Kulturfenster Nr. 04|2019 - August 2019

infoatvsm.bz.it

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.

-70% – NE BOLZANO – 71. Jahrgang

Nr. 4 | AUGUST | 2019

Zweimonatszeitschrift

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

70Jahre

Heimatpflegeverband

Heimatpflege wird 70

Musik – Teil unseres Lebens

„Politik soll der Kultur dienen“


• Geleitwort •

• Inhalt •

• Heimatpflege

70 Jahre und kein bisschen müde 3

Heimatpfl ege wird 70 4

Zwölf Gebote des Heimatschutzes 5

Rostbraune Mauerbiene

„Insekt des Jahres“ 6

Michael Steinwandter

hält hochaktuellen Vortrag 7

Orts- und Flurnamen

im Burggrafenamt 10

Studentinnen und Studenten

machen Heimat zum Thema 12

„Netzwerk Kulturerbe“ 14

Florian Trojer – der Neue im HPV 15

Geheimtipp Salurn 16

„Terra tra i monti – Land im Gebirge“ 17

Hoangort auf Schloss Tirol 19

Christl Patzleiner –

eine ganz patente Frau 20

Dialog mit Politikern und Behörden suchen

Eine gewisse Art von Unerschrockenheit

und Überzeugungskraft sind notwendige

Requisiten für Heimatpflegerinnen und

Heimatpfleger: Das erklärt wörtlich Claudia

Plaikner, Landesobfrau des Heimatpflegeverbandes

Südtirol, in ihrem Beitrag zum 70.

Gründungsjubiläum des HPS, das in diesem

Jahr begangen wird. Der Verband sei

70 Jahre alt ,,und kein bisschen müde“. Er

suche – wie die Gründerväter vor 70 Jahren

- den Dialog mit Politikern und Behörden,

,,weil diese Entscheidungen für unser

Land treffen“. Oberste Devise der Heimatpfl

egerinnen und Heimatpfleger sei ein energisches

Plädoyer für mehr Heimat und weniger

Habgier, für mehr Kultur und weniger

Kommerz – mit dem Ziel, ,,unsere Heimat

die weiteren 70 Jahre und darüber hinaus

beziehungsreich und verantwortungsbewusst

mitzugestalten,“ so Claudia Plaikner.

• Blasmusik

Musik – Teil unseres Lebens 21

Die Sitzordnung eines Blasorchesters 23

Musik in Bewegung –

Fortbildung für Stabführer in Kaltern 27

Die Blasmusikjugend begeistert 28

Drei Landesteile, drei Konzerte,

drei Dirigenten 29

25. Innsbrucker Promenadenkonzerte 30

Neue Leseecke für Kapellmeister 31

40. Österreichisches Blasmusikfest in Wien 32

Jasmin Penz bei OBV erfolgreich 33

6. Bundeswettbewerb

„Musik in Bewegung“ 34

SJK Bozen feiert 100. Bestandjubiläum 35

Andrea Götsch bei

Wiener Philharmonikern 36

Marsch von R. Schwärzer – Uraufführung 38

In memoriam Prof. Hans Eibl 40

Musikpanorama 41

Der VSM widmet in dieser Ausgabe das

Thema der ,,Sitzordnung eines Blasorchesters“.

Autor ist Walter Ratzek, bis zu seiner

Pensionierung neben einer Reihe anderer

Funktionen Leiter des Stabsmusikkorps

Berlin, Gastdirigent nationaler und internationaler

Orchester und seit 2016 Leiter des

Studienlehrgangs ,,Instrumentieren – Blasorchesterleitung“

am Bozner Konservatorium.

Er erklärt, dass es im Vergleich zum

Sinfonieorchester eigentlich keine standardisierte

Besetzung gebe, deswegen sei ein

Kompromiss gewissermaßen die Kunst des

Möglichen. Er listet dann die verschiedenen

Möglichkeiten und Herausforderungen auf,

die ein Kapellmeister bei der Sitzordnung zu

treffen habe.

Der Südtiroler Chorverband hat Ende Juli

in der Fürstenburg in Burgeis seine traditionelle

Chor- und Stimmbildungswoche abgehalten.

Einer der beiden Leiter, der aus

Katalonien (Spanien) stammende Dozent

für Chorleitung Jordi Casals, unterstreicht

in einem ausführlichen Interview die vielschichtige

Aufgabe und Bedeutung eines

Chorleiters. Er müsse Betreuer, Mentor, Leiter

und sogar Psychotherapeut sein.

Alfons Gruber

• Chorwesen

SCV Veranstaltungskalender 45

Gespräch mit Jordi Casals:

„Politik soll der Kultur dienen” 46

Gesang und Genuss –

Chöre-Treffen in Kurtatsch 48

Geschäftsführer stellt sich

neuen Herausforderungen 49

„Sing, Swing and Dance“ –

Kindersingwoche in Tisens 50

Musicalwoche für

Jugendliche in Lichtenstern 51

Hauptorgel im Bozner Dom

wird renoviert 52

Alpenländische Singund

Wanderwoche in Rodeneck 53

Stimmgabel 54

Chorleiterinnen und Chorleiter

gesucht 55

2

KulturFenster


Vorweg

Heimatpflege Chorwesen

70 Jahre und kein bisschen leise

Für Kultur und Natur, für Geschichte und Brauchtum

Wir feiern 70 Jahre Heimatpflegeverband Südtirol:

Die Gründer des „Landesverbandes für

Heimatpflege in Südtirol“ wurden vor 70 Jahren

in erster dazu Linie bewogen, eine Dachorganisation

zu schaffen, damit die einzelnen

nach dem Krieg wieder entstandenen Heimatschutzvereine

darin zusammengefasst werden

konnten, mit dem Zweck, „die Interessen

der Allgemeinheit den Behörden gegenüber

wirksamer vertreten zu können“ (Antrag des

Meraner Vereinsobmannes Josef Prünster am

30./31. Juli 1949 auf Schloss Runkelstein).

Deshalb geht mein Blick zuerst mit Dank

zurück auf die vielen Heimatpfleger/innen,

die sich

in diesen 70 Jahren dem

Schutz von Kultur- und Naturlandschaft

gewidmet haben.

Und die Ziele sind in

diesen Jahren auch dieselben

geblieben. Nur die Methoden unserer

Arbeit haben sich aufgrund der Entwicklungen

in der Gesellschaft und speziell in

der Kommunikationstechnologie geändert.

Heute können wir mit Genugtuung auf

unseren „Heimatpflegeverband Südtirol“

– so lautet die etwas schlankere Bezeichnung

seit 2003 - mit seinem gut ausgebildeten

kapillaren Netz an Vereinen und

Ortsbeauftragten in den Dörfern und Städten

und mit der koordinierenden Geschäftsstelle

im Waltherhaus in Bozen blicken. Mit

der jüngst erfolgten personellen Aufstockung

in der Geschäftsstelle – wir können weiterhin

auf die Arbeit des bestens bewährten

Geschäftsführers Josef Oberhofer, auf die

junge und engagierte Sekretärin Daniela Donolato

Wiedenhofer und seit kurzem auch

auf Florian Trojer als neuen Assistenten des

Geschäftsführers setzen – ist es uns noch

besser möglich, die vielen und vielschichtigen

Herausforderungen anzunehmen und

zu bewältigen.

Aufgrund meiner verantwortungsvollen

Aufgabe, die ich als Obfrau des HPV übernommen

habe, gilt auch in diesem Jubiläumsjahr

mein Blick vor allem den Herausforderungen

der Gegenwart und Zukunft.

Wenn die Gründer des Heimatpflegeverbandes

das Ziel hatten, auf diese Weise die

Interessen der Allgemeinheit den Behörden

gegenüber wirksamer vertreten zu können,

so gilt das auch für uns heute. Wir müssen

immer wieder im öffentlichen Diskurs

betonen, dass unser ehrenamtliches Engagement

auf die Wahrung der Interessen der

Allgemeinheit und nicht etwa der von Partikularinteressen

gerichtet ist; dass wir uns

für Kultur und Natur, für Geschichte und

Brauchtum deshalb einsetzen, weil wir wissen,

dass diese Bereiche eine nachhaltige

Wirkung haben, dass sie von unserer Herkunft

zeugen und für unsere Zukunft maßgeblich

sind; dass nicht alles – so wie heute

leider weit verbreitet – nur mehr unter dem

Aspekt von Geld, Rendite und Kapital gesehen

wird; dass es Werte wie Beschränkung,

Zurückhaltung, Respekt vor Natur und

Mensch gibt; dass wir solidarisch tolerant

die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen

angehen; dass wir unsere Jugend

derart sensibilisieren, dass sie selbstbestimmt,

phantasie- und verantwortungsvoll

ihr Leben und ihre Heimat gestalten kann.

Zu diesem Zweck suchen wir auch den

Kontakt zu Personen und Vereinigungen,

mit denen wir uns vernetzen und gemeinsam

an unseren Projekten arbeiten können.

Dieses Bemühen hat neben den

schon langjährigen Kooperationen wie mit

dem Dachverband oder dem AVS zum Beispiel

in der Knüpfung des „netz.werk.kultur.erbe“

oder in der neuen Zusammenarbeit

mit Studentinnen und Studenten

der Uni Bozen oder mit einer neu gestarteten

Kooperation mit den Welschtiroler

Heimatpflegern einen konkreten Niederschlag

gefunden.

Daneben ist es mir ebenso wichtig, den

Kontakt zu den Heimatpflegerinnen und

Heimatpflegern vor Ort zu intensivieren;

denn gerade sie sind diejenigen, die oft

auf Fehlentwicklungen in ihrem eigenen

Lebensumfeld aufmerksam machen und

deshalb auch mal ins Kreuzfeuer der Kritik

geraten können. Eine gewisse Art von

Unerschrockenheit und Überzeugungskraft

sind notwendige Requisiten für Heimatpflegerinnen

und Heimatpfleger.

Wir werden auch weiterhin den Dialog

mit den Behörden und Politikern suchen

- so wie es die Gründer vor 70 Jahren als

Ziel formulierten - weil diese die Entscheidungen

für unser Land treffen. Wir Heimatpflegerinnen

und Heimatpfleger

werden weiterhin

unser Plädoyer für mehr

Heimat und weniger Habsucht,

für mehr Kultur und

weniger Kommerz halten.

Wir werden weiterhin unsere

Heimat beziehungsreich und verantwortungsbewusst

mitgestalten.

70 Jahre: Noch im 19. Jahrhundert entsprach

dies der Lebenserwartung von zwei

Generationen; heute liegt sie für eine Generation

sogar drüber – wir sind langlebiger

geworden. Ich wünsche dem Südtiroler

Heimatpflegeverband: er möge lange

leben und weiterhin gut gedeihen und die

nächsten 70 Jahre mit viel Motivation und

Begeisterung angehen!

Claudia Plaikner, Landesobfrau

Nr. 04 | August 2019 3


Das Thema

Alles Gute zum Geburtstag!

Heimatpflege wird 70

Am 21. August 2019 feiert der Heimatpflegeverband

seinen 70. Geburtstag. Allzu

viel wolle man nicht zurückschauen, sagt

Obfrau Claudia Plaikner, zu brennend sind

die Probleme der Gegenwart. Aber ein bisschen

feiernd der Gründungsväter gedenken

will man zu einem runden 70. dann doch…

Sonntag, 21. August 1949: Im Schloss

Matschatsch, hoch über Eppan an der

Mendelstraße gelegen, findet die Gründungsversammlung

des „Verbandes für

Heimatpflege“ statt. Vorausgegangen war

einen Monat zuvor auf Schloss Runkelstein

bei Bozen eine Versammlung von 20 Delegierten

der Südtiroler Heimatschutzvereine,

die sich nach dem Krieg so langsam

wieder konstituiert hatten. Die Beratungen

gipfelten im Antrag des Meraner Vereinsobmannes

Josef Prünster, einen Dachverband

aller Heimatschutzvereine zu gründen,

„um die Interessen der Allgemeinheit

den Behörden gegenüber wirksamer ver-

treten zu können“. Diesem Auftrag ist der

Heimatpflegeverband bis heute treu geblieben.

Auf Runkelstein wurde in der Folge

ein Komitee beauftragt, einen Satzungsentwurf

für den zu gründenden Verband

auszuarbeiten und die Gründung des Verbandes

in die Wege zu leiten.

Einen Monat später war es dann soweit.

Unter der Leitung des Obmannes

des Heimatschutzvereins Bozen Hermann

Mumelter beschloss die Versammlung ein-

Georg Innerebner war von 1949

bis 1953 der erste Obmann des

Heimatpflegeverbandes.

Das Schloss Matschatsch in der Gemeinde Eppan. Hier gründeten Hermann

Mumelter, Georg Innerebner und Ernst Dieffenbach vom Heimatschutzverein Bozen,

Josef Prünster, Karl Huber und Karl Theodor Hoeniger vom Heimatschutzverein

Meran, Aurel Schwabik vom Heimatschutzverein Brixen, Lothar v. Sternbach, Josef

Freiberger und Anton Tasch vom Heimatschutverein Bruneck sowie Matthias Kiem

Stickler und Friedrich Erlacher vom Heimatschutzverein Algund den „Verband für

Heimatpflege“.

stimmig die Gründung des „Verbandes

für Heimatpflege“ als Dachorganisation

der Südtiroler Heimatschutzvereine. Man

genehmigte die Satzung und wählte folgenden

Vorstand:

Obmann Georg Innerebner, Obmannstellvertreter

Josef Prünster, Schriftführer

Otto Brandstätter, Beirat für Baupflege Arch.

Luis Plattner, Beirat für Denkmalpflege Kanonikus

Anton Maurer, Beirat für Wohnkultur

Karl Theodor Hoeniger, Beirat für

Brauchtum Hans Nagele. Der Verein war

damit handlungsfähig und konnte seine

Arbeit aufnehmen. Es war der Startschuss

zu einer heute siebzigjährigen Erfolgsgeschichte

im Dienste von Kultur und Landschaft,

Denkmal- und Brauchtumspflege.

4

KulturFenster


Heimatpflege

Aus dem Fundus des Verbandes: Zwölf Gebote aus dem Jahr 1911 mit beeindruckender Aktualität

Nr. 04 | August 2019 5


Informiert & Reflektiert

Die rote Wilde

Rostrote Mauerbiene zum „Insekt des Jahres“ gekürt

Die an eine schlanke Hummel erinnernde

Bienenart ist nicht zum Stechen aufgelegt,

das „Zusammenleben“ mit dem Menschen

ist kein Problem. Im Gegenteil: Die Mauerbiene

bietet Gelegenheit, den Lebenszyklus

eines Insektes ganz aus der Nähe zu

beobachten.

Mit der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis)

wurde zum zweiten Mal eine Wildbiene

zum „Insekt des Jahres“ in Deutschland,

Österreich und der Schweiz gekürt. Rund

700 Wildbienenarten leben in Mitteleuropa.

„Wir möchten mit dieser Wahl auch auf

das Artensterben der Wildbienen aufmerksam

machen – auch wenn unser Jahresinsekt

bisher nicht als gefährdet gilt“, begründet

Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor

des Senckenberg Deutschen Entomologischen

Institut in Müncheberg und Vorsitzender

des Auswahl-Kuratoriums, die Entscheidung.

„Auch wollen wir generell auf

die hohe Bedeutung der Bestäubung als

Ökosystemdienstleistung hinweisen, die

für unsere Nahrungsmittelproduktion äußerst

wichtig ist.“

Fast jeder kleine Hohlraum

ist geeignet

Aufgrund ihres Nistverhaltens ist die

Rostrote Mauerbiene häufig in der Nähe

menschlicher Behausungen zu finden. Die

8 bis 14 Millimeter großen Insekten nutzen

vorhandene Hohlräume in Trockenmauern,

Löß- und Lehmwänden, aber auch in Totholz,

lockerem Gestein und zahlreichen

anderen Strukturen, um darin ihre einzelnen

gemörtelten Brutnester anzulegen.

Nester dieser Biene wurden schon in Türschlössern,

in der Plastikhülle eines Rolladenstoppers

und sogar in einer Holzflöte

gefunden. Gerne nimmt die Rostrote Mauerbiene

künstliche Nistgelegenheiten aus

Holz, Bambus oder Schilf an.

Schlupfen die Weibchen,

warten die Männchen bereits

Pro Jahr entwickelt sich eine Generation.

Die Weibchen legen im Frühjahr die mit

Pollen gefüllten Nisthöhlen an, in denen

sich die Larven bis August zu erwachsenen

Bienen entwickeln. In diesem Zustand verharren

sie bis zum nächsten Frühjahr, um

sich dann mit ihren kräftigen Kiefern aus

dem verschlossenen Nest zu nagen. Dabei

schlüpft der männliche Nachwuchs zuerst

– wenn die Weibchen schlüpfen, warten

die Männchen bereits zur Paarung und

der Zyk lus beginnt erneut.

Der wissenschaftliche Namenszusatz des

Jahresinsekts – bicornis, lateinisch für zweihörnig

– leitet sich von einem eindeutigen Erkennungsmerkmal

ab: Die weiblichen Tiere

tragen zwei spatelartige Hörnchen am Kopf,

die zur Ernte von Blütenpollen dienen. Hierbei

sind die Mauerbienen nicht auf eine bestimmte

Pflanze angewiesen, es gibt kaum

eine Blütenpflanze deren Pollen Osmia bicornis

nicht einträgt. Viel entscheidender

ist dagegen der Umfang des Pollenangebotes

und die Verfügbarkeit in Nestnähe –

auch damit die Bienen ihre wichtige Aufgabe

als Bestäuber wahrnehmen können.

Das Insekt des Jahres wird seit 1999

proklamiert. Die Idee hierzu stammte vom

Prof. Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des

Senckenberg Deutschen Entomologischen

Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium,

dem namhafte Insektenkundler und Vertreter

wissenschaftlicher Gesellschaften

und Einrichtungen angehören, wählt jedes

Jahr aus verschiedenen Vorschlägen

ein Insekt aus.

Rote Mauerbiene schlüpft aus Kokon

Alte Brombeerhecken enthalten oft

Nester der Rostroten Mauerbiene.

Sie nimmt auch künstliche Nistgelegenheiten

aus Holz, Bambus oder Schilf an.

6

KulturFenster


Heimatpflege

Warum gerade jetzt?

Michael Steinwandter hält hochaktuelles Referat vor interessierten

Heimatpflegern und Heimatpflegerinnen

Warum nachhaltig und umweltbewusst leben gerade jetzt wichtig ist, hat der aus Toblach

stammende Wissenschaftler Michael Steinwandter bei einem Vortrag für den

Heimatpflegeverein und Bildungsausschuss Toblach eindrücklich dargelegt. Das KulturFenster

bringt Auszüge aus dem mit vielen Grafiken bestückten Referat, dazu Steinwandters

Erklärungen und seine Tipps für den ganz normalen Alltag.

Michael Steinwandter ist Bodenökologe

mit Schwerpunkt Hochgebirge,

Forscher bei EURAC Research-Alpine

Umwelt, Tiroler Bergwanderführer, AVS

Wegewart, Botschafter für ECOSIA*und

Vorstand der Umweltgruppe Terlan

Alarmsignal

„Welterschöpfungstag“

Der Welterschöpfungstag wird jährlich neu

berechnet. Ab diesem Tag ist die Erde erschöpft,

d.h., ab dem Welterschöpfungstag

betreibt die Menschheit Raubbau an den

natürlichen Ressourcen wie Wasser, Böden,

Bodenschätze, Energie… indem sie mehr

natürliche Ressourcen verbraucht, als die

Erde in einem Jahr regenerieren kann. Und

dieser Welterschöpfungstag kommt jedes

Jahr früher. Dieses Jahr war es schon am

9. April soweit! Es ist wirklich Zeit für ein

radikales Umdenken.

Treibhausgase: Wir treiben es

immer noch ZU bunt!

Die Kurve auf der Grafik zeigt die Konzentration

von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre,

dem wichtigsten Treibhausgas

welches für die Erderwärmung verantwortlich

gemacht wird.

In den letzten 800.000 Jahren überstieg

diese nie 300 ppm (das entspricht 0,3 %),

und Veränderungen gingen sehr langsam

vonstatten.

Seit dem 20. Jahrhundert steigt der Wert

jedoch sehr stark an, bis zum aktuellen

Höchststand um die 415 ppm (!!).

Verträglich wären laut Klimaforscher maximal

350 ppm, jedoch wurden diese bereits

im Jahr 1987 erreicht; 400 ppm 2014.

Die Frage ist: Brauchen wir die Flut an

Konsum wirklich für ein gutes Leben? Die

Flugreise, das neueste Haushaltsgerät,

die fünfte Wanderhose, das zwanzigste T-

Shirt, exotische Früchte und Billigfleisch

aus dem Supermarkt - brauchen wir das

wirklich? Hier gilt: Qualität statt Quantität.

Bio-, Fair Trade-, lokal und regional produzierte

Waren bevorzugen. Kleidung und

Technik flicken und reparieren. Und eine

Reise mit einem modernen Intercityzug ist

komfortabler als jeder Flug!

Nr. 04 | August 2019 7


Informiert & Reflektiert

Fliegen ist (NICHT) schöner

Der Flugverkehr ist mit Abstand die größte

Belastung für die Umwelt, wobei die Abgase

in besonders sensible Schichten

der Atmosphäre eingetragen werden.

Fliegen sollte man als Luxus und nicht

als Selbstverständlichkeit ansehen: Nur

3 Prozent der Weltbevölkerung sind im

Jahr 2017 geflogen, und nur etwa 18

Prozent sind überhaupt schon mal geflogen.

Weil es für den Flugverkehr keine

Kostenwahrheit gibt und das Flugbenzin

immer noch kaum besteuert wird, sind

Flüge im Verhältnis zur Bahn viel zu billig.

Der zweigrößte „CO2-Sündner“ ist

das Auto. Besonders alleine Fahren erhöht

den ökologischen Fußabdruck. Auch

Kreuzfahrtschiffe, welche immer noch

mit Schweröl angetrieben werden, sind

regelrechte Klimasünder, sind aber (leider)

von steigender Beliebtheit.

Man könnte Ausflüge und Reisen ja

auch so angehen, dass man sich überlegt:

Kann ich mein Ziel 1) zu Fuß 2)

mit den Rad 3) mit Bus oder Zug erreichen?

4) eine Mitfahrgelegenheit nutzen?

Erst wenn alle diese Möglichkeiten ausgeschöpft

sind, sollte man sich für das

(eigene) Auto entscheiden. Wir müssen

auch unser Reiseverhalten ändern. Innerhalb

Europas kann man gut mit der

Bahn unterwegs sein, innerhalb Südtirols

mit Bus&Bahn. Wer noch keinen Südtirol

Pass hat, sollte sich schnellstens einen

zulegen. Die Öffis im Lande funktionieren

wirklich einwandfrei. Ein Sonntagsausflug

mit Bus und Bahn ist durchaus

machbar, man muss es nur endlich mal

tun… und die Kinder und Enkel von klein

auf daran gewöhnen.

Klimakiller Speisekarte

Auch die Art und Weise wie wir uns ernähren

ist entscheidend für unseren ökologischen

Fußabdruck. Umgerechnet

in Kohlenstoffdioxid verbraucht die Ernährungsweise

eines Europäers durchschnittlich

9 Tonnen CO2 im Jahr. Eine

rein pflanzenbasierte Ernährung (d.h. vegan)

produziert die geringsten CO2-Emissionen

(knapp 2 Tonnen), da Pflanzen relativ

schnell und einfach zu kultivieren sind.

Kommen tierische Produkte hinzu, steigen

die CO2-Emissionen, da sie zusätzlich

Land und weitere Pflanzen als Nahrung

benötigen. Besonders Produkte von

Kühen und Rindern stellen sich dabei als

CO2-Sünder heraus, da diese selbst viel

Fläche zum Weiden, viel zusätzliches Kraftfutter

(meist Soja aus Südamerika) und

Wasser benötigen. Erst anschließend können

Milch und Fleisch genutzt werden.

8

KulturFenster


Heimatpflege

Ecosia ist eine ökologisch inspirierte

Suchmaschine

Das Unternehmen spendet 80 Prozent

seines Einnahmeüberschusses

für gemeinnützige Naturschutzorganisationen.

Zwischen 2010 und

2014 fl ossen diese Überschüsse an

The Nature Conservancy, die sich

die Wiederaufforstung im Mata Atlântica,

dem atlantischen Regenwald

von Brasilien, zum Ziel gesetzt hat.

Seit Oktober 2014 spendet Ecosia

80 % seines Einnahmeüberschusses

für das „Greening the desert“-

Projekt von WeForest, durch das in

Burkina Faso Bäume gepfl anzt werden.

