Berliner Zeitung 20.08.2019

BerlinerVerlagGmbH

Gab er einen Mord in Auftrag? Der Stadtplan-Erbe Alexander Falk vor Gericht - Panorama Seite 26

Heute mit

GötzAlys

Kolumne

Seite 8

15°/23°

Hin und wieder Sonne

Wetter Seite 2

„Wir können Hauptstadt“:

Berlins Polizei wirbt für sich

Berlin Seite 9

www.berliner-zeitung.de

Merkel, Orban und das

Paneuropäische Picknick

Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8

Dienstag,20. August 2019 Nr.192 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Aufstehen: Wieesmit

Union jetzt weitergeht

Sport Seite 18

USA

Trumps

junger

Kreuzritter

VonKarlDoemens

Andiesem Freitag feiert erseinen

34. Geburtstag. Doch der Mann

mit der hohen Stirn könnte auch 20

Jahreälter sein. Stephen Miller pflegt

einen pedantischen Habitus und die

archaische Sprache eines Kreuzritters.

Die amerikanische Staatsbürgerschaft

ist ihm „etwas Heiliges“.

Werihn einen Rassisten nennt, wird

diffamiert als „Verdammter, für den

es keinen Platz in

dieser zivilisierten

Gesellschaft

gibt“.

Im Scheinwerferlicht

steht

Miller selten. Dabei

ist er Chefberater,

Redenschreiber

und

Stephen Miller,

Chefberater des Architekt der

US-Präsidenten Anti-Migrationspolitik

von US-

Präsident Donald Trump. Mit der

neuen Einwanderungsvorschrift, die

Hunderttausenden Greencard-Besitzern

die Staatsbürgerschaft verweigert,

sofernsie jemals auf staatliche

Unterstützung angewiesen waren,

ist Miller auf dem Zenit seiner

Karriereangekommen.

„Er hat sich tief in den Apparat

eingegraben, um fundamentale Änderungen

zu bewirken“, äußertsich

Trumps inzwischen in Ungnade gefallener

Ex-Chefideologe Stephen

Bannon in der Washington Post anerkennend

über seinen einstigen

Zögling. Geradezu besessen sei Miller

vomKampf gegen eine multikulturelle

Gesellschaft, heißt es in seiner

Umgebung. Selbst das konservative

Wall Street Journal zeigt sich

befremdet über „Millers Versuch,

Amerika in ein Land ohne Einwanderer

zu machen“.

Dabei stammt der Rechtspopulist

aus einem liberal-jüdischen Elternhaus

in Santa Monica. Doch schon

an der Schule wandte er sich gegen

den liberalen Zeitgeist, als Student

nannte er es seine „Pflicht, den Linken

die Stirn zubieten“. Ein Jahrzehnt

später sitzt er am Schalthebel

der Macht. Nur Trumps Schwiegersohn

Jared Kushner soll ähnlich viel

Einfluss auf den Präsidenten haben.

Eine atemberaubende Karriere,

die Millers Onkel David Glosser, ein

Neuropsychologe, gleichwohl „mit

Bestürzung und wachsendem Entsetzen“

verfolgt. Er nennt seinen

Neffen einen„Heuchler“: Anfang des

20. Jahrhunderts waren nämlich die

gemeinsamen Vorfahren vor Pogromen

in Russland mittellos in die USA

geflohen.

VonMelanie Reinsch

Ein bisschen spannend hat

es der Regierende Bürgermeister

Michael Müller

(SPD) ja schon gemacht:

Was der Senat konkret zum Jubiläumsjahr

der friedlichen Revolution

und 30 Jahrenach dem Mauerfall am

9. November plant, blieb lange geheim.

Klar war nur,dass es an sieben

Tagen rund um das historische Datum

an sieben Orten der Stadt eine

Festwoche geben soll –amKurfürstendamm,

am Schlossplatz, am

Brandenburger Tor, an der Gethsemanekirche,

amAlexanderplatz, an

der East Side Gallery und an der

Stasi-Zentrale in Lichtenberg.

Am Montag haben Müller und

Moritz vanDülmen, Geschäftsführer

der Kulturprojekte Berlin, nun endlich

Licht ins Dunkel gebracht.

Vom 4. bis zum 10. November

wirdsich Berlin in ein Open-Air-Festivalgelände

verwandeln, das Berliner

und Gäste zurück an die Schlüsselorte

und -ereignisse der friedlichen

Revolution und des Mauerfalls

von1989/90 bringen soll –vom Sturz

des SED-Regimes bis zum Aufbruch

in die neue Zeit.

Mehr als hundert Veranstaltungen

wird esindiesen Tagen geben,

Patti Smith wird singen, Westbam

Freiheit feiern

Das ist das Motto der Hauptstadt zum Mauerfall-Jubiläum.

An sieben Tagenund an sieben Orten soll in der Stadt an den 9. November 1989

erinnert werden. Und Patti Smith singt in der Gethsemanekirche

auflegen, Zeitzeugen sollen gehört,

Fassaden großflächig mit 3D-Projektionen

verwandelt werden. So wird

zum Beispiel am Humboldt-Forum

die historische Fassade des ehemaligen

Palasts der Republik wieder

sichtbar werden.

Zudem soll es Raum für das Zuhören,

für das Erinnern, Zeit zum

Mitreden, für den Austausch und

zum Reflektieren geben. Ab dem 4.

November sollen unter anderem

30 000 Zettel-Botschaften von Gästen

und Berlinern ineiner Kunstinstallation

über der Straße des 17. Juni

nahezu schwerelos flattern –imsogenannten

Skynet von Patrick

Shearn. Sie sollen an die Hunderttausenden

erinnern, die während

der friedlichen Revolution ihre

Stimme erhoben.

„Dieses Mal wollen wir nicht den

einen Ortwürdigen wie sonst“, sagte

Müller in der gedenkwürdigen Gethsemanekirche

in Prenzlauer Berg.

Dem Ort also, der im Oktober 1989

zu einem Brennpunkt der Revolution

und des Widerstandes wurde,

als sich DDR-Oppositionelle in der

Kirche trafen, um Schutz zu suchen

„Freiheit ist heute, wie wir wissen,

längst keine Selbstverständlichkeit mehr.“

Michael Müller

Regierender Bürgermeister

von Berlin (SPD)

und Solidarität

mit

politischen

Gefangenen

zu zeigen.

Es gebe viele

Daten, historische

Orte und Personen,

die eine entscheidende

Rolle in dieser Zeit spielten, sagte

der Regierende Bürgermeister weiter.

Diese sollten noch einmal „in

unser aller Gedächtnis gerufen werden“.

„Wir wollen Bilder herstellen,

die um die Welt gehen, weil wir für

unsereStadt als freie,offene und to-

IMAGO IMAGES/RALF MÜLLER

lerante Hauptstadt unseres Landes

werben wollen“, erklärte er.

Der Wert der friedlichen Demonstrationen

könne so erneut vermittelt

werden. Der 9. November

habe gezeigt, wie viel Kraft aus den

Freiheitsgedanken einiger weniger

entstehen könne, so Müller. Freiheit,

sagte der Regierende Bürgermeister,

sei heutzutage längst keine

Selbstverständlichkeit mehr. Erbetonte,

dass es auch in Deutschland

Parteien gebe, die an den Freiheitswillen

des Volkes anknüpften,

„die aber eigentlich

etwas ganz anderes

wollen“, sagte

Müller.

Marianne Birthler,

die bis 2011 Bundesbeauftragte

für die

Stasiunterlagen war,

nannte den 9. November

den Tag, an dem sie

den „Geschmack der Freiheit

auf ihrer Zunge“ verspürte.Gleichwohl

betonte auch

Birthler, dass es mehr als nur den 9.

November als Tag zum Erinnern

gebe. Denn die „politische Lage ist

am 9. Oktober gekippt“, sagte Birthler.

70000 Menschen gingen damals

in Leipzig mit dem Ruf„Wirsind das

Volk“ auf die Straße.

Berlin Seite 11, Leitartikel Seite 8

AfD-Politiker

Kalbitz beleidigt

Schüler

Spitzenkandidat nennt

Jugendliche „verblendet“

Brandenburgs AfD-Spitzenkandidat

Andreas Kalbitz hat einem

Schüler in einer Diskussionsrunde

Verblendung durch die Schule vorgeworfen.

Der AfD-Landesvorsitzende

antwortete am Montag auf die

Frage eines Jugendlichen, was er von

Thüringens AfD-Landeschef Björn

Höcke halte, der „ziemlich offen ein

Nazi“ sei: „Tut mir leid, dass Siedaso

verblendet sind durch die Dauerrotlichtbestrahlung,

die Sie medial an

der Schule bekommen.“

Höcke sei kein Nazi, sondern

stehe „fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen

Grundordnung“.

Höcke ist Gründer des

rechtsnationalen „Flügels“ in der

AfD, zu dem auch Kalbitz gezählt

wird. Kalbitz bezeichnete die Klimaaktivistin

Greta Thunberg als „zopfgesichtiges

Mondgesicht-Mädchen“.

Zum Schutz der heimischen

Insekten undVögel will Kalbitz keine

Windräder mehr fördern. Auch das

erklärterinder Diskussionsrunde.

Fünf Schüler debattierten in Potsdam

mit den Spitzenkandidaten der

bisher im Brandenburger Landtag

vertretenen Parteien (SPD, Linke,

CDU, AfD und Grüne). Die Politiker

vertraten dabei die Pro-Meinung zu

einem von ihnen jeweils selbst gewählten

Thema, ein Jugendlicher

nahm die Gegenposition ein.

Die vier Schülerinnen und der

Schüler zwischen 16 und 18 Jahren

sind Ex-Landessieger des Bundeswettbewerbs

„Jugend debattiert“.

Zwölf Minuten dauerten die Debatten

jeweils,ein Zeitrichter achtete auf

die Einhaltung der Redezeit –andie

sich die Schüler konsequent hielten,

die Politiker nicht immer. Brandenburgwirdderzeit

rot-rot regiert. Am 1.

September wird ein neuer Landtag

gewählt. (dpa) EinPorträt von

Andreas Kalbitz lesen Sieauf Seite 15

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2 Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Tagesthema

Der Tonmacht die Musik.

Unter diesem Motto

zeigte sich Ungarns Regierungschef

Viktor Orban

gegenüber seiner einstigen

Lieblingsgegnerin Angela Merkel

nun von seiner fast charmanten

Seite.„Nach den Gesetzen der Ritterlichkeit

ziehen wir den Hutvon Weitem

vorhartarbeitenden und erfolgreichen

Damen“, verbeugte sich Orban

rhetorisch vor der Kanzlerin.

Der56-Jährige schien am Montag ím

westungarischen Sopron fest entschlossen,

den Festakt zum 30. Jahrestag

der ersten Massenflucht von

DDR-Bürgern mit einem Aufbruchsignal

in den getrübten ungarischdeutschen

Beziehungen zu verbinden.

Dieharte Haltung Orbans in der

Migrationsfrage, sein Bestehen auf

nationalen Interessen, sein Eintreten

für die illiberale Demokratie hatten

Berlin und Budapest entfremdet.

Nun sprach Orban gleich mehrfach

von seiner und der Wertschätzung

Ungarns für die Kanzlerin, gerade

in ihren europapolitischen Bemühungen.

Deutschland und Ungarn

verbinde ein „besonderes

Verhältnis“, so Orban, der die Willkommenspolitik

Merkels („Wir

schaffen das“) während des Höhepunkts

des Flüchtlingsandrangs

scharfmissbilligt hatte.

Erinnernaneuropäische Werte

30 Jahre Mauerfall

Am 19. August 1989 fliehen

Hunderte DDR-Bürger über

Ungarn nach Österreich.

Ein Picknick

wird Weltereignis

VonKathrin Lauer und Matthias Röder

DDR-Flüchtlinge mit ihren Kinderngehen nach dem Paneuropäischen Picknick durch ein geöffnetes Grenztor von Ungarnaus nach Österreich.

Merkel verzichtete in ihrer Ansprache

in der Evangelischen Kirche von

Sopron darauf, auf die Konfrontation

in der jüngeren Vergangenheit

einzugehen. Lieber dankte sie den

mutigen Ungarnvon damals,die die

DDR-Bürger bei der Flucht anlässlich

des Paneuropäischen Picknicks

nahe der ungarisch-österreichischen

Grenze unterstützt hatten.

„Aus dem Picknick wurde die größte

Massenflucht aus der DDR seit dem

Bau der Mauer 1961. Aus dem Picknick

wurde ein Weltereignis.“

Mehr als 600 DDR-Bürgern war

am 19. August 1989 die Flucht über

die kurzzeitig geöffnete Grenze gelungen.

Eigentlich hatten die Grenzer

aus Ungarn und Österreich damals

nur mit ein paar Landsleuten

gerechnet, die an dem Picknick teilnehmen

sollten. Doch es kam anders.Über

die Wiesen und die Straße

rennend, stürmten plötzlich Hunderte

von DDR-Bürgern auf den

Spalt im Torzu. Diefünf ungarischen

Grenzwächter,jeder mit zehn Schuss

Munition in der Pistole,verzichteten

auf Gegenwehr.Sobald sie auf österreichischem

Boden waren, fielen

sich die Männer und Frauen, Väter,

Mütter und Kinder in die Arme.„Sie

riefen immer wieder: Freiheit, Freiheit“,

erinnerte sich Johann Göltl,

damals Chefinspektor des österreichischen

Zolls,der den Zaun öffnete.

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Kümmertsich Deutschland zu wenig um die Ostdeutschen?

Gemeinsam mit fünf Partnermedien möchte die

Berliner Zeitung Menschen zusammenbringen, die

hinsichtlich ihrer Ansichten und Einstellungen

vieles voneinander trennt.

Weitere Informationen unter

www.berliner-zeitung.de/deutschland-spricht

DPA/VOTAVA

Diese Massenflucht von Ost nach

West beschleunigte den Zusammenbruch

der DDR. Der dramatische

Sonnabendnachmittag vor30Jahren

trugt zum Fall der Mauer nur zwölf

Wochen später bei.

Am Montag mahnte die Kanzlerin

die Verteidigung europäischer Werte

an.„Sopron ist ein Beispiel dafür,wie

viel wir Europäer erreichen können,

wenn wir für unsere unteilbaren

Werte mutig einstehen“, sagte Merkel.

Zentrale politische Fähigkeit sei

der Wille zum Kompromiss. „Wir

sollten uns stets bewusst sein, dass

nationales Wohl immer auch vom

europäischen Gemeinwohl abhängt.“

Ungarn gehört zuden EU-

Ländern, die gerade in der Migrationsfrage

ihre nationalen Interessen

bisher unnachgiebig verteidigen. „Es

verlangt auch manchmal, über den

eigenen Schatten zu springen, um

gemeinsam der Verantwortung für

Europa und auch für dieWelt gerecht

zu werden“, mahnte Merkel.

Orban zeigte sich auch in dieser

Hinsicht diplomatisch. Die Einheit

Europas solle nie als „vollendet“ betrachtet

werden, betonte er. Vielmehr

müsse sie „von Konflikt zu

Konflikt“ stets neu erschaffen werden,

sagte der rechtsnationaleRegierungschef

mit Blick auf die Abkühlung

des Verhältnisses zu Berlin.

Ein Grund für die neue ungarische

Mäßigung scheint Ursula von

der Leyen zu sein. Die künftige EU-

Kommissionspräsidentin habe bei

einem Gespräch auf ihn großen Eindruck

gemacht, sagte Orban. Logisch,

dass er nun hofft, dass sich die

Beziehungen seiner Regierung zur

EU-Kommission verbessern. Ein

Neustart könne gelingen. „Es existiertein

neues Gleis statt alter Strukturen.

Das ist auf jeden Fall ermutigend“,

sagte Orban.

Burghüter Orban

Eine Feier zum Abbau eines Grenzzauns

vor30Jahren mit einem Politiker,

der für den Bau neuer Grenzzäune

in Europa wie kein anderer

stehe –wie vertrage sich das?, wurde

auf der Pressekonferenz gefragt. Orban

war um eine Antwortwenig verlegen:

Der Abbau des Grenzzauns

vor 30Jahren habe auf die „Freiheit“

der Bürger des damaligen Ostblocks

abgezielt. Der Bau des neuen Zauns

an den Grenzen zu Serbien und

Kroatien 2015 diene der „Freiheit

und Sicherheit“ der Europäer, betonte

Orban. Er rechne mit neuem

Migrationsdruck.„Wir haben jetzt an

den südlichen Grenzen Mauern gebaut,

damit jene Deutschen, für die

wir vor 30Jahren Mauern abgebaut

haben, heute in Sicherheit leben

können. Diese beiden Dinge hängen

zusammen. Wir sind die Burghüter

derDeutschen.“ (dpa)

WAS IM AUGUST 1989 GESCHAH

1. August: Der Axel-Springer-Verlag

will die DDR in Zeitungen nicht

mehr in Anführungsstriche setzen.

2. August: Der sowjetische

Staatschef Michail Gorbatschow

betont weitgehende Übereinstimmung

mit Bonn, London und Paris

bei Abrüstungsfragen und der

„wirtschaftlichen Annäherung des

Westens und des Ostens“.

3. August: Die Sowjetunion ist zu

Vorgesprächen mit den westlichen

Alliierten zur Berlin-Initiativevon

Ex-US-Präsident Ronald Reagan

bereit. Er hatte auch die stärkere

Einbeziehung Berlins in den internationalen

Flugverkehr gefordert.

4. August: Wieder fliehen Dutzende

DDR-Bürger über die ungarische

Grenze nach Österreich.

5. August: Erstmals nimmt die

DDR-Regierung im DDR-Fernsehen

zu den Botschaftsflüchtlingen

Stellung und räumt Probleme ein.

6. August: Die DDR-Führung

warnt die Bürger davor, ihre Ausreise

in BRD-Botschaften zu erzwingen.

7. August: Das DDR-Außenministerium

erklärtdie Aufnahme von

DDR-BürgerninBRD-Botschaften

in Osteuropa zur Einmischung in

„innere Angelegenheiten“.

8. August: Die StändigeVertretung

in Ost-Berlin stellt wegen

Überfüllung den Publikumsverkehr

ein, nachdem 130 DDR-BürgerdortZuflucht

gesucht haben.

9. August: Zwischen Frankfurtam

Main, Düsseldorf und Leipzig werden

Linienflügeaufgenommen.

10. August: Ungarnverzichtet

darauf, gescheiterte Fluchtversuche

in DDR-Pässe einzutragen.

11. August: Bundeskanzleramt

und DDR-Außenministerium treffen

sich zu Gesprächen über die

Situation der Ausreisewilligen in

den westdeutschen Botschaften.

Angela Merkelwird am Montag von Viktor Orban in Sopron begrüßt.

DPA/MTI/BÜRO DES UNGARISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN

12. August: Laut Neues Deutschland

brachte der Mauerbau Ruhe

und Stabilität und schützte vor

„imperialistischen Übergriffen“.

13. August: Am Jahrestag des

Mauerbaus demonstrieren ausreisewilligeOstdeutsche

am Brandenburger

Tor.

14. August: Erich Honecker verkündet:

„Den Sozialismus in seinem

Lauf hält weder Ochs noch

Esel auf.“

15. August: Die taz veröffentlicht

einen Brief der Initiativgruppe

„AbsageanPraxis und Prinzip der

Abgrenzung“, der einen offenen

Dialog in der DDR fordert.

16. August: Am Grenzkontrollpunkt

Stolpe scheitertein Fluchtversuch

mit einem Tanklastwagen.

17.August: Polens Parlament verurteilt

den Einmarsch vonSoldaten

des Warschauer Paktes in die

Tschechoslowakei 1968.

18. August: Die SED rechtfertigt

die Niederschlagung des „Prager

Frühlings“.

19. August: In Ungarnnutzen

Hunderte DDR-Bürger ein „Paneuropäisches

Picknick“ zur größten

Massenflucht seit dem Mauerbau.

20. August: 115 Ausreisewillige

bekräftigen in einem Brief an Bundeskanzler

Helmut Kohl (CDU),

bis zu einer akzeptablen Lösung

auf dem Gelände der Ständigen

Vertretung zu bleiben.

22.August: Kohl erklärt, die deutsche

Frage steheauf der Tagesordnung

der internationalen Politik.

26.August: Die Bürgerrechtler

Markus Meckel und Martin Gutzeit

stellen die Initiativezur Gründung

einer Sozialdemokratischen Partei

in derDDR (SDP) öffentlich vor.

27.August: Drei Theologiestudenten

fasten in der Leipziger Thomaskirche

für die demokratische

Umgestaltung der DDR.

28. August: 1800 DDR-Flüchtlingewerden

beim Malteser-Caritas

Dienst in Budapest registriert.

31. August: Österreich setzt die

Visumpflicht für DDR-Bürger aus,

um ihnen die Durchreise in die

Bundesrepublik zu erleichtern.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute scheint teilweise die Sonne. Der Himmel ist wolkig bis stark bewölkt.

Die Temperaturspanne reicht von 23 bis 26Grad, und der Wind

weht nur schwach aus Südwest. In der Nacht gibt eskaum Auflockerungen,

dafür viele Wolken und stellenweise Regen, und es kühlt sich bis auf

12 Grad ab.

Biowetter: Die Luftmasse bringt

wenig erholsamen Tiefschlaf sowie

rheumatische Gelenk- und Gliederschmerzen.

Die Konzentration und

Arbeitsleistung profitieren dagegen

von der Wetterlage.

Pollenflug: Die Belastung durch Beifußpollen

ist mäßig bis stark. Darüber

hinaus sind Pollen von

Gänsefuß und Brennnesseln unterwegs.

Gefühlte Temperatur: maximal 23Grad.

Wind: leichter Wind aus Südwest.

Wittenberge

14°/23°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

14°/24° 15°/23°

Luckenwalde

14°/24°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

wolkig heiter sonnig

14°/23° 15°/26° 16°/27°

Prenzlau

13°/23°

Cottbus

15°/26°

Frankfurt

(Oder)

13°/26°

Ein Band mit teils heftigen Regenfällen reicht von den Pyrenäen nordostwärts

über die Westalpen bis nach Westpolen. Das Regenband ist ein Abbild von massiven

Temperaturgegensätzen zwischen mäßig warmer Luft im Nordwesten des

Kontinents und sehr warmer Luft südöstlich davon. Schauerwetter herrscht von

den Britischen Inseln bis nach Skandinavien.

Sylt

10°/20°

Hannover

13°/23°

Köln

13°/22°

Saarbrücken

13°/21°

Konstanz

15°/18°

Hamburg

12°/21°

Erfurt

13°/20°

Frankfurt/Main

17°/22°

Stuttgart

14°/19°

Rügen

13°/22°

Rostock

12°/21°

Magdeburg

14°/22°

Nürnberg

13°/20°

München

14°/21°

Dresden

15°/24°

Deutschland: Heute bestimmen

mehr oder weniger dichte Schauerwolken

den Himmel. Dabei werden

im Tagesverlauf 18 bis 26Grad erreicht,

nachts kühlt esdann auf

15 bis 10Grad ab. Der Wind weht

nur schwach aus Südwest. Morgen

umfasst die Temperaturspanne

19 bis 25Grad. Dazu ist der Sonnenschein

nur gebietsweise durch

Wolken getrübt. Der Wind weht

schwach aus nordwestlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 18°-20°

Nordsee: 18°-19°

Mittelmeer: 23°-31°

Ost-Atlantik: 16°-21°

Mondphasen: 23.08. 30.08. 06.09. 14.09.

Sonnenaufgang: 05:56 Uhr Sonnenuntergang: 20:21 Uhr Mondaufgang: 22:27 Uhr Monduntergang: 10:49 Uhr

Lissabon

30°

Las Palmas

29°

Madrid

31°

Reykjavik

14°

Dublin

17°

London

21°

Paris

24°

Bordeaux

25°

Palma

33°

Algier

32°

Nizza

28°

Trondheim

17°

Oslo

20°

Stockholm

22°

Kopenhagen

22°

Berlin

23°

Mailand

33°

Tunis

33°

Rom

33°

Warschau

26°

Wien

31° Budapest

35°

Palermo

29°

Kiruna

17°

Oulu

19°

Dubrovnik

31°

Athen

32°

St. Petersburg

24°

Wilna

25°

Kiew

30°

Odessa

30°

Varna

29°

Istanbul

28°

Iraklio

29°

Archangelsk

21°

Moskau

26°

Ankara

26°

Antalya

33°

Acapulco 33° Gewitter

Bali 34° wolkig

Bangkok 34° Gewitter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 12° wolkig

Casablanca 24° sonnig

Chicago 32° heiter

Dakar 30° heiter

Dubai 38° sonnig

Hongkong 34° wolkig

Jerusalem 31° sonnig

Johannesburg 22° sonnig

Kairo 35° sonnig

Kapstadt 19° sonnig

Los Angeles 26° heiter

Manila 31° wolkig

Miami 34° wolkig

Nairobi 27° Schauer

Neu Delhi 35° heiter

New York 30° wolkig

Peking 25° Regen

Perth 22° sonnig

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 24° Schauer

San Francisco 21° wolkig

Santo Domingo 33° wolkig

Seychellen 27° heiter

Singapur 34° Gewitter

Sydney 18° sonnig

Tokio 29° Schauer

Toronto 26° sonnig


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 3

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Seite 3

Ein Mann

grenzt sich ab

Michael Kretschmer am Sonntag in Leipzig

IMAGO IMAGES/FLORIAN GÄRTNER

Es schüttet in Treuen, und statt Michael

Kretschmer kommt als Erstes

ein Marder.Klein und eilig duckt er

sich unter ein Auto und eilt dann

Richtung Metzgerei. Dortgibt es Jägerschnitzel

und Lammeintopf im Angebot. Auf dem

Marktplatz steht eine froschgrüne Minibühne.

Davor warten ein paar Dutzend

Leute mit Regenschirmen. Auf Tischen weichen

die Broschüren des örtlichen CDU-

Kandidaten auf. Nach einer Weile hastet der

Marder wieder zurück.

Und dann taucht auch Kretschmer auf,

eine halbe Stunde später als geplant. Aber

immerhin scheint nun die Sonne.

„Ganz lieb,dass Sieden Regen abgeschaltet

haben“, sagt Kretschmer. „Ich habe jetzt

Zeit.“ Die Schirme sind zugeklappt. Ein

schmaler,jungenhafter 44-Jähriger mit Dreitagebartsteht

da nun, ernster Blick und weißes

Hemd, das Jackett in der Hand. Es ist

warmgeworden.

„Jetzt muss ein neuer Schwung ins Land

kommen“, sagt Kretschmer und schüttet

dann allen Schwung in einen Wortschwall:

schnelles Internet, neue Polizisten, Ärzte,

Pflegeheime. Kretschmer war mal Bundestagsabgeordneter,

seit knapp zwei Jahren ist

er Ministerpräsident in Sachsen. Er will es

gerne bleiben, auch nach der Landtagswahl

am 1. September.

DerTon des Protests

Bei der geht es aber um weit mehr: Esgeht

darum, ob in dem wirtschaftlich erfolgreichsten

der ostdeutschen Bundesländer

eine Partei zum bestimmenden Faktor wird,

die Rechtsextreme in ihren Reihen duldet.

Es geht darum, ob die CDU sich gegen die

AfD behaupten kann, die hier in den Umfragen

kurzhinter ihr liegt, bei der Europawahl

im Mai invielen Wahlkreisen vorne lag und

bei der Bundestagswahl 2017 drei Direktmandate

gewonnen hat.

Es geht darum, ob die CDU der AfD widerstehen

kann, wenn es wegen der starken

Zersplitterung des Landtags nach der Wahl

neben einem Bündnis mit den Rechtspopulisten

nur die Alternative geben sollte, mit

SPD, Grünen und Linkspartei eine Vierer-

Koalition zu schließen. Eine Zusammenarbeit

mit der AfD hat die CDU ebenso ausgeschlossen

wie die mit der Linkspartei.

Es blicken also viele auf Kretschmer gerade,

nicht nur auf dem Marktplatz im südwestlichen

Sachsen. Sondernauch in Berlin,

wo die große Koalition beständig wackelt

und die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-

Karrenbauer ihre Konkurrenten zwar einmal,

aber wohl noch nicht endgültig besiegt

hat. Wenn die Sache in Sachsen schief geht

für die CDU, hat sie das nächste Problem.

Dasist auch deshalb bemerkenswert, weil

Sachsen immer eine äußerst sichereBank war

für die CDU. 30 Jahre lang hat die Partei hier

regiert, die Hälfte davon, bis 2004, mit absoluter

Mehrheit. Der erste Nach-Wende-Ministerpräsident

Kurt Biedenkopf kam aus Nordrhein-Westfalen

und bekam den Spitznamen

„König Kurt“. Damals lag die Arbeitslosenquote

mehr als doppelt so hoch wie heute.

Michael Kretschmer,sächsischer Ministerpräsident, setzt vor der Wahl

auf Distanz: von der großen Koalition in Berlin, von der Linken –

und von der AfD. Mit wem aber will die CDU dann regieren?

Über einen Kandidaten und sein spezielles Dilemma

Heute sagt der amtierende Ministerpräsident

Kretschmer in seinem Wahlwerbespot

als ersten Satz: „So geht’s nicht weiter.“ Man

könne doch viel schaffen, fährt erfort und

fragt: „Was ist denn hier in Deutschland los?“

Es ist der Tondes Protests, den Kretschmer

aufnimmt. Die Protestwähler, das sind

die,die sie bei der CDU gerne zurückhätten.

In Sachsen haben die Pegida-Demonstrationen

begonnen. Kretschmer fragt nach

Deutschland. Die CDU kommt erst am

Schluss ins Bild, als kleines Logo.

„Früher haben wir von der Marke CDU

profitiert“, sagt ein CDU-Landtagskandidat.

„Das hat sich geändert.“

Kretschmer setzt also auf Abgrenzung.

Vonden Grünen und der AfD vorallem, aber

auch von den Vorgängerregierungen, von

Berlin, von der Bundes-CDU. Im Bundestag

ist er oft unverbindlich gewesen, als Generalsekretär

vertratereinen Landesverband, der

als wenig markant galt und vorallem als wenig

entschieden gegenüber Rechtsextremen.

Kretschmer macht es jetzt anders. Ervergleicht

die AfD mittlerweile mit der NPD.

Underlegt öfters Ungeduld in seine Reden.

Die Parteispitze erklärt die Klimapolitik

zum nächsten wichtigenThema. Kretschmer

–die sächsischen Kohlereviere vor Augen –

warnt, man dürfe nicht übertreiben.

Er fährt nach Russland, trifft dort Präsident

Wladimir Putin und fordert ein Ende

der Sanktionen. CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer

widerspricht und erinnert andie

Besetzung der Krim. Kretschmer beschwert

sich über mahnende Zeigefinger.

Diese Abgrenzung sei eigentlich ganz normal,

sagt ein hochrangiger sächsischer CDU-

Vertreter.„DieAblehnung des Bundes ist ein

ur-sächsisches Geschichtsgen.“ Ein bisschen

so wie die Bayern sei man eben, eigensinnig

und selbstbewusst. EinLand mit dem

Zusatz Freistaat im Namen und die CDU mit

dem Namen Sachsen-Union. Da passte ein

„König Kurt“ wohl ganz gut dazu. Milbradt

und Tillich, Biedenkopfs eher bürokratisch

ruhige Nachfolger, trugen den Eigensinn

dann nicht mehr so plakativ nach außen.

Der Eindruck des Bedeutungsverlusts sei

da, sagt ein Landespolitiker.Schließlich habe

Sachsen nur vier Millionen Einwohner. Und

das Braunkohlerevier Lausitz, das früher als

Rückgrat der Volkswirtschaft gegolten habe,

liege jetzt am Boden. 2038 soll ganz Schluss

sein mit der Förderung.

„Wie geht es wirtschaftlich weiter?“, fragt

VonDaniela Vates, Treuen

ein Mann um die 60 auf dem Treuener

Marktplatz. „Ich habe Angst, dass Sachsen

wieder zurückfällt.“ Er stemmt seine Hände

in die Seiten. „Alle werden merken, dass wir

ein selbstbewusstes Land sind“, gibt

Kretschmer zurück. Aber es sei dafür wichtig,

im Landtag keine chaotischen Verhältnisse

zu bekommen. „Dann werden wir zwar immer

noch unser Ding machen. Aber es wird

langsamer und schwieriger.“

Das schwierigste Nachwahl-Szenario für

Kretschmer und die CDU hätte zwei Komponenten:

Die Landtagssitze sind auf so viele

Sitzeverteilt, dass nur ein Regenbogenbündnis

möglich ist –inklusiveLinkspartei also.

Bei der Görlitzer Oberbürgermeisterwahl

in diesem Jahr konnte sich der CDU-Kandidat

nur durchsetzen, weil er von SPD, Grünen,

FDP und Linkspartei unterstützt wurde.

„Jetzt muss

ein neuer Schwung

ins Land

kommen.“

Michael Kretschmer,

sächsischer CDU-Ministerpräsident,

im Wahlkampf

Der in der Stichwahl unterlegene AfD-

Mann tritt nun gegen Kretschmer an. Dasist

Kretschmers zweite große Klippe.2017 hat er

sein Bundestags-Direktmandat an die AfD

verloren. Wenige Monate später übergab

ihm Ministerpräsident Tillich die sächsische

Staatskanzlei, einen großen trutzigen Bauan

der Elbe. Ein Regierungschef in Sachsen

braucht formal kein Landtagsmandat und

über die Landesliste, die mit Zweitstimme

gewählt wird, ist der junge Regierungschef

abgesichert. Aber sollte Kretschmer erneut

sein Direktmandat verpassen, wäreseine Position

in der CDU zumindest geschwächt.

Kretschmer wird schmallippig, wenn

man ihn darauf anspricht. „Görlitz ist meine

Heimat. Da bin ich geboren und aufgewachsen“,

sagt er dann. Er kenne da so viele Leute.

Allerdings war das auch schon bei der Bundestagswahl

so. Die Frage nach einer möglichen

Palastrevolution liegt also auf der

Hand. Die Frage ist, ob sich jemand trauen

würde zu schubsen.

„Ausgeschlossen“, sagt der früheresächsische

Justizminister und derzeitige Ausländerbeauftragte

der sächsischen Regierung, Gerd

Mackenroth. „Wie blöd wären wir, wenn wir

unseren beliebtesten Mann opfern“, sagt ein

anderer Landtagsabgeordneter. „Wer sollte

denn so eine Palastrevolution machen?“, fragt

ein weiterer CDU-Mann.

Den meisten aber fällt bei dem Thema

gleich ein Name ein, auch wenn sieihn gleich

wieder verwerfen: Christian Hartmann, der

Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion.

Der 45-Jährige hat im vergangenen Jahr eine

Koalition mit der AfD erst nach einigem Zögernausgeschlossen.

In der Parteispitze heißt

es,Hartmanns Linie sei immer klar gegen die

AfD gewesen, er habe nur mal keine Lust gehabt,

eine Fragezubeantworten.

Im Wahlkampf tourt der gelernte Polizist

durchs ganze Land, gemeinsam mit dem

ehemaligen ARD-Fußballkommentatoren

Waldemar Hartmann. Der Sportjournalist

Hartmann hat den Stammtisch-Klischee-

Topf dabei: Er spricht über seine Bekanntschaft

mit Franz Josef Strauß, erzählt Witze,

schimpft auf Berlin („chaotisch und aggressiv“).

Er wundertsich über Frauen in wichtigen

Positionen: Parteichefin, Kanzlerin und

EU-Kommissarin. Undfragt: „Habt ihr in der

CDU keine Männer mehr?“ Und stellt bei

diesem oder jenem fest: „Das wirdman doch

sagen dürfen.“ Der Politiker Hartmann sagt,

Frauenquoten seien nicht sinnvoll, weil dadurch

Leistungsträgerinnen diskriminiert

würden. Kretschmer hat erstmals die ersten

20 Plätze der Landesliste paritätisch besetzt.

Über die AfD sagt Hartmann, sie spiele mit

den Sorgen der Menschen. „Und wer mit

Ängsten spielt, hasst andere.“

56 von 60Direktkandidaten der CDU haben

auf Nachfrage der Initiative „Zukunft

Sachsen“ eine Zusammenarbeit mit der AfD

ausgeschlossen. Aus Überzeugung? „Ich will

das gerne glauben“, sagt eine Kommunalpolitikerin

und ist sich offenbar nicht sicher.

„Wenn man wortbrüchig würde, würde

ein gewaltiger Riss durch die Partei gehen“,

sagt ein Landtagsabgeordneter und erzählt,

dass ganzeOrtsverbände ihm schon gedroht

hätten, in so einem Fall aus der CDU auszutreten.

Eine Mehrheit jedenfalls werde eine

Umsturztruppe nicht finden.

Darauf setzen auch die Bundes-CDU und

ihreChefin Kramp-Karrenbauer –sie müsste

ja sonst überlegen, einen ganzen Landesverband

aus der Partei zu schmeißen. DieÜbergänge

allerdings sind fließend. Kretschmer

hat Anfang des Jahres den Politikwissenschaftler

Werner Patzelt als Berater geholt,

der zunächst noch Gespräche mit der AfD

empfahl, mittlerweile aber eine Minderheitsregierung

empfiehlt.

Und dann ist da noch Hans-Georg Maaßen.

Ende des vergangenen Jahres verlor der

seinen Jobals Verfassungsschutzchef, weil er

sich nach den rechtsextremen Demonstrationen

im sächsischen Chemnitz lieber von

der Bundesregierung als von den Extremisten

distanzierte.Seitdem wettertererst recht

gegen die Regierung. Wie Patzelt hat er sich

der ultrakonservativen Werteunion angeschlossen,

er ist nun deren Kronzeuge gegen

Angela Merkel. DieAfD findet ihn ganz gut.

Maaßen hat der CDU in Sachsen seine

Unterstützung angeboten. Der Landesverband

hat abgelehnt, der 64-jährige Landtagspräsident

Matthias Rösler etwa und der

knapp 30 Jahre jüngere Abgeordnete Sebastian

Fischer haben dennoch zugegriffen.

MitMaaßen in Riesa

Auch der Landes-Ausländerbeauftragte Gerd

Mackenroth hat Maaßen eingeladen, nach

Riesa in einen Hotelsaal nahe des Bahnhofs.

Rund 80 Leute sind gekommen zum Vortrag

„Innere Sicherheit –was ist notwendig, damit

wir keine Angst mehr haben müssen?“.

Die Hälfte der Zuhörer seien AfD-Anhänger,

schätzt Mackenroth. Er hat die Hoffnung, er

könne einige Wähler zurückgewinnen. Maaßen

fragt erst mal nach der Klimaanlage.

„Ich bin kein apokalyptischer Reiter“, betont

er dann in seinem Vortrag und spricht

über Anschläge, über Straftaten von Ausländern

und seine Zweifel am Funktionieren

des Rechtsstaats.Die AfD-Reihen applaudieren.

Würden Sie mit der AfD koalieren, fragt

Mackenroth Maaßen. Die AfD sei „ein gäriger

Haufen mit vernünftigen und radikalen

Leuten“, antwortet Maaßen. Derzeit sei sie

so „nicht koalitionsfähig“. Aber sie könne

sich ja„in die eine oder andereRichtung entwickeln“.

Zum Schluss empfiehlt Maaßen,

den CDU-Kandidaten Mackenroth zu wählen.

„Das finde ich aber jetzt nett“, sagt der,

als wäreerwirklich etwas überrascht.

Manchmal wird Maaßen gefragt, ob er

sich vorstellen könnte,Minister zu werden in

Sachsen. „Eine rein theoretische Frage“, sagt

Maaßen dann. Es ist kein Nein. Da hält sich

einer bereit. Kretschmer hat eine Berufung

Maaßens abgelehnt.

Am Treuener Marktplatz umkreist mittlerweile

eine Wespeden örtlichen Landtagsabgeordneten.

Er habe Bienenstöcke, sagt

Kretschmer. Deshalb wisse er, wie man mit

solchen Angreifernumgehen müsse.„Es hilft

nur:Nichts machen. Einfach dastehen.“

Daniela Vates hätte gern eine Statistik

über den Gummibärchen-Verbrauch

vonWahlkämpfernimEinsatz.


4* Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Besserer Schutz von

Flughäfen gegen Drohnen

DieBundesregierung will Flughäfen

besser vorDrohnen schützen. Das

Verkehrsministerium beauftragte

die Deutsche Flugsicherung (DFS),

einen Aktionsplan zur Kontrolle und

Abwehr vonDrohnen zu erstellen,

wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.Dadurch

solle eine „systematische

Drohnendetektion“ an Flughäfen

sichergestellt werden. 2018 wurden

158 Behinderungen des Flugverkehrs

durch Drohnen gemeldet, 80

Prozent mehr als im Vorjahr.Imersten

Halbjahr 2019 allerdings lag die

Zahl bei 70. Geprüft wirdeine 18 Kilometer

große Verbotszone um Flughäfen.

Bislang dürfen Drohnen in einem

Umkreis von1,5 Kilometer um

Flughäfen nicht fliegen. (dpa)

Vier IS-Waisenkinder an

Deutschland übergeben

Diesyrischen Kurden haben vier

Waisenkinder vondeutschen IS-

KämpfernanDeutschland übergeben.

Eine Sprecherin des Auswärtigen

Amts bestätigte am Montag in

Berlin, dass vier Kinder,die sich bislang

in Nordsyrien in Gewahrsam

befunden hätten, an der irakisch-syrischen

Grenzevon Mitarbeiterndes

Generalkonsulats in Erbil in Empfang

genommen worden seien. Die

Kinder sollen den Angaben zufolge

nun an Angehörige übergeben werden

und dann nach Deutschland

ausreisen. (AFP)

Iranischer Tanker unterwegs

Richtung Griechenland

Dersechs Wochen in Gibraltar festgehaltene

iranische Tanker ist auf

dem Wegins östliche Mittelmeer.

Dasgeht aus dem Internetportal Marinetraffic.com

hervor. Als vorläufiges

Ziel der Reise wirdder griechische

Hafen Kalamata angegeben.

DasSchiff war wegen des Verdachts

auf Bruch vonEU-Sanktionen gegen

Syrien vorGibraltar festgehalten

worden. (dpa)

Türkeisetzt kurdische

Bürgermeister ab

Protest gegen die Absetzung des BürgermeistersamMontag

in Diyarbakir. AFP

Dastürkische Innenministerium hat

im kurdisch dominierten Südosten

des Landes drei vonder Opposition

gestellte Bürgermeister des Amtes

enthoben. Dasgeht aus einer am

Montag veröffentlichten Mitteilung

des Ministeriums hervor. Betroffen

sind die Bürgermeister der Provinzhauptstädte

Diyarbakir,Mardin und

Van. Alle drei sind Mitglieder der

pro-kurdischen Oppositionspartei

HDP.Der Staat wirft ihnen Verbindungen

zu Terroristen vor. (dpa)

Trump warntChina vor

Gewalt in Hongkong

Angesichts der neuen Massenproteste

in Hongkong hat US-Präsident

Donald Trump China vorGewalt gegen

Demonstranten gewarnt. Falls

es dazu käme,wärees„sehr schwierig“,

sich mit China noch auf ein

Handelsabkommen zu verständigen,

sagte Trump.Trump sagte,er

habe Vertrauen in den chinesischen

Präsidenten Xi Jinping, die Krise auf

menschliche Artzuregeln. (dpa)

Im Kampf gegen Rechtsextremismus soll das Bundeskriminalamt eine neue Struktur und zusätzliche Ressourcen erhalten.

BKA nimmt Rechtsextreme ins Visier

Planungspapier sieht 440 zusätzliche Stellen vor.Auchder Personenschutz wird ausgeweitet

VonMarkus Decker

Das Bundeskriminalamt

(BKA) soll eine neue

Struktur und mehr Personal

bekommen, um effektiver

gegen rechtsextremistische

Gruppierungen und Einzeltäter vorgehen

zu können. Das berichten

WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung.

Die Medien beziehen sich auf

ein aktuelles BKA-Planungspapier.

Darinheiße es,für die Umstrukturierung

seien bis zu 440 zusätzliche

Stellen nötig. Auslöser für die „Neugestaltung

der Bekämpfung politisch

motivierter Kriminalität –

rechts –und der Hasskriminalität“

ist eine wachsende Gefahr ausgehend

von militanten Rechtsextremisten.

DasBKA schlägt dem Innenministerium

dem Bericht zufolge vor, in der

Abteilung Polizeilicher Staatsschutz

eine neue Struktur aufzubauen. Um

den „Verfolgungsdruck“ zu erhöhen,

sollten sich dort zwei Gruppen mit

zehn Referaten mit rechtsextremistischer

Kriminalität beschäftigen. Zugleich

sollten rechte Netzwerke künftig

früh erkannt werden. Überdies

solle es eine Verbesserung beim nationalen

und internationalen Austausch

zwischen Behörden geben.

Für gewaltbereite Rechtsextremisten

sei ein Risikobewertungssystem („Radar-rechts“)

geplant –analog zu dem

für Islamisten.

Das Bundeskriminalamt

muss vonRechtsextremisten

zusammengestellte Namenslisten

weiterhin nicht

veröffentlichen. Ein Verfahren

vordem Verwaltungsgericht

Wiesbaden wurde am

Montag eingestellt.

Mit Blick auf Hasskriminalität im

Internet plant das BKA schließlich,

eine „nationale Stelle zur konsequenten

Bekämpfung“ einzuführen.

Urheber von Hass- und Drohbotschaften,

die physischer Gewalt zuweilen

vorausgehen, sollen schneller

identifiziertwerden.

Bundesinnenminister Horst Seehofer

(CSU) hatte Ende Juni angekündigt,

den Kampf gegen Rechtsextremismus

verstärken zu wollen. Das

Bundesinnenministerium teilte nun

mit, ihm liege ein erster Entwurfdes

BKA vor, derVorschläge enthalte,wie

man Rechtsextremismus künftig

besser bekämpfen könne. Details zu

den Plänen wurden nicht genannt.

Sowohl Seehofer als auch die Präsidenten

des BKA und des Bundesamtes

für Verfassungsschutz, Holger

KLAGE ABGEWIESEN

Zwei Kläger hatten unterBerufungauf

das Informationsfreiheitsgesetz

dieHerausgabe

von„Feindeslisten“ erzwingen

wollen, die Ermittler

bei Rechtsextremisten und

der Prepper-Gruppe „Nordkreuz“

gefundenhatten.

Der Richter lehnte die Herausgabe

unterVerweis auf laufende

Ermittlungen ab.Erkritisiertejedoch

nebulöse, „semiprofessionelle“

Schreiben des

BKA und riet den Klägern, es

als Journalisten über das Presserecht

zu versuchen.

Letzte Gemeinsamkeiten

DPA/ARNE DEDERT

Münch und Thomas Haldenwang,

hatten sich nach dem Mord an dem

Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke (CDU) alarmiert gezeigt.

Unterdessen setzt das BKA immer

mehr Polizisten für den Personenschutz

ein. Das ergibt sich aus der

Antwort des Innenministeriums auf

eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die Zahl stieg von 524

im Jahr 2017 auf 532 im Jahr 2018

und liegt aktuell bei 543. Davonsind

196 abgeordnete Bundespolizisten.

Zum Vergleich: 2009 hatte die Zahl

der BKA-Beschäftigten im Personenschutz

noch bei 488 gelegen.

DieZahl der vomBKA ständig geschützten

Personen lag am 1. August

2019 bei 37, davon 11 mit ständigem

und 28 mit anlassbezogenem Personenschutz.

Von2016 bis 2017 hatte

sie allerdings jeweils 43 beziehungsweise

44 betragen und war damit relativ

konstant. DieBundespolizei hat

zur Unterstützung des Auswärtigen

Amtes von 2009 bis 2019 insgesamt

47 Personen durch Einzelmaßnahmen

geschützt. Im Rahmen von

Amtshilfeersuchen des BKA kamen

seit 2014 weitere25Personen hinzu.

Irene Mihalic, Innenexpertin der

Grünen-Fraktion, begrüßte, „dass

der Bereich Personenschutz bei BKA

und Bundespolizei in den letzten

zehn Jahren deutlich ausgebaut

wurde.Denn angesichts verschiedener

Bedrohungen und steigender

Zahlen politisch motivierter Angriffe

muss der Schutz der Verfassungsorgane

gewährleistet bleiben.“ Wasihr

große Sorgen mache, sei die Sicherheit

der vielen engagierten Menschen,

die kommunalpolitisch oder

bürgerschaftlich aktiv seien, sagte

Mihalic.Esmüsse sichergestellt sein,

dass auch in den Ländern entsprechende

Kapazitäten zur Verfügung

gestellt würden, um diese zu schützen,

gerade in Zeiten, in denen

rechtsextremistische „Feindeslisten“

kursierten und für Verunsicherung

sorgten.

Die große Koalition vertagt die großen Fragen wie Grundrente und Solidaritätszuschlag auf den Herbst

VonRasmus Buchsteiner

AmTag danach sprechen die Spitzen

von Union und SPD von guten

Beratungen, von Fortschritten

und konstruktivem Arbeitsklima.

Schnell gab es eine Verständigung

auf ein großes Paket zum Thema

Wohnen – unter anderem mit der

Verlängerung der Mietpreisbremse

um fünf Jahre. Kurz vor den wichtigen

Landtagswahlen in Sachsen und

Brandenburg am übernächsten

Sonntag war die große Koalition jedoch

nicht in der Lage, ein echtes

Aufbruchssignal zu setzen. Schwarz-

Rotsteuertnun auf einen Herbst der

Entscheidungen zu –mit ungewissem

Ausgang.

Entscheidung Grundrente

Die insbesondere von den Wahlkämpfernvon

CDU und SPD im Osten

erhoffte Einigung im Streit über

eine Grundrente für langjährige Geringverdiener

–sie blieb aus. Hinter

den Kulissen sind die Gespräche

über mögliche Kompromisslinien allerdings

weit vorangeschritten. In

den nächsten zwei, drei Wochen sollen

Kanzleramtschef Helge Braun

(CDU) und Arbeitsminister Heil aber

erst einmal ein Grundsatzpapier erarbeiten.

„Die Grundrente ist kein

Wahlgeschenk für die Landtagswahlen

im Osten“, stellte CSU-Chef Markus

Söder gestern klar. Und pochte

noch einmal auf Einhaltung des Koalitionsvertrages,der

eine Bedürftigkeitsprüfung

vorsieht.

Der Sozialverband VdK warnt davor,

den Renten-Zuschlag für langjährige

Geringverdiener auf die lange

Bank zu schieben. „Die Grundrente

darf nicht weiter verzögert und kaputt

geredet werden. Sie muss jetzt

kommen, wie von Hubertus Heil ursprünglich

geplant“, sagteVdK-Präsidentin

Verena Bentele der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). „Betroffene können

nicht länger warten. Menschen, die

nach einem langen Arbeitsleben nur

eine geringe Rente bekommen und

diese oft durch staatliche Leistungen

wie die Grundsicherung aufstocken

müssen, brauchen endlich die Honorierungihrer

Lebensleistung.“

Auch beim Klimaschutz steht die

Koalition vor weitreichenden Weichenstellungen.

Am 20. September

soll das Bundeskabinett ein Maßnahmenpaket

beschließen, mit dem

Deutschlands Klimaziel für das Jahr

2030 –55Prozent weniger CO 2 -Ausstoß

als 1990 –erreicht werden soll.

Vorher wirdder Koalitionsausschuss

noch zweimal tagen. Im Kanzleramt

wurden da schon einmal die Terminkalender

gewälzt. Einer, der sich dabei

besonders schwergetan habe,sei

Olaf Scholz gewesen. Kein Wunder:

Der Finanzminister will SPD-Chef

werden. Und muss sich demnächst

auf 23 Regionalkonferenzen der Basispräsentieren.

Immerhin: Beim Thema Abbau

des Solidaritätszuschlags gelang es

Union und SPD,die Kakophonie der

letzten Tage zu überwinden. Scholz‘

Entwurf, der für 90 Prozent der Zahler

die Abschaffung der Abgabe ab

2021 bringt und für weitere 6,5 Prozent

derbesserverdienenden Bürger

Entlastungen, soll rasch vom Kabinett

beschlossen werden. Und das,

obwohl die CSU davon ausgeht, dass

Markus Decker begrüßt,

dass das BKA mehr gegen

Rechtsextremismus tut.

das Gesetz ohnehin früher oder später

vom Bundesverfassungsgericht

kassiert wird. Wirtschaftsminister

Peter Altmaier (CDU) jedenfalls, der

zuletzt auf ein Soli-Aus bis 2026 gepocht

hatte, war einer der großen

Verlierer bei diesem Koalitionsausschuss.

Keine Rabatte für die SPD

Klimaschutz, Grundrente, Soli –alles

Themen, die maßgeblich über die Zukunft

von Schwarz-Rot entscheiden

dürften. „Am Ende kommt es darauf

an, was können wir für die Menschen

im Land erreichen“, sagte die kommissarische

SPD-Vorsitzende Manuela

Schwesig am Morgen im

Deutschlandfunk. Es werde in den

nächsten Wochen und Monaten

„keine Rabatte“ für die SPD geben,

kündigt dagegen CSU-Chef Söder an.

Für die im Koalitionsvertrag vereinbarte„Halbzeitbilanz“

haben die drei

Parteien einVerfahrengefunden.„Die

Bundesregierung wird diese Bestandsaufnahme

gemeinsam bis spätestens

Mitte Oktober vornehmen“,

heißt es im Ergebnispapier.

Ostbeauftragter

will Toleranz im

Fall Maaßen

Hirteappelliert, die

Parteiflügel nicht zu stutzen

VonMarkus Decker

Die Debatte um den früheren

Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes,

Hans-Georg Maaßen,

reißt nicht ab. Der Ostbeauftragte

der Bundesregierung, Christian

Hirte (CDU) ,hat nun für mehr

Toleranz plädiert. „Zum Anspruch

einer Volkspartei gehört, dass unsere

Flügelspanne groß sein sollte“, sagte

er der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). „Unterschiedliche

Positionen müssen wir

in einer Gesellschaft wie auch einer

Partei aushalten.“ Hirte fügte mit

Blick auf jüngste Äußerungen der

CDU-Vorsitzenden Annegret

Kramp-Karrenbauer zu Maaßen

hinzu:„Wir sollten unsereKraft nicht

aufwenden, die Flügel zu stutzen,

sondern mit einer großen Spannweite

trotzdem eine tragende Idee in

und für die Mitte formulieren.“

In einem Interview hatte die Vorsitzende

am Wochenende zunächst

den Eindruck erweckt, die Partei

prüfe ein Ausschlussverfahren gegen

Maaßen wegen seiner unklaren Haltung

zu AfD-Positionen. Später hat

sie klar gestellt, dass es um kein Ausschlussverfahren

geht.

CDU-Innenpolitiker Armin

Schuster rief Maaßen auf, sich um

ein Mandat zu bewerben – einen

besseren Test für ihn gebe es nicht,

ob Stimmungen auch Mehrheiten

bedeuteten. „Wir sollten Maaßens

selbst gewählte Märtyrerrolle nicht

durch solche Diskussionen aufwerten,

und schon gar nicht zu diesem

Zeitpunkt“, sagte er der Welt.

Hans-Georg Maaßen, bis November 2018

Verfassungsschutzpräsident

DPA

DerChef der sogenannten Werteunion,

Alexander Mitsch, nahm

Maaßen sogar in Schutz. „Herr Maaßen

engagiertsich sehr aktiv und erfolgreich

für die CDU im Wahlkampf

in Ostdeutschland. Er vertritt Positionen,

die jahrzehntelang unumstritten

in der Union waren“, sagte

Mitsch der Passauer Neuen Presse.

„Damit ist er gleichzeitig das Sprachrohr

von immer mehr Mitgliedern,

die wieder ein klares christdemokratisches

Profil und eine Politikwende

fordern.“ DieCDU müsse wieder lernen,

offen zu diskutieren.

Die Werte-Union hatte sich 2017

alsVerein gegründet –vor allem auch

als Reaktion auf die Flüchtlingspolitik

von Kanzlerin Angela Merkel

(CDU). Die Werte-Union sieht sich

als Vertretung der konservativen

Strömung in der Union, ist aber

keine offizielle Parteigliederung.

Beim politischen Konkurrenten ist

die Haltung eindeutig. „Annegret

Kramp-Karrenbauer hat auf Maaßen

zu spät und falsch reagiert“, sagte

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach

dem Spiegel. „Statt sich klar von seiner

AfD-nahen Haltung zu distanzieren,

ließ sie lange zu, dass er damit

Wahlkampf in Ostdeutschland

macht.“ SPD-Vize Ralf Stegner sagte,

Maaßen sei „aufgrund seiner offenkundigen

Sympathie für die Rechte“

„politisch indiskutabel“. „Wie stark

seine sogenannte Werteunion zum

Problem für die Union und wie

schwach die CDU-Vorsitzende geworden

ist, zeigt das Herumeiernvon

Frau Kramp-Karrenbauer.“ (mit dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 5 *

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Politik

Sudanesische Revolutionsoper

Die Opposition einigt sich mit den Militärs auf eine Übergangslösung. Ein „Souveräner Rat“ wird zunächst von einem Militär geführt, die Regierung von einem Zivilisten

VonJohannes Dieterich

Stellt man sich die sudanesische

Revolution als eine

Oper vor, dann sind die Ouvertüre

und die ersten beiden

Akte inzwischen gespielt. Die

Ouvertüre begann Ende vergangenen

Jahres, als Tausende Demonstranten

in allen größeren Städten

des Landes auf die Straße gingen,

um gegen den Machtmissbrauch

und die Misswirtschaft des Regimes

von Omar al-Baschir zu protestieren.

Der seit 30 Jahren herrschende

islamistische Militärdiktator reagierte,

wie es seinem Naturell entsprach:

mit brutaler Gewalt und politischen

Winkelzügen. Sie nützten,

anders als in zahlreichen anderen

Tragödien seiner Amtszeit, diesmal

nichts.

Seine Gegenspieler, die sudanesische

Bevölkerung, hatten aus ihren

Niederlagen gelernt: Statt sich

mit einer der etablierten, aber

längst verschlissenen Oppositionsparteien

oder Rebellengruppen zu

verbünden, organisierte die Bürgerbewegung

ihren eigenen Widerstand:

streng geheim, hochgradig

diszipliniert, kompromisslos friedlich

und kommunikationstechnologisch

auf dem letzten Stand. Al-Baschirs

Kettenhunde vom Geheimdienst

zeigten sich dieses Mal überrumpelt.

Der erste Akt begann mit einem

Paukenschlag. Mit einem mutigen

Zug vor das Hauptquartier der

Streitkräfte gelang es den friedlichen

Demonstranten, die Sympathie

zumindest der niederen Ränge

der Soldateska zu gewinnen: Sie

stammen aus denselben Familien

wie ihre zivilen Geschwister und

fühlten sich in den unzähligen

Kriegsspielen ihres Oberbefehlshabers

ohnehin verheizt. Die Offiziere

gerieten in Panik: Um einen radikalen

Umsturz zuverhindern, opferten

sie ihren Chef, der seitdem offiziell

hinter Gittern, inoffiziell im

Hausarrest sitzt. DasThema des ersten

Aktes, der friedliche Umsturz,

kam zu seinem Höhepunkt.

Vonder Hemiti-Miliz droht Gefahr

Demonstranten feiernamMontag in Khartum die Einigung mit den Militärs.AFP/AHMED MUSTAFA

Im zweiten Akt das, was man in der

Musiktheorie die Umkehrung nennt.

Das Thema ging auf die Gegenspieler

über –die im Amt verbliebenen

Protagonisten des Regimes, die zu

retten suchen, was zu retten ist. Ihr

Thema war der Fortbestand staatlicher

Ordnung: Das Land musste vor

dem angeblich drohendem Chaos

geschützt werden, wozu –leider! –

auch hartes Durchgreifen nötig war.

Die Miliz der grauen Eminenz, des

Generals Mohamed Hamdan Dagalo

(alias Hemiti), suchte den Widerstand

des aufständischen Volks zu

brechen: Bei der Räumung der „Revolutionsmeile“

vor dem Hauptquartier

der Streitkräfte wurden fast

150 friedliche Demonstranten niederkartätscht.

Das Kalkül ging allerdings

nicht auf: Wenige Tage später

marschierte das Volk wieder zu Hunderttausenden

auf der Straße.

Der dritte Akt: die Durchführung.

Den Militärs wird klar, dass

sich das Problem nicht mit Panzerwagen

aus dem Weg räumen lässt.

DieAfrikanische Union schließt das

Militärregime aus ihren Reihen aus,

das Ausland beginnt sich um das sudanesische

Drama zu kümmern.

Auch die Opposition erkennt, dass

sich die Maschinengewehre nicht

aus der Welt singen lassen: Der einzige

Ausweg sind Verhandlungen,

lange Nächte, langwierige Gespräche.

Das Wunder der sudanesischen

Staatsoper: Die Durchführung beginnt

tatsächlich harmonisch: Beide

Seiten erreichen eine Einigung, wie

die nächsten drei Übergangsjahre

gestaltet sein sollen. Militärs und zivile

Opposition sollen sich die Macht

teilen, der paritätisch besetzte „Souveräne

Rat“ wird zunächst von einem

Militär geführt, die unter ihm

angesiedelte Regierung von einem

Zivilisten, dem erfahrenen UN-Ökonomen

Abdalla Hamdok. Wäre Sudans

Umsturz eine Sonate, würde

jetzt alles zu einem glücklichen Ende

kommen. Doch Sudans Drama ist

eine Oper –und die zieht sich bekanntlich

hin.

Was noch alles passieren kann:

Noch immer stromert die Miliz der

grauen Eminenz Hemiti in Sudans

Städten herum: Wird sie nicht aufgelöst

oder in die reguläre Armee integriert,

geht von ihr ständige Gefahr

aus. Auch sind die Verantwortlichen

des von ihnen angerichteten Blutbads

noch immer frei: Darunter Hemiti

selbst, der inzwischen behauptet,

ein undisziplinierter Kommandant

seiner Miliz habe das Massaker

angerichtet.

Al-Baschir vorGericht

Al-Baschir hatte am Montag seinen

ersten Gerichtstermin: Ihm wird allerdings

nur vorgeworfen, Geld veruntreut

zu haben –eine Anklage wegen

Völkermordes und Kriegsverbrechen

wie in Den Haag hat er

nicht zu befürchten. Vorallem aber

muss der „deep state“, das seit der

Unabhängigkeit des Sudans vor

mehr als 60 Jahren wuchernde wirtschaftlich-politische

Wurzelwerk

der Militärs, gejätet werden: Anders

wird sich auch der ökonomische

Ruin des Staates nicht verhindern

lassen. Bis esindrei Jahren mit den

freien und fairen Wahlen zur großen

Coda der sudanesischen Oper kommen

kann, wird aus Khartum noch

mancher Paukenschlag zu hören

sein. Bleibt nur zu hoffen, dass der

uniformierte Kontrabass nicht für

Misstöne sorgt.

Johannes Dieterich würde

gernevon sich sagen: „Ich

bin ein Khartumer.“

Antrittsbesuch

in der Wüste

Kramp-Karrenbauer reist zu Soldaten in Jordanien

VonDaniela Vates

Erst Parteichefin, dann Verteidigungsministerin

–erst Kanzleramt,

dann Wüste: Wenige Stunden

nach dem Koalitionsausschuss zum

Thema Mietrecht begegnete Annegret

Kramp-Karrenbauer bei ihrer

ersten Auslandsreise als Ministerin

dem nächsten Koalitionsproblem.

Das Mandat für die Bundeswehrsoldaten,

die dortimRahmen der Anti-

IS-Koalition stationiert sind, läuft

Ende Oktober aus. Die SPD hat

schon die jüngste Verlängerung nur

widerstrebend hingenommen.

Kramp-Karrenbauer machte ihr

Bestreben deutlich, das Mandat zu

verlängern. Sie gehe davon aus,

„dass wir das Engagement weiter

brauchen“, um den Kampf gegen die

Terrororganisation Islamischer Staat

fortzusetzen, sagte die CDU-Politikerin.

„Wir verteidigen nicht die Sicherheit

Jordaniens“, die Sicherheit

Deutschlands und Europas werde

ebenfalls verteidigt. Auch Außenminister

Ayman Safadi betonte, er

hoffe,dass die Bundeswehr ihreMission

fortsetzen wird.

DerKommandeur des internationalen

Kontingents im jordanischen

Al Azraq, Gero von Fritschen, warf

Karten an dieWand, auf denen große

rote Ovale die verbliebenen Einflussbereiche

des IS in der Region zeigten.

Die Sicherheit sei sehr fragil. Irakische

Sicherheitskräfte seien noch

Annegret Kramp-Karrenbauer und der jodanische

Außenminister Ayman Safadi. AP

nicht stark genug, um die Sicherheit

zu garantieren. Der SPD-Außenexperte

Nils Schmidt zeigte sich jedoch

weiter skeptisch. Politisch werde

man in der Region sicher weiter tätig

sein. „Wie weit der militärische Fußabdruck

geht, muss man sehen.“

Kramp-Karrenbauers Vorgängerin

Ursula von der Leyen habe 2018 zugesagt,

dass sie andere Länder finden

wolle,die den deutschen Auftrag

übernehmen könnten, so Schmidt.

Die Bundeswehr stelle eine „Kernfähigkeit

des Einsatzes“, die andere

Nationen nicht ersetzen könnten,

widersprach vonFritschen. So könnten

nur die deutschen Soldaten die

von den Aufklärungsflugzeugen gelieferten

Bilder detailliertauswerten.

Überlegt wird offenbar, dass

Deutschland künftig vermehrt zivile

Organisationen in der Region fördert.

Ob dies dazu führen würde,

dass die Höchstgrenze von 800 Soldaten,

die das Mandat derzeit vorsieht,

reduziertwird, ist offen.

Derzeit sind im Rahmen der Anti-

IS-Mission rund 450 Soldaten im

Einsatz in Jordanien und im Irak stationiert.

Von Jordanien aus fliegen

Bundeswehrsoldaten im Rahmen

der Aufklärungsflüge über Syrien

und angrenzenden Ländern. Dort

sind rund 290 deutsche Soldaten stationiert.

Im nordirakischen Erbil bilden

rund 100 Bundeswehrsoldaten

Sicherheitskräfte aus, weitere

50 deutsche Soldaten tun dies in der

Nähe der Hauptstadt Bagdad.

Diskutiertwirdauch, ob die Bundeswehr

im Persischen Golf eingesetzt

werden sollte. Nachdem die

USA das Atomabkommen mit dem

Iran aufgekündigt hatte, hat sich die

Lage dort zugespitzt: Der Iran hat

britische Frachtschiffe festgesetzt.

Die Aufforderung der USA, sich an

einem US-geführten Einsatz zu beteiligen,

hat die Bundesregierung

bislang abgelehnt. Nun wird über

eine zusätzliche Missionunter Kommando

der EU beraten. Ein Mandat

derVereinten Nationen, wie es für internationale

Einsätze eigentlich üblich

ist, steht nicht zur Debatte.

Fossilfreileben

innerhalb einer

Generation.

Begleiten Sie uns auf dem Wegdorthin:

vattenfall.de/fossilfrei


6* Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

20.5.19

20.5.19

MÄRKTE

▲ 11715,37 (+1,32 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

20.5.19

Stand der Daten:19.08.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

19.8.19

▲ 59,76 (+1,91 %)

19.8.19

▲ 1,1103 (+0,24 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom19.08.zum Vortag

19.8.19

DialogSemic. NA 42,65 +5,23 WWWWWWWWWWW

K+S NA 14,26 +4,74 WWWWWWWWWW

Infineon NA 15,76 +3,79 WWWWWWWW

Sartorius Vz. 178,40 +3,60 WWWWWWWW

Siltronic NA 60,74 +2,88 WWWWWWW

Fresenius 43,47 +2,86 WWWWWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom19.08.zum Vortag

Osram Licht NA 34,65 WWW –1,28

Dt. Wohnen Inh. 30,79 WW –0,52

Vonovia NA 44,58 WW –0,49

Software 24,30 WW –0,41

Knorr-Bremse 85,29 W –0,21

RWESt. 25,55 W –0,08

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 19.08. ±% z. 16.08.

Euro Stoxx 50 (EU) +1,20

3574/2909 3369,19

CAC 40(FR) +1,34

5673/4556 5371,56

S&P UK(UK) +1,05

1562/1323 1451,68

RTS (RU) +0,62

1414/1033 1247,53

IBEX (ES) +0,73

9671/8286 8733,30

Dow Jones (US) +1,08

27399/21713 26165,16

Bovespa (BR) +0,48

106650/74275100283,20

Nikkei (JP) +0,71

24448/18949 20563,16

Hang Seng (HK) +2,07

30280/24541 26282,04

Stx Singap. 20 (SG) +0,64

1657/1350 1532,58

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Advanzia */**

advanzia.com - 1,00 1,00

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,70 0,70 0,70

Ikano Bank **

ikanobank.de 0,34 0,34 0,34

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

RaboDirect **

rabodirect.de 0,30 0,30 0,30

ING *

ing.de 1,00 1,00 1,00

Santander

santander.de 0,03 0,03 0,03

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,17 0,18 0,17

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Vorbei: Vom14. September an dürfenbeim Onlineeinkauf keineTAN-Listenauf Papier mehr verwendetwerden.

Sonderangebote sind wichtig, Beratung nicht immer

Die Bundesbürger gehenimmer seltener Lebensmittel und Konsumgütereinkaufen–sie mögenesbequemund billig

Von Erich Reimann

Beim Einkaufen sind die Verbraucher

in Deutschland in doppelter

Hinsicht Sparfüchse: Siewollen nicht

nur billig einkaufen, sondern beim

Shoppen auch noch wenig Zeit verschwenden.

Dasgeht aus einer aktuellen

Studie des Marktforschungsunternehmens

Nielsen hervor.

Sonderangebote beim Einkaufen

seien für fast zwei Drittel (65 Prozent)

der Bundesbürger wichtig, berichteten

die Marktforscher. Doch kaum

weniger bedeutsam sei ein schneller

Einkauf. Immerhin 59 Prozent der

Kunden kaufen am liebsten dort, wo

sie ihreEinkaufszettel rasch abarbeiten

können. Eine fachkundige Beratung

bei Käse, Wurst und Co. sei dagegen

nur jedem Vierten wichtig.

Doppelt hält besser

Der Bezahlvorgang im Internet soll Betrügern weniger Raum lassen –eswird aber auch aufwendiger

Von Friederike Marx

Mit wenigen Klicks im

Internet shoppen und

bequem mit der Kreditkarte

zahlen – ab

Mitte September wird das komplizierter.Neben

denDaten aufder Kreditkarte

sollen Käufer sich mit einem

weiteren Sicherheitsmerkmal wie

einem Zusatzpasswort oder einem

Fingerabdruck per Smartphone

identifizieren. Mancher Einkauf

könnte dadurch scheitern, weil die

Zahlung nicht abgewickelt werden

kann – das befürchtet jedenfalls der

Handel. Denn bei der Umsetzung der

neuen Vorgaben knirscht es gewaltig.

Die EUwill für mehr Sicherheit

beim Onlinebanking und Bezahlen

im Netz sorgen. Die Regeln der EU-

Zahlungsrichtlinie (PSD 2), die vom

14. September an gelten, sollen Betrügerndas

Leben schwerer machen.

Verbraucher müssen sich beim Bezahlen

und bei Bankgeschäften im

Internet daher zusätzlich identifizieren:DiesogenannteZwei-Faktor-Authentifizierung

kommt. Bankkunden

müssen dann grundsätzlich jede Onlineüberweisung

oder jede Kartenzahlung

mit einer solchen starken

Kundenauthentifizierung freigeben.

Beider Kreditkarte beispielsweise

genügten bisher Kartennummer,Ablaufdatum

und der dreistellige Prüfcode

beim Bezahlen im Netz. Jetzt

muss noch ein zweiter Faktor hinzukommen,

zum Beispiel eine Transaktionsnummer

(TAN), ein Passwort,

Bankenkritik: Die Deutsche

Kreditwirtschaft sieht Defizite

beim Handel. Banken und

Sparkassen hätten ihre Vorbereitungen

frühzeitig angestoßen

und nahezu abgeschlossen.

Am Ende entscheide

aber der Onlinehändler

darüber,obdas

System unterstützt werde.

„Das ist momentan noch

nicht in ausreichendem Maße

der Fall“, heißt es.

DER SCHWARZE PETER –UND EIN AUSWEG

ein per Smartphone übermittelter

Fingerabdruck oder die Gesichtserkennung.

Die bei einige Banken

noch verwendeten TAN-Listen auf

Papier sind nicht mehr erlaubt.

Viele Händler könnten ihreInternetshopsnichtrechtzeitigumstellen,

auch gegenüber den Kunden bestehe

noch Aufklärungsbedarf, sagt Ulrich

Binnebößel vom Handelsverband

Deutschland (HDE). „Die Zwei-Faktor-Authentifizierung

ist deutlich

komplizierter, die wenigsten Verbraucher

kennen sie. Der Handel

muss sie den Kunden erklären, weil

die Banken diese Aufgabe teilweise

nur unbefriedigend erfüllen“, kritisiertBinnebößel.

Problemhandys: Aufvielen

älteren Android-Smartphones

werden die neuen

Authentifizierungsmethoden

nicht funktionieren. Doch

wann eine Android-Version

nicht mehr sicher sei, lasse

sich angesichts der Vielzahl

vonHerstellernund Typen

nicht pauschal sagen, teilt

das Bundesamt für Sicherheit

in der Informationstechnik

mit.

Alternative: Es ist also nicht

auszuschließen, dass mancher

Onlineshopper am

14. September erst einmal

verzweifelt. Dennoch muss

niemand aufs Einkaufen im

Internet verzichten. Selbst

wenn das Bezahlen mit Kreditkarte

nicht funktioniert,

bleibt oft immer noch die

Möglichkeit, den Einkauf im

Netz per Rechnung oder

Lastschrift zu bezahlen.

DerHDE fordertdeshalb eine einheitliche

Übergangszeit von 18Monaten

in der EU. Eine Verschiebung

gilt aktuell jedoch als wenig wahrscheinlich.

Bleiben also nicht mehr

allzu viele Wochen bis zum Start am

14. September.

Zwar wissen Handel, Zahlungsdienstleister

und Kreditinstitute seit

Verabschiedung der EU-Richtlinie

im Jahr 2015 vonden neuen Anforderungen.

Doch die technischen Details

habe die Europäische Bankenaufsicht

erst im März2018 veröffentlicht,

diese hätten weitere Fragen

nach sich gezogen, sagt Binnebößel.

Der Teufel steckt wie immer im

Detail. Banken und Sparkassen, die

„Einkaufen muss praktisch sein“,

betonte Nielsen-Experte Frank Küver.

DieBundesbürger gingen immer

seltener einkaufen, gäben dabei jedoch

immer mehr aus.Imvergangenen

Jahr war jeder deutsche Haushalt

nach Angaben der Marktforscher im

Schnitt rund 193-mal einkaufen und

gab dabei im Mittel jedes Mal rund

20 Euro aus.Zum Vergleich: 2017 warenesnoch

196 Einkäufe mit Ausgaben

von19,40 Euro.

Am liebsten erledigen die Verbraucher

alle Einkäufe auf einen

Rutsch. „Sie möchten für ihren Einkauf

nicht viele verschiedene Geschäfte

ansteuern, sondern neben

Butter, Nudeln und Wurst an einem

Einkaufsortauch eine breite Auswahl

an Waschmitteln, Arzneimitteln und

Kosmetik haben“, sagte Klüver. Davonprofitierten

derzeit große Supermärkte

mit einem entsprechend vielfältigen

Angebot.

Doch auch die Drogeriemärkte

könnten bei den Verbrauchern mit

ihrem vielfältigen Sortiment, ihren

Preisen, oft attraktiven Eigenmarken

und Trendprodukten punkten, berichteten

die Marktforscher. Die Anzahl

der Discounter und der kleinen

Supermärkte mit weniger als

1000 Quadratmetern und entsprechend

überschaubarem Angebot sei

dagegen rückläufig.

Nach wie vorauf den Durchbruch

warten muss in Deutschland Nielsen

zufolge der Onlinehandel mit Lebensmitteln.

Doch gebe es positive

Zeichen für die E-Commerce-Anbieter.

Durchschnittlich habe jeder

deutsche Haushalt 2018 im Online-

FOTO: ANDREA WARNECKE/DPA

Kreditkarten ausgeben, legen das zusätzliche

Sicherheitselement fest. Sie

entscheiden, ob ihre Kunden beim

Bezahlen mit der KarteimNetz zum

Beispiel zusätzlich ein Passwort,

einen Fingerabdruck oder einen

Code verwenden müssen, den sie per

SMS bekommen.

Bei kleineren Einkäufen mit Beträgen

unter 30 Euro können die

Geldhäuser darauf verzichten. Zudem

können sie Kunden erlauben,

einzelneInternetshopsalssichereinzustufen.

Dann entfällt das zweite Sicherheitsmerkmal

ebenfalls. „Das

System der Onlinehändler muss all

dies berücksichtigen können“, sagt

Binnebößel. „Das ist für die Händler

nicht einfach.“

Der HDE befürchtet, dass kleine

Onlinehändler unter Druck geraten

und Kunden genervt abwandern,

wenn ab 14. September das Bezahlen

per Kreditkarte im Netz nicht reibungslos

funktioniert. „Dadurch

könnten große Onlineplattformen

ihre Position weiter ausbauen“,

warnt Binnebößel. Nach einer Umfrage

des Handelsforschungsinstituts

EHI fürchten 82 Prozent der Onlinehändler

wegen der erhöhten

Komplexität mehr Kaufabbrüche.

Der Bundesverband E-Commerce

und Versandhandel Deutschland

spricht sich ebenfalls für eine

Übergangszeit von mindestens

18 Monaten aus.„EinMonat vordem

Stichtag scheitert die Umsetzung an

technischen Problemen auf Bankenseite“,

kritisiertder Verband. (dpa)

handel rund 179 Euro für Waren des

täglichen Bedarfs ausgegeben. Das

seien 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Besonders gut gefällt den Bundesbürgern

amOnlineeinkauf von Warendes

täglichen Bedarfs Nielsen zufolge

die damit verbundene Zeitersparnis

und die große Produktvielfalt

im Internet. Gegen den Onlineeinkauf

sprachen in ihren Augen

nicht zuletzt zusätzliche Kosten für

den Versand und das fehlende Produkterlebnis.

Die Studie „Nielsen Consumers

2019“ basiert auf Daten des sogenannten

Nielsen-Hauhaltspanels,

das rund 20000 deutsche Haushalte

erfasst, auf Informationen aus dem

Nielsen-Handelspanel und auf einer

Reihe vonStudien der Marktforscher

in den vergangenen Monaten. (dpa)

Automesse

IAA auf

Schrumpfkurs

Schlechte Geschäfte und

schwindendeAkzeptanz

Von Christian Ebner

Gewinnwarnungen, sinkende Absatzzahlen

und Jobverluste: Unmittelbar

vorEröffnung der 68. Internationalen

Automobilausstellung

(IAA)inFrankfurtgehtesderBranche

alles andere als gut. Die Krise hat

deutliche Spuren im Programm der

Autoschau hinterlassen. Vor allem

internationale Hersteller machen in

diesem Jahr einen Bogen um die Veranstaltung

des deutschen Verbands

der Automobilindustrie (VDA).

Unter anderem haben alle Japaner

bis auf Honda, die US-Hersteller

mit Tesla sowie die führenden Unternehmen

aus Frankreich und Italien

abgesagt. Auf dem längst nicht ausverkauften

Frankfurter Messegelände

werden nur noch in vier Hallen

neue Autos gezeigt, wobei die deutschen

Konzerne VW, Daimler und

BMW mit einigen internationalen

Einsprengseln wie Hyundai oder

Landrover fast unter sich bleiben.

Dazu gesellen sich wie in den Vorjahren

noch zahlreiche Zulieferer.

Der VDA will dem Schwund mit

einem neuen Konzept begegnen,

setzt auf noch mehr Diskussionen,

die engere Zusammenarbeit mit Digitalfirmen

und neue Attraktionen

wie eine große Oldtimer-Show.

Ein VDA-Sprecher findet Vergleiche

mit der Vorgängermesse im Jahr

2017 nicht fair: „Angesichts der gewaltigen

Transformation, in der die

Branche sich befindet und die sie vorantreibt,

wäreesverkehrt, an die IAA

alte Messlatten anzulegen wie beispielsweise

die belegten Quadratmeter

oder die Zahl der Aussteller.“ Tatsächlich

liegt die Messlatte aus 2017

mit rund1000Ausstellernaus39Ländern

und 810000 Besuchern ziemlich

hoch. Gezeigt wurden vor zwei

Jahren laut VDA-Zählung 363 Neuheiten,

darunter 228 Weltpremieren.

FünfMillionen Pkwweniger

„Die Autoindustrie fährtinihregrößte

Krise seit mehr als 20 Jahren. In diesem

Jahr werden weltweit gut fünf

Millionen Pkw weniger verkauft werden

als im letzten Jahr“, sagt Autoexperte

Ferdinand Dudenhöffer von

der Universität Duisburg-Essen. Die

weltweiten Überkapazitäten lägen

damit bei mehr als acht Millionen

Autos. Markenhersteller wie Zulieferer

stünden vor hohen Investitionen

in die Elektromobilität, die in den

nächsten Jahren keine nennenswerten

Gewinne einfahren werde.

Im Zeichen der Klimadiskussion

formiert sich aktuell weit stärkerer

Protest als in den Jahren zuvor.Gefordert

werden die Verkehrswende und

der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor.

Umweltorganisationen wie

Greenpeace und der BUND,der VCD

und die Deutsche Umwelthilfe haben

gemeinsam zu Großdemonstrationen

gegen die IAA aufgerufen.

„Betrügerische Autokonzerne feiern

dort ihre dicken SUVs und Spritschlucker“,

heißt es bei ihnen unter

anderem. Noch radikaler gibt sich

das Bündnis „Sand im Getriebe“, das

am 15. September auch zu illegalen

Mitteln greifen will, um die IAA zu

blockieren. (dpa)

Wirdesdiesmal wieder so vollauf derIAA

wie 2017?

FOTO: ULI DECK/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 7 *

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Wirtschaft

Altmaier

überstimmt

Kartellamt

Minister erlaubt Fusion

zweier Mittelständler

Von Andreas Hoenig

Mit einer umstrittenen Ministererlaubnis

hat Peter Altmaier

(CDU) das Kartellamt überstimmt

und den Wegfreigemacht für ein Gemeinschaftsunternehmen

von zwei

Mittelständlern. Der Bundeswirtschaftsminister

begründete dies damit,dassdasgemeinsameUnternehmen

des Metallverarbeiters Zollern

und des Autoteileproduzenten Miba

eine wichtige Rolle bei der Energiewende

spielen könne.

Die sogenannte Ministererlaubnis

wird nur in Ausnahmen erteilt

und ist an Gemeinwohlinteressen

geknüpft. Zuletzt hatte sie der damalige

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel

(SPD) 2016 genutzt, um die Übernahme

von Kaiser’s Tengelmann

durchEdekamöglichzumachen.Altmaiers

Genehmigung ist erst die

zehnte, seit die Ministererlaubnis

1973 ins Gesetz geschrieben wurde.

Nach der Entscheidung können

Zollern und Miba ein Unternehmen

für Gleitlager gründen. DieErlaubnis

ist mit Auflagen verbunden. So müssen

die Firmen das neue Gemeinschaftsunternehmen

mindestens

fünf Jahregemeinsam betreiben und

50 Millionen Euro investieren. Altmaier

sagte, er habe sich die Entscheidung

nicht einfach gemacht.

GleitlagerseienabereinzentralerTeil

in der Wertschöpfungskette vonProdukten,

die eine wichtige Rolle bei

der Energiewende spielten –etwa für

Windkraftanlagen oder moderne

Gasturbinen.

Das Bundeskartellamt hatte den

Zusammenschluss verboten,weildie

Firma sonst besonders bei Gleitlagern

für Großmotoren sehr stark aufgestellt

sei, wie sie etwa in Schiffen,

Lokomotiven oder Stromaggregaten

zur Anwendung kommen.

Altmaier steht bei Wirtschaftsverbänden

in der Kritik –vor allem bei

Mittelständlern. Der Minister hatte

im Februar eine Industriestrategie

vorgelegt, die sich vor allem mit

Großkonzernen befasste. Altmaier

spricht sich dafür aus, notfalls mit

staatlicher Hilfe Arbeitsplätze in

Deutschland zu sichern und angesichts

wachsender Konkurrenz gerade

aus China mehr „nationale Champions“

zu schaffen.

HätteAltmaiernunalsodieMinisterlaubnis

für die Mittelständler

nicht erteilt, wäreervermutlich wiederinsKreuzfeuerderKritikgeraten–

und das kurzvor einer„Mittelstandsreise“

Ende August, bei der er eine

Mittelstandsstrategie vorlegen will.

Altmaiersagteaberzugleich,ersei

generell „kein großer Freund“ einer

Ministererlaubnis. Er will die Fusionskontrolle

beim Bundeskartellamt

reformieren. Der Fall Miba und

Zollernzeige,dass die Kontrolle auch

bei relativ kleinen Märkten eingreife.

Für Kontrollen sollen deshalb künftig

die Schwellen etwa beim Inlandsumsatzerhöhtwerden.Außerdemsollen

die Voraussetzungen für eine Ministererlaubnis

präzisiert werden, sowohl

beim Verfahren als auch bei den

Voraussetzungen für eine Erlaubnis.

Damit solle der „Ausnahmecharakter“

klargestellt werden. (dpa)

Peter Altmaier plant Änderungen im Kartellrecht.

FOTO: JESKE/IMAGO-IMAGES

Teure Sicherheit

Anleihen sind gefragt wie nie, ihre Renditen im Keller.Das Treffen der Notenbanker hat sein Thema

Von Frank-Thomas Wenzel

Wer sein Geld in Staatsanleihen

investieren

will, muss derzeit

draufzahlen. Die Zahl

der Papiere mit negativen Zinsen ist

zuletzt massiv gestiegen. Wenn sich

die Notenbanker der Welt am Donnerstag

wie jedes Jahr im amerikanischen

Jackson Hole treffen, haben sie

ein schwieriges Szenario zu bereden.

Wir erläutern, worauf die Anleger

wetten.

Wie viel bringen aktuell hiesige

Staatsanleihen?

Sämtliche vom deutschen Staat

ausgegebenen Papiere bringen im

Moment eine negative Rendite. Bei

den wichtigen Anleihen mit zehn

Jahren Laufzeit betrug sie am Montagnachmittag

minus 0,65 Prozent.

Wer Papiere mit einem Wert von

100 000 Euro kauft, verliert amEnde

also 650 Euro.Der bislang tiefste Wert

lag bei 0,72 Prozent. Er wurde Ende

voriger Woche erzielt.

Wie kann eine Rendite negativ sein,

wenn Kursesteigen?

Im Gegensatz zu Aktien sind Anleihen

mit einer festen jährlichen

Zinszahlung auf ihren Nennwertverbunden.Steigt

ihr Kurs,muss ein AnlegerbeimKaufmehrGeldausgeben,

um diese feste Zahlung zu bekommen.

Bezogen auf den Geldeinsatz

sinkt also die Rendite.

Steht Deutschland damit allein?

Nein. Etwa 90 Prozent aller europäischen

Staatsanleihen befinden

sich im Minus-Bereich. Weltweit ist

das Volumen der Papieremit negativen

Renditen in den vergangenen

Monaten deutlich gestiegen. Waren

es noch im Oktober 6400 Milliarden

Dollar,sostieg dieser Wert im August

nach den Daten des Finanznachrichtendienstes

Bloomberg auf 15 000

Milliarden Dollar.

Wassind die Gründe?

Vordergründig geht es darum,

dass die konjunkturellen und geopolitischen

Risiken gestiegen sind.

Der Brexit und die Handelsstreitigkeiten

der US-Regierung mit China,

Japan und der EU werden immer

wieder als die wichtigsten Faktoren

genannt. Die Erklärung: Wenn alles

unsicherer wird, flüchten sich Investoren

in sichereGeldanlagen. Sieverkaufen

schwankungsanfällige Aktien

und setzen auf vermeintlich sichere

Anleihen. Bevorzugtes Ziel sind dabeidiedeutschenPapiere.

DennZahlungsausfälle

durch eine Pleite des

deutschen Staats gelten als höchst

unwahrscheinlich. Die steigende

Nachfrage lässt die Kurse dieser

Papiere steigen. Dadurch sinkt zugleich

deren Rendite.

Werkauft Papiere mit Minuszinsen?

Vor allem Großinvestoren, die

zum Beispiel Pensionsfonds oder Lebensversicherung

verwalten, sind

aktiv.Wie viele andereAkteureamFinanzmarkt

müssen die Fonds-Ma-

nager zudem in einer bestimmten

Größenordnung die sicheren Papiere

halten, um ihre Risiken zu streuen.

Anleihen mit negativen Renditen

drücken also die Gesamtgewinne

von Fonds und Lebensversicherungen.

Für Pensionäre gibt es dann

letztlich weniger Geld.

FDP wirft Scheuer Täuschung vor

Vergabeverfahren „Infrastrukturabgabe“

um die PKW-Maut. „Sollte Minister

Scheuer den Haushaltsgesetzgeber

bei den Kosten getäuscht und

den Konsortien keine faire Vergabe

ermöglicht haben, wird sein Stuhl

heftig wackeln“, fügte Lukzic hinzu.

Um nachzuweisen, dass es bei

den Vergabeverfahren für die milliardenschweren

Aufträge zu Unregelmäßigkeiten

gekommen ist, hat der

Abgeordnete umfangreiche Unterlagen

vom Verkehrsminister per Brief

eingefordert. Teile davon sind am

Freitag an den Bundestag geliefert

worden, aber aus Sicht des Verkehrspolitikers

fehlen die entscheidenden

Akten noch.

„Minister Scheuer liefert immer

nur auf Druck einzelne Puzzlestücke“,

sagte Lukzic dem RND. „Er

muss die Frage beantworten, warum

er Informationen filtert, statt für vollständige

Transparenz zu sorgen.“ So

lägen die Dokumente der Vergabestelle

des Verkehrsministeriums weiterhin

nicht vollständig auf dem

Tisch.

Verkehrsminister Andreas Scheuer

(CSU) steht in der Kritik, weil er die

Verträge zur Erhebung und Kontrolle

der PKW-Maut mit den Betreibern

Sind auch Spekulanten am Werk?

Für viele Beobachter gibt es da

keine Zweifel. Der renommierte US-

Anleiheexperte JJ Kinahan sagte

kürzlich dem Fernsehsender CNBC,

es werdeunter Händlernmittlerweile

vonAnleihen wie vonhochfliegenden

Aktien gesprochen. Die Papiere

werden von Spekulanten gekauft,

weil sie darauf setzen, dass sie die

Papiere kurzfristig zu noch höheren

Kursen weiterverkaufen können.

Dieses Szenario dürfte bei einer zunehmenden

Verschlechterung der

ökonomischen Gesamtlage tatsächlich

eintreten.

All das hat zu kuriosen Situationen

geführt: Besonders begehrtsind

derzeit Papiere mit extrem langen

Laufzeiten. So hat eine so genannte

Methusalem-Anleihe des österreichischen

Staates seit Jahresbeginn

einKursplusvon70Prozenterreichtes

gibt nur wenige Aktien, mit einer

vergleichbaren Performance.

Was bedeuten diese Entwicklungen

für Privatinvestoren?

Auch Privatinvestoren können in

Staatsanleihen investieren. Und es

gibt tatsächlich ein Szenario,bei dem

auch Anleihen mit negativen Renditen

etwas bringen können: wenn die

Preise nicht steigen, sondern eine

Deflation eintritt. Wenn also Produkte

und Dienstleistungen sich so stark

verbilligen, dass sie die Negativ-Renditen

überkompensieren. Japan hat

jahrelang darunter gelitten. In der

Euro-Zone ist die Inflation deutlich

unter dem Zielwertvon zwei Prozent.

Eine Deflation gilt dennoch als unwahrscheinlich.

Zudem warnen viele

Marktbeobachter, dass sich am Anleihemarkt

sich womöglich eine Blase

gebildet habe. Das bedeutet, dass

die hochgeschossenen Kurse sehr

bald abstürzen könnten –eben wegen

der massiven Aktivitäten der

Spekulanten.

Wie ist die Entwicklung in der nächsten

Zeit zu beurteilen?

Am Montag fielen die Kurse der

Anleihen spürbar.Doch Patrick Boldt

vonder Landesbank Hessen-Thüringen

geht davon aus, dass Staatspapiere

der großen EU-Länder weiterhin

gefragt bleiben, solange die

schwierige geopolitische Gemengelage

bestehe.Wichtig wirdEnde dieser

Woche eine Rede von Jerome

Powell, Chef der US-Notenbank Fed,

auf der Notenbankkonferenz in Jackson

Hole.Viele Experten rechnen damit,

dass Powell die Gelegenheit nutzen

wird, um den Finanzmarkt auf

die Haltung der Fed einzustimmen.

Sie hatte kürzlich die Leitzinsen gesenkt.

Kündigt er eine weitere geldpolitische

Entspannung mit einem

niedrigeren Zinsniveau an, könnten

die Anleiherenditen noch weiter sinken.

In den vergangenen Tagen warviel von

einer „inversen Zinskurve“ die Rede,

die angeblich eine Rezession ankündigt.

Washat es damit auf sich?

Normalerweise müssen Schuldner

ihrem Geldgeber umso höhere

Zinsen zahlen, je länger sie sich Geld

leihen. Die Renditen zehnjähriger

Anleihen sind deshalb in der Regel

höher als die der zweijährigen. In den

USA hat sich das zuletzt umgedreht,

die langfristigen Renditen sind

knapp unter die kurzfristigen gefallen.

Dieses Phänomen war in der Vergangenheit

mehrmals Vorbote einer

Rezession, weshalb die Finanzmärkte

extrem nervös reagierten.

Allerdings gibt es mehrere Erklärungen

für eine inverse Zinskurve

undkeinenzwingendenZusammenhang

zu einer Rezession. Experten

streiten deshalb,wie ernst das jüngste

Signal aus den USA genommen

werdenmuss.Einigsindsiesichallerdings

darin, dass es ein weiteres Signal

für die Suche der Geldanleger

nach Sicherheit ist. Sie zahlen lieber

für die Sicherheit von Anleihen, als

unternehmerisch zu investieren.

CSU-Politiker soll bei Vergabe der Mautverträge getrickst haben–das zumindest vermutetdie Opposition

Von Andreas Niesmann

Die FDP im Deutschen Bundestag

erhebt schwere Vorwürfe gegen

Bundesverkehrsminister Andreas

Scheuer (CSU). „Ich habe den begründeten

Verdacht, dass Verkehrsminister

Andreas Scheuer bei den

Vergabeverfahren ,Toll Collect‘ und

,Infrastrukturabgabe‘ getrickst und

getäuscht hat“, sagte der verkehrspolitische

Sprecher der FDP im Bundestag,

Oliver Lukzic, dem RedaktionsNetzwerkDeutschland

(RND).

Bei dem Verfahren „Toll Collect“

ging es um die LKW-Maut, bei dem

Die Finanzwelt blickt auf Fed-ChefJeromePowell.

FOTO: MANUEL BALCE CENETA/AP

Kapsch und CTS Eventim 2018 geschlossen

hatte, bevor feststand, ob

die Pkw-Maut in der geplanten Form

überhaupt mit EU-Recht vereinbar

ist. Der Europäische Gerichtshof

(EuGH) erklärte die Maut Mitte Juni

für rechtswidrig, direkt nach dem

Urteil kündigte der Bund die Verträge

mit den Firmen.

Daraus könnten finanzielle Forderungen

vonKapsch und CTSresultieren.

Sollten nun auch noch Unregelmäßigkeiten

bei den Vergabeverfahren

nachgewiesen werden können,

würde das den Druck auf den

Minister weiter erhöhen.

NACHRICHTEN

Lockanrufe

nehmen offenbar zu

Lockanrufe aus dem Ausland sorgen

für immer mehr Ärger.Imersten

Halbjahr habe es 21580 Beschwerden

wegen sogenannter Ping-Anrufe

gegeben, teiltedie Bundesnetzagentur

mit. ZumVergleich: 2018 waren

es im gesamten Jahr 21022. Dennoch

liegen die Beschwerden weit

unter dem Niveau von2017 –damals

gingen 76787 Meldungen wegen

Rufnummernmissbrauchs ein. Bei

Ping-Anrufen klingelt es nur kurz

auf dem Handy,woraufhin man mitunter

reflexartig zurückruft, im Ausland

landet und hohe Gebühren

zahlen muss.Die Netzagentur kann

ein „Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbot“

verfügen. (dpa)

Inflation auf tiefstem

Stand seit Ende 2016

DieTeuerung in der Euro-Zone hat

sich im Juli deutlich abgeschwächt

und den tiefsten Stand seit mehr als

zweieinhalb Jahren erreicht. DieInflationsrate

sei von1,3 Prozent im

Vormonat auf 1,0 Prozent gesunken,

teilte das Statistikamt Eurostat am

Montag mit. Damit wurde die erste

Erhebung um 0,1 Prozentpunkte

nach unten revidiert. Im Monatsvergleich

sanken die Verbraucherpreise

um 0,5 Prozent. DieTeuerung ist in

der Euro-Zone damit so gering wie

seit November 2016 nicht mehr.Die

Europäische Zentralbank strebt mittelfristig

eine Inflationsrate von

knapp unter 2Prozent an. (dpa)

Frühe Weinlese

in Sachsen

Ein Eimermit denersten Trauben der Sorte

Solaris.

FOTO: JAN WOITAS/DPA

In Sachsen steht die Weinlese bevor.

„Wir werden in den nächsten beiden

Wochen mit den zeitigen Sorten wie

Solaris beginnen“, sagte der stellvertretende

Vorsitzende des Weinbauverbands

Sachsen, Felix Hößelbarth.

Aber auch Sorten wie Müller-Thurgau

könnten schon Anfang September

gelesen werden. „Wir stellen uns

auf einen zeitigen Erntebeginn ein.“

Hinsichtlich der Qualität zeigte sich

Hößelbarth optimistisch, einen guten

Jahrgang einzufahren. So hätten

etwa Pilzkrankheiten kaum eine Rolle

gespielt. „Wenn es geregnet hat,

war es danach schnell wieder trocken

und warm.“ Am Montag wurden

die ersten Trauben auf Schloss

Wackerbarth bei Radebeul an der Elbe

gelesen. (dpa)

Dänischer

„Bettenkönig“ tot

DerGründer der Möbelhauskette

Dänisches Bettenlager,Lars Larsen,

ist tot. Derdänische Unternehmer

starb am Montagmorgen im Alter

von71Jahren, wie die Jysk-Gruppe,

zu der das Dänische Bettenlager gehört,

mitteilte.„Er wirduns allen

sehr fehlen“, sagte Larsens Sohn, Jacob

Brunsborg. Brunsborghatte im

Juni den Vorstandsvorsitz der Lars-

Larsen-Gruppe vonseinem Vater

übernommen, nachdem bei diesem

Leberkrebs diagnostiziertworden

war.Larsen eröffnete 1979 im dänischen

Aarhus sein erstes Jütländisches

Bettenlager.1984 folgte die Expansion

nach Deutschland. (dpa)


8 Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Meinung

Rechtsextremismus

ZITAT

Die Gefahr lauert in

der Provinz

Markus Decker

sieht die innere Sicherheit in

Deutschland bedroht.

Politisch interessierte Kreise wissen

spätestens seit Bekanntwerden des

Nationalsozialistischen Untergrunds

(NSU), was die Stunde geschlagen hat.

Seit dem 4. November 2011 ist nämlich

klar, dass Rechtsextremisten in Deutschland

töten –und zwar zielgerichtet. Es hat

allerdings des Mordes an dem Kasseler

Regierungspräsidenten Walter Lübcke

bedurft, um die Gefahr auch bürgerlichen

Kreisen vorAugen zu führen. Denn es war

einer der ihren, ein in der Heimat verwurzelter

christdemokratischer Kommunalpolitiker,

der einem Neonazi zum Opfer

fiel. Diese Tat, die rechtsextremistischen

Demonstrationen vonChemnitz im Sommer

2018 und die Entlassung des vormaligen

Verfassungsschutzpräsidenten Hans-

Georg Maaßen lassen die Sicherheitsbehörden

nun anders agieren.

Maaßens Nachfolger Thomas Haldenwang

rief im Mai erstmals die Gefahr des

Rechtsextremismus beim jährlich stattfindenden

Verfassungsschutzsymposium

auf. Jetzt legt das Bundeskriminalamt mit

einem eigenen Konzept gegen digitale

und analoge Gewalt nach. Darin sollen

Rechtsextremisten künftig einer ähnlichen

Gefährdungsanalyse unterzogen

werden wie „Gotteskrieger“. Ob die Gefahr

vonRechtsaußen damit eingedämmt

werden kann, ist offen. Denn während die

Zahl der von Sicherheitsbehörden des

Bundes geschützten Personen konstant

ist, befinden sich in der Provinz offenbar

Hunderte auf Feindeslisten und müssen

ein ähnliches Schicksal fürchten wie Walter

Lübcke. Mindestens ebenso wichtig

wie das Agieren der Sicherheitsbehörden

des Bundes ist deshalb das der Länder.In

der Provinz entscheidet sich, ob wehrhafte

Demokraten und Migranten Angst

haben müssen –oder nicht.

Europa

Hohles Pathos

in Ungarn

Ulrich Krökel

über einen wenig frohen Festakt an

einer strikt geschützten Grenze.

Die Vergleiche drängen sich auf. Vor30

Jahren senkten ungarische Grenzsoldaten

ihre Gewehrläufe und sahen weg,

als Hunderte DDR-Bürger beim Paneuropäischen

Picknick in Sopron nach Österreich

flüchteten. DerEiserne Vorhang öffnete

sich, Europa wuchs zusammen.

Heute lässt der ungarische Regierungschef

Viktor Orban die Grenzen seines Nationalstaates

mit meterhohen Nato-

Drahtzäunen sichern und schwadroniert

vom Bollwerk des christlichen Abendlandes.Flüchtlinge

werden in Lager gesperrt.

Europa schottet sich nach außen ab und

droht im Innern wieder in seine Einzelteile

zu zerfallen. Zu stark, so scheint es,

sind die nationalen Egoismen.

Unddas gilt keineswegs nur für die ostmitteleuropäischen

Staaten und ihreSolidaritätsverweigerung

in der Migrationspolitik

oder für die Brexit-Briten. Gerade

Deutschland, das sich oft seines vorbildlichen

Europäertums rühmt, zeigt den

Schwächeren auf dem Kontinent immer

wieder gern, wo es langgeht. Vordiesem

Hintergrund mutete es befremdlich an,

dass Orban und Bundeskanzlerin Angela

Merkel beim Gedenken in Sopron gesamteuropäischen

Optimismus zu versprühen

versuchten. Voller Pathos forderten

sie eine neue Osterweiterung auf dem

Balkan ein, wohl wissend, dass es die dafür

nötige Einstimmigkeit in der EU auf

absehbareZeit nicht geben wird. Ansonsten

wiesen die beiden Regierungschefs

alle noch so drastischen Differenzen, insbesondere

in der Migrationspolitik, der

Lösungskompetenz der neuen EU-Kommissionschefin

Ursula von der Leyen zu,

Devise: Sie kann das, sie schafft das. Aber

mit dem Schaffen, das müsste Merkel eigentlich

wissen, ist das so eine Sache.

Feierstunde zur Grenzöffnung

Wer sich mitten im Getümmel

befindet, verliert schnell den

Überblick. Und soist es denn

auch kein Zufall, dass eine der

aufregendsten Bilddokumentationen über

die Zeit des Mauerbaus von jemanden

stammt, der eher mit einem Blick vonaußen

auf die dramatischen historischen Entwicklungen

zu schauen vermochte.Aufgrund seines

schwedischen Passes konnte sich der Fotojournalist

Bernard Larsson, der später, am

2. Juni 1967, auch das berühmte Foto von

dem niedergeschossenen Studenten Benno

Ohnesorg gemacht hat, weitgehend frei und

selbstständig in der Sektorenstadt Berlin bewegen.

Zwischen 1961 und 1964 fotografierte

er nicht nur Grenzanlagen und Stacheldraht,

sondern auch die Menschen, die

sich den weltpolitischen Entscheidungen

ausgesetzt sahen, in ihrem Alltag.

Ein flüchtiges Blättern indem opulenten

Bildband (Verlag Schirmer/Mosel) reicht

aus, umdie bevorstehenden Feierlichkeiten

zum 30. Jahrestag des Mauerfalls als erinnerungspolitischen

Vorgang aufzufassen, der

immer wieder neu zu erschließen ist. Es gibt

eben nicht nur den einen Blick zurück. Geschichtliche

Erinnerungsdaten sind weniger

ein gesellschaftspolitischer Zielpunkt als

vielmehr Anlass für Abschweifungen, Selbstreflexion

und Neupositionierungen.

In diesem Sinne sollte man auch den Veranstaltungsmarathon,

den der Regierende

Bürgermeister Michael Müller (SPD) am

Montag vorgestellt hat, als Berliner Angebot

verstehen, die Geschehnisse, die vor 30Jahren

zum Ende der DDR geführt haben, so

nachdenklich wie nötig und so bunt und

vielfältig wie möglich zu begehen. Das geht

heute wohl nicht mehr ohne triumphale

Überbietungsgesten. Wie anders soll man

Für die Heimunterbringung eines gebrechlichen

Menschen steuert die Pflegeversicherung

maximal 2000 Euro bei.

Hinzu kommt die Rente oder Grundsicherung

des Pflegebedürftigen. Höhere Kosten

müssen von Kindern aufgebracht werden.

Allerdings liegen die Freibeträge hoch, auch

wird ein selbstbewohntes Eigenheim nicht

zumVermögen gerechnet, und man kann die

Zahlungspflicht ziemlich leicht umgehen.

Hier ein Beispiel: Einer meiner SPD-Freunde

–ein finanziell gutgestellter IG-Metall-Funktionär

–sollte trotz studierender Kinder mit

400 Euro monatlich für seine altersschwache

Mutter aufkommen; flugs rechnete er sich

arm, indem er einen neuen Mercedes auf

Pump kaufte und „Schulden“ geltend

machte. Stolz erklärte er mir: „Bin ich denn

blöd!? Soll doch der Staat zahlen!“

Werzahlte für den neuen Mercedes beziehungsweise

die Mutter, die eineinhalb Jahre

später starb? Es waren nicht hauptsächlich

die Superreichen, sondern diejenigen, die

deutlich weniger verdienen als mein Freund.

Letztereerbringen einen großen Teil der Verbrauchs-

und Lohnsteuern. Für sie interessiertsich

Sozialminister Hubertus Heil (SPD)

jedoch nicht. Er will die sozialen Aufsteiger

von ihren solidarischen Familienpflichten

„befreien“. Dazu zieht er eine Einkommensgrenze

von 100 000 Euro brutto im Jahr.Wer

mehr verdient, den bezeichnet Heil als „Gutverdiener“.

Das heißt umgekehrt: Wer–als

Einzelperson, nicht als Familie! – nur auf

80 000 Euro proJahr kommt, gehörtimWelt-

30 Jahre Mauerfall

Bleibt alles

anders

Harry Nutt

blickt mit Neugier und Skepsis auf das bevorstehende

Feierspektakel im November.

KOLUMNE

Die SPD: Partei

der sozialen

Spaltung

Götz Aly

Historiker

bild der heutigen SPD zum schutzbedürftigen

Kreis der Mäßigverdiener. Spätestens

hier erkennt jeder klar Denkende, wie programmatisch

korrupt die deutsche Sozialdemokratie

geworden ist.

Diejährlichen Kosten für Heils Geschenk,

genannt „Hilfe zur Pflege“, betragen eine

halbe,bald eine Milliarde Euro.Und wersoll

diese Beträge bezahlen? Die Kommunen! So

steht es in Heils Vorlage. Das heißt, dieses

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

das Nebeneinander von einem Popstar wie

Patti Smith, dem Berliner DJ Westbam und

die Staatskapelle unter der Leitung von Daniel

Barenboim verstehen? Die Woche rund

um den 9. November wirdals Festival mit sieben

Open-Air-Ausstellungen, über 100 Einzelveranstaltungen

und verschiedenen Aktionen

inszeniert, das zudem darauf aus ist,

die partizipativen Möglichkeiten digitaler

Medien auszuschöpfen. Niemand soll sagen

dürfen, man sei nicht auf der Höhe der Zeit.

Besinnlichkeit und Kontemplation sehen jedenfalls

anders aus.

Zudem hatte sich im politischen Raum

zuletzt die Ansicht verstärkt, dass es gar nicht

so viel zu feierngebe.Die lange für plausibel

gehaltene Vorstellung, dass sich mit der zeitlichen

Entfernung vonder einstigen Existenz

zweier deutscher Staaten die gesellschaftliche

Normalität eines geeinten Landes einstelle,hat

sich als Trugschluss erwiesen.„Wie

alles anders bleibt“ ist der aktuelle Titel eines

Buches,indem die Autorin Jana Hensel ihre

Texte und Analysen aus den letzten 15 Jahren

in dem verbindenden Gedanken zusammenfasst,

dass Ostdeutschland als neuer politischer

Raum jetzt überhaupt erst entsteht.

Das hat sehr viel mit oberflächlichen politischen

Zuschreibungen von außen zu tun.

Wasetwa haben politische Kommentatoren,

die die neue rot-rot-grüne Regierung in Bremen

ausdrücklich als erstes Bündnis in den

alten Ländern mit der Linkspartei hervorgehoben

haben, anderes getan, als an alten

ideologischen Unterscheidungen festzuhalten?

DerstarreBlick auf Umfragen zu den bevorstehenden

Landtagswahlen in Brandenburg,

Sachsen und Thüringen hat ein unerfreuliches

Drohgemälde heraufbeschworen,

das Ostdeutschland als eine von politischen

Orks bewohnte Landschaft ausweist.

Kaum jemand hat sich dabei die Mühe

gemacht, die sehr unterschiedlichen Stimmungslagen

etwa in der Lausitz oder in

Nordbrandenburg kenntlich zu machen.

Stattdessen ist eine obsessive Beschäftigung

mit Herkunfts- und Gesinnungsfragen zu

beobachten, die das gebotene Einfühlungsvermögen

in einzelne Geschichten und die

wechselvollen Biografien der Beteiligten

weitgehend verdrängt hat.

DieFeierlichkeiten aus Anlass von30JahrenFriedlicher

Revolution und Mauerfall haben

sicher keine Agenda für einen neuen

deutschen Gemeinsinn auf dem Programmzettel.

Vielleicht aber bieten sie abseits des

Budenzaubers die Gelegenheit, das Erlebte

und Bekannte in ein neues Licht zu tauchen.

Geld fehlt dann für Kindergärten, Schulen

und Spielplätze. Die SPD ist endgültig zur

Rentnerpartei geworden. Sie betrügt die Jugend

und die wirklich Hilfsbedürftigen.

Stattdessen verschafft sie der älteren gehobenen

Mittelschicht Milliardengaben. Dem

entspricht auch das SPD-Konzept für eine

Grundrente,die unabhängig vonder Vermögenslage

bezahlt werden soll.

Für den Abbau des Solidaritätszuschlags

hat sich die SPD ebenfalls auf das individuelle

Bruttojahreseinkommen von 100 000

Euro kapriziert(für Doppelverdiener 200 000

Euro). Erst jenseits dieser Grenze beginnen

in der sozialdemokratischen Optik „die Gutverdiener“.

Das sind zehn Prozent der Steuerpflichtigen.

Dabei sieht jeder aufmerksame Zeitgenosse,woder

tiefste soziale Graben in unserer

Gesellschaft verläuft: irgendwo zwischen

denen, die 35 000 Euro brutto im Jahr verdienen,

und denen, die bei 55 000 Euro und

mehr liegen. Denjenigen, die weniger als

50 000 Euro brutto jährlich erhalten und vermögenslos

sind, soll sozialpolitisch geholfen

werden, zumal deren Kindernund Pflegebedürftigen.

Aber die SPD will die Steuern genau

dieser relativ schlecht gestellten Menschen

dazu nutzen, dass der wohlhabenden

Mittelschicht ihreVermögensanlagen, Fernreisen

und kostspieligen Hobbys ungeschmälert

erhalten werden. Damit ist sie

nicht nur zur Partei der Rentner, sondern

auch zur Partei der sozialen Spaltung verkommen.

„Kein Mann, der bei

Sinnen ist, würde öffentlich

sagen: Es ist viel schöner,

wenn wir unter uns

bleiben. Internsieht das oft

etwas anders aus.“

Elisabeth Motschmann,

CDU-Bundestagsabgeordnete, erklärtimSpiegel-Interview,

warum sie, wenn auch spät, Feministin wurde.

AUSLESE

Maaßen

und die CDU

Wieder ein Fettnäpfchen für die CDU-

Vorsitzende? Die Zeitungen kommentieren

die Äußerung von Annegret

Kramp-Karrenbauer, die sich offenbar einen

Parteiausschluss von Hans-Georg

Maaßen vorstellen kann. „Erst der hysterisch-hektische

Umgang mit dem Video

des Youtubers Rezo, dann der plötzliche

Aufstieg zur Verteidigungsministerin, obwohl

sie einen Wechsel ins Kabinett bis

dahin stets ausgeschlossen hatte –und

nun ein Interview,indem sie den ehemaligen

Verfassungsschutzpräsidenten

Hans-Georg Maaßen quasi zur Persona

non grata in der CDU erklärt“, kommentiert

die Augsburger Allgemeine.„Hätte es

noch eines Beweises bedurft, dass das

Amt der Bundeskanzlerin eine Nummer

zu groß ist für sie: nun ist er erbracht.“

Die Stuttgarter Zeitung meint:

„Kramp-Karrenbauer hat zugelassen,

dass die irreführende Zuspitzung stundenlang

Wellen schlug ... Am Ende

musste sie dementieren, und Maaßen

triumphiert. Dasschadet Kramp-Karrenbauer

und der CDU.“ Christine Dankbar

KORREKTUR

In der Montagsausgabe vom19. August haben wir auf

der Seite 3über Yoga Vidyadas kleine Foto leider

falsch beschriftet. Es zeigt nicht die Gottheit Ganesha,

sonderndie Göttin Annapurna.

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Hat das Kino in seiner

jetzigen Form überhaupt

noch eine Zukunft?

Seite 12

Wasder Bezirksbürgermeister über das Verhältnis Spandaus zur Hauptstadt denkt Seite 10

Wieein Tornado durch das brandenburgische Klaistow zieht Seite 14

Stadtbild

Leider haben

wir Sie ...

Marcus Weingärtner

lernt dank der DHL Berlin

endlich besser kennen.

Wowar ich nicht schon überall,

seit ich das Onlineshopping

für mich entdeckt habe? Eigentlich

soll das digitale Einkaufen ja denWarenkonsum

vereinfachen. Sprich:

Ich bestelle nach zwei GläsernWein

daheim vom Sofa aus Dinge, die ich

nicht brauche, und bekomme alles

bequem an meine Adresse geliefert.

So schön könnte das sein. Zumeinen

aber schädigt das digitale Einkaufen

den lokalen Einzelhandel

und zum anderen funktioniert die

Auslieferung selten so wie gewünscht.

In der Realität sieht es so

aus, dass ich stocksteif auf dem Sofa

sitzeund mich kaum traue zu atmen

aus Angst, ich könnte das Klingeln

überhören, mit dem endlich die

Dinge angeliefert werden, die ich

nicht brauche. Nachdem ich also einen

halben Nachmittag damit verbracht

habe,auf die DHL zu warten,

finde ich abends einen Zettel im

Briefkasten, dass man mich nicht

angetroffen hätte, sehr zum Leidwesen

aller Beteiligter. Ich könne aber

mein Paket am folgendenWerktag ab

11 Uhrund so weiter,und so fort.

Ich verstehe, dass die Zulieferer

mit der Flut an Bestellungen und Retouren

völlig überlastet sind und die

Pakete deshalb direkt in den Filialen

abgeben, ohne mich vom Sofa runterzuklingeln.

Da ist die Packstation

doch eine gute Erfindung. Soferndie

Sonne nicht auf das Display scheint,

auf dem man seine Postnummer

und die TAN-Nummer eintippen

muss.Denn dann wirddas Auslösen

des Pakets zum Glücksspiel. Dreimal

vertippt führt zur Sperrung und das

gelbe Fach bleibt zu. DiePackstation

ist also nicht nur eine praktische Sache,

sondern auch eine Erfindung,

die für Spannung im Alltag sorgt.

Unddamit nicht genug, denn außer,

dass mein Seh- und mein

Scharfsinn dank der Packstation

trainiert werden, komme ich auch

noch auf eine gute Portion zusätzlicher

Fitness. Ist die Packstation voll,

dann wirddas Paket einfach in einer

anderen Packstation abgegeben. Ich

entdecke so also Orte in der Stadt,

vondenen ich gar nicht wusste,dass

sie existieren. So komme ich beispielsweise

zum Baumarkt an der

Yorckstraße und schaffe es in den Supermarkt

in der Kreuzbergstraße.

Als ich noch ein Packstationsfach

am Alexanderplatz hatte, führte

mich die Suche nach meinem Paket

einmal in die Michelangelostraße.

Ichwäredasonst nie hingekommen.

Dank der DHL lerne ich endlich

meine Stadt kennen, komme genug

an die frische Luft und bin fit.

Die Packstation, eine echte Rundumerfindung

DPA/MAURIZIO GAMBARINI

Die neue Image-Kampagne der Polizei setzt auf vereinfachte Sprache.

Das Imageproblem

Miteiner Werbekampagnewilldie Polizei ihren Ruf aufbessern. Aber ist das der richtige Weg? Eine Betrachtung

VonAndreas Kopietz

Als Uwe H.aus Fennpfuhl

am Sonntag den Notruf

110 wählt, passiert nicht

viel. Erst klingelt es mehrere

Minuten lang, dann das Besetztzeichen.

UweH.will die Polizei

holen für seine Nachbarin, deren

Hilferufe von dem wütenden Gebrüll

ihres Partners übertönt werden.

Der nicht erreichbare Notruf

sorgte in den vergangenen Tagen für

Schlagzeilen. Negative Schlagzeilen,

wie sie die Berliner Polizei immer

wieder mal erzeugt. Jetzt will

Polizeipräsidentin Barbara Slowik

das Ansehen ihrer Truppe aufpolieren.

Sie setzt dabei auf eine Imagekampagne

– entworfen von einer

Berliner Werbeagentur.

„Wir können Hauptstadt“

Über Jahrewurde Berlins Polizei mit

immer neuen Sparmaßnahmen geschrumpft.

Jetzt bessert sich die Situation

zwar – aber nur langsam.

Gabes2016 noch 16 150 Vollzugsbeamte,

sosind es inzwischen 17 300.

Rund 18 000 sollen es in zwei Jahren

sein. Doch die Einwohnerzahl Berlins

wächst auch, der Personalanstieg

relativiertsich also.Hinzu kommen

weitereProbleme,die ebenfalls

nur langsam gelöst werden können:

an der Polizeischule etwa, in den

maroden Dienstgebäuden, auf den

Schießständen.

Die neue Image-Kampagne soll

den Ruf der Polizei in der Bevölkerung

verbessern, und sie soll für gute

Stimmung unter den Polizisten sorgen.

Am Montag stellten Innensenator

Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin

Barbara Slowik die von

ihr in Auftrag gegebene

Kampagne unter dem

Motto „Wir können

Hauptstadt“ vor.

Enthalten ist zum Beispiel

ein Kurzfilm, der im

Internet und einigen Kinos

laufen wird. Er soll die

Bandbreite der Polizeiarbeit

abbilden, etwa beim

Spezialeinsatzkommando,der

Fahrradstaffel

oder bei Demonstrationen.

Es gibt Plakate mit

Porträts echter Polizisten und Polizistinnen,

die zum Beispiel im Landeskriminalamt,

bei den Tauchern oder

in den Polizeiabschnitten arbeiten.

Der Film und die Plakate zeigen verschiedene

Slogans wie „Kann Tatort.

Kann vor Ort“ oder „Kann 1. Mai“,

„Kann direkten Draht“ (das Bild zeigt

die Notrufannahme).

Vollzugsbeamte

in Berlin *Prognose

18 000

17 300

16 150

’16

’19

200 000 Euro hat die Behörde an

die Werbeagentur bezahlt. Bekommen

hat sie eine Kampagne,die cool

daher kommt, echte und gut aussehende

Polizistinnen und Polizisten

zeigt –und einen Werbefilm, der an

rasante Autowerbung erinnert.

Eines der Zieledieser Imagekampagne

ist, dass sich mehr junge Menschen

bei der Polizei bewerben.„Damit

das gelingt, müssen wir den Polizeiberuf

attraktiv halten“,

sagt Innensenator Geisel.

’21*

BLZ/TIEDGE; QUELLE: POLIZEI

Und Polizeipräsidentin

Slowik ergänzt: „Wir wollen

zeigen, wer wir sind und

was wir leisten.“ Undwenn

das ein wenig von den realen

Problemen der Polizei

ablenkt –umsobesser.

DieAuftraggeber hoffen

auf einen weiteren Effekt

der Kampagne: dass Respektlosigkeit

und Gewalt

gegenüber Polizisten abnehmen.

Ob man sich Respekt mit

unvollständigen Sätzen wie „Wir

können Hauptstadt“ verschafft, ist

jedoch zu bezweifeln. Jemand

merkte auf Twitter ironisch an: „Wir

können Hauptstadt! – Also ohne

Neukölln, Wedding, Kreuzberg...“

Das Haupteinsatzmittel für Polizisten

ist die Sprache.Wenn sich die

Schon wieder haben zwei Autos gebrannt

Polizei auf einen Slang reduziert –

aufwelchen auch immer –, wirkt das

schnell anbiedernd. Vorallem aber

ist es nicht authentisch. Ähnlich verhält

es sich mit dem nach wie vorbestehenden

Polizei-Motto „Da für

Dich“. Wieso werden die Berliner

von der Polizei geduzt? Andersherum

kommt ja auch kein normaler

Mensch auf den Gedanken, die Polizisten

zu duzen.

Kompetenz wäregenug Werbung

Allein, dass die Polizei eine Imagekampagne

nötig hat, zeigt das eigentliche

Problem. Bei der Polizei arbeiten

–zum Großteil–hoch engagierte

Menschen und oft auch die besten

Spezialisten ihres Fachs. Essind Beamte,die

ihreGesundheitfür die Bürger

einsetzen. Eine funktionierende

Sicherheitsbehörde kann aus ihrer

Kernkompetenz heraus zu hohem

Ansehen gelangen –dafür braucht sie

keine teureImage-Agentur.

Die200 000 Euro,die dieKampagne

gekostet hat, hätte man zum

Beispiel in die Notrufannahme investieren

können. Die funktioniert

im Moment nicht richtig, weil sie in

einem Provisorium sitzt. Denn am

Stammsitz muss das kaputte Dach

repariert werden, weil es durchgeregnet

hat.

Eine neue Ermittlungsgruppe soll die Täter überführen. Gelungen ist ihr das bisher noch nicht

VonLutz Schnedelbach

Die Serie von Autobränden reißt

nicht ab. Inder Nacht zu Montag

schlugen erneut Flammen aus

Fahrzeugen. Diesmal traf es einen

MercedesVito und einen Renault Talismann

in Schöneberg. In der Bülowstraße

bemerkten zwei Anwohner

kurz vor Mitternacht die brennenden

Fahrzeuge. Die Passanten

alarmierten die Feuerwehr und die

Polizei. Der Mercedes brannte im

Bereich der Front, während das

Feuer bei dem Renault am Heck ausgebrochen

war. Beide Fahrzeuge

wurden stark beschädigt. Verletzt

wurde niemand. Die Ermittlungen

übernahm ein Brandkommissariat.

Eine politisches Motiv ist nach bisherigem

Ermittlungsstand nicht erkennbar.

VonJahresbeginn bis zum vergangenen

Montag registrierte die Polizei

insgesamt 216 Fälle von Brandstiftung

an Fahrzeugen –27davon aus

politischen Motiven. Der Rest war

laut Polizei Leichtsinnigkeit, Zerstörungswut,

Versicherungsbetrug sowie

Rache und Neid. Beiden 216 Fällen

wurden insgesamt 368 Fahrzeuge

zerstört oder beschädigt. Im

vergangenen Jahr waren es insgesamt

446 beschädigte und ausgebrannte

Fahrzeuge.

Seit Juni arbeitet im Landeskriminalamt

eine speziell dafür ins Leben

gerufene Ermittlungsgruppe. Sie

heißt Nachtwache und umfasst fünf

Fahnder, die sich den Autobränden

vorallem im Innenstadtbereich widmen.

Man untersuche, obdie Taten

einer Person oder einer Gruppe zuzurechnen

seien. Man untersuche,

ob es sich um unpolitische Brandstifter,

Autohasser oder Täter aus

dem linksextremen Spektrum

handle,hatte Polizeipräsidentin Barbara

Slowik bei der Vorstellung der

Gruppe gesagt. Einen großen Erfolg

konnte die Ermittlungsgruppe bisher

noch nicht vermelden.

Erst vor einigen Tagen veröffentlichten

die Ermittler im Internet erstmals

ein Video, das einen Brandstifter

bei der Arbeit zeigt. Er überschüttetinden

Aufnahmen einen Audi mit

POLIZEI

Benzin, zündet denm Wagen an und

flüchtet. Es ist die erste Aufnahme einer

solchenTat. DergefilmteTäter ist

bisher nicht gefasst. Brände werden

zu mehr als 90 Prozent vonMännern

im Alter zwischen 20 und 30 Jahren

gelegt. Die Polizei ist inzwischen

auch mit Taxifahrern imGespräch,

die nachts unterwegs sind. Siekönnten

entscheidende Hinweise geben,

sagen Polizisten.

Einen Serientäter gab es schon

einmal. 2011 hatte ein Brandstifter

bei 67 Taten mehr als 100 Autos beschädigt.

Als Motiv gab der damals

27-Jährige Frustration an. Er hatte es

vorallem auf deutsche Auto-Marken

abgesehen. In jenem Jahr brannten

in Berlin mehr als 500 Autos.

NACHRICHTEN

Berliner arbeiten

besondershäufig befristet

Arbeitnehmer in Berlin müssen besonders

gut ausgebildet sein –eine

unbefristete Stelle oder ein Tarifgehalt

bekommen sie aber vergleichsweise

selten. Dasgeht aus einer Arbeitgeberbefragung

des Senats hervor.

Demnach haben 13 Prozent der

Beschäftigten einen befristeten Vertrag,

mehr als im Bundesdurchschnitt

(8 Prozent). EinTarifgehalt

bekommen 46 Prozent der Beschäftigten,

auch hier liegt Berlin unter

dem Bundesdurchschnitt. Deutlich

darüber liegt die Hauptstadt jedoch

mitdiesem Wert:59Prozent der Betriebe

stellen nur Menschen ein, die

eine berufliche oder akademische

Ausbildung haben. (dpa)

Brandattackegegen Mann –

Haftstrafen verhängt

Nach einer Brandattacke gegen einen

schlafenden Mann am Berliner

Alexanderplatz sind zwei Angeklagte

zu Haftstrafen verurteilt worden.

Viereinhalb JahreGefängnis verhängte

das Landgericht gegen einen

23-Jährigen. Für zwei Jahreund elf

Monate soll der 39-jährige Mitangeklagte

ins Gefängnis.Der jüngereTäter

habe Ende Mai2018 das Hosenbein

des 45-jährigen Opfers angezündet,

der ältereanschließend dessen

Hemd. Täter und Opfer hätten

zuvor gemeinsam gezecht. (dpa)

Weniger neue Ladesäulen

für Elektro-Autos

In diesem Jahr wurden weniger Ladesäulen

im öffentlichen Auftrag errichtet

als 2018. Während der ersten

sieben Monate hat das vomSenat

beauftragte Unternehmen Allego 17

Ladeeinrichtungen neu in Betrieb

genommen, teilte der Senat auf eine

CDU-Anfrage hin mit. Jede verfügt

in der Regel über mehrereSteckdosen.

2018 waren 59 Ladeeinrichtungen

hinzugekommen. Insgesamt

415 Ladeeinrichtungen mit knapp

800 Ladepunkten sind derzeit in

Berlin verfügbar.Anfang Januar warenmehr

als 3100 Pkw mit Elektroantrieb

in der Stadt gemeldet, darunter

auch Plug-In-Hybride. (dpa)

Michael Müller und seine

Frau sind kein Paar mehr

Berlins Regierender Bürgermeister

Michael Müller (SPD) und seine

Ehefrau Claudia haben sich getrennt.

Dasbestätigte Müllers Anwalt,

Christian Schertz, der Deutschen

Presse-Agentur.„Wirbitten,

die Privatsphäreder Familie zu respektieren.“

WeitereErklärungen

werdeesnicht geben, sagte Schertz.

DasEhepaar hatte 1993 geheiratet.

Es hat zwei Kinder. (dpa)

Michael und Claudia Müller bei der

Queen’sBirthdayParty im Mai. DPA/KALAENE


10 * Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Berlin

Die älteste Spandauer Kirche

ist auf das Jahr 980 zu

datieren, das aktuelle

Rathaus in der Altstadt

wurde 1913 eröffnet. Dort sitzt Helmut

Kleebank –als 95. urkundlich erwähnter

Bürgermeister Spandaus

seit 1410. 2011 ins Amt gewählt,

kennt sich Kleebank in seinem Stadtteil

aus –erist hier aufgewachsen

und hat hier Abitur gemacht.

Herr Kleebank, Sie waren Schulleiter,

ehe Sie sich vor acht Jahren erstmals

zum Bezirksbürgermeister wählen

lassen wollten. Unddann brauchten

Sieauch noch dreiWahlgänge. Haben

Sieden Wechsel je bereut?

Nein, nie. Bezirksbürgermeister

zu sein, ist eine unglaublich vielfältige

Aufgabe. Man bewirkt tatsächlich

etwas für die rund 240 000 Menschen

in Spandau.

Washaben Sieseitdem gelernt?

Ich habe gelernt, dass es eine

ganze Reihe Themen gibt, die sehr

polarisieren. Die einen sagen: Das

will ich unbedingt. Die anderen: Auf

gar keinen Fall.

ZumBeispiel?

ZumBeispiel Straßenbahn: Brauchen

wir eine in Spandau, oder

nicht? Das gilt ähnlich für Oberleitungsbusse:

Brauchen wir Elektrobusse

mit Oberleitungsanschluss? Es

wirdsehr emotional debattiert.

Undwie sehen Siedas?

In allen Fällen pragmatisch. Wir

brauchen eine Verkehrswende hin

zu mehr und schnellerem öffentlichem

Personennahverkehr.Daist es

mir persönlich fast egal, ob es der

Bus ist oder die Straßenbahn. Aber

beide brauchen eine eigene Spur,

sonst stehen sie im Stau.

Wo ist denn der Verkehr in Spandau

besonders problematisch?

An vielen Stellen. Besonders im

Bereich der Wasserstadt wird eszukünftig

schwierig. Die ist auf dem

westlichen Havelufer in Hakenfelde

schon weit gediehen. Dort werden

die Straßen und die Busse noch voller

werden. Bedarf gibt es auch auf

der östlichen Havelseite –das Entwicklungsband

reicht ja bis nach Siemensstadt.

Glücklicherweise gibt es

die Entscheidung, die Siemensbahn

wieder in Betrieb zu nehmen bis

zum Bahnhof Gartenfeld. Dann

muss man aber auch dafür sorgen,

dass die Verlängerung bis Hakenfelde

später noch möglich ist. Denn

wir brauchen eine Schnellbahnverbindung

von Hakenfelde nach Berlin.

Das ist uns bei anderen Großsiedlungen

auf die Füße gefallen.

Wasmeinen Sie?

Unsere beiden Großsiedlungen

Falkenhagener Feld und Heerstraße

Nord haben keine schnelle Verbindung

nach Berlin. Da sind soziale

Probleme vorprogrammiert. Die

Menschen können den Berliner Arbeitsmarkt

nicht ohne weiteres in

Anspruch nehmen, weil sie zu lange

Anfahrwege haben.

Gibt es Pläne für eine bessere Anbindung?

Immerhin wohnen in Heerstraße

Nord rund 18 000 Menschen.

Wir sind sehr zufrieden, dass die

Verlängerung der U-Bahn-Linie 7

über Rathaus Spandau hinaus bis zu

Heerstraße Nord immerhin geprüft

wird. Da bräuchte man noch eine

Verlängerung um drei bis vier Stationen.

Dasist möglich.

Und das Falkenhagener Feld, weiter

nördlich, mit 38 000 Menschen?

Da wird eslänger dauern. Wenn

aber tatsächlich die Siemensbahn

kommt, die S-Bahn nach Nauen verlängert

wird, am Bahnhof Spandau

ein weiteres Regionalbahngleis mit

Bahnsteig dazukommt und die U7

verlängertwird, dann lassen wir hier

die Korken knallen.

Wir sprachen über Siemens. Wasversprechen

Sie sich von dem geplanten

Campus?

Ich hoffe natürlich, dass insbesondere

die universitäre Bildung

eine große Rolle spielen wird. Es wird

sicher nicht eine ganze Hochschule

sein, aber vielleicht gibt es Forschungseinrichtungen,

die gemein-

„Dann lassen

wir hier die

Korken knallen“

Der Bezirksbürgermeister von Spandau,

Helmut Kleebank (SPD), über den

problematischen Verkehr,Arbeitslosigkeit und

das Verhältnis des Stadtteils zur Hauptstadt

sam mit Siemens etabliert werden

können. Es ist ja auch das Ziel, für die

Siemensstadt eine andere Dynamik

zu bekommen. Bisher wurden ja

eher Standorte verlagert oder geschlossen.

Siemens zog sich allmählich

zurück. Das ändert sich gerade.

Und wir haben es immerhin geschafft,

dass im städtebaulichen

Wettbewerb nicht nur eine zweizügige

Grundschule vorgesehen ist,

sondernsogar eine vierzügige mit einer

zweizügigen Europaschule Englisch.

Sehen Sie den Campus rein positiv,

oder gibt es auch soziale Risiken?

Wir reden von zwei verschiedenen

Dingen. In Haselhorst und Siemensstadt

sollen weit mehr als 10 000 neue

Wohnungen entstehen. Damit wird

niemand verdrängt.

Aber auch wir haben steigende

Mieten, auch wir stellen mancherorts

Verdrängung fest. Daswirdman

mit bezirklichen Mitteln kaum beeinflussen

können. Wir setzen auf

den Mietendeckel –solange,bis etwa

die Mietpreisbremse besser wird.

Herr Kleebank, wie lebt es sich eigentlich

als Bürgermeister eines

Bezirks, der in einem Atemzug mit

den Armenkindern der Stadt genannt

wird?

Zunächst einmal hat Spandau

natürlich eine enorme Spreizung.

Laut Sozialatlas liegen wir mit Gatow

und Kladow auf den vorderen

Plätzen…

… und mit Heerstraße Nord und

dem Falkenhagener Feld am anderen

Ende der Skala.

Das stimmt. Aber ich glaube,

diese Stadtteile werden massiv unterschätzt.

Wenn man die Menschen

fragt, dann sagen immer

noch viele, dass sie gerne dort

wohnen. Sowohl städtebaulich

und architektonisch als auch vom

Schnitt der Wohnungen her ist das

sehr lebenswert. Dazu kommt das

Grün und die vielen Spielplätze

drumherum.

Wo liegt dann das Problem?

Was die Menschen am meisten

stört, ist der Eindruck von Verwahrlosung.

Es geht um Sauberkeit

und Ordnung. Dazu kommt

oft fehlende gegenseitige Rücksichtnahme.

Aber auch der

Wunsch nach mehr Sicherheit. Es

gibt immer noch Ecken, die sehr

gebeutelt sind. Da wird rücksichtslos

miteinander umgegangen,

da ist Gewaltkriminalität,

auch häusliche Gewalt, ein riesen

Thema.

„ “

Lassen

Sie uns

über Berlin

reden

Bürgermeister

spezial

Helmut Kleebank,54Jahre alt, ist seit 2011 Bezirksbürgermeister vonSpandau. Er wuchs im

Bezirk auf und machte dortsein Abitur.Danach absolvierte er eine Lehre als Krankenpfleger in

der Nervenklinik Spandau, studierte im Anschluss Lehramt und unterrichtete an seiner alten

Schule, dem Kant-Gymnasium, Mathe und Physik. Bis zum Wechsel auf den Bürgermeister-

Posten leitete er die Heinrich-Böll-Oberschule. Seit 1992 ist Kleebank Mitglied in der SPD.Vor

seiner Wahl zum Bürgermeister galt Kleebank als weitestgehend unbekannt.Seine Wahl ins

Amt durch die Bezirksverordnetenversammlung gelang nur knapp nach zwei gescheiterten

Wahlgängen. 2016 wurde er mit einer Stimme Mehrheit wiedergewählt.

Also was tun sie?

Es gibt soziale Anker wie das

Quartiermanagement, Sozialarbeit,

Streetwork, Kitas oder Schulen. Damit

signalisieren wir den Leuten: Ihr

seid nicht allein, wir geben euch

nicht auf. Wir geben den Stadtteil

nicht auf. Heerstraße Nord wird

Stadtumbaugebiet. Es werden 100

Millionen Euro für bauliche Maßnahmen

ausgegeben: Es wirdein Gesundheitszentrum

geben, Schulen

werden saniert, die Beleuchtung verbessertund

vieles mehr.

Berlin boomt, wie entwickelt sich

Spandau wirtschaftlich?

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 8Prozent

–eswaren mal 13 Prozent.

CHRISTIAN SCHULZ

Wo finden denn die Menschen Arbeit?

Im Bezirk? Oder eher anderswo?

Darüber liegt mir keine Statistik

vor. Aber ich hatte voreiniger Zeit ein

Gespräch über Jugendarbeitslosigkeit

mit der Arbeitsagentur. Da

wurde mir eine kleine Geschichte erzählt:

Wenn man einem Spandauer

Jugendlichen einen Ausbildungsplatz

in Mitte –oder noch weiter entfernt

–anbietet, ist die erste Frage:

Haben Sie denn nicht was in Spandau?

Washat es denn eigentlich damit auf

sich, dass Spandauer so oft sagen, es

sei etwas Besonderes, Spandauer zu

sein?

Das Entscheidende ist vielleicht

das Selbstbewusstsein. Interessanterweise

scheint es sich unabhängig

vonder tatsächlichen Herkunft auch

zu vererben. Für Zuziehende spreche

ich immer von einer Dreijahresregel.

Weresdrei Jahre inSpandau

aushält, bleibt oft lange. Andere ziehen

früher wieder weg, weil sie großstädtischen

Trubel vermissen.

Wieist es denn in Spandau?

Man muss das etwas beschaulichere

Leben wollen. Es gibt sehr viel

Grün, sehr viel Wasser, sehr viele

Freizeitmöglichkeiten. Hier kann

man fast jede Sportart ausüben, außer

vielleicht Hochgebirgsklettern.

Ansonsten haben wir eine extrem

hohe Lebensqualität, trotz aller sozialen

Unterschiede. Das macht

Spandau so lebenswert.

Wir haben noch nicht über das Herz

des Bezirks gesprochen, die Altstadt.

Wo geht’s hin: Schmuckkästchen mit

Potenzial oder eher Sorgenkind mit

Nagelstudios und 1-Euro-Shops?

Ichfinde,die Altstadt wirdgut angenommen.

Aber wir haben noch

nicht die Mischung im Einzelhandel,

die wir wollen. Und es gibt auch

noch immer einigen Leerstand, was

ich ein bisschen schade finde.

Istdie Altstadt denn tatsächlich so unattraktiv?

An manchen Stellen müssten Immobilieneigentümer

ein bisschen

mit ihren Preisen runtergehen. Dann

haben wir natürlich eine starke Konkurrenzsituation,

nicht zuletzt in den

Arkaden am Bahnhof auf der anderen

Seite des zehnspurigen Altstädter

Rings. Die Altstadt ist eben nicht

mehr der alleinige Anlaufpunkt fürs

Einkaufen.

Wastun Siegegen diesen Zustand?

Die Altstadt wird jetzt umgebaut,

gefördert vom Programm städtebaulicher

Denkmalschutz mit etwa 50

Millionen Euro.Wir werden jetzt anfangen

mit dem Umbau von Marktplatz

und Refomationsplatz. Beim

Marktplatz wirddie derzeitige wellige

Struktur mit Höhenunterschieden

und Treppen so weit wie möglich planiert,

damit Veranstalter leichter ihre

Stände aufbauen können. Heutzutage

kommen noch Fragen der Sicherheit

hinzu: Wieschnell kriege ich

den Platz geräumt? Wo sind die

Fluchtwege?

Berlin wächst um jährlich fast 40 000

Menschen. Wie wird Spandau sich

entwickeln?Wasglauben Sie?

Wir werden demnächst noch einmal

35 000, vielleicht 40 000 Menschen

mehr werden, schließlich haben

wir Potenzial für etwa 17 000

neue Wohnungen: Auf der Insel Gartenfeld

können 3 700 Wohnungen

entstehen, beim Siemens-Campus

sind es 2700, darüber hinaus gibt es

in der Wasserstadt dies- und jenseits

der Havelnoch Potenzial vonetlichen

Tausend Wohnungen. Und es wird

Verdichtungen im Bestand geben.

Wie entwickelt sich denn der GewerbestandortSpandau?

Gibt es viel Konkurrenz

zumWohnungsbau?

Wir haben natürlich auch Verdrängung.

Auf der Insel Gartenfeld

soll die Fläche des ehemaligen Siemens-Kabelwerks

teilweise mit Wohnungen

bebaut werden.Auf den Alexander-Barracks,

einem alten Kasernengelände,wosichzwischenzeitlich

viel Gewerbe angesiedelt hatte, wird

jetzt ein kleiner Teil für eine Flüchtlingsunterkunft

gebraucht. Aber es

siedelt sich in Spandau auch immer

wieder neues Gewerbean.

Welches sind diegroßen Arbeitgeber?

Nach wie vor sind Siemens und

BMW die großen Player.

Undder größte Player sind Sie selbst

als Chef derVerwaltung.

Ja,aber wir sind ja in den vergangenen

Jahren geschrumpft. Wir hatten

früher rund 8000 Stellen, da gehörten

z. B. dasKrankenhaus und die

Lehrer noch zu uns.Jetzt kommen wir

aus einem Talvon 1300 Stellen und

sind jetzt bei 1700.

Wo sind Siedenn besonders knapp?

Der Personalaufwuchs der vergangenen

Jahren war überfällig. Er

hat geholfen, ein regelrechtesVerwaltungsversagen

zu beenden. Er hat

aber nicht ausgereicht, drei Effekte

auszugleichen: frühere Sparpolitik;

wachsende Stadt heute; ein Koalitionsvertrag,

der den Berlinern sehr

viel Gutes verspricht. Es mangelt an

der Breite, sodass ich gar nicht sagen

kann, in welchem Bereich wir besonders

knapp sind.

Woranliegt das?

Es liegt nicht ausschließlich am

Geld. Es ist schwierig, Personal zu bekommen.

Aber wir erinnern uns an

die schlimme Situation in den Standesämtern,

wo es viel zu lange dauerte,

Sterbeurkunden zu bekommen.

Dasgibt’s nicht mehr.Das Gleichebetrifft

die Bürgerämter. Als der Senat

endlich eingesehen hat, dass es nur

mit mehr Personal geht, war das

Problem weg. Ansonsten hängt die

Frage, ob Spandau lebenswert ist,

nicht so daran, wie es mit der Verwaltung

aussieht. Es ist immer noch so,

dass viele das Bewusstsein einer eigenen

Stadt in sich tragen: Berlin ist

schon wichtig, aber Spandauist wichtiger.

Glauben Sie denn, dass ich heute

Abendohne Probleme ein Taxi finden

würde, das mich „nach Berlin“ fährt?

Es ist mir schon mal passiert, dass das

nicht ging.

Ich gehe davon aus, dass esgeht.

Aber habenSie denn einVisum?

DasGespräch

führte ElmarSchütze.


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 11 *

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Berlin

Tempelhofer

Damm wird

umgestaltet

Poller sollen Radfahrer

vor Gefahren schützen

VonPeter Neumann

Die Radlobby reagierte sehr erfreut.

„Es geht voranauf dem T-

Damm“, twitterte das Netzwerk

Fahrradfreundliches Tempelhof-

Schöneberg. MitDemos und Diskussionsbeiträgen

hatte sich das Bündnis

seit mehr als zwei Jahren dafür

eingesetzt, die „Rennstrecke ohne

Radwege“ sicherer zu machen. Jetzt

haben Stadträtin Christiane Heiß

(Grüne), die für die Straßen im Bezirk

zuständig ist, und Planer Konzepte

für die Umgestaltung des Tempelhofer

Damms präsentiert.

Es geht um den anderthalb Kilometer

langen Abschnitt zwischen

den Knotenpunkten Alt-Tempelhof

und Ullsteinstraße. Dort besteht

„akuter Handlungsbedarf“, so Heiß.

Zwischen fahrenden und parkenden

Autos bleibt Radfahrernkaum Platz.

Alle Parkplätzefallen weg

Für den fließenden Verkehr bleiben zwei

Fahrstreifen pro Richtung. SIMU: EVERGREEN/IVAS

Dieerste Planungsvariante sieht vor,

die rund 200 Parkplätze auf diesem

Teilstück aufzuheben. Der Platz soll

genutzt werden, um auf beiden Seiten

des Tempelhofer Damms 2,85

Meter breite Radfahrstreifen einzurichten.

Damit auf den grün unterlegten

Fahrbahnen kein Auto mehr

parken kann, sollen sie mit Pollern,

Schwellen oder flexiblen Elementen

(„Leitboys“) abgegrenzt werden. Wer

sein Auto abstellen will, soll eines der

drei Parkhäuser in diesem Teil Tempelhofs

nutzen oder in Seitenstraßen

ausweichen. Ein Parkraumkonzept

ist geplant, hieß es. Für den fließenden

Verkehr bleiben alle vier Fahrstreifen

erhalten. Allerdings müssen

Autofahrer künftig damit rechnen,

dass ihnen Lieferwagen im Wegstehen.

Auf den jeweils rechten Fahrstreifen

entstehen Ladezonen. Dort

sollen auch BVG-Busse halten.

Dem Konzept der Planungsbüros

IVAS und Evergreen ging ein Beteiligungsverfahren

voraus,das vorrund

einem Jahr begann und auch Gewerbetreibende

einbezog. Die Zusammenarbeit

war „sehr konstruktiv“,

sagte Christiane Heiß. „Das Ergebnis

mit den geschützten Radverkehrsanlagen

ist ein großer und wichtiger

Schritt hin zu mehr Sicherheit für

Radfahrende –und damit hin zu einer

Mobilitätswende im Bezirk.“

Bis die geschützten Radfahrstreifen

entstehen, wird allerdings noch

einige Zeit vergehen. Auch weil es

sich beim T-Damm um eine Bundesstraße

handelt, sind noch einige Abstimmungen

erforderlich. Planer gehen

davon aus, dass die „Protected

Bike Lanes“ 2020 gebaut werden.

Für die fernere Zukunft, ab 2030,

ist die zweite Planungsvariante gedacht.

Sie sieht vor, dass auf dem

Tempelhofer Damm in diesem Bereich

für den fließenden Verkehr nur

noch ein Fahrstreifen pro Richtung

bleibt. Der gewonnene Platz könnte

genutzt werden, um die Gehwege zu

verbreiternund Bäume zu pflanzen.

„Nächstes Jahr soll sicheres Radfahren

auf dem T-Damm endlich

möglich sein“, so das NetzwerkFahrradfreundliches

Tempelhof-Schöneberg.

„Das Bezirksamt möchte sich

’ran halten. Muss es auch.“

PerApp die Mauer nachvollziehen: Eine integrierte Karte zeigt den einstigen Mauerverlauf.

Route der Revolution

Das Jubiläum zu 30 Jahre Mauerfall unterscheidet sich von den vorigen –statt einer Aktion gibt es Hunderte

VonMelanie Reinsch

Wer will, kann schon

heute anfangen mit

dem Gedenken an den

Mauerfall vor 30Jahren,

als die friedliche Revolution das

SED-Regime und den „antifaschistischen

Schutzwall“ zum Einsturz

brachte. Seit Montag ist eine App

freigeschaltet, mit der die Berliner

Mauer über ein Smartphone oder

ein Tablet originalgetreu visualisiert

nachempfunden werden kann.

Durch„Augmented Reality“, eine

besondereFormder erweiterten Realitätswahrnehmung,

kann man

entlang des Mauerstreifens laufen

und erhält bewegliche 3D-Modelle

der Mauer auf seinem Display, hört

Zeitzeugen-Geschichten oder läuft

virtuell über den sogenannten Todesstreifen.

Das Besondere: In der

App kann man vier verschiedene

Zeitpunkte –1961, 1969, 1981 und

1989 –ansteuernund sehen, wie die

Mauer die Stadt über drei Jahrzehnte

prägte.

DieApp ist kostenlos und Teil des

umfangreichen Programms, das der

Berliner Senat anlässlich der Festwoche

zu 30 JahreFriedliche Revolution

und Mauerfall vom 4.bis zum 10.

November plant. Aber das nur zur

Vorbereitung. Denn in der Woche

selbst wird esinder ganzen Stadt so

viel Programm geben, dass man sich

30 JAHRE FRIEDLICHE REVOLUTION UND MAUERFALL

Schreiben: Unter

https://mauerfall30.berlin

kann man Botschaften abschicken,

die Teil der Kunstprojektion

an der Straße des

17. Juni sein werden.

überlegen sollte, obman sich eine

Woche Urlaub nehmen sollte.

Am offiziellen Tag des Gedenkens,

also am 9. November, wird es

am Brandenburger Tor eine große

Bühnenshow geben: Die Staatskapelle

unter der Leitung von Daniel

Barenboim eröffnet das Programm,

Westbam läutet später die Europäische

Clubnacht der Berliner Clubcommission

ein, die dazu einlädt, in

27 Clubs mit DJs aus unterschiedlichsten

Ländernweiterzufeiern.

Während der Woche gibt es zahlreiche

Konzerte: Patti Smith und

Tony Shanahan werden in der symbolträchtigen

Gethsemanekirche ihr

Konzert „Mauern werden einstürzen“

spielen, die Bolschewistische

Kurkapelle Schwarz-Rot wirdauftreten.

