Das Kunden Magazin der Berliner Bäder - Ausgabe 03/2019

berlinerbaeder
  • Keine Tags gefunden...

Das Kunden Magazin der Berliner Bäder - Ausgabe 03/2019

Berliner

Das Magazin – 3/2019

der

Patrick Hausding trainiert seit über

20 Jahren in der SSE.

NEUER BÄDER-CHEF

NEUE BÄDER-LÖSUNG

NEUER SCHWARM

1


AQUA 65+

UND VIELE WEITERE

BEWEGENDE KURSE

berlinerbaeder.de |

2


startsprung

der-Chef und

Rekord-Athlet

Viel Neues bei den Berlinerdern:

Zum 1. September tritt Dr. Johannes

Kleinsorg seinen neuen Posten als Vorstandsvorsitzender

an. Wir begleiteten

den neuen Bäder-Chef bei seinen ersten

Besuchen in zwei Bädern und stellen ihn

vor (S. 4).

In Wedding beginnen die Vorbereitungen

für den Bau einer Traglufthalle.

Aus der Kombination des Hallenbads an

der Seestraße mit den überkuppelten

Außenbecken des Freibads entsteht in

den kommenden Monaten ein neues

Schwimm-Zentrum an der Seestraße.

Wir stellen die Pläne vor (S. 13).

Außerdem haben wir Patrick Hausding

beim Training besucht. Der Rekord-Wasserspringer

kehrte kürzlich

einmal mehr mit Gold von den Europameisterschaften

aus Kiew zurück. Anlass

für das Gespräch ist aber die Tatsache,

dass er seit über 20 Jahren in der

Schwimm- und Sprunghalle am Europasportpark

(SSE) trainiert. Im Interview

erzählt er von seinen Plänen, von

Höhenangst beim Wasserspringen und

warum er noch nie 1000 Meter am Stück

geschwommen ist (S. 23).

Und schließlich ist ein neuer Schwarm

am Sachsendamm in Schöneberg eingezogen.

Seit einigen Wochen betreut

Hobby-Imker Tibor Pintér nach Feierabend

einen Bienenstock (S. 31)

Viel Vergnügen beim Lesen!

Matthias Oloew

Leiter der

Unternehmenskommunikation

der Berliner

der-Betriebe

impressum:

Herausgeberin:

Berlinerder-Betriebe

Anstalt öffentlichen Rechts

Sachsendamm 2-4

10829 Berlin

Redaktion:

Dr. Matthias Oloew (v. i. S. d. P.)

Grafik / Layout:

Goscha Nowak

Fotos:

Elke A. Jung-Wolff außer:

Paranet (S. 12) Matthias Oloew (S. 16),

SGr/Stock.adobe.com (S. 21).

www.berlinerbaeder.de

presse@berlinerbaeder.de

3


4


NEUER BÄDER-CHEF

Den Dingen auf

den Grund gehen

Von Brigitte Schmiemann

„Oben sieht alles immer so schön aus.

Ich würde mir auch gern mal die Technik

anschauen.“ Ja, der neue Vorstandsvorsitzende

der Berlinerder-Betriebe, Dr.

Johannes Kleinsorg, geht den Dingen

gerne auf den Grund – auch wenn er

dazu in den Keller muss.

Schon vor seinem offiziellen Arbeitsbeginn

hat er den Termin, an dem ihn

Sportsenator Andreas Geisel öffentlich

vorstellte, für eine Stippvisite in zwei Bädern

genutzt. Im Gespräch mit Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern ließ sich der

57-Jährige dabei berichten, was ihnen

auf den Nägeln brennt. Das kam gut an.

Der neue Chef merkte dabei auch, dass

seine neuen Kolleginnen und Kollegen

mit Einsatz, Können und viel Erfahrung

bei der Sache sind.

Dr. Johannes Kleinsorg leitet das Berliner

Landesunternehmen mit seinen

rund 800 Beschäftigten ab 1. September

als neuer Vorstandsvorsitzender. Er löst

Andreas Scholz-Fleischmann ab, der im

April aus Altersgründen ausschied.

Kleinsorg kennt Berlin noch aus den

1990er Jahren, als er bei der „Deutschen

Gesellschaft für Mittelstandsberatung“

arbeitete. Seine beiden Söhne sind hier

geboren, also echte Berliner. Mit ihnen

war er damals öfters im Sommerbad am

Insulaner. „Unserem damals dreijährigen

Tim hat es dort so gut gefallen, dass

er gar nicht mehr nach Hause wollte“, erinnert

er sich.

Dr. Johannes Kleinsorg übernimmt zum

1. September den Vorstandsvorsitz der

Berlinerder-Betriebe.

Geboren ist der neue Bäder-Chef in

Göttingen, aufgewachsen in Hildesheim,

südlich von Hannover, studiert

hat er Volkswirtschaft, Politologie und

Soziologie in Würzburg. Nach Berlin

kamen zunächst Nürnberg und Kiel als

Berufsstationen. Zuletzt hatte er für fünf

Jahre die Leitung der Stadtwerke Leipzig

inne und hat sie im Hinblick auf die

Energiewende und in unternehmenskultureller

Hinsicht vorangebracht. Damit

war er mehr als 20 Jahre in der Energiewirtschaft

tätig. Jetzt ist er zurück

in Berlin und freut sich auf seine neue

Aufgabe: „Ich war gerne in Leipzig, was

ja manchmal als das bessere Berlin be-

5


Viel Wasser, weiter Blick: Sven Kraatz

führte Dr. Johannes Kleinsorg durch das

Sommerbad Kreuzberg und referierte

vom Schwimmmeister-Turm die Eckdaten

des Bads. Kein Berliner Sommerbad

verfügt über größere Wasserflächen.

zeichnet wird, ab jetzt bin ich gerne für

das Original tätig,“ sagt er schmunzelnd.

Die anstehenden Aufgaben bei den

Berlinerdern sind enorm. Eine der

wichtigsten: Der große Sanierungsstau

in den Berlinerdern von rund 230

Millionen Euro muss abgebaut werden.

Senat und Abgeordnetenhaus unterstützen

das Ziel. Bis zu 20 Millionen Euro

sollen jährlich bereitgestellt werden.

Aber gleichzeitig sollen während der

Bauarbeiten möglichst nicht weniger

Wasserflächen zur Verfügung stehen.

Im Gegenteil: Für Schulen, Vereine und

Badegäste sollen die Öffnungszeiten,

vor allem an den Wochenenden, möglichst

erweitert werden.

Technische Probleme der mitunter

überalterten Anlagen und fehlendes

Personal führten in den vergangenen

Jahren bei den Berlinerdern immer

wieder zu ungeplanten Schließungen;

ärgerlich für alle. Auch wenn die Anzahl

der Schließungen deutlich zurückgegangen

ist, soll die Verlässlichkeit derder

schnell besser werden. An der Tarifstruktur

soll sich zunächst nichts ändern: „Da

sollte man nicht so oft rangehen“, sagt er.

Bei einem Besuch im BBB-Kundenzentrum

in der Schwimmhalle Fischerinsel

erzählt die Leiterin Anke Höppner

ihrem neuen Chef, was sie und ihre

zwei Mitarbeiterinnen bei der Kundenbetreuung

leisten: „Wir kümmern uns

um die Anliegen der Kunden, für alle 60

Berlinerder. Wir sind nicht nur hier im

Kundenzentrum als Ansprechpartner

für sie da, sie rufen uns auch an, schreiben

E-Mails oder Briefe, die wir beantworten“,

erläuterte sie. „Passt denn das

Verhältnis drei Mitarbeiterinnen für 60

der?“, will Kleinsorg wissen. „Nicht immer“,

räumt Anke Höppner ein. Gerade

zu den Saisonwechseln gebe es viel Informationsbedarf.

Das Kundenzentrum betreut auch

die Gäste mit Jahreskarten, ein für Vielschwimmer

durchaus attraktives Angebot.

Die Karte kostet 495 Euro, ermäßigt

275 Euro. Kleinsorg lässt sich die beiden

Schränke mit den Jahreskarten-Unterlagen

zeigen. „Noch nicht digital?“, fragt

er neugierig. Die Kundenberaterinnen

reagieren skeptisch. Es gebe etliche ältere

Stammkunden, die nicht erfreut

wären, wenn alles über Computer laufen

würde. Außerdem bestehe eine

6


Aufbewahrungspflicht für die Originale.

Dennoch: Den „ungetrübten Blick“, mit

dem der Neue sich alles anschaut und

Überlegungen anstellt, was verbessert

werden könnte, bewertet Anke Höppner

positiv.

Auch das Team des Schwimmbades

auf der Fischerinsel war gespannt auf

den neuen Chef – und wird nicht enttäuscht.

Bei der Besichtigung der Technik

im Keller erkundigt sich Kleinsorg,

ob es Schließzeiten wegen etwaiger

Störungen gebe. Wegen des Alters

mancher Geräte gebe es natürlich auch

Ausfälle, so die Badleiterin Eva Schäfer.

Die Technik des Bades aus dem Jahre

1979 sei ansonsten aber grundsaniert

und in einem guten Zustand.

Gefragt nach ihrem größten Wunsch,

antwortet sie, dass sich das gesamte

Team wieder mehr Öffnungszeiten für

die Öffentlichkeit wünsche. Seitdem die

Schwimmhalle an der Holzmarktstraße

geschlossen wurde, habe das Bad auf

der Fischerinsel nämlich den Schul- und

Vereinssport von dort fast komplett

übernehmen müssen, und daher finde

das öffentliche Schwimmen nur noch

als Frühschwimmen und am Wochenende

statt.

Anders als auf der Fischerinsel zieht

es Kleinsorg im Kreuzberger Prinzenbad

nicht gleich zur Technik in die Katakomben.

Für die Besichtigung des großen

Prinzenbades wird ohnehin etwas mehr

Zeit benötigt. Bei schönem Wetter strömen

über 8000 Badegäste in die Anlage,

es ist das am meisten besuchte Som-

7


SCHWIMM-

HALLE FINCKEN-

STEINALLEE

BALD WIEDER

GEÖFFNET

berlinerbaeder.de |

8


merbad Berlins.

Mitarbeiter Sven Kraatz – sein Vater

war hier von 1991 bis 2014 Badleiter –

führt den neuen Vorstandsvorsitzenden

durch das Schwimmbad und berichtet

stolz: „Gemessen an der Wasserfläche

sind wir eines der größten Sommerbäder

in Deutschland.“ Entsprechend groß

ist das Gelände, auf dem es hinten sogar

einen FKK-Bereich gibt, der laut Kraatz

gut funktioniert.

Ohnehin gebe es mit den unterschiedlichen

Ethnien und Kulturen im

Prinzenbad keine Probleme: „Wir haben

doch vorne die Toleranzfahne, die Regenbogenfahne

hängen. Und die bedeutet,

dass jeder bei uns hier im Bad

dieselben Rechte hat“, erklärt er. Auch

bei Frauen mit nacktem Oberkörper sei

man tolerant.

Viele Details des Schwimmbadalltags

lernt der neue Bäder-Chef kennen, und

beobachtet vom Schwimmmeister-Ausguck

interessiert die durch Leinen abgesperrten

Bahnen für Sportschwimmer.

Die Berlinerder haben damit gute

Erfahrungen, weil dadurch die Konflikte

zwischen verschiedenen Nutzergruppen

wie den eher langsam schwimmenden

und den schnell schwimmenden

Gästen entschärft werden.

Irgendwann ist es aber dann doch

soweit: Es geht in die Keller. Heizkessel,

Reinwasserpumpe, Chemie- und Chlorräume,

riesige Filter – es gibt viele technische

Apparaturen für ein so großes

Freibad zu besichtigen. Dass der neue

Chef sich derart für die technischen

Anlagen interessiert, obwohl er doch

von Hause aus Volkswirt ist, finden die

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesprochen

sympathisch, und es wird

sicherlich nicht die letzte Besichtigung

für Kleinsorg gewesen sein. Es warten

noch viele Bäder. Und ihre Keller.

„NEUE ENERGIE“

Es war eine Geste, die nicht alltäglich ist:

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz

stellte Senator Andreas Geisel

(SPD) Ende Juli den neuen Vorstandsvorsitzenden

der Berlinerder-Betriebe

vor. Das drückte eine besondere

Wertschätzung aus, schließlich war Johannes

Kleinsorg zu diesem Zeitpunkt

noch nicht offiziell im Amt.

„Neue Energie für die Berlinerder

titelte etwa die Berliner Morgenpost

ihre Berichterstattung zum neuen

Vorstand. Sie spielte damit an auf den

bisherigen Werdegang von Kleinsorg,

der sich vor allem in Versorgungsunternehmen

der Energiewirtschaft verdient

gemacht hat.

Wie er den Wechsel von den großen

Leipziger Stadtwerken zu den eher

kleinen Berlinerder-Betrieben bewerte,

wollte ein Journalist wissen. „Die

Berlinerder sind Europas größter

kommunaler Badbetreiber und können

nach den Beschäftigtenzahlen mit

einem mittelgroßen Stadtwerk mithalten“,

erklärte Kleinsorg. Das bedeute

eine größere Herausforderung, die ihn

als Manager reize: „Mit über 60 Bädern

gibt es eine Anzahl an Standorten, die

größer als bei jedem Stadtwerk ist.“

9


FERIEN-SCHWIMMSCHULE

Froschbeine und

Seepferdchen

Von Brigitte Schmiemann

„Abdullah, denk an die Froschbeine!“

„Marie, die Arme schööön weit nach

vorne und nicht so schnell!“ Solche und

ähnliche Ratschläge waren in den Sommerferien

in vielen Bädern zu hören.

Insgesamt haben 2355 Kinder einen

Schwimmkurs der Berlinerder-Betriebe

(BBB) besucht, das sind 85 Kinder

mehr als im vergangenen Jahr. Für 600

Plätze konnten die BBB Patinnen und Paten

finden, die die Gebühr für den dreiwöchigen

Schwimmkurs in Höhe von

105 Euro spendeten. Für alle Kinder hat

sich ein Platz in der Ferien-Schwimmschule

gefunden.

Besonders erfreulich: Die Zahl der

Schwimmpatenschaften war in diesem

Jahr so groß wie noch nie seit Bestehen

des Programms. Das mag auch an der

prominenten Chef-Patin gelegen haben.

Schauspielerin und Kabarettistin

Maren Kroymann warb in diesem Jahr

für das Patenschaftsprogramm.

Hunderte von Kindern besuchten

am Ende der Ferien die Poolparty im

Wellenbad am Kreuzberger Spreewaldplatz,

zu der die BBB die Kursteilnehmer

und ihre Eltern eingeladen hatten. Tatjana

und Roman Simonenko waren sogar

aus Spandau gekommen – mit ihren

Zwillingen Michael und Maxim, beide

6 Jahre alt. Schwimmflügel brauchen sie

jetzt nicht mehr. Die Mutter zeigt stolz

die Seepferdchen-Zeugnisse ihrer Söhne.

Besonders gut hat ihr gefallen, wie

der Schwimmtrainer die Kleinen im

Kombibad Spandau-Süd motiviert

hat, als sie zum ersten Mal ganz ohne

Hilfsmittel schwimmen mussten. „Es

ist schon besser, wenn Fachleute den

Kindern das zeigen“, findet Roman Simonenko.

Die Kinder verkünden stolz:

„Wir haben keine Angst mehr, wir können

jetzt schwimmen.“ Damit sie noch

sicherer werden, wollen sie schon bald

an einem weiteren Kurs bei den BBB teilnehmen.

Der Leiter des Spreewaldbades Martin

Minkwitz und sein Kollege André

Thiesing vom Bädermanagement freuen

sich über den großen Zulauf zur

Poolparty an diesem Tag. Nach der Seepferdchenparade

springen alle Kinder

mutig ins Wasser und zeigen, was sie

gelernt haben. Anschließend wird ausgiebig

getobt und gespielt in allen Becken

des Freizeitbads nahe des Görlitzer

Parks.

Auch die fünfjährige Zeynep aus

Neukölln ist voller Eifer dabei. Sie hatte

ihre Mutter ein Jahr lang bekniet,

dass sie schwimmen lernen wolle. Jetzt

war es endlich soweit. Im Sommerbad

Neukölln durfte sie erste Schwimmerfahrungen

machen. „Es war ihr zwar

ein bisschen zu streng, zu diszipliniert,

aber ich fand das in Ordnung. Das Ergebnis

lässt sich doch auch sehen: Sie

kann jetzt schwimmen!“, freut sich ihre

Mutter Sefika Coskun. Alle Kinder seien

10


Viel Spaß: In der Ferienschwimmschule haben sie das Schwimmen gelernt – das musste mit einer

großen Pool-Party gefeiert werden.

sehr tapfer gewesen, denn in der ersten

Woche seien es draußen nur 17 Grad gewesen.

So ging es auch dem achtjährigen

Mussa ab del Muhdi. Sowohl seine

Mutter Amal Bader als auch die ältere

Schwester Hibba begleiten ihn zur Poolparty.

Beide Frauen gehen im Burkini ins

Wasser. Die Familie kommt ursprünglich

aus Jordanien und lebt seit 23 Jahren in

Neukölln. Auch die Mutter musste hier

das Schwimmen erst lernen und hat selber

zwei Kurse besucht. Sie findet gut,

dass ihr Sohn, der in der dritten Klasse

ist, in der Schule Schwimmunterricht

bekommt. Durch den Ferienkurs sei er

jetzt besonders gut darauf vorbereitet.

Darüber freut sich auch Wolfgang

Adam, der schon seit 20 Jahren Kindern

das Schwimmen beibringt. Es gebe

heutzutage sehr viele Kinder, die absolute

Nichtschwimmer seien, die auch

keinerlei Wassergewöhnung hätten.

Erst wenn die Wassergewöhnung vorhanden

sei, erklärt Adam, könne man

damit beginnen, Schwimmen zu lernen.

Das kann man übrigens nicht nur in den

Sommerferien. Die Berlinerder bieten

das ganze Jahr über Schwimmkurse

an, sowohl für Anfänger als auch für

Fortgeschrittene.

11


12


TRAGLUFTHALLE

Drei Folien

und ein Korsett

WEDDING ERHÄLT

EINE DER GRÖSSTEN

SCHWIMMHALLEN BER-

LINS. DIE TRAGLUFTHAL-

LE AN DER SEESTRASSE

SOLL IM WINTER STE-

HEN.

Von Matthias Oloew

Die Materialproben in seiner Hand wecken

Assoziationen: Tapetenmuster? Frisches

Polster für eine alte Couch? Oder

ein neuer Teppich, der verlegt werden

soll?

Doch dafür passt die Umgebung

nicht. Jürgen Wowra steht am Rand des

Schwimmbeckens an der Seestraße. Die

Sonne lacht, im Wasser ziehen Stammgäste

ihre Bahnen. Der Geschäftsführer

der Firma Paranet Deutschland ist hier,

um Mehdi Resai, Rettungsschwimmer

im Kombibad, zu erläutern, wie in kürzester

Zeit aus dem Freibad ein Hallenbad

werden soll.

„Die Traglufthalle wird beide Außenbecken

überspannen“, sagt Wowra, „die

Hülle stellen wir aus drei übereinanderliegenden

Folien her.“ Zunächst ist Resai

skeptisch: „Ist es in der Halle dann nicht

furchtbar fußkalt?“ Die Frage ist berechtigt,

schließlich schützt im Freibad kein

Keller und keine Bodenplatte vor einem

kalten Boden. „Keine Sorge“, sagt Wowra,

„die Luftzirkulation in der Halle und

das angewärmte Wasser in den Becken

reicht aus, damit der Boden nicht zu kalt

sein wird.“

Es ist ein Projekt mit großer Tragweite,

in mehrfacher Hinsicht. Zum ersten

Mal seit über 40 Jahren entsteht wieder

eine Traglufthalle in einem Berliner

Sommerbad. Mit ihrer Größe von rund

60 mal 68 Metern und ihrer Höhe von

ca. zwölf Metern wird diese Traglufthalle

eine der größten sein, die die Firma

Paranet in Deutschland bisher über Freibad-Schwimmbecken

errichtet hat.

Notwendig geworden ist diese Traglufthalle,

weil das nahe Paracelsus-Bad

und das Stadtbad Tiergarten wegen

gründlicher Sanierungsarbeiten bis

2021 geschlossen sind. Das Kombibad

Seestraße bot sich als Standort für die

Traglufthalle jedoch nicht nur deshalb

an, weil es geografisch zwischen diesen

beiden Bädern liegt. „Im Kombibad können

wir die Umkleiden und Sanitärbereiche

des Hallenbades nutzen“, erklärt

Jan Lelansky, Projektsteuerer bei den

Berlinerder-Betrieben, „das erspart

es uns und unseren Gästen, Container

aufzustellen fürs Umziehen und Duschen.“

Die Planungen für die Traglufthalle

sind nahezu abgeschlossen. Im September

werden die Folien produziert, im Oktober

soll der Aufbau beginnen. Anfang

13


Dezember wird die neue Schwimmhalle

offiziell in Betrieb genommen.

Weil die beiden Außenbecken mit jeweils

50 Metern Länge recht groß sind,

ist die Wasserfläche, die durch die Bauarbeiten

ausfällt, mehr als kompensiert.

Paracelsus-Bad und Stadtbad Tiergarten

verfügen über Wasserflächen von

zusammen 1588 Quadratmetern. Die

beiden Becken an der Seestraße bieten

eine Fläche von 2072 Quadratmetern.

Mit der Erweiterung durch die Traglufthalle

wird das Kombibad zu einem

regelrechten Schwimm-Mekka. In der

eigentlichen Schwimmhalle gibt es vier

Becken: ein 50-Meter-Becken mit sechs

Bahnen, ein Sprung- und ein Therapiebecken,

sowie ein Lehrschwimmbecken.

In der Traglufthalle, die sich direkt

anschließen wird, befinden sich dann

ein weiteres 50-Meter-Sportbecken mit

acht Bahnen und noch ein sehr großes

Becken zum Schwimmen-Lernen, das

ebenfalls 50 Meter lang ist, und über

WASSERFLÄCHEN

IM VERGLEICH

KOMBIBAD SEESTRASSE

• Hallenbad: 1242 qm

• Außenbecken (künftige

Traglufthalle): 2072 qm

STADTBAD TIERGARTEN:

1130 qm

PARACELSUS-BAD: 458 qm

SCHWIMM- UND

SPRUNGHALLE (SSE)

• Wettkampfhalle: 1827 qm

• Einschwimmhalle: 1683 qm

eine Rutsche verfügt.

Zusammengenommen bringt es das

Kombibad Seestraße damit auf 3314

Quadratmeter Wasserfläche. Das wird in

Berlin nur übertroffen durch die beiden

Schwimmhallen der SSE an der Landsberger

Allee, die es zusammen auf 3510

Quadratmeter bringen.

Nach einem Wasserball-Turnier am 7.

und 8. September wird das Sommerbad

an der Seestraße den Betrieb einstellen,

damit der Aufbau für die Traglufthalle

beginnen kann. Im Boden werden dafür

etwa 80 Anker gesetzt, die das Seilnetz

sichern, unter dem sich die Folien der

Halle aufblähen.

Sind die Anker im Boden eingebracht,

kann der Aufbau der Halle beginnen.

Konstruktiv sind die Traglufthallen, die

Paranet herstellt, zwar stets sehr ähnlich.

„Die Anfertigung für den jeweiligen

Standort ist dennoch eine Maßkonfektion“,

sagt Jürgen Wowra. Auf die untere

Folie wird eine zweite Folie gelegt, die

so ähnlich aussieht wie die Luftpolstertaschen,

aus der manche Briefumschläge

gemacht sind. Darüber kommt eine

weitere, klarsichtige Folie als Außenhaut

des Tragluftdachs.

Liegen die Folien ausgebreitet über

den Schwimmbecken, wird am Ende

das Seilnetz darüber gespannt und mit

den Ankern verhakt. „Das Netz ist wie

eine Art Korsett“, so Wowra, „dem man

je nach Wunsch Platz geben kann.“ Soll

heißen: Soll die Halle sich möglichst

wenig bewegen, etwa weil Bäume oder

das Dach des benachbarten Hallenbads

im Weg sind, wird das Netz straffer gespannt.

Sind alle diese Fragen geklärt, kann

es losgehen. „Per Knopfdruck beginnen

wir dann, die Stützluft in die Halle hineinzubringen“,

erklärt Wowra. „Das darf

man sich dann so ähnlich vorstellen, wie

ein Ballon, der zum Start aufgerichtet

14


Versorgungsleitungen

Luftschleuse

Sprungbecken

Therapiebecken

Technik

Technik-

Container

50-Meter-Becken

Nichtschwimmer

50-Meter-

Becken

6 Bahnen

Umkleiden

WC und

Duschen

50-Meter-Becken

8 Bahnen

Luftschleuse

Nichtschwimmer

Foyer und

Gastronomie

Die schematische Darstellung zeigt das Hallenbad an der Seestraße (braun) und die Erweiterung

durch die Traglufthalle (grün).

wird.“ Es wird so aussehen, als richte sich

die Halle wie von selbst auf.

Im Innern wird es einen Container für

die Schwimmbadaufsicht geben. Außerdem

werden Traversen aus Aluminium

aufgestellt, für den unwahrscheinlichen

Fall, dass alle Geräte versagen und die

Halle zusammenfällt. Die Traversen

sorgen dafür, dass immer ausreichend

Platz ist, um den schnellsten Weg nach

draußen zu finden.

Die Halle an der Seestraße wird groß

sein, aber es ist nicht die größte, die Paranet

bisher hergestellt und betrieben

hat. Den Rekord hält bis dato eine Traglufthalle

für den Flughafen der saudischen

Hauptstadt Riad. Sie war 100 mal

200 Meter groß. Unter diesem Dach war

so viel Platz, dass gleichzeitig Koffer gelagert

und das Catering für die Fluggäste

vorbereitet werden konnte.

Und dennoch bietet die Traglufthalle

für den Wedding noch einige Herausforderungen,

die es so noch nirgends sonst

zu lösen galt. Da ist zum Beispiel die

Sache mit dem Schwimmmeister-Ausguck,

der wie ein Adlerhorst (oder

Schwalbennest) am Dach des Hallenbades

anschließt. Um ihn nicht zurückbauen

zu müssen, standen die Ingenieure

und Architekten vor der Aufgabe, den

Neigungswinkel des Dachs der Traglufthalle

so zu planen, dass beides zueinander

passt – Schwimmmeister-Horst und

Foliendach.

„Dabei mussten wir berücksichtigen,

dass bei schwerem Sturm die Traglufthalle

einen Spielraum von einem Me-

15


Jürgen Wowra (links) erläutert Mehdi Resai die Pläne für die Traglufthalle. Im Hintergrund zu sehen:

der Schwimmmeister-Ausguck.

ter benötigt, in dem sie sich bewegen

kann“, sagt Projektsteuerer Lelansky.

Seilnetz und Folien sind in ihrer Konstruktion

so flexibel, erläutert Geschäftsführer

Wowra, dass ausreichend Platz

bleibt. Kein Problem also.

Und was ist mit der Energie? Die rund

50.000 Kubikmeter Innenraum wollen

wohlig beheizt sein. Gleichzeitig muss

die Halle gut belüftet werden, damit die

sehr feuchte Luft im Inneren nicht kondensiert

und als Nieselregen von oben

auf die Badegäste tröpfelt. Daher erhält

die Traglufthalle eine eigene Energiezentrale,

die von neuen Leitungen für

Fernwärme und Strom gespeist wird.

Die Technik wird in Schiffscontainern

untergebracht. Vier leise Elektromotoren

werden dafür sorgen, so Wowra,

dass kontinuierlich über die beiden Ge-

bläse für alles gesorgt ist: die Stützluft

der Halle ist gleichzeitig Heizung wie

Lüftung. Und über Lüftungsklappen

im Foliendach der Halle kann zusätzlich

feuchtwarme Luft entweichen. Das

Ganze geschieht mit erstaunlich wenig

Energieaufwand: „Dafür benötigen wir

im Betrieb nicht mehr als vier KW“, verspricht

Wowra, „das entspricht der Kraft

eines Mopeds.“

„Wird spannend“, sagt Rettungsschwimmer

Resai. Er freut sich auf die

neue Traglufthalle und wird gespannt

den Aufbau der Halle verfolgen. Ob

man dafür viel Geduld mitbringen

muss? „Überhaupt nicht“, sagt Jürgen

Wowra, „wenn das Gebläse erst einmal

eingeschaltet ist, steht die Halle in weniger

als zwei Stunden.“

16


Hier wird

gebaut:

Die Liste der laufenden Projekte, die

die Abteilung Bau und Facility Management

der Berlinerder-Betriebe in

diesem Jahr managt, ist lang: Mehr als

70 kleine, mittlere und große Vorhaben

im Wert zwischen 5 000 Euro und

zweistelligen Millionenbeträgen sind

in Arbeit. Einige Beispiele:

Im Stadtbad Märkisches Viertel

wurde die Lüftungsanlage erneuert.

Das Bad wird Anfang September wieder

öffnen.

Das Stadtbad Wilmersdorf erhielt

erneuerte Sanitärbereiche. Auch die

Wasserleitungen wurden instandgesetzt,

sodass die Gefahr von Rohrbrüchen,

die das Bad in den letzten Jahren

immer wieder lahmlegten, gebannt ist.

Eröffnung: 30. September.

Das Stadtbad Lankwitz wird im Oktober

wieder zur Verfügung stehen.

Vor allem im Keller wurde der Beton

saniert, um die Standsicherheit des

Gebäudes abzusichern.

Das Stadtbad Schöneberg öffnet Anfang

November. Im Stadtbad Mitte

sind die Bauarbeiten auf der Zielgeraden

– Eröffnung: Anfang September.

Auch in der Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz

in Marzahn wird

kräftig gebaut. Die Becken können in

diesem Jahr (geplant war November)

jedoch noch nicht zur Verfügung gestellt

werden. Der Grund: Die Bau-Leistungen

mussten fünfmal ausgeschrieben

werden, bevor die passende Firma

gefunden wurde. So merken auch die

Berlinerder-Betriebe die Auswirkungen,

dass ganz Berlin baut und die

Konkurrenz um ausführende Firmen

riesengroß ist.

Bereits pünktlich im Mai übergeben

wurde die Schwimm- und Sprunghalle

im Europasportpark nach erfolgter Sanierung

des Beckens in der Wettkampfhalle.

Die Schwimmhalle Allendeviertel

wird voraussichtlich Ende September

wieder in Betrieb gehen.

Die Grundsanierung der Schwimmhalle

in Buch läuft planmäßig. Sie soll

Anfang 2020 wieder in Betrieb gehen.

Das Stadtbad Tiergarten und das Paracelsus-Bad

in Reinickendorf werden

in Vorbereitung der Baumaßnahmen,

welche in Kürze beginnen, gerade leergeräumt.

Der Beginn der Bauarbeiten

zur Komplettsanierung des Wellenbads

am Spreewaldplatz in Kreuzberg ist für

2020 vorgesehen. (BS)

17


Schwimmhalle

Buch

Stadtbad

Märkisches Viertel

Kombibad

Spandau-

Süd

Stadtbad

Spandau-Nord

Forumbad

Olympiastadion*

Stadtbad

Charlottenburg

(alte Halle)

Paracelsus-

Bad

Kombibad

Seestraße

Stadtbad

Tiergarten

Stadtbad

Charlottenburg

(neue Halle)

Stadtbad

Wilmersdorf II

Schwimmhalle

Fischerinsel

Stadtbad

Schöneberg

Schwimmhalle

Thomas-Mann-

Straße

Schwimmhalle

Ernst-Thälmann-

Park

Stadtbad

Mitte

Schwimmund

Sprunghalle

Europasportpark

Wellenbad am

Spreewaldplatz

Stadtbad

Wilmersdorf I

Schwimmhalle

Schöneberg

Stadtbad

Neukölln

Schwimmhalle

Hüttenweg

Stadtbad

Tempelhof

Schwimmhalle

Finckensteinallee

Stadtbad

Lankwitz

Kombibad

Gropiusstadt

Kombibad

Mariendorf

18


Schwimmhalle

Zingster Straße

Sportforum

Hohenschönhausen*

Schwimmhalle

Anton-Saefkow-

Platz

Schwimmhalle

Sewanstraße

Schwimmhalle

Baumschulenweg

Schwimmhalle

Helene-Weigel-Platz

Schwimmhalle

Kaulsdorf

GEÖFFNETE HALLENBÄDER:

