Berliner Zeitung 24.08.2019

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B6 Berliner Zeitung · N ummer 196 · 2 4./25. August 2019

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Karriere

Im unübersichtlichen Hochschul-Kosmos anzukommen, stellt viele Erstsemester erstmal vor eine Herausforderung.

DPA

Bereit fürs erste Semester? So gelingt der Studienstart

Abi, Urlaub –und schon stehen die Orientierungstage an der Hochschule an. Jetzt wird es ernst!

VonAmelie Breitenhuber

Wer frisch an der Hochschule

startet, ist meistens

erstmal mit vielem

Unbekannten

konfrontiert: Umzug in eine neue

Stadt, die erste eigeneWohnung, keine

Freunde in der Nähe, viel neuer

Stoff. Experten geben Rat, wie Studierende

mit Startschwierigkeiten

am besten umgehen:

Eigentlich weiß ich gar nicht so genau,

was ich machen will: „Tu, wofür

du brennst, geh nach deiner Neigung“,

sagt Stefan Grob vom Deutschen

Studentenwerk. „Selbst wenn

es Ägyptologie inMarburg ist.“ Es

bringe nichts, ein Studium aus der

Erwartungshaltung anderer anzu-

fangen, seien es die Eltern, Großeltern

oder gesellschaftliche Zwänge.

„Sonst stecken Sie ineinem BWL-

Studium fest, obwohl Sie eigentlich

Slawistik machen wollten.“ Er rät zu

einer Portion Grundoptimismus.

VonÄngsten, etwa vor Arbeitslosigkeit,

sollten sich angehende Studierende

bei ihrer Wahl nicht in erster

Linieleiten lassen.

Ebenfalls keine gute Idee: sich aus

Verlegenheit einfach irgendwo einzuschreiben.

„Wenn ich noch gar

nicht das gefunden habe, was ich

machen will, hat das keinen Sinn“,

sagt Dorothee Fricke, Referentin im

Projekt Nexus der Hochschulrektorenkonferenz.

Eher sollte man in einem

solchen Fall spezielle Orientierungsstudiengänge

der Universitäten

und Fachhochschulen nutzen.

Wer amgewählten Studiengang

schon zu Beginn Zweifel hat, sollte

Grob zufolge versuchen, innerhalb

eines Semesters zu klären, was er

wirklich will. „Man darf einmal

scheitern, das ist keine Schande.“

Wersich quält, sollte nicht länger als

nötig bleiben. Auch Sorgen zur Studiendauer

kann Stefan Grobausräumen:

„Wer die Regelstudienzeit

überschreitet, dem fault keine Hand

ab.“ Es sei nicht schlimm, zwei Semester

länger zu brauchen. „Wir

sind schließlich alle Menschen.“

Hilfe,ich komme mit dem Stoff nicht

hinterher: Werfrisch von der Schule

an die Uni oder Fachhochschule

kommt, muss sein Lernen umstellen.

Denn das Lernen an der Hochschule

sei auf ein ganzes Semester

angelegt und von wesentlich mehr

Eigenmotivation getragen, erklärt

Ronald Hoffmann von der Studienberatung

der Uni Hamburg. So gilt

es, eine Strategie zu finden, mit der

neuen akademischen Freiheit klarzukommen.

„Wenn man die ganze

Vorlesung über am Handy daddelt,

wirdkein Professor sagen: Herr Meyer,

legen Sie das Ding weg!“ Selbstmanagement

ist daher ein erster

Schritt zum Erfolg.

Ich habe keine Ahnung, welche Fächer

ich belegen soll: Angehende

Studierende müssen ihren Alltag

ganz neu strukturieren und selbstständig

klarkommen. Wer schon in

der Schule Probleme mit dem Thema

Selbstorganisation hatte,für den

kann die erste Zeit an der Hochschule

„ein kleiner Schock“ sein, sagt Catrin

Grobbin. Sie arbeitet als Coach

und wissenschaftliche Mitarbeiterin

am Institut für Psychologie der Universität

Hamburg. „Irgendwann

merkt man, dass manmit den Nachtschichten

nicht mehr hinkommt.“

Am besten kümmern sich Neulinge,

die zum Chaos neigen, schon frühzeitig

um Hilfe.

Um den Stundenplan für das erste

Semester zusammenzustellen,

lohnt es sich, sich an fortgeschrittene

Studierende zu wenden. Die haben

meist einen guten Überblick,

wann und in welcher Reihenfolge

Seminare und Vorlesungen zu belegen

sind. „Und natürlich sollte man

die Einführungs- und Orientierungsangebote

der Hochschule nutzen“,

legt Grobbin nahe.

Ich kenne hier nichts und niemanden:

Der Start ander Hochschule ist

unübersichtlich. „Dasollte man sich

nicht verrückt machen lassen“, rät

Grobbin. Mit ein bisschen Neugier

bekommen Erstis schnell mit, wie

der Hase läuft. „Geh überall hin, wo

es Infos gibt“, sagt Stefan Grob. Und:

„Frage den Menschen Löcher in den

Bauch“ –egal, ob es darum geht, wo

ein Seminarraum ist oder was es in

der Mensa zu essen gibt.

„Man darf auch Heimweh haben“,sagt

Grob.Ein Studium bedeute

schließlich Abnabelung. Damit

beginne das Abstreifen der letzten

Hüllen von zuHause und gleichzeitig

der Aufbau eines neuen Netzwerks.

Und nirgends sei das so einfach

wie an der Hochschule, dasind

sich die Experten einig. (dpa)

Werdaraus will, schaut besser hier rein.

Die berufliche Zukunft beginnt am Samstag –mit dem Stellenmarkt der Berliner Zeitung.

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