2028 70 neue E-Modelle auf den Markt bringe. „Unser

Portfolio wird in allen Fahrzeugsegmenten elektrifiziert“, kündigt

VW-Markenvorstand Dr. Herbert Diess Mitte März an. Bis 2030

solle der E-Anteil auf mindestens 40 Prozent steigen.

Man konzentriere sich deshalb bei VW auf Batterietechnologie,

die zur Schlüsselkompetenz des Konzerns werden soll. Das

Herz der E-Offensive ist der Modulare E-Antriebsbaukasten (MEB),

der als reine Elektro-Plattform entwickelt wurde und Reichweiten

von mehr als 550 Kilometer nach WLTP-Messung garantiert.

Man wolle die Plattform auch an Dritt-Unternehmen zur Verfügung

stellen. Als erste Fahrzeuge auf MEB-Basis kündigte Diess

die ID-Modelle an.

Auch beim Aufbau der Lade-Infrastruktur wird sich Volkswagen

beteiligen. 400 Schnellladestationen sollen bis zum Jahr 2020

an Fern- und Schnellstraßen aufgestellt sein. Einhundert davon

in Deutschland, sodass alle 120 Kilometer ein E-Fahrzeug wieder

aufgeladen werden kann. Zusätzlich wolle man Ladesäulen bei

Volkswagen-Händlern platzieren und plane Partnerschaften mit

großen Einzelhandelsketten.

Den EQC bezeichnet der Konzern als „den Mercedes-Benz unter den

Elektrofahrzeugen“.

Der elektrisch betriebene EQV-Van von Mercedes hat kürzlich in

Barcelona seine ersten Straßenkilometer absolviert.

OPTION BRENNSTOFFZELLE

Bei Mercedes wiederum soll bis zum Jahr 2030 die Hälfte der

verkauften Pkw batterieelektrisch fahren oder über einen Plugin-Hybrid-Antrieb

verfügen, ließ der inzwischen zum Zetzsche-

Nachfolger aufgestiegene Daimler-Vorstand Ola Källenius Mitte

Mai durchblicken. Auch bei den Transportern, Bussen und Lkw

soll der Elektroantrieb vermehrt zum Einsatz kommen.

Wie der neue elektrische EQC und der bereits angekündigte

Van EQV zeigen, liegt der Fokus momentan auf E-Fahrzeugen.

Womit allerdings die Fahrzeuge in zwanzig Jahren fahren werden,

will sich Mercedes noch offenhalten. Als eine Option entwickelt

der Konzern beispielsweise die Brennstoffzelle weiter. Eine

komplette Abkehr vom Verbrennungsmotor bedeutet „Ambition

2039“ allerdings nicht zwangsläufig, denn der Daimler-Konzern

sieht auch eine Zukunft in dem Einsatz von synthetisch erzeugten

Brennstoffen.

Solche umfassenden Änderungen werden natürlich auch die

bislang von Mercedes angebotene Taxiflotte betreffen. Wenn

auch noch kein EQC mit Taxipaket in Sicht ist, sollte spätestens

mit Erscheinen des EQV auch ein elektrisches Taxi im

Daimler- Portfolio verfügbar sein. Bis dahin plant der Konzern,

den Diesel-Hybrid als Taxi zu etablieren. Der E 300 de wurde

bereits im November auf der Europäischen Taximesse präsentiert.

Die Begeisterung in der Taxibranche hält sich allerdings

noch in Grenzen.

sg / jh

FOTOS: Volkswagen, Daimler

52 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


ELEKTRO

ADAC-Vorstand Carl-Eugen Metz und TAZ-

Vorstand Dietmar Plag haben die ersten

Eco-Taxis persönlich beklebt.

Iordanis Georgiadis vom Taxiverband

Stuttgart im Interview mit den Journalisten.

Bislang sind vier Prius und ein Tesla als Eco-

Taxi zertifiziert.

STUTTGARTER BESTELLEN

JETZT ECO-TAXIS

München hat es schon vor Jahren vorgemacht, nun zieht Stuttgart nach und

hat gemeinsam mit dem ADAC das Eco-Taxi gestartet. Als Anreiz werden mehr

Fahrgäste versprochen.

Hinter dem Projekt steht natürlich die Luftbelastung durch

CO2-Abgase: 700 Stuttgarter Taxis legen an einem einzigen

Tag über 100.000 Kilometer zurück. Je mehr davon

schadstoffreduziert unterwegs sind, desto besser für die Stadt und

die berühmte Messstation am Neckartor. Unter Federführung des

ADAC wurde deshalb gemeinsam mit dem Stuttgarter Taxiverband

und der Taxizentrale TAZ das Eco-Taxi entwickelt. Es ist keine Verkaufsförderung,

sondern lediglich ein Label, ein Aufkleber an der

Scheibe. Ein Label, das den Fahrern der Umwelttaxis allerdings

mehr Umsatz in Form einer höheren Auslastung verspricht, denn

der ADAC hat diverse Partner verpflichtet, in Zukunft und bei

Verfügbarkeit ausschließlich auf das Eco-Taxi zurückzugreifen.

Ähnlich wie beim Vorbild München, wo es bereits über 300 Eco-

Taxis gibt, sind im besonderen Maße Hotels vertreten. In Stuttgart

sind das namentlich die Hotels Le Méridien, das Steigenberger Graf

Zeppelin sowie das Maritim Hotel. Dass auch andere Unternehmenszweige

ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen,

zeigte die Anwesenheit eines Vertreters der Commerzbank während

der pressewirksamen Präsentation des Labels Mitte Mai.

ersten 14 Stuttgarter Eco-Taxis stammen zu einem Großteil aus

dem Hause Toyota. Damit auch die Fahrgäste die Fahrzeuge erkennen

können, sind spezielle Aufkleber auf dem Armaturenbrett und

in den hinteren Seitenscheiben positioniert. Auf ihnen sind auch

der Fahrzeugtyp und Angaben zum Schadstoffausstoß vermerkt.

Vor den Augen der Presse wurden die ersten Fahrzeuge, darunter

auch ein Tesla Model S, mit dem für Stuttgart neuen Label beklebt.

Bis das Stuttgarter Eco-Taxi in den Köpfen der Fahrgäste und

vor allem bei den Taxiunternehmern angekommen ist, wird es

vermutlich noch eine Weile dauern. Mit den aktuell 14 zertifizierten

Fahrzeugen wird die Nachfrage sicher nicht zu decken sein,

deshalb wird die Eco-Taxi-Vermittlung erst richtig Fahrt aufnehmen,

wenn sich ca. 50 bis 60 Fahrzeuge angeschlossen haben.

Für Danis Georgiadis vom Taxiverband Stuttgart ist das aber

nur eine Frage der Zeit: „Wenn der Toyota Auris und der RAV 4

den ADAC-Eco-Test durchlaufen haben, dann wird sich auf einen

Schwung das Eco-Taxi etablieren.“

sg

FOTOS: Taxi Times

ÖKO-LABEL UNABHÄNGIG VOM ANTRIEB

Damit ein Taxi das Eco-Taxi-Label bekommt, muss es drei Vorgaben

erfüllen. Zum einen darf der Wagen kaum Feinstaub und

Stickoxide emittieren. Des Weiteren müssen die Fahrzeuge sehr

wenig CO2 ausstoßen. Das Besondere bei dem Öko-Label ist, dass

sich der ADAC nicht an den offiziellen Werksangaben orientiert,

sondern in eigenen Tests die Ökobilanz des Fahrzeugs im realen

Fahrbetrieb testet. Dabei ist es egal, ob der Wagen über einen

Benzin- oder Dieselmotor verfügt, mit Gas oder Strom fährt.

Welche Fahrzeuge eine Chance auf das Eco-Label haben,

kann man einer vom ADAC bereitgestellten Liste entnehmen.

