Berliner Zeitung 12.09.2019

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Die Kapitänin: Warum Pia Klemp Menschen aus dem Mittelmeer rettet – Seite 3

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Weshalb Taxifahren in

Berlin so teuer wird

Berlin Seite 12

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Hongkong: Joshua Wong

hofft auf Deutschland

Politik Seite 4

Donnerstag,12. September 2019 Nr.212 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

WieBerlin Humboldts

250. Geburtstag feiert

Berlin Seite 14

Der rechte Hass

aus der

Fankurve

VonChristine Dankbar

Er sagt, er sei erleichtert, aber

auch traurig darüber, dass es

jetzt vorbei ist. Thomas Sobotzik

klingt leise am Telefon. Er wägt ab,

was er sagt. Undeigentlich will er gar

nichts sagen. Er hat deshalb eine

Stellungnahme verschickt, in der er

mitteilt, warum er am 4. September

darum gebeten hat, als Geschäftsführer

des FC Chemnitz freigestellt

zu werden.

Dass er sich

dafür eine Woche

Zeit genommen

hat, lässt darauf

schließen, dass

er seine Worte

abgewogen hat.

Thomas Sobotzik,

ehemaliger Funktionär

des FC Chemnitz

FC Chemnitz

Die Hauptaussage

des Schreibens,

das auch

die Berliner Zeitung

per Mail bekommen

hat, steht in der Überschrift,

von ihm selbst mit Anführungszeichen

als Zitat kenntlich gemacht:„Ich

wollte mich den zunehmenden Bedrohungen

nicht mehr aussetzen!“

Gemeint sind damit Vorfälle wie

jener am 24. August beim Auswärtsspiel

des FC Chemnitz gegen Bayern

München II. Dort war Sobotzik als

„Judensau“ beschimpft worden. Von

mitgereisten „Fans“ des eigenen Vereins.

Außerdem gab es Hakenkreuz-

Schmierereien im Fanblock.

Er habe schon vor einigen Wochen

mit dem Insolvenzverwalter

Klaus Siemon über das Aufhören gesprochen,

schreibt Sobotzik in seiner

persönlichen Erklärung. Der FC

Chemnitz war im Frühjahr trotz Insolvenz

in die dritte Liga aufgestiegen.

Das habe es noch nie im deutschen

Fußball gegeben, so Sobotzik.

Umso härter traf ihn der Hass der

Fans.Ernennt das Spiel am 4. Maiin

Meuselwitz als „einschneidendes

Erlebnis“. Damals hatte die Mannschaft

den Aufstieg klargemacht

und Sobotzik ging in die Fankurve,

weil ein Platzsturm drohte. Dort

habe man ihn beschimpft und mit

Bierbechern beworfen. Daran hätte

sicher der hartgesottenste Trainer

zu knabbern. Sobotzik wirkt aber

eher wie ein zugewandter Geschäftsführer.

Die Spieler der

Mannschaft, die er seit 2018 formte,

seien ihm fast wie Kinder ans Herz

gewachsen, sagt er.

Doch vorbei ist vorbei. Sobotzik

will nächste Woche Richtung Westen

umziehen. Dem Verein hatte er angeboten

noch einige Zeit zur Verfügung

zu stehen, aber „längstens bis

15. September“.

Ein Leben

ohne

Internet?

Geht nur,wenn man es

sich leisten kann, sagt

Sascha Lobo, Blogger und

Experte fürs Sozialdigitale,

im Gespräch mit der

Berliner Zeitung. Seite26

Enteignen muss nicht teuer sein

Verfassungsrechtler: Immobilienunternehmen können unter dem Verkehrswert entschädigt werden

VonUlrich Paul

Eine Vergesellschaftung von

Wohnungen großer Immobilienunternehmen

ist zulässig

und muss nicht zum

aktuellen Verkehrswert erfolgen. Zu

diesem Schluss kommt der Verfassungsrechtler

Joachim Wieland von

der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften

in Speyer in

einem Gutachten im Auftrag der

Linkspartei.

Wielands Gutachten ist nach einer

Untersuchung des Wissenschaftlichen

Dienstes des Abgeordnetenhauses

innerhalb weniger Tage die

zweite Expertise,die das Volksbegehren

der Initiative„Deutsche Wohnen

und Co enteignen“ als rechtlich zulässig

einstuft. Wieland positioniert

sich allerdings sehr viel klarer in Bezug

auf eine Entschädigung. „Die

Höhe der Enteignungsentschädigung

muss bei einer Abwägung zwischen

den Interessen der Allgemeinheit

und den Interessen der Eigentümer

ermittelt werden“, sagte Wieland

am Mittwoch. Beim Blick auf

den Berliner Wohnungsmarkt sei

denkbar, als Entschädigung die Beträge

zugrunde zu legen, „die vor einigen

Jahren für bestimmte Wohnungen

gezahlt worden sind, aber

nicht die Gewinnsteigerungen der

letzten Jahre“, sagte Wieland. Die

Enteignungs-Initiative will die Bestände

von Immobilienunternehmen

mit mehr als 3000 Wohnungen

in Gemeineigentum überführen.

DieAngaben zur Höhe einer Entschädigung

gehen bisher weit auseinander.Laut

Schätzung des Senats

bewegten sich die Kosten für die Sozialisierung

von 243 000 Wohnungen,

die betroffen wären, auf 28,8

Milliarden bis 36 Milliarden Euro.

Nach Berechnungen der Initiative

fielen dagegen zwischen 7,3 Milliarden

Euro und 13,7 Milliarden Euro

an. Die Schuldenbremse stehe der

Sozialisierung nicht entgegen, sagte

Wieland. Im vorliegenden Fall sollte

eine Anstalt öffentlichen Rechts die

Wohnungen übernehmen, die im

Gegensatz zu Bund und Ländern

nicht durch die Schuldenbremse gebunden

sei, wenn sie Kredite für die

Entschädigung aufnehmen müsse.

In einem zu erlassenden Vergesellschaftungsgesetz

müsste geregelt

werden, welche Grundstücke welcher

Wohnungsunternehmen einschließlich

der auf ihnen errichteten

Wohnhäuser in Gemeineigentum

überführt werden sollten und wie

hoch die Entschädigung zu bemessen

sei, heißtesimGutachten.

Die Linke zeigt sich erfreut darüber.

„Ich glaube, dass das Rechtsgutachten

zu einer Versachlichung

der Debatte beitragen kann“, sagte

UdoWolf, Fraktionschef der Linken

im Abgeordnetenhaus. Das Gutachten

zeige, dass es nicht erforderlich

sei, das Verfassungsgericht anzurufen,

um zu klären, ob das Volksbegehren

verfassungskonform sei.

Hintergrund: Nachdem die Initiative

in der ersten Stufe des Volksbegehrens

genügend Unterschriften gesammelt

hat, prüft die Senatsverwaltung

für Inneres derzeit, ob das Ansinnen

mit der Verfassung zu vereinbaren

ist. Zu der Frage gibt es

verschiedene Auffassungen. DerVerfassungsrechtler

Helge Sodan

kommt in einem Gutachten im Auftrag

des Verbandes Berlin-Brandenburgischer

Wohnungsunternehmen

(BBU) zum Schluss,dass eine Vergesellschaftung

gegen die Verfassung

verstößt. Eine Reihe anderer Experten

stützt indes die Auffassung, dass

eine Vergesellschaftung möglich ist.

Der BBU erklärte am Mittwoch,

auch weitere Gutachten würden

nichts daran ändern, dass mit einer

Vergesellschaftung erhebliche Haushaltsrisiken

für Berlin verbunden

wären. Die Enteignungs-Initiative

sieht sich indes bestätigt, dass „eine

Vergesellschaftung machbar und

eine Entschädigung unter dem Verkehrswert

möglich ist“, wie deren

Sprecher RouzbehTaheri sagte.„Wir

fordernInnensenator Geisel auf, den

Wegfür die zweite Stufedes Volksbegehrens

frei zu machen, damit die

Bevölkerung über unseren Vorschlag

entscheiden kann“, sagte Taheri.

Kommentar Seite 8

BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING

Merkel will

Klimakanzlerin

sein

Gewaltiger Kraftakt

angekündigt

Inder Generaldebatte zum Haushalt

sucht sich jeder das Thema

heraus, das einem besonders am

Herzen liegt. Auch Kanzlerin Angela

Merkel legte sich fest. Der Klimaschutz,

sagt sie,sei nichts weniger als

eine „Menschheitsherausforderung“.

Die Kanzlerin bereitete ihre

Zuhörer auf einen „gewaltigen Kraftakt“

vor. Zwischenzeitlich nicken sogar

die Grünen anerkennend –wenn

auch nicht ohne Ironie. Merkels Bemühen

komme nach fast 14 Jahren

Kanzlerschaft reichlich spät, meinen

sie. Will die 65-Jährige auf den letzten

Drücker womöglich ihr Vermächtnis

als „Klimakanzlerin“ retten

–anstatt auf ewig „Flüchtlingskanzlerin“

zu sein?

In der nächsten Woche möchte

die Bundesregierung festlegen, wie

sie ihre Klimaziele für 2030 doch

noch erreichen will. Bei den vergangenen

Wahlen, vor allem bei der Europawahl,

haben die Regierungsparteien

auch wegen ihrer offenen

Flanke beim Klimaschutz Stimmen

verloren. Dashaben Union und SPD

selbst so analysiert.

TeureFlüge, billigereBahn

Jetzt liegt eine lange Liste mit Vorschlägen

der Koalitionäre auf dem

Tisch, von günstigeren Bahntickets

und teurerem Fliegen über eine Abwrackprämie

für Ölheizungen bis

hin zu einem Preis für den Ausstoß

von Treibhausgasen, der Autofahren

und Heizen teurer machen

dürfte. „Wenn wir den Klimaschutz

vorantreiben, wird esGeld kosten“,

gibt Merkel zu. Doch sie sagt auch:

„Wenn wir ihn ignorieren, wird es

nach meiner Überzeugung mehr

Geld kosten.“ Ihre Botschaft:

„Nichts tun ist nicht die Alternative.“

Tagesthema Seite 2

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Tagesthema

Parlament

Klimapolitik und Digitalisierung sind die

zentralen Themen in der Haushaltsdebatte

des Bundestags

„Wo ist denn die

Initiative für die

Bahn, wo ist denn

die Initiative für

den öffentlichen

Personennahverkehr?

Wir sind

verdammt tief im

Dispo der Natur.“

Katrin Göring-Eckardt,

Grünen-Fraktionschefin

Warnen und

versöhnen

VonDaniela Vates

Bundeskanzlerin Angela Merkelspricht bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag. DPA (5)

„Die zu erwartende

Rezession ist das

Ergebnis einer im

Kern grün-sozialistischen

Ideologie,

die unser Land

ruiniert und seiner

Zukunftsfähigkeit

beraubt.“

Alice Weidel,

AfD-Fraktionschefin

„Strenge Schuldenbremse

statt notwendiger

Investitionen,

Militär statt

Sozialausgaben

erhöhen und massenhafte

Kinderund

Altersarmut

zulassen –das sind

die Prioritäten in

Ihrem Haushalt.“

Dietmar Bartsch, Linke-Fraktionschef

Eine Haushaltsdebatte gehörtzuden

Standardprozeduren

des Parlaments, aber

dieses Malist etwas anders.

Wieder sitzt zwar die Kanzlerin auf ihrem

Platz, die AfD-Fraktionsvorsitzende

Alice Weidel spricht als erstes

und lässt kein gutes Haar an der Regierung.

Merkel blickt in ihr Redemanuskript.

Diese Abläufe kennt sie.Etwas

aber hat sich geändert und das

liegt an Merkels eigenen Leuten.

Diehaben sich amVorabend zu einer

Feierstunde zum 70. Jubiläum der

Unions-Bundestagsfraktion versammelt.

Der Festredner ist Wolfgang

Schäuble, der Bundestagspräsident.

Schäuble lobt erst sehr ausführlich

und grundsätzlich die Parlamentsarbeit

und dreht dann eine Schleife.

Demokratien bräuchten charismatische

Führung, sagt er.„DasParlament

ist auch eine Bühne, nicht

nur eine notarielle Veranstaltung.“

Es sind allgemeine Sätze, aber sie

nehmen eine gängige Kritik an Merkel

auf: Dass sie die Dinge zu sehr

laufen lasse und keine Position beziehe.

Dass ihre Reden nicht mitreißend

seien.

Schäuble hängt also eine Messlatte

für die Kanzlerin auf –und zwar

öffentlich.

Diese Latte liegt da also unsichtbar

über dem Rednerpult. Aber erst

ist ja Alice Weidel dran. Die sagt:

„Deutschland steht vor einer Rezession“

und schuld daran sei die Regierung.„Grünsozialistische

Ideologie“,

„Euro-Geld-Sozialismus“ und die

Deindustrialisierung des Landes

wirft sie der GroKo vor. Unddann ist

sie auch schnell beim AfD-Kernthema,

der Flüchtlingspolitik und

bei kriminellen Zuwanderern. Außerdem

findet Weidel, Merkel habe

Deutschland außenpolitisch isoliert,

das Verhältnis zu den USA zerrüttet

und die Briten aus der EU getrieben.

Feilt Lindner an seiner Bewerbung?

FDP-Chef Christian Lindner beginnt,

wo Weidel endet: bei der Außenpolitik.

Er ist sehr empörtüber JoeKaeser,

weil der vor zu scharfer Kritik an

China warne.Kaeser ist nicht Kanzler,

sondernSiemens-Chef. Aber Lindner

findet, derWirtschaftsminister müsse

sich in Malaysia sehen lassen und der

Außenminister seine China-Abteilung

aufstocken. Es gibt einige FDP-

Chefs,die Außenminister waren. Feilt

da einer an seiner Bewerbung?

Der Union schlägt Lindner einmal

mehr vor, gemeinsam für die

komplette Abschaffung des Solis zu

stimmen –und verschweigt, dass es

keine schwarz-gelbe Mehrheit im

Bundestag gibt.

Und dann ist da noch die Klimapolitik:

„Ein anderer Mehrwertsteuersatz

auf Busfahrten wird das Weltklima

nicht retten“, findet Lindner.

Das gelte auch für die Verteuerung

von Billigflügen. Er empfiehlt Aufforstungsprämien

für Waldbesitzer

statt Renaturierung, die die Verbreitung

vonBorkenkäfernfördere.

„Mit ihrer Art von Waldpolitik

fürchten sich Rotkäppchen und der

Wolf gleichzeitig“, fährt ihn dafür

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt

an. Sie stellt fest: „Alle

reden vomKlima. Tutendlich was!“

Linke-Fraktionschef Dietmar

Bartsch empfiehlt Kerosinbesteuerung

und eine höhereSteuer für privatgenutzte

Dienstwagen.

Der kommissarische SPD-Fraktionschef

Rolf Mützenich findet, dass

die SPD immer schon ein toller Klimaschützer

war, weil schon Willy

Brandt über den „blauen Himmel“

geredet habe. Erverwendet auch einige

Gedanken aufs Regieren –raus

aus der GroKo oder weiterregieren,

das ist eines der Megathemen der

SPD.Die SPD werdesich am „gerechten

Regieren“ beteiligen, sagt Mützenich.

Manmüsse zum Beispiel darauf

achten, dass bei der Digitalisierung

die Arbeitnehmerrechte nicht zu kurz

kämen. Es klingt GroKo-versöhnlich,

lässt aber Raum für Interpretationen.

UndMerkel? Siespricht eine halbe

Stunde, warnt vor Hassreden, nennt

Klimaschutz und Digitalisierung

„eine Menschheitsherausforderung“.

Klimaschutz werde teuer, aber ohne

Klimaschutz werde es noch teurer,

sagt sie. Die soziale Marktwirtschaft

fällt als Stichwort und für Bürger, die

sich abgehängt fühlen, hat sie einen

„Meilenstein“ parat: die „Umstellung

der regionalen Wirtschaftsförderung

unter Berücksichtigung des Demografiefaktors“.

Dassagt sie wirklich so,

Schäuble-Hürden hin oder her.

Merkel blickt voraus aufs kommende

Jahr, auf die EU-Ratspräsidentschaft

Deutschlands.„Deutschland

wird sich der Verantwortung

stellen“, sagt Merkel. Nach Neuwahlen

klingt es nicht.

Der SPD-Abgeordnete Achim

Post übernimmt dann noch das Präsidiale:

Er wolle über das Land reden,

„in dem ich lebe“, sagt er.„Dass wir

vor dem Untergang stehen, hat

nichts mit der Realität zu tun.“ Dass

es eine „stabile Demokratie“ gebe,

das sei das Entscheidende.

„Olaf Scholz hat

aus der schwarzen

Null in Wahrheit

eine rote Null

gemacht. Dieser

Haushalt hält nur

noch für die

Restlaufzeit Ihrer

Regierung.“

Christian Lindner,

FDP-Fraktionschef

„Das Verhältnis zwischen Naturschutz und Gemeinwohl stimmt nicht mehr“

Herr Brinkhaus, sind Sie bereit, fürs

Klima neue Schulden aufzunehmen?

Es wird eine Menge Geld kosten.

Aber in vielen Bereichen ist Geld

noch nicht abgeflossen. Und niemand

kann mir erzählen, dass in den

6000 Einzeltiteln des Haushalts

nicht noch Luft drin ist. Wir brauchen

eine Generalrevision des Haushalts.

Wir reden immer erst übers

Geld, nicht über die notwendigen

Maßnahmen.Wirmüssen das umgekehrtmachen

und erst mal alle sinnvollen

Projekte aufschreiben.

Hoch gehandelt wird inder Union

das StichwortZertifikatehandel.

Wirwollen einen CO 2 -Deckel, mit

dem auch tatsächlich die klimaschädlichen

Treibhausgase reduziert

werden, nicht neue Steuern. Diewenigsten

Menschen können nachvollziehen,

um was es da geht. Wenn wir

den Kampf gegen den Klimawandel

gewinnen wollen, müssen wir zu allererst

die Menschen gewinnen. Lust

auf Klimapolitik macht man mit

möglichst konkreten Maßnahmen.

Indem man 100 000 Ladesäulen für

Elektroautos baut oder den Austausch

alter Ölheizungen fördert. Ein

Deutschlandtakt bei der Bahn, also

ein Halbstundentakt für Bahnverbindungen

zwischen den Ballungszentren

ist eine gute, konkrete Idee,

genauso wie die Verbesserung des

öffentlichen Personen-Nahverkehrs

auf dem Land und, und, und. Es geht

um viele Einzelmaßnahmen. Dann

können die Menschen im Alltag CO 2

einsparen. Und sich so verhalten,

dass eine CO 2 -Bepreisung sie nicht

belastet. Die Bepreisung von CO 2 ist

für diesen Prozess ein entscheidender

Motor,aber eben nicht alles.

Wie wichtig ist Ihnen das Thema

Klima im Vergleich zu anderen?

Es ist nach dem, was wir wissen,

unverzichtbar,damit die Erde ein lebenswerter

Planet bleibt. Aber wir

müssen aufpassen, dass wir nicht

monothematisch werden.Wirhaben

einen seriellen Alarmismus in

Deutschland. Es gibt immer ein

Thema, das als total entscheidend

wahrgenommen wird. Und darüber

vergessen wir gerne vieles andere.

Das erklärt vielleicht auch, warum

wir die CO 2 -Ziele nicht erreicht haben:

In den vergangenen Jahren haben

sich die ganzen Managementkapazitäten

der Politik zuerst auf den

Euro gestürzt, dann auf die Migra-

tion. Jetzt ist das Klima dran.Wirdürfen

jetzt nicht wieder zentrale, andere

Themen vergessen. Wirtschaft

und Arbeitsplätze etwa. Denn auch

da stehen wir vor großen Herausforderungen,

bei denen die Menschen

Lösungen vonuns erwarten.

Worandenken Sie?

Wirverharren in zu vielen

Bereichen in starrer

Bürokratie. Wir haben unglaublich

lange Planungsund

Genehmigungsverfahren

und ein Ausschreibungs-

und Vergaberecht,

das uns bremst.

Wegmit dem Klagerecht?

Ich will keinem Bürger

das Recht nehmen zu klagen.

Aber ich will verhindern,

dass ein Projekt durch überlange

Verfahren praktisch lahmgelegt

wird. Wir sollten mit neuem Blick

noch mal schauen, wo und wie man

Verfahren straffen und beschleunigen

kann. Wir können nicht jeden

einzelnen Bürgerbelang vor das Gemeinwohl

stellen. Wer Klimaschutz

will und die Verbesserung der Infrastruktur,muss

sich klar sein, dass das

Unionsfraktion

nicht immer nur vor den Haustüren

der anderen passieren wird.

Oft geht es auch um Umweltschutz.

Ichhabe hohen Respekt vorArtenschutz,

aber bei denVorschriften zum

Naturschutz habe ich das Gefühl,

dass die Verhältnismäßigkeit nicht

mehr zu stimmen scheint. Da sind

wir vielleicht aus der Balance

geraten. Aber das ist

nicht unser einziges Problem

bei der Bürokratie. Es

gibt zu wenig digitale

Schnittstellen zwischen

Wirtschaft und Verwaltung.

Bei der Unternehmenssteuer

ist Deutschland

international nicht

Ralph Brinkhaus,

Chef der

Unionsfraktion

WWW.IMAGO-IMAGES.DE

mehr wettbewerbsfähig.

Auch unser Datenschutzrecht

hemmt uns.

IstDatenschutz Ihnen lästig?

Nein, ich habe großen Respekt vor

der Arbeit der Datenschutzbeauftragten.

Aber wir sollten sehen, ob wir in

dem Bereich nicht auch noch etwas

optimieren können. Fragen Sie mal

Eltern, wie viele Datenschutzerklärungen

sie jedes Schuljahr abgeben

müssen. Dasmuss einfacher werden.

Sind Ihnen die Verteidigungsausgaben

nicht mehr wichtig?

Doch, es ist neben der Zukunft

vonWirtschaft und Arbeit ein zentrales

Thema. Die Sicherheitssituation

ist schwierig, auch die Weltpolitik.

Deswegen müssen die Deutschen

und die Europäer stärker Verantwortung

übernehmen. Sich wie bisher in

den Windschatten der Amerikaner

zu klemmen, war auch vor Donald

Trump nicht tragfähig. Die EUsollte

ihre Position aus eigener Stärke vertreten.

Wenn wir das ernst nehmen,

gehört dazu, dass wir die Bundeswehr

ausreichend ausstatten.

Die Nato-Staaten wollen ihre Ausgaben

auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts

steigern. In der Finanzplanung

sinkt die Quote aber.

Die Finanzplanung ist ein Instrument

der Bundesregierung. Für die

Unions-Fraktion ist klar: Wir haben

uns das Zwischenziel von1,5 Prozent

für 2024 gesetzt. Daswollen wir auch

erreichen.

2020 sinkt die Quote. Vertretbar?

Nein, das ist nicht vertretbar.Wir

müssen einen kontinuierlichen Aufwärtspfad

beschreiten.

Für Verteidigungsministerin Kramp-

Karrenbauer ist das Ziel eine Frage

der Verlässlichkeit Deutschlands.

Das stimmt. Da wir 2024 die 1,5

Prozent erreichen wollen, ist das

eine Frage der Verlässlichkeit. Und

Verlässlichkeit ist in Bündnissen ein

Wert an sich. Ich erwarte von der

Bundesregierung, für 2021 einen

Haushalt vorzulegen, der es ermöglicht,

unser Ziel weiter zu verfolgen.

Freuen Sie sich schon auf die Verhandlungen

mit der SPD zu dem

Thema?

Nach meinem Eindruck driftet die

SPD nach links.Das ist für eine Partei

in Ordnung. Aber: Wenn die SPD

meint, dass sie die ganze Koalition

nach links verschieben kann, dann

wirddas nicht laufen. Wirwollen den

Koalitionsvertrag wie vereinbart umsetzen.

Neue Herausforderungen, um

das Land zukunftsfest zu machen,

werden wir annehmen, aber wir werden

keine neuen Verteilungsdiskussionen

mitmachen. Wir werden uns

nicht verbiegen. Das sind wir auch

unserenWählernschuldig.

DasGespräch führten Gordon

Repinski und Daniela Vates.


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 3 *

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Seite 3

AmMontagabend sitzt Pia Klemp an

einem Tisch im Café Morgenroth

an der Kastanienallee in Berlin-

Prenzlauer Berg. Sie hat jetzt ihre

Jacke ausgezogen, auf ihren Armen Tattoos:

eine Möwe mit ausgebreiteten Flügeln, eine

rote Rose. Vor ihr liegt der Roman, den sie

über ihre Zeit auf See geschrieben hat, und

der vielleicht vor allem deshalb Roman

heißt, um im Zweifelsfall sagen zu können,

dass all dies Fiktion ist. Pia Klemp ist Kapitänin,

die Seewar das Mittelmeer und ihreMission

das Retten von Menschen, die in

schlechten Booten auf dem Wegvon Afrika

nach Europa waren. „Auf See gibt es keine

Zweifel“. Mit diesem Zitat wirbt der kleine

Maro-Verlag in Augsburg, der in den 1970er-

Jahren mit Büchern von Charles Bukowski

den Durchbruch hatte,für „Lass uns mit den

Toten tanzen“. Pia Klemp liest gut, und man

erfährt, dass es Zweifel da draußen natürlich

doch gibt:„Anspannung und der Geruch von

Dieselöl liegen in der Luft, zusammen mit

der Frage, obdas Vorfreude ist und ob diese

sein darf.“

Die Passage, inder sie beschreibt, wie sie

mit einem toten Jungen in der Gefriertruhe

verzweifelt die italienische Küstenwache

nach einem Hafen fragen, in den sie einlaufen

können, liest sie nicht vor.

Pia Klemp ist 35 Jahre alt und war bei

sechs Rettungsmissionen auf dem Mittelmeer

dabei. Sie und ihre jeweilige Crew haben

mehr als 1000 Menschen von seeuntüchtigen

Booten geholt oder aus dem Wasser

gezogen und in sichere Häfen nach Europa

gebracht, nach Italien vor allem. Wie

alle Seenotretter beruft auch sie sich darauf,

dass Seeleute Menschen, die auf See inNot

geraten, retten müssen. Dasist keine idealistische

Fantasie. Die Rettungspflicht sei als

Ausdruck der Menschlichkeit „tief verankert

in der Jahrhunderte alten, maritimen Tradition“

und gelte als Völkergewohnheitsrecht,

schrieb dazu der Wissenschaftliche Dienst

des Bundestags bei einer Einschätzung im

Juli 2017. Warum jemand in Seenot geraten

ist, spielt dabei keine Rolle.

Kein Anreiz zur Flucht

Die Kapitänin

Pia Klemp auf dem Ausguck. Seit Sommer 2018 steuertsie keine Seenotrettungseinsätze mehr:InItalien droht ihr Untersuchungshaft.

Wastreibt jemanden dazu, im Mittelmeer Menschen zu retten?

Die Deutsche Pia Klemp ist wie Carola Rackete Einsätze auf privaten

Rettungsschiffen gefahren. Auch ihr droht nun in Italien

ein Prozess wegen Beihilfe zu illegaler Migration.

DieseWoche hat sie in Berlin ihren Roman über die Zeit auf See vorgestellt.

Eine Annäherung

Und noch etwas fühlt man sich gedrängt zu

erwähnen, bevor man sich dem Menschen

Pia Klemp zuwendet: den Vorwurf, den sich

die Seenotretter immer wieder gefallen lassen

müssen. Sie würden einen Anreiz zur Flucht

schaffen, einen sogenannten lockenden Faktor

darstellen, einen Pull-Faktor. Flüchtlinge

machten sich auf den gefährlichen Wegübers

Meer,weil sie darauf setzten, vonhilfsbereiten

Menschen auf privaten Rettungsschiffen aus

demWasser gezogen zu werden. Kein Migrationsforscher

hat dies je bestätigt.

Diejüngste Studie ist erst ein paar Monaten

alt, sie stammt vonder Universität Osnabrück

und kommt zu dem Schluss, dass es

keinen Beleg dafür gibt, dass Rettungsschiffe,

die zwischen Afrika und Europa

kreuzen, Menschen zur Migration animierten.

Die Fahrt übers Wasser ist ja nur die

letzte Etappe der langen, manchmal Jahre

dauernden Reise, bei der wahrscheinlich

mehr Menschen in der Saharasterben als bei

der Überfahrt nach Europa. Belegt ist nur,

dass es Push-Faktoren gibt, die Menschen

dazu bringen, ihr Land zu verlassen. Es sind

Krieg, Notund Perspektivlosigkeit.

Es gibt viele Menschen, die es schrecklich

finden, dass im Mittelmeer Menschen ertrinken,

es gibt einige,die dagegen protestieren,

die auf Demonstrationen gehen, sich äußern

oder Geld spenden, und dann gibt es die Seenotretter.

Soweit gehen die wenigsten. Was

bringt einen dazu, wie muss man gemacht

sein, um diesen Weg einzuschlagen? Die

Frage stelle ich Pia Klemp am Telefon, ein

paar Stunden vor der Lesung. Pia Klemp

lacht, das tut sie oft, und antwortet mit einer

Gegenfrage: „Wie kann man das nicht machen?“

Und wenn sie weiterspricht, bekommt

man den Eindruck, dass sie einen extremen

Sensor dafür hat, was alles schiefläuft

auf der Welt, ob das die Zerstörung der Umwelt

oder die Überfischung der Meere ist

oder eben die Lage der Flüchtenden auf dem

Mittelmeer,das die Uno-Flüchtlingshilfe die

tödlichste Seeroute der Welt nennt. „Das ist

menschengemachtes Leid und ich nehme es

mir heraus, dagegen etwas zu tun“, sagt Pia

Klemp. „Es steckt unheimlich viel Freiheit

darin, Verantwortung zu übernehmen.“

Sie erzählt dann doch von ihrem Elternhaus

in Bonn –„sehr liebevoll, gehobene

Mittelklasse“ –, der Vater beim Roten Kreuz,

die Mutter Heilpraktikerin. DieBotschaft der

Elternhabe gelautet: Seid euch eurer Privilegien

bewusst und derVerantwortung, die damit

einhergeht. Pia Klemp hat in Bonn Biologie

studiert, keinen Abschluss gemacht,

dann arbeitete sie jahrelang in Indonesien

als Tauchlehrerin, fand ihreLiebe zum Meer,

engagierte sich.

Pia Klemps Engagement hat etwas extrem

Direktes und Radikales.Etwas,das provozierend

wirken kann, weil es sich an keine Regeln

hält. Lange hat sie für die amerikanische

Tierschutzorganisation Sea-Shepherd gearbeitet,

die manche als militant bezeichnen.

Sea-Shepherd kämpft beispielsweise gegen

illegalen Walfang, und es ist wirklich ein

Kampf. Es gibt einen Film, der zeigt, wie sich

ein Schiff der Organisation zwischen einen

japanischen Walfänger und ein Tankschiff

schiebt. Der Walfänger ist riesig, das arktische

Meer unruhig, der Raum zwischen den

Schiffen unheimlich eng. Pia Klemp hat auf

diesem Schiff auf der Brücke gearbeitet.

Als sie von der Arbeit der Seenotretter erfuhr,

war sie gerade dabei, illegale Netze vor

Mexiko aus dem Wasser zu ziehen, um das

Aussterben des kalifornischen Schweinsaals

zu verhindern, der kleinsten Walart. Nur

noch 19 Exemplare soll es weltweit geben,

auch Leonardo DiCaprio setzt sich für ihren

Schutz ein. Pia Klemp hat sich dann bei der

Berliner Initiative„Jugend rettet“ beworben.

Im Juni 2017 fuhr sie ihre erste Mission auf

der „Iuventa“.

VonSusanne Lenz

Wale,Menschen.„Ich werdeesnie begreifen,

warum sie es geiler finden, Menschen zu

retten als Natur zu schützen“, schreibt Pia

Klemp.

In ihrer Radikalität erinnert sie einen an

Greta Thunberg, die sie „Granate“ findet. Bei

der 16 Jahrealten Schwedin heißt es,ihr Autismus

versetze sie in die Lage, die Welt auf

ein einziges Problem zu reduzieren und extrem

kompromisslose Forderungen zu stellen.

BeiPia Klemp ist es vielleicht eher umgekehrt.

Siescheint überhaupt keinen Filter zu

haben, und ihr fehlt das,was die meisten von

uns haben: die Fähigkeit zu verdrängen. Und

vielleicht braucht sie auch das Adrenalin.

Sie fühlt sich von aller Ungerechtigkeit

aufgerufen, etwas zu tun. Selbst auf dem Rettungsschiff

denkt sie an den Rest der Welt.

„Seit Monaten beschäftige ich mich nur

noch mit den Flüchtlingen im Mittelmeer.

Wie einfach ist es, sich um das Große und

Ganze herumzustehlen.“ Undinallem sieht

sie den verhängnisvollen Zusammenhang.

LISA HOFFMANN

Zwischen dem Paket Fleisch etwa, das Ben

als Verpflegung an Bord bringt und den verarmten

Viehhirten in Afrika, die „genau wegen

so einer EU-subventionierten Billigscheiße

unterwegs sind“. „There isnoright

way of doing the wrong thing“, schleudertsie

Benentgegen, das ist eine Szene aus dem Roman.

Dann schluckt sie ihren „veganen

Hass“ herunter. Denn ohne „crew love“,

ohne den Zusammenhalt der Mannschaft

geht gar nicht. MaxWeber hätte sie eine Gesinnungsethikerin

genannt. Kompromisse

macht sie nur,wenn es gar nicht anders geht.

Im Fall der Medaille aus Parisfand sie das

nicht nötig. Die Bürgermeisterin der französischen

Hauptstadt,Anne Hidalgo,wollte Pia

Klemp und die andere deutschen Kapitänin

Carola Racketemit dem höchsten Verdienstorden

auszeichnen, den ihre Stadt zu vergeben

hat. Pia Klemp hatte kein Interesse.

