Berliner Zeitung 24.08.2019

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26 Berliner Zeitung · N ummer 196 · 2 4./25. August 2019

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Feuilleton

SONNTAGSKRIMI

Blut

und

Boden

VonTorsten Wahl

Zuihrem Glück kapiertKommissarinOlga

Lenski (Maria Simon) gar

nicht, was der polnische Heimatfrontler

ihr da an den Kopf schleudert.

„Die Nazi-Schlampe soll gefälligst

polnisch reden!“ Der Zuschauer

versteht das schon –denn er hat ja

Untertitel. Lenskis Kollege Raczek

(Lucas Gregorowicz) aber bietet dem

Kerl Paroli. Der „Polizeiruf“ aus

Frankfurt an der Oder nimmt sein

deutsch-polnisches Anliegen sehr

ernst und steigt kurzvor dem 80. Jahrestags

des deutschen Überfalls tief in

die Konflikte ein, die aus der Historie

in die aktuelle Politik hinüberreichen.

Schauplatz der Auseinandersetzungen

ist ein kleiner Bauernhof, auf

dem die Ruine eines deutschen Herrenhauses

steht. Der Bauer will’s behalten,

seine deutsche Frau verkaufen.

Die Heimatfront und demonstrierende

Bauernkämpfen verbissen

gegen Agrarkonzerne, die über polnische

Strohmänner Land aufkaufen.

Jenseits der Oder interessieren

sich weitere Deutsche für das Land:

Sie spielen im Wald Krieg, wähnen

sich immer noch in der preußischen

„Provinz Brandenburg“ und fahren

in Jeeps mit reichsdeutschen Kennzeichen

gen Osten. Unterstützung

finden sie in einer Bilderbuch-Adligen

(Gudrun Ritter), die mit ihrem

alerten Sohn (Hanns Zischler) ins

Heimatgut zurückkehren will.

Die Methoden, mit denen die

Männer um Blut und Boden kämpfen,

sind brutal: Finger werden abgeschnitten,

Ställe abgefackelt, Schrotflinten

und Pistolen in Anschlag gebracht.

Kommissarin Lenski hofft angesichts

der Heimatverblendeten auf

beiden Seiten schließlich, die Idioten

mögen sich gegenseitig erschießen.

Kollege Raczek aber will weiter aufklären

–und gibt immer wieder Kurzreferate

über das komplizierte

deutsch-polnische Verhältnis. Insgesamt

aber ist es dem Autor und Regisseur

Christian Bach in seinem Fernsehdebüt

gelungen, die verschiedenen

Perspektiven rund um das

Thema Bodenspekulation geschickt

zu verbinden und dabei auch in die

Zukunft zu blicken: Eine Hauptfigur

des Krimis ist der 14-jährige Sohn des

Hofbesitzers, der zwischen den

Kämpfen fast zerrissen wird.

Polizeiruf 110: Heimatliebe So, 20.15 Uhr, ARD

Olga Lenski (Maria Simon) und Adam

Raczek (Lucas Gregorowicz, r.) RBB/O. FEIST

TOP 10

Donnerstag,22. August

1 Der Lissabon-Krimi ARD 3,8 15 %

2 Tagesschau ARD 3,7 16 %

3 Mein ziemlich … ZDF 3,4 13 %

4 heute journal ARD 3,3 13 %

5 heute ZDF 3,1 17 %

6 Notruf Hafenkante ZDF 2,8 13 %

7 SOKOStuttgart ZDF 2,6 18%

8 Panorama ARD 2,5 10 %

9 Tagesthemen ARD 2,4 11 %

10 GZSZ RTL 2,3 11 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %

„Jetzt“ heißt das Album, das Peter Maffaymit 70 Jahren herausbringt, und der Titel benennt den Zeitpunkt, an dem es nötig ist, endlich zu handeln.

„Ich lebe

WOLFGANG KÖHLER

Siebzig Jahre Leben, fünfzig

Jahre auf der Bühne und

zum Geburtstag ein neues

Album: „Jetzt!“ −Peter Maffay

hat Grund zu feiern. Und erwill

keine Zeit verlieren. Vorneun Monaten

kam die jüngste Tochter Anouk

auf die Welt, die Beziehung zu seiner

aktuellen Partnerin Hendrikje Balsmeyer,

32, ist auch noch frisch, da

will er nicht trödeln. Peter Maffay

zeigt sich wie immer als eisenharter,

disziplinierter Arbeiter,nicht nur auf

der Bühne und im Studio, sondern

auch bei der Vermarktung. Eine Woche

lang hat er Interviews in München,

Berlin und im Ruhrgebiet gegeben,

die Tage sind randvoll. Auch

regionale Medien werden bedacht.

So etwas fiele UdoLindenbergschon

lange nicht mehr ein, Grönemeyer

hat die Praxis gar nicht erst eingeführt.

Aber es versteht sich ja auch

sonst niemand als so nahbar und als

Kämpfernatur wie Peter Maffay. Im

September geht er sogar auf Autogrammstunden-Tournee.

Peter Alexander Makkay siedelte

als 13-Jähriger mit seiner Familie aus

Siebenbürgen nach Deutschland

über und wurde 1969 auf einer

Münchner Kleinkunstbühne von

Roswitha Kunze entdeckt, seit Jahrzehnten

Ehefrau des Autors und

Liedtexters Michael Kunze. Kunze

schrieb damals einen klasse Text für

den Schlager „Du“, der Peter Maffay

auf einen Schlag berühmt machte.

Nur, dass der Schlagersänger sehr

bald keiner mehr sein wollte, sondern

ein Rockmusiker mit eigenen

Titeln.

Hatgeklappt. Trotzdem wehrte er

sich Zeit seines Lebens gegen das

frühe Image. Erzählte längst zu den

erfolgreichsten deutschen Popmusikern,

als er „Du“ irgendwann wieder

zu sich auf die Bühne ließ. Nun

thront es neu arrangiert und selbstverliebt

neben „Sonne in der Nacht“

und „So bist du“ auf Maffays Liste

der Unsterblichkeitssongs.Eswill da

nicht mehr weg.

Das Album „Jetzt!“ liegt zu Maffays

Medientagen noch nicht als CD

vor, einige Titel werden Journalisten

schubweise im Berliner Hansa-Studio

vorgespielt. Dazu gibt es einen

Film über die Entstehung des Albums.

Bei der Musik handelt es sich

leicht erkennbar um Maffay –mit gefühligen

Balladen, lautem Gitarrenrock,

die meisten Songs von ihm

selbst. Einer handelt von Gott. Angeblich

werden neue Wege gegangen,

„weg von alten Spielmustern“ –

aber nach dem ersten Hören merkt

man davon nichts.Etliche Texte machen

nicht mal Anstalten, vomunerschrockenen

Schlagerkitsch abzurücken:

„Alles,was ich brauche,ist Luft

und Liebe“ oder „Ich würd’ noch

hunderttausend Mal mein Herz an

dich verschenken –für einen Kuss

dafür“. Ein anderer Titel indes ist

sehr griffig und melodiös, stellt den

politischen Anspruch des Albums

heraus: „Morgen“.

Das Video dazu steht schon online

und zeigt ein martialischesWeltuntergangsszenario,

in dem Hitler,

Nazis, Erschießungen, Atombomben,

Giftgas vorkommen, aber auch

Massentierhaltung, Großwildjagd,

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