Weil Mercedes als die typische schwäbische Taximarke zu spät

aufgewacht ist (siehe nebenstehender Beitrag), ist die aktuelle

Auswahl erstaunlich gering. Die beim Label-Start präsentierten

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TEST

DIE PRAKTISCHE

ALTERNATIVE ZUM SUV

Den Rifter bezeichnet Peugeot selbst als Familienauto. Mit dem Intax-Taxipaket ist

der Rifter aber auch bestens für die Personenbeförderung gerüstet.

Zugegeben, der Peugeot Rifter kann auf den Peugeot Partner

als einen ziemlich erfolgreichen Vorgänger zurückblicken.

Zwar nicht unbedingt erfolgreich im deutschen

Taxigewerbe, aber als Familienauto. Mit der neuen Generation hat

Peugeot an vielen Ecken den Wagen verbessert. Sowohl beim Sitzkomfort

als auch beim Raumgefühl und bei der Größe der hinteren

Schiebetüren hat sich der Wagen deutlich weiterentwickelt, was

ihn interessant für den Einsatz als Taxi macht. Das sieht wohl

auch Peugeot so und hat deshalb bei Intax ein Taxipaket entwickeln

lassen.

Der von uns getestete Rifter wird von einem 1,5-Liter-Turbodieselmotor

mit 130 PS angetrieben und gibt seine Kraft über ein

angenehm schaltendes 8-Gang-Getriebe an die Vorderräder ab.

Der dieselbetriebene Hochdachkombi erreicht die Abgasnorm Euro

6d-TEMP, weshalb er keinen Bogen um Umweltzonen machen

muss. Erreicht werden diese Abgaswerte unter anderem durch

einen SCR-Kat und die für dessen Betrieb notwendige Einspritzung

von AdBlue. Der Zusatztank fasst rund 17 Liter der wässrigen

Harnstofflösung und soll erst nach rund 20.000 Kilometer Fahrt

nachgefüllt werden müssen. In der Theorie also schon 10.000 Kilometer,

bevor der Wagen sowieso zur Inspektion in der Werkstatt

steht. Ob der rein rechnerisch gesehene Verbrauch von knapp

unter einem Liter AdBlue auf 1.000 Kilometer auch in der Praxis

stimmt, konnte im Rahmen des Tests nicht überprüft werden.

Beim Dieselverbrauch lagen wir mit rund 7,1 Litern pro

100 Kilometer jedoch stets über dem für innerstädtischen Verkehr

angegebenen Durchschnittsverbrauch von 4,6 Litern Diesel auf

100 Kilometern.

Der Testwagen ist in den Genuss eines kompletten INTAX-

Umrüstprogramms gekommen und ist mit einem HALE-

Microtax-MCT-06 Taxameter und einem Motorola-MOTOTRBO-

DM2600-VHF-Funkgerät mit abgesetztem Mikrofon und Taster

ausgerüstet. Neben dem Standardprogramm wie Taxialarmanlage

und der Vorrüstung für das Dachzeichen sind die Sitze des Rifter

beledert. Ein Ausstattungsdetail, welches man bei Peugeot vergeblich

sucht, bei dem aber INTAX weiterhelfen kann. Die Sitze

sind wahlweise und gegen Aufpreis mit Kunstleder (ab 1.099 Euro)

oder wie im Testwagen mit Teilleder (ab 1.299 Euro) oder vollständig

beledert (2.299 Euro) bestellbar.

Die Umrüstung ist sehr gut gelungen und hinterlässt den Eindruck

einer werksseitigen Lederausstattung. Für den Einsatz im

Taxialltag sicherlich eine empfehlenswerte Option, nicht zuletzt

wegen des optischen und haptischen Eindrucks. Dank der Lederausstattung

ändert sich das Image des Rifter vom Familienauto

hin zu einem professionellen Fahrzeug für die Personenbeförderung.

Speziell der Innenraum ist es auch, der den Rifter zu einem so

interessanten Auto macht, denn dessen Variabilität sucht seinesgleichen.

So kann der Rifter mit kurzem Radstand beispielsweise

Nur auf den ersten Blick ungewohnt. Das abgeflachte Lenkrad liegt

gut in der Hand.

Der Taxameter ist in der speziell angefertigten Dachkonsole untergebracht.

mit wahlweise bis zu sieben Sitzen geordert werden. In der zweiten

Sitzreihe sind Einzelsitze bestellbar, die je nach Platzbedarf

umgeklappt werden können. Der Kofferraum selbst bietet in der

4,40 Meter langen L1-Version bis zur Kofferraumabdeckung

571 Liter Volumen. Die 35 Zentimeter längere L2-Version ohne

dritte Sitzreihe stellt sogar 750 Liter Stauraum zur Verfügung.

Einzig das nicht serienmäßig enthaltene Gepäcknetz sollte unbedingt

mitbestellt werden, denn nur dann kann der Rifter sicher

zu einem echten „Hochstapler“ im Kofferraum werden.

Der gute Gesamteindruck setzt sich auch hinterm Lenkrad fort.

In der von uns getesteten kurzen L1-Version fährt sich der Rifter

nicht wie ein Hochdachkombi mit Transportergenen, sondern fühlt

sich beim Fahren eher wie ein SUV an. Dies kann zum Teil der

hohen Sitzposition zugerechnet werden. Dem längeren Radstand

geschuldet, ist beim L2 Rifter mit noch mehr Komfort zu rechnen.

Das zunächst ungewohnte Lenkrad, es ist oben und unten abge-

FOTOS: Taxi Times

54 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


TEST

UMFANG INTAX-TAXIPAKET

• Preis: 290 Euro netto

• Taxameter-Vorrüstung

• Taxameter-Konsole

• Funk-Vorrüstung (ohne Antenne)

• Dachzeichen-Vorrüstung mit

Halterung für Kienzle-Argo-Dachzeichen

Taxi-Notalarmanlage

• Zentral-Innenlichtschaltung

Taxipaket inklusive Folierung

990 Euro netto

flacht und verfügt über anfangs recht raue Nähte, lässt beim kurzen

Rifter einen sehr komfortablen Wendekreis von 10,8 Metern

zu. Ein U-Turn wird so zum Kinderspiel. Ebenso leicht ist es, den

Rifter in eine enge Parklücke zu bugsieren. Die optionalen Parksensoren

bzw. die Rückfahrkamera sind aber fast ein Muss. Nach

vorne sind die Abmessungen kaum abzuschätzen.

KINDERPAKET IST SINNVOLL IM TAXI-EINSATZ

Ein weiteres optionales Ausstattungsmerkmal ist allerdings erst

auf den zweiten Blick sinnvoll. Auf Wunsch gibt es ein sogenanntes

Kinderpaket. Es beinhaltet Sonnenrollos für die zweite Sitzreihe

und einen Innenspiegel, der über dem regulären Innenspiegel

montiert ist und einen Blick auf die Kinder/Passagiere zulässt.

Das Paket kostet rund 169 Euro netto, möglicherweise kann man

den zusätzlichen Innenspiegel aber auch einzeln nachrüsten. Für

rund 100 Euro ist auch ein alter Bekannter in Form eines vollwertigen

Reserverades bestellbar. Eine Vielzahl diverser Ablagefächer

rundet den Innenraum ab.

Unser Testwagen, dessen Automatikgetriebe mithilfe eines

Drehschalters in der Mittelkonsole bedient wird, verfügt über ein

DIE BAUGLEICHEN AUTOS

Wer sich mit der Marke Peugeot nicht anfreunden kann,

der kann sich sowohl bei Citroën als auch bei Opel

umschauen. Der baugleiche Citroën Berlingo ist ebenfalls

mit einem Intax-Taxipaket erhältlich, unterscheidet sich

aber in kleinen Details. Als Combo steht der Hochdachkombi

bei Opel im Showroom. Alle drei können zu einem

Inklusionstaxi mit Heckausschnitt umgerüstet werden.

tiefes Fach, dessen Sinn nicht auf den ersten Blick klar wird. Will

man aber mal eine große viereckige Wasserflasche eines namhaften

französischen Herstellers unterbringen, dann scheint das Fach,

in dessen Tiefen auch eine 12-Volt-Steckdose zu finden ist, optimal

zu sein. Die Flasche verschwindet und kein Fahrgast kann sie

umstoßen. Überhaupt ist die Ausstattung von den Sicherheitsfeatures

über die Klimatisierung bis zur Multimediaanlage inklusive

Navi mehr als komplett, aber auch komplex.

Im Gegensatz zu den von INTAX verbauten Schaltern für die

Notalarmanlage und die Dachzeichenbeleuchtung wirkt die peugeoteigene

Platzierung der Schalter häufig eher zufällig. Dieser

Eindruck setzt sich auch bei der Menüführung des Multimedia-/

Navigationssystems fort. Überhaupt ist die Bedienung nichts für

ungeduldige Autofahrer. Will man die Spracheingabe nutzen, wirken

die Antworten des Fahrzeugs nervtötend lang und umständlich.

Der gewünschte Radiosender ist beispielsweise manuell

schneller eingestellt. Will man sich einen Rifter, der übrigens auch

ein heißer Anwärter für einen Umbau als Inklusionstaxi ist, zulegen,

so muss man für den günstigsten Benziner mindestens

17.428 Euro netto anlegen. Der getestete Wagen mit der gehobenen

Allure-Ausstattung und dem 1,5 Liter Diesel mit automatischem

Getriebe ist deutlich teurer. Er startet bei 24.572 Euro netto.

Etwaige Nachlässe werden nicht von Peugeot gesteuert und

müssen individuell mit dem Händler vereinbart werden. Als Fazit

kann man dem getesteten Rifter mit fünf Sitzplätzen eine gute

Taxitauglichkeit bescheinigen. Unter dem Strich überzeugt seine

Variabilität und der als angenehm in Erinnerung gebliebene Fahreindruck.

Bislang waren die Hochdachkombis aus Frankreich eher

eine Randerscheinung am Taxistand. Vielleicht wird sich das ja

mit dem neuen Rifter ändern. Ob die Auszeichnung zum aktuellen

Taxi des Jahres als funktionalster Van“ dazu beiträgt? sg

TAXI DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019

55


GASTKOMMENTAR

Ein neuer Bundesverband

treibt einen Keil in die Einigkeit der Branche.

ALLES VERBÄNDE,

ODER WAS …?

Just in der Phase, in der die Taxibranche Einigkeit wie selten zuvor zeigt,

entsteht ein neuer Taxiverband. Was soll das?

Das Taxigewerbe steht unter Druck:

Jede Menge neuer Marktteilnehmer,

Fahrdienste, Car-Pooler und

Sharer stehen auf einmal auf der Matte und

buhlen um die Fahrgäste, nach denen vor

zehn Jahren noch kein Hahn gekräht hat.

Die Mobilität auf der letzten Meile,

die Nahverkehrsversorgung der Bevölkerung

sind auf einmal ein Thema, das in

den Konzernzentralen der Autohersteller,

den Kommunen und der hohen Politik

gleichermaßen Fantasie, unendliche

Marktpotenziale sowie umweltpolitische

Effekte im Rahmen der Verringerung des

Individualverkehrs weckt. Galt vor Jahren

„Hellelfenbein“ als altmodisch, wirkt heute

anscheinend der Personenbeförderungsmarkt

wie eine bewusstseinserweiternde

Droge.

HERVORRAGEND ORGANISIERT

Und da sucht jeder, seinen Platz und seine

Bestimmung zu verteidigen. Der Bundesverband

Taxi- und Mietwagen e. V.

– früher BZP genannt – hat mit seiner

„Verlässlichkeits-Kampagne“ den Nagel

auf den Kopf getroffen. Der Protest gegen

die Scheuer-Eckpunkte hat sich unter diesem

Dach hervorragend organisiert und

die Resonanz am bundesweiten Aktionstag

war von der Beteiligung – aber noch

viel mehr vom Medien- und Presseecho –

überwältigend. Weitere Aktionen werden

durchgeführt, um die Öffentlichkeit für

das Thema zu sensibilisieren. Dass just in

dieser Lage sich ein neuer Verband unter

der „sperrigen“ Bezeichnung „Föderation

freier Taxen Deutschland (FFTD) gründet,

hat Nachdenklichkeit ausgelöst. Führt das

nicht geradezu zwangsläufig zu einer Spaltung

des Gewerbes, bei dem Zusammenhalt

mehr als notwendig, wenn nicht sogar das

Gebot der Stunde ist?

EINE STIMME FÜR TAXIFAHRER

Das Ziel des neuen Verbands, eine authentische

Stimme für Gewerbetreibende und

gleichzeitig für Taxifahrer zu sein, ist

durchaus anzuerkennen. Es mag schon

sein, dass ein Teil der Unternehmerschaft

und die dort angestellten Fahrer sich durch

den Bundesverband Taxi und Mietwagen

e. V. nicht angemessen vertreten fühlen,

obgleich dies dort sicher nicht beabsichtigt

ist. Da ist dann sicher noch Raum für

eine Interessenvertretung, die die Basis im

Visier hat. Aber oberstes Gebot muss sein,

gegenüber dem „Eckpunkteminister“ und

überzeugten Tretrollernutzern mit einer

Stimme aufzutreten.

Und ob der Plan des neuen Verbands,

eine eigene App zu entwickeln, ein guter

Weg ist?

Dass unter dem Dach taxi.eu eine

unabhängige Aktiengesellschaft und ein

Zusammenschluss aller Zentralen geplant

ist, scheint da wesentlich zielführender.

Große und starke Marken wurden immer

durch Konzentration erschaffen, ganz selten

durch Diversifizierung. Im Konzert der

Interessenvertretungen spielen die Zentralen

vor Ort eine nicht unerhebliche Rolle,

zumal sie die Interessen der Mitglieder

nach innen wie außen vertreten.

Als Fazit bleibt: In einer Zeit, in der das

Gewerbe und seine Daseinsberechtigung

hinterfragt werden und unter dem Druck

des drohenden Existenzverlustes steht, ist

das erste Gebot eine einheitliche Stimme,

die verbindlich die Positionen jenseits der

Scheuer-Eckpunkte fordert. Und das muss

das erste Ziel jedes Verantwortlichen sein,

denn die Zeit für Grabenkämpfe ist lange

vorbei.

Ohne diese Einigkeit ist das Gewerbe

dem Untergang geweiht, was eigentlich

jeder der Akteure weiß. In diesem Sinne:

An die Arbeit! Es gibt viel zu tun. au

Axel Ulmer ist ausgebildeter Volljurist mit

Schwerpunkt Verwaltungsrecht/PBefG und

fungiert als Unternehmensberater für die

Ulmer Consulting UG in Kaiserslautern.

FOTOS: Axel Rühle, Taxi Times

56 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


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ÖSTERREICH

TAXIDEMO ZWEI

TAGE VOR IBIZA

Was in Deutschland der 10. April war, war für die

Wiener Taxilenker der 16. Mai. Rund 500 Taxis waren an

diesem Tag im Konvoi durch die Innenstadt gefahren.

IMPRESSUM

FOTOS: Global Taxis, Salih Akar

Anders als in Deutschland protestierten

die dortigen Taxiunternehmer

und -fahrer nicht gegen

irgendwelche Pläne für eine Gesetzesänderung,

sondern gegen das Schneckentempo

der dortigen Regierung. Diese hatte nach

jahrelangen Gesprächen mit der österreichischen

Gewerbevertretung eine Änderung

des dortigen Gelegenheitsverkehrsgesetzes

angekündigt, wonach die bisherige

Unterscheidung zwischen Taxi und Mietwagen

wegfallen solle. Dann müssten alle

Fahrer, egal ob Mietwagen, Taxi oder

Limousinenservice, einen Taxischein vorweisen.

Für dessen Erlangung soll dann

neben der Taxiprüfung ein Mindestalter

von 20 Jahren und ein einwandfreies Leumundszeugnis

für alle Fahrer vorgeschrieben

sein. Doch seit diesem Versprechen im

Februar hatte sich nichts mehr bewegt.

Dieses Schneckentempo ärgerte vor

allen Dingen Irfan Kuna vom Global Taxi

Verein, dem Organisator der Taxidemo.

Wiener Taxilenker trauern um den Rechtsstaat.

Er hatte deshalb über Facebook zum Protest

aufgerufen und zahlreiche Kolleginnen

und Kollegen mobilisiert. Unterstützung

bekam er dabei auch von der österreichischen

Wirtschaftskammer, die zwar die

Taxilenker bei der Demo nicht organisatorisch,

dafür aber verbal unterstützte. „Wo

bleibt die versprochene Überarbeitung

des Gelegenheitsverkehrsgesetzes?“, fragte

der Wiener Taxiobmann Gökhan Keskin

in einer am Demotag veröffentlichten

Presse aussendung.

Dass der Protest durchaus berechtigt

war, zeigten erste politische Stellungnahmen

der Politik gegenüber österreichischen

Medien. Die Verkehrssprecher der Regierungsparteien

von ÖVP und FPÖ erklärten

unisono, dass ein neues Gesetz im Herbst

beschlossen werden soll. Es schien, als sei

die Taxidemo ein nötiger Weckruf gewesen,

nachdem bisherige gewerbepolitische

Appelle ins Leere gelaufen waren.

Dann allerdings kam keine 48 Stunden

später die „Ibiza-Affäre“

ins Rollen, welche die aktuelle

Koalition platzen ließ und die

zwei Wochen später auch den

Bundeskanzler das Amt kostete.

Aktuell wird das zuständige

Verkehrsministerium kommissarisch

geleitet. Trotzdem und

für viele überraschend haben

SPÖ, ÖVP und FVÖ Mitte Juni

einem Initiativantrag zugestimmt.

Das neue Gelegenheitsverkehrsgesetz

soll dann

ab September 2020 Taxi und

Mietwagen in einem Einheitsgewerbe

vereinen. jh

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taxi-times Verlags GmbH

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Weitere Taximagazine aus dem Taxi-Times Verlag:

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58 DOPPELAUSGABE JUNI / JULI 2019 TAXI


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Uns schon! Wie auch schon in den letzten Ausgaben,

fehlen auch in dieser Taxi Times wichtige Werbekunden.

Verkaufs- und Imageanzeigen von Fahrzeugherstellern

und der Industrie waren bisher immer ein wesentlicher standteil der Finanzierung unserer redaktionellen

Be-

Arbeit.

Trotzdem werden wir als Sprachrohr der Taxibranche

unsere Berichterstattung auf keinen Fall reduzieren. Das

sind wir gerade in der jetzigen Phase allen Taxiunter-

nehmern schuldig, aber auch den Politikern und Aufsichtsbehörden,

die ebenfalls zu unseren Lesern gehören.

Taxi Times wird also weiterhin berichten. Online wie per

Print. Für uns ist das selbstverständlich. Für Sie auch?

Dann werden Sie jetzt Abonnent von Taxi Times und

unterstützen Sie unsere Arbeit mit 35.- € pro Jahr, damit

wir wiederum Ihre Arbeit weiterhin begleiten und unterstützen

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