Berliner Zeitung 19.08.2019

BerlinerVerlagGmbH

Wiedie Hohenzollern nach Berlin kamen – Stadtgeschichte Seite 10

Zum Tod

von

Peter Fonda

Seite 21

17°/24°

Wechselnd bewölkt

Wetter Seite 2

Norbert Lammert über

WutinPolitik-Debatten

Politik Seite 4

www.berliner-zeitung.de

Prämiensparvertrag –

was tun bei Kündigung?

Wirtschaft Seite 6

Montag,19. August 2019 Nr.191 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Der Hellseher,die Polizei

und der Fall Rebecca

Berlin Seite 9

Grönland

Der

arktische

Balancekünstler

VonFrederik Bombosch

Wie geht man damit um, wenn

man sich als Regierungschef

scheinbar in einer Realsatirewiederfindet?

Grönlands Regierungschef

Kim Kielsen lieferte in diesen Tagen

ein souveränes Beispiel. Am Freitag

hatte das Wall Street Journal die Meldung

verbreitet, US-Präsident Donald

Trump wolle die arktische Insel

kaufen. Schon das Gerücht ist ein Affront

für eine Nation,

die seit

Jahrzehnten für

ihre Unabhängigkeit

kämpft.

Sollte sich Kielsen

empören

und leere Drohungen

aussto-

Kim Kielsen,

Regierungschef von

Grönland

ßen?

Der 52-jährige

Sozialdemokrat

zeigte, dass

er beherrscht, was sein teilautonomes

Land auf dem Wegindie Selbstständigkeit

dringend benötigt: Diplomatie.

„Wir sehen die Gerüchte

als Ausdruck eines generellen Interesses,

inunser Land zu investieren“,

erklärte er.Und er nutzte den kurzen

Moment globaler Aufmerksamkeit

für eine klare Botschaft: „Grönland

ist natürlich nicht zu verkaufen.“ Im

Internet ließ er unter die Erklärung

den Link zur Homepage der grönländischen

Handelskammer setzen.

Tatsächlich ringen die Grönländer

schon lange um einen fairen

Umgang der USA –deren damaliger

Präsident Harry S. Truman bereits

1946 ein Kaufangebot für Grönland

übermittelte, 100 Millionen Dollar

wollte er zahlen. Stattdessen schlossen

die Vereinigten Staaten ein Abkommen

mit der Kolonialmacht Dänemark,

das ihnen die kostenfreie

Nutzung der Luftbasis Thule im

Nordwesten des Landes zusichert.

Bis2014 profitierte Grönland zumindest

indirekt durch zivile Aufträge.

Dann aber vergab das Pentagon den

Auftrag an ein US-Unternehmen.

Es war das Jahr,als KimKielsen an

die Macht kam. Der frühere Seemann

und Polizist hatte durch sein

Engagement für schwierige Jugendliche

den Weg indie Politik gefunden.

Seine Mission: Grönland den

Weg in eine selbstbestimmte Zukunft

zu ebnen. Dassei ein Langzeitprojekt,

betont er: „Die nächste Generation

muss den Ball weiterspielen.“

Aber schon jetzt gelte es,

Bergbau und Tourismus als Schlüsselbranchen

zu stärken – die vom

Klimawandel profitieren, während

die Gletscher des Landes schmelzen.

Kielsen lässt sich dabei nicht vorschreiben,

wer seine Partner sind.

Vorzwei Jahren reiste er nach China

und warb um Investitionen. Die dänische

Regierung erkannte das Risiko,

dass die aufstrebende Großmacht

in der Arktis Fuß fassen

könnte –und versprach den Grönländern

den lange geforderten Ausbau

ihrer Flughäfen. Kielsen hatte

gezeigt, dass er die Kunst des diplomatischen

Balanceakts beherrscht.

Trump könnte vonihm lernen.

Wergehört in die CDU?

Wirbel um Äußerungen von Parteichefin Kramp-Karrenbauer zum Umgang mit Hans-Georg Maaßen

VonJan Sternberg

Kurz vor den für die CDU

schwierigen Wahlen in

drei Ost-Bundesländern

hat Parteichefin Annegret

Kramp-Karrenbauer mit Äußerungen

zu einem möglichen Parteiausschlussverfahren

gegen Ex-Verfassungsschutzchef

Hans-Georg Maaßen

für Wirbel gesorgt. Vorallem in

den eigenen Reihen löste sie massiven

Unmut aus: Viele ostdeutsche

CDU-Politiker reagierten am Wochenende

irritiert und kritisierten

offen die von der Parteichefin entfachte

Debatte,sodass sie sich zu einer

Klarstellung gezwungen sah.

Am Sonnabend war ein Zeitungsinterview

erschienen, in dem Kramp-

Karrenbauer gefragt wurde,obsie für

den umstrittenen Ex-Verfassungsschutzchef

Hans-GeorgMaaßen, seit

1978 CDU-Mitglied, ein Parteiausschlussverfahren

erwäge. Ihre vieldeutige

Antwort: „Es gibt aus gutem

Grund hohe Hürden, jemanden aus

einer Partei auszuschließen. Aber ich

sehe bei Herrn Maaßen keine Haltung,

die ihn mit der CDU noch wirklich

verbindet.“ Weiter sagte Kramp-

Karrenbauer der Funke-Mediengruppe:

„Die CDU hält es aus, wenn

unterschiedliche Meinungen geäußert

werden. Aber: Die CDU ist auch

eine Partei, die von einer gemeinsamen

bürgerlich-konservativen Haltung

getragen wird. Eine Politik unter

dem Deckmantel der CDU zu machen,

die den politischen Gegner vor

allem in den eigenen Reihen sieht,

wirddieser Haltung nicht gerecht.“

Maaßen selbst reagierte gelassen.

„Es ist mir ein Rätsel, wer ihr dazu

geraten hat, solche Gedankenspiele

zu formulieren“, sagte er der Deutschen

Presse-Agentur. Esgebe hohe

Hürden für einen Parteiausschluss

„und ich hätte im Leben nicht gedacht,

dass diese Hürden mich einmal

schützen müssten“.

Die Vorwürfe wies er zurück.

„Nicht ich habe mich von den Positionen

meiner Partei entfernt, sondern

die CDU ist unter der früheren

Parteivorsitzenden weit nach links

gerückt“, so Maaßen. DieCDU sei im

Gegensatz zu den dogmatischen

Parteien des linken Spektrums immer

eine Partei der Vielfalt gewesen.

„Dass AKK mit dieser Tradition brechen

will, glaube ich nicht. Es würde

mich sehr enttäuschen, denn ich

hatte immer Hochachtung vorihr.“

Entsetzen lösten die Äußerungen

Kramp-Karrenbauers vor allem bei

der Sachsen-CDU aus, für die Maaßen

im Wahlkampf aktiv ist. Dort

wird ebenso wie in Brandenburg in

knapp zwei Wochen am 1. September

ein neuer Landtag gewählt.

Sachsens Ministerpräsident Michael

Kretschmer sagte der Bild am

Sonntag über die Sätze seiner Bundesvorsitzenden:

„Das ist der falsche

Weg. Bei aller berechtigten Kritik an

Hans-GeorgMaaßen –wir schließen

niemanden aus der CDU aus, nur

weil er unbequem ist.“ Er rate „zu

Gelassenheit im Umgang mit unter-

„Die permanent nach innen gerichteten

Debatten –egal vonwem undwelcherGruppe

innerhalb der CDU –taugen nur bedingt.“

Mike Mohring, Landeschef der CDU in Thüringen

Chancenlos

schiedlichen Meinungen in unserer

Volkspartei“.

Passend dazu erschien in derWelt

am Sonntag ein Interview mit Maaßen,

das zwar vorder Debatte um ein

Parteiausschlussverfahren geführt

wurde, indem der Ex-Verfassungsschutzchef

aber die sächsische CDU

bereits aufruft, sich vonder Bundespartei

abzugrenzen: „Ich wünsche

mir, dass sich der sächsische Ministerpräsident

von bestimmten politischen

Positionen, die von der CDU

auf Bundesebene propagiert werden,

emanzipiert“, sagt Maaßen

darin. Er wünsche sich von seiner

Partei „in Teilen eine Neupositionierung

der CDU, eine Politikwende“.

Das erste

Bundesligaspiel in der

Vereinsgeschichte des

1. FC Union endet

mit einer bitteren

4:0- Niederlage.

Der RB Leipzig zeigte

dem Neuling seine

Grenzen.

SportSeite 20

Kritik an Kramp-Karrenbauer

kam zudem vonThüringens Landeschef

Mike Mohring: „Wir empfinden

diese neuerliche Personaldiskussion

als nicht sonderlich hilfreich“, sagte

er der Deutschen Presse-Agentur in

Berlin. „Die permanent nach innen

gerichteten Debatten – egal von

wemund welcher Gruppe innerhalb

der CDU –taugen nur bedingt.“

DieCDU-Chefin sah sich deshalb

zu einer Richtigstellung gezwungen:

Einen Parteiausschluss Maaßens

habe sie nie gefordert. „Die CDU ist

eine Partei mit über 400 000 Mitgliedern.

Dass jeder seine eigene Meinung

haben kann, das macht uns

aus, das macht uns auch interessant.“

Es müsse aber klar sein, dass

der politische Gegner außerhalb und

nicht innerhalb der Partei sei, sagte

die Ministerin beim Tagder offenen

Tür im Verteidigungsministerium.

Maaßen gehörtder konservativen

CDU/CSU-Splittergruppe Werte-

Union an. Er war im Spätsommer

2018 als Präsident des Bundesverfassungsschutzes

in die Kritik geraten,

nachdem er die Echtheit eines Videos

bezweifelt hatte, das nach der

Tötung eines Mannes in Chemnitz

eine Attacke gegen Migranten zeigt.

Im November 2018 versetzte Bundesinnenminister

Horst Seehofer

(CSU) Maaßen in den einstweiligen

Ruhestand, nachdem dieser laut einem

Redemanuskript von teils

„linksradikalen Kräften in der SPD“

gesprochen hatte.

Kommentar Seite 8

FOTO: CITY-PRESS

Ostbeauftragter

versteht den

Frust der Ossis

ChristianHirte über brutale

Erfahrungen nach der Wende

Die Kritik von Menschen in Ostdeutschland,

in der Gesellschaft

nicht genügend abgebildet zu

werden, kann der Ostbeauftragte der

Bundesregierung, Christian Hirte

(CDU), teilweise nachvollziehen.

„Ein bisschen verstehe ich das“,

sagte er.Beispielsweise seien die Medien

starkwestdeutsch geprägt. Kulturelle

Erfahrungen, Situationen

und Stimmungslagen der Menschen

im Osten könnten in den alten Bundesländern

häufig nicht ganz nachvollzogen

werden.

Derzeit ist der gebürtigeThüringer

auf seiner Sommertour entlang der

ehemaligen innerdeutschen Grenze

in allen fünf Bundesländern inOstund

Mitteldeutschland unterwegs.Er

sagte: „Die Ostdeutschen haben die

kollektive Erfahrung, dass ein politisches

System, aber auch eine Wirtschaft

komplett scheitern können.“

Es gebe eine viel größere Skepsis gegenüberder

Stabilität „unseres politischen

und ökonomischen Systems“.

Einen weiteren Grund für die Unzufriedenheit

der Ostdeutschen

sieht Hirteauch in den persönlichen

Erfahrungen vieler Menschen nach

dem Mauerfall. Es habe bei aller Euphorie

auch eine konkrete Betroffenheit

in Familien oder im Bekanntenkreis

gegeben. Er meint damit die

Massenarbeitslosigkeit nach der

Übernahme der allermeisten Ostbetriebe

durch die Konkurrenz aus

dem Westen und der oft nachfolgenden

Schließung der Betriebe.

Hirtesagte,viele hätten beispielsweise

die Erfahrung gemacht, dass

man trotz guter Ausbildung und obwohl

man fleißig ist, trotzdem unter

die Räder komme und sich mit Gelegenheitsjobs

„durchwurschtele“.

Diese Brutalität, wie sie der Osten in

den 90er-Jahren erlebt habe,habe es

im Westen nicht gegeben.

Zuvor hatte Hirte dem Südwestrundfunk

bereits gesagt, die CDU

habe seiner Ansicht nach die Stimmungslage

der Bürger im Osten

nicht aufgegriffen. Seine Partei habe

nicht zeigen können, dass sie deren

Interessen im Blick habe. Hirte, der

bis 2018 Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium

war, besuchte

auf seiner Sommertour die

Städte Wismar, Eisenach, Mühlhausen

und Frankfurt (Oder). Die Tour

dauertbis zum 25. August. (dpa)

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2 Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Tagesthema

Wie oft er sich gefragt hat,

ob er es nicht doch

hätte verhindern können.

Ob er die Strecke

noch aufmerksamer hätte im Blick

haben können. Ob er noch schneller

hätte bremsen können. Aber am

Ende war die Antwort immer: nein.

„Man fühlt sich für etwas schuldig,

für das man nichts kann“, sagt MeinhardBahr.„Dasist

das Schlimme.“

Es ist der 19. August 2012, ein

Sonntag, als Bahr die Regionalbahn

15607 von Wächtersbach nach

Frankfurt amMain fährt. Es ist früh

am Morgen, der Himmel ist stahlblau,

die Sicht ungetrübt. DiePerson

aber, die in einer lang gestreckten

Kurve hinter dem Stromkasten kauerte,konnte

er dennoch nicht erkennen.

Keine Chance. Bahr bremst sofort,

aber bei Tempo 120 braucht es

mehrere Hundert Meter, bis der Zug

zum Stehen kommt. Er gibt über

Funk Bescheid, „RB 15607 meldet

Personenschaden“, dann steigt er

aus.Erwürde jetzt gerne helfen. Aber

schon von Weitem sieht er, dass es

hier nichts mehr zu helfen gibt.

Eine Ohnmachtserfahrung

Lokführer tragen ein besonderes Berufsrisiko: Wenn ein Mensch auf den

Gleisen steht oder liegt, können sie die tödliche Kollision kaum vermeiden.

Lokführer im Cockpit eines ICE

Er geht zurück, setzt sich wieder in

den Führerstand, wartet, bis die Kollegen

vonder Bahn eintreffen. Er wird

abgelöst, ins Krankenhaus gebracht,

seine Frau holt ihn ab.Indiesem Moment

denkt er noch, dass ihn dieser

Moment nicht verändern wird, ihn,

den gestandenen Eisenbahner. Aber

das war dann doch ein Irrtum. Lokführer,

das ist ein Traumberuf, noch

immer. Die Fahrten durch idyllische

Landschaften, einsam und doch als

Teil eines großen Systems,all das begeistertden

53-Jährigen noch immer,

nach schon 36 Jahren bei der Bahn.

Aber es gibt eben auch dieses spezielle

Berufsrisiko. Das liegt an den

Unfällen, die es mit Zügen gibt, selten,

aber dann oft mit schwerem Ausgang.

Es liegt an Verbrechen, verstörenden

Taten wie vor kurzem in

FrankfurtamMain, als ein Mann eine

Mutter und ihren Sohn voreinen einfahrenden

Zugschubste.Und es liegt,

vorallem an denjenigen, die sich entscheiden,

sich mit Hilfe eines Zuges

selbst zu töten.

Jedes Jahr sind es in Deutschland

etwa 700 bis 800 Menschen, die das

tun. Rechnerisch bedeutet das, dass

–bei einer Zahl von 20000 Lokführern

–jeder ungefähr zweimal in seinem

Berufsleben einem Suizid ausgesetzt

ist. Wobei es natürlich einige

wenige gibt, die, glückliche Fügung,

von solch einem Ereignis ganz verschont

bleiben. Undandere, die sieben

oder achtmal gezwungen sind,

einen Menschen zu überfahren.

Lokführer sind nicht die Einzigen,

die einen solchen Anblick aushalten

müssen. Es betrifft auch Rettungssanitäter

oder Polizisten. Für sie ist es

in diesen Situationen Teil ihres Berufes

zu helfen, also etwas zu tun. Bei

Lokführern ist das anders. „Sie sind

in ihrem Führerstand gefangen“,

Bahnunfälle

Die Angst fährt immer mit

VonThorsten Fuchs

IMAGO IMAGES/PETER SCHATZ, HORST GALUSCHKA

sagt Volker Reinken, Chefarzt der

Vincera Klinik BadWaldsee.„Das ist

das Schlimme.“ Für sie ist es eine

Ohnmachtserfahrung.

Der Lokführer Meinhard Bahr

bleibt zunächst ein paar Tage zu

Hause.Erabsolviertdann eine Reha,

drei Wochen lang. Es ist anders als

früher,als Lokführer nach einem solchen

Vorfall einfach weitergefahren

sind, als wäre nichts geschehen,

Bahr kann sich noch daran erinnern.

Inzwischen ist alles geregelt, die sofortige

Ablösung, dazu die Möglichkeiten,

anschließend in einen anderen

Bereich zu wechseln. Seit 2017

steht all dies im Tarifvertrag der

Bahn. Auch die Bahn weiß, welche

Gefahr die Posttraumatische Belastungsstörung

für ihreLokführer ist.

Meinhard Bahr ist zuversichtlich,

als er einige Wochen nach dem Vorfall

wieder in eine Lok steigt. Schließlich

hatte er früher kritische Situationen

scheinbar folgenlos überstanden.

Sieben Jahre zuvor etwa, als er

mit seinem Zug schon einmal eine

Person überrollte. Oder, noch ein

paar Jahre früher, als er an einem

Bahnübergang einen Pkw rammte,

darin eine vierköpfige Familie mit

zwei Kindern. DieMutter war just in

dem Moment angefahren, als Bahr

sich mit der Lok näherte. Anschließend

lag das Auto im Graben, auf

dem Dach.„Und die Familie kam unverletzt

heraus“, sagt Bahr. Ein kleines

Wunder.

Die ersten Fahrten jetzt, sieben

Wochen nach dem Suizid, macht er in

Begleitung, sein Teamleiter ist bei

ihm im Führerstand. Eine langsame

Wiedereingewöhnung. Alles geht gut.

Bahr passiert auch die Stelle bei Offenburg,

die Linkskurve mit dem

Stromkasten. Nichts Auffälliges. Also

fährt Meinhard Bahr wieder allein.

Die erste Fahrt, wieder Frühschicht,

von Fulda Richtung Frankfurt. Gerade

fünf Minuten ist er unterwegs,

da muss er anhalten. Er spürt sein

Herz heftig schlagen, kalter Schweiß

tritt aus seiner Haut, er fühlt sich

schwach. Als aschfahl beschreiben

ihn die Kollegen, die er zu Hilfe ruft.

Wenn Psychiater erklären wollen,

wie ein Trauma entsteht, benutzen

sie das Bild eines Bibliothekars, der

die Erinnerungen wie Bücher in ein

Regal sortiert. Nur dass er sich bei

den besonders belastenden Erlebnissen

manchmal irrt, dass er sie einsortiertund

das Buch auch noch zerreißt.

„Und ein Trigger,ein irgendwie

ähnliches Ereignis, kann dafür sorgen,

dass die Seele das Buch entweder

teilweise oder ganz wieder zusammensetzt

– das ist ein Flashback“,

erklärt der Psychiater Volker

Reinken. DiePersonerlebtalles aufs

Neue.Auch alle Gefühle.

Bei Meinhard Bahr ist es ein

Klang, der sich in seinem Kopf festgesetzt

hat. Das Geräusch, wenn ein

menschlicher Körper an einer tonnenschweren

Lok mit Tempo 120

zerschellt. „Dieses Geräusch“, sagt

er,„das kriege ich in meinem ganzen

Leben nie wieder raus.“

Auf die Frage, wie häufig Lokführer

nach einem solchen Ereignis ihren

Beruf nicht mehr ausüben können,

gibt die Bahn nur vage Antworten.

90 Prozent, erklärt sie, kämen

ohne medizinische Betreuung aus.

Knapp zehn Prozentbegäben sich in

ambulante Therapie, drei bis fünf

Prozent instationäre. Dass jemand

berufsunfähig werde, komme„nur in

Einzelfällen“ vor.

„Das sind tätliche Angriffe“

EinArztlegtBahr nahe,seinenBeruf

aufzugeben. Aber das will er nicht.

Mit 47 zu Hause? Endgültig? „Das

war nicht meine Sache.“ Bahr macht

erneut eine Therapie,diesmal länger

und gezielter. Esgibt Kliniken, die

auf diese Berufsgruppe regelrecht

spezialisiert sind, auch die von

Psychiater Reinken gehörtdazu.

Ein knappes halbes Jahr dauerte

es,dann war Bahr so weit stabilisiert,

dass er sich wieder in den Führerstand

setzte.Erist heute noch dabei,

fast jeden Tagpassierterdie kritische

Stelle, den Stromkasten, ohne etwas

Besonderes zu spüren. Was nichts

daran ändert, was er von solchen

Suiziden oder anderenVorfällenhält,

bei denen Lokführern zuTötungshelfernwider

Willen werden.

„Das sind tätliche Angriffe“, sagt

er, „die einem einen Schaden zufügen,

den man nicht wieder loswird.“

Auch deshalb möchte er, dass der

Täter vonFrankfurtdeutlich bestraft

wird, weil er ein Leben ausgelöscht

und viele andere für immer beschädigt

hat. Auch das Leben vondenen,

die dieser Täter zu Zuschauern und

zu seinem Werkzeug gemacht hat.

„Es muss normal werden, über Suizidgedanken zu sprechen“

Herr Staudt, in Deutschland begehen

Jahr für Jahr rund 10 000 Menschen

Suizid, etwa 700 bis 800 werfen sich

vor einen Zug. Die Zahlen sind seit

langem ungefähr konstant. Kann

man sie senken?

Ich bin überzeugt davon, dass

Suizidprävention etwas bewirken

kann, ja. Das zeigen auch die Beispiele

aus anderen Ländern, zum

Beispiel aus Italien, wo die Quoten

deutlich niedriger sind. Das

Schlimme an dem Suizid auf den

Schienen ist, dass jemand Unbeteiligtes

mit hineingezogen wird: der

Lokführer. Aber daran denkt man in

diesem Moment nicht. Könnte man

es, wäre man in der Lage dazu,

würde man diesen Schritt wahrscheinlich

gar nicht gehen. DieLeute

halten diese Methode für besonders

sicher. Aber das stimmt nicht unbedingt,

wie man an meinem Beispiel

sieht.

Sie haben sich 1999, im Alter von 30,

in Ihrer Heimat, den Niederlanden,

vor einen Zug geworfen. Sie haben

beide Beine verloren, aber überlebt.

Heute sprechen Sieauf Lesungen und

Kongressen über Ihre Erfahrungen

und die Prävention von Suiziden.

Was hätte Sie damals von Ihrem

Schritt abhalten können?

DieMöglichkeit, über meine Probleme

und Gedanken offen reden zu

können. Wirklich gebessert hat sich

meine Situation erst 2005, als ich

endlich eine Ärztin traf, die die richtige

Diagnose stellte und mir ein

wirksames Antidepressivum verschrieb.Aber

damals hätte es mir sicher

schon geholfen, wenn ich das

Gefühl gehabt hätte, meine Einsam-

keit und Verzweiflung und auch

meine Suizidgedanken mitteilen zu

können. Dasist aber noch immer ein

großes Tabuthema.

Beratung

ZUR PERSON

Viktor Staudt (50) ist ein niederländischer Jurist und Schriftsteller. 1999 warf er sich voreinen Zug.

Staudt verlor bei seinem Suizidversuch beideBeine. 2014 erschien sein Buch „Die Geschichtemeines

Selbstmordes“. Heuteversucht er,suizidgefährdeten MenscheneinenAusweg aufzuzeigen.

Seit einigen Jahren schon scheint sich

in Deutschland etwas zu verändern.

DieMenschen suchen sich bei psychischen

Problemen häufiger Hilfe, gehen

zum Arzt oder Psychologen, auch

Prominente schildern öffentlich Depressionen.

Ist es wirklich immer

noch so schwer, über psychische Probleme

zu sprechen?

Es verändert sich etwas. Das

merke ich stark anmeinen Lesungen.

Voreinigen Jahren noch verloren

sich da zehn oder 15 Menschen.

Inzwischen sind die Säle voll, ich bekomme

unablässig Anfragen und

zahlreiche Mails. Was meine Leser

und Zuhörer berichten, hat sich aber

kaum verändert: Es handelt von der

Schwierigkeit, passende Therapeuten

zu finden, von Einsamkeit und

Verzweiflung und dem Gefühl, darüber

nicht sprechen zu können. Es

muss so normal werden, über Suizidgedanken

zu sprechen, wie über

eine Erkältung. Das darf kein Tabu

mehr sein.

Das Sprechen und Berichten über

Suizide kann aber auch Nachahmer

provozieren. Washalten Sie dem entgegen?

Den Papageno-Effekt. Der besagt,

dass ein bestimmtes Reden

und Berichten Suizide verhindern

kann. DerEffekt ist wissenschaftlich

belegt. Der Fokus muss auf der

Problemlösung liegen, auf der

Überwindung, nicht auf der vermeintlichen

Ausweglosigkeit einer

Situation. Ich möchte mit meiner

Geschichte eine positive Identifikationsfigur

bieten. Ich möchte zeigen,

dass und wie man aus so einer

Situation herauskommt. Ich sitze

im Rollstuhl, aber ich genieße längst

wieder das Leben.

DasGespräch führte

Thorsten Fuchs.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gehen bei wechselnder Bewölkung nur sehr vereinzelt Regenschauer

nieder. Dabei klettern die Temperaturen auf 24 bis 26Grad, und

der Wind weht nur schwach aus westlichen Richtungen. In der Nacht gibt

es Wolken, zeitweise klart esjedoch auch auf, und die Tiefstwerte sind

bei 15 bis 13 Grad anzutreffen.

Biowetter: Die Wetterlage wirkt sich

negativ auf den erholsamen Tiefschlaf

und die Arbeitsleistung aus.

Dadurch sind einige Menschen

Wittenberge

müde und abgespannt. Sie gehen 15°/24°

ohne Elan durch den Tag.

Pollenflug: Derzeit fliegen Pollen

von Beifuß in mäßiger bis hoher

Konzentration. Die Belastung durch

Gänsefuß- und Brennnesselpollen

ist schwach bis mäßig.

Gefühlte Temperatur: maximal 24Grad.

Wind: leichter Wind aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

16°/24° 17°/24°

Luckenwalde

16°/25°

Cottbus

16°/26°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

stark bewölkt wolkig sonnig

15°/23° 15°/23° 14°/26°

Prenzlau

14°/24°

Frankfurt

(Oder)

15°/26°

Vonder südlichen Ostsee bis zum Nordwesten Spaniens sind viele Schauerwolken

unterwegs. Sie markieren den Grenzbereich zwischen kühler Luft über Nordwesteuropa

und sehr warmer Luft von Spanien bis Tschechien. Diese sorgt auch

rund um die Alpen für hochsommerliche Temperaturen, ebenso rund ums Mittelmeer,

vom Balkan bis nach Ungarn und im östlichen Schwarzmeerraum.

Sylt

12°/22°

Hannover

13°/22°

Köln

13°/23°

Saarbrücken

13°/23°

Konstanz

18°/26°

Hamburg

12°/20°

Erfurt

15°/24°

Frankfurt/Main

16°/26°

Stuttgart

18°/24°

Rügen

13°/22°

Rostock

13°/21°

Magdeburg

16°/25°

Nürnberg

17°/24°

München

16°/26°

Dresden

19°/25°

Deutschland: Heute ist esüberwiegend

wechselnd bewölkt. Ab und zu

gibt es Regenschauer, und die Temperaturen

steigen amTage auf

20 bis 26Grad. Nachts sinken die

Wertedann auf 18 bis 11Grad. Der

Wind weht schwach bis mäßig aus

westlichen Richtungen. Morgen bringen

viele Wolken teilweise Regen. Es

werden 18 bis 23Grad erwartet,

und der Wind weht schwach aus

West.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 18°-20°

Nordsee: 17°-19°

Mittelmeer: 23°-32°

Ost-Atlantik: 17°-22°

Mondphasen: 23.08. 30.08. 06.09. 14.09.

Sonnenaufgang: 05:55 Uhr Sonnenuntergang: 20:24 Uhr Mondaufgang: 22:10 Uhr Monduntergang: 09:43 Uhr

Lissabon

26°

Las Palmas

32°

Madrid

33°

Reykjavik

14°

Dublin

17°

London

22°

Paris

24°

Bordeaux

24°

Palma

34°

Algier

35°

Nizza

28°

Trondheim

19°

Oslo

18°

Stockholm

22°

Kopenhagen

21°

Berlin

24°

Mailand

33°

Tunis

34°

Rom

32°

Warschau

27°

Wien

28° Budapest

33°

Palermo

29°

Kiruna

12°

Oulu

18°

Dubrovnik

30°

Athen

33°

St. Petersburg

25°

Wilna

27°

Kiew

28°

Odessa

27°

Varna

28°

Istanbul

27°

Iraklio

30°

Archangelsk

18°

Moskau

21°

Ankara

23°

Antalya

33°

Acapulco 33° Gewitter

Bali 33° sonnig

Bangkok 33° Gewitter

Barbados 30° wolkig

Buenos Aires 9° wolkig

Casablanca 24° wolkig

Chicago 30° heiter

Dakar 27° bewölkt

Dubai 40° sonnig

Hongkong 34° Gewitter

Jerusalem 32° sonnig

Johannesburg 23° heiter

Kairo 34° sonnig

Kapstadt 17° wolkig

Los Angeles 23° heiter

Manila 32° wolkig

Miami 33° heiter

Nairobi 25° bedeckt

Neu Delhi 35° heiter

New York 33° heiter

Peking 32° wolkig

Perth 20° sonnig

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 22° Schauer

San Francisco 20° wolkig

Santo Domingo 33° heiter

Seychellen 27° heiter

Singapur 33° Gewitter

Sydney 14° wolkig

Tokio 34° heiter

Toronto 29° Gewitter


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 3· ·

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Seite 3

Om zum Gruße

Rama Schwab zeigt mit seinem Sohn Christoffer auf dem Rücken die Krähe, eine Yoga-Position. VERA GERSTENDORFF-WELLE (2)

Als Christoffer zurWelt kam, sangen

am nächsten Morgen Hunderte

Yogis das Segensmantra Maha

Mrittyuhnjaya, das bei vielen Wiederholungen

seine Wirkung tun soll. Christoffer,

Sohn von Rama und Brit, ist das

Zeugnis einer Ashram-Liebe. Der Junge erblickte

jedoch nicht in Indien das Licht der

Welt, wo spirituelle Gemeinschaften dieser

Art verbreitet sind. Sein Geburtsort ist Bad

Meinberg, ein Kurort am Rande des Teutoburger

Waldes, irgendwo zwischen Detmold

und Paderborn, der seine besten Tage

gesehen hat. Horst Seehofers Gesundheitsreform

aus den Neunzigerjahren, wonach

Kassen nicht mehr für alle Kuren aufkommen

dürfen, führte ein Gästehaus nach

dem anderen in die Insolvenz.

Im Norden der kleinen Ortschaft fand

YogaVidya im Jahr 2003 eine neue Heimat für

die wachsende Schar seiner Yoga-Anhänger.

Der Name der Gemeinschaft kommt aus

dem Sanskrit und bedeutet Wissen. In der

seit sechs Jahren leer stehenden Silvaticum-

Klinik erkannte ihr spiritueller Leiter Sukadev

Bretz eine siebenstufige Chakra-Pyramide

–sobezeichnen Yogis Energiezentren

im Körper.

Misstrauische Blicke der Einheimischen

Wo einst Rheuma-Patienten in Moor lagen, schwitzen heute Yogis:

In Bad Meinberg am Rande des Teutoburger Waldes

hat eine Gruppe von Aussteigern ihre Heimat gefunden.

Und den Kurort vor dem Niedergang gerettet: Gestresste, Gescheiterte

und Sinnsuchende kommen in Massen, um ihre innere Mitte zu finden.

Ein Besuch im größten Ashram Europas

Derstudierte Betriebswissenschaftler Bretz,

der aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie

stammt, erwarb die Klinik zum

Schnäppchenpreis und zogunter den misstrauischen

Blicken mancher Einheimischer

mit rund 30 Anhängern indas Geisterhaus

ein. Und weil der Zulauf, Sukadevs Vision

entsprechend, nicht abriss,erwarb dieser in

den Folgejahren auch noch zwei Nebengebäude,

zwei weitere verwaiste Kurkliniken.

„Wir sind mit mehr als 100 000 Übernachtungen

im Jahr mittlerweile das größte Ashram

inEuropa“, sagt die Pressesprecherin

Pranabi Czieschowitz heute.

Wo sich einst Rheuma-Patienten in Moor

räkelten, schwitzen heute Yogis auf rutschfesten

Matten. Vonder Vergangenheit zeugen

noch gekachelte Wände in den Übungsräumen,

massive Wandleuchten aus Milchglas

in den Fluren und Service-Klingelknöpfe

an den Gästebetten.

Am Haupteingang begrüßt die neuen

Gäste Ganesha, eine elefantenköpfige Gottheit,

die für einen guten Anfang steht. Hinter

den Damen an der Rezeption hängen drei

mannshohe Displays mit den laufenden Angeboten.

2900 Seminarehat Yoga Vidya jährlich

im Programm, darunter exotische wie

„Mit Bäumen sprechen“ oder „Schamanische

Heiltechniken“.

Ursprünglich wurde mit Ashram die Einsiedelei

eines indischen Asketen bezeichnet.

Heute versteht man darunter den Rückzugsraum

vonspirituellen Gemeinschaften. Ashrams

findet man auf dem gesamten Globus.

Yoga Vidya betreibt in Deutschland vier

große Ashrams. Der eingetragene Verein finanziert

sich vor allem durch Gebühren für

Yoga-Seminareund Lehrerausbildiungen.

Es ist ein buntes Völkchen, das sich unter

dem Dach des Ashrams in Bad Meinberg

tummelt. Da sind einerseits die drei figurbewussten

Freundinnen, die ein Groupon-Rabatt-Angebot

angelockt hat. Da sind andererseits

kahlrasierte Mönche und Novizen,

die nichts Geringeres als die Erleuchtung anstreben.

Zu den Bewohnernder ersten Stunde gehört

Rama, Christoffers Vater, der eigentlich

Karsten Schwab heißt und aus Backnang in

der Nähe vonStuttgartkommt. DerVater war

Metzger, die Mutter Schuhfachverkäuferin,

der Bruder arbeitet bei Bosch. Auch Karsten

machte nach der Schule etwas Rechtschaffenes:

Er trug Briefe aus, bis ihn mit 27 Jahren

die Freundin verließ und seine erste Lebenskrise

einsetzte. Erfloh auf die thailändische

Insel Koh Tao, woerals Tauchlehrer arbeitete.Doch

selbst am OrtseinerTräume,woer

„mit den schönsten Frauen das Bett teilte“,

wie er erzählt, fand er keinen inneren Frieden.

Nurder Gedanke an die Mutter hielt ihn

davon ab,aus dem Leben zu scheiden.

Er reiste weiter, dahin, wo „die freundlichen

und ausgeglichenen Menschen herkamen.

Das waren entweder Meditierende

oder Yogis.“ So begann seine spirituelle

Reise.Sie führte ihn über Klöster in Thailand

und Ashrams in Indien nach BadMeinberg.

Nicht alle Bewohner des Ashrams haben

so bewegte Biografien wie Rama. Andere

kommen direkt aus dem Berufsleben –etwa

aus Vorstandsetagen, Werbeagenturen oder

Behörden. Oder sie sind erst gar nicht ins Berufsleben

eingestiegen. „Da draußen geht es

verdammt hart zu“, stellt ein junger Mann

fest, der seit einem Jahr in der Küche arbeitet.

„Am liebsten würde ich hier für immer

bleiben.“

Sukadev Bretz –56Jahre, sanfte Stimme,

scharfer Verstand –kennt seine Schäfchen

genau. Eine Gruppe seien die „draußen Ge-

VonAkikoLachenmann, Bad Meinberg

Ganesha, eine elefantenköpfige Gottheit,

begrüßt Gäste am Haupteingang.

A2

Bielefeld

Herford

Detmold

A33

Paderborn

Bad Meinberg

NORDRHEIN-

WESTFALEN

5km

BLZ/HECHER

scheiterten“, die hierhergeflüchtet sind, um

sich zu sammeln und nach zwei, drei Jahren

wieder zu Stärke zu finden, sagt er. Eine andere

Gruppe seien die Erfolgreichen, die

scheinbar alles erreicht haben und dennoch

eine innereLeereverspüren. Dann gibt es die

Jungen, die sich bei Yoga Vidya orientieren

und ausprobieren wollten. „Sie arbeiten mal

im Garten, mal im Online-Marketing, ohne

bei jedem Wechsel den sozialen Kontext aufzugeben“,

sagt Sukadev.Und schließlich gibt

es die spirituell Interessierten, die Yoga „tief

leben wollen“.

Rama passt in all diese Gruppen. Er unterrichtet

mittlerweile angehende Yoga-Lehrer,

ist aber auch ein spiritueller Lehrer.Wenn er

an der Reihe ist, um sechs Uhr beim morgendlichen

Zusammensein das Pranayama

anzuleiten, eine Atemübung, die Körper und

Geist zusammen führen soll, steht er bereits

um vier Uhrauf und praktiziertYoga im Hausflur.

Seit Brit und Christoffer vom Ashram in

eineWohnung in BadMeinberggezogen sind,

bewohnt Rama wie alle anderen Diener ein

kleinesZimmer.Die Diener,auch Sevakasgenannt,

arbeiten 42 Stunden proWoche,erhalten

30Tage Urlaub im Jahr und je nachVerantwortungsgrad

ein monatliches Taschengeld

von 300 bis 360 Euro. Die Sozialversicherung

übernimmt die Gemeinschaft.Sukadev Bretz,

der mit seiner Frau auch nurzweiZimmerbewohnt,

bildet da keine Ausnahme.

Trotz der widrigen Arbeitsbedingungen

und gewisser Regeln –kein Alkohol, Tabak,

Fisch oder Fleisch und keine Drogen –zieht

es immer mehr Menschen zu Yoga Vidya.

Rund 500 Männer,Frauen und Kinder haben

BadMeinbergzuihremWohnsitz erklärt, um

im Ashram zu leben oder zumindest in dessen

Nähe. Manche bleiben ihr Leben lang.

Etwa 200 Personen stehen derzeit auf einer

Warteliste,umvonYogaVidya einWohnrecht

auf Lebenszeit zu erwerben.

Laut einer Studie des Berufsverbands der

Yogalehrenden haben 16 Prozent der Deutschen

Yoga-Erfahrung. Davon praktizieren

aktuell 30 Prozent. Auf zehn Frauen kommt

dabei ein Mann. 86 Prozent fühlen sich

durch die Praxis entspannter und/oder fitter.

Jens Augspurger erklärt den Erfolg von

Gemeinschaften wie Yoga Vidya mit einem

wachsenden Bedürfnis nach in der Gesellschaft

gelebter Spiritualität. „Die Menschen

wollen sich heutzutage jedoch selbst ihre

Form der Spiritualität aussuchen und nicht

einfach die Religion der Eltern übernehmen“,

sagt der Religionswissenschaftler, der

an der University of London die „Mobilität

von spirituellen Traditionen“ erforscht. Yoga

Vidya sei deshalb eine beliebte Adresse,weil

Yoga Körper und Seele erwiesenermaßen

wohl bekommt und weil darüber hinaus ein

niedrigschwelliges spirituelles Angebot gemacht

werde, das mit allen Konfessionen

kompatibel ist. DerZeitgeist tue ein Übriges.

„Überall wo Gesellschaften auf Leistung und

Selbstoptimierung ausgerichtet sind, wächst

der Drang, aus dem Mainstream auszubrechen

und nach anderen Werten zu leben“,

sagt Jens Augspurger.

Anderen Beobachtern ist der Zulauf offensichtlich

suspekt. In einem Artikel, 2016

erschienen im Handelsblatt, wird Sukadev

als „Seelenfänger“ bezeichnet, der mit dem

Yoga-Boom „dunkle Geschäfte“ machen

wolle.Tatsacheist, dass fürYogaVidya dieselben

Gesetze zum Tragen kommen wie für

Klöster und andereOrtedes Rückzugs.„Keiner

käme auf die Idee, denen ‚Seelenfang‘

vorzuwerfen“, sagt Augspurger.

Gelbe Gewänder im Park

Wereswohl am ehesten beurteilen kann, sind

die alteingesessenen BadMeinberger,die den

Wandel des Kurorts zum Yoga-Hotspot mit

Sorge sahen und die Entwicklung seit Jahren

aufmerksam beobachten.

„Wenn auf einmal Barfüßige in gelben GewändernimKurparktanzen,

macht mansich

schon so seine Gedanken“, sagt Bürgermeister

Stefan Rother über die anfängliche Skepsis.

Doch sein Amtsvorgänger witterte eine

Chance für den erloschenen Kurort undempfing

die Neubürger, nachdem er sich beim

Sektenbeauftragten rückversichert hatte, mit

offenen Armen.

Die Betriebe, die nach langer Stagnation

wieder Mitarbeiter einstellen, danken es

ihm.YogaVidyagilt als guter Kunde.Auchdie

Kurtaxe fließt wieder.Dastörtesnicht, wenn

auf der Straße mit „Om“ gegrüßt wirdund an

den Externsteinen –die Felsformation ist ein

beliebtes Ausflugsziel für Touristen – nun

auch Heil- und Transformationsrituale stattfinden.„Jeder

soll auf seine Artglücklich werden“,

sagt Bürgermeister Rother.

AkikoLachenmann

wäre an diesem WLAN-freien Ortohne

Lageplan völlig verloren gewesen.


4* Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Jedes zehnte Kind geht mit

leerem Magen zur Schule

Zehn Prozent der Grundschüler verlassen

einer Erhebung zufolge morgens

ohne Frühstück das Haus.Das

ist das Ergebnis einer repräsentativen

Umfrage des Instituts für Demoskopie

Allensbach unter ElternimAuftrag

des Discounters Lidl. Hochgerechnet

auf die knapp drei Millionen

Grundschüler in Deutschland sind

rund 300 000 Kinder betroffen. (dpa)

Soldaten in Uniformfahren

künftig gratis Bahn

Soldaten in Uniformkönnen vom1.

Januar an kostenlos die Züge der

Deutschen Bahn benutzen. DasAngebot

gelte für private und dienstliche

Fahrten im Fern-und Regionalverkehr,hieß

es am Sonnabend in einer

Mitteilung nach Gesprächen der

Deutschen Bahn mit dem Verteidigungsministerium,

dem Verkehrsministerium

und der CSU im Bundestag.

DieBundeswehrangehörigen

sollen mit einer digitalen Berechtigung

ein Zweite-Klas se-Ticket

lösen können. DieBahn erhält dafür

einen Pauschalbetrag. (dpa)

Mehr als 60 Tote bei

Anschlag in Kabul

Beieinem Selbstmordanschlag auf

eine Hochzeitsfeier in Kabul sind

am Sonnabend mindestens 63

Menschen getötet worden. 182 weitereMenschen

wurden nach Angaben

des afghanischen Innenministeriums

verletzt, als sich der Attentäter

inmitten vonHunderten

Hochzeitsgästen in die Luft

sprengte.Eswar der blutigste Anschlag

in der afghanischen Hauptstadt

seit Monaten. Zu dem Anschlag

bekannte sich die Terrormiliz

Islamischer Staat (IS). (dpa)

Neue Großdemonstration

in Hongkong

Seit Wochen wird in Hongkong für Freiheit

und Demokratie demonstriert.

DPA

Allen Drohungen aus Peking zum

Trotz sind in Hongkong wieder Hunderttausende

Anhänger der Demokratiebewegung

auf die Straße gegangen.

Beider zentralen Kundgebung

in der Innenstadt der ehemaligen

britischen Kolonie war der

Victoria-ParkamSonntag bis auf

den letzten Platz gefüllt. Auch auf

den Straßen rundum war kaum noch

ein Durchkommen. DieMenschen

ließen sich auch vonheftigem Regen

nicht davon abbringen, lautstark

Freiheit und Demokratie zu verlangen.

Biszum frühen Abend (Ortszeit)

blieb alles friedlich. (dpa)

Einigung auf

Machtverteilung im Sudan

Im Sudan haben der regierende Militärrat

und die Protestbewegung nach

langenVerhandlungen ein Abkommen

zur Bildung einer gemeinsamen

Übergangsregierung unterzeichnet.

Im Beisein ausländischer Staats- und

Regierungschefs besiegelten der General

Mohammed Hamdan Daglo

und Achmed al-Rabie vonder Allianz

für Freiheit undWandel (ALC) am

Sonnabend in Khartum die Bildung

eines„Souveränen Rates“. DerKorruptionsprozess

gegen Ex-Machthaber

Omar al-Baschir wurde indes verschoben.

(AFP)

Wenigen Politikernist die

Begeisterung am gesprochenen

Wort, an

der geschliffenen Rede

mehr anzumerken als Norbert Lammert.

In seiner Amtszeit als Bundestagspräsident

hat der 70-jährige Bochumer

immer wieder engagiertere

Debatten gefordert. Mittlerweile gibt

es oft vor allem wütende Debatten in

der Politik.

Herr Lammert, wie reagieren Sie,

wenn Sie sich in der politischen Debatte

über etwas ärgern?

Man muss nicht auf alles reagieren,

was einen ärgert. Es empfiehlt

sich, sich bei emotionalen Aufwallungen

eine Denkpause zu genehmigen,

bevor man etwas sagt oder

schreibt. So kann man zur Deeskalation

eines Konflikts beitragen.

Sind Sieinsozialen Medien aktiv?

Nein. Ich habe das nie gebraucht

als Ergänzung oder scheinbare Vervollständigung

notwendiger Informationen.

Und offensichtlich fehle

ich da auch gar nicht.

Sie lassen die Debatten, die sich dort

entwickeln, alleine.

So weit ich das beobachte, findet

in den sogenannten sozialen Medien

nur selten eine Debatte statt, die den

Ansprüchen genügt, die ich mit Debatten

verbinde.Außerdem frage ich

mich, wo ich die Zeit hernehmen

sollte, die für diese Art Debatte nun

mal gebraucht wird. Ich habe sie jedenfalls

nicht. Undich könnte mich

nicht entschließen, dafür anderes,

was ich für wichtiger halte, inZukunft

nicht mehr zu tun.

Was ist denn für Sie eine ernsthafte

Debatte?

Das ist eine Debatte, die anspruchsvollen

Fragen in einer ernsthaften

Weise nachgeht. Das schließt

schon die Kurztaktigkeit der Formate,

wie man sie bei sozialen Medien

vorfindet, regelmäßig aus.

Es gibt die These, dass sich die politische

Debatte radikalisierthat. Teilen

Siedie Einschätzung?

Der Sachverhalt ist kaum bestreitbar.

Esgibt rhetorische Überbietungswettbewerbe,die

oft eigentlich

rhetorische Unterbietungswettbewerbe

sind. Die Schnelligkeit und

Kurzatmigkeit der Internetkommunikation

erzwingt Zuspitzungen geradezu.

Denn ohne Übertreibung,

Beschimpfung, Verleumdung oder

Beleidigung wird vieles gar nicht

wahrgenommen.

„Man muss nicht

auf alles reagieren“

Norbert Lammert über die Radikalisierung

des politischen Streits, Kurzatmigkeit im

Internet und hilfreiche Denkpausen

Welche Wirkung hat das?

Es gibt mindestens zwei Effekte,

die ich beide bedenklich finde. Der

eine ist die Aggressivität, die sich mit

der zunehmendenVereinfachung, Zuspitzung

und persönlichen Attackierung

verbindet. Das behindert das

Finden allgemein verbindlicher Lösungen

in einer Gesellschaft. Außerdem

habe ich die Sorge, dass es das Urteilsvermögen

unserer Gesellschaft

nachhaltig beeinträchtigt, wenn professionell

geprüfte und gewichtete Informationen,

die die klassischen Medien

liefern, durch subjektiv an beliebigen

Stellen nachgefragte Informationen

verdrängt werden.

Welchen Anteil hat die AfD an der Radikalisierung

der Kommunikation?

ZUR PERSON

IMAGO IMAGES/THOMAS TRUTSCHEL

NorbertLammert wurde 1948 in Bochum geboren. Noch in seiner Schulzeit engagierte er

sich in der Jungen Union. 1966 wurde er Mitglied der CDU.ImBundestag saß er von1980 bis

2017. Präsident des Bundestages war er von2005 bis 2017. Seit Anfang 2018 ist Norbert

LammertVorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Sie ist nicht die Ursache der Entwicklung.

Aber die AfD nutzt insbesondere

die sozialen Medien in statistisch

signifikant stärkerem Maße

als andereParteien –vielleicht auch,

weil die Neigung zur Vereinfachung,

Zuspitzung und Polemik dem eigenen

Rollenverständnis näher liegt.

Werdefiniertdie Grenzen des Sagbaren?

Auch im vor-digitalen Zeitalter

Die Suche nach der besten Hälfte

war nicht jede Äußerung vom

Grundrecht der Meinungsfreiheit

gedeckt. Es gibt beispielsweise strafrechtliche

Tatbestände der Verleumdung

und Beleidigung –daendet die

Meinungsfreiheit. DieToleranzgrenzen

haben sich aber erkennbar verschoben.

Mitwelchen Konsequenzen?

Das Ganze ist ein nicht nur theoretisches

Problem. Es hat sich ja gezeigt:

Die Grenze zwischen rhetorischen

und gewalttätigen Übergriffen

wird kleiner. 50Prozent der hauptund

ehrenamtlichen Bürgermeister

in Deutschland sagen, sie seien Gegenstand

von Beschimpfungen und

Bedrohungen in sozialen Medien.

Bis zuzwölf Prozent berichten von

Übergriffen. Und das trifft nicht nur

Politiker, sondern immer häufiger

inzwischen auch Journalisten.

Wasfolgern Siedaraus?

Man darf diese Entwicklung weder

unterschätzen noch verharmlosen.

Ich würde mir deshalb eine

wirklichkeitsnähere Handhabung

durch die Justiz wünschen. Hier ist

eine Zögerlichkeit zu beobachten,

die der Ernsthaftigkeit des Themas

nicht gerecht wird. Bei der Überschreitung

von Mindestansprüchen

für private und öffentliche Kommunikation

sollte mindestens die Konsequenz

an den Taggelegt werden,

mit der zum Beispiel bei Geschwindigkeitsüberschreitungen

die dafür

vorgesehenen Bußgelder eingefordertund

eingetrieben werden.

Sollte es Regeln für soziale Medien geben?

Alles, was sich zwischen Anbieternund

NutzernanVereinbarungen

entwickelt, ist einer staatlichen Regel

vorzuziehen. Die steht nämlich immer

unter dem Verdacht der Zensur

und der Bevormundung.

Was sagen Sie zuBeschwerden, die

Meinungsfreiheit werde zu stark eingeschränkt?

Der durch unsere Verfassung zu

Recht geschützte Anspruch auf Meinungsfreiheit

ist keine Generalrechtfertigung

für das Verbreiten offenkundig

falscher Behauptungen. Und es

kann auch keine Rückzugsformel sein

für beliebige Verdächtigungen, Beleidigungen

und Bedrohungen. Der

Bundespräsident warnt, durch die radikalisierte

Debatte stehe die Demokratie

unter Druck. Ich halte die Demokratie

in Deutschland akut nicht

für gefährdet. Aber die gut gemeinte

Toleranz gegenüber Übertreibungen

ist ein Risiko für das Funktionieren unserer

Demokratie. Die Konfliktfähigkeit

einer Gesellschaft beruht auf dem

Konsens aller Beteiligten über die Art

und Weise, mit der man mit unterschiedlichen

Auffassungen umgeht.