„FrauHidalgo,Sie wollen mich für meine Solidaritätsaktion

im Mittelmeer auszeichnen“,

schrieb sie auf Facebook. „Gleichzeitig

stiehlt Ihre Polizei Decken von Menschen,

die gezwungen sind, auf der Straße zu leben,

während Sie Demonstrationen unterdrücken

und Menschen kriminalisieren, die

Rechte von Migranten und Asylsuchenden

verteidigen.“ Den Ehrenpreis im Rahmen

des Clara-Zetkin-Preises, mit dem die Linke

herausragende Leistungen von Frauen würdigt,

hat sie im Märzangenommen.

Seit Mitte 2018 sitzt Pia Klemp allerdings

auf dem Trockenen. Die„Iuventa“ haben im

August 2017 die italienischen Behörden beschlagnahmt.

Gegen sie und neun andere

Crewmitglieder leitete die Staatsanwaltschaft

in Trapani, Sizilien, ein Ermittlungsverfahren

wegen Beihilfe zu illegaler Migration

ein. Im September 2017 steuerte Pia

Klemp dann aber schon wieder ein Rettungsschiff,

die„Sea-Watch 3“, auf der später

auch Carola Rackete fuhr, gegen die ein Ermittlungsverfahren

mit demselben Vorwurf

läuft. Dann rieten ihr ihre Anwälte aufzuhören:

Ihrdrohe in Italien Untersuchungshaft.

Die Kriminalisierung der Seenotrettung

Matteo Salvini vonder Lega Nord,bis August

italienischer Innenminister und stellvertretender

Ministerpräsident, und ein scharfer

Gegner der Seenotrettung unter dessen

Ägide die Strafen massiv verstärkt wurden,

ist zwar nicht mehr im Amt. Aber die Staatsanwaltschaft

in Trapani ermittelt weiter.

Noch in diesem Jahr sollen Pia Klemp und

die anderen erfahren, ob sie die Ermittlungen

fallen lässt oder ob es zur Anklageerhebung

kommt. Pia Klemp geht vonLetzterem

aus.„Die politische Motivation ist groß.“ Sie

sagt,dass es um die Stigmatisierung der Seenotrettung

geht. Und nicht nur sie sieht das

so. Das Auswärtige Amt warnte Anfang August

vor einer Kriminalisierung der Seenotrettung.

Pia Klemp erzählt von den Bedingungen,

mit denen sich die Seenotretter

heute herumschlagen: Schiffe dürften nicht

auslaufen, nicht einlaufen, würden beschlagnahmt.

Sie konzentriert sich jetzt auf die Vorbereitung

des Gerichtsverfahrens. Was sie beruhigt:

„Es gibt ja noch eine Crew, die rausfährt,

keine Missionen scheitertwegen unserer

Abwesenheit.“ Sie und die anderen machen

Öffentlichkeitsarbeit, erweitern ihr

Netzwerk und sammeln Spenden. „Damit

wir uns diesen Prozess überhaupt leisten

können.“ Vonmindestens einer halben Million

Euro Kosten gehen sie aus: Anwaltskosten,

Gerichtskosten, Übersetzungskosten,

Anreisekosten, Übernachtungskosten. Pia

Klemp scheint sich deshalb keine Sorgen zu

machen. „Wir haben im letzten Dreivierteljahr

tolle Unterstützung bekommen, viele

große und kleine Spenden.“

Geld spielt im Leben von Pia Klemp eine

höchst untergeordnete Rolle, vielleicht

könnte man sagen, dass sie ihre Radikalität

auch auf sich selbst anwendet. Aufdie Frage,

wovon sie lebt, erwähnt sie ihren ersten Roman

„Allmende und Schrebergarten“. In ihrer

Szene sei es zudem normal, dass die unterstützt

würden, die gerade keine Arbeit haben

oder die eine Arbeit tun, die nicht bezahlt

wird. Was für eine Szene das ist? Sie

lacht wieder. „Eine Gemeinschaft solidarischer

Menschen.“ Als bitter empfindet sie

nur, dass man von dem Geld, das ein Gerichtsverfahren

kosten würde, zehn Missionen

fahren könnte.

Seit mehr als zehn Jahren hat sie keine

Wohnung. „Ich bin lieber frei und ungebunden.“

Ohnehin ist sie viel unterwegs zwischen

Bonn, Hamburg, Berlin, Barcelona,

Amsterdam, Griechenland. Sie kommt bei

Freunden unter, geht containern, so beschreibt

sieesjedenfalls im Buch.„Undzwischendurch

gibt es auch einpaar Aktionen.“

Wasfür welche? „Ich glaube, das darf ich in

derZeitung nicht beantworten.“

Dasdrohende Verfahren aber hängt wie

eine dunkle Wolke über der Zukunft. Pia

Klemp und den anderen drohen lange

Haftstrafen. Biszu20Jahre, sagt sie.ImMai

noch sagte sie in einem Interview mit der

Süddeutschen Zeitung, sie gehe nicht von

einer Verurteilung aus. „Ich weigere mich

zu glauben, dass wir in einem Europa leben,

in dem man ins Gefängnis gehen

muss, weil man Menschen in Not das Leben

gerettet hat.“ Jetzt ist sie sich nicht

mehr sicher. „Ich kann mir in diesem Europa,

in dem dieser große Rechtsruck stattgefunden

hat, viel mehr vorstellen, als ich

möchte.“

Undvielleicht auch viel weniger:„Sollten

die nicht eher eine Parade für uns schmeißen?“,

fragt die Kapitänin im Buch, als die

Polizei sie und ihreCrewinLampedusa festsetzt.

Es ist ein Impuls, der ihr heute vielleicht

nicht mehr kommen würde.

Susanne Lenz

kann sich nicht vorstellen, dass Pia

Klemp eine Haftstrafe bekommt.


4* Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Politik

NACHRICHTEN

CDU und AfD in Eilsleben

arbeiten zusammen

Im Gemeinderat vonEilsleben (Sachsen-Anhalt)

sollen CDU und AfD eine

Fraktionsgemeinschaft gebildet haben.

Bürgermeister Manfred Jordan

(parteilos) sagte am Mittwoch:„Hier

auf dem Dorfgeht es um Spielplätze

und Straßen, nicht um politische

Ideologie.“„ReportMainz“ berichtete,dass

die CDU-Fraktion einen für

die AfD gewählten Mann aufgenommen

habe,der„in derVergangenheit

an mehreren Neonazi-Aufmärschen

teilgenommen“ habe. (dpa)

Terrorfinanzierung:

Razzia im Norden

Polizei und Staatsanwaltschaft haben

am Mittwoch 16 Objekte in

Schleswig-Holstein, Mecklenburg-

Vorpommernund Hamburgwegen

des Verdachts der Bildung einer kriminellenVereinigung

durchsucht. Es

werdeauch einVerdacht aufTerrorfinanzierung

geprüft, so die Staatsanwaltschaft

Flensburg. Zwei Männer

aus Syrien, 34 und 37 Jahrealt, wurden

festgenommen. (dpa)

NPD-Politiker in Hessen

schon 2016 im Gemeinderat

Stefan Jagsch (NPD) ist mit der Bestimmung

zum Ortsvorsteher im hessischen

Altenstadt nicht zum ersten

Malinein kommunales Amt gewählt

worden. Bereits 2016 wurden Jagsch

und Kandidaten vonCDU, Grünen

und FreienWählern„einstimmig bei

zwei Enthaltungen in offener Abstimmung“

zuVize-Vorsitzenden des Gemeinderats

gewählt, geht aus einem

Protokoll hervor. (AFP)

UN prangernZustände in

Lager in Syrien an

Ein syrischer Junge im Flüchtlingslager

Al-Hol in Nordsyrien

AFP

DieZustände im syrischen Flüchtlingslager

Al-Hol sind nach einem

UN-Bericht menschenunwürdig.

Dort, wo auch Kinder und Frauen

deutscher Staatsangehörigkeit ausharren,

seien 2019 390 Kinder wegen

Mangelernährung oder Infektionen

gestorben, die bei richtiger Versorgung

überlebt hätten, so eine Untersuchungskommission.

(dpa)

Gerüchte über enttarnten

CIA-Spion in Moskau

Einrussischer Informant für die USA

soll nach Angaben der Zeitung Wedomosti

fünf Jahrefür Präsident Putins

außenpolitischen Berater Juri

Uschakowgearbeitet haben. An geheime

Informationen könnte er aber

nur in Gesprächen mit Kollegen gekommen

sein. Er soll 2017 vonder

CIA abgezogen worden sein, weil

seine Enttarnung drohte. (dpa)

Schottisches Gericht rügt

Zwangspause für Parlament

Einschottisches Gericht hat die von

Premierminister BorisJohnson auferlegte

Zwangspause des britischen

Parlaments für„null und nichtig“ erklärt.

Sein Ratschlag an Königin Elizabeth

II., das Parlament zu suspendieren,

sei mit der Absicht erfolgt, die

Parlamentarier im Brexit-Streit kaltzustellen,

erklärte das Gericht. (dpa)

Neue Mauern in neuen Zeiten

Der Berlin-Besuch des Vertreters der Demokratiebewegung in Hongkong löst eine diplomatische Krise aus

VonJan Sternberg

So sieht also der Mann aus,

vor dem China Angst hat:

Schmächtig, die Haareindie

Stirn gekämmt, Nickelbrille.

Erst 22 Jahrealt und bereits ein Veteran

der Proteste in seiner Heimatstadt

Hongkong. Joshua Wong hat

am Mittwoch auf einer Pressekonferenz

in Berlin um Unterstützung geworben,

ruhig und klar, und völlig

unbeirrt von Fragen, die ihn aufs

Glatteis locken könnten.

Wong prangerte die „exzessive

Gewalt der Polizei in Hongkong“ an

und forderte die Staatengemeinschaft

auf, diese Übergriffe zu verurteilen.

Deutschland solle einen sofortigen

Exportstopp für Polizeiausrüstung

nach Hongkong verhängen.

Er warnte: „China hält sich nicht an

Regeln und internationale Verträge.

In Hongkong hat China all diese Verträge

gebrochen.“ Dassollte auch für

europäische Länder eine Warnung

sein, die chinesische Infrastruktur-

Investitionen begrüßen.

China hatte das Treffen mit Maas

als „Akt der Respektlosigkeit“ kritisiert.

DieVerärgerung in der Volksrepublik

ist so groß, dass Chinas Botschafter

in Berlin am Mittwoch selbst

zu einer Pressekonferenz lud – ein

sehr ungewöhnlicher Schritt für die

sonst verschwiegenen Diplomaten.

In perfektem Deutsch sprach Wu Ken

von „illegalen Versammlungen“ in

Hongkong, von„Radikalisten, die unter

dem Vorwand der Demokratie gegen

Rechtsstaatlichkeit und Ordnung

vorgehen“, und sagte: „Ob Hongkong,

Hamburgoder Paris, die Polizei

muss die gesellschaftliche Ordnung

wiederherstellen.“ Wu drohte unverhohlen

mit der Möglichkeit einer Intervention:

„Wenn die Lage weiter eskaliert

und außer Kontrolle geraten

sollte,wirddie Zentralregierung nicht

tatenlos zusehen.“

„Sehr negativeFolgen“

Diechinesische Regierung hat zuvor

von der Bundesregierung verlangt,

Wong nicht einreisen zu lassen. Sie

sieht ihn als „Drahtzieher hinter den

Gewalttaten gegen die Polizei von

Hongkong“. DasTreffen von Außenminister

Maas mitWong sei nur dazu

geeignet, „Öl ins Feuer zu gießen“.

Daswerde „sehr negativeFolgen“

für die gegenseitigen Beziehungen

haben, die gerade durch die China-

Reise von Kanzlerin Angela Merkel

einen Aufschwung erlebt hätten.

Deutschlands Botschafter in Peking

wurde ins Außenministerium einbestellt.

Joshua Wong am Mittwoch in der Bundespressekonferenz

Die Proteste: Seit dem 9.

Juni kommt es in der Finanzmetropole

immer wieder zu

Protesten, die oft mit Zusammenstößen

zwischen einem

kleinen Teil der Demonstranten

und der Polizei endeten.

Auslöser war eine umstrittene

Gesetzesvorlage, die

Auslieferungen an das chinesische

Festland ermöglicht

hätte.

HONGKONG IN AUFRUHR

Die Bewegung: Die Aktivisten

befürchten steigenden

Einfluss der chinesischen

Regierung auf Hongkong.

Auch forderndie Demonstranten

eine unabhängige

Untersuchung der Polizeigewalt.

Zusätzlich angeheizt

wird die Stimmung durch Unzufriedenheit

über steigende

Lebenshaltungskosten und

Ungleichheit.

GETTY IMAGES/CARSTEN KOALL

Der Wortführer: Schon als

Teenager demonstrierte Joshua

Wong für Demokratie in

seiner Heimat. Ende August

war ihm vorgeworfenworden,

andere zur Teilnahme an einer

illegalen Versammlung in

Hongkong am 21. Juni animiertund

selbst daran teilgenommen

zu haben. Zuletzt

wurde er zweimal kurzzeitig

festgenommen.

Ein Kandidat als Provokation

China lässt seine Muskeln spielen.

Ein Vertreter der Bild-Zeitung, die

Wong eingeladen hat, wurde nicht

zur Pressekonferenz zugelassen. Der

offizielle Grund: Platzmangel.

Der Generalsekretär der Protestbewegung

Demosisto ist unterwegs,

um für internationale Unterstützung

zu werben. Dieerste Station war ausgerechnet

Taiwan, was die Führung

in Peking tief verärgerte.Kurzvor der

Abreise nach Deutschland wurde

Wong kurzzeitig festgenommen. Am

Donnerstag wird ernach Washington

weiterfliegen, wo die einflussreichsten

Unterstützer Hongkongs

sitzen. Treffen mit mehreren Kongressabgeordneten

sind geplant.

Wongs Wünsche

Waswünscht er sich in Berlin? Zunächst

einmal Symbolik. „Hongkong

ist das neue Berlin in einem neuen

Kalten Krieg“, sagt Wong. Oder auch:

„Vor 30 Jahren fiel hier die Mauer.

Bald könnte auch die Mauer fallen,

mit der China seine Bürger vonfreien

Informationen abhält.“ Die Zensur

der„Great Chinese Firewall“, die auch

westliche Suchmaschinen blockiert,

ist für den 22-Jährigen realer als die

mitteleuropäischen Revolutionen

des Jahres 1989 oder das Massaker an

der chinesischen Demokratiebewegung

auf dem Platzdes Himmlischen

Friedens im selben Jahr.

Wie findet Wong es, dass sein

Name in chinesischen Suchmaschinen

gesperrt ist, fragt ein Journalist.

„Mein Name ist dortgesperrt, seit ich

15 Jahre alt war und gegen die Gehirnwäsche

in den Schulen protestierte“,

ist seine lakonische Antwort.

Joshua Wong stammt aus einem

christlichen Elternhaus. Als die Regierung

von Hongkong das Schulfach

„Nationale und moralische Erziehung“

einführen wollte, gründete

er seine erste Aktivistengruppe. Die

Proteste hatten Erfolg. Mit 17, stand

er in vorderster Reihe der Schülerund

Studentenproteste für mehr Demokratie

in Hongkong.

Monatelang gingen die Jugendlichen

auf die Straße. „Damals waren

wir 200 000, heute sind wir zwei Millionen“,

sagt Wong. „Damals haben

wir geschworen:Wirkommen wieder.

Nunsindwir zurück –und entschlossener

denn je.Ich hoffe,dassdie Welt

jetzt versteht, dass junge Aktivisten

einenWandel herbeiführen können.“

JanSternberg ist vonder ruhigen

Radikalität des jungen

Protest-Profis beeindruckt.

Der berüchtigte Orbán-Getreue László Trócsányi soll EU-Erweiterungskommissar werden. Dagegen formiert sich Widerstand

VonDamir Fras, Brüssel

Einen Tagnach Bekanntgabe des

Teams der designierten EU-

Kommissionspräsidentin Ursula von

der Leyen formiert sich im Europaparlament

in Brüssel erheblicherWiderstand

gegen einzelne Kommissarsanwärter.Besonders

im Visier ist

der frühere ungarische Justizminister

László Trócsányi. Er soll EU-Erweiterungskommissar

werden. Geht

es allerdings nach SPD und Grünen,

dann dürfte Trócsányi die jetzt anstehenden

Anhörungen im Europaparlament

kaum überstehen. Und

auch bei den Konservativen, auf die

es ankommt, bezweifeln dem Vernehmen

nach viele, dass der 63-jährige

Ungar der richtige Mann für einen

europäischen Jobist.

László Trócsányi gilt als engerVertrauter

von Ungarns Ministerpräsident

Viktor Orbán, der sich der Aufnahme

von Flüchtlingen verweigert

und mit Anti-Brüssel-Kampagnen

vonsich reden macht. Trócsányi war

von2014 bis Maidieses Jahres Justizminister

in Ungarn. In seiner Amtszeit

schlug er Gesetzevor,mit denen

Nichtregierungsorganisationen kriminalisiert

werden sollten, die sich

um Flüchtlinge kümmern. Er übte

auch politischen Druck auf die Central

European University

des aus Ungarn stammenden

US-Philantropen

George Sorosaus.

DieKritik auf den ungarischen

Kandidaten für

von der Leyens Kommission

fällt entsprechend

hart aus.„László Trócsányi

hat als Justizminister den

Rechtsstaat in einem EU-

Mitgliedstaat ausgehöhlt“,

sagte die SPD-Europaabgeordnete

Katarina Barley der Berliner Zeitung

(RedaktionsnetzwerkDeutschland).

Ähnlich scharf reagierte Ska Keller,

die Ko-Vorsitzende der Grünen-

Fraktion im Europaparlament.

Trócsányi sei „aktiv an der Schleifung

des Rechtsstaats“ in Ungarnbeteiligt

gewesen, sagte Keller: „Und

jetzt müsste er als Kommissar die

Einhaltung der europäischen Verträge

und Werte überwachen. Noch

Umstritten:

László Trócsányi

dazu soll er für die Erweiterung zuständig

sein und bei Erweiterungskandidaten

darauf pochen, dass sie

europäische Regeln und Werte einhalten

sollen. Dasist zynisch.“

Barley forderte die neue

Kommissionspräsidentin

Ursula von der Leyen

(CDU) auf, eine Erklärung

abzugeben. Vonder Leyen

trage schließlich Verantwortung

für ihr Team. Und

Trócsányi selbst müsse

DPA

„deutlich machen, wie er es

mit dem Schutz von NGOs

und den europäischen

Grundrechten hält“. Barley

kündigte eine harte Prüfung des Kandidaten

in den anstehenden Anhörungen

im Europaparlament an.

Die Parlamentarier können einzelne

Kandidaten ablehnen. Dann

müssen die nationalen Regierungen

für Ersatz sorgen. Das könnte den

Start der Von-der-Leyen-Kommission,

der für den 1. November vorgesehen

ist, verzögern.

Auch die Grünen-Abgeordnete

Keller machte deutlich, dass dem

ungarischen Kandidaten eine harte

Anhörung bevorsteht. Das Parlament

sei schon in der Vergangenheit

nicht davor zurückgeschreckt, Bewerberinnen

und Bewerber nach

Hause zu schicken. „Dieses Recht

wird sich das Parlament auch diesmal

nicht nehmen lassen.“ Ungarn

habe zwar das Recht auf einen Kommissar.„Doch

es war eine klare Provokation

von Orbán, den ehemaligen

Justizminister zu schicken.“

Wenn die ungarische Regierung ihrenEinfluss

auf die EU-Kommission

nutzen wolle,„dann sollte sie jemanden

schicken, der oder die auch europäische

Wertevertritt“.

Sozialdemokraten und Grünezusammen

haben nicht genügend

Stimmen im Europaparlament, um

Trócsányi die Karriere in der EU-

Kommission zu vermasseln. Es

kommt auf die Konservativen von

der EuropäischenVolkspartei an. Die

Mehrheit der Abgeordneten, so hieß

es aus Parteikreisen, könne sich aller

Voraussicht nach ebenfalls nicht vorstellen,

dass Trócsányi ungeschoren

aus den Anhörungen herauskommt.

Upskirting

ist bald

strafbar

HeimlicheFotos unter Röcke

sollen verboten werden

VonMarkus Decker

Bundesjustizministerin Christine

Lambrecht (SPD) hat eine Gesetzesinitiative

zum Verbot des sogenannten

Upskirting angekündigt.

„Wer Frauen und Mädchen heimlich

unter den Rock fotografiert, greift

massiv in ihre Intimsphäre und ihr

Persönlichkeitsrecht ein“, sagte sie

der Berliner Zeitung (RedaktionsnetzwerkDeutschland).„Bisher

werden

diese Übergriffe allenfalls als

Ordnungswidrigkeit geahndet. Dies

reicht nicht aus, umdie Betroffenen

effektiv zu schützen und den Tätern

klarzumachen, dass ihr Verhalten

absolut inakzeptabel ist.“

In jedem Fall sei „dieses demütigende

und herabwürdigendeVerhalten

kein Kavaliersdelikt, sondern

sollte als Straftat geahndet werden“,

so Lambrecht weiter. „Deshalb bin

ich entschlossen, hierfür das Strafgesetzbuch

zu ändern. Aktuell erarbeiten

wir Vorschläge, wie eine solche

Strafnorm aussehen kann, und wollen

das zügig umsetzen.“

Justizministerin Christine Lambrecht

kann mit breiter Zustimmung rechnen. DPA

Mitte August hatte Rheinland-

Pfalz eine entsprechende Initiative

im Bundesrat in Aussicht gestellt.

Mitte Juni hatten bereits die Bundesländer

Baden-Württemberg, Bayern

undNordrhein-Westfalen mitgeteilt,

dass sie einen Gesetzentwurf für

eine Bundesratsinitiative vorbereiten.

Auch Schleswig-Holstein wollte

sich daran beteiligen. Dies dürfte mit

Lambrechts Ankündigung überflüssig

werden.

In Großbritannien gilt seit diesem

Jahr ein Verbot, in anderen Länder

ebenfalls – in Deutschland bisher

nicht. Vonder Verbotsfreiheit ausgenommen

ist die Weitergabe von Fotos

an Dritte oder das Fotografieren

im „höchstpersönlichen Lebensbereich“.

Dazu zählen Wohnungen

oder Autos.

Fotos landen auf Pornoseiten

In Deutschland haben zwei Frauen,

Hanna Seidel und Ida Maria Sassenberg,

eine Online-Petition gestartet

mit dem Ziel, Upskirting verbieten zu

lassen; die Petition hat mittlerweile

knapp 90 000 Unterzeichner gefunden.

Die Petentinnen verweisen darauf,

dass einschlägige Fotos häufig

auf Pornoseiten und anderen Onlineplattformen

landeten. Oft würden

Frauen dafür in der Öffentlichkeit

heimlich fotografiert oder bedrängt.

Undder Vorwurfder sexuellen Belästigung

greife nicht, weil bei dem Vorgang

des Upskirting meistens keine

Berührung stattfinde.

Eine betroffene Frau müsse sich

derzeit an den Urheber der Aufnahmen

wenden, argumentieren Seidel

und Sassenberg –vorausgesetzt sie

habe den Übergriff überhaupt mitbekommen.

Erst wenn der Übergriffige

sich weigere, könne einkompliziertes

Zivilverfahren angestrebt werden.

Die Verabschiedung eines Gesetzes

zum Verbot von Upskirting

könnte relativ schnell gehen, da neben

der SPD-Justizministerin auch

CDU- und CSU-regierte Länder dafür

sind. Somit dürfte es weder im

Bundestag noch in der Länderkammer

Probleme geben.


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 5 *

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Politik

Im Kampfmodus

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verspricht seinen Wählern die Annexion weiterer Palästinensergebiete. Dafür wird er weltweit kritisiert

VonSteven Geyer

Israels Ministerpräsident Benjamin

Netanjahu hat mit seinem

jüngsten Wahlkampfversprechen,

er werde die Annexion

der Palästinensergebiete im Jordantal

betreiben, weltweit Kritik

ausgelöst –auch deutsche Außenpolitiker

reagieren mindestens mit

Kopfschütteln.

„Netanjahus Ankündigung ist

leicht als Wahlkampftaktik durchschaubar“,

sagte etwa der FDP-Außenpolitiker

Alexander Graf Lambsdorff.

Netanjahu wolle damit offensichtlich

Sicherheit für Israel versprechen,

da diese angesichts des

dauernden Beschusses aus Gaza im

Wahlkampf höher im Kurs stehe als

ein Frieden mit den heillos zerstrittenen

Palästinensern. „Sogar Netanjahu

selber musste ja seine Wahlkampfveranstaltung

unterbrechen,

weil wieder Raketen auf Israel niedergingen“,

so Lambsdorff. Angesichts

der Tatsache, dass nur noch

eine Woche Zeit bis zur Wahl sei und

der Ministerpräsident in den Umfragen

hinter der Opposition liege,

„sollte man Netanjahus Worte nicht

auf die Goldwaage legen“.

DerBundestagsabgeordnete wies

darauf hin, dass aus dem Weißen

Haus umgehend gleich signalisiert

worden sei, dass man den Status quo

derzeit nicht verändern wolle. „Erst

wenn Donald Trump den lange erwarteten

Friedensplan vorstellt, wird

im Nahen Osten wieder ernsthaft

diskutiert, wie es weitergeht“, sagte

Lambsdorff.

Auch der außenpolitische Sprecher

der Grünen im Bundestag,

Omid Nouripour, nennt die Drohung„ein

hitzigesWahlkampfmanö-

Benjamin Netanjahu machte seine Ankündigung in Absprache mit den USA, hieß es. AP

ver“ –kritisiert Netanjahu aber dennoch

scharf: „Er riskiert damit, den

Friedensprozess dauerhaft zu schädigen“,

sagte der Grüne. Eine Annexion

würde die Zweistaatenlösung

mittelfristig unmöglich machen,

warnte Nouripour. „Die Bundesregierung

ist jetzt gefordert und muss

unserem Partner Israel deutlich machen,

dass eine Annexion gegen gel-

tendes Völkerrecht verstößt und den

Friedensprozess um Jahre zurückwerfen

würde“, sagte er.

Die Bundesregierung selbst betonte,dass

wegen des Charakters der

Aussagen im Wahlkampf unklar sei,

ob die Ankündigung umgesetzt

werde. Regierungssprecher Steffen

Seibert appellierte dennoch an die

israelische Regierung, auf Maßnahmen

zu verzichten, die eine Einigung

mit den Palästinensernauf der Basis

einer Zwei-Staaten-Lösung behindern

könnten. Die Sprecherin des

Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr,

sagte, eine solche Annexion wäre

„ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht“.

Sieverurteilte gleichzeitig die

jüngsten Raketenangriffe aus dem

Gazastreifen auf Ziele in Israel.

Israels Regierungschef hatte erklärt,

im Falle seines Wahlsiegs am

17. September werde Israel umgehend

seine Souveränität auf das Gebiet

im besetzten Westjordanland

ausdehnen. Deutliche Kritik an der

Drohung kam daraufhin am Mittwoch

vonder EU, aus Saudi-Arabien

und Bahrain. Netanjahu riskiereeine

Eskalation der Lage im Nahen Osten,

hieß es.

Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten

Federica Mogherini

verwies in Brüssel darauf, dass bei

zahlreichen EU-Ministerräten bekräftigt

wurde, dass die Europäische

Union keine Änderungen der vor

1967 bestehenden Grenzen anerkennen

werde, der nicht auch die palästinensische

Seite zustimme. Die

israelische Siedlungspolitik und -tätigkeit

sei nach dem Völkerrecht illegal

und untergrabe die Bemühungen

um eine Zwei-Staaten-Lösung und

die Aussichten auf einen dauerhaften

Frieden. (mit dpa)

Italien verweigert

Einfahrt in Häfen

Bei der Migrationspolitik bleibt die neue Regierung vage

VonRegina Kerner,Rom

Eine der ersten Amtshandlungen

der neuen italienischen Innenministerin

Luciana Lamorgese war es,

der „Alan Kurdi“ die Einfahrtineinen

italienischen Hafen zu verweigern.

Das Rettungsschiff der Regensburger

Organisation Sea-Eye durfte schließlich

nach tagelanger Blockade auf

dem Mittelmeer am Dienstag im Inselstaat

Malta anlegen. Zwei europäische

Länder hätten sich zur Aufnahme

der nur noch fünf an Bord verbliebenen

Flüchtlinge bereit erklärt,

hieß es. Zuvor hatten sich dramatische

Szenen abgespielt, Migranten

waren ins Wasser gesprungen, acht

wurden als Notfälle an Land gebracht.

Nun wartet immer noch die

„Ocean Viking“ vonÄrzte ohne Grenzen

und SOS Méditerrannée mit

mehr als 80 im Meer vorLibyengeretteten

Flüchtlingen darauf, dass ihr ein

Hafen in Italien oder Malta zugewiesen

wird–bisher vergebens.

Die ersten Feuerproben

Der Umgang mit den Flüchtlingsschiffen

ist eine der ersten Feuerproben

für die neue Regierung aus Fünf

Sternen und Sozialdemokraten der

PD in Rom. DiePDhatte bei den Koalitionsverhandlungen

„Diskontinuität“

verlangt, mit Blick auf die bisherige

demonstrativ migrantenfeindliche

Politik des Rechtspopulisten Matteo

Salvini. Der hat vergangene

Woche sein Chef-Büro imInnenministerium

ausgeräumt und ist nun

Oppositionsführer. Seine Nachfolgerin,

die 65 Jahre alte Süditalienerin

Lamorgese,hat sich früher als Präfektin

mit der Flüchtlingsproblematik

befasst. Als parteilose, „Technokratin“

soll sie offensichtlich dafür sorgen,

dass das Thema entpolitisiert

und entdramatisiert wird. Salvini

hatte mit der Mär einer „Flüchtlingsinvasion“

Stimmung gemacht und

sich als Hardliner in Szene gesetzt.

Aber von Diskontinuität ist wenig

zu spüren. Italiens Häfen bleiben vorerst

geschlossen. DieAngst der neuen

Regierung ist offenbar groß, dass die

Flüchtlingszahlen wieder steigen

könnten. Denn das würde Salvini in

die Hände spielen. Premier Giuseppe

Conte sprach in seiner Rede vordem

Parlament am Montag von „Strenge

und Verantwortung“, die in der Migrationspolitik

vonnöten seien. Man

dürfe sich nicht mehr nur auf die Formel

„geschlossene Häfen“ konzentrieren.

DasProblem müsse auf europäischer

Ebene angegangen werden.

Im Regierungsprogramm heißt es,die

Dublin-Regeln müssten verändert

werden. Die legen fest, dass Flüchtlinge

in dem Land Asyl beantragen

müssen, in dem sie ankommen. Die

Regierung stellt auch in Aussicht, Salvinis

„Sicherheitsgesetze“ zu ändern.

Mitihnen hatte der Lega-Chef die Gewährung

von Asyl aus humanitären

Gründen so gut wie abgeschafft sowie

Hafen-Verbote und Strafen für private

Seenotretter eingeführt.

Beiden Sozialdemokraten rumort

es angesichts der unentschlossenen

Haltung des Kabinetts „Conte 2“. PD-

Parteichef Nicola Zingaretti sagt, die

„Ocean Viking“ müsse in einen italienischen

Hafen einlaufen dürfen,

„ohne Wenn und Aber“. Sein Parteikollege

Matteo Orfini kritisierte das

Einfahrt-Verbot für die„Alan Kurdi“.

Eine Lösung könnte ein Mechanismus

zur automatischenVerteilung

von Bootsflüchtlingen bringen, über

den die Zeitung La Stampa am Mittwoch

berichtete. Die Innenminister

Italiens, Frankreichs, Deutschlands

und Maltas würden die Übergangsregelung

am 23. September vorstellen.

Flüchtlings-Rettungsschiffe, egal ob

von privaten Hilfsorganisationen

oder von der Küstenwache, sollen

demnach in Italien und Malta anlegen

dürfen. Deutschland und Frankreich

verpflichten sich, je ein Viertel

aller geretteten Migranten aufzunehmen.

DerZeitung zufolge gibt es allerdings

ein Problem: Die Regelung

könne erst in Kraft treten, wenn sich

weitere EU-Länder zur Aufnahme

verpflichten und eine hundertprozentigeVerteilung

garantiertsei.

Die „Ocean Viking“ hat am Dienstag weitere Migranten im Mittelmeer aufgenommen. AP

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6 Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Wirtschaft


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 7

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Wirtschaft

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8* Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Meinung

Enteignungen

ZITAT

Noch fehlen die

wichtigsten Fakten

Ulrich Paul

hofft, dass bald klarer wird, was auf

die Berliner zukommt.

Die Debatte über die „Initiative Deutsche

Wohnen und Co enteignen“

krankt bisher daran, dass wesentliche

Fakten unklar sind. Wir wissen zwar, dass

die Initiative die Bestände von Immobilienunternehmen

ab einer Größe von

3000 Wohnungen vergesellschaften will.

Aber wir wissen nicht, wie teuer diese

Form der erzwungenen Rekommunalisierung

sein wird. Laut Schätzung des Senats

bewegen sich die Kosten auf 28,8 Milliarden

bis 36 Milliarden Euro. Nach Berechnungen

der Initiativefallen zwischen

7,3 Milliarden Euro und 13,7 Milliarden

Euro an. DieDifferenz ist riesig. Eine Entscheidung,

ob eine Vergesellschaftung ein

finanzielles Abenteuer darstellt, ist auf

dieser Grundlage kaum möglich.

