didacta 03/19

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Titelthema

Es gibt ein permanentes System der Beurteilung

und der Kontrolle. Bei allem, was Kinder

und Jugendliche tun, erleben sie Schule als

‚ich muss mich diesem Beurteilungssystem

anpassen‘. Das gilt auch für die Lehrer, es gibt

die Schulaufsicht und die Schulinspektion.

Zum

Weiterlesen:

Kompetenzen

für eine

demokratische

Kultur. Council

of Europe, 2016

https://rm.coe.

int/16806ccc0b

Sollten Schulen den Schülern erlauben, an

den Fridays for Future-Demonstrationen

teilzunehmen?

Wäre es ein Streik, wenn ein Arbeitgeber

seine Angestellten ohne Lohnausfall freitags

beurlauben würde, damit sie für ihre Rechte

demonstrieren können? Die besondere

Bedeutung die ser Demonstrationen besteht

doch darin, dass die beteiligten Kinder und

Jugendlichen ein Risiko eingehen und der

Erwachsenengeneration deutlich machen,

was ihnen wirklich wichtig ist. Ich bin davon

überzeugt, dass Kinder und Jugendliche freitags

bei den Demonstrationen viel lernen und

ihre Zeit vernünftig verbringen. Das ist ein

wichtiger Moment der politischen Sozialisation.

Man muss nicht erst Theorie lernen,

um, wenn man erwachsen ist, politisch zu

partizipieren. Demokratie lernt man, indem

man mitmacht.

Welche Kompetenzen und Werte brauchen

Kinder und Jugendliche im Sinne einer

demokratischen Gesellschaft?

Die Suche nach notwendigen Kompetenzen

beschäftigt die Erziehungswissenschaft in der

öffentlichen Wahrnehmung seit PISA. Meines

Erachtens hat der Europarat eine überzeugende

Zusammenfassung der langjährigen

Debatten verfasst. Sie hebt das kritische Denken

hervor. Außerdem wichtig sind meines

Erachtens die Fähigkeit zu Perspektivenübernahme

und Empathie.

Sie sagten, dass es eine demokratische

Schulstruktur brauche. Das Schulsystem

sei in seinen Strukturen, Funktionen und

Prozessen aber undemokratisch und

demokratiewidrig, so Wolfgang Edelstein,

ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts

für Bildungsforschung.

Das ist richtig. Wolfgang Edelstein meint

damit, dass die Institution Schule unglaublich

hierarchisch angelegt ist. Weil sie eine

klare Aufgabe hat, nämlich Lebenschancen zu

verteilen. Das macht sie über Selektionsmechanismen

wie Noten und Schulabschlüsse.

Und wie lässt sich das System demokratischer

gestalten?

Wichtig ist zunächst die schulrechtlich verankerte

Gremienarbeit zu stärken, also ein

funktionierendes System der Mitbestimmung

zu schaffen, indem man die im System

gelegenen Herausforderungen gemeinsam

besprechen kann.

Wie sollten Schulen von der Politik unterstützt

werden, um ihre Aufgabe, demokratische

und mündige Staatsbürgerinnen

und -bürger zu erziehen, erfüllen zu können?

Es passiert gerade schon viel. In dem Bundesprogramm

„Demokratie leben“ werden

Ressourcen zur Förderung der Demokratiebildung

bereitgestellt und alle Minister der Kultusministerkonferenz

haben beschlossen, die

Demokratiebildung noch stärker zu fördern.

Nun müssen aber die Politiker und Verantwortungsträger

vor Ort zusehen, dass die zur

Verfügung gestellten Mittel auch tatsächlich

für gute Demokratiebildung in den Schulen

eingesetzt werden.

STUDIE ZEIGT: JUNGE MENSCHEN

FÜHLEN SICH NICHT AUSREICHEND BETEILIGT

Ein großer Teil der jungen Menschen fühlt sich nicht

ernst genommen und unzureichend beteiligt. Je älter

sie werden, desto weniger haben Jugendliche den

Eindruck, in der Schule mitgestalten zu können. Nur

34 Prozent der 14-Jährigen können dort aus ihrer Sicht

mitbestimmen, bei den Achtjährigen ist es immerhin

noch jeder zweite. Zu diesen Ergebnissen kommt die

repräsentative Studie „Children‘s Worlds+“, die im Juli

von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht wurde.

www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/

publikation/did/childrens-worlds-2

6 didacta-magazin.de 3/2019

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