Kombibad Mariendorf

Kombibad Seestraße (schließt zwischen 30. September und 20. Oktober)

Kombibad Spandau-Süd

Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz

Schwimmhalle Baumschulenweg

Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park

Schwimmhalle Fischerinsel

Schwimmhalle Hüttenweg

Schwimmhalle Kaulsdorf

Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße

Kl. Schwimmhalle Wuhlheide

Schwimmhalle Zingster Straße

Schwimm- und Sprunghalle (SSE)

Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg

Sportforum Hohenschönhausen*

Stadtbad Charlottenburg (alt)

Stadtbad Charlottenburg (neu)

Stadtbad Spandau-Nord

Stadtbad Tempelhof

Stadtbad Wilmersdorf II

Wellenbad am Spreewaldplatz

BALD WIEDER GEÖFFNET:

Kombibad Gropiusstadt (ab 2. September)

Schwimmhalle Allendeviertel (ab 30. September)

Schwimmhalle Finckensteinallee (ab 2. September)

Schwimmhalle Sewanstraße (ab 2. September)

Stadtbad Lankwitz (ab 2. Oktober)

Stadtbad Märkisches Viertel (ab 2. September)

Stadtbad Mitte (ab 2. September)

Stadtbad Neukölln (ab 3. September)

Stadtbad Schöneberg (ab 1. November)

Stadtbad Wilmersdorf I (ab 30. September)

Kl. Schwimmhalle

Wuhlheide

Schwimmhalle

Allendeviertel

GESCHLOSSEN:

Paracelsus-Bad (bis 2021)

Schwimmhalle Buch

(bis Anfang 2020)

Schwimmhalle Helene-Weigel-Platz

(bis Anfang 2020)

Stadtbad Tiergarten (bis 2021)

* diese Standorte gehören

zu den Berlinerder-Betrieben, sind

jedoch Vereinen bzw. dem Leistungssport

vorbehalten.

19


WASSERBALL

Große Pläne

für Spandau

Von Brigitte Schmiemann

Wasserball der europäischen Spitzenklasse

– dafür stehen die „Wasserfreunde

Spandau 04“. Sieben von

13 Sportlern spielen im Wasserball-Nationalteam,

das gerade erfolgreich an

den Weltmeisterschaften in Südkorea

teilnahm. Auf eine wettkampftaugliche

Heimstätte in Spandau wartet der Bundesliga-Rekordmeister

noch. Das soll

sich nun ändern.

Das Trainingszentrum des Vereins befindet

sich derzeit am Sachsendamm in

Schöneberg. Da die Schwimmhalle dort

grundsaniert werden muss, wird jetzt

an einer Lösung gearbeitet: Auf dem

Gelände des Kombibades Spandau-Süd

an der Gatower Straße soll ein Ergänzungsbau

errichtet werden.

Zwei Millionen Euro aus dem Senats-Fördertopf

„Sondervermögen Infrastruktur

der Wachsenden Stadt und

Nachhaltigkeitsfonds“ (Siwana) stehen

für die Planung zur Verfügung. Auch

wenn die Überlegungen erst am Anfang

stehen und die Finanzierung für

den Bau noch offen ist, so gibt es jetzt

die Hoffnung, dass Berlin eine auf den

Wasserball zugeschnittene Schwimmhalle

baut.

„Wasserball hat in Spandau eine lange

Tradition“, sagt Sport-Staatssekretär

Aleksander Dzembritzki. „Für uns ist es

in diesem Fall wichtig, den Schul- und

Breitensport mit Spitzensport zu kombinieren.

Deshalb planen wir eine Schul-

und Vereinsschwimmhalle, die auch für

Wettkämpfe der Wasserballer genutzt

werden kann. Die Planungen dafür nehmen

aber naturgemäß noch Zeit in Anspruch.“

Der Landessportbund unterstützt

die Pläne, nicht nur, um einem erfolgreichen

Wasserball-Verein eine Heimstätte

zu verschaffen, sondern auch,

weil die Nutzung als Schul- und Vereinsschwimmbad

Berlins Bäder an anderer

Stelle entlasten würde. „Wir begrüßen

dieses Signal, damit sich die Knappheit

der Wasserflächen nicht weiter verschärft.

Jetzt kommt es darauf an, zügig

den Bedarf für die Spandauer Halle zu

ermitteln, um eine konkrete Kostenschätzung

vornehmen zu können. Und

dann muss auch zügig gebaut werden“,

so Thomas Härtel, Präsident des Landessportbundes.

Die Bauabteilung der Berlinerder-Betriebe

hat begonnen, ein Bedarfsprogramm

zu erarbeiten. Zunächst

soll mit den Beteiligten geklärt werden,

welche Anforderungen erfüllt werden

müssen. Für Wettkämpfe gibt es vier

Kategorien: Kategorie A wäre höchsten

Anforderungen gerecht und auch für internationale

Veranstaltungen geeignet;

Kategorie B erfüllt alle Anforderungen,

wie sie bei nationalen Wettkämpfen

vorgeschrieben sind. Kategorie C erfüllt

mittlere und D nachgeordnete Anforderungen

und ist für regionale Wettkämpfe

zugeschnitten.

20


Großer Wurf: Nicht zuletzt die Erfolge der Wasserballer in Südkorea befördern die Pläne für einen

Schwimmhallen-Neubau u in Spandau.

Die Wasserfläche wird mit 32 mal 25

Metern geplant. „Sollen internationale

Wettkämpfe ausgetragen werden,

müsste der Platz rund ums Becken größer

sein als in den anderen Kategorien.

Das Kampfgericht, die Mannschaften

und die Medien benötigen bei internationalen

Wettbewerben mehr Platz. Wegen

der Fernsehübertragungen müsste

auch das Licht heller sein“, erläutert

Wolfram Kaube, ehemaliger Leiter der

Bauabteilung der Berlinerder-Betriebe,

der das Bedarfsprogramm erstellt.

Weil in der neuen Halle auch Kinder

schwimmen lernen sollen, soll die Wassertiefe

mit einem variablen Boden von

2,10 Meter auf 1,35 Meter verringert

werden können. Zudem soll das Becken

durch eine Brücke geteilt werden können,

in zwei Wasserflächen, jeweils 16

mal 25 Meter groß. In dem einen Becken

könnten zum Beispiel Nichtschwimmer

in einer Wassertiefe von 1,35 Meter das

Schwimmen lernen oder Kurse veranstaltet

werden, während das andere

Becken mit einer Wassertiefe von 2,10

Meter den Schwimmern zur Verfügung

stehen würde.

Dass die Spandauer Wasserballer in

ihrem Heimatbezirk „endlich eine Spielstätte

bekommen, begeistert uns total“,

sagt Spandaus Baustadtrat Frank Bewig.

Wegen des Baurechts, das nach der ersten

Einschätzung des Bezirksamtes erst

geschaffen werden muss, freut er sich

schon jetzt, wenn die Berlinerder-Betriebe

„so schnell wie möglich mit dem

Bauamt Kontakt aufnehmen“. Eine neue

Arena, die gleichzeitig für den Vereinsund

Schulsport genutzt werden kann,

eröffnet für den Bezirk schließlich viele

neue Perspektiven.

21


22


INTERVIEW

Nächstes Ziel:

Tokio 2020

PATRICK HAUSDING

IST DEUTSCHLANDS BES-

TER WASSERSPRINGER.

SEIT 20 JAHREN

TRAINIERT ER IN DER

SCHWIMM- UND

SPRUNGHALLE (SSE).

Herr Hausding, Glückwunsch zu den

jüngsten Erfolgen. Sind die Termine für

die Olympischen Spiele in Tokio 2020 in

Ihrem Kalender schon geblockt?

Ich habe in der Zeit jedenfalls noch

nichts Anderes vor... Im Ernst: Es ist mein

großes Ziel, noch einmal dabei zu sein.

Mit Ihren Sprüngen bei der WM in Südkorea

haben Sie die Teilnahme an Olympia

doch klar gemacht...

Meine Platzierungen sichern dem Deutschen

Verband die Teilnahme. Die Norm

ist erreicht. Und ich denke, wenn es so

weiterläuft wie aktuell, dann werde ich

mir den Startplatz auch nicht nehmen

lassen.

Die Faszination Olympia ist ungebrochen?

2020 wären meine vierten Olympischen

Spiele. Das gibt es in unserem Sport sehr

selten und deshalb wäre ich gerne dabei.

Um nach Silber und Bronze bei den Spielen

auch noch einmal Gold zu holen?

Das wäre vermessen. Wenn man mit 19

Jahren bereits Silber bei Olympia geholt

hat, dann setzt man sich differenzierte

Ziele.

Nämlich?

Bei Olympia 2008 war ich zusammen

mit Sascha Klein...

...Ihrem Synchron-Sprungpartner...

...auf dem richtigen Fitnesslevel, wir hatten

die richtigen Gegner, alles hat gepasst.

Und daher gibt es keine Garantie,

wie es vier Jahre später aussieht. Das haben

wir selbst erfahren: In London 2012

konnten wir keine Medaille erreichen.

Gold ist bei diesen Wettbewerben außerdem

fast immer für China reserviert.

Wie kommt’s?

Unser Sport hat in China einen anderen

Stellenwert. Hier Erfolg zu haben bedeutet,

einen Weg aus der Krise oder

der Armut zu finden. Nicht nur für sich

selbst, sondern auch für die Familie. Das

motiviert zu Spitzenleistungen. Außerdem

können die Trainer in China jährlich

aus 50.000 Nachwuchssportlern Talente

sichten. Diese Dimensionen gibt es in

Europa nicht.

Gibt es für Wasserspringen in China eine

andere Wertschätzung?

Auch das. In Deutschland stehen zwei,

drei Sportarten im Fokus. Unsere zählt

leider nicht dazu. Diese Fokussierung

wird jedoch über kurz oder lang dazu

führen, dass es für Deutschland bei

Olympia immer weniger Medaillen gibt.

23


Wissen Sie, wie oft Sie in der SSE gesprungen

sind?

Nein; ich kann es nicht einmal schätzen.

Ich springe hier, seitdem es diese

Schwimmhalle gibt, seit über 20 Jahren.

Die große Halle der SSE ist vor allem

dem Leistungssport vorbehalten, wie z.

B. dem Bundesstützpunkt Wasserspringen.

1999 kamen wir hierher. Vorher waren

wir im Sportforum Hohenschönhausen

und mussten uns das Becken mit den

Schwimmern teilen. In der SSE haben

wir eine große Sprunganlage mit einem

separaten Becken für uns.

Was treibt Sie an?

Der Mut, den man benötigt, fasziniert

mich. Aber auch die Fähigkeit, seinen

Körper bis ins Detail zu beherrschen.

Und die Schnelligkeit. Es gehört viel

dazu, um diesen Sport überhaupt machen

zu können. Wenn man seinen

Körper beherrscht, um Schrauben und

Salti zu machen, ist das eine besondere

Sache.

Und was ist mit der Aufmerksamkeit, die

man erhält?

Auch das ist interessant. Als Individualsportler

steht man voll im Fokus. Wenn’s

dann aber schlecht gelaufen ist, geht

das auch zu 100 Prozent aufs eigene

Konto. Damit muss man umgehen können.

Gibt’s auch so etwas wie Angst in Ihrem

Sport?

Ich erinnere mich an meinen ersten

Sprung vom Zehn-Meter-Turm. Ich war

acht. Und für mich bedeutete das mehr

Vorfreude als Angst. Und da ich sie

schon damals nicht hatte, war das bei

mir nie Thema. Bei der Wassersprung-

Kraft ist gefragt: Patrick Hausding trainiert

Bauch- (oben) Bein-und Rückenmuskulatur im

Kraftraum.

24


Gala, die wir immer in der Halle veranstalten,

springe ich auch aus der Dachkonstruktion

hinunter – das sind dann

knapp 15 Meter. Es gibt aber viele Wasserspringer

mit Höhenangst. Für sie ist

dann bei Wettbewerben am 1-oder

3-Meter-Brett Schluss.

Wasserspringen geht mit Höhenangst?

Wenn man seine Angst überwinden

kann, ist das für die Persönlichkeitsentwicklung

super. Dann schafft man alles.

Wenn man es nicht schafft, geht nur das

Springen vom Zehn-Meter-Turm nicht.

Alles andere ist machbar.

Bevor Sie jetzt augenscheinlich wieder

topfit sind, mussten Sie monatelang

pausieren. Sie hatten sich bei einem

Übungssprung auf dem Trampolin

schwer verletzt...

...eine ernste Sache: Ich hatte eine Nervenstauchung,

konnte mich nur mit

großen Schmerzen bewegen. Husten,

Atmen – alles tat weh. Und mich selber

anziehen konnte ich auch nicht mehr.

Aber ich hatte riesiges Glück: Ich habe

keine Langzeit-Schäden davongetragen.

Was macht so eine Verletzungs-Erfahrung

mit einem Leistungssportler?

Das ist ein Schock, den man überwinden

und aus dem man lernen muss. Mein

Trainer und ich haben entschieden, dass

ich diese Figur nicht mehr trainiere; zu

gefährlich für mich. Und wie man an

meinen Erfolgen in Südkorea und Kiew

sieht, ist diese Figur auch nicht überlebenswichtig

für den Sport. Ich lasse sie

einfach weg und gut is‘.

Das klingt sehr reflektiert...

Ist es auch. Ich bin 30 und über 20 Jahre

Leistungssportler, da muss man sich

Große Bühne: Patrick Hausding auf der Sprunganlage

der SSE.

25


Bälle-Bad: Die Trockensprunganlage ist randvoll mit Schaumstoff-Rollen in blau und rosa.

50 Prozent des Trainings findet im Trockenen statt.

nicht mehr beweisen.

Was kommt nach Tokio 2020?

Auf jeden Fall keine weiteren Olympischen

Spiele mehr. Es gibt für mich viele

Fragen zu klären und ich bin in der

glücklichen Situation, viele Optionen

zu haben. Ich studiere nebenher auf

Lehramt; Lehrer werden dringend gebraucht.

Aber ich kann mir auch eine

Karriere im Management, Marketing

oder bei den Medien vorstellen. Und ich

plane die Zukunft mit meiner Freundin

und wir diskutieren, wie es mit der Familienplanung

weitergeht.

Die Zukunft planen Sie in Berlin?

Naja, meine Freundin kommt aus Kroatien;

ihre Heimatstadt mit 80.000 Einwohnern

an der Küste ist auch sehr

schön, und auch dort könnte ich mit

meinen Fächern Sport und Englisch sicherlich

gut unterrichten. Und dann ist

da noch das blaue Wasser der Adria vor

der Haustür...

Wo Sie gerne hineinspringen... sind

Wasserspringer eigentlich automatisch

gute Schwimmer?

Ich denke schon. Es spielt für uns aber

keine große Rolle.

Wie bitte?

Ja. Wir sind Schnellkraftsportler, keine

Ausdauersportler. Wir machen im Bereich

Ausdauer das, was nötig ist. Alles

andere ist für uns die Hölle.

Klingt erstaunlich für jemanden, der so

viel Lebenszeit im Schwimmbecken verbringt.

Nur auf den ersten Blick. Als Schnellkraftsportler

können wir unsere Kraft

sekundengenau abrufen. Aber wir können

sie uns nicht einteilen, wie die Ausdauerschwimmer.

Und diese monotone

Bewegung beim Schwimmen – da wird

mir schnell langweilig.

Wie schnell sind Sie auf 1000 Meter?

Keine Ahnung. Ich bin in meinem Leben

noch nie einen Kilometer am Stück geschwommen.

Das Gespräch führte Matthias Oloew

26


LEISTUNGSZENTRUM AN DER

Landsberger Allee

Sie wurde 1999 eröffnet – die Schwimmund

Sprunghalle im Europasportpark

(SSE) in Prenzlauer Berg. Gebaut für die

Bewerbung Berlins um die Olympischen

Spiele im Jahr 2000, bildet sie mit dem

Velodrom direkt nebenan ein Sport-Zentrum

der besonderen Klasse. Der große

Vorteil: Durch den S-Bahnhof Landsberger

Allee direkt vor der Tür ist die Halle

ausgezeichnet erreichbar.

Die SSE, das sind eigentlich zwei

Schwimmhallen in einer. Gemäß den

Ausstattungsrichtlinien für Schwimmbäder,

in denen internationale Wettbewerbe

ausgetragen werden, braucht es

neben der Wettkampfhalle mit seinen

Tribünenplätzen für die Zuschauerinnen

und Zuschauer auch eine sogenannte

Einschwimmhalle, in der sich die Athletinnen

und Athleten auf die Wettbewerbe

vorbereiten können.

Die Wettkampfschwimmhalle mit seinem

50-Meter-Becken und der großen

Sprunganlage samt separatem Becken

ist vor allem dem Leistungssport vorbehalten.

Hier trainiert der Nachwuchs im

Landesleistungszentrum Schwimmen.

Und es trainieren die Wasserspringerinnen

und Wasserspringer im Bundestützpunkt.

Darüber hinaus dient die Wettkampfhalle

auch dem Schulschwimmen

und dem Vereinssport.

Seit der Eröffnung der Halle trainiert

Patrick Hausding hier. Fast täglich

begegnet er in der SSE dabei Sabine

Grothkopp. Die Landestrainerin Wasserspringen

des Landessportbundes (LSB)

entdeckte sein Talent, da besuchte Hausding

eine Lichtenberger Grundschule.

Grothkopp erinnert sich genau an

den Tag, als sie Hausding kennenlernte.

Damals hospitierte sie, wie das bei

LSB-Trainerinnen und -Trainern üblich

ist, im Sportunterricht dieser Schule,

um nach neuen Talenten Ausschau zu

halten. „Patrick Hausding fiel mir in der

Turnhalle sofort auf“, sagt sie, „er war

sehr sportlich und wagemutig.“ Sie lud

ihn zu einem Probetraining ein. Patrick

Hausding kam und blieb.

„Die Trainer haben das sehr gut gemacht“

erinnert sich Hausding heute.

„Sie haben viel von uns gefordert, aber

sie ließen uns Kindern auch viel Zeit zum

Spielen. Das war sehr wichtig.“ Hausding,

der sich in der Rückschau selbst als „risikofreudig

und übermütig“ beschreibt,

trainierte mit großem Erfolg. Heute ist er

der erfolgreichste Wasserspringer Europas

mit 16 Goldmedaillen bei Welt- und

Europameisterschaften.

Sabine Grothkopp freut es, wenn Kinder

sich für den Sport interessieren. Wer

an einem Training teilnehmen möchte,

kann sich bei ihr melden. Am einfachsten

geht das per Mail: trainer@wasserspringen.berlin.

27


DAS WAR DER SOMMER

Seinen Hit aus dem Jahr 1972 könnte Albert

Hammond nun auch für Berlin anstimmen,

ohne dass die Zuhörerschaft

ihre Stirn krauszieht: „It never rains in

California“, es regnet nie in Kalifornien,

sang er, das scheint nun auch auf Berlin

zuzutreffen. Den zweiten Sommer infolge

blieb es auch 2019 auffallend trocken.

Wer sich nass machen wollte, dem

standen die Berliner Freibäder zur Verfügung,

die nach 2018 die Saison wieder

mit einem sehr guten Ergebnis abschließen

werden.

Die Bedingungen waren ideal für

zahlreiche kleine und große Veranstaltungen.

So fanden am ersten August-Wochenende

erstmals „Die Finals“

statt, eine Bündelung von Wettbewerben

um die Deutschen Meisterschaften

in den unterschiedlichsten Sportarten.

Im Strandbad Wannsee wurden die

Wettbewerbe im Triathlon ausgetragen

– eine ebenso herausragende wie

herausfordernde Kulisse. Denn nach

dem Schwimmen mussten die Athletinnen

und Athleten die Treppen hochhechten,

um sich auf ihre Fahrräder zu

schwingen.

Berliner Meisterschaften im Wettrutschen

veranstalteten die Berliner

der zu Pfingsten in Pankow. Der Berliner

Sender „Spreeradio“ lud zu einem

28


Live-Sendetag mit Aktionen für alle ins

Sommerbad Wilmersdorf. Radio Fritz

vom RBB schaute mit einer mehrstündigen

Live-Sendung im Sommerbad

Kreuzberg vorbei. Und die „12 Tenors“

statteten dem Strandbad Wannsee

einen Promi-Besuch ab – eine willkommene

Abkühlung zu den schweißtreibenden

Auftritten im heißen Tipi-Zelt

am Kanzleramt.

Und dann gab es noch den Queer

Summer Splash in seiner dritten Auflage

und eine große Familien-Pool-Party im

Sommerbad Wuhlheide... es war wieder

jede Menge los in den Berliner Freibädern.

(oew)

LÄNGER DRAUSSEN

Einige Freibäder bleiben über

das Saisonende am 1.9. geöffnet.

Das gilt für das Strandbad

Wannsee und die Sommerbäder

Kreuzberg, Wilmersdorf, am

Insulaner, Humboldthain und

Mariendorf (Rixdorfer Straße).

Die aktuellen Öffnungszeiten

finden sich auf der Internetseite

und derder-App.

29


30


der-Bienen

Neuer Schwarm

für Schöneberg

Tibor Pintér arbeitet seit 2017 in der Personalabteilung

der Berlinerder.

Von Martina van der Wehr

Die Damen sind heute nicht recht bei

Stimmung. Einige summen uns schon

entgegen, als wir die Dachterrasse in

Schöneberg betreten. „Heute sind sie

etwas unentspannt“, sagt Tibor Pintér,

als er in seinen Schutzanzug steigt und

den Imkerhut aufsetzt. „Das erkennt

man daran, dass sie auffliegen, wenn

man den Bienenstock öffnet.“

Und auf ein Fotoshooting sind seine

Bienen auch nicht eingestellt. „Die beste

Zeit für einen Besuch wäre bei Sonnenschein“,

erklärt er. „Dann sind die Bienen

viel unterwegs und würden sich weniger

um Menschen kümmern, die sich

am Bienenstock zu schaffen machen.“

Aber: Die Kontrolle heute muss sein –

Sonne hin, schlechte Laune her.

Seit 2017 arbeitet der 36-jährige Berliner

als Teamleiter Personalbetreuung

bei den Berlinerdern (BBB). Wie man

einen großen Pulk arbeitsamer Wesen

bei Laune hält, das weiß er also. Und so

ist es irgendwie folgerichtig, wenn Tibor

Pintér etwas Ähnliches in seiner Freizeit

macht: Er ist einer von 1300 im Berliner

Verband organisierten Imkern.

Sein Büro befindet sich in Nebenräumen

der Sport- und Lehrschwimmhalle

am Sachsendamm. Da im Frühjahr eines

seiner Bienenvölker wieder so groß geworden

war, dass er es teilen musste,

fragte er kurzerhand den Vorstand der

BBB um Erlaubnis, einen Bienenstock

auf dem Dach des 60er-Jahre-Gebäudes

aufzustellen. Im Frühsommer zogen

die Bienen ein. Der neue Schöneberger

Schwarm ist mittlerweile das achte Volk,

das er betreut.

Angefangen hat seine Leidenschaft in

einer Kneipe. Mit einem guten Freund

sprach Tibor Pintér über das Schicksal

der Bienen. Über Pestizide, die ihnen

das Leben schwermachten, den Befall

mit Parasiten und die Tatsache, dass

Nektar zu finden auch immer schwieriger

wurde. Vier Jahre ist das her. Die

beiden beschlossen an diesem Abend,

einen Lehrgang zum Imker zu machen.

Ihr erstes Volk stellten sie in einem

Obstgarten nördlich von Berlin auf. Eine

31


Einzug in der

Dachetage: Seit einigen

Wochen sind

die Bienen auf der

Schwimmhalle am

Sachsendamm zu

Hause. Tibor Pintér

schaut regelmäßig

nach ihnen. Sein

inzwischen achtes

Bienenvolk lebt

sich langsam am

neuen Standort ein.