Erfreulich ist, dass mit dem am Mittwoch

vorgestellten Gutachten des Verfassungsrechtlers

Joachim Wieland erstmals

eine Expertise vorliegt, die sich näher mit

der Frage einer Enteignungsentschädigung

auseinandersetzt. Beim Blick auf

den Berliner Wohnungsmarkt sei denkbar,

als Entschädigung die Beträge zugrunde

zu legen, „die vor einigen Jahren

für bestimmte Wohnungen gezahlt worden

sind, aber nicht die Gewinnsteigerungen

der letzten Jahre“, sagte Wieland.

Gutmöglich also,dass die Entschädigung

sehr viel geringer ausfallen würde, sofern

sich die Berliner mehrheitlich für eine

Vergesellschaftung aussprechen. Was

jetzt nötig ist, ist eine Kostenermittlung,

die aussagekräftig ist –und die nicht auf

den leistungslos erreichten Wertsteigerungen

in den Büchernder großen Unternehmen

beruht. Dass es überhaupt eine

Debatte über Enteignungen gibt, haben

sich viele Unternehmen selbst zuzuschreiben,

weil sie die Rendite über den

sozialen Zusammenhalt gestellt haben.

Drogenpolitik

Gebt das Hanf

frei!

Christian Burmeister

findet es absurd, dass kleine Kiffer

vonder Justiz belangt werden.

Die Niederlande testen gerade„Staatsmariuhana“,

Luxemburg plant eine

weitgehende Freigabe der weichen Droge,

Kanada hat es bereits getan und in den

USA lebt die Hälfte der Bürger in Bundesstaaten,

in denen das Rauschmittel frei

verkäuflich ist. UndinDeutschland? Hier

installiert die große Koalition gerade die

neue Drogenbeauftragte Daniela Ludwig

(CSU). Sie war bisher Spezialistin für Verkehrspolitik,

und hat bereits durchblicken

lassen, dass sie vom bisherigen Kurs bezüglich

Cannabis nicht abweichen wird.

Es ist ein Trauerspiel! Denn eine legale

Abgabe an Erwachsene wäre vernünftig

und ist überfällig. Es würde Polizei, Staatsanwaltschaften

und Gerichte entlasten,

die bis heute jeden strafrechtlich verfolgen

müssen, der mit der Droge erwischt

wird. Können wir es uns wirklich leisten,

die knappen Ressourcen in Justiz und

Exekutiveauf kleine Kiffer zu verwenden?

Hat das Land nicht ganz andere Probleme?

Undsoll sich die Organisierte Kriminalität

mit dem Verkauf der Droge weiter

die Taschen füllen?

Sicher: Cannabis ist keine komplett

harmlose Sache.Eskann zwar nicht in die

körperliche, wohl aber in die psychische

Abhängigkeit führen. Und es gehört sicher

nicht in die Hände von Heranwachsenden.

Die weltweiten Erfahrungen mit

einer Freigabe zeigen aber auch, dass

viele Argumente der Gegner nicht stimmen.

Etwa, dass die Zahl der Konsumenten

durch eine Freigabe starkansteigt. Eigentlich

wäre esder Job einer Regierung,

aufbauend auf diesen Erfahrungen ein

zukunftsweisendes Konzept zu entwickeln.

Aber mehr als Ideologie ist vor allem

von den Unionsparteien in diesem

Punkt wohl nicht zu erwarten.

Hier steht eine BU. Hier steht eine BU. Hier steht eine BU.

Wesentliche Fortschritte in

queerer Hinsicht sind erst

nach dem Fall der Mauer erreicht

worden –zur Erbschaft

der DDR gehörtauch seitens ihrer schwulen

und lesbischen Bürger*innen, die sich für Liberalisierungen

einsetzten, ein striktes Bürgerrechtsbewusstsein:

Streite gernauch darüber,wer

du bist –schwul oder lesbisch oder

trans*, aber richte dein Augenmerk auf die

Beseitigung aller diskriminierenden Gesetze

und kämpfe für Gleichberechtigung.

Undsogeschah’s.Der Paragraf 175, der seit

dem späten 19. Jahrhundertnie einem anderenZweck

diente,als schwule Männer als beschämende

Personen, als Objekte des Verfehlten

zu skandalisieren und zu missachten,

wurde erst 1994 aus dem Strafgesetzbuch getilgt.

Undauch das nur, weil die letzte DDR-

Regierung dieses in den Einigungsvertrag mit

der Bundesrepublik hineinformulierte. Wäre

es nach den Konservativen der Union gegangen,

gäbe es diesen menschenrechtswidrigen

Paragrafen, der als moralische Entwertungsvorschrift

bis heute in den Gemüternschlummert,

womöglich noch.Weiter:Die Ehe für alle

ist 2017 etabliertworden, ebenso hat der Bundestag

eine Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen

beschlossen.

Mehr noch: Neben den Attributierungen

„Mann“ und „Frau“ gibt es in Deutschland

auch die Möglichkeit, sich als „Drittes Geschlecht“

registrieren zu lassen –ein erheblicher

Fortschritt, werden doch auf dieseWeise

intersexuelle Menschen nicht mehr ausgegrenzt.

Darüber hinaus wird imSchulunterricht

der meisten Bundesländer Sexualaufklärung

nicht mehr allein an der Norm

„Mann-Frau-Kind“ ausgerichtet, tatsächlich

ist es möglich, queeres Leben als ebenso gelingend

zu vermitteln. Der größte Freiheitsgewinn

ist wahrscheinlich aber die geänderte

Moral der deutschen Gesellschaft: Schwule

und Lesben offen zu diskreditieren, ist verpönt.

Aversionen gegen Lesben, Schwule und

überhaupt queere Personen gibt es mehr als

ImFilm„Her“ verliebt sich Joaquin Phoenix

in die Softwareeines Betriebssystems,das

eine weibliche Identität erschaffen hat –mit

der Stimme von Scarlett Johansson. In

Philipp Kerrs Roman „Game over“ läuft der

Zentralcomputer eines Hochhauses aus dem

Ruder und wird zur Mordmaschine. Fremde

Welten als Spiel. So naiv bin ich Geschöpfen

der Informatik begegnet. Dass man von unterwegs

die Heizung zu Hause einstellen

oder Alexa Aufträge geben kann, interessierte

mich nicht. Ichdachte,ich hätte es vorläufig

in der Hand, wie weit ich Algorithmen

in mein Leben lasse.

Jetzt horche ich auf: Künstliche Intelligenz

wirdfür die Menschheit bedeutender werden

als die Entdeckung des Feuers. Das prophezeite

Sundar Pichai, einer dieser ausgewiesenen

Schlauköpfe im Google-Reich. Werhalbwegs

up to date ist, der sagt KI –die Abkürzung

für Künstliche Intelligenz. Dafür, dass

die KI für uns wichtiger als das Feuer werden

wird, hat der normale Mensch außerhalb der

Fachkreise wenig vonihr gewusst.

Dasändertsich. DiezweiBuchstaben stehen

in allen Medien. In der Berliner Zeitung

zum Beispiel erschien vor zwei Tagen ein

Text: In einem 400 Jahre alten japanischen

Tempel verkündet ein Roboter Buddhas

Lehre. Der Android heißt Mindar, Besucher

sind überrascht, wie menschlich und warmherzig

er wirkt. DieAkademie der Künste am

Pariser Platz spricht am 18. September über

„Kunst +KI: ?“ Der Bundestag setzte im Juni

2018 eine Enquete-Kommission ein: „Künst-

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wieweiter zwischen den Geschlechtern?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Der Anfang

ist gemacht

JanFeddersen

ist Autor bei der tageszeitung und meint, dass im Hinblick auf

queere Gleichberechtigung nun die Mühen der Ebene warten.

KOLUMNE

Große Bühne

für zwei

Buchstaben

Regine Sylvester

Autorin

liche Intelligenz –Gesellschaftliche Verantwortung

und wirtschaftliche Potenziale“. Im

nächsten Sommer soll ein Abschlussbericht

vorliegen.

Abschluss ist vielleicht nicht ganz das

richtige Wort. Dafür bewegt sich das Ganze

zu schnell. Maschinen brauchen unsereinen

nicht mehr,umschlauer zu werden. „Künstliche

Intelligenzen werden fast alles erlernen,

was Menschen können –und noch viel

XXXXXX

nur selten, aber jene,die sich abschätzig äußern,

wissen, dass es nicht statthaft ist, ja,

dass sie keine allgemeine zustimmende Resonanz

mehr finden. Politiker wie Klaus Wowereit,

auch dies eine ermutigende Lernerfahrung

für die queeren Communities in den

frühen Jahren dieses Jahrhunderts, lassen

sich durch kein „Sag nicht, dass du schwul

bist“ mehr aus der Bahn werfen, sie sind

durch antihomosexuelle Atmosphären nicht

mehr zu erledigen, im Gegenteil.

Wäredamit alles getan? Keineswegs,und

das ist keine pädagogische Mahnung, keine

hohle Warnung vor dem schlimmen Ende,

das da noch kommen könnte. Tatsächlich

haben Konservative nach wie vor keinen

Frieden gemacht mit der Gleichberechtigung

vonLesben und Schwulen. Ihre Hohepriesterin

ist die CDU-Vorsitzende Annegret

Kramp-Karrenbauer, die, hätte sie Aussicht

auf eine Mehrheit, das Eherecht wieder nur

für heterosexuelle Paareprivilegieren würde.

Undschaut man sich die einschlägigen Statements

der AfD an, ist der Kulturkampf um die

queeren Gleichberechtigungen noch lange

nicht zu Ende gefochten.

Klischees zum Trotz sind es freilich nicht

die Unterschichten, das, salopp formuliert

aus der Perspektivelebensstilbewusster Bürger,

proletarisch, so prekäre wie ungebildete

Fußvolk, das die bürgerrechtlichen und atmosphärischen

Fortschritte bei den queeren

Politiken als„Identitätspolitiken“ diskreditieren,

sondern die standesbewussten Mittelschichten.

Sie sind es, die an den Performances

queerer Künstler*innen im Kulturbereich

schiereWut ausleben,neulich gerade

wieder in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen.

Sie sind es, die ihren Kindern nahebringen,

dass ein schwules oder lesbisches Leben

nur zur Nothalbwegs okay ist.

30 Jahreseit dem Fall der Mauer–sehr viel

ist möglich und erreicht worden. Es kann nur

ein Anfang sein, die Mühen der Ebene,die Arbeit

an einer Kultur des Respekts und der Neugier

haben gerade erst wirklich begonnen.

mehr. Ihre neuronalen Netzwerke werden

aus Erfahrung klüger“, da ist sich der Informatiker

Jürgen Schmidthuber sicher.

Super, könnte man sagen, dann müssen

wir eben nicht mehr selber denken.

Aber es gibt einen Haken: Arbeit verschwindet.

Selbstfahrende Autos machen

Berufskraftfahrer arbeitslos. Roboter ersetzen

Zimmermädchen wie Bankangestellte.

Etwa 2025 –das wäreschon in sechs Jahren –

können Haushaltsroboter die Wohnung in

Ordnung halten. Das Institut für Arbeitsmarkt-

und Berufsforschung geht davon aus,

dass in naher Zukunft 70 Prozent der

menschlichen bezahlten Tätigkeiten von

Maschinen übernommen werden. 70 Prozent.

Hätte ich nicht gedacht.

Weltweit arbeiten 181 Firmen an klugen

Robotern. Roboter wollen keinen Lohn, keinen

Urlaub, keine Krankenversicherung.

Aber der Staat erhält dann auch keine Steuern,

und die meisten Bürger werden arbeitslos.

Mit diesen Aussichten wird das bedingungslose

Grundeinkommen für alle Bürger

neu begründet. Die andere Idee ist eine Robotersteuer:

Der Chaos Computer Club, Informatiker,Zukunftsforscher

fordernsie von

den Besitzern der Roboter: Mit diesem Geld

würden die Mitglieder der Gesellschaft ernährt,

die keine Jobs mehr haben.

Was machen die Durchgefütterten den

ganzen Tagmit ihrer Freiheit? Es klingt wie

eine abgespeckte Variante des Kommunismus.

Aber der hat doch auch nicht funktioniert.

„Der Plastikmüll in den

Ozeanen kommt nicht von

den Delfinen und der

Regenwald am Amazonas

wird auch nicht von den

Affen angezündet.“

Dietmar Bartsch,

Chef der Linksfraktion, stellte am Mittwoch in der

Generaldebatte des Bundestags zum Klimaschutz klar,

wer nicht Schuld an der Situation ist.

AUSLESE

Guter Start für

Ursula von der Leyen

Die neue Präsidentin der EU-Kommission,

Ursula von der Leyen, hat am

Dienstag ihre Wunschkandidaten vorgestellt.

„Dem Klimaschutz wird höchste

Priorität eingeräumt, Wirtschafts-, Wettbewerbs-

und Industriepolitik sind vielversprechend

aufgestellt“, lobt die Rhein-

Zeitung aus Koblenz. „Rechtsstaatlichkeit

und Demokratie werden als Herausforderung

hoch angesiedelt. Berücksichtigt

man dann noch, dass es ihr gelungen ist,

annähernd gleich viele weibliche wie

männliche Kandidaten aufgestellt zu haben,

darf man von einem guten Anfang

sprechen.“

Auch der Standard aus Wien ist angetan.

„In den kommenden Jahren dürfte

substanziell ein neues Kapitel aufgeschlagen

werden: politisch; in Tonfall und Stil,

wie Politik gemacht wird; vorallem bei der

Setzung inhaltlicher Prioritäten“, heißt es

dort. „Es gibt Schwachstellen. Bei mindestens

drei Anwärtern gibt es „Abrechnungsprobleme“,

sprich Korruptionsverdacht

aus früheren Tätigkeiten. Aber die

Grundsäulen stehen.“

Kritik kommt aus der Schweiz. „von

der Leyens Personalentscheide zeugen

vom Willen, es allen recht zumachen.

Männer und Frauen, Nord undSüd, West

und Ost, Christlichdemokraten, Sozialdemokraten,

Liberale und Grüne, Europaparlament

und Mitgliedstaaten“,

schreibt die Neue Zürcher Zeitung. „Das

kann man schwerlich einen Neustart

nennen.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

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Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Wieweiter in Werder

ohne

Baumblütenfest?

Seite 15

Personenverkehr: Der Überlebenskampf des Taxigewerbes Seite 12

Schriftverkehr: Alexander von Humboldts Aufzeichnungen Seite 14

Stadtbild

Der Auftritt der

blauen Armee

Mechthild Henneke

ist genervt vondürren

Herren im Businessdress.

An der Hiroshimastraße im

Stadtteil Tiergarten zeigte sich

Berlin am Dienstagabend ganz in

Blau. Das Fest der Landesvertretung

Nordrhein-Westfalen lockte

eine schier unglaubliche Menge

an Variationen der Politikertracht

an, zu der ein nachtblauer Anzug,

ein hellblaues Hemd und eine

dunkle Krawatte gehören. Die

blaue Armee bestand aus Männern

jeden Alters. Vielen gemein

war darüber hinaus ein deutliches

Untergewicht.

Sind Männer heute dünner als

früher, fragte ich mich. Der nahezu

feiste Franz-Josef-Strauß-

Typ ist Geschichte, das Modell

Macht gleich Masse, das Helmut

Kohl demonstrierte, finden wir in

den USA. Aber bei uns? NurMännlein

unterschiedlicher Körpergröße,

die durch Türritzen passen.

Selbstverständlich nehmen solche

Männer auf Festen wie am

Dienstag vor allem Männer wahr,

denn sie wollen ja Karriere machen

und auf dem Weg nach oben

begegnen ihnen wenige, sehr wenige

Frauen. Frau dient eher als

Deko –wenn sie blond und mit hohen

Absätzen versehen ist. Wie

wohltuend war es, als die Kanzlerin

auftauchte. Eine Artgenossin!

Nicht Größe 36 im Alter von 65

Jahren, sondern ein normaler

Mensch, außer dass sie natürlich

von vielen Blauschnöseln umgeben

war. Das muss hart sein. Sie

hatte einen hellblauen Blazer an,

weshalb man sie auch auf Entfernung

gut erkennen konnte.

Als Westfälin hatte ich mich auf

den Abend gefreut. Meine Heimat

präsentierte sich in Berlin. Da

sollte die blaue Armee doch mal

schauen: Es gab Erbsensuppe aus

der Gulaschkanone der Bochumer

Malteser und die Mundart-Karnevalsband

Die Höhner zum Anheizen

der Party. Außerdem hier ein

bisschen Wurst und dortNRW-Oliven

in Grün und Schwarz. Man

muss ja mit der Zeit gehen.

Im Allgemeinen sind die Menschen

in NRW von Berlin nicht begeistert.

Die Rheinländer denken

ohnehin, dass Köln die beste Stadt

der Welt ist und wer inWestfalen,

zum Beispiel in Niederntudorf,

wohnt, geht ungern woanders hin,

denn die Luft riecht zu Hause einfach

besser.

Etwas zerrissen verließ ich das

Fest mit einem Täschchen in der

Hand, dem obligatorischen Abschiedsgeschenk

auf derlei Festen.

Darin lagen Taschentücher der

Apothekerkammer Westfalen-

Lippe und ein Pfannenheber aus

dünnem Holz der Metro.

Ein paar Pfefferminzbonbons

der LBS reichte ich im Bus einem

Typen mit Zippelbart, Stoppelhaaren

und Jeansklamotten weiter,

mit dem meine Freundin und ich

an der Haltestelle auf den verspäteten

Bus geschimpft hatten. Er

schnitt mir, ohne auch nur mit der

Wimper zu zucken, während der

Fahrt imBus mit seinem Leatherman

das Festbändchen vom

Handgelenk. Endlich ein richtiger

Mann – war ich froh, dass die

blaue Armee in Berlin nur eine

punktuelle Erscheinung ist.

Man muss ja zeigen, zu wemman gehört–Rocker in ihrer typischen Kluft.

Rocker wollen ihre Kutten tragen

Eine Motorraddemonstration am Sonnabend richtet sich gegen Änderungen des Vereinsgesetzes

VonAndreas Kopietz

Wer mit dem geflügelten

Totenkopf durch Berlin

fährt, den wird die

Polizei schnell anhalten.

Denn das Symbol des Rockerclubs

Hells Angels darf nicht öffentlich

gezeigt werden. Sogar ein solches

Tattoo muss im Schwimmbad überklebt

werden. Dagegen wollen Rocker

aus ganz Deutschland am Sonnabend

protestieren.

Unter dem Motto „Freedom is our

Religion“ soll ein Motorrad-Korso

durch Berlin knattern. Mit der Demonstration,

die zum dritten Mal

stattfindet, wollen die Rocker gegen

das sogenannte Kuttenverbot demonstrieren,

das ihnen dasTragen ihrer

Vereinszeichen in der Öffentlichkeit

untersagt. Betroffen sind neben

dem Hells Angels MC auch die Bandidos,

der Gremium MC und kleinere

Clubs. Das Verbot wurde durch eine

Verschärfung des Vereinsrechts ermöglicht,

das 2017 in Kraft trat. Nun

dürfen Mitglieder bestimmter Rockergruppen

keine Clubsymbole

mehr auf ihrenWesten („Kutten“) tragen.

Auch an den Clubhäusern sind

sie nun verboten. Wenn einzelne

Ortsgruppen einesVereins wegen krimineller

Tätigkeiten verboten werden,

gilt dasVerbot bundesweit.

Entscheidung Ende des Jahres

Die Hells Angels sind der älteste

Rockerclub der Welt.

Gegründet wurde der MC

(„Motorcycle Club“) 1948 in

den USA vonRalph „Sonny“

Barger.Zurzeit ist der MC in

32 Ländernmit sogenannten

Chartern(Orts- oder Landesclubs)

vertreten. Symbol ist

ein Totenkopf mit Flügeln.

Die Rocker argumentieren, dass die

Verschärfung des Vereinsgesetzes

weit über die Rocker hinaus gehe.Ein

bundesweites Verbot könne künftig

auch politische Vereine treffen, wenn

eine Ortsgruppe gegen Gesetze verstoße.Die

Hells Angels,die Bandidos

und Gremium haben deshalb im Februar

vergangenen Jahres Klage beim

Verfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht.

Ende dieses Jahres will das

Gericht darüber entscheiden.

DieDemo am Sonnabend soll gegen

17 Uhr amClubhaus der Hells

Angels am Frankenholzer Weg in

Biesdorf beginnen. Wie schon im vorigen

Jahr führt die geplante Route

über Blumberger Damm, die Karl-

Marx-Allee, Karl-Liebknecht-Straße,

Unter den Linden zum Brandenburger

Tor, wo eine Zwischenkundgebung

geplant ist. Dann geht es zum

Großen Stern, wo dieDemonstranten

umdrehen und auf der gleichen

Route zurückfahren. Nach Angaben

einer Polizeisprecherin, hat der Anmelder

–eine Privatperson –400 erwartete

Teilnehmer angegeben.

Es dürften wahrscheinlich mehr

werden.Imvergangenen Jahr kamen

nach Angaben der Veranstalter schon

etwa 1000 Teilnehmer.

Normalerweise ist die Polizei im

Großeinsatz, wenn Rockerclubs Veranstaltungen

durchführen. Bei der

ersten Demo 2017 mussten die Teilnehmer

noch intensive Kontrollen

und Identitätsfeststellungen über

sich ergehen lassen. Doch in Zeiten,

wo die Bekämpfung von Islamismus

und Clankriminalität Priorität hat,

EIN PROZENT GESETZLOS

Viele Clubs wie die Hells Angels

bezeichnen sich als

„Onepercenter“ und tragen

das Zeichen 1%. 1947 hatte

eine US-Motorradorganisation

nach einer Auseinandersetzung

99 Prozent ihrer Mitglieder

als rechtschaffen bezeichnet

und ein Prozent als

gesetzlos.

Rechtsanwalt UweSchadt, André Sommer und Manfred „Tedy“ Bach

Laut Polizei sind viele Mitglieder

der international organisierten„OutlawMotorcycle

Gangs“, wie MCsinden Behörden

genannt werden,verstrickt

in dieorganisierte Kriminalität,

und betreibenzur

Finanzierung ihrer Aktivitäten

Schutzgelderpressung,Drogenhandel

und Zuhälterei.

KOPIETZ

DPA/PAUL ZINKEN

lässt offenbar der Verfolgungsdruck

gegen die Rocker nach. 2018 habe es

keine Kontrollen mehr gegeben, und

auch dieses Mal will die Polizei wohl

nur darauf achten, dass die Motorräder

denVorschriften entsprechen.

Mitdem Kuttenverbot soll eigentlich

der Missbrauch desVereinsrechts

für organisierte Kriminalität wie

Menschenhandel und Drogengeschäfte

bekämpft werden, was Mitgliedern

dieser Clubs immer wieder

vorgeworfen wird. Doch stattdessen

habe es die einst verfeindeten Clubs

enger zusammengebracht, wie diese

regelmäßig betonen.

So kommt es, dass sich nun jene

mit dem schlechtesten Ruf für

Grundrechte und Freiheit engagieren.

„Die Verschärfung des Vereinsrechtes

ist ein Einschnitt in die individuelle

Freiheit“, sagte André Sommer

vom Hells Angels MC bei einer Pressekonferenz

am Mittwoch. „Dieser

Einschnitt kann alle betreffen.“ Sommer

ist nach eigenen Worten im vergangenen

Jahr durchChina gefahren.

Er betont, dass er aus der DDR

komme und wisse,was Unfreiheit bedeute.

Nach denWorten vonUwe Schadt,

Rechtsanwalt der Hells Angels, würden

Leute verfolgt, die Schriftzüge

tragen, die dem der Hells Angels nur

ähneln. Derzeit seien 24 Verfahren in

Berlin anhängig, zwölf davon eingestellt.

Offenbar warte man auf das

Verfassungsgericht.

„Die Gesetzesänderung ist handwerklich

schlecht gemacht und wird

gekippt“, sagt Manfred „Tedy“ Bach

vom Vorstand des Biker Union e.V.

Willkürlich würden Kuttenträger

nicht auf Veranstaltungen gelassen.

Er selbst, der keinem Club angehöre,

habe nur eine Lederkutte ohne Symbole

und sei nicht auf einen Berliner

Weihnachtsmarkt gelassen worden.

„Woführtdas hin?“, fragt er.

SPD-Politiker kritisiertDemo

Zu den Kriminalitätsvorwürfen gegen

Rockerclubs sagt er: „Dann ist die

Frage, warum die Leute nicht in Haft

sind. Wirleben in einem Rechtsstaat,

und es geht immer nur um die Person,

die straffällig wird. Warumsoll es

eine Gruppenhaftung geben?“

Der Berliner SPD-Innenpolitiker

TomSchreiber kritisiert die geplante

Demonstration der Hells Angels: „Öffentlich

stellen sie sich als friedliebende

Rocker dar. Aber wenn man

hinter die Kulissen schaut, dann sieht

man Personen, die regelmäßig mit

dem Gesetz in Konflikt kommen. Mit

der Demonstration wollen sie nach

innen Geschlossenheit zeigen und

nach außen sich als friedliebende

Menschen darstellen, die nur nett

und freundlich Motorrad fahren wollen.“

Sommer sagt zu solchen Vorwürfen:

„Ab wann also darf ich dann

nicht mehr für meine Rechte eintreten?

Es gibt Gesellschaftsformen, wo

es den Leuten nicht gestattet ist, das

zu tun. Ich möchte nicht in so einer

Gesellschaft leben.“

NACHRICHTEN

Berlin ist Zentrum der gut

Ausgebildeten

DieBerliner Bevölkerung hat im

bundesweiten Vergleich den größten

Anteil hoch qualifizierter Einwohner:42Prozent

der 25- bis 64-Jährigen

haben studiertoder etwa eine

Meister-, Techniker-oder Erzieherausbildung

absolviert. Dasgeht aus

einem Bericht des Statistischen Bundesamts

hervor, der auf Zahlen von

2018 beruht. AufPlatz 2lag Hamburg

mit einem Anteil von37Prozent

Hochqualifizierten. (dpa)

Kochen, sporteln und lernen:

Nacht der Volkshochschulen

Eine Sprache lernen, Pilates machen,

häkeln –das können Berliner

in den zwölf Volkshochschulen. Am

20. September laden elf Schulen zur

Langen Nacht ein. Zwischen 18 Uhr

und Mitternacht können Interessierte

kostenlos Workshops und

Werkstätten besuchen. Anlass ist das

100-jährige Bestehen derVolkshochschulen,

die Lange Nachtfindet erstmals

statt. (dpa)

CDU kritisiert

Machtmissbrauch von R2G

DieCDU wollte am Mittwoch im

Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses

über das Neutralitätsgesetz

diskutieren. Zu Anfang der Sitzung

jedoch strichen SPD,Linke und

Grüne auf Wunsch der Grünen den

Antrag vonder Tagesordnung. Die

FDP interpretiertdas Vorgehen als

„Muskelspiel“. DieCDU nennt es

„Machtmissbrauch“ –und vermutet,

dass die Regierungsparteien beim

Thema Neutralitätsgesetz handlungsunfähig

sind. Justizsenator

Behrendt (Grüne) und Bildungssenatorin

Scheeres (SPD) sind beim

Neutralitätsgesetz uneins: Er will das

Kopftuchverbot an Schulen abschaffen,

sie will es behalten. (ann)

Regierung muss IS-Kämpfer

nicht zurückholen

DieBundesregierung muss einen

deutschen Staatsangehörigen, der

sich der Terrororganisation IS anschloss

und nun vermutlich vonKurden

in Syrien gefangen gehalten

wird, nicht nach Deutschland zurückholen.

Dasentschied das Berliner

Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren,

wie am Dienstag mitgeteilt

wurde.Der Vater des Mannes

versuchte,per Gericht durchzusetzen,

dass die Bundesregierung aktiv

wird. Eine Anwältin des Vaters argumentierte,dem

Sohn drohe bei einer

Überstellung an die syrische Regierung

oder den Irak Folter oder die

Todesstrafe.Das Gericht wies den

Eilantrag ab.Die Entscheidung ist

noch nicht rechtskräftig. (dpa)

Das Oberverwaltungsgericht in Berlin hat

entschieden.

IMAGO IMAGES


10 Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Bezirke

Brücke bleibt gesperrt

Die Bundesstraße 109

bleibt wegen fortgesetzter

Bauarbeiten im Abschnitt

zwischen der nördlichen und

der südlichen Zu-und Abfahrt

zur A114 weiterhin gesperrt.

Die Sperrung besteht voraussichtlich

bis zum 8. November.Der

rund 700 Meter lange

Abschnitt zwischen den Einmündungen

„Am Posseberg

Süd“und der Zu-und Abfahrt

Heinersdorf

A114ist dagegenfertiggestellt.

DieSchönerlinder Straße wird

bereits seit Ende 2017 zwischen

den Anschlussstellen

zur Bundesautobahn 114 und

der Landesgrenze zu Brandenburg

grundsaniert. Im anstehenden

Abschnitt sollen

die Fahrbahnen des gesamten

Knotenpunkts der Schönerlinder

Brücke erneuert werden.

(mw.)

Museum wird modernisiert

Das Museum Lichtenberg,

Türrschmidtstraße

24, wird modernisiert

und schließt dafür vom 6.

Oktober seine Dauerausstellung

bis zum Sommer 2020.

Das teilt das Bezirksamt mit.

Die 2006 im Stadthaus Rummelsburg

eröffnete Dauerausstellung

über die Geschichte

des Bezirks sei in die

Jahre gekommen. Die Besu-

Lichtenberg

chergewohnheiten hätten

sich geändert. Museen ohne

die Anwendung moderner

Technik seien in der Gegenwart

undenkbar. Entstehen

soll ein modernes, vor allem

für junge und neu zugezogene

Lichtenberger attraktives

Museum, in dem sie die

Geschichte des Bezirks zum

großen Teil selbst erkunden

können. (nm.)

Besonderer Tropfen

Der Kreuzberger Wein ist unverkäuflich.

GETTY IMAGES PLUS/ISTOCK/ROSTISLAV_SEDLACEK

Kreuzberg

Den öffentlichen Auftakt

der diesjährigen Weinlese

auf dem Kreuzberg im

Viktoriapark feierte das Bezirksamt

in Anwesenheit von

Stadtrat Florian Schmidt

(Grüne) am Mittwoch. Am

Nordhang gibt es etwas versteckt

300 Rebenstöcke, die

jedes Jahr abgeerntet und zu

einem besonderen Wein verarbeitet

werden. (sara.)

Jubelnde Radfahrer

Vier Monate lang trat das

Bezirksamt Tempelhof-

Schöneberg imRahmen der

Kampagne „Mit dem Radzur

Arbeit“ gegen das Bezirksamt

Friedrichshain-Kreuzberg in

die Pedale. 325 Mitarbeiter

aus beiden Bezirken haben

an der Aktion teilgenommen

und zusammen eine Strecke

von 70 894 Kilometern zurückgelegt.

Als klarer Gewin-

Tempelhof-Schöneberg

ner geht hier das Bezirksamt

Tempelhof-Schöneberg hervor,

wo im Durchschnitt jeder

Teilnehmer fünf Tage

mehr eingeholt hat. Bürgermeisterin

Angelika Schöttler

(SPD) sei es aufgrund ihres

langen Arbeitsweges nicht

möglich gewesen, sich zu beteiligen.

„Ich freue mich

trotzdem über den Sieg unserer

Radler“, sagt sie. (sara.)

Mehr Spielplätze

Die

Spielplatzversorgung

im Bezirk soll verbessert

werden. Das ergibt die Antwort

des Baustadtrats Oliver

Schruoffeneger (Grüne) auf

eine Anfrage der FDP-Fraktion.

Dem vorausgegangen

war die Veröffentlichung von

Daten zur Anzahl der Spielplätze

inden Bezirken. Derzeit

verfügt Charlottenburg-

Wilmersdorf demnach über

Charlottenburg-Wilmersdorf

117 öffentliche Spielflächen.

Pro Einwohner stehen 0,47

Quadratmeter zur Verfügung.

Geringer fällt dieserWert nur

in Marzahn-Hellersdorf(0,45)

aus. Laut Schruoffeneger hat

der Einsatz der Mittel aus

dem Spielplatzsanierungsprogramm

zu einer hohen

Qualität der vorhandenen

Spielplätze geführt. Dennoch

mangelt es an Flächen. (kr.)

Den Restsommer genießen ...

In den kommenden Tagen müssen sich die

Brandenburger und Berliner auf Herbstwetter

einstellen. Noch ist es schön, wie

auf diesem Bild vom Fernsehturm. In den

kommenden Tagen dann allerdings

Feuchte, jedoch nicht so viel wie zu Wochenbeginn.

DieTemperaturen liegen mit

DPA/BERLIN

bis zu 24 Grad über dem Schnitt der langjährigen

Normalwerte vonumdie 20 Grad,

so eine Meteorologin vomDeutschenWetterdienst.

Am Sonntag soll es demnach

nochmals „sehr schön“ werden, mit viel

Sonnenschein und Spitzentemperaturen

bis zu 24 Grad. (BLZ)

Reinickendorf

Schäfersee bleibt ungeklärt

Das ungeklärte Straßenabwasser

der Residenzstraße

macht dem Schäfersee

zu schaffen. Dennoch

sieht der Senat keine besondere

Dringlichkeit für eine

Filteranlage. Badegewässer

hätten Vorrang. Die Reinickendorfer

Grünen-Fraktion

fordert, zumindest eine

Machbarkeitsstudie in Auftrag

zu geben. (nm.)

