Berliner Zeitung 11.09.2019

BerlinerVerlagGmbH

„Das Amt kam für mich zu früh“ –Sigmar Gabriel über seine Karriere Politik Seite 4

Kolumne:

Union und

Hertha

Seite 20

10°/23°

Spätsommer

Wetter Seite 2

Werder: 2020 fällt das

Baumblütenfest aus

Brandenburg Seite 16

www.berliner-zeitung.de

Warum Iggy Pop für die

Deutsche Bahn warb

Feuilleton Seite 23

Mittwoch, 11. September 2019 Nr.211 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

So weiblich wird die neue

EU-Kommission

Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8

Grüne

Die

Bremer

Alternative

VonMarkus Decker

Schon die Kandidatur von Cem

Özdemir um den Grünen-Fraktionsvorsitz

war überraschend. Noch

überraschender war aber die Partnerin,

mit der er antritt: Kirsten Kappert-Gonther,eine

Bundestagsabgeordnete

aus Bremen vomlinken Flügel.

Den Herausforderern werden

allgemein eher Außenseiterchancen

eingeräumt. Freilich ist auch von einer

Dynamik die

Rede, die entstehen

könnte –

und eventuell

sogar weiteren

Kandidaten, die

bis zum 24. September

in den

Ring steigen.

Kirsten Kappert- Kappert-

Gonther, Gonther wurde

ehrgeizigeGrüne 1966 in Marburg

geboren, wuchs

im Ruhrgebiet auf und studierte Medizin

in Marburgund Brisbane (Australien).

Sie arbeitete als ärztliche Leiterin

einer Reha-Einrichtung für psychisch

Kranke in Gütersloh und als

Chefin einer psychiatrischen Privatklinik-Ambulanz

in Bremen. Von

2005 bis 2017 war sie selbstständige

Psychotherapeutin in der Hansestadt.

Sieist seit 30 Jahren verheiratet

und hat zwei Kinder, von denen eines

mittlerweile ebenfalls Ärztin ist.

Die politische Karriere der Medizinerin

begann 2002 mit dem Eintritt

in die Grünen, nahm Fahrt auf mit

der Wahl in die Bremer Bürgerschaft

2011, wo sie 2015 zur stellvertretenden

Fraktionsvorsitzenden emporstieg,

und erreichte einen weiteren

Höhepunkt mit derWahl in den Bundestag

2017. Zugleich war die Vegetarierin

ohne Auto aktiv in der Umwelt-

und Friedensbewegung.

Kappert-Gonthers Ehrgeiz wurde

spätestens Ende 2012 offensichtlich.

Denn obwohl sie seinerzeit erst ein

Jahr in der Bürgerschaft saß, wollte

Kappert-Gonther die heimische

Bundestagsabgeordnete Marieluise

Beck beerben –eine zentrale Figur

der Partei seit ihrer Gründung. Was

damals noch misslang, gelang vier

Jahre später. Beck musste für Kappert-Gonther

Platz machen. Insofernwundertesnicht,

dass die Fraktionssprecherin

für Drogenpolitik,

die sich für eine Entkriminalisierung

von Cannabis einsetzt, erneut nach

relativ kurzer Zeit in neuer Funktion

zum nächsten Sprung ansetzt.

Realos sagen, Kappert-Gonther

könne eine gute Ergänzung zu Özdemir

sein. Hier das promovierte Bürgerkind,

das jüngst zur Bildung der

Bremer Linkskoalition aus SPD,Grünen

und Linken beitrug; da das realpolitische

Migrantenkind, das sich

aus kleinen Verhältnisse hocharbeitete.

Offenbar will sich Kirsten Kappert-Gonther

nur um den Frauenplatz

bewerben und damit nur gegen

Göring-Eckardt antreten. Verliertsie,

würde sie Özdemir wohl das Feld gegen

Hofreiter überlassen. Die 52-

Jährige hat also eine Chance. Mehr

nicht.

„Ich

werde

diesen

Kampf

führen“

Manuela Schwesig ist

an Brustkrebs

erkrankt und gibt

ihre Parteiämter in

der SPD auf. Seite 3

Baustelle Berlin

Sanierungen bei Bahn und S-Bahn behindern auf Jahre den Verkehrinder Hauptstadt

VonAnnika Leister

Eigentlich sollte Lisa Maria

Eckard schon im Zug zur

Uni nach Potsdam sitzen.

Stattdessen wartet die 27-

Jährige auf Gleis 3amBahnhof Zoo

und beantwortet E-Mails auf ihrem

Handy. Ihr Regionalexpress hält

heute nicht hier,genauso wie in den

kommenden vier Wochen. Eine

halbe Stunde muss Eckardauf einen

anderen Zugwarten, dann noch einmal

umsteigen. „Nervig“, sagt sie.

„Aber,mein Gott, so ist halt Berlin.“

Die meisten Berliner sind nüchtern

und entspannt, wenn ihre Bahnen

nicht kommen. In den nächsten

Wochen aber trifft es die Fahrgäste

im Berliner Netz besonders hart.

Denn an zahlreichen zentralen

Bahnhöfen und Strecken wird gebaut,

betroffen sind S-Bahnen, Regionalbahnen

und Fernverbindungen.

Bis zum 14. Oktober ist die Strecke

der Stadtbahn zwischen Hauptbahnhof

und Bahnhof Zoo wegen

Bauarbeiten für Fern-und Regionalzüge

gesperrt. Alle Züge, die hier eigentlich

nur kurz halten, enden entweder

am Hauptbahnhof, am Zoo

oder am Bahnhof Charlottenburg.

Betroffen sind die Regionalexpress-

Linien RE1, RE2, RE4, RE6 und RE7,

die Regionalbahnen RB21 und RB22

sowie der IRE von Hamburg nach

Berlin. „Wir fahren von der einen

Seite bis zum Hauptbahnhof und

vonder anderen Seite bis zum Zoo“,

erklärt ein Sprecher der Bahn. „Dazwischen

übernimmt die S-Bahn.“

Als Ersatz taugen die S3, S5, S7

und S9. Die Taktzahl der S-Bahnen

wird allerdings nicht erhöht –dafür

gebe es wegen der Bauarbeiten keine

Kapazität auf den Gleisen, hieß es.

Ein Schienenersatzverkehr per Bus

ist eingesetzt. Wegen der großen Verkehrsbelastung

auf den Straßen

empfiehlt die Bahn aber eher die S-

Bahn als Ersatz.

Der Tenor von Bahn und BVG ist

derselbe: Fahrgäste müssen mehr

Zeit und ein bis zwei Umstiege mehr

einplanen –und können fest damit

rechnen, dass die S- wie U-Bahnen

wesentlich voller werden.

Das gilt nicht nur für die Strecke

in Mitte.ImOsten der Stadt hat die S-

Bahn Berlin bereits Ende August mit

einem der größten Bauvorhaben in

der Geschichte des Unternehmens

begonnen. Neue Gleise und Kabel

werden zwischen Springpfuhl und

Wartenberg verlegt, außerdem wird

ein elektronisches Stellwerk angeschlossen

und eine neue Zugsicherungstechnik

installiert.

Bis Mitte November ziehen sich

die Arbeiten, betroffen sind die S75,

S7 sowie die S5. „Das ist für uns die

viel dramatischere Situation“, sagt

BVG-Pressesprecherin Petra Nelken.

In Mitte seien die Ausweichmöglichkeiten

für die Fahrgäste besser. „In

Lichtenberg fangen wir die gesamte

S-Bahn auf.“ Die U5 fährt auf der

Strecke schon alle fünf Minuten.

Noch mehr ginge schlicht nicht, sagt

Nelken.„Wenn so viele Leute einsteigen,

brauchen sie einfach auch mehr

Zeit auf dem Bahnhof.“

„Eigentlich geht man bei Brücken von einer

Lebenszeit von 80Jahren aus.

Man hat hier eine Bautechnik gewählt,

die nicht die Erwartungen erfüllt.“

Jens Wieseke,

Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB

Polizei sucht

Zeugen des

SUV-Unfalls

Noch ist unklar,obder Fahrer

einen Epilepsie-Anfall hatte

War es rücksichtslose Raserei

oder eine Krankheitstragödie?

Auch fünf Tage nach dem Unfall an

der Invalidenstraße in Mitte,bei dem

vier Menschen starben, ist noch immer

nicht klar, wie es dazu kommen

konnte. Die Polizei hat jetzt eine eigene

„Ermittlungsgruppe Invalidenstraße“

gegründet, die die Hintergründe

aufklären soll.

DiePolizei schaltete am Dienstag

im Internet ein Hinweisportal frei.

Unter dem Link „be.hinweisportal.de“

können Videos von dem Unfall,

die etwa per Handy oder Dashcam

aufgenommen wurden, direkt

auf den Polizeiserver hochgeladen

werden. Davonversprechen sich die

Ermittler Hinweise auf den genauen

Unfallhergang. Denn noch immer ist

nicht geklärt, ob der Fahrer tatsächlich

einen epileptischen Anfall hatte

oder bewusst mit deutlich überhöhter

Geschwindigkeit durch die Invalidenstraße

gerast war. Die Polizei

dementierte die am Montag durchsickerte

Theorie des epileptischen Anfalls

auch am Dienstag nicht.

Ob der Fahrer, der nach Medienberichten

Geschäftsführer von drei

Firmen und Autoliebhaber sein soll,

unter Einfluss von Alkohol, Drogen

oder Medikamenten stand, sagen

Polizei und Staatsanwaltschaft bislang

nicht. Allerdings wurde bestätigt,

dass dem 42-Jährigen nach dem

Unfall Blut abgenommen wurde,um

es auf mögliche darin enthaltene

Substanzen zu testen.

DerUnfall entfachte eine Debatte

über Sportgeländewagen (SUV, englisch:

Sport Utility Vehicle) in Innenstädten.

Grünen-Politiker, die Deutsche

Umwelthilfe und alternative

Verkehrs- und Fußgänger-Verbände

forderten Einschränkungen. Nach

Einschätzung von Experten aus der

Unfallforschung und der Polizei gibt

es aber keine Hinweise dafür, dass

der Unfall mit einem anderen Auto

anders verlaufen wäre.

Auch am Dienstag legten Menschen

Blumen an der Unfallstelle an

der Kreuzung Invalidenstraße und

Ackerstraße in Berlin-Mitte nieder.

Die St. Elisabeth-Kirche, die direkt

am Unfallortliegt, soll vonDonnerstag

bis Sonntag wieder zum stillen

Gedenken öffnen. Am Freitagabend

ist eine Andacht für die Unfallopfer

geplant. (BLZ) Berlin Seite 10

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Entgelt bezahlt

Am Hauptbahnhof sind die wochenlangen

Bauarbeiten nur ein erster,

kleiner Testlauf. Die Gleise der

Stadtbahn laufen dortüber Brücken,

die den Bahnhof überspannen. An

diesen Brücken müssen 38 sogenannte

Fahrbahnübergangskonstruktionen

ausgetauscht werden. Sie

haben die Aufgabe,Bewegungen der

Brücken –zum Beispiel Veränderungen

des Materials durch Hitze oder

Kälte –aufzufangen. Bei den Bauarbeiten

werden nun vorerst nur zwei

dieser Konstruktionen ausgetauscht.

„Wir werden die neuen Teile einbauen,

sichern und eine Zeit lang

überwachen“, sagt ein Sprecher.

„Wenn alles funktioniert, werden in

zwei oder drei Jahren die nächsten

36 Stückgewechselt.“

Der Berliner Hauptbahnhof

wurde erst 2006, also vor 13Jahren,

eröffnet. Die Teile, die nun ausgetauscht

werden müssen, sind nur

unwesentlich älter. Normalerweise

aber halten Brücken länger. „Grob

geht man bei Brücken von einer Lebenszeit

von 80 Jahren aus“, sagt

Jens Wieseke vomBerliner Fahrgastverband

IGEB.

Beim Bau des Hauptbahnhofs

standdie Deutsche Bahn undihr damaliger

Chef Hartmut Mehdorn unter

enormem Druck: Die Fußball-

Weltmeisterschaft in Deutschland

stand an, der Hauptbahnhof sollte

unbedingt bis dahin fertig werden.

Mehdorn sparte an Maßnahmen,

beschleunigte den Bau, wo es ging –

und schaffte es mit der Eröffnung

noch vorder WM 2006.

Ist der Austausch der Teile nötig,

weil beim Bau gepfuscht wurde?

Nein, sagt Wieseke, man könne dem

Bauherrn keine Schuld zuweisen.

Aber:„Manhat hier eine Bautechnik

gewählt, die nicht die Erwartungen

erfüllt.“ Die Bahn antwortet auf die

Gründe für den frühen Austausch

der Brückenkonstruktionen ganz lakonisch:

„Es hat alles seine Zeit.“

Auch Harald Moritz, verkehrspolitischer

Sprecher der Grünen, hält

die Arbeiten für angezeigt: Es sei

nicht schön für die Fahrgäste, wenn

so viele Baustellen auf einmal anfielen.

„Aber es sind Arbeiten, die irgendwann

erledigt werden müssen.“ 4 194050 501603

DPA/JENS BÜTTNER

31037


2* Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Tagesthema

Ursula von der Leyen, 61,

Deutschland, Europäische

Volkspartei; bisher:Verteidigungsministerin;

künftig: Präsidentin

der EU-Kommission.

Sylvie Goulard, 55, Frankreich,

Liberale; warbisher:Vizechefin

der französischen Zentralbank;

neuer Job: Kommissarin für

den Binnenmarkt.

MariyaGabriel, 40, Bulgarien;

EVP; warbisher:EU-Kommissarin

für Digitales; neuer Job:

Kommissarin für Innovation

und Jugend.

Vera Jourova, 55, Tschechien,

Liberale; bisher:EU-Kommissarin

für Verbraucherschutz;

künftig: Vizepräsidentin der

Kommission für Werteund

Transparenz.

Margrethe Vestager, 51, Dänemark;

Partei: Liberale; war

bisher:EU-Wettbewerbskommissarin;

neuer Job: Exekutiv-

Vizepräsidentin und Kommissarin

für Wettbewerb.

Ylva Johansson, 55, Schweden;

Partei: Sozialdemokraten

(S+D); warbisher:Arbeitsministerin

in Schweden; neuer

Job: EU-Innenkommissarin.

Johannes Hahn, 61, Österreich;

Partei: EVP; warbisher:

EU-Kommissar für Erweiterung;

neuer Job: EU-Haushaltskommissar.

Didier Reynders, 61, Belgien;

Partei: Liberale; warbisher:

belgischer Außenminister;

neuer Job: Kommissar für

Justiz.

Phil Hogan, 59, Irland, Partei:

EVP; warbisher:EU-Landwirtschaftskommissar,neuer

Job:

EU-Handelskommissar.

Ein Team für Europa

Vorgeschlagen von Ursula von der Leyen

Helena Dalli, 56, Malta;

Partei: S+D; warbisher:Ministerin

für EU-Angelegenheiten in

Malta; neuer Job: Kommissarin

für Gleichstellung.

VonDamir Fras

Dubravka Suica, 62, Kroatien;

Partei: EVP; warbisher:Europa-

Abgeordnete, bis 2009 Bürgermeisterin

von Dubrovnik; neuer

Job: Vizepräsidentin für Demokratie

und Demografie.

Valdis Dombrovskis, 48, Lettland;

Partei: EVP; warbisher:

Vizepräsident der EU-Kommission,

neuer Job: Exekutiv-Vizepräsident,

zuständig für Arbeit

und Soziales.

Frans Timmermans, 58, Niederlande;

Partei: S+D; warbisher:Vizepräsident

der EU-Kommission,

neuer Job: Exekutiv-

Vizepräsident, zuständig für

den Kampf gegen den Klimawandel.

Maros Sefcovic, 53, Slowakei;

Partei: S+D; warbisher:EU-

Kommissar für die Energieunion;

neuer Job: Vizepräsident

für internationale Beziehungen.

Josep Borrell, 72, Spanien;

Partei: S+D; warbisher:spanischer

Außenminister;neuer

Job: Hoher Beauftragter für die

EU-Außenpolitik.

Paolo Gentiloni, 64, Italien;

Partei: S+D; warbis Juni 2018

italienischer Ministerpräsident;

neuer Job: Wirtschaftskommissar.

Rovana Plumb, 59, Rumänien;

Partei: S+D; warbisher:Ministerin

für EU-Mittel in Rumänien;

neuer Job: EU-Verkehrskommissarin.

Ursula von

der Leyen steht am

Dienstagmittag im Pressesaal

der EU-Kommission in

Brüssel und lächelt. Sie hat eine

lange Liste mit Namen und Zuständigkeiten

vorgelesen. Es sind ihreKandidaten

für die neue EU-Kommission, der die CDU-

Politikerin vom1.November an als Präsidentin

vorstehen wird. Dann breitet von der Leyen

beide Hände aus, als wolle sie einen Segen aussprechen.

Sielächelt wieder und sagt: „Das ist mein

Team für Europa.“

DieNamen waren schon bekannt. Werwelches Arbeitsgebiet

bekommen wird, dagegen nicht. Vonder

Leyen hat eine Frage hin und her gewälzt: Werist kompetent

genug für welches Ressort, damit am Ende alle 27

Mitgliedsstaaten der EU einigermaßen zufrieden sind?

Geht es nach den ersten Kommentaren zur neuen

Kommission, dann hat vonder Leyen solide Arbeit geleistet.

Personell sind fast genauso viele Frauen wie Männer

in der insgesamt 27-köpfigen Kommission vertreten. Das

hat es in der Geschichte der EU noch nie gegeben. Vielleicht

wirdesauch noch eine Frau mehr in dem Brüsseler

Top-Gremium geben. Sollte Großbritannien eine Brexit-

Verlängerung bekommen, müsste London einen Kandidaten

oder eine Kandidatin nachmelden.

Strukturell wartet sie mit einer Überraschung auf.

Von der Leyen umgibt sich künftig mit insgesamt

achtVizepräsidentinnen und -präsidenten. Drei davon

mit dem Titel „Exekutiv-Vizepräsident“, also

Super-Stellvertreter.Frans Timmermans aus den

Niederlanden, Margrethe Vestager aus Dänemark

und der Lette Valdis Dombrovskis sollen

sich ressortübergreifend um die drei

Themen kümmern, mit denen von der

Leyen in den kommenden fünf Jahrenpunkten

will: Digitalisierung,

Kampf gegen den Klimawandel,

Arbeit und Soziales.

László Trócsányi, 63, Ungarn;

Partei: EVP (Mitgliedschaft suspendiert);

warbisher:Europa-

Abgeordneter,bis Mai ungarischer

Justizminister;neuer Job:

EU-Kommissar für Erweiterung.

Nicolas Schmit, 65, Luxemburg;

Partei: S+D; warbisher:

Europa-Abgeordneter;neuer

Job: EU-Kommissar für Arbeit

Vonder Leyen

gibt sich am Dienstag

sehr selbstbewusst. Sie sagt:

„Wir werden den Klimawandel

mutig angehen, unserePartnerschaft

mit den Vereinigten Staaten ausbauen,

unsere Beziehungen zu einem selbstbewussteren

China definieren und ein verlässlicher

Nachbar sein.“ Insgesamt wolle sie eine

Kommission leiten, die Europa in der Weltpolitik

einen besseren Stand verleihen soll.

Dazu passt ihr Plan, eine eigene Fachabteilung für

Verteidigungsindustrie und Raumfahrt zugründen.

Die designierte Binnenmarkt-Kommissarin Sylvie

Goulard aus Frankreich soll sich darum kümmern. Von

der Leyen will der sogenannten europäischen Verteidigungsunion

auf die Sprünge helfen. DieEUwill damit unabhängiger

vonden USA werden.

Zweimal streut von der Leyen ein, dass die Sitzungen

der Kommissarinnen und Kommissarekünftig „papierlos“

ablaufen sollen. Es klingt ein wenig so, als wolle sie betonen:

Wer die Digitalisierung durchsetzen will, muss bei

sich selbst anfangen.

Den Kommissarinnen und Kommissaren, die sich

möglicherweise als verlängerter Armihrer nationalen Regierungen

in ihrer Kommission sehen, gibt vonder Leyen

schon einmal mit auf denWeg:„Egal, werhier für uns arbeitet,

tut dies als Europäer.“

Noch steht das Personaltableau nur auf dem Papier.

Die designierten Kommissarinnen und Kommissare

werden noch vomEU-Parlament angehörtund einzelne

möglicherweise abgelehnt. Dann muss sich

vonder Leyen wieder auf die Personalsuche begeben.

Erst wenn die gesamte Kommission gebilligt

ist, kann die Deutsche mit ihrer Arbeit

für Europa beginnen. Die ersten Kampfansagen

aus dem Parlament kommen

nur Minuten, nachdem von der

Leyen ihre Pressekonferenz

mit einem Lächeln beendet

hat.

Janusz Wojciechowski, 64, Polen;

Partei: Europäische Konservative

und Reformer;War bisher:

Mitglied des Europäischen Rechnungshofs;

neuer Job: Landwirtschaftskommissar.

Jutta Urpilainen, 44, Finnland;

Partei: S+D; warbisher:nationale

Politikerin, Finanzministerin

bis 2014; neuer Job: EU-

Kommissarin für „Internationale

Partnerschaften“.

Elisa Ferreira, 63, Portugal;

Partei: S+D; warbisher:

Europa-Abgeordnete; neuer

Job: Kommissarin für

Kohäsionsfonds.

Stella Kyriakides, 63, Zypern;

Partei: EVP; warbisher:

Abgeordnete im zypriotischen

Parlament; neuer Job:

Kommissarin für Gesundheit.

Kadri Simson, 42, Estland;

Partei: Liberale; warbisher:

Europa-Abgeordnete, zuvor estnische

Wirtschaftsministerin;

neuer Job: EU-Energiekommissarin.

Virginijus Sinkevicius,

28, Litauen; Partei:

Grüne; warbisher:litauischer

Wirtschaftsminister;

neuer Job: EU-Umweltkommissar.

Janez Lenarcic,51, Slowenien;

Partei: Liberale; warbisher:

slowenischer EU-Botschafter;

neuer Job: Kommissar für Krisenmanagement

und humanitäre

Hilfe.

Margaritis Schinas, 57,

Griechenland; Partei: EVP;

warbisher:Chefsprecher

der EU-Kommission; neuer

Job: Vizepräsident für Migration.

AFP; DPA (11); IMAGO IMAGES (12); WIRTSCHAFTSMINISTERIUM LITAUEN; EUROPEAN UNION 2008-EP; EUROPEAN UNION 2014-EP

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute klettern die Temperaturen auf Wertevon 20 bis 24Grad. Dazu

strahlt häufig die Sonne zwischen wenigen dünnen Wolken. Der Wind weht

schwach bis mäßig aus südwestlichen Richtungen. Inder Nacht überwiegen

vielerorts Wolken, doch mancherorts kommen die Sterne zum Vorschein.

Dabei liegen die Tiefsttemperaturen bei 11 Grad.

Biowetter: Die derzeitige Wetterlage

verursacht verstärkt Kopfweh,

Migräneattacken, erhöhten Blutdruck

und beschleunigten Stoffwechsel.

Auch rheumatische

Schmerzen treten oftmals auf.

Pollenflug: Derzeit fliegen Pollen

von Gänsefuß und Ambrosia in

schwacher Konzentration.

Gefühlte Temperatur: maximal 23Grad.

Wind: schwach aus Südwest.

Wittenberge

7°/22°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

6°/23° 10°/23°

Luckenwalde

8°/22°

Cottbus

8°/24°

Donnerstag

Freitag

Sonnabend

stark bewölkt bedeckt wolkig

14°/22° 13°/20° 10°/18°

Prenzlau

9°/20°

Frankfurt

(Oder)

8°/23°

Ein kleines Zwischenhoch sorgt für oft sonniges und freundliches Wetter, bevor

gegen Abend Wetterfronten von Ex-Hurrikan Dorian von Nordwesten erste Wolken

mit vereinzelten Regenfällen nach Mitteleuropa bringen. Ein Tief über dem

westlichen Mittelmeer sorgt für teils Unwettergefahr.

Sylt

9°/18°

Hannover

9°/21°

Köln

10°/21°

Saarbrücken

8°/22°

Konstanz

9°/22°

Hamburg

8°/20°

Erfurt

6°/22°

Frankfurt/Main

8°/23°

Stuttgart

9°/23°

Rügen

11°/19°

Rostock

11°/20°

Magdeburg

8°/22°

Nürnberg

8°/21°

München

9°/22°

Dresden

11°/22°

Deutschland: Heute teilen sich

Sonne und Wolken den Himmel, und

die Temperaturen klettern amTage

auf 18bis 24 Grad. Nachts gehen

die Werte dann auf 14bis 11 Grad

zurück. Der Wind weht nur schwach

aus südwestlichen Richtungen. Morgen

scheint zeitweise die Sonne. Nur

vereinzelt fällt Regen aus dichten

Wolken. Die Höchstwerte liegen bei

18 bis 24Grad, und der Wind weht

nur schwach aus West.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 16°-18°

Nordsee: 16°-19°

Mittelmeer: 21°-31°

Ost-Atlantik: 15°-21°

Mondphasen: 14.09. 22.09. 28.09. 05.10.

Sonnenaufgang: 06:33 Uhr Sonnenuntergang: 19:32 Uhr Mondaufgang: 19:00 Uhr Monduntergang: 03:07 Uhr

Lissabon

28°

Las Palmas

26°

Madrid

26°

Reykjavik

11°

Dublin

17°

London

22°

Paris

23°

Bordeaux

25°

Palma

26°

Algier

22°

Nizza

26°

Trondheim

19°

Oslo

17°

Stockholm

20°

Kopenhagen

18°

Berlin

23°

Mailand

26°

Tunis

28°

Rom

28°

Warschau

23°

Wien

24° Budapest

26°

Palermo

25°

Kiruna

14°

Oulu

21°

Dubrovnik

28°

Athen

30°

St. Petersburg

23°

Wilna

22°

Kiew

26°

Odessa

25°

Varna

27°

Istanbul

27°

Iraklio

28°

Archangelsk

22°

Moskau

24°

Ankara

29°

Antalya

33°

Acapulco 34° wolkig

Bali 37° heiter

Bangkok 30° bedeckt

Barbados 30° heiter

Buenos Aires 18° bewölkt

Casablanca 24° sonnig

Chicago 31° wolkig

Dakar 31° heiter

Dubai 39° sonnig

Hongkong 34° heiter

Jerusalem 29° sonnig

Johannesburg 26° sonnig

Kairo 35° heiter

Kapstadt 20° wolkig

Los Angeles 22° sonnig

Manila 29° wolkig

Miami 33° heiter

Nairobi 27° bewölkt

Neu Delhi 39° heiter

New York 31° heiter

Peking 25° bedeckt

Perth 23° heiter

Phuket 32° wolkig

Rio de Janeiro 35° heiter

San Francisco 23° heiter

Santo Domingo 31° Gewitter

Seychellen 27° heiter

Singapur 33° heiter

Sydney 20° sonnig

Tokio 34° wolkig

Toronto 28° Gewitter


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 3 *

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Seite 3

Aufgeben

Ich habe schon einige Kämpfe in meinem

Leben geführtund ich werdeauch

diesen Kampf führen“, hat Manuela

Schwesig am Dienstag gesagt. Kurze

Zeit zuvor hatte die Ministerpräsidentin von

Mecklenburg-Vorpommern in einer Erklärung

der Staatskanzlei die Öffentlichkeit darüber

informieren lassen, dass bei ihr Brustkrebs

diagnostiziertworden ist.

Blickte man von außen auf das bisherige

Leben und die Karriere der 45-Jährigen und

schlösse man davon auf ihre Chancen, diesen

Kampf zu gewinnen, so müsste man sagen:

Sie stehen nicht schlecht. Manuela

Schwesig, geboren am 23. Mai1974 in Frankfurt

(Oder), ist eine Überfliegerin. Erst 2003,

mit 29, trat sie in die SPD ein, aber schon fünf

Jahrespäter wurde sie Ministerin für Soziales

und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern,

wieder fünf Jahre später Bundesfamilienministerin.

Sie hat ein hohes Tempo vorgelegt, hat

sich voller Energie in ihre Aufgaben geworfen,

sich nicht davon beirren lassen, dass sie

anfangs misstrauisch beäugt wurde.„Natürlich“,

erzählte sie einmal, „gab es da diese

Vorstellung: Dieist doch nur im Amt, weil sie

jung ist und aus dem Osten.“

Siegalt als nervig und penetrant. Dassind

Worte, die gerne benutzt werden, um die Arbeitsweise

oder den Charakter einer Frau zu

beschreiben, auch wenn eigentlich andere

gemeint sind. Hartnäckig. Willensstark.

Kämpferisch. Es sind diese Eigenschaften,

die sie jetzt brauchen wirdwie nie zuvor.

Es war eine einfach gehaltene Erklärung,

die die Mutter zweier Kinder am Dienstag

abgab:„Die gute Nachricht ist: Dieser Krebs

ist heilbar“, erklärte Schwesig. „Allerdings ist

dafür eine medizinische Behandlung notwendig.

Dies wird dazu führen, dass ich in

den kommenden Monaten nicht an allen Tagen

öffentliche Termine wahrnehmen

kann.“ Sie habe deshalb die Ministerinnen

und Minister gebeten, sie an diesen Tagen zu

vertreten. Ministerpräsidentin und Chefin

der Landes-SPD will sie bleiben, ihre Parteiämter

auf Bundesebene legt die kommissarische

SPD-Chefin nieder.

Freundliche Distanz

Die Nachricht entsprach ihr, ihrer Art, zu

kommunizieren, nüchtern und analytisch,

so als beobachte sie sich von außen. So

spricht Manuela Schwesig auch, in offiziellen

Runden zumal. Man muss ihr länger gegenübersitzen

und ihr genauer zuhören, um

hinter der freundlichen Distanz den Humor

und die Wärme der Frau zu entdecken, die

sich eine professionelle Rüstung zugelegt

hat, die ohne Zweifel nötig ist, wenn man

sich in der Politik bewegt. Gerade als Frau.

Und inihrer Liga. Sie hat viele persönliche

Attacken aushalten müssen und weggesteckt.

Der politische Alltag sei zu hart, hat

sie einmal gesagt, als dass man sich solchen

Befindlichkeiten aussetzen sollte.

Dorthin, wo sie ist, kommt man nicht

ohne ein Pokerface.

Ein Moment, der ihr auch sichtbar nahe

ging, war der,als sie im Sommer 2017 das Amt

der Ministerpräsidentin von Erwin Sellering

übernahm, der ebenfalls an Krebs erkrankt

war.ImBundestagswahljahr gab sie dafür ihr

Amt als Bundesfamilienministerin auf.

Erwin Sellering meldete sich am Dienstag

ebenfalls zu Wort. Die Nachricht von der Erkrankung

seiner Nachfolgerin sei ein Schock,

sagte der 69-Jährige. Und machte ihr gleichwohl

Mut: „Brustkrebs hat –anders als viele

andere Krebsarten –eine wirklich gute Prognose,

sodass alles dafür spricht, dass Manuela

Schwesig ihr Amt bald wieder voll ausüben

kann“, sagte Sellering, dessen eigene

Krankheit als überwunden gilt.„Ich wünsche

ihr und ihrer Familie von Herzen, dass sie

diesen Schicksalsschlag gemeinsam gut bewältigen.“

Genesungswünsche kamen auch vonvielen

anderen Kolleginnen und Kollegen, unter

ihnen Mike Mohring. DerCDU-Chef in Thüringen

hatte seine Krebs-Erkrankung Anfang

des Jahres öffentlich gemacht und viel Anerkennung

für diesen Schritt erhalten. Auf

Twitter schrieb er nun: „Verehrte Frau @ManuelaSchwesig.

VonHerzenwünsche ich Ihnen

Genesung und auf dem anstrengenden

Wegdahin, Kraft und Zuversicht, ein Licht an

dunklen Tagen und wenn ich das darf, Gottes

reichen Segen.“

Manuela Schwesig (SPD)

gibt’snicht

Manuela Schwesig hat eine steile politische Karriere absolviert und ist

dabei keiner Herausforderung aus dem Weggegangen. Jetzt wurde bei

der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Krebs

diagnostiziert. „Ich werde auch diesen Kampf führen“, sagt sie.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 69 000 Frauen an Brustkrebs, Vor- und Frühformen

nicht eingerechnet. Damit ist Brustkrebs, also bösartigeTumore in der Brust, hierzulande

mit weitemAbstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland

ist jede achte Frau betroffen.

Das Risiko einer Erkrankung ist nicht in jedem Alter gleich hoch. Nach Informationen

des Deutschen Krebsforschungszentrums muss im Alter von35Jahren eine von110

Frauen damit rechnen, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erkranken. Mit 45 ist es

eine von47, mit 55 eine von31Frauen. Mit 65 Jahren ist das Risikoamhöchsten: Eine

von27Frauen wird bis zum Alter von75betroffen sein. Häufiger als bei anderen Krebsarten

trifft es jüngere Frauen: „Fast 30 Prozent der betroffenen Frauen sind bei Diagnosestellung

noch jünger als 55 Jahre“, teilt das RobertKoch Institut mit. Erbliche Faktoren

und Hormone beeinflussen das Brustkrebsrisiko, aber auch der Lebenswandel

spielt eine Rolle: Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht wirken sich negativ aus.

VonTobias Peter und Tanja Brandes

DIAGNOSE: BRUSTKREBS

IMAGO IMAGES

Die Überlebenschancen haben sich durch Fortschritte in der Therapie trotz der langfristig

gestiegenen Erkrankungszahlen verbessert. Heute sterben weniger Frauen an

Brustkrebs als noch vor20Jahren. Seit Jahren werden Frauen zwischen 50 und 69

Jahren regelmäßig zu einem Mammografie-Screening eingeladen. Nach der Einführung

der Röntgenuntersuchung 2005 stiegen die Erkrankungszahlen in der entsprechenden

Altersgruppe sprunghaft an, seit 2009 gehen sie wieder zurück. Das Koch-Institut sieht

darin einen Beleg dafür,dass anfangs viele Tumore früher entdeckt wurden als ohne

flächendeckende Untersuchung.Wahrscheinlich wurden aber auch Tumore diagnostiziert,

die früher lebenslang unentdeckt blieben und keine Beschwerden verursachten.

Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele. Operation, Bestrahlung,Chemo- und Hormontherapie

kommen in Frage. Die Wahl sollte je nach Diagnose in einem spezialisierten

Brustkrebszentrum getroffen werden. Der Informationsdienst des Krebsforschungszentrums

rät dazu, sich ausreichend Zeit zu nehmen, um sich zu informieren. (juli.)

Überhaupt schlug Manuela Schwesig auf

Twitter eine parteiübergreifende Welle des

Mitgefühls entgegen. Politische Freunde und

Gegner richteten der Ministerpräsidentin

bei dem oft so zynischen und als Populismus-Plattform

missbrauchten Medium ihre

Genesungswünsche aus.

Schwesigs Entschluss, die Krankheit öffentlich

zu machen, zeugt einmal mehr von

einem veränderten Umgang mit Krankheit

im politischen Geschäft. Erkranken Politiker,

Menschen mit Regierungsverantwortung

gar, gilt das nicht mehr als Zeichen von

Schwäche. Vielmehr scheinen sie näherzurücken

an das Volk, an den Menschen, den

sie ja repräsentieren und vertreten sollen

und der ihnen nicht selten vorwirft, sich in

Sphären zu bewegen, die mit dem normalen

Leben wenig mit nichts mehr zu tun haben.

Dank für die Anteilnahme

In einer Videonachricht auf Twitter sagte

Schwesig am Dienstag noch, es sei „ein bewegender

Tag“ für sie.Die Diagnose habe sie

und ihre Familie schwer getroffen, aber sie

seien sehr zuversichtlich, dass sie wieder gesund

werde. „Ich möchte mich bedanken für

die große Anteilnahme, das gibt Kraft und

das macht Mut“, sagte Schwesig. So war es

auch eine menschliche Botschaft, die sie

sendete: Es kann jeden von uns treffen, und

im Angesicht der Krankheit sind wir alle

gleich in unserer Angst und Unsicherheit.

Auf ihre Ämter in der Bundes-SPD verzichte

sie, sagte Schwesig, um sich auf Gesundheit,

Familie und die Aufgabe in Mecklenburg-Vorpommern

zukonzentrieren. Im

Jahr 2021 will sie dort die Landtagswahlen

gewinnen –trotz des Erstarkens der AfD.

Die Ministerpräsidentin ist ein nicht zu

unterschätzender Machtfaktor in der SPD.

Als Bundesfamilienministerin profilierte sie

ihrePartei neu auf einem Gebiet, dass die Sozialdemokraten

in Zeiten der Familienministerin

Ursula von der Leyen (CDU) stark an

die Union verloren hatte. Sie boxte das Elterngeld

plus durch, die Frauenquote und

ein Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit. Zum

Teil gegen erhebliche Widerstände vom Koalitionspartner.Sie

hat sich nicht beirren lassen,

dafür war ihr ihre Mission viel zu wichtig.

Sie hat ja am eigenen Leib erfahren, wie

groß die Hürden sind, die Frauen überwinden

müssen, auch heute noch.

Als Manuela Schwesig – damals bereits

Mutter eines Sohnes –inihrem Amt als Familienministerin

schwanger wurde, stand ihre

Familienplanung auf einmal im Mittelpunkt

des öffentlichen Interesses. Dass sich ihr

Mann Stefan Schwesig alsVollzeitvater um die

gemeinsame Tochter kümmern würde, veranlasste

einige Medienvertreter zu der Frage,

ob er denn keine Nachteile in seinem Jobbefürchten

müsse.ImJahr 2015 haderte die Nation

allen Ernstes mit der Frage,wie das denn

funktionieren könne, gleichzeitig Ministerin

und Mutter zu sein. Auf die Aufregung reagierte

Schwesig einmal mehr, wie es ihre Art

ist: ruhig, nüchtern und mit einer halb resignierten,

halb ironischen Bemerkung: „Mich

fragt das jeder –Heiko Maas fragt das keiner.“

Im Übrigen sei ihr Ehemann der Vater ihrer

Kinder –und keine Mutter zweiter Klasse.

Auch, wenn sie sich immer als explizit gesamtdeutsche

Politikerin verstand: Als es um

ihre Familie ging, war es deutlich zu spüren,

das ostdeutsche Erbe,das sie vonihrer Mutter

und Schwiegermutter mitbekommen

hat. Job und Familie zu vereinbaren, hat sie

nie als Widerspruch empfunden. „Für mich

war immer klar: Ich will gute Arbeit leisten.

Undich will eine Familie.“ Sie glaube selbst,

hat sie einmal gesagt, dass das an ihrer ostdeutschen

Prägung liege.„DieOstfrauen haben

oft so eine ArtFurchtlosigkeit. Vielleicht,

weil sie sich mehr zutrauen und weniger

Selbstzweifel haben.“

Am Dienstag meldete sich auch eine andereOstfrau

bei Manuela Schwesig. Bundeskanzlerin

Angela Merkel hat nach Angaben

ihres Regierungssprechers mit Schwesig telefoniert

und „ihr von Herzen gewünscht,

dass sie wieder ganz gesund wird“.

In ihrer Nachricht auf Twitter verweist

Manuela Schwesig auf ein Zitat aus einem

Gedicht des lutherischen Theologen Dietrich

Bonhoeffer. „Vonguten Mächten wunderbar

geborgen ... Darauf vertraue ich.“

Undeinmal mehr,soist ihr zu wünschen,

auf ihreHartnäckigkeit.


4* Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Westen lockt junge Leute

mit Jobs, der Osten mit Kitas

Junge Menschen in Ostund West beurteilen

ihreAussichten laut einer

Umfrage deutlich unterschiedlich.

Nur22Prozent der 15- bis 24-jährigen

Westdeutschen würden in den

Osten umziehen, umgekehrtsind es

45 Prozent, wie eine Allensbach-

Umfrage für McDonald’s ergab.Als

Grund dafür sehen die Autoren, dass

im Westen 76 Prozent der Befragten

für sich gute berufliche Perspektiven

in der eigenen Region sähen. Im Osten

seien es 55 Prozent. Im Osten

schätzten junge Leute günstigeWohnungen,

familienfreundliche Unternehmen,

gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten

und ein gutes Arbeitsklima.

DerWesten könne mit vielen

Arbeitsplätzen, guten Verdienstmöglichkeiten

und hoher Lebensqualität

punkten. Diemeisten Befragten

wollen aber in ihrer Region

bleiben. Nuretwa jeder achte Befragte

wünscht sich einen Umzug.

DieUmfrage ergab auch, dass sich

die junge Generation deutlich weniger

finanzielle und berufliche Sorgen

macht als vorzweiJahren. Immer

weniger fürchten, keinen Ausbildungs-

oder Studienplatz zu bekommen

oder später finanziell nicht

über die Runden zu kommen. (dpa)

Härtere Strafen für

Gaffer geplant

WerUnfallopfer filmt oder fotografiert,

muss künftig mit Strafen rechnen.

DasJustizministerium will das

„Herstellen und Übertragen einer

Bildaufnahme,die in grob anstößiger

Weise eine verstorbene Person

zur Schau stellt“, als Straftat werten.

Dasgeht aus einem Gesetzentwurf

hervor, den das Bundesjustizministerium

vorkurzemanLänder und

Verbände zur Stellungnahme verschickt

hat. Es drohen Geldbußen

oder sogar eine Freiheitsstrafe von

bis zu zwei Jahren. (dpa)

Niederlage für Johnson –

Tumult im Parlament

Auszugszeremonie: Das Londoner Parlament

ist bis 14. Oktober suspendiert. AFP

Nach dem gescheiterten Neuwahlantrag

vonPremier BorisJohnson können

die Briten frühestens im November

über ein neues Parlament abstimmen.

DasUnterhaus,das jetzt in einer

fünfwöchigen Zwangspause ist,

verwehrte Johnson am Dienstagmorgen

erneut die nötige Zweidrittelmehrheit.

Beider Abschlusszeremonie

des Parlaments war es zu tumultartigen

Szenen gekommen: Oppositionsabgeordnete

hielten Protestnoten

mit der Aufschrift„Zum Schweigen

gebracht“ hoch und skandierten

„Schande über euch“ Richtung Regierungsfraktion.

(dpa)

Netanjahu will bei Wahlsieg

Jordantal annektieren

Eine Woche vorder vorgezogenen

Parlamentswahl in Israel hat Ministerpräsident

Benjamin Netanjahu

angekündigt, im Falle seiner Wiederwahl

das Jordantal und damit etwa

ein Drittel des besetzten Westjordanlands

zu annektieren. Nach einem

Wahlsieg werdeerIsraels Souveränität

„sofort“ auf das an der

GrenzezuJordanien gelegene Gebiet

ausweiten, sagte Netanjahu am

Dienstag in Ramat Gan. (AFP)

„SPDler wollen oft nur recht haben“

Der ehemalige Multi-Minister Sigmar Gabriel zur Zukunft seiner Partei und deren Regierungsfähigkeit

Als Sigmar Gabriel entmachtet

wurde, jubelten

viele in der SPD: endlich

ein Neuanfang! Doch seine

Nachfolgerin scheiterte schnell. Die

Partei, sagt ihr alter Vorsitzender,

müsse eine neue Lektion lernen: Ihr

Problem liege weniger an Personen

als an der unklaren Richtung.

Herr Gabriel, Sie waren von 2009 bis

2017 SPD-Vorsitzender. Wie haben

Sie diese acht Jahre allein ausgehalten,

ganz ohne Doppelspitze?

Och, ich hatte damals vomersten

Taganjede Menge Leute im SPD-

Vorstand, die sich für die besseren

Vorsitzenden hielten (lacht). Aber

mal ganz im Ernst: Wussten Sie, dass

die SPD tatsächlich die Erfinderin

der „Doppelspitze“ war? Wir waren

die erste Partei in der deutschen Geschichte,

die zwei gleichberechtigte

Vorsitzende hatte.Allerdings aus anderen

Gründen als heute.ImKaiserreich

und in der Weimarer Republik

hatten wir zwei Vorsitzende, weil es

die permanente Angst gab, dass einer

verhaftet würde.

Heute treiben offenbar Ängste anderer

Art Sozialdemokraten um, etwa

die Angst, dem Publikum nicht zu gefallen.

Ständig treten ein Mann und

eine Frau gleichsam Hand in Hand

auf die Bühne, wie bei den Grünen.

Heute kandidieren in der Tateinige

als Doppelspitze, die das noch

vornicht allzu langer Zeit für absurd

erklärt hatten. Man sieht also: Es

kommt immer auf die Umstände an.

Als vor vier Jahren die Arbeitsgemeinschaft

sozialdemokratischer

Frauen eine Doppelspitzevorschlug,

war ich der einzige in der SPD-Parteiführung,

der das ganz gut fand.

Heute findet das angeblich die gesamte

Parteibasis super. Aus dem

Willy-Brandt-Haus jedenfalls heißt

es, die Mitglieder hätten sich in Hunderten

von Rückmeldungen genau

dieses Verfahren gewünscht.

Es haben sich etwas mehr als

20 000 Mitglieder gemeldet, von denen

ein Teil die Doppelspitze gut

fand. Wie die anderen 420 000 Mitglieder

denken, werden wir am Ende

des Prozesses sehen. In jedem Fall

haben alle, die da jetzt kandidieren,

Respekt für ihren Mutverdient.

Meinen Sieden Mut, sich für eine unmögliche

Mission zu melden?

Zurzeit scheint es so, als komme

es nur darauf an, die richtigen Personen

zu finden. Dasist nicht unwichtig,

aber am Ende zu wenig. Wenn

fast alle sozialdemokratischen Parteien

in Europa das gleiche Problem

haben, dann kann es nicht nur an

Personen liegen. Ich staune deshalb

ein bisschen darüber, dass es trotz

der wirklichen Existenzkrise der Sozialdemokratie

auch bei der aktuellen

Kandidatenkür keine wirkliche

programmatische Kontroverse und

keinen Streit um den richtigen Weg

gibt. Eigentlich müsste es nur so

rummsen vor spannenden Kontroversen

über die Zukunft unseres

Landes und der SPD.

Aber in der SPD ist doch auch viel

über Inhalte diskutiertworden in den

letzten Wochen, bis hin zu Debatten

über Enteignungen.

Viele überbieten sich jetzt mit immer

linkeren Forderungen. Norbert

Walter-Borjans will keine Rüstungsexporte

mehr,Olaf Scholz ist auf einmal

für die Vermögenssteuer –obwohl

jeder weiß, er war immer dagegen.

Wo soll das hinführen?

Äh, vielleicht nach links?

Der Platz links von der SPD ist

aber besetzt. Eine SPD,die grüner als

die Grünen ist oder linker als die

Linkspartei, braucht niemand. Die

SPD muss die Partei bleiben, die

auch bei Gegenwind den mühsamen

Weg geht, Arbeit und Umwelt zusammenzubringen.

Klimaschützer halten Arbeitsplatzverluste

für ein notwendiges Übel.

Das lässt sich leicht sagen, wenn

man selbst nicht betroffen ist. Das

Motto „Wo gehobelt wird, fallen

Späne“ darf es in der Demokratie

nicht geben. Einfach, weil es bei uns

keine überflüssigen Menschen gibt.

Haben Sie kein Verständnis für junge

Leute, die sagen: Wir brauchen jetzt

endlich mal einen Neuanfang, und

zwar deutlich weiter links, deutlich

radikaler als bisher?

Doch, na klar.Als ich 16 war,fand

ich das, was die SPD machte, auch

bei weitem nicht ausreichend. Das

wäre ja entsetzlich, wenn sich die

junge Generation mit dem zufrieden

geben würde, was die Generation

der 50- bis 70-Jährigen so hinbekommt.

Das heißt aber wiederum

nicht, dass wir einfach mal alles machen,

was uns die engagierte junge

Generation so auf den Weg gibt.

ZUR PERSON

Geboren wurde Sigmar Gabriel am 12. September 1959 in Goslar.Nach dem Abitur studierte

er Germanistik, Politik und Soziologie auf Lehramt in Göttingen und arbeitete anschließend in

der Erwachsenenbildung.

SPD-Mitglied ist Gabriel seit 1977. Er war Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags

und 1999 bis 2003 Ministerpräsident vonNiedersachsen.

Im Bundestag sitzt Sigmar Gabriel seit 2005. Er war Bundesminister für Umwelt, Naturschutz

und Reaktorsicherheit, Bundesminister für Wirtschaft und Energie und vonJanuar 2017 bis

März 2018 Außenminister.

Sigmar Gabriel ist zum zweiten Mal verheiratet und hat drei Töchter.

THOMAS KÖHLER

Denn auch bei denen kommt nur ein

Teil der Gesellschaft vor. Fridays for

Future ist zumindest mehrheitlich

eine Bewegung von Gymnasiasten.

Viele Berufsschüler, Haupt- und Realschüler

treiben auch andere Fragen

um. Ichweiß, dass es unpopulär

ist, für Konsens und Kompromisse

zu werben. Aber genau das ist die

Aufgabe der Politik.

Konsens und Kompromisse –das waren

mitunter auch nicht gerade Ihre

eigenen Markenzeichen, Herr Gabriel.

Sie sind mit 40 Jahren Ministerpräsident

in Niedersachsen geworden,

und viele Wegbegleiter haben Sie

damals als ungeduldig und sprunghaft

erlebt.

Regierungschef wurde ich in einer

tiefen Krise der niedersächsischen

SPD,nach dem Rücktritt meines

Freundes Gerhard Glogowski.

Wenn Sie mit 40 Jahren gefragt werden,

ob sie so ein Amt übernehmen

wollen, müssen Sie schon übermenschliche

Größe haben, um da

abzusagen. Die hatte ich zugegeben

nicht. Ich habe damals leichtsinnig

gedacht, das Amt des Ministerpräsidenten

sei im Grunde nicht viel anders

als das des Fraktionschefs im

Landtag. Das war ein großer Irrtum.

In Wahrheit habe ich damals den Berufgewechselt,

ohne darauf wirklich

vorbereitet gewesen zu sein. Rückblickend

würde ich sagen, dass das

Amt für mich zu früh kam. Als Ministerpräsident

von Niedersachsen war

ich ein Getriebener. Die Souveränität

und die Gelassenheit, die man für

so ein Amt braucht, hatte ich damals

nicht. Die gewinnt man nur durch

Erfahrung.

In Berlin waren Sie später Umweltminister,Wirtschaftsminister,Außenminister.Was

sagen Siedenen, die der

SPD raten, einfach mal aufs Regieren

zu verzichten und sich auf die politische

Selbstfindung zu konzentrieren?

Dergrößte Unterschied zwischen

Konservativen und Sozialdemokraten

ist doch: Konservativewollen regieren,

Sozialdemokraten wollen oft

nur recht haben. In Hannoverhat vor

einigen Tagen ein Kandidat für den

SPD-Parteivorsitz viel Beifall dafür

bekommen, als er sagte: „Die SPD

muss wieder eine Partei der Weltverbesserer

sein.“ Da würde ich auch

klatschen. Aber die eigentliche Frage

ist doch: Was folgt daraus und wie

macht man das? Weraus der Regierung

unbedingt raus will, wird in

Wirklichkeit gar nichts verbessern.

Die Sozialdemokraten müssen aufpassen,

dass aus ihrer Neigung zur

Rechthaberei nicht am Ende Regierungsunfähigkeit

wird.

Schildern Sie mal Momente der Einsamkeit

als regierungswilliger Vorsitzender

einer nicht durchweg regierungswilligen

Partei.

Mein Gott, welche irrsinnigen

Debatten wir allein über den Freihandel

führten! Zwei Jahre lang

drohte uns die Regierungsunfähigkeit,

weil der linke Flügel der SPD unbedingt

das Abkommen der EU mit

Kanada stoppen wollte. Dass ganz

Europa das Abkommen wollte, hat

niemanden irritiert. Das hatte fast

schon absurde Züge. Heute gilt das

Abkommen als beispielhaft und

man wärefroh, wir hätten die Hälfte

von dem, was mit Kanada gelang,

auch mit den USA vereinbart.

In Dänemark sind die Sozialdemokraten

seit Juni stärkste Kraft im

Land, sie kombinieren eine linke

Steuerpolitik mit einem konservativenKurs

beim Thema Asyl. Istdas ein

Modell?

Ich glaube, dass es bei den dänischen

Sozialdemokraten um viel

mehr geht als um Asylpolitik. Das eigentliche

Thema ist die Globalisierung.

Egal, ob es um Menschen ging

oder um Kapital – jahrzehntelang

hieß das Motto: Öffnung der Grenzen.

Jetzt hat in allen Gesellschaften das

Nachdenken über etwas anderes begonnen:

Grenzen der Öffnung. Das

Bedürfnis nach Sicherheit und Überschaubarkeit

ist gestiegen. Dashaben

die dänischen Sozialdemokraten gespürt–und

keine Angst davor gehabt,

sich dieser Debatte zu stellen ...

Verraten Sieuns, welches jetzt kandidierende

Duo aus Ihrer Sicht die besten

Aussichten hat?

Olaf Scholz ist der prominenteste

Bewerber, deshalb hat er auch gute

Chancen. Das spannendste Duo bilden

aber aus meiner Sicht Niedersachsens

Innenminister Boris Pistorius

und die sächsische Integrationsministerin

Petra Köpping. Beide haben

feste Wurzeln in der

Kommunalpolitik, sind nah am Alltag

der Menschen und deshalb gut

geerdet. Genau das braucht die SPD

jetzt.

DasGespräch führten Andreas

Niesmann und Matthias Koch.

Trump

feuert

John Bolton

Sicherheitsberater geht im

Streit mit dem Präsidenten

US-Präsident Donald Trump hat

völlig überraschend seinen Nationalen

Sicherheitsberater John

Bolton entlassen. Trump begründete

die Entscheidung am Dienstag mit

inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten.

„Ich war mit vielen seiner

Vorschläge nicht einverstanden, wie

auch andere inder Administration,

und deshalb habe ich ihn gebeten

zurückzutreten“, twitterte Trump.

In den vergangenen Monaten

hatte es immer wieder Unstimmigkeiten

zwischen Trump und Bolton

gegeben, zum Beispiel mit Blick auf

den Kurs gegenüber Afghanistan,

dem Iran und Nordkorea.

Bolton war der dritte Nationale

Sicherheitsberater in der Trump-Regierung.

Er war seit April 2018 im

Amt und folgte auf General Herbert

Raymond McMaster. Bolton war

schon vor seinem Antritt als außenpolitischer

Hardliner bekannt, der

hartnäckig für einen amerikanischen

Nationalismus eintritt. Er war

einer der glühendsten Verfechter des

US-Einmarsches in den Irak.

Trump und Bolton widersprachen

sich in ihren Darstellungen zum Ende

der Amtszeit Boltons. Trump twitterte,

erhabe ihn am Montagabend

zum Rücktritt aufgefordert. Dieser

habe am Dienstagmorgen seinen

Rückzug erklärt. Bolton reagierte auf

Twitter und widersprach Trump.„Ich

habe gesternAbend meinen Rücktritt

angeboten und Präsident Trump

sagte: ,Lass uns morgen darüber sprechen’.“

(dpa)

Ein Besuch, der

China

verärgert

Hongkong-Aktivist traf sich

in Berlin mit Heiko Maas

China hat den Besuch des Hongkonger

Aktivisten Joshua Wong

in Deutschland und sein Treffen mit

Außenminister Heiko Maas (SPD)

scharf verurteilt. China äußere

„starke Unzufriedenheit“ über die

Entscheidung Deutschlands, „Separatisten

aus Hongkong die Einreise

zu gestatten und sich an Aktivitäten

gegen China zu beteiligen“, sagte

eine Sprecherin des Außenministeriums

in Peking. China habe formell

gegen den Besuch und ein Treffen

Wongs mit Maas protestiert.

Wong hatte kurz nach seiner Ankunft

am Montag in Berlin größere

Unterstützung für die Demokratiebewegung

in der chinesischen Sonderverwaltungszone

gefordert. „Ich

hoffe, dass Menschen weltweit die

Leute in Hongkong unterstützen, die

für Freiheit und freie Wahlen kämpfen“,

sagte der 22-Jährige der Bild-

Zeitung. „Wir haben den Eindruck,

dass Hongkong wie Ost-Berlin zur

Zeit des Kalten Krieges ist. Und gerade

weil die Deutschen besonders

in Berlin für die Freiheit gekämpft

haben, bitte ich die Deutschen um

Hilfe in unserem Kampf.“ (dpa)

Joshua Wong auf dem Reichstag.

BILD


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 5

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Hauptstadt

Svenja Schulze

Bundesministerin

für Umwelt,

Naturschutz und

nukleare Sicherheit

Jens Spahn

Bundesminister

für Gesundheit

RHEINLAND-

PFALZ

Anja Karliczek

Bundesministerinfür

Bildung und Forschung

Julia Klöckner

Bundesministerin

für Ernährung und

Landwirtschaft

Olaf Scholz

Bundesminister

der Finanzen

NORDRHEIN-

WESTFALEN

BREMEN

Angela Merkel

Bundeskanzlerin

HESSEN

SCHLESWIG-

HOLSTEIN

HAMBURG

NIEDERSACHSEN

Hubertus Heil

Bundesminister

für Arbeit und Soziales

Helge Braun

Chef des Bundeskanzleramtes

und Bundesminister

für besondere Aufgaben

Eine Frage

der Herkunft

Fast alle Regierungsmitglieder wurden in

den alten Bundesländern geboren

VonEric Beltermann und Sabine Hecher

Die politischen Institutionen von Parlament und Regierung vertreten

die Interessen der Bevölkerung. Dabei kann es durchaus

knirschen, denn Interessen entstehen in Abhängigkeit vonAlter,

Lebenssituation und vor allem auch dem Wohnort. Industriell

getriebene Regionen haben andere Prioritäten als vom Tourismus abhängige

Gegenden, mit dem Fischfang gehen andere politische Implikationen

einher als mit dem Autobau. Diesen unterschiedlichen Interessen wird im

Aufbau der legislativen Bundesorgane Rechnung getragen: 299 Mandate im

Bundestag sind Direktmandate,diese Abgeordneten sind in ihren Regionen

verankert. Außerdem gibt es mit dem Bundesrat eine Vertretung der Länder.

In der Bundesregierung gibt es dagegen keine Regelung für die Aufteilung

nach Regionen. Zwar gibt es innerparteilich oft einen Proporznach der Aufteilung

der Ministerien, die lokale Verankerung der potenziellen Regierungsmitglieder

spielt aber eine eher untergeordnete Rolle.

Betrachtet man die Herkunft im Sinne der Geburtsorte der Regierungsmitglieder,

gibt es ein Missverhältnis zwischen Ost und West:Von den 80 ranghöchsten

Regierungsmitgliedern, also Ministerinnen und Ministern, Staatssekretärinnen

und -sekretären sowie Staatsministerinnen und -ministern,

stammen lediglich vier aus dem Staatsgebiet der ehemaligen DDR, darunter

nur eine Ministerin: Familienministerin Franziska Giffey. Nun sagt der Geburtsortnicht

immer etwas über die lokaleVerbundenheit aus,auch nicht bei

Politikern –bestes Beispiel ist die Bundeskanzlerin. Geboren wurde Angela

Merkel in Hamburg; bis auf die ersten Wochen verbrachte sie ihr Leben bis

zum Mauerfall aber in der DDR. IhrWahlkreis liegt in Mecklenburg-Vorpommern.

Trotzdem fällt das Ungleichgewicht auf. In Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern

und Berlin wurde gar kein Regierungsmitglied geboren. Bei den

Bundesländern ist ausgerechnet das Saarland gemessen an der Bevölkerungszahl

am stärksten repräsentiert, auf knapp eine Million Menschen

kommen hier vier Regierungsmitglieder.

Wasdie Repräsentation von Frauen und Männern angeht, ist schon der

Bundestag nicht ideal aufgestellt: Nur 31Prozent der Abgeordneten sind

weiblich. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass das auch dem Verhältnis in der

Bundesregierung entspricht. Vonden 80 höchsten Positionen werden 69 Prozent

von Männern besetzt, 31 Prozent von Frauen. Zwischen von der Union

und vonder SPD geführten Ministerien gibt es dabei klareUnterschiede.Die

SPD besetzt 45 Prozentder Posten mit Frauen,CDU und CSU 22 Prozent.

Franziska Giffey

Bundesministerin

für Familie, Senioren,

Frauenund Jugend

BRANDENBURG

SACHSEN

Geburtsorte der Regierungsmitglieder

Bundesminister/innen, namentlich erwähnt

(Sonstige: Staatssekretäre/innen,

ParlamentarischeStaatssekretäre/innen)

SPD

CDU

Heiko Maas

Bundesminister

des Auswärtigen

SAARLAND

Peter Altmaier

Bundesminister

für Wirtschaft

und Energie

Christine Lambrecht

Bundesministerin der Justiz

und für Verbraucherschutz

BAYERN

CSU

Annegret

Kramp-Karrenbauer

Bundesministerin

der Verteidigung

BADEN-

WÜRTTEMBERG

Hier geht es zur interaktiven Grafik

Gerd Müller

Bundesentwicklungsminister

Horst Seehofer

Bundesminister des Innern,

für Bau und Heimat

berliner-zeitung.de/herkunft-bundesregierung

PLATZ DER REPUBLIK

Eine Kanzlerin

fürs Image

Tanja Brandes

kann Politik besser erklären als Politiker.

Amerikaner haben es nicht leicht.

Besonders, wenn sie auf Deutsche

treffen. Ob im Café oder im

Fußballstadion –irgendwann müssen

sie über Donald Trump reden.

Oder eher:sich für ihn rechtfertigen.

Der Knigge empfiehlt, das Thema

Politik beim Small-Talk zu meiden.

Offenbar gehört es aber zur deutschen

Vorstellung vonVölkerverständigung,

Menschen anderer Nationen

auf ihre politische Kompatibilität zu

prüfen. Unddiesen Test besteht nur,

wer sein Staatsoberhaupt erklären

kann; besser noch: den Umstand,

warum es an die Macht gelangte.

Das ist übrigens keineswegs auf

die USA beschränkt: Ich habe erlebt,

wie diverse italienische Erasmusstudenten

vorder Aufgabe kapitulierten,

das Phänomen Silvio Berlusconi zu

erklären –gewählt hatte ihn übrigens

keiner von ihnen. Und inIsrael, wo

meiner Erfahrung nach so gern über

Politik geredet wird wie nirgendwo

sonst, bekommt der Gesprächspartner

in der Regel einen schmerzverzerrten

Gesichtsausdruck, sobald von

Benjamin Netanjahu die Rede ist.

Dabei kann man vonIsraelis (oder

Italienern oder Brasilianern), die keinen

Anteil daran hatten, den Regierungschef

ihres Heimatlandes in Amt

und Würden zu befördern, nur sehr

eingeschränkt eine Erklärung für diesen

Vorgang erwarten. In Deutschland

scheitern Experten schließlich

auch regelmäßig beimVersuch, zu erklären,

warum die AfD in Sachsen so

erfolgreich ist. Dabei befinden wir

uns (noch) in einer privilegierten Situation:

Mit Angela Merkel sind wir

fein raus.International ist die Kanzlerinextrem

beliebt, einer Umfrage zufolge

findet die Weltbevölkerung nur

den Papst noch toller.Die Deutschen

dürfen sich im Ausland dementsprechend

im Glanz der politischen Vernunft

sonnen, was historisch gesehen

einigermaßen ungewohnt (und angesichts

jüngster innenpolitischer

Entwicklungenauchzweifelhaft) ist.

Nunredeich persönlich sehr gern

über Politik, Knigge hin oder her. Allerdings

sollte die Art und Weise der

Diskussion immer unter Berücksichtigung

des Gesprächspartners stattfinden.

Neulich traf ich einen republikanischen

Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses.

Und ja: In der

Unterhaltung kam irgendwann die

Frageauf,wie ein Typ, der regelmäßig

Minderheiten, politische Gegner

oder Journalisten via Twitter beleidigt,

denWeg insWeiße Haus finden

konnte. Nun war mein Gesprächspartner

kein uneingeschränkter Fan

seines Präsidenten, aber als Politiker

mit der Gabe der Diplomatie gesegnet.

„Was Trump nach außen transportiert,

ist eine Maske. Privat ist er

sehr liebenswürdig und zurückhaltend“,

sagte er.„Ichwünschte nur, er

würdeendlich aufhören zu twittern.“

Sind die Trumps undSalvinis dieser

Welt am Ende ganz vernünftige

Kerle, die man nur von den sozialen

Medien fernhalten müsste, so wie

Teenager von der Playstation? Fest

steht: Auch in dieser Angelegenheit

haben wir Glückgehabt. DieKanzlerinäußertsich

bei Twitter schließlich

nur via Regierungssprecher und in

homöopathischen Dosen.

Ein Grund mehr, ihre ausschleichende

Amtszeit zu genießen. Denn

dass sich ihr Nachfolger an die Twitter-Ruhe

hält, ist eher unwahrscheinlich.

Es sei denn, Robert Habeck

wirdKanzler.


6* Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

11.6.19

11.6.19

MÄRKTE

▲ 12268,71 (+0,35 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

11.6.19

Stand der Daten: 10.09.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

10.9.19

▼ 62,47 (–0,38 %)

10.9.19

▲ 1,104 (+0,06 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom10.09.zum Vortag

10.9.19

Fuchs Petrolub Vz. 35,32 +4,19 WWWWWWWWWW

GEA Group 26,30 +3,99 WWWWWWWWW

Knorr-Bremse 89,80 +3,85 WWWWWWWWW

Siltronic NA 69,88 +3,80 WWWWWWWWW

Kion Group 49,22 +3,62 WWWWWWWW

Continental 125,94 +3,54 WWWWWWWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 10.09. zumVortag

Carl Zeiss Meditec 100,50 WWWWWWWWWWW –4,92

MTUAero Engines 236,70 WWWWWWWWWW –4,63

Wirecard 149,85 WWWWWWWWWW –4,49

Airbus 122,38 WWWWWWWW –3,46

SartoriusVz. 168,00 WWWWWWWW –3,45

Evotec 19,65 WWWWWWWW –3,37

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 10.09. ±% z. 09.09.

Euro Stoxx 50(EU) +0,11

3574/2909 3498,99

CAC 40(FR) +0,08

5673/4556 5593,21

S&P UK(UK) +0,49

1562/1323 1468,62

RTS (RU) +0,28

1414/1033 1343,95

IBEX (ES) +0,75

9665/8286 9078,20

Dow Jones (US) ±0,00

27399/21713 26836,42

Bovespa (BR) –0,37

106650/74445102800,10

Nikkei (JP) +0,35

24448/18949 21392,10

Hang Seng (HK) –0,02

30280/24541 26657,04

Stx Singap. 20 (SG) +0,36

1657/1350 1567,94

Ratenkredite 10.000 Euro

Kreditzinsen, bonitätsunabhängig bzw.2/3 Zins

Kundenkontakt 36 Mon. 48 Mon. 60 Mon.

Deutsche Skatbank

skatbank.de 2,89 2,89 2,89

PSD Bank Nürnberg

psd-nuernberg.de 2,93 2,93 2,93

EthikBank

ethikbank.de 2,95 2,95 2,95

DKB Deutsche Kreditbank

dkb.de 3,49 3,49 3,49

SWK Bank

couchkredit.de 3,49 3,49 3,49

Commerzbank

069/98660966 3,74 4,98 4,74

Postbank

postbank.de 3,79 3,79 3,79

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 3,89 3,89 3,89

Targobank

targobank.de 3,95 3,95 3,95

ING

ing.de 3,99 3,99 3,99

PSD Berlin-Brandenburg

psd-bb.de 3,49 3,49 3,69

Pax-Bank

pax-bank.de 3,99 3,99 3,99

ABK Allgemeine Beamten Bank

030/28535200 4,49 4,49 3,39

BBBank

030 202480 5,82 5,61 5,40

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 8,99 8,99 8,99

Mittelwert von 70 Banken 3,89 3,96 4,08

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Der E-Up desAutoherstellersVWist nureines derneuen Elektroautos.GrößereWagenkommen mit einer Batterieladung 400 Kilometer weit.

Schnell wieder an der Steckdose

Auf der IAA stellen die Herstellerihre neuen Elektroautos vor–siekosten mindestens 16 000 Euro

Von Frank-Thomas Wenzel

Die Präsentationen der

deutschen Autobauer am

Dienstag auf der IAA hatten

einiges gemeinsam.

Überall waren Windräder zu sehen.

Alle Vorstandschefs legten ein Bekenntnis

zum Klimaschutz ab.Nachhaltig

ist in diesen Tagen eine der

Lieblingsvokabeln in der Branche.

UndDaimler-Chef OlaKällenius formulierte,

was sämtliche Autobauer

als ihrezentraleBotschaft verbreiten

wollten: „Wir sind elektrisch.“

Er sagte das, als auf der großen

Bühne in der Frankfurter Festhalle

eine breite Phalanx an Mercedes-

Modellen aufgefahren war. Allerdingswaren

die allermeisten nur teilelektrisch,

also Plug-in-Hybride.

Trotz aller Bekenntnisse sind die

reinrassigen Stromer auf der AutoschauvielfachnochimHintertreffen.

Wersich demnächst ein E-Fahrzeug

kaufen will, hat es gar nicht so

leicht. Auf der Festhallenbühne

stand zwar auch ein EQC vonMercedes.

Ein wuchtiges SUV, das nach

Werksangaben eine beruhigende

Reichweite vonmehrals 400 Kilometer

hat. Aber für den Wagen muss der

Käufer auch die stolze Summe von

mindestens 70000 Euro hinlegen.

Dassind aber immerhin noch gut

10000 Euro weniger als für einen

E-Tron, der am Audi-Stand steht. Dafür

kann der Sportgeländewagen

aber auch eine Leistung von 360 PS

entfalten. Die wuchtigen Fahrzeuge

Von Andreas Niesmann

Bundeswirtschaftsminister

Peter

Altmaier (CDU) hat sein seit Längerem

angekündigtes Bürokratieentlastungsgesetzvorgelegt.Ziel

des Gesetzes

ist es, die deutsche Wirtschaft

und vor allem mittelständische

Unternehmen vonBürokratiekosten

in einer Größenordnung von rund

1,1 Milliarden Euro zu entlasten.

„Überbordende Bürokratie belastet

die Wirtschaft, hemmt Innovationen

und schwächt den Wirtschaftsstandort

Deutschland“, heißt es in

dem Referentenentwurf, der nun mit

den anderen Ministerien der Regierung

abgestimmt wird und dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland

(RND) vorliegt. Deshalb habe die

Bundesregierung beschlossen, die

Lieferzeit: Bei einer ganzen

Reihe vonElektroautos ärgern

sich die Kunden über

enormlange Lieferfristen.

Weretwa den E-Niro, ein

kompaktes Stadtgeländefahrzeug

vonKia, haben will,

muss länger als ein Jahr darauf

warten. Offensichtlich

wurden die Autobauer von

der rasch wachsenden

Nachfragenachihren Elektroautos

überrascht.

Digitaler Krankenschein

Wirtschaftsminister Altmaierwill mit einem Gesetzgegen dieBürokratie vorgehen

Wirtschaft durch den Abbau unnötiger

Bürokratie zu entlasten.

Konkret plant Altmaier die Einführung

einer elektronischen

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung,

die Option eines digitalen Meldescheins

im Beherbergungsgewerbe

sowie Erleichterungen beim Archivieren

elektronisch gespeicherter

Steuerunterlagen.

„Arbeitnehmer müssen noch immer

ihre Krankschreibungen bei

ihrem Arbeitgeber in Papierformeinreichen.

Der damit verbundene manuelle

Bearbeitungsaufwand ist angesichts

der fortschreitenden Digitalisierung

nicht mehr zeitgemäß“,

heißt es in Altmaiers Gesetzentwurf.

Deshalb solle ein elektronisches Meldeverfahren

die Einreichung des

„Gelben Zettels“ ersetzten.

NACHFRAGE ZIEHT OFFENBAR AN

Leasing: VWs Kleinwagen

E-Up bekommt in der neuesten

Version nicht nur eine

stärkere Batterie als das Vorgängermodell.

Sie soll künftig

260 Kilometer schaffen.

Für den Wagenkündigte der

Konzernaucheine zeitlich

begrenzte Sonderaktion an:

Das Auto wird dann für eine

Leasingrate von159 Euro im

Monat angeboten –ohne

Anzahlung.

Lieferanten: Daimler will

seine Zulieferer zu einer klimaneutralen

Produktion bewegen.

„Das wird zu einem

Vergabekriterium“, sagte

Daimler-ChefOla Källenius.

Er habemit Freude zur

Kenntnis genommen,dass

vielePartner dasThema bereitserkannt

hätten und gut

unterwegs seien.Daimlerwill

seine eigenenFabriken bis

2022 klimaneutral machen.

„Künftig informieren die Krankenkassen

den Arbeitgeber auf Abruf

elektronisch über Beginn und Dauer

der Arbeitsunfähigkeit seines gesetzlich

versicherten Arbeitnehmers sowie

über den Zeitpunkt des Auslaufens

der Entgeltfortzahlung“, heißt es

in dem Gesetzentwurf.

MitdemzweitenTeilseinesGesetzes

nimmt Altmaier die Meldescheine

im Hotel und Übernachtungsgewerbe

ins Visier.Bislang müssen Hotels

und Pensionen vonihren Gästen

Meldescheine auf Papier ausfüllen

und unterschreiben lassen. Künftig

solldasauchdigitalmöglichsein,wobei

der elektronische Personalausweis

eine Unterschrift ersetzen soll.

Derdritte Teil des Gesetzes betrifft

vor allem Unternehmen. Für sie soll

die Pflicht entfallen, bei einem Wech-

FOTO: DIRK WAEM/DPA

mit dem höheren Einstieg sind ein

Trend in der Elektromobilität. Sie

sind auch als Rivalen des weltweit erfolgreichen

Model Xvon Tesla konzipiert,

das schon einige Jahreauf den

Straßen unterwegs ist.

Werkompakte Stromer für kleinere

Geldbeutel sucht, muss sich schon

etwas genauer umschauen. Immerhin

stand aber auf der Festhallenbühne

auch ein elektrischer Smart

der neuesten Generation. Er ist als

agiler zweisitziger Cityflitzer konzipiert.

„Mit einem Smartkannstduin

StadtundUmlandalleserreichen:Bis

zu 159 Kilometer Reichweite sind dafür

mehr als genug“, heißt es bei der

Kleinstwagenmarke vonDaimler.Allerdings

muss der Käufer auch dafür

mehr als 20000 Euro hinblättern.

Für das gleiche Geld gibt es erheblich

mehr Auto, wenn der Kunde

doch wieder einen Verbrenner kauft.

DieBatterie macht den Unterschied.

Sie ist der mit Abstand teuerste KostenpostenbeidenAutosmitdenneuen

Antrieben. Dasbedeutet: Mitsteigender

Reichweite steigen auch die

Preise. Sokommt der Elektro-Corsa

von Opel bei vorsichtiger Fahrweise

zwar gut 300 Kilometer weit. Aber der

Rüsselsheimer Autobauer gibt auch

einen Listenpreis ab 29900 Euro an.

Das hemmt die Elektromobilität.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden

im August gerade einmal 5001 Stromer

neu zugelassen. Das entspricht

einem Marktanteil von1,6 Prozent.

Renault-Chef Thierry Bolloré hat

das Problem erkannt. Die Preise für

E-Autos müssten dramatisch sinken,

sagte er dem „Handelsblatt“. Damit

die neue Mobilität nachhaltig wird,

müsse sie auch profitabel sein. Bolloré

ist fest davon überzeugt, dass es

weniger als fünf Jahre dauern wird,

bis es in Europa Elektroautos für

10000 Euro geben werde.

Der Renault-Chef wettet damit

auf die nächste Generation der Batterien,

die über eine höhereLeistungsdichte

verfügen, bei denen das

Recycling einfacher funktioniertund

bei denen weniger seltene Erden benötigt

werden –das sind extrem teure

Rohstoffe,die oft unter fragwürdigen

Bedingungen gefördertwerden.Studien

erwarten, dass sich die Batteriepreise

bis 2025 halbieren könnten.

Auch weil Dutzende Großfabriken

weltweit geplant sind, die jeweils riesige

Stückzahlen herstellen können:

Mit steigender Menge schrumpfen

auch die Kosten pro Lithium-Ionen-

Zelle.

Wem das zu lange dauert, der

könnte auf die Idee kommen, sich

einen E-Go bei dem gleichnamigen

Aachener E-Auto-Start-up zu bestellen.

Schließlich ist er mit einem Einstiegspreis

von15900 Euro das bisher

preiswerteste Elektroauto hierzulande.

Doch nachdem der Ansturm auf

das kleine Stadtauto riesig war und

die erste Serie ausverkauft ist, müssen

Kunden sich in Geduld üben.

sel der Steuersoftware zehn Jahre

lang die alten Datenverarbeitungsprogramme

in Betrieb zu halten.

Künftig soll ein Datenträger mit den

gespeicherten Steuerunterlagen ausreichen.

Vom Koalitionspartner SPD bekommt

der Wirtschaftsminister Lob.

„Gut, dass wir beim Abbau von unsinniger

Bürokratie endlich einen

Schritt weiterkommen. Die Digitalisierung

kann uns helfen, Beschäftige

und Unternehmen von nervigen

Dingen zu befreien“, sagte SPD-Fraktionsvize

Sören Bartol. Er begrüßte

vor allem den Wegfall der „Gelben

Zettel“ bei der Krankschreibung.

„Das erspartden Unternehmen Kosten

vonmehrals einer halben Milliarde

Euro undbeendet für die Beschäftigten

die Zettelwirtschaft.“

Klimaschutz

bei Gebäuden

wird teuer

Wohnungsbranche fordert

Milliardenhilfe vomBund

Von Martina Herzog und Burkhard Fraune

Das Klimaschutzziel bei Gebäuden

ist nach Einschätzung von

BranchenvertreternundMieterbund

ohne milliardenschwere staatliche

Unterstützung nicht zu schaffen.

„Selbst bei konservativen Annahmen

sind allein für die vermieteten WohnungeninDeutschlandjährlichmindestens

6Milliarden Euro Unterstützung

nötig, wenn die Klimaziele im

Gebäudebereich erreicht werden

sollen“,erklärteAxelGedaschko,Präsident

des Bundesverbands deutscher

Wohnungs- und Immobilienunternehmen

(GdW), am Dienstag.

Zwischen 6 und 10 Milliarden

Euro an Unterstützung wären laut

GdW, Deutschem Mieterbund und

Deutschem Verband für Wohnungswesen,

Städtebau und Raumordnung

(DV)nötig, wenn die Mietwohnungen

energetisch saniert würden,

ohne dass die Mieter unter dem

Strich mehr zahlen müssten.

Die Kaltmiete würde dann zwar

steigen, weil die Mieter einen Teil der

Sanierungskosten tragen würden.

Wegen Energiespareffekten hätten

sie aber geringere Heizkosten. Die

Warmmiete bliebe also gleich. Die

Klimaziele wären aber auch damit

nach Angaben der Verbände noch

nicht zu schaffen –dazu seien noch

mehr Investitionen in die energetische

Sanierung nötig.

Die Branchenvertreter berufen

sich auf Berechnungen der bundeseigenen

Deutschen Energie-Agentur

und des Bundesverbands der Deutschen

Industrie.Für die Wohngebäude

insgesamt seien Zuschüsse von

mindestens 14 Milliarden Euro jährlich

nötig.

Wärmedämmungander Hausfassade

senkt die Heizkosten. FOTO: ARMIN WEIGEL/DPA

Im Gebäudesektor fielen im vergangenen

Jahr nach vorläufigen Angaben

des Umweltbundesamts

117 Millionenvoninsgesamt866Millionen

Tonnen CO 2 -Äquivalent an. In

diese Einheit werden Treibhausgase

oft umgerechnet, weil Kohlendioxid

(CO 2 )den größten Anteil hat. Gebäude

hatten damit einen Anteil von

13,5 Prozent am deutschen Treibhausgasausstoß.

Bis 2030 soll der

Ausstoß auf 72 Millionen Tonnen

CO 2 -Äquivalent sinken. „Das wird

ein verdammt teurer Spaß, wenn wir

nur die heute schon verabredeten

Ziele erreichen wollen“, sagte DV-

Präsident Michael Groschek.

Die Kosten für die energetische

Sanierung können zwar nur teilweise

auf Mieter umgelegt werden. Dennoch

warnen die Branchenvertreter

vor „sozialen Härten“. „Wir vermieten

an das untere Einkommensdrittel“,

sagte GdW-Präsident Gedaschko.

„Die können das nicht zahlen.“

Sein Verband vertrete viele Genossenschaften

und kommunale Unternehmen.

Das Geld sollte in Form eines

Fonds bereitgestellt werden, schlagen

die Branchenvertreter vor. Am

Freitag kommender Woche will das

Klimakabinett festlegen, wie die

Bundesregierung ihre CO 2 -Sparziele

erreichen kann. Es soll Beschlüsse

geben zum Verkehr, Gebäudesektor

und der Landwirtschaft. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 7

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Wirtschaft

Brillenkönig

und

Öko-Landwirt

Jede zweite Sehhilfe

stammt von Fielmann

Von Eckart Gienke

Der Unternehmer Günther Fielmann

hat Deutschland verändert.

In nahezu jeder Fußgängerzone

findet sich eine Filialeseiner Optik-Kette.AlleininDeutschland

sind

es ungefähr 600, dazu gut 140 Geschäfte

im Ausland.JedezweiteBrille

in Deutschland wirdvon Fielmann

verkauft, mehr als 19 000Mitarbeiter

arbeiten für das Unternehmen. Am

nächstenDienstag wirdder Firmengründer

80 Jahrealt.

Noch immer ist Fielmann Vorstandsvorsitzender

der Fielmann

AG, seit eineinhalb Jahren gemeinsam

mit seinem Sohn Marc. Damit

dürfte erder älteste Chef einer Aktiengesellschaft

in Deutschland

sein. In den vergangenen Jahren hat

Günther Fielmann die Führung

nach und nach an den Junior übergeben

und bezieht nur noch ein

symbolisches Gehalt von einem

Euro. Seine verbliebene Zuständigkeitlaut

Fielmann-Webseite: Unternehmensphilosophie.

Schon bei

den letzten Hauptversammlungen

und Pressekonferenzen war er nicht

mehr dabei und überließ Marc das

Feld, der auch in der Hamburger

Zentrale das Heft in die Hand genommen

hat. Günther Fielmann

widmet seine Zeit vorallem derBio-

Landwirtschaft und züchtet auf seinem

Anwesen Pferde, Rinder und

Schafe.

Sein Imperiumschuf der gebürtige

Schleswig-Holsteiner aus dem

Nichts. Nach einer Optiker-Lehre

und einem Berufsstartals Angestellter

eröffnete Fielmann 1972 im Alter

von33Jahren im niedersächsischen

Cuxhaven sein erstes Geschäft. Das

war so etwas wie der Urknall in der

verschlafenen Optiker-Branche, die

Innovationen desinteressiertgegenüberstand.

Fielmann begnügte sich

mit einer geringerenMarge,schaltete

den Zwischenhandel aus,gab den

Kunden Garantien – der junge

Unternehmersetzte aufstrikteKundenorientierung.

Produktion in Brandenburg

Der endgültige Durchbruch kam

1981, als Fielmann den Krankenkassen

dieKassenbrille abhandelte und

durch eine Vielzahl von modernen

Modellenersetzte.„Bisdahin musste

jeder Brillenträger den Nachweis

seines geringen Einkommens auf

der Nase tragen“, erinnerte sich Fielmann.

Kassenbrillenwurden erstattet,

wermehrwollte,musste zahlen –

die traditionellenOptiker erreichten

so Margen von bis zu 30 Prozent. In

Kiel eröffnete Fielmann 1982 sein

erstes Super-Center, ein Optik-Fachgeschäft

neuer Dimension mit 7000

Brillen. In den achtziger Jahren erreicht

die Fielmann-Kette eine Größe,inder

nicht mehr jede große Neueröffnung

den Bestand des Unternehmens

bedrohte.

Es folgte der Börsengang 1994

und die Expansion ins Ausland, die

allerdings zunächst verhalten blieb

und sich vor allem auf die Schweiz

und Österreich fokussierte. Längst

ist Fielmann nicht nur Händler und

Handwerker, sondern auch Produzent

von Brillen mit einem Produktionszentrum

im brandenburgischen

Rathenow. (dpa)

Günther Fielmannhat die Optikerbranche

aufgemischt.

FOTO: BODO MARKS/DPA

Von Burkhrad Fraune

Grün wird jetzt Bahn-Farbe:

Vorn und hinten bekommen

alle ICE einen

grünen Streifen anstelle

des gewohntenRot. „Kein Verkehrsmittelist

so klimafreundlich wie die

Bahn“, begründete der Vorstandsvorsitzende

Richard Lutz am Dienstag

in Berlin die Lackauswahl. Doch

es gibt eineweitereBotschaft:Damit

mehr Menschen Bahn fahren, könnten

im Fernverkehr die Fahrkartenpreise

deutlich sinken –sofern der

Staat auf Mehrwertsteuer verzichtet.

Darüber berät das sogenannte Klimakabinett

der Bundesregierung in

der nächsten Woche.

„Den finanziellen Vorteil würden

wir mitgünstigerenFahrpreisen eins

zu eins an unsereKunden weitergeben“,

versprach Lutz. Dafür, auch

bei Fahrten über 50 Kilometern nur

nochden reduzierten Satz von7statt

19 Prozent Mehrwertsteuer zu verlangen,

gibt es einen recht breiten

Konsens von den Grünen bis zur

CSU.

Für mehr politischen Rückhalt

setzt die Bahn seit Monaten voll auf

das Klimaargument. „Bahnfahren

ist aktiver Klimaschutz“, warb Lutz

und zeigte auf einen grünen Stecker,

der nun auf jeden ICE lackiert wird.

Der Fernverkehr fahre seit 2018

komplettmit Ökostrom.

Noch Luft nach oben

Dasheißt aber nur,dass die Bahn soviel

Ökostrom einkauft wie sie für

den Fernverkehr braucht. In die

Oberleitungen fließt der normale

Bahnstrommix, der 2018 noch zu

43 Prozentaus Kohle,Gas und Atomkraft

stammte. Auf vielen Nebenstrecken

fahren außerdem noch

Dieselloks. 60Prozent des Gleisnetzes

ist elektrifiziert, darauf fährt

90 Prozent des Verkehrs. Echte

100 Prozent Ökostrom soll es 2038

geben, eine klimaneutrale Bahn im

Jahr 2050.

„DieEisenbahn soll das Verkehrsmitteldes21.Jahrhundertswerden“,

sagteder Bahnbeauftragte der Bundesregierung

Enak Ferleman. „Wir

wollen richtig in das Schiennetz investieren.“

Im laufenden Geschäft

muss die Bahn aber besser werden,

etwa bei der Fahrzeugbereitstellung,

wie der CDU-Politiker deutlich

machte. „Da ist noch Luft nach

oben.“ Verspätungen durch Baustellen

dagegen seien kaum zuvermeiden.

DieBahn sei auf einem sehr guten

Weg.

US-Bundesstaaten nehmen Google ins Visier

Von Hannes Breustedt

ICE mit Grünstreifen

Die Bahn will billiger und ökologischer werden

Die ICE-Flotteerhältein neues Design.

Strategiewechsel: Grundlage

derneuen Strategie ist

ein 170-Seiten-Papier mit

dem Titel „StarkeSchiene“,

das Bahnchef Lutz im Juni

dem Aufsichtsrat präsentiert

hatte. Der Konzernzieht

einen Schlussstrich unter

frühere Expansionspläne:

Deutschland werde seine

Klimaziele nur mit massiver

Verlagerung vonVerkehr auf

die Schiene erreichen.

Nach Facebook gerät nun auch die Alphabet-Tochter zwischen die politischen Fronten

lung an die Börsenaufsicht erklärt,

mitErmittlungsanfragenzurechnen.

Allerdings beteiligen sich überraschend

viele Bundesstaaten, lediglich

Kalifornien und Alabama sind

nicht mit dabei.

Fest steht, dass die Ermittlungen

denDruckaufdiewegenihrergroßen

Marktmacht umstrittene Alphabet-

Tochter erhöhen. Google wurde von

Wettbewerbernimmer wieder vorgeworfen,

die starke Position im Suchmaschinen-

und Werbegeschäft auszunutzen,

um die Konkurrenten zu

benachteiligen. So verhängte die EU-

Kommission mehrere milliardenschwere

Wettbewerbsstrafen, gegen

die Google vorGericht vorgeht. Allerdings

steht das Unternehmen nicht

allein im Blickpunkt der Aufseher.

Am Freitag hatte eine vonNew Yorks

Generalstaatsanwältin Letitia James

angeführte Allianz vonacht US-Bundesstaaten

und Washington, D. C.,

eine Wettbewerbsprüfung gegen

Facebook angekündigt.

Auch die Bundesregierung in Washington

hat die großen Tech-Plattformen

auf dem Kieker.Das Justizministerium

hatte im Juli mitgeteilt, es

WINDSTROM VON DER NORDSEE

Lieferant RWE: Die Deutsche

Bahn wird ab dem Jahr

2024 einen Teil ihres Strombedarfs

aus einem Windpark

in der Nordsee decken. Betrieben

wird der Windpark

35 Kilometer nordöstlich von

Helgoland vonInnogy, einer

Tochter des Essener Energiekonzerns

RWE. Der Liefervertrag

laufe über fünf Jahre,

teilten beide Vertragspartner

mit.

FOTO: CHRISTOPHE GATEAU/DPA

Strombedarf: Der Umfang

der Stromlieferung vonInnogy

an die Bahn betrage

25 Megawatt, das seien etwa

8Prozent der Gesamterzeugung

des Windparks

mit insgesamt 48 Anlagen.

Der jährliche Strombedarf

der Bahn insgesamt liegt bei

etwa zehn Terawattstunden,

das entspricht fast dem

Stromverbrauch einer Stadt

wie Hamburg.

gehe der Frage nach, ob die Dominanz

der Konzerne zu groß ist und sie

Innovationen und Verbrauchern

schaden. Neben Alphabets Suchmaschine

Google und der ebenfalls zum

Konzern gehörenden Videoplattform

Youtube sowie Facebook mit

seinen Diensten Whatsapp und Instagram

dürfte es bei der Ermittlung

auf Bundesebene auch um den Onlinehändler

Amazon gehen.

Microsoft wurde fast zerschlagen

US-Behörden wurde oft vorgeworfen,

diesen Konzernen gegenüber zu

lasch zu sein. DieUnternehmen sind

jedoch auch zunehmend zwischen

die politischen Fronten geraten. US-

Präsident Donald Trump und seine

Anhänger werfen den Onlinediensten

vor, konservative Stimmen zu

unterdrücken. Die Verfahren erhöhen

damit den politischen Druck auf

die Internetplattformen vor der US-

Präsidentenwahl 2020.

Andere politische Lager wie die

Demokraten in den USA machen

mangelnde Regulierung der Konzerne

unter anderem für die starke Verbreitung

vonHass, Hetzeund Mani-

Der Bundeskonzern hatte sich

dazu eine neue Strategie verordnet.

Sieheißt „Starke Schiene“ und zieht

einen Schlussstrich unter frühere

internationale Expansionspläne.Alles,

was die Bahn tut,soll sich auf die

Stärkung der EisenbahninDeutschland

ausrichten.

Geplant sindetwainGroßstädten

Fernzüge im 30-Minuten-Takt,

WLAN auch im Intercity und mehr

PlätzeinPendlerzügen. Im Fernverkehr

soll sich dieZahlder Fahrgäste

nahezu verdoppeln, in Regionalzügen

soll sie um die Hälfte zulegen.

Dazu will die Bahn in Mitarbeiter,

neue Züge und Infrastruktur investieren.

Die Kapazität des Schienennetzessolldurch

neue Gleiseund Digitaltechnik

um 30 Prozent steigen,

die Zahl der Fernverkehrszüge von

rund 460 auf bis zu 600 wachsen.

Bahnhöfe sollen mehr Platz bieten

und einfachere Übergänge zu Fahrrädern,

Bussen und Mietwagen.

Doch bis dahin ist es ein weiter

Weg für den hoch verschuldeten

Konzern. „Zukunft gibt es nichtzum

Nulltarif“, sagte Lutz. Politik und

Bahn müssten die Verkehrswende

als gemeinsamen Kraftakt verstehen.

Die geplante Mehrwertsteuersenkung

könne einen wertvollen

Beitrag leisten, die Fahrgastzahl im

Fernverkehr zu erhöhen. Zudem

würden dann weitereneue Züge gekauft,

damit die zusätzliche Nachfrage

auch bewältigtwerden kann.

Nullrunde zuletzt 2016

DieBahnhatte zunächst auch erwogen,

bei einer Steuersenkung einen

Teil des finanziellen Vorteils in die

Angebotsverbesserung zu stecken.

Nun nannte Lutz es selbstverständlich,dass

die Fahrpreiseimgleichen

Maße gesenkt werden würden.

Fahrkarten in der zweiten Klasse

von ICE und Intercity sind seit der

Jahrtausendwende um gut ein Viertel

teurer geworden, wie das Bundesverkehrsministerium

kürzlich

mitgeteilthatte.Nullrunden hatte es

zuletzt 2015 und 2016 gegeben. Die

Steigerung blieb insgesamt aber

leicht unter dem Anstieg des Verbraucherpreisindex,

der seit dem

Jahr 2000etwa 30 Prozentbetrug.

Im Nahverkehr macht die Bahn

nur füretwa jede fünfte Kundenfahrt

die Preise selbst, bei den übrigen

sind dieregionalenVerkehrsverbünde

verantwortlich, die Länder und

Kommunen vertreten. Im Nahverkehr

wurden Fahrkarten seit 2000

um etwa die Hälfte teurer. (dpa)

Die Staatsanwälte fast aller US-

Bundesstaaten haben sich für

Kartellermittlungen gegen Google

zusammengetan. Der Internetkonzern

steht damit vor seiner bisher

größtenwettbewerbsrechtlichenHerausforderung

in den USA.

48 US-Bundesstaaten sowie der

Regierungsbezirk Washington DC

und Puerto Rico schlossen sich der

vom texanischen Generalstaatsanwalt

KenPaxton angeführtenInitiative

an. Die Untersuchung soll laut

Paxton klären, ob Google den Wettbewerb

im Geschäft mit Werbung im

Internet behindert hat. Sie könnte

aber noch auf andere Bereiche ausgeweitet

werden.

„Wenn es keinen freien Markt

oder Wettbewerb mehr gibt, erhöht

dies die Preise –selbst wenn etwas als

kostenlos vermarktet wird – und

schadet den Verbrauchern“, sagte

Floridas Generalstaatsanwältin Ashley

Moody am Montag. DieUntersuchung

kommt für Google nicht unerwartet.

Der Mutterkonzern Alphabet

hatte am Freitag in einer Mitteipulationen

im Internet verantwortlich.

Auch die demokratische Präsidentschaftsanwärterin

Elizabeth

Warren hat sich eine Zerschlagung

von Facebook mit einer Abspaltung

vonWhatsapp und Instagram auf die

Fahnen geschrieben.

Google konterte, indem der Konzern

betonte, seine Dienste hätten

mehr Auswahl für Verbraucher geschaffen

und unterstützten Tausende

Jobs und kleine Unternehmen in

den USA. Das Unternehmen wolle

zeigen, dass es in einem fairen Wettbewerb

stehe.

Beider vergangenen großen Wettbewerbsuntersuchung

in den USA

war vor rund zwei Jahrzehnten der

Windows-Riese Microsoft beinahe

zerschlagen worden. Die Internetunternehmen

hatten dagegen bisher

weitgehend freie Hand, nur beim

Verbraucherschutzvor allemfür Kinder

sowie Datenschutz schritten die

Regulierer mehrfach ein. Die Stimmung

kippte aber,nachdem die Manipulationskampagnen

aus Russland

im Zuge der US-Präsidentenwahl

2016 bei Facebook und Twitter

bekannt wurden. (dpa)

NACHRICHTEN

Neueinstellungen

oft befristet

Vier vonzehnneuen Mitarbeitern

werden derzeit in Deutschland befristet

eingestellt. Dasgeht aus einer

Studie des Instituts für Arbeitsmarkt-

und Berufsforschung (IAB)

hervor. Vorallem größereBetriebe

nutzen demnach die Möglichkeit

einer Befristung. Dagegen greifen

Kleinstbetriebe mit weniger als zehn

Beschäftigten, bei denen die Regelungen

des Kündigungsschutzgesetzesnicht

gelten, seltener darauf zurück.

Befristete Neueinstellungen

werden der IAB-Studie zufolge nicht

nur zur Deckung eines vorübergehenden

Arbeitskräftebedarfs genutzt,

sondernauch als „verlängerte

Probezeit“. (dpa)

Verdi droht mit

Streiks bei Postbank

Im Tarifstreit bei der Postbank müssen

Kunden nach den Warnstreiks

in den vergangenenWochen mit

noch größeren Einschränkungen

rechnen. DieVerhandlungen mit

der Konzernmutter Deutsche Bank

über einen neuen Tarifvertrag seien

gescheitert, erklärte die Gewerkschaft

VerdiamDienstag und kündigte

an, eine Urabstimmung über

Streiks einzuleiten. DieArbeitgeber

hätten in der dritten Verhandlungsrunde

am Montag ein „inakzeptables

Angebot“ vorgelegt, argumentierte

Verdi, die unter anderem die

Erhöhung der Gehälter um 7Prozent

bei einer Laufzeit vonzwölf

Monaten fordert. (dpa)

Jack Ma räumt den

Chefsessel bei Alibaba

JackMazähltzuden reichsten Männern

der Welt.

FOTO: THIBAULT CAMUS/AP

Jack Ma,der Gründer des chinesischen

Onlineriesen Alibaba, ist als

Vorsitzender seiner Firmaabgetreten.

Zu seinem 55. Geburtstag trat Ma

am Dienstag, wie bereits voreinem

Jahr angekündigt, seinen Rückzug

an. Dass Ma es einmal mit einem geschätzten

Vermögen vonmehrals

38 Milliarden Dollar (rund 34,3 Milliarden

Euro)zueinem der reichsten

Männer des Landes bringen würde,

war noch vorzweiJahrzehnten nicht

einmal zu erahnen. Miteiner Bewerbung

als Verkäufer bei der Fast-Food-

Kette Kentucky Fried Chicken war er

einst gescheitert. Er brauchte zudem

mehrereAnläufe fürdie Uniaufnahmeprüfungen.

(dpa)

Handel erwartet

eine Stagnation

Deutschlands Ladengeschäfte können

ihren Umsatz in diesem Jahr

einer Prognose zufolge nicht wesentlich

ankurbeln. Preisbereinigt

werdeesimstationären Handel

wohl ein „Nullsummenspiel“ geben,

sagte der Hauptgeschäftsführer des

Handelsverbandes Deutschland

(HDE), Stefan Genth. Nominal –also

vorAbzug der Inflation –liegt das

Plus laut der Analyse bei 1,3 Prozent

auf rund 480 Milliarden Euro.2018

war die Entwicklung ähnlich.

Inklusiveboomendem Onlinehandel

zieht die Branche dieses Jahr an,

ihr Gesamtumsatz steigt voraussichtlich

auf rund 537 Milliarden

Euro,realwäredas ein Plus von

0,5 Prozent. (dpa )


8* Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Meinung

Brandenburg

ZITAT

Letzte Chance

für die CDU

Jens Blankennagel

fragt sich, wie langedie neue Einigkeit

in der Partei vonBestand ist.

Nach dem Debakel bei der Landtagswahl

am 1. September hat sich die

CDU in Brandenburg nun entschlossen,

doch noch als seriöse Partei aufzutreten.

Der offene und sehr laute parteiinterne

Putschversuch von sechs konservativen

Abgeordneten, der seit dem Wahlabend

läuft, endete am Dienstag ziemlich überraschend

mit der einstimmigen Wahl des

Kandidaten des liberalen Flügels zum

neuen Fraktionsvorsitzenden.

Die Konservativen gaben nach und

verzichteten auf eine Kampfabstimmung.

Nun kann die CDU doch noch weiter mit

SPD und Grünen über eine Regierungsbeteiligung

in Potsdam verhandeln.

Doch dieses für die Christdemokraten

überaus positiveErgebnis ist nur ein Zwischenstopp

auf dem langen Wegzueiner

Regierungsbeteiligung. Denn obwohl die

CDU in einer möglichen Koalition mit der

siegreichen SPD und den Grünen die nominell

zweitstärkste Kraft darstellt, ist sie

in der schwächsten Position. Denn die

CDU ist darauf angewiesen, dass die beiden

anderen Parteien sie als seriösen

Partner anerkennen, mit dem sie eine solide

und vor allem tragfähige Regierung

für die nächsten fünf Jahrebilden können.

Dieanderen müssen überzeugt sein, dass

die sechs konservativen Abweichler, die

nun verstummt sind, auch weiterhin zu

einer möglichen schwarz-grünen Koalition

stehen. Denn diese Regierungsoption

hat im Parlament genau sechs Stimmen

Mehrheit –genauso viele wie es bislang

konservativeKritiker in der CDU gab.

Die CDU muss in den kommenden

Verhandlungstagen oder gar -wochen

nun weiter Seriosität beweisen, denn die

anderen beiden könnten zur Not immer

noch eine rot-grün-rote Regierung mit

der Linkspartei schmieden.

USA

Trumps

Kettenhund

KarlDoemens

weint US-Sicherheitsberater

John Bolton keine Träne nach.

Der Schnurrbart hatte Donald Trump

noch nie gefallen. In privaten Gesprächen

mokierte sich der US-Präsident

über den Schnäuzer seines Sicherheitsberaters

John Bolton. Doch die Gründe, die

nun zum Rauswurf des wichtigsten außenpolitischen

Strategen imWeißen Haus

geführt haben dürften, liegen tiefer. Sie

haben viel mit der Widersprüchlichkeit

und Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten

zu tun und offenbaren seine Kopflosigkeit.

Nicht, dass man Bolton eine Träne

nachweinen müsste. Der 70-Jährige ist

ein rechter Hardliner und einer der übelsten

Falken in Washington. Er bejubelte

den Irak-Krieg und forderte die Bombardierung

des Iran. „Trumps Kriegs-Flüsterer“

nannte ihn CNN. Aber so hat der

Mann schon gesprochen, als er noch Moderator

bei Trumps Haussender Fox war.

Trump holte ihn bewusst an seine Seite,

um mit dessen Härte zu kokettieren. Bolton

war sein wilder Kettenhund, und

Trump ließ ihn lange gewähren.

In Ungnade gefallen ist er erst, seit er

Trump öffentlich widersprach. Während

der Präsident dem nordkoreanischen

Diktator Kim Jong-Un bei Twitter Liebesbriefe

schrieb,prangerte Bolton die Raketentests

des Regimes an. Als sich Trump

als Friedensstifter für Afghanistan inszenierte,

protestierte Bolton gegen die Einladung

der Taliban nach Camp David.

Am Kernproblem des US-Präsidenten

ändert die Personalie ohnehin nichts:

Trump geht es nie um Inhalte,sondernum

seine Wirkung und die Mobilisierung seiner

Basis. Vor der gibt er gleichzeitig den

knallharten Druckmacher und den außenpolitischen

Isolationisten. Das passt nicht

zusammen –obmit Bolton oder ohne.

Quo vadis, Bildungsland Deutschland?

Ich bin ein nicht-binärer Mensch. Das

heißt, dass ich mich weder als Frau,

noch als Mann kategorisieren lassen

will. Betrachtet man die vielfältige Gesellschaft,

stellt man fest, dass die Geschlechtersituation

immer noch einfältig ist.

Die allermeisten Menschen leben als Mann

oder Frau. Das Geschlecht wird bei der Geburt

festgelegt und in die Unterlagen eingetragen.

Vondaanleben Menschen in der Regel

ein Leben lang damit. 7,6 Milliarden

Menschen und zwei Geschlechteroptionen?

Dasklingt nach wenig Auswahl.

Dabei ist eine Frau bestimmt nicht wie die

andere, ein Mann bestimmt nicht wie der

nächste.Seit kurzemgibt es für Intersex-Geborene

(Menschen, die mit Genitalien geboren

sind, die sich nicht eindeutig als männlich

oder weibliche einordnen lassen) die offizielle

Option „divers“. Einlange überfälliger

und trotzdem nur sehr kleiner Fortschritt.

Was ist mit Menschen, die mit eindeutigen

Genitalien geboren sind, sich aber nicht entsprechend

definieren wollen oder können,

weder gesellschaftlich noch körperlich? Viele

dieser Menschen verstehen sich als nicht-binär

oder transsexuell. Eine solche Person hat

nicht die Möglichkeit, im Pass „divers“ eintragen

zu lassen. Dasgeht nur,wenn man als

intersex geboren worden ist. Undfür transsexuelle

Menschen dauert esetwa zwei Jahre

und kostet bis zu 3000 Euro,Geschlecht und

Vornamen in amtlichen Dokumenten ändernzulassen.

Bis heute muss ein Gerichtsverfahren

durchgeführt werden, um die Änderung zu

erstreiten. Zwei unabhängige psychiatrische

Gutachter müssen „Transsexualismus“ diagnostizieren,

als wäre das eine Krankheit.

Verzichten transsexuelle Personen auf dieses

Verfahren, zum Beispiel aus finanziellen

Gründen, entstehen üble Komplikationen

am Flughafen, bei der Jobsuche oder bei amtlichen

Pflichtgängen. Die Liste an praktischen

Schwierigkeiten ist lang, wenn das

Aussehen nicht mit dem Geschlecht im Pass

Wir wohnen ganz oben. Bis vor ein paar

Jahren hing überm Dach eine Hochspannungsleitung.

Bei Nebel knisterte sie,

was Gäste irritierte. Das Leben im elektromagnetischen

Feld gilt als krebserregend.

Hört bloß auf, dozierte ich dann, dafür gibt

es doch gar keine Beweise.Aber selbst, wenn:

Man muss die Vorteile sehen. Wir sind auch

ohne Vitasprint-Kapseln energiegeladen.

Außerdem: Je furchteinflößender das Ambiente,

desto bescheidener die Immobilienaufwertungsperspektiven

für den Vermieter.

Die Besucher guckten, als wäre mein Hirn

längst gegrillt. Je nun, was soll ich sagen?

Kaum war die Leitung demontiert, da wurde

das Haus verkauft, von den neuen Eigentümern

modernisiert, und die Miete machte

einen Freudensprung.

Neulich lief im Fernsehen eine Doku über

den Görlitzer Park. Zum Schluss ging es

darum, dass Anwohner eine Unterschriftenliste

in den Hausflur gehängt hatten, um gegen

den bezirksamtlich geförderten Drogenhandel

vorihrer Tür zu protestieren. Statt seines

Namens klierte jemand auf den Zettel:

„Ohne Dealer steigen die Mieten!“ Ha,meine

Rede.Ein grauenerregendes Wohnumfeld erhöht

den Blutdruck, entlastet aber die Haushaltskasse.

Der Mietenboom macht diese Logik immer

populärer. Imsogenannten Wrangelkiez

wurden gerade Durchgangsstraßen gesperrt.

Dagegen haben mehr als tausend Bürger eine

Petition unterzeichnet, weil ein verkehrsberuhigtes

Wohngebiet „eine ganz gezielte Kiez-

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wieweiter zwischen den Geschlechtern?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Geschlecht

ist einfältig

Xenia von Uexküll

ist Dragperformer*in in Berlin und findet, dass man frei

wählen sollte, ob man als Mann oder Frau lebt.

KOLUMNE

Liegenschaften

entwerten

–mach mit!

André Mielke

Autor

aufwertung ist, die sich alteingesessene

Kreuzberger nicht leisten können sollen“. Das

heißt, lieber wohnen wir in Krach, Dreck und

Unfallgefahr als gar nicht mehr in Berlin.

Dem Senat wird nun vorgeworfen, eine

kryptokommunistische Wohnungspolitik zu

betreiben. Fürwahr, im marktwirtschaftlichen

Instrumentarium kommen Mietendeckel

und Enteignungen nicht vor. Nach der

reinen Lehremüsste man die Preise durch ein

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

übereinstimmt. Ganz zu schweigen vonden

Diskriminierungen im Alltag. Es wäre mit

viel weniger Diskriminierung verbunden,

wenn man das Geschlecht einfach wie die

Adresse ändernkönnte.

Auch in der Sprache findet eine permanente

Geschlechterzuordnung statt. Wo es

im Englischen die grammatikalisch korrekte

Möglichkeit gibt they/them als geschlechterneutrales

Pronomen zu nutzen, gibt es

diese in der deutschen Sprache nicht. Auch

ein Problem für Menschen, die weder das

Pronomen ER noch SIE nutzen wollen. Bis

heute muss in Deutschland mindestens ein

Vorname geschlechtseindeutig sein. Dabei

wäreesdoch viel schöner,wenn das vonAnfang

an keine Relevanz hätte.

Kinder sollten lernen, dass Geschlechtsorgane

nicht mehr Bedeutung haben als unterschiedliche

Haarfarben. Dann gäbe es

nicht das Problem, dass Menschen aufgrund

ihres Geschlechtes benachteiligt werden.

Ebenso würden gesellschaftliche Erwartungen

an die verschiedenen Geschlechter wegfallen.

Wenn wir jeden einzelnen Menschen als

ein Individuum betrachten, erkennen wir

schnell, dass in den zwei Geschlechterschubladen

nicht genug Platz für alle ist. Ich

finde, essollte so viele Geschlechter geben,

wie es Menschen auf der Welt gibt. Jeder Körper

und jeder Geist ist anders und auch Hormonzusammenstellungen

sind unterschiedlich

und verändern sich. Die Identität eines

Menschen ist fließend. Ein Charakter entwickelt

sich mit der Zeit, den äußeren Einflüssen

und der Erfahrungen im Leben. Geschlechteridentifikation

kann sich ebenso

entwickeln. Jeder, der will, sollte weiter das

Rechthaben, sich als männlich oder weiblich

zu kategorisieren. Gleichzeitig sollte aber

auch jeder Mensch das Rechthaben, sich offiziell

ganz anders zu definieren. Oder gar

nicht. Wenn es genug Platz für viele weitere

Geschlechteroptionen gäbe, dann wäre jede

Person nur eines: MENSCH.

größeres Angebot senken. Dazu mangelt es

an Flächen, Baufirmen, Zeit, Geld und Willen.

Zum Glück weiß ich einen Weg, das Problem

schnell mit Mitteln zu lindern, die ökonomietheoretisch

nicht nach Walter Ulbricht riechen:

Die Wohnungsnachfrage lässt sich

dämpfen, indem man Liegenschaften entwertet

und Zuzügler abschreckt. Eine solche

attraktivitätsmindernde Politik könnte auf

eine Volksmasseninitiativebauen,bestehend

aus Tausenden, die Tagund Nacht Sperrmüll

oder Hundekacke auf Gehwegen abstellen.

DiesePersonenwerdenleideroft der Asozialität

geziehen. Dabei sorgen sie dafür,dassihre

Viertel „einfache Wohnlagen“ und halbwegs

erschwinglich bleiben.

Rot-Rot-Grün sollte sich an die Spitzeder

Bewegung stellen und alle durch Gentrifizierungszonen

führenden Straßen zu Stadtautobahnen

erklären. Plante man am Wannsee

ein Atomkraftwerk, würden dort Geringverdiener

wohnen. Außerdem: Wind- statt

Stadtparks.Arabische Clans sollten noch aktiver

werden. Der Flughafen Tegel muss offenbleiben.

Ohne Nachtflugverbot. Die

Stadtreinigung hat zu unterbleiben. Soeben

forderte ein CDU-Politiker einen Zuzugsstopp.

Derartige Kommandowirtschaftsvisionen

gedeihen nur an Orten, die nicht unbewohnbar

genug wirken. Früher im Osten

gab es die Kampagne: „Schöner unsere

Städte und Gemeinden –Mach mit!“ Solch

gestriges Denken können sich nun viele

nicht mehr leisten. Nicht „schöner“,

„schlimmer“ muss es werden.Macht mit!

„Ein weiteres Mal die

Klimaziele reißen, das

können wir uns als

Hochindustrieland nicht

mehr leisten. Das wäre

nicht nur peinlich, sondern

diesmal auch teuer.“

Svenja Schulze, SPD-Umweltministerin, am Dienstag

bei der Haushaltsdebatte imBundestag.

AUSLESE

Johnson, der

schamlose Populist

Immer wieder Großbritannien. Die

Neue Zürcher Zeitung kommentiertam

Dienstag die Brexit-Strategie des britischen

Premierministers Boris Johnson:

„All seine Winkelzüge zielen auf eines ab:

dass er vom Wahlvolk als Freiheitsheld

und Märtyrer mit einer neuen Regierungsmehrheit

ausgestattet wird.“ So

stelle er nicht nur die EU, sondern auch

das britische Parlament als Gegner des

Volkes dar: „Diese Kampfrhetorik ist absurd,

die Schamlosigkeit des Premierministers

ist schockierend.“

Beim Guardian ist man dagegen der

Meinung, dass Johnson schlicht Unsinn

erzählt: Sein Versuch, einen Deal mit der

Europäischen Union zu erzielen, erinnere

an ein Auto, das mit hohem Tempo auf

eine Mauer zurast, heißt es dort: „Je solider

und unbeweglicher die Mauer erscheint,

desto schneller fährtJohnson auf

sie zu und behauptet, er könne nicht ausweichen.

Der britische Premierminister

argumentiert, dass sowohl das Fahrzeug

als auch das Hindernis bei einem Unfall

eine Rolle spielen und dass er für den Zusammenstoß

die Wand verantwortlich

machen kann, weil sie aus Ziegeln besteht.“

Die konservative Zeitung Lidove noviny

aus Tschechien meint: „Es ist schwer

vorherzusagen, wie die weiteren Verhandlungen

ausgehen. Doch bereits jetzt

zeichnet sich ab, dass das Bild Großbritanniens

als ein Land auf dem Spiel

steht.“ Christine Dankbar

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Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Gegendas Vergessen:

neue Ideen in der

Alzheimer-Forschung

Seite 17

Abhilfe: Wasdie Caritas gegen die Wohnungsnot tun will Seite 11

Ausgeblüht: 2020 kein Baumblütenfest in Werder Seite 16

Stadtbild

Prekär

aufgeladen

Torsten Landsberg

findet abends

neue Jobs.

Wer spätabends aus dem Kino

kommt oder mit dem Hund

Gassi geht, trifft in manchen Gegenden

früher oder später an einer Straßenecke

auf einen Transporter mit

Warnblinker, dessen Fahrerin oder

Fahrer aus den angrenzenden Nebenstraßen

E-Roller einsammelt. Sie

halten einen Handscanner an die

Zweiräder, es piept einmal, dann

landen die Treter auf der Ladefläche.

Die Transporter gehören nicht den

Anbietern der Roller, sondern sind

gemietet, aus eigener Tasche derer

bezahlt, die von den Firmen Juicer

oder Hunter genannt werden, was

cool, weil mehr nach Rotlicht oder

Auftragskiller klingt.

Manch ein Kommentar führtKritik

am Umgang mit dem E-Tretroller

auf Lobbyismus zurück, die Zahl der

Autos auf den Straßen sei schließlich

viel höher als die der hippen Kurzstreckenvehikel.

Die Existenz eines

Problems mit dem Verweis auf ein

anderes Problem zu negieren, na ja.

Dass die Zulassung eines bloßen

Spaßmobils zeitgleich einen neuen

Niedrigstlohnsektor geschaffen hat,

ist doch irgendwie zynisch.

Zum Aufladen der Akkus fahren

die Juicer die Roller über Nacht in

ihre Privatwohnungen. Wasbei vier

Euro pro aufgeladenem Teil bei ihnen

hängen bleibt, nach Abzug von

Stromkosten, Transportermiete,

Kraftstoff und eventuell Steuern, gilt

einkommensmäßig als prekär. Eigentlich

müsste die Politik dagegen

selbst dann auf die Barrikaden gehen,

wenn der E-Tretroller wirklich

das Flaggschiff der Verkehrs- und

Klimawende wäre.

Ist eraber nicht. Leihroller sind

Untersuchungen zufolge nach wenigen

Wochen Schrott, sie werden

mit Diesel-Transportern eingesammelt

und beziehen Strom, der nur

selten ökologisch sein dürfte. Ganz

zu schweigen von Rohstoffgewinnung

und Entsorgung der Akkus.

Die CO 2 -Bilanz der Roller ist mies,

und sie sorgen nicht für weniger,

sondern für mehr Verkehr, denn

mehrere Studien zeigen, dass die

Nutzer sonst zu Fuß gegangen oder

mit dem Rad gefahren wären. Es

profitieren weder das Klima noch

der Verkehr, sondern private Unternehmen.

Wenn die Dinge nicht wie gewünscht

laufen, müssen sie übrigens

nicht laufen gelassen werden,

wie das Beispiel Mailand zeigt. Dort

wurden die Anbieter aufgefordert,

binnen weniger Tage alle Leihroller

einzusammeln. Bevor sie wieder

zum Einsatz kommen könnten,

brauche es erst weitereRegelungen.

Da störterkaum: E-Scooter auf einem

Verteilerkasten.

TORSTEN LANDSBERG

Teures Taxi

Taxifahrten in Berlin kosten künftig wegen einer ersten Preiserhöhung

nach vier Jahren im Durchschnitt 10,7 Prozent mehr.Vor allem bei Strecken

bis sieben Kilometer wird die Änderung spürbar sein: Hier steigt

der Kilometerpreis im Normaltarif um 15 Prozent von 2,00 auf 2,30

Euro.Der Grundpreis bleibt bei 3,90 Euro.Der Senat beschloss die Anpassung

am Dienstag. Ab dem siebten Kilometer steigt der Tarif um

zehn Prozent von1,50auf 1,65 Euro je Kilometer.Die Kurzstrecke fällt in

Zukunft mit sechs Euro statt bisher fünf Euro um 20 Prozent höher aus.

Dieser Tarif gilt nur, wenn man das Taxi an der Straße heranwinkt und

Berlin wappnet sich fürs Alter

Menschen werden immer älter: Senatorin will die Stadt fit machen für demografische Herausforderungen

VonElmar Schütze

Wir werden immer

mehr.Und wir werden

immer älter. Die Dynamik

des Zuzugs vergleichsweise

junger Menschen federtden

rasanten Anstieg der durchschnittlichen

Lebenserwartung zwar

etwas ab, dennoch ist eine Tendenz

jetzt schon bekannt: Es werden in

den kommenden Jahren immer

mehr alte und sogenannte hochaltrige

(über 80 Jahre) Menschen in Berlin

leben. Derzeit sind es 180 000

Menschen, bereits im Jahr 2030 sollen

es 263 000 sein.

Steigende Kosten

Das bedeutet steigende Kosten,

müssen doch immer mehr alte Menschen

betreut werden. Steigende

Kosten kommen dabei nicht nur auf

Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen

zu, auch die ambulante Versorgung

der alternden Bevölkerung

ist eine große Herausforderung für

die Stadtgesellschaft.

Um die gesundheitliche und pflegerische

Versorgung an die Bedürfnisse

der Hochaltrigen anzupassen,

hat Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci

(SPD) einen Plan vorgelegt, sie

nennt es die „80-Plus-Rahmenstrategie“.

Seit drei Jahren werden Vorhaben

umgesetzt, die Vernetzung,

Kooperation und Koordination zwischen

unterschiedlichen Versorgungsbereichen

verbessernsollen.

263 000

Berlinerinnen und Berliner

werden im Jahr 2030 über

80 Jahre sein. Derzeit sind

es 180 000 Menschen.

Das ist ein Anstieg von5,4

auf 6,9 Prozent.

Wie viel Geld sie dafür für die

kommenden Jahre vorgesehen hat,

sagt die Senatorin zum jetzigen Zeitpunkt

nicht. Schließlich will sie ihre

Verhandlungsposition in den laufenden

Verhandlungen für den Doppelhaushalt

2020/21 nicht gefährden.

Eine Hürde hat sie genommen. Am

Dienstag hat der Senat ihre Vorlage

zum Umsetzungsstand der Rahmenstrategie

beschlossen.

„Unsere gesundheitliche und

pflegerischeVersorgung ist sehr gut“,

sagte die Senatorin am Dienstag,

„das gilt auch und besonders für

hochaltrige Menschen. Aber wir

müssen den sich ändernden besonderen

Bedarfen gerecht werden“.

Ziel sei es dabei grundsätzlich immer,

alte Menschen dabei zu unterstützen,

„möglichst lange aktiv zu

IMMER ÄLTER

136 000

Hauptstädter

sind im Moment

pflegebedürftig.

In elf Jahren werden

es 170 000 Personen

sein.

80,53

Jahre werden Berlinerdurchschnittlich,1982waren

es

71,9 Jahre. Mädchen des

Jahrgangs 2017 habeneine

Lebenserwartung von83,2

Jahren,bei Jungs sind’s 78,1.

sein und eigenständig ihren Lebensalltag

zu meistern“, sagte Kalayci.

Unabhängig von der konkreten

Finanzierung ihrer sogenannten

Rahmenstrategie präsentierte Kalayci

am Dienstag drei Schwerpunkte

der Pflege Hochaltriger, die

ihr am Herzen liegen.

So möchte die Politikerin etwa die

Krankenhausbetreiber anregen, Altenpfleger

mit der Zusatzqualifikation

Demenz- und Palliativbeauftragte

einzustellen. Diese sollen

schon bei der Aufnahme ins Krankenhaus

feststellen, welche Bedürfnisse

der entsprechende Patient hat.

„Das erleichtertdie Unterbringung“,

so Kalayci. So könnten in den Krankenzimmern

frühzeitig Vorkehrungen

wie Weglaufsperren bei Dementen

bereitgestellt werden. Insgesamt

DPA/SWEN PFÖRTNER

nicht, wenn man es per Telefon gerufen hat. Erhöht wirdauch das Geld

für die Wartezeit –umzehn Prozent auf 33 Euro pro Stunde. Der Zuschlag

vonfünf Euro für die Mitnahme vonfünf oder mehr Fahrgästen

wird künftig auch für große, voluminöse Gegenstände berechnet. Der

Zuschlag für sperriges Gepäck entfällt. Kinderwagen und Rollstühle

werden auch weiter nicht berechnet, unabhängig davon, ob ein Taxi

oder ein Großraumtaxi gerufen wird. In Zukunft kostet dann etwa eine

Strecke von 15 Kilometern nach Angaben der Taxi-Innung 37,10 Euro

stattwie bisher 33,80 Euro. (BLZ)

haben nach Angaben der Gesundheitsverwaltung

in Berlin 65 solcher

Altenpfleger an 23 Krankenhäusern

die Zusatzausbildung absolviert.

Jetzt sei es an den Krankenhäusern,

entsprechende Stellen zu schaffen.

„Das Geld ist da“, sagte Kalayci.

Einweiterer Schwerpunkt betrifft

die geriatrische Rehabilitation nach

der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Dabei arbeiten mobile interprofessionelle

Teams – bestehend

aus Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern–zusammen.

Mühsame Suche

Auch hier ist noch Luft nach oben.

Bisher gibt es solche Teams nur an

drei Kliniken: im Wichernkrankenhaus

im Johannesstift in Spandau,

im Evangelischen Geriatriezentrum

an der Reinickendorfer Straße und in

der Median-Klinik in Kladow.

Der dritte Punkt betrifft den Bereich

der präventiven Hausbesuche,

ist aber noch nicht viel mehr als ein

Vorschlag. Nach Worten von Kalayci

sei das frühzeitige Erkennen von

Problemen in der häuslichen Umgebung

alter Leute sehr wichtig. „Jeder

Mensch über 80 soll einen Hausbesuch

bekommen“, sagte die Senatorin.

Bei solchen Besuchen könnte

etwa über Umbaumaßnahmen etwa

für Treppen besprochen werden. Im

nächsten Jahr sollen solche präventiven

Besuche zunächst erprobt werden

–„2021 wollen wir damit in die

Breite gehen“, sagte Kalayci.

NACHRICHTEN

Witwevon IS-Terrorist

kommt in U-Haft

DieWitwedes Berliner Gangsterrappers

und späteren IS-Terroristen Denis

Cuspertalias Deso Dogg kommt

in Untersuchungshaft. Dasordnete

ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs

am Dienstag in Karlsruhe

an. Omaima A., die deutsche und tunesische

Staatsangehörige ist, war

am Montag in Hamburgverhaftet

worden, wo sie mit vier Kindernlebte.

Siewirddringend verdächtigt, in Syrien

Mitglied der Terrormiliz Islamischer

Staat(IS) gewesen zu sein. Cuspertsoll

2018 in Syrien beieinem

Luftangriff gestorben sein. (dpa)

AfD bestätigt Pazderski

als Fraktionschef

GeorgPazderski bleibt Fraktionschef

der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus.Bei

der turnusmäßigenWahl

am Dienstag bekam er nach Angaben

eines Sprechers 17 Stimmen vonden

derzeit22Abgeordneten.Wieviele

Enthaltungen oder Gegenstimmen es

gab,konnte der Sprecher zunächst

nicht sagen. Pazderskihatte aber

keine Gegenkandidatin. DiebisherigeVize-Fraktionsvorsitzende

und

Haushaltsexpertin Kristin Brinker,die

gegen ihn hatte antreten wollen, verzichtete.Zum

Parlamentarischen Geschäftsführer

wurde Frank-Christian

Hansel gewählt,Vize-Fraktionschefs

wurden Brinker,Ronald Gläser und

KarstenWoldeit. (dpa)

Ermittlungen nach

antisemitischem Angriff

Nach einem Angriff mit antisemitischem

Hintergrund auf einen jungen

Mann in Berlin-Friedrichshain hat

die Polizei noch keine neuen Erkenntnisse.Die

Ermittlungen liefen

weiter,sagte eine Sprecherin am

Dienstag.Zudem Angriff gegen einen

21-jährigen war es am Montagmorgen

voreiner Diskothek amWarschauer

Platz gekommen. Er unterhielt

sich laut Polizei mit drei Gleichaltrigen

auf Hebräisch. EinUnbekannter

habe dies gehört, sei auf den

21-Jährigen zugegangen und habe

ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

DerAngreifer sei anschließend

geflohen. DasOpfer erlitt eine

Gesichtsverletzung. (dpa)

Schwerpunktkontrollen

gegen Verkehrssünder

DiePolizei will vonMittwoch bis Freitag

verstärkt gegenVerkehrssünder

vorgehen. Dazu soll es in der Stadt

Kontrollen geben. Im Fokus stehen

besonders falsches Abbiegen, Rasen,

das Ignorieren vonroten Ampeln, Telefonieren

am Steuer,falsches Parken

undVerstöße vonRadfahrernund E-

Scooter-Fahrern. DieVerkehrsteilnehmer

sollen motiviertwerden, sich

„verantwortungsbewusst und vorschriftsmäßig

zu verhalten, um Unfälle

zu verhindern.“ (dpa)

Sonne und bis zu

24 Grad zur Wochenmitte

Nach einem ungemütlichenWochenstartsoll

dasWetter in Berlin und

BrandenburgamDienstag heiterer

werden.„Gesternzog ein Tiefdruckgebiet

über die Region, in den nächsten

Tagen wirdeswieder freundlicher“,

sagte eine Sprecherin des

DeutschenWetterdiensts. (dpa)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Berlin

Große Anteilnahme am Unfallort–Menschen legten bereits am Freitagabend Blumen nieder.

DPA

Eine Frage der Technik?

Nach dem tödlichen Unfall von Mitte sind immer noch viele Fragen offen. Wahrscheinlich hätten Assistenzsysteme im Auto die Folgen abmildern können

VonElmar Schütze

Auch vier Tage nach dem

tödlichen Unfall in Mitte

ist der genaue Unfallhergang

immer noch unklar.

Inzwischen bitten Polizei und Staatsanwaltschaft

um Mithilfe. Zeugen

sollen sich melden, mögliche Videoaufzeichnungen

den Behörden präsentiertwerden.

Im Gespräch ist weiterhin, dass

der 43-jährige Unfallfahrer, der mit

seinem rund zwei Tonnen schweren

Porsche Macan an der Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße

vier unbeteiligte

Fußgänger in den Todriss,

unter Epilepsie litt. Eine offizielle Bestätigung

gibt es dafür bisher nicht.

Unterdessen geht die Debatte

weiter,wie solche Unfälle möglicherweise

vermieden werden können.

Mehrere Grünen-Politiker fordern,

dass SUV wie der Porsche Macan aus

der Innenstadt verbannt werden sollen.

Diese Fahrzeuge gelten nicht

nur als besonders unökologisch,

sondernallein wegen ihres Gewichts

auch als besonders gefährlich für andereVerkehrsteilnehmer.

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan

vonDassel war am Sonnabend

einer der ersten, der den Anstoß gab.

Mit seinem Satz „Solche panzerähnlichen

Autos gehören nicht in die

Stadt“ auf Twitter traf er ein verbreitetes

Gefühl. Dasselbe gilt für Florian

Schmidt, Stadtrat für Stadtentwicklung

in Friedrichshain-Kreuzberg.

Der Unfall habe Symbolcharakter.

Die SUV-Technik und -Marketingstrategie

sei „mitschuldig an einer

Autokultur des Ich, Ich, Ich. Davon

motivierte protzige Schnellfahrerei

tötet.“ Seine Konsequenz: „Lasst uns

diese Wagen und viele mehr vonden

öffentlichen Räumen entfernen.“

Keine Mehrheit für SUV-Verbot

Allerdings deutet sich derzeit keine

politische Mehrheit für einen SUV-

Bann an. Weder Verkehrssenatorin

Renate Günther (Grüne) noch Vertreter

von SPD und Linke in der rotrot-grünen

Koalition in Berlin halten

dies für sinnvoll.

Gleichzeitig weitet sich der Blick

auf technische Assistenzsysteme,die

den Unfall möglicherweise glimpflicher

hätten enden lassen können.

Solche Systeme sind in den vergangenen

Jahren immer besser und umfassender

geworden, so dass sie etwa

beim autonomen Fahren dem Menschen

jede Arbeit am Steuer zuverlässig

abnehmen. Wenn erst alle Autos

autonom fahren, sollen Unfälle

gänzlich ausgeschlossen sein.

DieRegeln: „Wer eine Epilepsie

hat, darf eine bestimmteZeitnichtAuto

fahren

–und zwarmuss in der Regel

einJahr lang Anfallsfreiheit

vorliegen, bevorman wieder

einen PKWimprivatenGebrauch

steuerndarf“, sagt

SusanneKnake, Geschäftsführerin

der DeutschenGesellschaft

für Epileptologie.

Festgelegt ist das in den

Richtliniender Bundesanstalt

fürStraßenwesen.

Die Ausnahme: Ein etwas

kürzeres Fahrverbot vondrei

bis sechs Monaten kommt

dann in Betracht, wenn jemand

einen ersten epileptischen

Anfall hatte, im Anschluss

aber garkeine Epilepsie

diagnostiziertwird.

EinmaligeAnfälle können

zum Beispiel durch Schlafentzug

oder Infekte ausgelöst

werden.

EPILEPSIE UND FAHRTAUGLICHKEIT

Die Therapie: Wenn tatsächlich

eine Epilepsie festgestellt

wird, sind die Chancen

relativ gut, dass die dann

verordneten Medikamente

so gut wirken, dass die Betroffenen

anfallsfrei bleiben.

„Das ist bei etwa zwei Drittel

der Patienten der Fall“, sagt

Susanne Knake. Die Wahrscheinlichkeit,

nach einem

Jahr ohne epileptischen Anfall

doch wieder einen Anfall

zu bekommen, liegebei etwa

20 Prozent. Ein gewisses,

aber vertretbares Restrisiko

bleibt also, wenn ein Epilepsiepatient

Auto fährt.

DieHäufigkeit: Etwa 0,7 Prozent

der Bevölkerungsindvon

Epilepsie betroffen. Unfälle

sind aber relativselten.Eine

Analyse von44000 tödlichen

Verkehrsunfälleninden

USAergab,dass 0,2 Prozent

davonanfallsbedingtwaren.

Das Risiko: Eric Schmedding

vonder Universität Brüssel

hat in einer Studie ermittelt,

dass bei Epileptikern, verglichen

mit dem Durchschnitt

der Autofahrer,ein 1,6-fach

höheres Risikobesteht, einen

schwerwiegenden Verkehrsunfall

zu erleiden. Ein Handy

am Steuer zu nutzenist jedoch

noch gefährlicher und

erhöhtdas Risiko um mehr

als das Vierfache. Fahrer,die

älterals 75 Jahre sind,kommenauf

den Faktor 3,1. Und

am gefährdetstensind MänneramSteuer,die

jüngerals

25 Jahre sind. Ihr Risikofür

einen schweren Verkehrsunfall

ist siebenmal höher. Eine

andere Studie ergab: Alkohol

istzehnmal häufiger als Epilepsie

bei Unfällen im Spiel.

Herzinfarkte und Co. sowie

Diabetes führen ebenfalls zu

Unfällen, aberetwas weniger

häufig als Epilepsie.

Doch noch agiert der Mensch.

Der Unfallfahrer vom Freitagabend

war nach Zeugenaussagen mit seinem

Auto mit weit überhöhter Geschwindigkeit

über die in diesem

Moment freie Gegenfahrbahn gerast,

ehe er Poller und einen Ampelmast

umriss, ehe er die Fußgänger

auf dem Bürgersteig erfasste.

Eine der Fragen ist, ob ein Notbremssystem

möglicherweise geholfen

hätte. Viele Neuwagen verfügen

bereits über einen solchen technischen

Assistenten.

System bremst selbsttätig

Generell ist voneinem vorausschauenden

Fahrerassistenzsystem die

Rede,das Fahrer bei einer Notbremsung

unterstützt oder selbsttätig

bremst sowie die Kraftstoffzufuhr

drosselt. Gesteuert werden diese

Systeme über Sensoren am Auto,die

permanent unter anderem den Abstand

zumVordermann aber auch zu

einem Hindernis messen ebenso Beschleunigung

und Lenkwinkel, ja

selbst den aktuellen Lenkradwinkel

und die Pedalstellungen in Rechnung

ziehen.

Ein solches Notbremssystem zur

Vermeidung von Unfällen ist für alle

Neuwagen-Baureihen, die ab dem

Jahr 2020 in der EU genehmigt werden,

obligatorisch. Allein in der EU

dürften dann 15 Millionen Neuwagen

mit solchem Assistenten auf den

Markt kommen. Alte Autos müssen

dagegen nicht nachgerüstet werden.

Eine wichtige Rolle könnten auch

automatische Temporegulierer spielen.

Sie funktionieren prinzipiell

ähnlich wie die Bremsassistenten.

Sie orientieren sich an dem an Ort

und Stelle geltenden Tempolimit –

im konkreten Fall gilt auf der Invalidenstraße

Tempo 50, auf der kreuzenden

Ackerstraße Tempo 30. Sollte

ein Fahrzeug das Limit überschreiten,

drosselt der Assistent automatisch.

Die EUführt dieses System ab

dem Jahr 2022 für Neuwagen ein.

Doch was passiert mit älteren

Fahrzeugen? Roland Stimpel vom

Fußgänger-Lobbyverein Fuss e.V.

fordert, dass diese nachgerüstet werden.

Das ist in vielen Fällen technisch

möglich. „Inzehn Jahren müssen

alle Autos solch einen Regulator

haben“, sagt Stimpel.

Übrigens: Für den Porsche Macan

sind zahlreiche Assistenten optional

verfügbar. Der Unfallwagen

wurde und wird technisch untersucht.

Dabei wird auch zu klären

sein, ob einer –oder mehrere –der

Assistenten auf den Bordcomputer

aufgespielt waren.

Jeder Unfall verpflichtet: Berlin muss radikal sicherer werden

Am Freitag war ich selbst nicht

weit vom Unfallort entfernt. Die

Nachricht darüber hat mich geschockt.

Mein erster Gedanke war:

„Grauenhaft! So etwas darf nicht

passieren.“ Die Trauer und die Anteilnahme

für die Angehörigen der

Opfer ist seitdem allgegenwärtig –

bei mir und sehr vielen Berlinerinnen

und Berlinern.

Eine Frage der Pietät

Dieser Unfall hat Berlin erschüttert.

Nicht nur, weil so viele Menschen

starben und verletzt wurden, sondern

auch, weil es jeden hätte treffen können.

Deshalb verunsichertdieserVerkehrsunfall

im besonderen Maße.

Viele Menschen sagen, sie hätten nun

mehr Angst im Straßenverkehr.

Und natürlich werden gerade

wir Politikerinnen und Politiker gefragt,

wie so etwas passieren

konnte, und was wir dagegen tun

werden. Auf diese Fragen müssen

wir Antworten geben. Deshalb ist

es auch keine Frage der Pietät, sondern

unsere Verantwortung, sich

der Diskussion zu stellen. Wirmüssen

den Verkehr sicherer machen,

für alle Verkehrsteilnehmer und

überall in der Stadt.

Daran arbeiten wir nicht erst seit

Sonnabend, sondern seit unserem

Regierungsantritt. Dafür haben wir

die Verkehrswende eingeleitet und

treiben sie immer weiter voran. Mit

dem Ziel, die Straßen und Bürgersteige

unserer Stadt sicherer zu machen.

Vorallem für Kinder und ältere

Menschen. Denn sie sind besonders

häufig Opfer von Unfällen mit

schweren Fahrzeugen.

Fakt ist: Große schwereAutos nehmen

nicht nur mehr Platz weg und

sind klimaschädlicher, sondern sie

sind auch gefährlicher. Jehöher und

breiter ein Auto ist, desto schwerer ist

es für den Fahrer, alle Verkehrsteilnehmer

im Blick zu haben und anderen

Verkehrsteilnehmern nicht den

Platz zu nehmen. SUV wiegen oft

doppelt so viel wie ein normaler Pkw.

Siesind gebaut für schweres und einsames

Gelände,aber nicht für den innerstädtischen

Raum.

Der Unfall vom Freitag wäre vielleicht

anders ausgegangen, wäre es

kein SUV, sondern ein Smart oder

Polo gewesen. Denn dann hätte der

Ampelmast an der Kreuzung das Unfallauto

wohl aufhalten können.

Aber für einen Geländewagen stellten

weder die Ampel noch der Bau-

Gastbeitrag

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die

Grünen im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek,

fordert ein Umdenken im städtischen Verkehr und

vor allen Dingen mehr Schutz für die schwächsten

Teilnehmer –die Fußgänger und Radfahrer

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

zaun ein Hindernis dar.Mit schrecklichem

Resultat. Deshalb geht es

eben nicht nur um den Fahrer, sondern

auch um das Fahrzeug, in dem

er sitzt.

Es ist also zwingend geboten, die

Frage zu beantworten, wie man

Menschen vor besonders schweren

und großen Fahrzeugen schützen

kann. Hier ist vorallem die Automobilindustrie

gefragt, die endlich

nicht nur die Sicherheit ihrer Insassen,

sondern auch die Sicherheit für

das Umfeld mitdenken und ihre

Fahrzeuge dementsprechend konzipieren

muss. Das ist gerade für die

schutzbedürftigsten Verkehrsteilnehmer

–die Fußgänger und Radfahrerinnen

–wichtig.

Auch sie sollen sich zu jeder Zeit

und überall frei und sicher durch

Berlin bewegen können. Wasihnen

dabei helfen würde, sind getrennte

Ampelschaltungen und geschützte

Kreuzungen mit Schutzinseln im

Kurvenbereich, um Abbiegeunfälle

zu vermeiden.

Zudem muss der Bundesverkehrsminister

endlich den Kommunen

die Möglichkeit einräumen Lkw

ohne Abbiegeassistenten aus den

Städten auszusperren und anschließend

Abbiegeassistenten verpflichtend

machen.

Aber auch Berlin kann etwas tun,

indem wir die Platzfrage diskutieren.

Viele Unfälle passieren, weil Fußgängerinnen

und Radfahrer zu wenig

Platz haben. Den müssen wir ihnen

verschaffen und gleichzeitig Menschen

dazu motivieren, vomAuto auf

den Umweltverbund umzusteigen.

Denn weniger Autos bedeuten nicht

nur mehr Platz für alle Verkehrsteilnehmer,sondernauch

ein geringeres

Risiko für schwere und tödliche Unfälle.

Eine City Maut mit gestaffelten

Preisen, bei der besonders große,

schwere und klimaschädliche Autos

teurer sind, kann den Umstieg ebenfalls

attraktiver machen. Genauso wie

die Umwandlung von Parkplätzen in

Flächen für Fahrräder, Bäume und

zum Aufenthalt in der Stadt.

Mirist wichtig, dass wir alle Maßnahmen

in Betracht ziehen, die solche

Tragödien in Zukunft verhindern

können. Viele Städte in Deutschland

und der Welt führen nach und nach

autofreie Kiezeoder Zonen ein. Auch

wir müssen uns auf diesen Wegmachen.

Um den Berliner Verkehr für

alle sicherer zu machen, darf uns

kein Mittel zu radikal sein.


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 11

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Berlin

Ein Stück vom alten Palast ist zurück

1985 rettete der West-Berliner Architekt Helmut Maier ein gusseisernes Fassadenteil aus dem Abrissschutt des Friedrichstadt-Palastes

VonMaritta Tkalec

Als im Herbst 1985 der legendäre

alte Friedrichstadtpalast

abgerissen

wurde, kletterte ein Herr

aus West-Berlin über die Schutthaufen:

der Architekt Helmut Maier, ein

Kenner historischer Gebäude und

Liebhaber von Gusseisen: „Diese

spezielle Berliner Kunst ist meine

Leidenschaft“, sagt er.

Dieser Leidenschaft ist zu verdanken,

dass ein gusseisernes Element

der ursprünglichen Fassade des Gebäudes

dem Eisenhüttenstädter

Schmelzofen entging: eine dreiteilige

Stützkonstruktion von der Ostseite

des 1864 als imposanter und

zugleich filigran anmutender Eisen-

Glas-Bau errichteten ersten Berliner

Markthalle des Architekten Hitzig –

ein Bauwerk, seinerzeit das Modernste

vomModernen.

Seit Dienstag steht das großartige

Original –sechs Meter lang, vier Meter

hoch– auf noblem Sockel neben

dem neuen Friedrichstadt-Palast;

kommendeWoche wirdgefeiert.

Wieaber ist Helmut Maier der Geniestreich

gelungen, das unhandliche

Gestell von der Abrissstelle Am

Zirkus im Osten in seinen Kreuzberger

Hinterhof zu holen? Seine unerhörte

Geschichte hörtsich recht entspannt

an:

„Alle haben gesehen, dass der

Friedrichstadt-Palast abgerissen

wurde. Auch dass die über Jahrzehnte

für die Nutzung des Gebäudes

als Zirkus und Theater zugemauerten

Gusseisenstützen des Ursprungsbaus

wieder zum Vorschein

kamen, haben alle gesehen, aber

niemand hatte den Impuls, das

Gusseisen zu retten.“ Helmut Maier

hatte ihn, hat sich auf der Baustelle

rumgetrieben und bei den Arbeitern

rumgehorcht. Die haben ihn zu Erhardt

Gießke geschickt, Generalbaudirektor

der DDR – die allererste

Adresse.Erist einfach hingegangen.

Unddahat man ihn vorgelassen?

DemPförtner hat er erzählt, er hätte

einen Termin, „und dann habe ich

einen halben Tagvor der Tür der Sekretärin

gewartet, bis die so genervt

war,dass sie mich reinließ“.

Eine erste gusseiserne Säule vom alten Friedrichstadt-Palast steht.

ANDREAS KLUG

Eberhardt Gießke hat dem Überraschungsgast

aus dem Westen zugehört:

„Ich habe ihm gesagt, ich bin

ein Sammler und hätte gern ein

Stück Friedrichstadt-Palast“, und

der DDR-Oberarchitekt erzählte

ihm, man überlege, ein paar Teile,

auch Stuckelemente aus

der berühmten Tropfsteinhöhle

der Innengestaltung

von Hans Poelzig für den

geplanten Wiederaufbau

des Wintergartens am originalen

Standort in der

Friedrichstraße zu verwenden.

Das Gespräch ging gut

aus: Maier bekam einen

Zettel mit einer Kontonummer,

andie er knapp tausend

Westmarkzuüberweisen hatte –Adressat

VEB Kunst- und Antiquitätenhandel,

ein Teil des DDR-Devisenbeschaffungssystems

des Alexander

Schalck-Golodkowski.

Aufder Baustelle hatte er sich unterdessen

ein Teil ausgesucht, das

transportierbar war und in seinen

Kreuzberger Hofpasste.

Helmut Maier,

der Retter

Mit seiner Einzahlquittung ging

Maier zum Bauleiter Jürgen Ledderboge,

der wusste schon Bescheid.

Das war am 9. Oktober 1985. Man

schätzte das Gewicht und legte fest,

wann der Abtransportinden Bauablauf

passte. Am11. Dezember rollte

Helmut Maier mit zwei

Monteuren und Kranwagen

an. Daheim in der Stresemannstraße

hob ein Riesenkran

die Teile in den

Hof. Mit Rostschutz versehen

stand das gusseiserne

MARITTA TKALEC

Fassadenteil fortan an der

Mauer auf einem Sockel,

malerisch von Efeu umrankt

und von Besuchern

bewundert.

Vorfast zwei Jahren fiel der Entschluss,

eszum 100. Geburtstag des

Friedrichstadtpalastes in die Öffentlichkeit

zu bringen. Es wurde restauriert

und denkmalgerecht gestrichen.

Helmut Maier hat sich gerngetrennt:„Mir

ging es ja nie um den Besitz,

sondernumdie Rettung.“

Die anderen Eisenteile landeten

in der Eisenhüttenstädter Schmelze.

Caritas verlangt „zehn Taten gegen Wohnungsnot“

Forderungen nach einer sozialeren Mietenpolitik werden lauter.Immobilienwirtschaft kritisiert Vorstoß des Senats,die Mieter von der Zahlung der Grundsteuer zu befreien

VonUlrich Paul

Nicht nur in Berlin, sondernbundesweit

wirdder Rufnach einer

sozialeren Mietenpolitik lauter.Zum

Tagder Wohnungslosen an diesem

Mittwoch haben der Deutsche Caritasverband

und seine Katholische

Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe

dazu aufgerufen,

sich aktiv gegen Wohnungsnot und

Wohnungslosigkeit einzusetzen.

„Wohnen darfkein Luxusgut werden“,

warnte Caritas-Präsident Peter

Neher. Das Problem habe mittlerweile

die Mitte der Gesellschaft erreicht.

Immer mehr Menschen

machten die bittere Erfahrung, dass

die Suche nach einer bezahlbaren

Wohnung aussichtslos sei.

Caritas und Wohnungslosenhilfe

fordern, mit zehn Taten gegen die

Wohnungsnot vorzugehen. Dazu gehört,

dass 30 Prozent der Neubauwohnungen

langfristig als Sozialwohnungen

zur Verfügung stehen.

Zwangsräumungen sollen zudem

durch die Übernahme von Mietschulden

verhindert und Angebote

zur Prävention vonWohnungslosigkeit

ausgebaut werden. Außerdem

müsse Leerstand, Spekulation und

Zweckentfremdung von Wohnraum

gestoppt werden. Schließlich fordern

Caritas und Wohnungslosenhilfe,dass

günstiges Bauland vonder

öffentlichen Hand und der Kirche

zurVerfügung gestellt werden muss –

und dass auch private Immobilienunternehmen

preisgünstigenWohnraum

anbieten.

Entlastung als Ziel

Derrot-rot-grüne Senat hat sich eine

Vielzahl der Forderungen bereits zu

eigen gemacht. Nach dem Mietendeckel

im Juni beschloss die Landesregierung

am Dienstag einen weiteren

Vorstoß, der auf die Entlastung

der Mieter abzielt. Miteiner Bundesratsinitiative

wollen SPD, Linke und

Grüne erreichen, dass Mieter künftig

bundesweit von der Zahlung der

Grundsteuer befreit werden. Vermieter

sollen die Grundsteuer danach

nicht mehr wie bisher als Nebenkosten

auf die Mieter abwälzen

können, sondernselbst zahlen müssen.

So sollen 36,4 Millionen Menschen

(57,9 Prozent der Haushalte),

die zur Miete wohnen, entlastet werden.

Für Mietverhältnisse, die vor

dem Inkrafttreten dieses Gesetzes

entstanden sind, soll eine Übergangsfrist

gelten. In der Immobilienwirtschaft

stößt der Vorstoß erwar-

Menschen auf Wohnungssuche in Berlin.

„Wohnen darf kein Luxusgut werden.

Immer mehr Menschen machen die bittere

Erfahrung, dass die Suche nach einer

bezahlbaren Wohnung aussichtslos ist.“

Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes

ERIC RICHARD

tungsgemäß auf Protest. Der Eigentümerverband

Haus &Grund verurteilte

die Pläne. Der Satz im

Grundgesetz, wonach Eigentum verpflichte,

werde von Rot-Rot-Grün

umgedeutet in „Eigentum soll alles

bezahlen“, erklärte Haus &Grund-

Chef Carsten Brückner.

Warnung vorVerlusten

Er warf der Koalition vor, sich „auf

immer neue Varianten des Diebstahls

an denen“ zu konzentrieren,

„die mit ihrem Eigentum Wertschöpfung

betreiben und Wohnraum

für die Menschen bereitstellen“.

Auf die Idee, die Grundsteuer

zu senken, um die Berliner zu entlasten,

komme der Senat natürlich

nicht, erklärte Brückner. Kein Wunder:

ImJahr 2018 nahm Berlin rund

820 Millionen Euro durch die Grundsteuer

ein. Die Steuer gehört damit

zu den wichtigsten Einnahmequellen

zur Finanzierung öffentlicher

Aufgaben.

Die FDP-Abgeordnete Sibylle

Meister lehnt die Grundsteuer-Pläne

ebenfalls ab. „Nach der Diskussion

um einen Mietendeckel hat der Senat

nun endgültig allen ökonomischen

Sachverstand verloren“, erklärte

sie. Mit dem Vorstoß, die Um-

lagefähigkeit der Grundsteuer auf

Mieter abzuschaffen, ruiniere der

Senat seine eigenen sechs Wohnungsbaugesellschaften

finanziell.

Zusammen vermieteten diese rund

19 Millionen Quadratmeter Wohnfläche.

Würde die Umlagefähigkeit

abgeschafft, gingen den Wohnungsbaugesellschaften

28 Cent pro Quadratmeter

Wohnfläche verloren –

umgerechnet 5,3 Millionen Euro pro

Jahr. Dieses Geld fehle bei Instandhaltung,

barrierefreiem Umbau,

energetischer Sanierung und beim

Neubau. Am Ende drohten sogar

Verluste. „Was im Großen für die

städtischen Wohnungsbaugesellschaften

gilt, gilt auch für die vielen

kleineren Vermieter in Berlin“, warnt

Meister.

Der Bundesverband deutscher

Wohnungs- und Immobilienunternehmen

(GdW) bezeichnet den

Grundsteuer-Vorstoß als „Farce“.

Berlin entwickele sich „zum Investorenschreck“,

so GdW-Präsident Axel

Gedaschko. Die Abschaffung der

Umlagefähigkeit der Grundsteuer

würde die Investitionsfähigkeit der

Unternehmen dramatisch schwächen

und geplante Neubau- und

Modernisierungsprojekte sowie soziale

Leistungen gefährden.


12 Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Berlin

Grundstein für

Hochhaus

gelegt

Signa baut in der

Mediaspree für Zalando

ImStadtviertel rund um die Mercedes-Benz-Arena

in der Mediaspree

in Friedrichshain ist am Dienstag

der Grundstein für einen 90 Meter

hohen Büroturm gelegt worden.

Das Gebäude mit dem Namen

Stream entsteht nach Plänen des Architekturbüros

Gewers Pudewill auf

einem Grundstück an der Tamara-

Danz-Straße/Ecke Wanda-Kallenbach-Straße

und soll Raum für etwa

2500 Arbeitsplätze bieten. Bauherr

ist die Signa Gruppe des österreichischen

Unternehmers René Benko.

Mieter des Gebäudes soll der Online-

Händler Zalando werden, der bereits

Häuser an dem Standortnutzt.

Der 24-geschossige Stream-Tower

wirkt mit Vorsprüngen in der

Fassade wie eine riesige Skulptur.Im

Erdgeschoss entsteht neben dem

Foyer ein öffentlich zugängliches

Restaurant. Über innenliegende, offene

Treppen werden jeweils zwei

Geschosse miteinander verbunden,

teilte Signa in einer Projektbeschreibung

mit. Jede einzelne Büroebene

soll Terrassen im Westen und Südwesten

anbieten. Für die Beschäftigten

entstehen 250 Fahrradstellplätze.

Außerdem werden 120 Auto-

Parkplätze errichtet, die alle mit

Elektroladesäulen ausgestattet sind.

Ende 2021 soll der Turm fertig sein.

Die Signa Gruppe gehört zuden

größten Immobilieninvestoren. Sie

besitzt in Berlin unter anderem das

KaDeWe und das Hochhaus Upper

West am Breitscheidplatz. (ulp.)

Mit gläserner Fassade: So soll der BüroturmStream

einmal aussehen. BLOOMIMAGES

Ein bisschen Linderung

Der Berliner Verein Kolibri Deutschland e.V.will verwaisten Eltern und Geschwistern in ihrer Trauer helfen

VonKerstin Hense

Alexander König ist das wohl

Schlimmste passiert, was

einem Elternteil widerfahren

kann. Vorzwei Jahren

starb sein Sohn mit sieben Jahren an

Krebs. Umsein Schicksal mit anderenBetroffenen

zu teilen, hat der 45-

Jährige mit Andreas Landgraf vom

Berliner Verein Kolibri Deutschland

e.V. eine Trauergruppe für verwaiste

Eltern und Geschwister ins Leben

gerufen.

„Wir wollen Menschen, die ein

Kind verloren haben, Raum geben,

sich auszutauschen und zusammen

zu trauern“, sagt er. Als der Sohn

von König 2007 starb, waren viele

Menschen an seiner Seite, umihm

zu helfen und ihn zu trösten. „Das

weiß ich sehr zu schätzen“, sagt er.

Doch der verwaisteVater weiß auch,

dass sein schreckliches Erlebnis

niemand anderes so gut verstehen

kann, wie genau derjenige,der auch

ein Kind verloren hat und das gleiche

Schicksal teilt. „Grundsätzlich

meint es ja jeder gut, aber sich in die

Situation hineinversetzen, das kann

nicht jeder“, sagt er.

Zwischen Hoffen und Bangen

Ein Teddy erinnertauf einem Friedhof an ein verstorbenes Kind.BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN

„Es ist egal, wie lang ein Leben ist. Wichtig ist,

dass es bunt ist. Diese Einstellung gibt mir

Kraft, um meinen Alltag zu bewältigen.“

Alexander König

hat gemeinsam mit Andreas Landgraf die Trauergruppe des Berliner Vereins Kolibri e.V.

(www.kolibrihilft.de) für verwaiste Eltern und Geschwister gegründet.

In der Trauergruppe begegnen sich

Mütter und Väter, die seelisch so

schwer verletzt sind, dass ihr

Schmerz bis an ihr Lebensende vermutlich

niemals gestillt werden

kann. „Aber wir können lernen damit

umzugehen“, sagt König. Es

gebe Tage, dafunktioniere das, aber

es gebe auch Tage, dabekomme er

immer noch rein gar nichts auf die

Reihe.Erst kürzlich habe ihn ein anderes

Kind sehr an seinen Jungen erinnert.

Da sei dieTrauer über Alexander

König wieder wie eine starke unaufhaltsame

Welle hereingebrochen.

Solche Situationen sind für Nichttrauernde

nicht ganz einfach, so sagt

er.„Siefühlen sich oft hilflos und ihnen

fehlen in solchen Augenblicken

die passenden Worte.“

21 Monate schwankte Alexander

Königs Leben zwischen Hoffen und

Bangen. Knochenkrebs lautete damals

die niederschmetternde Diagnose

der behandelenden Ärzte bei

seinem Kind. Der Vater pendelte 85

Kilometer, von seinem Wohnort

Schwedt in Brandenburg bis ins Helios-Klinikum

nach Buch. Er wachte

unzählige Nächte auf einer unbequemen

Klappliege neben dem Kinderbettchen

seines Sohnes und fuhr

am anderen Morgen völlig übernächtigt

die 85 Kilometer zu seiner

Arbeitsstätte.Indieser schweren Zeit

lernte König die Arbeit von Kolibri

kennen. Der Verein unterstützt

krebskranke Kinder und ihre Angehörigen

moralisch und finanziell.

Auch seinem Sohn wollten sie noch

einen letzten Wunsch erfüllen. „Er

hatte sich so sehr eine VR-Brille gewünscht“,

erinnertsich König. Doch

dazu kam es nicht mehr. Sein Sohn

starb wenige Tage danach an den

Folgen seiner schweren Erkrankung.

Etwas zurückgeben

Auch nach dem Todseines Jungen

hat sich der Vater den Kontakt zum

Verein bewahrt. Er besucht nach wie

vor die monatlichen Kochveranstaltungen

auf der Kinderonkologie und

engagiert sich jetzt in der Trauergruppe.Außerdem

sammelt er regelmäßig

Spenden, um damit die Kinderspielzimmer

auf den Stationen

der Charité zu verschönern. „Ich

möchte etwas von dem, was ich bekommen

habe, zurückgeben und es

ist auch ein Stück Trauerbewältigung

für mich“, sagt er.

In den vielen Monaten in der Klinik

hat König viele Elternkennengelernt,

mit denen er zusammen durch

unerträgliches Leid gegangen ist, mit

denen er aber auch kurze Momente

des Glücks, wie beim gemeinsamen

Kochen, erlebt hat. Einige vonihnen

sind jetzt bei ihm in der Trauergruppe.„Unswar

wichtig, den Menschen

auch nach dem Verlust ihres

Kindes eine Anlaufstelle zu sein. Der

über Monate und auch über Jahre

aufgebaute Kontakt, soll nach dem

Todnicht einfach abreißen“, sagt Kolibri-Mitarbeiter

Andreas Landgraf.

Deshalb sei die Idee entstanden, die

Trauergruppe ins Leben zu rufen.

Fünf Familien waren beim ersten

Treffen im neuen Kolibri-Familienzentrum

in Oderberg dabei. Jede

durfte sein verstorbenes Kind vorstellen.

„Das war ein sehr trauriger

Moment“, erinnert sich Alexander

König, aber er sagt auch: „Wir weinen

nicht nur,manchmal lachen wir

auch zusammen.“ Für November

hat die Trauergruppe ein besonderes

Ereignis geplant. Dann wollen sie ihren

Kindern ein Denkmal setzen.

Jede Familie für sich, ein ganz persönliches.

„Wir wollen jedem verstorbenen

Kind einen Obstbaum

pflanzen,“

TELEFONFORUM

Wastun, wenn

Pflege zum

Problem wird?

Fast 136 000 Menschen waren laut

letzter Erhebung des statistischen

Bundesamtes Ende 2017 in

Berlin pflegebedürftig. Mehr als von

ihnen 106 000 lebten zu Hause und

wurden überwiegend allein von Angehörigen

betreut. Selbst wenn etwa

35 000 Betroffene auch Hilfe durch

ambulante Dienste in Anspruch

nahmen –der größte „Pflegedienst“

ist nach wie vor die Familie, insbesondere

Frauen leisten in erheblichem

Maßunbezahlte Arbeit.

Eine schwierige Aufgabe, bei der

die Angehörigen mental und körperlich

oft an ihre Grenzen stoßen.

Umso wichtiger ist es,die Unterstützungsmöglichkeiten

durch die Pflegeversicherung

zu kennen und zu

nutzen. Die Regularien sind vielschichtig,

die Bürokratie oftmals abschreckend.

Am Donnerstag will die

Berliner Zeitung mit einem Telefonforum

dabei helfen. Experten werden

wichtige Fragen beantworten:

Wo muss ich den Antrag auf einen

Pflegegrad stellen?Wonach richtet es

sich, welchen Pflegegrad man bekommt?

Wie kann man sich darauf

vorbereiten? Wenn nur eine Haushaltshilfe

benötigt wird –finanziert

das die Pflegekasse? Wie kann eine

Ersatzpflegekraft bezahlt werden,

wenn man als pflegender Angehöriger

hin und wieder eigene Termine

hat?

Bekommt man als Pflegebedürftiger

im betreuten Wohnen auch einen

Zuschuss wie Pflegeheimbewohner?

Worauf sollte man achten,

wenn man einen ambulanten Dienst

einbeziehen will?Wovonhängt es ab,

ob bauliche Veränderungen im Haus

des Pflegebedürftigen von der Pflegekasse

bezuschusst werden? Unter

welchen Bedingungen gibt es für

pflegende Angehörige Zuschüsse zur

gesetzlichen Rentenversicherung?

ZumThema Pflege stehen am 12.

September Didar Dündar vom Verband

der Ersatzkassen, Andreas

Schütz von der bundesweiten Compass

Pflegeberatung und Renate Georgvon

den Pflegestützpunkten Berlin

Rede und Antwort. Von16bis 18

Uhrerwarten die Experten am Donnerstagnachmittag

Ihre Anrufe unter

der kostenfreien Telefonnummer

0800-0004743. (BLZ)

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Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 13 *

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Berlin

Zukunft mit

ein bisschen

Auto

Ideen zur Zukunft der

Bergmannstraße präsentiert

Seit Monaten gibt es teils erbitterte

Diskussionen um die Zukunft der

Kreuzberger Bergmannstraße. Am

Montag wurden die Ergebnisse der

sogenannten Bürgerwerkstätte von

Bezirksstadtrat Florian Schmidt

(Grüne) vorgestellt. Wenig überraschend

daran ist, dass alle Entwürfe

vorsehen, den PKW-Verkehr in der

beliebten Einkaufsmeile zwischen

Mehringdamm und Zossener Straße

massiv einzudämmen.

100 ausgewählte Anwohner aus

dem umliegenden Kiez erarbeiteten

in einer öffentlichen Werkstatt ihre

Vision einer Zukunft der Straße. Die

„Begegnungszone Bergmannstraße“

hat nun vier Ideen präsentiert, die

auf den weithin umstrittenen gelben

Parklets,die am 23. September abgebaut

werden sollen, ausgestellt sind.

Die erste Idee beinhaltet zwei Einbahnstraßen,

die nur noch begrenzt

befahrbar sind für den Lieferverkehr

und die Anwohner. Die zweite Idee

unter dem Motto „Perspektive Fahrradachse“

sieht vor, die Straße teilweise

zu einer Fußgängerzone zu

machen, die von einer Fahrradspur

durchzogen ist.

Die „Perspektive Grünraum“

sieht ebenfalls eine Mischung aus

Rad- und Fußverkehr vor, in der

ebenfalls der Autoverkehr stark herausgenommen

ist. Der letzte Vorschlag

der Ideenwerkstätte will mehr

Grünraum und einen teilweisen Autoverkehr

mit Elementen, die eine

schnelle Durchfahrt der Radfahrer

im Bereich der Fußgänger verhindernsollen.

In den kommenden Wochen bis

Monatsende sollen noch eine Open-

Air-Galerie und eine Online-Befragung

sowie ein Real-Labor zur Lösungsfindung

für eine verträgliche

Zukunft der Straße beitragen. (mpw.)

Gelb und wenig beliebt: Die Parklets in

der Bergmannstraße. BLZ/GERD ENGELSMANN

Bunt wie die Blumen: Gloria Viagra und ihre Bienen verstehen sich gut. Mit dem Imkernbelebt die Dragqueen eine alte Familientradition neu. SABINE GUDATH (2)

Glamour in goldgelb

Dragqueen Gloria Viagra hat das Imkern entdeckt –ihr Honig findet reißenden Absatz

VonFlorian Thalmann

Eigentlich zieht sie in extravaganten

Outfits über die

Roten Teppiche und Partys

der Stadt –privat geht GloriaViagra,

Berlins wohl größte Dragqueen,

aber einem ganz bodenständigen

Hobby nach. Sie hat das Imkern

für dich entdeckt –und produziert

auf dem eigenen idyllischen

Lauben-Grundstück in Britz einen

Honig mit dem klangvollen Namen

„Alpentaler Tuntenblüte“.

Alte Familientradition

Im letzten Winkel des Gartens blühen

Blumen, sprießen Bäume, die

gelb-schwarzen Insekten sind eifrig

am Arbeiten. Und das ist gut so: Bereits

im Frühjahr brachte die Dragqueen

die erste Schleuderung des

Honigs auf den Markt –erwar nach

kurzerZeit vergriffen. „Und ich habe

jetzt schon so viele Reservierungen,

dass von der Sommer-Variante

kaum etwas übrig bleiben wird“, sagt

Gloria Viagra.

Mitdem Imkerngreift sie eine alte

Familientradition wieder auf. „Mein

Goldgelb und süß: Der Honig aus dem Garten von Gloria Viagra ist beliebt.

Opawar Imker,erhatte mehrereBienenstöcke

in seinem Garten. Icherinneremich

noch, wie er immer mit seiner

Imkerpfeife in den Garten kam,

das roch herrlich“, sagt sie.„Unten im

Keller stand die Honigschleuder, da

ging ich immer naschen. Das sind

Kindheitserinnerungen! Als ich meinen

Schrebergarten übernahm, war

klar,dass ich hier auch Bienen haben

werde.“ Gloria absolvierte einen Imkerkurs,

lernte das Handwerk über

ein halbes Jahr lang. Dann landeten

die ersten beiden Bienenvölker im

Garten. „In einem Stock leben zwischen

40 000 und 60 000 Bienen.“

Maximal acht Völker sollen es irgendwann

werden, damit die Honig-Ausbeute

etwas reicher wird. Nach der

„Alpentaler Tuntenblüte“ –sie heißt

so, weil die Kleingartenanlage den

Namen Alpental trägt –steht nun zuerst

die „Sommertracht“ an. Der fertige

Honig ging als Geschenk bereits

zu Freunden nach England, in die

USA, nach Paris. „Der schmeckt irre,

wie aus Südfrankreich, sehr würzig!“

Umweltschutz ist wichtig

An die Arbeit mit den Bienen hat sich

Gloria Viagra gewöhnt. „Wenn ich

mich nicht gut anstelle, irgendwo

hingreife, woman nicht hingreifen

sollte oder ohne Schutzkleidung in

der Flugbahn stehe, werde ich auch

mal gestochen“, sagt sie. „Aber früher,bei

Opa, ist das häufiger passiert.

Da waren es nochWildbienen. Heute

sind sie so sanftmütig, dass es keine

Probleme mehr gibt. Und jeruhiger

man mit den Tierchen arbeitet, desto

ruhiger werden die Bienen.“

Für die Dragqueen spielt bei ihrem

Projekt auch der Umweltschutz

eine Rolle. „Wenn ich schon einen

Garten habe, möchte ich auch der

Natur Platz bieten. Am Anfang habe

ich alles glattgemäht und das Unkraut

gezupft, aber das mache ich

nicht mehr.Und inzwischen sehe ich

viele fliegende Insekten –spannend,

was da alles kreucht und fleucht.“

POLIZEIREPORT

Supermarkt überfallen.

Zwei Maskierte haben am Montag in

Prenzlauer Berg einen Laden überfallen.

Nach ersten Erkenntnissen

betraten sie gegen 21 Uhrdas Geschäft

in der Kniprodestraße und bedrohten

eine 27-jährige Angestellte

und ihren 35-jährigen Kollegen mit

einer Schusswaffe.Sie forderten die

Einnahmen flüchteten damit. Die

Angestellten blieben unverletzt.

Mit Auto ins Gleisbett.

Einbetrunkener Mann ist am Montag

in Pankowmit seinem Auto in

das Gleisbett der Straßenbahn geraten.

Er befuhr gegen 21.45 Uhrdie

Breite Straße,uminRichtung Damerowstraße

weiter zu fahren, so die

Polizei. Er folgte jedoch den Straßenbahnschienen

und landete im StiftswegimGleisbett.

Eine Atemalkoholmessung

bei dem 37-jährigen Fahrer

ergab 1,2 Promille.Die Polizisten beschlagnahmten

den Führerschein.

Brand in Flüchtlingsunterkunft.

Beieinem Brand in einer Asylbewerberunterkunft

in Berlin-Köpenick

sind drei Menschen verletzt worden.

EinWachmann und zwei Bewohner.

wurden mit Rauchvergiftungen in

ein Krankenhaus gebracht, wie ein

Feuerwehrsprecher am Dienstagabend

sagte.Der Brand sei schnell

gelöscht worden. Über die Ursache

war zunächst nichts bekannt. Etwa

200 der 286 Bewohner müssten in

andereUnterkünfte verlegt werden,

so das zuständige Landesamt.

Bewaffneter Überfall.

Unbekannte haben in der Nacht zu

Dienstag einen Supermarkt in Marzahn

überfallen. Ermittlungen zufolge

passten gegen 22.20 Uhrdie

drei Täter einen 56-jährigen Mitarbeiter

des Ladens in der Marchwitzastraße

ab,als dieser das Geschäft verlassen

wollte.Sie bedrohten ihn mit

einem Messer und einer Pistole und

drängten ihn zurück in die Räume,

wo sich noch eine 57-jährige Mitarbeiterin

befand. Sieforderten Geld

und flüchteten damit.

Stolperstein beschädigt.

In Schönebergist ein Stolperstein

beschädigt worden. EinAnwohner

meldete denVorfall am Dienstag. Offenbar

hatten Unbekannte versucht,

den Stein an der Crellestraße,Ecke

Kolonnenstraße zu entfernen. Dabei

war die Messingkappe des Steins beschädigt

worden. DerStaatsschutz

übernahm die Ermittlungen. Stolpersteine

erinnernandas Schicksal

vonMenschen, die während der Nazizeit

verfolgt, ermordet, deportiert

oder vertrieben wurden. (kop.)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Berlin

Sabin Tambrea schätzt echte Dwyer.

Es gibt sie (l.) jetzt auch in Wachs: Maria Furtwängler.Amrosigen Teint wurde nachgebessert. SABINE GUDATH (3)

Ludwig Trepte verliebte sich in ein Bild.

Tatort Wachsfigurenkabinett

MARIA FURTWÄNGLER

steht ja völlig neben sich! Obwohl

der geübte „Tatort“-Fan natürlich

sofort anJacke und Kette erkennt,

dass sie in Wahrheit neben Charlotte

Lindholm steht. Jener Kommissarin,

die sie seit dem Jahr 2002 für die beliebte

Krimireihe der ARD spielt. Am

Dienstagmorgen wurde bei Madame

Tussauds Unter den Linden die

Wachsfigur vorgestellt, die künftig

die Besucher am Eingang des neuen

„Tatort“-Bereichs begrüßen soll.

Aber erst ab Ende September. Gerade

entsteht eine interaktive Abteilung,

in der die Gäste der Touristenattraktion

angelehnt an den Münsteraner

„Tatort“ mit dem Titel „Schwanensee“

auf die Suche nach

Beweisen gehen können.

Für Maria Furtwängler war die

erste Begegnung mit ihrer wächsernen

Doppelgängerin „schockierend“,

wie sie sich erinnert: „Ich kam

vomDreheiner Szene zurück in meinen

Wohnwagen und da stand sie

plötzlich! Unheimlich –die sieht ja

aus wie ich!“ Die Schauspielerin

wollte sicherheitshalber vor allen

anderen einen Blick auf die Figur

werfen. „Ich habe einen sehr rosigen

Teint, was ungewöhnlich ist.“ Der

musste dann auch wirklich nachgebessert

werden. Jetzt ist sie mit dem

Ergebnis zufrieden. Und wundert

sich ein wenig, denn die Figur hat

auch ein Armband, so wie sie neuerdings

eines trägt: „Ein Geschenk

meines Sohnes.“ Die sehr aufmerksamen

Mitarbeiter von Madame

Tussauds haben das vorige Woche

gesehen und sofortergänzt.

Über ihre „Tatort“-Figur Charlotte

Lindholm spricht die Schauspielerin

manchmal wie über eine

alte Freundin, mit der man sich verkracht

hat: „Es gab eine Phase,inder

wir uns voneinander entfernt haben.“

Inzwischen fühlt sich die Beziehung

zu ihr wieder „wie eine

frisch entflammte Liebe“ an. Siemag

diese Arbeit: „Ich habe eine große

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Maria Furtwängler besucht

ihre Doppelgängerin bei

Madame Tussauds

Freiheit von der Redaktion bekommen,

Geschichten zu erzählen, die

mir wichtig sind.“

Beim Posieren mit ihrer wächsernen

Nachbildung ist der Schauspielerin

etwas aufgefallen:„Sie hat mehr

Busen, sehr beneidenswert.“ Und

schon stellt sie sich eine moralische

Frage: „Darf ich einer Wachsfigur eigentlich

an den Busen fassen, nur

weil sie mich darstellt?“

Ob sie sich so eine Figur auch für

zu Hause wünscht? MariaFurtwängler

freundet sich spontan mit dieser

Idee an: „Die kann am Esstisch sitzen.

Mein Mann würde nicht merken,

dass ich es nicht bin, so viel wie

er redet…“

SABIN TAMBREA

muss ein Kunstwerk nicht besitzen:

„Inspirieren kann es mich auch,

wenn es im Museum hängt.“ Wasallerdings,wie

er am Rande der Verleihung

des Montblanc de la Culture

Arts Patronage Award 2019 im

„Künstlerhaus Bethanien“ in Kreuzbergerzählte,nicht

bedeutet, dass es

bei ihm zu Hause keine Kunst gibt.

„Da hängt ein echter Dwyer!“ –Kein

Wunder, ersitzt an der Quelle, denn

Angela Dwyer,die Mutter seiner Frau

Alice,ist Malerin.

LUDWIG TREPTE

verliebte sich vor Jahren in einer

Dresdner Galerie in ein Bild, kaufte

es dann aber doch nicht: „Es war mir

zu teuer.“ Die begeisterte Art, wie er

zu Hause über das Bild erzählte,

sorgte dafür,dass die Familie zusammenlegte

und ihn mit dem Gemälde

überraschte. Inder Serie „Die neue

Zeit“ ist Trepte gerade schon auf arte

und vom 15. September an im ZDF

als der deutsch-amerikanische Architekt

und Designer Marcel Breuer

zu sehen, der als Erfinder der modernen

Stahlrohrmöbel gilt.

CHRISTOPH TANNERT

freute sich als Künstlerischer Leiter

vom Künstlerhaus Bethanien über

die Auszeichnung mit dem Montblanc

de la Culture Arts Patronage

Award 2019. Die Preistrophäe kam

in Form eines Füllfederhalters daher,

der als Hommage an den römischen

Kaiser und Mäzen Publius

Delius Hadrianus (76-138 n. Chr.)

gestaltet wurde. Die 15 000 Euro

Preisgeld lösten Entzücken aus.

Tannert: „Wir sind nach wie vor Außenseiter.

Wir haben kommerziell

nichts zu bieten und nehmen auch

fast nichts ein.“

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Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 15

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Wegen der großen Zahl der Zuschriften

ist es uns leider nicht möglich, alle Briefe zu

beantworten oder abzudrucken.

Die Redaktion behält sich das Recht

sinnwahrender Kürzungen vor.

Mit schuld an der heutigen

gespaltenen Gesellschaft

Wirtschaft: „Streitfall Schuldenlüge:

Wie sich Richard Schröder armrechnet“,

von Klaus Blessing und Walter

Siegert

(10. September)

Ein Artikel, der sagt „die DDR wurde

durch Abwanderung von Millionen

arbeitsfähigen Menschen durch den

Westen ausgeplündert“ –ein Hohn

für die Realität.

Christoph Holle, per E-Mail

Danke für diese Antwort anHerrn

Schröder. Das Nichtwahrhaben-

Wollen und das Negieren, Verleugnen

von Fakten ist unter anderem

mit schuld an der heutigen gespaltenen

Gesellschaft. Nicht nur in arm

und reich, sondern auch von linksextrem

bis ultrabraun.

Wissen und Bildung sind die

Dinge, die notwendig sind, um eine

humanistische Gesellschaft aufzubauen.

Leider fehlt oftmals beides, und

wo das hinführt, sehen wir nun.

Dieter Grüber,

Berlin-Pankow

Richard Schröders Ansicht zur

Schuldenlüge wurde durch detaillierte

Kenntnis der finanziellen Situation

am Ende der DDR von zwei

ehemaligen Staatssekretären widerlegt.

Es wirdZeit, dass nach 30 Jahren

endlich auch wieder Fakten sprechen

und die Emotionen nicht mehr

so hochkochen.

Renate Kühn,

per E-Mail

Glückwunsch zum Beitrag. Es ist

wohltuend, das Leute zu Wort kommen,

die wirklich wissen, wovon sie

reden.

KarlDöring,

Eisenhüttenstadt

Abenddämmerung beim Lollapalooza-Festival im Olympiastadion

Veranstalter in die Verantwortung nehmen

Berlin: „Hopsen, heulen, glitzern“ von Julia Haak

(9. September)

Aus Anwohnersicht muss ich leider berichten, dass die Veranstalter es

auch in diesem Jahr nicht für nötig gehalten haben, Anwohner im Umfeld

des Olympiastadions zu informieren, vorab die Zeiten für die

Soundchecks bekannt zu geben und vorallem entgegen vollmundiger

Versprechen auf ihrer Website nicht reagierten. Auch die Verantwortlichen

der Politik schweigen, anstatt sich um eine vernünftige Festivalpolitik

zu kümmernund Veranstalter in die Verantwortung zu nehmen.

Hendriette Kliemann-Geisinger,Berlin-Westend

SUV-Unfall: die Trauer und der Aufschrei

Berlin: „Raus aus der Stadt? Heftige

Debatte über ein SUV-Verbot in Innenstädten“

von Elmar Schütze und Mike

Wilms

(10. September)

Der Unfall, bei dem vier Menschen

durch einen außer Kontrolle geratenen

SUV ums Leben kamen, ist eine

Tragödie –furchtbar. Erneut traf es

Unbeteiligte und so auch deren Angehörige.

Die Trauer und der Aufschrei,

über Änderungen im Straßenverkehr

nachzudenken, sind zu

Recht öffentlich und laut. Aber gerichtet

gegen SUVs? Das ist hoffentlich

nur eine ungeprüfte Schockreaktion.

Wenn nicht, sind dann auch

Vans und Pick-ups potenzielle Gefährder?

Wo fängt die SUV-Gefahr

an? DieForderung nach einem SUV-

Verbot in Innenstädten ist Unsinn.

Gestern Diesel, heute SUV, morgen,

schauen wir,auf welchen Zugwir populistisch

springen können. SUVs

verursachen keine Unfälle, Menschen

verursachen Unfälle!

Rüdiger Laube, Hamburg

Ich war am Unfallort, der voller

Trauer und Mitgefühl ist. Diese SUVs

gehören sofort aus dem Stadtgebiet,

das sind wir den Toten schuldig.

Nicht erst warten, bis sich die unfähige

Politik etwas einfallen lässt.

Karl-Otto Schmidt, Berlin-Neukölln

MitInteresse hatte ich schon im Vorfeld gelesen, dass es bei dem Festival

Lärmschutzauflagen gebe. Der Vergleich mit der Waschmaschine

im Schleudergang stimmte mich fröhlich, weil ich etwa 800 Meter vom

Olympiastadion entfernt an der relativ lauten Heerstraße wohne.Von

wegen 76 Dezibell! Obwohl ich Lärmschutzfenster habe,hörte ich während

des Lollapalooza-Festivals immer noch die Musik durchdringen.

Bei einer Waschmaschine im Schleudergang wäre das hingegen ganz

bestimmt nicht passiert!

Rosemarie Stresemann,

per E-Mail

Die richtige Diskussion wäre vielmehr,wie

viel Risiko die Freiheit und

der Wohlstand einzelner Menschen

für anderen Menschen bedeuten

muss und darf. Ein SUV muss nicht

durch viel zu enge Straßen fahren.

Autos mit dreistelligen PS-Zahlen

müssen nicht durch Wohngebiete

mit Kindernbrausen.Wirerleben gerade

in vielen Großstadtwohngebieten,

dass sportliches Fahren bis hin

zum Rasen der Autos längst Gewohnheitsrecht

wird, Kavaliersdelikt

und bewusst in Kauf genommenes

Risiko für andere geworden ist. Das

ist nicht nur nicht okay,sonderneine

Sauerei. Nurdarum geht es.

Michel Ackermann, per E-Mail

Autofahrer schneiden andere, drängeln

oder telefonieren beim Fahren,

das ist schon fast normal. Radfahrer

fahren auf dem Bürgersteig, obwohl

es auf jeder Straßenseite einen Radweggibt

–ist mir selbst letzte Woche

passiert. Fußgänger gehen bei Rot

über die Ampel, auch völlig normal.

Das einzig Gefährliche im Straßenverkehr

ist der Mensch.

Elena Rieder,Berlin-Mariendorf

Wenn ein Lkw einen Radfahrer überfährt,

fordern doch auch nicht alle,

DPA

dass wir Lkw aus der Innenstadt verbannen.

Wenn ein Flugzeug abstürzt,

schaffen wir doch auch nicht

gleich alle Flugzeuge ab.Lasst bei aller

Tragik die Kirche im Dorf!

DirkPrzybysz, per E-Mail

Durchdas Autonome Fahren wirdes

eine zwingende Regulierung der

Höchstgeschwindigkeit von Fahrzeugen

geben. Kein Hersteller wird

die gesetzlich vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung

ignorieren.

Bereits heute haben die meisten

Fahrzeuge GPS und ausreichend RechenpoweranBord,

um die Höchstgeschwindigkeit

auf den jeweils gültigen

Maximalwertzubeschränken.

Die entsprechende Regelautomatik

ließe sich durch Softwareupdate flächendeckend

einspielen, wenn es

denn politisch gewollt ist.

Sebastian Hetze, Berlin-Neukölln

Ein separates Rad-Abteil

wie früher würde helfen

Facebook: „Fahrradmitnahme in der S-

Bahn: Konflikte zu Stoßzeiten beschäftigen

Verbände“

(10. September)

Es wäre schon vorteilhaft, wenn die

Fahrräder in die dafür bestimmten

Abteile genommen würden. Leider

sehen das viele nicht so.

Fjol Nir

Wie oft sitzen denn gerade Leute in

jenem Abteil, ohne Koffer, Fahrrad

oder Kinderwagen? Ein separates

Abteil würde da helfen, so wie früher

ganz vorneund hinten.

Nick Meißner

Vorallem ist meistens überall noch

Platz, aber für viele Leute ist es natürlich

bequemer, sich ins Radabteil

zu setzen, zum Beispiel wegen Beinfreiheit.

Wasmir da an menschlicher

Niedertracht schon entgegenkam.

Nina Unger

Es wird schon ein Grund haben,

warum jemand sein Rad mit der

Bahn mitnimmt. Niemand fährt

Bahn mit Rad, weil es so lustig ist.

Matthias Nickel

Vielleicht ist der Weg zuweit oder

viele Baustellen und Umwege?

Sigrid Jurgeit

Wozu hat man ein Rad, wenn man zu

faul ist, damit ein paar Kilometer zu

fahren? Macht es doch einfach wie in

Hamburg: Zu Hauptverkehrszeiten

die Mitnahme vonFahrräderninden

Öffis ausschließen und gut ist.

Marc Green

Fahrräder und E-Roller raus aus der

Stadt. Man muss sie verbieten oder

sehr hoch besteuern, damit es wenigstens

weniger werden.

David Nawrath

Die Knallerei ist laut, sinnlos,

gewalttätig,dekadent, giftig

Berlin: „An drei Orten in Berlin wird Silvester-FeuerwerkinZukunft

verboten

sein“

(9. September)

Es ist laut, gewalttätig, dekadent,

sinnlos und giftig. Ich tue mir das

nicht mehr an, seit Jahren fahre ich

einfach weg. Silvester in Berlin ist

wie Krieg.

Cristian Rojas Contardo

Ich will auch an Silvester mein eigenes

kleines Feuerwerk machen, einmal

im Jahr gönn ich mir das und

freu mich drauf. AndereLeute haben

wieder andere Hobbys, für die ich

mich nicht begeistere.

HubertHenne

Eigentlich ist es doch einfach: Es gibt

in jedem Bezirk einen Platz für ein

Höhenfeuerwerk und gut ist es.

Petra Hoppe

Niemand muss am

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Stimmt das?

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Brandenburg

NACHRICHTEN

Veranstaltungshalle stürzt

ein und verletzt Arbeiter

Beim Rückbau einer Halle auf dem

Flugplatzgelände in Neuhardenberg

(Landkreis Märkisch-Oderland) sind

fünf Arbeiter im Alter von27bis 40

Jahren verletzt worden. Wiedie PolizeiamDienstag

mitteilte,war die

Halle am Montagnachmittag eingestürzt.

Drei Arbeiter wurden schwer

verletzt ins Krankenhaus gebracht.

DiePolizei ermittelt wegen des Verdachts

auf fahrlässige Körperverletzung

und hat das Amt für Arbeitsschutz

informiert. DerSachschaden

beträgt nach Schätzungen etwa

300 000 Euro.Die Halle war vergangene

Woche für eine Veranstaltung

des Autoherstellers Porsche aufgestellt

worden, der sein neues E-Auto

präsentierthatte. (dpa)

Diese Halle stürzte ein und fünf Arbeiter

wurden dabei verletzt.

PORSCHE

Freie Wähler streben keine

Koalitionsbeteiligung an

DieFreien Wähler in Brandenburg

streben nach Sondierungen mit den

anderen Parteien keine Regierungsbeteiligung

in einer Koalition an.

„Wir setzen weiter auf unser Modell

der Konkordanzdemokratie,also

eine themenbezogene Zusammenarbeit

mit wechselnden Mehrheiten“,

sagte der Landesvorsitzende

Péter Vida am Dienstag in Potsdam.

Dies sei auch in der Opposition

möglich. „Wir sind zur Zusammenarbeit

mit anderen Fraktionen bei

bestimmten Inhalten bereit.“ Dazu

gehöreetwa die Forderung nach

Rückzahlung aller Beiträge für alte

Kanalanschlüsse,kein weiteres

Steuergeld für den BER und die Abschaffung

der Beiträge vonEigentümernzur

Erschließung neuer Straßen.

Vida war am Montag bei der

konstituierenden Sitzung der Fraktion

in Bernau auch zum Fraktionschef

gewählt worden. (dpa)

Trockenheit: Keine

Entnahme aus Gewässern

Wegen niedriger Pegelstände in

Flüssen und Seen darfweiterhin

kein Wasser aus vielen Gewässern

Brandenburgs entnommen werden.

Wiedas Landesamt für Umwelt am

Dienstag mitteilte,wirdinden

Flussgebieten vonSpree und

SchwarzerElster trotz der Niederschläge

in den vergangenen Tagen

nicht mit Entspannung gerechnet.

Dementsprechend blieben die Verbote

der Wasserentnahme einiger

Städte und Landkreise zunächst bestehen.

DenAngaben nach kann

der Pegel der Spreebei weiterhin

anhaltender Trockenheit mit den

Wasserreserveninden Bergbauspeichernund

der TalsperreSprembergauf

abgesenktem Niveau konstant

gehalten werden. (dpa)

Unbekannter zeigt

Hitlergruß

Einunbekannter Mann soll am

Bahnhof vonOranienburg(Oberhavel)

gegenüber Besuchergruppen

auf dem Wegzur KZ-Gedenkstätte

Sachsenhausen den Hitlergruß gezeigt

haben. Eine Mitarbeiterin der

Gedenkstätte habe dies am Montag

angezeigt, berichtete die Polizeidirektion

Nord am Dienstag. Betroffen

sollen vier Reisegruppen aus Amerika,

Brasilien, England und Spanien

gewesen sein. (dpa)

In die Einigkeit geputscht

Ohne Gegenstimmen wird der neue CDU-Fraktionschef Redmann gewählt –auch von konservativen Gegnern

VonJens Blankennagel, Potsdam

Die CDU-Fraktion im

Brandenburger Landtag

hat Jan Redmann am

Dienstag einstimmig

zum Nachfolger des zurückgetretenen

Ingo Senftleben an die Spitzegewählt.

Damit votierten auch die

Senftleben-Kritiker für den bisherigen

Parlamentarischen Geschäftsführer.

Das Ergebnis kam überraschend,

denn bis in die Nacht zum

Dienstag sah es nach einer Kampfabstimmung

aus. Die Kontrahenten

wären gewesen: Jan Redmann aus

dem liberalen Lager und Frank Bommertaus

dem konservativen.

Doch kurznach dem Mittag stellten

sich beide gemeinsam mit dem

neuen Parteichef Michael Stübgen

der Presse. Alle drei im Anzug, aber

ohne Krawatte, locker, entspannt,

beinahe heiter – und fast wie alte

Freunde, die sich immer mit dem

Vornamen ansprechen, als wären sie

nicht gerade noch die größten innerparteilichen

Feinde gewesen.

„Wir haben in den vergangenen

vier Tagen fast unterbrochen in der

Fraktion geredet, wie es weiter gehen

soll“, sagte Redmann. „Ich bin froh,

dass es gelungen ist, eine Einigkeit

zu finden.“ Er als neue Fraktionschef

will nun seinen bisherigen Gegner

Bommertals Vize haben.

Aufdie Frage,obesnicht ein labiler

Burgfrieden sei, sagte er:„Ich bin

überzeugt, dass es kein Burgfrieden

ist. Es gab ein reinigendes Gewitter

und ich kann mir vorstellen, als

Team gut zusammenzuarbeiten.“

Doch noch in die Regierung

DieCDU steht unter massivem Zeitdruck,

denn vor der Wahl hatte sie

das Ziel ausgegeben, die seit 29 Jahrenregierende

SPD an der Spitzeder

Regierung abzulösen. Das ist ganz

klar gescheitert. Nunwill sie vonder

SPD und den Grünen zu weiteren

Sondierungsgesprächen und danach

zu Koalitionsverhandlungen

eingeladen werden. DasZiel der drei

ist eine gemeinsame rot-schwarzgrüne

Regierung. Doch dazu muss

die CDU nun schnell ihren parteiinternen

Machtkampf beenden.

Am Dienstag um 18 Uhr standen

bereits die nächsten Gespräche mit

den Grünen an, dann am Mittwoch

ab 9Uhr mit der SPD.Diese Termine

wurden von allen Parteien extra so

gelegt, damit die CDU die Chance

hat, ihren internen Machtkampf beizulegen.

„Wir sollten den Nachweis

erbringen, dass wir in der Lage sind,

als geschlossene Fraktion zu agieren.

Problemlos an die Spitze: Jan Redmann

Herkunft: Geboren 1979 in

Pritzwalk, das jüngste von

drei Geschwistern. Er sagt,

schon als Schüler habe er

angefangen, sich für Politik

zu interessieren, weil er sich

über die Bildungspolitik in

Brandenburg geärgerthabe.

Er war Schülersprecher im

Gymnasium in Wittstock, trat

mit 18 in die JungeUnion ein

–und war später auch deren

Landesvorsitzender.

JAN REDMANN

Studium: Nach dem Abitur

machte er seinen Wehrdienst

und war Richt-Ladeschütze

aufeinem Kampfpanzer.An

derUni Potsdam studierte er

Jura und wurde2010 an der

UniKöln promoviert. Als Anwalt

arbeitete er vorallem im

Bau- und Vergaberecht. Als

Politikersaß er in der Stadtverordnetenversammlung

Wittstock, istseit2009CDU-

Chef in Ostprignitz-Ruppin.

Ausgeblüht

CDU: Von2011 bis 2015

war Jan Redmann auch

schon mal Vize-Landeschef

seiner Partei. Im Parlament

sitzt er erst seit der Landtagswahl

2014 und war dort

bislang Parlamentarischer

Geschäftsführer seiner Fraktion.

Als Nachfolger in dieser

Position wurde ebenfalls am

Dienstag Rainer Genilkegewählt

–genau wie Redmann

einstimmig.

Das ist uns gelungen“, so Redmann.

Er gehörtganz klar zum liberalen Lager

um den vorherigen CDU-Chef

Senftleben, der nach dem Wahldebakel

der CDU bei der Landtagswahl

am 1. September vomAmt als Fraktionschef

zurückgetreten ist. Weil die

CDU nur noch auf Platz 3hinter der

SPD und der AfD landete, opponierten

sechs der 15 Landtagsabgeordneten

gegen Senftleben. Siegehören

zur Gruppe um die hartkonservative

Abgeordnete Saskia Ludwig. Siekritisieren

Senftleben vor allem dafür,

dass er sich nicht klar vonder Linkspartei

abgegrenzt hat. Nicht nur innerparteiliche

Kritiker werfen Ludwig

hingegen vor, eine zu große

Nähe zur AfD oder den Neuen Rechten

zu haben. Siegehörtder erzkonservativenWerteunion

innerhalb der

CDU an, ebenso wie Bommert.

Keine Koalition mit der AfD

Der spricht von einer neuen Einigkeit

in der CDU-Fraktion. „Es waren

sehr intensive Gespräche, und an

manchen Stellen war es auch nicht

sehr fein.“ Aber es konnte vieles ausgeräumt

werden, was vonder jeweils

anderen Seite missverstanden

wurde.„Wirwollten daran eine mögliche

Regierungsbeteiligung nicht

scheiternlassen“, sagte Bommert. Er

kritisiert weiterhin, dass der Wahlkampf

sehr einseitig in einer zu liberalen

Richtung gefahren wurde.Und

dass Wirtschaft und innere Sicherheit

nicht die nötige Rolle spielten.

„Das wirdnun der Fall sein“, sagte er.

Die Fraktion werde nun auch offener

damit umgehen, wenn jemand

eine andere Meinung hat. „Wir sind

übereingekommen, dass man sich in

einer bürgerlichen Partei bei internen

Konflikten anständig zu verhalten

hat.“ Er komme aus dem Bereich

des Handwerks und da gäbe es noch

die Handschlaggeschäfte.Sostehe er

nun zu den gemeinsamen Vereinbarungen

mit Jan Redmann. „Wenn

sich Jan an die Absprachen hält,

kann er davon ausgehen, dass es

auch vonmeiner Seite hält.“

Parteichef Stübgen betonte, dass

es auf eine „Kenia-Koalition“ mit der

SPD und den Grünen hinauslaufe.

Rot-Rot-Grün sähe er nicht. Und

auch eine Koalition der SPD und der

Linken mit der CDU hält er nicht für

möglich, weil die Basis in der CDU

dies ablehne. „Ich haben sehr viele

Gespräche in meiner Partei geführt,

ich habe niemanden getroffen, der

gesagt hat, ich will Kenia nicht versuchen.

Ich habe auch keinen getroffen,

der mit der AfD eine Koalition

will.“

Im kommenden Jahr wird es in Werder erstmals seit Jahrzehnten kein Baumblütenfest geben

InWerder (Havel) wird esimJahr

2020 kein Baumblütenfest geben.

Ein Vergabeverfahren wurde erfolglos

beendet. „Wir haben einen Partner

gesucht, mit dem wir das Baumblütenfest

unseren Vorstellungen

entsprechend neu ausrichten können“,

teilte Bürgermeisterin Manuela

Saß amDienstag mit. Das sei

nicht gelungen. „Es hat sich gezeigt,

dass wir für einen echten und nachhaltigen

Richtungswechsel eine andere

Herangehensweise und mehr

Zeit benötigen.“ Bevor eseine neue

Ausschreibung gibt, will die Stadt

nun gemeinsam mit Anwohnern

und Stadtverordneten nach einer

langfristigen Lösung suchen.

Fragen, wie mit dem Thema Sicherheit

und einem sich verändernden

Publikum künftig umgegangen

wird, hätten mit zum Scheitern der

Vergabe beigetragen. Auch darum

müsse es gehen, wenn man sich über

die Zukunft des Festes unterhält, so

Werders erster Beigeordneter,Christian

Große. Die Aufhebung eines

Vergabeverfahrens sei unbefriedigend.

Siesei in diesem Fall aber eine

Schöne Baumblüte, im kommenden Jahr allerdings ohne Fest.

Chance für eine nachhaltige Neuausrichtung

des Festes.

In diesem Jahr fand zum 140. Mal

das Baumblütenfest in Werder statt.

Die Festmeile zieht an zehn Tagen

Anfang Maijedes Jahr zehntausende

XXXXXX

DPA

Besucher an. Es gilt als mit Abstand

größtes Volksfest in Brandenburg. Es

ist einerseits ein großes buntes Treiben,

das von vielen als Massenbesäufnis

geschmäht wird, weil dort

große Mengen Obstwein ausge-

schenkt werden und weil es einen

großen Rummel gibt. Das zieht vor

allem Jugendliche an und sorgt für

gehöriges Konfliktpotenzial nicht

nur wegen der Besoffenen, die aggressiv

sind, sondernauch, weil viele

Angetrunkene überall in der Öffentlichkeit

hinpinkeln.

In den vergangenen Jahren entwickelte

sich aber rings um Werder

auch ein stilles Baumblütenfest in

den Obstgärten und Plantagen. Dort

waren eher die älteren Besucher anzutreffen,

die mit dem Radanreisten.

Immer wieder sorgten Ausschreitungen

und Körperverletzungen

für Schlagzeilen. Bundes- und

Landespolizei zählten beim letzten

Fest im Maidieses Jahres insgesamt

488 Straftaten. Ähnlich wie im Jahr

zuvor waren ein Drittel davon Gewaltdelikte.

Die Brandenburger Polizei

registrierte 107 Körperverletzungen

–40mehr als im vergangenen

Jahr.

„Wir gehen davon aus,dass wir in

zwei Jahren wieder ein Fest veranstalten

können“, sagte Stadtsprecher

HenryKlix. (dpa, BLZ)

Wenn der

Jagddruck

fehlt

Bisams könnten

zur Plage werden

VonJeanette Bederke

ImOderbruch tanzen die Bisams

auf und angeblich sogar in den

Deichen. So sehen es zumindest diejenigen,

die im Auftrag des Landesumweltamtes

dortfür den Hochwasserschutz

sorgen sollen. „Die Tiere

wühlen sich in den Damm und wir

können nichts machen, als nur die

Schäden auszubessern“, sagt Martin

Porath, Geschäftsführer des Gewässer-und

Deichverbandes Oderbruch

(Gedo). Knapp 500 Schadstellen hat

er bereits gemeldet. DieDeiche seien

in ihrer Standsicherheit gefährdet,

sagt Porath.

Seit Juli diesen Jahres unterliegen

Bisams und auch die doppelt so großen

Nutrias, die sich vor allem im

Spreewald tummeln, dem Jagdrecht.

Mitdieser Neuregelung wollte Brandenburg

erreichen, dass auch andere

Waidmänner, nicht nur neun

speziellen Bisamjäger, die tierische

Plage eindämmen. Doch in der Praxis

geht das Ganze eher nach hinten

los.Denn Bisams vermehren sich rasant.

Drei- bis viermal im Jahr bekommen

sie durchschnittlich sechs

Junge –und in dieser Zeit unterliegen

sie dem im Jagdrecht vorgeschriebenen

Mutterschutz, bestätigt

der Landesjagdverband. „Dann sind

den Jägern die Hände gebunden“,

sagt Sprecherin Anja Semmele.

„Vor der Neuregelung waren wir

neun Bisamjäger in Brandenburg

quasi ganzjährig als Schädlingsbekämpfer

im Einsatz, damit die Population

nicht überhand nimmt“, sagt

Enrico Mielke,der seit Jahren an den

Oderdeichen Bisams jagt und jetzt

aufgrund der Mutterschutz-Regelung

nur noch die Schäden dokumentieren

kann. Die etwa 35 Zentimeter

großen, nordamerikanischen

Einwanderer aus der Familie der

In größeren Gruppen können Bisams zur

Plage werden.

IMAGO IMAGES

Wühlmäuse hätten in Brandenburg

eigentlich nichts zu suchen. Siewurden

in Europa laut Naturschutzbund

Nabu Anfang des 20. Jahrhunderts

ausgesetzt. IhrFell war heiß begehrt.

Mielkes Arbeit ist schwer: Bisams

sind genau wie Biber nachtaktiv,

sie bauen zwar nur Röhren

im Durchmesser von10bis 15 Zentimetern,

bei Bibern sind sie mindestens

doppelt so groß. Doch da

sich die kleineren Wühler tief in

den Deich graben, der bei Hochwasser

dadurch auszuspülen

droht, können sie ebenso großen

Schaden anrichten. Durch bereits

eingebaute Biberschutzmatten

schlüpfen sie nach Angaben des Jägers

einfach durch.

Die Eingänge zu den Röhren liegen

unter Wasser am Deichfuß. In

Wathosen sucht Enrico Mielke danach

mit der Hand, um dorttäglich

Fallen zu postieren, die regelmäßig

kontrolliertwerden müssen. „Sinnvoll

wäre eine Ausnahmeregelung,

um den Mutterschutz zumindest

an Hochwasserschutzanlagen aufzuheben

und wieder ganzjährig

Fallen stellen zu können“, sagt

Semmele vomLandesjagdverband.

Ein entsprechender Antrag des

Landesumweltamtes sei bereits

eingegangen, aber noch nicht beschieden,

bestätigt Julia Götze von

der Obersten Jagdbehörde des

Landes. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 17

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Wissenschaft

Die Stunden

nach dem

Einschlag

Katastrophe vor 66 Millionen

Jahren rekonstruiert

VonStefan Parsch

Ein Asteroiden-Einschlag erschütterte

vor 66Millionen Jahren die

Erde. Erwar einer der Auslöser des

großen Dino-Sterbens. Nun zeigen

Forscher: Direkt nach dem Aufprall

ging es Schlag auf Schlag.

„Es waren nicht mehr als 15 Minuten

vergangen, seitdem das Rudel der

T. rex vom ersten Lichtschock aufgeschreckt

worden war“, schreibt der

Saurierexperte Steve Brusatte. „Nun

waren sie alle tot, was auch für die

meisten Dinosaurier galt, mit denen

sie zusammengelebt hatten. Die früher

üppigen Waldlandschaften und

Flusstäler standen in Flammen.“ Brusatte

schildertindieser Szene Auswirkungen

des gewaltigen Asteroideneinschlags

auf eine Tausende Kilometer

entfernte Region.

Eine aktuelle Studie gibt nun Hinweise

darauf, dass sich solche Ereignisse

in den Stunden nach dem Aufprall

des gewaltigen Asteroiden mit

mehr als zehn Kilometer Durchmesser

tatsächlich so abgespielt haben

könnten. DerEinschlag, der das Aussterben

aller großen Dinosaurier auslöste,

könnte Tsunamis und Buschbrände

hervorgerufen und gewaltige

Mengen Schwefel freigesetzt haben.

Diese Hypothese haben Forscher um

Sean Gulick vonder UniversitätTexas,

USA, mit der Auswertung eines Bohrkerns

aus dem Einschlagskrater untermauert,

wie sie im Fachjournal

PNAS schreiben.

Deruntersuchte Kern stammt aus

einem Abschnitt einer ringförmigen

Hügelkette –„peak ring“ –imEinschlagskrater.Der

Abschnitt liegt unter

Wasser vor der Küste der mexikanischen

Halbinsel Yucatan. An dieser

Stelle bildete sich in den 24 Stunden

nach dem Einschlag eine 130 Meter

dicke Schicht von Ablagerungen,

schreiben die Wissenschaftler.Sie bestehen

aus verschiedenen Lagen.

Ein vom Einschlag ausgehender

Tsunami kam den Forschern zufolge

durch Reflexionen an Küsten wieder

zurück. Er lagerte unter anderem

Holzkohle in dem Krater ab. Die

Kohle deutet das Team um Gulick als

Hinweis auf Buschbrände, die vom

Einschlag ausgelöst wurden. DerTsunami

könnte Meerwasser bis weit ins

Innere der umliegenden Kontinente

gebracht haben, beim Zurücklaufen

des Wassers ins Meer könnten verkohlte

Pflanzenreste mitgerissen

worden sein. Zudem fanden die Forscher

Hinweise darauf, dass es

schwefelhaltige Aerosole waren, die

nach dem Asteroideneinschlag das

Weltklima veränderten. Dies könnte

dazu geführthaben, dass etwa 75 Prozent

allen Lebens zugrunde ging.

„Der einzige Wegzueinem globalen

Massensterben wie diesem ist ein

atmosphärischer Effekt“, sagte der

Studienleiter Sean Gulick. Er und

seine Mitstreiter untersuchten den

Anteil an schwefelhaltigen Gesteinen

im Bohrkern. Er lag unter einem Prozent,

obwohl das Grundgestein 30 bis

50 Prozent davon enthält. Die Forscher

werten dies als Hinweis darauf,

dass Schwefelverbindungen, etwa

durch Verdampfen, in großen Mengen

in die Atmosphäregelangt waren.

(dpa)

Zehn Kilometer Durchmesser hatte der

Asteroid, der die Erde traf. DPA(DON DAVIS/NASA

Weiße Knäuel: Eiweißablagerungen, Amyloid-Plaques genannt, an den Fortsätzen von Nervenzellen in einer grafischen Darstellung.Sie sind typisch für Alzheimer.

Neustart in der Alzheimerforschung

Vielversprechende Therapieansätze sind gescheitert. Nun kommen neue Ideen ins Spiel

VonAnja Garms

Es war ein schwerer Schlag

für die Alzheimerforschung:

Im März teilte das

Unternehmen Biogen mit,

dass es zwei klinische Studien zu einem

viel beachteten Wirkstoff mit

sofortiger Wirkung einstellt. Es bestehe

keine Aussicht auf Erfolg, der

Antikörper Aducanumab bremse

den Abbau der Geisteskraft nicht wie

erhofft, hieß es zur Begründung.

Bereits in den Jahren zuvor waren

etliche klinische Studien wegen

mangelnder Wirksamkeit von Wirkstoff-Kandidaten

abgebrochen worden.

Alle Studien hatten eines gemeinsam:

Sie testeten Substanzen,

die an dem Eiweiß Amyloid-beta

(Abeta) ansetzen –jenem Molekül,

das sich im Gehirn von Alzheimerpatienten

in Form sogenannter Plaques

ablagert. Diese gelten als Kennzeichen

der Demenzerkrankung.

Die Grundidee: Verhindert man

die Ablagerung oder räumt abgelagerte

Abeta-Eiweiße weg, lässt sich

die Erkrankung verhindern oder

stoppen. Antikörper wie Aducanumab

sollten die Eiweißstrukturen

erkennen und angreifen –nach dem

Prinzip einer passiven Impfung, bei

der Antikörper gegen Bestandteile

von Krankheitserregern verabreicht

werden. Dassollte den geistigen Verfall

aufhalten. „Man hat große Hoffnungen

in diese Studien gesetzt“,

berichtet Hans-Ulrich Demuth vom

Fraunhofer-Institut für Zelltherapie

und Immunologie (IZI) in Leipzig.

Doch es klappte nicht.

Abwehrzellen im Gehirn

Problematisch am jüngsten Scheitern

von Wirkstoff-Kandidaten ist

nicht allein die Tatsache, dass nun

auch in naher Zukunft kein wirksames

Mittel gegen Alzheimer-Demenz

zur Verfügung steht. Viele Wissenschaftler

fragen sich, ob sie in

den vergangenen Jahren mit der

Konzentration auf Abeta überhaupt

richtig lagen.

„Die Untersuchungen, die wir

jetzt haben, deuten zumindest darauf

hin, dass die Impfung gegen die

Abeta-Eiweiße in bestimmten Phasen

der Erkrankung nicht wirksam

ist“, sagt Alzheimerforscher Michael

Heneka, Direktor der Klinik für Neurodegenerative

Erkrankungen und

Gerontopsychiatrie der Universität

Bonn.

Womöglich stellt sich der Schock

nach dem Scheiternaber als heilsam

heraus. Denn nun können alte Forschungsansätzeüberdacht

und neue

getestet werden. Michael Heneka

beobachtet eine neue Offenheit in

der Forscherszene. Der Mediziner,

der am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative

Erkrankungen

(DZNE) die Forschungsgruppe Neuroinflammation

leitet, befasst sich

seit Mitte der 90er-Jahre mit der Bedeutung

von entzündlichen Prozessen

bei der Alzheimererkrankung.

Heneka und sein Team untersuchen

unter anderem, welche Rolle

die angeborene Immunität im

Krankheitsprozess spielt, einem

wichtigen Teil des Abwehrsystems.

Im Gehirn wird diese Form der Immunität

durch sogenannte Mikroglia-Zellen

vermittelt. „Wir haben einen

Mechanismus identifiziert, der

sich möglicherweise für die Entwicklung

einer Intervention nutzen

lässt“, berichtet Heneka. Die Forscher

wollen die Mikroglia dazu

bringen, auf die Ablagerung von

Amyloid-beta nicht mehr pro-entzündlich

zu reagieren, sondern sich

weiterhin um die umgebenden Nervenzellen

zu kümmernund die Amyloid-Ablagerungen

tatsächlich abzuräumen.

„Das alles sind Eigenschaften,

die im Verlauf der Erkrankung

verloren gehen“, erläutert der Bonner

Experte.

Abeta, das Protein, das in den gescheiterten

Studien von Antikörpern

attackiert wurde, ist als Ansatzpunkt

für einen Wirkstoff aber nicht völlig

aus dem Rennen. „Es gibt neue Ansätze

der Antikörpertherapie“, sagt

Fraunhofer-Forscher Demuth. In einer

schwedischen Studie werde derzeit

ein Antikörper getestet, der in einer

Untersuchung eine Verbesserung

der kognitiven Leistungsfähigkeit gezeigt

habe. „Das ist jetzt die große

Hoffnung im Abeta-Feld“, ergänzt er.

Demuth gründete 1997 das biopharmazeutische

Unternehmen

Probiodrug mit, das heute Vivoryon

Therapeutics heißt und an der Entwicklung

von Alzheimermedikamenten

arbeitet. Die Wissenschaftler

zeigten damals, dass es eine Untergruppe

von Abeta-Proteinen gibt,

die Nervenzellen schädigen und bei

der Alzheimererkrankung eine herausragende

Rolle spielen. Seit seinem

Wechsel ans Fraunhofer-Institut

begleitet Demuth die Erforschung

eines Wirkstoffs bei Vivoryon,

der sich gegen diese toxischen

Abeta-Varianten richtet und derzeit

in einer Studie getestet wird.

Diese spezielle Abeta-Form entsteht

durch das Enzym Glutaminylzyklase,

das im Gehirn von erkrankten

Patienten in hoher Menge gebildet

wird, erläutert Vivoryon-Vorstandschef

Ulrich Dauer.„Indem wir

das Enzym hemmen, verhindernwir

die Entstehung der toxischen Abeta-

Variante.“ Aus Studien sei bekannt,

FAKTEN ZUR DEMENZ

Häufigkeit: Der Anreiz, ein Mittel gegen

die Demenz zu finden, ist groß. Allein in

Deutschland leben nach Angaben der

Deutschen Alzheimer Gesellschaft etwa

1,7 Millionen Menschen mit Demenz, der

Großteil vonihnen hat Alzheimer.Sollte

es keinen Durchbruch bei der Prävention

und Therapie geben, könnte sich die Zahl

bis zum Jahr 2050 auf rund 3Millionen

erhöhen, zeigen Berechnungen unter Berücksichtigung

der Bevölkerungsentwicklung.

Erkrankungsalter: Nur selten wird die

Krankheit bei Menschen, die jünger als

60 Jahre sind, diagnostiziert. Allerdings

beginnt Alzheimer voraussichtlich bereits

im mittleren Lebensalter –und schreitet

Jahrzehnte unbemerkt fort, bevorerste

Symptome auftreten. Ein wirksames Medikament

gibt es nicht, nur einigePräparate,

die den Krankheitsverlauf und das

Nachlassen der geistigen Fähigkeiten etwas

abbremsen.

dass das Auftreten der toxischen Variante

mit dem Auftreten der Krankheitssymptome

zusammenhängt.

In einer Pilotstudie der Phase IIa,

in der primär die Sicherheit eines

Wirkstoffes geprüft wird, untersuchten

die Forscher ihren Hemmstoff

drei Monate lang an 120 Patienten.

PQ912, so der Name der Substanz,

erwies sich als sicher. Zudem beobachteten

die Forscher, dass sich

die kognitiven Funktionen der Patienten,

in diesem Fall die Gedächtnisleistungen,

verbesserten. Der

Wirkstoff soll nun in größeren Studien

genauer geprüft werden.

Geplant ist, ab dem zweiten

Quartal des kommenden Jahres 460

Patienten aus den USA und Kanada

mit leichter kognitiver Beeinträchtigung

oder leichter Alzheimer-Demenz

für die Studie zu gewinnen.

Für insgesamt 18 Monate bekäme

eine Hälfte ein Scheinmedikament,

die andere PQ912. Auch in Europa

sei eine vergleichbareStudie mit 250

Patienten geplant.

Einen weiteren Ansatzpunkt für

die Entwicklung eines Therapeutikums

bieten die Tau-Proteine. Diese

Eiweiße sind Bestandteile des Zellskeletts.

Nach dem gegenwärtigen

Verständnis sind es die Abeta-Eiweiße,

die den neurodegenerativen

Prozess anstoßen, während die Tau-

Proteine die ausführenden Elemente

sind: Sie zerstören letztendlich die

Nervenzellen. Antikörper gegen Varianten

der Tau-Proteine sollen den

Krankheitsprozess an dieser Stelle

stoppen.

An Ideen und Forschungsansätzenmangelt

es also nicht. Quasi täglich

erscheinen in Fachmagazinen

Artikel mit neuen Ergebnissen zu

Alzheimerforschungsprojekten und

möglichen Ansatzpunkten für die

Medikamentensuche. Etwa 80 klinische

Studien der fortgeschrittenen

Phase III laufen laut Studienregister

der EU derzeit in Europa und dem

Europäischen Wirtschaftsraum.

Der Bonner Forscher Heneka ist

überzeugt, dass es ohnehin in Zukunft

kein einzelnes Medikament

zur Alzheimer-Prävention oder -therapie

geben wird.„Wir werden versuchen

müssen, unterschiedliche

Krankheitsmechanismen zum gleichen

Zeitpunkt zu beeinflussen.“

Verlauf in Etappen

GETTY

Er vergleicht die Erkrankung mit einem

Staffellauf, bei dem unterschiedliche

Mechanismen aufeinander

aufbauen. „Wenn der erste Läufer

seine Runde beendet hat und den

Stab weitergegeben hat, dann können

Sie andem rumfeilen, wie Sie

wollen. Das wird den Ausgang des

Rennens nicht mehr beeinflussen.“

Impfungen gegen Abeta –den vielleicht

ersten Läufer im Rennen –kämen

vermutlich zu spät, wenn bereits

der zweite Läufer übernommen

habe, also etwa das Immunsystem

bereits aktiviert sei. Erschwerend

komme hinzu, dass sich die Erkrankung

in unterschiedlichen Bereichen

des Gehirns in unterschiedlichen

Stadien befinden könne –auch

das müsse berücksichtigt werden.

„Das grundsätzliche Problem ist,

dass man zwar die pathologischen

Merkmale kennt, also die Abeta-Plaques,

die Tau-Plaques, die Neuroinflammation.

DieZusammenhänge

zwischen diesen drei Kennzeichen

hat man aber noch nicht verstanden“,

bestätigt Vivoryon-Chef

Dauer.Nach dem jüngsten Scheitern

der Abeta-Studien dürfe man sich

nun nicht einfach auf das nächste

Ziel stürzen.

Auf die Bedeutung weiterer

Grundlagenforschung verweist auch

Demuth. Er ist dennoch zuversichtlich,

dass es in den kommenden Jahren

entscheidende Fortschritte bei

der Suche nach einem Medikament

geben wird – und sieht die Rückschläge

der Vergangenheit gelassen:

„Ohne die Fehlschläge und ohne die

Sackgassen, die sich da aufgetan haben,

wären wir nie da, wo wir heute

sind.“ Er sieht Licht am Ende des

Tunnels. (dpa/fwt)

WHO fordert

Prävention

von Suiziden

800 000 Menschen pro Jahr

nehmen sich das Leben

Jährlich nehmen sich nach Angaben

der Weltgesundheitsorganisation

(WHO)etwa 800 000 Menschen

auf der Welt das Leben. Alle 40 Sekunden

sterbe ein Mensch auf diese

Weise,teilte die WHO aus Anlass des

Welttags der Suizidprävention am

Dienstag mit. Damit gehöre der Suizid

zu den häufigsten Todesarten.

Die Vorbeugung ist für die WHO eines

der wichtigsten Ziele. Sie kritisierte:

Zwar sei die Zahl der Länder

mit Präventionsprogrammen in den

vergangenen fünf Jahren auf 38 gestiegen,

aber noch immer gebe es in

vielen Ländern keine entsprechenden

Angebote für Gefährdete.

„Selbstmorde sind vermeidbar.

Wir rufen alle Staaten dazu auf, bewährte

Strategien zur Vorbeugung

gegen Selbstmordinihrenationalen

Gesundheits- und Bildungsprogramme

einzubeziehen“, forderte

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom

Ghebreyesus.Dazu gehörezum

Beispiel, junge Menschen gegen

Stress zu stärken und suizidgefährdete

Personen rechtzeitig zu identifizieren

und langfristig zu betreuen.

In Deutschland starben im Jahr

2017 laut Statistischem Bundesamt

etwa 9200 Menschen durch Suizid.

Das sind deutlich mehr, als durch

Verkehrsunfälle, Drogen und HIV

zusammen ums Leben kamen. Im

Jahre 2000 waren es noch 11 000.

Suizide kommen laut Statistik in allen

sozialen Schichten vor. 75 Prozent

der Betroffenen sind männlich.

Das Bundesland mit den meisten

Suiziden ist Bayern, mit fast 1600

Fällen im Jahre 2017. Sehr häufig ist

der Suizid Folge einer psychischen

Krise oder Krankheit, etwa einer Depression.

(dpa)

DasBündnisgegenDepression der Stiftung

Deutsche Depressionshilfe bietet Informationen

und Kontakte zurHilfe an. Es ist im Internet zu

finden unter:deutsche-depressionshilfe.de

Kalifornien

verschärft die

Impfpflicht

Stärkere staatliche

Kontrolle bei Kindern

K

alifornien will mit einem neuen

Gesetz die Impfpflicht in dem

US-Westküstenstaatverschärfen. Der

demokratische Gouverneur Gavin

Newsom unterzeichnete einen Entwurf,

der Ausnahmen vonden bereits

bestehenden Impfvorschriften weiter

einschränkt. Hunderte Impfgegner

protestierten vor dem Kapitol in der

Hauptstadt Sacramento.

Bereits seit 2015 gibt es in Kalifornien

eine Impfpflicht für Kinder, die

staatliche oder private Schulen oder

Kitas besuchen. Davon abgerückt

werdenur in medizinischen Ausnahmefällen,

wie etwa bei Impfstoff-Unverträglichkeiten.

Das neue Gesetz

sieht eine stärkere staatliche Kontrolle

der Ausnahmeregelungen vor.

Es richtet sich vor allem gegen Ärzte,

die viele medizinischen Befreiungen

ausgestellt hatten, möglicherweise

unbegründet. Manche Eltern wollen

ihre Kinder aus Sorge vor Nebenwirkungen

nicht impfen lassen.

In Deutschland hat das Bundeskabinett

ein Gesetz für eine Masern-

Impfpflicht auf den Weggebracht. Ab

März2020 müssen Elternvor der Aufnahme

ihrer Kinder in eine Kita oder

Schule nachweisen, dass diese

geimpft sind. Die Impfpflicht gilt

auch für bestimmte Erwachsene,wie

Tagesmütter, Kita-Personal, Lehrer

und Beschäftigte im Medizinbereich.

Bei Verstößen drohen Bußgelder bis

zu 2500 Euro. (dpa)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Kerber verliertauch unter

Interimstrainer Dier

TENNIS. Nach ihrem enttäuschenden

Erstrunden-Aus bei den US

Open hat Angelique Kerber auch unter

Interimstrainer Dirk Dier die erhoffte

Wende verpasst. DieanNummer

fünf gesetzte Kielerin unterlag

beim mit 1,5 Millionen Dollar dotierten

Hartplatzturnier im chinesischen

Zhengzhou der US-Amerikanerin

Alison Riske 7:5, 4:6, 6:7 (6:8).

U21 gewinnt erstes

EM-Qualifikationsspiel klar

FUSSBALL. Diedeutschen U21-Fußballer

sind mit einem souveränen

Sieg in die EM-Qualifikation gestartet.

Dasneu formierte Team gewann

das erste Pflichtspiel nach dem verlorenen

EM-Finale gegen Spanien

Ende Juni am Dienstag in Wales mit

5:1 (4:0). Vor841 Zuschauernin

Wrexham erzielten Robin Hack

(19./24./29. Minute), Johannes Eggestein

(41.) und Adrian Fein (50.) die

Tore. Thomas Harris traf für Wales

(48./Handelfmeter).

Iranerin stirbt nach

Protestaktion

FUSSBALL. Eine junge Frau ist nach

einer Protestaktion gegen das Stadionverbot

für Frauen im Iran gestorben.

Siehatte sich in der vergangenen

Woche voreinem Teheraner Gericht

mit Benzin übergossen und angezündet.

Am Montagabend erlag

sie im Krankenhaus ihren schweren

Verletzungen, wie iranische Medien

am Dienstag berichteten. DieFrau

war vonder Polizei festgenommen

worden, nachdem sie versucht hatte,

bei einem Spiel vonEsteghlal TeheraninAsiens

Champions League ins

Stadion zu gelangen.

Argentiniens Basketballer

schocken Serbien

BASKETBALL. Dieargentinischen

Basketballer haben bei der WM in

China überraschend die Titelträume

vonSerbien beendet und sind wie

Spanien ins Halbfinale eingezogen.

Dasargentinische Team um Routinier

Luis Scola setzte sich in einer

hochklassigen Partie am Dienstag in

Dongguan mit 97:87 (54:49) durch

und trifft nun auf den Sieger des Duells

vonTitelverteidiger USA mit

Frankreich. Spanien gewann in

Schanghai das zweite Viertelfinale

gegen Polen mit 90:78 (46:41)

Rebels treffen im

Viertelfinale auf Unicorns

AMERICAN FOOTBALL. DieBerlin

Rebels treffen im Viertelfinale der

Endrunde um die deutsche Meisterschaft

auf den in dieser Saison bislang

ungeschlagenen Titelverteidiger

Schwäbisch Hall Unicorns.Am

21. September empfangen die Süddeutschen

den Hauptstadtverein im

Optima SportparkinSchwäbisch

Hall. Es ist das dritte Duell der beiden

Kontrahenten, nach 2016 und

2017. In beiden bisherigen Begegnungen

gingen die Unicorns als Sieger

vomPlatz.

ZAHLEN

Fussball

EM-Qualifikation

Gruppe C

Nordirland -Deutschland 0:2 (0:0)

Estland -Niederlande 0:4 (0:2)

1. Nordirland 5 17: 6 12

2. Deutschland 5 7: 4 12

3. Niederlande 4 14: 5 9

4. Weißrussland 5 3:10 3

5. Estland 5 2:18 0

Ohne Druck kein Fortschritt

Deutschlands Volleyballer wollenmit einer Medaille beider anstehendenEMihre hohen Ansprüche untermauern

VonAnnika Schultz

Bundestrainer Andrea Giani

und sein Kapitän Lukas

Kampa sind sich bewusst,

vor welcher Herausforderung

sie in den kommendenWochen

stehen. „Die Europameisterschaft ist

vielleicht die schwierigste seit 20 Jahren“,

betont Giani, „es gibt acht

Teams, die den Titel holen können,

das Niveau ist extrem hoch und dicht

beieinander.“ Weltmeister Polen, die

amtierenden Europameister aus

Russland, die Italiener, die Franzosen

–das ist nur ein Ausschnitt der

Liste der Teams, die sich berechtigte

Hoffnungen auf einen Platz auf dem

Podium der Volleyball-Europameisterschaft

machen.

Das Turnier findet vom 12. bis

zum 29. September statt, es wird

erstmals in vier Ländern ausgetragen

(Belgien, Frankreich, Niederlande,Slowenien).

Zudem gibt es mit

24 Nationen ein Rekord-Teilnehmerfeld.

Deutschland trifft in der Gruppenphase

auf Belgien, Österreich,

Serbien, die Slowakei und Spanien,

die ersten vier Teams qualifizieren

sich für die K.-o.-Runde.

Vorzwei Jahren hatten die deutschen

Männer zum ersten Mal

überhaupt eine Medaille bei Europameisterschaften

gewonnen, erst

im Finale unterlagen sie den starken

Russen. „Wir reisen als Silbermedaillengewinner

an. Da fände

ich es seltsam, das Viertelfinale als

Ziel auszugeben“, erklärt der 32

Jahre alte Kampa, „wir wollen keinen

Schritt zurück machen, nur einen

nach vorne. Daran werden wir

uns messen lassen.“ Sie bräuchten

diesen Druck, so Kampa, schließlich

sei ein Großteil des Kaders

schon 2017 dabei gewesen.

Einer ragt raus

Sichere Hände beim Zuspiel: Lukas Kampa.

DerKerndes Teams ist in der Tatzusammengeblieben,

einer ragt trotzdem

(wieder einmal) heraus: Georg

Grozer, auch mit 34 Jahren immer

noch einer der besten Diagonalangreifer,

die es gibt. „Er ist einer der

wenigen Spieler auf der Welt, der die

Möglichkeit hat, die Art und Weise,

wie eine Mannschaft spielt, zu verändern“,

sagt Giani, „er ist ein Anführer,

der bereit dafür ist, die Verantwortung

in den entscheidenden

Momenten zu übernehmen.“ Zwar

ist Grozer nach der abgesprochenen

Pause im Sommer und Knieproblemen

noch nicht wieder in Topform,

aber „man hat im Training sofortgemerkt,

wie sich die Rollenbilder verschieben,

wie sich alle an ihm orientieren“,

erzählt Kampa.

Grozer und Kampa, der ebenfalls

pausierte, weil er zum zweiten Mal

Vater wurde, stießen Ende Juli zur

Mannschaft dazu. Seitdem bereiten

sich die Deutschen in Kienbaum

nahe Berlin gezielt auf die kontinentalen

Titelkämpfe vor, zuletzt bestritten

sie in Paris noch zwei Testspiele

gegen Frankreich, es gab einen Sieg

und eine Niederlage. „Im Vergleich

zur Nations League ist das Niveau

deutlich gestiegen“, sagt Giani. Die

Volleyball Nations League war über-

IMAGO IMAGES/MASTERPRESS

haupt nicht nach den Vorstellungen

der deutschen Volleyballer gelaufen,

sie belegten nur den 14. Rang, obwohl

zuvor die Teilnahme am Finalturnier

der besten sechs Mannschaften

als Ziel ausgegeben worden war.

Bei der Europameisterschaft ist

die Mannschaft personell stärker besetzt

und will es besser machen. Dafür

setzt Giani auf taktische Disziplin

im Sideout, seine Spieler sollen aus

der Annahme heraus effektiv punkten.

„Dann können wir mit unserem

Aufschlag und der Block-Abwehr

enormen Druck ausüben und den

Kampf dem Gewicht

Gegner so zur Verzweiflung bringen“,

erläutert der Italiener. ImIdealfall

soll das schon im ersten Gruppenspiel

am Freitag (15

Uhr/Sport1+) gelingen. Dann trifft

Deutschland mit Serbien auf den

vermeintlich stärksten Konkurrenten

aus der Gruppe, die Partie

könnte richtungsweisend für den

restlichen Turnierverlauf werden.

„Unser Fokus liegt schon in der Vorbereitung

auf diesem Spiel.Vorallem

für die psychische Verfassung kann

das Ergebnis entscheidend sein“,

sagt Kampa deswegen. „Beide

Mannschaften können Europameister

werden“, glaubt Giani, „Serbien

hat nach wie vorWeltklasse-Niveau.

Aber wenn wir unser Potenzial ausschöpfen,

können wir mindestens

mithalten.“

Zweifelhafter Modus

Nehmen die weiteren Spiele ihren

erwarteten Verlauf, könnte es schon

im ersten Spiel um den Gruppensieg

gehen. Theoretisch würde man so in

der K.-o.-Runde den stärkeren Gegnern

erst einmal aus dem Weg gehen.

Ob dieser Plan tatsächlich so

aufgeht, hängt auch vom Abschneiden

der vier Gastgeber ab.Sollten die

Teams aus den vier Gastgebernationen

jeweils die Gruppenphase überstehen,

dürfen sie im Achtelfinale

nicht aufeinandertreffen und müssen

dem Regelwerk des Europäischen

Verbandes (CEV) zufolge ihre

erste K.-o.-Partie auch vor heimischem

Publikum bestreiten. „Die

Mehrbelastung ist nicht das Problem,

das kann man mit einem breiten

Kader auffangen. Es gefällt mir

aber nicht, dass die eigenen Ergebnisse

nicht den Weg durch die EM

ebnen“, bemängelt Giani den erstmals

ausgetragenen Modus. Der 49-

Jährige sagt: „Man kann alle Spiele

gewinnen und hat denWegtrotzdem

nicht selber in der Hand.“

Im Kalender der deutschen Nationalmannschaft

ist die Europameisterschaft

zwar das Saison-Highlight,

das nächste wirft seine Schatten

aber schon voraus. Anfang Januar

findet in Berlin die europäische

Olympia-Qualifikation statt, von

acht Teams kann sich dann noch

eins ein Ticket für die Spiele in Tokio

sichern. Zwar hat die EM sportlich

darauf keinen Einfluss, trotzdem

weist Kampa ihr symbolische Bedeutung

zu: „Wir wollen uns mit einer

Medaille bei der EM auch für die

Qualifikation positionieren und zeigen,

dass man mit uns als Gastgeber

rechnen muss.“

Um bei Olympia 2020 dabei sein zu können, muss Ringer Frank Stäbler seinen Körper mit einer Diät malträtieren

Frank Stäblers härtester Kampf

beginnt schon Tage vor seinen

ersten Duellen bei der Ringer-WM in

Kasachstan. Und dieser Kampf wird

brutal –denn der dreimalige Weltmeister

tritt gegen seinen eigenen

Körper an: Er muss in kürzester Zeit

mehrere Kilogramm abnehmen und

dann gegen die Besten derWelt bestehen.

„Das wirddie Hölle“, prognostiziertStäbler.Aber

er lächelt dabei, fast

so, als kämen ihm vor seiner letzten

WM und der erhofften Qualifikation

für Olympia diese extrem erschwerten

Bedingungen gerade recht.

„Wenn alle sagen, das ist unmöglich,

dann muss ich es der ganzen

Welt beweisen. Das ist mein großer

Ansporn, das ist der Kick“, sagt er.

Unddann erzählt Stäbler ,was ihn erwartet,

wenn er nach seinem Hinflug

am Mittwoch in die kasachische

Hauptstadt Nur-Sultan –dem bisherigen

Astana –mit der notwendigen

Extrem-Diät beginnt.

„Ich werde drei, vier Tage so gut

wie nichts mehr trinken und nichts

essen, höchstens mal einen Eiweißriegel

von 40Gramm oder ein paar

Hundert Milliliter Wasser. Dennoch

wird den ganzen Tagtrainiert, dick

eingepackt in einen Neoprenpulli

und mit einer Schwitzjacke drüber.“

Der Körper werde ausgedrückt wie

ein Schwamm. „Da kannst du nicht

mehr klar denken, kannst

nicht schlafen. Du kannst

nicht mehr schlucken und

wünschst dir nur zu trinken.

Das ist das

Schlimmste.“

Der Grund für Stäblers

bevorstehende Tortur ist

das Reglement, wonach

seine gewohnte Gewichtsklasse

von72Kilogramm in

Tokio 2020 nicht olympisch

ist. Um bei seinen letzten Sommerspielen

dabei zu sein, muss der 30-

Jährige also das Gewicht am Kampftag

auf 67 Kilogramm drücken, das

sind rund acht Kilogramm weniger

als sein Normalgewicht.

Dieses sogenannte „Abkochen“

kennt Stäbler.Schon immer hungerte

er sich wie die meisten Ringer zum erlaubten

Kampfgewicht runter. Dennoch

wirdesdiesmal anders sein. Bis

vor zwei Jahren fand das Wiegen einen

Tag vor dem Wettkampf statt.

Also hatten die Sportler eine Nacht

Zeit, zu essen und sich für den Wettkampf

etliche Kilogramm zurückzuholen.

Inzwischen aber steht dasWiegen

am Morgen der Kämpfe an und

die Athleten müssen mit jenem

Gewicht antreten.

Noch schlimmer:Weil nach

den Vorkämpfen die Duelle

um die Medaillen erst am

folgenden Tagausgetragen

werden, und dann noch

GETTY IMAGES/ANGST

mal gewogen wird, kann

Stäbler auch nach dem ersten

Abgekocht:

Frank Stäbler Kampftag kaum etwas

essen.

Der Routinier musste

also grundsätzlich und nicht nur

kurzfristig runter mit dem Gewicht –

was schwierig ist beim Körper eines

Leistungssportlers mit nur rund acht

Prozent Körperfett. Vier Kilogramm

ist er seit Frühjahr dauerhaft losgeworden

durch eine umfangreiche

Diät: Weißer Zucker wurde komplett

gestrichen, am Abend gab es keine

Kohlenhydrate mehr. Scharfe Gewürze

und Lebensmittel wie Chili

und Ingwer kurbelten den Stoffwechsel

an, dazu gab es spezielle Nah-

rungsergänzungsmittel und Stoffe

wie Jod und Bor. Stäbler musste ein

„Verbrennungsmotor“ werden, forderte

sein Ernährungsberater.

„Projekt 67“ nennt der Athlet die

Mission, die mehrere Ziele hat: Zunächst

muss er die 67 Kilogramm am

Sonntagmorgen beim Wiegen erreichen.

Dann will er in die Medaillenkämpfe,denn

damit ist ihm die Qualifikation

für Olympia sicher. Und

warum nicht gleich den vierten WM-

Titel holen?

„Der Frank fährt nicht da hin, um

Dritter zu werden“, sagt der Sportdirektor

des Deutschen Ringer-Bundes,

Jannis Zamanduridis.Sorgen um seinen

profiliertesten Kämpfer macht

sich Zamanduridis nicht, „er hat

schon mehrfach nachgewiesen, dass

er Weltklasse-Leute besiegen kann.“

Und auch, dass er schwitzen kann.

„Früher bin ich schon mal in der

Sauna ohnmächtig geworden, weil

ich einfach nicht mehr konnte. Aber

dann wurde ich mit Eiswürfeln wachgerüttelt

und weiter ging es“, erzählt

Stäbler und fürchtet:„Soextrem kann

es wieder werden. Aber wir haben ja

einen Arzt dabei.“ (dpa)

Die

Liga

zahlt

DFL begleicht Bremer

Gebührenbescheide

Die Deutsche Fußball Liga (DFL)

wird vier Gebührenbescheide

des Bundeslandes Bremen fristgerecht

begleichen –gibt sich rechtlich

aber längst noch nicht geschlagen.

Dies teilte die DFL am Dienstag mit

Blick auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes

zur Gebührenerhebung

für zusätzliche Polizeikräfte

bei Hochrisikospielen mit. DieHöhe

der Gebührenbescheide liegt bei insgesamt

1,17 Millionen Euro und soll

nun vorerst zur Hälfte von Werder

Bremen beglichen werden.

Bremens Innensenator Ulrich

Mäurer (SPD) sprach von einem

wichtigen Schritt und riet dem Bremer

Bundesligisten zugleich, sich zu

wehren und gegen das Abwälzen der

Kosten durch die DFL vorzugehen.

Die Dachorganisation erhob zeitgleich

Widerspruch gegen alle Gebührenbescheide

und behielt sich

vor, diese einzeln gerichtlich überprüfen

zu lassen. BeiWerder wurden

indes schon länger Rücklagen für

eine Beteiligung gebildet.

Die DFL teilt die Summe zunächst

wie folgt auf: Etwa die Hälfte

soll Werder zahlen, die andereHälfte

wird die DFL GmbH an den DFL

Deutsche Fußball Liga e.V. weiterreichen.

Mitglied dortsind alle 36 Klubs

der Bundesliga und Zweiten Bundesliga.

Eine eigene Kasse hat die

Dachorganisation aber nicht – die

Einnahmen werden an die Vereine

ausgeschüttet. Das DFL-Präsidium

soll nun entscheiden, wie diese

584 000 Euro aufgeteilt werden.

Neben den vier genannten Partien

steht noch für weiteredreiSpiele

in Bremen eine Gebührensumme

von insgesamt etwa 1,1 Millionen

Euro aus. Bei diesen Spielen sind

aber entweder noch keine Bescheide

versandt worden oder es steht, wie in

einem Fall, noch eine Gerichtsentscheidung

aus.

Polizeieinsatz am Weserstadion

in Bremen.

IMAGO IMAGES/NORDPHOTO

Wie die DFL mit den Gebühren

im Binnenverhältnis mitWerder Bremen

umgehe, das könne Bremen

nicht beeinflussen, sagte Mäurer.

„Indem sie die Hälfte der Summe auf

Werder Bremen abwälzt, versucht sie

Politik zu machen und den Druck

aufs Land zu erhöhen.“ Man müsse

aber nicht alles mitmachen, was die

DFL vorgebe.„Dashat unser Rechtsstreit

gezeigt“, sagte Mäurer.

Um die Erstattung zusätzlicher

Polizeikosten bei Hochrisikospielen

gibt es seit längerem Streit. Auslöser

der juristischen Auseinandersetzung

war ein Gebührenbescheid des

Landes Bremen für einen umfangreichen

Polizeieinsatz im Jahr 2015.

Im März2019 entschied das Bundesverwaltungsgericht,

dass eine Beteiligung

der Vereine bei Hochrisikospielen

grundsätzlich rechtens ist.

Rainer Wendt begrüßt die Beteiligung

von Profi-Fußballvereinen. „Es

wird höchste Zeit, dass dieser Streit

endlich beendet und nun eine bundeseinheitliche

Lösung gefunden

wird“, sagte der Vorsitzende der

Deutschen Polizeigewerkschaft der

Neuen Osnabrücker Zeitung. Es sei

positiv, dass bei der DFL „langsam

Einsicht einkehrt“, betonte Wendt,

ohne konkret auf den Widerspruch

einzugehen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 19

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Sport

Verräterische Bemerkungen

Nach dem 2:0 in Nordirland gesteht Bundestrainer Joachim Löw,dass sich der Erneuerungsprozess seines Teams komplizierter gestaltet als gedacht

VonFrank Hellmann, Belfast

Joachim Löw sah hinterher abgekämpft

aus. Möglich, dass

die grelle Beleuchtung im kleinen

Pressesaal des Windsor

Park vonBelfast ihr Übriges tat, dass

der Bundestrainer nach dem 2:0-Arbeitssieg

der deutschen Nationalmannschaft

in Nordirland nicht

mehr ganz faltenfrei wirkte. Und die

schlaffen Augen blickten auch nicht

auf die nordirischen Heldentaten,

die fast zum Händegreifen an den

Wänden prangten. Etwa der in einer

eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Aufnahme

verewigte Moment, als Gerry

Armstrong bei der WM 1982 die

„Green And White Army“ zum Siegtor

gegen Gastgeber Spanien schoss.

Nach der durch einen schönen

Dropkick von Marcel Halstenberg

(48.) und einen schnellen Konter von

Serge Gnabry (90.+2) besiegelten

0:2-Heimniederlage gegen Deutschland

sieht es allerdings so aus, dass

Nordirland mal wieder ein großes

Turnier verpasst. Eher formal handelt

es sich noch um einen Dreikampf

in der Gruppe C, aus der am

Ende die Fußball-Großmächte Niederlande

und Deutschland die Tickets

zur Endrunde der EM 2020 lösen

dürften. Löws Ensemble hat den

Anspruch mit einem nur bedingt

überzeugenden Arbeitssieg untermauert.

Doch ein „souveräner Sieg“,

den Ballverteiler Toni Kroos gesehen

haben wollte,geht eigentlich anders.

Zur Absicherung brauchte es einen

Nationaltorwart Manuel Neuer

Anstrengender Nordirland-Trip: Bundestrainer Joachim Löw.

in Topform, der beinahe schon wieder

an den Weltmeister-Neuer von

2014 erinnert, weil er mit Hand, Fuß

und anderen Körperteilen zur Stelle

ist, wenn die Vorderleute –Kroos inklusive

–mit einer zu laxen Haltung

fast hanebüchene Fehler einstreuten.

„Das war ein ganz wichtiges

Spiel für uns“, erklärte der 33 Jahre

alte Kapitän, „es war schon zu merken,

dass wir unter Druck standen.“

DefensiveZielvorgabe

Löw sah „sehr intensive, sehr

schwierige 90 Minuten“. Bei seinen

Ausführungen wirkte der neuerdings

bei Nikotin und Koffein Verzicht

übende Südbadener wie ein Belfast-

Tourist, der im St. George’s Market

nicht mehr den Ausgang findet. So

überbordend dort das Angebot, so

üppig die Schwankungsbreite seiner

Mannschaft, die sich anfangs vor

dem singenden und stampfenden

Publikum anfangs den Schneid abkaufen

ließ, weil die Verzahnung

zwischen Mittelfeld und Angriff in

dem 4-3-3-System nicht klappte.

Erst eine veränderte Raumaufteilung

führte nach der Pause zum erwarteten

spielerischen Übergewicht.

Unter dem Strich, bilanzierte

der 59-Jährige, „zählen drei Punkte

in der Quali, das haben wir erreicht.“

Aber:Dass seine Auswahl noch nicht

so weit ist wie im Frühjahr nach einem

(glücklichen) 3:2-Erfolg in den

Niederlanden gedacht, dafür mehrensich

die Indizien. „Der Wegindie

Spitze ist kein einfaches Unterfangen.

Wir haben noch einige Monate

Zeit und noch einige Länderspiele.

Im nächsten Jahr wird sich zeigen,

wo wir stehen“, konstatierte Löw.

Das Freundschaftsspiel gegen Argentinien

(9. Oktober) könnte

ebenso weitere wichtige Hinweise

liefernwie die letzten Qualifikationsspiele

in Estland (13. Oktober), gegen

Weißrussland (16. November)

und erneut Nordirland (19. November).

Verräterisch Löws Bemerkung,

Holland habe drei Jahre gebraucht,

GETTY IMAGES/GRIMM

um den aktuellen Leistungsstand zu

erreichen. Das würde heißen, dass

die EM 2020 für seinen Erneuerungsprozess

fast zu früh kommt. Nationalmannschaftsdirektor

Oliver Bierhoff

ist so klug, die Zielvorgabe trotz

des Münchner Heimvorteils auf dem

kleinsten gemeinsamen Nenner zu

verorten: „Ich glaube nicht, dass wir

zum engsten Favoritenkreis gehören.

Du kannst zum Erfolg keine Abkürzung

nehmen.“

Löw, der Fußball-Ästhet, vergleicht

den Neuaufbau inzwischen

gerne mit den Vorarbeiten der WM

2010. Damals drängte allerdings die

außergewöhnlich talentierte Özil-

Khedira-Hummels-Neuer-Generation

nach. Der Nachweis, dass die

Werner-Kehrer-Tah-Goretzka-Jahrgänge

ähnliche Anlagen fürs internationale

Topniveau mitbringen,

steht noch aus. Selbst der willensstarke

Joshua Kimmich muss trotz

aller Ansprüche erst noch zeigen,

dass der 24-Jährige führen kann wie

Philipp Lahm. Kimmichs Rückversetzung

auf die Rechtsverteidigerposition

schloss Löw übrigens aus.Der

Musterschüler bleibe auf der Sechs,

weil er für die „Symmetrie vor der

Abwehr“ sorge.

Erstaunliche Rechtfertigung

Trotzdem sah es in der Hauptstadt

Nordirlands lange recht asymmetrisch

aus.Erstaunlich, dass Löw beharrlich

das Fehlen wie Antonio Rüdiger,

Thilo Kehrer, Julian Draxler,

Leon Goretzka und Leroy Sané vortrug,

um die Unwucht zu rechtfertigen.

„Man hat in manchen Phasen

gesehen, dass die Mannschaft so

noch nicht zusammengespielt hat.“

Aber macht es wirklich so einen großen

Unterschied, ob nun Lukas Klostermann

für Kehrer,Jonathan Tahfür

Rüdiger oder Julian Brandt für Draxler

spielt? Nur der am Kreuzband

verletzte Sané besitzt eine Klasse mit

Alleinstellungsmerkmal.

Manche Argumente klangen von

Trainerseite an diesem windigen

Abend ein wenig vorgeschoben.

Aber auch das kann ja beim Umbruch

irgendwie dazugehören. Oder

einfach der Müdigkeit nach einem

anstrengenden Nordirland-Trip geschuldet

sein.

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Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 – S eite 20

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Sport

Nationalmannschaft

Die Bundesliga

als Ablenkung

Frank Hellmann

stellt die Qualität des deutschen

Fußballs infrage.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Diese von Sepp Herberger vorgebrachte

Binse hat nichts von ihrer

Aktualität eingebüßt. Wann haben

deutsche Nationalspieler so schnell

ein Länderspiel abgehakt, um den Fokus

auf den Vereinsalltag zu lenken

wie am Montagabend in Belfast? Julian

Brandt und Marco Reus, Marcel

Halstenbergund SergeGnabryübten

sich alsbald in gegenseitigen Sticheleien

über den bevorstehenden Bundesliga-Spieltag.

Teilweise standen

die Protagonisten vor laufender Kamerawenige

Meter auseinander.Der

Zufall will es so, dass am Sonnabend

erst Borussia Dortmund gegen Bayer

Leverkusen, dann RB Leipzig gegen

Bayern München antritt. Man sieht

sich also schnell wieder.

Brandt im neuen BVB-Dress gegen

seinen alten Leverkusener Kumpel

Kai Havertz: Das ist ein komisches

Gefühl für den Blondschopf, der gegen

Nordirland Werbung in eigener

Sache betrieb. Was wiederum Leipzigs

Torjäger Timo Werner nicht gelang,

der allen Skeptikern seiner Verpflichtung

in München neue Nahrung

lieferte. Immerhin kündigte

Werner forsch an, seine in den EM-

Qualifikationsspielen aufgetretene

Torpause gegen die Bayern umgehend

zu beenden. Gnabry flüsterte

noch im Windsor Park dem ersten

deutschen Torschützen Halstenberg

zu, auch dem Tabellenführer jetzt„einen

reinzuhauen“. Mitunter wirkten

diese Doppelpässe in der Mixed Zone

eingespielter als die Kombinationen

auf dem Platz.

Ein Ablenkungsmanöver waren

diese Themen allemal. Die Nationalmannschaft

braucht viel Geduld bei

dem Wegzurück an die Weltspitze.

Grundsätzliche Debatten über den

Leistungsstand sind da vielleicht lästig.

Allemal leichter, sich am Brotund-Butter-Geschäft

Bundesliga zu

berauschen, das zuerst von der Binnenbetrachtung

lebt. Bundestrainer

Joachim Löw hat zuletzt angedeutet,

dass ihm einiges an der verklärten

Sichtweise hierzulande nicht gefällt.

Zu viel Pressing, zu wenig Kreativität?

Zu viel Taktik, zu wenig Automatismen?

Darüber wirdLöw irgendwann

noch sprechen.

Frappierend ist ja, dass Reus,

Deutschlands Fußballer des Jahres,

mit seiner Raffinesse in der Liga oft als

Unterschiedsspieler auftaucht, dann

aber im Nationalteam bis zur Unkenntlichkeit

abtaucht. UndLeipzigs

Werner kann zwar den einen Freitag

Gladbacher Gegenspielern enteilen,

nicht aber den anderen Freitag niederländischen

Weltklasseverteidigern.

Insofern ganz gut, dass dem

vierten Spieltag gleich die ersten Aufgaben

in Champions League und Europa

League folgen. Als echter Gradmesser

für die Wettbewerbsfähigkeit

des deutschen Fußballs. Nach dem

Spiel ist vordem Spiel.

Sich selbst manchmal ein Rätsel:

Marco Reus.

GETTY IMAGES/GRIMM

Der Weisheit letzter Schuss

Zwei Berliner Teams in der

Bundesliga, zwei Kenner des Berliner Fußballs:

Michael Jahn und

Andreas Baingogeben

immer mittwochs ihre Expertise ab.

Michael Jahn für Hertha BSC, seine Hertha,

die er seit mehr als zwei Jahrzehnten

als Reporter begleitet.

Und Andreas Baingofür den 1. FC Union,

seine Eisernen, für die er selbst früher am Ball war.

Vordem vierten Spieltag geht es um Stimmungen:

Einerseits im Stadion, andererseits im Team.

So stark sind die

Blau-weißen mental

VonMichael Jahn

Ganz ehrlich: Ich schaue

mit Bauchgrummeln auf

das Spiel zwischen

Mainz 05 und Hertha

BSC. Am Sonnabend trifft der Tabellenletzte

Mainz auf den Vorletzten

aus Berlin. Was Hertha bislang gezeigt

hat, ist für mich noch kein Beinbruch,

aber die zwei heftigen 0:3-

Niederlagen zuletzt schufen eine

prekäre Situation, die sich bei einer

weiteren Pleite in Mainz zu einer

handfesten Krise ausweiten könnte.

Wasalso tun? Wiegegensteuern?

Trainer Ante Covic

sagt: „Wenn du wie wir

acht Gegentore indrei

Spielen bekommen

hast, brauchst du eine

gewisse Stabilität auf

dem Spielfeld und

Mentalitätsspieler.“

Genau. Doch was

zeichnet Profis aus,die

als Mentalitätsspieler

tituliert werden und

die in komplizierten

Situationen ganz besonders

begehrtsind?

Ich habe mir Antworten

vonGerdDriehorst

geholt. Heute 57,

war er 1998 der erste

Mentalcoach bei Hertha

und auch der erste

„Doch

diese Typen

sind im

aktuellen

Kader von

Hertha BSC

eher rar

gesät.“

offizielle Mentaltrainer

in der gesamten Bundesliga. Der

damalige Manager Dieter Hoeneß sicherte

sich die Dienste des anfangs

geheimnisumwitterten Mannes, eines

studierten Germanisten und

promovierten Philosophen. Trainer

Jürgen Röber tolerierte dessen wertvolle

Hilfe im Hintergrund, die damals

viele Profis in Anspruch nahmen.

2004 endete die Zusammenarbeit.

Driehorst berät Führungskräfte

aus Wirtschaft und Politik.

Er sagt: „Mentalitätsspieler besitzen

eine hohe Widerstandskraft. Sie

bringen unabhängig von den Rahmenbedingungen

ihre Leistung auf

dem Platz. Siehaken Fehler sofortab

und sind schnell wieder fokussiert.

Sielieben Druck, spielenhäufig sehr

körperlich.“ Für Driehorst waren

Tennis-Ass Boris Becker oder Fußball-Profi

Matthias Sammer großartige

Mentalitätsspieler.

Driehorst glaubt, der Auftakt

beim FC Bayern (2:2) habe sich als

Ballast erwiesen, weil sich viele Spieler

in Sicherheit und auf dem richtigenWeg

wähnten. Für Driehorst war

der Druck auf Trainer und Team vor

Saisonbeginn sehr hoch, weil Manager

Michael Preetz über mehr Geld

auf demTransfermarkt verfügte als je

zuvor und höhere Ziele formuliert

wurden. „Jetzt muss man vom Ziel

abrücken, attraktiven Fußball zu bieten,

und Punkte holen. Man muss

den Druck herausnehmen, was die

Ansprüche betrifft.

Vorerst jedenfalls“,

sagt Driehorst: „Jetzt

bräuchte man mehrere

Profis vom

Schlage eines Pal Dardai.

Der war ein toller

Mentalitätsspieler.“

Doch diese Typen

sind im aktuellen Kader

eher rar gesät. Die

Hoffnungen ruhen auf

Zugang Marius Wolf,

dem eine starke Mentalität

nachgesagt

wird. Für mich passen

in diese Kategorie

auch Vedad Ibisevic

und PerSkjelbred.

Und der Trainer?

Driehorst hält Covic

für kommunikativ,

eloquent, „aber der Stress für ihn ist

in der Bundesliga ungleich höher

und intensiver als etwa in der Regionalliga.

Dort war wenig Druck vorhanden.“

Derauf Rhetorik, Kommunikation

und Konfliktbewältigung

spezialisierte Mentalcoach empfiehlt

Covic eine klareAnsprache ans

Team, „entschlossen und mit einer

gewissen Distanz, aber natürlich

kann er einen Spieler auch mal in

den Arm nehmen.“ Driehorst sagt:

„Ich hoffe, Covic strahlt weiter Energie

aus, kann dem Team schnell den

Punch zurückgeben, dann könnte

die im Moment schwierige Situation

schnell vergessen sein“.

Driehorst liegt verbale Einmischung

in das Geschehen bei Hertha

fern. Ichhabe ihn um seine Meinung

gefragt. Diehalte ich für interessant.

So rot-weiß kann

die Nationalelf sein

VonAndreas Baingo

Ein wenig durchgeatmet haben

sie alle in Köpenick.

Das war für die meisten

notwendig nach den turbulentenTagen

mit dem Startindie historische

erste Bundesligasaison und

vor allem nach dem grandiosen 3:1

gegen Borussia Dortmund.

Im großen Fußball, und dortsind

die Eisernen ja nun angekommen,

gab es in der EM-Qualifikation der

Deutschen gegen die Niederlande

und in Nordirland Anschauungsunterricht

auf höchster Ebene. Inzwischen

dürfen die Männer

aus der Alten Försterei

mit anderen Augen

auf die Elf von

Bundestrainer Joachim

Löw schauen.

Gegen die Leipziger

Timo Werner, Marcel

Halstenberg und Lukas

Klostermann haben

sie selbst gerade

gespielt, gegen die

„Warum

nicht auf den

Geigen spielen,

die derzeit

am Himmel

über der

Alten Försterei

hängen.“

GETTY

Dortmunder Marco

Reus und Julian

Brandt auch. Es ist ein

Traum, aber es ist Alltag.

Auch wenn sich

Fußball-Deutschland

an neue Namen gewöhnen

muss. AnRafal

Gikiewicz, Christopher

Trimmel, Sebastian

Andersson und Sheraldo Becker

sowieso, aber auch an Christopher

Lenz, an Marvin Friedrich und nicht

minder an Marius Bülter.

Nun mag mancher, vor allem

wenn er eingefleischter Fander Köpenicker

ist und den Triumph gegen

den BVB vor Augen hat, beim Blick

auf Jogis Jungs und bei einigen Aktionen,

die vor allem beim 2:4 gegen

Oranje holprig daherkamen, gedacht

haben: Das konnten die Fußball-Götter

aus der Wuhlheide zuletzt

aber besser. Ball flach halten,

Leute,bloß nicht übermütig werden.

Lieber den Augenblick genießen und

ja nicht die Bodenhaftung verlieren!

Andererseits, nicht in den falschen

Hals bekommen, denn das hat

viel mehr von einem Traum als von

der Realität: Es hat, gerade in Umbruchphasen

wie dieser, Nationalspieler

gegeben, die sozusagen aus

dem Nichts gekommen sind. Es hat

sogar welche gegeben, die waren Nationalspieler

und kamen erst dann

zu ihrem Erstligadebüt. In der DDR

war Konrad Weise aus Jena so einer,

später ein Vorstopper von Weltklasse,der

bei der WM 1974 im einzigen

deutsch-deutschen A-Länderspiel

mit Gerd Müller den „Bomber

der Nation“ an die Kette gelegt hat.

Allerdings stammt sein Coup aus einer

anderen Zeit, von 1970 nämlich.

Nur: Dashatte fünf Jahrezuvor nicht

einmal Franz Beckenbauer geschafft,

er kam nach

sechs Einsätzen in der

Bundesliga zu seinem

ersten Länderspiel.

Wenn schon die gesamte

Saison ein

Traum in Rot-Weiß ist,

warum nicht mal auf

den Geigen spielen,

die derzeit am Himmel

über der Alten

Försterei hängen?

Oder zumindest zaghaft

ein paar Saiten

zupfen? Wäre esnicht

sogar der logische

nächste Schritt, dass

die Eisernen selbst einen

deutschen Nationalspieler

aus dem

Hutzaubernkönnten?

Der bislang letzte war

war Ralf Sträßer vor33Jahren. Klarer

Fall von Utopie, ich weiß. Aber war

das mit dem Aufstieg in die Bundesliga

bis zum 27. Mai nicht auch so?

Dabei hat es in Berlin, wenn auch in

Charlottenburg, erst 2002 einen gegeben,

der nach nur zwei Bundesligaeinsätzen

im A-Team auftauchte.

Auch er kamgerade aus der Zweiten

Liga, hieß mit Vornamen Arne und

ansonsten so wie Sie, Marvin, nämlich

Friedrich. Und auch erwar, gewiss

alles nur Zufall, Verteidiger.

Ichhoffe,mit mir galoppieren die

Pferde nicht zu sehr durch. Erst einmal

kommt am Sonnabend Werder

Bremen. Allein diese Aufgabe ist anspruchsvoll

genug und verlangt den

ganzen Kerl. Geträumt werden darf

aber auch da. Allerdings nur vonden

nächsten drei Punkten.

Update

vom

Teamplayer

Unions Andersson ist bereit,

sein aktuelles Glück zu teilen

VonPatrick Berger

Nein, mit den Sozialen Netzwerken

hat sich Sebastian Andersson

noch nicht so richtig angefreundet.

DerSürmer des 1. FC Union hat

zwar einen eigenen Instagram-Account,

den er auch selbst betreibt,

dem auch über 4000 Menschen folgen,

doch eine Regelmäßigkeit hat

sich noch nicht in seine Posts eingeschlichen.

Nach dem fulminanten

3:1 gegen Borussia Dortmund lud

Andersson erstmals nach elf Monaten

mal wieder ein Foto von sich

hoch, schrieb dazu:„Viel passiertseit

meinem letzten Update.“ Den Satz

garnierte er mit einem Lachsmiley.

Ein Bild im blau-gelben Dress der

schwedischen Nationalmannschaft

sollte wenige Tage später folgen.

Er sei nicht so der Öffentlichkeitstyp,

sagt Andersson auf Nachfrage.

„Ich war an dem Punkt, an dem ich

mir die Frage stellte: Lösche ich

meine Accounts nun oder versuche

ich es noch einmal?“ Jetzt habe er

sich, obwohl er grundsätzlich sein

Privatleben schützen möchte, für

letzteres entschieden. „Mal sehen,

ob ich dranbleibe.“

Die Fans wünschen sich das,

schließlich ist der 28-Jährige einer

der Aufstiegshelden und zudem

auch noch der einzige aktiveA-Nationalspieler

in Köpenick. Am Sonntag

kam der Mittelstürmer nämlich

zu seinem sechsten Länderspieleinsatz.

Beim 1:1 in der Qualifikation

zur Europameisterschaft 2020 gegen

Nachbar Norwegen brachte ihn Nationaltrainer

Janne Andersson, 56, in

der Schlussviertelstunde. „Ein Sieg

wäre schon gut gewesen“, sagt Andersson

schmunzelnd, „es wäre

nämlich nicht so schön, wenn Norwegen

am Ende zur EM geht und wir

nicht.“ In der Gruppe Fstehen die

Schweden auf dem zweiten Platz

hinter Spitzenreiter Spanien, aber

zwei Zähler vorNachbar Norwegen.

Starallüren? Vonwegen!

Starallüren hat der bescheidene

Blondschopf trotz seiner erneuten

Berufung in die Auswahlkeineswegs.

„Ich denke nicht, dass wir Stars im

Team haben. Wir sind eine Mannschaft

mit vielen guten Spielern.“ Er

gibt aber auch zu, dass ihm der Aufstieg

der Eisernen freilich geholfen

habe. „Beim letzten Lehrgang im

Juni kam ich nicht zum Einsatz, jetzt

habe ich gespielt. Die Bundesliga ist

natürlich attraktiver und mit Blick

auf die Nationalmannschaft auch

bedeutender.Duhast mehr Einsatzchancen,

wenn du dortspielst.“

Am Sonnabend dürfte der 1,90

Meter große Mittelstürmer gegen

Werder Bremen (15.30 Uhr) zu seinem

vierten Bundesligaspiel kommen.

Seine Ansage: „Ich bin sehr zufrieden

mit unserem Start und meinen

beiden Toren. Jetzt will ich aber

mehr!“ Mal sehen, ob hinterher das

nächste Foto auf Instagramfolgt.

Gelb-Blau statt Rot-Weiß: Andersson

stürmt für Schweden. IMAGO IMAGES/BILDBYRAN


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Peter Uehling enthüllt

den Geheimschwerpunkt

des Musikfests

Seiten 24, 25

„Die Arbeit als solche macht mich eher alt.“

Iggy Pop hat ein neues Album herausgebracht und spricht mit Katja Schwemmers über Mühen und Freuden des Lebens Seite 23

Literaturfestival

Enttäuschte

Hoffnungen

Susanne Lenz

über die Kritik an Eröffnungsrednerin

Petina Gappah

AmMittwochabend wird das Internationale

Literaturfest Berlin

(ILB) von der simbabwischen Autorinund

Juristin Petina Gappah eröffnet,

deren jüngstes Buch „Aus der

Dunkelheit strahlendes Licht“ gerade

bei Fischer erschienen ist. Das

ILB legt wert darauf, Autorinnen und

Autoren einzuladen, die den Menschenrechten

verpflichtet sind. Am

Dienstag jedoch schrieb die Süddeutsche

Zeitung über die Beratungstätigkeit

Gappahs für den simbabwischen

Präsidenten Emmerson

Mnangagwa, der RobertMugabe aus

dem Amt putschte. Anfang des Jahresließ

er Soldaten auf Demonstranten

schießen, seitdem gilt er vielen

als kaum besser als der einstige Dikator.

Hat das Festival nicht gründlich

recherchiert?

Dessen Leiter Ulrich Schreiber

sieht das Problem, er gibt aber zu bedenken,

dass Petina Gappah, als sie

sich bereit erklärte, die Regierung zu

beraten, an einen Neuanfang in ihrem

Land glaubte. „Man muss die

Spannung, in der sie lebt, in Gänzeerfassen.“

Er stehe zu der Entscheidung,

sie einzuladen. Als ihr Vertrag

mit der Regierung vor zwei Wochen

endete,habe sie ihn nicht verlängert.

Auf Facebook gab sie damals ihrer

Frustration über die Lage im Land

Ausdruck: „Ich habe jetzt verstanden,

dass die Reform das Letzte ist, was

viele wollen. Sie denken nur, dass sie

endlich an der Reihe sind, zu essen.“

Es ist aus der Entfernung schwer,

sich eine Meinung über Gappahs Arbeit

in Simbabwe zu bilden, und je

nachdem, wie diese ausfällt, über ihren

Auftritt beim ILB zu urteilen. Sie

selbst hat aus ihrer Tätigkeit für das

Regime nie ein Hehl gemacht. Erst

vor ein paar Tagen, anlässlich von

Mugabes Tod, hat sie sie in einem Artikel

im Guardian erwähnt und

Mnangagwa sowohl kritisiert als für

manches auch lobt. Vielleicht ist es

eine Geschichte enttäuschter Hoffnungen,

die man hier erzählen

muss. Und dass sich die Welt oft

nicht so einfach in Gutund Böse einteilen

lässt.

Menschen im Bus.

Eine Aufnahme aus

RobertFranks

„The Americans“,

NewOrleans,

1956

FOTOSTIFTUNG SCHWEIZ,

Bilder,die sich wie Gedichte lesen

WINTERTHUR/ROBERT FRANK

Der schweizerisch-amerikanische Fotograf Robert Frank ist im Alter von 94 Jahren gestorben

VonIngeborg Ruthe

Fotos oder Bücher mit Fotos,

sagte der schweizerischamerikanische

Weltbeobachter

Robert Frank,

seien „Blicke zurück in eine entschwundene

Zeit undWelt“. Aber,beeilte

er sich hinzuzusetzen: „Das Einzige,was

mich interessiert, ist, was ich

zuletzt gemacht habe.“

Irgendwann hat RobertFrank aufgehört,

seine Fotos zu ordnen. Es sind

zu viele geworden in über 70 Jahren,

in denen er rastlos die Orte wechselte:

Zürich, New York, der Westen der

USA, schließlich Kanada. Geboren

1924 in Zürich, 1947 in die USA ausgewandert,

zuerst Modefotograf,

dann immer mehr politischer Fotoreporter

und schließlich eine Art spröder

Lyriker der Fotografie, war ein

ganz Besonderer seines Metiers: Es ist

da immer ein Widerspruch zwischen

Kontemplation und Unruhe, von

Neugier und Melancholie in den Fotos

und Filmsentenzen dieses Europäers

in Amerika.

Alles ließ er fließend werden: Realität

und Fiktion, Öffentliches und

Privates, sentimentale Nähe und ironische

Distanz. Und wenn Henri

Cartier-Bresson als Klassiker der Fotografie

des 20. Jahrhunderts gilt,

dann ist Robert Frank der Revolutionär

dieser Ära. Mitseinem Buch „Die

Amerikaner“, 1958 in Paris erschienen,

begann eine neue Epoche der

Fotografie. Inden USA wollte es zunächst

niemand drucken –zuschonungslos

ehrlich, zu düster-poetisch

war Franks Blick auf die USA. Jack Kerouac,

Poet der Beat Generation,

schrieb imVorwort:„RobertFrank hat

aus Amerika ein trauriges

Gedicht gesogen

und es auf Film gebannt,

damit einen

Platz unter den tragischen

Dichtern der

Welt errungen.“

Eine USA-Reise

1955/56 erbrachte die

Fotos zum Buch; es erschien

1959 auch in den

USA. Frank zeigt darin

das Amerika der kleinen

Leute: hastige Esser

in Schnell-Restaurants, tödliche Verkehrsunfälle.

Man sieht triste Tankstellen,

Imbissbuden, Telefondrähte,

Jukeboxen, Fernstraßen, geflickte

Flaggen und zerstrittene Rassen –alles

eine verblüffende USA-Bestandsaufnahme

aus dem skeptischen

Blickwinkel des Schweizers. Frank

legte kaum Wert auf technische Perfektion

und ästhetische Regeln: Die

Bilder haben Unschärfen, Köpfe und

Körper sind angeschnitten, aber von

RobertFrank

(1924 –2019)

28 000 Negativen benutzte er nur 83.

Nach dem Buch drehte er vor allem

Filme. Viele haben, wie auch späte

Fotos, einen Bezug zum eigenen Leben.

Etliche sind den verstorbenen

Kindern gewidmet –Dokumente der

Trauer.Tochter Andrea kam 1974 bei

einem Flugzeugabsturz ums Leben,

der kranke Sohn Pablo brachte sich

1995 um. 1972 drehte

Frankden kaum gezeigten

Film „Cocksucker

Blues“ –über die USA-

Tournee der Rolling

Stones,ein wildes Stück

Kino –gigantische Bühnenkraft,

hinter den

Kulissen Drogen, Sex,

LUKAS LEHMANN

Selbstzerstörung.

Franksagte oft, man

solle seine Bilder „wie

ein Gedicht lesen, aber

jede Zeile zweimal.“ In

ihnen verschwindet das Außen oft

hinter Fensterscheiben oder in Spiegelbildern.

Manchmal schrieb er in

die Bilder hinein oder er zerkratzte

Negative, machte daraus Collagen.

Wichtige Fotokritiker bescheinigten

Frank, der sich um 1985 mit den ostberliner

Fotografen Arno Fischer und

Sibylle Bergemann eng befreundet

hatte, einen „Widerstand gegen das

absolute Einzelbild, gegen eine lineare

Erzählweise. Zwischen seinen

Fotos und Filmen gibt es viele Parallelen.

Diese Bildsprache der riskanten

Perspektiven, der angeschnittenen

Gesichter, Unschärfen und Überblendungen

hat gewissermaßen erstmals

die Schnappschuss-Methode

mit klassischen Kompositionsprinzipien

verbunden. Und er machte

durch die Erfahrung mit dem Film

und seiner Orientierung an Godards

Schnitten die Fotomontage zum Bildprinzip.Esgibt

in Franks Motiven keinen

Stillstand. Paradox, schließlich

hält Fotografie bekanntlich für Momente

die Zeit an. Diese Funktion

wird bei ihm gründlich demontiert:

So gut wie keines seiner Fotos ist frontal

komponiert. Alles ist in Bewegung:

Leute,die über die Straße rennen, ein

LKW, der aus einer dunklen Garage

ins Licht fährt.

Anekdoten finden in solchen Konstruktionen

keinen Halt. In krakeligen

Buchstaben hat Frank Kryptisches

hineingeschrieben, Halbsätze

wie„Keine Furcht“ oder„diese Angst“

schweben frei zwischen dem Fotopapier

und dem Auge des Betrachters.

Nun ist Robert Frank in Inverness in

der kanadischen Provinz NovaScotia

im Alter von94Jahren gestorben.

Am Donnerstag eröffnet 19 Uhr eine große

Robert-Frank-Retrospektiveunter dem Titel

„Unseen“ im C/O Berlin im Amerika-Haus

NACHRICHTEN

Millionen sehen Rap-Video

über Misstände in der Türkei

EinRap-Video mit dem Titel„Ich

kann nicht schweigen“ hat in derTürkei

für großes Aufsehen gesorgt. Rund

17 Millionen Nutzer riefen den Song

innerhalb vonfünf Tagen auf der

PlattformYouTube auf.„Das ganze

Projekt hat sich zu einem Sprachrohr

für die Menschen im Land entwickelt.

DieLeute habendie Schnauzevoll“,

sagte der in Berlin geborene Rapper

Fuat Ergin (46) − derandem Projekt

beteiligt war.Regierungsnahe Medien

kritisierten dasVideo scharf. 18

Musiker um den Rapper Saniser singen

unter anderem über Missstände

in der Politik. (dpa)

Die Lochis fühlen sich nicht

ernstgenommen

Dasdurch YouTube bekanntgewordene

Zwillingsduo DieLochis stört

es,von einigen als Musiker nicht

ernstgenommen zu werden. „Es ist

unser drittes Studioalbum, wir warenfünfmal

auf großer Tour und

schreiben mittlerweile auch Songs

für andere. Dasmüsste eigentlich

Beweis genug sein, dass wir nicht

nur irgendwelche Influencer sind,

die auf einmal Musik machen“, sagte

Roman Lochmann der Deutschen

Presseagentur.Die hessischen Zwillingsbrüder

Heiko und Roman Lochmann,

die an diesem Freitag ihr Album

„Kapitel X“ veröffentlichen,

wollen demnächst das Lochis-Kapitel

beenden und ihren Kanal auf der

Videoplattformmit 2,7 Millionen

Abonnenten schließen. (dpa)

Europäische Filmakademie

ehrt„Babylon Berlin“

DieEuropäische Filmakademie

(EFA) zeichnet die Macher der

Fernsehserie„Babylon Berlin“ aus.

Die RegisseureTom Tykwer, Henk

Handloegten und Achim von Borries

sollen am 7. Dezember in Berlin

einen Europäischen Filmpreis

bekommen. Ausgezeichnet werden

sie in einer neuen Preiskategorie

für erfolgreiche Serien, wie

die Akademie am Dienstag ankündigte.

Der Europäische Filmpreis

wird jährlich wechselnd in Berlin

und einer anderen europäischen

Stadt vergeben. (dpa)

UNTERM

Strich

Unsere Lehrer

Frau Werlitz:

Geschichte

VonUlrich Seidler

Wer das gemacht hat, fliegt von der

Schule“, drohte unsereGeschichtslehrerininder

elften Klasse.Und sie frischte die

Erinnerung an sechs Schüler auf, die ein Jahr

zuvor,imHerbst 1988 vonder Meinungsfreiheit

Gebrauch machen wollten und relegiert

wurden. Frau Werlitz wollte uns klarmachen,

dass man an der Erweiterten Oberschule

„Carl von Ossietzky“ nicht lange fackelte.

Wobei der damalige Rauswurf, der als

„Ossietzky-Affäre“ in die Zeitgeschichte einging,

eine Welle der Solidarität auslöste und

die sechs vonder Schule Geflogenen in unseren

Augen zu Helden machte. Und dass es

Philipp Lengsfeld im Zuge der Affäre nach

London verschlug, erhöhte sein Ansehen natürlich

noch umso mehr.

Ich selbst hatte erst nach dem Verfassen

von unzähligen Eingaben, die mir damals

kämpferisch erschienen, sich heute wie Unterwerfungsfloskeln

lesen, auf eine EOS gedurft.

An meinen Zensuren hatte es nicht gelegen.

Allerdings war meine Persönlichkeit

als nicht reif und mein Klassenstandpunkt

als nicht gefestigt genug für eine weiterführende

Schulbildung eingeschätzt worden.

Ichhatte mich bereits für eine Ausbildung als

Laborant und Schaufensterdekorateur beworben,

als das Schulamt Gnade walten ließ.

Jetzt fand ich mich also doch an der Ossietzky-Schule

wieder −voller Vorfreude auf

das wilde Abiturientenleben, das dann noch

viel wilder wurde. Den Sommerurlaub hatte

ich mit meiner Familie im Baltikum verbracht,

wo gegen den Hitler-Stalin-Pakt demonstriert

wurde und Freunde ohne vorgehaltene

Hand von der bevorstehenden Wiedervereinigung

Deutschlands sprachen. Das

NADIA BUDDE

war in unseren Augen natürlich undenkbar,

aber die Leute auf der Straße,die Freiheit der

Diskussion über die Verbrechen des Stalinismus

−das ließ uns euphorisch werden.

Als Frau Werlitz nun so unverhohlen mit

der Relegation drohte,bekam ich Angst. Aber

auch eine prickelnde Wut. Wir hatten nichts

Unrechtes getan! Sondernlediglich die Menschenrechtserklärung

der Vereinten Nationen

vervielfältigt, und zwar mit einem Nadeldrucker,

der an einen PC angeschlossen

war (der Vater einer Freundin war so modern

ausgerüstet). Der Drucker war die ganze

Nachtgelaufen, um 50 Kopien der Erklärung

auf gelochtes Endlospapier zu rattern. Wir

hatte die Kopien getrennt, gestapelt und

heimlich im Schulgebäude ausgelegt. Die

DDR war seit 1973 UN-Mitglied und pfiff auf

Reise-, Meinungs-, Versammlungs- und

Pressefreiheit. Da stand es: schwarzauf weiß

(oder eher grau auf gelblich). Eine Provokation!

Frau Werlitz sprang voll darauf an und

ließ sich zu besagtem Machtspruch hinreißen.

Ichschwitzte.Aber selbst wenn sie rausfänden,

wer eswar, sie würden uns sicher

nicht vonder Schule schmeißen. Oder?

Es war eine Geste der Verzweiflung. Frau

Werlitz lehrte seit Jahren die siegreiche Historie

der Arbeiterklasse und der Sozialistischen

Einheitspartei, sie hat wohl gespürt, dass ihre

Geschichtslehrerinnenexistenz gefährdet

wäre, wenn das System zusammenbräche.

Ein paar Wochen gingen ins Land, und eben

das geschah. Es wäre nur gerecht gewesen,

wenn nun Frau Werlitz von der Schule geflogen

wäre. Aber sie unterrichtete weiter, verzagt

und verstörtvon den historischen Ereignissen,die

ihrer Lehrewidersprachen. Wo lag

der Fehler? Siebegann vonvorn, und wir stellten

im Unterricht gemeinsam fest, dass es

nicht uninteressant war,sich mit der Menschwerdung

des Affen zu beschäftigen.


22 Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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Feuilleton

Göran Gnaudschun: „Marta,

TorSapienza“, 2017 GAL. POLL

Anne Collier:„Woman Crying

(Comic)# 19“, 2019 GALERIE NEU

Luo Yang: „FridayNight Positions“ im Migrant Bird Space auf der Kunstmesse Positions. PEKING COUPLE 2011 Verwandlungsmeister BjörnMelhus im Schlafanzug auf Raumstation im Kindl-Zentrum. B.MELHUS/VG BILDKUNST 2019

Der Rhythmus von Berlin

Hunderte Ausstellungen, urbane Utopien, Messen im Flughafen Tempelhof –die Art Week 30 Jahre nach dem Mauerfall erweist sich als Energiezentrum

VonIngeborg Ruthe

Die schiereMasse an Kunst

erschlägt einen fast. Aber

gerade so wirdder Kunst-

Rhythmus der Stadt

spürbar, als Energiequelle für Kreativität,

das seit 30 Jahren zitierte, nicht

zu unterschätzende Kapital Berlins.

Wie esaussieht, bleibt bei dieser

achten Berlin Art Week kaum ein

Fleckchen der Stadt unberührt. Von

Gegenwartskunst wohlgemerkt, selten

lukullisch, dafür zumeist vongesellschaftspolitischer

Relevanz, konzeptuell

oft, komplex, diskursiv, an

der Grenze zuanderen Disziplinen

und Medien. Zudem mit Theorien

untersetzt, gar überlagert.

AufAugenhöhe

Zeitgenössische Kunst ist eben nicht

mehr beim bloßen Flanieren zu konsumieren.

Interaktion mit dem Publikum

ist gefordert, das kann auch

anstrengend sein. Junge Kunst will

zumeist nicht mehr die Verbeugung

vor dem Genie. Sie entsteht projektbezogen,

oft im Team, sie möchte

herausfordern, sucht Augenhöhe

mit Betrachtern.

So jedenfalls ticken in der Mehrzahl

Künstlerinnen und Künstler,die

von hier stammen oder aber aus allen

Richtungen der Windrose nach

Berlin gekommen sind –auf Zeit, für

ein paar Jahre. Für immer.

Kultursenator Klaus Lederer betont

denn auch zum Auftakt die „gesellschaftliche

Relevanz“, den „Umgang

der Stadtgesellschaft“ mit ihrem

sich so rasant verändernden

Stadtraum und den Einwohnernseit

dem Fall der Mauer.Die Veranstalter

– die senatseigene Kulturprojekte

GmbH, Galerienvereinigungen, 17

Museen und Kunstinstitutionen, 20

Projekträume, 15inzwischen in Berlin

angesiedelte Privatsammlungen

mit zumeist eigenen, für den öffentlichen

Publikumsverkehr offenen

Häusern und musealen Ausstellungen,

dazu die Messen Art Berlin und

Position mit 200 beteiligten Galerien

aus aller Welt –haben sich auf einen

Nenner geeinigt: Gemeinsam Hürden

zur zeitgenössischen Kunst abzubauen.

Kunst soll, das ist der Ehrgeiz,

als selbstverständliches,demokratisches

„Lebensmittel“ in den

Köpfen eines breiteren Publikums

verankert werden. Dies eben nicht

als Zuwendung an Eliten, auch nicht

als Sahnehäubchen auf der Torte.

In Einzel- und Gruppen-Ausstellungen

bekannter Künstlerinnen

und Künstler, Projekten im öffentlichen

Raum, wie etwa dem spannenden,

kollektiv orientierten Zukunftslabor

„Statista“ im derzeit noch der

Generalsanierung harrenden Haus

der Statistik nahe dem Alexanderplatz,

werden Mauerfall und Zukunftsplanungen

mit breiter Partizipation

zum Thema Nummer eins.

Voretlichen Jahren noch gab es,

auch in dieser Zeitung, mannigfache

Kritik an der Tatsache, dass die

Kunstkräfte unserer Stadt viel zu wenig

miteinander kommunizieren,

dass jeder lieber seins machte, Termine

selten abgesprochen wurden,

dadurch Energien verpufften.

Leute erreichen

Diese Zeiten sind vorbei, wie man an

dieser ArtWeek sehen kann. DasPotenzial

wird gebündelt, der Kunst-

Auftritt wirkt geradezu flächendeckend,

die Kulturpolitik stellt sich sogar

voran–die Senatsverwaltung für

Kultur und Europa sowie die für

Wirtschaft, Energie und Betriebe mit

der Gasag als Mäzen.

Gefördert werden diesmal mit

37 000 Euro 20 Projekträume, Geld

für die nicht etablierte Kunstszene.

An allen 20 Orten (www.projektraeume-berlin.net)

wird ausgestellt.

Und: Es gebe innerhalb aller Kunstkräfte

eine spürbare Verständigung

darüber,sobetont Kultursenator Lederer,

„dass wir mit der zeitgenössischen

Kunst viel mehr Leute erreichen

können.“ Er meint damit alle

Altersklassen, deren Neugier, Interesse.Und

die Akzeptanz.

So viel wie nie zuvor auf einer der

allherbstlichen Art Weeks dominieren

Fragen und Ideen zu Stadtentwicklung,

zum Erhalt kultureller

Freiräume das Programm. Letzteres

wird gefördert mit dem VBKI-Preis

der Berliner Galerien. Vier junge Galerien

stehen auf der Short-List, der

Sieger wirdmit 10 000 Euro bedacht.

Und drei weitere Preisverleihungen

markieren nach den Jury-Entscheidungen

Berlins Kunstwoche: der

Project Space Award, der Berlin Art

Prizeund der Preis der Nationalgaleriefür

jungen Kunst.

Selbstredend stehen im Mittelpunkt

der Art Week traditionell die

beiden Messen art berlin (mit dem

Partner Koelnmesse) sowie Positions

Berlin Art Fair auf dem Gelände des

ehemaligen Tempelhofer Flughafens

(ab 12. bis 15. September in den Hangars

5und 6, Informationen: artberlinfair.com

und www.positions.de).

An diesem atmosphärisch so besonderen

Orterwartet das Publikum

ein –vom Land allerdings finanziell

nicht geförderter –anspruchsvoller

Kunst-Markt mit neuesten Produktionen

aus internationalen, nationalen

und regionalen Ateliers und

Werkstätten. Art-Berlin-Chefin

Maike Cruse verrät schon mal so viel:

Manhabe sich Messeformate ausgedacht,

die jungen Galerien eine

günstige Plattformstatt der teureren

Kojen bieten und zudem junge

Sammler, gerade Anfänger mit kleinem

Budget, anziehen. Etwa einen

„Salon“-Bereich mit kleinen Flächen

und Ständen zu Sonderkonditionen.

Und ebenso bilden die zahllosen

Ausstellungen in Berliner Museen,

sämtlichen Kunstinstitutionen,

kommunalen und kommerziellen

Galerien den Kern dieser Art Week.

Allen voran beginnt am 12. September

im Martin-Gropius-Bau, Haus

der Berliner Festspiele, „Walking

Through Walls“. Diese Schau an einem

Ort, vor dem bis 1989 das Betonmonster

verlief, wirkt wie eine

gebaute Metapher.Esgeht um Mauern

imLeben wie in der Kunst. Zugleich

um Geschichte.

Einstilles Pendant

In der Fotogalerie C/O Berlin werden

ab dem 13. September 30 JahreBerliner

Clubkultur beleuchtet, das sind

Aufnahmen etwa vonWolfgang Tillmans,Martin

Eberle,Tilman Brembs

und Ben de Biel, die in ihrer Mischung

aus nüchterner fotografischer

Beobachtung und Nachtleben-Ekstase

zur Berlin-Mythenbildung

beitragen. Als stilles Pendant

dazu eröffnet eine Offerte vonArbeiten

der gerade gestorbenen amerikanischen

Fotografenlegende Robert

Frank (Nachruf: Seite 21).Inder Berlinischen

Galerie beginnt heute

Abend eine Skulpturen- und Fotoausstellung

Bettina Pousttchis, in

der es um Zeit, Geschichte und die

Formbarkeit von Körpern geht. Sozusagen

als erweiterter Kunstbegriff

verlängert sich diese Schau der an

der Schnittstelle zur Architektur arbeitenden

Berlinerin in die Räume

des Neuköllner Kindl-Zentrums für

zeitgenössische Kunst. Und imUmkehrschluss

schlagen von dort die

Fotos des eulenspiegelhaft aus allen

medialen Kanälen schöpfenden Verwandlungskünstlers

undVerballhornungs-Meisters

Björn Melhus eine

Brücke ins Liebermann-Haus der

Stiftung Brandenburger Tor.

Überhaupt scheint die Produktion

der Berliner Künstlerschaft inzwischen

derart intensiv und überbordend,

dass problemlos zwei Ausstellungsorte

damit bespielt werden können.

Zudem ist ihr Schaffen derart

selbstbewusst und kühn, dass etwa

der Maler Thomas Scheibitz sich mit

seinen Abstraktionen und Konstruktionen

im Museum Berggruen an Figurationen

vonPicasso messen lässt.

Alle Infos, Orte,ÖffnungszeitenundTouren auf:

www.berlinartweek. de

Astrein gespielte Meuchelchronik

In „Adel verpflichtet“ im Schlosspark-Theater überzeugen Vater und Sohn Hallervorden mit zahlreichen Perückenwechseln

VonIrene Bazinger

Blickt man heute nach London,

fragt man sich, ob es nicht einfach

eine neue Variante von englischem

Humor ist, die sich im Parlament

ausbreitet, und kein politischer

Kampf. Welche Formen dieser

berühmte Humor annehmen kann,

zeigt etwa „Adel verpflichtet“, frei

nach einem 1907 erschienenen Roman

von Roy Horniman über einen

jungen Mann, der zum Serienkiller

wird, um endlich Graf und Schlossherr

zu sein –und deshalb alle vor

ihm erbberechtigten Angehörigen

aus dem Wegräumt. Ist das lustig?

Kommt darauf an, wie man’s macht.

Im Schlosspark-Theater haben

der Regisseur Anatol Preissler und

der Schauspieler Otto Beckmann

daraus als Autorenduo Dogberry &

Probstein eine„mörderisch schwarze

Komödie“ entwickelt. Da sieht man

zu Beginn in einer Gefängniszelle

Victor, der dem Henker (Oliver Nitsche)

seine Lebensgeschichte erzählt,

während er sie aufschreibt.

Der Henker hört neugierig zu und

schärft dabei schon sein Beil.

Ob mit Gift, Strom oder Tieren,

Victors Einfallsreichtum beim Morden

kannte keine Grenzen – und

keine Skrupel, denn er fühlte sich im

Recht. Schließlich wurde seine Mutter

von ihrer Familie verstoßen, weil

sie mit einem mexikanischen Straßensänger

–seinem Vater –anbandelte.

Als Running Gag taucht diese

vonTommaso Cacciapuoti daherge-

Hier mit Naturhaar:Dieter und Johannes Hallervorden

DERDEHMEL/URBSCHAT

schmalzte Heulboje immer wieder

mit Sombrero und Gitarre auf und

jault bekannte Weisen von„La cucaracha“

bis „El condor pasa“. In kleinen,

kuriosen Szenen wird Victors

Meuchelchronik aufgeblättert. Seine

exzentrischen Verwandten werden

mit schnellen Kostüm- und Perückenwechseln

von Dieter Hallervorden

(fünf) und seinem Sohn Johannes

(drei) gespielt. Das ist für Fans

der Familie Hallervorden natürlich

ein großes Fest, zumal die beiden

ihreSache ziemlich gut hinkriegen.

Ob sich Dieter als kauziger Landgraf

Schlittenhunde anschafft, die

prompt durchgehen, oder er hochherrschaftlich

aus einem Bilderrahmen

lächelt und sich dort die Kugel

gibt, ob Johannes als fanatischer

Schachspieler oder als liebestolle

Betschwester erheitert, das ist gekonnt

und witzig, hat keinen Sinn,

macht aber Spaß.

Neben einer sehr hübschen Unterwasserszene

im Stil des schwarzenTheaters

ist außerdem ein eigens

gedrehter Stummfilm hervorzuheben,

den der Henker humorig mit

den Worten „Veni, vidi, Video“ ankündigt.

Er tut dies stolz und freudig,

nicht so verzagt wie Victor,der angesichts

des Henkerbeils feststellt:

„Man kann mir vieles vorwerfen,

aber Kopflosigkeit mitnichten. Das

wirdsich bald ändern.“Wirklich eine

schwarze Komödie,astrein amüsant.

Adel verpflichtet bis 20.10.,Schlosspark-Theater,Schlossstraße48,

Tel. 789 56 67 100


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 23

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Feuilleton

Die

Aura

des Lieds

„Vermischter Traum“ von

Wolfgang Rihm uraufgeführt

VonPeter Uehling

Der Tenor

Georg Nigl

SALZBURGER FSTSPIELE/ANITA SCHMID

Wolfgang Rihm hat Unmengen

von Liedern geschrieben, auf

Texte von Simon Dach bis Heiner

Müller. Nach früheren, sehr konkreten

stilistischen Lösungen für Gedichte

von Friedrich Hölderlin,

Adolph Wölfli oder Karoline von

Günderode, sind die Lieder seit den

Mitte der Neunziger kaum noch zu

unterscheiden; beschränkte sich der

Sänger auf Vokalisen, man würde oft

nicht einmal so etwas wie einen „Affekt“

erkennen.

Dasist irritierend, weil Rihms Lieder

tatsächlich „wie Lieder“ klingen:

Es gibt ein begleitendes Klavier, es

gibt einen melodisch singenden

Sänger. Aber die Musik, allermeist

eher langsam, mittlere Lagen und

Lautstärken bevorzugend, rhythmisch

unscharf, harmonisch mit tonalen

Klängen irreführend, erscheint

wie eine Art Schaumstoff, in

den sich der Text nur oberflächlich

eindrückt. Es klingt die Aura vonLied

auf, was dahinter „ist“, bleibt verborgen.

Istesleer? Istesgeheim?

Es gibt eine Krise der Vertonung,

und Rihm reagiertdarauf mit gesteigerter

Produktivität, auch mit Mehrfachvertonungen

eines Textes. Für

den Bariton GeorgNigl hat er dessen

Lieblingsgedicht von Heine siebenmal

vertont, ohne den Ehrgeiz, es jedesmal

entscheidend anders zu fassen.

Die „gültige“ Vertonung ist ein

Mythos,esherrscht Kontingenz.

Auch in „Vermischter Traum“, der

ersten Musik, die er nach seiner lebensbedrohlichen

Erkrankung 2017

zu Papier brachte, hat Rihm die ihm

von Georg Nigl zugespielten Verse

vonAndreas Gryphius in eine Anordnung

mit mehrfachen Textreprisen

gebracht, deren

Verhältnis zueinander

kalkuliert

unscharf ist. Die

barocken Textbilder

von körperlichem

Verfall

– heute Blume,

morgen Kot–finden

keine Illustration.

Die Musik

bleibt – von

jener nun wirklich barocken Figur der

Aposiopesis,der Pause vordem Wort

„nichts“ („Itzt was und morgen

nichts“) abgesehen –bemerkenswert

unkonkret, das „Majestoso“ am Beginn

–„Wasist dies Leben doch!“ –

wird nur im ersten Akkord greifbar.

Das ist zu erwarten gewesen, aber

auch erstaunlich angesichts des bei

Rihm so seltenen autobiografischen

Kontextes: Auch angesichts einer

existenziellen Bedrohung erfüllt

Rihm nicht das trivialbiografische

Schema einer stilistischenWende.

Georg Nigl, der Widmungsträger,

sang zur Begleitung von Olga Pashchenko

am Montag im Kammermusiksaal

und im Rahmen des Musikfests

die Uraufführung. Sein Vortrag

setzte dank seiner engagierten Identifikation

mit Text und Komponist einen

besonderen Akzent in dieses

Programm. Dieumgebenden Lieder,

Beethovens „An die ferne Geliebte“

und vor allem eine Auswahl Schubert-Lieder,

getroffen unter den

Stichwörtern Sehnsucht, Fremdheit,

Abschied, kamen auch durch den

mundartlichen Zungenschlag des

ehemaligen Wiener Sängerknaben

zu unvergleichlich intimer und authentischerWirkung.

Auch in der Begleitung

auf dem Hammerklavier

hörte man allenthalben die volksmusikalischen

Wurzeln heraus.

Der geradezu szenische Reichtum

von Nigls Gestaltung, die Ironie

der „Forelle“, aber umgekehrt auch

der Ernst bei der oft biedermeierlich

verharmlosten „holden Kunst“ in

„An die Musik“ eröffnet einen expressiven

und formalen Kosmos,der

vertonter Lyrik heute verschlossen

scheint.

„Ich bin Old School“

Iggy Pop galt als Verkörperung des wilden Lebens. Auf seinem neuen Album lässt er es ruhiger angehen

Es ist 22 Grad bei strahlendem

Sonnenschein. Der

Musiker und Schauspieler

Iggy Pop(72), der eigentlich

James Newell Osterberg heißt, sitzt

mit Sakko und Wollschall bekleidet

in seiner Suite im Pariser Nobelhotel

„Le Royal Monceau“ und hat Heimweh.

Sein Gegenüber hat eine neunstündige

Irrfahrt mit dem Zug indie

französische Metropole hinter sich.

Beste Voraussetzungen für ein Gespräch

über die Deutsche Bahn, den

Strand von Miami, seinen Influencer-Kakadu

Biggy Pop und sein

neues Album „Free“.

Mr. Osterberg, Ihr Sohn Eric Benson

lebt in Berlin. Heißt das, Siesind nun

wieder öfter in der Hauptstadt?

Nein, ich sehe ihn nicht oft. Er hat

sein eigenes Leben.

WarenSie bei seiner Hochzeit?

Auch das nicht. Aber ich traf Eric,

als ich in Berlin gespielt habe.

Wann waren Siezuletzt in der Hauptstraße

155 in Schöneberg vor der

Wohnung, in der Sie inden Siebzigern

mit David Bowie lebten?

Ich bin vor meinem letzten Konzert

daran vorbeigefahren. Mirist sofortaufgefallen,

dass da nun eine Gedenktafel

hängt. In der Nähe ist der

historische Friedhof, auf dem die

Gebrüder Grimm beerdigt sind. Ich

bin da früher oft spazieren gegangen.

Der Park war damals ziemlich

runtergekommen, aber es war trotzdem

schön. Nun hab ich gesehen,

dass sie dort neue große Grabsteine

errichtet haben. Furchtbar! Ich mag

nichts Neues,ich bin OldSchool.

Aber Sie werden jetzt nicht nostalgisch,

oder?

Nein. Ich hatte einfach das Glück

zu einer Zeit in Berlin zu sein, als in

der Stadt ein enormes Gefühl von

Offenheit herrschte und der schwebende

Glaube, ohne zu viele gesellschaftliche

Normen zu leben. Da waren

Wehrdienstverweigerer und die

muffeligen Studenten, die sich erfolgreich

vor der Arbeit drückten.

Die Mieten waren günstig, es war

kein Problem, einen Parkplatz zu finden,

und der öffentliche Nahverkehr

war gut. Der hat mich dann auch

zum Text von„The Passenger“ inspiriert.

Zuletzt haben Siedamit Werbung gemacht

für die Deutsche Bahn.

Ja, und nachher sagten mir viele

deutsche Freunde: ‚Wie kannst du

nur? Wir hassen die Bahn. Die sind

immer zu spät, streichen Züge.‘ Als

ich dort lebte, waren sie brillant.

Große wunderschöne Waggons. Ich

muss da was verpasst haben.

Aber überreden musste Sieniemand?

Es gibt immer eine Zeit des Abwägens.Wir

verhandelten eineWeile.Ich

fand, es war eine nette Idee und eine

gute Einbindung des Songs. Und mir

gefiel der Gedanke, dass er sich auf

die Art weiter verbreiten würde.

Meine Rolle in dem Spot war nicht zu

schwer. Ich war nur überrascht, dass

niemand die Deutsche Bahn zu mögen

schien. Ichdachte immer, sie sei

der Stolz der Deutschen.

Sie sind gerade auf Promotiontour.

Vermissen Siees, barbusig am Strand

vonMiami zu sein?

Sehr sogar! Ich kann mich an

diese Temperaturen hier einfach

nicht gewöhnen. Und andie dicken

Klamotten auch nicht. Die haben

zwei Nachteile: Du musst sie mit dir

rumtragen. Und du musst sie waschen.

Dasist nur lästig!

Umso erstaunlicher, dass Sie gerade

mit dem Lifetime Achievement

Award der britischen Männer-Style-

Bibel GQ ausgezeichnet wurden.

Das ist schon mein zweiter Preis

von denen. Ich habe das nie erwartet.

Aber nach dem ersten Preis kann

ich wohl behaupten: Ich nehme

ständig Preise von Lifestyle-Magazinen

entgegen! Business as usual.

Geht gerne am frühen Morgen im Ozean schwimmen: IggyPop

Ihr neues Album heißt „Free“. Repräsentiert

das Bild des Covers, auf dem

man Sieimoffenen Meer baden sieht,

die ultimativeFreiheit für Sie?

Dasist ein sehr typischer Moment

für mich. Wenn ich nicht gerade als

Iggy Pop unterwegs bin, gehe ich

sehr früh am Morgen nackt im

Ozean schwimmen. In diesem Fall

ist es ein Standbild aus einem französischen

Kurzfilm, den ich fürs

Fernsehen drehte.

WarenSie immer schon ein Freigeist?

Dieser Form von Freiheit, die

ich jetzt vom Leben bekomme,

gingen viele Kämpfe voraus. Ich

erhielt für meine Art zu leben

nicht viel Unterstützung. Ich

musste sie mir ohne irgendwelche

Sicherheiten über einen langen

Zeitraum erarbeiten. Ich fühlte,

dass ich mehr Freiheit brauchte

als andere. Aber die Dinge scheinen

gut für mich zu laufen. Wasich

mir leider trotzdem nicht erlauben

DER POPSTAR

UNIVERSAL MUSIC

IggyPop,der als „Godfather des Punk“ bezeichnet wird, begann seine Karriere 1962 als

Schlagzeuger bei den Iguanas. Größere Berühmtheit erlangte er als Sänger der Stooges, bei

denen er durch seine exaltierten Auftritte mit nacktem Oberkörper auffiel. IggyPop wurde früh

beeinflusst durch den indischen Musiker Ravi Shankar und Frank Zappas Mothers of Invention.

Zusammen mit David Bowie lebte er Ende der 70er-Jahre in Berlin-Schöneberg.

Das neue Album heißt „Free“ (Caroline International/Universal Music), für das Popmit dem

Jazz-Trompeter Leron Thomas zusammengearbeitet hat.

kann: nackt über die Champs-

Élysées zu laufen.

Einfluss auf Ihr neues Album soll Ihre

Radioshow auf BBC 6gehabt haben,

wo Sieneue Musik vorstellen. Hält Sie

das jung?

Die Arbeit als solche macht

mich eher alt, denn es ist hart für

mich, für mehrere Stunden in einem

kalten Studio zu sitzen. Ich

investiere viel Zeit, die richtigen

Stücke zu finden und eine Songliste

zusammenzustellen. Ich mache

das alles selber. Ich verdiene

damit so viel wie ein Polizist, aber

es ist eine gute Sache, also tu ich

es. Esöffnet mich, und ich nehme

bewusst wahr, was andere Leute

musikalisch anstellen, die viel jünger

sind als ich.

Washätte David Bowie zu Ihrem vom

Jazz inspirierten Album gesagt?

Ich denke, erhätte einiges davon

gewürdigt.

Ist das eher ruhige „Free“ ein Alterswerk?

Nicht unbedingt. Ich überrasche

einfach gerne – und am liebsten

mich selbst. Meine Stimme sitzt

mittlerweile tiefer –soviel ist sicher.

Aber ich mag Künstler wie Johnny

Cash und Frank Sinatra, also kann

ich gut damit leben.

Wasbedeutet für Sie, in Würde zu altern?

Wenn du einen bestimmten

Punkt im Leben erreicht hast, musst

du wie deine eigenen Elternsein. Du

musst dich leiten und beschützen,

aber du darfst das Kind in dir nicht

töten. Wenn das Kind in dir stirbt,

bist du tot wahrscheinlich besser

dran. Meins ist quicklebendig!

Wo wir gerade vonKindern sprechen:

Wiegeht’s Ihrem Kakadu BiggyPop?

Wunderbar.Erist ein liebenswerter,guter

Vogel; immer oben auf, immer

in einer ziemlich guten Gemütsverfassung.

Vögel, speziell die großen

Molukkenkakadus, sind sehr

sinnliche Tiere. Wenn mich nachts

schlimme Gedanken plagen, fängt

Biggy Pop an zu Quietschen. Also

zwingt er mich dazu, ständig an

schönes Zeug zu denken. Wenn

meine Frau und ich über Politik reden

und das,was gerade Merkwürdiges

in der Welt vor sich geht, legt er

mit lautem Gebrabbel los. Er versteht

zwar nicht den Inhalt einer Unterhaltung,

sehr wohl aber den emotionalen

Gehalt davon. Er will teilhaben,

was auch immer du tust.

Deshalb tanzt er auf Instagram auch

zu Ihrem neuen Song „James Bond“.

Sobald ich ihm eine Platte mit einem

guten Beat vorspiele,bewegt er

sich. Undwenn es etwas ist mit einer

Melodie in hoher Tonlage, singt er

sogar dazu –Papageien haben sehr

hohe Stimmen.

AufIhrePlatte hat er es dennoch nicht

geschafft!

Ich will den Vogel nicht ausbeuten!

Meine Frau kümmert sich um

sein Instagram-Account. Ichkomme

darin nur vor, weil sie mich filmt,

wenn ich mit ihm spiele.Denn auch

zu Hause bin ich für das Unterhaltungsprogramm

zuständig.

Erinnern Siesich an den Moment, als

Siedas Stagediving erfunden haben?

Das muss 1968 gewesen sein. Es

war im Grande Ballroom in Detroit –

ich eröffnete für Mothers of Invention.

Die Mädchen legten sich auf

den Bühnenrand und starrten mich

beim Singen an. Und ich dachte, es

wäredoch ziemlich cool, wenn ich in

Tauchpose auf ihnen landen würde.

Dumm nur: Sie bewegten sich weg,

als ich es tat. Ich hab mir bei der

Nummer den Frontzahn ausgeschlagen.

Da war jede Menge Blut. Aber

als ich jung war, versuchte ich alles,

um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wundern Sie sich manchmal selbst,

dass Sie neben den Rolling Stones zu

den letzten Überlebenden im Rockgeschäft

gehören?

Ich habe sicherlich mehr weggesteckt

als die meisten anderen. Mein

Arzt sagt mir, dass ich einfach eine

sehr starke Konstitution habe. Ich

liebe meinen Körper. Ich versuche,

auf ihn achtzugeben.

Welche Luxusgüter leisten Siesich?

Einen Rolls-Royce, ein Haus am

Strand, ein Kunsthaus, eine Familienvilla

mit Zaun drumrum und gutenWein.Viel

mehr brauch ich nicht.

Ich bin mir sicher, Pink Floyd haben

es mehr krachen lassen. Oder die Toten

Hosen.

Waswäreaus Ihnen geworden, wenn

Sienicht Musiker geworden wären?

Vermutlich ein Psycho. Oder einer

dieser verdrehten Politiker.Dann

wäre ich wohl gerade auf dem Zenit

angekommen.

DasGespräch führte

Katja Schwemmers.

Themen

junger

Menschen

First Steps: „Futur Drei“ von

Faraz Shariat ausgezeichnet

Soziale Brüche, Politik und der

Blick in die eigene Befindlichkeit

liegen im deutschen Nachwuchsfilm

im Trend. Dieser Themenmix dominierte

die Vergabe der First-Steps-

Awards in Berlin. Zugleich feierte der

wichtigste Nachwuchspreis der hiesigen

Filmbranche am Montagabend

bei einer Gala im Theater des

Westens 20. Geburtstag.

Beidem Fest sahnte der Spielfilm

„Futur Drei“ über junge Leute mit

iranischen Wurzeln, über Liebe und

Schwulsein, doppelt ab: Regisseur

Faraz Shariat, 1994 in Köln geboren,

erhielt den Preis für den besten

abendfüllenden Spielfilm. Er ist mit

25 000 Euro dotiert. Sein Darsteller-

Trio Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali,

Benjamin Radjaipour freute sich

über die Ehrung mit dem Götz-

George-Nachwuchspreis.

FarazShariat sagte in seiner Dankesrede,

sein Werk werfe die Frage

auf, warum junge Menschen aus Migrantenfamilien

auch nach Jahrzehnten

nicht „Teil des nationalen

Narrativs“ geworden seien.

In der Kategorie mittellanger

Spielfilm gewann Ivan Markovics

„Ab morgen werde ich...“ (Universität

der Künste Berlin), und Tuna

Kaptan vonder Hochschule für Film

und Fernsehen München gewann in

der Kategorie Kurz- und Animationsfilm

für „Hörst du, Mutter?“. Als

bester Dokumentarfilm wurde „Out

of Place“ über ein Projekt für schwer

erziehbare Jugendliche von Friederike

Güssefeld (HFF München) ausgewählt.

Der Produzentenpreis, der

No-Fear-Award, ging an Romana Janik

für „1986“ (Deutsche Film- und

Fernsehakademie Berlin). Darin

geht es um den Schmuggel von radioaktivem

Metall in Weißrussland.

Besonders gefeiert wurde Andrea

Hohnen, die langjährige Künstlerische

Leiterin des Preises.Sie verlässt

ihr Amt bei den First Steps Awards

und wurde mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Die Produzenten Bernd

Eichinger und Nico Hofmann hatten

die Preise 1999 ins Leben gerufen.

Sie werden in der Regel für Abschlussfilme

von Filmschülern aus

deutschsprachigen Ländern verliehen.

„Futur Drei“ war eine freie Einreichung.

MehrereFachjurys verteilten

für die Awards mehr als 100 000

Euro an die Macher vonSpielfilmen,

Werbespots und Dokumentarfilmen.

Zur Auswahl standen diesmal

gut 200 Beiträge. (dpa)

Der iranische Regisseur Faraz Shariat mit

seinen SchauspielernBenjamin Radjaipour

und Banafshe Hourmazdi. (v.l.) DPA

TOP 10

Montag,9.September

1 EM-Qualifikation, 2 RTL 9,98 36 %

2 EM-Qualifikation, 1 RTL 9,20 29 %

3 Tagesschau ARD 4,90 18 %

4 EM-Quali, Berichte RTL 3,95 13 %

5 ImWald, 1 ZDF 3,83 12 %

6 ImWald, 2 ZDF 3,68 14 %

7 heute ZDF 3,43 15 %

8 EM-Quali, Berichte RTL 3,18 20 %

9 RTL aktuell RTL 3,14 15 %

10 SokoMünchen ZDF 2,99 16 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Ost (✆ 44 03 91 68)

20.00: Die Ausgrabung (vorschlag:hammer)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Die Blechtrommel

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00 Box +Bar:Das Mädchen mit dem Fingerhut

20.00: Wut

English Theatre Berlin (✆ 691 12 11)

20.00: The Land of Milk(y)and Honey?

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Schlagersüsstafel

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(✆ 54 90 51 92) 19.30: Romeo &Julia (Globe

Ensemble Berlin)

HfS Ernst Busch (✆ 75 54 17 -0)

20.00 UNTEN: Werther oder Julia Roberts betritt eine

Buchhandlung

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Hotel Paradiso (Gastspiel

Familie Flöz)

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

20.00: Stören

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00 Studio: istdie welt auch noch so schön

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Spatzund Engel–Die Geschichte der Freundschaft

zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich

Schaubühne (✆ 89 00 23)

18.00: Orlando

20.00: Jugend ohne Gott

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

16.00: Siegfried

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Unddes Lebens Rätsel bleibt. Theodor

Fontane –ein poetischer Lebenslauf

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

16.00 Heizhaus: Ausufern: We Have ABody(Yvon

Chabrowski)

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die Vorteile des Lasters (Lisa Eckhart)

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Der Mörder ist immer der Gärtner

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Fly, Edith, Fly –Vom Ballermann zum BER

(Ades Zabel &Company)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: Ü18-Impro-Show(Die IONen)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30: Die Ding-Show(ImproBerlin)

20.00: Zirkus Angela

Estrel Festival Center (✆ 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Uli Lohr (Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

18.30: The Band –Das Musical

Tati goes Underground (Metzer Str.2)

20.30: Character Crack (Berliner Comedians)

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Spin! Die 15. Abolventen Show(Absolventen

der Staatlichen Artistenschule Berlin)

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Wenn Frauen immer weiter fragen –Ein

Update für Fortgeschrittene(HorstSchroth)

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

14.00: Espresso-Konzert

Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt

(✆ 81 70 47 26) 19.30: Gitarren-Salon –ZuGast

bei DenisMarukevich

Pfarrkirche Weißensee (✆ 965 22 39)

19.30: Angelina Billington (Sopran) und Maria Schella

(Orgel), Musik aus aller Welt

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

20.00: London SymphonyOrchestra, Ltg.Sir Simon

Rattle, Barbara Hannigan (Sopran), Musikfest Berlin,

Hans Abrahamsen: „letmetell you“ für Sopran und

Orchester,nach der Novelle vonPaulGriffith; Olivier

Messiaen: „Éclairs sur L’Au-Delà –Streiflichter über

das Jenseits …“ für großes Orchester

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Frau Holle (ab 5J.)

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

15.00: Offenes Atelier (ab 6J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

10.00: Bremer Stadtmusikanten, RikeSchuberty,

On the road mit Esel, Hund, Katze und Hahn in 4

Sprachen (ab 4J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in derGemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Alle außerdas Einhorn(ab 11 J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

18.00: Ankommen is WLAN, musikalischeEnsembleproduktion

(ab12J.)

James-Simon-Galerie (Bodestr.)

9.00: My LifeasanAlphabet, Barry Jonsberg,Lesung

und Gespräch, Mod.: Arno Lücker,indt. und engl.

Sprache

11.00: Les Petites Reines, Clémentine Beauvais,

Lesung und Gespräch,indt. und franz. Sprache

Jaro Theater (✆ 341 04 42)

10.30: VonDinos, Seehunden und Kamelen,Theater

Jaro, Puppen und Schauspiel (ab 2bis 7J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Willkommen im Tischlerschuppen –schnitz

dir eins!

14.00: Brenn dirdein Jo-Jo

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

10.00, 16.30: Peter und der Wolf (ab 4J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Hosen, Hasen, freche Mäuse, Theater Rafael

Zwischenraum, Figurentheater (ab 3J.)

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Zinnober in der grauen Stadt, United Puppets

(ab 4J.)

10.00: Die Zertrennlichen (ab 9bis 13 J.)

theater strahl probebühne (✆ 69 59 92 22)

11.00: Krieg.Stell dir vor, er wäre hier,(ab 13 J.)

Theater Zitadelle (✆ 335 37 94)

10.00: Das tapfere Schneiderlein (ab 4J.)

LITERATUR/VORTRAG

Babylon Mitte (✆ 242 59 69)

19.30: An Evening with David Sedaris

Dussmann (✆ 20 25 11 11)

19.00 KulturBühne: Besser führen mit weniger

Führung,Insa Klasing

Erinnerungen I

Wenn

Theatermacher

schreiben

Bis in die 50er-Jahre reichen

die Texte −Aufsätze, Reden

und Gedichte −von B. K. Tragelehn

zurück, die in dem Band

„Roter Stern inden Wolken 2“

versammelt sind. Da war Tragelehn

noch Meisterschüler bei

Bertolt Brecht und Erich Engel.

Tragelehn ist ein wichtiger

Protagonist und Zeitzeuge des

widerständigen DDR-Theaters.

Einen Monat nach dem Mauerbau

inszenierte er Heiner Müllers„Umsiedlerin“

und geriet in

einen kulturpolitischen Skandal,

in dessen Folge er aus der

SED ausgeschlossen und zur

Bewährung in den Braunkohletagebau

geschickt wurde.

Sein Werdegang führte ihn

dennoch weiter an den neuralgischen

Punkten des Theaters

entlang −inder DDR und nach

der Biermann-Affäre imWesten.

Bis zur Auflösung des ostdeutschen

PEN im Jahr 1998

war er dessen Präsident. Tragelehn

weiß alles. Ulrich Seidler

B.K. Tragelehn: „Roter Sterninden Wolken2“,

Buchpremiere, 20 Uhr,Literaturforum

im Brechthaus, Chausseestr.125

Hector Berlioz (Abbildung) komponierte „Harold en Italie“ im Auftrag von niemand Geringerem als Niccoló Paganini.

In einem ersten Blick über das

Musikfest Berlin an dieser

Stelle sprachen wir vollmundig

von Berlioz als programmatischem

Schwerpunkt. Aber von der

fulminanten Eröffnung mit dessen

erster Oper „Benvenuto Cellini“ abgesehen:

Wann hört man denn mal

wieder was vonBerlioz?

Jetzt kommt’s: Das auf seine

Weise verrückteste Konzert spielen

am Sonntag „Les Siècles“, ein von

François-Xavier Roth gegründetes

und geleitetes Orchester, das vom

Barock bis zur Gegenwart strikt auf

Instrumenten der jeweiligen Epoche

spielt. Am Sonntag stehen erst einige

Stücke aus Jean Philippe Rameaus

„Les Indes galantes“ auf barocken

Instrumenten auf dem Programm,

in der Mitte „Mouvement (… vorder

Erstarrung)“ von Helmut Lachenmann

auf Instrumenten unserer Zeit

und am Schluss Berlioz’ „Harold en

Italie“ auf Instrumenten des frühen

19. Jahrhunderts.

Daswichtigste an alldem ist aber,

dass die Franzosen samt ihrem grandiosen

Dirigenten auf mitreißende

ArtMusik zu machen verstehen, wie

ihre Aufnahmen beweisen. „Harold

Peter Uehling

will Musik hören und keine Interpreten.

Im Berliner Musikleben sucht er nach

Veranstaltungen, die musikalische

Erfahrungen bieten könnten –neuartige,

begeisternde, interessante oder

herzerwärmende. Ob sie sich

tatsächlich einstellen, ist allerdings eine

Fragedes Glücks.

in Italien“ hört man oft genug als

eher bräsiges Bratschenkonzert–dabei

ist bereits die Konzeption einer

Programmmusik nach Lord Byron

mit einem bis dahin mehr als stiefmütterlich

behandelten Solo-Instrument

und das im Auftrag ausgerechnet

Niccoló Paganinis mehr als interessant.

Und wie das Stück krachen

kann, wie es fesseln kann, das ist der

bei Harmonia Mundi erschienenen

CD zum Erstaunen anzuhören; Solistin

ist hier wie im Konzert Tabea

Zimmermann.

Mehr Berlioz gibt es mit dem Orchester

der Deutschen Oper unter

Leitung vonDonald Runnicles: Dem

frühen Geniestreich „La Mort de

Cléopatre“ werden Auszüge seiner

ambitioniertesten Oper „Les

Troyens“ an die Seite gestellt. Und

schon am Donnerstag werden Daniel

Harding und die Berliner Philharmoniker

mit „Roméo et Juliette“

einen in letzter Zeit relativ häufig zu

hörenden Hybrid aus Oratorium

und Symphonie aufführen.

Hardings Mentor und der einstige

Chef der Philharmoniker tritt heute

schon auf: Simon Rattle kommt zu einem

ersten Gastspiel mit seinem

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Gloria: Das

Leben wartet nicht 14.45; Once Upon aTime in...

Hollywood 17.00, 20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19)Late Night –Die Show

ihres Lebens 15.15, 20.30; Synonymes 17.45

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Und der Zukunft

zugewandt 15.00, 17.40; Once Upon aTime in...

Hollywood 20.15

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Der Honiggarten:

Das Geheimnis der Bienen 14.30; Once Upon a

Time in...Hollywood (OF) 17.00,20.30; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 15.30, 17.30, 21.00; The

Whale and the Raven (OmU) 15.00; Der Honiggarten:

Das Geheimnis der Bienen –Tell It to the Bees

(OmU) 17.30; Und der Zukunft zugewandt 20.00;

Late Night –Die Show ihres Lebens (OmU) 14.00,

18.40; Die Wurzeln des Glücks –Holy Lands (OmU)

16.20; Queerfilmnacht: Nevrland (OmU) 21.00;

Synonymes 15.20; Synonymes (OmU) 18.00; Und

wer nimmt den Hund? 15.20; Jüdisches Filmfest

Berlin: Bruxelles-transit –Brussels Transit (OmenglU)19.00;

Jüdisches FilmfestBerlin: Broken Mirrors

(OmenglU) 21.00; Jüdisches Filmfest Berlin: The

Bar Mitzvah (OmenglU) 21.00; Frau Stern 14.45,

19.15; Die Agentin 16.40, 21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53)Der Honiggarten:Das

Geheimnis der Bienen 18.00; Die Agentin 20.15;

The Whale and the Raven (OmU) 17.45; Blinded by

the Light 20.00

Kant Kino (✆ 319 9866) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 13.45, 15.50; Gloria: Das

Leben wartet nicht 15.15, 18.00, 20.30; Prelude

17.45; Leid und Herrlichkeit 20.00; Das zweite Leben

desMonsieurAlain 15.15, 20.00; Photograph –

Ein Foto verändert ihr Leben für immer 17.30; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 13.30,15.45;

Petting statt Pershing 18.00, 20.15; Die Wurzeln

des Glücks 15.30, 17.45, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 13.40; Bohemian Rhapsody

16.30; Es: Kapitel II19.30, 23.05; Playmobil:

Der Film 14.40; Es: Kapitel II 17.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.30; Die drei !!! 14.00; Es:

Kapitel II 16.30, 22.50; Preview: Gut gegen Nordwind

20.00; Der König der Löwen 14.45;Angel Has

Fallen 17.30, 20.15, 23.00; Late Night –Die Show

ihres Lebens 14.00; Once Upon aTime in... Hollywood

17.00; Es: Kapitel II 20.30;Yesterday 14.15;

Der König der Löwen 17.00, 19.45; Es: Kapitel II

22.30; Es: Kapitel II 14.20; Late Night –Die Show

ihres Lebens 17.50, 20.15; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 22.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Die Agentin –

The Operative (OmU) 11.00; Made inChina (OmU)

13.00; Pets II 14.30; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 16.00; Unsere große kleine

Farm –The Biggest Little Farm (OmU) 17.30; Leid

und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 19.00; The

Dead Don‘t Die (OmU) 21.00; Crawl (OF) 22.45;

Cleo (DFmenglU) 11.00; Nur eine Frau (DFmenglU)

12.45; Ray & Liz (OmU) 14.15; Rocketman

(OmU) 16.15; Berlin, ILove You (OmU) 18.15; Die

Agentin –The Operative (OmU) 20.15; Der unverhoffte

Charme des Geldes –Lachute de l‘empire

americain (OmU) 22.15; Der Goldene Handschuh

(DFmenglU) 11.00; Sunset – Napszallta (OmU)

12.45; Free Solo (OmU) 15.15; Once Upon aTime

in... Hollywood 17.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 19.45; Paranza: Der Clan der Kinder

(OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Und wer nimmt

den Hund? 14.00, 18.15; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 16.00; Frau Stern20.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.45; Yoga:

Die Kraft des Lebens –Debout (OmU) 14.15; Congo

Calling (OmU) 16.00; Super Friede Liebe Love

17.45; Free Solo (OmU) 19.30; Carmine Street Guitars

(OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Once Upon a

Time in... Hollywood 13.45, 16.30, 20.30; Aladdin

13.45; Good Boys 13.50, 17.00, 21.10; Playmobil:

Der Film 14.00; Golden Twenties 14.10; IMAX

3D: ABeautiful Planet 14.15; Paradise Hills 14.30;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.30,

17.15, 19.50; Stuber –5Sterne Undercover14.45,

18.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.45; Es: Kapitel II 14.45, 15.45, 16.15,

18.40, 19.30, 20.15; Good Boys (OF) 15.00; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 15.00, 17.30, 19.20;

Der König der Löwen 15.00, 20.15; Spider-Man:

Far From Home 16.30; Late Night –Die Show ihres

Lebens 16.45; IAm Mother 17.00; 3D: Der König

der Löwen 17.15, 20.45; Angel Has Fallen 17.20,

20.20; Angel Has Fallen (OF) 18.15; Once Upon a

Time in... Hollywood (OF) 19.15; Es: Kapitel II –It:

Chapter Two (OF) 19.45; Preview: Gut gegen Nordwind

20.00; Crawl 20.45

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Ich war zuhause,

aber... (OmenglU) 18.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.00; The Dead Don‘t Die

(OmU) 23.00; AGschicht über d‘Lieb 18.00; Synonymes

(OmU) 20.00;Das melancholischeMädchen

(OmenglU) 22.20

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (✆ 04 51/703 02 00) AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 13.30, 17.10;

Pets II 13.40; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 13.50; Good Boys 14.00,17.00,20.15;

Der König der Löwen 14.10, 16.30; Playmobil: Der

Film 14.15, 16.50; Es: Kapitel II 15.15, 16.00,

19.30, 20.00; Angel Has Fallen 16.40, 19.40;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.20; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 19.30; Preview: Gut gegen

Nordwind 19.45

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Yesterday 14.00; Die

drei !!! 16.10; Und wer nimmt den Hund? 18.00;

Und der Zukunft zugewandt 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Es II 14.15,

16.45, 19.30, 20.00; Playmobil: Der Film 14.20,

17.10; GoodBoys14.30, 17.40; 3D:Der Königder

Löwen 14.30, 17.20; Benjamin Blümchen 14.40;

3D: AToy Story 14.45; Der König der Löwen 14.50,

17.00, 20.00; AToy Story 15.00, 17.30; Mein

Lotta-Leben 15.10, 17.50; Angel Has Fallen 16.50,

20.10; Und der Zukunft zugewandt 17.30, 20.15;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.40; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 19.50; Preview: Gut gegen

Nordwind 20.00; Spider-Man 20.20

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTimein...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; B Petting stattPershing

16.45, 21.15; Die Wurzeln des Glücks –Holy

Lands (OmU) 19.00

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Carmine

Street Guitars (OmU) 17.45; Prelude 18.00; Synonymes

(OmU) 19.30, 22.00; Golden Twenties

20.00, 22.00

Moviemento (✆ 692 4785) Frau Stern 13.30;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

15.30; Prelude 17.45; Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 20.00;Frau Stern (OmenglU) 23.15;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

10.45; Benjamin Blümchen 13.00; The Whale and

the Raven (OmU) 15.15, 19.30; Frau Stern 17.30;

Prelude 22.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 11.45, 15.00, 18.15, 21.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Cleo (OmenglU) 17.15;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 19.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.00;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

(OmU) 17.15; Gloria: Das Leben wartet nicht –Gloria

Bell (OmU) 19.00; Burning –Beoning (OmU)

21.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Und der Zukunft zugewandt

15.00, 17.30; Once Upon aTime in... Hollywood

20.00; New Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.45; Late Night –Die Show ihres Lebens

17.00; Und der Zukunft zugewandt 19.15; Late

Night –Die Show ihres Lebens (OmU) 21.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Good Boys 14.30;

Der König der Löwen 14.45, 17.15, 20.15; Playmobil:

Der Film 15.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 15.15; AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 15.15, 17.30; Es: KapitelII16.45,

19.45;Angel Has Fallen 17.30,20.30; Und der Zukunft

zugewandt 17.45, 20.15; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.45

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Diego Maradona

10.00; Und der Zukunft zugewandt 10.15,

13.00,18.00;Stuber–5SterneUndercover10.30,

20.00; Gloria: Das Leben wartet nicht 13.00,

15.30; Frau Stern 13.30, 18.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo!15.30, 17.45; DieAgentin

15.30, 20.30;Anna, Asien und ich 20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Good

Boys 14.00, 17.20, 20.15; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 14.00,16.30; Der König der Löwen 14.00,

16.55; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00, 17.15; Pets II14.15; Playmobil: Der Film

14.30; Es: Kapitel II 14.30, 16.15, 18.30, 20.15;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

15.00; Once Upon aTime in... Hollywood 16.30,

19.45;Angel Has Fallen 17.15,20.00; 3D: Der König

der Löwen 19.45; Preview: Gut gegen Nordwind

20.00; Stuber –5Sterne Undercover 20.15

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 17.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 19.00; Und wernimmtden Hund?

21.15; Cleo (OmenglU) 18.00; Stadt M–Gorod M

(OmenglU) 20.00; Endzeit (OmenglU) 21.45

Babylon (✆ 242 5969) KinderWagenKino: Yesterday

11.00, 11.05; 60‘s Italia: Das Gastmahl der

Liebe –Comizi d‘amore (OmU) 18.00; 60‘s Italia:

Mafioso (OmenglU) 18.00; Berliners –Searching

Direction with director(OmU; m. Gast) 20.00; Diego

Maradona (OmenglU) 20.00; 60‘s Italia: Fellinis 8

1/2 –Otto emezzo (OmU) 21.45; 60‘s Italia: Der

Fremde 22.30

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Die

Wurzeln des Glücks –Holy Lands (OmU) 10.15,

12.15, 14.15, 16.15, 18.30, 20.45; IAmMother

(OF) 23.00; Rocketman (OmU) 12.15; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.45, 16.45;

Yesterday (OmU) 22.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Die drei

!!! 11.00; Playmobil: Der Film 11.10, 14.10; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 11.20,

13.50, 16.30; Benjamin Blümchen 11.30; Good

Boys 11.40,14.50, 17.20, 20.30; Spider-Man: Far

From Home 11.50; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 11.50, 14.20; Der König der Löwen

12.00, 14.00, 16.40, 19.15; Es: Kapitel II 12.20,

15.00, 16.15, 19.00, 20.00, 22.10, 23.00; Pets

II 13.30, 15.45; Once Upon aTime in... Hollywood

13.40,17.00,19.30,22.55;Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 16.40, 19.40, 22.50; Angel Has Fallen

17.15, 20.15, 23.10; 3D: AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 18.00; Preview: Gut gegen

Nordwind 19.45; Crawl 20.40; Stuber –5Sterne

Undercover23.00; 3D:Der König der Löwen 23.00;

Annabelle III 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Der Honiggarten: Das Geheimnis

der Bienen –Tell It to the Bees (OmU) 17.00,

19.15; Golden Twenties (DFmenglU) 21.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 14.45, 18.00;

Gloria: Das Leben wartet nicht –Gloria Bell (OmU)

21.15; Paranza: Der Clan der Kinder –Laparanza

dei bambini (OmU) 15.00; Blinded by the Light

(OmU) 17.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 20.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 14.15; Und der Zukunft zugewandt 16.45,

19.00; Frau Stern (DFmenglU) 21.15; Ich war zuhause,

aber... (DFmenglU) 14.45; Late Night –Die

Show ihres Lebens (OmU) 17.00; Jüdisches Filmfest

Berlin: M(OmenglU) 19.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 21.30

International (✆ 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 15.00, 17.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Hartander Grenze

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Spider-Man: Far From Home 14.00; Es: Kapitel II

14.00,16.45, 19.30, 20.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.00, 16.45; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.10; Der König

der Löwen 14.15, 17.40, 19.50; Playmobil: Der

Film 14.20, 17.00;

GoodBoys 14.30, 16.50, 20.20;Die drei !!! 14.35;

Ein Becken voller Männer 15.00; Aladdin 16.35;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 16.45,19.30; Once

Upon aTime in... Hollywood 16.50, 19.25; Angel

Has Fallen 17.15,20.00; Es: Kapitel II –It: Chapter

Two (OF) 19.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 20.30

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Paranza: Der Clan der

Kinder –Laparanza dei bambini (OmU) 10.00; Die

Agentin –The Operative (OmU) 12.00, 21.45; Diego

Maradona (OmU) 14.40; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 17.00; Ayo Akingbabe: Kurzfilmprogramm

(OmenglU; mit Gespräch) 20.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Once Upon aTime

in... Hollywood (OF) 16.30; Cine en espanol: Die

untergegangene Familie –Familia sumergida (OmU)

20.00

Passage (✆ 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; Frau Stern 16.30,

18.30, 20.30; Freudenberg –Auf der Suche nach

dem Sinn 17.00; The Whale and the Raven (OmU)

18.45; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

21.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Es: Kapitel II –It: ChapterTwo

(OF) 18.00, 21.30; Es: Kapitel II –It: Chapter

Two (OF) 16.30, 20.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.45, 21.15; Synonymes (OmU)

16.15, 21.15; Late Night –Die Show ihres Lebens

(OmU) 19.00, 22.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 17.30; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmenglU) 19.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Good Boys 14.00,17.25;AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 14.00,17.00; Playmobil: Der Film

14.20; Der König der Löwen 14.30, 17.15; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.45; Es:

Kapitel II 15.00, 16.15, 19.00, 20.15; Once Upon

aTime in...Hollywood 16.25, 19.40; 3D: Der König

der Löwen 19.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

19.50; Preview: Gut gegen Nordwind 20.00

Wolf (✆ 921 03 93 33) Synonymes (OmenglU)

12.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

12.10, 18.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 14.30, 18.50; Kiriku und die Zauberin

16.00; Ich war zuhause, aber... (OmenglU) 16.40;

Synonymes (OmU) 21.10; Die Einzelteile der Liebe

(OmenglU) 21.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98)AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.45; Und der

Zukunft zugewandt 18.00,20.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.30


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 25

· ·

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Tagestipp

KALENDER

IMAGO

Historische

Instrumente

unserer Zeit

In der letzten Woche des Musikfests

kommt dessen geheimer

Zentralkomponist Hector Berlioz

KLASSIK

Philharmonie,Herbert-von-Karajan-Str.1:

London Symphony(11.9., 20 Uhr),

Roméo et Juliette (12., 13.9., 20 Uhr sowie

14.9., 19 Uhr), Les Siècles (15.9., 20Uhr),

La MortdeCléopatre 17.9., 20Uhr)

Konzerthaus am Gendarmenmarkt:

Oláfsson &Hope(13.9., 20 Uhr),

Claire Huangci (13.9., 20 Uhr),

La Roue: (14.9., 14Uhr), Oláfsson &

Danish String Quartet: (17.9., 20Uhr)

zur Entfaltung.

Das Konzerthaus kontert

mit Pianisten.

London Symphony Orchestravorbei.

Neben Messiaens letzter Orchestermeditation

„Éclairs sur l’Au-delà“ –

„Streiflichter übers Jenseits“ –erklingt

Hans Abrahamsens „Let me tell you“,

eine Auftragsarbeit für die Sopranistin

Barbara Hannigan, die es einst mit

den PhilharmonikerninBerlin uraufführte:

Eine gefällig gebrochene, anmutig

klangvolle Komposition über

Texte, die der Musikwissenschaftler

und Librettist Paul Griffiths aus dem

Ophelia-Text aus Shakespeares

„Hamlet“ gedichtet hat.

Das Monsterprojekt des Musikfests

allerdings ist die Aufführung eines

Films: „La Roue“von Abel Gance,

dessen überlange Stummfilme seit

Jahren zum Musikfest gehören. Sieben

Stunden dauert diese Familiengeschichte

im Eisenbahner-Milieu

mit mythologischen Rückbezügen.

Arthur Honegger, seit „Pacific

231“ als Eisenbahn-Komponist ausgewiesen,

sollte die Musik erstellen,

und er bediente sich angesichts dieser

kaum komponierbaren Menge

eines Assistenten und der Musikvon

56 Komponisten. Am Sonnabend

wirddie Rekonstruktion, an der auch

der Dirigent und verdiente Filmmusik-Spezialist

Frank Strobel mitgewirkt

hat, mit Live-Musik von 14bis

23 Uhr uraufgeführt. So interessant

ich das finde: Angesichts dieser

Dauerfreue ich mich auf die DVD…

Abseits des Musikfests stellt sich

der Artist in Residence des Konzerthauses

vor: Der Pianist Víkingur

Oláfsson ist in seiner Heimat Island

eine Kultfigur, ein Klassikvermittler,

der bei allerVermittlungsgeläufigkeit

nicht zu künstlerischen Kompromissen

neigt und auch Etüden von Philip

Glass wie große Musik klingen

lassen kann. Oláfsson sitzt am Freitag

mit Daniel Hope auf der Couch,

am Dienstag tritt er zusammen mit

dem Danish String Quartet auf.

Auch nicht übergangen sei die in

Amerika geborene Claire Huangci,

die seit 2007 in Hannover studiert

hat und vorwiegend in Europa konzertiert.

Ausweislich ihrer Alben mit

Musik von Scarlatti, Chopin, Tschaikowsky

und Rachmaninow ist sie

eine Pianistin mit zweifellos stupender

Technik, aber vorallem einer zugleich

kalkulierten wie wirkungsvollen

Ausdruckskraft. Im Konzerthaus

spielt sie Werke ihrer bereits aufgenommenen

Lieblingskomponisten.

Erinnerungen II

Wenn

Liedermacher

reden

Weil die Kollegen gerade zu

Tisch sind, schnappt sich

der Unterzeichnende auch den

zweiten Tagestipp dieser Mittwochsausgabe,

um auf eine

Buchvorstellung mit DDR-

Schwerpunkt hinzuweisen.

Möge sich der interessierte Leser

doch zerteilen. Neben dem

Theater war in dem vordreißig

Jahren untergegangenen Land

auch die Liedermacherei ein

Hort der nachdenklichen Kritik

− die Ausweisung Biermanns

ist nicht umsonst die Zäsur,

nach der die große, alles zermürbende

Stagnation einsetzte.

Aber auch danach

wurde gesungen, von Leuten

wie Gerhard Gundermann,

Gina Pietsch, Stefan Krawczyk.

Oder Bettina Wegner und

Hans-EckartWenzel, die heute

live dabei sind. Gleich nach

dem DDR-Ende hat der Journalist

Michael Kleff sie für seinen

Band „Kein Land in Sicht“

befragt. Ulrich Seidler

Kein LandinSicht. Buchvorstellung

20Uhr,Pfefferberg Theater,Schönhauser

Allee 176, Tel.:939358555

Ephraim-Palais (✆ 240 02 -1 62)

18.00: Ost-Berlin erlesen: „Der geduldete Klassenfeind.

Als West-Korrespondent in der DDR“ und

„Ost-Berlin –Die halbe Hauptstadt“, Peter Pragal,

Joachim Jauer

Evas Arche (✆ 282 74 35)

19.00: Lesekreis Feministische Theologie Thema

Privatsache

HAU1(✆25 90 04 27)

18.00: Eröffnung des 19. internationalen literaturfestival

berlin, Eröffnungsveranstaltung mit Petina Gappah,

Dr.Klaus Lederer,Ulrich Schreiber,Annemarie

Vanackere

20.30: 19. Internationales Literaturfestival: Eine

Geschichte desWindes, Raoul Schrott, Lesung und

Gespräch

Haus Neues Verlag (Franz-Mehring-Pl. 1)

18.00: nd im Club: „Gegenlauschangriff“, Christoph

Hein, Lesung

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Buchpremiere: Roter Sterninden Wolken 2,

B. K. Tragelehn, Buchvorstellung und Gespräch Mod.:

Kai Bremer

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00: Rühmchen –Die offene Lesebühne

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Kein Land in Sicht. Gespräch

mit Liedermachernund Kabarettisten der DDR,

Michael Kleff &Hans-Eckardt Wenzel, Buchpremiere

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Spielleute-Session

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: Session Zeit

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Vandojam meets Robins Nest

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: MikeRussell’sFunky Soul Kitchen, guest:

Katarina Holmberg (voc), Blue WednesdayShow

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Armand Hammer,Kinlaw

Café Lyrik (✆ 44 31 71 91)

19.30: Hans Quarz&His Swingin’ Steam Engine

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: Stereo Heart

Anzeige

Wechselnde Bestetzung

11.09.

11.09.

–24.11.

–24.11.

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: SuzanneSanto

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Jazz: Ludwig Hornung Trio

Panda (✆ 44 31 95 57)

20.00: Süden

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

21.00: Sean Koch, support: JPson

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Jovi’sMainstream Session–Rock &Pop

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Andrea Poggio +Itaca

Supamolly (✆ 29 00 72 94)

20.30: Günter Hampel &Dance Improvisations

Company

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

21.00: Offside, Wild Wednesday

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: Stefano Ronchi &The Roaring Rag Beastie

CLUB

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Bass Station, Bassstation Berlin, Selekta Mik

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Leave me to my Fairytale, Warte:mal, Nordin

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: FlauschigeMittwochsrunde mit Freunden,

Techno Jesus &Friends

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Club (Revaler Str.99)

20.00: Bumtamtam, Sascha Cawa, Daniel Jäger,

Asem Shama, Lutz &Maximilian

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor NewFaces –hosted by Artik, Ruben

Montesco, Trainee

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchen swingt,Evan&Friends

Insomnia (Alt-Tempelhof 17-19)

20.00: TangoVicioso

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

19.00: El Ocaso –TangoArgentino

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Argentinischer Tango, Michael Rühl &friends

5MEGASTARS LIVE ON STAGE

ESTREL SHOWTHEATER . STARS-IN-CONCERT.DE

TICKETS: 030 6831 6831

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88)Und derZukunft

zugewandt 15.30, 18.00, 20.30; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 13.40, 15.50;

Frau Stern 18.20; Es: Kapitel II –It: Chapter Two

(OF) 20.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00, 16.10; Synonymes 18.00, 20.15;

The Whale and the Raven (OmU) 14.30; Once

Upon aTime in...Hollywood 16.40,20.00; Und wer

nimmt den Hund? 14.40; Late Night – Die Show ihres

Lebens 16.45; Prelude 19.00; Late Night –Die

Show ihres Lebens (OmU) 21.15

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 14.00, 16.45,

20.30,21.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00, 16.45; Der König der Löwen 14.10;

Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen –Tell

It to the Bees (OmU) 14.15, 19.45; Playmobil

14.20; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.20, 16.50; Prelude 14.30; Die Wurzeln des

Glücks –Holy Lands (OmU) 14.30, 19.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.40, 19.00,

22.00; Und der Zukunft zugewandt 17.15, 19.30;

Late Night –Die Show ihres Lebens (OmU) 17.15;

Gloria (OmU) 17.20; Es: Kapitel II 19.30, 22.20;

Preview: Systemsprenger 20.30; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 22.15; Die Agentin –The

Operative (OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Frau Stern 19.00; Acid

–Kislota (OmU) 20.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Frau Stern

17.00; Iminneren Kreis 18.30; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 20.30; Carmine Street

Guitars (OmU) 22.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Once

Upon aTime in... Hollywood 16.30, 19.20, 22.20;

Es: Kapitel II 16.30, 18.25, 20.00, 22.15; Good

Boys 16.55,20.15, 22.35; Angel Has Fallen 16.55,

19.55, 22.55; Spider-Man: Far From Home 17.00;

Der König der Löwen 17.10; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 17.15; Late Night –Die Show

ihres Lebens 17.20, 20.00; 3D: Der König der Löwen

19.25; Berlin, ILove You 19.50; Preview: Gut

gegen Nordwind 20.00; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 20.10, 22.45; Stuber –5Sterne Undercover

22.45; Little Monsters 23.00; Crawl 23.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Mein Lotta-

Leben –AllesBingomit Flamingo! 13.40; DerKönig

der Löwen 13.40, 16.35, 19.30; Benjamin Blümchen

14.00; 3D: AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.00;

Playmobil: Der Film 14.15, 17.00; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.15, 16.40; Pets

II 14.25; Good Boys 14.30, 17.00; Es: Kapitel II

15.00, 16.00, 19.00, 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood 16.30, 19.15, 19.50; Fast &Furious:

Hobbs&Shaw16.50, 20.10;Angel Has Fallen

16.50, 20.15; Preview: Gut gegen Nordwind 19.45;

3D: Der König der Löwen 20.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Und wer nimmt den Hund? 15.00; Gloria: Das Leben

wartet nicht 17.30; Und der Zukunft zugewandt

20.05

Cosima (✆ 85 07 58 02) Leid und Herrlichkeit

18.00,20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Once Upon a Time in...

Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Urania-Filmbühne (✆ 218 9091) Der Klavierspielervom

Gare du Nord 16.00; Push –Für dasGrundrecht

auf Wohnen (OmU; m.Gästen u. Gespräch)

19.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Der Honiggarten: Das

Geheimnis der Bienen –Tell It to the Bees (OmU)

20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) Playmobil:

Der Film 10.00, 11.55, 13.55; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.30,

16.10; Der König der Löwen 10.00, 12.10; Benjamin

Blümchen 10.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 10.00,12.45, 14.15, 16.55; Pets

II 12.00; Good Boys 14.40, 18.25, 19.45; Ein

Becken voller Männer 15.00; Es: Kapitel II15.30,

16.40, 19.15, 20.30; Late Night –Die Show ihres

Lebens 17.30; Preview: Gutgegen Nordwind20.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 20.45

Kino imKulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Und

wer nimmt den Hund? 16.00, 18.00; Cleo 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Late Night –Die Show

ihres Lebens 14.30, 17.15, 20.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Mein Lotta-

Leben–Alles Bingomit Flamingo! 15.00;Der König

der Löwen 15.30, 18.00, 20.30; Playmobil: Der

Film 15.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.45, 18.00; Es: Kapitel II 17.00, 20.30;

Good Boys 18.00, 20.30; Preview: Gut gegen Nordwind

20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Das Haroun Farocki Institut

präsentiert: Niemanns Zeit –Ein deutscher

Heimatfilm (OmenglU; m. Gästen) 19.00; Magical

History Tour: Dokfah nai meu maan –Mysterious

Object at Noon (OmenglU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Es II 12.30, 14.30, 16.30, 17.20, 19.00, 20.30,

21.15, 22.30; Pets II 13.00, 14.35; Der König der

Löwen 13.00,16.00, 19.00; Once UponaTime in...

Hollywood 13.10, 16.30, 18.15, 20.15, 22.10;

Benjamin Blümchen 13.10; Spider-Man 13.20,

16.40, 22.50; Fast &Furious 13.30, 16.45,20.10,

22.30; Drei Schritte zu Dir 13.30, 16.30; AToy Story

13.40, 19.50; Angel Has Fallen 13.45, 17.00,

19.45, 22.50; Aladdin 13.45; Leid und Herrlichkeit

13.50; Good Boys 13.50, 17.10, 19.50, 22.20;

Playmobil 14.00, 17.00; Mein Lotta-Leben 14.00;

Die drei !!! 14.10; 3D: Der König der Löwen 14.10,

17.00, 20.00, 23.00; Prelude 15.30; 3D:AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 16.30; Late Night

–Die Show ihres Lebens 16.40, 19.20, 22.50; Der

Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen 16.40,

19.30; Und der Zukunft zugewandt 17.00, 19.45;

Die Wurzeln des Glücks 17.00; Gloria: Das Leben

wartet nicht 19.30; Die Agentin 19.50,22.30; Yesterday

20.00; Preview: Gut gegen Nordwind 20.00;

Avengers: Endgame 22.00; Stuber –5Sterne Undercover

22.10; Crawl 22.15;Annabelle III 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Late Night –Die Show ihres Lebens (OF) 13.30,

16.20; Es: Kapitel II–It: Chapter Two (OF) 13.30,

16.30,20.15,23.00; Good Boys (OF) 13.40,17.15,

19.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando –

Toy Story IV(OF) 13.50, 17.00, 19.30; Playmobil:

Der Film –Playmobil: The Movie (OF) 14.15; Der

König der Löwen –The Lion King(OF)14.15, 19.10;

Fantasy Filmfest2019: Come to Daddy(OF) 14.30;

Once Upon a Time in... Hollywood (OF) 15.00,

17.45, 19.00, 21.45,22.30; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw (OF) 16.10, 22.15; Fantasy Filmfest 2019:

Do-eo-lak –Door Lock (OmenglU) 16.15; Fantasy

Filmfest2019: AngelofMine (OF) 18.15; Angel Has

Fallen (OF) 20.15, 23.15; Fantasy Filmfest 2019:

47 Meters Down: The Next Chapter –47 Meters

Down: Uncaged (OF) 20.30; 3D: Der König der Löwen

–The Lion King (OF) 22.10; Fantasy Filmfest

2019: Deadsight (OF) 22.30

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 11.00, 15.00, 22.50; Es:

Kapitel II 19.00

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Synonymes

(OmU) 20.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Playmobil: Der Film 10.00,

12.00, 14.00, 16.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.00, 14.00, 16.00;

Good Boys 10.00, 12.00, 16.00, 18.00, 20.15,

22.30; Es: Kapitel II10.00, 16.30, 18.00, 20.15,

22.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

12.15, 14.30, 17.15; Benjamin Blümchen 14.00;

Pets II 14.30; Angel Has Fallen 18.00, 20.00,

22.30; Once Upon aTime in... Hollywood 20.30

Casablanca (✆ 677 5752) Fisherman‘s Friends

–Vom Kutter indie Charts 16.15; Made in China

18.30;Yesterday 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

Pets II 14.00; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

14.00, 16.40; Und der Zukunft zugewandt

14.15, 17.30, 19.50; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.20; Der König der Löwen

14.25, 16.45, 19.35; Playmobil: Der Film 14.30;

Good Boys 14.45, 17.15, 20.10; Es: Kapitel II

15.00, 16.15, 19.00, 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood 15.30, 19.15, 20.10; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw16.50; AngelHas Fallen 17.05,

19.50; Preview: Gut gegen Nordwind 19.45

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.10;

Playmobil: Der Film 14.20; Good Boys 14.20,

16.45, 19.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.20, 16.50; Pets II 14.30; Es: Kapitel

II 14.30, 16.50, 19.20, 20.30; Ein Becken voller

Männer 15.00; Fast & Furious: Hobbs & Shaw

16.30; Once Upon aTime in... Hollywood 16.45,

20.20; Der König der Löwen 16.50, 19.40; Angel

Has Fallen 17.00; Preview: Gut gegen Nordwind

20.00; Es: Kapitel II–It: Chapter Two(OF) 20.00

City KinoWedding (✆ 01 77/270 19 76) Preview:

Ein leichtes Mädchen 19.00; Once Upon aTime in...

Hollywood 20.45

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Berlin –Bahnhof

Friedrichstraße 1990 18.00; The Whaleand the Raven

(OmU) 20.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Spatzenkino: Überraschung!

10.00; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 13.00; Und der Zukunft zugewandt

15.15, 17.45, 20.15; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 13.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.45; Frau Stern 18.00;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Planet

Deutschland: 300 Millionen Jahre 11.00; So wie

du mich willst 16.00; Leid und Herrlichkeit 18.00;

Prelude 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.15; Der alte deutsche

Film: Das Blaue vom Himmel 15.45; Gloria:

Das Leben wartet nicht 18.00; Carmine Street Guitars

(OmU) 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 4678) Push –Für das Grundrecht

auf Wohnen 18.00; Edie –Für Träume ist es nie zu

spät 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Und der Zukunft zugewandt

15.45, 20.30; Und wer nimmt den Hund? 18.15

FREILUFTKINOS

B-ware! Open Air FMP1 (✆ 63 41 31 15) Push –

Für das Grundrecht auf Wohnen 20.00

Open-Air-Kino SchlossparkBiesdorf (✆ 9987481)

Yesterday 20.10

Openair Kino Spandau (✆ 333 6081) Yuli 20.30

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

BlacKkKlansman (OmU) 20.00

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Das

melancholische Mädchen 17.00; Gerdas Schweigen

(m. Gästen u. Gespräch) 19.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Mein

Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! 14.00,

16.15; Frau Stern 14.00, 18.30; Und der Zukunft

zugewandt 14.15, 16.00, 20.45; Gloria: Das Leben

wartet nicht 15.30; Golden Twenties 16.30;

The Whale and the Raven (OmU) 17.45; Blinded

by the Light 18.15; Prelude 18.30; Im Land meiner

Kinder (OmU; m.Gast) 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.30; Und wer nimmt den

Hund? 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 13.40, 16.30;AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 13.40; Der König

der Löwen 13.45, 16.35; Pets II 13.50; Playmobil:

Der Film 13.55; Good Boys 14.10, 17.20, 20.00;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.20, 17.10; Es: Kapitel II14.30, 16.15, 18.30,

20.15; Once Upon aTime in... Hollywood 16.15,

19.55; Angel Has Fallen 17.00, 19.50; Late Night

–Die Show ihres Lebens 19.50; 3D: Der König der

Löwen 19.50; Preview: Gut gegen Nordwind 20.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 03322/279 88 77)Ein Becken

voller Männer 15.00; Der König der Löwen 17.20;

Preview: Gut gegen Nordwind 20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Und der Zukunft zugewandt 17.15,20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Pets II

14.00; 3D: Der König der Löwen 14.10, 17.05,

19.50; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.10, 17.00;GoodBoys14.30, 17.40, 20.30;Die

drei !!! 14.30; Der König der Löwen 14.40,17.40;

Angel Has Fallen 14.40, 17.20, 20.15; Playmobil:

Der Film 14.45, 17.15; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.00, 17.15; Es: Kapitel II

15.00, 16.15, 19.00, 20.00; Fast &Furious:Hobbs

& Shaw 17.00, 19.50; 3D: Avengers: Endgame

19.30; Once Upon aTime in... Hollywood 19.40;

Preview: Gut gegen Nordwind 19.45; Stuber –5

Sterne Undercover 20.15

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 15.00;

Playmobil: Der Film 15.15; Der König der Löwen

15.30, 17.30; Es: Kapitel II 17.00, 20.15; Good

Boys 18.15; Once Upon aTime in... Hollywood

20.30; Preview: Gut gegen Nordwind 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; Der König der Löwen 14.45, 17.30; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 15.15,16.20;

AngelHas Fallen 17.10, 20.30; Es: KapitelII17.15,

20.00; Und der Zukunft zugewandt 18.15, 19.45;

Preview: Gut gegen Nordwind 20.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00; Benjamin

Blümchen 16.15; Der König der Löwen 17.15;

Good Boys 18.30, 20.30; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.45

Kammerspiele Kleinmachnow (✆ 03 32 03/847584)

3D: Der König der Löwen 16.00; Yesterday 18.15;

Ich war zuhause, aber...20.30

Scala Kulturpalast Werder (✆ 033 27/462 31 75)

Playmobil: Der Film 14.30; Die drei !!! 16.30; Stuber

–5Sterne Undercover 18.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.30

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Benjamin

Blümchen 16.15; Capernaum –Stadt der

Hoffnung 18.00; Und der Zukunft zugewandt 20.15

Union Kino-CenterLuckenwalde (✆ 03371/40 16 41)

Playmobil:Der Film 15.30;MeinLotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.30; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.30; Es: Kapitel II 17.20,

19.30; Good Boys 17.30, 20.30; Der König der Löwen

17.30; Leberkäsjunkie 20.15


26 Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019

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COMIC

Schatzsuche

in den Tiefen

des Meeres

VonOlaf Kieser

ImJahr 2007 meldete das US-amerikanische

Bergungsunternehmen

Ithaca, dass es in der Straße von Gibraltar

ein Wrack mit einem riesigen

Schatz entdeckt habe. Den etwas

dürren Angaben der professionellen

Schatzsucher nach handelte es sich

bei dem Fund um das Wrack der

Black Swan und bei dem Schatz um

den größten Unterwasserschatz, der

bis dahin gefunden worden war.

Dazu muss man wissen, dass es sich

bei der Black Swan nicht um ein echtes

Schiff handelt, sondern umeine

Legende in Schatzsucherkreisen.

Black Swan steht für den Traum,

eines Tages eine Galone mit vollständig

erhaltenem Schatz zu finden.

Aber wem gehört das Schiff eigentlich?

Ithaca behauptet, es handle

sich um ein englisches Schiff, das in

internationalen Gewässern gelegen

habe. Rasch entstehen jedoch Zweifel

an dieser Darstellung. Einiges

deutet darauf hin, dass das Schiff unter

spanischer Flagge zu Beginn des

19. Jahrhunderts von Südamerika

nach Europa gesegelt sein könnte

und somit Teil des spanischen Kulturerbes

wäre. Der junge spanische

Diplomat Álex und die Archivarin

Elsa sollen das nun beweisen, damit

Spanien seinen Anspruch auf den

Schatz juristisch durchsetzen kann.

Das ist das Hauptthema im Comic

„Der Schatz der Black Swan“.

Für die beiden ist der Auftrag

keine leichte Aufgabe, denn Ithaca

besitzt gute Kontakte zu US-Politikern.

Wenigstens werden Álex und

Elsa vondem erfahrenen amerikanischen

Anwalt Jonas Gold unterstützt,

der noch eine Rechnung mit

dem Chef von Ithaca offen hat. Als

sich der spanische Geheimdienst

einschaltet, geraten Álex und Elsa in

ein verwirrendes Geflecht von Politik,

Profit und Macht.

Ausgehend von wahren Ereignissen

aus dem Jahr 2007, bei denen er

selbst mitwirkte, erzählt der spanische

Diplomat und Schriftsteller

Guillermo Corral mit dem Comiczeichner

Paco Roca („Kopf in den

Wolken“) eine Abenteuergeschichte,

die sich mehr und mehr zu einem

Politthriller wandelt. Dabei gelingt

es Corral, die mitunter komplizierten

juristischen Sachverhalte so darzustellen,

dass auch Laien, was Seerecht

angeht, alles verstehen. Der

Comic gewährt Einblick in die Vorgänge

der internationalen Diplomatie

und die moderne Schatzsuche,

die als Multi-Millionen-Dollar-Business

dargestellt wird. Um dem Stoff

eine persönliche, emotionale Note

zu geben, gibt es noch eine Romanze

zwischen Álex und der ein paar Jahre

älteren Elsa.

Trotz einiger Thriller-Momente

ist der Erzählton angenehm ruhig.

Paco Rocas Zeichnungen passen

sehr gut dazu. Seine Bilder stecken

voller Details,sodass der Band auch

optisch einiges zu bieten hat. Der

spanische TV-Sender Movistar+ hat

übrigens mitgeteilt, dass „Der Schatz

der Black Swan“ als TV-Miniserie

verfilmt werden wird.

„DerSchatz derBlack Swan“, übersetzt von

André Höchemer,Reprodukt,Berlin 2019, 218

Seiten, 24 Euro.

Olaf Kieser

gefällt der historische

Kampf um Seeschätze.

Kann man knicken

Den Smartphone-Herstellern gehen die Ideen aus –oder doch nicht? Besuch bei den Anbietern auf der IFA

VonJan Bojaryn

Wer die Zukunft nicht

nur vonweitem sehen,

sondernanfassen will,

der muss sich anstellen.

So ist es zumindest zu Beginn

der IFA, kurz nach der Pressekonferenz

vonSamsung. Dorthat der Konzern

sein neues Smartphone vorgestellt:

das Galaxy Fold, ein Klapphandy

mit einem durchgehenden

Bildschirm, der einfach auf- und zugeklappt

werden kann.

Flexible Displays gelten in der

Branche seit einigen Jahren als das

nächste große Ding, und Samsung

ist der erste große Hersteller,der sein

Modell auf den Markt bringt. Der

Weghierhin war steinig. Lange führten

Handys mit biegsamen Bildschirmen

ein Schattendasein als Designstudien

und Prototypen. Auch

das Galaxy Fold musste kurzvor dem

Verkaufsstart noch einmal verschoben

werden. Jetzt, genauer am 18.

September, erscheint es wirklich.

Nach rund zwanzig Minuten in der

international besetzten Warteschlange

ist es dann soweit. Wenige

Minuten lang darf das Fold ausprobiert,

aufgeklappt und zugeklappt

werden.

Marktermüdet

Erste Erkenntnis: Es funktionierttatsächlich.

Werdas Handy in der Hand

hat, bekommt schnell das Gefühl, so

ein flexibles Display sei keine besondere

Errungenschaft, sondern ganz

normal. Es fühlt sich nicht so an, als

ginge es schnell kaputt. Aber besonders

edel wirkt es auch nicht. Daszugeklappte

Handy ist etwas dick. Der

Bildschirm des aufgeklappten Folds

wirkt nicht so gläsern und sinnlich

wie bei fast jedem anderen Handy,

sondernesfühlt sich nach Plastik an.

Dazu läuft eine leichte, aber sichtbare

Knickfalte über den gesamten

Bildschirm. Und schließlich stellt

sich die Frage, wozu der aufgeklappte

Bildschirm gut sein soll. Er

bietet mehr Platz, aber er ist ungefähr

quadratisch. Sollen Nutzer darauf

Videos schauen? Steht das 4:3-

Format aus den Zeiten des Röhrenfernsehers

voreinem Comeback?

Die wahrscheinlichere Anwendung

ist das Multitasking; auf einem

deutlich größeren Bildschirmfinden

mehrere Anwendungen gleichzeitig

1,7

Prozent weniger verkaufte

Smartphones weltweit. Den

Wert ermittelte das Marktforschungsinstitut

Gartner fürs

zweite Quartal.

statt. Parallel könnte man ein Video

schauen und chatten. Aber das funktioniertnicht

nur auf jedem handelsüblichen

Laptop besser,esgibt auch

ein anderes Handy auf der IFA, das

diesen spezifischen Bedarf besser

bedient: Das LGG8X ThinQ ist ein

Klapphandy mit zwei Bildschirmen.

Jeder Bildschirmkann etwas anderes

zeigen. Das Scharnier und beide

Touchscreens wirken bei dieser Lösung

robuster.

Beide Handys sind Luxusmodelle.

LGs Handy kostet mit

Zweitdisplay etwa 1000 Euro, Samsungs

mehr als das Doppelte.Genau

der Appetit an solchen Luxusmodellen

lässt allerdings nach. Im zweiten

Quartal dieses Jahres hat Marktforschungsunternehmen

Gartner mal

wieder einen leichten Rückgang der

weltweiten Verkaufszahlen für

Smartphones vermeldet, im Vergleich

zum Vorjahr um 1,7 Prozent.

Die Verkaufszahlen für High-End-

DER MARKT

368

Millionen Handys

sind im zweiten Quartal,

also vonApril bis Ende Juni,

weltweit trotzdem

noch verkauft worden.

Selber ausprobieren steht bei der IFAimMittelpunkt.

Die IFA-Neuheiten: Samsung bietet ein Handy

mit durchgehendem Faltbildschirm. LG verbaut

dagegen zwei Bildschirme. Und das Start-up

F(x)tec entdeckt sogar die Tastatur im

Schiebehandy wieder (Abb. im Uhrzeigersinn).

HERSTELLER (3)

58

Millionen Smartphones

verkaufte Huawei,

knapp 20 Millionen mehr als

Apple. Weltweit führend ist

Samsung.

DPA

Modelle sind noch schneller rückläufig

als bei Mittelklasse- oder Einsteigerhandys.

Die Gründe dafür liegen auf der

Hand: Smartphones sind ausgereift.

Neue Modelle werben mit Künstlicher

Intelligenz in den Prozessoren

und mit 5G-Modems. Welche konkreten

Vorteile das gegenüber schon

erhältlichen Handys bringt, bleibt

unscharf. Handy-Hersteller arbeiten

sich an Detailfragen ab.Wie weit soll

sich der Bildschirmumdas Gehäuse

biegen? Ist der Notch, also die sichtbare

Einkerbung oben am Bildschirmgut

oder schlecht? Denmeisten

Anwendern ist das Handy in ihrerTasche

schlicht gut genug. Gutes

Design und hochwertige Materialien

finden Kunden längst auch in der

Mittelklasse.

Allerdings sind Handys einander

auch ziemlich ähnlich geworden.

Dasist eine Chance für kleinereHersteller,

sich abzuheben. Das Londoner

Start-up F(x)tec hat etwa mit

dem Pro1 ein Handy vorgestellt, das

auf den ersten Blick auch nur ein

weiteres dickes Smartphone mit Riesenbildschirm

ist. Aber es beherrscht

einen vergessen geglaubten

Zaubertrick. Es lässt sich aufschieben

und offenbart dann eine volle

Tastatur.

Die meisten Menschen mögen

sich damit abgefunden haben, auf

einem Touchscreen zu tippen –innerhalb

weniger Sekunden liefert

das Pro1 aber ein spürbares Gegenargument.

Plötzlich werden die Tasten

wieder getroffen, keine Autokorrektur

muss den dahingewischten

Kauderwelsch in Wörter übersetzen.

DasHandy kostet mit 650 Euro weniger

als ein Topmodell, wird sich für

viele Anwender aber so anfühlen. Es

wirdsogar mit einem deutschen Tastaturlayoutangeboten.

Einfach mal aufschrauben

Eine andere Innovation hat das

deutsche Unternehmen Shift mitgebracht.

Die Firma macht sehr gewöhnlich

aussehende Handys; der

Bildschirm reicht nicht bis zum Gehäuserand,

die Rückseite fühlt sich

an wie normaler Kunststoff. Aber

die Handys mit Preisen ab 400 Euro

werden mit dem Ziel entwickelt, so

nachhaltig wie möglich zu sein. Ein

konkreter Vorteil der Idee ist das

wirklich modulare Design. Die Gehäuse

lassen sich einfach aufschrauben,

die meisten Komponenten

herausnehmen und ersetzen.

Der passende Schraubendreher ist

im Lieferumfang enthalten. Nicht

nur der Akku, auch das Display ist

mit wenigen Handgriffen abmontiert.

Staunend beobachten Messebesucher,wie

das Handy inWindeseile

auf- und zugeschraubt wird.

Shift ist nicht das erste Unternehmen,

das sich an der Nische des

nachhaltigen Handys abarbeitet.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt

auch das Fairphone. Bis neue Handys

mit wirklich bedeutsamen Innovationen

den Markt erreichen,

sind solche Neuheiten am sinnvollsten.

JanBojaryn findet sein

Mittelklasse-Smartphone

luxuriös genug.

Händler halten

wenig von

Onlinehandel

Zurückhaltung wegen

Kosten und Datenschutz

Zwei von drei Einzelhändlern in

Deutschland verzichten noch

immer auf den Verkauf ihrer Produkte

im Internet. Es handele sich

um kleinere und mittlere Unternehmen,

die ihren Weginden Online-

Vertrieb noch nicht richtig gefunden

hätten, sagte der Hauptgeschäftsführer

des Handelsverbandes

Deutschland (HDE), Stefan Genth,

am Dienstag in Düsseldorf. Dabei

bezog ersich auf eine Branchenumfrage

unter 850 Einzelhändlern in

Deutschland –65Prozent vonihnen

gaben an, nicht über das Internet zu

verkaufen. Bei den Offline-Verkäufern

geht es den Angaben zufolge

unter anderem um Lebensmittelhändler,

Bekleidungsgeschäfte und

Spezialisten wie Juweliere, die aus

Versicherungsgründen auf den Versand

verzichten.

Der hohe Offline-Wert liegt zum

Teil daran, dass der Lebensmittelhandel,

auf den grob gesagt ein Drittel des

gesamten Einzelhandelsumsatzes

entfällt, generell noch hinten dran ist

in Sachen Internetvertrieb, unter anderem

wegen der recht teuren Logistik

bei frischen Lebensmitteln. Doch

auch andereFirmen sind bei der fortschreitender

Digitalisierung noch außen

vor. Händler scheuten Investitionen,

da ihnen Anforderungen zur Datensicherheit

und zur schnellen Abwicklung

und Zustellung sehr hoch

erschienen, sagte Genth. „Der Kunde

ist heute nicht bereit, eineWoche darauf

zu warten –das Zeitfenster muss

passen.“

Anfassen und fühlen: Analog einkaufen

hat auch Vorteile.

DIGITAL VISION

Der Verbandsvertreter betonte,

dass man Händler nicht generell in

den Online-Vertrieb drängen sollte,

vielmehr hänge es vomStandortund

vom Geschäft einer Firma ab. Der

Offline-Anteil bei den deutschen

Einzelhändlern ist seit einigen Jahren

etwa gleich geblieben. HDE-

Hauptgeschäftsführer Genth rechnet

aber mit einer baldigen Veränderung.

„Ich bin sicher, dass die Quote

der Unternehmen, die heute noch

nicht digital unterwegs sind, deutlich

sinken wird“, sagte er.Wenn ein

Firmenchef altersbedingt aufhört

und ein jüngerer übernimmt, werde

häufig ein Digitalkurs eingeschlagen.

Wie wichtig der Online-Verkauf

für die Handelsbranche ist, verdeutlichen

andere Zahlen aus der Umfrage.

Die machen die zwei Geschwindigkeiten

beim Wachstum

der Branche deutlich: Bei Ladengeschäften

ist insgesamt –wenn überhaupt

–Schneckentempo zu sehen,

zum Beispiel weil Innenstädte weniger

Käufer anziehen als zuvor.

Der Online-Handel hingegen

boomt. So rechnet der HDE dieses

Jahr im stationären Handel preisbereinigt

nur mit einem „Nullsummenspiel“,

wie Genth es nannte. Zwar

dürfte der Umsatz in Ladengeschäften

um 1,3 Prozent auf rund 480 Milliarden

Euro anziehen. Zieht man allerdings

die Inflation ab, landet man

wohl bei etwa null Prozent –im Vorjahr

war die Entwicklung ähnlich. Der

Boom im Online-Handel geht hingegen

weiter, erdürfte um 8,5 Prozent

auf rund 58 Milliarden Euro klettern.

Preisbereinigt wären das noch satte

sieben Prozentplus. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 27 *

·························································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-

Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für

HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG)Verrückt nach Meer 17.00 (für

HG)Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant 18.00

(für HG) Gefragt –Gejagt 18.50 (für HG) Hubert

und Staller. Ein ehrenwertes Haus 19.45 (für

HG) Wissen voracht–Werkstatt 19.55 (für HG)

Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Play

TV-Drama, D2019

Mit Emma Bading,Oliver Masucci,

Victoria Mayer u.a.

21.45 (für HG) Plusminus

Das ARD-Wirtschaftsmagazin

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Maischberger

Ärzte klagen an: Sind Krankenhäuser

gefährlich für Patienten?

0.00 (für HG) Nachtmagazin

0.20 (für HG) Play

TV-Drama, D2019

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Susanna Ohlen, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Ran an den Speck –

Familien nehmen ab 16.00 Mensch Papa!

Väter allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf.

Krimiserie 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00

Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Die 25...

Das kann doch nicht erlaubt sein?!

Die absurdestenGeschichten des Lebens

Familie Dowe stinkts gewaltig /

Tätowierte Katze /Die Mauer muss weg

Moderation: Sonja Zietlow

22.15 stern TV

Wetter-Wahrsager oder Prognosen-

Pfuscher? Wetter-Apps im Test /Unterwegs

mit Lebensrettern: sternTVbegleitet

den Rettungsdienst der Malteser

0.00 Nachtjournal

0.30 (für HG) CSI: Den Tätern auf der Spur

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR Arte

15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 16.00

(für HG) MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell

18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG) Sandmann

19.00 (für HG) MDR Regional 19.30

(für HG)Aktuell 19.50 (für HG)Tierisch, tierisch

20.15 (für HG) Exakt 20.45 (für HG) Exakt

–Die Story 21.15 (für HG) Echt 21.45 (für

HG) Aktuell 22.05 (für HG) Tatort. Schön ist

anders. TV-Kriminalfilm, D2010 23.35 (für

HG) Olaf macht Mut 0.20 unicato 1.20 (für

HG) Lindenstraße 1.50 (für HG) Exakt 2.20

(für HG) Exakt –Die Story

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG)

Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Stationen 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Jetzt red i. Live 21.00 (für HG) Kontrovers

21.45 (für HG) Rundschau Magazin 22.00 Lebensborn

22.45 (für HG) Wrong Elements –Kindersoldaten

im Kongo. Dokumentarfilm, F/B/D

2016 0.55 kinokino 1.10 Familienbande. Dokumentarfilm,

D/LIT/EST/UA 2016

Vox

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 ShoppingQueen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind–Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00

4Hochzeiten und eine Traumreise 17.00 Zwischen

Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für

zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent!

20.15 (für HG)The Good Doctor 21.15 (für HG)

The Good Doctor 22.10 (für HG) ChicagoMed

23.05 (für HG)ChicagoMed 0.00 nachrichten

0.20 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Diagnose Selbstmord

Super RTL

14.55 Dragons –Auf zu neuen Ufern 15.20 Mr.

Bean –Die Cartoon-Serie 15.50 ALVINNN!!!

und die Chipmunks 16.20 Zig &Sharko –

Meerjungfrauen frisst man nicht! 16.45 Hotel

Transsilvanien –Die Serie 17.10 Inspector

Gadget 17.40 Zak Storm –Super Pirat 18.10

Die Tomund Jerry Show 18.40 Woozle Goozle

und die Weltentdecker 19.10 ALVINNN!!! und

die Chipmunks 19.40 Angelo! 20.15 (für HG)

Dr.House 21.10 (für HG) Dr. House 22.05 (für

HG) Dr.House 23.05 (für HG) Dr.House 23.50

Comedy total

Sport1

15.30 Poker 16.30 Container Wars. Bizarres

Ende 17.30 StorageWars –Geschäfte in Texas.

Klein und fein 18.30 StorageWars –Die

Geschäftemacher. Kinderquatsch 20.00 Die

PS-Profis –Mehr Power aus dem Pott. Ein

Sport-Coupé für 12.000 Euro 21.00 Die PS-

Profis –Mehr Power aus dem Pott. Der Traum

vom Porsche 21.45 Die PS-Profis –Mehr Power

aus dem Pott. Ein Stuttgarter für Felix 22.15

Kick-off –Das GFL-Magazin 23.15 Sport1

News 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Heute im Parlament. Moderation: Patricia Wiedemeyer

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Wo

ist Mama? 11.15 (für HG) SOKO Wismar. Vietjes

letzte Reise 12.00 heute 12.10 drehscheibe

13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute

–inDeutschland 14.15 Die Küchenschlacht

15.00 (für HG) heuteXpress 15.05 (für HG) Bares

für Rares 16.00 (für HG) heute–inEuropa

16.10 (für HG) DieRosenheim-Cops. Ein Alibi für

alle 17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute 18.00

(für HG)SOKO Wismar. Tödliche Nähe 19.00 (für

HG) heute 19.25 (für HG) DieSpezialisten –Im

Namen derOpfer. Fahnenflucht

20.15 (für HG) Dakommst du nie drauf!

Mit Markus Krebs, Anna Maria Mühe,

Kostja Ullmann, Beatrice Egli, Joachim

Llambi, Mary Roos

Moderation: Johannes B.Kerner

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 auslandsjournal

22.45 (für HG) Heimkinder wider Willen –

Jugendämter unter Druck?

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 (für HG) Die großen Irrtümer derGlobalisierung

–Handel, Kriege,Flüchtlinge

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Matthias

Killing,Karen Heinrichs 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas,Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Ungelogen –das ehrlichste Gespräch

deines Lebens 18.00 Nächste Ausfahrt

Liebe 19.00 Genial daneben –Das Quiz 19.55

Nachrichten

20.15 Plötzlich arm, plötzlich reich –das

Tauschexperiment

Von Marzahn nach Monaco

Kandidaten:Jessica Stockmann (350qm

große Luxus-Villa in Monaco),Yvonne Künzel

(Plattenbauwohnung in Berlin-Marzahn)

22.25 SAT.1 Reportage

In der Schuldenfalle –Leben auf Pump

23.25 SpiegelTV–Reportage

Ramsch oder Reibach? Die Schatzsucher

vomAuktionshaus. Reportagereihe

0.25 Plötzlich arm, plötzlich reich –das

Tauschexperiment

14.30 (für HG) In aller Freundschaft 15.15

(für HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG)

Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Markt 21.00 (für HG) Doc Esser 21.45 (für

HG) Aktuell 22.10 (für HG) Wie geht es besser?

22.55 (für HG) sport inside 23.25 (für

HG) 9/11 –Gestrandet bei Freunden 0.15 (für

HG) Unschuldig hinter Gittern verbrannt 0.30

(für HG) Maischberger 1.45 Erlebnisreisen

NDR

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG)

Wie geht das? 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Expeditionen ins Tierreich

21.00 (für HG) Heimatküche 21.45 (für HG)

aktuell 22.00 (für HG) Großstadtrevier. Alles

im Griff 22.50 (für HG) extra 3Spezial 23.20

(für HG) Zapp 23.50 (für HG) 7Tage ... 0.20

Kümo „Henriette”. Opa, zieh die Latschen aus

0.45 (für HG) Visite 1.45 (für HG) Weltbilder

Kabel eins

5.45 Without aTrace 6.35 The Mentalist 7.30

Blue Bloods –Crime Scene NewYork 8.25 Blue

Bloods –Crime Scene NewYork 9.20 Navy CIS:

L.A. 10.15 Navy CIS 11.10 Without aTrace

12.05 Numb3rs 13.00 Castle 13.55 The Mentalist

14.55 Navy CIS: L.A. 15.50 News 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi

kommt 18.55 Quiz mit Biss 20.15 Top Gun –

Sie fürchten weder TodnochTeufel. Actionfilm,

USA 1986 22.35 Cocktail. Komödie, USA

1988 0.40 TopGun. Actionfilm, USA 1986

RTL 2

14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Hartz und herzlich –Tag für Tag

Benz-Baracken 17.00 News 17.05 Krass

Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667

19.00 Love Island Flash 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Die Wollnys –Eine schrecklich

große Familie! 21.15 Die Wollnys –Eine

schrecklich große Familie! 22.15 Love Island –

Heiße Flirts und wahre Liebe 23.20 UNdressed

–Das Date im Bett 0.20 Love Island –

Heiße Flirts und wahre Liebe 1.15 Autopsie –

Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

11.30 Snooker:World MainTour 12.30 Springreiten:

Rolex Grand Slam 13.30 Radsport: Tour

of Britain 14.05 Radsport:Vuelta aEspaña

15.00 Radsport:Vuelta aEspaña. 17. Etappe

17.45 Radsport:Vuelta extra 18.15 Radsport:

Tour of Britain 19.30 Snooker:World Main Tour

20.15 Eurosport News 20.25 Sportschießen:

Weltcup 20.55 Radsport:Vuelta aEspaña

22.00 Eurosport News 22.15 Snooker:World

Main Tour. Shanghai Masters (CHN): 3. Tag

0.20 Radsport: Tour of Britain

ARTE, 20.15 UHR DRAMA

Eine fantastische Frau

Nachdem Todihres Liebhabers, des 20 Jahreälteren Geschäftsmanns Orlando,musssichdie

27-jährigeMarina(Daniela Vega)mit dessenHinterbliebenen

auseinandersetzen. Vorallem Orlandos Ex-Frauwill um jeden Preis

verhindern, dass dieAffäreihres verstorbenen Ex-Gatten mit dertranssexuellen

Marina bekannt wird.Dochauch ein Arzt,der ihr nichtglaubt,und ein

Detektiv,der hinter OrlandosTod ein Verbrechen vermutet, machen Marina

das Lebenschon bald zur Hölle.Das vielfach preisgekrönte und vonder Kritik

hochgelobte Melodram „Eine fantastischeFrau“ deschilenischen Regisseurs

und Drehbuchautors Sebastián Lelio wurde 2017 bei der Berlinale uraufgeführt

und mit einem Silbernen Bärenfür das beste Drehbuch geehrt. Arte zeigtdas

Dramaals Free-TV-Premiere.

(Chile/Dtl./Span./USA/2017)

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VOX, 20.15 UHR

Swipe

durch Berlin.

DIGITAL

SO SCHREIBTMAN BERLIN.

NORMALVARIANTE –MITTEL

SUDOKU

8 6

3 6 2

1 4

4 8

1 9 4

5 3

6 5 7

1

8 5 7 4

MIT DIAGONALEN –SCHWER

4 2

8

7 6

1 4 9

3 6

2 1 9

3 4 5

7

Foto: Arte

berliner-zeitung.de/swipe

AUFLÖSUNG

VOM 10. 9. 2019

MITTEL

AUFLÖSUNG

VOM 10. 9. 2019

SCHWER

6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Der Winzerkönig 12.55

Landschleicher 13.00 rbb24 13.10 Verrückt

nach Meer 14.00 Gartengeschichten 14.45

made in Südwest 15.15 Unser Westen 16.00

rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas? 17.00

rbb24 17.05 Panda, Gorilla &Co. 17.55

Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin

18.30 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

19.30 Brandenburg aktuell /Abendschau

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 rbb Praxis

Chat zum Thema „Schmerzen im Fuß –

Welche Therapien helfen?”

21.15 Die rbb-Reporter Frauen an den

Herd! –Spitzenköchinnen für Berlin

21.45 rbb24

22.00 Holocaust –Die Geschichte der

Familie Weiss 1942-1944. Miniserie

23.30 Talk aus Berlin

0.00 rbb Praxis

Chat zum Thema „Schmerzen im Fuß –

Welche Therapien helfen?”

1.00 Brandenburg aktuell /Abendschau

ProSieben

11.35 Mike &Molly. Peggys Geheimnis. Comedyserie

12.00 2Broke Girls. Der perfekte

Lunch/Das Basketball-Desaster.Comedyserie

12.55 Mom. Die Macht der Miranda. Comedyserie

13.20 Twoand aHalf Men. Der Mittwochs-Mann/Gib

dir keine Mühe, Charlie/Ich

verstehe. Comedyserie 14.45 The Middle. Das

harte Weihnachtsfest/Die Jeans. Comedyserie

15.40 The Big Bang Theory. Die Bill-Gates-Begegnung/Das

Machtwechsel-Modell/Der Waldmensch

Wolcott. Comedyserie 17.00 taff

18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons. Ich will

nicht wissen, warum der gefangene Vogel

singt/Nach Hause telefonieren. Zeichentrickserie

19.05 Galileo. Moderation: Aiman Abdallah

20.15 Grey's Anatomy –Die jungen Ärzte

Im Nebel

Krankenhausserie

21.15 Seattle Firefighters –Die jungen

Helden

Flächenbrand.Actionserie

22.15 9-1-1 Notruf L.A.

In der Falle. Krimiserie

23.10 9-1-1 Notruf L.A.

Wer wir sind. Krimiserie

0.05 Two and aHalf Men

Im Bett mit Angina /Ich kann mir

keine Hyänen leisten. Comedyserie

11.45 Wiedas Land, so derMensch 12.15 Re:

12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land Kunst

13.50 (für HG) Invictus –Unbezwungen. Drama,

USA 2009 15.55 Magic Cities 16.50 (für HG)

X:enius 17.20 Wiedas Land, so der Mensch

17.45 (für HG) Das Wunder vonNairobi 18.30

(für HG) Theos Tierwelt 19.20 Arte Journal 19.40

(für HG) Re: 20.15 (für HG) Eine fantastische

Frau. Drama, CHI/D/E/USA2017 21.55 Trans

Is Beautiful! 22.50 (für HG) Der letzte Atemzug.

Dokumentarfilm, GB 2019 0.15 Arte Journal

1.20 (für HG) Wüste Wurzeln, starkeStämme

3Sat

12.30 Reporter 13.00 (für HG) ZIB 13.15

Traumroute durch die Alpen –der Bernina-Express

13.30 Schweizer Hotelgeschichten

16.55 Die Rückkehr der Wildnis. Dokumentarfilm,

CH 2017 18.30 nano 19.00 (für HG)

heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Gefährliche Rückkehrer –IS-

Kämpfer in Deutschland 21.00 Kinder des

Dschihad 21.45 (für HG) Brüder. TV-Drama, D

2017 0.45 (für HG) Helden in den Trümmern

von Mossul 1.15 10vor10 1.45 ECO 2.10 (für

HG) Reisezeit –Traumhafte Ziele

Phoenix

7.45 Die Macht der Jahreszeiten 8.45 phoenix

tagesgespräch 9.00 Bundestag live. Live

18.00 phoenix der tag 18.30 Die Macht der

Jahreszeiten 19.15 Die Macht der Jahreszeiten

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Terra X.Der Rhein:Von Vulkanen und Riesenflößen

21.00 (für HG) Terra X.Der Rhein:Von

Malaria und Jahrtausendfluten 21.45 (für HG)

heute-journal 22.15 (für HG) phoenix runde

23.00 phoenix der tag 0.00 (für HG) phoenix

runde 0.45 (für HG) Terra X2.15 Queen Victoria

–Eine königliche Familiensaga (1-3/3)

Kika

13.50 (für HG) Die Regeln von Floor 14.10

Schloss Einstein 15.00 Lockie Leonard 15.45

Stoked 16.10 (für HG) Lenas Ranch 16.55

Kein Keks für Kobolde 17.40 (für HG) Belle

und Sebastian 18.05 Der kleine Nick 18.20

Ben &Hollys kleines Königreich 18.40 Löwenzähnchen

–Eine Schnüffelnase auf Entdeckungstour

18.50 Sandmann 19.00 (für HG)

Robin Hood –Schlitzohr von Sherwood 19.25

(für HG) Die Kamerahelden –Deine Schule,

deine Fotos 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) KiKA Live 20.10 Du bist STYLE!

Dmax

14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein Ziel

15.15 Coast Guard Alaska –Rettung aus der

Luft 16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15 Die

Gebrauchtwagen-Profis 19.15 Border Control –

Spaniens Grenzschützer 20.15 Auction Hunters

–ZweiAsse machen Kasse 20.45 Hardcore

Pawn: Das härteste Pfandhaus Detroits

21.15 American Chopper 22.10 DMAX News

22.15 Impractical Jokers –Die Lachflasher!

0.10 DMAX News 0.15 American Chopper

1.10 1000 Wege,ins Gras zu beißen

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.0

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Menschen hautnah

10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 45 Min

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00 Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Mark

20.00 Tagesschau 20.15 ReportMainz.Moderat

on: Moderation: Fritz Frey 20.45 Panorama3

21.17 Fakt ist! 22.15 Markt 23.00 Tagesthemen

23.15 Europa-Reportage 23.30 Kontrovers 0.15

defacto 1.00 Nachtmagazin 1.20 extra 3Spezial

1.50 Extra 2.02 Die Tagesschau vor 20 Jahren

2.20 SachsenSpiegel 2.50 Extra 3.02 SWRLandesschau

Baden-Württemberg 3.47 Extra 4.02

Abendschau 4.30 aktueller bericht

ONE

12.05 Sturmder Liebe 13.40 Um HimmelsWillen

(1) 14.25 Nimm Du ihn. TV-Komödie, D2019

15.55 Dawson's Creek 16.40 Dawson's Creek

17.25 Lindenstraße 17.55 Ohne Schnitzel geht e

nicht 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder

Liebe 20.15 Agatha ChristiesPoirot. Erpressung

und andere Kleinigkeiten. TV-Kriminalfilm,GB199

21.00 AgathaChristies Poirot. Dieverschollene

Silbermine. TV-Kriminalfilm, GB 1990 21.55 Baue

feind –Die Show zur Frau 22.00 Papillon. Gefäng

nisfilm, USA/F 1973 0.25 AgathaChristies Poirot

Erpressungund andereKleinigkeiten. TV-Kriminalfilm,

GB 1990 1.15 Agatha Christies Poirot. Die

verschollene Silbermine. TV-Kriminalfilm, GB 1990

ZDF NEO

5.05 TerraX5.50 TerraX6.35 TerraX7.20 Terra

X 8.00 Topfgeldjäger 8.55 Lafer! Lichter! Lecker!

9.40 Bares für Rares 10.35 Baresfür Rares

11.25 Bares für Rares –Lieblingsstücke 12.10

Monk 12.50 Monk 13.35 Psych 14.15 Psych

14.55 Monk 15.35 Monk 16.20 Psych 17.00

Psych 17.45 Bares fürRares –Lieblingsstücke

18.30 Bares für Rares 19.20 Bares für Rares

20.15 (für HG)Wilsberg. Bullenball.TV-Kriminalfilm,

D2010 21.40 (für HG)Ein starkesTeam. La

Paloma. TV-Kriminalfilm, D2009 23.10 The Glass

House. Thriller, USA 2001 0.50 (für HG)Wilsberg.

Bullenball. TV-Kriminalfilm,D2010 2.20 TerraX

3.00 TerraX3.45 TerraX4.30 TerraX

ZDF INFO

6.35 Amazon –gnadenloserfolgreich 7.20 Geschichte

treffen 8.05 Ich will nurraus 8.50 Ermittler!

9.50 Auf Verbrecherjagd 12.45 Amazon –gnadenlos

erfolgreich 13.30 Machtund Machenschaften

14.15 Kriminelle Karrieren 15.45 Abgezockt!

17.20 Milliardenspiel in Monaco–EinOligarch kau

die Justiz 18.00 Alte Bündnisse –neueBedrohungen

18.45 DerneueKalte Krieg 19.30 Armee am

Limit –Was wird ausder Bundeswehr? 20.15 Insid

NATO 22.25 BalkaninFlammen 0.40 (fürHG) heute-journal

1.05 Rockerkrieg 3.15 Chemnitz –Eine

Stadt zwischenTrauerund Hass 3.45 Migration–

Dasgroße Missverständnis 4.35 Operationsouverä

ne Grenzen –Australiens harte Migrationspolitik

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Clara Schumann zum 200. Geburtstag Verbotene

Liebe in Leipzig., ca. 56 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Brandenburgische Sommerkonzerte Mit Werken

von Rossini, C.Ph.E. Bach, Mahler,Beetho

ven, ca. 87 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikfest Bremen Mit Werken von Mahler,

Anschließend: Instrumentalmusik aus dem 18

Jahrhundert mit verschiedenen Interpreten un

Ensembles,ca. 146 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Neue Musik,Alan Hilario: „Fünf Räume –sieben

MusikerInnen“ für kleines Ensemble, Zuspielband

und acht Türen, ca. 55 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(3/29). Es liest Johann von Bülow, ca. 30 Min

20.30 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lesezeit Sibylle Lewitscharoff liest aus ihrem

Roman „Von oben” (2/2), ca. 30 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Zeugnis ablegen” Die Tagebücher des Victor

Klemperer.Zweiter Teil: Die Jahre 1935 und

1936.Mit Udo Samel. Regie: Klaus Schlesinger,

ca. 57 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Rafik Schami: „Die geheime Mission

des Kardinals” (38/40)., ca. 26 Minuten

MAGAZIN

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Seltene Seltsamkeiten. Die Werk

statt Rixdorfer Drucke., ca. 26 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Spielweisen Wortspiel –Das Musik-Gespräch

Der Dirigent Ingo Metzmacher erläutert zusam

men mit dem Deutschen Sinfonie-Orchester

Berlin die 13. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch.

Mit Ingo Metzmacher, ca. 45 Minuten

22.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Gespräch Mit Juna Grossmann (Bloggerin).

Moderation: Almut Engelien, ca. 30 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Kadri Voorand., ca. 30 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Querköpfe Kabarett, Comedy &schräge Lieder.Die

Autorin und Kabarettistin Katinka Bud

denkotte. VonAnja Buchmann, ca. 55 Minuten

23.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jazz Das erste Öko-Jazzlabel? Die Plattenfirm

Biophilia Records., ca. 30 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 211 · M ittwoch, 11. September 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

Chancelor Bennett alias Chance the

Rapper ist gerade mal 26 und bereits

im Besitz dreier Grammys.Jetzt aber

setzt der US-Musiker erst einmal anderePrioritäten

–was besonders

seine Frau Kirsten freuen dürfte.Die

hat gerade ihr zweites Kind zur Welt

gebracht, und wie jeder weiß, kommen

da eine Menge Arbeit und verdammt

wenig Schlaf auf die Familie

zu. Bennett erklärte bei Instagram,

schon nach der Geburtvon Tochter

Kensli im September 2015 zwei Wochen

später auf Tour gegangen zu

sein und somit wichtige Meilensteine

in ihrem Leben verpasst zu

haben. Diesmal, bei Töchterchen

Marli, wolle er diesen Fehler nicht

wiederholen. DerRapper verschob

kurzerhand seine geplante Konzerttour

auf Mitte Januar.Family first!

Joaquin Phoenix (44) war erst 19 Jahre

alt, als sein Bruder River mit 23 Jahrenaneiner

Überdosis starb.Jetzt

hat sich der Hollywoodstar („Joker“,

„Walk the Line“) beim Filmfestival in

Toronto in einer emotionalen Rede

bei seinem Bruder bedankt. River

habe ihn zur Schauspielerei ermutigt

–nachdem beide sich den Scorsese-

Film „Wie ein wilder Stier“ angesehen

hatten. Unddas ist ja nun wirklich

immer eine gute Idee.

Ellen DeGeneres (61)ist frisch erholt

aus der Sommerpause zurück und

plaudertüber ihren Urlaub in Europa:

Amsterdam mit

seinen Kanälen, ganz

wunderbar,und London

erst! Dorthatte

die US-ModeratorinGelegenheit,

einen Nachmittag

mit Prinz

Harryund Herzogin

Meghan

zu verbringen

und Baby Archie

zu halten. Ein

Foto habe sie zwar

nicht gemacht, aber:

„Ersieht aus wie

Harry.“Noch Fragen?

(avo.)

Sie durfte BabyArchie

halten und füttern.

IMAGO IMAGES

TIERE

Hundeleben: vor dem rettenden

Sprung ans Ufer. DPA/DAREN FENTIMAN

Für einen guten Zweck können sich

auch Hunde mal zum Affen machen.

Unter dem zungenbrecherischen, irgendwie

auch etwas gewollt daherkommenden

Titel „SurfDog Surf-A-

Thon“ werden in der kalifornischen

Küstenstadt DelMar einmal im Jahr

die Hunde auf Surfbretter gesetzt

und den Fluten überlassen, was insbesondereMenschen

immer wieder

komisch, bisweilen auch niedlich

finden, was als Benefizveranstaltung

allerdings auch Spendengelder einbringt,

die einem örtlichen Tierheim

zugute kommen. Nunalso war es am

Hundestrand vonDel Marwieder so

weit, zum bereits 14. Maltrafen sich

die Vierbeiner zum großen Surf-

Plansch. DemProtagonisten auf unserem

Bild scheint das Spektakel allerdings

nicht ganz zu behagen –der

will nur runter vomBrett! (schl.)

Denkt man an Westernserien,

ist „Bonanza“ wohl

der Kult schlechthin. Vor

60 Jahren, im September

1959, ritt Ben Cartwright mit seinen

drei Söhnen Adam, Hoss und Little

Joe in dem Pilotfilm „A Rose for

Lotta“ zum ersten Mal über die US-

Bildschirme.

Heute kaum nachvollziehbar,galten

die Geschichten um „Pa“ und

seine braven Jungs beim deutschen

Sendestart 1962 als „zu brutal“ und

wurden schon nach 13 Folgen vonder

ARD aus dem Programm genommen.

Ab 1967 versammelte sich die „Bonanza“-Gemeinde

dann beim ZDF:

„Little Joesetzt auf Sieg“ machte den

Anfang, 14 Jahre lang galoppierten

die Cowboys vonErfolg zu Erfolg, die

430 in Farbe produzierten Episoden

wurden in mehr als 90 Ländern ausgestrahlt.

Frauen bleiben Randfiguren

Die vier Männer wohnten gemeinsam

mit ihrem chinesischen Leibkoch

Hop Sing auf der Ponderosa

Ranch, die Titelmelodie und die von

der Mitte aus abbrennende Landkarte

imVorspann kannte jeder.„Bonanza“

war kein klassischerWestern,

sondern vereinte dessen Elemente

mit Familien- und Abenteuerserien.

Die Hauptdarsteller kamen nicht als

ballernde Revolverhelden wie Wyatt

Earp oder Jesse James daher.Der Ton

war hier ein anderer: Konflikte mit

Raubeinen,Viehdieben und anderen

Banditen wurden zumeist mit Vernunft

gelöst.

Nurselten wurde es so ernst, dass

auch die friedliebenden Cartwrights

als letztes Mittel zum Colt greifen

mussten. Dann jagten und fingen sie

Bösewichte, schlichteten Streitfälle

oder lösten Probleme mit angriffslustigen

Indianern. Bis heute erscheint

jedoch rätselhaft, wann die

Männer von der Ponderosa die Zeit

fanden, sich um ihre Ranch und die

vielen eigenen Rinder zu kümmern:

Seit jeher umgab sie eine eigentümliche

Aura der Zweckfreiheit.

Produzent David Dortort führte

die Popularität der Serie auf die Behandlung

universeller Themen und

die Würdigung von Familienwerten

zurück. „Als die dysfunktionale Familie

eine aktuelle Lebensweise in

den USA wurde, zeigten sich die

Cartwrights als funktionierende Familie

–auch ohne starke Mutter.“

Frauen waren in „Bonanza“ lediglich

Randfiguren. Sie hatten entweder

bereits das Zeitliche gesegnet –

wie die drei verschiedenen Mütter

vonAdam, Hoss und Little Joe–oder

fanden nach kurzem Gastauftritt

meist ein tragisches oder gewaltsames

Ende. Auch daheim wartete auf

Vater und Söhne nach getaner Arbeit

kein weibliches Wesen, nur ihr chinesischer

Chef de Cuisine: „Mistel

Kaltweit, Essen ist feltig. Heute gibt

es sehl guten Schweineblaten!“

In der Filmfiktion lag die Ranch

„Ponderosa“ im Zentrum des 2400

Quadratkilometer großen Grundbesitzes

in Nevada. ZurZeit des Amerikanischen

Bürgerkriegs lebte hier

der verwitwete, wohlhabende Rinderzüchter

Ben Cartwright (Lorne

Greene) gemeinsam mit seinen drei

erwachsenen Söhnen Adam (Pernell

Roberts), Eric „Hoss“ (Dan Blocker)

und Joseph „Little Joe“ (Michael

Titelmelodie und Landkarte: Es erscheint „Bonanza“,

dann brennt das Papier,dann reiten die Cartwrights

Die vier Prachtkerle von der Ponderosa, die Familie Cartwright (v.l.): Eric

„Hoss“ (Dan Blocker), „Little Joe“ (Michael Landon), Vater Ben (Lorne

Greene) und Adam (Pernell Roberts).

IMAGO IMAGES

Landon). Adam war der Intellektuelle,

Hoss der Gutmütige und Little

Joeder Heißsporn.

Zwischen 1964 und 1967 war„Bonanza“

die meistgesehene Sendung

in den USA. In Deutschland entwickelten

sich die 208 vomZDF gezeigten

Folgen ebenfalls zum Quotenhit.

Schwerste Verwüstungen

Lorne Greenes sonore Synchronstimme,

die ihm von Friedrich

Schütter verliehen wurde, klingt

auch heute noch vielen in den Ohren.

Weitere 152 Episoden sendete

Sat.1 ab 1989 in deutscher Erstausstrahlung,

ab 1997 liefen nochmals

40 bei Kabel 1. Zum60-jährigen Jubiläum

werden auf SkyCinema Nostalgie

rund um die Uhr alle 430 Folgen

gezeigt. Die komplette Serie läuft

von diesem Donnerstag an nonstop

bis zum 28. September.

So dürfen auch nachrückende

Generationen am Schicksal der Familie

Cartwright teilhaben – im

Laufe der Jahrzehnte sollen es weltweit

mehr als 400 Millionen gewesen

sein. Nur „Rauchende Colts“ mit

Marshall Dillon und Festus (20 Jahre)

und„Die Simpsons“ (bisher 30 Jahre)

wurden länger produziert.

Ökologische Forstwirtschaft

Neben den vier Helden gaben vor

der Kamera zahlreiche Gaststars ihren

Pferden die Sporen. Leonard Nimoyund

DeForest Kelley,bei uns bekannt

aus „Raumschiff Enterprise“,

Telly Savalas, Charles Bronson,

James Coburn, George Kennedy und

Dennis Hopper reichten sich auf der

Ponderosa die Zügel. Bereits 1965

stieg Pernell Roberts nach 195 Folgen

aus der Serie aus, umden Staub

des ewigen Cowboy-Images abzuschütteln.

Für ihn bedeutete der

Ausstieg allerdings seine wohl größte

Fehlentscheidung, denn danach bekam

er keine Hauptrollen mehr und

war im Fernsehen nur noch als Gast

zu sehen. Erst 14 Jahrespäter gelang

Roberts in der Rolle des Chefarztes in

der Serie„Trapper John M.D.“ ein erfolgreiches

Comeback.

„Bonanza“ blieb auch ohne

Adam ein Publikumsrenner.Als aber

Dan Blocker 1972 mit nur 43 Jahren

an den Folgen einer Lungenembolie

starb,war dieser Verlust zu groß: Die

ohne ihn produzierten Folgen fanden

kaum noch ein Publikum –bei

Wiederholungen werden sie mitunter

gar nicht erst gezeigt. DieProduktion

wurde 1973 endgültig eingestellt.

Unddoch lebt der Mythos weiter.Von

2003 bis 2009 erschien vierteljährlich

mit „Bonanza Gold“ ein

offizielles Magazin zur Serie. Darin

berichteten Gastschauspieler,Stuntmen

und technische Mitarbeiter in

Interviews und Anekdoten, wie es

damals vor und hinter der Kamera

wirklich zuging.

Zum 50-jährigen Jubiläum des

Sendestarts in den USA fand im Jahr

2009 auf der Ponderosa-Ranch ein

Convention-Wochenende statt. Der

originale Drehschauplatz liegt in

Incline Village nahe des Lake Tahoe,

die Ranch befindet sich aber mittlerweile

in Privatbesitz und ist sonst

nicht zugänglich. DerName Ponderosa,

abgeleitet von den Ponderosa-

Pines (Gelb-Kiefern), ist weltweit

Namensgeber unzähliger Hotels und

Gaststätten. Die ursprüngliche Bedeutung

von„Bonanza“ lautet Goldgrube

oder Glücksfall.

DieRolle der Cartwrights als Friedensstifter

und naturverbundene

Verfechter von ökologischer Forstwirtschaft,

fairem Viehhandel und

als Minderheitenfürsprecher lässt

sich in der Rückschau allerdings nur

schwer mit dem Image der patriarchischen

Großgrundbesitzer und

Rinderbarone in Einklang bringen.

Ob die Botschaft des universellen

Gutmenschen damals tatsächlich

bei allen Zuschauern soangekommen

ist, bleibt also fraglich. Schließlich

soll „Bonanza“ auch die Lieblingssendung

vonTerrorchef Osama

BinLaden gewesen sein.

Nach der Hurrikankatastrophe auf den Bahamas versuchen viele Menschen, die zerstörten Inseln zu verlassen

„Mistel Kaltweit,

Essen ist feltig“

Vor60Jahren flimmerte die Serie „Bonanza“

erstmals über die Bildschirme: Die

Geburtsstunde des familientauglichen,

vernunftbegabten und friedliebenden Western

Eine Woche nach den Verwüstungen

durch Hurrikan„Dorian“ auf

den Bahamas steigt die Zahl der Todesopfer

weiter. Die Polizei sprach

am Montagabend (Ortszeit) von 50

Toten. Sie geht davon aus, dass bei

Such- und Bergungseinsätzen weitereLeichen

geborgen werden. Zahlreiche

Menschen würden noch vermisst.

Laut UN-Welternährungsprogramm

(WFP) hat die Regierung mit

Militär- und Zivilflugzeugen sowie

Schiffen etwa 5000 Menschen von

den am schlimmsten betroffenen Inseln

im Norden des Karibikstaates

umgesiedelt. Auf den Abaco-Inseln

seien 90 Prozent der Häuser und Infrastruktur

beschädigt oder zerstört,

viele Häuser hätten keinen Strom.

VonMichael Ossenkopp

ARCHIV

Viele der Geretteten wurden auf

die bevölkerungsreichste Insel New

Providence gebracht, einige in die

USA. Allerdings endete am Sonntag

eine geplante Fährfahrt inden US-

Bundesstaat Florida für 119 Menschen

schon in Freeport, der größten