didacta 03/19

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Bildung

››

Niveau: Wie hoch schätzt die Lehrkraft

die Leistungsfähigkeit ihrer Schülerinnen

und Schüler ein? Wie sehr weicht diese

Einschätzung von den Testergebnissen ab?

Dies kann sowohl für einzelne Personen als

auch für den Klassendurchschnitt bestimmt

werden.

››

Streuung: Wie unterschiedlich sind die

Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihrer

Leistungsfähigkeit? Schätzt die Lehrkraft

dies als homogener oder heterogener ein?

››

Rang: Wenn die Lehrkraft ihre Schülerinnen

und Schüler nach Leistungsfähigkeit sortiert,

ist die Rangfolge dann dieselbe wie

die eines Testverfahrens?

Um ein realistisches Bild der eigenen diagnostischen

Kompetenz zu erhalten, schlagen die

Erziehungswissenschaftlerinnen Ingrid Hesse

und Brigitte Latzko vor, zunächst eine subjektive

Einschätzung vorzunehmen. Beispielsweise

kann die Lehrkraft den Intelligenzquotienten der

Schülerinnen und Schüler schätzen und dies

dann mit den Ergebnissen eines standardisierten

Tests abgleichen. Einen Intelligenztest kann

beispielsweise eine Schulpsychologin mit der

Klasse durchführen. Gemeinsam mit ihr werden

dann Einschätzung und Test abgeglichen,

Diskrepanzen interpretiert und pädagogische

Schlüsse daraus gezogen, etwa: Unterschätze

ich die Fähigkeiten meiner Schülerinnen und

Schüler? Mache ich systematische Fehler, etwa,

indem ich Mädchen fälschlicherweise schlechter

oder besser einschätze als Jungen? Bei wem

liege ich am stärksten daneben, und woran kann

das liegen? So kann es Lehrkräften gelingen,

die eigenen Bewertungsfehler zu reflektieren

und durch den Abgleich ihre diagnostischen

Fähigkeiten zu schulen.

Intelligenztests erfassen Denkfähigkeiten. Es ist

belegt, dass intelligente Menschen im Durchschnitt

größere schulische und berufliche Erfolge

erzielen als weniger intelligente. Intelligentere

Menschen sind gut sozial anpassungsfähig,

aber ihr gesamtes Leistungspotenzial entfalten

sie nur mit der passenden, herausfordernden

Lernumgebung. Sobald eine Lehrkraft um das

tatsächliche intellektuelle Potenzial der Schülerinnen

und Schüler weiß, kann sie eine entwicklungsförderliche

Lernumgebung angemessen

gestalten – die sowohl den Schülerinnen und

Schülern zugutekommt als auch den Lehrkräften

die Arbeit erleichtert.

BEISPIEL: HOCHBEGABUNG

Wann ist ein Kind hochbegabt?

Wissenschaftlicher Konsens ist, dass eine intellektuelle

Hochbegabung besteht, wenn in einem IQ-Test

ein besseres Ergebnis erzielt wird, als 98 Prozent der

Bevölkerung es erreichen würden. Dies entspricht in

den meisten Tests einem IQ ab 130.

Der IQ wird allgemein als Maß der kognitiven Fähigkeiten

verstanden. Er erfasst Fähigkeiten wie zum Beispiel

logisches Denken oder räumliches Vorstellungsvermögen.

Andere Begabungen, etwa soziale oder sportliche

Fähigkeiten, erfasst er nicht; das ist aber auch nicht

sein Anspruch. Insgesamt bleiben IQ-Tests derzeit das

beste Untersuchungsinstrument für die Intelligenz.

Wie erkenne ich ein hochbegabtes Kind?

Generell sollte man auf Merkmale achten, die unmittelbar

mit den Denkfähigkeiten zusammenhängen.

Hochbegabte sind nicht weniger sozial kompetent

oder weniger emotional stabil als durchschnittlich

Begabte; ebenso wenig sind Verhaltensauffälligkeiten

typisch für Hochbegabte. Fragen, die weiterhelfen

können, aber nicht müssen, um hochbegabte Kinder

zu erkennen:

››

Hat das Kind ein gutes Gedächtnis?

››

Stellt das Kind Zusammenhänge zwischen

Themen her, erkennt es Parallelen?

››

Wirkt das Kind bei schwierigeren

Aufgaben motivierter?

››

Löst das Kind freiwillig oder „heimlich“ Zusatzaufgaben

– möglicherweise auch in seiner Freizeit?

››

Stellt es sich selbst geistig anspruchsvolle Aufgaben?

Wie lässt sich Unterricht mit begabten

Kindern individualisiert gestalten?

››

Bonus-Aufgaben, die die Kinder abgeben oder

vorstellen dürfen – Stichwort: Enrichment

››

Projektunterricht für alle, aber mit höheren

Anforderungen und größeren Freiheiten für

die hochbegabten Kinder

››

Fächerübergreifende Projekte in Absprache

mit anderen Fachlehrkräften, an denen

gearbeitet werden darf, wenn Aufgaben erledigt

sind. Anreiz: Ausstellung, Vorstellung in der

Klasse/Schule, besondere Note

››

Klassenstufen zu überspringen, schafft entgegen

zahlreicher Vorurteile für viele Kinder ein Umfeld,

das intellektuell besser zu ihnen passt.

Weitere Infos auf:

www.mensa.de/ueber-den-iq/bildung

https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/

Begabte_Kinder_finden_und_foerdern.pdf

20 didacta-magazin.de 3/2019

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