Ungeklärtes Straßenabwasser

setzt dem See zu. NILS MICHAELIS

Spandau

Schüler ziehen in Container

An der Christoph-Földerich-Grundschule

in der

Wilhelmstadt ist jetzt ein neu

errichteter Containerbau

übergeben worden. Aufeiner

Grundfläche von etwa 910

Quadratmetern bietet der

dreigeschossige Bau neben

mehreren Teilungs- und Betreuungsräumen

ausreichend

Platz für eine geräumige

Mensa. Damit könne

ab sofort auch an diesem

Standortdie Mittagessenversorgung

aller Schüler sichergestellt

werden, so das Bezirksamt.

Der Container soll maximal

fünf Jahre stehen.

Mittelfristig sind der Neubau

einer Sporthalle und

im Anschluss der Umbau

der alten Halle zu einer

Mensa geplant. (nm.)

Vielfalt. DasBezirksamt Spandau

sowie mehr als 50 weitere

Gruppen, Verbände und Institutionen

laden am 14. September,von

11 bis 17 Uhr, zum

„Sozialen, Gesunden und Internationalen

Spandau“ auf

dem Marktplatz in der Altstadt

ein. An rund 70 Ständen und

Aktionsflächen können sich

Besucher über die Angebote in

Spandau informieren.

TERMINE

Fairtrade. Unter dem Motto

„FAIRändereDich!“ wirdzueinem

Filmabend ins Rathaus

Schöneberg, John-F.-Kennedy-

Platz, am 19. September,19

Uhr, geladen. Gezeigt wirdder

Film „Fair Traders“, in dem Unternehmer

vorgestellt werden,

die sich für Gerechtigkeit und

den fairen Handel einsetzen.

DerEintritt ist kostenfrei. Es

gibt faireSnacks.

Musik. Am 14. und 15. September

findet das Festival für selbst

gebaute Musik in Moabit am

ZK/U Berlin statt. Musikalische

Basisarbeit für alle,Sichtbarmachung

musikalischer Prozesse,

Erfahrbarkeit vonKlängen, Experimente

und Austausch, das

alles und mehr erwartet Besucher

an diesen Tagen.

MehrInfos unter:

www.selbstgebautemusik.de

Die Berliner Zeitung berichtet aus den BezirkeninZusammenarbeit mit dem Berliner Abendblatt.

Tempo 10 im Samariterkiez

Inder Bänschstraße im Samariterkiezgilt

künftig im

Abschnitt zwischen Voigtstraße

und Pettenkoferstraße

Tempo 10. Mit einer

entsprechenden Beschilderung

wurde die „Verkehrsrechtliche

Anordnung zur

Temporeduzierung“ umgesetzt.

Zudem erhält der

Straßenabschnitt in den

nächsten Wochen Schwel-

Friedrichshain

len zur Geschwindigkeitsreduzierung.

Hintergrund:

Mitte August wurden im Samariterkiez

zwei Durchfahrtssperren

und eine Diagonalsperre

errichtet. Mit

der Temporeduzierung reagiertdas

Bezirksamt auf Anwohnerbeschwerden:

Angezeigt

wurde ein Umfahren

der Sperren mit überhöhter

Geschwindigkeit. (sara.)

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Brandstiftungen aufgeklärt.

Noch während umfangreicher,täterorientierter

Ermittlungen der „Ermittlungsgruppe

Nachtwache“ gelang

es einem ins Visier geratenen

Tatverdächtigen, die Stadt zu verlassen

und sich nach Hamburgabzusetzen.

Dortwurde der mutmaßliche

Serientäter am 6. August bei einer

Brandstiftung an einem Fahrzeug

auf frischer Tatfestgenommen und

erhielt dorteinen Haftbefehl. Im

Rahmen der durch die ermittelnden

Beamten der „EG Nachtwache“ weitergeführten

Ermittlungen gab der

bereits einschlägig verurteilte Tatverdächtige

drei Brandstiftungen in

Berlin zu. DieArbeit der Ermittlungsgruppe

wirdmit diesem Ermittlungserfolg

beendet. (BLZ)

Mehrere Brandstiftungen.

Zu mehreren Bränden kam es am

Mittwoch in Kreuzberg. Gegen 2.20

Uhrbemerkte ein Passant Flammen

auf der Ladefläche eines Transporters

einer Gartenbaufirma, der auf

der Gitschiner Straße geparkt war,

und alarmierte die Feuerwehr.Zeitgleich

bemerkte eine Busfahrerin

der BVGebenfalls die Flammen,

stoppte den Busund begann mithilfe

des Bordfeuerlöschers Löschversuche.Gegen

3.20 Uhralarmierte

ein 53-jähriger Passant die Feuerwehr

ebenfalls in die Gitschiner

Straße,unweit des ersten Brandortes,zueinem

brennenden Motorrad.

Gegen 3.35 Uhrbemerken Polizisten

den Brand zweier Müllcontainer in

einem Müllraum eines Mehrfamilienhauses

an der Böckler Straße,unweit

der Gitschiner Straße,und alarmierten

die Feuerwehr. (dpa)

Polizei parkt falsch.

Weil ein Berliner Polizist seinen Streifenwagen

für einen schnellen Einkauf

falsch parkte,musste er ein

Bußgeld bezahlen. EinBeobachter

fotografierte das Polizeiauto,das direkt

an einer Straßenecke zum Teil

auf dem Bürgersteig stand, und twitterte

die Bilder.Dazu schrieb er:

„Zum Pizza holen stellen sich einige

Beamte des @polizeiberlin A34 einfach

mal aufm Gehweg in den 5Meter

Bereich. Als ich in der Pizzeria

nach der Dienstkarte fragte waren

sie perplex.“ DiePolizei erwiderte

per Twitter:„Richtig, das war kein

Polizeieinsatz. DieVorgesetzten haben

es mit dem Kollegen ausführlich

ausgewertet. Er zeigte sich einsichtig

und bezahlte das für diese Ordnungswidrigkeit

vorgesehene Verwarnungsgeld.“

(dpa)

Kühlschränke

lösen

Feuer aus

Fahrlässige Brandstiftung in

Asylbewerberunterkunft

Falsch angeschlossene Kühlschränke

haben wahrscheinlich

den Brand in einer Asylbewerberunterkunft

in Köpenick ausgelöst. Bisherigen

Erkenntnissen der Brandermittler

nach waren diese unsachgemäß

ans Stromnetz angeschlossen,

wie ein Polizeisprecher am Mittwoch

sagte.Die Beamten gehen daher von

fahrlässiger Brandstiftung aus.

Bei dem Brand am Dienstagabend

wurden drei Menschen verletzt.

Sie wurden nach Angaben der

Feuerwehr mit Rauchvergiftungen

in ein Krankenhaus gebracht. In der

Unterkunft in der Alfred-Randt-

Straße lebten nach Angaben des

Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten

286 Flüchtlinge. Etwa 200

mussten in andere Unterkünfte verlegt

werden, weil die Unterkunft

stark verraucht sei. Sie sollten in

Treptow-Köpenick, Neukölln und

Pankow unterkommen. Nach Angaben

der Polizei ist der betroffene Gebäudeteil

wegen der Schäden durch

das Feuer und Löschwasser vorerst

unbewohnbar. (dpa)

Unter den Gästen des RND-Flurfestes (von links): Familienministerin Franziska Giffey,Forschungsministerin Anja Karliczek und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Kanzlerin beim Flurfest

An diesem Abend hätten Gesetzeentstehen können –sohochkarätig war

die Gästeliste. Doch das war nicht der Plan. Denn die Gäste, darunter

Kanzlerin Angela Merkel, sind am Mittwochabend zum Feiern, nicht

zum Regieren in die siebte Etage im Haus der Bundespressekonferenz

gekommen. Undsowurde ein Bürozur gemütlichen Lounge,ein anderes

zur Bar, und mehr als 200 Gäste aus Politik und Gesellschaft fanden

zusammen beim Flurfest des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND)

Knallharter Kampf

Die Taxi-Tarife steigen erstmals seit vier Jahren wieder –gleich um mehr als zehn Prozent

VonElmar Schütze

Es ist ein kräftiger Zuschlag

–allerdings auch der erste

seit vier Jahren: Taxifahrten

in Berlin kosten künftig

wegen einer Preiserhöhung durchschnittlich

10,7 Prozent mehr. Die

Anpassung, die der Senat am Dienstag

beschlossen hat, tritt wohl Anfang

Oktober in Kraft. Gleichzeitig

verschärft sie die Konkurrenzsituation

im immer härter werdenden

Personenbeförderungsgeschäft.

„Die Anhebung ist aus unserer

Sicht notwendig“, sagt Leszek Nadolski,

Vorsitzender der Taxi-Innung

Berlin. Tatsächlich hatte die

Branche bereits im April vorigen

Jahres eigene Vorschläge bei der Senatsverwaltung

für Verkehr eingereicht,

die in Berlin für die Tarife zuständig

ist.

Dabei hatte man nach Worten

von Nadolski eine Erhöhung um

rund 8Prozent vorgeschlagen –

dass es jetzt ein zweistelliger Wert

geworden ist, sei überraschend,

„aber rein wirtschaftlich angebracht“,

sagte er.

Das Berliner Taxigewerbe steckt

in einem knallharten Überlebenskampf.

Mit den Tariferhöhungen

würden die Kostensteigerungen des

Gewerbes berücksichtigt, teilte die

Verkehrsverwaltung mit. Dafür habe

man eine Studie in Auftrag gegeben,

Strecken bis 7Kilometer:

Der Kilometerpreis steigt im

Normaltarif um 15 Prozent

von2,00 auf 2,30 Euro. Der

Grundpreis bleibt bei 3,90

Euro. In Zukunft kostet dann

etwa eine Streckevon 15 Kilometernnach

Angaben der

Taxi-Innung 37,10 Euro statt

wie bisher 33,80 Euro.

bei der die Auswirkungen der Preisentwicklung

inklusive der Mindestlöhne

bis 2020 unter die Lupe genommen

wurden, wie es hieß.

Innungs-Chef Nadolski sieht sich

in der Tariferhöhung grundsätzlich

bestätigt. „Wir haben als verantwortungsvolle

Unternehmer zwei entscheidende

Aufgaben, die wir beide

im Blick haben müssen: Wir haben

eine soziale Verantwortung für die

Fahrer.Und wir müssen uns alle fünf

Jahre einer Wirtschaftlichkeitsprüfung

unterziehen“, sagt er. „Deswegen

sind die Unternehmer dazu gezwungen,

etwas zu tun. Wenn wir

nicht erhöhen, gehen wir ein.“ Zu

den Kostentreibern für Taxi-Unter-

DAS IST NEU

Strecken ab 7Kilometer:

Der Tarif steigt um zehn Prozent

von1,50 auf 1,65 Euro

je Kilometer.Die Kurzstrecke

fällt mit 6Euro statt 5Euro

um 20 Prozent höher aus.

Erhöht wird auch das Geld

für die Wartezeit –umzehn

Prozent auf 33 Euro pro

Stunde.

Zuschläge: Der Zuschlag von

5Euro für die Mitnahme von

fünf oder mehr Fahrgästen gilt

auch für große Gegenstände.

Der Zuschlag für sperriges

Gepäck entfällt, Kinderwagen

undRollstühlewerden weiter

nicht berechnet –egal, ob ein

Taxi oder einGroßraumtaxi

gerufen wird.

nehmer gehört neben steigenden

Energie- und Fahrzeugpreisen auch

ein steigender allgemeiner gesetzlicher

Mindestlohn für die Fahrer.

Dieser liegt seit dem 1. Januar bei

9,19 Euro proStunde –abdem 1. Januar

nächsten Jahres werden es

9,35 Euro proStunde sein.

Aber die Branche ist gespalten,

wie Nadolski sagt. Denn es werden

längst nicht alle der rund 8000 Taxis

in Berlin vonsogenannten Mehrwagenunternehmern

betrieben. Eine

Untersuchung von 2016 zur Wirtschaftlichkeit

des Taxigewerbes in

Berlin stellt sogar fest, dass rund

75 Prozent der Betriebe in der Stadt

nur ein Auto besitzen. Da fährt der

Anschläge auf Ärzte und Feuerwehrleute

Chef dann selbst. Und dieser hängt

eben im Zweifel noch ein paar Stunden

dran, wenn der Umsatz in der

regulären Arbeitszeit vonacht Stunden

nicht ausreichend gewesen sein

sollte. Genau dort, zwischen den

Mehrwagenunternehmern, die ihre

Angestellten ordentlich bezahlen

müssen und den Alleinfahrern, die

sich im Zweifel selbst ausbeuten,

verläuft die Spalte,von der Nadolski

spricht.

Und der Grund dafür trägt mehrere

Namen: Uber, Berlkönig, Clevershuttle,

Freenow und wie sie alle

heißen – digitale Fahrdienste, die

eine vierjährige Testphase in Berlin

nutzen, um den Markt umzukrempeln.

DieFahrzeuge sind nur digital

zu buchen, die Unternehmen suchen

sich ihreTouren aus und steuern

über den Preis das Geschäft. In

vielen Fällen liegt der Preis deutlich

unter dem für ein reguläres Taxi.

Gleichzeitig ist es jedoch möglich,

dass dieser Preis je nach Marktlage

steigt und am Ende weit über dem

stets stabilen Tariffür Taxis liegt.

Nach Schätzungen von Nadolski

hat seine Branche in den vergangenen

zwei Jahren rund 25 Prozent der

Fahrgäste an die Digitalen verloren.

Das sind bei 100 000 Fahrgästen

täglich rund 600 000 Kunden im

Monat. Der Grund ist für Nadolski

klar.„Es herrscht kein fairer Wettbewerb.“

Unbekannte lockerten an zahlreichen Autos auf dem Gelände der Feuerwache Marzahn die Radmuttern

VonAndreas Kopietz

Unbekannte verüben Anschläge

auf Berliner Feuerwehrleute

und Ärzte: Nach Informationen der

Berliner Zeitung wurden in den vergangenen

Tagen auf dem Gelände

der Feuerwache Marzahn an der

Märkischen Allee an zahlreichen

parkenden Autos Radmuttern gelockert.

Ein Feuerwehrsprecher bestätigte

die Vorfälle am Mittwoch auf

Anfrage.

Betroffen waren nach Informationen

dieser Zeitung Privat- und

Dienstfahrzeuge der Feuerwehr und

der Kassenärztlichen Vereinigung,

gen sind. Dasweitläufige Gelände ist

durch Stahltore gesichert. Allerdings

berichtet ein Feuerwehrmann, dass

es kein Problem sei, über den Zaun

zu gelangen „oder einfach reinzuspazieren“.

Das Gelände ist auch

nicht durch Kameras überwacht, es

gibt auch keinen Wachschutz.

Ähnlich verhielt es sich auch mit

einem Einbruch in die Feuerwache

am Groß-Berliner Damm Anfang

Mai dieses Jahres in Treptow-Köpenick.

Damals waren Einbrecher

durch den Maschendrahtzaun auf

der Rückseite auf das Gelände gelangt.

Die Einbrecher brachen

Löschfahrzeuge auf und entwende-

THOMAS IMO/PHOTOTHEK.NET

in der gemeinsamen Hauptstadtredaktion von Madsack und der Mediengruppe

DuMont, zu der auch die Berliner Zeitung gehört. Es war das

fünfte Mal, dass das RND zu dieser Veranstaltung lud. DieGäste nutzten

die Gelegenheit für einen Plausch, anregende Gespräche, einen Blick

vomBalkon –und gönnten sich bei einem kühlen Getränk eine Auszeit

vomParlamentsbetrieb.Das kann ja auch helfen, wenn es am Tagdarauf

wieder darum geht, Gesetzezumachen und das Land zu regieren. (BLZ)

die auf dem Gelände einen Stützpunkt

unterhält, von dem aus Patienten

im Osten und Südosten der

Stadt versorgt werden.

In einer internen Anweisung werden

jetzt die Fahrer gebeten, ihre

Fahrzeuge zu prüfen, bevor sie diese

in Betrieb nehmen. Sie werden aufgefordert,

Fälle von gelockerte Radmuttern

unverzüglich zur Anzeige

bei der Polizei zu bringen.

DiePolizei hat deshalb bereits ein

Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Unklar ist, ob es sich bei dem oder

den Tätern umMitarbeiter der Feuerwache

handelt oder ob diese von

außen auf das Gelände eingedrunten

ein Motorpumpenaggregat, ein

Kombigerät, zwei Motor-und Trennschleifer,

zwei Motor-Kettensägen

und zahlreiches Zubehör. Eine ähnliche

Tatserie hatte es unter anderem

vor sieben Jahren gegen Polizisten

gegeben. Damals zählte die Polizei

mehr als 50 Anschläge auf Privatfahrzeuge

ihrer Beamten. So hatten

Unbekannte an einer Dienststelle in

Spandau Räder von Privatautos

zweier Polizisten gelockert. Auch die

Radbolzen am Fahrzeug eines Mitarbeiters

des Verkehrsdienstes wurden

gelöst. Sie fielen während der Fahrt

ab. Der Beamte konnte sein Auto

rechtzeitig anhalten.

Todesfahrer

schweigt

zum Unfall

Polizei sammelt

Zeugenaussagen

Nach dem Autounfall mit vier Toten

in der Berliner Innenstadt

wertet die Polizei weiter Zeugenaussagen

aus.Esseien Hinweise bei der

Polizei eingegangen, denen jetzt

nachgegangen werde, sagte eine

Sprecherin der Staatsanwaltschaft

am Mittwoch.

Video ausgewertet

Wie viele Zeugen sich gemeldet hätten,

war nicht bekannt. Auch direkt

nach dem Unfall am Freitagabend

hätten Zeugen des Geschehens mit

der Polizei gesprochen, so die Sprecherin.

DerenAussagen seien oft nur

kurz notiert worden, daher würden

die Beobachter nun „gründlich

nachvernommen“.

Ebenso werde das bereits bekannte

Video, das aus einer Kamera

in einem Taxi stammt und den Unfallwagen

kurz vor dem Aufprall

zeigt, ausgewertet. Weitere Filme

oder Fotos seien bisher nicht bei der

Polizei eingegangen, sagte die Sprecherin.

Die Polizei hat laut Staatsanwaltschaft

bisher keinen Einblick in die

Patientenakte des 42-jährigen Fahrers.Nach

dem Unfall hatte es einen

Hinweis der Beifahrerin gegeben,

dass der Fahrer am Steuer einen epileptischen

Anfall erlitten habe. Die

Staatsanwaltschaft verwies nun darauf,

dass die Akte ebenso wie andere

Informationen des behandelnden

Arztes unter die ärztliche Schweigepflicht

falle.

Menschen haben Kerzen am Unfallortaufgestellt.

DPA

DieSprecherin sagte,zudem gebe

es nach der Strafprozessordnung ein

Beschlagnahmeverbot, das für die

ärztlichen Unterlagen gelte.Die Patientenakte

dürfe also nur herausgegeben

werden, wenn der Patient den

Arzt von der Schweigepflicht entbinde

oder wenn ein Richter einen

Beschlagnahmebeschluss ausstelle.

Beides sei nicht geschehen.

Der Fahrer, gegen den wegen des

Verdachts der fahrlässigen Tötung

ermittelt werde, habe sich nicht geäußert,

sondern werde von einem

Anwalt vertreten. Als Beschuldigter

in einem Ermittlungsverfahren darf

der Mann schweigen.

Die Polizei hatte am Dienstag erneut

um Fotos,Videos und Hinweise

zu dem Unfall gebeten. Im Internet

wurde dazu eine Seite freigeschaltet:

https://be.hinweisportal.de. „Der

genaue Unfallhergang ist weiterhin

unklar“, hieß es am Dienstag.

Am Freitagabend fuhr der Porsche

Macan des 42-Jährigen, der laut

Polizei in Berlin gemeldet ist, auf der

Gegenfahrbahn an wartenden Autos

vorbei und kam dann vonder Straße

ab. Der SUV rammte eine Ampel,

überfuhr die vier Menschen auf dem

Gehweg und durchbrach einen Bauzaun.

Unter den Opfern befanden

sich ein dreijähriger Junge und seine

Großmutter. Diese soll nach Medienberichten

aus Hessen stammen

und zu Besuch gewesen sein. Die

Mutter des Kindes stand daneben

und blieb unverletzt. Die beiden

weiteren Todesopfer sollen zwei

junge Männer aus Spanien und

Großbritannien sein. Die Staatsanwaltschaft

bestätigte die Herkunft

der Opfer nicht. (BLZ/dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 13 *

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Berlin

Tropfen auf die heißen Steine der Welt

KLAUS J. BEHRENDT

&DIETMAR BÄR

sind die lebenden Gegenbeweise zur

These vom oberflächlichen, in der

richtigen Welt folgenlosen Unterhaltungsfernsehen.

Mankennt sie zwar

als TV-Kommissars-Veteranen, die

seit 1997 im „Tatort“-Revier Köln auf

Mörderpirsch sind, aber schon von

Anfang an war ihnen Relevanz wichtig.

Das drückt sich auch in ihrem

dritten gemeinsamen Fall „Manila“

aus, indem sie es 1998 als KommissareBallauf

und Schenk mit Kindesmissbrauch

zu tun bekommen und

während der Ermittlungen in der

philippinischen Hauptstadt Manila

landen. Während der Dreharbeiten

dort haben sich die beiden Schauspieler

für mehr als ihren Pausenkaffee

interessiert. Sie waren von den

Zuständen, unter denen Kinder in

Manila leben müssen, schockiert.

Und entschieden spontan, ihre Bekanntheit

einzusetzen und zu helfen.

Der erste Schritt war die Gründung

des Vereins „Tatort –Straßen

der Welt e.V.“, der inzwischen seit

über 20 Jahren die Kinderrechtsorganisation

Preda unterstützt. Dietmar

Bär war erst im Februar mit dem

Hilfswerk Misereor in Manila: „Wir

haben die sogenannten Jugendanstalten

besucht, die Knäste sind.“

Überfüllt, heiß, voller Gewalt. Keine

Orte, andenen sich Kinder und Jugendliche

aufhalten sollten. Klaus J.

Behrendt zieht einen anschaulichen

Vergleich: „Bei uns in Deutschland

ist man gegen die Käfighaltung von

Hühnern. Dann kommst du dorthin

und siehst Kinder in Käfigen.“

Wersich ein Bild davon machen

will, der hat dazu noch bis zum 21.

September bei der Fotoausstellung

„Kinder hinter Gittern“ in der Galerie

Mensing in der Friedrichstraße

169 Gelegenheit. Viele der ausgestellten

Bilder stammen vom Fotografen

Raffy Lerma, der es sich zur

Aufgabe gemacht hat, das gesetzlose

Agieren von Mörderbanden mit

höchster politischer Deckung, die

unter dem staatlich tolerierten

Motto „Krieg gegen die Drogen“ jede

Nacht losziehen und viele Unschuldige

töten, zu dokumentieren.

DerVerein, den Bär und Behrendt

mitgegründet haben, hilft auch

in Swasiland, Kenia und

Deutschland. Hier ermöglicht

er unter dem Motto

„Wir starten gleich“ Kindern

aus armen Familien einen

Schulranzen. Klaus J. Behrendt

klingt stolz:

„Wir haben

schon 8000

Schulranzen

finanziert.“

Die Schauspieler

sind

sich bewusst,

dass

sie nicht alles

Elend

der Welt lindern

oder

beseitigen

können. Angesichts

dieser

Erkenntnis

könnte

man verzweifeln

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Fernsehkommissare helfen

Kindern. Udo Lindenberg besucht

Max Buskohl

Dietmar Bär und Klaus J.

Behrendt engagieren

sich für die Menschenrechtsorganisation

Preda

(links), Udo Lindenberg

besucht Georg

StreckersWintergarten.

S. GUDATH

und aufgeben. Nicht Dietmar Bär:

„Wir versuchen, Tropfen auf die heißen

Steine der Welt zu schmeißen.“

UDO LINDENBERG

gehört nicht zu den ignoranten

Künstlern, die mit der Haltung „Das

bisschen, was ich mir an Liedernanhöre,

singeich selbst!“ durchs Leben

gehen. Im Gegenteil! Für junge Kollegen

und ihre Arbeit interessiert er

sich immer. So besuchte Lindenberg

gerade Max Buskohl bei der

Arbeit. Dergehörtzuden Sängern,

die bis zum 27. Oktober fast jeden

Abend im Wintergarten Varieté die

„Woodstock Varieté Show“ rocken.

Die gefiel Lindenberg richtig gut:

„Geile Show, geile Mucke, tolle

Songauswahl, tolle Akrobatik. Und

mit Message. Sehr geil!“ Buskohl

verbindet mit der Rocklegende ein

ganz besonderesErlebnis.Lindenbergverspätete

sich 2014 zu einem

Konzert in Düsseldorf um drei

Stunden. Irgendwann hatten die

Veranstalter den Eindruck, sie

müssten das Publikum mit Musik

beruhigen. Buskohl war zur richtigen

Zeit am richtigen Ort und

hörte die Frage, ob jemand

spontan eine Stunde Programm

parat hätte. Er hob

den Finger –und stand mit

Akustikgitarre vor 45 000

Menschen, die eigentlich

Lindenberg hören

wollten. Der landete

bei seinem Besuch

im Wintergarten,

bei dem ihn Geschäftsführer

Georg

Strecker begleitete,

irgendwann

im Untergeschoss

in den

von Fiona Bennett

designten

Toiletten –und war

entzückt über Federngestöber

hinter

Glas, das durch Bewegungssensor

ausgelöst

wird.

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Berlin

Mit Messgerät und Tintenfass

Berlin feiert von Freitag an den 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt. Für drei Tage werden auch dessen legendäre Reisetagebücher zu besichtigen sein

VonHarry Nutt

Bei der Bezeichnung Tagebuch

meint jeder zu wissen,

mit was man es dabei

zu tun hat: Chronologisch

geordnete Aufzeichnungen von Erlebnissen

und Eindrücken eines

Menschen in hoffentlich gut lesbarer

Handschrift.

Bei Alexander von Humboldt ist

natürlich vieles anders. Fünf Jahre

lang –von 1799 bis 1804 –reiste er zusammen

mit seinem Freund Aimé

Bonpland durch Süd-, Mittel- und

Nordamerika, und die Reise wurde

zugleich zum Mittel- und Bezugspunkt

seiner vielfältigen Forscherinteressen,

die künftig auch dem Berliner

Humboldt-Forum Idee und Gestalt

geben sollen. Entstanden sind

dabei vieleTausend Blatt mit Notizen,

die Humboldt erst sehr viel später in

neun lederne Bände binden ließ.

An diesem Sonnabend wirdfeierlich

der 250. Geburtstag Alexander

von Humboldts begangen, und aus

diesem Anlass gewährt die Staatsbibliothek

für kurze Zeit einen Einblick

in die imposanten Reisetagebücher

des Forschers, der ebenso weitsichtig,

bisweilen aber auch weitschweifig

war.

Pflanzen, Tiere, Formationen

Neben diversen Messinstrumenten

führte Alexander von Humboldt

auch Papier und Tinte mit sich, um

genaue Notizen über seine Erlebnisse

und Entdeckungen machen zu

können. Er beschrieb, notierte, vermaß,

zeichnete,skizzierte und interpretierte

alles, was ihm interessant

erschien –Pflanzen, Tiere, Formationen,

Landschaften und Menschen.

Dabei behandelte er Fragen der Geologie,Topographie,Klimakunde,Mineralogie,

Biologie, Physik, Astronomie,Chemie,Sprachwissenschaften,

Ethnologie, Medizin, Arzneikunde

und anderer,vor allem naturwissenschaftlicher

Wissenschaftsgebiete.

Das alles aber nicht unbedingt in

einer leicht nachzuvollziehenden

Ordnung, sondern eher assoziativ

und sprunghaft. Humboldts Aufschreibsystem

gleicht einem grafischen

Kunstwerk, in dem Zeichnungen

und Schrift sich wechselseitig

durchdringen.

Die 4 000 Seiten sind dicht beschrieben,

teils in deutscher, teils in

Die in Leder eingebundenen Notizbücher Alexander von Humboldts.

französischer Sprache, und mit eigenhändigen

Skizzen Humboldts

versehen. In die Bücher sind auch einige

ältere und jüngere Texte Humboldts

eingebunden, so finden sich

neben den unmittelbaren Reiseaufzeichnungen

auch ausgearbeitete literarische

Stücke, Hinzufügungen,

Skizzen, Pläne, Erläuterungen, ausgeschnittene

Berichte, Verweise sowie

Briefe und Kopien vonBriefen.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

hat die Reisetagebücher vor

sechs Jahren für die Staatsbibliothek

zu Berlin erworben und in der Zwischenzeit

aufwendig digitalisiert.

Schon die bloßen Zahlen imponieren.

Es wurden 33 000 Blatt digitalisiert,

dafür waren 75 000 Scans notwendig.

Zwei Drittel des Humboldt-

Nachlasses befinden sich in Berlin,

etwa ein Drittel in Krakau. Das hat

eine minuziöse Zusammenarbeit erfordert.

Bevor die Seiten elektronisch

erfasst werden konnten, mussten

sie zudem sorgfältig geglättet

und restauriertwerden.

Das Geburtstagskind:

Alexander vonHumboldt

wurde am 14. September

1769 in Berlin geboren. Er

gilt heute als einer der weltweit

bedeutendsten Naturforscher,der

die Welt in einem

ganz buchstäblichen

Sinn vermessen hat.

Das Humboldt-Forum,das

sich im Berliner Schloss insbesondere

den außereuropäischen

Kulturen widmen

will, sollte ursprünglich am

250. Geburtstag des Forschers

eröffnet werden. Der

Termin musste aus baulichen

Gründen verschoben

werden.

ALEXANDER VON HUMBOLDT ZUM ANFASSEN

Der Tagebuchschreiber:

Die amerikanischen Reisetagebücher,die

Alexander von

Humboldt auf seiner fünfjährigen

Expedition zwischen

1799 und 1804 geführthat,

sind ein wichtiges Kernstück

seines umfangreichen wissenschaftlichen

Schaffens.

Die Staatsbibliothek zeigt

die Tagebücher für kurze Zeit

in einer Ausstellung: Freitag

9–21 Uhr,Sonnabend von

10–19 Uhr und Sonntag von

11–19 Uhr,Haus am Kulturforum,

Potsdamer Straße 33.

Humboldt digital:

https://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk/

„250 Jahre jung“ –Die Stiftung

Humboldt-Forum im

Berliner Schloss richtet gemeinsam

mit dem Goethe-

Institut am 13. und 14. September

2019 ein zweitägiges

Fest aus. Mit Beiträgen aus

Bogotá, Lima, London, Mexico

City,Nowosibirsk, Potsdam,

Quito und Berlin.

An beiden Tagen können die

Besucher in zwei Ausstellungenzeitgenössische

und historische

Perspektiven aus

Lateinamerika auf Humboldt

entdecken.

Humboldt-Forum im Berliner

Schloss, Schlossplatz 1

STAATSBIBLIOTHEK ZU BERLIN/C. SEIFERT

In Zusammenarbeit mit der

Staatsbibliothek und der Universität

Potsdam und mit Unterstützung des

Bundesministeriums für Forschung

und Bildung ist so ein einzigartiges

Werk der Forschungsgeschichte allgemein

zugänglich gemacht worden.

Die digitale Aufbewahrung und

Sichtbarkeit der Reisetagebücher ist

das eine. Die kurze Ausstellung von

Freitag bis Sonntag aber bietet die

einmalige Gelegenheit, auch der

poetischen Seite des Humboldt’schen

Gesamtkunstwerkes

physisch nahezukommen. DerStellenwert

der Reisetagebücher geht

weit über Humboldts Reise hinaus.

Bis ins hohe Alter arbeitete er mit

diesen Aufzeichnungen seiner frühen

Forscherjahre intensiv weiter

und brachte Querverweise und Ergänzungen

an. Er entwickelte aus

diesen wie auch aus späterer wissenschaftlicher

Arbeit seine berühmten

Kosmos-Vorlesungen. Außerdem

bediente er sich daraus für

seine Publikationen, wissenschaft-

liche Disputationen und Vorträge.

Ergänzt wirddie Ausstellung des Tagebuchwerks

durch eine zweitägige

Humboldt-Schau und -konferenz

unter dem Titel „250 Jahrejung“ auf

der Baustelle des wiedererrichteten

Hohenzollernschlosses, das künftig

im Namen Humboldts erstrahlen

soll.

Wie lässt sich mit Virtual Reality

der Humboldt’sche Kosmos erleben?

Waskönnen wir vonindigenem Wissen

lernen und welche Rolle spielt

Alexander von Humboldt für die

zeitgenössische künstlerische Praxis?

Das sind nur einige der Fragen,

die sich die Stiftung Humboldt-Forum

inKooperation mit dem Goethe-Institut

gestellt haben. In Ausstellungen,

Installationen, Performances,

Vorträgen und Musik nähern

sich Künstlerinnen und

Künstler, Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler den Ideen und Erkenntnissen

des Naturforschers und

Weltvermessers.

Humboldt für die Familie

Zu den Höhepunkten des vielfältigen

Programms gehört sicher der

Vortragder Humboldt-Biografin Andrea

Wulf, die sich der Aktualität des

Forschers widmet, der bereits zu seiner

Zeit in genauen Beobachtungen

und Vergleichen die Vorzeichen des

Klimawandels beschrieben und erkannt

hat.

Alexander von Humboldt soll

aber nicht nur für Wissenschaftsfreunde

in neuem Glanz präsentiert

werden. Ganz bewusst soll es bei

„250 Jahre jung“ auch familienfreundlich

zugehen. Mann kann der

Geschichte Lateinamerikas ganz

neu begegnen und ist aufgerufen,

Humboldts „Naturgemälde“ spielerischneu

zu arrangieren.

Sowohl am Freitag als auch am

Sonnabend können die Besucher

über Projektionen an der Ostfassade

des Humboldt-Forums Alexander

von Humboldt in bewegten Bildern

und Zitaten erleben und sich vonindigenen

Naturforschern den Sternenhimmel

Amazoniens zeigen lassen.

