Berliner Zeitung 24.08.2019

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Berliner Zeitung · N ummer 196 · 2 4./25. August 2019 19

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Schönes Wochenende

STADT, LAND, MENSCH

Im grünen

Paradies an

der Havel

KOCHSTUNDE

Rezept der Woche

Hummus-Sandwich

Annette Müller

und Petra Derksen

behüten den historischen

Landhausgarten

Dr.Fraenkel in Kladow –

und laden in ihr

Sommercafé ein

VonHolger Schmale

Kundig in Garten- und Kuchenfragen: Annette Müller (l.) und Petra Derksen.

Sollte man eine Rangliste der

schönsten Orte Berlins aufstellen

–dieser wäre sicher

ganz oben dabei. Dabei hat

er den Vorteil, weit draußen zu liegen,

was ihn davor bewahrt, eine

überlaufene Touristenattraktion zu

werden. Das wissen Petra Derksen

und Annette Müller besonders zu

schätzen, denn so bleibt der Landhausgarten

Dr. Fraenkel ein Juwel

am Ufer der Havel und ihr

Sommercafé ein heiterer Ort zum

Verweilen. Schon die Anreise ist bei

schönem Wetter das reine Vergnügen.

Denn der beste Wegdorthin beginnt

mit einer kleinen Seereise,von

Wannsee aus mit der BVG-Fähre

nach Kladow, und nach einem Spaziergang

entlang der Havel ist der

Garten bald erreicht.

Er ist ein Werk des Gartenarchitekten

Erwin Barth, dessen Arbeiten

seit den Zwanzigerjahren das Bild

Berlins mit prägen. Er hat die Volksparks

Jungfernheide, Rehberge und

Köpenick gestaltet, dazu viele grüne

Kleinode wie den Savignyplatz, den

Brixplatz oder den Klausenerplatz.

In Kladow schuf er für den jüdischen

Bankier MaxFraenkel einen in

Terrassen angelegten Landschaftsgarten

mit Blick über die Havel, der

heute vomBezirkSpandau sorgfältig

gepflegt wird. Nach Jahrzehnten der

Verwilderung, Zerstörung und

schließlich einer grundlegenden Sanierung

präsentiert ersich seit 2016

wieder in seinem Originalzustand

und kann im Sommerhalbjahr besichtigt

werden.

Durch eine glückliche Fügung

sind Petra Derksen und Annette

Müller Teil des Projekts geworden,

sie bewirtschaften das Sommercafé

und bieten Führungen an.

Sie sitzen an einem der heißen

Nachmittage dieses Sommers auf

der luftigen Terrasse über der Havel

und erzählen vonihrem wahr gewordenen

Traum. Ein Café in schöner

Umgebung mit gutem Kuchen, mit

Konzerten, Lesungen und dazu einem

weiten Blick, davon hatten die

Freundinnen –Gartenarchitektin die

eine, Landschaftsplanerin die andere

–schon immer einmal gesponnen.

Als das Spandauer Grünflächenamt

vor über zehn Jahren begann,

den Garten wieder aufzubauen

und an besonderen Tagen zu

öffnen, fragte die damalige Amtschefin

die Bäckerstochter Derksen, ob

sie da nicht mal Kaffee und Kuchen

anbieten könnte.

Die Idee funktionierte perfekt, in

kürzester Zeit waren die ersten beiden

Kuchenbleche leer. Und so begleiteten

die Freundinnen das Projekt

über die Jahre, Expertinnen in

Blick in den bezaubernden Landhausgarten

Gartenfragen und inzwischen auch

als Cafébetreiberinnen, seit 2016

sehr professionell in der umgebauten

einstigen Garage.

Bei den sonntags stattfindenden

Führungen konzentrieren sie sich

auf das kunstvoll gestaltete Gartendenkmal

mit Schmuckachsen, Rosen-

und Gemüsegarten, Obstbäumen,

Wildwiesen und Teichen. Ein

Thema ist aber auch die Geschichte

der Anlage, die eine sehr deutsche

ist. Der jüdische Bankier Fraenkel

flüchtete 1933 nach der Machtüber-

BLZ/PAULUS PONIZAK

BERLINER ZEITUNG/HOLGER SCHMALE

nahme der Nazis nach Frankreich.

Später wurde er enteignet –auf einer

Informationstafel findet sich dazu

die befremdliche Formulierung:

„1938 übereignete sich das Deutsche

Reich den Besitz Dr.Fraenkels.“

Nach 1945 übernahm das Land

Berlin das Gelände,errichtete darauf

eine Zollstation für den Schiffsverkehr

über die nahe gelegene DDR-

Grenzeund verpachtete Parzellen an

einen Anglerverein. Nach dem Fall

der Mauer wurde dann der hier verborgene

Schatz wiederentdeckt und

saniert.

