KLIMT - erzählt für Kinder

juliegehtinsmuseum

JULIE GEHT

INS MUSEUM

Nora Rath-Hodann . Peter Diamond

KLIMT

ERZÄHLT FÜR KINDER


Aus der Serie JULIE GEHT INS MUSEUM

Nora Rath-Hodann . Peter Diamond

KLIMT

erzählt für Kinder

Leseprobe: Kapitel 12 (Auszug)

„Ein paar Jahre nach der Gründung gab es in der Secession eine Ausstellung, für die

die Räume sehr aufwendig gestaltet wurden. Gustav Klimt malte ein Gemälde über drei

Wände eines Raumes. Es trägt den Namen Beethovenfries, weil die Ausstellung zu Ehren

des Komponisten Ludwig van Beethoven stattfand.

Der Fries stellt die Sehnsucht der Menschen nach Glück dar.

Abgebildet ist ein Ritter in goldener Rüstung, welcher die Menschheit verkörpern soll. Er

kämpft gegen die feindlichen Gewalten. Sie stellen alles dar, was unser Glück gefährdet:

zum Beispiel Krankheit, Tod oder Kummer. Sie nehmen die Gestalten von monströsen

Kreaturen und hässlichen Figuren an.

Zwei schöne Frauen, welche Kunst und Musik verkörpern, helfen dem Ritter, Glück, Freude

und Liebe zu finden. Sie sind als Engel und Liebespaar abgebildet.

Schon während der Entstehung des Frieses wurde Klimt beschimpft, weil – wie könnte

es anders sein – in dem Bild zu viele nackte Frauen zu sehen waren. Manche waren

hübsch und verführerisch, manche hässlich. Viele Besucher fanden, dass dieses Bild

der Öffentlichkeit nicht zumutbar sei. Aber ich glaube, dass dies die Leute erst richtig

neugierig machte.

Wir haben übrigens Glück, dass es den Fries heute noch gibt. Er war nur als

Wandschmuck für diese eine Ausstellung geplant und sollte gar nicht aufbewahrt werden.


Ein Kunde aber kaufte und verwahrte ihn. Als die Secession einige Jahrzehnte später in

ein Museum umgewandelt wurde, wurde er wieder angebracht.“

„Dieses Bild ist auch ein wenig gruselig. Aber das große Monster ist schon cool. Und da

ist auch Gold dabei!“

„Ja, ganz richtig. Dieses Werk ist so etwas wie der Beginn der Goldenen Periode.

[...] Das vielleicht berühmteste Bild, der Kuss, ist möglicherweise noch wertvoller.

Allerdings wissen wir das nicht, weil es noch nie verkauft wurde.

Es zeigt einen Mann und eine Frau, die sich umarmen. Der Mann gibt der Frau einen Kuss

auf die Wange – daher der Name des Bildes.

Es gibt Leute, die sagen, dass es sich bei den beiden um Gustav Klimt und Emilie Flöge

handelt – zwei Menschen, die einander in tiefer Freundschaft verbunden sind und sich

wortwörtlich sehr nahe stehen. Andere wiederum meinen, dass es genau umgekehrt

sei und dass die Frau gar nicht so recht geküsst werden möchte oder dass unbekannte

Personen dargestellt sind.“

„Wie weiß ich, ob das die richtige Geschichte ist?“

„Gar nicht. Niemand weiß mit Sicherheit, was Klimt mit diesem Werk ausdrücken wollte.

Es haben sich schon viele Experten damit beschäftigt.

Heute geht man davon aus, dass die Frau den Kuss nur widerwillig über sich ergehen

lässt. Ich finde, das ist gerade das Spannende an Klimts Gemälden. Man kann nicht auf

den ersten Blick erkennen, worum es geht, und jeder entdeckt etwas anderes.“

Leseprobe aus: KLIMT - erzählt für Kinder . ISBN 978-3-9504446-9-8

Text von Nora Rath-Hodann . Illustrationen von Peter Diamond

© 2019 JGIM Verlag, Wien . www.jgim-verlag.com

Auch in englischer Sprache verfügbar: KLIMT - The Golden Painter . ISBN 978-3-903307-00-1

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