Harry Nutt

hat mit Humboldt noch

viel zu entdecken.

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Anpfiff in Tegel

Bei der Standortsuche für Herthas Stadion rückt der Flughafen immer mehr in den Fokus

VonElmar Schütze

Bei der Suche nach einem möglichen

Standortfür eine neues reines

Fußballstadion von Hertha BSC

läuft immer mehr auf einen Standort

auf dem Gelände des Flughafens Tegel

zu. Wie die Berliner Morgenpost

schreibt, will der Senat jetzt drei Flächen

auf dem Gelände des heutigen

Flughafens Tegel prüfen lassen. Auch

das Areal des Zentralen Festplatzes

auf der anderen Seite der Autobahn

A111 soll dabei untersucht werden.

Ob damit der Konflikt mit dem Fußballverein

aber tatsächlich aus der

Welt geräumt werden kann, steht

noch keineswegs fest.

Bei der landeseigenen Tegel Projekt

GmbH war am Mittwoch keine

Bestätigung für den vermeintlichen

Prüfauftrag durch den Senat zu bekommen.

Dem Zeitungsbericht zufolge

wurde die GmbH, die Tegel entwickeln

soll, sobald der Flughafenbetrieb

zum BER umgezogen ist, mit

der Untersuchung betraut.

Zurzeit ist auf der 461 Hektar großen

Fläche unter anderem ein Technologieparkprojektiert,

der rund um

das denkmalgeschützte Terminal im

südlichen Bereich entstehen soll.

Geplant ist ebenso ein Wohngebiet,

das Schumacher-Quartier mit 5000

Wohnungen im östlichen Bereich,

Da wird sich doch ein Plätzchen für ein

Stadion finden lassen!

IMAGO

sowie im westlichen Bereich ein

Landschaftspark, der an die Jungfernheide

anschließen soll.

In der zuständigen Senatsverwaltung

für Inneres und Sport war am

Mittwoch keine Bestätigung für den

Prüfauftrag zu bekommen. Allerdings

tagte eine Runde bei der Senatskanzlei.

„Es gab in dieser Woche

ein Gespräch mit verschiedenen Senatsverwaltungen

zum Thema Stadionneubau.

Über die Inhalte wurde

Stillschweigen vereinbart“, sagte ein

Sprecher der Innenverwaltung.

Bereits in der vergangenen Wochehatte

sich angedeutet, dass Tegel

als möglicher Standort für ein

neues Stadion stärker in den Vordergrund

rücken würde. Wie berichtet,

will Hertha BSC im Jahr

2025, wenn der Vertrag für das landeseigene

Olympiastadion ausläuft,

in einem eigenen, reinen

Fußballstadion spielen. Soll dieser

Termin eingehalten werden,

drängt die Zeit.

Bisher befürwortet der Verein einen

Stadionneubau im Olympiapark

direkt neben dem Olympiastadion.

Doch dagegen gibt es in der Berliner

Politik zahlreiche Vorbehalte. Inder

vergangenen Woche sagte ein Stadionmanager

vonHertha BSC, man sei

natürlich auch bereit, über Tegel zu

reden.


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 15 *

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Berlin/Brandenburg

Chebli:

Wachsende

Feindlichkeit

„Kopftuchträgerinnen

werden angespuckt“

Die Berliner Staatssekretärin

Sawsan Chebli hat eine zunehmende

Islam- und Judenfeindlichkeit

in Deutschland beklagt. „Muslime

gehören nach Sinti und Roma

zu den am meisten abgelehnten

Minderheiten in Deutschland“,

sagte Chebli der Welt (Mittwoch).

„Ich selbst erlebe Anfeindungen, wie

ich sie zuvor nie erlebt habe. Meine

Schwestern, die ein Kopftuch tragen,

werden angegriffen, Kopftücher werden

vomKopf gerissen, Kopftuchträgerinnen

angespuckt.“ Auch auf

dem Arbeits- und Wohnungsmarkt

würden Muslime diskriminiert.

MitBlick auf Angriffe gegen Juden

äußerte Chebli die Hoffnung, „dass

sich noch viel mehr Menschen, Muslime

wie Nichtmuslime, dem Kampf

gegen Antisemitismus anschließen“.

Die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches

Engagement und Internationales

im rot-rot-grünen Senat

sagte: „Ich kämpfe dafür, dass alle,

auch Muslime, verstehen: Der Angriff

auf Juden ist ein Angriff auf uns

alle.“ Am frühen Montagmorgen

hatte es in Berlin-Friedrichshain einen

Angriff mit mutmaßlich antisemitischem

Hintergrund auf einen

jungen Mann gegeben. Der 21-Jährige

unterhielt sich laut Polizei voreiner

Disco mit drei gleichaltrigen

Freunden auf Hebräisch. Ein Unbekannter

habe dies gehört, sei auf den

21-Jährigen zugegangen und habe

ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Den Angaben zufolge floh

der Angreifer anschließend vomTatort.

(dpa)

Staatssekretärin Sawsan Chebli beklagt

zunehmende Muslimfeindlichkeit. DPA

Kein Ballermann in Brandenburg

Zwei Jahre in Folge wird es kein Baumblütenfest geben –Werder will eine Neuausrichtung

VonJens Blankennagel, Werder

Das Baumblütenfest in

Werder fand im Frühjahr

zum 140. Mal statt –und

damit zum letzten Mal.

Jedenfalls wird esdas größte Volksfest

in Brandenburginden nächsten

zwei Jahren nicht geben. Die Stadt

gab am Montag bekannt, dass bei

der Ausschreibung für eine neueVeranstaltungsagentur

„kein zuschlagfähiges

Angebot abgegeben“ wurde.

Da der Vertrag mit dem bisherigen

Firmaausgelaufen ist, steht die Stadt

ohneVeranstalter da und will die Zeit

für einen Neustartnutzen.

„Die Stadtverwaltung beginnt

nun ein sehr umfangreiches Beteiligungsverfahren

mit den Einwohnern

über die Frage, wie das Fest

künftig aussehen soll“, sagte Stadtsprecher

HenryKlix der Berliner Zeitung.

Dafür sind nach einem Arbeitspapier

der Stadt zwei Jahre vorgesehen.

Es dauere also bis in den

Herbst 2021.„Damit finden 2020 und

2021 keine Baumblütenfeste statt“,

sagte er. Erst wenn der Bürgerwille

klar sei und die Stadtverordneten einem

neuen Konzept zugestimmt

hätten, solle dieVergabe im Jahr 2021

neu ausgeschrieben werden.

Motto: Zurück zu den Wurzeln

DieStadt will endlich wegvom „Ballermann-Image“

des Festes. Viele

Werderaner stört es, dass so viele

Leute zum Fest in die kleine Stadt

kommen. Der25000-Einwohner-Ort

wird anzehn Tagen um den 1. Mai

immer von300 000 Gästen geflutet.

Die Zahl der Polizeieinsätze wegen

Schlägereien steigt, ebenso die

Beschwerden über Randalierer, die

mit dem Zug aus Berlin oder anderen

Städten anreisen, die oft bereits

am Bahnhof angetrunken sind und

auf demWegindie Stadt dann Zäune

beschädigen oder Mülltonnen umwerfen

oder Wände beschmiert.

Die Stadt hat sich nach mehr als

zehn Jahren der Beschwerden nun

das Ziel gesetzt, das „größte Sauf-

Fest“ des Landes wieder zu einem

stilleren und familientauglichen Fest

zu machen. Der Richtungswechsel

war auch in der bundesweiten Ausschreibung

formuliert. Nun heißt es

bei der Stadt: „Es hatte sich aber gezeigt,

dass für einen echten und nachhaltigen

Richtungswechsel eine andere

Herangehensweise und mehr

Zeit benötigt werden.“ Das Fest sei

zwar wichtig für das Image der Stadt,

aber ein Neustartsei nötig. DasMotto

heiß nun: Zurück zu denWurzeln.

Viele Werderaner störten sich am Rummel und der Bambule vor ihren Türen.

Bundesweit: In Deutschland

gibt es 9900 Volksfeste mit

148 Millionen Besuchern.

Das mit Abstand größte ist

das Münchner Oktoberfest

mit sechs Millionen Gästen.

Das Fest in Werder war mit

300000 Gästen das größte

Volksfest in Ostdeutschland.

Verkauft wurden dortmehr

als 100000 Liter Obstwein.

BAUMBLÜTENFEST

Kriminalität: Dieses Mal

wurden 203 Straftaten gezählt,

vorallem Körperverletzungsdelikte,

Verstöße gegen

das Betäubungsmittelgesetz

sowie Diebstähle und Beleidigungen.

Dazu kamen 150

Straftaten in Zügen. Im Vorjahr

zählte die Polizei beim

Fest 375 Straftaten, im Jahr

davorwaren es nur 270.

IMAGO IMAGES

Sozialarbeiter: Da auch

viele Jugendliche sturzbetrunken

waren, die Polizei

aber nur eingreift, wenn jemand

Straftaten begeht,

schickte die Stadt Jugendschutzteams

los. Das sind

Sozialarbeiter,die die jungen

Leute präventiv und altersgerecht

ansprechen und deeskalierend

wirken sollten.

Also weniger Rummel, weniger

Lärm und weniger Betrunkene, dafür

mehr kleine dezentrale Feste in

Vorgärten oder Obstplantagen.

So weit die Theorie. Inder Praxis

riefen am Mittwoch dann die ersten

Obstbauern zum Protest auf: Sie

wollen am kommenden Mittwoch

vors Rasthaus ziehen, weil am Abend

dortdie Stadtverordneten tagen.

Derweil gilt als sicher, dass trotz

der offiziellen Absage um den 1. Mai

auch 2020 wieder gefeiert wird. „Die

Baumblüte an sich findet ja statt.

Das ist ein biologischer Prozess, das

ist die Natur“, sagte Rainer Schmidt,

Chef des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins.

Die Bauer haben

nach der Ernte des Sommers längst

den Obstwein für das nächste Fest

angesetzt. „Wir müssen also Wege

finden, wie wir den Wein verkaufen.

Es werden also ganz sicher Feste auf

den Höfen um die Stadt stattfinden.“

MassiveSicherheitsauflagen

Bislang gab es immer eine Zweiteilung

des Festes: In Werder und auf

der verwinkelten Inselstadt war das

„Sauf-Fest“ mit Rummel und Bambule,

das vor allem Jugendliche und

Partyvolk anzog. Rings um die Stadt

gab es aber auch einen Panorama-

Wegzuden Obstplantagen. Dortwarenvor

allem Radler und ältereJahrgänge

unterwegs, die lieber in der

Natur unter Apfelbäumen saßen.

Dort waren auch Zehntausende

Leute unterwegs. „In den nächsten

Jahre können die Höfe aber logistisch

nicht noch die Massen bewältigen,

die in Werder unterwegs waren“,

sagte Vereinschef Schmidt.

Ein zusätzliches Problem waren

auch die immer höher werdenden

Sicherheitsauflagen. Das Baumblütenfest

war das erste Großereignis in

der Region, das nach dem islamistischen

Terroranschlag von 2016 auf

den Berliner Weihnachtsmarkt auf

dem Breitscheidplatz stattfand:

Plötzlich war Werder kein Provinz-

Städtchen mehr,sondernein potenzielles

Terrorziel. Überall wurden

große, massive Betonelemente aufgestellt,

es war mehr bewaffnete Polizei

unterwegs, gepanzerte Fahrzeuge

waren vor Ort. ImJahr 2018

wurde die Zahl der Betonpoller noch

mal um ein Drittel erhöht. „Es waren

dann 100 dieser Teile“, erzählt Stadtsprecher

Klix. „Die wurden morgens

aufgebaut und mussten abends wieder

abgebaut werden. Denn die Werderaner

wollten auch mal mit dem

Auto zu ihren Häusern. So sank die

Akzeptanz im Ortzusätzlich.“

Forderungen

in

Millionenhöhe

Flurneuordnung:

Brandenburg soll zahlen

Durch Rechtsstreitigkeiten um

Vermessungsgebühren bei

Flurneuordnungen drohen Brandenburg

Nachforderungen in

Höhe von etwa 2,2 Millionen Euro.

Das teilte das Agrarministerium in

Potsdam auf eine Anfrage aus der

CDU-Landtagsfraktion mit. In sieben

Verfahren streiten sich das

Landesamt für Ländliche Entwicklung,

Landwirtschaft und Flurneuordnung

(LELF) und öffentlich bestellte

Vermessungsingenieure um

die Vergütung von Grundstücksvermessungen.

Die Bodenordnung unterstützt

die nachhaltige, integrierte Entwicklung

der ländlichen Räume

durch Neuordnung des ländlichen

Grundbesitzes zur Verbesserung

der Agrarstruktur. Zugleich bietet

sie den Gemeinden und öffentlichen

Planungsträgern Unterstützung

beider Realisierung vonLandentwicklungs-

und Infrastrukturvorhaben.

DieVerfahren der Ländlichen

Neuordnung nach dem

Flurbereinigungsgesetz (FlurbG)

und dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz

(LwAnpG) sind als

zentrale Instrumente der Landentwicklung

darauf gerichtet, die

Arbeits- und Lebensbedingungen

im Land Brandenburg zuverbessern

und die allgemeine Landeskultur

und Landentwicklung zu

fördern.

Die Vermessungsingenieure

werfen dem LELF fehlerhafte und

über Jahre dauernde Kostenerstattungen

sowie überlange Prüfzeiten

vor. In dem Rechtsstreit hatte

das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg

im November

2017 bereits entschieden, dass das

Land Brandenburgbei der Kostenerstattung

zu niedrige Gebühren

angesetzt hatte.

Nach Angaben des Agrarministeriums

wird derzeit in einem Klageverfahren

beim Verwaltungsgericht

geklärt, ob Nachforderungen

aus früheren Leistungen womöglich

zwischenzeitlich verjährt

sind. Die ausstehenden Forderungen

werden der Antwort zufolge

beglichen, wenn in dem anhängigen

Gerichtsverfahren über eine

Verjährung und die haushaltsrechtlichen

Anforderungen an die

Nachweise der Abrechnungen entschieden

worden ist. (BLZ)

bekanntmachungen

Beteiligung der Öffentlichkeit

an der Bauleitplanung

Bezirk Mitte, Ortsteil Moabit

Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit,

gemäß §3Abs. 1Baugesetzbuch (BauGB)

berliner

adressen

Bebauungsplan II-39-1 (Geltungsbereich vgl. Kartenausschnitt)

Ziel/Zweck: Es sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen

für die bauliche Erweiterung der Heinrich-von-Stephan-

Gemeinschaftsschule und für eine Jugendfreizeiteinrichtung

geschaffen werden. Es werden Gemeinbedarfsflächen (Schule,

Jugendfreizeiteinrichtung) sowie Verkehrsflächen festgesetzt.

Das Verfahren wird gemäß §13a des Baugesetzbuches als

beschleunigtes Verfahren ohne Umweltprüfung nach § 2

Absatz 4des Baugesetzbuches durchgeführt.

Sie haben die Möglichkeit, sich an der Planung zu beteiligen.

Sie können die Pläne und Entwürfe einsehen und nach

Erläuterung der Ziele, Zwecke und Auswirkungen der Planung

II-39-1

Äußerungen hierzu abgeben. Das Anhörungsergebnis wird indie weitere Planung einfließen.

Zeit: Vom 16. September 2019 bis einschließlich 17. Oktober 2019, während der Dienststunden Montag bis Mittwoch

von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr, Donnerstag von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr und Freitag von 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr

sowie nach telefonischer Vereinbarung (Tel. (030) 9018-45752).

Ort: Bezirksamt Mitte von Berlin, Abt. Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich

Stadtplanung, Müllerstraße 146, 13353 Berlin, 1. Etage, Zimmer 164.

Die Unterlagen können ebenfalls eingesehen werden im Internet unter: http://www.berlin.de/bebauungsplaene-mitte/

oder über die Beteiligungsplattform: http://mein.berlin.de

Hinweis: Die Verarbeitung personenbezogener Daten erfolgt auf der Grundlage des §3Baugesetzbuch in Verbindung

mit Art. 6Abs. 1Buchst. eDatenschutz-Grundverordnung und Berliner Datenschutzgesetz. Die Angabe Ihrer personenbezogenen

Daten/E-Mail-Adresse dient ggf. der weiteren Kommunikation. WeitereInformationen entnehmen Sie bitte der

„Information über die Datenverarbeitung im Bereich des Bebauungsplanverfahrens“, die mitausliegt.

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Telefon +49 69.707 997-0

Telefax +49 69.707 997-20

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Brandenburg

NACHRICHTEN

Zwei Tote bei Brand eines

Hauses in Melchow

Nach dem Brand in einem Einfamilienhaus

in der Gemeinde Melchow

(Barnim) sind zwei Leichen gefunden

worden. DiePolizei teilte am

Mittwoch mit, dass sie noch nicht

identifiziertwerden konnten. Zunächst

war vomFund menschlicher

Knochen die Rede.Bei dem Feuer

kurznach Mitternacht konnte die

Feuerwehr einen 57-Jährigen retten

und mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung

in ein Krankenhaus bringen.

Diebeiden anderen Bewohner des

Hauses,eine 48-Jährige und ein 56-

Jähriger,galten anfangs als vermisst.

Kinder sollen nicht in dem Gebäude

gewesen sein. (dpa)

Verletzte Bauarbeiter noch

nicht vernehmungsfähig

DiePolizei konnte die fünf Bauarbeiter,die

sich beim Einsturzeiner Halle

auf dem Flugplatzgelände Neuhardenberg(Märkisch-Oderland)

verletzt

haben, noch nicht befragen.

Drei der fünf Arbeiter wurden bei

den Abrissarbeiten so schwer verletzt,

dass sie im Krankenhaus liegen

und noch nicht vernehmungsfähig.

Da sie alle Ausländer sind, würden

auch entsprechende Dolmetscher

benötigt. Am Montagnachmittag

waren Teile des Hallengerüstes auf

einen Baukran und Arbeitsbühnen

gestürzt. DiePolizei ermittelt wegen

desVerdachts auf fahrlässige Körperverletzung.

DerSachschaden liegt

bei etwa 300 000 Euro.Die Halle war

vergangene Woche für eine Veranstaltung

des Autoherstellers Porsche

aufgestellt worden, der sein neues E-

Auto präsentierthatte. (dpa)

Mutmaßlicher Straftäter bei

Polizeikontrolle erschossen

Beieiner Fahrzeugkontrolle durch

die Polizei ist am Mittwoch auf dem

Berliner Ring ein Mann durch

Schüsse vonBeamten tödlich verletzt

worden. Wiedie Polizei mitteilte,hatten

die Beamten das Fahrzeug

gegen 15.30 Uhrander Anschlussstelle

Hellersdorfauf der A10

nordöstlich vonBerlin gestoppt. Die

polnischen Kennzeichen des Wagens

waren wegen eines mutmaßlichen

Tötungsdeliktes im Nachbarland

zur Fahndung ausgeschrieben.

Nach ersten Erkenntnissen richtete

der Fahrer eine Waffe auf die Polizisten,

wie die Behörde mitteilte.Die

Beamten schossen demnach mehrfach

auf den Mann und verletzten

ihn dabei tödlich. DieErmittlungen

zur zweifelsfreien Identität des Mannes

liefen am Abend noch. DieAuffahrtund

die Fahrbahn in Richtung

Prenzlau wurden gesperrt. (dpa)

Mann stirbt bei Absturz

eines Kleinflugzeugs

EinKleinflugzeug ist am Mittwochnachmittag

nahe Zehdenick im nördlichen

Brandenburgabgestürzt. Bei

dem Unglück etwa 70 Kilometer

nördlich vonBerlin ist nach Polizeiangaben

ein Mann ums Leben gekommen.

Nach erstenVermutungen

handelt es sich bei dem Toten um den

Piloten, wie eine Sprecherin sagte.

DasFlugzeug sei auf einem Feld nahe

der L22 abgestürzt und komplett zerstört.

An Bord des Flugzeugs sollen

auch fünf Fallschirmspringer gewesen

sein. Sieblieben unverletzt. (dpa)

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Alle Angaben ohne Gewähr!

Bogdan Bartnikowski hat ein fürchterliches Schicksal überlebt. DPA/MONIKA SKOLIMOWSKA (2)

Ohne jeden Hass

Bogdan Bartnikowski überlebte als Kind die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Sachsenhausen

VonKatrin Bischoff, Oranienburg

Bogdan Bartnikowski kann

sich noch genau an dieses

Mädchen erinnern. Dieses

Kind, dass im Vernichtungslager

Auschwitz-Birkenau inhaftiert

war. Und das einen grauenvollen

Todamelektrischen Zaun des

Konzentrationslagers starb. 75Jahre

ist das nun her.Aber es ist bei Bartnikowski

so gegenwärtig, als wäre es

gestern gewesen. Er habe damals

vielleicht zwei Meter entfernt von

dem Mädchen gestanden und seinen

entsetzten Blick nicht abwenden

können, sagt der 87-Jährige und

zeigt die kurze Distanz zwischen ihm

und dem Mädchen. Bartnikowski

war damals selbst Häftling des Vernichtungslagers

und ebenfalls noch

ein Kind. Er war erst zwölf Jahrealt.

DerinWarschau geborene Bogdan

Bartnikowski erzählt seine Lebensgeschichte

an diesem Mittwoch in der

Baracke 39 des Museums der Gedenkstätte

Sachsenhausen in Oranienburg

(Oberhavel) mit fester

Stimme. Bei der Einweihung der

neuen multimedialen Medienstation,

die erstmals über das Schicksal

von Kindern und Jugendlichen im

Konzentrationslager Sachsenhausen

informiert. Über einen Überlebenskampf,

wie ihn auch Bartnikowksi

führte. Zeitzeugen berichten in kurzen

Filmsequenzen über ihre Ankunft

im Lager,den Alltag im KZ, über

die Hilfe untereinander und ihre damaligen

kleinen Fluchten, ihre Tagträume,Spiele

und Gesänge.Baracke

39 befindet sich ganz in der Nähe des

einstigen KZ-Jugendblocks.

Güterwagen schieben

„Mindestens 3000 der insgesamt

200 000 Häftlinge des KZ Sachsenhausen

waren Kinder und Jugendliche“,

erklärt Astrid Ley, die stellvertretende

Gedenkstättenleiterin. Die

meisten von ihnen seien in der

Schlussphase des Zweiten Weltkrieges

in das Hauptlager oder in eines

der vielen Außenlager gekommen.

So wie Bogdan Bartnikowski, der im

Januar 1945 aus dem Vernichtungslager

Auschwitz-Birkenau in das KZ

Sachsenhausen deportiertwurde.

Bogdan Bartnikowski und seine

Mutter waren nach der Niederschlagung

des Warschauer Aufstands gegen

die deutschen Besatzer in der

Nacht zum 12. August 1944 aus ihrer

Wohnung geholt worden. Sie waren

unter den Ersten, die die Nazis nach

dem Aufstand ins Vernichtungslager

Auschwitz-Birkenau deportierten.

DieMutter kam ins sogenannte Frauenlager,

der Sohn ins Männerlager.

Informiertüber das Schicksal von KindernimKZ: die multimediale Medienstation.

Kinder und Jugendliche:

Laut Gedenkstätte waren

3000 der insgesamt

200000 Häftlingedes

Konzentrationslagers Sachsenhausen

Kinder und Jugendliche.

Eineneue multimedialeMedienstation

widmetsich

erstmals dem

Schicksal der unter18-Jährigen,

dieimKZSachsenhausenwaren.

Seit Mittwoch

steht Besuchern der Gedenkstätte

die Medienstation in

der Baracke39zurVerfügung.

Undobwohl beide Lager nur hundert

Meter voneinander getrennt gewesen

seien, habe er lange Zeit nichts von

seiner Mutter gehört oder gesehen,

sagt Bartnikowski. DieKinder und Jugendlichen

hätten Güterwagen

schieben müssen. Im Oktober und

November, bei Regen und Kälte. Sie

trugen damals nur das am Körper,

was sie im Hochsommer bei ihrer Deportation

getragen hatten.

Nach drei Monaten kam der damals

Zwölfjährige durch die Arbeit

mit den Güterwagen in das Frauenlager.„Ichhatte

nur wenige Minuten,

ich rannte in die Baracke, ich fand

meine Mutter. Wir haben uns umarmt,

gedrückt und nur angeschaut“,

sagt er heute. Dann spricht

er davon, was er in diesem Moment

in dem Lager,das als Todesfabrik der

Nationalsozialisten galt, empfunden

14 ZEITZEUGEN BERICHTEN

Medienstation: In der digitalen

Präsentation schildern

14 Überlebende, die als Kinder

und Jugendliche in Sachsenhausen

waren, in filmischen

Interviewsequenzen

ihre Erlebnisse. Dazu wurden

Zeitzeugnisse vonSchülern

eingelesen. Sie werden mit

historischen Fotografien und

Häftlingszeichnungen aus

dem KZ Sachsenhausen sowie

neu erstellen topografischen

Computeranimationen

illustriert.

Gedenkstätte: Die Gedenkstätte

befindet sich in Oranienburg,Straße

der Nationen

22. Sie ist geöffnet vom

15. März bis 14. Oktober

täglich 8.30 bis 18 Uhr.Vom

15. Oktober bis 14. März

täglich von8.30bis

16.30 Uhr.Während derWinteröffnungszeiten

sind die Museen

montags geschlossen.

Eintritt frei.

Weitere Infos unter:

www.sachsenhausen-sbg.de

habe.Etwas,was man eigentlich nur

schwer mit Auschwitz-Birkenau vereinbaren

kann: Glück.

Kinder und Jugendliche waren

unter den Häftlingen der Konzentrationslager

der Nazis die Schwächsten

–sei es bei derVerteilung der kargen

Essensrationen, sei es bei der

Zuteilung von Arbeiten. Eine Ellbogenmentalität,

der Kampf ums

Überleben, dominierte in den Lagernden

Alltag, sagt Astrid Ley.

Anfang 1945 wurden Häftlinge

aus Auschwitz wegen der nahenden

Roten Armee nach Westen gebracht.

Am 11. Januar war Bartnikowski unter

den 114 Frauen und Kinder, die

nach Deutschland deportiert wurden.

In ein Außenlager des KZ Sachsenhausen,

nach Berlin-Blankenburg.

Bartnikowski spricht von einem

Wunder, obwohl der Transport

in ein anderes Konzentrationslager

mitnichten die Freiheit bedeutet

habe. Der alte Herr erklärt auch,

warum er die Deportation als ein

Wunder bezeichnet.„Auschwitz-Birkenau

war ein Lager, indem die SS

uns Kindern immer sagte, dass man

es nur durch den Schornstein des

Krematoriums verlassen könne.“

Bartnikowski musste bei der Enttrümmerung

Berlins mithelfen.

„Was am meisten Kraft kostetet, war

die schwere Arbeit und der Mangel

an Schlaf“, erinnert ersich. Sehr oft

habe es damals Bombenangriffe gegeben.

„Waren wir bei der Arbeit,

hatten wir kein Recht in einen Bunker

zu gehen. Wir mussten uns zwischen

den Trümmern verstecken.“

Vom Außenlager zur Zwangsarbeit

fuhr der Junge mit der S-Bahn, in

denselben Waggons wie die Berliner.

Er sei bewacht worden, sagt Bartnikowski

heute.Noch immer gerührt

erinnert er sich an eine S-Bahn-

Fahrt. An jenem Tagsei er bei einem

Bombenangriff verschüttet worden

und später mit verschmutzter Kleidung

ins Lager zurückgefahren. Eine

Frau sei in der Bahn immer näher an

ihn herangerückt, habe ihm schließlich

etwas in die Tasche gesteckt. „Es

war ein kleines Brötchen mit etwas

Margarine und einer dünnen

Scheibe Wurst.“ Am 22. April 1945

wurden Bartnikowski und seine

Mutter befreit. Sie gingen nach Warschau

zurück. „Niemand wartete auf

uns.Die Wohnung war ausgebrannt.

Erst jetzt erfuhren wir,dass mein Vater

beim Warschauer Aufstand ums

Leben gekommen war.“

Doppelt glücklich

Bogdan Bartnikowski ist heute oft als

Zeitzeuge unterwegs. Noch ist sein

Schicksal auf dem interaktiven BildschirminBaracke

39 nicht abrufbar.

„Weil wir Bogdan Bartnikowski noch

nicht kannten, als das Projekt entstand“,

erklärt Astrid Ley. Die Erinnerungen

des 87-Jährigen sollen

nun aufgezeichnet werden.

Nach dem Krieg ist Bartnikowski

Journalist und Autor geworden.

Über seine Haft in den Konzentrationslagern

schrieb er einst: „Das Leben

im Konzentrationslager war

grausam. Wahrscheinlich war das

der Grund, warum ich nach dem

Ende des Grauens doppelt glücklich

war –weil ich überlebt habe, und

weil ich frei war.“ Aufdie Gefühle angesprochen,

die er heute bei seinen

Besuchen in Deutschland hat, sagt er

ohne Verbitterung: „Die Deutschen,

die mir das angetan haben, gibt es

nicht mehr. Ich fühle mich gut hier.

Ichbin frei vonHass.“

SPD sondiert

mit drei

Parteien

Am Dienstag Entscheidung

über Koalitionsgespräche

VonOliver von Ringen und

Jens Blankannagel, Potsdam

Die Gespräche zur Bildung einer

neuen Regierung in Brandenburg

gehen in die nächste Runde.

Bislang hat die bei der Landtagswahl

siegreiche SPD einzeln mit den Parteien

CDU, Grünen und Linken gesprochen.

Auch am Mittwoch gab es

solche Gespräche. Am Nachmittag

sagte SPD-Generalsekretär Erik

Stohn dann, dass ab Donnerstag

Dreier-Gespräche folgen sollen. Zuerst

mit CDU und Grünen über die

Möglichkeiten zur Bildung einer rotschwarz-grünen

Regierung, dann

mit den Grünen und Linken über ein

rot-grün-rotes Bündnis.

Die Führung der SPD und die

Fraktion wollen am Dienstag die

Sondierungsgespräche auswerten.

Dann wirdvoraussichtlich auch eine

Entscheidung getroffen, mit wem

die SPD danach Koalitionsgespräche

führen möchte,sagte Stohn.

Ein rot-schwarz-grünes Bündnis

hätte im Landtag eine Mehrheit von

sechs Stimmen, eine rot-grün-rote

Regierung aber nur eine Stimme.

DieSPD sieht nach dem Ende des

Machtkampfes in der CDU deutliche

Schnittmengen mit den Christdemokraten

für eine mögliche rotschwarz-grüne

Koalition in Brandenburg.

„Es gibt einige Themen, wo

wir noch Klärungsbedarf haben,

aber im Großen und Ganzen gibt es

große Übereinstimmungen“, sagte

SPD-Ministerpräsident Dietmar

Woidke am Mittwoch nach einer

zweieinhalbstündigen Beratung beider

Parteien in Potsdam.

Aufeinigen Feldernwie der Kommunal-

und Innenpolitik müssten

beide aber noch nacharbeiten. Die

SPD sprach im Anschluss mit der

Linken, dann mit den Grünen.

Der kommissarische CDU-Landeschef

Michael Stübgen äußerte

sich ebenfalls zuversichtlich. „Bei allen

Themen, die wir mit der SPD zusammen

besprochen haben, gibt es

bisher keinerlei Thema, wo nicht

eine Einigung möglich scheint,

wenn man aufeinander zugeht“,

sagte der Bundestagsabgeordnete

und Staatssekretär im Bundesagrarministerium.

Kritischer war er mit

Blick auf die Grünen, dem möglichen

dritten Partner. „Bei den Grünen

haben wir gestern Themen besprochen,

wo es doch sehr viel Redebedarfgibt“,

sagte er zum Treffen am

Dienstag. Die Erfahrung aus ähnlichen

Konstellationen sei aber,„dass

man, wenn man will, aufeinander

zugehen kann“.

Die CDU sondiert nach dem

Rücktritt von Landes- und Fraktionschef

Ingo Senftleben infolge eines

Machtkampfes zwischen dem

konservativen und dem liberalen

Flügel der Landtagsfraktion mit

neuer Führung. Die CDU-Spitze

hatte Stübgen am Sonntag einstimmig

zum kommissarischen Landeschef

bestimmt, die CDU-Fraktion

wählte Jan Redmann am Dienstag

einstimmig zum Fraktionschef. Woidke

begrüßte die Entscheidung: „Es

war gestern ein wichtiges Signal der

Stabilität, was die CDU-Fraktion da

ausgesandt hat.“ (dpa)

Hat Klärungsbedarf: SPD-Ministerpräsident

Dietmar Woidke.

DPA


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 17

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Wissenschaft

Zum ersten Mal inder Geschichte

der Astronomie

haben Forscher Wasser auf

einem fernen Planeten

nachgewiesen. Der Planet kreist im

Sternbild Löwe in lebensfreundlichem

Abstand um einen Zwergstern,

der von den Astronomen die

Katalognummer K2-18 erhalten hat

und etwa 110 Lichtjahrevon der Erde

entfernt ist. Es ist eine sogenannte

Super-Erde mit dem mehr als doppelten

Durchmesser und der achtfachen

Masse unseres Heimatplaneten.

Weil er einer von zwei Planeten

ist, die den fernen Stern umkreisen,

trägt er die Nummer K2-18b.

Wie das Forscherteam um die

Astrophysiker Angelos Tsiaras und

Ingo Waldmann vomUniversity College

London berichtet, ist es bei der

Auswertung von Daten des Hubble-

Weltraumteleskops auf die Signatur

vonWasserdampf in der Atmosphäre

des rund 110 Lichtjahre entfernten

Exoplaneten gestoßen. Die Forscher

stellen ihre Beobachtung im Fachblatt

Nature Astronomy vor. Hinweise

auf Leben haben sie allerdings

nicht gefunden.

Als habitable –potenziell lebensfreundliche

und bewohnbare–Zone

wird jener Bereich um einen Stern

bezeichnet, in dem die Temperaturen

die Existenz von flüssigem Wasser

auf einem Planeten erlauben. Die

aus Österreich stammende Astrophysikerin

Lisa Kaltenegger verglich

es einmal mit einem Platz am Lagerfeuer.Sitzt

man zu nah dran, wirdes

zu heiß. Ist man zu weit weg, friert

man. In unserem Sonnensystem

kreisen nur die Erde und der Mars in

der habitablen Zone. Näher an der

Sonne verdampft alle Flüssigkeit.

Weiter draußen wiederum gefrieren

Planeten zu Eis. „Für Leben braucht

der Planet eine Felsoberfläche und

Wasser drauf“, sagte Kaltenegger.

Istdie Erde einzigartig?

Astronomen haben bereits viele Exoplaneten

in bewohnbaren Zonen

verschiedener Sterne entdeckt. Der

Nachweis vonWasser auf einem davon

sei aber erst jetzt gelungen, teilt

das University College London mit.

„Wasser auf einer potenziell bewohnbaren

Welt jenseits der Erde zu

finden, ist unfassbar aufregend“,

sagte Angelos Tsiaras, einer der beteiligten

Forscher.Der Planet K2-18b

sei zwar nicht die „Erde 2.0“, weil er

deutlich schwerer sei und eine andere

Zusammensetzung der Atmosphäre

habe. „Dennoch bringt uns

das einer Antwort auf die grundlegende

Frage näher: Ist die Erde einzigartig?“

Wie aber lässt sich Wasser auf einem

110 Lichtjahre entfernten Planeten

überhaupt nachweisen? Immerhin

kann man ein solches Objekt

nicht sehen –anders als Sterne, die

leuchten. Und genau das wird genutzt.

Diescharfen Augen der Astrophysiker

– Weltraumteleskope wie

Hubble und Kepler – beobachten

seit vielen Jahren intensiv Abschnitte

des Weltalls.Die Forscher werten bestimmte

Signale aus, zum Beispiel

kleinste Wackler eines Sterns oder

winzige Verdunkelungen, die entstehen,

wenn Planeten an ihren Sternen

vorbeiziehen. Es ist heute möglich,

aus solchen Signalen die Anzahl,

Größen und Mindestmassen ferner

Planeten zu berechnen –sowie die

Abstände zu ihren Sonnen.

Außerirdisches

Wasser

Astronomen weisen das Lebenselixier auf einer 110 Lichtjahre entfernten Super-Erde nach

VonTorsten Harmsen

So stellen wir uns eine lebensfreundliche Atmosphäre vor:Wasser und blauer Himmel. Auf fernen Planeten sieht es wahrscheinlich ganz andersaus.

Der Planet K2-18b,

auf dem jetzt Wasser

nachgewiesen wurde,

in einer künstlerischen

Darstellung.ImHintergrund

zu sehen: sein Nachbarplanet

und der strahlungsintensive

Stern, um den beide

kreisen.

ALEX BOERSMA

IMAGO IMAGES

Der Exoplanet K2-18b war im

Jahre 2015 entdeckt worden, weil er

vonder Erde aus gesehen regelmäßig

vor seinem Heimatstern vorbeizieht

und ihn dabei vorübergehend etwas

abschattet. Während eines solchen

sogenannten Transits durchleuchtet

der Stern die Atmosphäre des Planeten

von hinten. Die Aufspaltung des

Lichts in verschiedene Farben ermöglicht

prinzipiell eine Analyse der

chemischen Zusammensetzung der

Lufthülle eines Planeten. Lisa Kaltenegger

nennt es „Licht-Fingerabdruck“.

Auf diese Weise lassen sich

auf der Erde zum Beispiel Wasser,

Sauerstoff, Ozon, Kohlendioxid und

Methan nachweisen.

Astrophysiker haben das bereits

getan, indem sie zum Beispiel mit

dem Very Large Telescope (VLT)der

Eso in Chile den Mond ins Visier nahmen.

Denn ein Teil des Sonnenlichts,

das auf die Erde fällt, wird ins All reflektiert

und trifft den Mond, der wie

ein riesiger Spiegel wirkt. In diesem

sehr schwachen Erdschein konnten

die Forscher sowohl die Spektralfarben

als auch die sogenannte Polarisation

– die Schwingungsebene der

Lichtwellen –analysieren. Auf diese

Weise fanden sie den Fingerabdruck

der Erde.Allerdings sei die Spektralanalyse

für ferne Planeten wie K2-18b

eine große technische Herausforderung,

die sich erst jetzt habe meistern

lassen, teilt das University College

London mit.

Sehr aktiver Roter Zwerg

Wasbedeutet es nun, dass die Forscher

auf dem fernen Planeten Wasser

entdeckt haben, wie die Mitteilung

besagt? Dies ist der erste konkrete

Nachweis,dass auch auf fernen

Himmelskörpern außerhalb des

SonnensystemsWasser existiert–die

Voraussetzung für Leben, so wie wir

es kennen. Bisher wurden etwa 4060

Exoplaneten in fast 3040 fernen

Sternsystemen entdeckt. Es sind äußerst

verschiedene Welten: riesige

Gasplaneten, Lavaplaneten, Eisgiganten.

Wiedie Astrophysikerin Lisa

Kaltenegger erklärte, besitzt jeder

fünfte Stern einen kleinen Planeten

im richtigen Abstand, sodass dort

theoretisch Leben möglich wäre.

Die Hoffnung auf eine eventuelle

Begegnung mit Außerirdischen ersticken

die aktuellen Forschungsergebnisse

jedoch sofort im Keim.

Nicht nur die unglaublich große Entfernung

spricht dagegen. 110 Lichtjahre

–das ist die 110-fache Strecke

von 9,5 Billionen Kilometern. Heutige

schnelle Sonden wie „New Horizons“

würden für diese Entfernung

fast 1,8 Millionen Jahrebenötigen.

Zugleich sprechen die Eigenschaften

des fernen Sterns K2-18 gegen

mögliches Leben auf dem Exoplaneten.

Derrote Zwergsternsei sehr aktiv

und der Planet dadurch wahrscheinlich

erhöhter Strahlung ausgesetzt,

berichten die Forscher.Dennoch mache

die Entdeckung von Wasser den

Planeten K2-18b zu einem der interessantesten

Objekte für künftige Untersuchungen.

Möglicherweise sei

der Planet nur die erste von zahlreichen

ähnlichen Welten, betonte der

Astronom Ingo Waldmann. „Das liegt

nicht nur daran, dass Supererden wie

K2-18b die häufigsten Planeten in unserer

Galaxie sind, sondern auch

daran, dass Rote Zwerge –Sterne kleiner

als unsereSonne –die häufigsten

Sterne sind.“ (mit dpa/fwt)

Nashorn-Embryonen machen Hoffnung

Berliner Forschern gelingt im Rahmen eines internationalen Konsortiums ein wichtiger Schritt zur Rettung des nahezu ausgestorbenen Nördlichen Breitmaulnashorns

Forscher haben einen wichtigen

Schritt zur Rettung des Nördlichen

Breitmaulnashorns gemacht.

Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung

erzeugten sie zwei Embryonen,

die helfen sollen, das Überleben

der vomAussterben bedrohten

Unterart zusichern. Wissenschaftler

des Berliner Leibniz-Instituts für Zoound

Wildtierforschung (IZW)und ein

internationales Kollegenteam hatten

den letzten beiden überlebenden

Weibchen kürzlich in Kenia Eizellen

entnommen. In Italien wurden sie

mit dem –seit längerem eingefrorenen

– Sperma bereits verstorbener

Bullen befruchtet. Die erfolgreiche

Befruchtung teilten das IZW und das

Labor Avantea in Cremona in Italien

am Mittwoch mit.

„Die Embyronen werden nun in

flüssigem Stickstoff gelagert, um in

der Zukunft in eine Leihmutter überführtzuwerden“,

hieß es.Diese wird

wohl ein Weibchen der verwandten

Unterart Südliches Breitmaulnashornsein.

„Das gesamte Team entwickelt

und plant diese Verfahren seit

Jahren“, sagte Thomas Hildebrandt

vomIZW.

„Seit Jahrzehnten ist die Geschichte

des Nördlichen Breitmaulnashorns

eine Geschichte des Niedergangs“,

heißt es in der Erklärung

des IZW.Einst zogen die Tiereingroßer

Zahl durch Ost- und Zentralafrika.

Doch Wilderer rotteten sie

aus.Seit 2008 gelten sie als in der Natur

ausgestorben. Im vergangenen

Jahr wurde dann im Wildtierreservat

Ol Pejeta in Kenia das letzte Männchen

wegen Altersschwäche eingeschläfert.

DieNachricht vomTod des

Dickhäuters Sudan ging um die Welt.

Auf den letzten beiden Individuen –

den Weibchen Najin und Fatu –

gründen sich die letzten Hoffnungen.

Siewaren 2009 aus einem tschechischen

Zoo nach Kenia überführt

worden. Aufgrund unterschiedlicher

gesundheitlicher Probleme können

sie aber nicht selbst Nachwuchs austragen.

So suchte ein internationales

Konsortium von Wissenschaftlern

und Naturschützern einen anderen

Weg.

Die In-vitro-Herstellung der zwei

Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns

ist im Labor von

Avantea in Cremona in Italien gelun-

gen. Das dortige Team um Cesare

Galli befruchtete die Eizellen, die am

22. August bei Najin und Fatu entnommen

worden waren, mit Sperma

der Bullen Suni und Saut.„Wir haben

zehn Eizellen aus Kenia zurückgebracht,

fünf von jedem Weibchen.

Nach der Inkubation reiften sieben

und waren für die Befruchtung geeignet“,

sagt Galli. Das Verfahren

nennt sich Intra Cytoplasm Sperma

Injection (ICSI).

Doch auch wenn Weibchen des

Südlichen Breitmaulnashorns den

Nachwuchs vonNajin und Fatu austragen,

ist der Erhalt der Unterart

noch nicht gesichert. Da es nur zwei

Weibchen und Spermien weniger

Bullen gibt, wäredie genetischeVielfalt

für den Aufbau einer sich selbst

erhaltenden Population nicht groß

genug. Daher arbeitet parallel zu den

Wildtierforschern ein Team um Sebastian

Diecke vom Berliner Max-

Delbrück-Centrum für Molekulare

Medizin (MDC) an einer Stammzelltechnik,

mit der aus erhaltenen Körperzellen

anderer Nashörner der

Unterart Spermien und Eizellen gezüchtet

werden können. (dpa, BLZ)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Sport

Soll mit den Aufgaben wachsen: Jonas Müller wird in dieser Saison stärkerindie Verantwortung genommen. Er steht damit für das Konzept der Eisbären Berlin. IMAGO IMAGES (2)

Jugend trainiert für die Meisterschaft

Die Eisbären Berlin wollen mit einer Mischung aus Talenten und erfahrenen Profis unter die besten vier deutschen Mannschaften kommen

VonCarolin Paul

Von der vergangenen Saison

möchte Eisbären-Geschäftsführer

Peter John

Lee am liebsten nicht mehr

reden. Nur zubewusst ist ihm, dass

sein Eishockeyteam nicht den Erwartungen

gerecht geworden war.

Lee setzt sich lieber klareZiele für die

Zukunft: Die Berliner sollen sich direkt

für die Playoffs qualifizieren und

sich am Ende unter den besten vier

Mannschaften der Deutschen Eishockey-Liga

(DEL) wiederfinden.

Damit dieser Plan aufgeht, haben

die Eisbären in der Sommerpause einiges

umgestellt. „Wir haben viel

analysiert und mussten einige Entscheidungen

treffen“, erzählt Sportdirektor

Stéphane Richer, „auch

wenn diese manchmal nicht so populär

waren.“ Auf welche Veränderungen

er dabei genau anspielt,

wollte der 53-Jährige nicht verraten.

Doch der Gedanke an Abgänge wie

jenen von Topscorer Jamie Mac-

Queen oder Verteidiger Jens Baxmann

liegt nicht fern.

Insgesamt fünfzehn Spieler haben

den Klub verlassen müssen,

während acht neue Verträge geschlossen

wurden. Auffällig ist die

Veränderung im Kader, vor allem

wegen seiner Zusammenstellung.

Erfahrenen Akteuren wurden acht

U23-Spieler an die Seite gestellt, sodass

das Team jünger und ausgeglichener

wirkt als zuvor.

Dadurch will der siebenmalige

Deutsche Meister nicht nur einen

Umbruch einleiten, sondern sich

auch mit einer langfristigen Perspektiveaufstellen.

Paradebeispiel für die

angestrebte Entwicklung ist Lukas

Reichel. Der 17-Jährige Nürnberger,

der bisher vorrangig bei den Juniors

und in Weisswasser zum Einsatz

kam, soll in diesem Jahr einen festen

Platz bei den Profis einnehmen.

Lob für Lukas Reichel

Die Drei aus der Führungsriege: Peter John Lee, Serge Aubin, Stéphane Richer (v.l.).

Der Mut soll belohnt werden. Wie in

der vergangenen Saison, als die Eisbären

mit demselben Konzept erfolgreich

spielten und sich für die

Playoffs qualifizierten. Dennoch

wissen die Eisbären, wie hartdas Geschäft

in der DEL ist. DieZielvorgabe

der Klubführung um Peter John Lee

ist alles andere als bescheiden. Dass

Umstellungen nicht immer die gewünschte

Wirkung erzielen, zeigte in

der vergangenen Saison die Beförderung

vonClément Jodoin zum Cheftrainer.

Desaströs starteten die Eisbären

in die Liga und kassierten zwischenzeitlich

vier Heimniederlagen

in Folge ohne dabei auf Top-Teams

getroffen zu sein. Gezwungenermaßen

zogdie Vereinsleitung daraufhin

die Reißleine und Sportdirektor

Stéphane Richer übernahm selbst

das Traineramt.

Einer wie Lukas Reichel macht

den Eisbären allerdings Hoffnung.

Flankiert von den Erfahrenen im

Team soll er reifen. Für das „Ausnahmetalent“,

wie ihn Stéphane Richer

nennt, ist die neue U23-Regelung

eine große Chance. Künftig dürfen

siebzehn Feldspieler, die älter als 23

Jahre alt sind, im Kader stehen. Die

verbleibenden zwei Plätze müssen

mit jüngeren Akteuren besetzt werden.

Der neue Trainer Serge Aubin ist

bereits jetzt von Reichel begeistert:

„Erhat ein spezielles Talent, dass ich

nutzen muss und will. Er wird seine

Einsatzzeiten bekommen, denn nur

so lernt man. Aber geschenkt bekommt

er nichts. Lukas hat sich das

alles verdient.“

Jonas Müller will sich beweisen

Ein Spieler, der schon einen Schritt

weiter ist, ist Jonas Müller. Der gebürtige

Berliner debütierte 2013 im

Profikader der Eisbären und ist seit

der Saison 2017/18 fester Bestandteil

der Mannschaft. Ausder eigenen Kaderschmiede

entwickelt, verkörpert

er das, was die Eisbären sich für die

Zukunft vorgenommen haben:

junge Talente ausbilden und diese

dauerhaft an Berlin binden.

Obwohl der Verteidiger wie so

viele von der großen Karriere inder

nordamerikanischen Profi-Liga NHL

träumt, will er zunächst seine Rolle

bei den Berlinern richtig ausfüllen:

„Ich versuche mich immer weiter

hereinzukämpfen und mir meinen

Platz auch im Power-Play zu verdienen.

Genauso will ich mich natürlich

weiterentwickeln und so langsam etwas

mehr Verantwortung übernehmen.

Das fällt mir momentan noch

etwas schwer.“

Anspruchsvolles Offensivsystem

DieEisbären durchlaufen einen Prozess,

bei dem jeder seinen Platz finden

muss. Ermuss sich ins System

des Trainers anpassen, seinem Entwicklungsstand

entsprechend. Das

ist keine leichte Aufgabe in einem

Team, das sich erst finden muss in

dem anspruchsvollen neuem Offensivsystem,

das Aubin seinen Spielern

abverlangt.

Es ist viel probiert worden. „Ich

hatte eine klareVision. DieJungs haben

hartgearbeitet und ihren Jobgemacht

und so langsam sind wir am

Ziel angekommen. Trotzdem ist

noch Luft nach oben.“, analysiertder

43-jährige Trainer Aubin die Vorbereitungszeit.

Auf vier Testspiel-Niederlagen

folgten vier Siege, und genau

an diese Siege wollen die Eisbären

amFreitag in eigener Halle anknüpfen.

Zum Saisonauftakt treten

die Grizzlys aus Wolfsburg in der

Arena am Ostbahnhof an (19.30

Uhr).

Laufstärke, Intelligenz und Leidenschaft

sollen dann für Aubins

Eisbären zum Erfolg führen und die

Zuschauer begeistern. „Wir wollen

ein Team sein, das hartspielt und auf

das Berlin und die Fans stolz sind“,

sagt der Trainer. Dass er immer gewinnen

will ,steht außer Frage.

Das Titelrennen in dieser Saison

werden allerdings wahrscheinlich

wieder andere unter sich ausmachen.

München und Mannheim gelten

als die Favoriten. Um gegen diese

Mannschaften bestehen zu können,

müssten die Berliner konstant ihre

Leistung bringen, über die gesamte

Saison. Diebesten vierTeams.Das ist

die Vorgabe. Und in den Playoffs ist

bekanntermaßen alles möglich.

Carolin Paul

freut sich auf eine spannende

Eisbären-Saison

Mehr Teilnehmer,mehr Überraschungen

Der Europäische Volleyball-Verband versucht, sich bei der Europameisterschaft an einem neuen Modus. Das eröffnet Chancen –und birgt Risiken

VonAnnika Schultz

Georg Grozer junior ist Deutschlands

Volleyball-Superstar. Der

34-Jährige ist in vier verschiedenen

Ländern Meister geworden, er hat

die Champions League gewonnen

und die deutsche Mannschaft 2012

zu den Olympischen Spielen geführt.

Seine Follower-Zahl auf Instagram:

knapp 18 000. ZumVergleich:

Spielernder polnischen oder französischen

Nationalmannschaft folgen

mehrere zehntausend Fans, den

Stars mehr als hunderttausend. „Die

deutschen Volleyball-Stars sind hierzulande

nicht bekannt genug –da

reicht ein Blick in die sozialen Medien“,

stellt René Hecht, Präsident

des Deutschen Volleyball-Verbandes

(DVV), fest.

Volleyball fristet hierzulande das

Dasein einer Randsportart. Selbst

international renommierte Spieler

wie Grozerist in Deutschland in der

breiten Öffentlichkeitn kaum bekannt.

Großereignisse wie Weltoder

Europameisterschaften können

daran etwas ändern. Auch deswegen

blickt der Verband gespannt

auf die Modus-Änderung bei der

diesjährigen Europameisterschaft:

Erstmals nehmen 24 Nationen an

dem Turnier teil, erstmals wirdesin

vier Ländernausgetragen: in Frankreich,

Belgien, Niederlande und Slowenien.

Nicht jeder ist davon begeistert.

EinVorteil für die Gastgeber

Andrea Giani, Trainer der deutschen

Mannschaft, ist vorallem davon irritiert,

dass den Gastgebernein Vorteil

eingeräumt wird. Sollten die vier

Gastgeberländer jeweils die Gruppenphase

überstehen, dürfen sie im

Achtelfinale nicht aufeinandertreffen

und müssen dem Regelwerk des

Europäischen Verbandes CEV zufolge

ihre erste K.o.-Partie auch vor

heimischem Publikum bestreiten. Es

gefalle ihm nicht, dass die eigenen

Ergebnisse nicht den Wegdurch die

EM ebnen, sagt Giani.

Wünscht sich Aufmerksamkeit: René Hecht, Präsident des DVV.

IMAGO IMAGES

öffnet die EM die Gelegenheit, die

für ihreWeiterentwicklung so wichtigen

internationalen Erfahrungen zu

sammeln. „Die höhere Teilnehmerzahl

bietet natürlich ein größeres Po-

Die Mehrbelastung sieht der Italiener

dagegen nicht als Problem an,

die Topteams könnten das mit ihren

breiten Kadern abfangen. Und für

die kleinerenVolleyball-Nationen ertenzial

für Überraschungen“, sagt

auch Lukas Kampa, deutscher Kapitän,

„aber ich hätte gerne einen einfacheren

Modus und weniger

Spiele.“ Auch organisatorisch erfordert

der Modus Mehraufwand, weil

die Teams mitunter ihre Spielorte

wechseln und dafür in anderen Länder

reisen müssen. Zudem müssen

die Spieler länger vonihren Vereinen

freigestellt werden.

„Problem für alle Länder“

BeiGiani sorgt eher für Ärger,dass

„Volleyball die einzige Sportartist, in

der EM und WM nicht der Qualifikation

dient, sondernnoch zusätzliche

Turniere gespielt werden müssen.“

Der Weltmeister gelangt nicht automatisch

zu den Olympischen Spielen.

Kampa pflichtet seinem Trainer

bei und sagt: „Das sorgt nur für ein

größeres Gesundheitsrisiko.“

Trotz dieser Schwierigkeiten birgt

der Modus auch Chancen. „Es ist für

alle Länder ein Problem, ein solches-

Großevent alleine zu bezahlen. So

können die Kosten besser aufgeteilt

werden“, erklärtHecht. Weil sich das

Turnier über beinahe drei Wochen

ziehen wird, bietet es zudem„grundsätzlich

die Möglichkeit, eine höhere

Zahl an hochkarätigen Spielen und

Medienpräsenz zu erreichen. Aber

das wirdman erst im Anschluss evaluieren

können.“

Vor allem bei erfolgreichem Abschneiden

hofft Hecht auf erhöhte

Aufmerksamkeit – ähnlich wie vor

zwei Jahren, als die deutschen Herren

Silber holten oder jüngst beim

sechsten Platz der Damen.„Betrachtet

man die TV-Einschaltquoten und

den Zuspruch in den sozialen Medien,

ist der Effekt auf jeden Fall da“,

betont er. Trotzdem weiß der Rekordnationalspieler:

„In Deutschland

müssen wir Volleyball besser

vermarkten, die Fernsehpräsenz erhöhen,

bekannter werden.“ Andere

Länder sind da voraus, allen voran

das Weltmeisterland Polen oder

Frankreich. Dasspiegeltsich auch in

den sozialen Medien wider.


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 19 *

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Sport

FUSSBALL

EM-Qualifikation

5.Spieltag

Gruppe A

England -Kosovo 5:3 (5:1)

Montenegro -Tschechien 0:3 (0:0)

1. England 419:4 12

2. Tschechien 5 9:8 9

3. Kosovo 510:10 6

4. Bulgarien 5 5:11 2

5. Montenegro 5 3:13 2

Gruppe B

Litauen -Portugal 1:5 (1:1)

Luxemburg -Serbien 1:3 (0:1)

1. Ukraine 511:1 13

2. Portugal 410:4 8

3. Serbien 510:12 7

4. Luxemburg 5 5:8 4

5. Litauen 54:15 1

Gruppe C

1. Deutschland 517:6 12

2. Nordirland 4 7:4 12

3. Niederlande 414:5 9

4. Weißrussland 5 3:10 3

5. Estland 5 2:18 0

Gruppe D

Georgien -Dänemark 0:0

Schweiz -Gibraltar 4:0 (3:0)

1. Irland 56:2 11

2. Dänemark 515:5 9

3. Schweiz 4 10:4 8

4. Georgien 5 4:8 4

5. Gibraltar 5 0:16 0

Gruppe E

1. Kroatien 510:5 10

2. Slowakei 5 9:7 9

3. Ungarn 5 7:6 9

4. Wales 4 4:4 6

5. Aserbaidschan 55:13 1

Gruppe F

1. Spanien 617:3 18

2. Schweden 613:8 11

3. Rumänien 613:7 10

4. Norwegen 611:8 9

5. Malta 62:13 3

6. Färöer 63:20 0

Gruppe G

1. Polen 6 8:2 13

2. Slowenien 612:5 11

3. Österreich 613:6 10

4. Israel 611:11 8

5. Nordmazedonien 6 8:8 8

6. Lettland 6 1:21 0

Gruppe H

Moldau -Türkei 0:4 (0:1)

Albanien -Island 4:2 (1:0)

Frankreich -Andorra 3:0 (1:0)

1. Frankreich 616:4 15

2. Türkei 614:2 15

3. Island 610:9 12

4. Albanien 610:9 9

5. Moldau 6 2:17 3

6. Andorra 6 0:14 0

Gruppe I

1. Belgien 619:1 18

2. Russland 618:4 15

3. Zypern 6 11:6 7

4. Kasachstan 6 8:9 7

5. Schottland 6 5:13 4

6. San Marino 60:28 0

Gruppe J

1. Italien 6 18:2 18

2. Finnland 6 8:4 12

3. Armenien 6 12:11 9

4. Bosnien-Herzegowina 6 12:11 7

5. Griechenland 6 7:10 4

6. Liechtenstein 5 1:19 1

Auftrag Aufstieg

Dirk Kunert hat als Fußballtrainer viel erlebt. Jetzt soll er Regionalligist Berliner AK in die Dritte Liga führen

VonMichael Jahn

Der Anruf, der Dirk Kunert

vor wenigen Tagen im

Urlaub auf Mallorca erreichte,

kam überraschend

für den 51-jährigen Fußball-

Lehrer aus Berlin. Mehmet Ali Han,

allmächtiger Präsident des ambitionierten

Regionalligisten Berliner AK,

kontaktierte Kunert, der in Fußball-

Berlin einen sehr guten Ruf genießt.

„Wir haben uns ab und an Hallo gesagt

bei Spielen des BAK“, erzählt

Kunert, „aber wir kannten uns nicht

näher.“ Kunert erhielt das Angebot,

sofortTrainer des BAK zu werden. Er

nahm es sofortan, obwohl er wusste,

dass diese Posten bei Misserfolg

auch schnell zum Schleudersitz werden

kann. Namhafte Trainer wie

Steffen Baumgart (heute SC Paderborn)

oder Jens Härtel (Hansa Rostock)

haben das einst in Moabit erlebt,

der Heimat des BAK.

Engverbunden mit Hertha BSC

Erwartet von seiner Mannschaft ein dominantes Auftreten: DirkKunert.

Historische Niederlage

MATTHIAS KOCH

Der BAK, in der Vorsaison souveräner

Zweiter der Liga hinter dem

Chemnitzer FC, hat nun sehr offensiv

das Ziel Aufstieg formuliert. Mit

Trainer Ersan Parlatan gelangen

auch sofort drei Siege, aber danach

brach das gut besetzte Team ein und

erlitt drei Niederlagen –0:1 bei Lichtenberg

47, 2:4 gegen Altglienicke

und 0:1 bei Hertha II. Han entließ

Parlatan und konnte aus etwa 40 Bewerbungen

seinen neuen Wunschtrainer

aussuchen: Dirk Kunert.

Der war einst als Spieler und

Nachwuchstrainer eng mit Hertha

BSC verbunden und gewann 2003

mit den B-Junioren die Deutsche

Meisterschaft. Seine bekanntesten

Spieler damals: Kevin-Prince Boateng,

Ashkan Dejagah und Patrick

Ebert. Später assistierte Kunert etwa

Jürgen Röber bei Ankaraspor in der

Türkei, war beim VfL Wolfsburg

Coach im Nachwuchs, auch bei den

zweiten Mannschaften des Hamburger

SV und zuletzt von Mainz 05.

Dort trennte man sich vor mehr als

einem Jahr, Kunert nahm sich eine

Auszeit, „die mir sehr gut getan hat“,

wie er sagt. „Ich bin nach vielen Jahren

imFußball ein wenig vom Stress

heruntergekommen, habe nach einer

Pause bei Kollegen hospitiert.“

Kunert war in Malmö bei Trainer

UweRösler und beim FC Barnsley in

England unter Daniel Stendel, bei

Holstein Kiel noch unter TimWalter,

der nun den VfB Stuttgarttrainiert.

Am Freitag gegen Lok Leipzig

„Jetzt war ich wieder soweit, einen

neuen Job anzunehmen“, sagt Kunert,

„und der BAK in meiner Heimatstadt

Berlin passt gut.“ Als Hertha

einen Nachfolger für Pal Dardai

suchte, fiel auch der Name Kunert,

den Mitglieder des Vorstandes ins

Gespräch brachten. Doch zu einer

Rückkehr zu Hertha kam es nicht.

Kunert geht in der Öffentlichkeit

vorsichtig mit dem Thema Aufstieg

um. „Ich muss mir erst noch ein umfassendes

Bild von der Qualität meiner

Mannschaft machen“, sagt er,

„wir sind jetzt in der Rolle des Jägers

und müssen uns Schritt für Schritt

an die Spitze herantasten.“ Die

nächsten Aufgaben sind kompliziert:

Der BAK muss am Freitag zum 1. FC

Lok Leipzig, danach kommt Energie

Cottbus ins Poststadion.

Wie will er sein Team künftig sehen?

Kunert sagt: „Die Mannschaft

muss aktiv und dominant auftreten.

Dann ist vieles möglich.“

Die USA scheitern bei der Basketball-Weltmeisterschaft im Viertelfinale überraschend an Frankreich

Nach der Schmach von Dongguan

schlichen die US-Basketballer

schnell und mit hängenden

Köpfen in die Kabine. Durch teils

haarsträubende Fehler in der

Schlussphase verlor der Top-Favorit

am Mittwoch sensationell das WM-

Viertelfinale gegen Frankreich 79:89

(39:45). Damit geht die Basketball-

Großmacht erstmals seit der Heim-

WM 2002 bei einem großen Turnier

bei der Medaillenvergabe leer aus.

DieAbsage zahlreicher NBA-Stars

für die Welttitelkämpfe in China

wollte Erfolgstrainer Gregg Popovich

aber nicht als Grund für das Verpassen

des Halbfinals gelten lassen.

„Das ist respektlos. Frankreich hat

uns geschlagen. Es ist egal, wer im

Team ist“, sagte Coach Popovich und

erwies sich als fairer Verlierer. Auch

Topscorer Donovan Mitchell reagierte

genervt auf die Fragen nach

den fehlenden Superstars.„Ich habe

es satt, wenn Leute fragen, wernicht

hier ist. Sie wollten nicht kommen,

das ist ihr Ding. Wirhaben elf andere

Jungs hier in diesem Raum, die an-

treten wollten“, sagte der Point

Guardder Utah Jazz.

Popovich lobte trotzdem nach

der historischen Niederlage sein

Team. „Ich könnte nicht stolzer sein

auf diese zwölf Jungs,die ihren Sommer

geopfert haben, noch nie zusammen

gespielt haben und hier

hergekommen sind“, sagte der 70-

Jährige. Zuvor hatten die USA seit

WM-Bronze2006 in 58 aufeinanderfolgenden

Spielen bei Weltmeisterschaften

und Olympischen Spielen

nicht verloren.

Immerhin haben die USA die

Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio sicher

und treffen nun in den Platzierungsspielen

am Donnerstag auf

Serbien. Der Titelaspirant war tags

zuvor ebenfalls sensationell an den

Argentiniern gescheitert. Die Südamerikaner

fordern nun die Franzosen,

die in der Vorrunde Deutschland

mit 78:74 bezwungen hatten.

Im anderen Halbfinale spielt Spanien

gegen Australien, das Tschechien

am Mittwoch 82:70 (33:30) besiegte.

NACHRICHTEN

Schachmann sagt

WM-Teilnahme ab

RADSPORT. Maximilian Schachmann

hat seinen Startbei den Weltmeisterschaften

Ende September in

der britischen Grafschaft Yorkshire

nun doch abgesagt. Dasbestätigte

sein Team Bora-hansgrohe.Grund

dafür ist ein Infekt, der Schachmanns

zunächst für diese Woche geplante

Rückkehr in den Rennbetrieb

verhindert. Sein Comeback plant

Schachmann nun für die italienischen

Eintagesrennen im Oktober,

auch die Lombardei-Rundfahrtam

12. Oktober ist ein Thema.

Coutinho verliertmit

Brasilien gegen Peru

FUSSBALL. Rekordweltmeister Brasilien

hat die Neuauflage des Copa-

America-Finals gegen Peru 0:1 verloren.

Zwei Monate nach ihrem Triumph

bei der Südamerikameisterschaft

im eigenen Land sind die

Selecao in Los Angeles mit Neymar

und Bayern Münchens Philippe

Coutinho angetreten. Brasilien war

zuvor 17 Spiele in Serieohne Niederlage

geblieben. Unterdessen gewann

Argentinien ohne Lionel Messi mit

4:0 gegen Mexiko.Am9.Oktober ist

Argentinien nächster Gegner der

deutschen Mannschaft.

Goretzka fehlt FC Bayern

bis auf Weiteres

FUSSBALL. Derdeutsche Rekordmeister

Bayern München muss bis

auf Weiteres auf Nationalspieler

Leon Goretzka verzichten. Derehemalige

Schalker musste sich einer

Operation unterziehen, bei dem Eingriff

wurde ein Bluterguss erfolgreich

entfernt. Der24-Jährige hatte sich in

der vergangenen Woche in der Vorbereitung

der deutschen Nationalmannschaft

auf das EM-Qualifikationsspiel

gegen die Niederlande erneut

am linken Oberschenkel verletzt.

Razzien wegen Geldwäsche

bei Transfers

FUSSBALL. Wegen möglicher Korruption

und Geldwäsche bei Transfers

ist es in Belgien, England und

Monaco zu Razzien gekommen. Dabei

wurden zwei Personen, darunter

ein Spielerberater,festgenommen.

