10.09.2019 Aufrufe

LERNEN MIT ZUKUNFT September 2019

Impulsmagazin für Erwachsene, Anregungen zum Nachdenken

Impulsmagazin für Erwachsene, Anregungen zum Nachdenken

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

- information - diskussion - innovation - motivation -

Das Österreichische Impuls-Magazin | September 2019

BESUCHEN SIE UNS:

www.facebook.com/lernen.mit.zukunft

Hin zu neuen Horizonten

Lebendiges Lernen und Wachsen

Eigenverantwortung?

Regeln über Regeln

Berufung als Beruf

Angewandter Tierschutz


inhalt & impressum

inhalt & übersicht

Gegen Kinderarmut und Ausgrenzung

Hin zu neuen Horizonten

Island

Potentiale entfalten als HSP

Wasser in den Beinen

Heimkehr zur ICH-Marke

Im Zeitalter der Epigenomik

Stirbt die Eigenverantwortung?

Zagreb aus veränderter Sicht

Jugendsprache

Was hat das mit mir zu tun?

Prof. Abakus

Wie sehen mich andere?

Berufung als Beruf: TierpflegerIn

Bildung ist ein Menschenrecht

Kinder an die Macht

Ein schlechtes Zeugnis

Es liegt auf der Hand

Wenn Schule zur Last wird

Die Kinder von heute

100 Jahre / Schönbrunner Schule

Johann Allach / Interview

04

06

08

11

12

13

14

16

17

18

20

22

23

24

26

28

30

32

34

36

38

40

Klicken Sie das INFO-Symbol und es öffnen

sich ergänzende Informationen zum Artikel

(pdf-Datei)

Klicken Sie das OHR-Symbol und es öffnet

sich in einer eigenen Browser-Seite der

Audio-Player. Sie hören die Stimme des

Autors mit ergänzenden Informationen.

Klicken Sie das LAUTSPRECHER-Symbol

und es öffnet sich in einer eigenen

Browser-Seite der Audio-Player. Musik

untermalt den Beitrag.

SYMBOLE ZUR HANDHABUNG

DER INTERAKTIVEN ELEMENTE

DES MAGAZINS

Klicken Sie das ZETTEL-Symbol und es

öffnet sich das Mail-Programm.

Klicken Sie das AUGE-Symbol und es

öffnet sich der Browser mit einem Video.

Foto © pixabay.com

2 | SEPTEMBER 2019


editorial & information

impressum

Medieninhaber, Herausgeber

& Verleger LERNEN MIT

ZUKUNFT, 1220 Wien,

Mühlwasserpromenade 23/ Haus

13, e-mail: office@LmZukunft.

at, Herausgeber/Grafik: Karl H.

Schrittwieser, Redaktion (Bild/

Text): Birgit Menke,

Titelseite - Foto: © Pixabay.com

Blattlinie:

Mit unserer Themenvielfalt laden

wir Erwachsene ein, sich für die

Entwicklung unserer Lebenswelt

und für künftige Generationen

einzusetzen.

Dazu geben wir Informationen,

Gedankenimpulse und

Anregungen.

Die AutorInnen übernehmen

selbst die Verantwortung für den

Inhalt ihrer Artikel.

Auflage: 4 mal im Jahr

Im Guten wie im Schlechten:

Die „Aufmerksamkeits-Gesellschaft“

FREUNDSCHAFT IST, WENN DICH EINER FÜR GUTES SCHWIMMEN LOBT,

NACHDEM DU BEIM SEGELN GEKENTERT BIST (Werner Schneyder)

Im Alltag wird unsere Aufmerksamkeit häufig auf eine harte

Probe gestellt. Verstopfte Straßen, Touristen, die sich rund

um die Sehenswürdigkeiten einer Stadt tummeln, Zeitungsverkäufer,

Straßenkunst, aber auch Bedürftige, die uns

einen leeren Becher unter die Nase halten und dann klingelt

auch noch das Handy in der Hosentasche.

Zu den äußeren Einflüssen kommt dann noch der Kampf der

sozialen Netzwerke um die immer knapper werdende Ressource

„Aufmerksamkeit.“ Dazu zählen zum Beispiel Twitter, XING und

auch Facebook.

Denn wer hier vertreten ist, will in der Regel auch Aufmerksamkeit. Mit

einem Klick scrollen wir in eine bunte Welt, die vieles zu bieten hat.

Tierfilme und Kochrezepte, Castingshows, Abstoßendes und Berührendes,

aber auch persönliche Fotos, Selfies und Videos, nur um einige Beispiele

zu nennen. Wir sammeln „Freunde“ wie frühere Generationen Briefmarken

oder Bücher. Stellt sich die Frage, ob uns diese Online Kontakte

wirklich alle nahestehen? Wie abhängig sind wir von der Reaktion jener,

die uns persönlich gar nicht oder kaum kennen? Wie fühlt es sich an, von

einem „großen Publikum“ bewertet oder entwertet werden?

Die digitale Vernetzung ist ein Kind unserer Zeit. Aber vielleicht sollten

wir Plattformen nicht so ernst nehmen, sondern lernen, leichtfüßiger damit

umzugehen. Denn eine Alternative zu Freunden, mit denen wir auch

im „echten“ Leben verbunden sind, kann ein soziales Netzwerk nie sein.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche viel Freude beim Lesen

der September-Ausgabe

Karl H. Schrittwieser

Obmann und Herausgeber

LERNEN MIT ZUKUNFT

Foto © pixabay.com

3 | SEPTEMBER 2019


information & jugend

Bitte helfen Sie mit:

Gegen Kinderarmut und Ausgrenzung

BILDUNG UND DIE CHANCE, AUS EIGENER KRAFT DER ARMUT

ZU ENTKOMMEN

Ulla Konrad,

geschäftsführender Vorstand

von CONCORDIA

Sozialprojekte

www.concordia.or.at

info

CONCORDIA Sozialprojekte

arbeitet seit fast 30 Jahren mit

sozial benachteiligten Kindern

und Jugendlichen in Osteuropa.

Im Moment bauen wir

eine Volksschule in Ploieṣti,

die qualitativ hochwertige

Bildungschancen und soziale

Durchmischung garantiert.

Foto: © mialoebl.com

Als ich 2003 erstmals bei

CONCORDIA in Bukarest gearbeitet

habe, dachte ich: Es heißt

immer, Kinder seien die Zukunft.

Dann müssen wir auch etwas für diese

Zukunft tun!

In den Armutssiedlungen Rumäniens

wird jedes fünfte Kind nie eingeschult.

Nur vier von zehn schließen die Volksschule

ab. CONCORDIA will das mit dem

Bau einer Volksschule ändern.

Für viele Sechsjährige in Rumänien

ist die Schulkarriere vorbei, bevor sie

beginnt. Eltern schämen sich oft für ihre

prekäre finanzielle Lage und schicken

die Kinder schon deswegen nicht in den

Unterricht. Oft bleiben die älteren Kinder

auch der Schule fern, weil sie auf die

jüngeren aufpassen müssen, wenn die

Eltern Gelegenheitsarbeiten nachgehen.

Mehr als die Hälfte der Romakinder in

den Städten Osteuropas, aber auch Kinder

aus ärmsten Verhältnissen im ländlichen

Bereich, besuchen nie eine Schule.

Diese Kinder haben kaum Zugang zu

gesundheitlicher Versorgung, sie leben

in prekären Wohnsituationen, mit einem

hohen Risiko für Vernachlässigung und

Missbrauch. Sie brauchen besondere

Förderung, damit sie einerseits überhaupt

in die Schule gehen, andererseits

diese auch abschließen. Oftmals landen

die Kinder zu Unrecht in einer Sonderschule.

Eltern, die selbst über ein niedriges

Bildungsniveau verfügen, können

ihre Kinder weder beim Lernen noch bei

der gesellschaftlichen Teilhabe unterstützen.

In der Folge besuchen die Kinder die

Schule nur unregelmäßig oder brechen sie

ganz ab.

WAS BIETET UNSERE CONCORDIA

SCHULE?

Wir sorgen für ein Schulumfeld, das Kinder

unterstützt und begleitet. Aus unserer

langjährigen Arbeit mit Familien aus den

Armenvierteln wissen wir, was die Kinder

brauchen: Keine Sonderschule für Romakinder,

die sie weiter ausgrenzt, sondern

eine Schule, in der benachteiligte Kinder

eine Chance bekommen. Mein Motto:

Bildung, Bildung und noch einmal Bildung

braucht es für eine gute Zukunft.

Geplant sind fünf Klassen zu je 20 SchülerInnen

aus allen Gesellschaftsschichten.

Miteinander und voneinander lernen. In

Zusammenarbeit mit dem österreichischen

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft

und Forschung wird speziell geschultes

Lehrpersonal den Schulfortschritt

jedes einzelnen Kindes sicherstellen.

CONCORDIA Sozialprojekte setzt sich für

jene Kinder ein, die an den gesellschaftlichen

Rand gedrängt werden.

z – als Old Man Coyote das Schulsystem

sprengte“ , das im Bereich „Umweltschutz“

monatelang als Amazon-Bestsel-

Foto: © Archiv CONCORDIA

4 | SEPTEMBER 2019


information & jugend

Ulla Konrad, geboren 1971,

ist geschäftsführender Vorstand

von CONCORDIA

Sozialprojekte

Die studierte Psychologin

verbrachte lange Zeit in

Rumänien und arbeitete

in verschiedenen sozialen

Einrichtungen von CONCORDIA

VIDEO:

Zur Schule

5 | SEPTEMBER 2019


information & projekt

Stefanie Itto

Tapal Mouzoun

Gründerin und

Gesamtleiterin des campus

vivant'e im hohen Atlas von

Marokko

www.scuolavivante.ch

DER CAMPUS VIVANT'E

Vor mehr als zehn Jahren begann

alles mit einer Idee: Den Kindern

von Ait Bouguemez ganzheitliche

Bildungswege eröffnen und ihnen

die Möglichkeit bieten, sich in

ihrem abgelegenen Tal im Hohen

Atlas Marokkos zu mündigen

weltoffenen Bürgern heranzubilden,

die ihre Heimat wertschätzen

und den Spagat zwischen

Moderne und Tradition, zwischen

alter Berberkultur und neuem

Fortschritt meistern und mutig

und verantwortungsvoll ihren

Weg gehen. Die einstige kleine

Grundschule ist in den vergangenen

9 Jahren zu einem Bildungs-

Campus mit über 80 Schulkindern

und 16 Mitarbeitern gewachsen,

welcher heute in so vielfältigen

Bereichen wie Permakultur, Gehörloseninklusion

und Berufsorientierung

wirkt. Viele engagierte

Menschen vor Ort und aus der

ganzen Welt helfen den campus

vivant’e weiterzuentwickeln - hin

zu neuen Horizonten.

Fotos © Archiv Scuola Vivante

6 | SEPTEMBER 2019

Lebendiges Lernen und Wachsen:

Hin zu neuen Horizonten

DER CAMPUS VIVANT’E – EINE BESONDERE BILDUNGSSTÄTTE IM HOHEN

ATLAS MAROKKOS

Juli 2019 – die Schultore sind geschlossen

und die Klassenräume liegen im « Sommerschlaf

», einzig auf den Dächern sind

noch ein paar Handwerker mit Ausbesserungsarbeiten

beschäftigt und die Hühner

scharren im Schatten ihres Käfigs. Ich organisiere

noch ein paar bürokratische Dinge

und erledige liegengebliebene Schreibarbeit,

während die letzten Wochen vor meinem

inneren Auge nochmals Revue passieren: es

war eine sehr bewegende und intensive Zeit

und allmählich setzen sich die Erinnerungen.

Unsere erste Schülergeneration hat den

kompletten Zyklus am campus vivant’e

durchlaufen und abgeschlossen: neun Jahre

an einer aktiven und lebendigen Schule. Was

2010 mit 16 Schülern und einem Wagnis,

dem Abenteuer „école vivante“, begann,

damals noch in unserem Wohnzimmer, findet

nun zum ersten Mal seinen Abschluss: zehn

aufgeweckte und lebhafte Kinder, die heranwuchsen

zu gestandenen jungen Frauen und

Männern, die ihren Weg nun selbstständig

weitergehen. Hierzu möchte ich Ihnen eine

Erfolgsgeschichte erzählen, die Geschichte

von Malika.

Malika kommt aus einer typischen Familie

aus dem Dorf. Ihre Eltern sind einfache Bauern,

der Vater arbeitet teils als Tagelöhner

um das knappe Haushaltsgeld aufzubessern.

Malika ist das einzige Mädchen unter lauter

Jungen in der neunköpfigen Familie. Die

Eltern, selber kaum zur Schule gegangen,

haben uns von Anfang an ihr Vertrauen

geschenkt, als wir die Idee einer freien

Schule präsentierten. Sie waren von Beginn

an offen und dankbar für unser alternatives

Bildungsangebot und die Chancen, die wir

ihrer Tochter damit bieten. Viele Kinder,

vor allem Mädchen, besuchen in unserem

abgelegenen Tal häufig - wenn überhaupt -

nur die einfache Grundschule im Dorf.

Nach spätestens sechs Jahren, viele

auch schon früher, verlassen sie ihren

Bildungsweg und haben damit keinerlei

berufliche Perspektiven.

In der ersten Klasse noch „wild und

ungezähmt“, hat sich Malika in den

letzten Jahren mit viel Freude und

Lust, eifrig und engagiert entwickelt

- sie konnte sich ihr interessiertes,

freiheitsliebendes und kreatives Wesen

bewahren und auf wunderbare Art

ihren Platz als aktive Schülerin finden,

die das Schulleben mitgestaltet.

Selbstbestimmt und engagiert ging sie

von Anfang an ihren Weg und nahm

das Bildungsangebot der école vivante

stets mit viel Hunger nach Wissen

wahr. Besonders ihr künstlerisches, musikalisches

und theatralisches Potential

konnte sie bei vielen Projekten entdecken

und beweisen. Als sie 2010 als

5-Jährige das allererste Mal mit Farben,

Pinsel und Papier in Berührung kam,

war das so etwas wie eine Initialzündung

für sie.

Im college vivant'e, unserer weiterführenden

Sekundarschule, entwickelte

Malika ihre sprachlichen, wissenschaftlichen

und handwerklichen Fähigkeiten

weiter. Das eigenverantwortliche Lernen

hatte sie inzwischen so verinnerlicht,

dass man sie häufig selbstständig

arbeitend, in Bücher vertieft, an ihrem

persönlichen (von ihr selbst geschreinerten!)

Arbeitstisch finden konnte.

Auf dem campus vivant'e lernte sie

nicht nur die theoretischen Inhalte

des marokkanischen Lehrplans sondern

auch Praktisches wie Gärtnern,


information & projekt

Kochen, Filzen oder sich zurecht zu finden in der Wildnis oder in

einer Stadt. Vor allem aber auch Offenheit und Toleranz gegenüber

Menschen anderer Kulturen und Religionen, ökologisches

Bewusstsein, gewaltfreie Kommunikation, kritisches Denken und

besonders: den Mut zu haben, seine eigene Meinung kundzutun

und seinen eigenen Weg zu gehen.

2010-2019, das beinhaltet viel mehr als das obligatorische klassische

Lehrplanwissen in den einzelnen Fächern hergibt. Lebensschule

nennen wir das, lebendiges Lernen und Wachsen, jeder für

sich und doch stets miteinander. Zum Abschied erhielten alle zehn

Abgänger darum auch zum ersten Mal das sogenannte „vivante-

Diplom“ - eine Urkunde und ein ausführlicher Kompetenzbeschrieb

in welchem schwarz auf weiß all die Dinge genannt werden, die im

normalen Notenzeugnis nicht sichtbar sind.

DOWNLOAD

Jahresbericht 2018

DOWNLOAD

Projektbeschreibung

7 | SEPTEMBER 2019


information & reisen

Insel aus Feuer und Eis:

Island

EIN INSELSTAAT AUF ZWEI KONTINENTEN

Dipl.-Ing. Alexander Ristic

Internationaler

Länderexperte

Lesetipp

Die Isländer, die

Elfen und Ich von

Thilo Mischke,

Ullstein Verlag

2019

Kilometerlange Gletscherzungen,

unendlich viele einzigartige Wasserfälle,

zischende Geysire und

warme Wasserquellen machen

die Insel einzigartig.

Island ist flächenmäßig der zweitgrößte

Inselstaat Europas. Die Vulkaninsel liegt

knapp südlich des nördlichen Polarkreises

und 300 km östlich von Grönland

im Atlantik. Im Vergleich zu Österreich

ist Island flächenmäßig 20% größer,

hat aber nur 4% der Bevölkerung und

ist damit eines der am dünnsten besiedelten

Ländern der Welt. Über 60 % der

isländischen Bevölkerung lebt in der

Hauptstadt Reykjavík.

Island liegt auf dem Mittelatlantischen

Rücken und damit sowohl auf der

Nordamerikanischen als auch auf der

Eurasischen Platte, wobei sich die

Plattengrenzen von Südwesten nach

Nordosten in etwa diagonal über die

Insel ziehen. Die Platten entfernen sich

jährlich etwa 2 cm voneinander. Magmakammern

unter der Insel, die sogenannten

Island-Plumen, sorgen mittels

Vulkanismus für ständigen Nachschub

von geschmolzenem Gesteinsmaterial

aus dem Erdinneren, weshalb die Insel

nicht auseinanderbricht. Island hat etwa

30 aktive Vulkane.

Die Vulkaninsel ist ein Paradies für

Naturliebhaber. Vor allem die hier im

Sommer zahlreich brütenden Vögel,

aber auch Robben, Seehunde, Rentiere,

Schafe oder die bei Reitern so beliebten

Islandpferde prägen die Tierwelt. Bei

den Pflanzen fällt vor allem der Krüp-

pelwuchs vieler Bäume, wie etwa der Birken

auf, die selten eine Höhe über zwei Meter

erreichen. Flechten und unglaublich leuchtkräftige

Moose, aber auch Blumen, wie das

rosa blühende Leimkraut, prägen gemeinsam

mit der kargen Vulkanlandschaft die Flora

Islands.

Wer Einsamkeit, unendliche Weite und unberührte

Natur sucht, findet sie im Hochland

der Insel. Hier zwischen Gletschern und Vulkanen

erstrecken sich unendlich scheinende

Schotterwüsten. Geothermische Gebiete

laden zum Baden in warmen Naturquellen

ein, mit herrlichem Ausblick auf die unberührte

Natur.

Eine Besonderheit Islands ist die Tradition

der dreizehn Weihnachtsmänner, der jólasveinar

(wörtlich „Weihnachtsgesellen“). Sie

wohnen mit ihrer Mutter, der Hexe Gryla,

und ihrem liederlichen Gefährten Leppalúöi

sowie der riesigen Weihnachtskatze in einer

Höhle in den Bergen. In den 13 Nächten

vor dem Weihnachtsfeiertag kommen sie in

die von Menschen bewohnten Gegenden.

Die Weihnachtsmänner entsprechen nicht

unserer Vorstellung vom Christkind, sondern

sind vielmehr verschmitzte Burschen, die

ständig Schabernack im Sinne haben.

Traditionell isst man in Island entweder Fisch

oder Lammfleisch mit Kartoffeln und grünem

Salat, Gurken oder Paradeisern aus einem

der zahlreichen Gewächshäuser, welche

mit der Wärme aus den Erdquellen beheizt

werden.

Leere, Schönheit, eisige Luft – das ist Island

eine Insel aus Feuer und Eis – ein unvergessliches

Reiseerlebnis!

Fotos und Video: © DI Ristic

8 | SEPTEMBER 2019


information & reisen

VIDEO:

Wasser für alle

9 | SEPTEMBER 2019


information & bildung

Deine

Spende

macht mich

klug!

CONCORDIA begleitet Kinder und Jugendliche in ein selbst bestimmtes Leben.

Wir eröffnen Chancen durch Ausbildung und das Erlernen eines Berufes.

Spendenkonto: IBAN: AT66 3200 0000 0703 4499

Fotos: © Archiv SOS-Kinderdorf

www.concordia.or.at

10 | SEPTEMBER 2019


information & bildung

Hochsensitivität:

Potentiale entfalten als HSP

VON DER BÜRDE ZUR GABE FINDEN

Die Welt braucht einen sensitiveren

Umgang – miteinander

und mit dem Planeten. Hochsensitive

Personen (HSP) können

ihren Beitrag leisten. Wenn sie ihr

Potential voll entfalten, wird die weitere,

detailliertere Wahrnehmung zu einem

Segen, die Empathie und ihr Weitblick zu

einem Gewinn, vor allem, wenn sie mit

Menschen arbeiten.

HSP bringen vermehrt Persönlichkeitsmerkmale

mit, die auf ein wertevolles

gemeinsames Leben abzielen. Harmonie,

Mitgefühl, Gerechtigkeit und Frieden

sowie ein ethisches Verhalten sind für

sie meist sehr bedeutend. Sie lieben die

Natur, die Tiere, ernähren sich oft vegan

/ vegetarisch und achten auf Energien.

Sinnerfüllte und sinnstiftende Arbeit ist

ihnen ein Anliegen.

Hochsensitive Menschen leiden oft an

der Welt, an einem rücksichtslosen Umgang,

an Ellbogentechnik, Unehrlichkeit,

Ungerechtigkeit und Streit. Konflikte

sind Energiekiller für HSP, denen sie

gern aus dem Weg gehen, weil sie die

Reizüberflutung durch starke Emotionen

fürchten. Ist das Maß an Reizen voll, ist

meist Schluss mit sensibel, dann können

Schutzmauern hochfahren, die für

HSP lebenserhaltend sind. Besser, nicht

soweit kommen lassen, sondern Rückzug

und Auszeiten einplanen sowie das

Potential entfalten, um der Gesellschaft

zu dienen.

Viele Hochsensitive stoßen auf ihre

Veranlagung, wenn sie diese als Bürde empfinden.

Doch wenn wir wissen, wie wir damit

im Alltag umgehen und gut leben können, ist

sie eine große Gabe. In der Arbeit mit meiner

Herzensmatrix-Aufstellung unterstütze ich

HSP, diese wahrzunehmen, zu fühlen und alles

aufzulösen, das dem Annehmen der Veranlagung

noch im Weg steht. Dabei ist mir aufgefallen,

dass sich in den Aufstellungen „Ich

und meine Hochsensitivität“ die selbe Energiequalität

zeigt wie bei den Aufstellungen „Ich

und mein wahres Selbst“. Das hat mich zu der

Ansicht gebracht: Je mehr wir aus unserem

wahren Selbst, aus unserer Seele leben, desto

mehr sind wir alle hochsensitiv!

Bei den Kindern und Jugendlichen im Alter

von 8 bis 19 Jahren sind bereits 20 bis 35

Prozent hochsensitiv geboren (lt. einer Studie

von Elaine Aron u. a. 2018 in Großbritannien).

Möglicherweise bringen Hochsensitive etwas

mit, haben einen Entwicklungsschritt als Seelen

schon vollzogen, der in der Evolution jetzt

ansteht. Sie können allen, die diesen Schritt

derzeit noch vor sich haben, die Hand reichen

und sie ein Stück weit dabei unterstützen. Zum

Wohle aller Wesen und des Planeten. Auf dass

er irgendwann (wieder) zum Paradiesplaneten

werde.

DOWNLOAD

HM-Methode, Dankbarkeits-Metitation

Mag. a Sabine Knoll

Freie Autorin und Trainerin

Gründerin und Obfrau des

„hochsensitiv.netzwerk

von hsp für hsp“

Leiterin des WIFI-Lehrgangs

„Experte/Expertin

für HSP (Hochsensitive/

Hochsensible Personen)“

am WIFI Wien

www.sohreya.net

www.hochsensitiv.net

Foto: © pixabay.com

11 | SEPTEMBER 2019


information & gesundheit

Wenn die Schuhe nicht mehr passen:

Wasser in den Beinen

AUCH DIE BRENNESSEL KANN DURCH IHRE DIURETISCHE EIGENSCHAFT

UNTERSTÜTZEN

Prof. Franz W. Strohmer

med. Journalist

Der menschliche Körper besteht

mehr als zur Hälfte aus Wasser

und im Durchschnitt nimmt der

Mensch täglich zweieinviertel

Liter Wasser zu sich. Bei bestimmten

Organschwächen, wie zum Beispiel

des Herzens, der Venen, oder wenn der

Körper zu wenig Wasser ausscheidet,

können Flüssigkeitsansammlungen im

Gewebe, so genannte Ödeme auftreten.

Auch durch verschiedene Medikamente,

wie durch fast alle Mittel gegen Rheuma

können Ödeme entstehen. Eiweißmangel,

Diabeteserkrankungen, Störungen

des Hormonhaushaltes, (Schilddrüsenunterfunktion)

Bewegungsmangel,

Lymphstau sind weitere Ursachen von

Ödemen.

Normalerweise sind Gefäße wie Venen,

Arterien oder Lymphgefäße in der Lage,

dass sie Flüssigkeiten und Nährstoffe

nicht nur transportieren, sondern auch

an das Gewebe abgeben.

Wasserstaus entstehen dann,

wenn Flüssigkeit aus den

Blut- oder Lymphgefäßen in

das umgebende Gewebe

austritt. Häufig werden

Diuretika (Entwässerungsmittel)

gegen Ödeme eingesetzt,

die relativ wirkungsvoll

sind, aber bei denen zur Vorsicht

geraten werden muß, da sich

der menschliche Körper sehr

rasch an das Medikament gewöhnt und

die erhoffte Wirkung in der Folge nur

durch eine höhere Dosis des Wirkstoffes

erzielt werden kann. Beim Absetzen des

Medikamentes entstehen durch den

Rebound-Effekt (Zurückfalleffekt) verstärkt

Ödeme, so dass nur ein Ausschleichen

über drei Wochen und eine kochsalzarme

Ernährung eine weitere Einnahme des

Diuretikums verhindern hilft. Das Hochlagern

der Beine zwischendurch oder auch

in der Nacht entlastet die Venen, eine

Kompressionstherapie durch das Tragen

von Kompressionsstrümpfen erhöht den

Außendruck auf die Gefäße und entlastet

dadurch ebenfalls die Venen.

Eine wirksame Übung für Zwischendurch:

Auf dem Rücken liegend Hochstrecken

der Beine und mit den Füßen kreisen.

Empfohlen wird auch die manuelle

Lymphdrainage (MLD) zur Aktivierung

der Lymphbahnen, die dadurch verstärkt

das angestaute Wasser weiterleiten.

Radfahren, Schwimmen, Wandern sollten

als regelmäßige Bewegung eingesetzt

werden. Zur genaueren Abklärung der

Krankheitsursache sollte jedenfalls eine

umfangreiche ärztliche Untersuchung

erfolgen, insbesonders ein Ultraschall bei

einem Phlebologen (Venenspezialisten).

Foto © pixabay.com

12 | SEPTEMBER 2019


information & bewusstsein

Das Lebensthema:

Heimkehr zur ICH-Marke

STATT FREMDEN ANSPRÜCHEN WIDERWILLIG ZU FOLGEN

Phuu, der Chef/die Chefin; Wahnsinn,

die Zustände; bäääh, das

System schafft mich … Und

Burnout. Und Depressionen, Und

Resignation. „Wenn ich nicht so viel

Schmerzensgeld erhielte, hätt ich schon

längst …“

Dabei ist das Leben doch wunder-voll;

nicht nur am arbeitsfreien Wochenende!

Ich gestehe, ich war nie ein großer,

auch kein kleiner Fan von „System-

Zwangsverpflichtungen“. Mehr noch

als Sohn eines Heeresangehörigen war

ich Einzelkind und somit Freigeist; zum

selbstständig Denken angeregt, erzogen

und darin bestärkt. Mit dem Erfolg, dass

ich nur 1 Monat wirklich angestellt war.

– Und meine Kündigung erfolgte bereits

nach 10 Tagen

… Im selben

Jahr, 1998,

schrieb

ich das

Buch „Ihr ICH als unverwechselbare Marke“.

Als Plädoyer für die Selbstverwirklichung.

Nein, NICHT als EGO-Programm. Die

Überzeugung lautet, dass wir nur dann den

bestmöglichen Beitrag für das Gemeinwohl

leisten können, wenn wir UNSER individuell

BESTES geben.

Leben Sie das IHRE – zum Wohle ALLER!

Die ICH-Marke, richtig verstanden, will

nichts anderes als dazu ermutigen, die authentische

Eigen-Entwicklung zu fokussieren

und leidenschaftlich zu leben. – Anstatt

halbherzig fremden Ansprüchen, einem

unmenschlichen System der Geldspekulanten,

unbezahlbare Lebenszeit zu opfern!

Was ist wirklich das IHRE?! Wofür stehen

Sie? Wofür stehen Sie auf – im Sinne von

Engagement?! Was bedeutet Ihnen wirklich

viel, ALLES?! Wozu sind Sie hier, auf diesem

noch immer großartigen Planeten? Womit

können und WOLLEN Sie gerne anderen

DIENEN?!

Dr. Manfred Greisinger

Autor, Trainer

Buch-Projekt-Begleiter

Vortragender

Selfness-Coach

ICH-Marke-Pionier

Standardwerk

„ICH-Marke leben“

Edition Stoareich

www.stoareich.at

Erinnern wir uns: Wir wussten doch schon

als Kinder, was wir liebend gerne tun.

Womit wir uns stundenlang, ohne auf

Hunger & Durst zu achten, beschäftigt haben.

– Genau dort sollten wir – egal wie alt

mittlerweile – weitertun. Heimkehr zur ICH-

Marke! Leben Sie das IHRE – zum Wohle

ALLER! Und hören wir auf, noch so

schillernden, erfolgsversprechenden

Marken & Karriere-Markierungen

nachzuhecheln …

„Wenn Du sitzt,

dann sitz nur,

wenn Du stehst,

dann stehe nur.

Vor allen Dingen aber:

wackle nicht!“

Waldviertler Weisheit

Foto: © pixabay.com

13 | SEPTEMBER 2019


information & wissenschaft

LebensWandel:

Im Zeitalter der Epigenomik

GUTE GENE ALLEINE SIND NICHT ALLES

Thomas Kolbe

Fachwissenschaftler

für Versuchstierkunde,

Ao. Prof. für die

Service-Plattform

Biomodels Austria

Veterinärmedizinische

Universität Wien

Epigenomik? Was ist das schon

wieder? Seit dem Abschluß des

Human Genome Projektes 2003

ist der Begriff ›Genom‹ hoffentlich

schon einmal gehört worden. Das

bezeichnet die Summe aller Erbanlagen

(Gene) in jeder einzelnen Körperzelle.

Damals war man sehr verwundert, dass

statt der erwarteten 100.000 Gene nur

ca. 23.000 Gene gefunden wurden. Die

restlichen 80% des Erbgutes hat man

einfach als ›Schrott‹ (Junk DNA) bezeichnet.

Lauter defekte Genvarianten,

fehlgeschlagene Versuche der Evolution,

dazu inaktivierte Virusgene und unnütze

genetische Elemente.

In den letzten 10 Jahren haben die

Forscher aber erkannt, dass dem nicht so

ist: In diesen 80% DNA stecken Unmengen

regulatorischer Gene, genetischer

Schalter, Elemente zum Aktivieren und

Inaktivieren der 23.000 funktionellen

Gene. Diese spielen mit unserem Erbgut

wie mit einem komplizierten Musikinstrument.

Durch Anhängen chemischer

Seitenketten (Methylgruppen) können

Gene von jetzt auf gleich ablesbar

gemacht oder im Gegenzug stillgelegt

werden.

Mutation und Selektion wirken nur über

lange Zeiträume auf die Gene, über viele

Generationen. Epigenese wirkt sofort,

als direkte Reaktion auf die Umweltbedingungen

eines Individuums. Sobald

man anfängt, einen Muskel zu trainieren,

stellen diese Schalter in den bean-

spruchten Muskelzellen das Programm

von ›Sofasitzen‹ auf ›Bodybuilding‹ um.

Dazu wird der Energiestoffwechsel der

Zellen effizienter gestaltet, die Abfallentsorgung

verbessert u.v.a.m. Warum

das nicht schon vorher geschah? Weil

keine Notwendigkeit bestand und der

Muskel im Sparmodus lief.

Das gilt für alle Zellen im Körper, für

alle Gewebe und Organe. Somit geben

die von den Eltern ererbten Gene das

Spektrum der möglichen Reaktionen vor.

Innerhalb dieser Möglichkeiten bestimmen

aber die Umwelteinflüsse, wie der

Körper im Detail funktioniert.

Soweit vielleicht noch ganz interessant,

aber jetzt kommt es: Diese aktuelle

Einstellung der Gene kann auch an die

Kinder und Enkel vererbt werden! Zuerst

fand man in Tierversuchen heraus,

dass in hohem Maße energiereich (fett)

gefütterte Rattenmännchen Töchter

zeugten, die vermehrt an Diabetes

erkrankten. Durch die Fehlernährung

der Väter waren Gene für den Energiestoffwechsel

auf dem väterlichen

X-Chromosom anders geschaltet worden

und so an die Töchter vererbt worden,

die bei normaler Ernährung an Diabetes

erkrankten.

Rattenväter, die 3 Monate vor der Zeugung

Stress hatten, zeugten vermehrt

depressive Nachkommen. Inzwischen

hat man durch viele Studien am Menschen

diese Befunde erhärtet.

Fotos © pixabay.com

14 | SEPTEMBER 2019


information & wissenschaft

Die schlechte Nachricht ist also: Unser

gesamter Lebenswandel schlägt sich auf

unsere Gene nieder und wird auch an

die Kinder vererbt. Mit allen positiven

wie negativen Folgen.

Jetzt die gute Nachricht:

Das Ganze ist umkehrbar. Diese epistatischen

Effekte sind ständig aktiv. Wenn

ich mehr Sport treibe, mich gesünder

ernähre, reagiert mein genetisches

Programm auch darauf innerhalb

kürzester Zeit. Also sollten sich

nicht nur Schwangere einschränken

(kein Tabak, kein Alkohol,

wenig Stress), sondern auch die

Väter sollten sich vor der Zeugung schon

Gedanken über ihren Lebenswandel

machen.

INFO

Peter Spork: Gesundheit ist kein

Zufall. Die neuesten Erkenntnisse

der Epigenetik.

Pantheon Verlag 2019.

https://www.nature.com/articles/nature09491

Diese Erkenntnisse der Genetik geben

nicht nur nach Jahrhunderten Lamarck

(1744-1829) Recht („Giraffen haben

lange Hälse, weil sich ihre Vorfahren

immer nach den Blättern gestreckt

haben“: Vererbung erworbener

Eigenschaften), sondern sie sollten

uns alle zu einer bewussteren Lebensführung

anhalten. Im Interesse

unserer zukünftigen Kinder.

15 | SEPTEMBER 2019


information & alltag

Regeln über Regeln:

Stirbt die Eigenverantwortung?

DIE SCHEU VOR DER VERANTWORTUNG IST EINE KRANKHEIT UNSERER ZEIT

(Otto von Bismarck)

Mag. Reinhard Winter

Foto: © Reinhard Winter

16 | SEPTEMBER 2019

Ein Erlebnis, dessen Zeuge ich kürzlich

wurde, stimmte mich nachdenklich.

Ein Firmenwagen einer

durchaus bekannten Firma parkte

für mehrere Stunden im Halteverbot und

mitten auf dem Gehsteig. Der Fahrer,

als er zum Auto kam, wurde von einer

Passantin darauf angesprochen. Er fand

dies keines Kommentars würdig, anders

freilich eine vorbeikommende weitere

Passantin. Diese ergriff allerdings nicht,

wie eigentlich zu erwarten gewesen

wäre, die Partei ihrer Kollegin, sondern

kommentierte deren Aussage mit einem

„Haben Sie keine anderen Sorgen?“.

Dann eilte sie weiter. Nicht nur die Angesprochene

blieb verdutzt zurück, auch

ich war ob dieser Reaktion einigermaßen

verblüfft.

Für mich stellen sich mehrere Fragen:

„Wiegt der Verstoß gegen eine Regel

heute schon weniger schwer, als der

Hinweis darauf?“ und „Hat die „Regelungswut

uns fest im Griff und stirbt

damit die Eigenverantwortung?“

WIEGT DER VERSTOSS GEGEN EINE

REGEL HEUTE SCHON WENIGER

SCHWER, ALS DER HINWEIS

DARAUF?

Die Frage ist schwer zu beantworten.

Selbst ein diskreter Hinweis auf einen

Regelverstoß ist für den Betroffenen

meist unangenehm, während ein „leichter“

Regelverstoß vom Umfeld oftmals

kaum beachtet Wozu und Vitamin noch Cweniger oft

geahndet youtube-Video

wird. Auch der „Mahner“

begibt sich häufig in eine nicht sehr

angenehme Rolle – siehe das Beispiel

oben. Anders sieht es aus, wenn jemand

persönlich durch einen Regelverstoß eines

anderen betroffen ist. Da wird die Einhaltung

der Regel oftmals lautstark und mit Nachdruck

eingefordert.

HAT DIE „REGELUNGSWUT“ UNS FEST

IM GRIFF?

Ich behaupte, ja. Der Beweis: Sie brauchen

nur mit offenen Augen durch die Straßen

einer Stadt gehen. Die Fülle an Verkehrszeichen

ist überbordend und ich denke, so

mancher Autolenker ist damit überfordert.

Anders kann ich mir schwer erklären, dass

trotz der vielen Verkehrszeichen, Halteverbote

nicht beachtet werden, vorgegebene

Geschwindigkeiten überschritten werden

und vieles mehr. Diese vielen – und leider

oftmals kaum kontrollierten Regeln – treiben

bisweilen kuriose Blüten, wie das nebenstehende

Foto eines Halteverbots im Halteverbot

zeigt. Dabei ist der Straßenverkehr nicht

der einzige Bereich, wo die „Regelungswut“

spürbar ist. In vielen Bereichen des täglichen

Lebens trifft uns diese „Regelungswut“.

Keine Frage, viele Regeln machen Sinn.

Allerdings sollte ein vernünftiges Maß an

Regulierung eingehalten werden.

Wehren wir uns gegen diese überbordende

„Regelungswut“, wehren wir uns gegen die

leider schon weit verbreitete Unsitte, dass es

immer einen Schuldigen geben muss, wenn

etwas geschieht und dass jeder mögliche

Verantwortliche eine Regelung fordert, auf

die er verweisen und die Verantwortung von

sich weisen kann.

Können wir mit weniger Regeln und Vorschriften

auskommen? Ich sage ja. Aber das

funktioniert nur, wenn wir uns nicht einfach

auf Vorschriften verlassen, sondern die

Eigenverantwortung stärken.


information & reise

Die Stadt im Kopf:

Zagreb aus veränderter Sicht

ERFAHRUNGEN AUS DEM AUSLANDSSEMESTER

Seit ich Denken kann sind meine

Eltern, meine Schwester und ich

zu Ostern und Weihnachten in

Zagreb beim Rest der Familie. Die

fünfstündige Fahrt dorthin verbringe ich

meist lesend oder damit meine Schwester

zum gemeinsamen Spielen oder

Musikhören zu überreden. In Zagreb

angekommen fahren wir zuerst zur Wohnung

meines Opas, wo wir die nächsten

Tage übernachten werden. Wir parken

vor dem Wohnblock, bringen unsere

Sache hoch und steigen dann wieder ins

Auto. Weiter gehts zur Wohnung meiner

Oma, wo Kaffee getrunken und über die

Neuigkeiten aus Wien geplaudert wird.

Nach ein paar Stunden geht es wieder

ins Auto und zu unserem letzten Stop:

der Wohnung meiner Tante und Cousine.

Auf dem Weg dorthin kenne ich schon

einige Gebäude: das Nationaltheater,

das Mimara Museum und den Hauptbahnhof.

Doch mein Kopf kann die Orte

nicht miteinander verbinden. Sie schweben

wie die Wolken, die neben unserem

Auto am Himmel vorbeiziehen.

EIN STADTPLAN IM KOPF

In meinem dritten Studienjahr beschließe

ich auf Auslandssemester nach Zagreb

zu fahren. Ich kenne die Stadt ja schon –

sozusagen. Doch erst als ich dann wirklich

dort bin, alleine und mit den ersten

Aufgaben, merke ich, dass ich die Stadt

nur vom Auto aus gekannt habe. Plötzlich

bemerke ich, dass die 2er Straßenbahn

nicht zum Hauptplatz fährt, dafür

aber in die Richtung meiner Wohnung.

Ich lerne, wohin es sich auszahlt zu Fuß

zu gehen (fast überall im Zentrum). Ich

entdecke ein Burgerrestaurant am Ende

Foto: © Tina Cakara

der Straße wo mein Opa wohnt, das ich

zuvor nie bemerkt habe. Ich beginne die

Straßen zu benennen, die gar nicht mehr

gleich aussehen. In meinem Kopf entsteht

langsam ein mentaler Stadtplan,

der durch jeden spontanen Spaziergang

und jede Erledigung weiter ausgebaut

wird.

VON DER BESUCHERIN ZUR STADT-

FÜHRERIN

Als mich meine Schwester und ihr Mann

nach einem Monat besuchen kommen,

packe ich automatisch meinen mentalen

Stadtplan aus dem Kopf und Straßenbahntickets

aus der Tasche aus. Erst da,

einige Wochen nach meiner Ankunft,

bemerke ich wie schnell sich das Bild

der Stadt für mich verändert hat. Zagreb

hat sich immer schon vertraut angefühlt.

Doch erst jetzt kenne ich mich

auch wirklich in den vielen Straßen und

Gassen aus. Die Stadt hat eine Form

bekommen.

Tina Čakara

Studentin

Junge Autorin

Foto: © pixabay.com

17 | SEPTEMBER 2019


e

r

aber

lig.

istiker

information & pädagogik

Am Start sein:

Jugendsprache

HILFE, ICH VERSTEHE MEIN KIND NICHT MEHR!

gut

r

Christina Sophia Kern, MA

SOS-Kinderdorf Altmünster

Fachkraft für Elternarbeit

und Pädagogik

Ablauchen, low key oder lit ...

Sprechen Sie die Sprache Ihrer

Kinder? Nein? Damit sind Sie

nicht alleine. Denn diese Herausforderung

kennen viele Eltern.

Jugendkultur und damit auch die Jugendsprache

sind in stetigem Wandel.

Auch Sie haben in Ihrer Jugend wahrscheinlich

anders gesprochen als Ihre

Eltern. Trotzdem sind wir Erwachsene

immer wieder aufs Neue überrascht

darüber, wie vielfältig, flapsig aber vor

allem ungewohnt jüngere Generationen

untereinander kommunizieren. Das kann

in der Familie zu Empörung führen oder

Gefühle verletzen.

DIESE FÜNF TIPPS HELFEN, DIE

SPRACHBARRIERE ZU ÜBERWINDEN:

#1 - IN EIGENEN WORTEN

ERZÄHLEN LASSEN

Seien Sie beruhigt:

Sprache schafft für die

Jugendlichen Raum,

um ungestört unterund

miteinander zu

kommunizieren.

Die verwendeten

Begriffe sind

dabei Ausdruck

jugendlicher

Kultur. Gestehen

Sie Ihrem Kind

zu, dass es mit der

modernen Sprechweise

zum eigenen Freundeskreis

dazugehört.

Zudem möchten sie sich dadurch auch

bewusst von den Eltern und generell

Erwachsenen abgrenzen. Geben Sie auch

zuhause Ihrem Kind den erforderlichen

sprachlichen Platz, indem Sie es in

eigenen Worten sprechen und erzählen

lassen. Dann wird Ihnen Ihr Kind auch

ungezwungen und frei mitteilen, was

gerade wichtig ist.

#2 - BOTSCHAFTEN UND INHALTE

ERNST NEHMEN

Nehmen Sie das Gesagte Ihres Kindes

ernst. Denn dahinter verstecken sich oft

wichtige Inhalte. Eine gute Beziehung

zu Ihrem Kind, gerade in der Pubertät,

halten Sie aufrecht, indem Sie Verständnis

haben und dieses auch zeigen.

Achten Sie darauf, Ihr Kind nicht ständig

auszubessern. Versuchen Sie lieber, die

Botschaften hinter den Erzählungen zu

erkennen. Fragen Sie beispielsweise

vorsichtig nach und formulieren Sie Aussagen

nochmals in Ihren Worten, sodass

sich Ihr Kind verstanden fühlt.

#3 - JUGENDSPRACHE KENNEN ABER

NICHT IMITIEREN

Informieren Sie sich über moderne,

angesagte Begriffe. Denn wenn Sie Ihren

Nachwuchs verstehen, vermitteln Sie

Toleranz und Anerkennung und vermeiden

Trotzreaktionen und Streit. Versuchen

Sie jedoch nicht, die Jugendsprache

zu imitieren. Wenn Mama und Papa in

jugendlichem Slang sprechen, finden

das Kinder oft unangenehm. Bleiben

Sie ein erwachsenes Vorbild und leben

Sie respektvolle Sprache und Umgangsformen

vor. So gelingt es, ohne Druck

eine Unterhaltung zu führen.

Foto: © pixabay.com


information & & pädagogik forschung

WIR SETZEN IMPULSE

#4 - WIRKUNG DER SPRACHE THEMATISIEREN

Kinder und Jugendliche testen gerne und viel

ihre Grenzen aus, um sich zu orientieren –

auch sprachlich. So sehen Jugendliche heutzutage

viele Beschimpfungen oder Beleidigungen

bloß als Spaß unter Freunden an. Für uns

Erwachsene klingen diese aber oftmals abwertend.

Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass

manche Aussagen bei Erwachsenen anders

ankommen, als sie vielleicht gemeint sind.

„Oida“ ist für Jugendliche oft nur ein Füllwort,

während es für manche Erwachsene respektlos

klingt. Vergleichen Sie die Wahrnehmung

solcher Wörter mit Ihrem Kind und versuchen

Sie damit Bewusstsein zu schaffen.

#5 - UNTERSCHIEDE VERDEUTLICHEN

Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass es Situationen

gibt, in denen man anders spricht, als im

Freundeskreis. Zum Beispiel bei einer Prüfung

oder am Arbeitsplatz. Erste Erfahrungen, wie

man sich respektvoll im Arbeitsalltag verhält

und wie dort miteinander gesprochen wird,

können zum Beispiel bei einem Ferialpraktikum

gewonnen werden.

Prinzipiell gilt: Keine Panik! Solange Ihr Kind

täglich von gepflegter Umgangssprache umgeben

ist, wird es diese auch nicht verlernen.

Also chillt!

"Ablauchen" heißt übrigens, sich blöd und

ungeschickt anzustellen, "lit" kommt von

"anzünden" und heißt "erstklassig, brilliant,

heiß". "Low Key" meint, "es gemütlich oder

langsam angehen“ aber auch "nicht so bedeutungsvoll,

nicht so wichtig".

http://magazin.Lmzukunft.at

UNSER INFO-SERVICE

WIR INFORMIEREN SIE 4-6 MAL IM JAHR ÜBER NEUIGKEITEN

BEI "LERNEN MIT ZUKUNFT".

RECHTZEITIG INFORMIEREN WIR ÜBER DEN

ERSCHEINIGUNGSTERMIN ERSCHEINUNGSTERMIN DES DES IMPULS-MAGAZINS.

TRAGEN SIE SICH IN DIE VERTEILERLISTE UNSERES INFO-

NEWSLETTER-SERVICES EIN - UND SIE WERDEN

INFORMIERT

EMPFEHLEN SIE UNS IHREN FREUNDEN UND BEKANNTEN.

ANMELDUNG:

http://magazin.Lmzukunft.at/anmeldung.html

19 | SEPTEMBER 2019


information & bewusstsein

Persönliche Rückschau:

„Was hat das mit mir zu tun?“

DIE EIGENE LEBENSGESCHICHTE VERSTEHEN

Roswitha Maderthaner

Kindergartenleiterin

Montessoriepädagogin

Akademische Trainerin

Dipl.Biografiearbeiterin

zur Zeit Studium der

Elementarpädagogik

Die Beschäftigung mit seinem

eigenen „Gewordensein“, kann

Pädagoginnen und Pädagogen

dazu verhelfen, an ihrer Professionalität

zu arbeiten. Anders als in

Berufen wo Material bearbeitet wird,

und man dafür spezielles Know-how

benötigt, ist es in der Arbeit mit Kindern

neben den erziehungswissenschaftlichen

und entwicklungspsychologischen

Kenntnissen erforderlich, seine gesamte

Persönlichkeit zum Einsatz zu bringen.

Besonders in der Erziehung spricht man

davon, dass diese nur über die Beziehung

funktioniert. Wahres Lernen kann

erst dann ermöglicht werden, wenn der

Funke der Begeisterung überspringt.

Dazu ist ein Raum des Vertrauens und

Zutrauens von Nöten. Für dessen Gestaltung

ist der Erzieher verantwortlich,

der diesen unter Einsatz seiner facettenreichen

Persönlichkeit erschafft.

Wie gut dies gelingt hängt unter

anderem auch davon ab, wie gut

er sich selbst kennt. Denn seine

eigenen lebensgeschichtlichen

Erfahrungen prägen seine

Einstellungen und somit sein

Verhalten gegenüber den

Kindern. Diese Einstellungen

können mitunter gegenüber

angeeignetem Fachwissen

resistent sein, und somit unreflektiert

in der Beziehungsgestaltung

zum Tragen kommen. Themen in

der Frühpädagogik wie Eßverhalten,

„Sauber werden“ usw. können davon

genauso betroffen sein wie Inklusion,

Migration, usw. die in der Arbeit mit

älteren Kindern eine Rolle spielen. Je mehr

der Pädagoge über sein eigenes „Gewordensein“,

und somit über seine blinden Flecken

Bescheid weiß, beziehungsweise je mehr

ihm diese bewusst sind, desto mehr wird es

ihm möglich sein, sich von seinen biografisch

angeeigneten Mustern zu distanzieren und

somit eine bewusste Handlungsmöglichkeit

im pädagogischen Sinne zu eröffnen.

Dazu kann die Auseinandersetzung mit seiner

eigenen Biografie mit Hilfe der Biografiearbeit

einen guten Beitrag leisten.

Unter Biografiearbeit versteht man das

Erinnern, Reflektieren und Verstehen seiner

eigenen Lebensgeschichte, das dazu führen

kann, eigene Ressourcen und Kompetenzen

zu entdecken, um gegenwärtige Verhaltensweisen

besser verstehen zu können. Daraus

kann sich eine persönliche, zukünftige Weiterentwicklung

ergeben.

Mit Hilfe verschiedenster Methoden, die dazu

verhelfen sich selbst zu erinnern und Zusammenhänge

herzustellen kann Biografiearbeit

allein oder unter Anleitung einer Biografiefachkraft

in einer Gruppe erfolgen. Darüber

hinaus kann die Beschäftigung mit seiner

eigenen Biografie dazu beitragen seine Identitätsentwicklung

voranzutreiben aber auch

zur Sinnfindung und Lebensplanung wie zur

Stabilisierung und Hilfe bei der Bewältigung

von Krisen verhelfen. Somit eignet sich die

Biografiearbeit nicht nur als Reflexionsinstrument

für pädagogische Fachkräfte, sondern

auch für jeden der sich in einem professionellen

Setting auf die Suche nach sich selbst

begeben möchte, frei nach dem Motto:

„Erkenne dich selbst!“

Foto: © pixabay.com

20 | SEPTEMBER 2019


Sie wissen selbst am besten, womit

Sie Ihr Wissen ergänzen wollen!

Stellen Sie Ihr eigenes Ausbildungsprogramm zusammen

Ausbildung für Jung und Alt

• Sie lernen am Ort Ihrer Wahl.

• Sie lernen mit Ihrer eigenen Geschwindigkeit

• Sie wählen Ihre eigenen Lernzeiten

FERNLEHRGANG mit interaktiven Elementen

Ausbildung a`la carte

IMPROVE-Bildung mit Zukunft

Foto: © pixabay.com

www.improve.or.at/a-la-carte.html

23 | SEPTEMBER 2018


information & worte

Professor Abakus:

Versprechen und halten ist zweierlei

Was zählt das Wort? Das war das Thema, das wir letzten Sonntag

in der Familie diskutiert haben. Und ausschlaggebend war nur

ein kleiner Moment in unserem täglichen Zusammenleben, der

für Missstimmung und Enttäuschung gesorgt hatte.

Mit zustimmendem Kopfnicken hat die gesamte Familie dann die Regel

anerkannt, dass wir uns vorher genau überlegen sollten, ob wir ein gegebenes

Versprechen halten können. Und wenn wir merken, dass das nicht möglich sein

wird, sollten wir den Dialog suchen und den anderen nicht einfach so hängen lassen.

Um dem Nachdruck zu verleihen haben wir eine Liste mit ungeliebten Aufgaben des

täglichen Lebens aufgestellt, die übernommen werden müssen, falls…..

Foto: © Mykola Velychko - Fotolia.com

Regeln müssen eben sein, um ein möglichst friedliches Zusammenleben möglich zu

machen. Da ist was dran. Aber wenn ich mich so umschaue, scheint es nicht besonders

populär zu sein, Regeln einzuhalten und Versprechen einzulösen. Die meisten

Anhänger haben die Wagemutigen, die viel Fantasie in ihre Aufführungen legen und

bei denen von vornherein klar ist, dass sie ihr Wort nicht halten werden, sondern je

nach Bedarf mit Hilfe aggressiver Körpersprache, ihre Aussagen neu interpretieren.

Wenn ich zu entscheiden hätte, würde es nicht nur in der Familie Spielregeln und auch

Konsequenzen geben, damit das Wort, das sich auch in der Verantwortung verbirgt,

wieder an Bedeutung gewinnt, aber ich werde sicher nicht gefragt, wie immer.

Ghostwriter: Birgit Menke

Fotos: pixabay.com

22 | SEPTEMBER 2019


information & emotionen

Unsere Grundausstrahlung:

Wie sehen mich andere?

ZUM BILD EINER PERSÖNLICHKEIT GEHÖRT, DASS SIE ZU UNS SPRICHT, AUCH

WENN SIE NICHTS SAGT (Paul Schibler)

Als ich 1994 während meiner

Studienzeit in Los Angeles das

erste Mal von „Image Design“

hörte, dachte ich zuerst an einen

Fotoworkshop. Da es sich aber um einen

Marketingkurs für Schauspieler handelte,

musste es sich um etwas anderes

drehen. Und es drehte sich, nämlich um

die eigene Person. Meine Begeisterung

sollte im Laufe der folgenden Jahre zu einer

fast unstillbaren Leidenschaft heranwachsen.

Später dann in Wien, verfolgte

ich diese Art von Fremdeinschätzung

nämlich fast schon wissenschaftlich.

Kurz zusammengefasst wird dieses

Testverfahren herangezogen, um seine

Einzigartigkeit in Bezug auf Ausstrahlung

herauszufinden.

Unsere Grundausstrahlung ist – abseits

der täglichen Gefühlslage – genauso einzigartig

wie unser Fingerabdruck, unsere

Iris usw. Es ist ein Geschenk, das wir in

die Wiege gelegt bekommen und bis zu

unserem letzten Atemzug beibehalten.

Nur selten beschäftigen wir uns mit diesem

Aspekt, der aber mit einem Testverfahren

sichtbar gemacht werden kann.

Mich hat mein erstes Testergebnis nachhaltig

beeinflusst. Im Beruf sowieso,

aber auch im Privatleben. Faszinierend

ist es, dass uns fremde Menschen innerhalb

von Sekundenbruchteilen

unbewusst in eine

„Schublade“ einordnen.

Was diese dann ausmacht

und was dieses Testverfahren

von bis zu 500 Ergebnissen

ausspuckt, ist sehr

lebensverändernd.

Man weiß nämlich endlich,

wie die meisten Leute mich

wahrnehmen.

Felix Kurmayer

Schauspieler, Studiosprecher

und Kommunikationstrainer

www.felix-kurmayer.at

www.kurmayermedientraining.com/

FELIX KURMAYER

Ergänzende

Erklärungen

23 | SEPTEMBER 2019


information & berufung

Angewandter Tierschutz:

Berufung als Beruf: TierpflegerIn

RICHTIGER UMGANG MIT TIEREN SOLLTE GELERNT SEIN

Prof. Dr. Yves Moens

Direktor der Tierpflegeschule

an der VetMedUni

Wien.

info

https://www.vetmeduni.ac.at/

de/tierpflegeschule/

https://vet-magazin.com/universitaeten/vetmeduni-vienna/

Tierpflegeschule-Vetmeduni-

Vienna-Pate-Giraffen.html

Foto © pixabay.com

24 | SEPTEMBER 2019

In unserer Gesellschaft spielen Tiere

nicht nur als Nahrungsquelle eine

Rolle, sondern begleiten uns als

Haustiere und Gefährten, in Zoos und

Wildparks, als Spezialisten wie Suchund

Blindenhunde oder in der Behinderten-

und Altenbetreuung. Die Menschen,

die diese Tiere auf solche Aufgaben vorbereiten

und mitunter täglich versorgen,

brauchen dafür vielfältige Kenntnisse.

Eine Möglichkeit, diese zu erwerben,

besteht in einer Ausbildung an der Tierpflegeschule

der VetMedUni Wien. Diese

private berufsbildende mittlere Schule

bildet im Rahmen einer dreijährigen

Ausbildung Tierpfleger und Tierpflegerinnen

aus. In den ersten beiden Jahren

werden über Unterricht und Praktika

die Grundlagen gelegt. So lernen die

Schülerinnen und Schüler vieles über die

verschiedensten Tierarten, von Insekten,

Fischen, Amphibien und Reptilien über

Nage- und Haustiere, landwirtschaftliche

Nutztiere bis zu Wildtieren wie Elefanten

und Giraffen. Daneben gibt es die üb-

lichen Unterrichtsfächer einer normalen Schule

wie Mathematik, Ökologie und Umwelterziehung,

Physik, Sport, Deutsch sowie Ethik und

Mensch-Tier-Beziehung. Im dritten Jahr erfolgt

dann eine intensive Spezialisierung auf eines

von drei großen Berufsgebieten: Zoo- und Wildtierpfleger,

Tierarzthelfer oder Labortierpfleger.

Je nach Spezialisierung bietet sich den Absolventen

ein buntes Feld an Berufsmöglichkeiten

an. So arbeiten später manche in der Industrie

als Labortierpfleger in der biomedizinischen Forschung.

Andere versorgen Tiere in Kliniken und

assistieren Tierärzten. Manche werden Tiertrainer

oder arbeiten in Tierheimen oder Tierpensionen.

Andere betreuen zum Beispiel Wildtiere in

Zoos, Tierparks oder Naturschutzgebieten.

Durch die Lage auf dem Campus der VetMed-

Uni sind viele Spezialisten in direkter Nähe und

werden nach Möglichkeit auch in den Unterricht

eingebunden. Für praktische Ausbildung gibt es

Plätze in den Kliniken der Uni, aber auch in verschiedenen

anderen Ausbildungsstätten in und

um Wien herum. Das Leitbild der Ausbildung ist

immer der Tierschutz und eine positive Mensch-

Tier-Beziehung. Dazu muss man die Bedürfnisse

der Tiere kennen, ihre unterschiedlichen Reaktionsweisen

und wie man das Wohlbefinden

oder mögliche Probleme der Tiere rechtzeitig am

Erscheinungsbild, Bewegungen, Lautäußerungen

und Verhalten der Tiere erkennt und richtig

darauf eingeht. Die Ausbildung ist anspruchsvoll,

weil jede Tierart wieder anders ist und Tiere

auch häufig individuell unterschiedlich reagieren.

Dazu muss man auch noch die Besitzer

betreuen, Transporte oder medizinische Eingriffe

vorbereiten, Futter anrichten, Medikamente

verabreichen, Protokolle ausfüllen, komplizierte

technische Geräte bedienen. Die Belohnung

sind am Ende gesunde, zufriedene Tiere und

ein gutes Miteinander. Und dadurch wird dieser

Beruf nie langweilig.

Foto: © vetmeduni


information & wahrnehmung

Foto: Franz Gleiß

Wir

größer

Ich

als

Wenn wir Not

sehen, handeln wir.

Gemeinsam mit

vielen Freiwilligen.

Mit Unterstützung der

Jetzt mithelfen! www.zeitschenken.at

25 | JUNI 2019


information & bildung

Auch in Krisenzeiten:

Bildung ist ein Menschenrecht

DURCH BILDUNG BLEIBEN PERSPEKTIVEN UND HOFFNUNG AUF EINE BESSERE

ZUKUNFT GEWAHRT

Andreas Jagersberger ˇ

Unternehmenskooperation

Philanthropie & CSR

Caritas Österreich

www.caritas.at

Bereits seit acht Jahren herrscht

Krieg in Syrien. Mehr als 500.000

Menschen sind dem Bürgerkrieg

seit 2011 zum Opfer gefallen,

knapp zwölf Millionen Menschen sind

auf der Flucht (zum Vergleich: Belgien

hat rund 11,3 Millionen Einwohner). Der

Großteil wurde innerhalb Syriens vertrieben

oder hat in den Nachbarländern

Jordanien, Libanon und der Türkei Zuflucht

gesucht. Besonders betroffen von

dieser menschengemachten Krise sind

wie so oft Kinder und Jugendliche. In

Syrien selbst wurde mehr als

ein Drittel der Schulen zerstört

oder geschlossen. Der

Bildungsweg für Millionen

Kinder wurde dadurch abrupt

beendet. Und auch für die 2,5

Millionen syrischen Kinder in

Jordanien und dem Libanon

ist der tägliche Schulbesuch

nicht selbstverständlich. Denn

trotz aller Anstrengungen der

Aufnahmeländer gehen aktuell

700.000 syrische Kinder nicht

zur Schule. Knapp 43 Prozent

der syrischen Flüchtlingskinder

in der Region haben keinen

Zugang zu Bildung.

HOFFNUNG DURCH

BILDUNG

Mit dem Bildungsprogramm

RHEP (Regional Holistic Education

Programme) unterstützen

wir seit 2015 mehr als 10.000

Kinder in Jordanien und im

Libanon und seit 2018 auch

in Syrien. Dadurch tragen wir

dazu bei, dass ihr Recht auf

Bildung auch in dieser Krise gewahrt wird

und möglichst alle Kinder – unabhängig von

Herkunft, Religion, Hautfarbe oder körperlicher

Einschränkung – Zugang zu Bildungseinrichtungen

haben. Denn Bildung ist für

die individuelle Entwicklung, speziell die

persönliche und mentale Entwicklung, eines

jeden Kindes essenziell. Vor allem vor dem

Hintergrund von Krieg und Flucht gilt es zu

verhindern, dass diese Kinder ohne Bildung

zu einer so genannten „verlorenen Generation“

heranwachsen.

DAS RECHT AUF BILDUNG

Eine der wichtigsten Forderungen im

internationalen Engagement für Kinder und

Jugendliche in Not der Caritas Österreich

ist, dass der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten

für Kinder gewahrt werden muss

– unabhängig der auftretenden Krise oder

geografischen Region. Denn Bildung ist

ein Menschenrecht, das bereits 1948 in

der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

der Vereinten Nationen verankert

wurde. Wie wichtig dieses Recht und seine

Einhaltung – ganz speziell für besonders

vulnerable Personengruppen – ist, zeigt auch

die Festschreibung des Rechts auf Bildung in der

Genfer Flüchtlingskonvention (1951) sowie der

UN Kinderrechtskonvention (1979).

Bildung ist nicht nur eine Investition in unser

aller Zukunft, Bildung ist ein Grundstein für den

sozialen Frieden auf der Welt.

Unterstützen auch Sie uns dabei, dass Kinder

ihre international festgeschriebenen Rechte

wahrnehmen können. Wenn Kinder unsere Hoffnung

auf ein besseres Morgen sind, dann sollten

wir ihre Hoffnung auf ein besseres Heute sein:

www.caritas.at/rhep


information & bildung

Fotos © Archiv-Caritas

Projektbeschreibung

aus

dem Libanon

27 | SEPTEMBER 2019


information & erziehung

Erziehung ist (k)ein Kinderspiel:

Kinder an die Macht?!

VERWÖHNTE KINDER SIND DIE UNGLÜCKLICHSTEN. SIE LERNEN SCHON IN

JUNGEN JAHREN DIE LEIDEN DER TYRANNEN KENNEN. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Mag. a Maria Neuberger-

Schmidt

Autorin und Gründerin

Verein Elternwerkstatt

www.elternwerkstatt.at

Foto: Ingrid Perger

Elternwerkstatt

Kinder an die Macht! - Diesen

Slogan las ich mehrere Male

in letzter Zeit von „trendigen“

Journalisten zum Thema kindliche

Mitbestimmung. Dazu sieht man kesse

Kinder, die (uns Erwachsenen?) die

Zunge zeigen.

Auch in der Werbung wird dieses Motiv

gerne verwendet, um kindliches Selbstbewusstsein

zu demonstrieren. Ich muss

gestehen, auch ich mag freche Kinder,

mutige und selbstbewusste, die ihre

Ansichten und Interessen auszudrücken

und zu vertreten wissen.

Trotzdem löst dieser Slogan ein mulmiges

Gefühl bei mir aus und so habe ich mir

Gedanken darüber gemacht.

DER KAMPF DER GENERATIONEN

GEHÖRT ZUM NATÜRLICHEN

ENTWICKLUNGSPROZESS

„Ich will aber nicht!“ – Schon in der

Trotzphase wird klar, dass sich Kinder gegen

den elterlichen Willen auflehnen und

ihren eigenen durchsetzen möchten. Es

geht also um die Frage der Macht. Dies

ist Teil des natürlichen Entwicklungsprozesses

und Eltern und Pädagogen sind

aufgefordert, sich dieser Herausforderung

zu stellen, wenn sie Kinder ins Leben

begleiten. Zu allen Zeiten gab es diesen

Kampf der Generationen, der bei Erwachsenen

oft Angst auslöst und nicht selten

mit Unterdrückung und Gewalt beantwortet

wird.

ZWISCHEN MACHT UND

MACHTMISSBRAUCH

Es ist eine Errungenschaft der neueren

Zeit, dass man Kinder als gleichwertig

betrachtet und dass man erkannt hat,

wie viel Leid und Störungen elterliche

Gewalt verursachen kann. Vielen gilt

allein schon das Wort Macht oder Autorität

als „unanständig“ und löst Aversionen

aus. Kinder sollen nicht nur nicht

unterdrückt werden, sie sollen auch

möglichst viel Freiheit und Mitsprache

genießen. Für manche moderne Psychologen

kann es gar nicht genug sein. Sie

fordern provokant und kokett: „Kinder

an die Macht!“

Wie verhält es sich nun wirklich mit der

Frage der Macht in der Kindererziehung?

Wenn jemand die Macht ergreift, so

bedeutet das doch, dass jemand anderer

darauf verzichtet oder dass sie ihm gar

entrissen wird.

Wenn Kinder die Macht ergreifen,

werden sie maßlos, respektlos und nicht

selten auch verhaltensauffällig. Sie reizen

Erwachsene so lange, bis diesen die

Geduld reißt, die Kinder beschimpfen

und erst recht unberechenbar

reagieren. Oder sie werden zu

hilflosen und überforderten

Sklaven ihrer Kinder, die

permanent nachgeben,

„nur um

des lieben

Friedens-

Foto © pixabay.com

28 | SEPTEMBER 2019


information & erziehung

willen."

KINDER WOLLEN STARKE ELTERN

bei denen sie sich geschützt und geborgen

fühlen und zu denen sie aufschauen

können. Wie sollen Kinder Respekt haben,

wenn Eltern schwach und nachgiebig

sind und sich zu viel gefallen lassen?

Es ist natürlich, dass Kinder testen, um

zu wissen, woran sie sind und wie weit

sie gehen können.

unreflektiert und leichtfertig mit modischen

Slogans zu punkten. Mehr bringt es, wenn

Erwachsene sich zu ihrer Autorität bekennen

und sich in faire und konstruktive

Auseinandersetzungen mit Kindern einlassen

und dafür sorgen, dass die persönliche

Würde aller Beteiligten gewahrt bleibt.

Kinder sind nun einmal keine Erwachsenen.

Eltern dürfen ihre Führungsrolle

und ihre Macht nicht abgeben, sonst

überfordern sie nicht nur sich selber,

sondern vor allem auch ihre Kinder und

bringen sie um ihre unbekümmerte Kindheit

und oft auch um ihre zukünftigen

Chancen im Leben, weil es ihnen an Halt

und Orientierung fehlt.

ELTERN SIND FÜHRUNGSKRÄFTE

Es liegt in der Verantwortung der

Eltern, ihre Führungsrolle so auszuüben,

dass ihre Kinder ihrem Alter und

ihrer Entwicklung entsprechend ein

gewisses Maß an Freiheit und auch an

Mitsprachemöglichkeiten haben, damit

sie schrittweise üben können, Selbstbewusstsein,

Verantwortung und Macht

zu übernehmen. So bilden Eltern und

Pädagogen die Führungskräfte von

morgen heran, denen wir dann,

erwachsen geworden, als

gleichberechtigte Partner die

Hand reichen.

Verzichten wir darauf,

Illustrationen: © Eugen Kment

29 | SEPTEMBER 2019


information & erinnerung

Luise Rüth:

Ein schlechtes Zeugnis

BONN AM RHEIN, 1950

Luise Rüth, Autorin

Foto: Buch-Cover

www.zeitgut.de

Entnommen aus dem Buch

Unvergessene Schulzeit.

Band 1 und Band 2

Erinnerungen von Schülern und

Lehrern 1921-1962

384 Seiten, viele Abbildungen,

Zeitgut-Auswahl, gebunden

Zeitgut Verlag GmbH Berlin,

www.zeitgut.com

ISBN 978-3-86614-140-7

Fotos:© Archiv Verlag Zeitgut.de

30 | SEPTEMBER 2019

Vater war gerade erst krank aus

der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt.

Unsere wirtschaftlichen

Verhältnisse waren sehr bescheiden.

Vater mußte neu eingekleidet

werden; die schäbige Gefangenenkleidung

wollte er nicht mehr tragen. Seine

alte Kleidung war zum Teil den Bomben

zum Opfer gefallen. Und wir hatten auf

der Flucht nichts mitnehmen können.

Mutter meinte, sie hätte ihm sowieso

nicht mehr gepaßt.

Vater war zwölf Jahre lang, mit nur kurzer

Urlaubsunterbrechung zu Beginn des

Krieges, von uns fortgewesen. Hunger

und Entbehrungen hatten seinen Körper

gezeichnet. Er hatte starkes Untergewicht.

Als wir ihn auf dem Bahnhof

abholten, erkannten Mutter und ich ihn

nicht wieder. Als junger Mann war er

gegangen, und als uralter kam er zurück.

So sah er jedenfalls in meinen Augen

aus. Es machte uns sehr traurig. Ich war

acht Jahre alt. Wir bemühten uns, alles

zu tun, daß Vater immer satt wurde und

sich vielleicht wieder wohl fühlte. Daher

mußten wir unsere eigenen Bedürfnisse

weit zurückstellen.

Nun war der Frühling in diesem Jahr sehr

früh gekommen und außergewöhnlich

warm. Es schien, als wollte uns die Natur

für die Entbehrungen der zurückliegenden

Jahre entschädigen. Meine Winterschuhe,

klobige Lederschnürschuhe,

einige Nummern zu groß, was mit dicken

selbstgestrickten Socken ausgeglichen

wurde, waren jetzt einfach zu warm.

Mutter holte meine Sandalen aus dem

vergangenen Jahr vom Speicher. Schon

im letzten Jahr waren sie mir etwas zu

klein gewesen. Beim Anprobieren stellten

wir mit Entsetzen fest, daß meine

Zehen bestimmt zwei Zentimeter über

die Schuhe hinausragten. Was tun?

Barfuß konnte ich nicht zur Schule

gehen. Wir wohnten in der Stadt, und

vielen Leuten ging es damals schon

wieder recht gut.

Mit diesen Sandalen war ich am ersten

Schultag dem Gespött meiner Klassenkameraden

ausgeliefert. Sie liefen johlend

hinter mir her und lachten mich aus.

Ich war traurig, aber noch mehr wütend,

und schämte mich. Die Tränen liefen mir

über die Wangen, ein ganz schlimmer

Jähzorn erfaßte mich. Ich zog die Sandalen

aus und schlug damit wild um mich.

Dabei traf ich eine Schulkameradin am

Kopf. Sie trug eine Platzwunde davon,

die heftig blutete. Zu Tode erschrocken

lief ich nach Hause.

Am nächsten Tag wurde ich mit Mutter

zur Lehrerin bestellt. Mutter wußte Bescheid.

Ich hatte ihr abends alles erzählt,

weil mich das schlechte Gewissen nicht

einschlafen ließ.

Die Lehrerin machte mir heftige Vorwürfe

und drohte mit Strafe. Warum es

überhaupt zu diesem Vorfall gekommen

war, wollte sie gar nicht wissen.

Darüber empört, begann Mutter, mich

zu trösten.

Zu meinem großen Pech war die verletzte

Mitschülerin der Liebling der Lehrerin.

Die Eltern des Mädchens hatten nämlich

ein Lebensmittelgeschäft, und jeden Tag

fiel etwas für die Lehrerin ab: mal etwas

Wurst, mal etwas Schokolade oder


information & erinnerung

Kaffee. In diesen Zeiten mußte man eine solche

Beziehung pflegen, das wußte die Lehrerin. Und so

legte sie keinen Wert darauf, meine Begründungen

zu hören. Ich hatte keine Chance.

Mutter suchte sich eine Putzstelle. Von ihrem ersten

Geld bekam ich neue Sandalen, zwei Nummern

zu groß, damit sie noch im kommenden Sommer

paßten.

Mein nächstes Zeugnis war auffallend schlecht, und

mit dem Vermerk versehen: „Luise ist bösartig und

stört ständig ihre Mitschülerinnen“.

Mutter meinte nur, es kämen auch wieder andere

Zeiten, und dann würde auch mein Zeugnis wieder

besser. Es blieb das schlechteste Zeugnis meiner

ganzen Schulzeit.

Das bin ich (Luise Rüth) als Schulkind etwa

1950. Ich besuchte die Karlschule in der

Dorotheestraße in Bonn.

31 | SEPTEMBER 2019


information & ernährung

Food 4 future – Teil 1:

Es liegt auf der Hand

DER VERZEHR VON EINEM HOHEN ANTEIL PFLANZLICHER PRODUKTE HAT EIN

HOHES KLIMASCHUTZPOTENTIAL

Mag. a Julia

Geißler-Katzmann/

selbstständige

Ernährungswissenschafterin

& Kinesiologin nach Dr. med.

Klinghardt

www.julika.at

Essen wirkt…

Mit Lebensmitteln können wir

uns selbst heilen, oder aber uns

schaden. Genauso verhält es sich mit

dem Einfluss auf unsere Umwelt und

das Ökosystem. Was wir essen beeinflusst

nicht nur unsere Gesundheit und

Leistungsfähigkeit, sondern auch Luft,

Wasser, Boden und das Klima.

Unsere täglichen Essgewohnheiten

haben erheblichen Einfluss auf das

Klima und bergen ein entsprechend

großes Potenzial für den Klimaschutz.

20% aller CO2-Emissionen werden für

unsere Ernährung aufgewendet. Wenn

man in den Anteil der Ernährung am

CO2-Gesamtausstoß hineinzoomt, so

entfallen rund 44% auf die Erzeugung

tierischer und 8% auf die Erzeugung

pflanzlicher Produkte.

Das, was wir konsumieren, trägt in

hohem Maße zur Klimabelastung bei.

Die Hauptursachen liegen dabei in der

Verwendung von Mineraldüngern, Pestiziden

und Treibstoffen, dem Import von

Futtermitteln*, sowie den Methanemissionen

der Rinderhaltung und Reisproduktion

an sich. Weiters muss man auch

die Verpackung von Lebensmitteln (v.a.

Fleisch in Polystyroltassen) und deren

Kühlung (auch während des Transports)

beachten.

Ein massives Problem stellt

die Vernichtung der Tropenwälder

dar. Einerseits für die

Bereitstellung des weltweit

gebrauchten Sojas und anderer-

seits für Palmölmonokulturen. Jährlich

werden rund 13 Millionen Hektar und

somit die eineinhalbfache Fläche Österreichs

gerodet.

Der unwiederbringliche Verlust einer

großen Artenvielfalt geht damit einher.

ZUVIEL FLEISCH AUF UNS´REN

TELLERN

In Österreich werden (pro Kopf und Jahr)

rund 95kg Fleisch – und ja, Schinken

und Wurst zählen da auch dazu – verdrückt.

Die aktuellen Empfehlungen

liegen bei rund 3 Portionen Fleisch und

fettarmen Wurstwaren von insgesamt

300 – 450g pro Woche!

Nun ist -im Hinblick auf die Klimawirksamkeit-

wie aber auch auf unsere

Gesundheit, Fleisch nicht gleich Fleisch.

Schweine- und Geflügelfleisch haben

eine bessere Klimabilanz als Rindfleisch.

Ist also Schweinefleisch DIE Lösung?

Nein, denn aus ernährungsphysiologischer

Sicht muss weit mehr betrachtet

werden als allein die Wirkung auf Natur

und Umwelt.

Und auch nicht vergessen werden darf,

dass Schwein und Geflügel direkte Nahrungskonkurrenten

zu uns Menschen

sind. Das Rind wiederum veredelt uns

Gras, die Cellulose, die wir wiederum

physiologisch nicht aufspalten können.

Sie wird – vereinfacht ausgedrückt - zu

Butter, Milch, Joghurt und Fleisch.

Hier wird spätestens klar WIE komplex

die Thematik ist.

Fotos:© pixabay.com

32 | SEPTEMBER 2019


information & ernährung

REZEPT

GETREIDEREISSALAT

WENIGER FLEISCH, MEHR

PFLANZLICHES

Jeder Tag birgt eine neue Chance – das

ist ein schönes Lebensprinzip - so auch

beim Essen. Jeder Tag bietet sogar

mehrere Möglichkeiten klimafreundlich

zu genießen. Schon der Verzehr von

zwei bis drei fleischlosen Hauptmahlzeiten

pro Woche hat großes Potential.

Verwöhnen Sie sich mit vegetarischen

Gerichten aus diversen Getreiden oder

Linsen, Bohnen und Kichererbsen. Diese

sind reich an Ballast- und Mineralstoffen,

enthalten viel Eiweiß und wenig

Fett. Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte**

helfen den Blutzuckerspiegel

konstant zu halten.

Wie wäre es mit einer Schüssel von

sättigendem Getreidesalat

oder ein herzhafter Bohnenaufstrich

zum Abendessen?

Schmackhafte Linsenoder

Kichererbsen-

Eintöpfe bringen

Abwechslung auf

ihren Teller.

* laut Greenpeace

importiert Österreich

jährlich rund 500.000

Tonnen Soja aus

Übersee – Schätzungen

zu Folge ist mehr als die

Hälfte davon gentechnisch

verändert

** Hülsenfrüchte enthalten

Purine und können bei

Personen mit Gicht negative

Wirkung zeigen

Zutaten:

• 100g Bio-Dinkelreis,

• 50g Tellerlinsen,

• 1 grüner Paprika,

• 1 roter Paprika,

• 1 gelber Paprika,

• 1 große Birne (oder Apfel),

• 2 Radieschen,

• Gartenkräuter (Petersilie, Liebstöckl,

Koriander, Schnittlauch,

Oregano, Basilikum)

Den Dinkelreis in Gemüsesuppe nach

Verpackungsanleitung kochen. Normalerweise

pro Tasse Getreidereis

eineinhalb Tassen Suppe dazugeben.

Den Getreidereis rund 20-30 Minuten

kochen lassen, bis er bissfest ist. Die

Linsen in einem eigenen Topf in doppelter

Menge Wasser rund 12 Minuten

bissfest kochen – danach abseihen und

auskühlen lassen. Währenddessen die

übrigen Zutaten klein würfelig schneiden.

Wenn alles ausgekühlt ist, alle

Zutaten in einer Schüssel vermischen.

Für das Dressing:

2 EL Hanföl und etwas Balsamicoessig

mit Pfeffer, Salz und frischen, klein

gehackten Gartenkräutern vermischen.

Vor dem Servieren gut durchmischen

und durchziehen lassen.

Dazu schmeckt ein geräuchertes Bio-

Saiblingsfilet aus heimischen Seen.

33 | SEPTEMBER 2019


information & schule

Eltern und Kinder unter Druck:

Wenn Schule zur Last wird

DIE SCHULE SEI KEINE TRETMÜHLE, SONDERN EIN HEITERER

TUMMELPLATZ DES GEISTES (Johannes Amos Comenius)

DI Roswitha Wurm

Dipl. Lerndidaktikerin

Lese- und Rechtschreibtrainerin,

Kinderbuchautorin

Interaktive Lesungen

an Schulen buchbar unter:

www.lesenmitkindern.at

Schule? - Der siebenjährige Niko,

der von seinen Eltern in meiner

Praxis vorgestellt wird, verdreht

die Augen. „Ich hasse Schule!“

Leider sind Aussagen wie diese bereits

bei sehr jungen Schülern keine Einzelfälle

mehr.

Nicht nur Niko ist der Schule gegenüber

sehr negativ gestimmt, auch seine Eltern

klagen über ihren ganz persönlichen

Schulfrust. Anke Willers, eine deutsche

Journalistin, beschreibt in ihrem neu

erschienenen Buch „Geht’s dir gut oder

hast du Kinder in der Schule?“ was der

„Schulwahnsinn mit uns und unseren

Kindern macht und wie wir ihn überleben“.

Was macht Eltern und Schülern das

Schulleben so schwer? Die meisten

klagen über Leistungsdruck, zeitliche

Gebundenheit und unendlich

scheinende Hilfestellungen, die

Eltern für schulische Aufgabenstellungen

ihrer

Kinder leisten müssen.

Das digitale

Zeitalter bietet

uns Pädagogen

unendlich viele

Möglichkeiten, allerdings

birgt es auch die Gefahr, dass

wir zu viel von den Kindern verlangen:

Wissensaneignung Zuhause durch das

Internet für Referate bereits in der zweiten

Klasse Volksschule, Filme ansehen,

Powerpointpräsentationen und Plakate

mit Bildern aus dem Netz vorbereiten. Dass

die Grundschulkinder dies nicht allein bewältigen

und elterliche Hilfe benötigt wird, liegt

auf der Hand.

Der Lernhilfsmittelmarkt boomt. Es gibt zu

jedem schulischen Lehrwerk Ferienübungshefte,

Übungsteile für Zuhause und Lernhilfen.

Das ist einerseits gut, andererseits

fühlen sich Eltern in eine Art Hilfslehrerrolle

gedrängt, von der sie sich überfordert fühlen.

Das Thema Schule ist Zuhause allgegenwärtig.

Es wird geübt, gefordert und diskutiert. In

vielen Familien ist das Thema Schule niemals

„fertig“. Es gibt für die Kinder keinen Feierabend.

Konflikte und Frustration sind in vielen

Familien allgegenwärtig. Viele Eltern meinen

wehmütig: „Wie schön war doch die Zeit als

unser Kind noch im Kindergarten war!“

WAS KÖNNEN LEHRER TUN, UM DAS

THEMA SCHULE „IN DER SCHULE“ ZU

LASSEN?

• Aufgabenstellungen so wählen, dass die

Kinder sie weitgehend selbständig lösen

können.

• Bemerkungen unter schriftlichen Arbeiten

in der Grundschule vermeiden, die besonders

Kinder mit einer Lernschwäche unter

Druck setzen: „Du musst mehr üben!“

Gerade Kinder mit einer Legasthenie oder

Dyskalkulie üben meist ohnehin viel mehr

als andere und haben häufig einige Austestungen

und Diagnosestellungen hinter

sich, die sie und ihre Eltern unter eine Art

Übungsdruck versetzen.

Fotos:© pixabay.com

34 | SEPTEMBER 2019


information & schule

WAS KÖNNEN ELTERN TUN, UM

IHRE KINDER NICHT ZU SEHR UNTER

DRUCK ZU SETZEN?

• Jedes Kind hat seine individuelle Entwicklung,

seine persönlichen Schwächen

und Stärken. Vergleichen mit

Geschwisterkindern oder Schulkollegen

macht keinen Sinn, sondern bereitet

unnötig Stress.

• Wenn Eltern den Eindruck haben,

dass die Aufgabenstellungen das

Kind überfordern und zu viel Mithilfe

erfordern, dann dürfen sie es ruhig der

Lehrerin oder dem Lehrer mitteilen. In

vielen Fällen ist die Lehrperson sogar

dankbar dafür, weil sie die Schüler

keinesfalls überfordern möchte.

• Nicht jeder Kommentar unter Arbeiten

des Kindes oder von der Lehrerin

überbewerten! Ein Stück Gelassenheit

entspannt das Familienklima. Eltern

sollten nie vergessen: eine schlechte

Note des Kindes ist kein Angriff auf

ihre Qualität als Eltern. Sie bedeutet

einfach eine Bewertung einer punktuellen

Leistung des Kindes.

Der Dialog Eltern Lehrer ist in meinen

Augen grundsätzlich sehr wichtig. Reden

bringt die Leute zusammen ist nicht nur

eine alte Lebensweisheit, sondern eine

wichtige Basis, dass sich alle Beteiligten

wohlfühlen: SchülerInnen, Eltern und

LehrerInnen.

Vielleicht heißt es ja dann bald: Geht’s

dir gut, obwohl du Kinder in der Schule

hast?

BUCHTIPP

Anke Willers, Geht’s dir gut oder hast

du Kinder in der Schule? Heyne Verlag

ISBN 978-3-453-6051-4

35 | SEPTEMBER 2019


information & verhalten

Erwartungshaltung:

Die Kinder von heute

WENN DU DAS KIND NICHT ACHTEST, WIRD ES DICH NICHT ACHTEN

(Sprichwort von den Jabo)

Patricia Weiner

Coaching & Beratung

www.nah-am-leben.at

Die Kinder von heute sind Tyrannen.

Sie widersprechen ihren

Eltern, kleckern mit dem Essen

und ärgern ihre Lehrer - lautete

ein Zitat von vielen, dem ich bei einer

Online-Recherche für einen Vortrag

begegnete.

In den letzten Jahren ist öffentlich

mehrfach von verschiedensten Seiten

davor gewarnt worden, das permissive

elterliche Haltungen, tyrannische

Verhaltensweisen von Kindern und

Jugendlichen fördern. Obwohl mir

selbst der Begriff Tyrann als

Eigenschaftsbezeichnung

für ein Kind nur

schwer über die Lippen

kommen mag, kann

ich den dahinterliegenden

Inhalten

fachlich durchaus

zustimmen. Ein stark

laissez-fairer Erziehungsstil

exkludiert eine natürliche

elterliche Führung, die

dem Kind ein starkes Sicherheitsempfinden

und damit

freie Entwicklung ermöglichen

würde. Das überforderte Kind

verhält sich den Gegebenheiten

entsprechend übermäßig gestaltend,

leitend, durchsetzungswillig

und egozentrisch – im schlimmsten

Fall eben wie ein Tyrann. Von dieser

Verwendung des Begriffs Tyrann

sind wir allerdings beim eingangs

erwähnten Zitat weit entfernt.

Hier ist die Rede von den Kindern von

heute, die sich nicht verhalten wie von

der zitierten Person erwartet würde.

Diese Erwartung wird heute von einem

nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft

geteilt. Bei mir entsteht immer wieder

der Eindruck, dass ein Teil der Gesellschaft

das Verhalten von Kindern immer

noch und immer mehr äußerst kritisch

beäugt und bewertet. Überspitzt gesagt:

Brave, stille, ruhig sitzende, ausgeglichene,

sich selbst beschäftigende Kinder

seien erwünscht. Lebhafte, quasselnde,

auch quengelnde, Impulse und

Emotionen ausagierende Kinder, seien

demnach Produkte der mangelhaften

Erziehungsqualität der Eltern und für die

Gesellschaft nicht uneingeschränkt tragbar.

„So ein Zornbinkel, das muss nicht

sein“, hörte ich unlängst einen Kommentar

zu einer Situation, die sich in meinem

Umfeld zutrug. „Die Kinder heute lernen

alle nicht mehr sich zu benehmen“, war

eine private „Profi“-Meinung bei einem

Kaffeeklatsch.

Also untragbar solche Verhaltensweisen

für unsere Gesellschaft. Oder

haben Sie schon einmal schimpfende,

Impulse unkontrolliert ausagierende

Erwachsene erlebt? Erwachsene, die

quengeln und spinnen, weil Bedürfnisse

nicht befriedigt sind? Erwachsene, die

ständig Ablenkung und Beschäftigung

brauchen, um ruhig sitzen zu können?

Erwachsene, die selbst während eines

Vortrages ständig quasseln? „Oh doch“,

sagen Sie jetzt? Dann haben Sie ähnliche

Fotos:© pixabay.com

36 | SEPTEMBER 2019


Erlebnisse wie ich. In erwachsen gewordener Weise

finden wir ähnliche Verhaltensweisen quer durch alle

Altersklassen. Der Unterschied zwischen Erwachsenen

und Kindern liegt rein darin, dass Erwachsene generell

schon fähig sind ihre Impulse und ihr Verhalten zu

regulieren. Diese Regulierungsfähigkeiten eignen wir

uns in der Kindheit an, die auch dafür vorgesehen ist.

Impulse dürfen kennengelernt werden, Emotionen

gespürt und ausagiert werden, kindliche Verhaltensweisen

den Alltag bestimmen. Ein Kind darf und soll

und „muss“ ein Kind sein, um sich gut entwickeln zu

können. Die Trotzphase, Sturm und Drang-Zeiten, Ausprobieren,

Grenzen testen und setzen, Frustration zum

Ausdruck bringen – das alles sind, wenn auch elterlich

fordernde, doch wichtige Faktoren für den gesunden

Entwicklungsverlauf eines Kindes. Die größte gesellschaftliche

Lernaufgabe liegt hier nicht darin, herauszufinden,

wie wir Kinder zu „braven“, „unkomplizierten“

Mitgliedern der Gesellschaft machen, sondern

darin, dass bis in die letzten Winkel der Gesellschaft,

das Kind als das respektiert und akzeptiert wird, was

es ist – ein Kind.

Das eingangs erwähnte Zitat stammt übrigens von

Sokrates, dem griechischen Philosophen (470-399 v.

Chr.). Der gesellschaftsweite Perspektivenwechsel ist

also schon längst überfällig.

IHR FERNLEHRGANG

BEIM SPEZIALISTEN

IHR AUFTRITT, IHRE PRÄSENTATION

KOMMUNIKATION VERBESSERN

WARUM IMMER ICH ?!

KONFLIKT: KONSTRUKTIV LÖSEN

LEBENS LANGES LERNEN

POSITIVE KRAFT DER WUT

www.improve.or.at


information & erziehung

Schönbrunner Schule Teil 1:

100 Jahre

ERZIEHUNG IST EIN BERUF, NOCH DAZU EINER DER SCHWIERIGSTEN

(Max Adler, 1924)

Dr. in Karin Steiner

zuständig für pädagogische

Entwicklungen und Bildungskooperationen

bei

den Wiener Kinderfreunden

Foto: Felix Zangerl

GF Christian Morawek, Dr. in Eva Unterweger

Julya Rabinowich

Bereits 1919, als in der Schule

noch der Rohrstock auf Kinder

schmerzvoll niedersauste, viele

Kinder in Fabriken arbeiteten

und Bildung für sie maximal Schreiben,

Lesen, Rechnen bedeutete, postulierte

der Kinderfreunde-Pädagoge Otto Felix

Kanitz, dass Bildung und Erziehung die

Bedürfnisse des Kindes in den Mittelpunkt

stellen müssen. Ihm und anderen

führenden Kinderfreunde-PädagogInnen

war klar, dass ErzieherInnen mit dem

höchsten und modernsten Wissen ausgebildet

werden sollten. Mit der Schönbrunner

ErzieherInnen-Schule und dem

angeschlossenen Kinderheim in 84 Sälen

des vom Adel verlassenen Schlosses

Schönbrunn boten sie eine neue humanistische

ErzieherInnen-Ausbildung an

und führten das Kinderheim nach ihrer

Maxime: Bildung und Kultur für alle Kinder,

Hinwendung zum Kind als zukünftiger

„neuer Mensch“ auf Augenhöhe,

gewaltfreie Erziehung ohne Autorität

und Mitbestimmung der Kinder in allen

sie betreffenden Belangen.

Mit dem ganzen Enthusiasmus ihrer Zeit

und Jugend versuchten Kanitz, Alfred,

Max und Jenny Adler, Hermine Weinreb

und der Schönbrunner Kreis Kindern

aus bescheidensten Verhältnissen das

Recht auf Bildung als Grundbedürfnis zu

ermöglichen. Sie waren überzeugt, dass

nur eine offene, demokratisch gebildete

Gesellschaft eine auch für Kinder bessere

Lebenswelt schaffen kann.

Die Schönbrunner Schule bildete 3

Jahrgänge an ErzieherInnen aus, die

ausschließlich in Kinderfreunde-Tagesheimen

(entspricht heutigen Kindergär-

ten und Horten) tätig waren. Mangelnde

Ressourcen und ab 1934 das Verbot der

Kinderfreunde während des Austrofaschismus

und unter den Nazis, unterbrachen

das Wirken der SchönbrunnerInnen

und ihre reformpädagogischen Bestrebungen.

Nach dem Krieg wurde Kanitz‘

Pädagogik in Skandinavien und Deutschland

wieder aufgegriffen und war die

Wurzel der antiautoritären Bewegung

und Emanzipationspädagogik (kritische

Pädagogik). Obwohl er dort auch in die

Lehrbücher der Pädagogik Einzug hielt,

wird in Österreich die Erziehungswissenschaft

erst in den letzten Jahren auf die

Bedeutung dieses reformpädagogischen

Ansatzes aufmerksam.

Warum der Status Quo unserer Gesellschaft

den Ansatz der Schönbrunner

Schule heute nötiger denn je hat, wurde

beim Fachsymposium „100 Jahre Schönbrunner

Schule“ der Kinderfreunde am

14. Juni in Schönbrunn von namhaften

Fachleuten beleuchtet:


schönbrunner erzieherschule

UNTERSTÜTZENDE BEZIEHUNG

FÖRDERT DAS LERNEN

Den neurobiologischen Aspekt erörterte

die Psychologin und Psychotherapeutin

Dr.in Eva Unterweger, Professorin an der

PH Wien (im Ruhestand). Sie erklärte,

dass die Ideen von Kanitz und dem

Schönbrunner Kreis mittlerweile neurobiologisch

und psychologisch untermauert

wurden. Man weiß heute, dass Wahrgenommen

werden, Anerkennung und

Sympathie die Ausschüttung motivationsfördender

körpereigener Botenstoffe

verstärken. Und dass Beschämung und

Ausgrenzung körperliche Schmerzen,

Angst, Aggression und Depression

hervorrufen.

Unterweger: „Kanitz und Alfred Adlers

Blick auf das Kind war respektvoll und

betonte die Bedeutung einer nährenden

Beziehung in der Pädagogik. Ihre pädagogischen

Prinzipien waren zu Zeiten

gewaltsamer unterdrückender Erziehungsmethoden

revolutionär und sind

nach wie vor aktuell, Lernen und Bildung

brauchen nährende Beziehungen. Diese

damals völlig neuen pädagogischen

Ansätze wurden in der Schönbrunner

Erzieherschule und in den Institutionen

der Wiener Kinderfreunde in

die Praxis umgesetzt. Mittlerweile

sind sie in unserer Gesellschaft

angekommen. Dennoch müssen

unterstützende Beziehungen und

die Kinderrechte hier und jetzt weiterhin

wachsam gehütet werden.“

Impressionen: Schönbrunner Erzieherschule |

rechts: Kanitz, der junge Doktor, ca. 1922

Wie aktuell die Pädagogik der

Schönbrunner Schule in gesellschaftlicher

und soziologischer

Hinsicht ist, finden Sie in der

nächsten Ausgabe von

Lernen mit Zukunft.

Fotos:© Archiv Wiener Kinderfreunde

39 | SEPTEMBER 2019


information & interview

Interview:

Johann Allacher

Mag. Markus Neumeyer

Theater-,Film- und

Medienpädagoge

dipl. Lern/Freizeit &

Vitalcoach

www.buchteufel.at

Mit seinem zweiten Kriminalroman

„Der Knochentandler“

konnte uns Johann Allacher

vollkommen überzeugen. Sein

erster Band ist auf unserer Leseliste ganz

weit nach vorne gerückt. Wir haben

dem gebürtigen Wiener ein paar Fragen

geschickt und wissen jetzt: Der nächste

Allacher kommt bestimmt!

Lieber Johann, du hast eigentlich

Rechtswissenschaft studiert, dich

dann aber doch anders entschieden.

Was hat dich zu dieser Entscheidung

bewogen?

Mein Studium hat sich sehr lange und

mit zunehmend nachlassendem Erfolg

hingezogen. In der Welt der Anzug- und

Krawattenträger habe ich mich nie

richtig wohl gefühlt. Fasziniert hat mich

lediglich das Spiel mit der Sprache bei

der Auslegung von Gesetzestexten. Für

diese Liebe zum geschriebenen Wort

habe ich spät - aber doch - ein weitaus

passenderes Betätigungsfeld für mich

gefunden.

Wann hast du dich entschieden Autor zu

werden?

Nach Beendigung meiner langjährigen Tätigkeit

als selbstständiger Unternehmer habe ich mich

plötzlich einem Übermaß an freier Zeit gegenüber

gesehen. Da sich nicht sofort ein neuer Job

ergeben hat, musste dringend etwas her, damit

mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. Wenn

man so will, ist meine Tätigkeit als Schriftsteller

einer spontanen Schnapsidee während erstmaliger

Arbeitslosigkeit entsprungen.

In Österreich ist es nicht einfach, seinen

Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen.

Geht sich das bei dir schon aus oder

hast du einen Brotjob?

Um rein vom Schreiben leben zu können,

braucht es Verkaufszahlen in Bestsellerregionen.

Das gelingt aber nur den wenigsten. Mein erstes

Buch "Der Watschenmann" ist 2016 erschienen,

meine Karriere als Autor noch jung. Zu

früh, um über eine hauptberufliche Tätigkeit als

Schriftsteller nachzudenken. Ich bleibe meinem

Arbeitgeber, einem öffentlich-rechtlichen Dienstleistungsunternehmen,

somit noch länger als

Kundenberater erhalten.

Foto:© Archiv buchteufel.at

40 | SEPTEMBER 2019


information & interview

Wann schreibst du am liebsten und

wieviel Zeit investierst du in deine

kreative Arbeit?

Ich verfasse meine Texte gern früh

morgens am Schreibtisch, während Zugoder

U-Bahn-Fahrten, und in willkürlich

ausgesuchten Cafés, in denen mich

niemand kennt. Die Gedanken drehen

sich jedoch auch außerhalb der Schreibzeiten

vielfach um Figuren, Handlungsabläufe

und originelle Wendungen. Da

ich darüber hinaus auch als Musiker und

Songtexter aktiv bin, bedarf es nicht nur

eines guten Zeitmanagements, sondern

auch einer besonders verständnisvollen

Frau an meiner Seite.

Warum hast du dir das hartumkämpfte

Krimigenre ausgesucht?

Eine gute Erzählung lebt davon, dass der

Adressat wissen will, wie sie ausgeht.

Das gilt für's Gschichtl am Stammtisch

genauso wie für die Handlung eines

Buches. Die auf Spannung bedachte

Konstruktion eines Kriminalromans

bietet dem Schriftsteller einen idealen

Rahmen, um seine Gedanken transportieren

zu können. Egal ob Humorvolles,

Historisches, Wissenschaftliches,

Gesellschaftskritisches, Philosophisches,

Politisches oder zutiefst Persönliches - In

einem Krimi lassen sich Inhalte so verpacken,

dass sie auch gelesen werden. Und

das will schließlich jeder Autor.

„Der Knochentandler“ ist dein zweiter

Roman mit Erik „Erki“ Neubauer,

dem ewigen Studenten. Hast du für

diesen außergewöhnlichen Charakter

ein reales Vorbild gehabt?

Vielleicht dich selbst?

Um halbwegs glaubwürdig schreiben

zu können, muss man meines Erachtens

nicht nur auf Orte und Stimmungen

zurückgreifen, die einem vertraut sind,

sondern auch bei den handelnden

Figuren ein Stück von sich selbst mit

hinein verpacken. Das Personal meiner

Krimis ist dem realen Leben jener Teile

von Ostösterreich entlehnt, in denen

ich aufgewachsen bin und lebe. Die

agierenden Personen spiegeln sowohl

vergangene als auch aktuelle Eindrücke

wider. Ich übernehme Menschen aber niemals eins zu eins. Auch

nicht mich. Vieles wird durch Fiktion ergänzt. Gut ist ein Text vermutlich

ohnehin nur dann, wenn Leserin und Leser Teile von sich

selbst in den handelnden Figuren entdecken können.

Im Knochentandler wacht Erik noch relativ betrunken

neben einem Totenkopf auf, was war dein unangenehmstes

Aufwachen bisher?

Oft sind die besten Geschichten ausgerechnet jene, an die man

sich nicht mehr erinnern kann. Ich denke, hier schlummert in so

manchem Kopf unwiederbringlich verlorengegangenes Material

für großartige Romane. Leider auch bei mir.

Dein Schreibstil ist sehr humorvoll, bist du privat auch ein

lustiger Mensch?

Um über Mord und Totschlag schreiben zu können braucht man

entweder viel Humor oder einen guten Psychiater.

Wird es ein Wiedersehen mit Erik geben?

Das Manuskript für einen dritten Kriminalroman mit Erik "Erki"

Neubauer steht kurz vor der Fertigstellung. Das Buch wird im

Frühjahr 2020 im Emons-Verlag erscheinen.

Toll! Kannst du uns verraten um was es im nächsten Buch

gehen wird?

Sex & Drugs & Rock'n'Roll - und das mitten im beschaulichen

Wien.

Bummelstudent "Erki" Neubauer jobbt als Ferialpraktikant im

Archiv eines lokalen Radiosenders. Als er den Song einer vergessenen

Wiener Band der Siebzigerjahre zu neuem Leben erweckt,

brechen jahrzehntelang verdrängte Konflikte wieder auf. Im

Bestreben, mehr zur Bandgeschichte zu erfahren, sticht Erki in ein

Wespennest aus alten Rivalitäten, Hass und Eifersucht. Er wird

Zeuge eines Mordes und gerät schließlich selbst zwischen die

Fronten.

Passend zum Grundthema der Geschichte habe ich einen Song

geschrieben, den ich mit befreundeten Musikern demnächst

einspielen möchte. Die Aufnahme soll dann gemeinsam mit dem

Buch erscheinen.

Jetzt noch unsere sauschwere Buchteufel-Frage: Nenne uns

deine drei Lieblingsbücher.

Da ich mir ohnehin nie merke, welche Bücher ich schon alle in

meinem Leben verschlungen habe, erkläre ich immer die drei

Werke, die ich gerade lese, zu meinen Lieblingsbüchern. Zurzeit

sind das "Wien Pop" von Walter Gröbchen, Thomas Miessgang,

Florian Obkircher und Gerhard Stöger; "White Tears" von Hari

Kunzru; und die Gregg Allman Biographie "My Cross To Bear".

Alle drei Titel haben mit meinem nächsten Wien-Krimi zu tun, der

nicht nur sehr humorvoll, sondern auch außergewöhnlich musikalisch

werden wird.

Vielen Dank für das Interview.

41 | SEPTEMBER 2019


Erscheinungsort Wien

LERNEN MIT ZUKUNFT, 1220 Wien, Mühlwasserpromenade 23/Haus 13, Austria

UNSER WEB-KIOSK

http://magazin.Lmzukunft.at

Umfangreiches Archiv bis 2010 zur Nachlese.

Empfehlen Sie uns weiter

INFORMATION FÜR LEHRER*INNEN

Zentrale Automatisierungsstörung als Ursache von Lernproblemen

Lernförderung der anderen Art bei der INTERPÄDAGOGICA 2019 in Wien

Wie Studien belegen, hilft das Warnke®-Verfahren lese- und rechtschreibschwachen

Kindern auf die Sprünge. https://www.hoeren-und-verstehen.at/

publikationen/

Auch Schulen in Österreich setzen unser Verfahren bereits erfolgreich ein

und erleichtern betroffenen Kindern ihr tägliches Schulleben. Sie möchten

erfahren, wie …?

Besuchen Sie unseren Stand und lernen Sie das Verfahren live kennen. Für

den geplanten Termin senden wir Ihnen gern Eintrittskartengutscheine:

www.hoeren-und-verstehen.at

www.buchteufel.at

www.improve.or.at

DOWNLOAD

Informationsfolder

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!