Berliner Zeitung 09.09.2019

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Notfall Notaufnahme: Wasinden Kliniken besser werden muss –Tagesthema Seite 2

Strafzinsen

auf

Girokonten?

Seite 6

15°/12°

Wolken und Regen

Wetter,Seite 2

Lauter Spaß: So war das

Lollapalooza im Stadion

Berlin Seite 12

www.berliner-zeitung.de

Gleichberechtigung leben:

Die Geschlechter-Debatte

Seiten 3und 8

Montag,9.September 2019 Nr.209 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Gefangenenaustausch:

Ukraine und Russland

Politik und Feuilleton Seiten 5und 21

Ein Römer

für die

Zahlen

VonRegina Kerner

Die Grande Dame der Finanzwelt,

EZB-Chefin Christine Lagarde,

fand lobendeWorte.„Gualtierials Minister

ist gut für Italien und Europa“,

sagte sie, als bekannt geworden war,

dass Roberto Gualtieri, EU-Parlamentarier

der italienischen Sozialdemokraten,

das Amt des Finanz- und

Wirtschaftsministers in seiner Heimat

übernimmt. Sven Giegold, Sprecher

von Bünd-

Roberto Gualtieri

Italiens neuer

Finanzminister

Italien

nis90/Grüne im

Straßburger Parlament,

der viel

mit ihm zusammengearbeitet

hat, war geradezu

euphorisch.

Gualtieri sei ein

engagierter Streiter

für die Vertiefung

der Eurozone

und der europäischen

Demokratie und könne

eine Zeitenwende in Italiens Finanzpolitik

einleiten, schwärmte er.

Gleich nach der Vereidigung begann

der neue Minister in seinem

Büro imrömischen Finanzpalast mit

der Arbeit. Er steht vor großen Herausforderungen,

manche sprechen

von einer „Mission impossible“.

Schon am 15. Oktober will die EU-

Kommission in Brüssel den Entwurf

für die Etatplanung 2020. Die wird

eine Gratwanderung –einerseits soll

Italien Schulden abbauen, andererseits

muss es mit staatlichen Ausgaben

die Wirtschaft in Gang bringen.

Also wird Gualtieri mit der EU über

ein höheres Defizit verhandeln.

Dafür ist der 53 Jahre alte Römer

so gut gerüstet wie kaum ein anderer.

In den zehn Jahren, die er im EU-Parlament

saß, wurde er zum Wirtschafts-

und Finanzexperten. Zuletzt

leitete er den Wirtschafts- und Währungsausschuss.

Gualtieri ist bekannt

als einer, der keine Phrasen

drischt, sondernhartarbeitet. Einer,

der sich in Dossiers vertieft und sich

im komplizierten europäischen Regelwerk

bestens auskennt. Er hat

mitgeholfen, dass im Dezember, als

noch die rechte Populisten-Koalition

am Ruder war, ein Defizitverfahren

gegen Italien abgewendet wurde.

Die Brüsseler Wochenzeitung Politico

zählte ihn zu den drei einflussreichsten

europäischen Parlamentariern.

Bei all dem ist er eigentlich

Historiker und Professor für Zeitgeschichte

an der römischen Universität

La Sapienza mit zahlreichen

Buchveröffentlichungen.

Eine der Prioritäten von Gualtieri

werde essein, die Inlandsnachfrage

anzukurbeln, vermuten Beobachter.

Italien ist nach wie vor das wirtschaftliche

Schlusslicht in Europa.

Die neue Regierung aus Fünf Sternen

und Sozialdemokraten kündigt

denn auch Investitionen besonders

in Süditalien an, mehr Geld für Familien,

Schulen, Universitäten, Sozialpolitik

und sozialen Wohnungsbau

sowie Steuererleichterungen für Arbeitnehmer.Wie

das finanziert werden

soll, hat sie offengelassen. Diese

Frage muss nun Gualtierilösen.

Zeichen der Trauer und des Mitgefühls am Unfallort.

VonElmar Schütze

Der Unfall von Freitagabend

in Berlin-Mitte

schockiert. Und trifft einen

Nerv: Vier unbeteiligte

Menschen, vier Fußgänger,sterben,

weil sie von einem Auto erfasst

werden, das laut Augenzeugen mit erhöhter

Geschwindigkeit durch die Innenstadt

gerast ist.

Als wäre das nicht furchtbar genug,

war der Unfallwagen ein hochmotorisierter

Porsche Macan. Ein

SUV,ein SportUtility Vehicle,ein fast

zwei Tonnen schweres Fahrzeug, das

aussieht wie ein Geländewagen, aber

agil ist wie ein Sportwagen. Wenn

man so will, der Prototyp einer verfehlten

Automobilkultur –zumindest

für jene, die Autos schon grundsätzlich

kritisch sehen.

Wiesehr der Unfall die Menschen

weit über dieTragödie hinaus bewegt,

ließ sich am Sonnabend am Unfallort

besichtigen. Mehr als 100 Menschen

setzten sich auf die Kreuzung Invaliden-/Ecke

Ackerstraße, andere

drängten sich auf den schmalen Bürgersteigen.

Sie trauerten um die Opfer

–zweiMänner,28und 29 Jahrealt,

eine 64-jährige Frau und ihren dreijährigen

Enkel.

Vier Schweigeminuten

„Motorisierte Gewalt stoppen!“ stand

auf einem Schild, „Motorisierte

Mordwerkzeuge raus aus der Stadt!“

auf einem anderen. Mitgebracht hatten

die Schilder Vertreter des Verkehrsclubs

Deutschland (VCD) sowie

von Lobby-Vereinen wie „Fuss“ oder

„Changing Cities“, die eine radikale

Verkehrswende fordern.

Prägnant waren die vier Schweigeminuten

–für jeden Toten eine. Das

Schweigen wirkte auch deshalb so

eindrücklich, weil nach dem Unfall,

Ein politischer Unfall

Vier Menschen sterben in Mitte, weil ein Auto auf den Gehweg rast. Das traurige

Ereignis löst sofort eine Debatte über SUVs in der Stadt und die Verkehrswende aus

bei dem die Polizei als Ursache ein

gesundheitliches Problem beim 42-

jährigen Fahrer für möglich hält,

eine laute Debatte begonnen hat.

Über Konsequenzen –geführt von

Menschen, die den Unfalltod nicht

schicksalhaft hinnehmen wollen,

sondern als konkrete Handlungsanweisung

verstehen: Es muss sich etwas

ändern. Wir müssen etwas ändern.

Es stellt sich die Frage: Wird hier

ein furchtbares Ereignis reflexartig

instrumentalisiert?

ZUM THEMA

Ragnhild Sörensen von „Changing

Cities“ gab am Sonnabend den

Tonan, als sie am Unfallort sagte:

„Ich möchte nicht in einer Stadt leben,

die die Straße zu einer Kampfzone

macht. Und ich möchte nicht,

dass wir das Töten weiter hinnehmen.“

Den rot-rot-grünen Senat erinnerte

sie an die im Koalitionsvertrag

festgelegte „Vision Zero“ –das

Ziel einer Stadt ohne Verkehrstote.

Tatsächlich lassen die vier Opfer von

Freitag die Anzahl getöteter Fußgänger

in Berlin in diesem Jahr auf 15

wachsen.

Grünen-Politiker Stephan von

Dassel, Bürgermeister vonMitte,ließ

sich am Sonnabendnachmittag bei

der Mahnwache nicht sehen. Dennoch

hatte er zuvor wohl vielen aus

der Seelegesprochen, alservia Twitter

das Verkehrsmittel SUV anprangerte:

„Solche panzerähnlichen Autosgehören

nicht in die Stadt.“

Unterstützung erhält er von der

Deutschen Umwelthilfe. Ein Sprecher

desVereins,der mit seiner Klage

dazu beigetragen hat, dass seit Juni

in Berlin auf einzelnen Straßenabschnitten

Dieselfahrverbote gelten,

schrieb auf Twitter: „SUVs haben in

unseren Städten nichts zu suchen!“

Ganz davon abgesehen, dass

etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete

Jan-Marco Luczak es „beschämend

und ohne Anstand den Opfern

Ermittlungen Der Porsche fuhr auf der Gegenspur Seite 9

Kommentar Warumdie Politik innehalten sollte Seite 8

gegenüber“ findet, wenn man zu einem

frühen Zeitpunkt diese Debatte

führe, stellt sich die Frage: Stimmt

das überhaupt? Sind SUV gefährlicher

als kleinere, leichtereAutos?

Nicht unbedingt, sagt Siegfried

Brockmann, Unfallforscher vomGesamtverband

der Deutschen Versicherungswirtschaft.

„Ein SUV ist

nicht grundsätzlich gefährlicher als

ein Polo oder als ein Smart“,sagte er

am Sonntag. Entscheidend sei vorallem

das Tempo. „Alles was jenseits

von50Stundenkilometernist, ist für

einen menschlichen Körper mindestens

lebensgefährlich, meistens aber

auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug“,

sagte er. Heißt das: Wenn ein

VW Polo 70 fährt, ist er gefährlicher

als ein Porsche Macan mit 40?

Doch ganz so einfach macht es

sich Brockmann dann doch nicht.

DPA/PAUL ZINKEN

Im konkreten Fall könnte das Gewicht

einen Unterschied gemacht

haben, sagte er der Deutschen

Presse-Agentur.Der schwerePorsche

war am Freitagabend zunächst gegen

Poller und einen Ampelmast gerast,

ehe er die Fußgänger erfasste und tötete.

Einen leichteren Polo, soBrockmann,

hätte der Mast vielleicht aufgehalten.

Und da ist noch mehr. So wies

Brockmann auf eines der Haupt-

Kaufmotive für SUVs hin: die Sicherheit:

„Die größere Massebietet einen

Vorteil gegenüber der kleineren.“

Kultur des„Ich, Ich, Ich“

Das mag in den Ohren der meisten

Menschen vernünftig klingen, für

manche ist es zynisch und egoistisch.

Für Florian Schmidt etwa,

Grünen-Stadtrat im Nachbarbezirk

Friedrichshain-Kreuzberg.Der Unfall

von Freitag habe Symbolcharakter,

twitterte er. Schließlich sei

„die SUV-Technik und -Marketingstrategie

mitschuldig an einer Autokultur

des Ich, Ich, Ich. Davon

motivierte protzige Schnellfahrerei

tötet.“ Also, schreibt Schmidt:

„Lasst uns diese Wagen und viele

mehr von den öffentlichen Räumen

entfernen.“ Auch Parteifreund

von Dassel sieht in den SUVs ein

Grundsatzproblem: „Es sind Klimakiller,auch

ohne Unfall bedrohlich,

jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr

für Unschuldige.“

Angesichts solcher Töne wird es

für Parteifreundin und Verkehrssenatorin

Regine Günther sehr schwer

sein, sich mit ihrer differenzierten

Haltung durchzusetzen.„Wir müssen

analysieren, wie es zu dem schrecklichen

Unfall kommen konnte, bevor

wir Konsequenzen ziehen können“,

ließ die Senatorin am Wochenende

verbreiten.

Johnsons

Regierung

im Zerfall

Arbeitsministerin legt aus

Protest ihr Amt nieder

Zum Ende einer für ihn desaströsen

Woche hat der britische Premierminister

Boris Johnson einen

weiteren Rückschlag erlitten: Aus

Protest gegen seine Brexit-Politik

reichte Arbeitsministerin Amber

Rudd am Samstagabend ihren Rücktritt

ein. Am Montag droht Johnson

die nächste Niederlage, wenn er im

Parlament erneut über die von ihm

für den 15. Oktober angestrebten

Neuwahlen abstimmen lassen will.

In ihrem Rücktrittsschreiben übt

Rudd Kritik an Johnsons Brexit-Strategie

und protestiert gegen den Parteiausschluss

von 21 proeuropäischen

Tory-Abgeordneten. Siekönne

nicht tatenlos zuschauen, „während

gute und loyale moderate Konservativeausgeschlossen

werden“.

Auf Johnsons Anweisung waren

Mitte der Woche die 21 Tory-Abgeordneten

aus der Partei ausgeschlossen

worden. Siehatten zuvor im Unterhaus

zusammen mit der Opposition

für ein Gesetz gestimmt,dass einen

ungeregelten EU-Austritt

verhindert. Dieses verpflichtet Johnson,

eine Verschiebung des für Ende

Oktober geplanten EU-Austritts zu

beantragen, falls es bis 19. Oktober

keine Einigung mit der EU geben

sollte. Erwill Großbritannien auf jeden

Fall am 31. Oktober aus der EU

führen. Am Montag will er erneut

über Neuwahlen abstimmen lassen.

Doch dürfte auch dieser Plan scheitern:

Nach Angaben der Co-Vorsitzenden

der Grünen, Sian Berry, sind

sich die Oppositionsparteien „völlig

einig“ in ihrem Widerstand gegen

Neuwahlen – bis die Gefahr eines

harten Brexit gebannt sei.

Am Mittwoch war Johnson mit einem

ersten Antrag auf vorgezogene

Wahlen gescheitert. „Johnsons Regierung

fällt auseinander“, schrieb

der Sprecher der Labour-Partei, Keir

Starmer, im Online-Dienst Twitter.

Für weitere Unruhe sorgten mögliche

Pläne, das Gesetz gegen den No

Deal auszuhebeln. Laut „Sunday

Times“ ist Johnson bereit, bis zum

Obersten Gerichtzuziehen. Sollte es

bis 18. Oktober kein neues Abkommen

geben, „werden wir einen Aufschub

sabotieren“, zitierte das Blatt

einen Vertreter der Downing Street.

Eine andere Quelle sagte, Johnson

sei bereit, allen Widerstand mit der

„Kettensäge“ niederzumähen. (AFP)

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2* Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Tagesthema

Medizin

Die Notaufnahmen in den Kliniken sind häufig überlastet, weil viele Patienten mit Bagatell-Beschwerden kommen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nun die Hausärzte zur Kooperation zwingen. In Berlin üben sie das bereits.

In einer Nebenstraße im Berliner

Stadtteil Gesundbrunnen

hat die Zukunft bereits begonnen.

Auf den ersten Blick

herrscht im Erdgeschoss des Jüdischen

Krankenhauses der tägliche

Wahnsinn einer Rettungsstelle.Esist

ein später Freitagnachmittag, auf

dem Flur zwischen den Behandlungszimmern

liegen wimmernde

Patienten, pausenlos bringen Rettungsdienste

neue Verunglückte.

Eine Frau hat einen Schwächeanfall

erlitten und sich beim Sturz verletzt,

bei einem Sportler ist das

Sprunggelenk gebrochen, ein Mann

mit 4,5 Promille im Blut brüllt

herum. Doch während in vielen anderen

Krankenhäusern die Wartezimmer

der Notaufnahmen insbesondere

außerhalb der üblichen

Sprechzeiten vonArztpraxen oft völlig

überfüllt sind, müssen sich in diesem

Krankenhaus nur wenige Patienten

in Geduld üben.

Was Gesundheitsminister Jens

Spahn (CDU) für das ganze Land

plant, ist hier schon Realität: Eine

Reform der Notfallversorgung,

durch die Patienten besser und

schneller versorgt werden sollen.

Projekte wie am Jüdischen Krankenhaus

in Berlin gibt es auch anderswo.

Ob sie zustande kommen, wie sie organisiertsind

und ob sie funktionieren,

hängt bislang vom Engagement

der Kassenärzte und von den Krankenhausträgern

ab. Spahn möchte

nun bundeseinheitlich Standards

festschreiben –und damit die Zeit

des schier endlosen Wartens beenden.

Zecke, Ohrenweh, Platzwunde

Schon auf dem Wegweiser zur Rettungsstelle

ist erkennbar,dass in der

Klinik im Gesundbrunnen etwas anders

läuft: „Patientenaufnahme Rettungsstelle/KV-Notdienstpraxis“

ist

dortzulesen. Mittwochs und freitags

am Nachmittag sowie am gesamten

Wochenende und an Feiertagen hat

zusätzlich zu den Klinik-Ärzten ein

Hausarzt aus der Umgebung Dienst

im Krankenhaus.

Um Schwerverletzte,die mit dem

Krankenwagen eingeliefert werden,

kümmern sich weiterhin die Notärzte

in der Rettungsstelle der Klinik.

Doch Patienten, die selbst ins Krankenhaus

kommen und damit

höchstwahrscheinlich keine akuten

Fälle sind, werden in der Regel von

den Hausärzten behandelt. Deren

Behandlungszimmer ist in der Rettungsstelle

untergebracht. „Damit

können wir uns auf die wirklichen

Notfälle konzentrieren“, lobt der Leiter

der Rettungsstelle, Martin

Schmidt. „Das entlastet uns enorm“,

sagt er und eilt in den OP-Saal.

Um die Neuankömmlinge richtig

zu lenken, werden sie zunächst zu einem

Schalter der Kassenärztlichen

Vereinigung (KV) –also der Organisation

der ambulant tätigen Ärzte –

Erste Hilfe

fürs Krankenhaus

In zwei Berliner Kliniken

gibt es bislang Notfallpraxen

der Kassenärzte –außer am

Jüdischen Krankenhaus

auch an der Unfallklinik Marzahn.

Bis 2021 sollen es fünf

sein, die bis zu 70 000 Patienten

betreuen.

VonRasmus Buchsteiner und Timot Szent-Ivanyi

Schön ist es nicht auf der Notaufnahme –aber für manche Patienten ist sie die einzige Chance, einen Arzt zu treffen.

geleitet. Eine erfahrene Schwester

macht dort, was Experten Triage

nennen: Eine erste Einschätzung

darüber, wie dringlich die Behandlung

ist und wo der Patient am besten

versorgt werden kann. Einjunger

Mann mit Ohrenschmerzen wird in

den Warteraum für eine Behandlung

beim diensthabenden Hausarzt geschickt,

ebenso die Mutter, die bei

ihrer elfjährigen Tochter eine Zecke

entdeckt hat. Der Junge, der sich

beim Spielen eine heftig blutende

Platzwunde zugezogen hat, wirdvon

der Schwester hingegen sofortinein

Behandlungszimmer der Klinik-Rettungsstelle

geführt.

Hausarzt Christian Bohle, einer

der Initiatoren der Ostern 2018 gestarteten

Zusammenarbeit mit der

Klinik, hat offensichtlich früher als

die Funktionäre der Kassenärzte begriffen,

dass bei der Versorgung der

Patienten etwas falsch läuft. „Es ist

leider so, dass viele Kollegen nur

noch auf Bestellung arbeiten und die

Patienten dann in ihrer Notins Krankenhaus

gehen, obwohl sie dort

KAPAZITÄTSLÜCKE

Rund 350 000 Patienten

der Berliner Rettungsstellen

bräuchten nach Schätzungender

Berliner Krankenhausgesellschaft

keine Betreuung

durch Klinikärzte. Es

müsste demnach noch viel

mehr Notfallpraxen geben.

35 Euro bekommen die

Kliniken für die Versorgung

eines Patienten in der Notaufnahme.

Wird daraus ein

stationärer Fall, lohnt sich

die Behandlung.Geht der

Patient nach Hause, macht

das Krankenhaus Verlust.

DieKassenärztlichen Vereinigungen

haben der Entwicklung jahrelang

zugesehen, die Organisation

von Notdiensten und die Einrichtung

entsprechender Praxen ist aufwändig

und erfordert Personal. Sie

reagierten erst, als die Zustände in

den Notaufnahmen in der Öffentlichkeit

thematisiert wurden und es

den Verantwortlichen dämmerte,

dass sie massenhaft Patienten an die

Kliniken verlieren –und damit Geld.

Mittlerweile sind die Kassenärzte,

die im vergangenen Jahr noch eine

Strafgebühr für Patienten ins Gespräch

gebracht hatten, die mit Bagatell-Beschwerden

in die Notaufnahme

kommen, in die Offensivegegangen.

Schritt für Schritt wollen sie

das Angebot für Anrufer bei der 116

117 ausbauen. Künftig soll es unter

anderem eine Appgeben, die Patienten

zur Bereitschaftspraxis führt.

Doch Gesundheitsminister

Spahn traut den Ankündigungen offenbar

nicht. Er plant eine umfassende

Reform der Notfallversorgung.

„Die Qualität eines Gesundlange

Wartezeiten in Kauf nehmen

müssen“, berichtet der Mediziner,

der selbst Dienste in der Notdienstpraxis

übernimmt. „Es geht hier

auch darum, den Ruf der ambulanten

Medizin zu retten“, sagt er.

Tatsächlich haben die niedergelassenen

Ärzte sogar den gesetzlichen

Auftrag, Patienten ambulant zu

versorgen –inRandzeiten oder am

Wochenende über einen Bereitschaftsdienst.

Seit 2012 ist dieser

bundesweit erreichbar über die

Nummer 116 117. Doch diensthabende

Ärzte mit akzeptablen Wartezeiten

zu finden, ist bis heute eher

ein Glücksfall. Undselbst zu normalen

Öffnungszeiten sind die Hausarztpraxen

überfüllt und Facharzttermine

rar. Viele gehen daher lieber

gleich ins Krankenhaus,wenn sie ein

Problem haben.

GETTY

heitssystems zeigt sich vor allem

dann, wenn Menschen in Not sind,

wenn sie schnelle Hilfe und Unterstützung

brauchen“, so der CDU-Politiker.

„Derzeit sind die Notaufnahmen

der Krankenhäuser zu oft zu

überlaufen.“ Spahns Lösung: Ein37-

Seiten-Gesetzentwurf, der Krankenversicherte

besser durchs System

steuern soll. Künftig soll es gemeinsame

Notfallleitstellen von Rettungsdiensten

und niedergelassenen

Ärzten geben. An Krankenhäusern,

so der Spahn-Plan, sollen sogenannte

Integrierte Notfallzentren

(INZ) gegründet werden –sowie am

Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

Doch keineVeränderung im deutschen

Gesundheitswesen ohne Aufschrei.

Längst ist ein Lobby-Kampf

um Patienten und Milliarden-Vergütungen

entbrannt. Nicht wenige Kliniken

kommen wirtschaftlich gerade

so über die Runden –zusätzliche Patienten

über die Notfallambulanzen

zu rekrutieren, ist für sie verlockend.

Die Top-Funktionäre der Ärzte

und der Krankenhäuser belauern

sich argwöhnisch. Jede Seite will die

Hoheit behalten, doch Spahn plant,

sie zur gleichberechtigten Zusammenarbeit

zuzwingen. Dabei geht

der Minister sehr weit: Die Verantwortung

für die Organisation der

Notfallversorgung soll von den Kassenärzten

auf die Länder übergehen.

Kassenärzte-Präsident Andreas Gassen

warnt angesichts der Pläne vor

einem „Spiel mit dem Feuer“. Bei

den niedergelassenen Medizinern

würden seiner Ansicht nach die

Sektkorken knallen, wenn sie die ungeliebten

Notdienste loswerden

könnten. Aber es sei völlig unklar,

wie die Länder den neuen Auftrag erfüllen

wollten, warnt Gassen. Die

ambulante Versorgung von Patienten

durch Kliniken sei jedenfalls

„Vergeudung vonRessourcen“.

Gespräch statt CT

Die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft

koffert zurück. Bisher werde

die ambulante Notfallversorgung

faktisch von den Krankenhäusern

übernommen, sagt Verbandschef

Gerald Gaß. Die Kassenärzte hätten

dagegen gezeigt, dass sienicht in der

Lage seien, diese Aufgabe allein zu

organisieren.

Die Partner in Berlin sind von

dem neuen Modell überzeugt. „Die

Zusammenarbeit hilft uns, den Ansturm

der Patienten zu bewältigen“,

sagt Klinik-Vorstand Brit Ismer.

Hausarzt Bohle berichtet, dass die

Patienten oftweniger als30Minuten

warten. UndselbstPatienten, diezunächst

sauer reagieren, weil sie bei

Kopfschmerzen nichtimComputertomografen

landen, sondern bei einemHausarzt,

seien am Ende zufrieden.

Bohle: „Ich habe Zeit, mit den

Patienten auch malein weniglänger

zu reden. Da sindsie so dankbar,weil

siedas gar nicht mehr kennen. “

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute machen die Höchsttemperaturen bei 13bis 18 Grad halt. Dazu ist

es vielerorts bewölkt, gebietsweise regnet es. Der Wind weht schwach bis

mäßig aus nördlichen Richtungen. Inder Nacht sorgen viele Wolken größtenteils

für Regenschauer. Dabei fallen die Temperaturen auf Wertevon

11 bis 8Grad.

Biowetter: Die derzeitige Wetterlage

bringt verstärkt rheumatische

Beschwerden, Gelenk-, Glieder-,

Narben- und Muskelschmerzen.

Menschen mit hohem Blutdruck

sollten Aufregungen vermeiden.

Pollenflug: Zurzeit ist nicht mit nennenswertem

Pollenflug zu rechnen.

Gefühlte Temperatur: maximal 15Grad.

Wind: schwach aus Nord.

Wittenberge

10°/13°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

10°/13° 12°/15°

Luckenwalde

11°/13°

Cottbus

11°/18°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

wolkig sonnig wolkig

11°/19° 10°/22° 12°/23°

Prenzlau

11°/16°

Frankfurt

(Oder)

11°/18°

Ein kleines Tief, welches von der Adria über die östlichen Alpen nordwärts zieht,

sorgt im Zusammenhang mit der Zufuhr kälterer Luftmassen in der Höhe für

teils kräftige Schauer und zeitweilige Regenfälle. Sommerlich heiß präsentiert

sich dagegen das östliche Mittelmeer und die Iberische Halbinsel.

Sylt

9°/17°

Hannover

10°/16°

Köln

8°/19°

Saarbrücken

6°/17°

Konstanz

9°/19°

Hamburg

10°/18°

Erfurt

11°/15°

Frankfurt/Main

12°/19°

Stuttgart

10°/17°

Rügen

12°/16°

Rostock

12°/14°

Magdeburg

11°/14°

Nürnberg

10°/16°

München

9°/16°

Dresden

12°/14°

Deutschland: Heute zeigen sich viele

Wolken am Himmel, die Schauer liefern

oder Regen abladen. Ihre

Höchstwerteerreichen die Temperaturen

mit 13bis 19 Grad. Die niedrigsten

Wertesind bei 13 bis 7Grad

anzutreffen. Der Wind weht nur

schwach aus Nord. Morgen gibt es

Sonne, Wolken und sehr vereinzelt

auch etwas Regen, und die Höchsttemperaturen

pendeln sich bei

14 bis 23Grad ein. Der Wind weht

stellenweise mit stürmischen Böen

aus Nordwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 16°-18°

Nordsee: 16°-19°

Mittelmeer: 22°-31°

Ost-Atlantik: 16°-21°

Mondphasen: 14.09. 22.09. 28.09. 05.10.

Sonnenaufgang: 06:29 Uhr Sonnenuntergang: 19:37 Uhr Mondaufgang: 17:57 Uhr Monduntergang: 01:06 Uhr

Lissabon

26°

Las Palmas

28°

Madrid

30°

Reykjavik

12°

Dublin

16°

London

16°

Paris

19°

Bordeaux

21°

Palma

27°

Algier

27°

Nizza

25°

Trondheim

17°

Oslo

17°

Stockholm

20°

Kopenhagen

17°

Berlin

15°

Mailand

24°

Tunis

29°

Rom

22°

Warschau

24°

Wien

18° Budapest

21°

Palermo

26°

Kiruna

13°

Oulu

19°

Dubrovnik

26°

Athen

31°

St. Petersburg

23°

Wilna

25°

Kiew

27°

Odessa

25°

Varna

27°

Istanbul

28°

Iraklio

29°

Archangelsk

19°

Moskau

22°

Ankara

26°

Antalya

33°

Acapulco 34° heiter

Bali 37° sonnig

Bangkok 32° wolkig

Barbados 30° heiter

Buenos Aires 14° Regen

Casablanca 26° sonnig

Chicago 25° wolkig

Dakar 31° wolkig

Dubai 38° sonnig

Hongkong 34° heiter

Jerusalem 28° heiter

Johannesburg 25° sonnig

Kairo 34° sonnig

Kapstadt 24° heiter

Los Angeles 22° sonnig

Manila 29° Gewitter

Miami 33° heiter

Nairobi 26° bewölkt

Neu Delhi 37° heiter

New York 23° bewölkt

Peking 32° wolkig

Perth 28° heiter

Phuket 32° Gewitter

Rio de Janeiro 32° heiter

San Francisco 22° heiter

Santo Domingo 33° heiter

Seychellen 26° heiter

Singapur 30° Gewitter

Sydney 15° bewölkt

Tokio 35° Schauer

Toronto 20° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 3· ·

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Seite 3

Vierhundert Männer schließen gemeinsam

ihre Augen, schnaufen

ein, schnauben aus, brummen,

stellen sich vor, wie sie durch einen

Dschungel streifen, auf der Flucht sind.

Breitbeinig stehen sie da, in geduckter

Haltung, lassen die Oberkörper wippen, die

Arme baumeln, als hätten sie die letzten Evolutionssprünge

verpasst. Einige haben die

Stühle zur Seite geschoben, Schuhe und T-

Shirts ausgezogen, es riecht nach Schweiß

im Konferenzsaal, nach Männerschweiß.

Plötzlich der Ruf: „Ka mate!“ Ich werde

sterben! Vielleicht witternsie tatsächlich Gefahr,denke

ich, während draußen die Sonne

scheint, Boote über den Tegeler Seegleiten.

Drinnen reißen vierhundert Männer ihre

Augen auf, Hände klatschen auf Schenkel,

der Haka beginnt, der Kriegstanz der Maori.

Vierhundert Krieger schreien den Text heraus,

den ein Beamer auf die Leinwand wirft.

„A upane,kaupane!“ EinSchritt nach vorne,

und noch einer! Siestampfen mit den Füßen,

trommeln sich auf die Brust, strecken Zungen

raus, schnaufen, schnauben, brüllen,

haben Speichelfäden zwischen den Zähnen.

„Schau dem Bruder neben dir in die Augen“,

sagt der Vortänzer auf der Bühne,„und

fühle das Gefühl der Freiheit.“ Ichfühle mich

als Eindringling, gefangen in meinem eigenen

Rollenbild. Als Mann ohne kriegerische

Eigenschaften. Ichmeide den Augenkontakt.

Ichbin kein Maori. Waswill ich hier?

Ich bin bei der „Mannsein –Die Konferenz

zu Männlichkeit“, zwei Tage in den Tegeler

Seeterrassen, mit Vorträgen von Männertrainern,

Alltagsphilosophen, Flirtexperten,

alles Buchautoren; Diskussionen über

die Folgen traditioneller Männlichkeit, die

Notwenigkeit einer Aussöhnung mit dem eigenen

Vater,„Mutterchauvinismus“ in Erziehungsfragen,

männliche Körperkraft und

Seelenenergie. Im Bereich „Männerspielplatz“

wird Langhanteltraining angeboten,

es gibt meditative Gruppenübungen, um zu

lernen, wie man als moderner Mann in seiner

Mitte steht –dazwischen der Haka, der

hormonelle Höhepunkt am See.

Gefühlvolle Partner,verlässliche Väter

Mein Stand nach dem ersten Tag: Unsicherheit,

latentes Misstrauen –wozu braucht es

eine Männerkonferenz? Warum, denke ich,

sind hier Frauen unerwünscht? Haben Männer

in der Vergangenheit nicht zu oft nur an

sich gedacht? Sind wir uns nicht alle einig

darüber, dass Gleichberechtigung ein noch

lange nicht abgeschlossener Prozess ist, der

Dialogbereitschaft voraussetzt?

Doch das ist ein Ort, an dem Männer nur

aus Männersicht über Männersachen reden,

Männerdinge tun. Männer wollen hier unter

sich bleiben, eine Gemeinschaft aus Kerlen

sein, aber keine Konkurrenten. Die Konferenz

ist ein „Kräftemessen ohne Schwanzvergleich“,

heißt es zur Begrüßung.

Um Missverständnissen vorzubeugen:

Diemeisten Männer hier haben nichts gegen

Frauen, sie sind keine Antifeministen. Sie

wollen gefühlvolle Partner sein, verlässliche

Väter, aufmerksame Kollegen. Sie sind jung,

alt, in der Mehrheit weiß, sie sind hetero,

schwul, mindestens einer lebt in einer hierarchisch

polyamorösen Beziehung. Da sind

Manager, Studenten, die Nachbarn von neben

an, einer leugnet die Erderwärmung, ein

anderer will den Kapitalismus abschaffen.

Im Konferenzsaal ziehen diese Männer

ihreemotionalen Rüstungen aus,zeigen sich

verletzlich, wollen Rat, Verständnis, dazu

brauchen sie diese Mischung aus Schutzraum

und Steinzeithöhle,ihr Männerland.

Wasdie Teilnehmer eint, ist ein Beharren

auf biologische Geschlechterunterschiede,

die von den kulturellen überwogen werden;

dazu eine Verlustangst, dass Männlichkeit

abgeschaltet werden könnte wie ein Kohlekraftwerk.

Weil sie als rückständig gilt, toxisch,

schädlich für die Gesellschaft.

Vierhundert Männer bekommen hier

praktische Lebenshilfen („Redet endlich

über eure Probleme“), hören Erfahrungsberichte

(„Fremde Frauen trauen mir nicht zu,

mein Kind richtig herum in den Kinderwagen

zu legen“), manches ist gekoppelt an politische

Forderungen („Wir brauchen mehr

männliche Erzieher“) und immer wieder

gibt es subtile Einladungen, an Spiritualität

zu glauben, an das innere Kind, die vier Archetypen

des Mannes: König, Krieger, Magier,

Liebhaber. „Wir wagen es“, hatte John

Aigner bei seiner Eröffnungsrede gesagt,„die

Vielfalt einzuladen.“ Und:„Lasst uns Männer

sein, die ganz Mensch sind.“

Aigner macht Männerarbeit, er ist Männercoach,

Mentor, Typ großer Bruder, kinderlos.

Erhat die MALEvolution mitgegründet,

die Dachorganisation der Männerkonferenz;

es ist die größte in Europa, in diesem

Sommer findet sie zum sechsten Mal statt,

beim ersten Malkamen sechzig Teilnehmer.

Aigner war mal ein gefragter Modefotograf,

GQ, Elle, Bunte, erhatte einen Auftritt

bei „Germany’s Next Topmodel“, Fotografie,

Männerland

„Am männlichsten fühle ich mich, wenn ich Klarheit habe, das Gefühl von Weitblick“: John Aigner,Männercoach

John Aigner ist Männercoach und veranstaltet jährlich eine

Männlichkeitskonferenz in Berlin. Die meisten Teilnehmer wollen

gefühlvolle Partner sein, verlässliche Väter und aufmerksame Kollegen.

Und einige gehen mit ihm in den Wald, sitzen trommelnd am Lagerfeuer,

um das Wilde in sich zu entdecken. Bloß Machokram?Vielleicht ja nicht

VonPaul Linke

sagt er, sei Kommunikation und Realitätsflucht

gewesen. DieRealität änderte sich, als

ein Auto ihn erfasste: Schädelhirntrauma,

fünf Wochen Koma, Überführung von Los

Angeles nach Berlin, wo er seit fünfzehn Jahren

lebt. „Eigentlich“, sagt Aigner bei unserem

ersten Treffen, „war ich tot.“ Der Unfall

war eine ArtInitiation, so sieht er das,ein ritueller

Übergang in ein zweites Leben. Er

habe dadurch mehr gewonnen als verloren.

„Ich bin jetzt in der Bonusrunde.“

Aigner hatte schon vorher beschlossen,

sein Alter nicht mehr in Jahren zu messen. Er

sieht aus wie Mitte vierzig, mag Jeanshemden.

Wann er sich am männlichsten fühlt?

„Wenn ich Klarheit habe, das Gefühl von

Weitblick.Wenn ich bewusst und gelassen einen

Schritt vorden anderen setzen kann.“

Aigner war immer da, wenn ein Mann mit

ihm reden wollte. Freunde und Bekannte

vertrauten ihm beim Bier ihre Sorgen an,

sprachen über Beziehungsprobleme, Kränkungen,

sexuelle Frustration, dieinnereZerrissenheit

zwischen Arbeit und Familie, abwesende

Väter. Aigner spricht von „Funksprüchen

aus der Männerwelt“, die er abhörte,

sammelte, inihnen Muster erkannte,

diese mit den eigenen Erfahrungen verknüpfte:

Vaterkonflikt, kaum männliche

Mentoren, Sehnsucht nach Gemeinschaft,

Grenzerfahrungen, der Natur.

Aigner las Bücher, die an seine Ausbildung

zum Jugendgruppenleiter andockten,

sein Studium der Sexualwissenschaft und

Psychologie vertieften.

„Cosmic Sex“, fünf Tage, 850 Euro

Er entwickelte eine Therapietechnik, die er

Male Depth nannte,die sich mit der Tiefe der

Männlichkeit beschäftigt, einen archaischen

Kern herausschält und Männer mit der„ganzenBandbreite

der Gefühle“ vertraut macht;

Aigner begann als Männercoach zu arbeiten.

Im Grunde kann das jeder.Coaching ist kein

geschützter Begriff, es gibt über zwanzig Berufsverbände.

Esist eine boomende Branche,

mit Männerproblemen kann man Geld

verdienen. Die Angebote heißen „Ein anderes

Mannsein ist möglich“ oder „Einfach

Mannsein“.

Wochenendseminare kosten ein paar

Hundert Euro. Aigner sagt: „Männer wählen

BENJAMIN PRITZKULEIT

mich aus, weil sie das Gefühl haben, dass es

da etwas gibt, das sie brauchen, das sie bei

mir lernen können.“ Auf seiner Homepage

mannsvolk.de heißt es: „Diese praxiserprobten

Methoden helfen Dirsehr effektiv dabei,

DEINE individuelle Männlichkeit zu entdecken,

zu stärken und erfolgreich für Deine

Ziele und Wünsche einzusetzen.“

Aigner bietet Einzelcoachings an, die ein

Jahr dauernkönnen, und SeminareinBerlin,

die „Ketten sprengen“ (drei Tage für 349

Euro) oder „Cosmic Sex“ (fünf Tage für 850

Euro) heißen; es geht um emotionale

Hemmschwellen oder heilsame Masturbation.

Manmussschon sehr empfänglich sein

für Aigners Botschaften, muss im spirituellen

Sinn wachsen wollen, Schatten bekämpfen,

Energiefelder erkennen. Männlichkeit

ist für Aigner wie eine Trumpfkarte, die es

auszureizen gilt.

Immer im Dezember fährt Aigner mit einer

Männergruppe nach Thailand: reden,

zuhören, klettern, schwimmen, Feuer machen,

Motorrad fahren, ringen am Strand.

„Der Ausgangspunkt ist“, sagt Aigner, „wir

sind Männer, wir sind froh darüber, wir feiern

das Mannsein und fragen uns: Welche

Chancen liegen darin?“ Seine Formel: erfülltes

Mannsein =Menschsein +Selbstliebe +

maskuline Qualitäten wie Wagemut oder Risikobereitschaft.

Aigners Männer retten erst

das Kind aus dem brennenden Haus und

werden dann emotional.

Erfüllte Männer sind empathisch, so sieht

Aigner das, ein Gewinn für alle zwischenmenschlichen

Beziehungen. Die Spaltung

der Gesellschaft verortet er nicht zwischen

Männern und Frauen, sondern zwischen

Männernund Frauen, die ihreGeschlechterrollen

nicht reflektieren, nicht widersprechen,

wenn es heißt: So isser,der Mann.

DieMännlichkeitsskala, denke ich, reicht

nicht mehr vom Macho bis Softie, beides

schließt sich nicht aus.Aigners Männer wollen

weinen und wüten zugleich. Undsie wollen

nicht als überforderte Trottel verspottet,

diskriminiert werden wie in diesem Edeka-

Werbespot zum Muttertag, als ein Kind sagt:

„Danke Mama, dass du nicht Papa bist.“

Die Konferenzidee entstand im Wald, irgendwo

in Brandenburg, vor neun Jahren:

zehn Tage, vierzig Männer, die an einem Lagerfeuer

saßen, der Tantralehrer neben dem

Mechaniker, weit weg vom Alltag, der Bequemlichkeit.

Sie erzählten sich aus ihren

Leben, teilten ihre Männergeschichten, das

Trommeln war wie ein Pulsschlag, der sie

verband. Aigner sagt: „Das war der Urknall.“

Im Wald hätten sie gemerkt, dass da etwas

in ihnen steckt, etwas Wildes, Archaisches,

das freigelassen, ausgelebt werden möchte,

dass sie Fragen haben. „Wie ist das jetzt“,

sagt Aigner,„ein Mann zu sein? Wasfür Männer

wollen wir in Zukunft sein?“ Sie hatten

keine einfachen Antworten, aber sie wollten

darüber reden. Unter Männern.

Abgeschiedenheit und Ausgrenzung sind

zwei Möglichkeiten, sich selbst zu definieren,

und eine Männermode, nachdem der

amerikanische Lyriker RobertBly vordreißig

Jahren Grimms „Eisenhans“ in eine Bestsellerparabel

der Mannwerdung verwandelt

hatte. Aus dem Märchenstoff leitete Bly vier

Archetypen des Mannes ab, erkannte einen

„primitiven, haarigen“ Kern. Das Buch löste

eine Bewegung aus, Männer zogen sich

trommelnd und meditierend in die Wälder

zurück, um ihreMännlichkeit zu vermessen.

Sie erfanden neue Initiationsriten, bestanden

alte Mutproben, schlüpften in Handschuhe

mit Feuerameisen. Männer fühlten

sich auf einmal als eine in ihrem Wesen unterdrückte

Minderheit, einige wurden zu

frauenfeindlichen Männerrechtsaktivisten.

Freundschaften für zwei Stunden

Aigner organisiert Eisenhanscamps, man

kann sie nur auf Empfehlung buchen. Teilnehmer

schweigen über die Inhalte. Man

müsse,sagen sie,esschon selbst erleben. Auf

Aigners Homepage findet man Blys „Eisenhans“

unter der Rubrik„Einflüsse,Lehrer,Inspiration“,

darunter einen „Leitfaden zum

spirituellen Erwachen“, ein Buch mit dem

Untertitel „Orgasmus als ResetimGehirn“.

Beiunserem dritten Treffen begrüßt mich

Aigner wie einen alten Freund.Wirumarmen

uns, vier, fünf, sechs Sekunden lang. Seine

Männer tun das auch mal eine Minute lang,

sie streicheln sich gegenseitig über den Rücken,

reden oder ringen miteinander, nehmen

sich in den Armoderinden Würgegriff,

sie geben sich Halt oder eine Massage. Wie

beim Männerpicknick im Tiergarten.

An einem Abend im August sitzen dreißig

Männer auf Decken, haben Bier, Weintrauben,

Selbstgebackenes aus Blätterteig mitgebracht,

niemand rührt meine Chips an. Einmal

im Monat kommen sie zusammen. Aigner

nennt das Sozialabgleich. Im Betreff seiner

Einladung, die an fünfhundert Männer

herausging, stand: „Weil du ein Mann bist.“

Zur Begrüßung sagt Aigner:„Das ist eine

unmoderierte Sachehier,eshängt vondir ab,

ob du Hallo sagst und Männergespräche

führst, die vielleicht etwas tiefer gehen, als

du es sonst gewohnt bist ausdeinemLeben.“

Unddann redenwir.

Über Sorgen, Ängste, Autos, Männerhandtaschen.

Fremde werden vertraut, es

entstehen Freundschaften für einen Abend.

Ein Mann Ende vierzig erzählt mir von seinemKinderwunsch,

über seine Unfähigkeit,

in Beziehungen die Balance zwischen Nähe

und Distanz zu wahren. „Danke“, sagt er,

„dass du mirzuhörst.“

Männerarbeit, dachte ich, dasist Stahlkochen

oder Presslufthämmern. Als ich das

Picknick nach zwei Stunden verlasse, weiß

ich: Es istein Gesprächsangebot für Männer,

die gelernt haben zu schweigen, Dinge zu ertragen,

aus Angst, Schwäche zu zeigen, zu

scheitern aneiner gesellschaftlichen Erwartungshaltung,

an sich selbst.

Paul Linke

hat sich vorgenommen, ein paar alte

Männerfreunde anzurufen.


4* Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Trump bricht Verhandlungen

mit den Taliban ab

DieFriedensverhandlungen der USA

mit den radikalislamischen Taliban

sind offenbar kurzvor der Unterzeichnung

eines möglichen Abkommens

gescheitert. US-Präsident Donald

Trump hat die Gespräche am

Sonnabend via Twitter überraschend

für beendet erklärt. Einfür

Sonntag geplantes Geheimtreffen in

Camp David mit Taliban-Anführern

und dem afghanischen Präsidenten

Aschraf Ghani habe er abgesagt. Er

begründete dies mit dem jüngsten

Taliban-Anschlag in Kabul, bei dem

ein US-Soldat starb. (AFP)

Athen ruft EU zur Aufnahme

von Kindernauf

Griechenland hat die EU-Staaten

aufgerufen, minderjährige Migranten

aus den Registrierlagernauf den

Inseln der Ägäis aufzunehmen. Dort

sind zurzeit mehr als 24 000 Menschen

untergebracht. Rund 40 Prozent

sind laut UN-Organisationen

Minderjährige.„Es kann nicht sein,

dass ein Land sich weigert, 50 oder

100 Kinder aufzunehmen“, sagte Regierungschef

Kyriakos Mitsotakis im

Staatsfernsehen (ERT).Von Samstagmorgen

bis Sonntagmittag setzten

der griechischen Küstenwache

zufolge 332 Migranten zu den Inseln,

Rhodos,Kalymnos,Samos,Farmakonisi

und Lesbos über. (dpa)

Regionalwahlen in Russland

als Stimmungstest für Putin

Nach den Protesten gegen den Ausschluss

Dutzender Oppositioneller

haben die Russen neue Regionalparlamente

gewählt. Insgesamt gibt es

Abstimmungen in allen 85 Regionen

Russlands.Sie gelten als wichtiger

Stimmungstest für KremlchefWladimir

Putin und die Regierungspartei

Geeintes Russland. Umfragen hatten

für die Kremlpartei massiveVerluste

vorhergesagt. Im Vorfeld gab es für

die Stadtratswahl in Moskau die

größte Aufmerksamkeit. Nach Ausschluss

vieler Oppositioneller kam

es zu massiven Protesten und Tausenden

Festnahmen. (dpa)

Indien versucht seine erste

Landung auf dem Mond

Eine Aufnahme vom 6. August zeigt „Vikram“

vor der geplanten Landung. AFP

Indien wollte erreichen, was erst drei

Länderngelang: eine kontrollierte

Landung auf dem Mond. Doch nach

einem Versuch in der Nacht zum

Sonnabend ist ungewiss,obdas Landemodul

„Vikram“ beim Aufsetzen

unbeschädigt blieb.Zwar war „Vikram“

auf der Mondoberfläche lokalisiertworden.

DieVerbindung war

aber bereits am Freitag abgerissen,

teilte ein Sprecher der indischen

Raumfahrtbehörde Isro mit. (dpa)

Aktivist vor Reise nach

Deutschland festgenommen

Derbekannte Hongkonger Aktivist

Joshua Wong ist erneut vonder Polizeifestgenommen

worden. Wie

Wong über seinen Anwalt mitteilen

ließ, wurde er am Flughafen festgesetzt.

Wiedie Bild-Zeitung berichtet,

war er auf dem Wegnach Deutschland,

wo er zu einem Fest im Dachgarten-Restaurant

des Bundestags

eingeladen war. (dpa)

Überraschung geglückt

Plötzlich zurück: Cem Özdemir tritt gemeinsam mit Kirsten Kappert-Gonther gegen die Fraktionschefs an

VonMarkus Decker

Bei den Grünen sind sie jetzt

doch alle ziemlich aus dem

Häuschen. Die neueste

Nachricht sei „überraschend“,

heißt es aus der Bundestagsfraktion.

Und dass man das

„erstmal sortieren“ müsse. Die

Nachricht lautet, dass die amtierenden

Fraktionsvorsitzenden Katrin

Göring-Eckardt und Anton Hofreiter

bei der Neuwahl des Fraktionsvorstandes

am 24. September zwei Gegenkandidaten

bekommen – den

sehr bekannten ehemaligen Parteivorsitzenden

CemÖzdemir,der dem

realpolitischen Flügel angehört, und

die bis dato nahezu unbekannte

Linke Kirsten Kappert-Gonther aus

Bremen, die erst 2017 in den Bundestag

einzog.

Beide warfen am Samstagabend

mit einem Bewerbungsschreiben

ihreHüte in den Ring –als Duo. Manche

Grüne nennen das „chancenlos“,

andere schließen eine neue

„Dynamik“ nicht aus.

Zuletzt hatte in der Ökopartei alles

noch sehr harmonisch ausgesehen.

Erst am Freitag ging in Weimar

die Klausurtagung der 67-köpfigen

Fraktion zu Ende. Göring-Eckardt

und Hofreiter beschlossen die Klausur

mit einer Pressekonferenz, bei

der sie auf die gute Stimmung in den

eigenen Reihen verwiesen sowie auf

die Konzepte, die dort erarbeitet

würden.

Hofreiter fehlt rhetorisches Talent

Hinter den Kulissen konnte man

aber auch andere Stimmen hören.

Kritiker sagen, es gebe zu wenig Führung.

Sei diese unter Renate Künast

und Jürgen Trittin einst zu straff gewesen,

sei nun das Gegenteil der Fall.

Über die äußerst erfahrene Realpolitikerin

Göring-Eckardt, die stets souverän

wirkt, heißt es gelegentlich,

dass sie inhaltlich zu selten für etwas

kämpfe. Dem Linken Hofreiter werden

seine rhetorischen Grenzen zur

Last gelegt. Unzufriedene verweisen

auf die Parteivorsitzenden Annalena

Baerbock und Robert Habeck, die

neuen Schwung gebracht hätten.

Motto: Daswollen wir auch.

Bei der letzten Fraktionsvorstandswahl

bekamen Göring-

Eckardt und Hofreiter nur zwei Drittel

der Stimmen –ohne Gegenkandidaten.

Unterstützer sagen freilich:

„Sie sind zuverlässig und persönlich

integer.Und man weiß, was man hat.

Dasist ja auch schon was.“

Bei Özdemir verhält es sich mit

der Bewertung zuweilen umgekehrt.

Er kandidiert–und sorgt damit für eine Dynamik, mit der niemand rechnete.

Cem Özdemirs Gegner

in der Partei sagen über ihn:

„Ein Teamplayer

ist er nicht.“

IMAGO/ZUMA PRESS

Reime gegen die Repression

Er gilt als rhetorisch versiert. Zudem

hat der 53-Jährige den Grünen zehn

Jahre lang vorgesessen und dabei

jene Öffnung zur Mitte betrieben,

die heute Früchte trägt. Özdemirs

Gegner sagen aber:„EinTeamplayer

ist er nicht.“ Überdies habe er ja

selbst auf eine weitere Kandidatur

für den Parteivorsitz verzichtet. Ein

prominenter Grüner spricht vonTragik.

Nach dem Scheiternder Gespräche

für eine Jamaika-Koalition nach

der Bundestagswahl wurde erVorsitzender

des Verkehrsausschusses im

Bundestag und trat damit politisch

in die zweite Reihe.

Fachlich versiertund freundlich

Nun suchte Özdemir eine Frau vom

linken Flügel, um mit ihr gemeinsam

das amtierende Spitzen-Duo herauszufordern

– anfangs erfolglos.

Dem Vernehmen nach haben Agnieszka

Brugger und Katharina

Dröge ihm einen Korb gegeben. Kappert-Gonther

ebnet ihm nun den

Weg. Die52-Jährige ist Fachärztin für

Psychiatrie und Psychotherapie und

in der Fraktion Sprecherin für Drogenpolitik

und Gesundheitsförderung.

Siegilt als fachlich versiertund

freundlich. Neuerdings muss sie

auch als mutig gelten. Ihre Kandidatur

war selbst mit dem linken Fraktionsflügel

nicht abgesprochen.

„Wir sind überzeugt davon, dass

ein fairer Wettbewerb der Fraktion

gut tut –nach außen wie nach innen“,

schrieben Özdemir und Kappert-Gonther

am Samstag in ihrer

Bewerbung. Bis zur Bundestagswahl

gehe es darum, „mit neuem

Schwung der Gegenpol einer

schwachen Regierung zu sein“. Die

beiden stellen klar, dass sie für den

nächsten Bundestagswahlkampf

keine Spitzenkandidatur anstreben.

Dafür gelten Baerbock und

Habeck als gesetzt.

Göring-Eckardt erwiderte am

Sonntag: „Auswahl ist immer gut.“

Sie führe die Fraktion mit Hofreiter

„aus der Mitte heraus“ und wolle das

„gerne fortsetzen“. Hofreiter erklärte:

„Demokratie lebt und profitiert

von unterschiedlichen Angeboten

und der Möglichkeit zur Auswahl.“

Er betonte die Bedeutung von

„Zusammenhalt“ und „Ausgleich“.

Darauf komme es auch künftig an.

Am 24. September wird zunächst

der Frauenplatz vergeben.

Es messen sich also Göring-

Eckardt und Kappert-Gonther. Anschließend

dürfte es zum Duell

Hofreiter gegen Özdemir kommen.

Der Ausgang gilt als offen –wenn

auch vielleicht nicht ganz.

Türkische Rapper veröffentlichen Protestsongs gegen die Polizeigewalt und Korruption –und rütteln damit das Land auf

VonFrank Nordhausen

Esist, als ob ein Wirbelsturm die

türkische Jugend erfasst, jedenfalls

aufYoutube.ZweiVideos der berühmtesten

türkischen Rapper wurden

seit Freitag viele Millionen Mal

angeschaut und in den sozialen Medien

der Türkei diskutiert. Offenbar

erkennt sich eine „schweigende

Mehrheit“ von Jugendlichen in den

Protestsongs wieder, mit denen die

Rap-Idole die Repression im Land

anprangern und erklären, dass sie

nicht länger still sein werden. „Musik

kann etwas verändern“, singen sie.

Die Hashtags mit den Video-Titeln

#Susamam (Ich kann nicht schweigen)

und #Olay (Ereignis) schnellten

an die Spitze der türkischen Twittercharts,

die Lieder dröhnten aus vielen

Autos in Istanbul.

„Ich wuchs apolitisch auf, hab

niemals gewählt, hab über Urlaub,

Reisen und Schulden nachgedacht“,

singt der türkische Rapper Sarp Palaur,bekannt

unter seinem Künstlernamen

Saniser, der für „Susamam“

17 weitere Musiker zusammenbrachte.

„Dann starb die Gerechtigkeit,

doch ich blieb still und machte

mit. Jetzt habe ich Angst, überhaupt

zu twittern. “ Seine grimmige Anklage

handelt von Unschuldigen im

Gefängnis und korrupten Abgeordneten,

die sich zu Lasten der Armen

bereichern. „Wenn sie dich

eines Nachts zu Unrecht

ins Gefängnis werfen, wirst

du nicht einmal einen

Journalisten finden, der

darüber berichtet. Denn

sie sind alle eingesperrt.“

Der 32-Jährige und

seine Mitstreiter haben

mit „Susanam“ einen hypnotischen

15-Minuten-

Track geschaffen, in dem

sie die schlimmsten Probleme des

Landes abhandeln, vonder Umweltzerstörung

über die Morde an

Frauen, die Polizeigewalt bis zur allgegenwärtigen

Korruption, Gewalt

und Zensur.Der Name vonPräsident

Recep Tayyip Erdogan wird allerdings

nicht erwähnt. Das Video

wurde bis Sonntagnachmittag 13

Millionen Malaufgerufen.

Ebenfalls am Freitag veröffentlichte

auch der linke türkische Star-

Rapper Ömer Sercan Ipekcioglu,

Künstlername Ezhel, sein Video

„Olay“, eine wütende Anklage des

Staates mit schnell geschnittenen

Filmbildern aus der jüngsten Geschichte.

Die Clips zeigen

Massenproteste und Polizeigewalt

während der

Gezi-Unruhen von 2013,

aber auch das Grubenunglück

von Soma 2014 oder

den Terroranschlag von

SCREENSHOT YOUTUBE

Ankara 2015 gegen Friedensdemonstranten.

SarpPalaur,bekannt

als Saniser scheut sich nicht, auf den-

Der 29-jährige Ezhel

jenigen zu verweisen, den

er für schuldig hält. Immer wieder

gerät Präsident Erdogan ins Bild. Der

Song schildert die Türkei als Polizeistaat.

„Es gibt keinen Grund, kein

Psychopath zu sein – also stehlt“,

rappt Ezhel, während das Video Erdogans

Prunkpalast in Ankara heranzoomt.

Sein Clip wurde bis Sonntagnachmittag

4,1 Millionen Malangeschaut.

„Die Gezi-Bewegung war ein kulturellerWiderstand

gegen die staatliche

Repression, der nicht geschwächt

ist und gerade mit neuem

Schwung zurückkehrt“, sagt dazu

Yavuz Baydar,Chefredakteur der unabhängigen

exiltürkischen Nachrichtenseite

Ahvalnews. „Vor allem

seit dem Sieg der Opposition in den

Kommunalwahlen in Istanbul meldet

sich die oppositionelle Jugend

wieder zu Wort.“

Vage Distanzierung

In den sozialen Medien wurden die

Rebellen-Rapper für ihren Mut gelobt.

DemMusiker Saniser ist der Erfolg

offenbar inzwischen unheimlich

geworden. Am Sonntag erklärte er in

einem neuen Youtube-Video,dass er

und seine Mitstreiter nicht zu einer

bestimmten politischen Richtung

gehörten, sondern einfach gesellschaftliche

Probleme anprangern

wollten. Im „Susamam“-Text hört

sich das allerdings anders an. Darin

fordert der Rapper Fuat: „Retweeten

reicht nicht. Es muss etwas getan

werden!“.

„Ich

bin

fassungslos“

WieCDU, SPD und FDP

einen NPD-Mann wählten

VonDaniela Vates und Thoralf Cleven

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak

hält die Wahl eines NPD-

Funktionärs zum Ortsvorsteher im

hessischen Altenstadt für nicht hinnehmbar.„Ich

bin absolut fassungslos“,

sagte Ziemiak dem

Redaktionsnetzwerk Deutschland

(RND). „Das ist für mich nicht hinnehmbar

und muss vor Ort korrigiertwerden.“

Waswar passiert? Der Ortsbeirat

der hessischen 12 000-Einwohner-

Gemeinde hat einen Funktionär der

rechtsextremen NPD einstimmig

zum Ortsvorsteher gewählt. Alle sieben

anwesenden Ortsbeiratsmitglieder

von Altenstadt-Waldsiedlung,

darunter Vertreter von CDU, SPD

und FDP, hatten sich Donnerstagabend

für den stellvertretenden

NPD-Landesvorsitzenden Stefan

Jagsch als Vorsteher ausgesprochen.

Zwei Abgeordnete von SPD und

CDU waren bei der Abstimmung

nicht anwesend.

CDU-Generalsekretär Ziemiak

steht mit seinem Entsetzen nicht allein.

SPD-Generalsekretär Lars

Klingbeil forderte, die Wahl wieder

aufzuheben. „Die SPD hat eine ganz

klareHaltung: Wirkooperieren nicht

mit Nazis! Niemals!“, schrieb Klingbeil

auf Twitter.„DieEntscheidung in

Altenstadt ist unfassbar und mit

nichts zu rechtfertigen. Sie muss sofortrückgängig

gemacht werden.“

Verteidigungsstaatssekretär Peter

Tauber (CDU), zu dessen Wahlkreis

der Ort gehört, drohte mit Konsequenzen.

„Wem der politische und

moralische Kompass fehlt und (wer)

als Demokrat eine solch verantwortungslose

Wahlentscheidung trifft,

ist in der CDU und auf einer CDU-

Wahlliste untragbar“, twitterte er.

Gewählt als Ortsvorsteher im hessischen

Altenstadt: Stefan Jagsch von der NPD. DPA

Der Parlamentsgeschäftsführer

der FDP im Bundestag, Marco

Buschmann, nannte dieWahl in dem

Internetdienst „doppelt schlimm:

erstens,dass Demokraten so jemanden

wählen; zweitens, dass kein demokratischer

Kandidat bereit stand,

um die Aufgabe zu übernehmen“.

Bei der Kommunalwahl in Altenstadt

2016 hatte die NPD zehn Prozent

geholt und lag damit vor der

FDP (7 Prozent). Der CDU-Vertreter

Norbert Szielasko, der Jagsch jetzt

mitgewählt hatte, sagte dem Hessischen

Rundfunk: „Wir sind völlig

parteiunabhängig im Ortsbeirat“.

Er betonte, dass der Posten bereits

seit einigen Wochen unbesetzt

gewesen sei.

Warum Jagsch gewählt wurde?

„Da wir keinen anderen haben –vor

allem keinen Jüngeren, der sich mit

Computernauskennt, der Mails verschicken

kann.“ Szielasko sagte weiter:„Waserinder

Partei macht oder

privat, dass ist nicht mein Ding,

nicht unser Ding.“ Im Ortsbeirat verhalte

er sich „absolut kollegial und

ruhig“.

Der 33Jahre alte Jagsch war bereits

2016 in die Schlagzeilen geraten.

Damals war er mit einem Wagen

gegen einen Baum gefahren und

schwer verletzt worden. Zwei syrische

Asylbewerber hatten den

Rechtsextremisten aus seinem Autowrack

gerettet.


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 5· ·

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Politik

„Helden gegen Kanonenfutter“

Russland und die Ukraine tauschen nach wochenlangen Verhandlungen ihre Gefangenen aus: 35 Menschen kommen frei

VonStefan Scholl, Moskau

„Ruhm den Helden“, skandierte die Menge auf der Rollbahn in Kiew.

Die Tür des An-148-Jets

war noch geschlossen,

da riefen die Leute draußen

auf der Rollbahn

schon die Maidan-Parole von 2014:

„Ruhm den Helden!“ Dann kletterten

zellenblasse Leute aus dem Flugzeug

auf dem Kiewer Flughafen Borispol,

in Trainingsanzügen und T-

Shirts. Der Erste, der sie umarmte,

war der ukrainische Präsident Wolodymir

Selenski, danach stürzten sich

Mütter, Frauen, Töchter auf die

Männer,ein freudiger Tumult, einige

der Frauen umhalsten auch Selenski.

Der wirkte, als sei er selbst den Tränen

nahe.

Nach wochenlangen Verhandlungen

haben am Sonnabend Russland

und die Ukraine ihren lang angekündigten

Gefangenenaustausch

verwirklicht. Jeweils 35 Menschen

kamen frei, darunter auf beiden Seiten

heftig umstrittene Kandidaten.

Aber Gewinner des Tages war Selenski.

„Wenn der Staat für seine Bürger

einsteht“, lobt der ukrainische PR-

Fachmann Alexander Smirnow auf

dem Wirtschaftsportal liga.net, „ist

das ein Anlass,stolz zu sein.“

Auf dem russischen Flughafen

Moskau-Wnukowo klatschten ein

paar Journalisten kurz, als die ersten

Freigelassenen schwere Plastiktaschen

die Gangway des TU-204-

Flugzeugs hinab trugen. Keine

Frauen mit Blumen liefen ihnen entgegen,

kein Regierungsvertreter

schüttelte ihnen die Hand. Ein kühlerer

Empfang als in Borispol. „Kiew

hat seine Helden heimgeholt“, kommentiert

die ukrainische Internetzeitung

Liwi Bereg bissig, „Moskau

sein namenloses Kanonenfutter.“

Auf ukrainischer Seite kamen der

Filmregisseur Oleh Senzow frei, der in

Russland als Terrorist zu 20 Jahren

Haft verurteilt worden war,weitereals

Spione oder Terroristen einsitzende

Ukrainer, sowie 24 Seeleute, die die

russische Marine im SchwarzenMeer

gefangen genommen hatte. Unter

den 35 Freigelassenen auf der Gegenseite

war KirilWyschinski der Prominenteste,

der Chef der russisch kontrollierten

Nachrichtenagentur RIA

Nowosti Ukraina stand in Kiew als

mutmaßlicher Landesverräter vor

Gericht.

Mitihm flogen 21 weitereukrainische

Staatsbürger, sowie 12 Russen

und ein Moldawier nach Moskau.

Auch sie waren in der Ukraine zum

großen Teil als Spione oder Terroristen

verurteilt worden, mehrerehatten

im Donbas für die prorussischen

Separatisten gekämpft. Darunter

Wladimir Zemach, ehemaliger Kommandeur

der Rebellen-Flugabwehr

in der Separatistenstadt Snischne.

Seine Übergabe war in der Ukraine

heftig diskutiert worden, weil er als

möglicher Zeuge für den Abschuss

des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 im

Juli 2014 gilt.

Aber mit den früheren ukrainischen

Tschetschenienkämpfern Stanislaw

Klych und Mykola Karpjuk

und vor allem mit dem international

bekannten Senzow entließ auch der

Kreml vorher unter großem Propagandaaufwand

zu 20-Jahres-Strafen

verurteilte Feindprominenz. Die

Moskauer Zeitung Kommersant hatte

alle russischen Kandidaten als „Abtauschäquivalent

für Oleg Senzow“

betitelt.

AFP

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel

Macron begrüßte per Twitter

SenzowsFreilassung:„Wir waren immer

auf seiner Seite.“ Macron kündigte

an, Frankreich und Deutschland

wollten nun die Bemühungen

im Normandie-Format zur Realisierung

der Minsker Friedensvereinbarungen

von2015 aktivieren. Selenski

selbst erklärte, man werde jetzt auf

den Austausch aller Gefangenen

hinarbeiten und die Truppenentflechtung

an der Donbas-Front fortsetzen,

um ein Ende des Krieges zu

erreichen. Wladimir Putin gab keinen

öffentlichen Kommentar.

Nach Ansicht des Kiewer Politologen

Vadim Karasjew strebt Selenski

einen Gipfel im Normandie-Format

mit Macron, Merkel undPutin an,um

direkt mit dem russischen Staatschef

verhandeln zu können. „Selenski will

das Verhältnis zu Russland normalisieren,

er istdazuauchbereit, die politischen

Forderungen des Minsker

Friedensvertrages umzusetzen“,

sagte Karasjew. Entscheidend seien

dabei die Details, die Selenski aushandele,

umzuverhindern, dass der

Sonderstatus für das Donbas die Kontrolle

Russlands über die Region legalisiert.

Innenpolitisch habe Selenski

dabei freie Hand: „Nach diesem Gefangenenaustausch

ist seine Popularität

noch gestiegen.“

Stefan Scholl sah sehr

unterschiedliche Empfänge

auf den Flughäfen.

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6 Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Unternehmen befürchten

schlechtere Zahlungsmoral

Mitdem bevorstehenden Abschwung

der Konjunktur befürchten

viele Unternehmen auch eine nachlassende

Zahlungsmoral. Rund

24 Prozent der Unternehmen stellen

sich für die kommenden beiden Jahre

darauf ein, dass ihreKunden

Rechnungen später begleichen und

Zahlungsfristen überschreiten, heißt

es in einer Studie im Auftrag des

Hamburger Finanzdienstleisters

EOS. Voreinem Jahr seien lediglich

18 Prozent so pessimistisch gewesen.

Einnegativer Konjunkturtrend

werdesoverstärkt.Bislang zahlen

deutsche Kunden so pünktlich wie

seit Langem nicht: 86 Prozent aller

Rechnungen werden fristgerecht bezahlt.

(dpa)

Habeck fordert Ausschluss

von Huawei bei Netzaufbau

Derchinesische Technologiekonzern

Huawei sollte nach Überzeugung

vonGrünen-ChefRobertHabeck

nicht am Aufbau des neuen

5G-Mobilfunknetzes in Deutschland

teilnehmen. Stattdessen sollten

europäische Firmen den Zuschlag

erhalten. „Wir sollten da dem Beispiel

der australischen Regierung

folgen; sie hat Huawei nicht zugelassen.

Nokia und Ericsson sollten das

machen“, sagte Habeck der „Welt

am Sonntag“. So könne eigenes

europäisches Know-howentstehen.

„Wenn wir chinesische Technik benutzen

und Peking würde irgendwann

entscheiden, über sie gegen

unsereInteressen zu agieren, sind

wir geliefert.“ (dpa)

Rekordbesuch bei

Caravan-Messe

Campersind derzeit gefragtwie nie.

DieFreizeitmesse CaravanSalon ist

in Düsseldorfvon 268000 Menschen

besucht worden. Mitdieser Rekordzahl

sei die Messe die besucherstärkste

Freizeit- und Urlaubsmesse

Europas,teiltedie Messegesellschaft

am Sonntag mit. DieCaravan-Branche

erlebt seit Jahren einen Boom.

Insgesamt präsentierten 645 Aussteller

aus 31 LändernihreProdukte.

Auf mehr als 214000 Quadratmetern

wurden rund 2100 Wohnmobile und

Wohnwagen gezeigt. Zurzeitgleich

stattfindenden Wander-und Outdoormesse

TourNatur kamen den

Angaben nach 45000 Menschen.

(dpa)

Chinas Außenhandel

schwächelt im August

FOTO: RECH/IMAGO IMAGES

Wegen des Handelskriegs mit den

USA hat Chinas Außenhandel im

August Schwäche gezeigt. Während

die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft

im Jahresvergleich um ein

Prozent auf 214,8 Milliarden Dollar

sanken, gingen die Importe um

5,6 Prozent auf 180 Milliarden Dollar

zurück. Dasteiltedas Pekinger Statistikamt

am Sonntag mit. Besonders

groß fiel demnach das Minus

bei den Ausfuhren in die USA aus,

die um 16 Prozent auf noch

37,3 Milliarden Dollar schrumpften.

Beide Staaten haben sich mit hohen

Strafzöllen auf viele Warenüberzogen.

In den nächsten Wochen sollen

die unterbrochenen Verhandlungen

wieder aufgenommen werden. (dpa)

Strafzinsen auf Girokonten

Negativzinsen könnten bald auch Kleinsparer treffen. Einfach so einführen dürfen Banken sie aber nicht

Von Theresa Dräbing

Mittlerweile sind es weniger

als null Zinsen.

Immer mehr Finanzinstitute

sind dazu

übergegangen, auf einige Giro- oder

Tagesgeldkonten sogenannte Verwahrentgelte

zu erheben –besser bekannt

als Negativzinsen oder Strafzinsen.

Betroffene Kunden bekommen

also noch nicht einmal mehr

einen geringen Anteil an Zinsen auf

ihr Erspartes ausgezahlt, sondern

müssen dafür zahlen, dass sie Geld

bei der Bank parken.

Bislang betrifft das fast ausschließlich

Geschäftskunden oder

Privatkunden mit hohen Anlagebeträgen

ab 100000 Euro. Doch es ist

abzusehen, dass Banken in Zukunft

auch für kleinere Anlagebeträge solche

Gebühren verlangen werden. Die

Bundesregierung prüft bereits gesetzliche

Verbote.Dabei ist die Sache

schon jetzt rechtlich gar nicht so einfach–dieBankdarfnichtohneWeiteresNegativzinsen

erheben.

Wann sind Negativzinsen bei Privatkunden

rechtlich erlaubt?

Die Einführung von Negativzinsen

ist bei Bestandskunden nur möglich,

wenn die Bank mit dem Kunden

darüber eine individuelle Vereinbarung

getroffen hat. Und auch dann

handelt es sich rechtlich gesehen

nicht um Negativzinsen, sondernum

sogenannte Verwahrentgelte – die

Begriffewerdennurderzeithäufigsynonym

verwendet. „Eine Änderung

im Preisaushang ist im Übrigen nicht

ausreichend“, sagt Niels Nauhauser

vonder Verbraucherzentrale Baden-

Württemberg. Für die Einführung

von Verwahrentgelten muss ein Vertrag

geschlossen werden.

Die Bank darf außerdem keinen

Negativzins verlangen, wenn Verbraucher

bereits ein Entgelt für die

Kontoführung bezahlen. Dann würde

es sich um unzulässige Doppelbepreisung

handeln, erklärt die Verbraucherzentrale

Sachsen. Das gilt

auch bei Neukunden. Diese Regeln

gehen aus Urteilen des Landgerichts

Tübingen hervor(Az.4O187/17 und

Az.4O225/17).

„Insgesamt sehen wir die Einführung

von Verwahrentgelten sehr kritisch

und auch rechtlich bedenklich“,

sagt Kay Görner vom Team

Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale

Sachsen. Insbesondere

für Sparkassen und Genossenschaftsbanken

sei in Landesgesetzen

oder ihrer Satzung festgeschrieben,

dass sie den Spargedanken

der Bürger fördern. „Und der

kann nur gefördertwerden, wenn die

Bank positiveZinsen zahlt.“

Warum erheben überhaupt immer

mehr Banken Strafzinsen?

Banken selbst bekommen seit

2014 keine Zinsen mehr für ihreGuthaben

bei der Europäischen Zentralbank

(EZB) –imGegenteil: Sie müssen

dort 0,4 Prozent zahlen. Diese

Belastung wollen sie weitergeben.

Dass sich die Situation bald ändert,

KONTOWECHSEL BINNEN ZWÖLF TAGEN

Antrag: Nicht nur wenn die Bank Gebühren

erhebt, haben Verbraucher beim Kontowechsel

einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung

der Bank. Der Kunde stellt dazu bei

der neuen Bank schriftlich einen Antrag.Das

funktioniertper Formular in der Filiale oder

auf dem Onlinebanking-Portal.

kunft, sondern soschnell wie möglich“,

sagte Scheuer am Wochenende

in Berlin.

Dazu sollen Planung, Genehmigung

und Ausbau von 4G- und 5G-

Netzen beschleunigt sowie noch bestehende

Mobilfunklücken im 4G-

Netz geschlossen werden. Dafür seien

Hilfen in unwirtschaftlichen Regionen

nötig, und die Akzeptanz in

der Bevölkerung für weitere Mobilfunkmasten

müsse gestärkt werden.

Die Mobilfunkstrategie sieht

unter anderem „Weiße-Flecken-

Auktionen“ vor, die von Kritikern

schon lange gefordertwerden. Dabei

Abschluss: Die neue Bank muss bei der alten

eine Liste über Daueraufträge, Lastschriftmandate

und Überweisungen anfordern.

Die alte Bank muss dann das restliche

Guthaben aufs neue Konto überweisen und

das alte Konto schließen. Binnen zwölf Geschäftstagen

sollte der Wechsel erledigt sein.

Konzept gegen die Funklöcher

sollenbisherunversorgteGebietezusammengefasst

und ausgeschrieben

werden. Das Unternehmen, das den

geringsten Zuschussbedarf für eine

Erschließung hat, bekommt den Zuschlag

und Fördermittel.

Zudem sollen vermehrt öffentliche

Grundstücke für Sendeanlagen

bereitgestellt werden. „WokeinMast,

da kein Empfang“, sagte Scheuer.Die

Zahl geeigneter Standorte sei begrenzt.

Deshalb sollen Bund, Länder

und Kommunen „gegen ein moderates

Nutzungsentgelt“ Flächen aus

ihrem Bestand anbieten. Hierfür

würden Musterverträge erarbeitet.

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

ist nicht anzunehmen. Der negative

Einlagensatz könnte bei der nächsten

EZB-Sitzung am 12. September

sogar noch weiter gesenkt werden.

Welche Banken berechnen bereits Negativzinsen?

Nach einer Erhebung des Finanzportals

Biallo erheben 124 Geldhäuser

unter rund 1200 untersuchten

Banken und Sparkassen derzeit Negativzinsen.

Zum großen Teil sind

Geschäftskunden betroffen, aber

33 Banken und Sparkassen erheben

ein solches Verwahrentgelt auch von

Privatkunden. Darunter sind hauptsächlich

Sparkassen und Volksbanken

–jeweils auch die Berliner Regionalinstitute.

Fast alle geben den Negativzins

von 0,4 Prozent, den sie

selbst an die EZB zahlen müssen, in

gleicher Höhe weiter.Inder Regel gilt

das aber erst ab einem Anlagebetrag

vonmehrals 100000 Euro.Vereinzelt

ist die Höhe des Mindestanlagebetrages

nicht klar,dasich die Bank auf

individuelle Vereinbarungen beruft.

Beschwerden bei den Verbraucherzentralen

seien bislang aber nicht

eingegangen, sagt Görner.„Es istalso

auch möglich, dass es sich noch um

ein theoretisches Problem handelt,

dakaumjemand100000Euroaufseinem

Girokonto parkt.“

Müssen weitere Kunden mit Negativzinsen

rechnen?

Ja, aktuell klingt es danach. Der

Bundesverband der Deutschen

Volksbanken und Raiffeisenbanken

teilt mit: „Der Spielraum für die Institute

wird mit anhaltendem oder

eventuell durch die EZB sogar bald

verschärftem Negativzins für die

Banken immer geringer, sodass eine

weitereAusdehnung derbetroffenen

Kunden oder Produkte nicht ausgeschlossen

ist.“ DieEntscheidung darüber

treffe aber jedes Institut eigenständig.

Ähnliches war bereits vom

Deutschen Sparkassen- und Giroverband

zu hören.

Waskönnen Kunden dagegen tun?

Wenn die eigene Bank oder Sparkasse

Verwahrentgelte einführt,

muss sie mit dem Kunden eine Vereinbarung

schließen. „Der Verbraucher

muss eine solche Vereinbarung

aber nicht akzeptieren“, sagt Nauhauser.Errät,

mit dem Finanzinstitut

zu verhandeln oder im Zweifel die

Bank zu wechseln.

Dasschlägt auch MaxHerbst von

der FMH-Finanzberatung vor. „Es

wird nie so sein, dass alle Banken

gleichzeitig Strafzinsen für geringe

Beträge einführen. Kunden haben also

immer eine Ausweichmöglichkeit“,

sagt er.Aneinen Kontowechsel

sollten Kunden außerdem nicht nur

bei Einführung von Negativzinsen

denken –immer mehr Institute führen

Kontoführungsgebühren oder

andere Entgelte ein. „Insofern finde

ich es sogar gut, dass es Negativzinsen

auf hohe Anlagebeträge gibt“,

sagt Herbst. „Ansonsten würden sich

die Banken in einem noch höheren

Maßdas Geld über andereGebühren

bei Kleinsparernholen.“

Mit einem Fünf-Punkte-Planwill die Bundesregierung den Ausbau desBreitbandnetzes voranbringen

Von Holger Göpel

Während der Baudes neuen 5G-

Netzes gerade beginnt, sollen

endlich auch die Löcher im bestehenden

Mobilfunknetz geschlossen

werden. Am Freitag hatten die

Bundesregierung und die vier Netzbetreiber

bereits eine Vereinbarung

zum Ausbau geschlossen. Infrastrukturminister

Andreas Scheuer (CSU)

hat außerdem einen Fünf-Punkte-

Plan vorgelegt. „In unserem Land

muss unterbrechungsfreies Surfen

und Telefonieren selbstverständlich

werden –und zwar nicht in ferner Zu-

Auch soll der Bau neuer Handymasten

schneller genehmigt werden und

höchstens vier Monate dauern.

Scheuer setzt bei der flächendeckendenVersorgungaufZusammenarbeit

mit den Mobilfunkunternehmen.

Sie profitieren von der Vereinbarung

durch Ratenzahlung bei den

teuren 5G-Lizenzen. DerFünf-Punkte-Plan

sieht allerdings auch deutlich

höhere Bußgelder beim Verstoß

gegen Versorgungsauflagen aus der

Frequenzvergabe vor –statt derzeit

bis zu 100000 Euro dann bis zu einer

Million Euro oderbis zu 2Prozent des

Jahresumsatzes. (dpa)

Vorbehalte

gegen die

Autozukunft

Die Mehrheit hält bisher

wenig vomE-Auto

Von Stefan Winter

Inden nächsten Tagen präsentiert

die Industrie auf der IAA in Frankfurt

die Zukunftstechnologien im

Auto. Reihenweise stellen die Hersteller

neue Elektroautos vor, und das

Google-Unternehmen Waymo

schickt selbstfahrende Autos auf das

Gelände.

Doch die Kunden sind offenbar

noch nicht überzeugt: In einer aktuellen

Umfrage der Unternehmensberatung

EY zeigen siewenig Begeisterung

für Elektroautos und autonomes

Fahren. „Die Verbraucher sind

nach wie vor skeptisch“, sagt

EY-Autoexperte Peter Fuß. „Den

Automobilherstellernund der Politik

ist es bisher nicht gelungen, dem

Großteil der Autokäufer den Mehrwert

derE-Mobilität zu vermitteln.“

Die meisten Kunden fürchten

eher das Gegenteil: Höhere Kosten

und weniger Nutzen. Mehr als zwei

Drittel der 2500 Befragten sehen

E-Autos derzeit nicht als Option. Gut

ein Viertel der Skeptiker begründet

das mit dem vergleichsweise hohen

Preis. Mehr als die Hälfte fürchtet

Probleme im Alltag –wegen zu geringer

Reichweite (28 Prozent), lückenhaftem

Ladenetz (13 Prozent) und zu

langen Ladezeiten (11 Prozent). Die

Konsequenz: Selbst unter den grundsätzlich

Interessierten haben die

meisten kein reines Elektroauto im

Blick, sonderneher einen Hybrid, bei

dem ein zusätzlicher Verbrennungsmotor

für Vortrieb sorgt, falls die Batterie

leer ist.

Bisher treiben vorallem die Batteriepreise

die Kosten hoch. Außerdem

werden die reinen E-Autos in vergleichsweise

kleinen Stückzahlen gebaut.

So steht das in Deutschland

meistverkaufte reine E-Auto, Renaults

Kleinwagen Zoe, mit mindestens

21900 Euro in derPreisliste –zuzüglich

mindestens 69 Euro Monatsmiete

für die Batterie. Beim VW ID.3

sollen die Preise mit der kleinsten

Batterie bei rund 30000 Euro beginnen.

Beim autonomen Fahren spielen

die Kosten aus Kundensicht bisher

keine Rolle. Das dürfte sich ändern,

denn Selbststeuerungssysteme werden

zunächst mehrereTausend Euro

pro Auto kosten. Vorerst treiben die

Autofahrer jedoch eher Sicherheitsbedenken

und ethische Fragen um.

Fast die Hälfte der Befragten will

nicht in einem vollständig autonom

steuernden Fahrzeug sitzen.

Für die Autohersteller bringt die

Studie aber nicht nur schlechte

Nachrichten, denn massenhafte

Nachfrage könnten sie vorerst ohnehin

nicht bedienen. Im vergangenen

Jahr führten Lieferengpässe bei den

Batterieherstellern dazu, dass einige

nicht einmal die bisher bescheidenen

Aufträge für Elektroautos abarbeiten

konnten. Laut EY-Umfrage

können sich derzeit 9Prozent der Befragten

den Kauf eines rein elektrischen

Autos vorstellen. Beirund drei

Millionen jährlich verkauften Pkw in

Deutschland wären das knapp

300000 Autos. Selbst ein Riese wie

VW täte sich schwer, solche Stückzahlen

im nächsten Jahr zu liefern.

Fehlende Ladesäulensinddie größteSorge

der Kunden.

FOTO: CHRISTOPHE GATEAU/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 7 *

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„Die Reise war ein Erfolg in schwieriger Zeit”

Siemens-Chef Joe Kaeser über die China-Reiseder Kanzlerin, den deutschen Mittelstand und eine symbiotische Beziehung

Joe Kaeser gehört zuden wenigen

Topmanagern, die sich öffentlich

auch politisch äußern.

JetzthatderSiemens-Chefzwei

Tage lang die Kanzlerin auf

ihrer China-Reise begleitet und wertet

die Visite als Erfolg –angesichts

besonders schwieriger Rahmenbedingungen.

Im Interview spricht er

auch über die brisante Lage in Hongkong,

den Handelskonflikt zwischen

Peking und Washington und die Verwundbarkeit

der deutschen Wirtschaft.

Herr Kaeser, Sie sind gerade mit der

Bundeskanzlerin aus China zurückgekehrt.

Bessern sich die komplizierten

Beziehungen der beiden Länder

wieder?

Es war eine besondereReise.Zum

einen war sie belastet durch den politischen

Konflikt in Hongkong. Zum

anderen war sie überschattet durch

die chinesisch-amerikanischen

Handelsstreitigkeiten. Die Frage für

uns war also, wie sich Deutschland

und seine Unternehmen in diesem

Umfeld bewegen. Trotz dieser Vorspannung

sind wir in den Gesprächen

zu Vereinbarungen und Verständigungen

gekommen, die beide

Seiten weiterbringen. Deshalb bewerte

ich diese Reise insgesamt als

Erfolg in schwieriger Zeit.

Haben Sie das Thema Hongkong auf

Unternehmensebene angesprochen?

Ja. Wir haben vergleichsweise offen

über den Konflikt gesprochen,

was uns wichtig war. Wir haben an

unsere bereits im Vorfeld geäußerte

PositionderdeutschenWirtschafterinnert

und angemahnt, dass die Regel

„Ein Land, zwei Systeme“ wichtig

ist. Es gab dazu positive Signale,

wenngleich verhalten. Auch in

schwierigen Situationen und kontroversen

Themen muss man miteinander

im Gespräch bleiben.

Parallel belastet seit Monaten der

Handelsstreit zwischen China und

den USA die Wachstumsaussichten

nicht nur der deutschen Wirtschaft.

Glauben Sie aneine baldige Besserung?

Wenn die stärkste Volkswirtschaft

der Welt mit der zweitstärksten streitet,

dann sind alle weiteren Länder

zwangsläufig auch davon betroffen.

Chinas Produktion nimmt bereits im

Wachstum ab und ist im Vergleich

noch stärker betroffen als die Gesamtwirtschaft.

Gerade in diesem

Bereich ist Deutschland aber besonders

engagiert. Deshalb spüren wir

die Folgen der Auseinandersetzungen

dortbesonders.Aber auch in den

USA und der ganzen Welt nimmt die

Wirtschaftsdynamik ab. Das zeigt,

dass dabei alle verlieren.

Siemens-Chef JoeKaeser.

ZUR PERSON

FOTO: THIBAULT CAMUS/AP/DPA

JoeKaeser wurdeals Josef Käser 1957 im niederbayerischen Arnbruck geboren. Seinen Namen

passte er internationalen Gewohnheiten an, als ihn die Karriere in den Neunzigerjahren in

die USA führte. Schon sein erster JobnachAbschluss des Wirtschaftsstudiums führte Kaeser

1980 zu Siemens. 2006 rückte er als Finanzchef in den Vorstand auf, 2013 übernahm er dort

den Vorsitz.

IstDeutschland zu abhängig vomExport?

Deutschland hat hervorragende

Produkte und ist extrem wettbewerbsfähig.

Diese Produkte werden

nicht gekauft, weil Deutschland so

schick ist oder gar unterwürfig; sondern,

weil es in vielen Branchen die

besten Produkte der Welt hat. Das

deutsche Wirtschaftswunder nach

dem Zweiten Weltkrieg war der Wiederaufbau,

und daraus hat sich dann

das Exportmodell entwickelt.

Gerade der so wichtige Mittelstandssektor

in Deutschland exportiert

fast naturgegeben mehr aus

Deutschland heraus, weil kleinere

Unternehmen nicht in aller Welt

eigene Fabriken bauen können. Die

globalen Konzerne haben vielfach

stärker lokalisiert. Beide Sektoren ergänzen

sich aber perfekt. Das ist

eines der Geheimnisse des Erfolges

der deutschen Wirtschaft. Aber dieses

Modell funktioniertnur mitoffenen

Märkten. Ich möchte mir nicht

ausmalen, was passiert, wenn sich

weltweit Protektionismus durchsetzensollteund

wir nur weitgehend auf

unseren Binnenmarkt angewiesen

wären.

Müsste Deutschland seine Ausfuhren

diversifizieren, um wenigstens nicht

mehr derart abhängig von China zu

sein?

Natürlich. Aber es bleibt Export.

Deshalb muss Deutschland seine

moralischen Werteund Interessenlagen

auch immer ganz besonders abwägen.

Wenn Arbeitsplätze in

Deutschland davon abhängen, wie

wir mit brisanten Themen umgehen,

dann sollte man nicht die allgemeine

Empörung verstärken, sondern die

Positionen und Maßnahmen in allen

Facetten überlegen.

Sieplädieren dafür,sich in politischen

Fragen zurückzuhalten, weil

Deutschland China wirtschaftlich

braucht?

Nein, das meine ich nicht. Man

kann seine –auch unterschiedlichen

–Positionen aber überlegt und respektvoll

vortragen und auf konkrete

Änderungen drängen. China braucht

Deutschland auch. Wir können deshalb

gegenseitig auch klar Positionen

beziehen und dabei kulturelle Besonderheiten

im Umgang miteinander

respektieren.

Es gibt eine symbiotische Beziehung

zwischen beiden Ländern, die

sogenannte „Win-Win“-Szenarien,

also wo beide Seiten Vorteile haben,

ermöglicht. Aber ich will nicht ausschließen,

dass sich das einmal ändert.

Denn es ist wahrscheinlich,

dass China sich unabhängiger machenwill–auchalsFolgederderzeitigen

Handelsbeschränkungen, die

den Prozess sogar beschleunigen

könnten. Einige sprechen dabei

schon von„Decoupling“.

Wir sollten auch deshalb immer

wieder miteinander reden und integrativ

nach Lösungen suchen. Wirhaben

ja auch etwas anzubieten. Jetzt

einfach zu sagen: Dann teilen wir

eben die Welt in zwei Wirtschaftssysteme

auf, wäreein Spiel mit dem Feuer–dasmussmansichauchgeradein

schwierigen Zeiten sehr gut überlegen.

DasGespräch führte

Gordon Repinski.

DEUTSCHE

2

Christian

Dreißigacker

Der gelernte Weinbaumeister

Christian

Dreißigacker hat ein

Faible für Weiß- und

Grauburgunder.

Warum? Ganz einfach:

Sie vereinen Saftigkeit

und Trinkvergnügen.

Zugleich ist Dreißigacker

seiner Region Rhein-

hessen sehr verbunden.

Montag,9.9.

bisSamstag,14.9.

1

4.99 *

¹

5.99 *

3

4.99 *

Christoph

Hammel

Ein starker Typ, dieser Christoph

Hammel! Mitte50, wortgewaltig

und charismatisch:keinWunder

also,dass auch seineWeinemit

Pauken und Trompeten daherkommen.

Im Mittelpunktsteht

für ihn die genussreiche

Lebenslust der Pfälzer.

1

2

3

Hammel

Liebfraumilch²

Pfalz; Weißwein 2018, lieblich

Trinktemperatur: 6–8°C

0,75-l-Flasche

1l=7.99

Junge Winzer

Spätburgunder Rosé²

Baden; Roséwein 2018, feinherb

Trinktemperatur: 8–12 °C

0,75-l-Flasche

1l=6.65

Goldschatz

Grauburgunder²

Rheinhessen; Weißwein 2018, trocken

Trinktemperatur: 8–10 °C

0,75-l-Flasche

1l=6.65

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¹ Lidl hatnach Ansicht der vonYouGovbefragten Verbraucher dasbestePreis-Leistungs-Verhältnis in der Kategorie Lebensmitteleinzelhandel. Mehr Informationen unter:https://yougov.de/news/2019/02/14/lidl-dm-und-deichmann-erneut-die-preis-leistungs-s. ² Enthält Sulfite.


8* Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Meinung

Verkehr

ZITAT

Politik

ohne Pietät

Andreas Kopietz

findet es zynisch, dass vier tote Fußgänger

instrumentalisiertwerden.

InBerlin-Mitte gab es einen schrecklichen

Unfall. Ein Porsche-Fahrer raste

mit seinem SUV in eine Menschengruppe

auf dem Gehweg: Zwei Männer,eine Frau

und ein Kind starben. Ein furchtbares Ereignis,

das unmittelbar symbolisch

wurde.

Denn schon wenige Stunden nach

dem Unfall meldeten sich Interessenverbände

zur Wort, die zwar alle vorgaben,

mit den Opfernund ihren Angehörigen zu

fühlen, die aber gleichzeitig sofort ihre

verkehrspolitischen Forderungen artikulierten,

etwa nach Tempo 30 in der gesamten

Innenstadt.

Der Fußgänger-Lobbyverein Fuss e.V.

rief zur Mahnwache, um„gegen die Straßengewalt“

zu protestieren. Changing Cities,

ein Fahrrad-Lobbyverein, nahm den

Unfall mit den vier Toten zum Anlass, auf

„Klimavergiftung &Luftverpestung“ hinzuweisen.

Stephan von Dassel, Grünen-

Bürgermeister des Bezirks Mitte, kritisierte,

dass „panzerähnliche Autos“ nicht

in die Stadt gehörten.

Zweckdienlich war der Tod der vier

Menschen auch der Deutschen Umwelthilfe,

die twitterte: „Stadt-Geländewagen

töten nicht nur in Berlin!“ Um bei der Gelegenheit

gleich noch den Hinweis anzubringen,

dass ein Porsche der schlimmste

aller Klimakiller sei.

Dieses Vorgehen ist politisch verständlich,

aber es ist vor allem doch eines: zynisch

und pietätlos.

Als die Verbände und der Grünen-Politiker

ihre Forderungen vorbrachten, waren

die Toten noch nicht obduziert, die

Unfallursache durch die Berliner Polizei

noch ungeklärt. Die Behörden haben

Hinweise darauf, dass der Fahrer, der mit

seiner Tochter und seiner Schwiegermutter

unterwegs war, möglicherweise ein

medizinisches Problem hatte. Kann man

das als „Straßengewalt“ bezeichnen?

„Zuspitzung und

Kampagnen

gehören nicht

in die Stunden nach

einem tödlichen

Unfall.“

Sicher ist eine Diskussion über Tempobegrenzung

in der Innenstadt notwendig.

Auch darüber, wie eine moderne Verkehrspolitik

Fußgänger und Radfahrer

schützt. Und selbstverständlich kann

man über die Sinnhaftigkeit vonSUVs im

allgemeinen und in der Stadt im besonderensehr

berechtigt debattieren.

Aber wenn ein Dreijähriger, dessen

Großmutter und zwei Männer ums Leben

gekommen sind, bietet es sich an, wenigstens

kurz inne zu halten und einen tödlichen

Unfall nicht unmittelbar für die eigene

Politik zu instrumentalisieren.

Dazu gehört vielleicht auch, dass man

nach solch einem furchtbaren Ereignis

nicht sofort über Twitter in die Debatte

einsteigt. Weil Zuspitzung und Kampagnen-Charakter

diesem Medium selbstverständlich

zu eigen sind –weil Zuspitzung

und Kampagnen-Charakter aber

nicht in die Stunden nach einem tödlichen

Unfall gehören.

Auch das ist etwas, worüber nicht nur

Grünen-Politiker in dieser Stadt nachdenken

könnten, wenn sie in solch einer Situation

Politik im Namen der Opfer machen.

Denn: Selbst wer die Verkehrswende

will, werSUVs aus den Innenstädten

verbannen möchte, hat vielleicht

auch ein ähnlich großes Interesse an Taktgefühl

in der Politik.

Einer der wenigen übrigens, die sich

sensibel verhielten, war Berlins Regierender

Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Der sprach von einem schrecklichen Unfall

und davon, dass seine Gedanken „bei

den Opfern, ihren Angehörigen und

Freunden“ seien.

Daswar angemessen.

Wasmachen AKKs Nerven?

Ich versuche es mit vier Thesen zur aktuellen

Geschlechterpolitik.

Erstens, Frauen werden in Deutschland

nie wirklich und völlig gleichberechtigt

sein. Niemals. Warum? Weil inzwischen

eine gewaltige Bürokratie entstanden

ist, deren Mitgliederinnen ihr Geld mit dem

Aufspüren und Anprangern auch kleinster

und auch vermeintlicher Benachteiligungen

verdient. Es gibt tausende Gleichstellungsbeauftragte

und mindestens 200 Genderprofessuren.

Dass eine Bürokratie ihre Aufgabe

für erledigt erklärt und sich selbst arbeitslos

macht, kommt selten vor. Stellt 2000 Männerbeauftragte

ein, deren Jobesist, Männerdiskriminierung

aufzuspüren, und ihr werdet

euch wundern, wie diskriminiert diese

Geschöpfe in den Augen ihrer Anwälte sind.

Falls aber jemand öffentlich erklärte, man

habe doch bei der Gleichstellung das meiste

erreicht und könne mit den Anstrengungen

allmählich nachlassen, würde ein Aufschrei

erschallen, der bis Grönland zu hören ist.

Zweitens,der feministische Geschlechterdiskurs

ist völlig widersprüchlich. Einerseits

heißt es,Geschlecht sei nur eine soziale Konstruktion.

Wirseien völlig gleich, biologische

Unterschiede spielten kaum eine Rolle.

Warum die Evolution, in der ansonsten alles

seinen Sinn hat, sich die irre Mühe gemacht

hat, zwei Geschlechter hervorzubringen,

bleibt dabei ungeklärt. Gleichzeitig aber hörenund

lesen wir ständig, dass Frauen in diesem

oder jenem besser seien. Siesind bessere

Chefs, sie können besser kommunizieren,

sind nicht so aggro, sie verhalten sich in Konflikten

rationaler, et cetera, einiges davon

stimmt auch. Einerseits sind wir also gleich,

andererseits gibt es durchaus Unterschiede,

vor allem solche, die sich aus feministischer

Perspektive gut anhören. Um die Verwirrung

komplett zu machen, soll es statt biologischer

Geschlechter, die angeblich gar nicht

existieren, etwa 50 bis 100 Gender geben, die

allerdings keine soziale Konstruktion sind,

sonderneine glasklareTatsache.

Drittens: Frauen und Männer haben auch

soziale Interessenlagen. Eine Kassiererin bei

Die Wahlen in Sachsen und Brandenburg

sind vorbei –jetzt liegen die Karten auf

dem Tisch. Dass die Wahlen ausgerechnet auf

den 1. September gelegt wurden, auf dieses

historische Datum, als Deutschland die Welt

in Brand setzte, fand ich instinktlos. Vor 80

Jahren überfiel die deutsche Wehrmacht Polen

und begann einen Vernichtungskrieg.

Nicht Eroberung allein, sonderndie Vernichtung

von Millionen Menschen war das Ziel

des Angriffs. Dass dieses ungeheuerlichen

Verbrechens in seinem 80. Jahr so wenig gedacht

wurde,passt irgendwie zu den Wahlerfolgen

der AfD. Geschichtsvergessenheit hat

ihren Preis.

Die Karten auf dem Tisch heißt, dass

Rechtsradikale nicht mehr nur eine dumpfe

Erinnerung an die längst vergangenen Zeiten

des Nationalsozialismus sind. Sie sind auch

nicht ein sogenanntes Wendephänomen jugendclubloser

Jugendlicher mit Glatze, die

„Ausländer klatschen“ spielen. Oder Lokalpolitiker,

die nach oft blutigen Übergriffen das

Problem eher bei der Integrationsbereitschaft

der Opfer sehen, als bei den Tätern oder der

latent oder offen rassistischen Stimmung vor

Ort.

Die heutigen Rechtsradikalen wurden

trotz alledem gewählt und sitzen nun breitbeinig

in den Parlamenten. Werfür sie gestimmt

hat, wusste das.Und das ist gar nicht

komisch. Doch die AfD warb auch mit der

DDR. Ihr Slogan im Wahlkampf war, die

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wieweiter zwischen den Geschlechtern?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung@de/meinungsfreiheit

Ein Projekt

der Elite

Harald Martenstein

ist Autor und Journalist –

er findet, Geschlechterpolitik hat mit den realen Problemen

vieler Frauen und Männer nichts zu tun.

KOLUMNE

Die Karten

liegen auf dem

Tisch

Anetta Kahane

Amadaeu Antonio Stiftung

Wende zu vollenden und die DDR 2.0 zu verhindern.

Daran anzuknüpfen, hatte aber

durchaus etwas Komisches.Denn das ist ganz

klar ein Paradox, über das ich doch lachen

musste.Die AfD will einen Staat, der autoritär

ist,Vielfalt der Menschen und Meinungen unterbinden

will, eine ethnische und politische

Homogenität erzwingen will und am liebsten

alle Grenzen schließen möchte. Das IST die

DDR 2.0! DieWende,für die wir vor30Jahren

BERLINERZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Aldi hat in sozialer Hinsicht mehr Gemeinsamkeiten

mit ihrem männlichen Kollegen

als mit einer Professorin. Eltern haben gemeinsame

soziale Interessen, die anders

sind als die von Singles. Alte und Junge haben

verschiedene Bedürfnisse. Esist falsch,

die Unterschiede zwischen Männern und

Frauen (die es,wie gesagt, angeblich sowieso

nicht gibt) zur gesellschaftlichen Hauptkampflinie

zu erklären. Wirsollten uns nicht

auseinanderdividieren lassen.

In den letzten Jahren hat die Gleichstellungspolitik

einen großen Teil ihrer Energie in

die Durchsetzung einer gendergerechten

Sprache gesteckt. Sternchen und substantivierte

Partizipien wie „Studierende“ oder

„Angelnde“ haben eine Karrieregemacht, die

in einer männerdominierten Gesellschaft nie

möglich gewesen wäre. Sprache bestimmt

das Denken, oder? Man fragt sich doch beim

Wort„Sanitäter“ sofort, wieso diese Menschen

pauschal als „Täter“ dargestellt werden, kein

Wunder,dass sie wenig verdienen. Der„Erziehende“

erzieht auch Mädchen, wieso „er“?

Müsste es nicht besser „Pädagogische Fachkraft“

heißen? So ungefähr funktioniert gerechte

Sprache.