Am 13. Februar 2019 verkündete

Ecosia, 50 Millionen Bäume gepfl

anzt zu haben. (Quelle Wikipedia)

Tipps: Auch wenn Vegetarier und Veganer

ständig belächelt werden, die effektivste

und ökologischste Methode um CO2 in

der Ernährung einzusparen, ist der Verzicht

bzw. die Reduktion von tierischen

Produkten. Wer nicht ohne Fleisch und

Milch kann, sollte lokale und regionale Bio-

Produkte bevorzugen, und somit keine

Massentierhaltung mit miserablen Haltungsbedingungen

unterstützen. Fisch

sollte selten auf der Speisekarte stehen,

da die Meere überfi scht sind und viele

Tiere aus Aquakulturen kommen. Vielleicht

helfen auch ein oder zwei fl eischlose

Wochentage? Pfl anzenbasierte Alternativen

sollten ausprobiert werden,

diese schmecken und erweitern den kulinarischen

Horizont.

Die Startseite der Suchmaschine

Ecosia mit der Anzahl der bisher

gepfl anzten Bäume

Nr. 04 | August 2019 9


Informiert & Reflektiert

Prähistorisch, vorrömisch,

rätisch-eisenzeitlich…

Orts- und Flurnamen im Burggrafenamt als Spiegel der Siedlungsgeschichte

Schenna ist eine Gemeinde im Burgrafenamt

Seit dem Mittelalter wird der Gerichts- und

Verwaltungsbezirk des Tiroler Burggrafen

als „Burggrafenamt“ bezeichnet. Daher

kann man ihn getrost als Herzstück Tirols

bezeichnen – denn von der Dynastenburg

Schloss Tirol wurde unter Meinhard II. die

Einigung des Landes vorangetrieben. Doch

die Siedlungsgeschichte dieses Landstriches

beginnt viel früher…

Das Burggrafenamt ist uraltes Siedlungsland.

Bronzezeitliche Kultplätze

am Mutkopf, eisenzeitliche Wohngruben

auf dem Sinichkopf sowie rätische

Häuser am Riffianer Burgstall belegen

eine dichte prähistorische Besiedlung.

Der Namentyp Mut z. B. ist prähistorisch,

denn *mutta bezeichnet sowohl

im rätoromanischen Graubünden als

auch in Tirol eine abgestumpfte kuppenartige

Erhebung. Die bekannte Dorf

Tiroler Mut bezieht sich wahrscheinlich

auf den bewaldeten Rundrücken des

Mutkopfs, auf dem der Sage nach ein

Norggenschloss stand. Das mundartliche

muttlt „hornlos, stumpf“ oder der

Passeirer Begriff Mute (Saltauser Mute,

Stuller Mute usw.) für den Hangsporn,

auf dem die Heuhütten der Bergmähder

stehen, sind Lehnwörter zu eben dieser

*mutta. Übrigens bezeichnet das ladinische

möt „Bub“ treffend einen noch

stumpfen jungen Mann!

Viele Toponyme im Burggrafenamt sind

ebenfalls vorrömisch, z. B. Verdins (*fritinjo

„wallendes Wasser“, Bezug zum

uralten Waalsystem?), Plars (*plauri-

„Schwemmland“) oder Vellau (*wVlodo

„gewölbtes Gelände“; Sackungen und Anhöhen

als landschaftliches Charakteristikum).

Diese Ortsnamen werden einer alpenindogermanischen

Sprachschicht der

Bronzezeit zugerechnet. Ortsnamen wie

Schenna, Tirol, Kuens und Algund werden

nach neuesten Forschungsergebnissen

als rätisch-eisenzeitlich interpretiert.

Eine der namenhistorischen Besonderheiten

des Burggrafenamts sind die

spätrömischen Prädiennamen. Prädien

10

KulturFenster


Heimatpflege

Meinhard II

waren Landgüter, welche den Veteranen

– rätischen Soldaten – als Abfindung für

ihren langjährigen Militärdienst zugewiesen

wurden. Charakteristisch für diese

Prädiennamen sind ihre Endungen auf

-an bzw. -un. So besaß ein gewisser Basilios

ein praedium zwischen Lana und

Marling, welches „praedium Basiliānum“

genannt wurde, heute Baslan. Ein Launios

oder Lacunios bewirtschaftete das „praedium

Lacunjānum“, heute Lana. Ein Folius

wohnte beim „praedium Foliānum“

(Völlan), einem Rufius gehörte das „praedium

Rufi ānum“ (Riffi an), einem Marius

ein „praedium Mariānum“ unterm

Küchelberg. Daraus entwickelte sich der

Stadtname Meran. Zu erwähnen ist dabei,

dass die gesamte große Wiesenfl ä-

che zwischen Passer, Algund und dem

Küchelberg „af der Marun“ (Gemeinde

Algund) heißt, die Stadt selbst wurde

lange „an Meran“ genannt.

Neben den Prädiennamen hat die alpenromanische

Bauernbevölkerung der

Spätantike und des Frühmittelalters viele

Flurnamen gebildet. Es gibt regelrechte

romanische „Cluster“ in Schenna (Pårggun

< *barracā na „Hütten“, Or < *area

„Fläche, Gelände“, Gepleng < *camplong

„Langacker“ , Patlein < *betullina

„Pirchl“, Ratscheid < *rudžēdu „Ansammlung

von Waalen“ usw.) oder in Riffi an

(Pardell < *pradellu „Wiesl“). Dabei

handelte es sich um ausgesprochene

Gunstlagen, auf denen sich romanischsprechende

Bauern in den ersten nachchristlichen

Jahrhunderten niederließen.

Andererseits finden sich in allen Gemeinden

des Burggrafenamts viele Hofnamen

romanischer Herkunft, vor allem in den

Terrassenlagen.

Die höher gelegenen Berghöfe – Rodungsinseln,

die aus einem Meer von

Wäldern ragen – tragen dagegen zumeist

deutsche Namen: Pirch, Buech, Prünst,

Öberst, Walde, Larcher, Kinig, Weger, Luemer,

Riser („Risen“ sind Holzziehrinnen),

Bachler um nur einige Höfe in Vernuer

(Riffi an) und in Schenna-Berg zu nennen.

Sie entstanden demnach erst als der

Großteil der Bauernbevölkerung bereits

eine lokales mittelhochdeutsches Idiom

gesprochen hat, also um 1100 herum.

Im Flurbild des Burggrafenamts dominiert

heute die deutsch-bairische Sprach-

schicht. Unter ihnen fallen besonders

Namen mit der Endung „-ach“ auf. Das

Suffi x -ach (althochdeutsch -ahi) ist ein

Suffi x, das eine Menge ausdrückt: einer

dieser „-ach“-Namen ist Steinach. So

heißen die Ortskerne von Schenna am

Schnuggenbach sowie der älteste Teil Merans

im Zwickel zwischen Küchlberg und

Passer. Beide sind durch Überschwemmungen

der Wildbäche geprägt worden.

Ein weiterer „-ach“-Name” ist Hagnach –

heute Hagen in Untermais. Dies bedeutet

in etwa „Ansammlung von Viehpferchen“.

Zu nennen wären noch Dornach

in Obermais (Dornerhof; ursprüngliches

Dornengestrüpp aus Hagebutten, Schlehen

usw.) sowie die in Dorf Tirol, Obermais,

Schenna und Tscherms vorkommende

Flurgegend Haslach („Ort mit

vielen Haselhecken“).

Zu einem Symbolnamen für das Burggrafenamt

kann auch die Bezeichnung

Greit gezählt werden. Wie ein Kranz umgeben

den Meraner Talkessel Höfe dieses

Namens: auf Schenna-Berg, in Kuens,

oberhalb von Partschins, in Marling,

in Tscherms sowie in Lana. Zu diesem

Namentyp zählen noch die Greitenwiesen,

wo sich heute der Untermaiser Pferderennplatz

ausdehnt. Der Name Greit

kommt von althochdeutsch giriuti, also

Geräute, das heißt „Ansammlung von Rodungsstellen“,

zu tirolerisch rautn „roden“.

Solche Rodungsnamen entstanden

im Hoch- und Spätmittelalter durch die

Vergrößerung der Acker- und Weidefl ä-

chen, da eine zunehmende Bevölkerung

ernährt werden musste. Durch Ausräuten,

Abbrennen (Flurnamen „Brünst“,

„Brand“ und „Prantl“) und Ringeln der

Bäume („Gschwend“, „Runa“) wurden

Weiden und Wiesen gewonnen.

Johannes Ortner

Zur Person

Johannes Ortner

Herkunftsort: Schenna

Ausbildung: Studium der Ethnologie

Kultur- und Sozialanthropologie in Wien

Beruf: Freiberufler zu den Themen "Landeskunde",

"Namenkunde" u. Ä.

Arbeitsstelle: jeder PC mit Internetanschluss...

Nr. 04 | August 2019 11


Aus Verband und Bezirken

„Lass uns doch mal mit einer

fremden Heimat arbeiten!“

Studentinnen und Studenten machen Heimat zum Thema

Im Rahmen ihres Masterstudienganges „Ökosoziales Design“ haben vier StudentInnen der

Freien Universität Bozen bei einem von der Fakultät initiierten „Partnermeeting“ den Heimatpflegeverband

als Partner für ihre Semesterarbeit ausgesucht. In zwei Gruppen bearbeiteten

sie das Thema Heimat. Geschäftsführer Josef Oberhofer hatte die Initiative zur

Vorstellung des HPV vor einem jungen, studentischen Publikum ergriffen. Herausgekommen

ist eine wohltuende Fremdwahrnehmung in zwei interessanten Projekten.

Kulturfenster: Viktoria und Henning, warum

das Thema „Heimat“?

Henning Schoch: Wir haben viel diskutiert,

was „Heimat“ für uns bedeutet. Viele von

uns sind zu Nomaden geworden, wir wechseln

ständig unsere Lebensmittelpunkte.

So finden wir ständig neue Heimat(en) vor,

mit denen wir umgehen müssen.

Viktoria Pichler: Josef Oberhofer war beim

Partnermeeting besonders offen für Neues,

das hat mich neugierig gemacht und ich

hab mir gedacht: Lass uns doch mal mit

einer fremden Heimat arbeiten!

KF: Wie seid Ihr ins Thema

eingestiegen?

Viktoria Pichler: Josef hat uns für einen

Tag an einen „typischen“ Heimatpfleger

vermittelt, an Franz Hauser aus

Kurtatsch. Das war eine sehr interessante

Erfahrung für uns. Dann haben

wir an der Vollversammlung des HPV in

Haslach teilgenommen. Dort haben wir

versucht, durch Fragen auf Postkarten

mehr über die aktuellen Heimatpfleger

und ihre Wünsche an die Zukunft herauszufinden.

KF: Wie waren eure Eindrücke nach diesen

ersten Erfahrungen?

Henning Schoch: Für uns als junge Menschen

ist der Zugang zu einigen Themen

schwierig, weil vieles retrospektiv gesehen

wird. Ein theoretischer Zugang, den wir gefunden

haben, ist eher an einen Ort geknüpft

– der ORT als Heimat. Ich denke

aber, dass nicht jeder über den Ort einen

Zugang zu Heimat findet.

Viktoria Pichler: Im Laufe unserer Recherche

haben wir uns mit der Visualisierung

von Heimat beschäftigt. Sowohl durch die

Werbung als auch durch Social Media finden

wir immer wiederkehrende Heimatbilder

einer perfekten makellosen Heimat.

Aber stellt das wirklich unsere heutige

Heimat dar? Damit verbunden stellt sich

die Frage, ob diese idealisierte und häufig

von Medien, Parteien und Industrie instrumentalisierte

Darstellung hilfreich für

einen Diskurs darüber ist, wie wir in Südtirol

künftig leben wollen.

KF: Wie habt ihr euren persönlichen Zugang

zu „Heimat“ gefunden?

Viktoria Pichler: Für mich ist Heimat schon

noch Österreich, die Steiermark, aber da

kommt immer noch was dazu, wie bei

einem Stickerheft, ich klebe immer noch

neue Heimaten dazu...

Henning Schoch: Wir haben viel und lang

diskutiert – für mich hat Heimat mit Beziehungen

und Verantwortung zu tun. Nach

den vielen Umzügen kann ich sagen, dass

ich Heimat weniger mit dem Ort, als mit

prägnanten Lebensabschnitten verbinde.

Viktoria Pichler (27) kommt aus der

Steiermark, Österreich. Bachelor:

Modedesign Universität der Künste,

Berlin

Henning Schoch (27) kommt aus

Süddeutschland, Stuttgart, hat

Gesundheitswissenschaften im

Schwarzwald studiert.

KF: Wie ist der Zuschnitt in eurem Projekt?

Henning Schoch: Humorvoll. Wir wollen

den festgefahrenen Diskurs mit Humor

aufbrechen.

Viktoria Pichler: Wir hoffen auf ein Schmunzeln,

vielleicht auch, dass die Menschen

ihre aktuelle Sicht reflektieren und darüber

ein (neues) Gespräch über Heimat

entsteht…

12

KulturFenster


Heimatpflege

Kulturfenster: Pauline und Lisa, ihr habt

euch die Heimatpflege „von innen“ angeschaut,

indem ihr mit Bezirksobmann

Franz Fliri eine Ortsbegehung im Obervinschgau

gemacht habt..

Pauline Alt: Ja, Franz Fliri hat uns mit

Heimatpflegern aus Glurns und Mals

und mit deren Projekten, Plänen, Sorgen

und Problemen bekannt gemacht.

Das hat uns schon ziemlich beeindruckt

und dazu stand dann der Begriff Heimat-

Pflege im Raum.

Lisa Eggert: Ja, deshalb sind wir dann

auch schnell ins Diskutieren gekommen,

etwa über die Frage: Was bedeutet Schutz,

was sollte man bewahren, wo hört es auf?

KF: Warum habt Ihr euch beim Partnermeeting

eigentlich für die Heimatpflege

entscheiden?

Pauline Alt: Ich wollte an einem Thema

arbeiten, in dem die Verbindung Mensch,

Natur, sozialer Raum im Mittelpunkt

steht. Wir wollten auch die Region besser

kennenlernen, in der wir studieren

und die ja eine spannende, turbulente

Geschichte hat.

Lisa Eggert: Ja genau. Und Josef präsentierte

den HPV in einer offenen Art, die uns

für unsere Projektarbeit geeignet schien.

Außerdem interessiere ich mich für altes

Handwerk und dessen Materialien.

KF: Wie seid Ihr dann ins Thema „Heimat“

eingestiegen?

Pauline Alt: Zuerst haben wir sehr viel

untereinander diskutiert. Dann haben

wir mit einer Plakataktion die Meinung

der Studierenden eingeholt. Die Ergebnisse

waren interessant: Heimat verlinkt

jede/r anders: mit einem Ort, mit Menschen,

mit Nahrung, mit Erinnerungen,

mit Beziehungen…

Lisa Eggert: Heimat muss man sich emotional

erarbeiten, niemand kann dir sagen,

was für dich Heimat ist. Ich merke, dass

mich das Thema ziemlich beschäftigt…

KF: Wie setzt ihr das Erfahrene jetzt in

eurem Projekt um?

Pauline Alt: Wir haben uns für ein „wanderndes

Heimatmuseum“ entschieden.

Wir wollen den Diskurs und das Reflektieren

unter den Besuchenden anregen:

Am Ende soll jede/r den eigenen Heimatbegriff

gefunden haben und verstehen,

dass es keine Ausgrenzung geben kann.

Lisa Eggert: Wir geben nur die Struktur

vor, die Methode ist partizipativ, die BesucherInnen

gestalten ihren Heimatbegriff

selber und erleben, dass dies eine

sehr persönliche Auseinandersetzung ist.

KF: Wie muss man sich den Einsatz des

wandernden Heimatmuseums vorstellen?

Lisa Eggert: Durch die einfache Handhabung

kann unser „Heimatmuseum“ gut

auf Wanderschaft durchs ganze Land gehen

und hoffentlich viele Menschen zum

Denken anregen.

Pauline Alt (25) aus Bad Reichenhall, studierte

Industriedesign in München. Seit

Oktober 2018 Masterstudiengang für Öko-

Soziales Design an der Universität Bozen,

hofft mit ihrer Arbeit etwas Positives zum

Klima-und Naturschutz beizutragen.

Lisa Eggert (27) aus Bayern, studiert seit

Oktober 2018 an der Universität Bozen.

Mit ihrem Hintergrund in Social Design

versucht sie im Masterstudiengang Öko-

Soziales Design mehr Projekte in Bezug

auf Nachhaltigkeit, Natur und Gesellschaft

aufzubauen.

Nr. 04 | August 2019 13


Aus Verband und Bezirken

„Netzwerk Kulturerbe“

Synergien nutzen und Kräfte bündeln

Am 20. Mai 2019 wurde in Bozen das „Netzwerk Kulturerbe“ gegründet und der Öffentlichkeit

vorgestellt. Ziel der vier Organisationen (Südtiroler Burgeninstitut, Fondo Ambiente

Italiano - FAI, Verband der Restauratoren-Konservatoren Südtirols und Heimatpfl e-

geverband) ist es, das Gedankengut, welches dem Europäischen Kulturerbe-Jahr 2018

zugrunde gelegen hat, weiterzuspinnen und wach zu halten. Die Initiative stammte von

HPV-Geschäftsführer Josef Oberhofer.

Kulturfenster: Herr Oberhofer, warum will

man das Kulturerbe-Jahr fortsetzen?

Josef Oberhofer: Offi ziell war 2018 das europäische

Kulturerbe-Jahr. Ich habe damals

auf einer Tagung in Berlin erlebt,

mit welchem Elan die Verbände sich daran

gemacht haben, Initiativen und Themen

zu setzen.

Hierzulande hingegen hat man den Anlass

rundweg verschlafen. Und als wir als

Heimatpfl eger darauf hingewiesen haben

und Initiativen setzen wollten, war kein

Geld dafür da.

KF: Dann haben Sie kurzerhand beschlossen,

das Jahr zu verlängern…

Josef Oberhofer: Diese Idee ist auch vom

„Bund Heimat und Umwelt Deutschland“

ausgegangen. Die Deutschen haben gesehen,

dass ein Jahr für so ein breit angelegtes

Thema zu wenig ist und haben

kurzerhand eine Kulturerbe-Dekade draus

gemacht und sich verpfl ichtet, zumindest

einmal im Jahr eine Veranstaltung zum

Thema zu organisieren.

KF: Und für diese Aufgabe haben Sie dann

in Südtirol das „Netzwerk Kulturerbe“ gegründet?

Josef Oberhofer: Die vier Vereine, die sich

zum Netzwerk zusammengeschlossen haben,

verbindet u.a. die Verantwortung für

die Erhaltung des Kulturerbes. Deshalb

und um Synergien zu nutzen und Kräfte zu

bündeln, haben wir uns zu diesem Netzwerk

zusammengeschlossen.

KF: … und es gibt auch schon eine gemeinsame

Initiative…

Josef Oberhofer: Der Startschuss zum gemeinsamen

Fotowettbewerb „Heimat im

Fokus / Natur-Denkmal-Mensch / offen-kritisch-spielerisch“

ist bereits erfolgt (s. unten).

Angedacht ist aber auch eine Fachtagung,

die wir zusammen mit dem „Bund

Heimat und Umwelt Deutschland“ organisieren

wollen.

Geschäftsführer des HPV Josef Oberhofer

Fotowettbewerb

„Heimat im Fokus / Natur-Denkmal-Mensch / offen-kritisch-spielerisch“

Weg von den Klischees, hin zum kritischen Blick

Als Auftaktveranstaltung hat das „Netzwerk Kulturerbe“ (s.o.) einen Fotowettbewerb zum

Thema „Heimat im Fokus / Natur-Denkmal-Mensch / offen-kritisch-spielerisch“ ausgeschrieben,

der am 1. Juni 2019 gestartet ist und am 29. Februar 2020 endet.

Der Wettbewerb richtet sich an Jugendliche und Erwachsene. Er hat das Ziel, ein neues,

kritisches Bewusstsein für die Natur, die Umwelt und die Landschaft, die Bräuche und Traditionen,

die Baukultur und die Geschichte sowie das Zusammenwirken all dieser Bereiche

zu entwickeln. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Trampelpfade der Klischeebilder

zu verlassen und sich auf die Suche nach der „gefühlten“ Heimat zu machen – mit ihren

schönen, aber auch mit ihren problematischen Seiten.

Das Reglement des Fotowettbewerbs fi nden Sie auf der Homepage des Heimatpflegeverbandes

unter www.hpv.bz.it/fotowettbewerb-p39.html

14

KulturFenster


Heimatpflege

Lauter runde Zahlen….

Am 3. Juni 2019 fand im Heimatpfl egeverband

die insgesamt 400. Vorstandssitzung

seit der Gründung statt und es war

gleichzeitig die 150. der neuen Obfrau

Claudia Plaikner, die ja vor Ihrer Obfrauschaft

schon im Vorstand war.

Und schließlich war es noch die erste

Vorstandssitzung für den neuen Mitarbeiter

Florian Trojer (s.u.) – alles runde

Zahlen also, auf die man nach getaner

Arbeit einfach anstoßen musste. Ausgeschert

ist nur Geschäftsführer Josef

Oberhofer, für ihn, der seit 1990 die Ge-

schäftsleitung innehat, war es die 168.

Sitzung, die er vorbereitet und begelei-

tet hat. Mit den runden Jubilaren anstoßen

durfte er trotzdem…

Der Neue…

Ich bin Florian Trojer, komme ursprünglich

aus dem Sarntal und wohne mit meiner

Familie in Tramin. Die letzten zehn

Jahre habe ich beim Alpenverein Südtirol

in den Bereichen Kultur und IT gearbeitet.

Im Referat Kultur war ich zum Beispiel für

Publikationen wie dem kürzlich erschienen

Jubiläumsbuch „150 Jahre Alpenverein

in Südtirol“ oder die aktuelle Ausstellung

„Hoch hinaus!“ hauptverantwortlich.

Vor meiner Arbeit beim Alpenverein habe

ich in mehreren Projekten für das Südtiroler

Landesarchiv gearbeitet, unter anderem

durch die Inventarisierung verschiedener

Pfarrarchive.

Das Studium der Geschichte in Innsbruck

hatte den Fokus auf regionaler und alpiner

Geschichte. Abgeschlossen habe ich

das Studium mit einer Diplomarbeit zum

Thema Mythos Michael Gaismair.

Einer der Gründe, wieso ich in den letzten

Jahren für den AVS gearbeitet habe, ist,

weil mir die Pflege der alpinen Kultur- und

Naturlandschaft sehr am Herzen liegt. Mit

meiner Arbeit für den Heimatpflegeverband,

für den ich seit Anfang Mai im Einsatz bin,

kann ich dafür noch viel mehr tun. Der Reiz

meiner neuen Arbeit besteht darin sich aktiv

für das materielle und immaterielle Kultur-

und Naturerbe Südtirols einzusetzen.

Egal ob durch Sensibilisierungs- und Vermittlungsprojekte

oder durch den Einsatz

für den Schutz bedrohter Gebiete und Ensembles,

ob in Zusammenarbeit mit den

überaus aktiven ehrenamtlichen Heimatpflegern

vor Ort oder den anderen Umweltverbänden

Südtirols: die Arbeit ist für mich

täglich eine spannende Herausforderung.

Die Obfrau des Heimatpflegeverbandes

Claudia Plaikner sagte bei der letzten Vollversammlung

„der Respekt vor Mensch,

Natur und Umwelt als Grundhaltung ist der

Kompass eines Heimatpflegers“. Ich denke,

wenn man die Möglichkeit bekommt, seine

Arbeit nach diesem Kompass auszurichten,

dann sollte man das machen.

Florian Trojer

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für die Heimatpflege im Kulturfenster senden Sie bitte an: josef@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpfl egeverband)

Nr. 04 | August 2019 15


Aus Verband und Bezirken

Geheimtipp Salurn

Heimatpflegeverein Naturns Plaus erkundet Salurn

und seine (unbekannten) Schätze

Vor dem Salurner Rathaus, im Hintergrund, gut getarnt, die Haderburg

Dass Josef Noldin aus Salurn stammte, ist

einigermaßen bekannt. Doch wie er hier

lebte und wie reich sein Heimatdorf an

herrschaftlichen Renaissancebauten ist,

die an eine ruhmreiche Vergangenheit erinnern,

erfährt erst, wer sich mit dem Dorf

an der Sprachgrenze beschäftigt. Der HPV

Naturns-Plaus hat dies im Juni getan.

Dr. Josef Noldin, dem berühmtesten

Sohn von Salurn, galt die erste Neugier der

Gäste aus dem Burggrafenamt. Um mehr

über ihn als Bollwerk gegen faschistische

Willkür, als Anwalt, als Konfinierter und als

Mensch zu erfahren, haben sie seinen Enkel,

den Bozner Anwalt Rudolf Benedikter,

zu einem vormittäglichen Austausch in den

Ansitz Noldin gebeten.

Der Ansitz war das Stammhaus der Noldins

und ist heute als „Noldinhaus“ bekannt,

Jugendherberge und Kulturhaus in einem.

Rudolf Benedikter hat im Jahr 2011 mit

dem Filmemacher Luis Walther aus Neumarkt

eine Dokumentation über Leben und

Werk Josef Noldins gedreht, z. T. auf Lipari,

wohin die Faschisten ihn 1926 verbannt

hatten.

Ausschnitte aus diesem Film lieferten

Stimmungsbilder zum Leben dieses Intellektuellen,

der nach fünfjähriger Gefangenschaft

in Sibirien als 32-Jähriger 1920

nach Salurn zurückkehrte: Rudolf Benedikter:

„Doch daheim waren ihm ganze

sieben Jahre vergönnt … Sieben Jahre, in

denen er seine Anwaltskanzlei in Salurn eröffnete,

seine Melanie Dallago aus Bozen

heiratete (1922), mit ihr zwischen 1923

und 1928 vier Kinder in die Welt setzte

und sich zugleich immer stärker der Gemeindeverwaltung,

der Schule, dem Kindergarten,

kurz der Politik zuwandte - zum

Kummer seiner Mutter Amalia (der Vater

war schon 1922 gestorben): Amalia sah es

nicht gerne, wenn der junge Anwalt Josef

in seinem Vaterhaus (zugleich seine Kanzlei)

mit den Salurnerinnen Berta von Gelmini,

Teresa von Simeoni und Ottilie Dalvai

den Katakombenunterricht organisierte .“

Nach Noldins Tod, so Benedikter, versuchte

Nazi-Deutschland, Noldin für die

deutschnationale Propaganda zu vereinnahmen.

„Doch wie schon die Wissenschaft

(zuletzt: Sparber – Von Hartungen, 2009)

die historische Figur Josef Noldin von einer

derartigen Manipulation bewahrt, verwehre

ich mich heute gegen jede Art von

Vereinnahmung des Noldin-Gedenkens

durch rechte Parteien oder deutschnationale

Demagogie aus Österreich (FPÖ)

oder auch aus Südtiroler Schützenkreisen.“

Und abschließend sagt Noldins Enkel:

„Im historischen Rückblick sehe ich meinen

Großvater als eine Art Pionier des zivilen

Widerstandes gegen die erste der modernen

Diktaturen im westlichen Europa,

sein Schicksal als Vorläuferschicksal für

weitere, spätere andere tragische Schicksalwege

in diesem blutigen Zwanzigsten

Jahrhundert. Josef Noldin war einer der

wenigen Intellektuellen, die es in den 20er

Jahren verstanden, Widerstand gegen die

faschistische Okkupation zu sammeln.“

Das Dorf, in dem Josef Noldin die wenigen

glücklichen Jahre seines Lebens verbrachte,

hat für geschichtlich und denkmalpflegerisch

Interessierte eine Menge

zu bieten. Erst recht, wenn der Salurner

Architekt Franz Costa durchs Dorf führt.

Mit Sachkenntnis und geistreichem Witz

machte er die Gäste mit den herrlichen Renaissancebauten

und Palais der Salurner

Adeligen bekannt, führte sie in tiefe, geräumige

Keller und zum beeindruckenden

Zehenthaus aus dem 16. Jahrhundert, das

heute noch per unterirdischem Gang mit

der Haderburg verbunden ist. Und schließlich

machten die Burggräfler mit einem typisch

Unterlandler Wirtschaftszweig Bekanntschaft,

der längst Geschichte ist,

dem aber im Salurner Rathaus ein kleines

Museum gewidmet ist: der Seidenraupenzucht.

Die seidenen Kokons haben Salurn

und dem Unterland eine kurze wirtschaftliche

Blüte beschert, bevor die Maulbeerbäume

einer Krankheit zum Opfer fielen,

erklärte Kuratorin Cilly Wegscheider.

Arch. Franz Costa und Obmann

Hermann Wenter

16

KulturFenster


Heimatpflege

„Terra tra i monti – Land

im Gebirge“

Wiedergründung nach tragischem Todesfall von Stefan Frenez

Am 3. Mai 2007 ist in Grumo (Trient) der

Verein „TERRA TRA I MONTI – LAND IM GE-

BIRGE – TIROLER HEIMAT“ gegründet worden.

Die Idee, die von einem Dutzend Welschtiroler

mitgetragen wurde, ist von Stefan Frenez

und seiner Gefährtin Gabriella Parisi

ausgegangen.

Nachdem man auch im Trentino immer

häufiger feststellen musste, dass sowohl

die private Wirtschaft als auch die Politik

Maßnahmen und Vorhaben unterstützte,

welche oft nicht gerade nachhaltiger Natur

waren, ist der leidenschaftliche Stefan

Frenez auf die Idee gekommen, dass man

etwas gegen diesen besorgniserregenden

Trend unternehmen musste. Und so ist

der Verein entstanden. Respekt und Bewahrung

der Landschaft, Schutz und Aufwertung

der historischen Bausubstanz und

der „materiellen Kultur“, nachhaltige Entwicklung

in den Bereichen Landwirtschaft,

Tourismus und Handwerkwesen, vernünftige

Nutzung der Ressourcen, Wiederherstellung

einer wahren Toponomastik sowie

die Erhaltung von Sitten und Gebräuchen

im historischen Tirol: Das waren die wichtigsten

Punkte, welche im Statut des Vereins

enthalten waren.

Danach entstanden einige Initiativen,

welche vor allem durch Begegnungen mit

der Bevölkerung in den Tälern durchgeführt

wurden, wie zum Beispiel in Sover (Cembratal),

wo man das Thema „ökologischer

Bergtourismus“ in einem vollen Saal behandelt

hat, oder in Ponte Arche, wo man

ein gut besuchtes Treffen über die Problematik

der Gülle (Großställe) organisiert hat.

Auch das Argument einer gesunden Berglandwirtschaft

wurde an einem Abend im

Fersental mit der Bevölkerung behandelt.

Gemeinsame Ziele

Da die Ziele des Vereins eindeutige Ähnlichkeiten

zum Vorhaben der Heimatpflegeverbände

in Süd-und Nordtirol aufwiesen,

nahm der unermüdliche Präsident Stefan

Stefan Frenez (†)

Frenez Kontakt mit den Obmännern des

HPV in Bozen und Innsbruck auf. Daraus

entstand eine gute Zusammenarbeit, welche

sich u.a. mit der Teilnahme an den

jährlichen Gesamttiroler Heimatpflegetreffen

konkretisierte.

ABER… Aber gerade zum Zeitpunkt,

an dem der Verein begann, in Welschtirol

Wurzeln zu schlagen, passierte eben das,

was nicht hätte passieren sollen, und zwar

der Tod von Stefan Frenez. Der begeisterte

Präsident und Leader vom Verein wollte etwas

unternehmen, was noch niemand gewagt

hatte, nämlich die Umrundung des

historischen Tirol, und das innerhalb von

zwei Jahren. Der Kunstlehrer Stefan Frenez

hatte vor, in seiner Freizeit im Sommer die

ganze Umrundung Tirols zu schaffen. Nach

zwei Jahren akkurater Vorbereitungen ging

es am 3. Juli 2015 los. In Mama d’Avio trafen

sich einige gute Freunde aus den drei

Teilen, um dem begeisterten Stefan Frenez

ihre Solidarität zu dieser patriotischen

Aktion zu demonstrieren. Am vierten Tag

kam aber die traurige Nachricht, dass Stefan

Frenez auf den Lessini Bergen oberhalb

von Ala in einer Schlucht verunglückt war.

Das war nicht nur für seine Familie und für

den ganzen Freundeskreis eine Tragödie,

sondern auch für den Verein „Terra tra i

monti – Land im Gebirge“.

Neugründung des Vereins

Ohne seinen Leader begann die Dekadenz

des Vereins, der immer weniger aktiv

wurde. Zu einem Zeitpunkt, an dem man

fast dabei war, die Gruppe zu löschen, kam

die Solidarität der Südtiroler und Nordtiroler

Heimatpfleger, welche sich bereit erklärt

haben, eine Neugründung des Vereins zu

unterstützen. In diesem Sinne wurde in

Zusammenarbeit mit der Gaismair Gesellschaft

(von der Stefan Frenez einige Jahre

Obmann war), ein Treffen in Vezzano (TN)

organisiert, mit dem Ziel, Interessenten

zu finden, welche bereit sind, dem Verein

„Terra tra i monti – Land im Gebirge“ neue

Impulse zu geben. Am Treffen, welches in

Vezzano im von der dortigen Schützenkompanie

restaurierten Schießstand am

18. Mai 2019 stattgefunden hat, haben

auch die Vertreter der HPV Südtirol und

Nordtirol teilgenommen. Nach den Grußworten

des Obmannes der Gaismair Gesellschaft

Alberto Sommadossi wurden

durch Gabriella Parisi die Ziele von „Terra

tra i monti – Land im Gebirge“ vorgestellt.

Danach folgten die interessanten Beiträge

der Obfrau des Südtiroler Heimatpflegeverbandes

Claudia Plaikner und des Nordtiroler

Obmanns Konrad A. Roider; beide

wurden vom zahlreich erschienenen Publikum

mit langem Applaus honoriert. Es

folgte eine Reihe von interessanten Fragen

und Stellungsnahmen des Publikums.

Und zum guten Schluss konnte man feststellen,

dass sich circa 20 Personen bereit

erklärt haben, demnächst an der „Wiedergründung“

von „Terra tra i monti – Land im

Gebirge“ aktiv mitzumachen.

Walter Eccli –

Mitglied der Gaismair Gesellschaft und

von „Terra tra i monti – Land im Gebirge“

Nr. 04 | August 2019 17


Arge Volkstanz

„Es würde ihn mit Stolz erfüllen“

Am Freitagabend, dem 7. Juni 2019, wurde

feierlich mit den berühmten Worten „Alles

Walzer“ gegen 20.30 Uhr der Tanz am Bozner

Walther-Platz eröffnet. Die Worte dazu

kamen von Schauspielerin Katja Lechthaler,

die in diesem Jahr die Patenschaft der Veranstaltung

übernommen hat.

Majestätisch elegant schmückten heuer

bereits zum 6. Mal historische Gewänder,

edle Kleider und die Variationen der Südtiroler

Trachten den Waltherplatz in Bozen.

Ein romantischer Abend mit Dinner

unter den Sternen, angenehmer Musik

und Showmomenten im Dreivierteltakt.

Zahlreiche Tanzbegeisterte, Kulturinteressierte

und Schaulustige ließen sich das

Spektakel nicht entgehen. Die Mitglieder

der ARGE-Volkstanzgruppen des Bezirks

Bozen präsentierten zu diesem Anlass die

Tiroler Volkstanzkultur und ihre wunderschönen

Trachten. Die Gäste und Einheimischen

hatten die Möglichkeit, gemeinsam

mit den Tänzern und Tänzerinnen zu

den Klängen des „Haxnschmeisser‘s“, des

„Eiswalzers“ oder des traditionellen „Bauernwalzers“

zu tanzen. Anschließend gab

der Volkstanz bei einem kurzen Auftritt

edle Figurenwalzer wie den „Steiregger“

und den „Bernhardwalzer“ zum Besten.

Ein sehr gelungener Abend für das

Stadthotel in Bozen, der dieses Jahr

mit sternenklarem Himmel und jeder

Menge tanzfreudiger Gäste auftrumpfen

durfte. „Walzer Platz“ wird von der Familie

D’Onofrio des Stadt Hotels organisiert,

Die gemischte Volkstanzgruppe vom Bezirk Bozen

in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung

Bozen und unter der Schirmherrschaft der

Stadtgemeinde Bozen.

Mit eiserner Pose, fest verankert und

stets das Geschehen im Blick: So zeigt sich

alljährlich die Denkmal-Statue des Walther

von der Vogelweide schützend allen beteiligten

Gästen und Tanzbegeisterten.

Matthias Weithaler

Worte eines begeisterten Gasts an diesem

Abend:

„Wenn der Walther dies mit eigenen Augen

miterleben könnte, es würde ihn mit

Stolz erfüllen!“

Almtanz der ARGE Volkstanz in Südtirol

am Rittner Horn bei der Feltuner Hütte

„Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel

im Himmel mit dir nichts anzufangen“ -

mit diesen Worten von Augustinus Aurelius

stimmte man sich auf den Almtanz, der am

7.Juli auf der Feltuner Hütte unterhalb des

Rittner Horns stattgefunden hat, ein.

Den Auftakt zum Almtanz bildete um 11

Uhr eine feierliche Feldmesse beim Unterhorn

„Bildstöckl“ mit Familienseelsorger

Toni Fiung. Die Messe wurde von den Wangener

Musikanten musikalisch umrahmt.

Anschließend ging der Festbetrieb bei der

Feltuner Hütte weiter. Die Volkstanzgruppe

Oberbozen hatte anlässlich ihres 30 – jährigen

Bestehens den diesjährigen Almtanz

organisiert und sorgte für das leibliche Wohl

der zahlreichen Gäste, die von Nah und

Fern zum Almtanz kamen.

Um 13 Uhr wurde der Landesalmtanz

mit dem Auftanz eingeleitet. Anschließend

haben die „Wangener Musikanten“ zum

Tanz aufgespielt und es wurde fleißig getanzt.

Um 15 Uhr ging es mit dem Kindertanz

weiter. Die Kinder zeigten voller

Stolz fünf Tänze.

Auch das Einsetzen von kurzem leichten

Regen konnte der guten Stimmung nichts

anhaben und so wurde bis in den späten

Nachmittag hinein getanzt.

Anna Julia Spitaler

Die Volkstanzgruppe Ulten tanzt mit 8

Paaren das Mühlradl

Die Wangener Musikanten spielten zum

Tanz auf

Die Kinder hatten eine Menge Spaß

beim Tanzen

18

KulturFenster


Heimatpflege

Hoangort auf Schloss Tirol

Am 26. Mai lud Albert Seppi auch heuer

wieder zum „Sänger und Musikanten Hoangort

auf Schloss Tirol“ ein.

Die Gäste wurden durch die Alphornbläser

der Musikkapelle Proveis, welche

sich vor dem Bergfried aufgestellt hatten,

mit einigen Weisen begrüßt. Im Rittersaal

wurden die Gäste durch Leo Andergassen,

Direktor des Landesmuseums

Schloss Tirol, zur Veranstaltung „G‘sungen,

g‘spielt und derzeihlt“ willkommen geheißen.

Er richtete auch einen Gruß an die

anwesenden Ehrengäste, sowie an Albert

Seppi und dankte ihm, dass er auch

heuer wieder den Hoangart auf Schloss

Tirol organisiert hatte. Durch die musikalische

Stunde im Rittersaal führte Nikolaus

Köll aus Landeck. Er präsentierte auf

humorvolle Art die drei Musikgruppen (die

„Nauderer Schupfamusig aus Nordtirol,

den Seeleiten Dreigesang aus Reith im

Alpachtal und das Semestertrio aus dem

Pustertal) und die dargebotenen Stücke

und las passende Texte vor, die so manchen

Hörer zum Schmunzeln brachten.

Anschließend ging die Veranstaltung

im Schlosshof weiter. Die Volkstanzgruppen

Ulten und Welschnofen führten auf

der eigens aufgebauten Tanzfläche einige

Tänze vor. Anschließend spielten

die „Nauderer Schupfamusig“ und das

„Semestertrio“ zum Tanz auf. Bei Speis

und Trank fand der Nachmittag zu den

Klängen der Alphornbläser einen gemütlichen

Ausklang.

Anna Julia Spitaler,

Pressereferentin der ARGE

Volkstanz in Südtirol

Die Sänger und Musikanten bei der Veranstaltung g'sungen g'spielt und drzeihlt im

Rittersaal vom Schloss Tirol

Die Alphornbläser der Musikkapelle Proveis begrüßen die Gäste im Schlosshof mit

ihren Weisen.

Hereinspaziert

• Landeskathreintanz am 16.November 2019 im Kursaal von Meran

• Winterlehrgang vom 26.Dezember 2019 bis 1. Jänner 2020 im Haus der Familie Lichtenstern

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org

Nr. 04 | August 2019 19


Arge Lebendige tracht

Eine ganz patente Frau

Christl Patzleiner und die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht

Gediegene Ausbildung

Christl Patzleiner Feichter in der

Hochpustertaler-Frauentracht

Es gibt Frauen, die bringen einfach alles

unter einen Hut und manchmal scheint

es, als hätte ihr Tag mehr als 24 Stunden.

Christl Patzleiner Feichter in Toblach

ist so eine Frau. Bauernhof, Familie

mit vier Kindern, Mitglied in mehreren

Vereinen und ….. fast 30 Jahre lang Mitglied

der Arbeitsgemeinschaft Lebendige

Tracht! Sie kam über den Volkstanz in unsere

Runde und war bis zuletzt ein äußerst

wertvolles Mitglied.

Christl Patzleiner brachte großes schneidertechnisches

Können mit in die Arbeitsgemeinschaft.

Sie hatte den renommierten

Speziallehrgang für Trachtenschneiderei in

Salzburg besucht, der die optimale Grundlage

für ihre spätere Arbeit als Trachtenschneiderin

bildete. Zurück in Südtirol, unterrichtete

sie zunächst im Bereich Textil in der Landesberufsschule

„Luis Zuegg“ in Meran. Bevor

sie sich als Trachtenschneiderin selbständig

machte, arbeitete sie für mehrere Jahre

beim Trachtenschneider Ernst Neunhäuserer

in Olang. Im Jahr 1984 schaffte sie die Meisterprüfung

im Fach Trachtenschneiderei.

Tragende Säule

Ab 1980 bis weit in die 1990er Jahre hinein

hatte die Arbeitsgemeinschaft Lebendige

Tracht ihre arbeitsintensivste Zeit. Es

gab unzählige Sitzungen mit langen Tagesordnungen.

Viele Tracht tragenden Vereine

kleideten sich neu ein. Christl Patzleiner

war immer mit Begeisterung dabei. Sie

war eine tragende Säule der Arbeitsgemeinschaft,

scheute nie den langen Weg von Toblach

nach Bozen und nur sie allein weiß,

wie anstrengend so manche lange Heimfahrt

zu später Nachtstunde war.

Die zwei Trachtenschneider-

Meisterinnen Christl Patzleiner und

Helga Trenkwalder

Verlässliche Mitstreiterin

Auf Christl Patzleiner war Verlass. Was immer

sie übernahm, klappte. Sie scheute

keine Mühen, wenn es um die Tracht ging.

Sie machte mit Begeisterung mit, wenn es

um Fortbildung oder den Austausch mit

Trachtenfreunden über die Grenze hinweg

ging. Besonders die Tracht des Pustertales

war ihr ein großes Anliegen. Nicht immer

wurden ihre Empfehlungen wohlwollend

aufgenommen, doch wo sie die Hand im

Spiel hatte, kamen richtig schöne Trachten

heraus. Ihre Handschrift kann sich auch

heute noch sehen lassen.

Von der Trachtenschneiderin

zur Bio-Bäuerin

Christl Patzleiner erklärt das Zuschneiden von Trachtenhemden in der

Landesberufsschule Meran.

Christl Patzleiner hat sich während ihrer

Zeit bei der Arbeitsgemeinschaft Lebendige

Tracht große Verdienste um die Tracht in

Südtirol erworben. Inzwischen hat sie die

Trachtenschneiderei aufgegeben und sich

ganz der Bio-Landwirtschaft verschrieben.

Doch wenn der Anlass passt, dann zieht

sie ihre blaue Hochpustertaler-Tracht an

und ist wieder ganz in ihrem Element. Die

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Lebendige

Tracht danken ihr für die jahrzehntelange,

gute Zusammenarbeit und bleiben

ihr von Tracht zu Tracht in Freundschaft

verbunden!

Agnes Andergassen

20

KulturFenster


Vorweg

Blasmusik

Verbandsobmann

Pepi Fauster

Musik, Teil unseres Lebens

Die Musik spielt

im Leben von

uns Musikanteninnen

und Musikanten

eine unterschiedliche,

aber wesentliche

Rolle. Gerne lasse ich persönlich mich

immer wieder von Leuten inspirieren,

denen Musik sehr viel bedeutet und die

so viel darüber sagen können. In seinem

autobiographischen Buch „Musik

– Mein Leben“ beschreibt der international

gefeierte israelische Pianist und

Dirigent russischer Herkunft Daniel Barenboim

– Jahrgang 1942 - vier bewegte

Jahrzehnte seiner einzigartigen Karriere.

Einige seiner Aussagen können auch wir

mit in unseren musikalischen Alltag nehmen

und uns davon bereichern lassen:

„…Ich glaube, dass es sehr

wichtig ist, in frühen Jahren - als Kind –

hingeführt zu werden, gewisse Dinge zu

lernen. Später kann man seine eigene

Auswahl treffen. Ich werde meinem Vater

immer dankbar sein, dass er mich

als Kind und Jugendlichen ein so breites

Repertoire lernen ließ. Ich spielte alles,

was man sich vorstellen kann…“

Daniel Barenboim hat als Dirigent

und als Pianist Weltruhm erlangt

„…Musik wirklich gut zu spielen

ist eine Frage der Balance zwischen der

technischen und der musikalischen Seite.

Wenn die technischen Probleme der Fingerfertigkeit

einer Stelle gelöst worden sind, ist

es zu spät, Musikalität und musikalischen

Ausdruck dazuzugeben. Das ist der Grund,

warum ich nie mechanisch übe…“

„…Ich glaube, die Grundlage allen

Musizierens ist, dass man einander zuhört.

Sobald man zwei oder mehr Musiker

hat, wird das Zuhören die Grundlage des

musikalischen Ausdrucks. Es ist schwierig

genug, nicht nur die eigene Musik wei-

ter zu spielen, sondern gleichzeitig den

anderen zuzuhören. Überhaupt wenn

es viele sind…“

„…Was ist Musik? Und wie

stellt sie sich dar? Sie tut es sehr einfach:

durch Klang. Musik ist – wie es

Busoni sagte – eigentlich „nur Luft“.

Doch Musik drückt nicht nur zwischenmenschliche

Gefühle aus, sondern ist

selbst eine menschliche Schöpfung,

die darauf ausgerichtet ist, die Natur

in ihrem tiefsten Sinne nachzuahmen.

In dieser Hinsicht ähnelt sie dem Leben

eines Menschen…“

Die Qual der Wahl

Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch

Wir stecken zwar

gerade mitten im

Kalenderjahr, doch

für viele Kapellmeister

beginnt jetzt

schon die Suche

nach dem Programm für die nächste

Saison. Natürlich hat man im digitalen

Zeitalter viele Möglichkeiten und Hilfen,

im Internet in den verschiedenen Plattformen

nach Literatur zu suchen. Regelmäßig

flattern Kataloge mit den druckfrischen

Neuigkeiten der Blasmusikliteratur

ins Haus. Dies hat natürlich auch zur

Folge, dass gerade neue Werke häufi g

und mehrfach in den Konzertprogrammen

zu finden sind. Muss es aber immer

das Neueste vom Notenmarkt sein? Unsere

Archive sind oft prallgefüllt mit Noten,

da lohnt es sich zu stöbern und gar

oft kommen echte Kostbarkeiten und Raritäten

zum Vorschein. Also ab ins Archiv

und viel Spaß beim Stöbern!

Nr. 04 | August 2019 21


Vorweg

SJBO - die Kraft der Musik bei der Jugend

Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer

Die Kraft der Musik

und der Esprit

junger Leute faszinierten

bei den

jüngsten Konzerten

des Südtiroler

Jugendblasorchesters

in Schlanders, Bozen und

Innsbruck. Nicht alleine mit perfekter

technischer Ausführung, vielmehr durch

die ungebremste Leidenschaft gemeinsam

zu musizieren, vermochte das SJBO

helle Begeisterung zu entflammen. SJBO

ist ein Auswahlorchester, ein Prunkstück

Südtiroler Blasmusikgeschichte, Südtiroler

Blasmusikkultur „par excellence“. Der

Grundgedanke dieses Projektes war und

ist es, begabte Nachwuchsmusiker*innen

durch erlesene Literatur mithilfe einer

künstlerisch hochwertigen Leitung sowie

mit kompetenten Dozenten und Organisation

an das Ideal des Blasorchesterklangs

heranzuführen.

Ein weiterer Aspekt ist die Strahlkraft

dieses Projektes, welche sich im wei-

gewinnen kann. Von der Brauchtumspfl

ege einmal abgesehen, bringt die Zugehörigkeit

zu einer Musikkapelle einem

Jugendlichen viele Vorteile. Jugendliche

brauchen ein Freizeitvergnügen, um mit

dem Stress des Schul- bzw. Arbeitslebens

fertig zu werden. Eine Möglichkeit,

alle schlimmen Gedanken des Tages zu

vergessen und Platz für neue Gedanken

und Ideen zu schaffen.

Ein „am Stand“ gespielter Marsch, ein so

genanntes „Ständchen“, erregt im ersten

Augenblick zwar Aufsehen, aber nach

dem vierten, fünften Marsch wird’s meistens

fad. Genauso ist es, wenn ohne Musik

marschiert wird und man schon nach

einiger Zeit die Trommeln nicht mehr höteren

Sinne auf das unmittelbare Umfeld,

sprich die Musikkapellen der einzelnen

Musiker*innen auswirkt.

Gerade dieser Effekt ist ein Multiplikator

in Hinsicht auf verschiedenen Tugenden,

wie ausgeprägtes musikalisches Empfi n-

den, Disziplin und Verlässlichkeit. SJBO ist

nicht nur die Speerspitze im musikalischen

Sinn, sondern versteht sich als umfassendes

Projekt, junge Südtiroler Talente pädagogisch/didaktisch

zu formen und fördern.

Ich durfte dieses Orchester eine Woche

lang als Orchestermanager begleiten,

was mir tiefe Einblicke in die Welt unserer

musizierenden Jugend erlaubte.

Im Zeitalter von WhatsApp, SnapChat,

Instagram & Co. müssen Veranstalter

gute Argumente bereithalten, um die

Jugend bei Laune zu halten. Das ist mit

der vergangenen Orchesterwoche und

den erlesenen Konzerten in Süd-und

Nordtirol mehr als gelungen.

Das Südtiroler Jugendblasorchester unter der Leitung von Isabelle Ruf-Weber (2019)

Jugend und Musik in Bewegung

(aber auch für „alte Hasen“)

Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller

Als Landesstabführer

frage ich

mich, was speziell

die Jugend der

Marschmusik ab-

ren möchte. Einer geordnet marschierenden

und spielenden Kapelle, kann

man sehr lange zuschauen – vor allem,

wenn ein Showprogramm mit verschiedenen

Showelementen wie Kreisen, Formationswechsel

oder ähnlichem geboten

Musik in Bewegung macht Spaß – im

Bild die Jugendkapelle Natz-Schabs

„JUKANATSCHA“ (Archiv)

wird. Eine „Marschierprobe“ sollte kein

Raunen und Maulen auslösen. Das Marschieren

sollte für die Musiker eigentlich

eine willkommene Abwechslung zur konzertanten

Blasmusik sein.

Ich beobachte immer wieder aufs Neue,

dass vor allem unsere Jugendlichen von

diesen Proben besonders begeistert sind.

Sie bringen selbst Ideen und Gedanken ein;

davon könnten sich viele „alte Hasen“ ein

Beispiel nehmen.

Werte Funktionäre, ihr seid es, die eine

„Marschierprobe“ im Jahresprogramm

fest einplanen müsst, nur so können auch

die Wünsche unserer Jugend berücksichtigt

werden.

Alles in allem kann man mit dem Marschieren

viel Abwechslung in den Probenalltag

bringen, und in diesem Sinne wünsche

ich euch allen einen erholsamen Sommer

und viele schöne Augenblicke mit Musik

in Bewegung.

22

KulturFenster


Das Thema

Blasmusik

Die Sitzordnung eines

Blasorchesters

von Walter Ratzek

Die Bürgerkapelle Brixen

Vergleichbar zum Sinfonieorchester gibt

es für das Blasorchester eigentlich keine

standardisierte Besetzung. Von der dörflichen

Musikkapelle mit einer 25 bis 30

Mann starken Besetzung bis hin zu großen

sinfonischen Blasorchestern mit Besetzungsstärken

von bis zu 100 und mehr Musikerinnen

und Musikern findet man ganz

unterschiedliche Besetzungen und daraus

resultierend auch ganz unterschiedliche

Sitzordnungen.

Aus meiner Sicht kann es daher auch

keine optimale oder allgemein gültige Sitzordnung

für ein Blasorchester geben.

Es bleibt somit immer ein Kompromiss.

Regelmäßig muss zwischen besetzungstechnischen,

physikalischen wie auch optischen

Gegebenheiten abgewogen werden.

Von Vorteil ist es in jedem Fall, das Orchester

sowohl in den Proben als auch in den

Konzerten möglichst in der gleichen Sitzordnung

spielen zu lassen.

Grundsätzliche Überlegungen:

A. Physikalische Gegebenheiten

1. Jeder natürliche Ton besteht aus Grundton

und seinen Obertönen. Anhand der

Gewichtung der Obertöne ergibt sich der

für ein Instrument charakteristischer

Klang. In übertragenem Sinne trägt jeder

Spieler, der einen Ton spielt, seine

Obertöne wie in einem Rucksack mit

sich herum. Besonders bei den tiefen

Instrumenten muss man die ersten vier

Obertöne (Oktave, Quinte, Oktave und

Dur-Terz) im Klangaufbau der Intonation

mit berücksichtigen.

2. Die grundsätzliche Richtung beim

Hören ist immer von unten nach

oben. Zunächst nehmen wir den

Grundton wahr und erkennen anhand

der Gewichtung der Obertöne,

um welches Instrument es

sich handelt.

3. Hohe Töne lassen sich leichter im Raum

orten als tiefe Töne.

4. Jedes Instrument hat eine Richtung, in

die es klanglich besonders intensiv abstrahlt.

Für die Trompete oder Posaune

liegt dies auf der Hand, die Stürze gibt

die Richtung vor.

5. Nicht jedes Instrument hat denselben

Dynamikumfang. Laute Instrumente

sollten die leisen Instrumente nicht allein

schon aufgrund der Sitzordnung

überspielen.

Nr. 04 | August 2019 23


Das Thema

3. Bei Verwendung von Podesten und einer

in der Höhe gestaffelten Sitzordnung

ergeben sich akustisch weitere

Probleme. Optisch wäre es wiederum

eine Aufwertung.

Südtiroler Jugendblasorchester SJBO

B. Besetzungsgröße und weitere besondere

Herausforderungen

1. Die Besetzungsgröße eines Orchesters,

aber auch die Größe der einzelnen Register

wirken sich direkt auf die Sitzordnung

aus.

2. Die Spielstärke der Musiker entscheidet

ebenso über die Sitzordnung mit.

3. Das verwendete Instrumentarium, wie

z.B. deutsche Tuben, oder die Verwendung

von Euphonien anstatt Tenorhorn

und Bariton ist ebenfalls ein wichtiges

Kriterium für eine optimale Sitzordnung.

4. Gerade bei kleiner besetzten Originalwerken

wird oft die Aufstellung und Sitzordnung

gerne vom Komponisten vorgeschlagen.

C. Das Auge hört auch mit?!

1. Je weiter ein Orchester auseinander

sitzt, umso deutlicher wirken sich Timing-Probleme

negativ auf das rhythmische

Zusammenspiel aus. Dagegen ist

die klangliche Transparenz in einer aufgelockerten

Sitzordnung hörbar besser.

2. Optimal wäre eine Sitzordnung, bei der

alle Musiker auf einer Ebene in Reihen

hintereinander sitzen würden. Optisch ist

das zwar wenig attraktiv, klanglich aber

schon interessant, da die stärkeren Instrumente

von weiter hinten in die Rücken

und Notenständer der vor ihnen

sitzenden spielen würden und sich die

vordersten Instrumente somit deutlicher

abheben könnten.

Das wichtigste Kriterium für eine gute Sitzordnung

ist die Positionierung der Bassinstrumente:

Ein Orchester wird nur dann gut intonieren,

wenn die Bassinstrumente möglichst

an jeder Position im Orchester zu hören

sind. Dies wären also folgende Instrumente:

- Pauken, große Trommel

- Tuben, Kontrabass

- Fagott, (Kontra-)Bassklarinette

- Baritonsaxophon

Anmerkung: Dies gilt im Übrigen auch gleichermaßen

für eine Aufstellung des Orchesters

zum Marschieren.

Hieraus ergeben sich für einzelne

Register folgende Sitzpositionen:

Schlagzeugregister:

Bei einer kleinen Besetzungsgröße mit nur

1-3 Schlagzeugern wie z.B. einer Egerländerbesetzung,

würde ich große Trommel,

Becken und kleine Trommel in die

Mitte setzen. Falls nur ein Drum-Set besetzt

wäre, ebenfalls in die Mitte. Je größer

die Besetzung (größer als 15 Musiker)

wandert das Schlagzeug in die Mitte hinter

das Orchester.

Walter Ratzek

Von 1980 bis 1985 studierte Walter Ratzek (Jahrgang 1960) „Kapellmeister - Dirigieren“

bei Professor Wolfgang Trommer und Klavier in der Klasse von Prof. José

Luis Prado - an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf. Anschließend

durchlief er eine Karriere als Kapellmeister bei der Bundeswehr als

Leiter des Kammerorchesters, Leiter des Heeresmusikkorps 2 (Kassel), Leiter des

Ausbildungsmusikkorps, Leiter des repräsentativen Konzertorchesters und Leiter

des Stabsmusikkorps Berlin. Nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr

2014 ist er freischaffend tätig und hat im Dezember 2016 den Lehrstuhl des Studiengangs

„Instrumentieren - Blasorchesterleitung“ am Konservatorium Claudio

Monteverdi in Bozen übernommen. 2018 ist ihm auf ausdrücklichem Wunsch

von Prof. Wolfgang Trommer die künstlerische Leitung der PlatinScala übertragen

worden. Als Gastdirigent nationaler wie internationaler renommierter Orchester,

Leiter von Workshops und diversen Fortbildungsmaßnahmen ist Walter Ratzek

sowohl als Dirigent als auch als Pianist bekannt.

www.walterratzek.jimdo.com

24

KulturFenster


Blasmusik

Bei Blasorchestern mit 5 bis 8 Mann im

Schlagzeugregister und Aufteilung in Stabspiele,

Perkussion, Pauken etc. ergeben

sich folgende Überlegungen:

Bei eher klassischer Ausrichtung des Repertoires

sind die Pauken in der Mitte, die

Stabspiele hinter den Klarinetten und Perkussion

auf der dementsprechend anderen

Seite. Die Pauken würde ich nur dann aus

der Mitte nehmen, wenn ein Programm gespielt

wird, bei dem (z.B. im 2. Konzertteil)

ein DrumSet zum Einsatz kommt. Dann wäre

das DrumSet in der Mitte aufgrund von Timing

besser platziert. In dem Fall wäre eine

Positionierung der Pauken in der Nähe der

Tuben/Kontrabass vorteilhaft.

Bassinstrumente der Blechbläser

Bei einfacher Besetzung des Tubaregisters

mit deutschen Instrumenten, oder auch

spielschwächerer Besetzung, sollten die

Tuben links oder zumindest in der Mitte

positioniert werden. Bei Verwendung von

Tuben mit gerader Stürze kann das Register

auch weiter nach rechts wandern. Dies

würde vor allem dann Sinn machen, wenn

die Pauken ebenfalls rechts hinten positioniert

sind. Die Bassposaune schließt sich

an die Tuben an.

Bassinstrumente des Holzregisters:

Hier empfehle ich eine mittige Anordnung

in der 2. Reihe. Von dort wird der „Holzbass“

(Bass- und Altklarinette, eventuell

Kontrabassklarinette, Fagotte) vom ganzen

Holzregister gut gehört, die Fagotte sollten

zudem Kontakt zu den Oboen haben. Das

Baritonsaxophon bleibt beim Saxophonsatz,

sollte aber die Nähe zu den Holzbässen, vor

allem den Fagotten, suchen.

Im Folgenden ein paar Beispiele, wie - je nach Besetzungsgröße - eine Sitzordnung im

Blasorchester aussehen könnte:

Egerländerbesetzung (18 - 25)

Tuben

Klarinetten

Glockensp./Xylophon

Tuben

Posaunen

Flöte

Kleines Blasorchester (25 - 30)

Flügelhörner

Klarinetten

Drum Set

Kleine Trommel

Tenorhorn / Bariton / Horn

Saxophone

Großes Blasorchester (50 - 60)

Tenorhorn / Bariton

Stabspiele

Hörner

Klarinetten

Pauken

Trompeten

Bariton

Flöten

Flügelhorn / Trompete / Posaune

Alt-, Bass-, Kontrabasskl.

Flügelhörner

Tenorhorn

Gr. Trommel / Becken

Posaunen

Flöten

Perkussion

Fagotte

Oboen

Tuben

Saxophone

Trompeten

Kontrabass

Hörner (F-Horn)

Die Stürze zeigt beim F-Horn nach rechts,

dies bedeutet, dass eine Positionierung in

der Mitte, oder links hinten im Block wie

beim Sinfonieorchester optimal wäre. Eine

Positionierung weit rechts verbietet sich eigentlich,

ebenso würden sie sich ganz links

außen klanglich nicht ins Orchester integrieren

lassen.

Zu den weiteren Blechbläsern:

Je nachdem, ob die Tuben nun links oder

rechts positioniert werden, schließen sich

Posaunen, Trompeten und Flügelhorn bei

einer größeren Besetzung an. Bei Tuben

links würden Posaunen, Trompeten und

Flügelhörner seitenverkehrt zum Sinfonie-

Sinfonisches Blasorchester (60 – 90)

Stabspiele

Hörner

Tenorhorn / Bariton

Klarinetten

Pauken

Flügelhorn / Trompete / Posaune

Alt-, Bass-, Kontrabasskl.

Oboen, Englischhorn

Fagotte

Perkussion

Celli

Saxophone

Flöten

Tuben

Harfe

Kontrabass

Nr. 04 | August 2019 25


Das Thema

Die Musikkapelle St. Johann in Ahrn

orchester sitzen. Bei einer Sitzordnung mit

den Tuben rechts wäre die Positionierung

wie im Sinfonieorchester.

Bei kleinen Besetzungen mit wenigen Holzbläsern

sollte auch überlegt werden, Trompeten/Flügelhörner

und Posaunen eventuell

seitlich ins Orchester spielen zu lassen und

die Hölzer in die Mitte zu setzen, um sie

so besser zur Geltung kommen zu lassen.

Drehventilinstrumente bei Flügelhorn und

Trompeten sind unabhängig der Besetzungsgröße

bei traditionellem und eher klassischem

Repertoire immer zu empfehlen.

Tenorhorn/Bariton und Euphonium

Die klassischen Instrumente Tenorhorn

und Bariton mit Drehventilen sollten eher

auf der linken Seite oder weiter in der Mitte

positioniert werden, da sie dann mit ihrer

Stürze ins Orchester spielen und sich

klanglich gut integrieren lassen. Das immer

mehr eingesetzte Euphonium entstammt

der Tubafamilie und wäre in der

Nähe der Tuben oder auch rechts gut

aufgehoben.

Flöten und Klarinetten

Die größte klangliche Abstrahlung der

Querflöte/Pikkolo ist nach vorne und leicht

rechts. Die Flöten und insbesondere das

Pikkolo sollten sich daher eher auf der

rechten Seite wiederfinden, um so ins Orchester

hinein zu spielen. Dies bedeutet

im Umkehrschluss, dass sich die chorisch

besetzten B-Klarinetten links wiederfinden.

Die Es-Klarinette sitzt im Anschluss

der 1. Klarinetten weiter innen im

Kreis, quasi gegenüber der Pikkoloflöte.

Oboe/Englischhorn

Der beste Platz wäre direkt vor dem Dirigenten

in der ersten Reihe. Falls dort kein

Platz mehr sein sollte, sind sie hinter den

Flöten auf der rechten Seite ganz außen

gut aufgehoben.

Saxophone:

Die Saxophone werden am besten auf

der rechten Seite positioniert mit Alt-,

Tenor- und Baritonsaxophon von außen

nach innen.

6. Südtiroler Dirigentenwerkstatt

am 8. und 9. November 2019 in Bruneck

Bereits zum 6. Mal lädt heuer der Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) zur Dirigentenwerkstatt für Kapellmeisterinnen und Kapellmeister.

Oberstes Ziel dieser Werkstatt ist es, mit Hilfe eines externen Referenten Inputs

für die praktische, musikalische Arbeit mit der Musikkapelle zu erhalten.

Diese Fortbildung umfasst Blasorchesterliteratur in allen unterschiedlichen Stufen und ist

daher für alle Kapellmeisterinnen und Kapellmeister interessant. Gastreferent der heurigen

Werkstatt ist Walter Ratzek.

Anmeldungen sind innerhalb 13. Oktober 2019 über das VSM-Office möglich.

Im Notizfeld ist die aktive (Kursgebühr = 150 Euro) oder die passive Teilnahme (Kursgebühr = 50 Euro) zu vermerken.

Informationen im Internet unter www.vsm.bz.it/2019/06/22/6-suedt-dirigentenwerkstatt

26

KulturFenster


Aus Verband und Bezirken

Blasmusik

Musik in Bewegung

muss in Bewegung bleiben

Fortbildung für Stabführer in Kaltern

Mit unkonventionellen Methoden ermutigte die Tanzpädagogin Norah Mackh die

Stabführer, bei der Musik in Bewegung kreativ zu sein.

Die Stabführer-Fachgruppe des Verbandes

Südtiroler Musikkapellen hat Anfang Mai

zu einer Fortbildung ins Musikprobelokal

von Kaltern geladen.

Rund 30 Stabführer aus allen Landesteilen

lauschten dabei nicht den Ausführungen

eines arrivierten Stabführers, sondern

der Tanzlehrerin Norah Mackh aus

Klagenfurt. Querdenken lautete also die

Devise, denn Stabführer sind es gewohnt,

nach fest vorgegebenen Regeln zu arbei-

ten und weniger, Grenzen zu überschreiten

und kreativ zu sein. Norah Mackh gab

den Teilnehmern nicht nur einfache Schrittfolgen

mit, sondern wertvolle Tipps zu Methodik,

Motivation und Didaktik. Die Kernbotschaft

der Veranstaltung lautete: Um

auch bei den Musikantinnen und Musikanten

spannend zu bleiben, muss Musik

in Bewegung sich ständig weiterentwickeln,

neu erfinden – sie muss praktisch

in Bewegung bleiben.

Die Qualität der Musik in Bewegung hat

sich in den vergangenen 20 Jahren erheblich

gesteigert. Musikkapellen beherrschen

gewisse Abläufe vom Antreten über

die richtige Instrumentenhaltung, dem

Halten im Klingenden Spiel, dem Abfallen

von 5er- in 3er-Reihen und so weiter. Damit

das Erlernte nicht allmählich vergessen

wird, muss es jährlich wiederholt und

geübt werden.

Diese Praxis ist wichtig und muss auch

weiter fortgeführt werden, allerdings ist

es ebenso wichtig, immer wieder – wenn

auch kleine – neue Elemente einzubauen

und vorzuführen. So bleibt Musik in Bewegung

spannend – bei den Musikanten

wie beim Publikum.

Oskar Zingerle, Bezirksstabführer

des VSM-Bezirkes Brixen

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

Nr. 04 | August 2019 27


Aus Verband und Bezirken

Die Blasmusikjugend begeistert

Zwei musikalische Projekte … ein Ziel

Der Monat Juli ist alljährlich die Hochsaison

der Südtiroler Blasmusikjugend.

Landauf landab finden Jungbläserwochen,

Jungbläsertage und Sommermusikwochen

statt. Höhepunkt dabei sind

die Orchesterwochen des Südtiroler Jugendblasorchesters

und des EUREGIO

Jugendblasorchesters – zwei unterschiedliche

musikalische Projekte, ein

Ziel: die Förderung der Blasmusikjugend.

In Schlanders, Bozen, Cavalese,

Sterzing und bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten

zeigten die beiden

Orchester ihr Können und begeisterten

das Publikum.

SJBO - Das Südtiroler Jugendblasorchester

Sie haben die Fäden zur heurigen

15. Auflage des Südtiroler

Jugendblasorchesters SJBO gezogen –

v.l. VSM-Verbandsjugendleiter Johann

Finatzer, VSM-Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch und die Dirigentin

Isabelle Ruf-Weber mit Bernhard

Schlögl, dem Nachfolger von Alois

Schöpf als künstlerischer Leiter der

Innsbrucker Promenadenkonzerte

2005 hat der Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) auf Initiative seines damaligen

Verbandsjugendleiters und heutigen Verbandsobmannes

Pepi Fauster das Südtiroler

Jugendblasorchester (SJBO) ins Leben

gerufen. „Das Ziel war und ist es – damals

wie heute - gut ausgebildeten, talentierten

und musizierfreudigen jungen Musikerinnen

und Musikern die Möglichkeit zu geben,

unter der Leitung eines renommierten Dirigenten

und hoch qualifizierter Lehrkräfte

interessante sinfonische Blasorchesterliteratur

einzustudieren und aufzuführen“,

erklärt der heutige Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer, der von seinen Vorgängern

Arnold Leimgruber und Meinhard Windisch

die Organisation dieses aufwändigen Orchesterprojektes

übernommen hat. Nach Karl

Geroldinger (2005-2008), Thomas Doss

(2009-2011), Peter Vierneisl (2012-2013)

und Josef Feichter (2014-2017) steht seit

2018 Isabelle Ruf-Weber aus der Schweiz

am Dirigentenpult des SJBO. Auch heuer

hat sich das Orchester eine Woche lang in

Schlanders auf die Konzerte in Schlanders

(19. Juli), in Bozen (20. Juli) und in Innsbruck

(21. Juli) vorbereitet.

Fotogalerie:

www.vsm.bz.it/2019/07/

21/sjbo-2019-fotoalbum/

Beim Konzert in Schlanders … … in Bozen … … und in Innsbruck

28

KulturFenster


Blasmusik

3 Landesteile – 3 Konzerte – 3 Dirigenten

VSM-Verbandskapellmeister Meinhard

Windisch (im Bild bei den Innsbrucker

Promenadenkonzerten) dirigierte

gemeinsam mit Franco Puliafito

und Wolfram Rosenberger die

heurige 4. Ausgabe des EUREGIO-

Jugendblasorchesters.

Bereits zum 4. Mal organisierte das Gemeinsame

Büro der Europaregion in Zusammenarbeit

mit den Blasmusikverbänden

von Tirol, Südtirol und Trentino

eine Sommerwoche für talentierte Nachwuchsmusiker

im Euregio-Kulturzentrum

in Toblach.

Rund 60 Jugendliche bildeten das Euregio-Jugendblasorchester

2019, das

wiederum von Franco Puliafi to, Wolfram

Rosenberger und Meinhard Windisch dirigiert

wurde. Nach dem Vorbild der erfolgreichen

Aufführungen der Vorjahre

gab das Jugendorchester Konzerte in den

drei Ländern der Europaregion - in Cavalese

(26. Juli), Sterzing (27. Juli) und

Innsbruck (28. Juli). Am 21. September

ist ein zusätzliches Konzert im Rahmen

des Euregio-Festes in Neumarkt in Südtirol

geplant.

Stephan Niederegger

Fotogalerie:

www.vsm.bz.it/2019/07/29/

euregio-jugendblasorchesterfotoalbum

Beim Konzert in Cavalese … … in Sterzing … … und in Innsbruck

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Redaktion KulturFenster

Redaktionsschluss für die nächste

Ausgabe des KulturFensters

ist Freitag, 13. September 2019.

Bitte Termin genau beachten!

Nr. 04 | August 2019 29


12.01. -28.12.2019

VSM-Motiviert und fit?

Funktionärsausbildung

2019 (NFA)

www.vsm.bz.it/2018/11/29/

motiviert-und-fit-2/

Blasmusik International

25. Innsbrucker

Promenadenkonzerte

Eine der europaweit wichtigsten Veranstaltungen für

Bläsermusik – 4 Orchester aus Südtirol dabei

Die zentrale Aufgabe der altösterreichischen

Blas- und Bläsermusik war es seit

jeher, mit ihren Konzerten die Werke der

Kunstmusik einem breiten Publikum näher

zu bringen. Diese Tradition setzen die

Inns brucker Promenadenkonzerte in zeitgemäßer

Form seit nunmehr 25 Jahren fort

– bei jedem Wetter und freier Platzwahl.

Die Konzertreihe, die von einer Gartenschau

im Innsbrucker Stadtteil Saggen ihren Ausgang

nahm, wurde inzwischen zu einer der

europaweit wichtigsten Veranstaltungen für

Bläsermusik.

Zur heurigen 25. Auflage trafen sich

wiederum die europaweit besten Blasorchester,

Brass Bands und Blechbläserensembles

im Innenhof der kaiserlichen Hofburg

am Fuße der Innsbrucker Nordkette.

Zum heurigen Jubiläum waren die Veranstalter

rund um den künstlerischen Leiter

und Initiator Alois Schöpf bemüht, ein besonders

hochkarätiges Programm zusammenzustellen,

um ihre beiden großen künstlerischen

Ziele besonders beispielhaft zu

verwirklichen: die Tradition fortzusetzen,

ein breites Publikum an die bedeutenden

Werke der Kunstmusik heranzuführen, die

heimischen Orchester mit Spitzenkräften

aus dem Ausland zu konfrontieren und sie

dadurch zu ermuntern, den Anschluss an

die internationale Entwicklung nicht aus

den Augen zu verlieren. 33 Konzerte an

28 Veranstaltungstagen und rund 70.000

Zuhörerinnen und Zuhörer bestätigten wiederum

den Erfolg.

Auch Musikkapellen und Blasorchester

aus Südtirol waren immer wieder zu Gast

in Inns bruck. Rund 100 Konzerte von Südtiroler

Kapellen zählt die Statistik, die damit

auch zum Erfolg dieser Konzertreihe beigetragen

haben. Heuer war Südtirol gleich

4 Mal vertreten:

4. Juli - Die Besten aus Südtirol

Bläserphilharmonie Claudio Monteverdi,

Bozen

Musikalische Leitung: Walter Ratzek

21. Juli - Südtirols musikalischer Nachwuchs

Südtiroler Jugendblasorchester SJBO

Musikalische Leitung: Isabelle Ruf-Weber

24. Juli - Gruß aus Südtirol

Musikkapelle Villnöß

Musikalische Leitung: Hans Pircher

28. Juli - Tirols Europäisches Musikprojekt

EUREGIO Jugendblasorcheste r

Tirol-Südtirol-Trentino

Musikalische Leitung: Franco Puliafito,

Wolfram Rosenberger, Meinhard Windisch

Der Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) und die Verantwortlichen der einzelnen

Musikkapellen und Blasorchesterformationen

bedanken sich bei Alois Schöpf

und seinem Team für die Zusammenarbeit

und das Interesse an der Südtiroler Blasmusikszene.

Er wird nach 25 Jahren die

Leitung der Innsbrucker Promenadenkonzerte

abgeben. Bereits bei der Generalversammlung

vom vergangenen 22. Jänner

wählten die Mitglieder des Vereins „Innsbrucker

Promenadenkonzerte“ die beiden

profi lierten Musiker, ORF-Mitarbeiter und

Musikpädagogen Peter und Wolfgang Kostner

als Beiräte in den Vorstand. Ebenso

wurde Bernhard Schlögl, seines Zeichens

Musikpädagoge, Instrumentalist und Dirigent

des Sinfonischen Blasorchesters Tirol,

zum Stellvertreter des künstlerischen

Leiters Alois Schöpf ernannt. Geplant ist,

dass Schlögl nach Vorlage eines hochkarätigen

Spielplans für 2020 zum künstlerischen

Leiter gewählt wird. Alois Schöpf

wird sich dann aus allen Funktionen zurückziehen.

Stephan Niederegger

VSM-Medienreferent

Alois Schöpf (rechts) hat die

Innsbrucker Promenadenkonzerte

initiiert und übergibt nach 25 Jahren

die künstlerische Leitung an Bernhard

Schlögl.

30

KulturFenster


Blasmusik

Neue Leseecke für Kapellmeister

Stadtbibliothek „LibriKa“ in Bruneck hat Literatur für Kapellmeister im Angebot

Georg Kirchler, Daniel Niederegger und Michaela Grüner (v. l.) präsentieren das neue

Medienangebot für Kapellmeister in der Stadtbibliothek „LibriKa“ in Bruneck.

Seit Kurzem gibt es in der Stadtbibliothek

Bruneck „LibriKa“ ein eigenes Regal für

Kapellmeister. Bezirkskapellmeister Georg

Kirchler und sein Stellvertreter Daniel

Niederegger haben mit ihrer Idee bei Bibliothekarin

Michaela Grüner „offene Türen

eingerannt“.

Wie in vielen anderen Bereichen

gibt es auch für Dirigenten

unzählige Fachliteratur

zu Probendidaktik,

musikalischen Interpretationen,

Dirigiertechniken, Jugendausbildung,

Arbeit mit

Ensembles und Orchester,

Stückauswahl und vieles

mehr.

Und wie so oft seien gerade

Fachbücher nicht gerade

preisgünstig, sagt Kirchler.

Zudem interessierten

meist nur Auszüge daraus,

ein bestimmtes Kapitel oder

eine spezifische Abhandlung,

weiß er aus eigener

Erfahrung. Auch sind bestimmte Standardwerke

mittlerweile vergriffen oder –

trotz Globalisierung und Onlinehandel –

schwer erhältlich.

So sei der Wunsch gereift, ob es möglich

wäre, in der Brunecker Bibliothek

eine eigene Bücherecke für Kapellmei-

ster einzurichten, um dadurch diese Literatur

dem lokalen Publikum griffbereit

anbieten zu können. Dies war auch einer

der ersten Schritte, die der neue Bezirkskapellmeister

mit seinem ebenso neuen

Stellvertreter nach der Wahl im Februar

in die Wege geleitet hat. Kirchler und Niederegger

bedanken sich, dass sie bei der

Bibliotheksleitung dafür ein offenes Ohr

gefunden haben. Seit Kurzem ist nun das

„Kapellmeisterregal“, wie es die zuständige

Bibliothekarin Michaela Grüner liebevoll

nennt, eingerichtet.

Das Regal steht im 4. Stock im Bereich

Musik. Alles zum Thema Kapellmeister

steht unter „Mu 2.4.3“ - „bibliothekarisch

nicht ganz richtig, aber kundenorientiert“,

erklärt Grüner. Die Medien können für einen

Monat ausgeliehen und zwei Mal für

einen weiteren Monat verlängert werden.

Im Bereich Musik finden sich außerdem

Unterlagen zum Thema Musiktheorie,

Komponistenporträts und anderes mehr.

Der Bestand wird ständig aktualisiert.

Sollte ein Buch nicht vorhanden sein,

besteht die Möglichkeit, einen Medienwunsch

abzugeben. Die zuständige Mitarbeiterin

entscheidet über den Ankauf

oder besorgt das Medium von einer anderen

Bibliothek.

Der Dienst ist kostenlos: „Um sich anzumelden,

genügen die blaue Bürgerkarte

und der Personalausweis – in

2 Minuten erledigt“, lädt Grüner

ein. Wer zudem ein „ausgedientes“

und noch gut erhaltenes

Fachbuch für diesen

Bereich bei sich zu Hause übrig

hat, könne dies in der Bibliothek

für das Kapellmeisterregal

abgeben, ergänzt Niederegger

abschließend.

Stephan Niederegger

Die Stadtbiblothek Bruneck

Öffnungszeiten:

Mo-Fr 10.00 - 18.30 Uhr

Sa 09.00 - 12.00 Uhr

Nr. 04 | August 2019 31


Blasmusik International

40. Österreichisches Blasmusikfest in Wien

Musikkapelle der Stadt Glurns und Musikkapelle Tschengls als Vertretung des VSM

Die MK der Stadt Glurns hatte einen Auftritt in der Innenstadt.

Die Musikkapelle Tschengls grüßt vom Oberen Belvedere.

Am vergangenen 5. und 6. Juli hat der Wiener

Blasmusikverband in enger Zusammenarbeit

mit der Kulturabteilung der Stadt Wien

und die Kulturinstitution Basis.Kultur.Wien

zum 40. Österreichischen Blasmusikfest in

die Bundeshauptstadt geladen.

Die Musikkapelle der Stadt Glurns unter

der Leitung von Obfrau Ulrike Strimmer

und Kapellmeister Manfred Horrer

und die Musikkapelle Tschengls mit Obmann

Hans-Jürgen Riegl und Kapellmeister

Josef Tschenett haben Südtirol als Partnerverband

des Österreichischen Blasmusikverbandes

vertreten. Begleitet wurden sie

von VSM-Obmann-Stellvertreter Meinhard

Oberhauser.

Eröffnet wurde das Fest mit einem Festkonzert

im Wiener Rathaus am Freitagabend.

Am Samstagvormittag haben die

Musikkapellen aus allen Bundesländern

sowie aus Liechtenstein und Südtirol mit

Standkonzerten einen Blasmusikpfad durch

die Wiener Innenstadt und den Oberen

Belvedere gezogen. Höhepunkt war zweifelsohne

die große Musikparade aller teilnehmenden

Musikkapellen und der Gardemusik

Wien am Samstagnachmittag vom

Maria-Theresien-Platz über den Ring bis

zum Rathausplatz. Dort bildete das Gesamtkonzert

als großes Finale den krönenden

Abschluss dieses 2-tägigen Festes.

Stephan Niederegger,

VSM-Medienreferent

IBK 2020 – das Treffen der Blasorchesterszene in Europa

Fortbildung – Information - Austausch

Vom 16. bis zum 19. Januar 2020 findet in Neu-

Ulm der zweite Internationale Blasmusik Kongress

– kurz IBK – statt. Im Mittelpunkt der viertägigen

Veranstaltung stehen Workshops

für Dirigenten mit und ohne Blasorchester,

für Musikerinnen und Musiker, für Vereinsund

Verbandsfunktionäre. In verschiedenen

Instrumentalworkshops geben Profis ihr

Wissen weiter und laden zum aktiven Mitmachen

ein. Außerdem finden Reading Sessions

statt, in denen die neueste Literatur

mit einem Blasorchester und unter Anwesenheit

vieler Komponisten vorgestellt werden.

In Kurzvorträgen stellen Komponisten

sich und ihre Werke vor, Autoren ihre Bücher

und Notenausgaben, Instrumenten- und Zubehörhersteller

die neuesten Produkte. Musikwissenschaftler,

Dirigenten, Vereins- und

Verbandsverantwortliche halten Vorträge zu

Literatur, Vereinsmanagement, Marketing,

Jugendarbeit und vieles mehr. Interessante

Podiumsdiskussionen sorgen nicht zuletzt

für einen regen Austausch.

Ergänzend zu diesen Informations- und

Mitmachveranstaltungen fi ndet eine große

Ausstellung mit den wichtigsten und namhaftesten

Instrumentenfi rmen und Verlagen

statt. Gekrönt wird der Kongress durch die

Auftritte hervorragender Blasorchester. Das

Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr, das

Bundespolizeiorchester München, die Civica

Filarmonica di Lugano (Schweiz), das Freiburger

Blasorchester, die Koninklijke Muziekkapel

van de Gidsen (Belgien) und das Stadtorchester

Friedrichshafen werden Konzerte geben.

Beim Internationalen Blasmusik Kongress

IBK in Neu-Ulm kommen alle Richtungen

der Blasmusik zur Geltung: Sinfonische, unterhaltende

und traditionelle Blasmusik. Ein

deutlicher Schwerpunkt liegt jedoch auf der

Sinfonischen Blasmusik. Hauptziel dieses

Kongresses ist neben der Fortbildung und

der Vermittlung von Informationen der Austausch

zwischen Musikern, Dirigenten, Komponisten,

Vereins- und Verbandsverantwortlichen,

der Musikindustrie und der Verleger.

Der Internationale Blasmusik Kongress IBK

wird wiederum ein Get-Together der Blasmusikszene

aus Deutschland, Österreich,

der Schweiz und allen angrenzenden Ländern.

Weitere Informationen gibt es im Internet

unter www.ib-kongress.co .

Alexandra Link

32

KulturFenster


Blasmusik

26 neue Funktionäre

beim Österreichischen Blasmusikverband ÖBV

Jasmin Penz aus Mauls beim ÖBV-Lehrgang für

Jugendreferentinnen und Jugendreferenten erfolgreich dabei

Die Absolventen der ÖBV-Lehrgänge auf einen Blick

Am Samstag, dem 22. Juni 2019, schlossen

26 Musikerinnen und Musiker aus den

Bundesländern Österreichs und aus Südtirol

den ÖBV-Lehrgang zum Diplomierten

Vereinsfunktionär und den Lehrgang für

Jugendreferentinnen und Jugendreferenten

in Admont (Steiermark) im Rahmen des 61.

ÖBV-Kongresses ab.

Bei der feierlichen Diplomverleihung wurden

15 neue Vereinsfunktionäre sowie 11

Jugendreferentinnen und Jugendreferenten

diplomiert. Die beiden ÖBV-Lehrgänge sind

umfassende Bildungsangebote des Österreichischen

Blasmusikverbandes(ÖBV)und

der Österreichischen Blasmusikjugend

(ÖBJ) und speziell auf die Aufgaben und

Verantwortungsbereiche unserer Vereinsfunktionärinnen

und Vereinsfunktionäre

ausgerichtet. Erstmals wurden die gemeinsamen

Synergien der beiden Lehrgänge kollektiv

genutzt. Das bedeutet im Besonderen,

dass der „Lehrgang zum Diplomierten

Vereinsfunktionär“ und der „Lehrgang für

Jugendreferentinnen und Jugendreferenten“

zeitgleich und am selben Standort

angeboten wurden. Fachliche Inhalte,

die beide Lehrgänge betreffen, werden gemeinsam

absolviert. Neben dem funktionärsübergreifenden

Austausch zwischen

Jugendreferenten und Vereinsobleuten

bietet sich folglich auch die Möglichkeit,

als Vereinsobmann/-obfrau gemeinsam

und zeitgleich mit dem Jugendreferenten/

der Jugendreferentin den jeweiligen Lehrgang

zu besuchen und somit bestens für

alle Aufgabengebiete im Musikverein gewappnet

zu sein. Die Vereinsfunktionäre

sind essenziell im Musikvereinswesen. Um

für dieses Ehrenamt entsprechend gerüstet

zu sein, bieten der ÖBV und die ÖBJ

diese Fortbildungsangebote an. Als „diplomierter

Vereinsfunktionär/diplomierte Vereinsfunktionärin

bzw. diplomierter Jugendreferent/diplomierte

Jugendreferentin“ geht

man nach einem einjährigen Ausbildungszyklus

zu je fünf Ausbildungsblöcken hervor.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

die aus Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich,

Salzburg, Steiermark, Tirol,

Vorarlberg und Südtirol stammen, durften

in diesem Zeitraum spannende Inhalte

und neue Inputs rund um die Arbeit von

Vereinsfunktionären erfahren; sie konnten

Erfahrungswerte austauschen und haben

neue Freundschaften geschlossen.

Als Vertretung aus Südtirol hat Jasmin

Penz von der MK Mauls am Lehrgang für

Jugendreferentinnen und Jugendreferenten

teilgenommen und diesen auch erfolgreich

abgeschlossen.

Die Österreichische Blasmusikjugend ist

eine vom Bundesministerium für Frauen,

Familie und Jugend geförderte Jugendorganisation,

die für 94.000 junge Blasmusikerinnen

und Blasmusiker aus Österreich,

Südtirol und Liechtenstein eine wesentliche

Grundlage im Bereich der Entwicklung der

musikalischen sowie sozialen Fähigkeiten

darstellt. Die Jugendorganisation steht besonders

für interessante, spannende und

bildende Jugendmusikprojekte.

Dem Österreichischen Blasmusikverband

(ÖBV) als Dachorganisation der neun

österreichischen Landesverbände sowie

der Partnerverbände Südtirol und Liechtenstein

gehören 2.163 Mitgliedskapellen

an. Ziel des Österreichischen Blasmusikverbandes

ist es, das Blasmusikwesen in

jeder Hinsicht zu unterstützen, zu fördern

und weiterzuentwickeln.

Österreichischer Blasmusikverband

(ÖBV) – www.blasmusik.at

Jasmin Penz von der MK Mauls 2. von

links hat als Vertreterin Südtirols am

Lehrgang für Jugendreferentinnen und

Jugendreferenten teilgenommen und

diesen erfolgreich abgeschlossen.

Nr. 04 | August 2019 33


Blasmusik International

6. Bundeswettbewerb

„Musik in Bewegung“

5 Musikkapellen zeigen in Bischofshofen (A)

Marschkunst auf höchster Stufe

Der Musikverein Lacken aus Oberösterreich ging als Sieger des 6. ÖBV-

Bundeswettbewerbes „Musik in Bewegung“ hervor.

Am Freitag, 28. Juni, und Samstag, 29.

Juni 2019, präsentierten fünf Musikkapellen

aus Österreich im Rahmen des 6. Bundeswettbewerbes

„Musik in Bewegung“

Marschkunst auf hohem Niveau. Als Bundessieger

des Wettbewerbes geht der Musikverein

Lacken aus Oberösterreich unter

Stabführer Markus Schmaranzer hervor.

Der Bundeswettbewerb „Musik in Bewegung“

wurde 2007 vom Österreichischen

Blasmusikverband (ÖBV) ins Leben gerufen,

um den Musikkapellen neben ihrem

konzertanten Wirken die Möglichkeit zu

bieten, das Marschieren in repräsentativer

Form zu praktizieren und damit die Attraktivität

der Marschmusik in der Öffentlichkeit

generell zu erhöhen. Teilnehmer aus

Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich

und der Steiermark reisten Ende Juni nach

Bischofshofen, um sich im „Marschieren“

zu messen. Der Wettbewerb wurde vom

Österreichischen Blasmusikverband ÖBV

in Kooperation mit dem Tourismusverband

Bischofshofen und dem Pongauer Blasmusikverband

ausgerichtet.

Der Auftakt des Wettbewerbes fand

am Freitag, 28. Juni am Sportplatz in

Bischofshofen statt. Der Pfl ichtteil - die

Stufe D - besteht aus Antreten, Abmarschieren,

Halten und Abmarschieren im

klingenden Spiel, einer Schwenkung, Abfallen

und Aufmarschieren, einer Defilierung,

Übergang in eine breite Formation

mit einer großen Wende, enge Formation,

den Marsch abreißen, Halten und Abtreten.

Und dies perfekt in Reih und Glied.

Im Showteil konnten die Kapellen, in

Kombination von verschiedenen musikalischen

Genres und guter Choreographie,

Musik mit dazu passenden Bewegungen

anbieten. Von schönen Walzerklängen mit

Tanzeinlage bis hin zu rockigen oder sentimentalen

Klängen wurde am darauffolgenden

Samstag, 29. Juni, dem Publikum

und den Juroren in der atemberaubenden

Kulisse der Paul-Außerleitner-Schanze eine

große Show gezeigt.

Mit dem Musikverein Lacken kommt

der diesjährige Bundessieger aus Oberösterreich.

Über den zweiten Platz freuen

sich die Musikerinnen und Musiker der

Trachtenkapelle Irschen aus Kärnten. Die

Stadtkapelle Allentsteig aus Niederösterreich

geht als drittplatziertes Orchester des

Bundeswettbewerbes hervor. Den vierten

Platz teilen sich der Musikverein Pichler

Bau Gralla und der Musikverein voestalpine

Roseggerheimat Krieglach, beide

aus der Steiermark. Die Sieger durften

sich über tolle Sach- und Instrumentenpreise

freuen.

Österreichischer Blasmusikverband ÖBV

Gruppenbild der 5 teilnehmenden Musikkapellen

34

KulturFenster


Kritisch hingehört

Blasmusik

„Unerhörtes“ in der

Grieser Stiftspfarrkirche

Stadtkapelle Bozen feiert 100.Bestandsjubiläum mit einem

gelungenen Kirchenkonzert

Die Stadtkapelle Bozen

feiert heuer ihr 100. Bestandsjubiläum.

Mehrere

Höhepunkte waren

und sind im Jubeljahr

angesagt.

Musikalisch hat die

Kapelle, die seit 30

Jahren unter der Leitung

des souveränen

und innovativen Kapellmeisters

Alexander

Veit steht – auch er

feiert also ein Jubiläum

– traditionell mit ihrem

Festkonzert Ende Jänner

begonnen. Dabei

konnte sie die Klangvielfalt

der symphonischen

Blasmusik

sowie die erst 10-jährige

Solistin Chantal

Ramona Veit, Klavier

(Tochter des Kapellmeisters)

und das aus

Kärnten stammende „Blechreiz Brass-

Quintett“ präsentieren. Ende Mai lud die

Kapelle zu einem besonderen Konzert in

die Grieser Stiftspfarrkirche (Bozen). Auch

dabei konzertierte man wiederum mit Solisten.

Die aus Bozen stammende Sopranistin

Karin Selva überzeugte mit einer

reinen, schlanken und unaufdringlichen

Stimme im „Christe eleison“ des russischen

Komponisten Alexandr Gilev und im getragenen

„Ave Maria“ von Giulio Caccini.

Heidi Schwarz, die langjährige erste Flötistin

der Stadtkapelle, glänzte mit einem

satten, vollen Ton im Werk „Unter dem

Sternenhimmel“ von Hans-André Stamm,

bei dem sie vom Organisten Martin Rabensteiner

gefühlvoll begleitet wurde.

Bei diesem Konzert in der Grieser Stiftskirche,

die ein sehr gutes Beispiel spätbarocker

Kirchenarchitektur darstellt, wirkten

Zu ihrem 100-jährigen Bestehen gab die Stadtkapelle Bozen

unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Alexander

Veit ein erlesenes Kirchenkonzert in der Stiftspfarrkirche Gries.

auch zwei der renommiertesten Südtiroler

Kirchenchöre mit: der Domchor Bozen

unter der Leitung von Tobias Chizzali und

der Pfarrchor Kaltern unter der Leitung von

Robert Mur. Aufgeführt wurde die beeindruckende

Cäcilien-Messe des Südtiroler

Komponisten Hannes Kerschbaumer, die

der Verband der Kirchenchöre Südtirols

und der Verband der Südtiroler Musikkapellen

in Auftrag gegeben haben und die

im November mit den gleichen Interpreten

uraufgeführt wurde. Es handelt sich

dabei um eine Messe in elf Sätzen, die in

zeitgemäßer, gut singbarer Tonalität gefasst

ist, damit sich allen das Werk musikalisch

und spirituell-geistlich erschließt.

Zum Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt

des Konzertes geriet das dreisätzige

„Concertino für Orgel solo und Blasorchester“

des Schweizer Komponisten

Thomas Trachsel. Im ersten Satz dieses

fast 20 Minuten dauernden Werkes wird

das Geheimnisvolle und Mächtige, das ein

Kirchenraum ausstrahlt, beschrieben. Im

zweiten Satz, als Gegenüberstellung zum

ersten, steht die Schilderung der meditativen

Stimmung im Kreuzgang im Mittelpunkt.

Im fi nalen dritten Satz kommt

schließlich die überwältigende Erhabenheit

der Kirche mit ihrer weltbejahenden

Grandezza zum Ausdruck. Das raumgreifende

Hörerlebnis war beeindruckend.

Martin Rabensteiner an der Orgel agierte

technisch einwandfrei und mit viel Lust

an einer breit gefächerten Registrierung.

Der Vortrag bewies, dass Alexander Veit

als Dirigent der Stadtkapelle Bozen auch

noch nach 30 Jahren „Unerhörtes“ und besondere

Blasmusikklänge herausholen kann.

Stadtkapelle Bozen (ds)

Nr. 04 | August 2019 35


Zur Person

Traumziel Wiener

Philharmoniker erreicht

Andrea Götsch von der MK Algund bekommt feste Stelle im Weltklasseorchester

Das Daumendrücken von Familie und Freunden hat sich gelohnt: Die 24-jährige Meranerin

Andrea Götsch konnte sich am 26. Juni im Probespiel um die begehrte Stelle als Klarinettistin

im Wiener Staatsopernorchester / Wiener Philharmoniker durchsetzen. Damit setzt sie

einmal mehr einen Meilenstein in ihrer noch jungen Musikerkarriere. Als erste Südtirolerin

in der Geschichte wird sie im September ihre neue Stelle an der Wiener Staatsoper antreten.

Sie ist zudem die erste Frau in der Klarinettengruppe dieses weltberühmten Orchesters.

Andrea erhielt ihren ersten Klarinettenunterricht

im Alter von acht Jahren bei Christian

Laimer an der Musikschule Lana.

Seit 2008 ist Andrea Mitglied der Algunder

Musikkapelle – auch hier steht Christian

Laimer am Dirigentenpult. Verständlich,

dass er besonders stolz auf seine ehemalige

Schülerin ist: „Für das, was Andrea

jetzt erreicht hat, braucht es nicht nur Talent

und viel Fleiß, sondern auch ein gutes

Umfeld und sehr viel Zielstrebigkeit. All das

hat Andrea immer schon ausgezeichnet,

und ich freue mich riesig über ihr Engagement

bei einem der besten Orchester der

Welt.“ Mehrere Jahre lang spielte Andrea

Götsch auch beim Südtiroler Jugendblasorchester

mit.

Studienabschlüsse

mit Auszeichnung

2013 schloss Andrea Götsch ihr Bachelorstudium

am Konservatorium Claudio Monteverdi

in Bozen bei Roberto Gander mit

der Höchstpunktezahl cum laude ab. Einen

weiteren Bachelorabschluss mit Auszeichnung

erhielt sie 2018 an der Musik

und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien,

wo sie von Reinhard Wieser und Alexander

Neubauer unterrichtet wurde. 2019 schloss

sie zudem ihr Magisterstudium an der Universität

für Musik und darstellende Kunst

Wien bei Johann Hindler und Christoph

Zimper – wiederum mit Auszeichnung –

ab. Weitere Studienzeit verbrachte sie am

Mozarteum Salzburg bei Alois Brandhofer

und Dario Zingales sowie an der Hochschule

für Musik Nürnberg bei Thomas

Holzmann, außerdem ergänzen zahlreiche

Workshops bei herausragenden Klarinettisten

wie M. Schorn, W. Fuchs, K. Leister,

A. Carbonare, J. Widmann und vielen weiteren

ihre Studien.

Andrea Götsch ist Preisträgerin zahlreicher

nationaler und internationaler Wettbewerbe.

2018 erhielt sie ein festes Engagement als

Soloklarinettistin im Orchester der Bühne

Baden bei Wien, im kommenden September

wird sie aber bereits ihre neue Stelle

in der Wiener Staatsoper antreten. Andrea

Götsch sammelte zudem verschiedene Erfahrungen

in den Bereichen der Musikvermittlung

und Lehrtätigkeit, außerdem komponiert

sie seit 2012.

Bernhard Christanell

Zum großen Karrieresprung von Andrea Götsch hat VSM-Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer folgendes Interview mit der jungen Musikerin geführt:

Andrea Götsch wird als erste

Südtirolerin im weltberühmten

Orchester der Wiener Philharmoniker

mitspielen.

Hans Finatzer: Gratulation für das bestandene

Hauptprobespiel an der Wiener Staatsoper/

Wiener Philharmoniker! Jeder Musikstudent

träumt vom großen Glück, kein

Südtiroler vor dir hat das jemals geschafft.

Erzähle - wie kam es dazu?

Andrea Götsch: Herzlichen Dank! In dieses

Orchester aufgenommen zu werden, war

immer schon mein größter Traum, dennoch

wagte ich nie daran zu glauben, dass er einmal

wahr werden könnte. Der Weg, den ich

gegangen bin, war lang und nicht immer

einfach, jedoch unglaublich schön und bereichernd.

Ich hatte das Glück von Anfang

an von wunderbaren Lehrern und Mentoren

gefördert worden zu sein, von denen ich sowohl

musikalisch als auch menschlich sehr

viel lernen durfte. Durch die Unterstützung

von Freunden und in erster Linie von meiner

Familie fühlte ich mich nie alleine und

36

KulturFenster


Blasmusik

ich wurde auch in schwierigen Zeiten immer

wieder ermutigt. Letztendlich ist es die

Musik, die mich in ihren Bann gezogen

und mir Kraft gegeben hat, bzw. in die ich

eintauchen konnte und dadurch anderen

- und mir selbst -unvergessliche Konzerte

bescheren konnte. Menschen mit Kunst

bewegen zu können, sie zu berühren und

ihnen etwas zu erzählen, sind für mich die

wichtigsten Komponenten, die mich auch

in weniger erfolgreichen Phasen immer wieder

angetrieben haben, weiter zu machen.

Als Akademistin der Nürnberger Symphoniker

und Sommerakademistin der Wiener

Philharmoniker sowie Substitutin verschiedenster

Orchester - in erster Linie im Wiener

Raum - lernte ich den Beruf als Orchestermusikerin

schon früh kennen und war

schließlich überglücklich, als ich meine erste

feste Stelle als Soloklarinettistin im Orchester

der Bühne Baden antreten durfte. Dass

ich aber bereits ein Jahr später das Probespiel

in diesem weltberühmten Orchester

der Wiener Staatsoper gewinnen konnte,

fühlt sich einfach traumhaft an.

H. Finatzer: Deine ersten musikalischen

Schritte hast Du in der Musikschule Lana

gemacht. Wie wichtig erscheint Dir guter

Basisunterricht?

A. Götsch: Mein erster Lehrer, Christian Laimer

(Direktor der Musikschule Lana), stellt

eine enorm wichtige Person in meinem Leben

dar. Durch ihn schaffte ich es nicht nur

eine gute instrumentale Basis aufzubauen,

sondern auch einen Zugang zur Musik zu

entwickeln, für den ich ihm heute noch äußerst

dankbar bin. Er hat es geschafft, mich

schon als Kind für Musik dermaßen zu motivieren,

dass das Spiel auf der Klarinette

immer eine Freude für mich war und ich

schon in jungen Jahren eine lockere und

positive Beziehung zur Konzertbühne entwickeln

konnte. Zusätzlich zu diesem umfassenden

Unterricht war er stets ein Vorbild

für mich sowohl als Künstler als auch als

Mensch, und er ist bis heute eine tolle Bezugsperson,

ja ein guter Freund geblieben.

H. Finatzer: Was war deine erste Begegnung

mit dem Verband Südtiroler Musikkapellen?

A. Götsch: Ich bin 2004 der Algunder Jugendkapelle

beigetreten, also vor 15 Jahren;

es war super, schon so früh „Orchestererfahrung“

zu sammeln.

H. Finatzer: Man kennt Dich als Klarinettistin

beim Südtiroler Jugendblasorchester

SJBO. Welche Eindrücke nimmst Du aus

dieser Zeit mit?

A. Götsch: Ich kann mich noch sehr gut an

die erste Probe im Südtiroler Jugendblasorchester

im Juli 2009 erinnern. Wir spielten

die „Romanian Dances“ von Thomas Doss,

welcher auch am Dirigentenpult stand. Als

wir zu spielen begannen, fühlte es sich an,

als würde in mir etwas explodieren. Mich

beeindruckte diese tolle Musik, gespielt von

super Musikern und ich saß inmitten dieses

Klangkörpers, war Teil dieses Geschehens…

es war eine überwältigende Erfahrung für

mich, ein ganz besonderer Moment. Zudem

machten die Projekte unglaublich viel

Spaß und ich war immer sehr traurig, als

die Phase dem Ende zuging und ich mich

auch von den geknüpften Freundschaften

verabschieden musste.

H. Finatzer: Welche Leistungsabzeichen

des VSM hast Du im Laufe der Zeit erlangt?

Ich habe das Leistungsabzeichen in Bronze

2007 und jenes in Silber 2009 erlangt, vom

goldenen habe ich nur mehr den theoretischen

Teil geschafft (lacht). Der praktische

Teil überschnitt sich terminlich immer mit

Wettbewerben, Konzerten und ähnlichem,

weshalb ich ihn ständig wieder verschob,

und irgendwann habe ich es aufgegeben.

H. Finatzer: Du spielst mittlerweile Deutsche

Klarinette. War es eine große Umstellung

vom in Südtirol verbreiteten französischen

Böhmsystem auf das deutsche

System umzusteigen?

A. Götsch: Ja, es war eine große Umstellung

und ich bin wirklich froh, dass ich

mich auch dieser Herausforderung voller

Elan gestellt habe.

H. Finatzer: Ist Lampenfieber für Dich ein

Thema?

A. Götsch: Ich habe mich in letzter Zeit sehr

intensiv mit dem Thema Lampenfieber auseinandergesetzt,

im Hinblick auf dieses Probespiel

war mir eine Vorbereitung auf mentaler

Ebene und zudem die Entwicklung eins

bewussteren körperlichen Empfindens sehr

wichtig. So habe ich verschiedene Methoden

und Übungen kennengelernt, um mit

meinem Lampenfieber gut umgehen zu können.

Meiner Meinung nach gehört diesem

Thema in höherem Maße Aufmerksamkeit

geschenkt, und es sollte im Idealfall nicht

erst am Ende des Studiums, sondern bereits

von den ersten Auftrittssituationen an

mitbehandelt werden.

H. Finatzer: Du komponierst auch, woran

arbeitest Du zur Zeit?

A. Götsch: Meine letzten Werke waren die

„Lichtmesse“ op. 21 für den Regenbogenchor

Kaltern (es folgen bald weitere Aufführungen

am 27. Oktober in Sterzing und am

23. November in der Pfarrkirche von Kaltern)

und „Unausgesprochen Erwähnenswertes“

op.22 für Bläserquintett, das ich zu meiner

Magisterprüfung mit meinem „Pentaklang

Ensemble“ uraufgeführt habe. In diesem

Sommer wollte ich „Atman“ für Klarinettenquintett

fertigstellen, allerdings werde ich

mit dem Komponieren vorerst eher pausieren,

um mich voll auf meine neue Aufgabe

im Orchester zu konzentrieren.

H. Finatzer: Was sind deine nächsten großen

Ziele?

A. Götsch: Die Probezeit im Orchester der

Wiener Staatsoper / Wiener Philharmoniker

bestehen, dieses Ziel hat oberste Priorität.

H. Finatzer: Was gefällt Dir an Südtirol in Bezug

auf unsere Blasmusikkultur?

A. Götsch: Ich finde es wunderbar, dass

unsere Blasmusikkultur so gefördert und

geschätzt wird, sie gehört zur kulturellen

Tradition und stellt einen ganz wichtigen

Aspekt unseres Landes dar.

H. Finatzer: Wie fühlst Du Dich jetzt und was

erwartet Dich in naher Zukunft?

A. Götsch: Es ist schwierig in Worten auszudrücken,

wie ich mich jetzt fühle. Ich bin

unbeschreiblich glücklich und dankbar. Ich

werde im Sommer noch im Orchester der

Bühne Baden musizieren und mich nebenbei

schon auf meine neue Herausforderung

vorbereiten. In zwei Monaten soll

es ja schon losgehen, und es kommt ein

riesengroßes Repertoire an Opern und Orchesterwerken

auf mich zu.

H. Finatzer: Hast Du eine Lebensweisheit?

Spontan fallen mir zwei Lebensweisheiten

an, die mich in meinem Tun leiten: „Suche

das Glück in dir selbst, dann kannst

du es auch anderen weitergeben.“ - „Vertraue

in den Verlauf der Dinge, es kommt

alles so wie es kommen soll.“

Im Namen des VSM wünsche ich Dir alles

Gute und weiterhin viel Erfolg auf deiner

steilen Karriereleiter. Es erfüllt uns

mit besonderer Freude, dass „eine Musikantin

von uns“ dieses hochkarätige Ziel

erreicht hat.

Nr. 04 | August 2019 37


Neues

„Hoch hinaus!“ – Marsch von

Robert Schwärzer

Uraufführung beim Jubiläumsfest 150 Jahre Alpenverein Südtirol

Die Uraufführung des Marsches erfolgte durch die Musikkapelle Toblach und die AVS- Singgemeinschaft Unterland beim

Jubiläumsfest des AVS in Toblach.

Der Alpenverein hat nun seinen eigenen

Marsch. Am 15. Juni wurde der Marsch

„Hoch hinaus! – Alpenvereinsmarsch“

durch die Musikkapelle Toblach unter der

Leitung von Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner

und der AVS-Singgemeinschaft

Unterland unter der Leitung von Marlene

Zwerger uraufgeführt.

Anlass war das Jubiläumfest 150 Jahre

Alpenverein, das am dritten Juni-Wochenende

im Kulturzentrum Grand Hotel in Toblach

über die Bühne ging.

Der Komponist des Marsches „Hoch

hinaus“, Robert Schwärzer aus Gais –

im Bild mit Moderatorin Judith Edler

Der Marsch ist ein Auftragswerk von AVS-

Vizepräsidentin Ingrid Beikircher gleichsam

als Geburtstagsgeschenk zum Jubiläum.

Der Marsch kann sowohl mit als

auch ohne Gesang aufgeführt werden.

Komponiert hat das Stück Robert

Schwärzer aus Gais. Im Folgenden erläutert

er das Werk:

„Nachdem die Vorgaben von Ingrid

Beikircher sehr klar waren, war sozusagen

der Rahmen schon abgesteckt. Kein

Konzertmarsch sollte es werden, technisch

leicht, ein Bergsteigerlied sollte im Trio verarbeitet

werden, sowohl instrumental als

auch mit Gesang aufführbar, bodenständig

und schön. Das waren viele Herausforderungen

auf einmal! Doch es hat mich

sehr gereizt, diese anzunehmen. Neben

der Suche nach einem Lied für das Trio

ist mir eine beschwingte Melodie für den

1. Teil eingefallen. Im melodischen Motiv

in Takt 3 vom Basssolo-Teil habe ich den

Titel des Marsches ‘Hoch hinaus‘ musikalisch

verarbeitet. In der Trio-Einleitung

wird das Echo, das man in den Bergen oft

wunderbar hört, nachempfunden. Und so

habe ich um dieses ‘Gerippe‘ herum dann

den Körper gebaut. Die Instrumentation

für fast 40 verschiedene Instrumente war

dann nochmals eine letzte Herausforderung,

und ich war sehr erleichtert, als bei

der ersten Probe ein schöner stimmiger

Klang entstand. Der Marsch ist bewusst

ganz einfach gehalten, ein Unterstufenstück.

So ist er für jede Musikkapelle bewältigbar.“

Ingrid Beikircher

Ingrid Beikircher, Vizepräsidentin des

AVS

38

KulturFenster


Blasmusik

„Was man als Schlagzeuger wissen sollte“

Eine neue Publikation von Gottfried Veit

Gottfried Veit hat mit seinem kleinen Kompendium

„Was man als Schlagzeuger wissen

sollte“ eine Kurzübersicht der in den

Orchestern bzw. in der Unterhaltungsmusik

wichtigsten und am gebräuchlichsten verwendeten

Schlaginstrumente geschaffen.

Dieses Nachschlagwerk ist meines Erachtens

ein kleiner, aber feiner Führer in die

Welt der Schlaginstrumente.

In knapper, aber bündiger Form werden

die einzelnen Instrumente vorgestellt

und durch eine Abbildung bereichert. Sie

sind in verschiedene Gruppen wie Membranophone,

Selbstklinger mit bestimmter

und unbestimmter Tonhöhe, Effekt-

Instrumente und sogar in den Bereich

Orff-Schulwerk unterteilt. Jedem Instrumentennamen

ist seine englische, italienische

und französische Bezeichnung

beigefügt. Die Instrumentenbeschreibung

geht so weit, dass der genaue Tonumfang

(sofern vorhanden), die Spieltechnik, Geschichte

und Herkunft, Materialbeschaffenheit

und/oder auch Eigentümlichkeiten,

Besonderheiten vorgestellt werden. Zum

Schluss der jeweiligen Beschreibung gibt

es noch ein, zwei Hinweise zu charakteristischen

Einsätzen im Symphonieorchester

(vornehmlich) bzw. in „sonstigen“ Musikformationen

mit Nennung von Werken

und deren Komponisten.

Es versteht sich von selbst, dass nicht

jedes noch so kleine Effektinstrumentchen

angeführt werden kann. Am Ende des

Büchleins wird noch auf Spieltechniken

einzelner Schlaginstrumente eingegangen.

Die Welt ist voll von Rhythmus. Man

möge nur in die Umwelt hineinhorchen

und man wird erstaunt sein, was einen so

an Rhythmus umgibt bzw. wie man selbst

schon Rhythmus in sich hat. Gehen, atmen,

kauen, Zähne putzen, … - hmm …

und Bodypercussion? – Kommt auch vor!

Markus Silbernagl

„Was man als Schlagzeuger wissen sollte“

Musikverlag TATZER, A-2263 Waidendorf,

Florianistraße 13, www.tatzer.at

Southbrass und die Liebe zur Böhmischen Blasmusik

„Lucky Life“ – die erste CD der 7-köpfigen Südtiroler Formation

Das noch junge 7-köpfige Blechbläserensemble

„Southbrass“ hat vor kurzem seine

erste CD mit dem Titel „Lucky Life“ präsentiert.

Der Titel kommt dabei nicht von ungefähr,

denn in der erst 3-jährigen gemeinsamen

Geschichte der Musiker war „doch

in so kurzer Zeit so viel Glück dabei“ - wie

dies im Booklet zur CD zu lesen ist.

Aus reiner Liebe zur Musik schlossen

sich Jonas „Johnson“ Wilhalm (Flügelhorn/

Trompete), Matthias „Hias“ Wenter (Flügelhorn/Trompete),

Hannes „Hons“ Plieger

(Flügelhorn/Trompete), Philipp „Phil“

Cottini (Tenorhorn und Posaune), Alexander

„Ale“ Egger (Posaune und Bariton),

Markus „Morkisanzki“ Oberrauch (Tuba)

und Michael „Paul“ Prossliner (Schlagzeug)

im Sommer 2016 zusammen. Sie

kommen aus verschiedenen Orten Südtirols

und gehören mit einem Durchschnittsalter

von 20 Jahren zu den jüngsten Ensembles

des Landes. Ihr Repertoire reicht

von traditioneller böhmischer Blasmusik

bis hin zu moderner, meist selbst arrangierter

Show- und Partymusik.

2018 gewannen sie den Grand Prix der

Blasmusik im Allgäu. Was danach folgte, war

schlicht unglaublich: Auftritte beim Woodstock

der Blasmusik in Ried im Innkreis

(Oberösterreich), dem Egerländer Open-Air

in Altusried (Oberallgäu) und dem Münchner

Oktoberfest. Die nun vorliegende CD-

Produktion beim renommierten Tonstudio

Bogner Records ist ein musikalisches Spiegelbild

der begeisterten jungen Musiker.

Der Großteil der 16 eingespielten Titel sind

Eigenkompositionen. Aber auch Klassiker

aus der böhmischen Blasmusik sowie moderne

Arrangements werden auf dem Tonträger

präsentiert. „Lucky Life“ ist dabei die

erste moderne Eigenkomposition von Markus

Oberrauch und im Arrangement von

Philipp Cottini und gibt dem Tonträger den

passenden Titel: „Wir sind schlicht und einfach

7 glückliche junge Burschen und froh,

zusammen Musik machen zu dürfen.“ Sie

wollen vor allem auch junge Menschen für

die Blasmusik begeistern, denn diese Art

von Musik bringe ein gewaltiges Potential

mit sich und habe vor allem in Südtirol noch

Aufholbedarf, davon sind sie überzeugt.

Stephan Niederegger

Nr. 04 | August 2019 39


im Gedenken

In Memoriam

Prof. Mag. Hans Eibl

Nachruf für den Ehrenlandeskapellmeister des

Blasmusikverbandes Tirol

Prof. Mag. Hans Eibl (1936 – 2019)

In Salzburg 1936 geboren, führte ihn

sein musikalischer Weg in die Militärmusik.

Als Klarinettist an der Musikhochschule

Mozarteum in Salzburg und

als Kapellmeister bei Prof. Ertl ausgebildet,

war er ab 1964 in Tirol tätig und

wurde hier 1972 zum Militärkapellmeister

ernannt. 28 Jahre führte er in der

Folge die Militärmusik Tirol und wurde

seinen Musikern ein Vorbild in seinen

Führungsqualitäten, seinem Fleiß und

seinem Können. Darüber hinaus leitete

er auch Zivilkapellen des Tiroler Verbandes

mit großem Einsatz.

1998 wurde Hans Eibl zum Landeskapellmeister

des Blasmusikverbandes Tirol

gewählt. Dieses Amt bekleidete er -

nach vorangegangener Verbandsarbeit

in anderen Funktionen - bis 2007. Seine

Aufgabenstellung sah er vor allem in der

gründlichen Aus- und Fortbildung der

Kapellmeister in Kursen und Lehrgängen.

In Würdigung seiner Arbeit wurde

er 2007 zum Ehrenlandeskapellmeister

ernannt. Eine Reihe von Auszeichnungen,

u.a. die Ernennung zum Professor

durch den Bundespräsidenten und

das Verdienstkreuz des Landes Tirol, unterstrichen

seine Leistungen.

Hans Eibl war ein Gebender, aber auch

ein Suchender und Fragender. So hat er

nie aufgehört, sich zu interessieren

und selbst weiterzubilden, war auch

darin ein Vorbild.

In seiner großen Begeisterung für

Blasmusik suchte Hans Eibl immer

die Nähe der Musikkapellen, für die

er ein umfassendes Gesamtwerk mit

Arrangements und Eigenkompositionen

vorlegte. Sein Schaffen gab

Anreize und hatte als wichtiges Ziel

immer die Machbarkeit, auch für bescheidenere

Besetzungsverhältnisse.

Seine angegriffene Gesundheit hat

in den letzten Jahren seinen Bewegungsradius

zwar eingeschränkt, ihm

aber nicht sein tiefes Interesse am

Geschehen in der Blasmusik nehmen

können.

Am 10. Juli 2019 ist Prof. Mag. Hans

Eibl nun verstorben. Unser Mitgefühl

gilt der Trauerfamilie und allen Freunden,

die er zurücklässt.

Der Blasmusikverband Tirol sagt seinem

Ehrenlandeskapellmeister aufrichtigen

Dank für sein Wirken zum

Wohle der Blasmusik in unserem

Land und wird ihm ein ehrendes Andenken

bewahren.

Für den Blasmusikverband Tirol

Josef Wetzinger

40

KulturFenster


Blasmusik

Das neue Musikprobelokal wird gleich

„in Betrieb genommen“.

•Musikpanorama

Die Musikkapelle Welschnofen hat ein neues Probelokal

Einweihungsfeier nach gut 2-jähriger

Planungs- und Bauphase

Mit der Einweihungsfeier am Samstag, 4.

Mai 2019, steht den 60 aktiven Musikantinnen

und Musikanten der Musikkapelle

Welschnofen das lang ersehnte neue Probelokal

im Haus der Dorfgemeinschaft zur

Verfügung. Mehr als zwei Jahre befassten

sich die Arbeitsgruppe der Musikkapelle

und der Gemeindeausschuss mit der Erarbeitung

des Planungskonzeptes. Für die

Generalplanung war Arch. Kurt Wiedenhofer

verantwortlich. Das neue Probelokal

konnte durch die Verwendung von Räumen

der Mittelschule und des bisherigen Bewegungsraums

des Kindergartens nach nur

6 Monaten Bauzeit bestens in die Struktur

des Hauses der Dorfgemeinschaft integriert

werden. Die Kosten für die Bauarbeiten

und Planung des Projektes betragen

825.333,47 Euro, die Kosten für die Akustik

und die Einrichtung 330.000,00 Euro.

Obmann Jörg Seehauser bedankte sich

im Rahmen der Einweihungsfeier bei allen

Beteiligten für die gute und konstruktive

Zusammenarbeit sowie bei der Gemeindeverwaltung

Welschnofen, der Autonomen

Provinz Bozen, der Raiffeisenkasse

Schlern – Rosengarten und der Stiftung

Südtiroler Sparkasse für die großzügige

fi nanzielle Unterstützung des Bauvorhabens.

Die Musikkapelle Welschnofen dankt

zudem allen, die zur gelungenen Verwirklichung

des Projekts beigetragen haben.

David Knollseisen, Schriftführer

Bezirksobmann Stefan Sinn, Verbandsobmann-Stellvertreter Christian Schwarz,

Referentin Karin Plank, Bürgermeister Markus Dejori, Obmann Jörg Seehauser,

Bauleiter Kurt Wiedenhofer und Gebietsvertreter Martin Puff (v. l.) bei der

Banddurchschneidung (Foto: Christian Kaufmann)

Nr. 04 | August 2019 41


Musikpanorama

Muttertagskonzert der Musikkapelle Katharinaberg

3 neue Mitglieder in der Kapelle begrüßt

In zahlreichen Proben haben sich die Musikanten

und Musikantinnen der Musikkapelle

Katharinaberg mit ihrer Kapellmeisterin

Charlotte Rainer auf heurige

Muttertagskonzert, das am 11. Mai im

Haus der Gemeinschaft von Unser Frau

in Schnals stattfand, vorbereitet. Im ersten

Teil wurde das Publikum in die Zeit der

Donaumonarchie entführt. Der zweite Teil

des Konzertes hingegen beinhaltete zeitgenössische

Originalkompositionen für Blasmusik.

Corinna Müller führte wiederum

kompetent durch das Konzertprogramm.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem

Marsch „Hoch Habsburg" von Johann

Nepomuk Kral; darauf folgten „Der Festtag“

von Sepp Tanzer, der erfrischende

Konzertmarsch „Kaiserin Sissi“ von Timo

Dellweg sowie die Suite in drei Sätzen „A

Medieval Suite“des belgischen Komponisten

Andrè Waignein.

Kapellmeisterin Charlotte Rainer bot mit Musikkapelle Katharinaberg dem

Publikum wiederum ein sehr gelungenes Muttertagskonzert.

Nach der Pause stellte Obmann Florian

Müller dem Publikum mit der Klarinettistin

Sara Gamper, dem Posaunisten Janik

Mair und der Marketenderin Lisa Graiss

drei neue Mitglieder der Kapelle vor. Musikalisch

ging es weiter mit „A Festival Prelude“

von Fritz Neuböck, „The Lowlands

of Scotland" des bedeutenden englischen

Komponisten Ralph Vaughan Williams,

„Fate of the Gods“ von Steven Reineke

und „Queen`s Park Melody“ von Jacob

de Haan. Für den lange anhaltenden Applaus

bedankten sich die Musikkapelle mit

dem „Vindobona-Marsch" von Karl Komzàk

und „Sternstunden" von Kurt Gäble.

MK Katharinaberg

Musiktradition zu Pfingsten

Neuzugänge und Ehrungen beim Pfingstkonzert der Pater Haspinger Musikkapelle St. Martin/Gsies

Zum traditionellen Pfingstkonzert der Pater

Haspinger Musikkapelle (Gsies) am

Vorabend zum Pfingstsonntag konnte

Obmann Benedikt Kahn am vergangenen

8. Juni im vollbesetzten Bürgersaal

wiederum zahlreiche Ehrengäste und

Freunde der Blasmusik aus nah und

fern begrüßen.

Einen besonderen Willkommensgruß richtete

er an die beiden Marketenderinnen

Johanna und Katharina Hofmann, den

Fähnrich Hannes Felderer und die Hornistin

Jasmin Felderer. Für sie war es der

erste Auftritt mit der Kapelle.

Einen Höhepunkt des gelungenen Abends

stellten die Ehrungen dar. Bezirksobmann

Hans Hilber und Bezirkskapellmeister Georg

Kirchler überreichten dem Flügelhornisten

Stefan Seiwald und dem Flötisten

Dietmar Taschler das VSM-Ehrenzeichen

in Bronze für 15-jährige Mitgliedschaft.

Das Ehrenzeichen in Silber erhielten der

Trompeter Thomas Hofmann, der Baritonist

Harald Taschler und die Fagottistin

1.Reihe v. l.): Georg Kirchler, Hans Hilber, Hans Felderer, Günther Bachmann,

Gert Steinwandter und Benedikt Kahn; 2. Reihe(v. l.): Daniel Niederegger, Harald

Taschler, Simone Renzler, Dietmar Taschler, Stefan Seiwald - im Bild fehlt: Thomas

Hofmann

Simone Renzler für ihr bereits 25-jähriges

Musikantenleben. Seit 40 Jahren spielen

der Klarinettist Günther Bachmann und

der Flügelhornist Hans Felderer in der

Kapelle. Dafür wurden sie mit dem Ehrenzeichen

in Gold ausgezeichnet. Für

25-jährige Tätigkeit im Vereinsvorstand

erhielt der Trompeter Gert Steinwandter

das silberne Verdienstzeichen.

(sn)

42

KulturFenster


Blasmusik

4 mal 40 Musikantenjahre

Ehrungen beim Frühjahrskonzert der MK Kolfuschg-Corvara

Mit Cristina Zingerle, Paul Mensa, Erich Piccolruaz und Luca Pizzinini – im Bild mit

VSM-Bezirksobmann Johann Hilber, Musikobmann Alex Rottonara und Heinz Canins,

Obmann der Uniun Müjighes Val Badia - wurden gleich vier Mitglieder der MK

Kolfuschg-Corvara für 40 Jahre Treue zum Verein geehrt.

Die Musikkapelle Kolfuschg-Corvara hat am

17. Mai im Vereinshaus in Corvara ihr traditionelles

Frühjahrskonzert abgehalten. Den

zahlreichen Zuhörern wurde ein abwechslungsreiches

Programm geboten. Das Konzert

begann mit dem Marsch „Tannhäuser“

von Richard Wagner, gefolgt von der „Festive

Overture“ von Satoshi Yagisawa. Der

erste Teil des Konzerts wurde mit dem Stück

„Dichter und Bauer“ von Franz von Suppé

abgeschlossen. Das Frühjahrskonzert ist

auch immer ein Anlass, um einige Musikanten

für ihre langjährige Mitgliedschaft zu

ehren. Dieses Jahr hat man vier Ehrenzeichen

in Gold für 40-jährige Tätigkeit verliehen.

Unter den vier geehrten Musikanten ist

mit Cristina Zingerle auch eine Frau. Erich

Piccolruaz, Luca Pizzinini und Paul Mersa

erhielten ebenfalls die Auszeichnung. So

viele Jahre in einem Verein tätig zu sein,

bedeutet viel Zeit aufzuopfern, und so gilt

den geehrten Musikanten ein großes Dankeschön.

Dazu wurden an diesem Abend

auch zwei neue Mitglieder der Musikkapelle

vorgestellt: Elias Mersa an der Tuba; Carlo

Planatscher, ehemaliger Musikant, ist wieder

als Fähnrich tätig. Der zweite Teil des Konzertes

hat mit dem Lied „My Way“, mit dem

Frank Sinatra große Erfolge feierte, angefangen,

gefolgt von der Komposition „The Greatest

Showman“ von Benj Pasek. Mit dem

Stück „Disney Fantasy“ wurden die Zuhörer

in die magische Welt der Walt Disney Trickfilme

entführt, bevor das Konzert mit dem

Marsch „Alpenwelt“ abgeschlossen wurde.

Stefanie Irsara

Romreise der Bürgerkapelle und des

Kirchenchores St. Michael-Eppan

Messfeier im Petersdom

Die Bürgerkapelle und der Kirchenchor St. Michael – Eppan gestalteten am 18. Mai

gemeinsam den Abendgottesdienst im ehrwürdigen Petersdom in Rom mit.

Am 18. Mai hatten der Kirchenchor und

die Bürgerkapelle St. Michael das besondere

Erlebnis, unter der Kuppel des

Petersdomes die abendliche Messfeier

musikalisch zu gestalten. Während der

Kirchenchor tags zuvor Rom mit dem

Schnellzug erreichte, war die Bürgerkapelle

mit dem Bus unterwegs und legte

dabei einen Zwischenstopp in der malerischen

umbrischen Kleinstadt Orvieto ein.

Der Samstagmorgen wurde zunächst zur

Besichtigung der Vatikanischen Museen,

der Sixtinischen Kapelle, des Petersdomes

und dessen Kuppel sowie des Teutonischen

Friedhofs im Vatikan genutzt.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen

ging es in Tracht zurück zum Petersdom

zur Vorbereitung der Messfeier, wo bereits

Pfarrer Christian Pallhuber mit den Pilgern

aus der Pfarrei St. Michael wartete.

Mit „Ecce Sacerdos magnus“ von Anton

Bruckner untermalte die Bürgerkapelle

klanggewaltig den Einzug der Geistlichkeit,

darunter auch Pfarrer Christian

Pallhuber, welcher die Hl. Messe am Altar

mitfeierte.

Der Kirchenchor eröffnete mit dem „Halleluja“

des Brixner Domkapellmeisters Heinrich

Walder, ehe Musikanten und Chor gemeinsam

mit abwechslungsreicher und

von Chorleiter Othmar Trenner sowie Kapellmeister

Patrick Gruber akribisch ausgewählter

Literatur die Liturgie begleiteten.

Der feierliche Abschluss mit Beethovens

„Die Himmel rühmen“ sorgte in der besonderen

Akustik des Petersdoms nochmals

für Gänsehaut nicht nur bei Musikanten

und Sängern. Mit unvergesslichen

Eindrücken machten sich am Sonntag alle

auf die Heimreise.

BK St. Michael – Eppan

Nr. 04 | August 2019 43


Musikpanorama

Musikkapelle und Musikschule im Einklang

Die Musikkapelle Gummer organisiert das Abschlusskonzert der Musikschule Karneid

Das Abschlusskonzert der Musikschule der

Gemeinde Karneid wurde in diesem Jahr

von der Musikkapelle Gummer organisiert.

Eltern, Großeltern, Geschwister der Kinder

und Jugendlichen aus allen Fraktionen der

Gemeinde waren voller Vorfreude der Einladung

in das örtliche Vereinshaus gefolgt.

Mit Flöten, Querflöten, Schlagzeug, Hohem

Blech und Klarinetten zeigten die jungen

Musiktalente vor vollbesetztem Haus ihre

neu erlernten musikalischen Fähigkeiten

des ganzen Schuljahres an einem einzigen

Abend. Es folgten auch einige Aufführungen

von gemischten Ensembles.

Auch der Kinderchor hatte seinen Auftritt

und präsentierte sich ebenfalls von

seiner besten Seite. Die Moderation zwischen

den Stücken wurden zum größten

Teil von den Kindern selbst vorgetragen.

Dies verlieh der Veranstaltung noch zusätzlich

eine ganz persönliche Note. Es war

eine großartige Leistung der ganz Jungen

Auf dem richtigen Weg befinden sich die Musikkapellen der Gemeinde Karneid mit

ihrer Jugendarbeit.

und natürlich jener, die bereits seit einigen

Jahren an den Kursen beteiligt sind und

immer noch mit großer Freude das Konzert

begleiten.

Ein großer Dank gebührt neben den Musiklehrern

und –lehrerinnen den beiden

Hauptorganisatoren Lorenz Vieider und

Michael Lantschner. Das rundum gelungene

Konzert bestätigte den Musikkapellen

der Gemeinde, dass sie sich auf dem richtigen

Weg befinden, indem sie auch weiterhin

talentierte Musikantinnen und Musikanten

in der Gemeinde intern ausbilden.

MK Gummer – Marion Künig

Naturns „bruncht“ unter freiem Himmel

Voller Erfolg für eine innovative Veranstaltung der MK Naturns

Unter dem Motto „blasmusik.brunch@

KOMM“ bot die Musikkapelle Naturns in

Zusammenarbeit mit dem Spitzenkoch Karl

Heinz Steiner am Samstag, 15. Juni, auf

dem Naturnser Burggräflerplatz eine Freilicht-Brunchzone

mitsamt musikalischer

Umrahmung, wobei die zahlreichen Gäste

sowohl das reichhaltige Brunchbuffet

als auch Blasmusik vom Feinsten genießen

konnten.

Die ersten hungrigen Besucher wurden von

den Blechbläsern der Musikkapelle Naturns

mit festlicher Tafelmusik zu ihren Plätzen

geleitet. Sechs verschiedene Stände boten

neben dem traditionellen Frühstück auch

verschiedene Eierspeisen, gegrillten Speck,

Rohschinken, Käse, Lachs, Tomaten, Mozzarella,

Fruchtsäfte und vieles mehr an. Die

Blechbläser überließen nun den Holzbläsern

und anschließend den Saxophonen

die Bühne, welche mit erlesener Harmoniemusik

und Ensemblestücken Lust auf

mehr machten. Warme Schmankerln wie

Polenta mit Steinpilzsauce und Beinschinken

mit Meerrettichsahne ließen dabei auch

kaum kulinarische Wünsche offen. Nach

den Ensembles konzertierte die gesamte

Musikkapelle Naturns mit gehobener Unterhaltungsmusik

zu den süßen Verführungen

wie Schokolademousse, Panna Cotta und

Eis. Das anschließende Kuchenbuffet wurde

von der Musikkapelle Mals stilvoll mit Musik

von der Renaissance bis zur Moderne

umrahmt. Kurzentschlossene konnten auf

einer kleinen Flanierzone in der abgesperrten

Bahnhofstraße bei einem Glas Wein oder

einem der verschiedenen Biere sowie einer

Weißwurst oder Speckbrettl die Musik und

den Sonnenschein genießen.

Nach einer kurzen Sommerpause lädt die

Musikkapelle Naturns wiederum zum beliebten

Sommernachtskonzert am 22. und

24. August ein.

MK Naturns – Julia Wellenzohn

Gut besucht war das erste musikalische Brunchbuffet der MK Naturns.

44

KulturFenster


Vorweg

Chorwesen

Veranstaltungen des Südtiroler Chorverbandes

Am 8. September Tag der Chöre in den Gärten von

Schloss Trauttmansdorff

Der Südtiroler Chorverband lädt am Sonntag, 8. September 2019 zum „Tag der Chöre“ in die

Gärten von Schloss Trauttmansdorff ein. Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran versammeln

auf einer Fläche von 12 Hektar über 80 Gartenlandschaften mit tausenden verschiedensten

Pfl anzen aus aller Welt. Seit 2004 bieten sie jährlich im September eine ideale Kulisse

für ein musikalisch-kulturelles Naturerlebnis, wenn Chöre aus Südtirol sich hier treffen und an

verschiedenen Orten und schließlich beim gemeinsamen Abschluss am See ihre Lieder vortragen.

Der Tag wird auch heuer wieder ein einmaliges Klang- und Kulturerlebnis, aber auch eine

besondere Plattform des Treffens und des Austauschs, die Gelegenheit den Gesang in der Natur

in lockerer Atmosphäre zu genießen. Es nehmen zehn Chöre aller Gattungen aus allen Bezirken

des Südtiroler Chorverbandes teil. Sie werden an verschiedenen Standorten innerhalb

der Gärten singen, um dann zum nächsten Standort weiter zu wandern. Der Tag der Chöre beginnt

um 10.30 Uhr und endet um ca. 16.00 Uhr.

Chöre-Festival 2019 des Bezirks Eisacktal/Wipptal

Am Samstag, 28. September fi ndet in Brixen das Chöre-Festival des Bezirks Eisacktal statt. Die

Chöre treffen sich um 9 Uhr im Dom zu Brixen, wo sie gemeinsam den Eröffnungsgottesdienst

feiern, der von einem Jugend-, Frauen-, Männer- und gemischten Chor musikalisch mitgestaltet

wird. Anschließend singen die Chöre in verschiedenen Kirchen und auf Plätzen der Brixner

Altstadt. Jedem Chor stehen ca. zehn Minuten Singzeit zur Verfügung. Dabei wird jeder Chor

Lieder singen, die er für sich gewählt hat, klassisch oder modern, alpenländisch, weltlich oder

geistlich. Der Männergesangverein Brixen 1862 wird am Domplatz für das leibliche Wohl bestens

sorgen.

Abschlusskonzert der Musicalwoche „Musical FEVER PLUS“

Das Abschlusskonzert der Musicalwoche Musical Fever Plus fi ndet am Samstag, 31. August mit

Beginn um18.00 Uhr im Parzivalsaal des Vinzentinums in Brixen statt. Musicalbegeisterte Jugendliche

werden ihr Können im Chor, in Solos und tollen Choreographien zeigen. Enrico di Pieri,

einer der führenden Musical-Stars im deutschsprachigen Raum konnte als Dozent für den Gesangsmeisterkurs

gewonnen werden. Kursleiter Stephen Lloyd und Karin Mairhofer übernehmen

die Einstudierung der Chorwerke und der Choreographien. Es gibt auch einen Schauspiel-

Workshop mit Steffen Jäger, Dozent am Reinhard Seminar, Wien. Als Referentin für Gesang

wird die Sängerin Sarah Yorke, Professorin für Musical Gesang an der Folkwang Universität der

Künste in Essen, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen unterstützen.

Alle Informationen zu den Veranstaltungen und Schulungen des Südtiroler Chorverbands

auf www.scv.bz.it und auf Facebook!

Dominikanerplatz 7, I-39100 Bozen

Tel.: 0471 971833

E-Mail: info@scv.bz.it

www.scv.bz.it

facebook.com/SuedtirolerChorverband

Nr. 04 | August 2019 45


Das Thema

„Politik soll der Kultur dienen“

Gespräch mit Jordi Casals, Referent bei der Chor- und

Stimmbildungswoche Burgeis

Ein musikalisches Menü bereiteten die Referenten für die 71 Teilnehmer und Teilnehmerinnen

der diesjährigen Chor- und Stimmbildungswoche vor, die vom 22. Juli bis 28. Juli in

der Fachschule für Landwirtschaft „Fürstenburg“ Burgeis bei Mals stattfand. Auch heuer

gab es wieder ein reiches und vielseitiges Angebot für alle Singbegeisterten.

Zusätzlich zum Singen im Plenum kamen

die Sänger und Sängerinnen in den Genuss

von Einzelstimmbildung mit den Stimmbilderinnen

Belinda Loukota, Petra Sölva,

Julia Aichner, Generose Gruber-Sehr, Rudi

Chizzali und Karl Oblasser. Wie ein dreigängiges-Menü

wurde das musikalische

Programm konzipiert und „bereits vorgekocht“,

wie die Referenten Jordi Casals

und Christian Stefan Horvath es ausdrücken.

Neben viel Proben und geselligem

Beisammensein gestalteten alle Teilnehmer

und Teilnehmerinnen am Donnerstag

eine Kirchenmusikalische

Andacht

in

der

Pfarrkirche von Burgeis, der Fabian Tirler,

Vize-Rektor der Anima in Rom, vorstand.

Das Abschlusskonzert fand am Samstag im

Kulturhaus Burgeis statt. Darüber hinaus

übernahm der Chor am Sonntag die musikalische

Gestaltung des Gottesdienstes

in der Kirche Maria Himmelfahrt in Mals.

Referent der Chorwoche war neben dem

österreichischen Musikpädagogen Christian

Stefan Horvath der aus Katalonien

stammende Dozent für Chorleitung Jordi

Casals. Er war als Kind Sopransolist bei

den Sängerknaben im Benediktinerkloster

in Montserrat/Barcelona, studierte

Klavier und Gesang, sowie Publizistik-

und Kommunikationswissenschaft

in Barcelona und schloss

das Dirigierstudium am Konservatorium

der Stadt Wien mit

Auszeichnung ab. Seit 2006

lehrt er Chor- und Ensembleleitung

an der Universität

für Musik und darstellende

Kunst Wien. Neben

dieser Tätigkeit arbeitet

er seit 2003 eng mit Erwin

Ortner zusammen und

wirkt als Chordirektor des Arnold

Schoenberg Chores bei

den Opernproduktionen am

Theater Wien und bei renommierten

Festivals (Aix-en-Provence,

Edinburgh, Luxemburg,

Baden-Baden, Holland Festival,

Teatro Real de Madrid u.a.). Er ist

auch dritter Kapellmeister der Wiener

Hofmusikkapelle. Casals ist mehrfacher

Preisträger bei internationalen und

nationalen Chorwettbewerben und ein gefragter

Juror. Gastdirigate absolvierte

er bei verschiedenen Chören und

Orchestern auch in Frankreich,

Italien, Deutschland, Andorra,

Spanien und in der Schweiz. Das Kulturfenster

sprach mit dem beliebten Referenten.

KF: Nach welchen Kriterien sind Sie bei

der Programmauswahl für die Chor- und

Stimmbildungswoche vorgegangen? Wie

würden Sie die unterschiedlichen Herausforderungen

der drei „Menügänge“ - wie

es im Programm heißt – Austropop, Barock,

Romantik beschreiben?

J.Casals: Ich möchte ein musikalisch gesundes

Menü servieren, das reich an Abwechslung

ist und durch Vielfalt begeistert.

Es soll auch Einblicke in noch unbekannte

Oeuvres geben, von denen die Chorsängerinnen

und -sänger noch gar nicht wussten,

„wie sehr sie diese brauchen“ – also

ein Chorrepertoire im weiteren Sinne. Ausgehend

davon wird als Vorspeise und Einstimmung

eine Variation von lokalen Spezialitäten

aus Österreich serviert, auf die

ein ausgiebiger Hauptgang der großen Meistern

Scarlatti, Monteverdi und Schütz (inklusive

Basso Continuo) folgt. Ein romantischer

Ohrenschmaus zum Verkosten und

zum Nach-Hause-Mitnehmen rundet dieses

vielfältige Menü ab. Auf der Speisekarte

stehen Lieder von der Romantik (Franz

Schubert) bis zur Gegenwart (John Rutter)

für Feinschmecker.

KF: Welche Ziele verfolgen Sie persönlich,

wenn Sie einen solchen Kurs für Laien geben?

Wo sehen Sie Unterschiede zu Ihren

Erfahrungen mit Profi-Chören? Gibt es auch

Gemeinsamkeiten?

J. Casals: Im Zentrum einer solchen Singwoche

steht das Ziel, Musik gemeinsam zu

erleben, zu erarbeiten und in weiterer Folge

auch die Möglichkeit diese musikalischen

Schöpfungen und dieses künstlerische (Er-)

Schaffen am Ende in einem Konzert umzusetzen

und stolz einem Publikum präsentieren

zu dürfen. Weiters möchte ich bei diesem

Kurs im Programm die kompositorische

Vielfältigkeit der verschiedenen Epochen aufzeigen;

es sollen nicht Monographien eines

Künstlers das Programm bilden. Die Probenarbeit

im Laienchor unterscheidet sich

46

KulturFenster


Chorwesen

in ihren Grundprinzipien nicht so stark von

Profichören, abgesehen davon, dass die

Anforderungen auf das technische Können

und die Probendynamik des jeweiligen Laienchores

zugeschnitten sein müssen.

KF: Sie sind ja schon früh durch Ihre Erziehung

zur Musik bzw. zum Chorgesang

gekommen. Wie kann man Ihrer Meinung

nach begründen, dass der Chorgesang ein

Anliegen der Gesellschaft und Politik sein

sollte und gefördert werden muss?

J. Casals: Ich stamme aus einer musikalischen

Familie und das Erlebnis Sängerknabe

im Benediktinerkloster Montserrat

zu sein, hat mich sehr geprägt. Durch tägliches

Singen und intensive Proben war die

Chormusik immer präsent, auch später auf

internationaler Ebene im World Youth Choir.

Chorgesang als gemeinsames Singen ist

ohne großen Aufwand möglich, es braucht

einfach ein paar Menschen und kann fast

überall sofort umgesetzt werden.

Und wer es schon versucht hat, der wird

bestätigen, dass es ein wunderbares Gefühl

ist, in einer Gruppe zu singen. Man ist ein

Glied in einer Kette, in der alle Teile zusammenhängen

und so etwas schaffen, was

für einen Einzelnen klanglich nicht möglich

wäre. Gemeinsames Singen verbindet

Menschen ohne zu unterscheiden oder zu

hinterfragen. Egal woher du kommst, welche

Sprache du sprichst und welche Geschichte

du in dir trägst, die Musik vereint

auf einer unabhängigen, für jeden zugänglichen

Ebene. Während in der heutigen Zeit

in vielen Bereichen immer mehr Individualisierung

gefordert wird, schafft das Chorsingen

auf eine durch und durch positive

Art eine Vereinheitlichung, eine Gemeinschaft,

bei der es nur um die Gruppe geht.

Abgesehen davon hat mittlerweile auch die

Wissenschaft erkannt, welch positiven Einfluss

das Singen auf die Psyche, aber auch

den Körper, besonders das Gehirn hat. Das

sind schon einige Gründe, warum der Stellenwert

des Singens, der Chormusik in Politik

und Gesellschaft ein hoher sein sollte.

KF: Sie stammen aus Katalonien. Wie ist

Ihre Beziehung zu diesem Land und seiner

Kultur bzw. Musik? Können Sie uns kurz die

typische Eigenart der katalanischen Chorkultur

beschreiben? Können Sie einen Vergleich

der katalanischen Musik-Kultur mit

der Südtiroler Kultur ziehen?

J. Casals: Ich bin in Katalonien geboren

und meine Familie lebt dort, daher ist der

Bezug zum Land und seiner Kultur natürlich

groß. Auch bei meiner musikalischen

Arbeit in Österreich oder auf internationaler

Ebene gibt es immer in mir eine Verbindung

zu meinem katalanischen Hintergrund.

Die Katalanen sind ein stolzes Volk, das

mit Hilfe der eigenen Kultur und für diese

friedlich kämpft. Kultur und Musik verbindet

und man blickt zurück, um sich weiterzuentwickeln,

aber auch zu bestätigen.

Durch die eigene Kultur ergibt sich eine

Gemeinschaft, ich sehe daher große Parallelen

zwischen dem Katalanischen und

dem Südtiroler Chorverband.

KF: In Südtirol hat das Chorwesen immer

auch eine volkstumspolitische Dimension

gehabt, da die Südtiroler eine sprachliche

Minderheit sind. Wie sehen Sie – da Sie

von Ihrer Herkunft her doch mit diesem

Thema vertraut sind - diesen Aspekt? Soll

Chorgesang auch kulturelle Identität fördern

oder sehen sie darin eher eine politische

Instrumentalisierung und eine „Abgrenzung“

?

J. Casals: Beides. Politik soll der Kultur

dienen, diese fördern und schützen. Und

das Chorwesen ist ein Teil davon, der es

ermöglicht sich mit den eigenen Traditionen

abzugrenzen, darauf stolz zu sein und

diese zu erhalten, weiterzugeben und weiterzuentwickeln.

Dazu zählen auch Volkslieder,

Volkstänze, die Sprache und andere

Traditionen. Auf die eigene Tradition

stolz zu sein und diese zu fördern bedeutet

ja nicht, fremde Traditionen als weniger

wertvoll anzusehen.

KF: Welche Chorwerke bzw. Komponisten

gefallen Ihnen besonders gut? Um nochmals

auf das Programm zurückzukommen:

Was bevorzugen Sie: Austropop, Barock

oder Romantik?

J. Casals: Wenn Sie mich heute fragen, bevorzuge

ich Mendelssohn. Wenn Sie mich

morgen fragen, ist es vielleicht Wolfgang

Ambros. Wobei – morgen könnte auch

ein Haydn-Tag sein. Gestern war es Bach,

vorgestern Louis Armstrong… Ich möchte

musikalisch alles in meinem Leben haben

und kann auf nichts verzichten – da sind

wir wieder bei der musikalisch gesunden,

vielfältigen Ernährung. Es gibt Chormusik

aus allen Genres - und diese soll gesungen

werden. Da sollte man nicht nach persönlichem

Geschmack überschnell werten,

sondern grundsätzlich für alles offen sein.

Die Chor- und Stimmbildungswoche

fand in der Fachschule für Landwirtschaft

„Fürstenburg“ Burgeis statt

KF: Welche Rolle spielt für Sie der Text

bzw. Textverständnis beim Einlernen eines

Werkes? Wie vermitteln Sie das den Sängern?

J. Casals: Als Chorleiter präsentiere ich

Texte mit einer bestimmten Intention: begeistern,

provozieren, bestürzen, eine Reaktion

hervorrufen...

Zusätzlich versuche ich Hintergrundinformationen

zum Text bzw. zum Werk zu geben.

Was wollte der Komponist bezwecken

und in den Hörern auslösen? Darüber

sollte der Chorsänger Bescheid wissen, erst

dann kann man daran arbeiten und dieses

Werk bestmöglich umsetzen.

Man muss sich in die Welt des Komponisten

hineinversetzen, seine Intention der Textwahl

hinterfragen und selbigen Text als Anregung

zur weiteren Auseinandersetzung

annehmen. Als Chorsänger interpretierst

du das Werk mit der Message des Komponisten,

um das an das Publikum – ähnlich

wie ein Schauspieler – weiterzugeben.

KF: Sie sind gefragter Juror, Dozent, Chorleiter.

Was macht einen guten Chor aus?

Welche Aufgabe hat hier der Chorleiter?

J. Casals: Als Katalane sehe ich einen Chor

wie eine Fußballmannschaft.

Es sollen alle gut trainiert und eingespielt

sein, ein gutes Team bilden und im wichtigen

Moment zusammen funktionieren. Der

Trainer muss die Potenziale seiner Spieler

erkennen und ihnen die für sie passenden

Aufgaben zuteilen. Der Trainer ist in Personalunion

Leiter, Betreuer, Mentor und sogar

auch Psychotherapeut. Kurz gesagt:

Chorsingen ist Teamsport, der jedes Mitglied

braucht.

Int.: Paul Bertagnolli

Nr. 04 | August 2019 47


Aus Verband & Bezirken

Gesang und Genuss in Kurtatsch

Chöre-Treffen des Bezirks Bozen

Das Bezirkssingen wurde unter der Leitung von Sandra Giovanett eröffnet.

Unter dem Motto „Gesang und Genuss in

Kurtatsch“ trafen sich am Samstag, 25.

Mai 2019 zwanzig Chöre aus dem Bezirk

Bozen mit rund 500 aktiven Sängerinnen

und Sängern im beschaulichen Unterlandler

Dorf zum traditionellen Bezirkssingen,

das im gewohnten Zweijahresrhythmus abgehalten

wird.

Das Dorfzentrum war erfüllt vom Gesang

der teilnehmenden Chöre, die auf

den schönen historischen Plätzen und in

den urtypischen Höfen ihre Lieder zum

Besten gaben. Bunt gemischt waren deshalb

auch die Darbietungen der Chöre, waren

doch gemischte Chöre, Frauen- und

Männerchöre, Freizeitchöre und Kirchenchöre

mit dabei.

Auf einen regnerischen Vormittag trat

pünktlich zum offiziellen Beginn um 14.00

Uhr eine Besserung ein. Alle Chöre hatten

sich beim Pavillon eingefunden, wo unter

der Leitung von Sandra Giovanett gemeinsame

die Eröffnungslieder gesungen wurden.

Begrüßt wurden die Sängerinnen und

Sänger von Bezirksobmann Josef Vieider,

Bundesobmann Erich Deltedesco, Bürger-

Der Bäuerinnenchor Zwölfmalgreien

Der MGV Tramin

48

KulturFenster


Chorwesen

Der Kirchenchor Lengmoos

Die Singgemeinschaft Pianoforte

meister Martin Fischer und Kulturreferentin

Maria Gamper Mayr. Sänger wie Besucher

waren begeistert vom Charakter des

Dorfes. Gesungen wurde im Ansitz Baron

Widmann, im Gruberhof, Plattenhof

und im Ansitz am Orth. Eine weitere Gesangsposition

war das Pflegeheim „Altes

Spital“, wo auch die Heimbewohner den

Chören zuhören konnten. Zudem waren

mehrere Verpflegungsstände eingerichtet,

betreut von den Kurtatscher Chören und

Musikkapellen. Der Bezirksausschuss im

Südtiroler Chorverband war über das aktive

Mitwirken aller musikalischen Vereine

des Dorfes sehr erfreut.

Zum offiziellen Abschluss wurde unter

der Leitung von Gottfried Veit wurde sein

Werk „Hymnus der Freundschaft“ ein

neuer Satz des bekannten und beliebten

Liedes „Fein sein, beinander bleiben“, uraufgeführt.

Die Musikkapelle Kurtatsch begleitete

die Komposition.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen,

die zum Gelingen von diesem Chortreffen

beigetragen haben, den privaten Höfebesitzern,

der Gemeinde Kurtatsch, sowie allen

Sponsoren und Helfern.

Abschied vom Geschäftsführer

Arnold Keim stellt sich neuen Herausforderungen

Der Geschäftsführer des SCV Arnold Keim

wird sich mit September 2019 neuen beruflichen

Herausforderungen stellen und

die Geschäftsleitung im Jugendhaus Kassianeum

in Brixen übernehmen.

Seit Oktober 2016 war er als Geschäftsführer

für den Südtiroler Chorverband

tätig und erfüllte diese Aufgabe zur Zufriedenheit

aller. „Ich habe bei dieser interessanten

Arbeit einen umfassenden

Einblick in die Welt des Ehrenamtes erhalten“,

sagt Arnold Keim. Zu den Herausforderungen

habe unter anderem die

Aufbereitung und Umsetzung der neuen

gesetzlichen Bestimmungen des dritten

Sektors für die Mitgliedschöre und der

Ausbau der Beratungstätigkeit In Form

von Vorträgen rund um das Chorwesen

in den Bezirken gehört. Keim blickt auch

auf viele schöne Begegnungen und Erlebnisse

zurück: „Besonders in Erinnerung

wird mir das 19. Landessingen in

Sterzing bleiben. Gerne erinnere ich mich

auch an das gesellige Beisammensein bei

den Schulungen, die sehr gute Zusammenarbeit

mit dem Amt für Kultur und

der Stiftung Südtiroler Sparkasse und die

vielen musikalischen Erlebnisse bei den

verschiedensten Veranstaltungen des

Südtiroler Chorverbandes.“ Der Südtiroler

Chorverband dankt dem scheidenden

Geschäftsführer für seinen Einsatz und

wünscht ihm viel Erfolg für seine berufliche

Zukunft.

Nr. 04 | August 2019 49


Aus Verband und Bezirken

„Sing, Swing and Dance“

Kindersingwoche in Tisens

Ein Höhepunkt in der Kinder- und Jugendfortbildung ist jedes Jahr die beliebte Kindersingwoche in Tisens.

50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen

9 und 14 nahmen an der diesjährigen

Kindersingwoche in der Fachschule

für Hauswirtschaft und Ernährung Frankenberg

in Tisens teil.

Mit einem Abschlusskonzert am 6. Juli

zeigten sie ihren Familien und Freunden,

dass sie wieder eine Woche lang viel Spaß

am gemeinsamen Singen und Musizieren,

aber auch viel gelernt hatten. Die Kinder

sangen eine Woche lang in der Kleingruppe,

am Lagerfeuer, im Chor und manche

wagten auch den Auftritt als Solisten. Daneben

gab es ein tolles Freizeitprogramm

mit einem Betreuerteam. Ein erfahrenes

Team aus Stimmbildnern und einem Choreographen

unterstützte die Kinder auf dieser

wichtigen und beliebten Fortbildung.

Im neuen Workshop „Song - Recording“

konnten Interessierte ihre Ensembles/So-

lostücke professionell aufnehmen. Kursleiter

war auch heuer wieder der Musikpädagoge,

Sänger und Schlagzeuger Michael

Feichter. Er leitet die Kindersingwoche seit

2010. Sophie Eder und Andrea Oberparleiter

waren für die Vokalbetreuung, Mathias

Krispin Bucher für das Song-Recording,

Lukas Erb für Instrumentalbetreuung, Ensemble

und Band, Daniel Renner für Tanz

und Choreographie zuständig.

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

50

KulturFenster


Chorwesen

Gemeinsam die Welt des

Musicals erleben

Musicalwoche für Jugendliche in Lichtenstern

Anspruch kombiniert mit viel Freude am Singen und Schauspielen: die Musicalwoche des Südtiroler Chorverbands

Unter dem Motto „The winner takes it all“

und ganz im Zeichen der Musikgruppe

ABBA stand der diesjährige „MUSICA-

Lische Workshop“ des Südtiroler Chorverbandes

im Haus der Familie in Lichtenstern

am Ritten.

49 Jugendliche zwischen 12 und 18

Jahren nahmen an dieser Fortbildungswoche

teil, die vor allem auch ein großes Gemeinschaftserlebnis

war. Beim Abschlusskonzert

am 6. Juli zeigten die Mädchen

und Buben, dass sie nicht nur viel Spaß

an Gesang und Schauspiel hatten, sondern

einiges gelernt hatten in den verschiedenen

Teilbereichen des Musicals.

Kursleiter war wie auch in den letzten

Jahren Christian Stefan Horvath.

Der österreichische Musikpädagoge

war Mitglied der Wiener Sängerknaben

und studierte an der Universität für Musik

und darstellende Kunst Wien. Er leitet

seit 2009 die jährliche Musicalwoche

des Südtiroler Chorverbandes am Ritten

und ist Chorleiter bei den "Orchestercamps

für Jugendliche" der Wiener

Philharmoniker. Unterstützt wurde er von

den beiden Theaterpädagogen Barbara

Rottensteiner-Comploi und Harald Volker

Sommer, die mit den Jugendlichen rund

um die ABBA-Songs eine aufregende Geschichte

entwickelten.

Die Jugendlichen entdeckten nicht

nur die Klassiker wie „Dancing Queen“,

„Take a chance on me“, „I have a dream“,

„The winner takes it all“ und viele andere

Hits. Gemeinsam erlebten sie einen aufregenden

Mix aus Tanz, Schauspiel und

Gesang, wobei ein spannendes Freizeitprogramm

auch dazu gehörte. Die Musicalwoche

ist eine der zahlreichen Fortbildungen,

die der Südtiroler Chorverband

auch für Kinder und Jugendliche anbietet.

Nr. 04 | August 2019 51


Aus Verband und Bezirken

Renovierung der Hauptorgel

im Bozner Dom

Mit Spenden kann man das Projekt unterstützen

Seit nunmehr vier Jahren

beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe,

bestehend aus

drei Orgelfachleuten unseres

Landes und Vertretern

der Pfarre Bozen, mit

dem Projekt für die Renovierung

und den Umbau der

Hauptorgel „St. Gregorius“

im Bozner Dom.

„Ab dem Zeitpunkt, da es

klar wurde, dass die Bozner

Hauptorgel einer umfassenden

Restaurierung

unterzogen werden musste,

haben wir uns mit mehreren

Optionen intensiv auseinandergesetzt“,

schreibt

Franz Oberkofler, Vorsitzender

der Dommusik. Diskutiert

wurden mehrere

Möglichkeiten: eine Minimalrestaurierung

mit Ersatz

der defekten und stark abgenützten

Teile, eine umfassende

Restaurierung

mit und ohne Erweiterung

der Orgelanlage oder ein

Neubau. Diese Optionen

wurden in vielen Diskussionen

erörtert, letztendlich

hat sich die Orgelkommission einstimmig

für das aktuelle Projekt entschieden, das

eine zentrierte Neuaufstellung der Orgel

auf der großen Chorempore vorsieht mit

3D-Modell von links

So soll die renovierte Orgel aussehen.

dem Neubau der Pedaltürme im Hauptwerk

und der Ergänzung um ein Schwellwerk

mit 15 Registern.

Die zentrierte Neuaufstellung der Orgel auf

der Chorempore entspricht genau dem

Projekt von Metzler aus dem Jahre 1961,

das damals vom Landesdenkmalamt nicht

genehmigt worden war. Die Erweiterung

um ein romantisches Schwellwerk verleiht

der Orgel die fehlende Klanglichkeit, um

sämtliches Repertoire aller Epochen authentisch

zum Klingen zu bringen. Weiters

wird die Größe bzw. das Klangvolumen

des erweiterten Instrumentes dem

Raumvolumen des Bozner Domes besser

entsprechen, „immerhin handelt es sich

um den größten Kirchenraum

zwischen München und Verona.

Allerdings wird die Disposition

der dreimanualigen

Orgel von 1964 nicht verändert,

das betone ich deshalb,

um all jenen kritischen

Stimmen entgegen zu treten,

die befürchten, dass die Orgel

mit dem Umbau ,ruiniert`

werden könnte, lediglich ergänzt

um ein viertes Manual

für die Register des Schwellwerkes“,

betont Oberkofler.

Umbauarbeiten werden auch

im Bereich der Chorempore

durchgeführt, wobei neue

verstellbare Podeste eine optimale

Raumausnutzung ermöglichen

für Chor und Orchester.

Die Orgelweihe durch Bischof

Ivo Muser erfolgt am 31. Oktober

2019 um 17 Uhr. Die

finanziellen Kosten der Renovierung

belaufen sich auf

ca. 1,8 Millionen Euro, davon

werden ca. 60% mit öffentlichen

Beiträgen finanziert,

die restlichen 500.000 Euro

müssen mit privaten Spendengeldern

aufgebracht werden.

Alles zum Projekt, auch die Nummern

der Spendenkonten, erfahren Sie unter

www.dommusik-bozen.it

3D-Modell von rechts

52

KulturFenster


Chorwesen

Kultur- und Gesangserlebnis

Alpenländische Sing- und Wanderwoche in Rodeneck

Im Mittelpunkt der Alpenländischen Sing- und Wanderwoche stand das Singen, aber auch die Erkundung der Heimat.

Mit der Gestaltung des Gottesdienstes in

der Pfarrkirche Rodeneck beendeten die 78

Sänger und Sängerinnen am 7. Juli die traditionelle

Alpenländische Sing- und Wanderwoche

des Südtiroler Chorverbandes.

Bereits am Abend zuvor hatten sie im

Haus Konrad von Rodank bei einem Abschlusskonzert

gezeigt, dass sie in dieser

Woche zahlreiche geistliche und weltliche

Lieder und hier vor allem alpenländisches

Liedgut kennengelernt hatten. Vor allem

zeigten sie ihre Freude am Gesang und

wie sehr sie zu einem guten Chor zusammengewachsen

waren. Zu verdanken war

dies auch heuer wieder Kursleiter Ernst

Thoma aus Mals, der die Woche schon

seit 1998 Jahren leitet. Der Komponist

und Chorleiter verstand es wieder, die

Sänger und Sängerinnen aus den verschiedenen

Landesteilen für das alpenländische

Volkslied zu begeistern und

Singen und Gemeinschaft erlebbar zu

machen. „Denn das Singen steht zwar

im Mittelpunkt, aber ebenso wichtig ist

es, als Sänger und Sängerinnen die Gemeinschaft

zu pflegen, den Gesang zugleich

als Kultur- und Naturerlebnis zu

erfahren“, erklärt Erich Deltedesco, der

Verbandsobmann des Südtiroler Chorverbandes.

Weiterzubilden und

Freundschaften schließen

Die Alpenländische Sing- und Wanderwoche

sei nur eine von vielen Fortbildungswochen

des Südtiroler Chorverband,

die diese wichtige soziale und

kulturelle Funktion bei Kindern, Jugendlichen

und Erwachsenen erfülle, nämlich

sich in der Gemeinschaft sinnvoll weiterzubilden

und Freundschaften zu schlie-

ßen, aber auch die eigene Heimat kennenzulernen.

So stand die Alpenländische Sing- und

Wanderwoche ganz unter dem Motto, Rodeneck

und Umgebung zu erwandern und

zu erkunden. Unter anderem führten die

heimatkundlichen Wanderungen zu den

Staoanamandln in Vals, auf den Gitschberg,

zum Wochenmarkt in Mühlbach, zur

Mühlbacher Klause, ins Kavernen-Elektrizitätswerk

„Eisackwerke Mühlbach“,

ins Kloster Mühlbach und zum Santerhof.

Natürlich durfte eine Besichtigung

von Schloss Rodenegg und der Rodenecker

Alm nicht fehlen.

Die Schönheit von Rodeneck und Umgebung

vermittelte den Teilnehmern Martin

Stampfl, der Chorleiter des Kirchenchores

Rodeneck, der zusammen mit

dem Chorverband die Woche zur Zufriedenheit

aller organisiert hatte.

Nr. 04 | August 2019 53


Stimmgabel

250-Jahr-Jubiläum

Kirchenchor Afing bekommt Palestrina-Medaille

Dreifachen Grund zum Feiern hatte vor

kurzem der Afinger Kirchenchor St. Nikolaus:

Zum einen wurde das 250-Jahr-Jubiläum

begangen, zum anderen das 30-jährige

Bestehen des derzeitigen Chores und

als besondere Anerkennung für so lange

Chortätigkeit wurde der Afinger Kirchenchor

mit der Palestrina-Medaille ausgezeichnet.

Diese hohe Auszeichnung bekamen Obfrau

Helga Oberkofler und Chorleiter Franz

Seebacher bei der Jubiläumsfeier am 26.

Mai in der Afinger Pfarrkirche von P. Urban

Stillhard im Namen des Allgemeinen

Cäcilienverbandes für die Länder der deutschen

Sprache (ACV) überreicht. Er forderte

die Chormitglieder auf, auch weiterhin die

„klingende Botschaft Gottes“ weiterzutragen

und „Vermittler zwischen Gott und den

Gläubigen zu sein“. Glückwünsche überreichten

auch P. Benedikt Staubli, Erich

Deltedesco, Obmann des Südtiroler Chorverbandes,

und Paul Romen, Bürgermeister

der Gemeinde Jenesien.

Der Kirchenchor Afing bei der Jubiläumsfeier

Zu diesem festlichen Anlass wurde auch

eine Festbroschüre gedruckt, in welcher

die ältere und jüngere Geschichte des

Kirchenchores St. Nikolaus Afing nachzulesen

ist.

New York trifft auf Bozen

Singkreis Runkelstein

Der Singkreis Runkelstein, Andreas Settili

am E-Piano und Silvio Gabardi am Kontrapass

unter der künstlerischen Gesamtleitung

von Armin Mitterer präsentierten

bei ihrem Frühjahrskonzert am 17. Mai

auf Schloss Maretsch bekannte Filmmelodien

aus dem 20. und frühen 21.

Jahrhunderts über Liebe, Leidenschaft,

Lebenslust, Ausgrenzung und Tod. Die Interpretation

der Lieder war schwungvoll,

intensiv und auch zart wie manche

Farben im Frühling. Spürbar

in diesen Songs sind auch

der Einfluss unterschiedlicher

Kulturen und deren Musikstile.

Das Bühnengeschehen wurde

bereichert durch Projektionen

aus den dazugehörigen Filmen

wie zum Beispiel „Frühstück bei

Tiffany“ mit dem Lied „Moon River“.

Der Komponist Henry Mancini,

der dafür 1962 den Oskar

bekam, hat dieses Lied für die

Hauptdarstellerin Andrey Hepburn

geschrieben und meinte,

dass niemand es so gesungen

hat, wie sie.

Der Titel „New York, New York“, der dem

Konzert den Namen gab, ist ein Welterfolg.

Aus der Taufe gehoben hat den Song

Liza Minelli im gleichnamigen Film unter

der Regie von Martin Scorsese. Der jedoch

weltweit, bekannteste Interpret bis heute,

war und ist Frank Sinatra.

Die berührenden Worte von Kurt Hertha und

Rolf Arland im Epos EXODUS zum Thema

„Sehnsucht Heimat“ komponiert von Ernest

Gold, zeigen uns, dass Geschichte auch eine

Gegenwart hat. „Biene Maja“ die Fernsehserie

aus Kindertagen ist untrennbar verbunden

mit dem Sänger Karel Gott. Der Komponist

Karel Swoboda schrieb diese bekannte

Titelmelodie sowie für die Figuren Pinocchio,

Nils Holgerson und Wicky, Wicky hey… Leonhard

Bernstein beschließt hier die Reihe

der zitierten, großen Komponisten mit dem

Musical „West Side Story“ und dem Liebeslied

„Tonight, tonigt“.

Die kurzweilige und informative

Moderation des Abends gestalteten

Eveline Zelger und Maria Moser.

Die erste Zugabe das Lied „Time

to leave“ vom österreichischen

Komponisten Franz Herzog für

Chor und Sopransolo wurde gesungen

von Christine Gleitschner.

Mit der zweiten Zugabe „Mai

Maadele, mai Tschurrale“ - Melodie

von Ernst Thoma und Text von

Luis Stefan Stecher - beendete der

Singkreis Runkelstein seine musikalische

Weltreise in Südtirol. Ein

erfreulich, gelungener Konzertabend

fürs „Hearz und Gmiat.“

54

KulturFenster


Chorwesen

Chorleiterinnen und Chorleiter gesucht!

Vox Laurenzi

Vox Laurenzi sucht einen Chorleiter oder eine Chorleiterin. Zu Vox Laurenzi gehören

18 Mädels bzw. Frauen, die seit über zehn Jahren dreistimmig querbeet und mit viel

Freude singen. Gesucht wird eine musikalische Leitung ab April 2020. Geprobt wird am

Dienstag in Rentsch (Bozen). Interesse? Dann bitte melden bei vox.laurenzi@hotmail.de

Pfarrchor Wiesen

Unser Chor ist auf der Suche nach einem Chorleiter bzw. einer Chorleiterin, wenn möglich

ab September 2019. Nähere Infos unter folgender E-Mail: renate75fi scher@gmail.com

Acanthis (Stegen)

Unser Chor Acanthis aus Stegen besteht aus ca. 20 Sänger/innen. Wir gestalten gerne

Messen und treten bei Hochzeiten auf. Auch für Projektarbeit sind wir offen.

Interessierte Chorleiter/innen melden sich bitte unter:

E-Mail: karin.pescoller@rolmail.net

Kirchenchor Luttach

Der Kirchenchor von Luttach im Ahrntal, bestehend aus 35 motivierten Sängerinnen

und Sängern, die die Freude an der Kirchenmusik verbindet, sucht ab sofort eine/n

engagierte/n Chorleiter/in.

Interessierte können sich bei der Obfrau Judith Feichter Huber melden

(Tel. 340 2652188; E-Mail: judith.feichter@gmail.com).

Singgruppe Madlain

Wir sind ein Frauenchor aus Lana, bestehend aus 29 Mitgliedern und sind auf der Suche

nach einer Chorleiterin. Unser Chor besteht seit 1980 und wir Sängerinnen sind

im Alter von 40+.

Wir singen kirchliche als auch weltliche Lieder (alpenländisch und modern) und sind keine

Profi s, sondern Frauen, die Freude am Singen haben! Unser Probentag ist der Montag.

Wir freuen uns über Rückmeldungen unter der Telefonnummer 339 8490271

Gemischter Chor im Raum Brixen

Kleiner gemischter Chor aus dem Eisacktal (Raum Brixen) sucht motivierte Chorleitung.

Für weitere Infos melden Sie sich bitte unter wolfgang.hofer@libero.it Es würde

uns sehr freuen!

Kirchenchor Vöran

Der Kirchenchor von Vöran ist auf der Suche nach einem neuen Chorleiter oder einer

Chorleiterin. Unser Pfarrchor besteht aus ca. 30 Mitgliedern. Wir umrahmen alle großen

kirchlichen Feste des Kirchenjahres, in den letzten Jahren haben wir auch öfters weltliche

Konzerte in Angriff genommen. Interessierte melden sich bitte bei Obmann Thomas

Mittelberger Tel.: 3337026378, Email: thomasmittelberger@alice.it

Der Kirchenchor Steinhaus

Wir sind ein kleiner gemischter Chor, der mit viel Freude einmal im Monat und an hohen

Feiertagen die heilige Messe mitgestaltet. Unser Probentag war bisher Donnerstag

oder Freitag. Bei Interesse bitte E-Mail an Obfrau Gabriele Hofer: gabiho253@gmail.com

Pfarrchor Terlan

Wir Sängerinnen und Sänger des Pfarrchores Terlan sind auf der Suche nach einem

Chorleiter bzw. einer Chorleiterin. Für unsere Auftritte bereiten wir uns immer bei der

Probe am Donnerstag vor. Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung! Kontakt: Elfriede

Antholzer - Obfrau Telefon 349 7125585 – E-Mail: elfriede.antholzer@outlook.com

Nr. 04 | August 2019 55


Impressum

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes

und des Heimapflegeverbandes Südtirol

Eigentümer und Herausgeber:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen

Ermächtigung Landesgericht Bozen

Nr. 27/1948

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes

verantwortlich:

Dr. Alfons Gruber

Als Pressereferenten für die Darstellung der

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:

VSM: Stephan Niederegger,

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it

SCV: Paul Bertagnolli,

E-Mail: info@scv.bz.it

HPV: Josef Oberhofer (interimsmäßig),

E-Mail: josef@hpv.bz.it

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte

werden nicht zurückerstattet.

Redaktion und Verwaltung:

Verband Südtiroler Musikkapellen,

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347

E-Mail: info@vsm.bz.it

Einzahlungen sind zu richten an:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,

Waltherhaus

Raiffeisen-Landesbank, BZ

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771

SWIFT-BIC: RZSBIT2B

Jahresbezugspreis: Euro 20

Gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung.

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,

August, Oktober und Dezember.

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen

Vormonats.

56

KulturFenster

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine