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Printmagazin TECHNIK und WISSEN - Ausgabe 001

Technik und Wissen berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den ganzen Digitalisierungsthemen. Schwerpunkt Ausgabe 001: Blechbearbeitung und IT-Security

Technik und Wissen berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den ganzen Digitalisierungsthemen.

Schwerpunkt Ausgabe 001: Blechbearbeitung und IT-Security

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#<strong>001</strong> 2019 Blechbearbeitung 4.0 | IT-Security | Hannover Messe<br />

1 2019<br />

<strong>TECHNIK</strong>-UND-<strong>WISSEN</strong>.CH<br />

DIE CROSSMEDIALE PLATTFORM FÜR<br />

AUTOMATION UND FERTIGUNG<br />

CHF 15<br />

BLECH UND<br />

DIGITALISIERUNG:<br />

PASST!


05. & 06. JUNI 2019<br />

HALLE 5 - 7<br />

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EINTRITT (WERT CHF 30.–):<br />

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DISCOVER<br />

IOT<br />

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EDITORIAL<br />

<strong>TECHNIK</strong> NEU ERZÄHLT<br />

Crossmedial behaupten viele Fachzeitschriften<br />

von sich zu sein – <strong>und</strong> bieten<br />

am Ende online doch nur ein müdes<br />

Copy-and-paste des zuvor Gedruckten.<br />

Das ist nicht sehr einfallsreich <strong>und</strong> wird den Möglichkeiten,<br />

welche sich mit den neuen Medien<br />

auftun, nicht gerecht. Deshalb splitten wir bei<br />

«Technik & Wissen» die Verantwortlichkeiten <strong>und</strong><br />

konzipieren Geschichten aus der klassischen sowie<br />

der digitalen Perspektive. Garantiert wiederholungsfrei<br />

<strong>und</strong> dennoch unterhaltsam.<br />

Wir sind davon überzeugt, dass dieser Ansatz zeitgemäss<br />

ist. Doch damit ist es nicht getan. Wir sind<br />

dem steten Wandel ausgesetzt – wie Sie in der Industrie.<br />

Dies erfordert auch von uns ein agiles Denken<br />

<strong>und</strong> Handeln. Wir werden uns daher von <strong>Ausgabe</strong><br />

zu <strong>Ausgabe</strong> hinterfragen <strong>und</strong> Anpassungen<br />

vornehmen – dabei berücksichtigen wir sehr gerne<br />

Ihre Meinung. Ein entsprechendes Kontaktformular<br />

steht für Sie auf technik-<strong>und</strong>-wissen.ch bereit.<br />

Markus Back, Chefredaktor Print<br />

Die Industrietechnik ist unglaublich innovativ.<br />

Aber ausgerechnet darüber wird<br />

selten zeitgemäss berichtet. Als ich vor<br />

ein paar Jahren «Technik <strong>und</strong> Wissen»<br />

gründete, wollte ich dies gr<strong>und</strong>legend ändern. Wir<br />

starteten mit einem Onlinemagazin <strong>und</strong> der Erfolg<br />

stellte sich sofort ein: Die Multimediastorys sind<br />

beliebt <strong>und</strong> eine wurde bereits prämiert. «So sieht<br />

innovativer, erzählerischer <strong>und</strong> cooler Multimedia-Fachjournalismus<br />

im digitalen Zeitalter aus»,<br />

sagte die Jury.<br />

Seither sind weitere abenteuerlustige <strong>und</strong> kluge<br />

Mitstreiter dazugestossen, mit denen man Ziele anpeilen<br />

kann, vor denen selbst grosse Verlage momentan<br />

zurückschrecken: Zum Beispiel ein innovatives,<br />

erzählerisches <strong>und</strong> cooles <strong>Printmagazin</strong><br />

für Fachleute herauszugeben.<br />

Das ist die Erstausgabe. Es liegt noch ein langer<br />

Weg vor uns, denn der Wandel ist rasant. Wir versprechen<br />

aber, so innovativ zu bleiben wie die<br />

Technologien, über die wir berichten.<br />

Eugen Albisser, Chefredaktor Online<br />

#<strong>001</strong> 3


IMPRESSUM<br />

Das crossmediale Fachmagazin für<br />

Automation <strong>und</strong> Fertigungstechnik<br />

www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Leser-Service / Abonnement<br />

1 Jahr, CHF 75.– inkl. MwSt.<br />

T. +41 41 464 60 48<br />

abo@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch/abo<br />

Die nächste <strong>Ausgabe</strong><br />

von Technik <strong>und</strong><br />

Wissen erscheint<br />

am 3. Mai 2019<br />

Chefredaktion<br />

Eugen Albisser, Chefredaktor Online<br />

eugen.albisser@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Markus Back, Chefredaktor Print<br />

markus.back@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Redaktion<br />

Luca Meister, Daniel Wallimann<br />

redaktion@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Redaktionsadresse<br />

Redaktion Technik <strong>und</strong> Wissen<br />

Innovationsdorf Bern, Wylerringstrasse 36<br />

3014 Bern<br />

Leitung Werbemarkt<br />

Thorsten Krüger<br />

Tel. +41 41 464 60 47<br />

thorsten.krueger@technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Konzept & Layout<br />

Medienart AG, Aurorastrasse 27, 5000 Aarau<br />

Martin Kurzbein (Art Director)<br />

Stefanie Schildknecht-Lipp (Layout)<br />

info@medienart.ch<br />

Druck<br />

Ib-Print AG, Seetalstrasse, CH-5703 Seon<br />

belser@ib-print.ch, www.ib-print.ch<br />

Herausgeber<br />

Technik <strong>und</strong> Wissen GmbH<br />

Wylerringstrasse 36, 3014 Bern<br />

Tel. +41 41 464 60 46<br />

www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Geschäftsführung<br />

Eugen Albisser (Vorsitz, Chefredaktion Online)<br />

Markus Back (Chefredaktion Print)<br />

Valentin Kälin (Kaufmännische Leitung)<br />

Jürg Rykart (Strategische Partnerschaften)<br />

Erscheinungsweise<br />

5 × jährlich, 1. Jahrgang<br />

Auflage<br />

9000 Exemplare<br />

Eine Publikation in Zusammenarbeit mit<br />

Alle Urheber- <strong>und</strong> Verlagsrechte an dieser<br />

Publikation oder Teilen davon sind vorbehalten.<br />

Jede Verwendung oder Verwertung<br />

bedarf der schriftlichen Zustimmung der<br />

Herausgeber. Der Inhalt dieses Heftes wurde<br />

sorgfältig geprüft. Dennoch übernimmt der<br />

Herausgeber keine Haftung für seine Richtigkeit.<br />

Die rechtlichen Bestimmungen für<br />

die Schaltung von Werbung entnehmen Sie<br />

den «Allgemeinen Geschäftsbedingungen»<br />

unter www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

4 #<strong>001</strong>


CHF 15<br />

INHALT<br />

20<br />

Es muss nicht alles ans Netz<br />

Grosses Interview mit dem<br />

Informatiksteuerungsorgan des<br />

B<strong>und</strong>es. Inklusive der Antwort<br />

auf die Frage, was eine Cyberattacke<br />

kostet.<br />

28<br />

Einhörner erfordern ein<br />

Umdenken<br />

Die digitale Transformation zwingt<br />

zum Umdenken. Denn bereits<br />

jetzt ist klar: Wer dies nicht tut,<br />

bleibt auf der Strecke.<br />

48<br />

Einstieg in die digitale<br />

Blechbearbeitung<br />

Die Firma Riguzzi hat jetzt eine<br />

vernetzte Produktion. Am Tag<br />

des Umstiegs war der Firmenchef<br />

aber doch ein wenig nervös.<br />

62<br />

Mit Schwingungen gegen<br />

das Sprödharte<br />

Die ultraschallunterstützte<br />

spanende Bearbeitung existiert<br />

zwar schon lange, doch ist<br />

sie noch immer ein Geheimtipp.<br />

03 Editorial<br />

04 Impressum<br />

06 Auf einen Kaffee bei<br />

Pieter de Koning, CIO E+H<br />

12 Blickpunkt Forschung<br />

14 In der Pipeline<br />

15 Digitale Lernfabrik<br />

an der ZHAW<br />

Schwerpunkt IT-Security<br />

für die Industrie<br />

16 Markt ist sensibilisiert<br />

20 «Es muss nicht alles ans Netz»<br />

24 Das müssen Sie wissen<br />

über IT-Security<br />

27 Technisches Englisch:<br />

Brush it up!<br />

28 Einhörner erfordern<br />

umdenken<br />

31 Willkommen, Roboter!<br />

Schwerpunkt<br />

Blechbearbeitung 4.0<br />

36 Pragmatisch auswählen<br />

aus dem digitalen Baukasten<br />

42 Pascal Blanc von Bernexpo<br />

über die Ble.ch<br />

44 Aussteller der Ble.ch <strong>und</strong><br />

neue Produkte<br />

48 Anwenderbericht:<br />

Wie ein Blechzulieferer<br />

voll digital wurde<br />

#<strong>001</strong> 2019 Blechbearbeitung 4.0 | IT-Security | Hannover Messe<br />

1 2019<br />

<strong>TECHNIK</strong>-UND-<strong>WISSEN</strong>.CH<br />

DIE CROSSMEDIALE PLATTFORM FÜR<br />

AUTOMATION UND FERTIGUNG<br />

BLECH UND<br />

DIGITALISIERUNG:<br />

PASST!<br />

32 Auf der Suche nach der<br />

gemeinsamen Maschinensprache<br />

34 Kurznachrichten<br />

52 Acht gute Gründe, die<br />

Hannover Messe zu besuchen<br />

60 Automation & Electronics:<br />

Interaktives Messeerlebnis<br />

62 Ultraschalltechnologie in<br />

der spanenden Bearbeitung<br />

64 Drei Kugelgewindetriebe<br />

im All<br />

56 Prodex <strong>und</strong> Swisstech:<br />

Übertrifft Erwartungen<br />

65 Produktionstipp #<strong>001</strong>:<br />

Drucks doch selbst!<br />

Titelbild<br />

Bild: Bernexpo, Ble.ch<br />

Gestaltung: Verena Snurer<br />

58 Industrialis, quo vadis?<br />

66 Produktnachrichten<br />

#<strong>001</strong> 5


AUF EINEN KAFFEE BEI PIETER DE KONING<br />

«ANGST IST IMMER<br />

EIN SCHLECHTER<br />

BERATER»<br />

Als CIO verantwortet Pieter de Koning bei Endress+Hauser<br />

eine uneingeschränkte Kommunikation innerhalb <strong>und</strong><br />

ausserhalb des Unternehmens. Wie das geht <strong>und</strong> worauf dabei<br />

zu achten ist, beantwortet er während einer Tasse Kaffee.<br />

Von Markus Back (Text) <strong>und</strong> Susanne Seiler (Bilder)<br />

Ergänzen Sie bitte den folgenden Satz.<br />

Ohne Kaffee am Morgen…<br />

…starte ich als Teetrinker trotzdem sehr gut in den Tag.<br />

Damit bin ich jedoch, das ist mir bewusst, eine Ausnahme.<br />

Gerade für unsere Mitarbeitenden in der IT ist Kaffee<br />

existenziell. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was bei<br />

einem Kaffeeverbot bei uns los wäre! (lacht)<br />

Ein Kaffeeverbot müssten Sie als CIO zumindest nicht<br />

verantworten! Beschreiben Sie doch kurz einen typischen<br />

Arbeitstag von Ihnen.<br />

Den gibt es für mich nicht, da ich bei Endress+Hauser drei<br />

Hüte trage. In meiner CIO-Rolle verantworte ich seit 2008<br />

im Executive Board die IT, bin Geschäftsführer von Infoserve<br />

<strong>und</strong> darüber hinaus CISO. Die einzige Konstante im<br />

Berufsalltag sind die regelmässigen Board-Meetings hier in<br />

Reinach. Meinen Schreibtisch habe ich jedoch in Weil <strong>und</strong><br />

mindestens einmal die Woche bin ich auch in Freiburg, wo<br />

wir einen Standort mit 120 Mitarbeitenden haben. Hinzu<br />

kommen weltweite Termine, die ich mit oder fürs Board<br />

wahrnehme.<br />

Beruflich sind Ihre Computer vermutlich perfekt geschützt.<br />

Wie sieht das aber in Ihrem Privatleben aus? Sind Sie hier<br />

schon einmal Opfer eines Hackerangriffs geworden?<br />

Bisher glücklicherweise nicht. Das Risiko ist aber natürlich<br />

auch deutlich kleiner, wenn man hierfür sensibilisiert ist,<br />

sich bewusst im Netz bewegt <strong>und</strong> seine Passwörter gut<br />

schützt. Zudem halte ich meine Software immer auf dem<br />

aktuellen Stand.<br />

Zu dieser zählt vermutlich auch eine Virenschutz-<br />

Software…<br />

Mein Windows-Rechner ist mit einem Virenscanner<br />

ausgerüstet, der regelmässig aktualisiert wird. Mein<br />

Mac-Rechner allerdings nicht, da er dank der durchdachten<br />

Sicherheitsarchitektur deutlich weniger anfälliger <strong>und</strong><br />

durch die geringere Verbreitung auch ein unattraktives<br />

Angriffsziel ist.<br />

Stichwort «Angriffsziel»: Welchen Stellenwert nehmen bei<br />

Ihrer täglichen Arbeit Fragen zur IT-Security ein?<br />

Durch die Digitalisierung <strong>und</strong> die unheimlich schnelle<br />

Entwicklung in der IT gewinnen diese immer mehr an<br />

Bedeutung. Das ist eine Herausforderung, da es kein<br />

attraktives Thema ist <strong>und</strong> die Mitarbeitenden Einschränkungen<br />

befürchten. Daher bedarf es eines gewissen<br />

Spagats, die Vermögenswerte des Unternehmens zu<br />

schützen <strong>und</strong> zugleich dafür zu sorgen, dass die Leute<br />

optimal arbeiten können. ››<br />

6 #<strong>001</strong>


RUBRIKTITEL<br />

«Am Ende ist die Cloud<br />

auch nur ein Rechenzentrum,<br />

das irgendwo steht.»<br />

Pieter de Koning zum Cloud-Computing<br />

#<strong>001</strong> 7


Echt besser!<br />

„ Alles aus einer Hand “<br />

System-Lösungen für Kabel <strong>und</strong><br />

Schaltschrank von Murrplastik.<br />

Murrplastik gehört seit 1963 zu den Pionieren wenn es um<br />

professionelles Kabelmanagement <strong>und</strong> Hightech-Produkte<br />

aus Kunststoff geht. Wir bieten Lösungen zu individuellen<br />

Herausforderungen in den Bereichen Energiekette, Kabelschutz,<br />

Kabelführung, Kennzeichnung <strong>und</strong> Energiezuführung.<br />

Entwicklungsingenieure stellen für verschiedenste Anwendungsbereiche<br />

innovative Universallösungen sowie k<strong>und</strong>enspezifische<br />

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für wirtschaftliche Einsätze, für mehr Langlebigkeit, höhere<br />

Robustheit <strong>und</strong> einfache Montage.<br />

Mit weit über 200 Patenten <strong>und</strong> einem internationalen<br />

Vertriebsnetz sind wir einer der weltweit führenden<br />

Systemanbieter: „R<strong>und</strong> ums Thema Kabel.“<br />

Kabelschutz<br />

Kennzeichnung<br />

Verschliessen darf man sich diesen<br />

Fragen jedoch nicht, da es durch die<br />

Vernetzung heute sehr einfach ist,<br />

miteinander zu kommunizieren. Und<br />

gerade weil es so einfach ist, nehmen<br />

damit die Möglichkeiten, dies zu missbrauchen,<br />

zu. Daher setzen wir auf eine<br />

Best-Fit- <strong>und</strong> nicht etwa auf eine<br />

Cloud-First-Strategie. So können wir für<br />

die jeweilige Aufgabe das uns am sichersten<br />

<strong>und</strong> am besten passende Operationsmodell<br />

auswählen.<br />

Sie arbeiten seit einigen Jahren mit einer<br />

cloudbasierten CRM-Lösung. Welche<br />

sicherheitstechnischen Überlegungen<br />

gingen dieser Entscheidung voraus?<br />

Im Rahmen unserer Best-Fit-Strategie<br />

haben wir uns mit Fragen zur Funktionalität<br />

<strong>und</strong> Benutzerfre<strong>und</strong>lichkeit befasst,<br />

setzten uns aber auch mit dem Thema<br />

Cloud-Computing intensiv auseinander.<br />

Es wird ja sehr viel über die Cloud<br />

gesprochen <strong>und</strong> irgendwelche abstrakten<br />

Dinge mit ihr assoziiert, aber am Ende ist<br />

es auch nur ein Rechenzentrum, das<br />

irgendwo steht <strong>und</strong> von einem Dienstleister<br />

betrieben wird. Für uns war es daher<br />

wichtig zu wissen, wo die Daten gespeichert<br />

<strong>und</strong> wie sie verarbeitet werden. Als<br />

diese Informationen vorlagen, mussten<br />

wir uns fragen, ob wir weiterhin auf ein<br />

eigenes Rechenzentrum setzen oder aber<br />

der Cloud vertrauen? Hätte dieses Vertrauen<br />

gefehlt, hätten wir uns für eine andere<br />

CRM-Lösung entscheiden müssen, da es<br />

die von uns gewählte Lösung nur als<br />

cloudbasierte Version gibt.<br />

Energieketten<br />

Kabelführung<br />

STEGO<br />

Produktprogramm<br />

Energiezuführung<br />

Leitungen<br />

Murrplastik AG • Ratihard 40 • 8253 Willisdorf<br />

Tel.: +41 52 646 06 46 • Fax: +41 52 646 06 40<br />

www.murrplastik.ch<br />

Sie sagten, dass mit zunehmender<br />

Vernetzung die Möglichkeiten des<br />

Missbrauchs zunehmen. Welches IT-Security-Szenario<br />

fürchtet Endress+Hauser<br />

am meisten?<br />

Eines vorweg, wir fürchten nichts, da<br />

Angst immer ein schlechter Berater ist.<br />

Das bedeutet aber nicht, dass wir nun naiv<br />

in den Tag hineinleben. Wir sind uns der<br />

Gefahren <strong>und</strong> Bedrohungen bewusst <strong>und</strong><br />

versuchen uns dagegen so gut als möglich<br />

zu schützen. Daher setzen wir beim<br />

Thema Security allgemein schon sehr<br />

früh an <strong>und</strong> fragen uns, was passiert,<br />

wenn es zum Beispiel keinen Strom oder<br />

Folgen Sie uns:


AUF EINEN KAFFEE BEI PIETER DE KONING<br />

«Viele Angreifer<br />

gelangen<br />

aufgr<strong>und</strong> von<br />

Gleichgültigkeit<br />

sehr einfach<br />

ins System.»<br />

Pieter de Koning über das<br />

schwächste Glied bei der IT-Security:<br />

den Menschen<br />

kein Wasser mehr gibt? Zu welchen Kaskadeneffekten<br />

führt das? In Folge des Tsunamis 2011 in Fukushima<br />

kam es beispielsweise zu Lieferengpässen, weil manche<br />

Bauteile knapp wurden oder nicht mehr verfügbar<br />

waren. Unsere Lehre daraus: Wir beziehen diese nun<br />

von verschiedenen Herstellern.<br />

Was unsere IT-Security-Strategie betrifft, will ich nicht zu<br />

viel verraten. Aus meiner Sicht ist hier aber immer der<br />

Mensch das schwächste Glied in der Kette. Alles, was<br />

passiert, hat in aller Regel mit ihm zu tun. Viele Menschen<br />

agieren unüberlegt <strong>und</strong> denken nicht viel nach, wenn sie<br />

zum Beispiel eine seltsame E-Mail erhalten <strong>und</strong> deren<br />

Anhänge bedenkenlos öffnen oder ominösen Links folgen.<br />

Daher gilt es die Mitarbeitenden zu sensibilisieren <strong>und</strong> sie<br />

auf Gefahren wie Social Engineering hinzuweisen. Wichtig<br />

ist es aber auch, sie mehr in Verantwortung zu nehmen.<br />

Bei uns müssen Mitarbeitende beispielsweise Fremde, die<br />

sie ohne Batch im Gebäude antreffen, ansprechen.<br />

Viele Angreifer gelangen aufgr<strong>und</strong> von Gleichgültigkeit<br />

sehr einfach ins System <strong>und</strong> richten dann von innen<br />

heraus grossen Schaden an.<br />

Sie sagten, man muss Szenarien durchdenken <strong>und</strong> sich<br />

fragen, was passieren kann. Was bedeutet das am Beispiel<br />

des genannten Stromausfalls. Konsequent wäre es ja dann,<br />

einen Generator zu kaufen <strong>und</strong> in den Keller zu stellen?<br />

Wenn die IT-Infrastruktur nicht zusammenbrechen soll,<br />

wäre das keine schlechte Idee! Bei uns in Weil fahren<br />

beispielweise Batterien bei einem Stromausfall die Systeme<br />

sauber herunter. Sollte dieser länger dauern, steht ein<br />

Diesel-Generator bereit, der einmal im Monat getestet wird.<br />

Wenn wir diesen wirklich einmal über einen längeren<br />

Zeitraum benötigen sollten, müssen wir dafür sorgen, dass<br />

nach spätestens 48 St<strong>und</strong>en neuer Treibstoff geliefert<br />

wird. Aber das bekommt man organisiert.<br />

Und wo ziehen Sie die Grenzen?<br />

Eine 100-prozentige Sicherheit ist kaum bezahlbar!<br />

Solche Fragestellungen fallen ins Risikomanagement.<br />

Und da kann es gut sein, dass ein Risiko bewusst eingegangen<br />

wird, weil dessen Absicherung ein Vielfaches<br />

eines möglichen Schadens kosten würde. Anders sieht es<br />

aus, wenn dadurch plötzlich h<strong>und</strong>erte Millionen Umsatz<br />

fehlten! In diesem Fall kommt man als Unternehmen an<br />

#<strong>001</strong> 9


AUF EINEN KAFFEE BEI PIETER DE KONING<br />

«Manchmal muss man ein Risiko<br />

bewusst eingehen.»<br />

Pieter de Koning über das Risikomanagement<br />

entsprechenden Sicherheitsmassnahmen gar nicht vorbei,<br />

selbst wenn sie Millionen Franken kosten sollten.<br />

Wie viele Angriffe von aussen gibt es am Tag durchschnittlich<br />

auf die Server von E+H <strong>und</strong> welche Ziele verfolgen<br />

hierbei die Täter?<br />

Detailangaben mag ich hierzu nicht geben. Fakt ist aber,<br />

dass täglich 340 000 neue Viren, Trojaner, Malware <strong>und</strong><br />

weiteres ins Internet drängen, von denen zumindest einige<br />

davon ernsthaften Schaden anrichten können. Ich denke<br />

aber, dass wir mit unseren Schutzmassnahmen ganz gut<br />

aufgestellt sind.<br />

Der Fall RUAG schlug Anfang 2016 hohe Wellen, als<br />

Angreifer das Unternehmen über ein Jahr lang ausspionierten,<br />

bevor sie entdeckt wurden. Welche Konsequenzen<br />

zog Endress+Hauser aus diesem Vorfall?<br />

Wir haben den Fall natürlich verfolgt! Aber auch hier<br />

komme ich wieder auf das schwächste Glied in der Kette<br />

zurück: den Menschen. Nachdem, was ich hierzu gelesen<br />

<strong>und</strong> gehört habe, war die Disziplin einiger Mitarbeitenden<br />

bezüglich sicheren Verhaltens nicht so ausgeprägt.<br />

Allerdings steckten hinter diesem Angriff auch professionelle<br />

Hacker, was es extrem schwierig machte, diesen<br />

überhaupt zu entdecken. Gegen die bekannten Bedrohungen,<br />

bei denen man weiss, wie die Angreifer agieren, kann<br />

man sich heutzutage dagegen relativ einfach schützen.<br />

Wenn es am sicheren Verhalten der Mitarbeitenden<br />

mangelt, bedarf es Spielregeln. Welche gelten für<br />

Ihre Mitarbeitenden <strong>und</strong> wie wird deren Einhaltung<br />

kontrolliert, ohne dabei gegen geltendes Arbeitsrecht<br />

zu verstossen?<br />

Das ist ein fortwährender Prozess. Wir trainieren unsere<br />

Mitarbeitenden ständig <strong>und</strong> hoffen natürlich, dass sie so<br />

für die Gefahren sensibilisiert werden. Damit verletzten wir<br />

keinerlei Persönlichkeitsrechte. Davon abgesehen gibt es<br />

heute gute Methoden, wie beispielsweise internetbasiertes<br />

Training, um Mitarbeitende zu sensibilisieren. Neben dem<br />

Training bedarf es aber auch technischer Vorkehrungen,<br />

die für alle Firmen von Endress+Hauser gelten <strong>und</strong> die wir<br />

auch auditieren.<br />

10 #<strong>001</strong>


Viele Ihrer Mitarbeitenden nutzen die<br />

Möglichkeit zum Homeoffice. Wie stellen<br />

Sie sicher, dass nicht über ein IoT-Gerät in<br />

deren Haushalt Ihre Schutzmassnahmen<br />

umgangen werden?<br />

Diese Gefahr besteht in unserem Fall<br />

nicht, da unsere Mitarbeitenden von zu<br />

Hause aus nur über VPN auf die Firmendaten<br />

zugreifen können. Allerdings ist es<br />

tatsächlich möglich, dass sich Angreifer<br />

über ein IoT-Gerät ins WLAN-Netzwerk<br />

reinhacken <strong>und</strong> so Zugriff auf sensible<br />

Daten erhalten. Auch hier ist es wichtig,<br />

die Mitarbeitenden zu sensibilisieren,<br />

beispielsweise dahingehend, dass sie<br />

nach Inbetriebnahme ihrer IoT-Geräte das<br />

Standard-Passwort ändern. Wer aus reiner<br />

Bequemlichkeit weiterhin mit «User_admin»<br />

oder «1234» arbeitet, darf sich nicht<br />

w<strong>und</strong>ern, wenn er Angreifern auf seinem<br />

Computer Tür <strong>und</strong> Tor öffnet.<br />

Endress+Hauser Group<br />

www.endress.com<br />

Pieter de Koning<br />

Seit September 2008 ist Pieter de Koning<br />

Corporate Director Logistik, IT <strong>und</strong><br />

Organisation bei der Endress+Hauser AG<br />

in Reinach. Vor seinem Wechsel zum<br />

Messegerätehersteller verantwortete der<br />

Maschinenbauer bei Novartis Pharma in<br />

Stein die Produktionsleitung. Davor war<br />

der Niederländer für DSM, Grolsch<br />

Brauerei <strong>und</strong> Abbott Laboratories in den<br />

Bereichen Logistik, Supply-Chain-Management<br />

<strong>und</strong> Produktion tätig.<br />

In seiner Freizeit ist der 57-Jährige<br />

begeisterter Golfer <strong>und</strong> Skifahrer, verbringt<br />

diese aber auch sehr gerne mit seiner<br />

Ehefrau in Berlin oder an der Formel-1-<br />

Rennstrecke.<br />

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KURZ & KNAPP<br />

BLICKPUNKT<br />

FORSCHUNG<br />

Fraunhofer ISI, Deutschland<br />

Energiespeicher-Monitoring: Überraschender<br />

Leader – Europa wird abgehängt<br />

Das Fraunhofer ISI hat in seinem Energiespeicher-<br />

Monitoring 2018 untersucht, welche Länder bei Batterietechnologien<br />

für Elektromobilität führend sind. Dabei<br />

wurden sechs verschiedene Länder untersucht hinsichtlich<br />

technologischer, wirtschaftlicher <strong>und</strong> politischer<br />

Aktivitäten. Und die Studie zeigt eines sehr deutlich:<br />

China hat sich zwischen 2016 <strong>und</strong> 2018 zum Leitanbieter<br />

für Batterien <strong>und</strong> zum Leitmarkt für Batterien <strong>und</strong><br />

Elektromobilität entwickelt.<br />

Komplette Studie: http://bit.ly/2RuTDri<br />

MIT, USA<br />

«Blinder» Roboter springt über<br />

unwegsames Gelände<br />

Der Roboter Cheetah 3 des MIT, ein vierbeiniger,<br />

katzenähnlicher Laufroboter, kann nun springen <strong>und</strong><br />

über unwegsames Gelände galoppieren, eine Treppe<br />

hinaufsteigen, die mit Trümmern übersät ist, <strong>und</strong> schnell<br />

das Gleichgewicht wiederherstellen, wenn er plötzlich<br />

gezogen oder geschoben wird <strong>und</strong> dies, obwohl er im<br />

Wesentlichen blind ist. Der 90 Pf<strong>und</strong> schwere Roboter ist<br />

bewusst so konzipiert, dass er ohne Kameras auskommt.<br />

Visuelle Informationen – so die Forscher – würden<br />

ihn nur langsam machen. Cheetah verlässt sich alleine<br />

auf tastbare Informationen.<br />

Youtube-Video: http://bit.ly/2QoVd9o<br />

EU, Brüssel<br />

Koordinierter Aktionsplan für KI<br />

Die EU legte einen Plan vor zur Förderung<br />

der Entwicklung <strong>und</strong> Nutzung<br />

von KI in Europa. Vertreter der Mitgliedstaaten,<br />

Norwegens, der Schweiz <strong>und</strong><br />

der Kommission sind in den letzten<br />

sechs Monaten zusammengekommen,<br />

um Synergien <strong>und</strong> gemeinsame Aktionen<br />

zu ermitteln, die nun jährlich<br />

überprüft <strong>und</strong> aktualisiert werden.<br />

Für die nächste Haushaltsperiode<br />

(2021–2027) hat die EU vorgeschlagen,<br />

mindestens 7 Milliarden Euro in KI<br />

zu investieren.<br />

siehe auch Bericht Seite 30<br />

12 #<strong>001</strong>


ETHZ, Schweiz<br />

Steifere Konstruktionsweise fast unmöglich<br />

ETH-Wissenschaftler haben eine Konstruktionsweise entwickelt,<br />

welche Leichtbaumaterialien maximale Steifigkeit verleiht. Eine noch<br />

steifere Konstruktionsweise zu entwickeln, sei praktisch unmöglich.<br />

Die neue Struktur kann Kräfte nicht nur aus einer Richtung aufnehmen,<br />

sondern aus allen drei Dimensionen. Charakteristisch für die<br />

neue Konstruktionsweise ist, dass die Steifigkeit im Materialinnern<br />

nicht mit Gitterstäben, sondern mit sich regelmässig wiederholenden<br />

Plattenstrukturen erreicht wird. (Textquelle: ETHZ)<br />

Darmstadt, Deutschland<br />

Teilchenbeschleuniger<br />

kostet 500 Millionen Euro<br />

mehr als geplant<br />

Wie das Wochenmagazin «Spiegel»<br />

berichtet, wird der Bau des Teilchenbeschleunigers<br />

«Fair» in Darmstadt<br />

«mindestens 1,7 Milliarden Euro<br />

verschlingen». Der deutsche B<strong>und</strong>esrechnungshof<br />

prangert nun das<br />

schlechte Kostenmanagement an.<br />

Die im Bau befindliche internationale<br />

Beschleunigeranlage FAIR wird<br />

an eine bestehende Beschleunigeranlage<br />

angeschlossen werden.<br />

Die GSI-Beschleuniger werden somit<br />

in Zukunft als Vorbeschleuniger<br />

für FAIR eingesetzt. Der Vollbetrieb<br />

ist für 2025 vorgesehen.<br />

Hochschule Ostwestfalen-Lippe, DE<br />

Gebrauchsfertige<br />

Teile aus Metallspänen<br />

herstellen<br />

Eine Machbarkeitsstudie am<br />

Labor für Umformtechnik an<br />

der Hochschule Ostwestfalen<br />

Lippe zeigt, dass es möglich ist,<br />

aus Spänen neue, gebrauchsfertige<br />

Teile herzustellen <strong>und</strong><br />

zwar mit geringem Energieeinsatz.<br />

Dabei wurden die<br />

Späne nicht eingeschmolzen,<br />

sondern geglüht <strong>und</strong> durch<br />

einen Stauchvorgang vorkompaktiert.<br />

CSEM, Schweiz<br />

Ich bin auch eine Kamera (sagt der Aufkleber)<br />

Am CSEM wurde die weltweit erste vollautonome Kamera<br />

entwickelt, die wie ein Aufkleber eingesetzt werden kann.<br />

Die patentierte Witness-IdD-Kamera hat im Aktivmodus<br />

einen Energieverbrauch von weniger als 1 mW <strong>und</strong> ist<br />

vollständig von einer flexiblen, hocheffizienten Photovoltaikzelle<br />

mit einer Klebefläche umhüllt. Der Prototyp<br />

von Witness hat eine Grösse von 80 × 80 mm. Der Durchmesser<br />

der Kamerataste beträgt 30 mm, die Dicke 40 mm.<br />

#<strong>001</strong> 13


KURZ & KNAPP<br />

IN DER PIPELINE<br />

Wechseltische rotieren in Endlosschleife<br />

Firma: Microstep<br />

Technologie: automatisiertes Materialhandling<br />

Vorteil: Durchsatz bei Schneidanlagen erhöhen<br />

Verfügbar: ab sofort<br />

Microstep hat das automatische Materialhandlingsystem<br />

MS Loop entwickelt, um den Durchsatz bei Schneidanlagen<br />

durch gleichzeitiges Laden, Schneiden <strong>und</strong> Entladen zu erhöhen.<br />

Dabei besteht das Prinzip darin, dass drei Wechseltische<br />

in Endlosschleife rotieren: Ein Tisch wird zunächst<br />

beladen, fährt dann in die Bearbeitungszone <strong>und</strong> nach dem<br />

Zuschnitt schliesslich in die Entladezone – nach dem vollständigen<br />

Entladen fährt der Tisch schliesslich unter der<br />

Schneidanlage hindurch zurück in die Beladezone. Die<br />

Schneidanlage kann zusätzlich mit Technologien zum<br />

Markieren <strong>und</strong>/oder zum Entfernen einer Gr<strong>und</strong>ierung ausgestattet<br />

werden. Zudem besteht die Möglichkeit, ein automatisiertes<br />

Be- <strong>und</strong> Entlade- sowie Sortiersystem zu implementieren.<br />

www.microstep-europa.de<br />

R<strong>und</strong>lauf verbessern<br />

Firma: Mapal<br />

Technologie: Kraftspannfutter<br />

Vorteil: hochgenaue Spannung trotz einfachem Handling<br />

Verfügbar: ab Q2/2019<br />

Mapal hat für sein neues Kraftspannfutter zum Hochleitungsfräsen<br />

ein patentiertes Federelement in der Aufnahme<br />

entwickelt, das für einen definierten Formschluss zwischen<br />

Werkzeug <strong>und</strong> Aufnahme sorgt. Die Aufnahmebohrung wird<br />

im einstelligen µm-Bereich <strong>und</strong> damit deutlich genauer hergestellt<br />

als bisher üblich. Damit wird das radiale Spiel des<br />

Werkzeugs verringert <strong>und</strong> der R<strong>und</strong>lauf verbessert. Das Kraftspannfutter<br />

überzeugt durch starke Spannung bei Hochleistungsfräsbearbeitungen,<br />

einfaches Handling <strong>und</strong> einen sehr<br />

guten R<strong>und</strong>lauf. Zudem ist das Futter optimal auf die Mapal<br />

Vollhartmetallfräser für die Hochleistungsbearbeitung abgestimmt.<br />

Die Herausforderung für die Entwickler war vor allem,<br />

ein einfaches Handling mit hochgenauer Spannung zu<br />

verbinden, teilte uns Mapal mit.<br />

www.mapal.com<br />

Bauteile in Sek<strong>und</strong>enschnelle<br />

Firma: EOS<br />

Technologie: Laserprofusion (3D-Druck)<br />

Vorteil: Alternative zu Spritzguss<br />

Verfügbar: ab 2021<br />

EOS entwickelt derzeit mit der Laserprofusion-Technologie<br />

ein revolutionäres Verfahren zur additiven Fertigung (AM)<br />

mit Kunststoffen: Knapp eine Million Diodenlaser schmelzen<br />

den Werkstoff auf <strong>und</strong> lassen das Bauteil in Sek<strong>und</strong>enschnelle<br />

entstehen. AM ermöglicht generell ein extrem<br />

hohes Mass an Designfreiheit, Funktionsintegration sowie<br />

eine Individualisierung von Produkten, sogar in der Serienfertigung.<br />

Mit der Laserprofusion-Technologie wird der Bauprozess<br />

dazu so produktiv, dass er in vielen Anwendungen<br />

als Spritzgussalternative dienen kann. Die kommerzielle<br />

Verfügbarkeit erster 3D-Drucker auf Basis der neuen Technologie<br />

ist für 2021 vorgesehen.<br />

www.eos.info<br />

Komfortable Konfiguration via Web<br />

Firma: Weidmüller<br />

Technologie: Remote für IO-Link<br />

Vorteil: IO-Link-Geräte feldbusunabhängig integrieren<br />

Verfügbar: ab Hannover Messe 2019<br />

Auf der Hannover Messe 2019 zeigt Weidmüller die Neuentwicklungen<br />

u-remote für IO-Link. Das ist der «u-remote<br />

IO-Link»-Konfigurator <strong>und</strong> die u-remote-Module in Schutzart<br />

IP20 <strong>und</strong> IP67 für IO-Link. Mit dem u-remote-IO-Link-Konfigurationstool<br />

können IO-Link-Geräte feldbusunabhängig<br />

in die Automatisierungslösung eingeb<strong>und</strong>en, konfiguriert<br />

<strong>und</strong> parametriert werden. Der Vorteil: die bisher zeitaufwendigen<br />

Montage-, Inbetriebnahme- <strong>und</strong> Wartungsphasen<br />

werden so deutlich verkürzt. Das Konfigurationstool mit seiner<br />

intuitiv bedienbaren Oberfläche beinhaltet eine Schnittstelle<br />

zur neuen Datenbank für Beschreibungsdateien von<br />

IO-Link Geräten (IODDs). Diese Datenbank vereint die gesamte<br />

IO-Link-Welt unter einem Dach <strong>und</strong> ermöglicht einen<br />

zentralen Zugriff auf alle verfügbaren IO-Link-Devices.<br />

<br />

www.weidmueller.ch


KURZ & KNAPP<br />

Digitale Lernfabrik an der ZHAW<br />

«SPIELWIESE FÜR NEUE<br />

IDEEN UND KONZEPTE»<br />

Die ZHAW School of Engineering hat eine digitale Lernfabrik<br />

realisiert. Was die Anlage kann, erklärt in wenigen Worten<br />

Prof. Dr. Hans Wernher van de Venn, Leiter Institut für Mechatronische<br />

Systeme an der ZHAW School of Engineering.<br />

Wo steht die digitale<br />

Lernfabrik?<br />

Die Smart Pro 4.0 Lernfabrik<br />

ist an der ZHAW School of Engineering<br />

in Winterthur entwickelt<br />

worden. Hier wird sie primär eingesetzt.<br />

Die Lernfabrik eignet sich aber<br />

auch für den Einsatz an anderen<br />

Standorten, da sie für den<br />

Transport in drei Teile zerlegt<br />

werden kann.<br />

Was kann die Anlage<br />

momentan?<br />

Die digitale Lernfabrik stellt ein<br />

vollständiges, industrienahes<br />

Produktionssystem für individuell<br />

anpassbare Consumer-Produkte<br />

dar – beispielhaft Kugelschreiber,<br />

die über eine Web- oder Smartphone-<br />

App bestellt werden. Die Produktionseinheit<br />

umfasst alles, was<br />

eine Industrie-4.0-Anlage<br />

können muss.<br />

Was kann man damit<br />

erforschen?<br />

Mit der Lernfabrik lassen sich<br />

alle wesentlichen Aspekte<br />

einer Industrie-4.0-Produktion <strong>und</strong><br />

deren Vernetzung innerhalb<br />

der Wertschöpfungskette nachbilden,<br />

erproben <strong>und</strong> simulieren.<br />

Darüber hinaus dient sie<br />

auch als Spielwiese für neue<br />

Ideen <strong>und</strong> Konzepte.<br />

Interview mit:<br />

Prof. Dr. Hans Wernher<br />

van de Venn, Leiter<br />

Institut für Mechatronische<br />

Systeme<br />

an der ZHAW School<br />

of Engineering<br />

Welche Komponenten<br />

kommen zum Einsatz?<br />

Das geht vom Materialhandling<br />

<strong>und</strong> -transport über RFID-Technologie<br />

zur Produkterkennung, Mensch-<br />

Roboter-Kollaboration <strong>und</strong> KI-Algorithmen<br />

zur Datenauswertung bis hin zu Cloud-<br />

Wer darf die Lernfabrik<br />

Fertigungsstrategien sowie Servicebenutzen?<br />

<strong>und</strong> Wartungsstrategien. Die Anlage<br />

Die Anlage wird als Lernlabor <strong>und</strong><br />

hat einen digitalen Zwilling <strong>und</strong><br />

Demonstrator sowohl in der Lehre<br />

alle Produktionseinheiten sind als<br />

als auch für Forschung & Entwicklung<br />

cyber-physikalische Systeme<br />

eingesetzt. Industrieunternehmen können<br />

(CPS) konzipiert.<br />

bei uns neue Ideen ausprobieren. Unsere<br />

Studierenden erlernen industrielle Vorgehensweisen<br />

an einem konkreten System.<br />

Wir geben die neuesten wissenschaftlichen<br />

Erkenntnisse an unsere Studierenden<br />

sowie an Fach- <strong>und</strong> Führungskräfte<br />

weiter, um den Wissenstransfer<br />

in die Praxis voranzutreiben.<br />

#<strong>001</strong> 15


IT-SECURITY IM INDUSTRIE-4.0-UMFELD<br />

MARKT IST<br />

SENSIBILISIERT<br />

Die Digitalisierung bietet mutigen Unternehmen<br />

sehr viele Möglichkeiten. Doch wie ist eigentlich der Stand<br />

der Dinge <strong>und</strong> wo bekommen KMU kompetente Hilfe?<br />

16 Bild: Markus Breig, KIT #<strong>001</strong>


RUBRIKTITEL<br />

Von Markus Back<br />

Darknet-Kriminalität<br />

wirksam bekämpfen<br />

Ende Januar hat das EU-Projekt Titanium,<br />

an dem sich 15 Forschungseinrichtungen<br />

aus sieben Ländern beteiligen, die<br />

Praxisphase begonnen: Mehrere Monate<br />

testen in dieser ausgewählte europäische<br />

Polizeibehörden eine neue Software zur<br />

besseren Bekämpfung von Kriminalität im<br />

Darknet. Ansatzpunkt sind die Kryptowährungen<br />

als das gängige Zahlungsmittel bei<br />

anonymisierten, illegalen Cyberaktivitäten.<br />

Das Zentrum für Angewandte Rechtswissenschaft<br />

des Karlsruher Instituts für Technologie<br />

steht dabei für die Rechtskonformität<br />

der in Titanium entwickelten Instrumente.<br />

Es war der Sommer, der die<br />

Welt veränderte! So schrieben<br />

Zeitzeugen über das Woodstock<br />

Festival im August 1969.<br />

Gut möglich, dass Historiker die gleiche<br />

Phrase dreschen, wenn sie in naher<br />

Zukunft die Geschehnisse aufarbeiten,<br />

die sich im Juni 2017<br />

abspielten. Dieses Mal war es aber<br />

kein Lebensgefühl, das eine neue<br />

Richtung nahm, sondern eine weltweite<br />

Cyber-Attacke, welche der globalen<br />

Gemeinschaft die Grenzen der<br />

Unternehmensübergreifenden Vernetzung<br />

schmerzhaft aufzeigte. Der<br />

Virus «Petya/Not Petya» verbreitete<br />

sich innerhalb weniger St<strong>und</strong>en im<br />

Internet <strong>und</strong> durchdrang mit seinen<br />

vergifteten Algorithmen selbst die<br />

Firewalls milliardenschwerer Unternehmen<br />

problemlos. In dessen Folge<br />

fielen beispielsweise bei der Reederei<br />

Maersk in mehreren Häfen die Container-Terminals<br />

aus, beim Lebensmittel-Riesen<br />

Mondelez stockte über<br />

Wochen hinweg die Schokoladen-Produktion.<br />

Erstmals nahm die Öffentlichkeit<br />

die Schattenseiten vernetzter<br />

Wertschöpfungsketten wahr – ohne<br />

bis dahin jemals etwas von Industrie<br />

4.0 gehört oder gelesen zu haben.<br />

Steigende Nachfrage nach IT-Sicherheitslösungen<br />

Rückblickend sind es denn auch die<br />

Ereignisse des Sommers 2017, die aus<br />

Sicht von Stéphane Rey die Nachfrage<br />

nach IT-Sicherheitslösungen spürbar<br />

ansteigen liessen. «Die Hackerangriffe<br />

in der jüngeren Vergangenheit haben<br />

den Markt für dieses Thema sensibilisiert»,<br />

sagt der Produktmanager von<br />

Wago Contact SA. Ähnlich sieht es<br />

Reto Amstad von Siemens. Im Vergleich<br />

zu vor drei Jahren, so der IT-<br />

Sicherheits-Consulter, sei das Thema<br />

bei den Entscheidungsträgern nicht<br />

mehr nur interessant, sondern werde<br />

aktiv angegangen <strong>und</strong> umgesetzt. Als<br />

bestes Indiz hierfür wertet er die Bereitstellung<br />

finanzieller Ressourcen.<br />

Auch Bosch Rexroth verzeichnete in<br />

#<strong>001</strong> 17


«Entwickler müssen<br />

darauf achten,<br />

dass der Mensch<br />

nicht zum grössten<br />

Sicherheitsrisiko<br />

wird»<br />

Prof. Dr. Reim<strong>und</strong> Neugebauer über eine<br />

der Herausforderungen der Digitalisierung<br />

den vergangenen drei Jahren eine<br />

stark anziehende Nachfrage. Product<br />

Security Officer Klaus Ziegler begründet<br />

die wachsenden Anforderungen an<br />

die IT-Sicherheit unter anderem mit<br />

dem Aufweichen der bisher strikten<br />

Trennung zwischen IT-Systemen <strong>und</strong><br />

Fabrikautomation.<br />

Die steigende Nachfrage nach IT-Sicherheitslösungen<br />

konzentriert sich<br />

keineswegs auf spezielle Branchen.<br />

Das Thema «IT-Sicherheit» ist in der<br />

Breite angekommen, fokussiert sich<br />

je nach Expertise der Anbieter jedoch<br />

auf spezielle Bereiche. So sind es bei<br />

Bosch Rexroth vor allem die Automobilindustrie<br />

<strong>und</strong> ihre Zulieferer<br />

sowie die Luft- <strong>und</strong> Raumfahrtindustrie,<br />

welche die Vernetzung der Produktion<br />

vorantreiben. Wago nennt<br />

als Treiber IoT-Applikationen sowie<br />

den Infrastruktur-Bereich mit Wasser,<br />

Energie <strong>und</strong> Gas, während es bei<br />

Siemens die Sparten Pharma, Chemie,<br />

Nahrungsmittel, Rüstung sowie Logistik<br />

sind, die verstärkt sichere Lösungen<br />

anfragen.<br />

Anwender mit verschiedenen Sicherheitsbedürfnissen<br />

Die Firmen, die an die drei Anbieter herantreten,<br />

begründen ihr Interesse an<br />

IT-Sicherheit recht unterschiedlich.<br />

«Bei uns stehen die Themen Vertrau-<br />

lichkeit, Integrität <strong>und</strong> Verfügbarkeit<br />

von Daten im Vordergr<strong>und</strong>», so Reto<br />

Amstad <strong>und</strong> ergänzt: «Je nach Unternehmen<br />

sind Schwerpunkt <strong>und</strong> angestrebtes<br />

Schutzziel sehr unterschiedlich.»<br />

Bosch Rexroth nennt bei dieser<br />

Frage den Schutz der Fertigung vor unberechtigtem<br />

Zugriffen von aussen, um<br />

Produktionsausfälle <strong>und</strong> Fehlfunktionen<br />

von Maschinen zu verhindern.<br />

Gleichzeitig gehe es darum, so Klaus<br />

Ziegler, das geistige Eigentum zu schützen.<br />

Dieser Aussage schliesst sich Stéphane<br />

Rey von Wago Contact an.<br />

Wenn Stéphane Rey die Bedürfnisse<br />

der Anwender weiter eruiert, wird<br />

ihm schnell klar, wie er ihnen weiter<br />

helfen kann: «Mit einem leistungsstarken<br />

Controller, der über eine sichere<br />

TLS-1.3.-Verschlüsselung verfügt.»<br />

Diese Eigenschaften bietet beispielsweise<br />

der Controller 750-89x, den<br />

Wago zur SPS 2018 vorstellte. Bei<br />

Siemens geht das Angebot weit über<br />

die Hardware hinaus. Das Dienstleistungsportfolio<br />

beginnt zunächst bei<br />

der Bestimmung der industriellen Infrastruktur<br />

eines K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> schliesst<br />

in einem zweiten Schritt aufgedeckte<br />

Sicherheitslücken, beispielsweise mit<br />

der Installation von Firewalls sowie<br />

Whitelisting- <strong>und</strong> Antivirus-Lösungen.<br />

Die dritte Säule in diesem Bereich<br />

nennt der Anbieter «Manage Security».<br />

Hier bietet er zum Beispiel die regelmässige<br />

Überwachung <strong>und</strong> Aktualisierung<br />

der implementierten Massnahmen<br />

an. Eigenerprobte Produkte<br />

erhalten Schutzsuchende bei Bosch<br />

Rexroth. Der Komplettanbieter für<br />

sicheres IoT setzt seine Lösungen<br />

selbst in den weltweit mehr als 270<br />

Werken ein. Die Steuerungshardware<br />

basiert beispielsweise auf TPM-2.0-<br />

Chips, bei der Übertragung kommen<br />

unter anderem verschlüsseltes Streaming<br />

<strong>und</strong> sichere Remote-Services<br />

zum Tragen.<br />

Verbauter Bestand grösste Herausforderung<br />

Während bei neuen Maschinen <strong>und</strong><br />

Anlagen integrierte Sicherheit Usus<br />

ist, sieht das beim Bestand im Feld anders<br />

aus. Doch welchen Aufwand bedarf<br />

es, Bestehendes aufzurüsten <strong>und</strong><br />

sicherer zu machen? Hier gehen die<br />

Meinungen der Befragten weit auseinander.<br />

Während Klaus Ziegler die Ansicht<br />

vertritt, dass der Aufwand, Risiken<br />

zu senken in der Regel geringer ist,<br />

als man denkt, differenziert Stéphane<br />

Rey von Wago: «Die Integration von Sicherheitsmassnahmen<br />

im Nachhinein<br />

generiert immer einen grösseren Aufwand<br />

wie bei Security by Design.»<br />

Etwas Dezidierter sieht dies Reto<br />

Amstad. «Der Aufwand ist von der<br />

18 #<strong>001</strong>


IT-SECURITY IM INDUSTRIE-4.0-UMFELD<br />

spezifischen Maschinen- <strong>und</strong> Anlagenkonfiguration<br />

abhängig», sagt der<br />

IT-Sicherheits-Consulter von Siemens<br />

<strong>und</strong> fährt fort: «Basierend auf einer<br />

Risiko- <strong>und</strong> Gefahrenbetrachtung definieren<br />

wir mit dem K<strong>und</strong>en das angestrebte<br />

Sicherheitsniveau. Daher fällt<br />

der Implementationsaufwand unterschiedlich<br />

aus.»<br />

Hilfe für KMU<br />

Weil IT-Security-Angebote idealerweise<br />

schon die Lösungen für die Bedrohungslage<br />

von morgen integrieren,<br />

suchen Wirtschaft <strong>und</strong> Wissenschaft<br />

den Schulterschluss in diesem Bereich.<br />

Und dieser ist keineswegs den<br />

Anbietern von Automationslösungen<br />

vorbehalten. «Unser Fraunhofer Institut<br />

in Darmstadt beispielsweise ist<br />

europaweit führend in der symmetrischen<br />

<strong>und</strong> asymmetrischen Kryptografie»,<br />

sagt Prof. Dr. Reim<strong>und</strong> Neugebauer<br />

von der Fraunhofer Gesellschaft<br />

<strong>und</strong> ergänzt: «KMU, die nicht wissen,<br />

wie sicher ihre neuen Entwicklungen<br />

sein müssen, können sich dort beraten<br />

lassen.»<br />

Welchen Tipp gibt er KMU, die erst<br />

mit der Digitalisierung anfangen?<br />

«Achten Sie bei Ihren Entwicklungen<br />

darauf, dass der Mensch nicht zum<br />

grössten Sicherheitsrisiko wird», empfiehlt<br />

er. Dazu müsse aber viel breiter<br />

als bislang gedacht werden. «Was<br />

nützt es, eine Maschine auf wenige sichere<br />

Schnittstellen zu reduzieren,<br />

wenn übers Internet aber Mitarbeitende<br />

alles herunterladen können <strong>und</strong> so<br />

Viren überhaupt erst den Weg ins Firmennetzwerk<br />

ebnen», gibt der Präsident<br />

der Fraunhofer Gesellschaft zu<br />

bedenken.<br />

BFH kämpft gegen Cyberkriminelle<br />

Ein ganzheitlicher Entwicklungsansatz,<br />

der den Menschen als schwächstes<br />

Glied innerhalb der Kette sieht, ist<br />

ein erster Schritt hin zu mehr IT-Security<br />

in Industrie-4.0-Anwendungen.<br />

Doch selbst die Schulung <strong>und</strong> Sensibilisierung<br />

von Mitarbeitenden schützt<br />

nicht davor, Opfer einer Cyberattacke<br />

zu werden. Daher haben nun Forscher<br />

der Berner Fachhochschule ein Tool<br />

entwickelt, das die Analyse von Malware<br />

<strong>und</strong> damit den Schutz vor Angriffen<br />

wesentlich verbessert.<br />

Wie dieses funktioniert, erklärt<br />

BFH-Dozent Endre Bangerter so: «Cyberkriminelle<br />

entwickeln ständig<br />

neue Schadsoftware, um nicht entdeckt<br />

zu werden. Einzelne, sehr spezifische<br />

Komponenten dieser Programme<br />

haben sie aber meistens bereits<br />

zuvor verwendet. Findet man diese,<br />

erhält man wichtige Hinweise auf die<br />

Urheber <strong>und</strong> gewinnt wertvolle Zeit<br />

beim Ergreifen von Gegenmassnahmen.»<br />

Allerdings ist das manuelle<br />

Analysieren verdächtiger Software<br />

sehr aufwendig <strong>und</strong> damit teuer. Und<br />

genau hier liegt die eigentliche Innovation<br />

der Entwicklung. «Unser Tool<br />

kann die Korrelation einer Vielzahl<br />

von Samples automatisch <strong>und</strong> in kürzester<br />

Zeit prüfen», so Doktorand Jonas<br />

Wagner. Ihre neue Kerntechnologie<br />

wollen die beiden Forscher nun in<br />

einem Spin-off zum marktreifen Produkt<br />

weiterentwickeln.<br />

Bosch Rexroth | www.boschrexroth.ch<br />

Siemens | www.siemens.ch<br />

Wago Contact | www.wago.ch<br />

Berner Fachhochschule | www.ti.bfh.ch<br />

Fraunhofer Gesellschaft | www.fraunhofer.de<br />

KIT | www.kit.edu<br />

Mehr zum Thema auf<br />

technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />

Auf unserer Homepage finden sie das komplette Interview<br />

mit Prof. Dr. Reim<strong>und</strong> Neugebauer. In diesem spricht er<br />

unter anderem darüber, wie MRK noch sicherer werden kann.<br />

Darüber nennen die im Beitrag genannten Firmen Massnahmen,<br />

mit denen sich IT-Security in Unternehmen verbessern<br />

lässt. Diesem Beitrag ist auch ein Whitepaper der<br />

Firma Wago zum Thema «IT-Sicherheit in Produktionsanlagen»<br />

zum kostenlosen Download angehängt.<br />

#<strong>001</strong> 19


20 #<strong>001</strong><br />

«ES MUSS<br />

NICHT ALLES<br />

ANS NETZ»


IT-SECURITY IM INDUSTRIE-4.0-UMFELD<br />

Die Digitalisierung <strong>und</strong> die damit verb<strong>und</strong>enen Herausforderungen<br />

beschäftigen auch die B<strong>und</strong>esverwaltung<br />

in Bern. Im Gespräch mit Pascal Lamia <strong>und</strong> Daniel Rudin<br />

vom Informatiksteuerungsorgan des B<strong>und</strong>es.<br />

Von Markus Back (Text) <strong>und</strong> Susanne Seiler (Bilder)<br />

Ich habe Ihnen meine Interview-Anfrage vom privaten<br />

Account gesendet. Woher wussten Sie, dass meine E-Mail<br />

vertrauenswürdig ist?<br />

Lamia: Innerhalb der B<strong>und</strong>esverwaltung wird jede eingehende<br />

E-Mail auf Viren geprüft. Von daher hatte ich jetzt<br />

gar keine Bedenken. Anders wäre es, wenn Sie Ihre Anfrage<br />

auf meinen Privat-Account geschickt hätten. Woher hätte<br />

ich wissen sollen, dass diese E-Mail-Adresse auch zu Ihnen<br />

gehört <strong>und</strong> nicht gefälscht ist?<br />

Rudin: Ihre Frage ist gerechtfertigt! Die E-Mail ist kein<br />

sicheres Medium. Ich sage es immer wieder, dass diese wie<br />

eine Postkarte ist <strong>und</strong> sie jeder lesen kann. Daher sollten<br />

mit ihr niemals vertrauliche Dinge versendet werden.<br />

Weil sie für uns aber inzwischen ein selbstverständliches<br />

Kommunikationsmittel ist, wird es vermutlich noch<br />

lange dauern, bis ein Umdenken einsetzt.<br />

Ein Umdenken im Sinne von Sensibilisierung?<br />

Lamia: Ganz genau, diese Sensibilisierung braucht es.<br />

Bei einer gezielten Attacke ist der wahre Absender nämlich<br />

nicht mehr zu erkennen. Angreifer hacken sich dazu<br />

beispielsweise in den Account eines Geschäftspartners<br />

ein <strong>und</strong> verschicken von diesem aus gefälschte E-Mails,<br />

deren Anhänge man besser nicht öffnet. Daher sollte man<br />

bei E-Mails von unbekannten Absendern oder die in<br />

einem schlechten Englisch oder Deutsch verfasst sind,<br />

immer vorsichtig sein.<br />

«Machine Learning<br />

wird erheblichen<br />

Einfluss auf unsere<br />

Arbeit haben.»<br />

Pascal Lamia über automatisiertes Hacking<br />

Welche Massnahme empfehlen Sie?<br />

Rudin: Man muss sich bewusst sein, dass sich jedes<br />

Passwort per E-Mail einfach zurückstellen lässt. Wer also<br />

einen Zugang zum E-Mail-Account <strong>und</strong> damit Zugriff<br />

aufs Konto hat, kann alle anderen Passwörter, beispielsweise<br />

fürs E-Banking, zurückstellen lassen. Wer dann<br />

keine Zwei-Faktoren-Authentisierung aktiviert hat,<br />

bekommt sehr schnell ein grosses Problem. Daher ist<br />

die wichtigste Massnahme ein sicheres Passwort –<br />

<strong>und</strong> zwar für jeden Account ein anderes.<br />

Ein ausländischer Partnerdienst machte Melani auf die<br />

Cyberattacke bei RUAG aufmerksam. Wie läuft so etwas?<br />

Erhalten Sie in solchen Fällen einen Anruf?<br />

Lamia: Das ist unterschiedlich. Sehr oft erhalten wir solche<br />

Informationen mittels verschlüsselter E-Mails. Wenn es<br />

wirklich brennt, kann es aber auch sein, dass wir einen<br />

Anruf erhalten. Es ist aber auch nicht so, dass alles zu mir<br />

kommt, sondern direkt zu den entsprechenden Fachpersonen<br />

geht. Durch unseren Chatkanal bin ich jedoch immer<br />

auf dem neuesten Stand.<br />

Wie viele Cyberattacken verzeichnet Ihre Einrichtung<br />

durchschnittlich am Tag?<br />

Lamia: Man müsste vielleicht erst einmal definieren, was<br />

genau eine Attacke ist? Die tausenden Pishing-E-Mails,<br />

die herumschwirren, sind für uns Tagesgeschäft <strong>und</strong> mit<br />

schwerwiegenden Vorfällen wie bei RUAG nicht vergleichbar.<br />

Oder wie sieht es mit den Scans aus? Entsprechende<br />

Programme kann heute jeder installieren, doch sind das<br />

schon Cyberattacken?<br />

Wie ist der Vorfall in Deutschland einzustufen, bei dem<br />

kürzlich ein junger Hacker private Daten von Politikern<br />

öffentlich zugänglich machte?<br />

Lamia: Wir haben diesen Vorfall sehr aufmerksam verfolgt<br />

<strong>und</strong> uns gefragt, ob das auch bei uns passieren kann?<br />

Die Antwort ist ernüchternd. Selbstverständlich kann das<br />

bei uns passieren <strong>und</strong> es lässt sich auch nicht verhindern.<br />

Wenn man diesen Vorfall allerdings genauer betrachtet,<br />

zeigt sich, dass hier Informationen gesammelt, gefiltert<br />

<strong>und</strong> anschliessend veröffentlicht wurden. Aber das ist bei<br />

weitem noch keine Cyberattacke! Dennoch hat dieser<br />

Vorfall aus unserer Sicht etwas Gutes. Die Leute machen<br />

sich über den Umgang mit ihren persönlichen Daten<br />

nun mehr Gedanken. ››<br />

#<strong>001</strong> 21


IT-SECURITY IM INDUSTRIE-4.0-UMFELD<br />

Wie sicher sind denn noch Unternehmen, wenn Cyberattacken<br />

als Dienstleistung einkauft werden können?<br />

Lamia: Wenn ein Unternehmen über sensible Daten verfügt,<br />

genügt eine Firewall als Schutz alleine nicht. Hierfür<br />

braucht es Konzepte, die weit darüber hinausgehen <strong>und</strong><br />

die Schulung der Mitarbeitenden mit einbeziehen. Das<br />

Problem ist, dass genau dieses Sicherheitsbewusstsein in<br />

vielen Firmen fehlt <strong>und</strong> sie dadurch sehr einfach zu<br />

Opfern von Cyberattacken werden können.<br />

«Es wurde vieles<br />

vernetzt, ohne<br />

sich entsprechende<br />

Gedanken zu<br />

machen.»<br />

Daniel Rudin über IT-Security<br />

in Industrie-4.0-Anwendungen<br />

Was kostet so eine Cyberattacke?<br />

Lamia: Wenn jemand beispielsweise die Homepage seines<br />

Konkurrenten mit einer DDoS-Attacke angreifen lassen<br />

möchte, kostet ihn das geschätzte fünf Dollar die St<strong>und</strong>e.<br />

Für 20 bis 40 Dollar kann er dessen Homepage für einen<br />

ganzen Tag lahm legen lassen. Das ist nicht sehr viel Geld,<br />

wenn man bedenkt, welche Schäden durch so einen Angriff<br />

entstehen können. Und zu den Opfern gehören nicht nur<br />

grosse Unternehmen. Wir hatten Ende letzten Jahres einen<br />

Fall, bei dem eine Plattform von Friseuren gesperrt wurde.<br />

Diese haben dadurch nicht mehr gewusst, wann welcher<br />

K<strong>und</strong>e kommt oder welchen Farbton dieser beim Haarefärben<br />

erhält.<br />

Rudin: Es gibt heute wirklich nur noch ganz wenige Bereiche,<br />

die vor Cyberattacken verschont sind. Daher muss<br />

sich wirklich jedes Unternehmen überlegen, was es in<br />

letzter Konsequenz heisst, wenn seine Homepage für zwei<br />

Tage nicht erreichbar ist oder die E-Mail nicht mehr<br />

funktioniert?<br />

Vermutlich ist es gar nicht so einfach, sich auszumalen,<br />

was alles passieren kann!<br />

Lamia: Nehmen Sie das Beispiel einer Schreinerei mit<br />

15 Mitarbeitenden. Wenn diese den Bestelleingang nicht<br />

kennen oder nicht wissen, wohin etwas geliefert werden<br />

muss, sind sie recht schnell aufgeschmissen. Und solche<br />

Daten können ja nicht nur durch eine Cyberattacke,<br />

sondern auch durch einen Brand verloren gehen. Dann<br />

ist es doch gar nicht schlecht, wenn man diese auf einer<br />

externen Harddisk gespeichert hat <strong>und</strong> diese zu Hause<br />

sicher im Tresor lagert! Genau um solche Fragestellungen<br />

geht es in einem KMU-Schnelltest, den wir gemeinsam<br />

mit ICT Switzerland entwickelt haben <strong>und</strong> der online<br />

ausgefüllt oder als PDF heruntergeladen werden kann.<br />

Industrie 4.0 vernetzt Maschinen <strong>und</strong> Anlagen über<br />

Unternehmensgrenzen hinweg. Worauf ist bei der Entwicklung<br />

solcher Konzepte hinsichtlich der IT-Security zu<br />

achten?<br />

Rudin: Vor allem auf die Überwachung <strong>und</strong> Aktualisierung.<br />

In der Vergangenheit wurde Vieles vernetzt, ohne sich<br />

entsprechende Überlegungen zu machen. Und wenn<br />

Anlagen erst einmal in Betrieb sind, lassen sich Korrekturen<br />

nur noch schwer vornehmen – insbesondere dann,<br />

wenn man nicht weiss, wo was verbaut ist. Die grösste<br />

Veränderung wird zukünftig sein, den kompletten Lebenszyklus<br />

verbauter Geräte von der Konzeptionierung bis<br />

zur Ausserbetriebnahme zu dokumentieren <strong>und</strong> zu kontrollieren.<br />

Im Ausland ist das zum Teil schon der Fall. In<br />

Deutschland müssen sich Betreiber kritischer Infrastrukturen<br />

beispielsweise an der Norm IEC 62 443 orientieren,<br />

die beschreibt, was wann zu tun ist. Allerdings beantwortet<br />

dieser regulative Ansatz nicht, wie mit den bereits installierten<br />

Geräten zu verfahren ist!<br />

22 #<strong>001</strong>


Vom regulativen Ansatz ausgehend, verbieten sich daher<br />

Standard-Betriebssysteme, da diese keine Updates über<br />

einen längeren Zeitraum hinweg garantieren. Braucht es<br />

zukünftig also vollkommen neue Software-Architekturen?<br />

Rudin: Vielleicht! Oder möglicherweise wieder alte Software-Architekturen,<br />

wie man sie von früheren Embedded-Systemen<br />

kennt. Auf diesen läuft keine Malware,<br />

allerdings sind diese auch aufwendiger <strong>und</strong> teurer als<br />

Standard-Betriebssysteme.<br />

Lamia: Wenn erst einmal etwas installiert <strong>und</strong> zertifiziert<br />

ist, kann man nicht einfach so schnell etwas daran ändern.<br />

Da Re-Zertifizierungen sehr aufwendig sind, ist es allemal<br />

eine Überlegung wert, aus Sicherheitsaspekten heraus<br />

gezielt auf Embedded-Systeme zu setzen.<br />

die UNO, ihren Sitz hier bei uns in der Schweiz haben,<br />

sollten wir am Thema bleiben – selbst wenn am Ende nur<br />

definiert wird, wie man miteinander umgeht <strong>und</strong> was<br />

im Cyberraum erlaubt ist.<br />

Auf was zu achten ist, damit Home Office nicht zum Sicherheitsrisiko<br />

für die Firma wird, erfahren Sie auf www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch.<br />

Eidgenössisches Finanzdepartment EFD<br />

Informatiksteuerungsorgan des B<strong>und</strong>es ISB<br />

Melde- <strong>und</strong> Analysestelle Informationssicherheit MELANI<br />

www.melani.admin.ch | www.govcert.ch<br />

In einem hiesigen Spital gab es den Fall, dass eine<br />

Herz-Lungen-Maschine am Internet hing. Macht es<br />

wirklich Sinn, alles ins Netz einzubinden?<br />

Lamia: Das ist genau die Überlegung. Warum muss eine<br />

Herz-Lungen-Maschine an einem LAN-Kabel angeb<strong>und</strong>en<br />

sein, das direkt mit dem Internet kommuniziert?<br />

Für mich gibt es dafür absolut keinen plausiblen Gr<strong>und</strong>.<br />

Rudin: Es gibt leider einen. Der Wartungszugang.<br />

Lamia: Das sagt der Hersteller! Wenn ich als Patient an<br />

einer lebenserhaltenden Maschine angeschlossen bin,<br />

möchte ich nicht, dass in diesem Moment gerade Updates<br />

aufgespielt werden.<br />

KI <strong>und</strong> Machine Learning lassen sich auch dazu nutzen,<br />

Hacking zu automatisieren. Wie werden sich solche<br />

neuen Methoden auf die Arbeit Ihrer Behörde auswirken?<br />

Lamia: Diese werden einen erheblichen Einfluss haben, da<br />

natürlich auch Angreifer neue Möglichkeiten nutzen <strong>und</strong><br />

ausprobieren. Für uns wird die Herausforderung sein, neue<br />

Angriffsformen rasch zu erkennen <strong>und</strong> auf diese auch<br />

schnell reagieren zu können. Gerade Machine Learning<br />

wird meiner Vermutung nach dazu benutzt werden,<br />

um Infrastrukturen zu manipulieren <strong>und</strong> sabotieren.<br />

Rudin: Es kann aber auch dazu genutzt werden, um Anomalien<br />

zu erkennen. Wenn beispielsweise der Finanzchef<br />

eines grossen Unternehmens Samstagabends irgendwo aus<br />

Fernost auf seine Klimaanlage hier im Berner Oberland<br />

zugreift, ist das eine Anomalie, die man vielleicht einmal<br />

genauer ansehen sollte?<br />

Es gibt Vorstösse für eine Art digitale Genfer Konvention.<br />

Was ist von dieser Idee zu halten?<br />

Lamia: Gr<strong>und</strong>sätzlich finde ich es gut, wenn Länder<br />

versuchen, einen gemeinsamen Konsens für das Thema<br />

«Cyber» zu finden. Die Frage ist jedoch, ob man das<br />

wirklich hinbekommt? Gerade grössere Länder verfolgen<br />

ihre eigenen Interessen, weshalb es schwierig werden<br />

dürfte, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Da aber<br />

sehr viele grosse Organisationen, wie zum Beispiel<br />

Pascal<br />

Lamia<br />

Der Leiter der Melde- <strong>und</strong><br />

Analysestelle Informationssicherheit<br />

Melani lernte<br />

Radio- <strong>und</strong> Fernsehelektroniker,<br />

bevor er in die IT<br />

wechselte. Dort befasste<br />

er sich mit dem System-<br />

Engineering <strong>und</strong> der<br />

System-Programmierung,<br />

was ihn im Jahr 2000 in<br />

die B<strong>und</strong>esverwaltung<br />

brachte. Nach acht Jahren<br />

in der IKT Sicherheit<br />

B<strong>und</strong> übernahm er 2008<br />

schliesslich die Leitung von<br />

Melani. In dieser Funktion<br />

ist er am Auf- <strong>und</strong> Ausbau<br />

von GovCERT (Government<br />

Computer Emergency<br />

Response Team) beteiligt,<br />

dass gegründet wurde,<br />

um schneller auf digitale<br />

Bedrohungen reagieren<br />

zu können.<br />

Daniel Rudin<br />

Der Sektorbetreuer ICS<br />

MELANI/GovCert.ch<br />

verfügt über einen<br />

technisch-wissenschaftlichen<br />

Hintergr<strong>und</strong>.<br />

Nach seiner Ausbildung<br />

zum Chemielaborant<br />

wechselte er schnell in die<br />

Informatik. Zunächst im<br />

Bankenumfeld tätig,<br />

entwickelte er später im<br />

Maschinenbau Industrie-<br />

Steuerungen <strong>und</strong> befasste<br />

sich dort auch mit dem<br />

Aufbau von IT-Security-<br />

Strukturen. 2016 wechselte<br />

er von der Industrie zum<br />

B<strong>und</strong>.<br />

#<strong>001</strong> 23


ACHTUNG,<br />

ANSTECKUNGS-<br />

GEFAHR!<br />

Der sorglose Umgang mit E-Mails oder vertraulichen Daten<br />

ermöglicht Hackern oftmals erst das Eindringen in Firmennetzwerke.<br />

Gut, wenn man deren Vorgehen kennt <strong>und</strong> weiss,<br />

mit welchen Massnahmen man sich schützen kann.<br />

Von Markus Back<br />

CEO-Fraud<br />

Die Täter weisen im Namen des Firmenchefs die Buchhaltung<br />

oder den Finanzdienst an, eine Zahlung auf ein meist<br />

ausländisches Konto vorzunehmen. Die Begründungen für<br />

diese sind unterschiedlich, wobei es meist um eine dringende<br />

<strong>und</strong> äusserst heikle Zahlung geht. Für das Beschaffen<br />

von Erstinformationen über das Unternehmen sind die sozialen<br />

Netzwerke eine Goldmine, da dort Informationen über<br />

geschäftliche Beziehungen oder die Identität <strong>und</strong> Funktion<br />

von Mitarbeitenden zu finden sind.<br />

Gefahren<br />

– Betrug.<br />

– Verlust von erheblichen Geldsummen.<br />

Massnahmen<br />

– Der Versand solcher Betrugs-E-Mails kann kaum<br />

verhindert werden. Die wichtigste Empfehlung zur<br />

Vorbeugung ist deshalb die Sensibilisierung des Personals.<br />

Als Gr<strong>und</strong>regel ist folgendes zu beachten: Bei<br />

ungewöhnlichen oder zweifelhaften Kontaktaufnahmen<br />

keine Information herausgeben <strong>und</strong> keine Anweisungen<br />

befolgen, auch wenn man unter Druck gesetzt wird.<br />

– Unternehmen sollen kontrollieren, welche Informationen<br />

über die eigene Firma online zugänglich sind.<br />

– Es sollten Prozesse definiert werden, die alle jederzeit zu<br />

befolgen haben. Bei Überweisungen wird beispielsweise<br />

ein Vieraugenprinzip mit Kollektivunterschrift empfohlen.<br />

Gefälschte Supportanrufe<br />

Die Betrüger geben sich als Mitarbeitende von Microsoft<br />

oder anderen IKT-Support-Firmen aus <strong>und</strong> weisen auf<br />

Fehlermeldungen hin, die angeblich von den Computern<br />

übermittelt worden sind. Die Angerufenen werden dann<br />

zum Beispiel angeleitet, auf ihrem Computer den Event-<br />

Viewer aufzurufen, mit welchem jegliche Ereignisse <strong>und</strong><br />

Aktivitäten des Computers aufgezeigt werden können. Das<br />

Aufrufen-Lassen dieses Programms wird von den «Support»-Anrufern<br />

typischerweise benutzt, um den Opfern eine<br />

24 #<strong>001</strong>


IT-SECURITY IM INDUSTRIE-4.0-UMFELD<br />

glaubwürdige Kulisse zu präsentieren, respektive Angst zu<br />

machen. Ziel ist es, die angerufene Person dadurch zu überzeugen,<br />

ihnen durch das Herunterladen eines Programms<br />

einen Fern-Zugriff auf den Computer zu erlauben.<br />

Gefahren<br />

– Angreifer haben Vollzugriff auf den Computer.<br />

– Angreifer können auch zu einem späteren Zeitpunkt<br />

auf den Computer zugreifen.<br />

– Es wird eine Beratungsgebühr verlangt, dazu muss<br />

die Kreditkartennummer angegeben werden.<br />

Massnahmen<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich ist festzuhalten, dass Microsoft <strong>und</strong> andere<br />

Softwarefirmen nie unangemeldete oder unaufgeforderte<br />

Support-Anrufe tätigen, um Computerprobleme zu beheben.<br />

Entsprechende Anrufe sollten daher unverzüglich<br />

beendet werden.<br />

Phishing<br />

Die Betrüger nutzen die Gutgläubigkeit <strong>und</strong> Hilfsbereitschaft<br />

ihrer Opfer aus, indem sie ihnen E-Mails mit gefälschten<br />

Absender-Adressen zustellen. In diesen wird das<br />

Opfer beispielsweise darauf hingewiesen, dass seine Kontoinformationen<br />

<strong>und</strong> Zugangsdaten nicht mehr sicher oder<br />

aktuell seien <strong>und</strong> es diese unter dem im E-Mail aufgeführten<br />

Link ändern solle. Der Link führt dann aber nicht auf die Originalseite<br />

des jeweiligen Dienstleistungsanbieters, sondern<br />

auf eine vom Betrüger identisch aufgesetzte Webseite.<br />

Mit den erschlichenen Daten kann ein Betrüger im Namen<br />

des Opfers Banküberweisungen tätigen, die Kreditkarte<br />

missbrauchen oder Angebote bei einer Online-Versteigerung<br />

platzieren.<br />

Gefahren<br />

Mit erschlichenen E-Mail-Zugangsdaten erhalten die Betrüger<br />

vollen Zugriff auf das E-Mail-Konto. Alle Daten können so<br />

herausgelesen werden <strong>und</strong> die Betrüger können im Namen<br />

des Opfers betrügerische E-Mails an deren Kontakte senden.<br />

Massnahmen<br />

– Kein seriöser Dienstleister würde seine K<strong>und</strong>en jemals<br />

per E-Mail-Nachricht oder Telefon zur Angabe von<br />

Passwörtern oder Kreditkartendaten auffordern.<br />

– Absolute Vorsicht bei E-Mails, die eine Aktion verlangen<br />

<strong>und</strong> ansonsten mit Konsequenzen (Geldverlust, Strafanzeige,<br />

Konto- oder Kartensperrung) drohen.<br />

– In verdächtigen E-Mails auf keine Anhänge klicken oder<br />

Links folgen.<br />

Schadsoftware auf Webseiten<br />

Webseiteninfektion nennt man die Infektion eines Computers<br />

mit Schadsoftware allein durch den Besuch einer Webseite.<br />

Vielfach sind die betroffenen Seiten zwecks Verteilung<br />

der Malware zuvor kompromittiert worden. Dabei kann<br />

es sich auch um seriöse <strong>und</strong> vielbesuchte Seiten handeln.<br />

Die Infektion erfolgt meistens durch das Ausprobieren von<br />

Exploits für vom Besucher noch nicht geschlossene Sicherheitslücken.<br />

Es zeichnet sich immer mehr eine Verlagerung<br />

der Angriffsvektoren (von E-Mails mit Anhang oder Links)<br />

zu Webseiteninfektionen (Drive-By-Infektionen) ab.<br />

Gefahren<br />

– Verbreitung von Schadsoftware.<br />

– Zerstörung von Daten auf dem Computer.<br />

– Missbrauch des infizierten Computers für Spamversand.<br />

– Diebstahl von persönlichen Dateien <strong>und</strong> Daten.<br />

Massnahmen<br />

– Regelmässige Updates des Betriebssystems <strong>und</strong> der<br />

Anwendungen. Dabei sollten neben dem Betriebssystem<br />

auch Applikationen wie Flash, Acrobat Reader oder<br />

Quicktime nicht vergessen werden.<br />

– Einschränkung oder Deaktivierung von Java Scripts<br />

(Active Scripting) mittels Browsereinstellungen. Bei einer<br />

kompletten Deaktivierung von JavaScript kann es<br />

allerdings sein, dass viele Webseiten nicht mehr korrekt<br />

funktionieren.<br />

Schadsoftware in E-Mail<br />

E-Mails sind immer noch der häufigste Verbreitungsvektor<br />

für Schadsoftware. Immer wieder benutzen Cyber-Kriminelle<br />

E-Mails, welche die Empfänger dazu verleiten sollen, einen<br />

Anhang zu öffnen oder auf einen Link zu klicken. Ziel<br />

ist es, Schadsoftware auf dem Computer zu installieren. Im<br />

Falle, dass ein Benutzer in einer verdächtigen E-Mail bereits<br />

den angehängten Anhang geöffnet hat oder dem Link gefolgt<br />

ist, empfiehlt es sich, die mögliche Schadsoftware auf<br />

dem Computer zu identifizieren <strong>und</strong> zu löschen. Ist dies mit<br />

den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich, ist der<br />

Gang zu einer Computerfachperson unumgänglich.<br />

Gefahren<br />

– Verbreitung von Schadsoftware.<br />

– Zerstörung von Daten auf dem Computer.<br />

– Missbrauch des infizierten Computers für den<br />

Spamversand.<br />

– Stehlen von persönlichen Dateien <strong>und</strong> Daten.<br />

– E-Banking-Betrug.<br />

Massnahmen<br />

– Gr<strong>und</strong>sätzliches Misstrauen gegenüber unaufgefordert<br />

zugestellten E-Mails. Besonders vertrauenswürdige<br />

Firmen werden gerne als gefälschte Absenderadressen<br />

missbraucht.<br />

– Absolute Vorsicht bei E-Mails, die eine Aktion verlangen<br />

<strong>und</strong> ansonsten mit Konsequenzen (Geldverlust, Strafanzeige,<br />

Konto- oder Kartensperrung) drohen.<br />

– In verdächtigen E-Mails auf keine Anhänge klicken<br />

oder Links folgen. ››<br />

#<strong>001</strong> 25


IT-SECURITY IM INDUSTRIE-4.0-UMFELD<br />

Sicherheit im IoT<br />

Als Internet of Things (IoT) werden Gegenstände <strong>und</strong> Geräte<br />

bezeichnet, welche mit einem Netzwerk verb<strong>und</strong>en sind<br />

<strong>und</strong> über dieses miteinander kommunizieren oder Informationen<br />

zur Verfügung stellen. Ein solcher Gegenstand kann<br />

beispielsweise eine Web-Cam, ein Netzwerk-Speicher oder<br />

ein Modem sein. Des Weiteren finden sich aber auch intelligente<br />

Lichtschalter, Kühlschränke oder Smart-TVs darunter,<br />

welcher über eine Netzwerkschnittstelle an ein internes<br />

Netzwerk oder das Internet angeschlossen sind.<br />

Gefahren<br />

Anders als beim Desktop-Computer oder Smartphone denkt<br />

beim intelligenten Lichtschalter oder Kühlschrank kaum jemand<br />

daran, dass auch diese IoT-Geräte Software-Updates<br />

brauchen. Ein noch grösseres Gefahrenpotenzial geht von<br />

Gegenständen <strong>und</strong> Geräten aus, auf welche über das Internet<br />

mit Standard-Zugangsdaten (Benutzername <strong>und</strong> Passwort)<br />

zugegriffen werden kann. Solche Geräte können<br />

gr<strong>und</strong>sätzlich von jedem gef<strong>und</strong>en werden, beispielsweise<br />

mit einem Portscan oder einer Suchmaschine wie Shodan.<br />

Massnahmen<br />

– Bevor Sie sich netzwerkfähige Gegenstände oder Geräte<br />

anschaffen, erk<strong>und</strong>igen Sie sich über deren IT-Sicherheitsvorkehrungen:<br />

Wie oft erscheinen Software-Updates?<br />

Werden diese automatisch eingespielt oder ist<br />

eine Interaktion des Benutzers notwendig?<br />

– Stellen Sie sicher, dass das Gerät nicht über das Internet<br />

erreichbar ist, wenn die Verwendung dies nicht erfordert.<br />

– Falls das Objekt über das Internet erreichbar sein muss,<br />

empfiehlt sich für die vernetzten Geräte ein eigenes<br />

Netzwerksegment einzurichten, welches keinen Zugriff<br />

auf persönlichen Daten hat. Es kann somit nur noch mit<br />

dem Internet kommunizieren, nicht aber mit Ihrem<br />

internen Netz.<br />

– Schränken Sie den Zugriff aus dem Internet auf das<br />

Gerät ein, beispielsweise durch die Verwendung<br />

eines IP-Adressfilters.<br />

– Verwenden Sie nur Protokolle, die eine geschützte<br />

Verbindung ermöglichen, wie SSH oder HTTPS.<br />

– Verwenden Sie keine voreingestellten Zugangsdaten<br />

(Benutzername, Passwort).<br />

– Verwenden Sie ein komplexes Passwort, welches nicht<br />

erraten werden kann (mindestens 12 Zeichen, Zahlen<br />

<strong>und</strong> Buchstaben sowie Sonderzeichen).<br />

Social Engineering<br />

Social-Engineering-Angriffe nutzen die Hilfsbereitschaft,<br />

Gutgläubigkeit oder die Unsicherheit von Personen aus,<br />

um beispielsweise an vertrauliche Daten zu gelangen oder<br />

die Opfer zu bestimmten Aktionen zu bewegen. Neben allen<br />

Angriffsmöglichkeiten ist dies nach wie vor eine der erfolgreichsten.<br />

Ein Angreifer kann mittels Social Engineering<br />

beispielsweise versuchen, an Benutzernamen <strong>und</strong> Passwörter<br />

von Mitarbeitern eines Unternehmens zu gelangen,<br />

indem er sich am Telefon als Systemadministrator oder<br />

Sicherheitsverantwortlicher ausgibt. Durch Vorgeben akuter<br />

Computerprobleme <strong>und</strong> Vortäuschen von Betriebskenntnissen<br />

wird das Opfer so lange verunsichert, bis es die gewünschten<br />

Informationen preisgibt.<br />

Gefahren<br />

– Preisgabe von vertraulichen Informationen.<br />

– Betrug.<br />

– Verbreitung von Viren <strong>und</strong> Trojanischen Pferden.<br />

Massnahmen<br />

– Publizieren Sie auf dem Internet nur so viele Informationen<br />

wie nötig. Dies gilt besonders für Firmen <strong>und</strong> die Publikation<br />

von Namen <strong>und</strong> Funktionen von Mitarbeitenden.<br />

– Seien Sie auch am Telefon zurückhaltend mit der<br />

Herausgabe von solchen Informationen.<br />

– Geben Sie keine vertraulichen Informationen (z. B.<br />

Benutzername, Passwort, usw.) an Personen weiter.<br />

Falls jemand darauf besteht, so melden Sie dies<br />

Ihrem Vorgesetzten, dem Systemverantwortlichen oder<br />

dem Dienstleistungsanbieter.<br />

Verschlüsselungstrojaner<br />

Bei Verschlüsselungstrojanern handelt es sich um eine Familie<br />

von Schadsoftware, welche Dateien auf dem Computer<br />

sowie auf verb<strong>und</strong>enen Netzlaufwerken verschlüsselt <strong>und</strong><br />

somit unbrauchbar macht. Die Ransomware zeigt danach<br />

dem Opfer einen Sperrbildschirm an, wobei dieser das Opfer<br />

auffordert, eine bestimmte Summe an die Angreifer zu bezahlen,<br />

damit die Dateien wieder entschlüsselt werden. Einfallstor<br />

für solche Verschlüsselungstrojaner sind insbesondere<br />

verseuchte E-Mails <strong>und</strong> gehackte Webseiten.<br />

Gefahren<br />

– Unbrauchbarmachung von Daten auf dem Computer.<br />

– Finanzieller Schaden bei Bezahlung des Lösegeldes.<br />

Massnahmen<br />

– Regelmässige Sicherungskopien erstellen <strong>und</strong> diese<br />

offline auf einem externen Medium speichern.<br />

– Sowohl Betriebssysteme als auch alle auf den Computern<br />

installierte Applikationen müssen konsequent, idealerweise<br />

mit automatischen Update-Funktionen, auf den<br />

neuesten Stand gebracht werden.<br />

– Verwenden eines aktuellen Virenschutzes.<br />

– Falls Sie einen kostenpflichtigen Virenschutz verwenden,<br />

stellen Sie sicher, dass Sie das Abonnement jeweils<br />

wieder für ein zusätzliches Jahr verlängern. Ansonsten<br />

wird der Virenschutz nutzlos.<br />

26 #<strong>001</strong>


TECHNISCHES ENGLISCH<br />

BRUSH IT UP!<br />

Neue Funktionen im SafeDesigner<br />

Sicherheits-Applikationen einfacher erstellen<br />

B&R erleichtert mit neuen Funktionen im<br />

SafeDesigner die Erstellung von sicheren<br />

Applikationen.<br />

Zudem können durch die Kombination von<br />

Daten aus der funktionellen Applikation sichere<br />

Daten generiert werden.<br />

Sichere Daten aus funktionalen Signalen<br />

Die Funktion Data-to-SafeData ermittelt eine<br />

sichere Geschwindigkeit <strong>und</strong> eine sichere<br />

Position aus funktionellen Daten.<br />

Dazu werden Geschwindigkeits-, beziehungsweise<br />

Positionsdaten von zwei funktionalen<br />

I/O-Modulen des Typs X20DC1196 miteinander<br />

verglichen.<br />

Mit Hilfe der bereitgestellten Funktionen<br />

können die Daten als sichere Geschwindigkeit<br />

für Anwendungen bis PLd <strong>und</strong> sichere Position<br />

für Anwendungen bis PLc verwendet werden.<br />

Komplexe Rechnungen einfach lösen<br />

Mit den Advanced-mathematics-Funktionen<br />

erleichtert B&R komplexe Berechnungen in<br />

einer Applikation.<br />

Alle berechneten Daten werden als Festkomma-<br />

Zahlen ausgegeben.<br />

Der Anwender muss sich keine Gedanken<br />

über R<strong>und</strong>ungsfehler, Auflösungsfehler oder<br />

Speicher-Überläufe machen.<br />

New functions in SafeDesigner<br />

Easier creation of safety applications<br />

B&R makes it easier to create safety<br />

applications with a series of new functions<br />

in SafeDesigner.<br />

It is also possible to use a combination of<br />

data from the standard application to generate<br />

safety-relevant data.<br />

Safety data from standard (non-safety)<br />

signals<br />

The Data-to-SafeData function determines a<br />

safe speed and a safe position using data from<br />

the standard application.<br />

This is done by comparing speed and position<br />

data from two standard (non-safety) X20DC1196<br />

I/O modules with each other.<br />

With the help of the functions provided, the data<br />

can be used as the safe speed for applications<br />

up to PL d and the safe position for applications<br />

up to PL c.<br />

Easily solve complex calculations<br />

With advanced mathematics functions, B&R<br />

makes it easier to make complex calculations<br />

in an application.<br />

All data is calculated as fixed point numbers.<br />

The user does not need to worry about ro<strong>und</strong>ing,<br />

resolution or buffer overflow errors.<br />

Der deutsche wie auch die englische Übersetzung<br />

stammen von einer Pressemitteilung der Firma B&R.<br />

Es handelt sich dabei nicht um eine wörtliche,<br />

sondern eine sinngemässe Übersetzung.<br />

#<strong>001</strong> 27


RUBRIKTITEL<br />

Strategietag «Industrie 4.0» GDI Rüschlikon<br />

EINHÖRNER<br />

ERFORDERN<br />

UMDENKEN<br />

Die digitale Transformation steht erst am Anfang.<br />

Doch schon jetzt ist eines klar: Unternehmen, die nicht<br />

Umdenken, bleiben auf der Strecke.<br />

Digitale Transformation gut <strong>und</strong><br />

schön! Doch stellen wir uns überhaupt<br />

die richtigen Fragen?, gab<br />

Dr. Joël-Luc Cachelin beim Strategietag<br />

«Industrie 4.0» zu bedenken.<br />

Bild: Susanne Seiler<br />

28 #<strong>001</strong>


DIGITALE TRANSFORMATION<br />

Von Markus Back<br />

Die digitale Transformation ist<br />

geprägt von Einhörnern. Und<br />

diese sind schwer. Sehr<br />

schwer! Bereits vor dem Börsengang<br />

bringen sie es auf eine Bewertung<br />

von einer Milliarde US-Dollar<br />

<strong>und</strong> mehr. Mit so viel Finanzkraft gewappnet,<br />

sind sie es denn auch, die<br />

neben den globalen Kapitalströmen<br />

zugleich die Richtung von Daten <strong>und</strong><br />

Menschen lenken. «Die talentierten<br />

<strong>und</strong> interessanten Leute bewegen sich<br />

dorthin, wo die Einhörner sind», so Dr.<br />

Joël-Luc Cachelin vor 150 Zuhörern<br />

beim Strategietag «Industrie 4.0» im<br />

GDI Rüschlikon.<br />

«Unternehmen<br />

behandeln<br />

Menschen wie<br />

Maschinen.»<br />

Joël-Luc Cachelin<br />

Digitalisierung zwingt zu neuen<br />

Allianzen<br />

Doch was sind die Voraussetzungen,<br />

um an den Aktienmärkten durchzustarten<br />

<strong>und</strong> nicht schon kurz nach der<br />

Unternehmensgründung wieder in der<br />

Bedeutungslosigkeit zu verschwinden?<br />

Hier hat der Gründer <strong>und</strong> Inhaber der<br />

Wissensfabrik insbesondere zwei Geschäftsfelder<br />

ausgemacht, welche die<br />

Metamorphose vom innovativen Start-<br />

Up zum Einhorn begünstigen. Das eine<br />

Geschäftsfeld befasst sich mit dem<br />

Aufbau zukünftiger Infrastrukturen mit<br />

Hilfe digitaler Technologien, das andere<br />

fokussiert sich auf die Anbindung<br />

«von Dingen» ans Internet.<br />

Welche Schlüsse soll aber nun der<br />

CEO oder Geschäftsführer eines KMU<br />

aus dieser Erkenntnis ableiten? Da<br />

sich die Branchenlogik von Dienstleister<br />

<strong>und</strong> Industrie immer mehr angleiche,<br />

bedürfe es einer Antwort darauf,<br />

so Joël-Luc Cachelin, wie zukünftig<br />

intelligent mit Daten umgegangen<br />

werden soll. Gerade kleinere Firmen<br />

zwinge dies zu Allianzen, um die erforderlichen<br />

Investitionen stemmen zu<br />

können. Dies erfordere Organisationsgrenzen,<br />

die über das eigene Unternehmen<br />

hinausgingen. Und genau<br />

hier sieht der Visionär die grösste Hürde:<br />

«Es ist schon sehr schwierig, die<br />

Grenzen innerhalb seines eigenen Unternehmens<br />

zu verschieben oder aufzubrechen!»<br />

Wechsel hin zu induktivem<br />

Management<br />

Die Einhörner nötigen aber nicht nur<br />

zu Allianzen! Vielmehr erfordern sie<br />

vollkommen neue Arbeitsansätze. «Es<br />

rücken plötzlich Kreativität <strong>und</strong><br />

menschliche Beziehungen in den Vordergr<strong>und</strong>»,<br />

prophezeit der Zukunftsforscher.<br />

Dies begründet er mit der<br />

weiteren Zunahme des weltweiten<br />

Maschinenbestands. «Wer sich fragt,<br />

worin er sich von einer Maschine unterscheidet,<br />

kommt zwangsläufig auf<br />

die Punkte ‚Kreativität‘ <strong>und</strong> ‚Beziehungen‘»,<br />

ist Joël-Luc Cachelin überzeugt.<br />

Für Ersteres bedürfe es aber Zeit<br />

<strong>und</strong> Stille. Wer bei seiner Arbeit ständig<br />

getrieben werde, entwickle keine<br />

Ideen. Daher braucht es zukünftig Führungskräfte,<br />

die ihre Mitarbeitenden<br />

zögen <strong>und</strong> nicht in irgendwelche Strukturen<br />

pressten. Des Weiteren bedürfe es<br />

eines Wechsels vom deduktiven hin<br />

zum induktiven Managementstil. Unternehmensziele<br />

fünf Jahre im Voraus<br />

festzulegen, warnt er, funktioniere in<br />

einer komplexen Welt nicht mehr.<br />

Spannungsfelder der digitalen<br />

Transformation<br />

Diese unterschiedlichen Dimensionen<br />

der digitalen Transformation bergen<br />

laut Joël-Luc Cachelin verschiedene<br />

Spannungsfelder. Diese veranlassen<br />

ihn zu folgenden Thesen:<br />

Erste These: Unternehmen digitalisieren<br />

nicht konsequent, weil sie sich<br />

schützen <strong>und</strong> zugleich soziale Verantwortung<br />

wahrnehmen wollen. Weil sie<br />

technologisch aber gar nicht verstehen,<br />

was passiert, behandeln sie ihre<br />

Mitarbeitenden wie Maschinen. Sie<br />

schützen ihre Angestellten angeblich<br />

vor der Folgen der digitalen Transformation,<br />

behandeln sie aber wie Maschinen.<br />

Zweite These: Agilität ist nicht lernbar.<br />

Zwar ist diese auf der methodischen<br />

Ebene erlernbar, doch am Ende<br />

sei ein Mensch agil oder eben nicht.<br />

Dies zeige ein Blick in die Praxis. Mitarbeitende<br />

forderten zwar Spielräume<br />

ein, verfielen dann aber häufig in Hilflosigkeit,<br />

wenn sie diese erhielten <strong>und</strong><br />

forderten lauthals eine Roadmap.<br />

Dritte These: Das Management ist<br />

nur bedingt bereit, Macht abzugeben.<br />

Zwar werde partizipativ viel angedacht,<br />

wenn es aber um eine Entscheidungsfindung<br />

gehe, verfange es sich<br />

wieder in konservativen Strukturen.<br />

Die Zyklen, die das deduktive Management<br />

vorpredige, wollten die meisten<br />

Entscheidungsträger beibehalten.<br />

Fusion mit anderen Megatrends<br />

Ist es am Ende aber damit getan, diese<br />

Spannungsfelder abzubauen? Joël-Luc<br />

Cachelin hegt da Zweifel: «Stellen wir<br />

uns überhaupt die richtigen Fragen?»<br />

Zumal es zwei Megatrends gibt, die parallel<br />

zur Digitalisierung laufen: Der<br />

demographische Wandel <strong>und</strong> die Klimaerwärmung.<br />

Beide Megatrends, so<br />

der Vordenker, würden im Moment von<br />

der digitalen Transformation überlagert.<br />

Deshalb stellt sich für ihn nicht<br />

die Frage nach den richtigen digitalen<br />

Ansätzen, sondern wie sich diese mit<br />

den zwei weiteren Megatrends in Einklang<br />

bringen lassen: «Dann landen<br />

wir bei ganz anderen Themen, wie der<br />

Superstar-Ökonomie oder der Gesellschaft<br />

der H<strong>und</strong>ertjährigen!»<br />

Euroforum Schweiz AG<br />

www.euroforum.ch<br />

Wissensfabrik<br />

www.wissensfabrik.ch<br />

#<strong>001</strong> 29


RUBRIKTITEL<br />

Kein Gag: Der Verband Angestellte Schweiz hat diesen<br />

Roboter als Mitglied aufgenommen. Warum?<br />

Die Antwort weiss Geschäftsführer Stefan Studer.<br />

30 #<strong>001</strong>


NACHGEFRAGT<br />

Interview mit:<br />

Stefan Studer,<br />

Geschäftsführer<br />

Verband<br />

Angestellte<br />

Schweiz<br />

Von Eugen Albisser<br />

Sie haben einem humanoiden Roboter die Verbands-<br />

Mitgliedschaft gegeben. Was ist der Sinn dahinter?<br />

Wir haben damit ein Zeichen gesetzt. Nämlich, dass wir<br />

uns als Verband vertieft <strong>und</strong> radikal mit den Folgen der<br />

digitalen Revolution für die Menschen, die Arbeitswelt <strong>und</strong><br />

die Sozialpartnerschaft auseinandersetzen wollen. Mit der<br />

Aufnahme von «Pepper» wollen wir Diskussionen auslösen,<br />

Projekte initiieren, aber auch die Mitglieder motivieren,<br />

sich vertieft mit den Chancen der Digitalisierung zu<br />

beschäftigen.<br />

Wie haben die anderen Mitglieder, also die Menschen,<br />

darauf reagiert?<br />

«Pepper» wurde an der 100-Jahr-Jubiläumsfeier von<br />

unseren Mitgliedern per Applaus aufgenommen. Die Zahl<br />

der danach gemachten Selfies mit Pepper zeigt uns, dass<br />

unsere Mitglieder stolz darauf sind, einen Roboter als<br />

Kollegen zu haben.<br />

Wie kam der Verband Angestellte Schweiz auf die Idee,<br />

einem Roboter eine Mitgliedschaft anzubieten?<br />

Wenn Mensch <strong>und</strong> Roboter immer enger zusammenarbeiten,<br />

braucht es Sicherheitsvorkehrungen (um beide zu<br />

schützen) <strong>und</strong> eine Klärung der Rechtslage wie etwa<br />

Haftungsfragen bei Unfällen. Mit dem «Signal Pepper» geht<br />

es uns aber gerade nicht darum, in Alarmismus <strong>und</strong><br />

Wehklagen zu verfallen oder Ängste zu wecken. Wir wollen<br />

vielmehr unsere Bereitschaft <strong>und</strong> Offenheit unterstreichen,<br />

uns auf die digitale Revolution einzulassen, sie zu akzeptieren<br />

<strong>und</strong> mitzugestalten.<br />

Sie wollen verstehen, was bei der Mensch-Maschinen-<br />

Interaktion passiert. Diese wird auch in diversen<br />

Forschungsanstalten untersucht – ohne den Robotern<br />

einen besonderen Status zu gewähren. Welchen<br />

Unterschied macht die Mitgliedschaft für Sie, aber<br />

auch für den Roboter aus?<br />

Auf europäischer Ebene wird bereits erwogen, für Roboter<br />

eine Rechtspersönlichkeit zu schaffen. Roboter mit<br />

Künstlicher Intelligenz können gr<strong>und</strong>sätzlich Entscheidungen<br />

treffen, sie können sich selbständig bewegen <strong>und</strong><br />

sie kommunizieren mit Menschen <strong>und</strong> Maschinen. Was<br />

aber geschieht, wenn in dieser neuen Art der Zusammenarbeit<br />

etwas schief läuft? Wer haftet für die Schäden? Kann<br />

man Roboter in die Pflicht nehmen <strong>und</strong> haben sie etwa<br />

auch Rechte? Antworten auf diese Fragen findet man nicht<br />

in Forschungslabors, sondern in der täglichen Arbeit. Dabei<br />

geht es uns aber vor allem auch darum, herauszufinden,<br />

wie die Menschen mit den Fähigkeiten ihrer Roboter-Kollegen<br />

umgehen <strong>und</strong> welche neuen Kompetenzen sich unsere<br />

Mitglieder für diese Zusammenarbeit aneignen müssen.<br />

Werden Unternehmen in Kürze von Ihrem Wissen<br />

profitieren? Oder kann man bereits ein erstes Fazit ziehen?<br />

Wir sind im permanenten Austausch mit unseren<br />

Mitgliedern – darunter auch viele Arbeitnehmervertreter<br />

– in den Unternehmen. An Weiterbildungen, Tagungen, im<br />

monatlichen Newsletter <strong>und</strong> auch auf unserer Webseite<br />

geben wir Wissen an unsere Mitglieder weiter.<br />

Unser Fazit für den «Erstkontakt» mit einem Robotermitglied<br />

lautet: Die Leute waren von der Idee <strong>und</strong> der Umsetzung<br />

fasziniert, dies stärkt unsere Positionierung als<br />

Vorreiterin im Gestalten der Arbeitswelt 4.0 enorm.<br />

Konnte der Roboter eigentlich frei entscheiden oder wird<br />

man in Zukunft als Roboter einfach irgendwo Mitglied?<br />

«Pepper» hat sich frei entscheiden können, wie Sie auf<br />

unserem Video (> bit.ly/2BfDqNp) sehen können.<br />

Der Roboter heisst einfach «Pepper»?<br />

Ja, «Pepper». Aber er ist kein «er» <strong>und</strong> keine «sie», sondern<br />

ein «es».<br />

Darf ich fragen, was «Pepper» im Moment macht?<br />

«Pepper» ist mit seinem Arbeitgeber Arabesque unterwegs<br />

<strong>und</strong> motiviert andere kollaborative Roboter, Mitglied bei<br />

Angestellte Schweiz zu werden, mit Erfolg: Der selbstfahrende<br />

Roboter «Robbie» von der Post hat jedenfalls schon<br />

Interesse angemeldet, wie man kürzlich in der Sonntagszeitung<br />

lesen konnte.<br />

Roboterrechte<br />

Gefängnis für Roboter?<br />

In der Schweiz wurde im vergangenen Jahr ein Postulat<br />

abgewiesen, in dem es um die «rechtliche Stellung von<br />

Robotern im schweizerischen Recht» ging. Ein Gr<strong>und</strong> für die<br />

Ablehnung: Mit der Einführung der Tierhaftpflicht sei bereits<br />

die (adäquate) Lösung geschaffen worden!<br />

Dennoch: Auf europäischer Ebene laufen entsprechende<br />

Arbeiten. Da gibt es aber Fragen über Fragen. Eine davon: Was<br />

passiert, wenn eine KI-Maschine selbst haften müsste <strong>und</strong> also<br />

zivilrechtlich verantwortlich sein kann? Steckt man dann einen<br />

Roboter in eine Gefängniszelle? Oder verschrottet man einfach<br />

die verurteilte Drohne oder das selbstfahrende Auto? Die EU<br />

hat eine Kommission eingesetzt, die sich nun mit den rechtlichen<br />

<strong>und</strong> ethischen Implikationen von KI auseinandersetzt.<br />

#<strong>001</strong> 31


MASCHINENSPRACHE<br />

DIE SUCHE<br />

NACH DER<br />

GEMEINSAMEN<br />

MASCHINENSPRACHE<br />

Für den Informationsaustausch mit Produktionsmaschinen<br />

braucht es Standards. Eine Schweizer Vereinigung treibt diese voran<br />

<strong>und</strong> kooperiert seit neustem mit dem VDW. Ein Gespräch mit<br />

Lorenz Zellweger <strong>und</strong> Luca Roncarati von der Firma Zellweger.<br />

Von Eugen Albisser<br />

Ihre Firma, die Zellweger Ing.-GmbH, leitet die VPT-<br />

Geschäftsstelle, also der Vereinigung für angewandte<br />

Produktionstechnik. Warum gibt es diese Organisation?<br />

Lorenz Zellweger / Luca Roncarati: Sie wurde 2014 aus<br />

der Erkenntnis gegründet, dass die Innovationskompetenz<br />

hauptsächlich in den Industrieunternehmen steckt.<br />

Eine Plattform für die Zusammenarbeit unter Industrieunternehmen<br />

fehlte allerdings zu jener Zeit.<br />

Die VPT <strong>und</strong> der deutsche VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken)<br />

arbeiten in Zukunft gemeinsam<br />

an der Standardisierung des Informationsaustausches mit<br />

Produktionsmaschinen. Warum gab es zuvor noch keine<br />

Zusammenarbeit?<br />

Das lässt sich leicht erklären. Erstens wurden die wesentlichen<br />

Themen erst vor zirka zwei Jahren konkret aufgegriffen.<br />

Zweitens hat sich erst in den letzten Monaten<br />

bestätigt, dass die Leistungen der VPT auf internationaler<br />

Ebene von Interesse sind – eine formelle Zusammenarbeit<br />

war bis dahin nicht von Relevanz.<br />

Persönliche Kontakte hingegen bestehen seit langer Zeit,<br />

die Werkzeugmaschinenwelt ist nicht gross.<br />

Wieso findet diese Zusammenarbeit auf der Ebene VPT <strong>und</strong><br />

VDW statt <strong>und</strong> nicht zum Beispiel mit «Industrie 2025»?<br />

Bei den gemeinsamen Arbeiten geht es um die Schaffung<br />

praxistauglicher Standards. Hier decken sich die Zielsetzungen<br />

des VDW <strong>und</strong> der VPT. Industrie 2025 hingegen hat<br />

primär die Funktion einer Anlaufstelle, ohne personelle<br />

Kapazitäten <strong>und</strong> ohne Anspruch auf unmittelbare Umsetzung.<br />

Die Tätigkeiten von VPT <strong>und</strong> Industrie 2025 überschneiden<br />

sich operativ nicht.<br />

Wer die Liste der Mitgliedsfirmen durchgeht, staunt: eine<br />

kleine, feine Vereinigung. Bystronic, GF, Helbling, IFM,<br />

Inspire, Kellenberger, Kern, Mikron, Tornos, Schneeberger,<br />

United Grinding <strong>und</strong> ein Dutzend weitere Firmen. Sind<br />

diese nicht bereits anderweitig involviert in ähnlichen<br />

Standardisierungsgruppen?<br />

Nein, denn in der Schweiz gibt es keine Aktivitäten mit<br />

vergleichbarem Zweck. Teilweise sind die Unternehmen<br />

aber an ihren Standorten im Ausland in den jeweiligen<br />

Netzwerken vor Ort engagiert.<br />

32 #<strong>001</strong>


Bild: Pixabay<br />

Einige grosse Firmen fehlen. Ist dies Absicht oder nehmen<br />

Sie noch immer Mitglieder auf?<br />

Weitere Unternehmen sind willkommen, seien dies<br />

nun engagierte Maschinenhersteller wie auch initiative<br />

Produktionsunternehmen. Der Gr<strong>und</strong> für unsere Zurückhaltung<br />

bei der Mitgliederwerbung liegt darin, dass es bis<br />

zur offiziellen Zusammenarbeit mit dem VDW schwierig<br />

zu erklären war, weshalb sich eine kleine Schweizer<br />

Organisation für die Standardisierung auf der internationalen<br />

Bühne einsetzen soll.<br />

Gibt es bereits ganz konkrete Herausforderungen,<br />

die man sofort angehen muss, um endlich einen Schritt<br />

weiterzukommen beim Informationsaustausch?<br />

Am dringlichsten ist ein einheitliches Verständnis<br />

für die zentralen Informationen, die man übermitteln<br />

möchte, wie Maschinenzustände <strong>und</strong> Effektivitätskennzahlen<br />

(OEE).<br />

VPT | www.vpt-atp.ch<br />

Was steht nun bei der Zusammenarbeit im Vordergr<strong>und</strong>?<br />

Taugliche Lösungen grosser Anbieter bestehen bereits.<br />

Mittelfristig sind diese proprietären Lösungen aber<br />

nicht zielführend, wenn x-tausend Maschinenhersteller<br />

mit x-tausend Maschinenbetreibern auf eine einfache<br />

Art Informationen teilen wollen. Es braucht Lösungen, die<br />

für alle akzeptabel sind. Die breite Zusammenarbeit ist<br />

notwendig, damit solche Lösungen entstehen können <strong>und</strong><br />

dabei die Interessen aller berücksichtigt werden.<br />

Interview mit:<br />

Lorenz Zellweger<br />

<strong>und</strong> Luca Roncarati,<br />

Zellweger Ing.-GmbH<br />

#<strong>001</strong> 33


Agenda<br />

«Swiss Digital Product Innovation Symposium»,<br />

Rapperswil, 03. April 2019<br />

Produktneutrales Symposium zu PLM <strong>und</strong> VPE<br />

Am 3. April 2019 findet an der HSR Hochschule für Technik Rapperswil wiederum<br />

das «Swiss Digital Product Innovation Symposium» statt. Es bietet Entwicklungsingenieuren<br />

<strong>und</strong> PLM-Spezialisten die Gelegenheit, sich mit allen namhaften<br />

Anbietern, Dienstleistern <strong>und</strong> Beratungsfirmen aus der Schweiz zu treffen. Die<br />

produktneutrale Veranstaltung eröffnet Yariv Adan von Google Switzerland mit dem<br />

Keynotereferat «The paradigm shift to Natural UI». Neben Zentralreferaten von<br />

Anton Gunzinger (Unternehmer, Supercomputing Systems AG), Michael Schlenkrich<br />

(Hexagon) <strong>und</strong> Mario Paolone (EPFL) stehen Praxisreferate mit Beispielen aus der<br />

Welt der virtuellen Produktentwicklung (VPE) <strong>und</strong> aus dem Bereich Product Lifecycle<br />

Management (PLM/PDM) auf dem Programm. Ro<strong>und</strong>table-Gespräche <strong>und</strong> r<strong>und</strong><br />

25 Aussteller ergänzen diese Veranstaltung.<br />

www.igplm.ch/anmeldung<br />

All about automation, Friedrichshafen,<br />

12. – 13. März 2019<br />

Regionalen Plattform für die Automatisierungsexperten<br />

Die Messe «all about automation» in der Messe Friedrichshafen entwickelte sich<br />

in den letzten Jahren zur regionalen Plattform für die Automatisierungsexperten<br />

der internationalen Bodenseeregion <strong>und</strong> den angrenzenden Regionen. Die Aussteller<br />

zeigen Systeme, Komponenten, Software <strong>und</strong> Engineering für industrielle Automation<br />

<strong>und</strong> industrielle Kommunikation im Kontext von Industrie 4.0. Die Kernprodukte<br />

der Automatisierung <strong>und</strong> bewährte Lösungen sind für das Messespektrum<br />

genauso wichtig wie die Trends <strong>und</strong> neuen Möglichkeiten der Digitalisierung.<br />

Über 200 Unternehmen werden am 12. <strong>und</strong> 13. März 2019 ausstellen.<br />

www.automation-friedrichshafen.com<br />

AM Expo, Luzern, 12. – 13. März 2019<br />

Auch für 3D-Druck-Einsteiger<br />

Die Fragen r<strong>und</strong> um die additive Fertigung sind vielseitig: Wie designe ich Bauteile<br />

für die additive Fertigung? Welchen Mehrwert soll die additive Fertigung leisten?<br />

Oder wie steige ich überhaupt in die additive Fertigung ein? Kompetente Antworten<br />

dazu erhalten Konstrukteure, Produktmanager <strong>und</strong> Einkäufer aus der verarbeitenden<br />

Industrie an der AM Expo vom 12. bis 13. März 2019 in Luzern. Die Fachmesse ist<br />

schweizweit der einzige Ort, um sich kompakt über neue Technologien <strong>und</strong> Materialien<br />

zu informieren. Die Messe richtet sich auch an Firmen, die neu in die additive<br />

Fertigung einsteigen wollen. Im halbstündigen AMX-Einsteigertreffen, das täglich<br />

um 9.30 Uhr stattfindet, erhalten AM-Neulinge das Rüstzeug für den anschliessenden<br />

Messebesuch.<br />

www.visit.am-expo.ch<br />

34 #<strong>001</strong>


RUBRIKTITEL<br />

MASCHINENAUTOMATISIERUNG<br />

Smart Automation<br />

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#<strong>001</strong> 35<br />

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Blechbearbeitung 4.0<br />

PRAGMATISCH<br />

AUSWÄHLEN AUS<br />

DEM DIGITALEN<br />

BAUKASTEN<br />

Es gibt Blechbearbeitungsfirmen, die aus dem grossen<br />

Baukasten der Digitalisierung locker jene Lösungen<br />

auswählen, die ihnen am zweckmässigsten erscheinen.<br />

Und sie haben Erfolg damit.


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

Von Eugen Albisser<br />

Mit der Firma Emde Blechfabrik<br />

(offizielle Schreibweise:<br />

eMDe) eine Geschichte<br />

zu beginnen zum Thema<br />

Blechbearbeitung 4.0 scheint ungerecht<br />

gegenüber all jenen Blechbearbeitern,<br />

die selten im Rampenlicht stehen.<br />

Denn die Kaltbrunner sind in den<br />

Medien bereits abgefeiert worden als<br />

«hippe Blechbearbeiter».<br />

Vom Verschwinden des<br />

Expressservice<br />

Und doch führt fast kein Weg an der<br />

2013 gegründeten Blechfabrik vorbei.<br />

Denn Emde hat etwas erreicht, was<br />

trotz Highspeed-Maschinen <strong>und</strong> erhöhtem<br />

Automatisierungsgrad selten<br />

wurde in der Branche: Aufträge konstant<br />

schnell, flexibel <strong>und</strong> effizient zu<br />

erledigen. Doch mit welchen Massnahmen<br />

bekommt man diese Schnelligkeit<br />

hin? Diese Frage beschäftigte<br />

Marco Wüst <strong>und</strong> sein Berufskollege<br />

Dominik Weibel, die beide damals<br />

noch in Führungspositionen bei jeweils<br />

anderen Firmen arbeiteten.<br />

Der pragmatische Ansatz:<br />

Nehmen, was vorhanden ist<br />

Eine Lösung bestand offensichtlich darin,<br />

sich zuerst zu konzentrieren auf<br />

Kernkompetenzen wie Schneiden <strong>und</strong><br />

Abkanten. Diese Fokussierung bringt<br />

aber einen gewaltigen Nachteil mit<br />

sich: Die ausländische Konkurrenz ist<br />

viel günstiger. Also verfolgten die beiden<br />

zusätzlich noch einen Digitalisierungsansatz,<br />

der derart pragmatisch<br />

ist, dass er schulbuchmässig festgehalten<br />

werden müsste. Denn er basiert im<br />

Wesentlichen auf der Erkenntnis, dass<br />

viele digitale Lösungen einsatzbereit<br />

vorhanden sind. Die Hauptaufgabe besteht<br />

nur darin, aus der riesigen Palette<br />

an Möglichkeiten die optimalsten Lösungen<br />

zu finden <strong>und</strong> geschickt ins<br />

Unternehmen zu integrieren.<br />

Gr<strong>und</strong>gerüst aus einem Guss<br />

Jede Blechbearbeitungsfirma vertraut<br />

normalerweise auf Maschinen gewisser<br />

Hersteller. Ob dieser Amada, Bystronic,<br />

Trumpf, Schuler, Salvagnini,<br />

Microstep oder Mazak heisst: Sie alle<br />

offerieren Produkte, die als Gr<strong>und</strong>gerüst<br />

dienen können. In der Werkshalle<br />

in Kaltbrunn setzt man auf Trumpf:<br />

Eine vollautomatisierte Lasermaschine<br />

Trulaser 3030 in Kombination mit<br />

dem «Liftmaster compact» steht da,<br />

eine Abkantpresse TruBend 5170 <strong>und</strong><br />

die TruBend 7036, die zwar kleiner ist<br />

als die 5170, aber schnellere Durchlaufgeschwindigkeiten<br />

aufweist. Bei<br />

den Tools sind für die Steuerung der<br />

gesamten Fertigung das TruTops Fab<br />

integriert worden <strong>und</strong> seit neustem<br />

auch das TruTops Boost. TruTops Fab<br />

plant, steuert <strong>und</strong> überwacht die Aufträge<br />

<strong>und</strong> zwar von der Programmierung<br />

über das Fertigen bis zur Lieferung<br />

an den K<strong>und</strong>en. TruTops Boost ist<br />

die All-in-one-Lösung für 3D-Konstruktion<br />

<strong>und</strong> die Programmierung von<br />

Laser-, Stanz- <strong>und</strong> Biegemaschinen.<br />

Aufträge eilen von Monitor zu Monitor<br />

Um den Traum von einem papierlosen<br />

Betrieb <strong>und</strong> einer vernetzten Produktion<br />

wahrzumachen, reichten diese<br />

Produkte von Trumpf allerdings noch<br />

nicht. Emde integrierte weitere Tools,<br />

wie ein Standard-CRM <strong>und</strong> eine Software,<br />

mit der sie ihren K<strong>und</strong>en eine<br />

Ticketlösung anbieten kann, so wie<br />

man es aus der IT-Branche kennt. Damit<br />

können die Aufträge rascher zugewiesen<br />

<strong>und</strong> ins System integriert werden.<br />

Der moderne Ansatz ist auch in<br />

der Werkshalle sichtbar. Bei allen Arbeitsstationen<br />

stehen grosse Bildschirme,<br />

welche die Aufträge in Echtzeit<br />

<strong>und</strong> in der Reihe ihrer Priorität<br />

anzeigen. So wandern die Aufträge<br />

von Bildschirm zu Bildschirm <strong>und</strong><br />

entsprechend von einer Arbeitsstation<br />

zur nächsten – <strong>und</strong> immer sind die<br />

wichtigsten Unterlagen zum Bearbeitungsprozess<br />

sofort abrufbar. Auch die<br />

Biegeprogramme, die im TruTop Boost<br />

erstellt werden, sind selbstverständlich<br />

schon längst bereit, wenn der Auftrag<br />

zur Biegemaschine gelangt.<br />

Schlanke Prozesse, wenige Schnittstellen<br />

Alles läuft wie am Schnürchen. Aber<br />

das ist auch der Sorgfalt <strong>und</strong> dem Qualitätsdenken<br />

der beiden Gründer geschuldet.<br />

«Denn selbst zu Beginn, als<br />

wir noch zu zweit <strong>und</strong> ohne viele Aufträge<br />

waren, hielten wir uns strikt an<br />

den automatisierten Ablauf. Wir sind<br />

mit Tablets von einer Station zur an-<br />

#<strong>001</strong> 37


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

Marco Wüst: «Man muss<br />

alle Prozesse immer<br />

schlank halten <strong>und</strong><br />

schauen, dass man trotz<br />

vieler Tools so wenig<br />

Schnittstellen wie<br />

möglich implementieren<br />

muss.» Bild: Technik<br />

<strong>und</strong> Wissen<br />

Aufgeräumt,<br />

einfach, schnell:<br />

Emde schaffte<br />

mit dem K<strong>und</strong>enportal,<br />

die<br />

Vernetzung weit<br />

über die Fabrikhalle<br />

auszubauen.<br />

Bild: Emde<br />

Ein iPad ist bei Emde<br />

immer zur Hand – <strong>und</strong><br />

damit auch der sofortige<br />

Zugriff auf Informationen<br />

r<strong>und</strong> um einen Auftrag.<br />

Bild: Emde<br />

dern gegangen <strong>und</strong> haben geschaut, ob<br />

alle Informationen richtig aufbereitet<br />

sind <strong>und</strong> jeden Fehler, <strong>und</strong> war er noch<br />

so klein, sofort korrigiert», sagt Marco<br />

Wüst. Sie merkten schnell einen wichtigen<br />

Punkt bei der Umsetzung: «Man<br />

muss alle Prozesse immer schlank halten<br />

<strong>und</strong> schauen, dass man trotz vieler<br />

Tools so wenig Schnittstellen wie möglich<br />

implementieren muss.»<br />

Vernetzung öffnet weiteren<br />

K<strong>und</strong>enservice<br />

Wer derart vernetzt arbeitet, kann den<br />

K<strong>und</strong>en einen speziellen Service anbieten.<br />

So ist es der Firma Emde gelungen,<br />

ein Onlineplattform aufzubauen,<br />

auf welcher der Auftragsstatus immer<br />

in Echtzeit angezeigt wird. Diese Information<br />

ist auch für die K<strong>und</strong>en einsehbar.<br />

Sie bekommen einen Link <strong>und</strong><br />

sehen über das Netz immer, wie weit<br />

ihr Auftrag bereits abgearbeitet ist.<br />

Aber noch wichtiger ist den K<strong>und</strong>en,<br />

dass sie bereits von Anfang an schnell<br />

bedient werden. Sie können Pläne<br />

hochladen <strong>und</strong> eine Software berechnet<br />

innerhalb von Sek<strong>und</strong>en den Preis.<br />

Wenn die K<strong>und</strong>en damit einverstanden<br />

sind, können sie dies mit bloss einem<br />

Mausklick mitteilen <strong>und</strong> der Auftrag<br />

wird ausgelöst <strong>und</strong> in die Produktion<br />

eingeleitet. Immer mehr K<strong>und</strong>en<br />

scheint dieser Emde-Service zu gefallen.<br />

«Wir sind schnell gewachsen»,<br />

sagt Marco Wüst, «<strong>und</strong> beschäftigen inzwischen<br />

bereits 23 Angestellte.»<br />

«All das ist bereits Realität»<br />

Sich pragmatisch aus dem digitalen<br />

Baukasten diverser Firmen zu bedienen,<br />

das kann jeder. Denn die meisten<br />

grossen Maschinenhersteller stellen<br />

digitale Tools zur Verfügung, welche<br />

eine vernetzte Produktion in Teilen<br />

ermöglicht. Die Frage, wie eine optimal<br />

vernetzte Fertigung aussehen<br />

könnte, stellt man am besten einem<br />

Technologieleiter wie Tobias Schwarz<br />

vom Pressenhersteller Schuler. Das<br />

Unternehmen hat begonnen, speziell<br />

für blechumformende Betriebe Software<br />

für die digitale Transformation<br />

zu entwickeln, um die optimal vernetzte<br />

Fertigung zu erreichen. In<br />

dieser sprechen Maschinen <strong>und</strong> Roboter<br />

miteinander; Bauteile <strong>und</strong> ihre<br />

Produktionsbedingungen lassen sich<br />

auch noch Jahre später im Detail<br />

nachverfolgen; <strong>und</strong> Software, die einem<br />

Pressenbediener beim Hochfahren<br />

einer Anlage hilft, gehört sowieso<br />

mit dazu. «All das ist aber bereits Realität<br />

im ‹Smart Press›-Shops, der Antwort<br />

von Schuler auf die Industrie<br />

4.0», sagt Tobias Schwarz.<br />

Die Mutter aller Digitalisierungs-<br />

Konzepte: Condition Monitoring<br />

Von der Vernetzung hat seit Beginn<br />

der Digitalisierung ein Konzept erheblich<br />

profitiert: das Condition Monitoring.<br />

Auch bei Schuler ist es fester Bestandteil<br />

der Blechbearbeitung 4.0.<br />

Dreh- <strong>und</strong> Angelpunkt des digitalen<br />

Werkzeugkoffers von Schuler ist tatsächlich<br />

ein ‹Machine Monitoring›-System,<br />

das über sechs Funktionsbereiche<br />

verfügt. Mit ihnen lassen<br />

sich Betriebszustände erfassen, analysieren,<br />

speichern <strong>und</strong> auswerten.<br />

«Das System ist sowohl für Neu- wie<br />

Altanlagen geeignet <strong>und</strong> an der Anlage<br />

im Werk, via Server <strong>und</strong> Netzwerk<br />

beim K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> zukünftig auch aus<br />

der Cloud heraus bedien- <strong>und</strong> steuerbar»,<br />

erklärt Tobias Schwarz.<br />

38 #<strong>001</strong>


Tobias Schwarz,<br />

Leiter Technology bei<br />

Schuler: «Ein ‹Machine<br />

Monitoring›-System<br />

ist Dreh- <strong>und</strong> Angelpunkt<br />

des digitalen<br />

Werkzeugkoffers.» Bild:<br />

Schuler<br />

Bereits auf der<br />

Euroblech zeigte Schuler<br />

die neue Servopresse<br />

MSP 400 einschliesslich<br />

der Bediener-Software<br />

«Smart Assist». Bild:<br />

Schuler<br />

Im «Hot Stamping<br />

TechCenter» in<br />

Göppingen führt Schuler<br />

derzeit einen Feldversuch<br />

zum Thema<br />

Condition Monitoring<br />

durch. Bild: Schuler<br />

Maschinelles Lernen wird die<br />

Blechbearbeitung weiter vorantreiben<br />

Derzeit ist man aber noch lange nicht<br />

am Ende der Möglichkeiten angekommen.<br />

Die Firma Schuler hat sich weitere<br />

Etappenziele gesetzt. Im voll vernetzten<br />

Presswerk der Zukunft wird<br />

es bald möglich sein, Stillstände genau<br />

vorherzusagen <strong>und</strong> schon im Vorfeld<br />

abzuwenden. Ausgewählte Daten,<br />

die während der Produktion anfallen,<br />

werden laufend automatisch gespeichert.<br />

Kommt es zu Störungen oder<br />

einem Ausfall, lässt sich rückblickend<br />

analysieren, was die Ursache war,<br />

zum Beispiel ein Softwarefehler oder<br />

ein defektes Bauteil. Tobias Schwarz:<br />

«In den ‹Smart Press›-Shops gehen<br />

wir aber noch einen Schritt weiter: Die<br />

durchgehende Vernetzung der Produktionsdaten<br />

wird uns mit Hilfe von<br />

maschinellem Lernen in die Lage<br />

versetzen, im Bereich intelligente Produktionssteuerung<br />

<strong>und</strong> vorausschauende<br />

Wartung («Predictive Maintenance»)<br />

in eine ganz neue Dimension<br />

vorzustossen.» ››<br />

#<strong>001</strong> 39


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

Christoph Rüttimann,<br />

CTO bei Bystronic: «Wir<br />

werden in r<strong>und</strong> drei<br />

bis vier Jahren einen<br />

grossen Teil der Smart<br />

Factory erreicht haben.»<br />

Bild: Bystronic<br />

Inbetriebnahme deutlich beschleunigt<br />

Auch der digitale Zwilling darf nicht<br />

fehlen. Die Firma Huissel, bekannt als<br />

zuverlässiger Werkzeug- <strong>und</strong> Blechteilelieferant<br />

für die Automobil- <strong>und</strong> Zulieferindustrie<br />

mit Sitz in Enkenbach-Alsenborn,<br />

hat jüngst eine<br />

Servopresse vom Typ MSP 800 bei<br />

Schuler in Auftrag gegeben. Bediener<br />

können hier sowohl unter vordefinierten<br />

Bewegungskurven auswählen als<br />

diese auch frei programmieren. Fester<br />

Bestandteil der Steuerung ist ausserdem<br />

die Software «Smart Assist» von<br />

Schuler, welche Schritt für Schritt<br />

durch den Einrichtvorgang für die<br />

Werkzeuge führt <strong>und</strong> den üblichen<br />

Produktionsanlauf auf einen Bruchteil<br />

der Zeit verkürzt. Auch die Inbetriebnahme<br />

beschleunigt sich deutlich –<br />

dank eines digitalen Zwillings. Das<br />

virtuelle Modell der Anlage ist dabei<br />

an die echte Steuerung mit der Maschinen-<br />

<strong>und</strong> Anlagenvisualisierung<br />

angeschlossen, sämtliche Funktionen<br />

der MSP 800 lassen sich dadurch am<br />

Computer simulieren. Funktionalität<br />

<strong>und</strong> Bedienung der Anlage können somit<br />

wie an der zukünftig realen Maschine<br />

getestet <strong>und</strong> trainiert werden.<br />

Vorstellung einer Smart Factory<br />

Nicht nur für die blechbearbeitende<br />

Industrie kann die Digitalisierung erhebliche<br />

Einschnitte bringen. Auch<br />

die Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen<br />

müssen umdenken, um die<br />

Wünsche nach einer «Smart Factory»<br />

erfüllen zu können. Einer dieser Hersteller<br />

ist das Schweizer Unternehmen<br />

Bystronic. Am Firmensitz im<br />

oberaargauischen Niederönz hat auch<br />

Christoph Rüttimann seinen Arbeitsplatz.<br />

Er ist der CTO des Unternehmens<br />

<strong>und</strong> seine Vision einer digitalen<br />

Fabrik unterscheidet sich nicht gross<br />

von den anderen: Es ist die Vorstellung<br />

einer selbst organisierenden, vollautomatischen<br />

Fabrik. Der Unterschied bei<br />

Bystronic ist aber: «Wir stellen den<br />

K<strong>und</strong>en immer ins Zentrum <strong>und</strong> versuchen,<br />

ihm eine bestmögliche Lösung<br />

zu liefern. Dabei ist es unser Ziel,<br />

so viel Hard- <strong>und</strong> Software wie möglich<br />

selbst anbieten zu können. Wenn<br />

das nicht möglich ist, greifen wir auf<br />

Produkte Dritter zurück», erklärt er.<br />

Auch Hersteller müssen sich neu<br />

aufstellen<br />

Um dieses Ziel erreichen zu können,<br />

richtet sich Bystronic neu aus. Das<br />

Know-how des Unternehmens wurde<br />

intern in Kompetenzzentren neu organisiert<br />

<strong>und</strong> Akquisitionen in Technologiefirmen<br />

getätigt, um das bestehende<br />

Portfolio zu erweitern. Und man hat<br />

aus den unzähligen digitalen Herausforderungen<br />

eine Handvoll Lösungen<br />

abstrahiert, die als erstes angegangen<br />

werden. Darunter ist die automatische<br />

<strong>und</strong> kontrollierte Produktion, das automatische<br />

Bestellwesen <strong>und</strong> das Einbinden<br />

in die Planung, überhaupt eine<br />

adaptive Produktionsplanung <strong>und</strong><br />

schliesslich auch die vorausschauende<br />

Instandhaltung. «Wir sind bei etwa<br />

10 bis 20 Prozent angelangt», sagt<br />

Christoph Rüttimann, «aber wir kommen<br />

schnell voran <strong>und</strong> werden in r<strong>und</strong><br />

drei bis vier Jahren einen grossen Teil<br />

der Smart Factory erreicht haben.» Das<br />

Tool für die Predictive Maintenance ist<br />

bereits im Einsatz bei K<strong>und</strong>en <strong>und</strong><br />

hilft ihnen dabei, Wartungsarbeiten<br />

<strong>und</strong> verschiedene Services rechtzeitig<br />

zu planen <strong>und</strong> durchzuführen.<br />

Zuverlässigere Maschinen werden<br />

gefragt sein<br />

Nicht vernachlässigen dürfen die<br />

Hersteller allerdings den Maschinen-


Das kompakte<br />

modulare<br />

IO-System<br />

ByCockpit zeigt die<br />

wichtigsten Produktionszahlen<br />

in Echtzeit<br />

an <strong>und</strong> wertet sie aus.<br />

Bild: Bystronic<br />

bau, der ebenfalls einem Wandel unterworfen ist. Eine sich<br />

selbst organisierte Produktion hat immer weniger Maschinenbediener,<br />

die einschreiten könnten. Ausserdem produzieren<br />

Maschinen bereits jetzt sehr schnell. Wo also früher<br />

zwei Maschinen standen, reicht heute eine. Fällt diese aber<br />

aus, steht die Produktion still. Was das für Bystronic bedeutet,<br />

bringt Christoph Rüttimann auf den Punkt: «Wir müssen<br />

in Zukunft Maschinen bauen, die noch zuverlässiger produzieren.»<br />

Automation nicht vergessen<br />

Aber auch wenn die Maschinen bereits OPC-UA-Schnittstellen<br />

aufweisen oder immer mehr eingebaute Sensoren,<br />

um die vorausschauende Wartung umsetzen zu können:<br />

Viele Blechbearbeitungsfirmen sind noch maschinenzentriert<br />

<strong>und</strong> beim Thema Digitalisierung stecken sie noch in<br />

den Anfängen. Das ist für Bystronic kein Problem, denn sie<br />

haben sich neben dem Kerngeschäft mit den Schneid- <strong>und</strong><br />

Biegemaschinen breit aufgestellt. Sie verfügen über rein digitale<br />

Tools wie ein eigenes MES-System oder die Monitoring-App<br />

ByCockpit, das die wichtigsten Produktionszahlen<br />

in Echtzeit grafisch darstellt <strong>und</strong> auswertet. Darüber hinaus<br />

konzentriert sich Bystronic auch auf die Frage, wie in einer<br />

intelligenten Fabrik Produkte von einer Station an die<br />

nächste gelangen. «Man darf nicht vergessen, dass die Automation<br />

der zentrale Bestandteil der Smart Factory ist <strong>und</strong><br />

sie hilft Anwendern dabei, den Sprung in die digitale Transformation<br />

zu schaffen», sagt Christoph Rüttimann. Oder anders<br />

gesagt: Den K<strong>und</strong>en steht sowohl auf Hardware- wie<br />

auch auf Softwareseite ein vielseitiger Baukasten bereit, aus<br />

dem man sich nach spezifischen Bedürfnissen bedienen<br />

kann. Und zwar Schritt für Schritt – bis die Smart Factory<br />

Realität ist.<br />

Emde | www.emde.ch<br />

Trumpf | www.ch.trumpf.com<br />

Schuler | www.schuler.com<br />

Bystronic | www.bystronic.ch<br />

Cube67<br />

by Murrelektronik<br />

Dezentral<br />

Flexibel<br />

Systemoffen<br />

Cube ist das einzigartig modular aufgebaute<br />

Feldbussystem für perfekte dezentrale<br />

Installationskonzepte. Durch seine<br />

Flexibilität wird für jede Anwendung die<br />

optimal passende Lösung realisiert –<br />

durchgängig von Schutzart IP20 bis zu<br />

IP69K.<br />

Cube-Lösungen bieten in jeder Phase<br />

des Lebenszyklus einer Maschine den<br />

maximalen Kosten-Nutzen-Effekt.<br />

#<strong>001</strong> 41<br />

www.murrelektronik.ch


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

«PERFEKTE MISCHUNG AUS<br />

LEUCHTTÜRMEN UND<br />

AUSSTELLERN MIT POTENTIAL»<br />

Mit der Ble.ch erhält die Schweizer Blechverarbeitungsindustrie<br />

ihre eigene Plattform. Federführend war mitunter auch<br />

Pascal Blanc von Bernexpo. Er erklärt im Interview, warum<br />

gerade diese Branche mehr Aufmerksamkeit verdient.<br />

Von Daniel Wallimann<br />

Herr Blanc, nun kommt mit der Ble.ch eine weitere Blechmesse<br />

auf den Markt. Was ist der Gr<strong>und</strong> dafür? Man könnte<br />

denken, dass mit der Blechexpo <strong>und</strong> der Euroblech in<br />

Deutschland die Branche bereits genug Auswahl hat.<br />

Obwohl die Blechverarbeitungsindustrie ein wichtiger<br />

Wirtschaftszweig in der Schweiz darstellt, wird sie noch in<br />

keiner eigenen Fachmesse abgebildet. Das ist insofern<br />

erstaunlich, weil die Branche in einem grossen Netzwerk<br />

mit pyramidenförmigem Absatz organisiert ist: Einzelne<br />

Weltmarktführer teilen sich den Markt mit mehreren<br />

internationalen <strong>und</strong> noch mehr national aktiven Unternehmen<br />

auf. Ihnen gemein ist das breite <strong>und</strong> tiefe Zuliefernetz-<br />

werk in der Schweiz. Und genau diesem bietet die Ble.ch<br />

nun eine eigene Plattform.<br />

Wie die neue Messe Industrialis wird auch die Ble.ch von<br />

der Prodex/Swisstech einige Aussteller abwerben. Ist die<br />

Schweiz wirklich so dringend auf eine eigene Blechmesse<br />

angewiesen <strong>und</strong> wäre sie nicht besser aufgehoben im<br />

Konglomerat mit anderen Werkzeugmaschinenherstellern<br />

<strong>und</strong> anderen Zulieferern?<br />

Deutet man die Marktanzeichen richtig, ist ein Bedarf klar<br />

erkennbar. So entwickelt sich die Veranstaltung sehr gut<br />

<strong>und</strong> mit der zentralen Lage, der guten Erreichbarkeit sowie<br />

42 #<strong>001</strong>


«Dank unserer K<strong>und</strong>ennähe konnten<br />

wir Aussteller- <strong>und</strong> Besucherbedürfnisse<br />

direkt in das Konzept<br />

miteinfliessen lassen.»<br />

Pascal Blanc<br />

dem scharfen Messe-Profil schaffen wir den idealen<br />

Rahmen dafür. Die Erstdurchführung wird eine reine<br />

Fachmesse für die Blechbearbeitung sein. Doch für die<br />

Zukunft prüfen wir verschiedene Szenarien.<br />

Eine neue Messe hat sicherlich einen schweren Stand,<br />

wie man auch bei der Industrialis gesehen hatte. Dennoch<br />

scheint man positiv gestimmt zu sein bei der Bernexpo.<br />

Hat man bereits eine gewisse Besucherzahl im Kopf, die<br />

man erreichen möchte?<br />

Wir sind sehr positiv gestimmt <strong>und</strong> rechnen mit 6000 bis<br />

8000 Fachbesuchern. Soviel ich bis jetzt gesehen habe,<br />

präsentieren sich die Aussteller für verschiedene Besucherzielgruppen<br />

<strong>und</strong> Anwendungsgebiete sehr attraktiv.<br />

Ob vom Stahl-, Werkzeug- <strong>und</strong> Maschinenbau oder der<br />

Automobil- <strong>und</strong> Bahnindustrie bis hin zu handwerklichen<br />

Sparten <strong>und</strong> dem Baugewerbe ist für jeden etwas Interessantes<br />

mit dabei.<br />

Wie viele Aussteller werden etwa auf der Messe<br />

anzutreffen sein?<br />

Insgesamt erwarten wir, das Angebot von über 100 Ausstellern<br />

dem Fachpublikum präsentieren zu können.<br />

Aus welchen Gebieten der Blechbearbeitung werden<br />

die Firmen kommen?<br />

Wir sprechen die gesamte Wertschöpfungskette in der<br />

spanfreien Bearbeitung von Metall <strong>und</strong> Stahl an: Vom<br />

Schneiden über Formen <strong>und</strong> Verbinden bis hin zum<br />

Beschichten <strong>und</strong> Finishing werden die Disziplinen<br />

vertreten sein. Abger<strong>und</strong>et wird die Ausstellung von<br />

Querschnittsthemen wie etwa Recycling, Einrichtung oder<br />

Bildung.<br />

Welche speziellen Highlights werden auf der Messe<br />

gezeigt wird?<br />

Die Aussteller präsentieren viele konkrete Anwendungen,<br />

währenddem die Blechverarbeitungsbranche als Gesamtes<br />

aufzeigt, wie sie die Digitalisierung <strong>und</strong> Automatisierung in<br />

der Praxis umsetzt. Gerade diese beiden Prozessstufen sind<br />

für eine kleinere Anzahl von Unternehmen bereits Realität.<br />

Wie man auf den Plänen sieht, wird Trumpf den weitaus<br />

grössten Stand haben. Warum haben andere Aussteller da<br />

nicht auch mitgezogen <strong>und</strong> ebenfalls an Grösse zugelegt?<br />

Die Weltmarktführerin Trumpf hat sich von Beginn an für<br />

eine starke Präsenz ausgesprochen. Man darf sich aber vom<br />

Hallenplan mit den Flächen alleine nicht täuschen lassen.<br />

Verschiedene Aussteller präsentieren sich für ihre Unternehmensgrösse<br />

durchaus prominent. Aber wie bei jeder<br />

Erstdurchführung gibt es solche, die zuerst einmal zurückhaltender<br />

agieren <strong>und</strong> beobachten. Das ist meiner Meinung<br />

nach eine schweizerische Angewohnheit, die – im unternehmerischen<br />

Kontext gesehen – Sinn ergibt. Gerade die<br />

Mischung aus Leuchttürmen wie Trumpf <strong>und</strong> Ausstellern<br />

mit Potential geben der Messe ihre einzigartige Note. Denn<br />

am Ende entscheiden Standgrösse wie auch die Angebotsbreite<br />

<strong>und</strong> -tiefe über die Attraktivität der Veranstaltung.<br />

Was werden aus Ihrer Sicht die Highlights sein?<br />

Ich freue mich auf die gesamte Fachmesse. Als neugieriger<br />

Mensch faszinieren mich vor allem die anwendungsorientierten<br />

Präsentationen über mehrere Prozessschritte<br />

hinweg oder über den Einsatz von digitalen «Werkzeugen».<br />

Es begeistert mich, wenn Experten direkt aus der Praxis<br />

berichten. Zum Ausgleich, ungezwungenem Austausch oder<br />

Abschluss eines strengen <strong>und</strong> hoffentlich erfolgreichen<br />

Messetages suche ich dann den Branchenstammtisch auf.<br />

Können Sie noch etwas zum Messekonzept sagen? Wie<br />

sieht es aus <strong>und</strong> hat man sich da an Vorbildern orientiert?<br />

Das Messekonzept wurde mit verschiedenen Fo<strong>und</strong>ers<br />

zusammen entwickelt. Diese stammen aus der Industrie<br />

<strong>und</strong> decken die Angebots- <strong>und</strong> Nachfrageseite ab. Dank<br />

dieser K<strong>und</strong>ennähe konnten wir Aussteller- <strong>und</strong> Besucherbedürfnisse<br />

direkt in das Konzept miteinfliessen lassen.<br />

Zentral sind dabei die Wertschöpfungskette, ergänzende<br />

oder periphere Technologien. Natürlich schauen wir auch<br />

über den Tellerrand hinaus <strong>und</strong> lassen uns von branchenfremden<br />

Veranstaltungen inspirieren.<br />

Sie sind seit knapp einem Dreivierteljahr bei der Bernexpo;<br />

können Sie bereits ein erstes Fazit ziehen?<br />

«Äs fägt» würden die Berner sagen. Als Messeveranstalter<br />

– wenn man Menschen <strong>und</strong> Marken zusammenbringt –<br />

wird Mitgestaltung <strong>und</strong> Umdenken verlangt. Im Bereich<br />

Industrie & Technik fühle ich mich sehr wohl <strong>und</strong> sehe<br />

vielversprechende Perspektiven, wenn ich mit K<strong>und</strong>en zum<br />

Beispiel eine Messeidee weiterentwickeln kann.<br />

Sie leiten bei Bernexpo die Industrie & Technik-Fachmessen.<br />

Welche Themen stehen da im 2019 noch an?<br />

Für das 2019 stehen nach der Ble.ch turnusbedingt keine<br />

grösseren Eigenveranstaltungen mehr an. Wir bereiten<br />

bereits die Veranstaltungen für das kommende Jahr vor –<br />

das heisst das Planen der grossen Eigenveranstaltungen<br />

<strong>und</strong> das Konzipieren von kleineren Formaten. Als Gastmessen<br />

werden wir dieses Jahr noch Veranstaltungen in Bern<br />

haben.<br />

#<strong>001</strong> 43


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

ALLES FÜR<br />

DAS BLECH<br />

Vom fahrerlosen Transportsystem bis zur Laserschneidanlagen im<br />

Extra-Grossformat: Nicht alle Neuheiten sind auf der Ble.ch ausgestellt,<br />

aber informieren kann man sich umfassend.<br />

1<br />

Digitalisierte WIG-AC/DC-Stromquelle<br />

Name: Magicwave | Produkt: digitalisierte WIG-AC/<br />

DC-Stromquelle | Firma: Fronius | Stand: F40<br />

Die Magicwave ist eine vollkommen digitalisierte WIG-AC/<br />

DC-Stromquelle, die speziell für Aluminium-Anwendungen<br />

eingesetzt wird. Neben den unterschiedlichen Leistungsklassen<br />

von 170 bis 500 A variieren die Geräte auch in ihrer<br />

Mobilität – vom tragbaren Gerät bis zum leistungsstarken<br />

stationären Gesamtsystem. Die darin enthaltene Active Wave-Technologie<br />

sorgt für mehr Ruhe beim WIG-Wechselstrom-Schweissen.<br />

Der integrierte digitale Signalprozessor<br />

errechnet in Echtzeit immer jene Kurvenform, die höchstmögliche<br />

Lichtbogen-Stabilität bei geringstmöglicher Geräuschemission<br />

erlaubt. <br />

www.fronius.ch<br />

3<br />

Hohe Materialausnutzung dank<br />

extra-langen Blechformaten<br />

Name: Bysprint Fiber | Produkt: Faserlaserscheidmaschine<br />

Firma: Bystronic | Stand: A32<br />

Laserschneidanlagen im Extra-Grossformat bieten Anwendern<br />

die Möglichkeit, sich im Wettbewerb zu differenzieren.<br />

Deswegen hat Bystronic den Faserlaser Bysprint Fiber um<br />

das Format 12020 erweitert. Die Maschine kann dabei wahlweise<br />

mit den Laserquellen Fiber 3000, 4000 oder 6000 ausgerüstet<br />

werden. Mit dem Extra-Grossformat bearbeiten Anwender<br />

auf der Bysprint Fiber Blechtafeln auf einer<br />

Arbeitslänge von bis zu 12 Metern. Das erhöht einerseits die<br />

Produktivität der Maschine, denn auf grossen Blechen lassen<br />

sich Schneidteile effizienter verschachteln. Andererseits<br />

wird unerwünschter Verschnitt im Rohmaterial so<br />

deutlich reduziert. <br />

www.bystronic.ch<br />

2<br />

Messen, Anreissen <strong>und</strong> Körnen entfallen<br />

Name: Crea-Drill | Produkt: Bohrcenter<br />

Firma: Creametal | Stand: C21<br />

Werkstück einspannen <strong>und</strong> sofort bohren: Crea-Drill macht<br />

das zeitaufwendige Messen, Anreissen <strong>und</strong> Körnen von<br />

Bohrungen überflüssig. Die Masse aus der Zeichnung werden<br />

mit dem Handantrieb direkt eingestellt: Die X- <strong>und</strong><br />

Y-Achsen verfügen über Massskalen, optional ist die X-Achse<br />

mit einer digitalen Massanzeige ausgerüstet.<br />

www.creametal.ch<br />

4<br />

Schweisszellen mit Robotern<br />

Name: M-20iA/20M, M-2000iA/2300, R-1000iA/120F-7B<br />

Produkt: Industrieroboter | Firma: Fanuc | Stand: C10<br />

Fanuc zeigt auf dem Stand eine Laserschweisszelle mit einem<br />

Fanuc Roboter M20iA/20M <strong>und</strong> einem Fanuc Fiber Laser<br />

FF2000i-A. Der M20iA/20M ist ein flexibles 6-Achsen-Modell<br />

mit hoher Dynamik. Er bewegt problemlos<br />

verschiedenste mittelschwere Nutzlasten bis 20 kg. Auch<br />

eine Punktschweisszelle mit einem Roboter R-1000iA/120F-<br />

7B <strong>und</strong> Vision-Kontrolle ist ausgestellt. Basierend auf einer<br />

zusätzlichen siebten Achse im zweiten Arm ist der<br />

R-1000iA/120F-7B agiler <strong>und</strong> somit ideal für Materialhandling<br />

<strong>und</strong> Punktschweissen. Informieren kann man sich allerdings<br />

auch über den M-2000iA/2300, der eine Tragfähigkeit<br />

von 2,3 t besitzt (Bild 4). Das extrastarke Handgelenk<br />

hebt <strong>und</strong> bewegt problemlos ganze Fahrzeuge oder sperrige<br />

Gussteile auf Bearbeitungsvorrichtungen. www.fanuc.ch<br />

››<br />

44 #<strong>001</strong>


1<br />

RUBRIKTITEL<br />

2<br />

3<br />

4<br />

#<strong>001</strong> 45


FLEXIBILITÄT ERFÄHRT SICH JETZT VON SELBST.<br />

Industrie 4.0 nimmt Fahrt auf: Mit unserem modularen Lösungsportfolio für mobile Plattformen lassen sich Spurführung, Navigation,<br />

Positionierung, Umgebungserkennung, Sicherheit <strong>und</strong> Lastenhandling jetzt einfach realisieren. Und flexibel an Ihre Anforderungen<br />

anpassen. Damit sich Ihre Prozesse in die richtigen Bahnen lenken. Wir finden das intelligent. www.sick.ch/mobile-platforms<br />

epochal.<br />

emotional.<br />

Gemeinsam stellen wir uns den Herausforderungen von<br />

Morgen. Lesen Sie mehr zu diesem Thema im Interview mit<br />

Stefan Studer auf Seite 30. Für einen Mittelstand mit Zukunft.<br />

Seien Sie dabei <strong>und</strong> profitieren<br />

Sie von einer Mitgliedschaft<br />

zum Jubiläumspreis von<br />

CHF 100.– im Jahr 2019!<br />

Infos & Anmeldung auf www.angestellte.ch/100


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

Mit Schwarmintelligenz statt Leitrechner<br />

Name: Agilox | Produkt: Fahrerloses Transportsystem<br />

Firma: Bachmann Engineering | Stand: B10<br />

Agilox ist ein smartes, fahrerloses Transportsystem. Dank<br />

eines neuartigen Antriebskonzept verfügt es über eine uneingeschränkte<br />

Bewegungsfreiheit. Agilox-Einheiten können<br />

untereinander kommunizieren, <strong>und</strong> teilen sich Aufgaben<br />

effizient. Dafür ist kein Leitrechner zuständig, sondern<br />

man setzt auf Schwarmintelligenz. Plug and Play heisst für<br />

den ersten Agilox einer Anlage, binnen 24 St<strong>und</strong>en nach<br />

dem Einschalten produktiv zu sein. Die weiteren sind es unmittelbar<br />

nach dem Einschalten. www.bachmann-ag.com<br />

Highend-Rohrbearbeitung –<br />

auch in XXL<br />

Name: TruLaser Tube 7000 | Produkt: Festkörperlaser<br />

Firma: Trumpf | Stand: E20<br />

Bei der Trulaser Tube 7000 fiber trifft der Festkörperlaser auf<br />

ein breites Bearbeitungsspektrum. Der Festkörperlaser<br />

steht für schnelle <strong>und</strong> flexible Bearbeitung. Dank Rapidcut<br />

machen sich die hohen Vorschübe des Lasers bereits bei<br />

kleineren Konturen bemerkbar. Vor allem in dünnem Material<br />

bedeutet das ein enormes Plus an Produktivität für Ihre<br />

Fertigung. Das offene Maschinenkonzept macht die Trulaser<br />

Tube 7000 fiber optimal zugänglich beim Be- <strong>und</strong> Entladen.<br />

So ist die Maschine bereits effizient ab Losgrösse 1.<br />

Dank der «Central Link»-Schnittstelle ist die Maschine zudem<br />

für Industrie 4.0 gerüstet. www.ch.trumpf.com<br />

Schnell von MAG auf MIG oder<br />

WIG umstellen<br />

Name: Tawers | Produkt: Schweisssystem<br />

Firma: MTP, Mig-Tig Plasma AG | Stand: C09<br />

Das Tawers-WG3 Lichtbogen-Schweisssystem mit integrierter<br />

Inverter-Puls-Schweissstromquelle ist nicht nur zum<br />

MAG, sondern auch zum MIG <strong>und</strong> WIG-Schweissen geeignet.<br />

Dies ist dank einer Inverter-Stromquelle möglich, die zusammen<br />

mit der Robotersteuerung eine Einheit bildet <strong>und</strong><br />

über eine gemeinsame Steuerung kommuniziert. Die Umrüstung<br />

von MAG auf MIG oder WIG ist mit wenigen Handgriffen<br />

zu erledigen. Es wird lediglich das MIG/WIG-Basis<br />

Paket der wassergekühlte Brennerhals <strong>und</strong> die WG3- MIG/<br />

WIG Software benötigt. <br />

http://mtp-ag.ch<br />

Der Alleskönner<br />

Name: MG-Baureihe | Produkt: Plasmascheidanlage<br />

Firma: Microstep Europe | Stand: E40<br />

In Sachen Multifunktionalität ist die Plasmaschneidanlage<br />

der MG-Baureihe von Microstep Vorreiter der Branche.<br />

Der Alleskönner wurde konzipiert, um an Blechen, Rohren,<br />

Profilen <strong>und</strong> auch Behälterböden ein Maximum an Bearbeitungen<br />

durchführen zu können – <strong>und</strong> zwar mit höchster<br />

Qualität <strong>und</strong> vollautomatisch kombiniert. Das beinhaltet<br />

Schneiden von präzisen Löchern <strong>und</strong> Konturen mit Plasma<br />

<strong>und</strong> Autogen, Anarbeiten von Schweissnahtvorbereitungen<br />

sowie Bohren, Senken, Gewinden, Markieren, Körnen oder<br />

Scannen.<br />

www.microstep-europa.de<br />

Aufs Maximum reduziert<br />

Name: Profi 56 CNC | Produkt: Gesenk- <strong>und</strong> Abkantpresse<br />

Firma: Boschert | Stand: F10<br />

So wenig aufwendig wie möglich, so viel wie nötig, plus diverse<br />

Optionen für die individuelle Ausrüstung: Nach dieser<br />

Devise hat Boschert die Profi Hydraulik-Gesenk- <strong>und</strong> Abkantpressen<br />

um die Variante Profi 56 CNC erweitert. In bewährter<br />

Bauweise auf einem massiven Schweissgestell, einem<br />

durch vier hochwertige Linearelemente geführten<br />

Pressbalken sowie zwei Hydraulik-Kraftzylindern mit jeweils<br />

28 Tonnen Druckkraft ausgeführt, entstand ein Pressensystem<br />

für die universelle Verwendung.<br />

www.boschert.de<br />

Laserschneidmaschine für alle<br />

Einsatzzwecke<br />

Name: LCG-3015 | Produkt: Laserschneidmaschine<br />

Firma: Amada | Stand: F20<br />

Amada stellt mit der LCG-3015 einen neuen weltweit eingesetzten<br />

Standard-Laser vor. Durch die neuen Torque-Motoren,<br />

die schrägverzahnten Antriebseinheiten <strong>und</strong> niedrige<br />

Schwerpunkte ermöglicht die LCG Highspeed-Schneidtechnologie<br />

<strong>und</strong> hohe Beschleunigungswerte für alle Materialbereiche.<br />

www.amada.ch<br />

#<strong>001</strong> 47


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

Einstieg in die digitalisierte Blechbearbeitung<br />

DER NEUE<br />

WERKSTATTCHEF<br />

HEISST<br />

«TRUTOPS FAB»<br />

Beim Metallbauunternehmen Riguzzi hat die Digitalisierung Einzug<br />

gehalten. Der Umstieg gelang einfacher als erwartet. Trotzdem war der<br />

Firmenchef ein wenig nervös am Tag X, als seine Firma von einer Sek<strong>und</strong>e<br />

auf die andere zu einem digitalen Vorzeigeunternehmen wurde.<br />

Von Eugen Albisser (Text) <strong>und</strong> Ruben Sprich (Bilder)<br />

Die Werkstatt <strong>und</strong> Lagerhalle<br />

werden zu klein? Andreas Riguzzi,<br />

Inhaber des thurgauischen<br />

Metallbauunternehmens,<br />

baut an <strong>und</strong> setzt in die grosse<br />

Halle zusätzlich noch eine Etage, wo<br />

in hellen Räumen die neu übernommene<br />

Montage von Baugruppen platziert<br />

wird.<br />

Das angenehmste Problem, das einem<br />

Blechbearbeitungsspezialisten<br />

wie Riguzzi AG passieren kann, sind<br />

solche Wachstumsprobleme. Dies bedeutete<br />

für Riguzzi, untere anderem<br />

in neue Maschinen zu investieren. Er<br />

wendet sich an die Firma Trumpf, die<br />

ihn mit ihren Laser-, Stanz- <strong>und</strong> Biegemaschinen<br />

überzeugt haben. Doch<br />

dann tauchte eine Herausforderung<br />

auf, die nicht einfach zu lösen schien:<br />

Immer mehr Mitarbeiter griffen auf die<br />

selbst programmierte Access-Datenbank<br />

zu, so dass das Auftragssystem<br />

an den Anschlag kam. Nun hatte Andreas<br />

Riguzzi die Qual der Wahl. Er<br />

könnte beispielsweise in ein ERP-System<br />

investieren. Oder einen Schritt<br />

weitergehen <strong>und</strong> direkt in die digitale<br />

Produktion einsteigen.<br />

Fortschritt zieht K<strong>und</strong>en an<br />

Für Andreas Riguzzi war dieser Schritt<br />

durchaus vorstellbar. Denn schon früh<br />

bemerkte er, dass sein vom Vater übernommener<br />

Betrieb merklich Aufwind<br />

bekam, wenn er investierte. Es schien,<br />

als würden Firmen es vorziehen, bei<br />

einem Zulieferer die Bleche fertigen zu<br />

lassen, der technologisch auf dem<br />

neusten Stand war. Je moderner seine<br />

Firma also produzierte, umso mehr<br />

K<strong>und</strong>en vertrauten ihm ihre Aufträge<br />

an. Für Andreas Riguzzi war dies eine<br />

doppelte Belohnung: Denn einerseits<br />

wuchs seine Firma, anderseits ist er<br />

ein technikbegeisterter Unternehmer,<br />

<strong>und</strong> wird dafür belohnt, dass er diese<br />

Leidenschaft einsetzt. ››<br />

Oben: Monitore überall – moderne<br />

Produktion beim Metallbauunternehmen<br />

Riguzzi in Felben. Hier werden<br />

durchgängige Prozesse angestrebt.<br />

Im Hintergr<strong>und</strong>: das einzige TruBend<br />

Center 7030 der Schweiz.<br />

Unten: Ganz hinten an der Wand einer<br />

der vielen Monitore, welche die Liste<br />

der aktuellsten Aufträge anzeigen.<br />

Im Vordergr<strong>und</strong> Andreas Riguzzi (links)<br />

fachsimpelt mit einem Mitarbeiter.<br />

48 #<strong>001</strong>


RUBRIKTITEL<br />

#<strong>001</strong> 49


SCHWERPUNKT BLECHBEARBEITUNG 4.0<br />

Links: Die Nervosität am Tag X<br />

war unbegründet. Die Mitarbeiter<br />

fanden sich schnell zurecht mit<br />

dem neuen System. Sie wurden im<br />

Vorfeld auch gut vorbereitet von<br />

Trumpf.<br />

Unten: Sparringpartner: Trumpf-<br />

K<strong>und</strong>enbetreuer Patrick Kühne<br />

(links) <strong>und</strong> Andreas Riguzzi<br />

freuen sich über den persönlichen<br />

Kontakt, der auch in Zeiten der<br />

Digitalisierung der sicherste Weg<br />

zum gemeinsamen Erfolg ist.<br />

Trumpf K<strong>und</strong>enberater kombiniert<br />

richtig<br />

Manchmal ist es allerdings gut, bei<br />

komplexen Themen einen Berater zu<br />

haben, der die passenden Möglichkeiten<br />

aufzeigen kann – oder überhaupt<br />

darauf aufmerksam wird. Eines Tages<br />

war Patrick Kühne bei der Firma Riguzzi,<br />

ein K<strong>und</strong>enberater von Trumpf.<br />

Er sah die Datenbank, erinnerte sich<br />

an ein paar Worte im Gespräch mit<br />

dem Firmenchef, kombinierte <strong>und</strong> sagte<br />

ihm: «Wir haben eine neue Software,<br />

welche dir die Probleme bei der Auftragsabwicklung<br />

<strong>und</strong> noch vieles mehr<br />

lösen könnte: das TruTops Fab.»<br />

So sei es oft bei den Trumpf K<strong>und</strong>enberatern,<br />

sagt Patrick Kühne: «Wir sehen<br />

das Potenzial einer Firma <strong>und</strong><br />

wollen helfen, alles herauszuholen.<br />

Das heisst, im Normalfall besuche ich<br />

den K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> versuche die Bedürfnisse<br />

<strong>und</strong> Ideen zu erfragen. Mit diesem<br />

Vorwissen gehe ich intern auf die<br />

Stellen zu, die mir <strong>und</strong> dem K<strong>und</strong>en<br />

weiterhelfen können. Da ich die Firma<br />

Riguzzi gut kenne, kann ich in vielen<br />

Fällen auch direkt die Fragen beantworten<br />

<strong>und</strong> schnell weiterhelfen.»<br />

Fertigung transparent darstellen<br />

<strong>und</strong> steuern<br />

TruTops Fab? Andreas Riguzzi will<br />

mehr wissen. Patrick Kühne erklärt<br />

ihm: «Mit dieser modular aufgebauten<br />

Software kannst du deine Fertigung<br />

transparent darstellen <strong>und</strong> sie steuert<br />

<strong>und</strong> verwaltet die Prozesse vom K<strong>und</strong>enauftrag<br />

bis zum Versand. Durch die<br />

Anbindung an die Steuerung der Maschinen<br />

oder der Lasersysteme werdet<br />

ihr in Zukunft den aktuellen Stand der<br />

Fertigung <strong>und</strong> den Status der Fertigungsaufträge<br />

immer im Blick haben.<br />

Und das Tool bietet euch noch viele andere<br />

Vorteile. Hast du nicht erwähnt,<br />

dass oft Tippfehler entstehen, sich also<br />

schnell eine Null zu viel steht bei der<br />

Längen- oder Breitenangabe? Da die<br />

Daten automatisch übernommen werden<br />

für die unterschiedlichsten Prozesse,<br />

verschwinden solche Fehler.»<br />

Für Andreas Riguzzi war schnell klar:<br />

Eine solche Durchgängigkeit <strong>und</strong> solch<br />

automatisierte Prozesse waren exakt,<br />

was seinem Metallbauunternehmen<br />

noch fehlten.<br />

Nehmen, was man braucht<br />

Andreas Riguzzi war entschlossen, ins<br />

Abenteuer Digitalisierung einzusteigen.<br />

Zusammen mit einer neuen Abkantpresse<br />

<strong>und</strong> einer neuen Lasermaschine<br />

von Trumpf führte er das<br />

TruTops Fab ein. Aus dem Baukasten<br />

des modular aufgebauten Fab nahm er<br />

zuerst die Auftragsbearbeitungssoftware,<br />

Produktionsüberwachung <strong>und</strong><br />

die Kalkulation oder in der Trumpf<br />

Nomenklatur: die Module Quickjob,<br />

Production, Calculate. Sein Tipp: «Ich<br />

kann nur empfehlen, sogleich mehrere<br />

Module zu installieren. Denn der einmal<br />

eingegebene Datensatz kann nun<br />

mehrfach verwendet werden –, was zu<br />

erheblichen Zeitersparnissen führt.»<br />

50 #<strong>001</strong>


Modul um Modul kommt hinzu<br />

Die Arbeit, welche TruTops Fab abnimmt,<br />

ist bei einer Firma wie Riguzzi<br />

tatsächlich enorm. Andreas Riguzzi:<br />

«Die Ersparnis liegt bei r<strong>und</strong> 50 Prozent.»<br />

Er lacht <strong>und</strong> sagt dann: «Dabei<br />

dachte ich noch, diese Software könnte<br />

für ein KMU zu teuer sein.» Seit er täglich<br />

die Zeitersparnis <strong>und</strong> den leichten<br />

Umgang der Datenbewirtschaftung<br />

<strong>und</strong> -bereitstellung sieht, ist er definitiv<br />

zum «TruTops Fab»-Follower geworden.<br />

Weitere Module kamen nach<br />

kurzer Zeit dazu: eines für die Bewirtschaftung<br />

des Lagers; eines für den<br />

Einkauf – <strong>und</strong> schliesslich ein Modul,<br />

das seinen Blechbearbeitungsbetrieb<br />

auch für Aussenstehende sichtbar ins<br />

Zeitalter der Digitalisierung hievt: das<br />

Monitoring der Fertigung. Seit der Einführung<br />

dieses Moduls stehen überall<br />

in der Fabrikhalle grosse Monitore. Darauf<br />

sind die Aufträge entsprechend<br />

der Priorität aufgelistet. Jeder Maschinenbediener<br />

sieht auf seinem Monitor<br />

den nächsten Auftrag <strong>und</strong> kann alle<br />

notwendigen Daten abrufen.<br />

Wie reagieren die Mitarbeiter?<br />

Das im 2017 eingeführte System funktioniert<br />

tadellos – <strong>und</strong> dies seit Beginn.<br />

Allerdings war Andreas Riguzzi doch<br />

ein wenig nervös, als am Tag X der<br />

Schalter umgelegt <strong>und</strong> sein florierendes<br />

Metallbauunternehmen Riguzzi<br />

von einer Sek<strong>und</strong>e auf die andere zu<br />

einem digitalen Vorzeigeunternehmen<br />

wurde. Die Access-Datenbank wurde<br />

abgekoppelt <strong>und</strong> die nur lose verb<strong>und</strong>enen<br />

Arbeitsprozesse auf einen Knopfdruck<br />

verknüpft.<br />

Nicht das neue System rief die Nervosität<br />

hervor, da hatte er Vertrauen in<br />

Trumpf. Er sorgte sich vielmehr um<br />

die Mitarbeiter. Werden sie sich zum<br />

Beispiel wohl fühlen, wenn Sie mit den<br />

neu eingeführten iPads vor den Maschinen<br />

stehen <strong>und</strong> nicht mit den ihnen<br />

vertrauten A4-Papieren? Diese<br />

Sorge ist nicht unbegründet, doch in<br />

diesem Fall vergebens. Riguzzi <strong>und</strong> die<br />

Trumpf Experten hatten die Mitarbeiter<br />

vorab gut vorbereit, zum Beispiel<br />

bei einem Workshop. Und beim gemeinsamen<br />

Mittagessen wurden dann<br />

auch noch andere Vorteile dieser Softwarelösung<br />

diskutiert. Die Mitarbeiter<br />

erkannten die Chancen <strong>und</strong> wussten,<br />

dass ihre Firma mit dem neuen Tool<br />

besser aufgestellt ist für die Zukunft.<br />

Geschwindigkeit einer Maschine<br />

zweitrangig<br />

«Es gibt kein Zurück mehr», sagt Andreas<br />

Riguzzi manchmal einem seiner<br />

Angestellten, wenn einer sich doch<br />

einmal zurücksehnt nach den alten<br />

Zeiten. Für den Chef gibt es ohnehin<br />

nur den Blick nach vorne. Eben hat er<br />

in weitere Trumpf Maschinen investiert.<br />

In eine Highspeed-Biegemaschine<br />

TruBend 7036 mit einer Presskraft<br />

von 360 kN <strong>und</strong> die leicht grössere Version<br />

TruBend 7050 mit 500 kN <strong>und</strong> einer<br />

Biegelänge von 1530 mm. Entscheidend<br />

seien für ihn beim Kauf nicht<br />

mehr die Geschwindigkeit der Maschinen<br />

gewesen, sondern die Software, die<br />

Steuerung <strong>und</strong> die Durchgängigkeit –<br />

«da setze ich ganz auf Trumpf», sagt er.<br />

Gemeinsam zum Erfolg<br />

Dabei denkt er nicht nur an neue zukünftige<br />

Maschinen <strong>und</strong> weitere Module<br />

des TruTops Fab, welches er inzwischen<br />

«unser neuer Werkstattchef»<br />

nennt. Er ist auch angetan vom Trumpf<br />

Service, den er jederzeit in Anspruch<br />

nehmen kann. So liess er den Kauf einiger<br />

Maschinen über die Trumpf eigene<br />

Bank abwickeln. Auch sein guter<br />

Kontakt zu seinem persönlichen Berater<br />

Patrick Kühne ist ihm viel Wert.<br />

Denn Kühne ist für ihn einer der Sparringpartner,<br />

wenn es um die Digitalisierung<br />

<strong>und</strong> um schlanke Prozesse<br />

geht, auf die alle Trumpf Berater spezialisiert<br />

sind. Der Gr<strong>und</strong>: Trumpf verfügt<br />

über ein selbst entwickeltes<br />

Lean-System namens «Synchro», das<br />

inzwischen weltweit eingesetzt wird.<br />

Andreas Riguzzi kennt dieses<br />

Lean-System auch von Besuchen an<br />

Trumpf Standorten wie im bündnerischen<br />

Grüsch oder im Stammhaus in<br />

Ditzingen. Aber Patrick Kühne würde<br />

seinen K<strong>und</strong>en Riguzzi wohl überall<br />

mitnehmen. «Denn K<strong>und</strong>ennähe bedeutet<br />

für mich, dass ich mich intensiv<br />

mit den Herausforderungen meiner<br />

K<strong>und</strong>en beschäftige. Denn trotz<br />

der Digitalisierung bin ich mir sicher,<br />

dass der persönliche <strong>und</strong> nahe Kontakt<br />

noch immer der beste Weg zum<br />

gemeinsamen Erfolg ist.»<br />

Trumpf Schweiz AG<br />

www.ch.trumpf.com<br />

Tipps<br />

Digitalisierung angehen mit 6 Fragen<br />

Sie wollen digitalisieren, wissen aber nicht wie? Mit den folgenden Fragen –<br />

die Sie sich bereits vor einem Gespräch mit einem Berater stellen –<br />

bekommen Sie erste wichtige Antworten:<br />

1. Wo stehe ich aktuell mit meinen Prozessen?<br />

2. Wie offen gehen wir mit Veränderungen um?<br />

3. Was ist schon digitalisiert?<br />

4. Wo könnte Digitalisierung zusätzlich Sinn machen?<br />

5. Was traue ich meiner Firma in den nächsten 2–5 Jahren zu?<br />

6. Wo steht die Firma in 5 Jahren?<br />

Trumpf an der<br />

Messe Ble.ch<br />

Halle 3, Stand E20<br />

#<strong>001</strong> 51


HANNOVER RUBRIKTITEL MESSE<br />

GANZ SCHÖN<br />

BIONISCH<br />

Es gibt viele gute Gründe, die Hannover Messe zu besuchen.<br />

Die acht besten nennen wir Ihnen auf den kommenden Seiten.<br />

Von Eugen Albisser <strong>und</strong> Markus Back<br />

52 #<strong>001</strong>


Bello muss aufs Altenteil<br />

Ein H<strong>und</strong> besitzt r<strong>und</strong> 220 Millionen Riechzellen <strong>und</strong> ist damit in<br />

der Lage, knapp eine Million Gerüche zu unterscheiden. Auf wie<br />

viele es die elektronische Nase eines Tages bringen wird, vermag<br />

Dr. Martin Sommer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)<br />

nicht abzuschätzen. Allerdings ist er fest davon überzeugt, dass<br />

der Sensorchip mit seinen 16 Subsensoren das Potenzial dazu hat,<br />

Polizeih<strong>und</strong>e aufs Altenteil zu schicken. Während deren Ausbildung<br />

fast zwei Jahre in Anspruch nimmt, benötigt der digitale Schnüffler<br />

nur wenige Sek<strong>und</strong>en zum Einlernen eines Geruchsmusters. Da er<br />

sogar Informationen bereitstellt, etwa ob ein Geruch als gefährlich<br />

einzustufen ist oder um welchen es sich handelt, eröffnet die<br />

Mikronase vollkommen neue Einsatzmöglichkeiten in der Geruchsanalytik.<br />

Weil sie zudem sehr kompakt <strong>und</strong> erst noch preiswert zu<br />

fertigen ist, ist ihr Einsatz selbst in Smartphones denkbar.<br />

KIT, www.kit.edu | Halle 2 / Stand B16<br />

Hannover Messe 2019<br />

Datum: 1. bis 5. April 2019<br />

Leitthema: Integrated Industry –<br />

Industrial Intelligence<br />

Leitmessen: Integrated Automation,<br />

Motion & Drives, Digital Factory,<br />

Integrated Energy, Industrial Supply,<br />

ComVac <strong>und</strong> Research & Technology<br />

Partnerland: Schweden<br />

Aussteller: Mehr als 6000 aus über 70 Ländern<br />

WLAN: Für Besucher kostenfrei, Einwahl<br />

erfolgt über den Registrierungscode<br />

Schwebende Mover<br />

mit sechs Freiheitsgraden<br />

Erste St<strong>und</strong>e Physik: Zwei gleiche Pole stossen sich ab! Und genau<br />

dieses Prinzip macht sich Beckhoff bei «Xplanar» zu nutze. Das<br />

System kombiniert die individuelle Anordnung von Planarkacheln<br />

mit einer mehrdimensionalen Positionierbarkeit der darüber<br />

schwebenden Planarmover. Dabei sind diese ruck- <strong>und</strong> berührungsfrei<br />

mit bis zu 4 m/s Geschwindigkeit, 2 g Beschleunigung <strong>und</strong><br />

50 µm Wiederholgenauigkeit zweidimensional verfahrbar. Darüber<br />

hinaus lassen sich die Mover, die für Nutzlasten bis 6 Kilogramm<br />

verfügbar sind, um bis zu 5 mm Heben <strong>und</strong> Senken sowie um bis zu<br />

5 Grad für den Transport <strong>und</strong> die Handhabung von Flüssigkeiten<br />

neigen. Damit ist «Xplanar», dessen Entwicklung vier Jahre dauerte,<br />

für Applikationen prädestiniert, in denen es kein Abrieb geben<br />

darf <strong>und</strong> keine Schmiermittel eingesetzt werden dürfen.<br />

des Besuchertickets<br />

Unterkunft: www.visit-hannover.com<br />

Veranstalterin: Deutsche Messe AG<br />

Weitere Infos: www.hannovermesse.de Beckhoff, www.beckhoff.ch | Halle 9 / Stand F06<br />

››<br />

#<strong>001</strong> 53


Der Rohboter soll ein Roboter werden<br />

Bionische Profilierung senkt<br />

CO 2 -Verbrauch<br />

Wenn man eine Eule mit einem Buckelwal<br />

kreuzt <strong>und</strong> beides abschliessend mit ein wenig<br />

Baum-DNA kombiniert, gibt das einen verdammt<br />

effizienten Ventilator! Gut, so würde Rainer<br />

Grill von Ziehl-Abegg den «ZA bluefin» vermutlich<br />

niemals beschreiben, aber im Ergebnis kommt<br />

es in etwa so hin. Das Radiallaufrad weist nämlich<br />

Merkmale von gleich drei bionischen Ansätzen<br />

auf: von der Aerodynamik (Vogelk<strong>und</strong>e), von der<br />

Hydrodynamik (Meeresbiologie) <strong>und</strong> der Biomechanik<br />

(Bäume). Diese Kombination, sagt der Leiter<br />

Öffentlichkeitsarbeit, verbessert die CO 2 -Bilanz<br />

gleich zweifach: durch eine signifikante Reduzierung<br />

des verwendeten Materials sowie durch eine<br />

Senkung des Energieverbrauchs im laufenden<br />

Betrieb in Klimazentralgeräten <strong>und</strong> in Industriebelüftungsanlagen.<br />

Igus hat sich die «Low Cost»-Automatisierung auf die Fahne<br />

geschrieben. Nun kommen zwei neue Ansätze hinzu: ein Roboter<br />

aus Kunststoff sowie das Modell eines Online-Marktplatzes<br />

für Anbieter <strong>und</strong> Anwender. Beim ersten Ansatz handelt es sich<br />

um einen «Rohboter», wie ihn Igus gewitzt bezeichnet. Das<br />

elektro-mechanische Gr<strong>und</strong>gerüst ist beispielweise ein 4- oder<br />

5-Achs-Gelenkarm, Delta- oder kartesischer Roboter. Motoren,<br />

Getriebe, Leistungselektronik, Steuerung, GUI – alles ist frei<br />

wählbar. Beim zweiten Ansatz handelt es sich um einen digitalen<br />

Marktplatz für weitere «Low Cost»-Automation-Lösungen wie<br />

Greifer, Bildverarbeitung oder Backen, die es für die entsprechenden<br />

Anwendungen braucht.<br />

Igus, www.igus.ch | Halle 17 / Stand H04<br />

Ziehl-Abegg SE, www.ziehl-abegg.de<br />

Halle 11 / Stand C81<br />

Ein Stecker für alles<br />

Hybride Steckverbinder sind anwenderfre<strong>und</strong>lich, denn alle Verbindungen<br />

lassen ich in einem Arbeitsgang anschliessen. Zudem reduzieren sich Fehlsteckungen<br />

markant. Verglichen mit Einzelsteckverbindern für Strom,<br />

Steuerung <strong>und</strong> Kommunikation sind sie auch kompakter gebaut. Wichtig ist,<br />

dass solche hybriden Produkte modular aufgebaut werden können. Das<br />

Steckverbindersystem Combi Tac ermöglicht eine solche individuelle Kombination<br />

von Leistungs- <strong>und</strong> Steuerkontakten, Thermoelementen, Koaxialkontakten,<br />

Glasfaser, pneumatischen, hydraulischen <strong>und</strong> Ethernet-Kontakten<br />

in einem Rahmen oder Gehäuse. Die Multilam-Kontakttechnologie garantiert<br />

minimalen Spannungsabfall <strong>und</strong> minimalen Kontaktwiderstand sowie eine<br />

sehr hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Vibrationen. So kann eine sichere<br />

Verbindung auch bei bis zu 100 000 Steckzyklen sichergestellt werden.<br />

Stäubli, www.staubli.com, www.combitac.com | Halle 17 / C13<br />

54 #<strong>001</strong>


HANNOVER MESSE<br />

IIoT-fähiger Drucksensor warnt vor Druckabfällen<br />

Druckverluste in pneumatischen Systemen können teuer sein. Inzwischen<br />

gibt es aber Produkte, welche Leckagen ziemlich schnell detektieren. Von<br />

Aventics kommt nun ein Drucksensor mit IO-Link-Schnittstelle, der die<br />

Anbindung zum IIoT-Netzwerk erlaubt. Der PE5-Sensor löst das Problem auf<br />

einfach <strong>und</strong> leicht zu implementierende Weise: Wenn die Maschine ausgeschaltet<br />

ist, misst er den Druckverlust über die Zeit. Erfolgt der Druckabfall<br />

schneller als vorgesehen, wird ein Alarm ausgelöst. Dank IO-Link kann der<br />

PE5-IO auch über Computer parametriert werden.<br />

Aventics/Emerson, www.emerson.com | Halle 23 / Stand C39<br />

Werkstücke greifen wie ein Chamäleon<br />

Das Wirkprinzip des adaptiven Formgreifers DHEF von Festo<br />

folgt der Funktion der Zunge eines Chamäleons. Der Greifer<br />

kann daher Objekte mit unterschiedlichen Formen greifen,<br />

sammeln <strong>und</strong> wieder abgeben, ohne dass ein manueller<br />

Umbau notwendig ist. Die Silikonkappe des Formgreifers<br />

stülpt sich über fast jedes beliebig geformte Greifobjekt.<br />

Dadurch entsteht ein fester Formschluss. Das elastische Silikon<br />

passt sich präzise an unterschiedliche Geometrien an.<br />

In Kombination mit einem pneumatischen Antrieb, greift<br />

der adaptive Formgreifer energiearm <strong>und</strong> sicher. Er kommt<br />

sogar mit Bauteilen zurecht, die freie Formen <strong>und</strong> r<strong>und</strong>e<br />

Geometrien aufweisen. Da er keine scharfen Kanten hat,<br />

eignet er sich auch ideal für den Einsatz bei empfindlichen<br />

Objekten wie Luftdüsen oder Applikationsleisten.<br />

Festo, www.festo.ch | Halle 15 / Stand D11<br />

Mit Gesten einen Roboter<br />

steuern<br />

Lachen Sie nicht, wenn Sie in Kürze einen<br />

Mitarbeiter sehen, der gestikulierend vor<br />

einem Industrie-Roboter steht. Es ist dann<br />

nicht so, dass der Mitarbeiter das Prinzip<br />

Mensch-Maschine-Interaktion falsch<br />

verstanden hat! Dank neuer Technologie<br />

vom Fraunhofer Institut IWU kann er nun<br />

mit Händen <strong>und</strong> Armen den mechanisierten<br />

Mitarbeiter anweisen, eine Aufgabe zu<br />

erfüllen. Gestensteuerung ist zwar nicht<br />

neu <strong>und</strong> wird in Gaming-Anwendungen<br />

eingesetzt. Der Roboter verfolgt aber nicht<br />

nur die Hände, sondern scannt das<br />

Gesicht. Wenn der Mensch zum Beispiel<br />

seitwärts oder rückwärts blickt, um mit<br />

einem anderen Mitarbeiter zu sprechen,<br />

weiss die Maschine, Gesten zu ignorieren,<br />

die für andere bestimmt sind.<br />

Fraunhofer IWU, www.iwu.fraunhofer.de<br />

Halle 17 / Stand C24<br />

#<strong>001</strong> 55


MESSE PRODEX / SWISSTECH<br />

«ÜBERTRIFFT<br />

DIE ERWARTUNGEN»<br />

Wie macht sich das Messeduo Prodex <strong>und</strong> Swisstech, nachdem<br />

es den Termin verschieben mussten <strong>und</strong> andere daraus Kapital<br />

schlagen wollen? Eugen Da Pra, Managing Director Exhibit & More AG<br />

<strong>und</strong> Messeleiter Prodex <strong>und</strong> Swisstech, gibt Auskunft.<br />

Von Eugen Albisser<br />

Alles neu macht der Mai ist mir spontan in den Sinn<br />

gekommen, als ich die vielen Neuerungen sah, die mit<br />

dem Verschieben des Messedatums vom November auf<br />

den Mai gekommen sind: neues Logo, neue Webseite, neue<br />

Elemente auf der Messe. Liegt es tatsächlich am Mai?<br />

Das von Hermann Adam von Kamp verfasste Lied «Alles<br />

neu macht der Mai» ist sicher ein gutes Stichwort für die<br />

beiden MEM-Fachmessen Swisstech <strong>und</strong> Prodex. Bereits in<br />

der Analyse der Durchführung 2016 war ersichtlich, dass<br />

der visuelle Auftritt nicht mehr zeitgemäss war. Wir<br />

führten das Agenturbriefing im Mai 2017 durch, also noch<br />

lange vor der Terminverschiebung, <strong>und</strong> wollten für die<br />

Swisstech ein Facelifting <strong>und</strong> für die Prodex einen völlig<br />

neuen Auftritt erreichen. Das ist uns gemäss zahlreichen<br />

Aussagen von Ausstellern auch gut gelungen. Der neue<br />

Auftritt wurde dann mit dem Versand der Aussteller-<br />

Unterlagen für beide Messen im Februar 2018 das erste<br />

Mal publik.<br />

Augenfällig ist der lockere <strong>und</strong> modernde Auftritt der<br />

Webseite <strong>und</strong> des Logos. Ganz so locker war es hinter<br />

den Kulissen wahrscheinlich nicht mit den neuen Messen,<br />

die sich auf dem Messeplatz Schweiz etablieren wollen.<br />

Die Publikation von weiteren B2B-Fachmessen im<br />

Schweizer MEM-Umfeld haben in der Tat zu grosser<br />

Verunsicherung im Markt geführt. Der eine oder andere<br />

Veranstalter hat versucht, aus der Tatsache, dass die<br />

Prodex <strong>und</strong> die Swisstech verschoben wurden, Kapital<br />

zu schlagen <strong>und</strong> ein eigenes Produkt auf dem Markt<br />

zu etablieren. Ob dies erfolgreich in die Praxis umgesetzt<br />

werden kann, wird die Zukunft weisen. Fakt ist, der<br />

Schweizer Markt ist von der Kapazität her beschränkt<br />

<strong>und</strong> kann nicht beliebig oft in kleinere Teile aufgeteilt<br />

werden. Viele Aussteller haben beim Thema Fachmesse<br />

eine Schaffenspause eingelegt <strong>und</strong> warten ab, welche<br />

Plattform sich durchsetzen wird.<br />

Neue Elemente innerhalb der Messen könnten helfen,<br />

sich weiter abzuheben. Welche Neuerungen können<br />

Aussteller <strong>und</strong> Besucher erwarten?<br />

Sowohl die Prodex wie auch die Swisstech integrieren<br />

das Content-Live-Marketing-Konzept von Industry+, das die<br />

Verbindung von offline <strong>und</strong> online sicherstellt. Es besteht<br />

aus zwei Elementen: Einer Besucherwebseite für die beiden<br />

Fachmessen Prodex <strong>und</strong> Swisstech <strong>und</strong> einem digitalen<br />

Treffpunkt (Memtec.plus), der 365 Tage von teilnehmenden<br />

Firmen <strong>und</strong> Personen der MEM-Branche genutzt werden<br />

kann.<br />

Auch von einer «Smart Manufacturing Plattform»<br />

konnte man lesen.<br />

Ja, das ist ebenfalls ein neues Element. Die «Smart Manufacturing<br />

Plattform» wird eine grosse Begegnungszone<br />

inmitten des Messe-Duos sein, die aus verschiedenen<br />

Elementen besteht: Einem Forum für Weiterbildungs-Veranstaltungen,<br />

das umgeben ist von wichtigen Branchenverbänden,<br />

einer Zone für Hochschulen, Bildungs-Institute<br />

<strong>und</strong> Industrie-Partnern, einem Bereich für Innovationen<br />

<strong>und</strong> Start-Ups <strong>und</strong> einem Networking-Bereich, der auf<br />

einem «Food Corner» basiert.<br />

Wie sieht es aus mit der Belegung? Wie viele Aussteller<br />

werden erwartet <strong>und</strong> bis wann kann man sich noch<br />

anmelden?<br />

Der aktuelle Anmeldestand übertrifft die Erwartungen.<br />

Wir sind erfreut darüber, dass trotz der veränderten<br />

Rahmenbedingungen sich so viele Unternehmen für die<br />

nächste Prodex/Swisstech angemeldet haben. Wir gehen<br />

56 #<strong>001</strong>


«Wir gehen<br />

aus heutiger Sicht<br />

von circa 500<br />

Ausstellern aus.»<br />

Eugen Da Pra<br />

aus heutiger Sicht von circa 500 Ausstellern aus.<br />

Anmeldungen sind bis kurz vor Messebeginn möglich.<br />

Und aus Besuchersicht: Wie <strong>und</strong> ab wann kann man<br />

ein kostenloses Ticket erhalten?<br />

Die Online-Tickets können ab circa Anfang<br />

März 2019 über die Homepage www.prodex.ch<br />

<strong>und</strong> www.swisstech-messe.ch kostenlos<br />

bezogen werden.<br />

Prodex | www.prodex.ch<br />

Swisstech | www.swisstech-messe.ch<br />

Weitere Antworten <strong>und</strong> Aspekte<br />

zu diesem Thema in unserem<br />

Onlinemagazin (Suche: Prodex)<br />

#<strong>001</strong> 57


INDUSTRIALIS,<br />

QUO VADIS?<br />

Es war die Messe-Premiere <strong>und</strong> für die Veranstalter<br />

«ein voller Erfolg». Doch etwas mehr Besucher wären wünschenswert<br />

gewesen. Das sieht auch der Messeleiter so.<br />

Messeleiter Daniel Fritz peilt für<br />

die Industrialis 2020 mehr als<br />

doppelt so viele Besucher <strong>und</strong><br />

Aussteller an. «Passend zum<br />

Werkplatz Schweiz möchten wir<br />

aber den Gr<strong>und</strong>gedanken ‹Qualität<br />

vor Quantität› beibehalten.»<br />

Bild: Technik <strong>und</strong> Wissen<br />

58 #<strong>001</strong>


MESSE INDUSTRIALIS<br />

Von Eugen Albisser<br />

Die Messelandschaft wird sich in den kommenden<br />

Jahren noch verändern. Oder auch nicht. Jedenfalls<br />

sind einige Messen unter Druck geraten, andere<br />

formieren sich neu oder sind daran, sich zu<br />

positionieren. Eine davon zog die Premiere voll Karacho<br />

durch <strong>und</strong> zwar trotz eines unglücklich gelegenen Premieren-Zeitpunkts<br />

im vergangenen Dezember: die Industrialis<br />

in Bern.<br />

Knapp 5700 Besuchern kamen an den vier Messetagen.<br />

Verglichen mit anderen Messen (siehe Box) fiel die Industrialis<br />

besuchermässig eher bescheiden aus. Dennoch war<br />

die Messeleitung zufrieden. Messeleiter Daniel Fritz sprach<br />

von «positiven Ausstellerechos» <strong>und</strong> konnte auch bereits<br />

«viele Zusagen entgegennehmen für die nächste Industrialis»<br />

– die im Jahr 2020 nicht im Dezember, sondern im November<br />

stattfinden wird.<br />

Doch wie sagt der Volksm<strong>und</strong>: Klein, aber fein? Wir haben<br />

ein paar Wochen nach der Messe nochmals bei Messeleiter<br />

Daniel Fritz nachgefragt.<br />

Gab es auch kritische Stimmen?<br />

Selbstverständlich gab es auch berechtigte Kritik <strong>und</strong> das<br />

nehmen wir uns sehr zu Herzen. Wir müssen im Nachhinein<br />

feststellen, dass unsere Werbeaktivitäten zu gering<br />

ausfielen. Von der Idee bis zur Durchführung der ersten<br />

Industrialis hatten wir allerdings auch nur ein Jahr Zeit<br />

– das ist sehr wenig. Ein Besuchertotal von knapp 5700 ist<br />

aber dennoch <strong>und</strong> auch trotz der von sehr vielen Ausstellern<br />

bescheinigten äusserst hohen Qualität zu tief, weshalb<br />

wir in diesem Punkt natürlich nicht zufrieden sind.<br />

Eine Premiere darf sicherlich auch als Lernphase<br />

angesehen werden: Was werden Sie mitnehmen für die<br />

Planung der Industrialis 2020?<br />

Passend zum Werkplatz Schweiz möchten wir den<br />

Gr<strong>und</strong>gedanken «Qualität vor Quantität» auf jeden Fall<br />

beibehalten. Auch an der Idee einer ganzheitlichen<br />

Schweizer Industriemesse unter einem Namen <strong>und</strong> einem<br />

Dach möchten wir festhalten.<br />

Herr Fritz, Sie waren unmittelbar nach der Premiere<br />

sehr zufrieden. Hat sich dieser Eindruck gehalten?<br />

Unmittelbar nach der Premiere lässt eine gewisse Erleichterung<br />

das Fazit möglicherweise ein paar Prozentpunkte<br />

höher ausfallen, aber wir sind unterm Strich nach wie<br />

vor sehr zufrieden mit der Erstdurchführung der Industrialis.<br />

Manches war bereits sehr gut, manches müssen wir<br />

aber auch verbessern. Natürlich sollten wir 2020 mehr als<br />

doppelt so viele Aussteller <strong>und</strong> Besucher für die Messe<br />

gewinnen, damit sie sich am Markt etablieren kann. Wir<br />

sind jedoch davon überzeugt, dass wir den Gr<strong>und</strong>stein<br />

für ein solches Wachstum legen konnten, weshalb wir die<br />

erste Industrialis als Erfolg werten.<br />

Was machen Sie bis zur nächsten Austragung?<br />

Wir werden zeitnah mit der Planung <strong>und</strong> Vermarktung<br />

der Industrialis 2020 beginnen. Wir haben nun eine reale<br />

Marke, es ist nicht länger nur Theorie. Ausserdem haben<br />

wir diesmal knapp zwei Jahre Zeit <strong>und</strong> damit eine deutlich<br />

komfortablere Position als im letzten Jahr.<br />

www.industrialis.ch<br />

Interview mit:<br />

Daniel Fritz,<br />

Messeleiter<br />

Industrialis<br />

Fachbesucher an Messen<br />

Messe Jahr Besucher Aussteller Tage Ø Besucher /<br />

Tag<br />

Hannover<br />

Messe (D)<br />

2018 210 000 5 000 5 42 000 42<br />

AMB (D) 2018 91 000 1 550 5 18 200 58<br />

Prodex (CH) 2016 29 100 330 4 7 275 88<br />

Sindex (CH) 2018 13 000 400 3 4 333 33<br />

Siams (CH) 2018 14 000 450 4 3 500 31<br />

Ø Besucher /<br />

Aussteller<br />

Crossmedia<br />

Weitere Artikel<br />

Einen umfangreichen Multimedia-<br />

Artikel über das Wesen der<br />

Industriemessen – inkl. Vergleichszahlen<br />

– haben wir in unserem<br />

Onlinemagazin veröffentlicht.<br />

Ausgestellt <strong>und</strong> präsentiert –<br />

Industriemessen: Wo? Wann? Wozu?<br />

http://bit.ly/2Feydc0<br />

Industrialis (CH) 2018 5 700 140 4 1 425 40<br />

#<strong>001</strong> 59


AUTOMATION & ELECTRONICS<br />

INTERAKTIVES<br />

MESSE-ERLEBNIS<br />

Die Stage 7 gilt nach ihrer Premiere vor zwei Jahren als etabliert.<br />

Aber nicht nur deswegen lohnt sich ein Besuch der kommenden<br />

«automation & electronics» in Zürich, wie der Messeverantwortliche<br />

David Henz im Gespräch sagt.<br />

Von Markus Back<br />

Warum sollte man sich für den 5. <strong>und</strong> 6. Juni 2019<br />

unbedingt einen Platzhalter im Terminkalender setzen?<br />

Die «automation & electronics» ist die einzige Deutschschweizer<br />

Messe in diesem Jahr, die eine komplette<br />

Übersicht über die industrielle Automation gibt. Darüber<br />

hinaus bietet sie eine Start-Up-Zone, die Science-Plaza<br />

sowie das Solution Center <strong>und</strong> schafft so einen idealen<br />

Mix aus Business, Know-how <strong>und</strong> Networking.<br />

Welche Zielgruppen adressiert die «automation &<br />

electronics»?<br />

Die «automation & electronics» spricht seit jeher Entscheider<br />

aus der Industrie an <strong>und</strong> richtet sich an Ingenieure,<br />

Technische Leiter, Fachpersonal <strong>und</strong> Geschäftsführer aus<br />

der gesamten Industrie. In den letzten Jahren kam ein<br />

Grossteil des Publikums aus den Bereichen Maschinen<strong>und</strong><br />

Anlagenbau, Elektrotechnik <strong>und</strong> Elektronik, Forschung<br />

<strong>und</strong> Entwicklung sowie der Prozesstechnik.<br />

Wenn man die Ausstellungsbereiche ansieht, entsteht<br />

der Eindruck, dass es sehr viel «automation» <strong>und</strong> sehr<br />

wenig «electronics» in Zürich zu sehen geben wird.<br />

Wie sehen Sie das?<br />

Viele unserer Aussteller bieten Produkte an, die sowohl<br />

in die «automation» wie auch in die «electronics» passen.<br />

Das Thema «electronics» wird zusätzlich durch die Stage 7<br />

abgedeckt, in welcher die Aussteller Komponenten,<br />

Displays, Stromversorgungen <strong>und</strong> Leiterplatten zeigen.<br />

Wir sind davon überzeugt, dass sich die Besucher in<br />

beiden Ausstellungsbereichen umfassend informieren<br />

können.<br />

Die Stage 7 wurde von zwei Jahren als interaktive Netzwerkplattform<br />

lanciert. Was haben die Messebesucher<br />

bei der Neuauflage dieses Formats zu erwarten?<br />

Bei der Stage 7 ging <strong>und</strong> geht es vordergründig darum,<br />

dem Thema IOT in der Industrie einen gebührenden<br />

Rahmen zu verschaffen. Entsprechend richtet sie sich<br />

direkt an Entwickler aus den Bereichen Elektronik<strong>und</strong><br />

Elektrotechnik <strong>und</strong> bietet diesen somit eine Plattform<br />

für kompetente Informationen <strong>und</strong> Austausch.<br />

Die Stage 7 ist nur ein Teil des Rahmenprogramms.<br />

Welche weiteren Angebote hält dieses bereit?<br />

Die Start-up-Zone gibt jungen, innovativen Unternehmen<br />

die Möglichkeit, ihre neusten Entwicklungen zu zeigen<br />

<strong>und</strong> ermöglicht zusammen mit der Science-Plaza, bei der<br />

Hochschulen unter anderem über aktuelle Entwicklungen<br />

sprechen, einen Blick in die Zukunft. Das Solution Center<br />

schliesslich gibt den Ausstellern die Chance, ausserhalb<br />

ihres Standes über ihre Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen<br />

zu referieren <strong>und</strong> sie mittels 30-minütigem Pitch zu<br />

präsentieren.<br />

Besucher erhalten eine smarte Eintrittskarte.<br />

Welchen Nutzen bietet diese?<br />

Unsere Smart Badge Technology trägt zum interaktiven<br />

Messeerlebnis bei. Jeder unserer Aussteller verfügt über<br />

mindestens einen Smart Badge Reader, bei welchem<br />

Informationen zu Produkten, Dienstleistungen <strong>und</strong> dem<br />

Unternehmen selbst hinterlegt werden. Durch den Scan<br />

des Smart Badges erhält der Besucher anschliessend alle<br />

diese Informationen digital per E-Mail zugestellt. Der<br />

60 #<strong>001</strong>


David Henz ist<br />

Head of Sales beim<br />

Messeorganisator<br />

Easyfairs.<br />

FAULHABER BXT<br />

Leistung in<br />

neuen<br />

Dimensionen<br />

«Stage 7 verpasst<br />

dem Thema IoT<br />

einen gebührenden<br />

Rahmen»<br />

David Henz<br />

FAULHABER Bürstenlose<br />

DC-Flachmotoren Baureihe BXT<br />

■ 14-Pol Aussenläufer-Motoren mit sehr<br />

hohen Dauerdrehmomenten von bis zu<br />

134 mNm <strong>und</strong> Leistungen bis 100 W<br />

■ Extrem kurze Bauform mit Längen von<br />

nur 14, 16 bzw. 21 mm, bei entsprechenden<br />

Durchmessern von 22, 32 bzw. 42 mm<br />

■ Innovative Wicklungstechnik<br />

■ Verfügbar mit <strong>und</strong> ohne Gehäuse<br />

Messebesuch ist somit einfach <strong>und</strong> vor allem papierlos,<br />

was von allen Beteiligten enorm geschätzt wird.<br />

Beenden Sie den Satz: Wer nicht zur «automation &<br />

electronics» kommt, …<br />

… verpasst die Möglichkeit, sich einfach <strong>und</strong><br />

kompetent über Trends <strong>und</strong> Innovationen zu informieren<br />

sowie Kontakte aufzufrischen <strong>und</strong> sein Netzwerk<br />

zu erweitern.<br />

www.faulhaber.com/p/bxt/de<br />

NEU<br />

Industriemessen Easyfairs<br />

www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch/easyfairs.html<br />

WE CREATE MOTION


FERTIGUNGS<strong>TECHNIK</strong><br />

Ultraschalltechnologie in der spanenden Bearbeitung<br />

MIT SCHWINGUNG<br />

GEGEN DAS<br />

SPRÖDHARTE<br />

Die ultraschallunterstützte spanende Bearbeitung existiert<br />

zwar schon lange <strong>und</strong> doch ist sie noch immer ein Geheimtipp.<br />

Aber wer schwer zerspanbare Materialien bearbeiten<br />

muss, sollte das hybride Verfahren genauer anschauen.<br />

Die Aufstellfläche glänzt<br />

wie eine geschliffene<br />

Oberfläche: Mit der<br />

Ultraschalltechnologie<br />

entfällt allerdings ein<br />

Maschinenwechsel <strong>und</strong><br />

ein Umspannen, was zu<br />

einer höheren Prozesssicherheit<br />

beiträgt.<br />

Bilder: Technik <strong>und</strong> Wissen<br />

62 #<strong>001</strong>


Von Eugen Albisser<br />

Harte <strong>und</strong> sprödharte Materialien<br />

wie Titan, Edelstähle<br />

wie CrNi, CrCo, CrMo, Hochleistungskeramik,<br />

Hartmetall,<br />

Wolfram, Germanium oder Glas<br />

sind für die Ultraschallbearbeitung<br />

kein Problem <strong>und</strong> lassen sich mit der<br />

Technologie viel wirtschaftlicher <strong>und</strong><br />

vor allem in einer sehr hohen Qualität<br />

fertigen. Doch was steckt hinter der<br />

Technologie <strong>und</strong> was genau kann sie?<br />

Schaut man sich das Prinzip zum Beispiel<br />

bei einer Ultrasonic-Bearbeitungsmaschine<br />

an, so findet dort eine<br />

gleichzeitige Überlagerung der Werkzeugrotation<br />

mit einer axialen Bewegung<br />

im Hochfrequenzbereich (15-45<br />

kHz) statt. Dies erfolgt durch einen Ultraschall-Generator<br />

im Zusammenspiel<br />

mit speziellen Werkzeugaufnahmen<br />

(BBT-30). Das Ergebnis ist eine<br />

definierte Schwingungsamplitude in<br />

axialer Richtung im µm-Bereich. Diese<br />

Werkzeugaufnahmen können übrigens<br />

ganz normal über das Werkzeugmagazin<br />

in die Spindel eingewechselt<br />

werden.<br />

mit einer zusätzlichen Funktion. Diese<br />

überlagert die konventionelle Kinematik<br />

mit einer Ultraschallschwingung<br />

des Werkzeuges», erklärt Steiner.<br />

Ultraschalltechnologie löst Schleifmaschinen<br />

ab<br />

Der Einsatz einer Ultrasonic-Technologie<br />

bietet sich vor allem dann an,<br />

wenn einerseits harte Materialien bearbeitet<br />

werden sollen, anderseits aber<br />

auch wenn man Schleifprozesse umgehen<br />

möchte. Denn mit einer Oberflächengüte<br />

erreicht man je nach Material<br />

zirka Ra 0,2 μm. Das kommt zwar<br />

nicht an Verfahren wie das Läppen<br />

heran, kann sich aber mit vielen<br />

Schleifprozessen messen. Weil ausserdem<br />

ein Maschinenwechsel <strong>und</strong><br />

ein Umspannen verhindert wird, erhöht<br />

sich die Prozesssicherheit wesentlich.<br />

«Wir haben bereits mehrere<br />

Anlagen in Firmen Ultraschall-Maschinen<br />

hingestellt, die inzwischen<br />

alle Schleifmaschinen ersetzt haben.<br />

Denn der Zeitgewinn war für das Unternehmen<br />

enorm», sagt Oliver Steiner.<br />

ganz Europa werden Testteile angeliefert,<br />

welche die landesspezifischen<br />

Händler für ihre K<strong>und</strong>en in Auftrag<br />

geben. Oliver Steiner: «Ein solches Applikationszentrum<br />

hat den Vorteil,<br />

dass wir ausgiebig Erfahrung mit der<br />

Technologie sammeln konnten. Wir<br />

bauten so ein riesiges Know-how auf<br />

vor allem im Bereich der Bearbeitung<br />

schwer zerspanbarer Materialien. Dieses<br />

angesammelte Wissen ist nun<br />

Gold Wert bei der Beratung von K<strong>und</strong>en,<br />

die in diesem Bereich Unterstützung<br />

brauchen.»<br />

Steiner Werkzeugmaschinen<br />

www.steinermachine.ch<br />

Universell einsetzbar<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich kann man mit Ultraschall<br />

schweissen, bohren oder ganz<br />

einfach Material von Oberflächen abtragen,<br />

also zum Beispiel schleifen,<br />

drehen oder fräsen. «Die Technologie<br />

erlaubt höhere Vorschübe, erzielt exzellente<br />

Oberflächengüten <strong>und</strong> längere<br />

Werkzeugstandzeiten», sagt Oliver<br />

Steiner, CEO der Steiner Werkzeugmaschinen.<br />

Seine Firma vertreibt die<br />

Maschinen des taiwanesischen Herstellers<br />

Tongtai in der Schweiz <strong>und</strong><br />

damit auch die Ultrasonic-Bearbeitungszentren.<br />

Erfahrung sammeln im eigenen<br />

Applikationszentrum<br />

Die Firma Steiner ist in der Schweiz<br />

ein Pionier im Umgang mit neuen<br />

Technologien: Seit über zehn Jahren<br />

führt sie beispielsweise 3D-Drucker<br />

im Portfolio <strong>und</strong> seit sechs Jahren,<br />

auch die Tongai-Ultraschallmaschinen.<br />

Und weil die Firma auch europäischer<br />

Pionier war mit den Ultrasonic-Maschinen,<br />

steht deshalb am<br />

Standort in Gränichen auch das T-TAC,<br />

das Technical Application Center. Aus<br />

Die Ultrasonic VU-5 von Tongtai.<br />

Die Fräsmaschine mit Zusatzfunktion<br />

Deren Ultrasonic VU-5 zum Beispiel<br />

wird vor allem in der Medizintechnik,<br />

Luft- <strong>und</strong> Raumfahrttechnik, Optik<strong>und</strong><br />

Glasindustrie, der Uhrenindustrie<br />

<strong>und</strong> im Formenbau eingesetzt. Bei<br />

einer Tischgrösse von 800 × 410 mm<br />

lässt sie eine Beladung von 300 kg zu<br />

<strong>und</strong> ist mit BBT-30-Werkzeughaltern<br />

<strong>und</strong> einer Hochgeschwindigkeitsspindel<br />

ausgestattet. «Im Gr<strong>und</strong> genommen<br />

ist die VU-5 primär eine Fräsmaschine<br />

Technische Details<br />

Werkzeugaufnahme: BBT30<br />

Verfahrwege X,Y,Z: 510 × 400 × 350 mm<br />

Tischgrösse: 600 × 410 mm<br />

Max. Zuladung: 300 kg<br />

Vorschub Eilgang: 48 m/min<br />

Maschinenmasse B,T,H: 2000 × 2680 × 2560 mm<br />

Gewicht: 3800 kg<br />

#<strong>001</strong> 63


ANTRIEBS<strong>TECHNIK</strong><br />

Kugelgewindetriebe von Eichenberger Gewinde AG garantieren sicheren Andockvorgang<br />

ROLLEN IST BESSER<br />

ALS GLEITEN<br />

Was auf der Erde flutscht, knarrt im Weltall. Daher braucht es eine schmierfreie<br />

Lösung, damit der «Dream Chaser» problemlos an der ISS andocken kann.<br />

Die Mission<br />

Auf der Spitze der Trägerrakete Atlas V soll ab<br />

2020 der «Dream Chaser» des US-amerikanischen<br />

Herstellers Sierra Nevada Corporation in die erdnahe<br />

Umlaufbahn starten. Das universelle Raumfahrzeug bietet für<br />

bis zu sieben Personen Platz, lässt sich aber ebenso als<br />

Forschungsplattform oder für Frachttransporte zur Raumstation<br />

ISS einsetzen. Denkbar ist ebenfalls ein Einsatz als fliegender<br />

Staubsauger, um den Weltraum von Schrott zu befreien.<br />

Für ein Rendezvous zwischen Traumfänger <strong>und</strong> ISS<br />

bedarf es einer ausfallssicheren Dockingeinheit.<br />

Deren Herzstück sind drei starke, korrosionsbeständige<br />

Kugelgewindetriebe mit Endkappen-<br />

Kugelrückführung.<br />

Die Herausforderung<br />

Das Vakuum beeinflusst alles, was flüssig ist oder<br />

verdampfen kann. Darunter fallen auch Schmiermittel.<br />

Fette, die auf der Erde fest sind, verdampfen in ihm,<br />

weshalb bewegliche Teile ohne Schmierung auskommen müssen.<br />

Eine weitere Herausforderung stellen die Temperaturextreme<br />

dar. Bei der Dockingstation gehen die Ingenieure von einer<br />

Spanne zwischen -50 <strong>und</strong> 90° C aus. Zudem belasten<br />

ultraviolettes Licht, Röntgenstrahlen, Teilchen mit<br />

hoher Energieladung <strong>und</strong> atmosphärische Atome das<br />

Material, das so anfälliger für Korrosion wird.<br />

Die Lösung<br />

Der Inox-Kugelgewindetrieb Carry mit integriertem<br />

Hochleistungskunststoff in der Kugelrückführung trotzt<br />

dem rauen Weltall. Da beim Gewindewalzen die Längsfasern<br />

des Materials nicht zerschnitten, sondern umgelenkt werden,<br />

entstehen glatt rollierte <strong>und</strong> äusserst belastbare Oberflächen. Die<br />

hierbei erreichten Rauheitswerte um Rz 1,0 auf den Gewindeflanken<br />

bringen den entscheidenden Vorteil. Der Rollreibungskoeffizient<br />

beträgt bei Stahlkugeln gerade einmal 0,<strong>001</strong>3 <strong>und</strong> ist damit um Faktoren<br />

besser gegenüber der Gleitreibung Stahl auf Stahl (geschmiert)<br />

mit 0,1 bis 0,05. Die Gleiteigenschaften des kaltgerollten<br />

Kugelgewindetriebs sorgen somit für minimalen Abrieb<br />

<strong>und</strong> bieten weniger Angriffsfläche für Verschmutzungen.<br />

Eichenberger Gewinde AG | www.gewinde.ch<br />

64 #<strong>001</strong><br />

Bild: Sierra Nevada Corporation


GENERATIVE VERFAHREN<br />

DRUCK DAS TEIL<br />

DOCH SELBST!<br />

Firmen schaffen sich immer öfters kostengünstige, aber industrietaugliche<br />

3D-Drucker an. Der Gr<strong>und</strong>: Sie stellen Bauteile für die eigene Produktion oder<br />

Montage gleich selbst her.<br />

Wer sich noch immer<br />

nicht mit der additiven<br />

Fertigung befasst, der<br />

sollte dies schnellstmöglich<br />

tun. Denn die Gründe für die<br />

Anschaffung eines professionellen<br />

3D-Druckers vermehren sich mit jedem<br />

Quartal. Einerseits sinken die Investitionskosten,<br />

anderseits steigt die<br />

Bauteilequalität <strong>und</strong> die Materialienvielfalt<br />

nimmt zu. Unlängst sind die<br />

Maschinen auch schnell genug geworden,<br />

um Serienproduktionen bis 10 000<br />

Stück wirtschaftlich zu fertigen. Doch<br />

dafür müssten Firmen die eigenen Produkte<br />

neu überdenken <strong>und</strong> sie mittels<br />

«additiven Denkens» neu konstruieren.<br />

Das aber stellt immer noch ein grosses<br />

Hindernis dar.<br />

Ans Werkstück angepasste Robotergreifer<br />

erstellen<br />

Aber auch wenn man nicht die ganze<br />

Produktion auf den Kopf stellen will,<br />

so gibt es momentan einen Trend, der<br />

deutlich für die Investition in einen<br />

3D-Drucker spricht. Es zeigt sich nämlich,<br />

dass Firmen immer öfters 3D-Drucker<br />

kaufen, um für eine Werkzeugma-<br />

Empfehlung<br />

3D-Drucker unter 50 000 Franken<br />

Für das schnelle Fertigen von Ersatz- <strong>und</strong> Verbrauchsteilen muss man keinen hochprofessionellen<br />

3D-Drucker kaufen. Es gibt auf dem Markt viele industrietaugliche 3D-Drucker,<br />

die etwas unter 50‘000 CHF kosten <strong>und</strong> die meisten Bauteile einfach, schnell <strong>und</strong> in<br />

guter Qualität herstellen. Die im Bericht erwähnten Firmen (Steiner Werkzeugmaschinen<br />

<strong>und</strong> Alphacam) haben je einen Maschinentyp aus ihrem Portfolio erwähnt, die in dieses<br />

Leistungs- <strong>und</strong> Preissegment fallen:<br />

• Steiner: 3D-Systems Projet MJP 2500 Plus<br />

• Alphacam: Stratasys F170 bis 370<br />

schine oder Montagelinie die<br />

Ersatz-, Verschleiss- oder<br />

Einsatzteile gleich selber<br />

herzustellen. «Der 3D-Drucker<br />

als Lieferant solcher<br />

Teile hat tatsächlich zugenommen»,<br />

sagt Oliver Steiner,<br />

CEO der Steiner Werkzeugmaschinen<br />

aus Gränichen. Seine Firma<br />

verkaufte bereits mehrmals die Kombination<br />

aus Ultraschallmaschine <strong>und</strong><br />

Drucker. Mittels additiver Verfahren<br />

werden zum Beispiel speziell auch<br />

ans Werkstück angepasste Greifer für<br />

den in die Werkzeugmaschine integrierten<br />

Roboter hergestellt.<br />

Drucker für breites Anwendungsspektrum<br />

verwenden<br />

Man findet in der eigenen Firma immer<br />

neue Bauteile, die sich leicht mit<br />

einem 3D-Drucker professionell herstellen<br />

lassen, wie Backen für das<br />

Spannfutter oder Vorrichtungen, die<br />

in der Montage gebraucht werden»,<br />

sagt auch Martin Folie, Vertriebsleiter<br />

Additive Fertigung bei der Firma Alphacam,<br />

welche die Drucker von Stratasys<br />

in der Schweiz vertreibt. Seine<br />

FERTIGUNGS-<br />

Empfehlung beim Kauf<br />

eines 3D-Druckers: die<br />

FDM-Technologie (Fused<br />

Deposition Modeling;<br />

deutsch: Schmelzschichtung),<br />

da diese<br />

ein breites Anwendungsspektrum<br />

abdecken kann.<br />

Damit lassen sich auch äusserst<br />

belastbare <strong>und</strong> langlebige Bauteile<br />

<strong>und</strong> Baugruppen aus Kunststoff mit<br />

einer Genauigkeit von bis zu 0,1 mm,<br />

geringen Wandstärken <strong>und</strong> komplexen<br />

Geometrien schnell <strong>und</strong> einfach<br />

erstellen.<br />

TIPP<br />

#<strong>001</strong><br />

Mitarbeiter zum Technologie-Experten<br />

ernennen<br />

Was nun bei kleineren <strong>und</strong> mittleren<br />

Unternehmen Einzug halten könnte,<br />

gehört bei Konzernen aber längst zum<br />

Standard. Boeing <strong>und</strong> Airbus haben<br />

bereits an diversen Flughäfen Drucker<br />

in Betrieb, an die sie aus der Ferne<br />

Druckaufträge für Ersatzteile zusenden<br />

können. So können noch während<br />

die Putzequipe das Flugzeug für die<br />

nächsten Reisenden bereitmacht,<br />

gleich eine Armlehne oder ein abgerissener<br />

Griff ersetzt werden.<br />

Für KMU aber hält Martin Folie<br />

noch einen Tipp bereit, um den Einstieg<br />

ins Additive Manufacturing zu<br />

schaffen: «Jedes noch so kleine Unternehmen<br />

sollte dringend einen Mitarbeiter<br />

beauftragen, der sich mit<br />

neuen Technologien auseinandersetzt.<br />

Denn wenn sich jemand mit<br />

dem 3D-Druck intensiv auseinandersetzt,<br />

öffnen sich nach <strong>und</strong> nach viele<br />

Türen <strong>und</strong> vielleicht kommt man über<br />

den Druck von Gebrauchteilen dann<br />

irgendwann auch zur Herstellung eigener<br />

Produkte.»<br />

eal<br />

#<strong>001</strong> 65


Produkte<br />

Encoder für zahlreihe Einsatzbereiche<br />

Die Absolut-Encoder AHS/AHM36 IO-Link lassen sich einfach mechanisch adaptieren<br />

<strong>und</strong> bieten eine gute elektrische Kontaktierung. Die Ausführung AHS/AHM36<br />

IO-Link Inox ist durch ihr Edelstahlgehäuse <strong>und</strong> IP69K für den Einsatz unter äusserst<br />

rauen Umgebungsbedingungen ausgelegt. Der drehbare Stecker- oder Leitungsanschluss<br />

sowie die verschiedenen Montagelochbilder <strong>und</strong> Adapterflansche<br />

erleichtern die Montage der Encoder, die sich durch ihre IO-Link-Schnittstelle gut<br />

in Ethernet- <strong>und</strong> Feldbusnetzwerke integrieren lassen. Die Konfiguration erfolgt<br />

übers Engineeringtool Sopas oder ist über den IO-Link-Master anpassbar. Die<br />

voll magnetische Sensorik bietet in der Singleturn-Variante eine Auflösung von<br />

maximal 14 Bit <strong>und</strong> in der Multiturn-Variante von maximal 26 Bit.<br />

Sick AG | www.sick.ch<br />

Erweiterte Leistungs- <strong>und</strong> Anschlusspannungen<br />

Siemens ergänzt das Einachs-Servoantriebssystem Sinamics S210<br />

um zusätzliche Leistungs- <strong>und</strong> Anschlussspannungsvarianten. In der<br />

ersten neuen Baugrösse ist es mit einer Leistung von 0,4 bis 1 kW verfügbar.<br />

Für den weltweiten Einsatz verfügt es über ein optionales Einspeise-<br />

Schienensystem <strong>und</strong> eine gemeinsame Zwischenkreiskupplung. Letztere<br />

ermöglicht den Energieausgleich bei dynamischen Reversiervorgängen,<br />

was die beim Bremsen entstehende thermische Abwärme über den integrierten<br />

Bremswiderstand reduziert <strong>und</strong> den Verfahrzyklus der einzelnen<br />

Achsen erhöht. Neben den Advanced Controllern S7-1500 können<br />

auch Simatic ET 200SP CPUs <strong>und</strong> Open Controller oder Simatic S7-1500-<br />

Software-Controller als übergeordnete Steuerung eingesetzt werden, die<br />

alle über taktsynchrones Profinet IRT angeb<strong>und</strong>en sind.<br />

Siemens Schweiz AG | www.siemens.ch/industry<br />

Intelligente Ethernet-Extender<br />

Die TC-Extender verlängern einfache Punkt-zu-Punkt-Ethernet-<br />

Strecken via plug-and-play. Durch Einsatz nur eines Managed-Geräts<br />

lassen sich alle Extender-Strecken <strong>und</strong> Teilnehmer via IP fernüberwachen.<br />

Bei unerwarteten Ereignissen, wie einer Streckenschwächung,<br />

steht diese Information via SNMP-Trap zur Verfügung <strong>und</strong> kann als<br />

Warnung an einen oder mehrere Netzwerkteilnehmer versandt werden.<br />

Durch die Topologie- <strong>und</strong> Datenratenerkennung lassen sich Extender-Anwendungen<br />

im laufenden Betrieb <strong>und</strong> rückwirkungsfrei auf<br />

Linien- <strong>und</strong> Ringtopologien mit bis zu 50 Extendern ohne Konfiguration<br />

erweitern. Je Extender-Segment sind Übertragungsreichweiten von<br />

bis zu 20 km möglich – <strong>und</strong> das mit einer beliebigen Zweidrahtleitung.<br />

Phoenix Contact AG | www.phoenixcontact.ch<br />

66 #<strong>001</strong>


Sicherer <strong>und</strong> browserbasierter<br />

Fernzugriff<br />

Dreischneidiges Bohren<br />

für alle Werkstoffe<br />

Die geschlichteten Nutprofile der neuen<br />

Reihe Tritan-Drill-Uni-Plus verbessern<br />

den Späneabtransport, während die verschleissfestere<br />

Beschichtung die Standzeit<br />

bis um das Dreifache erhöht. Speziell<br />

für Einsatz in Aluminium- <strong>und</strong> Gusswerkstoffen<br />

wurden der Tritan-Drill-Alu <strong>und</strong><br />

der Tritan-Drill-Iron entwickelt, die für<br />

signifikante Steigerungen der Vorschubwerte<br />

sorgen. Das polierte Nutprofil des<br />

Tritan-Drill-Alu gewährleistet dabei in<br />

Kombination mit den gross ausgeführten<br />

Spanräumen <strong>und</strong> einer scharfen Schneidkantenpräperation<br />

eine optimale Spanbildung<br />

<strong>und</strong> einen prozesssicheren<br />

Späneabtransport. Die Eckradien-Ausführung<br />

des Tritan-Drill-Iron sorgt indes<br />

für mehr Stabilität <strong>und</strong> Verschleissfestigkeit<br />

der Schneidecke. Der Tritan-Step-<br />

Drill-Steel wurde hingegen speziell für die<br />

Stufenbohrungen in Gewindekernlöchern<br />

entwickelt. Er weist eine innovative<br />

Ausspitzung <strong>und</strong> feinstgeschliffene<br />

Spannuten auf, wodurch die Späne eng<br />

gerollt <strong>und</strong> gebrochen werden. Die Bohrer<br />

basieren auf der Schaftform HA <strong>und</strong> sind<br />

im Durchmesserbereich 4 bis 20 mm<br />

<strong>und</strong> in den Längen 5xD <strong>und</strong> 8xD verfügbar.<br />

Mapal Präzisionswerkzeuge Dr. Kress KG<br />

www.mapal.com<br />

Gesicherte Fernzugriffsmöglichkeiten erhöhen die<br />

Verfügbarkeit von Maschinen sowie Anlagen <strong>und</strong><br />

sind ein wichtiger Faktor bei der Digitalisierung. Mit<br />

der webbasierten Sigmatek «Remote Access Platform»<br />

(RAP) lassen sich Maschinendaten komfortabel<br />

sammeln <strong>und</strong> auswerten. Techniker können über die<br />

zentrale Oberfläche ganz einfach eine sichere VPN-<br />

Verbindung mit der gewünschten Maschine einrichten.<br />

Der Anwender kann Software-Updates, Debugging<br />

<strong>und</strong> Wartung durchführen, als ob er direkt vor Ort wäre.<br />

Die kompakten «Remote Access Router» (RAR) für die<br />

Hutschiene stellen sicher, dass höchste IT-Sicherheitsstandards<br />

eingehalten werden können. Es sind verschiedene<br />

RAR-Varianten verfügbar: Ethernet only,<br />

SIM 3G/4G, Wi-Fi <strong>und</strong> 4G/LTE. Für tiefe Einblicke in die<br />

Maschine, Alarmeinrichtung <strong>und</strong> Datenberichte gibt<br />

es auf der zentralen RAP-Cloudplattform die Funktionen<br />

«Cloud Logging» <strong>und</strong> «Cloud Notify».<br />

Sigmatek | www.sigmatek.ch<br />

Leistungsdichte Spannstationen<br />

Die Single-, Zweifach- <strong>und</strong> Vierfachspannstationen<br />

der Vero-S NSL-Mini-100-25-Baureihe sind<br />

auf die Anforderungen der Kleinteilefertigung<br />

zugeschnitten: Vollständig abgedichtet verhindern<br />

die Spannmodule, dass Späne oder Schmutz<br />

ins Innere eindringen <strong>und</strong> Störungen verursachen<br />

können. Zugleich sorgt ein überarbeiteter<br />

Antrieb für eine Vervielfachung der Einzugskräfte:<br />

Jedes Spannmodul erzielt eine Einzugskraft<br />

von 6000 N. Je nach eingesetztem Gewinde<br />

beträgt die Haltekraft 15 000 N (M6) oder 25 000 N<br />

(M8). Die Vierfachspannstation erreicht bei einer<br />

Abmessung von 199 × 199 × 40 mm Einzugskräfte<br />

von 24 000 N <strong>und</strong> Haltekräfte von 60 000 N<br />

beziehungsweise 100 000 N. Da auch die Steifigkeit<br />

erhöht wurde, können deutlich höhere<br />

Kippmomente aufgenommen werden. Optional<br />

können die Spannstationen mit zusätzlichen<br />

Anschraubbohrungen versehen werden.<br />

Schunk Intec AG | www.schunk.com<br />

#<strong>001</strong> 67


INTEGRIERTES VISIONSYSTEM<br />

Mehr als embedded<br />

Komplettes Portfolio: www.br-automation.com/vision<br />

Einfach. Mehr. Sehen.

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