Berliner Zeitung 24.08.2019

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Bild:Bezirksmuseum/Sammlung Breitenborn

In den 70-er Jahren begann das

Bauprogramm der DDR in dem einstigen

Dorf Marzahn. Heutesind die

Plattenbautensaniert und aufgewertet.

Bild:Gewobag

IM GESPRÄCH MIT

DAGMAR POHLE

Vor40Jahren wurden auf freiem Feld Hochhäuser um das Dorf Marzahn herum gebaut.Daraus erwuchs ein eigenständiger Bezirk, dessen

Entwicklung längst nicht abgeschlossen ist. Viele Neubaugebietewerdenvorbereitet. Aber der Bezirk braucht auch Jobs, sagt die Bürgermeisterin

Frau Pohle, Sie wohnen seit 1978 in Marzahn.

Der Bezirk feiert in diesem Jahr Jubiläum. Wohin

führen Sie aus diesem Anlass Ihre Gäste?

Dagmar Pohle: Städtepartner lade ich zu einer

Rundfahrt durch den Bezirk ein. Da geht

es zu den Gärten der Welt, zum „Sky-Walk“

in die Marzahner Promenade, zum Wolkenhain,

aber auch ins Gründerzeitmuseum oder

ins Heimatmuseum. Fachleute interessieren

sich eher für die Großsiedlungen und für die

Modernisierung. Da führt unser Weg von

der Marzahner Südspitze bis zu den Ahrensfelder

Terrassen. In Hellersdorf ist die Museumswohnung

der Wohnungsbaugesellschaft

„Stadt und Land“ ein Anziehungspunkt.

Aber auch hier ist Wohnraum knapp. Gibt es

dafür Konzepte?

Seit 2010 zogen 22514 Menschen in unseren

Bezirk. Wir haben Vollvermietung.

Zum maßvollen Nachverdichten gibt es einen

Beschluss vom Bezirksamt. Dort, wo in

den Wohnhöfen Kitas und Schulen standen,

könnten Wohnungen gebaut werden. Es ist

Bauland. Wirhaben die Anwohner von sechs

Wohnhöfen gefragt, was sie sich dort vorstellen

können, und Workshops veranstaltet.

Möglichst niedrige und altersgerechte Häuser

wurden am häufigsten gewünscht. Daraus

entwickeln wir die Bebauungspläne.

Warder Stadtumbau Ostein Fehler?

Das kann ich so nicht sagen. Zwar war der

Bevölkerungsrückgang temporär, aber das

Konzept war ein Segen. Der Bezirk hätte für

Bild:DiG | TRIALON

Dagmar Pohleist Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin

in Marzahn-Hellersdorf.

den Umbau und die Aufwertung des Wohnumfelds

nicht das Geld aufbringen können.

Leider wurden auch 4900 Wohnungen abgerissen.

Da wäre, rückblickend betrachtet, ein

längerer Atem der Wohnungsunternehmen

besser gewesen.

Marzahn hat nicht nur Plattenbauten, sondern

auch stark wachsende Eigenheimsiedlungen.

Welche Probleme bringt das mit sich?

Die Infrastruktur muss Schritt halten. Neue

Schulen und Kitas haben Vorrang. Dafür

gibt es klare Planungen. Die Arbeitslosenquote

liegt bei uns unter dem Landesdurchschnitt.

Aber die meisten Bewohner arbeiten

im Zentrum. Zudem sind wir ein Transitraum

für Berufspendler aus Brandenburg.

Der Öffentliche Nahverkehr reicht nicht

aus. Die Brücken sind in einem miserablen

Zustand und es ärgert mich, dass der Bau

der Nord-Süd-Tangente wieder verschoben

werden soll.

Der Bezirk hatte in den 80er Jahren die jüngsten

Einwohner.Viele sind jetzt Rentner.Vor

welchen Aufgaben stehen Sie da?

Wir sind zwar der jüngste Berliner Bezirk,

liegen aber im Altersdurchschnitt über dem

der Stadt. Die Zahl der Hochaltrigen wächst

stark. Wir befassen uns intensiv mit diesem

Thema und ermitteln, was gebraucht wird.

So sollen kleinere Supermärkte entstehen,

die die Leute nicht nur mit dem Auto, sondern

auch zu Fuß erreichen können. Die Ärzte

im Bezirk werden älter und finden selten

Nachfolger. Vor allem werden Haus- und

Kinderärzte gebraucht.

Wassind Ihre nächsten Pläne?

Wir haben beim Land weitere Baustandorte

angefragt und überlegen unter anderem, ob

wir das Terrain an der Maxi-Wander-Straße

Genossenschaften anbieten. Auch für das

Gebiet zwischen Knorr-Bremse und S-Bahn

entsteht ein Flächennutzungsplan. Gerade

wird im Gut Biesdorf neu gebaut. Im Gut

Hellersdorf sind 1250 Wohnungen und Gewerbe

geplant. In den Dörfern wird neues

Bauland erschlossen. Weitere Arbeitsplätze

sind vor Ort nötig, damit die Leute nicht in

die Stadt fahren müssen. Auch das steigert

die Lebensqualität.

Das Gespräch führte Angelika Giorgis

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