Wenn dieser Konsens verloren geht, ist

der innereZusammenhalt gefährdet.

DasGespräch führte Daniela Vates.

Auch die Sozialdemokraten rätseln, mit welcher Frau Olaf Scholz in das Rennen um die Parteiführung geht

VonAndreas Niesmann

Noch in der vergangenen Woche

galt der Bundesfinanzminister

als politisches Auslaufmodell. Ende

der Karriere – spätestens mit dem

von vielen als fast schon zwangsläufigen

angesehenen Austritt der SPD

aus der großen Koalition in Berlin.

Doch seit der Spiegel am Freitag enthüllt

hat, dass Olaf Scholz in das Rennen

um die SPD-Führung eingreift,

beflügelt der Mann aus Hamburg

wieder die Fantasien. Jetzt aber muss

er aber erst einmal Fragen beantworten,

und da am Sonntag Tagder offenen

Tür der Bundesregierung ist,

sind es nicht in erster Linie die Journalisten,

sondern vor allem die Besucher,

die diese Fragen stellen dürfen.

Vorallem eine Frage interessiert

nun viele: Mitwelcher Frau wirdOlaf

Scholz in Rennen ziehen?

Er selbst beantwortet die Frage an

diesem Tagnicht. Erst einmal gelte

es, einiges miteinander durchzusprechen,

sagt der 61-Jährige. Das

Rätselraten in der SPD ist natürlich

längst in vollem Gange, zumal die

meisten prominenten Sozialdemokratinnen

inzwischen abgesagt

haben. Familienministerin

Franziska Giffey

hat in einem Brief an die

kommissarische Parteiführung

erklärt, dass sie auf

eine Kandidatur verzichtet.

Die Ministerpräsidentinnen

Manuela Schwesig

und Malu Dreyer sollen intern

keinen Zweifel an einer

Weigerung lassen.

Also schießen die Spekulationen

ins Kraut. Wird es Svenja Schulze, die

Kabinettskollegin und Bundesministerin

für Umwelt und Verbraucherschutz?

Schulzewäreein Zeichen der

Erneuerung, außerdem kommt sie

aus dem wichtigen SPD-Landesverband

Nordrhein-Westfalen.

Auch in seinem eigenen Hamburger

Landesverband könnte sich

Olaf Scholz strebt

an die SPD-Spitze.

Scholz umschauen. Seine Nachfolgerin

als Hamburger SPD-Vorsitzende,

Arbeitssenatorin Melanie Leonhard,

gilt als Frau mit Zukunft. Der

Nachteil: Ein reines Hamburger

Duowürde wohl in

der südlichen SPD auf wenig

Gegenliebe stoßen.

Ein echter Paukenschlag

wäre es, wenn Olaf

Scholz Katarina Barley für

eine Doppelkandidatur

gewinnen könnte. Die Vi-

AFP

zepräsidentin des Europäischen

Parlamentes

würde Scholz gut ergänzen

–sie könnte vor allem beim linken

SPD-Flügel punkten, außerdem

genießt sie bei jüngeren Frauen großen

Rückhalt. Allerdings hat Barley

bei der jüngsten Europawahl das

schlechteste SPD-Ergebnis aller Zeiten

eingefahren.

Notfalls könnte Scholz doch auch

einfach mit seiner Ehefrau antreten,

der Brandenburger Bildungsminis-

terin Britta Ernst, witzeln einige Genossen.

Bei dem Auftritt von Scholz am

Sonntag wird eher weniger gelacht.

Fast schon pathetisch wirdScholz, als

er begründet, warum er sich nun umentscheiden

hat –schließlich hatte er

doch den SPD-Vorsitz für zeitlich unvereinbar

dem Amt des Finanzministers

erklärt. „Manchmal muss man

sich die Dinge,die man sich überlegt

hat, anders überlegen, weil das die

Verantwortung gebietet“, sagt Scholz

nun. Der Zustand der SPD, der Niedergang

in den Umfragen schlage

ihm auf den Magen. „Ich habe jetzt

den Eindruck gehabt, es wäre nicht

verantwortlich, wenn ich jetzt nicht

sagen würde,ich will das machen.“ Es

gehe jetzt nicht um seine persönliche

Belastung, sagt Scholz noch. Es geht

jetzt darum, wie die älteste demokratische

Partei des Landes die Aufgaben

des 21. Jahrhunderts bewältigen

kann.“ Ausseiner Sicht ist die Antwort

darauf klar:mit ihm.

Mieter werden

besser

geschützt

Koalition: Neue Gesetze für

den Wohnungsmarkt

VonAndreas Niesmann

Die Spitzen von CDU, CSU und

SPD haben sich beim Koalitionsausschuss

am Sonntagabend auf

ein umfangreiches Paket geeinigt,

um Mieter und Immobilienkäufer zu

entlasten. Das teilten Vertreter der

Koalitionsparteien im Anschluss an

das Treffen im Bundeskanzleramt

mit, das nach vierstündigen Beratungen

zu Ende ging.

Beim strittigen Thema Grundrente

vertagten sich die Koalitionäre.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD)

und Kanzleramtschef Helge Braun

(CDU) sollen in den nächsten zwei

bis drei Wochen ein Grundsatzpapier

erstellen, auf dessen Basis die

Fachpolitiker eine Entscheidung

treffen sollen. Um die Entscheidungen

des Klimakabinetts am 20. September

vorzubereiten, soll der Koalitionsausschuss

zwei weitere Male,

am 2. Und 13. September zusammenkommen.

Bis Mitte Oktober

wollen Union und SPD die im Koalitionsvertrag

vereinbarte Bestandsaufnahme

ihrer Regierungsarbeit

vornehmen. Von deren Ergebnis

wirdabhängen, ob die Koalition eine

Zukunft hat oder nicht.

Die Mietpreisbremse, die den

starken Preisanstieg in vielen Großstädte

abmildern soll, wird verlängert

und verschärft. Die Regelung

soll nun im Jahr 2025 auslaufen und

damit fünf Jahrespäter als bisher geplant.

Außerdem sollen Mieter bei

Verstößen gegen die Mietpreisbremse

zu viel gezahlte Miete rückwirkend

für einen Zeitraum von 30

Horst Seehofer und Christine Lambrecht

informieren über die Einigung.

DPA

Monaten zurückfordern können.

Die ortsübliche Vergleichsmiete, anhand

derer sich die zulässige Steigerung

von Mieten bemisst, soll künftig

anhand der vergangenen sechs

Jahreberechnet werden. Bislang waren

die letzten vier Jahre ausschlaggebend.

Durch den längeren Zeitraum

werden die Vergleichsmieten

niedriger ausfallen.

Auch Käufer vonselbst genutzten

Wohnungen und Häusern will die

große Koalition besserstellen. Bislang

konnte der Verkäufer entscheiden,

werdie Maklerkosten übernehmen

sollte.Inumkämpften Märkten

führte das in der Regel dazu, dass der

Käufer den Makler bezahlen musste,

selbst dann, wenn er ihn gar nicht

beauftragt hatte.Künftig sollen Käufer

von Eigentumswohnungen und

Häusern in diesem Fall nur noch

maximal 50 Prozent der Maklergebühren

bezahlen müssen, und auch

das nur dann, wenn der Auftraggeber

seinen Anteil bereits bezahlt hat.

Es wird erwartet, dass dadurch die

Maklerkosten sinken.

Bis zum Ende des Jahres will die

Bundesregierung einen Gesetzentwurf

vorlegen, der die Möglichkeit

zur Umwandlung vonMietwohnungen

in Eigentumswohnungen begrenzt.

Darüber hinaus will der Bund

mehr Geld in die Reaktivierung von

Brachflächen reaktivieren und mit

der Bahn darüber verhandeln, ob

deren nicht mehr benötigten Grundstücke

für verbilligtenWohnungsbau

zur Verfügung gestellt werden können.


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 5 *

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Politik

Wilde Wochen mit Salvini

Die Lage in Italien ist nach dem Misstrauensvotum des Lega-Innenministers völlig verworren. Selbst eine Aussöhnung mit Premier Conte ist wieder möglich

VonRegina Kerner,Rom

Noch nie habe Italien eine

so absurde Regierungskrise

erlebt, schrieb der

sozialdemokratische Ex-

Premier Matteo Renzi auf Facebook.

„Wenn es keine ernste Angelegenheit

wäre, könnte man lachen.“ Vormehr

als zehn Tagen hat Lega-Chef und Innenminister

Matteo Salvini das

Bündnis mit der Fünf-Sterne-Bewegung

für beendet erklärt. Seine Partei

beantragte ein Misstrauensvotum gegen

die Regierung, an der sie selbst

beteiligt ist. Seither ist die Lage verworren

und voller Überraschungen.

DieHauptakteuregiften sich an, aber

die Populisten-Regierung gibt es immer

noch. Undsogar die Aussöhnung

scheint wieder eine Option zu sein.

Rede am Dienstag

Am Dienstag wirdder parteilose Premier

Giuseppe Conte dem Parlament

Bericht über die Krise erstatten. Eine

Abstimmung über das Misstrauensvotum

steht bisher nicht auf der

Agenda. Wasnach Contes Rede passieren

wird, weiß niemand. Italiens

Medien stellen wilde Spekulationen

an. Wird die Lega ihren Antrag zurückziehen?

Wird Conte von sich aus

die Vertrauensfrage stellen? Wenn ja,

mit welchem Ergebnis? Reicht der

Premier seinen Rücktritt beim Staatspräsidenten

ein und kommt einem

Misstrauensvotum zuvor? Sicher ist,

dass Staatspräsident Sergio Mattarella

in diesem Fall Sondierungsgespräche

mit den Parteien führen

Der Plan des italienischen InnenministersMatteo Salvini für schnelle Neuwahlen ist gescheitert.

würde. Und eine Neuauflage der Regierung

Conte oder eine Techniker-

Regierung, getragen von den Fünf

Sternen und den Sozialdemokraten,

wäredann nicht auszuschließen.

Seit Salvini klargeworden ist, dass

sein Plan für schnelle Neuwahlen

scheitern und er selbst in der Opposition

landen könnte, tritt er auf die

Bremse. Trotz mehrfacher Ankündigung

hat der Lega-Chef seine Minister

nicht aus der Regierung abgezogen.

Bei der jährlichen Pressekonferenz

seines Ministeriums am Donnerstag

sagte er zwar,erglaube nicht,

dass es mit der Regierung Conte weitergehen

könne. Dann verblüffte er

mit dem Zusatz: „Aber wenn jemand

in den Dialog treten will, bin ich da.

Ich bin der geduldigste Mensch der

Welt und mein Telefon ist immer eingeschaltet.“

Kurz darauf versicherte

er noch, er habe nie gesagt, die Regierung

zu Fall bringen zu wollen.

Die überraschende Volte hat damit

zu tun, dass Salvini inzwischen

ziemlich isoliert ist. Er hatte offenbar

nicht damit gerechnet, dass die

Fünf Sterne, immer noch stärkste

Kraft im Parlament, und die Linke

eine Zusammenarbeit erwägen

könnten. Die Gespräche hinter den

Kulissen sind noch nicht weit gediehen.

Aber gemeinsam schmetterten

sie bereits das von der Lega gewünschte

Datum für das Misstrau-

AP/GREGORIO BORGIA

ensvotum ab. Auch in der Migrationspolitik

hat Salvini eine Niederlage

kassiert. Zwei Fünf-Sterne-Minister

weigerten sich, sein

Einfahrts-Verbot gegen das Rettungsschiff

„Open Arms“ zu unterschreiben.

Am Sonnabend musste

er die 27 unbegleiteten Minderjährigen

unter den Flüchtlingen an

Land lassen. Am Sonntag gestattete

der spanische Ministerpräsident

Pedro Sanchez dem Kapitän der

„Open Arms“ mit den verbliebenen

Flüchtlingen, den Hafen vonAlgecirasanzulaufen.

Auch in den eigenen Reihen regt

sich Kritik. Salvinis engsterVertrauter,

Staatssekretär Giancarlo Giorgetti,

sagte öffentlich, der Lega-Chef habe

den Bruch der Koalition allein entschieden.

„Am Ende ist das eine persönliche

Verantwortung“, befand Giorgetti.

Einanderes Timing wäreaber

besser gewesen.

Angebot an die Fünf Sterne

Italienische Medien kolportieren derweil,

Salvini habe Fünf-Sterne-Chef

Luigi Di Maio angeboten, neuer Regierungschef

zu werden.Das Verhältnis

zu Conte sei zu zerrüttet. Conte

war den Innenminister in einem offenen

Brief hartangegangen und hatte

ihm „unfaire Zusammenarbeit“ vorgeworfen.

Auch sei er„zwanghaft“ auf

das Thema Migration konzentriert

und schiele nur auf den Wählerkonsens.

Die Fünf Sterne lassen Salvini

abblitzen.„Erbereutesjetzt. Aber das

Omelette ist zubereitet“, schrieb Luigi

Di Maio auf Facebook. Das heißt so

vielwie „Das Kind istinden Brunnen

gefallen“. Dass er Premier werden

solle, sei „Fake News“, betonte der

Fünf-Sterne-Mann. Salvinigab er auf

den Weg: „Jeder ist der Meister seines

Schicksals.Viel Glück!“

Regina Kerner wartet auf

weitere überraschende

Wendungen in dieser Krise.

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Die Hauptaufgabe unserer

Nerven ist die Signal- und

Reizübertragung. Hierfür ist

die fettreiche Schutzschicht

(Myelinscheide) um die

Nervenfasern wichtig. Ein

Bestandteil dieser Schutzschicht

ist Cholin, das zu

einem normalen Fettstoffwechsel

beiträgt –essenziell

für die Aufrechterhaltung der

Struktur und Funktion der

Myelinscheide. Wissenschaftler

haben einen Mikro-

Nährstoffkomplex namens

Restaxil Komplex 26 entwickelt,

der Cholin enthält. Darüber

hinaus sind in Restaxil

Komplex 26 viele weitere

Mineralstoffe und Vitamine

enthalten, wie z. B. Thiamin,

Vitamin B12 und Kupfer für

eine normale Funktion des

Nervensystems. Calcium

unterstützt zusätzlich eine

normale Reizübertragung

zwischen den Nervenzellen.

Unser Tipp: Täglich ein Glas

Restaxil Komplex 26

(Apotheke) mit speziellen

Mikro-Nährstoffen zur Unterstützung

desNervensystems.

Für Ihren Apotheker:

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Sexuelle Schwäche (z. B.

Erektionsstörungen) ist ein

weit verbreitetes Problem.

Bei Männern über 60 ist bereits

jeder Dritte betroffen.

Wir verraten, wie Sie Erektionsstörungen

bekämpfen

können –mit einem natürlichen

Arzneimittel, das sogar

rezeptfrei erhältlich ist

(Neradin, Apotheke).

Erektionsstörungen –

häufig einAltersproblem

Erektionsstörungen treten

häufig mit fortschreitendem

Alterauf. Viele Betroffenehaben

zunächst nur gelegentlich

Probleme imBett, doch diese

werden meist über die Jahre

stärker und häufiger. Die

meisten Männer schreckenvor

dem Griff zu chemischen Potenzmittelnzurück,

ausAngst

vormöglichenstarken Nebenoder

Wechselwirkungen.

WirksameHilfe –

ganz ohne Rezept

Wasviele nicht wissen: Es

gibt ein natürliches Arzneimittel

bei sexueller Schwäche,

dasrezeptfreiinder Apotheke

erhältlich ist –Neradin. In

Neradin steckt die Wirkkraft

der Arzneipflanze Turnera

diffusa, die aus Mittelamerika

stammt. Schon die Maya

schätzten ihre Wirkung, um

verlorengegangene Manneskraft

zurückzuerlangen. Laut

Arzneimittelbild setzt der

Wirkstoff im Urogenitalsystem

anund wird hauptsächlich

bei sexueller Schwäche,

z. B. Erektionsstörungen,

angewendet. Seitdem dieser

spezielleWirkstoffinNeradin

auch hierzulandeerhältlich ist,

vertrauen zahlreiche Betroffene

aufseineWirkkraft.

EntscheidendeVorteile

MitNeradin istesForschern

gelungen, ein Arzneimittel zu

entwickeln, dessen Wirkung

nicht vomEinnahmezeitpunkt

abhängig ist –anders als bei

vielen herkömmlichen, chemischen

Präparaten. Betroffene

müssen daher nicht jedes Mal

rechtzeitigvor dem Sexandie

Einnahme denken. Stattdessen

wird Neradin regelmäßig eingenommen.

Dadurchkannder

Sex wieder spontan und aus

der Leidenschaftdes Moments

heraus entstehen. Ein weiterer

Pluspunkt: Neradin ist

gut verträglich und hat keine

Abbildungen Betroffenen nachempfunden,Namen geändert

NERADIN. Wirkstoff: Turneradiffusa Trit.D4. HomöopathischesArzneimittel beisexueller Schwäche. www.neradin.de•ZuRisikenund Nebenwirkungen lesenSie die Packungsbeilage undfragen SieIhren Arzt oder Apotheker.

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bekannten Nebenwirkungen

oder Wechselwirkungen mit

anderen Arzneimitteln.

Fazit: Fragen Siebei Erektionsstörungen

inder Apotheke

nach Neradin (rezeptfrei)!

BegeisterteAnwender

berichten

„Potenz und Durchhaltevermögen

sind wieder

gewährleistet.Ich bin froh,

diesesPräparatgefunden zu

haben!“

(Robert L.)

„Die Wirkung war Hammer!

Hätten uns nicht träumen

lassen,dassein Produkt so

gutwirkt.Die Tabletten haben

unspositivüberrascht.“

(Meike undHaraldS.)

Die Vorteile von Neradin

auf einen Blick

P Die Wirkung ist unabhängig

vom Einnahmezeitpunkt.

P Neben- oder Wechselwirkungen

sind nicht

bekannt.

P Neradin ist rezeptfrei in der

Apotheke erhältlich.

Für Ihren Apotheker:

Neradin

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6* Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

NACHRICHTEN

Vapiano-Chef tritt

überraschend zurück

DerChef der angeschlagenen Restaurantkette

Vapiano,Cornelius

Everke,hat am Sonntag seinen

Rücktritt für Ende August angekündigt.

In einer Mitteilung des Unternehmens

wurden persönliche Gründe

genannt –die dabei üblichen

Danksagungen fehlen allerdings.

DerVertrag werde„einvernehmlich“

zum 31. August beendet. Everke war

erst Ende 2018 als Sanierer an die

Spitzegerückt und hat im Juni seine

Strategie für die Zukunft präsentiert.

Dieschnell gewachsene Restaurantkette

steckt seit Langem tief in der

Krise.Bei einem Umsatz vonrund

372 Millionen Euro machte das

Unternehmen 2018 einen Verlust

von101 Millionen Euro. (dpa)

IW-Chef Hüther fordert

Investitionen auf dem Land

Michael Hüther,Direktordes Instituts

der deutschen Wirtschaft (IW)

in Köln, hält massiveInvestitionen

in ländliche Regionen für nötig, um

die Lebensverhältnisse anzugleichen.

Dies betreffe die Verkehrsinfrastruktur

ebenso wie Forschung

oder digitale Netze. „5G auf Berlin,

Leipzig, Dresden oder Rostock beschränken

und der Rest muss sehen,

wo er bleibt –das wirdnicht funktionieren“,

sagte Hüther.Ertratdamit

auch Thesen vonReint Gropp entgegen.

DerPräsidentdes Leibniz-

Instituts für Wirtschaftsforschung

Halle (IWH) hatte gefordert, Infrastrukturinvestitionen

auf Großstädte

und die Anbindung ihres Umlands

zu konzentrieren. (dpa)

Krabbenfischer beenden

ihre Zwangspause

Die Kutter laufen wieder aus.

FOTO: ASSANIMOGHADDAM/DPA

Nach drei Wochen Zwangspause

wollen die Krabbenfischer an der

Nordseeküste wieder auslaufen. Zuvorhatten

die Großhändler den Fischernwochenlang

keine Krabben

abgenommen, weil große Fangmengen

im vergangenen Herbst für

randvolle Lager gesorgt hatten. Sinkende

Preise und der Abnahmestopp

ließen daraufhin die Einkommen

der Fischer wegbrechen. „Das

ist wahrscheinlich die größte Krise,

die ich in meinem Leben mitgemacht

habe“, sagte Geschäftsführer

Dirk Sander vonder Erzeugergemeinschaft

der Deutschen Krabbenfischer

(EZDK) in Cuxhaven. (dpa)

Anstieg der Umlage

für Ökostrom erwartet

DieÖkostrom-Umlage dürfte Experten

zufolge im kommenden Jahr

leicht steigen. DieDenkfabrikAgora

rechnet mit einem Wert von6,5 bis

6,7 Cent proKilowattstunde –indiesem

Jahr liegt die EEG-Umlage bei

6,41 Cent. Da auchdie Preise an der

Strombörse anziehen, müssen Verbraucher

wohl mit höheren Strompreisen

rechnen. Vorerst ist aber offen,

ob und wie die Stromanbieter

die Teuerung weitergeben. Agora

rechnet mit einem Cent mehr pro

Kilowattstunde.Für einen Vier-Personen-Haushalt

wären das rund

40 Euro mehr im Jahr.AlleStromkunden

müssen bisher die Umlage

bezahlen, über die die Ökostrom-

Förderung finanziertwird. (dpa)

Von Theresa Dräbing

Esgab sie mal: die gut verzinsten

Sparverträge mit Prämienaufschlag.

Wervor 20,

30 Jahren einen Sparvertrag

bei einer Sparkasse abgeschlossen

hat,demwurdensehrvielhöhereZinsen

versprochen als heute, vor allem

aber boten die Staffelverträge bis zu

50, in einigen Fällen sogar bis zu 100

Prozent Bonusaufschlag auf den Jahressparbetrag,

bei in der Regel undefinierter

Laufzeit. Sparer mit Altverträgen

profitieren davon heute noch –

zum Leidwesen der Banken, die die

Verträge gern loswerden wollen.

Beim anhaltenden Niedrigzinsniveau

sind die gut verzinsten Sparverträge

mit hohen Prämien für sie

eine Belastung.

Dutzende Institute haben deshalb

schon Kündigungen verschickt –zuletzt

nach einem BGH-Urteil im Mai,

das zugunsten der Sparkassen ausging.

Danach dürfen Sparkassen Prämiensparverträge

kündigen, wenn

die höchste Prämienstufe erreicht ist

(Az. XI ZR 345/18).

„Das Urteil bedeutet aber nicht,

dass es gleichsam auf alle Prämiensparverträge

anzuwenden ist“, sagt

Uwe Döhler, Finanzexperte der Stiftung

Warentest. „Nicht alle Produkte

dürfen gekündigt werden, Verbraucher

sollten den Vertrag imZweifelsfall

von der Verbraucherzentrale

überprüfen lassen.“ Denn das BGH-

Urteil beziehe sich auf einen ganz bestimmten

Vertragstyp einer einzelnen

Sparkasse, in diesem Fall der

Kreissparkasse Stendal in Sachsen-

Anhalt.

Zwar ist das Sparprinzip immer

ähnlich: Man vereinbart eine feste

Monatsrate, die man üblicherweise

nicht erhöhen kann, bekommt einen

monatlichen variablen Zins und eine

Bonusstaffel, die in der Regel über

15 Jahre läuft. „Aber jede Sparkasse

konnte im Detail, sowohl über die

Verzinsung als auch über die Nebenbedingungen,

eigene Bedingungen

in den Vertragschreiben und das anders

formulieren als die Nachbarsparkasse“,sagtDöhler.Unterschiedlich

wurde etwa die Laufzeitangabe

gehandhabt. „Wenn das Produkt für

eine bestimmteLaufzeitausgeschrieben

ist, dann würde auch dieses

BGH-Urteil nicht greifen.“ Dies berief

sich nämlich darauf, dass keine feste

Laufzeit angegeben war.

Altverträgebei derSparkasse Berlin

DasAltprodukt bei der Berliner Sparkasse

hieß „Vorsorgesparen flexibel“,

andernorts führten es die Sparkassen

unter „Prämiensparen flexibel“ oder

„Prämiensparvertrag“. Wie viele

Kunden noch Altverträge besitzen, ist

nicht bekannt, da jede der rund 400

Sparkassen in Deutschland individuelle

Verträge unter eigenem Namen

verkauft hat. Doch allein bei der

Nürnberger Sparkasse beispielsweise,

die kürzlich Sparvertragskündigungen

zu Ende September ausgesprochen

hat, sind es über 20 000 Verträge,

inder Summe werden es also

Hunderttausende sein.

Das Ende vom Prämiensparen

Sparkassenkündigen gut verzinste Verträge. Droht das auch Kunden in Berlin?

Kündigung: Die Verbraucherzentralen empfehlen,

einer Kündigung erst einmal schriftlich

zu widersprechen. Aufder Website der

Verbraucherzentrale findet sich dazu auch ein

Musterbrief. Weitere Hilfe kann eine persönliche

Beratung durch eine Verbraucherzentrale

oder einen Fachanwalt bieten.

VERTRÄGE PRÜFEN

Zinsanpassung: Bei den Verbraucherzentralen

können Kunden prüfen lassen, ob die

Zinsanpassung rechtmäßig ist. Die Verbraucherschützer

können außerdem eine Musterrechnung

anstellen, was dem Kunden nach

ihrer Rechtsauffassung zustehen würde. Das

kostet zwischen 60 und 80 Euro.

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

Auch bei der Berliner Sparkasse ist

von Altverträgen auszugehen, die

noch eine Weile laufen werden. Das

Produkt „Vorsorgesparen flexibel“ ist

erst im Juli 2016 vom Markt genommen

worden. Ersetzt wurde es durch

ein Prämiensparprodukt namens

„Zinssparen“, dabei liegt der Basiszinsallerdingsbeimickrigen0,01Prozent,

ab dem dritten Jahr bekommen

Sparer jährlich steigende Bonuszahlungen

von bis zu 12 Prozent im

15. Sparjahr. Wer also 100 Euro monatlich

einzahlt, bekäme im 15. Jahr

144 Euro Bonus. „Das ist ein relativ

kleiner Betrag und sicherlich nicht

vergleichbar mit den Altverträgen“,

sagt Döhler.Bei diesen Verträgen bestehe

deshalb auch kaum Gefahr,

dass die Sparkasse sie kündigt. „Der

geringe Betrag schmerzt sie nicht so

sehr wie Altverträge.“

In Berlin zumindest ist aber auch

von gekündigten Altverträgen noch

nichts zu hören. „Gekündigte Sparverträge

sind seit Längerem sporadisch

ein Thema beiuns,aber nur von

Verbrauchern, die solche in anderen

Städten abgeschlossen haben“, sagt

Volker Schmidtke, Referent für Finanzdienstleistungen

bei der Verbraucherzentrale

Berlin. Fälle der

Berliner Sparkasse seien noch nicht

an die Verbraucherschützer herangetragen

worden.

DieSparkassenlandschaft ist groß,

und jedes Institut verhält sich anders.

Gegenüber der Nachrichtenagentur

dpa äußerte sich der Deutsche Sparkassen-

und Giroverband jedoch

nach dem BGH-Urteil im Mai: „Bei

sehr lang laufenden Verträgen“ müsse

es möglich sein, „auf veränderte

wirtschaftliche Bedingungen angemessen

reagieren zu können“, teilte

ein Sprecher auf Anfrage mit.

Zinsanpassungüberprüfen

Doch nicht erst bei Kündigung lohne

es sich, den Prämiensparvertrag zu

überprüfen. Darauf macht die Verbraucherzentrale

Baden-Württembergaufmerksam.

Diese hat langfristige

Sparverträge auf die Höhe der

Zinsen überprüft und vielfach Verstöße

festgestellt. So darfder Basiszins in

den Prämiensparverträgen nach

mehreren Urteilen des BGH nicht

willkürlich geändert werden, sondern

muss sich an einem Referenzzins

orientieren. „ImMittelhaben die

Sparer nach unserer Berechnung nur

die Hälfte der Zinsen erhalten, die ihnen

bei Anwendung der BGH-Rechtsprechung

zustünden“, sagt Bankexperte

Niels Nauhauser bei der Verbraucherzentrale

Baden-Württemberg.

Dies war zum Beispiel der Fall

bei der Frankfurter Sparkasse.RechtlicheSchrittesindeingeleitetworden,

und das Frankfurter Institut hat eine

Unterlassungserklärung abgegeben.

„Aber nicht nur Kunden der Sparkasse

Frankfurt haben große Chancen

auf einen Erstattungsanspruch,

weil die Zinsen anders berechnet

worden sind, als die Rechtslage es

vorschreibt“, sagt Döhler vonder Stiftung

Warentest und rät, die Verträge

bezüglich Zinsanpassung und Zinszahlung

überprüfen zu lassen.

Briten stellen sich auf Versorgungslücken ein

Von Silvia Kusidlo und Holger Mehlig

Bei einem ungeregelten Brexit

rechnet die britische Regierung

einem Bericht zufolge mit Versorgungsengpässen

bei Lebensmitteln,

Medikamenten und Benzin. Darüber

hinaus stelle man sich auf einen

mehrmonatigen Zusammenbruch

in den Häfen, eine harte Grenze zur

Republik Irland und steigende Sozialkosten

ein, berichtete die „Sunday

Times“ unter Berufung auf Regierungsdokumente.

Kabinettsmitglieder versuchten

am Wochenende zu beschwichtigen.

Bei No-Deal-Brexit droht angeblich Mangel an Lebensmitteln undMedikamenten

Energieminister Kwasi Kwarteng sagte

dem Sender Sky News, es gebe

gegenwärtig viel Angstmacherei.

Großbritannien werdefür einenEU-

Austritt auch ohne ein Abkommen

am 31. Oktober bereit sein. Der für

die Planungen zuständige Minister

Michael Gove erklärte,das Schreiben

befasse sich lediglich mit dem

schlimmsten anzunehmenden Fall.

DieZeitung zitiertallerdings eine

nicht genannte Regierungsquelle mit

der Einschätzung, dass die Szenarien

„realistische Einschätzung“ und

„nicht der schlimmste Fall“ seien.

Dem Bericht zufolge würden Zollkontrollen

und Megastaus von Lastwagen

in Südengland den Importfrischer

Lebensmittel behindern. Britische

Patienten müssten länger auf

Arzneimittel wie Insulin und Impfstoffe

gegen Grippe warten. Ein ungeregelter

Ausstieg würde auch zu

Verzögerungen für PassagiereanEU-

Flughäfen, im Eurotunnel und in der

Hafenstadt Dover am Ärmelkanal

führen. An der Grenze zwischen der

Republik Irland und dem britischen

Nordirland wird mit starken Protesten

gerechnet.

DasDossier wurde nach Angaben

der Zeitung vom Cabinet Office zusammengestellt,

das Premierminister

Boris Johnson und die Minister

unterstützt. Es wird immer wahrscheinlicher,

dass Großbritannien

Ende Oktober ohne Abkommen aus

der EU ausscheidet. Rund 100 Abgeordnete

riefen Johnson am Wochenende

in einem Brief dazu auf, das Parlament

aus der Sommerpause zu holen,

um nach Lösungen zu suchen.

Johnson wirdinden kommenden

Tagen ins Ausland reisen. Am Mittwoch

soll er Bundeskanzlerin Angela

Merkel (CDU) treffen, am Donnerstag

den französischen Präsidenten

Emmanuel Macron. (dpa)

Deutscher

Hopfen im

Klimastress

US-Farmersind inzwischen

die größtenLieferanten

Von Thomas Magenheim

Thomas Raiser ist besorgt. „Bei erneut

schlechter Ernte wird es

knapp“, sagt der Marketingchef des

weltgrößten Hopfenhändlers Barth-

Haas in Nürnberg. Lange Zeit hat es

trübe ausgesehen für die Hopfendolde:

Der Bierrohstoff verträgt keine

trockene Hitze. Dann sind die Temperaturen

gesunken, und es hat zu

regnen begonnen. „Wir rechnen jetzt

mit einer durchschnittlichen Ernte“,

sagt Raiser. Die wäre bitter nötig,

denn die vergangenen fünf Jahrehaben

schlechte Ernten gebracht.

Obwohl die globalen Anbauflächen

2018 auf über 60 000 Hektar

ausgeweitet wurden, ist die Welternte

leicht auf 118 410 Tonnen Hopfen

geschrumpft. „Es ist eindeutig der

Klimawandel“, sagt Raiser.Der treffe

vor allem deutsche Hopfenbauern

und spiele deren US-Konkurrenten

in die Hände.Denninden USA würden

dieAnbauflächen seitjeherpraktischflächendeckendbewässert,weil

sie in steppenähnlichen Regionen

liegen. In Deutschland werde dagegen

bisher nur ein Fünftel der Anbaufläche

künstlich berieselt, und

mehr sei wegen der restriktiven Wasserwirtschaftsämter

auch kaum drin.

Grundwasser ist längst nicht mehr

unbegrenzt verfügbar.

So stagniert die deutsche Ernte

trotz Flächenausweitung, und die

Qualität lässt nach. „Die Inhaltsstoffe

sind enttäuschend“, sagt Raiser. Er

meint damit Aromen und Bitterstoffe,

die Bier seinen typischen Geschmack

geben. Ihre Intensität lässt

nach, was der Experte auf Trockenheit

und Hitzezurückführt.

Traditionell angebaut wird vor allem

in der bayerischen Hallertau und

zum kleineren Teil im ostdeutschen

Elbe-Saale-Gebiet. Insgesamt produziertDeutschlandimmerhin

noch

ein Drittel allen Hopfens weltweit.

Dieheimischen Pflanzen waren aber

bis vor wenigen Jahren noch die

Nummer eins. Dann sind die USA

vorbeigezogen, die zuletzt 39 Prozent

der weltweiten Ernte eingefahren haben.

Das liege nicht nur am Klimawandel,

sondern auch am Craftbier-

Boom in den USA, erklärtRaiser. Das

sind handwerklich gebraute Biere,

die mehr Hopfen brauchen als der

Standard-Gerstensaft.

Barth-Haas sucht bereits neue

Anbauregionen, um klimatischen

Nachteilen zu entgehen. Doch eine

entsprechende Studie mache wenig

Hoffnung. Den Anbau innerhalb

Deutschlands um ein paar hundert

Kilometer Richtung Norden zu verschieben,

bringe wohl nur kurzfristig

etwas.

Sinnvoller wäre es, Richtung Osteuropa

zu gehen. „Aber das würde

enorme Investitionen verschlingen“,

sagt Raiser. Damit sei Hopfenanbau

in Osteuropa im großen Stil finanziell

unwahrscheinlich. Eine bessereAusweichstrategie

sei der Anbau hitzeresistenter

Hopfensorten. Die hätten

allerdings andere Aromen als die

heute gebräuchlichen. Damit müssten

die Brauer dann zurechtkommen

–und vorallem die Biertrinker.

Hopfendolden vertragen keine trockene

Hitze.

FOTO: PETER ENDIG/DPA


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19082019


8 Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Meinung

Artenschutz

ZITAT

Verpasste

Chancen

Jens Blankennagel

fordert, dass der Bund den Ländern

hilft bei Problemen mit Wolf &Co.

Seit 2017 hat Brandenburg 1,6 Millionen

Euro ausgegeben, um Landwirte

davor zu schützen, dass deren Schafherden

oder ihreKälber vonWölfen gefressen

werden. Oder das Geld ging an Bauern,

deren Äcker überflutet wurden, weil Biber

in der Nähe ihreDämme gebaut hatten.

Das Geld ist sehr gut angelegt, kommt

aber leider ziemlich spät, denn auf dem

platten Land sind die streng geschützten

Wölfe und Biber nicht sehr beliebt. Das

liegt auch daran, dass die BauernimSchadensfall

lange Zeit auf die Entschädigungszahlungen

von Stiftungen hoffen

mussten und dass die Länder erst spät

Entschädigungsprogramme auflegten.

Das ist kein Vorwurf an die Länder,

denn eigentlich ist das nicht deren Problem.

Dass sich Wölfe und Biber in Brandenburg

wohlfühlen, kann und sollte

dem Land nicht vorgeworfen werden.

Deshalb sollte der Bund die Länder nicht

alleinlassen, wenn es darum geht, betroffene

Landwirte zu entschädigen.

Natürlich ist es absurd, jeden für alles

entschädigen zu wollen. Aber bei streng

geschützten Tieren ist es durchaus anders.Wenn

ein Biobauer seine Tierenicht

in einem Großstall hält, sondern vorbildlich

auf der Weide, kann er schnell pleite

sein, wenn sich in der Nähe ein Wolf niederlässt.

Weidezäune sind sehr teuer.

Am Umgang mit streng geschützten

Tieren zeigt sich, ob der Mensch die Sache

mit der Erhaltung der Artenvielfalt ernst

nimmt. Gerade hat die Weltartenschutz-

Konferenz in Genf festgestellt, dass die

Menschen schon bald eine Million von

acht Millionen Tierarten ausgerottet haben

könnten. Die Frage ist, ob die Deutschen

wollen, dass bei ihnen auch Wolf

und Biber dazugehören.Wenn sie es nicht

wollen, muss der Bund auch dafür zahlen.

Parteiausschluss

Märtyrer

Maaßen

JanSternberg

rät der CDU-Chefin, die Debatte

schnell wieder einzufangen.

Parteiausschlussverfahren gegen Prominente

schaden der Partei und helfen

dem Abweichler. Das ist bei der SPD

und Thilo Sarrazin so, eswar bei der AfD

und Björn Höcke der Fall. Es würde auch

bei der CDU und Hans-GeorgMaaßen so

laufen.

Dass CDU-Chefin Annegret Kramp-

Karrenbauer in einem Interview den Eindruck

erweckt hat, sie denke über einen

Parteiausschluss Maaßens nach, war zumindest

ungeschickt. Das ist spätestens

klar nach der Kritik vonihren wahlkämpfenden

Landesverbänden in Sachsen und

Thüringen, wo man Maaßen für einen

hält, der das Wählerpotenzial der im Osten

überdurchschnittlichen starken AfD

zumindest noch erreicht.

Kramp-Karrenbauer hat schnell betont,

dass sie Maaßen nur zur Ordnung

rufen, aber nicht aus der Partei werfen

wollte. Der Eindruck hat sich dennoch

verstärkt, dass sie einen Hang zu verbalen

Ungeschicklichkeiten hat, bei denen nie

ganz klar ist, wie viel Absicht dahintersteht.

Man denke an ihr Sinnieren über

die Meinungsfreiheit im Internet.

Maaßen fehle die Haltung, die ihn mit

der CDU noch verbindet, hatte die Parteichefin

gesagt. Manmuss hinzufügen: mit

ihrer CDU. Denn Maaßen hat einen Plan

für die Partei: Er will eine neue konservative

Mehrheit schaffen. Schwarz-blaue

Bündnisse zwischen CDU und AfD wären

nicht mehr ausgeschlossen.

Mit einem Parteiausschlussverfahren

am Hals würde Maaßen zum Märtyrer.

Das würde in Sachsen vieles verkomplizieren

– und auch Kramp-Karrenbauer

schaden. Wenn sie Schwarz-Blau nicht

zulassen will, darf sie es auch nicht herbeistolpern.

Jüngste Meldung vom Atlantik, Tag5,

etwa ein Drittel des Weges vonEngland

nach NewYorkist geschafft.„Ein sonniger

Tag mit angenehmem Wind“,

schreibt Greta Thunbergauf Twitter über ein

Foto, auf dem sie so schüchtern lächelt, wie

sie inzwischen die ganze Welt kennt. Eine

Heldin im Kampf für den Klimaschutz, sagen

ihreAnhänger.Ein naives Mädchen, das von

öffentlichkeitsgeilen PR-Profis für deren politische

oder kommerzielle Zwecke eingespannt

wird, sagen ihreKritiker.

Vor allem in Deutschland überwog bislang

die Sympathie mit der 16-Jährigen, die

vornun genau einem Jahr allein vors schwedische

Parlament statt ins Klassenzimmer

zog und damit eine Massenbewegung auslöste,die

zu freitäglichen Klima-Schulstreiks

in rund 100 Ländern führte. Zweifellos ein

ungeahnter Erfolg –sowar die Lesartbisher.

Doch ausgerechnet zum Jahrestag der

„Fridays For Future“ bringt Thunbergs bislang

spektakulärste Aktion die Stimmung

zum Kippen: Auf einer komplett klimaneutralen

Hochseejacht reist die Schwedin gerade

quer über den Atlantik, um am UN-Klimagipfel

in NewYork, später an der Weltklimakonferenz

in Chile teilzunehmen und

ihreMission auf dem amerikanischen Kontinent

zu verbreiten. Flugreisen lehnt Thunberg

bekanntlich kategorisch ab –und hofft

auch hier auf viele Nachahmer.

Seitdem sie jedoch auf Segeltour ist, weht

ihr ein gar nicht mehr so angenehmer Wind

entgegen –vor allem, weil sich herausstellte,

dass die Logistik für Gretas große Fahrtmehr

Transatlantik-Flüge nötig macht als die vier

Hin- und Rückreisen für sich und ihrenVater.

Das nehmen ihr nun auch Wohlgesonnene

übel: Bleibt so am Ende nicht nur eine überflüssige

Promo-Aktion?

Sie werden es mitbekommen haben, in

Brandenburgstehen Landtagswahlen an.

Ichwohne nur zehn Kilometer vonder Stadtgrenze

entfernt, und trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit

höher, dass jemand mit mir

über die Proteste in Hongkong sprechen

möchte als über dieWahlen im Nachbarland.

So gerne ich Berliner auch vor allen Vorurteilen

in Schutz nehme, unsere Ignoranz

gegenüber Brandenburg kann ich kaum bestreiten.

Wirkennen das Land vonTagesausflügen,

bei denen wir die schöne Natur loben

und über das schlechte Essen lästern. Die

Funklöcher zwingen uns ja den ganzen Ausflug

über zur analogen Kommunikation, also

reden wir über gute Wellnesshotels,wer hier

ein Wochenendhäuschen hat und dass man

mal ironisch nach Tropical Islands möchte.

So,als wäreBrandenburgnur für unsereVergnügungszwecke

da.

Wieviele vonuns wussten vordem Wahlkampf

auf Anhieb den Namen des Brandenburger

Ministerpräsidenten? Oder könnten

mehr als drei Regionen auf der Kartebenennen?

Ich glaube noch nicht mal, dass es unbedingt

despektierlich gemeint ist. Wer

denkt, dass Städter alle auf Landeier herabblicken,

vergisst, dass viele Städter früher

selbst mal Landeier waren. DieGrenzen sind

ja durchlässig. Es ist gefühlt einfach nur sehr

viel weiter weg als zehn Kilometer. Berlin ist

so voll, fordernd und, ja, auch sehr selbstreferenziell.

Auf unseren Tagesausflügen sehen wir

aber derzeit nicht nur Alleebäume, sondern

Klimaschutz

Gretas

große Reise

Steven Geyer

denkt über das erste Jahr von„Fridays für Future“ und den

vielfach kritisierten Segeltörnder Aktivistin Thunberg nach.

Auch die Symbolik der Reise erscheint

fragwürdig: Waswill Greta zeigen? Als Alternative

für Geschäfts- oder Urlaubsreisen

kommen Hochseeyachten kaum infrage.

Hätte sich Thunberg per Video zur Klimakonferenz

zuschalten lassen, ließe sich das

besser zum Vorbild ausrufen: Viele klimaschädliche

Reisen sind dank modernerTechnik

überflüssig. Oder lehrtuns der Segeltörn,

dass der Einzelne das Klima auch bei größtem

Bemühen nicht retten kann, sondern

die Politik den Flugverkehr regulieren muss?

Am Ende steckt dahinter die große Frage

jeder Symbolik: Heiligt der Zweck die Mittel?

Kann Gretas Weltreise so viele Menschen für

den Klimaschutz mobilisieren, dass deren

Druck die Politik zum Handeln zwingt?

KOLUMNE

Die Berliner und

das ferne, nahe

Brandenburg

Katja Berlin

Autorin

auch AfD-Wahlplakate, die noch gruseliger

sind als das Brandenburger Essen. „Hol dir

dein Land zurück“, rufen sie einem zu, als

seien sie Werbung für ein gewaltverherrlichendes

Videospiel. Das AfD-Wahlprogramm

nimmt sich Preußen als Vorbild und

verspricht Gutes für alle außer für Asylsuchende,Wölfe,

Frauen, die gerne über ihren

Körper selbst bestimmen, oder das Klima.

Der Brandenburger Landesverband gilt mit

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Vermutlich können wir heute noch gar

nicht absehen, welcheWirkung die Amerika-

Tour vonThunberg bis Ende des Jahres entfaltet.

Womöglich löst der Medien-Hype eine

weltweite Jugendbewegung aus, die vergleichbar

ist mit den Anti-Vietnam- und Studenten-Protesten

der Sechzigerjahre. Nicht

auszuschließen, dass Thunberg eines Tages

zur Ikone des zivilgesellschaftlichen Protestes

wird, das Gesicht einer neuen Klimabewegung,

so wie Martin Luther King das Gesicht

der Bürgerrechtsbewegung war. Vielleicht

brauchen erfolgreiche Proteste solche

Helden, deren öffentliches Bild ihrepersönlichen

Fehler überstrahlt. Käme es so,wäredie

Klimabilanz der Greta Thunbergeine zu vernachlässigende

Fußnote in den Geschichtsbüchern

–auch wenn die Diskrepanz zwischen

Anspruch und Wirklichkeit der Klimaschützer

schon jetzt manchem konservativen

Kommentator so viel Furor entlockt,

dass er der kritiklosen Begeisterung vieler

Greta-Fans in nichts nachsteht.

Doch so weit ist es längst nicht. Bislang

besteht die Leistung der „Fridays for Future“

darin, ein Thema für die junge Generation

auf die Tagesordnung gesetzt zu haben, das

ihre Eltern seit 1992 kennen: Damals hatte

sich die Weltgemeinschaft auf dem ersten

Umweltgipfel zu gemeinsamem Handeln

verpflichtet, ebenso 1997 in Kyoto, zuletzt

2015 in Paris. Auch diese Großereignisse

blieben Symbole –der CO 2 -Ausstoß wuchs

seit 1992 ungebrochen an. Leider lässt sich

daraus lernen, dass auf Symbolik zwar oft ein

Erwachen, hitzige Debatten und große Versprechen

folgen –dass aber auch die größte

Protestbewegung ihr Ziel aus den Augen verlieren

kann, wenn die Umsetzung im Ringen

ums Kleingedruckte und um praxistaugliche

Kompromisse stattfindet.

seiner Nähe zur Identitären Bewegung sogar

für AfD-Verhältnisse als radikal.

Wenn wir Brandenburg also jetzt mal die

ihm gebührende Aufmerksamkeit schenken,

ergeben sich für mich zwei Schlüsse aus den

Wahlprognosen. Zum einen besteht die

Mehrheit aus demokratisch wählenden

Menschen, auf denen unser Hauptaugenmerk

liegen sollte und mit denen wir uns

über Infrastruktur und Nahverkehr einigen

müssen. Ich sehe aber auch einen erschreckend

großen Teil an Menschen, die eine

rechtsradikale Partei wählen und die genauso

ernst zu nehmen sind. Brandenburger

AfD-Wähler sind eben auch keine verführten

Hinterwäldler, die nicht wissen, was sie tun.

Eine Partei zu wählen, deren Spitzenkandidat

mit mehr rechtsextremen Vereinigungen

verbunden war als ich offene Punkte auf der

To-do-Liste habe, ist eine bewusste Kampfansage

an eine demokratische, offene Gesellschaft.

Werdas als Provinzposse herunterspielt,

entsolidarisiertsich mit vielen Berlinerinnen

und Berlinern, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe

nicht mehr nach Brandenburg trauen.

Underentsolidarisiertsich ebenso mit unseren

Nachbarn, die gerne weiterhin in einem

schönen Bundesland leben möchten, das

seine politischen Visionen nicht von einem

militarisierten Königreich bezieht.

Preußen wurde ja bekanntermaßen aufgelöst,

vielleicht können wir also länderübergreifend

der AfD dabei helfen, ihrem

großen Vorbild nachzueifern.

„Da half nichts! Kein

Alkohol, kein Freund, nicht

einmal meine Frau.

Die Niederlage musste ich

mit mir allein verhandeln.“

Jamie Oliver, britischer Star-Koch,

im Magazin Focus über seine Verfassung

nach der Insolvenz seiner Restaurantkette

„Jamie’s Italien“ im Mai dieses Jahres

AUSLESE

Scholz

will’swissen

Inder letztenWoche hat das Kandidatenkarussell

für den SPD-Vorsitz Fahrt aufgenommen.

Erst erklärte sich das DuoGesine

Schwan/Ralf Stegner bereit, die Partei

zu führen, am Freitag kam das Duo Petra

Köpping/Boris Pistorius hinzu. Und nun

auch noch Finanzminister Olaf Scholz.

„Dass sich der 61-Jährige zur Verfügung

stellt, dürfte in weiten Teilen seiner Partei

für Erleichterung sorgen: Die bisherigen

Bewerber gehörten überwiegend dem linken

Parteiflügel an; große Namen aus der

Bundespolitik suchte man vergebens. Beides

ändert sich mit Scholz. Das Zeug zum

Heilsbringer hat er allerdings nicht. Dafür

fehlt es ihm an Charisma“, stellt die Neue

Zürcher Zeitung fest. Ganz ähnlich sieht es

das Badische Tagblatt:„MitFinanzminister

Olaf Scholz betritt ein Schwergewicht die

Bühne. Allerdings hat er nicht die Fähigkeit,

das Herz von Sozialdemokraten (und

Wählern) zu erwärmen. Er verfügt vielmehr

über den Charme des spröden Bürokraten,

kommt kühl-arrogant rüber.“

Unddie Stuttgarter Nachrichten analysieren:

„Scholz macht die Vorsitzenden-

Wahl zum parteiinternen Referendum für

oder gegen die große Koalition. Er setzt

dabei alles auf eine Karte. Scholzgehörtin

der SPD zu den vehementesten Befürwortern

einer Fortsetzung von Schwarz-Rot.

Er will bis zum regulären Ende der Legislaturperiode

2021 weiter regieren. Alle

Mitglieder und Funktionäre, die ihn jetzt

unterstützen, legen sich auf diesen Kurs

fest.“ Matthias Roch

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Wolf &Co:

Brandenburg zahlt

Millionen für Schäden

Seite 15

Vorhang auf –Stiftung will Karlshorster „Russenoper“ wieder öffnen Seite 12

Tür auf –Tausende Besucher sahen sich in Bundesministerien um Seite 14

Stadtbild

Nach Hause

fahren

BarbaraWeitzel

beobachtet die

Abendmenschen.

Der junge Mann neben der Haltestelle

lässt sich nicht beirren.

Nicht von den an- und abfahrenden

Bussen, nicht vonder abgestandenen

Schwüle, die wie eine muffige Decke

über dem Kudamm liegt, nicht von

den Menschen. Das Megafon in seiner

Hand verdeckt fast sein ganzes

Gesicht und ist das einzig Auffällige

an ihm. Ansonsten: Kurze blonde

Haare, Jeans, T-Shirt. Ein junger

Mann eben –Mitte,Ende zwanzig.

Ein junger Mann mit Botschaft.

Vonweitem habe ich sie nicht verstanden,

jetzt, aus der Nähe,höreich

„Jesus“ und „Gott“, der Mann predigt.