Spracheist ein Alltagswerkzeug, die Menschen

tendieren deshalb dazu, sie zu vereinfachen,

sie sagen sogar lieber „Perso“ als

„Personalausweis“. Komplizierende,ideologisch

begründete Sprachregeln sind immer

Elitenprojekte und beim gemeinen Volk unbeliebt.

Dass man in Köpenick bis anno 89

„Berlin, Hauptstadt der DDR“ sagen sollte

statt „Berlin“, beruhte auf dem gleichen magischen

Glauben andie Macht der Sprache.

Die Gendersprache wird, laut Umfragen,

auch voneiner Mehrheit der Frauen kritisch

gesehen. Dass dieses Projekt gleichwohl mit

großer Energie durchgezogen wird, beweist,

viertens, dass sich die Geschlechterpolitik

ein ganzes Stück von den realen Problemen

des Lebens entfernt hat. Welche das sein

könnten, fragt man am besten die Kassiererin

bei Aldi, eine alleinerziehende Mutter

oder eine Rentnerin, die im Park Flaschen

sammelt.

gekämpft haben, war genau die Abkehr von

diesem eingesperrten Leben. Die Grenzen

sind gefallen, und es kam endlich Leben in die

Bude.Die Menschen wollten nicht mehr eingesperrt

und bevormundet werden. Sie wollten

den Anschluss an die Welt, sie wollten die

Öffnung. Dass es schwer war und zu oft zu ungerecht

zuging, daran gibt es keinen Zweifel.

Doch wenn die AfD nun behauptet, sie wäre

die Wende,dannist das einfach das Gegenteil

der Realität. Dasist offensichtlich! Dashaben

nun auch die meisten der DDR-Bürgerrechtler

ganz deutlich erklärt.

Die Karten auf dem Tisch, heißt die AfD

will die Zeit zurückdrehen. Hinter die Normen

der Menschenrechtskonvention, hinter

die Normen des Grundgesetzes.Ja, sogar hinter

die Normen der DDR.

Es sollte nun allen klar sein, was hier auf

dem Spiel steht. Nicht Ost und West, ländlicher

Raum und Städte, nicht Konservative

und Alternative, Deutsche ohne und mit Migrationsgeschichte

stehen hier gegeneinander.Sondernder

Aufbruch in eine neue,ökologischereund

gerechtereModerne in demokratischer

Vielfalt oder der Rückfall in Isolation

und Homogenität mit all ihren

bösartigen Konsequenzen. Waswir jetzt erleben,

ist ein Kulturkampf zwischen diesen beiden

Polen.

Zukunft geht nach vorn. Doch nur, wenn

die Vergangenheit verstanden wird. Die Karten

liegen auf dem Tisch.

„Um ehrlich

zu sein,

war Serena

heute

einfach nicht

anwesend.“

Serena Williams, Tennisspielerin über

ihre Niederlage imFinale

der US-Open in New York

AUSLESE

Ein Verbot, das der

Umweltnicht hilft

Ein Plastiktütenverbot, das Ende der

Wegwerfmentalität –inZeiten des Klimaschutzes

klingt das nach einem sinnvollenVorstoß.

Trotzdem stoßen die Pläne

von Bundesumweltministerin Svenja

Schulze (SPD) auf vernichtende Kritik:

Die Augsburger Allgemeine nennt dasVorhaben

„Symbolpolitik“; die Tüten stünden

„für nicht einmal ein Prozent des Verpackungsmülls

in Deutschland.“ Zu allem

Überfluss bleibe die SPD „auf halber

Strecke stehen, denn die dünnen Tüten

für Obst und Gemüse bleiben erlaubt.“

Ähnlich sieht es die Rheinische Post und

wirft ein, dass Papiertüten kaum besser

für die Ökobilanz seien: „Es gäbe so unendlich

viel zu tun, um Produzenten und

Verbraucher von dem irrwitzigen Trend

abzubringen, immer mehr Lebensmittel

in Plastik einzuschweißen. An einigen Orten

wurden bereits Bananen gesichtet, die

statt in ihrer natürlichen Schale in Kunststoff

zum Verkauf präsentiertwerden.“

Die Volksstimme aus Magdeburg

spricht von„Polit-PR“, die Mitteldeutsche

Zeitung von „Aktionismus“: Die Regierung

habe „keine Strategie gegen den stetig

steigenden Verpackungsmüll“ und

hoffe, das mit ihrem „wohlfeilen Kampf“

gegen die Tüte vergessen zu machen. Die

Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt vor

den Folgen des „wahltaktisch motivierten

Tüten-Tamtam“: „So verspielt man den

guten Willen vonWirtschaft und Verbrauchern,

ohne den der Klimaschutz nicht

funktionieren wird.“ Gabriela Keller

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Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 – S eite 9 *

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Berlin

VonwegenZukunft –

Das Futurium ist recht

bieder geraten

Seite 11

Fragiler Schatz: Humboldts Pflanzensammlung im Botanischen Museum Seite 10

Lauter Spaß: So war das Lollapalooza-Festival Seite 12

Stadtbild

Ja wohin gehen

sie denn?

BarbaraWeitzel

ist erstaunt über To-gound

Self-Service.

Irgendwo im eher toten Teil von

Mitte. Ich suche ein Café, keinen

Bäcker, kein Selbstbedienungslokal,

ein Café. Wo man den Kaffee gebracht

bekommt, Sätze wechseln

kann mit der Bedienung und welchen

lauschen kann von Fremden.

Ich finde nur einen Imbiss, vor dem

zwei Tische stehen mit Tischtüchern

drauf und Blumen in kleinen Vasen.

Eine Kreidetafel verkündet „Kaffee“.

Drinnen greift der Inhaber nach einem

Pappbecher. Nein, Tassen habe

er nicht. Ich habe mich damit abgefunden,

dass ich den Kaffee selbst

holen muss, aber Pappbecher und

Blumen in kleinen Vasen, das passt

nicht zusammen.

Ohne Kaffee ziehe ich von dannen

und denke beim Thema Pappbecher

mal nicht an das Müllproblem,

sondern anden Einzelhändler

in Marianna Lekys Roman„Was man

von hier aus sehen kann“. Der besorgt

einen Kaffeeautomaten und

hängt ein Tortenpapier an die Tür,

auf dem „Kaffee to go“ steht. Es

hängt dort nicht lange, denn keiner

aus dem Dorfwill „Kaffee to go“. „Wo

soll ich mit dem Kaffee denn hingehen?“,

fragt die Bürgermeisterwitwe.

Eine bestechende Frage. Alle gehen

irgendwo hin mit ihrem Kaffee.

Statt ihn zu Hause zu trinken. Oder

im Büro. Oder im Café. Viele setzen

sich zwar irgendwo hin mit dem

„Kaffee to go“, aber eben nicht da,

wo sie ihn gekauft haben. Als wäre

das was Unanständiges.

Ähnlich verdreht verhält sich der

Großstädter beim Essen und anderenVerrichtungen.

Einerseits geht er

vermehrt in Lokale mit Kantinen-

Charme,indenen er in der Schlange

steht, um zu üppigen Preisen das Essen

zu bezahlen, das er sich selbst

zusammengestellt hat und in denen,

weil alle das tun müssen und ihr Geschirr

wegbringen, Gedränge und

Krach herrschen. Andererseits blüht

inmitten dieses Do-it-yourself-Kults

eine Philosophie des Machen-und

bringen-Lassens. Man kann sich die

saubereWäsche liefern lassen, Windeln

und andere Waren und natürlich

jede Art von Essen. Sogar Salat!

Manmuss ihn sich nur online selber

zusammenstellen.

Vorein paar Jahren war ich das

letzte Mal ineiner Pizzeria, die ich

bis zu diesem denkwürdigen Abend

sehr mochte. Anstelle von Insalata

mista wurden uns die Tomaten und

die Gurke amStück serviert. Nur die

Eissalatblätter kamen nicht als ganze

Kugel, sondern lagen –inOriginal-

Handteller-Größe –abgezupft daneben.

Ich wusste nicht, ob ich lachen

oder weinen sollte. Warum bekomme

ich den Salat so, wie ich ihn

auch zu Hause im Kühlfach finde?

Weil gemeinsames Schnibbeln verbindet?

Oder weil die Köche alle unterwegs

waren, Essen ausfahren?

Bevor essoweit kommt, dass der

„Kaffee to go“ nach Hause gebracht

wird, vonwoaus wir mit dem Becher

in der Hand in ein Self-Service-Restaurant

gehen, wo wir ihn kurz abstellen,

weil wir ja noch den Tisch decken

müssen, und ihn wegwerfen,

bevor wir uns ans Spülen machen;

bevor es soweit kommt, fragen wir

uns doch einfach mal bei einer schönen

Tasse mit der Witwedes Bürgermeisters:

Wohin soll das alles gehen?

Volkstanz für Politik und Freude

Schöngerechnet

In Berliner Gefängnissen werden mehr Straftaten begangen, als die zuständige Verwaltung bekanntgibt

VonAnnika Leister

Straftaten in Berliner Gefängnissen

sind wesentlich häufiger

als jüngst von der Senatsverwaltung

für Justiz

kommuniziert. Das ergibt eine Antwortder

Polizei auf eine Anfrage der

Berliner Zeitung. DerFall zeigt auch:

Die für den Betrieb der Gefängnisse

zuständige Verwaltung weiß offensichtlich

nicht, wie oft das Gesetz

hinter Gitterntatsächlich gebrochen

wird–oder will die Zahlen nicht veröffentlichen.

Knappe Antwort

Wasist passiert? Vergangene Woche

berichtete die Berliner Zeitung, dass

sich die Gewalt in Berliner Gefängnissen

auf einem neuen Höchststand

befindet. Anlass war eine Antwortder

Senatsverwaltung für Justiz auf eine

Parlamentarische Anfrage der FDP.

Der Innenpolitiker Marcel Luthe

hatte gefragt, wie viele Straftaten in

Gefängnissen in den vergangenen

Jahren erfasst wurden. Die Antwort

seitens der Verwaltung fiel kurz aus:

Es erfolge „keine statistisch valide Erhebung

der Straftaten“ in den einzelnen

Haftanstalten. Man führe allerdings

eine Statistik, die auflistet, wie

viele Menschen in Haft Opfer vonGewaltdelikten

wurden. Für 2018 führt

die Senatsjustizverwaltung 400 von

Tätlichkeiten betroffene Gefangene

und 50 Justizbedienstete auf. Das ist

die höchste Zahl seit 2013. Delikte wie

Diebstahl oder Beleidigung würden

gar nicht erfasst, behauptete ein Sprecher

auf Nachfrage.

Das aber ist nicht korrekt. Die

Straftaten werden genau erfasst. Nur

nicht von der zuständigen Justizverwaltung,

sondern von der Polizei.

Für die ist die Innenverwaltung zuständig.

Und die Zahlen der Polizei

unterscheiden sich wesentlich von

denen der Justizverwaltung: Sieweisen

hinsichtlich der Körperverletzungen

andere Fallzahlen aus, sind

zudem genauer, ausführlicher –und

fallen auch wesentlich höher aus.

Die Senatsverwaltung nennt für

2018 insgesamt 450 Opfer von„Tätlichkeiten“.

Die Polizei hat für dasselbe

Jahr 796 Straftaten in Gefängnissen

erfasst –702 in Justizvollzugsanstalten,

weitere 94inJugendstrafanstalten.

Die größten Posten 2018:

383 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz,

136 Körperverletzungen,

64 Diebstähle, 28Freiheitsberaubungen,

Nötigungen oder Bedrohungen,

25 Sachbeschädigungen sowie

113 „sonstige“ Straftaten.

Seit 2012 fiel die Zahl der Straftaten

in der Polizeistatistik in drei Jahren

höher aus: 2012 waren es 944,

2016 und 2018 jeweils 888. Auch

Mord und Totschlag weist die Polizei

aus: 2012 wurden drei Menschen getötet,

2013 einer,2015 drei, 2016, und

2017 starben jeweils zwei Menschen

durch die Hand eines Mitgefangenen

hinter Gittern. Die Zahlen dürften

tatsächlich noch wesentlich höher

sein. Denn in der Auflistung fehlen

die Delikte aus der JVAHeidering,

die auf mehr als 600 Insassen ausgelegt

ist.

Insgesamt sitzen zurzeit rund

3800 Menschen in Berliner Gefängnissen.

Die Berliner Justizverwaltung

ist Träger vonHeidering, die JVA

liegt allerdings auf Brandenburger

Gebiet. Die Polizei Brandenburg

aber teilte auf Nachfrage mit, dass sie

„Das Problem wird nicht

ernst genommen und nicht

koordiniert angegangen.“

Marcel Luthe, FDP, Innenpolitiker im Berliner Abgeordnetenhaus

keine Auskünfte zu den in der JVAerfassten

Straftaten geben könne.

Wie kommen die großen Differenzen

zwischen Verwaltungs- und

Polizeistatistik zustande? Die Polizei

erfasst jede Strafanzeige, die bei ihr

eingeht. DieJustizverwaltung erhebt

ihreZahlen internauf Basis vonMeldungen

der JVA-Leiter und Rücksprachen

mit der Abteilung Strafvollzug.

Kritiker bemängeln, dass die

Zahlen häufig vonden Leiternschön

gerechnet würden.

Warumdie Verwaltung nicht auch

die Polizeistatistik mit einbezieht?

DieVerwaltung weicht aus: Es sei äußerst

kompliziert, die tatsächliche

Zahl der Straftaten zu ermitteln, sagte

Sebastian Brux, Sprecher der Justizverwaltung.

Dazu müsse man die

BJÖRN KIETZMANN

Nicht nur beim Lollapalooza-Festival wurde getanzt, sondern auch in

Mitte. Dort allerdings mit einem ernsteren Hintergrund. Unter dem

Motto „Wem gehörtdie Stadt“ zogen am Sonnabend rund tausend Demonstranten

tanzend von Prenzlauer Berg nach Kreuzberg. „Wir wollen

Politik und Spaß miteinander verbinden“, sagte Sprecher Maximilian

Schirmer vomVeranstalter Kollektiv Kirsch. Berlin gehörenicht der

Politik oder derVerwaltung, sondernjedem einzelnen Bürger.Nach Polizeiangaben

verlief der Volkstanz friedlich. (mpw.)

Zahlen der Polizei mit den bei der

Staatsanwaltschaft eingegangenen

Fällen und danach erfolgten Urteilen

abgleichen. Ob das nicht die Mühe

wert sei, um zu erfahren, was in Berliner

Gefängnissen los ist? Nein, so

Brux. „Der Aufwand steht nicht im

Verhältnis zum Ergebnis.“

Unter den Teppich gekehrt

FDP-Politiker Marcel Lutheverurteilt

diese Einstellung der Justizverwaltung

unter Dirk Behrendt (Grüne)

scharf: „Die Verachtung gegenüber

Strafgefangenen, die aus dieser Aussage

spricht, disqualifiziertden Senator“,

sagte Luthe. Ziel der Haft sei es,

in einer geschützten Umgebung ein

Leben ohne Straftaten zu erlernen.

Doch in Berlins Gefängnissen, unter

vermeintlich vollständiger Kontrolle,

sei die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines

Gewaltdelikts zu werden, mehr

als doppelt so hoch wie in Freiheit.

Dass Innen- und Justizverwaltung

völlig unterschiedliche Zahlen haben,

lege nahe: „Das Problem wird

nicht ernst genommen und nicht koordiniertangegangen“,

so Luthe.

Der Meinung ist auch Thomas

Goiny vom Bund der Strafvollzugsbediensteten

(BSBD). „Im Justizvollzug

wird viel zu viel unter den Teppich

gekehrt und muss mühselig

hinterfragt werden“, sagte er. Oftmals

verhindere nur das Fingerspitzengefühl

der Angestellten Schlimmeres.

Die Sicherheitsstandards

müssten erhöht werden: Der BSBD

fordert mehr Sicherheitskräfte,

stichfeste Westen, Schutzhandschuhe

und die Anschaffung eigener

Suchhunde im Justizvollzug Berlin.

„Es wäre das Signal: Wir geben nicht

klein bei“, so Goiny.

Ein Video zeigt

den Moment

vor dem Unfall

Polizei bezieht den Clip in

ihre Ermittlungen ein

ZweiTage nach dem Unfall an der

Invalidenstraße mit vier Toten ist

im Internet ein Video aufgetaucht,

das die letzten Sekunden der Fahrt

des Porsche Macan vordem Aufprall

zeigt. Ein Autofahrer hatte den Moment

mit einer Dashcam gefilmt: Die

Aufnahme zeigt, wie der Wagen an

den wartenden Autos mit lautem

Motorengeheul auf der Gegenfahrbahn

vorbeizieht und auf die Kreuzung

zurast. Dann endet der Film.

Der Fahrer hatte die Kontrolle

über den 1,9 Tonnen schweren SUV

verloren. Er geriet mit hohem Tempo

auf den Gehweg, riss Metallpoller

und einen Ampelmast um. „Wie auf

einer Sprungschanze ist er dann

mehrere Meter geflogen“, sagt ein

Zeuge. DerWagen traf eine Fußgängergruppe.

Dann durchbrach er einen

Bauzaunund blieb liegen.

Eine 64-jährige Frau und ihr dreijähriger

Enkel, ein 29-jähriger Engländer

und ein 28-jähriger Spanier

waren sofort tot. In dem Porsche saßen

ein sechsjähriges Mädchen und

die 67 Jahre alte Schwiegermutter

des 43-jährigen Fahrers. Der Mann

wurde schwer verletzt. Die Frau und

das Kind blieben laut Polizei zur Beobachtungineiner

Klinik.

Bluttest auf Alkohol und Drogen

Über die Unfallursache kann die Polizei

noch nichts sagen. Der Verkehrsermittlungsdienst

schloss

nicht aus, dass der Fahrer gesundheitliche

Probleme hatte, etwa eine

Herzattacke. „Erste Hinweise, wonach

ein medizinischer Notfall des

Fahrers ursächlich gewesen sein

könnte, fließen ebenso wie sämtliche

anderen Aussagen, Informationen

und Beweise in das Ermittlungsverfahren

mit ein“, teilte die Polizei

amWochenende mit. Auch dasVideo

wird bei der Bewertungen einbezogen.

EinSprecher sagte am Sonntag:

„Die Ermittlungen dauernan.“

Dem Fahrer wurde im Krankenhaus

Blut entnommen, um zu testen,

ob er Alkohol, Drogen oder Medikamente

genommen hatte. „Die

Ergebnisse der Blutuntersuchung

liegen noch nicht vor“, sagte ein Polizeisprecher

am Sonntag.

Das Blumenmeer an der Invaliden-,

Ecke Ackerstraße wächst und

wächst indessen. Seit Sonnabendmorgen

kommen Menschen aus der

ganzen Stadt und legen auf dem Bürgersteig

Blumen undKerzenab.

Auf der Invalidenstraße ist zurzeit

nur eine Fahrspur in Richtung Osten

freigegeben. Laut Zeugen war der

Porsche erst etwa 70 Meter weiter

westlich an der Invalidenstraße losgefahren.

Der Wagen hatte die Sperrlinie

überfahren, wie auf dem Film zu

sehen ist. (kop.)

Bis zum Sonnabendmorgen dauerte die

Unfallaufnahme in Mitte.

DPA


10 Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Berlin

Studentenblume aus Cipaquirá ,Kolumbien BOTANISCHES MUSEUM (5) Passionsblume (mit kleiner Blüte links) aus Cumana, Venezuela Solanum humboldtii aus Venezuela, nach dem Finder benannt Weihnachtsstern, Humboldt-Bonpland-Exemplar von 1803

Aus Humboldts Händen

In einem unterirdischen Bunker verwahrt das Botanische Museum einen Schatz: 3200 von dem großen Welterforscher in Südamerika gesammelte Pflanzen

VonMaritta Tkalec

Unersetzbar und so unermesslich

wertvoll ist einer

der größten Schätze

Berlins, dass man ihm in

Dahlem einen Bunker gebaut hat: unterirdisch,

mit extra dicken Mauern,

Metalltüren und dann noch einmal

ein extra Raum mit besonders sicheren

Archivschränken und Spezialklima:

konstant bei 20 Grad Celsius

und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Sollte ein Brand ausbrechen, wird

Löschgas eingeleitet. Wasser würde

die hier gehüteten Kostbarkeiten zerstören:

gepresste und getrocknete

Pflanzen. Aber was für welche!

NK2 steht in weißen Lettern auf

der grauen Sicherheitstür,die ins Allerheiligste

des Botanischen Museums

führt, den „Neuen Keller“, in

dem 3200 von Alexander von Humboldt

auf seiner legendären Südamerikareise

von 1799 bis 1804 gemeinsam

mit dem Botaniker Aimé

Bonpland gesammelte, präparierte

und beschriftete Pflanzenbelege lagern.

Viele Pflanzen hat er als erster

Europäer entdeckt und beschrieben

wie zum Beispiel Dahlie, Weihnachtssternoder

Studentenblume.

Tomate vomRio Negro

Jedes der zwischen blauen, dicken

Pappdeckeln und weißem Spezialpapier

lagernden Exemplare hielt

Alexander von Humboldt einmal in

seinen Händen. Viele der Papierblätter

tragen Etiketten mit Humboldts

überaus zierlicher Handschrift.

Dr. Robert Vogt, Botaniker und

Kustos des insgesamt 3,8 Millionen

Exemplare umfassenden Herbariums

des Botanischen Museums,

geht „ohne Kniefall“ routiniert mit

dem Ehrfurcht gebietenden Material

um. Er weiß, in welchen Regalen die

besonderen Stücke liegen. Er knüpft

die drei Schnüreeines Bündels auf –

und vor einem liegt eine plattgedrückte

Tomatenpflanze, gefunden

laut Humboldts handschriftlichem

Vermerk in „America calidiore, in

cultis“ – also in einer Kulturpflanzung,

vielleicht einem Garten, im

heißen Amerika. Neben dem Vermerk

ein kleiner Kreis mit Punkt in

der Mitte, der sagt: Dies ist eine einjährige

Pflanze.

Humboldts geliebter Lehrer in botanischen

Dingen, Carl Ludwig Willdenow,

seit 1801 Direktor des Botanischen

Gartens,gab in seiner genauerenBeschreibung

als Herkunft dieses

Exemplars an:„ad flumen Rio negro“,

am Rio Negro inVenezuela. An Willdenow

hatte Humboldt diesen Beleg

wie auch alle anderen in Berlin aufbewahrten

Stücke geschickt. Diegingen

in dessen persönliche Sammlung ein,

heute als Willdenow-Herbarium dem

Botanischen Museum gehörend.

1803, da war Humboldt längst

nicht vonseiner Reise durch Kolumbien,

Ecuador, Peru, Mexiko und

Kuba zurück, erklärte der Botaniker

die nämliche Tomate zur besonderen

Art, die einen eigenen Namen

verdiene.Solanum humboldtiiWilld.

–Solanum für Nachtschatten, humboldtii

für den Entdecker, Willd. für

den Beschreiber. Forschungen ergaben

2008, dass es sich doch nicht um

eine spezielle Arthandelte.

Neben dem zarten Presspflänzchen,

das neben Blätternund Blüten

auch eine Tomatendolde mit kirschgroßen

Früchten umfasst, hatte

Humboldt auch Samen nach Berlin

geschickt, die Willdenowausbrachte

und am damaligen Standort des Bo-

Beginn: Alexander vonHumboldt

wurde am 14. September

1769 in Berlin geboren.

Erste Bildung erhielt er von

Hauslehrern. Nach einem

Kameralistikstudium in

Frankfurt(Oder) begeisterte

ihn CarlLudwig Willdenowin

Berlin für die Botanik.

Blatt der Paranuss, von Humboldt gesammelt.

DER BEDEUTENDSTE BERLINER

Weltwärts: NachJahren als

Bergbauexpertebrach er

1799 zu seiner fünfjährigen

Lateinamerika-Expedition auf

–zur Vermessungder Welt.

DieAuswertung währte mehr

als 30 Jahre,die Ergebnisse

machtenihn weltberühmt.

1805 warerwiederinBerlin.

Rückkehr: Paris galt als besserer

Wissenschaftsstandort,

doch eine Pension vom

Preußenkönig lockte ihn

nach Berlin. Von1827 an

lebte er –ungern–inBerlin.

Eine letzte Reise führte ihn

1829 weit nach Russland. Er

starb am 6. Mai 1856.

tanischen Gartens in Schönebergzur

Blüte führte. Zujener Zeit betrachtete

man die Tomate als Zierpflanze.

Aber man kannte sie eben schon.

Anders im Fall der Paranuss, auf

die Humboldt und Bonpland am

oberen Orinoco stießen. Zwar verkaufte

man die Kerne bis nach Europa,

doch hatte noch kein Kundiger

den Baum beschrieben, der die wertvolle

Nuss hervorbrachte. Die beiden

Forscher hielten Blätter und die

kokosnussähnliche Frucht in den

Händen, futterten begeistert Nussberge,

doch bekamen sie zu ihrem

größten Verdruss keine Blüte zu Gesicht.

Daher zeigt der nach den Funden

angefertigte Kupferstich neben

dem Blatt zwar Früchte, Samen,

Fruchtachse und den Nusskern, aber

keine Blüte.Gleichwohl kommt dem

Herbarbeleg höchster wissenschaftlicher

Wert zu: Solche Erstexemplare

gelten –ähnlich dem Urmeter –als

Maßder Dinge für jeden nachfolgenden

Forscher.Tausende davon befinden

sich im Botanischen Museum.

Die Schätze heil nach Europa zu

bringen, gehörte zu Alexander von

Humboldts größter Sorge. Immer

wieder setzten Schimmel oderTermiten

den Pflanzen zu. Immer mussten

die Reisenden Berichte über Piratenaktionen

bedenken, wenn sie Lieferungen

vorbereiteten. Gleichwohl gelangten

Teillieferungen oft über den

Hafen Havanna mit Zwischenstation

London oder Madrid nach Paris und

Berlin. Schon 1801 hatte Humboldt

vonCuba aus 1600 Pflanzen in herbarisierter

Form an Willdenow nach

Berlin gesandt. In einem Brief anWilldenow

aus jenem Jahr erinnert er

sich, wie dieser„den Trieb in mir rege

machte, die Tropenwelt zu besuchen

–wenn ich in meiner Phantasie die

Rehberge und die Panke mit den Katarakten

von Atures, ein Haus von

China (China-Fieberrindenbaum), in

dem ich lange gewohnt, vereinigte –

so kommt mir das alles oft wie ein

Traum vor!“

In einem Brief vom29. April1803,

aus Mexiko abgesandt, schrieb er:

„Ich besitze eine ausgezeichnete

Sammlung, die ich zu Quito,zuLoxa,

am Amazonenfluße bei Jaén, auf den

Anden in Peru, auf dem Wege von

Akapulko nach Chilpensingo und

Mexiko, zusammengebracht habe.

Diesen Schatz will ich nicht dem Zufall

der Post anvertrauen; sondern

Dir selber überbringen. Ich habe Alles

höchst sorgfältig geordnet.“

DenBomben knapp entgangen

Nach all diesen Mühen ist es unfassbar,

dass die Sammlung der Zerstörung

im Zweiten Weltkrieg nur

knapp entging: Bevor ein frühes

Bombardement in der Nacht vom 1.

zum 2. März1943 fast vier Millionen

Herbarexemplare des Botanischen

Museums samt Bibliothek zerstörte,

war das Wertvollste, Humboldts

Sammlung, in einen Berliner Banksafe

ausgelagert worden, später in

ein Salzbergwerk bei Bleicherode in

Thüringen. Auch die Rückführung

geriet zum Drama: DerZug mit dem

Kulturgut blieb 1945 über Wochen

unter mysteriösen Umständen verschollen.

Als er gefunden war, bedurfte

es höchster Intervention aus

Berlin, um ihn heimzuholen statt

nach St.Petersburgrollen zu lassen –

er kam in Ost-Berlin an, gelangte

dann aber doch nach Dahlem.

Alexander von Humboldt wurde

am 14. September vor250 Jahren geboren.

Berlin kann ihm für sein Geschenk

nicht genug danken.

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Denkmal für Polen

Hitlers Nerobefehl

Nächster Halt: 1900!

Das Denkmal des polnischen Soldaten und deutschen

Antifaschisten ist ein Denkmal und eine Gedenkstätte im

VolksparkFriedrichshain im Berliner Ortsteil Friedrichshain

des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Es ist die Arbeit

je zweier polnischer und deutscher Künstler und

wurde am 15. Mai 1972 eingeweiht. Es besteht aus einer

Betonsäule mit Bronzefahne und einem Figurenrelief.

Seit dem 1. September 1995 ergänzen je eine Tafel in

deutscher und polnischer Sprache die in sozialistischen

Zeiten verfassten Widmungstafeln.

Das Denkmal steht prominent im nordöstlichen Teil des Volksparks Friedrichshain

auf einer leichten Erhebung und ist über eine Treppe zugänglich.

Der Sieg der Roten Armee war unausweichlich, die sowjetischen

Truppen näherten sich der Oder, daordnete

Adolf Hitler am 19. März1945 an: „Alle militärischen Verkehrs-,

Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen

sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die

sich der Feind zur Fortsetzung seines Kampfes irgendwie

sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann,

sind zu zerstören.“ Der später so genannte Nerobefehl

bezieht sich auf den römischen Kaiser, der befohlen haben

soll, Rom anzuzünden. In Berlin wird vor allem die

Sprengung des Nordsüd-S-Bahn-Tunnels unter dem

Landwehrkanal in Verbindung mit dem Nerobefehl gebracht.

Diese Sprengung führte zur weitreichenden Flu-

tung der U-Bahn. Doch auch viele andereBauwerke,vor

allem Brücken, fielen nach dem Befehl. Hitlers Rüstungsminister

AlbertSpeer hatte am 29. Märzversucht, dessen

Rücknahme zu bewirken. In seinem „politischen Testament“

hatte Hitler den Verbrannte-Erde-Erlass (nach

Stalingrad) und Nerobefehl so begründet: „Wenn der

Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es

ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche

Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht,

Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, es ist besser, selbst

diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hat sich als das

schwächereerwiesen, und dem stärkeren Ostvolk gehört

ausschließlich die Zukunft.“ (mtk.)

Ab sofort kann jeder und jede eine virtuelle Zeitreise

durch dieWelt der Eisenbahn um 1900 unternehmen –in

360-Grad-Touren mit literarischer Tonspur, gelesen von

Katharina Thalbach und Robin Merrill. Das Deutsche

Technikmuseum in Berlin hat das Digital-Projekt rund

um seine historischen Eisenbahnmodelle in Kooperation

mit Google Arts &Cultureumgesetzt. Aufdem Portal

von Google Arts &Culture sind die Virtual-Reality-Touren

weltweit auf Deutsch und Englisch verfügbar –zugänglich

für alle rund um den Globus,rund um die Uhr.

Nächster Halt: 1900!: g.co/deutschestechnikmuseum.Zuallen Inhalten:

https://artsandculture.google.com/partner/deutsches-technikmuseum


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 11 *

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Berlin

Vergangene Zukunft

Der Autor ärgert sich darüber,dass mit dem Futurium die Gelegenheit vertan wurde, wirklich modern zu sein

VonNikolaus Bernau

Was kann die Zukunft

des Menschen sein,

wie kann sie funktionieren,

wie aussehen?

Diesen Fragen widmet sich in Berlin

nun das neue Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum

Futurium.

Der 60-Millionen-Euro-Bau am

nördlichen Spreeufer,auf Sicht- und

Gehminutenentfernung von Kanzleramt

und Reichstag, wurde entworfen

vondem jungen Architektenteam

JanMusikowski und Christoph

Richter sowie den Freiraumplanern

vonJUCA. Siehaben 2012 den Wettbewerb

gewonnen.

Mit seinem kleinen Vorplatz und

der gläsern schimmernden Außenhaut

belebt das Futurium die lange

Reihe von Ministeriums- und Bürobauten

entlang des Nordufers der

Spreemit ihren ödenden Fensterreihungen.

Es ist der einzige Ortandieser

langen Straße,der nur der öffentlichen

Debatte dienen soll, nur dem

Zusammenkommen. Der Vorplatz

wurde mit runden Platten im Quadratraster

gepflastert –ein Motiv der

um 2010 wieder modischen 70er-

Jahre, entsprechend sind solche

Kreise auch sonst als Oberflächendekor

oft im Bau zufinden. Überschattet

wirdder Platz vomweit auskragenden

ersten Obergeschoss des

Futuriums. Darunter lockt das Café

mit seiner Terrasse, leichte, niederländisch

anmutende Möblierung,

gesundes Essen.

Prachtaussicht aufs Kanzleramt

Überhaupt erinnertder Bauanviele

Entwürfe aus der Umgebung des aktuellen

Abgotts der aktuellen Avantgardisten,

Rem Koolhaas aus Rotterdam.

Das beginnt beim fünfeckigen

Grundriss und der geschlossenen

Großform, geht über die machtvollen

Auskragungen des Obergeschosses

und die dekorierte Fassade aus

Glas bis hin zur sehr niederländischen

Grundauffassung, dass öffentliche

Gebäude sich ästhetisch nicht

anschmiegsam zeigen müssen.

Wie kühl etwa ist die riesige,

dunkle,28Meter breite Glaswand im

Obergeschoss.Von drinnen hat man

eine Prachtaussicht auf Kanzleramt

und Bundestag, aber nur abends

So jedenfalls nicht! Das Futurium ist ein altbackener Bau.

IMAGO IMAGESX

ahnt man die Ausstellungsaufbauten

und die Menschen, die darin herumgehen.

Mitdem dunklen Glas werden die

Fotos,Schriften, Modelle und Installationen

in den Ausstellungen vor

dem Sonnenlicht und dem Wärmeeintrag

geschützt. Andererseits –

ohne die große Glaswand gäbe es

das Problem gar nicht.

DasFoyer ist luftig und hell, auch

dieVortrags- undVeranstaltungssäle,

die hier künftig heftige Debatten animieren

sollen. Eine elegante Treppe

mit angenehm gehbaren Stufenhöhen

führt in das Ausstellungsgeschoss.

Dunkler Gussasphaltboden,

edel, aber unpraktisch für die Ausstellungsmacher,die

ihreInstallationen

nicht einfach frei aufstellen können,

sich an fest montierten Auslassungen

orientieren müssen.

Ähnlich edel, aber unpraktikabel

sind die dunkelgrauen Wände, auf

denen jede Ausbesserung sofort zu

sehen sein wird. Und wer hat die

zwar schicke, aber für viele schwer

nutzbare Wendeltreppe genehmigt,

die in das dritte Geschoss führt?

Besser gehen die Besucher gleich zu

den niederländisch-quietschbunten

Haupttreppenhäusern.

Das mit Photovoltaiktechnik

vollgestellte Dach und ein Biogas-

Blockheizkraftwerk sind der wichtigste

Öko-Aspekt des Baus. Doch

nicht einmal ein Drittel der im Haus

verbrauchten Energie werden so

produziert–ineiner Zeit, in der solche

Anlagen längst Energie ins Netz

eintragen, in der Glasfassaden

Kraftwerke sein können. Auch sind

Biokraftwerke durchaus ein Problem

– ihr Treibstoff wird auch in

Monokulturen gewonnen, die für

das Massensterben von Pflanzen,

Insekten, Vögeln, Reptilien und

menschlichen Kulturen sorgen.

Diese Inkonsequenz ist allerdings

nur bedingt den Architekten anzulasten:

Die Ausschreibung des

Wettbewerbs 2012 enthielt keine

Anforderung zurVerwendung nachhaltiger

Baustoffe wie Holz oder wenigstens

Ziegeln statt dem energieaufwändigen

und CO 2 -lastigen

Stahlbeton oder die energetisch

aktiveKonstruktion des Gebäudes.

In den Ausstellungen wird zwar

die Volltechnisierung unserer Wohnungen

als Zukunft behauptet und

von inder Luft schwebenden Kraftwerken

fabuliert. Aber sonst werden

energetische Nachhaltigkeit, Serienfertigung,

Grün an den Wänden

und auf den Straßen, Landwirtschaft

auf den Dächern der Städte,

Energieproduktion durch die

Häuser, neue Verkehrssysteme gefordert.

Dumm nur, dass nichts davon

im Futurium selbst eingelöst

wird. Es ist in vielerlei Hinsicht ein

Bauwerk aus einer vergangenen

Zeit.

easyJet_deutschland

FAMILIENSTAND:

ABGESCHIEDEN.

Erlebe Ruhe und Familieineinem Urlaub –

z.B. in Olbia, Paphos oder Brindisi.

„Die Belastung der Pflegekräfte ist besorgniserregend“

Berlins Kliniken brauchen Geld –umzuinvestieren, aber auch, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Verbandschef Marc Schreiner erklärt die Forderung nach 3,5 Milliarden Euro

Das Abgeordnetenhaus verhandelt

über den Haushalt –und

das ist die Zeit, in der verschiedenste

Gruppen um mehr Ressourcen

kämpfen. Die Berliner Krankenhäuser

machen geltend, dass sie schon

seit Jahren zu wenig Geld bekommen.

Wir sprachen mit Marc Schreiner,

dem Geschäftsführer der Berliner

Krankenhausgesellschaft, über

den Pflegenotstand, marode Technik

und andereFolgen des Spardrucks.

Herr Schreiner, eine Bertelsmann-

Studie hat kürzlich konstatiert, dass

es in Deutschland eine Überversorgung

mit Krankenhäusern gibt. Wie

viele Kliniken braucht Berlin?

Ach, wissen Sie, diese internationalen

Vergleiche halten häufig einer

kritischen Prüfung nicht stand. Die

Organisation der Gesundheitssysteme

lässt sich nicht so einfach vom

einen aufs andere Land übertragen.

Die Kahlschlagtheorie der Bertelsmann-Studie

orientiert sich am Beispiel

aus Dänemark und der dortigen

Entscheidung, Krankenhausversorgung

nur noch in Großkrankenhäusern

zu bieten. Vor ein paar

Jahren waren es noch die Niederlande,

an denen Deutschland sich

messen sollte. Tatsächlich gibt es

selbst innerhalb Europas noch nicht

einmal eine einheitliche Definition

dafür, was überhaupt ein Krankenhaus

ist. Fakt ist aber: InDeutschland

kommen Patienten nur ins

Krankenhaus,wenn alle anderen Behandlungsmethoden

keine hinreichende

Lösung bieten.Wenn wir uns

daran nicht halten, bekommen wir

vonden Kassen keine Vergütung.

Aber auch die Krankenkassen behaupten,

dass zu viele Patienten stationär

betreut werden. Könnte Berlin

die Zahl der Klinikbetten reduzieren?

Das ist längst geschehen, und

zwar in dramatischem Umfang. Wir

haben uns seit der Wende gewissermaßen

gesund geschrumpft, von

40 000 auf heute 22 000 Betten. Die

Bettendichte in Berlin ist unter dem

Bundesdurchschnitt. In Berlin gibt

es eher mehr Bedarf an Betten,

Schließungen sind deshalb absurd.

Sie fordern dafür massive Unterstützung

der öffentlichen Hand. Der Senat

will die Investitionsmittel für die

Kliniken im nächsten Haushalt auf

110 Millionen Euro erhöhen, dazu

kommen Bürgschaften bis zu 90 Millionen

Euro. Sie fordern 350 Millionen.

Wofür brauchen Siesoviel Geld?

Berliner Kliniken haben viele

Jahre lang zu wenig Mittel bekommen,

Berlin hat die gesetzlichen Verpflichtungen

nicht bedient. Und die

Folgen sind längst spürbar. Wir haben

unsere Krankenhäuser befragt,

welche Investitionen bei ihnen notwendig

sind in den nächsten zehn

ZUR PERSON

MarcSchreiner ist seit vorigem Jahr Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft

(BKG) und damit oberster Interessenvertreter der Kliniken in der Hauptstadt. Der 45-jährige

Jurist ist bereits seit vielen Jahren in der Verbandspolitik tätig,bis 2018 leitete er den Bereich

für Europapolitik beim Bundesverband Deutsche Krankenhausgesellschaft und war in Berlin

und Brüssel tätig.

Die Berliner Krankenhausgesellschaft ist der Verband der öffentlichen und privaten Krankenhäuser

in Berlin. Sie vertritt 60 Krankenhäuser mit zusammen 22 000 Betten sowie 46

stationäre Pflegeeinrichtungen. Zusammen erwirtschaften sie einen Umsatz vonrund 3,6 Milliarden

Euro. Das Geld für die Behandlungen bekommen sie vonden Krankenkassen. Investitionen

finanziertdagegen das Land –bislang aber in zu geringem Umfang.

Jahren. Diese Umfrage hat einen

Nettobedarf von 3,5 Milliarden bis

2030 ergeben, pro Jahr also 350 Millionen

Euro. Das ist keine politische

Forderung, sondernesgeht um ganz

konkrete Projekte, die umgesetzt

werden müssen, damit die Berliner

Patienten eine angemessene Gesundheitsversorgung

bekommen.

Ohne ausreichende Mittel kommen

wir immer mehr an unsereGrenzen.

THOMAS UHLEMANN

Wiemacht sich das bemerkbar?

Bei Stromausfällen wurde festgestellt,

dass mancherorts die Notstromaggregate

nicht auf dem neuesten

Stand sind. Es gibt Krankenhäuser,

woder Platzmangel so drastisch

ist, dass Patientenzimmer als Lager

benutzt werden müssen. Es fehlt aber

auch an modernen Medien –ein großer

Teil der Dokumentation müsste

längst digital funktionieren, gerade in

den Operationssälen. Stattdessen

herrscht dort vielerorts Zettelwirtschaft,

was Ressourcen bindet. Auch

die Ansprüche der Patienten werden

nicht überall befriedigt. Es gibt immer

noch viele Mehrbettzimmer und Sanitärräume

auf dem Flur statt im

Zimmer. Unsere Bedarfsrechnung ist

übrigens noch konservativ, denn das

Bauen wirdjajährlich teurer und eine

wirkliche Digitalisierungsstrategie ist

nicht eingerechnet.

Wie viele zusätzliche Pflegekräfte

brauchen die Berliner Kliniken?

Die Berliner Krankenhausgesellschaft

hat dazu beim Deutschen

Krankenhausinstitut eine Prognose

in Auftrag gegeben. Demnach brauchen

wir bis 2030 zusätzliche Fachkräfte

im fünfstelligen Bereich. Das

ist ein immenser Bedarf. Wir haben

einen Maßnahmenplan aufgestellt,

um das Ziel zu erreichen. Das fängt

an mit einer generellen Verbesserung

des Images. Wir müssen aber

auch gezielte Recruitingbemühungen

an den Schulen starten. Undwir

wollen die Ausbildung attraktiver gestalten,

um die Abbrecherquote zu

senken, die doch recht hoch ist.

Meinen Sie nicht, dass die Arbeitsbelastung

das größereProblem ist? Laut

einer DGB-Studie glauben 75 Prozent

der Krankenpfleger nicht, dass sie bis

zur Rente durchhalten.

Ja, das ist besorgniserregend. Es

ist unsere Aufgabe, dringend mehr

Pflegende in den Beruf zubekommen,

damit sich die Arbeitslast auf

mehr Schultern verteilt. Um das zu

schaffen, müssen alle gemeinsam

eben auch die positiven Aspekte dieses

Berufs besser vermitteln. Undes

gibt viele weitereThemen: dieVergütung,

die Vereinbarkeit von Familie

und Beruf, berufliche Weiterentwicklung.

Derzeit bleiben Pflegekräfte

durchschnittlich nur siebeneinhalb

Jahre inihrem Beruf, dann

orientieren sie sich anderweitig. Wir

müssen Lösungen finden, wie wir

diese fertig ausgebildeten Fachkräfte

zurückholen.

Seit Anfang des Jahres gelten für bestimmte

Stationen Personaluntergrenzen

in der Pflege. Halten die Berliner

Krankenhäuser sie ein?

Wir haben gerade die Zahlen für

das zweite Quartal ermittelt. DieUntergrenzen

werden zu 92,4 Prozent

erfüllt. Unter den schwierigen Bedingungen

des Fachkräftemangels

halten die Krankenhäuser die Untergrenzen

also im Wesentlichen ein.

Aber: der Bürokratieaufwand ist

enormund die Begrenzung vonPatientenaufnahmen

ist nicht im Interesse

des Patientenwohls.

DasGespräch führte Frederik

Bombosch.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Radfahrer verletzt.

Ein82-jähriger Radfahrer ist in Berlin-Friedenau

voneinem Auto angefahren

und schwer verletzt worden.

Wiedie Polizei mitteilte,wollte er am

Sonnabend am Friedrich-Wilhelm-

Platz über eine Straße fahren, als er

vondem Wagen erfasst wurde.Der

Radler erlitt Verletzungen an Kopf,

Armen, Beinen und Rumpf und kam

in eine Klinik. Der78-jährige Autofahrer

sei vermutlich bei Rotgefahren,

hieß es. (dpa)

Motorradfahrerin gestürzt.

SchwereVerletzungen erlitt eine Motorradfahrerin

bei einem Verkehrsunfall

am Sonnabend in Hakenfelde.

Derzeitigen Erkenntnissen zufolge

fuhr die 43-Jährige gegen 16.45 Uhr

auf der Niederneuendorfer Allee,

vonderWerderstraße aus kommend,

in Richtung Bernkastler Weg. Weil

vorihr ein Autofahrer verkehrsbedingt

bremsen musste,versuchte sie

dem Fahrzeug auszuweichen, um einen

Auffahrunfall zu vermeiden.

Hierbei stürzte die Frau mit ihrem

Motorrad, geriet in den Gegenverkehr

und prallte frontal gegen den

entgegenkommenden Pkw eines 37-

jährigen Honda-Fahrers. (BLZ)

Antisemitisch beleidigt.

EinUnbekannter hat am Sonnabend

einen Mann in Berlin-Mitte antisemitisch

beleidigt. Nach bisherigen

Erkenntnissen und Zeugenaussagen

befand sich der 36-Jährige gegen

21.10 Uhraneiner Haltestelle der

Tramlinie M10 an der Wolliner

Straße.Anseiner Kleidung befanden

sich Zizit, woraufhin ein Unbekannter,der

ebenfalls an der Haltestelle

wartete,den 36-Jährigen zunächst

fragte,oberJude sei. DerUnbekannte

beleidigte den Mann sogleich

antisemitisch. MehrereZeugen bemerkten

dies und alarmierten die

Polizei. Eine Suche in der Umgebung

nach dem mittlerweile geflüchteten

Täter verlief erfolglos.Die Ermittlungen

zu dem Fall führtder Polizeiliche

Staatsschutz beim Landeskriminalamt.

(BLZ)

Die Polizei im Einsatz in Berlin am Wochenende.

IMAGO IMAGES

GEWINNZAHLEN

Lottozahlen: 9-11-28-29-35-36

Superzahl: 3

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Landeslotterie Super 6: 153814

Glücksspirale: (Gewinner nach Endziffern)

7=10Euro

00 =25Euro

906 =100 Euro

5592 =1000 Euro

83 751 =10000 Euro

036 143 =100 000 Euro

246 412 =100 000 Euro

Prämie: Monatliche „Sofortrente“ in Höhe von

10 000 Euro auf die Nummer 5299 545.

ARD-Fernsehlotterie:

1318 568 gewinnt VW takeup!

1627 956 gewinnt Golf Trendline

9511 336 gewinnt Reise mit Hausboot 6511 6

6511 484 gewinnt Reise in Hotel Dollenberg

4724 919 gewinnt 100 000 Euro

Prämienziehung (nur für Mega-Lose):

8997 319 gewinnt 1000 000 Euro

601 012 gewinnt 100 000 Euro

51 955 gewinnt 10 000 Euro

7267 gewinnt 1000 Euro

87 gewinnt 10 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Hopsen, heulen, glitzern

Spielwiese für Heranwachsende: Das Lollapalooza-Festival hat sich in seinem fünften Jahr etabliert

VonJulia Haak

Als Billie Eilish am Sonnabend

um 17.25 Uhr die

Bühne betritt, ist auf der

Wiese davor schon lange

kein Durchkommen mehr. Auf sie

haben die meisten gewartet, die zur

diesjährigen Ausgabe des Lollapalooza-Festivals

angereist sind. Manche

harren bereits seit Stunden vor

der Bühne aus, umeinen Platz ganz

vorne zu ergattern. Die 17-jährige

aus Los Angeles ist ein echtes Highlight

unter den an diesem Wochenende

beim Festival im und um das

Olympiastadion in Charlottenburg

auftretenden Künstlern.

Es ist ihr katzenhaftes souveränes

Auftreten, aber auch ihre Musik und

vorallem die Tatsache,dass sie nicht

älter ist als ihre Fans, was sie besonders

macht. Undsosingen und hopsen

junge Frauen und Männer vor

der Bühne auf und ab; sie kreischen

und sie heulen, während Billie Eilish

auf der Bühne macht, was sie immer

macht: ihr Ding. Grün gesträhnt, die

HaarezuzweiKnödeln auf dem Kopf

gewickelt, stampft sie auf der Bühne

mit den Füßen auf und dirigiert die

Menge,Ähnliches zu tun.

MitWalle-Gewand und Blaubart

DasLollapalooza Festival geht in diesem

Jahr in die 5. Runde. Esist Routine

eingekehrt, das spürt man. Die

langen Schlangen überall, am Einlass,

vor den Klos und vor den Imbissständen

–esscheint niemanden

mehr zu stören. An den Zugängen

rund um das Festival-Gelände am

Olympiastadion sind Flaschensammler

am Sonnabend in Garnisonsstärke

angetreten. Souverän

sprechen Unter-16-Jährige vor dem

Einlass Erwachsene an, um an der

Seite von Fremden durch die Kontrollen

zu kommen. Drinnen gibt es

neben Musik auch jede Menge andere

Shows. Die Menschen, hauptsächlich

Teenager und Unter-30-

Jährige lassen sich treiben von einer

Bühne zur nächsten.

Viele haben sich schick gemacht,

sie tragen Flatterkleidchen und

Walle-Gewänder, auch die Jungs.

„Weil es Spaß macht“, sagt einer, der

dazu einen Vollbart trägt, der über

und über mit blauem Glitzer bestäubt

wurde. Erhat sich den Bart auf der

This town is coming like aghost

town, all the clubs are being closed

down“ sangen The Specials im

Jahr 1981. 2019 ist Clubsterben ein

fester Begriff im Berliner Diskurs.

Dass hier Clubs schließen müssen,

liegt an strengen Auflagen und steigenden

Ausgaben für diejenigen, die

sie besitzen, und an fehlenden Auflagen

und lockenden Einnahmen für

diejenigen, die in Gebäude und Bebauung

investieren.

Nicht selten wird vom „Ausverkauf

der Stadt“ gesprochen. Dabei

ist Berlin doch nur so attraktiv,

weil hier ein Leben möglich ist,

das unangepasst und frei sein

kann und nicht von Konsum oder

Gewinnen getrieben wird. Wenn

man Querdenkende von hier verdrängt,

dann verdrängt man alles,

was diese Stadt ausmacht.

Auch als Wirtschaftsstandortkann

Berlin nicht genug leisten, wenn es

hier keine Kultur gibt. Schließlich

sind Start-Ups und IT-Unternehmer

nicht in der Hauptstadt, weil man

hier besonders viel verdient, sondern

weil diese Stadt lebendig ist und interessant.

Die Clubkultur zieht die Menschen

an: 22 Prozent des Tourismus

kommen wegen der Clubs und lassen

pro Jahr 1,48 Milliarden Euro hier.

Noch ist Feiern hier günstiger als in

Paris oder London. Aber wie lange

Zeit zum Küssen bleibt bei Lollapalooza zwischendurch …

…wenn nicht gerade Billie Eilish (mit zwei lädierten Fußgelenken) auftritt … IMAGO IMAGES

…oder die Twenty One Pilots, dann ist nur Zeit zum Jubeln.

GETTY

DPA/PEDERSEN

Berlin wird keine Geisterstadt

Die Kulturmanager Lutz Leichsenring

und Dimitri Hegemann streiten für Freiräume

Lutz Leichsenring

noch? Wenn die kreativen Köpfe in

Berlin nicht mehr leben und tanzen

können, weil alles zu teuer ist, verlassen

sie die Stadt und nehmen ihre

geistreiche Energie mit. Einer der

wichtigsten Standortfaktoren ist dabei

eine zurückhaltende Bürokratie.

Davonhat Berlin insbesondereinden

90er-Jahren profitiert.

Manmuss diese hier bestehenden

Freiräume schützen –die realen und

die ideellen. Die Clubs, die Kreativität,

den Austausch. Doch diese

Gastbeitrag

Dimitri Hegemann

Räume verschwinden vermehrt. In

den vergangenen zwölf Monaten

wurden Clubs wie Bassy, Keller, Bar

Babette,Farbfernseher oder Rosis geschlossen.

Zum Jahresende muss der Club

RummelsBucht in Lichtenberg

schließen, weil der Eigentümer dort

die Touristenattraktion „Coral

World“ bauen möchte. Berlin fehlen

aktuell mehr als 30 000 Quadratmeter

Fläche für Clubs, Proberäume

und Studios für Musikproduktionen.

VOLKMAR OTTO, BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Wiese neben dem Stadion derartverzieren

lassen. Fun-Fair, Spaß-Messe,

heißt der Tummelplatz, auf dem vor

allem an den beiden Vormittagen viel

los ist. In langen Schlangen warten

die Leute auf die Gelegenheit, sich

mit Glitzersteinchen Gesichter und

Haare verschönern zu lassen. Eine

Mädchengruppe packt eigene

Schminkutensilien aus.„Einmal Glitzer,

fünf Euro“, ruft eins der Mädchen

in die Menge.War aber nur Spaß, sie

giggeln und ziehen weiter. Zur Pooldanceshow,

dann beim Vodka-Sponsor

ein Wackelbild machen lassen

und mal eben was Härteres trinken,

im Palmengarten ein paar Selfies

schießen, bei Calvin Klein ein bedrucktes

T-Shirt gewinnen und dann

zum Tattoo-Studio.Kostenlos werden

dortKleinstmotiveindie Haut geritzt.

Leider gibt es an diesem Tagkeine

freien Termine mehr. „Och, schade“,

jammern die Mädchen, aber sie lachen

dabei. Unklar bleibt, ob sie sich

wirklich hätten tätowieren lassen.

Nicht ruhig, aber friedlich

170 000 Menschen besuchen das Festival

beide Tage zusammengenommen.

Für den Sonnabend sind die Tickets

ausverkauft. So viele Menschen

an einem Platz, da ist Krach nicht zu

vermeiden. Der Lärm, das ist rund

ums Olympiastadion immer ein

Thema bei Veranstaltungen. Im vergangenen

Jahr hatten sich Anwohner

beschwert. Deshalb gab es diesmal

strengereVorgaben. Im direkten Umfeld

durften 76 Dezibel nicht überschritten

werden, was in etwa einer

Waschmaschine im Schleudergang

entspricht. Die Bewohner von 1400

Haushalten konnten eine Ersatzunterbringung

beantragen. Beschwerden

gab es trotzdem.

Für manch einen Festival-Besucher

ist das nicht nachzuvollziehen.

Am Sonntagmittag umgehen ein

paar junge Männer eine Sperre vor

dem Stadion: „Erst ein Haus am Stadion

kaufen und sich dann über

Lärm beschweren“, rufen sie extralaut

in Richtung einiger Häuschen.

Aber kleinere Schwierigkeiten

gibt es ja immer. Größere sind es in

diesem Jahr bis zum Redaktionsschluss

am frühen Sonntagabend

erstmal nicht. Nach Polizeiangaben

geht es auf dem Festivalgelände an

beiden Tagen friedlich zu.

Damit die Nachtlebenkultur

überlebt, müssen also Lösungen her:

Investitionen in die Subkulturen und

Raumschaffung für den Club als

Kommunikationsort. Das 2013 gegründete

Musicboard in Berlin ist

hierbei eine einzigartige Förderinstitution,

da sie ausschließlich den

Popmusikbereich durch verschiedene

Programme unterstützt.

Im Jahr 2018 stand dem Musicboard

ein Budget von rund 2,2 Millionen

Euro zur Verfügung. Insgesamt

wurden 50 Projekte gefördert.

Erst kürzlich hat das Musicboardgemeinsam

mit dem Land Berlin treuhänderisch

das Rockhaus in Lichtenberg

übernommen und damit

Proberäume für die nächsten 20

Jahregesichert.

Auch Marken haben den Bedarf

erkannt. Wir sind im Creative Board

eines Markenprojekts, denn das bedeutet

für uns auch Nachwuchsarbeit.

Dass sich rund 70 Kollektivebeworben

haben, zeigt: Es gibt Bedarf

für ein solches Förderprogramm.

Wirhaben viel Hoffnung für diese

Stadt, trotz der ganzen Entwicklungen.

Schließlich reden wir hier von

Berlin. Die Stadt, die sich auflehnt,

unbequem und rebellisch bleibt.

Die NIGHT EMBASSY eröffnet ab 6. September

2019 in Kreuzberg,Falckensteinstr.48,

https://night-embassy.com

TELEFONFORUM

Wieman

Pflege gut

organisiert

Fast 136 000 Menschen waren laut

letzter Erhebung des statistischen

Bundesamtes Ende 2017 in

Berlin pflegebedürftig. Mehr als von

ihnen 106 000 lebten zu Hause und

wurden überwiegend allein von Angehörigen

betreut. Selbst wenn etwa

35 000 Betroffene auch Hilfe durch

ambulante Dienste in Anspruch

nahmen –der größte „Pflegedienst“

ist nach wie vor die Familie, insbesondere

Frauen leisten in erheblichem

Maß unbezahlte Arbeit. Eine

schwierige Aufgabe, bei der die Angehörigen

mental und körperlich oft

an ihreGrenzen stoßen. Umso wichtiger

ist es, die Unterstützungsmöglichkeiten

durch die Pflegeversicherung

zu kennen und zu nutzen.

Dasist allerdings nicht so einfach.

DieRegularien sind vielschichtig, die

Bürokratie oftmals abschreckend,

zumal die Betroffenen mit dem Alltag

meist bereits ausgelastet sind.

Am kommenden Donnerstag will die

Berliner Zeitung mit einem Telefonforum

dabei helfen. Experten werden

wichtige Fragen beantworten:

Wo muss ich den Antrag auf einen

Pflegegrad stellen?Wonach richtet es

sich, welchen Pflegegrad man bekommt?

Wie kann man sich darauf

vorbereiten? Wenn nur eine Haushaltshilfe

benötigt wird –finanziert

das die Pflegekasse? Wie kann eine

Ersatzpflegekraft bezahlt werden,

wenn man als pflegender Angehöriger

hin und wieder eigene Termine

hat? Auf welchen Kosten muss man

sich einstellen, wenn der Umzug in

ein Heim nötig wird?

Bekommt man als Pflegebedürftiger

im betreuten Wohnen auch einen

Zuschuss wie Pflegeheimbewohner?

Worauf sollte man achten,

wenn man einen ambulanten Dienst

einbeziehen will? Worin unterschieden

sich Kurzzeit- und Verhinderungspflege?

Gibt es einen Zuschuss,

wenn man mit dem Pflegebedürftigen

verreisen möchte? Wovon hängt

es ab,obbaulicheVeränderungen im

Haus des Pflegebedürftigen von der

Pflegekasse bezuschusst werden?

Unter welchen Bedingungen gibt es

für pflegende Angehörige Zuschüsse

zur gesetzlichen Rentenversicherung?

Zu diesen und allen anderen Fragen

zum Thema Pflege stehen am 12.

September Didar Dündar vom Verband

der Ersatzkassen, Andreas

Schütz von der bundesweiten Compass

Pflegeberatung und Renate Georgvon

den Pflegestützpunkten Berlin

Rede und Antwort. Von16bis 18

Uhrerwarten die Experten am Donnerstagnachmittag

Ihre Anrufe unter

der kostenfreien Telefonnummer

0800-0004743. (BLZ)

Mann bedroht

Mordkommission ermittelt

nach Angriff

A

ngegriffen und mit dem Tode bedroht

wurde am Wochenende

ein Mann in Marzahn. Nach bisherigen

Erkenntnissen stritten sich kurz

vor sieben Uhr morgens zwei Männer

im Alter von 38und 45 Jahren,

auf einem Firmengelände an der

Straße Zur Alten Börse. Dabei griff

der 38-Jährige den Älteren mit einer

Hiebwaffe an und bedrohte ihn mit

dem Tode. Dem Eingreifen eines

Zeugen ist es zu verdanken, dass der

45-Jährige durch den Angriff nicht

schwer verletzt oder getötet wurde.

Der Tatverdächtige flüchtete, nachdem

weitere Zeugen hinzukamen.

Spezialeinsatzkräfte des Landeskriminalamtes

konnten den 38-Jährigen

später in dessen Wohnung festnehmen.

(BLZ)


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09092019


14 Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

Das Berliner Wetter imAugust 2019

Temperatur Monatsmittel:

Langjähriges Monatsmittel:

Niederschläge gesamt:

Langjähriges Monatsmittel

Niederschlag:

Sonnenschein gesamt:

Langjähriges Monatsmittel:

21,4°C heiter wolkig bedeckt Regenschaueregeschauer

Regen Gewitter Schnee-

Schnee-

Schneefall Nebel

19,2°C

°C

52 l/m 2 45

59,0 l/m 2

239,9 h

220 h

40

35

30

Temperatur

Wärmster Tag: 33,9°C

Niederschlag

l/m2

30

25

20

Temperatur

Tagesmaximum in Grad Celsius

2019 2018

Tagesminimum

2019 2018

Niederschläge

in Liter pro Quadratmeter

2019 2018

25

20

15

0

Kälteste Nacht: 11,5°C

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

BLZ/GALANTY;QUELLE:WETTERKONTOR GMBH AUF DER BASIS VON DATEN DER WETTERSTATION TEMPELHOF

15

10

5

0

Eindeutig zu warm

Nach normalem Augustwetter schwang sich der Sommer am Ende des Monats noch zu einer kleinen Hitzewelle auf

VonSusanne Dübber

Der Monat August begann

angenehm. Ein typischer

mitteleuropäischer Sommer

in gemäßigten Breiten

mit Hoch- und Tiefdruckgebieten

im Wechsel. Aber dann ab dem 20.

drehte er auf, wurde plötzlich noch

einmal zu einem Hochsommer,

kleine Hitzewelle inklusive. Mit

durchschnittlich 21,4 Grad war es im

langjährigen Mittel um 2,2 Grad zu

warm. Damit war Berlin das wärmste

deutsche Bundesland.

Dabei hatte der Monat mit reichlich

Niederschlag begonnen. Gleich

am 2. kam ordentlich was runter, 35

Liter pro Quadratmeter, eine willkommene

Abkühlung nach dem trockenen

Juli. Nicht für alle –der Starkregen

verursachte Wasserschäden in

Gebäuden und auf Straßen. Im U-

Bahnhof Hermannplatz floss das

Wasser die Treppe bis zum Bahnsteig

runter. Auf der Klingelhöferstraße in

Tiergarten stand das Wasser so hoch,

dass sich der Verkehr staute. Auf der

Tiergartenstraße blieben Wagen im

teilweise knietiefen Wasser liegen.

Die Feuerwehr rief den Ausnahmezustand

aus und war auch selbst

betroffen, in mehrereWachgebäude

war Wasser eingedrungen. An den

Flughäfen Tegel und Schönefeld kam

es zu wetterbedingten Verzögerungen.

Stefan Zender vomWetterdienst

Wetterkontor: „Das war aber schon

der regenreichste Tag, danach kam

nicht mehr viel.“ So gab es am 6.

noch einmal mit 7,2 Litern pro Quadratmeter

ordentlich Nass vonoben,

am 18. waren es 10,9 Liter.Insgesamt

sechs Tage Regen –Schluss.

Reichlich Regen gab es am 2. August

Wo es regnet, blitzt es oft auch, da

war Berlin in diesem Sommer Meister.

Von Juni bis August gab es bundesweit

knapp 4,4 Millionen Blitzentladungen.

Das waren weniger als

üblich und im Sommer 2018. Über

fünf Millionen Blitze waren damals

registriert worden. Mit rund 21 Blitzenpro

Quadratkilometer war Berlin

der unübertroffene Spitzenreiter unter

den Bundesländern.

Die allgemeine Lage veränderte

das nicht, es war einfach zu heiß. Die

DPA

kälteste Nacht mit 11,5 Grad zum 23.

war schnell vergessen, ab dem 25.

stiegen die Temperaturen auf hochsommerliche

30 Grad. Am letzten Tag

des Monats,dem 31., herrschten 33,9

Grad, so wurde er der heißesteTagdes

Monats.Die hohenTemperaturen ließen

imWasser der Spreeander Museumsinsel

giftige Blaualgen prächtig

blühen. So musste das Spreeschwimmen

–wie bereits im Juni –ausfallen,

Gesundheitsgefahren für die rund

700 Teilnehmer drohten.

Sommerzeit, Zeit fürsGlück draußen.

Eitel Sonnenschein herrschte an

neun Tagen, 239,9 Stunden waren es

zusammen, das langjährige Monatsmittel

liegt nur bei 220 Stunden.

MitdiesenWerten ist der Sommer

2019 laut dem Deutschen Wetterdienst

der drittheißeste seit Beginn

der Messungen. Klimaforscher Mojib

Latif vomHelmholtz-Zentrum für

Ozeanforschung analysiertdie Lage:

„Man kann sehen, dass Extremtemperaturen

über 30 Grad in den letzten

Jahrzehnten zunehmen.“ Diese

DPA

Häufung könne man durchaus mit

dem Klimawandel begründen.

Denbemerken auch dieVersicherungen.

Er macht sich nach Ansicht

des Chefs der HDI-Versicherung,

Christoph Wetzel, anhand wachsender

Schäden durch extreme Wetterlagen

bemerkbar. „Die Zahl der

Schäden nimmt zu und die Schadenshöhen

ebenfalls.“ Neusei auch,

dass die verschiedenen Wetterphänomene

jetzt offenbar mehr übers

ganze Jahr verteilt sind, wie Starkregen

im Sommer.„DieKlimaveränderung

existiert jedenfalls und wir

müssen damit umgehen.“

In Brandenburgstellte sich die Situation

noch zugespitzter dar als in

Berlin. Mehr als 350 Malhat es in diesem

Jahr in den Wälderndortbereits

gebrannt. Raimund Engel, Waldschutzbeauftragter

des Landes,

sagte, auch einzelne Schauer könnten

nicht helfen, das Wasser sickere

gar nicht erst ein. In Potsdam zum

Beispiel hatte es im August nur etwa

elf Liter pro Quadratmeter geregnet.

Am 31. stiegen die Temperaturen auf

34 Grad. Normal wären zu dieser

Jahreszeit 22 Grad gewesen, stellte

der Deutsche Wetterdienst in Potsdam

fest.

Experte Engel über die Situation:

„Der Boden ist echt trocken, knochentrocken.

Wir bräuchten immer

wieder Regen, damit die Erde langsam

durchfeuchtet und das Wasser

aufnehmen kann.“ Auf jeden Fall ist

der Sommer nun vorbei. Mit dem

Monat September beginnt metrologisch

der Herbst und damit für viele

Früchte die Erntezeit. In der wird

sich der zu warme Sommer weiterhin

bemerkbar machen. Deutschlandweit

rechnen die Bauern mit einer

geringeren Apfelernte. 912 000

Tonnen werden es sein, die Durchschnittserntemenge

liegt bei gut einer

Million Tonnen Äpfel, teilt Helwig

Schwartau von der Agrarmarkt-

Informationsgesellschaft in Hamburg

mit. Prall und rund sind sie

nicht durchgängig. Dieextreme Sonneneinstrahlung

führt zu Einsenkungen,

Verbräunungen auf der

Schale. Die Preise allerdings bleiben

im üblichen Bereich. (mit dpa)

Kaiserlicher Weihnachtstraum

LESERREISEN

Reiseziel Wien

Erleben Sie das

vorweihnachtliche Wien

Die Zeit bis zum Weihnachtsfest ist eine Zeit der Romantik

und Idylle: Wien schimmert im milden Glanz der

Kerzen, die Luft duftet nach Lebkuchen, Glühwein und

Weihnachtsgebäck. Viele Straßen und Geschäfte sind

festlich geschmückt und die Weihnachtsmärkte verzaubern

ihre großen und kleinen Besucher. Neben den

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LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 15 *

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Berlin/Brandenburg

Neue Brücke

ins

alte Europa

Pop reist mit Berliner

Delegation in die USA

Wirtschaftssenatorin

Ramona

Pop (Grüne) reist vom 14. bis

19. September an die Ostküste der

USA. Gemeinsam mit einer Berliner

Wirtschaftsdelegation wirddie Senatorin

in New York und Boston Akteure

aus Politik und Wirtschaft treffen.

Dabeisein werden unter anderem

BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta,

der Geschäftsführer von Berlin Tourismus

&Kongress GmbH, Burkhard

Kieker, und die Präsidentin der Industrie-

und Handelskammer (IHK),

Beatrice Kramm.

„Der amerikanische Präsident

baut Brücken nach Europa ab, wir

wollen Brücken bauen. In einer Zeit,

in der laute Stimmen mehr Egoismus

fordern, ist es umso wichtiger,

aufeinander zuzugehen und noch

enger zusammenzurücken“, sagte

Popder Berliner Zeitung.

New York und Berlin hätten als

wachsende Metropolen ähnliche

Themen. Pop erklärte, dass man die

Reise dazu nutzen wolle, die engen

Wirtschaftskooperationen zu intensivieren.

Das betreffe Fragen in der

Digitalwirtschaft genauso wie die

Themen Infrastruktur,Klimaschutz,

Mobilität, Gesundheitswirtschaft

und Tourismus.

„Internationale Kontakte können

Märkte eröffnen, transnationale Kooperationen

anbahnen und Kapitalflüsse

nach Berlin erleichtern“, betonte

die Senatorin. Sie freue sich,

dass zahlreiche Berliner Unternehmensvertreterinnen

und -vertreter

Interesse an einem vertieften Austausch

hätten und die Reise nach

NewYorkund Boston begleiten.

Ramona Pop wird auch Eric

Adams, den Bezirksbürgermeister

von Brooklyn treffen. Zudem ist geplant,

dass die Senatorin das Immigrationsmuseum

Ellis Island besucht.

In Boston liegt der Schwerpunkt

dann auf der Gesundheitsforschung.

(mre.)

Ramona Pop, Grüne, will in den USA netzwerken.

DPA

Explosives Erbe

In der Lieberoser Heide wird Munition ausgegraben, um Waldbrände besser bekämpfen zu können

VonTorsten Müller,Peitz

Das, was diese Männer da

auf der weiten Fläche eines

gerodeten Waldstücks

in der Lieberoser

Heide machen, erinnert tatsächlich

an die Mühen von Sisyphos. Eine

nimmer endenwollende Arbeit. Das

jedenfalls ist einer der Gedanken, die

wohl allen Beobachtern kommen,

wenn sie die Männer der Firma Munitionsbergung

Röhll aus Brandenburg

Havel sehen. Die arbeiten mit

ihren Gerätschaften ganz akribisch

in der Nähe vonPeitz (Spree-Neiße).

Mit einer Tiefensonde, die nicht

größer ist als ein Staubsaugerrohr,

scannt ein Kollege den Boden der kilometerlangen

Waldschneise. Sobald

das Suchinstrument, das auf

Metall reagiert, Signale aussendet,

wirdein rotes Fähnchen in den Sand

gesetzt. Es flattern schon sehr viele

davon im Wind.

Nagel oder Granate –ist die Frage

FeuerwerkerSteffen Pipenburg sucht Munition mit einer Tiefensonde.

Die Lieberoser Heide liegt

rund 90 Kilometer südöstlich

vonBerlin. Kiefernwälder

und sandigeOffenflächen

bestimmen die Landschaft.

Die Waffen-SS richtete

dortden Übungsplatz

„Kurmark“ ein. Die Sowjetarmee

nutzte ihn bis 1992 für

Artillerie-, Panzer- und auch

Raketenübungen.

BRÄNDE VERNICHTETEN 950 HEKTAR WALD

Genau dort setzt ein zweiter Mann

vorsichtig seine Schippe an. Erweist

sich ein Fund als besonders groß

oder tief gelegen, zieht er weiter und

lässt die Fahne stehen. Es ist ein Hinweis

darauf, dass dortspäter ein weiterer

Mitarbeiter mit schwerem Gerät,

einem Bagger,ran muss.

„Du weißt nicht, ob die Sonde einen

rostigen Nagel oder eben doch

den Rest einer 125er-Granate anzeigt“,

sagt Feuerwerker Steffen Pipenburg,

der die Arbeiten seiner

Leute vor Ort koordiniert. „Deshalb

buddeln wir jeden Fund an, da

kommst du an manchen Stellen aus

dem Graben gar nicht mehr raus.“

Der 32-Jährige ist als Räumstellenleiter

für die ordnungsgemäßen

und sicheren Abläufe der Munitionsbergung

auf einem knapp sechs

Hektar großen Abschnitt am östlichen

Rand des riesigenWaldgebietes

zwischen Lieberose und Peitz verantwortlich.

Seit April holen er und

seine Männer dort im Auftrag des

Landesbetriebes Forst Brandenburg,

dem heute rund drei Viertel der

mehr als 20 000 Hektar umfassenden

Heide gehören, jegliches vermeintliche

Gefahrengut aus dem Boden.

Rund um das Waldgebiet wurde ein

etwa 50 Meter breiter, entmunitionierter

Brandschutzstreifen gelegt. Er

soll zum einen künftig im Falle eines

Brandes ein Übergreifen der Flammen

auf siedlungsnahes Gebiet verhindern.

Zumanderen sollen Feuerwehr

und Einsatzkräfte ihn auch betreten

und somit ihre Löschangriffe

besser fahren können.

Das ist bislang an vielen Stellen

aufgrund der explosiven Vergangenheit

der Lieberoser Heide als sowjetischer

Truppenübungsplatz und der

daraus resultierenden Belastung des

Bodens mit Restmunition nicht

möglich. Insbesondere bei den

Bränden der vergangenen zwei, drei

Jahre erwies sich die eingeschränkte

Einsatzmöglichkeit der Feuerwehr

als verheerend. Deswegen hat das

Nach der Wende gingen die

über 20 000 Hektar an verschiedene

Eigentümer,neben

dem Landesbetrieb

Forst und privaten Waldbesitzerndie

Stiftung Naturlandschaften

Brandenburg,

die dortzum Teil wieder Wildnis

entstehen lassen will.

Seit 2017 zerstörten Brände

rund 950 Hektar Wald.

BERND FRIEDEL

Kampfmittelfrei konnte in

diesem Jahr bereits ein rund

15 Hektar großer Abschnitt

des Schutzstreifens im südlichen

Bereich der Lieberoser

Heide an den Landesbetrieb

Forst übergeben werden. Gut

1,5 Tonnen explosiveAltmunition

sowie eine weitere

Tonne Militärschrott wurden

geborgen und entsorgt.

Land Geld bereitgestellt, um die Arbeiten

an dem Brandschutzgürtel zu

intensivieren.

An diesem Tagbergen die Spezialisten

um Pipenburgvor allem Patronen,

Gewehrläufe sowie Granatreste.

Es gab in der Vergangenheit aber

auch schon Bombenfunde, die vom

Brandenburger Kampfmittelbeseitigungsdienst

direkt auf der Fläche gesprengt

wurden. Der Spezialdienst

der Polizei ist für die professionelle

Entsorgung der Alt-Munition zuständig,

die täglich abgeholt wird.

Am Wegesrand des neuen Schutzriegels

türmt sich auch ein großer

Schrottberg, der sich im Laufe der

Bergungsarbeiten angehäuft hat:

Vom schweren Eisenträger bis zur

Panzerkette, vom Kochgeschirr bis

zum zerbeulten Tankbehälter ist alles

dabei.

Wenn niemand etwas dagegen

hat, wirdOberforstrat Claus-Rüdiger

Seliger den einen oder anderen Fund

wieder in seinem Büro inPeitz ausstellen.

Ein paar Stücke stehen dort

schon. „Damit die Leute, die zu uns

kommen, eine Ahnung davon erhalten,

mit welchem Erbe wir es hier zu

tun haben“, sagt der Leiter der Landeswaldoberförsterei

Peitz. Sieist für

die Waldbewirtschaftung auf einem

Großteil der Fläche zuständig.

Die Oberförsterei bezahlt

Claus-Rüdiger Seliger hat gleich

mehrere Karten zur Hand, die das

Gebiet in grüne, gelbe, blaue oder

rote Zonen unterteilen. Sie sind das

Ergebnis von Erkundungs-Gutachten

und zeigen an, wo mit oder ohne

Einschränkungen Forstwirtschaft

betrieben werden kann bzw. der

Wald nicht betreten werden sollte.

„Wir sind sehr gut im Bilde, wie unterschiedlich

stark die Flächen im

einzelnen belastet sind“, sagt der

Forstingenieur, „rot heißt zum Beispiel

–dadürfen wir gar nicht ran,

bevor nicht entmunitioniertist.“

Es heißt auch, da geht die Feuerwehr

nicht rein, zu gefährlich für die

Kameraden. Immerhin sind die Verbotszonen

in den Bereichen, die

dem Landesbetrieb gehören, in den

letzten Jahren erheblich kleiner geworden.

„Je nachdem, wie es die Finanzen

hergeben, lassen wir schon

lange Zeit jährlich zwischen 40 und

50 Hektar vonden zertifizierten Munitionsbergungsbetrieben

freiräumen“,

sagt Claus-Rüdiger Seliger.

Das Geld dafür wird von der Oberförsterei

selbst erwirtschaftet.

Trotzdem müssen noch mehrere

Hundert Hektar von den Spezialunternehmen

wie der Firma Röhll ungefährlich

gemacht werden. Erst

dann können sie für den nachhaltigen

Waldbau zur Verfügung stehen

und werden nicht so leicht ein Opfer

der Flammen. „Im nächsten Jahr

wollen wir weitere 80Hektar schaffen,

das wäre ein richtig großer

Schritt“, sagt Claus-Rüdiger Seliger.

Es klingt so, als könnte Sisyphos

doch noch den Stein auf die Spitze

des Berges hieven.

NACHRICHTEN

Verzögerungen beim Bau des

BER-Zusatzterminals

Beim Baudes Terminals 2amkünftigen

Hauptstadtflughafen BER gibt es

Verzögerungen. In den vergangenen

Wochen seien„bauliche Anpassungen“

notwendig geworden, die inzwischen

weitgehend abgeschlossen

seien, sagte ein Flughafensprecher

am Sonntag. So seien teilweise Auslassungen

für technische Anlagen im

Beton nicht an der richtigen Stelle gewesen.

DieBild am Sonntag hatte berichtet,

wegen gravierender Planungsfehler

sei es unwahrscheinlich,

dass das Terminal wie geplant zum

Oktober 2020 fertig wird. Dann soll

der BER mit neun JahrenVerspätung

in Betrieb gehen. Anders als im Terminal

1baut nicht die Flughafengesellschaft

das Terminal 2sonderndie

FirmaZech Bau. (dpa)

Stübgen führtdie CDU in

Koalitionsgespräche

Nach dem angekündigten Rücktritt

vonBrandenburgs CDU-Landesvorsitzendem

Ingo Senftleben haben

Landesvorstand und Vertreter der

Landtagsfraktion am Sonntag den

Bundestagsabgeordneten Michael

Stübgen als kommissarischen Landeschef

bestätigt. Er werdeauch die

Führung in den Sondierungsgesprächen

mit SPD und Grünen übernehmen

und sei zur Übernahme eines

Ministeramts bereit, sagte Stübgen.

Der59-Jährige will beim Landesparteitag

Mitte November auch offiziell

für den Vorsitz kandidieren. (dpa)

Toter nach Explosion in

Eisenhüttenstadt

Nach einer Explosion ist in Eisenhüttenstadt

ein Mann tot gefunden worden.

Laut Polizei hat es am Sonnabendmorgen

gegen 3.30 Uhreinen

explosionsartigen Knall gegeben.

Nach Angaben der Polizeidirektion

Osthandelt es sich bei dem Toten

um einen 39-Jährigen. (dpa)

Cannabis-Plantage mit 200

Hanfpflanzen ausgehoben

DiePolizei hat in Joachimsthal (Kreis

Barnim) eine Cannabisplantage mit

insgesamt 200 Hanfpflanzen ausgehoben.

Beamte hätten auf einem

Grundstück zunächst mehrere

Hanfpflanzen entdeckt, berichtete

die Polizeidirektion OstamSonntag.

Beieiner Durchsuchung seien insgesamt

200 Pflanzen sichergestellt

worden. Nach dem 29-jährigen Tatverdächtigen

wirdgefahndet. (dpa)

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Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 17

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Lokalsport

Verfolgt eine klare Linie: Birol Isikay, Vereinsvorsitzender der PBC Adler.

BERND FRIEDEL

Gentlemen über der Werkstatt

Tierisch fit: Wieder Billardclub PBC Adler dafür sorgen will, dass in Berlin künftig wieder mehr gute Spieler an den Tischen stehen

VonChristian Kattner

Die Hausnummer ist problemlos

zu finden. Ein

erstes Logo gibt auch

den Hinweis, dass sich

der „Adlerhorst“ hier befinden soll.

Unddoch fühlt man sich als Unwissender

beim Gang über den Hinterhof

irgendwann verunsichert. Spätestens

als der Weg nur noch in

Richtung einer KfZ-Werkstatt zu

laufen scheint, wirkt es, als ob der

PBC Adler Berlin seinem Vereinsleben

doch an einem anderen Ort

nachgeht. Erst das zweite Logo über

der Werkstatt und das kleine Hinweisschild

am Aufgang Dgeben in

der Monumentenstraße 35 in Schöneberg

endgültig Gewissheit, dass

sich die Heimspielstätte des Verbandsligisten,

das Billardaire, in der

ersten Etage befindet. 1991 wurde

das Billardaire eröffnet und war so

etwas wie die Rettung die Adler.

Denn die standen zu diesem Zeitpunkt

kurz vor ihrer Auflösung.

„Zum Glück haben sie aber hier

überlebt“, erzählt BirolIsikay.

Der selbstständige Bauunternehmer

ist heute der Vorsitzende

des Vereins, andessen Entstehung

er allerdings nicht beteiligt war.

Auch deshalb kann er nur spekulierenund

sich durch Recherche Informationen

darüber einholen, warum

sich die Schöneberger den König

der Lüfte für ihren Vereinsnamen

auserkoren haben. „Bei der Vereinseintragung

hat wohl eine Eva Adler

mit unterschrieben“, erzählt Isikay,

„ich denke mir, dass da der Name

herkommt.“

Ganz genau weiß er es aber

nicht. Seit 1980 bereichernAdler die

Tierwelt der Berliner Poolbillard-

Szene, kreisen über den Buffalos

oder Dolphins, die ebenfalls in der

Hauptstadt beheimatet sind. Insgesamt

14 Vereine existieren derzeit in

Berlin, ganz oben, also in der 1.

Bundesliga, spielt aber keiner. „Für

die Größe und die Einwohnerzahl

Berlins haben wir wenig Mitglieder“,

sagt Birol Isikay, „es gibt ein

paar erfolgreiche Berliner Spieler,

aber im Gegensatz zu den westlichen

Bundesländernhängen wir da

ein bisschen hinterher.“ Der Berliner,aber

auch der deutsche Billard-

Verband sind sehr engagiert, haben

das vergangene Wochenende unter

das Motto „Deutschland spielt Billard“

gesetzt.

In manchen Ligen startete dabei

schon die Saison, in Berlin wurde

das erste Turnier der Young Oldies

gespielt. Karsten Schleitzer vertrat

dabei die Adler. Erist einer von 22

Mitgliedern zwischen Anfang 20

und Mitte 60 in dem Verein, der

zwischen dem U-Bahnhof Kleistpark

und dem S-Bahnhof Julius-

Leber-Brücke sein Jagdrevier verteidigt.

Sportlich haben die Adler

dort schon bessere Zeiten erlebt.

Mehrere Berliner Meister haben

sie in den 39 Jahren ihres Bestehens

hervorgebracht. Auch der aktuell

beste Spieler Berlins, André

Lackner, der mehrfach Deutscher

Meister geworden ist und aktuell

in Reihen des 1. PBC Wedding in

der 2. Bundesliga spielt, hat bei

den Adlern begonnen. Noch voriges

Jahr spielte die erste Mannschaft

der Adler in der Regionalliga.

„Die ist mehrmals nur knapp

am Aufstieg in die 2. Bundesliga

gescheitert“, erzählt Birol Isikay.

Doch diese erfolgreiche Mannschaft

musste sich auflösen. Berufswechsel,

Wechsel des Studiums

und daraus resultierende,

fehlende Zeit oder ein Wechsel des

Wohnorts erzwangen ein Ende des

so erfolgreichen Teams. Ineinem

Sport, von dem man nicht leben

„Es gibt ein paar erfolgreiche Berliner Spieler,

aber im Gegensatz zu den

westlichen Bundesländern hängen wir

da ein bisschen hinterher.“

Birol Isikay, Vorsitzender der PBC Adler Berlin, hat vor, diese Ausgangslage

im Billardsport innaher Zukunft zu ändern.

kann, haben logischerweise andere

Dinge Priorität.

DerAdlerhorst in der Monumentenstraße

ist allerdings auch so etwas

wie eine Castingbühne. Denn:

Nicht nur die Adler spielen und trainieren

hier, sondern auch jeder Billardinteressierte

kann an den zahlreichen

Tischen eine ruhige oder

eben sportliche Kugel schieben.

Nach einem sportlich durchwachsenen

Jahr, indem die neue erste

Mannschaft den Klassenerhalt in

der Verbandsliga nur schaffte, weil

parallel die zweite Mannschaft aus

der Landesliga aufstieg, haben sich

auch ein paar neue Spieler imVerein

angemeldet. „Neben den Mannschaften

in der Verbands- und Landesliga

haben wir auch eine Mannschaft

in der Kreisklasse gemeldet,

das ist so eine ArtSchnupperteam“,

sagt der Vereinsvorsitzende, „da

können die ganz Neuen, die in den

vergangenen Monaten eingestiegen

sind, auch ihre Spielpraxis sammeln.“

In so einem Turniermodus lerne

man am besten, hat schon einen gewissen

Druck. Viele der Neulinge

finden den Wegdorthin und zu den

Adlern über Mundpropaganda.

Eine offensiv ausgelegte Werbekampagne,

umneue Mitglieder zu

gewinnen, gibt es nicht. „Die Leute

finden den Laden im Internet,

schreiben uns dann auch mal per E-

Mail an und dann trifft man sich mit

denen“, so Isikay, „wenn es passt,

werden sie mit eingebunden.“ Den

Adlern ist es wichtig, dass die Vereinsmitglieder

in den Ligen spielen

und nicht nur angemeldet sind, um

kostenlos im Billardaire spielen zu

können. Dort möchten die Adler

künftig stattdessen auch wieder ein

Training mit einem ausgebildeten

Trainer anbieten. Aktuell gibt es

nämlich keinen. Aber: „Zwei unserer

Spieler sind bereit, einen Trainerschein

zu machen. Wir wollen

dann auch wieder Jugendtraining

anbieten, aber dafür braucht es

eben die richtige Ausbildung und

Erfahrung, um sie anzuleiten“, sagt

der Vereinsvorsitzende.

Damit die Neulinge nicht allein

im Spielbetrieb gelassen werden,

wird ihnen für den Verlauf der Saison

ein erfahrener Spieler zur Seite

gestellt. Denn: „Billard ist ein Gentleman-Sport“,

so Isikay. Dinge wie

sportliche Fairness, eine vernünftige

Begrüßung und respektvoller

Umgang gehören genauso dazu, wie

eine einheitliche Kleidung, welche

aus einer schwarzen Stoffhose, eleganten

Schuhen und einem Poloshirt

mit dem Vereinslogo besteht.

Schließlich möchten die Adler auch

in Zukunft wieder dazu beitragen,

dass gute Spieler in Berlin ausgebildet

werden. Davon gibt in der

Hauptstadt nämlich zu wenig.

Bisher in der Serieporträtiert:

ZehlendorferWespen (29. Juli),

Weddinger Wiesel (22.Juli),

BerlinFlamingos (12.August),

BC LionsMoabit 21 (19. August),

BerlinKettle Bears(26. August),

Berliner Wasserratten (2. September).

Wachsen in Weißensee

Der SV Berliner Brauereien ist in die Zweite Badminton-Liga aufgestiegen. Schon am dritten Spieltag geht es gegen Empor Brandenburger Torund um die Frage: Werist Nummer eins?

VonChristian Kattner

Am Gesicht des Teams hat sich

über den Sommer nicht viel geändert.

Wenn man überhaupt nach

äußerlichen Veränderungen sucht,

fällt einem beim Vergleich der Fotos

der vergangenen und kommenden

Saison das neue Trikot auf. Werganz

genau hinschaut, sieht dazu auch die

neue Frisur bei einem Badminton-

Spieler des SV Berliner Brauereien

(SVBB). Ob es sich damit nach dem

Aufstieg besser spielt, wird sich erst

herausstellen müssen.

Robert Mauer ist da, nicht wegen

der neuen Frisur,sondernder sportlichen

Qualität, zuversichtlich. Personelle

Veränderungen hat der Abteilungsleiter

für die Zweite Bundesliga

auch deshalb nicht vorgenommen.

Denn Mauer ist überzeugt

davon, „dass die Mannschaft stark

genug ist, um den Klassenerhalt zu

schaffen“. Leicht wird esnicht. Am

Sonntag wurde diese These beim

Hamburg Horner TV erstmals überprüft,

die Partie endete 3:4. Dererste

Auftritt am Sonnabend in Liga zwei

endete für die Berliner mit einem 2:5

beim TSVTrittau II.

Noch vorein paar Jahren wäreein

Start dort undenkbar gewesen. Der

Verein mit seiner Heimspielstätte in

Weißensee hatte sich nahezu ausschließlich

auf den Nachwuchs konzentriert;

noch heute sind mehr als

die Hälfte aller 260 Mitglieder Kinder

und Jugendliche. Doch umso besser

die Ausbildung lief, desto größer

wurden die Begehrlichkeiten anderer

Vereine, die Spieler abwarben.

„Wir wollten und mussten eine Perspektive

im Erwachsenenbereich

schaffen“, sagt Robert Mauer. Mit

der aktuell ersten Mannschaft ist das

gelungen, „weil ein Großteil des

Teams auch im Verein groß geworden

ist“, erzählt er voller

Stolz.

Es ist schließlich nicht

selbstverständlich, und

das gilt beileibe nicht nur

für Badminton, dass sich

eine erfolgreiche Mannschaft

fast ausschließlich

aus im eigenen Verein ausgebildeten

Spielern zusammensetzt.

Zudem, das

gibt Mauer auch unumwunden

zu, hat der Verein auch im

vergangenen Jahr vom Rückzug des

Europapokal-Siegers und mehrfachen

Deutschen Meisters, BC Eintracht

Südring, aus dem überregionalen

Spielbetrieb profitiert. Aus

Zuversichtlich:

RobertMaurer

dessen erster Mannschaft seien

Spieler zum SVBB gewechselt. Der

Weg aus der Regionalliga in die

Zweite Liga war geebnet. Schon vor

fünf Jahren wäre der Aufstieg

fast geglückt. Wasdamals

eher Zufall war,

wurde in der abgelaufenen

Saison geplant. „In der Regionalliga

kann man die

Teams gut einschätzen

PRIVAT

und weiß, welche Spieler

man braucht, um oben

mitzuspielen“, sagt Maurer,

„wir waren die Favoriten

und die Gejagten.“

Dem Druck konnte die Mannschaft

relativ problemlos standhalten,

feierte bereits Mitte Januar den

vorzeitigen Aufstieg. Zudem stieß die

zweite Mannschaft in die Regionalliga

vor. In der neuen Saison sollen

beide Teams natürlich den Klassenerhalt

realisieren. Gerade in der Regionalliga

sind die Gegner bestens

bekannt, aber auch in der Zweiten

Bundesliga startet die erste Mannschaft

nicht ohne Vorwissen über die

Stärke der Gegner. „Man kennt die

Liga, weil unsere Spieler schon auf

Ranglistenturnieren gegen die meisten

Gegner gespielt haben“, sagt RobertMauer,„in

den letzten zwei, drei

Jahren ist das Niveau der 2. Bundesliga

etwas nach unten gegangen. Das

liegt daran, dass sich die Vereine weniger

Ausländer holen, sondern auf

junge deutsche Spieler setzen und

sie auch ausbilden. Wirsind aber absolut

der Underdog.“

Das soll längst nicht so bleiben.

Erst einmal möchte sich der SVBB

mit seiner Badmintonabteilung in

der 2. Bundesliga etablieren und

eine eigene Philosophie entwickeln.

Aber,und da spricht RobertMauer in

seiner Funktion des Vizepräsident

im Badminton-Verband Berlin-

Brandenburg: „Unser Bestreben als

Verband ist es, dass wir langfristig

wieder einen Erstligaverein in Berlin

haben.“

Neben dem eigenen Verein spielt

auch die SG Empor Brandenburger

TorBerlin in der Zweiten Bundesliga

Nord.Bereits am kommenden Sonnabend

(14 Uhr), wirdder SVBB Gastgeber

für seinen Berliner Konkurrenten

sein. In diesem Duell wird man

also schon sehr früh in der Saison sehen,

wie es aktuell um die Kräfteverhältnisse

im Berliner Badminton bestellt

ist. Und der SVBB wird einen

Eindruck davon bekommen, ob er

wirklich starkgenug für den Klassenerhalt

ist.


18 * Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Sport

NACHRICHTEN

ZAHLEN

Auch Ecuador schlägt eine

WM-Bewerbung vor

FUSSBALL. Derecuadorianische

Staatspräsident Lenín Moreno hat

eine gemeinsame Bewerbung mit

Kolumbien und Peru um die Ausrichtung

der Weltmeisterschaft 2030

vorgeschlagen. Er habe ein entsprechendes

Ansinnen seinen Präsidentenkollegen

Iván Duque (Kolumbien)

und Martín Vizcarra(Peru)

beim Amazonas-Gipfel vorgetragen.

Diesüdamerikanische Konföderation

Conmebol wünscht sich eine

Austragung der WM-Endrunde mit

48 Teams zum 100. Jahrestag der ersten

WM 1930 in Uruguay.Esist auch

schon die gemeinsame Kandidatur

vonArgentinien, Uruguay,Chile und

Paraguay angekündigt. Konkurrenz

gibt es genug: Griechenland, Bulgarien,

Rumänien und Serbien wollen

als Quartett antreten. Spanien und

Portugal prüfen eine Zweier-Bewerbung,

ebenso das Vereinigte Königreich

und Irland. China und Marokko

haben allein Interesse.Der

Weltverband (Fifa) wirddie WM-

Endrunde 2030 wohl 2022 vergeben.

Olympiasiegerin Ludwig

gewinnt Welttour-Finale

BEACHVOLLEYBALL. DieBerlinerin

LauraLudwig und Margareta Kozuch

aus Hamburgfeierten ihren

ersten gemeinsamen Turniersieg im

Rahmen der Weltserie.Beim Welttour-Finale

in Romsetzten sich

Olympiasiegerin Ludwig, die 2016 in

Rio zusammen mit Kira Walkenhorst

triumphierthatte,und ihreneue

Partnerin gegen Agatha Bednarczuk/Eduarda

Santos Lisboa aus Brasilien

2:0 (21:19, 21:17) durch.

Deutsche Männer holen als

Team den achten EM-Titel

TISCHTENNIS. Diedeutschen Männer

gewannen zum achten Maldie

Team-Europameisterschaft. Im Endspiel

vonNantes/Frankreich besiegten

der Düsseldorfer Timo Boll, Dimitrij

Ovtcharov aus Hameln und

der Saarbrücker Patrick Franziska in

der Neuauflage des Finales von2017

Portugal souverän mit 3:0.

Turbine schießt sich in die

dritte DFB-Pokal-Runde

FUSSBALL. DieFrauen vonTurbine

Potsdam zogen im DFB-Pokal ohne

Probleme in die dritte Runde ein. Bei

Regionalligist Borussia Bocholt

setzte sich der dreimalige Cupgewinner

mit 7:0 (3:0) durch und bereitete

so Trainer Matthias Rudolph einen

Tagnach seinem 37. Geburtstag ein

nachträgliches Geschenk.

Eisbären gewinnen letztes

Testspiel vor Saisonauftakt

EISHOCKEY. Sechs Tage vordem

Saisonstartinder Deutschen Eishockey

Liga haben die Eisbären Berlin

ihr letztes Vorbereitungsspiel gewonnen.

Beim HC Dynamo Pardubice,den

die Berliner voreiner Woche

in eigener Halle mit 5:4 besiegt

hatten, setzte sich die Mannschaft

vonTrainer SergeAubin am Sonnabend

mit 2:0 (1:0, 0:0, 1:0) durch.

DieTorefür die Eisbären erzielten

Sebastian Streuund Marcel Noebels.

Beerbaum Dritter bei

Global Champions Tour

REITEN. Altmeister Ludger Beerbaum

ist bei der Global Champions

Tour in Romknapp am Sieg vorbeigeritten.

Der56-Jährige aus Riesenbeck

wurde am Sonnabend im mit

300 000 Euro dotierten Springen

Dritter.ImStechen blieb der viermalige

Olympiasieger auf Cool Feeling

fehlerfrei. Aber der Brite BenMaher

auf Explosion und der Brasilianer

Marlon Modolo Zanotelli waren

schneller.

Die Mütze sagt alles: Charles Leclerc auf dem Wegzum Podium.

Eroberung im Sturm

Charles Leclerc begeistert die Ferrari-Fans mit seinem Sieg in Monza, Sebastian Vettel erlebt ein Fiasko

Im roten Fahnenmeer von

Monza ließ sich Charles Leclercals

neuer König vonFerrari

feiern. Sein Teamkollege Sebastian

Vettel kam dagegen schwer

geschlagen am Sonntag nach einem

Dreher und einer Zeitstrafe als 13.

ins Ziel. „Ein guter Tag fürs Team,

aber kein guter Tagfür mich“, sagte

Vettel mit finsterer Miene.

Die Gesänge der Tifosi galten

diesmal allein seinem Stallrivalen

Leclerc, der mit einer knallharten

Triumphfahrtfür den ersten Formel-

1-Sieg der Scuderia in Italien seit

neun Jahren gesorgt hatte. „Wasfür

ein Rennen, ich war noch nie so erschöpft“,

sagte der 21 Jahre alte Monegasse

und fügte auf italienisch

hinzu: „Ein Traum ist wahr geworden.

Mamma mia.“

Mit seinem zweiten Triumph in

Seriehat Leclercdie Herzen der Ferraristi

im Sturm erobert. Sogar

Teamchef Mattia Binotto filmte die

Jubelszenen mit dem Handy vom

Zaun.„Das war wirklich fantastisch“,

sagte Ferrari-Chef Louis Camilleri,

als die Fans die Zielgerade in ein

Meer vonRot verwandelten.

Zweiter wurde Valtteri Bottas im

Mercedes. Der WM-Führende Lewis

Hamilton musste sich wegen eines

Fahrfehlers im Silberpfeil mit Platz

drei und der schnellsten Rennrunde

begnügen, hatte sich zuvor nach einem

giftigen Zweikampf mit Leclerc

aber über zweifelhafte Verteidigungsmanöver

des Monegassen beklagt.

„Ferrarihat einen Superjob gemacht,

Charles war heute einfach

schneller“, sagte der 34-Jährige.

Mit nun 284 Punkten ist der Brite

seinem sechsten WM-Titel wieder

näher gekommen. Der Finne Bottas

bleibt mit 63 ZählernRückstand Gesamtzweiter.

Leclerc zog indes am

glücklosen Vettel vorbei und ist nun

WM-Vierter hinter Red-Bull-Fahrer

Max Verstappen. Einen starken Tag

erwischte Nico Hülkenberg, der im

Renault Fünfter wurde.

Fehler in der Ascari-Kurve

Bei der Startplatzjagd am Sonnabend

hatte sich die Formel 1noch

nach Kräften blamiert. In Nervenspiel

um eine gute Position imWindschatten

hatten die Topfahrer zu

lange an der Box gewartet und dann

auf der Strecke das Taktieren und

Trödeln übertrieben –prompt war

die Zeit für eine letzte schnelle

Runde für die Favoriten abgelaufen.

Besonders ärgerlich war das für

Vettel, der eigentlich wie zuvor abgesprochen

im Sogvon Leclerczur Pole

Position rasen wollte. Stattdessen

musste er sich auf Rang vier einordnen.

„Wir hätten das besser abliefern

können und haben unsere Lektion

gelernt“, sagte Teamchef Binotto am

Sonntag am RTL-Mikrofon. Vettel

und Leclerc hätten die Unstimmigkeiten

aber miteinander geklärt.

Im Rennen aber sammelte Vettel

schnell neuen Frust. Nach wenigen

Kurven musste er Landsmann HülkenbergimRenault

vorbei lassen. Zu

Beginn der zweiten Runde holte sich

Vettel zwar Platz vier zurück, leistete

sich dann aber wenig später einen

folgenschweren Fehler: In der Ascari-Kurve

drehte er sich und

rutschte ins Gras.Quer zur Fahrbahn

rollte er auf den Asphalt zurück,

Lance Stroll im Racing Point konnte

nicht mehr ausweichen und rumpelte

über den Frontflügel von Vettels

Ferrari. „Er kam auf die Strecke

zurück wie ein Idiot“, schimpfte der

Kanadier am Funk.

Umgehend verdonnerten die

Rennkommissare Vettel zu einer

Zehn-Sekunden-Strafe,die er vorder

Garage abbrummen musste. Mit einer

Runde Rückstand war das Rennen

für den viermaligen Weltmeister

schon in der 13. der 53 Runden gelaufen.

Schon im Vorjahr hatte sich

Vettel in Monza einen unnötigen

Dreher geleistet und einen entscheidenden

Rückschlag im Titelkampf

erlitten. In diesem Jahr machteVettel

unter Druck erneut zu viele Fehler

Rudern, bis der Arzt kommt

und muss inzwischen befürchten,

auch in der internen Hierarchie seinem

Rivalen Leclercden Vortritt lassen

zu müssen. Der junge Monegasse

verteidigte seine Pole Position

am Start geschickt gegen Hamilton

und blieb auch nach dem Reifenwechsel

vorn.Doch es war spannend

und ganz knapp.

Verwarnung statt Strafe

Prompt suchte Hamilton seine

Chance, doch Leclerc wehrte den

Überholversuch des Titelverteidigers

knallhart ab. Der Brite musste

durch das Kiesbett ausweichen. „Er

hat mir keinen Platz gelassen, er hat

mich abgedrängt“, wetterte der

Champion. Die Rennrichter verwarnten

Leclerc, sahen aber von einer

Strafe ab.

Weiter ging die wilde Hatz. Auch

einen Verbremser von Leclerc

konnte Hamilton nicht nutzen, zumal

die Rennleitung auch ein weiteres

grenzwertiges Verteidigungsmanöver

des Youngsters nicht ahndete.

Als Hamilton dann kurz neben

die Strecke geriet, war der Wegendgültig

frei für Leclerc. Bottas holte auf

den letzten Kilometern zwar noch

einmal gewaltig auf, patzte dann

aber beim Überrunden. So durften

die Ferrari-Fans endlich wieder einen

Heimsieg bejubeln. (dpa)

Beim Sieg des Deutschland-Achters auf dem Nord-Ostsee-Kanal kollabieren ein Deutscher und ein Niederländer

Die Teamkameraden kümmerten

sich schnell um den Mann

in Not. Sie legten dem Jüngsten in

ihrem Boot die Beine hoch. Der

sportliche Erfolg des Deutschland-

Achters wurde zur Nebensache. Mit

sorgenvoller Miene verfolgte Trainer

Uwe Bender nach dem Sieg seines

Teams beim internationalen

Rennen auf dem Nord-Ostsee-Kanal

das hektische Geschehen. Noch

auf dem Wasser mussten Crewmitglied

Christopher Reinhardt, 22,

vom Ruderverein Dorsten und der

niederländische Ruderer Jacob van

de Kerkhof medizinisch versorgt

werden.

Kaum an Land, ging es für die

dem Kollaps nahen Sportler auf direktem

Weg in ein Krankenhaus.

„Das war das größte Drama, das wir

bei diesem Rennen jemals erlebt

haben. Das macht mich sprachlos“,

kommentierte der sichtlich mitgenommene

Bender.

Schon weit vordem Ziel kämpfte

Reinhardt, der Zwei-Meter-Mann,

der es erst in dieser Saison in das

deutsche Paradeboot geschafft

hattte, mit Kreislaufproblemen.

Einsatz auf dem Nord-Ostsee-Kanal: Christopher Reinhardt wird versorgt. DPA/MARKUS SCHOLZ

Reinhardt setzte zwischenzeitlich

mit dem Rudern aus und lag phasenweise

auf seinem Rollsitz. Das

nutzten die Niederländer zu einem

Führungswechsel, mussten aber

wenig später ebenfalls dem hohen

Tempo Tribut zollen.

Eine Woche nach dem WM-Triumph

in Österreich übernahm das

Team um Schlagmann Hannes Ocik

aus Schwerin dann die Führung

und baute sie kontinuierlich aus.

Trotz der dramatischen Vorfälle

setzten beide Teams das Rennen

fort.

Dass seine Crew im Ziel zwei

Bootslängen vorn lag, konnte Bender

nicht wirklich erfreuen. „Das Ergebnis

war für mich völlig nebensächlich.

Beide Boote sind weit über

das Limit hinausgegangen. Es war

schlimm, so hilflos im Ziel zu stehen

AFP/ANDREJ ISAKOVIC

und das mitansehen zu müssen“,

klagte der Coach.

Erst Minuten später gab es Entwarnung.

„Es besteht keine Gefahr.

Beide sind stabil“, hieß es in einer

Erklärung des Veranstalters, der seit

Jahren mit dem Slogan„das härteste

Ruderrennen der Welt“ für den

Wettstreit der Achter am Ende der

Ruder-Saison wirbt. Schon kurz

nach der Siegerehrung telefonierte

Reinhardt aus dem Krankenhaus

mit Bender und stellte seine Rückkehr

zur Mannschaft noch am

Abend in Aussicht.

Anders als seine Mitstreiter aus

dem deutschen Boot, das noch vor

einer Woche die Weltmeisterschaft

ebenfalls vorden Niederländerngewonnen

hatte, war Reinhardt bei

der 19. Auflage zum ersten Mal auf

der 12,7 Kilometer langen Strecke

zwischen Breiholz und Rendsburg

dabei. In der ersten Leistungsüberprüfung

dieser Saison hatte er auf

dem Ergometer die beste Zeit vorgelegt.

Die beiden anderen Konkurrenten

aus Großbritannien und den

USA belegten weit abgeschlagen die

Ränge drei und vier. (dpa)

Fußball

Berliner Pokal

Männer,2.Runde:

BFC Dynamo -SVNord Wedding 8:0

Blau-Weiss 90 -Berliner AK 0:1

SV Empor -SVLichtenberg 0:1

Concordia Britz -VSG Altglienicke 0:5

Berlin Türkspor -FCViktoria 1:3

Friedenauer TSC -CFC Hertha 1:2

BW Friedrichshain -SFJohannisthal 1:5

Adlershofer BC -FCSternMarienfelde 1:2

NSF Gropiusstadt -Berolina Stralau 2:4

FC Spandau 06 -Hertha 03 Zehlendorf 2:5

SG BW Hohenschönhausen -FCTreptow 1:4

SSC Teutonia -VfB Fortuna Biesdorf 1:4

SV Kickers Hirschgarten -1.FCNoviPazar 1:4

FC Amed -SVBWBerolina Mitte 4:1

SSC Südwest -FSV Spandauer Kickers 2:1

SV Buchholz -BFC Meteor 0:6

FK Srbija -SFC Stern1900 0:6

BSV Heinersdorf -Tennis Borussia 2:8

ASV Berlin -SCBorsigwalde 1:8

Chemie Adlershof -FCBrandenburg 03 0:9

Weißenseer FC -Berlin United 1:4

BSC Rehberge-Türkiyemspor Berlin 0:3

Eintracht Mahlsdorf -SVTasmania Berlin 1:2

1. FC Wilmersdorf -BFC TurAbdin 2:0

TSV Lichtenberg -TSV Rudow 3.6

TSV Mariendorf -TuS Makkabi 0:1 n.V.

FC Liria -Sparta Lichtenberg 1:3

NSC Cimbria Trabzonspor -Wartenberger SV 3:5

Friedrichshagener SV -Berliner SC 0:2

SFC Friedrichshain -SCSWSpandau 2:7

BSV GW Neukölln -SCStaaken 1:5

SC Croatia -Füchse Reinickendorf 2:1

Formel 1

Großer Preis von Italien in Monza

14. von 21 Läufen zur Formel-1-WM(53 Runden

à5,793 km/306,720 km):

1. Charles Leclerc (Monaco) -Ferrari 1:15:26,665

Std.; 2. Valtteri Bottas (Finnland) -Mercedes

+0,835 Sek.; 3. Lewis Hamilton (Großbritannien) -

Mercedes +35,199; 4. Daniel Ricciardo (Australien)

-Renault +45,515; 5. Nico Hülkenberg (Emmerich)

-Renault +58,165; 6. Alexander Albon

(Thailand) -Red Bull +59,315; 7. Sergio Perez

(Mexiko) -Racing Point +1:13,802 Min.; 8. Max

Verstappen (Niederlande) -Red Bull +1:14,492;

9. Antonio Giovinazzi (Italien) -Alfa Romeo +1

Rd.; 10. Lando Norris (Großbritannien) -McLaren

+1Rd.; 11. Pierre Gasly (Frankreich) -Toro Rosso

+1Rd.; 12. Lance Stroll (Kanada) -Racing Point +

1Rd.; 13. Sebastian Vettel (Heppenheim) -Ferrari

+1Rd.; 14. GeorgeRussell (Großbritannien) -Williams

+1Rd.; 15. Kimi Räikkönen (Finnland) -Alfa

Romeo +1Rd.; 16. Romain Grosjean (Frankreich)

-Haas +1Rd.; 17. RobertKubica (Polen) -Williams

+2Rd.

Fahrer-Wertung,Stand nach 14 von 21 Wettbewerben:

1. Lewis Hamilton (Großbritannien) -

Mercedes 284 Pkt.; 2. Valtteri Bottas (Finnland) -

Mercedes 221; 3. Max Verstappen (Niederlande) -

Red Bull 185; 4. Charles Leclerc (Monaco) -Ferrari

182; 5. Sebastian Vettel (Heppenheim) -Ferrari

169; 6. Pierre Gasly (Frankreich) -Red Bull

65; 7. Carlos Sainz Jr.(Spanien) -McLaren 58; 8.

Daniel Ricciardo (Australien) -Renault 34; 9. Alexander

Albon (Thailand) -Toro Rosso 34; 10. Daniil

Kwjat (Russland) -Toro Rosso 33; 11. Nico

Hülkenberg (Emmerich) -Renault 31; 12. Kimi

Räikkönen (Finnland) -Alfa Romeo 31; 13. Sergio

Perez (Mexiko) -Racing Point 27; 14. Lando Norris

(Großbritannien) -McLaren 25; 15. Lance Stroll

(Kanada) -Racing Point 19; 16. Kevin Magnussen

(Dänemark) -Haas 18; 17. Romain Grosjean

(Frankreich) -Haas 8; 18. Antonio Giovinazzi (Italien)

-Alfa Romeo 3; 19. RobertKubica (Polen) -

Williams 1

Konstrukteurs-Wertung:1. Mercedes 505 Pkt.;

2. Ferrari 351; 3. Red Bull 266; 4. McLaren 83; 5.

Renault 65; 6. Toro Rosso 51; 7. Racing Point 46;

8. Alfa Romeo 34; 9. Haas 26; 10. Williams 1

Handball

Bundesliga, Männer,4.Spieltag

Magdeb.−THW Kiel 32:31

HSG Nordhorn−RNLöwen 17:27

Göppingen−Füchse 25:28

Bergisch. −HSG Wetzlar 33:30

Lemgo−Hannover 26:36

Stuttgart−Minden 24:24

Balingen−Melsung. 36:23

1 Magdeb. 4 141: 108 8: 0

2 Hannover 4 130: 103 8: 0

3 Flensburg 4 105: 94 7: 1

4 RN Löwen 4 110: 94 6: 2

5 Leipzig 4 107: 106 6: 2

6 Bergisch. 4 107: 105 5: 3

7 THW Kiel 3 92: 83 4: 2

8 Füchse 4 106: 101 4: 4

9 Balingen 4 110: 115 4: 4

10 HSG Wetzlar 4 116: 117 3: 5

11 Minden 4 104: 110 3: 5

12 Melsung. 4 92: 107 3: 5

13 Erlangen 3 73: 78 2: 4

14 Ludwigsh.-Fr. 4 109: 114 2: 6

15 Lemgo 4 105: 122 2: 6

16 Stuttgart 3 76: 84 1: 5

17 Göppingen 3 73: 86 0: 6

18 HSG Nordhorn 4 88: 117 0: 8

Tennis

US Open in New York

Frauen, Einzel

Finale: Bianca Andreescu (Kanada/15) -Serena

Williams (USA/8) 6:3, 7:5


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 19 *

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Sport

Reaktion

in schwieriger

Zeit

Die Füchse-Handballer

siegen in Göppingen 28:25

VonCarolin Paul

Velimir Petkovic ist keiner, der

sich leicht aus der Ruhe bringen

lässt. Im Gegenteil, den Handballtrainer

treibt Druck eher an. Nach

der Kritik der vergangenen Tage war

allerdings auch dem 63-Jährigen die

Anspannung deutlich anzumerken.

Würden es seine Profis von den

Füchsen Berlin in Göppingen schaffen,

nach der Niederlage gegen Minden

am Mittwoch (25:29) wieder einen

ordentlichen Auftritt aufs Parkett

zu bringen?

Die Frage beantwortete seine

Mannschaft am frühen Sonntagnachmittag

mit einem klaren: Ja!

Über fünfzig Minuten zeigten die

Füchse, dass sie bisher in der Saison

deutlich unter ihren Möglichkeiten

gespielt hatten, und gewannen in

Göppingen 28:25(16:11). Sehr zur Erleichterung

des Trainers: „Meine

Mannschaft hat verstanden, worüber

wir die letzten Tage gesprochen

haben, und heute eine entsprechende

Antwort gezeigt“, sagte Petkovic.

„Sie haben sich in der kritischen

Phase nicht aufgegeben. Das

macht mich glücklich.“

Lob für Ernst und Holm

Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase

hatten sich die Füchse stetig

gesteigert. Sieführten nach zehn Minuten

bereits mit vier Toren. Während

Paul Drux vorne wichtige Treffer

erzielte, stand die Abwehr hinten

stabil. Noch einmal zehn Minuten

später war der Vorsprung bereits auf

sechs Treffer angestiegen und die

Hausherren gezwungen, ihre zweite

Auszeit zu nehmen. Und Petkovic?

Der konnte nur müde lächeln. Mit

einem lockeren Kopfschütteln zeigte

er an, nicht im Traum daran zu denken,

etwas ändernzuwollen.

Da geht’slang: Füchse Coach Petkovic

lobt sein Team in Göppingen. DPA/GORA

Bis zur Halbzeit sollte dieser Plan

gut funktionieren. Nach der Pause

schien es jedoch, als ob seine Spieler

zumindest mental länger in der Kabine

verweilten. Göppingen holte

auf und konnte in der 39. Minute sogar

ausgleichen. Sehr zur Frustration

des Trainers der seine Mannschaft zu

mehr Bewegung anhielt. Schließlich

war es ein Gegenstoß vonHans Lindberg,

gepaartmit einem vonTorwart

Dejan Milosavljev gehaltenen Strafwurf,

der die Füchse zurück ins Spiel

und zum Sieg führte.

Mitdem Abpfiff schien dann auch

vonPetkovic ein Stück der Last abzufallen.

Lachend lag er sich mit seinem

Geschäftsführer Bob Hanning

in den Armen und klatschte mit seinen

Spielern ab. Besonderer Dank

ging dabei an die beiden Rückkehrer

Simon Ernst und Jacob Holm: „Was

anders war? Wir haben wieder getroffen.

In der ersten Halbzeit war Simon

überragend und in der zweiten

konnte Jacob vonder Bank kommen

und neue Impulse setzen. Die beiden

haben uns gefehlt.“

Insgesamt konnte der Trainer auf

eine konzentriertereMannschaft zurückgreifen,

die im Angriff effektiver

agierte und vor allem als Team auftrat.

Das dürfte Petkovic hoffen lassen

für die kommenden Aufgaben.

Gewaltig wie ein Düsenjet

Bianca Andreescu besteht im Tollhaus von New York. Sie besiegt Serena Williams im Finale der US Open

VonDoris Henkel, New York

Braucht kein Vorbild mehr:Bianca Andreescu (r.) neben Serena Williams.

Engagement: Die verbale Ohrfeigevon Boris

Becker hat offenbar gesessen, Angelique

Kerber holt sich in ihrer sportlichen Krise nun

Unterstützung.Nach mehreren Monaten

ohne Coach hat die dreimaligeGrand-Slam-

Siegerin den früheren Profi Dirk Dier als Trainer

engagiert. Er soll die schwächelnde Topspielerin

während der Asien-Tour betreuen.

KERBER ENGAGIERT DIER

AP/GREG ALLEN

Entgegenkommen: Allerdings stellt der 47-

Jährigezunächst lediglich eine Interimslösung

dar.Dier ist derzeit als Bundestrainer

beim Deutschen Tennis Bund (DTB) angestellt

und wird für die Arbeit mit Kerber vom

Verband freigestellt. „Es ist schön zu sehen,

dass uns der DTB hier so entgegen kommt“,

sagte Kerber-Manager Aljoscha Thron.

Grummeln im Kabinengang

Ganz Kanada schien aus

dem Häuschen zu sein,

und wie viele berühmte

Sportler gratulierte auch

der oberste Chef, Premierminister

Justin Trudeau. Der Tag, an dem die

19 Jahre alte Bianca Andreescu aus

Toronto im Finale der US Open gegen

SerenaWilliams gewann, war ein

Tagzum Staunen, verbunden mit einer

doppelten Portion Stolz unterm

Ahornblatt, wie unfassbar cool sie

dieses Ding klar gemacht hatte.

In ihrem ersten großen Finale

spielte sie ja nicht gegen irgendwen.

Auf der anderen Seite stand die imposante,

die mächtige, die unersättliche

Serena Williams,frenetisch angefeuert

von geschätzt 23 500 der

23 771 Zuschauer in NewYork. Nach

der Krise des Vorjahres und den unseligen

Ereignissen im Finale gegen

Naomi Osaka dachten die Leute offenbar,diesmal

müsse es doch klappen

gegen diese Kanadierin, vonder

die meisten zuvor noch nichts gehört

hatten. Es sei wirklich nicht

leicht gewesen, den Lärm der Leute

zu ignorieren, meinte Andreescu, sie

habe kaum ihre eigenen Gedanken

hören können. Als Williams im zweiten

Satz nach einem abgewehrten

Matchball beim Stand von 1:5 Spiel

für Spiel aufholte und schließlich

ausglich, war es lauter als früher, als

die startenden Düsenjets vomnahen

Flughafen La Guardia noch im Minutentakt

übers Stadion donnerten.

Es war genau diese Phase, inder

Bianca Andreescu die größte Stärke

zeigte.Sicher,sie hatte furchtlos und

zwingend gegen die von Anfang an

fehlerhaft spielende Favoritin begonnen,

sie hatte nach dem souveränen

Gewinn des ersten Satzes im

zweiten mit Muskeln, Mumm und

Scheuklappen weitergespielt, und

das alles war schon eindrucksvoll genug.

Ein Jahr zuvor hatte sie in New

York in der ersten Runde der Qualifikation

verloren, jetzt spielte sie mitten

im Tollhaus mit einer Autorität

und Intensität, für die sonst eine anderebekannt

ist –Serena Williams.

Doch alles hätte kippen können,

wenn sie nicht ihr eigenes Aufschlagspiel

beim Stand von 5:5 gehalten

hätte; sie zitterte ein wenig, aber

dann hatte sie sich wieder im Griff.

Ihre mentale Stärke in diesen Minuten

wirkte wie der nächste Schock

für Williams.Und sie wirkte wie eine

eiskalte Dusche für das Publikum.

„Mental stark zusein, das trennt die

Besten vom Rest“, erklärte Andreescu

ohne einen Hauch falscher

Bescheidenheit. Sieweiß, was sie will

und was sie kann, und sie sorgte dafür,

dass die Botschaft in diesen entscheidenden

Momenten bei allen

ankam –vor allem bei der Gegnerin.

„Ich hätte mehr tun müssen“

Nach 100 Minuten endete das denkwürdige

Spiel mit einem perfekt

platzierten Return der Herausforderin(6:3,

7:5), und so blieb SerenaWilliams

nichts anderes übrig als das zu

tun, was sie schon in den Endspielen

inWimbledon im vorigen und in diesem

Jahr und vor zwölf Monaten in

New York getan hatte: der Gegnerin

zu gratulieren. Es war später nicht

schwer zu erkennen, wie es ihr nach

der vierten Niederlage ging; sie hielt

sich aufrecht, aber es kostete sie

Kraft. „Ich hätte mehr tun müssen“,

meinte sie hinterher,„ich hätte mehr

Serena sein müssen. Aber es war

mein schlechtes Spiel während des

ganzen Turniers.“

Vorallem fehlte ihr die Souveränität

bei jenem Schlag, mit dem sie

sonst die Gegnerinnen an die Wand

gedrängt hatte –dem Aufschlag. Mit

acht Doppelfehlernbrachte sie Andreescu

immer wieder ins Spiel, aber

es war mehr als das.Injedem wackligen

Aufschlag war die Botschaft versteckt:

Hier stehe ich, will anders,

aber kann es nicht. Sie wird weiter

versuchen, noch einen Grand-Slam-

Titel zu gewinnen. Darauf kommt es

ihr definitiv mehr an als darauf, dass

es der rekordträchtige 24. ist.

Als sie nach Ähnlichkeiten mit der

Siegerin gefragt wurde, nannte sie

deren Intensität. Es gibt mehr: Wie

Serena Williams in jungen Jahren hat

auch Andreescu keine Angst vorgroßen

Träumen. Im ersten Interview

nach ihrem Sieg erzählte sie beim

Fernsehsender ESPN, sie habe sich

selbst schon mit 15 Siegerschecks für

die US Open ausgestellt; vermutlich

mit einer anderen Summe als den

3,85 Millionen Dollar, die sie am

Ende in Empfang nehmen durfte.

Und nicht nur das. Seit sie mit 15 in

Miami das berühmtesten aller Juniorenturniere

gewann, die Orange

Bowl, stellte sie sich fast an jedem

Tagein solches Finale gegen Serena

Williams vor; sie nennt es visualisieren,

eines ihrer Lieblingswörter.

Auch sie sieht Ähnlichkeiten mit Serena

Williams,die ihr immer ein Vorbild

war.Aber sie lässt keinen Zweifel

daran, dass sie jetzt kein Vorbild

mehr braucht. „Vielleicht“, sagt

Bianca Andreescu, „kann ich ja irgendwann

sogar besser sein als sie.“

Bei der Basketball-WM rechnet Dennis Schröder mit den Kritikern ab und lässt seine Zukunft in der Auswahl offen

Dennis Schröder stand in den Katakomben

des Shanghai Oriental

Sports Centers und wirkte gereizt.

Der deutsche Ausnahmespieler

nahm seine Kritiker aufs Korn und

ließ mit Aussagen zu seiner Zukunft

im Deutschland-Trikot aufhorchen.

„Ein Commitment“, also eine feste

Zusage für die kommenden Aufgaben,

„gibt es gar nicht“, sagte Schröder

vor dem WM-Duell mit Kanada

am heutigen Montag. Voreiner Partie,die

für den Deutschen Basketball

Bund (DBB) zukunftsweisend ist. Ein

Sieg garantiert einen Platz im Quali-

Turnier für Tokio 2020 und würde einen

versöhnlichen Abschluss der

insgesamt enttäuschenden Weltmeisterschaft

in China bedeuten.

Schon jetzt gibt es für den DBB

viele Diskussionsansätze zur schonungslosen

Aufarbeitung: Der zeitweise

Absturz des auf Schröder ausgerichteten

Systems,eine offensichtlich

unzureichende Vorbereitung,

das Fehlen eines Sportdirektors. Einen

weiteren kritischen Tagespunkt

für die anstehende Sitzung will das

Team von Henrik Rödl unbedingt

vermeiden. „Es ist unsere Mission,

Der Einsatz stimmt: Dennis Schröder im WM-Spiel gegen Senegal.

die Partie zu gewinnen und mit einem

halbwegs guten Gefühl für die

letzten drei Spiele rauszugehen“,

sagte der Bundestrainer.

Kein Verständnis für Debatten

Er braucht gegen Kanada wieder einen

starken Schröder,und sein Führungsspieler

kündigte an, dass das

Team „ready“ dafür sein werde, „in

den Krieg zu ziehen“. Anschließend

DPA/PFÖRTNER

will Schröder nach Hause fahren

„und dann schauen, was in der Zukunft

weiter so passiert.“ Sein Unverständnis

über die Diskussionen bei

der WM um seine Spielweise klang

nach der starken Vorstellung beim

89:78-Erfolg gegen den Senegal am

Sonnabend klar durch. 24 Punkte

hatte der Point Guard erzielt, 12 Assists

gegeben. „Ich spiele immer

noch für mein Land, egal, ob sie

mich kritisieren oder nicht“, sagte er:

„Wenn ich fit bin, alles gut läuft und

ich Zeit dafür habe, dann spiele ich.

Wenn nicht, dann nicht.“

Womöglich war Schröder auch

der Streit um Liviu Calin aufs Gemüt

geschlagen, der ihn am Rande der

WM beschäftigt. Seinem Entdecker

ist beim Bundesligisten Braunschweiger

Löwen gekündigt worden.

Schröder ist Anteilseigner bei dem

Klub und kündigte nun „Konsequenzen“

an.

Bei der WM habe der Braunschweiger

mit dem DBB-Team nach

den durchwachsenen Auftritten gegen

Frankreich (74:78) und die Dominikanische

Republik (68:70) laut

Rödl eine „sehr gute“ Reaktion gezeigt.

Gegen Jordanien (96:62) und

nun gegen Senegal stimmte die Einstellung.

„Wir sind in einer Situation,

in der es nur noch ums Überleben

geht. Um Kampf, um Stolz, ums Charakter

zeigen“, sagte Kapitän Robin

Benzing: „Wir wissen, dass wir salopp

gesagt in der Scheiße sind.“ Gegen

Kanada um NBA-Meistercoach

Nick Nurse bedarf eseiner weiteren

spielerischen Steigerung. (sid)

FUSSBALL

EM-Qualifikation

5.Spieltag

Gruppe A

Kosovo -Tschechien 2:1 (1:1)

England -Bulgarien 4:0 (1:0)

1. England 314:1 9

2. Kosovo 4 7:5 8

3. Tschechien 4 6:8 6

4. Bulgarien 5 5:11 2

5. Montenegro 4 3:10 2

Dienstag: England -Kosovo (20.45), Montenegro -

Tschechien (20.45)

Gruppe B

Litauen -Ukraine 0:3 (0:2)

Serbien -Portugal 2:4 (0:1)

1. Ukraine 511:1 13

2. Portugal 3 5:3 5

3. Luxemburg 4 4:5 4

4. Serbien 4 7:11 4

5. Litauen 4 3:10 1

Dienstag: Litauen -Portugal, Luxemburg -Serbien

(20.45)

Gruppe C

Estland -Weißrussland 1:2 (0:0)

Deutschland -Niederlande 2:4 (1:0)

1. Nordirland 4 7:2 12

2. Deutschland 415:6 9

3. Niederlande 310:5 6

4. Weißrussland 5 3:10 3

5. Estland 4 2:14 0

Montag: Estland -Niederlande (20.45), Nordirland

-Deutschland in Belfast (20.45)

Gruppe D

Georgien -Dänemark 0:0

Schweiz -Gibraltar 4:0 (3:0)

1. Irland 56:2 11

2. Dänemark 515:5 9

3. Schweiz 4 10:4 8

4. Georgien 5 4:8 4

5. Gibraltar 5 0:16 0

Gruppe E

Slowakei -Kroatien 0:4 (0:1)

Wales -Aserbaidschan 2:1 (1:0)

1. Ungarn 4 6:4 9

2. Kroatien 49:4 9

3. Slowakei 47:6 6

4. Wales 44:4 6

5. Aserbaidschan 44:12 0

Montag: Aserbaidschan -Kroatien (18.00), Ungarn

-Slowakei (20.45)

Gruppe F

Spanien -Färöer

Schweden -Norwegen

Rumänien -Malta 1:0 (0:0)

1. Spanien 513:3 15

2. Rumänien 613:7 10

3. Schweden 512:7 10

4. Norwegen 510:7 8

5. Malta 62:13 3

6. Färöer 53:16 0

Gruppe G

Israel -Nordmazedonien 1:1 (0:0)

Österreich -Lettland 6:0 (2:0)

Slowenien -Polen 2:0 (1:0)

1. Polen 58:2 12

2. Österreich 513:6 9

3. Slowenien 59:3 8

4. Israel 59:8 8

5. Nordmazedonien 56:8 5

6. Lettland 51:19 0

Montag: Lettland -Nordmazedonien (20.45), Polen

-Österreich (20.45), Slowenien -Israel

(20.45)

Gruppe H

Island -Moldau 3:0 (1:0)

Frankreich -Albanien 4:1 (2:0)

Türkei -Andorra 1:0 (0:0)

1. Frankreich 516:4 12

2. Türkei 510:2 12

3. Island 58:5 12

4. Albanien 5 6:7 6

5. Moldau 5 2:13 3

6. Andorra 5 0:11 0

Dinestag: Albanien -Island (20.45), Frankreich -

Andorra (20.45), Moldau -Türkei (20.45)

Gruppe I

Zypern-Kasachstan 1:1 (1:1)

San Marino -Belgien 0:4 (0:1)

Schottland -Russland 1:2 (1:1)

1. Belgien 515:1 15

2. Russland 517:4 12

3. Kasachstan 5 8:8 7

4. Schottland 5 5:9 6

5. Zypern 5 7:6 4

6. San Marino 50:24 0

Montag: Russland -Kasachstan (20.45), San Marino

-Zypern(20.45), Schottland -Belgien

(20.45)

Gruppe J

Armenien -Bosnien-Herzegowina 4:2 (1:1)

Griechenland -Liechtenstein

Finnland -Italien

1. Italien 5 16:2 15

2. Finnland 5 7:2 12

3. Armenien 6 12:11 9

4. Bosnien-Herzegowina 6 12:11 7

5. Griechenland 5 6:9 4

6. Liechtenstein 5 0:18 0


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 – S eite 20 *

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Sport

DFB-Elf

Zurück zum

Markenkern

Frank Hellmann

erwartet gegenNordirland

eine veränderte Abwehr.

Am heutigen Montag tritt die

deutsche Fußball-Nationalelf in

Nordirland an. Siebestreitet ihr fünftes

Spiel in der EM-Qualifikation, bei

dem sie unter Druck steht nach der

2:4 Niederlage gegen die Niederlande.

Eine Fünferkette hatte fleißig

hin und her verschoben, die anderen

fünf Feldspieler sollten die Räume

zulaufen. Doch der schöne Plan ging

nicht auf –und die Verteidigung sah

besonders dumm aus.

Symbolfigur war der tapsige Jonathan

Tah, der eine äußerst unrunde

Leistung mit dem Eigentor zum 1:2

krönte. Auch Matthias Ginter hatte

einen gebrauchten Tagerwischt. Auf

den Seiten konnten weder Lukas

Klostermann (rechts) noch Nico

Schulz (links) überzeugen, und am

Ende sah auch Niklas Süle dumm

aus. Die Mannschaft habe die Kontrolle

komplett verloren, grantelte

der erst 24 Jahrealte Abwehrchef. Die

Auflösungserscheinungen setzten

sich am Sonnabend insofernfort, als

dass Schulz wegen eines Teilrisses eines

Bandes in der linken Fußwurzel

aus dem Mannschaftshotel in Hamburgabreisen

musste.

Hummels zu früh verabschiedet

Grundsätzliche Fragen über die Abwehrqualität

stellen sich, wenn die

Niederländer in vier Wettbewerbsduellen

gegen Deutschland spielend

leicht zu elf Torenkommen. Joachim

Löw widersprach vehement: Seine

Auswahl habe Schwachstellen gezeigt,

aber nicht wegen ihrer taktischen

Ausrichtung, sondern wegen

individueller Fehler. Und die These

der fehlenden individuellen Klasse

galt für den Bundestrainer schon

mal gar nicht: Bei einem Torsei das

Zentrum schlecht besetzt gewesen.

Beim dritten Treffer habe Ginter den

Ball unter Druck verloren. „Wir haben

in anderen Spielen gegen Holland

und Frankreich gesehen, dass

wir gut verteidigen können.“ Er

konnte ja schlecht zugeben, dass die

Ausbootung eines Abwehrspielers

vonder Güteklasse eines Mats Hummels

voreilig erfolgt war.

Der einstige niederländische Nationalspieler

Rafael van der Vaart

legte im ZDF-Sportstudio den Finger

in die Wunde. Wenn Löw Abwehrspieler

aussortiere, müssten die

Nachfolger deutlich besser sein.

„Das sind die nicht.“ Vander Vaarts

Prognose: „In zwei, drei Monaten

braucht er Hummels wieder.“

Halstenberg? Oder Hector?

Wenn sich der Niederländer damit

nicht im Bundestrainer täuscht, der

Hummels vor allem deshalb aussortierte,

um die Hierarchien neu zu

ordnen. Im Aufbauspiel steht der 30-

Jährige immer noch weit vor allen

anderen. Angeblich hofft der Dortmund-Rückkehrer

immer noch auf

ein Comeback, das sich auch BVB-

Boss Hans-Joachim Watzke

wünscht. Doch eher fängt Löw wieder

mit dem Rauchen an, als dass er

seinen Entschluss revidiert. Zur

Hummels-Causa sei alles gesagt,

richtete der 59-Jährige noch vordem

Abflug nach Belfast aus.

Im Windsor Park wird der Bundestrainer

seine Elf trotzdem mit einer

neuen Hintermannschaft spielen

lassen. Wahrscheinlich mit Marcel

Halstenberg oder Jonas Hector

links hinten. Undwieder mit Viererkette.

Dann müsste Löw nur noch

Dreierketten-Fan Süle überzeugen.

Davon nämlich, dass diese Formation

lange zum erfolgreichen Markenkerndieser

Mannschaft gehörte.

Bauch-weg-Training am Arbeitsplatz wird immer beliebter:Hier zeigt Bundestrainer Joachim Löw eine einfache Übung,während er gedanklich bereits seine Abwehr umstellt. DDP

Mut zur Tücke

Die deutsche Nationalelf spielt in Nordirland gegen Zweifel an Joachim Löws Kurs der Erneuerung

VonFrank Hellmann, Belfast

Joachim Löw hatte sich dick

vermummt. Von seiner

schwarzen Regenjacke zog der

Bundestrainer die Kapuzeüber

den Kopf und vergrub die Hände in

den Taschen, als sich die deutschen

Nationalspieler im Nieselregen von

Belfast aufwärmten. Die ersten Ausläufer

eines angekündigten Tiefs

über den britischen Inseln hatten

pünktlich mit dem Abschlusstraining

der DFB-Auswahl vordem EM-

Qualifikationsspiel in Nordirland

(Montag 20.45 Uhr/RTL) die ersten

Niederschläge entsandt, was am

Sonntagabend im Windsor Park ein

gutes Sinnbild ergab.Die Zeiten sind

nach der 2:4-Niederlage gegen die

Niederlande am Freitagabend in

Hamburgungemütlicher geworden.

Halstenbergoder Hector

VORAUSSICHTLICHE AUFSTELLUNGEN

Nordirland: Peacock-Farrell/FC Burnley(22 Jahre/10 Länderspiele) -

McLaughlin/AFC Sunderland (28/35), Cathcart/FC Watford (30/45),

JonnyEvans/Leicester City (31/80), Lewis/Norwich City (21/10) -

McNair/FC Middlesbrough (24/29), Davis/Glasgow Rangers (34/112),

Corry Evans/BlackburnRovers (29/54) -Magennis/Hull City (29/45), Washington/Heartof

Midlothian (27/20), Lafferty/Sarpsborg 08 (31/74). -Teammanager:O'Neill

Deutschland: Neuer/Bayern München (33/89) -Klostermann/RB Leipzig

(23/3), Ginter/Borussia Mönchengladbach (25/27), Süle/Bayern München

(24/21), Halstenberg/RB Leipzig (27/3) -Kimmich/Bayern München

(24/42), Havertz/BayerLeverkusen (20/4) -Kroos/Real Madrid

(29/93) -Reus/Borussia Dortmund (30/42), Gnabry/Bayern München (24/9), Brandt/Borussia

Dortmund (23/26). -Trainer:Löw

Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)

Nordirlands Nationalteam macht sich am Sonntag im Windsor Park locker.

Die gute Bilanz: Vier Spiele,

vier Siege, klare Tabellenführung.Nach

der Fußball-Party

in Frankreich vordrei Jahren

scheint Nordirland auf dem

besten Weg, auch die EM-

Endrunde 2020 zu erreichen.

Ein weiteres Fest für

die Green And White Army

und ihre Fans?Vordem Duell

mit der deutschen Mannschaft

trügt der Schein.

GASTGEBER GIBT GAS

Der leichte Start: Bislang

ging die Mannschaft von

Teammanager Michael

O'Neill den harten Brocken

in der Gruppe Caus dem

Weg. Die Nordiren meisterten

die Pflichtaufgaben Estland

(2:0/2:1) und Weißrussland

(2:1/1:0) nicht immer

souverän. Es folgen je

zwei Partien gegenDeutschland

und die Niederlande.

DPA/CHARISIUS

Das große Problem: Die

Plätze in der Premier League

sind für die Nordiren rarer

geworden, seitdem immer

mehr ausländische Stars

nach England drängen. Angreifer

Josh Magennis kam

erst Mitte August beim Zweitligisten

Hull City unter,Kollege

Kyle Laffertflohzum

norwegischen Provinzklub

Sarpsborg 08.

„Dass wir mal einen Rückschlag erleiden,

war ein bisschen einkalkuliert“,

sagte Löw nun in der Nachbetrachtung,

„eine gewisse Fehlerkultur

ist wichtig für die Entwicklung.“

Der 59-Jährige hat indes nach eigenem

Bekunden auf eine ausführlichere

Erörterung verzichtet. Denn:

„Nordirland wird ein ganz anderes

Spiel.“ Körperlich robust, viele lange

Bälle, tief stehende Abwehr. Dass

seine Mannschaft in der Bringschuld

steht, nachdem der direkte Vergleich

gegen die Niederlande (3:2, 2:4) bereits

verloren ist, um aus eigener

Kraft Gruppensieger zu werden, negiert

der Trainer nicht. Seine Forderung:

„Die letzte Konzentration, die

Mentalität haben gefehlt, um Zweikämpfe

aufs Äußerste zu bestreiten.

Wirmüssen andereDinge an den Tag

legen und wollen mit aller Macht

drei Punkte anstreben.“ Zur Erinnerung:

DieGruppenersten und -zweiten

sind für die paneuropäische EM

2020 qualifiziert. Beim Turnier ist der

SpielortMünchen fest eingeplant.

In vier Spielen waren die Nordiren

viermal siegreich, was Löw natürlich

nicht daran hindert, wieder in

den Angriffsmodus zu schalten. „Sie

spielen mit einem Stürmer, da brauchen

wir nur zwei Innenverteidiger.“

Die Rückkehr zur Viererkette ist also

beschlossen. Ob der am Fuß verletzte

Linksverteidiger Nico Schulz

durch Marcel Halstenberg oder Jonas

Hector ersetzt wird, sei laut Löw

„eine Bauchentscheidung“. Der für

die Startelf vorgesehene Ilkay Gündogan

reiste wegen eines grippalen

Infekts aus Belfast ab. Kai Havertz

bietet sich als nächster Nachrücker

fürs Mittelfeld an.

Insgesamtbraucht es mehr Überzeugung

und im Notfall einen Überraschungsakt,

den Nationalmannschaftsdirektor

Oliver Bierhoff mal in

Belfast zeigte, als ihm am 20. August

1997 beim 3:1 gegen Nordirland binnen

sechs Minuten als Einwechselspieler

der bis heute schnellste Hattrick

der deutschen Länderspielgeschichte

gelang. Der 50-Jährige hat

am Wochenende eingeräumt, dass

der Weg zurück an die Weltspitze

weiter als gedacht sein könnte.„Die

Niederlande sind uns voraus. Wir

zählen bei der EM nicht zu den Favoriten.“

Zumindest dann nicht, wenn der

Bundestrainer seine Überzeugen so

verrät wie im Volksparkstadion. Im

Endeffekt ging Löws Taktik vorne

und hinten nicht auf. Im Angriff

ohne Initiative, in der Abwehr ohne

Orientierung. Mittelfeldmotor Joshua

Kimmich erklärte unverblümt:

„Wenn du nie richtig Ballgewinne

hast und so nie richtig inBallbesitz

kommst, dann ist es schwierig, mit

den vielen Kilometerninden Beinen

bis zum Ende präsent zu sein.“

KeineZweifel an der Taktik

Löw musste mit ansehen, wie seine

über ein Jahrzehnt auf aktives Tun

gepolte Elf sich merkwürdig passiv

ergab.Dass die deutsche Strategie in

Hamburg schlicht ungefährlich war,

kam dem Südbadener erstaunlicherweise

nicht in den Sinn. „Wir hatten

unsere Schwachstellen, aber nicht

aufgrund der taktischen Ausrichtung,

sondernwir haben einfach ein

paar Fehler zu viel gemacht. Das

hatte mit der Grundordnung nichts

zu tun“, stellte er fast schon trotzig

fest. So argumentieren Bundesligatrainer,

wenn sie ihn der Bredouille

stecken –sosolltenicht der Bundestrainer

eine Ausrichtung rechtfertigen,

die nicht mal seine Spieler gutheißen.

Damit die Debatten nicht

den Erneuerungsprozess zerreißen,

wäre ein Erfolgserlebnis im vermutlich

heute sehr verregneten Windsor

Park hilfreich.

Albanien?

Andorra?

Armenien?

Vordem 4:1 der Franzosen

zeigt sich die Regie verwirrt

Was macht eigentlich Andreas

Möller derzeit? Beruflich und

überhaupt? Seine überschaubare

Trainerkarriere hat der Fußball-

Weltmeister von 1990, der von sich

behauptete, sehr selbstkritisch auch

sich selbst gegenüber zu sein, nach

einem Jahr bei Viktoria Aschaffenburg

und zwei Jahren als Assistenztrainer

der ungarischen Nationalmannschaft

wieder beendet. Unbestätigten

Angaben zufolge könnte

der Europameister von 1996, der zu

seiner aktiven Zeit mit dem Spruch:

„Mailand oder Madrid –Hauptsache

Italien“ die Lacher auf seiner Seite

hatte, nach einem Crashkurs in

Französisch das Unterhaltungsfach

gewechselt haben.

Ob ihn am Sonnabend jemand in

Paris gesehen hat? Im Stade de

France? An dem Ort, an dem die Regie

vor dem EM-Qualifikationsspiel

der Franzosen gegen Albanien versehentlich

die Hymne Andorras

spielte. „El gran Carlemany“ statt

„Himni iFlamuri“.

Albanien oder Andorra –Hauptsache

Armenien. Sowas in der Art

mag sich der Stadionsprecher flugs

gedacht haben, als er sich, nachdem

die Panne die Albaner erzürnt hatte,

entschuldigte und die Zuschauer im

Stade de France bat, „die Nationalhymne

von Armenien zu respektieren“.

Statt jedoch „Mer Hajrenik“ zu

spielen, besann sich die Stadionregie

auf die richtige Hymne. Nachdem

die Partie, die zehn Minuten später

begonnen hatte, mit 4:1 für Frankreich

endete,folgten bald mehrsprachige

Hymnen auf Kingsley Coman.

Der Offensivspieler vom FCBayern

avancierte mit zwei Toren zum

gefeierten Mann eines Abends, der

den Franzosen zumindest sportlich

gelang. „Das ist etwas,das nicht passieren

sollte,aber leider passiertist“,

sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps

zur Peinlichkeit vor Spielbeginn.

Danach drehte Coman auf

und schnürte im 18. Länderspiel den

ersten Doppelpack (8./68. Minute).

„Er hat ein großes Spiel gemacht“,

lobte Deschamps.„Es ist schön, ihn

auf diesem Niveau zu sehen.“

Coman, der bei seiner Auswechslung

in der Schlussphase mit Sprechchören

gefeiert wurde, blieb bescheiden:

„Ich bin Profi und weiß,

dass es nur ein Spiel war. Gut, wenn

es gut gelaufen ist, aber am Dienstag

gibt es schon das nächste Spiel.“ Gegen

Armenien, äh, Andorra.

Die weiteren Tore für den Weltmeister

steuerten Olivier Giroud und

Jonathan Ikoné bei. Mit zwölf Zählern

führt Frankreich die Tabelle der

Gruppe Hvor denpunktgleichen Rivalen

Türkei (1:0 gegen Andorra) und

Island (3:0 gegen Moldau) an. Andreas

Möller ist derzeit übrigens öfter

mal als Co-Kommentator im Fernsehenaktiv.Außerdemhält

erVorträge.

Als Stadionsprecher in Paris hätte er

wahrscheinlich vomFeeling her kein

so gutes Gefühl. (kah. mit dpa)

Hörte nach dem Sieg Hymnen auf seine

Leistung: KingsleyComan. DPA/ CHRISTOPHE ENA


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Zum Abschluss und zu

den Siegern der Filmfestspiele

in Venedig

Seite 22

„Die Beziehung der DDR zur deutschen Moderne war problematisch.“

Nikolaus Bernau über das neue Bauhaus-Museum in Dessau Seite 23

Freude und

Verzweiflung

Ein Victory-Zeichen formend,

stieg Oleh Senzow die Gangway

in Kiew herunter. Der ukrainische

Filmregisseur ist der prominenteste

Gefangene, der im Rahmen des Gefangenenaustauschs

zwischen Russland

und der Ukraine freikam. Mehr

als fünf Jahrehat er in Haft verbracht,

die meiste Zeit in einem Straflager

am Polarkreis.Verurteilt worden war

er als mutmaßlicher Terrorist, er

habe Anschläge geplant. Sein wahres

„Verbrechen“ war aber wohl der Protest

gegen die Annexion der Krim.

Während seiner Haft war Oleh SenzowinHungerstreik

getreten, den er

kurz vor der Zwangsernährung abbrach,

Ende 2018 wurde ihm dann

der Sacharow-Preis verliehen –eines

der vielen Zeichen internationaler

Unterstützung, die ihm während seiner

Haft zuteil

wurden. Am

Ende war es ein

Handel, der für

seine Freilassung

sorgte.

Am Flughafen

umarmte ihn

Oleh Senzow und

seine Tochter.

Oleh Senzow

Susanne Lenz

denkt an die anderen inhaftierten

Künstler

AFP

weinend seine

15 Jahre alte

Tochter, die ihren

Vater fünf

Jahre lang nicht gesehen hat. Auf

dem Flugfeld ließ er seine Schuhe

zurück, die er während der Haft getragen

hatte.

Der Jubel über Senzows Freilassung

ist groß und berechtigt. Sielässt

einen aber auch an die Künstler denken,

die ohne Aussicht auf Austausch

irgendwo in einem Kerker vermodern,

wie etwa der saudische Blogger

Raif Badawi, der wegen Beleidigung

des Islam zu 1000 Peitschenhieben

verurteilt wurde, der ägyptische

Dichter Galal el-Behairy, der in einem

Liedtext die Regierung kritisierte

oder der türkische Kunstmäzen

Osman Kavala, der beschuldigt

wird, er habe die Gezi-Proteste organisiert

und dem lebenslange Haft

droht. Drei vonvielen. DieFreude im

Fall Senzow weicht einem Gefühl

vonVerzweiflung.

Eine Bestie in der Schneekugel

Berliner Ensemble: Ersan Mondtag inszeniert „Baal“ mit Stefanie Reinsperger in der Titelrolle

VonUlrich Seidler

Im Berliner Ensemble wird ein

neuer „Baal“ gespielt. Es inszenierte

in eigener Ausstattung

der viel geehrte und gebuchte

Regisseur Ersan Mondtag. Stefanie

Reinsperger spielt die Titelrolle.Man

hat an diesem Hause schon einige

schlechte Erfahrungen mit hohen

Erwartungen gemacht (mit niedrigen

leider auch), aber das hier sind

gute Voraussetzungen für ein Theaterereignis.

Bertolt Brecht konnte seinen frühen

Wurf von 1918 über die Jahrzehnte

und Systeme hinweg nicht

loslassen. Dieses ausgeilende und

todesmutige Lyrikertier Baal, dessen

Gedichte vonLebenssaft triefen und

stinken, der die Gesellschaft angreift

und vonihr ausgeschieden wird, der

Frauen misshandelt, seinen Freund

in sein Herz sehen lässt und ihn tötet

und der nicht zuletzt seiner Mutter

großen Kummer macht –dieser Baal,

er zuckt und west noch heute.Immer

wieder hat Brecht Baal neu zu fassen

versucht, an ihm herumoperiert, unglücklich,

weil er als Dichter inzwischen

zu reif war und als Mensch zu

erfahren, um sich seiner Figur zu nähern,

ohne ihr das finstere Geheimnis

der bösen jungen Kraftseele wegzuleuchten

und abzumatten.

Mitfreundlicher Genehmigung

Ersan Mondtags „Baal“-Spiel ist nun

am Freitag ganz unbekümmert,

schmerzfrei und farbenfroh zur Premiere

gekommen. Gespielt wird –

mit freundlicher Genehmigung der

Nachlassverwaltung –ein texttreues,

aus allen Fassungen gesampeltes

Stück. Die Schauspieler sind auf die

Mondtag’sche Weise verkünstlicht:

Ihre Gesichter –bis auf die der drei

Hauptrollen – sind stark überschminkt,

die Kostüme steif und

überzeichnet, ihre nackten Leiber

mit ausgebeulten Stoffhäuten überzogen,

auf welche geschlechtsneutrale

Körperkonturen bunt und kräftig

aufgepinselt sind. DieDrehbühne

stellt vier halbwegs konkrete Spielorte

dar – Stadt, Spelunke, Dachkammer,

Wald. Wenn die nackte

pimmelbewehrte Fünfmeter-Barbie

nicht wäre, könnte man sich in einem

Kinderbuch wähnen. Ein Vollmond

leuchtet, Spieluhrmusik

plingt, Nebel wallen, Blitzezucken.

Eingeklemmt von Klimperkunstgestalten: Stefanie Reinsperger als Baal.

Es ist eine abgedichtete, giftig

überzuckerte, beliebig zusammengesteckte

Kulissenwelt mit abstrakten

Menschenpuppen, die formal

agieren und sprechen, sich nur zeichenhaft

begegnen und verständigen,

trocken, programmiert, ohne

dialogisches Spiel. Die Zuschauer

bleiben unbehelligt und sehen von

fern auf ein Schneekugelbestiarium,

in dem später auch noch die obligatorischen

Flocken schweben.

BIRGIT HUPFELD

Mondtag hat bei dem Licht- und

Schattendesigner Robert Wilson,

dem Zeige- und Kasperspieler Claus

Peymann hospitiert, aber auch bei

dem Qual- und Totaltheaterwüterich

VegardVinge mitgemacht. An diesem

sorglos eklektizistischen Abend ist

das unübersehbar;man ahnt, wo sich

die abgekochte Ästhetik der Altmeister

mit dem weltaufbrechenden Zeichenfuror

Vinges treffen –immehr

oder weniger zweifelzerrissenen Narzissmus,

inder mehr oder weniger

routinierten Weltabgewandtheit und

in der ästhetischen Behauptungsfreude,

die auch ein Behauptungszwang

sein könnte.Wobleibt bei alledem

Mondtag? Kann sein, dass es

eitle Selbstüberschätzung wäre,

wenn sich der Regisseur mit dieserTitelfigur

und ihrer Not identifizierte.

Aber solchsicheren Abstand zu wahren,

sich ästhetisch drüber zu stellen,

ist nicht nur noch vermessener, sondernauch

risikofrei und langweilig.

Die großartige Stefanie Reinsperger

ist hoffnungslos eingeklemmt in

dieser Klimperkunstwelt. Ihre Spielfreude

blitzt auf, ihr athletischer

Denk- und Sprechapparat strotzt.

Dennoch liefert sie –bis ins Seelenspiel

hinein, mit Weinkrämpfen,

Lachattacken, Sangeskunst, Wahnsprechphasen

und immer neuen Anläufen

–ein kaltes, nacktgesichtiges

Virtuosenstück im Schminkkasten.

Getöteter und toter Baal

Mondtag hat in seinen gar nicht fernen

Lehrjahren auch bei Frank Castorfzuschauen

dürfen. Undnatürlich

denkt man mit Schmerz andessen

Münchner „Baal“-Inszenierung

(2015). Hier wurde Baal mit Kurtz, einem

anderen egomanischen Zivilisationsflüchtling

aus Joseph Conrads

„ImHerzder Finsternis“ (und aus der

Verfilmung „Apocalypse Now“) verschnitten.

Castorf verrührte

Baal/Kurtz zum Selbstporträt eines

Genies – und verstieß gegen das

Fremdtextverbot. Verlag und Erbin

klagten auf Unterlassung, und die Inszenierung

musste nach der fünften

Vorstellung bei lebendigem Leibe abgesetzt

werden. Barbara Brecht-

Schall ist drei Monate später gestorben,

ihreTöchter, die Regisseurin Johanna

Schall und die Kostümbildnerin

Jenny Schall, haben nun die

Rechte an Brechts Werken inne, bis

diese in sieben Jahren gemeinfrei

sind. Johanna Schall wurde im Publikum

gesichtet, aber nur bis zur Pause.

„Heute Abend weiß ich genau,

warum ich Frank Castorf(auf eine kritische

Art) liebe!“, ließ sie danach

über die sozialen Medien wissen.

Mondtags Traumbilderbogen wird

laufen dürfen, so tot er auch ist.

Baal.20.,21. 9.;12.,13. 10., 19.30Uhr,Berliner

Ensemble, Karten unterTel.: 28408155 oder

im Internet:www.berliner-ensemble.de

NACHRICHTEN

Doppelporträt von Georg

Baselitz in Weimar enthüllt

Einmonumentales Doppelporträt

vonGeorgBaselitz (81) ist am Sonnabend

zum Abschluss des Kunstfests

Weimar erstmals der Öffentlichkeit

präsentiertworden. „Immer noch

unterwegs“ aus dem Jahr 2014 zeigt

zwei großformatige Figuren auf

schwarzemGrund. Dasdreimal vier

Meter große Werk ist eine Neubearbeitung

vonBaselitz' früherem Gemälde

„Die großen Freunde“ (1965).

DerOpernsänger Matthias Goerne

(52) setzte das Gemälde mit Liedern

vonAlban Berg undHanns Eisler in

Szene.Baselitz hatte,wie er sagte,

selbst Musikerwerden wollen, bevor

er zum Pinsel gegriffen habe. (dpa)

Susan Sarandon für

ein Sterben in Würde

Nach Ansicht vonHollywood-

Schauspielerin Susan Sarandon sollten

schwerkranke Menschen die Option

für medizinisch unterstützten

Selbstmordhaben. Sieunterstütze

das Recht, „in Würde zu sterben,

ohne dass die Familienmitglieder

wegen Mordes angeklagt werden“.

Dassagte Sarandon nach der Weltpremiereihres

Filmes „Blackbird“

beim Toronto International Film

Festival (TIFF). Sarandon spielt in

dem emotionalen Drama vonRegisseur

Roger Michell eine todkranke

Patientin, die beschließt, ihr Leben

zu beenden. Beim TIFF werden bis

zum 15. September 333 Filme aus 84

Länderngezeigt, darunter auch 30

deutsche Filme und Koproduktionen.

(dpa)

Störer unterbrechen

israelisches Filmfestival

MehrereStörer haben eine Kinoveranstaltung

des israelischen Filmfestivals

SeretInternational in Berlin

mit Transparenten und lautem Geschrei

unterbrochen. Beieiner Fragerunde

nach der Vorführung des

Films „King Bibi“ hätten am Sonnabend

zehn bis zwölf Personen die

Bühne gestürmt, sagte ein Sprecher

derVeranstalter.Ein antisemitischer

Hintergrund könne nicht ausgeschlossen

werden, sagte ein Polizeisprecher.Der

Staatsschutz habe Ermittlungen

aufgenommen. (dpa)

UNTERM

Strich

Altstadt

Berlins erster

U-Bahn-Tunnel

VonFalkoHennig

Berlins und Deutschlands erster, ältester

und immer noch existierender U-Bahn-

Tunnel liegt unterm Wedding im Stadtteil

Gesundbrunnen. Dass der Tunnel gebaut

wurde, verdanken wir einem relativ friedlichen

Krieg, nämlich dem U-Bahn-Krieg von

Berlin. Es ging darum, wer die erste U-Bahn

von Berlin bauen dürfte, und Gegner in dieser

Auseinandersetzung waren die Konzerne

AEG und Siemens &Halske. Während die

AEG den Schildvortrieb aus dem Bergbau favorisierte,

wollte Siemens eine Unterpflasterbahn

bauen.

Bei der Unterpflasterbahn wird in der

Straße eine Grube ausgehoben, in die der

rechteckige Tunnel gebaut und mit einer Decke

versehen wird. Sodann wirddas Bauwerk

wieder mit der Straße bedeckt. Vorteile dieses

Systems sind die geringen Kosten, nur

kann man auf diese Artweder die Spreenoch

Kanäle unterqueren. Dagegen wird beim

aufwendigeren Schildvortrieb unterirdisch

gebuddelt und somit bleibt der Straßenverkehr

ungestört.

Der erste Versuch, in dieser Art zu

bauen, war der AEG-Versuchstunnel. Die

AEG wollte 1895 zwei Fliegen mit einer

Klappe schlagen und nicht nur ausprobieren,

ob man in dieser Weise in Berlin bauen

kann, sondern sich selber eine nützliche

U-Bahn zwischen zwei Betriebsteilen erschaffen.

Der Tunnel wurde zum 31. Mai

HENDRIK JONAS

1897 fertig und unterquert bis heute die

Kreuzung von Hussiten- und Voltastraße.

Er verband die Baukomplexe der AEG,

nämlich ihre Apparatefabrik in der Ackerstraße

und ihre Fabrikstadt zwischen

Humboldthain und Voltastraße. Die dortige

Großmaschinenfabrik macht bis heute

durch die Größe ihrer Halle dem Namen

alle Ehre.

Die Apparatefabrik gab es schon davor,

ab 1888 war sie erbaut worden und stellte

Glühlampen, Elektromotoren und Apparate

her. Dem expandierenden Konzern

wurde sie schnell zu klein. Das Erweiterungsgelände

mit Güterbahnhof fand sich

direkt nebenan. Hier entstand keine Fabrik,

sondern eine ganze Fabrikstadt, zu

der neben der Großmaschinenfabrik mit

großer Montagehalle zwei Fabriken für

Bahnmaterial, eine für Hochspannungsmaterial

und eine Kleinmotorenfabrik gehörten.

Im Tunnel wurden mit einer elektrischen

Bahn mit bis zu 30 km/h Materialien

und Arbeiter von einer Fabrik zur anderen

gebracht.

Die AEG war stolz:„Diese Bahn hat sich

in der Folge vorzüglich bewährt. Der Tunnel

in einer Länge von270 Meternhat elliptischen

Querschnitt von 2,6 Metern Breite

und 3,15 Metern Höhe. Die Tunnelsohle

liegt 6,5 Meter unter der Straße. Zur Beförderung

von Personen und Lasten dient

eine elektrische Lokomotive.“

Um 1910 verlängerte manden Tunnelauf

dem Gelände am Humboldthain nochmal

auf insgesamt 374 Meter inden Keller eines

Neubaus. Im ErstenWeltkrieg wurdeimTunnel

Munition produziert, im Zweiten Weltkrieg

diente er als Luftschutzkeller und als

Lager für Konstruktionsunterlagen. Seinen

ursprünglichen Zweck erfüllte er nochmals

in den1950er-und 1960er-Jahren, allerdings

fuhren kleine Elektrokarren auf Gummireifen

und nicht mehr auf Gleisen. 1984 wurde

er von der AEG geschlossen. Dank des Vereins

Berliner Unterwelten ist derTunnel seit

2016 wieder geöffnet unddiente jüngst sogar

als Kulissefür „Babylon Berlin“.


22 Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Feuilleton

Hollywood spielt seinen Joker

Der Goldene Löwe von Venedig geht mit Todd-Phillips an einen der ersten Oscar-Favoriten –und wirft Fragen auf zur Positionierung zwischen Kunst und Geschäft

VonDaniel Kothenschulte

InItalien liebt man festliche Reden,

nur die Löwen der Filmfestspiele

werden ohne viele

Worte überreicht. Jurybegründungen

gibt es nicht, das verbindet

sie mit den Oscars, als deren erste

Vorboten sie inzwischen gelten, zumindest

was die amerikanischen

Gewinner betrifft: 2017 triumphierte

hier „The Shape of Water“, 2018

„Roma“ und nun also „Joker“, ein

derartstarker und emotional dichter

Genrefilm, wie er auch Hollywood

nicht jedes Jahr gelingt. Es ist unmöglich,

während der zwei Stunden

Laufzeit nicht gefesselt zu sein von

Joaquin Phoenix’ tragischem Titelhelden,

einem armseligen Clown,

bei dem sich aufgestautes Leid

schließlich in orgiastischer Aggression

entlädt. Zwei Filme Martin Scorseses

bestimmen Stil, Inhalt und

Konzeption, „Taxi Driver“ und „King

of Comedy“; Nebendarsteller Robert

De Niro adelt die retrospektive Unternehmung

mit seiner Mitwirkung.

Aber kommt genug Originalität dazu

für einen solchen Preis? Oder überhaupt

für die Aufnahme in einen

Wettbewerb für Filmkunst?

Tumultartige Szenen

Der Regisseur Todd Phillips (52) ist

vor allem bekannt für seine drei

„Hangover“-Filme, dies ist sein erster

Spielfilm, der keine Komödie ist.

Sicher hätte er sich selbst nicht träumen

lassen, einmal mit dem ältesten

der renommierten Festivalpreise auf

einer Bühne zu stehen; überreicht

von Jury-Präsidentin Lucrecia Martel,

die für ihre viel bedeutenderen

Filme nie etwas Vergleichbares gewonnen

hat. Einen Preis verdient

hätte fraglos der Hauptdarsteller Joaquin

Phoenix, der hinter dem Italiener

Luca Marinelli das Nachsehen

hatte, der für seine weit weniger fordernde

Rolle in „Martin Eden“ ausgezeichnet

wurde. Dass Phoenix

trotzdem die Größe hatte, mit Phillips

zurück zum Festival zu reisen,

sorgte für tumultartige Szenen nach

der Preisvergabe: Die Fotografen

wollten einfach lieber ihn mit dem

Löwen ablichten.

Bewunderung verdient fraglos

Hollywoods Marketing-Strategie.

Seit Tim Burtons erstem „Batman“

und noch mehr seit „Batmans Rückkehr“

stand diese eine Comicfigur

immer wieder für eine andere Auffassung

des Blockbuster-Prinzips.

Hier ohne Clownsmaske: Joaquin Phoenix in dem mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Film „Joker“

DIE WICHTIGSTEN PREISTRÄGER

Goldener Löwe für den besten Film: „Joker“ vonTodd Phillips (USA)

Großer Preis der Jury: „J’accuse“ vonRoman Polanski (Frankreich, Italien)

Silberner Löwe für die beste Regie: RoyAndersson für „About Endlessness“

(Schweden, Deutschland, Norwegen)

Preis für das beste Drehbuch: Yonfan für „No. 7Cherry Lane“ (Hongkong)

Preis für die beste Schauspielerin: Ariane Ascaride für „Gloria Mundi“ vonRobert

Guédiguian (Frankreich, Italien)

Preis für den besten Schauspieler: Luca Marinellifür „Martin Eden“von Pietro Marcello

(Italien, Frankreich)

Spezialpreis der Jury: „La mafia non èpiù quella di una volta“ vonFranco Maresco (Italien)

Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller:TobyWallace für „Babyteeth“

vonShannon Murphy(Australien)

Das Warner-Brothers-Studio versteht

sich ein wenig wie die Bayreuther

Festspiele,bei denen ab und zu

auch einmal ein Christoph Schlingensief

den „Ring“ aufmischen

durfte. Nichts dagegen, wenn Venedig

seine Rolle von der umgekehrten

Seite sieht und als Gralshüter

der Filmkunst auch die Streaming-

Platzhirsche Netflix und Amazon

hofiert – solange die Qualität

stimmt. Doch es ist eine heikle Balance,

die natürlich auch bei der

Kunstbiennale eine Rolle spielt, wo

Der Regisseur Todd Philipps und sein Hauptdarsteller Joaquin Phoenix

unbekannte Künstler ohne Marktpräsenz

kaum noch eine Chance

haben. In diesem Jahr jedenfalls waren

beim Filmfestival trotz insgesamt

hohen Niveaus künstlerisch

radikale Produktionen in der Minderheit.

WARNER BROS.

AFP/ALBERTO PIZZOLI

Auch Roman Polansksis Thriller

über die Dreyfus-Affäre, „J’accuse!“,

war kaum ein innovativer Film, aber

wenigstens kein Retro-Phänomen

wie „Joker“. Polanski, nun mit dem

zweiten Preis, dem „Grand Jury

Prize“, geehrt, schuldet künstlerisch

niemandem etwas, erarbeitet eben

noch mit 88 Jahren auf dem Niveau

seiner eigenen Klassiker „Chinatown“

und „Der Pianist“. Seine Ehefrau

seit dreißig Jahren, Schauspielerin

Emmanuelle Seigner, vertrat ihn

bei der Preisverleihung.

Viel war darüber diskutiert worden,

ob ein Mann, der Italien meidet,

weil er fürchten muss, wegen eines

schweren Sexualdelikts verhaftet

und in die USA abgeschoben zu werden,

überhaupt die Ehre einer Festivalteilnahme

verdient. Doch wer

mitmachen darf, der muss natürlich

auch gewinnen dürfen.

Politische Kontroverse

Auch der Regisseur des innovativsten

Films im Wettbewerb,der Hongkong-Chinese

Yonfan, für seinen

Animationsfilm „No.7 Cherry Lane“

für das beste Drehbuch geehrt, entfachte

noch eine politische Kontroverse.

Seine Preisrede nutzte er für

ein Plädoyer für die Freiheit Hongkongs

–wandte sich dabei aber vor

allem gegen die Demonstranten:

„Eine Kraft, deren Herkunft wir nicht

kennen, stellte im Namen der Menschenrechte

Hongkong auf den

Kopf. Und jetzt haben wir sogar die

Freiheit verloren, auf die Straße zu

gehen.“ Aber auch diese Sicht der

Dinge muss bei einem internationalen

Festival natürlich eine Stimme

haben dürfen.

Ohnehin hat Politik einen

schweren Stand bei diesem Festival.

Nur einen dezidiert politischen

Film hatte der Wettbewerb zu bieten,

„Gloria Mundi“ von dem französischen

Autorenfilmer Robert

Guédiguian. Das Sozialdrama führt

in die proletarische Unterschicht

von Marseille, woein junges Paar

nach der Geburt eines Babys ums

Überleben kämpft. Dabei erweist

sich der Großvater, ein ehemaliger

Häftling, als guter Geist. Ein außergewöhnlich

ausgefeilter Naturalismus

im Spiel kontrastiert wie so oft

bei diesem Filmemacher mit einer

artifiziellen Form und opernhaften,

melodramatischen Zuspitzungen.

Mit dem Preis für die Darstellerin

der komplexen Mutterrolle, der

französischen Schauspielerin Ariane

Ascaride,gelang es der Jury,tatsächlich

das Beste an diesem Film

zu benennen –anders als bei ihrem

Hauptpreis für den „Joker“ in diesem

merkwürdigen, aber immer

wieder überraschenden Kartenspiel

namens Filmfestival Venedig.

Unbefreite Bilder

Die Schaubühne eröffnet die Saison mit Katie Mitchells „Orlando“ und Thomas Ostermeiers Salzburger Koproduktion „Jugend ohne Gott“

VonDoris Meierhenrich

Orlando ist ein verträumter Heißsporn.

Ein versponnener Einzelgänger

und lebenshungriger

Menschenfreund. Ja, so konträr

muss man es sagen. DiehundertFarben

der bunten Glasfenster seines

Schlosses,indenen sich die Sonnenstrahlen

prismatisch brechen, bevor

sie auf ihn fallen, reichen kaum aus,

um die Lebenswendungen des jungen

Edelmannes mit Hang zur

Schriftstellerei zu beschreiben.

Virginia Woolf brauchte 1928, als

sie zusammen mit ihrer Geliebten

Vita Sackville-West auf einer Frankreichreise

diese fantastische Romanbiografie

erfand, gut 240 bilderüberflutende

Seiten. Vita ist das Vorbild

für den wilden, zarten in allen

Dingen so versierten wie ungeschickten

Orlando, der im 16. Jahrhundert

zur Welt kommt, der Virgin

Queen Elisabeth gefällt, wegen seiner

androgynen Schönheit Ruhm

erntet, voneiner russischen Prinzessin

sitzengelassen wird, aus Wut

nach Konstantinopel zieht, dort in

den Wirren einer Revolution in Tiefschlaf

fällt und 100 Jahre später als

Frau wieder aufwacht, als die sie nun

die nächsten dreihundertJahresoirritiertwie

belustigt lernen muss,was

es heißt, eine Frau zu sein.

Nimmt man den Roman heute

zur Hand, spürt man auf jeder Seite

die lustvolle Befreiung, auch den

Spaß, den Virginia Woolf sich selbst

mit dem ironisch eleganten Tonder

Biografin, die sich immer auch mit

ins Spiel bringt, verschafft hat.Vorallem

aber mit der überschwänglichen

Figur des Orlando,die sich jeder eindeutigen

Charakterisierung entzieht

und die Grenzen höfischer,sexueller,

literarischer Konventionen immer

schon durchkreuzt. Immer ist er eigenwillig,

suchend, renitent und

geht doch ganz auf in jeder Epoche:

in der wilden elisabethanischen, der

klaren georgianischen oder der prüden

viktorianischen.

Genau dieser ruhelos an sich

selbst und der Welt arbeitende Bewusstseinsstrom

ist der Motor der

märchenhaften dahinfliegenden Erzählung,

die in einer Phrase einen

Augenblick mit einem ganzen Jahrhundert

zusammenzieht und vom

Ententeich in Sussex bis Kap Horn

blickt.

Dass die Meistertüftlerin des

Live-Film-Theaters Katie Mitchell

Spielt in Konkurrenz zu Filmbildern: JennyKönig als Virginia Woolfs „Orlando“ IMGAO IMAGES

derbar der technischen, alle Kunstprozesse

auseinanderfaltenden Herangehensweise

Mitchells, die auch

hier die Bühne wieder zu einem

komplexen theatralischen Filmset

macht. Tonstudio und Leinwand

hängen am Bühnenhimmel, Schienen

für die Kameras sind am Boden

sich diesen feministischen Woolf-

Klassiker nun zur Vorlage für die

Schaubühne genommen hat, ist

kaum verwunderlich. Denn nicht

nur die brillant schillernde Erzähltechnik

Woolfs, ihre ironischen

Zweifel an dem mal zu kitschigen,

mal zu trockenen Text, dient wunmontiert

und Kostüm- und Werkstattnischen

ducken sich hinter und

neben einer dreiteiligen Landhauskulisse,

in der sieben Schauspieler

und an die zwanzig Helfer um die

wunderbare Jenny König herum die

Szenenschnipsel für den Film nachstellen.

Leider nur bleibt das Bühnengeschehen

diesmal weitgehend dunkel

und eher bedeutungslos hinter den

Leinwandbildern zurück. Wobei

auch diese Filmbilder nur blass illustrieren,

was die Erzählerin Cathlen

Gawlich im Tonstudio verliest.Wenig

von der widersprüchlich fließenden

Kraft der Woolfschen Erzähltechnik

bekommt hier Form, noch weniger

Orlandos fantastische Persönlichkeit,

die in ihrer geradezu parodistischen

Entgenderung und Queerness

aktueller und brisanter kaum sein

könnte. Genau hier, meinte man,

könnte die poetisch-kritische Bilder-

Entstehungskunst Mitchells besonders

wirken und den starren Gendermustern

die fließende Vielfalts-

Persönlichkeit Orlandos entgegen

werfen.

Tatsächlich aber bleiben die Bilder

flach und unbefreit, schafft keine

der isolierten Spielebenen echten

Mehrwert, was dieser Abend allerdings

mit der wenig später folgenden

Schaubühnen-Neuproduktion „Jugend

ohne Gott“ teilt, die Thomas

Ostermeier bereits in Salzburg herausbrachte

(BLZ vom30.7.19).

Auch Ostermeier versucht unter

Einsatz von Live-Film-Technik, die

innere Erzählung des Lehrers in

Ödön vonHorváths Roman, dem in

Zeiten des aufkommenden Faschismus

seine Schüler in Gefühlskälte

abdriften, in die äußere

Handlung zu klappen. Vordichtem

Wald werden die Figuren auf offener

Bühne umgezogen, wechselt

Dokumentarisches mit dem fiktiven

Kriminalgeschehen, doch all

dies analytische Besteck, das Verführung

und Verfremdung zugleich

bedienen will und doch nur kunstgewerblich,

didaktisch am Text

klebt, entwickelt kaum inhaltliche

Kraft. Immerhin verschaffen etliche

Kürzungen und weniger Frontalsprechen

der Berliner Version

mehr Konzentration. Oberlehrertheater

bleibt es doch.

Orlando 11.–13.9., 20 Uhr;

Jugend ohne Gott 9.–12. 9., 20 Uhr,

Schaubühne am Lehniner Platz


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 23

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Feuilleton

Zwiegesänge

und

Klangschatten

Neues Violinkonzert von

Peter Eötvös beim Musikfest

VonMartin Wilkening

Alhambra“ heißt das neue Violinkonzert

von Peter Eötvös. Ausweglos

erscheint der von musikalischen

Klischees umstellte Assoziationsraum,

über alle Maßen abgenutzt

die musikalischen Formeln,

die ihn besetzen. Aber der ungarische

Komponist hat die Herausforderung

angenommen und balanciert

mit seinem Stück, einem Auftragswerk

der Berliner Philharmoniker

und des Granada-Festivals,

raffiniert ander Grenze zur Gefälligkeit,

ohne sie zu übertreten.

Die bekannten Topoi der spanisch-maurischen

Musik kommen

alle vor, die harten Flamenco-Rhythmen,

die ausdrucksvollen chromatischen

Verzierungen, die auf einer

Tonhöhe lauernd pendelnden Ostinati.

Aber Eötvös’fein gewebte Partitur

bricht sie im Detail. Durch seltsam

surreale Klangmischungen, vor

allem zwischen Melodie-Instrumenten

und teilweise exotischem

Schlagzeug, durch Ausdünnung,

durch eine Präzision, in der Verinnerlichung

und geistige Distanz genau

kalkuliertsind.

Expressiv und reaktionsstark: die Violinistin

Isabelle Faust.

FELIX BRÖDE

Der Solovioline wird grundsätzlich

sehr viel Raum gegeben. Ein lyrisch

getönter Anfangsmonolog erscheint

in Varianten immer wieder

und verbindet die unterschiedlichen

Episoden, die der Komponist als eine

Art Rundgang durch die Architektur

der Alhambra versteht. Die Violine

gelangt dabei in fast schon schwelgerische

Zwiegesänge mit der Klarinette

oder spiegelnden Soloviolinen

aus dem Orchester. Andererseits hat

sie sich auch mit einer Art Klangschatten

herumzuschlagen, einer

leicht verstimmten Mandoline, deren

Rhythmen sich ausgeklügelt mit

denen der Solostimme verhaken,

mal eigenwillig, mal folgsam, eine

ArtSancho Pansa.

„Alhambra“ ist bereits das dritte

Violinkonzert des Komponisten. Es

scheint direkt die besonderen Qualitäten

des Spiels von Isabelle Faust

aufzugreifen, die feinen Nuancen

des Tons, eine kammermusikalisch

geschulte Reaktionsfähigkeit, die

stets ins Ganze eingebundene Expressivität.

Zusammen mit den Philharmonikern

und Eötvös als Dirigent

war dies eine Uraufführung von

exemplarischer Genauigkeit.

Außerdem Xenaki und Varèse

Klarheit und Plastizität der Klangvorstellung

und der musikalischen

Gestik prägten auch die Interpretationen

der folgenden Orchesterwerke.

Ein großer Spannungsbogen

entwickelte sich aus den Glissandi,

Clustern und pulsierenden Klängen

in Iannis Xenakis’ Streicherstück

„Shaar“. Und die rund 140 Mitwirkenden,

darunter allein 16 Schlagzeuger,

in„Amériques“ von Edgard

Varèse ließen zwar auch die schiere

Klanggewalt dieser Besetzung fühlbar

werden, aber diese erschien gebunden

an die Vorstellung eines in

subtil gezeichneten Sphären zusammenschwingenden

Universums, in

dem noch der Klang einer einzelnen

Flöte seine Bedeutung besitzt.

Eswar ein Riesenskandal, als

2013 Stefan Dorgerloh, damals

Kulturminister von

Sachsen-Anhalt, beschloss,

den Direktor der Bauhaus-Stiftung

nicht mehr zu beschäftigen. Klarer

Grund: Oswalt hatte ziemlich insubordinativ

dagegen Front gemacht,

das neue Bauhaus-Museum im

Stadtzentrum von Dessau zu errichten.

Er wollte lieber –und hatte dabei

die meisten Museumsfachleute und

seinen wissenschaftlichen Beitrat

hinter sich –ein Museum in direkter

Umgebung der historischen Bauhausbauten

errichten. Die Stadt dagegen

und der Minister wünschten

einen Neubau am Stadtpark. Er

sollte den stetig wachsenden Bauhaus-Tourismus

von jenseits der Eisenbahntrasse

in die Innenstadt ziehen.

Stadt und Minister setzten sich

durch, Oswalt musste gehen, eine

neue Direktorin, Claudia Perrren,

wurde berufen. 2014 fand der Wettbewerb

statt, den das spanisch-katalanische

Büro Addenda gewann.

Gesternwurde mit großem Staatsakt

und Volksfest das neue Bauhaus-

Museum von Bundeskanzlerin Angela

Merkel eingeweiht.

Rund 28 Millionen Euro hat es gekostet,

je zur Hälfte getragen vom

Land Sachsen-Anhalt und vom

Bund. Eine coole Glaskiste steht nun

am Stadtpark, je nach Sonnen- und

Wolkenstand spiegelnd oder fast

durchsichtig. Man ahnt, dass innen

eine große Halle locken kann, 18 Türensollen

sie zur Stadt und zum Park

hin öffnen. 100 Meter lang 18 Meter

breit, elf Meter hoch ist der Bau. Auf

den ersten Blick sieht das aus wie

eine sorgfältig restaurierte Industriehalle

der Nachkriegszeit. Oder wie

eine jener hocheleganten Büro- und

Fabrikationshallen, die Eero Saarinen

in den USA oder Arne Jacobsen

in Dänemark planten. Zumal der

breite, gesandete Vorplatz angemessener

Abstandhalter zur gegenüber

liegenden Shoppingmall ist, ein

möglicher Versammlungs- und Aufführungsplatz.

Kein Geld für Photovoltaik

Die eigentliche Chance dieser Glaskiste

aber konnten die Architekten,

wie Roberto Gonzales im Gespräch

mit der Berliner Zeitung bedauerte,

nicht ergreifen: sie nämlich zu einem

Kraftwerk zu machen, die einfallende

Sonne nicht nur abzuwehren

und Hitzemit Klappfensternhinauszuführen,

sondern als Energiequelle

zu nutzen. DasGründach ist letztlich

eine Notlösung, Geld für eine Photovoltaikanlage

wollten Land und

Bund nicht nachschießen. Ein kurzsichtiger

Geiz, wurde so doch das

neue Bauhaus-Museum trotz seiner

sparsamen Konstruktion im Energetischen

zum Monument einer alten

Zeit.

DerArchitekt verglich seinen EntwurfimDeutschlandfunk

Kultur mit

einer luftigen, offenen, auch schattigen

Markthalle im Süden. Diese sei

auch ein soziales Modell des heiteren

Zusammenkommens. Ein anderer

Vergleich, den Roberto Gonzales

zog, war der zum hinreißend eleganten,

luftigen Barcelona-Pavillon, den

Ludwig Mies van der Rohe 1929 zusammen

mit seiner Partnerin Lilly

Reich für die Weltausstellung entwarf.

In durchaus rauen Dessau wird

man sehen müssen, wie gerade diese

von den Architekten und den Museumskuratoren

ersehnte soziale Dimension

des Bauhaus-Museums angenommen

wird. Allerdings haben

sich viele Dessauer schon in den vergangenen

Tagen wortwörtlich die

Nasen platt gedrückt an den Fensterwänden.

Von außen kann man nämlich

nicht ahnen, dass sich in dieser Glaskiste

eine durchaus dramatische

Konstruktion verbirgt: Das Obergeschoss

steht gleich einer gewaltigen

Brücke auf nur zwei Treppentürmen

frei in der Glaskiste.Der Raum unter

diesem eigentlichen Ausstellungsriegel

ist die weite Halle, die zwischen

Park und Stadt vermitteln soll,

in der inzwischen ein steilerTheatersitzaufbau

aus Holz aufgerichtet

wurde, umDebattenatmosphäre zu

schaffen.

Solche Hallen pflegen nun aber

schnell warmund schwül zu werden,

sobald die Sonne auf die Glaswände

scheint. Ein Problem, das Addenda

Man möchte

mitzeichnen

Das Dessauer Bauhaus-Museum

zeigt in seinem Neubau, warum das

Bauhaus eine so tolle Schule war

Oskar Schlemmer:Geteilte Halbfigur nach rechts, 1923

Die Sammlung –Südraum

Architects mit low tech zu lösen versuchen:

DieFensterwände sind dreifach

verglast. Die äußerte Schicht,

um den Sonneneinfall zu reduzieren

und trotzdem das Licht voll strahlen

zu lassen, wurde zu dreißig Prozent

mit gedruckten Punkten verschattet,

ein dichter Vorhang zieht sich automatisch

zu, wenn die Sensoren zu

große Hitze und zu viel Lichteinfall

melden. Warm dürfte es aber dennoch

an etlichen Tagen werden. Um

die Halle trotzdem für Sonderausstellungen

nutzen zu können, wurde

VonNikolaus Bernau

STIFTUNG BAUHAUS DESSAU

STIFTUNG BAUHAUS DESSAU/OSTKREUZ/THOMAS MEYER

Das neue Bauhaus-Museum von Addenda Architects aus Barcelona

DPA

eine zuschaltbare Klimaanlage eingebaut,

die punktgenau einzelne Bereiche

klimatisiert, etwa vergleichbar

mit den Klimaschleusen in großen

Geschäften und Malls.

Die Halle soll tagsüber offen für

das städtische Publikum sein, mit

Sitzplätzen, Veranstaltungen, einem

Café. Erst der monumentale, hochrechteckige

Eingang in die Treppentürme

führt indas eigentliche Museum

im Obergeschoss, das in drei

Abschnitte gegliedert ist: In einem

Vorraum sind die Objekte auf einer

ArtGestell montiert, das mit textilen

Wänden versehen wurde. Das wirkt

transparent, weich, die Kernfragen

der Moderne –kann der Mensch geformt

werden, welche Auswirkungen

hat das neue Sehen auf unsereWahrnehmung

von Schrift, Licht und

Farbe,welche Bedeutung hat die Geschlechterfrage

– werden hier mit

erstklassigen Kunstwerken eingeleitet.

Dann folgt der Hauptsaal, in der

Mitte gegliedertdurch ein schier unendlich

langes, orangenes Fabrikregal.

Das Bauhaus als Fabrik, als

Schule,als Lebensweg zeigt sich hier,

geschöpft aus den reichen, seit 1976

systematisch zusammengetragenen

Archiven und Nachlasssammlungen.

Die neue Küche mit ihren radikal

durchrationalisierten Arbeitswegen,

das Standardmöbel für die Arbeitersiedlung

in Dessau-Törten –

viel zu teuer für die avisierte Kundschaft,

aber hochelegant – Porzellane

und Keramiken, Silberarbeiten

und Wandteppiche – es ist eine

schiere Lust, hier in diesem Saal zu

wandeln, zu entdecken. Eine Kollegin

sagte: „Man möchte gleich den

Zeichenstift zücken, möchte mitmachen

beim Lernen im Bauhaus.“

Im letzten Teil wird die höchst

problematische Beziehung der DDR

zur deutschen Moderne gezeigt, mit

den verzweifelten Versuchen einiger

Intellektueller in Dessau, das Erbe

des Bauhauses nach 1945 wieder zu

beleben, dem Abbruch dieser Versuche

durch die stalinistische Staatsmacht

seit 1949, dem langsamen

Wiederaufleben der Erinnerung in

den 1960er-Jahren, der glanzvollen

Rehabilitierung des Bauhauses 1976.

Sicher, nur für die Kenner der Bauhausgeschichte

werden die politischen

Untiefen der deutschen Moderne

in dieser doch sehr diskrekten

Inszenierung erkennbar. Aber das

passt zum Charakter einer Studiensammlung,

die Zeit fordert.

Vor kaum einem halben Jahr

wurde in Weimar das andere deutsche

Bauhaus-Museum eingeweiht,

das Bauhaus-Archiv in Berlin steht

noch in der Baugruben-Phase. Der

Vergleich des Dessauer Projekts von

Addenda Architects mit demWeimarer

Bau von Heike Hanada ist zwingend.

Beide kosteten 28 Millionen

Euro, wurden mit 14 Millionen Euro

vom Bund gefördert. Ein Skandal eigener

Artübrigens –der Bund streckt

der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

wortwörtlich hunderte Millionen

Baugelder zu, ließ auch sein

ebenfalls am Wochenende eröffnetes

Futurium mit 60 Millionen Euro

errichten (siehe Lokalteil). Aber für

die Sammlungen „in der Provinz“

wirdderartwenig Geld bereitgestellt,

dass sich die Architekten in Weimar

wie in Dessau mit atemberaubend

miserablen Bauqualitäten zufrieden

geben mussten, dass bau- und museumstechnisch

nur Minimalstandardgeboten

werden kann, dass jede

energetische Moderne unmöglich

wurde.

Vergleich mit Weimar

In Weimar wurde trotzdem versucht,

mit viel Beton, Wand und Raum ein

architektonisches Manifest für eine

erneuerte Massenbaukunst zu

schaffen. In Dessau dagegen haben

die Architekten mit ihren Hallen auf

Minimalisierung gesetzt. In Weimar

ist die Ausstellung vergleichsweise

langweilig, weil sie das Besondere

nicht herausgestellt hat, nämlich die

vom Bauhaus 1926 übernommene

Kernsammlung. In Dessau ist die

Geschichte der Sammlung selbst

zum Teil der Ausstellung geworden –

was immer wieder irritiertund Spannung

aufbaut. Nicht zuletzt konnten

sich hier die Ausstellungsgestalterinnen

um die Kuratorin Regina Bittner,

Wolfgang Thöner und Detlev Weitz

in einer weiten Halle entfalten, in

Weimar dagegen wurden die Kollegen

durch die vonder Architektin gewünschten

vielen Wände, Decken

und Treppenläufe eingezwängt.

Unddass in Weimar die Rolle des

Museums als frei zugänglichem Ort

der Öffentlichkeit keine, inDessau

mit seiner Riesenhalle dagegen eine

zentrale Rolle spielt –das ist eben

auch Teil des überzeugenderen Konzepts.

Kurz: Es war die richtige Entscheidung,

in die Mitte Dessaus zu

gehen. Hier kann das Museum wirken.

Nicht nur auf Bauhaus-Fans.

Rote Karte

für

die ARD

Sender blamiert sich mit

Handball-Übertragung

VonTorsten Wahl

Der Spannungspegel war am Anschlag,

als das Spitzenspiel der

Handball-Bundesliga in die letzte

Minute ging. Gastgeber SC Magdeburg

führte mit zwei Toren gegen

den THW Kiel, als ein Magdeburger

Spieler herausgestellt wurde und

Kiel einen Siebenmeter bekam.

ARD-Reporter Florian Naß beruhigte

die wartenden Kollegen der

Tagesschau und erklärte, das Spiel

werde auf jeden Fall um 20 Uhr beendet

sein.

Doch schon Punkt 19.55 Uhr, bevor

der Kieler Werfer zum Siebenmeter-Punkt

schritt, schaltete die

ARD auf Werbung um –und schaltete

auch nicht mehr zurück. Sogar

die Ziehung der Lottozahlen wurde

noch in aller Ruhe vollzogen –wohl

selten hatte diese Sendung ein so

erregtes Publikum.

Werbung wichtiger als Sport

Denn im Netz wurde die missglückte

Live-Übertragung, auf die

die ARD vorabsostolz gewesen war,

sogleich mit Wut, Häme und Spott

bedacht. Eine rasche Entschuldigung

auf Twitter, eshabe „technische

Probleme“ gegeben, fachte

den Furor noch an. Die meisten der

mehreren hundert Twitter-Diskutanten

unterstellten der ARD, die

Werbe-Einnahmen seien ihr wichtiger

als das Wohl der Handball-Fans

–und zeigten zugleich dem gesamten

öffentlich-rechtlichen Rundfunk,

der sich aus Gebühren und

Werbung finanziert, die Rote Karte.

Tatsächlich sind die Werbeblöcke

direkt nach Spielende, das laut

ARD-Werbung bei 19.53 Uhr fest

eingeplant war, amteuersten –der

20-Sekunden-Spot bringt 14 000

Euro.Doch in diesem Fall dürfte der

Schaden weit größer sein als die

Einnahmen. Nicht zum ersten Mal

scheiterte die ARD offenbar an einer

digital programmierten Senderegie.

So hatte der RBB im April die Fußballfans

vonEnergie Cottbus um die

letzten zwei Minuten im Spiel gegen

den Vfl Osnabrück betrogen. Sprecher

Justus Demmer erklärte später,

es hätte technisch keine Möglichkeit

gegeben, kurzfristig auf die

überlange Spieldauer zu reagieren.

Beider Tagesschau kein Wort

Doch peinlich ist nicht nur das

technische Desaster, sondern der

Umgang damit. Die pünktlich startende

Tagesschau zeigte zwar die

Fußballtore der Nationalmannschaft

vom Vortag, verlor zum

Handball aber kein Wort. ImNetz

bot die ARD dann die letzten beiden

Minuten des Handball-Spiel zum

Download an –als wäredas ein ganz

besonderer Service. Dieses Scheitern

am entscheidenden Punkt

hatte einen klaren Sieger: Beim Bezahlkanal

Sky, der das Spiel parallel

ohne jede Probleme übertrug, dürften

an diesem Abend einige Sektflaschen

geöffnet worden sein. Das

Duell in Magdeburg gewann übrigens

der Gastgeber –mit einem Tor.

TOP 10

Sonnabend, 7. September

1 Tagesschau ARD 5,1 20 %

2 Herrund Frau Bulle ZDF 4,09 15 %

3 Der Staatsanwalt ZDF 3,21 13 %

4 heute ZDF 3,11 16 %

5 Echte Bauern... ARD 2,91 10 %

6 Denn sie wissen ... RTL 2,77 13 %

7 Beruf: Königin ZDF 2,65 12 %

8 RTL Aktuell RTL 2,63 14 %

9 Formel 1 RTL 2,26 20 %

10 heute journal ZDF 2,14 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Aufmeinen Schultern(Raphael Hillebrand)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Panikherz

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Blutroter Waschgang

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.30: CryBaby

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30: Ausweitung der Kampfzone

20.00 Box: Am Boden

English Theatre Berlin (✆ 691 12 11)

20.00: The Land of Milk(y)and Honey?

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Jugend ohne Gott

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Spreeperlen. Eine Berlin-Revue

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.00: Cosmic Comedy(Dharmander Singh,Neil

Numb u. a.)

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Tonight YouBelong To Me (Christine Bovill)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Zirkus Angela

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: TheBest &The Test (Fil)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Futter –streng verdaulich (Gastspiel Philipp

Weber)

Wabe (✆ 902 95 38 50)

19.00: Heathers –Das Musical

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Best Of PoetrySlam (Moderation: Julian

Heun)

KLASSIK

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Georg Nigl (Bariton) &OlgaPashchenko

(Klavier), Musikfest Berlin, Franz Schubert: Die

Taubenpost, Die Forelle, Der Wanderer an den Mond,

Das Zügenglöcklein, Im Freien, Die Sommernacht,

Abendstern, Fischerweise u. a.; Ludwig vanBeethoven:

„An die ferne Geliebte“ op. 98; Wolfgang Rihm:

„Vermischter Traum“, Gryhius-Stück für Bariton und

Klavier,UA

Pierre Boulez Saal (✆ 47 99 74 11)

19.30: Boulez Ensemble XX, Ltg.Daniel Barenboim,

Ludwig vanBeethoven: Sonate für Horn und Klavier

F-Dur op. 17; Béla Bartók: Sonate für zwei Klaviere

und Schlagzeug; Pierre Boulez: sur Incises

KINDER

BKA (✆ 202 20 07)

11.00: See YouLater Navigator,Platypus Theater,

englisches Jugendtheater (ab10J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Die LückeimBauzaun (ab6J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Phoenix in der KULTSchule (✆ 72 01 19 19)

16.00 MediaLab: Phoenix-Küken, Kindertheater-Workshop,

Leitung: Oksana Loidova (ab 4bis 12 J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Wasist ein Zazausel, Lingulino, Kindertheater

unterwegs

Theater an derParkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Die Zertrennlichen (ab 9bis 13 J.)

10.00: Zinnober in der grauen Stadt, United Puppets

(ab 4J.)

LITERATUR/VORTRAG

Begine (✆ 215 14 14)

19.00: Literaturrunde, Nino Haratischwili, Lesung und

Disskusion

Klunkerkranich (Karl-Marx-Str.66)

19.30: MondayMood: „Schöner als Überall“, Kristin

Höller,Lesung und Party, Mod.: Martina Wunderer

Kulturbrauerei/Palais (✆ 405 04 73 10)

20.00: Alles richtig gemacht, Gregor Sander

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

21.00: Wortservierung: Bin ich glücklich?–Selbstfreundschaft,

vonWilhelm Schmid mitRichard Burger

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00: Indie²:Auf der Suche nach der Wahrheit in der

Fiktion, Stefanie Schleemilch und Marc Bensch

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: VomSinn unseres Lebens,

Michael Nast, Buchpremiere

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

SO36 (✆ 61 40 13 06)

19.00: Lesedüne, Marc-UweKling,Julius Fischer,

Sebastian Lehmann,Maik Martschinkowsky u. a., mit

Musik vonBoris the Beast

FÜHRUNG

Anatomisches Theater (✆ 209 34 66 25)

15.00: Das Tieranatomische Theater,Treff: Besuchereingang,Empfang.Denkmal

der Architektur- und

Wissenschaftsgeschichte

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

14.00: Kuratorenführunginden aktuellen Ausstellungen

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

Bärentouren (✆ 015 20 -5 22 67)

14.00: Berlin on the Second View –Berlin insider

tour to famous historicalsights, Meeting point:

‚Granitschale’ (big stone bowl), Lustgarten, Führung in

engl. Spr.. Anm. erf.

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain –

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bis heute, Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

16.00: Berlin zur Zeit der Romantik–Literaturführung

vonE.T.A. Hoffmann über die Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour –Alt-Berliner Sagen und

Anekdoten: romantiktour zwischen Hackeschem Markt

und Klosterviertel, Treff: Klosterruine –Klosterstr./Grunerstr.(Nähe

U-Bhf. Klosterstraße). Anm. erf.

22.00: The Ghost Tour with Nightwatchman –Tracing

the ghosts andsagas of Old-Berlin, Meeting point:

Entrance Nikolaikirche, Propststr.(Mitte), English

guided tour.. Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf den Spuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm. erf.

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –Die Ausstellung

am PotsdamerPlatz,Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

14.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

Treff: Ausstellungshalle

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

14.00: Brennpunkt Babylon. Kämpfe, Kino, Kräche.

Morde. VomJahrhundertortRosa-Luxemburg-Platz

zum Soho, Bernd S. Meyer,Treff: Eing.Volksbühne

Buchvorstellung

Mit

radikalem

Ernst

Esgibt nicht nur die deutsche

Kapitänin Carola Rackete,

esgibt auch Pia Klemp,

gegen die genau wie gegen Rackete

die italienische Staatsanwaltschaft

wegen illegalen

Menschenschmuggels ermittelt,

ein Vorwurf, der sie jahrelang

ins Gefängnis bringen

könnte. Die einstige Sea-

Watch-Kapitänin fährtauf Anraten

ihrer Anwälte derzeit

keine Rettungseinsätze im

Mittelmeer mehr,sie hat einen

Roman geschrieben: „Lass uns

mit den Toten tanzen“ (Maro

Verlag). Wer ihn liest, erfährt,

was Pia Klemp antreibt, mit

welch radikalem Ernst sie die

Welt verändern will. Die Verdienstmedaille,

die ihr die

Stadt Paris verleihen wollte,

hat sie jedenfalls abgelehnt

und auf Facebook die Bürgermeisterin

Anne Hidalgo für ihren

Umgang mit Migranten

kritisiert. Susanne Lenz

Lassuns mit denToten tanzen

20 Uhr,CafeMorgenrot,

Kastanienallee 85, 10.9., 20 Uhr,

k-fetisch,Wildenbruchstr. 86

Elizabeth Acevedo wird vor jungen Lesernvon einer Superkraft sprechen.

Cornelia Geißler

istgespannt auf die Rede

vonElizabeth Acevedo, denn ihr Buch

„Poet X“ liest sich vielversprechend.

Es erinnertanden Trotz der jungen

Bettina Wegner,die am Mittwochabend

sicher nach ihren Anfängen gefragtwird.

Ich bin unversteckbar“, beginnt

das lyrische Ich. „Bin größer

noch als mein Vater.Wie meine

Mutter immer sagt:/ ,Ein bisschen

zu viel Körper für so ein junges

Mädchen!‘ Ich bin Babyspeck, der

sich in D-Körbchen und geschwungene

Hüften verwuchs,/ sodass die

Jungs, die mich in der Mittelstufe

noch einen Walnannten,/ nun nach

Fotos von mir fragen/ –imTanga.“

EinMädchen aus NewYorkschreit in

die Welt hinaus, was das Leben mit

ihm treibt. Da sind die Jungen mit ihren

Blicken, die Mädchen mit ihrem

Neid, die Lehrer mit ihren Schubladen,

aber die Mutter hat ihre Hoffnung

nicht verloren. Elizabeth Acevedos

Debütroman „Poet X“ ist in

Versen erzählt, oft in drängendem,

hämmerndem Rhythmus, zuweilen

auch ganz zart. Diese Verse handeln

vomJungsein heute.Dapasst es gut,

dass es dem Internationalen Literaturfestival

Berlin gelang, Acevedo als

Rednerin für die Eröffnung des Kinder-

und Jugendprogramms zu gewinnen.

Wie die vergangenen Jahre

gezeigt haben, ist das eine Möglichkeit,

jungen Menschen und denen,

die mit ihnen zu tun haben, poetische

und politische Gedanken zu

vermitteln. Am Mittwochmorgen

wirdAcevedo über die„wahreSuperkraft“

sprechen, die für sie im

Geschichtenerzählen besteht – ob

nun in Büchern oder auf der Bühne.

An den nächsten beiden Morgenden

noch wird sie mit „Poet X“ auftreten

(Rowohlt). Lesungen für das nachwachsende

Publikum sind ein wichtiger

Teil des Festivals,indiesem Jahr

leider verteilt über viele Orte, doch

das Familienfest am Festivalsonntag

findet in der Gelben Villa in Kreuzberg

statt. Auf das Erwachsenen-

Programm am Abend haben wir

schon hingewiesen.

In dieser Woche ist allerdings so

viel mehr los, dass einem der Kopf

schwirrt, wenn man in den Kalender

schaut. Wer am Mittwoch keine

Kartefür die ilb-Eröffnung hat, kann

sich zum Beispiel die komischen Gedichte

des Titanic-Chefredakteurs

Moritz Hürtgen anhören, wie sie von

Bjarne Mädel und Katharina Marie

Schubert vorgetragen werden. Auch

Hürtgen sieht in der Dichtung eine

Superkraft, wie man hören kann:

„Fürchtet Mörder und Ganoven,/

Fürchtet Schlaue wie die Doofen./

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Gloria: Das

Leben wartet nicht 14.15; Once Upon aTime in...

Hollywood 16.30; Dirty Dancing 20.00

CinemaParis (✆ 881 31 19)Late Night –Die Show

ihres Lebens 15.15,20.30; Synonymes 17.45

Delphi Filmpalast (✆ 312 1026) Und der Zukunft

zugewandt 15.00, 17.40; Once Upon aTime in...

Hollywood 20.15

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Der Honiggarten:

Das Geheimnis der Bienen 14.30; Once Upon a

Time in...Hollywood (OF) 17.00,20.30; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 15.30, 17.30, 21.00; The

Whale and the Raven (OmU) 15.00; Der Honiggarten:

Das Geheimnis der Bienen –Tell It to the Bees

(OmU) 17.30; Und der Zukunft zugewandt 20.00;

Late Night –Die Show ihres Lebens (OmU) 14.20,

19.00,21.20; Die Wurzeln des Glücks –Holy Lands

(OmU) 16.40; Synonymes 15.20, 20.45; Synonymes

(OmU) 18.00; Und wer nimmt den Hund?

15.20; Jüdisches Filmfest Berlin: In the Desert (+

Kurzfilme) 19.00; Jüdisches Filmfest Berlin: Leona

(OmenglU) 21.00; Frau Stern 14.45, 19.15; Die

Agentin 16.40, 21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53)Der Honiggarten:Das

Geheimnis der Bienen 18.00; Die Agentin 20.15;

The Whale and the Raven (OmU) 17.45; Blinded by

the Light 20.00

Kant Kino (✆ 319 9866) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 13.45, 15.50; Gloria: Das

Leben wartet nicht 15.15, 18.00, 20.30; Prelude

17.45; Leid und Herrlichkeit 20.00; Das zweite Leben

desMonsieurAlain 15.15, 20.00; Photograph –

Ein Foto verändert ihr Leben für immer 17.30; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 13.30,15.45;

Petting statt Pershing 18.00, 20.15; Die Wurzeln

des Glücks 15.30, 17.45, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 13.40; Es: Kapitel II

16.00, 19.30, 23.05; Playmobil: Der Film 14.40;

Once Upon aTime in... Hollywood 17.00, 20.30;

Die drei !!! 14.15; Es: Kapitel II 16.45, 20.30;

Angel Has Fallen 22.30; Late Night –Die Show

ihres Lebens 14.30; Angel Has Fallen 17.10; Es:

Kapitel II 20.00; Yesterday 14.15; Der König der

Löwen 17.00; Angel Has Fallen 19.45; Es: Kapitel

II 22.30;Es: KapitelII14.20; Late Night–Die Show

ihres Lebens 17.50, 20.15; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 22.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Endzeit (DFmenglU)

11.00; Van Gogh: An der Schwelle zur

Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU) 12.30; Berlin

Bouncer (OmenglU) 14.30; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 16.00; Unsere große kleine

Farm –The Biggest Little Farm (OmU) 17.30; Leid

und Herrlichkeit 19.00; The Dead Don‘t Die (OmU)

21.00; Little Monsters (OmU) 22.45; Another Day

of Life –Jeszcze dzien zycia (OmU) 11.00; Klasse

Deutsch (OmU) 12.45; Der unverhoffte Charme des

Geldes –Lachute del‘empire americain (OmU)

14.15; Yesterday (OmU) 16.15; Berlin, ILove You

18.15; Die Agentin –The Operative (OmU) 20.15;

Burning – Beoning (OmU) 22.15; Der Goldene

Handschuh(DFmenglU) 11.00;Sunset –Napszallta

(OmU) 12.45; Cleo (DFmenglU) 15.15; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 17.00,19.45; Paranza:

Der Clan der Kinder (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Und wer nimmt

den Hund? 14.00, 18.15; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria(OmU) 16.00; Frau Stern20.00;Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.45; Yoga:

Die Kraft des Lebens –Debout (OmU) 14.15; Congo

Calling (OmU) 16.00; Super Friede Liebe Love

17.45; Free Solo (OmU) 19.30; Carmine Street Guitars

(OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Aladdin 13.45;

Good Boys 13.50, 17.00, 20.30; Playmobil: Der

Film 14.00; Once Upon a Time in... Hollywood

14.00, 16.30, 19.45; Golden Twenties 14.10;

IMAX 3D: ABeautiful Planet 14.15; Paradise Hills

14.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30, 16.45, 19.50; Stuber –5Sterne Undercover

14.45, 18.00, 21.10; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.45; Es: Kapitel II14.45,

15.45, 16.15, 18.40, 19.30, 20.15; Good Boys

(OF) 15.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 15.00,

17.30, 20.45; Der König der Löwen 15.00, 20.15;

Late Night –Die Show ihres Lebens 16.45; IAm

Mother 17.00; 3D: Der König der Löwen 17.15; Angel

Has Fallen 17.20,20.20; Spider-Man: Far From

Home 17.30; Angel Has Fallen (OF) 18.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 19.15; Es: Kapitel

II–It: Chapter Two (OF) 19.15; Sneak Preview

20.30; Crawl 20.45

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Ich war zuhause,

aber... (OmenglU) 18.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.00; The Dead Don‘t Die

(OmU) 23.00; AGschicht über d‘Lieb 18.00; Synonymes(OmU)

20.00; Das melancholische Mädchen

(OmenglU) 22.20

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (✆ 04 51/703 02 00) Es:

Kapitel II 15.30, 16.00, 19.30, 20.00; Der König

der Löwen 16.30; Angel Has Fallen 16.40, 19.40;

Playmobil: Der Film 16.50; Good Boys 17.00,

20.15; AToy Story 17.10; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.20; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

19.30; 3D: Der König der Löwen 19.45

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Yesterday 14.00; Und

wer nimmt den Hund? 14.00; Die drei !!! 16.00;

Und der Zukunft zugewandt 18.00; Gundermann

20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Es: Kapitel II

14.15, 16.45, 19.30, 20.00; Playmobil: Der Film

14.20, 17.10; Good Boys 14.30, 17.40, 19.45;

3D: Der König der Löwen 14.30, 17.20; Benjamin

Blümchen 14.40; 3D: AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.45; Der König der Löwen

14.50, 17.00, 20.00; AToy Story:Alles hört aufkein

Kommando 15.00, 17.30; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingomit Flamingo! 15.10,17.50;Angel HasFallen

16.50, 20.10; Und der Zukunft zugewandt 17.30,

20.15; Once Upon aTime in... Hollywood 19.40;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.50; Spider-Man:

Far From Home 20.20

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTimein...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; B Petting statt Pershing

16.45, 21.15; Die Wurzeln des Glücks –Holy

Lands (OmU) 19.00

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Carmine

Street Guitars (OmU) 17.45; Prelude 18.00; Synonymes

(OmU) 19.30, 22.00; Golden Twenties

20.00,22.00

Moviemento (✆ 692 4785) Frau Stern 13.30;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

15.30; Prelude 17.45; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU)20.00;Frau Stern (OmenglU) 23.15;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

10.45; Benjamin Blümchen 13.00; The Whale and

the Raven (OmU) 15.15, 19.30; Frau Stern 17.30;

Prelude 22.00; Cleo 12.45; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 15.00,18.15,21.30

RegenbogenKino (✆ 69 57 95 17)Die rote Linie–

Widerstand im Hambacher Forst 20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Cleo (OmenglU) 17.15;

Leid und Herrlichkeit (OmU) 19.00; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 21.00; Hot Air (OF)

17.15; Gloria (OmU) 19.00; Paranza (OmU) 21.00;

Kinobar im Sputnik Electric Girl 21.15

Yorck (✆ 78 91 32 40) Und der Zukunft zugewandt

15.00, 17.30; Once Upon aTime in... Hollywood

20.00; New Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.45; Late Night –Die Show ihres Lebens

17.00; Und der Zukunft zugewandt 19.15; Late

Night –Die Show ihres Lebens (OmU) 21.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Good Boys 14.30,

17.30; Playmobil: Der Film 15.00; Und der Zukunft

zugewandt 15.15, 20.15; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.15; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.15, 17.45; Es: Kapitel II

16.45, 19.45; Der König der Löwen 17.15, 20.15;

Angel Has Fallen 17.30, 20.30; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.45

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Und der

Zukunft zugewandt 13.00, 17.15, 20.00; Gundermann

13.00; Gloria: Das Leben wartet nicht 13.30,

20.15; Frau Stern 15.20,18.15; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.45; Die Agentin

15.45; Stuber –5Sterne Undercover 18.00; Leberkäsjunkie

20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Good

Boys 14.00, 17.20, 20.15; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 14.00, 16.30, 19.45; Der König der Löwen

14.00, 16.55; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

14.00,17.15; Pets II 14.15; Playmobil: Der

Film 14.30; Es II 14.30,16.15, 18.30, 20.15; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 15.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.30, 19.45;

Angel Has Fallen 17.15, 20.00; 3D: Der König der

Löwen 19.45; Stuber –5Sterne Undercover 20.15

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mirai: Das Mädchen aus

derZukunft 17.00;Nur eine Frau (OmenglU) 19.00;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

(OmU) 20.45; Face_It! –Das Gesicht imZeitalter

des Digitalismus (OmU) 18.00; Cleo (OmenglU)

19.45; Und wer nimmt den Hund? 21.45

Babylon (✆ 242 59 69) 60‘s Italia: Mafioso

(OmenglU) 17.30; 60‘s Italia: Der Fremde 17.45;

60‘s Italia: Das Gastmahl der Liebe – Comizi

d‘amore (OmU) 18.00; Diego Maradona (OmenglU)

19.30; 60‘s Italia: Fellinis 81/2 –Otto emezzo

(OmU) 19.45; 60‘s Italia: Das Leben ist schwer

–Una vita difficile (OmenglU) 20.00; 60‘s Italia:

Liebe ‚62 –L‘eclisse (OmenglU) 22.00; 60‘s Italia:

China ist nahe –LaCina evicina (OF) 22.15; 60‘s

Italia: Accattone –Wer nie sein Brot mit Tränen aß

(OmU) 22.30

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Die

Wurzeln des Glücks –Holy Lands (OmU) 10.15,

12.15, 14.15, 16.15, 18.30, 20.45; Mein Lotta-

Leben –AllesBingomit Flamingo! 13.45;Und dann

der Regen –Tambien la lluvia (OmU) 15.45; IAm

Mother (OF) 18.00; Cleo 18.30; Yesterday (OmU)

20.30

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Die drei

!!! 11.00; Playmobil: Der Film 11.10, 14.10; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 11.20,

13.50, 16.30; Benjamin Blümchen 11.30; Good

Boys 11.40,14.50, 17.20, 20.30; Spider-Man: Far

From Home 11.50; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 11.50, 14.20; Der König der Löwen

12.00, 14.00, 16.40, 19.15; Es: Kapitel II 12.20,

15.00, 16.15, 19.00, 20.00, 22.10, 23.00; Pets

II 13.30, 15.45; Once Upon aTime in... Hollywood

13.40,17.00,19.30,22.45;Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 16.40, 19.40, 22.50; Angel Has Fallen

17.15, 20.15, 23.10; 3D: AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 18.00; Sneak Preview 20.00;

Crawl 20.40; Stuber –5Sterne Undercover 23.00;

3D: DerKönig derLöwen 23.00; AnnabelleIII 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Der Honiggarten: Das Geheimnis

der Bienen –Tell It to the Bees (OmU) 17.00,

19.15; Golden Twenties (DFmenglU) 21.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 14.45, 18.00;

Gloria: Das Leben wartet nicht –Gloria Bell (OmU)

21.15; Paranza: Der Clan der Kinder –Laparanza

dei bambini (OmU) 15.00; Blinded by the Light

(OmU) 17.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 20.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 14.15; Und der Zukunft zugewandt 16.45,

19.00; Frau Stern (DFmenglU) 21.15; Ich war zuhause,

aber... (DFmenglU) 14.45; Late Night –Die

Show ihres Lebens (OmU) 17.00, 19.15; Once

Upon aTime in...Hollywood (OmU) 21.30

International (✆ 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 13.30, 16.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 18.30; Siegessäule und Teddy

präs. MonGay: Shadowlands –Ein Geschenk des

Augenblicks (OmU) 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Es: Kapitel II 14.00, 16.45, 19.30, 20.30; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00,16.45;

Spider-Man: Far From Home 14.10; Mein Lotta-

Leben–Alles Bingomit Flamingo!14.10; Der König

der Löwen 14.15, 17.40, 19.50; Playmobil: Der

Film 14.20, 17.00; Pets II 14.30;GoodBoys14.30,

16.50; Die drei !!! 14.35; Aladdin 16.35;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 16.45, 19.30; Once

Upon aTime in... Hollywood 16.50, 19.25; Angel

Has Fallen 17.00; Es: Kapitel II –It: Chapter Two

(OF) 19.30; Sneak Preview (OF) 20.00; Sneak Preview

20.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OF)

20.30

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Diego Maradona (OmU)

10.00; Die Agentin –The Operative (OmU) 12.20;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 14.30,

22.30; Paranza: Der Clan der Kinder –Laparanza

dei bambini (OmU) 16.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 19.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50)Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.00, 20.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; Frau Stern 16.30,

18.30, 20.30; Freudenberg –Auf der Suche nach

dem Sinn 17.00; The Whale and the Raven (OmU)

18.45; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

21.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Es: Kapitel II –It: ChapterTwo

(OF) 18.00, 21.30; Es: Kapitel II –It: Chapter

Two (OF) 16.30, 20.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.45, 21.15; Synonymes (OmU)

16.15, 21.15; Late Night –Die Show ihres Lebens

(OmU) 19.00, 22.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 17.30; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmenglU) 19.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Good Boys 14.00, 17.25, 20.00; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.00, 17.00; Playmobil:

Der Film 14.20; DerKönig derLöwen 14.30, 17.15;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.45; Es: Kapitel II 15.00, 16.15, 19.00, 20.15;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.25, 19.40;

3D: Der König der Löwen 19.30; Sneak Preview

20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) Synonymes (OmU) 12.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 12.10,

21.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

14.30; Tonari no Totoro – Mein Nachbar Totoro

16.00; Ich war zuhause, aber... (OmenglU) 16.40;

La flor (OmenglU) 19.00; Die Einzelteile der Liebe

(OmenglU) 19.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98)AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.45; Und der

Zukunft zugewandt 18.00,20.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.30


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 25

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Tagestipp

KALENDER

Doch wer fürchtet, der vergisst,/

Dass die Angst am schlimmsten

frisst,/ Wenn es Angst vorLyrik ist.“

Was das geschriebene, gesprochene

und gesungene Wort anrichten

kann, haben Michael Kleff und

Hans-Eckardt Wenzel für ihr Buch

„Kein Land in Sicht“ untersucht. Von

den 89er-Herbsttagen an führten sie

Gespräche mit Liedermachern wie

Bettina Wegner, Gerhard Gundermann,

Stephan Krawczyk und Perry

Friedman, mit Kabarettisten wie Edgar

Harter,Gisela Oechelhaeuser,die

alle auf unterschiedlicheWeise in der

DDR ihr Publikum erreichten. Bettina

Wegner zum Beispiel hatte früh

keine Auftrittsmöglichkeiten mehr

und verließ 1983 das Land; ihre Lieder

verbreiteten sich jedoch weiter

über das West-Fernsehen und per

Kassette.StefanKrawczyk wurde von

seinem Publikum wegausgebürgert,

der Kanadier Perry Friedman zog

1959 in die DDR, 1971 zurück nach

Kanada und kehrte 1976 in die DDR

zurück. Im Pfefferberg-Theater werden

Wenzel und Kleff über ihre Arbeit

an dem Buch sprechen, über die

Wirkung der vor knapp dreißig Jahren

geführten Interviews, indenen

Keine Angst

vorLyrik!

Rhythmisch eröffnet Elizabeth Acevedo

das Jugendprogramm des Literaturfestivals,

singend erinnern Hans-Eckardt Wenzel

undBettina Wegner an die DDR

LESUNGEN

Elizabeth Acevedo 11. 9., 9Uhr,HAU 1,

weiterere Termine: literaturfestival.com

Moritz Hürtgen 11. 9., 20 Uhr,Fahimi

Bar,Skalitzer Str.133

Kleff, Wenzel, Wegner 11. 9., 20 Uhr,

Pfefferberg,Schönhauser Allee 176

Matthias Friedrich Muecke 14. 9.,

17 Uhr,Buchlokal, Ossietzkystr.11

Reformbühne Heim &Welt 15. 9.,

20 Uhr,Volksbühne, Roter Salon

STEPHANIE IFENDU

sich auch zeigt, dass es für einen

Künstler Vorteile haben kann, in einem

ängstlichen Staat zuleben: Die

Kunst wirdernst genommen.

Zeitlich-historisch passt dazu

eine Buchpremiere für junge Leser

am Sonnabend im Buchlokal. Der

Autor und Maler Matthias Friedrich

Muecke erzähltKindheitserinnerungen

unter dem Titel „Niemandsland“.

MitFreude am Detail –imRadio

läuft „Sieben bis zehn. Sonntagmorgen

in Spree-Athen“, im Fernsehen

„Vier Panzersoldaten und ein

Hund“ –lässt er Jungsabenteuer in

Pankow vorüberziehen, bittersüße

Geschichten. Das Glossar erklärt

Persönlichkeiten wie Ulzana, Getränke

wie den Blauen Würger und

sozialeRelikte wie die Patenbrigade.

Am Sonntag ist Hans-Eckardt

Wenzel gleich noch einmal zu erleben,

da ist er zusammen mit Christoph

Hein Gast bei der Reformbühne

Heim &Welt inder Volksbühne, als

Hochkulturbesuch bei den Alltagskünstlern–und

eindeutiges Zeichen

dafür,dass es Herbst wird. DenSommerüber

hatte sich die Lesebühne in

eine Kneipe ausgelagert. Die Lesesaison

hält noch viel bereit.

Gespräch

Einsam

oder

allein?

Einsamkeit ist das Gegenteil

der Gemeinsamkeit. Dass

es sich trotzdem nicht ausschließt,

gemeinsam einsam

zu sein, liegt daran, dass beide

Begriffe ja sowohl einen äußerenals

auch einen inneren Zustand

beschreiben können.

Gefühltes Alleinsein ist

schlimm, genossenes ein Segen.

Tatsächlich kann auch

aus zuviel äußerer Gemeinsamkeit

innere Einsamkeit

entstehen. In der Schaubühne

geht es heute Abend –inZusammenarbeit

mit der Heinrich-Böll-Stiftung

– um das

Gefühl der Einsamkeit als einem

„Leiden an der Gesellschaft“.

Soziologen zweier

Generationen, Heinz Bude

(geboren 1954) und Janosch

Schobin (geboren 1981) sprechen

darüber,wie sich innere

Einsamkeit in Wut verwandeln

kann und wie die heilsame

äußere Einsamkeit in

verschiedenen Kulturen gepflegt

wird. PetraKohse

Streitums Politische 19.30 Uhr,

Schaubühne am Lehniner Platz

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

9.00:Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge,Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im CafeSibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie –Haus 7

(Ruschestr.103) 15.00: Einblickins Geheime, Treff:

Foyer

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Open-Stage–Singer-Songwriter +Poets

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Alma Brasileira

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str. 70)

20.00: PipBlom

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: Dotan

Café Engels (Herrfurthstr.21)

20.00: Blue MoondayJazzsession hosted by Charlotte

Joerges

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Morgan Evans, Steph Grace

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: Keøma

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Marc Schmolling

Prachtwerk Berlin (Ganghoferstr.2)

20.00: Sivan Talmor

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Ice Balloons

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: MarkLettieri Trio

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session mitJürgen

Bailey

CLUB

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Nice One, Ryan Oblique, AndySexton

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: Scandal!, Zissa

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 18.00: Multisexual Boxhopping

21.00: Sing on Stagewith Supernoa

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 Globus: House of Waxx: Rawax, Elbee Bad,

Môme, C.H.I.C.H.I.

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Montagsswing,MondaySwing Night DJ Team

MUSEEN

Anti-Kriegs-Museum (✆ 45 49 01 10)

16.00: StändigeAusstellung des Anti-Kriegs-Museums,

tgl. 16-20 Uhr,Gruppen n. Vereinb.: 402 86 91

16.00: Angekommen? –Geflüchtete auf Lesbos, tgl.

16-20 Uhr

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

10.00: KunstinBerlin 1880–1980, Mi-Mo 10-18 Uhr

10.00: Gartenparade, Atelier le balto, Mi-Mo 10-18

Uhr

10.00: 12x12, Mi-Mo 10-18Uhr

10.00: original bauhaus –Die Jubiläumsausstellung,

Mi-Mo 10-18 Uhr

Berlin StoryBunker (Schöneberger Str.23a)

10.00: Geschichte der Hauptstadt, Di-Fr 10-19, Sa/

So/Feiert. 12-20 Uhr;23.12.-26.12./31.12. geschl.,

ab 1.1. tgl. 10-19 Uhr

Botanisches Museum (✆ 83 85 01 00)

9.00: Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie

und Moderne, tgl. 9-19 Uhr

Brücke-Museum (✆ 831 20 29)

11.00: The Garden Bridge, Mi-Mo 11-17 Uhr

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí –Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (✆ 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadt der Spione, tgl. 10-20 Uhr

James-Simon-Galerie (Bodestr.)

10.00: Nah am Leben –200 Jahre Gipsformerei, tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Keramik-Museum Berlin (✆ 321 23 22)

13.00: Till Sudeck (1926-2014), Fr-Mo 13-17 Uhr

13.00: Max Roesler,Fr-Mo 13-17 Uhr

Museum für Film und Fernsehen (✆ 300 90 30)

10.00: 120 Jahre Deutsche Filmgeschichte und

Fernsehgeschichte in West undOst, Di-So 10-18, Do

10-20 Uhr

10.00: Kino der Moderne. Film in der Weimarer

Republik, Mi-Mo/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Museumsinsel

:Humboldt Forum Highlights, Öffnungszeiten siehe

Museen

Pergamonmuseum (✆ 266 42 42 42)

10.00: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien

–islamische Kunst?, tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

10.00: Antikensammlung,tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

10.00: Museum für Islamische Kunst (Steinfassade

vonMschatta), tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

10.00: Vorderasiatisches Museum (Ischtar-Tor), tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

10.00 Museum für Islamische Kunst: Traum und

Trauma. Wiedereröffnung der Teppichsäle, tgl./Feiert.

10-18, Do 10-20 Uhr

10.00: Qazwini –Weltbilder –Bilder der Welt vor750

Jahren, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama (Am Kupfergraben

2)

10.00: Pergamon. Meisterwerkeder antiken Metropole

und 360°-Panorama vonYadegar Asisi, tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Schwules Museum (✆ 69 59 90 50)

14.00: KarolRadziszewski: Queer Archives Institute,

Mi-Mo 14-18, Do 14-20, Sa 14-19 Uhr

14.00: Love at First Fight! Queere Bewegungen in

Deutschland seit Stonewall, Mi-Mo 14-18, Do 14-20,

Sa 14-19 Uhr

14.00: From Riot to Respectability, Summer Special,

Mi-Mo 14-18, Do 14-20, Sa 14-19 Uhr

Stasi Museum Berlin (✆ 553 68 54)

10.00 Haus 1: Staatssicherheit in der SED-Diktatur,

Mo-Fr 10-18, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

The StoryofBerlin (✆ 88 72 01 00)

10.00: 800 Jahre Berliner Geschichte, tgl. 10-20 Uhr

Topographie des Terrors (✆ 25 45 09 50)

10.00: Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt

in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße, tgl. 10-20

Uhr

10.00: Das Reichsarbeitsministerium 1933-1945.

Beamte im Dienst des Nationalsozialismus, tgl.

10-20 Uhr

10.00: Topographie des Terrors, tgl. 10-20 Uhr

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Und der

Zukunft zugewandt 15.30, 18.00, 20.30; Sneak

Preview 22.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 13.40, 15.50; Frau Stern 18.20; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 20.45; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.00, 16.10; Synonymes

18.00, 20.15; The Whale and the Raven

(OmU) 14.30; Once Upon aTime in... Hollywood

16.40, 20.00; Und wer nimmt den Hund? 14.40;

Late Night –Die Show ihres Lebens 16.45; Prelude

19.00

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 14.00, 20.30,

21.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00, 16.45; Der König der Löwen 14.10, 17.00;

Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen –Tell It

to the Bees (OmU) 14.15, 19.45; Yesterday (OmU)

14.20; Playmobil: Der Film 14.20; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.20, 16.50;

Die Wurzeln des Glücks –Holy Lands (OmU) 14.30,

19.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

16.40, 20.00, 22.10; Es: Kapitel II 16.45, 19.30,

22.20; Und der Zukunft zugewandt 17.15, 19.20;

Late Night –Die Show ihres Lebens (OmU) 17.15;

Gloria: Das Leben wartet nicht –Gloria Bell (OmU)

17.20; Once Upon aTime in... Hollywood 19.00;

Sneak Preview 20.00; Der König der Löwen –The

Lion King (OmU) 22.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 22.15; Die Agentin –The Operative

(OmU) 22.50

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Frau Stern 19.00; Acid

–Kislota (OmU) 20.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Frau Stern

17.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

18.30; Kurz.Film.Tour 2019 20.30; Carmine Street

Guitars (OmU) 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Good

Boys 14.15, 16.55, 20.15, 22.35; Fast &Furious:

Hobbs & Shaw 14.15, 20.10, 22.45; Benjamin

Blümchen 14.15; Der König der Löwen 14.25,

17.10; Playmobil: Der Film 14.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.30; Es: Kapitel

II 14.40, 16.30, 18.25, 20.00, 22.15; Die drei !!!

14.40; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.45, 17.15; Once Upon aTime in... Hollywood

14.50, 16.30, 19.20, 22.20; Angel Has Fallen

16.55, 19.55, 22.55; Spider-Man: Far From Home

17.00; Late Night –Die Show ihres Lebens 17.20,

20.00; 3D: Der König der Löwen 19.25; Berlin, I

Love You 19.50; Es: Kapitel II –It: Chapter Two(OF)

20.00; Stuber –5Sterne Undercover 22.45; Little

Monsters 23.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 13.40; Der König

der Löwen 13.40, 16.35; Benjamin Blümchen

14.00;3D: AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

14.00; Playmobil: Der Film 14.15, 17.00; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.15, 16.40;

Pets II 14.25; Good Boys 14.30, 17.00,19.30; Es:

Kapitel II 15.00, 16.00, 19.00, 20.00; Once Upon

aTime in...Hollywood 16.30,19.15,19.50; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 16.50, 19.45; Angel Has

Fallen 16.50,20.15;SneakPreview20.00; 3D:Der

König der Löwen 20.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Und wer nimmt den Hund? 15.00; Gloria: Das Leben

wartet nicht 17.30; Und der Zukunft zugewandt

20.05

Cosima (✆ 85 07 58 02) Leid und Herrlichkeit

18.00,20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Der Honiggarten: Das

Geheimnis der Bienen –Tell It to the Bees (OmU)

20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) Playmobil:

Der Film 10.00, 11.55, 13.55; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.30,

16.10; Der König der Löwen 10.00, 12.10, 14.55,

20.45; Benjamin Blümchen 10.00; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 10.00, 12.45, 14.15,

16.55; Pets II 12.00; Good Boys 14.40, 18.25,

20.10; Es: Kapitel II 15.30, 16.40, 19.15, 20.30;

Late Night –Die Show ihres Lebens 17.40; Sneak

Preview 20.15

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 6081) Und

wer nimmt den Hund? 16.00, 18.00; Geheimnis

eines Lebens 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Late Night –Die Show

ihres Lebens 14.30, 17.15, 20.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Mein Lotta-

Leben–Alles Bingo mit Flamingo! 15.00;Der König

der Löwen 15.30, 18.00, 20.30; Playmobil: Der

Film 15.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando15.45;

Es: Kapitel II 17.00, 20.30;Leid und

Herrlichkeit 18.00; Good Boys 18.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.30; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Frank Borzage: Die

wunderbare Rettung – Strange Cargo (OF) 20.00;

Magical HistoryTour: Unsere Stimmeaus Erde, Erinnerung

undZukunft –Nuestravoz de tierra, memoria

yfuturo (OmU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 13.00, 16.20,

19.40, 23.00; Es: Kapitel II13.00, 14.30, 16.15,

17.45, 19.00,20.30, 22.00, 22.30; 3D: Der König

der Löwen 13.00, 17.00, 20.00, 23.00; Der König

der Löwen 13.00, 16.00, 19.00; Pets II 13.10,

14.35; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

13.10, 16.20, 19.50; Spider-Man: Far From Home

13.20, 16.40, 20.15, 22.50; Drei Schritte zu Dir

13.30, 16.30; Benjamin Blümchen 13.30; Aladdin

13.30; Good Boys 13.40, 17.10, 19.50, 23.00;

AngelHas Fallen 13.45, 17.00, 19.30, 22.40; Playmobil:

Der Film 14.00; Once Upon aTime in... Hollywood

14.00, 16.30, 18.45, 20.15, 22.30; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingomit Flamingo!14.00; Leid

und Herrlichkeit 14.10; Die drei !!! 14.10; Prelude

16.00; Late Night –Die Show ihres Lebens 16.40,

19.20; Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen

16.40, 19.30; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 16.45; Und der Zukunft zugewandt

17.00, 19.45; Die Wurzeln des Glücks 17.00; Paranza:

Der Clan der Kinder 17.15; Gloria: Das Leben

wartet nicht 19.30; Die Agentin 19.50, 22.30;

Sneak Preview 20.00; Yesterday 20.10; Avengers:

Endgame 22.00; Crawl 22.15; John Wick: Kapitel

III 22.20; Stuber –5Sterne Undercover22.30; IAm

Mother 22.30; Annabelle III 23.00

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Late Night –Die Show ihres Lebens (OF) 13.30,

16.20; Es: Kapitel II–It: Chapter Two (OF) 13.30,

16.30, 20.15; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

–Toy Story IV(OF) 13.50, 19.30; Playmobil:

Der Film –Playmobil: The Movie (OF) 14.15; Der

König der Löwen –The Lion King (OF)14.15, 19.10;

Fantasy Filmfest 2019: Vivarium (OF) 14.45; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 15.00, 17.45,

19.00; Fantasy Filmfest 2019: Charlie Says (OF)

16.45; Fast &Furious: Hobbs &Shaw (OF) 17.00;

Good Boys (OF) 17.15, 19.45; Fantasy Filmfest

2019: Porno (OF) 19.00; Angel Has Fallen (OF)

20.15;FantasyFilmfest2019: First Love –Hatsukoi

(OmenglU) 21.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) Es: Kapitel

II –It: ChapterTwo (OF) 11.00, 15.00, 19.00

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Synonymes

(OmU) 18.45

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Playmobil: Der Film 14.00,

16.00; Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.00, 16.00; Benjamin Blümchen 14.00; Pets

II 14.30; A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30, 17.15; Good Boys 16.00, 18.00, 20.15,

22.30; Es: Kapitel II 16.30, 18.00, 20.15, 22.00;

Angel Has Fallen 18.00, 20.00, 22.30; Once Upon

a Time in... Hollywood 20.30

Casablanca (✆ 677 5752) Yesterday 18.15; Leberkäsjunkie

20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Pets II 14.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00, 16.40; Und der Zukunft zugewandt

14.15, 17.30, 19.50; Mein Lotta-Leben – Alles

Bingo mit Flamingo! 14.20; Der König der Löwen

14.25, 16.45, 19.35; Playmobil: Der Film 14.30;

Good Boys 14.45, 17.15; Es: Kapitel II 15.00,

16.15,19.00, 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

15.30, 19.15, 20.10; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 16.50, 19.05; Angel Has Fallen 17.05,

19.50; Sneak Preview 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Es:

Kapitel II 14.00, 16.50, 19.20, 20.30; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mitFlamingo! 14.10; DerKönig

der Löwen 14.10, 16.50, 19.40; Playmobil: Der

Film 14.20; Good Boys 14.20, 17.40; AToy Story:

Alles hörtauf kein Kommando 14.20,16.50; Pets II

14.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 16.30; Once

Upon aTimein...Hollywood 16.45;Angel HasFallen

17.00, 20.00; Sneak Preview 20.00; Es: Kapitel II

–It: Chapter Two (OF) 20.00; Sneak Preview (OF)

20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Berlin –Bahnhof

Friedrichstraße 199018.00;The Whale andthe Raven

(OmU) 20.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 13.00; Und der Zukunft

zugewandt 15.15; Berliner Filmmontag: Leichensache

Zernik 18.00; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter

in dieCharts 21.00; FrauStern 10.00,14.15;Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 12.00; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 16.15;

Und der Zukunft zugewandt 18.30, 21.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Der unverhoffte

Charme des Geldes 15.30; Sowie du mich willst

18.00; Prelude 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.15; Und wer nimmt

den Hund? 15.30; Jüdisches Filmfestival: Morituri

(m. Gästen) 18.00; Jüdisches Filmfestival: Levins

Mühle (m.Gästen) 20.00

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Edie –Für Träume ist es nie

zu spät 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Und der Zukunft zugewandt

15.45,20.30; Und wer nimmt den Hund? 18.15

FREILUFTKINOS

Open Air Kino Mitte (✆ 28 59 99 73) Green Book

–Eine besondere Freundschaft (OmU) 20.00

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Apocalypse Now –Final Cut (OmU) 20.00

POTSDAM

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) MeinLotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.00, 16.15;

Prelude 14.00, 18.30; Frau Stern 14.00, 18.30;

Und der Zukunft zugewandt 14.15, 16.00, 20.45;

Gloria: Das Leben wartet nicht –Gloria Bell (OmU)

16.15; Golden Twenties 16.30; Blinded by the Light

(OmU) 18.15; The Whale and the Raven (OmU)

18.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.30;Und wernimmt den Hund? 20.45; DieAgentin

–The Operative (OmU) 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 13.40, 16.30, 19.30; A

ToyStory:Alles hörtauf kein Kommando 13.40;Der

König der Löwen 13.45, 16.35; Pets II 13.50; Playmobil:

Der Film 13.55; Good Boys 14.10, 17.20,

20.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.20, 17.10; Es: Kapitel II14.30, 16.15,

18.30, 20.15; Once Upon aTime in... Hollywood

16.15,19.55; Angel Has Fallen 17.00, 19.50; Late

Night–Die Showihres Lebens19.50; 3D:Der König

der Löwen 19.50

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Playmobil:

Der Film 14.45; Der König der Löwen 16.55; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.30

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Und der Zukunft zugewandt 17.15, 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00)Es: Kapitel

II 16.15, 19.00, 20.00; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 17.00, 19.50; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando17.00;3D: DerKönig der Löwen 17.05,

19.50; Playmobil: Der Film 17.15; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 17.15; Angel Has

Fallen 17.20, 20.15; Good Boys 17.40,20.30;

Der König der Löwen 17.40; 3D: Avengers: Endgame

19.30; OnceUpon aTime in... Hollywood 19.40;

Stuber –5Sterne Undercover 20.15; Crawl 20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Der König

der Löwen 15.00, 17.30; Playmobil: Der Film

15.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

15.00; Es: Kapitel II 17.00, 20.15; Leid und

Herrlichkeit 17.45; Once Upon aTime in... Hollywood

20.30; Good Boys 20.30

filmpalastEisenhüttenstadt (✆ 033 64/40 83 10)

Playmobil: Der Film 16.00; Es: Kapitel II 16.30,

19.30; Und der Zukunft zugewandt 17.00, 19.45;

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 17.15;

Der König der Löwen 18.00; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

20.15

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; Der König der Löwen 14.45, 17.30; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 15.15,16.20;

Angel Has Fallen 17.10, 20.30; Es:Kapitel II 17.15,

20.00; Und der Zukunft zugewandt 18.15, 19.45;

Britt-Marie war hier 20.15

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) Die drei !!!

17.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Die Wiese –

Ein Paradies nebenan 14.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.00; Benjamin Blümchen

16.15; Der König der Löwen 17.15; Good Boys

18.30, 20.30; Once Upon aTime in... Hollywood

19.45

UnionNeuruppin (✆ 03391/50 96 96)Playmobil:

DerFilm15.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.00, 17.30; Der König der Löwen 15.05,

17.15; Es: Kapitel II 17.10, 20.00; Geheimnis eines

Lebens 19.45;Angel Has Fallen 20.20

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 6440) Nur

eine Frau 14.00; Benjamin Blümchen 16.15; Capernaum

–Stadt der Hoffnung 18.00; Und der Zukunft

zugewandt 20.15

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 033 71/40 16 41)

Playmobil:Der Film 15.30;MeinLotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.30; AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 15.30; Es: Kapitel II 17.20,

19.30; Good Boys 17.30, 20.30; Leberkäsjunkie

17.45; Once Upon aTime in...Hollywood 19.45

Weltspiegel Kino Finsterwalde (✆ 035 31/22 11)

Sauerkrautkoma 17.30, 20.00; AToy Story: Alles

hörtauf kein Kommando 17.30; Es:Kapitel II 20.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019

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Spreewild

Klartext

CSU blamiert sich

auf YouTube

Mir doch Müll

Unser Autor liebt seine Heimat Bulgarien –nicht aber, wie seine Landsleute mit der Umwelt umgehen

VonSelly Häußler, 28Jahre

Selly hofft, nie wieder

#CSYOU sehen

zu müssen.

PRIVAT

Ich habe mich noch nie so sehr

fremdschämen müssen“, „peinlich“,

„ernsthaft?“: So und ähnlich

lautet die Mehrzahl der Kommentare

unter dem Video „#CSYOU“, das

die CSU im Bundestag vor wenigen

Tagen auf YouTube veröffentlicht

hat. Der 30-jährige Armin Petschner,

Social-Media-Chef der CSU-

Landesgruppe in

Berlin, lässt sich

darin kritisch

bis abfällig über

Greta Thunberg,

die Flugreisen

der Grünen und

die Antifa bei der

„Unteilbar“-Demo

aus. Leider

ist das Video mit

den vielen kleinen

Soundeffekten

nicht selbstironisch,sonderntodernst

gemeint.

„Das Beste an dem Video sind die

Kommentare :-D“. Damit hat der

Autor dieses Kommentars tatsächlich

recht. Zum Glück kommen laufend

neue dazu, während die CSU

fleißig löschen lässt. Dabei wäre

Kritikfähigkeit bei einer Regierungspartei

schon wünschenswert. Die

Reaktionen im Netz außerhalb der

Kommentarspalte kann die Partei

allerdings nicht löschen.

Die CSU versucht mit #CSYOU,

ihr verstaubtes Greisen-Image aufzupolieren

und endlich mal eine

jüngereZielgruppe zu erreichen. Das

ging gehörig nach hinten los. Dabei

hat Armin Petschner für seinen Social-Media-Auftritt

extra seine Brille

und Krawatte abgenommen und

sich sogar die Haareblond gefärbt!

Die Inhalte sind aber das eigentliche

Problem, verbreitet die CSU

doch Halbwahrheiten und zieht

schräge Schlüsse. Deshalb bin ich

froh, dass #CSYOU schon wegen

der Aufmachung lächerlich wirkt.Es

bleibt abzuwarten, ob es nach Episode

1wirklich noch eine zweite gibt.

Ichtippe auf: nein.

Hörprobe

Von Hristo Lolovski, 22 Jahre

Knapp sieben Millionen

Menschen leben in Bulgarien.

Damit zählt der

Balkanstaat zu den kleineren

EU-Mitgliedern – von dem

die Menschen aus den größeren

Ländern nicht viel wissen.

Wer in meinem Heimatland

schon einmal Urlaub gemacht

hat, weiß vermutlich zumindest,

dass Bulgarien nicht das reichste

Land ist. Einzig an Müll mangelt es

nicht. Im Jahr 2016 lag Bulgarien

mit mehr als 16Tonnen Müll pro

Kopf auf dem vierten Platz inder

Eurostat-Statistik über die gesamte

Müllproduktion der EU-Länder.

ZumVergleich: Deutschland belegt

Platz 11 mit dreimal weniger Müll

pro Person.

Kein Umweltbewusstsein

Müllberge wie diesen imRoma-Viertel „Fakulteta“ in Sofia gibt es in Bulgarien zuhauf.

Ein Pfandsystem nach deutschem

Vorbild gibt es in Bulgarien nicht.

EinMülltrennungssystem ebenfalls

nicht. EinUmweltbewusstsein auch

nicht. Während Deutschland seit

Jahren fleißig recycelt und immer

mehr Menschen Kleider tauschen,

regional einkaufen und auch sonst

versuchen, grüner zuleben, gab es

in dem kleinen Stadtviertel in Plovdiv,

aus dem ich stamme, vor Jahren

zumindest einmal den Versuch,

Müll zu trennen. Meine Familie war

begeistert. Dann habe ich einesTages

gesehen, wie der Müll entsorgt

wurde: EinMüllwagen kam und hat

nach und nach den Inhalt aller vier

Tonnen inseinen einen Bauch geschüttet.

Stromanbieter, die Ökostrom

zur privaten Nutzung verkaufen,

haben wir ebenfalls nicht. In

Deutschland bieten sogar manche

Discounterketten Ökostrom. Nicht

besonders „öko“ ist auch die Luft

in den bulgarischen Städten, weil

es für die Autos, von denen nach

Angaben der bulgarischen Verkehrspolizei

über zwei Drittel älter

als 15 Jahre sind, keine Umweltzonen

gibt. Besonders toxisch wird

die Luft in den Städten, wenn es

kalt wirdund man die Holzheizung

anzünden muss – die zwar eine

angenehme Atmosphäre erzeugt,

jedoch besonders umweltschädlich

ist. So umweltschädlich, dass

sich im Winter die virtuelle Karte,

Beweisfoto Nr. 6:Früher mussten produktive Hobbybastler ihre DIY-Waren notgedrungen an Familie und Freunde verschenken. Heute ist

dank Internet und Social Media schnell eine dankbare Kundschaft gefunden.

SANDRA KÖPKE

DPA

die über die Qualität der Luft informiert,

über den größeren Städten

komplett rot färbt. Allein in der

Hauptstadt Sofia gibt es ungefähr

55 000 Haushalte, die mit Holz und

Kohle heizen, wie die Hauptstadtregierung

informiert.

Keine „Fridays for Future“

Seit dem ersten „Schulstreik für das

Klima“ der schwedischen Klima-

Aktivistin Greta Thunberg ist bereits

mehr als ein Jahr vergangen.

Über den Kampf einer einzelnen

Person, der zu einer weltweiten

Bewegung anwuchs, ist man in

Bulgarien kaum informiert. Nur

sporadisch berichten die Medien

darüber. Auf den Fotos, die die

wenigen bisher in Bulgarien stattgefundenen

„Fridays for Future“-

Demos dokumentieren, sind nicht

einmal 50 Schüler zu sehen.

Dennoch bleibe ich voller Hoffnung,

dass man auch in meiner

Heimat bald mehr Wert darauf legt,

die Welt zu erhalten. Wie soll ich

auch anders? Wenn nicht, bedeutet

das ja, dass der Klimawandel

nicht zu stoppen sein wird. Denn

Bulgarien ist leider nicht das einzige

Land der Welt, das sich wenig

für den Schutz der Umwelt interessiert.

Früher war

nicht alles

besser

Manche Menschen sind einfach

äußerst kreativ. Sie zeichnen

wunderschön, sind handwerklich

so geschickt, dass sie

Kreatives herstellen können,

oder begnadete Schriftsteller.

Diebreite Öffentlichkeit daran

teilhaben zu lassen, ist heute

so einfach wie nie zuvor. Über

Blogs und Social Media können

Fotos vom Erschaffenen

geteilt und eigens hergestellte

Produkte vermarktet werden.

Undder Romanerscheint einfach

im Selbstverlag. Früher

war das deutlich schwerer.

Womit erneut belegt wäre,

dass früher doch nicht alles

besserwar,wie gernebehauptet

wird. (jill)

DIE ERFAHRUNG LEHRT

Nehmt euch

viel Zeit beim

WG-Casting

Ein Mitbewohner sollte mit

Bedacht gewählt werden

Von Moritz Tripp, 24 Jahre

Das WG-Leben kann toll sein –

vorausgesetzt, man lebt mit

den richtigen Leuten. Andernfalls

kann das ganze Miteinander schnell

zur Belastung werden. Manliegt sich

ständig wegen kleinerer und größerer

Probleme in den Haaren und

hat im schlimmsten Fall am Ende

gar keine Lust mehr, nach Hause zu

kommen.

Um das zu

vermeiden, hier

ein ganz wichtiger

Tipp: Nehmt

euch Zeit, die

richtige Person

zu finden! In einem

typischen

WG-Casting, das

Moritz kommt gern

nach Hause zu seinen

Mitbewohnern.

VERENA KALUZA

nur eine halbe

Stunde dauert,

wird euch jeder

erst mal das Gleiche

erzählen: „Ich bin ordentlich,

umgänglich, aber lege auch Wert

auf die Privatsphäre meiner Mitbewohner.“

Ob das stimmt, lässt sich

unmöglich in einem halbstündigen

Gespräch herausfinden. Meine Mitbewohner

und ich haben uns daher

immer mindestenseineinhalb Stunden

Zeit für jede Person genommen

und konnten soviel mehr über sie

erfahren. Ja,das ist anstrengend und

so schafft man auch nicht mehr als

ein Gespräch pro Abend. Doch es

lohnt sich! Manmuss immer bedenken,

dass man einen Teil seines Lebens

zu Hause und somit auch mit

den Mitbewohnernverbringt.

Noch ein Tipp: Mit langjährigen

Freunden zusammenzuziehen,

klingt erst mal großartig, kann aber

auch nach hinten losgehen! Oft

merkt man dann, dass man zwar gut

befreundet ist, aber beim Zusammenleben

ganz anders tickt. Daran

können selbst gute Freundschaften

zerbrechen.

Metronomy –„Metronomy Forever“

Werschon mal im südenglischen

Küstenstädtchen Brighton war, versteht,

wieso diese Stadt so viele gute

Musiker anzieht und hervorbringt:

Sie ist der Inbegriff von Lässigkeit.

So kann man auch Metronomys

neues Album beschreiben, das am

Freitag erscheint. Diebritische Band

schenkt uns hier noch einmal eine

Portion sommerliche, groovy Beats

für einen goldenen September. Der

Umzug des Gründers und Songwriters

Joseph Mount von Paris zurück

in die Heimat klingt heraus. Esfehlt

die Großstadthektik, auch der Herzschmerz

ist verschwunden. Somit

unterscheidet sich„Metronomy Forever“

deutlich vom vorherigen Album.

Alles ist ruhiger,aberdennoch

bunt, zeitweise verträumt und stets

laid back. Tamina Grasme, 24 Jahre

Fazit Eignet sich perfekt zur Untermalung

eines goldenen Herbsttages.

VonRosina Link, 15 Jahre

Will ist am Boden zerstört, als

sein einziger Bruder Shawn

getötet wird. Erschossen wird. Ihm

bleiben Erinnerungen an gemeinsame

Stunden, drei vonseinem Bruder

gelernte Regeln und der Gedanke an

Gerechtigkeit. So findet er sich wieder

im Fahrstuhl mit einer Waffe im

Hosenbund. Er wird derjenige sein,

der den Mörder vonShawnumbringen

wird. DieRegeln sind die Regeln.

Oder nicht?

Mit einzigartiger Präzision und

Feinfühligkeit wagt sich der amerikanische

Jugendbuchautor und

Jahres-LUCHS-Preisträger Jason

Reynolds mit seinem neuesten Werk

Ein Schuss –und alles ist anders

Was lässt junge Menschen zur Waffe greifen? Das zeigt Jugendbuchautor Jason Reynolds in „Long Way Down“

Jugendbuchautor Jason Reynolds. BEN FRACTENBERG

„LongWayDown“ in eineWelt, in der

der Klang eines Schusses zur Normalität

gehört. In der Gewalt eine

Lösung ist. In der getötet undgetötet

wird. Reynolds schafft es, die wirren

und doch klaren Gedanken eines in

dieser Welt gefangenen Jugendlichen

festzuhalten, der anfängt zu hinterfragen.

Der faszinierend beschriebene

innere Prozess des Hauptprotagonisten

zwingt den Leser förmlich

dazu, den Roman nicht mehr aus

den Händen zulegen. Er liest sich

nicht nur geschmeidig, er gibt auch

eine Vielzahl an Denkanstößen. Der

Leser wird mitgenommen auf eine

Reise in Wills Vergangenheit, die geprägt

ist von unterschiedlichsten

Menschen, vonfröhlichen undgrausamen

Momenten, die einen mehr

und mehr verstehen lassen. Schockierend

und zutiefst berührend

wird über diesen einen Augenblick

geschrieben, deralles verändert.

Seit der Veröffentlichung seines

Romans „Ghost“ wird Reynolds in

den USA als neuer Star der Jugendbuchszene

gefeiert. Er gilt als „literarischer

Rapper“ seiner Generation.

Denn er schreibt, wie er spricht.

„Als ich ein Kind war,wurde uns gesagt,

dass die Art, wie wir sprechen,

unangebracht sei“, erinnert ersich.

„Aber es war die Wahrhaftigkeit unserer

Sprache, die alles verändert

hat.“ Nur zu gerne hätte er damals

Bücher gelesen, die von seinem

Leben und dem seiner Freunde erzählen.

Von der Drogenwelle. Seinem

Nachbarn, der an Aids starb,

als Reynolds elf war. „Doch so etwasexistierte

nicht.“ In der populär

werdenden Rap-Musik fand er sich

wieder.Ersaugte die Lyrics auf, verinnerlichte

sie. Und formte daraus

seine eigene Sprache.

Die Erfahrung lehrt: Die Wahl der Mitbewohner

bestimmt, obeinem das WG-Leben

gefällt oder nicht.

MELDUNG

19. Internationales

Literaturfestival Berlin

Am Mittwoch beginnt das19. ilb.

Rund 150 Autoren aus über 50Ländernwerden

zu Gast sein. In der

Sektion Kinder-und Jugendliteratur

stehen diverse Premierenlesungen

und Workshops auf dem Programm.

Zu Gast sind unter anderemSebastian

Meschenmoser, Mårten Sandén

und Tobias Steinfeld. (jill)

Alle Infos unter: www.literaturfestival.com

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

instagram.com/spreewild_de

facebook.com/spreewild

twitter.com/Spreewild


Herbst 2019 4,50 €

Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) LivenachNeun 9.55 (für

HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG)Meister des

Alltags 11.15 (für HG)Gefragt –Gejagt 12.00 (für

HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00

(für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für

HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt

nach Meer. Willkommen in Kanada! 17.00 (für

HG)Tagesschau 17.15 Brisant 18.00 (für HG)Gefragt

–Gejagt 18.50 (für HG)Großstadtrevier. Hunde,

die bellen. Krimiserie 19.45 (für HG)Wissen vor

acht –Zukunft 19.55 (für HG) Börse voracht

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Auf der anderen Seite ist

das Gras viel grüner

Romanze, D2017

21.50 (für HG) Exclusiv im Ersten

Armee der Heilsbringer:Das dubiose

Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln

22.20 (für HG) Tagesthemen

22.50 (für HG) Leonora

Wie ein Vater seine Tochter an den IS

verlor

23.50 (für HG) Pioniere der Lüfte

Nonstop über den Atlantik

0.35 (für HG) Nachtmagazin

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Susanna Ohlen, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12 14.00

Die Superhändler –4Räume,1Deal 15.00

Ran an den Speck –Familien nehmen ab

16.00 Mensch Papa! Väter allein zu Haus

17.00 Herz über Kopf. Krimiserie 17.30 Unter

uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin.

Mod.: Sandra Kuhn 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin. Mod.: Frauke Ludowig 18.45

aktuell 19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap

19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Fußball: EM-Qualifikation

Countdown

20.45 (für HG) Fußball: EM-Qualifikation

Nordirland –Deutschland

Kommentar: Marco Hagemann, Steffen

Freund. Aus Belfast (NIR)

22.45 Fußball: EM-Qualifikation

Highlights und Zsfg.der anderen Spiele

0.00 Nachtjournal

0.30 Die Alltagskämpfer –ÜberLeben in

Deutschland

„Ich weiß nicht, wohin” Letzter Ausweg

Notunterkunft. Reportagereihe

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR Arte

12.30 (für HG) Die Inselärztin. TV-Drama, D

2018 14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15 (für

HG) Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG)

MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für

HG) Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00

(für HG) MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell

19.50 (für HG) Mach dich ran! 20.15 (für HG)

Donna Leon. Feine Freunde. TV-Kriminalfilm,D

2003 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG)

Fakt ist! 23.05 (für HG) DieVermessung der

Welt. Literaturverfilmung,D/A 2012 0.55 (für

HG) Alles Klara

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut. Alles ausdem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wirin

Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für

HG) Unkraut 19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) StofferlWells

Bayern 21.00 (für HG) Mit demLuftschiff

über Bayern 21.45 (für HG) Rundschau

Magazin 22.00 (für HG) Lebenslinien 22.45 (für

HG) Der Kaiser vonSchexing 23.30 (für HG)

SchleichFernsehen Extra 0.20 Vereinsheim

Schwabing 1.05 (für HG) DahoamisDahoam

Vox

11.55 Shopping Queen 13.00 Zwischen Tüll

und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen

16.00 4Hochzeiten und eineTraumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Hot oder

Schrott –Die Allestester 22.15 Hot oder

Schrott –Die Allestester 23.15 Hot oder

Schrott –Die Allestester 0.15 nachrichten

0.35 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Spiel mit dem Feuer

Super RTL

14.55 Dragons –Auf zu neuen Ufern 15.20 Mr.

Bean –Die Cartoon-Serie 15.50 ALVINNN!!!

und die Chipmunks 16.20 Zig &Sharko –Meerjungfrauen

frisst man nicht! 16.45 Hotel Transsilvanien

–Die Serie 17.10 Inspector Gadget

17.40 Zak Storm –Super Pirat 18.10 Die Tom

und Jerry Show 18.40 Woozle Goozle 19.10

ALVINNN!!! und die Chipmunks 19.40 Angelo!

20.15 On the Case –Unter Mordverdacht 21.15

On the Case –Unter Mordverdacht 22.10 On

the Case –Unter Mordverdacht 23.10 On the

Case –Unter Mordverdacht

Sport1

15.30 Die PS-Profis –Mehr Power aus dem

Pott. Ein Porsche für 10.000 Euro 16.30 Container

Wars. Könige der Wellen 17.30 Storage

Wars –Geschäfte in Texas. Puffy auf der Jagd

18.30 StorageWars –Geschäfte in Texas. Giftig

19.30 StorageWars –Geschäfte in Texas. Seitenwechsel

20.00 Casino Confidential 20.30

Poker 21.30 Container Wars. Auf hoher See

22.30 Container Wars. The Big Apple 23.00

Container Wars. Auf und davon 23.30 Container

Wars. Die Winterspiele 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –

Service täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Herzenssache 11.15 (für HG) SOKO

Wismar. Herrenrunde 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG)ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Eine faule Karriere 17.00 (für HG)

heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45

(für HG) Leute heute 18.00 (für HG) SOKO

München. Der verlorene Sohn. Krimiserie

19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Ein Taunuskrimi (1/2)

Im Wald. TV-Kriminalfilm, D2017

Mit Tim Bergmann, Felicitas Woll u.a.

Regie: Marcus O. Rosenmüller

21.45 (für HG) Ein Taunuskrimi (2/2)

Im Wald. TV-Kriminalfilm, D2017

23.15 (für HG) heute-journal

23.45 (für HG) Frozen Ground –Eisiges

Grab Kriminalfilm,USA 2013

Mit Nicolas Cage, John Cusack,

Vanessa Hudgens u.a.

1.20 (für HG) Ohne diese Welt

Dokumentarfilm, D2017

5.15 Auf Streife. Reportagereihe 5.30 Frühstücksfernsehen.

Moderation: Matthias Killing,

Karen Heinrichs 10.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,Isabella

Schulien 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold,

Stephan Lucas,Alexander Stephens, Isabella

Schulien 12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte

im Einsatz 14.00 Auf Streife.Reportagereihe

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring 17.30

Ungelogen –das ehrlichste Gespräch deines

Lebens 18.00 Nächste Ausfahrt Liebe 19.00

Genial daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Traumfrauen

Komödie,D2015

Mit Hannah Herzsprung,Karoline

Herfurth, Palina Rojinski, Iris Berben,

Elyas M’Barek, Frederick Lau u.a.

Regie: Anika Decker

22.30 akte.

23.30 Die Fahnder

Mit Herz &Handschellen

0.25 Traumfrauen

Komödie, D2015

2.20 Criminal Minds

Palo Mayombe. Krimiserie

14.30 (für HG) In aller Freundschaft 15.15

(für HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG)

Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Lecker an Bord 21.00 (für HG) Viel für wenig

21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Unterwegs

im Westen 22.40 (für HG) Sträters Männerhaushalt

23.25 (für HG) Jürgen von der

Lippe: „Wie soll ich sagen...?” 1.25 (für HG)

Lachgeschichten

NDR

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) aktuell

16.20 (für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für

HG) Leopard, Seebär &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) Die Nordreportage

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Markt 21.00 (für HG) Die Tricks... 21.45 (für

HG) aktuell 22.00 (für HG) 45 Min 22.45 (für

HG) Kulturjournal 23.15 (für HG) Team Endstation

0.00 (für HG) Die Tricks... 0.45 Iss besser!

–Tariks wilde Küche 1.15 (für HG) Markt

Kabel eins

5.50 Without aTrace 6.40 The Mentalist 7.35

Blue Bloods –Crime Scene NewYork 8.30

Blue Bloods –Crime Scene NewYork 9.25

Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.15 Without

aTrace 12.10 Numb3rs 13.05 Castle 14.00

The Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A. 15.50

News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben

täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der

Profi kommt 18.55 Quiz mit Biss 20.15 Next.

Actionthriller,USA 2007 22.05 Einsame Entscheidung.

Actionthriller,USA 1996 0.45 Die

Killer-Brigade. Thriller,USA 1989

RTL 2

7.00 Die Straßencops Süd–Jugend im Visier

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Hartz und herzlich –

Tagfür TagBenz-Baracken 17.00 News 17.05

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.00 Love Island Flash 19.05 Berlin –

Tag&Nacht 20.15 Love Island –Heiße Flirts und

wahre Liebe 21.35 Reality Alarm! 22.35 UNdressed–Das

Date im Bett 23.35 Love Island –

Heiße Flirts undwahre Liebe 1.00 exklusiv –Die

Reportage 1.50 exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

12.00 Radsport: Vuelta aEspaña. 15. Etappe

13.25 Radsport: Vuelta aEspaña. 16. Etappe

17.45 Radsport: Vuelta extra 18.15 WATTS.

Die Tennis-Spezial-Ausgabe der Eurosport-Clipshow

18.40 Springreiten: Global Champions

League 19.10 Polo Line 19.40 Eurosport News

20.00 Judo: WM 21.05 Tennis: USOpen 22.10

Radsport:Vuelta aEspaña 22.40 Eurosport

News 22.50 Volleyball: EM der Damen 23.10

Leichtathletik: Diamond League 0.05 Volleyball:

EM der Damen 0.30 Judo: WM

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DAS ERSTE, 20.15 UHR ROMANZE

Aufder anderen Seiteist das Gras viel grüner

Kati(Jessica Schwarz, l., mit Judy Winter) steckt in einem Dilemma: Eigentlich

lebt sie seit fünf Jahren glücklich mit ihrem Traummann Felix,dem attraktivenArzt,

zusammen. Doch dann verliebt sie sich mit voller Wuchtinden charmanten

Künstler Mathias.Wie soll sie das Felix beichten, ohne ihm dasHerzzu

brechen? Ein unglaublicher Vorfall scheintihr die schwereEntscheidungabzunehmen.

Denn nach einem Autounfall erwachterwacht Kati in der Vergangenheit,exaktanjenem

Tag, an dem sie einstFelixüberden Weglief.Zunächst gelingt

es ihr,der Begegnung ausdem Wegzugehen und ihreeigene Geschichte

umzuschreiben. Sogarihren Mathias machtsie ausfindig, der sich prompt in sie

verliebt,und einemneuen Lebenscheintnichts im Wegzustehen. Doch irgendwiekommtsie

vonFelix nicht los.LeichtfüßigeFantasy-Romanze!

(Dtl./2017)

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DASMAGAZIN DES

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5 8 4

2

MIT DIAGONALEN –SCHWER

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AUFLÖSUNG

VOM 7./8. 9. 2019

SCHWER

7.00 Gartenzeit 7.30 Instrumentenkunde 7.45

Instrumentenkunde 8.00 Brandenburg aktuell

/Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft –Die jungen Ärzte 10.35

Rote Rosen 11.25 Sturm der Liebe 12.15 Der

Winzerkönig 13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach

Meer 14.00 Gartengeschichten 14.45 Einfach

genial 15.10 Landschleicher 15.15 Unser

Westen 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn

sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &

Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das

Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin

&brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Super.Markt

Neues für Verbraucher

Moderation: Janna Falkenstein

21.00 Die Wahrheit über ...

die Zukunft desWaldes

21.45 rbb24

22.00 Tatort

Borowski und die Frau amFenster

TV-Kriminalfilm, D2011

Mit Axel Milberg,Sibel Kekilli u.a.

Regie: Stephan Wagner

23.30 Polizeiruf 110 Der Tote zahlt

TV-Kriminalfilm, DDR 1987

ProSieben

11.30 Mike &Molly. Die Welt der Peggy Biggs.

Comedyserie 11.55 2Broke Girls. Das Maybe-

Baby/Trans-Aktionen. Comedyserie 12.50

Mom. Verleih' nie Kohle an eine Plunkett! Comedyserie

13.15 Twoand aHalf Men. Natürlich

ist ertot/Natürlich ist ertot/Stur,zwanghaft

und unflexibel. Comedyserie 14.40 The

Middle. Die Haustür/Der Kratzer.Comedyserie

15.40 The Big Bang Theory. Das Trauzeugen-

Testverfahren/Die Watkins-Wahrscheinlichkeit/

Die Zeitzonen-Klausel. Comedyserie 17.00 taff

18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons. Der

Vater,der Sohn und der heilige Gaststar/Die

unglaubliche Reise in einem verrückten Privatflugzeug.Zeichentrickserie

19.05 Galileo

20.15 Die große „Big Bang Theory”

Zuschauerwahl Comedyserie

20.45 Die große „Big Bang Theory”

Zuschauerwahl Comedyserie

21.15 Die große „Big Bang Theory”

21.40 Die große „Big Bang Theory”

22.10 Die große „Big Bang Theory”

Zuschauerwahl Comedyserie

23.10 The Orville

Morgen, und morgen, und dann wieder

morgen. Sci-Fi-Serie

0.10 Die große „Big Bang Theory”

Zuschauerwahl Comedyserie

12.15 (für HG) Re: 12.50 Arte Journal 13.05

Stadt Land Kunst 14.05 The Ides of March –

Tage des Verrats. Drama, USA 2011 15.45 Magic

Cities 16.40 (für HG) X:enius 17.10 Wiedas

Land, so der Mensch 17.35 Palermo –Ein Sommer

am Strand 18.30 (für HG) Theos Tierwelt

19.20 Arte Journal 19.40 (für HG) Re: Filmreihe

François Ozon 20.15 (für HG) Eine neue

Freundin. Drama, F2014 22.00 Die Zeit die

bleibt. Drama, F2005 23.15 (für HG) Ins Land

der geraubten Menschen 0.10 (für HG) Corleone.

Pate der Paten. Dokumentarfilm, F2013

3Sat

15.45 (für HG) Ein Garten für alle 16.16 (für

HG) Gartenträume inLothringen 17.00 (für HG)

Gärten in Spanien 17.45 Die Gärten Siziliens

18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 Die

geheimen Gärten von Lucca 21.05 Collio –Italiens

Hügel der Genüsse 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 (für HG)Aidas Geheimnisse. Dokumentarfilm,

D2016 23.55 (für HG) Zuhause im

Chaos 0.25 10vor10 0.50 Sendung ohne Namen

1.15 Sendung ohne Namen 1.40 25 Jahre

SWR3 New Pop Festival –Die lange Nacht

Phoenix

9.00 phoenix vor ort 9.30 Anne Will 10.30

phoenix plus 12.00 phoenix vor ort 12.45

phoenix plus 14.00 phoenix vor ort 14.45

phoenix plus 16.00 VolksdrogeAlkohol –warum

dürfen wir uns zu Tode trinken? 16.45 Der

Hartz IV-Report 17.30 phoenix der tag 18.30

Die Gesten der Mächtigen 19.15 Chemnitz –

Ein Jahr danach 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnisvolle Orte 21.45 Am

Puls Deutschlands 22.15 (für HG) unter den

linden 23.00 phoenix der tag 0.00 (für HG)

unter den linden 0.45 Geheimnisvolle Orte

Kika

13.50 (für HG) Die Regeln von Floor 14.10

Schloss Einstein 15.00 Lockie Leonard 15.45

Stoked 16.10 (für HG) Lenas Ranch 16.55

Kein Keks für Kobolde 17.40 (für HG) Belle

und Sebastian 18.05 Der kleine Nick 18.20

Ben &Hollys kleines Königreich 18.40 Löwenzähnchen

–Eine Schnüffelnase auf Entdeckungstour

18.50 Sandmann 19.00 (für HG)

Robin Hood –Schlitzohr von Sherwood 19.25

(für HG) Die Kamerahelden –Deine Schule,

deine Fotos 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) KiKA Live 20.10 Du bist STYLE!

Dmax

13.15 Airplane Repo –Die Inkasso-Piloten

14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein Ziel

15.15 Coast Guard Alaska –Rettung aus der

Luft 16.15 Drug Wars 17.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

19.15 Border Control –Spaniens

Grenzschützer 20.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

21.15 Youngtimer Duell 21.45 Diesel Brothers

22.40 DMAX News 22.45 Las Vegas Hot

Rods 23.40 DMAX News 23.45 Die Gebrauchtwagen-Profis

0.40 Youngtimer Duell

1.10 Head 2Head –Stiftung Wagentest

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.0

Tagesschau-Nachrichten 9.15 45 Min 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 SpurenimStein

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00 Mittagsma

gazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.20 Welts

piegel 20.00 Tagesschau 20.15 Anne Will 21.17

Extra 21.30 Westpol 22.00 Markt 22.45 Die Tagesschau

vor20Jahren 23.00 Tagesthemen

23.30 Ist unser Wald noch zu retten? 0.00 sport

inside 0.30 Europamagazin 1.00 Nachtmagazin

1.20 Unterwegs im Westen 1.50 Brandenburg

aktuell 2.20 SachsenSpiegel 2.50 Extra 3.02

SWRLandesschau Baden-Württemberg 3.47 Extr

4.02 Abendschau 4.30 aktueller bericht

ONE

8.25 „Denver-Clan” ohne Maske(1) 8.55 „Denve

Clan” ohne Maske(2) 9.25 Quarks 10.10

Dawson'sCreek 10.55 Dawson's Creek 11.40

Lindenstraße 12.10 Sturmder Liebe 12.55 Sturm

derLiebe 13.45 Um Himmels Willen 14.35 Big

Manni. TV-Komödie,D2019 16.05 Dawson's

Creek 16.45 Dawson'sCreek 17.25 Lindenstraß

17.55 OhneSchnitzel gehtesnicht 18.40 Sturm

der Liebe 19.25 Sturmder Liebe 20.15 Grand

Hotel 21.00 Grand Hotel 21.45 Grand Hotel

22.30 Clique 23.10 Clique 23.50 Nord bei Nordwest.

Sandy.TV-Kriminalfilm, D2017 1.20 Grand

Hotel 2.05 Grand Hotel 2.50 Grand Hotel 3.35

Clique 4.15 Clique 4.55 Lindenstraße

ZDF NEO

8.00 Topfgeldjäger 8.55 Lafer! Lichter! Lecker!

9.40 Bares für Rares 10.35 Bares für Rares

11.25 Bares für Rares –Lieblingsstücke 12.10

Monk 13.35 Psych 14.55 Monk 16.20 Psych

17.45 Bares für Rares –Lieblingsstücke 18.30

Bares für Rares 19.20 Bares fürRares 20.15 (für

HG)Inspector Barnaby. Ganz in rot. TV-Kriminalfilm,

GB 2008. MitJohn Nettles, JasonHughes,

Jane Wymark 21.50 (für HG) InspectorBarnaby.

Kind desTodes. TV-Kriminalfilm, GB 2008. Mit

John Nettles, Jason Hughes,Jane Wymark 23.20

CandiceRenoir 1.00 Spooks–Im Visier des MI5

1.55 heute-show 2.25 NeoMagazin Royale 3.15

TerraX4.05 TerraX4.50 Frag den Lesch

ZDF INFO

6.35 ZDF-History 8.10 Das wardannmal weg 8.55

Serienkiller 10.25 Der Würger von Stockwell: Der

Fall Kenneth Erskine 11.10 Ermittler! 12.10 Dead

Intelligence–Wissenschaftler im Fadenkreuz 14.2

Saddam Hussein –Die letzten Tage eines Diktators

15.05 ZDF-History 15.50 Der 11. September –Ve

schwörung auf dem Prüfstand 16.35 ZDF-History

17.20 Deadly Intelligence –Wissenschaftler im

Fadenkreuz 18.05 Rätselhafte Geschichte 18.50

Hightech derAntike 19.30 Ursprung der Technik

20.15 (für HG)Terra X 22.25 ZDF-History 23.10

Gladiatoren –Kampfmaschinen derAntike 23.50

Warrior Women 0.35 ZDF-History 1.00 Schwertun

Schild –Russlands Geheimdienste

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Clara Schumann zum 200. Geburtstag Eine

Karriere am Klavier,ca. 56 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

In Concert 29. Rudolstadt-Festival. The Cat

Empire. Australischer Roots-Pop, ca. 87 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Currentzis in Stuttgart Dmitri Schostakowitsch:

Sinfonie Nr.7C-Dur op. 60, „Leningra

der” (SWR Symphonieorchester,Leitung:

Teodor Currentzis), ca. 146 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik-Panorama Mit Susann El Kassar,ca.

105 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Neue Musik In Bewunderung der Farben. Die

Komponistin Farzia Fallah., ca. 55 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(1/29). Es liest Johann von Bülow, ca. 30 Min

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Schlagt die Trommel” Mit Michaela Caspar,

Werner Wölbern, August Diehl,Werner Eichhorn,

Sebastian Weber,Christian Redl, Nana

Ouss. Regie: Adolf Schröder,ca. 57 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Rafik Schami: „Die geheime Mission

des Kardinals” (36/40). Mit Udo Schenk, JürgenTarrach,ca.

26 Minuten

MAGAZIN

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Einstand 80 Werke nur für ihn. Gespräch mit

Maciej Frackiewicz (Akkordeonist). Moderation

Ulrike Klobes. Was macht ein junger Musiker

mit einem Instrument, dessen Repertoire in

erster Linie für die Volksmusik gedacht ist? Er

beauftragt zeitgenössische Komponisten, Stücke

für das Akkordeon zu schreiben.,

ca. 30 Minuten

22.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Gespräch Mit Fiona Bennett (Hutmacherin).

Moderation: Anja Goerz, ca. 30 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Céline Rudolph., ca. 30 Minuten

23.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jazz Take me back –Das Keith Jarrett Quartet

1974 im NDR Hannover. Mit Felix Tenbaum

Der Siegeszug des Jazz begann mit dem klassischen

„New Orleans Jazz“ und „Dixieland

Jazz“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Danach

folgten immer neue Stile wie Swing,Bebop,

Cool Jazz oder Free Jazz., ca. 30 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 209 · M ontag, 9. September 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Suzanna Randall (39) soll als erste

Frau aus Deutschland in den Weltraum

fliegen. Dashat sich die private

Initiative„Astronautin“ zum Ziel gesetzt

und sammelt deswegen fleißig

Geld. 2020 oder 2021 könnte es so

weit sein: Vordem mehrtägigen Besuch

der internationalen Raumstation

ISS ist Randall allerdings auch

etwas mulmig zumute,wie sie jetzt

dem Münchner Merker anvertraute.

Aber sie beruhigt sich sogleich

selbst: „Entscheidend ist, die Angst

kontrollieren zu können.“

Will nicht nach alter

Mann klingen.

IMAGO IMAGES

Thomas Dürr (50)

ist als Thomas D

bekannt und als

dieser wiederum

Mitglied der

Spaß-Hip-Hop-

Gruppe DieFantastischenVier.

Zu dem neuen

Album der

Combo,„Captain

Fantastic“, sagte der Reimschmied

nun der Osnabrücker Zeitung, dass

man sich erstmals bei den Texten

habe helfen lassen:„Das war überlebenswichtig

…Wir wollen nicht klingen

wie alte Männer,wir wollen abgehen.“

Diealterangemessene Folge:

„Plötzlich fängst du mit dieser Gehhilfe

wieder das Laufen an.“

Herzogin Meghan (38) hat sich mal

frei genommen und ist am Sonnabend

über den großen Teich nach

NewYorkgedüst. Dortfeuerte sie die

amerikanische Tennisspielerin SerenaWilliams

(37) im Finale der US

Open an. DerFreundschaftsdienst

nützte allerdings nichts,Williams verlor

das Spiel (siehe Sport, Seite 19).

Aber egal: Gutgeklappt hat in jeden

Fall Meghans Arbeitsteilung mit ihremGatten

Prinz Harry(34), der im

heimatlichen FrogmoreCottage brav

auf Sohn Archie aufpasste.

Markus Söder (52, CSU) arbeitet weiter

am Imagetransfer vomHaudrauf

zum Gefühlsmenschen. Derbayerische

Ministerpräsident teilt uns auf

Facebook mit, dass seine Hündin

Fanny (12) gestorben ist:„Wir werden

sie sehr vermissen“, schrieb Söder zu

einem Schwarzweiß-Bild mit ihm

und der Labradordame. (schl.)

TIERE

Bringt Glück: Büffelkuh Ralphie

läuft für ihr Football-Team.

Okay, Fußball-Bundesliga, und jetzt

mal ganz hinten angestellt mit deinen

peinlichen Plüschtiermaskottchen

oder Mickergestalten wie dem„echten“,„lebendigen“

(wir erschaudern!)

Geißbock Hennes IX. vom1.FC. Köln:

Hier kommt der echte heiße Scheiß

und er kommt wie immer,wenn es

um richtig großen Sachen, also die

Superlativegeht, aus den USA –die

Rede ist vonRalphie.Ralphie ist ein

über 500 Kilogramm schwerer Koloss

und als solcher das Maskottchen der

University of Colorado Buffaloes,eines

Football-Teams.Ralphie,übrigens

kein Stier,sonderneine Kuh,

läuft vorder Mannschaft ins Stadion

ein, sie wirdvon fünf speziell trainierten

Betreuerngeführtund kann, einmal

in Fahrt, kaum noch gebremst

werden. Alles klar,Bundesliga?! So

geht Maskottchen! (schl.)

AP

In diesem Frühjahr hat sich Yokohama

die Scheiße ins Haus

geholt –sprichwörtlich. In

einem Gebäude direkt

neben dem Hauptbahnhof

in Japans zweitgrößter

Stadt öffnete Mitte März

das Unko-Museum,

was sich übersetzen

lässt mit: Kot, Exkrement,

Pups,A-a oder

Kacke.Man muss es

so deutlich sagen,

das ist nämlich

Sinn der Sache.Auf

großer Fläche sehen

Besucher dort

nicht nur Häufchen

in allen Formen

und Zuständen.

Das Ganze ist

eine Mischung aus

Information, Spaß

und Konfrontation.

In einer Ecke der

bunten Räume steigt ein

Wettbewerb, den gewinnt,

wer durch ein Mikrofon

mit Dezibelmessung

am lautesten „unko“ schreien

kann. Ein paar Meter weiter warten

Toilettenattrappen darauf, dass

Besucher Platz nehmen. Sobald auf

der Klobrille ein Drucksensor aktiviert

wird, plumpst ein lila Plastikhäufchen

in die Schüssel. Kurz darauf

kann man Selfies schießen mit

Cupcakes in Kackhaufendesign.

Hightech-Toiletten

Die Kuratoren können sich mit einer

Innovation brüsten. Ein Statement

vonoffizieller Seite:„Indem wir es Besuchernermöglichen,

Fäkalien als etwas

zu erleben, das lustig, niedlich

und auch ein Gesprächsthema ist,

bieten wir eine Artder Unterhaltung,

die es zuvor noch nie gab.“ Dasdürfte

stimmen. Jedenfalls scheint es in

westlichen Ländern undenkbar, sich

auf nichtmedizinischeWeise mit dem

Endprodukt der Ausscheidung auseinanderzusetzen,

ohne dass es ekelhaft

und unangenehm wird.

In Japan liegt die Sache anders.

Dabei markiert das Unko-Museum

weder eine radikale Kulturkritik

noch eine völlig neue Ästhetik. Die

Scheiße-Ausstellung passt eigentlich

sogar ganz gut ins Land. Einerseits

hat die japanische Kulturbranche sowieso

eine Schwäche für vermeintlich

abseitige Konzepte. Nicht weit

vom Unko-Museum in Yokohama

steht etwa eine Ausstellungshalle für

Instantnudeln. In Tokio gibt es ein

Autoreifenmuseum, ein Gepäckmuseum

und auch schon länger ein Abwassermuseum.

Oft sind diese Häuser in Wahrheit

PR-Abteilungen von Unternehmen

oder Behörden, die für ihre eigenen

Produkte werben. Das Unko-Museum

dagegen ist mit keiner Lobby

verbunden. DieAussteller finden das

Die Kultur

der Fäkalie

In Japan sprudeln Museen, Lehrbücher und

Restaurants vor Referenzen ans Exkrement. Das ist

nicht nur komisch, sondern auch lehrreich

Thema einfach spannend, und der

Erfolg gibt ihnen recht. An vielen Tagen

war die Ausstellung schon ausverkauft.

Dabei sollte man noch auf

eine Besonderheit aufmerksam machen:

Schon der Gebrauch desWortes

„unko“ –das für Japaner weniger vulgär

klingt als das Schimpfwort„kuso“

und trotzdem vomStubenreinen weit

entfernt bleibt –ist viel unverkrampfter

als die Nutzung des Äquivalents

im Deutschen. Kaum jemand kann

„Kot“ sagen, ohne sich dabei komisch

zu fühlen. „Unko“ aber geht locker

über die Lippen.

Und eine Gesellschaft tut wohl

gut daran, sich nicht nur darauf einzulassen,

was in den Körper gelangt,

sondern auch auf das, was später

VonFelix Lill, Tokio

Im Museum: Die Japaner gehen unverkrampft mit dem Thema „Scheiße“ um. IMAGO IMAGES

wieder herauskommt. Japan hat dieser

lockere Umgang nicht nur

Schlüsselanhänger, Kuscheltiere

und Schmuck in Haufenform beschert,

sondern auch echte technologische

Innovationen. Nirgendwo

sonst werden so hochwertige Toiletten

gebaut, mit denen der Gang aufs

Klo, begleitet von Meeresrauschen

und abgeschlossen mit Duschen

und Föhnen an allen Körperöffnungen,

zum Erlebnis wird.

Daskann man für Schnickschnack

halten. Aber für die meisten Menschen

in Japan sind moderne Toiletten

auf diese Weise zu angenehmen

Orten geworden. Führende Klobauer

des Landes wundernsich, dass sie mit

ihren Hightechtoiletten auf den ver-

Ein Eisberg für Kapstadt

meintlich so fortschrittlichen westlichen

Märkten kaum landen können.

Denn neben all den Spielereien,

die sie bieten, ist ihr Hygieneniveau

deutlich höher

als bei westlichenToiletten.

Das ist einer von mehrerenGründen,

warum Japan

heute die höchste

Lebenserwartung der

Welt hat.

In Tokios hippem

Bezirk Shibuya öffnete

vor einigen

Jahren der Curry

Shop Shimizu, der

mit „beschissenem“

Reiscurry

warb. Ineiner kloschüsselförmigen

Porzellanschale

breitete sich da auf

dem weißen Reis eine

braune Masse aus,die

nicht nur nach Exkrementen

aussehen, sondern

auch so schmecken

sollte. Nun, der Laden ging

bald pleite. Aber einige Kilometer

nördlich, im Tokioter Bezirk

Arakawa, hat sich seither das

Restaurant Deko Suke einen Namen

gemacht, weil dort das Gericht

„Mama no unchi“ auf der Speisekarte

steht, also „Mamas Scheiße“. Hier erinnert

nur das Aussehen, nicht der

Geschmack an Exkremente.

Lernen mit Kothaufen

Doch befindet sich die Fäkalie auch

in durchaus seriösen Zusammenhängen

im Einsatz. So wollte derVerlag

Bunkyosha aus einem spröden, ja

spaßfeindlichen Thema – nämlich

dem mühsame Erlernen der japanischen

Schriftzeichen – eines machen,

das begeistert: Im Frühjahr

2017 veröffentlichte er eine Schulbuchreihe,deren

immer wiederkehrender,

die Schriftzeichen erklärende

Protagonist ein mit Zeigestock und

Brille ausgerüsteter Kothaufen ist.

Weil das Buch Kindern großen Spaß

bringt, war es in vielen Läden alsbald

vergriffen.

Das nur zum gesellschaftlichen,

zum kulturellen Hintergrund. Man

mag nun auch verstehen, warum Japaner„kein

Problem mit ein bisschen

Toilettenhumor“ haben, wie die JapanTimes

einen Monat nach der Eröffnung

des Unko-Museum schrieb.

Die Nachrichtenagentur Kyodo lobte

in einer langen Rezension, hier würden„die

Horizonte über Kackeerweitert.“

International fiel die Resonanz

anders aus. Der kalifornische Reiseveranstalter

TripHobo twitterte:

„Kann irgendetwas merkwürdiger

werden als dieses Unko-Museum in

Japan?“ Le Parisien kommentierte

bloß: „Nur in Japan.“ Und ein Leser

der englischsprachigen Website JapanToday

resümierte:„OK. Daswar’s.

Japaner sind offiziell verrückt.“

Ein einfacher wie verwegener Plan: Nick Sloane will Trinkwasserknappheit mit Ressourcen der Antarktis lösen

VonJohannes Dieterich

Als Nick Sloane seinen Vorschlag

erstmals der Öffentlichkeit vorstellte,

lachten alle: Weil das Anfang

Aprildes vergangenen Jahres geschah

dachte jeder, eshandele sich um einen

Aprilscherz. Inzwischen hat der

südafrikanische Experte für Schiffsbergungen

durch seine Hartnäckigkeit

bewiesen, dass er es ernst meint:

Sloane bleibt dabei, dass er riesige

Eisberge von der Antarktis bis nach

Südafrika schleppen will, um sie dort

als Trinkwasserreservoire zunutzen.

„Inspätestens drei Jahren wirdessoweit

sein“, ist der 56-jährige Bergungsfachmann

überzeugt. Und

wenn jemandem vertraut werden

kann, dann ihm. An der Spitze von

500 Ingenieuren hat Sloane vor sieben

Jahren bereits das havarierte

Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“

vorder italienischen Küste geborgen.

Sloane kam auf die Idee mit dem

Eisberg, als seine

Frau wegen des Wassernotstands

in Kapstadt

nicht mehr wie

gewohnt abends ein

Bad nehmen und

morgens duschen

konnte. Als Lösung

für das Problem der

Dürre schlägt der in

Sambia geborene Kapitän

einen so einfachen

wie verwegenen

Plan vor: Mit Hilfe eines

Satelliten soll im

Antarktischen Meer

zunächst ein idealer Eisberg identifiziert

werden, der möglichst flach,

rund einen Kilometer lang, einen

halben Kilometer breit und 250 Meter

tief sein soll. Ein derartiger Koloss

wiegt schlappe 125 Millionen

Tonnen und kann fast

ein Viertel von Kapstadts

jährlichem

Wasserbedarf decken.

Für die gut 2500

Kilometer lange Reise

von der Insel Gough

bis nach Kapstadt

brauche es 80 bis 90

Tage. Höchstens acht

Prozent des Eisbergs

würden auf der Fahrt

EigentlichExperte für Schiffsbergungen:

Nick Sloane. DPA

wegschmelzen, sagt

er. Nördlich von Kapstadt

soll der Koloss

schließlich verankertund mit einem

riesigen Thermoleibchen umgeben

werden, der den Schmelzvorgang

verlangsamt und eine Vermengung

des aus reinstem gepressten Schnee

bestehenden Eisbergs mit Meerwasser

verhindert. Dassich an der Oberfläche

des Tafelbergs bildende

feinste Trinkwasser soll schließlich

abgepumpt und mit Containerschiffen

an Land transportiert werden.

Sämtliche Ausgaben eingerechnet

werdeein Liter Wasser rund fünf US-

Cents kosten. Mehr als doppelt soviel,

wie aufgefangenes Regenwasser

kostet, doch nur ein Bruchteil der

mit Entsalzungsanlagen anfallenden

Kosten.

Nick Sloane überzeugte bereits

zwei südafrikanische Banken und

das Schweizer Technologieunternehmen

Water Vision von seinen

kühlen Plänen: Auf diese Weise

könnte ein Aprilscherz tatsächlich

einmal Wirklichkeit werden.

NACHRICHTEN

Metzelder lässt auch

Stiftungsämter ruhen

Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph

Metzelder lässt auch bei der

nach ihm benannten Stiftung seine

Ämter ruhen. Dasteilte der Stiftungsvorstand

mit. Dies gelte bis zur

Aufklärung der Vorwürfe gegen den

38-Jährigen. DerInternet-Auftritt

der Stiftung war bereits voreinigen

Tagen mit dem Hinweis auf Wartungsarbeiten

vomNetz genommen

worden. DieStiftung des Ex-Fußballers

engagiertsich für Kinder und Jugendliche.Als

Reaktion auf die Vorwürfe

gegen Metzelder hatte zuvor

Theologie-Professor Peter Schallenbergdas

Kuratorium der Stiftung

verlassen. Er hatte dies mit der

Schwereder Vorwürfe und dem

Schweigen Metzelders begründet.

Gegen Metzelder wirdwegen des

Verdachts der Verbreitung vonKinderpornografie

ermittelt. (dpa)

Wirbelsturm„Dorian“ trifft

auf ostkanadische Küste

In den Trümmernwerden auf den Bahamas

noch mehr Tote vermutet.

Nach dem Abzug des Hurrikans„Dorian“

kämpfen die Bahamas mit den

Folgen desWirbelsturms.Indem karibischen

Inselstaat, wo„Dorian“ vor

einerWoche zuerst Land erreicht

hatte,kamen nach offiziellen Angaben

mindestens 43 Menschen durch

das Unwetter ums Leben. Am Samstagabend

erreichte der Sturmdie OstküsteKanadas.Als

posttropischer

Zyklon traf„Dorian“ dortnaheHalifax

in der Provinz NovaScotia mit

Windgeschwindigkeiten vonbis zu

148 Kilometernpro Stunde auf Land.

Rund 400000 Kunden des StromversorgersNovaScotia

Power warenvom

Stromnetzabgeschnitten. (dpa)

Online-Angriff legte

deutsche Wikipedia lahm

DiedeutscheVersion derWikipedia

und einige andereAusgaben des

Web-Lexikons sind stundenlang von

einer Online-Attacke lahmgelegt

worden. DieGesellschaftWikimedia

Deutschland berichtete am Freitagabend

voneinem sogenannten

DDOS-Angriff. Beisolchen Attacken

werden Server mit einer Flut sinnloser

Anfragen in die Knie gezwungen.

Für solche Attacken werden oftsogenannte

Botnets eingesetzt –Netze aus

zumTeil Millionen Computern, derenRechenleistung

ohneWissen der

Besitzer gekapertwurde. (dpa)

Kampfsportlerin wehrtsich

erfolgreich gegen Überfall

EinUnbekannter hat in Düsseldorf

in der Nacht zum Sonntag eine junge

Frau in einem Hausflur überfallen.

Als der Täter die Frau unsittlich berührte,habe

diese ihm Kostproben

ihres Kampfsport-Könnens gezeigt

und „Backpfeifen und Fausthiebe“

auf den Angreifer einprasseln lassen,

berichtete die Polizei am Sonntag.

Die25-Jährige hatte kurzzuvor mit

ihrem Freund telefoniert, der den

Überfall mithören musste und parallel

die Polizei alarmierte.Beim Eintreffen

der Einsatzkräfte war der Angreifer

aber bereits getürmt. (dpa)

AP


LEBEN MIT HANDICAP

IFA 2019

VERLAGSBEILAGE DER BERLINER ZEITUNG

Digitalisierung

und Arbeitswelt

Die junge Künstlerin

Alexandra Siebert

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2 I LEBEN MIT HANDICAP MONTAG, 9. SEPTEMBER 2019 I VERLAGSBEILAGE

MICHEL ARRIENS/GESELLSCHAFTSBILDER.DE

Heiko Kunert ist blind. Eine Software überträgt die Texte, für die er sich interessiert, in Braillezeilen, die er mit den Händen erfassen kann. Neue Technik schafft Zugang zum Internet.

Neue Chancen durchs Netz

Die Digitalisierung eröffnet für Menschen mit Behinderung viele Möglichkeiten. Doch nicht jeder kann mit der Entwicklung Schritt halten

Der S-Bahnhof Lichtenberg

ist voll rollstuhlgerecht. Der

Eingang hat keine Stufen

und alle Räume sind ohne Stufen

zugänglich.“ Der Eintrag auf der

Webseite wheelmap.org ist einer

von einer Million Markierungen

auf der ganzen Welt. „Und jeden

Tag kommen 300 neue Einträge

hinzu“, sagt Andi Weiland, Sprecher

der Sozialhelden, des Berliner

Vereins, der wheelmap.org ins

Leben gerufen hat.

Die Sozialhelden haben schon

zahlreiche Webseiten rund ums

Thema Inklusion entwickelt: unter

anderem auch leidmedien.de, eine

Seite, die sich mit dem Thema

Sprache beschäftigt, und gesellschaftsbilder.de.

„Hier stellen wir

Fotos jenseits der Klischees zur

Verfügung“, sagt Weiland. Häufig

würden Publikationen zum Thema

Behinderung mit Fotos bebildert, in

denen sich nicht-behinderte Menschen

in Rollstühle setzen. „Bei

Bei Boehringer Ingelheim wird inklusiv gearbeitet.

uns sind die Menschen mit den Behinderungen

und Hilfsmitteln abgebildet,

die sie tatsächlich haben.“

Ein neues Projekt setzt sich mit

dem Arbeitsmarkt auseinander. Auf

Jobinklusive.org werden Themen

wie GehälterinWerkstätten, Jobsuche

oder gute Inklusionsbeispiele

aufgegriffen. „Uns ist wichtig, dass

Menschen mit Behinderung die

gleichen Chancen haben, einen Beruf

und einen Arbeitsplatz zu wählen“,

sagt Weiland.

Sozialhelden nutzen das World

Wide Web, um auf wichtige Themen

aufmerksam zu machen.

„Das Internet bietet für Menschen

mit Behinderung viele Chancen“,

sagt Bastian Pelka, Dozent an

der Fakultät für Rehabilitationswissenschaften

der Technischen

Universität Dortmund und Experte

für digitale Inklusion. Er macht allerdings

eine Einschränkung: „Die

Digitalisierung muss gut gemacht

sein.“ Webseiten sollten zum Beispiel

auch Leichte Sprache oder

Alternativtext anbieten.

Computer, Internet und Apps

haben inzwischen 80 Prozent der

Menschen erreicht, sagt Pelka. Die

20 Prozent, die noch nicht online

sind, seien häufig Senioren, Menschen

mit Behinderung oder Menschen

mit geringer formaler Bildung.

Hier schreite die Entwicklung

langsam voran, weil die Barrieren

höher sind.

Die Digitalisierung sieht er als

Entwicklung, die sowohl Vor- wie

Nachteile bringen kann. Das Internet

sei ein bildliches Medium.

Über YouTube könne man sich viele

Dinge erklären lassen. Doch nicht

jeder sei in der Lage auf die Videos

zuzugreifen, zum Beispiel, wenn

Suchbegriffe nicht eingegeben

werden können. „Digitalisierung

kann auch zu einer Spaltung führen“,

warnt er. Manche gewönnen

viel, andere aber weniger. „Es gibt

auch Verlierer –wenn zum Beispiel

Schalterstellen zugunsten von Online-Angeboten

geschlossen werden,

auf die manche nicht zugreifen

können“, gibt er zu bedenken.

Auch Dietrich Engels, geschäftsführender

Gesellschafter des Instituts

für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik

(ISG) in Köln, sieht

die Digitalisierung als ambivalente

Entwicklung. Er hat vor drei Jahren

für die Bundesregierung einen Bericht

zu den Auswirkungen der Digitalisierung

auf die Beschäftigung

von Menschen mit Behinderung

erarbeitet. „Für Seh- und Hörbehinderte

gibt es gute Technik, die sehr

hilfreich ist: von weiterentwickelten

Screenreadern über eine Kamera,

die am Brillenbügel angebracht ist

und das Gegenüber identifizieren

kann, bis zu modernen Hörgeräten“,

sagt er.

Gleichzeitiggibt er zu bedenken,

dass die technischen Hilfestellungen

mit den anderen Entwicklungen

Schritt halten müssen –vor allem

ANDI WEILAND/GESELLSCHAFTSBILDER.DE (2)

Duygu Özen (l.) macht eine Ausbildung. Computerarbeit gehört dazu.

mit geänderter Software. So gebe

es bei Firmensoftware häufig Updates,

doch „diese sind nicht mitgedacht

für Menschen mit Behinderung“,

sagt er. Das hat zur Folge,

dass Nachbesserungen gemacht

werden müssen. „Das kostet Zeit

und erschwert das Arbeiten.“

Überhaupt scheine die Digitalisierung

das Tempo voranzutreiben.

„Häufig bleibt nicht genug

Zeit, um Anpassungen vorzunehmen.“

Ein positives Beispiel sei

die Firma Apple, die bei ihren Produkten

die Bedürfnisse von Menschen

mit Behinderung von Anfang

an berücksichtige.

Schwierigkeiten sieht er aber für

Menschen mit kognitiver oder psychischer

Beeinträchtigung, da die

Digitalisierung oft mit komplexeren

Anforderungen und gestiegenem

Zeitdruck verbunden sei. Dadurch

würden die Barrieren erhöht, die

eine Erwerbstätigkeit erschweren.

Der Vorsitzende des Berliner

Behindertenverbands, Dominik

Peter, kennt auf Anhieb mehrere

Beispiele für neue Arbeitsplätze

dank Digitalisierung. „Ein junger

Mann mit Spastiken kann dank

Hilfsmitteleinsätzen eine Software

bedienen und dadurch als Gestalter

arbeiten. Er kommuniziert mit

einem Sprachtool auf dem Handy.

Wenn er Dinge eintippen muss, tut

er das mit der Nasenspitze.“

Ein anderer Kollege, der ab dem

Hals gelähmt ist, arbeite als Volljurist

mithilfe einer Sprachsoftware.

„Mit der App geht das teilweise

besser, als wenn man es selbst

eingibt.“ Mechthild Henneke


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4ILEBEN MIT HANDICAP

MONTAG, 9. SEPTEMBER 2019 I VERLAGSBEILAGE

„Paul Klee ist mein

Lieblingsmaler“

Alexandra Siebert über ihre Liebe zur Kunst

Alexandra Siebert malt erst

seit wenigen Jahren. Hier erzählt

sie, was sie inspiriert.

Alexandra, seit wann malst du?

In Mumbai hat das richtig angefangen.

In der Schule hatten wir

„Arts and crafts“, das hat mir super

Spaß gemacht.

Was hast du da gern gemalt?

Landschaften, Meer, Sonne.

Hast du eine Lieblingsfarbe?

Blau –und dann gelb.

Wann malst du am liebsten und

woran denkst Du dabei?

Am Nachmittag, nach der Arbeit,

und im Urlaub. Bei Sonnenschein

gern im Garten. Ich denke

an Farbe, Landschaften, Bäume,

Himmel, Sonne. Natur einfach.

Du hast schon in verschiedenen

Ländern gewohnt, du reist und

fotografierst. Malst du manchmal

Motive von deinen Fotos ab?

Ja, manchmal schon. Aber oft

kommen einfach irgendwelche

Ideen aus meinem Kopf. Wenn ich

draußen male, male ich oft in den

Farben der Umgebung.

Welche Beziehung hast du zu Tieren?

Du malst sie manchmal.

Spontan fällt mir „mein Volti-

Pferd Aino“ ein, der Apfelschimmel,

auf dem ich jeden Freitag voltigiere.

Aber manchmal sehe ich

auch im Park Tiere, zum Beispiel

einen Pfau. Und ich gehe gern in

den Zoo. Besonders gern mag ich

Affen, Löwen, Tiger, Elefanten, Zebras

und Pandabären. Ich bin in

Indien auch schon auf einem Elefanten

geritten. Auch auf einem

Kamel und auf einem Baby-Yak.

Auf deinen Bildern sind auch Personen

zu sehen. Wer ist dir besonders

wichtig?

Meine Freundinnen, meine

Familie. Meine Schwester Becky

habe ich oft allein auf Bilder gemalt,

weil die jetzt in Dresden ist

und nicht mehr bei uns zuhause

wohnt. Manchmal besuche ich sie

in Dresden und übernachte bei ihr.

Was machst du noch gern in deiner

Freizeit?

Ich höre gern Geschichten

und spiele sie nach. Und ich höre

gern Musik.

Spielt Musik auch bei deinen Bildern

eine Rolle?

Ja, manchmal male ich Noten

in ein Bild. Manchmal auch ganz

bunte Farben, die fliegen. So stelle

ich mir Musik vor.

Hast du einen Lieblingsmaler?

Paul Klee. Seine Bilder sind so

schön bunt. Und den mit den blauen

Pferden, Franz Marc heißt der,

glaube ich. Ist das richtig? Den

mag ich, weil er Pferde malt und

weil blau meine Lieblingsfarbe ist.

Was magst du an Acryl gerne, was

an Tusche?

An Acryl mag ich, dass ich,

auch wenn es trocken ist, noch

etwas verändern kann. Ich kann

mit anderen Farben drüber malen.

Und dass es dick wie eine

Paste ist. An Tusche mag ich, wie

die Farben sich mischen und wie

leuchtend sie sind.

Gehst du gerne ins Museum?

Ja, natürlich.

Bekommst Du im Museum neue

Ideen für deine Bilder?

Ja. Ich gehe zum Beispiel

gerne ins Liebermann-Haus am

Wannsee. Danach male ich gerne

Blumenbilder.

(Das Gespräch führte Alexandras

Mutter,Gabriele Siebert.)

Kontakt:

WIB –Weißenseer Integrationsbetriebe GmbH

Geschäftsstelle •Tassostr. 17 •13086 Berlin

Tel. 030/4799110 •Fax 030/47991132

info@wib-verbund.de • www.wib-verbund.de

Jeder Mensch ist der Experte für seine Lebensgeschichte.

Der WIB Verbund bietet soziale und berufliche Integration für psychisch

kranke, suchtkranke und behinderte Menschen durch Beratung,

Betreuung, Arbeit, Wohnen und Tagesstruktur. Mit dem Aufzeigen

individueller Lösungswege unterstützen wir die Rehabilitation und eine

selbstbestimmte Lebensführung.

•Kontakt- und Beratungsstelle •Beschäftigungstagesstätten

•Betreutes Wohnen •Integration geflüchteter Menschen

•Inklusionsunternehmen •Ergotherapie

•Anerkannte Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Alexandra (l.) und Gabriele Siebert sind ein gutes Team. Doch wenn sie malt, ist Alexandra meist allein.

Malen ist für Alexandra,

Farbenstarke und phantasievolle Bilder sind das Markenzeichen der 23-Jährigen.

Der Berliner Zoo ist grün und

blau, die einzelnen Gehege

tauchen als rechteckige Felder

auf, bunte Flecken zeigen die

Tiere. Das Bild hat Alexandra Siebert,

23, jetzt gemalt, nachdem

sie aus Anlass ihres Geburtstags

im August mit Familie und Freunden

im Zoologischen Garten war.

Ihre Mutter, Gabriele Siebert, zeigt

das Bild zu Hause in Kleinmachnow

stolz in die Höhe. Es fasziniert

sie, wie ihre Tochter reale

Dinge in Kunst übersetzt.

Mehr durch Zufall hat die Familie

herausgefunden, dass sich

in Alexandra das Talent für die

Malerei verbirgt. Lange Jahre war

Musik das kreative Gebiet, auf

dem sie aktiv war. Die junge Frau

hat eine Chromosomen-Mutation,

die ein halbes Jahr nach ihrer

Geburt festgestellt wurde. Erst

mit drei Jahren lernte sie laufen.

Ihre Eltern und sie kommunizierten

mithilfe von Gebärdensprache.

Als Alexandra wenige Tage

vor dem Geburtstag ihrer Mutter

„Mama“ sagte, war sie schon

fast fünf Jahre alt.

Ihr erstes Wort war das allerdings

nicht, berichtet Frau Siebert.

Eine Erzieherin benutzte ein

Xylophon im Kindergarten in den

USA, wo die Familie zu dieser Zeit

lebte. Es hatte bunte Tasten und

Alexandra spielte damit begeistert.

Immer wieder wiederholte

die Erzieherin die Farben und

„purple“, lila, war schließlich Alexandras

erstes Wort.

Dass sich einmal herausstellen

würde, dass Farben Alexandras

stärkstes Ausdrucksmittel

sind, wusste die Familie noch

nicht. Das entdeckte sie vor wenigen

Jahren – in Indien, einer

weiteren Arbeitsstation von Alexandras

Vater. Hier besuchte Alexandra

als Teenager eine Schule,

in der die Talente von Menschen

mit Behinderung genau angeschaut

wurden.

„Ihre Tochter sollte etwas im

Bereich gestaltende Kunst machen“,

lautete schließlich die

Empfehlung der Schule. „Sie hat

ein unglaubliches Gespür für Farben,

Formen und Komposition“,

sagten ihre Lehrer.

„Das hat mich überrascht“,

sagt Gabriele Siebert heute dazu.

Alexandra wurde gefördert und

ihre Eltern, ihre jüngere Schwester,

aber auch ihre Lehrer waren

begeistert.

Am Anfang ließen ihr die Lehrer

freien Raum oder gaben ihr Bilder

zum Abmalen. Was unglaublich

ist: Alexandra ist faktisch auf

einem Auge blind und auf dem

anderen stark kurzsichtig. Im

Straßenverkehr hat sie Probleme.

„Sie kann den Verkehr nicht einschätzen.“

Meist sitzt sie ganz

dicht voder Staffelei oder über

den Tisch gebeugt.

Eines von Alexandras Bildern: eine Landschaft im Sommer

GABRIELE SIEBERT


MONTAG, 9. SEPTEMBER 2019 I VERLAGSBEILAGE LEBEN MIT HANDICAP I 5

Erst die Kunst,

dann die Behinderung

Berlinklusion fördert Künstler und Kunstprojekte

wie Urlaub zu machen

Ihre erste Ausstellung in der Galerie des Studentenwerks Dresden war ein Erfolg

Die junge Frau mit den blonden

Haaren und der Brille istklein

und zart gebaut. Sie hat häufig

eine krumme Haltung. Umso

mehr freute sich ihre Mutter, als

Alexandra begann, auch an der

Staffelei zu arbeiten. Inzwischen

malt die junge Künstlerin zweibis

dreimal in der Woche. „Das

Schönste ist, dass es ihr richtig

Spaß macht“, sagt ihre Mutter.

„Malen ist für mich wie Urlaub“,

habe sie zu ihr gesagt. Manchmal

ist sie hoch produktiv und

malt gleich drei bis vier Bilder. An

anderen Tagenwidmet sie sich ihren

anderen Hobbys, einem Lesekurs

an der Volkshochschule und

dem Volt