Berliner Zeitung 24.08.2019

BerlinerVerlagGmbH

Berliner Zeitung · N ummer 196 · 2 4./25. August 2019 21

· ·

·······················································································································································································································································································

Sport

Der Rückkehrer

Es ist wahrscheinlich der

größte Transfer, den die Bundesliga

in dieser Saison zu bieten

hat: Uwe Gensheimer steht nach

drei Jahren bei Paris Saint-Germain

wieder bei den Rhein-Neckar-Löwen

unter Vertrag. Mit

dem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft,

der für viele als

bester Linksaußen der Welt gilt,

kehrt einer der bekanntesten

Handballer in die deutsche Liga

zurück.

Ein gutes Zeichen, nachdem

sich zuletzt immer mehr Spieler

in Richtung Ausland verabschiedeten,

wo die körperliche Belastung

geringer, das Gehalt hingegen

meist höher dotiertist. Trotzdem

zog es den 32 Jahre alten

Mannheimer wieder in die Heimat,

und das nicht nur,umnäher

bei der Familie zu sein. „Ich habe

auch die Stimmung in den deutschen

Hallen vermisst und den

Wettkampf in der Bundesliga. Sie

ist nämlich ohne Frage die ausgeglichenste

Liga der Welt“, äußerte

sich Gensheimer gegenüber der

Handballwoche.

In diesem Jahr debütieren außerdem

internationale Stars wie

Michal Jurecki (KSVive Kielce), Filip

Kuzmanovski (Eurofarm Rabotnik/MKD),

Dejan Milosavljev

(Vardar Skopje/MKD) und Marko

Mamic (KS Kielce) in der Bundesliga.

(cap.)

Die Aufsteiger

Inder 54. Bundesliga-Saison ist

das Feld der achtzehn Mannschaften

wieder sehr ausgeglichen.

Nach zwei Jahren in der

Zweiten Liga gelang der Mannschaft

aus dem kleinen Balingen

der Wiederaufstieg. DasTeam um

Nationalspieler Martin Strobel

bestimmte in der zurückliegenden

Saison die Zweite Liga und

hofft, auch in der Erstklassigkeit

bestehen zu können.

Ebenfalls zurück in der Bundesliga

ist die HSG Nordhorn.

Nach dem Zwangsabstieg 2009

wegen Insolvenz gelang der

Mannschaft der Aufstieg. Der

EHF-Pokalsieger von2008 wirdes

in der Ersten Liga sicher nicht einfach

haben. Allerdings gelangen

den Nordhornern zwei Transfer-

Coups: Zumeinen konnte der frühere

isländische Nationaltrainer

Geir Sveinsson verpflichtet werden,

zum anderen unterstützt RobertWeber,Torschützenkönig

der

Bundesligasaison 2014/2015, den

Verein neuerdings auf Rechtsaußen.

(cap.)

Bruderliebe hin oder her

Zum Start der Handball-Bundesliga trifft Füchse-Zugang Michael Müller in Leipzig auf seinen Zwilling

VonCarolin Paul

Der Ruf des Haudegens

der Liga ist Michael Müller

vielerorts sicher. Abseits

vom Feld könnte

dieses Urteil allerdings nicht weiter

von der Realität entfernt sein. Beobachtet

man den Zugang bei den

Füchsen, fällt als erstes eines auf:

gute Laune. Entspannt schnackt der

34-Jährige mit seinen Mannschaftskammeraden,

macht Witze, lacht

selbst und scheint vollends in der

Hauptstadt angekommen zu sein.

In einem Großteil der Hallen wird

er dennoch mit einem Pfeifkonzert

begrüßt und gilt er als einer der unliebsamsten

Gegenspieler der Handball-Bundesliga.

Ein Phänomen,

über das der Rückraumspieler nur

schmunzeln kann: „Wenn man sich

die Statistik anschaut, stehen da

ganz andere Typen oben. Das ist etwas,was

man sich vielleicht über die

Jahre erarbeitet hat. Aber dann

müsste ich pro Saison zwanzig Rote

Karten haben.“

Weit oben in der Tabelle der meisten

Strafminuten, die im übrigen

Füchse-Geschäftsstellenleiter Volker

Zerbe anführt, steht jedoch sein

Zwillingsbruder Philipp, mit dem er

die vergangenen JahreinMelsungen

zusammengespielt hat – vielleicht

ein Grund für die Verwirrung. „Das

könnte sein“, lenkt der Neu-Berliner

ein, „für viele ist es einfach nur der

Müller. Doch ehrlich gesagt, finde

ich es nicht so schlimm, wenn alle

schreien und mich beleidigen.“

Zimmerpartner Heinevetter

Im Gegenteil, die wütende Menge

scheint den Rückraumspieler zu motivieren.

