Berliner Zeitung 23.08.2019

BerlinerVerlagGmbH

Im Gespräch: Hertha-Trainer Ante Covic vor seinem ersten Heimspiel – Sport Seite 20

Wenn das

Wetter Stress

macht

Seite 17

16°/29°

Sonne, Sonne, Sonne

Wetter Seite 2

Virtueller Ausflug in

Berlins Vergangenheit

Berlin Seite 10

www.berliner-zeitung.de

Schneller zum Arzt

per Handy-App

Wirtschaft Seite 7

Freitag,23. August 2019 Nr.195 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Wasder Rücktritt von

Udo Kittelmann bedeutet

Leitartikel Seite 8

Philharmoniker

Auf der

Suche nach

Wahrhaftigkeit

VonPeter Uehling

Andiesem Freitag endlich tritt Kirill

Petrenko sein Amt als neuer

Chefdirigent der Berliner Philharmoniker

an, mit Beethovens Neunter

und Alban Bergs „Lulu“-Suite. Vier

Jahreliegt seineWahl mittlerweile zurück:

Petrenkos Vertrag als Generalmusikdirektor

der Bayerischen

Staatsoper München lief in diesem

Sommer aus,daneben wollte er keine

weitere Stelle annehmen.

Die Wahl des

1972 in Omsk geborenen

und in

Österreich aufgewachsenen

Dirigenten war

eine Überra-

Kirill Petrenko

musste für sein neues

Amt überredet werden.

schung. Man

wusste wohl, dass

sich aus dem ehemaligen

Generalmusikdirektor

der Komischen Oper

Berlin mittlerweile ein Interpret von

enormer Statur entwickelt hatte,man

wusste es nicht zuletzt vonseinen wenigen

Auftritten mit den Philharmonikern,

die geradezu barsten vor Intensität,

klanglicher Präsenz und verblüffender

musikalischer Einsicht.

Dennoch hatte ihn kaum einer

auf dem Schirm. Außerdem, so hieß

es damals, wäre der erste Wahlgang

des Orchesters ergebnislos verlaufen

–jedoch ist das Gerücht nie dementiert

worden, dass Petrenko tatsächlich

schon im ersten Anlauf gewählt

wurde, aber telefonisch befragt die

Wahl nicht annahm. Er musste überredet

werden.

Das hatten die Philharmoniker

wohl noch nie erlebt –aber es zeigt,

dass sie sich hier einen Künstler erkoren

haben, der sorgfältig und skrupulös

erwägt, was er tut, der nicht

auf den schnellen Ruhm aus ist, sondern

die musikalische Wahrhaftigkeit

sucht. Das aber macht die Wahl

noch erstaunlicher, denn die Philharmoniker

schienen sich in der Ära

Rattle vor allem um ihre mediale

Präsentation und Auswertung zu

sorgen – großartige Aufführungen

wurden Mittel zum Zweck. Mit Kirill

Petrenko hat sich das Orchester nun

einen Künstlerischen Leiter gewählt,

für den das musikalische Kunstwerk

bis zur Selbstverleugnung im Zentrum

steht und der bislang eher ein

Aufnahme-Muffel war. Zwischen

den Zielen des Orchesters und denen

seines Chefs besteht somit ein

gewisses Spannungspotenzial, und

es wird aufregend sein zu verfolgen,

was sich daraus in den nächsten fünf

Jahren ergibt.

Der 24-jährige Alaa S. ist

mitschuldig am Todvon

Daniel H. in Chemnitz

vor einem Jahr. Zudiesem

Schluss kommt das Landgericht

Chemnitz nach einem sechsmonatigen

Prozess. Wegen Totschlags

und gefährlicher Körperverletzung

verurteilte es den

Angeklagten am Donnerstag zu

neuneinhalb Jahren Haft. Die

Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre

Haft wegen gemeinschaftlichen

Totschlags gefordert. Verteidigerin

Ricarda Lang hatte auf Freispruch

plädiert. Ein wichtiger Mann aber

fehlte beim Prozess: Farhad A., der

mutmaßliche Haupttäter. Er hat

sich einige Tage nach der Tatabgesetzt,

wirdimIrakvermutet.

Kurz nach der Verurteilung ihres

Mandanten wegen der tödlichen

Messerattacke in Chemnitz vor

knapp einem Jahr haben die Verteidiger

Rechtsmittel eingelegt. Das erklärte

Rechtsanwältin Ricarda Lang

am Donnerstag nach der Urteilsverkündung.

„Eklatante Ungereimtheiten“

Anwalt Frank Wilhelm Drücke bezeichnete

das Urteil als „falsch“. Wegen

der Revision der Verteidiger wird

der Schuldspruch der Chemnitzer

Richter nun zunächst nicht rechtskräftig.

Bereits zu Prozessbeginn im

März hatte Lang kein gutes Haar an

der Anklageschrift gelassen: Sie erkannte

„eklatante Ungereimtheiten“,

die Ermittler hätten„an sorgfältiger

Aufklärung gespart“. Gleich als

erstes forderte Lang damals,dass das

Verfahren wegen fehlenden Tatverdachts

eingestellt werden soll. „Die

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

kamen zu keinem brauchbaren Ergebnis,

was sich an der Anklageschrift

deutlich ablesen lässt“, erklärt

die erfahrene Strafverteidigerin.

Ihr Fazit: „Es mangelt an handfesten

Beweisen. Für eine

Verurteilung bedarfesder Substanz,

die für uns aktuell nicht ersichtlich

ist.“ Zudem betonte sie, dass ihr

Mandant unschuldig sei.

Als „sehr dünn“ hatten auch erfahrene

Ermittler die Beweislage

bezeichnet. VonAlaa S. haben sich

weder am mutmaßlichen Tatwerkzeug,

einem Messer, noch an der

Kleidung des getöteten Daniel H.

DNA-Spuren finden lassen –solche

Indizien fallen also für einen

Schuldnachweis aus.

S. hat im Prozess geschwiegen.

Diese Woche aber führte er ein Telefon-Interview

aus der Justizvollzugsanstalt

Waldheim mit der ZDF-Sendung

Frontal 21. Dort sitzt der 24-

Jährige seit einem Jahr in Untersuchungshaft.

Darin wies er jede

Beteiligung von sich. In seinem

„letzten Wort“ zum Abschluss der

Hauptverhandlung hatte Alaa S. betont,

er hoffe auf ein gerechtes Urteil

des Gerichts. Seine Hoffnung sei

auch, dass er nicht das zweite Opfer

des Täters und für ihn stellvertretend

verurteilt werde. Zudem bedauerte

Ein Urteil und

kein Frieden

Ein Gericht veurteilt Alaa S. zu neuneinhalb

Jahren Haft. Er soll mitschuldig

am Toddes Chemnitzers Daniel H. sein

VonJan Sternberg

Karl-Marx-Büste in Chemnitz

DPA

der Angeklagte, was der Familie des

Opfers widerfahren sei.

„Ich schwöre bei meiner Mutter,

ich habe ihn nicht angefasst. Ich

habe überhaupt nicht das Messer

angefasst“, sagte S. in dem Telefon-

Interview. Ersei aus einem Döner-

Imbiss hinausgelaufen, weil er Rufe

gehört habe. Alaa S. sagte im Gespräch

mit Frontal 21, dass er nach

einem Jahr Untersuchungshaft

kaum noch an ein faires Urteil

glaube. „Ich habe Angst vor jedem

hier, ich habe Angst vor den Mitgefangenen,

ich habe Angst vorden Beamten.

Ichhabe sogar Angst vordem

Gericht.“

Nach dem Tod von Daniel H.

wurde Chemnitz vonDemonstrationen

und rechtsextremen Übergriffen

auf Polizei und Gegendemonstranten

erschüttert. Es gab eine Debatte

darüber, obesimZusammenhang

mit dem Demonstrationen „Hetzjagden“

gegen Migranten gegeben

habe. Ein Video hatte den Eindruck

vermittelt, der Sprecher der Bundeskanzlerin

verwandte den Begriff. Das

es solche Hetzjagden gegeben habe,

wurde dann aber unter anderem von

dem damaligen Präsidenten des

Bundesverfassungsschutzes Hans-

Georg Maaßen in Zweifel gezogen.

Darüber war ein handfester Konflikt

in der großen Koalition ausgebrochen.

Chemnitz wehrte sich gegen den

Eindruck, eine rechte Hochburg zu

sein. Mit einem großen Solidaritätskonzert,

organisiert von der Chemnitzer

Band Kraftklub, bei dem die

Toten Hosenund Feine Sahne Fischfilet

auftraten, sollte gezeigt werden,

wie bunt und tolerant die Stadt ist.

Mehr als 60 000 Menschen kamen zu

der Veranstaltung.

Doch ihren Frieden hat die Stadt

offenbar noch nicht wiedergefunden.

EinFreispruch könnte zu einem

neuen Aufflammen des Unmuts führen,

befürchtete Oberbürgermeisterin

Barbara Ludwig (SPD). Zu Prozessbeginn

hatte sie im Gespräch

mit der Berliner Tageszeitung taz gesagt:

„Ich hoffe für die Familie des

Opfers, dass es eine Verurteilung

gibt, damit die Angehörigen Ruhe

finden können.“ Bei einem Freispruch

„würde es schwierig für

Chemnitz. Aber so wäre der Rechtsstaat“.

Am Sonntag sind wieder Demonstrationen

in Chemnitz angemeldet.

Nurein Zeuge der Anklage

Entscheidend für die Urteilsfindung

war die Aussagedes ZeugenYounis al

N. Doch was konnte der Koch in der

Nacht zum 26. August 2018 sehen,

als er gegen 3.15 Uhr aus dem Straßenverkaufs-Fenster

des Alanya 1

Döner in der Brückenstraße blickte?

In einem nächtlichen Vor-Ort-Termin

hatte das Gericht sogar begutachtet,

was al N. aus dem Fenster

hätte sehen können. Vor Gericht

blieben Aussagen des Zeugen dann

allerdings vage.Viele Fragen blieben

offen. Seiten 2und 3, 8

Rentner im

Osten könnten

verlieren

DIW Berlin: Angleichung

der Rente bringt Nachteile

VonTheresa Dräbing

Die geplante Rentenangleichung

zwischen Ost und West wird

sich nach Ansicht von Wissenschaftlern

des DIW Berlin negativ

für Ost-Rentner auswirken. „Die

Rentenangleichung hat langfristig

zur Folge,dass jüngereJahrgänge in

Ostdeutschland tendenziell verlieren“,

sagt Johannes Geyer, Rentenexperte

des DIW Berlin der Berliner

Zeitung.

Während Ostrentner, die jetzt

schon Zahlungen erhalten, von der

schnelleren Aufwertung der Rentenwerte

zwar eher profitieren werden,

würden zukünftige Jahrgänge eher

das Nachsehen haben. Geyer

schätzt, dass von einer niedrigeren

Rente bereits Menschen in den

neuen Bundesländernbetroffen sein

könnten, die jetzt um die 40 Jahrealt

sind. Der Grund: Das Lohnniveau

zwischen OstundWest hat sich noch

immer nicht angeglichen. 2018 lag

der durchschnittliche Monatsbruttoverdienst

von Ostdeutschen im

Schnitt bei 2790 Euro, imVergleich

zu 3340 Euro im Westen.

Gerade wegen des niedrigeren

Lohnniveaus werden die Renten in

den neuen Bundesländern seit der

Angleichung der Rentensysteme von

DDR und BRD auf Westniveau hochgewertet.

Damit soll spätestens 2025

Schluss sein. Wenn die Renten ab

diesem Zeitpunkt einheitlich berechnet

werden, sich das Lohnniveau

aber noch nicht vollständig angeglichen

hat, bekommen im Durchschnitt

alle künftigen Ostrentner weniger

Rentenpunkte.

Derzeit liegen die Renten in den

neuen Bundesländern im Durchschnitt

über denen derWestrentner –

mit Ost-Berlin an der Spitze.

Made in Berlin Seite 6

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2* Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Chemnitz −ein Jahr danach

„Die Taten haben

kein politisches

Motiv. Sie sind auch

weder politisch

noch medial

aufzuklären.“

Simone Herberger, Vorsitzende

Richterin, bei der Urteilsverkündung

„Wir sind mit dem

Urteil zufrieden.“

Oliver Minkley,

Anwalt und Nebenklage-Vertreter der

Schwester des Opfers

„Ich hoffe nicht,

das zweite Opfer des

eigentlichen Täters

zu werden.

Dessen erstes

Opfer ist Daniel H.“

Alaa S., Angeklagter, vor der

Urteilsverkündung. Gemeint ist Farhad

A., der auf der Flucht ist.

„Ich kann Ihnen versichern,

dass auf

mich persönlich von

irgendwelchen

übergeordneten

Stellen in keiner

Weise irgendwie

Druck ausgeübt

worden ist.“

Stephan Butzkies, Staatsanwalt

Der Angeklagte Alaa S. kommt am Donnerstag in Dresden mit Justizbeamten in den Saal.

Es ist nicht zu Ende

DPA/MATTHIAS RIETZSCHEL

Der Angeklagte im Verfahren um den Messerangriff muss ins Gefängnis. Die Verteidigung legt Revision ein

VonMartin Kloth und Cem-Odos Güler

Auf dem Innenhof hinter

dem Gericht fließen Tränen.

Während im Foyer

die Verteidigung des wegen

Totschlags verurteilten Syrers

den Gang in die nächste Instanz ankündigt,

wirddie frühereLebensgefährtin

vonDaniel H. vonBegleitern

getröstet. Knapp ein Jahr nach dem

Toddes 35-Jährigen durch Messerstiche

sorgt das Urteil des Landgerichts

Chemnitz am Donnerstag für

unterschiedliche emotionale Reaktionen

bei Prozessbeteiligten und

Zuschauern.

19 Verhandlungstage

Neun Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe

lautet die Entscheidung

der Schwurgerichtskammer in Dresden,

wo der Prozess aus Sicherheitsgründen

stattfand. Nach 19 Verhandlungstagen

sind die drei Berufsrichter

und zwei Schöffen überzeugt:

Alaa S. ist mitschuldig am Toddes

Deutschen am Rande des Chemnitzer

Stadtfestes am 26. August 2018 –

und dafür soll er wegen gemeinschaftlichen

Totschlags und gefährlicher

Körperverletzung hinter Gitter.

Nach seinem mutmaßlichen irakischen

Mittäter wirdnach wie vorinternational

gefahndet.

Mit einer bedauernden Kopfbewegung

in Richtung seiner Unterstützer

auf den Besucherplätzen und

gesenktem Kopf wird der 24-jährige

Syrer nach der Urteilsverkündung

aus dem Sicherheitssaal des Oberlandesgerichts

geführt. Seine Verteidiger

reagieren erzürnt. Anwältin Ricarda

Lang beklagt, das Urteil habe

bereits zu Prozessbeginn festgestanden

und wäre vor einem Gericht in

den alten Bundesländern sonie gesprochen

worden.

„Wir haben bereits Revision eingelegt

namens und im Auftrag unseres

Mandanten“, verkündet sie wenige

Minuten nach dem Urteilsspruch.

Die Verteidiger hatten im

Plädoyer einen Freispruch, die Aufhebung

des Haftbefehls und eine

Haftentschädigung aus Mangel an

Beweisen gefordert. „Das Urteil ist

falsch“, wettert Langs Anwaltskollege

Frank Wilhelm Drücke.

Dann holt Ricarda Lang zur

Rundumschelte aus. „Das ist ein

trauriger Tagfür den Rechtsstaat“,

sagt sie und fügt an: „Das Urteil

stand schon am ersten Tagfest.“ Sie

hatte bereits im Vorfeld versucht,

den Prozess in ein anderes Bundesland

verlegen zu lassen, war damit

aber vor dem Bundesgerichtshof

Am TatortinChemnitz erinnerteine Gedenkplatte an den getöteten Daniel H. IMAGO IMAGES

gescheitert. „Ich bin auch davon

überzeugt, wenn dieses Verfahren

bei einem anderen Gericht stattgefunden

hätte, wie zum Beispiel in

Nordrhein-Westfalen, Hamburg

oder wo auch immer, ineinem anderen

Bundesland, in einer anderen

Stadt, dass es niemals zu einer Verurteilung

gekommen wäre“, behauptet

sie.

Sie unterstelle dem Gericht zwar

keine Motive –essei aber nicht unbeeinflusst

von den politischen Verhältnissen

in Chemnitz. „Ich glaube

nicht, dass dieses Gericht sich davon

freimachen konnte.“ Sieund ihr Kollegen

hätten Alaa S. schon am ersten

Verhandlungstag gesagt, dass er verurteilt

werden würde.„DerMandant

war auf dieses Urteil vorbereitet“,

berichtet sie.

Hoffnung der Bürgermeisterin

Staatsanwalt Stephan Butzkies, der

zehn Jahre Haft für den Angeklagten

beantragt hatte, sieht sich in seiner

Beurteilung bestätigt. Dass es irgendeine

Einflussnahme auf ihn gegeben

habe, weist er weit von sich.

„Ich kann Ihnen versichern, dass auf

mich persönlich von irgendwelchen

übergeordneten Stellen in keiner

Weise irgendwie Druck ausgeübt

worden ist“, sagt er.

Die Oberbürgermeisterin von

Chemnitz, Barbara Ludwig (SPD),

forderte alle Beteiligten dazu auf, das

Urteil zu akzeptieren.„Es gibt ein Urteil

und das haben wir alle zu respektieren

–ich auch.Wir leben in einem

Rechtsstaat“, sagte sie im Rathaus

der Stadt. Schon vordem Prozessbeginn

im vergangenen März hatte

Ludwig die Hoffnung geäußert, dass

der Beschuldigte verurteilt werde.

Nahezu regungslos nehmen die

Schwester und die Mutter von Daniel

H., die als Nebenklägerinnen im

Saal sitzen, den Urteilsspruch auf.

Nach Verhandlungsende ziehen sie

sich umgehend zurück. „Wir sind

mit dem Urteil zufrieden“, gibt Anwalt

Oliver Minkley als Vertreter der

Schwester die Reaktion wieder. (dpa)

„Ich bin auch

davon überzeugt,

wenn dieses

Verfahren bei

einem anderen

Gericht stattgefunden

hätte, wie zum

Beispiel in

Nordrhein-Westfalen,

Hamburg oder wo

auch immer,

in einem anderen

Bundesland, in einer

anderen Stadt, dass es

niemals zu einer

Verurteilung

gekommen wäre.“

Ricarda Lang,

Verteidigerin von Alaa S.

„Es gibt

ein Urteil

und das haben wir

alle zu respektieren –

ich auch.

Wir leben in

einem Rechtsstaat.

Chemnitz war

viele Wochen

eine Mischung aus

Traurigkeit und

Angst, aber auch

aus Aufstehen

und Mut.“

Barbara Ludwig,

Oberbürgermeisterin von Chemnitz

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute wird es größtenteils sonnig. Dabei ist mit Höchsttemperaturen von

27 bis 29 Grad zu rechnen, und der Wind weht schwach aus südöstlichen

Richtungen. In der Nacht gehen die Temperaturen bis auf 15 Grad zurück.

Dazu sind die Sterne verbreitet am Himmel zusehen.

Biowetter: Witterungsbedingt gibt

es häufig Kopfschmerzen, Migräne

und Schwindelgefühle. Kreislaufbeschwerden

können drohen. Daher

sollte man körperliche Anstrengungen

vermeiden.

Pollenflug: Die Konzentration von

Beifuß- und Ambrosiapollen ist

mäßig bis stark. Örtlich fliegen Gänsefuß-,

Brennnessel-, Spitzwegerich

und Gräserpollen.

Gefühlte Temperatur: maximal 29Grad.

Wind: leichter Wind aus Südost.

Wittenberge

14°/28°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg

13°/29°

Luckenwalde

14°/29°

BERLIN

16°/29°

Sonnabend

Sonntag

Montag

wolkig heiter heiter

17°/27° 18°/30° 20°/32°

Prenzlau

14°/27°

Cottbus

13°/28°

Frankfurt

(Oder)

13°/28°

Hoch Corina liegt mit seinem Schwerpunkt über Osteuropa, dem Baltikum und

dem östlichen Mitteleuropa und sorgt für trocken-warmes Sommerwetter. Von

der Iberischen Halbinsel bis ins östliche Mittelmeer und Südrussland herrscht

heißes Wetter. Einzelne gewittrige Schauer ziehen über den Alpenraum und die

Adria.

Sylt

13°/25°

Hannover

14°/28°

Köln

14°/30°

Saarbrücken

14°/27°

Konstanz

15°/26°

Hamburg

13°/26°

Erfurt

11°/29°

Frankfurt/Main

15°/29°

Stuttgart

14°/27°

Rügen

14°/26°

Rostock

13°/26°

Magdeburg

14°/29°

Nürnberg

12°/27°

München

13°/25°

Dresden

14°/26°

Deutschland: Heute dominiert bei

teils leicht bewölktem Himmel überwiegend

sonniges Wetter. Die

Höchsttemperaturen betragen zumeist

25bis 30 Grad, die Tiefstwerte

17 bis 12 Grad. Der Wind

weht schwach aus Südost. Morgen

gibt es zeitweise Sonnenschein, ab

und zuaber auch Wolken, und die

Temperaturspanne reicht von 25 bis

32 Grad. Der Wind weht nur schwach

aus Ost.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 18°-20°

Nordsee: 18°-19°

Mittelmeer: 24°-31°

Ost-Atlantik: 17°-22°

Mondphasen: 23.08. 30.08. 06.09. 14.09.

Sonnenaufgang: 06:01 Uhr Sonnenuntergang: 20:15 Uhr Mondaufgang: 23:33 Uhr Monduntergang: 14:17 Uhr

Lissabon

33°

Las Palmas

33°

Madrid

34°

Reykjavik

15°

Dublin

20°

London

27°

Paris

30°

Bordeaux

34°

Palma

32°

Algier

29°

Nizza

29°

Trondheim

16°

Oslo

22°

Stockholm

18°

Kopenhagen

23°

Berlin

29°

Mailand

33°

Tunis

33°

Rom

30°

Warschau

25°

Wien

28° Budapest

31°

Palermo

31°

Kiruna

14°

Oulu

15°

Dubrovnik

32°

Athen

35°

St. Petersburg

21°

Wilna

24°

Kiew

24°

Odessa

32°

Varna

32°

Istanbul

30°

Iraklio

31°

Archangelsk

17°

Moskau

22°

Ankara

28°

Antalya

36°

Acapulco 34° heiter

Bali 35° heiter

Bangkok 33° Gewitter

Barbados 30° heiter

Buenos Aires 16° heiter

Casablanca 34° sonnig

Chicago 23° heiter

Dakar 28° Schauer

Dubai 39° sonnig

Hongkong 34° Gewitter

Jerusalem 37° sonnig

Johannesburg 25° sonnig

Kairo 37° sonnig

Kapstadt 23° sonnig

Los Angeles 22° heiter

Manila 30° wolkig

Miami 33° wolkig

Nairobi 27° bewölkt

Neu Delhi 37° wolkig

New York 28° bedeckt

Peking 34° heiter

Perth 16° Regen

Phuket 33° wolkig

Rio de Janeiro 22° Schauer

San Francisco 22° heiter

Santo Domingo 33° heiter

Seychellen 26° bewölkt

Singapur 33° Gewitter

Sydney 19° sonnig

Tokio 29° Regen

Toronto 24° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 3 *

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Chemnitz −ein Jahr danach

Demonstration gegen rechts in Chemnitz im 1. Mai 2019

DPA-ZENTRALBILD/SEBASTIAN WILLNOW

Eine Frau fängt einen blauen Luftballon,

hält ihn fest, schaut ihn an,

liest die rote Aufschrift, macht eine

Handbewegung, als würde sie etwas

wegwischen wollen, sagt dann: „Aber

was draufsteht, ist nicht so schön.“ In ihrem

Gesicht die Frage: Wassoll ich bloß machen?

Vorihr steht ein Junge in Daunenweste,

den Kopf leicht zur Seite geneigt, vielleicht

kann er noch nicht lesen, spricht vielleicht

gar kein Deutsch, klar ist nur,erwill den Luftballon

haben. Die Frau zögert, aber er bekommt

ihn und rennt gleich zu seiner Mutter,die

schaut, liest, etwas sagt, ein Kopftuch

trägt, den Ballon zum Spielen freigibt.

Die Familie geht weiter Richtung Straße

der Nationen, Innenstadt Chemnitz, wo an

diesem Vormittag Amnesty International einen

Informationsstand aufgebaut hat. Die

Forderung: „Rechte von Schutzsuchenden

stärken“. Daneben ein Wahlkampfzelt, „Mut

zur Wahrheit“, es gibt blaue Luftballons zum

Mitnehmen, rote Aufschrift: „Alternative für

Deutschland“. Einleichter Wind geht.

DieWahrheit ist: Ich weiß nicht, ob diese

Szene dabei hilft, Chemnitz zu verstehen, die

Chemnitzer zu beschreiben, nur weil eine

Frau die AfD nicht mag und ein Kind keinen

deutschen Pass haben könnte. Aber immerhin

unterscheidet sie sich von den kollektiven

Bildern von damals, Ende August 2018,

als ein rechter Mob auf Hetzjagd ging und

Chemnitz zur Chiffre machte; als eine Stadt

geteilt wurde in wir und die anderen, in „Bist

du mit uns oder gegen uns“, in ein Davorund

ein Danach. Vorund nach den Ereignissen,

wie viele hier in Chemnitz sagen.

Undzur Wahrheit gehört: Ichhabe das alles

mit meinem Smartphone gefilmt, weil ich

dachte, dass mir das keiner glauben wird,

wenn ich davon erzähle.

Subtile Bedrohung

Gerrard Schueft kommt, schmale Schultern,

TypLangschläfer,erwar mal bei der Piratenpartei,

ist heute bei „Chemnitz für alle“ aktiv,

einem Bündnis, das sich nach den Ereignissen

und Gegen-Ereignissen (#wirsindmehr)

gegründet hat und bei den Stadtratwahlen

im Mai einen Sitz gewann. Schueft sieht

noch Mutter, Kind, Ballon und wie sie Richtung

Alanya Kebab abbiegen, wo vor einem

Jahr in der Brückenstraße ein tödlicher Streit

begann. Hier liegt die silberne Gedenkplatte

für Daniel H., erstochen am 26. August 2018;

verurteilt wurde am Donnerstag der Syrer

Alaa S. Hier befindet sich das Karl-Marx-Monument,

wo sich nach dem Mord eine Menschenmasse

zum Hassen versammelt hatte

und wo sich gerade ein Demonstrationszug

gegen das Clubsterben in Chemnitz formiert,

Boxen, Bässe, auf einem Lastwagen

die Regenbogenfahne: „Nur die Liebe zählt!“

Ich erzähle Schueft von der Ballonszene,

er sagt: „Soist es,wenn man noch unvoreingenommen

ist.“ Dann biegen wir in die andere

Richtung ab, wir wollen zum Weinfest,

wollen über eine verwundete Stadt sprechen,

ihreSelbstheilungskräfte und darüber,

was es bedeuten könnte, wenn Chemnitz

tatsächlich 2025 den Titel Kulturhauptstadt

Chemnitz ist eine geteilte Stadt –geteilt in eine Zeit vor und eine Zeit nach

den Ereignissen vor einem Jahr.Eine Stadt, die sich verteidigen muss,

nach innen und nach außen. Aber wie ändert man ein Image?

Plan C

VonPaul Linke, Chemnitz

Europas erhält. Bis Ende September muss

die Bewerbung bei der Kulturstiftung der

Länder eingereicht werden. Die Entscheidung

fällt im kommenden Jahr.

Das Weinfest gibt es seit 1990. Mit fünf

Winzern ging es los, dieses Mal sind es dreißig

aus ganz Deutschland, es gibt über tausend

Sitzplätze auf dem Neumarkt, sie nennen

es Weindorf, und es sieht fast so aus.

Schueft bestellt einen Portugieser, 0,1 Liter.

Zu Beginn des Gesprächs sagt er:„Chemnitz

hat seine Identität verloren. Manhat das Gefühl,

es fließt alles so dahin.“ Und amEnde:

„Ich will dir mitgeben, dass es hier trotz allem

ein positives Lebensgefühl gibt.“

Chemnitz ist eine Stadt geworden, die

sich verteidigen muss,nach innen und nach

außen. Doch die Chemnitzer hatten sich vorher

schon daran gewöhnt, misstrauisch beäugt

und mitleidig befragt zu werden. Schueft

sagt: „Davor waren die Reaktionen: Du

kommst aus Chemnitz? Uh und ah, Schmuddelkind,

Scheißstadt, habe ich gehört –und

dann war das Gespräch schon wieder beendet.“

Danach habe sich etwas geändert. „Der

positiveEffekt ist“, sagt Schueft,„die Gespräche

dauern jetzt länger.“ Es sind Aufklärungsgespräche

in eigener Sache.

Schueft steht nicht im Verdacht, Worte

ohne Wirkung zu wählen. Er ist Moderator,

Kulturveranstalter, Poetry Slammer, imvergangenen

Jahr hat er die Stadtmeisterschaft

gewonnen, das Halbfinale um den deutschsprachigen

Titel erreicht. Auf seiner Visitenkarte

steht: „Auf dem Boden der Tatsachen

liegt viel zu wenig Konfetti. Bisjetzt!“ Als Teilzeitpolitiker

schrieb er vor der Stadtratwahl

auf Facebook: „Chemnitz will mehr. Chemnitz

kann mehr. Chemnitz ist mehr.“ Die

Stadt soll „der bunte, tolerante und lebenswerte

Ort“ bleiben. Nicht alle sehen das so.

Undeinige sehen es ganz anders.

Im Wahlkampf wurde Menschenkot in

seinen Briefkasten geworfen, Vermummte

filmten ihn auf der Straße.Schueft nennt das

ironiefrei: „subtile Bedrohung“. Früher sei es

noch viel schlimmer gewesen. Da sei er vor

denen davongerannt. Er sagt: „Sachsen und

Chemnitz hatten und haben ein Problem,

werdas abstreitet, ist nicht nur auf dem rechten

Auge blind, sondern auf beiden.“ Schueft,

40, geboren in Karl-Marx-Stadt, aufgewachsen

in Chemnitz, dachte daran wegzuziehen.

Er ist geblieben. Es gibt zu viel zu tun.

Chemnitz will gerade jetzt gesehen werden,

hat diesen Plan C, wie nicht alles, aber

zumindest das Image der Stadt besser werden

kann. Doch Kulturhauptstadt Europas,

das wollen Dresden, Zittau, Magdeburg und

Gera auch werden, und das sind nur die Ostbewerber.

Ihre Stadt, wiederholt Barbara

Ludwig, die sozialdemokratische Bürgermeisterin

vonChemnitz, gerne,brauche diesen

Titel wie keine andere. Auch sie weiß ja:

Vorher war es den meisten Menschen egal,

wo dieses Chemnitz liegt, danach hatten es

alle mitbekommen, dass der bronzene Karl-

„Nach den Ereignissen

hieß es, Chemnitz muss

Kulturhauptstadt

werden, gerade

deswegen. Doch dieser

Mitleidsbonus würde

der Stadt nicht guttun.“

Gerrard Schueft ist Poetry Slammer und aktiv

im Wahlbündnis „Chemnitz für alle“.

Marx-Kopf im Volksmund Nischel heißt und

dass Neonazis dort Hitlergrüße und ihre

nackten Hinternzeigen durften.

Aufdem Coverder Bewerbungsbroschüre

für 2025 steht: „Was soll denn das? Was ist

denn das? Wasbringt denn das?“ Absatz und

dann trotzig weiter: „Wir machen das!“ Das

Vorwort der Bürgermeisterin beginnt mit:

„Unsere Stadt ist weder grau noch braun.

Aber das bunte Chemnitz ist keine Selbstverständlichkeit.“

Es braucht nun mal Beweise.

Am Wochenende etwa findet das Bürgerfest„Herzschlag“

statt, als Ersatz für das abgesagte

Stadtfest, bei dem Daniel H. im vergangenen

Jahr ums Leben kam. Doch für Sonntag

hat die rechtsextreme und sogenannte Bürgerbewegung

ProChemnitz eine Demonstration

angekündigt. In einem Interview hatte

sich Ludwig eine Verurteilung vonAlaa S. gewünscht.

Um des Stadtfriedens willen.

Diemeisten Kulturschaffenden in Chemnitz,

viele Vertreteraus Wirtschaft und Politik

haben sich für die Bewerbung ausgesprochen.

Eine Umfrage hat ergeben, dass drei

Viertel der Bevölkerung immerhin Bescheid

weiß. Die AfD ist dagegen, hat im Februar

eine Petition gestartet, in der es heißt: „An

vielen Stellen des täglichen Lebens spüren

die Menschen, dass diese Millionen in dringenderen

Projekten benötigt werden.“ Nach

vier Monaten wurde die Petition gestoppt,

162 Unterzeichner hatten sich gefunden. In

Chemnitz wohnen etwa 250 000 Menschen.

Schueft findet den Kulturhauptstadtplan

grundsätzlich gut, aber das Motiv eher

schlecht gewählt: „Nach den Ereignissen

hieß es, Chemnitz muss es werden, gerade

deswegen. Dieser Mitleidsbonus würde uns

nicht guttun.“

Chemnitz ist eine Arbeiterstadt, schon

immer gewesen, galt als das sächsische Manchester,

Schwerpunkt Maschinenbau, dann

fiel die Mauer,gingen Zehntausende Arbeitsplätzeverloren,

wurde übersehen, was nicht

sein durfte, wuchsen rechte und rechtsextreme

Strukturen und wurden verharmlost.

Aus der Stadtgeschichte leitet sich das Kulturhauptstadtmotto

„AUFbrüche“ ab, denn

dieZukunft gibt es hier nie ohne die brüchige

und brutale Vergangenheit.

Seit der Jahrtausendwende ist Chemnitz

wieder ein aufstrebender Wirtschaftsstandort,

die Bevölkerungwächst, die Mieten sind

immer noch günstig im Vergleich mit Dresden

oder Leipzig, es gibt immer mehr Studenten,

Start-ups–aber immer noch keinen

ICE-Anschluss. Das ist ein sehr wichtiges

Thema vor den Landtagswahlen am 1. September,wie

die Wahlplakate in der Stadtzeigen.

DieKulturhauptstadtbewerbung taucht

auf ihnen nicht auf. Die Linke fordert den

„Weltfrieden“, die AfD behauptet: „Hass hat

bei uns keine Heimat“.

In den früheren Fabrikgebäuden finden

heute Kunstfestivals statt, sind Clubs eingezogen,

werden Lofts gebaut. In Chemnitz

kommen die Großstadttrends zwar mit Verzögerung

an; es gibt noch keine E-Scooter.

Aber Gentrifizierung ist längst kein Gerücht

mehr. Schueft findet: „Chemnitz ist wie das

Berliner der Achtziger, nur mit den Menschen

vonheute.“

Als der Stammclub der Band Kraftklub vor

ein paar Jahren umziehen musste, entstand

der Song „Meine Stadt ist zu laut“, und darin

spricht der Investor: „Dann betreibt doch

eureKlubs irgendwo am Rand der Stadt, aber

nicht in meiner Nachbarschaft, nicht vor

meinem Haus,das gehörthier alles mir,weil

ich hab’das gekauft.“

Dasaaltramussman schon kennen, denn

zufällig findet man nichts in dieser Stadt.

Chemnitz ist wie Liebe auf den fünften Blick.

Das aaltra, ein Mischung aus Konzertraum,

Debattierclub und Bar, befindet sich im angesagtenWohnviertel

Kaßberg, oben in einer

Stadtvilla. Undesist auch bedroht; nebenan

soll gebaut werden, ein Zaun istschon da.

Ich treffe Maria Kreusslein, Susen Döbelt

und Franziska Hartwich im Biergarten: Hollywoodschaukeln,

bunte Lichterketten, um

Papier zu sparen, kann man sich die Rechnung

per Mail zukommen lassen. Die drei

sind Mitte dreißig, arbeiten an der TU Chemnitz,

beschäftigen sich mit Elektromobilität,

Nachhaltigkeit, dem Erleben und Verhalten

von Menschen im Straßenverkehr –und sie

schreiben gern Anträge, etwa den „Antrag

zur Unterstützung und Vorstellung des Projektes:

Spannungsfeld bewegtes Chemnitz“.

Wenn aus Empörung Tatkraft wird

Kreusslein hatte ein Fernsehinterview gesehen,

ein Mann sagte in die Kamera: „Kulturhauptstadt?

Was soll das? Diese Stadt hat

nichts.Chemnitz wirdnie Kulturhauptstadt,

nie.“Siedachte sich: „Was zum Teufel? Diese

Stadt bietet so viel Kultur,die Leute sehen es

nur nicht oder wollen es nicht sehen.“ Aus

Empörung wurde Tatkraft, aus einer Idee der

Plan, sich um 2500 Euro Fördergeld zu bewerben

im Rahmen der Mikroprojekte, die

Chemnitz auf demWegzur Kulturhauptstadt

regelmäßig ausschreibt.

Kreusslein hatte mal ein mobiles Fahrradkino

in Erfurtgesehen, das wollte sie jetzt für

ihreStadt. DasPrinzip: Acht Leute strampeln

für den Strom, die anderen schauen zu, verlassen

vielleicht eher ihre Wohnung, wenn

das Kino vorder Haustürsteht,kommen ins

Gespräch, hören zu, lassen sich auf andere

Meinungen ein, streiten über die Filmauswahl.

„Die Frage ist“, sagt Kreusslein, „ob die

Leute verstehen, dass man nicht ewig in der

Opferrolle bleiben kann. Man muss jetzt etwas

machen, weil Begegnungen Vorurteile

abbauen.“

Deshalb, da sind sich die drei einig, sollte

Chemnitz Kulturhauptstadt Europas werden.

Nichtaus Mitleid. Als Würdigung für die

kleinen und großen Anstrengungen.

Paul Linke

wünscht Chemnitz den Titel Kulturhauptstadt

Europas 2025.


4* Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Politik

„Wir müssen aufpassen, uns nicht in eine Krise hereinzureden“

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil über die deutsche Wirtschaft, die Grundrenten-Debatte und den Zustand der SPD auf der Suche nach einer Spitze

Schwächelnde Konjunktur,

Grundrenten-Streit: Arbeitsminister

Hubertus Heil

(SPD) hat jede Menge zu

tun. Im Interview fordert erRealismus

statt Pessimismus. Und zeigt

sich erfreut über die Entwicklung bei

der Vorsitzenden-Suche in der SPD.

Herr Heil, die Grundrente ist wieder

einmal vertagt worden. Steht das

Ganzejetzt vordem Scheitern?

Nein, im Gegenteil. Wirsind beim

letzten Koalitionsausschuss einen

Schritt weitergekommen. Aber natürlich

hätte ich mir eine schnellere

Lösung gewünscht. Wir haben jetzt

aber einen klaren Zeitplan für eine

Lösung.

Der Druck der Wahlkämpfer von

CDU und SPD in Ostdeutschland

scheint nicht gewirkt zu haben ...

Wiegesagt, ich hätte mir eine Lösung

vor den Landtagswahlen gewünscht.

Aber letztlich geht es nicht

um SPD oder CDU und CSU, sonderndarum,

dass die Menschen, die

sich eine Grundrente verdient haben,

diese pünktlich zum 1.1.2021

auch bekommen. Dafür arbeite ich.

Dafür müssen wir die noch bestehenden

Unterschiede in der Koalition

überwinden.

Konkret bitte?

Von meinem Vorschlag würden

bundesweit 2,9 Millionen Menschen

profitieren. In Ostdeutschland wären

es750 000. Würden wir dem folgen,

was ich aus der Union höre,

würden gerade einmal 17 000 Menschen

in Ostdeutschland die Grundrente

erhalten. Dabei hat die Grundrente

im Osten eine besonders hohe

Relevanz. Dort hat es sehr viel mehr

Frauenerwerbstätigkeit gegeben –

bei gleichzeitig sehr viel niedrigeren

Löhnen. Hinzu kommt: Im Osten

sind die Menschen sehr viel stärker

auf die gesetzliche Rente angewiesen.

Viele verfügen dort nicht über

eine zusätzliche Altersversorgung.

Millionen Menschen verdienen so wenig,

dass ihreRente nicht für ein Leben

ohne staatliche Unterstützung reichen

wird. Warum wird nicht stärker über

Zusatzvorsorge nachgedacht?

Die beste Vorsorge sind höhere

Löhne und mehr Tarifbindung. Denn

die Einkommen sind die Grundlage

für die Ansprüche, die sich dann in

der Rente ergeben. Das Kernversprechen

des Sozialstaats ist eine auskömmliche

Rente nach einem Leben

voller Arbeit.Wenn jemand zusätzlich

betrieblich oder privat vorgesorgt hat,

bleibt das trotzdem richtig.

Wasist eigentlich aus den Überlegungen

der GroKo für eine Betriebsrentner-Entlastung

geworden?

Ichwill den Effekt der Doppelverbeitragung

bei den Krankenversicherungsbeiträgen

dämpfen. Denn

doppelte Beiträge bei der Betriebsrente

halten viele davon ab, zusätzlich

vorzusorgen. Darüber werden

wir im Herbst in der Koalition sprechen.

Die SPD will hier bereits seit

längerem für Entlastung sorgen. In

der CDU gibt es dazu inzwischen

auch Beschlüsse. Mit gutem Willen

sollten wir das also hinkriegen.

Woher wollen Sie das Geld für die

Entlastung von Betriebsrentnern

nehmen?

Auch darüber müssen wir verhandeln.

Ich will nur darauf hinweisen,

dass es in der Krankenversicherung,

für die der Kollege Spahn Verantwortung

trägt, durch die Verbesserung

bei der Mütterrente und die Einführung

der Grundrente dauerhafte

Mehreinnahmen gibt. Diese können

genutzt werden, um den Effekt der

Doppelverbeitragung zu dämpfen.

Weniger Aufträge, sinkende Produktion,

Rezession in der Metall- und

Elektroindustrie – steuert Deutschland

auf eine Wirtschaftskrise zu?

Im Moment erleben wir eine

deutliche Abkühlung der Konjunktur,

aber keine Wirtschaftskrise. Wir

müssen auch aufpassen, dass wir

uns nicht in eine Krise hereinreden.

Es gibt jedoch weltwirtschaftliche

Risiken, die nicht kalkulierbar sind.

Wir wissen zum Beispiel nicht, welche

Auswirkungen ein harter Brexit

auf uns und auf die Weltwirtschaft

haben könnte.

Müssen wir uns künftig wieder auf

schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt

einstellen?

ZUR PERSON

Hubertus Heil wurde am 3. November 1972 in Hildesheim geboren. In Potsdam studierte er

Politikwissenschaft und Soziologie.

In die SPD trat Heil 1988 ein. Er war Generalsekretär der Partei und stellvertretender Vorsitzender

der SPD-Bundestagsfraktion. Seit 2011 ist er Mitglied des SPD-Parteivorstandes.

Bundesminister für Arbeit und Soziales ist Hubertus Heil seit März 2018.

Die Beschäftigung wächst nach

wie vor. Im Maihatten wir 557 000 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigte

mehr als im Jahr zuvor. Allerdings

schwächt sich die Dynamik auf

dem Arbeitsmarkt ab.Wir sehen auch

einen leichten Anstieg bei der Kurzarbeit.

Ende Maihatten wir rund 41 000

Beschäftigte in Kurzarbeit, ein Jahr

zuvor waren es noch rund 12 000.

Auf welche Szenarien wäre der deutsche

Arbeitsmarkt vorbereitet?

Diegute Nachricht ist, dass wir für

deutlich schlechtereZeiten hervorra-

IMAGO STOCK&PEOPLE/INGA KJER

gend gerüstet sind. Bei der Bundesagentur

für Arbeit haben wir Krisenrücklagen,

die uns im Fall der Fälle

helfen, Brücken am Arbeitsmarkt zu

bauen –auch durch Kurzarbeit. Wo

möglich, sollte das künftig jedoch mit

Weiterbildung verbunden werden.

Dasist volkswirtschaftlich sinnvoll.

Sie haben einen Gesetzentwurf präsentiert,

der dafür sorgen soll, dass Beschäftigte

von heute auch die Arbeit

von morgen machen können. Schöne

Worte, hehreZiele –aber nicht mehr?

Nein, das Ganze ist sehr konkret.

Mit dem Qualifizierungschancengesetz,

das zu Jahresbeginn in Kraft getreten

ist, setzen wir bereits Anreize

für mehr Weiterbildung in Unternehmen,

die mit Strukturwandel oder

Fachkräftemangel zu kämpfen haben.

Daran knüpfe ich jetzt mit meinem

Vorschlag für ein „Arbeit-vonmorgen-Gesetz“

an. Nehmen Sie die

Automobilindustrie: Der Umstieg in

den Antriebstechnologien wirdinZukunft

andereQualifikationen vonden

Beschäftigten erfordern. Weiterbildung

ist deshalb das Aund O. Wir

müssen die Beschäftigungsfähigkeit

der Arbeitnehmer erhalten.

IstQualifizierung in Zeiten vonFachkräftemangel

nicht allein Sache der

Arbeitgeber?

Natürlich ist es in erster Linie Aufgabe

der Unternehmen, sich um die

Weiterbildung ihrer Beschäftigten zu

kümmern. Das bleibt auch künftig

so. Esgeht auch nicht darum, diese

Investitionen zu ersetzen.Wirwollen

Anreize schaffen –gerade für kleine

und mittlere Unternehmen. Wer in

Weiterbildung investiert, den können

wir unterstützen. Aber ohne eigene

Investitionen gibt es auch künftig

keine Unterstützung.

DieIGMetall warnt vorindustriellen

Wüsten, die entstehen könnten, sollten

in der Autoindustrie massiv Arbeitsplätzeabgebaut

werden müssen.

Schwarzmalerei oder realistisches

Szenario?

Es ist die gemeinsame Aufgabe

von Staat, Arbeitgebern und Gewerkschaften,

die Transformation

unsererWirtschaft aktiv zu gestalten.

Und zwar ohne Strukturbrüche.Wir

haben die Chance,das hinzubekommen.

In der Automobilindustrie

etwa geht es nicht nur um neue Antriebe,sondernauch

um die Digitalisierung

der Produktion. Das betrifft

nicht nur große Unternehmen wie

BMW, Daimler und VW, sondern die

gesamte Zulieferindustrie bis hin zu

kleinsten Unternehmen. Und es

hängen viele Regionen an dieser

Flaggschiff-Industrie.

DieSPD sucht gerade eine neue Führung.

Sind Sie eigentlich froh, nicht

kandidieren zu müssen?

Ich freue mich, dass wir starke

Kandidatinnen und Kandidaten haben.

Jetzt haben die Mitglieder das

Wort. Dieses Land braucht eine

starke SPD. Und die SPD braucht

eine starke Führung mit Erfahrung

und Durchsetzungskraft. Die Sozialdemokratie

hat die Aufgabe, diese

Gesellschaft zusammenzuhalten.

Raus aus der GroKooder drin bleiben

–bei derVorsitzenden-Kür ist das eine

der entscheidenden Fragen. Stehen

die SPD-Bundesminister ohne Wenn

und Aber für eine Fortsetzung der Koalition?

Es gibt in den nächsten Wochen

und Monaten viel zu entscheiden.

Wir müssen mehr investieren: in

Schulen, Straßen, in unser digitales

Netz. Und wir brauchen Lösungen

beim Klimaschutz und bei Fragen

des sozialen Ausgleichs und bei der

Grundrente. Wenn wir das gemeinsam

in der Koalition schaffen, bin ich

für weiterregieren. Ich will, dass

diese Regierung erfolgreich für

Deutschland arbeitet.

DasGespräch führte

Rasmus Buchsteiner.

Expedition in eine fremde Heimat

Familienministerin Giffey begibt sich auf Sommerreise nach Brandenburg und Sachsen. Sie versucht herauszufinden, warum die Menschen nicht SPD wählen

VonSabine Rennefanz, Radebeul

Kurz vor den Landtagswahlen in

Brandenburg und Sachsen versucht

Bundesfamilienministerin

Franziska Giffey, auf ihrer Sommertour

den Osten zu ergründen. „Wie

ist die Lage nach dreißig Jahren Mauerfall,

warum wählen die Leute AfD,

das interessiert mich“, sagte die

SPD-Politikerin zum Auftakt. Man

müsse viel stärker mit den Menschen

ins Gespräch kommen und

zuhören. In Brandenburg und Sachsen

wird am1.September gewählt.

Die AfD könnte stärkste Partei werden.

Für die SPD sieht es mies aus,

sie liegt in Umfragen in Sachsen bei

acht Prozent.

Giffey stammt selbst aus einem

Dorf bei Fürstenwalde, war elf Jahre

alt beim Mauerfall. Sie redet über

ihre eigenen Erfahrungen. Ihre Eltern

sind nach der Wende auch arbeitslos

geworden, mussten sich neu

orientieren. Ihre Mutter war Buchhalterin,

ihr Vater Kfz-Mechaniker.

Giffeys Reise führte sie in die Industriestadt

Eisenhüttenstadt, die

seit der Wende die Hälfte ihrer Einwohner

verloren hat, zu einer Rückkehreragentur

nach Finsterwalde,

zum Bürgerdialog im sächsischen

Riesa und in ein Familienzentrum

nach Radebeul. Immer wieder fragt

sie, wie es den Menschen gehe, woher

die Wutund die Unzufriedenheit

kämen. Auf offene Wut trifft die Ministerin

aber wenig.

Die Themen, die die Menschen

bewegen, sind meist aber nicht die

AfD, sondern eher mangelnde Infrastruktur,

überbordende Bürokratie,

fehlende Erzieherinnen. In Eisenhüttenstadt

spaziertGiffey durch die

sanierte Stadt, spricht Passanten an,

erkundigt sich nach der Lebensqualität.

Die mangelnden Bahn-Verbin-

Franziska Giffeymit Bürgermeister Frank Balzer in Eisenhüttenstadt

dungen nach Berlin seien ein Problem,

sagt der Bürgermeister Frank

Balzer.

Giffey tritt auf wie die Kommunalpolitikerin,

die sie als Neuköllner

DPA/PATRICK PLEUL

Bürgermeisterin war.Sie wirkt vorallem

in ihrem Element, wenn sie mit

Bürgern redet. Sie fragt immer wieder

nach Erfahrungen in der Wendeund

Transformationszeit. Sie sucht

Antworten auf die Frage nach dem

Erfolg der AfD,kommt aber oft nicht

weiter: „Es muss in der Belegschaft

AfD-Anhänger geben, aber ich

kenne die nicht. Wirreden hier nicht

viel über Politik“, sagt der Betriebsratschef

des Chemiebetriebs Wacker

in Riesa, Göran Gust.

Das Chemiewerk in Riesa existierte

schon zu DDR Zeiten und

wurde 1998 von dem Münchner

Konzern Wacker übernommen. „Es

hat mich schon nachdenklich gemacht,

wenn ich sehe,dass die Chefs

und selbst die Pressefrau alle aus

dem Westen kommen und die Arbeiter

aus dem Osten“, sagt Ministerin

Giffey nach dem Besuch. Es brauche

mehr ostdeutsche Führungskräfte.

Giffey selbst ist eine der wenigen

Ostdeutschen im Kabinett, und

nachdem sie als Hoffnungsträgerin

gehandelt wurde,ist ihreZukunft als

Ministerin gerade unsicher. Derzeit

wird geprüft, ob ihre Doktorarbeit

von vor zehn Jahren ein Plagiat war.

Wenn der Prüfungsausschuss der

Freien Universität ihr den Titel aberkennt,

wolle sie ihr Amt niederlegen.

Das hatte sie vergangene Woche erklärt.

In dem Zusammenhang hatte

sie auch eine Kandidatur für den

SPD-Vorsitz ausgeschlossen.

Viele waren davon enttäuscht.

Auch auf der Reise begegnen ihr

Fans.„Bleiben Siestarkwie ein Bär“,

ruft ihr ein Eisenhüttenstädter Genosse

hinterher. Manche sehen sie

als Ministerin auf Abruf.

Doch dem Eindruck, dass mit ihr

in der Politik nicht mehr zu rechnen

sei, falls sie den Titel verliert, tritt sie

entgegen: „Ich bin ein politischer

Mensch, und es gibt so viel zu tun. Ich

habe weiter vor, sozialdemokratische

Politik zu machen“, sagt sie.Sie wirkt

gelöst, fast erleichtert. Es gibt in der

SPD noch andereAufgaben.


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 5 *

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Politik

SPD will

Ausbildung im

Irak beenden

Aufklärungsflugzeuge sollen

weiter den IS bekämpfen

VonDaniela Vates

In der Koalitionsdebatte um die

Verlängerung des Bundeswehr-

Einsatzes in Irak und Syrien plädiert

die SPD für eine Veränderung der

Mission der deutschen Soldaten. Besonders

eine Fortsetzung der Ausbildung

vonirakischen und kurdischen

Sicherheitskräften durch die Bundeswehr

sieht die SPD skeptisch.