Seine Rede hat nichts Eiferndes,

er klingt eher, als spräche er zu sich

selbst, wäre danicht der Verstärker,

der die Worte hinausschickt in den

frühen Abend. Anders als andere

Missionare mit ihren Blättchen und

bohrenden Blicken finde ich ihn

nicht unsympathisch. Wiefühlt man

sich, frage ich mich, als hörbare

Stimme, die keiner hört? Die Menschen

tragen Tüten, Taschen und

Kopfhörer, sprechen in Geräte, miteinander

oder in Gedanken mit sich

selbst. Nirgends eine Leere, die etwas

Übergeordnetes füllen müsste.

Die hat erst dann ihren Auftritt,

wenn die Waren ausgepackt und

schon wieder alt sind. Manch ein

müdes Gesicht kündet schon davon.

Durch die geschlossenen Bustürenhörtman

ihn immer noch. Kurz.

Abgelöst wird seine gedämpfte Rede

vom Schnauben des anfahrenden

Fahrzeugs und zwei singenden Kindern.

Die Mutter sitzt ihnen gegenüber,

sichtbar abgekämpft. Sie ermahnt

die zwei, etwas leiser zu sein.

Kurz darauf sind beide eingeschlafen,

Kopf an Schulter.Eine alte Dame

mit silberblauen Löckchen und Rollator

sieht aus,als würde sie es ihnen

gerne nachtun. Immer wieder klappt

ihr Kopf zur Seite.Hoffentlich hat sie

es nicht mehr weit, denke ich und

muss aussteigen.

Hier am Zoo mischen sich unter

die Einkäufer und Bummler viele, in

deren Taschen keine neu erworbenen

Kurzseligkeiten sind. Sie sitzen,

schlurfen und schleppen sich, einige

torkeln, und in den Tüten tragen sie

alles, was sie besitzen. Weil ich wenigstens

einigen etwas geben will,

aber keine Münzen habe,betrete ich

eine Bäckerei. Die Verkäuferin will

gerade beginnen, den umfangreichen

Einkauf des Kunden vor mir in

die Kasse einzugeben, da sagt der:

„Lassen Sie die Dame ruhig vor. Sie

will bestimmt nach Hause.“ Ich

winke ab:„Dakomme ich her!“ Doch

der vergnügte Mann im Maleranzug

möchte offenbar etwas Gutes tun.

„Dann lassen sie eben die andere

Dame vor.“Ich hatte die Kundin hinter

mir gar nicht bemerkt. „Ich

meine, irgendjemand will doch immer

nach Hause.“

Wieder draußen, in der Hand ein

Croissant und in der Tasche Kleingeld,

denke ich an die schlafenden

Kinder und die müde Mutter, die

Frau mit dem Rollator,die Menschen

mit den Tüten und den jungen Mann

mit seiner Botschaft. Ichsehe die anderen

Menschen mit den anderen

Tüten, die heute nirgends mehr hinfahren,

und nicke. Ja, irgendwer will

immer nach Hause. Und irgendwo

ist immer einer,der keines hat.

Sieben in einer einzigen Nacht

Gleich vier Autos wurden in der Nacht zu Sonntag am Lichtenberger

Rodeliusplatz Opfer vonFlammen. Anwohner hatten laut Polizei gegen

1.25 Uhr das Klirren einer Scheibe gehört, wenig später fing ein BMW

an zu brennen. Das Feuer griff auf einen Smart über, der daneben geparkt

war. Beide Fahrzeuge brannten nach Polizeiangaben komplett

aus,zweiweitereinder Nähe wurden beschädigt. In Reinickendorfgingen

in derselben Nacht zwei Autos in Flammen auf, in Hohenschönhausen

brannte eines. Außerdem soll ein Elektroroller am Kottbusser

Hellseher nervt Polizei im Fall Rebecca

Der Leiter der Mordkommission reagiert mit einem wütenden Schreiben auf ständige Hinweise

VonPhilippe Debionne

Ein halbes Jahr schon ist Rebecca

verschwunden. Weder

die Eltern des Neuköllner

Mädchens noch die Polizei

wissen, was am Tagihres Verschwindens

geschah. Auch ob die

15-Jährige noch lebt, ist unklar. Die

Polizei geht davon aus, dass die

Schülerin tot ist. Tausenden Hinweise

sind die Ermittler nachgegangen.

Aber nicht nur ernstzunehmende

Tippgeber wenden sich an

die Polizei, sondern auch selbst ernannte

Hellseher.Menschen wie Michael

Schneider, der felsenfest davon

überzeugt ist, mit übersinnlichen

Kräften bei der Suche nach Rebecca

helfen zu können.

„Auch ich bin ein Seher“

Er hat die Mordkommission offenbar

so sehr mit seinen Hinweisen

traktiert, dass Michael Hoffmann,

der Leiter der für den Fall Rebecca

zuständigen Mordkommission, nun

die Geduld verlor und sich mit scharfen

Worten zur Wehr setzt. „Sehr geehrter

Herr Schneider,ich habe festgestellt,

dass auch ich ein Seher bin“,

beginnt die E-Mail, die der Chef-Ermittler

vor wenigen Tagen an den

vermeintlichen Hellseher geschrieben

hat und die der Berliner Zeitung

vorliegt. „Ich habe vorhergesehen,

dass Sie trotz meiner Bitte keine

Ruhe geben!“ Offenbar hatte Hoffmann

Schneider mehrfach zu verstehen

gegeben, dass er sich bitte

nicht in die Ermittlungen einmischen

möge.Was den Hellseher aber

nicht davon abhielt, immer neue E-

Mails mit angeblichen Hinweisen an

die Polizei zu schicken.

So lange, bis Michael Hoffmann,

der als hartnäckiger und

erfahrener Ermittler gilt,

nun die Geduld verlor. So

schreibt er:„Jetzt noch einmal

–die Berliner Polizei

geht keinen Hinweisen von

Sehern, Geisterkontaktlern,

Kartenlegern, Pendelschwingern,

Kaffeesatzle-

sern,Wahrträumern,Wün-

schelrutengängern, remote

Viewern,

Astralwahrnehmern, Computerfrequenzauslesernusw.nach.“

Hellseher Michael Schneider, der

nach eigenen Angaben unentgeltlich

arbeitet, kann „eine grundsätzliche

Skepsis solchen Hinweisen gegenüber

nachvollziehen“, sagt er im Gespräch

mit der Berliner Zeitung.

Dennoch ist es für den durchaus gebildeten

Mann völlig unverständlich,

weshalb die Polizei ihn nicht in

die Ermittlungsarbeit einbindet.

So schrieb Schneider bereits vor

einiger Zeit in einem emotionalen

Die vermisste

Rebecca

Brief an Polizeipräsidentin Barbara

Slowik, dass „Hinweise vonder Qualität

wie meiner an Sie inLändern

wie den USA und Russland wie

selbstverständlich und ohne mit den

Augen zu rollen in die Ermittlungsarbeit

der Polizei einbezogen“ würden.

Nicht nur die Polizei, auch mehrere

Zeitungsredaktionen sowie Opferorganisationen

und sogar die Familie

selbst hatte Schneider

kontaktiert. So hatte er

nach eigener Aussage kurz

nach dem Verschwindens

Rebeccas kurz Kontakt zu

deren Mutter.Laut Schneider

habe sie ihm gesagt,

POLIZEI

dass „ich ihr meine Sehung

per Mail zukommen lassen

möge“. Was der Hellseher

auch tat –doch an der von

ihm genannten Stelle, ein

kleiner Wald in Großziethen, fanden

die Ermittler nichts. Zwar kontaktierte

Schneider Rebeccas Familieanschließend

nicht mehr, die Berliner

Polizei erhielt jedoch weiterhin regelmäßig

Koordinaten möglicher Fundorte

Rebeccas sowie Kontaktdaten zu

angeblichen Zeugen.

Aus Polizeikreisen hieß es in der

Vergangenheit auf Anfrage zurückhaltend,

grundsätzlich würde „jeder

Hinweis geprüft und dann eingeordnet“.

Erst dann werde entschieden,

wie man mit dem jeweiligen Hinweis

MORRIS PUDWELL

TorinKreuzberg gebrannt haben. Die Polizei ermittelt in allen Fällen

wegen Brandstiftung. Zudem werdeein Zusammenhang der Taten geprüft,

sagte eine Sprecherin. In der Nacht zu Sonnabend war es schon

zu einer ähnlichen Feuerserie gekommen, fünf Autos waren betroffen.

So brannte in Marzahn ein Wagen komplett aus, zwei weitere, in der

Nähe geparkte wurden demnach ebenfalls beschädigt. Mitten in der

Nacht brannte in Neukölln ein Auto aus. Ein davor geparkter Wagen

wurde beschädigt. (dpa)

weiter umgehe.Doch damit soll nun

endlich Schluss sein. Das hofft

Mordkommissions-Leiter Hoffmann.

Dasschreibt er dem Hellseher

in sarkastischen Worten: „Weitere

Kontaktversuche, das sollten Sie eigentlich

vorhersehen können, sind

somit für Sienicht zielführend.“

Wahrsager kann es nicht lassen

In einerAntwortauf die Mail desKriminalhauptkommissars

Michael

Hoffmann schreibt Michael Schneider

zwar, dass er„kein Stalker“ sei

und Hoffmanns Ablehnung selbstverständlich

akzeptiere. Nach mehreren

Sätzen, in denen sich Schneider

von anderen Hellsehern abgrenzt,

wünscht er schließlich noch

„viel Erfolg bei der Lösung des Falles“.

Um hinter einem PS dann doch

noch hinzuzufügen: „Bei allen Stellensüdlich

der A12 werden Sienicht

fündig werden, daRebecca eindeutig

nördlich der A12 liegt.“ Das, so

Schneider,habeer„nicht nur als Eingebung“.

Davon sei er auch „als

Hobby-Profiler, der versucht, sich in

die Psyche von Tätern einzufühlen,

überzeugt“.

Philippe Debionne findet

den gereizten Tondes Chef-

Ermittlers bemerkenswert.

NACHRICHTEN

Bildungsverwaltung warnt

vor Mangel an Kita-Plätzen

DieSuche nach einem Kita-Platz

könnte demnächst wieder schwerer

werden: „Mit Blick auf die kommenden

Monate muss man davon ausgehen,

dass es zu Engpässen kommt“,

sagte Iris Brennberger,Sprecherin

der Bildungsverwaltung. DieVerwaltung

arbeite weiter mit Hochdruck

daran, das Kita-Angebot weiter auszubauen.

Erfahrungsgemäß sei es

vorallem für Eltern, die in der zweiten

Hälfte des Kita-Jahres einen Platz

brauchen, schwierig, etwas zu finden.

Zumneuen Kita-Jahr,das im

August begann, sind demnach rund

34 000 Plätzefreigeworden. DieKitas

haben in den vergangenen Wochen

rund 17 300 neue Kinder registriert.

DieMeldung sei noch nicht

abgeschlossen, so Brennberger.

Ende Juli wurden in Berlin 178 000

PlätzeinKitas und der Kindertagespflege

angeboten –rund7000 Plätze

mehr als im Vorjahresmonat. Ziel sei

es,mit den steigenden Kinderzahlen

Schritt zu halten. (dpa)

Neuer Job für früheren

Staatssekretär

DerfrühereStaatssekretär BorisVelter

(51) hat acht Monate nach seinem

Rausschmiss durch Gesundheitssenatorin

Dilek Kalayci (SPD)

die Leitung der Geschäftsstelle „Gesundheitsstadt

Berlin 2030“ übernommen.

Dortsoll er eine engere

Zusammenarbeit des Universitätsklinikums

Charité mit dem kommunalen

KrankenhauskonzernVivantes

voranbringen, teilte die Senatskanzlei

mit. DerSPD-Politiker Velter

gilt als Fachmann in der Gesundheitspolitik

und war nach fünfjähriger

Tätigkeit als Staatssekretär Ende

2018 ohne Angaben vonGründen

überraschend in den einstweiligen

Ruhestand versetzt worden. Dem

Vernehmen nach gab es inhaltlichen

Dissens mit der Senatorin. (dpa)

Berliner Tanzpaar erreicht

das Tango-Finale der WM

Sophia Paul ist in Berlin, Julio Cesar

Calderon in Peru geboren. BLZ/PAULUS PONIZAK

DieBerliner Sophia Paul und Julio

Cesar Calderon stehen im Finale der

Weltmeisterschaft im Tango Argentino

in Buenos Aires.Die beiden

Tänzer,die in Berlin als Tanzlehrer

arbeiten, qualifizierten sich am

Sonnabend im Halbfinale in der argentinischen

Hauptstadt unter 137

Paaren für einen der Finalplätze.

„Wir freuen uns riesig“, sagte Sophia

Paul einer Pressemitteilung zufolge.

„Es ist für uns eine große Ehre, unter

den besten Tango-Tänzernder Welt

antreten zu dürfen“, sagte Julio Cesar

Calderon. Rund 450 Paarewaren

zur Vorrunde angetreten. DasFinale

in der KategorieTango de Pista findet

am Dienstag im Luna Park in Buenos

Aires statt.(BLZ)


10 Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Stadtgeschichte

Berlin in schwäbisch-fränkischer Hand

Voneiner Burg an der Starzel aus expandierten die Hohenzollern gen Europa. Ausgerechnet die märkische Streusandbüchse wurde ihre bedeutendste Eroberung

VonMaritta Tkalec

Adel kommt von„edel“, von

der Wortherkunft betrachtet.

Über das selbstbehauptete

Edelsein des

Adels lachen in einer aufgeklärten

Gesellschaft die Hühner, und doch

steckt im Volke allerorten die merkwürdige

Bereitschaft, dem Adel etwas

Besonderes zuzuerkennen. Es

soll etwas mit Blut zu tun haben und

mit Gottgegebenheit. Auch das ist lächerlich,

aber auf dieser Grundlage

existiert eine ziemlich geschlossene

soziale Schicht vorsich hin.

Mit der Weimarer Verfassung

wurden vor genau 100 Jahren dem

Adel die öffentlich-rechtlichen Privilegien

genommen. „Adelsbezeichnungen

gelten nur noch als Teil des

Namens“, sagt Artikel 123. Doch der

Satz „Der Adel ist abgeschafft“, der

bei der Ausarbeitung der Verfassung

erwogen wurde, fand keinen Eingang

–anders als in Österreich. Dort

schuf Volkes Wille flugs Ersatz: Statt

Herr von Sowienoch heißt es dort

nun Herr Magister,FrauHofrat …

In Berlin werden die Adeligen seltener

auffällig als am Starnberger

See, aber dieser Tage erinnernmaterielle

Forderungen der Hohenzollern

daran, dass 500 Jahre lang hierzulande

Hochadel mehr oder weniger

schlecht regierte und heute vieles für

sein Eigen hält, was die Landeskinder

erarbeitet haben.Viele halten die

Hohenzollernfür Preußen. Siebetraten

im Jahr 1111 die überregionale

politische Bühne und hielten sich

dortbis 1919. Aber woher kamen sie

und wieso sie –die Hohenzollern?

Faule Grete bezwingt Landadel

Als Ausgangspunkt des später weitverästelten

dynastischen Myzels

steht die Burg Hohenzollern auf einem

Felskegel in 855 Metern Höhe

am Rand der Schwäbischen Alb. Die

Leute waren also Schwaben. Ihre

Burg geht auf die Zeit um 1000 zurück.

Mönch Berthold von der Reichenau

erwähnte 1061 erstmals Mitglieder

der Familie: Burchardus und

Wezil „de Zolorin“. Deren Vorgeschichte

ist unbekannt. „Castro

Zolre“ findet 1267 erstmals schriftliche

Erwähnung. 1111 verlieh Salier-

Kaiser HeinrichV. dem ZollernFriedrich

I. Grafenrechte. Der erste einer

Folge selben Namens trat als aktiver,

kaisertreuer Höfling auf. Seine Nachkommen

belegten zielstrebig Ämter

in Reich und Kirche, hielten sich geschmeidig

an Staufer, Habsburger

und Luxemburger, die in folgenden

Jahrhunderten die römisch-deutschen

Könige und Kaiser stellten.

Die hier vor allem interessierende

brandenburg-preußische Linie der

Hohenzollern entwickelte sich aus

dem fränkischen Familienzweig. Dieser

entstand, als 1192 ein Hohenzoller

(auch dieser nannte sich Friedrich

I.) mit der Burggrafschaft Nürnberg

belehnt wurde. Der Zweig

reckte sich gen Norden, als er 1415

das Lehen Mark Brandenburg erhielt.

Daskam so:

Die Region hatte nach dem Aussterben

der christlichen Eroberer

Friedrich I. wird von König Sigismund mit der MarkBrandenburg belehnt und zum Kurfürsten erhoben. Szene in einer zeitgenössischen Miniatur

Brandenburgs aus askanischem

Haus 100 Jahre lang Wirren und Gewalt

durchlebt. Herzöge aus Pommern,

Sachsen, Böhmen und Bayern

rangen um die Herrschaft. Marodierende

Gruppen vonLandadligen zogen

plündernd umher, störten als

Wegelagerer den Handel und forderten

Schutzgelder ein. Ohne den

Schutz eines starken Landesherren

organisierten die märkischen Städte,

darunter Berlin, ihre Selbstverteidigung.

1323 schlossen 22 Städte einen

Bund zur Erhaltung des Landfriedens.

Den römisch-deutschen Hochadel

interessierte an Brandenburgvor

allem die an die Landesherrschaft gebundene

Kurstimme –also das Privileg,

bei der Wahl des deutschen Königs

mitzureden. Aus Verzweiflung

über die anarchische Zeit der Fehden

zog imJahr 1411 eine märkische Gesandtschaft

zu König Sigismund und

erbat Hilfe gegen die Landadelsplage.

Dersetzte den Hohenzoller Friedrich

VI. vonNürnbergzunächst zum erblichen

Hauptmann und Verwalter der

Mark Brandenburg ein. Warum dieser?

Der König dankte Friedrich für

die Unterstützung bei der Königswahl

am 20. September 1410 in

FrankfurtamMain.

DerHohenzoller griff durch. 1412

verkündete er in Brandenburgander

Havelsein Programm: Es werde„das

Erhöhung: Friedrich VI. von

Nürnberg erhielt die brandenburgische

Markgrafenwürde

am 30. April 1415 auf

dem Konstanzer Konzil. Als

Reichskämmerer war er einer

der sieben einflussreichsten

Fürsten des Reiches.

DER ERSTE HOHENZOLLER IN BERLIN

Zeremonie im Kloster: Die

Huldigung der brandenburgischen

Stände fand noch im

selben Jahr am 21. Oktober

in Berlin im Saal des Franziskanerklosters

statt. Fortan

hieß er Friedrich I. vonBrandenburg.

Residenz: Der erste Hohenzoller

regierte zunächst von

Tangermünde aus. Seit Sohn

Friedrich II., genannt Eisenzahn,

verlegte die Residenz

in die aufstrebende, strategisch

verheißungsvolle Doppelstand

Berlin/Cölln.

Burg Hohenzollerninder Schwäbischen Alb, neogotisch, in Familienbesitz WIKI/CC BY-SA 3.0

WIKIPEDIA/KÄNSTERLE

Recht gestärkt und das Unrecht gekränkt“.

Die Mittel: Diplomatie,

Bündnisse mit Städten und Klerus –

plus Waffengewalt. Friedrich ließ Kanonen

gießen; die Anführer der

Adelsfehden, die berüchtigten Quitzows,

befestigten ihre Burgen Friesack,

Plaue, Golzow und Beuthen.

Doch Friedrich fuhr die Superkanone

jener Zeit, die „Faule Grete“,

vordie Mauern. Diefielen.

Am 20. März1414 berief Friedrich

den Landtag nach Tangermünde ein.

Die gut befestigte Stadt an der Elbe,

zuvor Zweitsitz Kaiser Karl IV., hatte

der Hohenzoller zur ersten Residenz

der neuen Dynastie in Brandenburg

erkoren. Dort verkündete er die

Landfriedensordnung, verpflichtete

die Städte zu gegenseitigem Beistand,

erklärte die Urteile ordentlicher

Gerichte für verbindlich. 1415

verlieh ihm König Sigismund die

Markgrafenwürde, auch als Anerkennung

für das Wiederherstellen

der Ordnung.

Nach Friedrichs Sieg gegen die

Raubritter begann die Besitzsicherung.

Der Grundstein war gelegt,

dass Brandenburg-Preußen – auf

lange Sicht –eine „funkelnagelneue

europäische Großmacht“ von weltgeschichtlicher

Bedeutung werden

sollte, wie es der Autor Sebastian

Haffner 500 Jahrespäter vomErgebnis

her betrachtete. Als Prinzip blieb

der Dualismus von hochgerüstetem

Militär und immer wieder praktizierter

Toleranz und Bescheidenheit.

Das Gemeinwohl im Blick zu behalten

galt vielen der Hohenzollernfürsten

als löblich. Lange Zeit waren

viele Leute stolz auf die preußischen

Tugenden.

Zunächst aber hatten Friedrichs

Söhne, erst Johann, dann Friedrich

II. mit Hussiten-Einfällen und weiter

heftiger Raubkriminalität zu kämpfen.

Friedrich II., genannt Eisenzahn,

wendete das Schicksal Berlins:

Er machte die Stadt zu seiner Residenz,

nutzte interne Machtkämpfe

zwischen den Bürgern, um sich selber

festzusetzen und zwang der

Stadt sein Schloss auf. Eisenzahn beendete

Berlins Dasein als Handelsplatz

privilegierter Patrizier.

Nunzogen fränkische Höflinge zu,

die einen eigenartigen Dialekt sprachen,

sich affektiertbetrugen und andere

Bedürfnisse als die Kaufleute

entwickelten. Händlerfamilien zogen

weg, die Handwerker stellten auf höfische

Nachfrage um. Fränkische Räte

richteten eine neue Verwaltung ein –

Rechnungswesen und Buchführung,

für Staatsdiener feste Gehälter.

„Vom Fels zum Meer“

Zur Selbstaufwertung konstruierten

sich die folgenden Fürsten, einer

Sitte der Renaissance folgend, eine

legendäre Abstammung. Sie nannten

sich Albrecht Achilles,Johann Cicero,

Joachim Nestor, Joachim Hector,

nannten sich also nach römischen

und trojanischen Vorbildern.

Nach germanischenWurzeln gruben

sie jedenfalls nicht. 1571 endete

diese Namenstradition.

Während der Reformation war

Brandenburgder einzige Staat in Europa,

der verschiedene religiöse Bekenntnisse

nebeneinander erlaubte.

Gleichwohl riss der Dreißigjährige

Krieg das Land zu Boden. Doch danach

begann ein Aufbruch, den auch

die Fürsten, namentlich der Große

Kurfürst, eifrig beförderten. Manverbesserte

durch Kanalbau die Infrastruktur,

richtete Glashütten ein,

sorgte sich um Mehrung der Bevölkerung

und expandierte –zunächst

mit großer Geduld. Ein besonderer

Coup war Markgraf Albrecht schon

1525 gelungen: Als Hochmeister des

Deutschen Ordens in Preußen verwandelte

er den katholischen Ordensstaat

in das weltliche Herzogtum

Preußen und schuf die Keimzelle

des späteren Preußen.

Im 16. Jahrhundert bestimmten

brandenburgische Markgrafen in

höchsten Reichsfürstenämtern die

Geschicke Europas mit. Albrechts

Verwandter Johann zum Beispiel

brachte es zum Regenten des Königreichs

Burgia an Algeriens Küste und

zum Vizekönig vonValencia. Hohenzollernhatten

sich vonder Schwäbischen

Alp bis an die Ostsee und ins

Mediterrane, vom „Fels zum Meer“

ausgebreitet –soder im 19. Jahrhundert

indie Welt gesetzte Slogan der

Dynastie. Preußens Aufstieg zur

Großmacht nach 1701 ist ein eigenes,

großes Kapitel. Der Untergang

ebenso.

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Regional &historisch

Großer Wall –Kreuzberg in Spandau

Kiezgeschichte Ost

Vorhistorischer Kulisse im altehrwürdigen Paulikloster

bieten einWochenende lang mehr als 74 Erzeuger,Kleinhändler,

Züchter und Kleinbetriebe Feines, Besonderes

und Regionales feil. DasArchäologische Landesmuseum

Brandenburg unterstützt als Gastgeber des 7. Brandenburger

Regionalmarkt die Förderung des Wissens um die

Herkunft, Herstellung und die Qualität der Produkte.Der

Markt macht den Besuchern das Angebot, Genuss mit

bewusstem Konsumieren und dem Gedanken des Kulturerhalts

zu verbinden.

7. Regionalmarkt im Paulikloster, Archäologisches Museum, Brandenburg/Havel,

14. und 15. September,jeweils 10 bis 17 Uhr

3000 Quadratmeter Kreuzberg, unbewohnt und dicht an

dicht von Bäumen bestanden? Menschenleere Wildnis.

Gibts nicht? Gibts doch –allerdings in einiger Entfernung

vom Kreuzberger Festland, gewissermaßen als Exklave.

DieInsel Großer Wall liegt in der Havelnördlich der Wasserstadtbrücke

in Spandau. Sie misst an der längsten

Stelle 90 Meter und an der breitesten 45 Meter. Dass die

ovale Flussinsel nicht zum Bezirk Spandau (Ortsteil Hakenfelde)

gehört, wie die Geographie nahelegt, sondern

vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg verwaltet wird,

liegt an der jüngeren Geschichte.Das Jugendamt des Innenstadtbezirks

betrieb hier die Zelterholungsstätte

Großer Wall, Teil des Kinder- und Jugenderholungsfrei-

zeitheims Haus Europa am Ufer des Tegeler Sees in Konradshöhe,das

seit 1999 in der Trägerschaft des Kreuzberger

Stadtteilzentrums „Alte Feuerwache e. V.“steht. Dass

die Spandauer Insellage gute Fischzüge versprach,

wusste schon die slawische Bevölkerung vor1000 Jahren.

Die Fischersozietät Tiefwerder-Pichelsdorf nutzt die

Fangplätzetraditionell. DerName Großer Wall ist militärischen

Ursprungs: Einst gehörte die Insel zum Spandauer

Festungsbereich. DieGarnison nutzte sie bis Ende

des 19. Jahrhunderts für Übungen. Genutzt wurde die Insel

auch von der Siedlerkolonie Saatwinkel, die im 18.

Jahrhundert gegründet wurde. Erster Pächter war der

Saatwinkler GastwirtPaul Meyer(1883–1913). (mtk.)

Die Sicht auf eine Stadt ist immer sehr persönlich. In einer

Lesereihe im Salon Ephraim stellen Autorinnen und

Autoren in der schönen Kulisse des Salons im Museum

Ephraim-Palais ihreSichten vor. Diesmal zu Gast: Hanno

Hochmuth mit seiner umfangreichen Studie „Kiezgeschichte:

Friedrichshain und Kreuzbergimgeteilten Berlin“.

DerAutor ist Mitkurator der Ausstellung„Ost-Berlin.

Diehalbe Hauptstadt“, die derzeit im Ephraim-Palais gezeigt

wird. DerHistoriker spricht über die Wandlung der

traditionellen Arbeiterbezirke zu beliebten Wohnlagen.

Kiezgeschichte Ost-Berlin, Lesung mit Autor Hanno Hochmuth, 4. September,18Uhr,Salon

Ephraim, mehr unter info@stadtmuseum.de


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 11

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Berlin

Vorhang auf für Karlshorst

Das alte Theater,einst als„Russenoper“ bezeichnet, soll bald wieder für Kulturveranstaltungen öffnen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg

VonFlorian Thalmann

Wer mit der S-Bahn

durch Karlshorst fährt,

sieht ihn sofort, den

markanten Bau zwischen

Ehrenfels- und Stolzenfelsstraße.Ein

Theater mit Bühnenturm

auf dem Dach, früher „Russenoper“

genannt, geschlossen seit 2007. Dass

sich hier bald wieder der Vorhang

hebt, hoffen auch viele Karlshorster.

Und tatsächlich wird momentan

ein Konzept für eine neue Nutzung

erarbeitet. Das Gebäude im Herzen

des Lichtenberger Ortsteils soll wieder

zu einem belebten öffentlichen

Ort werden –darum kümmert sich

die Stiftung Stadtkultur. „Mit dem

70-jährigen Jubiläum des Hauses,

das 1949 eröffnet wurde, wollen wir

das Theater nun wieder etwas mehr

in den Fokus rücken und es aus dem

Dornröschenschlaf holen“, sagt Michael

Wagner vomVorstand.

Derzeit laufen Gespräche, indenen

dem Haus ein neues Leitbild

verpasst werden soll –ein Spielbetrieb

im Sinne eines Ensembletheaters

kann hier nicht mehr stattfinden.

„Nach der Schließung wurden

die Räumlichkeiten, die eigentlich

für Maske, Requisite und Garderobe

genutzt wurden, der Karlshorster

Musikschule übergeben“, sagt Wagner.

Man müsse die Raumnutzung

neu denken.

Das Theater wurde 1948 auf Befehl

des Chefs der russischen Militäradministration

gebaut, ist einer der

Fällt auf: Das Karlshorster Theater wurde 1948 gebaut. Der Bühnenturmbeherbergte einst die Kulissen, nun soll er als neuer Raum erschlossen werden.

ersten Theaterneubauten nach dem

zweiten Weltkrieg. Ins„Haus der Offiziere“

–sohieß es nach der Eröffnung

–durften allerdings nur Angehörige

des Militärs. Auf der Bühne

standen Künstler wie der Geiger David

Oistrach und die Primaballerina

Galina Uljanowa, eine Besetzung,

die zum umgangssprachlichen Namen

„Russenoper“ führte. Erst ab

1963 hatte auch die übrige Bevölkerung

Zutritt zum Theater,das für Kinovorstellungen

und Konzerte genutzt

wurde. Nach der Wende ging

der Bau an die Howoge, die ihn

Etwa600 Gäste passen in den Saal des Karlshorster Theaters.

STIFTUNG STADTKULTUR/HÖLZL

STIFTUNG STADTKULTUR/SCHNITTGER

fortan an kulturelle Betreiber vermietete.

Der Theaterbetrieb endete

2007. Seitdem steht der 600 Gäste

fassende Saal mit den rotbezogenen

Sitzen leer –und der Zahn der Zeit

nagt an dem Bau. „Wir haben kein

Wasser, kein Licht, keine Heizung,

keine Lüftung“, sagt Petra Grampe

von der Stiftung. Das Innenleben

müsste saniert und generalüberholt

werden: Im Bühnenturm hängen

noch Gestelle und Scheinwerfer aus

dem regulären Spielbetrieb. Wenn

das Konzept für die Neuausrichtung

steht, könnten die Arbeiten 2022

oder 2023 beginnen, damit sich bis

2027 der Vorhang hebt.

Kuratorin Francesca Ferguson,

zuständig für die künstlerische Leitung,

möchte aus dem Haus einmultifunktionales

Kulturzentrum machen,

geeignet für raumübergreifende

Kunst- und Musikinszenierungen.

„Wir wollen das Theater als

eine der Kulturstätten der Stadt verankern“,

sagt sie.„Unddas Ziel ist es,

ein gemischtes Publikum anzusprechen.

Wenn man mit der Berliner

Kulturszene spricht, nehmen viele

das Haus garnicht wahr –obwohl es

mit der Bahn weniger als 20 Minuten

vomAlexanderplatz entfernt liegt.“

Um den Blick der Berliner für das

Schauspielhaus zu schärfen, sind

verschiedene Veranstaltungen geplant.

DenAuftakt bildet der Tagdes

offenen Denkmals am 8. September:

Hier wird im30Meter hohen Bühnenturm

– dort, wo eigentlich die

Kulissen hängen – ein Musikprogramm

geboten. Auf dem Vorplatz

können sich die Karlshorster derweil

auf einem Tanzboden austoben.

Weitere Veranstaltungen in der benachbarten

Theatergasse sind geplant,

darunter ein großes Schachturnier

am 7. September und der bereits

zweite Karlshorster Weinsommer

am 5. Oktober.

Florian Thalmann hofft auf

Unterhaltung für normale

Bürger,nicht auf Hochkultur

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Liebe Leserinnen und Leser,

10 Wochen

10 Fragen

10 Debatten

Ab Montag,

26. August 2019

hier inder

Berliner Zeitung

am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer –das machte vielstimmige Debatten jenseits

von Ost und West nach langen Jahren der Teilung endlich wieder möglich. 30 Jahre Mauerfall

bedeuten also auch 30 Jahre gelebte Meinungsvielfalt in Deutschland.

Ab kommender Woche erscheinen deshalb 10 Wochen lang täglich in der Berliner Zeitung

und im Tagesspiegel Debattenbeiträge von Prominenten, Expertinnen und Experten zu

10 strittigen Fragen unserer Zeit sowie von Ihnen dazu eingesandte Stellungnahmen.

Debattieren Sie mit!

Was ist Heimat?

Darf ich noch

Fleisch essen?

Was ist uns das Klima wert?

Sind wir ein Land?

…?

Weitere Informationen zur Aktion folgen in Kürze!

Eine gemeinsame Aktion von

Sie sind Lehrerin oder Lehrer?

Dann diskutieren Sie eine der Fragen im Unterricht

und senden uns die Stellungnahme Ihrer Klasse zu!

Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

stellt Ihnen alle Debattenbeiträge und zusätzliche

Materialien für Ihren Unterricht zur Verfügung.

Alle Infos

und Materialien

unter:

www.bpb.de /

meinungsvielfalt


12 Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Berlin

51 Millionen

Euro durch

die City-Tax

Übernachtungssteuer

bringt Geld in die Kieze

Wo ist

Pittiplatsch

geblieben?

Eine Puppenspielerin kennt

den Verbleib der Originale

VonMelanie Reinsch

Sie ist beliebt bei den Gästen –die

„Stadt der Freiheit“, wie das offizielle

Reiseportal VisitBerlin der Berlin

Tourismus &Kongress GmbH die

Hauptstadt auf seiner Homepage

nennt. Knapp 33 Millionen Übernachtungen

verzeichnete Berlin im

vergangenen Jahr, etwa 13,5 Millionen

Gäste besuchten die Stadt –

4,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Unddas bringt Berlin auch etwas:

51 Millionen Euro hat das Land Berlin

2018 durch die Einführung der

City-Tax eingenommen, die Steuer

also,die die Stadt seit 2014 auf Hotelübernachtungen

erhebt. Das teilte

die Senatsverwaltung für Wirtschaft

auf Nachfrage mit. Die Steuer wird

auf den Hotelpreis aufgeschlagen,

fünf Prozent auf den Übernachtungspreis.ZumVergleich:

2014, also

in dem Jahr der Einführung, kassierte

Berlin etwa 29 Million Euro

vonseinen Gästen.

Doch was passiertmit dem Geld?

Bei zwölf Bezirken ist schließlich

klar: Die einen ringen um mehr Besucher,umAufmerksamkeit,

Bedeutung

und Einnahmen, während die

Bezirke mit den bedeutenden Sehenswürdigkeiten

sich vor dem Ansturmkaum

retten können.

Auch wenn die Steuer nicht direkt

und zweckgebunden in die Tourismuspolitik

fließt, sondern in den

Berliner Haushalt, stehen jedem Bezirk

seit 2017 jährlich bis zu

40 000 Euro für touristische Projekte

zurVerfügung. Sieben Bezirke –Lichtenberg,

Marzahn-Hellersdorf, Neukölln,

Pankow, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf

und Treptow-Köpenick

–haben dazu extra ein eigenes

Konzept entwickelt.

Auch Bevölkerung wirdbedacht

Geld wurde 2019 zum Beispiel für

das Weihnachtslicht in Schmargendorf

(10 000 Euro) ausgegeben oder

für die Stärkung des Marketings am

Schloss Britz oder die Islandpferde-

Weltmeisterschaft in Lichtenberg.

Andere Bezirke wie der bei Gästen

beliebte Ausgehbezirk Friedrichshain-Kreuzberg

setzt sein Geld seit

2017 für sein fair.kiez-Konzept ein,

das den stadtverträglichen Tourismus

fördernsoll. DerBezirksteht vor

der Herausforderung, Anziehungspunkte

für Touristen zu erhalten und

die Kieze zugleich für Anwohner

weiterhin lebenswertzugestalten.

Dasist auch ein Schwerpunkt des

übergeordneten Tourismuskonzepts

des Senats, der die Bezirke unterstützt.

Entweder bei der Entzerrung

–also der Steuerung –der Touristenströme,

oder eben beim Marketing

für Gegenden, die sich mehr Gäste

wünschen. Die am stärksten frequentierten

Innenstadt-Bezirke sind

Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf

und Friedrichshain-Kreuzberg.

Im Berliner Tourismuskonzept

2018+ heißt es: Eine nachhaltige Entwicklung

des Tourismus bedeute,

sich nicht nur an den Interessen der

Gäste zu orientieren, sondern gleichermaßen

an denen der lokalen Bevölkerung,

den Akteuren der Stadt,

den Firmen und den Beschäftigten –

den sogenannten Bereisten.

Wie viele Rollkoffer verträgt Berlin?

Ab wann nerven Touristen? IMAGO IMAGES

Auf alle Felle

Mehr als 3000 Liebhaber vonRollenspielen in bunten Tierkostümen –

sogenannte „Furry“-Fans –haben das europaweit größte Treffen der

Szene besucht, das vonMittwoch bis Sonntag in einem Neuköllner Hotel

stattfand. Etwa die Hälfte der Besucher der „Eurofurence“ sei kostümiert

gewesen, sagte der Sprecher des Veranstaltervereins, Oliver

Groch. DieSzene hat ihren Ursprung bei amerikanischen Fantasy-Fans

der 80er-Jahreund schwappte Anfang der 1990er nach Europa. Um zu

SABINE GUDATH

erfahren, wer die „Furrys“ sind, mischten sich auch kanadische Wissenschaftler

unter die plüschigen Gäste.Deren Forschung ergab,soder

Verein, dass die Besucher solcher Treffen im Schnitt 25 Jahre alt sind.

Etwa drei Viertel seien männlich, der Anteil an Transpersonen und

nichtbinären Geschlechternliege mit zwölf Prozent deutlich über dem

der allgemeinen Bevölkerung. Die beliebtesten Spezies, als die sich

„Furry“-Fans verkleiden, seien Wolf, Fuchs,Hund, Katzeund Drache.

Herumstehende Autos günstig nutzen

Ein Carsharing-Anbieter bringt private Anbieter und Nutzer zusammen: Der eine verdient, der andere spart

VonPeter Neumann

Es ist ziemlich laut in der

Rudi-Dutschke-Straße in

Kreuzberg, wo Marcus Riecke

im früheren Redaktionsgebäude

der Tageszeitung (taz)

sein Bürohat. Autos,Busse und Lastwagen

fahren vorüber. Doch Riecke

geht es nicht um die rollenden Lärmquellen,

er interessiert sich für die

Fahrzeuge,die still am Rand parken.

„Normalerweise werden die

47 Millionen Autos, die es in

Deutschland gibt, täglich im Durchschnitt

nur rund eine Stunde lang

gefahren. Den Rest stehen sie ungenutzt

herum“, sagt er.Das US-Unternehmen

Turo, dessen Deutschland-

Chef Marcus Riecke ist, will das ändern:

„UnsereVision ist, diese vielen

Fahrzeuge in Deutschland einer höheren

Auslastung zuzuführen.“ Um

das zu erreichen, werden die Eigentümer

mit handfesten Anreizen gelockt:

Siekönnen mit derVermietung

ihrer Autos an andere Privatleute

Geld verdienen. Turo bietet die Wagen

auf einer Online-Plattform an.

Die App bringt Anbieter und Nutzer

zusammen, der Autoschlüssel ist

persönlich zu übergeben. Die Mindestmietdauer

beträgt einen Tag.

Porsche 911 Sfür 114 Euro

„Wir haben ausgerechnet, dass der

Durchschnittsverdienst für einen

Vermieter in Berlin pro Vermietung

bei 100 Euro liegt. Eine Faustregel bei

uns lautet, dass es ausreicht, ein

Auto neun bis zehn Tage pro Monat

zu vermieten, um es einen Monat

lang so gut wie kostenlos zu betreiben“,

erklärtder Turo-Chef.

„Die Vermieter setzen die Mietpreise

fest, Turo berät sie dabei und

erhält 25 Prozent der Einnahmen“,

Markus Riecke, Chef von Turo Carsharing,bringt Autos ins Rollen.

so Riecke.Die Preise sollten ein Drittel

unter den Autovermietertarifen

liegen. So wird inBerlin ein Renault

Twingo für 30 Euro pro Tag angeboten.

„Weltweit gibt es bei Turo rund

900 Marken und Modelle zu mieten.

Auffällig ist aber der relativ hohe Anteil

vonhochwertigen Fahrzeugen.“

Ein Mercedes-Benz CLA ist für

eine Tagesmiete von 49Euro zuhaben,

ein Tesla Model 3für 175 Euro.

„Normalerweise sollten die Autos bei

Turo maximal 15 Jahre alt sein, aber

für Oldtimer machen wir

Ausnahmen“, so Riecke.Wer immer

schon mal einen Porsche 911 Svon

1976 fahren wollte, kann ihn in

Berlin für 114 Euro pro Tag

mieten.

Apropos Tesla &Co.: „Der

Anteil von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen

liegt in Berlin

bei Turo 4,2 Prozent“, berichtet Riecke.

Das ist mehr als doppelt so

hoch wie allgemein. „Elektroautos

VOLKMAR OTTO

Günstig zu einem ausgefallenen Auto

wie einem Porsche –bei Turo möglich.

CLASSICCARS.COM

sind oft tolle Fahrzeuge, kosten aber

verhältnismäßig viel Geld. Vermietungen

bieten die Möglichkeit, einen

Teil des Kaufpreises wieder hereinzubekommen“,

erklärt er. „Auf Vermieterseite

gibt es noch einen anderen

Faktor. Einige haben eine Affinität

zur Elektromobilität, fast schon

ein Sendungsbewusstsein. Sie wollen,

dass auch anderedie Vorzüge eines

E-Autos kennenlernen.“

Auf dem Markt für privates Carsharing

ist Turo nicht der erste und

nicht allein. DieMitbewerber heißen

Drivy, Getaway, Snappcar. Turo hat

allerdings starke Investoren im Rücken:

August Capital, Google Ventures,Kleiner

Perkins,Daimler,American

Express und IAC. Rund 450 Millionen

Dollar wurden eingesammelt.

Weltweit bietet das Unternehmen

inzwischen 400 000 Fahrzeuge an. In

Deutschland, wo es seit Anfang 2018

aktiv ist, sind es 3800, davon 600 in

Berlin. Die Gesamtzahl aller Mieter

(„Guests“) beläuft sich auf zehn Millionen,

wie viele es hierzulande sind,

wirdnicht verraten. Doch zu den Motiven

kann Riecke einiges mitteilen:

Natürlich geht es um Geld und um

Autos,zuweilen springt aber auch ein

Effekt für die Umwelt heraus.

3800 Fahrzeuge in Deutschland

„Manch einer nutzt unser Angebot

als Mieter,weil er sich ein Auto zulegen

und seinen Wunschtyp längere

Zeit testen will. Anderen geben wir

die Möglichkeit, auf ein eigenes Auto

zu verzichten“, sagt Riecke. „Auf jeden

Fall werden Ressourcen intensivergenutzt.“

Dasunterscheide diese

Form der gemeinschaftlichen Autonutzung

von anderen Formen des

Carsharings, die sich in Berlin auf

5900 Fahrzeuge summieren: „Wir

bringen keine zusätzlichen Autos auf

die Straße. Bei uns sind sie

schon da, es gibt sie bereits.“

Auch ein anderer Vergleich

passe nicht: „Manchmal werden

wir mit Airbnb verglichen.

Bei Airbnb geht es aber

um Wohnungen, die in Berlin

und anderen Ballungsräumen

ein knappes Gut sind“, sagt Riecke.

„Doch niemand würde sagen,

dass auf den Straßen in Deutschland

zu wenig Autos herumstehen.“

VonNorbertKoch-Klaucke

Pittiplatsch, Schnatterinchen und

Hund Moppi sollen bald wieder

in neuen Sandmann-Folgen im

Fernsehen die Kinder begeistern.

Wie berichtet, ließ deshalb der

Rundfunk Berlin-Brandenburg drei

neue Puppen fertigen, weil die ursprünglichen

verschwunden sind.

Bleibt die berechtigte Frage: Wo

sind die Originalpuppen von Pitti

und den anderen einstigen DDR-

Kinderfernsehlieblingen geblieben?

Die Spurensuche führt nach

Schöneiche. Dort lebt Christine

Neißner (75), die als Schauspielerin

beim DDR-Kinderfernsehen unter

anderem die Puppe des Mischka-Bärensprach

und spielte.Die Originalfigur

besitzt die Künstlerin noch

heute. Auch die von Mischkas Vorgänger,dem

Bären Bummi, steht bei

ihr im Wohnzimmerschrank.

Wiesie dahin kamen, ist eine lange

Geschichte. „Heinz Schröder, der in

den 60ern bis Anfang der 70er-Jahre

den Pittiplatsch und den Bummi

spielte und sprach, wurde schwer

krank“, sagt sie.„Ihmwurde das Spielen

vonzweiPuppen zu viel. Also gab

er den Bummi ab.“ So kam Neißner

1972 in das TV-Puppen-Ensemble.

„Daaber der Bär Bummi nicht mit einer

neuen Stimme auf den Bildschirmsollte,wurde

er für die Kinder

in die Sowjetunion geschickt. Von

dort kam dann als neue Figur der

Mischka-Bär in die DDR, den ich

spielen durfte“, sagt Neißner. Zehn

Jahre ging das so, bis sich die Schauspielerin

1982 entschloss, selber ein

Puppentheater zu gründen und mit

eigenen Figuren auf Tournee zu gehen.

Dasmacht sie noch heute.

Mitins Grab genommen

Neißner sagt, dass mit dem Ende des

DDR-Fernsehens 1991 auch die

Sandmann-Puppenstube aufgelöst

wurde. „Alle Puppenspieler bekamen

damals ihre Originalpuppen“,

sagt Neißner. „Und Puppenspieler

Heinz Schröder erhielt nicht nur

Pitti, sondern auch Mischka und

Bummi. Die Bären-Figuren überreichte

er mir später. Den Mischka,

weil ich ihn spielte. Und seinen

Bummi als Dankeschön. Ich hätte

mit meinem Mischka die Kinder so

begeistert, dass sie den Bummi nicht

mehr vermissten, sagte er und gab

mir daher auch diesen Bären.“ Sie

bestätigt auch, dass Schröder, der

2009 starb, tatsächlich den originalen

Pittiplatsch mit ins Grab bekam.

„Es war sein Wunsch“, sagt sie.

UndSchnatterinchen? Diewurde

vonFriedgardKurze gespielt und gesprochen.„Auch

sie bekam wohl ihre

Figur, als der Puppenfundus aufgelöst

wurde“, sagt Neißner. Möglicherweise

hätten nun deren Erben

die Figur. Die Schauspielerin ist im

Mai imAlter von 90Jahren gestorben.

Was aus den anderen Puppen

wie Mauz, Hoppel oder Moppi geworden

ist, weiß Neißner nicht.

Sie glaubt, dass der TV-Neustart

vonPitti und Co.schwierig sein wird.

„Schließlich gibt es ja nicht mehr die

Menschen, die mit ihrer Stimme und

ihrem Spiel die Figuren so erfolgreich

zum Leben erweckt haben.“

Christine Neißner hat die originalen

Figuren von Mischka und Bummi. GÖSSINGER


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 13 *

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Berlin

Vorsorglich

in den Weg

gestellt

Mehrere Demos gegen

Heß-Gedenkmarsch

Hunderte Menschen haben am

Sonnabend an verschiedenen

Orten gegen ein Erinnernanden Todestag

des Hitler-Stellvertreters Rudolf

Heßdemonstriert. Einen rechtsextremistischen

Aufmarsch habe es

im Gegensatz zu den vergangenen

Jahren jedoch nicht gegeben, sagte

eine Polizeisprecherin.

Rund 300 Menschen versammelten

sich nach Angaben eines Sprechers

des Berliner Bündnisses gegen

Rechts (BBgR) am Vormittag zu einer

Kundgebung am Alexanderplatz.

Dortrief der evangelische Landesbischof

Markus Dröge laut Mitteilung

dazu auf, Verantwortung für die Vergangenheit,

die Gegenwart und die

Zukunft des Landes zu übernehmen.

Seit Jahren werdeversucht, eine „erinnerungspolitische

Wende“ durchzusetzen.

„Und inzwischen wird sogar

derVersuch gemacht, die Erinnerung

an die friedliche Revolution vor

30 Jahren um 180 Grad zu drehen“,

warnte er demnach.

Rechte hielten sich zurück

Zu einer Kundgebung am Bahnhof

Lichtenberg kamen laut dem BBgR-

Sprecher rund 100 Menschen, am

Spandauer Bahnhof versammelten

sich rund 50 Personen. Laut Polizei

verliefen die Kundgebungen „ruhig

und störungsfrei“. Zuvor waren in

verschiedenen Stadtteilen zahlreiche

Demonstrationen und Kundgebungen

angemeldet worden. Das

Netzwerk Berlin gegen Nazis hatte

dies koordiniert, um bestimmte

Plätze und Strecken, auf denen in

früheren Jahren Neonazi-Demonstrationen

stattfanden, vorsorglich zu

besetzen, erklärte der BBgR-Sprecher.

Als sich abgezeichnet habe,

dass es keine angemeldete Veranstaltung

der rechtsextremen Szene

geben werde, wurden die meisten

der Veranstaltungen nach Polizeiangaben

jedoch abgesagt. „Wir sind erleichtert,

dass es in diesem Jahr keinen

Heß-Marsch gibt“, sagte der

BBgR-Sprecher.

In Spandau stand das frühereGefängnis

der Alliierten, in dem sich

Heßam17. August 1987 selbst tötete.

Neonazis hatten rund um den

17. August immer wieder in Spandau

demonstriert. Im vergangenen Jahr

waren etwa 600 Rechte unangekündigt

von Spandau nach Friedrichshain

ausgewichen. (dpa)

Schwer bewaffnet: Ein Polizist hält einen Tatverdächtigen in der Nacht zum Sonnabend mit einer Maschinenpistole in Schach.

Clan-Gefecht in Neukölln

Polizei mit Maschinenpistolen im Einsatz –Karl-Marx-Straße war vorübergehend für den Verkehr gesperrt

VonPhilippe Debionne

Maskierte und mit Maschinenpistolen

bewaffnete

Polizisten,

dazu eine mehrspurige

Straße, die in das Flackern von

Blaulicht getaucht ist sowie Dutzende

Männer,die sich mit Pistolen,

Messern und Knüppeln gegenseitig

fertigmachen wollen. Dazu auch

noch etwa 100 Schaulustige,die sich

offenbar amüsieren und die Einsatzkräfte

anpöbeln. Das ist keine Szene

aus einem Film über die berüchtigten

Armenviertel in Südamerika,

sondern Realität in Berlin –inder

Fuldastraße in Neukölln. Passiert in

der Nacht zu Sonnabend.

Verletzte nach Messerattacken

Einsatzfahrzeuge der Polizei in der Nacht zu Sonnabend in Neukölln

„Nach den bisherigen Ermittlungen

soll es zunächst in dem Café in der

Fuldastraße gegen 21 Uhr zueinem

Streit zwischen Angehörigen zweier

arabischstämmiger Großfamilien

gekommen sein, der sich dann auf

den davorliegenden Gehweg verlagert

haben soll“, so ein Polizeisprecher.Nach

Angaben vonZeugen sollen

bei der Auseinandersetzung

auch Flaschen geworfen worden

sein, die mehrere Autos beschädigt

haben sollen.