Petra Derksen und Annette Müller

sind unzufrieden mit dem mangelnden

Wissen über Fraenkel. Der

Bezirk hat nun eine Historikerin beauftragt,

mehr über sein Leben und

sein Schicksal herauszufinden, damit

auch der einstige Hausherr und

Namensgeber hier angemessen gewürdigt

werden kann – und nicht

nur sein fabelhafter Garten.

Landhausgarten Dr.Max Fraenkel

Lüdickeweg 1, Kladow. Garten:Mo–Do 7.30–

14 Uhr,Café und Garten: Fr–So10–18 Uhr;

Führung sonntags 12 Uhr.

WeitereInfos: sommercafe-kladow.de

AmHummus scheiden sich die Nahost-Geister.Alle wollen

die Herkunft des Kichererbsengerichts für sich beanspruchen:

Libanon, Israel, Syrien. Wenn das das einzige Problem in

der Region wäre, dann wäredas ein Grund zur Freude.Worin

alle sich immerhin einig sind, ist der Anspruch, dass man die

trockenen Kichererbsen über Nacht einweichen sollte,damit

der Hummus die gewünschte Konsistenz erreicht. Aber wenn

es für die Lunchboxschnell gehen muss,kann man wie Luise

Vindahl und David Frenkiel in ihrem Buch „Die grüne Familienküche“

(Knesebeck, 35 Euro)zur Dosenvariante greifen.

Schmeckt trotzdem vorzüglich und kann jeden Herkunftstreit

bis auf weiteres schlichten. (sap.)

Zutaten

1Dose (400 g) Kichererbsen, abgespült und abgetropft

4ELcremige Erdnussbutter

oder helles Tahini (aus geschältem Sesam)

1Knoblauchzehe,geschält

2ELZitronensaft

½TLMeersalz

1TLgemahlener Zimt

¼TLgemahlener Kreuzkümmel

dünne Fladenbrote (Vollkorn)

grob geraspelte Möhren

knackige Salatblätter

Zubereitung

Sämtliche Zutaten für den Hummus mit 3ELheißem Wasser

im Mixer auf hoher Stufe pürieren. Abschmecken, bei

Bedarf noch etwas Wasser oder Zitronensaft zugeben und

erneut mixen, bis Konsistenz und Geschmack wie gewünscht

sind. Den Hummus in einem fest verschlossenen

Glas oder einer Frischhaltebox bis zu fünf Tage im Kühlschrank

lagern. Für die Sandwichrollen die Fladenbrote

mit etwas Erdnuss-Hummus bestreichen und mit geraspelten

Möhren und Salatblättern garnieren. Zusammenrollen,

in Stücke schneiden und in Butterbrotpapier oder

wiederverwendbare Bienenwachstücher einschlagen. In

die Lunchbox legen und mit weiteren Zugaben nach Wahl

ergänzen.

hypnotisches Ballett aufführen. Alles

wirkt locker, doch jeder Schritt ist

einstudiert – eine herzergreifende

Zirkusshow.

Das Rahmenprogramm, das die

Gründer mit 40 Freiwilligen auf die

Beine gestellt haben, ist ebenfalls

empfehlenswert. Konzerte, Workshops,

Ausstellungen und Publikumsgespräche

bringen Akrobaten,

Zirkusliebhaber und Laien zusammen.

Das ganze Festival steht unter

dem Motto„#rediscover–circus“: Der

Zirkus soll wiederentdeckt werden.

Die klassischen Disziplinen Artistik,

Jonglage,Akrobatik am Boden und in

der Luft sowie Clownerie mischen

sich mit Tanz, Theater, Performance

und Musik. Das schöne Außengelände

lädt ein, den Zirkusabend auf

dem Tempelhofer Feld ausklingen zu

lassen. An der Festivalbar gibt es Speisen

und Getränke. Und an den Wochenenden

spielen vorund nach den

ShowsBands.

TIPPS

Der Ort: Das Gelände des „Festivals für

zeitgenössischen Circus“ befindet sich

auf dem Tempelhofer Feld, nächster Eingang

über den Tempelhofer Damm 104.

Das Wochenend-Programm: Am Sonnabendund

Sonntag ist jeweils um

18.30Uhr die CompagnieDefracto mit

„Flaque“ und um 20 Uhr Cirk La Putykamit

„ADHD“ zu sehen. Außerdem gibt es noch

Vorstellungen vonanderen Ensembles.

Tickets: 9bis 20 Euro pro Veranstaltung,

Tagesticket 23 bis 48 Euro, Festivalticket

65 bis 135 Euro

Weitere Informationen unter

berlin-circus-festival.de

Szene aus der Show „ADHD“ von CirkLaPutyka JAKUB JELEN Artisten auf dem Tempelhofer Feld BERLIN CIRCUS FESTIVAL

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