Berliner Zeitung 24.08.2019

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Berliner Zeitung · N ummer 196 · 2 4./25. August 2019 B3

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Reise

VonMarc Vorsatz

Die Szenerie hat etwas Gespenstisches.Ein

Geisterschiff.

Irgendwo im Nirgendwo

in pechschwarzer

Nacht. Ein großer knarrender

Holzpott, der ein giftgrünes Licht

auf die Andamanische See wirft. An

die 20 mega-starke Glühlampen

tanzen an seinen Auslegern über

dem Wasser.

Das will sich Robby„Ernie“ Devlindoch

mal etwas genauer ansehen.

Er ist der Skipper des Katamarans

Meltemi, der sechs Gäste exklusiv ins

Reich der letzten Seenomaden, das

Mergui-Archipel vor der Küste

Myanmars (früher: Burma), schippert.

Auf der abgewetzten Reling

sitzt ein Moke, „ein vom Meer Verschlungener“,

ein Seenomade. Mit

einem Enterhaken hievt Maung Khine

blitzschnell einen Hornhecht

nach dem anderen an Deck. Dasgrüne

Lichthat die schlankenRäuber zu

Tausenden an die Oberfläche des

Andamanen-Meeres, eines Teils des

Indischen Ozeans,gelockt.

Kulinarischer Segen

So fischen die Moken also heute.

Noch vor ein paar Jahren legten sie

großen Wert darauf, als Sea Hunter

undnicht als Fischer tituliertzuwerden:

Jäger der Meere, die mit einem

Speer Beute machen. Das ist selten

geworden. Die meisten Moken sind

inzwischen sesshaft. Denn die moderne

Festlands-Zivilisation mit all

ihren Regeln und Gesetzen, mit ihren

schnittigen Motorbooten, Geld,

Fernsehern und Handys ist gerade

dabei, die Seenomaden zu assimilieren.

Nur zwei Tage zuvor startete

unsere Seereise in eben dieser Fest-

Als Sea Hunters, also als Jäger der Meere und nicht als Fischer,sehen sich die Seenomaden im Indischen Ozean selbst. MARC VORSATZ (2) Wie alt sie sind, wissen die Kinder nicht.

Im Reich der Seenomaden

Eine Segeltour durch die geheimnisvolle Inselwelt des Andamanen-Meeres vor Myanmar

An Bord: An Bord der Meltemi herrscht

legere Wohlfühl-Atmosphäre, die Kabinen

sind großzügig geschnitten. Zuvorkommender

Service, abwechslungsreiches

und schmackhaftes Essen mit frisch gefangenem

Fisch. Wer will, kann aktiv mitsegeln

und angeln.

KURZ UND KNAPP

Angebot: Myanmar auf dem Wasser erleben

heißt die 24-tägige Reise mit Andamanen-Segeltörn,

Flusskreuzfahrt Irrawaddy

mit Bagan, Mandalay sowie Inle

See, Yangon und kurzer Badeverlängerung

Thailand, ab 8490 Euro.

www.geoplan-reisen.de

landszivilisation. Die Schiffsjungen

Kayin und Zolay begrüßen jeden

Gast mit einem herzlichen „mingalaba“

– möge Segen über dich

kommen. Der erste Segen, der über

die Gäste kommt, ist ein kulinarischer:

Gegrillter Red Snapper mit

grünem Papaya-Salat auf Wildreis,

dazu einfranzösischer Chardonnay.

Einfach köstlich.

Den nächsten Morgen lassen alle

ganz gemütlich angehen. Eine Runde

entspannt planschen im türkisfarbenen

Wasser, das es locker mit

den Malediven oder der Karibik aufnehmen

könnte. Käpt´n Ernie

nimmt Kurs auf Insel 115. Von den

über 800 Inseln und noch viel mehr

Inselchen hat bei weitem nicht jede

einen Namen. Kleine, karge, felsige,

größere mit dichtem Gestrüpp, große

mit Regenwald, Palmen und versteckten

Badebuchten. Die von der

Sorte, bei der man amMorgen nur

eine einzige Spur im Sand entdeckt:

die eigene vomAbend zuvor.

Eine dieser Traumbuchten liegt

auf Jar Lann Kyung Island. Wahlweise

mit Dingi oder Kajak geht es

schnurstracks ins Paradies. Denn so

in etwa muss es wohl aussehen, da

sind sich alle einig. Dem will dann

auch jeder Ewigkeit verleihen und

fotografiert, was das Zeug hält. Doch

nach ein paar Stunden, als der Hungermit

scharfem Zahn zu nagen beginnt,

scheint die Meltemi wieder

viel spannender als das lieblichste

Paradies.Kayin und Zolay haben bereits

feinstes Sashimi zubereitet. Am

Morgen ging ihnen ein stattlicher

Wahoo an denHaken.