Die beiden verfeindeten Clans,

von denen einer die berüchtigte Familie

Al-Z. sein soll, gingen auch mit

Messern aufeinander los. Der Polizeisprecher

weiter: „Dabei erlitt ein

46-Jähriger eine oberflächliche

Schnittverletzung am Arm und ein

40 Jahrealter Mann eine Stichverletzung

am Rücken.“

Während der Ältereambulant behandelt

werden konnte, wurde der

Jüngere in ein Krankenhaus gebracht

und dortstationär aufgenommen.

Lebensgefahr soll jedoch nicht

bestehen. Zunächst schien sich die

Lage zu beruhigen. Doch offenbar

hatte ein Mitglied der Familie Al-Z.

im weiteren Verlauf Verstärkung seines

Clans angefordert. Gegen 22.30

MORRIS PUDWELL

Uhr fuhr ein Kleintransporter vor,

vollgepackt mit Schlagwerkzeugen

und anderen Dingen.

Daraufhin ging die Auseinandersetzung

in eine neue Runde. „Ab

22.45 Uhr kam es in der Karl-Marx-

Straße in Höhe der Fuldastraße erneut

zu einem Aufeinandertreffen

und zu verbalen Auseinandersetzungen

zwischen den Angehörigen

der betroffenen Familien“, so der Polizeisprecher.Die

Zahl der Schaulustigen

sei dabei auf bis zu 100 Personen

angewachsen. Zeitweilig habe

die Fahrbahn schließlich für denVerkehr

gesperrtwerden müssen, so die

Polizei.

Erst durch den massiven Einsatz

schwer bewaffneter Polizeikräfte beruhigte

sich die Lage wieder. Zwar

wurden mehrere Personen überprüft,

zudem sprachen die Einsatzkräfte

mehrere Platzverweise aus.

Doch festgenommen wurde niemand.

Zu den Hintergründen werde

nun ermittelt, hieß es am Sonnabend.

In den kommenden Tagen

sollen nun zunächst die an der Auseinandersetzung

beteiligten Personen

vernommen werden.

Friedensrichter statt Staat

MORRIS PUDWELL

Ob jedoch überhaupt jemand aussagen

wird, ist ungewiss. Denn innerhalb

der arabischen Clans gibt es

nach den Worten von Rainer Wendt,

Bundesvorsitzender der Deutschen

Polizeigewerkschaft, ein „absolutes

Verbot, mit den Behörden zusammenzuarbeiten“.

Dieses Verbot sei

noch „strenger als die Omertà, die

Schweigepflicht der italienischen

Mafia“, sagte Wendt in einem früherenInterview.

Zudem setzen Clans nicht auf den

Staat, wenn es um Konfliktlösung

geht. In einer RBB-Reportage sagte

ein Friedensrichter:„Wenn ein, zwei

Leichen auf den Boden fallen, klären

wir das innerhalb vonzweiWochen.“

Männer wie er könnten „Angelegenheiten

regeln, die der Staat nicht lösen

kann“.

Rauschgift,

Goldbarren

und Bargeld

Polizei nimmt mutmaßliche

Drogenhändler-Bande fest

Sie sollen bandenmäßig mit

Rauschgift in „nicht geringer

Menge“ gehandelt haben: DieBerliner

Polizei hat am Freitagabend

sechs mutmaßliche Mitglieder einer

Drogenhändlergruppe festgenommen.

Bei der Durchsuchung

vonneun Wohnungen in Kreuzberg,

Marienfelde, Charlottenburg und

Tegel sowie drei Lokalen in Charlottenburg

stellten die Beamten den

offiziellen Angaben zufolge nicht

nur große Mengen Drogen sicher.

Auch neun jeweils ein Kilogramm

schwere Goldbarren wurden gefunden.

Außerdem beschlagnahmten die

Ermittler mehrere Zehntausend

Euro Bargeld, teilte die Polizei am

Sonnabend mit. Den Einsätzen waren

den Angaben zufolge mehr als

zwei JahreintensiveErmittlungen eines

Rauschgiftkommissariats vorausgegangen.

Bandenmäßiger Rauschgifthandel

Der Drogenfund war beachtlich: 40

Kilogramm Marihuana, zwei Kilogramm

Haschisch, etwa 3000 Ecstasy-Tabletten

und rund

100 Gramm Kokain seien beschlagnahmt

worden. Außerdem seien bei

den Einsätzen am Freitagabend diverse

Handys und Speichermedien

sichergestellt worden. An dem Einsatz

waren nach Polizeiangaben

Dutzende Ermittlerinnen und Ermittler

des Landeskriminalamtes,

Polizeibeamte von zwei Einsatzhundertschaften

und auch Kräfte

eines Spezialeinsatzkommandos

beteiligt.

Fünf Männer im Alter zwischen

29 und 65 Jahren sowie eine 57-jährige

Frau sind nach Polizeiangaben

dringend tatverdächtig. Sie sollten

noch am Sonnabend einem Haftrichter

vorgeführt werden, der entscheidet,

ob sie in Untersuchungshaft

kommen. Ob gegen die Festgenommenen

ein Haftbefehl erging,

blieb am Sonntag zunächst offen.

Den sechs Personen wird bandenmäßiger

Rauschgifthandel vorgeworfen.

Die Polizei machte zunächst

keine Angaben dazu, ob sie anlässlich

des Goldbarrenfunds wegen eines

möglichen Zusammenhangs

zum Goldmünzenraub im Berliner

Bode-Museum vor gut zwei Jahren

ermittelt. (dpa)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Vier Verletzte bei Kellerbrand.

Etwa zwei Stunden brauchten

30 Feuerwehrleute,bis sie am Sonnabendabend

einen Kellerbrand in

Neukölln gelöscht hatten.Vier Bewohner

des Einfamilienhauses in Rudowwurden

durch den Rauch verletzt,

zwei kamen ins Krankenhaus,

teilte ein Feuerwehrsprecher mit. Die

beiden anderen wurden ambulant

versorgt. DiePolizei ermittelt.

Jugendlicher verprügelt.

Eine Gruppe vonetwa 15 Jugendlichen

hat am Sonnabend in Köpenick

einen 16-Jährigen verprügelt und

ihm drei Zähne ausgeschlagen.

Seine Platzwunden am Kopf und

seine Prellungen mussten in einem

Krankenhaus versorgt werden. Laut

Polizei ist bislang nicht bekannt, ob

Täter und Opfer sich kannten.

Schwer verletzt nach Sturz in Bus.

Beieinem Bremsmanöver eines

Busses der Linie M27 ist am Freitag

in Gesundbrunnen eine 67-Jährige

in dem Fahrzeug gestürzt, sie erlitt

lebensgefährliche Kopfverletzungen.

DerBusfahrer habe abrupt

bremsen müssen, weil ein schwarzes

Auto rückwärts vonder Böttgerstraße

auf die Pankstraße gefahren

sei, so die Polizei. DerAutofahrer

fuhr unerkannt weg.

Straßenbahnhaltestelle gerammt.

Einbetrunkener Autofahrer ist am

frühen Sonntag in Weißensee mit einem

Firmenwagen in eine Straßenbahnhaltestelle

in der Berliner Allee

gefahren. Eine Atemalkoholkontrolle

ergab nach Polizeiangaben einenWert

von1,7 Promille.Der Mann

blieb unverletzt, die Haltestelle

wurde beschädigt. DieBerliner Allee

war etwa 1,5 Stunden lang gesperrt.

Autos mit Stahlkugeln beschossen.

In Charlottenburgsind am Freitagabend

Stahlkugeln auf Autos abgefeuertworden.

Eine der Kugeln soll

die hintereScheibe eines Kleinbusses

durchschlagen haben, teilte die

Polizei mit. Einelfjähriges Kind, das

dortsaß, blieb glücklicherweise unverletzt.

In der Nähe des Tatorts entdeckten

die Beamten den Angaben

zufolge kurzdarauf drei Menschen

in einer Böschung. DiePolizisten

wollen eine 27-Jährige dabei beobachtet

haben, wie sie mit einer Waffe

zwei Schüsse in Richtung Saatwinkler

Damm abgegeben hat. DiePolizei

beschlagnahmte die mit Stahlkugeln

geladene Druckgaswaffe.Die Frau

und die Männer im Alter von17und

33 Jahren kamen in Gewahrsam.

Nicht nur zu schnell und betrunken.

EinAutofahrer ist in Charlottenburg

betrunken und ohne Führerschein

doppelt so schnell wie erlaubt gefahren.

Der32-Jährige war am frühen

Sonnabend mit 166 Stundenkilometernstatt

der erlaubten 80 auf der

Bundesautobahn 100 unterwegs,

teilte die Polizei mit. Eine Zivilstreife

der Autobahnpolizei überprüfte den

Mann, der keinen gültigen Führerschein

hatte.Ein freiwilliger Atemalkoholtest

ergab den Angaben zufolge

einen Wert vonfast einer Promille.Außerdem

soll der Mann einen

falschen Namen angegeben haben.

Mehrere Menschen beleidigt.

Beider Polizei sind am Wochenende

mehrereAnzeigen wegen Beleidigungen

eingegangen. Ein22-Jähriger

sei am Sonntagmorgen in Friedrichshain

homophob beschimpft

und körperlich attackiertworden.

Am Sonnabend beschimpfte ein

Mann eine 33-Jährige,die komplett

verschleiertwar,sowie ihrevier Kinder

in Tempelhof fremdenfeindlich.

Als ein Zeuge ihn zur Rede stellen

wollte,flüchtete er.Blutig endete ein

Zwischenfall am Freitag in Alt-Hohenschönhausen.

Nach Polizeiangaben

griff ein Hundebesitzer eine Familie

zunächst verbal an, anschließend

hetzte er seinen Bullterrier auf

den Familienvater.Der Mann wurde

nicht nur gebissen, der Hundehalter

trat und schlug ihn obendrein. Der

Angreifer kam kurzzeitig in Polizeigewahrsam.

In allen drei Fällen ermittelt

der Staatsschutz. (dpa, BLZ)

Wie ein Popstar:Beim Tagder offenen Tür der Bundesregierung ist Kanzlerin Angela Merkelnatürlich die Hauptattraktion.

Durch den Regen zum Minister

Beatmungspatienten aus ganz Deutschland protestieren vor dem Gesundheitsministerium gegen Reformpläne

VonKerstin Hense

Sie drücken die Hupen ihrer E-

Rollstühle und halten Transparente

hoch. Die meisten Demonstranten,

die sich am Sonntag vor

dem Gesundheitsministerium versammeln,

können sich nicht anders

artikulieren, weil sie schwer krank

sind, keine Stimme mehr haben und

als Spätfolge eines Unfalls beispielsweise

beatmet werden müssen. Sie

sind aus ganz Deutschland gekommen,

um gegen die Reformpläne von

Jens Spahn zu protestieren, und haben

den Tagder offenen Regierung

für sich genutzt, um auf ihre Misere

aufmerksam zu machen.

Bitte lächeln

Zum 21. Mal lädt die Bundesregierung zum Tagder offenen Tür und lockt vor allem Berlinbesucher an

VonJulia Haak

Die siebenjährige Lilli hat

an der Sicherheitskontrolle

vor dem Kanzleramt

erst mal eine ganz

wichtige Frage an die Sicherheitsbeamtinnen.

„Warum muss Papa

sich denn woanders anstellen als

Mama und ich?“, will sie wissen. Lilli

ist mit ihren Eltern für ein paar Tage

aus Nürnberg nach Berlin gekommen.

Am Sonntag wollen sie sich das

Kanzleramt von innen ansehen –

und das geht nur deshalb, weil ihr

Berlin-Aufenthalt und der Tagder offenen

Tür der Bundesregierung zusammenfallen.

So geht es offenbar vielen, die am

Wochenende vor und in den Ministerien

und dem Kanzleramt anzutreffen

sind. Berlinbesucher scheinen

in der Mehrheit zu sein, Einwohner

der Stadt sind deutlich seltener.

Mehr als 800 Veranstaltungen

Zum 21. Mal öffnete die Regierung

die sonst versperrten Bereiche für

die Bürger. Mehr als 100 000 Besucher

nutzen jedes Jahr die Gelegenheit.

Es ist ein großes Ereignis mit

mehr als 800 Veranstaltungen im

Kanzleramt und den 14 Ministerien.

Lilli interessiert sich allerdings

erst einmal für die Zettel, die über

den Schleuseneingängen hängen. Es

sind Piktogramme für Männer und

Frauen. Während sich Lilli und ihre

Mutter für den Sicherheitscheck dort

anstellen müssen, wo die schwarze

Figur ein Kleid trägt, wird ihr Vater

gebeten, sich mit anderen Männern

links anzustellen. Das findet Lilli

seltsam. DieFraueninUniformsind

allerdings über ihreFrage entzückt.

Hohe Sicherheit: Lange Schlangen am Bundesinnenministerium.

Was kaum jemand weiß: Nach

den neuen Gesetzesplänen sollen

Beatmungspatienten nur noch in

Ausnahmefällen eine Intensivpflege

in der eigenen Wohnung erhalten

und künftig in Pflegeeinrichtungen

versorgt werden. Der Verein Ability

Watch, der zu dem Protest aufrief,

schreibt auf seiner Homepage: „Der

Gesetzesentwurf missachtet die

Würde von Menschen, dringt in ihrenAlltag

ein und diskriminiertsie.“

So sieht das auch Barbara Carus.

Die62-jährige Berlinerin sieht durch

die Novelle ihre Selbstbestimmung

in Gefahr.„Bevor ich ins Heim gehe,

möchte ich lieber gleich sterben“,

sagt BarbaraCarus.Wenn sie spricht,

Sie sagen, dass sie rausfinden

müssen, ob jemand eine Waffe dabei

hat und dass Frauen die Frauen abtasten

und Männer die Männer.

Letzteres leuchtet Lilli zwar nicht

ein, aber dass man keine Waffe zur

Bundeskanzlerin mitnimmt, schon.

Es sind vor allem die kleinen

Dinge, die ganz praktischen, die die

Leute an diesem Taginteressieren.

Im Kanzleramt schlendernsie durch

die Räume und den Garten. Sie sehen

sich den Dienstwagen der Kanzlerin

und den Helikopter an. Setzen

sich im internationalen Konferenzsaal

mal probehalber auf die Stühle,

auch wenn das nicht erwünscht ist.

Diskutieren, warum der eine Raum

groß und der andereklein ist.

Vorden Porträts der ehemaligen

Bundeskanzler bleibt Lilli entgeistert

stehen. Helmut Kohl im blauen Anzug,

Gerhard Schröder ganz in Gold

–aber keine Frau. Dabei hatte Lilli

gedacht, Kanzler seien immer, oder

aber zumindest fast immer, Frauen

wie Angela Merkel. So kann man sich

irren. Man kann an Lillis Reaktion

auch etwas anderes ablesen: Nach

fast 14 Jahren mit einer Kanzlerin

wächst eine Generation heran, für

die das selbstverständlich ist.

Mit dabei an diesem Tagsind natürlich

auch Minister und Staatsse-

BERLINER ZEITUNG/WÄCHTER

Jens Spahn spricht mit der schwer

kranken Barbara Carus.

BLZ/WÄCHTER

DPA/MICHAEL KAPPELER

kretäre –und die Kanzlerin in echt

und nicht als Bild. Als Angela Merkel

am Nachmittag die Gäste begrüßt,

sind Hubschrauber und Dienstwagen

uninteressant. Die Gästen zücken

ihreMobiltelefone und fotografieren.

Ein Handyfoto von der Kanzlerin,

das ist schon etwas.

Benachbarte Ministerien müssen

anderweitig für Spektakuläres sorgen.

Das Bundesinnenministerium

um die Ecke hat die GSG 9der Bundespolizei

als Attraktion des Tages

vorgesehen. Diese fällt dann am Vormittag

aber erst mal aus. Eigentlich

waren gleich drei Demonstrationssprünge

der Spezialeinheit vorgesehen.

Aber es nieselt, und der Himmel

ist bedeckt. So könnten die Fallschirmspringer

nicht sicher landen,

sagt Herr Rebel von der Bundespolizei.

Er stehtimAtrium des Ministeriums

und spricht in ein Mikrofon.

Vielleicht am Nachmittag, tröstet er

die Anwesenden.

Zeitraubende Sicherheitskontrolle

Es sind ohnehin nur wenige Besucher

in dem Gebäude des Ministeriums

mit dem burgartigen, abweisenden

Äußeren. Eigentlich erstaunlich,

erstreckt sich doch vor der Tür

des Ministeriums eine lange

Schlange wartender Menschen.

Aber das kann natürlich auch an

der zeitraubenden Sicherheitskontrolle

liegen, die hier besonders intensiv

ausfällt. Tasche,Jacke,Schirm,

alles wird durchleuchtet, Stiefel ausziehen,

und dann befühlt eine Beamtin

jede Falte in der Kleidung.

„Gleiche Sicherheitsstufe wie am

Flughafen“, verrät die Polizistin. Allerdings

seien sie hier gründlicher,

behauptet sie dann. Das mag als

Werbung für die eigene Gründlichkeit

gemeint sein. Doch im Hinblick

auf die nächste Flugreise wirkt die

Aussagedocheher beunruhigend.

Julia Haak

hat lauter gut gelaunte

Menschen getroffen.

hört essich an, als würde sie lallen.

Sieerhielt vorzweiJahren die niederschmetternde

Diagnose ALS. Die

amyotrophe Lateralsklerose zerstört

ihre Muskulatur und nimmt ihr die

Stimme. Tagsüber und auch nachts

muss die Schwerkranke stundenweise

beatmet werden.

Zusammen mit etwa 300 Demonstranten

harrt Barbara Carus

am Sonntag vordem Ministerium im

Regen aus. Nach zwei Stunden gelangt

sie doch noch hinein und trifft

sogar den Gesundheitsminister. „Er

hat mir versprochen, dass er sich

kümmern wird und ich zu Hause

bleiben kann.“ Für BarbaraCarus ist

das ein erster Erfolg.

Linke wehrt

sich gegen

Vorwürfe

Schubert verteidigt

Wohnungsbau gegen Kritik

VonStefan Kruse und Anna Ringle

Berlins Linke-Vorsitzende Katina

Schubert hat sich gegen Kritik

der Koalitionspartner SPD und

Grüne gewehrt, ihre Partei messe

demWohnungsbau zu wenig Bedeutung

bei. „Die Linke bremst nicht“,

sagte Schubert der Deutschen

Presse-Agentur. Ganz im Gegenteil:

Unter Verantwortung der zuständigen

Senatorin Katrin Lompscher

(Linke) seien in den letzten Jahren so

viele Wohnungen wie schon lange

nicht mehr gebaut worden. Unddas

gehe auch weiter.

„Aber das alleine kann es eben

nicht sein“, so Schubert weiter. „Es

ist eben nicht so,dass man nur möglichst

viele Wohnungen auf den

Markt schmeißt und dann die Mieten

sinken. So funktioniertder Wohnungsmarkt

nicht.“ Der Marktmechanismus

von Angebot und Nachfrage

komme bei Wohnungen schon

deshalb nicht zum Tragen, weil

Grund und Boden begrenzt und daher

nicht beliebig vermehrbar seien.

„Und deswegen sagen wir, Neubau

ist genauso wichtig wie eine Stabilisierung

der Mieten oder eine

Senkung, da wo es notwendig ist“, so

Schubert. „Deswegen wollen wir den

Mietendeckel.“

Linke für Enteignung

WeitereSäulen der Wohnungspolitik

ihrer Partei seien Verdichtungskonzepte

–etwa Wohnungsbau über Supermärkten

oder Garagen –und der

Ankauf durch kommunale Gesellschaften.

DieLinke unterstützeauch

die Enteignung großer Unternehmen,

die Wohnungen als Handelsware

betrachteten und rein renditeorientiertwirtschafteten.

SPD,Linke und Grünehabenlaut

Koalitionsvertrag bis 2021 das Ziel,

etwa 30 000 zusätzliche kommunale

Wohnungen zu bauen. DasZiel wird

wohl mit 26 000 bis dahin gebauten

Wohnungen verfehlt. Da der Druck

durch steigende Mieten und anhaltenden

Zuzug aber wächst, wächst

die Unruhe in derKoalition.

So hatte der Regierende Bürgermeister

Michael Müller (SPD) vor

knapp vier Wochen die Verabschiedung

des Stadtentwicklungsplanes

Wohnen 2030 (Step) gestoppt und so

Linke und Grüne verärgert. Senatorin

Lompscher hat in ihrer Vorlage

auch das Ziel verankert, bis 2030

etwa 200 000 Wohnungen in der

Hauptstadt zu bauen. Müller ist das

angesichts der wachsenden Einwohnerzahl

aber zu wenig ambitioniert.

Er forderte Nachbesserungen.

Schubert kritisierte Müllers Vorgehen.

„Es macht keinen Sinn, mal

eben noch ein paar weitereEntwicklungsgebiete

auszuweisen“, sagte

sie. „Denn dadurch bekommen wir

noch lange nicht mehr Planer, Ingenieure

oder Baufirmen.“ Momentan

sei der Markt hier quasi leer gefegt.

„Das ist nichts, was man aus dem

Hut zaubert.“ Schubert zufolge ist

der Step Wohnen 2030 am kommenden

Dienstag wieder auf der Tagesordnung

im Senat. „Ich gehe davon

aus,dass er dann beschlossen wird.“

DemVernehmen nach wurde am

Entwurf selbst nichts geändert. Er

soll aber durch eine Besprechungsunterlage

ergänzt werden, auf der

Maßnahmen zur Beschleunigung

desWohnungsbaus aufgelistet sind.

Schubert zufolge arbeitet die

Linke darüber hinaus am Entwurf

für ein „Bodensicherungsgesetz“.

„Zielist,dass öffentlicher Grundund

Boden nicht mehr verkauft wird,

sondernallenfalls auch an Privatein

Erbpacht vergeben wird.“ Auf diese

Weisesei dieVerfügbarkeitfür dieöffentliche

Hand immer gegeben, was

Spekulationen eindämmen solle.

Mit SPD und Grünen sei dies

nicht abgestimmt. „Aber ich wüsste

nicht, was von Seiten der Koalition

dagegen sprechen würde.“ (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 15 *

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Brandenburg

Schlössernacht

war ein

Erfolg

Insgesamt 36000 Besucher.

Sonnabend war ausverkauft

Nach dem Ende der Potsdamer

Schlössernacht haben die Veranstalter

eine positive Bilanz gezogen.

Der Samstagabend sei ausverkauft

gewesen, am Freitag seien

mehr Besucher gekommen als im

Vorjahr, teilten die Kultur im Park

GmbH und die Stiftung Preußische

Schlösser und Gärten mit. An beiden

Tagen kamen knapp 36 000 Besucher.

Damit hat sich aus Sicht der

Veranstalter das Konzept, die Schlössernacht

an zwei Abenden zu veranstalten,

bereits etabliert.

Motto war in diesem Jahr die Kultur

und LebensartItaliens.Gebäude,

Skulpturen und Landschaft wurden

kunstvoll erleuchtet und bildeten die

Kulisse für Kammermusik, Theater

und Kleinkunst. Bei Lesungen sorgten

unter anderem Moderator und

Autor Max Moor sowie Schauspielerin

Katharina Thalbach für literarische

Unterhaltung. Ein Highlight

war die Feuer- und Lichtinszenierung.

(dpa)

GEWINNZAHLEN

Lottozahlen: 2-6-9-28-33-45

Superzahl: 0

Spiel 77: 3350693

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10000 Euro auf die Nummer 6469514.

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3202827 gewinnt Mini Cooper Countryman

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4642104 gewinnt 1000000 Euro

420098 gewinnt 100000 Euro

41531 gewinnt 10000 Euro

7334 gewinnt 1000 Euro

89 gewinnt 10 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Mehr Geld gegen Wölfe

Das Land hat 1,6 Millionen Euro für Schäden durch die Tiere ausgegeben oder für den Schutz vor ihnen

VonManfred Rey und

Jens Blankennagel, Potsdam

Esgibt derzeit zwei Tiere, die

vielen Leuten auf dem

Lande als die größte Gefahr

gelten: Wölfe und Biber.

Vertreter beider Tierarten richten

reichlich Schäden an. DieWölfe fressen

nicht nur Rehe oder Hirsche,

sondern die Raubtiere reißen gern

mal Schafe oder Kälber und schädigen

damit Landwirte. Die Biber wiederum

bauen Dämme, umWasser

anzustauen, damit ihreBiberburgen

immer schön im Wasser sind. Auch

dadurch entstehen etlichen Bauern

erhebliche Schäden. Es gibt nicht

nur Landwirte, die fordern, dass die

streng geschützten Tierarten endlich

leichter erlegt werden dürfen.

Das Land lässt sich den Schutz

vor Schäden, der durch Wölfe und

Biber entsteht, einiges kosten. Von

2017 bis Juli dieses Jahres wurden

etwa 1,63 Millionen Euro Haushaltsmittel

für Schutzmaßnahmen ausgezahlt.

Das geht aus der Antwort

des Potsdamer Agrarministeriums

auf eine Anfrage aus der CDU-Landtagsfraktion

hervor.

Die EU bietet auch Geld an

In der seit Anfang 2018 geltenden

neuen Wolfsverordnung ist auch der

Abschuss sogenannter Problemwölfe

vorgesehen. Bislang gab es nur

einen Abschuss.Sechs Tiere, die verletzt

oder unheilbar krank waren,

wurden eingeschläfert.

Nach amtlichen Angaben leben

in Brandenburg derzeit etwa 300

Wölfe und bis zu 3500 Biber. Seit

2015 ist mit einer neuen Biberverordnung

der Abschuss der Nager erlaubt.

Seither wurden vonden unteren

Naturschutzbehörden etwa 90

Biberabschüsse gemeldet.

Die Brandenburger Landesregierung

setzt vor allem darauf, den Betroffenen

die Schäden zu ersetzen.

Das gilt auch für Schäden durch Biber

oder für Fische, die sich Kormorane

oder Reiher aus den Teichwirtschaften

geholt haben.

Das meiste Geld wird allerdings

nicht für Tiere ausgegeben, die von

den Wölfen oder Vögeln gefressen

wurden, sondernfür die Prävention.

Dabei geht es vor allem darum, die

Nutztiere der Landwirte vor den

Wölfen zu schützen. Die Haushaltsmittel

für den Schutz stiegen von

650 000 Euro 2017 auf 1,56 Millionen

Euro im laufenden Jahr. Für 2020

sind eine halbe Million Euro vorgesehen,

die Summe kann aber bei Bedarf

auch erhöht werden. Der weitaus

größte Teil entfiel bisher auf den

Schutz von Herden vor Wölfen. In

Im Land Brandenburg leben bundesweit die meisten Wölfe.

Erste Tiere: Etwa ab dem

Jahr 2000 kamen immer

wieder einzelne Wölfe von

Polen nach Sachsen. Zu

DDR-Zeiten wurden solche

Wölfe meist erlegt. Einigeder

streng geschützten Tiere ließen

sich auf den weitläufigenehemaligen

Truppenübungsplätzen

nieder,bildeten

Rudel und bekamen dort

ungestörtJunge.

WOLFSLAND

Brandenburg: Als die Reviere

in Sachsen zu klein für

neue Rudel wurden, wanderten

Jungtiere nach Brandenburg

und ließen sich dort

nieder.Offiziell gibt es derzeit

76 Wolfsrudel in

Deutschland: 26 in Brandenburg,18inSachsen,

13

in Niedersachsen, 11 in

Sachsen-Anhalt. Ein Rudel

umfasst meist 5bis 10 Tiere.

IMAGO IMAGES

Wolfsfreie Gebiete: Die

Gegner der Wölfe fordern,

dass die Richtlinien für den

Abschuss vonWölfen, die

ihre natürliche Scheu vor

Menschen verloren haben,

gelockertwerden. 52 brandenburgische

Städte und

Gemeinden haben sich inzwischen

auf Initiativedes

Bauernbundes selbst zu

„wolfsfreien Zonen“ erklärt.

den „technischen Herdenschutz“,

vor allem den Kauf von Elektrozäunen,

flossen etwa 1,43 Millionen

Euro.Kauf und Ausbildung vonHerdenschutzhunden

kostete das Land

weitere56000 Euro.

Das Problem ist, dass die Landwirte

in jenen Regionen, in denen

Wölfe heimisch sind, sehr viel Geld

ausgeben müssen für die Schutzmaßnahmen

ihrer meist sehr großen

Weiden. Es müssen recht hohe Elektrozäune

sein, damit die Wölfe nicht

darüber hinweg springen können,

und sie müssen auch so im Erdreich

verstärkt sein, dass sich die Wölfe

nicht durchgraben können.

Neben dem Geld vom Land steht

künftig auch EU-Geld zur Verfügung.

Um die Schäden der Schäfer und

Landwirte am Nutztierbestand zu

verringern, hat die Europäische Kommission

zu Beginn dieses Jahres die

Förderung von Investitionen in den

Schutz vorWölfen vonbislang 80 auf

100 Prozent der Anschaffungskosten

angehoben. Die Länder wurden aufgefordert,

davon Gebrauch zu machen

und die nationalen Förderbestimmungen

anzupassen.

Brandenburg strebt nun an, dass

auch Unterhaltskosten, wie Hundefutter

und Ausgaben für Tierarztbesuche,

inden Förderkatalog aufgenommen

werden. Eine Entscheidung

des Bundes stehe noch aus, so

das Potsdamer Agrarministerium.

Einheitliche Regelungen gefordert

Druck auf die Bundesregierung übt

auch ein Bündnis vonmehr als zehn

Verbänden von Herdenhaltern,

Schäfernund Naturschützernaus.In

ihren Mitte Juni veröffentlichten

Empfehlungen zum Herdenschutz

fordernsie einheitliche Bestimmungen

für die Tötung von Wölfen, die

Nutztiere von Bauern angreifen und

deren Schutzmaßnahmen überwinden.

Eine Rahmenregelung des Bundes

könnte mehr Sicherheit schaffen

und zu einer tragfähigen Koexistenz

beitragen, erklärten die Unterzeichner.Ineinem

Anhang empfehlen sie

Maßnahmen zum Schutz verschiedener

Tierarten vorWolfsangriffen.

In Brandenburgwurden seit 2017

bis Mitte dieses Jahres etwa 340 Anträge

für vorbeugende Maßnahmen

zum Schutz vor Schäden durch

Wölfe und Biber gestellt.

Sieben Anträge kommen von

Teich- und Fischwirten, die möglichen

Schäden vorbeugen wollen, die

durch geschützte Tierarten wie Kormorane,

Silber- und Graureiher,

Fischotter und Biber entstehen. Laut

Ministerium wurden bislang 280 Anträge

bewilligt, 13 zurückgezogen

und sechs abgelehnt.

NACHRICHTEN

Internes Gutachten zu

Auto-Nummern-Erfassung

DasPortal Netzpolitik.orghat ein internes

Gutachten aus dem Brandenburger

Innenministerium veröffentlicht,

das die umstrittene Kennzeichenspeicherung

im Land als unverhältnismäßig

und illegal bewertet.

DasInnenministerium reagierte auf

die Veröffentlichung und betonte,

dass es sich bei dem internen Papier

um die Auffassung einzelner Mitarbeiter

handele.Die Position des Ministeriums

entspräche dem im Juni

vorgelegten abschließenden Prüfbericht,

nach dem die Erfassung und

Speicherung vonAutokennzeichen

nicht zu beanstanden sei. DieBrandenburger

Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren

wegen des Verdachts

des Geheimnisverrats ein. Mitdem

Erfassungssystem KESY registriert

die Polizei Kennzeichen vorbeifahrender

Autos –allerdings nur auf Anordnung

der Justizbehörden, wie das

Innenministerium im Maierklärte.

Wiebekannt wurde,wurden 2018 in

Brandenburgtäglich Kennzeichen

erfasst. Derzeit gibt es Geräte an

neun Standorten im Land. (dpa)

Sechs Schwerverletzte

wegen Sekundenschlafs

Weil ein 25-Jähriger kurzamSteuer

einschlief, hat er auf der Autobahn

A2im Kreis Potsdam-Mittelmarkeinen

schweren Unfall verursacht. Er

fuhr wegen des Sekundenschlafs auf

das Auto vorihm auf. Wiedie Polizei

am Sonntag mitteilte kamen beide

Wagen vonder Fahrbahn ab.Das

Auto des Unfallverursachers durchbrach

einen Wildschutzzaun und

kam erst nach 100 Meternzum Stehen.

DerandereWagen überschlug

sich. Beide Fahrer und vier weitere

Insassen wurden verletzt und kamen

ins Krankenhaus. (dpa)

VSchellnhuber bietet sich

als Klimaminister an

DerPotsdamer Klimaforscher Hans

Joachim Schellnhuber schließt ein

Ministeramt nach der Landtagswahl

in Brandenburgnicht aus.Die Zeiten

seien außergewöhnlich. „Dakommt

man dann auch als emeritierter Professor

ins Grübeln, ob man nicht

selbst in die politische Bütt steigen

sollte,umdas endlich umzusetzen

helfen, was die Wissenschaft immer

dringlicher empfiehlt“, sagte der 69-

Jährige den „otsdamer Neusten

Nachrichten. Unabhängig davon sei

er bereit, die demokratischen Parteien

nach derWahl am 1. September

zur Klimakrise zu beraten.“ (dpa)

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Lokalsport

Ein Klub will nach oben

Regionalligist Berliner AK ist die dritte Kraft im Berliner Fußball. Er strebt ins Profigeschäft, doch die Konkurrenz ist groß und der Wegbeschwerlich

VonMichael Jahn

Als Mehmet Ali Han am

Sonnabendmittag das

Zoschke-Stadion in Lichtenberg

betrat, war der 53-

Jährige bester Laune. Der Präsident

des Regionalligisten Berliner AK,

wichtigster Geldgeber und Kopf des

Vereins,war gerade aus dem Türkei-

Urlaub zurückgekehrt. Der Bauunternehmer

zeigte sich gut erholt,

braungebrannt und mit schicker

Sonnenbrille. „Das ist mein erstes

Spiel, das ich in dieser Saison sehe“,

sagte Ali Han und tippte einen 2:1-

Auswärtssieg für den BAK. Damit lag

er aber falsch. Sein Team verlor gegen

Lichtenberg47mit 0:1.

Zuvor hatte der BAK drei Saisonsiege

geschafft und thronte an der

Tabellenspitze. Bischofswerda (4:2),

Union Fürstenwalde (2:0 auswärts)

und Germania Halberstadt (2:1) warenbezwungen

worden, was die verbale

Offensive der BAK-Verantwortlichen

bestätigte. Trainer Ersan Parlatan

hatte gesagt:„Für uns ist in dieser

Spielzeit vieles, wenn nicht alles

drin.“ Auch Mehmet Öztürk, der

Sportliche Leiter, sprach vom Aufstieg

als großem Ziel, schränkte aber

vordem Anpfiff im Zoschke-Stadion

ein: „Wir wollen aufsteigen, müssen

aber nicht. Mit Nordhausen, Lok

Leipzig und Cottbus gibt es weitere

Kandidaten, die in die Dritte Liga

wollen.“

Schlitzohrige Bemerkung

Die jüngere Geschichte des Berliner

AK ist typisch für die vierte deutsche

Spielklasse. Für Vereine, die den

Amateurstatus hinter sich lassen

und in den reinen Profifußball wechseln

wollen. Die gegen gleichgesinnte

Konkurrenz Rückschläge einstecken

müssen und trotzdem weiter

machen, ihre Ambitionen nicht

aufgeben. Weil sie vonihrem Projekt

überzeugt sind. Wie Ali Han beim

Berliner AK. DerPräsident nahm am

Wochenende das Wort Aufstieg nicht

in den Mund, sagte lieber schlitzohrig:

„Wir wollen in jedem Spiel ein

Tormehr schießen als der Gegner!“

Was nichts anderes heißt, als am

Ende ganz oben in der Tabelle zu stehen.

Schon einmal, in der Spielzeit

2015/16, war der BAK ganz nah am

Hat den Traum vom Profigeschäft noch nicht aufgegeben: BAK-Präsident Mehmet Ali Han

Aufstieg gewesen. Punktgleich mit

dem FSV Zwickau fehlte am Ende ein

einziges Tor, um die Dritte Liga zu erreichen.

Nach Platz drei hinter Cottbus

und Nordhausen 2017/18 und

Rang zwei hinter Chemnitz 2018/19

soll nun die Meisterschaft gewonnen

werden.

Nach der Niederlage gegen Lichtenberg

war die gute Laune des Präsidenten

im Zoschke-Stadion zunächst

mal verschwunden. Lange

stand er mit seinem Sportchef Öztürk,

seit Juni 2017 im Amt, zusammen,

diskutierte und suchte nach

den Ursachen der überraschenden

Niederlage durch einen Kopfballtreffer

durch David Hollwitz (40.) für den

kampfstarken Aufsteiger in Lichtenberg.

Nach demVerlust der Tabellenspitze,

die nun der noch unbesiegte

„Wir wollen aufsteigen, müssen aber nicht.

Mit Nordhausen, Lok Leipzig und Cottbus

gibt es weitere Kandidaten,

die in die Dritte Liga wollen.“

Mehmet Öztürk ist als Sportlicher Leiter des Regionalligisten Berliner AK bemüht,

keinen unnötigen Druck auf die eigene Mannschaft aufzubauen.

1. FC Lok Leipzig vor dem starken

BFC Dynamo innehat.

Auch BAK-Trainer Parlatan haderte

mit dem Auftritt seines Teams:

„Die ersten 20 Minuten waren gut.

Da kam nie das Gefühl auf, dass es

für uns gefährlich werden könnte.

Später haben wir das Tempo verschleppt.

Das ist ein bitterer Moment

für uns.“

Nach gut einer Stunde hatte der

bullige AbuBakarr Kargbo,26, einen

Handelfmeter für den BAK verschossen

und über das Tor des starken

Lichtenberger Keepers Niklas Wollertgejagt.

Torjäger Kargbo traf in der

BLZ/MARKUS WÄCHTER

Vorsaison 16-mal für den BAK und

gab 2018 sein Debüt in der Nationalelf

von Sierra Leone. Erhat ebenso

eine Vergangenheit bei Hertha BSC

wie Abwehrmann Shawn Kauter.

DerBerliner AK wirdtrotz der ersten

Niederlage weiter ganz oben mitmischen.

Da sind sich Trainer,Sportchef

und Präsident sicher. Die

Mannschaft ist ausgeglichen besetzt

mit vielen erfahrenen Spielern. Parlatan,

42, der 2018 die Fußball-Lehrer-Ausbildung

beim DFB erfolgreich

beendete und den praktischen

Teil bei Christian Streich beim SC

Freiburg absolvierte, ist kein Mann

für fußballerisches Mittelmaß. Er

glaubt, dass seine Mannschaft physisch

stärker ist als im Vorjahr,„vielleicht

individuell nicht so elegant“.

Bislang spielte der Berliner AK nicht

besonders attraktiv,aber meist effektiv.

DieMannschaft aus Moabit hat es

zur dritten Kraft im Berliner Fußball

hinter Hertha BSC und dem 1. FC

Union gebracht. Dennoch fristet der

Klub in der Öffentlichkeit ein eher

bescheidenes Dasein. Ins Poststadion

kommen selten mehr als 500

Zuschauer zu den Heimspielen.

„Wir investieren viel, arbeiten seriös

und meist erfolgreich“, sagt

Han, „aber wir bekommen wenig zurück.“

Sportchef Öztürk, der einst bei

Altay Izmir in der ersten türkischen

Liga spielte, glaubt, dass die sportliche

wie kulturelle Vielfalt in Berlin

Schuld am schwachen Zuschauerzuspruch

sei.„Viktoria 89 oder Altglienicke

geht es ja genauso. Leider

konnten wir bislang nicht noch

mehr türkische Fans anlocken“,

klagt Öztürk.

Hilfe für Lichtenberg47

Präsident Ali Hanwill nun die Strukturen

und auch die äußeren Bedingungen

im Poststadion verbessern,

den Nachwuchs weiter fördern.

Auch die Pläne, die erste Männermannschaft

auszugliedern, werden

weiter verfolgt, um den Einstieg von

Investoren zu erleichtern. Seit 2001

steckt Ali Han viel Energie und Geld

in den BAK. Noch hat er die Lust

nicht verloren.

Demüberraschenden Sieger vom

Sonnabend, Aufsteiger Lichtenberg

47, hat der Bauunternehmer Ali Han

einst sogar beim Bau der Geschäftsstellengebäude

im Hans-Zoschke-

Stadion geholfen. „Uneigennützig“,

sagt 47-Geschäftsfüher Henry Berthy,

„man sieht, auch im Berliner

Fußball gibt es solche Formen der

Zusammenarbeit.“

In Lichtenbergwürden sie Ali Han

und seinem BAK durchaus den großen

sportlichen Erfolg gönnen. Aber

darauf konnten die 47er im direkten

Duell keine Rücksicht nehmen. „Wir

brauchen jeden Punkt im Kampf um

den Klassenerhalt“, sagt Sportchef

Benjamin Plötz. Nunsind es überraschend

sogar drei geworden.

Michael Jahn

bleibt am Projekt Aufstieg

des BAKdran.

Vonder Schnapsidee zum Projektverein

Serie: Tierisch fit: DerBCLions Moabit 21 hat nicht nur einen außergewöhnlichen Namen, sondern ist auch gesellschaftlich außergewöhnlich aktiv.Zum Beispiel beim Eastercup

VonChristian Kattner

Auch wenn er sich nicht mit seinem

Gefährt angekündigt hätte,

man wäre nicht Gefahr gelaufen, es

zu übersehen: Blaue Farbe, zahlreiche

Hinweise auf Vereinsprojekte,

aber vor allem das markante Logo

mit dem Löwenkopf: Das Vereinsmobil,

mit dem Andy Riebold durch

die Straßen Berlins fährt, fällt auf.

Und der Vorsitzende des BC Lions

Moabit 21 ist viel unterwegs. Wer in

Spandau wohnt, mehrmals in der

Woche in Königs Wusterhausen tätig

ist, aber auch Moabit als seine zweite

Heimat sieht, der sitzt eben viel im

Auto.

Riebold ist leidenschaftlicher

Basketballer. Das ist seiner Kleidung

anzusehen, das ist herauszuhören,

wenn man sich mit ihm über seinen

Verein unterhält, den er 2016 mit ein

paar Mitstreitern ins Leben gerufen

hat. Nicht ganz freiwillig, eher auf

Anraten des ASV Moabit, über welchen

der Eastercup, das Vorzeigeprojekt

der Lions, seit 2012 lief. Das

Turnier, das sich ganz klar gegen

Rassismus positioniert, war mittlerweile

zu groß geworden, zu viel Geld

war im Umlauf und hätte Probleme

für den ASV nach sich ziehen können.

Ein neuer Verein, über den das

Turnier laufen könne, musste also

her und damit auch ein Name. Die

21, der Postleitzahlen-Code, musste

unbedingt mit rein, der Bezirksname

sollte ebenfalls auftauchen. Und irgendein

Tier.„EinTier im Namen ist

ein Wiedererkennungsmerkmal“,

sagt der 37-Jährige, „dementsprechend

wurde es ein Löwe, das ist ein

sehr eindrucksvolles Tier, welches

Stärke ausdrückt.“

Weil es ja irgendwie auch cool

sein musste,wurde die englische Variante

gewählt. Nicht aus Merchandising-Gründen,

der junge Verein ist

mit seinen fünf Mannschaften doch

eher in den unteren Ligen unterwegs.

„Der Spielbetrieb ist uns gar

nicht so wichtig, sondern die Projektarbeit.

Der ganze Verein ist eigentlich

ein Projekt, ein Projektverein“,

sagt Andy Riebold, „alles das,

was in diesem Verein passiert, mündet

eigentlich im großen Projekt, das

„International Eastercup“ heißt.“

Mehr als nur ein Slogan

Das Turnier steht aber nicht nur für

Sport, sondern für gesellschaftliche

Werte. Slogans wie „No Chances for

Racism“ oder „Refugees Welcome“,

wie „Keine Chance für Rassismus“

und „Flüchtlinge willkommen“ sind

nicht nur Logos auf Plakaten und

Flyern, sondern werden auch vom

Verein gelebt. Als 2016 die große

Flüchtlingswelle über Europa

schwappte und Deutschland und

Gut gebrüllt Löwe: Der Nachwuchs der Lions beim Basketballtraining BC LIONS MOABIT 21

Berlin erreichte, sahen die Löwen in

Moabit das auch als Chance. „Wir

haben die Idee gehabt, es als positivenAufhänger

zu nehmen und wollten

die Flüchtlinge zum Sportbewegen“,

sagt Riebold, „damit haben wir

einen Teil der Integration hinbekommen.“

Manch Spieler hat es aus diesem

reinen Flüchtlingsteam mittlerweile

in die Männermannschaft geschafft.

Und auch abseits des Spielfeldes

wurden und werden die Neuankömmlinge

eingebunden. Wie normale

Vereinsmitglieder „müssen sie

im Verein anpacken, das große Projekt

ist der Eastercup und da machen

sie mit“, sagt Riebold.

Aus einer Schnapsidee, die nicht

nur sprichwörtlich, sondern auch

tatsächlich dem einen oder anderen

alkoholischen Getränk entsprang, ist

mittlerweile ein international angesehenes

Turnier geworden. Kürzel

wie DZ oder MA könnten auch Kfz-

Kennzeichen deutscher Orte sein,

stehen aber, genau wie 37 andere

Buchstabenkombinationen, für die

bisherigen Teilnehmerländer.

Kein Zufall, sondern gut durchdacht.

Denn schon vor der ersten

Auflage im Jahr 2012 wurden Vereine

in Ländern wie Litauen, Lettland

oder Polen per Brief angeschrieben.

Die Jugendspieler aus Moabit waren

in den Jahren zuvor schließlich auch

bei internationalen Turnieren dabei,

wollten aber auch in ihrer Heimatstadt

ein solches Angebot für den

Nachwuchs schaffen. „Und plötzlich

standen da 57 Teams beim ersten

Turnier“, sagt Andy Riebold mit Blick

auf die Premiere.

Den eigentlichen Aufwand einer

solchen Veranstaltung bekamen er

und seine Mitstreiter erst in den Tagen

des Turniers mit. Es brauchte natürlich

ausreichend Helfer. Doch

auch da hatte Riebold eine bis heute

erfolgreich praktizierte Idee: Schon

die eigenen Nachwuchsspieler im

Alter von15bis 17 Jahren werden aktiv

in das Geschehen in den mittlerweile

bis zu zehn Sporthallen aktiv

eingebunden. „Von Kindernfür Kinder“,

nennt der Vereinsvorsitzende

das Motto.„Auch deshalb verstehen

wir uns als Projektverein.“ Bereits die

Minis werden an den Eastercup und

die damit verbundene gesellschaftliche

Bedeutung langsam herangeführt,

damit sie irgendwann hinter

den Kulissen eine tragende Rolle einnehmen,

damit sie dem Motto gerecht

werden.

Das hat sich ganz gut bewährt

und wirdbelohnt. Mitmehr als 2000

Menschen aus 167 Mannschaften in

diesem Jahr, mit der Auszeichnung

zum besten Fiba-U14-Turnier im

Jahr 2018. Der Basketball-Weltverband

Fiba unterstützt die Lions mittlerweile

bei der Veranstaltung, der

natürlich auch gewisse Grenzen gesetzt

sind. Allein geografisch,

schließlich soll das Turnier in Moabit

bleiben. Aber auch organisatorisch.

Denn: Mittlerweile ist der Eastercup

ein Jahresprojekt geworden, die eigentliche

Arbeit wird allerdings ehrenamtlich

verrichtet.

Ab September können sich interessierte

Vereine für das Turnier rund

um das Osterfest 2020 anmelden.

Platz für Spieler aus neuen Ländern,

für Helfer aus unterschiedlichen Kulturen

wirdesauchdann geben. Platz

für Rassismus hingegen nicht.

Bisher in der Serie porträtiert: ZehlendorferWespenam29.

Juli, Weddinger Wiesel am 22.Juli,

Berlin Flamingos am 12.August


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Sport

Werist

hier

der Boss?

Bei Tennis Borussia

herrscht weiter Chaos

Sportlich läuft es weiter gut beim

Oberligisten Tennis Borussia.

Nach dem 4:2-Auftakterfolg bei Aufsteiger

SV Tasmania siegte TeBe am

Wochenende deutlich zu Hause gegen

den FC Strausbergmit 5:0. Doch

der heftige Streit in der Führung zwischen

den neuen Vorständen und

dem abgesetzten Vorstandschef Jens

Redlich, auch Hauptsponsor des

Vereins, tobt weiter. Günter Brombosch,

der neue Chef und Franziska

Hoffmann, die Aufsichtsratsvorsitzende,

haben Redlich schriftlich

dazu aufgefordert, bei Spielen nur

noch im Zuschauer- oder Sponsorenbereich

aufzutauchen. Er darfdie

Mannschaftskabine und den Rasen

im Stadion nicht mehr betreten und

in der Öffentlichkeit nicht mehr behaupten,

weiter der Chef des Vereins

zu sein. Redlich geht juristisch gegen

seine Amtsenthebung vor. Am 11.

September kommt es im Amtsgericht

Berlin zur Verhandlung mit einer

Urteilsfindung, werder rechtmäßigeVorstand

bei Tennis Borussia ist.

Nach dem Spiel gegen den FC

Strausberg kam es zu teils chaotischen

Szenen in der Pressekonferenz,

wo sich der Gäste-Trainer

Christof Reimann vehement über

die Behandlung seiner Strausberger

Mannschaft beschwerte. Redlich

wurde nach diesem Spiel zudem von

einem Ordner abgeführt und des

Feldes verwiesen. (mj.)

Sieht sich immer noch als Boss von TeBe:

Jens Redlich

IMAGO IMAGES

Erster

Supercup-Sieg

seit Nowitzki

Deutschlands Basketballer

überzeugen vor der WM

Dennis Schröder versenkte seinen

neunten Dreierversuch, die

Schröder-Show begann in Hamburg

erneut –mit 33 Punkten und einer

persönlichen Bestleistung beim

92:84 (36:44) im Supercup gegen Polen

lieferte der 25-Jährige eine Gala.

Schröder strotzt vor dem Abflug zur

WM vorOptimismus,Bundestrainer

Henrik Rödl freut sich über die exzellente

Teamchemie, Experten sprechen

vom Medaillencoup. Mit dem

phasenweise spektakulär herausgespielten

ersten Supercup-Sieg seit

dem Ende der Ära Dirk Nowitzki haben

die deutschen Basketballer die

Hoffnungen auf ein erfolgreiches

Turnier in China befeuert. Am Mittwoch

geht das Abenteuer los, allerdings

wohl nicht für Moritz Wagner.

DerNBA-Profi aus Berlin gehörte gegen

Polen am Sonntag nicht mehr

dem Kader an, der vor der WM (31.

August bis 15. September) in Asien

weitereTestspiele absolvieren wird.

Gegen Tschechien (87:68) und

Ungarn (83:63) präsentierte sich der

mit viel NBA-Power ausgestattete

Kader als Einheit. Profis wie Daniel

Theis (Boston Celtics) oder Maximilian

Kleber (Dallas Mavericks) flankieren

Aufbauspieler Schröder. (sid)

Neu im Adlerhorst

Dank der Partnerschaft mit der Eintracht wollen Frankfurts Fußballfrauen zu einer großen Marke werden

VonFrank Hellmann, Frankfurt

Nein, esist wahrlich nicht

zu behaupten, dass irgendjemand

in der Gaststätte

im Stadion am

Brentanobad im Frankfurter Stadtteil

Rödelheim sich am späten Freitagabend

wirklich für das Eröffnungsspiel

der Männer-Bundesliga

interessierte. Nirgendwo lief ein

Fernseher vomFehlstartder Bayern-

Stars, denn die verbliebenen Gäste

wie Ralf Zwanziger,Sohn des ehemaligen

DFB-Präsidenten Theo Zwanziger

und Frauen-Abteilungsleiter

der TSG Hoffenheim, waren noch

ganz damit beschäftigt, die Eindrücke

der viel kleineren, aber dafür

auch familiäreren Auftaktveranstaltung

der Frauen-Bundesliga zu verarbeiten.

Allen voran Siegfried Dietrich,

Macher des 1. FFC Frankfurt, den der

3:2-Auftaktsieg gegen den einstigen

Erzrivalen Turbine Potsdam vor

2250 Zuschauernderartmit Adrenalin

vollgepumpt hatte, dass er herausposaunte:

„Diese Truppe kann

die Zukunft des deutschen Frauenfußballs

sein.“ Das war nach dem

spannenden Duell der Altmeister,

auch von Bundestrainerin Martina

Voss-Tecklenburg als ein „abwechslungsreiches,

interessantes und torreiches

Auftaktspiel“ belobigt, zwar

ein bisschen zu hoch gegriffen, aber

der Überschwang des 62-Jährigen ist

ja im Zusammenhang zu betrachten.

Die Eintracht steigt ein

Monatelang hatte Dietrich, der demnächst

beim DFB-Bundestag zum

Vorsitzenden eines neuen Ausschusses

Frauen-Bundesligen aufsteigt,

den Vorstand von Eintracht Frankfurt

überzeugt, dass der siebenfache

Meister 1. FFC Frankfurt, 1998 aus

der SG Praunheim hervorgegangen,

im Adlerhorst Unterschlupf findet.

Dass nun die Eintracht-Bosse Fredi

Bobic und Axel Hellmann in Frankfurt-Rödelheim

−und nicht in München-Fröttmaning

–aufschlugen, sei

nicht nur ein Zeichen, sagte Dietrich,

sondern „ein Bekenntnis“. Frauenfußball

unter einem gemeinsamen

Dach, „steht jedem Verein gesellschaftspolitisch

gut zu Gesicht“.

Für den Frankfurter Manager und

Investor ist der Schritt insofernalternativlos,

weil sich ohne einen starken

Männer-Lizenzverein an der

Seite das höchste Niveau nicht mehr

aus eigener Kraft stemmen lässt. Der

Auftaktsieg des erfrischenden Frankfurter

Ensembles mit womöglich

Die Spielerinnen des 1. FFC Frankfurtfeierneinen gelungenen Saisonstart.

Trost: Das Lob des gegnerischen Trainers gibt

Turbine Potsdam nach dem unglücklichen

Startindie Frauenfußball-BundesligaZuversicht.

„Das Spiel hätte auch 3:3 ausgehen

können. Beide Teams haben ein gutes Spiel

gezeigt, Potsdam hatte sogar etwas mehr

Spielanteile“, sagte NikoArnautis, Coach des

1. FFC Frankfurt, über den 3:2-Heimsieg.

TURBINE MIT ZUVERSICHT

IMAGO IMAGES

Trotz: Die Niederlageschmerzte aus Potsdamer

Sicht, weil sie aus individuellen Nachlässigkeiten

resultierte. Turbine darf die Niederlageals

Teil des Lernprozesses werten, den

das junge, neu formierte Team durchmacht.

Am Sonntag (14 Uhr) empfängtder Vorjahresdritte

im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion

den USV FF Jena zum ersten Heimspiel.

Ein wahr gewordener Traum

auch bald für die Nationalmannschaft

interessanten Talenten wie

Tanja Pawollek, Sophia Kleinherne,

Laura Freigang oder Shekiera Martinezsei

die „erste Mitgift in der Verlobungssaison“

gewesen. Nächsten

Sommer soll es dann zur „Traumhochzeit“

kommen. Sein Ziel:

„Frankfurt zum größten Frauenfußball-Standort

in Deutschland, vielleicht

in Europa zu machen.“

Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter

beim Doublegewinner VfL Wolfsburg,

geht davon aus, dass aus dem

Zweikampf um die deutsche Meisterschaft

zwischen Wolfsburg und

Bayern München in den nächsten

Jahren ein Dreikampf wird. In dieser

Saison aber dürfte an der Vormachtstellung

vom „Duo Infernale“ nicht

zu rütteln sein. „Wenn diese beiden

Teams am Ende nicht Erster und

Zweiter werden, dann ist da in den

Vereinen etwas schiefgelaufen“, sagt

Kellermann. Der FC Bayern siegte

prompt am Sonnabend beim Pokalfinalisten

SC Freiburg(3:1) dank seiner

von der SGS Essen abgeworbenen

Doppeltorschützin Linda Dallmann.

Ausschnitte der Partie vor einer

Kulisse von 2212 Besuchern im

Möslestadion liefen am Sonnabendabend

in der ARD-Sportschau. Einen

Sendeplatz in der Männerdomäne

ergattertzuhaben, ist für die Frauen-

Bundesliga ebenso ein Fortschritt

wie ein festes Live-Spiel am Freitagabend

bei Eurosport.

Mehr Präsenz im TV

Da trifft es sich gut, dass der Premierensieger

1. FFC Frankfurt nun

gleich beim Meisterschaftszweiten

Bayern (Freitag 19.15 Uhr) vorstellig

wird und sich auf dem Münchner

Campus einiges vorgenommen hat.

„Wir haben einfach Bock auf diese

Saison und können gegen jeden

Gegner was holen. Außerdem spiele

ich Freitagabend unter Flutlicht am

liebsten“, sagte Laura Freigang. Der

neue TV-Partner Eurosport, der sich

gerade von der offenbar nicht refinanzierbaren

Männer-Bundesliga

getrennt hat, wird esgerne hören:

Vielleicht schalten bei solchen Ansagen

dann noch mehr als jene 136 000

Zuschauer ein, die den Startschuss

der Frauen-Bundesliga erlebten. Das

ist zwar ein Bruchteil zu jenen fast

acht Millionen gewesen, die beim

ZDF beim Eröffnungsspiel des FC

Bayern gegen Hertha BSC (2:2) zusahen,

aber immerhin mehr als bei der

Zusammenfassung der beiden Männer-Zweitligaspiele

am späten Freitagabend

bei Sport1 (119 000).

Mit seinem 33. Homerun in der laufenden Saison stellt der Berliner Max Kepler einen Europarekord in der MLB auf

Max Kepler verzichtete auf große

Sprüche.„Ichfühle mich super

geehrt“, sagte der 26-jährige Berliner,

der einst mit 16 Jahren in die

USA gegangen war, uminder Major

League Baseball bei den Minnesota

Twins sein sportliches Glück zu suchen.

Er hat es gefunden, so viel

steht fest. Mit seinem 33. Homerun

in der laufenden Saison stellte Kepler

einen „Europarekord“ auf und übertraf

den in Schottland geborenen

Bobby Thomson, der 1951 32 Bälle

aus dem Stadion gedroschen hatte.

Vor ein paar Jahren, gab Kepler

zu, „hätte ich nicht mal zu träumen

gewagt, dass ich dieses Level jemals

erreichen kann. Aber was hier gerade

passiert, ist tatsächlich ein wahr gewordener

Traum.“ Nach dem 4:3-

Auswärtssieg der Twins bei den Texas

Rangers lag Kepler mit seinen 33 Homeruns

auf Platz sieben der ligaweiten

Rangliste,die Mike Trout vonden

Los Angeles Angels mit 41 anführte.

Keplers Mutter Kathy stammt aus

Texas, sein Vater Marek Rozicky ist

polnischer Abstammung, beide waren

Balletttänzer an der Deutschen

Oper. Max ließ früh eine Affinität

Max Kepler hat besonderes Talent, den Ball aus dem Stadion zu dreschen.

zum Baseball erkennen. In der Little

League der John-F.-Kennedy-Schule

zeigte er mit sechs Jahren sein Potenzial,

später wechselte er auf das Internat

der Regensburger Legionäre,

für die er auch in der Ersten Bundesliga

spielte.

2009 lagen Max Kepler 16 Angebote

aus der MLB vor, er entschied

DPA/LAVINSKY

sich für die Twins, denen die Unterschrift

des damals 16-Jährigen

800 000 Dollar wert war. ImFebruar

2019 unterschrieb Kepler einen mit

35 Millionen Dollar dotierten Fünf-

Jahres-Vertrag.

Die Entwicklung von Kepler ist

enorm und weckt Vorfreude auf die

kommenden fünf Jahre. Im Vorjahr

hatte er in 156 Spielen 20 Homeruns

geschlagen, jetzt waren es nach 123

Spielen bereits 13 mehr. „Er ist ein

Typ, der ein außerordentliches Talent

hat. Und erhat einen wirklich

guten Kopf auf seinen Schultern“,

lobte Trainer Rocco Baldelli seinen

Schlagmann.

DerGelobte hofft auf einen Schub

in Europa und vor allem in seiner

deutschen Heimat. „Je mehr Spieler

aus Europa in der MLB auf diesem

Level Erfolg haben, desto mehr Aufmerksamkeit

bedeutet das“, sagte er.

Im Winter wird Kepler ein Baseball-

Camp für Jugendliche leiten: „Da

fängt es an.Wirmüssen das Interesse

bei den Kindernwecken.“

Seine Karriere plant Kepler in aller

Ruhe.„Icherwarte nie so viel von

mir, ich nehme es, wie es kommt“,

sagte er:„Ich arbeite hart, ich versuche

viel und manchmal auch zu

viel.“ Vordem Spiel gegen die Rangers

hätten ihn einige Teamkollegen

an sein Credo erinnert: „Inden Spielen

vorher war ich mir nämlich selbst

voraus, das hat nicht so gut geklappt.“

Jetzt hat er sich wieder eingeholt.

(sid)

ZAHLEN

Fussball

Zweite Liga, 3. Spieltag

Hamburger SV -VfL Bochum 1:0 (0:0)

SV Sandhausen -1.FCNürnberg 3:2 (2:1)

VfB Stuttgart-FCSt. Pauli 2:1 (0:1)

Arminia Bielefeld -ErzgebirgeAue 3:1 (1:0)

SV Wehen Wiesbaden -Hannover96 0:3 (0:1)

Holstein Kiel -Karlsruher SC 2:1 (1:1)

Dynamo Dresden -1.FCHeidenheim 2:1 (0:0)

SpVgg Fürth -Jahn Regensburg 1:0 (0:0)

VfL Osnabrück -Darmstadt 98 Mo., 20.30

1. Hamburger SV 3 6:1 7

2. VfB Stuttgart 3 6:4 7

3. Karlsruher SC 3 7:5 6

4. ErzgebirgeAue 3 6:5 6

5. SpVgg Fürth 3 4:3 6

6. Arminia Bielefeld 3 7:5 5

7. Hannover96 3 5:3 4

8. Darmstadt 98 2 3:1 4

9. 1. FC Heidenheim 3 6:5 4

10. Jahn Regensburg 3 4:3 4

11. SV Sandhausen 3 4:4 4

12. Holstein Kiel 3 3:4 4

13. VfL Osnabrück 2 2:3 3

14. Dynamo Dresden 3 4:6 3

15. 1. FC Nürnberg 3 3:7 3

16. VfL Bochum 3 4:7 1

17. FC St. Pauli 3 3:6 1

18. SV Wehen Wiesbaden 3 3:8 0

Dritte Liga, 5. Spieltag

Chemnitzer FC -1.FCMagdeburg 0:0

1860 München -SVMeppen 0:0

Viktoria Köln -SpVgg Unterhaching 0:2 (0:0)

Hansa Rostock -SGGroßaspach 0:1 (0:0)

KFC Uerdingen -FCIngolstadt 0:3 (0:1)

Würzburger Kickers -Preußen Münster 3:2 (2:1)

MSV Duisburg -FSV Zwickau 3:1 (0:0)

1. FC Kaiserslautern-Braunschweig 0:3 (0:0)

CarlZeiss Jena -Waldhof Mannheim 1:2 (1:1)

Hallescher FC -BayernMünchen II Mo., 19.00

1. FC Ingolstadt 5 11: 3 13

2. MSV Duisburg 5 14: 5 12

3. Eintracht Braunschweig 5 11: 6 12

4. SpVgg Unterhaching 5 11: 7 11

5. Waldhof Mannheim 5 8: 3 9

6. Hallescher FC 4 6: 2 9

7. Viktoria Köln 5 11:11 7

8. Preußen Münster 5 8: 8 7

9. SG Sonnenhof Großaspach 5 8: 9 7

10. FSV Zwickau 5 5: 6 7

11. 1. FC Magdeburg 5 6: 6 6

12. Würzburger Kickers 5 10:14 6

13. 1. FC Kaiserslautern 5 6: 8 5

14. 1860 München 5 5: 7 5

14. SV Meppen 5 5: 7 5

16. KFC Uerdingen 5 6: 9 5

17. Hansa Rostock 5 5: 7 4

18. Bayern München II 4 6:11 3

19. Chemnitzer FC 5 6:11 2

20. CarlZeiss Jena 5 2:10 0

Regionalliga, Nordost, 4. Spieltag

SV Babelsberg 03 -FCViktoria 1889 Berlin 0:0

Rot-Weiß Erfurt-VfB Auerbach 2:1 (1:0)

VSG Altglienicke-ZFC Meuselwitz 2:0 (0:0)

SV Lichtenberg -Berliner AK 07 1:0 (1:0)

Germania Halberstadt -BFC Dynamo 1:1 (1:1)

1. FC Lok Leipzig -Energie Cottbus 3:2 (0:1)

Hertha BSC II -Optik Rathenow 6:0 (4:0)

Union Fürstenwalde -Nordhausen 1:2 (0:1)

Bischofswerdaer FV -BSG Chemie Leipzig 0:0

1. 1. FC Lok Leipzig 4 9: 5 10

2. BFC Dynamo 4 6: 2 10

3. Hertha BSC II 4 17: 5 9

4. Berliner AK 07 4 8: 4 9

5. Wacker Nordhausen 3 10: 1 7

6. VSG Altglienicke 4 8: 5 7

7. Energie Cottbus 4 12:12 6

8. SV Lichtenberg 3 2: 2 6

9. Germania Halberstadt 4 7: 6 5

10. ZFC Meuselwitz 4 5: 5 5

11. FC Viktoria 1889 Berlin 4 2: 2 5

12. BSG Chemie Leipzig 4 1: 1 4

13. Rot-Weiß Erfurt 4 7:10 4

14. SV Babelsberg 03 3 2: 4 2

15. FSV Union Fürstenwalde 4 2: 6 1

16. Optik Rathenow 3 2:10 1

17. Bischofswerdaer FV 4 2:13 1

18. VfB Auerbach 4 3:12 0

DFB-Pokal-Auslosung,2.Runde

Bundesliga-Bundesliga

BayerLeverkusen -SCPaderborn

SC Freiburg -Union Berlin

Borussia Dortmund -Borussia Mönchengladbach

VfL Wolfsburg -RBLeipzig

Bundesliga-2.Bundesliga

Fortuna Düsseldorf -ErzgebirgeAue

VfL Bochum -BayernMünchen

Arminia Bielefeld -Schalke04

Hertha BSC -Dynamo Dresden

Werder Bremen -1.FCHeidenheim

FC St. Pauli -Eintracht Frankfurt

Bundesliga-3.Liga

MSV Duisburg -TSG Hoffenheim

Bundesliga-Regionalliga

1. FC Saarbrücken -1.FCKöln

2. Bundesliga-2.Bundesliga

Darmstadt 98 -Karlsruher SC

Hamburger SV -VfB Stuttgart

2. Bundesliga-3.Liga

1. FC Kaiserslautern-1.FCNürnberg

2. Bundesliga-Regionalliga-

SC Verl -Holstein Kiel

Die Spiele der 2. Hauptrunde werden am 29. und

30. Oktober 2019 ausgetragen.


18 * Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Klosterhalfen bricht

nächsten deutschen Rekord

LEICHTATHLETIK. KonstanzeKlosterhalfen

hat den 34 Jahrealten Meilen-Rekordgebrochen.

Die22-Jährige

vonBayer Leverkusen gewann

das Rennen über die 1609 Meter

beim Diamond-League-Meeting am

Sonntag in Birmingham in 4:21,11

Minuten. Sieblieb damit 48 Hundertstelsekunden

unter der bisherigen

nationalen Bestmarke vonUlrike

Bruns: DiePotsdamerin lief auf

der nichtolympischen Distanz am

21. August 1985 in Zürich 4:21,59 Minuten.

Für Klosterhalfen war es nach

dem Rekordüber 3000 und 5000

Meter die dritte deutsche Bestmarke

innerhalb zweier Monaten.

Augsburg vor Verpflichtung

von Lichtsteiner

FUSSBALL. Bundesligist FC Augsburgsteht

voreiner Verpflichtung

des Schweizers Stephan Lichtsteiner,

35. Dies berichtet der kicker.Lichtsteiner

ist seit Juli vereinslos und ablösefrei

zu haben. Zuletzt spielte der

Rechtsverteidiger,der 105 Länderspiele

für die Schweiz absolvierte,in

der Premier League beim FC Arsenal.

Füchse zitternsich in

die nächste Pokalrunde

HANDBALL. Mitviel Mühe hat Bundesligist

Füchse Berlin einen Fehlstartindie

Saison verhindert. In der

ersten Runde des DHB-Pokals mussten

die Berliner am Sonntag beim

23:21 (12:12)-Erfolg gegen Zweitligist

TuSN-Lübbecke bis zum Ende zittern.

Mann des Spiels war Hans

Lindberg. 14 Sekunden vorEnde verwandelte

der mit zehn Treffernbeste

Schützeder Berliner einen Siebenmeter

zum Endstand.

Eisbären werden Letzter

beim Dolomitencup

EISHOCKEY. DieEisbären Berlin haben

beim Dolomitencup in Südtirol

den letzten Platz belegt. Am Sonntag

gab es im Spiel um Rang drei gegen

Valerenga Oslo ein 1:2 (0:0, 0:1, 1:0)

nach Penaltyschießen. DasTor der

Berliner erzielte Louis-MarcAubry.

Nach Niederlagen gegen die LausitzerFüchse

und den SC Bern verloren

die Eisbären damit ihr drittes Vorbereitungsspiel

für die neue Saison.

Toba und Berliner Rida

für Turn-WM nominiert

TURNEN. Dasdeutsche Team für die

Heim-WM in Stuttgartnimmt Gestalt

an. 47 Tage vordem Saison-Höhepunkt

in der Schleyer-Halle (4. bis

13. Oktober) sind zwei vonfünf Startplätzen

an den deutschen Mehrkampfmeister

Andreas Toba (Hannover)

und den jungen KarimRida

(Berlin) vergeben.

Berliner fordernAbspaltung

der Amateure vom DFB

FUSSBALL. Nach der Vorstellung des

designierten DFB-Präsidenten Fritz

Keller fordernVertreter des Berliner

Amateurfußballs eine Abspaltung

der Basis vomDeutschen Fußball-

Bund. „Das Verfahren zu seiner Nominierung

bleibt empörend“,

schreiben die Vereinsvorsitzenden

Gerd Thomas (FC Internationale)

und BerndFiedler (SFC Stern1900)

in einem Beitrag für den Tagesspiegel.

„Die Amateurewerden sich unweigerlich

alleine organisieren müssen,

wollen sie ernsthaft Gewicht erlangen.“

Thomas und Fiedler kritisieren,

die Findungskommission

habe zu eigenmächtig gehandelt

und die Amateurvereine nicht berücksichtigt,

zudem wurde die Düsseldorferin

UteGroth, die sich selbst

als mögliche Kandidatin für das Präsidentenamt

ins Spiel gebracht

hatte,ignoriert.

Zwillinge im August

Das 0:0 zwischen Gladbach und Schalke offenbart nicht Tristesse, sondern ist ein Beleg für die Erneuerung beider Vereine

VonDaniel Theweleit, Mönchengladbach

Mehr noch als in vielen anderen

Klubs achten die Verantwortlichen

von Borussia Mönchengladbach

auf die Stimmungen und Strömungen

im heimischen Stadion.

Das Publikum hat hier den Ruf, kritisch

zu sein, selbst in erfolgreichen

Jahren wurde in manchen Blöcken

schnell geschimpft. So ein 0:0 gegen

den FC Schalke 04 wie am Sonnabendabend

kann da eine heikle Angelegenheit

werden. Denn natürlich

hatten die Leute einen Sieg ihrer Borussia

gegen den Rivalen aus Gelsenkirchen

erwartet, bei dem es auch in

diesem Sommer kontrovers zugegangen

war. Insofern war es dem

neuen Gladbacher Trainer Marco

Rose eine Bemerkung wert, dass das

„Stimmungsbild bei den Fans in keiner

Form negativ war“. Euphorisch

gefeiert hat zwar auch niemand

nach diesem torlosen Start ins Bundesligajahr,

aber der Fußball, den

der neue Trainer spielen lassen

möchte, wurde mit Wohlwollen betrachtet.

Das Publikum habe „den

Jungs Respekt gezollt vor dem, was

wir heute geleistet haben“, erklärte

Rose, und dieser Respekt hatte viel

mit den Schalkernzutun.

Veilchenblau wie die Hoffnung

Beim 2:2 gegen den FC Bayern zeigt Hertha BSC vielversprechende Ansätze des neuen Stils von Trainer Covic

VonMaik Rosner,München

Auch am Wochenende sah

Marko Grujic noch so aus,

als habe sich die Marketingabteilung

von Hertha

BSC mit ihm einen Werbegag erlaubt.

Zugeschwollen war sein linkes

Auge, unterhalb seiner Braue verlief

zudem ein Cut, der jedoch nur bedingt

auffiel, weil sein Bluterguss in

markanten Blautönen deutlich imposanter

wirkte. Und da Grujic mit

seinem Veilchen fröhlich in eine Kameralächelte,hätte

er glatt als neues

Testimonial der Berliner Boxabteilung

durchgehen können.

Tatsächlich aber stand der Serbe

für die neue Angriffslust der Fußballer

des Nachfolgers von Trainer Pal

Dardai: Ante Covic hat bei der Hertha

einen offensiveren Stil in Auftrag

gegeben. Die ein oder andere

Schramme ist dabei einkalkuliert.

Und wenngleich die erste schon

nach dem Liga-Auftakt beim FC Bayern

in Grujics Gesicht beeindruckend

ausgefallen war, konnten sich

die Berliner in ihrer neuen Herangehensweise

fürs Erste durchaus bestätigt

fühlen. „Ich bin stolz“, sagte

Kapitän Vedad Ibisevic, 35, nach

dem 2:2 (1:2) beim Meister in München,

„mit dem Punkt kann man auf

jeden Fall sehr gut leben. Aber ich

hätte gerne gewonnen.“

Das wäre angesichts der Dominanz

der Bayern zwar zu viel des Guten

aus Berliner Sicht gewesen. Aber

zumindest ließen sich am Freitagabend

schon einige vielversprechende

Ansätze bestaunen, die mit

Glück bereits in München zum vollen

Ertrag hätten führen können.

Das Schwergewicht der Liga hatte

nach Robert Lewandowskis 1:0 (24.)

Mühe mit der forschen Hertha gehabt,

die zunächst durch Dodi Lukebakio

ausglich (36.) und kurz darauf

durch Grujic gar in Führung ging

(39.). Erst durch Lewandowskis Foulelfmeter

(60.) verhinderten die Bayern

ihren ersten schweren Niederschlag

der gerade eröffneten Saison.

Für die Berliner war es dagegen

eher ein gefühlter Sieg nach Punkten,

den auch der versehrte Grujic als

Bestärkung wertete. Abgesehen von

seinem Nahkampf mit Lewandowski,

bei dem er fernab des Spielgeschehens

den Stürmer umgerissen

und jenen Strafstoß nach einem Videobeweis

verursacht hatte,der zum

Endstand führte.„So billig das Torzu

Gezeichnet, aber ziemlich zufrieden: Marko Grujic

Auslosung: Die Berliner Bundesligisten haben

unterschiedlich schwere Aufgaben für

die zweite Runde im DFB-Pokal bekommen.

Hertha BSC empfängt laut der Auslosung am

Sonntag Zweitligist Dynamo Dresden, der 1.

FC Union muss zum Ligarivalen SC Freiburg.

Dieses 0:0 sei von„extrem viel Intensität

und Leidenschaft“ beider

Teams geprägt gewesen, sagte David

Wagner,der Trainer des Revierklubs,

und das würdigten die Zuschauer.

Allerdings litt das Spiel unter einem

Mangel an Ideenreichtum, an Kreativität

und individueller Kunstfertigkeit.

Es war ein Duell, das gut in die

englische Premier League gepasst

hätte, jedenfalls, wenn man davon

ausgeht, dass die Klischees zutreffen.

In England, heißt es,werde derartintensiv

gespielt, dass den Spielern

ZWEITE RUNDE IM DFB-POKAL

BONGARTS/KASPAR-BARKE

Aussicht: Die Runde der besten 32 Mannschaften

steigt am 29./30. Oktober.Herthas

Manger Michael Preetz sagte: „Wir freuen uns

sehr,dass wir ein Heimspiel gezogen haben

und wollen gegenDynamo Dresden unbedingt

in die nächste Runde einziehen.“

Bastian Oczipka (l.) und Ibrahima Traoré stehen für ein intensives Spiel. GETTY/BONGARTS/HITIJ

aufgrund ihrer permanenten Nähe

zur Erschöpfung oftmals die Ruhe

und die Klarheit in den Aktionen vor

den gegnerischen Toren fehlt. In

Mönchengladbach stellte Matthias

Ginter nun fest: „Wir haben gerade

gegen den Ball schon gezeigt, dass

wir das relativ gut umsetzen konnten.

DieKunst ist aber,das Hektische

gegen den Ball zu haben und dann

mit Ball trotzdem ruhig bleiben.“

Die Entwicklung dieser Fähigkeit

ist ein Arbeitsschwerpunkt beider

Teams.Beide wollen den Fußball ih-

kriegen, ist doppelt so ärgerlich“,

sagte Covic.Was diese Szene anging,

gab sich Grujic, 23, selbstkritisch. Lewandowski

habe „meine Unerfahrenheit

in dieser Situation ausgenutzt“,

befand der Leihspieler des FC

Liverpool. Doch übergeordnet sah er

viel Anlass zur Zuversicht, zumindest

durch sein rechtes Auge. „Wir

lernen im Training, dass wir immer

drei Punkte wollen“, berichtete der

Mittelfeldspieler,„wir wollen keinen

defensiven Fußball spielen, aber das

ist nicht leicht gegen Mannschaften

wie Bayern oder Dortmund.“ Doch

am Sonntag, gegen das Halbschwergewicht

VfL Wolfsburg, „werden wir

das Spiel diktieren“, versprach Grujic,

„dann können wir mit unserem

neuen Stil anfangen, denke ich.“

Blau ist gerade Herthas Hoffnung,

wenn man so will.

Phasenweise hatten die Berliner

ihren neuen Stil schon in München

vorgeführt. Mutig liefen sie die Bayern

an, eroberten Bälle. Zudem

spielte Covics Mannschaft aus der eigenen

Abwehr forsch nach vorn, vor

allem in der ersten Halbzeit. Zunächst

wirkte das unausgewogen, da

sich in der Defensiveauf den Flügeln

Lücken auftaten. Doch nachdem

Covic vom 3-5-2 auf ein 4-3-3-System

umgestellt und Grujic von der

Doppelsechs auf die Acht vorgezogen

hatte, lieferte die Hertha einen

offenen Schlagabtausch. Begünstigt

durch Lukebakios Lucky Punch, als

der ehemalige Düsseldorfer nach

seinen drei ToreninMünchen für die

Fortuna beim 3:3 im November diesmal

aus der Distanz abzog und der

Ball von Ibisevics Rücken unhaltbar

für Torwart Manuel Neuer zum 1:1

abgefälscht wurde.

Herthas zweites Tordurfte dagegen

uneingeschränkt als Ausdruck

der neuen Herangehensweise betrachtet

werden, die in der Mannschaft

gut ankommt. Grujic stürzte

sich in der Offensive furchtlos in jenes

Kopfballduell, aus dem er sein

blaues Auge davontrug. Und während

Bayerns Innenverteidiger Benjamin

Pavard benommen zurückblieb,

stürmte Grujic weiter, nahm

Ibisevics Zuspiel auf und schob ein,

nachdem er Neuer umkurvt hatte.

Erst beim Jubel sackte Grujic „ein

bisschen verwirrt“ zusammen, wie

er sagte. Am Wochenende konnte

Grujic darüber schon wieder lächeln,

und zwar angriffslustig mit

Veilchen.

rerMannschaften physischer,intensiver,

emotionaler machen, beide

wollen, dass ihre Spieler gewaltige

Energien in den Versuch investieren,

nicht nur Räume zu verteidigen,

sondern aktiv den Ball zu erobern.

„Aber wenn du bei der Balleroberung

viel investierst, fehlt nach der

Balleroberung manchmal die Ruhe“,

sagte Mönchengladbachs Sportdirektor

Max Eberl, während Wagner

die „Bereitschaft“ und die „Leidenschaft“

seines Teams lobte,aber monierte:„Nach

vornewar das nicht der

Weisheit letzter Schluss.“

Die Verantwortlichen beider

Klubs sind zu der Erkenntnis gelangt,

dass ihr Publikum lieber einen

Fußball voller Hingabe und Wucht

sehen will als ein filigranes Strategiespiel,

und genau so sah dieser erste

Auftritt aus. Der kompliziertere

Schritt, die Entwicklung hin zu einem

versierten Tempospiel mit Ball,

fehlt beiden noch. In den kommenden

Monaten gehe es darum, „aus

guten Balleroberungen Kreativität

zeigen“, sagte Wagner, den gleichen

Satz hätte Rose formulieren können.

Undweil diese Kreativität noch nicht

vorhanden ist, passte das 0:0 zum

Spiel zwischen zwei Mannschaften,

die wirken wie ein Zwillingspaar.

Leihen

macht

glücklich

Der FC Bayern feiert

Coutinho als Königstransfer

Philippe Coutinho stellte sich im

roten T-Shirt lächelnd für Fotos

zur Verfügung: Die neue Attraktion

der Fußball-Bundesliga war bester

Laune, als er am Sonntagvormittag

nach zweistündigem Flug aus Barcelona

im Privatjet in München landete.Vom

Flughafen ging es für den

27 Jahre alten Brasilianer direkt weiter

zum Medizincheck und zur Vertragsunterschrift

–begleitet vongroßen

Hoffnungen.

Coutinho soll künftig die Liga verzaubern

und dem deutschen Rekordmeister

helfen, den Traum vom

Champions-League-Sieg zu verwirklichen.

Die spektakuläre Verpflichtung

des Starspielers vom FCBarcelona

hat in München für große Emotionen

gesorgt. „Wir bieten unseren

Fans was Spektakuläres“, schwärmte

Sportdirektor Hasan Salihamidzic

nach dem mageren 2:2 (1:2) der Bayerngegen

Hertha BSC –und der Stolz

über den viel

beachteten

Transfercoup

war ihm anzusehen.

Über diesen

„Topspieler“

könne sich „ganz

Deutschland

freuen“, sagte

Trainer Niko Kovac:

„Er ist ein

Weltstar.“

IMAGO IMAGES

Soll die Bayernbeflügeln:

Coutinho.

Über den Münchner Königstransfer,

der als Ersatz für Wunschspieler

Leroy Sané nach München

kommt, geriet am Wochenende sogar

die Konkurrenz ins Staunen.

„Philippe Coutinho ist ein geiler

Spieler.Erist eine absolute Bereicherung,

ich bin ein absoluter Fan von

ihm“, sagte Nationalspieler Julian

Brandt von Herausforderer Borussia

Dortmund anerkennend.

Dass Coutinho, für den Barça im

Januar 2018 insgesamt 145 Millionen

Euro (plus Zuschläge von 15Millionen)

an den FC Liverpool gezahlt

hat, zu den Bayern kommt, darf als

Zeichen an die europäische Konkurrenz

gewertet werden. Vorbehaltlich

des Medizinchecks wird Coutinho

für ein Jahr ausgeliehen. Die Bayern

zahlen dafür laut Bildzeitung 8,5 Millionen.

Die Kaufoption soll bei 120

Millionen liegen. Es wäreder mit Abstand

teuerste Transfer der Liga.

Dass der brasilianische Nationalspieler,der

die Seleção zum Triumph

bei der Copa America geführt hatte,

sein Geld wert ist, zeigte er in Liverpool.

Unter Jürgen Klopp wurde er

bei den Reds als „kleiner Magier“ gefeiert.

In Barcelona konnte Coutinho

an der Seite von Lionel Messi aber

nicht überzeugen, weshalb ein

Wechsel möglich wurde.

Cuisance kommt aus Gladbach

Auch die Mannschaft begrüßt den

Millionen-Transfer,der die Nummer

zehn erhalten soll. „Erist ein überragender

Fußballer, der uns sicher

gleich weiterhelfen wird“, äußerte

Niklas Süle.Ersei, so Manuel Neuer,

„die Art Verstärkung, die wir gebraucht

haben“. Coutinho werde

„das Offensivpotenzial, das wir

schon haben, mit seiner technischen

Qualität aufwerten“, so Vorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge.

Doch damit nicht genug der Neuigkeiten

vonder Säbener Straße.Der

FC Bayern verpflichtete auch Michael

Cuisance, 20, von Borussia

Mönchengladbach. Der Franzose

besitze, so Salihamidzic, „sehr großes

Potenzial“. Die Ablösesumme

für den Mittelfeldspieler soll sich um

die zehn Millionen Euro bewegen.

Nach der Knieverletzung bei Sané

hatten die Münchner am Dienstag

den Kroaten Ivan Perisic von Inter

Mailand für fünf Millionen Euro ausgeliehen.

Im Frühjahr waren Lucas

Hernández (Atlético Madrid/80 Millionen),

Benjamin Pavard (Stuttgart/35)

und Jann-Fiete Arp (Hamburg/3)

verpflichtet worden. (sid)


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 19 *

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Sport

SC Paderborn

BUNDESLIGA

Borussia Dortmund

Streli Mamba ist ein Torjäger.

Das hat der Paderborner

Angreifer schon bei

Energie Cottbus bewiesen.

Also konnte der 25-Jährige

nicht widerstehen, als der

Ball plötzlich am Fünfmeterraum

von Bayer

Leverkusen vorseinen

Füßen landete.

Er jagte die

Kugel ins Netz. Es

war der Ausgleich

zum 2:2, am Ende

stand es jedoch 3:2

für Bayer. Wäre

vielleicht anders

gekommen, wenn

Mamba seinen

Jagdimpuls gezügelt hätte.

Zuvor hatte Leverkusens

Wendell den Ball mit beiden

Händen auf der Torlinie abgewehrt,

klarer Elfmeter,

klare Rote Karte, eigentlich.

Dank Mambas Tor gab es

aber nur Gelb, Leverkusen

blieb eine 65-minütige Unterzahl

erspart.

Doch so denkt man nicht

beim Aufsteiger SC Paderborn,

dem Trainer Steffen

Baumgart Angriff und nochmals

Angriff auf die Fahnen

geschrieben hat. Und so

Zufrieden bis

aufs Ergebnis

Impulsiv: Streli

Mamba GETTY IMAGES

denkt auch nicht Streli

Mamba, der endlich ganz

oben angekommen ist, nachdem

er mit 20 Jahren noch

beim TSV Grunbach in der

Oberliga kickte und in zehn

Jahren zwölf Vereine beehrte.

Erst in Cottbus

hatte sich der gebürtige

Göppinger

mit kongolesischen

Vorfahren endlich

heimisch gefühlt,

konnte den Abstieg

aus der Dritten Liga

aber auch mit seinen

elf Toren nicht

verhindern.

In Paderborn

soll die Sache nun anders

ausgehen, selbst wenn dem

Klub kaum jemand den Klassenerhalt

zutraut. „Vor dem

ersten Spieltag zu sagen, wer

Absteiger Nummer eins ist, ist

Schwachsinn“, findet

Mamba, „wir sind für jeden

Gegner eklig.“ Daszeigte sich

in Leverkusen. „Wenn man

das Ergebnis weglässt, kann

man zufrieden sein“, erklärte

Baumgart. Und wenn man

den Tabellenstand weglässt,

gibt es ohnehin keinen Grund

zur Sorge. (mali.)

Verein Sp S U N Tore Punkte

1 Bor.Dortmund 1 1 0 0 5: 1 3

2 RB Leipzig 1 1 0 0 4: 0 3

3 SC Freiburg 1 1 0 0 3: 0 3

4 Düsseldorf 1 1 0 0 3: 1 3

5 Leverkusen 1 1 0 0 3: 2 3

6 VfL Wolfsburg 1 1 0 0 2: 1 3

7 Eintr.Frankfurt 1 1 0 0 1: 0 3

8 Hertha BSC 1 0 1 0 2: 2 1

8 München 1 0 1 0 2: 2 1

10 FC Schalke04 1 0 1 0 0: 0 1

10 M'gladbach 1 0 1 0 0: 0 1

12 SC Paderborn 1 0 0 1 2: 3 0

13 1. FC Köln 1 0 0 1 1: 2 0

14 Hoffenheim 1 0 0 1 0: 1 0

15 SV Werder Bremen 1 0 0 1 1: 3 0

16 Mainz 05 1 0 0 1 0: 3 0

17 FC Augsburg 1 0 0 1 1: 5 0

18 Union Berlin 1 0 0 1 0: 4 0

2. Spieltag,23.8. bis 25.8.:

1. FC Köln -Dortmund Fr., 20.30

Hoffenheim -Werder Bremen Sa., 15.30

Düsseldorf -Leverkusen Sa., 15.30

Mainz -Mönchengladbach Sa., 15.30

FC Augsburg -1.FCUnion Sa., 15.30

SC Paderborn-SCFreiburg Sa., 15.30

FC Schalke04-BayernMünchen 18.30

Leipzig -Eintracht FrankfurtSo., 15.30

Hertha BSC -VfL Wolfsburg So., 18.00

Torjäger

2Tore: Alcácer (Dortmund), Lewandowski

(Bayern München)

1Tor:u.a.Maximilian Arnold (Wolfsburg),

Ayhan (Düsseldorf), Bailey(Leverkusen),

Brandt (Borussia Dortmund),

Eggestein (Bremen), Grujic (Hertha), Havertz(Leverkusen),

Lukebakio (Hertha)

Eine große Geschichte

zum kleinen Preis

Was kosten eigentlich elf

Minuten? Ein Fußballfan

mit Hang zu großer Literatur

und kleinen Preisen

antwortet nach einem Blick

ins Internet: 2,94 Euro. Ein

Schnäppchen für die gebrauchte

Ausgabe von Paul

Coelhos Roman ElfMinuten.

Einen Bundesligaaufsteiger

wie den 1. FC Union Berlin

kosten elf Minuten im DFB-

Pokal beim Viertligisten Germania

Halberstadt und die in

dieser Zeit erzielten vier Tore

ein müdes Lächeln. Elf Minuten

kosten zwei Spieler

nacheinander die Karriere

im Nationalteam; die fünf

Minuten zugrunde gelegt,

die Bundestrainer Joachim

Löw benötigte, um Mats

Hummels über dessen Ausin

der Auswahl zu informieren.

Mats Hummels selbst hat

es in elf Minuten geschafft,

sich bei seinem Comeback

als Verteidiger von Boussia

Dortmund unbeliebt zu machen.

Unddas kam so: In der

78. Minute gegen Augsburg,

der gastgebende BVB führte

4:1, wechselte Dortmunds

Trainer Lucien FavreKapitän

Marco Reus für Mario Götze

aus. Götze sollte die Kapitänsbinde

Axel Witsel über-

Darauf einen hinter die Binde?

Mats Hummels als Kapitän. AFP

reichen, der die Binde aber

nicht wollte und an Mats

Hummels verwies, der seinerseits

die Binde umband.

Daswäreinder vergangenen

Saison noch undenkbar

gewesen. Allein schon, weil

Hummels da noch für Bayern

München spielte. Deshalb

ist das für manchen Fan

immer noch undenkbar.

Zum Glück besiegte die Borussia

den FC Augsburg 5:1,

weil ja ein Spiel nicht elf, sondern

imIdealfall 90 Minuten

dauert. Ungefähr so lange

wie die Busfahrt zur nächsten

Partie in Köln. Kostenpunkt

in etwa: Elf Minuten,

vonCoelho,gebraucht. (cs.)

SC Freiburg

Fritz Keller ist ein Genießer.Als

Winzer des Jahres

2018 hat der Noch-Präsident

des SC Freiburg und wohl

Bald-Präsident des Deutschen

Fußball-Bundes (DFB)

in erster Linie natürlich eine

Leidenschaft für Weine. An

einem Sonnabendnachmittag

auf der Tribüne im Fußballstadion

hätte der Konsum

alkoholischer Getränke

aber natürlich eine schlechte

Auswirkung. Undsogriff der

62-Jährige am Sonnabend

beim Heimspiel seines Klubs

gegen den FSV Mainz zum

süßen Lolli.

Auf Kojaks

Spuren

Ausgeprägte Lolli-Leidenschaft: Fritz Keller (r.)

Der passte auch ganz gut

zur Stimmungslage Kellers.

Zum ersten Mal seit 18 Jahrengewannen

die Freiburger

mal wieder ein Saisonauftaktspiel,

noch dazu mit 3:0.

Vielleicht wollte er aber

auch einfach nur ein Statement

setzen: Einsatz in Manhattan

hieß die berühmte

Kultserie um den kultigen

Dauer-Lolli-Lutscher-Kommissar

Kojak. Keller könnte

nun eine Art Erbe antreten,

unter dem Titel: Einsatz in

Mainhattan. Anderes Wort

für Frankfurt, Sitz der DFB-

Zentrale. (pae.)

IMAGO IMAGES

Eintrachts Liebling

GETTY IMAGES/HANGST

Martin Hinteregger kannte keine Hemmungen,

als er seinen Wechsel vom FCAugsburg zuEintracht

Frankfurt forcierte. Beim ersten Mal, im

Januar dieses Jahres,meckerte er in aller Öffentlichkeit

über FCA-Coach Manuel Baum, wurde

suspendiert, schließlich auf Leihbasis an die Eintracht

abgegeben. Beim zweiten Mal, im Juli dieses

Jahres, trank er während eines Trainingslagers

der Augsburger bei einem Dorffest in Österreich

einen über den Durst, wurde mit einer

Strafe belegt, und schließlich endgültig für eine

Ablösesumme in Höhe vonzwölf Millionen Euro

nach Hessen entlassen. Dort ist der 26-Jährige

Publikumsliebling, der Liebling des Trainers,der

Liebling der Kollegen. Seit Sonntag wohl noch in

gesteigerter Form,weil er beim Saisonauftakt gegen

Hoffenheim in der ersten Spielminute das

spielentscheidende Torerzielte.

Fortuna Düsseldorf

Eine fantastische

Leihgabe

Wer ist dieser verdammte

Kerl?“, fragten

sich die Zuschauer im Bremer

Weserstadion, als ihr

Werder-Team erstmals seit

1977 wieder gegen Düsseldorf

verlor. Das 3:1 war typisch

Fortuna. Dem Gegner

das Gefühl haushoher Überlegenheit

geben, dann unbarmherzig

zuschlagen.

Hätte diesmal aber wohl

kaum funktioniert, wäre da

im Tor der Gäste nicht ein

Mann gewesen, der mal hierhin,

mal dahin, mal dorthin

flog und jedes Malirgendwie

den Ball von der Linie

kratzte. Gestatten, Zackary

Steffen.

Der 24-Jährige ist Nationaltorhüter

der USA, und in

Bremen konnten alle sehen

warum. Siekonnten auch sehen,

wieso Manchester City

Steffen zu Saisonbeginn von

der Columbus Crew aus der

Major League Soccer verpflichtet

hat. Schon das

zweite Europa-Abenteuer

des Keepers,der einst als 20-

Jähriger zum SC Freiburg

kam, dort aber nur in der

zweiten Mannschaft in der

Regionalliga eingesetzt

wurde und reumütig in die

Heimat zurückkehrte.

Nun ausgerechnet Manchester

City, womit Ederson

einer der besten Torhüter der

Welt Stammkraft ist und Chiles

Nationalkeeper Claudio

Bravodie Nummer zwei. Um

dem Zugang trotzdem Spielpraxis

zu verschaffen, holte

City-Coach PepGuardiola als

Nummer drei lieber für ein

Jahr Scott Carson, 33, von

Derby County und lieh Steffen

nach Düsseldorfaus.

Das mit der Spielpraxis

scheint zu funktionieren,

auch wenn der noch verletzte

Michael Rensing wieder

fit wird. „Wir hatten mit

Zackary Steffen einen Torwart,

der fantastisch gehalten

hat“, ist Düsseldorfs Trainer

Friedhelm Funkel nicht

entgangen. „Ein Erfolg der

gesamten Mannschaft“,

sagte der Angesprochene

selbst. Vielleicht ein bisschen.

(mali.)

ERSTER SPIELTAG

2:2 (1:2)

BAYERN–HERTHA

5:1 (1:1)

DORTMUND–AUGSBURG

3:2 (2:2)

LEVERKUSEN–PADERBORN

0:4 (0:3)

1. FC UNION–LEIPZIG

0:0

M’GLADBACH–SCHALKE

2:1 (1:0)

WOLFSBURG–KÖLN

1:3 (0:1)

BREMEN–DÜSSELDORF

3:0 (0:0)

FREIBURG–MAINZ

1:0 (1:0)

FRANKFURT–HOFFENHEIM

Bayern München: Neuer -Kimmich,

Süle, Pavard, Alaba -Thiago-Müller

(85. Sanches), Tolisso

-Gnabry(87. Davies), Lewandowski,

Coman

Hertha BSC: Jarstein -Leckie,

Klünter,N.Stark, Rekik, Mittelstädt

-Grujic, Darida -Duda

(78. Skjelbred) -Lukebakio (68.

Selke), Ibisevic (63. Esswein)

Schiedsrichter:HarmOsmers

Zuschauer:75000

Tore: 1:0 Lewandowski (24.),

1:1 Lukebakio (36.), 1:2 Grujic

(39.), 2:2 Lewandowski (60.)

Gelbe Karten: Müller (1), Pavard

(1), Lewandowski (1) /Darida

(1), Grujic (1), Mittelstädt (1)

Borussia Dortmund: Hitz -Piszczek

(68. Hakimi), Akanji, Hummels,

N. Schulz -Weigl, Witsel -

Sancho, Reus (79. M. Götze), T.

Hazard (68. Brandt) -Alcácer

FC Augsburg: Koubek -Teigl, R.

Khedira, Suchy, Pedersen -Gruezo,

Baier -Hahn (60. M. Richter),

Vargas (83. Jensen) -Niederlechner,Gregoritsch

(77. Oxford)

Schiedsrichter:F.Willenborg

-Zuschauer:81365

Tore: 0:1 Niederlechner (1.),

1:1 Alcácer (3.), 2:1 Sancho

(51.), 3:1 Reus (57.), 4:1

Alcácer (59.), 5:1 Brandt (82.)

BayerLeverkusen: Hradecky -

Tah, S. Bender,Wendell -Ch.

Aranguiz, Baumgartlinger (62.

Bellarabi) -L.Bender (46. Dragovic),

Havertz, Demirbay, Bailey

(88. Alario) -K.Volland

SC Paderborn: J. Huth -Dräger

(84. Zolinski), Strohdiek, Hünemeier,Collins

-Gjasula, Vasiliadis

-Pröger (70. Holtmann),

Antwi-Adjej -Mamba (61. Oliveira

Souza), S. Michel

Schiedsrichter:Stieler

Zuschauer:26208

Tore: 1:0 Bailey(10.), 1:1 S. Michel

(15.), 2:1 Havertz(19.),

2:2 Mamba (25.), 3:2 K. Volland

(69.)

GK: Wendell (1), Dragovic (1) /-

1. FC Union: Gikiewicz -Trimmel,

Friedrich, Schlotterbeck, Lenz -

Prömel, Andrich -Abdullahi (58.

Becker), Gentner (46. Ujah),

Bülter -Andersson (69. Polter)

Leipzig: Gulacsi -Mukiele, Konate,

Orban -Demme (62. Laimer),

Kampl (73. Forsberg) -

Klostermann, Halstenberg -Sabitzer,Poulsen,

Timo Werner

(65. Nkunku)

Schiedsrichter:Schmidt

Zuschauer:22467

Tore: 0:1 Halstenberg (16.), 0:2

Sabitzer (31.), 0:3 Werner

(42.), 0:4 Nkunku (69.)

Gelbe Karte: Becker/-

Bor.Mönchengladbach: Sommer

-Lainer,Ginter,Elvedi,

Wendt -Zakaria -Bénes, Neuhaus

(63. Johnson) -Embolo

(77. Raffael) -Pléa, Thuram

(82. Traoré)

FC Schalke04: Nübel -Kenny,

Stambouli, Nastasic, Oczipka -

McKennie (85. Salif Sané),

Mascarell -D.Caligiuri, Harit

(90.+3 Mercan), Raman (74.

Reese) -Burgstaller

Schiedsrichter:Brych

Zuschauer:54022

Tore: -

Gelbe Karten: Neuhaus (1),

Bénes (1), Lainer (1) /Stambouli

(1), D. Caligiuri (1)

VfL Wolfsburg: Casteels -Knoche,

Guilavogui, Brooks -William,

Schlager,Arnold, Roussillon

(74. Steffen) -Klaus (82.

Brekalo), Victor -Weghorst (88.

Nmecha)

1. FC Köln: T. Horn-Ehizibue,

Mere, Czichos, Hector -Höger

(56. Skhiri), Verstraete -K.

Schindler,Drexler (62.Terodde),

F. Kainz (70. Churlinov) -Modeste

Schiedsrichter:Jablonski

Zuschauer:25099

Tore: 1:0 Arnold (16.), 2:0 Weghorst

(60.), 2:1 Terodde

(90.+1)

Gelbe Karten: Steffen (1) /Höger(1),

Drexler (1), Mere (1)

Werder Bremen: Pavlenka -Gebre

Selassie, Toprak (82. Sargent),

Moisander,Friedl (71. Pizarro)

-N.Sahin -M.Eggestein,

Klaassen -J.Eggestein, Rashica

(65. Füllkrug) -Osako

Fortuna Düsseldorf: Z. Steffen -

Mat. Zimmermann, Ayhan, A.

Hoffmann, Gießelmann -Baker,

Morales -Thommy (76. Pledl),

Karaman (69. Sobottka), Suttner

-Hennings (86. O. Fink)

Schiedsrichter:Zwayer

Zuschauer:42100

Tore: 0:1 Hennings (36.), 1:1 J.

Eggestein (47.), 1:2 Karaman

(52.), 1:3 Ayhan (64.)

Gelbe Karten: -/Karaman (1),

Thommy (1)

SC Freiburg: Schwolow-

Schmid, Lienhart, N. Schlotterbeck,

Günter -R.Koch, Höfler -

J. Gondorf (60. Frantz), Borrello

(65. Höler) -L.Waldschmidt

(89. Abrashi), Petersen

FSV Mainz 05: Fl. Müller -Brosinski,

St. Juste (80. Hack),

Niakhaté, Martín -Fernandes

(84. Awoniyi) -Baku (71. Öztunali),

Latza -Boetius -Onisiwo,

Quaison

Schiedsrichter:Hartmann

Zuschauer:24000

Tore: 1:0 Höler (81.), 2:0

Schmid (84.), 3:0 L. Waldschmidt

(87./Foulelfmeter)

GK: Lienhart(1) /St. Juste (1),

Latza (1), Fernandes (1)

Frankfurt: Trapp -Abraham, Hasebe,

Hinteregger -daCosta,

Kohr (65. Rode), Fernandes,

Kostic -Gacinovic (88. Torro),

Kamada (71. Paciencia) -Rebic

Hoffenheim: Baumann -Posch,

Vogt, Bicakcic -Kaderabek,

Rudy, Geiger (71. Belfodil), Zuber

-Skov(76. Grifo), Bebou,

Rupp (64. Samassekou)

Schiedsrichter:Daniel Siebert

(Berlin)

Tor: 1:0 Hinteregger (1.)

Zuschauer:50200

Gelbe Karten: Rebic, Fernandes,

Paciencia -Vogt


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 – S eite 20 *

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Sport

Das erste von vier Gegentoren für die Eisernen: Marcel Halstenberg erzielt in Köpenick das 1:0 für RB Leipzig.

Das Lehrstück

Das Bundesligadebüt des 1. FC Union gerät aus sportlicher Sicht zum Desaster.Die Elf von Trainer Urs Fischer unterliegt RB Leipzig 0:4

IMAGO IMAGES

VonPatrick Berger und

Mathias Bunkus

Von einem Drama ist im

Fußball gernmal die Rede.

Auch weil die Beobachter

gern mal zur Überzeichnung

des Geschehens neigen. In

dem hier zu beschreibenden Fall,

dem Bundesligadebüt des 1. FC

Union, das am Sonntagnachmittag

im Stadion An der Alten Försterei

über die Bühne ging, ist aber die Bezeichnung

wohl durchaus angebracht.

Die Auseinandersetzung der

Eisernen mit dem von den Union-

Fans so ungeliebten Bundesligaspitzenklub

RB Leipzig war nämlich in

jedweder Hinsicht ein Schauspiel.

Wegen des zunächst gerührten,

zwischenzeitlich enthusiastischen,

noch später doch arg enttäuschten

Publikums.Wegen des Wetters, dain

der ersten Hälfte über der legendären

Spielstätte doch schon ein fast unheimlicher,

geradezu künstlich wirkender

Starkregen nieder ging.Wegen

der Vielzahl an tragischen Figuren,

die allesamt aufseiten des Gastgebers

zu finden waren. Ja, diese Premiere

des 1. FC Union in der höchsten Spielklasse

wurde zum bitteren Lehrstück

für die Aufstiegshelden in Rot und

Weiß und für diejenigen, die im Sommer

zur Verstärkung des Kaders nach

Köpenick gekommen waren. Dasließ

sich nach 90, aus Sicht der Unioner

doch verstörenden Minuten auch am

Endergebnis ablesen. Es lautete 0:4

(0:3) und spiegelte letztlich einen

Klassenunterschied wieder,den Trainer

Urs Fischer wie folgt kommentierte:

„Wir sind heute hart auf dem

Boden gelandet. Aber wenn du so

viele Geschenke verteilst wie wir in

der ersten Hälfte, brauchst du dich

nicht wundern, dass man Ende mit so

einem Ergebnis vom Platz geht. Wir

haben heute eine erste Kostprobe bekommen,

was es heißt, in der Bundesliga

zu spielen.“

Der Schrecken nahm vor 22467

Zuschauern schon in der 16. Minute

für Union seinen Anfang, also wenige

Sekunden nachdem die Union-Fans

ihren Stimmungsboykott mit Countdown

und explosivem Supportbeendet

hatten. Wobei man in der Analyse

die Schuld natürlich erst mal an Suleiman

Abdullahi festmachen kann. Der

Außenstürmer war bei einem Angriff

der Leipziger viel zu spät seiner

Pflicht nachgekommen, für den nach

innen gerückten Rechtsverteidiger

Christopher Trimmel die Seite zuzumachen,

spurtete sich zwar noch mal

flugs in einen Zweikampf mit Marcel

Halstenberg, wurde von ebendiesem

im Strafraum aber mit einer kurzen

Drehung ins Leere geschickt. Halstenberg

blieb noch genügend Zeit,

um sich für den gezielten Torschuss

in die Balance zu bringen. Er überwand

Keeper Rafal Gikiewicz mit einem

Schlenzer.Aber mal ehrlich, war

das von Fischer nicht viel zu riskant,

„Wir sind heute hart

auf dem Boden gelandet.“

Union-Trainer Urs Fischer ist in der anstehenden Trainingswoche

vor allem als Psychologe gefragt.

Abdullahi in die Startelf zu nehmen?

Der Nigerianer war ja aufgrund von

Passproblemen erst in der dritten

Woche der Vorbereitung zum Team

gestoßen, hatte auch in den Testspielen

nur wenig Spielpraxis gesammelt.

Auch beim zweiten Gegentreffer,

den Sabitzer in der 31. Minute mit einem

Linksschuss von der Strafraumgrenze

herbeiführte, lässt sich die

Schuldfrage nicht so leicht beantworten.

Sicher,Trimmel hatte den Ball etwas

leichtfertig in der Vorwärtsbewegung

an Halstenberg verloren, aber

musste das sein, dieser schnelle Abwurf

von Gikiewicz auf Trimmel, der

sich auf seiner Seite doch in einer Unterzahlsituation

befand?

Beim 0:4 gestaltet sich die Sache

noch etwas komplizierter, weil die

Fehlerkette dabei noch etwas länger

war. Schlussendlich kam Sabitzer

nach einer Flanke von Halstenberg

frei zum Kopfball, zielte aber nicht

aufs Tor, sondern eröffnete dem eingewechselten

Christopher Nkunku

mit einer cleveren Ablage die Chance

zum Abstauber (69.).

Immerhin: Das 0:3 in der 42. Minute

ist –wenngleich auch hier die

Abwehr des 1. FC Union im Kollektiv

doch sehr schläfrig wirkte –vor allem

auf die Klasse von Nationalspieler

Timo Werner zurückzuführen. Werner

entwischte Keven Schlotterbeck,

jagte den Ball in denWinkel.

Das Bedenkliche am Vortrag des

Aufsteigers war aber letztlich die Tatsache,

dass es für Union nicht eine

Großchance zu verzeichnen gab.

Auch nicht, als Fischer zur zweiten

Hälfte Anthony Ujah statt Christian

Gentner ins Spiel brachte, als Unterstützung

für den einsamen Sebastian

Andersson. Und auch nicht in den

Phasen, als RB nicht ganz so intensiv

presste.„Werweiß, wozu so eine Klatsche

gut ist“, sagte Mittelfeldspieler

Grischa Prömel, „mal zu sehen, dass

es in der Bundesliga anders läuft. Wir

haben einfach zu vieleTugenden missen

lassen, waren immer einen

Schritt zu spät dran. Das ist eine riesige

Enttäuschung.“

Es brauchte nach dem Schlusspfiff

also jede Menge Trost für die gefallenen

Helden. Trost von den Rängen,

Trost vom Trainer, der nach diesem

Spiel eine Gewissheit hat: So reicht

das nicht.

Allez, allez, ohohohooo

Tränen, Schweigen, Stimmungsexplosion: Beim Bundesligadebüt des 1. FC Union stehen die Fans in allen Gefühlslagen bedingungslos wie immer hinter ihrer Mannschaft

VonPatrick Berger

Er konnte sich den Seitenhieb

dann doch nicht verkneifen. „Allen,

denen Mitbestimmung in einem

Verein etwas bedeutet, sind herzlich

dazu eingeladen, in den nächsten 15

Minuten lautstark zu schweigen“,

verkündete Stadionsprecher Christian

Arbeit wenige Minuten vor dem

Anpfiff über die Mikrofone. Zuvor

hatte er,soviel Anstand musste dann

bei aller Abneigung gegenüber dem

„Konstrukt RB Leipzig“ (als solches

bezeichneten die Union-Fans den

Gegner imVorfeld) sein, auch die mitgereisten

Leipziger empfangen.

„Auch in der 1. Liga machen wir das

so“, sagte Arbeit, „wir begrüßen unsere

Gäste.“ Der Name des Gegners,

so wie sonst üblich, wollte ihm dann

aber nicht über die Lippen gehen.

Wenig später ertönte dann dieVereinshymne

„Eisern Union“ aus den

Lautsprechern und die Union-Fans

hielten rund 500 Banner hoch, die die

Konterfeis verstorbener Fans, Mitglieder,

Angehöriger sowie frühere

Spieler zeigten. Mit der Aktion „Endlich

dabei“ gedachten die Unioner

denen, die diese historische Saison

im deutschen Oberhaus nicht mehr

erleben können. Dieser Moment an

der Alten Försterei rührte den einen

oder anderen FanzuTränen.

Unddann schwiegen sie.Für eine

Viertelstunde. Obwohl das mit dem

Schweigen dann nicht zu hundert

Prozent klappte,was bei einem solch

denkwürdigen Spiel allerdings in der

Natur eines Vollblut-Fans liegt. Bei

Foulspielen des Gegners wurde lautstark

gepfiffen, sobald sich eine Torchance

anbahnte,schnellte der Stimmungspegel

in die Höhe. Nur die organisierte

Unterstützung mit Fangesängen

blieb eben aus. „Das war

schon ungewohnt“, sagte Kapitän

Christopher Trimmel. Grischa Prömel

ergänzte, dass man sich „natürlich

von Anfang an Stimmung gewünscht“

hätte.

„Endlich dabei“: Union-Fans halten Porträts von Ehemaligen in die Höhe. DPA/BRITTA PEDERSEN

Um 18.15 Uhr wurde der Stimmungsprotest

aufgehoben. Zehn,

neun, acht, …–die Unioner zählten

die Sekunden bis zur Stimmungsexplosion

mit gehobenen Armen runter

–... drei, zwei, eins. Und dann wurde

es richtig laut:„Union du wirst siegen,

glaub an dich und es wird wahr/ Die

erste Bundesliga ist für uns zum Grei-

fen nah/ DieZeit ist nun gekommen,

ihr werdets alle sehn/ Der Erste FC

Union wirdnun endlich oben stehen/

Allez, allez, allez, allez, ohohohooo/

Mit uns an deiner Seite wirst du niemals

untergehen.“ Die Fans sangen,

tanzten, hüpften. Der Stimmung tat

der folgende 0:1-Rückstand durch

Marcel Halstenbergkeinen Abbruch.

Journalisten aus aller Welt waren

nach Köpenick gekommen, um das

historische Spiel hautnah zu verfolgen.

Berichterstatter aus Tschechien,

Frankreich, den USA, sogar aus Japan

und Italien. Aus Mailand war Paolo

Tomaselli von der Zeitung Corriere

della Sera, der meistgelesenen in Italien,

angereist. Man habe sehr wohl

vomAufstieg des Kultvereins aus Ost-

Berlin gehört und sei begeistert von

dessen Fankultur,sagte der Reporter,

der für gewöhnlich über Juventus Turin

und Italiens Nationalmannschaft

berichtet. DieBilder nach dem Sieg in

der Relegation gegen Stuttgart von

feiernden Fans und später von der

der Schiffsfahrt mit der „Viktoria“

und den Beibooten über die Spree,

hätten auch im Süden Europas für

Aufsehen gesorgt.„Wir vermissen das

in Italien“, sagteTomaselli und blickte

wehmütig auf den Rasen, „dieser bedingungslose

Rückhalt, die Liebe der

Fans zu ihrem Verein, der einfacher

Fußball, die vollen Stehplätze.“

Weit vor dem Spiel war diese spezielle

Atmosphäre in Köpenick zu

spüren. Schon um 15.30 Uhr, zweieinhalb

Stunden vordem Premierenspiel,

drängten Menschenmassen

aus der S-Bahn. An der Union-Tanke

zischten die Anhänger wie gewohnt

Bier, aßen Wurst, schwärmten von

der vergangenen Saison, unterhielten

sich über das Bevorstehende. Ein etwas

korpulenter Fan inrot-weißem

Trikot hatte noch zwei Tickets über,

verkaufte sie fast zum Einkaufspreis

von 15Euro und machte so zwei Anhänger

glücklich. Auch das ist Union

Berlin: Zusammenhalt, Treue. Unabhängig

vonder Ligazugehörigkeit.

Dass die Partie mit 0:4 endete,hielt

niemanden ab, noch eine Viertelstunde

nach Abpfiff lautstark zusingen.

„Die Fans stehen hinter uns“,

sagte Trimmel, „das ist uns bewusst.“

Reporter Tomaselli aus Mailand war

baff: „Nach einer solchen Klatsche

hätten die Fans in Italien ihre Mannschaft

ausgepfiffen. Hier feiernsie.“


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Eine Uraufführung

von Jérôme Bel bei

„Tanz im August“

Seite 23

„Eigentlich kann man darüber nur staunen.“

Doris Meierhenrich über die Improvisationslust des Gorki-Theaters im neuen Container-Provisorium. Seite 22

Hongkong-Proteste

Das ist nicht die

wahre Mulan

Susanne Lenz

zur Empörung über die

Schauspielerin Liu Yifei

Auch ich unterstützedie Honkonger

Polizei. Ihr könnt mich jetzt

verprügeln.“ –Diesen Post der Zeitung

Daily Post hat die populärechinesische

Schauspielern Liu Yifei vor

ein paarTagen auf ihrem Account bei

Weibo geteilt. Dazu schrieb sie: „Wie

schade für Hongkong.“ So wie LiuYifei

denkt wohl die Mehrheit der Chinesen

über die Proteste in Hongkong,

die sich in zwei Monaten zu einer

großen Demokratiebewegung

entwickelt haben. Aber die Schauspielerin

spielt ausgerechnet die

Hauptrolle in dem Disney-Film

„Mulan“, in dem es um eine junge

Frau geht, die nicht nur mutig die

Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern

infrage stellt, sondern

ihr Land auch noch vor den Invasorenrettet.

DieGeschichte beruht auf

einem alten chinesischen Gedicht,

2009 wurde sie in China verfilmt. Zuvor,

1998, war ein Disney-Zeichentrickfilm

dazu herausgekommen.

„Mulan“ kennt in China fast jedes

Kind.

Die Honkonger Protestierenden

rufen empört zum Boykott des Films

auf. Unter dem Hashtag„Boycottmulan“

macht sich Wut und Enttäuschung

in den sozialen Medien Luft:

„Liu Yifei unterstützt das brutale Vorgehen

der Polizei und die Unterdrückung

in Hongkong“, heißt es auf

Twitter.„Frau Liu steht für alles,wofür

Mulan nicht steht.“ Auf dem Nachrichtendienst

kursiertein verfremdetes

Filmplakat. Mulan trägt hier eine

Binde über ihrem rechten Auge.„Die

wahre Mulan sollte das Mädchen

sein, dem die Hongkonger Polizei ins

Auge geschossen hat“, steht darunter.

Tatsächlich soll eine Demonstrantin

durch ein Gummigeschoss der Polizei

auf einem Auge erblindet sein.

Disney schweigt bislang. Das

könnte auch so bleiben, ja vielleicht

kommen dem Unternehmen Lius

Äußerungen sogar gerade recht.

Denn nachdem der Zeichentrickfilm

in China nicht sehr erfolgreich war,

war das erklärte Ziel, mit dem neuen

„Mulan“ mit realen Schauspielern

den riesigen chinesischen Markt

doch noch zu erobern. Liu hat in

China positive Aufmerksamkeit für

sich und ihren Film erzeugt.

Wiebitter für die Demonstranten,

die sich seit Monaten unermüdlich

für Freiheit und Demokratie einsetzen.

Zehntausende auch am Sonntag,

trotz Drohungen aus Peking,

trotz strömenden Regens.Der VictoriaPark–ein

Meer vonSchirmen.

Mulan ist einer Honkonger Demonstrantin:

verfremdetes Filmplakat. TWITTER/SIN KCX

Peter Fonda, der in dem Film „Easy Rider“ die Rolle seines Lebens spielte, warauch privat ein großer Motorradfan.

Nicht geboren, um folgsam zu sein

VonHarry Nutt

Zum Toddes amerikanischen Schauspielers Peter Fonda

Den undurchsichtigen Rebellen

spielte Peter

Fonda nicht nur in seinen

Filmen. Bei einem

Berlin-Besuch in den 60er-Jahren

hat er sich, so berichtete er einmal in

einem Interview, derart über die

Existenz der Berliner Mauer empört,

dass er an selbige uriniert habe.

Noch ehe die verblüfften Grenzbeamten

wussten, wie sie darauf reagieren

sollten, habe er gesagt: „Ich

fahrejetzt dadurch, ihr könnt mich ja

erschießen.“ Diese trotzige Unangepasstheit

war einerseits Protest und

Pose mit der auffälligen Bereitschaft

zum Risiko. Darüber hinaus aber

schien daraus ein unbändiger Freiheitsdrang

hervorzugehen, der in

seinem Fall wohl auch auf einen permanenten

Aufruhr gegen den als

übermächtig empfundenen Vater

zurückzuführen war.

Peter Fonda wurde 1940 in New

York als Sohn des amerikanischen

Schauspielers HenryFonda geboren,

seine Mutter nahm sich das Leben,

als er und seine ältereSchwester Jane

noch Kinder waren. Peter Fonda sah

seinem Vater sehr ähnlich. Zugleich

aber litt er an der schroff-abweisenden

Art, die Henry Fonda zu einer

Ikone des amerikanischen Westerns

gemacht hatte.Und obwohl oder gerade

weil er bereits als junger Bühnenschauspieler

die Erfahrung machen

musste,dass der Ruhm des Vaters

auch eine Belastung war, reüssierte

er in seinen Filmen auch als

das Gesicht eines anderen Amerika.

Sich aus dem Schatten des Vaters

zu befreien, mag schwer gewesen

sein, den Erfolg des Filmes „Easy Rider“

hinter sich zu lassen, war nahezu

unmöglich. Der handlungsarme,

entropisch-zerfasernde Film

aus dem Jahr 1969 lieferte die Bilder

zum Freiheitsbedürfnis des jungen

Amerika vor dem Hintergrund des

Vietnamkriegs. Peter Fonda war an

der Seite vonJack Nicholson und Regisseur

Dennis Hopper nicht nur

Darsteller des Motorradfreaks Captain

America, sondern auch Mitproduzent

und Co-Autor.

„Easy Rider“ erzählt die Geschichte

von zwei Aussteigern, die

mit ihren Chopper-Maschinen quer

durch die USA fahren, um einen

Traum zu leben, der schließlich im

Alptraum mündet. Zu aktueller Popmusik

(u. a. von der Band Steppenwolf

und deren Hit „Born To Be

Wild“) lassen sie sich den Wind der

Prärie um die Nase wehen. Sie begegnen

der Gegenkultur der Hippies,

aber auch dem Hass der sozial gespaltenen

USA. „Easy Rider“ war gerade

in die Kinos gekommen, als das

Festival von Woodstock weithin Signale

einer friedensseligen Anti-

Establishment-Bewegung aussendete.

„Easy Rider“ aber hatte überdeutlich

gemacht, dass dies vor allem

eine Reaktion auf eine

engstirnige und hasserfüllte Gesellschaft

war, inder politische Morde

die Entwicklung des Landes bestimmten.

Die anziehenden Sehnsuchtsbilder

von„Easy Rider“ gaben der Idee

eines New-Hollywood-Kinos, zu

dem auch der kürzlich gestorbene

Regisseur D. A. Pennebaker gehörte,

ikonographisch die Richtung vor.

„Easy Rider“ brach aus der typischen

Erzählstruktur eines Hollywood-

Films aus, und Fonda und Hopper

setzten auch im Nebeneinander von

Produktion, Darstellung und Regie

neue Maßstäbe, auch wenn wenig

davon wirklich geplant gewesen zu

sein scheint. Dazu passt die Geschichte

des Songs „The Ballad of

Easy Rider“, für den Bob Dylan die

Anfangszeile („The river flows/It

flows to the sea/Whereever that river

goes/ That’s whereIwant to be“) geschrieben

hatte, dessen Fertigstellung

aber seinem Freund Roger

McGuinn von den Byrds überließ.

Das frühere Byrds-Mitglied David

Crosby wiederum unterstellte Dennis

Hopper,die äußereGestalt seiner

Easy-Rider-Figur vonihm abgeguckt

zu haben. Gerade die Durchdringung

vonFiktion, Popund Wirklich-

„Easy Rider“ handelt von Aussteigern, die mit

ihren Chopper-Maschinen quer durch die

USA fahren, um einen Traum zu leben, der

schließlich im Alptraum mündet. Peter Fonda,

Dennis Hopper und Jack Nicholson begegnen

der Gegenkultur der Hippies, aber auch dem

Hass in den sozial gespaltenen USA.

keit aber machte „Easy Rider“ zu einem

weit aus dem Kino herausragenden

Ereignis. Der Byrds-Song

„Wasn’t Born To Follow“ kam auch

dem Lebensmotto von Peter Fonda

sehr nahe.

Nach „Easy Rider“ spielte er in

zahllosen Filmen, die aber nicht

mehr die Aufmerksamkeit des seltsamen

Jahrhundertfilms erlangten.

Für seine Rolle in „Ulees’s Gold“ aus

dem Jahr 1997 wurde Fonda mit einem

Golden Globe ausgezeichnet,

den er überglücklich entgegennahm,

weil er nun wieder zur Hollywood-Familie

gehörte. Neben Dustin

Hoffman und Matt Damon war

Peter Fonda 1998 auch für einen Oscar

als bester Darsteller nominiert

worden, den aber sein Freund Jack

Nicholson für dessen Rolle in„Besser

geht’s nicht“ erhielt. In „Ulee’s Gold“

IMAGO IMAGES/UNITED ARCHIVES INTERNATIONAL

vonVictor Nunezspielt Fonda einen

verbittert-zurückgezogenen Bienenzüchter,

der ein Vietnam-Trauma zu

verarbeiten hat. Fonda trägt in dem

Film eine Nickelbrille, als sei es eine

bewusste Bezugnahme auf den 1982

gestorbenen Vater. Für den Film

„Wanda Nevada“ aus dem Jahr 1979

hatte er HenryFonda, den er trotz aller

Querelen innig verehrte, für eine

Gastrolle verpflichtet, in der dieser

den Sohn gleich zu Beginn autoritär

zurechtweist.

Trotz eines deutlichen Abflauens

der Karrierehat Fonda nie aufgehört,

Filme zu drehen und vorder Kamera

zu agieren, darunter in der Action-

Komödie „Auf dem Highway ist die

Hölle los“, in dem er neben reichlich

vertretener Hollywood-Prominenz

auftritt. Er war aber auch für kleine

Produktionen zu haben. In demFilm

„Peppermint Frieden“ (von der

deutschen Regisseurin Marianne

Rosenbaum aus dem Jahr 1983)

spielt er einen amerikanischen Soldaten

im Nachkriegsdeutschland,

übrigens an der Seite vonLiedermacher

Konstantin Wecker.

Peter Fonda war dreimal verheiratet

und hat zwei Kinder. Eine enge

familiäre Bindung hatte er stets zu

seiner älteren Schwester Jane Fonda,

die wie seine Tochter Bridget Fonda

auf eine eigene große Schauspielkarriere

zurückblicken kann. In dem

Film „Jackie Brown“ vonQuentin Tarantino

gibt es eine Szene, in der

Bridget Fonda die Fernsehprogramme

durchzappt und dabei auf

einen Ausschnitt mit Peter Fonda in

„Easy Rider“ stößt. Diese kleine

Hommage hat ihm, wie er einmal gestand,

sehr gefallen.

Am Freitag ist Peter Fonda im Alter

von79Jahren an den Folgen einer

Krebserkrankung im Beisein von

Jane Fonda in Los Angeles gestorben.

HarryNutt

hat „Easy Rider“ als begeisterter

Teenager gesehen.

NACHRICHTEN

Iran schickt Dokumentarfilm

ins Oscar-Rennen

DerIranschickt einen Dokumentarfilm

über das Schicksal einer iranisch-niederländischen

Frau ins Oscar-Rennen.

DieimIranfür die Auswahl

zuständige Cinema-Stiftung

Farabi entschied sich für den Film

„Auf der Suche nach Farideh“ der Regisseurin

Asadeh Mussawi und ihres

Kollegen Kurosch Mussawi. DerFilm

der beiden jungen Filmemacher ist

damit Irans Beitrag in der Kategorie

„Bester fremdsprachiger Film“, so

die Nachrichtenagentur Isna am

Sonntag. „Auf der Suche nach Farideh“

handelt vomLeben der Niederländerin

Farideh, die als Baby vonihrenleiblichen

Elterninder Stadt Maschad

in Nordostiran ausgesetzt

worden ist. DasKind wurde voneinem

niederländischen Ehepaar

adoptiert. 40 Jahrespäter will Farideh

ihreWurzeln erkunden und

fliegt in den Iran. DerIranhat in der

Oscar-Kategorie für den besten ausländischen

Film bereits zweimal gewonnen.

Beide Male gewann der Regisseur

Asghar Farhadi. (dpa)

Das Festival von Wacken will

weiter wachsen

DerVeranstalter des Wacken-Festivals

International ConcertService

GmbH (ICS) will mit neuem Partner

wachsen. Dafür geht ICS nach eigenen

Angaben eine Partnerschaft mit

der US-Gesellschaft Superstruct Entertainment

ein, sagten die ICS-

Chefs Holger Hübner und Thomas

Jensen. Superstruct Entertainment

ist eine Tochter der Investmentgesellschaft

Providence Equity Partners.Die

Vereinbarung steht noch

unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden,

hieß es.Das dreitägige Wacken

Open Air (W:O:A) gilt als eines

der größten Heavy-Metal-Festivals

der Welt und findet im kommenden

Jahr vom30. Juli bis zum 1. August

statt. (dpa)

Sächsischer Preis für

kulturelle Bildung vergeben

Dersächsische Preis für kulturelle

Bildung ist am Samstag in Dresden

vergeben worden. DiedreiHauptpreise

in Höhe vonje2500 Euro gingen

an die Kulturfabrik Hoyerswerda

mit dem Projekt „Eine Stadt tanzt:

Manifest!“, an das Societaetstheater

Dresden und das Quartiersmanagement

Prohlis für ihr Projekt „Zu

Hause in Prohlis“ und an den ASA-FF

Verein aus Chemnitz für das Projekt

„Neue unentdeckte Narrative“. Bewerben

konnten sich Träger der kulturellen

Bildung für beispielhafte

Projekte oder das dauerhafte Engagement

im Rahmen der Demokratieförderung.

(dpa)

Kulturrat fordertFreifahrten

für Ehrenamtliche

DerGeschäftsführer des Deutschen

Kulturrats,Olaf Zimmermann, fordertFreifahrten

in öffentlichen Verkehrsmitteln

auch für ehrenamtlich

engagierte Menschen. Hintergrund

ist ein aktueller Vorstoß, nach dem

Soldaten der Bundeswehr in Uniformab1.Januar

nächsten Jahres

kostenlos Zugfahren können. Bürgerschaftliches

Engagement sei „gelebte

Demokratie“ und leiste einen

„unverzichtbaren Beitrag“ zum gesellschaftlichen

Zusammenhalt, so

Zimmermann weiter. (BLZ)


22 Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Feuilleton

Außen mausgrau, innen luftig

Die Berliner Theatersaison eröffnet mit modernen Klassikern von Heiner Müller und Thomas Mann im Gorki-Container und im Berliner Ensemble

VonDoris Meierhenrich

Da lacht das Spielbudengesicht

über die ganze

Bühnenbreite des BE –

lustig, natürlich, und eiskalt.

Genau besehen bezeugt nur die

dicht bestückte Oberzahnreihe das

Lachmaul, dessen bleckende Beißer

eigentlich für zwei Münder reichen.

So halbseitig aber kann sich unter ihnen

ein gleißend rauchiger Höllenschlund

auftun, in den die fröhliche

„Felix Krull“-Gesellschaft am Ende

dieses zirzensischen kleinen Premierenabends

unbeschadet einzieht.

Es ist eine bestürzend munter vor

sich hin brabbelnde Sippe,indie der

Autor und Regisseur Alexander Eisenach

seine Saisoneröffnung der altehrwürdigen

Bühne am Schiffbauerdamm

zusammenzieht. Und im

Grunde verkörpert ihr unbeschwertes

Kirmes-Kabarett in seiner alles

um-, aber nichts wirklich angreifenden

Fischigkeit nicht nur das, was

Thomas Mann vor gut hundert Jahren

in seinem „Vorzugskind des

Himmels“, dem Hochstapler Felix

Krull, als Künstlerparodie seiner

Selbst konzipierte.Sie zeigt auch das,

wofür das BE im dritten Jahr der Intendanz

von Oliver Reese steht: Mit

Aplomb versucht es immer wieder

Gegenwart zuseinem Programm zu

machen und bleibt doch allzu oft im

Konzept dieses Willens stecken.

Oder wie hier: inseiner literarischhistorischen

Vorlage.

Einübung in Hochstapelei

Dieses Malnun ist es das schwülstigdistinguierte

Künstlermilieu Thomas

Manns und seine eigentlich

zeitlose Hochstapler-Figur, der sich

Alexander Eisenach in dieser Spielzeit

ausführlich widmen will und für

Dezember ein weiteres eigenes

Hochstapler-Stück ankündigt.

Manns Original muss zu Beginn nun

das Terrain abstecken, wobei keine

bloße Romanadaption herausgekommen

ist, viel eher eine Aktualisierungsübung.

Wasinvordemokratischen

Zeiten –Mann begann die

„Bekenntnisse“ um 1906 –die feine

Gesellschaft und ihre Hierarchie-gesteuerte

Ideal-Verehrung an der Geschmeidigkeit

des „Kostümkopfes“

Felix so magisch anzog, will nun in

die konsumistisch normierten Untiefen

digitaler Smiley-und Like-Kultur

überführtwerden.

Eisenach versucht das, indem er

die Thomas-Mann-Welt auf nur drei

Klusterfiguren radikal reduziert und

ihnen ein vom Bühnenrand her

kommentierendes Clownspaar aus

dem Heute zur Seite stellt. Gut ausgeklügelt

funktioniert das auf der

Wenn das Thomas Mann wüsste: Marc Oliver Schulze und Constanze Becker in einer Szene des „Felix Krull“ am Berliner Ensemble.

Dominic Hartmann, Elena Schmidt und Kendar Hmeidan in „Herzstück“

DPA/ANNETTE RIEDL

Bühne allerdings kaum, denn die

Patchwork-Figuren finden aus ihrer

papierenen Gestaltlosigkeit in kein

Spiel.

Martin Rentzsch darf als dilettierender

Maler Schimmelpreester sowie

sämtliche Krull-Chefs, Direktorenund

Professoren den patriarchalischen

Idealisten, geben und ConstanzeBecker

steuertals langbeinige

SM-Domina die dämonisch-engelsgleiche

Geliebte Madame Houpflé

sowie die Trapezartistin Andromache

bei. Im grotesken Slapstick mit

Marc Oliver Schulze als gutmütiger

Felix erturnen sich diese drei einige

amüsante Momente, doch bleibt es

im Ganzen zu hölzern, unvirtuos.

Besonders die bemüht schnoddrigen

Gegenwartslieferanten Sina

Martens und Jonathan Kempf von

jenseits der vierten Wand verfangen

sich mit ihrem Diskurs-Auftrag eher

im Sesamstraßen-Klamauk, als dass

sie die Sophistik heutiger Instagram-

Profilsucht problembewusst einspeisten.

Und Marc Oliver Schulze,

neu am BE, macht als imitierender

Violinist im Frack oder Kloinstallateur

im Blaumann zu all dem eine

immer charmant chaplineske

Miene.

Leider muss auch er weitgehend

blass bleiben, weil hier selbstredend

nicht Krulls individuelle Besonderheit

als Motor der Hochstapelei gefeiert

wird, sondern die Sensationsgier

der Maschine Gesellschaft. Gut

gemeint ist das und doch in seiner

gezirkelten Halbheit eher gescheitert.

IMAGO IMAGES/MARTIN MÜLLER

Dass es mehr Mut braucht, um

aus einem klassischen Text einen

heutigen zu machen und aus einem

kleinen Abend einen großen, war am

zweiten Tagdes Eröffnungswochenendes

im Gorki-Theater zu erleben.

Eigentlich kann man darüber nur

staunen. Denn auch im siebten Jahr

ihrer Intendanz schaffen es Shermin

Langhoff und Jens Hillje immer noch

mühelos, einen Esprit und eine lebendig-engagierte

Relevanzstimmung

in dem kleinen Haus am Festungsgraben

zu entfalten, dass es

eine Freude ist. Notwendig gewordene

Engpässe wie die überfällige

Sanierung der großen Bühne und

des Studios wenden sie kurzerhand

in eine Zeit der Möglichkeiten um

und laden für zwei Spielzeiten nun,

wenn die Bühnen geschlossen werden

müssen, in einen 22 Meter langen,

12 Meter breiten Container auf

dem Theatervorplatz zum Theater.

Außen mausgrau, überrascht der

hohe, luftige Raum im Innern: eine

Wunderkiste, der kaum eine gelungenere

kleine Eröffnung bereitet

werden konnte als die Clownsnummer,

die Sebastian Nübling und das

7-köpfige Exilensemble des Gorki

nun aus Heiner Müllers 12-zeiligem

„Herzstück“ machten.

Im Grunde sind auch diese sieben

Clowns eine ganze Handvoll Felix

Krulls.Nur anders als im gediegenen

BE brauchen sie keine Mann’schen

Satzgirlanden und veralteten Kunstdiskurse,

um in knappe achtzig

Spielminuten ein strukturell ausgreifendes

wie menschlich ergreifendes

Denkspiel um Schein und Sein,

große Erwartungen und kleine Realitäten,

echte und falsche Hoffnungen

aufzuziehen und wie sich beides

fruchtbar miteinander verbindet.

Energiegeladene Bewegungen

Müllers „Herzstück“, das in denkbar

knappster Form die schöne paradoxeVerbindung

vonBuchstabe und

Bedeutung, Materie und Geist, Technik

und Wirkung auseinanderlegt,

aus der nicht nur alle Kunst, sondern

auch alles geglückte Zusammenleben

entsteht, versammelt nur zwei

Sprecher um ein Herz.Dem einen ist

es Gefühlszentrum, dem anderen

Ziegelstein, doch das wichtigste: Es

schlägt für beide,steinernund ideell.

An diesem Abend im Gorki-Container

schlägt das Müller-Herz zweifellos

in sieben schillernden Farben,

Materien und Spielweisen für diese

sieben. Denn bevor sie überhaupt

mit dem Müller-Text beginnen, obwohl

eine blau kostümierte Clownin

mit neckischem Gamsbart-Haarzopf

auf dem Kopf die „Heiner –Bäng –

Müller-Show“ zigfach und in jeder

nur denkbaren Animationskunst ankündigt,

kämpfen hier alle in erster

Linie mit der Schwerkraft der Bühne

selbst, mit der Technik, ihrer eigenen

Angst, den vermeintlichen Erwartungen

der Zuschauer, den Lasten

ihres eigenen Lebens und der Vergeblichkeit

ihrer Kunst überhaupt.

Dassagt sich so dahin, aber für all

das finden die sieben wunderbar

chaotische, auch alberne, aber immer

glaubhafte,energiegeladene Bewegungen:

Dem rosa Clown gehen

Ideen ab, weshalb er nur gefällige

Diener macht, die kleine Pinke hat so

viel Angst, dass sie nur aus dem Türrahmen

schielt und bald an den Beinen

auf die Bühne gezogen wird,

und die schwarzGewandete –sie outet

sich als Österreicherin –schleicht

nur noch als deprimierte Mumie

durch die Szenerie „weare so fucked

up!“. Natürlich sind sie das nicht und

der Jubel ist am Ende groß.

Gorki-Container,bis 21.8., 20 Uhr,Tel:

20221115,

Berliner Ensemble wieder 23.8., 19.30 Uhr,

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Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 23

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Feuilleton

Wilde und

farbenfrohe

Könnerschaft

Zum 80. Geburtstag des

Schlagzeugers Ginger Baker

VonMarkus Schneider

Trommelnder Grantler:der Schlagzeuger

Ginger Baker.

IMAGO

Nicht ganz leicht, sich die Zeiten

vorzustellen, als Ginger Baker

ein Superstar war.Abgesehen davon,

dass Rock insgesamt siecht, kommen

die Drums heute oft von Maschinen.

Baker trommelte ab 1966 in der

sogenannten Supergroup Cream,

neben dem als Gott gehandelten Gitarristen

Eric Clapton und dem Bassisten

Jack Bruce. Der Ruhm des

Trios gründete in einer unerhörten

Lautstärke und auf endlosen, virtuosen

Soli. Bakers Paradestück „Toad“

vom Debüt 1966 zeigte seine wilde,

farbenreiche Könnerschaft und die

Power des hochgerüsteten Schlagzeugs:

Er war nicht der erste,der mit

einer Doppelbassdrum spielte, aber

er setzte damit den Standardimaufsteigenden

Schwerrock. Cream waren

nach nur zwei Jahren ausgepowert,erschöpft

auch vomhandgreiflichen

Unmut Bakers: Für seine barsche

Übellaunigkeit ist er kaum

weniger berühmt als für sein Spiel.

Der 1939 geborene Peter Edward

Baker –Ginger wurde er wegen der

leuchtend roten Haare genannt –

war zunächst ein zorniger junger

Mann und bald ein wütender Heroinsüchtiger

und abwesender Familienvater.

Sein Vater war im zweiten

Weltkrieg gefallen und hatte dem

Sohn einen Brief hinterlassen: „Gebrauche

deine Fäuste“, stand darin,

„sie sind oft deinen besten Freunde.“

Baker hat sich sein Leben lang daran

gehalten. Die Dokumentation „BewareofMr.

Baker“ von2012 beginnt

damit, dass der 73-Jährige auf seiner

südafrikanischen Farm dem Regisseur

mit dem Stock die Nase bricht,

weil im Film Köpfe auftauchen, die

ihm nicht gefallen.

Davongibt es viele –zum Beispiel

die meisten Rockkollegen. Schon

dass er als Rockdrummer gilt, findet

er unverschämt. Baker kommt vom

Jazz, und die Wucht seiner Drums

verstand er vorallem als Notwehr gegen

die Marshall-Türme der Gitarren.

Gelernt hat er unter anderem

bei Phil Seamen, der damals wichtigste

Drummer Großbritanniens

und einer der wenigen, die er bis

heute verehrtwie seine US-Vorbilder

Max Roach, Art Blakey und Elvin

Jones.

Seine Neugier auf die polyrhythmische

Drumkultur führte ihn in

den 70er-Jahren nach Nigeria, wo er

mit Fela Kuti spielte und in Lagos ein

Studio betrieb. Später arbeitete er

mit experimentierfreudigen Musikern

wie Bill Laswell und feinsinnigen

Jazzernwie Charlie Haden.

Mit eigenen Projekten wie Airforce

und der Baker Gurvitz Army

konnte er nicht an seinen Erfolg mit

Cream anknüpfen. Aber wer ihn (in

Berlin zuletzt im April) in den letzten

Jahren einmal gesehen hat –von der

Lungenkrankheit COPD, Arthritis

und einer Herzschwäche gezeichnet

–konnte einen komplexen, subtilen

und unglaublich präzisen Drummer

mit viel Jazzgespür erleben. Als

Mensch zweifellos schwierig, gehört

er als Künstler auch mit 80 noch zu

den wirklich Großen.

VonMichaela Schlagenwerth

Der Tanz im August hat einen

neuen Rhythmus.

Montag und Dienstag ist

frei, am Mittwoch beginnt

es langsam und jeweils zum

Wochenende nimmt das Festival

dann gewaltig Fahrtauf.

Absoluter Höhepunkt der ersten

Festivalwoche war –natürlich! –die

Uraufführung von Jérôme Bel. Der

französische Choreograph hat seit

den 90er-Jahren mit seinen philosophischen

und gesellschaftskritischen

Konzept-Stücken Tanzgeschichte

geschrieben. Der Art und

Weise, wie er mit einfachsten Wendungen

komplexe Fragen aufwirft,

hat man so einige blitzartige Erleuchtungsmomente

zu verdanken.

Die Revolutionärin IsadoraDuncan

Momente der Erleuchtung

Der „Tanz im August“ gibt Einblicke in die Geschichte der Choreografie

Ein Ereignis: die 69-jährige Tänzerin Elisabeth Schwartz.

Wortlos durch Lissabon

CAMILLE BLAKE

So etwas wurde einem auch in dieser

Woche geschenkt, allerdings nicht

von Jérôme Bel, sondern von der

Choreographin Deborah Hay, der

das Festival eine große Retrospektive

widmet. Aber dazu später. Jérôme

Belhat ein Porträt der Tanzikone IsadoraDuncan

geschaffen. Über Duncan,

die um 1900 ihre ersten Stücke

schuf und als eine der einflussreichsten

Begründerinnen des zeitgenössischen

Tanzes gilt, wird oft in einem

leicht mokanten Tonfall geschrieben.

Eine wilde Frau, die gegen alle

gesellschaftlichen Konventionen

verstieß, schillernde Liebesaffären

hatte und, leicht bekleidet, verrückte

Tänze entwickelte, die sie zunächst

auf den Gesellschaften der Reichen

und später dann weltweit auf großen

Bühnen zeigte.

Der Solo-Abend „Isadora Duncan“,

der im Deutschen Theater

folgerichtig seinen Ortgefunden hat,

zeigt dagegen die Dimension des revolutionären

Denkens von Isadora

Duncan. Jérôme Belschafft dafür allerdings

nur den Rahmen. DasEreignis

ist die 69-jährige Tänzerin Elisabeth

Schwartz, die in den 70er-Jahren

inNew York bei Julia Levien, einer

der Adoptivtöchter Duncans,

deren tänzerisches Erbe studierte.

Fünf kleine Soli tanzt sie. Erst mit

Musik, dann ohne. Sheila Atala erklärt

zwischendurch die biografischen

Eckdaten und in einem

Durchlauf spricht sie jeweils laut die

Begriffe, die den Bewegungen zugeordnet

sind. Wasindem Solo „Mutter“,

das die Duncan Jahrenach dem

tragischen Unfalltod ihrer beiden

Kinder choreographierte, für ergreifende

Momente sorgt.

Aber stärker noch ist der Eindruck

bei den frühen Soli, in denen einen

der Atem der Geschichte anweht.

Hier wurde etwas erfunden, im Umgang

mit der Musik, in der Weise mit

dem bewegten Körper Gefühle auszudrücken,

was es vorher noch nicht

gegeben hatte auf der Welt. Dass sich

einem das vermittelt, ist der ungewöhnlichen

Präsenz und der anmutigen

Würde der Tänzerin und Tanzgeschichts-Expertin

Elisabeth

Schwartz zu verdanken. Jérôme Bel

schafft die Struktur, inder sich das

verdichten kann, aber etwas mehr

hätte da von ihm ruhig kommen

können.

Wie zum ersten Mal

Zwei Tage zuvor hatte man sich einigermaßen

gut unterhalten im HAU1,

bei Gunila Heilborns „The Wonderful

and the Ordinary“. Dabei war es

weniger ein Tanzstück als eine Performance

zum Thema Erinnerung.

Es ist klug gebaut, aber magisch ist es

deswegen nicht geworden. Obwohl

das Potenzial dazu kurz inder Luft

lag. Wenn ein Stück ratlos macht,

fände sie das unbedingt gut, hat Festivalleiterin

Virve Sutinen im Vorfeld

erklärt(siehe ein Gespräch mit ihr in

der Berliner Zeitung vom 7.August).

Nun, Latifa Laâbissis Arbeit im Hau

2, „White Dog“, hat einen ratlos hinterlassen.

Mehr lässt sich dazu nicht

sagen.

Anne Nguyens Stück „Kata“ im

Radialsystem, in dem die Choreographin

Breakdance und Martial Arts

miteinander verknüpft, war atemberaubend

virtuos.Eslitt eigentlich nur

an einem: Man hatte am Abend zuvorzuspäter

Stunde in den Sophiensäle

schon alles gesehen. Ein Stück

vonDeborah Hay, das einem dieWelt

erschließt, die Möglichkeiten des

Daseins mit den jeweils eigenen Gesetzmäßigkeiten,

ohne Zeigefinger,

ohne Wertung. „The ManWho Grew

Common in Wisdom“, ein dreiteiliges

Solo von 1989, von der jungen

Cullberg-Tänzerin Eva Mohn in purerPräsenz

gegeben, so,als würde alles

gerade im Moment zum ersten

Mal geschehen –und so, als wäre es

schon immer gewesen.

Der portugiesische Regisseur Pedro Costas ist in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet worden

VonPatrick Heidmann

Aufatmen war zum Abschluss des

72. Locarno Film Festivals unter

Cineasten angesagt. Auch im ersten

Jahr unter der künstlerischen Leitung

der Französin Lili Hinstin ist

das alteingesessene Festival im Tessin

seinem angestammten Profil

treugeblieben und gibt sich als Vorreiter

eines ebenso anspruchs- wie

kunstvollen Kinos. Zudiesem Eindruck

trägt auch der Gewinner des

Goldenen Leoparden bei, PedroCostas

„Vitalina Varela“.

Die Auszeichnung für den Portugiesen

durch die Jury unter dem Vorsitz

der französischen Filmemacherin

Catherine Breillat, zu der auch

die Berliner Regisseurin Valeska Grisebach

gehörte, kam nicht überraschend.

Man könnte Costas Film

über eine Frau, die von den Kapverden

nach Portugal kommt, ein paar

Tage nachdem ihr seit Jahren aus ihrem

Leben verschwundener Ehemann

dort beerdigt wurde, als Geistergeschichte

bezeichnen. In „Vitalina

Varela“ streifen die Hauptfigur

und die Menschen, die ihr begegnen,

derarterstarrt, gebrochen und wortlos

durch einen Slum von Lissabon,

dass sie wie Geister wirken.

Fast der komplette Film spielt

nachts, gesprochen wird in dieser

Leopardenvielfalt: Vitalina Varela und ihr

Regisseur Pedro Costas.

AP

ler Regie führte. Die beiden haben

ihreGeschichte eigentlich fürs Fernsehen

umgesetzt, nun wirdsie demnächst

zum Glück wohl doch auch

bei uns auf die Leinwand kommen.

Denn der Schwung und die ordentliche

Portion Humor, mit denen Köhler

und Winckler in diesem Drama

vom durchaus komplexen, am Beginn

eines neuen Lebensabschnitt

stehenden Verhältnis zwischen dem

alleinerziehenden Urs und seiner

19-jährigen Tochter Jette erzählen, in

dem Kümmern und Kontrolle sowie

Aufbruch und Abhängigkeit sehr nah

beieinander liegen, sind im deutschen

Kino keine Selbstverständ-

Düsternis wenig, und Formalismus

hat für Costa oberste Priorität. Doch

gerade dieser eher intellektuelle als

emotionale Ansatz und die streng

komponierten Szenen vermögen

eine beachtliche Faszination zu entwickeln.

Genau wie ProtagonistinVitalina

Varela, die den gleichen Namen

trägt wie ihre Figur und den

Preis als beste Darstellerin erhielt.

Der Spezialpreis der Jury ging an

den Koreaner Park Jung-bum für

„Pa-go“, eine ArtDorfkrimi über eine

junge Waise, für die beste Regie

wurde der Franzose Damien Manivel

für „Les enfants d’Isadora“ geehrt,

eine etwas verkopfte Verneigung vor

Tanzikone Isadora Duncan. Regis

Myrupu, ein Brasilianer indigener

Abstammung, der nie zuvor vor einer

Kamera gestanden hatte, durfte

für „A Febre“ den Leoparden als bester

Darsteller mit nach Hause nehmen.

Das nüchterne, fast dokumentarische

Spielfilmdebüt von Maya

Da-Rin wurde koproduziert von

Komplizen Film, der Produktionsfirma

vonMaren Ade, Janine Jackowski

und Jonas Dornbach.

An„Das freiwillige Jahr“, dem einzigen

deutschen Film im diesjährigen

Locarno-Wettbewerb,war Komplizen

Film nicht beteiligt, auch

wenn Ades Ehemann Ulrich Köhler

hier gemeinsam mit Henner Wincklichkeit.

Für einen Preis allerdings

hatte der Film der Jury am Ende womöglich,

trotz einer verweigerten

Auflösung am Schluss, zu wenig

Ecken und Kanten.

Auch jenseits von „AFebre“ im

Wettbewerb und Komplizen-Veteranin

Grisebach in der Jury stand das

diesjährige Festival durchaus ganz

im Zeichen der Berliner Firma, die

vor20Jahren vonAde und Jackowski

noch an der Hochschule für Film

und Fernsehen in München gegründet

wurde. Inder Reihe Fuori concorso

lief mit „Giraffe“ eine weitere

Produktion von Komplizen Film,

eine sehr detaillierte, bisweilen

durchaus theoretisch konzipierte

Beobachtung über Vergänglichkeit

und Einsamkeit auf der dänischen

Insel Lolland im Kontext der Dauerbaustelle

zum stockenden Fehmarnbelttunnel-Projekt.

Die Ziel- und

Stilsicherheit, mit der die dänische

Wahl-Berlinerin Anna Sofie Hartmann

dabei hinter der Kamera auf

dem schmalen Grad zwischen Dokumentation

und Fiktion wandelt,

ist bemerkenswert.

Vorallem aber wurde Komplizen

Film gleich zu Beginn des diesjährigen

Festivals mit dem Premio Raimondo

Rezzonico, ausgezeichnet,

einem Sonderpreis für unabhängige

Produzenten.

Binder will

wieder auf

ihren Posten

Bausch-Tanztheater: Neuer

Prozess um Ex-Intendantin

Gut ein Jahr ist es her, dass das

Tanztheater Wuppertal Pina

Bausch sich im Streit von seiner damaligen

Intendantin Adolphe Binder

trennte. Die Kulturmanagerin

klagte mit der erklärten Absicht, in

ihre Position zurückkehren zu wollen,

und sie hatte Erfolg: Diefristlose

Kündigung sei unwirksam, hatte ein

Richter des Arbeitsgerichts Wuppertal

im Dezember 2018 entschieden.

Noch am selben Tag kündigte die

Leitung des berühmtenTanztheaters

Berufung an. Dieist vordem Landesarbeitsgericht

in Düsseldorf für diesen

Dienstag (20. August) angesetzt.

Möglicherweise entscheidet das Gericht

noch am selben Tag.

Dererste Termin in einem kleinen

Raum des Arbeitsgerichts Wuppertal

hatte lange gedauert. Etliche Tänzer

und Mitarbeiter des Tanztheaters

verfolgten stehend und still die Verhandlung.

Sie hatten wohl gehofft,

mehr Informationen zu bekommen.

Denn die fristlose Kündigung war

nur knapp begründet worden: unter

anderem mit der Wiederherstellung

der Handlungsfähigkeit und dem

Fehlen eines Spielplans für die

nächste Saison. Die Tänzer waren

von der Entwicklung auf einer Gastspielreise

überrascht worden. Binder

Die ehemalige Intendantin des Pina-

Bausch-TanztheatersAdolphe Binder

TOP 10

Sonnabend, 17.August

DPA

war insgesamt nur gut ein Jahr auf

dem Posten. Unter ihrer Leitung hatten

die Tänzer erstmals zwei Uraufführungen

anderer Choreografen

herausgebracht.