Win-Win-Situation: Die Insekten summten

ob der Blütenvielfalt im Bienenglück

und die Bäume trugen deutlich mehr

und deutlich größere Früchte. Das freute

das Inhaber-Ehepaar des Obstgartens

und machte Eindruck. Heute sind die

beiden Pintérs Schwiegereltern.

Der Sachsendamm in Schöneberg ist

auf den ersten Blick nicht das, was man

ein Bienen-Paradies nennen würde. Die

Schwimmhalle ist umgeben von Autobahnen

– Asphalt und Abgase rundherum.

Doch Pintér und seine Bienen

wissen: Bis zu den Schrebergärten am

Priesterweg ist es nicht weit; Wiesen

gibt es auch am Südgelände und dort

unter anderem blühende Linden und

Akazien.

Lauschig ist es auch für ein anderes

seiner Bienenvölker nicht. Es residiert

am Flughafen Tegel. Im Rahmen eines

freiwilligen Untersuchungsprogramms

führt die Flughafengesellschaft ein „Bienenmonitoring“

durch. Honig-, Pollenund

Waben-Proben werden im Frühund

im Spätsommer gesammelt und

nach Rückständen aus dem Flugverkehr

untersucht. Den geschleuderten Honig

nimmt die Flughafengesellschaft vollständig

ab und nutzt ihn für Marketingzwecke.

Die Bilanz zeigt: Den Bienen am

Flughafen geht es prächtig.

Im Bäder-Bienenstock sind derzeit

drei Rähmchen voll besetzt. Hier tummeln

sich etwa 5.000 Bienen. „Das ist

wenig“, erklärt Tibor Pintér. „Norma-

32


lerweise zählt ein Volk etwa 15.000 bis

18.000 Bienen.“ Die Neuzugänge am

Sachsendamm müssen sich noch einleben

und sich erholen.

Viel Arbeit macht so ein Bienenstock

eigentlich nicht. Wenn die Bienen aus

der Wintertraube kommen, muss der

Stock gereinigt und geprüft werden, ob

die Bienen den Winter gut überstanden

haben. Im Frühjahr beginnen die Bienen

Honig einzulagern. In der Regel kann im

Mai oder Juni erstmals geerntet werden,

das zweite Mal im Spätsommer.

Danach müssen die Bienen mit Ameisensäure

behandelt werden gegen den

Befall durch die Varroa-Milbe, einen

ihrer gefährlichsten Parasiten. Im Anschluss

wird das Bienenvolk eingefüttert:

Es bekommt eine dickflüssige Zuckerlösung

als Ersatz für den geernteten

Honig. Den kompletten Winter über

wird der Bienenstock dann nicht mehr

angefasst.

Das wird bei den Bäder-Bienen anders

sein. Ihnen schenkt Tibor Pintér besonders

viel Aufmerksamkeit. Nachdem

er im Büro Feierabend gemacht hat,

schlüpft er kurz in seine Schutzkleidung

und schaut nach ihrem Befinden. So wie

jetzt. Bis zur ersten Ernte wird es noch

etwas dauern, weiß er.

Sein anfangs skeptischer Blick wegen

der Unruhe im Bienenstock ist inzwischen

einem Lächeln gewichen: „Im

nächsten Jahr gibt’s Honig aus Schöneberg.“

33


ENDSPURT

KINOFEST IN KREUZBERG

Es kam 2018 gut an und wird deshalb in

diesem Jahr ausgeweitet: Die Liegewiese

im Sommerbad Kreuzberg – zuletzt

Party-Ort des Queer Summer Splashs –

wird wieder zur Kino-Lounge. Auf der

Wiese bieten die Berlinerder-Betriebe

diesmal von Montag, 9. September bis

einschließlich Sonnabend, 14. September,

jeden Abend eine Vorstellung an.

Das Programm stand bei Redaktionsschluss

noch nicht fest. Infos dazu gibt

es in Kürze über die Website der Berliner

der-Betriebe und die Sozialen Netzwerke.

Filmbeginn wird immer um 20:00

Uhr sein. Die regulären Eintrittskarten

derder (auch die Sommer-Mehrfachkarte)

sind gültig. Wir wünschen viel

Vergnügen!

SOMMERFEST: BÄDER SCHLIESSEN FRÜHER

Am Ende eines langen Sommers feiern

alle Beschäftigten der Berlinerder-Betriebe

den Abschluss der Saison.

Das alljährliche Sommerfest findet

diesmal am Donnerstag, 19. September

2019 statt. Die meisten Bäder schließen

an diesem Tag bereits um 16:00 Uhr, um

allen Beschäftigten der BBB die Chance

zu geben, daran teilzunehmen. Wir bitten

um Verständnis.

Welche Bäder schließen und welche

nicht, stand zum Redaktionsschluss dieser

Ausgabe leider noch nicht fest. Über

die aktualisierten Öffnungszeiten informiert

rechtzeitig die Internet-Seite der

BBB wie auch die Bäder-App. Außerdem

werden die geänderten Öffnungszeiten

über die Kanäle der Sozialen Netzwerke

(Facebook, Instagram) verbreitet.

GEMEINSAME AUSBILDUNG

Die Berlinerder-Betriebe haben eine

neue Kooperation mit den Berliner Wasserbetrieben

geschlossen. Die beiden

Landesunternehmen werden künftig

Mechatronikerinnen und Mechatroniker

gemeinsam ausbilden.

„Wir Landesunternehmen sollten bei

der Gewinnung neuer Fach- und Führungskräfte

an einem Strang ziehen“,

begründet Kerstin Oster, Personalvorständin

der Berliner Wasserbetriebe die

Kooperation. „Eine solche Zusammenarbeit

ist immer auch eine Bestätigung

für die hervorragende Qualität unserer

innerbetrieblichen Ausbildung.“

„Ich freue mich, dass wir mit den

Berliner Wasserbetrieben eine ausgesprochen

erfahrene und kompetente

Partnerin gefunden haben und den

Arbeitsplatz „Schwimmbad“ als hoch

technisch gesteuertes Funktionsgebäude

der Berufsgruppe angehender Mechatroniker*innen

näher bringen können“,

erklärt Annette Siering, Vorständin

der Berlinerder-Betriebe.

Insgesamt beginnen im September

24 Azubis ihr Berufsleben bei den Berliner

dern. 22 von ihnen werden zur/

zum Fachangestellten für Bäderbetriebe

ausgebildet.

34


1.

Gewinnspiel

Wer kennt

die berliner bäder?

Bei der Sommer-Ausgabe unseres

Gewinnspiels zählten wir mehr richtige

Einsendungen als beim letzten

Mal. Einige sandten Fotos von Ihrem

Stamm-Schwimmbad mit ein, um ihre

langjährige Treue zu den Bädern zu beweisen.

Vielen Dank dafür. Die Lösung

lautete: 1. Sommerbad am Insulaner, 2.

Sommerbad Neukölln und 3. Sommerbad

Staaken-West.

Diesmal sind alle, die bevorzugt auf

dem Rücken schwimmen, etwas im Vorteil.

Zu sehen sind Details aus den Decken

von drei Hallenbädern. Wo sind die

Bilder entstanden? Schreiben Sie uns bis

30. September 2019 am besten per Mail*

an die Adresse: presse@berlinerbaeder.

de. Oder auch per Post* (Adresse s. Impressum).

Zu gewinnen gibt es wieder

drei unserer beliebten Badelaken. Viel

Glück!

2.

3.

*Wir sind laut EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DS-

GVO) gesetzlich verpflichtet, Ihnen mitzuteilen, welche

personenbezogen Daten wir von Ihnen laut Art. 13/14

EU-DS-GVO erheben. Die Erhebung erfolgt zur Gewinnauslosung,

der Sie mit der Teilnahme zugestimmt haben.

Näheres finden Sie hier https://www.berlinerbaeder.de/

kontakt/datenschutz/.

35


Foto: Piotr Marcinski / iStockphoto – Gestaltung: LayoutManufaktur

Frischer Wind

Sprachkurse mit Zertifikat

an Ihrer Volkshochschule

für Büro – Studium – Urlaub

36

www.vhs.berlin.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine