didacta 03/19

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03 /19

SEPTEMBER ∙ OKTOBER 2019 | 77766 | DEUTSCHLAND 4,90 € | ÖSTERREICH 5,50 €

Das Magazin für lebenslanges Lernen

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EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Demokratie steht unter

Druck: Die Bereitschaft, verschiedene

Meinungen zuzulassen

und Kompromisse zu finden,

nimmt ab. Fakten werden immer

häufiger in Frage gestellt oder

schlimmstenfalls manipuliert.

Polarisierung und Repressionen

nehmen zu. Dieses aufgeheizte

politisch-gesellschaftliche Klima

macht einen zentralen Bildungsauftrag

von Fach- und Lehrkräften

noch wichtiger: junge Menschen

dazu befähigen, sich an politischen, gesellschaftlichen und

wirtschaftlichen Diskursen zu beteiligen, und sie zu motivieren,

die Gesellschaft mitzugestalten.

Kinder und Jugendliche müssen sich an der öffentlichen

Meinungsbildung beteiligen können, ihre Stimmen müssen

ernst genommen werden. Für die Arbeit in den Bildungseinrichtungen

bedeutet das: Fach- und Lehrkräfte

benötigen pädagogische Freiheiten, um junge Menschen

in Entscheidungsprozesse einzubinden und ihnen zivilgesellschaftliches

Engagement zu ermöglichen. Denn wie

sagt Christian Welniak von der Deutschen Gesellschaft für

Demokratiepädagogik im aktuellen didacta-Interview so

treffend: „Demokratie lernt man, indem man mitmacht.“

Herzlichst,

Foto: © Sascha Kreklau

Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis

Chefredakteur

3/2019 didacta-magazin.de 1


Bildung

Wie lernen

Schüler Demokratie?

Antworten ab Seite

4

Burn-out: Warum

Lehrkräfte besonders

auf sich achtgeben

müssen, ab Seite 70

Inhalt

TITELTHEMA | DEMOKRATIEBILDUNG

4 „Demokratie lernt man, indem man mitmacht“

Gute Demokratiebildung an Schulen

8 Sie wollen die Welt retten

Fridays for Future Demonstrationen: Pro und Contra

12 Top in Demokratie!

Projekte zur Demokratieförderung

BILDUNG

16 Bildung in Kürze

+ GROSSES REISEGEWINNSPIEL

18 Wie schlau bist du?

Schüler angemessen fördern

22 „Wir wollen die MINT-Bildung stärken“

didacta Serie Bildungsvisionen

24 „Wir dürfen uns nicht von

Amazon und Co einschläfern lassen“

Der neue Didacta-Präsident im Interview

MEDIEN

34 Medien in Kürze

36 #Lernsieger

Lernen mit Social Media

40 Kurz mal nach Ägypten

Außerschulische Lernorte mit AR entdecken

KITA

44 Kita in Kürze

46 Heldenhaft

Das Gewinner-Bündnis des Deutschen Kita-Preis

SCHULE

48 Schule in Kürze

50 Mehr als ein Computerraum

Die neue didacta Serie Schule innovativ

54 Du Doof?

Wie handeln bei Cybermobbing?

INTERNATIONAL

26 International in Kürze

28 Neuseeland hat Vorsprung

Digitale Bildung in Neuseeland

32 Inklusion live

Von Deutschen Auslandsschulen lernen

AUSBILDUNG

58 Ausbildung in Kürze

60 Langsam, aber stetig

Wie Geflüchtete in der Ausbildung ankommen

Zwei Ausgaben gratis lesen, S. 27

2 didacta-magazin.de 3/2019


HOCHSCHULE

64 Hochschule in Kürze

66 Von der Vision zum Exportschlager

50 Jahre Fachhochschule

WEITERBILDUNG

68 Weiterbildung in Kürze

70 Den Kontakt zu sich behalten

Burn-out vorbeugen

74 Weg mit den Stolpersteinen

Deutsch als Zweitsprache fördern

78 Veranstaltungstipps

Fort- und Weiterbildungen für Pädagogen

Deutsch als Zweitsprache

in allen Fächern

fördern, ab Seite

74

80 Impressum

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. November 2019.

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Titelthema

„Demokratie lernt man,

indem man mitmacht“

Kindern Erfahrungs- und Beteiligungsräume zu eröffnen, macht laut

Experte Christian Welniak gute Demokratiebildung an Schulen aus.

Mit einem Unterrichtsfach Politik ist es also nicht getan.

Interview Silvia Schumacher

Foto: © hxdbzxy / Shutterstock.com; privat

4 didacta-magazin.de 3/2019


Ist fehlende Demokratiebildung ein Grund

für den Rechtsruck in der Gesellschaft?

Die Verantwortung für gesellschaftliche Krisen

der Pädagogik zu überantworten erfolgt häufig.

Ich sehe die Gründe jedoch

im politisch-gesellschaftlichen

Klima. Statt von einem Rechtsruck

würde ich aber eher von

einer wachsenden Polarisierung der

Gesellschaft sprechen, die nicht in

einem Links-Rechts-Schema zu fassen

ist, sondern in Stadt/Land, ost/west, national/global,

alt/jung. Mit 2015 hat sich die

politische Kultur in Deutschland verändert.

Die Zuwanderung von hilfebedürftigen Menschen

hat dazu geführt, dass sich plötzlich eine

sehr große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern

nicht mehr politisch vertreten sieht und in der

liberalen Demokratie nicht zu Hause fühlt. Die

demokratiepädagogische Zeitdiagnose: Es fehlt

ein kontroverser, transparenter gesellschaftlicher

Diskurs.

didacta: Herr Welniak, setzen Schulen im

Moment Demo kratiebildung ausreichend

um?

Christian Welniak: Die Universität Bielefeld

zeigt in einer Studie, wieviel politische Bildung

an Schulen stattfindet: wenige Minuten pro

Woche. Demokratiebildung wird häufig dem

Politik- oder Sozialkundeunterricht überlassen.

Sie ist aber eine Aufgabe aller Fächer – so steht

es in den Bildungsplänen der Bundesländer,

so empfiehlt es die Kultusministerkonferenz.

Christian Welniak

ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für

Demokratiepädagogik e.V., Dozent für Demokratiepädagogik

an der Universität Hamburg sowie an der

Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Alten

Eichen. Er ist überzeugt: „Kinder und Jugendliche lernen

freitags unglaublich viel, wenn sie etwa vor dem

Hamburger Rathaus demonstrieren.“

Inwiefern?

Es geht im alltäglichen Miteinander und auf

gesellschaftlicher Ebene darum, das „Gespräch

der Verschiedenen“, wie Hannah Arendt einmal

formulierte, zu stärken. Ich sehe eine zentrale

Aufgabe der Demokratiepädagogik darin, Diskursräume

zu öffnen: Wie wollen wir in dieser

Gesellschaft leben? Ich möchte aber betonen,

dass diese Diskursräume klare Grenzen haben:

Sie werden in Artikel 1 des Grundgesetzes

formuliert. Rechtsextremistische Gewalt und

ideologisch genährte Menschenfeindlichkeit

sind nicht diskutierbar.

Wie sieht gute Demokratie bildung in der

Schule aus?

Sie eröffnet Kindern und Jugendlichen Erfahrungs-,

Beteiligungs- und Reflexions räume. Sie

fördert die Mit bestimmungs- und Gestaltungsfor

men in der Schule, bei spiels weise im Klassenrat,

der Aushandlungsprozesse ermöglicht:

Wofür möchten wir uns innerhalb der Klasse,

der Schule und außerhalb engagieren? Gute

Demokratiebildung ermöglicht, dass Kinder und

Jugendliche Möglichkeiten zivilgesellschaftlichen

Engagements kennenlernen, erproben

und reflektieren können. Und sie ist eingewoben

in eine demokratische Schulkultur.

Es geht also nicht darum, im Unterricht Wissen

über Demokratie zu vermitteln?

Demokratiebildung wird häufig dem Politikoder

Gemeinschaftskundeunterricht überlassen

und damit auch nur den Lehrkräften, die

diese Fächer unterrichten. Aber das ist Aufgabe

eines jeden Lehrers. Sie müssen Demokratie

erfahrbar und mitgestaltbar machen.

3/2019 didacta-magazin.de 5


Titelthema

Es gibt ein permanentes System der Beurteilung

und der Kontrolle. Bei allem, was Kinder

und Jugendliche tun, erleben sie Schule als

‚ich muss mich diesem Beurteilungssystem

anpassen‘. Das gilt auch für die Lehrer, es gibt

die Schulaufsicht und die Schulinspektion.

Zum

Weiterlesen:

Kompetenzen

für eine

demokratische

Kultur. Council

of Europe, 2016

https://rm.coe.

int/16806ccc0b

Sollten Schulen den Schülern erlauben, an

den Fridays for Future-Demonstrationen

teilzunehmen?

Wäre es ein Streik, wenn ein Arbeitgeber

seine Angestellten ohne Lohnausfall freitags

beurlauben würde, damit sie für ihre Rechte

demonstrieren können? Die besondere

Bedeutung die ser Demonstrationen besteht

doch darin, dass die beteiligten Kinder und

Jugendlichen ein Risiko eingehen und der

Erwachsenengeneration deutlich machen,

was ihnen wirklich wichtig ist. Ich bin davon

überzeugt, dass Kinder und Jugendliche freitags

bei den Demonstrationen viel lernen und

ihre Zeit vernünftig verbringen. Das ist ein

wichtiger Moment der politischen Sozialisation.

Man muss nicht erst Theorie lernen,

um, wenn man erwachsen ist, politisch zu

partizipieren. Demokratie lernt man, indem

man mitmacht.

Welche Kompetenzen und Werte brauchen

Kinder und Jugendliche im Sinne einer

demokratischen Gesellschaft?

Die Suche nach notwendigen Kompetenzen

beschäftigt die Erziehungswissenschaft in der

öffentlichen Wahrnehmung seit PISA. Meines

Erachtens hat der Europarat eine überzeugende

Zusammenfassung der langjährigen

Debatten verfasst. Sie hebt das kritische Denken

hervor. Außerdem wichtig sind meines

Erachtens die Fähigkeit zu Perspektivenübernahme

und Empathie.

Sie sagten, dass es eine demokratische

Schulstruktur brauche. Das Schulsystem

sei in seinen Strukturen, Funktionen und

Prozessen aber undemokratisch und

demokratiewidrig, so Wolfgang Edelstein,

ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts

für Bildungsforschung.

Das ist richtig. Wolfgang Edelstein meint

damit, dass die Institution Schule unglaublich

hierarchisch angelegt ist. Weil sie eine

klare Aufgabe hat, nämlich Lebenschancen zu

verteilen. Das macht sie über Selektionsmechanismen

wie Noten und Schulabschlüsse.

Und wie lässt sich das System demokratischer

gestalten?

Wichtig ist zunächst die schulrechtlich verankerte

Gremienarbeit zu stärken, also ein

funktionierendes System der Mitbestimmung

zu schaffen, indem man die im System

gelegenen Herausforderungen gemeinsam

besprechen kann.

Wie sollten Schulen von der Politik unterstützt

werden, um ihre Aufgabe, demokratische

und mündige Staatsbürgerinnen

und -bürger zu erziehen, erfüllen zu können?

Es passiert gerade schon viel. In dem Bundesprogramm

„Demokratie leben“ werden

Ressourcen zur Förderung der Demokratiebildung

bereitgestellt und alle Minister der Kultusministerkonferenz

haben beschlossen, die

Demokratiebildung noch stärker zu fördern.

Nun müssen aber die Politiker und Verantwortungsträger

vor Ort zusehen, dass die zur

Verfügung gestellten Mittel auch tatsächlich

für gute Demokratiebildung in den Schulen

eingesetzt werden.

STUDIE ZEIGT: JUNGE MENSCHEN

FÜHLEN SICH NICHT AUSREICHEND BETEILIGT

Ein großer Teil der jungen Menschen fühlt sich nicht

ernst genommen und unzureichend beteiligt. Je älter

sie werden, desto weniger haben Jugendliche den

Eindruck, in der Schule mitgestalten zu können. Nur

34 Prozent der 14-Jährigen können dort aus ihrer Sicht

mitbestimmen, bei den Achtjährigen ist es immerhin

noch jeder zweite. Zu diesen Ergebnissen kommt die

repräsentative Studie „Children‘s Worlds+“, die im Juli

von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht wurde.

www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/

publikation/did/childrens-worlds-2

6 didacta-magazin.de 3/2019


Der Moment, wenn du merkst,

das ist DEIN Ding.

© dpa

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„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung

seiner Persönlichkeit …“ — Artikel 2

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Titelthema

Geschichte der Fridays for Future-Demos:

20. August 2018:

Erstmals verweigert die damals 15-jährige

Greta Thunberg den Unterrichtsbesuch in

Schweden. Sie hält das Schild in der Hand:

„Schulstreik für das Klima“ und setzt sich vor

den Schwedischen Reichstag in Stockholm.

27. August 2018:

Nach ersten Medienberichten

in schwedischen Zeitungen

berichtet zum ersten

Mal die Berliner taz über

Greta Thunberg.

Ab November 2018:

Erste Schüler/innen schließen sich den Protesten in

Schweden an. Es folgen gleichartige Aktionen in Australien,

Frankreich, Belgien und Dänemark. Sie beginnen,

sich unter dem Hashtag #FridaysforFuture in

sozialen Netzwerken zu organisieren.

Sie wollen die Welt retten

Wöchentlich gehen Tausende Schülerinnen und Schüler weltweit auf die

Straße, um für den Klimaschutz zu kämpfen. Und dabei geht es ihnen

nicht darum, zu schwänzen – sondern ihre Zukunft zu sichern.

Text Tina Sprung

Foto: © T. Sprung

8 didacta-magazin.de 3/2019


30. November 2018:

10 000 Schüler/-innen

gehen in Australien

gegen den Klimawandel

auf die Straße.

7. Dezember 2018:

Zum ersten

Mal wird in

Bad Segeberg in

Schleswig-Holstein

gestreikt.

21. Februar 2019:

Thunberg spricht vor

dem Europäischen

Wirtschafts- und

Sozialausschuss in

Brüssel.

März 2019:

Freddy André Östvegard und zwei

andere Mitglieder der Sozialistischen

Linken des Norwegischen

Parlaments schlagen Thunberg

für den Friedensnobelpreis vor.

the system – not the climate“

– das Transparent mit der Aufschrift

prangt am Max-Joseph-Platz in München

auf dem alten Feuerwehrauto der

Klimaaktivisten, neben dem Denkmal

„Change

des ersten bayerischen Königs. Es ist

Freitag und Hunderte Schülerinnen und Schüler

haben sich dort versammelt, um wie jede Woche

für den Klimaschutz zu demonstrieren. Auf dem

Dach des Feuerwehrautos, das mit Holzlatten

umzäunt ist, stehen drei Jugendliche. Ramona

Wüst, politische Sprecherin, greift zum Megaphon:

„Wir haben keine Zeit mehr, und wenn die

Politik möchte, dass Schülerinnen und Schüler

wieder in die Schule gehen, muss sie endlich

Maßnahmen ergreifen, um das Klima zu retten.“

Beifall unter den Hunderten Demonstranten.

Seit November letzten Jahres, als die Medien

über Umweltaktivistin Greta Thunberg berichteten,

gehen Schülerinnen und Schüler auf der

ganzen Welt auf die Straße. Sie fordern den Kohleausstieg,

CO2-Reduktion und mehr Gesetze

zu erneuerbaren Energien, beispielsweise verpflichtende

Solaranlagen für Häuserbauer. Früher

wurde über die Politikverdrossenheit der Jugend

geschimpft, über die mangelnde Eigeninitiative

– und nun? Nach den ersten Protesten gab es

seitens der Eltern und Politiker Bedenken,

die Jugend wolle nur die Schule schwänzen.

Befragungen der Universität Konstanz zeigen

jedoch: Es geht den jungen Menschen um den

Klimaschutz, selbst in den Ferien kommen sie in

Städten zusammen, um ihre Belange kundzutun.

95 Prozent der 154 befragten Demonstrierenden

sind der Meinung, ihr Engagement könne

etwas verändern. Nur jeder Zehnte fand, es sei

eine gute Gelegenheit zum Schule schwänzen.

„Es sollen noch mehr Schüler schwänzen“

Dem weltweiten Protest haben sich nicht

nur Schülerinnen und Schüler angeschlossen.

Derzeit beginnen Erwachsene, sich in

Parents for Future zu organisieren und an den

Demonstrationen teilzunehmen. Auch Studierende

organisieren sich: Im Hauptgebäude der

Ludwig-Maximilian-Universität fand die Sonderausstellung

„Physik des Klimawandels“ statt.

Studierende stürmten die Ausstellung, warfen

sich zu Boden und stellten sich tot als Opfer

des Klimawandels. In den Händen hielten sie

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Titelthema

Geschichte der Fridays for Future-Demos:

Mitte März 2019:

Fridays for Future

erreicht globale Ausmaße,

ausgenommen

Schwellen- und Entwicklungsländer,

Russland,

Japan sowie große

Teile Südostasiens.

8. April 2019:

Fridays for Future Deutschland veröffentlicht

einen Forderungskatalog

mit kurz- und langfristigen Zielen,

darunter Senkung der Treibhausgasemissionen

in Deutschland bis 2035

auf null, sofortiger Stopp für Subventionen

auf fossile Brennstoffe

und Kohleausstieg bis 2030.

7. Juni 2019:

Amnesty International

zeichnet Greta Thunberg

mit dem Ambassador

of Conscience

Award aus, der höchsten

Auszeichnung

der Menschenrechtsorganisation.

August 2019:

Thunberg segelt mit

einer emissionsfreien

Hochseeyacht

nach Amerika, um an

dem Klimagipfel der

Vereinten Nationen

am 23. September

teilzunehmen.

eine kaputte Erde aus Pappe, Schilder, die zu

neuen Klimaprotestesten aufrufen. Professoren

und Besucher applaudieren. Darunter Professor

Harald Lesch, Astro-Physiker, Naturphilosoph

und bekannt aus Terra X, einer Dokumentationssendung

des ZDF. Er steht hinter den Klimaaktivisten

und machte in der Polit-Talksendung

Anne Will deutlich. „Wir aus der Wissenschaft

sagen seit 40 Jahren immer und immer wieder,

welches Risiko durch den Wandel besteht

und es wird schlimmer und schlimmer. Aber es

passiert nichts – die jungen Menschen sind die

einzigen, die die Wissenschaft ernst nehmen.“

Er meint: „Es sollen noch mehr Schüler freitags

die Schule schwänzen. Ich halte die Schulpflicht

hier für unerheblich, wenn man sich ansieht,

welche Bedrohung der Klimawandel darstellt.“

Bildung überhaupt ist es, junge Menschen zu

befähigen, sich in der modernen Gesellschaft

zu orientieren und politische, gesellschaftliche

und wirtschaftliche Fragen und Probleme kompetent

zu beurteilen. Dabei sollen sie ermuntert

werden, für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte,

Gerechtigkeit, wirtschaftliche Sicherheit

und Frieden einzutreten.“ Und das machen

die Schülerinnen und Schüler weltweit auch,

indem sie jeden Freitag auf die Straße gehen

und demonstrieren. So lange, bis sich die Politik

an das Pariser Klimaabkommen hält, das die

Begrenzung der menschengemachten globalen

Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad

gegenüber vorindustriellen Werten einhalten

zum Ziel hat. „Wir werden nicht aufhören, zu

kämpfen“, sagt Greta Thunberg.

Kultusminister-Präsident ruft zum Stopp auf

Rechtlich gesehen gilt das Demonstrieren als

unentschuldigtes Fehlen und muss ins Klassenbuch

eingetragen werden. In München war im

April etwa das staatliche Wilhelm-Hausenstein-

Gymnasium in den Medien, weil der Direktor

Bußgelder forderte, um gegen die Streikenden

vorzugehen. Der Präsident der Kultusministerkonferenz,

Hessens Kultusminister Alexander

Lorz (CDU), hat zu einem Ende der regelmäßigen

Schülerdemonstrationen für den Klimaschutz

aufgerufen. Es bringe nichts, „jetzt noch

weiter der Schule fern zu bleiben“, sagte er der

Wochenzeitung Die Zeit. „Wer zu einer Demo

geht, die nicht Teil einer Lehrveranstaltung ist,

fehlt unentschuldigt, mit allen Folgen.“

Ist es aus pädagogischer Sicht wirklich sinnvoll,

die Schülerstreiks mit Sanktionen zu belegen?

Oder sind die Fridays for Future-Demonstrationen

als Demokratiebildung zu verstehen – statt

als Theorie in der Schule eben im echten Leben.

Die Kultusministerkonferenz selbst sieht die

Demokratiebildung zumindest als sehr bedeutend

an: „Eines der obersten Ziele schulischer

Versammlungsfreiheit

versus Schulpflicht

Jens Koehn

ist Fachanwalt für

Verwaltungsrecht.

Seine Fachgebiete

sind Beamtenrecht,

Hochschul- und

Schulrecht.

Interview Silvia Schumacher

didacta: Ist Demonstrieren während der

Schulzeit gleich Schwänzen?

Jens Koehn: Aus schulrechtlicher Sicht ist

Demonstrieren während der Unterrichtszeit

Schulschwänzen, wenn seitens der Schulleitung

keine Erlaubnis für das Demonstrieren

erteilt wurde und es keine Beurlaubung

gibt. Auf der anderen Seite sind Schülerinnen

und Schüler Grundrechtsträger und

berufen sich auf ihre Meinungs- und vor

Foto: Koehn

10 didacta-magazin.de 3/2019


allem Versammlungsfreiheit. Sie bringen

neben einer Erlaubnis eine Rechtfertigung

ins Spiel. Es herrscht derzeit die Meinung,

dass das Demonstrationsrecht vor dem

Schulpflichtrecht den Kürzeren zieht, weil

es zu anderen Zeiten wahrgenommen

werden kann und sich Schule anders und

verlässlich gar nicht organisieren ließe.

Welche Konsequenzen drohen den

Schülerinnen und Schülern?

Die Schulpflicht kann die Schulleitung mit

Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen,

die das jeweilige Schulgesetz bietet, durchsetzen.

Vom erzieherischen Gespräch über

die Verwarnung oder Eintragungen und Vermerke

bis zum Verweis von der Schule ist

je nach Dauer und Wiederholung des Verstoßes

gegen die Schulbesuchspflicht alles

denkbar. Schülerinnen und Schüler können

Konsequenzen nur umgehen, wenn sie ihr

Fernbleiben glaubhaft entschuldigen und

dafür sorgen, dass die Schule die Demonstrationsziele

in den Unterricht einbezieht,

beispielsweise in Form eines Projektes

rund um Ökologie. Ohne Kooperation

und Offenheit zwischen Schulleitung und

Lehrerschaft einerseits und Schülerschaft

andererseits wird es erfahrungsgemäß mit

dem Umgehen der Konsequenzen allerdings

nichts.

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Kann es auch für den Schulleiter oder

die Lehrkraft Konsequenzen haben,

wenn sie die Schüler bestärken, an

den Fridays for Future Demos teilzunehmen?

Wenn durch die Teilnahme an einer

Demonstration der Initiative „Fridays for

Future“ Schülerinnen und Schüler schwänzen,

dann sollten Schulleitung und Lehrkräfte

sie besser nicht bei ihrem Verstoß

gegen die Schulbesuchspflicht bestärken.

Dieses Bestärken müsste eine schul- und

dienst- wie arbeitsrechtlich vertretbare

Form annehmen, die aus meiner Sicht nur

in einer Verstärkung der Unterrichtsziele, in

einer Verknüpfung mit dem Lehrstoff oder

in einer auch für die Schule förderlichen

Projektarbeit bestehen kann. Im Übrigen

dürfte sich in der Praxis die Frage stellen,

wie Lehrerinnen und Lehrer ihren Prüfungs-

und Leistungsbewertungspflichten

bei regelmäßig oder oft abwesenden Schülerinnen

und Schülern nachkommen sollen.

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3/2019 didacta-magazin.de 11

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Titelthema

„Wir brauchen Fridays for Future, denn die Klimakrise

ist eine Existenzfrage für unsere Generation und für

alle Menschen im globalen Süden. Einige Lehrer sind

überhaupt nicht begeistert, wenn wir freitags immer

fehlen. Das kann ich nicht verstehen. Sich über Fehlstunden

aufzuregen, während wir gerade auf dem

besten Weg sind, dass 1,5 Grad-Ziel zu verfehlen, ist

einfach krass unverhältnismäßig. Das empfinde ich als

sehr frustrierend. Wir müssen dieses Mittel ergreifen,

weil die Regierung nicht in die Pötte kommt.“

Pauline Brünger, 17 Jahre, Schülerin am Schillergymnasium in

Köln, engagiert sich seit Dezember 2018 bei

Fridays for Future in Köln

„Einfach rumsitzen und nichts tun, bringt nichts. Wenn

der CO 2

-Ausstoß nicht verringert wird, lässt sich der Klimawandel

ja nicht mehr umkehren. Unsere Schulleitung

hat gesagt, sie kann es leider nicht ändern, sie muss uns

einen Verweis geben, wenn wir am Freitag nicht zur Schule

gehen. Das nehmen wir in Kauf. Wir sind die einzigen vier

aus unserer Klasse, deren Eltern es erlaubt haben.“

Ben, 13 Jahre, Gymnasialschüler, nahm mit seinen Klassenkameraden

Severin, Quirin und Yohan an einer Demo in München teil

„Klimaschutz ist ein Thema, das in meinem Leben

schon immer präsent ist – wir waren noch nie mit dem

Flugzeug in Urlaub, fahren mit dem Zug in die Alpen,

machen dort einen Fahrradurlaub. Als ich vor 30 Jahren

in der Klasse und dem Kollegium über Klimaschutz

sprach, war ich eine Alleinkämpferin, denn niemand

interessierte sich für das Thema. Deswegen macht es

mich unglaublich stolz, zu sehen, wie die Jugend heute

die Wichtigkeit des Themas erkannt hat und auf die

Straße geht. Hier gibt es nichts zu kritisieren,

sondern nur anzuerkennen.“

Ursula Saabel, ehemalige

Mathelehrerin an einer Münchner Schule,

nimmt regelmäßig an den Streiks teil

„Ich wollte mir das mal ansehen, was die Jugendlichen

hier so machen, weil ich gehört hatte, dass nach den

Demonstrationen so viel Müll liegen bleiben würde.

Das Gefühl hatte ich nicht. Ich finde es richtig, was sie

hier tun, es geht schließlich um so ein wichtiges Thema.

Wenigstens ist es bei den Schülern angekommen,

dass es nach 12 ist.“

Barbara Reichenberger, Rentnerin aus München

„Fridays for Future ist in meinen Augen die bedeutendste

Bewegung seit den Anti AKW- und Friedensdemos

der 70er- und 80er-Jahre. Zugleich ist sie in ihrer

globalen Bedeutung als wesentlich wichtiger im Hinblick

auf die Zukunft zu erachten. Wenn wir das Bestreben

des Landes, Kinder zu mündigen und aktiven Demokraten

werden zu lassen, ernstnehmen, müssen wir ihnen

ermöglichen, dies nicht nur im Schutzraum Schule zu tun.

Als Schulleiterin einer Grundschule habe ich nach §23

GSO glücklicherweise die Möglichkeit, sie aus wichtigen

Gründen zu beurlauben“.

Monika Gierenstein, Rektorin Grundschule

Karlshausen (Rheinland-Pfalz)

„Die Idee, Schüler und andere Personen auf die Straße zu

schicken, um auf etwas aufmerksam zu machen, ist gut.

Aber viel wichtiger ist es, Klimaschutz und Klimawandel

überhaupt im Unterricht zu behandeln. Es gehört viel dazu,

die Thematik überhaupt zu verstehen. Leider habe ich von

vielen Schülern in höheren Klassen gehört, dass sie diese

Demos eher als Freizeit ansehen. Von daher mein Fazit

dazu: Erst detailliert bearbeiten, dann auch dazu stehen

und Meinung vertreten.“

Alexandra Stecher, Lehrerin beim Ausbildungsverbund

Starthilfe Schwalm-Eder in Homberg (Hessen)

Fotos: © Sprung (2), Schumacher; privat, Adrian Bodemer

12 didacta-magazin.de 3/2019


Unser Schulstreik ist eine gute Möglichkeit, Druck auf

die Politik auszuüben. Deshalb macht es keinen Sinn, nur

an schulfreien Tagen zu demonstrieren. Dann würde sich

niemand dafür interessieren. Manchmal muss man eben

Regeln brechen. Am Anfang war ich an meiner Schule

die einzige, die mitgemacht hat, mittlerweile werden

es mehr. Viele finden die Proteste gut, aber wollen ihre

Noten nicht gefährden oder trauen sich nicht so recht.

Einige machen sich darüber lustig. Ich denke, die begreifen

einfach nicht, dass die Klimakrise auch sie betrifft.

Um meine eigenen Noten mache ich mir keine Sorgen:

Sie werden sicher schlechter, vor allem in Chemie, das

wir freitags haben. Aber ich versuche so gut es geht, die

Sachen nachzuarbeiten.“

Johanna Bodemer, 16 Jahre, besucht das Rheingymnasium in

Köln, seit Januar ist sie bei Fridays for Future in Köln aktiv

„Wir befinden uns in

einer Klimaschutz-

Lethargie. Politiker

sind müde, sie

beschäftigen sich

nicht damit. Das ist

aber falsch, denn der

Klimawandel ist eine

gesamtgesellschaftliche

Aufgabe, die es gilt zu

lösen. Aus diesem Grund

nehme ich an den Protesten teil

und finde gut, dass wir junge Menschen auf die Straße

gehen und auf das Problem aufmerksam machen.“

Peter Strauch, Student an der Ludwig-Maximilians-

Universität München, nimmt zum dritten Mal an

der Demo in München teil

„Prinzipiell bin ich für alles, was die Menschen gewaltfrei

zum Thema Umweltprobleme wachrüttelt. So wie es bisher

in der Welt läuft, kann es nicht weiter gehen! Wenn

die Schülerinnen und Schüler fehlen, sind sie allerdings

eigenständig für das Nachholen verantwortlich.“

Bernd Blüher, 61 Jahre, Lehrer an der Astrid- Lindgren-

Grundschule Falkenberg/Elster (Brandenburg)

Baden-Württemberg setzt Zeichen gegen Hass und Hetze

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#RespektBW ist eine Kampagne der Landesregierung für respektvolle Diskussionskultur in sozialen Netzwerken.

Hass, Hetze, Beleidigungen und Falschmeldungen

gibt es häufi g in sozialen Netzwerken.

Auch Kinder und Jugendliche kommen

vielfach damit in Kontakt. Darf ich im Internet

ungestraft beleidigt werden? Wie kann

ich mich gegen Hass wehren? Aufklärung

und Unterstützung sind wichtiger denn je.

Sensibilisierung und Information

Mit #RespektBW setzt die Landesregierung

Baden-Württemberg ein klares Zeichen

gegen Hass, Fake und Hetze in den

sozialen Netzwerken. Die Kampagne soll

Kinder und Jugendliche aktivieren, für ein

gutes gesellschaftliches Miteinander durch

respektvollen Umgang im Netz einzutreten.

Mitmachen lohnt sich – Wettbewerb

mit attraktiven Preisen

Unterstützen Sie als Lehrerinnen und Lehrer

diese Kampagne, indem Sie mit Ihrer

Klasse am Wettbewerb teilnehmen und

die Themen in Ihrem Unterricht behandeln.

Kreative Beiträge, beispielsweise zu

den Themen Netzkultur, Cybermobbing

und Hate Speech werden mit tollen Preisen belohnt!

Unter anderem warten Erlebnisausfl üge sowie Meetand-Greets

mit prominenten Infl uencern.

Materialien für den Unterricht

Unterrichtsmaterialien stehen spätestens ab Oktober

auf der Kampagnen-Website und nach Abschluss

des Projekts bei SESAM, dem Medienportal des

Landesmedienzentrums, zur Verfügung.

Los geht’s!

Kampagnenstart ist am 23. September 2019. Weitere

Informationen – bereits jetzt auf www.respekt-bw.de.

#RespektBW ist Teil des Impulsprogramms der Landesregierung

zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg führt

die Kampagne im Auftrag des Staatsministeriums, in

enger Abstimmung mit dem Ministerium für Kultus,

Jugend und Sport, durch.

Kontakt: Landesmedienzentrum

Baden-Württemberg | Sarah Heinisch

Tel.: +49 711 2850-704 | sheinisch@lmz-bw.de

www.respekt-bw.de


Titelthema

Top in Demokratie!

Demokratie kann man lernen. didacta zeigt eine Auswahl von Projekten und Wettbewerben,

die Schülerinnen und Schülern Demokratie praxis- und lebensnah vermitteln.

Text Benigna Daubenmerkl

Demokratie-

Wettbewerbe

Aktiv für

Demokratie und Toleranz

Der Wettbewerb „Aktiv für

Demokratie und Toleranz“

zeichnet beispielhafte Projekte

von Einzelpersonen oder Gruppen

aus den Bereichen Demokratie,

Toleranz, Integration,

Gewaltprävention, Extremismus

und Antisemitismus aus.

Projekte können dieses Jahr

noch bis zum 22. September

eingereicht werden.

Europäischer Wettbewerb

Der Wettbewerb will den

Europagedanken bei Schüler/-

innen stärken und eine

vertiefte Auseinandersetzung

mit europäischen Themen im

Unterricht fördern. Er ist der

älteste Schülerwettbewerb

Deutschlands, bundesweit

gibt es jährlich bis zu 85 000

Teilnehmer/-innen.

www.europaeischerwettbewerb.de/

teilnahme

Demokratisch Handeln

Der Wettbewerb des

Fördervereins Demokratisch

Handeln zeichnet

Projekte von allgemeinbildenden

Schulen aus, in

denen sich Schüler/-innen

kreativ und alltagsnah für

Demokratie engagieren.

www.buendnis-toleranz.de/

arbeitsfelder/wuerdigung/

aktiv-wettbewerb

fair@school

Der Wettbewerb „fair@school“ würdigt Schulprojekte, die

einen Beitrag zu Antidiskriminierung, Interkulturalität, Inklusion,

Religionsvielfalt oder Diversität in der Schule leisten.

www.demokratischhandeln.de

www.fair-at-school.de

Demokratie erleben

Demokratie Erleben – der Preis für demokratische

Schulentwicklung zeichnet Schulen

aus, die Kinder und Jugendliche darin

fördern, aktiv Demokratie mitzugestalten.

Im November zeichnet die Deutsche

Gesellschaft für Demokratiepädagogik die

diesjährigen Preisträger aus.

www.demokratieerleben.de/derpreis

Fotos: © Monkey Business Images, Rido / Shutterstock.com

14 didacta-magazin.de 3/2019


Initiativen und Projekte

Openion

Kinder und Jugendliche zwischen

10 und 16 Jahren erfahren in über 200

Projekten, wie sie vielfältiges,

gewaltfreies und demokratisches

Miteinander aktiv leben können.

www.openion.de

Gesicht zeigen

Der Verein „Gesicht

zeigen! Für ein weltoffenes

Deutschland“

bietet Workshops für

Schulklassen sowie

Filme und Materialien

beispielsweise zum

Thema Rassismus oder

Zivilcourage.

www.gesichtzeigen.de

Gelebte Vielfalt

Im Rahmen der deutsch-französisch-polnischen

Zusammenarbeit findet jedes Jahr

ein Internationaler Jugendgipfel mit Workshops,

Exkursionen und Diskussionsrunden

statt. Dort entwickeln und diskutieren ausgewählte

Jugendliche neue Ideen zu Themen

wie Hate Speech, Fridays for Future

oder digitale Entwicklungen.

www.mbei.nrw/de/regionalesweimarer-dreieck

JUFO

Das Jugendforum JUFO ist

eine gemeinnützige, von

Schülerinnen und Schülern

getragene Organisation,

die in Rheinland-Pfalz und

Hessen überparteiliche

Debatten-Events im USamerikanischen

Stil durchführt.

Die Debatten, die

zwei- bis viermal monatlich

als Abendveranstaltungen

stattfinden, sind kostenlos.

Materialien und Service-Angebote

www.jufo-politik.de

So geht Medien

Die Initiative von

ARD, ZDF und dem

Deutschlandradio bietet

Unterrichtseinheiten zu

verschiedenen Medienkompetenz-Themen

an wie Fake News,

Geschlechter-Stereotypen

in Musikvideos oder zum

Urheberrecht.

www.so-geht-medien.de

Demokratie vor Ort

Auf seinem Service-Portal bietet das Bündnis

für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus

und Gewalt die Möglichkeit, Projekte

zur Demokratiebildung einzutragen oder auf

einer interaktiven Landkarte zu suchen.

www.bündnis-toleranz.de

Quiz-App für EU-Wissen

Mit der Quiz-App Clarify können Schüler/-innen

der Klassen 9 bis 11 ihr Allgemeinwissen über

die Europäische Union erweitern und testen.

www.clarify-projekt.eu/de/informationen-undmaterialien-fuer-lehrkraefte

Mitmischen.de

Die Website mitmischen.de

des Deutschen

Bundestages

will Jugendlichen

Lust auf Politik

machen. Sie erklärt

leicht verständlich,

wie Abgeordnete

arbeiten, wie das

Parlament funktioniert

und welche

politischen Themen

die Politiker gerade

beschäftigen.

www.mitmischen.de

Mehr Infos zu

Demo kratie-

Projekten

und -Wettbewerben

auf:

www.didactadigital.de/

lernen-lehren/

top-indemokratie

3/2019 didacta-magazin.de 15


BILDUNG IN KÜRZE

WISSEN ÜBER NACHHALTIGEN

MODE-KONSUM

KINDERRECHTE-BUS AUF TOUR

Anlässlich des 30-jährigen Kinderrechte-Jubiläums

schickt das Bildungsministerium

einen Bus auf

Tour, um Kindern zu zeigen, was ihre

Rechte sind. Bis Oktober macht der

Kinderrechte-Bus in mehr als 20 deutschen

Städten halt. An jeder Station

gibt es Spiele und Mitmachaktionen:

Der Bus soll Kindern auf spielerische

Weise ihre Rechte vermitteln.

Weitere Informationen auf:

■■

www.kinder-ministerium.de

Das Unterrichtsmaterial „Modebewusst?!“

bietet Schülerinnen und

Schülern der 8. bis 10. Jahrgangsstufe

Anregungen, ihr Konsumverhalten zu

reflektieren und bewusst mit Mode

umzugehen. Das Material des Vereines

Bund für Bildung umfasst vier

Lerneinheiten mit Arbeitsblättern. Es

beinhaltet Tipps und aktuelle Studien

sowie Online-Berichte über die Marketing-Strategien

der Modebranche

und die Problematik der schnellen

Wegwerf-Mode. Zu finden auf:

■■

modebewusst.bundfuerbildung.de

KURZE PAUSEN WICHTIG FÜR MOTORISCHES LERNEN

Bereits in kurzen Pausen kann während des Übens Wissen

über neue motorische Abläufe im Gehirn abgelegt werden. Das

zeigen Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Kognitions-

und Neurowissenschaften. Bisher ging man davon aus,

dass sich das Gehirn neu gelernte Bewegungsabläufe erst dann

merkt, wenn das Üben beendet ist und dazu mehrere

Stunden braucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Pausen

sinnvoll sind, da sich das Gelernte verfestigt.

■■

www.cbs.mpg.de

16 didacta-magazin.de 3/2019


GÖNNEN SIE SICH EINE AUSZEIT

Gewinnen Sie einen fünftägigen Kurzurlaub!

didacta lädt Sie zu einem fünftägigen Kurzurlaub in

die Südtiroler Berge ein – für zwei Erwachsene sowie

zwei Kinder, inklusive Dreiviertelpension mit Frühstück,

nachmittags Kaffee und Kuchen sowie Abendessen.

Untergebracht sind Sie im Alphotel Tyrol. Seine

Lage im wunderschönen Ratschings in Südtirol macht

das Hotel zum idealen Ausgangspunkt für eine Wander-

und Pistengaudi inmitten der Südtiroler Berge.

didacta

Gewinnspiel

Zum Entspannen verfügt das Hotel über einen

Wellnessbereich mit alpiner Saunawelt und verschiedenen

Pools. Für Aktive gibt es ein Wander- und Fitnessprogramm,

geführte Mountainbike-Touren und

eine Wanderung zur hauseigenen Almhütte. Weitere

Infos zur Unterkunft auf: www.alphotel-tyrol.com

und www.familienhotels.com

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, besuchen Sie

einfach www.didacta-magazin.de und füllen Sie das

Gewinnspielformular aus. Einsendeschluss ist der

20. Oktober 2019.

Fotos: © Familienhotel Südtirol Alphotel Tyrol, MuehlbacherRupert GAS, Alex Filz; Rawpixel.com, GaudiLab / Shutterstock.com

Die Gewinner werden von uns benachrichtigt. Der Gewinn wird

nicht bar ausgezahlt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter

der AVR und Gewinnservices sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

Der Gutschein ist nur auf Anfrage außerhalb der

Hochsaison gültig. Weitere Teilnahmebedingungen und Datenschutzhinweise

finden Sie auf: www.didacta-magazin.de.

3/2019 didacta-magazin.de 17


Bildung

Wie schlau bist

du wirklich?

Gute Noten sind kein sicheres Indiz für hohe Intelligenz.

Wie lässt sich das tatsächliche intellektuelle Po tenzial

von Schülerinnen und Schülern also erkennen?

Mit diagnostischer Kompetenz – und die kann man lernen.

Text Tanja Gabriele Baudson und Sara Köser

AUF EINEN BLICK

››

Intelligenz lässt sich unterscheiden in fluide und

kristalline Intelligenz. Ersteres meint die Fähigkeit

zum Lernen, letzteres das erlernte Wissen.

››

Faktoren wie Motivation, Unter- oder Überforderung

beeinflussen, inwieweit ein Kind

sein intellektuelles Potenzial in der Schule zeigt.

››

Um bei Kindern auch verborgene Potenziale

zu erkennen und den Unterricht an die Lernvoraussetzungen

anzupassen, brauchen

Lehrkräfte gute diagnostische Kompetenz.

Lehrkraft macht die Erfahrung, dass

manche Schülerinnen und Schüler die Anforderungen

des Unterrichts problemlos erfüllen,

während andere sich deutlich schwerer

tun. Bei diesen Leistungsunterschieden

spielen zwei Faktoren eine besondere Rolle:

18 didacta-magazin.de 3/2019Jede

Gewissenhaftigkeit – ein Persönlichkeitsmerkmal,

das sich beispielsweise in zuverlässigem

und gründlichem Arbeiten zeigt – und Intelligenz.

Fluide und kristalline Intelligenz

„Intelligenz ist das am gerechtesten verteilte

Merkmal der Welt – alle meinen, genug davon

zu haben“, so hat es der französische Philosoph

René Descartes formuliert. Intelligenz drückt

die allgemeine Fähigkeit zum Lernen oder zur

Informationsverarbeitung aus. Sie zeigt sich

beispielsweise in Situationen, in denen neuartige

Probleme nicht durch auswendig gelernte

Routinen gelöst werden können, sondern durch

schlussfolgerndes Denken – man spricht von

fluider Intelligenz. Diverse Faktoren beeinflussen,

ob dieses intellektuelle Potenzial im Alltag

gezeigt wird, zum Beispiel Persönlichkeitseigenschaften

wie Motivation und Ängstlichkeit

oder Umweltmerkmale wie Lernangebote und

Bildungsnähe der Eltern.

Je weiter man auf dem Bildungsweg fortschreitet,

desto wichtiger wird die kristalline

Foto: © Mark Nazh / Shutterstock.com


Intelligenz. Sie beschreibt das Wissen, das man

auf Grundlage der fluiden Intelligenz erwirbt,

beispielsweise Allgemein- und Schulwissen.

Das Zusammenspiel von fluider und kristalliner

Intelligenz funktioniert wie bei einem Sparkonto:

Mit einem hohen Startkapital an fluider Intelligenz

vermehrt sich das Wissen – die kristalline

Intelligenz – dank Zins und Zinseszins schneller

als mit einem niedrigen Anfangswert.

Diagnostische Kompetenz

Da Intelligenz ein Potenzial ist, das sich nicht

immer in Leistung zeigt, benötigt es ausgeprägte

diagnostische Kompetenz, die kognitiven

Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern festzustellen.

Diese Kompetenz sollen Lehrkräfte

laut Kultusministerkonferenz schon in ihrer

Ausbildung erwerben, denn sie ist außerdem

Voraussetzung, um möglichst passgenaue Lernangebote

für die Schülerinnen und Schüler zu

schaffen und damit Lernerfolge zu maximieren.

Denn Aufgaben, die mit etwas Anstrengung zu

meistern sind, motivieren, wohingegen dauerhafte

Über- oder Unterforderung frustrieren.

Verborgene Potenziale erkennen

Für Lehrkräfte ist es schon schwer genug, Schulleistungen

akkurat zu bewerten – bei verborgenen

Potenzialen wird es noch schwieriger.

Hierbei sollte man sich auf Denkfähigkeiten des/

der Schüler/-in konzentrieren und diese möglichst

genau beobachten: Kann sich ein Kind

neue Inhalte sehr schnell merken? Erkennt es

Parallelen zu anderen Sachverhalten? Zieht es

korrekte Schlussfolgerungen? Das kann Hinweise

auf das intellektuelle Potenzial geben.

Wir alle machen beim Beobachten und Bewerten

von Leistung allerdings Fehler, die zu Verzerrungen

und Verfälschungen führen. Oftmals wird

von guten Noten auf Intelligenz geschlossen,

was nicht immer stimmt, da Gewissenhaftigkeit

ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, um in

Tests gut abzuschließen. Zudem bleiben markante

Situationen – etwa, wenn eine Schülerin

etwas Außergewöhnliches wusste – besser im

Gedächtnis, auch wenn sie für das Gesamtbild

des intellektuellen Potenzials der Person nicht

repräsentativ sind. Studien zeigen, dass Kinder

weniger gebildeter Eltern von ihren Lehrkräften

unbewusst als weniger intelligent eingeschätzt

werden, als sie tatsächlich sind. Dies befördert

Bildungsungerechtigkeiten. Und die Spannbreite

der diagnostischen Kompetenzen verschiedener

Lehrkräfte ist groß. Es ist wichtig, die eigenen

diagnostischen Kompetenzen zu schulen.

Durch Übung und gezielte Reflexion kann man

sie deutlich verbessern – was der Förderung

von Schülerinnen und Schülern zugutekommt.

Diagnostische Kompetenzen schulen

Üblicherweise wird diagnostische Kompetenz

anhand der Übereinstimmung zwischen dem subjektiven

Urteil der Lehrkraft und einem objektiven,

standardisierten Test ermittelt. Die Psychologen

Andreas Helmke und Friedrich-Wilhelm Schrader

unterscheiden drei verschiedene Aspekte:

DIE AUTORINNEN

Dr. Tanja Gabriele Baudson, Hochschullehrerin des

Jahres 2018, forscht an der Universität Luxemburg

zu Hochbegabung. Sie ist Beisitzerin für Begabungsforschung

und -förderung bei Mensa in Deutschland.

Dr. Sara Köser ist Psychologin, Diagnostikerin,

aktives Mitglied bei Mensa in Deutschland und

im Mind-Hochschul-Netzwerk.

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Checkliste zum

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Bildung

››

Niveau: Wie hoch schätzt die Lehrkraft

die Leistungsfähigkeit ihrer Schülerinnen

und Schüler ein? Wie sehr weicht diese

Einschätzung von den Testergebnissen ab?

Dies kann sowohl für einzelne Personen als

auch für den Klassendurchschnitt bestimmt

werden.

››

Streuung: Wie unterschiedlich sind die

Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihrer

Leistungsfähigkeit? Schätzt die Lehrkraft

dies als homogener oder heterogener ein?

››

Rang: Wenn die Lehrkraft ihre Schülerinnen

und Schüler nach Leistungsfähigkeit sortiert,

ist die Rangfolge dann dieselbe wie

die eines Testverfahrens?

Um ein realistisches Bild der eigenen diagnostischen

Kompetenz zu erhalten, schlagen die

Erziehungswissenschaftlerinnen Ingrid Hesse

und Brigitte Latzko vor, zunächst eine subjektive

Einschätzung vorzunehmen. Beispielsweise

kann die Lehrkraft den Intelligenzquotienten der

Schülerinnen und Schüler schätzen und dies

dann mit den Ergebnissen eines standardisierten

Tests abgleichen. Einen Intelligenztest kann

beispielsweise eine Schulpsychologin mit der

Klasse durchführen. Gemeinsam mit ihr werden

dann Einschätzung und Test abgeglichen,

Diskrepanzen interpretiert und pädagogische

Schlüsse daraus gezogen, etwa: Unterschätze

ich die Fähigkeiten meiner Schülerinnen und

Schüler? Mache ich systematische Fehler, etwa,

indem ich Mädchen fälschlicherweise schlechter

oder besser einschätze als Jungen? Bei wem

liege ich am stärksten daneben, und woran kann

das liegen? So kann es Lehrkräften gelingen,

die eigenen Bewertungsfehler zu reflektieren

und durch den Abgleich ihre diagnostischen

Fähigkeiten zu schulen.

Intelligenztests erfassen Denkfähigkeiten. Es ist

belegt, dass intelligente Menschen im Durchschnitt

größere schulische und berufliche Erfolge

erzielen als weniger intelligente. Intelligentere

Menschen sind gut sozial anpassungsfähig,

aber ihr gesamtes Leistungspotenzial entfalten

sie nur mit der passenden, herausfordernden

Lernumgebung. Sobald eine Lehrkraft um das

tatsächliche intellektuelle Potenzial der Schülerinnen

und Schüler weiß, kann sie eine entwicklungsförderliche

Lernumgebung angemessen

gestalten – die sowohl den Schülerinnen und

Schülern zugutekommt als auch den Lehrkräften

die Arbeit erleichtert.

BEISPIEL: HOCHBEGABUNG

Wann ist ein Kind hochbegabt?

Wissenschaftlicher Konsens ist, dass eine intellektuelle

Hochbegabung besteht, wenn in einem IQ-Test

ein besseres Ergebnis erzielt wird, als 98 Prozent der

Bevölkerung es erreichen würden. Dies entspricht in

den meisten Tests einem IQ ab 130.

Der IQ wird allgemein als Maß der kognitiven Fähigkeiten

verstanden. Er erfasst Fähigkeiten wie zum Beispiel

logisches Denken oder räumliches Vorstellungsvermögen.

Andere Begabungen, etwa soziale oder sportliche

Fähigkeiten, erfasst er nicht; das ist aber auch nicht

sein Anspruch. Insgesamt bleiben IQ-Tests derzeit das

beste Untersuchungsinstrument für die Intelligenz.

Wie erkenne ich ein hochbegabtes Kind?

Generell sollte man auf Merkmale achten, die unmittelbar

mit den Denkfähigkeiten zusammenhängen.

Hochbegabte sind nicht weniger sozial kompetent

oder weniger emotional stabil als durchschnittlich

Begabte; ebenso wenig sind Verhaltensauffälligkeiten

typisch für Hochbegabte. Fragen, die weiterhelfen

können, aber nicht müssen, um hochbegabte Kinder

zu erkennen:

››

Hat das Kind ein gutes Gedächtnis?

››

Stellt das Kind Zusammenhänge zwischen

Themen her, erkennt es Parallelen?

››

Wirkt das Kind bei schwierigeren

Aufgaben motivierter?

››

Löst das Kind freiwillig oder „heimlich“ Zusatzaufgaben

– möglicherweise auch in seiner Freizeit?

››

Stellt es sich selbst geistig anspruchsvolle Aufgaben?

Wie lässt sich Unterricht mit begabten

Kindern individualisiert gestalten?

››

Bonus-Aufgaben, die die Kinder abgeben oder

vorstellen dürfen – Stichwort: Enrichment

››

Projektunterricht für alle, aber mit höheren

Anforderungen und größeren Freiheiten für

die hochbegabten Kinder

››

Fächerübergreifende Projekte in Absprache

mit anderen Fachlehrkräften, an denen

gearbeitet werden darf, wenn Aufgaben erledigt

sind. Anreiz: Ausstellung, Vorstellung in der

Klasse/Schule, besondere Note

››

Klassenstufen zu überspringen, schafft entgegen

zahlreicher Vorurteile für viele Kinder ein Umfeld,

das intellektuell besser zu ihnen passt.

Weitere Infos auf:

www.mensa.de/ueber-den-iq/bildung

https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/

Begabte_Kinder_finden_und_foerdern.pdf

20 didacta-magazin.de 3/2019


Wir ermöglichen den

Zugang zur digitalen Bildung.

Mobiles Lernen mit dem iPad gewinnt in Schulen stetig wachsende Verbreitung. Gleichzeitig stehen

Schulträger und Schulen vor der Herausforderung, große, skalierbare iPad-Projekte maßgeschneidert für ihre

Bedürfnisse zu konzipieren und zu implementieren. Starten Sie an Ihrer Schule jetzt in den digitalen Unterricht.

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Die „Apple Solution Expert Bildung“ in Zusammenarbeit

mit der Santander Consumer Bank unterstützen

Sie bei der Vorbereitung der iPad-Klassen, bei der

Planung der erforderlichen IT-Infrastruktur und bei der

Lehrerfortbildung durch Apple Education Trainer.

Mit dem Santander Ratenkauf können Eltern das iPad

für den Unterricht ganz einfach selbst finanzieren: Zu

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Dann wenden Sie sich an einen dieser Apple Solution Expert Education

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Weitere Informationen finden Sie auf www.tablets-im-unterricht.de

Rechtliche Hinweise: Apps sind im App Store erhältlich. Änderungen an der Titelverfügbarkeit vorbehalten. Der Apple Pencil ist separat erhältlich. Der Apple Pencil (1. Generation) ist

kompatibel mit dem 9,7“ iPad Pro, dem 10,5“ iPad Pro, dem 12,9“ iPad Pro (1. und 2. Generation) und dem iPad (6. Generation). Die Displaygröße wird diagonal gemessen. Datentarif erforderlich.

Mehr Details dazu gibt es beim jeweiligen Mobilfunkanbieter. Die Geschwindigkeit kann je nach Standort variieren.Die Batterielaufzeit variiert abhängig von Verwendung und

Konfiguration. Weitere Infos unter www.apple.com/de/batteries.


Bildung

„Wir wollen die

MINT-Bildung stärken“

Wissen nicht nur lernen, sondern auch anwenden. Das muss der Anspruch der Schulen

von heute sein, meint Esben Stærk Jørgensen, Präsident von Lego Education.

Interview Tina Sprung

Welches Land sehen Sie heute als Vorreiter

Das Bildungssystem in Finnland gehört zu den zukunftsweisenden

weltweit. Der Unterricht dort ist bereits viel fokussierter auf die persönliche

Entwicklung der Schülerinnen und Schüler: Sie in ihren Stärken

zu unterstützen und in Kompetenzen wie Kreativität zu fördern, ist

dort fest im Unterrichtsalltag verankert.

Was ist beim Lernen der

Zukunft wichtiger, Lehrer

oder Computer?

Es stimmt, dass Computer den

Lernprozess verstärkt unterstützen

können. Doch Lehrkräfte

bleiben nach wie vor wichtig, da

sie diejenigen sind, die die

Schüler verstehen und in ihrer

Bildung unterstützen können

und müssen.

Esben Stærk Jørgensen

aus Dänemark ist Geschäftsführer

von Lego

Education. Ihm ist wichtig,

vor allem im MINT-Bereich

die Kompetenzen der Schülerinnen

und Schüler auszubauen.

Illustration: © Who is Danny / Shutterstock.com; LEGO Education

22 didacta-magazin.de 3/2019


Wir befinden uns im Jahr 2047.

Wie werden wir lernen?

Schülerinnen und Schüler werden beispielsweise

nicht mehr darauf fokussiert sein, in Mathe Formeln

zu lernen, um Rechenaufgaben zu lösen.

Viel wichtiger wird, dass sie das gelernte Wissen

anwenden, um Probleme zu lösen, beispielsweise

beim Codieren. Deswegen wollen wir vor allem

die MINT-Bildung stärken und den Kindern zeigen,

wie sie das erworbene Wissen anwenden können.

Sie sollen nicht nur lernen, weil ihnen gesagt wird,

dass sie lernen müssen, sondern weil es

für sie Sinn ergibt.

Lehrkräfte sind in

30 Jahren …

… Lernbegleiter der

Schülerinnen und Schüler.

BILDUNG BRAUCHT

DIGITALE KOMPETENZ

BILDUNG BRAUCHT

DIGITALE KOMPETENZ

1Der Einsatz neuer

Technologien in der

frühen Bildung

Herausforderungen und Perspektiven

BILDUNG BRAUCHT

DIGITALE KOMPETENZ

3Digitale Technik und

interaktive Medien

als Ressourcen

in frühkindlichen

Bildungseinrichtungen

BILDUNG BRAUCHT

DIGITALE KOMPETENZ

2Die digitale Transformation

der Gesellschaft

Zur Diskussion der digitalen Bildung aus

nationaler und internationaler Sicht

BILDUNG BRAUCHT

DIGITALE KOMPETENZ

4Orientierungshilfen

für Kinder zum sicheren

Umgang mit dem Internet

Frei verfügbar auf:

www.didacta-digital.de

Ihre eigene Schulzeit:

An wen oder was denken Sie

besonders gerne zurück?

An einen Lehrer, der mir das Gefühl

gab, clever zu sein. Als ich acht Jahre

alt war, zogen meine Familie und

ich von Dänemark nach Amerika.

Damals konnte ich kein Wort Englisch

und hatte Angst, in der Schule zu

versagen. Aber mein Lehrer glaubte

an mich und ich schaffte es, meine

Ängste abzubauen. Kinder brauchen

Selbstvertrauen, damit sie offen für

neue Herausforderungen sind. Ich

bin fest davon überzeugt, dass hierzu

auch die MINT-Bildung beitragen

kann: Insbesondere in den Fächern

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften

und Technik stärkt praxisorientiertes

Lernen das Selbstvertrauen

der Schülerinnen und Schüler.

Endlich ist er da!

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Bildung

„Wir dürfen nicht von Amazon

und Co eingeschläfert werden“

Theodor Niehaus ist zum neuen Präsidenten des Didacta Verbandes gewählt worden.

Im didacta-Interview spricht er über die Herausforderungen der digitalen Transformation.

Interview Thorsten Timmerarens und Vincent Hochhausen

Dr. Theodor Niehaus

ist promovierter Ingenieur und seit mehr als

25 Jahren in der Bildungspranche tätig, vor

allem im Bereich Lehr- und Lernmittel für die

berufliche Bildung.

didacta: Wo sehen Sie die großen Herausforderungen

für die Bildungswirtschaft in

den kommenden Jahren?

Theodor Niehaus: Die gesamte Bildungslandschaft

befindet sich in einem gewaltigen

Transformationsprozess. Einerseits hat sich

das gesellschaftliche Umfeld maßgeblich ver-

Der neue Präsident Dr. Theodor Niehaus (l.) im Gespräch mit

seinem Vorgänger Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis.

ändert. Andererseits durchdringt die digitale

Transformation viele unserer Lebensbereiche

und ganz besonders auch die Bildungslandschaft.

Es kommt heute nicht mehr darauf

an, Wissen zu transferieren, sondern wie

man das Wissen vernetzt, richtig nutzt, gut

verwertet. Kompetenzen wie Kreativität

werden an Wichtigkeit massiv zunehmen.

Weitere Chancen entstehen durch die

Anwendung von Methoden der künstlichen

Intelligenz. Diese Transformation eröffnet

neue Chancen für die Bildungswirtschaft.

Wird die Digitalisierung das alles beherrschende

Thema?

Digitalisierung eröffnet uns neue Chancen, aber

schafft auch disruptive Elemente, die unsere

Branche vor Herausforderungen stellen wird.

Wir müssen diese Veränderung gestalten,

damit wir nicht von Amazon und Co allmählich

eingeschläfert werden, was in anderen

Branchenbereichen bereits passiert ist. Um

Bildungsprozesse zu stärken, werden kreative

Kombinationen von analogen und digitalen Instrumenten

nötig sein. Ziel der Bildungswirtschaft

muss es sein, Bildungsqualität zu steigern – mit

guten Produkten, Dienstleistungen und Fortbildungsangeboten.

Diese werden zunehmend

digitaler, aber nicht ausschließlich. Nehmen Sie

beispielsweise die Start-ups: Viele der neuen

Ideen sind digital, doch auch bewährte Methoden

und Instrumente spielen hier eine wichtige

Rolle. Oder die außerschulischen Lernorte,

deren Kern das Lernen mit allen Sinnen ist.

Fotos: © Otmar Eisenberg; © Didacta

24 didacta-magazin.de 3/2019


Sie waren viele Jahre für Lehr- und

Lern mittel in der beruflichen Bildung

verantwortlich. Werden Sie auf diesen

Bildungsbereich einen besonderen Fokus

legen?

Ich konnte in meinem Berufsleben in vielen

Bildungsbereichen Erfahrungen sammeln,

deshalb interessieren mich hier vor allem die

Querschnittsthemen wie die digitale Transformation

und die Heterogenität von Lernenden,

die alle Bildungssektoren durchdringen. Auch

wenn eine Segmentierung der Bildungslandschaft

in manchen Bereichen hilfreich ist,

sollten wir zugleich die übergreifenden Megathemen

angehen, die alle Bildungsbereiche

gleichermaßen treffen. Dort sehe ich eher

meinen Fokus.

Das Positionspapier

des Didacta

Verbandes

„Wirtschaft

4.0“ gibt es

zum kostenlosen

Download

auf:

www.didactadigital.de

Derzeit werden viele Ausbildungsberufe

angepasst, um digitale Kompetenzen

in der Ausbildung zu verankern. Gleichzeitig

ändern sich die techno logischen

Rahmen bedingungen aber weiterhin

schnell. Was muss passieren, damit die

berufliche Bildung den Entwicklungen

standhalten kann?

Die aktuellen Berufsbilder lassen schon heute

viel Gestaltungsspielraum. Allerdings benötigt

es auch den Mut und die Initiative aller Beteiligten,

neue Anforderungen konsequent in den

Abschlussprüfungen in allen Prüfungsbereichen

abzufordern. Es hat sich über die Jahre

gezeigt, dass dies der beste Weg ist, durchgängig

das Niveau dem geänderten Bedarf

anzupassen. Diese Aspekte werden auch in

unserem Didacta Positionspapier „Wirtschaft

4.0“ sehr gut beleuchtet

Sie sprachen die zunehmende Heterogenität

an. Wo sehen Sie bei diesem Thema

die Herausforderungen speziell für die

berufliche Bildung?

Aus- und Weiterbildung sollte stärker an die

technische Entwicklung gekoppelt werden,

ohne den eigentlichen Bildungsauftrag aus

den Augen zu verlieren. Solche Modelle

lassen auch einen größeren Spielraum,

unterschiedliche Talente zu fördern und der

wachsenden Heterogenität gerecht zu werden.

Dies sind Grundlagen für eine Aus-und

Weiterbildung entlang der Wertschöpfung,

was nichts Neues darstellt, aber gemessen an

den aktuellen Herausforderungen, sich umso

erforderlicher für uns darstellt. Hier lohnt sich

auch durchaus der Blick über die Grenzen zu

unseren europäischen Nachbarn.

lesen, lernen, leipzig.

Willkommen im Fokus Bildung

der leipziger Buchmesse.

Kapitel:

2020

STARTERPAKET

FÜR ERSTAuSSTEllER

bei Anmeldung bis 10. November

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Leipziger

Buchmesse

12. – 15. März 2020


INTERNATIONAL IN KÜRZE

LEHRERBERUF MUSS ATTRAKTIVER WERDEN

Der Lehrerberuf sollte finanziell und intellektuell attraktiver

werden, lautet eine Empfehlung der Organisation für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Für die Untersuchung „Teaching and Learning International

Survey” wurden 260 000 Lehrkräfte und Schulleitungen

an 15 000 Schulen in 48 Ländern zu ihren Arbeitsbedingungen,

ihrem Hintergrund und ihrer Motivation für

den Beruf befragt. Weitere Ergebnisse: 56 Prozent der

befragten Lehrkräfte haben Schulungen im Umgang mit

digitalen Technologien erhalten. 90 Prozent gaben an, im

letzten Jahr generell an einer Weiterbildungsmaßnahme

teilgenommen zu haben.

■■

www.oecd.org/education/talis

ENGAGIERTE BILDUNGSAKTIVISTEN AUSGEZEICHNET

Beim Weltkongress der Bildungsinternationale Ende Juli in Bangkok sind die ehemalige

Lehrerin Jalila al Salman aus Bahrain und der kanadische Bildungsforscher Curtis Riep für

ihr Engagement ausgezeichnet worden. Al Salman wurde mit dem Mary Hatwood Futrell

Human and Trade Union Rights Award geehrt. Sie habe sich in Bahrain trotz Repression, Haft

und Folter für Demokratie, Gleichheit und das Recht der Lehrkräfte auf gewerkschaftliche

Organisation eingesetzt. Curtis Riep wurde für seine Forschung zur zunehmenden Privatisierung

der Bildung in Afrika und Asien mit dem Albert Shanker Education Award ausgezeichnet.

In der Bildungsinternationale, einem Dachverband von Bildungsgewerkschaften, sind unter

anderem die deutsche Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Verband Bildung

und Erziehung Mitglied. Informationen zu den Preisträgern auf:

■■

www.ei-ie.org/en/detail/16355/ei-celebrates-education-champions

BILDUNGSINVESTITIONEN:

DEUTSCHLAND UNTER EU-DURCHSCHNITT

Deutschland investiert mit 4,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes

weniger in Bildung und Forschung als der EU-Durchschnitt mit 4,6

Prozent. Das geht aus den länderspezifischen Empfehlungen der

EU-Kommission hervor. Die Kommission empfiehlt Deutschland, die

Investitionen in Bildung, Forschung und digitale Infrastruktur zu erhöhen.

Zudem bemängelte sie den hohen Einfluss des sozio-ökonomischen

Hintergrundes auf den Bildungserfolg.

■■

ec.europa.eu/germany

Fotos: © Chinnapong, Syda Productions / Shutterstock.com

26 didacta-magazin.de 3/2019


BOCK AUF

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International

Neuseeland

hat Vorsprung

Während in Deutschland noch nicht einmal die Idee für den

Digitalpakt öffentlich diskutiert wurde, stellte Neuseeland bereits

2014 ambitionierte Bildungsziele auf, die auch für digitale Bildung.

didacta stellt die Maßnahmen vor.

Text Vincent Hochhausen

Foto: © ChameleonsEye / Shutterstock.com

28 didacta-magazin.de 3/2019


AUF EINEN BLICK

››

Schon 2014 hat Neuseeland Bildungsziele

beschlossen, bei denen die Digitalisierung

eine zentrale Rolle spielt.

Weltweit versuchen Bildungspolitiker,

Pädagogen und Verwaltungen Wege

zu finden, Schülerinnen und Schülern

die Kompetenzen zu vermitteln, die

sie für das Leben und Arbeiten in

der digitalen Welt brauchen. Eines

der Länder, das sich dazu bereits 2014 konkrete

Ziele gesteckt hat, ist Neuseeland. Die

Regierung identifizierte sechs Prioritäten für

das Bildungswesen, bei denen gutes Lernen

mit digitalen Technologien eine zentrale Rolle

spielt:

››

Der Breitbandausbau ist bereits seit

2016 weitgehend abgeschlossen.

››

Ein aktuelle Priorität des Landes ist, bessere

Informationen und Daten über das Bildungssystem

zu sammeln, um sie zur Grundlage von

politischen Entscheidungen machen zu können.

1. Qualitätssteigerung

Da die internationale Bildungsforschung eindeutig

dokumentiere, dass gute Unterrichtsqualität

einen enorm hohen Einfluss auf die Lernergebnisse

hat, legte die neuseeländische Regierung

fest, dass die Qualität des Unterrichts eines der

zentralen Ziele ihrer Bildungspolitik sein solle.

Dies sei laut den Bildungszielen „wesentlich

für die Beseitigung von Leistungsunterschieden

und die Abschwächung von Faktoren wie

Wohnort, Ethnizität, sozioökonomischer Status

und elterliches Engagement“.

Welche Maßnahmen wurden beschlossen?

››

Höhere Standards bei der Lehrerausbildung

sowie besseres Mentoring und

Coaching, um die Qualität der Lehrkräfte

zu erhöhen

Eine Klassenfahrt durch 15 Länder Europas

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Der Europa-Park ist ein einzigartiger außerschulischer Lernort – eine Erlebnisoase mit besonderem Charme, wo Wissen greifbar wird.

Wo kann man Neues entdecken, Wissen erwerben,

experimentieren und dabei viel Spaß haben? Wo

gibt es eine große Vielfalt an Themen für unterschiedliche

Altersgruppen? Und wo erzeugt das

konkrete Mitmachen und Erfahren so viel Begeisterung?

Die Antwort: im Europa-Park in Rust in Baden-

Württemberg, Deutschlands größtem Freizeitpark,

ein einzigartiger außerschulischer Lernort. Auf 95

Hektar erleben die Schülerinnen

und Schüler in den 15 europäischen

Themenbereichen

vielfältige europäische Kulturzonen

mit ihrer landestypischen

Architektur, Vegetation,

Gastronomie und Botanik.

Ob in den Bereichen Technik,

Biologie, Physik, Geschichte,

Geografi e oder Kunst und Architektur,

ob in Shakespeares

„Globe Theater“, im „Zaubergarten“

vor dem historischen

„Schloss Balthasar“ oder in

der „Raumstation MIR“ − der

Europa-Park bietet zahlreiche

Lernchancen jenseits der rasanten Fahrattraktionen.

Er ist ein Ort, der nicht nur Freizeitvergnügen

bietet, sondern auch Wissen vermittelt. Für

die fundierte Vorbereitung einer Klassenfahrt

stellt der Europa-Park didaktisch aufbereitetes

Informationsmaterial in Form von kostenfreien

Wissensrallyes zur Verfügung, die sich mit unterschiedlichen

Themen auseinandersetzen und

den Schülern spannende Informationen liefern.

Dabei sind die Fragen nicht nur den unterschiedlichen

Alters- und Wissensstufen, sondern auch dem

Lehrplan angepasst. Die Wissensrallyes sind auf

Deutsch, Französisch und Englisch erhältlich und stehen

auf der Website des Europa-Park kostenlos zum

Download zur Verfügung. Das Europa-Park Camp

Resort bietet darüber hinaus Übernachtungsmöglichkeiten

in authentischen Tipi-Zelten, in Planwagen

sowie in rustikalen Blockhütten − hier kann man

Kraft für neue Expeditionen tanken.

Der Europa-Park ist in der Sommersaison 2019 bis

zum 3. November täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Ab dem 28. November 2019 lädt außerdem „Rulantica

– die neue Wasserwelt des Europa-Park“

zu aufregenden Erkundungen ein. Für den Spaß

der besonderen Art erwarten die Schüler hier 25

spritzige Wasserattraktionen.

Kontakt: Europa-Park GmbH & Co Mack KG

Europa-Park-Straße 2 | 77977 Rust

Tel.: + 49 7822 776688 | info@europapark.de

www.europapark.de/schule | www.rulantica.de


einerseits und zur Bereitstellung des

Ausbildungs- und Studienangebots

andererseits. Dazu soll das Bildungsministerium

mit anderen Ministerien sowie

Institutionen aus der Tertiärbildung, also

dem Hochschul- und Berufsbildungsbereich,

zusammenarbeiten.

››

Bereitstellung von Informationen zu Einkommen

und Jobchancen von Studien- und

Ausbildungsgängen, um Jugendliche bei

der Berufswahl zu unterstützen.

Die neuseeländischen Bildungsziele umfassen unter anderem

die Weiterbildung von Lehrkräften, um digitale Kompetenzen

zu schaffen.

››

Effektivere und zielgerichtete Lernund

Förderprogramme

››

Untersuchung, wie sich Fortbildungen

auf die Unterrichtsqualität auswirken

››

Ein Investitionsprogramm in Höhe von

umgerechnet rund 200 Millionen Euro

››

Kompetenzen für die Integration von

digitalen Technologien durch Lehrkräfte

und Schulleiter stärken.

2. Effektivere Nutzung von Informationen

Für die Planung und Entscheidungsfindung bei

bildungspolitischen Maßnahmen seien Daten

und Informationen über das Bildungssystem

entscheidend. Daher soll laut den Bildungszielen

eine „robuste Datengrundlage“ geschaffen

werden, die einen effektiveren Einsatz von Ressourcen

ermögliche.

Welche Maßnahmen wurden beschlossen?

››

Bildungspolitische Entscheidungen sollen

nur noch auf der Grundlage von qualitativ

hochwertigen nationalen und internationalen

Studien getroffen werden, insbesondere

in der frühen Bildung.

››

Mehr und bessere, öffentlich zugängliche

Informationen über Lernergebnisse auf

allen Ebenen des Bildungssystems

››

Bessere Informationen zur Unterstützung

der Ausbildungs- und Studienwahl

3. Ungleichheiten im Leistungsvermögen

beseitigen

Kinder aus bestimmten Minderheiten, etwa den

Maori, Kinder aus bildungsfernen und armen

Elternhäusern sowie Kinder mit speziellem Förderbedarf

müssten laut den neuseeländischen

Bildungszielen stärker unterstützt werden. Es sei

wissenschaftlich untermauert, dass es massive

soziale und wirtschaftliche Kosten verursache,

diese Gruppen zu vernachlässigen.

Welche Maßnahmen wurden beschlossen?

››

Bessere Zusammenarbeit mit

ethnischen Minderheiten, um deren

Teilnahme an hochwertigen frühen

Bildungsangeboten zu steigern.

››

Schulen mit leistungsschwachen

Schülern besser unterstützen.

››

Stärkere Zusammenarbeit mit

Gemeinden und NGOs, um benachteiligte

Schüler besser zu erreichen.

››

Inklusive Maßnahmen an Schulen etablieren.

4. Bessere Partizipation für Schüler und Eltern

Eltern seien ein besonders wichtiger Faktor

dafür, Kindern die Möglichkeit zu geben, vom

Bildungssystem zu profitieren. Daher soll die

Zusammenarbeit zwischen Eltern beziehungsweise

Familien und den Fachkräften in Schule

und Kita gestärkt werden.

Welche Maßnahmen wurden beschlossen?

››

Berufsorientierung für Schüler

ausbauen und verbessern.

››

Fortsetzung eines Programmes, das einen

Community-based approach, also eine

Foto: © Monkey Business Images / Shutterstock.com

30 didacta-magazin.de 3/2019


LEHRER

SELBST

VERLAG

gemeinschaftsbasierte Herangehensweise

bei der Bereitstellung von sozialen

Aufgaben vorsieht. Solche Programme

sind dadurch gekennzeichnet, dass sie die

betroffenen Personen und die Gemeinschaften,

in denen sie eingebettet sind, als

gleichberechtigt betrachtet und ihre Fähigkeiten

und Potenziale bei der Arbeit aktiv

einbezieht.

››

Fortsetzung mehrerer Programme, die

das Verhalten und die Resilienz von

Schülerinnen und Schülern stärken

sowie ihnen mehr Wahlmöglichkeiten im

sekundären Bildungsbereich bieten.

5. Schaffung von modernen Lernumgebungen

Moderne Lernumgebungen – also Lernumgebungen

mit digitalen Technologien – bieten laut

der neuseeländischen Regierung nicht nur die

Möglichkeit, Bildung effizienter und kostensparender

zu gestalten, sie seien auch flexibel, individuell

und statteten Schülerinnen und Schüler

mit notwendigen Kompetenzen für die künftige

Arbeitswelt aus. Daher sei eine moderne

Lerninfrastruktur unerlässlich.

Welche Maßnahmen wurden beschlossen?

››

Online-Lernumgebungen und digitale

Technologien sollen zu einem integralen Teil

des Bildungssystems gemacht werden.

››

Schulen bauen und ausbauen, um steigenden

Schülerzahlen gerecht zu werden.

››

Breitband-Internet an allen Schulen

bis 2016 einrichten, ebenso sollen alle

Schulen Zugang zu einem einheitlichen

Lernnetzwerk haben.

WEITERE INFORMATIONEN

Einen ausführlichen Überblick über die Konzepte

und Maßnahmen, mit denen andere Länder der

Digitalisierung im Bildungsbereich begegnen, bietet

der zweite Band der vierteiligen

Didacta-Publikation „Bildung braucht

digitale Kompetenz“. Alle vier Bände

sind kostenlos downloadbar auf:

www.didacta-digital.de

Guter Kunstunterricht

oder Kunstlehrer sind glückliche Menschen

Von Lehrer für Lehrer – dieses Buch ist mal wieder ein aus der

Praxis entwickeltes Buch. Es zeigt, wie spannend und kreativ

Kunst unterricht sein kann und welches Potential und welche

kreativen Fähigkeiten im Schüler stecken.

Der Autor versteht seine 50 Unterrichtseinheiten als einen

Steinbruch, einen Fundus an Ideen, aber alle Unterrichtseinheiten

sind erprobt und können auch direkt umgesetzt werden.

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International

Inklusion live

Was an vielen deutschen Schulen noch

diskutiert wird, ist an internationalen

Schulen im Ausland Realität:

Inklusion. Was es dazu braucht,

können Studierende in Schul praktika

kennenlernen.

Text Benigna Daubenmerkl

AUF EINEN BLICK

››

Inklusion bedeutet Schüler/-innen mit und

ohne Beeinträchtigungen sowie Kinder

mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen

gemeinsam zu unterrichten und

bestmöglich zu fördern.

››

Wie das gelingen kann, zeigt der Unterricht

an deutschen Auslandsschulen.

››

Lehramtsstudierende aus Deutschland

können dort Schulpraktika absolvieren.

Auslandsschulpraktikum in

Mexiko hat mir gezeigt, dass es

den Unterricht sehr bereichert,

wenn wir uns auf andere Sprachen

im Klassenzimmer ein-

„Mein

lassen“, erzählt Nuran Ceylan,

Lehramtsstudentin an der Frankfurter Goethe-

Universität. Sie absolvierte 2018 ein zehnwöchiges

Schulpraktikum an der deutschen Schule

Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt. „Der

Ethikunterricht findet dort auf Deutsch statt,

aber zwischendurch sprechen die Schüler miteinander

Spanisch und erklären sich schwierige

Themenpunkte untereinander in ihrer Muttersprache“.

„Das begrüßen die Lehrkräfte, auch

die deutschsprachigen“, erzählt die dortige

Schulleiterin Ira Marsch. Denn es hilft den

Schülerinnen und Schülern die Bedeutung

schwieriger Begriffe besser zu erfassen und

schafft gleichzeitig ein Bewusstsein für kulturelle

Vielfalt und Unterschiede.

Bei einem Praktikum an einer deutschen Auslandsschule

erleben Lehramtsstudierende, wie

der Unterricht in einer heterogenen Klasse

gelingt: Die Klassen dort setzen sich aus Kindern

mit unterschiedlichen Muttersprachen

und Nationalitäten zusammen. Die Schule in

Mexiko beispielsweise ist eine sogenannte

Begegnungsschule, Einheimische und Kinder

deutscher Zuwanderer lernen dort zusammen.

„Die Studierenden entwickeln durch die Praktika

interkulturelle Kompetenzen, werden offener

für Mehrsprachigkeit und andere Kulturen“, sagt

Andreas Hänssig, der die Abteilung „Praxisphasen

im Ausland“ an der Frankfurter Universität

leitet. Das würde ihnen später ermöglichen, die

Stärken und Schwächen von Schülerinnen und

Schülern mit und ohne Migrationshintergrund

besser im Unterricht zu berücksichtigen. „Das

Wissen können sie später in den Schulen einbringen

und einen Beitrag zur Gestaltung des

gesellschaftlichen Wandels hin zu mehr Internationalisierung

leisten“, ist Hänssig überzeugt.

Foto: © Monkey Business Images / Shutterstock.com

32 didacta-magazin.de 3/2019


Offen für neue Lösungen

Daniela Elsner, Professorin für Didaktik und

Sprachlehrforschung am Institut für Englandund

Amerikastudien der Goethe-Universität

Frankfurt, sieht das ähnlich. In einer Podiumsdiskussion

auf der didacta Messe 2019 schilderte

sie, wie sie bei einem Forschungsaufenthalt an

einer kanadischen Schule auf der karibischen

Insel St. Martin einige Wochen lang eine Klasse

im Fach Englisch unterrichtete. Die Klasse

setzte sich aus Schülerinnen und Schülern mit

verschiedenen Muttersprachen zusammen, darunter

englische aber auch holländische Muttersprachler.

Elsner selbst spricht kein Holländisch.

Um trotz dieser Voraussetzungen allen Schülern

der Klasse gerecht zu werden, fragte Elsner

ihre Lehrerkollegen nach Rat. „In solchen Situationen

ist es besonders wichtig, offen für die

Hilfe von Kollegen zu sein“, sagt sie.

Ein Kollege empfahl ihr, digitale Lesestifte einzusetzen.

Mit den Lesestiften tippen die Kinder

in dem dazugehörigen Buch auf ein bestimmtes

Bild, daneben steht das Wort auf Holländisch

und Englisch. Der Stift liest dieses in beiden

Sprachen vor. Das half Elsner, auch die holländisch

sprechenden Kinder ihrer Klasse im Lesen

individuell zu fördern.

Heterogenität braucht intensive Betreuung

Aufgrund mangelnder schulischer Alternativen

im Ausland nehmen häufig auch Kinder

mit sonderpädagogischem Förderbedarf am

Unterricht in den deutschen Auslandschulen

teil. Lehramtsstudentin Zoe Fuchs absolvierte

BVA_ZfA_didactaMagazin2013_200x95_5_6.pdf 1 06.03.13 16:43

2017/18 ein Praktikumssemester an der Ruamrudee

International School Swiss Section in

Bangkok. Auch Schülerinnen und Schüler mit

Autismus und anderen geistigen Beeinträchtigungen

besuchen die Schule. „Eine Lehrkraft

wird in den Inklusionsklassen von zwei bis

drei pädagogischen Fachkräften unterstützt, die

Schüler mit besonderem Förderbedarf werden

individuell betreut.“ Multiprofessionelle Teams

sind selbstverständlich, darunter Sonderpädagogen

und Logopäden.

„Es ist wichtig, dass ein allgemeines Bewusstsein

entsteht, dass Inklusion bereichert und

dass sie nicht von einzelnen, sondern nur

gemeinsam zu schaffen ist“, fasst Hänssig

zusammen. Der Unterricht an Auslandsschulen

zeige, wie Inklusion gelingen kann. Das

sei aber nur möglich, wenn auch das Geld und

die Zeit zur Verfügung stehe, die multiprofessionelle

Teams benötigen, um den Unterricht

miteinander abzustimmen.

WEITERE INFOS ZU SCHULPRAKTIKA IM AUSLAND

››

Zentralstelle für das Auslandsschulwesen:

www.auslandsschulwesen.de

››

International Office an der jeweiligen Universität

››

Zentren für Lehrerbildung

››

Finanzierung über deutschen Akademischen

Austauschdienst: www.daad.de


MEDIEN IN KÜRZE

ÄLTERE GENERATION

TUT SICH IM INTERNET SCHWER

41 Prozent der 60- bis 69-Jährigen fühlen sich sicher

oder sehr sicher im Umgang mit dem Internet, bei

den 70-Jährigen sogar nur jeder Dritte. Das zeigt

die repräsentative Bevölkerungsbefragung „Digital

souverän? Kompetenzen für ein selbstbestimmtes

Leben im Alter“ vom Meinungsforschungsinstitut

Kantar im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Um die

ältere Generation digital fit zu machen, brauche es

laut der Bertelsmann Stiftung niedrigschwellige

Lernangebote in den Kommunen.

■■

www.bertelsmann-stiftung.de

NEUES ONLINE-PORTAL

FÜR KULTURELLE BILDUNG

Das neue Online-Portal „Youpedia“ will

Schüler/-innen dazu ermutigen, sich mit

Kultur und Geschichte zu beschäftigen.

Auf dem Portal finden sie Projektideen für

verschiedene Städte – aktuell in Bayern und

Thüringen. In Weimar entdecken Schülerinnen

und Schüler ab der 8. Klasse beispielsweise

Goethe, Schiller und die Weimarer

Klassik. Sie erkunden die Stadt, halten ihre

Entdeckungen in Videos, Fotostorys oder

Hörspielen fest, die anschließend auf der

Website veröffentlicht werden. Hinter dem

Projekt steht die Klassik Stiftung Weimar

und das Deutsche Jugendherbergswerk.

Weitere Infos zu Teilnahme und Kosten

sowie bereits veröffentliche Beiträge der

Teilnehmer auf:

■■

www.youpedia.de

ERFOLGREICHER AUFTAKT DER DIDACTA DIGITAL

Digitale Lösungen für Schulen präsentierten 107 Aussteller

auf dem Bildungsfestival „didacta Digital Austria“ vom

14. bis 16. Mai in Linz, zum ersten Mal stattfand. Rund 600

Schülerinnen und Schüler befanden sich unter den 5000

Besuchern des dreitägigen Festivals. Sie konnten sich beispielsweise

an 3D-Druckern ausprobieren und Programmieren

üben. Die nächste didacta Digital Austria findet vom

14. bis 16. Mai 2020 im Design Center Linz statt. Initiatoren

sind der Didacta Verband der Bildungswirtschaft und die

Education Group.

■■

www.didacta-digital.at

ARD-JUGENDMEDIENTAGE

Vom 11. bis 12. November bietet der öffentlich-rechtliche Sender ARD die

Themenwoche „Zukunft Bildung“ an. Schüler/-innen ab der 8. Jahrgangsstufe

können die Landesrundfunkanstalten vor Ort besuchen und in Workshops

erfahren, wie Fernsehsendungen produziert werden oder Nachrichten im Radio

entstehen. Anmeldeschluss ist der 1. Oktober, weitere Informationen auf:

■■

www.ard.de/jugendmedientag

Fotos: © Willyam Bradberry, LightField Studios, Branislav Nenin / Shutterstock.com

34 didacta-magazin.de 3/2019


VIDEOS ZU TECHNO -

LOGISCHEM FORTSCHRITT

Antworten auf Fragen, wohin der technologische

Fortschritt führen wird, gibt

das Bundesinstitut für Berufsbildung

(BIBB) in zwölf neuen Videos. Renommierte

Forscherinnen und Forscher

unterschiedlicher Disziplinen erklären

darin ihre Sichtweisen zur Zukunft

von Gesellschaft, Kommunikation

und Arbeit. Das Projekt wurde vom

Bundesministerium für Bildung und

Forschung gefördert.

■■

www.bibb.de/de/94825.php

LEITFADEN FÜR EIN MEDIENKONZEPT

Einen Leitfaden zur Digitalisierung für Schulen

hat der Ausschuss didacta Digital des Didacta

Verbandes der Bildungswirtschaft erstellt. Dieser

verschafft Schulleiter/-innen und Medienverantwortlichen

an Schulen einen ersten Überblick

zu den Maßnahmen für ein umfassendes schulisches

Medienkonzept. Der Leitfaden enthält

Hinweise zum Medienentwicklungsplan,

zu technischen Voraussetzungen, zur Weiterbildung

des Kollegiums, Netzsicherheit und zu

Datenschutzbestimmungen.

■■

www.didacta-digital.de/technik-infrastruktur/

leitfaden-erste-schritte-auf-dem-weg-zurdigitalen-schule


SMART Board®

DAS ORIGINAL


IHR WEG ZUR DIGITALEN SCHULE

Über den DigitalPakt können Schulen Fördermittel

beantragen. Voraussetzung hierfür ist die Erstellung

eines Medienentwicklungsplans. Unser Leitfaden

und Vorlagen für die unterschiedlichen Schulformen

unterstützen Sie beim Erstellen Ihres individuellen

Konzeptes. Jetzt loslegen!

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Unterstützung und Infos zum

DigitalPakt finden Sie hier:

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3/2019 didacta-magazin.de 35


Medien

#Lernsieger

Benjamin Hadrigan bezeichnet sich selbst als

„S chulversager“. Bis er merkte, dass er ein

visueller Lerntyp ist und das Lernen mit

Whatsapp, Instagram und Snapchat verband.

Interview Tina Sprung

Zum

Weiterlesen:

Benjamin

Hadrigan

#Lernsieg:

Erfolgreich

lernen mit

Snapchat,

Instagram

und WhatsApp

edition a, 2019

didacta: Sie waren ein Einser-Schüler,

bezeichnen sich aber selbst als früheren

Schulversager. Warum?

Benjamin Hadrigan: Schulversager klingt

zwar sehr hart, aber in den ersten Jahren der

Volksschule (österreichische allgemeinbildende

Pflichtschule, Anm. d. Red.) war ich einer und

wäre fast durchgefallen. Meine Lehrerin sagte

mir, ich werde nie das Abitur schaffen. Das

Gegenteil zu beweisen, war für mich die Herausforderung.

Ich begann, meine Lernprozesse

neu zu strukturieren und wurde zum Lernsieger.

Es gibt keine schlechten Schüler, sie wissen

bisher nur nicht, wie man richtig lernt.

Wie lernt man denn richtig?

Jeder lernt anders. Ein auditiver Lerntyp lernt

am besten, indem er Texte hört – und sich

selbst laut erklärt. Ein kommunikativer Lerntyp

muss mit anderen über den Lernstoff sprechen.

Der motorische Lerntyp wiederum muss

Gelerntes mit Bewegung verknüpfen – er hüpft

beispielsweise bei bestimmten Stichwörtern

und verknüpft somit Gelerntes mit Bewegung.

Wer sich als visueller Lerntyp sieht, muss sich

über Bilder Wissen aneignen. Schüler müssen

zunächst selbst herausfinden, welche Lerntypen

sie sind.

Und das ist der Schlüssel zum Erfolg?

Wenn Schüler wissen, wie sie lernen sollen,

werden sie erfolgreich sein. Ich beispielsweise

lerne am liebsten mit Karteikarten – so kann ich

mir den Stoff immer wieder vor die Augen halten.

Ich bin also kein auditiver und motorischer

Lerntyp. Schülerinnen und Schüler müssen mit

Freude lernen. Und der Lehrer muss sie dabei

unterstützen.

Welche Erwartungen haben Sie da an die

Lehrkräfte?

Lehrkräfte dürfen nicht nur Experten für ihr Fach

sein, sondern motivieren auch die Schülerinnen

und Schüler. Dafür müssen die Lehrpläne geändert

werden: weg vom reinen Wissensvermittler,

hin zum Lerncoach und Motivator. Meine

Wunschschule ist virtuell, die Schüler bringen

sich den Stoff durch coole Videos, die von den

besten Youtubern gemacht wurden, selbst bei.

Der Lehrer wiederholt dann nur den Stoff. Das

hat den Vorteil, dass jeder in seinem Tempo

lernen kann.

Fotos: © Lukas Beck

36 didacta-magazin.de 3/2019


Sie nutzen zum Lernen Soziale Medien?

Wie genau?

Mit Instagram teile ich mir den Stoff auf und strukturiere

ihn – wie bei Karteikarten. Beispielsweise

Biologieunterricht: Hier können sich Schüler den

Instagram-Namen „BiologieKatja123“ anlegen und

alles Wissenswerte zu diesem Thema sammeln.

In Snapchat – einer Plattform, die zur Kommunikation

mit Freunden dient – kann man schnelle

Videos aufnehmen und sich gegenseitig abfragen.

In Whatsapp können Lerngruppen gegründet werden

und man kann sich austauschen.

Und wie werden hier die Lerntypen

berücksichtigt?

Ganz einfach: Der visuelle Lerner speichert sich

beispielsweise die Bilder ab, der auditive Lerner

spricht sich den Stoff vor, nimmt ihn auf und

postet ihn dann auf Instagram. In Whatsapp-

Gruppen schreibt man über den Stoff oder

nimmt eine Sprachnachricht auf. Beim Lernen

geht es um Kommunikation – mit anderen oder

mit sich selbst. Effizient lernen bedeutet, diese

Kommunikation zu vereinfachen. Dafür ist Social

Media super geeignet.

LERNEN MIT

SOZIALEN MEDIEN

››

Für jedes Fach einen eigenen

Kanal anlegen und die

Fächer nicht vermischen: Auf

Instagram beispielsweise

„BiologieSJ5_1870“ oder

„GeschichteV1_Römergeschichte“

anlegen.

››

Die richtige Aufbereitung des

Stoffes ist einer der Schlüsselfaktoren

für den Lernerfolg:

Je nach Lerntyp sollten in den

Social Media-Kanälen Bilder

oder Texte den Schwerpunkt

bilden.

››

Möglichst GIFs, also animierte

Bilder, verwenden: Mit

Bewegtbildern in den Kanälen,

die eigenständig produziert

werden, können Lerninhalte

noch einmal vertieft werden.

IM GRUNDE SIND SIE NUR NOCH

KÖRPERLICH ANWESEND?

In letzter Zeit fühlen Sie sich von den Anforderungen

im Alltag zunehmend überlastet

und oft selbst Kleinigkeiten nicht

mehr gewachsen? Dann könnten das erste

Anzeichen für eine psychische Erkrankung

sein, die Sie ernst nehmen sollten.

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Medien

So können Schülerinnen und Schüler

ihren Lerntyp bestimmen:

Der Lerner bewertet die

Aussagen mit folgenden Punkten:

Das stimmt immer: 2 Punkte

Das stimmt manchmal: 1 Punkt

Das stimmt nie: 0 Punkte

K Ich lerne gerne zusammen mit anderen.

M Von Gegenständen, die ich schon einmal

in den Händen gehalten habe, habe ich

ein genaues Bild vor Augen.

V In Sachtexten unterstreiche ich wichtige

Informationen oder schreibe mir Notizen

an den Rand.

K Ich stelle anderen gerne Fragen über

das, was ich lernen soll.

M Handlungen lerne ich am besten

dadurch, dass ich sie nachmache.

V Zeichnungen und Diagramme helfen mir,

den Lernstoff zu behalten.

A An Nachrichten im Radio kann ich mich

besser erinnern, als wenn ich sie im

Fernsehen sehe.

V Sachen, die der Lehrer an die Tafel

schreibt, kann ich mir gut merken.

K Ich finde es hilfreich, von Mitlernern

Informationen zu erhalten und diese mit

meinen zu vergleichen.

A Den mündlichen Erklärungen des Lehrers

kann ich gut folgen.

V Lernposter helfen mir, Inhalte zu lernen

und mich an diese zu erinnern.

K Mir fällt es leichter, Dinge zu verstehen,

wenn ich mit anderen über sie diskutieren

kann.

M Ich kann leichter lernen, wenn ich mich

dabei bewegen kann.

A Ich kann nur lernen, wenn es um

mich herum ganz ruhig ist.

V Wenn ich mir die Lerninhalte bildlich vorstelle,

kann ich mich später besser an sie

erinnern.

A An Melodien kann ich mich gut erinnern.

M Wenn ich mir Sachen selber aufschreibe,

kann ich sie mir besser merken.

A Mündlichen Anweisungen kann ich

besser folgen als schriftlichen.

M Ich kaue gerne Kaugummi, trinke,

oder esse, während ich lerne.

V An Nachrichten im Fernsehen kann ich

mich besser erinnern, als wenn ich sie

im Radio höre.

A Wenn ich mir Lerninhalte laut vorsage,

kann ich sie besser behalten.

K Ich lerne gerne etwas, indem ich mit

Mitlernern Frage-Antwort-Spiele spiele.

M Wenn ich Sachen anfassen und mit

ihnen etwas machen kann, kann ich

mich besser an sie erinnern.

M Ich baue mir gerne Modelle oder erstelle

mir Plakate von den Inhalten, die ich lernen

soll.

A Vokabeln kann ich mir besser merken,

wenn ich sie laut lerne.

K Ich nehme im Unterricht gerne an Rollenspielen

teil, weil ich mir so Lerninhalte

besser merken kann.

K Wenn ich mit anderen über den Lernstoff

spreche, kann ich mich danach besser

an ihn erinnern.

V Es fällt mir leicht, geschriebene

Anweisungen zu verstehen.

AUSWERTUNG

Der Buchstabe, bei dem die meisten Punkte

erzielt werden, ist der Grundlerntyp. Dort hat der

Lerner die meisten Stärken. Der mit den zweitmeisten

Punkten ist auch wichtig, aber eben

nicht so sehr. So gut wie jeder Mensch ist ein

Mischlerntyp, und manche haben sogar in ihren

beiden stärksten Kategorien gleich oder beinahe

gleich viele Punkte. A steht für auditiv, K für kommunikativ,

M für motorisch und V für visuell.

38 didacta-magazin.de 3/2019


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Medien

Kurz mal nach Ägypten

Prunkvolle Maskenbälle des Sonnenkönigs, Grabstätten von

Pharaonen, physikalische Phänomene wie Magnetismus hautnah:

Mit Virtual Reality können Lehrkräfte Lernprozesse neu gestalten.

Text Julia Knopf, Rebecca Jakobs und Michael Nagel

AUF EINEN BLICK

››

Virtual Reality ist eine digital programmierte

Umgebung, die mit speziellen Brillen

wahrgenommen werden kann.

››

Sie ermöglicht außerschulisches Lernen,

ohne das Klassenzimmer zu verlassen.

››

Virtuelle Realitäten können vor allem den

Geschichts-, den Fremdsprachen- und den

Naturwissenschaftsunterricht bereichern.

dere die Immersion, also das Empfinden der virtuellen

Realität als real, macht die Nutzung von

VR zu einem besonderen Erlebnis. Der Grad an

Immersion wird besonders dann verstärkt, wenn

die Nutzerinnen und Nutzer mit der virtuellen Welt

– zum Beispiel mit Objekten oder Charakteren –

interagieren.

Gerade die Immersion bietet großes Potenzial

im schulischen Kontext. Kein anderes Medium

schafft es, einen Unterrichtsgegenstand derart

unmittelbar darzustellen. Im Gegensatz zu klassischen

Medien wie dem Video oder dem Hörspiel

hören oder sehen die Nutzerinnen und Nutzer in

VR nicht nur zu, sondern befinden sich mitten im

Geschehen.

Außerschulisches Lernen ist anschaulich,

authentisch und motivierend. Bedeutet

„außerschulisch“, dass man dafür das Schulgebäude

verlassen muss? Nicht, wenn virtuelle

Realität im Klassenzimmer zum Einsatz

kommt.

Mitten im Geschehen

Unter einer virtuellen Realität oder „virtual reality“

(VR) versteht man eine digital programmierte

Umgebung, die mit einer VR-Brille betreten und

wahrgenommen wird. In der virtuellen Realität

bewegen sich die Nutzerinnen und Nutzer frei.

Drehungen um die eigene Achse oder Bewegungen

des Kopfes wirken sich unmittelbar auf die

Perspektive im virtuellen Szenario aus. Insbeson-

Auch virtuelle Objekte haben eine Aura

Außerschulische Lernorte ermöglichen das Lernen

mit allen Sinnen. Anders als im Klassensaal haben

die Kinder und Jugendlichen an diesen Orten die

Möglichkeit, Unterrichtsgegenstände genau zu

beobachten, sie zu berühren oder sogar zu riechen.

Das Lernen wird durch diese sogenannten Realerfahrungen

motivational und emotional verstärkt.

Auch Objekte, die im virtuellen Raum betrachtet

werden, haben diese Aura und sprechen die Sinne

an – obwohl virtuelle Lernorte nur über visuelle

und auditive Kanäle erfahrbar sind. Das haptische

Begreifen von Realien sowie das Wahrnehmen von

Gerüchen oder der Temperatur sind mit klassischen

VR-Brillen noch nicht möglich. Entsprechende Entwicklungen

sind jedoch bereits in Aussicht: Mit dem

Illustrationen: © VLADGRIN / Shutterstock.com, Fotos: Universität des Saarlandes

40 didacta-magazin.de 3/2019


Halterungen für Smartphones Klassische VR-Brillen All-in-One-VR

Beispiele

Google Cardboard,

Samsung Gear VR

Oculus Rift, HTC Vive,

Playstation VR

Oculus Go, Oculus Quest,

HTC Vive Cosmos

Benötigte

Geräte

Smartphone und Halterung

VR-Brille, leistungsstarker

PC oder Spielekonsole,

Controller

VR-Brille, Controller

Nutzungserlebnis

Stationäres Umsehen,

teilweise Interaktion

Umsehen und Bewegen,

Interaktion möglich

Umsehen und Bewegen,

Interaktion möglich

Preis

Ohne Smartphone rund

10 bis 100 Euro

Ohne PC oder Spielekonsole ca.

400 bis 800 Euro

200 bis 600 Euro

System „feelreal“ werden beispielsweise durch

den Einsatz von Aromakapseln unterschiedliche

Gerüche erzeugt.

Im virtuellen Raum entwickeln die Schülerinnen

und Schüler, ähnlich wie an realen außerschulischen

Stätten, eine Vorstellung von anderen

Lebensumständen – von anderen Kulturen, oder

anderen Zeiten. Die Schülerinnen und Schüler

werden selbst zu Forschern und stellen eigene

Deutungen an. Die Vorteile virtueller Exkursionen

zeigen sich besonders in der unterrichtspraktischen

Handhabe: Virtuelle außerschulische

Lernorte ermöglichen Flexibilität und können wiederholt

besucht werden – unabhängig von Wetter,

Zeit für An- und Abreise sowie Kosten für eine

Exkursion. Aber: Um ein immersives Erlebnis zu

verspüren, das tatsächlich den Eindruck vermittelt,

„vor Ort“ zu sein, bedarf es oft hochpreisiger Technik

und Ausstattung. Es gilt abzuwägen, inwiefern

im jeweiligen Unterrichtssetting auf kostspielige

VR-Brillen zurückgegriffen werden muss, oder zum

Veranschaulichen des Unterrichtsgegenstands kostengünstigere

Alternativen wie Google Cardboards

reichen. Aus didaktischer Perspektive besteht die

Herausforderung insbesondere in der Entwick-

lung konkreter Unterrichtskonzepte für den Einsatz

von VR-Brillen: Der Einbezug virtueller Orte

in das Unterrichtsgeschehen ist nicht automatisch

Gelingensfaktor für Lernen. Auch hier bedarf es

gezielter Impulse, Anschlusskommunikation und

-aufgaben, die den virtuellen Ort tatsächlich zum

Lernort machen.

DIE AUTOREN

Julia Knopf leitet den Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch

Primarstufe und das Forschungsinstitut

Bildung Digital an der Universität des Saarlandes.

Sie ist Gründungspartnerin der Beratungsunternehmen

für digitale Medien KLEE – kreativ lernen und Erfolg

erleben sowie der Didactic Innovations GmbH.

Michael Nagel ist Lehrbeauftragter an der

Universität des Saarlandes und Junior Consultant

bei der Didactic Innovations GmbH.

Rebecca Jakobs ist wissenschaftliche

Mitarbeiterin am Forschungsinstitut Bildung

Digital an der Universität des Saarlandes.

3/2019 didacta-magazin.de 41


Medien

Virtuelle Lernorte im Fachunterricht

Von Königinnen und Königen

Schon der griechische Ursprung des Wortes „Historie“,

der so viel wie „Erkundung“ heißt, legt nahe:

Gerade der Geschichtsunterricht eignet sich dafür,

außerhalb der Schule nach Spuren vergangener Zeiten

zu suchen. Die digitalen Angebote sind vielfältig

und reichen von Simulationen historischer Ereignisse

wie vergangener Schlachten bis hin zum virtuellen

Betreten rekonstruierter Stätten oder ganzer Museen.

VR ermöglicht es beispielsweise, in die Grabkammer

der ägyptischen Königin Nefertari, die vor über

3000 Jahren lebte, zu reisen. Um die Anwendung

„Nefertari – Journey to Eternity“ zu nutzen, benötigt

man das VR-Headset „HTC-Vive“ und einen leistungsstarken

PC. Die bedeutende Grabkammer im Tal der

Königinnen wurde im Detail vermessen und in einer

hervorragend hochaufgelösten Grafikqualität digitalisiert.

Diese Technik nennt sich Photogrammetrie.

In der virtuellen Welt werden die Nutzerinnen und

Nutzer zu Forschern und erkunden die historische

Stätte selbstständig. Sie bewegen sich frei in der

Kammer, das Headset ermöglicht einen Rundumblick.

Die Controller werden zum Ändern der Position

genutzt, beispielsweise lässt sich eine Treppe

überwinden oder der Raum wechseln. Einer der

Controller wird als Taschenlampe verwendet, mit

der sich die Gottheiten und Hieroglyphen an den

Wänden im Detail betrachten lassen. Manche der

Symbole an den Wänden bieten Möglichkeiten zur

Interaktion: Werden sie mit dem Controller aktiviert,

ertönt ein Audio-Guide mit Hintergrundinformationen

in englischer Sprache.

Die Applikation „Vivez Versailles“ ermöglicht eine Zeitreise

in die prunkvolle französische Königsresidenz

Versailles. Auch für diese Anwendung werden ein VR-

Headset und ein leistungsstarker PC benötigt. „Vivez

Versailles“ simuliert zwei Ereignisse unterschiedlicher

Zeitpunkte: Im Jahr 1686 werden die Nutzerinnen und

Nutzer Zeuge davon, wie der Sonnenkönig Ludwig

XIV. eine Delegation des Königreichs Siam empfängt.

Etwa 60 Jahre später werden die Nutzerinnen und

Nutzer Teil eines Maskenballs. Ein Erzähler begleitet

die Aufenthalte, wahlweise auf Englisch oder Französisch.

Von fremden Ländern und Kulturen

Fremdsprachen lernen heißt: sprechen, sprechen

und sprechen. Leider ist es im Schulalltag jedoch

nur äußerst selten möglich, Spanisch, Englisch oder

Französisch auch tatsächlich in den jeweiligen Ländern

zu sprechen. Anders bei virtuellen Anwendungen:

In Paris oder London, bei einem Rundgang durch

den Buckingham Palace oder einem Spaziergang um

den Eiffelturm, werden Sprache und Kultur lebendig,

ohne dass man an einen anderen Ort reisen muss.

Ein virtueller Gang über das spanische Volksfest

Feria de Abril ist intensiver als jede Schulbuchillustration.

Dazu kann man auch „Google Expeditions“

verwenden. Die Anwendung bietet eine kostenlose

Sammlung digitaler Umgebungen – beispielsweise

eine Reise zum Himalaya – an. Auch die VR-Ansicht

der Karten-Erweiterung „Google Street View“ lädt zu

virtuellen Erkundungsgängen durch fremde Länder

und Sehenswürdigkeiten ein.

Weitere Anwendungen für das Fremdsprachenlernen

sind „ImmerseMe“ oder „mondlyVR“. Während

man sich bei „ImmerseMe“ tatsächlich mit realen

Muttersprachlerinnen und -sprachlern in einer virtuellen

Umgebung unterhält, sprechen die Nutzerinnen

und Nutzer bei „mondlyVR“ mit virtuellen

Charakteren – sogenannten Avataren. Beide Apps

erfordern das Anwenden der Sprache in konkreten

Gesprächssituationen. Auf diese Weise bauen die

Schülerinnen und Schüler Selbstbewusstsein beim

Sprechen der Fremdsprache auf. Die Anwendungen

sind mit Google Cardboards sowie klassischen VR-

Brillen kompatibel.

Von den kleinsten Zellen bis zu den

größten Planeten – Naturwissenschaften

Das nicht Sichtbare sichtbar machen – vor diesem

Problem stehen viele Naturwissenschaften. Dabei

greifen sie meist auf zweidimensionale Modelle

zurück, um komplexe Zusammenhänge zu erklären.

An dieser Stelle wird das Potenzial virtueller Welten

deutlich: Mithilfe von Anwendungen wie „Cellscape“

reisen die Schülerinnen und Schüler in den menschlichen

Körper. Dazu werden ein kompatibles Smartphone

und eine VR-Brille benötigt. Die komplexen

Zusammenhänge im Biologieunterricht werden auf

diese Weise anschaulich. Zellen sind nicht mehr nur

Formen auf dem Papier, sondern können genau angesehen

werden. Die Vorgänge, die die Schülerinnen

und Schüler üblicherweise mithilfe eines Sachtextes

und statischen Abbildungen erarbeiten, laufen unmittelbar

vor ihren Augen ab.

Apps wie „Overview: Scale of our Universe“ führen

die Nutzer in den Weltraum. Über VR-Brillen entdecken

sie das Sonnensystem. Aufgeteilt in sechs

Erkläreinheiten erkunden sie andere Planeten und

verlassen die Grenzen der Milchstraße. Insbesondere

Größenverhältnisse und Entfernungen werden

dadurch erfahrbar. Die Unendlichkeit des Universums

ist auf diese Weise viel eher zu begreifen als auf einer

Schulbuchseite. Vervollständigt wird die Anwendung

durch einen Entdeckermodus, in dem sich die Nutzerinnen

und Nutzer frei bewegen.

42 didacta-magazin.de 3/2019


TIPPS ZUR DURCHFÜHRUNG

EINER VIRTUELLEN EXKURSION

››

Testen Sie sowohl die Technik als auch

die Anwendung vorab! So sind Sie in der

Lage, auf Funktionen und Schwierigkeiten

hinzuweisen.

››

Bereiten Sie den Einsatz einer VR-Anwendung

im Unterricht ausgiebig vor.

››

Skizzieren Sie Fragen und Ziele. Durch Aufgaben

und Forschungsaufträge vermeiden Sie,

dass die Schülerinnen und Schüler die virtuelle

Welt lediglich passiv rezipieren.

››

Klären Sie über mögliche Gefahren auf. Auch

im virtuellen Raum gibt es die „Reisekrankheit“:

Bei der sogenannten Motion Sickness

können typische Symptome wie Übelkeit

oder Kopfschmerzen auftreten. Brechen Sie

die Anwendung ab, wenn sich die genannten

Symptome zeigen.

››

Sensibilisieren Sie die Schülerinnen und Schüler

für virtuelle Welten! Weisen Sie darauf

hin, dass durch Aufsetzen einer VR-Brille und

Betreten des virtuellen Raums auch ein Verlust

der Orientierung im realen Raum einhergeht.

››

Definieren Sie klare Regeln. Wird eine VR-Brille

getragen, müssen sich die Nutzerinnen und

Nutzer im Klassenraum sicher bewegen und

den Zuschauerinnen und Zuschauern vertrauen

können. Bestimmen Sie eine weitere Person,

die auf die Sicherheit achtet, zum Beispiel das

Kabel führt, über das das Headset mit dem

Computer verbunden ist.

››

Setzen Sie einen festen Zeitrahmen.

››

Reflektieren Sie die Eindrücke der

Schülerinnen und Schüler im Nachgang.

Neue Antolin-

Zusatzmaterialien!

Wer Lesemuffel in Bücherwürmer

ver wandeln will, braucht motivierende

Ideen. Hier unterstützen die Antolin-

Zusatzmaterialien – praxiserprobt

und individuell einsetzbar.

Mit Lesen punkten!

Illustration: Iris Blanck

Illustrationen: © VLADGRIN / Shutterstock.com

››

Wie hoch war der Grad an Immersion? Haben

die Schülerinnen und Schüler eine andere

Perspektive übernommen?

Stempel-Set (3 tlg.)

Weitere Infos und

Bestellmöglichkeiten

unter:

www.westermann.de/

antolin-zusatz

PIN

Plüschtier

NEU


KITA IN KÜRZE

IMMER MEHR PÄDAGOGISCHE

FACHKRÄFTE IN KITAS

EMPFEHLUNGEN ZUR

FACHKRÄFTEGEWINNUNG

Wie Fachkräfte für die frühe BiIdung

gewonnen und in dem Beruf

gehalten werden können, darum

dreht sich die neue Studie „Gute

Strategien für gute Berufe in der

frühen Bildung“ der Organisation für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung (OECD). Der Bericht

zeigt die Personalsituation in den

verschiedenen OECD-Ländern sowie

bewährte Maßnahmen zur Personalgewinnung.

Dazu zählen beispielsweise

eine bessere Bezahlung,

ausreichend Weiterentwicklungsmöglichkeiten

sowie Praxiserfahrungen

während der Ausbildung.

■■

www.oecd.org

Mit fast 770 000 Beschäftigten arbeiteten 2018

mehr Menschen in Kindertageseinrichtungen und

in der öffentlich geförderten Kindertagespflege

als jemals zuvor. Das ist ein Ergebnis des Fachkräftebarometers

Frühe Bildung 2019 der Weiterbildungsinitiative

Frühpädagogische Fachkräfte.

57 000 Menschen werden im Schuljahr 2018/19

voraussichtlich eine Ausbildung abschließen, die

zu einer Tätigkeit in der Frühen Bildung befähigt

– so viele wie noch nie. Gleichzeitig wachsen die

fachlichen Anforderungen an das pädagogische

Personal und die Kita-Leitungen.

■■

www.weiterbildungsinitiative.de

GRATIS-PRAXISMATERIALIEN

ZUM DOWNLOAD

Tipps und Ideen zu verschiedenen Kita-Themen bietet

das Portal erzieherin-ausbildung.de. Pädagogische

Fachkräfte finden dort beispielsweise Ideen zu

Verabschiedungen, zur Erstellung von Dienstplänen

und Motivationsschreiben sowie Materialien für das

Freispiel. Die Materialien gibt es frei zugänglich auf

der Website, will man Vorlagen downloaden, ist eine

Anmeldung für den gratis Kita-Newsletter erforderlich.

■■

www.erzieherin-ausbildung.de

POETRY SLAM ZUM THEMA VIELFALT

Erstmals findet im kommenden Jahr auf der didacta Messe in Stuttgart

ein Poetry Slam für Erzieherinnen und Erzieher zu dem Thema

„Vielfalt meint alle“ statt. Ein Poetry Slam ist ein Wettbewerb, bei dem

selbstgeschriebene Texte und Gedichte auf der Bühne vorgetragen

werden. Felix Römer, Autor, Songwriter und Poetry Slammer, moderiert

die Veranstaltung. Möchten Sie auch ein/e Slammer/-in werden?

Dann schreiben Sie an: pack@fruehe-bildung.online. Mehr Infos auf:

■■

www.fruehe-bildung.online

Fotos: © Rawpixel.com, smolaw, Nestor Rizhniak / Shutterstock.com

44 didacta-magazin.de 3/2019


MEDIENTIPPS

FÜR KITA-FACHKRÄFTE

Kostenfreie Lese- und Medienempfehlungen

sowie Webinare für

Kita-Fachkräfte bietet das Projekt

„#medienvielfalt“ der Stiftung Lesen.

Über das Jahr 2019 verteilt stellt die

Stiftung vier Medientipplisten mit leicht

umsetzbaren Aktionsideen auf der

Website bereit. Die ersten zwei veröffentlichten

Materialien drehen sich um

„Philosophieren mit Kindern“ sowie

„Vorlesen interaktiv! Spielen und

Vorlesen verbinden“.

■■

www.stiftunglesen.de/medienvielfalt

Sind Eltern Partner von Kitas und Schulen?

Philosophierstunde: Was ist Gerechtigkeit?

Kindern mit herausforderndem Verhalten

begegnen

Auf die Stimme achten – Selbstfürsorge

für Erzieher/-innen und Grundschullehrkräfte

NEUE BEWEGUNGSAPP

Die neue „Kita-Check-App“ unterstützt

Kitas dabei, den Kita-Alltag bewegungsfreundlicher

zu gestalten. Sie identifiziert

Bereiche, die Bewegung fördern oder

hemmen. Das digitale Angebot wurde von

der Universität Bayreuth in Zusammenarbeit

mit dem Deutschen Forschungszentrum

für Künstliche Intelligenz entwickelt.

Die App orientiert sich an aktuellen wissenschaftlichen

Erkenntnissen über die

Gestaltung von Kindertagesstätten als

Orte für bewegtes Aufwachsen, Arbeiten

und Zusammenleben.

■■

www.pebonline.de/projekte/queb

Nichts ist umsonst:

Rechtliches zur Musiknutzung

Kinderschutz und Kinderrechte

in der digitalen Welt

… und viele weitere Themen

Für Erzieher/-innen, Grundschullehrkräfte

und Eltern:

Frühe Bildung Online führt

die verschiedenen Aspekte

der frühen Bildung zusammen

– von der Früh- bis zur

Grundschulpädagogik.

Das Portal

zum Magazin

„Meine Kita“

www.fruehe-bildung.online


Kita

Heldenhaft

Das Dortmunder Netzwerk „INFamilie Hannibal- und

Brunnenstraßenviertel“ hat den Deutschen Kita-Preis

in der Kategorie „Bündnis“ gewonnen. Weil es in einem

schwierigen Sozialraum hochengagiert arbeitet.

Text Tina Sprung

mich sind alle Bündnispartner Helden des Alltags,

weil sie mit ganz viel Herz allen Eltern und

Kindern das bieten, was sie bieten können“, fasst

Heike Klumbies, Leiterin der „städtischen Tageseinrichtung

für Kinder Bornstraße“, zusammen,

„Für

was das Bündnis „INFamilie Hannibal- und Brunnenstraßenviertels“

in Dortmund ausmacht. Verantwortung

für alle Kinder und Familien im Bezirk Hannibal- und

Brunnenstraßenviertel wird dort sehr ernst genommen.

Armut, dichte Bebauung, 35 Nationen

Es ist vier Monate her, dass das Netzwerk „INFamilie

Hannibal- und Brunnenstraßenviertels“ als bestes lokales

Bündnis den Deutschen Kita-Preis gewann. Das Bündnis

wurde ausgezeichnet für sein Engagement vor Ort. Im

Dortmunder Norden, wo es angesiedelt ist, herrschen

Armut durch Arbeitslosigkeit. Verarmte Menschen aus

Rumänien und Bulgarien zogen hier her. 35 Nationen sind

dort vertreten. Kinder bekommen oft keinen Kita-Platz,

denn die Bebauung ist so dicht, dass Flächen für neue

Kitas fehlen. „Aus der Not heraus wurden deswegen

unsere Kinderstuben ins Leben gerufen“, erzählt Klumbies.

Für die Kinderstuben werden extra Räume oder

Wohnungen angemietet. Dort betreuen pädagogische

Fachkräfte die Kinder, die keinen Platz bekommen haben

und bereiten sie auf den Kindergarten vor. „Hier werden

Sprachbarrieren abgebaut“, sagt Klumbies. Zudem gibt es

Sprachschulen im Quartier: Hier erhalten Kinder täglich

zwei Stunden Deutschunterricht durch eine Fachkraft, die

in Kooperation mit der Kita Bornstraße in alltagsintegrierter

Sprachbildung und Wortschatzerweiterung geschult wurde.

Finanziert werden die Sprachschulen und die Kinderstuben

durch die Stadt Dortmund, die Räume werden durch die

städtischen Träger sowie die AWO angemietet.

„Eltern merken, dass sie etwas bewirken können“

Das Bündnis existiert seit 2012. Die damalige Schulleitung

der „Grundschule kleine Kielstraße“, Gisela Schultebraucks-

Burgkart, die 2006 bereits den Deutschen Schulpreis

gewann, stellte fest, dass Kinder mit großen Lücken in

die Schule kamen. Sie konnten kaum Deutsch. Ein Grund

war, dass viele Familien mit Migrationshintergrund keinen

Kita-Platz bekamen. Daraufhin wollte Schultebraucks-

Burgkart eine Bildungskette entwickeln und wendete sich

an das Familienbüro der Stadt Dortmund. Zusammen

holten sie Akteure der Frühförderung ins Boot: die AWO für

Bildungseinrichtungen, das Katholische Familienzentrum

St. Antonius, die St.-Elisabeth-Gesellschaft für Jugendhilfe,

die städtischen Kitas wie die Tageseinrichtung für Kinder

Bornstraße sowie ortsansässige Familienzentren, Beratungsstellen

und Institutionen der Stadt Dortmund. Durch

die zahlreichen Akteure hat das Bündnis die Möglichkeit,

in vielen Bereichen tätig zu werden: So stehen in nächster

Zeit die Umgestaltung eines Spielplatzes, die Organisation

eines Quartierfestes sowie die Einrichtung eines Bürgergartens

an, wo Kinder zusammen mit den Eltern im Garten

arbeiten. Die Angebote werden angenommen, Elterncafés

sind gut besucht. „Die Eltern merken, dass sie etwas

bewirken können bei uns im Quartier. Sie gaben mir zum

Beispiel weiter, dass die Kreuzung an der Bornstraße zu

gefährlich sei – daraufhin kamen bei einer Unterschriftenaktion

in allen Elterncafés des Quartiers mehrere Tausend

Unterschriften zusammen, die Stadt reagierte und behob

die Fehlschaltung der Ampelanlage“, erzählt Klumbies.

Fotos: © DKJS/Jakob Erlenmeyer und Nikolaus Götz

46 didacta-magazin.de 3/2019


THERAPEUTISCHE

ERZIEHUNG

DAS WERK ZU INKLUSION,

RESILIENZ UND INTEGRATION

In dem Dortmunder Bündnis werden auch Kinder betreut, die keinen Kita-Platz bekommen

haben, um sie auf die Schule vorzubereiten. Die Kinder werden in kleinen Gruppen

in extra angemieteten Räumen von eigens dafür geschulten Fachkräften betreut.

Die Jury des Deutschen Kita-Preises würdigt dieses

Engagement. Es werde über die Grenzen der eigenen

Institution hinausgedacht und gemeinsam gehandelt.

„Im Bündnis engagieren sich eng verzahnt zahlreiche

Institutionen und weitere Akteure. Die Arbeit geschieht

achtsam und ressourcenorientiert auf der Grundlage

einer gemeinsamen wertschätzenden Haltung“, heißt es

im Statement. Kita-Leitung Klumbies ist stolz: „Unsere

Bündnispartner sind sehr stark. Viele Menschen arbeiten

hochengagiert, über das Alltägliche hinaus, und wir

sind sehr stolz, den Deutschen Kita-Preis gewonnen zu

haben.“

WO SIND DEUTSCHLANDS BESTE KITAS?

Das Auswahlverfahren für den Deutschen Kita-Preis 2020 ist

gestartet: Die 16-köpfige Jury, darunter didacta-Chefredakteur

Prof. Wassilios E. Fthenakis, wählt die besten Einrichtungen für die

frühe Bildung aus, die konsequent die Qualität ihrer Leistungen

verbessern und dabei die Sichtweise der Kinder berücksichtigen.

Im Mai 2020 werden die Preisträger Erziehung in den Kategorien

„Kita des Jahres“ und „Lokales Bündnis des Jahres“ ausgezeichnet.

Der Preis ist mit insgesamt 130 000 Euro dotiert. Die

Auszeichnung wird zum dritten Mal vom Bundesministerium

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen

Kinder- und Jugendstiftung vergeben. Partner ist unter anderem

der Didacta Verband. Videos der Finalisten sind zu finden auf:

www.deutscher-kita-preis.de

JETZT

NEU

Therapeutische Erziehung bedeutet

„Ganzheitlichkeit“. Dabei steht der ganze

Mensch mit seiner Psyche und Physis im

Mittelpunkt. Der Pädagoge versucht, ihn in

seiner Lebenswelt individuell zu erkennen und

zu verstehen; ihn zu begleiten, zu unterstützen

und zu erziehen und mit gezielten Maßnahmen

zu fördern, zu bilden und zu beraten. Dabei

sucht er die Kooperation mit Personen, die

dem Kind nahestehen.

Prof. Gerhard Neuhäuser und Prof. Ferdinand

Klein haben ein neues Standartwerk zur

Therapeutischen Erziehung geschaffen.

Sie führen allgemeinverständlich in das

faszinierende Thema ein, erläutern dieses

anhand zahlreicher Beispiele und regen die

praktische Umsetzung an.

Das Buch wendet sich an Pädagogen,

Heilpädagogen, Lehrer und Eltern.

Gerhard Neuhäuser, Ferdinand Klein

Therapeutische Erziehung

Resiliente Erziehung in Familie, Krippe, Kita und

Grundschule

180 Seiten, Taschenbuch

ISBN 978-3-96304-605-6

25 €

JETZT IM BUCHHANDEL ODER

UNTER WWW.BHL-VERLAG.DE


SCHULE IN KÜRZE

BEWERBEN FÜR DEN

DEUTSCHEN SCHULPREIS

Bis zum 15. Oktober 2019 können

sich Schulen für den Deutschen

Schulpreis 2020 bewerben. Teilnahme

berechtigt sind allgemeinbildende

und berufliche Schulen

in öffentlicher oder privater Trägerschaft

in Deutschland sowie Deutsche

Auslandsschulen. Der Preis

wird zum 14. Mal von der Robert

Bosch Stiftung und weiteren Partnern

vergeben. Die beste Schule

erhält einen Preisgeld in Höhe

von 25.000 Euro. Die Schulen

können sich bewerben auf:

■■

www.deutscher-schulpreis.de/

bewerbung

UNTERSTÜTZUNG FÜR GRUNDSCHULKINDER

Das bundesweite Mentorenprogramm „Balu und Du“

fördert Grundschulkinder im außerschulischen Bereich.

Menschen zwischen 17 und 30 übernehmen bei dem Programm

ehrenamtlich eine Patenschaft für ein Kind. Für ein

Jahr treffen sie sich einmal pro Woche, um gemeinsam

zum Spielplatz gehen, in die Bibliothek zu fahren oder zu

anderen Unternehmungen. Lehrkräfte an Grundschulen

können Kinder, die besonderer Fürsorge bedürfen, für das

Programm empfehlen. Weitere Infos auf:

■■

www.balu-und-du.de

100 JAHRE GRUNDSCHULE

Am 31. Juli feierte die Grundschule

ihren 100. Geburtstag. Mit der neuen

Weimarer Reichsverfassung nach Ende

des Ersten Weltkriegs entwickelte sich

1919 die erste demokratische Schule

in Deutschland – für Kinder aus allen

Schichten. Anlässlich des Jubiläums

bietet das Deutsche Schulportal ein

Quiz zur Grundschule, zu finden auf:

■■

www.deutsches-schulportal.de/

bildungswesen/100-jahre-grundschulekennen-sie-die-geschichte

SCHULWETTBEWERB ZUM

GLOBALEN LERNEN STARTET

Die neue Runde des Schulwettbewerbes

zur Entwicklungspolitik

„Alle für EINE WELT für alle“ startet

im September. „Meine, deine,

unsere Zukunft?! Lokales Handeln –

globales Mitbestimmen.“ lautet das

Thema. Schülerinnen und Schüler

sind dazu aufgerufen sich in Texten,

Fotos, Filmen oder Kunstwerke mit

Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Zu gewinnen gibt es Preise im

Gesamtwert von über 50.000 Euro.

Durchgeführt wird der Schulwettbewerb

zur Entwicklungspolitik von

Engagement Global im Auftrag des

Bundesministeriums für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung.

Einsendeschluss ist der

2. März 2020.

■■

www.eineweltfueralle.de

Fotos: © Zoriana Zaitseva, LightField Studios, Monkey Business Images / Shutterstock.com

48 didacta-magazin.de 3/2019


HAMBURGS SCHULEN

BEI DIGITALISIERUNG

AUF PLATZ 1

Hamburgs Schulen liegen bei

der Digitalisierung deutschlandweit

auf dem ersten Platz. 444

von 480 Hamburger Schulen

verfügen über einen Breitbandanschluss

– das entspricht 91,2

Prozent. Das zeigt eine aktuelle

Auswertung des Bundesministeriums

für Verkehr und Infrastruktur

(BMVI). Schlusslichter sind

laut der Auswertung Sachsen-

Anhalt mit 50,9 Prozent und

Sachsen mit 40,4 Prozent.

THEMENWOCHE ZU RECHTEN

Vom 20. bis 27. September veranstaltet der Sender KiKA

die Themenwoche „Respekt für meine Rechte! Schule

leben!“ sind. Mit der Themenwoche beleuchten die öffentlich-rechtlichen

Kinderprogrammredaktionen in Magazinen,

Shows, Serien und Spielfilmen den Schulalltag von Kindern

und lassen sie zu Wort kommen. Das Programm und

medienpädagogische Begleitmaterialien gibt es auf:

■■

www.kika.de/respekt-fuer-meine-rechte

DIE CLASSWIZ-SERIE VON CASIO

FX-991DE X

UND FX-87DE X

CASIO präsentiert die technisch-wissenschaftlichen

Rechner der ClassWiz-Serie.

• Ein hochauflösendes Display ermöglicht eine

gute Übersicht über Anwendungen, Eingaben

und Ergebnisse.

• Verteilungsfunktion, Tabellenkalkulation und

QR Code* Funktion zur Ergebnisvisualisierung

auf dem Smartphone oder Tablet.

• Direkte Darstellung von Naturkonstanten und

Maßeinheiten sowie Rechnen mit technischen

Einheiten.

• Tasten für x und Option zur einfacheren

Bedienung.

Design-, Farbabweichungen, Irrtümer und technische Änderungen vorbehalten.

*QR Code is registered trademarks of DENSO WAVE INCORPORATED in Japan and in other countries.

CASIO Europe GmbH, Educational Team • Casio-Platz 1 • 22848 Norderstedt • Telefon: 040/528 65-0 • Fax: 040/528 65-100


Schule

Mehr als ein Computerraum

In der Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule in Karlsruhe lernen die Schülerinnen und Schüler

in einem digitalen Lernlabor. Ein Schulporträt in der neuen didacta-Serie „Schule innovativ“.

Text Tina Sprung

Die einen steuern mit ihren Tablets die kleinen, blauen Roboter auf dem Tisch, die anderen schneiden Filme:

Im Makerspace der Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule können die Schülerinnen und Schüler selbstständig an

ihren Unterrichtsprojekten arbeiten.

50 didacta-magazin.de 3/2019


AUF EINEN BLICK

Online-Diagnose

Grundschule

Fotos: © Hohenloher

››

Die Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule in

Karlsruhe setzt auf innovative Lernkonzepte.

››

In einem digitalen Lernlabor können Schülerinnen

und Schüler mit Medien kreativ arbeiten.

››

Um die Ausstattung zu finanzieren, nimmt

die Schule unter anderem an Schulwettbewerben

teil.

Der Rote Salon in der Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule

erinnert an eine Lounge-Ecke. Gemütliche

Sitzecken, daneben kleine Sofatische. Rote Glühbirnen

erzeugen ein warmes Licht. Hier, im roten

Salon, fällt Rektor Micha Pallesche Entscheidungen

über die Schulentwicklung, zusammen mit Eltern,

Schülerinnen und Schüler und Lehrkräften. Das heutige

Thema: Wie kann sich die Schule nach außen für das

Quartier öffnen. „Wir orientieren uns an dem skandinavischen

Vorbild. Hier ist Schule nicht nur Lernort für Schülerinnen

und Schüler, sondern für alle“, erklärt Pallesche.

Eine Idee ist, die Außenstelle der Stadtbibliothek in der

Gemeinschaftsschule einzurichten. „Wir wollen uns zusammen

mit der Stadt weiterentwickeln und die Schule als

lebenslangen Lernort anbieten.“ Der rote Salon ist auch

die Geburtsstunde des Makerspaces.

Individualisiertes Lernen

Die Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule ist vor allem für

ihren „Makerspace“ – dem digitalen Lernlabor – bekannt.

Vor fünf Jahren entwickelte die Schule ein medienbildnerisches

Profil, um digitale Medien fächerübergreifend

einzusetzen. Dann wurde auch begonnen, nach und nach

den Makerspace einzurichten.

„Wir führten das Medienprofil, das Medienbildung auf

breiter Basis und ganzheitlich vorsieht, ein, um mit digitalen

Medien individualisierter arbeiten zu können. Das

ist wichtig, weil wir eine Gemeinschaftsschule mit 320

Schülerinnen und Schüler sind und es eine große Heterogenität

gibt“, sagt Pallesche.

Er soll die Schüler/-innen anregen, kreativ zu sein, zu werken,

sich auszuprobieren und zu tüfteln. Der Raum erinnert

an ein Forschungslabor: In der Mitte steht ein Schreibtisch,

hier können Schülerinnen und Schüler Skizzen entwerfen,

sie in den Computern zu 3D-Animationen weiterentwickeln

und dann ausdrucken – mit einem 3D-Drucker. Neben dem

Tisch steht eine Greenbox – eine große grüne Leinwand,

Foto: © DJH Rheinland L. Dahmen

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Kontakt: Service-Team DJH-Rheinland | Düsseldorfer Straße 1a

40545 Düsseldorf | Tel.: +49 211 30263026 | service@djh-rheinland.de

www.jh-klassenfahrt.de

Illustrationen: Iris Blanck (Hamburg)


Schule

die ermöglicht, den Hintergrund durch Bilder zu ersetzen,

wenn man Videos aufnimmt. Nebenan können die

Schüler/-innen an den Computern mit Audio- und Filmprogrammen

schneiden. Es gibt Virtual und Augmented

Reality und Schüler können Roboter programmieren. Die

Tische stehen auf Rollen und können überall im Raum

verschoben werden. „In unserem Makerspace ist alles

möglich. Die digitalen Lernmedien sind jederzeit griffbereit“,

sagt Pallesche. Der Rektor treibt die Entwicklung

hin zur digitalen Schule stark an. Er selbst war während

seines Lehramtsstudiums am Landesmedienzentrum

Baden-Württemberg tätig und studierte zusätzlich Medienpädagogik.

„Ich habe schon früh meine Affinität für

digitale Medien entdeckt und fragte mich, was ich tun

kann, damit die Schülerinnen und Schüler besser lernen“,

sagt er. Er ist überzeugt: Durch den modernen

Lernraum können Schülerinnen und Schüler vielfältig

und interessengeleitet arbeiten. „Nehmen wir Fake

News: Der Lerneffekt ist viel größer, wenn die Schülerinnen

und Schüler mithilfe von Videos selbst Fake

News erstellen, als wenn sie auf einem Blatt Papier

Stichpunkte aufschreiben.“ Dadurch lernen sie besser.

Neue Forschungen bestätigen ihn. Hendrik Drachsler,

Experte für Bildungstechnologien und Lernanalytik

beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische

Forschung (DIPF), ist überzeugt, dass die neuen

Technologien Bildung verbessern, wenn Bewährtes

nicht einfach nur ausgetauscht wird. Es bringe nichts,

wenn das Arbeitsblatt auf einem Tablet gelesen werde,

statt ausgedruckt vor dem Schüler zu liegen, schreibt

er in seinem Bericht „Neue Technologien können die

Bildung bereichern“. Schülerinnen und Schüler müssten

mit dem Arbeitsblatt auf dem Tablet interaktiv arbeiten

können, beispielsweise indem sie Videos abrufen. Oder

ein Beispiel aus dem Sportunterricht: Schülerinnen

und Schüler filmen sich gegenseitig und nutzen die

Aufnahmen, um zu sehen, was sie an ihrer Technik

verbessern können.

arbeit und individueller Lernzeit, in der sie auch in den

Makerspace gehen können. Alle zwei Wochen gibt es

detaillierte Coachinggespräche statt Noten. Die Schülerinnen

und Schüler bekommen keine Hausaufgaben auf.

Mit diesem Lernkonzept ist die Schule sehr erfolgreich:

Bei Vergleichstests schneidet sie überdurchschnittlich

gut ab, sie gewinnt Schulpreise wie den „Förderpreis

Medienpädagogik der Länder – Medien machen Wettbewerb“

und den „Schülermedienpreis“. „Dadurch

finanzieren wir auch zu Beginn größtenteils die digitale

Ausstattung wie Tablets, Kameras und Computer“, sagt

Pallesche. Nachdem der Schul- und Medienausstatter

Hohenloher auf die Schule aufmerksam wurde, investierte

dieser zudem in die Ausstattung.

Um die Medien effektiv im Unterricht einsetzen und die

Schülerinnen und Schüler anleiten zu können, benötigt

es seitens der Lehrkräfte an Know-how. Daher organisierte

Schulleiter Pallesche schulinterne Weiterbildungen.

„Wir haben ganztägige Weiterbildungen angeboten.

Viele Lehrkräfte hatten im Studium digitale Medien

nicht integriert“, sagt er. Die Anwendung und deren

Integration in den Unterricht sei ein Prozess gewesen,

der seine Zeit brauchte. Zudem bildete Pallesche Schülerinnen

und Schüler als Medienmentoren für Video-,

Bild- und Audioschnitt aus. Sie helfen Lehrkräften bei

Fragen. „Wenn ein Klassenausflug in den Zoo ansteht

und die Biolehrkraft Tierarten filmen möchte, kann sie

einen Mentor buchen, der mitfährt“, erzählt Pallesche.

Die Medienmentoren begleiten die Lehrkräfte in ihren

Selbstlernphasen und verpassen dadurch keinen Input.

Im Roten Salon treffen sich die Lehrkräfte regelmäßig,

um sich auszutauschen. Sie erzählen, welche Medien

sie wie eingesetzt haben und geben sich gegenseitig

kleine Schulungen. Bei der Weiterentwicklung der

Schule sind eben alle beteiligt: Lehrkräfte zusammen

mit Schülern.

Medienmentoren im Zoo

Die Lehrkräfte berichten, dass die Schülerinnen und

Schüler motivierter lernen. Sie arbeiten selbstständig

und können aus dem Klassenzimmer rausgehen. In

den Gängen befinden sich Sitzecken, wo sie mit ihren

Tablets arbeiten können. „Da hören wir schon ‚Bitte

leise, wir arbeiten‘, wenn sich Politiker die Schule ansehen“,

sagt Pallesche und schmunzelt. Neulich zu Besuch

war Winfried Kretschmann, Ministerpräsident Baden-

Württembergs: Er zeichnete die Schule als erste „Smart

School“ in Baden-Württemberg aus.

Der Unterricht setzt sich zusammen zu je einem Drittel

klassischen Unterricht, in dem die Lehrkräfte oder

Schülerinnen und Schüler neuen Stoff erklären, Team-

INNOVATIVE SCHULKONZEPTE

Auf der didacta Messe in Florenz, der didacta Italia

vom 9. bis 11. Oktober, gibt es den neuen Bereich

„Schule der Zukunft“, in dem innovative Lern- und

Lehrkonzepte von Schulen vorgestellt werden. Die

didacta Italia ist eine Kooperation des Didacta Verbandes

der Bildungswirtschaft mit italienischen Partnern

wie beispielsweise dem Ministerium für Bildung,

Forschung und Universitäten.

www.fieradidacta.indire.it

52 didacta-magazin.de 3/2019


Das Portal für Bildungsinformation

bildungsklick informiert Sie aktuell und umfassend

mit News, Hintergrundberichten, Dossiers, Interviews und

Videos aus der Welt der Bildung.

Wir machen Bildung zum Thema.

www.bildungsklick.de

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Schule

Schauspieler Tom Lehel (M.) sowie Youtuber Heiko (l.) und Roman Lochmann mit Kindern bei einem Du

Doof?!-Aktionstag. Die Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder stärken“ setzt sich unter dem Dach des Stifterverbandes

für die Deutsche Wissenschaft gegen Mobbing und Cybermobbing ein. Die Programme für

Schulen sind kostenlos und werden durch Spenden finanziert. Infos, Videos und Details zum Programm

auf: www.du-doof.org

Du Doof?

Mobbing hinterlässt bei den Opfern tiefe Spuren. Moderator und Schauspieler

Tom Lehel engagiert sich für ein achtsames Miteinander in der Schule.

Interview Benigna Daubenmerkl

54 didacta-magazin.de 3/2019


pädagogischen Tag vertiefen wir das Thema

im Lehrerkollegium. Bei Bedarf gibt es einen

zusätzlichen Vertiefungstag und weiterführende

Seminare.

Zum

Weiterlesen:

Tom Lehel

ist Schauspieler, Entertainer und Buchautor. Der

Gründer der Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder

stärken!“ setzt mit dem Projekt „Du Doof?!“ auf

Aufklärung und Prävention gegen Mobbing und

Cybermobbing.

Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Wir wollen mit unserem Projekt Schul-Gemeinschaften

schaffen, in der Lehrer und Schüler

sich gegenseitig vertrauen und gemeinsam

an diesem Problem arbeiten. Es ist wichtig,

Mobbing den Nährboden von vornherein zu

entziehen. Denn wenn Mobbing einmal stattgefunden

hat, ist bereits Schaden angerichtet.

Das lässt sich nicht mehr ungeschehen

machen. Es geht darum, jeden Tag achtsam

miteinander umzugehen.

Tom Lehel

Thorsten Berger

Du Doof?!

Auch ich

wurde gemobbt,

360 Grad Verlag

GmbH, 2018

Fotos: © Martin Glahn; Frank Hempel / www.du-doof.org

didacta: Letztes Jahr haben Sie die Stiftung

„Mobbing stoppen! Kinder stärken!“

gegründet und das Projekt „Du Doof?!“ für

Aufklärung und Prävention gegen Mobbing

und Cybermobbing gestartet. Was war der

Anlass für dieses Engagement?

Tom Lehel: Auslöser waren meine persönlichen

Erfahrungen mit Mobbing während

meiner Schulzeit. Als 10-Jähriger war mir bei

einem Achterbahnunfall die rechte Hand fast

abgetrennt worden. Durch die Verletzung

war ich stark eingeschränkt und litt deshalb

unter vielen Hänseleien. Vor einigen Jahren

terrorisierte außerdem ein Mitschüler meinen

11-jährigen Sohn und dessen ganze Klasse. Ich

suchte das Gespräch mit den Lehrern. Dabei

stellte ich fest, dass sie die Mechanismen von

Mobbing nicht kennen und völlig überfordert

waren. Sie wussten nicht, wie sie mit dieser

Situation umgehen sollten. Damals entstand

die Idee, präventiv dagegen vorzugehen.

Wie genau?

Wir wollen das Projekt und das Thema bekannt

machen. Dafür gebe ich Lesungen aus meinem

Buch „Du Doof?!“ und erzähle meine

eigene Mobbing-Geschichte. Ich gebe Tipps,

wie man Mobbing verhindert und dagegen

vorgeht. Mit dem „Du Doof?!“-Programm

gehen wir auch direkt in die Schulen. Wir

gestalten einen Aktionstag für Schüler und

Lehrer – mit mir oder einem anderen Prominenten,

wie beispielsweise Sebastian

Krumbiegel (Anm. der Redaktion: Sänger der

Prinzen). Da stellen wir das Programm vor,

unterhalten uns mit den Kindern über das

Thema, machen Spiele und erzählen Geschichten

über unsere eigenen Erlebnisse. Mit dem

Das gilt auch im Internet. Wie sind Ihre

Erfahrungen mit Cybermobbing?

Cybermobbing ist weit verbreitet und noch

einen Stufe härter als das „normale“ Mobbing.

Denn im Netz kann ich anonym bleiben. Die

gemobbte Person weiß nicht, wer hinter den

Anschuldigungen steckt und kann sich nicht

wehren. Ich sage den Kindern immer wieder:

Alles, was gepostet wurde, bleibt im Netz und

ist nicht mehr löschbar. Wenn ihr später im

Berufsleben seid, kann der Chef eure Posts

sehen, also seid vorsichtig. So verstehen die

Kinder schnell, was ich meine.

Wie sollten Kinder handeln, wenn sie Opfer

werden?

Wichtig ist vor allem, dass sich die Kinder nicht

verunsichern lassen und denken, etwas an

ihnen wäre falsch. Sie sollten sich Verbündete

in der Klasse suchen und mit ihren Eltern und

Lehrern über die Mobbing-Attacken sprechen.

Wenn Mitschüler mobben, hilft es oft schon,

nicht mehr „bitte“ zu sagen, sondern eine klare

Ansage zu machen und „stopp“ zu sagen.

Für welche Jahrgangsstufen eignet sich Ihr

Programm?

Mobbing beginnt bereits ab dem letzten Kita-

Jahr und manifestiert sich dann in der Grundschule.

Gemobbt wird in großem Maßstab vor

allem ab der fünften Klasse in den weiterführenden

Schulen. Um das von vornherein zu

unterbinden, arbeiten wir vor allem mit Schülern

der dritten und vierten Klassen. Meine

Hoffnung ist es, Kinder für das Thema Mobbing

so zu sensibilisieren, dass sie Mobbern aktiv

entgegentreten und Verantwortung übernehmen.

Denn als Prominenter, zu dem die Kinder

hochsehen, habe ich Verantwortung.

Tipps zum

Verhalten

bei Mobbing:

www.didactadigital.de


BOCK

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BILDUNG?


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AUSBILDUNG IN KÜRZE

AUSBILDUNGSSTATISTIK ZU

BERUFSWAHL UND GEHALT

Das Statistische Bundesamt hat Daten zu Schulabschluss,

Geschlecht und Gehalt von Auszubildenden

veröffentlicht. Die wichtigsten Ergebnisse:

Die Berufswahl hängt vom Schulabschluss und

Geschlecht ab, zudem ist das spätere Gehalt

in den Berufen, die von Jugendlichen mit Abitur

ergriffen werden, wesentlich höher, als in

den Ausbildungsberufen bei Jugendlichen mit

Real- oder Hauptschulabschluss. So verdienten

Verkäuferinnen und Verkäufer – der häufigste Ausbildungsberuf

bei Hauptschulabsolventen – 2014

im Durchschnitt 2.358 Euro, während Industriekaufleute

– der häufigste Ausbildungsberuf von

Abiturienten – 3.420 Euro verdienten.

■■

www.destatis.de

AUSBILDUNGSPORTAL UNTER DEN BESTEN JOBPORTALEN

Das Ausbildungsportal Azubiyo ist eines der drei besten Jobportale Deutschlands. Bei einer

repräsentativen Befragung für die Auszeichung „Deutschlands beste Online- Portale“ hatte das

Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) 33 000 Kunden meinungen zu Online- Portalen aus

verschiedenen Branchen über ein Online-Panel abgefragt. Unter den Jobportalen war Azubiyo

dabei das einzige Ausbildungsportal unter den Top 3. Die Kunden waren unter anderem zu ihren

Erfahrungen mit Angebot und Leistung, Kundenservice und Online-Auftritt befragt worden.

■■

www.azubiyo.de

STUDIE ZU DIGITALISIERUNG

Die Studie „Berufsbildung für eine digitale Arbeitswelt“ der Bertelsmann

Stiftung formuliert Leitfragen und Gestaltungsmöglichkeiten für die Umsetzung

der Digitalisierung in der Berufsbildung. Dabei geht es vor allem um die

Ebene der Ausbildungsorganisation, die didaktische Ebene, die ordnungspolitische

Ebene sowie die Schnittstellen zwischen Arbeit und Berufsbildung. So

wird bezüglich der Ausbildungsorganisation etwa die technologische Ausstattung

thematisiert und auf die unterschiedlichen Typen von Mitarbeitern eingegangen.

Auf der didaktischen Ebene geht es unter anderem darum, welche

Möglichkeiten digitale Technologien für die Erstellung neuer didaktischer

Konzepte bieten. Die Studie kann man kostenlos herunterladen auf:

■■

www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/

berufsbildung-fuer-eine-digitale-arbeitswelt

Fotos: © Stock-Asso, SpeedKingz, RossHelen / Shutterstock.com

58 didacta-magazin.de 3/2019


ROADSHOW ZU DIGITALISIERUNG

IM AUSBILDUNGSALLTAG

In den nächsten Monaten wird die Roadshow

„Digitale Medien im Ausbildungsalltag“ des

Bildungsministeriums am 17. September in

Düsseldorf, am 24. Oktober in Schwerin und

am 26. November in Mainz haltmachen. Bei

der Roadshow werden erfolgreiche Beispiele

für digitale Anwendungen in der Ausbildungspraxis

vorgestellt, darunter Erklärvideos für

Azubis in Kfz-Berufen, digitale Lerneinheiten für

das Anlernen in der Produktion sowie Lernen

mit virtueller Realität. Die Roadshow richtet

sich an Verantwortliche aus Betrieben, überbetrieblichen

Bildungsstätten, Berufsschulen,

Kammern und Bildungseinrichtungen. Die

Veranstaltungen sind kostenlos, man sollte

sich vorher anmelden. Alle Termine

und Informationen auf:

■■

www.qualifizierungdigital.de

NEUE AUSBILDUNGSORDNUNGEN FÜR DREI BERUFE

Zum 1. August sind neue Ausbildungsordnungen in den Berufen

Gebäudereiniger/in, Orgelbauer/in und Papiertechnologe/in

in Kraft getreten. Unter anderem wurden in den drei Berufen

Neuerungen durch die Digitalisierung berücksichtigt. So wurde

bei den Gebäudereinigern etwa der Tatsache Rechnung getragen,

dass Aufmaße zur Berechnung von Flächen und Kosten

mittlerweile mit digitalisierten Arbeitsmitteln erstellt werden,

während bei den Orgelbauern der Einsatz computergestützter

Werkzeugmaschinen Teil der Ausbildungsinhalte wird. Informationen

zu allen Änderungen gibt es auf der Website des

Kuratoriums der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung.

■■

www.kwb-berufsbildung.de/neuordnungen/ausbildung

Aus gutem Grund heißt es „Made in Germany“ und nicht „Made by

Germans“. Denn täglich geben Mitarbeiter/Innen aus aller Welt bei

uns ihr Bestes. Damit das so bleibt, stehen wir auch weiterhin für ein

weltoffenes Deutschland.

Eine Initiative deutscher Familienunternehmen.


Ausbildung

Langsam, aber stetig

Nachdem 2015 / 2016 über eine Million Menschen nach Deutschland geflüchtet

waren, lief deren Integration in Arbeit und Ausbildung zunächst schleppend an.

Wie ist die Lage heute? Eine Bestandsaufnahme.

Text und Interview Vincent Hochhausen

Fotos: © Monkey Business Images / Shutterstock.com

60 didacta-magazin.de 3/2019


In den Jahren 2015 und 2016 kamen insgesamt

über eine Million Geflüchtete

nach Deutschland. Knapp zwei Drittel

davon waren bei der Ankunft unter 30

Jahre alt. Ein großer Teil dieser Menschen

muss demnach eine Berufsausbildung

absolvieren, um sich langfristig

ihren Lebensunterhalt in Deutschland zu

sichern. Dass Interesse hieran bei den

Unternehmen durchaus vorhanden war,

konnte man daran erkennen, wie allgegenwärtig

das Thema auf Ausbildungsund

Berufsschulkongressen war. Schnell

zeigte sich, dass die Aufgabe, den nach

Deutschland gekommenen Menschen

Berufsbildung und Arbeit zu ermöglichen,

großes Engagement erfordert. Das hat

mehrere Gründe:

››

Sprachkenntnisse: Den meisten

Geflüchteten müssen zunächst

Deutschkenntnisse vermittelt werden.

››

Bildungsstand: Zwar ergab eine

repräsentative Befragung des Bundesamtes

für Migration und Flüchtlinge,

dass 35 Prozent der Geflüchteten

einen Schulabschluss und 11 Prozent

sogar ein abgeschlossenes Studium

haben. Gleichzeitig gaben jedoch auch

ein Viertel der Befragten an, keine

Schulbildung oder nur die Grundschule

besucht zu haben.

››

Motivation: Die oben erwähnte

Studie, hebt die hohe Bildungsmotivation

der Geflüchteten positiv

hevor. Gespräche mit Deutschlehrkräften

und Ausbildern bestätigen

diesen Eindruck. Gleichzeitig bevorzugen

viele Geflüchtete es, statt einer

langwierigen Ausbildung so schnell

wie möglich in geringer qualifizierten

Jobs Geld zu verdienen – auch,

wenn das langfristig schlechtere

Perspektiven bietet.

Diese Herausforderungen führten dazu,

dass die Zahlen der Geflüchteten, die eine

Ausbildung begannen, in den ersten Jahren

nach der „Flüchtlingswelle“ zunächst

ernüchternd waren: 2016 meldeten der

Deutsche Industrie- und Handelskammertag

(DIHK) 3900 sowie der Zentralverband

des Deutschen Handwerks (ZDH) 4600

neue Ausbildungsverträge mit Personen

aus den acht wichtigsten Herkunftsländern

von Geflüchteten (siehe Infokasten)

– angesichts der hohen Zahlen von Neuankömmlingen

in dieser Zeit eine sehr

geringe Zahl.

2017 stiegen diese Zahlen laut DIHK auf

9300 Ausbildungsverträge, der ZDH meldetet

11 000. Zahlen der Bundesagentur

für Arbeit für das Jahr 2018 legen nahe,

dass dieser Trend vorerst anhalten wird,

denn immer mehr Neuankömmlinge aus

den Jahren 2015 und 2016 haben mittlerweile

ihre Sprachkenntnisse verbessert

und berufsvorbereitende Maßnahmen

durchlaufen.

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Ausbildung

„Ausbildung ist Integration“

2016 berichtet didacta über die

berufsvorbereitenden Klassen für

minderjährige unbegleitete Flüchtlinge

an einer Bad Aiblinger Berufsschule.

Was hat sich seitdem verändert?

Jürgen Ersing

ist Schulleiter der Staatlichen

Berufsschule

Bad Aibling, an der

seit 2015 Flüchtlinge

Deutsch Lernen und

auf eine Ausbildung

vorbereitet werden.

didacta: Als wir vor drei Jahren bei Ihnen

waren, gab es an Ihrer Schule drei Flüchtlingsklassen.

Was hat sich seitdem verändert?

Jürgen Ersing: Derzeit haben wir sechs

dieser Klassen, zwischenzeitlich waren es

sogar zwölf. Die Flüchtlingsklassen haben sich

bewährt: Rund 18 000 Menschen in Bayern,

die seit weniger als fünf Jahren in Deutschland

sind, machen derzeit eine Ausbildung und das

ist auch den Flüchtlingsklassen zu verdanken.

Hat sich in der Zusammensetzung der Klassen

etwas geändert?

Der Anteil junger Frauen ist gestiegen, auch

wenn er immer noch gering ist. Mittlerweile

haben wir vor allem Menschen aus afrikanischen

Ländern in unseren Klassen, zum

Beispiel aus Eritrea, weniger kommen aus

Syrien oder Afghanistan. Das ist aber nicht

repräsentativ für andere Schulen.

Mittlerweile haben einige Schülerinnen

und Schüler die zweieinhalbjährige

Flüchtlingsklasse abgeschlossen. Wie viele

davon schaffen es denn direkt in eine Ausbildung?

Das kann man nicht verallgemeinern, das

hängt stark von der Vorbildung der Schüler

ab. Im Februar haben wir eine Klasse

entlassen, von denen nur etwa 20 bis 25

Prozent eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle

gefunden haben. In dieser Klasse waren

viele Schülerinnen und Schüler, die wir erst

alphabetisieren mussten. Bei einer anderen

Klasse, die diesen Sommer fertig wird, wissen

wir jetzt bereits, dass 16 der 18 Schüler

einen Ausbildungsplatz bekommen werden.

GEFLÜCHTETE IN DER AUSBILDUNG

Wie viele der Geflüchteten, die seit 2015 nach

Deutschland gekommen sind, arbeiten oder eine

Ausbildung absolvieren, lässt sich nicht genau

bestimmen, da die meisten Arbeitsmarkt- und

Berufsbildungsstatistiken den Flüchtlingsstatus

nicht erfassen. Es lässt sich näherungsweise

bestimmen – und die Ergebnisse deuten auf

eine langsame, aber stetige Verbesserung

der Zahlen hin:

Rund 70 Prozent der Geflüchteten zwischen 15

und 64 Jahren in den letzten Jahren kamen aus

den acht Staaten Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran,

Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Da die

Anzahl der Menschen aus diesen Ländern seit

2014 von 360 000 auf 1,1 Millionen gestiegen ist

und davon auszugehen ist, dass der allergrößte

Teil dieses Zuwachses Geflüchtete sind, zeigt die

Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit

einen Trend: Seit Anfang 2016 ist der Anteil der

zugezogenen Menschen aus diesen Ländern, die

eine Arbeit haben, von 7 Prozent auf 28 Prozent

gestiegen. Bei sozialversicherungspflichtiger

Beschäftigung stieg die Quote von 6 auf knapp

23 Prozent.

Auch was die Ausbildung betrifft, gibt es zwar

keine genauen Daten, doch die vorliegenden Zahlen

der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen

Bundesamtes gehen in dieselbe Richtung:

Zum einen stieg die Gesamtzahl der neuen Ausbildungsverhältnisse

von Menschen aus den acht

wichtigsten Herkunftsländern zwischen 2015 und

2017 von rund 3000 auf über 15 000. Zum anderen

stieg die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit

gemeldeten Bewerber mit Fluchthintergrund, die

erfolgreich nach einem Ausbildungsplatz suchten,

von rund 3500 im Jahr 2016 auf rund 9500 im Jahr

2017 und rund 14 000 im Jahr 2018.

Informationen für Ausbilder und Betriebe

Zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und

Beruf bietet das Bundes institut für Berufsbildung

zahlreiche praxisrelevante Informationen auf:

www.bibb.de/de/35066.php

Foto: staatliche Berufsschule Bad Aibling

62 didacta-magazin.de 3/2019


In welchen Berufen landen die Schülerinnen

und Schüler, die eine Ausbildung

antreten?

Vor allem in einfachen Handwerks- und

Industrieberufen wie beispielsweise

Koch, Bäcker, Konditor, Straßenbauer und

Estrichleger.

Vor drei Jahren berichteten Sie uns,

dass Sie die Flüchtlingsklassen und

die regulären Berufsschüler mehr

zusammenzubringen möchten. Ist Ihnen

das gelungen?

Leider nein. Die Flüchtlingsklassen haben

kaum Kontakt zu den anderen Schülern,

eigentlich sogar weniger als vor drei Jahren.

Allerdings klappt die Integration hervorragend,

sobald Geflüchtete eine Ausbildung machen

und dann selbst in den regulären Berufsschulklassen

sind. Dann werden sie selbstverständlich

akzeptiert. Das zeigt, dass nicht nur

Sprache ein wichtiger Faktor für die Integration

ist, sondern vor allem die Ausbildung.

HAFIZI ABDULLAH,

25, AUS AFGHANISTAN:

„Ich bin seit Oktober 2015 in

Deutschland. Ich habe von 2016 bis

2018 die Berufsintegrationsklasse an

der Berufsschule Bad Aibling besucht.

Es war sehr gut mit den Schülern aus

verschiedenen Ländern zusammen zu

lernen, die alle das gleiche Ziel hatten,

Deutsch zu lernen. Seit September

2018 mache ich auch eine Ausbildung

zum Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik.

Bei der Suche haben

mir die Sozialpädagoginnen geholfen.

Die Arbeitskollegen sind hilfsbereit

und freundlich. Ich wünsche mir, dass

ich meine Ausbildung erfolgreich

schaffe und die Meisterschule

besuchen kann.“


HOCHSCHULE IN KÜRZE

WENIGE STUDIENKREDITE

IN DEUTSCHLAND

EXZELLENZUNIVERSITÄTEN AUSGEWÄHLT

Die Exzellenzkommission aus nationalen und

internationalen Hochschulexperten und den Wissenschaftsministern

der Länder hat im Juli Exzellenzuniversitäten

ausgewählt. Sie erhalten bis

mindestens 2026 jährlich 148 Millionen Euro aus

Bundesmitteln. Aus den 19 deutschen Hochschulen

oder Hochschulverbunden, die sich beworben hatten,

wurden ausgewählt:

92.795 Studierende nehmen

derzeit ein Bildungsfonds- oder

Studienkredit-Angebot zur Finanzierung

ihres Studiums wahr. Das

sind 3,24 Prozent aller Studierenden

in Deutschland. Das geht aus

dem aktuellen Studienkredit-Test

des Centrums für Hochschulentwicklung

(CHE) hervor.

■■

www.che.de/studienkredittest

››

Rheinisch-Westfälische Technische

Hochschule Aachen

››

Verbund Berlin

››

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

››

Technische Universität Dresden

››

Universität Hamburg

››

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

››

Karlsruher Institut für Technologie

››

Universität Konstanz

››

Ludwig-Maximilians-Universität München

››

Technische Universität München

››

Eberhard Karls Universität Tübingen

Weitere Informationen zur Exzellenzstrategie

der Bundesregierung auf:

■■

www.wissenschaftsrat.de

HÖHERE BAFÖG-LEISTUNGEN

Im August ist die im Mai vom Bundestag beschlossene

BAföG-Reform in Kraft getreten. Sie sieht unter anderem

höhere Förderungsleistungen für Wohnkosten und höhere Freibeträge

vor. Einen Überblick über die Änderungen gibt es auf:

■■

www.bmbf.de

Fotos: © wutzkohphoto, Jacob Lund / Shutterstock.com

64 didacta-magazin.de 3/2019


www.

-

.de


Hochschule

Von der

Vision zum

AUF EINEN BLICK

››

Die Fachhochschule feiert dieses Jahr

ihr 50-jähriges Bestehen.

››

Sie entstand aus den ehemaligen

Ingenieurschulen, die um Hochschulstatus

gekämpft hatten.

› › Heute bezeichnen sich die Fachhochschule als

Hochschulen für angewandte Wissenschaften

und sind national wie international anerkannt.

Exportschlager

Es war 1966, als die Ingenieurschüler auf

die Straßen gingen. Ihr Protest führte

zu einer der erfolgreichsten Hochschulreformen

der vergangenen Jahrzehnte:

die Gründung der Fachhochschule.

Text Isabel Roessler

66 didacta-magazin.de 3/2019


Fotos: © CHE Centrum für Hochschulentwicklung; LStockStudio / Shutterstock.com

Am 27. April 1966 blieben die Klassenräume

in vielen deutschen Ingenieurschulen

leer. Schüler, Direktoren und

Dozenten gingen auf die Straße. Ein

Grund für den Protest war die drei

Monate zuvor veröffentlichte Richtlinie

der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zum

„Niederlassungsrecht und Dienstleistungsverkehr“.

Wer als Ingenieur arbeiten wollte, musste

laut dieser eine mindestens vierjährige Ausbildung

an einer Hochschule absolviert haben.

Ein Abschluss an einer Ingenieurschule zählte

nicht dazu.

Zeitgleich veränderten sich die Anforderungen

an die Ingenieurschulausbildung: Der Lehrinhalt

wurde immer weiter ausgeweitet. In der

Folge kam es zu einer permanenten Überlastung

der Schüler und der Lehrenden. Johannes

Schlaghecke, damals Generalsekretär des Studentenverbandes

Deutscher Ingenieurschulen,

betont, wie wichtig eine Veränderung war „Wir

haben alles daran gesetzt, dass der Protest

erfolgreich wird. Wir hatten eine Vision.“ Ihr

Ziel war die Überführung der Ingenieurschulen

in den Hochschulstatus. Auch, weil nur

Hochschulstudierende staatliche Zuschüsse

– ähnlich dem heutigen Bafög – erhielten.

Die Geburt der Fachhochschulen

Diese Vision wurde Realität. Am 22. September

1969 informierte Schleswig-Holsteins Kultusminister

Walter Braun im Nachrichtenblatt des

Ministeriums über die neue Bezeichnung der

Ingenieurschulen: Fachhochschulen. Die anderen

Bundesländer zogen nach.

In den nachfolgenden Jahren boomte dieser

neue Hochschultyp, der sich gegenüber

den Universitäten vor allem durch stärkere

Praxisnähe auszeichnete. 1972 waren über

100 000 Studierende an Fachhochschulen

eingeschrieben. In den 1980er-Jahren etablierten

sie sich, auch aufgrund ihrer Erfolge

in der anwendungsbezogenen Forschung, im

Hochschulsystem. Die Bologna-Reform beendete

1999 schließlich die Diskussion um die

Gleichwertigkeit der Studienabschlüsse an

Universitäten und Fachhochschulen. Ab sofort

erhielten alle Absolventen den Abschlussgrad

„Bachelor“ beziehungsweise „Master“. Der

zuvor hinter dem Diplom übliche Zusatz „(FH)“

entfiel. Hans Rainer Friedrich, damals Leiter

der Abteilung Hochschulen im Bundesbildungsministeriums,

erinnert sich, dass es

den Universitäten damals lieber gewesen

wäre, wenn es „Bachelor (FH) und Master

(FH)“ geheißen hätte: „Aber das konnten wir

vermeiden“, sagt er.

„Wir sind anders“

Nicht nur die Abschlüsse, sondern auch die

Namen der Fachhochschulen veränderten sich

im Laufe der Zeit. Fast alle Fachhochschulen

bezeichnen sich heute als Hochschulen für

angewandte Wissenschaften, kurz HAW. Die

Umbenennung ist durchaus auch Ausdruck

eines gestiegenen Selbstbewusstseins. Micha

Teuscher, Präsident der HAW Hamburg, geht es

dabei um eine Gleichwertigkeit, nicht um eine

Gleichartigkeit von HAW und Universitäten.

Er betont: „Wir sind anders“. Beispielsweise

müssen Professoren der HAW nicht nur wissenschaftlich

qualifiziert sein, sondern vor ihrer

Lehrtätigkeit auch außerhalb der Hochschulen

gearbeitet haben. Die Lehre ist am Bedarf der

einzelnen Branchen ausgerichtet. Der Transfer

von Wissen aus den Hochschulen in die

Gesellschaft und zurück ist eine Kernmission

der HAW.

600 HAW in China geplant

Die enge Verflechtung von Theorie und Praxis

wird auch im Ausland wahrgenommen. Auf

unterschiedlichen Kontinenten gibt es inzwischen

den Hochschultypus Fachhochschule,

nicht nur in europäischen Nachbarländern wie

Österreich oder den Niederlanden. Bereits seit

2005 ist es in Jordanien möglich, an der German-

Jordanian University zu studieren und China

plant, bis zu 600 Hochschulen zu HAW nach

deutschem Vorbild umzugestalten. International

hat sich die Fachhochschule zum 50. Geburtstag

zu einem Exportschlager entwickelt.

DIE AUTORIN

Zum

Weiterlesen:

CHE Centrum

für Hochschulentwicklung

(Hrsg.)

50 Jahre HAW:

Festschrift

Gütersloh, 2019

www.che.de/

50-jahre-haw

Isabel Roessler ist Senior Projektmanagerin beim

CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Ihr Fokus

liegt auf den Themen Third Mission und Transfer

von und in Hochschulen.

3/2019 didacta-magazin.de 67


WEITERBILDUNG IN KÜRZE

KOMPETENZERFASSUNG FÜR WEITERBILDNER

Lehrende in der Erwachsenenbildung können ihre

Kompetenzen kostenfrei analysieren und validieren lassen.

Im Programm „Portfolio Plus“ des Deutschen Instituts für

Erwachsenenbildung beantworten Interessierte 70 Fragen

zu ihren Fähigkeiten und Kompetenzen, die von Experten

begutachtet werden. Sie stellen die Grundlage für eine individuelle

Kompetenzbilanz dar, die Teilnehmer erhalten. Ziel von

Portfolio Plus ist es, Lehrenden in der Erwachsenen bildung

informell erworbene Fähigkeiten zu bescheinigen und ihnen

Hinweise für die berufliche Weiterbildung zu geben.

■■

www.die-bonn.de/greta/portfolioplus.aspx

WENIGER WACHSTUM WEGEN FACHKRÄFTEMANGEL

Der Arbeitskräfte mangel durch den demo grafischen Wandel wird ab 2025 zu einem

geringeren Wirtschaftswachstum und langsamer wachsenden Lebensstandard

führen. Das prognostiziert die Studie „Wachstum und Produk tivität 2035“ des ifo

Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. So werde sich das jährliche Wirtschaftswachstum

bis 2035 auf 0,6 Prozent halbieren. Besonders stark seien diese

Auswirkungen in strukturschwachen Regionen wie dem Saarland, Sachsen- Anhalt

und Mecklenburg- Vorpommern.

■■

www.bertelsmann-stiftung.de

NATIONALE WEITERBILDUNGSSTRATEGIE

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat im

Juni die Nationale Weiterbildungsstrategie veröffentlicht.

Sie soll Menschen auf den digitalen Wandel einstellen und

Chancengleichheit fördern. Schwerpunkte der Strategie

sind unter anderem bessere Weiterbildungsberatung, bessere

Qualifizierung des Weiterbildungspersonals und eine

Weiterentwicklung von Fortbildungsabschlüssen und Weiterbildungsangeboten.

