Hausgeschichten aus dem Zelgli - Stadtmuseum Schlössli Aarau

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Hausgeschichten aus dem Zelgli - Stadtmuseum Schlössli Aarau

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Ihre Geschichten sind uns nicht egal – wir sammeln sie.

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Die Nummern verweisen

auf die Reihenfolge der

Geschichten. Sie führen in

einem Rundgang durchs

Zelgli-Quartier.

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Häuser sind spannende Schauplätze. Die mächtige Tanne im Garten,

die geblümten Kacheln oder der nie realisierte Wintergarten bergen

Geschichten. Das Stadtmuseum Schlössli Aarau hat die Quartier-

bewohnerinnen und -bewohner im Zelgli aufgerufen, die Geschichte

ihres Hauses und der Menschen zu erzählen, die darin wohnen und

gewohnt haben. Das vorliegende Heft versammelt gut 20 Hausgeschichten,

die Sie auf einem abwechslungsreichen Entdeckungsrundgang

durchs Quartier führen.

Als Museum sind uns Ihre Geschichten wichtig, sie sind ein Stück Stadt-

geschichte und Heimat. Die gesammelten Hausgeschichten aus dem Zelgli

werden auch im Rahmen der Ausstellung «Ihre Geschichten sind uns

nicht egal» im Stadtmuseum zu lesen sein.

1 – Schanzmättelistrasse 37 – Ueli Halder, Inge und Markus Meier

2 – Schanzmättelistrasse 32 – Beat Hodler

3 – Schanzmättelistrasse 15 – Karin Ammann

4 – Oberholzstrasse 21 – Jakob Urech und Anita Zihlmann

5 – Oberholzstrasse 30 – Herman Schmidt

6 – Rütliweg 12 – Anna Gasser-Teppati

7 – Rütliweg 2 – Susanne Grendelmeier-Hoffmann

8 – Zelglistrasse 39 – Gisela Keller-Becke

9 – Fröhlichstrasse 4 – Thomas und Sylvia Pfisterer

10 – Zelglihof, Zelglistrasse 76 – Elsbeth Gruber-Lüscher

11 – Landhausweg 57 – Anita Davis-Kaufmann

12 – Signalstrasse 26 – Bettina Becker

13 – Bergstrasse/Wasserfluhweg/Zurlindenstrasse – Hans Trüb

14 – Tannerstrasse 47 – Sibylle Reimann-Hämmerli

15 – Liebeggerweg 12 – Verena Knell

16 – Tannerstrasse 21 – Charlotte Perry

17 – Tannerstrasse 19 – Alfons Ruckstuhl

18 – Hohlgasse 70 – Adolf Fäs

19 – Fliederweg 8 – Margrit Michel

20 – Hohlgasse 38 – Hans Schenker

21 – Renggerstrasse 60 – Julie Landis

Herausgeber: Stadtmuseum Schlössli, Aarau 2009

Idee, Konzept: Stadtmuseum Schlössi in Zusammenarbeit

mit fischteich, Aarau

Gestaltung: Marc Siegenthaler, Bern

Hausgeschichten aus dem Zelgli 3


4 Stadtmuseum Schlössli Aarau

1. Schanzmättelistrasse 37

Zwei Geschichten zum gleichen Haus spannen den Faden von den 1940er-Jahren bis heute.

Dabei tauchen unter mysteriösen Umständen im Kamin verschwundene Bügeleisen wieder auf,

während das Haus andere Geheimnisse bis heute nicht preisgibt.

Ueli Halder — Das ist mein Elternhaus, in dem ich 18

meiner schönsten (Jugend-)Jahre verbracht habe. Erbaut

wurde das gutbürgerliche, fast schon herrschaftliche

Haus 1910 von Kantonsgeometer Meister. Dieser baute

sich 40 Jahre später ein kleineres Heim auf dem Nachbargrundstück,

wo er noch viele Jahre mit Frau, Tochter

Heidi, Bienenvölkern und Hühnern hauste. Deren Mist

verhalf uns übrigens zu besonders üppigen Rhabarberstauden.

Das Haus Nr. 37 kostete 1948 110’000 Franken –

damals viel Geld für unsere Eltern (Nold und Anni Halder,

Staatsarchivar und Kantonsbibliothekar), aber dafür

gab’s auch viel Haus: 10 Zimmer, einschliesslich Speisekammer,

‚Kastenzimmer’ und Nähzimmer mit extra

grossen Fenstern; eine grosse Stube mit Schiefertisch,

eingebautem Buffet und grünem Kachelofen, an dem

meine Mutter strickte und dabei ihren Thomas Mann

las; einen Salon (im Halder’schen Jargon: «s’änder

Stübli») mit Polstergruppe, Klavier und einem unpraktischen

Cheminée aus Marmor; ein imposantes Treppenhaus,

in dem damals das einzige Telefon des Hauses

hing; und lange Korridore, ideal für die Büchergestelle

des Hausherrn.

Andere Einrichtungen waren weniger grosszügig:

zwei ungeheizte Klos mit Holzdeckeln und hoch gehängten

Spülkästen; ein einziges enges Badezimmer,

das zudem nur durchs Elternschlafzimmer zugänglich

war; eine kleine, aber gemütliche Kammer für die Hauslehrtochter;

ein gemeinsames Zimmer für die Zwillingsbrüder.

Jeder der beiden richtete sich dafür seine private

Ecke in einem der niedrigen Verschläge im verwinkelten

Dachstock ein. Hier studierten sie dann die verbotenen

‚Heftchen’ aus der letzten Papiersammlung und

rauchten die ersten Zigaretten aus dem Bahnhof-Automaten

(3 Stück für 10 Rappen). Als jüngerer Bruder beneidete

ich sie um ihre Geheimstübchen, obwohl ich ja

das Privileg eines eigenen Zimmers genoss. Es lag neben

der Studierstube des Vaters; das vertraute Knarren

seines Bürostuhls begleitete mich jeden Abend in den

Schlaf, nachdem er mir die Stechmücken von der Decke

getupft und mit seiner glühenden Zigarre noch einige

wunderschöne Feuerkringel ins Dunkel des Zimmers

gezaubert hatte. Mein Fenster ging auf den Friedhof hinaus,

von wo her mich manchmal die unheimlichen

Rufe der Käuzchen unter die Decke kriechen liessen.

Dafür bescherte mir dasselbe Fenster später die ersten

schüchternen Flirtversuche mit den Seminaristinnen, die

gegenüber bei Nachbarin ‚Hämpe’ Hemmeler – der gestrengen

Tanzlehrerin der Aarauer Jeunesse dorée – im

oberen Stock logierten.

Wie damals üblich, war der aufwändige Haushalt

die Domäne unserer Mutter, den sie zusammen mit jährlich

wechselnden Hauslehrtöchern bewältigte. Viel Arbeit,

aber auch viel Freude bot natürlich der riesige Garten

mit seiner Gemüseecke (die Bohnen wurden später

zum Dörren ins Gotthelf-Schulhaus gebracht), den Beerenstauden

und üppigen Blumenrabatten (Mutter war

ausgebildete Gärtnerin), den Obstspalieren an der Hausmauer,

dem alten Apfel- und dem noch älteren Birnbaum

mit seinen ‚Schwärzibirli’, die vor allem von den

Wespen geschätzt wurden. Die riesige Rasenfläche war

ein Albtraum zum Mähen, aber ein Segen für das sonntägliche

Krocket-Spiel.

Ausserhalb von Haus und Garten lockte das Zelgli

natürlich mit seinen ausgedehnten ‚Bündten’ (Schrebergärten;

heute Areal der Neuen Kantonsschule), den nahen

Sportanlagen beim Zelglischulhaus, den paar Quartierläden

(aus der Bäckerei Emmenegger an der Renggerstrasse

zischte das Brezeleisen und roch es immer so

gut), den ruhigen Quartierstrassen und schliesslich dem

nahen Oberholz mit dem Pfadiheim. Da hinauf gingen

wir lieber als in den heissen Schachen hinunter zu den

blöden Kadettenübungen…

Meine verwitwete Mutter lebte noch lange allein

im grossen Haus; danach wurde es für einige Jahre vermietet.

1993 fanden wir in der Familie Inge und Markus

Meier neue Eigentümer, die den Charme unseres Elternhauses

schätzen und sorgfältig pflegen.

Inge und Markus Meier —Wir, die dritten Besitzer der

Liegenschaft an der Schanzmättelistrasse Nr. 37, kauften

das Haus Ende 1993. Mir hatte das wohlproportionierte

Gebäude mit seinem etwas mediterran anmutenden

Verputz, den sonnengebrannten Spalierhölzern und

dem geheimnisvollen Garten, auf den man von aussen

höchstens einen kleinen Blick werfen konnte, schon als

Kind immer gefallen (ich bin im Zelgli aufgewachsen).

Nun wurde mein Traumhaus unser Zuhause. Wir lernten

den vorher erwähnten grünen Kachelofen möglichst optimal

einheizen und benützen ihn regelmässig in der

Übergangszeit. Das eingebaute Buffet erwies sich als

äusserst geräumig und führte dazu, dass wir von unserer

früheren Wohnung einen Schrank übrig hatten.

Aber, wo lässt sich ein klassischer Nussbaum-Schrank

vor eine durchgehende Holztäfelung aus Tanne stellen,

so, dass es trotzdem noch gut aussieht? Doch, wie

schon erwähnt, ist das Haus sehr geräumig: Der besagte

Schrank steht nun in meinem Büro, dem einstigen

Nähzimmer, dessen grosse englische Fenster mir einen

sensationellen Ausblick ins Grüne gewähren. Der ursprünglich

als Bibliothek bezeichnete Raum, das Haldersche

«änder Stübli», ist nun unser Esszimmer geworden.

Vor dem «unbrauchbaren» Cheminée aus Marmor

beobachteten unsere Kinder die lodernden

Flammen und schliefen mit dem Geräusch des knisternden

Holzes ein. Und der jetzige Hausherr hat wiederum

der ganzen Korridorwand entlang im ersten Stock Büchergestelle

aufgestellt…

Am Garten haben wir fast gar nichts verändert.

Frau Halders Tulpen, Pfingstrosen, Schachbrettblumen,

Rosen, Anemonen etc. blühen dankbar jedes Jahr. Allerdings

zog der Frühling 2–3 Mal ins Land, bis ich

merkte, dass die Sträucher entlang der Schanzmättelistrasse

sehr bewusst ausgesucht und gepflanzt worden

waren: Auf einen rosa blühenden Strauch folgt ein

weiss blühender, dann wieder einer mit rosa Blüten,

dann wieder einer mit weissen etc. Vor ein paar Jahren

machte der alte Birnbaum aus Altersgründen einer Linde

Platz. Das führte zu einer Veränderung unserer gefiederten

Besucher: Waren es früher verschiedene Meisenarten,

Kleiber und Buntspecht, sind es nun Rotschwänzchen,

Meisen und in der Erde badende Spatzen.

Der alte Apfelbaum, der uns im Juni/Juli mit Sommeräpfeln

und dann im Herbst mit Gravensteinern und Glockenäpfeln

beliefert, breitet behäbig seine dicken Äste

aus und ernährt Jahr für Jahr Generationen von verschiedenen

Meisen. Krocket spielen wir übrigens nicht

mehr, da inzwischen die Ebenheit des Rasens nicht

mehr ganz den Ansprüchen an ein gepflegtes Spielfeld

entspricht.

Der Fortschritt steht, der Name sagt es, nicht still.

Und so hielt vor vielen Jahrzehnten der Fernseher Einzug.

Damals fischte man die Programme noch mit einer

Antenne im Estrich aus dem Äther und führte sie der

Flimmerkiste über ein Kabel zu. Jemand kam auf die

Idee, das Kabel in einen unbenutzten Kaminzug, von

denen es im Hause etwa sechs gibt, zu legen. Wahrscheinlich

hat sich das Kabel, frisch von der Rolle, wie

ein Schweineschwänzchen geringelt, und sich geweigert,

in den Kamin zu gleiten. Ein altes Bügeleisen sollte

helfen, das Kabel durchzuziehen. Das Bügeleisen verkeilte

sich aber auf halbem Wege, und liess sich nicht

mehr entfernen. Lange Zeit, nachdem wir das Haus gekauft

hatten, erkundigte sich Ueli Halder, ob denn mit

den Kaminen alles in Ordnung sei, und erzählte uns

nach und nach von der Bügeleisengeschichte. Später

präsentierte uns stirnrunzelnd der Kaminfeger bei einem

seiner Besuche ein unkenntliches, verrusstes Ding, das

er aus dem Kamin entfernt hatte: das Bügeleisen. Der

Kaminfeger teilte übrigens unsere Heiterkeit nicht.

Nach dem Kauf des Hauses wurde uns eine Schuhschachtel

mit allerlei Schlüsseln übergeben. Darunter

fand sich auch ein Schlüssel für ein Gartentor, das es

seit langer Zeit nicht mehr gibt. Früher gehörte ein schmaler

Weg zu unserem Grundstück, auf dem man direkt in

die Renggerstrasse gelangen konnte (als die ersten Häuser

an der jetzigen Schanzmättelistrasse gebaut wurden,

existierte diese noch nicht; dies erklärt die vielen Verbindungssträsschen

zwischen der Rengger- und der

Schanzmättelistrasse). Das Weglein wurde von einem

Nachbarn gekauft, der damit seinen Garten etwas vergrössern

konnte.

Im schon erwähnten Buffet befindet sich, hinter einem

Türchen, eine eingebaute Pendeluhr aus der Bauzeit

des Hauses mit dezentem Federgong-Schlag. Diese

Uhr wurde von Meister Tremp gründlich gereinigt und

wieder in Gang gesetzt. Hinter dieser Uhr befindet sich

aber ein weiteres kleines Türchen, zu dem wir keinen

Schlüssel haben. Was ist hier wohl versteckt? Wir wissen

es immer noch nicht!

Hausgeschichten aus dem Zelgli 5


6 Stadtmuseum Schlössli Aarau

2. Schanzmättelistrasse 32

Vom Architekturwettbewerb für ein Lehrerinnenseminar bis zur Eröffnung vergingen

über dreizehn konfliktreiche Jahre. Das als «Hochhausseminar» kritisierte Gebäude wurde 1953

endlich eröffnet, und erwies sich schon bald als zu klein.

Beat Hodler — Dieses Schulgebäude wirkt freundlich,

einladend und bescheiden, ja unauffällig. Und doch

weist es eine lange und ziemlich konfliktreiche Vorgeschichte

auf. Diese begann in den 1930er-Jahren, als die

Raumnot der in der Bezirksschule untergebrachten kantonalen

Frauenschulen immer akuter wurde. 1940/41

fand ein grosser Architekturwettbewerb für ein «Lehrerinnenseminar

mit Töchterschule» statt, bei dem sich die

renommierten Zürcher Architekten Oeschger&Oeschger

mit einem Projekt durchsetzten, das mit seinen «feinfühlig

durchgebildeten Fassaden», einer gelungenen Gestaltung

von Aula und Lesezimmer, generell durch eine

angemessene Gruppierung der einzelnen Baukörper

überzeugte («Schweizerische Bauzeitung» Nr. 118,

1941).

Mit der Umsetzung harzte es. Während des Kriegs

fehlte das Baumaterial, in den Jahren nach 1945 geriet

das Bauprojekt in den Strudel eines erbitterten Streits

über die Volksrechte und speziell das Finanzreferendum.

Im Vorfeld des schliesslich beschlossenen kantonalen

Urnengangs wurde das Vorhaben massiv reduziert, worauf

es dann tatsächlich die Gnade der Stimmbürger

fand (34’000 gegen 31’500, Stimmbeteiligung 79%).

Dieser knappe Erfolg war nicht selbstverständlich –

kurz zuvor war der Neubau von Kantonsbibliothek und

Kunstmuseum abgelehnt worden. Die Skepsis im

Stimmvolk war sicher durch einen bundesrätlichen Aufruf

verstärkt worden, der seine «getreuen lieben Eidgenossen»

eindringlich aufrief, angesichts der überhitzten

Nachkriegskonjunktur die öffentlichen Bauvorhaben zurückzustellen.

Der eigentliche Baubeginn löste im Zelgli-Quartier

dann nochmals Widerstand aus: 1953 hagelte

es Proteste gegen das «Hochhausseminar» (15 Meter!),

das mehreren Anwohnern die Sonne verdecken

und somit zu einer Wertverminderung führen werde.

Überhaupt sei zu befürchten, der «grosse Klotz mit seiner

breiten, hohen Nordfront» werde «drückend auf die

ganze Umgebung wirken». Die damalige Verstimmung

scheint sich aber im Verlauf der Zeit gelöst zu haben.

Herr N. Bonert, der anfangs 1970er-Jahre an der damaligen

Übungsschule als Methodiklehrer tätig war, erinnert

daran, dass im Verlauf der Jahre viele auswärtige

Seminaristinnen bei Familien im Zelgli-Quartier untergebracht

waren. Auch die ursprüngliche Aufteilung des

Schulhauses (südlicher Trakt mit der Übungsschule,

nördlicher Trakt für die wissenschaftlichen Fächer) sowie

der Einbezug der Umgebung ins Unterrichtsgeschehen

(Schulgarten) habe sich gut bewährt. Allerdings erwies

sich der Bau bald als zu klein, so dass eine Ergänzung

(Neubau) unumgänglich wurde. Dazu kamen

Schulreformen, die in mehreren Schritten den Übergang

von Töchterschule und Lehrerinnenseminar (samt

Übungsschule) bis zu FMS und Maturitätsschule und

entsprechend eine völlige veränderte Raumnutzung

brachten.

Aber kehren wir zur Geburtsstunde dieses Gebäudes

zurück: Als 1955 im September die offizielle Einweihung

stattfinden konnte, befand sich der Rektor

Speidel, der das Projekt viele Jahre lang begleitet hatte,

schon im Ruhestand; von den Brüdern Oeschger war

der eine bereits 1953 verstorben und der andere nach all

den Diskussionen mit der Baukommission ziemlich ernüchtert.

Die Energie reichte noch für ein kleines Einweihungsfest,

dann ging man zur Tagesordnung über.

Der Sohn eines der Architekten erinnert sich bis

heute gut an die Baugrube, die er als Junge auf Sonntagsausflügen

besuchen musste. Heute, über 50 Jahre

später, zieht er folgende Bilanz: Wenn in einem autoritären

System die Machthaber den Bau eines Prestigeobjekts

zügig durchsetzen können, wird sich niemand

wirklich wundern. Wenn dagegen in einer Demokratie

ein öffentliches Projekt von so vielen Instanzen begutachtet,

kritisiert, abgeändert und am Ende auch tatsächlich

realisiert wird, dann ist das eine beachtliche Kulturleistung.

Karin Ammann — Okzident

3. Schanzmättelistrasse 15

Wo jetzt ein Mehrfamilienhaus steht,

gelbes Sichtmauerwerk,

versteckte sich früher

(mit der Zeit immer weniger sichtbar,

umwunden von Sträuchern und wucherndem Grün)

ein kleines Haus.

Die Bewohner zog es nach Paris

und in den Libanon,

die ursprüngliche Heimat des Besitzers.

Jakob Urech und Anita Zihlmann — Die schönen Pläne

für das neue Haus von Dr. Albert Tschopp-Brewer stammen

vom bekannten Architekten Karl Kress. Der Bauherr,

Englisch- und Deutschlehrer an der Alten Kantonsschule

Aarau, wollte seiner aus London stammenden

Frau ein Cottage bauen – das im Verlauf der Planungsphase

immer grösser wurde. Schliesslich entstand ein

zusätzliches Stockwerk, das vermietet werden sollte.

Der ältere der zwei Söhne, Charles Tschopp, späterer

Seminarlehrer und Autor der bekannten Werke «Der

Kanton Aargau» und «Vier Aargauer Novellen», verbrachte

in diesem Haus von 1907 bis 1917 seine Jugendjahre.

Die Familie musste dann das Haus aus ökonomischen

Gründen verlassen und baute sich am Bühlrain

ein neues, kleineres Haus. Für ein paar Jahre lebte

Rudolf Hegnauer, ein Fabrikant, mit seiner Frau und sieben

Kindern in dem geräumigen Haus.

1924 zog die Familie Karl Brüderlin mit den Söhnen

Hans und Karl in die Villa an der Oberholzstasse

ein. 1941 teilten die Söhne den grossen Garten auf. Hans

Brüderlin, Architekt, baute auf seinem Anteil drei

Reihen häuser, von denen er mit seiner Gattin bis heute

eines bewohnt. Karl Brüderlin, ehemaliger Direktor der

Schuhfabrik Bally in Schönenwerd, blieb im Elternhaus

wohnen.

Zuletzt war das Kleinod drei Jahr unbewohnt,

bevor 1995 in Genf eine Unterschrift

dessen Schicksal besiegelte.

4. Oberholzstrasse 21

Jeder Abbruch tut weh.

Dafür kamen neue Gesichter, ab und zu ein Hauch von

Ferne.

Wenn man genau hinsieht,

hat sich wenigstens ein Teil des Wildromantischen

in den Garten hinübergerettet –

augenzwinkernd Richtung Süden.

Einst polterten die sieben Kinder eines Fabrikanten durch die Gänge, heute sorgen

Fussballfeste für Hochbetrieb im geräumigen Haus aus dem Jahre 1907.

1983 zogen Karl Brüderlin und seine Frau ins

Frey-Herosé-Altersheim und verkauften das Haus. Erworben

wurde es von Hanspeter Thür, Elisatbeth Bertschi

Thür mit Tochter Simone und Jolanda und Jakob

Urech mit den Söhnen Mario und Luca, Beat Hächler

und Regine Fischer als Wohngenossenschaft Zelgli.

Seit 1997 ist das Haus im Besitz von Hanspeter

Thür und Elisabeth Bertschi einerseits und Jakob und

Jolanda Urech andererseits. In diese Zeit fällt auch der

Anbau der Laube mit Wendeltreppe in den Garten.

Vor sechs Jahren zügelte Anita Zihlmann in die

Dachwohnung. Ihr Mann Patrick Hirzel zog 2006 ebenfalls

ein und nach dem Wegzug von Hanspeter Thür in

sein neues Haus an der Weinbergstrasse, wechselten sie

2007 in die grössere Wohnung im 1. Stock. Am Maienzug

2004 lernte das Ehepaar Urech Hans Tschopp, den

Sohn von Charles Tschopp, kennen. Mit seiner Frau

Ruth besichtige er später das Haus seines Grossvaters

und interessierte sich für die Ideen und Baupläne. Im

Gegenzug beschenkte er Haus und Bewohner mit wunderbaren

Fotografien vom Haus, vom Bauherrn mit Familie

und dem literarischen Nachlass seines Vaters.

Heute leben Jolanda und Jakob Urech im Parterre,

Anita Zihlmann, Patrick Hirzel und die zweijährige Zoé

im 1. Stock und Raffael Goldenberger und Manuela

Hausgeschichten aus dem Zelgli 7


Kerker in der Dachwohnung. Nicht zu vergessen sind

die zwei 16-jährigen Katzen Schmeichel und Schnurrli,

welche für Verbundenheit im Quartier sorgen.

Bis 2009 lebten über 20 weitere Personen mehr

oder weniger lang in der schönen Dachwohnung oder in

Untermiete und alle äussern sich begeistert von der Ausstrahlung,

der Ruhe und der Lage dieses alten Hauses

mit dem schönen Garten. Doch schliesslich sind es die

Menschen, die durchs Leben und Bewohnen Atmosphäre

schaffen und Gedanken und Geschichten lebendig

Herman Schmidt — Das Haus wurde von einem Priva tier

Ad. Gamper-Wernle (aus der Bally-Verwandtschaft) erbaut.

Der Stadtrat hatte ihm am 26. Juli 1907 den Bau

einer etwa gleich grossen Villa nach Plänen eines Architekten

A. Zuber in einem ganz anderen, historisierenden

Stil bewilligt, die auf der Bauverwaltung der Stadt erhalten

sind. Sie wurden nicht ausgeführt. Nach den übereinstimmenden

dekorativen Elementen (roh behauene

Eck-Steine, Blechzapfen der Ziegeldachabschlüsse),

nach der Grundeinteilung, Art der tragenden Elemente,

8 Stadtmuseum Schlössli Aarau

Oberholzstrasse 30 ganz links, Oberholzstrasse 21 ganz rechts im Bild

5. Oberholzstrasse 30

halten. So wurde an den Tischen nächtelang diskutiert,

politisiert, medizinische Rezepte abgehandelt, Matratzenlager

für gestrandete Schauspieler errichtet, Schulreformen

entworfen, Projekte gesponnen, Geschichten geschrieben,

Theaterszenen dramatisiert, gelacht, geschuftet

und gefeiert! Speziell zu erwähnen: Alle zwei Jahre

belebt die EM oder WM das Haus. In den Fussballstudios

in den Kellerräumen finden die legendären Fussballfeste

der Toto Nero SA statt – dank grossem Verständnis

in der Nachbarschaft.

Die exponierte Lage über dem Aaretal bescherte den Bewohnern einen

herrlichen Ausblick, in Zeiten von Kohleheizung und einfach verglasten Fenstern

aber auch unwohnliche Kälte in den Räumen.

der Hourdi-Kellerdecken und Balken-Geschossdecken,

dürfte unser Haus vom gleichen Baumeister wie das

Nachbarhaus Oberholzstrasse 28 (heute Locher) erbaut

worden sein. Herr Locher zeigte mir letztes Jahr, als er

hier eine Wohnung renovieren liess, einen vollständigen

Satz der Baupläne seines Hauses, das ein Aarauer Baugeschäft

1908 baute.

Als wir unser Haus von der Bally AG kauften, erhielten

wir von ihrem Baubüro eine Menge Pläne für

spätere Umbauten. Daraus sieht man, dass die Villa Ad.

Gamper 1925 schon nicht mehr ihm, sondern der Baugesellschaft

Schönenwerd AG (einer Immobilien-Tochtergesellschaft

der Bally AG, 1981 mit der Bally Schuhfabriken

AG fusioniert) gehörte. Sie wurde damals vom

Baubüro für einen Direktor C. A. Hoffmann-Stählin renoviert.

Nach seinem Autounfalltod wurde die Villa

1933 wieder renoviert und umgebaut für die Vermietung

an Dr. Arnold Roth, Direktor der Sprecher & Schuh AG,

der sie bis 1943 bewohnte. 1933 wurde ein Ausgang

vom Treppenflur nach Südwesten in den Garten und

eine grosse Terrasse mit Stützmauer auf der Nordwestseite

gebaut, die in die Katasterpläne der Stadt bis heute

nie aufgenommen wurde. (…)

Nach 1943 stand die nicht mehr zeitgemässe Villa

leer, offensichtlich u. a. weil sie mit einfach verglasten

Fenstern an der windexponierten Lage über dem Aaretal

mit der rationierten Kohle damals gar nicht richtig beheizt

werden konnte. Nach Kriegsende wurde sie in ein

Zweifamilienhaus umgebaut, wofür das Baubüro Bally

verschiedene Varianten zeichnete. Schliesslich wurde

der Umbau 1948 vom dipl. Architekt Hans Brüderlin

(Pestalozzistrasse 40) ausgeführt, der an den Plänen des

Baubüros nur noch wenig ändern konnte, wie er mir am

3. Mai 2001 erklärte. Das Haus erhielt eine stark veränderte

innere Einteilung, aber auch ein verändertes Aussehen:

Der «Herrschafts»-Eingang ins Parterre mit der

dazugehörenden Treppe verschwand (ersetzt durch ein

winziges neues Badezimmer), der frühere Dienstboteneingang

daneben wurde zum einzigen Eingang in ein

neues Treppenhaus.

Das Zweifamilienhaus war anfänglich für Geschäftsleitungsmitglieder

der Firma Bally bestimmt.

Erster Mieter im Parterre war Dr. Wilhelm (Willi) Mark,

Personalchef. Als er und seine Frau Alice zwei Kinder

adoptierten und mehr Raum benötigten, wurden nach

Plänen des Baubüros 1955 auf der Nordost-Seite eine

Garage im Kellergeschoss mit einem Wohnraum im Parterre

(heute das Webatelier von Sonya Schmidt) und darüber

eine Terrasse der Wohnung im 1. Stock angebaut.

Bei dieser Gelegenheit wurde ein kleiner Erker mit einem

Treppenaufgang aus der Waschküche in den Garten

abgebrochen. An der Rampe zur Garage auf Kellerniveau

wurde das frühere Kohlenkellerfenster zu einer

Tür in den Velokeller. Es wurden nochmals innere Wände

versetzt und die Kohlenzentralheizung von 1908

durch eine Ölfeuerung mit einem erdverlegten Tank unter

dem kleinen Rest Wiese ersetzt. Meine Tochter und

ich haben das alles anhand der vielen Pläne und mit Er-

kundigungen bei früheren Bewohnern, Nachbarn (namentlich

Dr. W. Mark, von 1970 an bis zu seinem Tod wohnhaft

an der Oberholzstrasse 32a und Karl Heinz Eckert,

Oberholzstrasse 34) und bei Herrn Architekt Brüderlin

zusammengetragen, um den heutigen Bauzustand verstehen

und beurteilen zu können.

Uns gefällt die freie Lage des Hauses über dem

Aare tal. Wir mussten aber viel verbessern und es besser

abdichten gegen den starken Wind und den Lärm von

Bahn und Strasse. Das gelang uns ganz gut. Weil 1948

zwar die damals üblichen doppeltverglasten Fenster eingebaut,

jedoch sonst nichts isoliert wurde, und in jede

Fensternische der grösstmögliche Radiator eingebaut

worden war, konnten wir sogar 2006 die Ölheizung durch

eine Wärmepumpenheizung mit der tiefsten Sondenbohrung

in Aarau (330m bis auf ca. 50m/ü.M) ersetzen.

Unser Haus steht am Rand der Kalkfelsen, die in

verschiedenen Steinbrüchen im Quartier abgebaut und

für die Bauten in der Stadt gebraucht wurden. Auf der

Talseite bricht bei uns der Fels steil ab. Schon die Stützmauer

unserer Terrasse konnte 1933 nicht mehr auf solidem

Fels fundiert werden. Ursprünglich ging – wie

auch bei den Nachbarliegenschaften – der Garten bis zur

Schönenwerderstrasse hinunter. Das änderte vor 1970,

als der unterste Teil in eine verunglückte Überbauung

einbezogen wurde, von der die Nachbarhäuser Oberholzstrasse

32 (heute Frau Erika Gruner) und 32 a (zuerst

Dr. W. Mark, heute Landolt und Gullig) fertig gestellt,

dann der weitere Bau 1970 von den Behörden gestoppt

wurde. Der steil abfallende Nordhang ist keine

ertragsreiche Lage für einen Garten, verlangt dafür umso

mehr Arbeit, die von Hand geleistet werden muss. Es hat

dort alte Brombeeren, die den ganzen Bau seit 1970

überlebten. Es hatte einmal einen Baumgarten mit einem

kleinen Weiher, auch eine Wasserleitung, die wir wieder

herstellen konnten. Dazu noch eine kleine Geschichte:

Wir fanden dort in der Hecke eine merkwürdige,

seit vielen Jahren nicht mehr gebrauchte Holzkonstruktion.

An einen Kompostbehälter oder etwas ähnliches

dachten wir. Wir hielten sie als Spielhütte der kleinen

Enkel und setzten einen bei der Dachrenovation demontierten

Blechspitz mit Kugel auf das Dächlein. Vom

Nachbarn Karl Heinz Eckert erfuhren wir, dass ein früherer

Mieter von Däniken, Direktor einer Schuhleistenfabrik

in Niedergösgen, sich dort einen Aussichtssitz gebaut

hatte, von dem aus er beobachten konnte, wer unten

auf der Strasse von Schönenwerd nach Aarau oder

umgekehrt ging und fuhr.

Hausgeschichten aus dem Zelgli 9


Anna Gasser-Teppati — 5. Dezember 1921: Das Kaufobjekt

Interimregister No. 1487, Kat.Plan Blatt 27, Parzelle

No. 2121, 4.65 Aren, Hausplatz+Garten, Unteres Zelgli

wurde von der Allg. Wohnungsbaugenossenschaft in

Aarau verkauft. Der Käufer hiess Ernst Ziegler, SBB-

Beamter. Der Kaufpreis lag bei 2’790.–, 6.– pro m 2 .

Was so amtlich trocken tönt, war der Anfang einer bewegten

kleinen Familiensaga mit vielen, ganz verschiedenen

Darstellern und einem Drehort, dem Haus am

Rütliweg 12.

Die Schreibende ist eine der Urenkel von Ernst

Ziegler, Gufi genannt, und was folgt ist eine Liebeserklärung

an die Leute, die das Haus bewohnten und, so

sonderbar es klingt, an einen Ort, an dem jeder von unserer

Familie auf eigene Art und Weise Zuflucht fand,

Geborgenheit genoss, Stärke aufbauen konnte, um Zufriedenheit

im Leben zu finden.

Ernst und Emilie Ziegler zogen mit ihren zwei

Töchtern Clara und Emilie am Rütliweg ein. Das Haus

wurde liebevoll eingerichtet, ein Gemüsegarten für den

Eigenbedarf wurde angelegt und auf dem Sitzplatz

pflanzten sie ein Bäumlein, damals noch kleiner als der

Besitzer (der kein Riese war…): eine Linde! Unter ihren

Ästen, von Anfang an regelmässig und professionell geschnitten,

haben vier Generationen an warmen Sommerabenden

den Schatten genossen, Blätter gesammelt, als

der Herbst wieder kam, im Winter die Linien des nackten

Holzes mit den Augen verfolgt und im Frühling das langsame

Spriessen bewundert. Am Haus wurden in all diesen

Jahren keine grosse Änderungen vorgenommen, im

Garten liess das Gemüse irgendwann den farbigen Blumenbeeten

Platz. Äpfel, Zwetschgen, Brombeeren und

Himbeeren kommen nach wie vor von eigenen Bäumen

und Stauden. Das Spezielle am Rütliweg 12 waren die

Bewohner. Die ältere Tochter Clara verliebte sich in Italien,

während einem Aufenthalt als Au Pair. Die abenteurlichen

Flitterwochen führten von Camogli (Genua)

nach Aarau, über den Gotthardpass, mit Töff und Sidecar!

Bald gab es bei Clara und Giuseppe Gaggini zwei

Töchter und die kleine Familie reiste fleissig und gerne

von der ligurischen Küste nach Aarau. Der 2. Weltkrieg

trennte die Familie, man schrieb sich, man berichtete

über Not und Angst, von Verwüstung und Tod, aber auch

über Freude und Hoffnungen. Besonders gefühlvoll war

das Wiedersehen, vieles wurde erzählt, man weinte und

lachte in den Räumen am Rütliweg 12, Pläne für die Zu-

10 Stadtmuseum Schlössli Aarau

6. Rütliweg 12

Pendelnd zwischen der ligurischen Küste und der Schweiz fand eine Familie

über fünf Generationen ihren Ruhepunkt im Haus am Rütliweg.

kunft wurden geschmiedet. Für die ältere Tochter von

Clara und Giuseppe (Maria Laura, genannt Marola) war

die perfekte Zweisprachigkeit und die Bindung zu Aarau

entscheidend: Sie zog in der Nachkriegszeit zu den Grosseltern

Ziegler, begann bei Bally zu arbeiten, später wechselte

sie zu Sprecher und Schuh. Dank ihrer Offenheit

schloss sie rasch Freundschaften, ihre Begeisterung für

die Natur und den Sport führte sie mit dem SAC in die

Berge. Die Schweiz wurde ihre zweite Heimat, der Rütliweg

ihr Zuhause. Ihre Initiativen brachten Modernisierungen

in den Rütliweg-Alltag und lebhafte und respektvolle

Auseinandersetzungen zwischen Grosseltern, Tante

und Marola. Der Kontakt zwischen Aarau und Camogli

blieb nach wie vor sehr aktiv: Clara genoss meistens den

angenehmen Sommer «Daheim» in der Schweiz bei den

Eltern, der Schwester Milly und der Tochter Marola und

den milden Winter «Daheim» in Italien bei der zweiten

Tochter Pepi. Auch sie (Maria Giuseppina, genannt Pepi)

war oft zu Besuch. Sie schätzte das ruhige und unabhängige

Leben am Rütliweg, das Ausspannen und die Kühle

im Sommer. Das war so in ihren jungen Jahren und blieb

so bis zuletzt: das Haus und der Garten in Aarau waren

für sie ein Ort, um Kraft zu tanken. Diese Kraft, die

brauchte sie im Alltag: aus der Heirat mit Augusto Teppati

ergab sich eine Grossfamilie. Ich bin das dritte der

vier Kinder (Cesare, Lucia, Anna und Alice) dieser

Grossfamilie, die dritte Generation, die den Rütliweg 12

erlebt. Und weiter haben die beiden Buben meines Bruders,

die Tochter meiner jüngeren Schwester und meine

beiden Mädchen einige Jahre Schnecken im Garten gesucht,

Himbeeren von den Sträuchern gepflückt, sind die

Holztreppe auf dem Po hinuntergerutscht, haben alte

Kinderbücher gelesen und gespannt auf das Läuten des

Christkindli-Glöggli gewartet. Meine Geschwister und

ich verbrachten die langen italienischen schulfreien Zeiten

mehrheitlich am Rütliweg 12. An herrliche Momente

erinnern wir uns stets, an die geduldigen Augen der

Grosstante Milly, Hauswirtschaftslehrerin, die immer mit

ein wenig Spannung unserer Italo-Invasion in ihrem

Haus entgegensah, an die «Lausmädchen»-Augen der

Tante Marola, die immer abenteuerliche Erlebnisse mit

uns teilte, an die liebevollen Augen der Nonna Clara, die

streng sein konnte, ohne dass wir es je bemerkten und an

die Augen unserer Mamma, die am Rütliweg immer wieder

die Stärke fand, um in glücklichen sowie in schweren

Zeiten zurechtzukommen.

Das Haus ist seit einige Monaten an ein junges

Paar vermietet: für uns ist es schön zu denken, dass weiterhin

Leben in diesen Wänden und unter der Linde

herrscht. Unsere Mieter besuchten das erste Mal den

Rütliweg 12 an einem grauen und regnerischen August-

Susanne Grendelmeier-Hoffmann — Als ich mit 19 Jahren

aus meinem Elternhaus am Rütliweg 2 auszog, hatte

ich keine Ahnung, dass ich dereinst zusammen mit meinem

Mann, den dritten Lebensabschnitt wieder hier verbringen

würde.

Meine Eltern Felix und Gretel Hoffmann-Kienscherf

kauften das 1921 erbaute Haus im Jahre 1944. Im

Januar 1945 zog unsere Familie – bestehend aus Vater,

Mutter, meinen zwei älteren Schwestern Sabine und

Christine und mir selber, von der Erlinsbacherstrasse an

den Rütliweg. Hier kam im Oktober gleichen Jahres unser

Bruder Dieter zur Welt. Zusammen mit Vater und

Hebamme gebar unsere Mutter ihr viertes Kind – gleich

wie die drei Älteren – zu Hause. (…) Wir vier Kinder

schliefen meist zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer.

Als wir grösser wurden und im Haushalt mithelfen

konnten, konnte die Haushalthilfe eingespart werden.

So gab es mehr Platz. Jedes von uns bekam sein Kämmerchen

und konnte so seine private Sphäre aufbauen.

Sitzend in der Mitte und rechts Urgrosseltern Emilie und «Gufi»,

hinter ihnen Grosstante Milly vor der frisch gepflanzten Linde (ca. 1924)

7. Rütliweg 2

tag: es gefiel ihnen auf den ersten Blick. Sie spürten die

Liebe, Kraft und Dankbarkeit, die dieser Ort ausstrahlt.

Wir wünschen ihnen, dass sie am Rütliweg 12 jetzt und

in Zukunft glücklich sein werden.

Inmitten der Erinnerungsstücke an ihre Eltern Felix und Gretel Hoffmann lebt die Tochter

heute wieder im Haus ihrer Kindheit. Die Mutter zog vor dreissig Jahren aus dem Haus aus

– und seither dreimal wieder ein.

Geheizt wurde unser Haus, wie damals üblich, mit

einer Kohle-Zentral-Heizung. In den Übergangszeiten

wurde der Kachelofen geheizt. Dieses Prachtstück steht

heute noch und wird von uns immer wieder gern benützt.

Das Holz bekam Vater als Bürger von Aarau von

der Gemeinde als so genannten Bürgernutzen. Abwechslungsweise

gab es in einem Jahr «Wedelen», im nächsten

dann drei Ster Tannen- und Buchenholz. Dieses wurde

jeweils mit einer mörderischen Säge- und Hackmaschine

in ofengerechte Stücke zerkleinert. Diese Arbeit

hörte man im ganzen Quartier.

Die heute üblichen Isolierverglasungen der Fenster

kannte man in den 1950er-Jahren noch nicht. Jeden

Herbst holte Vater die Vorfenster samt Rahmen vom

Estrich herunter. Nach einer Putzaktion wurden sie eingehängt.

Im Frühjahr folgte dann die Prozedur in umgekehrter

Richtung. Die Methode mit Fenstern und Vorfenstern

hatte auch ihre schönen Seiten. Man konnte den

Winter hindurch dazwischen Blumentöpfe, zum Bei-

Hausgeschichten aus dem Zelgli 11


spiel mit Zyklamen, hinstellen. Ab und zu konnte man

auch Eisblumen bewundern. Mit dieser heimeligen

Herrlichkeit hatte es ein Ende, als die Eltern doppeltverglaste

Fenster montieren liessen.

Nach dem unerwarteten und frühen Tod meines

Vaters im Jahre 1975 wollte meine Mutter nicht mehr in

ihrem Haus wohnen bleiben. Sie zog aus, das Haus wurde

vermietet. Eine junge Musikerfamilie genoss Haus

und Garten. Bei dieser Gelegenheit wurden einige kleinere

Renovationen vorgenommen. Nach dem Auszug

dieser dreiköpfigen Familie beschloss meine Mutter zurückzukommen.

Jetzt wurde gründlich renoviert. Die

Heizung wurde auf Gas umgestellt und die Aussenwände

bekamen einen neuen Anstrich: Die Fassade rosa, die

Fensterläden sollten nach den Wünschen unserer geschmackssicheren

Mutter auf jeder der drei Seiten eine

andere Farbe erhalten. Der Maler konnte dann allerdings

Mutter davon überzeugen, dass zwei Farben genug seien.

So bekamen zwei Seiten, die südliche und die östliche

blaue – und die dritte nördliche Fassade violette

Fensterläden. Die Haustüre wurde lila gestrichen.

Mutter, die aus einer Familie von Theaterspielern

stammt, hatte offenbar das Wandern im Blut. Jedenfalls

entschloss sie sich bald, nochmals auszuziehen. Diesmal

wurde das Haus an das theologische Seminar vermietet.

Dieses baute sein Wohnhaus im Binzenhof um und suchte

Unterkunft für sechs junge Frauen. Für die nächste

Zeit beherbergte also das Haus so etwas wie eine WG.

Jede der Frauen hatte ihr Zimmer. Zusammen benützten

sie die Stube mit dem erwähnten Kachelofen. Nach dem

Auszug der sechs Frauen wurde eine Familie mit zwei

Kindern einquartiert. Sie hatten einige Wünsche. So wurden

alle Zimmer frisch gestrichen. Vor allem wurde auf

dem Parterre die Mauer zwischen dem Ess- und Wohnzimmer

herausgebrochen. Dadurch entstand ein recht

grosser Raum – worüber auch wir heute noch froh sind.

Doch auch diese Aera kam zu einem Ende. Und

jetzt darf man raten, was geschah. Mutter kam ein drit-

12 Stadtmuseum Schlössli Aarau

Rütliweg 2

tes Mal zurück an den Rütliweg! Im Jahre 2000 übernahmen

mein Mann und ich das Haus. Was war diesmal

passiert? Mutter hatte sich von einem Tag auf den andern

entschlossen, ins Altersheim zu ziehen. Meine andern

drei Geschwister lebten in der Nähe von Aarau in

eigenen Häusern und waren an der Übernahme des Elternhauses

nicht interessiert. Wir selber hatten insgesamt

gegen vierzig Jahre an zahlreichen Orten im In-

und Ausland gelebt, zuletzt in einem Paradiesli im solothurnischen

Bucheggberg, und planten, unseren grossen

Haushalt zu verkleinern und zu vereinfachen. So kamen

wir auf die Idee, nach Aarau zu ziehen, wo ich seit Geburt

und auch mein Mann (als Kantonsschüler) schöne

Jugendjahre erlebt hatten.

Im «Stift» residiert meine Mutter heute noch, mittlerweile

96-jährig, zufrieden, und ohne erkennbaren

Drang, ein viertes Mal an den Rütliweg zurückzukommen.

(…) Die schönsten Erinnerungsstücke – neben

meiner unbeschwerten Kindheit natürlich – in und um

das Haus sind erstens die beiden von meinem Vater bemalten

Wände im Haus, Vaters zahlreiche Bilder, die

unser Haus schmücken, der mehrfach erwähnte grüne

Kachelofen, und ein schöner, mittlerweile grosser Apfelbaum,

den meine Mutter 1986 vom WWF für ihren

Einsatz für die Natur geschenkt bekam. (…) Wir sind

glücklich und zufrieden im Haus am Rütliweg. Wir

schätzen die Ruhe, den Klang des Glöckleins vom Zelglischulhaus,

das gute Verhältnis zu den Nachbarn (von

den Nachbarn aus meiner Jugendzeit lebt allerdings

kaum jemand hier), unseren kleinen Garten, der uns beinahe

zu Selbstversorgern macht, den nahen Quartierladen,

wo man nicht nur einkaufen, sondern auch einmal

einen Schwatz machen kann, den Busanschluss, die

Nähe zum Bahnhof und zur Altstadt, und natürlich die

kurze Distanz zum Wald, zu «Amerika» und zum Roggenhauser

Täli als Naherholungsgebiet. Kurz: Es stimmt

für uns einfach alles.

Gisela Keller-Becke — Für Herrn C. Pletscher, Bankdirektor

zu Turin, wurden am 4. Oktober 1924 die präzisen,

noch erhaltenen Baupläne für ein Einfamilienhaus

von Herrn Architekt E. Wessner beim Gemeinderat

Aarau eingereicht und bereits am 24. Oktober 1924 genehmigt.

Der Architekt baute damals im Zelgli mehrere

Häuser im ähnlichen, klassizistisch angelehnten Stil.

Unterschrieben sind diese Pläne von Lisa Pletscher,

der ledigen Schwester des Auftraggebers, welche

das neu erstellte Haus im Jahr darauf bezog. Die Grösse

des Objektes führte dazu, dass sie verschiedene Räume

an auswärtige Töchter vermietete, welche das nahe gelegene

Lehrerinnenseminar an der Schanzmättelistrasse

absolvierten. Haus und Garten mit Gemüse, Obst und

Blumen wurden durch sie aufs Beste gepflegt. Fräulein

Pletscher lebte im Haus, bis sie 1961 ins Altersheim Golatti

zog, also mehr als 35 Jahre.

Im Jahr 1961 kauften Max und Liseli Erb-Locher

die Liegenschaft und zogen mit ihren Töchtern Silvia

und Doris hier ein. Herr Erb betrieb – schon wie die

Vorfahren – eine Hufschmiede in Aarau neben dem Regierungsgebäude

(wo heute das Restaurant Rendez-vous

und die Drogerie Bützberger sind). Später dann verlegte

er die Werkstatt an die Bachstrasse.

Aus Gesundheitsgründen musste Max Erb schon

früh die schwere Arbeit als Schmied aufgeben. Als grosser

Pferdefreund richtete er einen Stall ein (jetzt Wohnhaus

Heroséstift) und erteilte Reitunterricht. Das Wohnen

im Zelgli war für die Familie ideal und sie verlebte

hier glückliche Jahre. Als die Töchter erwachsen wurden

und auszogen, wollten sich auch die Eltern verän-

8. Zelglistrasse 39

Über den blühenden Garten, den einst die erste Hausherrin

Fräulein Pletscher anlegte, legen sich lange Schatten.

Zelglistrasse 39

dern und zogen in eine der pflegeleichteren, bequemen

und schönen Etagenwohnungen, welche damals neu im

Quartier angeboten wurden.

Im Jahre 1972 stand die Liegenschaft wiederum

zum Verkauf. Sie wurde durch Robert und Gisela Keller-

Becke erworben, welche nach erfolgter Auffrischung

hier mit ihren Kindern Urs und Doris einzogen. Die

Nähe zum Betrieb einerseits (Druckerei Keller am Rain)

und die Nähe zu den Schulen war für den Familienalltag

ideal. Das Zelgliquartier war damals überaltert. Nach

und nach kamen junge Familien, renovierten die Häuser

und es entwickelten sich langsam Begegnungen zur

Nachbarschaft. Eine schöne Zeit für die heranwachsenden

Kinder, welche die Gärten und auch Strassen benutzten

und bevölkerten im wahrsten Sinne des Wortes.

Viele glückliche und intensiv gelebte Jahre folgten.

Haus und Garten sahen viele Verwandte, Freunde

und Kollegen ein- und ausgehen. Es wurden grosse Feste

gefeiert und liebe Menschen beherbergt. Raum war ja

genügend vorhanden. Der Garten speziell war für die

Hausfrau und gelernte Gärtnerin immer eine Quelle der

Freude. So wurden Gemüse und Rosen gepflanzt. Mit

den Jahren wurde dies eingestellt, denn die Bäume in

den Nachbargärten wurden hoch, höher und noch höher.

Heute sind sie ca. 25 Meter hoch, eine im Westen Licht

und Sonne schluckende Wand entstand. Leider. So ist

denn der einstmals blühende Garten zum Schattendasein

verdammt. Auf der Südseite der Liegenschaft soll in

nächster Zukunft eine grosse Überbauung realisiert werden,

12 Meter hoch reicht wohl das Attikageschoss. Das

Haus Zelglistrasse 39 als Lebensmittelpunkt für eine

Hausgeschichten aus dem Zelgli 13


folgende junge Familie wird nicht mehr sein, was es

einmal war. Das Bestehen ist nur noch eine Frage der

Zeit. Man darf gespannt sein auf den Entscheid der Be-

Thomas und Sylvia Pfisterer — Das Grundstück war in

den 1920er-Jahren vom Nachbarn (Zelglistrasse 45) gekauft

worden, der darauf einen Tennisplatz erstellen

wollte. Er kam allerdings in Geldschwierigkeiten und

verkaufte das Land der Stadt zurück. Zweiter Käufer

war Prof. Hans Kaeslin, Kanti-Lehrer mit Vulgo

Elsbeth Gruber-Lüscher — Es war einmal ein grosser

Bauernhof, mit einem mächtigen Nussbaum zuoberst im

Zelgli, unterhalb der Echolinde. Der Baum trägt wunderbare

Nüsse, wovon viele Spaziergänger berichten

können! 1928 kaufte Grossvater Lüscher den Hof mitten

in der Nacht! Er selber war Landwirt mit Hof, erst im

Aarauer Schachen, dann in Schönenwerd. Er klopfte

gerne mal in einer Wirtschaft einen Jass, wie eben an

dem bewussten Abend. So traf er am Jasstisch den Zelglihofbauern.

Dem ging es wirtschaftlich nicht gut. Er

bot den Hof meinem Grossvater an. Als die beiden Bauern

einig waren, holten sie einen Notar aus dem Bett, es

war mittlerweile Mitternacht, um den Kaufvertrag auszufertigen!

Grossvater hatte einen Sohn, Hans, Jg. 1903, der

die Landwirtschaftliche Schule in Lausanne absolvierte

und danach in Südfrankreich und Algerien arbeitete. So

wurde nun Hans nach Hause beordert, um den Hof zu

übernehmen. Er war gar nicht begeistert! Sein Vater füllte

den Stall mit Kühen und Rindern. Ein Pferd, ein Eidgenoss,

hatte Hans bereits, aus der Kavalleriezeit. Jetzt

brauchte Hans noch eine Bäuerin. Die fand er in Dättwil;

als Hans, hoch zu Pferd einen ehemaligen Melker besuchte,

hatte die Bauernfamilie dort eine 19-jährige Toch-

14 Stadtmuseum Schlössli Aarau

9. Fröhlichstrasse 4

hörde, ob und wie «Aarau als Gartenstadt» noch weiter

existieren soll, oder ob der Charakter der Gartenstadt

langsam verschwinden muss.

‹Cheese›, der 1928/29 auf dem Grundstück ein Haus erbauen

liess. Als Architekt verpflichtete er seinen ehemaligen

Schüler Hächler aus Lenzburg. Es ist somit eines

der ersten Hächler-Häuser, die gebaut wurden. Wir wohnen

seit 1975 an der Fröhlichstrasse 4, nachdem wir das

Haus von der Erbengemeinschaft Kaeslin gekauft hatten.

10. Zelglihof, Zelglistrasse 76

Der grosse Nussbaum ist das einzige, was vom Bauernhof, der einst an

dieser Stelle stand, übrig blieb. Der Hof, einst mitten in der Nacht gekauft,

prägte das Leben von drei Generationen.

ter. Beim Anblick des jungen Reiters war es um sie geschehen.

So heiratete der Hans die Else im Februar 1930.

Ein Jahr darauf kam ich, Elsbeth, die erste Tochter, zur

Welt. 1932 konnte mein Vater den Hof von Grossvater

käuflich erwerben. Der Zelglihof, Baujahr 1901, war mit

Wohnhaus und Stallungen nach 30 Jahren erneuerungsbedürftig.

Befand sich die Toilette, ein Plumpsklo, schon

im Wohnhaus, wurde es nun ins Stallgebäude gezügelt.

Das Haus bekam eine neue Toilette mit Spülung und der

offene Eingang auf der Veranda wurde geschlossen. Etwas

später wurde auch ein neuer Schopf mit Lagerkeller

und Knechtenzimmer gebaut. Geheizt wurde im Wohnhaus

mit Holz. In der «guten Stube» stand ein lindgrüner

Kachelofen. Später gab es im 1. Stock, wo sich die

Schlafzimmer befanden, ein «Kanonenöfeli», welches

nur abends eingeheizt wurde. 1939 kam zur Freude meiner

Mutter ein Badezimmer dazu! 1937 erblickte die

zweite Tochter, Susanne, das Licht der Welt, 1940 und

41 je ein Sohn, Hans jun. und Rudolf. In den 30er-Jahren

lag das Geld nicht gerade auf der Strasse. So entschied

sich Mutter bald, neben den vielen Arbeiten auf dem

Hof, verschiedene Gemüse anzupflanzen und auf dem

Wochenmarkt zu verkaufen. Die Kontaktpflege mit den

Kunden bereitete ihr Freude. Der Krieg brachte viele

Sorgen. Hauptsächlich quälten die Fragen, wer besorgt

den Stall und wer bebaut das Land, wenn Vater im Militär

ist? Irgendwie ist es gegangen, aber die Kräfte unserer

Mutter liessen nach. Zusätzlich wurde sie mit Arthrose

und Hüftgelenkschmerzen geplagt, weshalb sie

nach 25 Jahren das Marktfahren aufgab. 1954 verkaufte

unser Vater einen Teil des Landes an die Stadt und pachtete

es als Weideland für die Rinder. Auch wurde noch

bis Anfang 70-er Jahre Heu eingefahren. Dem Zelglihofbauern

gab man den Beinamen «Gentleman Farmer».

Das Geld vom Verkauf des Landes sollte später zum

Kauf für je einen Hof für die beiden Söhne eingesetzt

werden. Die Söhne wanderten 1960 nach Kanada aus.

Die Eltern bauten 1975 auf dem eigenen Land ein ebenerdiges

Einfamilienhaus, das rollstuhlgängig war. Das

alte Haus wurde renoviert. Beim Entfernen des Verput-

Anita Davis-Kaufmann — Ich hätte eine kleine Geschichte

von dem Haus am Rande des Landhauswegs, das

Haus mit der grossen Birke. Als Kinder konnten wir immer

unser Haus erkennen an den damals drei grossen

Birken, von der Friedenslinde sowie von der Wasserfluh.

Es war mein Elternhaus, wo ich und meine vier

Geschwister aufgewachsen sind. Meine Eltern: Karl

Kaufmann, ehem. Kantonsbaumeister, 1903–1971, sowie

meine Mutter, Meta Kaufmann-Renold, 1904–2004,

Bürgerin von Aarau, haben das Haus 1948 erbauen lassen,

nach den Plänen meines Vaters. Traditionsgemäss

kam unser Grossvater Emil Daniel Renold, 1870–1956,

Zelglihof, 1955

11. Landhausweg 57

zes kamen Bruchsteinmauern von fast 50 Zentimetern

Dicke hervor. Mit meiner Familie bezog ich nun das alte

Bauernhaus, damit ich in der Nähe der Mutter war. In

der Küche konnte noch immer mit Holz geheizt werden.

Die Zentralheizung, welche 1954 im Haus eingebaut

wurde, konnte nun auch zusätzlich mit Öl gefeuert werden.

1992/93 verstarben unsere Eltern. Da alle meine

Geschwister im Ausland leben, befand Vater testamentarisch,

dass Gebäude und Land verkauft werden sollen.

Schweren Herzens nahmen wir Abschied von unserer

Heimat, dem schönen Zelglihof. 1995 wurden Hofhaus

und Scheunen dem Erdboden gleichgemacht. Geblieben

ist der Nussbaum, prächtig und mit ausladender Krone.

Ein Dankeschön an Herr Dr. Bühlmann, der den Nussbaum

nach dem Landerwerb stehen liess! So erfreut er

nach über 100 Jahren noch immer viele Menschen.

inzwischen in Zürich wohnhaft, zum Maienzug. Er

staunte, als er uns das erste Mal besuchte. Er erzählte

uns, dass der Weg zum nahen Binsenhof-Hotel ein regelmässiger

Sonntagnachmittags-Spaziergang war. Ich

denke, dass das ca. 1890 war. Wir Kinder fanden das

lustig, da wir ja die Strecke Zelgli-Pestalozzischulhaus

vier Mal im Tag zurücklegten.

Zu meiner Biografie: Bin seit 1965 in der USA,

besuche oft die Schweiz und fühle mich sehr verbunden,

speziell mit Aarau. Nach 10 Jahren «wohnmobilen»

nach unserer Pensionierung bin ich letzte Woche in Texas

wieder in ein «festes» Haus gezogen.