Vielleicht versteht er sich

auch deswegen so gut mit Silvio Heinevetter.

Der Berliner Schlussmann

lebt ja ebenfalls durch die Emotionen

auf dem Feld. Außerdem gehörte

Heinevetter, zu denjenigen,

die Müller vonMelsungen nach Berlin

gelotst haben –nur um dann im

nächsten Jahr selbst nach Hessen

weiterzuziehen.

Auf das gemeinsame Jahr freut

sich Müller.Erund Heinevetter kennen

sich aus der Nationalmannschaft,

haben sich dort wie hier das

Zimmer geteilt. Das hat Müller die

Eingewöhnung erleichtert. „Ich war

mehr als sechs Jahre aneinem Ort

und wusste, wie der Hase läuft. Jetzt

ist das wieder anders.Man kommt in

eine neue Mannschaft und eine

neue Stadt und muss die Eindrücke

erst mal wirken lassen“, sagt der gebürtige

Würzburger.„Aber da wurde

ich mit offenen Armen empfangen

und es hat vom ersten TaganSpaß

Findet es nicht schlimm, wenn alle schreien und ihn beleidigen: Michael Müller

„Es hat vom ersten TaganSpaß gemacht.

Ich lache viel. Ich glaube, das ist ein

sehr gutes Zeichen.“

Michael Müller hat sich schnell an seine neue Handball-Umgebung

bei den Füchsen Berlin gewöhnt.

A. GORA

gemacht. Ich lache viel. Ich glaube,

das ist ein sehr gutes Zeichen.“

Nureine Sache ist Müller in Berlin

nicht ganz geheuer:der Verkehr.Aus

Respekt vordem Trubel auf den Straßen

ist er in die Nähe des Sportforums

nach Weißensee gezogen, von

wo aus er nur acht Minuten mit dem

Fahrrad zum Training braucht. Und

wenn dann doch mal eine weitere

Tour mit dem Auto ansteht, wohnen

Fabian Wiede und Paul Drux in der

Nähe,umStarthilfe zu geben.

Erst mal vorfühlen

Diewar auch sportlich zunächst nötig.

Schließlich musste der 34-Jährige,der

bei seinem ehemaligen Verein

in Melsungen einer der tragenden

Spieler war,bei den Füchsen zunächst

seine neue Rolle finden. „Es

ist nicht meine Art, in eine Mannschaft

zu kommen, die eine gute

Struktur hat und erfolgreich ist, und

einfach hereinzubreschen. Da wollte

ich erst mal vorfühlen und nicht mit

der Faust auf den Tisch hauen und so

weitermachen wie die letzten Jahre.“

Mittlerweile funktionieren die

Absprachen allerdings immer besser

und Müller ist sich sicher, dass es

beim ersten Bundesliga-Spiel

ebenso mit der Aggressivität passt.

Denn gerade dieser Aspekt schien

bei ihm und den Füchsen in der Vorbereitungsphase

noch ausbaufähig

zu sein.

Der Auftakt gegen Leipzig hat für

Müller jedoch zusätzlich eine andere

Brisanz. Nach einer gefühlten Ewigkeit

trifft er auf seinen Zwillingsbruder

auf der gegnerischen Seite. Als

beide im Juni Hessen verließen, zog

es den „Kleinen“ –auf die fünf Minuten

Vorsprung legt Michael wert –

nach Leipzig, während der „Große“

das Angebot aus Berlin annahm.

Jetzt müssen die Brüder in der ersten

Bundesliga-Partie der Saison (Arena

Leipzig, 13.30 Uhr) gegeneinander

antreten.

„Es war natürlich schöner,als wir

noch miteinander gespielt haben.

Das wird unangenehm, vor allem

weil wir direkt gegeneinander spielen

und genau wissen, wie der andere

tickt. Ich hoffe, dass es nicht

allzu oft vorkommt“, blickt der Neufuchs

auf die Begegnung.

Trotz der ungewohnten Situation

steht für ihn aber außer Frage, dass

die Familienbande während des

Spiels in den Hintergrund tritt: „Sobald

das Spiel anfängt, blendet man

das aus. Dann ist es ein Gegner wie

jeder andere.“ ImFüchse-Trikot gilt

dann das Gleiche wie in den Jahren

zuvor: Müller wird mit vollem Körpereinsatz

agieren, Bruderliebe hin

oder her.

Der Favorit

Magdeburgführte er als erstes

deutsches Team zum Gewinn

der Champions League,Kiel

zu zwanzig Titeln in elf Jahren: Alfred

Gislason war einer der größten

Trainer,den die Bundesliga zu

bieten hatte. Der THW Kiel will

unter dem neuen Coach Filip

Jícha nach vier Jahren wieder

Meister werden. DieChancen stehen

gut. Ohne gravierende personelle

Veränderungen und mit einem

erstklassigen Kader ist der

THW der Titelfavorit.

Die Liste der Verfolger ist jedoch

lang, an ihrer Spitzesteht Titelverteidiger

Flensburg-Handewitt,

der im 100. Nordderby am

Mittwoch seine Stärke zeigte und

gegen Kiel im Siebenmeterwerfen

den Super Cup gewann. Wieder

oben mitspielen wollen die

Rhein-Neckar-Löwen. Doch auch

die Mannheimer haben den Abgang

eines Großen zu verkraften.

DerdänischeWeltmeister-Trainer

Nikolaj Jacobsen hat den Verein

verlassen und das Amt in die

Hände des Isländers Kristján

Andrésson übergeben.

Mit vier weiteren Zugängen –

darunter Nationalspieler Uwe

Gensheimer –könnten die Löwen

in diesem Jahr wieder angreifen.

Für Überraschungen gut sind außerdem

die Mannschaften aus

Melsungen und Magdeburgsowie

die Füchse Berlin. (cap.)

Die Neuerungen

Die auffallendste Änderung in

diesem Jahr ist der Hauptsponsor

der Bundesliga (HBL).

Bis mindestens 2022 ist ein Öl-

Hersteller neuer Namensgeber,

wofür die HBL rund 1,8 Millionen

Euro proSaison erhält.

Innovativ ist außerdem die Daten-Erfassung

bei den Begegnungen.

Ein sogenannter iBall wird

benutzt, um unter anderem die

Wurfgeschwindigkeiten zu messen.

Außerdem tragen die Spieler

Analyse-Chips in ihren Trikots.

Mithilfe der neuen Technologie

sollen Daten wie Sprunghöhe,

Laufgeschwindigkeit und Laufweg

sowie Energieverbrauch in

Echtzeit gemessen werden.

Unverändert bleibt die Situatioan

bei den Fernsehübertragungen.

Alle 306 Partien werden bei

Sky im Pay-TV zu sehen sein,

während die ARD mindestens vier

Spiele zeigt, die Dritten Programme

zusätzlich acht. Wie gehabt

wird donnerstags (19 Uhr)

und sonntags (13.30/16 Uhr) gespielt.

(cap.)

Ganz flexibel, ganz Berlin.

Sie haben die Wahl: Die Berliner Zeitung gedruckt oder als Duo lesen und flexible Laufzeit sichern!

Klassik

Berliner Zeitung

gedruckt lesen

+monatlich kündbar *

45,90 e mtl.

Bestensinformiert: vonMontag bis Sonnabend die

wichtigsten Themen der Stadtund aus der Welt

Mehr Berlin: mitFokus aufdie Wirtschaft und Politik

derHauptstadtsowie Tippsfür eintollesWochenende

Komfortabel: diegedruckteAusgabe bequem frei

Haus oder diedigitaleAusgabe einfach herunterladen

Nurfür Abonnenten: exklusiveAngebote wie

Gratis-Tickets,Ermäßigungenund vieles mehr

Duo

Berliner Zeitung digital und

samstagsgedruckt lesen

+monatlichkündbar *

33,99 e mtl.

Bestellnummer: 72984/1 Bestellnummer: 72984/3/4

Jetztbestellen und Angebot IhrerWahl sichern:

(030) 2400 25 oder unter berliner-zeitung.de/flexabo

*Das Abonnement kann jeweils bis zum 10. des Monats schriftlich zum Monatsende gekündigtwerden. Ihnen steht ein gesetzliches Widerrufsrecht zu. Alle Informationen über diesesRechtund die Widerrufsbelehrung finden Sie unter www.berliner-zeitung.de/widerruf

Berliner Verlag GmbH, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine