Berliner Zeitung 24.08.2019

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B4 Berliner Zeitung · N ummer 196 · 2 4./25. August 2019

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Karriere

Terminkalender

Tag der offenen Tür

Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule

Wann: Freitag, 06.09.2019, 16–19 Uhr

Samstag, 23.11.2019, 10–13 Uhr

Wo: Neues Ufer 6|10553 Berlin

www.hvs-schule-berlin.de

Am 16.09.2019 starten unsere Ausbildungen

in den Bereichen Medien- und ITsowie

3D/-Gamedesign und Mediengestaltung.

GPB mbH Berlin-Neukölln

Juliusstraße 2|12051 Berlin

www.GPB.de |Tel. 030 403 6659-40

NACHRICHTEN

Eltern unterstützen

Jugendliche bei Studienwahl

Ein Großteil der angehenden Studierenden

in Deutschland tauscht

sich bei derWahl eines Studiums

mit den Eltern aus. Das hat das

Marktforschungsinstitut Respondi

in einer repräsentativen Umfrage

herausgefunden. Fast acht von

zehn Jugendlichen (78 Prozent)

gaben darin an, dass ihre Eltern sie

zum Studienwunsch beraten

haben. Dabei sind Eltern und

Nachwuchs oft auf einer Linie:

85 Prozent der Jugendlichen fühlen

sich von den Eltern bei ihrer Wahl

unterstützt. Nahezu ebenso viele

(84 Prozent) erhielten von ihren

Eltern den Rat, etwas zu studieren,

das den eigenen Interessen entspricht.

Dagegen sagte nur jeder

Zehnte, dass die Eltern esvorziehen

würden, wenn der Nachwuchs

eine Ausbildung macht. 14 Prozent

der Jugendlichen sollten, wenn es

nach den Eltern geht, lieber ein

anderes Studienfach wählen. (dpa)

Berufs- und Studienwahl ist meist Thema für

den Familienrat.

GETTYIMAGES/SAM EDWARDS

Kein Anspruch auf ein

Arbeitszeugnis auf Englisch

Die Arbeitswelt wird internationaler:

InZeiten der Globalisierung

streckt so mancher Arbeitnehmer

seine Fühler auch ins Ausland ausund

umgekehrt. Für die Bewerbung

braucht es dann oftmals englischsprachige

Unterlagen. Doch wie

sieht es mit dem Arbeitszeugnis

aus? „Sich einfach ein deutsches

Arbeitszeugnis auf Englisch erteilen

zu lassen, das muss der Arbeitgeber

nicht mitmachen“, sagt Alexander

Bredereck, Fachanwalt für

Arbeitsrecht in Berlin. Grundsätzlich

haben Arbeitnehmer also keinen

Anspruch auf ein Zeugnis auf

Englisch. Es gebe aber Unternehmen,

die etwa auch Arbeitsverträge

auf Deutsch und Englisch ausstellen.

„Daraus kann sich ein

Anspruch ableiten“, sagt Bredereck.

(dpa)

Word: So lässt sich der

Schreibschutz aufheben

Manchmal lassen sich Word-Dokumente

unter Microsoft Office nicht

bearbeiten, weil sieschreibgeschützt

sind. Dieser Schutz lässt sichaber

auch wieder aufheben.Dazu öffnet

man im Menü den Punkt „Datei“,

klickt auf „Dokument schützen“ und

dann auf „Bearbeitung einschränken“.

Dann schließt sich das Menü

automatisch wieder undamrechten

Bildrand erscheint ein Bearbeitungsfenster,indem

man ganz

unten auf dieSchaltfläche „Schutz

aufheben“ klicken muss.Sollte zum

Schutz des Dokumentsein Passwort

festgelegt worden sein, muss dieses

noch eingegeben werden, ansonsten

lässt sich das Dokument sofortbearbeiten.

(dpa)

Ihre Arbeit beginnt beim Wareneingang.

Da wo, große Ladungen

der Rohware ankommen:

Getreide, Fleisch, Kakao oder

Wannen voll kleiner Gurken. Fachkräfte

für Lebensmitteltechnik kümmern

sich darum, dass aus diesen

Nahrungsmitteln verkaufsfertige Produkte

werden, die der Verbraucher

dann im Einzelhandel findet.

Bis1980 hieß der Ausbildungsberuf

Obst- und Gemüsekonservierer.

Undumkonserviertes Gemüse geht

es im Berufsalltag von Tina Pabst

noch immer. Die 27-Jährige ist Auszubildende

beim Feinkosthersteller

Kühne im Werk Schweinfurt. In ihrer

grünen Arbeitskleidung, die Haare

sicher unter einem Netz verstaut, begleitet

sie Gemüse von der Anlieferung

bis ins verschraubte Glas.

Vor ihrem Start bei Kühne hat

Pabst bereits eine Ausbildung zur

Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk

gemacht. Die Arbeit als

Fachkraft für Lebensmitteltechnik

gefällt ihr aber besser. „Man muss

sehr genau arbeiten, um gute Qualität

herzustellen“, sagt sie. „Lebensmitteltechniker

sind die Herren

über die Produkte und Rezepturen

in der Nahrungsmittelbranche“, erklärtStefanie

Sabet, Geschäftsführerin

bei der Arbeitgebervereinigung

Nahrung und Genuss (ANG). Wer

die Ausbildung anstrebt, sollte daher„Liebe

zum Essen und Trinken“

mitbringen.

Einhaltung der Hygienestandards

Und natürlich Verantwortungsbewusstsein:

Die Fachkräfte kontrollieren

den gesamten Produktionsprozess

sowie die Einhaltung der

Hygienestandards. Nicht zuletzt

sollte einem der Umgang mit Maschinen

und Technik liegen, denn

deren Einsatz wird inZukunft noch

zunehmen.

Nachdem die Rohwareeingetroffen

ist, erfolgt die Qualitätskontrolle.

Nach hohen Standards beurteilen

die Fachkräfte, was zur Weiterverarbeitung

zugelassen wird. „Wir verlesen

die Gurken, krumme und stückige

werden aussortiert und als geschnittene

Ware weiterverarbeitet“,

erzählt Horst Hofmann, der bei Küh-

Liebe zum Essen: So arbeiten

Lebensmitteltechniker

Wie kommt eigentlich die Gewürzgurke

ins Glas? In vielen Schritten, von denen jeder

fachkundig begleitet wird

VonAmelie Breitenhuber

Es geht um den richtigen Geschmack: Damit Gewürzgurken in einwandfreier Qualität beim Konsumenten landen,prüfen Fachkräfte für Lebensmitteltechnik alle Stationen derVerarbeitung. DPA (2)

Lebensmittel sind Naturprodukte: Jede Ernte ist anders

ne für die Ausbildung in diesem Fach

zuständig ist.

Danach machen die Gurken ihren

Weg durch die Produktionslinien.

Sie werden gewaschen, vorblanchiert,

mit Essig aufgegossen,

abgefüllt und eingekocht. Die Fachkräfte

für Lebensmitteltechnik haben

ein Auge darauf, dass an allen

Maschinen und Stationen die Parameter

und Temperaturen richtig eingestellt

sind, erklärt Hofmann. Und

davon gibt es viele: DieSchneidemaschine,dieWaagen,

die Aufgussstation

oder den Blancheur zum Beispiel.

Damit am Ende ein einwandfreies

Produkt inden Handel kommt, begleiten

die Fachkräfte auch die Etikettierung

und Verpackung.

In der Berufsschule lernen die

Auszubildenden alles,was sie zu Lebensmitteln

wissen müssen. „Es

geht um Vitamine und Enzyme oder

Mikrobiologie“, erzählt Tina Pabst.

Auf ihrem Stundenplan stehen auch

noch Fächer wie „Herstellenvon Getränken“,

„Reinigung und Desinfektion

der Maschinen“ oder „Gewürze,

Kräuter und Aromen“.

Das Fachwissen ist wichtig, damit

die Azubis in der Praxis gut zurechtkommen.

Denn keine Ernte ist

identisch, wie Sabet sagt. „Da müssen

die Rezepte immer angepasst

und die Maschinen entsprechend

eingestelltwerden.“

Die Lebensmittelproduktion findet

oft im Schichtbetrieb statt. So

muss auch Pabst bei Kühne entweder

frühmorgens oder nachmittags

anfangen –jenach Schicht.„Wir sind

außerdem ein Saisonbetrieb“, sagt

Ausbilder Hofmann. Die Gewürzgurken-Hauptsaison

beginne mit

der Freibaderöffnung, und ende

kurzvorWeihnachten. In der Nebensaison

werde anweniger Linien gearbeitet

und etwa verstärkt Bohnensalat

und Rote Grütze produziert.

„Darauf muss man sich einstellen“,

so Hofmann.

Sabet betont, dass die Lebensmitteltechnik

eine kreative Branche ist.

DieLebenszyklen der Produkte seien

kurz,regelmäßig müsse geprüft werden,

was beim Verbraucher gut ankommt.

„Da passiert ständig was

Neues.“ Fachkräfte für Lebensmitteltechnik

begleiten diese Entwicklungen:

Etwa, wenn Wurstwarenhersteller

ein neues Sortiment entwerfenund

zum Beispiel neue Rohstoffe

für ein vegetarisches Produkt verarbeiten

möchten.

Die Ausbildung zur Fachkraft Lebensmitteltechnik

steht in der Regel

allen offen, ein bestimmterSchulabschluss

ist nicht vorgeschrieben.

„55 Prozent der Azubis haben einen

Realschulabschluss“, sagt Sabet.

Start-ups und Großkonzerne

Die Ausbildungsvergütung liege im

ersten Jahr bei durchschnittlich etwa

800 Euro brutto im Monat. Es gebe

aber eine große Spannbreite, soSabet.

Die Bundesagentur für Arbeit

gibt für Betriebe der Brot- und Backwarenindustrie

zum Beispiel monatliche

Azubi-Vergütungen zwischen

788 und 838 Euro im ersten Lehrjahr

und bis zu rund 1100 Euro im dritten

Lehrjahr an.

Grundsätzlich würden Fachkräfte

für Lebensmitteltechnik überall in

der Nahrungsmittelherstellung gebraucht.

„Sie sind gefragt, wenn es

darum geht: Wie funktioniert ein

Produkt in der Menge, für 80 Millionen

Menschen?“ sagt Sabet. Unddas

sei für kleine Start-ups genauso Thema

wie für Großkonzerne.

In der Regel bilden ihr zufolge

aber vorallem mittelständische Betriebe

aus. Davon finden sich die

meisten in ländlichen Regionen,

weniger in Großstädten, so die Geschäftsführerin.

Das müsse bedenken,

wer sich für die Ausbildung

interessiert. Sabet sieht darin aber

auch einen Vorteil: „Man muss

nicht weit weggehen, wenn man

nicht möchte.“

Insgesamt sei die Branche aber

sehr durchlässig. „Wenn man Lust

hat, sich nach einer Zeit mit Erfrischungsgetränken

um Wurstwaren

zu kümmern, ist ein Wechsel in den

6000 Unternehmen der Branche

meist problemlos möglich.“ Tina

Pabsts Plan ist es, zunächst ihre Abschlussprüfung

gut zu bestehen.

Später kann sie sich vorstellen, als

Linienführerin bei Kühne zu arbeiten

und weiter Berufserfahrung zu

sammeln. (dpa)

Endlich raus

aus der

Arbeitslosigkeit

Gute Erfahrung mit

Förderprogramm

Von Gudrun Janicke

RonnyKraemerwar 20 Jahrelang

Landschaftsbauer, dann verlor

er die Arbeit und lebte acht Jahre

lang von Hartz IV. Obwohl er im

Landschaftsbau nicht mehr arbeiten

konnte, wollte die Arbeitsagentur

einer Umschulung nicht zustimmen,

denn im Landschaftsbau fehlenFachkräfte.

„Jetzt bin ich Betreuungspflegekraft

und habe meinen

Traumberuf“, sagt der 46-Jährige

aus Oranienburg.

Dass Langzeitarbeitslose wieder

einen sozialversicherungspflichtigen

Job finden, ist bislang eher ein

Glücksfall. Kraemer gelang mit Hilfe

des Förderprogramms des Europäischen

Sozialfonds Integrationsbegleitung

für Langzeitarbeitslose

und Familienbedarfsgemeinschaften

der Umstieg imBeruf und der

Einstieg in eine sozialversicherungspflichtige

Tätigkeit.

In Brandenburg waren im Juni

28548 Langzeitarbeitsloseregistriert.

Dassind 4513 weniger als im Juni vor

einem Jahr. Auf der anderen Seite

fehlen in den meisten Bereichen Arbeitskräfte:

spezialisierte Fachleute,

aber auch Menschen für einfache

Arbeiten. Brandenburgs Arbeitsministerin

Susanna Karawanskij (Linke)

sieht in den Langzeitarbeitslosen

vergeudete Ressourcen. „Das

belegen die bisherigen Ergebnisse

unseres ESF-geförderten Programms“,

betont sie. Essei erfolgreich

und werde fortgesetzt. „Ich

bin froh darüber, dass wir uns der

Gruppe der Langzeitarbeitslosen

zugewandt haben.“

Erfolgsquote von 33 Prozent

Für das Brandenburger Förderprogramm

stehen von August 2015 bis

Juli 2020 dafür rund 40 Millionen

Euro EU-Mittel bereit. Innerhalb von

knapp zweieinhalb Jahren nahmen

etwa 3700 Brandenburger daran teil.

Etwa ein Drittel von ihnen verdient

wieder durch Arbeit den Lebensunterhalt

und ist wegvon HartzIV. Diese

Erfolgreichen sind nun Reinigungskräfte,

Hauswirtschafter, erledigen

Bürojobs oder helfen als Betreuungsassistenten.

Kraemer kam in dem

Projekt der Nestor Bildungs GmbH

unter, die Menschen wieder fit für

den Jobmacht. „Wir begleiten sie auf

dem Wegdahin“, sagt Projektleiterin

Dana Max. „Oft geht es zunächst um

Themen wie soziale Stabilisierung,

Pünktlichkeit oder Teamfähigkeit.

Dann werden Interessen und Fähigkeiten

ausgelotet.“

Von2015 bis 2017 nahmen dort

knapp einhundert Hartz-IV-Empfänger

teil, vondenen gut ein Drittel

eine Arbeit fand. Seit 2018 bis

2020 läuft das zweite Projekt mit derzeit

61 Teilnehmern, vondenen jeder

zweite bereits selbst für seinen Lebensunterhalt

arbeitet.Jenny Riedel,

Geschäftsinhaberin der Oranienburger

Firma Mobile Office Management,

hat bereits einige Praktikumsplätze

bereit gestellt. „Wir sind immer

gut miteinander zurecht gekommen.

Die Praktikanten haben

im Büroalltag Einsatz gezeigt.“ (dpa)

Ronny Kraemer ist Betreuungspflegekraft und

ehemaliger Langzeitarbeitsloser.

DPA

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