Hausgeschichten aus dem Zelgli 15


Bettina Becker — Wenn man an der Friedenslinde steht

und auf die Häuser hinabschaut, in deren Gärten man –

bei offener Gartenpforte – im Winter bequem auf dem

Schlitten hinunterrutschen könnte, sieht man vor allem:

Bäume. Grosse, alte Nussbäume. Einen Zuckerahorn,

der alles überragt, was in der Nachbarschaft wächst. Seit

gut 50 Jahren bemühen sich hier die Bäume, die Häuser

zu verbergen, die dahinter in weitläufigen Gärten stehen

und mittlerweile gelingt ihnen das zumindest im Sommer

fast vollkommen.

Seit 15 Jahren bewohnen wir eines dieser Häuser

mit den alten Bäumen: die Signalstrasse 24. Im Haus neben

dem unseren wohnten bis vor acht Jahren Max und

Anna Werder, die das Haus im Jahre 1950 für sich und

ihre beiden Buben erbaut hatten. Zeitgleich bauten und

bezogen links und rechts auf den benachbarten Grundstücken

befreundete Ehepaare mit ihren Kindern ihre neuen

Häuser. Ich habe Anna Werder kennen gelernt, als ich vor

15 Jahren mit meiner Familie nach Aarau zog und sie hat

viel dazu beigetragen, dass ich mich hier zu Hause zu

fühlen konnte – zumindest, solange sie neben uns wohnte,

denn vor acht Jahren zwangen sie Alter und nachlassende

Gesundheit, ins Altersheim Golatti zu zügeln. Weil

sie aber mit ihrem ganzem Herzen am Haus und vor allem

am Garten hing, den sie mit besonders viel Liebe

pflegte und hegte, mochte sie sich nicht wirklich trennen

und so stand das Haus von da an leer und im Garten begann

die Natur nun, ganz sich selbst überlassen, nach eigenen

Plänen zu wachsen und zu gedeihen. Viele der

Zierblumen verschwanden einfach. Andere breiteten sich

aus und ich beobachtete, fotografierte und trug dann ins

Altersheim, was sich im Garten in der Signalstrasse 26

tat. Besonders interessierte Anna Werder, wie es ihrer

Palme ging – eine Pflanze, die fremd und geduckt neben

dem immer höher wachsenden Haselstrauch ganz nah an

der überdachten Terrasse zaghaft ihre gefiederten Blätter

ausbreitete. Aus dem Tessin hatte Anna Werder einst ein

winzig kleines Palmenbäumchen mitgebracht, hatte es

«grossgezogen» und eigentlich befürchtet, dass es den

ersten Winter nicht überstehen würde. Aber es überstand

ihn und alle anderen, folgenden Winter. Im Winter wickelte

sie die Blätter und den Stamm ein und bedeckte

die Pflanze mit Sackleinen – später war die Pflanze dann

so stark, dass sie die Winter unbedeckt überstand.

Rundum wurde es mit den Jahren immer dunkler

in Anna Werders Garten. Fast hatte man das Gefühl,

16 Stadtmuseum Schlössli Aarau

12. Signalstrasse 26

Ein zauberhafter Garten wurde zum regelrechten «Zaubergarten»,

als über Jahre niemand mit Heckenschere und Spaten ordnend eingriff.

man befände sich am Grunde eines Brunnens, wenn

man am Grün ringsum hinauf zum Blau des Himmels

schaute. Die Orchideen auf der Wiese, die sich, als einzelne

Pflanzen zunächst, von selbst in den Garten versamt

hatten, hatte Max Werder immer mit Stöckchen markiert

und so vor dem Rasenmäher geschützt. Nun, wo kein

Rasenmäher mehr das Gras kürzte, breiteten sie sich im

Nu aus und die ganze Wiese war gesprenkelt mit den

blasslila Orchideenblüten – die allerdings im hohen

Gras unterzutauchen schienen. Efeu rankte sich an den

Hauswänden empor wie an einem Dornröschenschloss

– und das Haus mit den geschlossenen Läden schien

ganz wie im Märchen in einen langen Schlaf gesunken.

An die warme Gartenseite des Hauses schmiegte sich

ein riesiger Feigenbaum, an dem im Hochsommer die

schönsten Feigen in der Sonne reiften. Niemand hatte

ihn je dort gepflanzt, er war ganz einfach plötzlich da

gewesen.

Anna Werder hatte ihren Garten immer mit grossem

und nie enden wollendem Staunen beobachtet und

war der Meinung gewesen, es sei am besten, man liesse

wachsen, was wachsen wolle – und daran hielt sich der

Garten auch, als sie nicht mehr dort lebte: es wollte viel

dort wachsen und es wucherte und grünte und die Brombeerranken

krochen gleich dürren Schlangen durch die

Wiese und umranken den ganzen Garten, als wollten sie

ihn mit ihren Dornen vor Eindringlingen schützen. Im

Herbst regnete es Nüsse von allen Nussbäumen – Walnüsse

in ganz unterschiedlichen Grössen und Haselnüsse.

Die Eichhörnchen hüpften geschäftig durchs feuchte

Gras und sammelten ihre Wintervorräte. Wunderschöne

Fliegenpilze, die aussahen wie aus einem Bilderbuch,

tauchten auf der Wiese auf.

Im vergangenen Winter ist Anna Werder für immer

eingeschlafen und das Haus ist nun verkauft worden.

Nach wie vor aber streckt ihre Palme die Blätter der

Sonne entgegen und da ein paar der grossen Bäume fallen

mussten, die im Winter unter der Schneelast zerbrochen

waren, kann man sie jetzt sogar von der Strasse

aus sehen. Jedesmal ist mir, als sehe ich auch Anna Werder

davor stehen, sehe sie der Palme zulächeln und weiter

wandern durch ihren «Zaubergarten»: zu den Küchenschellen,

die vor der Terrassentür üppig wachsen,

zu den Obstbäumen, die ihr Vater als kleine Bäumchen

aus Rupperswil hergebracht und gepflanzt hat. Ich meine

zu hören, wie sie mir die drei verschiedenen Schnee-

glöckchenarten anhand der Blütenblätter erklärt, die sie

am Ende jeden Winters mit der immer gleichen, grossen

Freude begrüsste und ich begleite sie in Gedanken zur

Terrasse, blicke mit ihr durch die Blätter der Rhododen-

13. Bergstrasse/Wasserfluhweg/

Zurlindenstrasse

Hans Trüb — Vor 50 Jahren ist im Zelgli «Betonville»

entstanden. Ein Landstück zwischen der Bergstrasse,

dem Wasserfluhweg und der Zurlindenstrasse. Die acht

Bauplätze gehörten den Architekten Geiser & Schmidlin

und dem Malermeister Zingg. Das Land wurde zum

Verkauf angeboten mit der Auflage, dass die oben erwähnten

Besitzer beim Hausbau berücksichtigt werden

mussten. Als das erste Haus ausgesteckt wurde, fragte

man sich, was da mitten in konventionellen Giebelhäusern

entstehen soll.

Sibylle Reimann-Hämmerli — Ostern nahte, die Spannung

stieg. Leider geschah nichts. Kein Wassertropfen

wollte in das leere Schwimmbassin fallen. Dabei begannen

in vier Tagen die Ferien. Würde es dieses Jahr nicht

Palme in Anna Werders Garten

14. Tannerstrasse 47

Ein «Zürisee» mitten im Zelgliquartier markierte für

die Kinder jedes Jahr den Beginn des Frühlings.

dren hinauf zum Waldrand und sehe die Zweige in den

Strahlen der Abendsonne im leichten Windhauch zittern:

«Dieser Ort ist schon etwas ganz Besonderes!» pflegte

Anna Werder dann immer leise zu sagen.

Ein erstes Haus mit Pultdach wurde gebaut und

schon bald waren zwei weitere ausgesteckt – nicht im

Chaletstil, versteht sich. Junge Familien zogen ein mit

über einem Dutzend Kindern. Es gab keine Zäune, Hunde,

aber keine Katzen. Innert wenigen Jahren entstand

ein neues Quartier, das eine architektonische Einheit bildete.

Böse Zungen nannten es «Betonville». Die acht

Häuser, in denen sich alle Leute wohl fühlen, sind noch

heute im Besitz der Erbauer oder ihrer Nachkommen.

klappen? Endlich, am Nachmittag war der Brunnenmeister

über den Gartenzaun geklettert, hatte die Wasserleitung

zum Bassin geöffnet und auf 1 l/min eingestellt.

Drei Tage dauerte es jetzt noch, bis das Bassin mit

Hausgeschichten aus dem Zelgli 17


Wasser gefüllt war. Das bedeutete für die Kinder, dass

der Wasserstand täglich kontrolliert werden musste. Und

wir alle standen um das Bassin herum, freuten uns über

das klare Wasser und fanden unsern Garten sehr zu seinem

Vorteil verändert. Und endlich kräuselte sich das

Wasser am Bassinrand. Auch die Nachbarskinder hatten

das Wasser beobachtet. Nun spielten alle Kinder rund

um das Bassin herum. Sie turnten, spielten mit dem Ball

und bald landete das erste Kind mit den Kleidern im eiskalten

Wasser. Auf dieses Startzeichen hin hüpften auch

die andern sofort hinein. Ein riesiges Geplansche und

Gequietsche erfüllte die Luft und ich eilte mit vielen

Badetüchern herbei, um all die nassen und durchfrorenen

Kinder einzuwickeln. So begann bei uns während

vieler Jahre der Frühling. Unser Schwimmbad gehörte

zu den ältesten im Quartier und funktionierte wie die

Brunnen der Stadt. Wie diese wurde es vom Brunnenmeister

in Betrieb gesetzt und im Herbst entsprechend

wieder abgestellt. Wie das Brunnenwasser blieb unser

Wasser immer kalt und an heissen Sommertagen genossen

wir diese erfrischende Kühle sehr. Die Bauherrin

bezeichnete das Schwimmbad als ihr kleiner «Zürisee».

Vor einigen Jahren haben wir das Bad – den «Zürisee»

– renaturiert, indem wir es zu einem Biotop umbauen

liessen. Alle Materialien des alten Bassins sind dazu

verwendet worden. Bei genauem Hinsehen ist auch die

ursprüngliche Form des Bassins noch erkennbar. Nicht

nur der «Zürisee» war in den schönen Garten eingeplant

worden. Es war erstaunlich, was hier alles zu finden war.

Neben der Badewiese wuchsen reihenweise Himbeeren,

was ganz den Wünschen der Kinder entsprach. Brombeeren

und Johannisbeeren fehlten nicht. Sechs verschiedene

Apfelsorten fanden hier Platz, Birnen, Weich-

Verena Knell — Das Haus ist ungefähr 30 Jahre alt, hat

aber sein modernes, kantiges Outfit behalten. Ursprünglich

aus Backstein erbaut, musste es sich später zur besseren

Isolation mit hässlichem, braunem Eternit verkleiden

lassen! Sechs Wohnungen befinden sich im

schmucklosen Haus: drei 4-Zimmer- und drei 5-Zimmer-Wohnungen,

alle im Eigentum.

Ich kam vor 10 Jahren aus Lostorf in dieses sehr

geometrisch eingeteilte Haus mit Lift, blitzsauberem

Treppenhaus und gepflegtem Garten. Die Miteigentümer

sind bunt gemischt, was Lebensstil und Einrichtung

betrifft. Älter bis alt sind wir alle! Wir sind eine ange-

18 Stadtmuseum Schlössli Aarau

15. Liebeggerweg 12

seln und Aprikosen vervollständigten das Angebot. Verschiedenste

Rosen schmückten den Garten und einige

davon blühen auch jetzt noch jedes Jahr wunderschön.

Ebenso sorgfältig war 1933 das ganze Haus gebaut

worden. Die Böden sind aus Holz konstruiert, die Zwischenräume

mit Schlacke gefüllt. An diesen Böden lässt

sich ein Stück Kulturgeschichte ablesen. Das Parterre

wird von einer geräumigen Stube und dem anschliessenden

Esszimmer geprägt. Beide haben einen wunderschönen

Eichenboden mit Fischgratmuster. Das Esszimmer

ist zusätzlich mit Holz getäfert. Doch diese Pracht wurde

ganz offensichtlich nur für besondere Anlässe genutzt.

Neben der bescheidenen Küche existierte eine

Essecke mit Eckbank – ein eher düsterer Platz, aber offensichtlich

für den Alltag gedacht. Die Böden im ersten

Stock sind auch mit Fischgratmuster gestaltet, aber nur

noch in Buchenholz gefertigt. Und im obersten Stock

gibt es nur noch Riemenböden. Auch in der Küche fanden

sich kulturgeschichtlich interessante Möbel. Da

stand ein riesiger eingebauter Schrank mit Schiebetüren,

eingebauten Schubladen aus Glas für Zucker, Mehl und

Gewürze sowie ein eingebauter Kühlschrank. Das war

ein niedriger, gefliester Schrank mit zwei dicken Rohren,

die durch die nördliche Hauswand nach draussen

führten.

Wenn alle Kinder nach ihrem Frühlingsritual im

Garten wieder trocken und warm verpackt waren, konnten

sie ein feines Zvieri in diesem schönen Haus geniessen

und anschliessend im oberen Stockwerk zusammen

spielen. Derweil machte ich es mir in der Stube gemütlich,

und dank der klangverstärkenden Holzkonstruktion

der Böden konnte ich ganz bequem hören, womit sich

die Kinder beschäftigten.

nehme, verschworene Seilschaft, die jederzeit bereit ist

zu helfen, wenn Hilfe gebraucht wird. In zwei Wohnungen

leben verspielte Büsi – ich habe eine wunderbare

Windhund-Lady, die heult, wenn ich einen Arzt- oder

Zahnarzttermin habe. Durch eine bittere Vergangenheit

ist sie abnormal anhänglich und hat Verlustängste, wenn

ich ohne sie weggehe! Ich bin sehr dankbar, dass meine

Mitbewohner nachsichtig und freundlich sind. Ich lebe

gerne in Nr. 12, ich liebe meine grossen, lichtdurchfluteten

Räume und den Blick ins Grüne. Ich schätze die

Nähe der Menschen hier, die mich niemals einengen!

Charlotte Parry — Mein Urgrossvater Fritz Siebenmann

erwarb das Haus an der Tannerstrasse 21 in Aarau am

12. Juli 1918, nachdem er mit seiner Familie die «Walthersburg»

verlassen hatte. Er zog mit seiner Frau Marie

und seinen drei Töchtern Mathilde (meiner Grossmutter),

Emmy und Miggi ein. Ein grosses Stück Land vis-

à-vis gehörte auch dazu. Die Tochter von Miggi erinnert

sich noch lebhaft an einen wunderschönen Zitronenapfelbaum

mit feinen Früchten. An Weihnachten, so erzählt

sie, habe sie mit ihren Schwestern auf dem Regenfass

Eis gepickelt, bis das Christkind die Kerzen auf

dem Weihnachtsbaum angezündet habe. Sie kann immer

noch den wunderbaren Tannenduft riechen, der die Stube

erfüllte. Im Sommer habe das ganze Zelgli schon von

weitem nach reifen Erdbeeren, die im Garten wuchsen,

geduftet. Meine Grossmutter Mathilde Brühlmann-Siebenmann

war eine passionierte Geschäftsfrau am Rain

und hatte nicht viel Zeit für ihre zwei Söhne. Ernst

(mein Vater) und Fritz verbrachten einen Grossteil ihrer

Freizeit an der Tannerstrasse 21. Sie fühlten sich hier

bei ihrer Grossmutter wie zu Hause.

Das Haus blieb in der Familie. Im Jahre 2007 erwarb

ich es zusammen mit meiner Schwester Stephanie

von meinem Onkel, meinem Bruder und der Familie

Schmid-Bloesch (ehemals Siebenmann). In den siebziger

Jahren wohnte ich mit meinem Mann im Parterre.

Vier Jahre später, zurück aus England, bewohnten wir

den zweiten Stock unter dem Dach. 1983 kam Sohn Steven

zur Welt. Seit seinem fünften Lebensjahr ist Musik

seine Passion, er spielt leidenschaftlich gerne Klavier.

Also ist es auch ein musikalisches, swingendes Haus! Er

wird Ende Juni ausziehen und so sein Elternhaus, ver-

Alfons Ruckstuhl — Im damals noch ziemlich leeren Zelgli

ist das Haus an der Tannerstrasse 19 in den 20er-Jahren

Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut worden. Mei-

16. Tannerstrasse 21

Während 95 Jahren wachte eine Weisstanne über das Haus,

die nach einem Blitzschlag dieses Jahr gefällt werden musste.

17. Tannerstrasse 19

bunden mit vielen schönen Kindheitserinnerungen, verlassen.

So ist meine Verbundenheit mit diesem Haus einerseits

durch meine Familie, andererseits auch durch

meinen langen Aufenthalt hier gegeben. Unter den verschiedenen

Mietern in den vielen Jahren ist auch Familie

Brechbühl, die schon seit 38 Jahren hier wohnt und

zwei Töchter grossgezogen hat.

Während all dieser Zeit wachte über den Bewohnern

eine riesige Weisstanne. Vor zwei Jahren, als ich

nach Hause kam und vor unserer Haustüre stand, schlug

ein Blitz in die Tanne. Anscheinend handelte es sich um

einen Kugelblitz, denn der Nachbar sah wie eine Feuerkugel

die Strasse hinunterrollte. Ich dachte, mein letztes

Stündlein hätte geschlagen. Ein gewaltiger Knall und

das Geräusch von zersplitterndem Glas liessen mich erstarren.

Von der Verletzung erholte sich der Baum nicht

mehr und musste aus Sicherheitsgründen am 10. März

dieses Jahres gefällt werden. Wir waren traurig, hatte

doch die 95-jährige, 28 Meter hohe Tanne das Leben

meiner Familie und vieler anderer Menschen begleitet.

All die Krähen, Elstern, Meisen, Gimpel und viele andere

Vögel mussten sich ein neues Zuhause suchen.

Eine meiner grossen Freuden ist der Garten. Hohe alte

Birken, Forsythien, Feuerbüsche, Wiese, Blumen und

«Unkraut» bilden ein kleines Paradies und bieten Lebensraum

für Singvögel, Schmetterlinge, Käfer und

sonstiges Getier. Freuden und Sorgen, Lebensfreude und

Tragik, Geburt und Tod haben das Haus geprägt. Diesen

Herbst wird das Haus bezüglich Isolation und Wärmeenergie

aufgerüstet. Wir hoffen, noch manches schöne

Jahr hier verbringen zu können.

Das Haus war einst nicht nur Bäckerei, Lebensmittelladen und Postannahmestelle,

sondern auch Treffpunkt für so manchen Schwatz der Quartierbewohnerinnen.

ne Eltern, Alphons (Jg. 1916) und Margaritha Ruckstuhl-Sommerhalder

(Jg. 1910), haben es 1952 vom

damaligen Besitzer, Ernst Grogg, gekauft. Dieser wie-

Hausgeschichten aus dem Zelgli 19


derum eröffnete in der Folge das Restaurant «Aarauerstube»

an der Bahnhofstrasse. Meine Eltern betrieben

also fortan die Quartierbäckerei mit Lebensmittelgeschäft

als reinen Familienbetrieb. Mein Vater produzierte

all die feinen Backwaren unten in der Backstube.

Meine Mutter und nach und nach auch meine zwei

Schwestern (Margrit, Jg. 1942) und (Manuela, Jg. 1946)

unterstützten sie, so gut es eben neben der Schule ging.

Mein Bruder (Hansrudolf, Jg. 1939), das älteste unter

uns vier Kindern, verliess das Elternhaus bereits 1956,

um in Fribourg eine Lehre als Konditor-Confiseur zu

beginnen, welche er dann drei Jahre später auch erfolgreich

abschloss. Unterdessen entschlossen sich meine

Eltern, das in die Jahre gekommene Ladenlokal gründlich

umzubauen. Während der Umbauzeit im Juli/August

1960 verkaufte meine Mutter die duftenden Frischwaren

in der hübsch hergerichteten Autogarage neben

dem Geschäftshaus. Heute kaum mehr vorstellbar, waren

die geschätzten Kundinnen sehr dankbar, dass sie

auch in diesen zwei Monaten ihre Frischwaren direkt

beim Bäcker im Quartier kaufen konnten. Nach der

Neueröffnung im August 1960 präsentierte sich das Geschäft

mit nur noch einer zentralen Ladentüre (vorher

waren es zwei getrennte für Bäckerei und Lebensmittel)

und mit zwei grossflächigen Schaufenstern, welche auch

heute noch zu sehen sind. Auch ich selber (Alfons Jun.,

Jg. 1950), habe mittlerweile an allen Enden im Familienbetrieb

mitgeholfen, als Hilfsbäcker bei meinem Vater,

als Ausläufer nach der Schule oder als Küchenhilfe,

wenn die Mutter andauernd im Laden besetzt war. Zusätzlich

war unser Geschäft auch Postannahmestelle für

Pakete, Briefe, Verkaufslokal für diverse postalische

20 Stadtmuseum Schlössli Aarau

Ehemaliges Ladenlokal an der Tannerstrasse 19

Produkte, vor allem Briefmarken, Aufklebeadressen,

Luftpostpapier, Air-Mail-Kleber und vieles mehr. Was

heute wieder vermehrt in kleinen Dörfern eingerichtet

wird (Poststellen), war bereits damals in unserem Quartier

eine feste Grösse. Alle diese Dienstleistungen ersparten

vielen Kundinnen den Weg in die Stadt. Es gab

noch keinen Bus ins Zelgli und ein Zweitauto hatte damals

praktisch niemand! Die Stadtmühle Aarau brachte

ihr Mehl für unsere Bäckerei noch in 50-kg-Stoffsäcken.

Der Chauffeur, oder besser gesagt Kutscher oder Fuhrmann,

denn er kam mit einem zweispännigen Pferdefuhrwerk,

trug die schwere Last auf dem Rücken in die

Backstube hinunter. Auf die gleiche Art lieferte die

Brauerei Feldschlösschen ihr Bier in unseren Keller. Die

Kundinnen machten dann jeweils einen grossen Bogen

um die imposanten Pferde herum. So entwickelte sich

unser Geschäft immer mehr zu einem echten Quartier-

Treff; gar manche Kundinnen, eher selten auch Kunden,

führten einen kurzen oder längeren Schwatz miteinander

oder auch mit meiner Mutter. Wenn mehr Platz vorhanden

gewesen wäre, hätte auch eine kleine Kaffee-

Ecke eingerichtet werden können; dazu kam es allerdings

nie! Die harte Arbeit und die überlangen

Arbeitstage (13 bis 16 Stunden waren der Normalfall)

nagten an der Gesundheit, vor allem an der meines Vaters.

Zusätzlich haben sich meine beiden Schwestern in

der Zwischenzeit verheiratet und konnten nur noch Teileinsätze

im Laden leisten. Hansrudolf, der Erstgeborene,

wohnte schon lange in der Romandie; und auch

ich selber habe mich nicht für den Bäckerberuf entschieden

und bin stattdessen Lehrer geworden. So entschlossen

sich meine Eltern schweren Herzens, das Geschäft

im Jahre 1971 aufzugeben. Da sich kein Nachfolger finden

liess, blieb das Geschäft für immer geschlossen und

meine Eltern gestalteten den ehemaligen Ladenraum geringfügig

um und bewohnten diesen fortan als grosse

Stube, später sogar als Schlafzimmer. In den folgenden

Jahren (ab 1972) vermieteten meine Eltern einige der

9 Zimmer im 1. und 2. Stock an Bauschüler der Bauschule

Unterentfelden. Dies hat sich auch nach dem Tod

meines Vaters (1999) nicht geändert und noch heute

wohnen 1–2 Bauschüler im obersten Stock des Hauses.

Meine Mutter, mittlerweile 99-jährig, ist bei guter Gesundheit

und bewohnt nach wie vor das Haus an der

Tannerstrasse 19, tatkräftig unterstützt von ihren Nach-

Adolf Fäs — Wir haben das Haus 1976 vom ehemaligen

Chefredaktor des Aargauer Tagblattes, Dr. W. Gisiger,

gekauft, weil es uns auf Anhieb gefiel, einen grossen

Garten hat und gut gelegen ist. Es ist Ende der zwanziger

Jahre des letzten Jahrhunderts von einem jungen Architekten

namens Studer gebaut worden. Er benutzte es als

Wohn- und Geschäftshaus mit seinem Architekturbüro

im Parterre. Der gleiche Architekt hat auch die alte Aarauer

Badi und ein paar andere Privathäuser in Aarau erstellt.

Einige Jahre später kam er bei einem Autounfall

ums Leben. Nach Studers Tod bewohnte ein Spitalarzt

namens Säuberli das Haus. Wir liessen es nach dem Kauf

durch den Architekten Felber sanft und stilgerecht renovieren.

Dabei kam im Wohnzimmer unter einem abgewetzten

grünen Spannteppich ein schöner Parkettboden

zum Vorschein. Zusammen mit unsern 1975 und 1977

Margrit Michel — Wohnt man mal im Zelgli, bleibt man!

Vor gut 28 Jahren hatte ich das Glück, mit meinem

4-jährigen Sohn eine Parterrewohnung in einem zusammengebauten

3-Familienhaus zu bekommen, das wir

dann später, als der Eigentümer starb, kaufen konnten.

Ist man mal im Zelgli, wechselt man nicht so

schnell. Meine Nachbarin zog vor 69 Jahren mit Mutter

und Schwester ein, inzwischen ist auch sie gestorben.

18. Hohlgasse 70

19. Fliederweg 8

kommen und der Spitex. Leider sind die meisten Kundinnen

verstorben, die Neuzuzüger kennt sie natürlich

nur in der allernächsten Umgebung. Aber als Frohnatur

findet sie auch heute noch Kontakte, vor allem im Sommer,

wenn sie draussen sitzt. Die alten Kundinnen und

ihren Ehemann besucht sie dann halt auf dem Friedhof

Rosengarten, der ja ganz in unserer Nähe liegt. Ich selber

habe 1980 meine Nachbarin, Ruth Kaufmann (Jg. 1953),

geheiratet. Zusammen, mittlerweile mit unserer Tochter

Salome (Jg. 1992), bewohnen wir das Haus an der

Tannerstrasse 17. Wir sind also die direkten Nachbarn

meiner Mutter, was für uns alle sehr schön ist; wir profitieren

gegenseitig voneinander.

geborenen Söhnen erlebten wir seither viele schöne

Stunden im wohnlichen Haus.

Besonderen Wert legen wir auf eine naturnahe Gestaltung

des Gartens. So haben wir im Verlaufe der Jahre

viele exotische Sträucher durch einheimische ersetzt und

nebst einer Blumenwiese auch zwei Teiche, ein Trockenbiotop

mit Mergel und eine Ruderalfläche mit Kies erstellt.

Erstaunlich viele Vogelarten haben wir seither schon

vor unserem Fenster beobachten können. Einige davon

haben sogar in unserem Garten gebrütet, nicht zuletzt wegen

der zahlreichen von uns angebrachten Nisthilfen (u.

a. Haus- und Gartenrotschwanz, Kleiber, Buntspecht, verschiedene

Meisenarten). Besonders erwähnen möchten

wir noch die Nachtigall, den Teichrohrsänger, ein Pärchen

Neuntöter, die Rotdrossel und den Kleinspecht, die alle

unseren Garten schon einmal kurz besucht haben.

Auf der anderen Seite wohnte ein Ehepaar in einem der

ältesten Häuser am Weg zeit seines Lebens: 96 Jahre.

Jetzt ist es verkauft. Häuser und Umschwung haben sich

nicht viel verändert. Es hatte aber nicht nur ältere Leute,

Kinder hatte es immer. Die Umgebung ist sehr kinderfreundlich.

Zurzeit hat es etwa ein Dutzend Kinder, die

den Weg zum Spielen benutzen.

Hausgeschichten aus dem Zelgli 21


Hans Schenker — Als wir 1964 ins Zelgli einzogen, hatten

wir soeben das Experiment «Wohnen in einem Loft»

beendet. Es hatte Folgendes gebracht: fantastischer

grosser Raum, Gefühl der Freiheit, aber Temperaturen

zwischen minus 2 und plus 45 Grad. Vom Altstofflager

unterhalb der Wohnung stieg Ungeziefer herauf.

Wir waren froh, in ein normales Haus ziehen zu

können. Vorerst begegneten uns die Leute in der Nachbarschaft

eher zurückhaltend. Dafür verantwortlich war

wohl unsere Erscheinung. Unsere Kinder, zwei Knaben

und ein Mädchen, pflegten meist barfuss zu gehen. Was

schockierte, war indessen der rassenreine ungarische

Hirtenhund. Sein Haar war total verfilzt. Wir wussten,

dass man ihn auf gar keinen Fall kämmen durfte. Man

Julie Landis — Am Freitag, 28. August 1981, erschien im

Aargauer Tagblatt folgendes Inserat: «Aarau, Einfamilienhaus

an der Renggerstrasse 60 mit Garage und gedecktem

Sitzplatz. Ruhige und zentrale Lage. 942 m 2

Land. 8 Zimmer, Estrich und Keller. Bezug ab 1. Dezember

1981. Verhandlungspreis: Franken 600’000.00.

Auskunft erteilt: Schweizerische Bankgesellschaft, Herr

M. Weibel, Aarau

Noch am selben Tag gingen Kaspar und ich das

Haus suchen und fanden es im Zelgli beim Friedhof. Ich

22 Stadtmuseum Schlössli Aarau

20. Hohlgasse 38

Hohlgasse 38, H. Schenker

21. Renggerstrasse 60

hätte ihn sonst des Schutzes gegen Wölfe beraubt. Seine

Heimat war die Puszta, wo er eine Schafherde beschützen

musste. Im Zelgli hat es schliesslich bis zum heutigen

Tag noch keine Wölfe. Dass wir uns in der Nachbarschaft

mit einem Blüm chen vorgestellt hatten, war

sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Eine Wende

brachte das neue Telefonbuch, das mich als Architekten

auswies. Dieser Beruf nützte mir bei der Lösung des

Garagenproblems, ja sogar ein verglaster Windfang auf

Strassenniveau liess sich realisieren.

Aufwarten kann ich noch mit einem spektakulären

Fenstersturz. Unser zweijähriger Werner fand den Mittagsschlaf

nicht. Er stürzte 5 Meter auf den Kiesweg im

Garten ab, ohne sich im Geringsten zu verletzen.

Der Wunschtraum vom Traumhaus wurde Wirklichkeit und das Haus

ist bis heute die «grosse Liebe» seiner Besitzerin Julie Landis.

war begeistert, war es doch ein Haus, wie es meinen

Wunschträumen entsprach… Kaspar dagegen war sehr

skeptisch und bat mich, diese Villa sofort zu vergessen,

da reichere Leute bestimmt 100’000 Franken mehr dafür

bezahlen würden. – Ich blieb hartnäckig und am

1. Dezember 1981 gehörte das Haus für 580’000 Franken

uns (und der SBG)!

Der Wunschtraum wurde zum Traumhaus – und

blieb meine grosse Liebe, ihm und seinem Garten gehört

meine Zuwendung in verschiedensten Arten! Kas-

par starb leider 1998 an einer Leukämiekrankheit und

konnte nicht mehr erleben, wie ich einen Ausgang zum

Garten, einen offenen Kamin im Sitzplatz, eine Dusche

im Keller… und zuletzt ein Tomatenhaus realisierte.

1911 wurde die Villa für Herrn Heinrich Hasler,

geb. 1872, Vorsteher des Versicherungsamtes, gebaut.

Der Architekt war A. Müller-Jutzeler. 1913 vermietete

E. Eckert und Sohn, Baugeschäft in Aarau, die Liegenschaft

an Max Senn, Stadtförster in Aarau für 1’800

Franken pro Jahr.

Am 1. November 1919 verkauft Hasler das Haus

an Hermann Henz, Kaufmann, für 72’000 Franken. Bereits

wenige Monate später verkaufte Henz das Haus

wieder für nur 70’000 Franken. Mir wurde von Berchtold

Senn erzählt, dass eine unglückliche Liebes-/Verlobungsgeschichte

der Grund war.

1920 bis 1981, also während 61 Jahren, wurde das

Haus von der Familie Senn-Siegfried bewohnt. Max

Senn (1880–1959), Edith Senn-Siegfried (1887–1983),

Sohn Berchtold (1911–2008), Tochter Hedi Bloch-Senn

(geb. 1913), und Oberkorpskommandant Hans Adam

(1918–2007). Wie ich im Laufe der Jahre erfuhr, war

Hans Senn bei allen Schweizer Soldaten hoch geachtet.

Der Tod von Marie Meili im Jahr 1981, welche

über Jahrzehnte den Haushalt, den Garten und vor allem

die Dame des Hauses betreute, war der Grund, dass die

Erben Senn das Haus verkauften. Frau Edith lebte noch

zwei Jahre im Altersheim Herosé. Wir durften sie noch

zweimal ins «Senn-Hüttli» zum Tee einladen und sie

streichelte ihre Möbel (wir haben sehr viel Mobiliar

übernommen), indem sie meinte, dass sie glücklich sei zu

wissen, dass so liebe Leute jetzt im «Senn-Hüttli» wohnen!

Familie Landis nach dem Einzug, 1981

1981–2009 ist also der Traum vom Haus zum

wirklichen Traumhaus geworden. Alt-Stadtförster Senn

ist vor allem im Garten und Umschwung gegenwärtig –

manchmal bitte ich ihn um Rat. Die Familie Senn hat

uns unzählige interessante Unterlagen überlassen sowie

praktische Dinge wie Ersatzplättli für Küche und Bad

sowie Tapetenrollen von 1911 zum Ausbessern! In zwei

Räumen befinden sich die alten Tapeten und auch die

Linoleumböden, die antiken Leuchter und Telefonapparate

funktionieren noch. Die unterschiedlich verzierten

Radiatoren sind wunderschön und erhaltenswürdig, wie

alles im und ums Haus.

Viele Belege zeigen, dass sich Herr Senn sehr für

unser Zelgliquartier engagierte. So zum Beispiel im Jahre

1926, als er sich mit Mitunterzeichnern gegen «das

Schlachten von Tieren» im neu geplanten Doppelgeschäftshaus

Zelglistrasse/Tannerstrasse vom Konsumverein

wehrte. Ebenfalls 1926 stimmte er dem Vollausbau

der Zelglistrasse zu und trat zum Preise von 7 Franken

per m 2 , 63 m 2 von seinem Gartenland ab. Übrigens

kaufte Max Senn am 5. Juni 1920 bei der Forstverwaltung

Aarau 50 Bohnenstecken à 20 Rappen; und wie mir

Sohn Berchtold erzählte, wurden die Stangenbohnen

quasi auf der heutigen Renggerstrasse angebaut, da damals

nur das Spitalgässli zur Stadt hinunterführte. Als

Stadtförster visierte er seine Rechnungen persönlich.

Der Stadtkassier hiess Wehrli.

Resumé: Ich habe in diesem Haus an die zwanzig

Kinder-, Garten- und Kochbücher realisiert und das letzte,

im April 2008 erschienene, ist mein «Geschenk» an

dieses Haus!

Hausgeschichten aus dem Zelgli 23


Stadtmuseum Schlössli Aarau

Schlossplatz 23

5000 Aarau

www.museumaarau.ch

museum@aarau.ch

Öffnungszeiten:

Mi - So 14 - 17 Uhr

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