Deutlich wurde während der Verhandlung

des Arbeitsgerichts, dass

Geschäftsführung und Intendanz

heillos zerstritten waren. Es hatte

eine Mediation gegeben. Mitarbeiter

beschwerten sich beim Chef der

Stadtverwaltung. „Natürlich gab es

erhebliche Spannungen“, hatte der

Richter zusammengefasst. Jedoch

habe die Geschäftsführung des

Tanztheaters nichts unternommen,

um zu deeskalieren.

Unterdessen arbeitet seit November

2018 am Tanztheater eine neue

Führungsriege: Geschäftsführer ist

Roger Christmann, die Intendantin

nun Bettina Wagner-Bergelt. Siesind

gleichberechtigt. Bei Binder hatte

die Geschäftsführung das letzte

Wort. Auf der Bühne hat sich nichts

geändert: DieWuppertaler Compagnie

tritt auf vor ausverkauften Häusern,

inszeniert die Stücke von Pina

Bausch und führt sie vor einem internationalen

Publikum auf. (dpa)

1 Tagesschau ARD 5,75 26 %

2 Fußball Bundesliga ARD 4,40 24 %

3 Wilsberg ZDF 4,30 17 %

4 Der Staatsanwalt ZDF 3,64 15 %

5 Versteh. Sie Spaß? ARD 3,44 15 %

6 Sportschau ARD 2,81 19 %

7 heute journal ZDF 2,73 13 %

8 heute ZDF 2,50 14 %

9 Promi Big Brother RTL 2,20 12 %

10 RTL Aktuell RTL 2,10 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Die Therapie

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

20.00 Container:Herzstück

Radialsystem (✆ 288 78 85 88)

19.00: DabkeCommunity Dancing (Medhat Aldaabal

(Tanz), Ali Hasan (LivePercussion)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Schatten (Eurydikesagt)

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.00: Cosmic Comedy(Dharmander Singh, Neil

Numb u. a.)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: ZirkusAngela

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Früher war ich älter (Horst Evers)

KLASSIK

Schloss Glienicke (✆ 80 58 67 50)

18.00 Orangerie: Yuri Mizobuchi (Mezzosopran), Stephen

Barchi (Bass), Mozartensemble Berlin, Berliner

Klassiktage–Rokokoenminiature, Joseph Haydn:

Streichquartett F-Dur op. 3Nr. 5„Serenadenquartett“;

Wolfgang Amadeus Mozart: Divertimento D-Dur

„Salzburger Sinfonie“; Giovanni Battista Pergolesi:

„Die schlaue Bäuerin“

KINDER

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

FELD –Theater für Kinder und Erwachsene

(✆ 54 08 69 48) 10.00: Die gestiefelte Katze, Daniel

Wagner,(ab 4J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00:1,2,3,Kultummel–DieAusstellungmit dem Vielfalter,Lernvielspaß

für Mitmachkinder (ab 3bis 11 J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: PUSTEblume, Theater Vielfalt, Puppenspiel (ab

2bis 7J.)

SO36 (✆ 61 40 13 06)

17.00: Roller Kidz,Rollschuhdiskofür Kinder

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Konrad oderDas Kindaus der Konservenbüchse,

(ab 7bis 11 J.)

LITERATUR/VORTRAG

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

19.30: Literatur Live: „Marzahn, mon amour“, Katja

Oskamp, Buchpremiere

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

19.30: Der Gott der Stadt, Christiane Neudecker,

Buchpremiere, Mod.: Insa Wilke

21.00: Wortservierung: „Cum Ridere Voles“ –Wenndu

Lust hast zum Lachen: Komm zu Besuch.Briefe des

Horaz, mit Richard Burger

Martin-Luther-Kirche Neukölln (✆ 623 30 58)

18.00: Montagabend im Luther´s: Literarischer Abend

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

FÜHRUNG

Ansichtssachen (✆ 99 54 80 53)

11.30: Reichstag &Regierungsviertel: Mit Dachterrasse

und Kuppel, Treff: Brandenburger Tor, vorder

Touristeninformation. Anm. erf.

11.30: Kreuzberg SO 36: Schillerndster Bezirk

Berlins, Treff: U-Bhf. Kottbusser Tor, Adalbertstr.unterm

Brückenhochhaus. Anm.erf.

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

14.00: Kuratorenführung in denaktuellen Ausstellungen

Bärentouren (✆ 46 06 37 88)

14.00: Berlin on theSecond View –Berlin insider

tour to famous historical sights, Meeting point:

‚Granitschale’ (big stone bowl), Lustgarten, Führung in

engl. Spr.. Anm. erf.

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain –

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bis heute,Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

16.00: Berlin zur Zeit der Romantik –Literaturführung

vonE.T.A. Hoffmann überdie Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour –Alt-Berliner Sagen und

Anekdoten: romantiktour zwischen Hackeschem Markt

und Klosterviertel, Treff: Klosterruine –Klosterstr./Grunerstr.(Nähe

U-Bhf. Klosterstraße). Anm. erf.

22.00: The Ghost Tour with Nightwatchman –Tracing

the ghosts and sagas of Old-Berlin, Meetingpoint:

Entrance Nikolaikirche, Propststr.(Mitte), English

guided tour.. Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf den Spuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm. erf.

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

11.00, 12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –

Die Ausstellung am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

14.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

Treff: Ausstellungshalle

Frauentouren (✆ 626 16 51)

18.00: VonClaire Waldoff zu Shermin Langhoff

–Frauen in der Berliner Theaterszene, Gundula

Schmidt-Graute, Treffpunkt wirdbei der Anmeldung

mitgeteilt: 0151-20 53 65 83. Anm. erf.

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

13.00: Führung durch das Konzerthaus Berlin, in

deutscher und englischer Sprache

me Collectors Room Berlin (Auguststr.68)

12.00: Forschen, Entdecken, Verstehen –Die WunderkammerOlbricht,

Treff: Counter im me Collectors

Room Berlin

Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt

(✆ 81 70 47 26)14.00:Die Gräber der Mendelssohns

und ihrer Verwandten auf dem Jüdischen

Friedhof Schönhauser Allee, Sabine Krusen,Treff:

Eingang Friedhof Schönhauser Allee

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

14.00: Ältestes Berlin über- wie unterirdisch:Klosterviertel

–archäologischer Ort–James-Simon Ehrung,

erste Stadtmauer,Franziskaner-Ruine, lnstanzenweg,

Bernd S. Meyer, Treff: Klosterstr., Eingang Parochialkirche

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

11.00, 13.00, 15.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30, 13.30, 15.30: Tour durchs Olympiastadion

(in English)

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

9.00: Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: CaféBlume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte –Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte,Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im Cafe Sibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Sommer

Warmwerden

beim

Swing

Nur bei schönem Wetter,

heißt es in der Ankündigung

des Tanzpavillons zum

Montagsswing. Vor ein paar

Wochen machte mich dieser

Zusatz noch euphorisch. Auf

das schöne Wetter sei Verlass,

schrieb ich. Miteinem herrlich

lauen Abend sei zu rechnen.

Und zwar nicht nur an dem

Tag, sondern auch an den folgenden.

Dieser Tage aber habe

ich irgendwo schon das Wort

Spätsommer gehört, und es

war, als zöge man mir den Boden

unter den Füßen weg. Mit

der Verlässlichkeit des Sommers

ist es vorbei. Selbst wenn

die Temperaturen tagsüber

noch ein sommerliches Maß

erreichen –laue Nächte sind

passé. Mitten im August sind

wir vonder dunklen Jahreszeit

umfangen. An diesem Montag

sieht es aber gar nicht so

schlecht aus: 16 Grad Tiefsttemperatur

sind vorhergesagt.

Und beim Tanzen wird einem

doch warm. Susanne Lenz

Montagsswing 20 Uhr,Tanzpavillon im

Monbijoupark

Die in Halle an der Saale geborene Jaeckie Thomae veröffentlicht mit „Brüder“ ihren zweiten Roman.

Manche Städte sind

Lieblinge der Literatur,

Berlin gehört

selbstverständlich

dazu. Metropolen-Klischees und

Fiktion überlagernund verschönern

die hiesige Wirklichkeit. Eines der

tragischen, aber wahren Ereignisse

in Berlin ist der Unfalltod des Expressionisten

Georg Heym, der 1912 im

Havel-Eis einbrach und ertrank. Sein

zwei Jahre zuvor verfasstes Gedicht

über einen „Gott der Stadt“, der rotbäuchig

auf den Dächern sitzt und

seine „Fleischerfaust“ schüttelt,

wurde zum Inbegriff der düster-fiebrigen,

etwas irren Nachtseite des

urbanen Lebens.

Christiane Neudecker machte

diesen „Gott der Stadt“ undden jung

verstorbenen Dichter zum Drehund

Angelpunkt eines Romans über

Studenten einer „Elite-Schauspielschule“.

Sie selbst besuchte die

Hochschule für Schauspielkunst

Ernst Busch, weiß also,wovon sie erzählt,

und lebt als Schriftstellerin

und Diplom-Regisseurin in Berlin.

Ihr Roman zelebriert die hermetische

Welt junger Theaterleute, die

mit einem Georg-Heym-Fragment,

ihrem Ehrgeiz, ihrem Professor und

miteinander ringen, bis am Todestag

des Dichters eine Leiche von der

Theaterdecke hängt. Das alles spielt

sich in den 90er-Jahren ab, die ja als

besonders interessante und bewegte

Nachwende-Zeit in die Geschichtsbücher

eingingen. Was Neudecker

mit Referenz auf die expressionistische

Ära unserer Stadt daraus

machte, erzählt sie am Montag im

Gespräch mit Insa Wilke im Literaturhaus

an der Fasanenstraße.

Wer es nüchterner oder gegenwärtiger

mag, geht am gleichen

Abend vielleicht lieber zur Lesung

von Katja Oskamps „Berlin mon

amour“. Hauptfigur ist Oskamp

selbst, eine Schriftstellerin, die der

oft verklärten Brotlosigkeit ihres Gewerbes

mit einem Fußpflegejob in

Berlin Marzahn begegnet. Sie erzählt,

was sie zu Füßen ihrer Kundschaft

zu hören bekommt, in der Peripherie

und ganz unten sozusagen,

vorallem ganz sachlich –was ja auch

urbane Tradition hat. DieKritikist jedenfalls

begeistert, Cornelia Geißler

schrieb zum Beispiel: „Ihre Erzählhaltung

ist so berlinisch wie die in

den Büchern von Katja Lange-Mül-

Sabine Rohlf

liest am liebsten Berlin-Romane aus den

frühen 30er-Jahren und begegnet in ihrer

Straße öfter minderjährigen Lesernauf

der Suche nach dem Wohnhaus eines

Kreuzberger Kinderbuchhelden.

KINO

CHARLOTTENBURG

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Leid und Herrlichkeit

15.20,20.30; So wie du mich willst 18.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Once Upon a

Time in... Hollywood 13.00, 16.30, 20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Once Upon aTime

in... Hollywood (OF) 13.30, 16.50, 20.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 14.00, 17.30,

21.00; Und wer nimmt den Hund? 13.20, 15.30,

17.45,20.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 14.00, 16.30, 19.00, 21.30; Ich war zuhause,

aber... 14.00, 16.30, 19.00,21.30; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando –Toy Story IV(OF)

13.40,16.00, 18.20, 20.40; Cleo 14.15,16.30;Es

gilt das gesprochene Wort 18.45; Yesterday (OmU)

21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Und wer nimmt den

Hund? 18.00, 20.15; Fisherman‘s Friends –Vom

Kutter in die Charts 17.15

Kant Kino (✆ 319 98 66) AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 13.45, 16.00, 18.15, 20.30;

Photograph –Ein Foto verändertihr Lebenfür immer

15.30, 17.30, 20.30; Leid und Herrlichkeit 18.00;

Nur eine Frau 14.00; Yesterday 16.00, 21.00;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

18.30; Benjamin Blümchen 15.30; Der unverhoffte

Charme des Geldes 20.00; Leberkäsjunkie 15.30,

17.45,20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 17.00, 20.30; 3D: Der König

der Löwen 14.30; 3D: AToy Story 17.15; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 19.40; Once Upon aTime

in... Hollywood 22.45; Pets II 14.20; 3D: Der König

der Löwen 16.45; Once Upon aTime in...Hollywood

(OF) 19.30; 3D: AToy Story 23.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 14.00; Fast &Furious 17.20,

22.50; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

20.20; Die drei !!! 14.50; Spider-Man: Far

FromHome 17.20; 3D:Der Königder Löwen20.15,

23.00;Der König derLöwen 15.00,17.45; Und wer

nimmt den Hund? 20.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 22.45; Traumfabrik 15.10; Und wer

nimmt den Hund? 18.00; Yesterday 20.20; John

Wick: Kapitel III 23.00

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Electric Girl

11.00; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit –

At Eternity‘s Gate (OmU) 12.30; Berlin Bouncer

(OmenglU) 14.30; Benjamin Blümchen 16.00;

Unsere große kleine Farm –The Biggest Little Farm

(OmU) 17.30; Free Solo (OmU) 19.00;

The Dead Don‘tDie (OmU) 20.45; Burning (OmenglU)

22.30; Another Day of Life (OmU) 11.00; Klasse

Deutsch (OmU) 12.45; Ein ganz gewöhnlicher

Held –The Public (OmU) 14.15; Eine moralische

Entscheidung 16.15; Made in China 18.00; Der

unverhoffte Charme des Geldes 19.30; Berlin, I

Love You (OmU) 21.40; Der Goldene Handschuh

11.00; Sunset (OmU) 12.45; Ramen Shop (OmU)

15.15; Pets II 16.45; Yesterday (OmU) 18.15; Leid

und Herrlichkeit (OmU) 20.15; 3D: Spider-Man: Far

From Home (OF) 22.15

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Kroos 16.00;

Yesterday (OmU) 18.15; Ich war zuhause, aber...

20.30; The Dead Don‘t Die (OmU) 22.30; Yoga:

Die Kraft des Lebens –Debout (OmU) 16.00; Erde

(OmU) 17.45; Lord ofthe Toys 20.00; Free Solo

(OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Traumfabrik 13.50;

Spider-Man: Far From Home 14.00, 17.00; Apollo

11 (OmU) 14.00; 3D:AToyStory:Alles hörtauf kein

Kommando 14.00, 16.30, 19.30; Pets II 14.15,

17.20; Der König der Löwen 14.15, 16.45, 19.30;

Aladdin 14.30, 17.30; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.30, 17.00, 20.00; Fisherman‘s

Friends –Vom Kutter in die Charts 14.45; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 14.45, 17.15, 20.15; Benjamin

Blümchen 15.00; Yesterday 15.15, 18.20;

Once Upon aTime in... Hollywood 15.15, 16.30,

19.00,20.15;Die drei !!! 15.20; Kroos 16.50;3D:

Der König der Löwen 17.30,21.15; Und wer nimmt

den Hund? 17.45; X-Men: Dark Phoenix 18.00;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw (OF) 19.45; Annabelle

III 19.45; 3D: Der König der Löwen –The Lion

King (OF) 20.20; Sneak Preview 20.30; Once Upon

aTime in...Hollywood (OF) 20.30; Berlin, ILove You

20.30;Anna 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Rocketman

(OmU) 18.00; Yesterday (OmU) 20.15; O Beautiful

Night (OmenglU) 22.30; Cleo (OmenglU)

18.00;Das melancholische Mädchen 20.00; Berlin

Bouncer (OmU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Once Upon aTime

in... Hollywood 15.45, 16.30, 19.30, 20.10; 3D:

Der König der Löwen 16.45,20.15; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 16.45, 19.40; Spider-

Man: Far From Home 17.00,20.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 17.00, 20.00; Der König der Löwen

17.15, 19.40

Kino Kiste (✆ 998 7481) So wie du mich willst

14.00; Pets II 16.00; Fisherman‘s Friends –Vom

Kutter in die Charts 17.55; Monsieur Claude II

20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 14.15, 17.10, 20.00; Once

Upon aTime in... Hollywood 14.20, 17.00, 19.50;

3D: Der König der Löwen 14.30,17.20, 20.00; 3D:

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 14.30;

Benjamin Blümchen 14.40, 17.25; Pets II 14.45,

17.40; Der König der Löwen 14.50, 16.45, 17.50,

20.20; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.00, 17.30, 19.30; Die drei !!! 15.10; Spider-

Man: Far From Home 16.50, 20.10; Anna 19.40;

Yesterday 19.45;Annabelle III 20.30

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 15.30, 19.00, 22.30; B Es

gilt das gesprochene Wort 16.30; Yesterday (OmU)

19.00;The Dead Don‘t Die (OmU) 21.30

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Ich war zuhause,

aber... 17.45; Der unverhoffte Charme des

Geldes –Lachute del‘empire americain (OmU)

18.00; Ich war zuhause, aber... (m. Gast) 20.00;

Acid –Kislota (OmU) 20.30

Moviemento (✆ 692 4785) Once Upon aTime

in... Hollywood(OmU)11.15, 14.30, 17.45, 21.00;

Cleo 13.15; Pets II15.30; Fisherman‘s Friends –

Vom Kutter in die Charts (OmU) 17.30; Once Upon

aTime in... Hollywood(OmU) 20.00;Tel AvivOnFire

(OmU) 23.15; Die Winzlinge: Abenteuer in der Karibik

10.45; Checker Tobi und das Geheimnis unseresPlaneten13.00;Benjamin

Blümchen 15.00;Vox

Lux (OF) 17.15; Acid –Kislota (OmU) 19.45; Once

Upon aTime in...Hollywood (OmU) 22.00

Sputnik (✆ 6941147) Love after Love (DF) 16.30;

Cleo (OmenglU) 18.15; Burning –Beoning (OmU)

20.00;Tel Aviv On Fire 16.30; Geheimnis eines Lebens

–Red Joan (OmU) 18.15;Fisherman‘s Friends

–Vom Kutter indie Charts (OmU) 20.00; Rocketman

(OmU) 22.00; Kinobar im Sputnik B-Movie:

Lust &Sound in West-Berlin (OmenglU) 22.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Once Upon aTime in...

Hollywood 16.30, 20.00; New Und wer nimmt den

Hund? 16.10,18.20; Leid und Herrlichkeit 20.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Die drei !!! 14.15;

Der König der Löwen 14.45, 17.15, 20.00; Benjamin

Blümchen 15.00; Pets II 15.15; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 15.15, 17.30, 20.15;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.30, 19.45;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 17.15, 20.15; Yesterday

17.30; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in

die Charts 20.00

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Und wer

nimmt den Hund? 13.00, 18.15, 20.30; Sowie

du mich willst 13.00; Yesterday 13.15; Die drei !!!

15.00; Fisherman‘s Friends 15.15,20.15; 3D: Spider-Man:

Far From Home 15.45; Once Upon aTime

in... Hollywood 17.15, 20.15; Photograph 17.45

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Once

Upon aTime in... Hollywood 14.00, 16.30, 20.00;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 14.00, 16.45,

19.45; Der König der Löwen 14.00, 16.55; 3D: A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00;

Pets II 14.15, 17.15; Benjamin Blümchen 14.30,

17.45; AToy Story 14.30, 17.00, 20.15; Die drei

!!! 14.45; 3D: Der König der Löwen 16.45, 19.45;

Spider-Man: Far From Home 17.10; 3D: Spider-

Man: Far From Home 19.45; Yesterday 19.55; Annabelle

III 20.00; Anna 20.10

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mirai 17.00; Eine moralische

Entscheidung (OmU) 19.00; Cleo (OmenglU)

21.00; Face_It! (OmU) 18.00; Nur eine Frau

(OmenglU) 19.45;Axel,der Held (OmenglU) 21.45

Babylon (✆ 242 59 69) Axel, der Held 17.15;

Woodstock 50!: Not Fade Away (OmU) 17.30;

Woodstock 50!: Almost Famous – Fast berühmt

(OmU) 17.30; Woodstock 50!: Apocalypse Now

(OF) 19.00; Woodstock 50!: Love &Mercy (OmU)

19.45; Woodstock 50!: The Rolling Stones: Gimme

Shelter (OmU) 20.00; Woodstock 50!: Blow Up

(OF) 21.45; Woodstock 50!: The Rose (OF) 22.00;

Woodstock 50!: Gimme Danger (OmU) 22.30

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Yesterday

(OmU) 10.30, 12.45, 15.00, 17.15, 19.45,

22.15; Pets II 14.30; Rocketman (OmU) 16.15,

21.30; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die

Charts (OmU) 19.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 0200) Pets II

11.00, 14.50, 17.10; Fast & Furious: Hobbs &

Shaw 11.00,14.10,16.40,20.00,23.00; Der König

der Löwen 11.00, 13.50, 16.15, 19.10; Benjamin

Blümchen 11.15, 14.40; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 11.20, 14.00, 16.45,

20.00, 22.40; Die drei !!! 11.50, 13.40; Aladdin

12.00; 3D:AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

12.10, 14.45, 17.20; 3D: Pets II 12.20; Once

Upon aTime in... Hollywood 13.10, 16.40, 19.20,

20.20, 22.15; 3D: Der König der Löwen 15.00,

17.50, 20.20, 23.15; Yesterday 17.00; Spider-

Man: Far From Home 17.20, 19.40; Annabelle III

19.50, 22.45; Avengers: Endgame 20.45; Child‘s

Play 22.50; Killerman 23.10

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(Omdt+englU) 15.00; Ich war zuhause, aber...

(OmenglU) 17.00, 19.15; Berlin Bouncer (OmenglU)

21.30; Once UponaTime in...Hollywood (OmU)

14.45, 18.00, 21.15; Burning –Beoning (OmU)

14.15; Der unverhoffte Charme des Geldes –La

chute de l‘empire americain (OmU) 17.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 20.00; Es gilt

das gesprochene Wort (OmU) 14.30,21.30; So wie

du michwillst–Celleque vous croyez(OmU) 17.00,

19.15; The Dead Don‘t Die (OmU) 14.45, 22.00;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 17.00,

19.30

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando –Toy

Story IV(OF) 14.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.00, 16.45, 19.50; Die drei

!!! 14.05; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 14.10,

16.30, 19.45; 3D: Der König der Löwen 14.15,

17.00, 20.00; Spider-Man: Far From Home 14.20,

16.50; Pets II14.30, 17.30; 3D: AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.30, 17.15; Der König

der Löwen 14.40, 17.15, 19.40; Once Upon a

Time in... Hollywood 16.35, 19.30, 20.30; Aladdin

17.30; Sneak Preview (OF) 20.00; Sneak Preview

20.00; Once Upon a Time in... Hollywood (OF)

20.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 10.00, 20.20; Unsere große

kleine Farm –The Biggest Little Farm (OmU) 12.10;

Apollo 11 (OmU) 14.00, 22.30; Aladdin (OmU)

16.00;Sowie du michwillst –Celleque vous croyez

(OmU) 18.20

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Once Upon aTimein...

Hollywood (OF) 17.00, 20.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; Der unverhoffte

Charme des Geldes 16.15, 18.50; The Dead Don‘t

Die(OmU) 21.30;OnceUponaTime in... Hollywood

(OmU) 17.30,21.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 18.00, 21.30, 22.10; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando –Toy Story IV (OF)

15.45,17.30,19.50, 22.30; Leidund Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmenglU) 17.15, 20.00; Photograph

–Ein Foto verändert ihr Leben für immer (OmU)

16.40; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

19.00, 21.30; So wie dumich willst –Celle que

vous croyez (OmU) 16.00; Der König der Löwen –

The Lion King (OF) 18.15; Apocalypse Now –Final

Cut (OmU) 20.45

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.00, 16.30, 20.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 14.10, 16.45,

19.50; Benjamin Blümchen 14.20, 17.40; Pets II

14.30, 17.10; Der König der Löwen 14.40, 17.30;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.50,

17.20, 20.00; Spider-Man: Far From Home 19.40;

3D: Der König der Löwen 20.10; Sneak Preview

20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) The Dead Don‘t Die (OF)

12.00, 19.00; Das melancholische Mädchen

(OmenglU) 12.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor y

gloria (OmU) 13.40, 21.10; Vox Lux (OmU) 14.10;

Tonari noTotoro –Mein Nachbar Totoro 16.00; Ich

war zuhause, aber... (OmenglU) 16.40, 21.00;

Messer im Herz –Uncouteau dans le coeur (OmU)

18.50

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Benjamin

Blümchen 14.30; Once Upon aTimein... Hollywood

16.30, 20.00; Die drei !!! 14.00; Und wer nimmt

den Hund? 16.10,18.20, 20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88)Once Upon

aTime in... Hollywood 16.30, 20.00; Sneak Preview

22.00; Once Upon aTime in... Hollywood 14.30,

18.00,21.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.15, 15.45, 18.15; Und wer nimmt den

Hund? 15.15, 17.30, 20.30; Leid und Herrlichkeit

15.15,17.50, 20.30

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 0200)

Once Upon aTime in... Hollywood 14.00, 19.30;

Benjamin Blümchen 14.00; Der König der Löwen

14.15, 17.00; Pets II 14.20; Und wer nimmt den

Hund?14.30, 19.00;AToyStory:Alleshörtauf kein

Kommando 14.30,16.45; Berlin, ILove You 14.45;

Die drei !!! 14.50; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 16.15, 20.30, 21.45; Fisherman‘s

Friends –Vom Kutterindie Charts (OmU)16.30; So

wie du mich willst 17.00; Es gilt das gesprochene

Wort 17.15; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 17.30, 20.00, 22.30; Yesterday (OmU)

17.40, 22.45; So wie dumich willst –Celle que

vous croyez (OmU) 19.15; Der König der Löwen –

The Lion King (OmU) 19.45, 22.30; Sneak Preview

20.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

–Toy Story IV (OmU) 20.15, 22.40; Der unverhoffte

Charme des Geldes –Lachute de l‘empire americain

(OmU) 21.15; The Dead Don‘t Die (OmU)

23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Die Grube (OmU)19.00;

Acid –Kislota (OmU) 20.15


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

ORF/JOHANNES PUCH

ler und Annett Gröschner (…), auch

der Gedanke an Erich Kästner liegt

nicht so fern.“

Eine ganz andere Perspektive

nimmt Jackie Thomae in ihrem Roman

über „Brüder“ ein, die in den

zeitgeistigen Sphären Berlins und

Londons leben. In Leipzig und Berlin

geboren, haben sie unterschiedliche

Mütter, aber denselben Vater, einen

Gaststudenten aus Westafrika, den

sie aber nicht oder kaum kennen.

Der eine Bruder feiert imBerlin der

90er-Jahredie Nächte durch, widmet

sich Spaß, Drogen, Musik und vielen

Frauen, er ist ein liebenswürdiger,

ziemlich unzuverlässiger Lebenskünstler.

Als die Techno-Ära zuEnde geht,

wendet er sich dem Thema Yoga zu.

Der andere verlässt Deutschland so

schnell es geht und lebt als Stararchitekt

im multikulturellen London. Er

baut preisgekrönte Bahnhöfe, Museen

oder Villen, seine Arbeit führt

ihn bis in aus dem Boden gestampfte

Metropolen Chinas. Nichts interessiert

ihn so sehr wie die Bebauung

urbaner Räume.Erist ein Globalisierungsgewinner

und Workaholic, bis

er eines Tages ausrastet.

Die

heimlichen

Lieblingeder

Literatur

LESUNGEN

Christiane Neudecker im Gespräch mit

Insa Wilke, Montag,19. August, 19.30

Uhr,Literaturhaus Berlin, Fasanenstr.23

Katja Oskamp Moderation: Annett

Gröschner,Montag,19. August,

19.30 Uhr,Maschinenhaus der

Kulturbrauerei, Knaackstr.97

Jackie Thomae im Gespräch mit Tobias

Rapp, Donnerstag,22. August 2019,

20 Uhr,Kantine am Berghain, Am

Wriezener Bahnhof

Es gibt viele Arten

über Großstädte, insbesondere

Berlin, zu erzählen.

In dieser Woche kann

man mehrere davon studieren

Der Roman spannt einen weiten

Bogen und folgt beiden Lebensgeschichten,

die auch Liebes-, Familien-

und Stadtgeschichten sind, bis

in die Gegenwart und fächert dabei

die Debatten, Moden und Untiefen

der jeweiligen Jahrzehnte auf. Beide

Brüder haben es dabei immer auch

mit den Reaktionen auf ihre Hautfarbe

zutun –von offener Ausgrenzung

in der 70er-Jahre-DDR-Kindheit

über Schlägereien mit rechtsradikalen

Ex-Mitschülern bis zum gut

gemeinten Drängen einer Londoner

Freundin, sich doch fürihreIdentität

und postkoloniale Kritiken zuinteressieren.

Daran knüpft sich natürlich

auch dasProblem desabwesendenVaters,

mitdem diebeiden–wie

mit allem anderen – recht unterschiedlich

umgehen.Vonall dem berichtet

Thomae in einer Mischung

aus Ernst und entspannter Erzählkunst,

die ohne große Worte große

Fragen stellt. Und manche auch beantwortet.

Wo und wie sie das gelernt

hat, in Leipzig und Berlin, wo

sie aufwuchs, vielleicht auch in anderen

Städten oder urbanen Romanen,

erfährt man am Donnerstag in

der Kantine am Berghain.

Pop

Cruisey Psych-,

Rock- und

Reggae-Fusion

Einmal in Sydney angekommen,

kann man sich beim

Heraustreten auf die Straße

kaum dagegen wehren, seinen

Weg fröhlich und beschwingt

fortzusetzen. Das muss am

ganzjährig guten Wetter und

der positiven Grundstimmung

der Bewohner der Stadt am

Wasser liegen. Ein ähnliches

Gefühl vermittelt auch die Musik

der aus Sydney stammenden

Band Ocean Alley, die

„down under“ dem Status eines

Geheimtipps längst entwachsen

ist. OceanAlley spielt

einen Reggae, der auf eher leisen

Sohlen daherkommt. Die

Intros zu vielen Stücken sind

melodische, leicht ins psychedelische

tendierende Exegesen,

die doch unverkennbar

auf ihre Wurzeln aus dem Jamaikanischen

verweisen, denen

Bandleader Baden Donegal

auch optisch entspricht.

Sie selbst nennen es„cruisey

psych, rock and reggae fusion“.

HarryNutt

OceanAlley 20 Uhr,Badehaus, Revaler

Straße 99

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie –Haus 7

(Ruschestr.103) 15.00: Einblickins Geheime, Treff:

Foyer

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Open-Stage–Singer-Songwriter +Poets

Auster Club (✆ 611 33 02)

20.00: Onk Lou

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: TangoJazz Quartet (TJQ) of Argentina

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.00: Ocean Alley

Café Engels (Herrfurthstr.21)

20.00: Blue MoondayJazzsession hosted by Charlotte

Joerges

ItalienischesKulturinstitut (✆ 26 99 41 -0)

20.00 Innenhof:Black Fanfare –Demetrio Castellucci,

support: Marta De Pascalis, Davide Luciani,

#estate_italiana

LabSaal (✆ 41 10 75 75)

19.00: Schüler*innen der Musikschule Reinickendorf

spielen aus ihremProgramm

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: Skegss

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Larry Porter

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Asfixia Social +Air Balloon Riders

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

19.30: Die offene Liederbühne –Singer-Songwriter-Forum

CLUB

Acud Macht Neu (✆ 98 35 26 13)

19.00 Kunsthaus: Yambi Fufu Dinner

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Nice One, Fernando Viera, Diana May

KitKat/Sage-Club (Köpenicker Str.76)

23.00: Electric Monday, Bert, Hassan Alwan, Frankie

Flowerz, Ricardo Rodriguez

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: Scandal!, DK, Bat

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 18.00: Multisexual Boxhopping

SO36 (✆ 61 40 13 06)

19.00: Roller SkateDisko, Rollers HiFi

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 Globus: House of Waxx, Amila, Dadination aka

Ben Galt, Flørist

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Montagsswing,MondaySwing Night DJ Team

MUSEEN

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

10.00: Kunst in Berlin 1880–1980, Mi-Mo 10-18 Uhr

10.00: Fazit, realities:united, Mi-Mo 10-18 Uhr

10.00: Gartenparade, Atelier le balto, Mi-Mo 10-18 Uhr

10.00: 12x12, Mi-Mo 10-18 Uhr

Berlin StoryBunker (SchönebergerStr.23a)

10.00: Geschichte der Hauptstadt, Di-Fr 10-19, Sa/

So/Feiert. 12-20 Uhr;23.12.-26.12./31.12. geschl.,

ab 1.1. tgl. 10-19 Uhr

Botanisches Museum (✆ 83 85 01 00)

9.00: Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie

und Moderne, tgl. 9-19 Uhr

Brücke-Museum (✆ 831 20 29)

11.00: The GardenBridge, Mi-Mo 11-17 Uhr

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí –Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (✆ 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadt der Spione, tgl. 10-20 Uhr

Georg Kolbe Museum (✆ 304 21 44)

10.00: Lynn Chadwick –Biester der Zeit, tgl. 10-18

Uhr

Keramik-Museum Berlin (✆ 321 23 22)

13.00: 100. Ausstellung des KMB –ein Rückblick,

Fr-Mo 13-17 Uhr

13.00: Till Sudeck (1926-2014),Fr-Mo 13-17 Uhr

13.00: MaxRoesler,Fr-Mo 13-17 Uhr

Käthe-Kollwitz-Museum (✆ 882 52 10)

11.00: Mehr als ein Leben. Dauerausstellung des

Käthe-Kollwitz-MuseumsBerlin, Käthe Kollwitz, tgl.

11-18 Uhr

Liebermann-Villa am Wannsee (✆ 80 58 59 00)

10.00: MaxLiebermann –Gartenbilder,Apr.-Sept.

Mi-Mo/Feiert. 10-18 Uhr,Okt.-Mär.Mi-Mo/Feiert.

11-17 Uhr

11.00: MaxLiebermann und Lesser Ury. Zweimal

Großstadt Berlin, Mi-Mo/Feiert. 10-18 Uhr

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt (✆ 28 59

94 07)

10.00: Blindes Vertrauen –versteckt am Hackeschen

Markt 1941-1943, tgl. 10-20 Uhr

10.00: „... und immer wieder bewundernwir Eure

mit aufopfernder Liebe prima gepackten Pakete“, tgl.

10-20 Uhr

Museum für Film und Fernsehen (✆ 300 90 30)

10.00: 120 Jahre Deutsche Filmgeschichte und

Fernsehgeschichte in West und Ost, Di-So 10-18, Do

10-20 Uhr

10.00: Kino derModerne. Film in der Weimarer

Republik, Mi-Mo/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Pergamonmuseum (✆ 266 42 42 42)

10.00: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien

–islamische Kunst?, tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

10.00: Antikensammlung,tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

10.00: Museum für Islamische Kunst (Steinfassade

vonMschatta), tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

10.00: Vorderasiatisches Museum (Ischtar-Tor), tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

10.00 Museum für Islamische Kunst: Traum und

Trauma. Wiedereröffnung der Teppichsäle, tgl./Feiert.

10-18, Do 10-20 Uhr

10.00: Qazwini –Weltbilder–Bilder der Welt vor750

Jahren, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Schwules Museum (✆ 69 59 90 50)

14.00: My Dearest Sweet Love:Christopher Isherwood

&Don Bachardy, Mi-Mo 14-18, Do 14-20, Sa

14-19 Uhr

14.00: Karol Radziszewski: Queer Archives Institute,

Mi-Mo 14-18, Do 14-20, Sa 14-19 Uhr

14.00: Love at First Fight! Queere Bewegungen in

Deutschland seit Stonewall, Mi-Mo 14-18, Do 14-20,

Sa 14-19 Uhr

14.00: From RiottoRespectability,Summer Special,

Mi-Mo 14-18, Do 14-20, Sa 14-19 Uhr

Sportmuseum Berlin (✆ /30 58 3- 00)

10.00: StändigeAusstellung desSportmuseums,

Mo-Fr 10-14 Uhr

Stasi Museum Berlin (✆ 553 68 54)

10.00 Haus 1: Staatssicherheit in der SED-Diktatur,

Mo-Fr 10-18, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

The StoryofBerlin (✆ 88 72 01 00)

10.00: 800 Jahre Berliner Geschichte, tgl. 10-20 Uhr

Topographie des Terrors (✆ 25 45 09 50)

10.00: Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt

in der Wilhelm- undPrinz-Albrecht-Straße, tgl. 10-20

Uhr

10.00: Das Reichsarbeitsministerium 1933-1945.

Beamte im Dienst des Nationalsozialismus, tgl.

10-20 Uhr

10.00: Topographie des Terrors, tgl. 10-20 Uhr

Trabi-Museum Berlin (✆ 30 20 10 30)

10.00: Die Welt der Trabis, tgl. 10-18 Uhr

KINO

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Rote Räte- Die

bayrische Revolution aus der Sicht von Augenzeugen

18.00; Holiday –Sonne, Schmerz &Sinnlichkeit

(OmU) 19.00; Berlin Indie Doc Fest: Dokumentarfilmprogramm

(OF) 20.30; The Dead Don‘t Die

(OmU) 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Spider-

Man: Far From Home 14.15, 16.45, 19.45; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.15, 16.50, 20.05,

22.40; Pets II 14.20; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.20, 17.05, 19.55, 22.35; Die

drei !!! 14.25;Aladdin 14.25; Benjamin Blümchen

14.30, 17.20; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.30; Der König der Löwen 14.35,

17.20, 19.45; Once Upon aTime in... Hollywood

15.00, 16.30, 19.50, 22.30; 3D: Der König der

Löwen 17.00, 19.55, 22.40; Drei Schritte zuDir

17.10; Yesterday 17.15; 3D: MeninBlack:International

19.40; Anna 19.45; Berlin, ILove You 19.55;

Once Upon aTime in... Hollywood (OF) 20.00; Annabelle

III 22.30; 3D: Spider-Man: Far From Home

22.35; Child‘s Play 22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 3004)

Und wer nimmt den Hund? 15.30, 18.00, 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Cleo 18.00; Yesterday

20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) So wie dumich willst

18.00;Sowie du mich willst –Celle quevous croyez

(OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Pets II

10.00, 12.05, 14.30; Die drei !!! 10.00; Der König

der Löwen 10.00,11.55,14.00,17.00, 19.45;

Benjamin Blümchen 10.00, 12.10; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 10.00, 12.20, 14.55,

17.30, 20.30; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

14.30, 16.40, 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

16.30, 20.05; 3D: Der König der Löwen

17.40; Sneak Preview 20.15

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81)

Yesterday 13.45, 20.15; Geheimnis eines Lebens

16.00; Cleo 18.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Fisherman‘s Friends –

Vom Kutter in die Charts 14.30,17.15, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20) Pets

II 10.00, 12.15, 14.25, 17.40; Kleiner Aladin und

der Zauberteppich 10.00; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 10.00, 14.30, 16.40, 19.50, 23.00; Die

drei !!! 10.00,12.15, 14.40; Der König der Löwen

10.00, 14.00, 17.00, 20.00; Benjamin Blümchen

10.00, 12.00;AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

10.00, 12.00,14.30, 17.00, 19.55, 22.40;

AToy Story (OF) 12.00; 3D: AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 12.30, 14.20; Leberkäsjunkie

15.00, 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

16.50, 19.30, 23.00; Spider-Man: Far From Home

17.00, 20.30; 3D: Der König der Löwen 17.25;

Once Upon a Time in... Hollywood (OF) 20.15;

Sneak Preview (OF) 23.00; Sneak Preview 23.00

ThaliaMovie Magic (✆ 7743440) Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 15.15, 20.30; Benjamin Blümchen

15.15; Der König der Löwen 15.45, 18.00; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 15.45,18.15,

20.30; Once Upon aTime in... Hollywood 17.15,

20.30; Geheimnis eines Lebens 18.15; 3D: Der

König der Löwen 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Magical HistoryTour: Sie

küssten und sie schlugen ihn –Les quatre cents

coups(OmU) 20.00; Magical HistoryTour: Jahrgang

45 –Restaurierte Fassung (m. Vorfilm) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Pets II 12.30, 13.50; Der König der Löwen 12.30,

14.10,17.15,19.00;AToy Story: Alles hörtauf kein

Kommando 12.30, 14.00, 15.15, 17.00, 18.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 13.00, 14.00,

15.10, 17.00, 18.00, 19.15, 20.15, 22.10; 3D:

Der König der Löwen 13.10, 16.20, 20.40, 23.00;

Benjamin Blümchen 13.10; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 13.30; Drei Schritte zuDir 13.30,

16.10, 20.10; Aladdin 13.30, 16.40, 19.50; 3D:

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 13.30,

16.30, 20.00, 22.20; Glam Girls: Hinreißend verdorben

13.50; Cleo 13.50; Spider-Man: Far From

Home 14.00, 16.40, 19.10, 22.30; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 14.00, 16.30, 19.30, 22.50; Die

drei !!! 14.00; Rocketman 16.10,19.15; 3D: Pets

II 16.30; Berlin, ILove You 16.30, 23.00; Made in

China 16.40; Leid und Herrlichkeit 16.40, 19.40;

Annabelle III 17.15, 20.30, 22.40; Yesterday

17.20, 19.50; John Wick: Kapitel III 19.30, 22.20;

Killerman 19.40, 23.00; Der Fall Collini 19.40;

Avengers: Endgame 20.30; 3D: Spider-Man: Far

From Home 20.50; Anna 22.40; Men inBlack: International

22.50; Child‘s Play 22.50; X-Men: Dark

Phoenix 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Pets II –The Secret Life of Pets 2(OF) 13.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 13.30, 15.50,

16.40, 19.35, 20.30;Berlin, ILoveYou (OF) 13.35;

3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando –Toy

Story IV(OF) 13.40, 17.30; Der König der Löwen

–The Lion King (OF) 13.45, 16.30, 20.00; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando –Toy Story IV

(OF) 14.00, 17.30, 20.05; 3D: DerKönig derLöwen

–The Lion King(OF)14.30, 17.10, 19.45; Yesterday

(OF) 16.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw (OF)

16.50, 20.05; Rocketman (OF) 19.30; 3D: Spider-

Man: Far From Home (OF) 20.10

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) Once Upon

aTime in... Hollywood (OF) 11.30, 15.15; Once

Upon aTime in...Hollywood 19.00

Filmrauschpalast (✆ 394 4344) Apocalypse Now

Redux (OF) 20.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 1650) Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 14.00, 17.00,20.00, 22.30; Benjamin Blümchen

14.00; Die drei !!! 14.30; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.30, 16.45, 18.00,

20.15, 22.45; Der König der Löwen 15.00, 17.30,

20.00, 22.30; Pets II 16.00;OnceUponaTime in...

Hollywood 16.30,19.00, 20.15, 22.15

Casablanca (✆ 677 57 52) Traumfabrik 18.00;

Cleo 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 14.00, 17.00,

20.00; 3D: Der König der Löwen 14.00, 16.50,

19.40; Pets II 14.10;AToy Story:Alles hörtauf kein

Kommando 14.15, 16.45, 19.40; Der König der

Löwen 14.30, 17.20, 20.10; Benjamin Blümchen

14.30; 3D: AToy Story: Alleshörtauf kein Kommando

14.45,17.15; Once Upon aTime in... Hollywood

15.30, 16.30, 19.15, 20.00; 3D: Aladdin 16.50;

Annabelle III 19.40; 3D: Spider-Man: Far From

Home 19.45

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Der König

der Löwen14.00, 17.00, 19.30; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 14.10,17.00, 19.45; Pets II 14.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.30, 20.15,

20.30; 3D: Der König der Löwen17.15; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 19.45; Sneak Preview

20.00; Sneak Preview (OF) 20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Das melancholische

Mädchen 19.30; Santa &Andres –Santa y

Andres (OmU) 21.00

Toni & Tonino (✆ 92 79 12 00) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 10.45, 13.00, 15.15,

17.30, 19.45; Benjamin Blümchen 13.15; Und

wer nimmt den Hund? 15.30, 20.15; Fisherman‘s

Friends –Vom Kutter in die Charts 17.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Der unverhoffte

Charme des Geldes 15.30; Leid und Herrlichkeit

18.00; So wie du mich willst 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Benjamin Blümchen

15.15; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in

die Charts 17.45;Yesterday 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Britt-Marie war hier –Britt-

Marie var här (OmU) 18.00; Nonna Mia! –Metti la

nonna infreezer (OmU) 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Und wer nimmt den Hund?

16.00, 18.15, 20.30

FREILUFTKINOS

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 4603) Berlin

Bouncer (OmenglU) 20.45

Freiluftkino Insel im Cassiopeia (✆ 35 12 24 49)

Rafiki (OmU) 20.45

Freiluftkino Kreuzberg Raving Iran (OmU) 21.15

Freiluftkino Rehberge AStar Is Born 20.30

Open Air Kino Mitte (✆ 28 59 99 73) Whiplash

(OmU) 20.45

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Holiday – Sonne, Schmerz & Sinnlichkeit (OmU)

20.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Unsere

große kleine Farm –The Biggest Little Farm (OmU)

21.00

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz

(✆ 89 37 14 31) BlacKkKlansman (OmU) 20.45

POTSDAM

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Die drei

!!! 14.00, 16.00; Es gilt das gesprochene Wort

14.30; Und wer nimmt den Hund? 14.45, 16.45,

18.45, 20.45; Benjamin Blümchen 16.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 17.00, 20.15;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 18.15;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

(OmU) 18.15, 20.45; Yesterday (OmU) 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Spider-Man: Far From Home 13.40, 16.45; Once

Upon aTime in... Hollywood 13.40, 16.15, 19.50,

20.15; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 13.40,

16.30, 19.40; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 13.40;

Der König der Löwen 13.50, 17.05, 20.15; Benjamin

Blümchen 14.00; A Toy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.00, 17.00, 20.00; Pets

II 14.20, 17.25; 3D: Der König der Löwen 16.50,

20.00; Die drei !!! 17.20; Yesterday 19.40; 3D:

Spider-Man: Far From Home 19.50

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 03322/2798877) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.30; 3D:

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 03375/469777)

Drei Schritte zu Dir 17.15; Rebellinnen: Leg‘ dich

nicht mit ihnen an! 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Once

Upon a Time in... Hollywood 16.30, 19.15, 20.00;

Spider-Man: Far From Home 16.40; Drei Schritte zu

Dir 16.45; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 17.00,

20.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

17.00, 19.45; Der König der Löwen 17.10, 19.50;

Die drei !!! 17.30; 3D: AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 17.30; Pets II17.40; 3D: Der König

der Löwen 17.45, 20.15; 3D:Avengers: Endgame

19.30; Yesterday 20.00; 3D: Spider-Man: Far

From Home 20.00; Annabelle III 20.30

Filmforum Schwedt (✆ 033 32/44 92 90) Once

Upon aTime in... Hollywood 17.00, 19.30; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 17.15, 19.30,

20.15; Kroos 17.30, 20.00; Der König der Löwen

17.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 20.00

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Benjamin

Blümchen 14.45; Der König der Löwen 15.00;

Die drei !!! 15.15; Once Upon aTime in... Hollywood

17.00, 20.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

17.30, 20.30; Geheimnis eines Lebens 18.00; 3D:

Der König der Löwen 20.30

filmpalast Eisenhüttenstadt (✆ 03364/408310)

Pets II 16.00; Once Upon aTime in... Hollywood

16.45,19.30;AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

17.00, 20.15; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 17.15, 20.00; Der König der Löwen 18.00;

3D: Der König der Löwen 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Benjamin Blümchen 14.45; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.00, 17.15, 19.45; Der König

der Löwen 15.15; Pets II 15.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 17.00, 20.00; 3D: Der König

der Löwen 17.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

17.45, 20.15; All MyLoving –Eine Geschichte von

drei Geschwistern 20.30

Filmtheater Templin (✆ 039 87/531 30) Benjamin

Blümchen 15.00; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 17.00, 19.30

Haveltor Rathenow (✆ 033 85/51 57 58) Der

König der Löwen 15.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.00, 17.45, 20.15; Pets II

15.30; Benjamin Blümchen 15.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 17.00, 20.15; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 17.30, 20.15; They Shall Not Grow

Old 17.45; 3D: Der König der Löwen 20.15

Hofgarten Belzig (✆ 03 38 41/38 08 88) H1-3

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 15.30,

17.45, 20.00; Der König der Löwen 15.30, 20.00;

Pets II 15.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw17.20,

20.00; Ein Becken voller Männer 17.45

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) Benjamin

Blümchen 17.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

20.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Yesterday

14.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.00, 17.30, 20.30; Fast & Furious: Hobbs &

Shaw 18.00, 20.00

Movietown Wust (✆ 033 81/211 12 40)AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 16.30; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw19.00; OnceUpon aTimein...

Hollywood 16.30; Annabelle III 19.30; Der König

der Löwen 16.30; Once Upon aTimein... Hollywood

19.00; Die drei !!! 16.30; Spider-Man: Far From

Home 19.00; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 16.30; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 19.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

16.30; Der König der Löwen 19.00

Union Neuruppin (✆ 033 91/50 96 96) Der König

der Löwen 14.45, 17.15; Benjamin Blümchen

15.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.15, 17.30, 20.15; Fast & Furious: Hobbs &

Shaw17.00,19.45;Der Klavierspieler vomGaredu

Nord 20.00

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Unsere

große kleineFarm14.00; Die drei!!! 16.30; Yesterday

18.15;Axel, der Held 20.15

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 03371/40 16 41)

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 15.30,

17.45, 20.00; Pets II 15.30; Der König der Löwen

15.30, 20.15; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

17.20, 20.00; Tolkien 17.45

Union Prenzlau (✆ 039 84/80 17 21)AToyStory:

Alles hört auf kein Kommando 15.10, 17.30; Fast &

Furious: Hobbs&Shaw19.45;Der König der Löwen

15.20, 17.45; JussiAdler-Olsen: Verachtung 19.45;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 14.55, 17.40; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 20.20

Weltspiegel Kino Finsterwalde (✆ 035 31/22 11)

Der König der Löwen 17.15; Die Wiese –Ein Paradies

nebenan 17.30, 20.00; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 20.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019

·························································································································································································································································································

Spreewild

Kolumne

Meine Familie und

die Mülltrennung

VonKristina Vasilevskaja, 18 Jahre

Ich möchte etwas ändern ander

Art, wie wir in unserer Familie

umweltbewusst leben.Bisher ist das

nämlich wenig nachhaltig. Ichselbst

bin seit Frühling in einer Naturschutzorganisation

aktiv. Im März

war ich bei meiner ersten „Fridays

for Future“-Demonstration. Ichhöre

Podcasts, wie wir weniger konsumieren

und cleaner essen können.

Meine Familie

konfrontiere ich

regelmäßig mit

meinem neu gewonnenen

Wissen.

Mein erstes

Ziel: die Mülltrennung

optimieren.

Klingt

unkompliziert?

Kristina will die Mülltrennung

in ihrem

Haus optimieren.

Editorial

Vor einem Jahr, genauer gesagt

am 20. August 2018, demonstrierte

die heute 16-jährige Schwedin

Greta Thunberg erstmals für

das Klima. „Skolstrejk för klimatet“,

„Schulstreik fürs Klima“, stand auf

ihrem Plakat. Seither ist viel passiert.

Aus dem Protest einer Einzelnen

erwuchs eine weltweite Bewegung.

Grund genug für die Jugendredaktion,

die gesamte Seite diesem

Thema zu widmen. Noch mehr Artikel

und Interviews zur Klimakrise

gibt es diese Woche online auf

spreewild.de. Euer Spreewild-Team

PRIVAT

Bringe ich den

Biomüll raus,

schaue ich seufzend

auf die in

der Tonne liegenden Tüten. „Dann

wirf den Biomüll doch aus der Tüte

und schmeiß sie extra weg“, bitteich

meine Mutter. „Du wirst das nicht

machen, richtig?“ Ihr Schweigen

war mir Antwortgenug. Es warhoffnungslos,

denn sie wusste ganz genau,

was Plastik im Biomüllfür einen

Effekt hat. Aber die anderenimHaus

machten esjaauch so, dann machte

es keinen Unterschied, wenn wir

uns anschlossen. Dennoch bat ich

meine Mutter, den Plastiksack nicht

zu verknoten. Draußen dann hob

ich den Deckel mit gerümpfter Nase

hoch und schüttelte alles raus, ging

zurück zu den Containern und warf

die Tüte hinein. Wie stolz ich war.

Ich habe etwas Gutes getan, eine

kleine Handlung mit viel Wirkung –

hoffte ich. Denn auch die anderen

Nachbarn entsorgen den Bioabfall

in zugeknotetenPlastiktüten.

Es könnte soeinfach sein. Aber

selbst meiner jüngeren Schwester

ist korrekte Mülltrennung zu aufwendig.

Ich erzähle ihr, was ich von

meinemChemielehrer zur richtigen

Entsorgung von Joghurtbechern gelernt

habe, und zeige ihr, wie man

den Aluminiumdeckel abzieht und

als kleines Bällchen in die gelbe

Tonne wirft. Zwar landet auch der

Becher dort, jedoch ist esdann einfacher

für die Trennungsanlagen,

das Aluminium aus dem Plastik zu

holen. „Weiß ich“, antwortet sie.

„Und warum habe ich noch nie gesehen,

dass dudas gemacht hast?“

Sie zuckt nur mit den Schultern.

„Wäreganz schön,wenn du das machen

würdest“, entgegne ich ihr mit

meinem Ältere-Schwester-Unterton.

Ein bisschen Umständlichkeit

ist scheinbar auch für einige junge

Menschen eine unüberwindbare

Hürde. Ich lasse mich davon nicht

entmutigen und werde weiter nerven,

im Namen derUmwelt.

„Wir haben nicht viel erreicht“

Unermüdlich engagiert sich die Schülerin Hannah Blitz bei „Fridays for Future“ –zukünftig noch lauter

Hannah Blitz gehört zum

Berliner Organisationsteam

von „Fridays for

Future“. Die 16-Jährige

istnicht nur gut in der Schule –trotz

Freitagsdemos –, sondern auch in

ihrer Funktion als Pressesprecherin

der Bewegung zielstrebig.

Warum engagierst du dich bei „Fridays

for Future“?

Ich kann es nicht fassen, wenn

ich Bilder von toten oder lebendigen

Tieren sehe, die in Plastik verheddert

sind. Es kann nicht sein,

dass wir unseren Lebensraum zerstören.

Ich kann mir nicht vorstellen,

in dieser Welt Kinder zu bekommen,

wenn ich sehe, was hier alles

schiefläuft.

IstGreta Thunberg für dichein Idol?

An dem Wort Idol störeich mich

etwas. Das ist vor allem beim Ernst

der Lage nicht das treffende Wort.

Ich würde sagen, Greta ist eine sehr

berühmte Mitstreiterin. Ich bewundere

sie dafür, dass sie das alles ins

Rollen gebracht hat. Aber ich sage

immer, dass Greta nicht mehr „Fridays

for Future“ ist als alle anderen,

die auf unseren Demos sind.

Seit einem Jahr ist Greta nun im Klimastreik.Was

habt ihr,was hat „Fridays

for Future“ bisher erreicht?

…Streaming-Dienste in

puncto CO2-Ausstoß

schädlicher sind als der

Flugverkehr? Netflix,

YouTube und Social Media

verursachen eine

Menge Treibhausgase.

…eine Levis-501-Jeans

33 Kilogramm CO2

produziert. Wöchentliches

Waschen macht

dabei mit 37 Prozent

den größten Anteil aus.

…Haustiere richtige

Klimakiller sind? Ein

Hund verursacht rechnerisch

im Jahr so viel

CO2 wie eine Autofahrt

über 3700 Kilometer.

VonTamina Grasme, 24 Jahre

Nicht nurSchüler und Studierende,

auch die Universitäten haben

als Denkfabriken eine wichtige

Rolle im Kampf gegen die Klimakrise

inne. 45Universitäten aus aller

Welt haben sich zur weltweiten Allianz

U7+ zusammengeschlossen,

darunter die Berliner FU. Zum Abschluss

eines zweitägigen Treffens in

Paris wurde ein Manifest unterzeichnet,

in demsich die Universitäten

zu mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz

und sozialem Engagement

…ein iPhone 7

ganze 56 Kilo CO2

verursacht, wobei

schon 78 Prozent

bei der Produktion

anfallen?

Am 20. September ruft „Fridays for Future“ zum globalen Generalstreik auf.

Leider nicht viel. Klar reden sehr

viele Menschen darüber. Aber Taten

haben wir bis jetzt kaum gesehen.

Wirfordern ja eigentlich nurdie Einhaltung

des Pariser Klimaabkommens

–also dass sich Länder an das

halten, was sie sich selbst auferlegt

haben. Es ist eigentlich so absurd,

dass wir an so etwas erinnern müssen.

Jeden Tagkommen Nachrichten

von Katastrophen rein. Deshalb

habe ich den Eindruck, wir haben

nicht viel erreicht beziehungsweise

die Politiker haben nichtschnellgenug

gehandelt. Trotzdem bleibe ich

hoffnungsvoll!

…der tägliche Konsum

einer Tasse Kaffee pro

Jahr etwa 90Kilo CO2

verursacht? Das entspricht

ungefähr einer

Autofahrt von Berlin

nach Heidelberg!

verpflichten. „Wir verstehen uns im

Bereich des Klimaschutzes als

Vorreiteruniversität“, sagt Andreas

Wanke, Leiter der Stabsstelle für

Nachhaltigkeit an der FU. „Es ist uns

gelungen, den Energieverbrauch der

Universität seit 2001 um mehr als 25

Prozent zu reduzieren – und das

trotz seit 2010 stark gestiegener Studierendenzahlen

und Drittmittelausgaben.“

Mitder Senkung des Energieverbrauchs

seien CO2-Einsparungen

von 37Prozent verbunden.

„Zusätzlich beziehen wir seit neun

Jahren CO2-freie Energie. Auf den

Washeißt das für dieBewegung?

Wir müssen die Sache noch

energischer angehen –solange, bis

gescheite Reaktionen aus der Politik

kommen. Wir müssen am Ball bleiben

und noch lauter werden, alswir

es jetzt schon sind. Noch bunter,

noch kreativer, noch penetranter.

Ich möchte von Politikern keine Luschen-Aussagen

mehr hören, sondern

dass sie gezwungen sind, auf

etwas zu reagieren, was seit 40Jahrenwissenschaftlicher

Konsens ist.

Sind Politiker diejenigen, von denen

du am meisten Gegenwinderfährst?

Wusstest du, dass…

…dupassierte Tomaten

nur in einer Kartonverpackung

kaufen solltest?

Deren Produktion

verursacht nur ein Drittel

so viel CO2 wie die

einer Metalldose.

PETER KAGERER

Wie die FU das Klima schützen will

Die Berliner Hochschule hat sich einer weltweiten Universitätenallianz angeschlossen

Dächern der Universität produzieren

neun Dachsolaranlagen jährlich

rund 600.000kWh sauberen Strom.“

Trotz dieser Erfolge hat sich die FU

2018 in einer gemeinsam mit dem

Land Berlin unterzeichneten Klimaschutzvereinbarung

verpflichtet, die

campusbezogenen C02-Emissionen

gegenüber 2016 bis 2027 um weitere

10 Prozentzusenken.

Auch die Angestellten werden in

die Klimaschutzpläne eingebunden.

So will die FU nachhaltigere Anreisen

und Dienstreisen fördern. „In

den kommenden drei Jahren sollen

Man muss mit der Formulierung

„die Politiker“ vorsichtig

umgehen. Was ich meine, sind

Spitzenpolitiker, die nicht nur im

Rampenlicht stehen, sondern auch

Entscheidungspositionen bekleiden.

Es sind aber auch große Unternehmen,

die auf einmal öffentliche

Kampagnen gegen uns starten, oder

rechte Internet-Trolle.Neulich habe

ich gelesen, dass jemandauf Twitter

geschrieben hat, dass Gretas Uropa

den Klimawandel erfunden hätte.

Ich habe auch selbst schon Nachrichten

bekommen, ich und meine

„linksgrün-versifften“ Freunde sollten

uns alle dieKugel geben.

Welche Äußerungen über „Fridays

for Future“ ärgern dich am meisten?

„Die sind doch viel zu jung.“

Man muss nicht 90 sein, um zu begreifen,

was hier schiefläuft. Oder

auch: „Lasst das lieber die Profis

machen.“ Genau die stehen auf

unserer Seite. Und was mich auch

nervt: Wenn Leute sich nur auf das

„Schuleschwänzen“ konzentrieren

und vomtatsächlichen Problem ablenken.

DasGespräch führte LauraPatz,

25 Jahre.

Das gesamte Interview lest ihr auf

spreewild.de

…500 Gramm Tomaten

aus dem Gewächshaus

mit 1,5 Kilo CO2 deutlich

klimaschädlicher

sind als Freilandtomaten

mit

0,39 Kilo CO2?

…inBerlintäglich

460.000 Coffee-to-go-

Becheranfallen? Das

macht 46 Becher pro

Einwohner und Jahr.Und

deren Produktionverursacht

knapp 1Kilo CO2.

…eineMango 0,86Kilo

CO2 verursacht?Das

entspricht einer Autofahrt

vonsechs Kilometern.

Diegleiche Menge

Wassermelone verursacht

0,17 Kilo CO2.

…sich der Verzicht auf

tierische Milch klimatechnisch

besonders

auszahlt? 500 ml Soja-

Drink verursachen nur

halb so viel CO2 wie

500 ml Kuhmilch.

neue multioptionale Mobilitätsangebote

wie Bike-, Car- und Ridesharing

für die Universitätsangehörigen

entstehen.“ Auch die Fahrradfreundlichkeitauf

demCampus soll verbessertwerdenund

so die Nutzung von

Fahrrädern attraktiver machen. „Da

das Thema Dienstreisen aus CO2-

Perspektive eine herausragende Bedeutung

hat, wollen wir eine nachhaltige

Dienstreisenpolicy entwickeln,

welche die Notwendigkeit internationaler

Kooperationen mit

den Anforderungen des Klimaschutzesvereinen

soll.“

FOTO: ADOBE STOCK/KATEINA, ILLUSTRATION: LORENZ WILMEN

Apps, die

die Welt

verbessern

Mit ihnen wird

nachhaltiges Leben leichter

Von Minou Becker, 19 Jahre,

und Rosina Link, 15 Jahre

Esgibt immer mehr Apps, die einem

dabei helfen, nachhaltiger

und umweltfreundlicher zu leben.

Wirstellen euch vier vonihnen vor.

Die kostenlose App TooGoodToGo

zeigt an, in welchen Restaurants

oder Bäckereien unverkauftes Essen

für kleines Geld gekauft werden

kann. Im Blog gibt es weitere Tipps

gegen Essensverschwendung.

HappyCow zeigtseinen Nutzernan,

wo es in der Umgebung vegetarisches

und veganes Essen gibt. Bewertungen

und Angaben zu den

Preisen inklusive.

Die kostenlose App Zu gut für die

Tonne! desBundesministeriums für

Ernährung und Landwirtschaft hält

zahlreiche Rezepte für Restegerichte

aus übrig gebliebenen Lebensmitteln

parat. Dazu gibt es Informationen

und Tipps zu Lagerung und

Haltbarkeit jedesLebensmittels.

GrünZeit, ebenfalls kostenlos und

entworfen von der VerbraucherzentraleSchleswig-Holstein,

informiert,

welche Obst- und Gemüsearten das

Klima starkbelasten und daherbesser

nichtgekauft werden sollten.

Mehr Apps auf spreewild.de

Brandenburg

fordert

Klimanotstand

Für dessen Ausrufung setzt

sich eine Volksinitiative ein

Von Rosina Link, 15 Jahre

Mehr als 40 Städte und Kommunen

in Deutschland haben

bereits den Klimanotstandausgerufen,

am Mittwoch zuletzt Potsdam.

Nach Berlin sammelt nun auch in

Brandenburg eine Volksinitiative

Unterschriften, damit der Landtag

ebendiesen Notstand ausruft und

die Gesetzgebung künftig an der Erreichung

der Klimaziele ausrichtet.

„Brandenburgist aufgrundseiner

Geografie vomKlimawandel besonders

betroffen und gehört zugleich

zu den Ländern der Bundesrepublik

Deutschland mit dem stärksten

CO2-Ausstoß“, sagt die 24-jährige

Manon Filler, Studentin und Mitinitiatorin

der Volksinitiative. „Selbst

wenn der beachtliche Energieexport

herausgerechnet wird, liegt

Brandenburg noch weit über dem

bundesdeutschen Durchschnitt.“

Das Pariser Klimaziel für 2030 –mit

dem Fokus auf derMinimierung der

Treibhausgasemissionen – könne

faktisch nicht erreicht werden und

dazu, „wie die Klimaneutralität bis

2050 erreicht werden könnte, gibt es

bislang keinerlei belastbare Pläne“,

kritisiertFiller.

Mehr über die Volksinitiative und

was es eigentlich bedeutet, den

Klimanotstand auszurufen, erfahrt

ihr amFreitag auf spreewild.de.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

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Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 27

· ·

Herbst 2019 4,50 €

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TV-Programm

ARD

9.05 (für HG) Live nach Neun 9.55 (für HG)

Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister des

Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 12.00

(für HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet

13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00

(für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen

15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG)

Sturm der Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG) Verrückt nach Meer. Süße Versuchung

auf Sri Lanka 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 Brisant 18.00 (für HG) Gefragt –

Gejagt. 18.50 (für HG) Großstadtrevier. Auf

eigene Faust. Krimiserie 19.45 (für HG) Wissen

vor acht –Zukunft 19.55 (für HG) Börse vor

acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Sauerkrautkoma

Krimikomödie, D2018.Mit Sebastian

Bezzel, Simon Schwarz u. a.

21.45 (für HG) Exclusiv im Ersten

Schmutzige Reifen: Ein Milliardengeschäft.

Reportagereihe

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) D-Mark, Einheit, Vaterland

D-Mark, Einheit, Vaterland: Das schwierige

Erbe der Treuhand. Dokumentation

23.30 (für HG) Im Land der Täter (1/2)

Leben in der Wohlfühldiktatur

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Unter uns

9.30 (für HG) Alles was zählt. Soap 10.00 Der

Blaulicht-Report 11.00 Der Blaulicht-Report

12.00 Punkt 12 14.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal. Alte Buchstaben /Klappzahluhr

/Antiker Vibrator /Medizinschränkchen

15.00 Die Superhändler –4Räume, 1Deal.

Weizenglastische /Porzellanfigur /Astrolabium

/Friseurstuhl 16.00 Meine Geschichte –

Mein Leben 17.00 Meine Geschichte –Mein

Leben 17.30 Unter uns 18.00 Explosiv –Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Star-Magazin

18.45 aktuell 19.05 (für HG) Alles was zählt

19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Das Jenke-Experiment

Drogen

Dokumentationsreihe

21.45 Das Jenke-Experiment

Kiffen /Cannabis

Dokumentationsreihe

22.50 Extra –Das RTL Magazin

23.25 SpiegelTVRechter Rapper erobert

die Charts –wer ist Chris Ares? /Die

Gesichtsretter –wie deutsche Ärzte

missgebildeten Kindern in Vietnam

eine neue Zukunft geben

0.00 Nachtjournal

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR ABENTEUER

Arte

12.30 (für HG) Der Duft vonHolunder. TV-Romanze,

D2010 14.00 (für HG) MDR um zwei

15.15 (für HG)Wer weiß denn sowas? 16.00

(für HG) MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell

18.10 (für HG)Brisant 18.54 (für HG) Sandmann

19.00 (für HG) MDR Regional 19.30 (für

HG) Aktuell 19.50 (für HG) Biwak 20.15 (für

HG) In aller Freundschaft –ZweiHerzen. TV-Arztfilm,

D2018 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für

HG) MDR Wahlarena. Live 23.05 (für HG) Taking

Woodstock–Der Beginn einer Legende. Komödie,

USA 2009 0.55 (für HG) Alles Klara

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG)

Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Querbeet 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Musikantentreffen in Schwangau 21.00 (für

HG) Mundart aufgetischt 21.45 (für HG) Rundschau

Magazin 22.00 (für HG) Lebenslinien

22.45 (für HG) Der Kaiser von Schexing 23.10

(für HG) Hannas schlafende Hunde. Drama,

D/A 2016 1.00 Vereinsheim Schwabing

Vox

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind –Wie erziehst du denn? 15.00 Shopping

Queen 16.00 4Hochzeiten und eineTraumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.15 Hot oder Schrott –Die Allestester

22.15 Endlich kapiert?! 23.15 Hot oder

Schrott –Die Allestester 0.15 nachrichten

0.35 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Eine Frage der Zeit

Super RTL

12.10 Bugs Bunny &Looney Tunes 13.10 5

Freunde 13.40 Angelo! 14.05 Die Nektons –

Abenteurer der Tiefe 14.35 Grizzy &die Lemminge

14.55 Dragons 15.25 Voll zu spät!

15.50 Spirit: wild und frei 16.20 Zig &Sharko –

Meerjungfrauen frisst man nicht! 16.45 Coop

gegen Kat 17.15 Sally Bollywood 17.40 Die

Nektons –Abenteurer derTiefe 18.10 Grizzy &

die Lemminge 18.40 WOW Die Entdeckerzone

19.10 Voll zu spät! 19.40 Angelo! 20.15 On

the Case –Unter Mordverdacht 22.10 On the

Case –Unter Mordverdacht 0.05 Infomercials

Sport1

15.30 StorageWars –Die Geschäftemachert

16.30 Find It,Fix It, Flog It –Schätze aus der

Scheune 17.30 Storage Hunters. Der rätselhafte

Anhänger 18.00 Storage Hunters. Am Haken

18.30 StorageWars –Geschäfte in Miami.

Fehldiagnose 19.00 Storage Wars –Geschäfte

in Miami. Willkommen in Florida 20.00 Sport1

News 21.00 Fußball: DFB-Pokal Pur 22.00

Sport1 News 22.30 Goooal! –Das internationale

Fußball-Magazin 23.00 Fußball: Die MLS-

Highlights 23.30 3. Liga pur (bis 0.15)

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Scheißtag.

Krimiserie 11.15 (für HG) SOKO Wismar. Fischköppe.

Krimiserie 12.00 heute 12.10 drehscheibe

13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die Küchenschlacht

15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Tödliche Konkurrenz. Krimiserie

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute 18.00

(für HG) SOKO München. Der Kuss. Krimiserie

19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Nord Nord Mord –Clüver

und der leise Tod

TV-Krimikomödie, D2018. Mit Robert

Atzorn,Julia Brendler,Oliver Wnuk u.a.

Regie:Anno Saul

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) November Man

Actionthriller,USA/GB 2014. Mit

Pierce Brosnan, Luke Bracey, Olga

Kurylenko u.a.Regie: Roger Donaldson

23.55 heute+

0.10 Die Wunde Drama, SA/D/NL/F 2017.

Mit Nakhane Touré, Bongile Mantsai

5.10 Auf Streife. Reportagereihe 5.30 Frühstücksfernsehen.

Moderation: Matthias Killing,

Christian Wackert, Marlene Lufen, Alina Merkau,

Jochen Schropp, Karen Heinrichs 10.00

Im Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für

Sie! 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan

Lucas, Alexander Stephens, Isabella Schulien

12.00 Anwälte imEinsatz 13.00 Anwälte im

Einsatz 14.00 Auf Streife.Reportagereihe

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring 17.30 Klinik

am Südring –Die Familienhelfer 18.00 Promis

Privat 19.00 Genial daneben –Das Quiz

19.55 Nachrichten

20.15 Gefangen im Paradies

TV-Abenteuerfilm, D2016.

Mit Anna Loos, Bernhard Piesk,

Mika Seidel,Irene Rindje, Maythavee

Weiss-May,Gigi Velicitnt u. a.

Regie: Felix Herzogenrath

22.15 Promi Big Brother

Show. Moderation: Jochen Schropp,

Marlene Lufen

23.45 akte 20.19 Spezial

Promi Big Brother

0.40 Promi Big Brother

2.10 Criminal Minds: Team Red Krimiserie

13.05 (für HG) Nashorn, Zebra &Co. 13.55 (für

HG) Zoo-Babies 14.20 (für HG) In aller Freundschaft

15.05 (für HG) In allerFreundschaft

15.50 Erlebnisreisen 16.00 (für HG) Aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Land und lecker

21.00 (für HG) Ausgerechnet 21.45 (für HG)

Aktuell 22.10 (für HG) Hunde verstehen! 22.40

(für HG)Das Leben istkein Pausenhof 0.10 (für

HG) NightWash 1.10 (für HG) nuhr gefragt

NDR

14.00 (für HG) aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas?

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG)

Mein Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard,Seebär

&Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für

HG) Die Nordreportage 18.45 (für HG) DAS!

19.30 Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Markt 21.00 (für HG) Die

Tricks... 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für HG)

45 Min 22.45 (für HG) Kulturjournal 23.15 (für

HG) extra 3 0.00 (für HG) Ladies Night 0.45

(für HG) Die Tricks...der Plastikindustrie

Kabel eins

6.40 The Mentalist 7.35 Blue Bloods –Crime

Scene NewYork 9.25 Navy CIS: L.A. 10.20 Navy

CIS 11.10 Without aTrace 12.05 Numb3rs

13.00 Castle 14.00 The Mentalist 14.55 Navy

CIS: L.A. 15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Lebentäglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 AchtungKontrolle

aktuell 20.15 Godzilla. Actionfilm, USA/J 2014

22.45 Born2Die. Actionfilm, USA 2003 0.40

Der Mann mit der Todeskralle. Karatefilm, HK/

USA 1973 2.20 Late News 2.25 Bruce Lee: Die

Todesfaust des Cheng Li. Karatefilm, HK 1971

RTL 2

5.15 Privatdetektive imEinsatz 6.00 Die Straßencops

–Jugend imVisier 7.00 Die Straßencops

–Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Frauentausch

14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Hilf mir! Jung,pleite, verzweifelt

... 17.00 News 17.10 Krass Schule –Die jungen

Lehrer –Wie alles begann 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15

Konny Goes Wild! 22.15 Reality Alarm! 23.15

Traumfrau gesucht 0.15 exklusiv –Die Reportage

1.05 exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

8.30 Tennis: US Open. Finale Herren 10.30

Radsport: Tour of Utah. 6. Etappe 12.00 Tennis:

US Open. Finale Damen 13.30 Radsport:

BinckBank Tour 14.45 Leichtathletik: Diamond

League 15.45 Tennis: US Open 16.50 Eurosport

News 16.55 Tennis: USOpen. 1. Qualifikationstag.Aus

NewYork Flushing Meadows

19.00 Tennis: US Open. 1. Qualifikationstag

21.00 Tennis: US Open. 1. Qualifikationstag

23.00 Tennis: US Open. 1. Qualifikationstag

1.00 Tennis: US Open. 1. Qualifikationstag

DAS ERSTE, 20.15 UHR KRIMIKOMÖDIE

Sauerkrautkoma

Den ProvinzpolizistenFranz Eberhofer (Sebastian Bezzel, r.)trifft es schwer:

Nichtnur,dassernach München versetzt wird,zudem muss er nunauch

noch in einer Wohngemeinschaft mit seinem schrulligenKumpel Rudi (Simon

Schwarz) und seiner Widersacherin, derKommissarin Elisabeth Mayerhofer leben.

Als eine Leiche in einem Kofferraum auftaucht, hat Eberhoferdie Chance

zurückinsein geliebtes Provinznest Niederkaltenkirchen zu gehen.Probleme

gibt es jedoch auch hier,denn Freundin Susi erwartet einen längstüberfälligen

Heiratsantrag. Mit„Sauerkrautkoma“ zeigtdas Ersteden bereits fünften Film

der bayerischenKrimikomödienreihe um denumden Polizisten Franz Eberhofer

und seinen Kumpel Rudi Birkenberger. Diesen Sommer folgte mit „Leberkäsjunkie“Teil

sechs der Reihe.

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VOM vom17./18. 17.8.2019

MITTEL mittel

3 4 8 1 9 6 5 7 2

6 1 7 2 8 5 3 9 4

2 9 5 4 3 7 8 1 6

4 8 2 3 7 9 6 5 1

5 7 6 8 1 2 4 3 9

9 3 1 6 5 4 7 2 8

8 5 9 7 4 1 2 6 3

1 6 4 5 2 3 9 8 7

7 2 3 9 6 8 1 4 5

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM

vom

17./18.

17.8.2019

8. 2019

SCHWER schwer

5 7 8 6 9 2 3 4 1

6 2 4 1 7 3 8 9 5

9 3 1 8 4 5 2 7 6

3 6 5 4 8 7 9 1 2

8 4 9 2 3 1 6 5 7

7 1 2 5 6 9 4 8 3

1 5 6 9 2 8 7 3 4

2 8 7 3 5 4 1 6 9

4 9 3 7 1 6 5 2 8

5.40 Berlin erwacht –Sommer 6.05 Schau in

meine Welt! 6.30 rbb Praxis 7.30 Tier zuliebe

–Die Reportage 8.00 Brandenburg aktuell

/Abendschau 9.00 In aller Freundschaft

9.45 In aller Freundschaft –Die jungen Ärzte

10.35 Rote Rosen 11.25 Sturm der Liebe

12.15 Der Winzerkönig 13.00 rbb24 13.05

Verrückt nach Meer 13.55 Gartengeschichten

14.40 Marita –die Apfelretterin 15.10 Stadt,

Land, Haus 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß

denn sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla

&Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –

Das Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in

berlin &brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell

/Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Super.Markt Gefahr durch blaues PC

Licht /Ärger mit dem Mietwagen /Wer

alt ist zahlt mehr /Brötchen im Test

21.00 Brandenburg-Wahl

Die Herausforderer

21.45 rbb24

22.00 Tatort Der scheidende Schupo

TV-Kriminalfilm, D2017. Mit Nora

Tschirner,Christian Ulmen u. a.

23.30 Polizeiruf 110 Die alte Frau im Lehnstuhl.

TV-Kriminalfilm, DDR 1987. Mit

Wolfgang Dehler,Lutz Riemann u. a.

0.55 Alles Klara Krimiserie

ProSieben

7.30 Last Man Standing 8.25 The Middle 9.20

Fresh off the Boat 10.15 Mike &Molly 10.40

How IMet Your Mother 11.35 2Broke Girls

12.30 Mom 13.00 Twoand aHalf Men. Wer

hat in meinen Busch gepinkelt?/Tattoo-Tata/

Vorteil: Fettes, fliegendes Baby 14.20 The

Middle. Der Kampf ums Fliegen/Die Zeitkapsel

15.15 The Big Bang Theory. Duell in drei Jahren/Die

Helium-Krise/Die Spockumentation/

Spione wie wir.Comedyserie 17.00 taff. Britische

JGA's in Krakau /Suchtklink Schlehreut /

SOS –die Beautyretter 18.00 Newstime 18.10

Die Simpsons. Krustys Bar Mitzvah/Eine Simpsons-Weihnachtsgeschichte.

Zeichentrickserie

19.05 Galileo. X-Days Gebäudereiniger

20.15 The Big Bang Theory

Die Spaßbremse /Wenn Männer

Händchen halten .... Comedyserie

21.10 Mom

Weg mit den Spendierhosen /

Vergebungskumpels. Comedyserie

22.05 The Big Bang Theory

Mein Gespräch mit Mutter /Reife

Leistung,Playboy!. Comedyserie

23.05 The Orville

Das Blut der Patrioten. Sci-Fi-Serie

0.05 The Big Bang Theory Die Spaßbremse

/Wenn Männer Händchen halten ...

11.20 Fahrt ins Risiko 12.50 Arte Journal

13.35 (für HG) Sierra Charriba. Western, USA

1965 15.45 Stadt Land Kunst 16.25 (für HG)

X:enius 16.55 (für HG) Wales –Großbritanniens

wilder Westen 17.45 (für HG) Ein Traum von

Baum 18.35 (für HG) Wüste Wurzeln, starke

Stämme 19.20 Arte Journal 19.40 Südtiro

20.15 (für HG) Immer Ärger mit Harry. Krimikomödie,

USA 1955 21.50 Augen ohne Gesicht.

Horrorfilm, F/I 1960 23.20 Frühstart Leben.

Dokumentarfilm, B2016 0.35 Arte Journal

0.55 Das Mädchen Insiang. Drama, PHI 1976

3Sat

12.25 (für HG) sonntags 13.00 (für HG) ZIB

13.20 Grenzflüsse 14.05 Grenzflüsse 14.50

Romantische Flüsse 15.35 Romantische Flüsse

16.15 Romantische Flüsse 17.00 (für HG) Terra

X 17.45 (für HG)Terra X 18.30 nano 19.00 (für

HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Vonder Steppe in die Alpen –

Vögel inÖsterreich 21.05 Universum 22.00 (für

HG) ZIB 2 22.25 Heimweh. Dokumentarfilm, A

2017 23.45 (für HG) Notfall Hausarzt 0.15

10vor10 0.45 (für HG) Science Busters –Wer

nichts weiß, muss alles glauben

Phoenix

13.00 Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ungarn.

Live 14.15 NaturNah 14.45 Geheimnisvolle

Orte 15.30 Marathon hinter Mauern –Der

Gefängnislaufvon San Quentin 15.45 Knast in

Deutschland 17.15 #phoenix-freistil 17.30

phoenix der tag 18.00 Die Nordreportage

18.30 Australien –Kontinentder Extreme 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 Neuseeland –Rivalen

der Urzeit 21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Große Völker der Geschichte

23.45 ZDF-History 0.30 Aufgedeckt 1.15 Neuseeland

–Rivalen der Urzeit

Kika

11.10 (für HG) Find me in Paris 12.25 H2O –

Plötzlich Meerjungfrau 13.35 Livespiel 13.45

(für HG) krass nass! Die Tigerenten Club Sommerspiele

14.10 Schloss Einstein 15.00 (für

HG) Mako –Einfach Meerjungfrau 15.45 Stoked

16.10 (für HG) Lenas Ranch 16.55 Horseland,

die Pferderanch 17.35 Eine lausige Hexe 18.00

Bobby &Bill 18.15 Ben &Hollys kleines Königreich

18.40 (für HG) Löwenzähnchen 18.50

Sandmann 19.00 (für HG) Mia and me 19.25

(für HG) Wissen macht Ah! 19.50 (für HG) logo!

20.00 (für HG) KiKA Live 20.10 Sam Fox

Dmax

13.15 Nordalaska –Überleben am Polarkreis

14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein Ziel

15.15 North Woods Law –Die Wildlife-Ranger

16.15 Texas Jail –Unter Arrest 16.45 Border

Control –Spaniens Grenzschützer 17.15 Die

Gebrauchtwagen-Profis 19.15 Border Control –

Spaniens Grenzschützer 20.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

21.15 Youngtimer Duell 21.45

Driftbrothers 22.40 DMAX News 22.45 Las

Vegas Hot Rods 23.40 DMAX News 23.45 Die

Gebrauchtwagen-Profis 0.40 Youngtimer Duell

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Die Story 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Alles Wissen

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittag

magazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.20

Weltspiegel 20.00 Tagesschau 20.15 Im Jugendamt.

Dokumentarfilm,D2016 21.47 Menschen

hautnah. Erst mal Abi –Und dann? 22.15 Markt

23.00 Tagesthemen 23.30 MDR Wahlarena 0.30

Europamagazin 1.00 Nachtmagazin 1.20 DieTagesschauvor

20 Jahren 1.40 MDR Kultur 1.55

Abendschau 2.25 SachsenSpiegel 2.55 Extra

3.02 Aktuelle Stunde 3.47 Extra 4.02 Brandenburgaktuell

4.30 butenunbinnen

ONE

12.00 Sturmder Liebe 12.45 Sturm der Liebe

13.35 Um Himmels Willen 14.25 Pfarrer Braun.

Grimms Mördchen. TV-Kriminalfilm,D2010 15.55

Dawson's Creek 16.40 Dawson's Creek 17.25

Lindenstraße 17.55 Frau Temmesucht das Glück

(1/6) 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder

Liebe 20.15 Männer dieauf Ziegenstarren. Militärfilm,

USA/GB 2009 21.40 extra 3 22.25 Three

some 22.45 Threesome 23.10 Threesome 23.30

Threesome 23.50 Der Zürich-Krimi. Borchert und

die Macht der Gewohnheit. TV-Kriminalfilm,D201

1.20 Lindenstraße 1.50 Threesome 2.10 Threeso

me 2.35 Threesome 2.55 Threesome 3.20 MDR

Kultur 3.35 Frau Temmesucht dasGlück

ZDF NEO

7.35 Topfgeldjäger 8.30 Lafer! Lichter! Lecker!

9.15 Baresfür Rares 10.05 Bares für Rares

11.00 MitHerz undHammer 11.45 DieRettungs

flieger 12.30 Die Rettungsflieger 13.15 Psych

14.35 Kommissar Stolberg. Zwischen denWelten

Krimiderie 15.35 Die Rettungsflieger.Väter und

Söhne. Actionserie 17.05 Psych. Lassie –totalve

hext. Krimiserie 18.30 Baresfür Rares 19.20 Bares

fürRares 20.15 (für HG)Inspector Barnaby.

Mord mitGroove. TV-Kriminalfilm, GB 2007. Mit

JohnNettles 21.50 (für HG)InspectorBarnaby.

Denn du bist Staub. TV-Kriminalfilm, GB 2007

23.20 Candice Renoir 1.10 Spooks –ImVisier

desMI5 2.00 Parfum 4.55 Neu im Kino

ZDF INFO

6.35 Hightechfür den Alltag 8.05 LeschsKosmos

9.05 Aufgeklärt –Spektakuläre Kriminalfälle 9.55

Dem Verbrechen auf derSpur 12.50 Hightech-

Gangster 14.20 Täter im Netz 15.45 Täterjagd.

Der Fall Véronique Pirotton 17.15 Mörderjagd. Da

Monster von Paris 18.45 Time Scanners:Geheim

nissein3D. Petra 20.15 Der Kampf um Caesars

Erbe. Schlacht beiPhilippi 21.40 (für HG)Rom am

Rhein.Krieg undFrieden 23.50 Rätsel derGeschichte.Das

Kolosseum in Rom 0.35 (fürHG)

heute-journal 1.05 Öl, Macht und Religion–Saud

Arabien undder Iran 3.35 (für HG) Iran bittersüß –

Reisedurch ein Land derWidersprüche 4.20 Tehe

ran extrem –SubkulturimGottesstaat

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Feuer untermVesuv –Streichermu

sik aus Neapel. Mit Bernhard Schrammek, ca

56 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Verbier Festival W.A. Mozart: Sinfonia concer

tante Es-Dur KV 364; Sinfonie D-Dur KV 297

„Pariser”; Beethoven: 7. SinfonieA-Dur op. 92

(Antoine Tamestit,Viola; Verbier Festival Kammerorchester,

Violine und Leitung: Leonidas

Kavakos), ca. 146 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musikfest Bremen 2018 Mit Klaus Gehrke.

Werke von Buxtehude: Toccata F-Dur BuxWV

156; Magnificat primi toni BuxWV 201;

Schlick: Maria zart von guter Art; Salve Regina

Cavazzoni: SalveVirgo; J.S. Bach: Fuga sopra

Magnificat BWV 733; DorischeToccata und

Fuge BWV 538; Foccroulle: Spiegel (Gerhard

Löffler,Orgel), ca. 105 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Hanya Yanagihara: „Das Volk der

Bäume”(26/38). Mit Gunter Schoß, Matthias

Bundschuh, ca. 30 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Solea” Kriminalhörspiel nach Jean-Claude

Izzo. Mit Hans Peter Hallwachs, Isabelle Redfern,

Martin Engler,Alberto Fortuzzi u. a. Regie

Ulrich Gerhardt, ca. 57 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Rafik Schami: „Die geheime Mission

des Kardinals” (21/40). Mit Udo Schenk,

Jürgen Tarrach, ca. 26 Minuten

MAGAZIN

22.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Gespräch Mit Günter Kunert (Schriftsteller).

Moderation: Katrin Wenzel, ca. 30 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Rosemary Clooney. Mit Susanne

Papawassiliu, ca. 30 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

In Concert Jazzbaltica. Jakob Bro Quartet. Mit

Jakob Bro (Gitarre), Palle Mikkelborg (Trompete

Thomas Morgan (Bass), Jorge Rossy (Schlagzeug).

Mod.: Matthias Wegner,ca. 87 Min.

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Einstand „Ein großes Fagott für kleine Hände

Kinderinstrumente aus der Holzbläserwerkstat

von Ludwig Frank, ca. 30 Minuten

23.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jazz „If 6was 9” –Woodstock@50. World Saxo

phone Quartet Experience: „The Music of Jimi

Hendrix”. Mit Guenter Hottmann, ca. 30 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 191 · M ontag, 19. August 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Heather Locklear (57) macht leider

schon längst nicht mehr mit guten

Rollen wie einst in „Denver Clan“

oder „Melrose Place“ vonsich reden,

sondernimmer öfter mit Skandalen.

Im Juni 2018 wurden Polizisten zum

Anwesen der US-Schauspielerin gerufen,

weil es dortzum Streit mit ihremFreund

gekommen war.Sie sei

betrunken gewesen und habe Polizisten

und einen Sanitäter angegriffen,

hieß es damals.Einen ähnlichen

Vorfall hatte es bereits einige Monate

zuvor gegeben. Locklear wurde wegen

Körperverletzung festgenommen,

kam aber gegen Kaution wieder

auf freien Fuß. Nunzeigte sich

ein Gericht gewillt, die fällige Haftstrafe

von120 Tagen auszusetzen,

wenn die Schauspielerin freiwillig in

eine Entzugsanstalt geht.

Stefanie Heinzmann (30) baut schon

mal vorfür Zeiten jenseits des Rummels

–und bleibt dabei angenehm

unprätentiös.Die Sängerin, die es

bis zum Jahr 2015 mit immerhin

neun Singles in die deutschen Charts

geschafft hatte,kann sich auch eine

Arbeit als Schreinerin oder Hebamme

vorstellen. „Falls die Leute

mich irgendwann nicht mehr hören

wollen, ist es sinnvoll, sich damit zu

beschäftigen“, so die Schweizerin.

Anja Blacha (29) ist kein Ziel zu hoch.

Eben noch war sie die jüngste Deutsche

auf dem Mount

Everest, jetzt hat sie als

erste Deutsche den

zweithöchsten

Berg

der Erde

bezwungen

–der

K2 gilt als

Griesgram

unter den Gipfeln.

Undjetzt? Kurze

Verschnaufpause,

bevor es Ende

des Jahres auf

Skierndurch

die Antarktis

geht. Respekt!

(avo./mit dpa)

Die gebürtige

Bielefelderin auf

8611 Metern. DPA

TIERE

Strandgut der niedlichen Sorte:

Robbie im Sand.

PRIVAT/DPA

Hoppla: Dasdürfte für die Spaziergängerin

am Hamburger Elbstrand

dann doch eine überraschende Begegnung

gewesen sein. Eine junge

Robbe lag da an der Süderelbe im

Stadtteil WilhelmsburgimSand –

und robbte der Frau und ihrem

Hund gar nicht scheu hinterher.Die

herbeigerufene Wasserschutzpolizei

taufte den kleinen Seehund Robbie,

machte ein Foto und schickte es an

die Seehundstation Friedrichskoog,

die per Ferndiagnose eine amtliche

Unterbringung für das entkräftete

Tier empfahl. Nunwiederum war die

Feuerwehr gefragt, die Robbie vorübergehend

ins Tierheim brachte.

Dortwirdder verirrte Strandgänger

aufgepäppelt, bis er fit genug ist für

den Weitertransportnach Friedrichskoog.

Diereinste Robben-

Odyssee! (avo.)

„Meine Kinder lieben die Geschichten“

Der Zeichner Guy Delisle ist für seine humorvollen Reisecomics bekannt –und setzt sich als Rabenvater in Szene

Mit seinen humorvollen

und zugleich profund

recherchierten Reisecomics

aus Shenzhen

(China), Pjöngjang (Nordkorea), aus

Myanmar oder Israel gehört der kanadische

Zeichner Guy Delisle zu

den Mitbegründern der Comic-Reportage.Mit

seinem Album „Geisel“,

das die wahre Geschichte einer Geiselhaft

in Tschetschenien erzählt,

wechselte er zuletzt erfolgreich ins

ernste Fach. Nun ist trotzdem der

vierte Teil seines ironischen „Ratgebers

für schlechte Väter“ erschienen.

Wir trafen den überaus vielseitigen

Künstler in Berlin –Delisle ließ es

sich bei der Gelegenheit nicht nehmen,

für uns gleich noch ein passendes

Bild zu zeichnen. Selbstverständlich

wurde es unser Aufmacher.

Mister Delisle, hatten Sie nicht angekündigt,

mit den „Ratgebern“ aufzuhören?

Unverhofft kommt oft: EinMagazin

hatte mich um eine Geschichte

gebeten, als ich vonder Lesereise mit

„Geisel“ aus Deutschland heimkam.

Mir fiel gleich die Episode ein, wie

ich in Leipzig einsam im Hotelzimmer

saß und meinen Kindern zu

Hause in Montpellier am Telefon von

meiner tollen Tour vorschwärmen

wollte – sie mich aber abwürgten,

um mit Freunden oder am Computer

zu spielen. Nicht mal die Süßigkeiten,

die ich als Souvenir versprach,

halfen. Aus Frust habe ich

die dann selbst verspeist. Die Geschichte

zeichnete sich vonselbst.

So ging’s wieder los.

Im neuen Buch erzählen Sie, wie

Sie Ihre Tochter im Buchladen

vergessen, Ihren Sohn mit Computerspielen

von den Hausaufgaben

ablenken und die Kinder zu

Komplizen Ihrer Lügen machen. Ist

Ihr Nachwuchs sauer, wenn er so die

Wahrheit erfährt–oder froh, weil Sie

so IhreAutorität untergraben?

Meine Kinder lieben die Geschichten.

So sehr, dass Sie manchmal

versuchen, sich neue auszudenken.

Es wäre natürlich super, wenn

sie ein paar gute Ideen hätten –leider

sind die meisten völlig unbrauchbar.

Wasich ihnen auch sofort sage, um

meinen Ruf als schlechter Vater zu

wahren.

Ihr Deutschland-Besuch war eine

Rückkehr: In den Achtzigern lebten

Sie sogar schon einmal hier.Wie war

das Wiedersehen?

Es hat mir sehr gefallen, auch

wenn ich fast nichts mehr wiedererkannt

habe. Ich denke gern daran

zurück, wie ich hier mein erstes Jahr

außerhalb Kanadas verbrachte: ein

halbes Jahr in München, ein halbes

in Berlin, als Zeichner am ersten

„Werner“-Film. Das war 1989, eine

wirklich aufregende Zeit, um in

West-Berlin zu leben –gerade,als die

Mauer fiel.

Guy Delisle als überforderter Vater.

Für die Leser der Berliner Zeitung gezeichnet: Delisle läuft durch Berlin. GUY DELISLE/REPRODUKT (4)

Die perfekte Vorlage für einen Ihrer

autobiografischen Comics.

Darauf wäre ich damals nie gekommen.

Ich weiß: Wie dämlich!

Aber seinerzeit zeichnete noch kein

Mensch Graphic Novels über solche

Erlebnisse. Erst, als ich später nach

Frankreich ging, entdeckte ich das

Magazin des Indie-Verlags L’Association,

der mit Lewis Trondheim und

ZUR PERSON

Guy Delisle, 1966 in Quebec geboren, gilt als „weltgewandtester Comicautor der Gegenwart“,

wie es ARD-Literaturkritiker Denis Scheck ausdrückt. Delisle studierte Kunst in Toronto und arbeitete

ab 1986 für verschiedene Zeichentrickstudios –seit 1989 in Europa.

Ironisch undpädagogisch inkorrekt widmet er sichim„Ratgeber für schlechteVäter“ denRabenvaterfreuden.

Der vierteBand ist jetzt auf Deutscherschienen(Reprodukt, 200 S.,12Euro).

Marjane Satrapi berühmt wurde. Da

wollte ich unbedingt erscheinen –

und zeichnete ein paar autobiografische

Strips.Später kam ich aus China

mit Unmengen Reisenotizen zurück

–genug fürs erste Buch. Ich merkte,

wie viel Spaß es bringt, einfach sich

selbst an diesen Orten zu zeigen, von

denen Journalisten kaum berichten

können.

Sie haben 20 Jahre lang diese Einblicke

in kurzen Episoden mit viel leisem

Humor gezeichnet. Bis Sie „Geisel“

vorlegten: Ein 400-Seiten-Opus

über die Leidensgeschichte eines Dritten

–ohne Gags, in realistischem Stil.

Wollten Sie endlich mal mehr als komisch

sein?

Ich war fasziniert von dieser fast

unbekannten Geschichte, die mir

Christophe Andre –ein Kollege meiner

Frau bei „Ärzte ohne Grenzen“ –

über seine Geiselhaft in Tschetschenien

erzählte. Anfangs haderte ich

damit, jemand anderen sprechen zu

lassen, auch weil ich Subjektives und

Gags weglassen musste. Es wurde

besser, als Christophe jede Seite als

authentisch abgenickt hatte. Denn

ich wollte ja kein amüsantes Buch

zeichnen, sondern seine Geschichte

erzählen. Dazu passte auch mein

Cartoon-Stil nicht. So wurde es ein

echter Marathon! Als ich fertig war,litt

ich fast an Wochenbettdepression –

da kam die Lesetour gerade recht.

Endlich raus aus der Zeichenstube!

In Ihrem Nordkorea-Album gehen Sie

auch der Frage nach, ob es wirklich

möglich ist, dass die Nordkoreaner

die Propaganda ihrer Regierung

glauben. Hat sich diese Frage relativiert,

seit Donald Trump mit „Alternativen

Fakten“ und Fox-News-Propaganda

regiert?

Tatsächlich musste ich an die Parallelgesellschaft

in Nordkorea denken,

als Trump und der Brexit kamen:

In Nordkorea werden die Menschen

ja von Informationen aus dem Rest

der Welt abgeschottet –und arrangieren

sich damit, weil es ohnehin gefährlich

ist, das zu hinterfragen. Im

Westen droht dir natürlich keine Gefahr

– aber der Effekt ist ähnlich,

wenn man sich nur Nachrichten aussetzt,

die die eigene Weltsicht bestätigen:

Man kann von allen möglichen

Seiten leicht manipuliertwerden.

Vorein paar Jahren sind auch IhreComics

in der Weltpolitik gelandet:

Nachdem nordkoreanische Hacker

Daten von Sony Pictures erbeuteten

und die Premiere einer Anti-Nordkorea-Komödie

nach Drohungen ausfiel,

stoppte das Hollywood-Studio

„New Regency“ kurz vor Drehstart die

Verfilmung Ihres Nordkorea-Buches.

Dabei wären Sie von Steve Carell gespielt

worden, und „Fluch der Karibik“-Regisseur

Gore Verbinski hätte

Regie geführt.

Es war irre. Sogar Obama als Präsident

hat Hollywood für das Einknicken

kritisiert. Leider war nichts

mehr zu machen, das Studio kann frei

entscheiden und hat das Projekt beerdigt.

Und das alles zwei Wochen,

bevor ich den endgültigenVertragunterschrieben

hätte und das Geld geflossen

wäre. Ich schätze, das war

wohl Nordkoreas Rache für mein freches

kleines Buch. Diese Bastarde!

DasGespräch führte Steven Geyer.

Der Zeichner berichtete aus Pjöngjang. Am Limit: Alles geben für die Kinder. In Jerusalem warDelisle länger unterwegs.

NACHRICHTEN

Iserlohn: Babyverliertbei

Messerangriff seine Mutter

Nach einem Messerangriff mit zwei

Toten am Bahnhof Iserlohn (Nordrhein-Westfalen)

ist ein dringend Tatverdächtiger

am Sonntag in Untersuchungshaft

wegen Totschlags genommen

worden. Der43-Jährige soll

am Sonnabend in einem Beziehungsstreit

seine getrennt vonihm lebende

32 Jahrealte Ehefrau und ihren 23-

jährigen neuen Lebensgefährten mit

einem Küchenmesser erstochen haben.

Laut Polizei ist die genaue Motivlage

weiter unklar.Der mutmaßliche

Täter und das weibliche Opfer stammen

aus dem Kosovo,das männliche

Opfer aus Afghanistan. DieFrauwar

mit ihrem zwei Monate alten Baby

unterwegs,das unverletzt blieb.Am

Bahnhof herrschte zur Tatzeit hoher

Publikumsverkehr.Zahlreiche Fahrgäste

und Passanten wurden unfreiwillig

Augenzeugen und mussten

seelsorgerisch betreut werden. (dpa)

Mehr als 1000 Tote in Indien

seit Beginn des Monsuns

SchwereRegenfälle haben in Indien

seit Beginn der Monsunzeit im Juni

bereits mehr als 1000 Menschen das

Leben gekostet. BisMitte August

seien in den neun am stärksten betroffenen

Bundesstaaten vorallem im

Nordosten undWesten des Subkontinents

1058Tote gezählt worden, teilte

das Heimatministerium am Sonntag

mit. Diemeisten ertranken in den

Wassermassen oder kamen bei Häusereinstürzensowie

Erdrutschen um.

Für Teile des nördlichen Indiens gaben

die Behörden am Sonntag

Hochwasserwarnungen aus. (dpa)

Neuer Waldbrand wütet auf

Gran Canaria

Der Brand waramSonnabend nahe dem

OrtValleseco ausgebrochen. AFP/D. MARTIN

Erneut ist in den Bergen der spanischen

Urlaubsinsel Gran Canaria ein

schwerer Waldbrand ausgebrochen.

Mehr als 2000 Menschen seien im

Zentrum der Insel in Sicherheit gebracht

worden, teilte der Sicherheitsrat

der Regierung der Kanarischen

Inseln, Julio Perez, mit. Sechs

Ortschaften sind nach Angaben des

Notfalldienstes betroffen, darunter

auch wieder die Gemeinden Tejeda

und Artenara, die schon voreiner

Woche wegen eines starken Feuers

in den Bergen evakuiertwurden. Dabei

waren in der Region südwestlich

der Hauptstadt Las Palmas bereits

rund 1500 Hektar verbrannt. (dpa)

Kölner Zoo spendiertLöwen

eine Fußbodenheizung

DerKölner Zoohat seinen Löwen

eine Luxussanierung des Geheges

spendiert–inklusiveFußbodenheizung.

200 000 Euro kostete der Umbau,

wie der Zoomitteilte.Die asiatischen

Löwen Gina (5) und Navin (3)

können sich nun auf zwei beheizbarenLiegeflächen

ausruhen. DasPärchen

hat die Wahl: Entweder es hält

seine Siesta auf dem Hügel vorder

Nase der Besucher ab oder zurückgezogen

in der neu eingerichteten

Höhle.Als nächstes soll das Quartier

der Tiger saniertwerden. (dpa)