Beiden Ermittlungen der belgischen

Staatsanwaltschaft geht es vorallem

um den Transfer des Serben Aleksandar

Mitrovic im Jahr 2015 vomRSC

Anderlecht zu Newcastle United.

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Sport

Esist längst wissenschaftlich

bewiesen, dass ein

enger Zusammenhang

zwischen der richtigen

Ernährung und dem Heilungsprozess

oder der Vorbeugung vonVerletzungen

besteht. Nach Blessuren

kommt es im Körper meist zu einer

Entzündung, die durch eine

ungesunde Ernährungsweise verstärkt

werden kann. Einen Beweis

liefert Robert Andrich. Der 24

Jahre alte Profifußballer des 1. FC

Union musste zuletzt vor zweieinhalb

Jahren ein Pflichtspiel aussetzen,

damals noch für Wehen Wiesbaden.

Insgesamt setzte der Offensivakteur,

seit 2013 Berufsfußballer,

erst siebenmal verletzt aus.

Andrich sieht einen engen Zusammenhang

zwischen bewusster

Ernährung und der Entspannung

von Muskeln. Damit, sagt der

Unioner und schaut auf den Erdbeer-Smoothie,

den er nach einer

schweißtreibenden Trainingseinheit

in seiner linken Hand hält,

könne er sicher noch ein paar Prozente

rausholen. Seit der 1,87 Meter

große Fußballer in der Bundesliga

spielt, beschäftigt er sich intensiver

mit dem Thema Ernährung.

„Ich bin kein Freak auf

diesem Gebiet“, sagt er und nuckelt

am Strohhalm des Vitaminsafts,„ich

glaube aber schon, dass

die Ernährung Einfluss auf die Regeneration

hat und die Entspannung

der Muskeln beschleunigt.“

„Ich habe mich reingekämpft

Andrich ist einer der wenigen erfrischenden

Typen im geschliffenen

Bundesliga-Geschäft, die

kaum ein Blatt vor den Mund nehmen.

Sagen, was ist –das könnte

das Motto des gebürtigen Potsdamers

sein, der über Dynamo Dresden,

Wiesbaden und dem 1. FC

Heidenheim wieder in Berlin gelandet

ist.

„Ich bin schon hierhergekommen,

um zu zeigen, was ich kann“,

antwortet der frühere Jugendspieler

von Hertha BSC auf die Frage,

ob er überrascht sei, bisher in allen

drei Ligaspielen über je 90 Minuten

auf der Position des zentralen

Mittelfeldspielers auf dem

Platz gestanden zu haben.

Für Andrich ist –wie für so viele

seiner Teamkollegen –die Bundesliga

nämlich Neuland. 80 Drittligaeinsätze

(acht Tore) und

25 Zweitligaspiele (vier Tore) standen

vor der Saison in seiner Vita.

„Ich habe mich reingekämpft und

alle Spiele gemacht“, erzählt der

Ein paar Prozent mehr

Warum Robert Andrich exemplarisch für den Kader des 1. FC Union steht.

Und warum eine ausgewogene Mahlzeit Wunder wirken kann

VonPatrick Berger

Spricht der Schiedsrichter zu laut? RobertAndrich folgt während der Bundesligapartie gegen Dortmund den Ausführungen von Felix Brych.

CITY PRESS/EDEN

extrovertierte Kicker, der von sich

sagt, selbstbewusst zu sein. „Ich vertraue

schon auf meine Stärken, aber

dass es so gut läuft, hätte ich natürlich

auch nicht gedacht.“ Bislang

habe er mit dem Wechsel aus Heidenheim

nach Köpenick, der im

Sommer für eine Ablöse vonrund 1,1

Millionen Euro eingefädelt wurde,

„alles richtig gemacht“. Und auch

die Eisernen freut es, schließlich

stellt der 24-Jährige eine Bereicherung

für das Union-Spiel dar. Andrich

scheut keinen Zweikampf, geht,

wie er sagt, „unheimlich viele Wege“,

spielt mannschaftsdienlich – nur

torgefährlicher müsse er werden.

Das sieht sicher auch sein bekannter

Onkel Frieder so, der

lange DDR-Oberligaspieler und

später Trainer bei Vorwärts Frankfurtund

dem EFC Stahl war.Vor allem

aber Vater Lutz ist Andrichs

ärgster Kritiker. Zu dessen Ehren

hat sich der Sohn das Geburtsjahr

1955 auf den linken Arm tätowieren

lassen.

„Er ist schon immer mein Begleiter

und hat früher sehr viel Zeit

investiert. Papa ist einfach stolz,

dass sein Sohn jetzt in der Bundesliga

spielt.“ Der Vater schaut sich

die Spiele seines Sohnes „immer

zwei Mal inder Wiederholung an

und legt dann los“, sagt Andrich

Junior mit einem Lächeln.

Lauffreudigster im Team

Auch zu Berater Sören Seidel, 46,

einst selbst Bundesligaprofi für

Werder, Hannover und Duisburg,

hat er einen engen Draht, tauscht

sich regelmäßig aus. 1999 holte

Seidel mit Werder Bremen, dem

nächsten Gegner der Unioner, den

DFB-Pokal. Wasihm sein Agent für

Sonnabend (15.30 Uhr) mit auf

den Weggegeben hat? „Erwohnt in

Bremen und hat eine Bindung zu

Werder, aber er drückt natürlich in

erster Linie mir die Daumen.“

Mit 35,29 Kilometern ist Andrich

übrigens lauffreudigster

Unioner. Im Schnitt lief er 11,76

Kilometer pro Partie. Ersagt: „Wir

haben gegen Leipzig Lehrgeld gezahlt,

gegen Augsburgeine unfassbare

Teamleistung hingelegt und

gegen Dortmund das i-Tüpfelchen

–und jetzt geht es gegen Bremen

wieder bei null los.

Sie sind nicht so gut gestartet,

haben aber eine riesengroße Qualität.

Werder ist ein harter Brocken.

Wir werden aber alles dafür tun,

um gegen sie zu punkten.“ Dafür

soll auch Robert Andrich wieder

sorgen.

Ende eines Richtungsstreits

Jens Redlich, Hauptsponsor des Fußball-Oberligisten Tennis Borussia Berlin, scheitert vor dem Amtsgericht Charlottenburg. Er bekommt seinen Posten als Vorstandschef nicht zurück

VonMichael Jahn

Das Gedränge vor dem

Saal 142 im Amtsgericht

Charlottenburg war am

Mittwochmittag riesengroß.

Fans, Spieler und auch Trainer

Dennis Kutrieb von Tennis Borussia

Berlin wollten die Verhandlung, bei

der es indirekt auch um die nahe Zukunft

ihres Traditionsvereins ging,

live verfolgen. Dazu kam ein Dutzend

Journalisten. Der Saal war viel

zu klein und deshalb mussten etliche

der etwa 50 Kiebitzedas Geschehen

im Stehen verfolgen oder vorder

offen gehaltenen Saaltür.

Auf der einen Seite war Kläger

Jens Redlich, 38, der seinen Posten

als Vorstandschef verloren hatte und

diesen unbedingt wieder bekommen

wollte. Redlich, ein großgewachsener,athletischer

Mann, hatte

einen Anwalt an seiner Seite. Juristische

Gegner waren der neue Vorstandschef

Günter Brombosch und

die beiden Aufsichtsräte Franziska

Hoffmann und Christian Gaebler.

Eine Riege von gleich drei Anwälten

hatte die aktuelle Führung vonTeBe

aufgeboten. Waswar im Vorfeld der

Verhandlung, die unter dem Aktenzeichen

223 C73/19 firmierte, passiert?

Änderung im Vereinsregister

kant: Diese entscheidende Änderung

wurde in dem Augenblick publik,

als Redlich im Urlaub in den

USA weilte. Der sprach von einem

„Handstreich“ und kündigte rechtliche

Schritte an.

Redlich reichte

beim Landgericht Berlin

einen Antrag auf

einstweilige Verfügung

ein, um so schnell wie

möglich seinen Posten

als Chef wieder einnehmen

zu können. Er

fühlte sich sowieso

weiter als Boss des Traditionsvereins,

dessen

Hauptsponsor er ja

noch immer ist. Die

Behörde delegierte die

Nimmt gefasst das Urteil

auf: Jens Redlich.

Seinen Posten als Vorstandsvorsitzender

hatte Redlich Ende Juli verloren.

Damals hatten die beiden Aufsichtsräte

Franziska Hoffmann und

Christian Gaebler,imBeruf Chef der

Senatskanzlei, eine Änderung im

Vereinsregister vornehmen lassen

und Redlich als Vorsitzenden gestrichen.

DerHintergrund: Derumstrittene

Unternehmer hatte im November

2018 per Mail seinen Rücktritt erklärt,

zwei Tage später aber widerrufen.

Dasaber sei vereinsrechtlich gar

nicht möglich, hieß es von Hoffmann/Gaebler.Auch

dieVorsitzende

Richterin ließ gleich zu Beginn

durchblicken, dass es einen Rücktritt

vomRücktritt nicht gebe.

Als neuer Vorsitzender wurde seinerzeit

das TeBe-Urgestein Günter

Brombosch eingesetzt und als Mitglied

im Vorstand Steffen Friede. Piment

Tabellenführer in der Oberliga

Nordost. Unter Trainer Dennis Kutrieb

wird der Aufstieg in die Regionalliga

angestrebt. Die Spieler bei

TeBe trainieren unter sehr professionellen

Bedingungen – auch, weil

Redlich stattliche finanzielle

Mittel bereitstellt.

Der Chef der Fitnessstudiokette

„Crunch Fit“ ist seit

2016 Hauptsponsor

des Vereins und wurde

2017 zum Vorstandschef

gekürt. Er handelt

DPA/FISCHERX

nach dem Motto „wer

das Geld gibt, hat auch

das Sagen“, was bei

vielen Fans für Verdruss

und auch Ängste

sorgte. Nach eigenen Angaben hat

Redlich bislang rund 2,8 Millionen

Euro in den Verein investiert.

Doch vor allem die „Aktive Fanszene“

des Klubs beobachtete Redlich

argwöhnisch und kritisierte dessen

autoritären Führungsstil. Die

Auseinandersetzung kulminierte

Angelegenheit, die

deutschlandweit für Aufsehen gesorgt

hatte, zurück an das Amtsgericht

Charlottenburg.

Die Auseinandersetzung vor Gericht

war nun der Höhepunkt eines

seit vielen Monaten andauernden

und offen ausgetragenen Richtungsstreits

bei Tennis Borussia, im Moseit

der außerordentlichen Mitgliederversammlung

im Januar. Dabei

soll Redlich seine Wunschkandidaten

für den Aufsichtsrat mit vermeintlich

bestellten neuen Vereinsmitgliedern

durchgebracht haben,

was dieser vehement bestreitet.

Fans protestieren

Nach dieser Versammlung wandten

sich zahlreiche Anhänger empört

vom Verein ab und versagten aus

Protest die Unterstützung bei den

Heimspielen im Mommsenstadion.

In der so genannten „Caravan of

Love“fuhren diese Fans zu anderen,

meist unterklassigen Vereinen und

unterstützten diese lautstark bei deren

Heimauftritten. Erst zum ersten

Spiel in der neuen Saison, das TeBe

mit 4:2 bei Aufsteiger Tasmania gewann,

beendeten die Fans ihren Boykott.

Die Mannschaft ist bislang in

vier Duellen ungeschlagen.

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht,

die einmal unterbrochen

wurde,brachte zahlreiche juristische

Spitzfindigkeiten. Es ging ums Vereinsrecht,

um Befugnisse des Aufsichtsrates

–die Anwälte beider Parteien

beharkten sich. Nach 90 Minuten

–passend zu einem Fußballspiel

–verkündete die Vorsitzende Richterin

das Urteil. Der Antrag auf Einstweilige

Verfügung von Jens Redlich

wurde zurückgewiesen. Der Unternehmer

bekommt seinen Posten als

Vorstandschef nicht zurück.

Redlich zeigte sich danach äußerlich

gefasst und sagte zu den Journalisten:

„Ich akzeptiere das Urteil. Ich

wünsche den Verantwortlichen bei

Tennis Borussia viel Glück.“ Zu seinen

finanziellen Zusagen stehe er.

Wielange das aber so bleibt, wird

die Zukunft zeigen. Es darfspekuliert

werden, ob Redlich noch lange weiter

sein Geld in einenVerein investieren

wird, in dem er nicht mehr das

Sagen hat. Derweil hat der aktuelle

Vorstand um Günter Brombosch für

den 1. Oktober eine ordentliche Mitgliederversammlung

angesetzt. Im

Mittelpunkt wird die Neuwahl des

Aufsichtsrates stehen, die turnusmäßig

seit Juli fällig ist. Dann soll auch

die nahe Zukunft des Vereins diskutiertwerden.


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Johannes von

Weizsäcker macht

sich Sorgen um

Sleaford Mods

Seite 22

„Es ist sehr leicht, die Welt in Schwarz und Weiß einzuteilen.“

Die simbabwische Autorin und ILB-Eröffnungsrednerin Petina Gappah zur Kritik an ihrer Person Seite 22

Innovation

Wasein Telefon

noch nicht kann

Ulrich Seidler

will mehr Übersicht

im Gelenktäschchen

Wenn mal wieder ein neues Telefonmodell

vorgestellt wird, gerät

keiner mehr so richtig aus dem

Häuschen. Die letzte wirklich überzeugende

Innovation im Fernsprechwesen

war die Kappung der

Telefonschnur, und das ist schon

eine Weile her. Alles, was danach

kam, waren vereinnahmte Funktionen

von anderen Geräten, die man

so in seinem Gelenktäschchen mit

sich führt: Adressbuch, Fotoapparat,

Literatur, Notizblock und Stift. Gerade

gestern wurde mit viel Brimborium

ein Taschentelefon vorgestellt,

das jetzt noch besser fotografieren

und sich noch mehr merken kann.

Dasist sicher zu begrüßen, sind aber

lediglich graduelle Verbesserungen.

Um den Inhalt der Gelenktasche

weiter zu reduzieren, müssten schon

neue Nutzungskategorien integriert

werden. Noch immer taugen die Telefone

nicht als Zahnstocher,

Schrauben- oder Korkenzieher,

nicht einmal als Kapselheber, wofür

nur eine bruchsichere Kante montiert

werden müsste. Ebensowenig

lässt sich eine Zigarette (oder ein lebensrettendes

Lagerfeuerchen) anzünden.

Oder Fieber messen, zumindest

nicht rektal. Geschweige

denn, dass man sich eine Briefmarke,

einen Fünfeuroschein ausdrucken

könnte oder ein Hustenbonbon.

Wäre es nicht hilfreich,

wenn man sich in sein Taschentelefon

schnäuzen könnte (ohne dass

gleich die Probenanalyse an die

Krankenkasse geschickt wird)?

Der Schritt in die dritte Dimension,

ins Grobstoffliche ist anwendungstechnisch

noch immer nicht

geschafft −oder anders herum, das

biologisch physiologische System

Mensch ist noch nicht ganz zum Datenavatar

reduziert, dessen sinnliches

Sehnen und Verlangen man allein

mit binär codierbaren optischen

Reizen stillen könnte.

Das fiel dem Verfasser auf, als er

heute morgen reflexhaft zur Hosentasche

nach seinem Smartphone

(ein leicht überholtes Modell) griff.

Er verspürte das Bedürfnis,einen äußerst

wohltuenden Sinneseindruck

festzuhalten und per Nachrichtenanhang

zu teilen, als er an seiner

Lieblingscafé vorbeikam, wo die Sesamkringel

frisch gebacken werden.

Nur andieser Stelle mischt sich der

Duft des Gebäcks auf derart wirkungsvolle

Weise mit den Aromen

der Umgebung, die sich im Einzelnen

−ein Reinigungsmittel? ein Kanaldeckel?

Teer? Waschbärurin? −

nicht identifizieren lassen (was vielleicht

auch besser so ist). Noch immer

lässt sich keine Probe eines individuellen

Gasgemischs aufnehmen

und abspeichern, auf dass man es

zur Stimmungsanhebung freisetzt.

Schade? EinGlück.

Sollte in keiner Tasche fehlen, auch wenn

man nicht damit telefonieren kann. DPA/GÜDE

Der dänische Maler Michael Kvium hat eine Strandszene mit Flüchtlingen von einem Pressefoto nachgemalt.

Das Meer als Barriere

Die Ausstellung „Durch Mauern gehen“ erkundet im Martin-Gropius-Bau Grenzmetaphern

VonIrmgard Berner

Auch wenn sie räumlich

kaum noch erfahrbar ist,

wirkt sich die Berliner

Mauer in der Nähe des sich

einst am Rande West-Berlins befindlichen

Martin-Gropius-Baus immer

noch aus. Das Bild der Euphorie jedenfalls,

mit der sich die Menschen

aus Ost und West nach der Nacht

vom 9. November 1989 an dieser

lange unüberwindbaren Barriere

trafen, blitzt bei jedem meiner Besuche

wieder auf. Und eshallt nach,

wie zwischen Checkpoint Charlie

und der Nachkriegsbrache mit dem

Schutthaufen der einstigen Gestapo-

Zentrale,woheute in der Ausstellung

„Topografie des Terrors“ die Greuel

des NS-Regimes dokumentiert sind,

die Menschen mit Hammer und

Meißel auf das bis zuletzt vomsandigen

Todesstreifen aus bewachte Betonmonster

für ihr Recht auf Freiheit

einschlugen. Das Überbleibsel auf

der historisch belasteten Stätte, ein

zernagtes Mauer-Reststück neben

dem Gropius-Bau, vermag heute

nicht annähernd mehr zu vermitteln,

wie es sich anfühlte, als diese

Stadt und mit ihr die globale Weltordnung

in zwei Blöcke geteilt war.

Diese Konstellation aber sollte man

im Kopf haben, wenn man die Ausstellung

„Durch Mauern gehen“ betritt.

Kein Ortist besser geeignet, das

Thema zum Jubiläum der 30. Wiederkehr

jenes Schicksalstages aufzugreifen,

der die Utopie einer friedlichen

Revolution real werden ließ.

Trennung und Spaltung

So jedenfalls wollen es die Kuratoren

Sam Bardaouil und Till Fellrath verstanden

wissen. Sie haben 28 internationale

Künstlerinnen und Künstler

ausgewählt und eingeladen, sich

auf das Minenfeld vonSpaltung und

Trennung, von physischen und psychischen

Mauern, den gebauten und

denen im Kopf, metaphorisch und

mit den Mitteln der Kunst zu begeben.

Viele vonihnen tragen selbst Spurender

Teilung in ihrer persönlichen

Biografie. So werden die Besucher

gleich zu Anfang von Vogelgezwitscher

umschwirrt, das die Mauern

des Gebäudes zu durchdringen

scheint. DasZirpen und Locken aber

entströmt einem akustischen Gerät,

das Samson Young, Künstler aus

Hongkong, zweckentfremdet einsetzt.

Üblicherweise wirdesvom Militär

benutzt zum punktgenauen

Senden von Signalen über weite

Die Installation des Hongkonger KünstlersSamson Young verweist auf

den Konflikt mit China. GALERIE G. CAPITAIN &E.MALINGUE GALLERY/SAMSON YOUNG/SIMON VOGEL

Mona Hatoums Werk „Orbital I“

„Wir müssen reden, oder?“, fragt José Bechara

Strecken, um Demonstrationen zu

zerstreuen oder Menschen zu beschallen

–als Waffe. Eine Arbeit, die

angesichts der harten Auseinandersetzungen

zwischen China und

Hongkong aktueller nicht sein

könnte. Neben einer imposanten

Wandarbeit im Treppenhaus vonRegina

Silveira aus schwarzen, wie von

Scharen Eingeschlossener oder

Flüchtender hinterlassenen Fußabdrücke,

ist sie ein sinnlicher und

auch schlüssiger Einstieg in einen

Parkour, der Trennlinien, die auf

Machtstrukturen zurückzuführen

sind, universal erfahrbar machen

will. Getragen vom unwiderstehlichen

Glauben, dass Kunst die Macht

WHITE CUBE/MONA HATOUM/OLLIE HAMMICK

GALERIA M. RAZUK/JOSÉ BECHARA

hat, Empathie zu erzeugen.Verfremdung

als kreativer Akt, dem eine

Ideologie des Widerstands zugrunde

liegt, ist so eine dieser Kräfte.

Damit arbeitet auch die großar-

NILS STÆRK GALLERY/MICHAEL KVIUM/ANDERS SUNE BERG

tige palästinensisch-britische

Künstlerin Mona Hatoum. Sierichtet

den Blick durch einen skelettartigen

Globus aus gebogenem Bewehrungsstahl,

auf dem Betonbrocken

wie kreisende Planeten kleben, auf

Konfrontation und Zerstörung –Aspekte,

die sich mehrfach in dieser

Ausstellung wiederfinden. Diese

subversiveWeltkugel „Orbital I“ liegt

nun wie angeschwemmtes Treibgut

auf dem Saalboden und steht im

Spannungsfeld mit dem Panoramagemälde

des Dänen Michael Kvium.

Auf dem 7,5 mal drei Meter großen

„Beach of Plenty“, 2017 nach einem

Pressebild gemalt, sieht man einen

Sandstrand mit Badenden, am Mittelmeer

vielleicht. DieUrlauber aber

starren aufs Wasser, wo ein

Schlauchboot voller Flüchtlinge

über eine heranwalzende Welle

kippt. Einer ist über Bord gegangen,

schreit um Hilfe,alle schauen zu und

wissen nicht, was sie tun sollen.

Ohne die Moralkeule zu schwingen,

eher wie eine Karikatur, zeigt es das

Meer als Barriere, als reale und metaphorische

Grenze und konfrontiert

uns mit der eklatanten Diskrepanz,

die an Orten wie diesem die Notund

den Überlebenskampf der einen auf

das Leben in Wohlstand der anderen

prallen lässt.

Stühle wie Ertrinkende

Dass oftunsichtbareTrennlinien, die

durch ungeklärte Absichten entstehen,

den Dialog unmöglich machen,

reflektiert die raumfüllende Arbeit

„Ok, Ok, Let’s Talk“ des Brasilianers

José Bechara gleich im ersten Saal –

und zeigt die Dringlichkeit dieses

heiklen wie notwendigen Austauschs.Den

Appell zum Dialog lässt

er ins Absurde laufen: Aus einem

Meer aus Holztischen, fugenlos und

schräg aneinander geschoben und

verkeilt, ragen nur noch zwei Stühle

wie Ertrinkende.Die Verhandlungen

hängen fest, man ist geteilt, geteilter

Meinung, Einigung gibt es nicht. Der

nichtlineare Erfahrungsraum dieser

Ausstellung lässt also auch die Mühen,

die nötig sind, um bestehende

Teilungen zu überwinden, nicht aus.

Daran erinnert immer wieder auch

ein Blick nach draußen und auf den

Mauerrest, der gar nicht bedrohlich,

sondernnur noch skurril wirkt.

Sybille Bergemanns Schwarz-

Weiß-Fotografien aus der Wendezeit

ziehen sich wie ein roter Faden

durchdie Schau und sind eine Hommage

an Berlin. Aber auch ein Blick

auf die große Ungewissheit, die damals

herrschte –was ist das für ein

Land, das sich da herausbildet. Jetzt,

nach 30 Jahren,stellt sich diese Frage

in vielerlei Hinsicht noch einmal

neu.

DurchMauerngehen bis 19.Januar 2020, Martin-Gropius-Bau,

Niederkirchenerstraße7

Irmgard Berner

ist beeindruckt vonder

Weite des Themas Grenze.

NACHRICHTEN

Gericht gibt Serebrennikow-

Fall an Staatsanwalt zurück

Derseit zwei Jahren andauernde Fall

um den angeklagten russischen Regisseur

Kirill Serebrennikowhat neue

Dynamik bekommen.WegenWidersprüchen

werdeder Fall für weitere

Ermittlungen an die Generalstaatsanwaltschaft

zurückgegeben,

entschied Richterin

Irina Akkuratowa

am Mittwoch

in Moskau.

Zudem dürfe Serebrennikow,

der

bis Aprilunter

Hausarrest

stand, wieder reisen.

Es gebe

DPA

Kirill

Serebrennikow

keine Einschränkungen in seiner Bewegungsfreiheit

mehr.Der 50 Jahre

alte Theatermacher reagierte auf den

Schritt des Gerichts mit Applaus.Der

Kulturberater des Präsidenten,Wladimir

Tolstoj,nanntedie Entscheidung„wunderbareNeuigkeiten“.

Es

sei sehr gut, dass Serebrennikownun

zumindest wieder frei arbeiten

könne. (dpa)

Stiehler wird Interimsleiter

am Theater an der Parkaue

DerGeschäftsführende Direktor Florian

Stiehler übernimmt kommissarisch

die Intendanz des Theaters an

der Parkaue,das bestätigte die Pressestelle

des Hauses auf Anfrage der

Berliner Zeitung. KayWuschek, der

das Haus seit 2005 leitete,war voreiner

Woche laut Pressemitteilung der

Kulturverwaltung „aus gesundheitlichen

Gründen“ zurückgetreten.

Nachdem sich eine Schauspielerin

öffentlich über rassistische Vorfälle

beschwerthatte,war eine Frührungskrise

zutage getreten. (use.)

„Die Heiland“ geht weiter −

mit Christina Athenstädt

DieFernsehserie „Die Heiland −Wir

sind Anwalt“ (ARD) wirdfortgesetzt.

DieHauptrolle der blinden Anwältin

Romy Heiland übernimmt Christina

Athenstädt, wie das Erste mitteilte.

Diebisherige Hauptdarstellerin Lisa

Martinek war Ende Juni überraschend

gestorben. (dpa)

Journalist Zirngast in der

Türkeifreigesprochen

Derinder Türkei wegen Terrorverdachts

angeklagte österreichische

Student und Journalist MaxZirngast

ist freigesprochen worden. Dies teilte

sein Anwalt MuratYilmaz mit. Das

Gericht habe geurteilt,„dass Zirngast

an keiner illegalen Aktivität und an

keiner Aktivität, die einVerbrechen

darstellen würde,teilgenommen

hat“. Zwei zusammen mit ihm festgenommene

türkische Aktivisten wurden

ebenfalls freigesprochen. (AFP)

„Hannover“ auf Reiseseite

in „Hitler“ umbenannt

Unbekannte haben nach Angaben

der Polizei die PlattformWikitravel

im Internet so manipuliert, dass der

Name „Hannover“ immer durch den

Namen „Hitler“ ersetzt wurde.„Wir

haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“,

sagte eine Polizeisprecherin.

Zuvorhatte die HAZ darüber berichtet.

Im Falle vonDatenveränderung

drohen bis zu zwei JahreFreiheitsstrafe.

(dpa)


22 * Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Feuilleton

Der Samen für den Verrat

Petina Gappah ausSimbabweeröffnetdas Internationale Literaturfestival.Kurz davor war sie wegenihrer Tätigkeitfür dieRegierung desLandesindie Kritik geraten

VonSusanne Lenz

Das Word-Dokument, das

Petina Gappah am Donnerstag

nach unserem

Gespräch mailt, trägt

den Namen Opening Speech, Eröffnungsrede,aber

mit einem Zusatz in

Großbuchstaben: Revised, also

überarbeitet. Es ist die Rede, mit der

die in Simbabwe aufgewachsene

Schriftstellerin am Donnerstagabend

das Internationale Literaturfestival

eröffnet.

Der Grund für die Änderungen:

Zwei Tage vorihrem Auftritt hatte die

Süddeutsche Zeitung einen Artikel

veröffentlicht, in dem die Beratungstätigkeit

Gappahs für die Regierung

Simbabwes im Mittelpunkt stand,

für eine Regierung, deren Präsident

Emmerson Mnangagwa ist, der für

viele Menschen in Afrika ein übler

Diktator sei. Tatsächlich hat der

Nachfolger Robert Mugabes Anfang

Januar Soldaten auf Demonstranten

schießen lassen, es gab zwölf Tote.

Zwei Zigaretten hintereinander

Gelesen hat sie den Artikel noch

nicht, als wir sprechen. „Ich will

nicht noch nervöser werden, als ich

es ohnehin schon bin.“ Sie hat ihre

Lektorin beim S. Fischer Verlag um

eine kurze Zusammenfassung gebeten.

Nachdem wir auf der Terrasse

ihres Hotels in einer Seitenstraße des

Kudamms Platz genommen haben,

will sie doch ein bisschen mehr wissen.

Als sie die ihr wohlbekannten

Namen einer von ihr, wie sie sagt,

hochgeschätzen Schriftstellerkollegin

und eines Menschenrechtsaktivisten

sieht, raucht sie erst einmal

zwei Zigaretten hintereinander. „Es

ist sehr leicht in Binärsystemen zu

denken, die Welt in Schwarz und

Weiß einzuteilen“, sagt sie dann.

Die Sätze, die sie ihrer Rede nun

hinzugefügt hat, sind unterstrichen.

Sieantwortet nicht direkt auf die Kritik,

versucht eher zu erklären, welche

Hoffnungen sie in das Land, in dem

sie aufgewachsen ist, zurückgebracht

haben: „Ich bin aus denselben

Gründen nach Simbabwe zurückgekehrt,

die mich motiviert haben,

kritisch über mein Land zu

schreiben. Zurückzukehren bedeutete,

mit einem Regime zu arbeiten,

mit dessen Politik und Einstellungen

ich nicht einverstanden gewesen

war. Aber ich war bereit, zu versuchen

der Wandel zu sein, und nicht

nur darüber zu schreiben, wie notwendig

dieser Wandel ist.“

Die1971 geborene Petina Gappah

ist nicht nur Schriftstellerin, sondern

auch Juristin. Siehat als erste aus ihrer

Familie studiert, Jura in Harare,

der Hauptstadt Simbabwes, später

war sie in Cambridge,inGrazhat sie

promoviert. Sie arbeitete 15 Jahre

lang bei der Welthandelsorganisation

in Genf, bevor sie sich mehr ihrer

Tätigkeit als Schriftstellerin zuwandte,

und nicht mehr nur morgens

vorder Arbeit schrieb.ImFrühjahr

2017 zog sie nach

Berlin-Charlottenburg, als Stipendiatin

des DAAD (Deutscher Akademischer

Austauschdienst). Im November

desselben Jahres wurde der

in Simbabwe regierende Diktator

Robert Mugabe durch einen Militärputsch

abgesetzt. Sie habe damals

auf einen Neuanfang gehofft.

Petina Gappah, längst verwurzelt

in Europa, hätte Simbabwe einfach

fernbleiben können. Siehat sich anders

entschieden, ist nach Harare gezogen,

hat ihr Land neu kennengelernt.

„Ich habe wirklich geglaubt,

dass wir eine Chance für Veränderung

haben.“

Ihre Aufgabe als Beraterin sei gewesen,

ein Investitionsgesetz auf

den Wegzubringen. „Das ist meine

Expertise.“ Petina Gappah ist Fachanwältin

für Handelsrecht. Sie hat

Mnangagwa auf Reisen begleitet, hat

versucht, ihr Land dem Westen zu

öffnen, nicht nur China und Russland,

auch wenn das viel leichter sei,

weil diese Länder keine Bedingungen

an ihre Investitionen knüpften,

jedenfalls nicht, was Demokratisierung

und Menschenrechte angeht.

„Ohne Investitionen von außen

kann das Land nicht gedeihen“, sagt

sie.Und erzählt vonsich aus,dass sie

1000 Dollar für ihreTätigkeit bekommen

habe,jedoch nur die ersten drei

Monate lang. Aber das war nicht das

größte Problem.

Als ihr Vertrag mit der Regierung

vorzweiWochen endete,hat sie darauf

verzichtet, ihn zu erneuern. Das

Problem in Simbabwe seien nicht

nur Korruption und Menschenrechtsverletzungen.

Sie habe unterschätzt,

wie stark die Eigeninteressen

vieler Regierungsangehöriger

seien, die alles tun würden, um ihren

Posten zu erhalten. Sie sagt aber

auch, dass sie nichts bedauert und

diese Aufgabe wieder übernehmen

würde.Jedenfalls hat Simbabwe jetzt

ein Investitionsgesetz. Die wirtschaftliche

Lage des Landes ist allerdings

desaströs.

Eigentlich aber ist Petina Gappah

nicht nach Berlin gekommen, um

über Politik zu sprechen, sondern

um ihr neues Buch vorzustellen, es

ist ihr viertes. Und sie sagt jetzt auf

der Terrasse, wosie sich bei jedem,

der dort Platz nimmt, entschuldigt,

dass wir so viel reden, dass es eigentlich

ihr erstes sei. Jedenfalls ist es das

Buch, das sie vor den anderen zu

schreiben angefangen hat, nur ist es

erst jetzt fertig geworden. Es spielt

wie alle ihrer Bücher in Simbabwe,

allerdings nicht in der Gegenwart

wie etwa in„ImHerzendes goldenen

Dreiecks“, einem Band mit Kurzgeschichten,

deren Protagonisten mit

Petina Gappah in Berlin

Das Buch: Petina Gappah: Ausder Dunkelheit

strahlendes Licht. S. Fischer Verlag,

FrankfurtamMain 2019. Ausdem Englischen

übersetzt vonAnnette Grube, 432 S.,

19,99 Euro. Der Roman fiktionalisiertdie

Reise der Gefolgschaft des schottischen Missionars

und Forschers David Livingstone, die

seine Leiche quer durch Afrika trägt.

BUCH & TERMINE

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Termine: Petina Gappah liest am 12. 9.

um 11 und um 21 Uhr in der James-Simon-

Galerie auf der Museumsinsel.

Um 18 Uhr am selben Ortund ebenfalls

am 12. 9. spricht sie mit dem Menschenrechtsanwalt

Wolfgang Kaleck über Dekolonisierung,bei

der auch symbolische und

künstlerische Praktiken eine Rolle spielen.