Die Strategie wurde zusammen mit

dem Arbeitsministerium in Abstimmung mit Arbeit gebern,

Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit und der

Kultusministerkonferenz erarbeitet. Zum Download auf:

■■

www.bmbf.de

Fotos: © Rawpixel.com / Shutterstock.com

68 didacta-magazin.de 3/2019


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Weiterbildung

Den Kontakt

zu sich behalten

Zu den Patienten von Dr. Volker Reinken zählen viele Lehrkräfte. Ihre Diagnose: Burn-out.

In didacta gibt er Tipps, wie sich Lehrkräfte davor schützen können.

Interview Silvia Schumacher

70 didacta-magazin.de 3/2019


Fotos: © Zivica Kerkez / Shutterstock.com; Vincera Klinik Bad Waldsee

Dr. Volker Reinken,

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist

ärztlicher Direktor sowie Chefarzt der Vincera

Klinik Bad Waldsee. Er behandelt unter anderem

Lehrkräfte, die an Burn-out erkrankt sind.

didacta: Was genau passiert im Körper

und mit der Psyche bei einer Burn-out-

Erkrankung?

Dr. Volker Reinken: Es handelt sich

um ein Selbstentfremdungssyndrom.

Man verliert das Gefühl zu sich selbst,

fühlt sich zunehmend erschöpft. Diese

Erschöpfung betrifft den Menschen auf

allen Ebenen. Sie äußert sich in Schlafstörungen,

Spannungskopfschmerz,

Freudlosigkeit, Antriebsmangel bis hin

zu Entwicklungen von Folgeerkrankungen

wie Ängsten oder Depressionen.

Sie behandeln in Ihrer Klinik viele

Lehrkräfte, die sich ausgebrannt fühlen.

Über welche Probleme aus dem

Schulalltag berichten diese?

Sie berichten vor allem über Probleme

mit den Vorgesetzten, zum Beispiel,

dass sich die Lehrkraft sehr angestrengt

hat, flexibel beim Stundenplan war, aber

dafür nicht die Wertschätzung erhält, die

sie sich erhofft hat. An zweiter Stelle

stehen Lehrer-Schüler-Konflikte, an

dritter Stelle Beschwerden von Eltern.

Oftmals kommen die Lehrer mit der

Belastung an sich zurecht. Wenn sie

sich aber bei Konflikten von der Schulleitung

im Stich gelassen fühlen, dann

kippt es.

Konflikte mit den Vorgesetzten gibt

es auch in anderen Berufen, dennoch

leiden Lehrkräfte – wie etwa das Gutachten

des Aktionsrats Bildung 2014

zeigte – häufiger als andere Berufsgruppen

unter Burn-out. Woran liegt das?

Zu den größten Risikofaktoren von Burnout

zählt mangelnde Distanzierungsfähigkeit,

also nicht abschalten zu können.

Lehrersein ist ein Beziehungsberuf, man

muss oft mit Konflikten umgehen und

trägt Verantwortung für Menschen. Wenn

da etwas schief läuft, führt das eher

dazu, dass man nicht mehr abschalten

kann. Ein weiteres Risikokriterium ist

die mangelnde Fähigkeit, soziale Unter-

stützung einzuholen. Lehrer sind sehr oft

Einzelkämpfer.

Man sollte also auch mal Kollegen um

Hilfe bitten?

Zum Beispiel. Lehrkräfte besprechen nur

selten Situationen aus dem Klassenzimmer

mit Kollegen. Je weniger es einem

gelingt, sich zu öffnen und auf der eigenen

Hierarchieebene zu vernetzen, desto

höher ist das Risiko für Burn-out. Wenn

die Person dann noch dazu neigt, schnell

aufzugeben, zu sagen, das nützt doch

nichts, sinkt die Lebenszufriedenheit.

Und zusammen mit den oben genannten

Faktoren führt das zu einem erhöhten

Burn-out-Risiko.

Spielt auch eine Rolle, dass Lehrkräfte

quasi nie Feierabend haben und auch

von zu Hause arbeiten?

Ja. Denn auch das kann mangelnde Distanzierungsfähigkeit

begünstigen. Home

Office an sich schützt eher vor Burn-out,

da man bessere Selbststeuerungsmöglichkeiten

hat. Wenn es aber dazu führt,

dass man das Gefühl hat, nie Feierabend

zu haben, dann eben nicht mehr.

Haben Sie einen Tipp, um genau das

zu vermeiden?

Die Arbeitsmaterialien nur an einem Platz

sammeln, sich zu Hause einen Arbeitsbereich

einrichten und nicht auch im Wohnzimmer

oder abends im Bett noch schnell

etwas für den Unterricht vorbereiten. Das

ist Gift für die Distanzierungsfähigkeit.

Was sind erste Alarmsignale für Burnout?

Kreativitätsmangel kann ein Alarmsignal

sein – wenn man froh ist, die Sachen

irgendwie gewuppt zu bekommen und

keinen Antrieb mehr hat, Neues zu erarbeiten.

Ein weiteres Warnzeichen ist sozialer

Rückzug: wenn mir alles Mögliche

von der Schule durch den Kopf geht

und eine Freudlosigkeit entsteht, auch

bei Dingen, die früher Spaß gemacht

haben. Man fühlt sich einfach zu platt, um

Freunde zu treffen oder Sport zu treiben.

Anzeichen, die man auch von „normalen“

Stressphasen kennt …

Ja, aber der Unterschied ist, dass Stress

kommt und geht. Wenn er bleibt, ist es

3/2019 didacta-magazin.de 71


Weiterbildung

nicht normal. Unser Körper und unsere

Psyche sind darauf ausgelegt, stressige

Situationen zu bewältigen. Hormone,

erhöhter Blutdruck und Puls führen zu

einer erhöhten Wachsamkeit. Man kann

auch mal eine Nacht durcharbeiten, aber

danach braucht es eine Erholungsphase.

Im Schulalltag helfen kleine Achtsamkeitsübungen,

die keine Zeit kosten und

zwischendurch eingebunden werden

können.

Zum Beispiel?

Wenn man den Klassenraum wechselt

oder eine kurze Pause hat, kann man

dies nutzen, um bewusst durchzuatmen

und mit der Atmung den Körper

wahrzunehmen. Wir sprechen dabei von

Bodyscan. Das Achtsamkeitskonzept

basiert nicht darauf, schnell Änderung

herbeizuführen, sondern sich selbst

wahrzunehmen.

Und das hilft tatsächlich, Burn-out

vorzubeugen?

Ja. Es geht darum, den Modus zu wechseln:

weg von „alles im Blick haben“, hin

zu „sich selbst im Blick haben“. So halte

ich den Kontakt zu mir selbst.

Gibt es Schularten oder Fächer, bei

denen die Lehrkräfte besonders gefährdet

sind, an Burn-out zu erkranken?

Viele meiner Patienten unterrichten an

Haupt- beziehungsweise Mittelschulen.

Dort gibt es mehr Konfliktpotenzial.

Aber letzten Endes kann man das nicht

pauschalisieren, auch an diesen Schulen

kommen Lehrkräfte gut zurecht. Burn-out

ist ein persönliches Thema, das Umfeld

schafft lediglich den Boden dafür, dass

es wachsen kann.

Was sollte man tun, wenn man beobachtet,

dass eine Kollegin oder ein Kollege

mit dem Schulalltag überfordert

ist?

Hier gilt das Motto: Ratschläge sind

Schläge. Empathische Begleitung ist

wichtig, dasein und zur Verfügung stehen,

um auch inhaltliche Themen zu

besprechen. Man sollte seine Besorgnis

zum Ausdruck bringen und das Thema

wachhalten, sodass derjenige selbst zur

Einsicht kommt und sagt: Du hast recht,

ich sollte etwas ändern.

Was ist dann der erste Schritt?

Erste Anlaufstelle können die Schulberatungsstellen

oder Lehrergewerkschaften

sein. Sie bieten kollegiale Beratung,

Supervision, Coachings und Fortbildungen.

Hat der Betroffene aber den Eindruck,

dass es schon Richtung Krankheit

geht, sollte der Hausarzt aufgesucht

werden. Er prüft, ob organische Ursachen

dahinterstecken – findet er nichts, führt

der Weg zum niedergelassenen Psychotherapeuten.

Wenn dieser eine Auszeit für

notwendig hält, folgt für gewöhnlich eine

stationäre Aufnahme für sechs Wochen

in einer Klinik.

Wie hoch stehen die Chancen, dass

die Lehrkraft danach wieder arbeiten

kann?

Die stehen gut. Die Therapie dreht sich

viel um Konfliktmanagement. In Rollenspielen

trainieren wir das eigene Verhalten,

aber auch, sich in andere einzufühlen.

Das führt etwa dazu, dass man den Vorgesetzten

besser versteht und seine Anliegen

klarer formulieren kann. Im letzten

Schritt wird die Wiedereingliederung in die

Schule vorbereitet, sodass die Lehrkraft

mit ihren „Knackpunkten“ gut umgehen

kann.

Was können Schulleiterinnen und Schulleiter

tun, um ihr Team zu schützen?

Zum einen können sie etwas für sich

selbst tun: Auch sie müssen darauf

achten, dass sie den Kontakt zu sich

behalten. Dann können sie auch verständnisvoller

mit ihrem Team umgehen und es

entsteht weniger Beziehungsstress. Sie

sollten außerdem die Prozesse an ihrer

Schule so gestalten, dass sie salutogenetisch

kompatibel, also gesundheitsfördernd

sind.

Das heißt konkret?

Es gibt drei Säulen, die Menschen helfen,

auch in schwierigen Situationen gesund

zu bleiben: Vorhersehbarkeit, Handhabbarkeit

und Sinnhaftigkeit von Ereignissen.

Als Schulleiter muss ich also Zeit investieren,

um den Lehrkräften bestimmte

Veränderungen zu erklären und plausibel

machen zu können. So hole ich die

Lehrer mit ins Boot und pflege eine gute

Beziehung zu ihnen. Und das hilft dabei,

Burn-out vorzubeugen.

72 didacta-magazin.de 3/2019


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2/2019 didacta-magazin.de 73


Weiterbildung

Weg mit den Stolpersteinen

Viele Schulkinder mit einer anderen Muttersprache machen im Deutschen typische Fehler,

die Kindern mit Deutsch als Erstsprache nicht passieren. Mit einfachen Tricks können

alle Lehrkräfte dazu beitragen, dass sich diese Fehler nicht verfestigen.

Text Vincent Hochhausen

AUF EINEN BLICK

››

Schüler/-innen, die in Deutschland

aufwachsen, aber deren Muttersprache

nicht Deutsch ist, lernen die Sprache

meist in informellen Kontexten und ohne

explizite Regeln.

››

Dieses informelle Lernen funktioniert bei

bestimmten „Sprachstolpersteinen“ nicht

und kann zu Problemen beim Lesen und

Verfassen von Texten führen.

››

Mit einfachen Maßnahmen können Lehrkräfte

solche Stolpersteine im Unterricht

berücksichtigen.

Für viele Kinder, die deutsche Schulen

besuchen, ist Deutsch nicht die Muttersprache.

Wie hoch der Anteil der

„Zweitsprachler“ an den Schulen ist,

darüber gibt es keine genauen Zahlen.

Eine Erhebung des Statistischen

Bundesamtes ergab, dass 2017 in 2,5

Millionen Mehrpersonenhaushalten vorwiegend

eine andere Sprache als Deutsch

gesprochen wurde – also in mehr als zehn

Prozent aller Mehrpersonenhaushalte.

Erwerben statt lernen

Kinder mit einer anderen Muttersprache,

die in Deutschland aufwachsen,

erlernen Deutsch meist nicht in for-

74 didacta-magazin.de 3/2019


Foto: © Africa Studio / Shutterstock.com

Zum

Weiterlesen:

Dr. Yurdakul

Cakir-Dikkaya

(Hrsg.)

DaZ für den

Fachunterricht

der Sekundarstufe

I. Gesellschaftswissenschaften,

Cornelsen,

2017

Dr. Yurdakul

Cakir-Dikkaya

(Hrsg.)

DaZ für den

Fachunterricht

der Sekundarstufe

I.

Mathematik,

Cornelsen,

2017

malen Settings wie in Deutschkursen.

„Der Spracherwerb findet

unsystematisch, informell und im

alltäglichen Kontakt zum Beispiel mit

Gleichaltrigen statt“, erklärt Dr. Yurdakul

Cakir-Dikkaya, Linguistin an der

Universität Duisburg-Essen, die auf

die Didaktik von Deutsch als Fremdund

als Zweitsprache spezialisiert ist.

„Zweitsprachler werden nicht wie in

Deutschkursen erst nach und nach mit

der ganzen Komplexität der zu erlernenden

Sprache konfrontiert, sondern

von Anfang an. Zudem lernen sie nicht

anhand von expliziten Regeln, sondern

bilden im Umgang mit der Sprache

selbst implizite Hypothesen darüber,

wie die Sprache funktioniert“, sagt

sie. Diese Art des Spracherwerbs

kann zum einen dazu führen, dass

die betreffenden Schülerinnen und

Schüler wenig Erfahrung mit deutscher

Schriftsprache haben und ihnen

Textverständnis und Rechtschreibung

besonders schwer fällt. Zum anderen

bilden sich durch den unsystematischen

Erwerb bei vielen Kindern

falsche Sprachregeln heraus, meist

in Bereichen der deutschen Sprache,

die keine oder sehr komplexe Regeln

haben, die die Kinder nicht intuitiv

erfassen können. „Solche sprachlichen

Stolpersteine kann man überwinden,

wenn sie erkannt und systematisiert

eingeübt werden“, sagt Cakir-Dikkaya.

Dabei sollten die Lehrkräfte Hilfestellung

bieten – möglichst nicht nur im

Deutschunterricht.

Probleme erkennen

Es ist wichtig, dass Lehrkräfte solche

spezifischen Sprachstolpersteine kennen

und ihren Unterricht so gestalten,

dass man ihnen möglichst gut begegnen

kann. „Vielen Lehrern sind solche

Schwierigkeiten gar nicht so bewusst“,

sagt Cakir-Dikkaya. Sie plädiert dafür,

dass bei allen Lehrkräften Bewusstsein

dafür geschaffen wird, vor welchen

speziellen Schwierigkeiten Kinder stehen,

für die Deutsch die Zweitsprache

ist. So werde eine integrierte Sprachförderung

möglich, also eine Unterstützung

der Zweitsprachler, die in den

regulären Unterricht eingebettet ist.

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Weiterbildung

Beispiele

Situation 1: Adjektive richtig deklinieren

Die Kinder lernen in der Grundschule, wie

man Personen beschreibt. Die Lehrerin

sammelt dazu zusammen mit den Schülern

Adjektive – groß, klein, blau, braun und so

weiter – und schreibt sie an die Tafel. Als

die Kinder ihre Personenbeschreibungen

vorlesen, zeigt sich, dass vor allem die nichtmuttersprachlichen

Kinder die Adjektive nicht

richtig angleichen, sie schreiben zum Beispiel

„ein rotes Pullover“ oder „einen blauen

Hose“. Die Lehrerin korrigiert die Schüler,

aber geht sonst nicht weiter darauf ein.

Anregung: Das Problem liegt darin, dass die

Zweitsprachler in der Klasse Schwierigkeiten

mit der komplizierten Adjektivdeklination

im Deutschen haben, die ihnen nie explizit

beigebracht wurde. Gleichzeitig setzt der

Unterricht der Lehrkraft aber dieses Wissen

bei den Schülern bereits voraus. „Anstatt

die Fehler einfach nur zu korrigieren wäre

es sinnvoll, einen Beispielsatz mit allen drei

Genera an die Tafel zu schreiben, sodass

die Schüler sehen können, wie die Endung

der Adjektive mit dem Genus der Substantive

zusammenhängt“, sagt Yurdakul Cakir-

Dikkaya.

Situation 2: Welche Präposition ist richtig?

Ein Klassenausflug wird geplant. Der Lehrer

sammelt mit den Schülern Vorschläge und

schreibt sie an die Tafel: Zoo, Eisstadion,

Schokoladenmuseum, Hafen und Kino. Als

er mit den Kindern über die Vorschläge diskutiert,

fällt ihm auf, dass die Zweitsprachler in

der Klasse oft falsche Präpositionen nutzen

oder sie ganz weglassen.

Anregung: Dadurch, dass je nach Wort

oder Kontext im Deutschen verschiedene

Präpositionen richtig sind – „ich gehe zur Pestalozzischule“

und „ich gehe auf die Pestalozzischule“

bedeuten dasselbe – fällt es ihnen

schwer, sich die Regeln zur richtigen Verwendung

von Präpositionen im informellen

Lernen selbst anzueignen. In dieser Situation

hilft es, beim Ideensammeln nicht nur die

Orte, sondern auch die dazugehörigen Präpositionen

an die Tafel zu schreiben, also:

Wir wollen

... in den Zoo

... zum Hafen

So haben die Schüler die richtige Präposition

vor Augen und können sich diese einprägen.

Situation 3: Pronomen in Texten

richtig zuordnen

In einer Realschulklasse wird ein Text über

das Römische Reich gelesen. Als der Text

besprochen wird, fällt der Geschichtslehrerin

auf, dass eine Schülerin Schwierigkeiten

hat, den Sinn des Textes wiederzugeben.

Durch Nachfragen wird deutlich, dass es dem

Mädchen schwer fällt zu erkennen, auf welche

Substantive sich die Pronomen im Text

beziehen.

Anregung: Eine klassische Schwierigkeit

für alle Deutschlerner ist das grammatikalische

Geschlecht von Substantiven. Im

gesprochenen Deutsch sind solche Fehler

meist gut zu verschmerzen. Jeder versteht

im Alltag, was mit „Mach mal bitte den

Tür zu“ gemeint ist. In Texten wirkt sich

dies jedoch stärker aus: Dort werden häufiger

Substantive durch Pronomen ersetzt,

die sich wiederum nach dem Genus des

ersetzten Wortes richten (also „Der Senat

entsandte es [das Heer] nach Sizilien“ aber

„Der Senat entsandte ihn [den Konsul] nach

Sizilien“). Dadurch haben viele Kinder, die

Deutsch als Zweitsprache lernen, Schwierigkeiten,

Texten zu folgen, in denen viele

Pronomen vorkommen. Frau Cakir-Dikkaya

empfiehlt: „In einem ersten Schritt können

76 didacta-magazin.de 3/2019


die Lehrer, bevor der Text gelesen wird,

selbst die Bezüge der Pronomen mit den

Substantiven herstellen. Im zweiten Schritt

machen dies die Schüler selbst. Wenn das

zu zeitaufwendig ist, kann man dies den

betreffenden Kindern auch im Vorfeld als

Hausaufgabe aufgeben. Und im dritten

Schritt stellen die Kinder automatisch beim

Lesen mit dem Bleistift die Bezüge her.“

Mit solchen und anderen Beispielen können

Lehrkräfte auf die Bedürfnisse der Kinder mit

Deutsch als Zweitsprache in ihren Klassen

eingehen. Das fordert zwar ein Problembewusstsein

bei den Lehrkräften und ist

teilweise zeitaufwändig, doch letztlich ist es

auch im Interesse der Lehrkräfte, alle Kinder

zu fördern, findet Sprachwissenschaftlerin

Cakir-Dikkaya: „Es ist für die meisten Lehrer

frustrierend, wenn die Hälfte der Schüler

einen Text nicht versteht. Die meisten Lehrkräfte,

die ich fortbilde, bestätigen mir, dass

es sich lohnt, solche sprachlichen Aspekte im

Unterricht zu berücksichtigen – denn dadurch

können sie alle Kinder mitnehmen.“

TIPPS FÜR LEHRKRÄFTE

Sprachsensibler Umgang

mit Texten im Unterricht:

››

Nicht auf Texte verzichten, weil

Schüler/-innen Verständnisprobleme

haben.

››

Statt den Text gemeinsam Satz

für Satz durchzugehen, lieber vor

dem Lesen inhaltliches Vorwissen

aktivieren.

››

Statt die Schüler nach dem

Lesen zu fragen, ob Wörter nicht

verstanden wurden, lieber vor

dem Lesen gemeinsam die

wichtigsten Begriffe klären.

››

Statt Überschriften zu den Abschnitten

schreiben zu lassen, lieber selbst

Überschriften formulieren und den

Schülern die Aufgabe stellen, diese

den richtigen Abschnitten zuzuordnen.

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Weiterbildung

Veranstaltungstipps 2019

Kongresse, Seminare und Messen rund um Bildung, Lehren und Lernen

Frankfurt Edu Konferenz 2019

Bildungspolitisches Forum

16. Oktober 2019 in Frankfurt am Main

Diversität – Aufwachsen und Lernen in der heterogenen

Gesellschaft: Welche Konzepte wirken und werden sowohl Kindern

als auch den Fachkräften gerecht? Welche Projekte sind

sinnvoll? Diesen Fragen gehen Expertinnen und Experten auf

der Frankfurter Buchmesse in Vorträgen und Gesprächsrunden

auf den Grund. Erstmals wird die akkreditierte Fortbildungsveranstaltung

ergänzt durch einen englischsprachigen Teil.

■■

www.buchmesse.de/edukonferenz

23. Oktober 2019 in Berlin

„Bildung braucht mehr als einen klugen Kopf“ – zu diesem

Thema findet bei der Robert Bosch Stiftung in Berlin das

Bildungspolitische Forum des Leibniz-Forschungsverbundes

Bildungspotenziale statt. Gemeinsam diskutieren die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer aus Bildungspolitik, -praxis

und -forschung die Rolle sozio-emotionaler Fähigkeiten im

Bildungskontext.

■■

www.leibniz-bildungspotenziale.de

Onlinekongress: Schulleiterforum

#excitingedu Kongress 2019

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5. bis 7. November 2019

Unter dem Motto „Mit Kopf, Herz und Verstand – Schule

zukunftsfähig gestalten” erhalten Schulleitungen beim Onlinekongress

der Schilfakademie Tipps rund um das Thema Digitalisierung.

Expertinnen und Experten teilen ihr Wissen in

virtuellen Webinar-Räumen zu Cybermobbing, Medienkonzepten

oder Big Data im Unterricht. Die Webinare finden

außerhalb der regulären Unterrichtszeit ab 15 Uhr statt. Tagestickets

kosten 98 Euro, das Gesamtkongress-Ticket 234 Euro.

■■

www.schulleiterforum.de

13. bis 15. November 2019

in Berlin

Auf dem Kongress für die digitale

Schule „#excitingedu“ treffen sich Lehrkräfte, Schulträger-

Teams und weitere schulische Entscheider/-innen, um sich

über aktuelle Themen der digitalen Bildung zu informieren.

Teilnehmer/-innen erwarten praktische Workshops, Vorträge

und eine Bildungsmesse. Frühbucherrabatt, 59 Euro für Lehrkräfte

bis zum 1.10.2019.

■■

www.excitingedu.de

Berufsbildungskongress

Lehrertag NRW

14. und 15. November 2019 in Berlin

Unter dem Motto „Digitalisierung – Jenseits des Kabels“

findet der Berufsbildungskongress des Bundesverbandes

der Lehrkräfte für Berufsbildung statt. Der Kongress setzt

sich mit der Digitalisierung und den sich daraus ergebenden

pädagogischen Aufgabenstellungen auseinander, die weit

über die Anforderungen an gute technische Infrastruktur

hinausgehen. Die Teilnahmegebühr beträgt 250 Euro.

■■

www.bildungsmedien-kongresse.de

16. November 2019 in Dortmund

Der Kongress „Netzwerk Schule – Lehrertag NRW 2019

eröffnet mit einem Hauptvortrag zum Thema „Generation

Online – eine medienpsychologische Perspektive auf die

Herausforderungen der Digitalisierung“. Im Anschluss können

Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 48 Einzelveranstaltungen

auswählen. Der Weiterbildungstag mit Ausstellung

wird vom Verband Bildungsmedien gemeinsam mit dem

Verband Bildung und Erziehung und dem Landesverband

NRW veranstaltet. Anmeldung auf:

■■

www.netzwerk-schule.nrw

78 didacta-magazin.de 3/2019


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