„Es gibt keine zwingenden

Gründe, den Ausbildungseinsatz im

Irak fortzusetzen“, sagte SPD-Außenpolitiker

Nils Schmid der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). DieStabilisierung des

Landes sei dringend nötig. Allerdings

müsse hier künftig ein größererSchwerpunkt

auf der wirtschaftlichen

Stärkung liegen, so Schmid.

Kompromiss mit der Ministerin

Ein Kompromissangebot an Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-

Karrenbauer (CDU), die das Mandat

verlängern will, könnte offenbar in

der Fortsetzung der Aufklärungsflüge

durch deutsche Tornado-

Kampfflugzeuge bestehen.

Zwar sei auch diese Entscheidung

noch offen, betonte SPD-Politiker

Schmid. Man müsse allerdings feststellen,

„dass die Zusage des Verteidigungsministeriums,

für eine Ablösung

des deutschen Engagements zu

sorgen, nicht eingehalten wird“. Die

Fähigkeiten, die die Bundeswehr mit

der Luftwaffe in den Einsatz einbringe,

könnten von Partnernationen

offenbar nicht ersetzt werden.

Ein Bundeswehrsoldat (l.) bei der Ausbildung

von kurdischen Peschmerga DPA

Auch SPD-Verteidigungsexpertin

Siemtje Möller sagte, die Ausbildungsaufgaben

der deutschen Soldaten

umfassten zum Teil Basisaufgaben.

Es sei fraglich, ob dies „militärisch

sinnvoll“ sei. Sie frage sich,

„ob wir den Soldaten dafür zumuten

sollten, sich in so eine Bedrohungslage

zu begeben“, so Möller.

Kramp-Karrenbauer hatte zuvor

erneut betont, sie halte es für sinnvoll,

das Bundeswehr-Mandat für

den Anti-IS-Kampf zu verlängern,

weil der IS zwar zurückgedrängt sei,

aber weiter ein Risiko darstelle.

Das Mandat der Bundeswehr für

den Einsatz im Irak und in Jordanien

endet am 31. Oktober. ImRahmen

eines von der Nato unterstützten

Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer

Staat fliegt die Bundeswehr

von Jordanien aus Überwachungsflüge

über dem Irak und Syrien. Im

Irak bilden deutsche Soldaten Sicherheitskräfte

aus. Das Mandat hat

eine Obergrenze von 850 Soldaten.

Im Einsatz sind derzeit etwa 450.

Deutschland steht international

unter Druck, sich weiter am Kampf

gegen den IS zu beteiligen, wie sich

beim Besuch von Kramp-Karrenbauer

zeigte. Die irakische Führung

wolle, dass Deutschland sein Engagement

fortführeund möglichst verstärke,

hatte die CDU-Chefin nach

ihren Gesprächen in Bagdad erklärt.

Auch für die Führung der internationalen

Militärkoalition wäreein möglicher

Abzug deutscher Soldaten, die

die Luftaufklärung über Syrien praktisch

vollständig übernommen haben,

ein „schwerer Schlag“.

Angriff auf die Rathäuser

Präsident Erdogan erhöht mit der Absetzung von HDP-Bürgermeistern den Druck auf die Opposition

VonFrank Nordhausen

Jeder kann wählen, wenerwill –

außer er stimmt für die Opposition.

So geht ein bekannter

Witz über die „fortgeschrittene

Demokratie“ des türkischen Präsidenten

Recep Tayyip Erdogan. Mit

der Absetzung der Bürgermeister der

drei wichtigsten kurdisch geprägten

Provinzmetropolen hat der Staatschef

am Montag die nächste rote Linie

bei seiner Schussfahrt indie Tyrannei

genommen. Dengeschassten

Bürgermeistern der prokurdischen

HDP wird „Terrorunterstützung“

durch Umleitung kommunaler Gelder

an die verbotene kurdische Arbeiterpartei

PKK unterstellt, ohne

dass es dafür Beweise gibt. So wurde

etwa der Bürgermeister im südostanatolischen

Mardin, Ahmet Türk,

2016 schon einmal mit den gleichen

Vorwürfen abgesetzt, aber für die

Kommunalwahlen vomMärzwieder

zugelassen, weil ihm kein Fehltritt

nachzuweisen war. Türk holte 56

Prozent der Stimmen.

Mit den antidemokratischen

Maßnahmen hat Erdogan die Resultate

der Kommunalwahlen in Diyarbakir,

Mardin und Vanpraktisch annulliert.

Er wiederholt damit seine

willkürliche Aufhebung des Wahlresultats

in Istanbul und beweist erneut,

dass er seine Herrschaft inzwischen

auf autoritäre Machtmittel

stützen muss. Inder Türkei zweifelt

kaum jemand daran, dass weitere

Absetzungen wie nach dem Putschversuch

vomJuli 2016, als 95 von103

gewählten HDP-Bürgermeistern gefeuert

wurden, folgen werden. Die

Opposition spricht von einem „zivilen

Putsch“.

Rache für Kommunalwahlen

Warum aber geht Erdogan gerade

jetzt gegen die Kurdenvertreter vor?

Die einfachste Erklärung ist Rache

für die Kommunalwahlen. Im Wahlkampf

hatte Erdogan den Kurden bei

„falscher Wahl“ bereits mit erneuter

Absetzung der Bürgermeister gedroht.

Doch trotz einer gewaltigen

Propagandaschlacht der islamischen

Regierungspartei AKP wählte

Kurdistan wieder die HDP und fegte

die Staatskommissare aus den Rathäusern.

Als die HDP-Bürgermeister dann

die Bücher prüften, stellten sie fest,

dass Erdogans Zwangsverwalter öffentliche

Gelder in unglaublichem

Ausmaß verschwendet hatten. Doch

es wärezueinfach, die Absetzung der

Bürgermeister nur mit verlorenen Finanzquellen

der AKP zu erklären.

Protest gegen die Absetzung der Bürgermeister in Diyarbakir.

Dreiergipfel: Inmitten der

Eskalation der Gewalt in der

syrischen Rebellenbastion

Idlib wollen die Präsidenten

der Türkei, Russlands und

des Irans, Recep Tayyip Erdogan,

Wladimir Putin und Hassan

Ruhani am 16. September

in Ankara zu einem

neuen Syrien-Gipfel zusammenkommen,

teilte Erdogans

Sprecher mit.

SYRIEN-TREFFEN

Agenda: Die Staatsführer

würden bei dem Treffen über

die Situation in Idlib,die Bildung

einer Verfassungskommission

und die Fortsetzung

des politischen Prozesses

diskutieren, erklärte Kalin.

Seit 2017 streben sie gemeinsam

eine militärische

Deeskalation und eine politische

Lösung an. Das letzte

Treffen fand im Februar statt.

AFP/ILYAS AKENGIN

Allianzen: Die Türkei, Russland

und der Iran stehen im

Syrien-Konflikt auf entgegengesetzten

Seiten. Während

Russland und der Iran den

syrischen Machthaber Baschar

al-Assad unterstützen,

steht die Türkei aufseiten der

Opposition. Erdogan will damit

auch Einfluss auf die Entwicklung

in der syrischen

Kurdenregion nehmen.

Vonreich bis abgehängt

Vorallem geht es um das große

Spiel der Region, den Syrien-Konflikt

und die zukünftige Stellung der Kurden.

Mit der Absetzung der kurdischen

Bürgermeister hat Erdogan

Hoffnungen auf neue Friedensverhandlungen

eine Absage erteilt und

signalisiert den Kurden, dass sie mit

Wahlen nichts erreichen können.

Die Razzien kamen zudem in dem

Moment, da die Verhandlungen Ankaras

mit den USA über die Einrichtung

einer „Sicherheitszone“ in der

syrischen Kurdenregion erneut feststecken.

Indem Erdogan den„Kampf

gegen den Terror“ wieder an die Heimatfront

verlegt, lenkt er innenpolitisch

von seinem Unvermögen ab,

die angekündigte Militärintervention

gegen die mit den USA verbündete

und mit der PKK verbundene

syrische Kurdenmiliz YPG durchzuführen.

Zudem versucht er damit,

den Druck auf die Kurden zu erhöhen,

sich dem türkischen „Pufferzonen“-Diktat

zu beugen.

Misstrauen der Kommandeure

Das ist die Rückkehr zur alten türkischen

Kurdenpolitik, die auf brutale

Repression setzt. Diese Politik ist seit

40 Jahren gescheitertund hat nur die

kurdische Bewegung gestärkt. Statt

einzulenken, dürften die YPG-Kommandeure

nun deutlich misstrauischer

auf Versuche der US-Verbündeten

reagieren, ihnen die Sicherheitszone

unter türkischer Beteiligung

schmackhaft zu machen. Die

YPG kann 100 000 Kämpfer mobilisieren

und ist mit modernsten US-

Waffen ausgerüstet. Bisher istesden

US-Unterhändlern nicht gelungen,

einen Keil zwischen YPG und PKK zu

treiben. Die Absetzung der kurdischen

Bürgermeister dürfte daran

nichts ändern. Im Gegenteil, sie

könnte sich als ebenso schwerer politischer

Fehler erweisen wie die Entscheidung,

in Istanbul Neuwahlen

durchzuführen –was die Opposition

stärkte und den Wahlgewinner Imamoglu

zum neuen Hoffnungsträger

machte.

Bisher reagiert die nicht-kurdische

Opposition mit verbalem Protest.

Zwar wird sie für kurdische Belange

nicht auf die Straße gehen.

Sollte Erdogan aber planen, auch in

Istanbul und Ankara die gewählten

Bürgermeister abzusetzen, riskiert

er einen Volksaufstand.

Frank Nordhausen hält Erdogans

Vorgehen für ein

Zeichen vonSchwäche.

Deutsche Regionen im Statistik-Vergleich: Landkreise im Umfeld von großen Städten sind im Vorteil, vor allem im Westen

Deutschland ist nach einer neuen

Studie weit von gleichwertigen

Lebensverhältnissen in seinen verschiedenen

Regionen entfernt. Das

geht aus dem„Teilhabeatlas Deutschland“

des Berlin-Instituts für Bevölkerung

und Entwicklung hervor, der am

Donnerstag in Berlin vorgestellt

wurde.Die Autoren der Studie haben

rund 400 Städte und Kreise anhand

von acht Indikatoren untersucht: Lebenserwartung,

kommunale Steuerkraft,

Hartz-IV-Quoten, Schulabgänger

ohne Hauptschulabschluss, das

jährlich verfügbare Haushaltseinkommen

je Einwohner, das Wanderungssaldo

der 18- bis 29-Jährigen,

Internetkapazitäten sowie die Nahversorgung

mit Alltagsgütern, öffentlichen

Verkehrsmitteln und Dienstleistungen

von Ärzten bis Schulen.

Grundlage waren Statistiken der

Jahre2013 bis 2017.

Die Besten: Dazu zählen die Autoren

reiche Großstädte und ihre Speckgürtel

wie München, Stuttgart,

Frankfurt am Main, Düsseldorf,

Hamburg und Wolfsburg. Insgesamt

sind es fast 20 Kreise.Diese Regionen

zeichnen sich durch sehr hohe Einkommen,

sehr hohe Steueraufkommen,

sehr viel Zuzug, eine sehr gute

Nahversorgung, eine hohe Lebenserwartung,

schnelles Internet und

nur einen mittleren Anteil von

Schulabbrechern und Hartz-IV-Beziehernaus.

Ziemlich attraktiv: Hierzu zählen

Großstädte wie Köln, Hannover,

Dresden, Aachen, Potsdam und Jena

– insgesamt rund 50 überwiegend

kreisfreie Städte oder Landkreise mit

großen Kreisstädten. Typisch für sie

sind sehr viel Zuzug, hohe Steueraufkommen,

eine sehr gute Nahversorgung

und schnelles Internet. Es gibt

aber lediglich mittlere Einkommen

und eine mittlere Lebenserwartung.

DieZahl der Schulabbrecher liegt im

Mittelfeld. Eine Hartz-IV-Quote von

rund zehn Prozent weist allerdings

schon auf einige Problemlagen hin.

Mit Problemzonen: In dieser Gruppe

sind rund 50 fast ausschließlich kreisfreie

Städte mit Problemlagen. Als ty-

pisch gelten etwa Berlin, Leipzig,

Chemnitz, Erfurt, Bremen,viele Ruhrgebietsstädte

und Saarbrücken. Es

sind vorallem Städte,die einen harten

Strukturwandel hinter sich haben.

Ähnliche Merkmale sind viel Zuzug,

eine sehr gute Nahversorgung und

schnelles Internet –aber auch sehr

hohe Hartz-IV-Quoten, geringe Einkommen,

nur ein mittleres Steueraufkommen,

viele Schulabbrecher und

geringereLebenserwartung.

Starkes Stück Land: Es geht um erfolgreiche

ländliche Regionen. Diese

rund 90 Kreise liegen vorwiegend im

wirtschaftsstarken Süden, in Baden-

Württemberg und im Südwesten

Bayerns. Im Norden finden sich nur

vereinzelt Kreise im Speckgürtelgrößerer

Städte etwa im Rheinland oder

rund um Hamburg. In Ostdeutschland

schafft es nur der Kreis Dahme-

SpreewaldimSüden Berlins in diese

Kategorie. Typisch sind hohe Einkommen,

hohes Steueraufkommen,

eine geringe Hartz-IV-Quote,ein geringer

Anteil an Schulabbrechern

und eine hohe Lebenserwartung.

Geht so: Ländliche Regionen mit vereinzelten

Problemen. Als typisch gelten

etwa die Landkreise Osnabrück

und Oldenburg. Die rund 130 Kreise

konzentrieren sich in Westdeutschland.

In den östlichen Bundesländern

fallen nur einzelne Kreise, die an

Großstädte wie Berlin, Dresden oder

Leipzig angrenzen, in diese Kategorie.

Sie alle liegen bei Hartz-IV-Quoten,

Einkommen, Steuern, Schulabbrechern,

Internet und Lebenserwartung

im mittleren Bereich. Es gibt

eine leichte Abwanderung und nur

eine sehr geringe Nahversorgung.

Abgehängt: Das sind die Regionen

mit sehr ungünstigen statistischen

Daten. Die fast 60 ländlichen Kreise

liegen überwiegend in Ostdeutschland

sowie vereinzelt in Schleswig-

Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz

und im Saarland. Kennzeichen

sind eine hohe Hartz-IV-

Quote, geringe Einkommen,

geringes Steueraufkommen, ein sehr

hoher Anteil von Schulabbrechern,

eine geringe Lebenserwartung,

starke Abwanderung. (dpa)

NACHRICHTEN

Bund der Steuerzahler

klagt gegen Soli

Unmittelbar nach der vomBund beschlossenen

Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags

ab 2021 hat ein

Ehepaar aus Bayern Klage gegen die

Sonderabgabe eingereicht. Anlass

sei die feste Absicht der Bundesregierung,

die Ergänzungsabgabe

auch im Jahr 2020 vonBürgernund

Betrieben weiter zu erheben, teilte

der Bund der Steuerzahler (BdSt) am

Donnerstag in Berlin mit. DerVerband

unterstützt das Ehepaar bei der

Musterklage. (dpa)

Waffenfund im Fall Lübcke:

Keine weiteren Informationen

DieSonderkommission zum Mordfall

Lübcke darfnach den Worten

vonHessens Innenminister Peter

Beuth keine Informationen zu den

46 beschlagnahmten Schusswaffen

herausgeben. Dies geschehe auf Anordnung

des Generalbundesanwalts,umlaufende

Ermittlungen

nicht zu gefährden, sagte der CDU-

Politiker am Donnerstag. (dpa)

Deutlich mehr Radfahrer bei

Verkehrsunfällen getötet

Mit weißen Fahrrädernwird in Berlin an

tödlich verunglückte Radler erinnert. DPA

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen

Bundesamtes vomDonnerstag

sind im ersten Halbjahr 2019

bei etwas mehr Verkehrsunfällen

insgesamt zwar weniger Menschen

ums Leben gekommen als im Vorjahreszeitraum.

In den ersten fünf

Monaten erreichte die Zahl der getöteten

Radfahrer aber einen neuen

Höchststand. 2019 kamen vonJanuar

bis Mai158 Radfahrer ums Leben,

das waren 16 (11,3 Prozent)

mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt

starbenimersten Halbjahr

1465 Menschen im Straßenverkehr,

40 weniger als voreinem Jahr. (dpa)

Morddrohungen gegen

Landesministerin Köpping

Unbekannte haben Sachsens Integrationsministerin

PetraKöpping (SPD)

mit dem Tode bedroht. Eine konkrete

Morddrohung sei voreiner Buchlesung

am Mittwochabend im nahe

Leipzig gelegenen Brandis eingegangen,

berichtete die„LeipzigerVolkszeitung“.

Eine Sprecherin vonKöppings

Ministerium bestätigte die Darstellung

am Donnerstag. Demnach wurde

die Lesung mit erhöhter Polizeipräsenz

abgehalten. (AFP)

SPD legt deutschlandweit

zu, verliertaber in Sachsen

DieSPD in Sachsen nähertsich nach

einer neuen Umfrage allmählich der

5-Prozent-Marke.Laut einer neuen

Vorwahlumfrage für die ARD steht

die Partei nur noch bei 7Prozent. Im

Deutschlandtrend allerdings legte

die Partei um zwei Prozentpunkte zu

und liegt bundesweit nun bei 14 Prozent

der Stimmen. DieCDU kommt

in Sachsen derzeit auf 30 Prozent

und legt damit um 4Prozentpunkte

zu. DieLinke käme auf 16 Prozent,

die Grünen auf 11 Prozent, die AfD

auf 24. In Brandenburgliegt die AfD

mit 22 Prozent gleichauf mit der SPD.

DieCDU liegt bei 18, die Linke bei 15

und die Grünen bei12Prozent. Die

FDP erreicht 5Prozent. (dpa)


6* Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

Berlin ist bei der Rente eine geteilte Stadt

Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag in Euro, von Neurentnern 2018

NEU IN DER STADT

Bankenstadt

an der

Spree

861,65

1081,31

929,41

Kraftwerksbau

am Park in

Mitte

VonTheresa Dräbing

Die Deutsche Bank wurde nicht

etwa in Frankfurt amMain gegründet,

sonderninBerlin. Daserste

Büro der Deutschen Bank eröffnete

1870 in der Französischen Straße 21

in Mitte. Essoll ein unscheinbares

Haus gewesen sein, allein in der ersten

Etage waren Geschäftsräume angemietet.

Bald erfolgte der Umzug.

Man zog in das damalige Berliner

Bankenviertel, das sich in dieser Zeit

in der nördlichen Friedrichstadt befand.

Der neue Gebäudeblock der

Deutschen Bank wurde über drei

Straßenzüge hinweg –Mauerstraße,

Behrenstraße und Französische

Straße –hochgezogen.

DasGeschäft lief gut an. Laut zeitgeschichtlichem

Archiv der Deutschen

Bank verbuchte sie auf fast allen

Konten steigende Umsätze, während

viele andere Institute im Boom

der Gründerjahre wieder abgewickelt

werden mussten.

FrankfurtamMain kam erst später

Der Expansion stand also nichts im

Wege.Die erste Zweigstelle entstand

in Bremen, kurz darauf folgte Hamburg,

die ersten ausländischen

Standorte waren China, Japan, USA

und London als wichtigster internationaler

Bankenplatz. Bisschließlich

1886 auch in FrankfurtamMain Fuß

gefasst wurde, damals jedoch nur

mit der dritten inländischen Filiale.

Und dann ging es Schlag auf

Schlag: 1910 war die Deutsche

Bank das größte Finanzinstitut

Deutschlands, 1914 sogar für kurze

Zeit die kapitalstärkste Bank der

Welt. Doch mit dem Ersten Weltkrieg

war das vorbei und damit der

längjährige Höhenflug. Kriegsnachwehen,

allgemeine Bankenkrise,

Inflation, im Dritten Reich

schließlich Unterordnung im NS-

Staat –ein eigenes grausames Kapitel.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs

stand sie zersplittert da. Erst

nach Gründung der Bundesrepublik

gelang ein allmählicher Neuanfang

–Ende 1957 mit einer Zentrale

in FrankfurtamMain.

Dass die Deutsche Bank heute,

rund 60 Jahre später, imruhigeren

Fahrwasser liegt, kann man wohl

nicht behaupten. Derzeit wird der

größte Stellenabbau in der Geschichte

der Bank vorbereitet, der

Konzern steckt tief in der Krise. Und

Berlin? Steht schon lange als klassischer

Bankenstandort weit im Hintergrund.

In der Finanzbranche haben in

der Hauptstadt andere die Nase

vorne. Junge Digital-Konkurrenten,

Fintechs, die Teile des Finanzgeschäfts

digitalisieren und sich bemerkbar

machen, auch im Stadtbild.

So sitzt zum Beispiel Finleap, ein

Company Builder von Fintech-Unternehmen

in einem ehemaligen

Gebäude der Berliner Bank, in der

Hardenbergstraße 32. In den letzten

Jahren vor der Abwicklung war die

Berliner Bank ein Tochterunternehmen

der Deutschen Bank.

Auch in dem alten Gebäudekomplex

der Deutschen Bank in der früheren

Bankenstadt sitzen heute andere.

Zum Teil werden die Räume

von Bundesbehörden genutzt, anderestehen

leer.

Die ersten Büroräume der Deutschen

Bank in der Französischen Straße. WIKIPEDIA

Zumindest auf den ersten

Blick beziehen Ostrentner

die höchsten Renten. Wer

2018 in Rente gegangen ist,

bekam laut Deutscher Rentenversicherung

Bund im Osten im Schnitt

1024,20 Euro Altersrente, imWesten

waren es 895,50 Euro.Durchweg

liegen die neuen Bundesländer

vorn –mit Ost-Berlin an der Spitze.

Das liegt allerdings zum überwiegenden

Teil an den Ost-Frauen, die

aufgrund längerer Erwerbstätigkeit

und geringerer Lohnunterschiede

zu DDR-Zeiten höhere Renten bekommen

als Frauen im Westen.

Auch aber daran, dass im Osten insgesamt

länger in die Rente eingezahlt

worden ist. Viele kurze Versicherungszeiten

im Westen senken

den Schnitt in der Statistik. Würde

man die gleiche Versicherungsdauer

zugrunde legen, würde dann

doch der Westen bei der Höhe der

Bezüge vorneliegen.

Das relativ hohe Ostniveau wird

außerdem bald der Vergangenheit

angehören, prognostiziert Johannes

Geyer, Rentenexperte des DIW Berlin.

„Die Rentenangleichung hat

langfristig zur Folge, dass jüngere

Jahrgänge in Ostdeutschland tendenziell

verlieren“, so Geyer.

Denn es soll Schluss sein mit der

unterschiedlichen Berechnung der

Rente.Die Rente berechnet sich vom

aktuellen Rentenwert und den im

Laufe des Erwerbslebens erworbenen

Entgeltpunkten. Im Osten aber

wird derzeit noch der meist niedrigere

Verdienst hochgewertet, sodass

mehr Rentenpunkte erworben werden.

Im Zuge der schrittweisen Rentenangleichung

wird der aktuelle

Rentenwert inOstdeutschland jährlich

angehoben, zuletzt zum 1. Juli

2019. Gleichzeitig wird der Umrechnungsfaktor,

der die Löhne höher

wertet, abgesenkt, sodass schließlich

ab 2025 mit gesamtdeutschenWerten

gerechnet werden kann.

Doch wie wirkt sich das auf Ostrentner

aus?

„Die Renten heutiger Rentner,die

auf ostdeutschen Erwerbsbiografien

beruhen, werden aufgrund der Angleichung

nicht sinken“, macht die

Deutsche Rentenversicherung Bund

auf Nachfrage deutlich. „Sie werden

im Gegenteil bis 2025 voraussichtlich

sogar schneller steigen, als das

nach bisherigem Recht der Fall gewesen

wäre“, so eine Sprecherin.

Es kommt auf das Lohnniveau an

Dem widerspricht auch Geyer vom

DIW Berlin nicht. Ostrentner,die jetzt

schon Zahlungen erhalten, werden

eher profitieren. DasNachsehen würden

aber jüngere Jahrgänge haben.

„Künftige Rentenbezieher im Osten,

die jetzt um die 40 Jahresind, werden

davon voraussichtlich betroffen sein,

Jüngereumdie 20 auf jeden Fall.“

Die Deutsche Rentenversicherung

Bund verneint das nicht. Sie

sagt aber: Obkünftige Rentner von

Rentensteigerung

in Prozent

5

4

3

2,53 2,50

2

1,67

1

5,95

2,10

4,25

Neue Bundesländer

3,59

1,90

3,22

3,37

3,91

3,18

Alte Bundesländer

0

2014 2015 2016 2017 2018 2019

Berlin-

West

Berlin-

Ost

Ost-Renten

sind am höchsten ...

... doch womöglich nicht mehr lange. Jüngere im

Osten könnten im Zuge der Rentenangleichung

das Nachsehen haben

VonTheresa Dräbing (Text) und

Isabella Galanty (Infografik)

So hoch war die Altersrente von Neurentnern 2018

Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag in Euro

insgesamt Frauen Männer Neue Bundesländer

Berlin-Ost

Deutschland

gesamt

Ost

1081,31

1077,11

1085,86

1032,55

Brandenburg 987,50

1078,71

1018,64

Sachsen-

Anhalt 969,32

1072,87

1012,38

Sachsen 961,63

1067,40

Thüringen

945,49

Baden-

Württemberg 739,85

1175,59

Nordrhein-

Westfalen 697,07

Alterssicherung Anteile am Bruttoeinkommen, gerundet

Gesetzliche Rentenversicherung Andere Alterssicherungsleistungen

Private Vorsorge

Restliche Einkommen

Transferleistungen

West

58% 25 9 1 8

Schleswig-

Holstein

909,12

1159,07

901,31

729,84

1099,79

893,76

Bayern 704,25

1112,53

887,43

Rheinland-

Pfalz 677,06

1138,62

884,68

Bremen 727,85

1065,73

Saarland 615,59

1001,03

949,52

1055,93

999,29

Mecklenburg-

Vorpommern 963,62

1036,34

917,02

Hessen 732,18

1125,96

895,10

Hamburg 792,08

1007,68

894,79

Niedersachsen

692,30

1126,93

861,65

Berlin-West 792,62

940,07

860,15

1179,11

90% 3 3 4

QUELLE: DRV

der Rentenangleichung profitieren

oder ihre Renten niedriger ausfallen

als nach bisherigem Recht, hänge

zum großen Teil davon ab, wie

schnell sich die Durchschnittslöhne

in West- und Ostdeutschland weiter

aneinander angleichen.

Die haben sich zwar in den vergangenen

Jahren bereits angenähert,

sind aber noch nicht auf einem Level

–2018 lag der durchschnittliche Monatsbruttoverdienst

im Osten bei

84 Prozentvon dem im Westen. Wird

der Lohn also nicht mehr hochgerechnet,

bekommen im Durchschnitt

alle künftigen Ostrentner weniger

Rentenpunkte.

Das ist auch insofern ein Problem,

wenn man sich anschaut, wie

unterschiedlich sich die Anteile an

der Alterssicherung in Ost und West

zusammensetzen. Denn während

Westrentner nur 58 Prozentihres Alterseinkommens

aus der Altersrente

beziehen und den Rest aus privater

Vorsorge, Vermögen oder anderen

Einnahmen, sind es bei Ostrentnern

90 Prozent. Sieleben fast ausschließlich

von den durchschnittlich

1024,20 Euro Altersrente.Neben der

Angleichung des Lohnniveaus wird

es also auch darauf ankommen, ob

Rentner im Osten vermehrtzuanderen

Altersvorsorgeprodukten greifen,

damit sie im Alter nicht schlechter

dastehen.

Zwei Systeme verschmelzen

Das niedrige Lohnniveau war nach

1990 der Grund, dass im Zuge eines

einheitlichen Rentensystems die

Löhne in Ostdeutschland bei der Berechnung

der Rentenpunkte aufgewertet

worden sind.

Nach der Wiedervereinigung

musste das Rentensystem der DDR,

welches eher als ein Grundversorgersystem

ausgestaltet war und zudem

aus verschiedenen Zusatz- und

Sonderversorgungen bestand, dem

der Bundesrepublik angepasst werden.

DDR-Rentner erhielten rückwirkend

Anwartschaften für ihreBetriebsjahre,

auch Sondersysteme

wurden berücksichtigt.

InsbesondereinBerlin gab es vergleichsweise

viele besserverdienende

Funktionäre, die von Sondersystemen

profitiert haben, die in

die späteren Renten einberechnet

wurden. Das, so sagt Geyer vom

DIW,erklärtauch, warum ein Teil der

Hauptstadt noch mal eine höhere

Rente erhält als die restlichen neuen

Bundesländer.

Und auch in Zukunft könnten

Berliner besser wegkommen als die

restlichen Bundesländer im Osten.

Zumindest können sie hoffen, dass

sich die Abschaffung der Höherwertung

der Löhne eher weniger auswirkt.

In der Hauptstadt hatsichdas

Lohnniveau am besten von ganz

Ostdeutschland entwickelt. 2019

liegt es (zusammen mit West-Berlin)

bereits bei 94,5 Prozent im Vergleich

zu Gesamtdeutschland.

Entwicklung des monatlichen

Bruttoverdienstes Durchschnitt in Euro

3300

3000

2700

2710

2400

Alte Bundesländer

2160

2100

Neue Bundesländer

3340

2790

1800

2005 2018

VonJochen Knoblach

Über den Kicker,der gleich hinter

der Eingangstür steht, freut sich

Andreas Schmitz besonders. „Der

musste sein“, sagt der Co-Chef der

Berliner Stadtwerke. Denn tatsächlich

musste Schmitz lange auf eine

Gelegenheit warten, das Tischfußballfeld

aufzustellen. Jetzt aber hat es

seinen Platz. Am Donnerstag bezogen

die Berliner Stadtwerke offiziell

ihre neuen Büros am Köllnischen

Park in Mitte.Damit hat das 2014 gegründete

Unternehmen erstmals

eine eigene Adresse, nachdem sich

die Tochterfirma der ebenfalls landeseigenen

Berliner Wasserbetriebe

fünf Jahre lang mit einem Untermietverhältnis

bei der Mutter begnügen

musste.Den Kicker,der einst

zur Grundausstattung der Start-up-

Szene gehörte und nun von der Old

Economy gern und klischeesicher

als Requisit für die eigene Neuerfindung

genutzt wird, leistete sich die

Firma zum Einzug. Ein stattliches

Exemplar im turniertauglichen Format.

Unübersehbar.

Es ist die Energiewende in der

Stadt, der sich die kommunalen

Stadtwerke verschrieben haben. Ihre

Gründung war 2013 vom Berliner

Abgeordnetenhaus beschlossen

worden, um erneuerbare Energien

zu produzieren und am Markt zu

vertreiben. Denn der Anteil vonÖkostrom

in der Stadt ist gering. Kaum

mehr als fünf Prozent der hier erzeugten

Elektroenergie ist grün.

Strom wird vor allem aus Steinkohle

und Erdgas gewonnen. Die Stadtwerke

wollen das ändern. Es geht

insbesondere um Sonnen- und

Windstrom. 17 Millionen Euro sollen

in diesem Jahr investiertwerden.

Windparkbei Bernau

Gerade erst wurden auf dem Dach

des Marzahner Kundenzentrums

der Wohnungsbaugesellschaft Degewo

an der Mehrower Allee insgesamt

190 Solarmodule installiert. Die

Anlage wurde so bemessen, dass im

Jahr gut 43000 Kilowattstunden

Stromerzeugt werden. Dasist genug,

um damit die im Haus genutzten

Computer, Server und Anlagen der

Klimatechnik betreiben zu können.

Die Stadtwerke haben die Anlage

projektiert, gebaut, an die Degewo

verkauft und kümmern sich fortan

um Wartung und Instandhaltung.

Mehr als 20 Tonnen Kohlendioxid

soll die Anlage im Jahr vermeiden.

Als Technikchef der Stadtwerke

schätzt Alexander Schitkowsky vor

allem „die kurzenWege“ und die damit

mögliche „leichtere Abstimmung“.

Schitkowsky ist von Anfang

an dabei und hat unter anderem die

Installation von bislang mehr als

50 000 QuadratmeternSolarpanelen

begleitet. Das entspricht einer Gesamtleistung

vonsieben Megawatt.

Bis Jahresende sollen Photovoltaikanlagen

mit vier Megawatt hinzukommen.

Danach werden der

Sonnenkraftwerksbestand der Stadtwerke

jährlich um etwa fünf Megawatt

wachsen, heißt es.

Darüber hinaus betreibt das Unternehmen

in Brandenburg einen

Windpark mit vier Windrädern und

einer Gesamtleistung von etwa acht

Megawatt. Einweiterer entsteht derzeit

bei Bernau. Neun Windräder mit

Rotordurchmessern von bis zu 126

Metern werden dort errichtet. Ende

nächsten Jahres soll der Park mit einer

Leistung von mehr als 30 Megawatt

ans Netz gehen.

IMAGO IMAGES


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 7 *

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

23.5.19

23.5.19

▼ 11747,04 (–0,47 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

23.5.19

Stand der Daten: 22.08.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

22.8.19

▼ 59,98 (–0,66 %)

22.8.19

▼ 1,1083 (–0,19 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 22.08. zum Vortag

22.8.19

thyssenkrupp 10,42 +5,59 WWWWWWWWWWW

1&1 Drillisch 24,98 +2,29 WWWWW

ProSiebenSat.1 11,50 +2,18 WWWWW

DeutscheBank NA 6,47 +1,94 WWWW

Commerzbank 5,02 +1,81 WWWW

Osram Licht NA 36,90 +1,79 WWWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 22.08. zumVortag

MorphoSys 109,10 WWWWWWWW –4,13

Airbus 124,44 WWWWWW –2,84

Healthineers 35,63 WWWWWW –2,84

SartoriusVz. 178,20 WWWWWW –2,84

DeliveryHero 45,47 WWWWW –2,49

Bechtle 86,55 WWWWW –2,48

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 22.08. ±% z. 21.08.

Euro Stoxx 50(EU) –0,63

3574/2909 3373,67

CAC 40 (FR) – 0,87

5673/4556 5388,25

S&P UK (UK) – 1,04

1562/1323 1438,84

RTS (RU) +0,19

1414/1033 1282,63

IBEX (ES) +0,17

9671/8286 8716,40

Dow Jones (US) +0,43

27399/21713 26314,25

Bovespa (BR) –0,56

106650/74275100633,00

Nikkei (JP) +0,05

24448/18949 20628,01

Hang Seng (HK) –0,86

30280/24541 26055,18

Stx Singap. 20 (SG) +0,31

1657/1350 1541,02

Festgeld für 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Mon. 6Mon. 12 Mon.

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 0,81 0,91 1,01

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,56 0,57 0,75

Bank11

bank11.de 0,40 0,50 0,60

akf bank **

akf.de 0,20 0,45 0,70

abcbank

abcbank.de - 0,45 0,55

Deutsche Bank*

deutsche-bank.de - 0,05 0,20

Santander

santander.de - 0,01 0,20

Targobank

targobank.de 0,00 0,00 0,20

ING

ing.de - - 0,03

Commerzbank

commerzbank.de - - 0,01

Isbank

isbank.de 0,35 0,35 0,50

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse

mbs-potsdam.de - - 0,01

Sparda-Bank Berlin

sparda-b.de - - 0,002

Berliner Sparkasse

-030/86986969 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,23 0,28 0,43

*12Monate Neukundenangebot

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Wersich nichtgut fühlt,bekommteinen Termin beim Hausarzt, Facharzt oder Psychotherapeuten künftig perSmartphone-App.

Von Stefan Winter

Für den Betrachter mag es nur ein

kleiner Spalt sein, aber esist ein

großerSprungfürVW:„DasWschwebt

jetzt“, sagt Jochen Sengpiehl und begeistertsich

für weitereFeinheiten des

neuen VW-Markenlogos. Es ist

schlichtergeworden,wiemitdemFilzstiftgezogen–unddas„W“hatjetztein

wenig Luft zum umlaufenden Kreis.

DerVW-Marketingchefschiebt das

Logo hin und her,esfunktioniertüberall

und in jeder Farbe, besonders auf

Smartphone-Bildschirmen. Das alte

Logo war ausgeformt, schimmerte,

sah wie poliertes Metall aus. Als Anstecknadel

passte es gut an Martin

Winterkorns Zweireiher.

DerfrühereVW-Chef hatsein Büro

vor vier Jahren geräumt, in wenigen

Arzttermin per App

Mit Hotline und Handysollen Kassenpatienten vom nächsten Jahr an schneller Hilfe bekommen

Von Rasmus Buchsteiner

Was, wenn die Schulter

zwickt, das Knie

schmerzt oder die

Kopfschmerzen nicht

weggehen? Istkeinschneller Arzttermin

in Sicht, suchen viele Menschen

RatimInternet. Millionen Versicherte

entscheiden sich auch für einen

Besuch in der Notfallambulanz des

nächsten Krankenhauses. Das wollen

die Kassenärzte nun ändern: Die

Patientennachfrage soll besser gesteuertwerden.

Wasplanen die niedergelassenen Ärzte

genau?

DieKassenärztlichen Vereinigungen

setzen auf eine neue Hotline,die

ab Anfang 2020 unter der bundesweit

gültigen Rufnummer 116117 rund

um die Uhr erreichbar sein soll. Bisher

ist unter der Nummer der ärztliche

Bereitschaftsdienst erreichbar –

außerhalb der Praxiszeiten. VonEnde

August an wird das Angebot mit

Fernsehwerbung („Die Nummer mit

den Elfen“) beworben. Im Laufe des

kommenden Jahres soll zusätzlich

eine App eingeführt werden. Ferner

setzen die Kassenärzte auf eine Reformder

Notfallversorgung.

Wassollen Hotline und App leisten?

Geplant ist zunächst die Vermittlung

von Arztterminen – je nach

Dringlichkeit innerhalb einer Zeitspanne

voneinem Tagbis zu vier Wochen.

Dazu werden die Callcenter

SIEBEN MILLIONEN ANRUFE BEI TERMINSERVICESTELLEN

Alternative: Neben dem direkten

Nachfragen in einer

Praxis vermitteln Terminservicestellen

schon jetzt freie

Sprechzeiten bei Fachärzten

binnen vier Wochen, aber

eben nicht unbedingt beim

Wunscharzt. Künftig sollen

über die 116117 auch Termine

bei Haus- und Kinderärzten

zu bekommen sein,

auch zur dauerhaften Betreuung.

verzahnt mit den bereits bestehenden

Terminservicestellen.

Werden alle Arten von Arztterminen

vermittelt?

Ja.EsgehtumdieVergabevonTerminen

bei Hausärzten, Fachärzten

und Psychotherapeuten. DieHotline

dient auch als Orientierungshilfe für

Zugezogene, die an ihrem neuen

Wohnortnoch keinen Arzt haben.

Gibt es telefonisch ärztlichen Rat?

Ärztlichen Rat nicht, wohl aber

eine fundierte Einschätzung von geschulten

Fachkräften. Am Ende eines

Gesprächs soll nach drei bis sechs

Minuten über Zeit und Ort einer

Jetzt mal ehrlich

Volkswagen bringt mit großemAufwand seine E-Autosauf denMarkt

WochenwirdauchdasFirmenlogoseiner

Ära am Wolfsburger VW-Hochhaus

abmontiertund durch das neue

ersetzt. Gleichzeitig wirdder Konzern

in Frankfurt zeigen, wofür esstehen

soll: Auf der Automesse IAA wird der

ID3 gezeigt, das erste vonvielen völlig

neu konstruierten Elektroautos. Fortan

will der Konzern, der seit vier Jahren

für Dieselbetrug steht, für bezahlbare

emissionsfreie Mobilität stehen. Wer

sonst das schaffen könne, wird in

einem Werbefilm rhetorisch gefragt.

„Nur wir,wenn wir uns neu erfinden.“

Nie hat der Konzern mehr riskiert

als jetzt. Selbst intern wagt sich mancher

nicht, die Folgen auszumalen,

falls die neuen Autos floppen sollten.

ZweistelligeMilliardenbeträgewerden

investiert, mehrere Werke komplett

aufdieneueTechnikumgestellt.Einen

Anreiz: Praxen sollen freie

Zeiten für Termine, die über

die Hotline vermittelt werden,

in ein System einstellen.

Als Anreiz winkt ihnen

auch Extrageld für Patienten,

die so vermittelt wurden. Die

gesetzlichen Krankenversicherungen

begrüßen das

einheitliche Angebot. Bisher

gibt es bundesweit 17 verschiedene

Nummernund Erreichbarkeitszeiten.

Anfang: Die Kassenärztliche

Bundesvereinigung rechnet

für 2020 mit rund zehn Millionen

Anrufernnachgut sieben

Millionen bei den Terminservicestellen

im vergangenen

Jahr –bei übrigens

insgesamt mehr als

500 Millionen Behandlungsfällen

in den Praxen pro Jahr.

Die Zukunft der 116117

hängt noch vonder Reform

der Notfallversorgung ab.

möglichen Behandlung entschieden

werden. Dabei geht es darum zu klären,

ob der Patient sofortHilfe benötigt

oder ob eine Versorgung innerhalb

der nächsten Stunden oder Tage

ausreicht. Am Ende steht die Vermittlung

an Hausarzt, Facharzt, Bereitschaftsdienst,

Krankenhausnotaufnahme

oder Rettungsdienst.

Kann man sich auf die Einschätzung

via Telefon oder App verlassen?

DerEmpfehlung liegt ein standardisierter

Fragenkatalog zugrunde.

Bei anderen Angeboten, die medizinischen

RatimInternet versprechen,

gibt es „Disclaimer“, die eine Haftung

weitgehend ausschließen. Bei

Plan Bgibt es offiziell nicht, der hätte

aber auch keinen Sinn, sagt ein Konzernmanager:

Die Mobilität müsse

emissionsfrei werden, schon wegen

derPariserKlimazieleführedarankein

Wegvorbei. Zu realisieren sei das auf

absehbare Zeit aber nur mit Elektromotor

und Batterie.

Bis 2025 will der Konzern soweit

sein, jährlich eine Million Elektroautos

zu verkaufen – als Weltmarktführer

auch in diesem Bereich und profitabel

dank der niedrigsten Kosten. „Das ist

der Fixsterninunserer Strategie“, sagt

Ralf Brandstätter, der bei der Marke

VW für das Tagesgeschäft verantwortlich

ist.

Der Kurs dorthin wurde schon im

Herbst 2015 festgelegt, als der Dieselbetrug

gerade aufgeflogen war. Am

Donnerstag gaben Brandstätter und

FOTO: CHRISTIN KLOSE/DPA

der 116117 soll es anders ein, heißt es

bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Wird eine offensichtlich

falsche Empfehlung gegeben, wird

dafür die Haftung übernommen.

Warum kommt die Offensive mit Hotline

und App gerade jetzt?

Neue Anreize und Vorschriften

zur schnelleren Vermittlung vonTerminen

sind Teil des neuen „Terminservice-

und Versorgungsgesetzes“,

das im Mai inKraft getreten ist. Für

die Versorgung gesetzlich Versicherter

innerhalb bestimmter Fristen

sieht das Gesetz unter anderem Zuschläge

für Mediziner vor. Mit der

Hotline, sodie Kassenärztliche Bundesvereinigung,

sollen zudem die

Notaufnahmen der Krankenhäuser

entlastet werden, in die nach Schätzung

etwa neun von zehn Patienten

mit Bagatellbeschwerden kommen.

War nicht ohnehin eine Reform der

Notaufnahmen geplant?

Bundesgesundheitsminister Jens

Spahn (CDU) hat vor der Sommerpause

einen Arbeitsentwurf vorgelegt:

Patienten sollen besser durch

das Notfallsystem gesteuert werden.

Ziel sind gemeinsame Leitstellen von

kassenärztlichem Bereitschaftsdienst

und Rettungsdienst, die die

Dringlichkeit der Versorgung einschätzen.

Zudem sollen an bestimmten

Krankenhäusern sogenannte integrierte

Notfallzentren für Patienten

eingerichtet werden, die direkt dorthin

kommen.

seineKollegeninWolfsburgeinenAusblick

aufdie nächsten Schritte,natürlichgehtesummehralseinschwebendes„W“.AufderIAAwillVWingutzwei

Wochenseine neue Zeitrechnungausrufen,mitdenvernetztenElektroautos

und einer neuen Botschaft: ehrlich,

glaubwürdig, offen, beweglich will VW

jetzt sein –und wirdesmit einem der

größten Marketingetats Europas auf

allen Kanälen unters Volk bringen.

Die Autobauer müssen damit zurechtkommen,

dass die klassischen

Autotugenden anBedeutung verlieren.

Designchef Klaus Bischoff und

Vertriebschef Jürgen Stackmannversichernzwar,dass

es dem ID3 an nichts

fehlen wird. Der Motor steckt wieder

Käfer-mäßig im Heck, aberebenelektrisch

–gebaut im VW-eigenen Werk in

Kassel.

Scholz prüft Verbot von

Negativzinsen

DieBundesregierung lotet ein mögliches

Verbot vonStrafzinsen für

Kleinsparer aus.Das Finanzministerium

habe eine Prüfung veranlasst,

„ob es der Bundesregierung rechtlich

überhaupt möglich ist, Kleinsparer

vorsolchen Negativzinsen zu

schützen“, sagte Bundesfinanzminister

Olaf Scholz (SPD) der Funke

Mediengruppe.Erreagierte auf

einen Vorstoß vonCSU-ChefMarkus

Söder,der eine Bundesratsinitiativeangekündigt

hatte mit dem

Ziel, Beträge bis 100000 Euro von

Strafzinsen auszunehmen. Marcel

Fratzscher,Chef des Deutschen Instituts

für Wirtschaftsforschung

(DIW), sagte,die Forderung gehe

völlig an der Realität vorbei. (dpa )

Härtere Strafen

für Unternehmen

Bundesjustizministerin Christine

Lambrecht (SPD) will bei schweren

Gesetzesverstößen Strafen für

Unternehmen deutlich verschärfen.

Einvon ihremMinisterium vorgelegter

Gesetzentwurfsieht unter anderem

eine drastische Erhöhung der

Geldbußen vor. Bisher liegt die

Obergrenzebei 10 Millionen Euro.

Künftig soll sie bei Unternehmen

mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz

bei 10 Prozent des Umsatzes

liegen. „Bei großen Konzernen

reden wir hier über mögliche

Sanktionen bis hin zu zweistelligen

Milliardenbeträgen“, so Lambrecht.

Dasneue Gesetz würde etwa Firmen

treffen, die im großen Stil bei Abgaswerten

betrügen. (dpa)

Thyssenkrupp klagt

gegen Fusionsverbot

Stahlarbeiter am Hochofen bei Thyssen-

Krupp.

FOTO: ROLAND WEIHRAUCH/DPA

Thyssenkrupp zieht gegen das Nein

der EU-Kommission zur Stahlfusion

mit dem indischen Konkurrenten

Tata Steel vorGericht.Die Kommission

habe den Rahmen des geltenden

Wettbewerbsrechts über Gebühr

ausgedehnt, begründete Vorstand

Donatus Kaufmann die Klage

vordem Gericht der Europäischen

Union (EuG). DieEssener rechnen

aber nicht damit, dass sie auf diesem

Wegdie Fusion doch noch durchsetzenkönnen.

DieEU-Kommission

hatte die Fusion untersagt, weil sie

den Wettbewerb bei bestimmten

Stahlsorten für gefährdet hielt. (dpa)

Osram ermöglicht

Übernahmeangebot

DerLichtkonzernOsram macht den

Wegfreifür einÜbernahmeangebot

des österreichischen Chipkonzerns

AMS. Vorstand und Aufsichtsrat von

Osramhätten das bestehende Stillhalteabkommen

mit AMS aufgehoben

und eine Kooperationsvereinbarung

unterzeichnet, teilte das

Unternehmen mit. Damit ebnet das

Münchner M-Dax-Unternehmen

dem österreichischen Halbleiterhersteller

den Wegfür den offiziellen

Einstieg in das Bieterrennen. AMS

konkurriertmit den US-Finanzinvestoren

Bain Capital und Carlyle.

DieIGMetallspricht sich weiterhin

klar gegen eine Übernahme durch

AMS aus.Esfehle eine belastbare

Arbeitsplatzsicherheit. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Meinung

Chemnitz

ZITAT

Hartes Urteil trotz

dünner Beweise

Maritta Tkalec

zweifelt am Wert der Aussagen des

Hauptbelastungszeugen.

Ineinem von Anfang an konfliktbeladenen

Fall ist nun auch noch ein Urteil gefällt

worden, das weitere Konflikte und

Zweifel hervorrufen wird. DieKammer des

Landgerichtes Chemnitz hat den 24 Jahre

alten Angeklagten Syrer Alaa S. des Totschlags

und gefährlicher Körperverletzung

für schuldig befunden und zu neuneinhalb

Jahren Gefängnis verurteilt. DasUrteil fällt

fast genau ein Jahr nach dem tödlichen

Messerangriff auf Daniel H. in Chemnitz.

DieKammer traute sich das Urteil zu, Alaa

S. und ein flüchtiger Iraker hätten den

Deutschen erstochen. Die Beweislage war

schwierig, der Hauptzeuge hatte seine

Aussage mehrfach geändert, Alaa S. hat

seine Unschuld beteuert, ansonsten geschwiegen.

Den Richtern reichte es trotzdem

für ein hartes Urteil.

Nun könnte man froh sein, wenn ein

Gewalttäter einer gerechten Strafe zugeführt

wird, aber das darf nie und nimmer

unter dem Einfluss von öffentlicher Meinung

von welcher Seite auch immer zustande

kommen, sondern bedarf echter

Beweise. Öffentlichen Druck auf das Gericht

gab es in diesem heiklen Fall. Viel

mehr als klare Beweise. Andiesen durfte

man zumindest zweifeln –und dann hätte

gegolten: Im Zweifel für den Angeklagten.

Die Gewalttat hatte in Chemnitz zunächst

dazu geführt, dass Ausländer gejagt

wurden, weil Ausländerhasser umstandslos

ihr eigenes Urteil gefällt hatten.

Die dürfen sich durch das Urteil bestätigt

fühlen –was kein Problem wäre, wenn es

denn juristisch auf sicheren Füßen

stünde.Das Urteil der Kammer des Landgerichtes

Chemnitz ist noch nicht rechtskräftig,

es kann vor dem Bundesgerichtshof

angefochten werden.Wird es dortkassiert,

hätte der heute gefällte Spruch dem

Rechtsstaat schweren Schaden zugefügt.

G7

VomWert der

offenen Worte

Damir Fras

glaubt, dass sie Beziehungen zu

Russland konfliktreich bleiben.

Vor dem Gipfeltreffen der sieben größten

Industriestaaten am Wochenende

im französischen Biarritz wird wieder

über Russlands Rolle in der Welt debattiert.

Es geht darum, ob Moskau für seine

Politik belohnt oder sanktioniert werden

soll. US-Präsident Donald Trump will

Russland bedingungslos wieder in die

Runde der größten Industrienationen

aufnehmen. Es scheint ihm dabei völlig

egal zu sein, dass Russland aus den G8

ausgeschlossen wurde,weil es mit der Annexion

der Halbinsel Krim gegen das Völkerrecht

verstoßen hat.

Eine Wiederaufnahme Russlands in

den elitären Klub der G8 würde alle Kritik

an der Annexion obsolet machen. Es ist

gut, dass sich wenigstens Emmanuel

Macron, Boris Johnson und Angela Merkel

einig sind: Russland darf wieder mitmachen,

muss aber vorher Bedingungen

erfüllen. Da wäre etwa die russische Unterstützung

für die Separatisten in der

Ostukraine.MachteWladimir Putin damit

nachweisbar Schluss, dann wäre esviel

schwerer, seinem Land weiter die Teilnahme

an G8-Gipfel zu verwehren.

Ohne Einbindung Russlands werden

sich die Krisen und Konflikte auf dieser

Welt nur schwer lösen lassen. Doch deswegen

zu schweigen über Russlands Vorgehen,

das wäre falsch. Wie erfrischend,

dass sich der deutsche Außenminister

Heiko Maas jetzt mit seinem russischen

Amtskollegen Sergej Lawrow auf offener

Bühne über das Thema Meinungsfreiheit

gefetzt hat. Deswegen wird die russische

Regierung ihre Politik nicht umgehend

verändern, aber der kräftige Dialog, vulgo:

Streit, könnte auf lange Sicht wirkungsmächtiger

sein als die Vorschläge des US-

Präsidenten.

Großbritannien bereitet sich auf den Hard Brexit vor.

Wer den Berliner Kunst- und

Kulturbetrieb nicht nur aus

der Perspektive des umtriebigen

Museumsbesuchers betrachtet,

sondern ihn auch als Raum gesellschaftlicher

Strömungen und Stimmungen

versteht, der wird Udo Kittelmann schon

jetzt vermissen. Derscheidende Direktor der

Berliner Nationalgalerie –zuder Alte und

Neue Nationalgalerie,der Hamburger Bahnhof,

das Museum Berggruen, die Friedrichswerdersche

Kirche und die Sammlung

Scharf-Gerstenberg imehemaligen Ägyptischen

Museum in Charlottenburggehören –

verfügt über die Hemdsärmeligkeit eines

Machers ebenso wie über die bisweilen arrogant

erscheinende Eleganz eines weitschweifigen

Schöngeists. Scheinbar mühelos

vermag Kittelmann eine kunsthistorische

Expertise aus dem Ärmel zu schütteln, genauso

gernaber spricht er über aktuelle Modetrends

und exquisite Weine. Man darf davon

ausgehen, dass dem ungeduldigen

Neuerer Kittelmann die anstehenden Veränderungen

der Berliner Kulturlandschaft zuletzt

allzu zäh und holprig verliefen.

Jenseits der Spekulationen, was einer wie

er denn als nächstes anstellen mag –mehr

Zeit für die Familie, ein attraktives Angebot

aus der internationalen Museumswelt –,

deutet die überraschende Personalie aus der

Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) auf

die tektonischen Verschiebungen in der Berliner

Kulturlandschaft hin, bei denen es

nicht nur um die Auswechslung eines Abteilungsleiters

geht.

Die ambitionierten und kostspieligen

Großprojekte der deutschen Kulturpolitik

ziehen sich hin. Das Humboldt-Forum wird

nicht, wie mit großem Aplomb geplant, am

14. September zum 250. Geburtstag vonAle-

Wenn man in Berlin wohnt, lernt man

unweigerlich eine Menge. Inmeinem

Fall zum Beispiel Niederländisch, denn das

habe ich studiert. Aber auch wirklich Überlebenswichtiges,

wie zum Beispiel den Unterschied

von Pfannkuchen und Eierkuchen

oder die Bedeutung von „Nachtijall, ick hör

dir trapsen“. Außerdem hat mir Berlin beigebracht,

dass man sich nicht an jedem Small

Talk beteiligen muss, eigentlich sogar an gar

keinem. Unangenehme Stille im Fahrstuhl?

Einfach stur aushalten. Im Wartezimmer

beim Arzt? Lasst mich einfach allein mit dem

neuesten Klatsch aus den Königshäusern

Europas.Süßer Typinder Bar? Einpaar interessierte,

aber böse Blicke hinüberwerfen, irgendwann

gehen und nie wiedersehen. In

Berlin geht das. Esist auf eine Art sehr befreiend,

nichts vonden Leben fremder Leute

erfahren zu müssen.

Die Freiheit des Nichts-Wissen-Müssens

und Nichts-Erzählen-Müssens hat man in

den Niederlanden, vor allem als Deutscher,

nicht. Seit ich in den Niederlanden wohne,

rangiert meine Staatsangehörigkeit vor dem

Wetter und dem Verkehr auf der Liste der beliebtesten

Small-Talk-Themen mit weitem

Abstand auf dem ersten Platz. Es gibt offenbar

noch viel zu klären zwischen den Kulturen,

warum nicht mit diesem willkürlichen

Deutschen anfangen, der da gerade zufällig

vor mir steht? „Wann bekomme ich mein

Fahrrad zurück?“ ist dabei eine der beliebtesten

Fragen, um das Eis zwischen den Kulturenzubrechen.

Im Zweiten Weltkrieg hatten

Nationalgalerie

Im

Wartestand

Harry Nutt

betrachtet den Rückzug Udo Kittelmanns als Signal

für die Berliner Kulturlandschaft.

xander von Humboldt eröffnet werden. Die

baulichen Probleme überdecken dabei die

noch immer riesigen konzeptionellen Vakanzen.

Demwiedererrichteten Schloss,das

doch zur Schaustelle und luftigen Begegnungsstätte

nationaler Sinnstiftung werden

soll, ist der Schwung abhandengekommen.

Die Skepsis wird noch dadurch verstärkt,

dass die Idee voneinem wie auch immer präsentierten

Weltkulturerbe in der Mitte Berlins

inzwischen argunter den Druck postkolonialer

Verdächtigungen geraten ist. Eine

Folge des langen Wegs zum Humboldt-Forumbesteht

nicht zuletzt darin, dass die aufgewandten

Planungsenergien an anderer

Stelle fehlen. Zudem hat Kulturstaatsministerin

Monika Grütters bereits vordem Antritt

KOLUMNE

Sag

mal

Scheveningen

Yulian Ide

Autor

die deutschen Besatzer Fahrräder von der

niederländischen Zivilbevölkerung konfisziertund

offenbar vermutet man, dass ich einen

direkten Draht zum Nachkriegs-Lostand-Found

haben könnte. Grapje! Nur ein

Scherz! versichert mir dann der Henk oder

Johann, der da vor mir steht, während ich

mir alle Mühe gebe, nicht das Klischee des

humorlosen Deutschen zu bestätigen und

gequält lächle.

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

ihrer zweiten Amtszeit eine umfangreiche

Evaluation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

angekündigt. Wer Evaluation sagt,

meint Restrukturierung, Überprüfung der

Effizienz und konzeptionelle Erneuerungen,

die sicher geglaubte Besitzstände und Gewohnheiten

im betrieblichen Alltag zu erschütternvermögen.

Bislang ist wenig davon

nach außen gedrungen, aber insgesamt erwecken

die Einrichtungen des Berliner Kulturbetriebs

derzeit gerade nicht den Eindruck,

von großem Aufbruchsgeist durchweht

zu sein.

Eine andere Baustelle, von der die Arbeit

UdoKittelmanns ganz unmittelbar betroffen

ist, stellt das Museum der Moderne direkt

neben der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum

dar, dessen Eröffnung für den amtierenden

Direktor Kittelmann wohl selbst

dann zu spät gekommen wäre, wenn er seinen

Vertrag noch einmal um drei Jahre verlängerthätte.

Über die persönlichen Motivehinaus verweist

Kittelmanns Demission darauf, dass

die Aktivitäten für eine junge,experimentierfreudige

Kunst durch die großen repräsentativenVorhaben

zuletzt deutlich in den Schatten

gestellt wurden. Dabei wäre gerade die

Aufmerksamkeit für eine irritierende, noch

nicht beruhigte Kunst, die die gesellschaftlichen

Brüche und Widersprüche bearbeitet,

dringend geboten. Udo Kittelmann hat den

Hamburger Bahnhof zu einer wichtigen

Schnittstelle zwischen alter und zeitgenössischer

Kunst unter dem Dach der Preußenstiftung

gemacht und damit viele junge

Künstler in die Stadt gelockt. Die Anziehungskraft

aber hat deutlich nachgelassen.

Die Kunststadt Berlin befindet sich im Wartestand,

doch der Zeitgeist bewegt sich nicht

nach einem verlässlichen Fahrplan.

„Sag mal Scheveningen“, werde ich an

anderen Tagen aufgefordert, sobald ich mich

Fremden gegenüber als Deutscher oute.

Dazu muss man sagen, dass Scheveningen

gleichzeitig ein Lager für politische Gefangene

in dem niederländischen Badeort und

ein Codewort unter niederländischen Widerstandskämpfernwar:das

etwas dahingekrächzte

Wort konnten Moffen, also Deutsche,

unmöglich fehlerfrei aussprechen und

waren somit schnell als Nazis enttarnt. Auch

knappe achtzig Jahre später verschafft mir

das Wort noch zuverlässig Zugang zu den innersten

Zirkeln der niederländischen Gesellschaft.

Mit der deutschen Phonetik musste

ich nach niederländischer Logik auch alle

sonstigen Untugenden abgelegt haben, die

mit meiner Nationalität einhergehen.

Den niederländischen Drang zum belanglosen

Gespräch empfinde ich als ziemlich

übergriffig. In harmlosen Fällen erzählt

man mir ungefragt seine Familiengeschichte,

aus der sich immer auch noch die

eine oder andere Nazi-Anekdote hervorkramen

lässt. Als Berliner Small-Talk-Verweigerer

denke ich mir dann: „Aha, ist ja interessant.

Erzähl mal lieber nicht.“ Auf einer Studentenparty

in Nimwegen erlebte ich den

ersten von vielleicht fünfzig Hitlergrüßen,

die über die Jahreanmich gerichtet wurden.

Jedes Mal habe ich mich in einen Berliner

Fahrstuhl oder Wartezimmer gewünscht.

Denn wem kein unverfänglicherer Gesprächseinstieg

gelingen will, der sollte es

vielleicht einfach lassen.

„Es ist 2019 und die Bundesregierung

arbeitet noch

mit Faxgeräten. Es scheint,

als hätte die GroKo mehr

Angst vor der Digitalisierung

als die Bevölkerung.“

Christian Lindner, FDP-Vorsitzender, auf Twitter

über die Ergebnisse einer Forsa-Studie zur

digitalen Bildung in Deutschland

AUSLESE

Der Soli als

Reichensteuer?

Der Solidaritätszuschlag ist bald Geschichte,

jedenfalls für die meisten,

die ihn bis jetzt noch zahlen. Die Neue

Zürcher Zeitung kritisiert das Vorgehen

der Bundesregierung. „Viel zu oft wird in

diesen Tagen in Deutschland danach gefragt,

was die Abschaffung des Soli den

Staat kosten würde“, schreibt das Blatt.

„Dabei geht es um ein viel höheres Gut:

Die Weiterführung des Soli als verkappte

Reichensteuer untergräbt die Glaubwürdigkeit

der deutschen Politik.“ Als „Einführung

der vonder SPD so heiß geliebten

Reichensteuer“ bezeichnet auch der

Münchner Merkur die geplante Regelung.

Dasgeschehe aber„nicht ehrlich in einem

transparenten Gesetzgebungsverfahren.

Sonderndurch die Hintertüre“.

„Nun ist also die Abschaffung des Solidaritätszuschlags

für einen Großteil der

Steuerzahler auf den Weggebracht –zu

Recht“, kommentiert dagegen das Badische

Tagblatt. „Von dem Soli-Schlussstrich

die reichsten paar Prozent der Steuerzahler

auszunehmen, ist trotzdem völlig

gerechtfertigt. Denn der Staat steht vor

großen Aufgaben. Klimaschutz, Bildung,

demografischer Wandel, Energie- und

Verkehrswende, all das wird Milliarden

kosten.“ Auch der Tagesspiegel meint: „Es

spricht wenig dagegen, Topverdiener ein

bisschen höher zu belasten.“ Auch die

Unternehmen „dürften nach einer selten

langen Phase fetter Jahre nun nicht gerade

ein Geldproblem haben“, weil sie

weiter zahlen müssen. Christine Dankbar

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Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Endlich den Durchblick

am Checkpoint Charlie

bekommen

Seite 10

Vorder Landtagswahl: Ursula Nonnemacher von den Grünen im Porträt Seite 16

Ein Bündnis beklagt den Verlust von staatlich subventioniertem Wohnraum Seite 12

Stadtbild

Birke, sei

willkommen

Susanne Dübber

beobachtet die Birke

bei ihrem Treiben.

Ich brauch Tapetenwechsel“ –wer

will nicht manchmal nur noch

weg? Wehmütig höre ich den Song

vonHildegardKnef über die Aussteiger-Birke.

„Ich will nicht mehr in

Reih und Glied/in eurem Haine stehen,

die gleiche Wiese sehen.“

DerFluchtversuch des Baums mit

leuchtend weißer Rinde lässt sich

nachvollziehen. Es ist zu heiß in Berlin.

Ohnehin sind nur drei Prozent

der Straßenbäume hier Birken, künftig

noch weniger. Derk Ehlert, Umwelt-Senat:

„Im trockenen Sommer

2018 handelten sich viele Birken

bleibende Hitze-Schäden ein.“ Die

häufig zu sehenden braunen Blätter

zeugen davon. Dergegenwärtige Klimawandel

macht eine Zukunft für

sie auf der Straße unwahrscheinlich.

„Sie wurde gelb vor Ärger/Verzweiflung

kam ihr langsam ins Geäst.“

Aber Betula (lt. Wikipedia indogermanisch

für „glänzend, schimmernd“)

ist eine Überlebenskünstlerin.

Ehlert: „Die besonders schnell

wachsende Pionierpflanze gedeiht

als erster Laubbaum auf nähstoffarmen

Ödlandflächen, leicht salzhaltigen,

trockenen und sehr feuchten

Böden. Ihr Laub zersetzt sich

schnell, stellt rasch Nährstoffe bereit.

So bereitet sie den Boden für

wichtige Nachfolgepflanzen.“ Birke

und Knef, Pionierinnen sind sie

beide. Die Schauspielerin gab als

erste im deutschen Film eine Splitterfasernackte.Das

war im Jahr 1950

in „Die Sünderin“.

Ebenfalls eine Pionierin ist Anastasiya

Koshcheeva, sie bringt Birken

in deutsche Wohnungen. Wie der

Baum kommt auch die Designerin

aus Sibirien. Zum Studium brachte

sie eine Rinden-Schachtel mit, in

Kreuzberg entwirft sie nun mit dem

samtartigen Material Vorratsdosen

(ab 29 Euro), Lampenschirme,

Stühle; (moya-birchbank.com). Als

erste interpretiert sie das Jahrhunderte

alte traditionelle Handwerkder

Rindenverarbeitung in die Moderne.

„Besonders gefragt sind die Behältnisse

für Lebensmittel. Derenätherische

Öle mit antiseptischen Eigenschaften

halten das Darinnen jahrelang

ganz natürlich frisch.“ Wernach

dem Rindenverlust um die Stämme

fürchtet, der sei beruhigt.„Nach dem

Abziehen wächst die Rinde nach, die

Bäume werden nicht gefällt.“ Statt

auf der Straße ist die flexible Birke

nun als Lampe willkommen.

Bei der Knef geht das Ausreiß-

Abenteuer allerdings unglücklich

aus. „Des Försters Beil traf sie im

Morgenschimmer/und als Kommode

dachte sie noch immer/wie

schön es doch im Birkenhaine war.“

AnastasiyaKoshcheeva mit Birkenrinde

und Lampenschirmen daraus.

PRIVAT

Fußgänger sind das langsamste und schwächste Glied in der Kette der Fortbewegung.Dabei werden rund ein Drittel der Wege per pedes zurückgelegt.

„Wir holen uns unsere Wege zurück“

Gehwegradler,Falschparker,elektrische Tretroller –dagegen protestieren nun Fußgänger in Berlin

VonPeter Neumann

Diese Demonstration sei

lange überfällig, sagt

Dietmar Scheffler. „Und

sie ist dringend nötig“,

meint der Charlottenburger.„Im Straßenverkehr

sind wir Fußgänger das

mit Abstand schwächste Glied in der

Kette. Wir werden an den Rand gedrängt.“

Um diesen Missstand geht es

bei der Demonstration, die am kommenden

Mittwoch, um 16 Uhr, in

Mitte beginnt. „Gehwege für die, die

gehen –Rad ab!“ lautet das Motto der

Protestaktion, zu der die Fußgängerlobby

und andere Verbände auf den

Alexanderplatz eingeladen haben.

Dietmar Scheffler ist oft in seinem

Wohnviertel unterwegs. „Ich kenne

Nachbarn, die sich nur noch ungern

auf die Straße trauen, weil sie Angst

haben“, berichtet der 77-Jährige. Sie

fürchten sich vorden Radfahrern, die

sich die Bürgersteige aneignen, als ob

das selbstverständlich wäre.

Scheffler wohnt nicht weit vom

Theodor-Heuss-Platz entfernt. „Dort

wird gerade gebaut, Radfahrer weichen

auf die Gehwege aus –verbotenerweise“,

erzählt der Ruheständler.

„Wenn ich mich beschwere, werden

mir Prügel angedroht, oder Radfahrerinnen

zeigen mir den Mittelfinger.“

HöhereBußgelder gefordert

Ihnnervenaber auch die Kraftfahrer:

„Bei uns gibt es kaum eine Kreuzung,

auf der nicht falsch geparkt wird.“ Anstatt

den vorgeschriebenen Fünf-Meter-Abstand

einzuhalten, stellen sie

Knotenpunkte mit ihren Autos zu.

Dasverschlechtertnicht nur die Sicht

und erhöht die Unfallgefahr: „Fußgänger

mit Kinderwagen oder Rollatoren

haben Mühe, zwischen den

Autos auf die Straße zu gelangen“,

klagt Scheffler. „Autos müssen raus

aus der Stadt!“ Immer öfter werde

auch auf Gehwegen geparkt: In seinem

Viertel sind es vor allem Motorräder,die

den Raum einengen.

Dass Radfahrer für mehr Platz auf

den Straßen demonstrieren, kommt

verhältnismäßig häufig vor. Fußgängerprotest

ist dagegen eine Ausnahmeerscheinung

–jedenfalls bislang.

Dabei wirdrund ein Drittel allerWege

in der Hauptstadt zu Fuß bewältigt.

Dieser Anteil ist deutlich höher als

Mahnwache: An diesem

Freitag,um17.30 Uhr,wird

einer Fußgängerin gedacht,

die am Dienstag in Marienfelde

voneinem abbiegenden

Lkw getötet worden ist.

Schauplatz ist die Kreuzung

Nahmitzer Damm/Marienfelder

Allee. Der Lkw hatte

einen Abbiegeassistenten.

TOD AUF DER STRASSE

Unfallbilanz: 2018 gabes

45 Verkehrstote in Berlin,

19 starben als Fußgänger.

576 Fußgänger trugen bei

Unfällen schwere, 1740

leichte Verletzungen davon.

2625 Fußgängerunfälle wurden

registriert. Die meisten

ereigneten sich in Mitte und

Friedrichshain-Kreuzberg.

Verunglückte Fußgänger in Berlin

Leichtverletzte Schwerverletzte Getötete

1659

445

1651

14 21

2013 2014

1794

499 498

1687

534

Gesetz: Als erste Stadt und

erstes Bundesland in

Deutschland bekommt Berlin

ein Gesetz, das den Fußverkehr

fördernsoll. Dazu

wird das Mobilitätsgesetz

2020 um einen vierten Abschnitt

ergänzt. Der Entwurf

sieht unter anderem längere

Ampel-Grünphasen vor.

1739

1740

592 576

19 21 13 19

2015 2016 2017 2018

BLZ/BAUM; QUELLE: POLIZEI

beim Auto oder dem Fahrrad. Unterstützt

wird die Fußgänger-Demonstration

am 28. August vom Allgemeinen

Blinden- und Sehbehindertenverband,

vom Sozialverband

Deutschland, vom Seniorenbeirat

Mitte und von dem Verband Changing

Cities. Organisator ist der Fachverband

Fußverkehr Deutschland,

kurz FUSS. DerVerband geht neuerdings

vermehrt an dieÖffentlichkeit.

„Wir alle sind auf Sicherheit und

Raum beim Gehen angewiesen. Davon

wird uns aber immer mehr genommen“,

sagt Verbandsvorstand

Roland Stimpel. „Auf den Gehwegen

wird unerlaubt Fahrrad und neuerdings

E-Roller gefahren, die Fahrzeuge

stehen und liegen kreuz und

quer. Falsch geparkte Fahrzeuge stehen

auf Gehwegen und an Straßenecken.

Viele von uns werden behindertund

bedroht. An diesem Tagholen

wir uns unsere Wege zurück.“

Gehwege dürften nicht länger zu

„Rumpelräumen und Rennpisten“

verkommen, fordertStimpel.

Bei dem „Demonstrations-Spaziergang“

gehe es um vier Forderungen:

Gehwege sind zum Gehen da,

nicht für schnellere und abgestellte

Fahrzeuge.Falschparken und fahren

wird strenger bestraft. Leihfahrzeuge

stehen nur noch am Fahrbahnrand.

Und: „Ampelgrün für Fußgänger

kommt eher, läuft länger und wird

weniger durch Abbieger gefährdet.“

Auch Elektrokleinstfahrzeuge machen

Fußgängern den Platz streitig –

illegal. Obwohl elektrische Tretroller

Radwege oder Straßen nutzen müssen,

sind sie auch auf Gehwegen unterwegs

–sehr zum Ärger vieler Passanten.

Seit Mitte Juni dürfen solche

Mini-Zweiräder auch für deutsche

Straßen zugelassen werden. Dagegen

sind Kleinstfahrzeuge ohne Lenkstange

weiter illegal. Dassollsich ändern,

fordert der Branchenverband

Electric Empire –und ruft für den 21.

September zueiner Demonstration

in Berlin auf. Sie führt 15 Kilometer

vom Stuttgarter Platz über den Kurfürstendamm

zum Tempelhofer Feld.

Elektro-Skateboards, Onewheels,

Monowheels –das sind drei Beispiele

für die Vehikel, um die es bei dieser

Protestaktion geht. Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer (CSU)

habe angekündigt, dass er Fahrzeuge

ohne Lenk- oder Haltestange testweise

zulassen will, sagte der Vorstandsvorsitzende

Lars Zemke. Doch

seitdem der Bundesrat dies am 17.

Maiabgelehnt hatte,weil er ein„Mindestniveau

für die Sicherheit“ herstellen

wollte, fühlten sich die Aktivisten

vergessen. Zemke:„Wir spüren vielerorts

eine immense Ablehnung.“

Eine Wutwelle rollt

IMAGO/MARIUS SCHWARZ

Mitder Demonstration sollen die Politiker

daran erinnertwerden, die bislang

nur für E-Tretroller geltende Verordnung

zu ergänzen. „Außerdem

wollen wir zeigen, dass wir diese

Fahrzeuge beherrschen, dass wir

keine Rowdies sind“, sagte der Verbandschef.

Anders als bei Rollern

muss das Fahren erlernt und trainiert

werden – das sei der große Unterschied.

Doch wie andere Fahrzeuge

dieser Art sollten auch diese Vehikel

nicht auf Gehwegen fahren dürfen.

„E-Roller richten schon genug

Chaos an. Jetzt auch noch kleine

Fahr-Spielzeuge wie Einräder, motorisierte

Rollschuhe und Hoverboards

zuzulassen, würde das Ganze noch

verschlimmern“, entgegnete Roland

Stimpel. Er könne nur hoffen, dass

Scheuer diese Fahrzeuge nicht auch

noch zulässt. „Eine Fußgänger-Wutwelle

ist spürbar“, so FUSS. Die Demonstration

soll sie kanalisieren.

DietmarScheffler hofft, dass die Fußgänger

am 28. August in Mitteein Zeichen

setzen.„Wir sind viele“, sagt er.

Peter Neumann

ist am Mittwoch

6,5 Kilometer gelaufen.

NACHRICHTEN

Techno-Fans wollen für mehr

Toleranz demonstrieren

Unter dem Motto„30 JahreMauerfall

–gegen neue Meinungsmauern“ soll

an diesem Sonnabend ein Demonstrationszug

zu Techno-Sounds

durch Treptow, Kreuzbergund Friedrichshain

ziehen. Beim „Zug der

Liebe“ präsentieren sich gesellschaftspolitischeVereine,derenThemen

vonTierschutz bis Inklusion

reichen, wie ein Sprecher des Vereins

mitteilte.Die Musikparade mit 23

Lastwagen und einem Busstartet

um 13 Uhrander Puschkinallee,

zieht dann durch die Schlesische

Straße und die Köpenicker Straße,

überquertdie Spreeund führtauf

der Frankfurter Allee zurück nach

Osten zum Markgrafendamm. „Wir

wollen jungen Menschen mehr Toleranz

und Menschlichkeit als wichtige

Werteeiner liberalen Gesellschaft

vermitteln. Im besten Fall motivieren

wir sie,sich bei Vereinen zu

engagieren“, so ein Sprecher desVereins.

(dpa)

Protestpicknick auf der

Spandauer Straße in Mitte

Voneiner wichtigen Straße im östlichen

Stadtzentrum werden Kraftfahrzeuge

zwei Stunden lang verbannt.

Für den 31. August von15 bis

17 Uhrlädt ein breites Bündnis aus

Umweltverbänden und Initiativen

zu einem autofreien Protestpicknick

auf der Spandauer Straße ein. Schauplatz

ist die Kreuzung Rathausstraße

am Roten Rathaus.„Während in anderen

Metropolen der Autoverkehr

in der Innenstadt Schritt für Schritt

zurückgedrängt wird, hat Berlin

noch viel Nachholbedarf. Diesen

Missstand wollen wir beheben“,

teilte das Bündnis mit. Dieinden

Bürgerleitlinien für Mitte angekündigte

Verkehrsberuhigung sei bis

heute nicht realisiertworden. (pn.)

Das Wochenende wird heiß

mit bis zu 30 Grad

Viel Sonne und bestes Badewetter erwarten

die Berliner und Brandenburger

am Wochenende.Die 30-

Grad-Marke könnte in den kommenden

Tagen nach Angaben des

Deutschen Wetterdienstes (DWD)

geknackt werden. Schon am Freitag

soll es bei 28 bis 30 Grad viel Sonne in

der Region geben. Auch Sonnabend

und Sonntag starten sonnig, später

kann es sich bei Höchsttemperaturenvon

31 Grad zuziehen. Verantwortlich

für die Sommerrückkehr ist

das Hoch „Corina“, das warme Luft

nach Mitteleuropa bringt. Wersich

abkühlen will, kann bedenkenlos in

eine der offiziellen 39 Berliner Badestellen

springen. Alle Badegewässer

sind nach Angaben des Landesamts

für Gesundheit und Soziales zum Baden

geeignet. (dpa)

Am Schlachtensee wird es dieses Wochenende

wieder voll werden.

IMAGO


10 * Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Berlin

Der Timeride-Gründer und gebürtige Dresdner Jonas Rothe wardrei Jahre alt, als die Mauer fiel. Am Checkpoint Charlie schickt er Interessierte auf eine Zeitreise in ein geteiltes Berlin.

BERND FRIEDEL

Nach vorne schauen in die Vergangenheit

Wiewar dasinden 80er-Jahren? Dank einer Virtual-Reality-Brille wird nun Geschichte am Checkpoint Charlie erfahrbar

VonStefanie Hildebrandt

Der Fahrer des Busses,mit

dem unsereReisegruppe

sich auf den Wegindie

Vergangenheit macht,

hat sein schütteres Haar sorgfältig

über die Glatzegekämmt. EinMitreisender

schräg hinten trägt ein wild

gemustertes Hemd. Interessiert

schaut er aus dem Fenster. Kein

Wunder, draußen zieht eine Stadt

vorbei, die es so nicht mehr gibt.

Obwohl die beiden direkt neben

mir im schaukelnden Bus sitzen,

kann ich keinen der Männer berühren.

Meine Hand greift ins Leere.

Wieauch das Ost-Berlin der 80er-

Jahre, dessen Straßen wir bei dieser

besonderen Rundfahrt durchmessen,

sind sie Computeranimationen.

Auferstanden auf der Grafikkarte,

sind sie Figuren aus der Virtual Reality

und damit Teil einer neuen Attraktion,

die am Sonnabend unweit

des Checkpoint Charlie ihre Türen

für Besucher öffnet.

Nichts weniger als eine Zeitreise

versprechen die Macher der Timeride-Schau.

Undtatsächlich tauchen

Besucher mithilfe einer VR-Brille für

einige Minuten völlig in die Vergangenheit

ein. Zu Beginn eines Besuchs

der interaktiven Ausstellung

machen sie sich zunächst zu Fuß

und sehr reell auf zum nahe gelegenen

Checkpoint Charlie. Hier setzten

sie,begleitet voneinem Guide im

petrolglänzenden Anzug, die klobige

graue Brille auf und werden direkt

am geschichtsträchtigen Ort, der

heute voll mit Frittierfett, Russenmützen

und mit Selfie-schießenden

Touristen ist, in die Vergangenheit

katapultiert.

Geschichte und Entertainment

360-Grad-Bilder werden auf die Brillen

gespielt, sie zeigen, wie sehr sich

der Grenzübergang im Laufe der

Jahrzehnte von 1945 bis in die Mitte

der 80er-Jahre veränderte. In der

Collage stehen sich erst Panzer bedrohlich

gegenüber, esgib Proteste

im Westen, bis Mitte der 80er-Jahre

nehmen schließlich die Grenzanlagen

einschüchternde Ausmaße an.

Ziemlich eindrucksvoll ist der

Kontrast, wenn man die Brille wieder

abnimmt. Auf genau diesen Effekt

setzt das Konzept vonTimeride: Geschichte

verbunden mit Unterhaltung

und modernster Technik ermöglicht

es, indas Leben und Treiben

vergangener Epochen einzutauchen.

„Edutainment“ heißt das oder

„Techutainment“. Nach Köln und

Dresden ist Berlin bereits der dritte

Beklemmendes Gefühl beim Grenzübertritt an der Friedrichstaße.

Die Tour: Sowohl für

Einzelpersonen, als auch

für (Schul-)Gruppen ab

acht Personen konzipiert

dauertsie circa eine

Stunde. Der Besuch wird

für Kinder ab sechs Jahren

empfohlen.

AUF ZEITREISE

Die Tickets: Sowohl online

unter www.timeride.de/berlin

oder auf www.myticket.de,

als auch an der

Tageskasse sind Tickets erhältlich.

Erwachsene zahlen

12,50 Euro im Vorverkauf,

14,50 Euro an der Kasse.

TIMERIDE

Die Ermäßigung: Kinder

vonsechs bis 17 Jahren,

Studenten, Azubis zahlen

10 Euro imVorverkauf,

11,50 Euro an derTageskasse.

Für Berliner mitAusweis

kostet der Eintritt an der Zimmerstraße

91 nur 10 Euro.

Standort. In anderthalb Jahren haben

über 200 000 Menschen am

Rhein die Zeitreise gewagt. EinweiteresAngebot

in München eröffnet im

September. „Zeitreisen sind mein

Kindheitstraum gewesen“, sagt

Gründer Jonas Rothe. Mithilfe moderner

Virtual-Reality-Technik

komme er dem Traum ein ganzes

Stücknäher.

Zurück in der Timeride-Zentrale

in der Zimmerstraße erleben Besucher

dann denBlick auf den Alltag in

OstundWest,umschließlich auf drei

fiktive Zeitzeugen zu treffen, deren

persönliche Lebensgeschichten per

Einspielfilm kurzumrissen werden.

Zeitzeugen als Reiseführer

Der aufmüpfige Fliesenleger Harry

Liedeke, die reflektierte Architektin

Elke Makowski und der unangepasste

Kreuzberger Ex-Punk Michael

Hartmann werden die Gäste im Anschluss

auf ihrer virtuellen Zeitreise

im Reisebus begleiten. Besucher

können wählen, welchen der drei

Kommentatoren sie während der

VR-Stadtrundfahrt hören wollen.

„Wir erhoffen uns,dass die Besucher

über die unterschiedlichen Sichtweisen

ins Gespräch kommen und

sich austauschen“, sagt die Leiterin

der Berliner Filiale,bevor die eigentliche

Zeitreise in einem nachempfundenen

Reisebus beginnt. Es fällt

auf, wie leer es auf den Straßen Ost-

Berlins ist. Der Grenzer am Übergang

an der Friedrichstraße nuschelt

mit sächsischem Dialekt, das längst

abgerissene Restaurant Ahornblatt

zieht vorbei wie auch die blauen

Wölkchen aus dem Auspuff eines abbiegenden

Barkas.DreiPioniermädchen

spielen auf dem Bürgersteig,

am Gendarmenmarkt ist der Französische

Dom noch eine Ruine.

Ein bisschen Klischee, ein bisschen

Kino, dennoch: Die Rundfahrt

in der Vergangenheit ist viel zu

schnell vorüber. Der Bus kommt auf

dem Parkplatz vor dem Palast der

Republik zum Stehen. Originalbilder

vom Fall der Mauer sorgen auch 30

Jahrespäternochfür Gänsehaut.

Einige Passagiere werden zum

Preis von 12,50 Euro mitfahren um

sich zu erinnern, andere, um eine ihnen

unbekannte Stadt kennenzulernen.

Für beide Zielgruppen hält die

Zeitreise durch Berlin spannende

Ausblicke bereit.

Stefanie Hildebrandt

würde auch gern einmal in

die Zukunft reisen.

Rutschen und schaukeln mit dem Geld der SED

Der Bezirk Pankow erhält 650 000 Euro aus Vermögen der DDR. Er investiert das jahrzehntelang in der Schweiz versteckte Kapital in Kinderprojekte

VonMikeWilms

Der Bezirk Pankow saniert seine

Spielplätze. Nachdem jahrelang

Geld fehlte und viele Spielflächen gesperrt

waren, stehen in diesem Jahr

8,7 Millionen Euro aus Sonderprogrammen

des Senats bereit. Ein Teil

des Geldes – rund 650 000 Euro –

stammt aus altem SED-Vermögen,

den sogenannten Mitteln der Parteien-

und Massenorganisationen

der DDR. Dieser Topf des Landes

wurde im vergangenen Jahr mit 16,3

Millionen Euro gefüllt, nachdem versteckte

SED-Gelder aus der Schweiz

zurück nach Berlin geflossen waren.

DasGeld, mit dem in Pankownun

Spielplätze inder Dusekestraße, am

Solonplatz und am Goldfischteich

saniertwerden, ist Teil eines internationalen

Wirtschaftskrimis. Bereits

kurzvor dem Ende der DDR hatte die

SED versucht, Geld in Sicherheit zu

bringen, um es dem westdeutschen

Finanzsystem zu entziehen. DieSED

war mit sechs Milliarden Ost-Mark

Bargeld und zahlreichen Immobilien

und Betrieben eine der reichsten

Parteien Europas.Einen Teil des Geldes

deponierten die Genossen in der

Schweiz. Die Bundesrepublik versuchte

jahrelang, Zugriff auf SED-

Vermögenswerte zu erhalten –mit

wechselhaftem Erfolg. Ende 2017 urteilte

ein Schweizer Gericht, dass

2018 rund 198,9 Millionen Euro an

die neuen Bundesländer und Berlin

zurückgezahlt werden müssen. Berlin

bekam 16,3 Millionen Euro und

bat die Ost-Bezirke um Ideen für die

Verwendung. Pankow wollte Spielplätze.

Sanierungsstau ohne Ende

Der kinderreiche Bezirk imBerliner

Nordosten hatte jahrelang Probleme,

seine 220 Spielplätze zupflegen

und Schäden zu reparieren. Im

Frühjahr 2018 waren nur 38 vollständig

intakt. Der Stadtrat für Stadtentwicklung,

Vollrad Kuhn (Grüne),

spricht vonaktuell zehn vollgesperrten

und mehr als 20 teilgesperrten

Spielplätzen. Man habe bei den Sanierungsbemühungen

bereits erste

Der marode Spielplatz in der Dusekestraße wird komplett neu gebaut.

Erfolge erreicht. Aber nun müssten,

so Kuhn, „die aktuell noch gesperrten

Plätze möglichst bald wieder

vollständig für die Kinder öffnen“.

Der Einsatz der SED-Gelder ist drei

maroden Spielflächen vorbehalten,

wobei der StandortDusekestraßeim

Florakiezeine Sonderrolle spielt. Auf

der seit drei Jahren gesperrten Flä-

BERND FRIEDEL

che entsteht der erste inklusive

Spielplatz des Bezirks –für Kinder

mit und ohne Beeinträchtigungen.

Die neuen Spielgeräte bekommen

zum Beispiel Klangelemente,

damit sich blinde Kinder besser zurechtfinden.

Alle Geräte sollen problemlos

mit dem Rollstuhl erreichbar

sein. Kletternetze und andere

Aufbauten werden mit speziellen

Griffen ausgestattet. „Die Arbeiten

haben begonnen, der Bauzaun wird

aufgestellt“, hieß es am Donnerstag

aus dem Büro von Stadtrat Kuhn.

Ende des Jahres soll alles fertig sein.

Von den insgesamt rund 650 000

Euro, die Pankow aus den DDR-Geldern

für Spielplätze enthält, entfallen

274 000 Euro auf die Sanierung in

der Dusekestraße.Für den Spielplatz

am Goldfischteich gibt es mehr als

200 000 Euro und für den Spielplatz

Solonplatz mehr als 100 000 Euro.

19 Projekte in ganz Berlin

Das Spielplatzprojekt in Pankow ist

eines von 19Vorhaben, die in Berlin

mit den insgesamt 16,3 Millionen

Euro aus dem Vermögen der Parteiund

Massenorganisationen der DDR

verwirklicht werden. Wie berichtet,

gehen 9,1 Millionen Euro an neun

Projekte im Bereich der wirtschaftlichen

Umstrukturierung. Gefördert

werden unter anderem die East Side

Gallery, derWiederaufbau des Turms

des Schlosskirche Buch und die Sanierung

der Stelen zur Erinnerung

an die Friedliche Revolution. Fast 4,7

Millionen Euro fließen in staatliche

Projekte mit sozialen und kulturellen

Zwecken. Dies sind zum Beispiel der

Campus der Demokratie, die Sanierung

des Kreativhauses Fischerinsel

und der Umbau des Hauses der Befreiung

zum Kulturhaus.Weitere 2,5

Millionen Euro dienen der Förderung

nicht staatlicher Vorhaben wie

der Sanierung eines jüdischen Gemeindehauses

und der Erweiterung

des Archivs der DDR-Opposition.

Die Auszahlung von 16,3 Millionen

Euro an das Land Berlin im vergangenen

Jahr war nicht der erste

Fall dieser Art. Insgesamt hat Berlin

bisher fast 31,9 Millionen Euro aus

zurückgeführtem Vermögen derPartei-

und Massenorganisationen der

DDR erhalten. Die ostdeutschen

Länder und Berlin zusammen erhielten

380 Millionen Euro. Ein offener

Rechtsstreit mit dem Schweizer

Bankhaus Julius Bär um 88 Millionen

Euro wird, sodie Bundesregierung,

bis Ende 2020 abgeschlossen sein.


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 11 *

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Berlin

POLIZEIREPORT

Radfahrerin gerät unter Lkw.

Eine Radfahrerin ist im Berliner

Westend mit einem Lastwagen zusammengestoßen.

Dabei wurde die

Frau an der Kreuzung Königin-Elisabeth-Straße

und Spandauer Damm

unter dem Lkw eingeklemmt und

verletzt, wie die Feuerwehr am Donnerstag

twitterte.Sie konnte aber

schnell befreit und ins Krankenhaus

gebracht werden. Laut Polizei übersah

der 49 Jahrealte Lkw-Fahrer die

Radfahrerin vermutlich beim

Rechtsabbiegen.

Ehemann überrollt Frau mit Auto.

Eine 89-Jährige ist in Friedrichshain-Kreuzbergvon

ihrem Mann

mit einem Auto überrollt worden.

DieFrauwurde mit lebensgefährlichen

Kopfverletzungen in ein Krankenhaus

eingeliefert, teilte die Polizeimit.

Ihr88Jahrealter Ehemann,

der Fahrer des Autos,wurde leicht

verletzt und musste in einer Klinik

behandelt werden, die er mittlerweile

wieder verlassen hat. Ersten

Erkenntnissen zufolge stand die

Frau hinter dem Auto,als ihr Mann

rückwärts in eine Parklücke zurücksetzte.Der

Wagen soll sie mit der

Stoßstange berührthaben, woraufhin

die Frau stürzte.Ihr Mann stieg

aus,der Wagen rollte weiter.Der 88-

Jährige wurde vonder geöffneten

Autotür umgerissen –das Auto

rollte über seine Frau.

Verkehr und Lokale kontrolliert.

Rund 150 Beamte haben am Donnerstagabend

verschiedene Lokale

und den Verkehr in Neukölln kontrolliert.

Es gehe etwa um Raser

oder gewerberechtliche Verstöße,

sagte eine Polizeisprecherin. Betroffen

seien Cafés und Sportbars.Die

Beamten waren seit dem frühen

Abend am Hermannplatz und an

der Sonnenallee im Einsatz, auch

Kreuzbergstand auf dem Plan der

Ermittler.

Mann niedergestochen.

Eine Passantin hat am Mittwochabend

an der Straßenbahn-Haltestelle

am S-Bahnhof Hohenschönhausen

einen verletzten Mann bemerkt.

Siealarmierte die Polizei sowie

die Feuerwehr.Auf den 41 Jahre

alten Mann war mehrmals eingestochen

worden. Er war lebensbedrohlich

verletzt, teilte die Polizei mit. Beamte

vermuten, dass der Täter der

Ex-Freund seiner Lebensgefährtin

ist. Der45-Jährige wurde noch in der

Nacht festgenommen.

Einbrecher festgenommen.

Polizeibeamte haben in der Nacht

zum Donnerstag in Adlershof drei

Einbrecher festgenommen. Gegen

1.30 Uhrhatte eine Zeugin Geräusche

aus einem Lokal in der Radickestraße

gehört. Dann beobachtete sie

einen Mann, der sich vordem Gebäude

verdächtig verhielt. Sieinformierte

die Polizei. Beamte des Abschnitts

65 nahmen ihn und dessen

zwei Komplizen fest. Siesind 21, 23

und 25 Jahrealt. DasTriowurde in

Polizeigewahrsam gebracht.

Auto beschlagnahmt.

Eine Zivilstreife des Verkehrsdienstes

hat am Mittwochabend in der

Peter-Vischer-Straße einen Jugendlichen

festgenommen. Der17-jährige

Audi-Fahrer war zuvor den Beamten

wegen riskanter Fahrmanöveraufgefallen.

Er ignorierte die

Aufforderung anzuhalten und versuchte

zu flüchten. Er fuhr mit überhöhter

Geschwindigkeit und unter

Missachtung roter Ampeln durch

Schöneberg. Nach einer halben

Stunde stellte ihn die Polizei. Der

Fahrer besitzt keinen Führerschein.

DasAuto wurde sichergestellt.

Rassistisch beeidigt.

An einer Bushaltestelle in Altglienicke

hat am Mittwochabend ein 20-

Jähriger zwei Männer rassistisch beleidigt.

Anschließend kam es zur

Prügelei. Ein16-Jähriger versuchte,

dem Täter zu helfen und schlug

ebenfalls auf die Opfer ein. Zeugen

alarmierten daraufhin die Polizei.

Diebeiden Täter wurden festgenommen.

(ls.)

In diese Flüchtlingsunterkunft in Reinickendorf soll die Polizei am Donnerstag eingedrungen sein, um einen Flüchtling abzuschieben. Doch der wargar nicht da.

Neuer Heimstatus

Innensenator und Sozialsenatorin streiten erneut über Abschiebungen. Auch die Grünen positionieren sich

VonAnnika Leister

Die CDU spricht von

„krassem Politikversagen“,

die FDP sieht die

rot-rot-grüne Koalition

„völlig zerrüttet“: Einalter Streit zwischen

Innensenator Andreas Geisel

(SPD) und Sozialsenatorin Elke Breitenbach

(Linke) um die Rechte der

Polizei bei Abschiebungen ist erneut

aufgeflammt –und dieses Mal positionieren

sich überraschend auch

die Grünen gegen den Innensenator.

Im Kern geht es um die Frage, ob

die Polizei Flüchtlingsheime ohne

Durchsuchungsbeschluss betreten

darf, um Menschen abzuschieben.

Geisel sagt Ja,Breitenbach Nein. Die

Diskussion kochte bereits im Juni

hoch, als Breitenbach Heimbetreiber

mit einem Schreiben darauf hinwies,dass

die bisherige Praxis der Senatsinnenverwaltung

– nämlich

Heime ohne Beschluss zu betreten –

keineswegs rechtssicher sei und den

Betreibernmitteilte,dass sie die Polizei

ohne Beschluss auch vor der Tür

stehen lassen dürften. Geisel kritisierte

Breitenbach scharffür ihr Vorgehen,

erteilte aber eine Weisung an

Polizisten, vorübergehend keine

Flüchtlingsheime zu betreten, bis

Rechtssicherheit erlangt sei.

Beiihren Positionen stützten sich

die Senatoren auf unterschiedliche

Gesetze: Geisel unter anderem auf

das Aufenthaltsgesetz, Breitenbach

auf Artikel 13 im Grundgesetz, der

die„Unverletzlichkeit derWohnung“

zusichert. Nach Einschätzung von

Verfassungsrechtlern waren beide

Positionen legitim. Doch statt selbst

an einer Lösung zu arbeiten, verlagerte

die rot-rot-grüne Koalition das

Problem auf die Bundesebene: Dort

wurde Ende Juni ein großes Asyl-Gesetzespaket

aus der Feder von Horst

Seehofer (CSU) verabschiedet, das

zahlreiche Verschärfungen im Asylrecht

vorsieht. Auch Abschiebungen

soll es erleichtern, explizit räumen

die neuen Regelungen der Polizei

das Recht ein, Flüchtlingsunterkünfte

ohne Durchsuchungsbeschluss

betreten zu dürfen.

An diesem Mittwoch sind Teile

des Gesetzespakets mit Verkündung

im Bundesgesetzblatt in Kraft getreten.

Am selben Tagnoch hob die Innenverwaltung

die Weisung, Heime

vorerst nicht zu betreten, mit einer

neuen Weisung auf. „Wir haben immer

erklärt, dass wir die Weisung an

die Polizei temporär aussetzen, bis

eine bundesgesetzliche Regelung

vorliegt“, teilte ein Sprecher der Verwaltung

der Berliner Zeitung mit.

Mit dem neuen Gesetz habe Berlin

nun Rechtssicherheit. „Bundesrecht

gilt auch in Berlin und wirdhier umgesetzt.“

Voracht Wochen noch lehnte die

rot-rot-grüne Koalition sich gegen

Seehofers heftig umstrittenes Gesetzespaket

im Bundesrat auf. Dasblieb

zwar erfolglos.Aber auch die Senatoren

der SPD sprachen sich für den

Protest aus. Abschiebehaft und andere

Maßnahme lehne man grundlegend

ab, hieß es damals auch aus

der Innenverwaltung. Solche Dinge

seien mit Geisel nicht zu machen.

Sozialsenatorin Elke Breitenbach

bleibt trotz Inkrafttreten des neuen

Gesetzes bei ihrer Meinung. „Wir se-

„Im Zweifel für den Rechtsstaat,

im Zweifel für den Durchsuchungsbeschluss.“

Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Berliner Grünen-Fraktion

hen das Gesetz kritisch“, sagte eine

Sprecherin ihrer Verwaltung der Berliner

Zeitung. „Und unsere Rechtsauffassung

hat sich nicht geändert.“

Manwerde nun ein Rechtsgutachten

in Auftrag geben, um die rechtliche

Grundlage genau prüfen zu lassen.

Die Grünen, die sich aus dem

Streit lange herausgehalten haben,

positionierten sich am Donnerstag

überraschend: „Im Zweifel für den

Rechtsstaat, im Zweifel für den

Durchsuchungsbeschluss“, sagte

Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher

der Grünen, der Berliner Zeitung.

Die Grenze zwischen einem

Vonfalschen und neuen Wegen

BERND FRIEDE

reinen Betreten, für das kein Beschluss

nötig ist, und einer Durchsuchung

der Polizei, die einer richterlichen

Zustimmung bedarf, sei gerade

bei Abschiebungen äußerst schwer

zu treffen. Werdeder Gesuchte nicht

in seinem Zimmer angetroffen,

würde aus einem „Betreten“ rasch

ein „Durchsuchen“. Es gebe in

Flüchtlingsheimen außerdem immer

Mitbetroffene, die in der Unterkunft

lebten. „Aus meiner Sicht wäre

es das Beste,insolchen Fällen einen

Durchsuchungsbeschluss zu beantragen“,

sagte Lux. „Ansonsten begibt

man sich in einen rechtlichen

Graubereich –und da will ich die Polizei

nicht hinführen.“ Damit folgen

die Grünen nun der Argumentation

von Breitenbach und positionieren

sich gegen Geisel.

Klarheit herrscht damit aber noch

lange nicht. Währenddessen laufen

die Abschiebungen aus Heimen wieder:AmDonnerstag

wurden laut Innenverwaltung

fünf Flüchtlinge aus

Berlin in Richtung Kosovo und Albanien

abgeschoben. Wie viele davon

aus Flüchtlingsheimen geholt wurden,

kann die Innenverwaltung

nicht genau sagen. Sieerhebt die Daten

nicht. Die Berliner Zeitung weiß

mindestens von einem Fall, in dem

die Polizei ein Flüchtlingsheim betrat

– den Gesuchten aber traf sie

nicht an.

Annika Leister

findet, dass sich der Senat

um eine Lösung drückt.

„Berlin kann mehr“ heißt eine neue Initiative, die sich gegen Mietendeckel und Enteignung mobil macht

VonMelanie Reinsch

Wie sehr die Wohnungspolitik im

Umbruch ist, zeigte am Dienstag

ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes:

Die Richter urteilten, dass

„die Verhinderung der

Gentrifizierung“ ein „Gemeinwohlbelang“

sei. Fazit: Die Mietpreisbremse

auf Bundesebene ist verfassungskonform.

In Berlin freute man

sich, denn der Beschluss stärkt den

Berliner Mietendeckel, den der Senat

beschlossen hat und der die Mieten

in Berlin für fünf Jahreeinfrieren soll.

Eine neue Initiative, die sich aktuell

in ihrem Gründungsprozess befindet,

sieht in diesem Instrument

allerdings den falschen Weg. „Berlin

kann mehr“ heißt das Bündnis, das

selbst sagt, dass es der FDP und CDU

inhaltlich näher stünde als SPD,Linken

und Grünen. Dass sich aber

trotzdem selbst als „parteiübergreifend“

einordnet. Unterstützt wird

die Initiative von Akteuren aus Wirtschaft,

Wissenschaft, Kultur und

dem sozialen Bereich.

„Mietendeckel und Enteignungen

sind die falschen Instrumente“,

sagte der designierte Vorsitzende der

Initiative, TimKauermann. DieBerliner

Wohnungspolitik sei „Klientelpolitik“

und orientiere sich nicht an

den Interessen des Volkes. Man erkenne

eine Abkehr von Werten und

Prinzipien, vermisse Klarheit,

Rechtsstaatlichkeit und Nachhaltigkeit,

so Kauermann weiter.

Mit einem 30-seitigen Manifest

will die Initiative mit ihrer Kampagne

Öffentlichkeit für ihr Anliegen

schaffen. Forderungen sind unter

anderem: Eine Reform der Bauord-

nung, Nachverdichtung, Wiedereinführung

einer Fachaufsicht in den

Behörden, Reform von Förderprogrammen,

Bürokratie abbauen.

Es ist nicht die erste Initiativeaus

der Zivilgesellschaft in Berlin, die

sich gegründet hat, weil sie mit der

Wohnungspolitik des Senats nicht

einverstanden ist. Im Juni gründeten

Kaufleute um denVereinVBKI (Berliner

Kaufleute und Industrieller) den

Verein Neue Wege für Berlin, der am

Sonntag seine Volksinitiative „Faire

Mieten bauen“ startet. Ziel: Der zusätzliche

Bau von 100 000 sozialen

und bezahlbaren Wohnungen.

Und dann ist da die bekannteste

Wohninitiative: „Deutsche Wohnen

und Co enteignen“, die bis Ende Juni

77 000 Unterschriften gesammelt

und damit die erste Hürde für ein

Volksbegehren genommen hat.

Letzterebekommt Unterstützung

vonGrünen und Linken. Auch in der

SPD gibt es viele,die der Enteignung

von Wohnungsunternehmen nicht

abgeneigt gegenüberstehen. Im

März hatte der Landesparteitag der

SPD eine Entscheidung vertagt.

Ende Oktober, sosagt auch der Landesvorsitzende

der SPD, Michael

Müller, werde man sich wohl auf

eine gemeinsame Linie einigen.

„Davon gehe ich aus“, sagte er.

In Berlin ist die Zustimmung dazu

kontinuierlich gesunken. Zur Bekämpfung

der Wohnungsnot hielten

es im Juli 37 Prozent der Berliner

grundsätzlich sinnvoll, wenn Vermieter

mit mehr als 3000 Wohnungen

gegen eine Entschädigung enteignet

und die Wohnungen vom Senat

übernommen werden. Im Januar

befürworteten dies noch 44 Prozent.

Kiffer nehmen

die Polizei in

Schutz

Einsatzkräfte wurden nach

Festnahme massiv bedrängt

VonPhilippe Debionne

Bei einer Festnahme während der

diesjährigen Hanfparade Mitte

August kam es zu einer brenzligen Situation

für die Berliner Polizei. Als

die Einsatzkräfte einen offensichtlich

aggressiven Pöbler festnahmen,

kam es zu tumultartigen Szenen, wie

erst jetzt bekannt wurde.Ein wütender

Mob drohte, auf die Polizei loszugehen

und wollte den Festgenommenen

befreien. EinTeilnehmer der

Hanfparade hatte den Vorfall gefilmt

und ins Internet gestellt. Skurril: Jetzt

bekommt die Polizei ausgerechnet

aus der Kiffer-Szene große Unterstützung.

Daswar passiert: DiePolizei hatte

am 10. August auf einer Grünfläche in

der Nähe des Neptunbrunnens am

Alexanderplatz einen betrunkenen

Mann in Gewahrsam genommen, der

Passanten mit Flaschen beworfen

und auch körperlich attackiert hatte.

Doch als die Einsatzkräfte den Festgenommenen

abführten, bildete sich

plötzlich ein Menschen-Pulk, der anfing,

die mehr als ein DutzendPolizisten

zu beschimpfen und zu provozieren.

Zunächst skandierte der Mob

„Haut ab,hautab“,woraufhin die Polizisten

sich in Formation mit dem

Festgenommenen in der Mitte zurückzogen.