Zeit spielt keine Rolle

Am nächsten Tagläuft die Meltemi

das Moken-DorfMaKyone Galet auf

Lampi Island an. Kinder rennen den

Segeltouristen freudestrahlend entgegen,

laden sie in ihre Schule ein.

Niedlich sehen die ABC-Schützen

aus, die hübsche Thet Thet Zon

strahlt in die Kameras.Obihr Schule

Spaß mache? Sehr sogar. Sie gehe in

die erste Klasse, aber wie alt sie sei,

wisse sie nicht. „Für Moken spielt

Zeit keine Rolle,sie zählen keine Jahre.

Noch nicht“, erklärt Dr. Rossella

Rossi. Sieist die Direktorin des Instituto

Oikos, einer italienischen Non-

Profit-Organisation, sie sich auf

Lampi für die Rechte der Moken

stark macht, sich für Nachhaltigkeit

und den Erhalt des einzigartigen

Ökosystems einsetzt.

Die späteren Kinder von Thet

Thet Zon werden sicher wissen,

wann sie geboren wurden. Und

Maung Khine mit seinem Scheinwerfer

auf dem Boot ist schon heute

kein Jäger mehr.Etwas nachdenklich

segeln die Besucher wieder zurück in

ihreWelt.

Wasserlandschaften

Zwischen Watt und Waddenzeezeedijk: In den

Niederlanden gibt es viel außergewöhnliche Natur

Von Klaus Kronsbein

Anwenigen Orten auf der Welt ist

die Natur auf so engem Raum so

vielfältig wie inden Niederlanden.

Sieist geprägt vonder Zusammenarbeit

vonLand und Wasser,von Natur

und Mensch. Vorallem die Nationalparks

NLDelta, Hollandse Duinen

und das Unesco-Welterbe Wattenmeer

sind Vorreiter.Gemeinsam mit

dem Niederländischen Bürofür Tourismus

&Convention (NBTC)haben

wir einige Tipps zusammengestellt.

Über den Boden des Wattenmeers

führt eine abendliche Wanderung

am 2. September. Unter Begleitung

eines erfahrenenWattwanderführers

lernen die Teilnehmer

der „Zwielicht-Wanderung“ den

Nationalparkund Unesco-Welterbe

Wattenmeer kennen. Ausgangspunkt

ist das friesische Wierum am

Waddenzeezeedijk.

Noch den gesamten September

hindurch verkehren übrigens die

Fähren „Linquenda II“ und „Hoeksche

Vaart“ an den Wochenenden

auf dem Haringvliet im Nationalpark

NLDelta. DieFähren bringen Naturliebhaber

in das Naturgebiet Tiengemeten

und legen auch bei Hellevoetsluis,Stellendam,

Middelharnis,

Willemstad, Numansdorp,Stadaan‘t

Haringvliet und Nieuwendijk an. Besucher

können die kleine Naturinsel

Tiengemeten erkunden, Biber-Spuren

entdecken oder schottische

Hochlandrinder beobachten. Sehenswert:

Das Naturgebiet Scheelhoek

und das Tij, ein außergewöhnlich

gestaltetes Vogel-Observatorium.

Zudem kann man durch die

Dünen des „Kwade Hoek“ wandern

und Orchideen sehen.

Mehr als 100 Drachenflieger sorgen

am letzten Septemberwochenende

wieder für ein großes,

farbenprächtiges Schauspiel über

dem Strandboulevard von Scheveningen

im Nationalpark Hollandse

Duinen.Vom 28. bis zum 29.September

überflattern wieder Sterne,

Schnecken, Fische und andere Figuren

den Himmel. Interessierte können

an einem Workshop für Kunstdrachenflüge

teilnehmen. Das

Nachtdrachenfliegen am Samstagabend

mit Tausenden von Lichtern

in der Luft verleiht der Umgebung

einezauberhafte Atmosphäre.

Im Nationalpark NLDelta befinden

sich auch die Naturgebiete Hellegatsplaten

und Ventjagersplaten,

die bis vor kurzem nur schwer zu

erreichen waren. Mitdem neuen Vogelboulevard

hat sich dies geändert.

Dort entstanden vier Vogel-Beobachtungshütten

und ein Aussichtsturm.

Hobbyornithologen können

hier das ganzeJahr über Vögel beobachten.

Zu sehen sind unter anderem

Säbelschnäbler, Löffelreiher,

Schwarzkopfmöwen und Fischadler,

aber auch Wasservögel, Raubvögel,

Stelzenläufer und Rietvögel.

immo Platzfür die

ganzeFamilie.

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Der niederländische Nationalpark NLDelta von oben.

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