In der Stasi-Zentrale in Lichtenberg

spielt die Punkband Anti Xund

Gucken: Unter

www.mauar.berlin kann man

die App MauAR kostenlos

herunterladen, die die Berliner

Mauer per Smartphone

oder Tablet visualisiert.

Hören: In der Festivalwoche

kann man Patti Smith und

Tony Shanaham, WestBam,

Die Seilschaft oder die Bolschewistische

Kurkapelle

Schwarz-Rot hören.

erinnert anden Punk in der DDR.

Genau an dem Ort, an dem am 15.

Januar 1990 die wichtigste Machtstützeder

SED besetzt wurde.

Eindrucksvoll wirdsicherlsein am

Brandenburger Torsein. Alle Berliner

und Interessierte sind aufgerufen,

ihre Botschaften, Wünsche und

Erinnerungen zum Beispiel über die

Seite mauerfall30.berlin einzutragen.

Im November werden diese Zettel

unter dem Motto „Deine Vision im

Himmel über Berlin“ über der Straße

des 17. Juni flattern, als Teil eines

„poetischen und partizipativen Prozesses“,

wie es Moritz van Dülmen,

Geschäftsführer der Kulturpojekte

Berlin, beschreibt. Er verantwortete

schon 2009 und 2014 die Feierlichkeiten

zum Mauerfall-Jubiläum für

den Senat.

Auf der Suche nach Onkel Degake

Beim 20-jährigen Jubiläum fielen

am Brandenburger Tortausend Dominosteine

um, sie sollten den Fall

der Mauer symbolisieren. Polens Ex-

Präsident Lech Walsea und Ungarns

Ex-Premier Miklos Nemeth warfen

den ersten Block um, dann fiel der

zweite, bis alle am Boden lagen. Vor

fünf Jahren ließen 8000 Menschen

leuchtende Heliumballons entlang

des Mauerstreifens in den Abendhimmel

steigen. Eindrucksvolle Bilder,

die ein starkes Zeichen bürgerschaftlichen

Engagements setzten.

Anders als in den Jubiläumsjahren

zuvor wird nun an sieben Orten

der Opfer des tödlichen Grenzregimes

gedacht, die alle in Verbindung

zueinander stehen. Videoprojektionen,

Bilder, Sound-Animationen,

Workshops oder Kunst, das Programm

ist dezentral gestaltet „und

für jeden wirdetwas dabei sein“, betont

vanDülmen.

„Geschichte lässt sich am besten

an Originalschauplätzen erzählen.

Um die Friedliche Revolution zu verstehen

und das Mauerfall-Jubiläum

zu feiern, werden wir die Ereignisse

von1989/90 genau dorterzählen, wo

sie passiert sind“, sagte van Dülmen

am Montag bei der Vorstellung des

Programms mit dem Regierenden

Bürgermeister Michael Müller (SPD)

in der Gethsemanekirche, die ebenfalls

im Fokus der Festwoche stehen

wird.

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an der Neuköllnerin Annegret W. wurde die Tatmittels einer DNA-Analyse aufgeklärt

VonUta Eisenhardt

Am15. November 2018 lief Klaus

R. gerade zu seinem Hauseingang

in der Neuköllner Silbersteinstraße,

als ihm plötzlich zwei Männer

in Zivil zuriefen: „Halt! Festnahme!

Polizei!“ Sie griffen den 60-

jährigen Handwerker an den Armen

und drückten ihn gegen die Hauswand.

Kurz darauf verlasen sie einen

Haftbefehl. Klaus R. wirkte überrascht:

Mehr als 31 Jahre lang hatte

diese Tatder Aufklärung geharrt, bis

die forensische Genetikerin Marion

Nagy und ihreKollegen vomLandeskriminalamt

das DNA-Profil eines

Verdächtigen isolieren konnte. Mit

einer überwältigend hohen Wahrscheinlichkeit

passt es zu Klaus R.,

sagte die Gutachterin vordem Landgericht.

Am Vormittag des 18. September

1987 war die 30-jährige Annegret W.

in ihrem Schlafzimmer in der Neuköllner

Innstraße ermordet worden.

Der Täter hatte ihr einen weißen

Pullover umden Hals geschlungen,

dessen Enden mehrmals verknotet

und ihr diese zudem tief in den Rachen

geschoben. Anschließend

hatte er ihr mit einem Tomatenmesser

fünf Mal inden Hals gestochen,

alles im Beisein des zweijährigen

Sohnes von Annegret W. Der Täter

muss noch die Geldbörse seines Opfers

mitgenommen haben. Dann

verschwand er. Das Kleinkind zog

das Messer aus dem Körper seiner

Mutter und legte es zurück in die

Spüle. Dann verharrte das Kind auf

dem Bett neben der Toten. So fand

ihn sein sechsjähriger Bruder, als er

aus der Vorschule zurückkam.

Jahrelang waren die Ermittler jeder

Spur nachgegangen: Behutsam

hatten sie den Zweijährigen befragt.

Der berichtete von einem „Onkel

Degake“. Dieser hätte bei ihnen geklingelt

und sei mit der Mama in

Streit geraten. „Weg da“, habe AnnegretW.

gesagt. Dann habe„Onkel Degake

das Messer reingemacht“, sagte

der Kleine und deutete auf seinen

Hals.

Nachbarn gegenüber hatten damals

einen schlanken Mann mit

blonden Haaren zwischen 25 und 30

Jahren beobachtet, der nach elf Uhr

aus dem Haus kam, in dem das Opfer

wohnte.Ertrugeinen verwaschenen

Jeansanzug und drückte sich verdächtig

eng an die Hauswand. Doch

niemand aus dem Freundes- und

Bekanntenkreis der dreifachen Mutter

und deren Lebensgefährten kam

letztlich als Täter in Betracht. Nach

dreieinhalb Jahren ruhten die Ermittlungen

ergebnislos.

Allerdings verfeinerten sich die

Methoden der DNA-Spurenanalyse.

Die„Cold Case“-Ermittler veranlassten

eine erneute Untersuchung des

weißen Pullovers, des buntgeblümten

Jerseykleids,das Annegret W. nur

getragen hatte,und des Kissenbezuges,

auf dem ihr Kopf zuletzt ruhte.

Auch das Tatmesser wurde abgeklebt

und abgerieben, um Hautschuppen

von einem bislang unbekannten

Mann zu finden. Außerdem schnitten

die Ermittlerin Marion Nagy und

ihre Kollegen aus dem Pullover und

dem Kleid fast 200 kleine Stofffetzen

an Stellen heraus, die der Täter berührt

haben könnte. Anvier Stellen

fanden die Genetiker insgesamt 600

DPA

Zellen eines Tatverdächtigen. Angesichts

der Tatsache, dass auch genetisches

Material einem Alterungsprozess

unterliegt, war das eine „Super-Spur“,

wie sich die forensische

Genetikerin noch im Zeugenstand

begeistert. Am Saum des Kleides

hatte sie sogar ein vollständiges

DNA-Profil isolieren können.

Dieses führte zu Klaus R. Derwar

wegen Sexualstraftaten und Raubüberfällen

aus den 80er-Jahren in

der Datenbank gelistet. Sein mittlerweile

verstorbener Bruder Hans-Joachim

war der erste Deutsche, der

1988 mit Hilfe der DNA-Analyse zu

lebenslanger Haft und anschließender

Sicherungsverwahrung verurteilt

wurde.Klaus R. schweigt zur Anklage

–vor Gericht. In der Untersuchungshaft

soll er mit einem Mitgefangenen

gesprochen haben.

Demnach sei er vonAnnegret W.,die

er über eine Kontaktanzeige kennengelernt

hatte,angerufen worden.

Es habe Streit über das Geld gegeben,

das sie für den Sexhaben wollte.

Im Zeugenstand aber verweigerte

der Mitgefangene die Aussage.

POLIZEIREPORT

E-Rollerfahrer schwer verletzt.

Beieinem Verkehrsunfall verletzte

sich am Sonntag ein Mann in Mitte

schwer.Der 38-Jährige war gegen

22.50 Uhrmit einem Elektroroller

auf dem Gehweg der Brunnenstraße

in Richtung Bernauer Straße unterwegs.Dabei

verlor er die Kontrolle

über den batteriebetriebenen Tretroller

und stürzte auf den Gehweg.

Durchden Sturzverletzte er sich am

Kopf schwer.Der alkoholisierte

Mann kam in ein Krankenhaus.

Laube in Flammen.

In einer Kleingartenanlage in Reinickendorfist

am Sonntagabend eine

Laube in Flammen aufgegangen.

Gegen 20.30 Uhrsah eine Passantin

vomBahnsteig des S-Bahnhofs

Schönholz Rauch in der Anlage an

der Provinzstraße aufsteigen.

Sieinformierte die Feuerwehr.Die

Beamten konnten verhindern, dass

die Laube ausbrannte.Verletzt

wurde niemand.

Kunstwerkgestohlen.

Auseiner Ausstellung in Lichterfelde

ist in der Zeit vom16. Juli bis 19. Juli

dieses Kunstwerkvon Ekaterina Fedorovagestohlen

worden. Es zeigt

Pablo Picasso in seinen Kinderjahren.

Es wurde 2015 geschaffen. Es ist

37 Zentimeter lang und 25 Zentimeter

hoch. Signiertist das Bild mit zwei

kyrillischen Großbuchstaben. Die

Polizei bittet um Mithilfe und bittet

Zeugen, die das Kunstwerkzuletzt

gesehen haben, sich zu melden. Interessant

für die Polizei sind auch

Hinweise vonKunstinteressierten,

denen das Bild zum Kauf oder als

Pfand angeboten wurde.Hinweise

nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Dieses Kunstwerkwurde aus einer

Ausstellung in Lichterfelde

gestohlen.

POLIZEI

Homophober Angriff.

Ein28-Jähriger hat am Sonnabend in

der Torstraße in Mitte einen 35-Jährigen

homophob angegriffen und

geschlagen. DasOpfer war am späten

Abend mit seinem Ehemann und

mehreren Freunden spazieren. Einer

seiner Begleiter stellte den Schläger

zur Rede.Der Mann schlug erneut zu

und traf einer der Freunde des Opfers.Dann

versuchte der Täter zu

flüchten. Zeugen riefen die Polizei,

die den Schläger kurzdarauf festnahm

und in eine Gefangenensammelstelle

brachte.Nach der Vernehmung

sowie der erkennungsdienstlichen

Behandlung durch den Staatsschutz

kam er wieder frei. Diebeiden

Opfer lehnten eine ärztliche Behandlung

ab.

Dealer festgenommen.

Polizisten haben in der Nacht zum

Montag in Kreuzbergeinen Drogenhändler

festgenommen. Der22-Jährige

war in der Oranienstraße in eine

Verkehrskontrolle geraten. DenPolizisten

fiel die Nervosität des Mannes

auf. Beider Durchsuchung seines

Autos entdeckten die Beamten einen

Schlagstock, ein Reizstoffsprühgerät

und ein Messer.Mit den Funden

konfrontiert, widerrief er die Zustimmung

zur Durchsuchung des Fahrzeuges.Mit

einer,nunmehr eingeholten,

richterlichen Erlaubnis setzten

die Polizeibeamten die Durchsuchung

fortund fanden unter dem

Beifahrersitz mehrereAmpullen mit

mutmaßlichen Drogen. Beieiner

daraufhin durchgeführten Durchsuchung

des Mannes und dessen Wohnung

fanden die Polizisten noch eine

größereSumme Geld und weitere

Waffen. (ls.)


12 Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Berlin

Die letzte Leinwand

Streamingdienste wie Netflix &Comachen den Lichtspielhäusern schwer zu schaffen. Hat das Kino in seiner jetzigen Form überhaupt noch eine Zukunft?

VonJulia Kilian

Wer sich für einen

Abend im Kino entscheidet,

kann sich auf

drei Dinge freuen: Es

gibt Popcorn, einen Film im Großformat

und ein paar Stunden ohne

Handy in der Hand. Rund 4900 Kinosäle

existieren in Deutschland.

Was einst als Jahrmarktbude begann,

heißt heute Programmkino

oder Multiplex. Doch wie werden Kinos

in Zukunft aussehen?

Wird es noch überwiegend

Schauspieler aus Fleisch und Blut

geben? Oder werden virtuelle Avatare

zuFilmstars? Werden die Leute

häufiger daheim auf dem Sofa versacken,

oder weiterhin ins Kino gehen?

Werdazu eine Einschätzung haben

will, kann bei Klaudia Wick von der

Deutschen Kinemathek in Berlin anrufen.

„Das Kino wirdbestehen bleiben,

aber nicht ganz so, wie wir es kennen“,

sagt die Fernsehwissenschaftlerin.

Sie geht davon aus, dass es

auch in 30 Jahren noch eine Projektionsfläche

in Kinosälen geben wird.

„Aber sitzen wir alle in einer Reihe

davor oder ist die Leinwand vielleicht

rund um uns herum?“

Vielleicht werde auch doch noch

mit Düften experimentiert. Darüber

wird schon lange nachgedacht. In

manchen Kinos gebe es bereits rumpelnde

Sitze, sagt Wick. Ihrer Meinung

nach machen solche Neuerungen

auf Dauer nur Sinn, wenn es passende

Erzählungen gibt. Im Moment

stehe etwa beim Besuch einer 360-

Grad-Kuppel noch das Seherlebnis

selbst im Vordergrund. „Das Staunen

darüber, dass so etwas technisch

möglich ist, ist das Hauptereignis“,

sagt Wick. Es fehlten aber noch die

Der Berliner Zoo Palast macht den Kinobesuch schon mit seinem Saal zu einem besonderen Erlebnis.

überzeugenden erzählerischen Angebote,sodass

man sage: „Diese Geschichte

muss ich unbedingt so sehen.“

Ein Beispiel dafür sind 3D-Filme.

Viele Menschen haben James Camerons

Fantasyfilm „Avatar“ vor zehn

Jahren mit Spezialbrillen im Kino gesehen.

Flächendeckend durchgesetzt

hat sich das bislang aber nicht.

„Das wird heute nicht mehr so vom

Publikum nachgefragt wie noch vor

fünf, sechs Jahren“, sagt Filmproduzent

UliAselmann („Die Musterknaben“,

„Jugend ohne Gott“).

„Technische Errungenschaften

laufen sich auch schnell tot, wenn sie

überstrapaziert werden“, sagt Aselmann,

der zum Vorstand der Produzentenallianz

in Deutschland gehört

und dessen Unternehmen in München

sitzt. Umso wichtiger seien

gute Erzählungen. Es dürften nicht

so viele „verkappte Fernsehfilme“

ins Kino kommen. Das müsse man

bei der Filmförderung bedenken.

Schon heute steht das Kino unter

Druck. Im Februar legte die Filmförderungsanstalt

(FFA) die schlechtesten

Besucherzahlen seit Jahren vor,

im ersten Halbjahr 2019 stiegen die

Ticketverkäufe wieder im Vergleich

zum Vorjahreszeitraum. Streamingdienste

wie Netflix, Amazon oder Sky

Ticket sind zur Konkurrenz geworden

–denn sie bringen viele Filme

und Serien bequem zum Zuschauer

nach Hause.

Nach Einschätzung von Aselmann

wird das Kinoerlebnis in Zukunft

wieder besonderer werden

müssen. „In den Großstädten hat

man heute schon Edelkinos mit Sesseln,

in denen man sich fast hinlegen

kann“, sagt er. Das wiederum ist

teuer –und Kinoverbände forderten

schon zuletzt Fördergelder für die

Erneuerung ihrer Häuser. Auch andereneue

Technik müssten Kinos finanzieren

können. Wick vom Berliner

Filmmuseum sieht die Branche

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

in einer Erprobungsphase. Geruch

und rüttelnde Sitze, nur damit man

um jeden Preis etwas Neues hat?

„Das sind sicher Irrwege“, sagt Wick.

Aber es gebe sinnvolle Einsätze–bei

Videogames sehe man das. „Wenn

ich mit einerVR-Brille vorden Augen

gefühlt über eine Schotterpiste

fahre, macht es auch Sinn, dass der

Controller rüttelt.“

Manche Kinos wagen kleinereExperimente.

Sie übertragen zum Beispiel

Opernpremieren live. In Zürich

probierten Zuschauer mal VR-Brillen

unter freiem Himmel aus. Nach

Einschätzung von Wick werden die

Grenzen zwischen Fernsehen, Kino

und Videospielen verschwimmen.

Die wichtigere Unterscheidung

werdesein, ob man etwas alleine gucke

oder mit anderen zusammen.

Dabei dürfte sich bis 2049 nicht

nur das Kino verändern, sondern

auch der Film an sich. Wasoptisch

mittlerweile möglich ist, zeigt die

Neuverfilmung von Disneys „Der

König der Löwen“. Simba, Nala und

Co entstanden am Computer und

wirken doch täuschend echt. Für Filmemacher

ist es nur noch eine Frage

der Zeit, bis man auch Menschen so

lebensecht animieren kann. „Das

wird noch zehn Jahre dauern. Aber

wenn man das geschafft hat, dann

sind natürlich der Fantasie des Geschichtenerzählens

überhaupt keine

Grenzen mehr gesetzt“, sagt Aselmann.

Und so schön er es fände,

neue Filme mit einer animierten

Marilyn Monroe oder einem digital

nachgebauten Louis de Funès zu sehen:

Die Vorstellung virtueller

Schauspieler hat für ihn auch etwas

Komisches.

Dass digitale Avatare menschliche

Schauspieler komplett ersetzen,

hält auch Charlie Woebcken für unwahrscheinlich.

Der Vorstandschef

des Studios Babelsberg inPotsdam

hofft darauf, irgendwann aber eine

Bibliothek mit digitalen Komparsen

zu haben. Virtuelle Schauspieler für

die zweite Reihe also. Denn der Einsatz

echter Menschen ist aufwendig

und teuer. Für manche Produktionen

müssen Tausende Laiendarsteller

engagiertwerden.

Das Studio Babelsberg forscht

deswegen mit anderen in einem sogenannten

volumetrischen Studio.

Dort werden Menschen digital abgescannt

und erfasst, damit man sie

hinterher wie ein Hologramm abrufen

kann. (BLZ/dpa)

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Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 13 *

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Berlin

Drogenhändler

stammt aus

Hooligan-Szene

Täterprügelte 1998

Polizist Daniel Nivel halbtot

VonAndreas Rabenstein

Einer der Hooligans, die 1998 den

französischen Polizisten Daniel

Nivel halbtot prügelten, steht demnächst

in Berlin erneut vor Gericht.

DerMann soll zusammen mit sieben

anderen Angeklagten einen umfangreichen

Drogenhandel betrieben haben.

Am Freitag beginnt der Prozess

gegen die sechs Männer und zwei

Frauen. Er soll mindestens bis April

2020 dauern. Die Bild-Zeitung hatte

zuerst darüber berichtet.

DerAngeklagte war zur Tatzeit ab

2017 bereits Gefängnisinsasse. 2015

war er ebenfalls wegen Drogenhandels

zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt

worden. Ende 2017 befand er

sich dann im sogenannten offenen

Vollzug, das heißt, er durfte das Gefängnis

tagsüber verlassen, um zu

Daniel Nivel leidet bis heute an den Folgen

der brutalen Tat.

GETTY IMAGES

arbeiten. In dieser Zeit soll er die jetzt

angeklagten Taten verübt haben. Inzwischen

sitzt er auch tagsüber wieder

im Gefängnis. Das Gericht sah

ihn 2015 als Mitglied einer hochkonspirativ

agierenden Bande. Esging

um den Schmuggel vonChemikalien

für die Herstellung vonfast 300 Kilogramm

Amphetamin. Der Prozess

wurde streng bewacht, weil Angeklagte

zum Teil zur Hooligan- und

Rockerszene gehörten. Bei dem Urteil

von 2015 wirkten sich Vorbelastungen

strafschärfend aus, wie das

Gericht damals sagte. Der Mann gehörte

1998 bei der Fußball-Weltmeisterschaft

zu jenen Hooligans,

die den französischen Polizisten Nivel

so schwer verletzten, dass er

sechs Wochen im Koma lag. Nivel

trug irreparable Hirnschäden davon.

Er ist einseitig gelähmt und auf einem

Auge blind. Das Sprechen fällt

ihm schwer. Sechs Hooligans wurden

damals zu mehrjährigen Gefängnisstrafen

verurteilt. (dpa)

Preis für eine Ausnahmeerscheinung

LEANDER HAUSSMANN

spielte am Montagabend in der Astor-Film-Lounge

Verstecken. Er

sollte bis zum letzten Moment für

die diesjährige Preisträgerin des

Götz-George Preises als ihr Überraschungs-Laudator

unsichtbar bleiben.

Wasihm auch gelang. Plötzlich

stand er vor der Fassbinder-Schauspielerin

Margit Carstensen und umarmte

sie überfallartig. Sie hatte in

seiner Komödie „Sonnenallee“ die

Rolle der Schuldirektorin zum Kabinettstückchen

gemacht. Mit Margit

Carstensen –das verbindet auch! –

musste er so oft als Intendant und

Regisseur am Schauspiel Bochum

bei den Proben Zeit totschlagen.Weil

das, was sie schon am Anfang der

Probe angeboten hatte, das Werk einer

großen Künstlerin war. Haußmann

ist voller Bewunderung für sie:

„Wenn Margit eine Rolle spielt, steht

sie wie eine BirkeimWind.“ Diebiegt

sich, lässt sich aber nicht entwurzeln.

Haußmann erinnert sich: „Als

wir uns kennenlernten, war ich ein

junger Mann mit vollem Haar.“ Er

wendet sich an die Preisträgerim:

„Dubist wahnsinnig patent und eine

Schauspielerin, mit der man Pferde

stehlen kann.“

MARGIT CARSTENSEN

gewann den Götz-George-Preis

2019, den voriges Jahr als erste ihre

Kollegin Karin Baal empfangen

hatte.Der Preis wirdauf Wunsch des

2016 verstorbenen Namensgebers

durch die Götz-George-Stiftung vergeben,

um an die Verdienste und Besonderheiten

der Preisträgerin oder

des Preisträgers zu erinnern. Über

die Vergabe des Preises entscheidet

der Vorstand der Stiftung. Der besteht

aus Marika und Tanja George

sowie aus Christiane Waldbauer,

Witwe, Tochter und langjähriger

Freundin des Schauspielers. Margit

Carstensen hatte gar nicht auf dem

Schirm, dass es zu der von Tanja

George entworfenen äußerst dekorativen

Preisskulptur auch einen

Scheck über 10 000 Euro geben

würde.Sie freute sich, legte aberWert

auf die Feststellung: „Ich leide keine

materielle Not.“ Schon in ihren

Zwanzigernhabe sie angefangen, die

Rentenabgabe und die Beiträge zur

Berufsgenossenschaft zu zahlen.

Das zahlt sich heute aus. Die Götz-

George-Stiftung widmet sich der Ermutigung

und Förderung älterer

Künstlerinnen und Künstler. Trotz

Erfolgen droht vielen von ihnen Altersarmut.

George war sich bewusst,

dass es vielen seiner Kollegen nicht

so gut ging wie ihm selbst. Deshalb

unterstützte er Kollegen und sorgte

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Fassbinder-Schauspielerin Margit

Carstensen durfte sich über die

Auszeichnung im Andenken an den

großen Kollegen Götz George freuen

Ausgezeichnet: Schauspielerin Margit

Carstensen.

CHRISTIAN SCHULZ

In einem Film wardie Preisträgerin seine

Mutter:Jürgen Vogel.

CHRIDTIAN SCHULZ

Ulrich Matthes outete sich als glühender

Fanvon Margit Carstensen. CHRISTIAN SCHULZ

dafür, dass das auch nach seinem

Todweiter in seinem Namen geschehen

wird. Ebenfalls unter den Gästen

der von Knut Elstermann unterhaltsam

und würdig moderierten Veranstaltung:

die Schauspieler Claudia

Michelsen, Jürgen Vogel, Klaus J.

Behrendt und Eleonore Weisgerber,

Regisseur Matti Geschonneck und

ufa-Chef Nico Hofmann.

ULRICH MATTHES

gab sich am Rande der Preisverleihung

als glühender Fan von Margit

Carstensen zu erkennen. Der Präsident

der Deutschen Filmakademie

schwärmte: „Sie ist eine radikale, in

der Stille implodierende Schauspielerin.“

Er ist sichtlich stolz in dem

Moment, in dem er erklärt, dass sie

schon mal im Film seine Mutter gespielt

hat. Zwischenruf von Jürgen

Vogel: „Meine auch!“

MARGA BACH

hat einen Knall. Einen ganz gewaltigen

sogar. Diese eindeutige Diagnose

stützt sich darauf, dass die

Berlinerin in einer Zeit, in der viele

Kleinkunstschaffende über die

Schwierigkeit klagen, ihreTheater zu

füllen, ein neues gegründet hat. Im

vergangenen September wurde in

der Karl-Marx-Allee 133 in Friedrichshain

in den ehemaligen Räumen

vom „Kabarett Charly M.“ die

Eröffnung ihres Mundart- und Comedy-Theaters

Berliner Schnauze“

gefeiert. Sänger Andreas Holm gehörte

zu den Premierengästen und

hatte den passenden Wunsch parat.

Nämlich den, dass „die Schlange vor

der Tür lang und das Theater immer

voll“ sein möge. Holm kann als Orakel

nur empfohlen werden. Daserste

Jahr ist fast überstanden, Inhaberin

Marga Bach feiert mit Geburtshelfernund

Freunden des Hauses,aber

natürlich auch mit dem Publikum

am 1. September mit dem Jubiläumsprogramm

„Hier jeht was ab“

die glücklich überstandenen zwölf

Monate.

DasProgramm zum Jubiläum (Tickettelefon

42 02 04 34) soll gleichzeitig

Vor- und Rückschau sein.

Künstlerische Stammgäste wie

„MTS“, Sabine Genz und Franziska

Hausmann haben sich angekündigt.

DieMischung aus MargaBachs eigenen

Programmen und Gastspielen

kommt im jungen Theater an. Inzwischen

haben die Inhaberin und ihre

Gäste sich ein Stammpublikum erspielt.

Im Jubiläumsmonat startet

eine neue Veranstaltungsreihe, die

den Titel „Jemeinsamet Jetreller“

trägt: Vom 29. September an wird

monatlich mit dem Publikum bei

Kaffee und Kuchen (wahlweise:

Schmalzstullen) gesungen. Damit es

den Gästen nicht langweilig wird,

wechselt der musikalische Schwerpunkt

monatlich von Berliner Gassenhauern

über Shantys bis hin zu

Volks- und Weihnachtsliedern. Die

musikalische Begleitung übernehmen

dabei Gisela Reiber (Akkordeon),

Thomas Kauf (Gitarre) und

H.-P.Fock(Bass).

Der

Protest

ist weiblich

Studie zu

den Klima-Demos

Die „Fridays-for-Future“-Proteste

für mehr Klimaschutz werden

vor allem von jungen, gut gebildeten

Demonstranten und Frauen getragen.

Dasist das Ergebnis einer Befragung

des Berliner Instituts für Protest-

und Bewegungsforschung, die

am Montag als umfassende Untersuchungveröffentlicht

wurde.Die Analyse

beruht dabei auf nicht repräsentativen

Befragungen von Teilnehmern

an Demonstrationen am 15.

MärzinBerlinund Bremen.

Die befragten Demonstranten

wollten „die Politik unter Druck setzen,

klimapolitischeVersprechen einzulösen“,

wie die Autoren inBerlin

berichteten. Sieseien dabei allerdings

zugleich auch „überzeugt, dass eine

Veränderung der Lebensweise und

des Konsums einen wichtigen Beitrag

zum Kampf gegen den Klimawandel

leistet“. DieDemonstranten seien außerdem

„keineswegs hoffnungslos,

sondern vielmehr handlungsbereit,

politisiertund zuversichtlich, dass ihr

Protest Veränderungen hervorrufen

kann“, erklärten die Forscher.Bei der

Mobilisierung für die Proteste seien

direkte persönliche Kontakte im

Freundes- und Bekanntenkreis wichtiger

als soziale Netzwerke.

DieAutoren hatten auf den beiden

Demos am15. März inBerlin und

Bremen Teilnehmer vor Ort interviewt

sowie Flyer mit Zugangscodes

für einen Onlinefragebogen verteilt.

Zeitgleich liefen auch in mehreren

anderen europäischen Städten identische

Umfragen. Laut Institut wurden

in Berlin und Bremen 357 Direktinterviews

geführt sowie rund 2200

Zugangscodes verteilt, wovon355 benutzt

wurden. Repräsentativität für

die Veranstaltungen oder Demonstrationen

an anderen Orten ist dadurch

laut Forschern nicht erreichbar.

Zu den Ergebnissen gehörte, dass

der Frauenanteil bei den Interviews

vor Ort bei 57,6 Prozent lag, der der

Schüler und Studenten betrug 76,7

Prozent. Vondenen, die die Fragebögen

beantworteten, waren 59,6 Prozent

Frauen sowie 71,4 Prozent Schüler

und Studenten. Das Institut hatte

erste Ergebnisse der Befragung, die

vonder Heinrich-Böll- und der Otto-

Brenner-Stiftung unterstützt wurde,

bereits im März veröffentlicht. Die

umfassende Studie erschien nun zum

„Fridays-for-Future“-Jahrestag. (AFP)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Brandenburg

Verpflichtet

mit

Videobeweis

Brandenburg will mehr

Tierschutz in Schlachthöfen

Die Schlachtung von Rindernsoll beaufsichtigt

werden.

IMAGO

Nach wiederholter Kritik an den

Zuständen in Schlachthöfen

setzt sich Brandenburg für mehr

Tierschutz-Kontrollen ein. Kurzfristig

seien anlassbezogene Überprüfungen

der Schlachtstätten für Rinder

durch die Lebensmittel- und Veterinärämter

der Landkreise angeordnet

worden, teilte das

Justizministerium in Potsdam auf

eine Anfrage aus der Grünen-Landtagsfraktion

mit.

Um Missstände bei der Schlachtung

von Tieren zu vermeiden, setzt

sich die rot-rote Brandenburger Landesregierung

dafür ein, dass die entsprechenden

Bereiche in den

Schlachthöfen per Videokamera

überwacht werden, wie es in der Antwort

weiter heißt. Das Land fordere

die Bundesregierung daher auf, die

Videoüberwachung rechtlich zu verankern.

Der Bundesrat hatte die Bundesregierung

in einer Entschließung im

März aufgefordert, einen Gesetzentwurfvorzulegen,

der die Schlachtbetriebe

zu einer kameragestützten

Überwachung in besonders tierschutzrelevanten

Bereichen verpflichtet.

Laut Brandenburgs Justizministerium

gibt es derzeit einen intensiven

Fachaustausch zwischen

Bund und Ländern über die rechtlichen

Grundlagen dieses Vorhabens.

Daher könne noch kein Termin genannt

werden, ab wann die Videoüberwachung

in Brandenburg eingeführtwerde.

Wieesinder Antwortandie Grünen-Fraktion

weiter heißt, gibt es auf

Bund-Länder-Ebene eine intensive

Diskussion über verstärkte amtliche

Tierschutzkontrollen in Schlachthöfen.

Neben einheitlichen Standards

gehe es dabei auch um Umfang und

Inhalt der Kontrollen sowie über die

Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern

der Ämter und Schlachtbetriebe.Brandenburgunterstützealle

Aspekte,die sich positiv auf den Tierschutz

in Schlachtstätten auswirkten.

Der Grünen-Agrarpolitiker und

Spitzenkandidat für die Landtagswahl,

Benjamin Raschke, verlangte

eine Pflicht zur Installation von Kameras

statt einer freiwilligen Selbstverpflichtung

der Betriebe.

In jüngster Zeit war es immer wieder

zu Berichten über zum Teil gravierende

Verstöße gegen den Tierschutz

in deutschen Schlachthöfen

gekommen. Laut Justizministerium

sind zwischen 2014 und 2018 bei

Kontrollen in Brandenburger

Schlachtbetrieben 97Verstöße gegen

den Tierschutz registriertworden. In

28 Fällen habe es Verstöße im Zusammenhang

mit Ruhigstellen, Betäubung,

Schlachtung und Tötung

vonTieren gegeben.

In Brandenburg hat die Zahl der

Schlachtbetriebe in den vergangenen

Jahren deutlich zugenommen.

2013 gab es 142 Betriebe,imvergangenen

Jahr waren es bereits 175. Für

das Jahr 2008 weist die Statistik 25

Betriebe aus.Zudieser Zeit waren allerdings

nur größere Betriebe registriert.

Eine Zulassungspflicht für

kleinere handwerkliche Schlachtereien

besteht erst seit 2010. Diemeisten

Zulassungen gab es für die

Schlachtung von Rindern und

Schweinen, gefolgt vonSchafen und

Ziegen. (dpa)

Auf einem Gehöft Klaistow riss der Sturmdiese Bäume samt Wurzelwerkaus dem Erdreich.

Brandenburg gibt Geld für Zugfahrten nicht aus

Ein dreistelliger Millionenbetrag aus Bundesmitteln liegt auf der hohen Kante –für magere Zeiten

VonPeter Neumann

Plötzlich kam der Tornado

Eine Windhose istdurch Klaistow gezogen. Sie hat Bäume herausgerissen und ein Dach zum Einsturz gebracht

VonNorbertKoch-Klaucke, Klaistow

Er sah nur eine dichte weiße

Wand auf sich zukommen.

Dann wurde es schlagartig

dunkel. Bernd Kirstain ist

einer von 600 Bewohnern des brandenburgischen

Spargel-Dorfes

Klaistow bei Beelitz, der erlebte, wie

am vorigen Sonntagabend plötzlich

ein heftiger Sturm mitten durch den

Ort tobte. Bewohner wollen sogar

eine Windhose gesehen haben, einen

Tornado,den man sonst nur aus

Berichten aus Asien oder Nordamerika

kennt –aber nicht in Brandenburg.

Eine Windsäule soll es laut Augenzeugen

gegeben haben, die vom bewölkten

Himmel aus den Klaistower

Dorfboden aufwirbelte, Ziegel von

mehreren Dächern fegte, Bäume

samt Wurzeln ausriss. Bernd Kirstain

dürfte vonallen Klaistowern aber derjenige

sein, den der heftige Sturmoffenbar

am härtesten traf.

Am Morgen danach sitzt der 56-

Jährige auf einem großen Rasenmäher

vor seinem Gehöft. Der Metallbauer

beobachtet, wie gegenüber

Forstarbeiter mit Kettensägen gerade

eine mächtige Birke zerkleinern, die

auf das Dach einer leerstehenden

Scheune gekracht war.Auf dem Dorfplatz

liegen bereits zersägte Stämme

von sieben Eichen und Pappeln, die

Für diese Fahrtist Geld da: die Niederbarnimer Eisenbahn in Schmachtenhagen.

Golzow

A2

Bad Belzig

Kanin

POTSDAM-

MITTELMARK

A9

A10

Klaistow

Potsdam

Beelitz

5km

BLZ/HECHER

der Sturm entwurzelt hatte. Kirstains

Nachbarin hat vor ihrem Haus die

vom Sturm heruntergerissenen

Dachziegel aufgestapelt, bevor sie zur

Arbeit ging. BeiKirstain wirddas Aufräumen

wohl länger dauern.

Denn die Toreinfahrt seines

Grundstückes gleicht einem Trümmerfeld.

Dasmächtige Dach samt einer

Wand der Einfahrtist eingestürzt.

Direkt auf den darunter stehenden

Audi, mit dem Kirstain eigentlich zur

Arbeit fahren wollte. Nun steckt ein

dicker Dachpfeiler mitten im Motor

desAutos.

„Als das passierte, saß ich im Gartenhaus“,

sagt Kirstain. „Es war 18

Uhr, als ich durch das Fenster eine

weiße Wand sah, die sich vom Wald

aus über eine Wiese zum Dorf bewegte.Danach

stürzte auch schon im

Garten eine Tanne auf mein Haus.“

DerMann sieht, wie zwei weitereNadelbäume

krachend aus dem Boden

gerissen werden.„Ich habe gar nicht

registriert, was da in wenigen Sekunden

geschah. Ich war nur heilfroh,

dass das Haus noch stand und mir

nichts passiertwar.“ Doch dann klingelte

sein Telefon. „Meine Mutter rief

an, sagte mir, dass ich schnell nach

vorne kommen soll. Das Torhaus ist

eingestürzt.“

Noch am Abendsichertdie Feuerwehr

die Unglücksstelle. Insgesamt

waren nach dem Unwetter 35 Feuerwehrleute

im Einsatz, die Gebäude sicherten

und umgestürzte Bäume entfernten.

Forstwirtin Anke Karge(41), die im

Auftrag der StadtBeelitz die Aufräumarbeiten

im Dorfleitet, bestätigt, dass

Kirstain wohl am schlimmsten von

dem Sturmbetroffen war.„Sonst gab

es an anderen Häusern nur Dachschäden

und viele entwurzelte

Bäume“, sagt sie.Zum Glück wurden

aber keine Menschen verletzt. Jeder

Bewohner könne in seinem Haus

bleiben. „Der Sturm dauerte anderthalb

Minuten. Für das Aufräumen

werden wir bis zu drei Tage brauchen.“

Auch im NachbarortKanin wütete

der Sturm, riss bei der dortigen Feldkirche

mehrereZiegel vomDach. Vor

der Dorfeinfahrtsieht mannoch fünf

IMAGO

gegebenen Regionalisierungsmittel

bis Ende 2017 auf 198,6 Millionen

Euro summiert haben. In Thüringen

waren es 152,5 Millionen, in Sachsen

sogar 213 Millionen Euro,hieß es.

Die drei Länder hätten mehr als

eine halbe Milliarde Euro zur „Aufbesserung

ihrer Haushalte verwendet“,

kritisierte die FDP-Generalsekretärin

Linda Teuteberg. „Leidtra-

DPA/JULIAN STÄHLE

Bäume,die derSturm herausriss. Wie

durchein Wunder fielen sie nicht auf

die Straße, sondern auf ein Spargelfeld.

Nunrätseln Meteorologen, ob tatsächlich

eine Windhose über Klaistow

fegte. „Da es keine Bilder gibt,

können wir nur Vermutungen anstellen“,

sagt Ulrike Maiwald vom Deutschen

Wetterdienst (DWD). Tornados

entstehen, wenn bei Gewittern viele

Winde mit verschiedenen Geschwindigkeiten

aus unterschiedlichen

Richtungen aufeinander treffen, eine

wirbelnde Luftsäule bis zum Boden

bilden. So eine ähnliche Wetterlage

hätte es am Sonntagabend auch über

Klaistow gegeben, wo mehrere Böen

mitgeschätzten 120 bis 180 Stundenkilometer

aufeinandertrafen. Doch

die Schäden zeigten, dass sich die

Winde nicht im Kreis gedreht hätten

wie beim Tornado, soDWD-Tornadoexperte

Andreas Friedrich. Er geht

von einer sogenannten Gewitterfallböe

aus. Sie fegen innerhalb weniger

Minuten in Zugrichtung des Gewitters

über das Land, kommen in

Deutschland häufiger als Tornados

vor.

NorbertKoch-Klaucke

stellt fest, dass die Ruhe

auf dem Land trügerisch ist.

Volle Pendlerzüge in der Woche,

volle Ausflugszüge am Wochenende:

Viele Fahrgäste des Regionalverkehrs

in Berlin und Brandenburg

würden sich zusätzliche Zugfahrten

wünschen, damit das Reisen angenehmer

wird. Jetzt wurde bekannt:

Geld für weitere Bestellungen wäre

da –doch es wird nicht ausgegeben.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung

auf eine Anfrage der

FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Für den Nahverkehr auf der

Schiene bekommen die Bundesländer

Geld vom Bund, die Regionalisierungsmittel.

Den größten Teil

reichen sie an die Zugbetreiber weiter,

die nach Vergabeverfahren mit

Zugfahrten beauftragt werden. Jeder

gefahrene Kilometer wirdbezahlt.

Das Land Brandenburg bekam

2017 aus diesem Etat 478,2 Millionen

Euro überwiesen, teilte der Parlamentarische

Staatssekretär Enak

Ferlemann (CDU) mit. Ausgegeben

wurden 401,9 Millionen Euro,davon

313,4 Millionen Euro für die Bestellung

von Zugfahrten. Im Jahr davor

erhielt das Land 481 Millionen Euro

Regionalisierungsmittel. Davon gab

es 404,8 Millionen Euro aus, davon

324,2 Millionen für die Bestellung

von Zugfahrten. Brandenburg ist

auch für den Regionalzugverkehr auf

dem Gebiet vonBerlin zuständig.

Aus der Aufstellung des Bundes

geht hervor, dass sich die nicht ausgende

sind Pendler, die in überfüllte

Züge müssen, und Menschen überall

im Land, die im wahrsten Sinne

des Wortes den Anschluss verlieren.“

Steffen Streu, Sprecher der Brandenburger

Verkehrsministerin Kathrin

Schneider (SPD), widersprach

der Einschätzung. Das Geld werde

nicht zweckentfremdet, sondernzur

Seite gelegt, sagte er.Für die Jahreab

2024 sei eine spürbareVerringerung

der Regionalisierungsmittel absehbar,

dafür müsse Vorsorge getroffen

werden. Es sei nicht so, dass das

Land die Fahrgäste im Stich lasse,so

Streu. Seit diesem Jahr würden zusätzliche

Züge eingesetzt, für 2022

sei eine weitere, noch umfangreichereFahrplanaufstockung

geplant.

Allerdings habe das Land das Regionalzugnetz

in den vergangenen

Jahren erheblich ausgedünnt, sagte

Gerhard Curth, Präsident des Deutschen

Bahnkunden-Verbands. Die

Kritik der FDP sei „vollumfänglich

zutreffend“. „Dreist an der geschilderten

Entwicklung ist aber auch das

Verhalten des Bundes“, der die Praktiken

legalisierthabe,soCurth.

NACHRICHTEN

Wo kracht's am häufigsten?

Unfallatlas bietet Überblick

Durchschnittlich 621 MalamTag hat

es im vergangenen Jahr auf den Straßen

in Berlin und Brandenburggekracht.

Wiehoch die Unfallgefahr jeweils

vorder eigenen Haustür oder

auf dem Wegzur Arbeit ist, lässt sich

nun mit dem interaktiven Unfallatlas

der Statistischen Ämter des Bundes

und der Länder ermitteln. Das

teilte das Amt für Statistik Berlin-

Brandenburgmit. Fast 226 800 Unfälle

wurden demnach im vergangenen

Jahr in Berlin und Brandenburg

vonder Polizei erfasst, 188 Menschen

starben dabei. Welche FahrzeugeanUnfällen

beteiligt waren

und wie viele Unfälle in bestimmten

Straßenabschnitten passierten, lässt

sich über die Einstellungen des Unfallatlas

filtern. Für die Hauptstadt

sind Daten von2018, für Brandenburgaußerdem

auch von2017 einsehbar,wie

die Statistiker weiter mitteilten.

(dpa)

Haftentlassungen nicht

Folge von Personalmangel

Brandenburgs Justizminister Stefan

Ludwig (Linke) sieht die erneute Entlassung

eines mutmaßlichen Straftäters

aus einem Gefängnis nicht als

Folge vonzuwenig Richternim

Land. Am zuständigen Landgericht

Frankfurt(Oder) seien zum Jahresanfang

zwei neue Strafkammerneingerichtet

und mehrereProberichter

eingestellt worden, sagte er in einer

Sondersitzung des Rechtsausschusses

im Landtag. DieOpposition wirft

Ludwig vor, die Justiz nicht mit ausreichend

Personal ausgestattet zu

haben. Dermutmaßliche Drogendealer

war im August aus der Untersuchungshaft

entlassen worden. Erst

im November sollte der Prozess gegen

ihn beginnen. Dies sei zu spät,

entschied das Oberlandesgericht

Brandenburgund ordnete seine

Haftentlassung an. (dpa)

Landeswahlleiter rechnet

mit höherer Wahlbeteiligung

DerLandeswahlleiter in Brandenburgrechnet

bei der Landtagswahl

am 1. September mit einer höheren

Wahlbeteiligung als vorfünf Jahren.

Beider Wahl 2014 lag die Beteiligung

bei 47,9 Prozent. Beidieser Wahl

könnte sie deutlich über 50 Prozent

liegen, sagte Landeswahlleiter

Bruno Küpper.Ein Hinweis darauf

sei das große Interesse der Bürger an

der Kommunalwahl im Mai. Zudem

sei die Briefwahlnachfrage gestiegen.

Schon jetzt seien zehn Prozent

mehr Nachfragen zu verzeichnen als

sechs Tage vorder Wahl 2014. (dpa)

Bahnstreckenach

Rheinsberg ist 120 Jahre alt

Siespielte in Kurt Tucholskys

„Rheinsberg. EinBilderbuch für Verliebte“

eine Rolle.Immer wieder

drohte ihr die Stilllegung, doch inzwischen

wirdsie ganzjährig mehrmals

täglich befahren. Nunwirddas

120-jährige Bestehen der Bahnstrecke

nach Rheinsberggefeiert. Schauplatz

ist am 31. August und 1. September

der Bahnhof der kleinen

Stadt nördlich vonBerlin. Werstilecht

zum Fest reisen will, nimmt den

Dampfzug der Dampflokfreunde

Berlin (Tel. 67 89 73 40). (pn.)

Rheinsberg (hier das Schloss) ist seit Mai

1899 per Zug erreichbar. DPA/ SETTNIK


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 15 *

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Brandenburg

Der Abend beginnt für die

AfD mit einem kleinen

Desaster – und damit

ziemlich gut. Die Partei

hat zum Wahlkampf nach Eichwalde

geladen, und die Veranstaltung soll

um 19 Uhrbeginnen, doch kurzvorher

ist die Hauptstraße der idyllischen

Stadt im südöstlichen Berliner

Umland ziemlich tot. Nirgends das

typische Blau der rechtsnationalen

Partei, und die Tür zum Backsteinbau

ist auch zu. Drinnen wird heute

keine Politik gemacht, drinnen singen

die Damen des Gesangsvereins.

Der örtliche Direktkandidat verliert

kein schlechtes Wort darüber,

dass er seine Veranstaltung schnell

noch verlegen muss. Und die AfD-

Anhänger fragen sich, ob die doppelte

Vergabe des Raumes an diesem

Abend nur ein Zufall ist oder aber

Absicht.

Am 1. September ist Landtagswahl

in Brandenburg, und die AfD

steht in Umfragen klar auf Platz 1vor

der CDU und der seit 30 Jahren regierenden

SPD.Dass die AfD trotz Spendenskandalen,

Neonazi-Vorwürfen

und heftigen Flügelkämpfen so gut

dasteht, liegt auch daran, dass Teile

des Wahlvolkes nun mal genauso

denken, wie die AfD redet. Diese

Leute werden oft als dumm abgetan,

als verirrt. Im Osten weckt dieses

Von-oben-herab bei einigen zusätzlich

den Anti-Besserwessi-Reflex aus

der Nachwendezeit. Das treibt der

AfD zusätzlich Wähler zu.

Mal sehen, wie es in Eichwalde

läuft. Dort wird nun in der Villa Mosaik

improvisiert. Der Raum in der

Kita füllt sich mit Fans,aber auch mit

reichlich Gegnern. Einige Plakate im

Raum kapern die Historie des Zusammenbruchs

der DDR: „Vollende

die Wende!“ und „Die friedliche Revolution

mit dem Stimmzettel“.

Draußen kommt Spitzenkandidat

Andreas Kalbitz an, ein Hardliner.

Neben dem Torstehen ein paar Vertreter

der vereinten Gegnerschaft:

Grüne, Linke, Leute von der SPD.

Kalbitz schaut hinüber, hebt die Augenbraue

und grinst. Die Gegner

wollen jedem, der zur AfD will, ein

Bier geben –wenn er nicht reingeht.

Niemand will das Freibier. Dafür

reden die AfD-Anhänger auf die Gegner

ein, denn die sagen, Kalbitz habe

eine Vergangenheit in der Neonazi-

Szene.Kalbitz sagt dazu keinWort.Er

lässt die anderen machen. Jeder Angriff

forderteineVerteidigung heraus

und stärkt das Wir-Gefühl. In diesem

Fall das Gefühl: Alle sind gegen uns.

Jedenfalls große Teile des „links-rotgrün-versifften

68er-Deutschlands“,

wie Jörg Meuthen es einst nannte,

der Chef der AfD.

Die Auseinandersetzung ist eröffnet

Kalbitz hält keineWahlkampfrede,es

soll ein Dialogforum sein –auch mit

Gegnern. Kalbitz stellt sich vor: 46

Jahrealt, seit 25 Jahren mit einer Britin

verheiratet, drei Kinder; er erzählt,

dass er zwölf JahreFallschirmjäger

war bei der Bundeswehr. Er

habe vor der Politik also richtige Arbeit

gehabt, nicht wie die Berufspolitiker

in anderen Parteien, bei denen

es oft heiße: „Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal“.

Er verschweigt, dass er kurz

vorseinem Einzug in den Potsdamer

Landtag mit einem Verlag pleiteging.

Dergebürtige Münchner lebt seit

16 Jahren in Brandenburg und

wohnt in einem Ortsteil von Königs

Wusterhausen, in dem abends kein

Bus fährt. Schon ist er beim Thema

Infrastruktur – besser gesagt: bei

Dingen, die er der rot-roten Regierung

vorhält: dass es beim Nahverkehr

hapert und der Versorgung mit

schnellen Internetverbindungen. Er

holt zu einem seiner markanten Vergleiche

aus: „Die Masse der Reisfelder

in China hat eine bessere Internetanbindung

als Brandenburg.“

Dann erzählt er,dass er im Landtag

im BER-Ausschuss saß, den er als

verbrannte Lebenszeit bezeichnet.

Er kommt zur AfD und sagt, dass die

in Umfragen vier Prozent vor der regierenden

SPD stehe.„Wirhaben die

reelle Chance, bei der Wahl stärkste

Kraft im Land zu werden. DerDrang

der Menschen nach Veränderungen

ist groß.“ Dann behauptet er, seine

Partei sei keine Ursache für irgendetwas.„DieAfD

ist die Wirkung auf das

Versagen der anderen.“ Er wendet

sich an die politischen Gegner im

Serie zur Landtagswahl in Brandenburg am 1. September:Teil 2

Der Provokateur

Andreas Kalbitz könnte die AfD bei der Wahl

am 1. September zum Sieg führen.

Er gehört zum strammen Rechts-außen-Flügel

und gilt vielen als das große Feindbild

VonJens Blankennagel, Eichwalde

Andreas Kalbitz auf dem Dach des Potsdamer Landtages. Er bezeichnet seine Partei als „die letzte evolutionäre Chance für dieses Land“.

Raum und sagt, dass er sich freue,

mit ihnen zu diskutieren. „Wenn alle

einer Meinung sind, ist es ja langweilig“,

sagt er, verspricht aber: „Wenn

Leute beleidigend werden, fliegen

sie irgendwann raus.“

DieAuseinandersetzung ist eröffnet,

und Kalbitz ist in seinem Element.

Ein Mann, dem Politik offensichtlich

Spaß macht, der es genießt,

zu kämpfen und zu poltern. Ein altgedienter

Soldat, der meist in einem

schlichten, aber klaren Freund-

Feind-Schema argumentiertund der

gern austeilt, der zum Beispiel das

hiesige Bildungssystem als „Verblödungssystem“

bezeichnet oder die

Bundesführung der SPD als „Champagner-Sozialisten

in Berlin“ und als

„Arbeiter-Verräter-Verein“.

Kalbitz ist ein Mann, der dem Begriff

„Flüchtlinge“ immer das Wort

„sogenannte“ voranstellt. EinMann,

der aber nicht wild provoziert wie

andere inseiner Partei, sondern der

sich genau überlegt, wie weit er zuspitzen

und wie weit er zu weit gehen

will. Sein Ziel: Der Gegner soll sich

aufregen, die Medien ebenfalls –und

die eigenen Leute sollen sich freuen.

Gleichzeitig sollen die Angriffe

nicht so platt sein, dass er wegen

Volksverhetzung angezeigt wird.

Kalbitz sagt nicht wie die NPD: „Ausländer

raus“, sondern: „Wir haben

keine Integrationspflicht für sogenannte

Flüchtlinge. Wir müssen ihnen

nur so lange ein ordentliches

Zuhause geben, bis der Krieg in Syrien

vorbei ist.“ Er bezeichnet die Toten

im Mittelmeer als Merkels Tote,

weil die Kanzlerin die „sogenannten

Flüchtlinge“ mit der Politik der offenen

Grenzen erst in den Todgelockt

habe. Merkels Tote seien auch jene

„260 Deutschen, die sogenannte

Flüchtlinge bei uns getötet haben“.

Kalbitz ist für viele so etwas wie

der personifizierte Dämon der Landespolitik:

der Mann, der fest an der

Seite des Thüringer AfD-Chefs Björn

Höcke steht und zum Führungskreis

von dessen Flügel gehört, der

ZUR PERSON

Herkunft: Andreas Kalbitz, geboren 1972 in München, war 2006 Fallschirmjäger bei der Bundeswehr.Bei

einem Studium der Informatik an der Fachhochschule Brandenburg legte er keinen

Prüfungen ab und wurde zwangsexmatrikuliert. Später war er Geschäftsführer eines kleinen

Hörbuchverlages, der 2013 in die Insolvenz ging.

Politische Laufbahn: Kalbitz war erst bei der Jungen Union und der CSU,dann bei den rechtsextremen

Republikanern, er schrieb für rechte Publikationen, war im völkischen Witikobund

und bis 2015 Chef der rechtsextremen Vereinigung Kultur- und Zeitgeschichte. Seit 2013 ist

er Mitglied derAfD,sitzt seit 2014 im Potsdamer Landtag und trat die NachfolgevonAlexander

Gauland als Landeschef an. Er ist einer der sechs Beisitzer im AfD-Bundesvorstand.

Die AfD: Bei der Civey-Umfragevom 14. August steht die AfD in Brandenburg mit 21 Prozent

klar auf Platz 1. Bei der Landtagswahl 2014 holte sie 12,2 Prozent.

Alle Porträts dieser Serie und mehr Infos zur Wahl unter:

www.berliner-zeitung.de/berlin/brandenburg/landtagswahl

Rechts-außen-Gruppierung

der AfD.

Höcke und Kalbitz –

zwei Westler,die den Osten

politisch aufmischen und ihn

parteiintern ganz klar zur Heimat

des Flügels gemacht haben. Die

Gruppe wird meist als völkisch eingestuft,

andere nennen sie nationalistisch

oder eine Ansammlung von

Neonazi in Anzügen. Kalbitz sagt

„Ich bin kein Neonazi. Ich bin ein

überzeugter Nationalkonservativer.“

Der Verfassungsschutz sieht beim

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Flügel gewichtige Anhaltspunkte für

Bestrebungen gegen die freiheitlich

demokratische Grundordnung. Deshalb

ist die Gruppierung als Verdachtsfall

eingestuft: Nun wird auch

mit nachrichtendienstlichen Mitteln

geprüft, ob die Leute dorttatsächlich

rechtsextremistisch sind.

Björn Höcke, bei dem in Thüringen

am 26. Oktober gewählt wird, gilt

als der größereProvokateur,Andreas

Kalbitz als der bessere Organisator

und Strippenzieher. Kalbitz wird dafür

verantwortlich gemacht, dass eigentlich

alle gemäßigten Leute seiner

Landtagsfraktion nun nicht

mehr auf der Liste für die Landtagswahl

stehen.

Es ist schwer zu ergründen,

wie radikal

die Leute tatsächlich

denken. Einerseits

sagen sie,

LANDTAGSWAHL

BRANDENBURG

dass sie nicht viel

anders sind, als

sie sich in der Öffentlichkeit

geben,

andererseits sagen

sie, dass man in diesem

Land derzeit nur ein

einziges Mal die Wahrheit sagen

könne, bevor man vom Mainstream

abgestraft werde.

Einige gemäßigte West-Mitglieder

der AfD würden den Flügel gern

CSU-mäßig abtrennen. Sie sagen,

die Partei könnte noch viel besser

dastehen, wenn der Flügel nicht die

Debatten so dominieren würde.

Leute wie Kalbitz wollen nicht in

die Mitte rücken: Sie wissen zwar,

dass sie nun vielleicht Wahlen gewinnen

werden, sie wissen aber

auch, dass sie keine Machtoption

haben, weil niemand mit ihnen koalieren

will. Also harren sie rechts außen

aus, und hoffen, dass die CDU

nach Merkel und Kramp-Karrenbauer

in ihreRichtung wandert.

Trotz seiner politischen Eindeutigkeit

ist Kalbitz auch ein Mann der

Widersprüche. Im Landtagsbüro

hängt ein Plakat von Monty Python,

jener britischen Komikertruppe, die

anarchischen Humor erst salonfähig

gemacht hat. Es gibt auch AfD-typische

Postkarten: „Merkel muss weg“

oder „Da, wo Deutsche Urlaub machen,

kommen Flüchtlinge her.“

Aber an der Wand steht auch: „Nett

kann ich auch, bringt aber nix.“

Er sagt gern, dass er auf die Presse

nicht angewiesen sei. „Ich werde

nicht wegen euch gewählt, sondern

trotz euch.“ Gleichzeitig beobachtet

er genau, wer über die AfD schreibt.

Er hat scheinbar nicht viel gegen sein

Image als Buhmann, aber er will das

Bild auch kontrollieren.

In Eichwalde gibt Kalbitz seinen

Gegnern viel Raum. Mit Absicht. Er

merkt: Die Gegner wollen gar nicht

diskutieren, sondern stören, und ihr

Tonklingt tatsächlich oft von oben

herab. Esläuft wie bestellt. Die Gegner

agieren, als gehörten sie zu einem

Drehbuch der AfD. Deren Anhänger

sind irgendwann genervt,

und einige rufen: „Lasst doch auch

mal andereLeute etwas fragen.“

Im Saal fragt dieses Mal niemand

nach der Vergangenheit von Kalbitz.

Mitder geht dieser nur bedingt offen

um und gibt bestimmte Dinge erst

zu, wenn er sie nicht mehr leugnen

kann. So war er 2007 in einem Sommerlager

der „Heimattreuen Deutschen

Jugend“, die später als neonazistisch

verboten wurde. Ernimmt

für sich und andereinseiner Partei in

Anspruch, dass dies Jugendsünden

seien, dass die Wähler sich dafür gar

nicht interessierten und dass der

Steinewerfer Joschka Fischer später

auch Außenminister werden durfte –

und vorallem sei das alles lange her.

Doch das stimmt so nicht. Denn

Kalbitz war auch nach seinem Einzug

in den Landtag anfangs noch

Chef einer Vereinigung, die ein einstiger

SS-Offizier und späterer NPD-

Mann gegründet hatte.

DasMuster funktioniert

Doch darum geht es in Eichwalde

nicht. Dort sagt Kalbitz, der gern gegen

den „Terror“ der Klimaschützer

wettert, dass er gegen den schnellen

Kohle-Ausstieg sei, dass er Deutschland

nicht kohlendioxidneutral machen

wolle und dass er sich dagegen

wehre, wenn Autofahrer als „Diesel-

Nazis“ bezeichnet würden. Er greift

alles auf, was Grünerichtig aufregt.

DieWortführerin der Gegner stellt

ständig Fragen, will sich aber die

Antworten nicht anhören. Damit

macht sie es Kalbitz ziemlich einfach.

Dersagt: „Sie sind undemokratisch.

Eine Querulantin. Sie lassen

uns ja nicht mal zu Wort kommen.“

Die Frau ist wirklich mutig, aber

mit ihrer Art kann sie sicher keinen

der AfD-Anhänger im Saal in Zweifel

stürzen. Irgendwann wirdsie mit ihrendreiKinderndes

Raumes verwiesen.

Sieweigertsich. Einige im Raum

rufen: „Raus, raus, raus.“ Als sie fluchend

geht, ruft ihr Kalbitz hinterher:

„Gute Reise.“ Das Muster funktioniert

auch inEichwalde: Die Reihen

sind fest geschlossen. Es könnte

kaum besser laufen für die AfD.

Vorder Tür stehen noch immer

ein paar Gegner. Sie spenden für jeden

einzelnen Teilnehmer im Saal einen

Euro an solche Projekte, die die

AfD nicht so mögen wird: So gehen

300 Euro an Flüchtlingshelfer und

ein Neonazi-Aussteigerprogramm.

Aber all das interessiert die AfD-

Fans nicht. Sie gehen einfach an ihren

Gegnern vorbei. Einige schauen

fast etwas stolz auf die drei Polizeiautos

an der Ecke und erzählen sich

noch mal, wie der Andreas es den anderen

mal wieder gezeigt hat.

Jens Blankennagel

denkt, dass Kalbitz in der

Bundespartei aufsteigt.


16 Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Wissenschaft

Korallen vor Heron Island, einer kleinen Insel im südlichen Abschnitt des Great Barrier Reef. Wenn es in den fragilen Ökosystemen zu warm wird, gehen die Algen zugrunde, die mit den Korallen eine Lebensgemeinschaft bilden –das Riff bleicht aus.

UNSW

Zerstörerische Hitzewellen im Meer

Wenn das Wasser ungewöhnlich warm wird, können Korallen binnen kurzer Zeit absterben. Das bedroht die Lebensgrundlage vieler Menschen

VonWalter Willems

Wer einmal beim Tauchen

oder Schnorcheln

ein Korallenriff

erkundet hat, wird die

Bilder so bald nicht vergessen: eine

bizarre Unterwasserwelt, in der sich

bunte Fische und kuriose Kreaturen

tummeln. Riffe sind aber nicht bloß

eine Augenweide. Sie zählen zu den

artenreichsten Ökosystemen der

Erde,schützen Küsten vorzerstörerischen

Stürmen und bilden die Lebensgrundlage

für Millionen Menschen,

die etwa von Fischerei und

vom Tourismus leben. Doch der Klimawandel

setzt Korallen zu. Nun

zeigt eine Studie,dass sie durch starke

marine Hitzewellen nicht nur Schaden

nehmen, sondern rasch absterben.

Angesichts der globalen Erwärmung

ein erschreckendes Szenario.

Doch keine Erholung

Besonders hoch: Das von

Korallen geschaffene Gebilde

auf dem Meeresboden

des Eniwetok-Atolls im westlichen

Pazifik ist mit mehr als

1400 Meternfast doppelt

so hoch wie das höchste Gebäude

der Welt, der 828 Meter

hohe Burj Khalifa in Dubai.

UNGEWÖHNLICHE UNTERWASSERBAUTEN

Korallen sind Nesseltiere, die mit

winzigen Algen in Symbiose leben.

Die Nesseltiere bilden das Kalkskelett,

die einzelligen Algen verleihen

ihnen ihreFarben. In vielen Meeresregionen

weltweit ist die Wunderwelt

in den vergangenen Jahren jedoch

einer Wüste gewichen. Denn

Korallen leben in tropennahen Gewässern,

in denen es eigentlich keine

größeren Temperaturschwankungen

gibt. Wenn sich das Wasser nun

aber stark erwärmt, werden die Algen

giftig, die Korallen stoßen sie ab

und verlieren damit ihreFarbe.

Diese sogenannte Korallenbleiche

ist seit Jahrzehnten bekannt, erreichte

aber in jüngerer Zeit während

diverser Hitzephasen erschreckende

Ausmaße, etwa Ende der 90er-Jahre

sowie 2010 und von2014 bis 2017.

Bisher dachten Forscher, dass

sich Korallen unter günstigen Bedingungen

wieder erholen können, mitunter

binnen Monaten. Dies relativiert

nun eine australische Studie.

Demnach lassen besonders starke

marine Hitzewellen im Meer Korallen

nicht nur ausbleichen, sondern

binnen Tagen absterben. Dashat ein

Team um Tracy Ainsworth von der

University of New South Wales in

Sydney nicht nur am Great Barrier

Reef beobachtet, sondern zusätzlich

in Versuchen an zwei Korallenarten

nachgewiesen. „Intensive marine

Hitzewellen haben wesentlich

schlimmereFolgen als nur Korallenbleiche“,

sagt Ainsworth. „Die Koralle

bleicht nicht nur aus und gibt

ihreSymbiose auf, das Tier stirbt und

sein zugrunde liegendes Skelett ist

das einzige,was übrig bleibt.“

Von 2014 bis 2017 sei weltweit

mehr als ein Drittel der Korallenriffe

(37 Prozent) vonKorallenbleiche betroffen,

schreiben die Forscher im

Fachblatt Current Biology. Nun untersuchten

sie den Höhepunkt der

Hitzewelle an der Insel Lizard Island

vor der Küste Australiens. „2016 erlebte

das Great Barrier Reef die heftigste

marine Hitzewelle, die jemals

in der Region registriert wurde“,

schreibt das Team. Dabei erfuhr fast

ein Drittel der Korallen (31 Prozent)

Hitze, die in der wöchentlichen

Summe die maximale Durchschnittstemperatur

deutlich überstieg.

Daskann etwa ein Anstieg von

einem Grad wöchentlich über acht

Wochen sein –bei solchen Werten

bleichen Korallen nicht mehr aus,

sondernsie sterben ab.

Dieses Absterben galt bislang als

Prozess, der sich über Monate bis

Jahre hinzog. Doch die Forscher beobachteten

nun, dass viele Korallen

schon binnen Tagen starben und

ihreSkelette dann voneinem Biofilm

aus Mikroorganismen überzogen

wurden. Die Folgen analysierte das

Team im Labor bei zwei Steinkorallen,

der Buschkoralle Pocilloporadamicornis

und der Geweihkoralle Acropora

aspera. Bei Hitze verloren

diese nicht nur die Organismen auf

ihrer Oberfläche und blichen aus,

sondern auch das Gewebe der Nesseltiere

starb ab. Binnen zwei Tagen

bildete sich ein Biofilm auf dem verbliebenen

nackten Kalkskelett. Statt

Besonders groß: Das Great

Barrier Reef vorder Küste

Australiens ist das größte

Korallenriff der Welt. Es setzt

sich zusammen aus mehr als

3000 einzelnen Riffsystemen

und Koralleninselchen,

erstreckt sich über 2300 Kilometer

und hat etwa die

Fläche Deutschlands.

Besonders schummrig:

Auch im Mittelmeer gibt es

ein Korallenriff.Eswurde

jüngst in der italienischen

Adria entdeckt. Anders als

tropische Riffe liegt es allerdings

nicht dicht unter der

Wasseroberfläche, sondern

in 30 bis 55 MeternTiefe,

also im Schummerlicht.

der bis dahin vorherrschenden Symbiodinium-Algen

fanden die Forscher

nun vorherrschend Grünalgen

der Gruppe Ostreobium sowie Cyanobakterien,

also Blaualgen.

Damit nicht genug: Beibeiden Arten

verloren die Skelette daraufhin

Kalk. So sei es auch während der Hitzewelle

2016 auf LizardIsland beobachtet

worden, schreiben die Wissenschaftler.Bilder

per Computertomografie

bestätigten, dass das Kalkskelett

zunehmend poröser – und

damit unstabiler –wurde.Damit verlören

Korallenriffe auf lange Sicht

ihre dreidimensionale Struktur, sagt

Ko-Autor Bill Leggat vonder australischen

University of Newcastle.

„Das entspricht dem, was wir in

Thailand in der Andamanensee beobachtet

haben“, sagt Marlene Wall

vomGeomar Helmholtz-Zentrum für

Ozeanforschung Kiel. „Dort hatten

wir 2010 eine Mortalität von etwa 30

Prozent.Wirsehen jetzt Jahredanach,

dass manche Riffe zerfallen. Wir finden

tote Korallenfragmente.“ Dieser

Prozess sei vonden australischen Kollegen

nun erstmals auch in Laborversuchen

gezeigt worden. Vorallem ästig

wachsende Korallen, die den Riffen

ihre Struktur verleihen, seien oft

besonders temperaturempfindlich,

sagt die Expertin.

Ähnliches berichtet Sonia Bejarano

vom Leibniz-Zentrum für Marine

Tropenforschung in Bremen.

„Nach der Hitzewelle 2016 verloren

viele Korallen in Fidschi Teile ihrer

Struktur“, sagt sie.„DieStudie ändert

unser Verständnis von Korallenbleichen.

Wenn es zu lange zu warm ist,

sterben Korallen schnell ab –inwenigen

Tagen statt nach Monaten.“

Ob sie sich wieder erholen könnten,

hänge unter anderem davon ab, ob

noch lebendes Gewebe erhalten sei.

Noch sind solche marinen Hitzewellen,

bei denen die Temperaturen

an der Wasseroberfläche wochenlang

auf Extremwerte steigen, eher

selten. Doch Klimaprognosen zufolge

werden derartige Phänomene

häufiger.

DieZahl extremer Hitzetage habe

sich weltweit von1982 bis 2016 etwa

verdoppelt, berichteten Schweizer

Forscher unter Verweis auf Satellitenmessungen

und Klimasimulationen

voreinem Jahr im Fachblatt Nature.

Selbst wenn das in Parisvereinbarte

Klimaziel von maximal 1,5

Grad Erwärmung eingehalten

würde,stiege die Zahl solcher Hitzetage

weltweit im Vergleich zur vorindustriellen

Zeit um den Faktor 16,

bei einer Erwärmung um 3,5 Grad

sogar um den Faktor 41. „Die Hitzewellen

werden mit der globalen Erwärmung

nicht nur häufiger,sondern

auch intensiver und dauern länger

an“, gibt der Klimaforscher Thomas

Frölicher vonder Universität Bern zu

bedenken, der Leitautor der Nature-

Studie ist. „In den tropischen Regionen

nimmt die Zahl der marinen Hitzetage

überproportional zu.“

Biszu90Prozent der Riffe bedroht

Aufdie Folgen des Klimawandels für

Korallenriffe hat der Weltklimarat

IPCC schon in seinem letzten Bericht

vor einem Jahr hingewiesen.

Steige die Temperatur um 1,5 Grad,

gingen 70 bis 90 Prozent der Riffe mit

hoher Wahrscheinlichkeit verloren,

heißt es da. Bei einem Anstieg um 2

Grad seien es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit

sogar mehr als 99 Prozent.

Die inder aktuellen Studie berichteten

Folgen von Hitzewellen

waren da noch nicht bekannt.

„UnsereStudie enthält zwingende

Belege dafür, dass die Gesellschaft

zum Schutz der Korallenriff-Ökosysteme

dringend globale und lokale Anstrengungen

unternehmen muss,um

den Klimawandel abzumildern“,

mahnt das australische Team. „Ein

Versagen beim Abmilderndes Klimawandels

und bei der Minimierung

schwerer mariner Hitzewellen birgt

nicht nur für Korallen und Korallenriffe

das Risiko des Zusammenbruchs,sondernbedroht

auch die Lebensgrundlage

voneiner halben Milliarde

Menschen weltweit.“ (dpa/fwt)

Eine kosmische Katastrophe machte Jupiter zum Flauschball

Messdaten der Sonde „Juno“ haben gezeigt, dass der große Planet keinen festen Kern besitzt. Das liegt vermutlich an einer lange zurückliegenden Kollision mit einem Protoplaneten

VonTill Mundzeck

Ein Mega-Crash in der Frühzeit

unseres Sonnensystems hat den

Kern des Riesenplaneten Jupiter zerrissen.

Dasschließt ein internationales

Forscherteam um Shang-Fei Liu

von der Sun-Yat-sen-Universität in

Zhuhai, China, aus Modellrechnungen

zur Erklärung überraschender

Messdaten der Jupitersonde „Juno“.

Demnach ist der Kern des Riesenplaneten

seit dem Frontalzusammenstoß

eine Art Flauschball aus

Gestein, Eis und Gas ohne klare Abgrenzung

zur Atmosphäre des Gasriesen.

Das Katastrophenszenario

wirdimFachblatt Naturevorgestellt.

Die Jupitersonde „Juno“ der US-

Raumfahrtbehörde Nasa umkreist

seit Juli 2016 den größten Planeten

unseres Sonnensystems.

Zu ihren überraschenden Messergebnissen

gehört, dass der Gasriese

offensichtlich keinen scharfbegrenzten,

festen Kern besitzt. „Statt

klein und kompakt, wie bisher angenommen,

ist der Kern von Jupiter

verschwommen“, erläutertKo-Autorin

Ravit Helled von der Universität

Zürich. „Das bedeutet, dass der Kern

wahrscheinlich nicht nur aus Gestein

und Eis besteht, sondern auch

mit Wasserstoff und Helium vermischt

ist, und es einen allmählichen

Übergang zwischen Kern und

Hülle gibt im Gegensatz zu einer

scharfen Grenze.“

Die meisten Astronomen gehen

davon aus, dass der Jupiter als fester

Gesteins- oder Eisplanet begonnen

und seine dichte Atmosphäre nach

und nach aus der Urwolke aufgesammelt

hat, aus der das gesamte

Sonnensystem entstanden ist. Der

Darstellung der Kollision Jupitersmit einem

Protoplaneten. ASTROBIOLOGY CENTER JAPAN

ursprüngliche Gesteins- oder Eiskern

sollte demnach noch erhalten

sein. Die „Juno“-Messungen konnten

diesen Kern jedoch nicht finden.

DasTeam um Liu vermutet einen

Zusammenstoß mit einem Protoplaneten

in der Frühzeit unseres Sonnensystems

und simulierte zahlreiche

Kollisionsszenarien, um die gemessene

innere Struktur von Jupiter

zu erzeugen. „Das einzige Szenario,

das in einem Kern-Dichteprofil

mündet, wie ,Juno’ es heutzutage

misst, ist ein Frontalzusammenstoß

mit einem Planetenembryo, der

rund zehnmal so viel Masse besaß

wie die Erde“, erläutertLiu.

„Daereine hohe Dichte und eine

Menge Energie hat, würde dieser

Einschlagkörper wie eine Gewehrkugel

durch die Atmosphäre laufen

und den Kern frontal treffen“, ergänzt

Ko-Autor Andrea Isella vonder

Rice-Universität in Houston im US-

Bundesstaat Texas. „Vor dem Einschlag

hat man einen sehr dichten

Kern, der von der Atmosphäre umgeben

ist. Der Frontalzusammenstoß

verteilt die Dinge und verdünnt

den Kern.“ (dpa/fwt)


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 17 *

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Sport

Lobpreis

für den

Lob-Pass

Ein Duo prägt das Spiel des

deutschen Basketballteams

Das mit dem Kindergarten ist natürlich

immer eine Frage des

Blickwinkels.Ein Erzieher mag einen

höheren Stressfaktor ansetzen als

die zu Erziehenden. Auch ist ein 22

Jahre alter Basketballprofi kein Fall

für die Kita, zumal dann nicht, wenn

sein direkter Vorgesetzter auf dem

Parkett gerade einmal drei Jahreälter

ist. Allerdings meinte es Basketball-

Bundestrainer Henrik Rödl, 50, auch

nicht despektierlich, als er über Moritz

Wagner und die am 31. August

beginnende Weltmeisterschaft in

China meinte: „Die Aufgabe, die wir

haben, ist aber kein Kindergarten,

wir versuchen, die Besten zusammenzubekommen.“

Moritz Wagner jedenfalls wird

nicht mit nach China reisen. Den

Berliner Center,künftig für das NBA-

Team der Washington Wizards tätig,

hat Henrik Rödl nach dem Supercup

am Wochenende in Hamburg aus

dem Kader gestrichen.„Moritz hat so

viel noch vor sich“, sagte der Bundestrainer.

„Das hat er auf vielen

Ebenen gezeigt, ihm fehlt ein bisschen

Spielpraxis und Erfahrung.“

Vorliebe fürs Dunking

Darüber verfügt Dennis Schröder in

ausreichendem Maß, der direkte

Vorgesetzte auf dem Parkett. Der25-

Jährige in Diensten Oklahoma City

Thunder führte die deutsche Auswahl

zum Turniergewinn in Hamburg.

Er bildete mit Daniel Theis,27,

ein kongeniales Duo: „Wir kennen

uns schon von klein auf. Wir haben

viel Basketball zusammen gespielt“,

sagte Schröder.„Ichweiß genau, was

er mag. Er weiß genau, was ich mag.

Daserleichtertesuns auf dem Feld.“

Schröder setzte als Regisseur den

2,04 Meter großen Theis beim Supercup

mehrfach unter dem Korb sehenswert

per Lob-Anspiel in Szene.

Hammer in Hamburg: Daniels Theis stopft

den Ball durch die Reuse.

DPA/HEIMKEN

Diese versenkt der Center der Boston

Celtics mitVorliebe per Dunking.

Doch nicht nur in der Offensive stabilisiert

die Achse Schröder-Theis

das deutsche Spiel. „Die Verteidigung,

die er macht, ist unglaublich“,

sagte Schröder über Theis. „Er ist

sehr aktiv, macht sehr viel für das

Team.“

Sie kennen sich bestens. Als gemeinsamer

Jugendtrainer brachte

Liviu Calin die beiden schon zu Beginn

ihrer Karrieren in Braunschweig

zusammen aufs Spielfeld,

bis 2012 standen sie dort ineinem

Team. Das gewonnene Basketball-

Verständnis prägt auch heute noch

die Auftritte der deutschen Auswahl.

Theis entwickelte sich in Ulm und

Bamberg weiter und schaffte 2017

den Sprung in die NBA. Schröder

wurde nach einer weiteren Saison in

seiner Heimat direkt vonden Atlanta

Hawks im Draft ausgewählt.

„Egal, wie lange wir nicht zusammen

auf dem Feld gestanden haben

–esist sofortwieder,als ob wir jeden

Tagzusammen spielen“, sagte Theis.

„Wir haben eine Verbindung aufgestellt,

die es wahrscheinlich nicht

ganz so häufig gibt.“ Als hätten sie

sich schon im Kindergarten den Basketball

zugepasst. Haben sie nicht,

aber als hübsches Sprachbild taugt

das allemal. (BLZ)

Schwierige Sprache, schöner Job

Warum sich Albas Zugänge Eriksson, Mason und Cavanaugh schon jetzt als teamtauglich erweisen

VonChristian Kattner

Videos vonfrüheren Spielen

geben Aufschluss über die

sportliche Qualität eines

Spielers. Auch von Marcus

Eriksson, Makai Mason und Tyler

Cavanaugh gibt es im Internet

abendfüllendes Bewegtbild-Material,

wenn man sich einen ersten Eindruck

von den drei Neulingen bei

Alba Berlin machen möchte. Das

richtige Kennenlernen, die ersten

Gespräche im neuen Umfeld, mit

den neuen Teamkollegen, verraten

aber noch viel mehr.„Ichwusste natürlich,

dass sie unglaublich talentiert

sind“, erzählt Kenneth Ogbe,

„was aber wichtig war und mich gefreut

hat, ist die Tatsache, dass es

sehr gute Typen sind.“ Bereits in der

vorigen Woche war ein Teil des

Teams in Berlin. Ogbe hatte da schon

mit seinen neuen Kollegen in der

Trainingshalle gestanden, war mit

ihnen essen. Der erste Eindruck von

den drei Neuen als Menschen ist

durchweg positiv.„Deshalb freue ich

mich, mit ihnen zusammenzuspielen“,

sagt der Flügelspieler.

Seit Montag ist die Alba-Familie

bis auf vier Ausnahmen wiedervereint.

Niels Giffey, Johannes Thiemann,

Martin Hermannsson und

Rokas Giedraitis sind noch mit ihren

Nationalmannschaften unterwegs

und werden erst später im Laufe der

Saisonvorbereitung dazustoßen. „Es

ist gut, dass das alles Spieler sind, die

schon zu unserem Team gehörten

und die Trainer und das Umfeld kennen“,

sagt Himar Ojeda.

Schnelle Anpassung

Albas Sportdirektor ist froh, dass gerade

die Neulinge bereits da sind, somit

schnell ein neues Teamgefüge

entstehen kann. Die Abgänge müssen

sportlich, aber vor allem

menschlich kompensiert werden.

Joshiko Saibou und Dennis Clifford

waren vielleicht am Ende der abgelaufenen

Saison nicht unbedingt die

sportlich tragenden Säulen im Alba-

Team, aber für den Zusammenhalt

und die Stimmung innerhalb der

Gruppe sehr wichtig.

Dieersten Eindrücke der drei Zugänge

geben berechtigten Anlass zur

Hoffnung, dass die sportliche Führung

einen guten Job bei der Rekrutierung

geleistet hat. Höflich und

freundlich ist das Auftreten des Trios.

Tyler Cavanaugh nimmt schon mal Maß in Alba Berlins Trainingshalle. CAMERA 4/WIEDENSOHLER

Die fast schon zurückhaltende Art

der drei Neuen mag auch daran liegen,

dass man die neue Heimat erst

einmal kennenlernen muss.

Die ersten Tage in Berlin haben

Tyler Cavanaugh aber schon sehr gefallen.

Er komme zwar aus NewYork,

hatte dort aber etwas außerhalb gewohnt.

Hier in Berlin „sind eine

Menge Leute, aber ich mag es. Man

kann viel rumlaufen und alles leicht

erreichen“, schildert erseine ersten

Schritte in der deutschen Hauptstadt.

Es sind seine ersten Schritte in

Europa überhaupt. In Kanada und

Japan sei er schon gewesen, nach Europa

hatte es lediglich seinen Vater

für ein Jahr verschlagen, als dieser

Opfer der Einnahmegier

Jahr dortBasketball spielte.Während

der Vater aber danach einem „richtigen

Job“ nachging, hat es Cavanaugh

junior basketballerisch zu etwas

mehr Ruhm gebracht.

50 Spiele hat er für die Atlanta

Hawks und Utah Jazz in der NBA absolviert,

bis ihn im Sommer das Angebot

von Alba erreichte. Vor allem

die Perspektive, in der Euroleague

spielen zu können, überzeugte ihn

im Gespräch mit Ojeda. DerSportdirektor

hatte Cavanaugh schon länger

im Visier, ist von dessen vielseitiger

Spielweise, vor allem von seinem

menschlichen Qualitäten überzeugt.

„Spieler mit seinem Charakter habe

ich gerne im Team, außerdem versteht

er das Spiel und trifft gute Entscheidungen“,

sagt Ojeda.

Den ersten Schritt nach Europa

hat Cavanaugh erst einmal allein gemacht.

In einem Monat wird ihm

seine Ehefrau, die er vor kurzem geheiratet

hat, zur Seite stehen. Er verbringe

die freie Zeit gerne mit der Familie,

liebe es, amWasser zu sein.

Zeichen für einen Spieler mit einem

gefestigten und guten Charakter,der

„Dennis Cliffordersetzen kann“, sagt

Ojeda, „wir denken, dass er viele

Leute überraschen wird.“

Streifzüge durch die Geschichte

Zu einer weiteren Überraschung

kann auch Makai Mason werden,

den vielleicht nicht jeder im Blick

hatte. Das mag auch an seiner fast

zweijährigen Verletzungspause zwischen

November 2016 und der Saison

2018/19 liegen. Doch nicht ohne

Grund wurde der 24-Jährige im

Sommer 2016 für 15 Länderspiele in

die deutsche Nationalmannschaft

berufen. Allein mit der deutschen

Sprache hapert esbei Mason noch

etwas. „Es ist eine schwierige Sprache“,

sagt der Sohn einer Mainzerin.

Diesei schon in jungen Jahren in die

USA gegangen und spreche mittlerweile

schlechter Deutsch als der Vater,der

als US-Soldat in Bambergstationiertwar.

Makai Mason interessiertsich für

Deutschland. Am vergangenen Wochenende

„habe ich mir die Hauptattraktionen

für Touristen angeschaut.

Ich habe versucht, etwas

über die Geschichte zu erfahren und

werde auch weiter viel erkunden“,

sagt er. Und vielleicht lernt er in seinen

mindestens zwei Jahren in Berlin

ja auch etwas mehr Deutsch.

Beim Trainingsauftakt der BR Volleys sind nur vier Spieler anwesend –das liegt an der Terminflut des Weltverbandes

VonKarin Bühler

Sergej Grankin ist am Sonntag am

Flughafen Schönefeld gelandet.

Mit Rollkoffer und Umhängetasche

spazierte der russische Zuspieler der

BR Volleys über den Parkplatz seiner

zweiten Saison in Berlin entgegen,

die am 12. Oktober mit der Partie bei

den Netzhoppers KW beginnt. Am

Montag um 16 Uhr war für den

Olympiasieger und die weiteren

Spieler des deutschen Volleyball-

Meisters Trainingsauftakt im Horst-

Korber-Zentrum. „Unser Strippenzieher

ist zurück“, begrüßte ihn der

Verein: „Dobro poschalowatch

obratno“, Willkommen zurück.

Besonders viele seiner Teamkameraden,

die er vorige Saison in einem

spannenden Bundesliga-Finale

zum Meistertitel führte,hat Grankin,

34, in der Halle neben dem Glockenturm

nicht angetroffen. Eigentlich

nur zwei: Mittelblocker Georg Klein

und den französischen Außenangreifer

Samuel Tuia. Dazu kamen der

neue polnische Libero Adam Kowalski

und Trainer Cedric Enard, der

sich für zwei Tage vonseinem Jobals

Assistenztrainer der französischen

Nationalmannschaft freimachen

durfte, umdas Wichtigste mit den

Klubverantwortlichen und seinem

neuen Assistenztrainer zu besprechen.

Der ist bei den BR Volleys

ebenfalls ein Rückkehrer: der Brasilianer

Lucio Oro. Alle anderen Spieler

kommen den Verpflichtungen ihrerNationalteams

nach.

Manager Kaweh Niroomand

schaute am Montagnachmittag

ebenfalls in der Halle vorbei, kopfschüttelnd

–und durchaus verärgert

über die Turnier-und Terminflut des

Volleyball-Weltverbandes (FIVB).

„Es kann in erster Linie nur darum

gehen, diejenigen, die hier sind, körperlich

in Gang zu kriegen“, sagte er.

„Zu viert ist natürlich kein ordentliches

Mannschaftstraining möglich.“

Für Außenangreifer Moritz Reichertund

LiberoJulian Zenger sowie

für den Franzosen Nicolas Le Goff

steht ab 12. September zunächst die

EM in vier Ländern an. Die fünf US-

Nationalspieler der Berliner, die

nach Platz zwei bei der anstrengenden

Nations League vorwenigen Tagen

die Qualifikation für die Olympischen

Spiele 2020 in Tokio geschafft

haben, müssen von dem Panamerika-Spielen

weiterhetzen zum

World Cup. Dieser Wettbewerb findet

vom 1.bis 15. Oktober in Japan

statt, um Olympiaplätze geht es

nicht mal mehr. Die Relevanz des

Turniers ist daher mäßig. „Der Word

Materialtest: Sergej Grankin

HUNDT

Cup ist völlig unnötig. Da geht es

wirklich nur ums Geld“, meint Niroomand.

Zumal es passieren kann,

dass den Berlinern Spieler wie die

Diagonalangreifer Ben Patch oder

Kyle Ensing sowie Mittelblocker Jeff

Jendryk bei den ersten Saisonspielen

fehlen, weil sie vom US-Team noch

in Japan gebraucht werden.

„Ich finde das einfach unverantwortlich

in jeder Hinsicht“, sagte Niroomand.„Sowohl

der Sportals auch

der Mensch wird der Einnahmegier

des Weltverbandes geopfert.“ Die

FIVB verdient an jedem Turnier kräftig.

Statt beispielsweise bei der EM

oder der Panamerika-Meisterschaft

Qualifikationsplätze für Olympia zu

vergeben, fand zuletzt ein interkontinentales

Olympiaqualifikationsturnier

statt, an dem Deutschland

aufgrund seiner schlechten Weltranglistenposition

27 nicht teilnehmen

konnte. ImJanuar 2020 gibt es

jedoch noch eine kontinentale

Olympiaqualifikation, um deren

Ausrichtung sich auch der Deutsche

Volleyball-Verband bemüht. Die

FIVB kassiert erneut vomVeranstalter

ab.

Dieinternationale Turnierflut hat

schließlich Auswirkungen auf die

Spielpläne der Ligen –und die kaum

adäquat mögliche Vorbereitung der

Vereinsteams.„Wir müssen das gleiche

Pensum in wesentlich kleineren

Zeiträumen schaffen und haben

mehr Spiele unter der Woche“, kritisiert

Niroomand. „Der Weltverband

nimmt keine Rücksicht auf die Interessen

der Vereine. Wir haben keine

Lobby.“ In einigen Ländern haben

die Spieler überlegt, mit Streiks auf

die Terminhatz zu reagieren. Dazu

ist es bislang noch nicht gekommen.

NACHRICHTEN

Aue trennt sich überraschend

von Trainer Meyer

FUSSBALL. Zweitligist Erzgebirge

Auehat sich überraschend vonseinem

Trainer Daniel Meyer(39) getrennt.

Wieder Verein am Montag

mitteilte,wurden sowohl Meyerals

auch sein Bruder und Co-Trainer

André Meyermit sofortiger Wirkung

„vorerst beurlaubt“.Weiterhin hieß

es in einer Pressemitteilung, „dass

dazu keine weiteren Stellungnahmen

abgegeben werden“. Meyerwar

im Vorjahr nach Auegekommen und

hatte das Team zum Klassenerhalt

geführt. Werdie Nachfolge von

Meyerantritt, ist noch unbekannt.

Überraschend kommt die Nachricht

über die Trennung vonMeyer,da

Auemit zwei Siegen und nur einer

Niederlage gut in die neue Saison gestartet

war.

Megos qualifiziertsich

für Olympia

KLETTERN. Alexander Megos erfüllt

sich den Traum vonOlympia.

Der26-jährige Erlanger zogam

Montag bei den Weltmeisterschaften

in Japan als bester Athlet in das

Finale des Kombinationswettbewerbs

ein und sicherte sich damit

ein Ticket für Tokio 2020. In der

Qualifikation hatte er in Hachioji

die stärkste Leistung im Lead, dem

klassischen Seilklettern, erreicht.

Überraschend brachte er es auch

beim Bouldern, dem Kletternohne

Sicherung in Absprunghöhe,andie

Spitzeder Athleten.

ZAHLEN

Fußball

2. Bundesliga, 3. Spieltag

Hamburger SV −VfL Bochum 1:0

Sandhausen −Nürnberg 3:2

VfB Stuttgart−FCSt. Pauli 2:1

Arm. Bielefeld −Erzg.Aue 3:1

SV Wehen−Hannover96 0:3

Kiel −Karlsruher SC 2:1

Dyn. Dresden −Heidenheim 2:1

Gr.Fürth −Regensburg 1:0

VfL Osnabrück−Darmstadt 98 4:0

1Hamburger SV 3 6: 1 7

2VfB Stuttgart 3 6: 4 7

3VfL Osnabrück 3 6: 3 6

4Karlsruher SC 3 7: 5 6

5 Erzg.Aue 3 6: 5 6

6Gr.Fürth 3 4: 3 6

7 Arm. Bielefeld 3 7: 5 5

8Hannover96 3 5: 3 4

9Heidenheim 3 6: 5 4

10 Regensburg 3 4: 3 4

11 Sandhausen 3 4: 4 4

12 Kiel 3 3: 4 4

13 Darmstadt 98 3 3: 5 4

14 Dyn. Dresden 3 4: 6 3

15 Nürnberg 3 3: 7 3

16 VfL Bochum 3 4: 7 1

17 FC St. Pauli 3 3: 6 1

18 SV Wehen 3 3: 8 0

3. Liga, 5. Spieltag

Chemnitzer FC−Magdeburg 0:0

KFC Uerdingen −Ingolstadt 0:3

Würzb.Kickers −Pr. Münster 3:2

Duisburg −FSV Zwickau 3:1

München−SVMeppen 0:0

Viktoria Köln−Unterhaching 0:2

Hansa Rostock −Großaspach 0:1

Kaiserslautern−Braunschweig 0:3

FC CZ Jena −SVWaldhof Mannheim 1:2

Hallescher FC−B.München II 1:2

1Ingolstadt 5 11: 3 13

2Duisburg 5 14: 5 12

3 Braunschweig 5 11: 6 12

4 Unterhaching 5 11: 7 11

5SV Waldhof Mannheim 5 8: 3 9

6Hallescher FC 5 7: 4 9

7Viktoria Köln 5 11: 11 7

8 Pr.Münster 5 8: 8 7

9Großaspach 5 8: 9 7

10 FSV Zwickau 5 5: 6 7

11 Magdeburg 5 6: 6 6

12 Würzb.Kickers 5 10: 14 6

13 B. München II 5 8: 12 6

14 Kaiserslautern 5 6: 8 5

15 München 5 5: 7 5

15 SV Meppen 5 5: 7 5

17 KFC Uerdingen 5 6: 9 5

18 Hansa Rostock 5 5: 7 4

19 Chemnitzer FC 5 6: 11 2

20 FC CZ Jena 5 2: 10 0


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 – S eite 18 *

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Sport

Dämpfer

zur rechten Zeit

Der 1. FC Union Berlin ist nach

dem desaströsen 0:4 zum Bundesliga-Auftakt

gegen RB Leipzig auf

dem Boden der Tatsachen angekommen.

Gleich bei der Premiere wurden

den Eisernen ihre Grenzen aufgezeigt.

Die Turbomannschaft aus

Leipzig, gespickt mit herausragenden

Offensivspielern wie Timo Werner,

Marcel Sabitzer oder Yussuf

Poulsen, zeigte eindrucksvoll: Jeder

noch so kleine Fehler wird in der

deutschen Eliteklasse knallhart bestraft.

Den Kickern von Union fehlte es

an Tempo, Spielwitz und Zweikampfhärte,

nur eine Gelbe Karte

holten sie sich ab. Esfehlte ihnen

also an allem, was nötig ist, um ein

Fußballspiel erfolgreich zu gestalten.

Nicht nur in den Füßen, auch im

Kopf waren die rot-weißen Aufstiegshelden

am Sonntagabend zu

behäbig. Seine Mannschaft sei immer

zwei, drei Schritte zu langsam

gewesen, „auch gedanklich“, bestätigte

Mittelfeldspieler Grischa Prömel,

der dann deutlich wurde: „Wir

sind nicht in die Liga gekommen, um

uns jede Woche abschlachten zu lassen!“

DasGefühl desVerlierens war den

UnionerninderVergangenheit quasi

abhandengekommen. Lediglich in

fünf Spielen unterlagen sie während

Selbstkritisch:

Grischa Prömel

1. FC Union

Patrick Berger

sieht im Duell mitAugsburg

das erste von33Endspielen.

HUNDT

der kompletten

Aufstiegssaison,

dabei in keinem

so hoch wie in jenem

gegen Leipzig.

Die letzte

Heimniederlage

mit vier Toren

Differenz datiert

aus der Spielzeit

2001/2002, als

Eintracht Frankfurt

mit 4:0 Toren ander Alten Försterei

gewann. Deshalb ist es aus Sicht

des 1. FC Union vielleicht gar nicht

so schlecht, dass solch eine deftige

Abreibung gleich zu Beginn der Saison

kommt. Trainer UrsFischer weiß

nun genau, wo die Defizite liegen

und was er in den kommenden Tagen

mit der Mannschaft aufzuarbeiten

hat.

EinGegner,der passen könnte

Klar ist: Gegen Teams wie RB Leipzig,

das in der Champions League spielt

und berechtige Titelambitionen

hegt, müssen die Eisernen nicht

punkten. Die Zähler müssen woanders

her, umdie Klasse zu halten –

am besten schon am Sonnabend

beim FC Augsburg. Der unterlag

zum Start 1:5 in Dortmund und

wirkte in der Abwehr gegen den Powerfußball

der Borussia ähnlich

überfordert. Augsburg ist da schon

eher Unions Kragenweite.

Am Sonnabend wartet auf die Eisernen

das erste von 33Endspielen.

So deutlich muss man vor allem mit

Blick auf das anstehende Programm

werden. Denn nach Augsburg warten

mit Dortmund, Leverkusen,

Frankfurt und Wolfsburg allesamt

Klubs, die sich in internationalen

Gefilden tummeln dürfen. Bremen

verpasste diesen illustren Kreis nur

knapp. Danach geht es gegen Freiburgund

Bayern.

Damit Union im Derby gegen

Hertha Anfang November nicht

schon abgeschlagen zurückliegt,

sollte in Augsburg schon gepunktet

werden. Und sei es nur, umsich zu

beweisen, dass gegen Leipzig eben

auch deshalb verloren wurde, weil

man sein eigenes Potenzial nicht abgerufen

hat.

Wasist denn hier los? Das scheint Union-Trainer UrsFischer sich am Rande der 0:4-Niederlage gegen Leipzig zu fragen.

Startelf im Umbau

Diese Konsequenzen zieht der 1. FC Union aus der Auftaktniederlage für das Spiel beim FC Augsburg

VonPatrick Berger

Obihm denn in seiner langen

Karriere imFußball-

Geschäft eine Abreibung

dieser Art, wie das bittere

0:4 zum Auftakt gegen RB Leipzig,

schon mal widerfuhr, wurde Urs Fischer

gefragt. Der Trainer des 1. FC

Union musste gar nicht lange überlegen.

Es sprudelte förmlich aus dem

sonst so nachdenklichen Schweizer

heraus. „Mit Zürich habe ich als

Spieler mal ein 1:6 gegen Sion und

ein 1:9 gegen Xamax Neuchatel erlebt.“

Und, ach ja, das hätte der mittlerweile

53 Jahre alte Fußballlehrer

beinahe vergessen, ein 2:7 gegen Servette.

Mit St. Gallen spielte Fischer

Ende der 80er-Jahre gegen Genf um

den damaligen Ausnahmekönner

Karl-Heinz Rummenigge. Frustrierend

sei das gewesen.

Dasmit dem Verarbeiten vonharten

Rückschlägen ist ja ohnehin so

eine Sache. Der eine geht schneller

zur Tagesordnung über als der andere.

„Offensichtlich“, sagte Fischer,

„habe ich diese Pleiten immer noch

nicht verarbeitet. Diesind irgendwie

noch präsent.“ Auch für Innenverteidiger

Marvin Friedrich, 23, ist die

Pleite gegen RB Leipzig „natürlich

schwer zu verarbeiten. Aber es ist

passiert. Es hilft nichts, wenn wir

jetzt die ganze Woche darüber reden.“

DieEnttäuschung bei denVerantwortlichen

war auch am Tagnach

der deutlichen Niederlage zum Start

in die Premierensaison zu spüren.

„Ernüchternd“ –das sei in Fischers

Augen das treffende Wort. Man sei

nach dem euphorischen Aufstieg

wieder auf dem Boden der Tatsachen

angekommen. Friedrich gewährte

überdies Einblicke in das Seelenleben

der Mannschaft. Freilich sei die

Enttäuschung bei ihm und den

Teamkollegen sehr groß. „Wir haben

uns das Debüt anders vorgestellt“,

sagte der Abwehrspieler, „nun müssen

wir das abhaken und nach vorne

schauen.“

Unmittelbar nach vorne schauen

konnte Fischer hingegen nicht. In

den Stunden nach der Auftaktnie-

PROFIS AUSWÄRTS, NACHWUCHS DAHEIM

Pokal: Der 1. FC Union bekommt es in der

zweiten DFB-Pokalrunde mit dem SC Freiburg

zu tun (29./30. Oktober). Trainer Urs Fischer

befand: „Für die Union-Fans habe ich mir ein

Heimspiel gewünscht. Seit sechs Jahren warten

die schon darauf. Schade.“ Zum Gegner

meinte Fischer:„Eine einfache Aufgabe sieht

anders aus. Definitiv!“

Test: Beim Baltic Sea Cup, dem renommierten

Nachwuchs-Turnier,spieltUnion am heutigen

Dienstag (14 Uhr) gegenFCNordsjaelland/Dänemark.Ausdem

Profikader sind Julius Kade,

Lennard Maloney, Julian Ryerson, Moritz Nicolas,

Maurice OpfermannArconesund Florian

Flecker dabei. Der Eintritt ist frei.Gespielt wird

im StadionAn derAlten Försterei.

Mut zum Zweikampf: Christopher Lenz mit Leipzigs Yussuf Poulsen.

IMAGO IMAGES

BERND KÖNIG

derlage hielt sich der Schweizer noch

eineWeile mit dem Leipzig-Spiel auf.

Dasbringt der Berufals Trainer eben

mit sich. In seinem BüroAnder Alten

Försterei analysierte Fischer bis

nachts um halb zwölf mit seinem

Stab die Partie, pickte sich vor allem

die vielen Szenen mit den teils haarsträubenden

individuellen Fehlern

heraus, die folgenschwere Kettenreaktionen

ausgelöst hatten.

Man sei teils naiv gewesen, habe

zu viele Bälle verloren und sei nicht

in die Zweikämpfe gekommen. „Wir

müssen mutiger sein und die Zweikämpfe

suchen“, findet Fischer.„Das

sind Basics,die uns in der letzten Saison

ausgezeichnet haben. Wichtig

ist, dass die Jungs einsehen, dass es

so nicht geht. Wir müssen uns

schnellstmöglich zurechtfinden.“

DieErkenntnis für Fischer,seinen

Trainerstab und die Mannschaft ist

jedenfalls klar: In der Ersten Liga

weht ein anderer Wind. Jeder noch

so kleine Fehler wird„gnadenlos bestraft“,

stellte Friedrich fest. Wiebeispielsweise

vordem 0:1 in der 16. Minute

durch Marcel Halstenberg, der

vorseinem Schuss sträflich allein gelassen

wurde, oder dem 0:2 durch

Marcel Sabitzer (31.), dem schlichtweg

zu viel Raum geboten wurde.

„Bei allem Respekt vor der Zweiten

Liga“, sagt Fischer, „aber der Unterschied

ist schon da. Dasist jetzt eine

andere Liga, mit mehr Qualität,

mehr Geschwindigkeit, da bekommst

du sofortdie Quittung.“ Die

haben die Eisernen auf brutale Art

und Weise bekommen. Gleich viermal.

Am Sonnabend wollen die Eisernen

einen Versuch der Wiedergutmachung

unternehmen. Beim FC

Augsburg, der ähnlich schlecht in die

neue Saison gestartet ist. Die Augsburger

unterlagen 1:5 bei Borussia

Dortmund, einem ähnlich starken

Team wie Leipzig. Auch sie wirkten

in der Abwehr maßlos überfordert,

waren gegen die wuchtige Offensivkraft

der Borussen chancenlos.

„Das wird unser Prüfstein“, sagte

Augsburgs Trainer Martin Schmidt,

52, mit Blick auf den 1. FC Union. Fischers

Landsmann steckt schon

gleich zu Saisonbeginn in der Krise.

Am letzten Spieltag der Runde

2018/2019 setzte es ein 1:8 gegen

Wolfsburg, vor Kurzem gab es das

blamable Aus im DFB-Pokal bei

Viertligist Verl (1:2) und nun das 1:5

in Dortmund.

Freilich wird Fischer seine Startformation

bei den bayrischen

Schwaben verändern. Gut möglich,

dass Sheraldo Becker für Suleiman

Abdullahi kommt, Anthony Ujah für

Sebastian Andersson und Marcus

Ingvartsen für Robert Andrich. Dass

Fischer in seinen Planungen im Übrigen

keine Rücksicht auf große Namen

nimmt, zeigte die Auswechslung

von Christian Gentner, 34. Den

mit nunmehr 378 Bundesligaspielen

mit Abstand erfahrensten Kicker im

Union-Kader nahm Fischer schon

zur Pausevom Feld. Er hatte denEindruck,

„dass man etwas machen

müsse“ und Grischa Prömel undRobert

Andrich habe er nicht so

schlecht gesehen. „Ich muss mich da

nicht rechtfertigen“, sagte Fischer.

„Wenn ich das so sehe, dann entscheide

ich auch so.Daspielen Alter

oder Erfahrung keine Rolle.“

Ein

Coup mit

Risiken

Wassichder FC Bayern von

Coutinho verspricht

VonMaik Rosner,München

Philippe Coutinho lächelte.Eingerahmt

wurde der Leihspieler des

FC Barcelona auf dem Podium von

Bayern Münchens Vorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor

Hasan Salihamidzic, die

sehr stolz wirkten, ihren Transfercoup

in ihrer Münchner Arena vorstellen

zu können. Undalle drei verwiesen

am Montag auf jenes Zukunftsprojekt,

mit dem sie Coutinho

den Wechsel schmackhaft gemacht

hatten und in dem sie den Brasilianer

als zentrale Figur sehen.

Coutinho verspricht sich nach

anderthalb mäßig schönen Jahren

beim FC Barcelona eine langfristige

Perspektive inMünchen: „Ich hoffe,

dass ich sehr lange hier bleiben und

viele Titel gewinnen werde.“Der 1,72

Meter kleine Offensivspieler soll „der

zentrale Punkt in unserem Spiel

sein“ und diesem „die spektakuläre

Note geben“, sagte Salihamidzic.

Dokumentiert haben die Münchner

ihreWertschätzung durch das Trikot

mit der Nummer 10, die sie in dieser

Saison eigentlich nicht vergeben

wollten. Coutinhos Vorgänger Arjen

Robben sei sogar gefragt worden, ob

er einverstanden sei, erzählte Rummenigge.

Coutinho sei „ein mehr als

würdiger Nachfolger für das Trikot

mit der Nummer 10“.

Deutlich wurde aber auch die Zurückhaltung

der Bayern, als es um

die Kaufoption in Höhe von120 Millionen

Euro nach der einjährigen

Leihe in Höhe von 8,5 Millionen

Euro ging. „Ich schließe nicht aus,

dass das eine langjährige Partnerschaft

werden könnte“, sagte Rummenigge,

was nicht zwingend danach

klang, dass sie so planen. Coutinho

ist im kommenden Sommer

bereits 28 Jahre alt. Ganz nebenbei

beträgt sein Nettogehalt rund 13 Millionen

Euro, womit er vorm bisherigen

Topverdiener Robert Lewandowski

liegt. DerPolekassiert16Millionen

brutto.

System ohne Zehner

Vor allem aber sieht Kovacs 4-3-3-

System einen Zehner, also klassischen

Spielmacher,nicht vor. In dieser

Anordnung könnte Coutinho

halblinks auf der Acht agieren oder

als Linksaußen.Wobeierkein Flügelsprinter

ist, der von der Grundlinie

aus flankt, sondern von der gegenüberliegenden

Seite,eherdenWegin

dieMitte sucht, vorrangig, um abzuschließen.

Doch das,was Salihamidzic

ihm als Zukunftsprojekt am Mittwoch

vorgestellt habe, sei mit Kovac

abgesprochen gewesen, versicherte

Rummenigge. Obindieser Planung

eine Rückkehr zum 4-2-3-1 vorgesehen

ist, blieb offen.

Er wisse, „dass viel auf mir lastet,

aber auch, dass ich mit gutem Fußball

auf dem Platz antworten kann“,

sagte Coutinho. Was zu beweisen

wäre.

Zehn mit Zahnpasta-Lächeln: Coutinho

bei seiner Präsentation in München. AFP


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 – S eite 19 *

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Feuilleton

Tradition oder Biologie:

Sollen Knabenchöre

Mädchen aufnehmen?

Seite 20

„Lassen Sie sich überraschen. Oder eben enttäuschen.“

Markus Schneider rät zum so oder so erhellenden Besuch des Pop-Kultur-Festivals Seiten 22 und 23

Kunstprovokation

Der Wolf

und die AfD

Ingeborg Ruthe

ist gespannt, ob Potsdam

die Aktion zulässt.

Eswar einmal ein berühmter Bildhauer,

Alfred Hrdlicka aus Wien,

der wollte nach der Wiedervereinigung

den Deutschen einen bronzenen

Schreibtischtäter vor den

Reichstag setzen. Als historische

Warnung. Der Aufschrei im Mitte-

Rechts-Spektrum war laut. Dann

würdigten Kunstexperten den realistischen

Stil des linken Provokateurs

als Anachronismus herab.

Jetzt, 2019 und zwei Wochen vor

der Landtagswahl in Brandenburg,

will der Bildhauer Rainer Opolka einen

Bronze-Wolf vor die Potsdamer

AfD-Zentrale stellen. DiePfote erhoben

zum Hitlergruß. Eine Provokation.

Warnung vor einem Wahlerfolg

der Rechtspopulisten. Opolka graust

davor; erhofft auf die SPD. Zusammen

mit seinem Zwillingsbruder

Harald wurde er Millionär durch

LED-Technik-Produktion; die beiden

sind Besitzer des Schlosses Hubertushöhe

bei Storkow, wollen dort

einen öffentlichen Kunstpark entwickeln.

Die Stahllettern MUT hat

Opolka vorm Eingang aufgestellt.

Mutig will er heute in Potsdam

dem AfD-Spitzenkandidaten Andreas

Kalbitz einen offenen Brief

überreichen. An der Aktion ist auch

die Vorsitzende des Förderkreises

Denkmal für die ermordeten Juden

Europas, Lea Rosh, beteiligt. Opolka

begründet den Akt so: Kalbitz marschiere„gemeinsam

mit Rechtsradikalen

und Neonazis“, die „unverblümt

den Hitlergruß zeigten“.

Wölfe, inAnspielung auf Wolfsschanze

und NS-Werwölfe, dienen

ihm als Symboltiere für immer wieder

kritisierte Zustände der Gesellschaft.

Er stellte sie in Chemnitz auf,

als der rechte Mob marschiert war.

Und unlängst in Kassel, wo ein

Rechtsradikaler den dortigen Regierungspräsidenten

ermordete.

Opolka zeigt mit seiner Symbolik Zivilcourage.

Verquer nur, dass in

Brandenburg gerade eine heftige

Wolfsdebatte herrscht. Bauern fordern

Abschüsse der Population und

die Naturschützer absoluten Schutz.

Symbolik ist eben leider zwiespältig.

Die Glitzerdemos des Vereins Die Vielen e.V.sind der AfD ein DornimAuge. Aber sie sind privat initiiertund genießen keine etwaigen „geldwerten Vorteile“ des Landes.

Nicht ohne meine Rettungsdecke

Der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert den Haushaltsentwurf 2021/2022

VonPetraKohse

Die Freien Szenen des kulturellen

Berlins waren

gut vertreten, als am

Montagmorgen im Kulturausschuss

des Berliner Abgeordnetenhauses

die erste Haushaltslesung

stattfand. „Präsenz zeigen!“, riefen

sich Tänzerinnen, Literaten oder

Musikerinnen im Foyer des Gebäudes

gegenseitig zu –mussten dann

aber in einem „Multivisionsraum“

Platz nehmen, in dem sie die Sitzung

verfolgen konnten, für die Abgeordneten

aber gar nicht sichtbar waren.

Trotzdem hatte natürlich jede

Partei ihre Klientel im Kopf. Als sich

alle anfangs reihum zum Haushaltsentwurf

von Kultursenator Lederer

kurz positionieren durften, fragte

Frank Jahnke vonder SPD etwa nach

bisher unberücksichtigten Publikumseinrichtungen

wie dem Zille-

Museum oder der Urania. Robbin

Juhnke vonder CDU fand die Digitalisierung

„unterbewertet“ und vermisste

die Erfolge in der Raumbeschaffung.

Die Linke in Person von

Regina Kittler lobte das Engagement

in Sachen Dekolonisierung und

wollte Inklusion und soziale Mindeststandards

für Kulturschaffende

noch mehr in den Blick rücken.

Sibylle Meister für die FDP erinnerte

indessen an die Notwendigkeit,

die Gedächtniskirche zu sanieren

und Geld aus dem Kulturetat für

Kunst auszugeben, nicht für Miete

und Bildung. Daniel Wesener von

Bündnis 90/Die Grünen betonte die

Bedeutung der Freien Szene. Und

Dieter Neuendorfvon der AfD fragte

nach der Legitimität einer erhöhten

Kulturfinanzierung in Zeiten eines

sinkenden Bruttoinlandsproduktes

– insbesondere, wenn es sich um

„ideologische“Vorhaben wie das Dekolonisierungsprojekt

oder die (gar

nicht öffentlich finanzierte) Kulturinitiativeder

Vielen handle.Darüber

hinaus wollten fast alle die Kinderund

Jugendtheater gestärkt wissen,

dass es da Nachbesserungen gibt, ist

sehr wahrscheinlich.

Das Procedere ist ja wie folgt: In

monatelanger Arbeit stellen die Verwaltungen

die neuen Haushalte auf,

was im vorliegenden Fall einen Plan

von gut 200 Seiten ergeben hat, der

jetzt, gegen Ende des aktuellen

Haushaltsdoppeljahres, in insgesamt

drei Lesungen von den Abgeordneten

hinterfragt werden kann.

Dieses „Budget-Recht“ sei, wie es

„Wenn man alles priorisiert,

priorisiert man am Ende gar nichts mehr.“

Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa (Die Linke)

Daniel Wesener ausdrückte,ein politisches

Privileg, das aber –und hier

blickte er fest zur AfD auf der Seite

der Oppositionsparteien hinüber –

da ende,wodie Kunst- und die Meinungsfreiheit

beginne.

DieAfD nämlich hat zum Fragenkatalog

der ersten Sitzung nicht nur

mehr als ein Drittel der Nachfragen

beigesteuert – Fragen, die sie sich

durch die Lektüre der zum Haushaltsentwurf

gehörigen Wirtschaftspläne

leicht selbst beantworten

könnte, wie immer wieder angemerkt

werden musste –, sondern

DIE VIELEN

versucht auch, etwa im Fall des

Gorki-Theaters, Zuschüsse in Abhängigkeit

von Inhalten zu diskutieren.

Natürlich lässt sich das leicht

abweisen, und gerninformiertKlaus

Lederer darüber,dass er seine eigene

Rettungsdecke (die Folie ist das Symbol

der Vielen) selbstverständlich

selbst bezahlt hätte.Aber es hält auf.

Insgesamt war die Stimmung

dennoch gut, schließlich wächst der

Kulturetat beachtlich: 2020 sind

593,2 Millionen Euro zu verteilen,

2021 sogar 606,8 Millionen (2019:

538,8 Millionen). Gleichwohl kann

man, wie der Senatorsagte und mehrere

Abgeordnete begeistert wiederholten,

nicht alles priorisieren, weil

man sonst gar nichts mehr priorisiere.

DieKulturverwaltungselbstsetzt

im kommenden Doppelhaushalt auf

ein Kulturinvestitionsprogramm, auf

Ausstellungsetats für die Landesmuseen,

auf den Ausgleich der Tarifsteigerungen,

eine professionelle Teilhabeforschung,

eintrittsfreie Museumssonntage

und ein Dekolonisierungsprojekt.

Was davon bleibt,

wenn bis zur nächsten Lesung am 16.

September alle Nachfragen beantwortet

und spätestens in der dritten

Beratung am 6. November auch die

Umschichtungsdiskussion geführt

wurde –wir berichten.

NACHRICHTEN

Dokfilmerin Heidi Specogna

erhält Konrad-Wolf-Preis

DieSchweizer Dokumentarfilmregisseurin

Heidi Specogna (60) erhält in

diesem Jahr den Konrad-Wolf-Preis

der Akademie der Künste.Die mit

5000 Euro dotierte Auszeichnung soll

am 20. Oktober in Berlin übergeben

werden,wie die Akademie mitteilte.

DieJurywürdigte in ihrer Begründung

SpecognasBeharrungsvermögen,

das es ihr ermögliche,„die persönliche

Geschichte ihrer Protagonisten

vordem politischenHintergrund

ihrer Länder –hauptsächlich Lateinamerika

und Afrika –aufzufächern“.

Specogna drehte 1991 den Film„Tania

La Guerrillera“ über Tamara

Bunke.Zuletzt verlagerte sie ihreAufmerksamkeit

auf Afrika, etwa mit

„Carte Blanche“ (2011) oder„Cahier

Africain“ (2016). (dpa)

Goethe-Institut würdigt

Hongkonger Kulturszene

DieLeiterin des Goethe-Instituts in

Hongkong, Almuth Meyer-Zollitsch,

würdigte Künstler und Kreative, die

die Protestbewegung in der Sonderverwaltungszone

unterstützen. Im

Deutschlandfunk Kultur berichtete

Meyer-Zollitsch, dass Filmemacher

rund um die Uhrmit den Demonstranten

unterwegs seien, um die gestiegene

Polizeigewalt zu dokumentieren.

Täglich erschienen professionell

produzierte Filme mit Kommentaren

im Netz, damit dieWelt erfahre,

was in Hongkong passiere. (BLZ)

Filmuniversität Babelsberg

doppelt im Oscar-Rennen

Gleich zwei der drei für den sogenannten

Studenten-Oscar der Academy

of Motion PictureArtsand Sciences

nominierten Kurzfilme von

deutschen Filmhochschulen sind

Produktionen der Filmuniversität

Babelsberg„Konrad Wolf“, wie die

Universität mitteilt. In der Sparte

Animationsfilm kann der Kurzfilm

„Love me,fear me“ vonVeronica Salomon

mit einer Auszeichnung rechnen.

„Rumors“ vonNicole Aebersold

tritt in der Kategorie Alternative/Experimental

an. Vonder Hochschule

für Film und Fernsehen München

stammt Gisela Carabajal Rodríguez’

„Oroblanco“, der in der Dokfilmkategorie

nominiertist. (BLZ)

UNTERM

Strich

Fontane der Woche

Das Geheimnis

der Hummeln

VonFelix Latendorf

Am 15. September 1849 schickte Fontane

an Bernhard von Lepel −beide zu

diesem Zeitpunkt aktive Mitglieder im

„Tunnel über der Spree“ − sein Gedicht

„Bienen-Winkelried“ und bedachte es mit

diesen Zeilen: „Beifolgend wieder mal ein

Gedicht […]. Ich hab es mit großer Liebe

gearbeitet, was Du mindestens aus dem

Formellen ersehen wirst. Es ist kein politisches

Gedicht. Als solches gelesen verfehlt

es all und jede Wirkung. Bloßer Spaß.“

Die titelgebende Anspielung auf den

schweizerischen Legendenhelden Arnold

Winkelried samt weiteren antiken Heldengeschichten

lässt Fontanes Selbsteinschätzung

besonders im Nach-Revolutionsjahr kritisch

erscheinen. Auch Lepel zögerte diesbezüglich

mit seinem Urteil: „Mit der Bienenschlacht

bin ich noch nicht im Reinen. Fast

weiß ich nicht, würd’ ich es tadeln, wenn es

ein politisches Gedicht wäre, oder soll ich es

tadeln, dass es keins ist?!“

Fernab von anspielungsreichen Tiefen

und politischen Dimensionen des Gedichts

offenbart das „Bienen-Winkelried“ eine weitereBesonderheit,

fast schon eine Einzigartigkeit

im Werkkosmos Fontanes. Denn auf der

prosaischen Oberfläche des zwölf Strophen

umfassenden Gedichts wird von einer

Schlacht zwischen Bienen und Wespen gedichtet.

Als Sieger gehen die Bienen hervor,

was einem volkstümlichen Gedankengut folgend

legitim erscheint. Dafür musste sich jedoch

der Bienen-Winkelried aus ihren Reihen,

ganz nach der Legende,opfern.

Doch in Strophe sieben tritt eine dritte

Partei in die Schlacht ein –die Hummeln:

„Aber mit Waffen, schartig, /Hummeln und

BARBARA WREDE

andere mehr, /Fallen jetzt landsturmartig /

Über die Flüchtigen [Wespen] her“. Hierin

liegt die Einzigartigkeit!

Denn Fontanes Gebrauch des Wortes

Hummel tendiertinseinemWerkgegen Null.

Dortund hier erscheint in seinen Romanen,

Dichtungen oder Briefen eine Biene oder

Wespe –wie in Waldemars Worten zu Stine:

„Ich sehne mich danach, einen Bienenstock

ausschwärmen zu sehen.“ Aber dieHummel

wird ausgespart. Bewusst? Wieso Fontane

die Hummeln außen vorbehält, mochte nur

er beantworten. Umso spannender gestaltet

sich daher der Einsatz der Hummeln, also

größten Echten Bienen im Gedicht. Sie sind

es, die die flüchtigen Wespen verfolgen.

Nicht nur das. Auch den Trauerzug für den

gefallenen Winkelried führen sie an: „Vorne,

drei Hummelbrummer /Schritten ernst und

barsch, /Trommelten in Kummer /Ihren

Trauermarsch“.

Der Binnenreim erzeugt eine Überhöhung

der Hummel, stellt sie einmal mehr als

die stolzeste und stärkste Artder Bienen heraus.

Für die Geschichte, die Schlacht, die in

dem Gedicht verhandelt wird, fungiert das

Auftreten der Hummeln als Zeichen der unausweichlichen

Niederlage der Wespen. Und

zugleich erweist ihr Voranmarschieren beim

Trauermarsch dem gefallenen Bienen-Winkelried

die höchste Ehre.

Würde diese allegorische Spur verfolgt

und auf eine politische Ebene angehoben

werden, könnte gefragt werden, welche Partei,

welchen Staat, wen überhaupt Fontane

in der Rolle der Hummel gesehen und damit

glorifiziert hätte. Doch Fontane wollte das

Politische eben partout aus seinem Gedicht

wissen und keine Partei ergreifen, wie das

vorangestellte Motto belegt: „Nur kein Gegrübel.

/Was es sei; /Wohl oder übel –/Der

Scherzist frei.“


20 Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Feuilleton

Das hörbare Geschlecht

Bei der Frage, ob Mädchen im Knabenchor mitsingen dürfen, geht es weniger um Gerechtigkeit als um Kunstfreiheit. Zum Stand der Forschung

VonAnn-Christine Mecke

Es heißt doch Knabenchor,

oder? Es klang wie eine

Meldung aus dem „Postillon“:

Ein neunjähriges

Mädchen wollte sich in einen Knabenchor

einklagen und unterlag damit

vor dem Landgericht. Entsprechend

groß war die Häme,die sich in

den sozialen Netzwerken über die

Mutter ergoss, die als Rechtanwältin

ihre Tochter vertrat: „Welchen Teil

des WortsKnabenchor hat diese Helikoptermutter

im Genderwahn

nicht verstanden?“

DasOriginalinstrument

Handelt es sich also nur um ein Verständnisproblem?

So einfach ist es

nicht. Wer argumentiert, dass sich

Knaben- und Mädchenchöre nun

mal –wie der Name andeutet –im

Geschlecht ihrer Mitglieder unterschieden,

unterschlägt, dass es sich

auch jenseits dessen um grundverschiedene

Institutionen handelt:

Knabenchöre bestehen in der Regel

aus Jungen vor dem Stimmwechsel

in Sopran und Alt und aus Männern

(Begriffsanalytiker müsste das eigentlich

überraschen) in Tenor und

Bass. Für die Ausbildung der hohen

Stimmen bleibt wenig Zeit: Mit elf

sollte ein Sänger Konzertreife erreicht

haben, denn mit zwölf oder

dreizehn Jahren ist meistens Schluss

mit der hohen Stimme. Entsprechend

effizient und intensiv muss

die Ausbildung sein. Knabenchöre

sind besondere Klangkörper, weil

viel Musik für sie komponiertwurde;

sie sind das„Originalinstrument“ für

die geistliche Musik von Heinrich

Schütz oder Johann Sebastian Bach.

Ihr Repertoire ist oft durch solche

Musik geprägt, und das Repertoire

prägt wiederum den Klang.

Mädchenchörehingegen können

sich für die Ausbildung mehr Zeit

lassen. DieStimme der Sängerinnen

ändertsich zwar auch im Umfeld der

Pubertät, aber nicht so stark. Die

Sängerinnen der bedeutenden Mädchenchöre

sind oft schon 15 oder 17

Jahre alt, wenn sie in Konzerten auftreten,

die Elfjährigen befinden sich

noch in der Ausbildung. Männerstimmen

haben Mädchenchörenormalerweise

nicht zur Verfügung,

schon deshalb ergibt sich ein anderesRepertoire,

das eher vonRomantik

und Neuer Musik geprägt ist. Ja,

von Neuer Musik, weil es Mädchenchöre

und speziell für sie komponierte

Musik erst seit Mitte des 20.

Jahrhundertüberhaupt gibt.

Der Zugang zu Repertoire und

Ausbildungsstruktur der berühmten

Knabenchöre bleibt Mädchen also

„Auch und gerade, wenn wir den Klang von Knabenstimmen lieben, müssen wir neugieriger werden auf die Stimmen der Mädchen!“

prinzipiell verschlossen, und das hat

zunächst nichts mit Biologie, sondern

mit Geschichte und Tradition

zu tun. Zugegeben: Die Anzahl von

elfjährigen Mädchen, die untröstlich

sind, weil ihnen verwehrtwird, Bach

und Schütz im vierstimmigen Satz

zu singen, dürfte gering sein. Undfür

diese Mädchen ließen sich bestimmt

pragmatische Lösungen finden, die

sie glücklicher machten als ein Gerichtsverfahren.

Gläserne Decke

DieUnterschiede gehen jedoch weiter:Seit

Beginn der abendländischen

Musikgeschichte sind Knabenchöre

nicht nur Klangkörper, sondern

auch Ausbildungsinstitutionen einer

musikalischen Elite. Sie singen mit

den besten Orchesternund Dirigenten,

gehen weltweit auf Tournee und

füllen die Konzertsäle. Die Einnahmen

daraus helfen, den personalaufwendigen

Betrieb aufrechtzuerhalten.

Darüber hinaus erhalten die

großen Knabenchöre erhebliche öffentliche

Fördermittel; Thomanerchor

und Dresdner Kreuzchor beispielsweise

sind städtische Institutionen.

Das sind Privilegien, die die

Chörefür Sänger und Elternattraktiv

machen und zum Beispiel bei einem

späteren Musikstudium Vorteile verschaffen.

Prominente Mädchenchöre

mit ähnlichen finanziellen

Mitteln und Qualität gibt es mittlerweile

auch, aber es sind sehr wenige.

Mädchen singen mindestens genauso

gerne und gut wie Jungen,

schaffen es aber seltener an die

Spitze. Im beruflichen Bereich nennt

man so etwas die „Gläserne Decke“.

Mit den staatlichen Leistungen

hatte die Klägerin argumentiert, die

im an die Universität der Künste angegliederten

Staats- und Domchor

Berlin singen wollte: Mädchen seien

von der Teilhabe an diesen öffentlichen

Leistungen prinzipiell ausgeschlossen,

und das sei Diskriminierung.

Das Gericht kam jedoch zu

dem Schluss,dass die Kunstfreiheit –

die Freiheit des Chorleiters,die Stimmen

für den Chor auszuwählen –

hier höher zu bewerten sei als die

Gleichbehandlung der Geschlechter.

Mit Kunstfreiheit ist die Ablehnung

GETTY IMAGES/ADAM LONG

vonMädchen aber nur zu rechtfertigen,

wenn man den Unterschied

zwischen Knaben- und Mädchenstimmen

hören kann.

Kann man das überhaupt? Dasist

Gegenstand empirischer Untersuchungen.

Ein entsprechendes Experiment

habe ich vor einiger Zeit

selbst durchgeführt. Dazu haben wir

in der Arbeitsgruppe einerseits die

Stimmen von Mädchen und Jungen

aufgenommen, die gemeinsam im

Gesang ausgebildet werden, andererseits

Sänger eines berühmten

Knabenchors. Die Aufnahmen haben

wir zunächst physikalisch analysiert:

Welche Obertonbereiche sind

in der Stimme prominent? Wie viel

Atemhauch ist zu hören? Wie regelmäßig

schwingen die Stimmlippen?

Dann haben wir die Beispiele einer

Gruppe von Expertinnen vorgespielt,

die das Geschlecht der Kinder

erkennen sollten.

Zwei Ergebnisse dieses Versuchs

sind für die aktuelle Diskussion besonders

wichtig. Erstens: Die Expertenhörerinnen

konnten Jungen und

Mädchen am Klang auseinanderhalten.

Die Trefferquote lag bei 66 Prozent

und damit signifikant über der

Zufallswahrscheinlichkeit. Zweitens:

Bei der physikalischen Analyse unterschieden

sich die Jungen aus den

beiden Chören stärker voneinander

als Mädchen und Jungen aus demselben

Chor. Der Einfluss von

Stimmbildung, Klangidealen und

Auswahl der Mitwirkenden ist also

stärker als der des Geschlechts; Mädchen-

und Jungenstimmen sind unterschiedlich,

aber nicht fundamental

unterschiedlich.

Richtige Entscheidung

Rechtfertigt ein so feiner Unterschied

die Existenz von reinen Knaben-

und Mädchenchören? Ja, das

Gericht hat richtig entschieden,

denn in der Kunst geht es nun mal

um feine Unterschiede. ObMartha

Argerich am Klavier sitzt oder Yuja

Wang, ob die Rockgitarristin eine

Stratocaster oder Telecaster bearbeitet

und ob ein Bild vonDürer ist oder

nur aus seiner Werkstatt –das sind

Dinge,über die sich selbst Fachleute

mal irren können und die doch entscheidend

sind. Gerechtigkeit ist in

diesem Bereich weniger wichtig:

Niemand würde wohl fordern, dass

Martha Argerich nun oft genug mit

der Staatskapelle zu hören war und

wegen der Gleichbehandlung eine

anderePianistin zum Zuge kommen

sollte.

Gerade weil die Kunstfreiheit aber

einen so hohen Stellenwert hat,

müssen sich die Verantwortlichen

immer wieder prüfen, ob es in ihren

Entscheidungen wirklich nur um

Kunst geht. In der Theaterwelt werden

solche Verzerrungen seit einiger

Zeit diskutiert: An den großen Häusern

inszenieren vorrangig Männer,

obwohl es reichlich gute Regisseurinnen

gibt. Da liegt die Vermutung

nahe, dass nicht alle Entscheidungen

künstlerische waren, auch wenn

es den Beteiligten so schien.

Gleichwertige Mädchenchöre

Ähnliche Mechanismen könnten

auch bei den Konzertbuchungen

von Mädchen- und Knabenchören

wirksam sein. Gefragt sind hier nicht

nur Dirigentinnen und Intendanten,

sondern auch Menschen, die Konzertkarten

und CDs erwerben. Auch

und gerade,wenn wir den Klang von

Knabenstimmen lieben, müssen wir

neugieriger werden auf die Stimmen

der Mädchen! Und wir müssen ihnen

die gleichen Chancen bieten,

auch finanziell. In diesem Sinne

könnte der Prozess des Mädchens,

auch wenn es diesen verloren hat,

politische Wirksamkeit entfalten.

Der Staats- und Domchor Berlin

allerdings war in diesem Kampf der

falsche Gegner, denn er hat bereits

einen gleichwertigen Mädchenchor,

mit dem er zusammenarbeitet, auch

wenn hinter beiden Chören verschiedene

Institutionen stehen: Der

Mädchenchor der Sing-Akademie zu

Berlin bietet ebenfalls eine hervorragende

Ausbildung und steht musikalisch

nicht schlechter da als sein

Partnerchor –manche würden sogar

sagen: besser.

Dass die bedeutenden Mädchenchöre

der Stadt (auch der Berliner

Mädchenchor wäre hier zu nennen)

in der öffentlichen Diskussion dieses

Falls keine Rolle spielen, dass die

Mitwirkung in diesen hervorragenden

Ensembles wie ein Trostpreis

wirkt, ist das eigentlich Traurige. Es

unterstreicht, dass es wirklich um

mehr geht als um das Verständnis

des Worts„Knabenchor“.

Ann-Christine Mecke ist Operndramaturgin

und Musikwissenschaftlerin. Sie promovierte

überden Umgang mit dem Stimmwechsel in der

Musikgeschichte und forschtüber Klang und

Rezeptionvon Kinderstimmen.

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Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 21 *

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Feuilleton

Geöffnete

Tresore

und Siegel

In Paris gibt es jetzt ein

Museum für Wirtschaft

VonSabine Glaubitz

Im ehemaligen Banktresor sind

Ausschnitte aus dem Kurzfilm

„Die Bank“ mit Charlie Chaplin zu

sehen. Christian Champin zeigt„Djibrila“,

eine Kuh-Skulptur aus Metallabfällen,

mit der der Franzose auf

das Problem der Überproduktion in

der Welt hinweisen will. Paris besitzt

seit wenigen Wochen die Citéco, ein

Museum für Wirtschaft, in dem es

auch ein Café gibt. Ziel ist es, das

komplexe Weltwirtschaftsgeschehen

originell zu vermitteln.

Als erstes Wirtschaftsmuseum in

Europa wirdCitéco präsentiert−und

gefeiert. Viele befürchteten eine verstaubte

und langweilige Einrichtung.

DasGegenteil ist der Fall. Mehr

als 50 Videos und über 20 Videospiele,

Fotografien und Skulpturen

wie die meterhohe Plastik aus Hunderten

Federn, Perlen, Muscheln

und Münzen, die irgendwann und

irgendwo einmal als Zahlungsmittel

dienten, machen den Parcours interessant

und abwechslungsreich.

Das immer globaler werdende

Wirtschaftsgeschehen sei für einen

Großteil der Franzosen ein Buch mit

sieben Siegeln, erklärte Philippe Gineste,der

Direktor der Mitte Juni eröffneten

Einrichtung. Als Modell

diente der „Citéco“, der Cité de

l’économie et de la monnaie (etwa:

Stätte für Wirtschaft und Geld), das

Museo Interactivo deEconomía in

Mexiko-Stadt, das vor 13Jahren als

das weltweit erste multimediale und

interaktiveWirtschaftsmuseum galt.

Wie wird Wirtschaft begreifbar? Ein Museum

in Paris unternimmt den Versuch.DPA

Das Museum liegt im schicken

17. Arrondissement von Paris und

ist ein schönes Gebäude im Neorenaissance-Stil,

seit 1919 im Besitz

von Frankreichs Nationalbank.

Heute steht es unter Denkmalschutz,

weshalb trotz der umfangreichen

Umbauarbeiten vieles

noch daran erinnert, dass hier die

Bank bis 2006 ihre reichen Kunden

empfing, um Wertvolles in Verwahrung

zu nehmen. Dazu gehört der

Tresorsaal, hinter dessen schwerer

Panzertür im Untergeschoss sich

noch immer rund 110 Banktresore

befinden, nur werden dort keine

Goldbarren oder Wertpapieremehr

aufbewahrt. Gezeigt wird der Kurzfilm

„Die Bank“ von Charlie Chaplin

und wer will, kann eine eigene

Banknote entwerfen.

An Fantasievollem fehlt es im Museum

nicht. Durch einen nachgebildeten

Flughafenscanner werden Objekte

geschoben. Dabei wird deren

Zusammensetzung gezeigt, um die

Wege nachzuzeichnen, die heute

unsere Produkte zurücklegen. In einem

nachgebauten Konferenzsaal

werden Klimagipfel inszeniert, bei

denen die Besucher in die Rolle von

Staatsvertretern schlüpfen und miteinander

verhandeln.

Der Umbau hat offiziell mehr als

50 Millionen Euro gekostet, inoffiziell

ist von bis zu 100 Millionen die

Rede. Finanziert wurde das Projekt

von Frankreichs Nationalbank, die

heute Mitglied des Europäischen

Systems der Zentralbanken ist. Was

das genau bedeutet? Ein Besuch der

Citéco gibt Antwortdarauf. (dpa)

In der Neuköllner Oper wird die Komponistin Clara Schumann versiebenfacht.

Wieein Mann

Die Neuköllner Oper zeichnet ein dichtes und originelles Porträt Clara Schumanns

VonPeter Uehling

Sieben Clara Schumanns im

weißen Kleid und mit weißer

Haube über dem Mittelscheitel

sitzen im Blumenhag

und lächeln uns an. Geheimnisvoll

fasst dieses Tableau Vivant am

Beginn von „Casting Clara“ an der

Neuköllner Oper das Grauen des

Biedermeier zusammen. Nach Aufklärung,

Kant’scher Philosophie und

Französischer Revolution kehrten

mit der Restauration die Gespenster

wieder.Der Aufbruch wirdins Privatleben

verlagertund versackt im Spießertum;

was individuell beginnt, endet

in einem Leben von der Stange,

von dem der anderen kaum zu unterscheiden.

Niemand bringt Friedrich

Wieck vondem Plan ab,aus seinem

ersten Kind einen Klaviervirtuosen

zu machen. Aber als ihm der

als „träge“ diffamierte Robert

Schumann die hochtrainierte Tochter

ausspannt, beklagt er nicht zuletzt,

dass er die finanziellen Früchte

seines Ehrgeizes nicht ernten kann.

Das Eingeklemmtsein zwischen

Vater und Gatte und die selbstverständliche

Ausrichtung an den jeweiligen

Rollenerwartungen macht

Clara zur Fallstudie dessen, was der

„Emanzipation“ um 1840 noch zu

tun blieb. Sie war sehr jung, als all

das an ihr geschah, schwer zu sagen,

wie sie selbst es erlebte, dass ihr das

eigene Leben entwunden wurde.

„Casting Clara“ aber,geschrieben

von Cordula Däuper, Johannes Müller

und Tobias Schwencke, zeigt es

mit so schmerzhafter wie komischer

Drastik. Die sieben wunderbaren

Sängerinnen auf der Bühne teilen

sich den Vortrag von zeitgenössischen

Berichten, Briefen, Tagebuchaufzeichnungen

und essayistischen

Erklärungen.

VomVater zur Komposition eigener

Virtuosenliteratur angehalten,

sieht sich Claraöffentlich vonprinzipieller

Skepsis verhöhnt: Frauen

seien nicht zur Abstraktion und damit

auch nicht schöpferischen Arbeit

aus dem Inneren heraus fähig.

Wenn Kritiker wohlwollen, dann

schreiben sie, Clara komponiere

„wie ein Mann“ –nicht gut, fantasievoll

oder kunstfertig, sondern „wie

ein Mann“. Es gibt wenig Musik von

Clara zuhören, größtenteils stammt

das Material, das Tobias Schwencke

für die sieben Sängerinnen und ein

Ensemble aus Oboe, Bratsche, Akkordeon,

Schlagzeug und Klavier arrangiert

hat, von Robert –auch das

verdeutlicht die künstlerische Enteignung

der Frau durch den Mann,

zumal in diesen teils übertrieben

schönen, teils abgründig verfremdeten

und stockenden Bearbeitungen.

Roberterscheint hier als raffinierter

Taktierer,der nach Jahren leidenschaftlichen

Schmachtens seine

Frau immer weiter aus der Kunstausübung

drängt: Erst mit Schmeicheleien

–eine Frau sei mehr als eine

Künstlerin. Dann mit dem Verbot zu

üben, während er komponiert–und

das tut er ständig. Schließlich indem

er sie Jahr um Jahr, insgesamt neunmal

schwängert: In einer fast unerträglichen

Szene sitzen die Claras

beim Kartoffelschälen, das sie immer

wieder für Gebärpantomime

samt Schmerzensschreien unterbrechen.

Dazu plaudern sie die ganze

Widersprüchlichkeit dieser Existenz

aus.Claraleidet unter dem Familienleben,

fühlt sich trotzdem verantwortlich,

Robertmit guter Laune aus

seinen Depressionen zu ziehen, und

versucht sich einzureden, was insgesamt

sieben überlebende Kinder für

ein unfassbares Glück sind.

Es sind die unheimlichsten Passagen

dieses Abends,wenn Clarawider

besseres Wissen und wie dressiert

Roberts Ehe-Idealismus wiederholt

Wastut der Bund hier?

und zur Phrase übertreibt. Dass sie

dennoch ihre Einwände artikulieren

kann, hat ihr vielleicht die geistige

Gesundheit bewahrt, während Robertvor

denVerhältnissen, die er selber

installiert hat und dennoch immer

entfremdeter erlebt, nur noch in

den Selbstmordversuch und den Irrsinn

fliehen konnte. Sie hat ihn 40

Jahreüberlebt, alsVirtuosin begleitet

von ihren Kindern, von denen sie

drei begraben und eines in die Irrenanstalt

bringen musste.

Ist das ein exemplarischer Lebenslauf

für Künstlerinnen heute?

Wenn die Handys der Sängerinnen

zwischendurch klingeln, weil sie mit

ihren Partnernund Kindernverhandeln

müssen, wenn sie sich darüber

unterhalten, wie heute eine künstlerische

Existenz am Rande des wirtschaftlichen

Minimums zu führen ist

–dann ist das lustig, aber auch ein

bisschen aufgesetzt. Weil dem Blick

ins Heute die individuell psychologische

Bestimmtheit abgeht, bleibt er

unscharfund reichlich allgemein im

Vergleich mit diesem sensiblen,

dichten und originellen Porträt der

ClaraSchumann.

CastingClara 22.−24.8., 28.8.−1.9., jeweils

20Uhr,Neuköllner Oper,Tel.:68890777

Ein offener Brief von Künstlern zur Wiedererrichtung der Potsdamer Garnisonkirche geht am Thema vorbei

VonNikolaus Bernau

Imheutigen Deutschland hat sich

Pazifismus als gesellschaftliche

Norm durchgesetzt. Auch deswegen

treffen diejenigen, die sich gegen

den Nachbau des Turmsder Potsdamer

Garnisonkirche wenden, immer

wieder auf durchaus positive Resonanz.

Zumal diese auch noch der Ort

ist, an dem am 31. Mai1933 die konservative

und monarchistische Elite

des Deutschen Reichs dem Diktator

Adolf Hitler huldigte.

Historische Ungenauigkeiten

setzbaren Beisatz degradiert. Karl

Ludwig Friedrich von Hinckeldey

war sicher ein Erzkonservativer, der

aber auch auf dem gleichen Recht

für Alle bestand. Der Satz „Suum

Quique“ –„Jedem nach seinem Verdienst“

−war das Motto des 1701 gestifteten

preußischen Schwarzen

Adlerordens, einer nur für eigene

Leistungen im Dienst der Gesellschaft

vergebenen Auszeichnung.

DieNazis übersetzten ihn gezielt unkorrekt

mit „Jedem das Seine“ an der

Innenseite des Tores zum KZ Buchenwald.

Preußen ist nicht Deutschland

Vorallem aber wird wieder einmal

die Kernfrage umgangen: Wieso eigentlich

ist der Bund beteiligt an

dem Projekt, derzeit mit mindestens

zwölf Millionen Euro?Das Argument

des Bundes ist:Weil hier an nationale

Geschichte erinnert wird und der

Frieden im Zentrum des Programms

PHILIPP PLUM

Auch der jüngste offene Brief von

Künstlern, Historikernund Architekten

im weiteren Umkreis des rürigen

einstigen Bauhaus-Direktors Philipp

Oswalt fordert deswegen ein „Umdenken“

bei dem Projekt. Gefordert

wird der Abriss des 1991 gestifteten

Glockenspiels mit „revisionistischen,

rechtsradikalen und militaristischen

Widmungen“, beim Nachbau

des Turmssoll der einstige barocke

Schmuck mit Waffen und Rüstungen

entfallen, ins Kuratorium des

Beirats sollten auch „Vertreter von

Menschenrechtsorganisationen“

aufgenommen werden.

So weit, so gut. Aber schnell ärgert

man sich über Ungenauigkeiten und

den moralisierenden Ausschluss aller

Schattierungen: Das Motto „Kein

Unglück Ewigk“ auf einer der Glockeninschriften

verwandten nicht

die „Schlesischen Truppen“, es ist

ein Teil des Mottos des 3. ostpreußischen

Infanterie-Regiments Friedrich

der Große. Der Segen für die

Kriege Preußens und Deutschlands

bis hin zu den Völkermorden in

China und Afrika wurde in so ziemlich

allen deutschen Kirchen verkündet.

Dassoüberaus wichtige antikoloniale

Argument wird hier, nur um

den Nachbau der Garnisonkirche zu

delegitimieren, zum beliebig einstehen

soll. Auch die Briefschreiber

behaupten, wenn auch aus negativer

Perspektive, eine nationale Bedeutung

des Projekts. Und damit laufen

beide letztlich voll in die Arme derjenigen

Deutschnationalen, die eine

historische Identität von Preußen

und Deutschland behaupten. Doch

die gab es eben meistens nicht, noch

1866 hat Preußen gegen den Deutschen

Bund Krieg geführt.

Die Stadt Potsdam will ihre Silhouette

mit dem Turm vervollständigen,

Brandenburg sich als Klein-

Preußen inszenieren, die Evangelische

Landeskirche einen weiteren

Ortfür die Friedensbitte haben. Sei

es drum. Aber warum sollen heute

Bürger Badens, Hannovers, Hessens

oder Sachsens, deren Vorfahren

unter der preußischen Armee

sehr gelitten haben, für die Nacherrichtung

eines Kirchturms mit bezahlen,

der einst zur Feier dieser

Kriege gebaut wurde?

NACHRICHTEN

Früherer WDR-Chefdirigent

Helmuth Froschauer tot

Derehemalige Chefdirigent des

WDR Rundfunkorchesters,Helmuth

Froschauer,ist tot. Derösterreichische

Chorspezialist sei am Sonntag

im Alter von85Jahren gestorben, bestätigten

dieWiener Philharmoniker.

Auch der WDR berichtete über den

Todseines Ehrendirigenten. Froschauer

begann seine Karriereinden

50er-Jahren als Kapellmeister der

Wiener Sängerknaben. In seiner weiteren

Laufbahn arbeitete er unter

anderem als Chorleiter der Wiener

Staatsoper sowie der Salzburger

Festspiele unter Herbertvon Karajan.

Im Jahr 1992 wurde er Direktor

des Kölner Rundfunkchors.Fünf

Jahrespäter übernahm er auch als

Chefdirigent das WDR-Rundfunkorchester,das

er bis 2003 leitete. (dpa)

Blitz trifft FAZ-Druckerei:

E-Paper freigeschaltet

Nach einem Blitzeinschlag bei der

Druckerei der Frankfurter Allgemeinen

Zeitung (FAZ) hat das Blatt seine

digitale Ausgabe am Montag komplett

freigeschaltet. DasLesen war

ohne Login möglich, wie faz.net

nach dem Unwetterschaden am

Sonntagabend berichtete.Teile der

Produktion waren zuvor lahmgelegt

worden. DerBlitzeinschlag beschädigte

zudem Druckmaschinen. Tausende

vonHaushalten im Rhein-

Main-Gebiet bekamen am Montag

keine gedruckte Tageszeitung. (dpa)

Osteuropäische Medien für

Unabhängigkeit gewürdigt

Für ihren Einsatz für die Pressefreiheit

werden an vier osteuropäische

Medien und einen Journalisten

75 000 Euro ausgelobt. Sieerhalten

vonder Zeit-Stiftung und der norwegischen

Fritt-Ord-Stiftung die Free

Media Awards,wie die Stiftungen

mitteilten. DieAuszeichnungen gehen

an die regionale Onlineplattform7x7

aus dem Nordosten Russlands,die

unabhängige russische

MedienplattformThe Insider,Civil-

NetinArmenien, die ukrainische

Wochenzeitschrift NovoyeVremya

und den aserbaidschanischen Journalisten

Hafiz Babali. (dpa)

RTL II schneidet Szenen nach

Todvon Darstellerheraus

Nach dem tödlichen Autounfall des

Schauspielers Ingo Kantorek hat der

Sender RTLIIaus Respekt vordem

Toten bestimmte Szenen aus dessen

Vorabendserie „Köln 50667“ herausgeschnitten.

Dabei geht es um ein illegales

Autorennen, das eine andere

Serienfigur fahren will. Laut Drehbuch

wärezuAnfang dieser Woche

ein Autounfall ausgestrahlt worden,

erläuterte ein RTL-II-Sprecher am

Montag in München. „Dies ist ein

unglücklicher und trauriger Zufall.

Hier haben wir sofortgehandelt und

entschieden, den gedrehten Unfall

(...) aus Pietätsgründen (...) nicht zu

zeigen.“ Kantorek (44) und seine 48

Jahrealte Frau waren am Freitagmorgen

auf der A8 tödlich verunglückt.

(dpa)

TOP 10

Sonntag,18. August

1 Tatort ARD 8,57 27 %

2 Tagesschau ARD 6,71 24 %

3 heute-journal ZDF 4,02 14 %

4 heute ZDF 3,47 16 %

5 Terra X ZDF 3,21 12 %

6 Ella Schön ZDF 3,10 9%

7 Julia Leischik sucht Sat.1 3,01 13 %

8 Die letzte Spur ARD 3,00 12 %

9 DFB-Pokal, Ausl. ARD 2,98 16 %

10 RTL aktuell RTL 2,82 13 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(✆ 54 90 51 92)19.30: Romeo &Juliet (Gastspiel

Asterions Hus (Kopenhagen)

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

20.30: Hoftheater:Penthesilea, Medea und der Mann

in der Badewanne

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Zuhause bin ich Darling

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

20.00 Container:Herzstück

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Im Weißen Rössl

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Schatten (Eurydikesagt)

Shakespeare CompanyBerlin (✆ 21 75 30 35)

20.00: Der Kaufmann vonVenedig!

Theater an der Museumsinsel (✆ 47 01 89 49)

18.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

20.00: Die Vögel

KABARETT/VARIETÉ

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: FlotterDreier(ArchieClapp, Peter Löhmann

&Tim Becker)

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Zirkus Angela

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Der Spielekönig (Improtheater Paternoster)

Kulturbrauerei/Soda (✆ 44 31 51 55)

18.00, 20.00 Salon: close-up-club: Zauberkunst,

erstaunlich, anders. Anm. erf.

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Cabaret –Das Berlin-Musical

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Früher war ich älter (Horst Evers)

KLASSIK

Bode-Museum (✆ 266 42 42 42)

16.00 Gobelinsaal: Haydnquartett Berlin, Berliner

Klassiktage–Italienische Quartette, Wolfgang

Amadeus Mozart: Streichquartett „Lodi-Quartett“; Giacchino

Rossini: Streichquartett Nr.2A-Dur;Gaetano

Donizetti: Quartett Nr.3c-Moll; Giacomo Puccini:

„Chrisanthemi“, 3Menuette; Niccolo Paganini:

Streichquartett Nr.3f-Moll

Erlöserkirche Tiergarten (✆ 399 46 23)

18.30: Sommerliche Orgelmusik mit Kantor*innen

der Gemeinde

Französische Friedrichstadtkirche

(✆ 20 64 99 22) 15.00: Christoph Ostendorf,

30 Minuten Orgelmusik, Orgelmusik verschiedener

Komponisten

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (✆ 218 50 23)

20.00: The Berlin Orchestra, Semion Gurevitch

(Violine),Sara Gouzy (Sopran), Giorgos Fragos (Orgel),

Classic Spectacular,Vivaldi: Die Vier Jahreszeiten –

Frühling &Sommer;Mozart: Requiem, Lacrimosa,

Divertimento; Bach:Toccata &Fugeind-Moll, Air On

The G-String; Schubert: AveMaria; Händel: Largoaus

„Xerxes“; Beethoven: Symphonie Nr.5–Allegro con brio

Samariterkirche Friedrichshain (✆ 426 77 75)

19.00: Peter Schnur,Orgelsommer,Orgelmusik von

Nicolas de Grigny, César Franck, Théodore Dubois,

Charles Marie Widor und Louis Vierne

KINDER

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Laura war hier (ab 5J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902776163)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Klax-Kinderkunstgalerie (✆ 34 74 53 46)

14.00: Das ist ein Gewächshaus, Buchkinder Leipzig

e.V., Kinderkunst

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00: 1, 2, 3, Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (ab 3bis

11 J.)

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Zweigelfen undAsttrolle

14.00: Wildnis im Glas

MärkischesMuseum (✆ 308 66 -0)

10.00: Vielfalt-Forscher des Labyrinth Kindermuseums

Berlin, Wasist Vielfalt? Wo ist Vielfalt?

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Die Zertrennlichen(ab 9bis 13 J.)

LITERATUR/VORTRAG

exploratorium berlin (✆ 84 72 10 52)

18.00: Lesezirkel Improvisationsliteratur,Lesung und

Diskussionmit Reinhard Gagel. Anm. erf.

Festsaal Kreuzberg (✆ 551 50 65 87)

20.00 Saal: Eure Heimat ist unser Albtraum, Fatma

Aydemir,Simone Dede Ayivi, OlgaGrjasnowa, Enrico

Ippolito, Sharon Dodua Otoo u. a.

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Hausgäste August 2019, Ivona Brdjanovic,

Márton Simon, Tabea Steiner,Lesung und Gespräch

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: LSD–Liebe Statt Drogen

FÜHRUNG

Bode-Museum (✆ 266 42 42 42)

14.30: AugenblickeimMuseum (Führung für Alzheimer-Patienten),

Treff: Große Kuppel. Anm. erf.

Bärentouren (✆ 46 06 37 88)

14.00: Architekturführung zu den berühmtesten Bauten

Preußens und Berlins: Die Hohenzollernund ihre

Baumeister,Treff: Granitschale, Lustgarten. Anm. erf.

14.00: The Most Famous Historical BuildingsofBerlin:

Architecture Tour to the Prussian kings and their architects,

meeting point: ‚Granitschale’ (big stone bowl),

Lustgarten, Führung in engl. Spr.. Anm. erf.

16.00: The Berlin Wall Tour:Along the most famous wall

monuments, Meeting point: Guard House, „Checkpoint

Charlie“, Friedrichstr., Führung in engl. Spr.. Anm.erf.

16.00: Geschichte der Berliner Mauer –Ab„Checkpoint

Charlie“ entlang der bekanntesten Mauerrelikte,

Treff: Wachhäuschen „Checkpoint Charlie“, Friedrichstr..

Anm. erf.

20.00: Kriminaltour:Verbrechen, Gerichtsfälle und

Richtstätten im alten Berlin, Treff: Heiliggeistkapelle,

SpandauerStr.1.Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf den Spuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm.erf.

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

11.00, 12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –

Die Ausstellung am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Gedenkstätte Berliner Mauer –Besucherzentrum

(Bernauer Str.119) 11.30: Die Berliner Mauer vom

Wasser aus, Treff: Anleger Berliner Dom (11.30, 14.30

Uhr); Anleger East Side Gallery(12.00Uhr)

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (✆ 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in der Kunst, Treff: Foyer

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

13.00: Führung durch das Konzerthaus Berlin, in

deutscher undenglischer Sprache

Buchpremiere

Aus allen

Stillen

der Welt

Umdrei Frauen geht es in

diesem Romandebüt, um

drei Generationen, um Großmutter,Mutter,Kind

–eine Triade,

die es seit je her in sich

hat. Wiedas Leben der Autorin

Saskia Luka, die in Berlin und

auf der dalmatinischen Insel

Brac lebt, so spielt auch „Tag

für Tag“ (Kein &Aber) zwischen

Deutschland und Kroatien.

Saskia Luka schreibt

kenntnisreich über Wurzeln,

Nationalität, Familie, verlassene

Dörfer, den Jugoslawienkrieg.

Die toten Männer der

Familie bestimmen über das

Geschehen mindestens genauso

wie die lebenden

Frauen.„Diese Stille war es,die

Maria immer als Erstes wiedererkannte.

Und die sie aus

allen Stillen der Welt erkennen

würde.“ DieGlashalle auf dem

Kreuzberger Friedhof passt gut

für die Vorstellung dieses

Buchs. Susanne Lenz

Tagfür Tag–Premierenlesung mit

Saskia Luka 17.30-19.30 Uhr,Friedrichswerderscher

FriedhofII, Glashalle,

Bergmannstraße42–44

Grün wie ein Hügel in Bayreuth sind sie schon mal: Die RambaZamba-Band 21 Downbeat und Jens Friebe spielen Wagner beim Pop-Ku

Die Geste wirkt so schlagend,

dass man nostalgisch

werden könnte.

Zum diesjährigen Pop-

Kultur-Festival des senatsbetriebenen

Music Boards wird es eine Wagner-Aufführung

geben, den Ring,

komplett, in einer Stunde.Eshandelt

sich um eine Gemeinschaftsarbeit

des Singer-Songwriters Jens Friebe

mit dem RambaZamba-Theater und

dessen Band 21 Downbeat, in der

Menschen mit und ohne Behinderung

spielen und singen. Viel schöner

kann man die Selbstermächtigungsstrategie

von Pop kaum auf

den Punkt bringen: Das symbolisch

aufgeladene Gesamtkunstwerk, zu

dessen Bayreuther Aufführungen

noch immer die sogenannten Eliten

tingeln wie zum Thing der Germanen,

vonPop-Gauklernund anderen

Minderheiten dargeboten, die vier

Teile von ursprünglich 20 Stunden

auf polemische 60 Minuten eingedampft.

Das ist zweifellos ein Höhepunkt

der dreitägigen Veranstaltung,

die in ihrem fünften Jahr unter dem

Titel „Space“ die diskursiven Pop-

Räume noch weiter öffnen und bevölkernwill.

Markus Schneider

empfiehlt, die verschlungenen Pfade

des Pop-Kultur-Festivals zwischen

Wagner und Südafrika, Gender,Migration

und Ostdeutschland. Embedded:

die große Anna Calvi. Außerdem,

anderswo,die zähen Altpunks

Flipper.

MitBlick auf ein paar wenige größere

Namen –Anna Calvi, Shabazz

Palaces, die Goldenen Zitronen z. B.

– wird sich sicher wieder jemand

melden, der dem mit über einer Million

Euro von Stadt-, Bund- und der

EU geförderten Festival Wettbewerbsverzerrung

und Standortpolitik

vorwirft. Mirist das nicht so wichtig.

DieNamen kommen ohne einen

üblichen Touranlass und gehen sowieso

im Gewimmel unter.Mit ihren

jeweils queeren, afrofuturistischen

und heimatkritischen Programmen

fügen sie sich gut und fast beiläufig

ins Programm.

Dieses wiederum nutzt die Förderung

zur Diskursausrichtung. Die

Frauenquote liegt über 50 Prozent,

und der Fokus richtet sich einerseits

auf einheimische Popacts, andererseits

auf Künstler aus weniger zentralen

Welteligionen. In diesem Jahr

haben sich die Kuratoren Martin

Hossbach und Christian Morindazu

vorallem in Osteuropaumgeschaut,

es gibt zudem Talente aus dem globalen

Süden, wie den südafrikanischen

HipHopper ByLwansta, einer

von zehn Residenzstipendiaten des

Goethe-Insituts.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Und wer nimmt

den Hund? 14.30; Once Upon aTime in... Hollywood

16.30, 20.00

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Leid und Herrlichkeit

14.50, 17.30; Premiere: Polizeiruf 110 –Heimatliebe

20.15

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Once Upon a

Time in...Hollywood 16.30,20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Once Upon aTime

in... Hollywood (OF) 13.30, 16.50, 20.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 17.30, 21.00;

Und wer nimmt den Hund? 13.20, 15.30, 17.45,

20.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

14.00, 16.30, 19.00, 21.30; Ich war zuhause,

aber... 14.00, 16.30, 19.00, 21.30; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando –Toy Story IV (OF)

13.40, 16.00,18.20, 20.40; Cleo 14.15, 16.30; Es

gilt das gesprochene Wort 18.45; Yesterday (OmU)

21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Und wer nimmt den

Hund? 18.00, 20.15; Der unverhoffte Charme des

Geldes –Lachute del‘empire americain (OmU)

17.30; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die

Charts 20.00

Kant Kino (✆ 319 9866) AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 13.45, 16.00, 18.15, 20.30;

Photograph –Ein Foto verändertihr Lebenfür immer

15.30, 17.30, 20.30; Leid und Herrlichkeit 18.00;

Nur eine Frau 14.00; Yesterday 16.00, 21.00;

Fisherman‘s Friends – Vom Kutter in die Charts

18.30; Benjamin Blümchen 15.30; Der unverhoffte

Charme des Geldes 20.00; Leberkäsjunkie 15.30,

17.45,20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 17.00, 20.30; 3D: Der König

der Löwen14.30; 3D:AToy Story:Alleshörtauf kein

Kommando 17.15; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

19.40; Once Upon aTime in... Hollywood 22.45;

Pets II 14.20; 3D: Der König der Löwen 16.45;

Once Upon aTime in... Hollywood (OF) 19.30; 3D:

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 23.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 14.00; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 17.20, 22.50; 3D: AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 20.20; Die

drei !!! 14.50; Spider-Man: Far From Home 17.20;

3D: Der König der Löwen 20.15, 23.00; Der König

der Löwen 15.00, 17.45; Und wer nimmt den

Hund? 20.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 22.45; Traumfabrik15.10;Und wer nimmt den

Hund? 18.00; Yesterday 20.20; John Wick: Kapitel

III 23.00

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Der unverhoffte

Charme des Geldes 11.00; Fuck Fame –Die Geschichte

von Elektropop-Ikone Uffie (OmU) 13.00;

Electric Girl 14.30; Benjamin Blümchen 16.00;

Unsere große kleine Farm –The Biggest Little Farm

(OmU) 17.30; Free Solo 19.00;The Dead Don‘t Die

(OmU) 20.45; Burning –Beoning (OmU) 22.30;

Cleo (OmenglU) 11.00; Nur eine Frau 12.45; Ray

&Liz (OmU) 14.15; Eine moralische Entscheidung

–Bedoone tarikh, bedoone emza (OmU) 16.15;

Made in China (OmU) 18.00; Berlin, ILove You

(OmU) 19.30; Rocketman (OmU) 21.40; Der Goldene

Handschuh 11.00; Sunset–Napszallta (OmU)

12.45;Yoga: Die Kraft des Lebens –Debout (OmU)

15.15; Pets II 16.45; Yesterday 18.15; Leid und

Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 20.15; Spider-

Man: Far From Home (OF) 22.15

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Kroos 16.00;

Yesterday (OmU) 18.15; Ich war zuhause, aber...

20.30; Rocketman (OmU) 22.30; Yoga: Die Kraft

des Lebens –Debout (OmU) 16.00; Erde (OmU)

17.45; Lord ofthe Toys 20.00; Free Solo (OmU)

21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Traumfabrik 13.50;

Spider-Man: Far From Home 14.00, 17.00, 20.00;

Apollo 11 (OmU) 14.00; 3D: AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.00, 16.30, 19.30;

Pets II 14.15, 17.20; Der König der Löwen 14.15,

16.45, 19.30; Aladdin 14.30, 17.30; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.30, 17.00,

20.00; Fisherman‘s Friends – Vom Kutter in die

Charts 14.45; Fast & Furious: Hobbs & Shaw

14.45, 17.15, 20.30; Benjamin Blümchen 15.00;

Yesterday 15.15, 18.20; Once Upon aTime in...

Hollywood 15.15, 16.30, 19.00, 20.15; Die drei

!!! 15.20; Kroos 16.50; 3D: Der König der Löwen

17.30, 21.15; Und wer nimmt den Hund? 17.45;

X-Men: Dark Phoenix 18.00; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw (OF) 19.45; Annabelle III 19.45; 3D: Der

König der Löwen –The Lion King (OF) 20.20; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 20.30; Berlin, I

Love You 20.30; Anna 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Rocketman

(OmU) 18.00; Yesterday (OmU) 20.15; The Dead

Don‘t Die (OmU) 22.30; Cleo (OmenglU) 18.00;

Das melancholische Mädchen 20.00; Acid (OmU)

21.45

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/7030200) Pets II 13.20; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw13.45, 17.00, 20.00; Der

König der Löwen 13.45, 17.15, 19.40;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00,

16.45, 19.40; 3D: Der König der Löwen 14.15,

16.45,20.15; Benjamin Blümchen 14.15; Die drei

!!!14.30; Once Upon aTime in... Hollywood 15.45,

16.30, 19.30, 20.10; Spider-Man: Far From Home

17.00,20.00

Kino Kiste (✆ 998 7481) Fisherman‘s Friends –

Vom Kutter in die Charts 14.00; Pets II 16.05; The

Dead Don‘t Die 18.00; So wie du mich willst 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 14.15, 17.10, 20.00; Once

Upon aTime in... Hollywood 14.20, 17.00, 19.50;

3D: Der König der Löwen 14.30,17.20, 20.00; 3D:

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.30;

Benjamin Blümchen 14.40, 17.25; Pets II 14.45,

17.40; Der König der Löwen 14.50, 16.45, 17.50,

20.20; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.00, 17.30, 19.30; Die drei !!! 15.10; Spider-

Man: Far From Home 16.50, 20.10; Anna 19.40;

Yesterday 19.45; Annabelle III 20.30

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 15.30, 19.00, 22.30; B Es

gilt das gesprochene Wort 16.30; Yesterday (OmU)

19.00;The Dead Don‘t Die (OmU) 21.30

fskamOranienplatz (✆ 6142464) Ichwar zuhause,

aber... 17.45, 20.00; Der unverhoffte Charme

des Geldes –Lachute del‘empire americain (OmU)

18.00;Acid –Kislota (OmU) 20.30

Moviemento (✆ 692 47 85) Cleo 13.00; Pets

II 15.15; Fisherman‘s Friends – Vom Kutter in

die Charts (OmU) 17.15; SAZ –The Key ofTrust

(OmenglU; m.Gast) 20.00; Tel Aviv OnFire (OmU)

22.45; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

11.00,14.15, 17.30, 20.45; Pets II 10.00; Checker

Tobi und das Geheimnis unseres Planeten 12.45;

Benjamin Blümchen 14.45; Vox Lux (OF) 17.00;

Acid –Kislota (OmU) 19.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 21.45

Sputnik (✆ 694 11 47) Unsere große kleine Farm

–The Biggest Little Farm (OmU) 16.30; Tel Aviv

On Fire 18.15; Cleo (OmenglU) 20.00; Burning –

Beoning (OmU) 21.45; My Days of Mercy (OmU)

16.30; Geheimnis eines Lebens –Red Joan 18.15;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

(OmU) 20.00; Rocketman (OmU) 22.00; Kinobar

im Sputnik Berlin Bouncer 21.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Once Upon aTime in...

Hollywood 16.30, 20.00; New Und wer nimmt den

Hund? 16.10, 18.20; Leid und Herrlichkeit 20.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Die drei !!! 14.15;

Der König der Löwen 14.45, 17.15, 20.00; Benjamin

Blümchen 15.00; Pets II 15.15; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 15.15, 17.30, 20.15;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.30, 19.45;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 17.15, 20.15; Berlin,

ILove You 17.30; Fisherman‘s Friends –Vom

Kutter in die Charts 20.00

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Fisherman‘s

Friends –Vom Kutter in die Charts 13.15, 18.00;

Die drei !!! 13.15; Yesterday 14.00; 3D: Spider-

Man: Far From Home 15.30; So wie du mich willst

15.45; Once Upon aTime in... Hollywood 16.45,

20.00; Und wer nimmt den Hund? 18.00, 20.00;

Photograph –Ein Fotoverändertihr Lebenfür immer

20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Once

Upon aTime in... Hollywood 14.00, 16.30, 20.00;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 14.00, 16.45,

19.45; Der König der Löwen 14.00, 16.55; 3D: A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00;

Pets II 14.15, 17.15; Benjamin Blümchen 14.30,

17.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30, 17.00, 20.15; Die drei !!! 14.45; 3D: Der

König der Löwen 16.45, 19.45; Spider-Man: Far

From Home 17.10; 3D: Spider-Man:Far From Home

19.45; Yesterday 19.55; Annabelle III20.00; Sneak

Preview 20.30

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mirai: Das Mädchen aus

der Zukunft 17.00; Cleo (OmenglU) 18.45; All My

Loving – Eine Geschichte von drei Geschwistern

(OmenglU) 20.45; Die Wiese –Ein Paradies nebenan

18.00;Nur eineFrau (OmenglU) 19.45;Face_It!

–Das Gesicht im Zeitalter des Digitalismus (OmU)

21.45

Babylon (✆ 242 59 69) Woodstock 50!: The Beatles:

Eight Days aWeek –The Touring Years (OmU)

17.30; Axel, der Held 17.30; Woodstock 50!: Hair

(OF) 17.45; Woodstock 50!: The Doors (OmU)

19.30; Woodstock 50!: Alice‘s Restaurant (OF)

19.30; Woodstock 50!: Easy Rider (OF) 20.00;

Woodstock 50!: Janis: Little Girl Blue (OF) 21.45;

Woodstock 50!:Forrest Gump (OmU) 22.00; Woodstock

50!: The Doors: When You‘re Strange (OmU)

22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Yesterday

(OmU) 10.30, 12.45, 15.00, 17.15, 19.45,

22.15; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

12.30; Pets II14.30; Rocketman (OmU) 16.15,

21.30; Fisherman‘s Friends (OmU) 19.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 0200) Pets II

11.00, 17.10; Fast & Furious: Hobbs & Shaw

11.00, 14.10, 16.40, 20.00, 23.00; Der König

der Löwen 11.00, 13.50, 16.15, 19.10; Benjamin

Blümchen 11.15, 14.40; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 11.20, 14.00, 16.45, 20.00,

22.40; 3D: Aladdin 12.00; 3D: AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 12.10, 14.45, 17.20; 3D:

Pets II 12.20; Once Upon aTime in... Hollywood

13.10, 16.40, 19.20, 20.20, 22.15; Die drei !!!

13.40; 3D: Der König der Löwen 15.00, 17.50,

20.20, 23.15; Drei Schritte zu Dir 17.00; Spider-

Man: Far From Home 17.20, 19.40; Yesterday

19.50;3D: Avengers:Endgame 20.45; AnnabelleIII

22.45;Anna 22.50; Killerman 23.10

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Berlin Babylon

(Omdt+englU) 15.00; Ich war zuhause, aber...

(OmenglU) 17.00, 19.15; Mid90s (OmU) 21.30;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 14.45,

18.00, 21.15; Burning –Beoning (OmU) 14.15;

Der unverhoffte Charme des Geldes – La chute

de l‘empire americain (OmU) 17.15; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 20.00; Es gilt das

gesprochene Wort (OmU) 14.30, 21.30; So wie du

mich willst –Celle que vous croyez (OmU) 17.00,

19.15; The Dead Don‘t Die (OmU) 14.45, 22.00;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 17.00,

19.30

International (✆ 24 75 60 11) Once Upon aTime

in...Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) H.M. Pulham,Esq.

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando –Toy

Story IV (OF) 14.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.00, 16.45, 19.50; Die drei

!!! 14.05; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 14.10,

16.30, 19.45; 3D: Der König der Löwen 14.15,

17.00, 20.00; Spider-Man: Far From Home 14.20,

16.50; Pets II14.30, 17.30; 3D: AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.30, 17.15; Der

König der Löwen 14.40, 17.15, 19.40; Once Upon

aTime in... Hollywood 16.35, 19.30, 20.30; Aladdin

17.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OF)

20.00; Der König der Löwen –The Lion King (OF)

20.10;Annabelle III 20.15

IL KINO (✆ 91 70 29 19)Apollo 11 (OmU) 10.00,

17.50; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

11.50, 15.45, 19.30; Unsere große kleine Farm –

The Biggest Little Farm (OmU) 14.00; So wie du

mich willst –Celle que vous croyez (OmU) 21.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50)Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.00, 20.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; Der unverhoffte

Charme des Geldes 16.15, 18.50; Sneak Preview

22.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

17.30, 21.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 18.00, 21.30, 22.10; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando –Toy Story IV(OF)

15.45,17.30, 19.50,22.30; Leid undHerrlichkeit –

Dolor ygloria (OmenglU) 17.15,20.00;Photograph

–Ein Foto verändert ihr Leben für immer (OmU)

16.40; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

19.00, 21.30; Sowie du mich willst –Celle que

vous croyez (OmU) 16.00; Der König der Löwen –

The Lion King (OF) 18.15; Apocalypse Now –Final

Cut (OmU) 20.45

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.00, 16.30, 20.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 14.10, 16.45,

19.50; Benjamin Blümchen 14.20, 17.40; Pets II

14.30, 17.10; Der König der Löwen 14.40, 17.30;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.50,

17.20, 20.15; Spider-Man: Far From Home 19.40;

AnnabelleIII 20.00; 3D:Der König derLöwen 20.10

Wolf (✆ 921 03 93 33) BabyWolfgang präsentiert:

The Dead Don‘t Die (OmU) 11.00; The Dead Don‘t

Die (OF) 12.00, 21.10; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 13.40, 18.50; Ich war zuhause,

aber... (OmenglU) 14.10; Pippi Langstrumpf 16.00;

Das melancholische Mädchen (OmenglU) 16.40;

Ich war zuhause, aber... (OmenglU; m. Gästen)

18.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Benjamin

Blümchen14.30; Once Upon aTimein... Hollywood

16.30, 20.00; Die drei !!! 14.00; Und wer nimmt

den Hund? 16.10,18.20, 20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88)Once Upon

aTime in... Hollywood 16.30, 20.00; Once Upon

aTime in... Hollywood 14.30, 18.00, 21.30; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.15, 15.45,

18.15, 20.30; Und wer nimmt den Hund? 15.15,

17.30; Leid und Herrlichkeit 15.15, 17.50, 20.30


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

ltur-Festival.

ANDI WEILAND

Die inklusive Öffnung des Festivals

–zum dritten Malinder Kulturbrauerei

–zeigt sich nicht nur künstlerisch

in den Auftritten von 21

Downbeat und auch der Hamburger

Band Station 17; man hat offenbar

die Barrieren weiter reduziert, und

wie im letzten Jahr gibt es auch wieder

Gebärdendolmetscher zu den

Performances.

In der Reihe Pop-Hayat und einigen

der 15 Auftragsarbeiten beschäftigen

sich Künstler mit Fragen postmigrantischer

Identität –race, class,

gender –und erkunden dabei unerschlossene

Gebiete zwischen Afrika

und Ostdeutschland. Letzteres wird

kurz vor den bevorstehenden Landtagswahlen

zum Beispiel die Musikerin

Masha Qrella anhand vonTexten

Thomas Braschs angehen, aber

zweifellos auch auf dem Panel zu

„Antisemitismus und Identitätspolitik

im Rap“ Thema sein, wo sicher

vom zu erwartenden rechtsradikalen

Wählerviertel zu reden sein wird.

Bei „99+“ Programmpunkten

finde ich eine Konzertauswahl

schwer bis nutzlos, daher … Den

somnambulen Dämmer-Pop von

Die Heiterkeit finde ich immer gut;

Der ganze

„Ring“ineiner

Stunde

POP

Pop-Kultur-Festival

21.–23.8., Kulturbrauerei,

Schönhauser Allee

Flipper

20.8., Bi Nuu, 20 Uhr,

U-Bahnhof Schlesisches Tor

Die Wochesteht

im Zeichen des Pop-Kultur-Festivals,

mit dem das senatsbetriebene

Music-Board die diskursiven Räume

des Pop erkundet

die multimediale Auftragsarbeit der

famosen Trap-Rapperinnen Klitclique

mit ihrem Wiener Autotune-

Irrsinn –„50 000 Euro!Gib den Bachmann-Preis,

duOpfer“ –verspricht

mindestens Abseitiges; und Ilgen-

Nur kommt mit der Empfehlung eines

soeben von Nerven-Mann Max

Rieger produzierten, schicken Post-

Punk-Indie-Dingens-Debüts aus

Hamburg.

Ich würde aber empfehlen, dem

Blick der Kuratoren ins Unbekannte

zu folgen und sich überraschen zu

lassen. Oder eben enttäuschen:

Großmäuliges Scheitern ist ja auch

ein bewährter Pop-Moveund erhellt

die Welt mitunter nachhaltiger als

trockener Erfolg. In diesem Sinne

noch –gleichsam zur Einstimmung

am Vorabend –der Auftritt der Uralt-

Noiserecken Flipper. 40 Jahre sind

die Kalifornier mit Unterbrechungen

im Metier monoton und derb verrumpelten

Schreikrachpunks schon

unterwegs. Die halbe Urbesetzung

ist schon länger tot, Neues gab es seit

zehn Jahren nicht, aber angesichts

des Repertoires wird das aktuelle

Quartett trotzdem –sag ich mal –

sauber Arsch kicken.

Singer-Songwriter

Wenn

Superhelden

übertreiben

Mädchen wissen nicht

wirklich zu schätzen,

wenn einer gut anschleichen

und erschrecken kann. Deswegen

verkleidet sich in einem

Song von Karl die Große der

Indianer zum Cowboy, ein einschneidender

Identitätswechsel

nach all denWinnetou-Jahren.

Im Video fallen die Bartstoppeln

ins Waschbecken,

auch das gehörtzum Spiel mit

dem Gendertrouble, das die

Band Karl die Große bereits im

Namen aufführt. Das alles

wird schön und wohlklingend

in Singer-Songwriterlyrik gekleidet.

„Dass IhrSuperhelden

immer übertreibt“ heißt das

aktuelle Album, aus dem bestimmt

auch im Kesselhaus

vorgetragen wird, wo Karl die

Große neben Phil Siemers und

dem kollektiv22 bei den

Acoustics Sommersessions

spielen. Drei Acts mitdreikurzen

Konzerteinlagen, alles

hautnah und weitgehend

lärmfrei. HarryNutt

Kulturbrauerei/Frannz 18 Uhr,

Schönhauser Allee

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

14.00: Prenzl. Berg:Europas modernstes Großplanetarium

bis Tauts Weltkulturerbe-Wohnstadt Carl

Legien, DDR-Denkmal Thälmannpark, Berliner Asyl

„Palme“, Bernd S. Meyer, Treff: S-Bhf. Prenzlauer Allee,

Bahnhofshalle. Anm. erf.

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

11.00, 13.00, 15.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30, 13.30, 15.30: Tour durchs Olympiastadion

(in English)

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

9.00: Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

11.00: Werkstatt Wedding.Hörspaziergang durch die

Bilder einer Stadt, stadt im ohr,Treff und Ausgabe der

Audioguides. Rosa Parks Café, Soldiner Straße 32,

13359 Berlin

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im Cafe Sibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Konzert

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Afrikadelle Blues Band

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: NAtO Trio feat. Ernst Bier

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Wilhelmine &Lisa Who, 5. Frauensommer:

Zwei Freundinnen, eine Bühne

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

20.30: Evergreen Terrace, ArrowMinds

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

18.00 Biergarten: Phil Siemers, Karldie Große,kollektiv22,

Kesselhaus Acoustics Sommersession

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Chris Adams

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Mini Mansions

Yaam (✆ 615 13 54)

21.00: Busy Signal &Band

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: The Zig Zag Jazzed Up Jam Session, host: Uri

Gincel

CLUB

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Bellmeria, Katy de Jesus, Marie Midori

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: Iluv2bang!, Fox, krs.age

Maxxim Berlin (✆ 41 76 62 40)

19.00: Farout After Work Party, Tiefton, Dee Noe Ree

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois –Techno Edition, Mørbeck,

LennyPosso, Pascal Hetzel, Justine Perry, Lilly Deupré,

Michael Placke

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

Leandro

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Cha Cha, Walzer &Co, Evan, Josefina und

Antoine

MUSEEN

Altes Museum (✆ 266 42 42 42)

10.00: AntikeWelten. Griechen,Etrusker und Römer,

Di-So/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

10.00: StarkeTypen. Griechische Porträts derAntike,

Di-So/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Botanisches Museum (✆ 83 85 01 00)

9.00: Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie

und Moderne, tgl. 9-19 Uhr

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí–Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Ephraim-Palais (✆ 240 02 -1 62)

10.00: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt, Di-So 10-

18, Mi 12-20 Uhr

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: EuropäischeMalerei vom13. bis zum 18.

Jahrhundert, Bruegel, Dürer,Rembrandt u. a., Di-Fr

10-18, Do 10-20, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

10.00: Schilder einer Ausstellung –Bildbeschriftungender

Gemäldegalerie von1830 bis heute, Di-Fr

10-18, Do 10-20, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

Hanf Museum (✆ 242 48 27)

10.00: Alles rund um die Kulturpflanze Hanf, Di-Fr

10-20, Sa/So 12-20 Uhr

Jüdisches Museum (✆ 25 99 33 00)

10.00: StändigeAusstellung des Jüdischen Museums

(bis 2019 wg Umbau geschl.), Mo 10-22, Di-So

10-20 Uhr

12.00 Museumsgarten: Ganzfeld „Aural“, James

Turrell, tgl. 12-18 Uhr

10.00: res.o.nant, Mischa Kuball, tgl. 10-20 Uhr

10.00: Awie Jüdisch. In 22 Buchstaben durchdie

Gegenwart, tgl. 10-20 Uhr

10.00: This Place, WendyEwald, Martin Kollar, Josef

Koudelka, Jungjin Lee, Gilles Peress u. a., tgl. 10-20 Uhr

Kunstgewerbemuseum (✆ 266 29 02)

10.00: Ein Haus für Kunst, Mode und Design, Di-Fr

10-18, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

10.00: Rokokowelten, Di-Fr 10-18, Sa/So/Feiert.

11-18 Uhr

Käthe-Kollwitz-Museum (✆ 882 52 10)

11.00: Mehr als ein Leben. Dauerausstellung des

Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, Käthe Kollwitz, tgl.

11-18 Uhr

Museum der Stille (✆ 27 89 19 90)

14.00: Dauerausstellung desMuseumsder Stille,

Nikolai Makarov. Modelle: Stephan Braunfels, Max

Dudler,Gewers&Pudewill,Michael Marshall u. a.,

Di-So 14-19 Uhr

Museum The Kennedys (Auguststr.11-13)

10.00: Die Kennedy-Sammlung,Di-Fr 10-18, Sa/

So 11-18 Uhr

Musikinstrumenten-Museum (✆ 25 48 11 78)

9.00: 800 europäische Musikinstrumente aus vier

Jahrhunderten, Di-Fr 9-17, Do 9-20, Sa/So/Feiert.

10-17 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama

(Am Kupfergraben 2) 10.00: Pergamon. Meisterwerke

der antiken Metropole und 360°-Panorama von

Yadegar Asisi, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Topographie des Terrors (✆ 25 45 09 50)

10.00: Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt

in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße, tgl. 10-20

Uhr

10.00: Das Reichsarbeitsministerium 1933-1945.

Beamte im Dienst des Nationalsozialismus, tgl.

10-20 Uhr

10.00: Topographie des Terrors, tgl. 10-20 Uhr

Trabi-Museum Berlin (✆ 30 20 10 30)

10.00: Die Welt der Trabis, tgl. 10-18 Uhr

Urban Nation –Museum for Urban Contemporary

Art (Bülowstr.7)10.00: UNique.UNited. UNstoppable,

Di-So 10-18 Uhr

KINO

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 0200)

Once Upon aTime in... Hollywood 14.00, 19.30;

Benjamin Blümchen 14.00; Der König der Löwen

14.15, 17.00; Pets II 14.20; Und wer nimmt den

Hund?14.30, 19.00; AToy Story:Alles hörtauf kein

Kommando 14.30, 16.45, 20.15, 22.40; Berlin, I

Love You 14.45, 20.00; Die drei !!! 14.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.15, 20.30,

21.45; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die

Charts 16.30; So wie dumich willst 17.00, 19.15;

Leid und Herrlichkeit 17.30, 19.45; Yesterday

17.40; Cleo 17.40; Der König der Löwen –The Lion

King (OmU) 19.45, 22.30; Der unverhoffte Charme

des Geldes 21.15; Leid und Herrlichkeit –Dolor y

gloria (OmU) 22.30; Yesterday (OmU) 22.45; The

Dead Don‘t Die (OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98)Die Grube (OmU) 18.30;

Leipzig Reihe –Programm III: Glaube, Liebe, Hoffnung

19.45;Acid –Kislota (OmU) 21.15

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Luft zum Atmen

–40Jahre Opposition bei Opel in Bochum 17.15;

The Dead Don‘t Die (OmU) 18.30; Deutscher Kurzfilmpreis

II 20.30; Holiday – Sonne, Schmerz &

Sinnlichkeit (OmU) 22.45

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Spider-

Man: Far From Home 14.15, 16.45, 19.45; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.15, 16.50, 20.05,

22.40; Pets II 14.20; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.20, 17.05, 19.55, 22.35; Die drei

!!! 14.25, 17.20; Aladdin 14.25; Benjamin Blümchen

14.30; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.30; Der König der Löwen 14.35,

17.20, 19.45; Once Upon aTime in... Hollywood

15.00, 16.30, 19.50, 22.30; 3D: Der König der

Löwen 17.00, 19.55, 22.40; Drei Schritte zuDir

17.10; Yesterday 17.15,19.50; 3D: Men in Black:

International 19.40;Anna 19.45; Berlin, ILove You

19.55; Annabelle III 22.30; 3D: Spider-Man: Far

From Home 22.35; John Wick: Kapitel III 22.45;

Child‘s Play 22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 3004)

Und wer nimmt den Hund? 15.30, 18.00, 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Cleo 18.00; Yesterday

20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) So wie dumich willst

18.00;Sowie du mich willst –Celle quevouscroyez

(OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Pets II

10.00, 12.05, 14.30; Die drei !!! 10.00; Der König

der Löwen 10.00, 11.55, 14.00, 17.00, 19.45;

Benjamin Blümchen 10.00, 12.10; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 10.00, 12.20, 14.55,

17.30, 20.30; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

14.30, 16.40, 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

16.30, 20.15; 3D: Der König der Löwen

17.40; Spider-Man: Far From Home 20.05

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81)

Yesterday 13.45, 20.15; Geheimnis eines Lebens

16.00; Cleo 18.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Fisherman‘s Friends –

Vom Kutter indie Charts 14.30, 17.15, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Pets II 10.00, 12.15, 14.25, 17.40; Kleiner Aladin

und der Zauberteppich 10.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw10.00, 14.30,16.40, 19.50, 23.00;

Die drei !!! 10.00, 12.15, 14.40; Der König der Löwen

10.00, 14.00, 17.00,20.00, 23.00; Benjamin

Blümchen 10.00, 12.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 10.00, 12.00, 14.30, 17.00,

19.55, 22.40; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

–Toy Story IV(OF) 12.00; 3D: AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 12.30, 14.20;

Leberkäsjunkie 15.00, 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood 16.50, 19.30, 23.00; Spider-Man:

Far From Home 17.00; 3D: Der König der Löwen

17.25, 20.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 20.15; Annabelle III 22.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 15.00, 18.15, 20.30;

Pets II 15.45; Der König der Löwen 15.45, 18.00;

Benjamin Blümchen 15.45; Once Upon aTime in...

Hollywood 17.15, 20.30; Men in Black: International

18.00, 20.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Magical History Tour:

Bonjour Paris –Jeune Femme: Montparnasse Bienvenüe

(OmenglU) 19.30; Magical History Tour: Der

Weg ins Leben –Putjowka wschisn (OmU) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Pets II 12.30, 13.50; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 12.30, 14.00, 15.15, 17.00, 18.00;

Der König der Löwen 12.40, 14.10, 17.15, 20.20;

Once Upon aTime in... Hollywood 13.00, 14.00,

15.10, 17.00, 18.00, 19.00, 20.15, 22.10;

3D: Der König der Löwen 13.10, 16.20, 19.20,

22.50; Benjamin Blümchen 13.10; TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 13.30; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 13.30, 16.30, 19.30, 22.50; Drei

Schritte zuDir 13.30, 16.10, 19.50; Die drei !!!

13.30; Aladdin 13.30, 16.40, 19.50; 3D: AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 13.30, 16.30,

20.00, 22.30; Glam Girls: Hinreißend verdorben

13.50; Cleo 13.50; Spider-Man: Far From Home

14.00, 16.30, 19.10, 22.30; Rocketman 16.10,

19.15; 3D: Pets II 16.30; Berlin, ILove You 16.30,

23.00; Made in China 16.40; Leid und Herrlichkeit

16.40, 19.40; Annabelle III 17.00, 22.40; Yesterday

17.20, 19.45; John Wick: Kapitel III 19.30,

22.20; Der Fall Collini 19.40; Killerman 19.45,

23.00; Avengers: Endgame20.30;3D: Spider-Man:

Far From Home 20.50;Anna 22.40; Men in Black:

International 22.50; Child‘s Play 22.50; X-Men:

Dark Phoenix 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Pets II –The Secret Life of Pets 2(OF) 13.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 13.30, 15.50,

16.40, 19.35,20.30, 23.00; Berlin, ILoveYou (OF)

13.35; Aladdin (OF) 13.40; 3D: AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando –Toy Story IV (OF) 13.40,

17.00; Der König der Löwen –The Lion King (OF)

14.00, 16.30, 20.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando –Toy Story IV (OF) 14.00, 17.30,

20.05, 22.40; 3D: Der König der Löwen –The Lion

King (OF) 14.30, 17.10, 19.45, 22.45; Yesterday

(OF) 16.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw (OF)

16.50, 20.05, 23.15; Rocketman (OF) 19.30; 3D:

Spider-Man: Far From Home (OF) 20.00; Avengers:

Endgame (OF) 22.30; Spider-Man: Far From Home

(OF) 23.15; Annabelle III (OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) Once Upon

aTime in... Hollywood (OF) 11.30, 15.15, 19.00,

22.50

Filmrauschpalast (✆ 394 4344) Es gilt das gesprochene

Wort 20.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Fast &Furious: Hobbs &

Shaw14.00, 17.00, 20.00, 22.30; Benjamin Blümchen

14.00; Die drei !!! 14.30; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.30, 16.45, 18.00,

20.15, 22.45; Der König der Löwen 15.00, 17.30,

20.00, 22.30;PetsII16.00; Once Upon aTime in...

Hollywood 16.30, 19.00, 20.15, 22.15

Casablanca (✆ 677 57 52) Leid und Herrlichkeit

15.45; Gundermann 18.00; Unsere große kleine

Farm 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 14.00, 17.00,

20.00; 3D: Der König der Löwen 14.00, 16.50,

19.40;Pets II 14.10; AToy Story: Alles hörtauf kein

Kommando 14.15, 16.45, 19.40; Der König der

Löwen 14.30, 17.20, 20.10; Benjamin Blümchen

14.30;3D: AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

14.45, 17.15; Once Upon aTime in...Hollywood

15.30, 16.30, 19.15, 20.00; 3D: Aladdin 16.50;

3D: Spider-Man: Far From Home 19.45; John Wick:

Kapitel III 19.45

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Der König

der Löwen14.00, 17.00, 19.30; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw14.10, 17.00, 19.45; 3D: AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.10; Benjamin

Blümchen 14.30; Once Upon aTime in... Hollywood

16.30, 19.30, 20.30; Spider-Man: Far From Home

16.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

–Toy Story IV(OF) 16.45; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 17.00, 19.45; 3D: Der König

der Löwen 17.15, 20.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 20.15

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Unsere

große kleine Farm 19.00; Don‘t Give aFox (OmU)

21.00

Kino im Silent Green Kulturquartier

(✆ 46 06 73 24) The Mermaids, orAiden inWonderland

(OF)/Night Time Go (OV; m. Gästen) 18.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Das melancholische

Mädchen 19.30; Santa &Andres –Santa y

Andres (OmU) 21.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 10.45, 13.00, 15.15,

17.30, 19.45; Benjamin Blümchen 13.15; Und

wer nimmt den Hund? 15.30, 20.15; Fisherman‘s

Friends –Vom Kutter in die Charts 17.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Der unverhoffte

Charme des Geldes 15.30; Leid und Herrlichkeit

18.00; So wie du mich willst 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Benjamin Blümchen

15.15; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in

die Charts 17.45;Yesterday 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 4678) Britt-Marie war hier –Britt-Marie

var här (OmU) 18.00; Nonna Mia! (OmU) 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Und wer nimmt den Hund?

16.00, 18.15, 20.30

FREILUFTKINOS

B-ware! Open Air FMP1 (✆ 63 41 31 15) Kleine

Germanen (OmenglU) 21.00

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 4603) Mid90s

(OmU) 20.45

Freiluftkino Insel im Cassiopeia (✆ 35 12 24 49)

Cine Mar –Surf Movie Night (OmU) 20.30

Freiluftkino Kreuzberg Burning –Beoning (OmU)

21.15

Freiluftkino Rehberge Die Goldfische 20.30

Open Air Kino Mitte (✆ 28 59 99 73) AStar Is

Born (OmU) 20.30

Open-Air-KinoSchlossparkBiesdorf (✆ 998 74 81)

The Dead Don‘t Die 20.45

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Bohemian Rhapsody (OmU) 20.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Der Himmel

über Berlin (DFmenglU) 20.30

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz

(✆ 89 37 14 31) Shoplifters: Familienbande –

Manbiki kazoku (OmU) 20.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 8112) A

Man of Integrity: Ein integerer Mann –Lerd (OmU)

17.00; Under theTree –Undir trenu (OmU) 19.15

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Kinder-

WagenKino: Yesterday (OmU) 10.30; Die drei !!!

14.00, 16.00; Der unverhoffte Charme des Geldes

14.30; Und wer nimmt den Hund? 14.45, 16.45,

18.45, 20.45; Benjamin Blümchen 16.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 17.00, 20.15;

Leid und Herrlichkeit 18.15; Fisherman‘s Friends –

Vom Kutter in die Charts 18.15, 20.45; Yesterday

(OmU) 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Spider-Man: Far From Home 13.40, 16.45; Once

Upon aTime in... Hollywood 13.40, 16.15, 19.50,

20.15; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 13.40,

16.30, 19.40; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 13.40; Der König der Löwen 13.50,

17.05, 20.15; Benjamin Blümchen 14.00; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 14.00, 17.00,

20.00; Pets II 14.20, 17.25; 3D: Der König der

Löwen 16.50, 20.00; Die drei !!! 17.20; Yesterday

19.40; 3D: Spider-Man: Far From Home 19.50

Waschhaus Kino Potsdam (✆ 03 31/271 5626)

Über Leben in Demmin 21.30

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 03322/279 88 77)AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.30; 3D:

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 9777)

Drei Schritte zu Dir 17.15; Rebellinnen: Leg‘ dich

nicht mit ihnen an! 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Pets

II 14.20, 17.40; Die drei !!! 14.20, 17.30; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.20,

17.00, 19.45; Der König der Löwen 14.30, 17.10,

19.50; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 14.40,

17.00, 20.15; Drei Schritte zu Dir 14.40; Benjamin

Blümchen 14.40; 3D: Der König der Löwen 15.00,

17.45, 20.15; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 15.00, 17.30; Once Upon aTime in...

Hollywood 15.30, 16.30, 19.15, 20.00; 3D: Aladdin

16.40; 3D: Avengers: Endgame 19.30; Yesterday

20.00; 3D: Spider-Man: Far From Home 20.00;

Annabelle III 20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Benjamin

Blümchen 14.45; Der König der Löwen 15.00,

17.45; Die drei !!! 15.15; Once Upon aTime in...

Hollywood 17.00, 20.30; Men in Black: International

17.45; 3D: Der König der Löwen 20.30; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 20.30; Geheimnis eines

Lebens 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Benjamin Blümchen 14.45; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.00, 17.15, 19.45; Der König

der Löwen 15.15, 20.30; Pets II 15.30; Once

Upon aTime in... Hollywood 17.00, 20.00; 3D: Der

König der Löwen 17.30; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 17.45, 20.15

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 17.00, 19.30

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.30,

20.30; Die drei !!! 15.45; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 18.00,20.00

Scala Kulturpalast Werder (✆ 033 27/462 31 75)

Edie –Für Träume ist es nie zu spät 13.30; Spider-

Man: Far From Home 15.30; Yesterday 17.45; Berlin,ILove

You 20.00

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 6440) Unsere

große kleine Farm 16.15; Gundermann 18.00;

Yesterday 20.15

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 03371/40 16 41)

Benjamin Blümchen 15.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.30, 17.45, 20.00; Der Königder

Löwen 15.30, 17.45, 20.15; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 17.20, 20.00

Union Prenzlau (✆ 039 84/80 1721) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.10, 17.30; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 19.45; Der König der Löwen

15.20, 17.45,20.10; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 14.55, 17.40; AToy Story 20.20


24 * Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019

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Netzwerk

DOKUS

Scheitern

ist nicht

schlimm

VonTorsten Wahl

Wer versteht schon alle Zusammenhänge

der vernetzten

Welt?Werkennt sich wirklich aus mit

den technischen Veränderungen?

Und was bringt die digitale Zukunft

für die Menschheit? Zwei TV-Dokus

fragen nach, ob es Start-up-Gründer

im Ausland leichter haben.

Start-ups in Deutschland: Über die

Hälfte der deutschen Start-ups übersteht

nicht die ersten drei Jahre, die

Gründerzahlen gehen seit Jahren zurück.

Sind wir zu ideenlos, zubürokratisch

oder zu ängstlich?, fragt die

Reportage „Start-up ins Risiko“ auf

ZDFinfo. Autor Boris Quatram begleitet

zunächst einen Kölner,der einen

E-Bike-Laden aufmachen will,

und eine Gastronomin in Berlin-

Neukölln bei ihrem schweren Wegin

die Selbstständigkeit. Während bei

deutschen Banken das Scheiternimmer

noch als Makel gilt, sprechen

sich Gescheiterte auf der FuckUp-

Night in Leipzig neuen Mut zu. Als

Gegenbeispiel zu Deutschland präsentiert

der Film Israel, wo Gründer

wie Stars gefeiert werden. Das Land

sei so klein, dass jedes Start-up

gleich global denken muss, erklärt

Guru Jonathan Medved, der auf seiner

Plattform OurCrowd Millionen

an Risiko-Kapital einsammelt und

verteilt.

„Start-up ins Risiko“: Freitag,23. August,

um 7Uhr und 13.45 Uhr bei ZDFinfo. In der

ZDF-Mediathek bis zum16. August 2020

Mariana Luzardo möchte ein uruguayisches

Restaurant in Berlin eröffnen.

Start-ups in Österreich: Auch in Wien

versuchen Hunderte, der nächste

Mark Zuckerbergzuwerden. DieReportage

auf 3Sat stellt junge Gründer

in Österreich vor, die mit einer Mischung

aus Pioniergeist, Risikobereitschaft

und jugendlichem Leichtsinn

versuchen, erfolgreich zu werden.

Start-ups wie „Shpock“ oder

„Runtastc“ haben sich schnell einen

Namen gemacht. In Co-Working-

Spaces und Innovationszentren

wie „Impact Hub Vienna“ oder

„weXelerate“ sammeln sich Gründer,

etwa von„Easy Green“, die an

einem automatischen Blumentopf

basteln. Auch in Österreich gibt es

Foren, um das Scheiternproduktiv

zu machen. So erklärt Ali Mahlodji,

Initiator des Start-ups

„Whatchado“, nach einem Burn-

Out heute, worauf es wirklich ankommt.

Dazu stellt Autor Ed Moschitz

vom ORF auch Risikokapitalgeber

wie Hansi Hansmann vor,

der in 45 Start-ups investierthat.

„Start-ups: Hinterdem Hype“: Dienstag,

20. August, um 22.25Uhr bei 3Sat. In der 3Sat-

Mediathek biszum 20.September 2019

ZDF

Torsten Wahl schreibt seit

28 Jahren als Selbstständigerüber

Medien.

Das Sekundenglück

Blühende künstliche Landschaften: Die Spielbranche feiert sich auf der Gamescom in Köln

VonSeffen Haubner

Die analoge Welt stößt allenthalben

an ihreGrenzen.

So suchten im Vorjahr

nicht weniger als 1,4

Milliarden Menschen ihr Heil in der

Ferne – oder wenigstens ein bisschen

Erholung. VonKreuzfahrtschiffen

herangeschaffte Tagestouristen

überrennen Sehenswürdigkeiten. In

vielen Städten gibt es bald mehr

Airbnb-Unterkünfte als Wohnraum

für Einwohner. Und das Wort „Flugscham“

konnte auch nur entstehen,

weil inzwischen viele Menschen so

oft fliegen, dass sie ein schlechtes

Gewissen bekommen.

Aber wer dem Alltag entkommen

möchte, der hat längst eine andere,

digitale Option. Unddie nehmen offenbar

immer mehr Menschen wahr.

4,4 Milliarden Euro wurden laut dem

Industrieverband Game 2018 in

Deutschland mitVideo- und Computerspielen

umgesetzt –ein Plus von

rund neun Prozent gegenüber dem

Vorjahr, das ebenfalls bereits ein Rekordergebnis

markierte. Zubesichtigen

sind die neusten Erzeugnisse der

Branche ab dem 20. August, wenn die

Gamescom in Köln für Fachbesucher

und Medienvertreter öffnet. Von21.

bis 24. August werden dann wieder

Hunderttausende Spielefans in die

Kölner Messehallen strömen.

200 Euro Zusatzkosten

Bei „Die Sims 4“ geht es um das Inselleben und die Rettung der Welt.

Ein Tauchausflug wird in „The DarkPictures: Man of Medan“ zum Horrortrip. BANDAI NAMCO

Düstere Erkenntnisse liefert„Sea of Solution“ aus Berlin.

Das Geschäft mit sogenannten In-

Game-Käufen boomt zurzeit besonders.

Fast zwei Milliarden Euro wurden

2018 damit umgesetzt. In Gratis-

Spielen, aber immer öfter auch in

Vollpreis-Titeln lassen sich die Spieler

von kostenpflichtigen Zusatzinhalten

locken. Perfektioniert hat das

Prinzip Electronic Arts, aktuell

zweitgrößter Hersteller von Videound

Computerspielen. Dessen Hit-

Serie„DieSims“ ist mit ihrem einzigartigen

Mix aus Alltagssimulation

und Weltflucht seit rund 20 Jahren

erfolgreich. Um sich ihr digitales Paralleluniversum

so attraktiv wie möglich

einzurichten, geben Fans eine

Menge Geld für Zusatzinhalte aus.

Das können Erweiterungen der

Spielumgebung sein, aber auch Inhaltspakete

wie Haustiere, Partyzubehör

oder Mode-Accessoires. Im

Schnitt geben Jugendliche dafür

etwa 200 Euro im Jahr aus.

Mit dem 2014 erschienenen „Die

Sims 4“ landete das Unternehmen

kürzlich einen Coup: Das sonst kostenpflichtige

Basisspiel wurde eine

Woche lang gratis zum Download

bereitgestellt. Nach Auskunft von

EA-Chef Andrew Wilson nahmen

dieses Angebot sieben Millionen

Spielerinnen und Spieler wahr.

Das Konzept geht offensichtlich

auf: DieZahl der Erweiterungsdownloads

stieg Wilson zufolge zuletzt um

55 Prozent. Damit hat EA auch die

Zielgruppe für die neueste Erweiterung

„Die Sims 4–Inselleben“ vergrößert.

Diese zeigt, wie geschickt

„Die Sims“ mit den Wünschen und

Erwartungen der Spieler operiert. So

kann man sich, was insbesondere

bei weiblichen Fans gut ankommt, in

eine Meerjungfrau verwandeln und

gemeinsam mit Delfinen durch die

Wellen pflügen. Und weil „Sims“-

Spiele immer den jeweiligen Zeitgeist

widerspiegeln, kann man Karriereals

Naturschützer machen.

Eine Reise ganz anderer Art unternimmt

man in„The Dark Pictures:

„Ein deutliches Alarmsignal“

EA

JO-MEI

Man ofMedan“, das am 30. August

für PC und Konsolen bei Bandai

Namco erscheint. Basierend auf der

Legende vom Geisterschiff „SS Ourang

Medan“, das in den 40er-Jahren

im Südpazifik aufgetaucht sein soll,

erzählt der interaktive Thriller die

Geschichte einer Gruppe vonTauchtouristen,

deren Ausflug zum Horrortrip

wird. Der Spieler schlüpft

nacheinander in unterschiedliche

Rollen und beeinflusst durch seine

Entscheidungen den Fortgang der

Handlung. Daskann man alleine tun

oder im „Shared Story Mode“, also

gemeinsam mit einem Online-Partner,der

die Kontrolle über einen anderen

Protagonisten übernimmt.

„Wir haben dieses Featuremit vielen

Testspielern ausprobiert und waren

überrascht, wie unterschiedlich die

Spielerfahrung von Mal zu Mal ausfällt“,

berichtete Pete Samuels, Chef

des Entwicklerstudios Supermassive

Games bei der Präsentation des

Spiels. „Manchmal waren wir selbst

überrascht, welche Wendung ein

Spiel genommen hat.“ Es gehe nicht

allein um die Geschichte, sondern

um das gemeinschaftliche Erlebnis.

„Wir wollen, dass sich die Spieler auf

der Couch untereinander austauschen

und mögliche Optionen diskutieren.“

Ohne Ende spielen

Dass es möglich ist, verschiedene Perspektiven

einzunehmen und gemeinsam

als Team zu agieren, ist ein

großes Plus vonVideospielen im Vergleich

zu anderen Medien wie Filmen

oder TV-Serien. Suchtexperten sehen

aber auch die Gefahren bei diesem

Spielmodus, denn nicht nur Kindern

und Jugendlichen fällt es schwer,sich

bei Multi-Player-Games zu verabschieden,

wenn die anderen weitermachen

können. Auch deshalb gab es

schon den Fall, dass Fußballtrainer

den Internetzugang im Mannschaftsquartier

unterbrochen haben.

Bleibt abschließend die große

Frage,was die digitale Sphäreletztlich

so verführerisch macht. Dernorwegische

Computerspielforscher Espen

Arseth spricht von „Allegorien des

Raumes“, in dem Sinne, dass Spiele

die Illusion künstlicher Landschaften

erzeugen, um mehr oder weniger

willkürlich gesetzten Regeln Plausibilität

zu verleihen. Videospiele leben

zudem von der Spannung zwischen

dem realen Ort, an dem sich der Spielende

tatsächlich gerade aufhält, und

dem simulierten Raum. In der Ära

von Internet, PC und Heimkonsole

eröffnen sich dem Spieler im eigenen

Wohnzimmer potenziell unbegrenzte

Areale,die sich allein oder gemeinsam

erkunden lassen, auch

wenn die Mitspieler Tausende vonKilometern

voneinander entfernt sind.

Unddie Themenwelt ist unbegrenzt,

das zeigt das hochgelobte„Sea of Solitude“

aus Berlin. Es beschäftigt sich

mit Ängsten und Dämonen.

Die Gamescom wird wieder zu einem großen Fest der Branche, aber deutschen Studios geht es schlechter als in den Vorjahren

VonRenate Grimming

Die Gamescom brummt – und

wächst. Unter dem Motto „Gemeinsam

sind wir Games“ rücken

die Veranstalter in diesem Jahr die

Gemeinschaft in den Mittelpunkt. So

genannte Cosplayer in fantasievollen

Kostümen, E-Sportler und Fortnite-Kämpfer,professionelle

Zocker,

aber auch begeisterte Gelegenheitsspieler

wird esinder kommenden

Woche nach Köln ziehen.

Das auch international bedeutende

Branchen-Event für digitale

Spiele wird in diesem Jahr auf

210 000 Quadratmetern stattfinden,

das entspricht fünf Prozent mehr

Fläche als zuvor. Insgesamt werden

mehr als 1000 Aussteller aus mehr

als 50 Ländern erwartet. Vergangenes

Jahr verzeichnete das nach Angaben

der Veranstalter weltgrößte

Event für Computer- und Videospiele

ungefähr 370 000 Besucher.

Das stetig steigende starke Interesse

hat zuletzt für wachsendes Gedränge

in den Hallen und stundenlanges

Schlangestehen gesorgt. Deshalb

sollen die Gänge in diesem Jahr

in den Hallen verbreitert werden.

Lounge- und Catering-Flächen sowie

Außenbereiche sollen den Aufenthalt

für die Messebesucher angenehmer

gestalten. Das neu eingeführte

Abend-Ticket soll ebenfalls

den Andrang entzerren.

Anders als etwa die Spielemesse

E3 in Los Angeles, die sich als Neuheiten-Messen

für Fachbesucher

versteht, richtet sich die Gamescom

vorallem an die Konsumenten, ohne

das Fachpublikum zu langweilen.

Was die Messe inKöln traditionell

ausmache, sei die gelungene Mischung

aus Anbieternund Fans,sagt

Spiele-Experte Stephan Freundorfer.

„Als Netzwerktreffpunkt der Branche

ist die Gamescom europaweit noch

immer ungeschlagen.“

So manche Neuheit, die auf der E3

angekündigt wurde,wirdinKöln erstmals

in Deutschland anspielbar sein.

Einer der großen Trends wird dieses

Jahr das „Cloud-Gaming“ sein, das

auch technisch anspruchsvolle Titel

problemlos aufs Smartphone oder

den Laptop bringen soll. Auch Weltpremieren

werden in Köln zu sehen

sein, wie die Köln-Messe und der

Branchenverband Game betonen.

Zumoffiziellen StartamDienstag

wird neben Digitalstaatsministerin

Dorothee Bär (CSU) Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer

(CSU) erwartet, ebenso wie Oberbürgermeisterin

Henriette Reker

(parteilos) und der stellvertretende

Ministerpräsident von NRW, Joachim

Stamp (FDP). Spannend dürfte

dabei sein, ob es Neuigkeiten zur

Förderung der Branche geben wird.

Denn den deutschen Studios geht es

nicht gut. Das Land entwickelt sich

immer mehr zum Absatzmarkt für

internationale Titel, deutsche Hersteller

haben es schwer, mit ihren

Produkten Geld zu verdienen. „Von

100 Euro,die für Games ausgegeben

werden, bleiben gerade noch 4,30

Euro bei Unternehmen in Deutschland.

Das ist ein deutliches Alarmsignal“,

sagte Felix Falk, Geschäftsführerdes

Fachverbands Game. (BLZ)

Die private

Nutzung des

Handys im Job

Unerlaubtes Chatten kann

zur Kündigung führen

VonVerena Wolff

Das Smartphone ist innerhalb

weniger Jahre inalle Lebensbereiche

vorgedrungen –auch an den

Arbeitsplatz. Da verschwimmt die

Grenze zwischen Job und Privatem

oft. Nicht nur,weil der Chef nach Feierabend

noch eine E-Mail oder

Nachricht schreibt. Sondern auch,

weil die Mitarbeiter während der Arbeitszeit

immer mal schnell aufs

Handy schauen. Undwas spricht dagegen?

„Diese Fragmentierung des

Alltags macht unproduktiv“, sagt

Psychologe Christian Montag, der an

der Universität Ulm zum Thema

forscht. „Durch die permanente Unterbrechung

ist die Länge der Arbeitseinheiten,

in denen wir vertieft

etwas wegarbeiten können, deutlich

geschrumpft.“

Rund 2,5 Stunden verbringen

Menschen im Durchschnitt pro Tag

an ihren Smartphones, allerdings

nicht der Arbeit wegen. „Die meiste

Zeit sind sie auf Facebook, Instagram

und anderen sozialen Medien“, sagt

Montag. Diese Apps können die sogenannte

„Fear of missing out“ auslösen,

kurz: FOMO.Sowirddie Angst

bezeichnet, im eigenen Netzwerk

online oder offline etwas zu verpassen,

erklärtder Psychologe.

Damit diese Angst gar nicht erst

entsteht, ist es besser, sich feste

Handy-Zeiten für den Büro-Alltag zu

überlegen. Organisationsberaterin

Gabriele Thies rät, nur zu bestimmten

Zeiten private Mails und Nachrichten

zu checken, zum Beispiel

einmal am Vormittag und einmal am

Nachmittag.

In der Box: Bei der Arbeit sollte das

Smartphone nicht genutzt werden.

DPA

DieExperten raten grundsätzlich,

am Arbeitsplatz alle Benachrichtigungen

abzuschalten: Töne ebenso

wie Push-Mitteilungen. Am besten

sei, das Telefon mit dem Display

nach unten auf den Tisch zu legen

oder am besten gleich in der Tasche

zu lassen. Nach Möglichkeit sollte es

komplett ausgeschaltet sein. Psychologe

Montag rät zudem, sich wieder

eine Armbanduhr ans Handgelenk

zu binden.„Somacht man nicht

dauernd das Display an, um nach

der Uhrzeit zu schauen“, sagt er.

Thies empfiehlt mehr Festnetztelefonie

im Job. Die potenziellen Gesprächspartner

könne man sich „erziehen“,

wie sie sagt. „Man kann sie

bitten, vorrangig über die geschäftliche

Festnetznummer und E-Mail zu

kommunizieren.“ So sei die Gefahr

wesentlich geringer, doch schnell

mal am Handy eine private Nachricht

zuversenden oder kurz bei Facebook

und Co.vorbeizuschauen.

Das Arbeitsrecht macht klareVorgaben.

„Grundsätzlich ist man zum

Arbeiten verpflichtet und wird dafür

auch bezahlt“, sagt Michael Felser,

Fachanwalt für Arbeitsrecht in Brühl.

„Für alles Private gilt: in der Pause

oder zu Hause.“ Auch wenn der Chef

eine private Nutzung erlaube, dürfe

die Arbeit nicht vernachlässigt werden.

„Verstößt der Arbeitnehmer gegen

ein Verbot oder chattet er ständig

mit dem Handy,kann der Arbeitgeber

abmahnen oder das Gehalt um die

Zeiten kürzen, in denen Privates erledigt

wurde.“ Bei wiederholter Zuwiderhandlung

nach Abmahnung

drohesogar die Kündigung. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 25

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun

9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG)

Meister desAlltags 11.15 (für HG)Gefragt –Gejagt

12.00 (für HG)Tagesschau 12.15 (für HG)

ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für

HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG)Verrückt nach Meer 17.00 (für

HG)Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant 18.00

(für HG) Gefragt –Gejagt 18.50 (für HG) Familie

Dr.Kleist. Verborgene Morde. Arztserie 19.45 (für

HG) Wissen voracht–Natur 19.55 (für HG) Börse

voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Um Himmels Willen

Meinhardts letzter Wille. Unterhaltungsserie.Mit

Janina Hartwig u. a.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Drei Männer in Schwarz. Arztserie

21.45 (für HG) Report Mainz

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Der Hunderteinjährige, der

die Rechnung nicht bezahlte und

verschwand Komödie, S2016. Mit

Robert Gustafsson, Iwar Wiklander u. a.

0.25 (für HG) Nachtmagazin

0.45 (für HG) Um Himmels Willen

RTL

5.25 Exclusiv –Das Star-Magazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen

Deutschland 8.30 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns.

Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt. Soap

10.00 Der Blaulicht-Report 11.00 Der Blaulicht-Report

12.00 Punkt 12 14.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 16.00 Meine Geschichte

–Mein Leben 17.00 Meine Geschichte

–Mein Leben 17.30 Unter uns. Daily Soap

18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv

–Das Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05

(für HG) Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Das Sommerhaus der Stars –Kampf

der Promipaare

Show. Acht bekannte Paare zogen in

ein Haus in Portugal, um dort den

Titel „Das Promipaar des Jahres“

zu ergattern.

22.25 Stars im Spiegel –Sag mir,wie ich

bin! Mit Claudia Effenberg,Patricia

Blanco, Paul Janke (Ex-Bachelor)

Mod.: Sonja Zietlow, Lutz van der Horst

0.00 Nachtjournal

0.30 Das Sommerhaus der Stars –Kampf

der Promipaare

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR Arte

12.30 (für HG)Papahat keinen Plan. TV-Komödie,

D2018 14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15

(für HG) Werweiß denn sowas? 16.00 (für HG)

MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für

HG) Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00

(für HG) MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell

19.50 (für HG)Biwak 20.15 (für HG) Umschau

21.00 (für HG)Der Osten –Entdeckewodu

lebst 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG) Mitteldeutschlandunterm

Hakenkreuz (2/2) 22.50

(für HG)Polizeiruf 110. Kollision. TV-Kriminalfilm,

DDR 1977 0.10 WaPo Bodensee

Bayern

14.45 (für HG) Wer weiß denn sowas? 15.30

(für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Schnell ermittelt 21.00 (für HG) Schnell

ermittelt 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG) Donna Leon. Acqua alta. TV-Kriminalfilm,

D2004 23.30 Die Lagune vonVenedig

0.15 Klassik am Odeonsplatz 2018

Vox

7.50 (für HG) CSI: DenTätern auf der Spur

8.45 Verklag mich doch! 10.55 Mein Kind,dein

Kind –Wie erziehst du denn? 12.00 Shopping

Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00

Mein Kind,dein Kind –Wie erziehst du denn?

15.00 Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten

und eine Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und

Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei

19.00 Das perfekte Dinner 20.15 Goodbye

Deutschland! Die Auswanderer. 22.15 Goodbye

Deutschland! Die Auswanderer 0.20 nachrichten

0.40 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

12.10 Zig &Sharko –Meerjungfrauen frisst

man nicht! 13.10 5Freunde –Für alle Fälle

13.40 Angelo! 14.05 Die Nektons 14.35 Grizzy

&die Lemminge 14.55 Dragons 15.20 Voll zu

spät! 15.50 Spirit: wild und frei 16.20 Zig &

Sharko –Meerjungfrauen frisst man nicht!

16.45 Coop gegen Kat 17.15 Sally Bollywood

17.40 Die Nektons 18.10 Grizzy &die Lemminge

18.40 WOW Die Entdeckerzone 19.10 Voll

zu spät! 19.40 Angelo! 20.15 Snapped –Wenn

Frauen töten 22.00 Snapped –Wenn Frauen

töten 23.55 Comedy total 0.25 Infomercials

Sport1

15.30 Normal 16.00 StorageWars –Die Geschäftemacher.

Nachtauktion 16.30 Find It, Fix

It, Flog It–Schätze aus der Scheune 17.30 Storage

Hunters. LeereVersprechen 18.00 Storage

Hunters. Vollgas 18.30 Storage Wars –Geschäfte

in Miami 19.00 Magenta Sport: Arena 19.55

Fußball: Regionalliga Südwest. Vorberichte

20.15 Fußball: Regionalliga Südwest. FC 08

Homburg –VfR Aalen 22.15 Sport1 News

22.30 Scooore! –Internationales Fußball-Magazin

23.15 Sport1 News 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Kampf um

Lucie 11.15 (für HG) SOKO Wismar. Feuerteufel

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für

HG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops. Auf Kommando

tot 17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SOKO Köln. Die Räuber 19.00

(für HG) heute 19.25 (für HG) Die Rosenheim-

Cops. Nach Strich und Faden. Krimiserie

20.15 (für HG) Mit 80 Jahren um die Welt

Moderation: Steven Gätjen

21.00 (für HG) Frontal 21

Geringverdiener in der Falle -

Lebenslänglich arm

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Die Beginner (1/2)

Vom aufregenden Start ins Leben

23.00 (für HG) Markus Lanz

0.15 heute+

0.35 (für HG) November Man

Actionthriller,USA/GB 2014.

Mit Pierce Brosnan, Luke Bracey u.a.

5.30 Frühstücksfernsehen. Mod.: Matthias Killing,ChristianWackert,

Marlene Lufen, Alina

Merkau, Jochen Schropp, Karen Heinrichs

10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen

für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan Lucas,

Alexander Stephens, Isabella Schulien 11.00

Im Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für

Sie! Mit Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander

Stephens, Isabella Schulien 12.00 Anwälte

im Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife.Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Promis Privat 19.00 Genial daneben

–Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 MacGyver

Probe 234. Actionserie

Mit Lucas Till, Tristin Mays, Justin Hires,

Justin Hires, George Eads u.a.

21.15 MacGyver

Ein neues Leben. Actionserie

22.15 Promi Big Brother

Mod.: Jochen Schropp, Marlene Lufen

23.45 MacGyver

Der Trauerfall. Actionserie

0.35 MacGyver

Der Fluch von Kairo. Actionserie

1.30 Promi Big Brother

13.55 (für HG) Zoo-Babies 14.20 (für HG) In

aller Freundschaft 15.05 (für HG) In aller

Freundschaft 15.50 Erlebnisreisen 16.00 (für

HG) Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für

HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) 5Fallen

–2Experten 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Der große Umbruch. Wie künstliche

Intelligenz unser Leben verändert 21.45

(für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Tatort. TV-Kriminalfilm,

D2000 23.40 (für HG) Tatort. TV-Kriminalfilm,

D1987 1.10 (für HG) DerVorkoster

NDR

14.00 (für HG) aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas?

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG)

Mein Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard,

Seebär &Co. 18.00 Ländermagazine 18.15

(für HG) NaturNah 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Visite 21.15 (für HG) Panorama

–die Reporter 21.45 (für HG) aktuell

22.00 (für HG) Tatort. Wendehammer.TV-Kriminalfilm,

D2016 23.30 (für HG)Weltbilder

0.00 „Es ist Zeit” –Der Maler Klaus Fußmann

Kabel eins

5.50 Without aTrace 6.35 The Mentalist 7.35

Blue Bloods –Crime Scene NewYork 9.25

Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.10 Without

aTrace 12.10 Numb3rs 13.05 Castle 14.00

The Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A. 15.50

News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben

täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der

Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir

kümmern uns drum 20.15 Kung Fu Panda.

Animationsfilm, USA 2008 22.00 Godzilla.

Actionfilm, USA/J 2014 0.20 Bruce Lee –Die

Faust des Rächers. Actionfilm,HK1972

RTL 2

5.15 Privatdetektive imEinsatz 6.00 Die Straßencops

–Jugend imVisier 7.00 Die Straßencops

–Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Konny GoesWild!

14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Hilf mir! Jung,pleite, verzweifelt

... 17.00 News 17.10 Krass Schule –Die jungen

Lehrer –Wie alles begann 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15

Hartz und herzlich 22.15 Armes Deutschland –

Stempeln oder abrackern? 0.15 Autopsie –

Mysteriöse Todesfälle 1.10 Autopsie

Eurosport 1

8.30 Tennis: US Open. 1. Qualifikationstag

10.30 Radsport: BinckBank Tour. 7. Etappe

12.00 Tennis: US Open. Finale Herren 13.30

Radsport: Tour of Utah. 6. Etappe 15.00 ERC

All Access 15.30 Tennis: US Open 16.45 Eurosport

News 16.55 Tennis: US Open. 2. Qualifikationstag.Aus

NewYork Flushing Meadows

19.00 Tennis: US Open. 2. Qualifikationstag

21.00 Tennis: US Open. 2. Qualifikationstag

23.00 Tennis: US Open. 2. Qualifikationstag

1.00 Tennis: US Open. 2. Qualifikationstag

3SAT, 20.15 UHR TV-PSYCHOTHRILLER

Blutsschwestern

Alles beginntals einharmloserAusflug vonfünf Freundinnen. Doch die

Landpartieendet in einem Horrortrip:Charly, Sonja(Franzsika Weisz, r.),

Rita,Ingrid(Nora vonWaldstätten,l.) undManuwollendas Wochenendein

einer abgelegenen Jagdhütteverbringen undingemeinsamen Erinnerungen

schwelgen.Doch mitdem Wetter schlägt auch die Stimmung um und nachdem

derStrom ausgefallen ist, findenCharly, Sonja, Ingrid und Manu ihre WeggefährtinRita

totauf dem Esszimmerboden.Jededer vier könnte dieMörderin

sein,dennallevier habenein Motiv.Gemeinsam beschließt man, im Wohnzimmer

aufden nächstenMorgenzuwarten, doch es dauert nichtlange unddie

Freundinnen fangen an, sich gegenseitig zu beschuldigen. Dann spitzt sich die

Situation zu und es gibt bald eine weitereTote.

(Österr./Dtl./2014)

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SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

5 6

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3 9 8

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vom VOM19.8.2019

mittel MITTEL

8 5 9 7 1 2 6 3 4

6 1 4 3 8 9 5 7 2

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3 7 1 5 9 8 2 4 6

9 6 8 2 4 7 3 5 1

5 4 2 1 3 6 8 9 7

7 8 6 9 5 1 4 2 3

4 2 5 8 7 3 1 6 9

1 9 3 6 2 4 7 8 5

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 19. 8. 2019

vom 19.8.2019

schwer

SCHWER

7 5 3 2 4 1 9 8 6

4 1 8 3 6 9 5 2 7

9 2 6 7 5 8 1 3 4

8 3 2 5 7 4 6 9 1

1 4 5 9 3 6 2 7 8

6 7 9 8 1 2 4 5 3

3 6 7 4 9 5 8 1 2

2 9 1 6 8 7 3 4 5

5 8 4 1 2 3 7 6 9

5.10 Berlin erwacht –Sommer 5.30 Panda,

Gorilla &Co. 6.20 zibb. zuhause in berlin &

brandenburg 7.20 Brisant 8.00 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller Freundschaft

9.45 In aller Freundschaft 10.30 Rote

Rosen 11.20 Sturm der Liebe 12.10 Der Winzerkönig

12.55 Landschleicher 13.00 rbb24

13.05 Verrückt nach Meer 13.55 Land –Liebe

–Luft 14.40 Traumhäuser 15.10 Stadt,

Land, Haus 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß

denn sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla

&Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –

Das Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in

berlin &brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell

/Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Brandenburg-Wahl

Ihre Wahlarena

Moderation: Tatjana Jury,

Marc Langebeck

21.45 rbb24

mit Sport

22.00 Mittermeier feiert Hildebrandt

22.45 extra 3 Torsten Sträter erklärt die

Bildungsmisere /Donald Trump gibt

eine Erklärung nach El Paso und Dayton

ab /Heinz Strunk gibt Tipps zum

individuellen Klimaschutz

23.30 Talk aus Berlin

ProSieben

5.20 Mom 5.40 Twoand aHalf Men 6.45 The

Big Bang Theory 8.25 The Middle 9.20 Fresh

off the Boat 10.15 Mike &Molly 10.40 How I

Met Your Mother 11.35 2Broke Girls 12.30

Mom 12.55 Twoand aHalf Men 14.15 The

Middle 15.15 The Big Bang Theory. Karotte in

Dessous/Der Ohrwurm/Premierenfieber/Der

romantische Asteroid. Comedyserie 17.00 taff.

Farids magische 13 /VIP Hotspot Sardinien

ohne VIPs?! /Suchtklinik Schlehreut 18.00

Newstime 18.10 Die Simpsons. Marge gegen

Singles, Senioren, kinderlose Paare, Teenager

und Schwule/Häuptling Knockahomer.Zeichentrickserie

19.05 Galileo. Super Science.

Moderation: Stefan Gödde

20.15 Farids Magische 13

Die gefährlichsten Illusionen derWelt

Auf einer Tour rund um den Globus

präsentiert Illusionist Farid dreizehn

ausgewählte Highlights der Zauberkunst.

Moderation: Farid

22.30 Die Simpsons

König der Berge /Die Kugel der Isis

Zeichentrickserie

23.30 Die Simpsons Die Gefahr,erwischt zu

werden /ImSchatten des Genies

0.25 Die Simpsons Ein jeder kriegt sein

Fett. Zeichentrickserie

12.50 Arte Journal 13.00 Azoren –Tanz um

den Vulkan 14.10 (für HG) Immer Ärger mit

Harry. Krimikomödie, USA 1955 15.45 Stadt

Land Kunst 16.25 (für HG) X:enius 16.55 Ein

Jahr auf Kihnu in Estland 17.45 (für HG) Ein

Traum von Baum 18.30 (für HG) Wüste Wurzeln,

starke Stämme (2/5) 19.20 Arte Journal

19.40 Südtirol (2/5) 20.15 (für HG) Vietnam

21.10 (für HG) Vietnam 22.05 (für HG) Vietnam

23.00 (für HG) Grünes Gold 23.55 Die

Eloquenz der Gehörlosen 0.50 Arte Journal

1.10 Boat People. Drama, HK 1982

3Sat

13.00 (für HG) ZIB 13.15 (für HG) Österreich-

Bild 13.45 (für HG) Universum 14.30 (für HG)

Universum 15.15 (für HG) Universum 16.00

(für HG) Universum 16.45 Von der Steppe in

die Alpen –Vögel in Österreich 17.35 Universum

18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20

Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Blutsschwestern. TV-Psychothriller,

A/D 2014 21.45 (für HG) Städte am Meer

22.00 (für HG) ZIB 222.25 (für HG) Startups

–Hinter dem Hype 23.15 (für HG) Erfolgreich

Scheitern 0.05 Reporter 0.30 10vor10

Phoenix

12.00 Grüezi Zürich 12.15 Smarte Bauern –

Wer ernten will, muss optimieren 12.45 Neuseeland

–Rivalen der Urzeit 14.15 Ostfrauen

16.30 Die Freiheitskämpfe der Frauen –100

Jahre Frauenwahlrecht 17.15 #phoenix-freistil

17.30 phoenix der tag 18.00 Smarte Bauern –

Wer ernten will, muss optimieren 18.30 Neuseeland

–Rivalen der Urzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Neuseeland –Rivalen der

Urzeit 21.45 (für HG) heute-journal 22.15

Russland, mein Schicksal 0.30 Auf der Suche

nach dem alten Russland

Kika

12.40 (für HG) Arthur und die Freunde der

Tafelrunde 13.35 Livespiel 13.45 (für HG)

krass nass! Die Tigerenten Club Sommerspiele

14.10 Schloss Einstein 15.00 (für HG) Mako –

Einfach Meerjungfrau 15.45 Stoked 16.10 (für

HG) Lenas Ranch 16.55 Horseland, die Pferderanch

17.35 Eine lausige Hexe 18.00 Bobby

&Bill 18.15 Ben &Hollys kleines Königreich

18.40 (für HG) Löwenzähnchen 18.50

Sandmann 19.00 (für HG) Mia and me 19.25

(für HG) Wissen machtAh! 19.50 (für HG)

logo! 20.00 (für HG) KiKA Live 20.10 Sam Fox

Dmax

10.15 Railroad Alaska 11.15 Asphalt-Cowboys:

Polen 12.15 A8 –AbenteuerAutobahn

13.15 Nordalaska –Überleben am Polarkreis

14.15 Das Survival-Duo 15.15 Die Wildlife-

Cops 16.15 Texas Jail –Unter Arrest 16.45

Border Control 17.15 Die Gebrauchtwagen-

Profis 19.15 Border Control –Spaniens Grenzschützer

20.15 Steel Buddies –Stahlharte

Geschäfte 22.15 Mega Shippers –Die Profis

vom Frachthafen 23.18 Supermaschinen 0.15

In Seenot –Einsatz an der Küste

5.30 Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Quarks 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Super.Markt 11.00 Tagesschau-Nachrichte

13.00 ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-

Nachrichten 19.15 Welt ohne Geld 20.00 Tagesschau

20.15 Digitale Ermittler –Truth Detectives.

Dokumentarfilm, D2017 21.42 Echtes Leben.

Freiheit ohne Eltern: Pfadfindermädchen alleinunterwegs

22.12 Brandenburg-Wahl 23.00 Tagesthe

men 23.30 Brandenburg-Wahl 1.00 Nachtmagazi

1.20 7Tage... 1.50 Schätze derWelt 2.05 Die

Tagesschau vor 20 Jahren 2.22 SachsenSpiegel

2.52 Extra 3.02 AktuelleStunde 3.47 Extra 4.02

Brandenburg aktuell 4.30 buten un binnen

ONE

12.00 Sturmder Liebe 12.45 Sturmder Liebe

13.35 Um Himmels Willen 14.25 Einfach Rosa –

Die zweite Chance. TV-Familienfilm,D2016 15.55

Dawson's Creek 16.35 Dawson's Creek 17.20

Lindenstraße 17.50 Frau Temme sucht das Glück

18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe

20.15 DoctorWho. Aliens in London 21.00 Docto

Who. Der Dritte Weltkrieg 21.40 Hustle–Unehrlic

währtamlängsten. Bankraub 22.35 Torchwood.

Der unbekannte Feind 23.25 DoctorWho 0.10

Doctor Who 0.50 Hustle–Unehrlich währtam

längsten 1.45 Torchwood 2.35 DieGeschichte

eines Abends 3.20 Frau Temme sucht dasGlück

4.10 Lindenstraße 4.40 Um Himmels Willen

ZDF NEO

12.30 Die Rettungsflieger 13.15 Psych 14.35

Kommissar Stolberg.Krieger.Krimiserie 15.35 Di

Rettungsflieger.Lebenohne Lügen. Actionserie

17.05 Psych.Der Sehende unter den Blinddärmen.

Krimiserie 18.30 Bares für Rares 19.20

Bares fürRares 20.15 Nord Nord Mord –Clüver

und der König vonSylt. TV-Kriminalfilm, D2017.

Mit RobertAtzorn, Julia Brendler,Oliver Wnuk

21.45 Ostfriesenkiller. TV-Kriminalfilm, D2017

23.15 Im Knast. Vater,Mutter, Knacki. Slapstickse

rie 0.05 (für HG)Johan Falk –GSI Göteborg. Blutige

Diamanten. TV-Kriminalfilm, S/D2015. Mit

Jakob Eklund 1.45 TodinSevilla. Thriller,E2014

3.15 TerraX4.00 TerraX4.45 TerraX

ZDF INFO

6.45 GeheimesSaudi-Arabien 8.15 Das perfekte

Verbrechen –Der Mord an BobbyFranks 9.00 Dem

Verbrechen aufder Spur 12.45 ZDF-History 14.15

Die 80er –Das explosiveJahrzehnt 16.30 Die

90er –Jahrzehnt derChancen 18.45 (für HG) Der

gleicheHimmel –Die Dokumentation 19.30 Lebe

in derSperrzone –Sparnberg in derDDR 20.15

Mysteriöse Kriminalfälleder DDR. Tödlicher Abgrund

/Staatsmacht im Visier 21.45 Mysteriöse

Kriminalfälle der DDR. Habgierunter Genossen /

Im Fadenkreuz der Stasi /Tödliche Tabus 23.55

Die letzte Truppe undder Fall derMauer 0.40 (für

HG) heute-journal 1.10 Die 90er –Jahrzehnt der

Chancen 3.25 Die 80er–Das explosive Jahrzehn

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Sommerliche Musiktage Hitzacker Quartetttag

beim Festival. Musik von Karol Szymanow

ski, Benjamin Attahir,Joseph Haydn und Béla

Bartók. Mit Noga Quartet, Quatuor Arod, Goldmund

Quartett, Eliot Quartett, ca. 117 Minute

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Wittener Tage für neue Kammermusik,

ca. 146 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musikszene Singende Muse und selbstbewusste

Komponistin. Die Wiederentdeckung

von Barbara Strozzi.Von Helga Heyder-Späth,

ca. 45 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Chormusik Im Geiste unabhängig.150 Jahre

Sängerfest in Tartu, Estland, ca. 55 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Hanya Yanagihara: „Das Volk der

Bäume”(27/38). Mit Gunter Schoß, Matthias

Bundschuh, ca. 30 Minuten

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Herr imGarten” Mit Lilith Häßle, Götz

Schulte. Regie: Verena Dürr, ca. 50 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Rafik Schami: „Die geheime Mission

des Kardinals” (22/40). Mit Udo Schenk,

Jürgen Tarrach, ca. 26 Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Schwerpunktthema: Chronisch

Wunden. Wenn die Heilung stagniert. Gast: Dr

Tatjana Fischer., ca. 80 Minuten

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin „Lauf, Du Loser!” Übereifrige

Eltern imJugendfußball, ca. 26 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Süße Krankheit Elbhang. Von

Alexa Hennings, ca. 45 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Feature-Antenne. Auszeit. Moderation

Ingo Kottkamp. Von Ingo Kottkamp, Massimo

Maio, ca. 57 Minuten

22.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Gespräch Mit Hanna Schygulla (Schauspielerin).

Mod.: Knut Elstermann, ca. 30 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Teresa Salgueiro. Mit Lothar

Jänichen, ca. 30 Minuten

23.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jazz Urban Rejazz. Das Hamburger Musikerko

lektiv TOYTOY.Mit Felix Tenbaum, ca. 30 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 192 · D ienstag, 20. August 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

LukeMockridge (30) hat mit seinem

Auftritt beim„ZDF-Fernsehgarten“

am Sonntag viele Zuschauer verärgert,

als erWitzeüber alte Menschen

riss,mit seiner Hand unter der Achsel

Flatulenzgeräusche machte,wie ein

Schimpanse über die Bühne hüpfte

und dann auch noch mit einer Banane

telefonierte …Moderatorin Andrea

Kiewel unterbrach die fremdschämoptimierteVorführung

und

warfden Mann vonder Bühne.Konsequenzen

hat er„für das mieseste

Verhalten, was es unter Künstlern,

unter Kollegen geben kann“ (Kiewel),

nicht zu befürchten. Dasteilte ein

ZDF-Sprecher am Montag lapidar

mit.Wirvermuten: Mockridge hat

eine drastischeWerbeeinlage für

seine lärmige„Die Greatnightshow“

abgeliefert, die ab dem 13. September

bei Sat.1 zu sehen sein wird.

Kim Kardashian (38) ist eine erfolgreiche

Ich-Unternehmerin und daher

auch in lärmiger Selbstvermarktung

nicht unerfahren. Wo sie das gelernt

hat? Nun, bei niemand Geringerem

als dem einstigen Super-It-Girl Paris

Hilton (38): Kardashian hat früher

für die Urenkelin des Hotelgründers

Conrad Hilton gearbeitet und war

2003 in ihrer Show „The Simple Life“

zu sehen. „Ich würde wirklich alles

für sie tun. Siehat mir meine Karriere

geschenkt“, sagte Kardashian jetzt

voller Dankbarkeit.

Campino (57) ist als Frontman der

Rockband DieToten Hosen ein Fachmann

für Lärmfragen. Jetzt

rührterbesonders laut die

Werbetrommel für den

Eishockey-Traditionsclub

EV Füssen: Um dem

2015 in die Insolvenz

abgerutschten Club

zu helfen, werden

in der kommenden

Saison die Trikots

mit dem Logo der

Band und dem Songtitel„Steh

auf, wenn du

am Boden bist“ bedruckt.

Gute Sache.

(schl./mit dpa)

Sportler in Not? Da hilft die

Ober-Tote-Hose nur zu gern.

TIERE

AFP

Heiße Ware: Schildkrötenbabys

beim malayischen Zoll. DPA/VINCENT THIAN

Die tun was: Nein, nicht nur die malayischen

Zollbeamten auf unserem

Bild, das sie am Flughafen vonKuala

Lumpur mit beschlagnahmten Rotwangenschildkröten

zeigt.Vielmehr

tun auch die Politiker was,irgendwie:

Seit Sonnabend treffen sich in Genf

die mehr als 180 Mitgliedsstaaten des

1973 inWashington unterzeichneten

Artenschutzabkommens.Hier berät

man noch bis zum 28. August, welche

Tiereund Pflanzen vomHandel ausgeschlossen

werden sollen. Auch exotische

Reptilien gehören zu den

schützenswerten, aber nicht immer

geschützten Arten.Wussten Sie, dass

Deutschland der größte Importeur

vonReptilien ist –laut EU sind es jährlich

um die 800000 Tiere–und nach

Angaben vonTierschutzverbänden

proJahr mehrereMillionen der Exoten

illegal ins Land kommen? EinMilliardengeschäft!

Undböse!! (schl.)

Der Fall, der von diesem

Mittwoch an vor dem

Frankfurter Landgericht

verhandelt wird, ist eine

richtige Gangstergeschichte. Die

Frage ist nur,obder wirkliche Gangster

auf der Anklagebank sitzt –oder

als Kronzeuge in dem Verfahren auftreten

wird. Angeklagt ist Alexander

Falk, Erbe des berühmten Stadtplanunternehmens

und einst einer

der reichsten Deutschen.

Im Jahr 2010 soll Falk einen

Mord in Auftrag gegeben haben,

wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Undberuft sich dabei auf einen zwielichtigen

Türken namens Etem E., der

im kriminellen Milieu unterwegs ist.

Er hatte den Behörden nicht nur von

vermeintlichen Absprachen über das

Verbrechen berichtet, sondernihnen

auch den Mitschnitt einer Unterhaltung

geliefert, die Falks angebliche

Mitwirkung an dem Mordkomplott

belegen soll. Ob dieser Mitschnitt

aber der Prüfung durch das Gericht

standhalten wird, ist eine der entscheidenden

Fragen in dem zunächst

auf 18 Verhandlungstage terminierten

Indizienprozess.

Lässiger Pistolenmann

DieTat, um die es geht, ereignete sich

am 8. Februar 2010 im Frankfurter

Stadtteil Harheim. In der Anklageschrift

ist sie so beschrieben: Der

Rechtsanwalt Wolfgang J. verlässt

um 8.50 Uhr sein Wohnhaus und

geht zu seinem Auto, uminsein

Büro inder internationalen Großkanzlei

Clifford Chance in der Innenstadt

von Frankfurt am Main

zu fahren. Da kommt ihm ein

Mann entgegen, den J. später als

„eine Person osteuropäischen

Aussehens“ beschreibt. Der Unbekannte

zieht eine Waffe, Kaliber

7,65, und schießt dem Anwalt

wortlos ins Bein. Die Kugel durchbohrt

oberhalb des linken Knies

den Oberschenkel. Wie das Opfer

aussagt, sei der Schütze danach

„in gleichen gemächlichen Schritten“

weitergegangen und habe

sich nur noch einmal kurz zuihm

umgedreht.

Wardas ein Mordanschlag? Oder

nur ein gezielter Warnschuss? Eine

konkrete akute Lebensgefahr habe

laut dem rechtsmedizinischen Gutachten

jedenfalls nicht bestanden.

Gleichwohl kann ein Mensch nach

einem Schuss ins Bein auch verbluten,

wenn eine Arterie getroffen

wird. Deshalb geht die Anklage von

einem Mordversuch aus, weil durch

den Angriff der Toddes Opfers zwar

nicht beabsichtigt, aber billigend in

Kauf genommen wurde. Aber hat

Alexander Falk das so gewollt und in

Auftrag gegeben?

Um das vonder Anklage behauptete

Motiv des Millionenerben nachvollziehen

zu können, muss man in

Falks Leben ein paar Jahre zurückgehen.

Als er neun Jahre alt war,

starb sein Vater, der es mit seiner

Unternehmensidee, einen zum Taschenbuch

gefalteten Stadtplan

herzustellen, in der bundesdeutschen

Wirtschaftswunderzeit zum

mehrfachen Millionär gebracht

hatte. Als junger Mann sah Alexander

Falk für das nun von ihm geleitete

Unternehmen jedoch keine

Perspektive mehr und verkaufte es

für 25 Millionen Euro an Bertelsmann.

Nachdem er seine Schwesternausgezahlt

hatte,investierte er

in das Internetbusiness, gründete

und kaufte Firmen, die er in seiner

Ision AG bündelte. Bis zu 100 Millionen

Euro Umsatz machte die AG.

Im März 2000 brachte der damals

30-Jährige sie an die Börse, bis er

sie neun Monate später,als sich das

Ende der New-Economy-Blase

schon deutlich abzeichnete, noch

an die britische Telekommunikationsfirma

Energis verkaufen konnte

–für 772 Millionen Euro.

Doch Energis verklagte Falk später

wegen Betrugs,der Deutsche soll

die Bilanzen seines Unternehmens

vor dem Verkauf geschönt haben. In

einem Strafprozess wurde er zu vier

Jahren Haft verurteilt. DieEngländer

aber strengten noch eine Zivilklage

an, sie wollten an Falks Privatvermögen.

Das Mandat übernahm die

Kanzlei Clifford Chance, befasst mit

dem Fall war dort anfangs der

Rechtsanwalt Wolfgang J. – der

Mann, dem im Februar 2010 ins Bein

geschossen wurde.

Jahrelang tappten die Ermittler

im Dunkeln, was die Hintergründe

dieser Tat betrifft. Vier Jahre nach

dem Angriff, im Januar 2014, aber

gab es eine erste Spur:Ein Informant

des Hamburger Landeskriminalamts

wollte den Täter angeblich kennen.

Er sagte, der Schütze habe im

Auftrag vonCiko B. gehandelt, einem

türkischen Geschäftsmann, mit dem

sich Falk in der Untersuchungshaft

angefreundet hatte. B.wiederum sei

von Falk gebeten worden, den Anwalt

„einzuschüchtern, abzustrafen

und ihm alle elektronischen Geräte

abzunehmen“. Doch Anwalt J. erkannte

auf dem ihm vorgelegten

Foto des vermeintlichen Schützen

„Ali, du weißt von der Bazille. Esreicht mir …

Ich möchte, dass diese Bazille

nicht mehr existiert.“

Alexander Falk soll laut Anklageschrift mit eben diesen Worten den Mord an dem

Frankfurter Rechtsanwalt Wolfgang J. in Auftrag gegeben haben,

auf dass dieser „eiskaltgemacht“ werde.

Schuss

ins Knie

Eine richtige

Gangstergeschichte: Der

Stadtplan-Erbe Alexander

Falk kommt in Frankfurt am

Main wegen versuchten

Auftragsmords vor Gericht

VonAndreas Förster

Vonseinem Vater,dem Kartografen Gerhard Falk (1922–1978), erbte Alexander –mit Schwester Janina –den Falk Verlag.Beide verkauften ihre Anteile.

DPA/ANGELIKA WARMUTH

nicht den Täter. Dennoch begann

die Staatsanwaltschaft in Frankfurt

zwei Jahre nach der Aussage des Informanten

mit ihren Ermittlungen

gegen Alexander Falk.

Werder Informant von 2014 war,

ist bislang ungeklärt. Möglicherweise

war das bereits jener Etem E., der sich

überraschend im August 2017 bei

dem gleichen LKA-Referat meldete,

in dem schon die erste, Falk belastende

Aussage auflief. Etem E. wurde

nun deutlich konkreter,was Falks angebliche

Tatbeteiligung angeht. Laut

Anklageschrift soll der Millionenerbe

Ciko B.s Bruder Ali in einem Steak

House im Hamburger Stadtteil Rotherbaum

mitdem Mord an Anwalt J.

beauftragt und ihm dafür einen Briefumschlag

mit 200000 Euro übergeben

haben. „Ali, du weißt vonder Bazille.Esreichtmir

…Ich möchte,dass

diese Bazille nicht mehr existiert“, soll

Falk laut Anklage bei dem Treffengesagt

haben. Und dass J.„eiskaltgemacht“

werden solle. Etem E., der

dies aussagte, will bei dem Gespräch

im SteakHouse persönlich anwesend

gewesen sein.

Den Ermittlern hatte der Zeuge

zudem noch einTonband übergeben

mit dem rund siebenminütigen Mitschnitt

einer Unterhaltung zwischen

Falk, Ciko B. und einer unbekannten

dritten Person im Juni 2010 in Istanbul.

Vier Monate nach dem Schuss

auf den Anwalt äußerte Falk in diesem

Gespräch seine Begeisterung

über den Angriff. „Das war geil“, sagt

er auf dem Tonband. Im weiteren

Verlauf des Gesprächsmitschnitts

fallen Äußerungen von ihm, die auf

seine Mitwisserschaft oder gar Mitbeteiligung

an dem Anschlag hinzudeuten

scheinen.

Fragwürdige Beweismittel

Aber taugt die offenkundig geschnittene

Aufnahme wirklich als Beweismittel?

Ist die Möglichkeit auszuschließen,

dass das Band manipuliert

wurde, indem man unterschiedliche

Gesprächsfetzen zusammensetzte?

Für Zweifel amBeweiswert des Bandes

sorgt auch der Umstand, dass

Etem E. Falk damit erfolglos erpresst

haben soll, bevor er zur Polizei ging.

FalksVerteidiger BjörnGerckespricht

jedenfalls von „ebenso abenteuerlichen

wie falschen Beschuldigungen“

der Staatsanwaltschaft, die sich „auf

die Aussage eines vielfach bestraften

Berufsverbrechers“ stütze. In derBild

am Sonntag sagte Gercke auch, dass

der heimliche Mitschnitt dazu gedient

haben soll, HerrnFalk eine Falle

zu stellen, um ihn hinterher erpressen

zu können.

Derheute 50-jährige Falk, derseit

einem Jahr in Untersuchungshaft

sitzt, bestreitet entschieden den Vorwurf,einen

Mordanschlag in Auftrag

gegeben zu haben. Unterstützung

erhält er inzwischen von den in die

Türkei zurückgekehrten, in

Deutschland mit Haftbefehl gesuchten

Brüdern Ciko und Ali B. Sie weisen

ineiner schriftlichen Stellungnahme

ihrem einstigen Laufburschen

Etem E. alle Schuld zu,der ein

Lügner durch und durchsei.

Wieauchimmer –sollteFalk doch

an dem Mordanschlag beteiligt gewesen

sein, hat es ihm nichts genutzt:

In demanfänglich vonAnwalt

J. mitbetriebenen Zivilverfahren hat

die Kanzlei Clifford Chance 2012

durchgesetzt, dass der Unternehmer

wegen seines Betrugs beim Verkauf

der Ision AG 209 Millionen Euro

Schadensersatz zahlen muss.

Andreas Förster

sieht in dem Falk-Falleinen

echten Krimi.

Prinz Andrewbestreitet, am

Epstein-Fall beteiligt zu sein

Neun Tage nach dem Suizid des mutmaßlichen

Sexualverbrechers Jeffrey

Epstein hat sich der britische Prinz

Andrew„entsetzt“ über die Anschuldigungen

gegen ihn in dem Missbrauchsskandal

gezeigt. Der

Buckingham Palast wies dieVorwürfe

gegen den mittleren Sohn vonKönigin

Elizabeth II. erneut zurück, wie

die britische Nachrichtenagentur PA

am Sonntag berichtete.Die Boulevard-Zeitung

Mail on Sunday hatte

zuvor einVideo veröffentlicht, das

Prinz Andrew angeblich im Jahr 2010

im NewYorker Haus des US-Multimillionärs

Epstein zeigt, wie er sich

voneiner jungen Frau verabschiedet.

Virginia Giuffre, eine derHauptzeuginnen

im Fall Epstein, sagte 2016

aus,sie habe als Minderjährige Sex

mitPrinz Andrew gehabt. (AFP)

Waldbrand auf Gran Canaria

gerät außer Kontrolle

DerWaldbrand in den Bergen von

Gran Canaria ist nach Behördenangaben

außer Kontrolle geraten. 3400

Hektar Fläche auf der spanischen Urlaubsinsel

seien schon vondem

Feuer betroffen, manche Flammen

schlügen 50 Meterhoch, teilte der Inselrat

am Montag mit. Nach Angaben

des spanischen Fernsehens wurden

mittlerweile 8000 Menschen aus Dutzenden

Ortschaften in dem Gebiet

südwestlich der Hauptstadt Las Palmas

in Sicherheit gebracht. ür die

meistenTouristen besteht aber bisher

keine Gefahr:Sie sind in den Hotels in

den Küstenregionen untergebracht –

weit entfernt vomBrandgebiet. (dpa)

Island erklärtoffiziell ersten

Gletscher für „tot“

Geschmolzene Eispracht: der Okjokull im

Jahre 1986 (l.) und heute.

AP

EinOpfer der Erderwärmung: AufIsland

ist offiziell der erste Gletscher für

„tot“ erklärtworden. Der700 Jahre

alte Okjokull gilt formell nicht mehr

als solcher,weilermit nur noch 15

Metern Eisdicke zu leicht geworden

ist, um sich vorwärts zu schieben. An

der Abschiedszeremonie nahmen am

Sonntag rund 100 Menschen teil, darunter

Regierungschefin Katrin Jakobsdottir.AnOrt

und Stelle wurde

eine Tafel enthüllt mit der Überschrift

„Ein Brief an die Zukunft“. Darauf

heißt es weiter:„In den nächsten 200

Jahren ist zu erwarten, dass alle unserewichtigsten

Gletscherden gleichenWeggehen.“

(dpa)

Erstmals wieder 200

Kakapo-Papageien gezählt

DerBestand des vomAussterben bedrohten

Papageis Kakapo hat sich in

Neuseeland etwas erholt. Es gebe

wieder 200 der Tiere, die aus der Küken-Phase

herausgewachsen seien,

schrieb Andrew Digby, Berater der

neuseeländischen Naturschutzbehörde,aufTwitter.Das

sei vermutlich

der höchste Wert seit mindestens 70

Jahren. Mehr als 100 Wissenschaftler

hatten sich um den Erhalt der Vögel

bemüht. Sieverhalfen dem Kakapo

in diesem Jahr zu einer Rekord-Brutsaison:

50 Weibchen hatten 249 Eier

gelegt, aus denen 77 lebendige Küken

schlüpften. (dpa)

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