Auch als die Stimmung zusehends

aggressiver wurde und ein bislang

nicht identifizierter Mann die

Einsatzkräfte anbrüllte, sie sollen

sich alle umbringen, sowie die

Menge anstachelte, Flaschen auf die

Polizisten zu schleudern, ließen sich

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Der Fiat Tipo Kombi: Praktisch,

günstig und jede Menge Platz

die Einsatzkräfte nicht provozieren.

Undverhinderten so eine völlige Eskalation

der Lage. Als sie schließlich

die Straße erreichten, löst sich der

wütende Mobauf.

Aufdem YouTube-Kanal, auf dem

das Video zu sehen ist, ergreifen nun

Kiffer Partei für die Polizei.„Mehr zurückhalten

kann man sich gar nicht.

Wergrundlos beleidigt und gewalttätig

wird, hat es nicht anders verdient!

Punkt!“, schreibt ein Nutzer

namens MarKuss. Und weiter:

„10 000 kiffende Leute, die keinen

Stress gemacht haben, wurden komplett

in Ruhe gelassen!“ Die Festnahme

habe er ebenfalls gesehen:

„Ich war dabei und deeskalierender

hätte die Polizei gar nicht sein können.“

Ein weiterer Besucher der

Hanfparade schreibt, er habe „die

meiste Zeit einen Joint im Mund gehabt

und die Polizei hat mich nicht

einmal angesprochen“. Daher solle

man „endlich aufhören, die Polizei

auf der Hanfparade blöde anzumachen“.

Und ein dritter fügt hinzu: „Ich

selbst bin normalerweise auch nicht

gut auf die Polizei zu sprechen. Aber

ich muss einfach zugeben, dass die

Polizei mehr als tolerant war.“ So hätten

die Einsatzkräfte während der gesamten

Veranstaltung „beide Augen

zugedrückt“. Er selbst komme aus

Rheinland-Pfalz, dorthätten bei einer

vergleichbaren Veranstaltung wegen

Verstößen gegen das Betäubungsmittel

mindestens „8 000 Leute keinen

Führerschein mehr und eine Anzeige

am Hals“. Sein Fazit: „Ihr Berliner

könnt echt froh sein.“ AusPolizeikreisen

hieß es am Donnerstag, dass man

die unerwartete Unterstützung erfreut

aufgenommen hätte. Das positive

Echo zeige, dass man eben „für

alle Berliner im Einsatz“ sei.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Berlin

Das Pallasseum, der Sozialpalast, wie das Gebäude mit 514 Wohnungen in Schöneberg umgangssprachlich heißt, entstand in den 70er-Jahren im Rahmen des geförderten sozialen Wohnungsbaus.

IMAGO IMAGES

Alle sechs Minuten eine Sozialwohnung weniger

Ein Bündnis aus fünf Verbänden beklagt den Verlust von staatlich subventioniertem Wohnraum und stellt einen Leitfaden für bezahlbares Wohnen vor

VonJulia Haak

treter der fünf Verbände in der Luisenstraße

in Mitte einen „Akutplan

für soziales und bezahlbares Wohnen

in Deutschland“ vor, dessen

Grundlage eine gleichlautende Studie

des Pestel-Instituts aus Hannover

ist. Es geht darin insbesondere

um den Schwund von Sozialwohnungen,

weil Bindungsfristen auslaufen

und nicht genügend neue Sozialwohnungen

gebaut werden. „Jeden

Taggibt es 230 Sozialwohnungen

weniger, alle sechs Minuten

verschwindet eine“, sagt Robert Feiger,Vorsitzender

der IG Bau. In eineinhalb

Stunden, die er für die Vorstellung

der Studie veranschlagt,

sind es nach seiner Rechnung

15 mietpreisgebundene Wohnungen

weniger.Gleichzeitig würden Investitionen

in den sozialen Wohnungsbau

immer weiter reduziert

und seien „vollkommen unzureichend“,

wie Feiger findet. „Insgesamt

fielen seit 2011 rund 500 000

Wohnungen mehr aus dem Sozialwohnungsbestand

als neue geschaffen

wurden“, heißt es in der Studie,

während im selben Zeitraum die

Zahl der Einwohner stieg. Aus Sicht

der Verbände führtdie derzeitige Politik

trotz anderslautender Ankündigungen

dazu, dass immer mehr

Menschen vom Wohnungsmarkt

SOZIALER WOHNUNGSBAU

Berlin: Lauteiner Erhebung des Pestel-Institutshatte

Berlin Ende des Jahres 2015

genau 152 854 Sozialwohnungen im Bestand.

Ende 2018 waren es 116 220. Für

45 444 ist im selbenZeitraumdie Bindung

ausgelaufen. In den Jahren2016bis

2018 wurden 8810 Wohnungenmit Sozialbindung

geschaffen.

Bund: In Deutschland hat sich der Bestand

vonSozialwohnungen 2015 bis

2018 von1330 461 auf 1177 325 reduziert.

Bei 252 782 Wohnungen lief die

Bindung aus, 99 646 wurden gebaut.

Haushalt: 145,2 Millionen Euro wurden in

Berlin im Durchschnittder Jahre 2017 und

2018 fürSubventionen und Zuschüsse im

sozialen Wohnungsbaueinsetzt. 55,7Millionen

Eurodavon sindlaut Pestel-Institut

aus dem eigenen Haushalt.

Sozialbindung: In Berlin wurden in diesem

Zeitraum 21 729 Mietwohnungen

mit Mitteln des sozialen Wohnungsbaus

gefördert. 12 919 davonsind ohne Sozialbindung.Das

betrifft 59,5 Prozent.

Geschaffene Wohnungen

mit Sozialbindung je 100 000 Einwohner

pro Jahr, Durchschnitt 2016 bis 2018

Hamburg

Berlin

Bayern

Schleswig-

Holstein

Sachsen-

Anhalt

Nordrhein-

Westfalen

Hessen

Bremen

Mecklenburg-

Vorpommern

Rheinland-Pfalz

Sachsen

Brandenburg

Baden-Württ.

Niedersachsen

Saarland

Thüringen

0 40 80 120 160 200

BLZ/GALANTY; QUELLE: VERBÄNDEBÜNDNIS SOZIALES WOHNEN

Wer in der Mitte Berlins

eine Wohnung sucht,

hat mittlerweile nur

noch zwei Möglichkeiten.

Entweder er bezahlt viel Geld,

oder er sucht woanders. Allerdings

sieht es auch in den angrenzenden

Bezirken nur geringfügig besser aus.

Im Norden Neuköllns zum Beispiel ist

alles dicht, in Britz geht es noch. Wer

dort nichts findet, muss weiter raus

und scheitertdann gegebenenfalls an

denWünschen derVermieter,die sich

neben einem Einkommensnachweis

bei der Bewerbung um eineWohnung

immer öfter auch eine Schufa-Auskunft

und ein polizeiliches Führungszeugnis

vorlegen lassen.

Geringverdiener haben kaum

noch Chancen, in der Stadt bezahlbare

Wohnungen zu finden, „quasi

abgehängt“ seien Alleinerziehende,

Ältere, Behinderte,Geflüchtete,ehemalige

Insassen von Gefängnissen

kritisiertdas Bündnis „Soziales Wohnen“.

Zusammengeschlossen haben

sich darin der Deutsche Mieterbund,

die IG Bau, die Caritas-Behindertenhilfe

und Psychiatrie, der Baustofffachhandel

und der Dachverband

Mauersteinindustrie.

Am Donnerstag stellten die Verausgegrenzt

sind, weil sie die Mieten

nicht bezahlen können. „Wir haben

uns deshalb zu einem politischen

Sommerweckruf entschlossen“, sagt

Feiger.

Die Studie kommt einem Forderungskatalog

gleich: Bis zum Jahr

2030 müsse es in Deutschland wieder

zwei Millionen Sozialwohnungen

geben, ein Bestand wie im Jahr

2007. Dafür müssten jedes Jahr

80 000 mitpreisgebundene Wohnungen

gebaut werden, 53 000 mehr

als im vergangenen Jahr. Der Staat

müsse die Förderungssummen erheblich

erhöhen, das in den kommenden

zehn Jahren durchhalten

und das Geld nicht in den Länderhaushalten

versickern lassen, was

zurzeit bei acht Bundesländern geschehe.

Zusätzlich müssten mehr

bezahlbare Wohnungen für Geringverdiener

gebaut und mehr günstiges

Bauland bereitgestellt werden.

Darüber hinaus wünscht sich das

Verbändebündnis mehrWohnungen

für besonders benachteiligte Gruppen

der Gesellschaft.

DieLänder sind in den vergangenen

Jahren durchaus unterschiedlich

mit dem sozialen Wohnungsbau

umgegangen. Wie aus der Studie

hervorgeht, steht Berlin im Ländervergleich

noch recht gut da. Immer-

hin wurden laut Statistik je 100 000

Einwohner 81,2 Sozialwohnungen

gebaut. Damit belegt Berlin nach

Hamburg(mit 217 deutlich führend)

den zweiten Platz. Außerdem setzte

Berlin eigene Mittel ein. Das Land

bezuschusst den sozialen Wohnungsbau

zu 38 Prozent aus dem eigenen

Haushalt, nicht wie Hamburg

zu 85 Prozent. Brandenburgund sieben

andere Länder setzen allerdings

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Karriere

Stress, lass nach! Strategien

gegen permanenten Zeitdruck

Wie kommt die Gurke ins Glas?

Der Lebensmitteltechniker hilft

weniger Geld für Sozialwohnungen

ein, als sie dafür vom Bund bekommen.

Für Lukas Siebenkotten vom

Deutschen Mieterbund kann es so

nicht weitergehen:„Politiker verkünden,

Wohnen sei die Frage unserer

Zeit. Also redet nicht nur, tut was.“

ZurWirksamkeit des geplanten Berliner

Mietendeckels wollten sich die

Verbände nicht äußern.

Gruß aus der Knast-Küche

Per Tweet gibt es neue Einblicke in den kulinarischen Alltag einer Berliner Haftanstalt. Handys sind Gefangenen zwar verboten, doch es scheint eine ganze Menge möglich zu sein

VonJutta Schütz

Das Menü beim Sternekoch

oder die Pizzarunde mit

Freunden –ohne Foto für die Twitter-

oder Facebookgemeinde geht

es bei vielen fast nicht mehr. Nun

hat der Mitteilungsdrang offensichtlich

auch Berliner Gefangene

erreicht. Aus der Männer-Haftanstalt

Heidering werden Bilder vom

Knast-Essen gepostet – trotz

Handyverbots.

Drapiert wurden etwa ein trockenes

Brötchen, eine halbe Möhre

und eine Scheibe Käse. Dazu der

ironische Text: „Rezeptideen? Ach

so, habe noch Margarine.“ Bei einem

anderen Tweet sind auf „Gefängniscuisine“

Nudeln, Tomatensoße

und ein Becher Joghurt zusehen.

Dazu heißt es: „Für ein Kind

wäredie Portion ausreichend.“

Die Justizverwaltung bezweifelt

die Echtheit der Posts nicht. Sprecher

Sebastian Brux zeigt sich aber

sichtlich genervt über immer neue

Ideen, Vorschriften im Knast zu

umgehen. „Es ist schwer zu unterbinden“,

sagt er am Donnerstag.

Dabei gelte das Essen in Heidering

doch als bestes in den Berliner

Haftanstalten. „Wir sind verwundert“,

so der Sprecher von Justizsenator

Dirk Behrendt (Grüne).

Tägliche Prüfung

Bei Kontrollen würden zwar auch

verbotene Handys eingezogen, so

Brux. Die Möglichkeit, die Geräte

gänzlich zu verhindern, seien aber

begrenzt. Sanktionen müssten

auch verhältnismäßig sein.

Über Monate hatte auch ein

YouTuber die Berliner Justiz mit

heimlich gedrehten Videos über

den Knastalltag genarrt. Auch er

sitzt in Heidering, derzeit wohl

ohne mobiles Telefon. Der Gefangene

habe eine ganze Staffel vorproduziert,

heißt es.Vermutet wird,

dass er sich ein Geschäft für die

Zeit nach der Haft aufbauen will.

Bei dem YouTuber wird laut

Sprecher täglich der Haftraum

überprüft, er muss demnach ohne

Macht den Knastalltag sicherlich nicht angenehmer:die Knast-Kulinarik. GEFÄNGNISCUISINE

Fernseher leben, vor sein Fenster

wurde ein Gitter aus engmaschigem,

feinem Draht gespannt. „Damit

ihm keiner von draußen etwas

reinreichen kann.“ Der Bund der

Strafvollzugsbediensteten sieht

Handys in Gefängnissen als bundesweites

Problem. „Wir tun alles,

dass sie gar nicht erst reinkommen“,

hatte Vorsitzender René

Müller zu Jahresbeginn der dpa gesagt.

„Aber wir haben viel zu wenig

Manpower und zu wenig Technik.“

Die begehrte Technik findet immer

wieder zu Gefangenen. Laut Müller

werden Handys auch schon mal

per Drohne abgeworfen –das sei

aber die Ausnahme. Auch über Besucher,Lieferanten

oder Pakete gelangen

Handys sowie Drogen in

Haftanstalten. Das Einschmuggeln

habe zugenommen. „Mancher Gefangene

hat zwei, drei Geräte“,

hatte Müller betont. In Berliner Gefängnissen

wurden allein 2017 laut

Justiz mehr als 1 300 verbotene

Handys eingesammelt.

Handys im Knast sind verboten,

damit keine Straftaten geplant und

verabredet werden können. Auch

Zeugen in Gerichtsverfahren sollen

nicht beeinflusst oder Opfer bedroht

werden können. Bilder oder

Videos aus dem Gefängnis gelten

zudem als Sicherheitsrisiko.

Da ist Justizsprecher Brux schon

erleichtert, dass neben dem Essen

bislang keine Sicherheitsanlagen

oder Namen gepostet wurden. Er

lenkt den Blick lieber auf die Küche

des Gefängnisses in Heidering. Da

gebe es auch 32 Arbeitsplätze für

Insassen. Und die Speisepläne

seien nach Richtlinien der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung

erstellt.

Landesweite Beschwerden

Essen im Kittchen ist immer ein

Thema, heißt es in der Redaktion

der Gefangenenzeitung „Lichtblick“.

Es gebe Beschwerden aus

ganz Deutschland, sagt ein 60-Jähriger

am Donnerstag. Viele Insassen

kauften zusätzlich Lebensmittel

über einen Knast-Lieferanten

und kochten dann abends selbst.

Etliche Artikel seien sehr teuer,

Sonderangebote gebe es fast nicht.

DerInsasse,nacheigenen Angaben

wegen Mordes verurteilt, wundert

sich auch über die Tweets –

aber anders als Sprecher Brux. „Essen

in der Alu-Schale in Heidering?

Bei einem grünen Justizsenator?

Da geht uns ja der Hut hoch“,

meint der 60-Jährige für die Redaktion

im Gefängnis Tegel. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 13 *

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Berlin

Länger

draußen

schwimmen

BBB verlängern die Saison

in einigen Sommerbädern

Die Berliner Bäderbetriebe (BBB)

passen die Öffnungszeiten einiger

Freibäder an den vergleichsweise

stabilen und besucherträchtigen

Sommer an: Fünf Freibäder werden

nun bis Ende September geöffnet

haben, teilten die BBB mit. Gleich

um vier Wochen verlängert sich damit

die Saison in den Sommerbädern

Humboldthain, Am Insulaner

und Wuhlheide.ZweiWochen länger

kann im Prinzenbad in Kreuzberg

und im SommerbadWilmersdorfgeschwommen

werden. Zumindest bis

Mitte September kann man jetzt im

Kombibad Gropiusstadt unter freiem

Himmel seine Bahnen ziehen. Bisher

hatten die Bäderbetriebe vorgesehen,

die Freibadsaison dort Ende August

zu beenden. Wenigstens eine Woche

Verlängerung gibt es den Angaben

zufolge für das Sommerbad Mariendorf

inder Rixdorfer Straße, das jetzt

bis 8. September geöffnet hat.

Dagegen schließen die Sommerbäder

Olympiastadion und Neukölln,

das Kinderbad Marzahn sowie

die Außenbereiche der Kombibäder

Seestraße, Spandau und Mariendorf

(Ankogelweg) wie geplant zum 1.

September.

BBB-Sprecher Matthias Oloew

zeigte sich sehr zufrieden mit der

Entwicklung der Besucherzahlen in

diesem Jahr:„Wir kommen auf sehr,

sehr guteWerte.“Ende Juli habe man

wie schon im Maisogar über den Rekordwerten

des Vorjahres gelegen,

der August sei allerdings nicht ganz

so besucherträchtig gewesen wie

2018. Hoffnungen auf eine nochmalige

Saisonverlängerung bei entsprechendem

Wetter wollte der BBB-

Sprecher nicht ernsthaft machen:

„Nach dem 29. September wird es

doch morgens spät hell und abends

sehr früh dunkel, sodass eine Öffnung

von Freibädern dann kaum

noch Sinn macht.“ (ost.)

Zählt zu den besucherreichsten Sommerbädern:

das Prinzenbad. DPA/PAUL ZINKEN

JIMI BLUE OCHSENKNECHT

ist bis Ende Dezember noch zarte 27

Jahre jung. Ein Alter, in dem man

sich nach der Meinung wohlmeinender

Tanten eher nicht in Bars herumdrücken

sollte.Der Schauspieler

und Unternehmer wird sein Wohnzimmer

nun allerdings trotzdem in

so ein Etablissement verlegen. Zumindest

in den erstenWochen seiner

eigenen „Bar bOx“, in der seit einer

Woche der Probebetrieb läuft.

Nach der großen Eröffnungsfete

am Donnerstagabend – Mutti und

Geschwister stießen ebenso mit dem

neuen Barbesitzer an wie Handball-

Torwart Silvio Heinevetter, DJNoah

Becker, Model Elena Carriere und

Bloggerin Caro Daur –soll die Baram

Freitag für das normale Publikum

öffnen. Wie erzum eigenen Lokal,

das sich im Generator-Hostel in der

Oranienburger Straße 65 befindet,

kam? „Von meiner Bar habe ich

schon lange geträumt. Aber Gastronomie

ist schwierig.“ So mancher

hat sich mit so einem naiv eingegangenen

Abenteuer schon polizeiliches

Führungszeugnis, Leber und Kontostand

ruiniert. Der Zufall rückte die

Erfüllung seines Traums näher:„Ein

sehr guter Freund arbeitet für die

Hostelkette Generator.“ Der stellte

seinen Kumpel Jimi den Chefs vor.

Dieerzählten ihm voneiner Bar, mit

der sie nichts anzufangen wussten.

Und rannten damit eine offene Tür

ein.

Jimi Blue Ochsenknecht erklärte,

wie er sich eine Bar vorstellt,

in der er sich wohlfühlt. Das

Konzept für den eigenen Laden

hatte er nämlich längst im Kopf!

Die Herren wurden hellhörig. Inzwischen

sind Generator-Boss

Alastair Thomann und der junge

Schauspieler und Unternehmer

Geschäftspartner. Thomann: „Jimi

Blue passt hier einfach perfekt.“

Für Ochsenknecht gehören einfaches

Essen und gute Drinks zum

runden Bar-Erlebnis.Und eine ungezwungene

Atmosphäre: „Alles

kann, aber nichts muss. Wer also

Lust hat, nach dem Dinner auf

dem Tisch zu tanzen, bitteschön.“

Wenn er selbst mal in einer anderen

Stadt in einer fremden Bar ist,

schaut Jimi Blue diskret auf die Zutaten,

die der Barkeeper benutzt:

„Greift er statt zu Himbeeren zu

Himbeermus aus dem Tetrapak,

dann ist das nicht meine Bar.“ Das

Probetrinken für die Barkarte hat er

besonders genossen. „Der Whisky

Sour mit Eiweiß, der mir dabei serviertwurde,war

einfach perfekt.“

Beim Präsenz zeigen in der eigenen

Bar hilft dem Herrn Inhaber,

Tanz auf dem Tisch inklusive

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Jimi Blue Ochsenknecht eröffnet

seine eigene Bar und Ralf Moeller

besucht die Eröffnung eines

neuen Service-Terminals

Ist jetzt Barbesitzer und Bartbesitzer:Jimi Blue Ochsenknecht in seiner Lokalität in der

Oranienburger Straße in Mitte. CHRISTIAN SCHULZ (3)

Daumen hoch im Autohaus: Ralf Moeller

Kam auch zu Mercedes: Sophia Thomalla

dass er in der Nachbarschaft lebt.

Auch wenn das den Fans bestimmt

gefallen würde: Servieren will er

selbst nicht. Dafür ist sein Respekt

vor den Berufen in der Gastronomie

zu groß: „Das überlasse ich denen,

die es können.“ Trotzdem gibt es natürlich

auch passende Arbeit für ihn

in seiner Bar: „Ich werde mich ganz

nach Lust und Laune ans DJ-Pult

stellen.“ Für den Fall, dass das alles

gut ankommt, hat Jimi Blue Ochsenknecht

auch schon einen Plan:

„Dann machen wir einen zweiten

Laden auf!“

RALF MOELLER

steht während eines Gewitters, so

darf man sich das wohl vorstellen,

am Fenster und lächelt mit optimistisch

erhobenen Daumen hinaus.

In diese Fotoposition fällt er

jedenfalls ganz automatisch, wenn

es blitzt. So war es auch am Donnerstagabend

in der Mercedes-

Welt am Salzufer, womit 400 Gästen

die Eröffnung des neuen Service-Terminals

gefeiert wurde. Der

Regierende Bürgermeister Michael

Müller kam ebenso gratulieren wie

Nachbar Jörg Woltmann (Inhaber

der KPM), Model Sophia Thomalla,

Ex-Diskuswerfer Robert Harting

und die Spieler Sergei Grankin und

Samuel Tuia von den BR Volleys.

Für die Musik war The BossHoss

zuständig, für die Verköstigung seiner

Gäste hatte Hans-Bahne Hansen,

Direktor der Mercedes-Benz

Niederlassung Berlin, Sternekoch

TimRaue engagiert.

Ralf Moeller,dem die Steaks früher

nicht dick genug sein konnten,

gab dem Starkoch dann auch

gleich den Hinweis, dass er inzwischen

vegan lebt. Der 60-Jährige

schwört auf die Ernährung ohne

tierische Produkte: „Beim letzten

Test kam heraus,dass ich ein biologisches

Alter von39Jahren habe.“

Moeller,der aus Recklinghausen

im Ruhrgebiet stammt und in Los

Angeles lebt, hat im Alter von 30

Jahren seine Karriere als Bodybuilder

beendet und konzentriert sich

seitdem auf die Schauspielerei. In

die war er im Jahr 1988 mit einer

gemeinsamen Szene mit „Schimanski“

Götz George im „Tatort“

geraten, wobei seine Rolle noch

keinen richtigen Namen hatte und

bloß als „Blonder Hüne“ im Drehbuch

stand. In den drei Kinofilmen

von Regisseur Tim Miller, die ursprünglich

eine Netflix-Serie werden

sollten und vom nächsten Jahr

an gedreht werden, wird das ganz

anders: „Da spiele ich eine der

Hauptrollen.“

Polizei fahndet

mit Foto nach

Brandstifter

Frau zündet aus Eifersucht

Auto ihres Ex-Freundes an

VonLutz Schnedelbach

Der Staatsschutz hat am Donnerstag

Fotos eines mutmaßlichen

Brandstifters veröffentlicht.

Der abgebildete Mann soll am

30. Juli dieses Jahres am Chamissoplatz

in Kreuzberg vier Autos angezündet

haben. Insgesamt wurden

zehn Fahrzeuge beschädigt. Die Polizei

bittet Zeugen, die den Mann

kennen oder wissen, wo er sich aufhält,

sich zu melden. Hinweise

nimmt jede Polizeidienststelle

entgegen.

Am selben

Tagnahmen Polizisten

eine 56

Jahre alte Frau

wegen Brandstiftung

fest. Gegen

1.30 Uhr war sie Die Polizei fahndet

aus Eifersucht nach dem Mann.

am Friedrich-

Krause-Ufer in Tiergarten in einen

Mercedes-Kombi eingebrochen. Das

Auto gehört ihrem ehemaligen

Freund. Sie legte Feuer auf dem Beifahrersitz.

Es kam jedoch lediglich zu

einem Schwelbrand, der von selbst

erlosch. Zeugen sprachen sie an. Als

sie Hilfe anboten flüchtete die Frau.

Polizisten nahmen sie fest. Nach ihrer

Vernehmung am Donnerstag

wurde sie wieder freigelassen.

DieFreude darüber,eine Zündlerin

erwischt zu haben, währte bei

den Mitarbeitern der Ermittlungsgruppe

Nachtwache nur kurze Zeit.

Sie sind die Fahnder, die die Brandstiftungen

aufzuklären haben. Es sei

eine Beziehungstat und habe mit

den Brandstiftungen in den vergangenenWochen

nichts zu tun, hieß es.

Die fünf Mitarbeiter der Gruppe

versuchen seit dem Frühjahr Brandstifter

speziell in Charlottenburg,

Wilmersdorf, Moabit und Friedrichshain

zu überführen. Ob es sich

dabei um Einzeltäter oder um eine

spezielle Clique handelt, wissen die

Ermittler noch nicht. Das Frauen

Feuer legen, ist sehr selten. Mehr als

95 Prozent vonBrandstiftungen geht

auf das Konto vonMännern. Siesind

meist zwischen 20 und 30 Jahrealt.

Fast jede Nachtbrennen in Berlin

Autos: 368 waren es bislang in diesem

Jahr.64allein im Juli. Im vergangenen

Jahr waren es insgesamt mehr

als 450 Fahrzeuge.

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Berlin

Spurensucher hören niemals

auf. Die Neugier treibt sie

an. Das Wissen-Wollen und

das Lesen solcher Spuren.

„Und das Begreifen-Wollen, was da

mal war und warum. Spuren von einem

verschwundenen Land“, sagt

Tina Schwichtenberg. Siemeint Spuren,

aus denen sich Kunst machen

lässt, konstatierende, analysierende

–und solche mit Witz und Humor.

Als die Konzeptkünstlerin Monate

vor dem Mauerfall von Kiel

nach Berlin, zunächst in den Westen

der Stadt, zog, rumorte es mächtig

im Staate DDR; die Jugend lief weg

über Ungarn inden Westen. Die Gebliebenen

demonstrierten, immer

hörbarer;die Staatsmacht fiel in sich

zusammen wie ein Kartenhaus. Die

Nacht, in der die Mauer fiel, hat Tina

Schwichtenberg so in Erinnerung:

„Laut knatternde, stinkende Zweitakter-Trabis

auf dem Kudamm. Und

Leute, die sich in den Armen lagen.

Alle waren wir auf einmal frei. “

Dann war nichts mehr,wie es vorher

war.„Man entdeckt keine Wahrheit,

nach der man nicht erst gesucht

hat“, dieser Satz aus Klaus Manns

Roman „Der Wendepunkt“ begleitet

die schleswig-holsteinische Wahlberlinerin

seither. Denn sie misstraue,

wie sie sagt, Pauschal-Berichten.

Auch der Euphorie. Sie begann,

was mit der DDR zusammenhing,

auf eigenen Exkursen zu betrachten,

zu befragen, zu erkennen.

Nach einer Weile fand sie ein einfaches

Atelier am Märkischen Ufer,

bald durchstreifte sie die östlichen

Stadtbezirke. „Ich erlebte mit, wie

aufgebrachte DDR-Bürger die Zentrale

der Staatssicherheit in der Normannenstraße

stürmten. Damals ergatterte

ich einen ganzen Sack voller

Schredderschnipsel von Akten, die

die Tschekisten überstürzt hatten

liegen lassen.“ Tina Schwichtenberg

nähte die papierene Hinterlassenschaft

in durchsichtige Folie ein, es

entstand eine Edition von Readymades

–zuKunst verwandelten Alltagsdingen

–, denen sie den sarkastischen

Titel „Ruhekissen“ verpasste.

„Als dieVolkseigenen Betriebe abgewickelt

wurden, fand ich in den

Müllbergen auf den Werkhöfen die

Aluminiumlöffel der Betriebskantinen.

Ichnähte die Fundstücke ebenfalls

ein in Plastikfolien, reihte sie auf

zu Wandteppichen. Sarkastisch der

Titel: „Löffel abgegeben“. Und ein

weiterer dieser merkwürdigen „Teppiche“

erweist sich als dekorative

Ansammlung von Orden, verliehen

vom FDGB an die Erbauer der

Hauptstadt der DDR.

Zu bösen Lachern reizen ihre

Spielzeug-Kugeln zum Schütteln.

Darinhat sie in der Stasibehörde gefundene

Abhörwanzen mit Teigbuchstaben

aus dem Küchenschrank

zusammengesperrt – als

„Großer Lauschangriff zum Selbermachen“.

Oder: Aus grünen und roten

Telefonhörern formte Tina

Schwichtenberg Kreuze, lapidarer

Kommentar zum Ende der analogen

Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung.

„Mit der Zeit aber“, so

Tina Schwichtenberg, die seit Ende

der 90er-JahreinMitte lebt und mittlerweile

in ihrer Wohnung arbeitet,

„drangen andereProbleme ein in die

Welt der wiedervereinigten Deutschen.

Der Krieg im Kosovo, die ermordeten

Frauen und Kinder in Bosnien,

die vielen nach Deutschland

geflüchteten Familien.“

Ausweißen, mit Tapetenleim verfestigten

Tüchern formte sie Skulpturen:

„Bosnisches Leinen“, Requiems

für die Ermordeten. Damit hat

die Künstlerin, fern ihrer sonst eher

lakonischen Darstellungsweise,

schon vorJahren das eigentlich nicht

„Alle waren wir auf

einmal frei“

Als die Mauer fiel, war die Kielerin Tina Schwichtenberg mit ihrer

konzeptuellenKunst schon nach Berlin gezogen. Seither arbeitet

sie sich an den Spuren der einstigen DDR ab

VonIngeborg Ruthe

Tina Schwichtenberg mit aufständischen LPG-Karren auf der Wiese eines -BauerninSchleswig-Holstein. ROLF JOHANNING

Job, Familie, Alltag: 30 Jahre nach dem Fall

der Mauer prägt die einstigeTeilung noch das

Leben vieler Leute. Wirstellen Menschen und

ihre Geschichte vor. Heute: Tina Schwichtenberg,Künstlerin,

geboren 1944 in Kiel.

DIE SERIE

Im Internet: Die Teile unserer Serie zum

Mauerfall finden Sie im Internet unter:

www.berliner-zeitung.de/mauerfall oder auf

der neuen App der Berliner Zeitung (kostenlos

im Apple Store oder Google Play).

Darstellbare


Tod und

Trauer –inForm gebracht. „Das war

abstrakt, aber ich wollte es einprägsam,

berührend.“ Irgendwie erinnerte

sie so auch fast sakral an die

Verhüllungskunst des Mittelalters.

Hinzu kamen schon damals die immer

stärker ins Bewusstsein drängenden

Umweltschäden,„die deutlicher

werdende Vorzeichen der Kli-

makatastrophen“, wie sie sagt. Die

Künstlerin begann, in Berlin und anderen

deutschen Städten Baumstämme

mit weißem Leinen zu umwickeln.

Ihre Aktionen wurden aufgegriffen

bis ins ferne Japan.„Spuren

der Berührung“ sind für Tina

Schwichtenberg solche Arbeiten.

Mit ihnen mischt sie sich ein ins gesellschaftliche

und politische Geschehen,

gegen Krieg und Rassismus,

für Menschenrechte, Frauenrechte,Kinderrechte

–und die Natur,

wenn sie die vom Menschen bedenkenlos

ausgebeutete, zerstörte Natur,

die Bäume, als Patienten zeigt:

geschient, verwickelt, bandagiert.

Sie fühle sich bestätigt, sagt sie,

wenn ihre Kunst als Kommentar zur

Zeit, zum guten wie fatalen Tunund

Trachten der Menschen erlebt wird.

Undsonimmt sie die Ideen vorheriger

Arbeiten immer wieder auf, treibt

sie weiter. Nichts ist für sie abgeschlossen.

Auch nicht das, was vor

einem Jahr bei Kunstfestivals in der

Prignitz begann, zu dem sie eingeladen

war und wo sie eine große Installation

mit lauter weißen Papierschiffchen

– umherirrende Flüchtlingsboote

–aufgebaut hat.

Zu dem Zeitpunkt nämlich entdeckte

die Großstädterin das Land.

„Und die Leute, anders aufgeschlossen

für Kunst als die zumeist Eventübersättigten

Metropolenbewohner.“

Dort, wo die Mark Brandenburg

anMecklenburg-Vorpommern

grenzt, traf sie auf einen ehemaligen

LPG-Bauern und dessen in einer

Scheune gestapelten Stall-Karren.

Wieder begann eine Spurensuche.In

Gesprächen erfuhr sie, wie es vielen

Leuten in den Agrar-Regionen nach

dem Ende der DDR, nach dem Auflösen

der Produktionsgenossenschaften

ergangen war. Weil sie damals

nicht wussten, wie es weitergeht.

Da kam ihr die Idee zu einer skurrilen,

trotzig-ironischen Installation:

Sie sammelte noch mehr alte LPG-

Schubkarren und rammte sie auf einerWiese

des besagten Bauernindie

Erde, nannte die Installation „Aufstand

der Karren“. DasSchönste war

für sie,„dass die Leute so offen mitgingen,

mit soviel Humor.Sie mochten

es, dass mir platter Realismus,

Pathetisches zuwider sind.“

Tina Schwichtenbergs Bildsprache

ist so simpel wiedererkennbar

wie intelligent und ironisch eingefädelt.

Sie meint immer den Gesamtzusammenhang,

untersucht aber alles

vorher im Einzelnen. „Mir liegt

nicht bloß an der ästhetischen Aussage

meiner Kunst“, sagt sie. „Weil

ich kritisch in meiner Zeit lebe,fallen

mir Dinge auf, die mich packen oder

wütend machen. Und dann will ich

zeigen, wie paradox und dumm

doch vieles in unserer Gesellschaft

läuft.“ Die Mittel der Kunst könnten

freilich immer nur symbolisch sein,

mahnend, aufklärend, im besten

Falle ermutigend. Und man müsse

vorallem auch mal lachen können.

Diesen Sommer hat eine Öko-

Bauernfamilie aus Stolpe Tina

Schwichtenbergsamt ihrem Prignitzer

LPG-Karren-Aufstand nach

Schleswig-Holstein auf ihr Feld eingeladen.

Spuren aus der verschwundenen

DDR. Eine Aktion zum Mauerfall

vor30Jahren.

Diesen und weitereWälzer des„Wissenschaftlichen

Kommunismus“, aufwendig

in braunes Leder gebunden und

mit Goldschrift auf den Buchdeckeln, fand

ich im Keller meines allerersten Ateliers im

Osten Berlins,amMärkischen Ufer.

Das Haus direkt an der Spree war einst

Sitz des 1919 gegründeten, 1933 von den

Nazis verbotenen Allgemeinen Deutschen

Gewerkschaftsbundes. ZuDDR-Zeiten arbeiteten

darin viele Abteilungen des FDGB.

Das nach 1990 sukzessive leerer werdende

Gebäude wurde zunächst für einige Jahre

vermietet. In den Kellerregalen standen,

akkurat sortiert, ein wenig verstaubt, aber

ansonsten scheinbar völlig unberührt von

dem gewaltigen politischen Umbruch nach

1989/90, auch Lenins ausgewählte Werke.

Zu Strandgut aus 40 Jahren DDR waren die

Ideologie,dieVision voneiner besseren, gerechteren

Welt ohne Ausbeutung geworden.

Ich wollte nicht, dass die Bände irgendwann

auf einem wüsten Haufen landen

würden, so wie in den Höfen oder vor

den Türen vieler einstiger DDR-Behörden,

Verlage oder Massenorganisationen nach

1990. Ganze Bibliotheken wurden damals

der Müllabfuhr überlassen.

Die kommissarischen Hausverwalter

waren, wie mir schien, ganz froh, dass ich

diese Bücher adoptieren wollte, sie damit

keinen Entsorgungsaufwand haben würden.

DerMarktwertsolchen Lesestoffs tendierte

zu dem Zeitpunkt eh gegen null. Späteren

antiquarischen Wert wollte damals

niemand erkennen. Also schleppte ich die-

Das besondere Ding

Geschredderte Utopie

Tina Schwichtenberg machte das sozialistische

Standardwerk zum Kunstobjekt. BLZ/PAULIS PONIZAK

sen Großteil vonWladimir Iljitschs Lebenswerk

in meinen kleinen Arbeitsraum. Aber

dann: Wastun?

Einbisschen kreuz und quer lesen? Zum

Vertiefen fehlte mir die Zeit. Berlin ohne

Mauer war die aufregendste Stadt der Welt

geworden. Da, woich mich nunmehr befand,

im Berliner Osten, war schließlich

eine Revolution passiert; das war chaotisch,

kreativ, verrückt, spannend, hoffnungsvoll.

Da blieb keine Zeit, die dicken

Wälzer des Protagonisten der Sowjetmacht

zu studieren, gar ausführlich zu interpretieren.

Aber ich bewunderte die Arbeit der

Buchmacher. Die Leimung der Lenin-

Bände aus dem Dietz-Verlag, Jahrgang

1955, war von einer solch soliden Qualität,

dass sich auch nach all den Jahren bis heute

keine Seite einzeln herausgelöst hat. Dieses

zerzaust wirkende Objekt hier darfsoernsthaft

wie ironisch verstanden werden: Band

„Lenin I“ aus einer DDR-Gesamtausgabe,

aufgeklappt. Waszwischen die Buchdeckel

gebunden war, klafft heraus als geschredderte

Utopie. Wohl auch als Metapher für

ein ganzepolitische Ära. Ichhabe die Seiten

der gesamten Ausgabe mit aller Vorsicht

mit einem scharfen Messer „zerfächert“,

den Inhalt in einen anderen, unleserlichen

Zustand versetzt. Transformiert von der

Lesbarkeit zum Unlesbaren. Aber die Bücher

existieren noch, als Kunstobjekte. Papierne

Zeugen. Mahnmale des Scheiterns.

Diese Erinnerung der Künstlerin wurde

aufgezeichnet vonIngeborg Ruthe.


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 15 *

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Berlin

Kein Keatz im Kiez

Das 2015 gegründete Kreuzberger Koch-Start-up verabschiedet sich nach dem Deliveroo-Rückzug von seiner Kundschaft. Es soll nicht für immer sein

VonJochen Knoblach

Nachdem der britische Essenslieferdienst

Deliveroo

vor zehn Tagen

recht überraschend seinen

Rückzug vom deutschen Markt

verkündet hatte, werden nun erste

Folgeschäden deutlich. Am Mittwoch

teilte das Berliner Start-up

Keatz seiner Kundschaft mit, dass

deren Küchen in Deutschland vorerst

geschlossen blieben. „Wir hoffen,

bald wieder zurück zu sein und

dir wieder leckeres Essen aus unseren

Restaurants liefern zukönnen“,

hieß es per Mail.

Keatz wurde 2015 in Berlin von

den Studienfreunden Dimitrios Ploutarchos

und Paul Gebhardt als Salatdienst

namens GreenGuru gegründet.

Daraus wuchs dann Keatz als sogenannter

Ghost-Küchen-Betreiber

ohne eigene Restaurants.Die Speisen

werden in Produktionsküchen zubereitet

und ausschließlich über Lieferdienste

vertrieben. Zunächst hatte

Keatz dafür noch eigene Kuriere eingesetzt,

doch da mit dem Wachstum

der Firma der Spagat zwischen Küchen-

und Botendienst immer

schwieriger wurde, hatte man vor

etwa eineinhalb Jahren auf externe

Lieferanten wie Deliveroo gesetzt.

Für das Berliner Start-up wurde

nun genau das zum Problem, wenngleich

es wohl nicht seine Existenz

bedrohen dürfte. Denn seit langem

befindet sich Keatz auf Erfolgskurs

und agiert weit über den Kreuzber-

Weressen will, kann sich etwas kochen –oder lässt es sich liefern.

IMAGO IMAGES

ger Firmensitz hinaus.Früheren Angaben

zufolge arbeitete das Unternehmen

bereits gut ein Jahr nach

Gründung profitabel. Etwa zehn bis

20 Prozent verdiene man an einer

Bestellung.

Mittlerweile betreibt die Foodfirma

Küchen nicht nur in Berlin,

sondern auch in München, Madrid

und Barcelona. Auch Investoren haben

das Jungunternehmen längst

auf dem Zettel. Hatten die Gründer

Gebhardt und Ploutarchos bereits

im vergangenen Jahr sechs Millionen

Euro eingesammelt, so kamen

erst im letzten März weitere zwölf

Millionen Euro hinzu. Mit dem frischen

Kapital sollte die europaweite

Expansion vorangetrieben werden,

hieß es im Frühjahr. Inallen großen

europäischen Städten seien Küchen

geplant. Vonrund 100 war die Rede.

So in Spanien, den Niederlanden,

England, aber auch in Deutschland

wollte man expandieren.

Dafür muss Keatz nun zunächst

einen neuen Lieferdienst finden und

könnte sogar bei vertrauten Kurieren

landen. Denn drei der nach dem Deliveroo-Rückzug

arbeitslos gewordenen

500 Fahrer allein in Berlin haben

laut Gründerszene hier inzwischen

einen eigenen Lieferdienst namens

Kolyma 2gegründet, der via Whats-

App geordert werden kann. In der

Kundenmail von Keatz verabschiedet

sich das Unternehmen jedenfalls

mit einem „Bis bald!“. Für eine Stellungnahme

war das Unternehmen

am Donnerstag nicht zu erreichen.

Arm dran

ohne Auto

Schlechte Verkehrsanbindung bei der Landpartie

Die Urlaubsgäste in Brandenburg

wollen zunehmend aufs

Auto verzichten und wünschen

sich deshalb Verbesserungen bei

den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das ist ein zentrales Ergebnis

einer Studie für das alljährliche

Tourismusbarometer, wie der Ostdeutsche

Sparkassenverband

(OSV) als Auftraggeber am Donnerstag

mitteilte. Brandenburg sei

schon jetzt das Bundesland, in

dem öffentliche Verkehrsmittel am

häufigsten im Ausflugsverkehr genutzt

würden. Jeder achte Tagesausflug

wird nach Angaben des

Verbandes mit dem öffentlichen

Personennahverkehr (ÖPNV) unternommen.

Doch gerade in den landschaftlich

schönen ländlichen Regionen

müsse es bessere Angebote des

ÖPNV geben, erklärte der Verband.

„Zu unflexibel, zu unübersichtliche

Tarife,zuunbequem das

Reisen mit Gepäck, sind oftmals

geäußerte Gründe, warum die

meisten Urlauber lieber das eigene

Auto nutzen.“ Daher müssten

die öffentlichen Angebote in

den Urlaubsgebieten flexibler gestaltet

werden. Die zusätzlichen

Einnahmen durch touristische

Nutzung könnten dazu eingesetzt

werden.

Als gutes Beispiel nennt das

Tourismusbarometer den beliebten

Ausflugsort Bad Saarow (Oder-

Spree). Dortsoll ein gemeinschaftlicher

E-Shuttlebus für die Gäste

des Kurortes den Verkehr bündeln.

Denn bisher nutzen alle Hoteliers

in Bad Saarow ihre eigenen Fahrzeuge

oder Taxis um Gäste und Besucher

abzuholen, die mit öffentlichen

Verkehrsmitteln angereist

sind.

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach

(SPD) befürchtet indes ,dass

die Sperrung der Schleuse Zaaren

in der Oberen Havel-Wasserstraße

eine „Konjunkturbremse“ ist. Er

forderte den Bund auf, schnell zu

Erholung pur –sowie hier in Bad Saarow am Scharmützelsee.

handeln. „Brandenburg hat ein

positives touristisches Image und

hat sich auch im internationalen

Wassertourismus gut etabliert“,

erklärte Steinbach am Donnerstag

laut Mitteilung.

„Der Eindruck, unsereProdukte

nicht zuverlässig anbieten zu können,

kann langanhaltende massive

Auswirkungen haben.“ Wegen

verzögerter Bauarbeiten ist der direkte

Weg zwischen der Mecklenburgischen

Seenplatte und Berlin

auf Wasserstraßen blockiert, die

Schleuse soll im November wieder

öffnen.

Zehn Jahre Zuwachs

Brandenburg wird nach der jüngst

veröffentlichten Halbjahresbilanz

des Statistischen Landesamtes bei

Touristen und Reisenden immer

beliebter: Imersten Halbjahr 2019

kamen etwa 2,4 Millionen Gäste

für fast 6,3 Millionen Übernachtungen

in das Bundesland. Damit

gab es 4,2 Prozent mehr Gäste und

3,7 Prozent mehr Übernachtungen

als im Vorjahreszeitraum.

Am beliebtesten sind nach der

Anzahl der Übernachtungen das

Seenland Oder-Spree (eine Million

Übernachtungen), der Spreewald

(gut 926 000) und das Ruppiner

Seenland (gut 674 000).

„Zehn Jahre Übernachtungszuwachs

hintereinander. Das hat seit

2008 kein anderes ostdeutsches

Land geschafft“, sagte OSV-Präsident

Michael Emrich am Donnerstag

auf der Tourismus-Tagung in

Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin).

„Die Investitionen in kreative Angebote

und hohe Qualität tragen

Früchte.“ Allerdings würden Arbeitskräfte

in der Tourismusbranche

zunehmend zur Mangelware,

mahnte der OSV. Jeder vierte Ausbildungsplatz

bleibe ungenutzt.

Unternehmen, Politik und Gewerkschaften

seien aufgefordert,

für das Gastgewerbe einen Arbeitspakt

zu schließen. (dpa)

THOMAS UHLEMANN

Bekanntmachungen

Wir geben bekannt!

Auslegung von Planunterlagen zum Zwecke der Planfeststellung für das Bauvorhaben „Ausbaustrecke Berlin –Frankfurt

(Oder) –Grenze D/PL, PA 16, Bahnhof Köpenick und Parallelmaßnahmen S3 Ost“ im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin

Bekanntmachung vom 12. August 2019 –SenUVK IV E14–

Telefon: 9025-1558 oder 9025-0, intern 925-1558

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), Außenstelle Berlin, hat auf Antrag der DB Netz

AG (Vorhabenträgerin)

das durchVeröffentlichungimAmtsblatt fürBerlin (ABl. Nr. 2S.36f)und in drei

BerlinerTageszeitungen am 15. Januar 2010 fürdas Bauvorhaben „AusbaustreckeBerlin

–Frankfurt (Oder), AbschnittBahnhof Köpenick“ für die Strecken

- Fernbahnstrecke 6153,Berlin-Ostbahnhof –Guben,km10,360 –13,580

- Fernbahnstrecke 6148, Berlin-Eichgestell –Berlin Stadtforst, km 26,495 –

27,324

- Fernbahnstrecke 6149, Berlin-Wuhlheide –Berlin Stadtforst, km 0,362 –1,388

und

- S-Bahnstrecke 6004, Berlin-Ostbahnhof –Erkner,km10,780–11,665

bekanntgemachtePlanfeststellungsverfahreneingestellt.AlleStellungnahmen,

Einwendungenund Anträge,die im Rahmendes eingestelltenVerfahrens eingebracht

worden sind, haben damit ihre Erledigunggefunden.

nunmehr ein neues Planfeststellungsverfahren für das Bauvorhaben „Ausbaustrecke

Berlin –Frankfurt (Oder) –Grenze D/PL, PA 16, Bahnhof Köpenick

undParallelmaßnahmen S3 Ost“ fürdie Strecken

- Fernbahnstrecke 6153, Berlin-Ostbahnhof –Guben,km10,360–13,580

- Fernbahnstrecke 6148, Berlin-Eichgestell –Berlin Stadtforst, km 26,400 –

27,512

- Fernbahnstrecke 6149, Berlin-Wuhlheide –Berlin Stadtforst, km 1,300 –1,481

und

- S-Bahnstrecke 6004,Berlin-Ostbahnhof –Erkner, km 10,360 –13,580

nach§18 AllgemeinesEisenbahngesetz (AEG) eingeleitet.

Das Vorhaben beginnt an der Verbindungskurve der Strecke 6148 von Eichgestell

circa 800 Meter westlich der Eisenbahnüberführung (EÜ) Hämmerlingstraße und

endet circa 280Meter östlich des S-Bahnsteiges Hirschgarten.

Wesentlicher Inhaltdes Vorhabenssind unter anderem derBau einesneuen Regionalbahnsteiges

zwischen den Fernbahngleisen im Bahnhof Köpenick, Bau eines

dritten Fernbahngleises, Bau eines Kehrgleises, Anpassungder Gleislagen, Neubau

der EÜ Hämmerlingstraße, Neubau der EÜ Wuhle einschließlichWuhletalweg, Neubau

der EÜ Bahnhofstraße, Verbreiterung der vorhandenen EÜ ForuminRichtung

Norden, Erweiterung des EmpfangsgebäudesEÜ/EGBahnhofKöpenick nach Süden,

Neubau einer Personenunterführung Ostzugang am östlichen Bahnsteigende des

Bahnhofes Köpenick mit Zugängen zum S-Bahnsteig und zum neuen Regionalbahnsteig,

Neubaueiner Fußgängerüberführung Westzugang vomS-Bahnsteigmit

entsprechendem Treppenaufgang im Bereich des westlichen Widerlagers der EÜ

Bahnhofstraße, Neubau/Anpassung von Stützbauwerken aufgrund der Lageverschiebung

derFernbahngleise nachSüden sowie der S-Bahngleise nachNordenund

Neubauvon Lärmschutzwänden.

Für das Vorhaben bestehteinePflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung

gemäß §§ 5, 6und Nr. 14.7 der Anlage 1des Gesetzes über die

Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG).

Der Plan für das eingangs bezeichnete Bauvorhaben (Erläuterungsbericht und

Plänesowie dieentscheidungserheblichen Unterlagen über die Umweltauswirkungen,bestehendaus:Verfügungdes

EBA zur Feststellung der Pflichteiner Umweltverträglichkeitsprüfung,

Umweltverträglichkeitsprüfung zu den Schutzgütern

Mensch, Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt, Fläche, Boden, Wasser, Klima, Luft,

Stadt-/Landschaftsbild, Kultur- und Sachgüter (Planunterlage (U) 13), Landschaftspflegerischer

Begleitplan (U 14), Artenschutzrechtliche Prüfung (U 14.5), Schallund

Erschütterungstechnische Untersuchungen (U 15), Regelung wasserrechtlicher

Sachverhalte (U 16), Geologischer Bericht(U17),Unterlagezum Brand- und Katastrophenschutz(U18),Bodenverwertungs-

und Entsorgungskonzept (U 19) sowie

Gutachtenzuelektromagnetischen Feldern (U 20)) liegt

vom 26. August2019bis 25.September 2019

beim

BezirksamtTreptow-Köpenick von Berlin,

Abteilung Bauen, Stadtentwicklung undöffentliche Ordnung,

Stadtentwicklungsamt, FachbereichStadtplanung,

Rathaus Köpenick, Alt Köpenick 21,12555 Berlin,Raum164,

Telefon:90297-2609 oder 90297-2312,

Postanschrift: Postfach 910 240, 12414Berlin

montags bis mittwochs von9.00 Uhr bis15.00Uhr, donnerstagsvon 10.00 Uhrbis

18.00 Uhrund freitagsvon 9.00 Uhrbis 12.00 Uhr sowienach telefonischerVereinbarung

(Telefon wie vor) auch außerhalb dieser Zeiten zur allgemeinen Einsichtnahmeaus.

Donnerstagsvon 15.00bis 18.00 Uhrwird einMitarbeiter derVorhabenträgerin zu

weiteren Erläuterungen undAuskünften am Auslegungsortzur Verfügung stehen.

Die Bekanntmachung und die zur Einsicht ausliegenden Unterlagen sind von Beginn

der Auslegung bis Ende der Einwendungsfrist ebenfalls im Internet unter: http://

www.berlin.de/planfeststellungen/ veröffentlicht.

Für die Vollständigkeit und die Übereinstimmung der im Internet veröffentlichten

Unterlagen mit denamtlichen Auslegungsunterlagen wirdkeine Gewähr übernommen.

Der Inhalt der zur Einsicht ausgelegten Unterlagen ist maßgebend (§ 27a

Verwaltungsverfahrensgesetz(VwVfG) in Verbindungmit §20Absatz2UVPG).

Hinweise

1. Jeder, dessen Belange durch das Bauvorhabenberührt werden, kannbis spätestens

einen Monat nachBeendigungder Auslegung, das ist biszum 25. Oktober

2019 (maßgebend ist der Eingang in der Verwaltung), Einwendungen bei der

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, IV E1,Anhörungsbehörde

Berlin, Postanschrift: Am KöllnischenPark3,10179 Berlin,Zimmer Ru 422

(während der Auslegungszeiten auch am Auslegungsort im Bezirksamt Treptow-

Köpenick)schriftlich oderzur Niederschrift oder in elektronischerForm mit einer

qualifiziertenSignatur im Sinne des Vertrauensdienstegesetzes (VDG)inVerbindung

mit der Verordnung (EU) Nr. 910/2014 versehen an die E-Mail-Adresse

post@senuvk.berlin.de erheben.

Die Einwendungen müssen den geltend gemachten Belang und dessen Beeinträchtigung

erkennenlassen sowie das Bauvorhaben bezeichnen.

Mit Ablaufder Einwendungsfrist sind alleEinwendungenindiesem Planfeststellungsverfahren

ausgeschlossen, die nicht auf besonderen privatrechtlichen

Titelnberuhen (§ 18 AEG in Verbinddung mit §73Absatz4Satz 3VwVfG).

Ebenfalls bis zumvorstehend genannten Terminkönnen Vereinigungen,soweit

diese sich für den Umweltschutz einsetzen und nach in anderen gesetzlichen

Vorschriften zur Einlegung von Rechtsbehelfen in Umweltschutzangelegenheiten

vorgesehenenVerfahren vonBundoder Landanerkanntsind, zu demPlan

Stellung nehmen.

Einwendungenund Stellungnahmen der Vereinigungen,die nach Ablauf dieser

Fristerhoben werden,sindebenfalls gemäß §73Absatz4Satz 5ffVwVfG ausgeschlossen.

Für das Rechtsbehelfsverfahren findet der Einwendungsausschluss keine

Anwendung (§ 7Absatz 4Umweltrechtsbehelfsgesetz), das heißt der Einwendungsausschluss

beschränkt sich bei Einwendungen und Stellungnahmen nur

auf dieses Verwaltungsverfahren.

Bei Einwendungen, dievon mehr als 50 Personen auf Unterschriftslisten unterzeichnet

oderinForm vervielfältigter gleichlautenderTexte eingereicht werden

(gleichförmige Eingaben), ist auf jeder mit einer Unterschrift versehenen Seite

ein Unterzeichner mit Namen, Beruf und Anschrift als Vertreter der übrigen

Unterzeichner zubezeichnen. Andernfalls können diese Einwendungen unberücksichtigt

bleiben. Diese ortsübliche Bekanntmachungdientauchder Benachrichtigung

derVereinigungen nach§73Absatz 4Satz5VwVfG.

Die Erhebung dieser Daten erfolgt entsprechend der seit dem 25. Mai 2018

anwendbaren neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO).ImRahmen

der Beteiligung derÖffentlichkeitimobengenannten Planfeststellungsverfahren

werden die von Ihnen erhobenen Einwendungen und darin mitgeteilten

personenbezogenen Daten ausschließlich für das Planfeststellungsverfahren

von unserhoben,gespeichert und verarbeitet. Ihre persönlichenDaten werden

benötigt,umden Umfang Ihrer Betroffenheit beurteilen zu können. Wirkönnen

dieDatenandie Planfeststellungsbehörde,die Vorhabenträgerinund ihre mitarbeitendenBüros

zurAuswertungder Stellungnahmen weiterreichen. Insoweit

handeltessich um eineerforderliche und somitrechtmäßige Verarbeitung aufgrundeiner

rechtlichen Verpflichtung gemäß Art.6Absatz 1Satz1lit.c)DS-GVO

in Verbindung mit§3Satz1Berliner Datenschutzgesetz.

Die Hinweise zumDatenschutz sindmit ausgelegt undauchimInternetunter:

https://www.berlin.de/senuvk/service/formulare/de/datenschutz.shtml einsehbar.

2. Die Anhörungsbehörde kann auf eine förmliche Erörterung verzichten (§ 18 a

Nr. 1Satz 1AEG). Falls ein Erörterungstermin stattfindet, wird dieser zu gegebener

Zeit gesondert ortsüblich bekannt gemacht. Der Erörterungstermin ist

nichtöffentlich.

Diejenigen, die fristgerechtEinwendungen erhoben haben,beziehungsweise bei

gleichförmigenEinwendungender Vertreter,werden von dem Termingesondert

benachrichtigt.

Sind mehr als50Benachrichtigungen vorzunehmen, so könnensie durch öffentliche

Bekanntmachung ersetzt werden. Die Teilnahme an dem Erörterungstermin

ist denBeteiligten freigestellt. BeiAusbleibeneinesBeteiligtenindem Erörterungstermin

kann auch ohne ihn verhandelt werden. Die Vertretung durch

einen Bevollmächtigten ist möglich. DieBevollmächtigungist durch eineschriftliche

Vollmacht nachzuweisen, die der Anhörungsbehörde zuden Akten zu

geben ist.

3. DurchEinsichtnahmeindie Planunterlagen,Erhebungvon Einwendungen, Teilnahme

amErörterungstermin oder Vertreterbestellung entstehende Kosten

werdennichterstattet.

4. Entschädigungsansprüche, soweit über sie nicht in der Planfeststellung dem

Grunde nach zu entscheiden ist, werden nicht in dem Erörterungstermin, sondern

in einem gesonderten Entschädigungsverfahrenbehandelt.

5. Über die Einwendungen wird nach Abschluss des Anhörungsverfahrens durch

die Planfeststellungsbehörde entschieden. Die Zustellung der Entscheidung

(Planfeststellungsbeschluss) an die Einwenderkanndurch öffentliche Bekanntmachungersetzt

werden, wenn mehr als 50 Zustellungen vorzunehmen sind.

6. Die Nummern 1, 2, 3und 5gelten für die Anhörung der Öffentlichkeit zuden

Umweltauswirkungen des Bauvorhabens nach §18Absatz 1des UVPG entsprechend.

7. Vom Beginn der Auslegung des Planes tritt die Veränderungssperre nach §19

Absatz 1AEG in Kraft.Darüber hinaussteht ab diesemZeitpunktder Vorhabenträgerin

einVorkaufsrecht an den vom Plan betroffenen Flächenzu(§19Absatz

3AEG).

Leiterder Anhörungsbehörde

Oktay Yurdakul

Rechtsgrundlagen:

AllgemeinesEisenbahngesetz (AEG) in derFassungvom 27.Dezember1993(BGBl.

IS.2378, ber. 1994 IS.2439),zuletztgeändert durch Art. 2Gesetzzur Umsetzung

derRL(EU) 2016/2370 vom8.Juli2019 (BGBl. IS.1040)

Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in der Fassung der Bekanntmachung

vom 24. Februar2010 (BGBl. IS.94), zuletzt geändertdurch Art. 22 des

Gesetzes zurBeschleunigungdes Energieleitungsausbaus vom 13. Mai2019 (BGBl.

IS.706)

Gesetz über ergänzende VorschriftenzuRechtsbehelfen in Umweltangelegenheiten

nach der EG-Richtlinie 2003/35/E (Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz –UmwRG) in der

Fassung derBekanntmachungvom 8. April 2013 (BGBl.IS. 753),zuletztgeändert

durch Art. 4des Gesetzes zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, des

Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer

energierechtlicher Vorschriften vom 17. Dezember2018(BGBl. IS.2549)

Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) in der Fassung der Bekanntmachung vom

23. Januar 2003 (BGBl. IS.102),zuletzt geändertdurch Art. 7Gzur Umsetzung des

Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen

Geschlechts vom18. Dezember 2018 (BGBl. IS.2639)


16 * Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Brandenburg

Es ist Wochenmarkt in Bergholz-Rehbrücke:

Bauern

verkaufen Rehsalami, Pfifferlinge

und Honig. Frauen

tragen Kirschkuchen in Bastkörben

nach Hause, Männer in Socken und

Sandalen holen Kontoauszüge bei

der Bank. Nahe eines Stehtisches,

dekoriert mit Sonnenblumen und

kleinen Windrädern, steht Ursula

Nonnemacher, Spitzenkandidatin

der Grünen für die Landtagswahl in

Brandenburgam1.September.

Sie trägt einen schwarzen Blazer,

eine Bluse in den unterschiedlichsten

Rottönen und bequeme Ledersandalen.

Derzeit jagt bei ihr ein Termin

den anderen. Heute noch mal

Straßenwahlkampf im Potsdamer

Umland, noch einmal Flyer verteilen,

Hände schütteln, sich vielleicht

als Spinnerin beschimpfen lassen.

„Ran an die Bürger“, hat Nonnemacher

ihren drei Parteikollegen gut

gelaunt um 10 Uhr zugerufen, nun

steht sie auf dem Bürgersteig und

streckt jedem Passanten Flyerentgegen.

Doch bei weitem nicht jeder will

einen. „Ich bin rot, schon immer“,

winkt ein älterer Herr ab. Eine Frau,

die zu ihrem Fahrrad will, mault:

„Hier kommt man ja gar nicht durch

vorlauter Grünen!“ Einige aber bleiben

bereitwillig stehen. „Ich war

Linkswählerin, ein Leben lang“, sagt

eine Mittfünfzigerin mit kurzem,

grauen Haar. „Jetzt sind die Grünen

für mich zum ersten Mal eine Alternative.

Hauptsache,nicht die AfD.“

Nonnemacher nickt, sie sieht es

ähnlich. „Die Grünen würden sich

über Ihre Stimme freuen“, sagt sie.

„Aber wir arbeiten auch gernmit den

Linken zusammen.“

Nonnemacher bleibt bescheiden.

Dabei könnte das, was mit den Grünen

gerade in Brandenburgpassiert,

ein kleines Wunder werden: Jahrzehntelang

dümpelten die Zustimmungswerte

im einstelligen Bereich,

bei der Landtagswahl 2014 schafften

sie 6,2 Prozent, 2009 nur 5,7, davor

waren sie 15 Jahre lang gar nicht im

Landtag vertreten. Bei der aktuellen

Wahl sind die Grünen laut jüngsten

Prognosen locker zweistellig, als einzige

Partei kletterten ihreWerte bisher

über Monate außerdem etwas

nach oben –laut der jüngsten Civey-

Umfrage sogar bis rauf zu 17,2 Prozent.

Davon weicht nur eine Umfrage

ab: Infratest dimap prognostizierte

den Grünen am Donnerstag

eine Zustimmung von12Prozent.

DasGegenmodell zu Kalbitz

Weil keine Partei mit der AfD zusammenarbeiten

will, reichen die Mehrheiten

nicht für ein Zweierbündis.

Und den Grünen kommt damit vermutlich

eine besondere Aufgabe zu:

Sie können die Königsmacher sein,

können mit ihrer Richtungsentscheidung

bestimmen, welche Farben

die Koalition tragen sollen. Läuft

es auch noch etwas besser als die

besten Prognosen vorhersagen,

könnte ihnen sogar die Rolle zufallen,

die Regierung zu führen.

Die Partei, die derzeit mit nur

sechs Abgeordneten im Landtag

sitzt, stellt das kurz vor der Wahl vor

Herausforderungen in der Kommunikation.

Plötzlich wollen viele wissen:

Wer könnte Ministerpräsident

werden? „Wir leiden etwas unter der

Diskussion“, sagt Nonnemacher.

„Da sind wir als Partei, die bis vor

kurzemnoch im einstelligen Bereich

war,gar nicht dran gewöhnt.“

Vage Voraussagen und Postengeschacher

sind nicht Nonnemachers

Sache. Deswegen beschränkt sich

die 62-Jährige in der Ministerpräsidenten-Frage

auf das,was sie Anfang

August auch unter lautem Applaus

auf einem Parteitag der Grünen verkündet

hat: „Ich stehe bereit.“ Auch

Benjamin Raschke, zweiter Spitzenkandidat

der Grünen, verweist in

dieser Frage auf Nonnemacher.

Mit welchen Parteien sie am

liebsten regieren würde?„Wir warten

auf den Auftrag der Wähler“, sagt

Nonnemacher. Ein frühes Festlegen

sei kontraproduktiv, die Regierungsbildung

mit voraussichtlich mindestens

drei Fraktionen schon so

schwierig genug. „Wir reden mit allen

Parteien, auch mit der FDP und

den Freien Wählern, sollten die es in

den Landtag schaffen“, sagt sie.

Einzige Ausnahme: die AfD.Nonnemacher

stuft den Brandenburger

Serie zur Landtagswahl in Brandenburg

am 1. September:Teil 3

Die

Nüchterne

Ursula Nonnemacher von den

Grünen verweigert sich dem

Ost-Populismus. Trotzdem wird

ihre Partei wohl doppelt,

vielleicht sogar dreimal so viele

Stimmen holen wie 2014. Das

sorgt für wilde Spekulationen.

VonAnnika Leister,Bergholz-Rehbrücke

Ursula Nonnemacher ist Teil einer Doppelspitze, wie bei den Grünen üblich. Aber sie ist die Nummer 1. Das sagt auch Benjamin Raschke, ihre Nummer 2. BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Landesverband, der als weit Rechtsaußen

im Bundesvergleich gilt, als

Gefahr für die Demokratie ein: „Unter

dem Mäntelchen der Bürgerlichkeit

blüht der Rechtsextremismus.“

DieGrünen können in ihren Aussagen

so vage bleiben, wie sie wollen,

wild spekuliert wird trotzdem.

Einige Journalisten schreiben, dass

nun, da das höchste Amt näher rücke,

auch bei der Bundesvorsitzenden

und gebürtigen Brandenburgerin

Annalena Baerbock Begehrlichkeiten

geweckt werden könnten. Baerbock

ist wesentlich prominenter.

Doch Baerbock hat auch beste

Chancen, in der Bundespolitik

durchzustarten –Ministerämter und

sogar die Kanzlerkandidatur trauen

ihr Kommentatoren angesichts der

Erfolgswelle der Grünen im Bund zu.

Ausdrücklich dementiert hat Baerbock

die Spekulationen mit Blick auf

Brandenburgaber bisher nicht.

Ob die Bundesvorsitzende als Ministerpräsidentin

infrage kommt?

Da müsse man Baerbock fragen, sagt

Nonnemacher. „Ich habe wahrgenommen,

dass sie angekündigt hat,

sich wieder für den Parteivorsitz im

Bund zu bewerben.“

Nonnemacher wurde 2009 erstmals

in den Landtag gewählt. Zuvor

war sie Ärztin. 26 Jahre lang hat sie

Schichten auf der Intensivstation einer

Spandauer Klinik geschoben

und ist Einsätze imRettungswagen

ZUR PERSON

Herkunft: Ursula Nonnemacher,62Jahre alt, wurde in Wiesbaden geboren. Nach dem Abitur

studierte sie Medizin in Mainz. 1980 zog sie nach West-Berlin, ab 1983 arbeitete sie als Ärztin

am Krankenhaus Berlin-Spandau. Immer wieder zog es sie für Praktika und Reisen nach Mittel-

und Südamerika. Seit 1996 lebt sie in Falkensee. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.

Politische Laufbahn: Seit 1997 ist Nonnemacher Mitglied bei den Grünen, im selben

Jahr gründete sie den Ortsverband Falkensee mit. Noch heute sitzt sie in der Falkenseer

Stadtverordnetenversammlung.2009 wurde sie in den Landtag gewählt, auch schon

bei der Landtagswahl 2014 trat sie als Spitzenkandidatin an.

Die Grünen: In der Civey-Umfragevom 14. August liegen die Grünen bei 17,2

Prozent. In der Infratest-dimap-Umfragevom 22. August liegen sie bei 12 Prozent.

Bei der Landtagswahl 2014 holten sie gerade einmal 6,2 Prozent.

Alle Porträts dieser Serie und mehr Infos zur Wahl unter:

www.berliner-zeitung.de/berlin/brandenburg/landtagswahl

gefahren. Dashabe sie geerdet, sagte

sie einmal der Märkischen Allgemeinen.

Ihr ehemaliger Klinikchef lobt

noch heute ihre Zuverlässigkeit und

ihren Einsatz für Gerechtigkeit, ob es

nun um den Umgang mit Patienten

oder die Arbeitsbedingungen für

Ärzte und Pfleger ging.

Einen exzellenten Rufhat sie sich

auch unter ihren Kollegen im Landtag

erarbeitet. Undsie trägt auch einen

inoffiziellen Titel: „Redenkönigin“

ist sie bereits

mehrere Jahre inFolge.

In der nun endenden Legislaturperiode

hat Ursula Nonnemacher

392 Reden am Pult des Landtages

gehalten. Dassind 136 mehr als

Péter Vida von den Freien Wählern

auf Platz zwei. Die Frau deckt in der

grünen Mini-Fraktion auch die

wichtigsten Themen ab: Sie ist zuständig

für die Bereiche Innen-,

Kommunal-, Sozial-, Pflege-, Gesundheits-,

Arbeitsmarkt-, Frauen-,

Gleichstellungs-, LGBTI- und

Flüchtlingspolitik.

„Ursula ist ein absolutes Arbeitstier“,

sagt die grüne Direktkandidatin

AlexandraPichl, die in Rehbrücke

an Nonnemachers Seite Flyer verteilt.

„Es ist unglaublich, was sie alles

leistet und abdeckt.“ Und auch die

Grünen in Berlin halten allergrößte

Stücke aufNonnemacher:Sie sei Politikerin

mit Herz,Verstand und Leidenschaft,

heißt es; sie stemme ein

Pensum, für das normalerweise vier

Abgeordnete nötig seien.

Mit diesem Arbeitsethos hat

die Grünen-Fraktion trotz

Oppositionsstatus einiges

erreicht. Dass Brandenburgals

erstes Bundesland

ein Paritätsgesetz

LANDTAGSWAHL

BRANDENBURG

verabschiedet hat,

geht maßgeblich auf

das Konto der Grünen

und besonders das von

Ursula Nonnemacher,

die dabei eng mit KlaraGeywitz

zusammengearbeitet

hat, der möglichen Chefin der Bundes-SPD.

Ab der nächsten Wahl soll das Gesetz

dafür sorgen, dass ebenso viele

Frauen wie Männer im Landtag sitzen.

Hateine Partei zu wenig Frauen

auf der Liste, muss sie Männer streichen.

DasGesetz fußt auf einem Entwurfder

Grünen, dendie derzeitigen

Regierungsparteien SPD und Linke

nur ein wenig abgeänderthaben. Ein

rechtlich heftig umstrittener Ansatz,

gegen den NPD und Piratenpartei

vor das Landesverfassungsgericht

zogen. EinAnsatz aber auch, der gerade

wegen seiner Radikalität grüne

und linke Bündnisse in anderen Ländern

vor Neid erblassen lässt. Die

Grünen in Berlin, die anders als die

Brandenburger in Regierungsverantwortung

sind, wären gerndie ersten

mit einem Paritätsgesetz gewesen.

Stattdessen beginnen in der

Hauptstadt nun erst die ernsthaften

Diskussionen – und die rot-rotgrüne

Koalition lässt sich dabei von

Brandenburginspirieren.

Mit ihrer sachlichen, von Grund

auf unpopulistischen Art ist Nonnemacher

auch eine Art Anti-Kalbitz

für Brandenburg. Der AfD-Spitzenkandidat,

der aus dem Westen

stammt, adressiert klar das Gefühl

vonAbgehängtheit im Osten, wettert

gegen Flüchtlinge und lässt Slogans

wie „Hol dir dein Land zurück –vollende

die Wende!“ plakatieren.

Ähnliche Saiten schlägt die Linkspartei

an, die in ihremWahlkampf einen

Fokus darauf setzt, Benachteiligungen

für Menschen im Osten zu

beseitigen. „Ost – Respekt, Würde,

Anerkennung“ steht auf Plakaten.

Nonnemacher, die ebenfalls im

Westen –genauer in Hessen –geboren

wurde, verweigert sich dieser

Strategie komplett. Keinesfalls will

sie das Früher-war-alles-besser-Narrativ

bedienen, ob von links oder

rechts. „Dem Osten geht es nicht

schlechter als früher. Das weiß ich

selbst aus der Kommunalpolitik, das

sagen mir alle Kollegen“, sagt sie

beim Mittagessen. Natürlich gebe es

lokale Probleme, insgesamt aber

gehe es den Leuten besser. „Die

Stimmung ist nur wesentlich

schlechter als die Lage.“ Manchmal

habe sie den Eindruck, als würden

die Menschen nun erst, nach 30 Jahren,

wirklich über die Wende reflektieren,

sagt sie.„Als bräche das alles

jetzt erst heraus.“

Mit solchen Sätzen läuft Nonnemacher

Gefahr, von einigen Brandenburgern

als arrogante, grüne

Wessi-Frau abgehakt zu werden. Sie

kennt die Gefahr.Sie weiß auch, dass

sie im aufgeheizten Brandenburger

Wahlkampf, in dem nicht nur die

AfD mit emotionalen Slogans und

steilen Forderungen auftritt, einen

entscheidenden Nachteil hat: Mit

Seriosität und Zurückhaltung fängt

man nur schwer Wählerstimmen.

Doch Nonnemacher kann nicht anders.

Polterei und Unterkomplexität

sind ihr nicht zuwider, das wäre zu

stark ausgedrückt – sie liegen nur

einfach nicht in ihrer Natur.

Gründe für den Erfolg

Die Suche nach Kompromissen und

Konsens in der Politik werde zunehmend

komplizierter, sagt sie. Bei

Wählernherrsche dafür zum Teil ein

großes Unverständnis. Viele

wünschten sich stattdessen den starken

Mann, der mal auf den Tisch

haut.„Ein autoritärer Wunsch“, sagt

Nonnemacher.„In dieser Gemengelage

dringen oftmals nur noch die

ganz einfachen Parolen durch.“

In dieser Lage ist Nonnemacher

ganz Realistin. Den Erfolg der Grünen

in Brandenburg führt sie nicht

primär auf die Schufterei ihrer Fraktion

zurück. Ein ganzes Bündel an

Gründen gebe den Ausschlag dafür,

sagt sie: der Hitzesommer 2018 zum

Beispiel, die „Fridays forFuture“-Bewegung,

der Erfolg der Grünen im

Bund mit dem Spitzenduo Baerbock-Habeck.

Erst als letzten Punkt

nennt sie: „Und natürlich unsere

gute Arbeit im Landtag.“

All diese Faktoren werden diese

nüchterne Frau wahrscheinlich in

die Regierung bringen. Erst mal aber

verteilt sieweiter FlyerinRehbrücke

und posiert für ein Gruppenfoto am

Wahlkampfstand. Ein Parteikollege

fragt, ob er das Foto auf Facebook

hochladen dürfe? „Das brauchst du

mich nicht mehr zu fragen“, sagt sie

und lacht. „Ich bin jetzt eine Person

des öffentlichen Lebens.“

Annika Leister fragt sich,

ob die Grünen auch mit

der CDU koalieren würden.


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 17

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Gesundheit

Stress durch Achterbahn-Wetter

Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit: Manche Menschen reagieren empfindlich auf Temperaturwechsel. Wirgeben Tipps, was die Beschwerden lindern kann

VonMichael Timm

An dem einen Tag mittags

30 Grad im Schatten, eine

halbe Woche später Regen

und nachts nur noch

15 Grad. Dann wieder Sonne und

heiß. In diesem Sommer fährt das

Thermometer Achterbahn. Das belastet

den Organismus. Das launische

Jo-Jo-Wetter kann Menschen,

die dafür empfindlich sind, schwer

zu schaffen machen. Sieleiden unter

Müdigkeit, Schwindel, Gelenk- und

Kopfschmerzen. Es sind die typischen

Symptome der Wetterfühligkeit.

Besonders ältere und kranke

Menschen reagieren schon auf geringe

Temperaturschwankungen

empfindlich. Warum das so ist und

was Sie dagegen tun können, erklärt

Klimamediziner Jürgen Kleinschmidt

im Gespräch mit der Berliner

Zeitung. DerfrühereDirektor des

Instituts für medizinische Balneologie

und Klimatologie der Universität

München erforschte die Auswirkungen

des Wetters auf Körper und Gesundheit.

Wie beeinflusst das Zickzack-Wetter

den Körper?

Unser Körper will immer gleichbleibende

Verhältnisse.Deshalb reagiert

erbei vielen Menschen empfindlich

auf rasch wechselnde Temperaturen,

Luftdruck, Veränderungen

der Luftfeuchtigkeit und Wind.

Wenn sich diese Faktoren rasch ändern,

bedeutet das Stress für seine

eingebaute Klimaanlage, die unsere

Körpertemperatur reguliert und

konstant auf 37 Grad hält, damit alle

Organe gut funktionieren.

Was verstehen Sie unter der „eingebauten

Klimaanlage“?

Sie besteht aus Schweißdrüsen

und vielen kleinen Blutäderchen in

der Haut. Wenn die Drüsen bei Hitze

Schweiß produzieren und die Blutadern

sich weiten, gibt der OrganismusWärme

ab,umsich abzukühlen.

Bei Kälte dagegen verengen sich die

Blutgefäße und die Muskeln zittern,

um Wärme zu erzeugen. Gesteuert

wirddieses System voneinem Regulationszentrum

im Gehirn, das wir

Hypothalamus nennen. Es schüttet

verschiedene Hormone aus. Dieses

biologische Kühlaggregat hält uns

über das vegetative Nervensystem

normalerweise gesund. Wenn sich

die Wetterbedingungen aber schnell

verändern, klagen viele über gesundheitliche

Probleme.

Wie viele Menschen sind davon betroffen?

Über das Wetter jammern bestimmt

sehr viele,weil es bequem ist,

Befindlichkeitsstörungen oder psychische

Verstimmungen einfach auf

das Wetter zu schieben. Aber wirklich

wetterfühlig oder wetterempfindlich

ist nur etwa jeder dritte

Deutsche.Die anderen kommen mit

der Umstellung auf wechselndeWettersituationen

gut zurecht. Menschen,

die unter freiem Himmel arbeiten,

wie etwa Bauarbeiter, Straßenpolizisten

oder Müllwerker, haben

meist keine Probleme mit

Wetterumschwüngen. Ihr Körper

hat gelernt, sich gut anzupassen.

Besteht ein Unterschied zwischen

Wetterfühligkeit und Wetterempfindlichkeit?

Ja. Eher gesunde Menschen, die

unter demWetterumschwung leiden

und Symptome entwickeln, bezeichnen

wir als wetterfühlig. Patienten

mit Krankheiten wie Rheuma,

Asthma oder Migräne,die sich durch

den Wetterwechsel verschlechtern,

sind wetterempfindlich.

Welche Wetterlage ist besonders

schwierig?

Wenn der Luftdruck fällt und das

Wetter schlechter wird und ein Tiefdruckgebiet

mit ausgeprägter

Warmfront naht, klagen mehr Menschen

über Beschwerden. Auch Migränepatienten

können mehr Kopfschmerzen

bekommen, wenn eine

Warmfront naht. Bei steigendem

Luftdruck, also wenn das Wetter besser

wird, lassen die Beschwerden dagegen

nach, solange es nicht zu heiß

oder schwül wird.

Für wen sind rasche Wetterwechsel

besondersgefährlich?

Ältere Menschen und chronisch

Kranke haben am meisten zu leiden.

Sie haben wenig Kraftreserven, reagieren

schon auf geringe Temperaturschwankungen.

Ab etwa 45 Jahren

nimmt die Wetterfühligkeit zu.

Frauen sind häufiger betroffen als

Männer.

Welche Symptome kann das Achterbahnwetter

auslösen?

Blutdruck und Kreislauf spielen

verrückt. Dasist gefährlich für Herzpatienten.

Außerdem kommt es oft

zu Kopfschmerzen, Schwindel,

Schlappheit, Erkältungen und Muskelkrämpfen.

Was hat das Wetter mit dem Blutdruck

zu tun?

Bei warmem Wetter erweitern

sich die Blutgefäße und der Blutdruck

nimmt ab. Das ist gefährlich

für Menschen mit zu niedrigem Blutdruck,

weil ihreWerte jetzt noch weiter

absinken. Menschen mit hohem

Blutdruck tut Hitzedagegen gut, weil

sich ihr Druck eher normalisiert.

Können die Betroffenen dann auf ihre

blutdrucksenkenden Medikamente

verzichten?

Würden die hohen Temperaturen

länger anhalten, wie zum Beispiel

bei einem Aufenthalt in wärmeren

Gegenden wie Mallorca oder Gran

Canaria, könnten manchen Patienten

ihreDosis zumindest reduzieren.

Bei Achterbahnwetter müssen die

Medikamente jedoch nach wie vor

eingenommen haben, da sich die

CORBIS RM STILLS

Wetterlage ja gleich wieder ändert.

Denn bei kühleren Temperaturen

steigt der Druck wieder an, weil sich

die Blutgefäße zusammenziehen.

Warum ist Jo-Jo-Wetter gefährlich für

Herzpatienten?

Wenn der Blutdruck bei warmem

Wetter sinkt, muss das Herz stärker

und schneller pumpen, damit immer

genügend Blut durch die Adernfließt.

Das ist eine große Belastung für alle,

die unter Herzschwäche leiden, also

besonders für ältereMenschen.

Wodurch entstehen Müdigkeit und

Schwindel bei raschem Wetterwechsel?

Bei erweiterten Gefäßen und sinkendem

Blutdruck gelangt weniger

Sauerstoff in das Gehirn. Die geringereHirndurchblutung

macht müde

und erzeugt Schwindel.

Wie kommt es zu Kopfschmerzen und

Muskelkrämpfen?

Unter rasch wechselnde Luftdruck-Veränderungen

leiden besonders

die kleinen Blutgefäße im

Kopf. Das führt zuKopfschmerzen.

Ebenso eine Minderdurchblutung

des Gehirns. Wenn wir bei Hitze

und hoher Luftfeuchtigkeit schwitzen,

verliert der Körper Flüssigkeit,

was ebenfalls Kopfschmerzen auslöst.

Durch das Schwitzen gehen

wertvolle Mineralien wie Magnesium

verloren, was wiederum zu

Muskelkrämpfenführt.

Waskann man dagegen tun?

DasWichtigste: Viel trinken, mindestens

zwei bis drei Liter Mineralwasser,

Tee oder Saftschorle pro

Tag. Das füllt die Gefäße, der Blutdruck

normalisiert sich wieder, das

Herz muss nicht mehr so schnell

schlagen. Verzichten sollte man

aber auf Alkohol, denn der würde

dem Körper noch zusätzlich Wasser

entziehen. Und man sollte

pralle Sonne und schwerekörperliche

Arbeiten in der Hitze meiden.

Werschwitzt, verliertauch Salz und

Mineralien. Deshalb muss auch

das Salz in verstärktem Maße wieder

zugeführt werden. Entweder

durch salzige Speisen oder durch

einen selbst gemachten Elektrolyt-

Drink: Ein Teelöffel Kochsalz in einem

halben Liter Wasser verrühren.

Eine kalte Dusche zwischendurch

kühlt schön ab. Im Büro

kann man sich ersatzweise kaltes

Wasser über die Unterarme laufen

lassen. Manchen hilft auch ein kühles

Fußbad.

Kann man dieser Wetterfühligkeit vorbeugen?

Ja, sehr gut sogar. Das beste Rezept

ist Sauna. Allerdings sollte man

vorher seinen Arzt fragen, ob er gegen

einen Saunebesuch Bedenken

hat. Gesunde Menschen, die regelmäßig

in die Sauna gehen, trainieren

ihren Organismus, besser mit

wechselnden Temperaturen und

Hitze fertig zu werden. Ein Besuch

pro Woche reicht dazu schon aus.

Bei zwei oder drei Besuchen lässt

sich der Effekt noch schneller erzielen.

Wer jetzt mit der Sauna beginnt,

profitiert zwar nicht mehr in

diesem Sommer davon. Aber ganz

bestimmt im Herbst, wo man sich

ebenfalls auf wechselnde Temperaturen

einstellen muss. Da lauern

die Gefahren, wenn man aus warmen

Räumen nach draußen in die

Kälte kommt und umgekehrt.

Gibt es noch andere Möglichkeiten

außer Sauna?

Ja. Tägliche Wechselduschen haben

sich ebenfalls gut bewährt. Eine

Minute warm, dann 30 Sekunden

kalt duschen und das Ganze noch

mal wiederholen. Zwei Wechsel reichen

bereits. Ebenfalls empfehlenswert:

Mindestens eine halbe Stunde

proTag flott spazieren gehen, bei hohen

Temperaturen möglichst am

Morgen.

Fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren

In Berlin kamen nach KKH-Angaben vergangenes Jahr mehr Babys auf nichtnatürlichem Wegauf die Welt als 2017

InBerlin sind im vergangenen Jahr

etwas mehr Babys per Kaiserschnitt

zur Welt gekommen als im

Jahr zuvor.Das teilte die Kaufmännische

Krankenkasse (KKH) am Donnerstag

nach Auswertung vonVersichertendaten

mit. Demnach erblickten

29,5 Prozent der Neugeborenen

per Sectio das Licht der Welt. Damit

stiegen die Kaiserschnittgeburten

gegenüber 2018 (28,1 Prozent) um

5Prozent leicht an. Im bundesweiten

Vergleich liegt Berlin aber immer

noch unter dem Durchschnitt.

Deutschlandweit betrug die Kaiserschnittquote

im vergangenen

Jahr laut KKH-Daten 31,6 Prozent.

Kaiserschnitte werden in erster

Linie zur Risikominderung in Erwägung

gezogen, um das ungeborene

Leben zu schützen, heißt es in der

Mitteilung. Denn diese Art der Entbindung

habe den Vorteil, dass das

Ungeborene nicht dem Stress einer

natürlichen Geburtausgesetzt ist.

Erhöhtes Risiko für Allergien?

Allerdings könne genau dieser Geburtsprozess

wichtig für die spätere

Entwicklung des Kindes sein. Es

gebe Untersuchungen, die einen Zusammenhang

zwischen einem erhöhten

Risiko für Allergien und Immunschwächen

bei Kaiserschnittkindernvermuten.

DerKaiserschnitt

könne zudem auch Nachteile für die

Mutter nach sich ziehen, so die KKH-

Darstellung. Es können im Nach-

gang Komplikationen wie Blutungen

oder Wundheilungsstörungen auftreten.

Gynäkologen, Hebammen

und Schwangere seien inzwischen

für das strittige Thema sensibilisiert.

„Nur bei medizinischer Notwendigkeit

ist die Durchführung eines Kaiserschnittes

sinnvoll. Schwangere

sollten sich gut mit ihrem behandelnden

Arzt oder ihrer Hebamme

beraten und alle Vor- und Nachteile

abwägen“, rät Michael Gärtner von

der KKH in Berlin-Charlottenburg.

Auch die bessere Planbarkeit der

Geburten aufgrund von Personalengpässen

in den Geburtskliniken

gilt nach Angaben der Krankenkasse

als Grund für die hohen Kaiserschnittraten

der vergangenen Jahre.

Laut Bundesgesundheitsministerium

wurde Anfang des Jahres ein

Gutachten zur stationären Hebammenversorgung

in Auftrag gegeben,

das die Versorgungssituation in

Deutschland umfassend darstellen

soll.

Um den Hebammenberuf attraktiver

zu machen und die Personalsituation

in den Kreißsälen zu verbessern,

hat Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) ein Gesetz auf

den Weg gebracht, das die Einführung

eines dualen Studiums für Geburtshelfer

vorsieht. Ob sich die akademisierte

Hebammenausbildung

in Zukunft auch auf die Entwicklung

der Kaiserschnittquote auswirken

wird, bleibt abzuwarten. (BLZ)

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18 * Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Lokalsport

NACHRICHTEN

Lokalderby

der Woche

AKTIVES ABSEITS

Möhrchen

nach dem

Chukker

Ja, beim Polo gehört Körpereinsatz

dazu. Beim Push zum Beispiel,

wenn ein Spieler den anderen mit

dem Einsatz seines oder des Pferdekörpers

abdrängen will. Clarissa

Marggraf sagt, das mache für sie den

Reiz am Polospiel aus.„Es ist eine der

wenigen Sportarten, in der man sich

körperlich mit Männern messen

kann.“ Weil es nicht rein auf die Kraft

ankommt, sondernauf die Symbiose

zwischen Pferdund Reiter.

Marggraf, 30, ist neben Vanessa

Schockemöhle und Thanee Schröder

eine von drei Frauen, die am

Maifeld Cup teilnehmen, bei dem

die Vorrundenspiele an diesem Freitag

auf der Polo- und Reitanlage

Phöben in Werder an der Havel enden

und am Sonnabend und Sonntag

(jeweils ab 12.30 Uhr) auf dem

Maifeld im Berliner Olympiaparkdie

Finalspiele ausgetragen werden. Vier

Chukker ásieben Minuten.

Das High-Goal-Turnier hat sich

zu einem der beliebtesten Polo-

Events entwickelt. „Es ist eines der

schönsten und wichtigsten Turniere“,

sagt Clarissa Marggraf, „die

Atmosphäre ist der Wahnsinn“: viel

Öffentlichkeit, ein Moderator, der

die Partien kommentiert, die historische

Kulisse.„Man stellt sich Polo ja

immer so elitemäßig vor“, meint

Marggraf, „aber wir stehen die

meiste Zeit hinter dem Auto und ziehen

uns um.“ Klar, Polo ist noch immer

ein Männersport. In den acht

Viererteams spielen nur drei Frauen

mit. Clarissa Marggraf nahm voriges

Jahr zum ersten MalamMaifeld Cup

teil. Aber in Deutschland gebe es immerhin

schon eine kleine Nachwuchsszene:

ein großes Mädchenturnier

in Düsseldorf, etliche Mädchen

in Berlin, die schon in jungen

Jahren zu spielen begannen.

Marggraf, die zum Jurastudium

von Bremen nach Berlin zog und

jetzt in der Immobilienbranche arbeitet,

fing als Kind zu reiten an. Sie

favorisierte die Dressur, kam mit einem

Polospieler zusammen, der

nahm sie nach Pilar in Argentinien

mit, in das Land, aus dem die weltbesten

Polospieler stammen.

Dort bekam sie ein Pferd, als im

Camp morgens Hütchen aufgestellt

wurden, das Balltraining begann, die

ersten Chukker gespielt wurden, war

Clarissa Marggraf nicht nur dabei,

sondern mittendrin. Zurück in Berlin

wurde sie vonPolo-Pionierin Marion

Grunow gefördert. Von ihr

kaufte sie ihr erste Polopferd. „Wir

sind keine Pferdequäler“, sagt Marggraf.„Wir

wechseln die TiereimSpiel

mehrmals. Wir wollen, dass sie gesund

bleiben. Und wenn ich zu den

Paddocks gehe,bringe ich ihnen immer

Möhrchen mit.“ Auch am Maifeld

wirddas so sein. (kah.)

Im Angriffsmodus: Clarissa Marggraf auf

einem ihrer Polopferde. INES VON FRANTZIUS

Wahrheiten und Wahrscheinlichkeiten

Kein Schmutz, kein Geld

Gründerväter: ConcordiaWilhelmsruh begann auf Viehwiesen undhat einen Nationalspieler hervorgebracht

VonChristian Schlodder

Denkt man an das lebendige

Gedächtnis eines

Amateurfußballklubs,

stellt man sich gern einen

älteren Herrnvor,der in bierseliger

Runde im Klubhaus von früher

schwadroniert. Bei Concordia Wilhelmsruh

ist das anders.Dortgibt es

ein kickendes Gedächtnis des Klubs.

Es ist die eigene Ü70, die sich jeden

Dienstag zum Trainingsspiel trifft.

Etwa 20 ältereHerrschaften gehören

zum Kern, sagt Fred Krüger, und

stellt fest, dass es ja teilweise schon

eine Ü80 sei. Er selbst hängte vor

fünf Jahren die Schuhe an den Nagel.

Da war er 77. Den Dienstag mit den

alten Mitstreitern lässt er sich dennoch

nicht entgehen. Einer von ihnen

ist Günter Kurz, 84, seit 1847 im

Verein. Mehr als 20 Jahre war er Jugendtrainer.

Altersbedingt aufgehört,

sagt er. Das Kicken lässt er sich

trotzdem nicht nehmen. „Ich habe ja

alle Höhen und Tiefen mitgemacht.“

Generell waren dem Gründungsverein

des DFB die wirklich großen Erfolge

immer verwehrt. Nicht mal nah

dran, wie andereVereine,war man.

Schon in der Anfangszeit rund

um die vorletzte Jahrhundertwende

pendelte Concordia 95 die meiste

Zeit zwischen Zweit- und Drittklassigkeit.

Abhängig war man vonGönnern.

Die ersten Plätze waren gepachtete

Viehwiesen. 1922 fusionierte

der Klub mit Wilhelmsruh 06

und bekam seinen finalen Namen.

Weitere Fusionen mit bürgerlichen

Klubs wurden unterbunden. „Ich

Rahmen: Berlin und Fußball,

das könnte in der Bundesliga,

mit Union und Hertha

wieder eine Erfolgsgeschichte

werden. Berlin und

Fußball, das war schon mal

ein Erfolgsmodell. 26 Klubs

der Stadt zählten dereinst zu

den Gründungsmitgliedern

des Deutschen Fußball-Bundes

(DFB).

mache so eine schmutzige Handlung

nicht mit.Wirbleiben ein Arbeiterfußballverein“,

legt eine Chronik

der Achtzigerjahredem langjährigen

Vorsitzenden Paul Brandenburg in

Mund. Es ist sehr wahrscheinlich,

dass diese Anekdote im Nachgang

ideologisch korrekt gerahmt wurde;

ebenso wie die Geschichte,dass Hertha

BSC einst nicht gegen das zu

„proletige“ CW im Pokal antreten

wollte. „Proletig“ sei CW eigentlich

nie gewesen, sagen die Spieler der

Ü70. Gut gelitten ist Hertha bei vielen

CWerndennoch bis heute nicht.

Einer der größten Erfolge datiert

aus dem Jahr 1950. In der Premierensaison

der zweitklassigen DDR-Liga

trat Concordia in der Südstaffel an –

gegen die Vorläuferklubs von Erzgebirge

Aue, Carl Zeiss Jena, Lok Leipzig

und dem Chemnitzer FC. Viel zu

SERIENHELDEN

Namen: Etliche Klubs haben

sich im Laufe der Jahrzehnte

aufgelöst. Klubs mit wohlklingenden

Namen wie der

BFC Phönix oder der SC Komet,

der BFC Burgund oder

der BTuFC Toscana. Andere

fusionierten. Blau-Weiß 90

etwa entstand aus dem

BTuFC Union 1892 und dem

BFC Vorwärts 1898.

Ahnen: Der BFC Hertha

1892 wurde nach der Fusion

mit dem Berliner SC zu Hertha

BSC und kickt unter diesem

Namen bis heute. Zwei

deutschen Meisterschaften

machen den Fußballklub

zum erfolgreichsten seiner

ArtinBerlin: 1930 und

1931, dazu fünfmal Meisterschaftszweiter,zuletzt

1975.

jubeln gab es nicht. Nach nur einer

Spielzeit verabschiedete man sich in

immer niedrigere Ligen. In der ewigen

Tabelle der DDR-Liga steht Concordia

heute auf Platz 196. Dahinter

folgen nur noch Traktor Groß-Lindowund

LokomotiveMeiningen.

CW war nie an einen Trägerbetrieb

angeschlossen und damit einer

von wenigen Privatvereinen in Ost-

Berlin. Dies bedeutete, dass man

fortan oft nicht mehr konkurrenzfähig

war.„Hier gab’s halt keine Traumtänzer.Das

waren schon alles Gute“,

sagt Horst Lüdicke, ein weiterer

Ü80er,aus dem Hintergrund. ImVerein

ist er seit dem 1. September 1954.

Auch er kickt noch regelmäßig dienstags.

„Die Knochen sind aber nicht

mehr so elegant. Mein Sohn sagt mir

deshalb oft, ich sei bekloppt.“ Auch

Lüdicke ist CWer durch und durch.

IMAGO IMAGES/MATTHIAS KOCH

Ist das der besondere Kick? Der Footballer auf dem Foto trägt zumindest

das Trikot der Berlin Adler.Die sind Tabellenführer in der Regionalliga

Ostund gastieren nun am Sonntag beim Tabellenzweiten Spandau

Bulldogs im Helmut-Schleusener-Stadion an der Falkenseer Chaussee

280 (15 Uhr). Es geht um den Aufstieg in die Zweite Liga, um den ganz

besonderen Kick. Undesgeht um Wahrscheinlichkeiten. Zu 53 Prozent

–das fanden Fans des American Football und der Statistik heraus –haben

die Spandauer den Sieg in der Tasche. Inden zurückliegenden 41

Partien kamen sie auf 35 Siege, zwei Unentschieden, vier Niederlagen

und 1146:391 Punkte. Insgesamt natürlich. Die Gastgeber sind heimstark,

haben seit 14 Spielen in Folge im eigenen Stadion nicht mehr verloren:

Am 10. Juni 2017 unterlagen sie 7:14 den Berlin Bears. Für die

Berlin Adler wirddie Luftveränderung nicht allzu groß sein angesichts

der elf Kilometer langen Anreise. Die auf einem Fahrrad zurückgelegt,

wären ein prima Aufwärmprogramm. Doch die Adler wissen auch so,

wie man rasch in Fahrt kommt. Die jüngsten vier Auswärtspartien haben

sie gewonnen, insgesamt kamen sie dabei auf 183:47 Punkte.Mindestens

28 Punkte erzielten sie bei diesen vier Siegen. Undmal ehrlich:

47 Prozent Siegwahrscheinlichkeit sind ja auch nicht übel. Wie sagte

schon der große Quarterback JoeMontana: DerBall ist ein Ei,und das

Spiel dauertmanchmal etwas länger.Oder war das Sepp Herberger selig?

Egal: DieWahrheit liegt auf dem Platz. Am Sonntag ab 15 Uhr.

„CWer halten zusammen, die rennen

nicht einfach so auseinander.

Undwir können ja auch ein bisschen

was aufbieten“, sagt der 81-Jährige.

Trotz der spärlich gesäten Kluberfolge

in der knapp 125-jährigen Vereinsgeschichte

gab es Concordia-

Spieler,die es weit gebracht haben.

„CW hatte ja auch mal einen Nationalspieler,

einen Torsteher“, sagt

Günter Kurz stolz. DenTraditionalisten

im Klub ist der Name geläufig:

Christian Schmidt. Der kickte von

1909 bis 1912 im Verein. Im April

1910 stand er bei der 2:4-Niederlage

gegen die Niederlande am Platz. Damals

wurde der 21-Jährige zum

Mannschaftskapitän ernannt –und

schrieb sich für lange Zeit in die Geschichtsbücher.

Es dauerte 104

Jahre, bis in Julian Draxler ein Jüngererdie

DFB-Elf als Kapitän anführte.

Auch einen Bundesligaspieler mit

CW-Vergangenheit gibt es: Alfredo

Morales von Fortuna Düsseldorf.

Derverbrachte ein Jahr in Wilhelmsruh.

Die erste Mannschaft der

Schwarz-Weißen allerdings spielt

derzeit in der Kreisliga. Eine Klasse

höher sollte es gehen, sagt Günter

Kurz. Das reiche schon. „CW hat

noch nie Geld gezahlt. Das soll auch

so bleiben“, sagt er.

In der Reihe„Gründerväter“ erschienen:

BerlinerSV92(9. Aug.), SG Nordring (16. Aug.)

Christian Schlodder

porträtiertBerliner Klubs,

die den DFB mit gründeten.

FUSSBALL. DieRegeln sind einfach:

DieSpieler dürfen keinen Privatbesitz

durchqueren. DerBall darfnicht auf

Friedhöfen, Gräbernoder Gedenkstätten

gespielt, nicht in Taschen oder

Rucksäcken versteckt werden.Wenn

ein Torvor 17 Uhrfällt, kommt ein

neuer Ball ins Spiel. So ungefähr funktioniertein

Derby, das DerbyinDerbyshirejedenfalls

mit dem Ursprung

im 12. Jahrhundert, auf das alle anderenDerbyszurückgehen.

Auch die in

der Berlin-Liga, der Derby-Liga

schlechthin. Dortgeltenaberweitestgehend

die Regeln desWeltverbandes

Fifa. Zudem sind Friedhöfe eher selten

ein Problem. Beim Spitzenspiel

vonSparta Lichtenberggegen Stern

1900 im Stadionander Fischerstraße

etwa befindet sich nur ein Recyclinghof

in der Nähe,und das ist ja irgendwie

etwas anderes als ein Friedhof.

Anders als beim historischen Derby

beginnt Sparta gegenStern 1900 nicht

um 14 Uhr, sondernum14.30 Uhr

und endet nicht um 22 Uhr, sondern

nach rund 90 Minuten. Diesollten für

ein paar schöne Derbytorereichen.

Beide Teams haben in den bisher

zwei Spieltagen schließlich je sechs

Treffer erzielt. Dasverspricht gute

Unterhaltung. Es sei denn, jemand

versteckt die Bälle in seiner Tasche.

Lokalrunde

der Woche

FUSSBALL. Großer Beliebtheit erfreuen

sich Derbys auch in der Regionalliga

Nordost, in der ein Drittel

der 18 Teams aus Berlin kommt. So

hat bereits am vorgezogenen sechsten

Spieltag die zweite Mannschaft

vonHertha BSC die Gelegenheit,

sich mit der ersten Mannschaft des

Berliner AK zu messen. Mitjeweils

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Lesen Sie am Wochenende

Reise

Kinderfreundliches Tirol: Wenn

Strandfans in die Berge fahren

Geheimnisvolle Inselwelt: Bei den

Seenomaden im Andamanen-Meer

neun Punkten nach vier Saisonspielen

sind sie die Verfolger vonLok

Leipzig und des BFC Dynamo an der

Tabellenspitzemit jeweils zehn Zählern.

Diese beiden profitieren von

der Erfindung des Fernduells: Die

Leipziger empfangen Optik Rathenowzueiner

Partie,die man selbst

mit größtem Wohlwollen nicht als

Derbybezeichnen könnte,wohingegen

sich der BFC Dynamo bei der

VSG Altglienicke noch eindeutig auf

Berliner Stadtgebiet befindet. Was

dem einen das Lokalderbyist dem

anderen die Lokalrunde: Prost Primus

Lok. Gegen den Drittletzten Rathenowist

das Team klarer Favorit.

ZAHL DER WOCHE

666

ist die Zahl des Tieres, laut Offenbarung

des Johannes in der Bibel und

in der NOFV-Oberliga (Nord). Tierisch

eng geht es an der Tabellenspitze

zu mit Tennis Borussia (6

Punkte), Hansa Rostock II (6) und

Neustrelitz (6). Im Duell der Rostocker

mit TeBe am Freitag (18 Uhr)

treffen Julian Hahnel (Hansa/4 Tore),

Talha Sennur (TeBe/3), Thomas

Franke (TeBe/2) und Henry Haufe

(Hansa/2) aufeinander. Könnte also

eine Offenbarung werden. (cs.)


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 19 *

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Sport

Irgendwas

mit

Wasser

Pita Taufatofua aus Tonga

paddelt bei der Kanu-WM

Pita Taufatofua fiel beim Start fast

insWasser,nach wenigen Metern

war die Konkurrenz enteilt, doch im

Ziel war der „Coconut Fighter“ trotzdem

glücklich. „Ich saß noch immer

im Kanu, und das war eines meiner

Ziele“, sagte der 35-Jährige nach

dem Vorlauf über 200 Meter bei der

WM in Szeged. Dass er Letzter

wurde, war dem Mann aus Tonga

egal. Schließlich hat er längst Tokio

2020 im Visier. Eswäre seine dritte

Olympia-Teilnahme in der dritten

Sportart–nachTaekwondo 2016 und

Skilanglauf 2018. In Rio, vor allem

aber im kalten Pyeongchang war er

als Fahnenträger mit nackter, eingeölter

Brust weltberühmt geworden.

„DreiTeilnahmen in drei Sportarten

– das hat noch niemand geschafft,

glaube ich“, hatte Taufatofua

vor der Reise nach Ungarn gesagt.

Die Wahl seiner neuen Sportart lag

nahe, zumindest in der Gedankenwelt

des Kraftpakets aus dem Pazifikstaat

nahe der Fidschi-Inseln: „Es

sollte irgendwas mit Wasser zu tun

haben. Schließlich gibt es davon in

Tonga genug.“

Dann kam der erste WM-Start

über die kürzest mögliche Distanz.

Taufatofua hatte Mühe, sein Boot in

die Startvorrichtung zu manövrieren,

musste eine Extrarunde drehen.

Das Ziel erreichte er nach 58,19 Sekunden,

fast 25 Sekunden nach dem

Sieger: „Persönliche Bestzeit. Das

war immerhin besser als bei meinem

ersten Taekwondo-Versuch.“

Viele halten Taufatofua für verrückt,

seine Starts für Show.Doch der

in Australien geborene Sportler widerspricht.

Er werde„nicht aufhören

zu versuchen, Menschen zu inspirieren,

die Probleme haben, Schmerzenoder

Depressionen. Siesollen sehen:

Kämpfe,kämpfe,kämpfe,dann

kommst du irgendwann ans Ziel.“

Um sich bei der WM für Olympia

zu qualifizieren, hätte er Platz fünf

belegen müssen. Die Chance war

gleich null. Nunmuss er auf die Kontinentalwettbewerbe

hoffen oder auf

eine Einladung des IOC. (sid)

Olympia-Einmarsch in Rio: Pita Taufatofua

fällt der Welt erstmals auf. IMAGO IMAGES

Alle

wollen

nach Ankara

Volleyballerinen treffen zum

EM-Auftakt auf die Schweiz

V

or der Fahrt anden Vorrundenspielort

Bratislava schnauften

Diagonalangreiferin Louisa Lippmann

&Co. vor der Volleyball-Endrunde

beim Teamabend durch. „Für

uns war es wichtig, dass wir uns als

Team mental auf die EM einschwören“,

sagte Bundestrainer Felix Koslowski.

Seit Mittwoch sind die Deutschen

in der slowakischen Hauptstadt.

Das junge Team ist heiß auf

den Gruppenauftakt am Freitag

(14.30 Uhr/Sport1) gegen die

Schweiz. Erstmals wird die EM von

vier Nationen ausgetragen. In Polen,

der Türkei, der Slowakei und Ungarn

kämpfen 24 Teams um Siege,soviele

wie nie.Ziel ist die Finalrunde in Ankara.

Nach fünften Plätzen 2015 und

2017 wollen die Deutschen mindestens

ins Viertelfinale. (dpa)

Der das Gespräch sucht

Eisbären-Trainer Serge Aubin will seine Spieler verstehen, um gemeinsam voranzukommen

VonBenedikt Paetzholdt, Berchtesgaden

Der Stolz und die Freude

waren unübersehbar.

Die20bis 30 Kinder vom

Eislaufverein Berchtesgaden

hätten glücklicher kaum sein

können, als Serge Aubin sie von der

Umkleidekabine zu den Berliner

Profis aufs Eis führte. Eine halbe

Stunde lang ließen sich die Eisbären

liebend gerne ausspielen. Und ihr

Cheftrainer stand milde lächelnd daneben

und genoss den Kontakt zu

den Einheimischen, der bei einem

Trainingslager sonst eher zu kurz

kommt.

Dieses öffentliche Training in der

bitterkalten Eishalle mit Temperaturen

nur knapp über dem Gefrierpunkt

offenbarte zugleich einen wesentlichen

Charakterzug des neuen

EHC-Bandenchefs. Aubin, 44 Jahre

alt, genießt den Austausch mit Menschen.

Häufig in den letzten Tagen

sah man den Kanadier in intensive

Gespräche mit seinen Spielern vertieft.

Während der ehemalige Cheftrainer

Uwe Krupp bei Ausflügen

dieser Artstets den Eindruck vermittelte,

erster Mann im Eisbären-

Staate zu sein, die Interaktion mit

Spielern aufs Nötigste reduzierte,

gibt sich Aubin als Teamspieler. „Es

ist auch für mich sehr wichtig, dass

ich die Gelegenheit habe, mit allen

zu sprechen. Ich möchte erfahren,

wie sie als Person ticken“, sagt er.

Aubin versteht das Projekt bei

den Eisbären als einen Neustart.

Zum einen persönlich. „Ich musste

zu Beginn des Jahres zum ersten Mal

erfahren, wie es sich anfühlt, gefeuertzuwerden“,

sagt er.Nachdem ihn

der Schweizer Klub ZSC Lions im Januar

vor die Tür gesetzt hatte. Vor

drei Jahren, als die Hamburg Freezers

ihren Betrieb einstellen mussten,

fand er bald eine neue Beschäftigung

bei den Vienna Capitals in Österreich.

Aber das Gefühl der Machtlosigkeit,

dass ein Verein die

Zusammenarbeit stoppt, machte

ihm zu schaffen. „Ich musste erst

mal Kräfte sammeln und mich hinterfragen“,

erzählt Aubin. Aber dann

hätten sowohl die Eisbären als auch

er gemerkt, dass man voneinander

profitieren kann.

Aubin ist aber auch angetreten,

um dem Team einen Neustartzuverpassen.

„Ich weiß natürlich, welche

Rolle die Spieler vorher gespielt haben,

aber ich will mir eine eigene

Meinung bilden, wie ich sie einsetze“,

sagt er. Dass die Erfolgsära

mit sieben Titeln in neun Jahren

Kommunikativ an der Bande: Serge Aubin

Freitag: Für das Wochenende haben sich die

Eisbären mit zwei namhaften Gegnernauf

Testspiele verabredet. Am Freitag ist das

Team vonTrainer SergeAubin zu Gast bei den

Vienna Capitals. Spielbeginn ist um 19.30 in

der Erste Bank Arena in Wien. Für den Gastgeber

ist die Partie die Generalprobe für den

Auftakt in der Champions Hockey League.

NAMHAFTE TESTSPIELGEGNER

DPA/CARSTENSEN

Sonntag: Am Sonntag stellt der Gegner eine

wohl noch größere Herausforderung dar,

handelt es sich dabei doch um Mountfield

HK Hradec Králové. Erst vorwenigen Tagen

schlug der Klub aus der tschechischen Extraligadie

Vienna Capitals 5:1. Für 16 Uhr ist

der Spielbeginn terminiert, Spielortist die

CPP-Arena.

Das Ende der Ausreden

längst vorbei ist, haben mittlerweile

alle im Umfeld kapiert. DasTeamgefüge

entsprechend auszurichten, haben

seine Vorgänger nur halbherzig

versucht. Waszum einen heißt, dass

sich kein Führungsanspruch mehr

aus längst vergangenen Titeln ableiten

lässt.Vorallem lässt Aubin erkennen,

dass die Jugend unter ihm eine

echte Chance bekommt, sich zu beweisen.

Lukas Reichel, 17, dem NHL-

Qualitäten bescheinigt werden, lobt:

„Der Trainer vermittelt, dass er wirklich

an uns glaubt.“

Dass der einstige NHL-Profi Aubin

den Ruf genießt, das Potenzial

bei jungen Eishockeyprofis zu wecken,

zeigte sich an seiner Berufung

in den Betreuerstab der kanadischen

U18-Mannschaft bei der WM im

Frühjahr. „Das war eine großartige

Erfahrung für mich“, erzählt Aubin

beim Gespräch nach dem Abendessen

im Teamhotel Kempinski. „Natürlich

macht es einen Unterschied,

wie du mit Frank Hördler oder einem

18-Jährigen sprichst. Mein Jobist es,

beide Seiten zu verstehen, um gemeinsam

in die gleiche Richtung zu

gehen.“ Bislang kommt seine Artan.

Marcel Noebels lobt, „dass der Konkurrenzkampf

erhöht wurde“.

In der vergangenen Saison spielten

viele Eisbären unter ihren Möglichkeiten,

erfüllten nicht den Führungsanspruch,

den sie für sich beanspruchen.

Neben den Zugängen

birgt eine veränderte Teamchemie

die größten Möglichkeiten, um die

Play-offs ohne Umweg zuerreichen

und sich dann kontinuierlich weiterzuentwickeln

–soformuliert Aubin

das Saisonziel. „Jeder will das letzte

Spiel einer Saison gewinnen, aber

dafür gibt es natürlich keine Garantie.Als

wir in Wien 2017 den Titel gewannen,

haben wir nicht an das Ziel

gedacht, sondern uns jeden Tagneu

den Herausforderungen gestellt.“

Eine der größten Herausforderungen

wird für ihn auch darin bestehen,

die Fans von sich zu überzeugen.

Eine Vergangenheit bei den

Hamburg Freezers ist bei einigen

Hartgesottenen in der Fankurve ein

Makel. Aubin möchte den Zweiflern

mit „schnellem, attraktivem“ Eishockey

begegnen, „und die Fans stolz

machen.“ Und erversichert: „Hamburg

spielt für mich keine Rolle

mehr,ich bin mit meinem Herzen zu

100 Prozent hier in Berlin. Es geht für

mich alleine darum, dass die Eisbärenerfolgreich

sind.“ Im Trainingslager

hat er jedenfalls viel für ein gegenseitiges

Verständnis getan, ohne

das ohnehin kein Erfolg möglich ist.

Um den Anschluss an die englischen Topklubs wiederherzustellen, ist der FC Arsenal voll ins Risiko gegangen

VonHendrik Buchheister,London

Ende Maisah es so aus,als würden

sich die Ambitionen des FC Arsenal

innerhalb von 45Minuten verflüchtigen.

Der Klub aus Nordlondon

war in der Premier League nur

Fünfter geworden, das Endspiel der

Europa League gegen den Lokalrivalen

FC Chelsea in Baku war die letzte

Chance, noch die Qualifikation zur

Champions League zu schaffen. Zur

Pause stand es 0:0, doch in der zweiten

Halbzeit fiel Arsenal in alte Muster

zurück und brach zusammen.

Die1:4-Niederlage war eine Demütigung,

sie belegte, dass der Klub, der

einst unter Arsène Wenger den internationalen

Fußball revolutioniert

hat, nur noch zu Europas B-Klasse

gehört, höchstens. Schwerer noch

als der verletzte Stolz wog allerdings,

dass Arsenal zum dritten Mal nacheinander

die Champions League

verpasste,was eigentlich eine erhebliche

Schwächung auf dem Transfermarkt

im Sommer bedeuten sollte –

und damit die Aussichten weiter verringerte,

irgendwann wieder in die

A-Klasse vorzudringen.

Vordiesem Hintergrund ist es erstaunlich,

was sich zur neuen Saison

bei den Gunners getan hat. Arsenal

hat nach Angaben der BBC insgesamt

155 Millionen Pfund (umgerechnet

knapp 170 Millionen Euro) inneues

Personal investiert, mehr als jeder andereVerein

der Premier League, und

mit dem Geld an offensichtlichen

Schwachstellen im Kader

nachgebessert. Als neuer

Chef der notorisch anfälligen

Innenverteidigung

kam der Brasilianer David

Luiz vom Nachbarn Chelsea.

Für die linke Abwehrseite

warb Arsenal den

hoch talentierten Kieran

Tierney vom FCCeltic ab.

Für die Mittelfeldzentrale

wurde Dani Ceballos von

Real Madrid ausgeliehen, für die Flügel

kam Nicolas Pépé aus Lille,mit 80

Millionen Euro der teuerste Transfer

derVereinsgeschichte.

Josh Kroenke, der Sohn von Klub-

Besitzer Stan Kroenke, hat gerade in

einem Interview mit der BBC erklärt,

warum die Gunners trotz verpasster

Champions-League-Qualifikation

Arsenal-Coach

Unai Emery

AFP/MONIER

umfassend einkaufen konnten. Die

sportliche Leitung, konkretVinaiVenkatesham

(Managing Director), Raúl

Sanllehí (Head of Football) und Trainer

Unai Emery hätten einfach „ihre

Magie angewandt“. Doch mit übernatürlichen

Begabungen alleine ist

der Kaufrausch nicht zu erklären.

„Wir haben gesagt: Lasst uns aggressiv

sein und sehen, was

möglich ist“, sagt Josh

Kroenke und deutet an,

dass die US-amerikanischen

Besitzer auch eigenes

Geld investiert haben.

Nach Jahren der Lethargie

wollen sie eine Aufbruchstimmung

erzeugen.

Kroenke spricht davon,

dass ein Klub wie Arsenal

immer den Anspruch habe,

um die Meisterschaft mitzuspielen.

15 Jahre sind vergangen seit dem

bisher letzten Titelgewinn der Gunners

mit den legendären Invincibles,

und der Wegandie Spitzeist weit. 28

Punkte betrug zuletzt das Defizit gegenüber

Meister Manchester City. In

der neuen Saison soll erst mal die

Rückkehr in die Champions League

gelingen. Davon dürfte die Zukunft

von Trainer Emery abhängen. Er trat

im vergangenen Jahr die Wenger-

Nachfolge an und wurde in seiner ersten

Spielzeit noch mit Nachsicht bewertet.

Nach den Investitionen im

Sommer hat er keine Ausreden mehr.

Der Auftakt zur neuen Spielzeit

macht Mut. Die Mannschaft hat die

ersten beiden Partien gegen Newcastle

United und den FC Burnley

glanzlos gewonnen und ist damit

zum ersten Malseit zehn Jahren wieder

mit zwei Siegen gestartet. Unddas

ohne Mesut Özil. Nach dem Angriff

auf ihn und seinen Mitspieler Sead

Kolasinac gehörten die beiden einstigen

Bundesliga-Profis gegen Newcastle

nicht zum Aufgebot. DiePartie

gegen Burnley verpasste Özil wegen

einer Erkältung. Mittlerweile befindet

er sich wieder im Training, rechtzeitig

zur ersten echten Prüfung der Saison.

An diesem Sonnabend wird

Emerys Mannschaft an der Anfield

Road zum Duell mit Champions-

League-Sieger und Vizemeister FC

Liverpool erwartet. Die Partie wird

zeigen, wie ernst die Ambitionen des

neuen Arsenal zu nehmen sind.

NACHRICHTEN

Werthgewinnt bei der EM

auch den Grand Prix Special

DRESSURREITEN. Isabell Werth, 50,

hat mit ihrer Stute Bella Rose den

Grand Prix Special in Rotterdam gewonnen.

Es war Werths 19. EM-Titel,

bereits am Dienstag hatte sie mit der

deutschen Equipe in der Mannschaftswertung

gesiegt.

US-Sprinter Coleman

droht lange Sperre

LEICHTATHLETIK. Demaktuell

schnellsten Mann derWelt droht Ungemach:

Christian Coleman, 23, hat

offenbar drei Dopingkontrollen verpasst

und muss demnach eine

Sperrebefürchten. DerUS-Amerikaner

soll innerhalb vonzwölf Monaten

drei „Missed Tests“ gehabt haben.

Daskann eine Sperrevon bis zu

zwei Jahren nach sich ziehen.

SC Magdeburg startet mit

Sieg in die neue Saison

HANDBALL. DerSCMagdeburgist

mit einem Heimsieg in die neue Saison

der Bundesliga gestartet. Der

Dritte der Vorsaison setzte sich am

Donnerstagabend mit 38:26 (17:12)

gegen Aufsteiger HBWBalingen-

Weilstetten durch. Bester Werfer bei

EHF-Cup-Teilnehmer Magdeburg

war TimHornke mit sieben Toren.

Russische Sprinterin bricht

zusammen und stirbt

LEICHTATHLETIK. Dierussische

Hürden- und Flachsprinterin Margarita

Plawunowa, 25, ist im Urlaub

bei einem Trainingslauf gestorben.

Siewurde an der Straße in einem

Dorfimwestrussischen Oblast

Tamblowgefunden. Laut Augenzeugen

sei sie zusammengebrochen.

ZAHLEN

Fußball

Bundesliga, 2. Spieltag

1. FC Köln -Borussia Dortmund Fr., 20.30

1899 Hoffenheim -Werder Bremen Sa., 15.30

Fortuna Düsseldorf -Bayer Leverkusen Sa., 15.30

FSV Mainz 05 -Mönchengladbach Sa., 15.30

FC Augsburg -1.FCUnion Berlin Sa., 15.30

SC Paderborn07-SCFreiburg Sa., 15.30

FC Schalke04-BayernMünchen Sa., 18.30

RB Leipzig -Eintracht Frankfurt So., 15.30

Hertha BSC -VfL Wolfsburg So., 18.00

1. Borussia Dortmund 1 5:1 3

2. RB Leipzig 1 4:0 3

3. SC Freiburg 1 3:0 3

4. Fortuna Düsseldorf 1 3:1 3

5. BayerLeverkusen 1 3:2 3

6. VfL Wolfsburg 1 2:1 3

7. Eintracht Frankfurt 1 1:0 3

8. Bayern München 1 2:2 1

8. Hertha BSC 1 2:2 1

10. Bor.Mönchengladbach 1 0:0 1

10. FC Schalke04 1 0:0 1

12. SC Paderborn07 1 2:3 0

13. 1. FC Köln 1 1:2 0

14. 1899 Hoffenheim 1 0:1 0

15. Werder Bremen 1 1:3 0

16. FSV Mainz 05 1 0:3 0

17. FC Augsburg 1 1:5 0

18. 1. FC Union Berlin 1 0:4 0

Zweite Liga, 4. Spieltag

ErzgebirgeAue -VfB Stuttgart Fr.,18.30

Darmstadt 98 -Dynamo Dresden Fr., 18.30

Hannover96-SpVgg Fürth Sa., 13.00

Jahn Regensburg -Arminia Bielefeld Sa., 13.00

VfL Bochum -SVWehen Wiesbaden Sa., 13.00

1. FC Nürnberg -VfL Osnabrück So., 13.30

1. FC Heidenheim -SVSandhausen So., 13.30

Karlsruher SC -Hamburger SV So., 13.30

FC St. Pauli -Holstein Kiel Mo., 20.30

Dritte Liga, 6. Spieltag

FC Ingolstadt -Hansa Rostock Fr., 19.00

Braunschweig -Würzburger Kickers Sa., 14.00

Preußen Münster -KFC Uerdingen Sa., 14.00

SG Großaspach -Viktoria Köln Sa., 14.00

Bayern München II -Chemnitzer FC Sa., 14.00

1. FC Magdeburg -1860 München Sa., 14.00

SV Meppen -CarlZeiss Jena Sa., 14.00

Waldhof Mannheim -MSV Duisburg So., 13.00

SpVgg Unterhaching -Hallescher FC So., 14.00

FSV Zwickau -1.FCKaiserslautern Mo.,19.00


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 – S eite 20 *

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Sport

Will nicht mit seinem Vorgänger verglichen werden: Hertha-Coach Ante Covic

OTTMAR WINTER

„Ich werde Gänsepelle haben, keine Frage“

Ante Covic über langfristige Entwicklungen im kurzlebigen Fußballgeschäft und sein erstes Heimspiel als Cheftrainer von Hertha BSC

Ante Covic, 43, ist seit diesem

Sommer Cheftrainer

von Hertha BSC, auch weil

er –wie Manager Michael

Preetz immer wieder betont – die

DNA des Klubs in sich trägt. Vordem

ersten Saisonheimspiel am Sonntag

gegen den VfL Wolfsburg sprachen

wir mit ihm unter anderem über

seine ersten Erfahrungen in der

neuen Verantwortung und den mitunter

schon nervigen Vergleich mit

seinem Vorgänger PalDardai.

Herr Covic, in Ihrer Karriere gibt es

auch allerlei Brüche. Bevor Sie zu

Hertha BSC zurückkehrten, waren

Siesogar ein Jahr vereinslos.

Ich stand 2002 beim 1. FC Saarbrücken

kurzvor der Vertragsverlängerung

und riss mir dann beim Joggen,

als ich über einen Ast gestolpert

bin, das Kreuzband. Als vereinsloser

verletzter Spieler hast du kaum eine

Chance weiter Fußzufassen. Als ich

wieder gesund war, war ich bereits

mit dem SC Paderborneinig. Trainer

Pavel Dotchev wollte mich unbedingt

haben. Ichwar auch schon auf

dem Weg zur Vertragsunterzeichnung,

als mich Dieter Hoeneß (damals

Hertha-Manager, d.R.) anrief

und sagte: „Junge, dukommst jetzt

nach Hause!“

Demkonnten Sienicht widerstehen?

Gott sei Dank habe ich mich da

wieder für Hertha entschieden. Dort

habe ich dann noch sieben Jahregespielt,

mit fließendem Übergang

zum Co-Trainer. Das war mein Einstieg

in die Trainerkarriere. Dafür bin

ich sehr dankbar. Und trotz vieler

Angebote in den vergangenen Jahren

bin ich bei Hertha geblieben, denn

ich war immer der Meinung, dass

man sich am besten entwickeln und

verwirklichen kann, wenn man auch

langfristig plant.

Wiesehr hat sich Ihr Leben verändert,

seitdem bekannt wurde, dass SieHerthas

neuer Cheftrainer werden?

Ichwerde jetzt häufiger angesprochen,

wenn ich einkaufen gehe.Aber

ich bewege mich ja seit zig Jahren in

meinem gleichen Umfeld, außerhalb

wie auch im Verein, und habe auch

seit vielen Jahren den selben Freundeskreis.

Darunter sind viele, die

nichts mit dem Fußball zu tun haben,

die ich über meine Kinder vor20Jahren

kennengelernt habe. Dass dieser

Kreis anonym ist, darauf lege ich großen

Wert. Man darf imFußball und

im Leben nicht den Blick für die Realität

verlieren. Für mich ist entscheidend,

dass ich mich bei meiner Arbeit

als Person nicht verändernmuss.Ich

werdeimmer so bleiben, wie ich bin.

Ob als Trainer der U23 oder jetzt bei

den Profis. Ich bleibe derselbe

Mensch, auch wenn sich die Wahrnehmung

in Details ändert. Ichmuss

mich für diesen Jobnicht verändern.

Dasist das Schönste für mich. Sobald

ich das Grün des Rasens sehe,bin ich

scharfgestellt. So ticke ich schon immer.

Aber außerhalb des Platzes bin

ich anders.

Ist esfür Sie besonders schwer, das

Erbe vonPal Dardai anzutreten?

Pal hat über viereinhalb Jahre einen

tollen Jobgemacht. Ichbeschäftige

mich aber nicht mit der Vergangenheit.

Man profitiert nicht davon,

wenn man in der Vergangenheit lebt.

Man versucht, sich selbst treu zu

bleiben und seine eigenen Impulse

zu setzen. Jeder Mensch, der voreilig

über mich geurteilt hat, der gesagt

hat, das ist dieselbe Soße wie bei Pal

Dardai, ist nach relativ kurzerZeit eines

Besseren belehrtworden.

Wasmeinen Siemit selber Soße?

Viele haben gesagt, dass bei Pal

und mir dasselbe rauskommt, weil

ich wie auch er vorher Mannschaften

unserer Akademie trainiert habe.

Warum setzt der Verein nicht einen

anderen Impuls. Dahabe ich mich

gefragt: Ihr wisst doch gar nicht, wie

ich arbeite. Ihr wisst doch gar nicht,

ZUR PERSON

Der Spieler: Covic wurde in der Jugend vonHajduk Split ausgebildet. 1991, nachdem seine

Familie vordem Balkankrieg nach Deutschland geflüchtet war,spielte er zunächst für den

Nachwuchs vonHertha BSC, um bereits 1992 zum VfB Stuttgartzuwechseln. Nach seiner

Rückkehr kam er bei Hertha zwischen 1996 und 2000 auf 74 Bundesligaeinsätze.

Der Trainer: 2010 beendete Covic seine Profikarriere, wurde im Anschluss bei Hertha Trainer

der U15. Im November 2013 übernahm er die Zweite Mannschaft vonHertha BSC.C

was ich für ein Mensch bin. Es gibt für

mich auf der ganzen Welt keine zwei

gleichenTrainer.Der eine hat hier seinen

Schwerpunkt, der andere dort.

Vondaher sollte man Menschen Zeit

geben. Dasmeinte ich damit.

Nerven Siedie Vergleiche?

Nein, weil das ja gar nicht geht.

Dann vergleicht man Birnen mit Äpfeln.

Wir sind zwar beide Trainer. Pal

hat sich in seiner Zeit und mit seiner

Art ein gewisses Standing erarbeitet.

Das war eine enorme Leistung über

viereinhalb Jahrebei einem Bundesligisten.

Ichbin erst am Anfang.

Es geht ja dabei nicht in erster Linie

um den Menschen, sondern vielmehr

darum, die Unterschiede in der Trainerarbeit

zu analysieren.

Wir haben beide eine etwas unterschiedliche

Auffassung vom Fußball.

Jeder legt auf etwas anderes

mehr Wert, ohne jetzt zu sagen: Das

ist besser, das ist schlechter. Letzten

Endes befinden wir uns im Profi-

Fußball. Da wird nach Ergebnissen

abgerechnet. Die Tabelle lügt nicht.

Und wir Trainer werden alle daran

gemessen. Nichtsdestotrotz werde

ich alles daran setzen, dass die

Mannschaft jederzeit bestmöglich

vorbereitet ist, damit wir einen ordentlichen

Platz belegen.

Haben Sie ein Ritual vor oder nach

den Spielen? Vielleicht etwas, was Sie

bereits als Spieler schon gemacht haben?

Nein. Das Einzige, was ich als

Trainer anders mache ist, dass ich

wesentlich durchdachter an die Sache

rangehe.Ich gestalte die Abläufe

der ganzen Wochen so, dass ich mit

dem Gefühl ins Spiel gehe,die Hausaufgaben

bestmöglich erledigt zu

haben. Am Spieltag hinterfrage ich

mich noch mal kurz, ob wir rückblickend

in der Vorbereitung auf die

Partie alles gemacht haben. Dann

geh ich mit einem positiven Gefühl

in das Spiel. Ichwerfe den Jungs über

die Woche ein Paar Anker auf den

Platz, an denen sie sich dann im

Spiel festhalten können.

In der ersten Runde des DFB-Pokals

souverän mit 5:1 gegen Eichstätt weiter,

jetzt die große Überraschung mit

dem 2:2-Auswärtserfolg beim FC

Bayern. Es ging gut los. Jetzt kommt

das erste Heimspiel gegen den VfL

Wolfsburg ...

Das erste Heimspiel löst bei mir

noch mal ein zusätzliches Kribbeln

aus. Ich würde lügen, wenn ich das

verneinen würde. Ich bin über 20

Jahre im Verein und werde am

Sonntag erstmals in anderer Funktion

in unser Wohnzimmer gehen.

Man schaut sich um, rechts, links.

Da werden mit Sicherheit Erinnerungen

an die vielen schönen Momente,

die man dort mit anderen

Menschen in der Vergangenheit

hatte, hochkommen. Dass ich

dann auch Gänsepelle haben werde,

keine Frage.

Welche ist Ihre schönste Erinnerung

an das Olympiastadion?

Der 2:1-Sieg im Jahr 1998 gegen

Bayern, der Aufstieg in die Bundesliga,

der Sieg gegen Kaiserslauternin

der Zweiten Liga. Das sind so viele

schöne Momente,die man nicht vergleichen

kann und die unvergesslich

bleiben. Ich war ein Teil davon, ein

Teil der Mannschaft, die diese Stadt

damals für Hertha wieder begeistert

hat. Da ist ein Funke übergesprungen.

Diejenigen, die schon länger

hier sind, wissen, dass Hertha früher

vor gerade mal 4500 Zuschauern

spielte. Doch dann haben wir 1996

ein Feuer entfacht. Jetzt müssen wir

schauen, wie wir die Flamme regulieren

und ob wir sie noch weiter

nach oben peitschen können. Das

wäreschön.

DasGespräch führtenWolfgang Heise

und Sebastian Schmitt.

Vonweißen Fahnen und Roten Laternen

Unions Trainer Urs Fischer sucht unverdrossen den richtigen Wegzuden ersten Bundesligapunkten der Köpenicker

VonMathias Bunkus

Wie Augsburg die herbe 1:5-

Schlappe in Dortmund zum

Liga-Start verarbeitet hat, ist bekannt.

Die bayerischen Schwaben

reagierten auf dem Transfermarkt

und machten auch keinen Hehl daraus,

dass der frühere Leverkusener

Tin Jedvaj sowie der zuvor vertragslose

Stephan Lichtsteiner am Sonnabend

(15.30 Uhr) gegen den 1.FC

Union vor ihrem Debüt stehen,

wenn der Liga-Vorletzte auf den Träger

der Roten Laterne trifft.

Trainer Urs Fischer hingegen

wollte keine Rückschlüsse darauf zulassen,

wie er denn diese Frustbewältigung

angehen wird. Ob es in

Augsburg ein Spiel der zweiten

Chance für die Leipzig-Verlierer geben

wird oder ob er am Personalkarussell

dreht. „Natürlich mache ich

mir Gedanken, den einen oder anderen

Wechsel vorzunehmen“, sagte

Fischer und betonte nahezu im gleichen

Atemzug, dass es aber Situationen

gebe, indenen ein Spieler nach

einer schlechten Leistung eine neuerliche

Bewährungsprobe verdient.

„Der Start war nicht gut, das ist

uns allen bewusst. Du hast Fehler gemacht,

die du auf dem Niveau nicht

machen darfst. Aber irgendwie die

weiße Fahne schwenken, nach nur

einem Spiel, daran verschwende ich

keinen Gedanken“, so Fischer. Die

Last des Favoriten verordnete der

Fußballlehrer aufseiten der Gastgeber.

Weil sie seit zehn Jahren in der

Ersten Liga sind und einige Stürme

dortgewetterthaben.„Ein Sieg ist für

sie Pflicht. Es liegt allein an uns, ob

wir ihnen das Leben schwermachen

können.“

Unabhängig davon, dass er von

seinen Jungs mehr Gedankenschnelle

fordert, was zum Leidwesen

des 53-Jährigen im Training schwer

zu simulieren ist, dürfte er schlussendlich

doch ein wenig am Feintuning

der Startelf arbeiten. So sollte

der Einsatz von Sheraldo Becker

nicht verwundern. DerNiederländer

hatte gegen Leipzig durchaus für

Schwung gesorgt nach seiner Hereinnahme

für Suleiman Abdullahi.

Zudem deutet einiges auf den Einsatz

von Marcus Ingvartsen hin, der

ja in der Vorbereitung zu gefallen

wusste. Dadurch könnte Christian

Gentner eine Position nach hinten

rücken, als Partner von Grischa Prömel

auf der Doppelsechs auflaufen.

Leidtragender wäreindem Fall dann

RobertAndrich.

Dass Union als Lernender in der

Liga, in der es sich schnellstmöglich

zu „adaptieren“ gelte, Erfahrung benötige,

wies er zwar nicht zurück,

doch sei das nicht der allein seligmachende

Weg. Wasdaher nicht für das

Debüt von Neven Subotic spricht.

„Ich glaube, niemand kann besser

beurteilen wie wir im Team, wo er

sich befindet auf dem Weg zurück.

Jetzt war er erst einmal auf der Bank

und dann schauen wir mal, wie es

weitergeht“, so Fischer.

Vielleicht kommen die Eisernen

einfach schon dadurch besser ins

Spiel, dass dieser Auftritt im Bayernland

nicht so total überfrachtet wird

wie das Bundesliga-Debüt als solches

zuvor. Die angespannten Nerven

dürften also etwas weniger strapaziert

sein als noch am Wochenende.

„Wir haben“, so Fischer, „die

Möglichkeit zu zeigen, dass wir es

anders können.“


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

In Paris eröffnet ein

Museum der Résistance

und der Befreiung

Seite 22

„Jeff Tweedy ist eine Schlüsselfigur,die keiner kennt.“

Frank Junghänel über die Biografie des amerikanischen Independant-Musikers Seite 23

Sprache sprechen

Ick verstah

dat nich

Ulrich Seidler

sieht Übertitel im Theater

nicht nur positiv.

Theater,die etwas auf sich halten,

betreiben eine Übertitelungsanlage.

Inzwischen werden standardmäßig

die auf der Bühne gesprochenen

deutschen Dialoge für das englischsprachige

Publikum übersetzt.

Und wenn, was immer häufiger der

Fall ist, die Figuren auf der Bühne

eine andere Sprache sprechen (oder

singen), lässt sich die deutsche

Übersetzung einblenden. So kennt

man es aus den Opern, die das schon

längst eingeführthaben. DieVorteile

liegen auf der Hand –bis dahin, dass

man Nuscheltext gegebenenfalls in

einer Fremdsprache nachlesen

kann. Dennoch hat Michael Lang,

der Intendant des Hamburger Ohnesorg-Theaters

solcheWünsche abgeschmettert.

Übertitel, sagte er der

Deutschen Presse-Agentur, kämen

für sein Haus, indem Plattdeutsch

gespielt wird, nicht infrage.Warum?

Das eher auf Unterhaltung zielende

Ohnesorg-Theater führteinen

literarischen Grund an. Die Stücke

lebten vom Wortwitz, es wäre

schade, wenn der halbe Saal schon

lacht und die andere Hälfte erst,

wenn sie die Pointe gelesen hat –

wenn sie überhaupt mit dem Lesen

hinterherkommt, weil die Dialoge

oft in hohem Tempo geführtwürden.

Das ganze Timing – letztlich der

Herzrhythmus vonBoulevardhumor

und Komödie –würde ins Stottern

kommen und abgewürgt werden.

Nichts sagt Lang dazu, dass Übertitel

sowieso in die dramatische

Grundabmachung pfuschen und die

Illusion verletzten, dass die Figuren

auf der Bühne das sagen, was ihnen

im Moment und in der konkreten

Spielsituation einfällt. Gut, das guckt

sich vielleicht weg. So wie man ausblendet,

dass es meist auswendig gelernter

Text ist, der gesprochen wird.

Aber übt die Titelei nicht auch Druck

auf den Spieler aus, der sich nicht

dem Flow hingeben, das Tempo und

vielleicht sogar den Text der Situation

anpassen darf, sondernmit dem

Wissen spielt, dass, was er spricht,

per Übertitel kontrolliert werden

kann? Ickweeß nich (I don’t know).

Ungestörte Vielfalt

Viel Programm, Inklusion und kein BDS: So war der Eröffnungstag des Pop-Kultur-Festivals

VonJohannes von Weizsäcker

Noch mehr als in den Vorjahren

wird beim Pop-

Kultur-Festival auf Inklusion

geachtet. Das Kopfsteinpflaster

der Kulturbrauerei

wurde mit barrierefreien Boden belegt,

und für viele Darbietungen gibt

es Gebärdensprachendolmetscher,

was übrigens oft eine visuelle Bereicherung

darstellt, da viele der Übersetzerinnen

auch emotionale Instrumentalpassagen

in Gestik und Mimik

wiedergeben.

So erhielt die eher etwas inhaltsleere

Darbietung von Fabian

Altstötter aus der ehemaligen Band

Sizzar, der nun unter dem Namen

Jungstötter auftritt, doch ein wenig

von der emotionalen Dringlichkeit,

die sie benötigte.Jungstötters Orientierung

an Nick-Cave-Balladen und

dem Spätwerk des kürzlich verstorbenen

Mark Hollis von Talk Talk

wurde von den Musikern fachgerecht

umgesetzt, allein mangelte es

Altstötter an der für die Erbauung

der Zuhörer essentiellen Zerrissenheit

jener Finster-Pop-Vertreter.

Aber man kann der Jugend ja

schlecht sagen, sie solle gefälligst wieder

mehr Heroin nehmen, um bessereMusik

zu machen! Undauch klaren

Kopfes lässt sich aufwühlendes

Geräusch erzeugen; z. B. beim Projekt

Rosacea der Hamburger Klangkünstlerin

Leyla Yenirce, die sich in Noise-

Collagen mit dem Genozid an der jesidischen

Bevölkerung durch den IS

auseinandersetzte. Zuvor, bei der Eröffnungsfeier,hatte

Yenirce,die beim

Festival einen Workshop leitet und

heute mit ihrer Band OneMother auftritt,

in einer kurzenAnsprache bestätigt,

wie wichtig Kontakt zu anderen

Kulturschaffenden sowie „Menschen

mit Macht“ seien.

Kritiker hatten mehrfach bemängelt,

Pop-Kultur nutzedie reichhaltigen

Senats- und Bundesmittel vorallem,

um Berliner Kulturmanagern

ein Stelldichein mit Freigetränken zu

finanzieren, bei dem dann Acts zu

sehen seien, die in schöner Regelmäßigkeit

in der Stadt auftreten. Sinnvoller

sei stattdessen eine langfristige

Förderung lokaler Künstler.

Aufdie Konsumenten vonFreigetränken

wirkte die Mitteilung von

Kultursenator Klaus Lederer, dass

die Förderanteile des Bundes für

Heißblütig und divenhaft kalt: Anna Calvi im Kesselhaus.

Das Festival Die Nachfolgeveranstaltung

der Berlin Music

Week wird 2019 zum

fünften Mal vomMusicboard

Berlin organisiert, es kuratierten

Katja Lucker,Martin

Hossbach, Christian Morin.

POP-KULTUR 2019

Programm Bis einschließlich

Sonnabend wird die gesamte

Kulturbrauerei bespielt,

mit Kesselhaus, Maschinenhaus,

Frannz etc.,

alle Informationen unter

www.pop-kultur.berlin

ROLAND OWSNITZKI

Talk Extra hingewiesen sei

auf das Gespräch über „Die

Notwendigkeit eines unabhängigen

Musikjournalismus“

in Zeiten der sozialen

Medien, heute, 19 Uhr,im

Haus für Poesie.

2020 noch nicht gesichert seien, ein

wenig besorgniserregend. Aber eben

vor allem deshalb, weil die diesjährige

Zahl an Vorträgen, Workshops,

Auftragsarbeiten (wie der von Rosacea)

und Residenzen darauf hinwies,

dass die Festivalleitung unter Katja

Lucker,Martin Hossbach und Christian

Morinbei der Planung doch primär

die Musik im Sinn hatten.

Hochtemperiert war die Stimmung

im Kesselhaus beim Konzert

von Anna Calvi, die sich heißblütig

und zugleich divenhaft kalt inszenierte

und dazu die Post-Blues-Gitarre

emotional dengeln ließ. Zuvor

hatte Mykki Blanco lilabekleideten

Post-Gender-Rap geboten und dabei

das Kesselhaus gut aufgemischt. Auf

abgründigeWeise verhaltener hingegen

der Wiener Lo-Fi-Rap der Klit-

Clique im Rambazamba-Theater.

Wie die beiden Protagonistinnen zu

verhallten Trap-Beats Feminismus,

Trap-Klischees und Selbstzweifel zu

einem komischen und doch bewegenden

Ganzen zusammenklebten,

gehörte zu den Highlights dieses ersten

Abends.

Weniger subversiv ging es bei der

Darbietung der weißrussischen

Band Molchat Doma zu, ebenso bei

der TelAviver Musikerin Chen Steinberg

alias Xen. Durch die Unterstützung

israelischer Künstler wurde die

israelische Botschaft zur Kleinsponsorin

des Festivals, was erneut die

anti-israelische BDS-Kampagne auf

den Plan rief. Zwar gab es diesmal

keine durch den BDS erwirkten Absagen

vonBands oder gar Störungen

vonVeranstaltungen. Doch hatte die

Festivalleitung alle angefragten

Künstler vorab informiert, dass eine

Mitfinanzierung durch die israelische

Botschaft und somit ein BDS-

Aufruf zum Boykott wahrscheinlich

werde, sodass einige angefragte

Künstler frühzeitig über ihre Teilnahme

befinden konnten.

Wie dem auch sei, die Inklusion

ließ sich ohne BDS-Protest ungestörter

betonen, nicht zuletzt durch die

Komprimierung vonWagners „Ring“

in eine einstündige Sci-Fi-Trash-

Pop-Oper durch Jens Friebe und 21

Downbeat, die Band des inklusiven

Ramabazamba-Theaters: keine

ewige Melodie, keine aufreibende

Harmoniekomplexität, dafür den

Walkürenritt als Country-Thema àla

„Raw Hide“. Toll!

NACHRICHTEN

Schlagertexterin Irma

Holder gestorben

Sieschrieb Hits wie „Hello Again“

und textete Schlager für Michelle

und Heino,Freddy Quinn und Udo

Jürgens: Nunist die Schlagertexterin

Irma Holder im Alter von93Jahren

im baden-württembergischen Gärtringen

gestorben. Dies teilte das

Standesamt des Ortes am Donnerstag

mit. Holder,die rund 1000 Titel

in Wortegefasst hat, starb bereits am

16. August. Hunderte ihrer Songs

konnten sich in den Charts platzieren.

2017 wurde sie mit dem Deutschen

Musikautorenpreis geehrt.

Diegelernte Bankkauffrau schrieb

für RoyBlack, Tommy Steiner oder

KarelGott. „Und morgen früh küss’

ich Dich wach“ vonHelene Fischer

stammt auch aus ihrer Feder. (dpa)

Filmpreis für Dokumentation

„Kulenkampffs Schuhe“

DieFernsehdokumentation „Kulenkampffs

Schuhe“ wirdindiesem Jahr

mit dem Preis CLIO für den besten

Film zu einem historischen Thema

ausgezeichnet. DieEhrung erfolgt

im Rahmen des Festivals Moving

History, das in Kooperation mit der

Filmuniversität „Konrad Wolf“ in Babelsbergstattfindet.

In ihrem Film

behandelt die Autorin und RegisseurinRegina

Schilling das Beschweigen

vonNationalsozialismus und

Kriegserfahrung in der Bundesrepublik

der 50er-bis 80er-Jahre. Sieverknüpft

dabei ihreFamiliengeschichte

mit den Unterhaltungsshows im

Fernsehen dieser Zeit. (BLZ)

Deutscher Filmpreis künftig

auch für visuelle Effekte

Von2020 an wirdKulturstaatsministerin

Monika Grütters den Deutschen

Filmpreis auch in der Kategorie„Beste

visuelle Effekte und Animation“

vergeben. Dies hat Grütters

gemeinsam mit der Deutschen Filmakademie

beschlossen. Visuelle Effekte

(VFX) gehörten zum Standardrepertoireder

Filmproduktion und

würden immer wichtiger,soGrütters.Das

mit der Auszeichnung verbundene

Preisgeld von10000 Euro

solle zudem einen finanziellen Anschub

für VFX-Innovationen made

in Germany ermöglichen. (BLZ)

UNTERM

Strich

Unsere Lehrer

Frau Freya:

Kunst

VonKaroline Klemke

ImNachhinein denke ich, Frau Freya hatte

nicht den leisesten Schimmer davon, wie

wichtig sie für mich war.Inihrem Unterricht

quälte ich mich, Woche für Woche, Jahr für

Jahr.Sie trug schwarze Künstlerkleidung und

Schlafzimmerblick. Und ich trug den Nachnamen

eines Mannes, der alles illustrierte

und bemalte,was nicht bei drei auf den Bäumen

war. Bücher, Grußkarten, Theaterkulissen,

Briefmarken, Zeitschriften, Tücher, Servietten.

Alle in der Familie waren so beschäftigt

damit, irgendetwas grafisch zu gestalten,

dass niemand auch nur im Entferntesten

daran dachte, den Kindern Zeichnen beizubringen.

Wirsahen zwar fast jeden Tagdabei

zu, aber das war einschüchternd.

Genau fünf Pinselstriche brauchte mein

Großvater, umeine Frau mit Katze auf einer

Blumenwiese zu zeichnen. In Briefmarkengröße.Wenn

ich etwas zeichnete, warf ereinen

Blick darauf und sagte: „Sehr schön. Das

machst du jetzt noch dreihundertmal.“ Das

war mir entschieden zu viel, und ich stellte

meine Versuche bis auf weiteres ein.

Nur imKunstunterricht malte ich noch.

Die Themen wechselten. Porträt, Plakat,

Stillleben. Und vielleicht war es Konzept,

vielleicht Mutlosigkeit. Aber nie gab es auch

nur eine einzige handwerkliche Anleitung.

So etwas wie: Die Augen liegen etwa in der

Mitte des Kopfes,und die Iris ist nie als voller

Kreis zu sehen, sondern immer angeschnitten.

Wir sollten uns ausdrücken. Ganz frei,

ohne Regeln. Es war die Hölle.

Ich erinnere mich an ein einziges Mal,

dass sie etwas erklärte. Sie wies uns auf ein

Wandbild hin.„Seht mal, die Lichtpunkte auf

den Kirschen. So wirken sie runder.“ Aha. Ein

NADIA BUDDE

heller Farbtupfer an der richtigen Stelle.Und

einen Moment hatte ich Hoffnung.

Doch die hielt nur kurze Zeit. Später lautete

das Thema „sozialistische Produktion“.

Ich zeichnete eine verbeulte Schüssel. Sie

beugte sich von hinten über mich und sagte

es. Den Satz, den ich hundertmal selbst gedacht

hatte.Ich höreihreStimme noch heute:

„So begabt, wie dein Großvater, bist du wirklich

nicht.“ Halblaut mit einem leichten Seufzen.

Ichlegte den Bleistiftbeiseite und für eine

halbe Sekunde hoffte ich, es würde noch ein

Nachsatz kommen. EinAusweg. Eine Rettung

Aber sieschwieg. Du brauchst es gar nicht erst

versuchen. Es ist sinnlos.

Zehn Jahrelangnahm ich nach der Schule

keinen Stift mehr in die Hand. Mein Kunstlehrer

im Abitur war ein alter kahlköpfiger

Mann, der einen weißen Kittel trug. Er

scherte sich nicht um Talent.„Man muss sich

erlauben, es richtig zu versauen.“ Wir durften

unsere Projekte selbst wählen. Nur einmal

im Monat mussten wir in den Unterricht

kommen, und unsereArbeiten vorlegen. Wir

lachten und glaubten, er habe keine Lust zu

unterrichten. Und dann liefen wir stundenlang

durch die Stadt und fotografierten das

Berlin zurWendezeit. Dieverschrotteten Trabis

auf der Straße, die wütend Diskutierenden

beim Abriss des Lenin-Denkmals. Bis

tief in die Nacht saßen wir in der Dunkelkammer.Von

fünfzig Fotos wurde eines gut.

Das zeigten wir ihm. Er sah sich das Bild

lange an und nickte.Ohne dass wir es merkten,

gab er uns eine Stimme.Ich war befreit.

Jahrespäter erfuhr ich, wie Frau Freya gestorben

war. Und es gab ein spätes Verstehen.

Ich war damals unglücklich und hätte

nur etwas Ermutigung und Anleitung gebraucht.

DaswäremeinAusweggewesen.Sie

hat ihn mir nicht vorenthalten, sondern nur

selbst nicht gefunden.


22 Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Feuilleton

Kleider der Hoffnung

Vor75Jahren kapitulierten die deutschen Besatzer in Paris. Dort eröffnet jetzt ein neues Museum, das vor allem der Résistance und zweier Männer gedenkt

VonBirgit Holzer

26. August 1944: Einen Tagnach der Kapitulation der deutschen Besatzer begrüßen Pariser Frauen Angehörige der US-Armee auf der Champs-Éysées. AFP

Paris wurde beleidigt. Paris

wurde gebrochen. Paris

wurde gequält. Aber Paris

ist befreit! Befreit durch

sich selbst, befreit durch sein Volk

mithilfe der französischen Armee

und mit der Unterstützung vonganz

Frankreich.“ Die triumphierenden

Worte von Charles de Gaulle bei seiner

berühmten Rede am 26. August

1944, einen Tagnach der Kapitulation

der deutschen Besatzer, die er

vordem Pariser Rathaus hielt, gehören

zum französischen Kulturgut.

Zuvor war der Chef des „Freien

Frankreich“, der während des Zweiten

Weltkriegs vom Londoner Exil

aus den Widerstand organisiert

hatte, unter dem Jubel begeisterter

Menschen die Champs-Élysées hinuntergezogen.

Indem de Gaulle in seiner Rede

die Bedeutung der Alliierten bei der

Befreiung von Paris überging und

diese ganz als französischen Erfolg

darstellte,legte der späterePräsident

den Grundstein für den stolzen Mythos

eines stets souverän gebliebenen

Frankreich sowie für seinen eigenen

Ruhm. Dieser lebt bis heute

fort, auch wenn Historiker die Hintergründe

längst aufgearbeitet haben.

Demnach planten Briten und

Amerikaner die Einnahme der französischen

Hauptstadt zu einem späteren

Zeitpunkt, während de Gaulle

stark dazu drängte, der einen Bürgerkrieg

fürchtete.

Als die Résistance ab 19. August

1944 einen bewaffneten Aufstand organisierte,

wurden schließlich alliierte

Truppen zu deren Unterstützung

geschickt. So bestand die erste

Einheit, die in Pariseintraf, nicht aus

Franzosen, sondern aus Spaniern.

Als Militäroperation vongroßer strategischer

Bedeutung gilt die Befreiung

der Stadt, die Hitler zerstört sehen

wollte, nicht. Ein weltweites

Echo erzeugte sie vielmehr aufgrund

ihrer symbolischen Kraft.

Zum 75. Jahrestag an diesem

Sonntag eröffnet in Paris das Musée

de la Libération (Museum der Befreiung),

das der Besatzungszeit, der Résistance

und vor allem zwei ihrer

herausragenden Persönlichkeiten

gewidmet ist: Zum einen Jean Moulin,

dem Koordinator des inneren

Widerstands gegen das mit den Nazis

kollaborierende Vichy-Régime,

der 1943 bei Lyon festgenommen

wurde und nach grausamer Folter

starb. Zum anderen Philippe de

Hauteclocque, der unter seinem

Tarnnamen General Leclerc mit

Truppen afrikanischer Kolonien die

Sahara bis zum Mittelmeer durchquerte,sich

an der Landung der Alliierten

in der Normandie beteiligte

und am 25. August in Paris eintraf.

Das Ziel des Museums bestehe

darin,„dem Publikum eine entscheidende

Seite der Geschichte Frankreichs

über den Weg dieser beiden

sehr verschiedenen Männer nahe zu

bringen“, sagt Museumsdirektorin

Sylvie Zaidman.

Während die Kollaboration, die

aktiveTeilnahme an der Judenverfolgung

und die Massenfestnahmen

bei der Razzia am Wintervelodrom

durchaus zu Wort kommen, liegt der

größere Fokus auf der Résistance.

Erstmals kann der Bunker 20 Meter

unter Straßenniveau besichtigt werden,

in dem HenriRol-Tanguy,einer

der Résistance-Chefs, ab20. August

1944 seinen Kommandoposten eingerichtet

hatte – samt Fahrrädern,

um notfalls Strom erzeugen zu können.

Neben Videos von Zeitzeugen,

Zeitungstitelseiten oder Plakaten

nimmt der Alltag der Pariser Bevölkerung

im Zweiten Weltkrieg viel

Raum bei der Dauerausstellung ein.

Die deutschen Besatzer, die sich

in den schicksten Hotels der Stadt

eingerichtet hatten und das Kulturangebot

genossen, wurden von den

meisten Menschen demnach mehr

schlecht als recht erduldet. Sie warteten,

so wie Marguerite Sabaut, die

sich in dieser Zeit ein Kleid in den

Farben der französischen Trikolore,

bedruckt mit Symbolen wie dem Eiffelturm,

schneiderte, in der Hoffnung,

es einmal tragen zu können.

Was sie auch tat – am 26. August

1944, als sie in der Masse stehend

Charles de Gaulle zujubelte.

Alle Informationen:

www.museeliberation-leclerc-moulin.paris.fr

Eine Spur der Zerstörung

Ausländische Museumsdirektoren sollten Italiens Museen moderner machen. Nun verlassen sie allerdings das Land

VonAnnette Reuther

Cecilie Hollberg hat Michelangelos

David-Skulptur umsorgt und

umhegt. Siehat das Museum, in dem

eines der bekanntesten Kunstwerke

der Welt steht, ins 21. Jahrhundert

befördert und gegen lähmende Bürokratie

gekämpft. In die Galleria

Dell’Accademia in Florenz kamen in

den vergangenen vier Jahren mehr

Besucher als jemals zuvor. Doch der

scheidenden Regierung in Rom gefiel

ihr Vorgehen offenbar nicht. Nun

wurde Hollbergentlassen. Undsie ist

nicht die einzige ausländische Museumsdirektorin,

die Italien verlässt.

„Es ist alles so absurd, im Juni wurde

mir noch eine Verlängerung angeboten.

Man hat mir keinerlei Begründung

für die jetzige Entscheidung

genannt“, sagt die Historikerin aus

Niedersachsen der Deutschen

Presse-Agentur.

Die Galleria soll nun mit der Gemäldegalerie

der Uffizien in Florenz

zusammengelegt werden. DieRegierung

aus Fünf-Sterne-Bewegung

und rechter Lega habe„eine Spur der

Zerstörung“ hinterlassen, indem ihrem

und anderen Museen Autonomie

genommen wurde, sagt Hollberg.

IhrVertrag lief noch bis November,

Ärger gab es allerdings schon

länger. Kulturminister Alberto Bonisoli

von der Fünf-Sterne-Bewegung

soll über die Besetzung eines Postens

entscheiden. Offenbar gilt das

aber nicht in Italien, wo seit Sommer

vergangenen Jahres eine Regierung

am Werk war, unter der Nationalismus

salonfähig wurde.Vor allem der

Innenminister Matteo Salvini verbreitet

unter großem Beifall des Volkes

den Slogan „Italiener zuerst“.

„Die Töne gegen uns Ausländer

sind immer rauer geworden. Wir ijsind

nicht mehr erwünscht“, sagte

der Österreicher Peter Assmann, der

das Museum im Palazzo Ducale in

Mantua leitete.„Auf einmal heißt es

überall ,Italia nostra’,,Unser Italien’,

führte er im Magazin Spiegel aus.

„Ich sehe Parallelen zur Machterhielt

nichts von der Reform seines

sozialdemokratischen Vorgängers.

Mit dieser wurden vor vier Jahren

erstmals ausländische Direktoren in

Italiens größten staatlichen Museen

zugelassen. Eine Revolution in einem

Land, in dem Ministerialbürokratie

den Sprung in die Moderne oft

verhinderthatte.

Die Kritik war damals groß. Aber

in welchem modernen Land gibt es

das eigentlich noch, dass darüber

diskutiertwird, ob ein Deutscher,ein

Engländer, ein Amerikaner oder ein

Italiener ein Museum besser führen

kann? Der Kunstbetrieb ist seit langem

vor allem eines: international.

Die Qualität, nicht die Nationalität,

greifung der Faschisten vor dem

Zweiten Weltkrieg. Salvini posiert

und redet wie Mussolini.“ Auch Assmann

verlässt Italien, er geht im November

nach Innsbruck.

Einanderer Deutscher,der Italien

den Rücken kehrt, ist der Kunsthistoriker

Eike Schmidt. Er verlässt die

Uffizien in Florenz und wechselt ans

Kunsthistorische Museum in Wien.

Die Entscheidung hat er allerdings

schon vor rund zwei Jahren gefällt –

also vor dem Antritt der Populisten-

Regierung. Hingegen wurde der Vertrag

des deutschen Archäologen

Gabriel Zuchtriegel bei der Ausgrabungsstätte

Paestum verlängert. Unklar

ist nun, was mit der „Gegenreform“

von Kulturminister Bonisoli

passiert: Italien steckt in einer Regierungskrise.

Die Allianz aus Sternen

und Lega ist diese Woche geplatzt.

Eine neue Regierung ist noch nicht

in Sicht. Es könnte also durchaus die

Gegenreform der Gegenreform geben.

Hollberg vermutet, dass die

scheidende Regierung noch schnell

dasWerk derVorgängerregierung zunichte

machen wollte. „Politik und

Kultur haben nichts miteinander zu

tun“, sagt Hollberg. „Kultur braucht

Kontinuität und kann nicht an Politik

gebunden sein.“ Vorallem nicht

in Italien, wo Regierungen so häufig

wechseln. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 23

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Feuilleton

Von

Müttern

und Töchtern

Cover-Abend: Lisa Bassenge

in der Bar jeder Vernunft

VonTorsten Wahl

Über den Titel sollte sie noch mal

nachdenken. „Mothers“ hat

Lisa Bassenge ihr neues Programm

genannt, das nächstes Jahr als Album

erscheint und das sie in der Bar

jeder Vernunft erstmals präsentierte

–imPublikum auch ihre Mutter, die

aus dem Iran stammt. Doch nicht

um die gebärenden Frauen soll es

gehen, sondern um Songwriterinnen,

die sie geprägt haben, erklärtsie

zu Beginn. Das erste Stück „Joanna“

stammt von Popdiva Lady Gaga, die

deutlich jünger ist als Lisa Bassenge.

Später singt Bassenge,die selbst drei

Kinder hat, noch das Stück „All The

Good Girls Go To Hell“ vomUS-Teenie-Star

Billie Eilish –die könnte ihre

Tochter sein. Mehr als hundertJahre

älter dagegen ist der Folkklassiker

„Freight Train“ vonElisabeth Cotten.

DieOriginale der Mütter,Schwestern

und Töchter schlagen auch stilistisch

einen weiten Bogen, vom

Country der Loretta Lynn bis zum

Dance-Pop von Robyn. In der Interpretation

von Lisa Bassenge aber

werden sie alle zu ihren eigenen,

meist melancholisch eingefärbten

Stücken. Im Verlaufe ihrer fast 20-

jährigen Karriere, in der sie auch mit

eigenen Songs bekannt wurde, war

sie meist zwischen Elektro-Pop,

Chanson und Blues zu Hause –aktuell

hat sie ihren Balanceregler wieder

weit in Richtung Jazz geschoben.

Mitdem dänischen Kontrabassisten

Andreas Lang, mit dem sie auch

verheiratet ist, und dem schwedischen

Pianisten Jacob Karlzon hat

sie zwei Begleiter gefunden, die die

Essenz der Songs herausarbeiten.

Das gelang ihnen schon beim stilistisch

ähnlichen Vorgängeralbum

„Borrowed And Blue“ –diese Stimmungslage

passt auch zu „Mothers“.

Live darf vor allem Karlzon seinem

Virtuosentum freien Lauf und mit

hämmernden Soli die Songstrukturenweit

hinter sich lassen.

Kann sich an Joni Mitchell messen:

Lisa Bassenge.

DOVILE SERMOKAS

Lisa Bassenge klebt mit den Augen

anfangs am Textbuch und ihre

Moderation wirkt unfertig. Das wird

sicher noch gelassener,und schon in

der zweiten Hälfte des Abends kann

sie sich auch in eigene Lieblingsnummern

hineinlegen, etwa in

„Why“ vonAnnie Lennox, dem wohl

bekanntesten Stück ihrer„Mothers“-

Auswahl. Hier hat man auch mal die

Chance, die bekannte Version im

Kopf mit der Interpretation von

Bassenge zu vergleichen –das macht

ja den Reiz eines Cover-Abends aus.

Dass Lisa Bassenge den Abend

mit zwei Stücken von Joni Mitchell

beschließt, auf „Song To Seagull“

folgt„Woodstock“, deutet an, dass ihr

diese musikalische Mutter vielleicht

am nächsten –und sie ist eine der

wenigen Sängerinnen in Deutschland,

die sich an ihr auch messen

kann. Zugleich lädt „Mothers“ zu einer

Entdeckungsreise ein: Am nächsten

Morgen werden wohl viele bei

Spotify nachhören, wie die Originale

von Irene Kitchings oder Janis Ian

überhaupt geklungen haben.

Lisa Bassenge: Mothers 23.8., 20 Uhr,

Bar jeder Vernunft, Schaperstr.24

Da sein

Jeff Tweedy,Kopf der Alternativrockband Wilco, blickt auf die ersten fünfzig Jahre seines Lebens zurück

VonFrank Junghänel

Was Jeff Tweedy von

anderen Rockstars

unterscheidet, ist die

Tatsache, dass er

kein Rockstar ist. Er ist Songwriter,

Musiker,Sänger und Frontmann der

Rockband Wilco,mit der er ein gutes

Dutzend Platten aufgenommen hat.

Er ist zudem als Solist aktiv, betreibt

etliche Nebenprojekte und musiziert

mit seinen Söhnen Spencer und

Sam. Als Produzent hat er drei Alben

der Soulikone Mavis Staples betreut,

er war mit dem Folkheroen Richard

Thompson im Studio und hat einen

Stapel Liedtexte vonWoody Guthrie

vertont. Jeff Tweedy ist seit mehr als

einem halben Jahrhundert eine

Schlüsselfigur der amerikanischen

Independent-Szene,aber im Grunde

genommen kennt ihn kein Mensch.

Bisauf all jene natürlich, die seine

Musik lieben. Sie werden auch seine

Memoiren lieben, die er im jungen

Alter von gerade einmal 52 Jahren

veröffentlicht. „Als ich klein war,

sagte mein Vater immer dann, wenn

seine Präsenz irgendwo außerhalb

seiner Komfortzone verlangt war:

,Let’s go, sowecan get back’.“Soerklärt

sich der Titel des Buches. Auf

geht’s,dann können wir bald wieder

umkehren. Dieses Zögerliche,dieses

familiär ererbte Bestreben die Dinge

nett und schlecht zu belassen, zieht

sich durch das ganze Buch. Tweedys

Leben ist geprägt von Ängsten und

Depressionen, Abhängigkeiten und

„fehlangepasstem Verhalten“, wie er

es nennt. Die Zone persönlichen

Wohlbefindens muss er gar nicht

verlassen, sie ist ihm völlig fremd.

Ein Unbehagen bleibt immer, selbst

in den Momenten des Glücks. Das

Schreiben habe ihm geholfen, einige

jener Erinnerungen etwas genauer

zu betrachten, die er unter normalen

Umständen besser nicht aus dem

Gedächtnis hervorgekramt hätte. So

erfüllt sein Buch für ihn auch einen

therapeutischen Zweck, was man in

einigen Passagen deutlich bemerkt.

Gegen eine Annahme verwahrt

sich der einiges an Leid tragende

Künstler jedoch sehr: „Ich glaube

nicht, dass es Leid braucht, um bedeutende

Kunst zu erschaffen. Im

Gegenteil, ich hasse diese Idee. Ich

finde sie schwachsinnig. Ich glaube,

dass alle Menschen tiefes Leid erfahren.

Ich glaube, dass Künstler trotz

ihres Leides kreieren, nicht wegen.“

Der Musiker und Songwriter Jeff Tweedy.

LESEN & HÖREN

Jeff Tweedy:

Let’sGo(So We Can Get Back), Aufnehmen und Abstürzen mit Wilco etc.

Ausdem Englischen vonTino Hanekamp. Kiepenheuer&Witsch, Köln 2019.

304 Seiten, 22 Euro

Live: Am 12. September spielen Wilco im Berliner Tempodrom.

Album: Die neue LP vonWilco heißt „Ode to Joy“ und erscheint am 4. Oktober.

Kalter Stahl

WARNER/WHITTEN SABBATINI

Das klingt alles ziemlich traurig

und so liest es sich streckenweise

auch, aber Tweedy ist ein viel zu kluger

Entertainer, umnicht zu wissen,

was er seinem Publikum schuldig ist.

„Niemand verfügt über genügend

entbehrliches Einkommen, um es

für das Memoireeines mäßig erfolgreichen

Indie-Rock-Verfechters zu

verschwenden, wenn dieses nicht

mindestens ein bisschen gute Unterhaltung

liefert.“ Mäßig erfolgreich?

Zwei Grammys,immerhin.

Seine Lebensgeschichte beginnt

in Belleville,einer Stadt im südlichen

Illinois,mitten in einer Krise,die die

sterbenden Produktionszentren des

Mittleren Westens bis heute im Griff

hat. Seine Vater arbeitete bei der

Bahn und interessierte sich nicht für

den Sohn, seine Mutter saß vor dem

Fernseher und rauchte.„Mein Eltern

taten mir leid. Aber damals noch

nicht.“ Es sind Sätzewie diese,kleine

Dissonanzen, die die literarische

Qualität des Buches ausmachen.

Wenn Tweedy vonseiner Kindheit in

einem minderbegüterten Haushalt

erzählt, vonseinem Alkoholikervater

und seiner unglücklichen Mutter,

dann klingt kaum Bitterkeit an, sondernviel

Liebe.Nachträgliche Liebe,

was alles so schwer erträglich macht.

Denn nun sind die Elterntot.

Als Teenager gründete er seine

erste Band, aus der später die

Gruppe Uncle Tupelo wurde,mit der

er und sein Jugendfreund Jay Farrar

das Genredes Countrypunkrock definierten.

1994 löste sich die Band,

deren künstlerischer Einfluss auf die

Indie-Rockszene diametral zu ihrem

kommerziellen Erfolg bemessen

war,unter Schmerzenwieder auf. Es

ist das Ende einer Beziehung.

„,Warum hasst du mich?’, fragte ich

Jay.“Tweedy bekommt eine Antwort,

die den Kern seines Wesens trifft.

Dann beginnt die Zeit vonWilco,

eine Metamorphose, die von dem

großen Rockmanifest „Being There“

(Da sein) bis hin zu gebrochenen

Werken wie „Yankee Hotel Foxtrott“

und „A Ghost Is Born“ führt. All das

wirdhier ausführlich besprochen.

Es beginnt aber auch die Zeit der

Opiate, die der seit seiner Kindheit

an Migräne leidende Tweedy

schluckt, bis er nicht mehr er selbst

ist. Er weist sich in die Nervenklinik

ein. „Und dann bekam ich Hilfe.Das

ist vielleicht das Einzige an mir, das

mir wahrhaft einzigartig erscheint.“

Am Ende bleibt Dankbarkeit.

Der australische Regisseur Grant Sputore behandelt in seinem Regiedebüt „I am Mother“ das Leben nach der Apokalypse

VonThomas Klein

Sie ist intelligent und hübsch, interessiert,

aber folgsam, sie bastelt

mit Geschick Origami-Figuren

und tanzt gern: Eine bessereTochter

(Clara Rugaard) können sich keine

Eltern wünschen. Und ihre Mutter

ist auch sehr stolz auf sie.Von einem

Vater sieht man nichts, die Mutter

selbst ist ein nur vage menschenähnlicher

Roboter. Und ihreTochter

(Namen hat niemand in diesem

Film) war nur eine von den 63 000

Embryonen, die für den Katastrophenfall

in einem technisch hochgerüsteten

Bunker eingelagertwurden.

Die Maschinen-Mutter hat sie

Mensch werden lassen, jetzt ist die

Tochter ein Teenager. Die Alleinerzieherin

und das Menschenkind haben

ein vertrauliches,fast liebevolles

Verhältnis zueinander, die eine unterzieht

sich ohne Murren den regelmäßigen

Tests,die anderebeantwortet

alle Fragen. Auch die nach dem

draußen: Da draußen warte der Tod,

berichtet die Mutter, eine vergiftete

Erde,kein Lebensraum für die junge

Frau. Irgendwann sollen andereEmbryonen

heranwachsen, dann hat

die Tochter nicht nur eine Mutter,

sondernauch eine Familie.

Mutter-Tochter-Beziehung der besonderen Art: Clara Rugaard als Teenager.

Düster und bedrückend ist der

Bunker mit seinen endlosen Gängen,

wenig menschlich ist das aus

Servomotoren, Lampen und Kameraszusammengesetzte

„Gesicht“ der

Mutter. Doch die Tochter fühlt sich

sicher und geborgen.

Aber dann dringt die Außenwelt

in den Bunker ein. Erst eine Maus,

die die Tochter entdeckt, während

sich die Mutter wie in jeder Nacht an

eine Maschine angestöpselt regeneriert.

Istein Leben draußen vielleicht

doch möglich? Pragmatisch nimmt

die Mutter ihr den Nager ab,die Toxi-

NETFLIX

kologie-Werte der Umwelt seien immer

noch tödlich, sagt sie.Die Maus

vernichtet sie als potenziellen Seuchenherd

in einem Industrieofen.

Doch dann steht irgendwann eine

Frau (HilarySwank) an der Schleuse,

angeschossen, halbtot, verzweifelt.

Die Tochter lässt sie in den Bunker

ein, versucht ihr zu helfen. Doch das

geht nicht gut. Undsosteht dieTochter

bald zwischen der Fremden, die

voller Hass vonden wenigen überlebenden

Menschen draußen ist, und

ihrer Mutter, die den Gast gutmütig,

aber auch energisch behandelt.

Klar,dass hier niemand die ganze

Wahrheit erzählt. Lügen verwirren

die Tochter –die junge ClaraRugaard

beweist in diesem Film ihr großes

Talent in einer schwierigen Rolle.

Der australische Regisseur Grant

Sputore, der zuvor in der Werbung

gearbeitet hat, beweist in seinem Regiedebüt

„I am Mother“ viel gestalterisches

Geschick –kalt ist der Edelstahl

des Bunkers,schwarzder Sand

einer post-apokalyptischen Einöde.

Nur die Emotionalität und die

echten Sinnfragen gehen dem Filmemacher

und seinem Werk etwas

verloren: Die Konflikte wirken oft zu

geradlinig, es fehlt an Spannung in

dieser Dreier-Konstellation. Seltsam

nüchtern wirkt der Film. Und auch

das finstere Ende, ein angeblicher

Neuanfang für die Menschheit unter

eigentlich inhumanen Bedingungen,

hallt eigentlich nur im Kopf des

Zuschauers nach. Etwas nachdenklich

ist man nach „I am Mother“,

aber nicht wirklich berührt.

IamMother Australien 2019.Regie:Grant

Sputore, Drehbuch: Michael Lloyd Green, Kamera:

Steve Annis,Schnitt: SeanLahiff, Musik:

Dan Luscombe &AntonyPartos, Darsteller:Clara

Rugaard,Hilary Swank, LukeHawkeru.a.; Farbe,

113 Minuten.FSK: ab 12 Jahren

NACHRICHTEN

15 Jahre Medienboard:

5000 Filme gefördert

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens

des Medienboards Berlin-

Brandenburg, würdigten Berlins Regierender

Bürgermeister Michael

Müller und Brandenburgs Ministerpräsident

Dietmar Woidke (beide

SPD) die gemeinsame Wirtschaftsförderung

der beiden Länder in diesem

Fall bei einer Presseveranstaltung

am Donnerstag als Erfolgsmodell.

Früher wäreBerlin etwas für das

„schmutzige Off-Off-Kino“gewesen,

resümierte Medienboard-Geschäftsführerin

Kirsten Niehuus.Heute entstünden

in der Region auch viele Kinohits.Für

das Jahr 2018 verzeichnete

das Medienboardinsgesamt

5300 Drehtage in der Region. Aktuell

liefen Arbeiten für Produktionen wie

„Hausen“ vonThomas Stuber,

„Sløborn“ vonChristian Alvartund

für die dritte Staffel der Netflix-Serie

„Dark“. Seit seiner Gründung 2004

habe das Medienboard440 Millionen

Euro an rund 5000 Film- und

Neue-Medien-Projekte vergeben.

(dpa)

Anzeige

75 MUSEEN

750EVENTS

1TICKET

WWW.LANGE-NACHT-DER-MUSEEN.DE

#LNDMberlin

Schäuble eröffnet

Medienkonferenz M100

Bundestagspräsident Wolfgang

Schäuble hält in diesem Jahr die

Hauptrede bei der Medienkonferenz

und Medienpreisverleihung M100.

Dasteilten die Organisatoren am

Donnerstag mit. Siewidmet sich am

17. September im Orangerieschloss

im Potsdamer Park Sanssouci dem

Thema„FromPipedream to Reality –

Democracy an the European Public

Sphere“ (Vom Wunschtraum zur

Realität –Demokratie und die europäische

Öffentlichkeit). Zu der Konferenz

werden mehr als 60 Chefredakteure,

Historiker und Politiker

aus Europa und den USA erwartet.

Derundotierte Preis wirdseit 2005

jährlich an international wirkende

Persönlichkeiten verliehen. (dpa)

TOP 10

Eine Gemeinschaftsveranstaltung

der

Berliner Museen mit

Mittwoch, 21. August

MUSEEN

NEUDABEI!

1 heute-journal ZDF 4,11 16 %

2 Tagesschau ARD 4,08 17 %

3 Meine fremde ... ARD 3,90 14 %

4 heute ZDF 3,34 18 %

5 Dakommst du ... ZDF 3,20 11 %

6 SokoWismar ZDF 2,70 18 %

7 RTL aktuell RTL 2,53 14 %

8 GZSZ RTL 2,47 10 %

9 Plusminus ARD 2,43 9%

10 Die Spezialisten ZDF 2,31 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acud (✆ 44 35 94 97)

20.00: Tell me your night dreams (Interaxia)

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: Portrait of an American Patriot (Beege

Barkette)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Felix Krull –Stunde derHochstapler

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Ein Mord wird angekündigt

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

20.00: Das Programm

Dock 11 (✆ 448 12 22)

19.00: No Borders Festival: Re-flection /29/ Vortex

(Yannis Adoniou /Sara SheltonMann)

Fliegendes Theater (✆ 692 21 00)

19.30: Berührungen

Flughafengebäude Tempelhof (Columbiadamm 10)

19.30: Die Schauspieler (aufBruch –Kunst Gefängnis

Stadt)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Die Männerfalle

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Aufzeichnungen aus derUnruhe

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(✆ 54 90 51 92) 19.30: Romeo &Julia (Globe

Ensemble Berlin)

HAU1(✆25 90 04 27)

19.00: Tanz im August: BodyConcert(Ambiguous

Dance Company)

HAU3(✆25 90 04 27)

21.00: Tanz im August: OneTwoThreeOneTwo (Albert

Quesada &Katie Vickers)

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: Roxy und ihr Wunderteam (Geschwister Pfister

u. a.)

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Zuhause bin ich Darling

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Casting Clara

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

19.30, 21.15: Parieté 2019 –Mehr als eine Gala

Pierre Boulez Saal (✆ 47 99 74 11)

20.16: TheGoldProjections I-IX

Prime Time Theater (✆ 49 90 79 58)

20.15: Gutes Wedding,schlechtes Wedding

Radialsystem (✆ 288 78 85 88)

21.00: Tanz im August –RE-PerspectiveDeborah Hay:

The Match (Cullberg Ballet)

22.30: Tanz im August –RE-PerspectiveDeborah

Hay: ten

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Im Weißen Rössl

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Trust

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: AntjeRietz&Band (Sommersprossen

Serenade)

Shakespeare CompanyBerlin (✆ 21 75 30 35)

20.00: Der Kaufmann vonVenedig!

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

19.00 Festsaal: Tanz im August: #PUNK 100% POP

*N!GGA (Nora Chipaumire)

Theater an der Museumsinsel (✆ 47 01 89 49)

18.00: Die Vögel

20.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 überdachte Freilichtbühne: Die Bergwerkezu

Falun (Ton &Kirschen Wandertheater)

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

19.00 Studio 1: Offshore (Monica Duncan &Martin

Hiendl)

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00: Tanz im August: Merce Cunningham Centennial

–Berlin (CCN –Ballet de Lorraine &DANCEON

ENSEMBLE)

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.00: CosmicComedy(Dharmander Singh, Neil

Numb u. a.)

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

19.30: All ShookUp! –Shakespeare meets Elvis

(Gastspiel Berliner StageCompanye.V.)

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(✆ 017 95 34 66 96) 20.00: Mit Schnucki nach

Kentucki (MargaBach &NorbertSchultz)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Besetzungscouch –die Suche nach der

wahren Liege(Kaiser &Plain)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: Schnitzeljagd –ein Impro-Krimi (Tante EDMAs

ImproLounge)

23.00: Late Night Impro #6 –Abgründe und

Höhepunkte

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Zirkus Angela

Estrel Festival Center (✆ 68 31 68 31)

20.30: Elvis –Das Musical (Grahame Patrick &The

Stamps Quartet)

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Der Tod&YeoMen (Der Tod&YeoMen)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(Cüneyt Akan, RobertAlan,

Lukas Wandke, Mark Britton, Mod.: Stephan Bauer)

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Gute Wahl (Die Gorillas)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Horst Blue (Mod.)

Spree- &Havelschifffahrt (Schiffbauerdamm 12)

19.30: Mörderische Spreefahrt–Der erste Dinner-Krimi

auf der Spree (Ensemble artdeshauses).Anm. erf.

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

Tempelhofer Feld (Platz der Luftbrücke5)

18.30: 5. Berlin Circus Festival: Flaque (Compagnie

Defracto (FR)

18.30: 5. Berlin Circus Festival: The greatest and 2nd

smallest circus in the world(Brunette Bros. (CAT)

20.00: 5. Berlin Circus Festival: ADHD (Cirk la Putyka

(CZ)

Varia Vineta (✆ 43 72 32 44)

20.00: Pankow Ahoi! (Club der Impronäre)

Washingtonplatz

15.00: Berlin lacht! Kulturbahnhof am Hauptbahnhof

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Früher war ich älter (Horst Evers)

KLASSIK

Berliner Dom (✆ 20 26 91 36)

20.00: Sarah Kim, Ausfernen Galaxien! –14.

Internationaler Orgelsommer 2019, Werkevon Saint-

Saëns, Mussorgsky,Holst

BLO-Ateliers (✆ 55 66 93 93)

18.00: BERLIN is not BAYREUTH,Vol 1: Tannhäuser

Freilichtbühne an der Zitadelle (✆ 333 40 22)

20.00: Michael Jackson Tribute Show–This is Michael

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

18.15: Einführung (Berliner Philharmoniker)

19.00: Berliner Philharmoniker,Rundfunkchor Berlin,

Solist*innen: Marlis Petersen, Elisabeth Kulman,

Benjamin Bruns, Kwangchul Youn, Ltg.Kirill Petrenko,

AntrittskonzertKirill Petrenko, Alban Berg: Symphonische

Stückeaus derOper „Lulu“; Ludwig van

Beethoven: Symphonie Nr.9d-Moll op.125 mit dem

Schlusschor über Schillers Ode „Andie Freude“

St. Marien-Kirche Mitte (✆ 242 44 67)

13.30: Orgel zur Mittagszeit

Sühne-Christi-Kirche (Toeplerstr.3)

20.00: Martin L. Carl(Orgel), Werkeder Romantik von

Lefébure-Wély,Franck, Mulet

Lesebühne

Großes

hat jetzt

seinen Auftritt

Der Ursprung des gerade

erschienenen Buches

„Ansichten in stillem Blau“

(Treibgut) war eine Kolumne

über eine Computerwerkstatt.

Sie erschien 2017 in der Berliner

Zeitung, und ein Maler ließ

sich davon zu einem Bild von

einem Mozzarella-Firefox inspirieren.

Die Autorin ist BarbaraWeitzel,

der Maler Kornelius

Wilkens,und aus dem ersten

Funken sind viele geworden.

Immer begegnen sich

dabei Worte und Bilder, Lyrik

und Wasserfarben. „Endlich

Nacht. Wer klein ist schläft.

Großes – Kummer, Fragen,

Reue – hat jetzt seinen Auftritt“,

schreibt BarbaraWeitzel,

Kornelius Wilkens malt das

Fluchtauto. Andiesem Freitag

ist BarbaraWeitzel zu Gast bei

DEO,der an jedem 23. stattfindenden

Lesebühne „Des Esels

Ohr“. Es lesen auch Franziska

Hauser und Susanne Schirdewahn.

Susanne Lenz

DEO 20 Uhr,WerketageSaarbrücker

Str.24, Haus C, ganz oben, Eintritt frei,

Spenden erwünscht

Kasper König, Patron der

derzeit wohl bekanntesten

Kunstdynastie der Republik,

ist ein furchtloser,humoriger,

bisweilen aneckend skurriler

Mann. Gewaschen mit allen Museums-

und Kuratorenwassern, gibt

der Museumsbarde und Weltweit-

Kurator sich umtriebig mit seinen 75

Lenzen wie ein junger Spund, selbstironisch-exzentrisch

von den Jeans-

Stresemann-Streifen des Anzugs bis

zu den bunten Schuhen.

So sah ich ihn vor ein paar Tagen

vor einem monumentalen Bild in

der einstigen Kreuzberger Kirche St.

Agnes, seit Jahren die Galerie von

Kasper Königs jüngerem Sohn Johann:

Leo, der ältere, betreibt eine

Galerie in New York. Die Künstler

hinter dem geheimnisvollen Label

Susi Pop machten Géricaults „Floß

der Medusa“ von1819 zu einem magentafarbenen

Siebdruck auf riesiger

Leinwand. Kasper König wählte

es für seine Schau in der Galerie des

Sohnes, die er vom Albrecht-Dürer-

Lebensfazit:„Was aber die Schönheit

sei, das weiß ich nit“, auf Englisch

„What beauty is, Iknow not“ übernimmt,

gleichsam als Altarbild an

Blick aufs„Floß der Medusa“ der geheimnisvollen Susi Pop, 2019

(nach Gericaults Gemälde von 1819) ,sowie weitere Werke GAL. J. KÖNIG

Frag nach bei Dürer

Wenn der Vaterbei dem Sohne eine Ausstellung macht:

Kasper König und sein Kunst-Kosmos in St. Agnes

Ingeborg Ruthe

hat großes Vergnügen, gepaartmit Erkenntnisgewinn,

in dieser Ausstellung

des renommierten Museumsmannes

und Kunstprofessors Kasper König,75,

in einer kommerziellen Berliner Galerie.

Die gehörtseinem Sohn und war zudem

einst eine katholische Kirche.

der Hauptwand in der oberen Halle

vonSt. Agnes.

Wasfür ein politisches Bild! Das

hier zitierte Original im Pariser

Louvreist genau200 Jahrealt und erzählt

von einem ungeheuerlichen

Vorfall, einem Zivilisationsbruch vor

der Kulisse der französischen Aufklärung:

Ein unfähiger Kapitän setzt

sein Verkehrsschiff, die „Medusa“,

auf Grund, die Rettungsboote reichen

nicht, ein Floß wirdgebaut, für

150 Leute. Aber die Landung scheitert,

alle hungern, werden zu Kannibalen.

Kasper Königsiehtinder Susi-

Pop-Paraphrase womöglich eine Art

Menetekel, nämlich das oft Vergebliche

der Aufklärung. Und der Utopie

von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Und der Vernunft –angesichts

der an vielen Orten so heillosen aktuellen

Weltsituation.

Am anderen Ende des oberen

noch immer sakralen Raumes steht

noch eine weitere Paraphrase. Und

zwar auf Albrecht Dürer und dessen

Holzschnitt-Bauernsäule von 1525,

das grafische Denkmal eines vonden

Bütteln der Großgrundbesitzer erdolchten

Bauern im Großen Deutschen

Bauernkrieg. Dürer stellte sich

„Joh

Blum

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Und wer nimmt

den Hund? 14.45; Once Upon aTime in... Hollywood

16.45, 20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Leid und Herrlichkeit

15.30,20.30; Das zweite Lebendes MonsieurAlain

18.10

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Once Upon a

Time in...Hollywood 16.30,20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Once Upon aTime

in... Hollywood (OF) 14.00, 15.30, 17.30, 20.15,

21.00, 21.50; Paranza: Der Clan der Kinder –La

paranza dei bambini (OmU) 17.45, 22.00; Gloria:

Das Leben wartet nicht –Gloria Bell (OmU) 14.50,

17.10,19.30; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 14.15, 19.00, 21.30; Und wer nimmt den

Hund? 15.45, 17.50, 20.00; Paranza: Der Clan

der Kinder 14.00, 16.30, 19.00, 21.30; Ich war

zuhause, aber...13.30, 16.45; Blinded by the Light

(OmU) 15.15, 21.30; Es gilt das gesprochene Wort

19.00

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Und wer nimmt

den Hund? 18.00; Blinded by the Light 20.00;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

17.45; Und wer nimmt den Hund? 20.15

Kant Kino (✆ 319 9866) Gloria: DasLeben wartet

nicht 15.30, 18.00, 20.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.45; Das zweite Leben des

MonsieurAlain 15.30,20.30; Leid und Herrlichkeit

18.00; Yesterday 16.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 18.30, 20.45; So wie dumich

willst 15.15, 20.00; Photograph –Ein Foto verändert

ihr Leben für immer 17.30; Leberkäsjunkie

17.45; Der unverhoffte Charme des Geldes 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Once Upon a

Time in... Hollywood 13.30, 17.00, 20.30; Pets

II 14.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OF)

16.00, 19.30; Once Upon aTime in... Hollywood

23.00; Die drei !!! 14.20; Once Upon aTime in...

Hollywood 16.45, 20.15; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.45; 3D: Der König der Löwen

17.10; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 20.00,

23.00; 3D: Der König der Löwen 14.30, 19.45; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 17.15;

Once Upon aTime in... Hollywood (OF) 22.40; Der

König der Löwen 15.00; IAmMother 17.45, 23.00;

Blinded by the Light 20.20; Yesterday 13.50; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 16.30; AToy Story:Alles

hörtauf kein Kommando19.30; IAmMother21.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Das schönste

Paar 11.00; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit

–AtEternity‘s Gate (OmU) 12.30; Fuck Fame

–Die Geschichte von Elektropop-Ikone Uffie (OmU)

14.30; Benjamin Blümchen 16.00; Unsere große

kleine Farm 17.30; Free Solo (OmU) 19.00; The

Dead Don‘t Die (OmU) 20.45; Burning –Beoning

(OmU) 22.30; Cleo (OmenglU) 11.00; RamenShop

–Ramen Teh (OmU) 12.45; Tolkien (OmU) 14.15;

Made in China 16.15; Fisherman‘s Friends –Vom

Kutter indie Charts (OmU) 17.45; Berlin, ILove You

(OmU) 19.45; Endzeit (DFmenglU) 21.45; Macht

das alles einen Sinn? –Und wenn ja –warum dauert

essolange? 11.00; Sunset –Napszallta (OmU)

12.45;Yoga: Die Kraft des Lebens –Debout (OmU)

15.15; Pets II16.45; Yesterday 18.15; Leid und

Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 20.15; Crawl

(OF) 22.15

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Kroos 16.00;

Ich war zuhause, aber... 18.15; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 20.15; The Dead Don‘t

Die (OmU) 22.30; Yoga: Die Kraft des Lebens –Debout

(OmU) 16.00; Push –Für das Grundrecht auf

Wohnen (OmU) 17.45; Congo Calling (OmU; m.Gespräch)

19.30; Free Solo (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX 3D: Wildes

Madagaskar: Die Insel der Lemuren 13.45; Pets

II 13.45; Berlin, ILove You 13.50; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 14.00, 17.00, 20.10, 22.00; Abikalypse

14.00; 3D: AToy Story:Alles hört auf kein

Kommando 14.00, 16.50; Benjamin Blümchen

14.10; Der König der Löwen 14.15, 16.15, 19.10;

Stuber –5Sterne Undercover14.20,17.15,19.40,

22.10; Spider-Man: Far From Home 14.30, 17.30;

Aladdin 14.30; Yesterday 14.40, 17.30; Good Boys

14.45,17.10,19.45,22.15; AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 14.45, 17.20, 20.00, 22.30;

IMAX: Once Upon aTime in... Hollywood 15.15,

19.00, 22.45; Once Upon aTime in... Hollywood

16.30, 19.40, 20.10; IAmMother 16.30, 19.15,

22.00; 3D: Der König der Löwen 16.40; Blinded by

theLight 16.50,19.30;Crawl 17.30, 20.30,22.30;

Gloria: DasLeben wartetnicht19.30,23.15; Leberkäsjunkie

20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 20.30, 22.20;Anna 22.15; John Wick: Kapitel

III 23.00;Annabelle III 23.20

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Rocketman

(OmU) 18.00; Yesterday (OmU) 20.15; OBeautiful

Night (OmenglU) 22.30; Das melancholische Mädchen

18.00; Endzeit (OmenglU) 19.45; Messer im

Herz –Uncouteau dans le coeur (OmU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Spider-Man: Far

From Home13.30;Pets II 13.30; GoodBoys13.45,

16.45, 20.10; Benjamin Blümchen 14.00; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.10, 16.50,

19.40; 3D: Der König der Löwen 14.20, 17.10; Die

drei !!! 14.30; Once Upon aTime in... Hollywood

16.15, 19.30, 20.00; Der König der Löwen 16.30;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 16.40, 19.50; Stuber

–5Sterne Undercover 17.20, 20.15; Leberkäsjunkie

20.00

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Sowie du mich willst

14.00;TKKG16.00;Fisherman‘sFriends–VomKutter

in die Charts 17.55; Yesterday 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Once Upon

aTime in... Hollywood 14.15, 17.00, 19.50; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.20, 17.15, 20.00;

3D: Der König der Löwen 14.20, 17.10; 3D: AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.30; Benjamin

Blümchen 14.40; Yesterday 14.45; Der König

der Löwen 14.50, 16.50, 20.00; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 15.00, 17.30, 19.30;

Good Boys 15.10,17.20,19.40; Stuber –5Sterne

Undercover 17.30, 20.20; Spider-Man: Far From

Home 17.40, 20.10; Crawl 17.40, 20.30; IAm

Mother 19.45

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTimein...

Hollywood (OmU) 15.30, 19.00, 22.30; B Blinded

by the Light (OmU) 17.00, 19.30, 22.00

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Die Einzelteile

der Liebe –Die Einzelteile der Liebe (OmenglU)

17.45, 19.45; Congo Calling (OmU) 18.00; Ich war

zuhause, aber... (OmenglU) 20.00; Acid –Kislota

(OmU) 21.45; Das melancholische Mädchen 22.15

Moviemento (✆ 692 47 85) Pets II 15.00; Checker

Tobi und das Geheimnis unseres Planeten 17.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 19.00;

Open Screening 22.00; Die Winzlinge:Abenteuer in

der Karibik 11.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos

ist zurück 13.15; Benjamin Blümchen 15.30; Cleo

(OmenglU) 17.45; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 20.00; Tel Aviv OnFire (OmU) 23.15;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 11.30,

14.45,18.00,21.15

Sputnik (✆ 694 11 47) Fisherman‘s Friends –

Vom Kutter indie Charts (OmU) 17.30; Leid und

Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 19.30; Aardvark

(OF) 21.30; Cleo (OmenglU) 17.45; TelAviv On Fire

19.30; Burning –Beoning (OmU) 21.15

Yorck (✆ 78 91 32 40) OnceUponaTime in... Hollywood

16.30, 20.00; New Paranza: Der Clan der

Kinder 16.10,21.00; Leid und Herrlichkeit 18.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Pets II 14.00; Die

drei !!! 14.45; Der König der Löwen 14.45, 17.30,

20.15; Benjamin Blümchen 15.00; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 15.15, 17.30, 20.30;

GoodBoys16.00, 18.00, 20.30; OnceUpon aTime

in... Hollywood 17.00,19.45; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 17.15, 20.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Der Junge

muss an die frische Luft 13.00; Das zweite Leben

des Monsieur Alain 13.00, 17.45; Der unverhoffte

Charme des Geldes 14.00; Gloria: Das Leben wartet

nicht 15.30, 20.00; Die drei !!! 15.30; Once

Upon aTime in... Hollywood 17.00, 20.15; Berlin, I

Love You 17.45, 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Once

Upon aTime in... Hollywood 14.00, 16.30, 19.45;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 14.00, 16.30,

19.45; Der König der Löwen 14.00, 16.55; 3D: A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00;

Pets II 14.15; Benjamin Blümchen 14.30; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 14.30, 17.00,

20.15; Good Boys 15.00, 17.30, 20.15; Crawl

17.00, 20.00; Spider-Man: Far From Home 17.10;

Stuber 17.35, 20.00; 3D: Der König der Löwen

19.45; Leberkäsjunkie 20.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Kleiner Aladin 17.00;

Fisherman‘s Friends (OmU) 18.30; Liebesfilm

(OmenglU) 20.45; Face_It! (OmU) 18.00; Ausgeflogen

(OmU) 19.30;Axel, der Held 21.15

Babylon (✆ 242 59 69) Woodstock 50!: Love &

Mercy (OmU) 17.00; Woodstock 50!: Almost Famous

– Fast berühmt (OmU) 17.30; Woodstock

50!: Jimi Hendrix (OF) 18.00; Woodstock 50!: The

Doors (OmU) 19.30; Woodstock 50!: The Beatles:

EightDaysaWeek –The Touring Years (OmU) 20.00;

Woodstock 50!: Blutige Erdbeeren –The Strawberry

Statement (OF) 20.00; Woodstock 50!: The Doors:

WhenYou‘re Strange (OmU) 22.00; Woodstock 50!:

The Rolling Stones: Gimme Shelter (OmU) 22.15;

Woodstock 50!: Blow Up (OF) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) IAm

Mother (OF) 13.00, 15.15, 17.30, 20.00; Die Melodie

des Meeres –Song ofthe Sea (OmU) 10.00;

Pets II 12.00;Alfons Zitterbacke –Das Chaos istzurück

13.45;Yesterday (OmU) 15.45, 18.15, 20.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Fast &

Furious: Hobbs & Shaw 11.00, 17.10, 20.00,

23.00; Der König der Löwen 11.00, 13.50, 16.45;

Benjamin Blümchen 11.00; 3D: Avengers: Endgame

11.10; Pets II 11.15, 13.30, 15.50; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.20, 14.00,

17.20,19.50; Drei Schritte zuDir 11.30; 3D: AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 12.10, 14.45,

16.40; Good Boys 12.15, 14.40, 16.50, 19.45,

22.30; Once Upon aTime in... Hollywood 13.15,

16.40,19.20, 20.20, 22.10; Spider-Man: Far From

Home 14.10, 23.10; Die drei !!! 14.15; 3D: Der

König der Löwen 15.00,17.50, 20.20, 23.15; Stuber

–5Sterne Undercover 17.00, 20.30, 23.00;

Crawl 18.10, 20.40, 22.40; Leberkäsjunkie 20.00;

Annabelle III 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Berlin Babylon

(OmenglU) 15.00; Gloria: Das Leben wartet nicht

–Gloria Bell (OmU) 17.00, 19.15; Der unverhoffte

Charme des Geldes –La chute de l‘empire americain

(OmU) 21.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 14.45, 18.00, 21.15; Der unverhoffte

Charme des Geldes –La chute de l‘empire americain

(OmU) 15.00; Sowie du mich willst –Celle

que vous croyez (OmU) 17.45; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.00; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 14.00, 21.30; Blinded by

the Light (OmU) 16.30, 19.00; Paranza: Der Clan

der Kinder (OmU) 14.15, 19.00; Ich war zuhause,

aber... (OmenglU) 16.45,21.30

International (✆ 24 75 60 11) Once Upon aTime

in...Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70)Mädchen im Rampenlicht

–Ziegfeld Girl (OF) 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00,

16.45, 20.00; Die drei !!! 14.05; Spider-Man: Far

From Home 14.10, 16.50; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 14.10, 16.30, 19.45, 22.30; Benjamin

Blümchen 14.20; Pets II 14.30, 17.30; Good Boys

14.30, 17.00, 19.30, 22.00; 3D: AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.30; Der König der

Löwen 14.40, 17.15, 19.40, 23.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 16.30, 19.30, 22.30; Good

Boys (OF) 17.00; Aladdin 17.00; Der König der Löwen

–The Lion King (OF) 19.30; Once Upon aTime

in... Hollywood (OF) 20.00, 22.30; Crawl 20.00;

Stuber –5Sterne Undercover 20.10; Annabelle III

22.30; Stuber –5Sterne Undercover (OF) 22.40;

Crawl (OF) 23.05

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Gloria (OmU) 10.00,

19.40; Unsere große kleine Farm (OmU) 12.00;

Paranza: Der Clan der Kinder (OmU) 13.50,21.30;

Apollo 11 (OmU) 15.50; Leid und Herrlichkeit

(OmU) 17.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50)Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.00, 20.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; Paranza: Der Clan

der Kinder (OmU) 16.30, 19.00,21.30; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 17.30, 21.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.45, 21.15, 22.00; Gloria (OmU)

17.20, 19.40; Blinded by the Light (OF) 17.30,

20.00, 22.30; Der König der Löwen (OF) 16.30;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmenglU)

18.15,21.30; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

(OF) 16.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor y

gloria (OmU) 19.00; Apocalypse Now –Final Cut

(OmU) 20.45

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.00, 16.30, 20.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 14.10, 16.45,

19.50; Good Boys 14.15, 17.40, 20.20; Pets II

14.30, 17.10; Der König der Löwen 14.50, 17.30;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.50,

17.20; 3D: Der König der Löwen 19.30; Crawl

19.40; Leberkäsjunkie 20.00

Wolf (✆ 921 03 93 33) The Dead Don‘t Die (OF)

12.00, 19.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 12.00, 21.10; Ich war zuhause, aber...

(OmenglU) 14.10, 21.00; Die Einzelteile der Liebe

14.20,19.00; Mirai: Das Mädchen aus der Zukunft

16.20; Das melancholische Mädchen (OmenglU)

16.30

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Once

Upon aTime in... Hollywood 16.30, 20.00; Und wer

nimmt den Hund? 16.00; Gloria: Das Leben wartet

nicht 18.00, 20.20

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Mid90s 17.00; Die Mörder sind unter uns 19.30;

Streik –En guerre (OmU) 21.15

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) So wie

du mich willst 14.15, 20.45; Und wer nimmt den

Hund? 14.15, 18.45, 20.45; Yesterday (OmU)

14.30; Die drei !!! 16.00; Fisherman‘s Friends –

Vom Kutter indie Charts 16.15; Benjamin Blümchen

16.30; Once Upon a Time in... Hollywood

(OmU) 17.00, 20.15; Leid und Herrlichkeit 18.15;

Gloria: Das Leben wartet nicht 18.30, 20.45


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 25

· ·

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Tagestipp

KALENDER

ann“, 2018, der Galerist Johann König macht schon mal Pfeile zu

en fürsFoto von Annette Kelm.

GALERIE JOHANN KÖNIG,ST. AGNES/KELM

„Kasper Facebook“, 2018, Kurator Kasper König performt, fotografiertvon

Annete Kelm,Archival Pigment Print. GAL.JOHANN KÖNIG,ST. AGNES/ KELM

MEIN BILD DER WOCHE

Kasper König, Westfale, Jahrgang 1943,

gründete das Museum Portikus, Frankfurt

a.M. und war 2000–2012 Direktor des

Museums Ludwig Köln. Seine Ausstellungenerregten

oft Aufsehen. So kuratierte

er 1969 die erste Museumsschau Andy

Warhols in Stockholm, 2014 die Biennale

Manifesta St. Petersburg und seit

1976 das Skulpturenprojekt Münster.

Die Schau „What beauty is, Iknownot“ in

der Galerie seines Sohnes Johann König

gibt den Blick frei auf seine Passion.

St. Agnes, Alexandrinenstr.118–121

(Kreuzberg). Bis 13. Oktober,Di–Sa

10–18/So 12-18 Uhr.Tel.: 261 03080

www koeniggalerie. com

so auf die Seite der Verlierer. Kasper

König wählte wohl gerade um dieses

Staments willen eine neu gebaute

Skulptur des Bildhauers Marko Lehanka,

die eine ältere Version von

1999 zitiert und, wie schon Dürers

Motiv, an die Passion Christi denken

lässt. An Opfer, die in der biblischen

Geschichte –und in der realen Weltgeschichte

–gebracht wurden. Aber

dieWelt hat seither nichts gelernt.

Die Ausstellung ist wahrlich ein

Coup. Für Wochen wird sie die Bestimmung

der Galerie als kommerzieller

Ort mit charismatischer

Wucht überlagern, indem sie Kunst

nur Kunst sein lässt –ein künstlerisches

und politisches Statement, wie

man es von König Senior gewohnt

ist. Es ist eine bezwingende Museums-Ausstellung

geworden, mit kapitalen

Werken. Die Auswahl zeigt

mit Aplomb Kasper Königs Kunstkosmos:

20 starke Werke, etwa von

Thomas Bayrle,Thomas Hirschhorn,

Manfred Pernice, Heidi Specker,

Fischli &Weiss bis Emeka Oghbo,

Rosemarie Trockel und Allisa Yoffe,

um nur einige zu nennen. Der rastlose

Kuratorbeweist wieder mal, wie

sehr er es mit seinem gereiften internationalen,

von ihm bereits in den

70er-Jahren entdeckten Künstler-

Spektrum vermag, durch Bezüge,

Dialoge, Kontroversen Spannung

aufzubauen. UndPositionierungen.

Und nichts von all den ungefälligen

Werken ist unaktuell geworden.

VorPolly Apfelbaums grünen Teppichen

(Abbildung oben links) liegt ein

Paar Schlappen. Für Frauenfüße,für

eine Muslima. Betreten erlaubt? Eine

lapidare Geste und Frage nach

Emanzipation. Daneben hat Nicole

Eisenman „Slouching Guy“ gelegt,

eine seltsam dramatische, zugleich

ironische Plastik, ein lümmelnder

Kerl wie ineinem Raumanzug, auf

dessen Körper Kerzen brennen.

Schönheit kann man eben nicht

in Definitionen festmachen, lässt

uns Kasper König wissen. Schönheit

will erkannt, begriffen, geschätzt

werden. Annette Kelm ist es gelungen,

mit ihren eigenwilligen Farbfotografien

(Abbildung rechts), in denen

sie wieder meisterlich Dokumentarisches,

Surreales und Witziges

zusammenbringt, um Vater &

Sohn König zu porträtieren. Zwei

Kunstvesessene. Zwei Dadaisten der

Gegenwart.

Kunst imSony Center

Der Stadtplatz

wird zur

Galerie

Für drei Tage verwandelt

sich das Sony Center am

Potsdamer Platz ab heute in

eine große Kunstgalerie. Auf

dem beliebten Stadtplatz unter

dem imposanten Dach

treffen Kunstliebhaber und

Flaneure auf eine aufregende

Vielfalt an Kunst auf der Berliner

Open-Air-Messe

„ART …ESSENZ“. Über 3000

Kunstwerke aller Preisklassen,

gerade auch fürs kleine Budget,

testen die Liebe der Besucher

zur zeitgenössischen

Kunst. Zu erwerben sind Unikate,

limitierte Auflagen, Serien

und Multiples. Zudem

sind die ausstellenden hiesigen

wie internationalen

Künstlerinnen und Künstler

persönlich vor Ort, umFragen

zu beantworten. Nicht zuletzt

haben Besucher die Möglichkeit,

eigene Kunstwerke unter

professioneller Anleitung zu

kreieren. Ingeborg Ruthe

Sony Center PotsdamerPlatz, Foyer.

Bis25. 8., Fr+Sa 14–22/So 12–20 Uhr.

Täglich um 18 Uhrfindeteine Führung

über die Messestatt.

KINDER

Berlin mit Kindern (✆ 33 02 98 70)

11.00: Familienführung: Am Brandenburger Torist viel

passiert–Berlingeschichte von1700 bis heute (ab 8

bis 16 J.). Anm. erf.

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

10.30: AufWeltreise mitden Millibillies (ab5J.)

Juxirkus Schöneberg (✆ 2155821)

17.30: DieWunder der Natur (ab4J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Ein kleinerFisch machteineReise, Cattu,

Lieder zum Mitsingen, Mitmachen und Träumen (ab

3J.)

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Unterscheidet euch!, Turbo Pascal, Ein

Gesellschaftsspiel –interaktiveInszenierung (ab 10

bis 14 J.)

10.00: Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem

Walde (ab 8bis 12 J.)

Varia Vineta (✆ 43 72 32 44)

16.00: Schneewittchen,(ab 2J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

18.00: Märchenabend am Feuer,mit Sigrid Schubert

Kohlenkeller am Mexikoplatz (✆ 55 57 32 83)

20.00: Gottfried Bennund die Frauen, Dr.Uwe

Lehmann-Brauns

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00: Die Nachtder Drachenfliege, RobertRescue,

Swantje Niemann, André Ziegenmeyerund Jesko

Habert, Lesung und Musik

Schloss Glienicke (✆ 80 58 67 50)

18.00: Vaters Tochter.Theodor Fontane und seine

Tochter Mete, Dagmar vonGersdorff. Anm. erf.

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: DieZuneigung ist etwas Rätselvolles. Eine

Ehe in Briefen –aus dem Briefwechsel vonEmilie und

TheodorFontane, Jutta Wachowsiak und Christian

Grashof, Autor/in: Emilie und Theodor Fontane

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.30: AotearoaNZ –National PoetryDay,Sandra

Bell, Sandra Sarala, Hans Kellett

KUNST/AKTION

SonyCenter (Potsdamer Pl. 4)

18.30: ART…ESSENZ2019 „LiveTubepainting“ –

Jakob Reh mit Schaschlikspieß &Acrylpresspistole

19.00: ART…ESSENZ2019: ArtClass „just enjoy“ –

Genussmalen mit Tonia R. Alvarez

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.30: Le Roi

ArtlinersBerlin (✆ 74 77 59 10)

20.00: The Hillie Billies

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

20.00: Duff McKagan (Guns N’ Roses) feat. Shooter

Jennings

b-flat (✆ 283 31 23)

21.30: SavoySatellites

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

21.00: The Pool, Oknum, Jae Tyler,Camara And The

Melting Moments

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: JankoLauenberger &Daniel Weltlinger –

Radio Django

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Lisa Bassenge, 5. Frauensommer –Mothers

Café Lyrik (✆ 44 31 71 91)

19.30: Sigrid Grajek (Gesang) &Regina Knobel

(Piano)

Deriva (Mainzer Str.23)

20.00: FortVine, support: Josias Ender

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: GreyParis

Galerie Spandow (✆ 333 14 14)

20.00 Brose-Hof: Jens Pokora (Bariton, Moderation),

Gabi Müller-Erben (Klavier), Bel Ami –szenisches Konzert

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

20.30: RoyAyers

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

21.00: Núria Graham +JennyWilson +Prada Meinhoff

+Oum Shatt, Pop-Kultur

Kulturbrauerei/Kesselhaus (✆ 44 31 51 00)

20.00: International Music &The Dorf +Deerhof +

CocoRosie, Pop-Kultur

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

19.40: One Mother +Mauvais Œi +SomeoneWho

Isn’t Me +Mona Mur,Pop-Kultur

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

21.30: Orania.Jazz: Larry Porter Trio

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Casino Gitano&Gurgulitza, Balkan Night

SO36 (✆ 61 40 13 06)

21.00: International D.I.Y.Electro Punk: V, Brainbeau,

Circular Ruins, Tamaryn

Waldbühne (✆ 018 06 57 00 70)

20.00: Roland Kaiser &Band

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

22.00: Death Star Discotheque +Mitropa

Yaam (✆ 615 13 54)

21.00: Stonebwoy

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: Matthias Harig Quartett

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.15: The Zig Goes Big! Uri Gincel’s Tiny Bigband

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

21.00: Manuel Schmid

Zitadelle Spandau (✆ 35 49 44 29 7/)

19.00: Citadel Music Festival: Feine Sahne Fischfilet

CLUB

August Fengler (Lychener Str.11)

22.30: DJ S.T.P.

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

23.59: Leisure System xFinestFriday, Gábor Lázár

(live), JakoJako(live), Marie Davidson (live), Barker,

Ben UFO,Golden Medusa

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: ForeverYoung,EdRaider,Naked Zombi, Boba

Fettt

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Schwoof, Clärchen &Freunde

Duncker (✆ 445 95 09)

22.00: Independent Tanzmusik, Alusie

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

23.30: ANight with Ekali, Grzly Adams, Soulmind

Junction Bar (✆ 694 66 02)

23.59: DJane B.B.

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

23.00: Kantine Deluxe

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

22.00: Lieblingslieder,Pasi, Schulle, diefeder

Mensch Meier (Storkower Str.121)

23.00: Feine Sahne Fischfilet Aftershowparty

Mokum (Danziger Str.56)

22.30: Get mokumized!, Radio Tanzbär DJ Linde

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

23.00: Psychedelic Cumbia Party, Papo Yoplack u. a.

Solar Berlin (✆ 016 37 65 27 00)

18.00: Berlin Bass CollectiveShowcase, Marcel Da

Kinky Koala

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Magnetism, Ascion, Lucindo, Beat Movement,

Offtrack, Dj Philippa, Edoardo, Marco Bruno, Bertrand,

Abem

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor.Klubnacht, Surgeon, Randomer,Koehler,

Briain

BALLROOM

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Swing,Evan&friends

KINO

Wolf (✆ 921 039333) The Dead Don‘t Die (OF)

12.00, 21.10; Leid und Herrlichkeit (OmU) 12.00,

18.50; Ich war zuhause, aber... (OmenglU) 14.10,

19.00;Die Einzelteile der Liebe 14.20, 21.10; Pippi

Langstrumpf 16.20; Messer imHerz (OmU) 16.30,

23.10; Das melancholische Mädchen (OmenglU)

20.00,23.20

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Once

Upon aTime in... Hollywood 16.30,20.00; Und wer

nimmt den Hund? 16.00; Gloria: Das Leben wartet

nicht 18.00, 20.20

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Once Upon

aTime in... Hollywood 16.30, 20.00; Once Upon

aTime in... Hollywood 18.00, 21.30; Das zweite

Leben des Monsieur Alain 15.40, 18.30; Paranza

16.00, 20.45; Gloria 15.40, 18.00, 20.30; Leid

und Herrlichkeit 16.00, 20.30; Und wer nimmt den

Hund? 18.30

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Once Upon aTime in... Hollywood 14.00, 19.30;

Benjamin Blümchen 14.00; Der König der Löwen

14.15, 17.00; Gloria 14.20, 20.00; Blinded by

the Light 14.20, 20.00; AToy Story 14.30, 16.45;

Es gilt das gesprochene Wort 14.45; Die drei !!!

14.50; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

16.15, 20.30, 21.45; Berlin, ILoveYou 17.15; Leid

und Herrlichkeit 17.30; Yesterday 17.40; Berliner

Philharmoniker: Antrittskonzert: Kirill Petrenko dirigiert

Beethovens Neunte Symphonie 18.30; Der

König der Löwen (OmU) 19.45, 22.30; Paranza

20.15; Yesterday (OmU) 22.30; AToy Story (OmU)

22.45; Paranza: Der Clan der Kinder (OmU) 22.50;

The Dead Don‘t Die (OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98)Die Grube (OmU) 18.30;

Acid –Kislota (OmU) 19.45; Kaviar (OmU) 21.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Spider-

Man: Far From Home 14.15, 16.50; Pets II 14.15;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 14.15, 16.50,

20.05,22.40; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.20, 17.05, 20.00; Die drei !!! 14.30;

Der König der Löwen 14.30, 17.20, 19.35; BenjaminBlümchen

14.35; Stuber –5SterneUndercover

14.40, 17.10, 19.40, 22.30; Good Boys 14.45,

17.10, 19.45, 22.35; Once Upon aTime in... Hollywood

14.50, 16.25, 19.45, 22.15; IAm Mother

17.05, 19.50, 22.40; Yesterday 17.15, 20.00;

Crawl 19.40, 22.40; 25 km/h 19.55; Sneak Preview

22.45

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Benjamin

Blümchen 13.35; Der König der Löwen 13.40,

16.35, 19.30; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.00, 17.05; 3D: Der König der Löwen

14.05, 17.00;AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.45, 17.30, 19.45, 22.40; Pets II 14.50;

Good Boys 14.50, 17.20, 20.20, 22.50; Die drei

!!! 15.00; Once Upon aTimein...Hollywood 15.10,

16.10, 19.20, 20.15, 22.30; Crawl 17.40, 20.30,

23.00; Berliner Philharmoniker: Antrittskonzert: Kirill

Petrenko dirigiert Beethovens Neunte Symphonie

18.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.50,

22.50; Stuber –5Sterne Undercover20.10, 22.45;

Child‘s Play 23.15;Annabelle III 23.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

15.00, 17.45; Und wer nimmt den Hund? 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Der unverhoffte Charme

des Geldes 18.00; Yesterday 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) Sowie du mich willst –

Celle que vous croyez (OmU) 18.00; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) Pets II

10.00, 12.05, 14.30; Die drei !!! 10.00; Der König

der Löwen 10.00, 14.00, 17.00, 22.00; Benjamin

Blümchen 10.00, 12.10; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 10.00, 12.20, 14.55, 17.30,

20.15; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 13.00,

16.40, 20.00, 22.45; Good Boys 14.00, 16.10,

19.45, 23.00; Once Upon aTime in... Hollywood

16.30, 20.00, 22.35; Berliner Philharmoniker:

Antrittskonzert: Kirill Petrenko dirigiert Beethovens

Neunte Symphonie 18.30

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Der

Klavierspieler vom Gare duNord 13.30; Yesterday

15.45, 20.15; Geheimnis eines Lebens 18.00

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Gloria: Das Leben

wartet nicht 14.30, 17.15, 20.00,22.40

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Pets II 10.00, 12.10, 14.30; Kleiner Aladin und

der Zauberteppich 10.00; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 10.00, 14.10, 16.45, 19.50, 23.00; Die

drei !!! 10.00, 13.00; Der König der Löwen 10.00,

14.00, 17.15, 20.00, 22.00; Benjamin Blümchen

10.00, 11.55;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 10.00,

12.00, 14.30, 17.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando –Toy Story IV(OF) 12.00; 3D: A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 12.30,

15.00; Good Boys 12.50, 15.10, 17.35, 20.00,

22.30; Spider-Man: Far From Home 15.30, 20.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.50, 19.30,

23.00; 3D: Der König der Löwen 17.30; Berliner

Philharmoniker: Antrittskonzert: Kirill Petrenko dirigiert

Beethovens Neunte Symphonie 18.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 20.20; Annabelle

III 22.50

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 15.00, 18.00, 20.30;

Der König der Löwen 15.30, 18.00; Good Boys

15.45, 18.15, 20.30; Benjamin Blümchen 16.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 17.15, 20.30;

3D: Der König der Löwen 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Abschlussveranstaltung

des Filmvermittlugsprojekts Jugend filmt: Überraschungsprogramm

17.30;AndrejTarkowskij: Solaris

(OmenglU) 20.00; Magical History Tour: Rumble

Fish (OF) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Der König der Löwen 12.30, 13.30, 17.00, 19.30;

Benjamin Blümchen 12.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 12.30, 14.00, 15.15, 17.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 13.00, 14.00,

15.10, 17.00, 18.00, 19.00, 20.00, 21.00, 22.10;

Leid und Herrlichkeit 13.00, 16.30; Spider-Man:

Far From Home 13.10, 16.30, 19.45, 23.00; 3D:

Der König der Löwen 13.10, 16.20, 20.15, 22.30;

Stuber –5Sterne Undercover 13.15, 17.15, 19.50,

22.30; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 13.20,

16.30, 20.15, 22.50; Berlin, ILove You 13.30; 3D:

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 13.30,

16.30, 19.45, 23.00; Drei Schritte zuDir 13.40,

16.40; Die drei !!! 13.40; Pets II 14.00; Gloria:

Das Leben wartet nicht 14.20, 17.10, 20.00; Good

Boys 14.30, 17.15, 20.00, 23.00; Aladdin 15.50,

19.45; Blinded by the Light 16.10, 19.15; Paranza:

Der Clander Kinder16.30, 19.30; Yesterday16.40;

Crawl 18.00,20.30, 23.00; Rocketman19.10; IAm

Mother 19.40, 22.40; Der Fall Collini 19.50; Avengers:

Endgame 22.10; X-Men: Dark Phoenix 22.20;

Child‘s Play 22.30; John Wick: Kapitel III 22.45;

Annabelle III 23.00; Anna 23.00

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Rocketman (OF) 13.30; Pets II –The Secret Life of

Pets 2(OF) 13.30; 3D: Der König der Löwen –The

Lion King (OF) 13.30, 22.00;

3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando –Toy

Story IV (OF) 13.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 13.40, 15.50, 16.50, 19.00, 19.30,

23.00; Yesterday (OF) 14.00; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando –Toy Story IV (OF) 14.15,

16.25, 20.15; Good Boys (OF) 15.00, 17.30,

20.00, 22.30; Stuber –5Sterne Undercover (OF)

16.00, 20.10, 22.45; Fast & Furious: Hobbs &

Shaw(OF)17.00,22.40;Der König derLöwen –The

Lion King (OF) 17.15,20.00; Berliner Philharmoniker:

Antrittskonzert: Kirill Petrenko dirigiert Beethovens

Neunte Symphonie 18.30; 35mm: Once Upon

aTimein...Hollywood (OF) 20.30; IAmMother (OF)

22.55; Annabelle III (OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) Once Upon

aTime in... Hollywood (OF) 11.30, 15.15, 19.00,

22.50

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Once Upon a

Time in...Hollywood (OmU) 19.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Pets II 14.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 14.00, 17.00, 20.00, 22.15; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 14.00, 17.00,

20.00; Benjamin Blümchen 14.30; Der König der

Löwen 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Die drei !!!

16.00; Once Upon aTime in... Hollywood 16.30,

20.15, 22.00;Stuber –5Sterne Undercover 18.00,

20.00, 22.45

Casablanca (✆ 677 57 52) Traumfabrik 16.00;

Made in China 18.30; Leberkäsjunkie 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

3D: Spider-Man: Far From Home 14.00; 3D: Der

König der Löwen 14.00; Pets II 14.10; 3D: Aladdin

14.10; AToy Story 14.15, 16.45, 20.00; Der

König der Löwen 14.30, 17.20, 19.30; Good Boys

14.40, 17.15, 19.45, 23.00; 3D: AToy Story 14.45,

17.15; Once Upon aTime in... Hollywood 15.30,

16.30, 19.15, 20.00,22.20; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 17.00, 19.30, 22.40; Crawl 17.20, 20.00,

22.45; Stuber 17.30, 20.15, 23.00; IAmMother

20.15, 22.45; John Wick III 22.30; Annabelle III

23.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Good

Boys 14.00, 16.15, 19.45, 22.30; Der König der

Löwen 14.00, 17.00, 22.50; 3D: AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.10; Pets II 14.20; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.30, 17.00, 19.45,

22.40; Benjamin Blümchen 14.30; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.30,17.00,20.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.40, 19.30,

22.00; Spider-Man: Far From Home 16.45;

Good Boys (OF) 17.30; Berliner Philharmoniker:

Antrittskonzert: Kirill Petrenko dirigiert Beethovens

Neunte Symphonie 18.30; Crawl 20.10; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 20.15; Crawl (OF)

22.40;Annabelle III 23.00

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Leid und

Herrlichkeit 19.00; Die Einzelteile der Liebe 21.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Die Einzelteile der

Liebe 19.00; Jimi‘s German Woodstock (OmU)

21.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 10.30, 12.45, 15.00,

17.15, 19.30; Benjamin Blümchen 13.15; Und

wer nimmt den Hund? 15.30, 20.15; Fisherman‘s

Friends –Vom Kutter in die Charts 17.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Sowie du

mich willst (OmU) 16.00; Call Me By Your Name

(OmU) 18.00; Leid und Herrlichkeit (OmU) 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05)Yesterday 15.30;

Leid und Herrlichkeit 18.00; Gloria: Das Leben wartet

nicht 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Mirai: Das Mädchen aus der

Zukunft 16.00; Tolkien (OmU) 18.00; Sunset –

Napszallta (OmU) 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Und wer nimmt den Hund?

16.00,18.15,20.30

FREILUFTKINOS

B-ware! Open Air FMP1 (✆ 63 41 31 15) Border

20.30

FreilichtbühneWeißensee (✆ 24 72 78 01) Womit

haben wir das verdient? 21.00

Freiluftkino Friedrichshagen (✆ 65 01 31 41)

Avengers: Endgame 20.15

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 4603) The Tony

Alva Story (OmU) 20.30

Freiluftkino Kreuzberg Nur eine Frau (OmenglU)

21.15

Freiluftkino Rehberge Bohemian Rhapsody (OmU)

20.30

Open-Air-Kino SchlossparkBiesdorf (✆ 9987481)

Yesterday 20.30

OpenairKinoSpandau (✆ 333 60 81)Green Book

–Eine besondere Freundschaft 20.45

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Burning –Beoning (OmU) 20.30

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain DerVorname

20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Streik (OmU) 17.00; A Man of Integrity (OmU)

19.15; Under the Tree 21.30

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Benjamin

Blümchen 14.30; Yesterday (OmU) 14.30; Und wer

nimmt den Hund? 14.45, 16.45, 21.30; Die drei!!!

16.00; Unsere großekleineFarm16.30;Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 17.00, 20.15; Leid

und Herrlichkeit 18.15; Berliner Philharmoniker:

Antrittskonzert: Kirill Petrenko dirigiert Beethovens

Neunte Symphonie 18.30; Gloria 18.30, 20.45; So

wie dumich willst 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Once Upon a Time in... Hollywood 13.40, 16.10,

19.45, 20.10, 22.45; Fast & Furious 13.40, 16.30,

19.30, 23.00; Pets II 13.50,17.10; Der König der Löwen14.00,17.05,

20.10; Benjamin Blümchen 14.00;

A Toy Story 14.10, 17.00, 20.00; Stuber 14.15, 17.15,

19.45; Good Boys 14.20, 17.20, 20.00, 23.00; Spider-Man

16.50; Crawl 20.15, 23.00; 3D: Der König

der Löwen 23.00; Annabelle III 23.00

Waschhaus Kino Potsdam (✆ 03 31/271 56 26)

Bohemian Rhapsody 21.30

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77)AToyStory

14.00, 16.05; Berliner Philharmoniker: Antrittskonzert:

Kirill Petrenko dirigiert Beethovens Neunte

Symphonie 18.30

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Der unverhoffte Charme des Geldes 17.15; Long

Shot 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Pets II

14.20, 17.30; Fast & Furious: Hobbs & Shaw

14.20, 17.00, 19.45, 23.00; Die drei !!! 14.20;

AToy Story 14.20, 17.00, 20.00; Der König der

Löwen 14.30, 17.15, 20.10; Benjamin Blümchen

14.30; 3D: Der König der Löwen 15.00, 17.45,

20.15; 3D: AToy Story:Alleshörtauf kein Kommando

15.00, 17.30; Good Boys 15.15, 17.40,20.15,

22.45; Once Upon aTime in... Hollywood 15.30,

16.30, 19.15, 20.00, 22.30; Berliner Philharmoniker:

Antrittskonzert: Kirill Petrenko dirigiert Beethovens

Neunte Symphonie 18.30; Crawl 20.10,

23.40;Stuber–5SterneUndercover20.30, 23.20;

3D: Spider-Man: Far From Home 22.50; John Wick:

Kapitel III 23.00; 3D: Godzilla 223.00; Child‘s Play

23.00; Annabelle III 23.10

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.30,

20.30; Pets II 16.00; Leid und Herrlichkeit 18.00;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 20.00


26 * Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019

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Netzwerk

NACHRICHTEN

Zusätzliches Objektiv für

neues iPhone erwartet

STREAMING

Berlins

gruselige

Geheimwelt

VonMarcus Posimski

Gentrifizierung, eine mehr als

fragwürdige Bildungspolitik,

Drogen im Görlitzer Park und E-Roller

–als Berliner gibt es wahrlich genug

Gründe,sich über die Stadt aufzuregen.

Trotzdem übt Berlin nach

wie vor eine immense Anziehungskraft

aus und zieht neben Touristen

auch Kreative an, die ihre Geschichten

erzählen. Hier sind ein paar Beispiele:

Counterpart: Eine der besten Berlin-Serien

überhaupt! Oscar-Gewinner

J.K. Simmons spielt in dieser

Science-Fiction-Thriller-Serie

den UN-Beamten HowardSilk, der

seit 30 Jahren in einer grauen Behörde

schlips-tragend extrem

langweilige Arbeit verrichtet. Er

weiß weder, was er genau zu tun

hat, noch weiß er, was seine Behörde

wirklich tut. Eines Tages

sitzt er einem Mann gegenüber,

der sein Zwilling sein könnte.

Plötzlich hört ervon geheimen Experimenten,

einer Parallelwelt

und einer Gefahr, die schon bald

die gesamte Menschheit ausrotten

könnte. Die Prämisse der Serie ist

derart komplex, dass man ganze

Bücher damit füllen könnte, aber

die Geschichte über zwei Welten in

einer Stadt, mit ihren Agenten, Geheimnissen

und Machenschaften

wurde noch nie so kreativ abgedreht

und einzigartig erzählt.

Zu sehen bei Amazon und iTunes.

Berlin Station: In dieser Seriegeht es

um das in Berlin ansässige CIA-

Büro. Gleich zu Beginn treffen wir

auf den jungen CIA-Agenten Daniel,

der aus der Zentrale in Langley

nach Berlin geschickt wird, um hier

herauszufinden, wer brisante Informationen

an einen Whistleblower

geliefert hat. Das alltäglich Handwerk

fällt ihm anfangs schwer, ihm

wird aber der erfahrene Agent Hector

zur Seite gestellt. Natürlich entwickeln

sich in den folgenden 29

Episoden, die sich auf drei Staffeln

aufteilen, allerlei nationale und internationale

Konflikte, Intrigen und

Aufträge –auch die Berliner Zeitung

spielt in der Serie eine wichtige

Rolle. Gelungene Agenten-Kost, die

mit einer großartigen Besetzung

aufwarten kann, spannend erzählt

ist und hin und wieder einen interessanten

Blick darauf zulässt, wie

Berlin und auch Deutschland von

außen gesehen werden.

Zu sehen bei Amazon, iTunes und Netflix.

Und sonst noch: Natürlich darf in

dieser Liste die 5. Staffel der Serie

Homeland nicht fehlen, in der die

Hauptfigur Carrie Mathison (Claire

Danes) die CIA verlassen hat und in

Berlin als Sicherheitschefin im Privatsektor

arbeitet. Nach einer kurzen

Selbstfindungsphase hat sich

„Homeland“ ab der 5. Staffel wieder

gefangen und liefert seitdem spannendste

Unterhaltung ab. Nicht

wirklich eine Serie, aber eine Filmreihe:

Die „Bourne“-Filme, besonders

Teil 2, verstehen es sehr gut, die

Hauptstadt in ein actiongeladenes

Licht zu rücken.

Marcus Posimski hat

amerikanische Kultur mit

Schwerpunkt Film studiert.

Wütendes Gesicht, rote Augen: ein gruseliger Charakter aus „Darksiders: Genesis".

Die Kunst des Verführens

Die kleinen Studios –auchaus Berlin –sorgen bei der Gamescom für überraschende Unterhaltung

VonThomas Lindemann

Wichtigstes Hilfsmittel

für Spielefans in dieser

Woche: der Campingstuhl.

Auf der Gamescom,

die in Köln bis Sonnabend geöffnet

ist, sieht man überall in den

Hallen die leichten Klappstühle.

Denn wer hier sein Lieblingsspiel

ausprobieren will, braucht Geduld.

Viele sitzen also,während sie warten

müssen. Bei„Borderlands 3“, einem

besonders beliebten Action-Spiel,

waren schon am MittwochWartezeiten

von zwei Stunden ganz normal.

Und das besonders stark besuchte

Wochenende kommt ja erst noch.

An den langen Schlangen sieht

man derzeit auf der größten Videospielemesse

der Welt zweierlei: Einerseits,

wie enthusiastisch die Fans

sind. Dieses Publikum brennt für Games.

Das Spiel „Borderlands 3“, auf

das manche hier zwei Stunden warten,

kommt Mitte September ohnehin

in den Handel. Es geht also nur

darum, ein wenig früher dran zu sein

als andere –und vielleicht noch eines

der beliebten T-Shirts im Design

des Lieblingsspiels zu ergattern. Anderseits

sieht man auch sofort das

große Problem dieser Publikumsmesse.Sie

ist viel zu voll.

Aktives Zuschauen

Umso erstaunlicher, dass die Spielefreunde

gern kommen, in diesem

Jahr wohl bis zu 400 000 von ihnen.

Ihnen werden vonallen großen Herstellern

der Welt neue Games gezeigt,

die teilweise erst in Monaten

oder sogar nächstes Jahr erscheinen.

Einige Berliner Firmen bestimmen

das Geschehen durchaus mit. Etwa

Jo-Mei, die gerade mit „Sea of Solitude“

einen Überraschungserfolg

hatten, oder die Firma Bildundtonfabrik,

die in Kreuzberg das Spiel

„Trüberbrook“ erstellte und damit

den Deutschen Computerspielepreis

gewann. Zurzeit siedeln sich

immer neue Firmen in der Hauptstadt

an, sie stellen nun auch auf der

Messe aus. Die weißrussische Firma

Wargaming, die mit Spielen wie

„World of Warships“ Millionen Spieler

begeistert, beschäftigt in Mitte

etwa 80 Angestellte. Auch Voodoo

Games („Helix Jump“) hat einen Niederlassung

in Berlin eröffnet. Ausder

Community der Stadt selbst kommt

durchaus überraschendes: Das Studio

Morphcat arbeitet in WilmersdorfanSpielen

und Hardwarefür die

Konsole NES, belebt also ein Gerät

von1986 wieder neu.

Welche die beliebtesten Spiele der

Messe sind, sieht man auch an den

Das Leben ist schön: Cosplayer erhalten in diesem Jahr viel Aufmerksamkeit. AP/M. MEISSNER

Warteschlangen. Es sind Titel wie

„Fifa“, „Cyberpunk“, „Tom Clancy’s

Ghost Recon“ oder auch„Just Dance“

und „Luigi’s Mansion“. Sie kommen

von den Giganten der Spielebranche

–internationalen Firmen, vondenen

übrigens keine einzige aus Deutschland

stammt. Oft sind es neueTeile alter,erprobter

Reihen.

Das neue „Fifa“ etwa hat

jetzt auch Straßenfußball

integriert, stattt Stadien

gibt es auch Bolzplätze.

Großen Spaß

macht vorallem„Cy-

berpunk 2077“ “, viel-

Spiel der Messe.

leicht das wichtigste

Man kämpft in

der Zukunft

gegen einen

Überwachungsstaat.

wenn es teils

recht

brutal wirkt, ist es immer

noch ein ganz eigenes

Produkt. Also

nicht einfach nur ein

neuer Teil einer alten

VIELE SPIELERINNEN

Die Messe: Die Gamescom gilt als die größte Messe für Computerspiele weltweit, in diesem

Jahr werden bis zu 400 000 Menschen erwartet. Am Sonntag endet die Veranstaltung.Wer

sich kurzfristig überlegt, noch nach Köln zu fahren, ist chancenlos. Die Tickets für das Wochenende

sind bereits ausverkauft.

Die Besucher: In Deutschland spielen Kinder,Frauen und Männer.Bei den Erwachsenen ist

der Anteil vonMännernund Frauen fast gleich. Bei den Besucherzahlen in Köln ist allerdings

noch ein größerer Unterschied erkennbar:Imvergangenen Jahr lag der Anteil der Besucherinnen

bei rund 26 Prozent.

Auch

Das Spiel „Trivia Crack“ stammt

von Etermax. Das Studio wurde in

Buenos Aires gegründet, ist jetzt in

Berlin beheimatet.

ETERMAX

Idee.Eskommt aus Polen –die Videospielszene

unseres Nachbarlands

ist ohnehin beeindruckend, ein Spiel

über denWarschauer Aufstand sowie

eines über Tschernobyl waren auch

zu sehen, beide eindrucksvoll. Die

großen Hoffnungen stammen von

kleinen Firmen –und es fühlt sich

an, als sei die Gameswelt wieder

einmal wirklich lebendig.

Überhaupt,

es

wird nicht nur

online gespielt,

sondern viele

sehen heute

dabei auch

gern zu. Auf

dem Messe er-

sich der stark

freute

erweiterte E-Sports-

Bereich

mit ver-

schiedenen Arenen

großer

Beliebtheit.

Hierkann man zusehen,

wie Teams in

verschiedenen Spielen

gegeneinander

antreten. Fußball,

oft Egoshooter, teils

auch Strategiespiele. Diese Schaukämpfe

werden oft von Kommentatoren

begleitet, wobei diese Moderatoren

das Spiel sehr gut kennen müssen,

um dem Publikum klarzumachen,

was gerade passiert. Im

Idealfall sind sie auch noch lustig.

Spiele als Schaukampf –das bewegt

die Szene derzeit sehr, gilt auch als

Wachstumsmarkt. (In Berlin entsteht

direkt am Checkpoint Charlie

gerade ein E-Sports-Zentrum.) Solche

Trends widerspiegeln sich auf

der Messe, und sie ist deswegen ein

hervorragender Indikator für das,

was in der Welt der Spielerinnen und

Spieler gerade wichtig ist.

Ordner macht Ärger

AFP/INA FASSBENDER

Das ist großartig, aber nicht alles ist

großartig. DieKoelnmesse muss sich

damit auseinandersetzen, dass hin

und wieder Ordner aggressiv werden

–vermutlich ein Symptom der Überfüllung.

Auch wenn das nur Einzelfälle

sind, prägt es sich leider ein. Das

Publikum wird manchmal wie Vieh

durch bestimmte Engpässe getrieben,

teils angeschrien oder mit Pfiffen

gelenkt, das wirkt recht unwürdig.

Beim Heavy-Metal-Konzert der

Band Sabaton am Mittwochabend

konnte man beobachten, wie einer

der gelb gekleideten Ordner einen

Fanangreifen wollte, der gedrängelt

hatte.

Seine Kollegen mussten den

kampflustigen Mann festhalten. Wer

Fragen stellte,wurde ignoriert, wenn

nicht bedroht. Dabei können die

Fans am wenigsten dafür,dass kopflos

und ohne ersichtliches Konzept

spontan viel zu enge Wege am Rand

der Halle abgesperrt werden. Wenn

eine Band spielt, die in diesem Jahr

das Wacken-Festival eröffnet hat,

kommen viele Menschen. So etwas

kann man vorher wissen.

Eigentlich hatte sich die Messe

dieses Jahr vorgenommen, das Gedränge

zu entzerren, großzügigere

Gänge zu schaffen und neue Bereiche

freizugeben. Es ist nur zum Teil

gelungen. Unddann ist es trotz allem

einfach schön, die Begeisterung und

das Interesse der Besucher zu erleben.

Das Publikum ist nach wie vor

jung, weibliche und männliche Spieler

sind stark vertreten. Cosplayer,

Metal-Fans, Japan-Enthusiasten,

hier kommen alle miteinander aus,

vereint durch ein sehr reges Interesse

an der Sache.

Thomas Lindemann hat

das Spiel „Cyberpunk 2077“

großen Spaß gemacht.

Neue Spitzenmodelle des iPhones

vonApple sollen im Herbst laut einem

Medienbericht ein zusätzliches

Ultra-Weitwinkel-Objektiv sowie

den Namenszusatz „Pro“bekommen.

Derfür die Trefferquote seiner

iPhone-Vorabinformationen bekannte

Bloomberg-Reporter Mark

Gurman bekräftigte damit Gerüchte,

die seit einigen Wochen im Umlauf

sind. DieVorstellung der neuen Modelle

wirdfür den 10. September erwartet.

Diebeiden neuen „Pro“-Modelle

würden äußerlich weitgehend

das Design deraktuellen iPhones XS

und XS Maxbehalten, hieß es. (dpa)

Nach Datenleck komplette

KartennummernimUmlauf

Beidem Datenleck im Mastercard-

Bonusprogramm „Priceless Specials“

sind auch Listen mit vollständigen

KartennummerninUmlauf gelangt.

Mastercardteilte Kunden am

Donnerstag mit, dass möglicherweise

auch ihreZahlungskartennummer

betroffen sei, mit der sie

sich bei dem Programm angemeldet

hatten. Immerhin waren das dazugehörige

Ablaufdatum und die Prüfnummer

auf der Rückseite der Karte

nicht Teil des Datenlecks.Damit

können die geleakten Kartennummernnicht

direkt für Einkäufe im Internet

verwendet werden. Mastercard

verwies darauf, dass ein Dienstleister,der

das Bonusprogramm betrieb,„einen

Sicherheitsvorfall

erlitten“ habe.Esbesteht weiter die

Gefahr,dass Online-Kriminelle mit

den in Umlauf gelangten Informationen

wie E-Mail, Geburtsdatum,

Handy-Nummer oder Anschrift fingierte

E-Mails verschicken können,

um zum Beispiel an Passwörter zu

kommen. (dpa)

Indonesien blockiert

Internet in Unruheprovinzen

Nach drei Tagen der Proteste für Autonomie

und gegen Polizeigewalt

hat Indonesiens Regierung das Internet

in seinen Provinzen Papua und

Westpapua blockiert. DieSperre

bleibe so lange bestehen, bis sich die

Lage auf der betroffenen Insel Neuguinea

wieder normalisierthabe,

sagte ein Sprecher des Ministeriums

für Telekommunikation am Donnerstag.

Mitder Blockade will die Regierung

verhindern, dass sich die

Proteste ausweiten. In beiden Provinzen

hatte es Demonstrationen

gegen Vorfälle auf Indonesiens

Hauptinsel Java gegeben. Dabei soll

die Polizei mit Gewalt gegen Studenten

vorgegangen sein. (dpa)

AUSDER REDAKTION

Berlin Mitte,

der Podcast

von

Jochen Arntz

Freitags

ab sechs

Jetzt gibt’s unter www.berliner-zeitung.de

auch was zum Hören –direkt

aus der Chefredaktion. „Berlin

Mitte“ heißt der Podcast, in dem ich

Ihnen jeden Freitag ab sechs Uhr

morgens Neues aus der Redaktion

und aus Berlin präsentiere. Diesmal

spreche ich über das große gemeinsame

Debattenforum der Berliner

Zeitung und des Tagesspiegels zum

30. Jahrestag des Mauerfalls, das wir

am kommenden Montag starten.

Wirhören uns,

Ihr Jochen Arntz, Chefredakteur

bei Twitter @JochenArntz


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun

9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG)

Meister des Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG)ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für

HG) Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau

15.10 (für HG) Sturm der Liebe 16.00 (für

HG) Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach

Meer. Ahoi, Perlen der Ostsee 17.00 (für HG)

Tagesschau 17.15 Brisant 18.00 (für HG) Gefragt

–Gejagt 18.50 (für HG) Gefragt –Gejagt

19.45 (für HG) Sportschau vor acht 19.55 (für

HG) Börse vor acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Die Eifelpraxis

HerzenssachenTV-Drama, D2019

Mit Rebecca Immanuel, Simon

Schwarz,Karolina Lodyga u.a.

Regie: Kerstin Ahlrichs

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort Freigang

TV-Kriminalfilm, D2014. Mit Richy

Müller,Felix Klare, CarolinaVera u. a.

23.30 (für HG) Alles Verbrecher –Leiche im

Keller TV-Kriminalfilm, D2014. Mit

Ulrike Krumbiegel, Daniel Rodi u.a.

1.00 (für HG) Tagesschau

RTL

5.25 Exclusiv –Das Star-Magazin. Moderation:

Frauke Ludowig 5.35 Explosiv –Das Magazin.

6.00 Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12 14.00

Die Superhändler –4Räume,1Deal 15.00

Die Superhändler –4Räume,1Dea 16.00

Meine Geschichte –Mein Leben 17.00 Meine

Geschichte –Mein Leben 17.30 Unter uns.

Daily Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin

18.30 Exclusiv –Das Star-Magazin 18.45 aktuell

19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap

19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Die 100 ...

scheinbar schönstenWege zum Glück /

Raffi sucht in den Straßenritzen New

Yorks nach Gold /Chloe und ihre

Schwester wollen mit sechs Jahren

schon Model werden ... Show

23.00 Martin Rütter live! NachSITZen

Mit Martin Rütter

0.00 Nachtjournal

0.30 Die 100 ...

scheinbar schönstenWege zum Glück /

Raffi sucht in den Straßenritzen New

Yorks nach Gold ... Show

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR Arte

12.35 Madeline. Familienfilm, F/USA 1998

14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) MDR um

vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG) Brisant

18.54 (für HG) Sandmann 19.00 (für HG)

MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell 19.50

(für HG) Elefant, Tiger &Co. 20.15 (für HG)

Hansi Hinterseer 21.45 (für HG) Aktuell 22.00

(für HG) Kim &Kachelmanns Highlights 0.05

MDR Kultur –Filmmagazin 0.20 (für HG) Irene

Huss. Der im Dunkeln wacht. TV-Kriminalfilm, S

2011 1.50 Das letzte Rad. Drama, D2009

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut.Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG)

Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Unser Land 19.30 (für HG) Aufgegabelt

vonAlexander Herrmann 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Hubert und Staller

21.00 (für HG) Die Bergpolizei –Ganz nah am

Himmel 21.55 (für HG) Rundschau Magazin

22.10 Grünwald –Sommer-Spezial 22.55 Ein

Mordsteam. Actionkomödie, F2012 0.30 (für

HG) Verfluchtes Amsterdam. Thriller, NL 1988

Vox

6.50 (für HG) CSI: DenTätern auf der Spur

8.40 Verklag mich doch! 10.55 Mein Kind,dein

Kind –Wie erziehst du denn? 12.00 Shopping

Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00

Mein Kind,dein Kind –Wie erziehst du denn?

15.00 Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten

und eine Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und

Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei

19.00 Das perfekte Dinner 20.15 (für HG) Bones

–Die Knochenjägerin 22.10 (für HG) Bones

–Die Knochenjägerin 0.00 nachrichten

0.20 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

12.10 ALVINNN!!! 13.15 5Freunde 13.40

Angelo! 14.10 Die Nektons 14.40 Grizzy &die

Lemminge 14.55 Dragons 15.20 Voll zu spät!

15.50 Spirit: wild und frei 16.20 Zig &Sharko

–Meerjungfrauen frisst man nicht! 16.45

Coop gegen Kat 17.15 Sally Bollywood 17.40

Die Nektons 18.10 Die Tomund Jerry Show

18.40 Woozle Goozle 19.10 Voll zu spät!

19.40 Angelo! 20.15 (für HG) Operation:

Nussknacker. Animationsfilm, USA/CDN/COR

2014 21.50 Columbo. Tödliche Liebe. TV-Kriminalfilm,

USA 1991 0.00 Infomercials

Sport1

9.00 Teleshopping 14.30 Volleyball: Europameisterschaft

der Damen. Gruppe D:Deutschland

–Schweiz 16.30 Sport1 News 16.55 Volleyball:

Europameisterschaft der Damen. Gruppe

D: Weißrussland –Russland 19.00 Sport1

News 19.25 FC Bayern Inside 19.55 Volleyball:

Europameisterschaft der Damen. Gruppe

D: Slowakei –Spanien 22.00 Die PS-Profis

Schule 22.30 Sky Sport News –Die 2. Bundesliga.

4. Spieltag 23.30 Der Quotentalk

23.45 Sport-Clips 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG)ARD-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SOKO Wismar 12.00 heute 12.10 drehscheibe

13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die Küchenschlacht

15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Die letzte Beichte 17.00 (für HG)

heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45

(für HG) Leute heute 18.00 (für HG) SOKO

Wien. 3,2,1...Mord. Krimiserie 19.00 (für HG)

heute 19.25 (für HG) Bettys Diagnose. Liebe

und Leidenschaft.Krankenhausserie

20.15 (für HG) Die Chefin

Justitias Zuhälter.Krimiserie

Mit Katharina Böhm,Jürgen Tonkel,

Christoph Schechinger u.a.

21.15 (für HG) Letzte Spur Berlin

Verfolgt. Krimiserie

22.00 (für HG) heute-journal

22.30 Sketch History Neues von gestern

22.55 aspekte Gott undTeufel –der Dokumentarfilm

„Diego Maradona”/Afro

Futures –Fashion xHair xDesign

23.40 heute+

23.55 Starsky und Hutch Krimiserie

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Matthias

Killing,Christian Wackert, Marlene Lufen,

Alina Merkau,Jochen Schropp, Karen Heinrichs

10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan

Lucas, Alexander Stephens, Isabella Schulien

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! Doku-Soap 12.00 Anwälte

im Einsatz. Doku-Soap 13.00 Anwälte im Einsatz

14.00 Auf Streife.Reportagereihe 15.00

Auf Streife –Die Spezialisten.Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring 17.30 Klinik am

Südring –Die Familienhelfer.Doku-Soap

18.00 Promis Privat.Doku-Soap 19.00 Genial

daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Promi Big Brother

Mod.: Jochen Schropp, Marlene Lufen

Zwölf Promis tauschen für zwei Wochen

ihr Leben im Blitzlichtgewitter gegen

ein Leben im „Promi Big Brother“-

Haus.

23.45 Knallerkerle

Comedyshow

0.10 Knallerkerle

0.40 Promi Big Brother

Moderation: Jochen Schropp, Marlene

Lufen

3.40 Sechserpack Comedyshow

13.05 (für HG) Nashorn,Zebra &Co. 13.55

(für HG) Zoo-Babies 14.20 (für HG) In aller

Freundschaft 15.05 (für HG) In aller Freundschaft

15.50 Erlebnisreisen 16.00 (für HG)

Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Wunderschön!

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30

Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Unser Land in den 90ern 21.00 (für

HG) Für immer Kult 21.45 (für HG) Aktuell

22.00 (für HG) Kölner Treff 23.30 (für HG) Kölner

Treff 1.00 (für HG) nuhr gefragt

NDR

13.10 (für HG) Inaller Freundschaft –Die jungenÄrzte.

Am Limit 14.00 (für HG) aktuell

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) aktuell

16.20 (für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für

HG) Leopard, Seebär &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) Hofgeschichten 18.45 (für

HG) DAS! 19.30 Ländermagazine 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) die nordstory

21.15 (für HG) StaatsfeindWildschwein 21.45

(für HG) aktuell 22.00 (für HG) 3nach 9 0.00

NDR Comedy Contest 1.00 (für HG) 3nach 9

Kabel eins

7.40 Blue Bloods –Crime Scene NewYork 9.30

Navy CIS: L.A. 10.25 Navy CIS 11.15 Without a

Trace 12.10 Numb3rs 13.05 Castle 14.05 The

Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A. 15.50 News

16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt

18.55 Achtung Kontrolle! Wir kümmern uns

drum 20.15 Elementary. Rote Ampel, grüne

Ampel 21.15 Deception –Magie des Verbrechens.

Der Diamantenraub 22.10 Deception –

Magie des Verbrechens 23.05 Navy CIS: L.A.

Zurück zur Natur 0.05 Navy CIS: L.A

RTL 2

6.00 Die Straßencops –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00 Extrem

sauber –Putzteufel imMessie-Chaos

13.00 Raus mit der Sprache –Nie wieder stottern

14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Hilf mir! Jung,pleite, verzweifelt

... 17.00 News 17.10 Krass Schule –

Die jungen Lehrer –Wie alles begann 18.05

Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15

American Pie. Komödie, USA 1999 22.05 Fight

Club. Drama, USA/D 1999 0.55 End of Days –

Nacht ohne Morgen. Actionfilm, USA 1999

Eurosport 1

8.30 Tennis: USOpen 10.20 Radsport: Tour de

France 11.20 Skispringen: Sommer Grand

Prix. Einzelspringen 13.00 WATTS 13.20 Olympische

Spiele 14.50 Pferdesport: EM.Springreiten:

Nationenpreis 18.35 WATTS 19.00 Fußball:

Bundesliga der Frauen. Vorberichte 19.15

Fußball: Bundesliga der Frauen. 2. Spieltag:

FC Bayern München –1.FFC Frankfurt 21.00

Fußball: Bundesliga der Frauen 21.15 Tennis:

US Open. 5. Qualifikationstag 23.00 Tennis:

US Open. 5. Qualifikationstag 1.00 Tennis

PROSIEBEN, 20.15 UHR SCI-FI-FILM

Die Tribute von Panem: Mockingjay

Katniss(Jennifer Lawrence) beschließtdem Diktator Snow endgültigden

Todesstoßzuversetzen undmachtsichdaran, mit einer Gruppetapferer

Mitstreiterindas Herz desKapitolsvorzudringen. Eine überausriskante und

gewagte Aktion fürdie jugendliche Rebellin und ihreWegbegleiter. Teil zwei

der Reihe abschließenden Science-Fictin-Dystopie in der Oscar-Preisträgerin

JenniferLawrence weiterhin gegendas tyrannische Systemihrer Welt kämpft.

Wieschonseine Vorgängerbasiertauch dieser Film aufder Romanvorlageder

Jugendbuchautorin Suzanne Collins.Für nächstesJahr plantdie Schriftstellerin

ein weiteresBuchüber das fiktive Land Panemzuveröffentlichen. DieHandlungsoll

vordem erstenTeil spielen. Auch eineVerfilmungdes Prequels soll

bereits in Planungsein.

(USA/D/2015)

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5 1 2 8 9 6 7 3 4

3 4 9 2 5 7 8 6 1

5.05 Berlin erwacht –Sommer 5.30 Panda,

Gorilla &Co. 6.20 zibb. zuhause in berlin &

brandenburg 7.20 Brisant 8.00 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller Freundschaft

9.45 In aller Freundschaft 10.30 Rote

Rosen 11.20 Sturm der Liebe 12.10 Der Winzerkönig

12.55 Landschleicher 13.00 rbb24

13.05 Verrückt nach Meer 13.55 Gartengeschichten

14.40 Typisch! 15.10 Stadt, Land,

Haus 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas?

17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &Co.

17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin

18.30 zibb. zuhause in berlin &

brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 50 Gründe, Kopenhagen zulieben

Dokumentation

Tivoli und das alte Hafenviertel,Smörrebröd

und kleine Meerjungfrau –es

gibt viele Gründe, die Stadt zu lieben.

21.45 rbb24

22.00 Kim &Kachelmanns Highlights

Das Beste aus 2019

0.05 Die Show-Highlights

Mit Stefanie Hertel

3.05 zibb

zuhause in berlin &brandenburg

4.05 Gartenzeit

ProSieben

5.40 Twoand aHalf Men 6.45 The Big Bang

Theory 8.25 The Middle 9.20 Fresh off the

Boat 10.20 Mike &Molly 10.45 How IMet

Your Mother 11.35 2Broke Girls 12.30 Mom

12.55 Twoand aHalf Men 14.20 The Middle.

Die magischen Hände/Der geplatzte Knoten.

Comedyserie 15.15 The Big Bang Theory. Die

tödliche Mortadella/Freunde sind wie Toilettenpapier/Das

Warteschlangen-Problem/Die

Annäherungs-Versuchung. Comedyserie 17.00

taff. Inselgeflüster (3). Moderation: Rebecca

Mir,Daniel Aminati 18.00 Newstime 18.10 Die

Simpsons. Rat mal, wer zum Essen kommt/

Marge imSuff. Zeichentrickserie 19.05 Galileo.

Gun Gardening.Moderation: Stefan Gödde

20.15 Die Tribute von Panem: Mockingjay

(2) Sci-Fi-Film, USA/D 2015

Mit Jennifer Lawrence,Josh Hutcherson,Liam

Hemsworth, Elizabeth Banks,

Julianne Moore u. a.

Regie: Francis Lawrence

22.50 Contagion Thriller,USA/VAE 2011.

Mit Matt Damon, Kate Winslet, Marion

Cotillard u. a. Regie: Steven Soderbergh

0.50 Immortal –Die Rückkehr der Götter

Mysterythriller,F/I/GB 2004. Mit Linda

Hardy, Thomas Kretschmann, Charlotte

Rampling u.a.Regie: Enki Bilal

10.25 Geheimnisvolle Schwarze Löcher 11.20

Nova 12.15 Südtirol 12.50 Arte Journal 13.00

Dänemark –Glück und Meer 14.00 (für HG)

Jeremiah Johnson. Western, USA 1972 15.50

Stadt Land Kunst 16.30 (für HG) X:enius 16.55

Paradiesvögel –Wo ein Wille ist ... 17.50 (für

HG) Ein Traum von Baum 18.35 (für HG) Wüste

Wurzeln, starke Stämme 19.20 Arte Journal

19.40 Südtirol 20.15 (für HG) Die Toten von

Turin 21.15 (für HG) Die Toten vonTurin 22.15

Oasis: Supersonic. Dokumentarfilm, GB 2016

0.15 Trans Is Beautiful! 1.10 Arte Journal

3Sat

11.30 (für HG) Stöckl. 12.30 (für HG) Stolperstein

13.00 (für HG) ZIB 13.15 Die Meeresgärtner

von Sansibar 13.35 unterwegs 14.20

unterwegs 15.00 unterwegs 15.40 unterwegs

16.20 unterwegs 17.05 unterwegs 17.45 unterwegs

18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Heimatland 21.00 makro

21.30 auslandsjournal extra 22.00 (für HG)

ZIB 2 22.25 (für HG) Die andere Heimat –

Chronik einer Sehnsucht. Historienfilm, D/F

2013 2.05 (für HG) Zapp 2.35 10vor10

Phoenix

12.45 Abenteuer in Südasien 13.30 Teheran

extrem –Subkultur im Gottesstaat 14.15 Frauen

und Ozeane 16.15 maybrit illner 17.15

#phoenix-freistil 17.30 phoenixder tag 18.00

Die Nordreportage 18.30 Abenteuer in Südasien

19.15 Reiseabenteuer in Myanmar: Robert Hetkämperunterwegs

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Feind ist, weranders denkt–Geheimnisse

derStasi 22.30 NaturNah 23.00 GeheimnisvolleOrte

23.45 Marathonhinter Mauern–Der

Gefängnislauf vonSan Quentin 0.00 Gaming the

Real World. Dokumentarfilm,S2016

Kika

11.30 Wickie und die starken Männer 12.40

(für HG) Das Dschungelbuch 13.45 (für HG)

krass nass! DieTigerenten Club Sommerspiele

14.10 Schloss Einstein 15.00 (für HG) Mako –

Einfach Meerjungfrau 15.45 Stoked 16.10 (für

HG) Lenas Ranch 16.55 Horseland, die Pferderanch

17.35 Eine lausige Hexe 18.00 Bobby

&Bill 18.15 Ben &Hollys kleines Königreich

18.40 (für HG) Löwenzähnchen 18.50

Sandmann 19.00 (für HG) Mia and me –

Abenteuer in Centopia 19.30 (für HG) Anne

auf Green Gables. TV-Familienfilm, CDN 2017

Dmax

11.15 Asphalt-Cowboys: Polen 12.15 A8 –

AbenteuerAutobahn 13.15 Inkasso Air –Die

Flugzeug-Eintreiber 14.15 Das Survival-Duo

15.15 DieWildlife-Cops 16.15 Texas Jail –Unter

Arrest 16.45 Border Control–Spaniens

Grenzschützer 17.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

19.15 Border Control –SpaniensGrenzschützer

20.15 Monsterfische am Haken 21.15

Fish or Die –Angeltrip ins Ungewisse 22.15

Fluss-Monster 23.10 News 23.15 Fluss-Monster

0.10 News 0.15 Monsterfische am Haken

5.30 Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Zapp 9.45 Shift 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Wie wollenwir leben? –Andersunterwegs

sein 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-

Nachrichten 19.15 Mex–DasMarktmagazin

20.00 Tagesschau 20.15 Panorama 20.45 Exclusiv

im Ersten 21.17 Geheimnisvolle Orte 22.00

Tagesthemen 22.15 mehr/wert 22.47 Extra

23.00 Tagesthemen 23.15 MachtkampfinVenezuela

–Welcher Wegführt aus derKrise? 23.45

Schätze der Welt 0.00 Tagesthemen 0.15 Rabiat

1.00 DieTagesschau vor20Jahren 1.15 Tagesschau

1.25 mehr/wert 1.55 Extra

ONE

12.35 Sturm derLiebe 13.25 Um HimmelsWillen.

Hannavon Orleans 14.15 PartyofFive. Partnerwechsel

15.00 Pferdesport: Europameisterschaften.

Springreiten: Mannschaftsentscheidung.Aus

Rotterdam(NL) 18.40 Sturm derLiebe 19.25

Sturm derLiebe 20.15 extra 3 21.00 My Oneand

Only –Auf derSuche nach Mr.Right. Abenteuerfilm,

USA 2009. MitRenée Zellweger 22.40 Männerdie

aufZiegenstarren. Militärfilm, USA/GB

2009. MitGeorge Clooney 0.05 Kommissar Beck.

Die Todesfalle.TV-Kriminalfilm,S1998 1.30 My

One and Only –Auf der SuchenachMr. Right.

Abenteuerfilm, USA2009 3.10 Operation Zucker.

Jagdgesellschaft. TV-Drama,D2015

ZDF NEO

12.30 DieRettungsflieger 13.15 Psych.Krimiserie

14.35 Kommissar Stolberg.TödlichesNetz. Krimiserie

15.35 Die Rettungsflieger. Lügenund Geheimnisse.

Actionserie 17.05 Psych.Bigfoot und

dieSpencersons.Krimiserie 18.30 Baresfür Rares

19.20 Bares fürRares 20.15 Death in Paradise.

Überden Klippen. Krimiserie 21.05 Death in

Paradise. Dieeinsame Insel. Krimiserie 21.55

Death in Paradise. Cricket im Blut. Krimiserie

22.50 Silent Witness.GefalleneEngel. Krimiserie

23.45 Silent Witness.GefalleneEngel. Krimiserie

0.35 Shakespeare&Hathaway–PrivateInvestigators

.Stirb, Sally, stirb. Dramaserie 4.20 Neu

im Kino 4.25 Death in Paradise

ZDF INFO

10.55 StörfallAfD –Das Netz der Rechten 11.40

Völkische Siedler–Schattenweltenauf demLand

12.25 (für HG) Die Welt derReichsbürger 13.10

HochbetriebimLeihhaus–Letzter Ausweg fürVerzweifelte

13.55 Start-upins Risiko –Von derIdee

biszur Pleite 14.40 Macht undMachenschaften

15.30 (fürHG) Geheimakte Finanzkrise 16.15 In

derSchuldenfalle 17.00 (für HG) ZDF.reportage

18.00 Plattgemacht –Wennein Stadtteil verschwindet

18.45 Das Universum–Eine Reise

durch Raum undZeit 20.15 Exoplaneten –Fahndung

nach derzweiten Erde 21.00 (für HG) FaszinationUniversum

23.50 WetterextremeimUniversum

0.35 (für HG) heute-journal

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Venezianischer Opernstar –Die

Bühnenwerke von Antonio Vivaldi, ca. 46 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker

Alban Berg: Sinfonische Stücke aus der Oper

„Lulu”; Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr.9

d-Moll op. 125 (Marlis Petersen, Sopran; Elisabeth

Kulman, Sopran; Benjamin Bruns,Tenor;

Kwangchul Yun, Bass; Rundfunkchor

Berlin; Berliner Philharmoniker,Leitung: Kirill

Petrenko),ca. 146 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Hanya Yanagihara: „Das Volk der

Bäume” (30/38).Mit Gunter Schoß,Matthias

Bundschuh, ca. 30 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Rafik Schami: „Die geheime Mission

des Kardinals” (25/40),ca. 26 Minuten

0.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Gestatten, mein Name ist Cox” Mit Wolfgang

Borchert, Carl-Heinz Schroth, Gustl Busch,

Manfred Steffen u. a., ca.55Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lebenszeit Die sitzende Gesellschaft.Wohin

führt uns der Bewegungsmangel?,ca. 80 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Mikrokosmos –die Kulturreportage Sängerfest

in Tallinn.„Mein Vaterland ist meine

Liebe”. Von Benedikt Schulz, ca.45Minuten

19.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen Literatur.Letzter Koitus, letzter Tanz.

Lyriker bedichten ausgestorbeneTierarten.Von

Astrid Mayerle,ca. 30 Minuten

22.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Gespräch Mit Hermann Parzinger (Präsident

der Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Moderation:

Barbara Wiegand, ca.30Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Bettye LaVette. Mit Lothar Jänichen,

ca. 30 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Pop-Kultur Festival Konzertmitschnitte und

Gespräche, u. a. mit International Music &The

Dorf, 21 Downbeat &Jens Friebe, ca. 147 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

On stage Gut abgeschmeckt,aber nicht essbar.

Das dänische Trio Fried Okra, ca. 55 Min

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Spielraum Bluestime. Neues aus Americana,

Blues und Roots. Mit Tim Schauen, ca. 45 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 195 · F reitag, 23. August 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

UweOchsenknecht (63) lässt sich von

den schönen neuen Digital-Welten

des Internets und ihren aufdringlichen

Konsumverheißungen nicht

kirremachen. DerSchauspieler bewahrtdie

Ruhe,etwa wenn er bei

Streamingdiensten nach einem Film

sucht:„Ich verbringe mit meiner Frau

oft ein, zwei Stunden, um rauszusuchen

was wir anschauen. Da gucken

wir mal kurzrein, aber dann ist es so

spät, dass wir sagen: ,Jagut –gucken

wir morgen‘.“ Recht so,das Stöbern

im virtuellen Filmregal ist ja auch

schon der ganzeSpaß.

Quentin Tarantino (56) und seine Frau

Daniella Pick (35) arbeiten sich jetzt

Schritt für Schritt durch den Familienplan.

Deramerikanische Filmemacher

und die israelische Sängerin

kennen sich zwar schon seit 2009,