Hyperinflation, Bürokratie und

Frauenfeindlichkeit kämpfen.

Der gerade auf Deutsch erschienene

Roman „Aus der Dunkelheit

strahlendes Licht“ erzählt die Geschichte

des 1813 geborenen schottischen

Missionars David Livingstone,

der Afrika als Missionar und

Forscher bereist hat, der den Sklavenhandel

beenden sollte und der

besessen davon war, die Quellen

des Nils zu entdecken. „Mit all diesen

Ambitionen ist er praktisch gescheitert.“

Petina Gappah nimmt allerdings

nicht Livingstones Sicht ein, sonderndie

seiner afrikanischen, seiner

dunkelhäutigen Gefährten, die ihn

Bwana Daudi nannten. Um diese

Stimmen geht ihr. Eswaren an die

70, ein Tross,der nicht nur aus Männern

bestand, sondern auch aus

Frauen und Kindern, ein ganzes

Dorf, das Livingstone begleitete und

später seinen Leichnam. Petina Gappah

destilliertdaraus zwei Stimmen:

die der vorlauten Halima, Livingstones

Köchin, und die von Jacob

Wainwright, einem in einer britischen

Missionsschule in Bombay

christianisierten Afrikaner.

IhrBuchist einAbenteuerroman,

der durch den Dschungel zum Hafen

vonBagamoyo führt, es ist eine Groteske,

etwa wenn die Gefährten Livingstones

Leiche ausnehmen und

die Hülle trocknen lassen, damit sie

überhaupt transportfähig ist und

weniger stinkt. Es gibt Überfälle,

Krankheiten, Liebesgeschichten,

Streit, zehn der Gefährten sterben.

Vorallem aber beschreibt das Buch

eine Reise ins Herz der Finsternis

dieses von Sklaverei geprägten Ostafrikas,

dessen Sklavenhandel eher

internen Zwecken diente.Eswurden

anders als ausWestafrika kaum Menschen

exportiert.

Immer wieder kommt der Tross

an kleinen Knochenhaufen vorbei

und an Leichen, die an Baumstämmen

gefesselt sind. Sie stammen

vonGefangenen, die sich weigerten

weiterzugehen. „Das ist die einzige

Art Widerstand, die die Gefangenen

leisten können“, schreibt Petina

Gappah. Esist zugleich ihr Todesurteil.

AufSanisbar,woesinder

Handlungszeit des Buches dengroßen

Sklavenmarkt gab, lebten

heute die Nachfahren von Sklavenhändler

neben denen von Sklaven.

„Es ist eine lebendige Geschichte“,

sagt Petina Gappah.

Livingstone starb 1873, also gut

zehn Jahre vor der „Berliner Konferenz“,

bei der die europäischen Staaten,

die USA und das Osmanische

Reich über ihr weiteres Vorgehen in

Afrika berieten.„Hier in Berlin wurde

entschieden, dass ich Englisch spreche

und nicht Portugiesisch wie im

benachbarten Mosambique oder

Deutsch wie in Namibia oder Französisch

wie im Senegal“, führtPetina

Gappah in ihrer Eröffnungsrede aus.

Man könnte also sagen, dass ihr Roman

amVorabend derKolonisierung

dieses Kontinents spielt, an der Livingstone

keinen Anteil hat, für die

er aber Voraussetzungen schuf, was

ihn am Ende dann doch zu einer

zwiespältigen Figur macht.

Als der treue Tross der Dunkelhäutigen

Livingstones Leichnam an

die Küste schafft, damit seine Kinder

ihn in seiner Heimat begraben

können, haben sie auch die Karten

dabei, die der Forscher angefertigt

hat. Darunter ist auch die, inder er

den Fluss Lualaba eingezeichnet

hat. „Was,wenn wir damals gewusst

hätten, dass unser letzter Akt der

Loyalität den Samen für den Verrat

an unseren Kindern, an ihrem

Schicksal und auch an dem ihrer

Kindeskinder säen würde; dass der

von ihm eingezeichnete Lualaba

der Beginn des großen Kongo unseres

Niedergangs war, der schiffbare

Fluss, auf dem der weiße Mann

kommen würde mit erhobener

Winchester und geladenem Maschinengewehr“,

lässt Petina Gappah

die dunkelhäutigen Gefährten

im Prolog des Romans sagen.

Diese Zwiespältigkeit wirdinOstafrika

entweder nicht gesehen oder

man lebt eben mit ihr.Petina Gappah

jedenfalls erzählt, dass es in jedem

Land nach Livingstone benannte

Schulen gibt, auch Statuen. Eine

stehe sogar im Hof des Gebäudes in

Harare, in dem der Fuhrparkdes Präsidenten

untergebracht sei. Mugabe

habe darauf verzichtet, sie entfernen

zu lassen. „Lasst ihn stehen, hier

kann er kein Unheil anrichten.“

Mentale Kolonisierung

Petina Gappahs Roman ist voll von

zwiespältigen Figuren, und der Missionarsschüler

Jacob Wainwright ist

die tragischste unter ihnen: Er repräsentiert

den Kolonisierten, der sich

kleidet wie die Kolonisatoren, der

spricht wie sie,der aber trotzdem nie

einer von ihnen werden wird, wie

ihm der eigentlich unsympathische

Chirango einmal entgegenschleudert.

Das macht Chirango zu einem

Dekolonisierer und alle beide zu

höchst gegenwärtigen Figuren.

„Der wahreErfolg der Kolonisatorenwar

ja nicht die materielle Eroberung,

sonderndie mentale“, sagt Petina

Gappah. Sie habe die Dunkelhäutigen

zu den Anderen gemacht,

die sich als primitiv empfinden.

Die Geschichte ist gegenwärtig,

und wir teilen sie, auch das ist Gappahs

Botschaft.

Susanne Lenz

hat Petina Gappahs

Roman verschlungen.

Sie haben den besten Job der Welt

Motzen, Bier trinken und auf Play drücken −Sleaford Mods gastierten im Festsaal Kreuzberg

VonJohannes von Weizsäcker

Viele Männer, aber auch einige

Frauen waren am Dienstagabend

in den Festsaal Kreuzberg gekommen,

als hier das für sein Verärgertsein

allseits beliebte Duo SleafordMods

aus Nottingham das erste

von zwei ausverkauften Konzerten

gab; den wenigen Lesern, denen

diese Band noch kein Begriff ist, sei

ihre Bühnenpräsenz als eine Art

Punkversion der Pet Shop Boys beschrieben:

Vokalist Jason Williamson

vokalisiert, Musiker Andrew Fearn

steht mit einem Bier in der Hand am

Laptop und drückt zu Beginn jedes

Stückes auf Play,sonst nichts.

Aus dem Laptop kommen minimale

Loops aus der Post-Punk- und

Electro-Welt, und Williamson flucht

sich dazu im breiten Midlands-Akzent

um Kopf und Kragen, während

er Szenen aus dem Leben der britischen

Underclass beschreibt. Seit

zwölf Jahren und zehn Alben klingt

die Band beinahe unverändert,

wenn man mal davon absieht, dass

ihr aktuelles Album „Eton Alive“ −

man bemerke das Wortspiel um das

Eliteinternat, dem ein Großteil des

aktuellen konservativen Kabinetts

um Boris Johnson entstammt –von

einer Spur Resignation belegt

scheint, die den puren Ärger etwas

zu dämmen scheint.

So schien auch der begeistert

bejubelte Auftritt des Duos im Festsaal

zunächst etwas reflektierter als

frühere Darbietungen; und, als das

aktuelle Stück „Subtraction“ einen

hübsch statischen Synthesizer-Akkord

zugewann, der Williamsons

Rage-Rhythmik auf beinah melancholische

Weise einwattierte,

freute man sich über diese neue Di-

AndrewFearnund Jason Williamson (r.) sind Sleaford Mods.

VOTOS/ROLAND OWSNITZKI

mension der Band. Immer nur

brüllen, brüllen, brüllen verliert ja

dann auch irgendwann seine

Dringlichkeit.

In solch weniger atemlosen Momenten

konnten man darüber nachdenken,

dass ein Sleaford-Mods-

Konzertviele Charakteristka unserer

Zeit zusammenbringt: Visuellgleicht

das Gesamtbühnenbild einem TED-

Talk, der gerade richtig aus dem Ruder

läuft; Williamson spricht seinen

Part,aber auch den anderer Charaktere

seiner Geschichten, seine zunehmend

manischen Selbstgespräche

erinnern anTourette-Syndrom

und schizophrene Psychose,sie personifizieren

gewissermaßen unser

aller internetbedingte Reizüberflutung

und lieferndieVerärgerung darüber

gleich mit. Das Beste ist, dass

man dazu herumhüpfen und ganz

viel Bier verkleckernkann!

Was die Menschen im Festsaal

auch taten. Umso mehr, als dann

bald doch die altbekannte Intensität

der Sleaford Mods wiederkam; ein

„left-wing Boris Johnson“ wurde in

einem Lied angepöbelt; lebensbejahende

Stücke wie „Jolly Fucker“ oder

„Jobseeker“ erschienen und trotz allen

Ärgers hatte Williamson, der sich

übrigens regelmäßig in beinah folkloristischem

Beinanheben übte, so

manches Lächeln fürs Publikum

über; eigentlich auch kein Wunder,

denn wer würde sich schon darüber

beschweren, Abend für Abend kathartisch

seinen Unwillen auszukotzen

beziehungsweise nichts zu tun

als Bier trinken und Play drücken

und dafür bejubelt zu werden? Auch

fragt man sich mit vielleicht unangebrachter

Bangigkeit: Was machen

diese beiden, falls die Welt einmal

besser wird?


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 23

· ·

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Feuilleton

Sinnsuche

als

Happening

Musikfest: Münchner

Philharmoniker

Er steuerte das

Schiff durch

schwere Wasser

Kunsthochschule Weißensee

trauert um Rainer W. Ernst

VonGerald Felber

Alle paar Monate ziehen die

Münchner Philharmoniker in

die Stiftskirche von St. Florian bei

Linz, um an Anton Bruckners Ausgangs-

und Endortdessen Sinfonien

einzuspielen. Was schon auf dem

Markt ist, lässt ruhige und weiträumig

entfaltete Klangarchitekturen

hören. Daran gemessen, blieb man

beim Musikfest-Gastspiel der Bayern

mit Bruckners 6. Sinfonie verblüfft,

wenn nicht sogar ein wenig

enttäuscht. Nicht, dass es an machtvoller

Gewalt gefehlt hätte,wenn die

Musiker unter ihrem Chef Valery

Gergiev die jeweiligen Satzhöhepunkte

ansteuerten –doch es fehlte

diesmal der ruhige Atem im Ausbau

großräumiger Zusammenhänge.

Vielleicht lag das an der anderen

Raumakustik in der Philharmonie

gegenüber der barocken Kuppelbasilika,

aber auch dem Gasteig als

Stammhaus der Münchner. Eine gewisse

stachelige Sprödheit des gleißend

hellen A-Dur-Klangbildes am

Dienstagabend könnte dadurch mitbedingt

gewesen sein; Gergiev hat

gelegentlich selbst ausgedrückt, wie

sehr das räumliche Umfeld seine Interpretationen

beeinflusst. Hier freilich

ging das letztlich zu Lasten des

Atmosphärischen, zumal vor allem

im Kopfsatz viele der ostinat pulsenden

und rhythmisch heiklen Begleitfiguren

nicht perfekt synchronisiert

waren. Sicher muss man bei dem österreichischen

Querschädel nicht in

jedem Takt Mysterien und Aufschwünge

ins Transzendente suchen;

doch ein wenig mehr Poesie

hätte es schon sein dürfen.

Bayerninder Berliner Philharmonie unter

der Leitung von ValeryGergiev. BLN FESTSPIELE

Freilich hatten sich die Gäste,

darin schätzenswert enthusiastisch

und risikofreudig, auch ein gewaltiges

Programm auferlegt, denn dem

einstündigen Bruckner war schon Alfred

Schnittkes genauso lange und

noch massiver besetzte 1. Sinfonie

aus den frühen Siebzigern vorausgegangen.

Einerseits ist das ein großer

kollektiver Joke, indem die Musiker

auch szenisch agieren und genauso

pfiffig-ironisch wie gelenkig zwischen

den stilistischen Angeboten

der Musikgeschichte balancieren,

wobei ständige Einreden, dissonante

Sackgassen und Abstürze mit einkomponiert

sind; andererseits ist gerade

diese Polystilistik ziemlich konzentrations-

und kraftraubend.

Hier zeigten sich die Münchner in

bester Verfassung und ließen die

kostümwechselnden Umstiege zwischen

Barock-Concerto, Free Jazz

und romantischen Pathosgebärden

auch als anarchistisch ratlose Orientierungssuche

in einer ihren Traditionen

und alten Sicherheiten entfremdeten

Welt erleben. Für den damaligen

Mittdreißiger Schnittke betraf

das sicher zuerst sein eigenes

Dasein im Reich Breshnews, assoziiertaber

genauso die Gärungen,Wirrungen

und Neuansätze der 68er-

Bewegung in der westlichen Hemisphäre:

eine große Sehnsucht nach

Sinn und Neufindung, die dem nun

auch schon wieder ein halbes Jahrhundert

alten Stück überraschende

Aktualität verlieh.

Verwaiste Geschwister,vereint nur im Scheitern: Kai Scheve, Hanno Koffler,Lilith Stangenberg,Jördis Triebel und Florian Stetter (v.l.).

VonChristina Bylow

Familien haben Abgründe.

Erbschaftsanwälte wissen

das, sie verdienen an Neid,

Rivalität, Egozentrik und

Machtlust. Psychologen wissen es

auch, ihre Klientel klagt ein Leben

lang über die Folgeschäden elterlicher

Erziehung oder Nicht-Erziehung.

Eine solche Familie erfindet

Michael Klier mit seinem jüngsten

Film „Idioten der Familie“.

EinHaus erzählt

DieElternsind tot, ihren fünf ausgewachsenen

Kindern haben sie ein

Haus am Stadtrand von Berlin hinterlassen.

Klier lässt dieses Haus von

seinen Bewohnern erzählen. Schemenhaft,

nie ganz entschlüsselbar.

Es gibt Bücher und Bilder, ein Klavier,

eine offene Küche, Blumen −

Räume, wie sie Menschen bewohnen,

die sich für stilsicher und gebildet

halten. Bürgertum, nicht neureich.

Unddoch: DieSchnapsflasche

des Vaters steht noch versteckt hinten

auf einem Küchenschrank. Der

Garten verwildert. Wo genau sich

dieses Haus befindet, lässt sich nicht

bestimmen, das verhindert stereotype

Ost-West-Erklärungsmuster

Alles nur Fels und Heide, Moor und Meer

Rebecca Waits Roman „Das Vermächtnis unserer Väter“ ist noch vor dem englischen Original auf Deutsch erschienen

VonPetraKohse

Über das Allerschlimmste kann

man eigentlich nur schweigen.

Oder was gibt es zu sagen, wenn ein

Mann seine Frau, seine Kinder und

dann sich selbst erschießt? Dasmittlere

der drei Kinder, der jüngere

Sohn, überlebte. Erkonnte sich im

Schrank verstecken. Auf das lebenslange

„Warum?“ des Jungen (Warum

hat der Vater das getan? Warumhabe

ich überlebt? Hätte ich eines meiner

Geschwister retten können?) gibt es

außerhalb der Kirche wohl keine

Antwort. Nur eines vielleicht könnte

er die Nachbarnvon damals sinnvoll

fragen: Wann hatte das angefangen?

Waswill er vonuns?

23 Jahre später, 23Jahre nach dem

Massaker an seiner Familie durch

seinen Vater, kommt der inzwischen

31-jährige Tommy zurück auf die

kleine Insel der schottischen Hebriden,

auf der er geboren wurde. Der

Junge, der überlebte. Und die ehemaligen

Nachbarnund sogar sein eigener

Onkel, der Bruder des Vaters,

bei dem Tommy nach der Tragödie

Jeder für sich

„Idioten der Familie“: Michael Kliers filmisches Psychogramm einer Familie

und lenkt die Aufmerksamkeit auf

den Geschwisterhaufen, der nach

langer Zeit ein Wochenende in diesem

Haus verbringt.

Es ist Frühherbst, das Jahr wird

noch einmal neu justiert, Anlass des

Treffens ist eine Entscheidung, die

das fragilste Mitglied der Familie

endgültig aus dem Nest herauskatapultieren

wird. Es ist die Jüngste,die

kaum dreißigjährige Ginnie,gespielt

von Lilith Stangenberg. Ihre etwa

zehn Jahre ältere Schwester Heli

(Jördis Triebel) hat sich viele Jahre

um sie gekümmert. Ginnie kann kein

eigenständiges Leben führen, sie

kann nicht sprechen, kann sich nicht

waschen und anziehen. Ihre Bewegungen

sind von einer in sich versunkenen

Langsamkeit, wenn sie

Blumen gießt, lässt sie das Wasser

einfach aus der Kanne fließen, ohne

abzusetzen. Das ist das erste Bild,

das Klier von ihr zeigt. Lilith Stangenberg

spielt sie eindrucksvoll als

eine in sich gefangene, lebenshungrige

junge Frau, die immer gefährdet

ist, Opfer einer Gewalttat zu werden.

Ihre Arme sind voller blauer Flecken.

War esHeli, überfordert von

der jahrelangen Selbstaufgabe? Im

Keller lagern die Reste ihrer Kunst,

sie hat darauf verzichtet, das zu tun,

was sie wollte. Ihre drei Brüder hingegen

haben sich nur um sich selbst

gedreht. Mit verheerenden Folgen.

DieLastenverteilung ist klar.Weil die

Brüder ohnehin nie für ihreSchwester

da waren, sind sie auch nicht in

der Lage, Abschied zu nehmen. Zu

beidem gehört Mut und die Fähigkeit,

sich selbst zurückzunehmen.

Das fehlt. Stattdessen verletzen,

kränken, bedauern und demütigen

sie sich gegenseitig. Eine bürgerliche

Familie, destruktiv, dysfunktional,

jeder nur auf sich bedacht. Zusammenhalt

kann es hier nicht geben.

Klier ist hier durchaus moralisch; am

schlechtesten aber lässt er den Verantwortung

predigenden Lehrer unter

den Brüdern aussehen, der sich

nach Südamerika davonstiehlt.

Ehrgeiz ohne Rücksicht

Ein virtuoses, gut austariertes Ensemble

spielt diese Einzelexistenzen

in ihrer Unfähigkeit zur Nachsicht

miteinander.Jeder dieser Schauspieler

beherrscht das Spiel im Spiel, die

Doppelbödigkeit von Gesten und

Blicken. Nach und nach kommen in

den Dialogen die Bösartigkeiten dieser

Familie ans Licht, eine Mutter,

die nebenbei durchblicken ließ, dass

zwei der Kinder nicht vom Vater

DAS BUCH

Rebecca Wait:

Das Vermächtnis unserer Väter

Ausdem Englischen vonJennyMerlin,

Kein &Aber,Zürich/Berlin 2019,

334 S.,22Euro

nitiv eine Geschichtenerzählerin. Atmosphäreentsteht

durch Handlung,

Ortsbeschreibungen und kleine,wirkungsvolle

Perspektivverschiebungen:

„Hätte Katrina überlebt, hätte

sie hinterher gesagt, was Menschen

in solchen Fällen immer sagen: dass

es ein Taggewesen sei wie jeder an-

FARBFILM/NADJA KLIER

sind; ein Vater,der Kassetten mit den

Instrumentalversuchen der Jungs

aufnahm. Ehrgeiz ohne Rücksicht

auf wirkliches Talent gehört ebenso

in diese Familie wie das Beten vor

dem Essen. Acht Stunden Cello üben

und dann zur Klarinette wechseln.

Die Musik ist Leidenserfahrung in

diesem Haus, niemand lebte hier in

der Musik, immer ging es darum,

den anderen damit auszustechen.

Das Resultat ist ein vielfältiges

Scheitern. Mitoder ohne Porsche,als

Lehrer,Musiker,treuloser Ehemann.

Klier lässt keinem der Brüder einen

Ausweg. Die behinderte Schwester

wird von ihnen behandelt wie ein

Spielzeug. Und als die „Prinzessin“

plötzlich bockig wird, tritt die Verachtung

der Brüder deutlich zu Tage.

Sie sind die Idioten, daran lässt

Klier keine Zweifel. Sein Film zerlegt

vor allem die männlichen Figuren,

den Schwestern gesteht er eine Zukunft

zu. Die scharfe Analyse familiärer

Destruktivität mag manchen

nach Trost lechzenden Zuschauer

überfordern. Notwendig ist sie doch.

Idiotender Familie,Dt. 2019, 102 Min.,Regie:

Michael Klier,Buch: Klier,KarinAström,Kamera:

Patrick Orth; mit LilithStangenberg,JördisTriebel,

Hanno Koffler, Florian Stetter,Kai Scheve,FSK 12

einige Zeit lebte, haben Angst vor

ihm. Wo war er? Warum kommt er

jetzt? Waswill er vonuns?

Die Engländerin Rebecca Wait,

1988 geboren, arbeitet in London

als Lehrerin und veröffentlicht mit

„Das Vermächtnis unserer Väter“

nach Kurzgeschichten und Theaterstücken

bereits ihren dritten Roman.

Wobei die deutsche Übersetzung

von Jenny Merlin für den Verlag

Kein &Aber (Zürich, Berlin) bemerkenswerterweise

noch vordem

englischsprachigen Original herausgekommen

ist. „Our fathers“

wird erst 2020 bei Riverrun Publishing

erscheinen.

Unter dem Titel „Kopfüber zurück“

(„The View on the WayDown“)

ist seit 2015 schon Waits Erstling im

deutschsprachigen Handel, auch

das ein Familienschicksal mit totem

Sohn. Ihr zweites Buch, „The Followers“

(etwa: Die Anhänger), das davon

handelt, wie eine Mutter mit ihrer

Tochter in die Fänge einer Sekte

gerät, ist noch nicht ins Deutsche

übersetzt.

Rebecca Wait schreibt eng an der

Geschichte entlang. Undsie ist defidere.“

Katrina war Tommys Mutter,

die den Mann vonder Insel geheiratet

und versuchte hatte, dort heimisch

zu werden. Die leben wollte

und dann –ja, und dann. Ein Zwischenkapitel

widmet Wait der Jugend

der Mutter.

Undsie entwickelt nach Tommys

Rückkehr sehr subtil, wie die Nervosität

der Insulaner ebenso zunimmt

wie die von Tommy, und das nicht

ohne Grund. Es gibt nicht nur

Schuld, sondern auch einen Sündenfall

in dieser Geschichte, einen

Verrat. Aber das Wichtigste ist, wie

Tommy und sein Onkel sich annähern.

Wie sie ihr jeweiliges Schweigen

allmählich überwinden, indem

sie das des anderen akzeptieren.

Rebecca Wait bewegt sich zwischen

psychologischem Roman, Familiengeschichte

und Krimi. Und

bleibt dabei so wirkungsvoll kargwie

die Landschaft der Hebriden selbst.

Alles nur Fels und Heide, Moor und

Meer, dazwischen Schicksal,

menschliches.„Litta“ heißt die Insel

bei ihr.Das Vorbild müsste,nach der

geographischen Verortung eigentlich

Colonsay sein.

VonIngeborg Ruthe

Der Mann hatte eine Passion:

Stadtplanung, Städtebau und

das Entwerfen von Lebensräumen,

in denen Menschen sich gut fühlen

und die Natur zu ihrem Recht kommen

sollte. Sein Wissen, seine Leidenschaft

für diese auch von der

Bauhaus-Utopie beeinflussten Ideen

gab Rainer W. Ernst über Jahrzehnte

weiter an junge Leute dieses Fachs.

Zuletzt tat er das bis ins Jahr 2004 an

der Kunsthochschule Weißensee.

Nun trauern ehemalige Studierende,Kolleginnen

und Kollegen um

ihren einstigen Rektor. Erstarb, wie

soeben bekannt wurde, am8.September

in Berlin. Ernst, geboren am

2. April 1943 in Berlin, wurde 1993

nach Weißensee berufen. Zuvor

lehrte er an etlichen Hochschulen,

unter anderem an der Muthesius-

Kunstschule Kiel und später an der

damaligen Hochschule der Künste

in Berlin-Charlottenburg, wo er 1982

bis 1985 auch Vizepräsident war.Von

1994 bis 1996 war Ernst inWeißensee

Prorektor,1996 bis 2004 Rektor.

Der Feingeist mit dem markanten

Gesicht hatte damals nach seiner

Amtseinführung dicke Bretter

zu bohren. Er

musste in

schwierigen

kunstpolitischen

Zeiten die

Daseinsberechtigung

dieser

1946 als „Kunstschule

des Nordens“

gegründeten

Ost-Berliner

PRIVAT

Institution verteidigen,

ihreZukunft sichern. Ernst

setzte in seiner Amtszeit maßgebliche

Sanierungen und bauliche Erweiterungen

durch. Die existenziellen

Auseinandersetzungen mit dem

Berliner Senat um die Erhaltung der

Hochschule in der Bühringstraße,

als das Land Berlin die Etats aller

Hochschulen kürzte, hörten noch

lange nicht auf. Eine der Folgen war

die Gründung des postgradualen

Studiengangs Raumstrategien,

nachdem der Studiengang Architektur

wegen Geldmangels eingestellt

werden musste.

Rainer W. Ernst steuerte das der

Bauhaustradition verpflichtete und

bei Studenten international gefragte

Kunstschulschiff mit seiner unaufgeregten,

unkomplizierten und stets jovialen

Artdurch die schwerenWasser.

Neben seinem Team und seinen Studenten

schätzten auch andere Partner,

Berufskollegen und Stadtpolitiker

seine offene Gesprächsbereitschaft

und seine stets sprudelnden

Ideen. Der Weißenseer Kunsthochschule

blieb er nach seiner Emeritierung

als Mitglied der Mart-Stam-Gesellschaft,

des Fördervereins der

Kunsthochschule, verbunden. „Wir

verlieren einen geschätzten und beliebten

ehemaligen Kollegen, der für

immer mit der Geschichte der Kunsthochschule

verbunden bleiben

wird“, bedauert seine Amtsnachfolgerin

Leonie Baumann.

TOP 10

Dienstag,10. September

Rainer W. Ernst

(1943−2019)

1 Ina.Freundschaft ARD 4,48 15 %

2 Tierärztin Dr.M. ARD 4,06 14 %

3 Tagesschau ARD 3,91 15 %

4 Rosenheim-Cops ZDF 3,83 15 %

5 heute ZDF 3,75 18 %

6 heute-journal ZDF 3,40 13 %

7 RTL aktuell RTL 2,92 15 %

8 SokoKöln ZDF 2,82 17 %

9 Höhle der Löwen Vox 2,77 10 %

10 ReportMainz ARD 2,76 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Akademie der Künste Hanseatenweg

(✆ 200 57 20 00) 19.00 Halle 2: Straußentanz

(Asadata Dafora /Koffi Kôkô)

Ballhaus Ost (✆ 44 03 91 68)

20.00: Die Ausgrabung (vorschlag:hammer)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

20.00: Max und Moritz

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Inspektor Campbells letzter Fall

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

20.00: De Janeiro –ein Punk ertrinkt in Weißensee

(Jesse Garon, Stefan Kreissig)

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.00: Die Glasmenagerie

Dock 11 (✆ 448 12 22)

19.00: triton tanzt. twisted trident. (Peter Pleyer)

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.00 Box: Vater

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Männerschlussverkauf

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Intermezzo

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(✆ 54 90 51 92) 19.30: Romeo &Juliet (Globe

Ensemble Berlin)

Halle Tanzbühne Berlin (✆ 44 04 42 92)

20.30großer Saal: isson –Ein Solo für zwei Männer

(cie. toula limnaios)

20.30: isson (cie. toula limnaios)

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: Die Perlen der Cleopatra

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Dr Nest (Gastspiel Familie

Flöz)

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Roma Armee

Naturpark Schöneberger Südgelände

(✆ 70 09 06 70) 18.00 Giardino Segreto: Im Garten

der Verwandlungen (Claudia Berg,Maco, Hikaru

Inagawa)

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Casting Clara

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Spatz und Engel –Die Geschichte der Freundschaft

zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich

Schaubühne (✆ 89 00 23)

18.00: Orlando

20.00: Jugend ohne Gott

20.30 Studio: Prometheus

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

20.30 Hochzeitssaal: SayMyName, SayMyName

(Olivia Hyunsin Kim/Ddanddarakim)

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

19.30: La Bayadere (Staatsballett Berlin)

Theaterforum Kreuzberg (✆ 70 07 17 10)

20.00: Rising Star Henry(Gastspiel Theater Reissverschluss)

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

20.00: TheColour Out Of Space (Andreas Hartung

und The Dunwich Orchestra)

Theater O-Tonart (✆ 37 44 78 12)

19.00: Die Einladung (Inseltheater Moabit)

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: Geldwäsche (Mann aus Obst)

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

16.00 Heizhaus: Ausufern: We Have ABody(Yvon

Chabrowski)

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00: Eine Odyssee

Wabe (✆ 902 95 38 50)

20.00: Johanna Zeuls Lieblingsbühnentiere (Johanna

Zeul &Bodo Wartke,DannyDziuk und Comedy-Duo

Diagonal)

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.00: CosmicComedy(Dharmander Singh,Neil

Numb u. a.)

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die Vorteile des Lasters (Lisa Eckhart)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Fly, Edith, Fly –Vom Ballermann zum BER

(Ades Zabel &Company)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: HeadsUp –ImproPoker (RoyalFlash Impro)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Eins auf die Presse (Gastspiel

ImproBerlin)

20.00: Zirkus Angela

Estrel Festival Center (✆ 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Hetzkasper –zublöd fürBurnout (Henning

Schmidtke)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(David Werker,Kerim Pamuk,

Sebastian Richartz, Thomas Fröschle, Mod.: Johannes

Flöck)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Uli Lohr (Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

UdK Konzertsaal Hardenbergstraße

(✆ 31 85 23 74) 19.30: Liebe –aktualisierte

Fassung! (Hagen Rether)

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Woodstock Variety Show

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Wenn Frauen immer weiter fragen–Ein

Update für Fortgeschrittene(Horst Schroth)

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Musikclub:musica reanimata –Gesprächskonzert,

Aufrechten Ganges. Hanning Schröder –ein

Verfemter rettet Verfolgte. Gespräch mit seiner Tochter

Nele Hertling und Gottfried Eberle

20.00 Gr.Saal: Chor desJungen Ensembles Berlin,

Konzerthausorchester Berlin, Gesangssolist*innen,

Ltg.Vinzenz Weissenburger,Michael Tippett: „A Child

of our time“,Oratorium für Soli, Chor und Orchester;

Leonard Bernstein: „Chichester Psalms“ für Chor und

Orchester

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

19.15: Einführung (Berliner Philharmoniker)

20.00: Berliner Philharmoniker,Rundfunkchor

Berlin, Kate Lindsey(Mezzosopran), AndrewStaples

(Tenor), Shenyang (Bassbariton), Ltg.Daniel Harding,

Musikfest Berlin, Hector Berlioz: „Roméo et Juliette“,

Symphonie dramatique für Soli, Chöre und Orchester

op. 17, Text vonÉmile Deschamps nach William

Shakespeare

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Pierre-Laurent Aimard (Klavier) &Yuko

Kakuta (Sopran),Musikfest Berlin, Franz Schubert:

Klaviersonate G-Dur op.78, „Fantasie“; Helmut

Lachenmann: „GotLost“, Musik für hohen Sopran

und Klavier,Texte vonFriedrich Nietzsche, Fernando

Pessoa und einer Annonce

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Zeltbühne im Foyer: Rotkäppchen undder Wolf

im Nachthemd, musikalische Erzählung (ab 4J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00: Als der Igel sagte: „Ich binschon hier!“, (ab 4J.)

Kolonialismus

Dürfen wir

Robinson noch

gern haben?

Kann man Daniel Defoes

vor 300 Jahren erschienen

Roman „Robinson Crusoe“

heute noch genießen? Versuchen

wir es mal mit dieser

Stelle: Der berühmte, durchaus

friedlich aufgelegte Schiffbrüchige

spricht den vor Kannibalen

(!) fliehenden Bewohner

einer Südseeinsel so an:

„Du Freitag. Ich Herr. Wir

Freunde.“ Der Weiße stellt die

Spielregeln auf, verteilt die

Rollen, und schon kann die

Freundschaft beginnen. Nur,

dass es zwischen Herren und

Sklaven keine Freundschaft

geben kann. Rassistisch und

kolonialistisch sind die Denkund

Handelsstrukturen bis

heute −vielleicht nicht ganz so

offensichtlich. Insofern sollte

man sich das Buch unbedingt

vorlegen und genau lesen. Der

Segellehrer und Theaterwissenschaftler

Rudolf Mast hat

es neu übersetzt und wird Rat

wissen. Ulrich Seidler

Robinson Crusoe −Überlebenskünstler

oderKolonial-Ikone? 20 Uhr,LiteraturforumimBrecht-Haus,

Chausseestr.125

Duo Diagonal −Deana Kozseyund Holger Ehrich spielen nicht nur seit zwanzig Jahren miteinander,sie sind auch verheiratet.

Männer muss man loben

– Frauen aber

auch!“, behauptet

Marga Bach. „Warum

kann es nicht einfach mal passen?“,

fragt sich Bodo Wartke. Eine „Beziehungskiste“

steht im Heimathafen

Neukölln, einen „Männerschlussverkauf“

veranstaltet das Galli-Theater.

Auf die Frage „Wie weiter zwischen

den Geschlechtern?“, die in

dieser Woche in dieser Zeitung diskutiert

wird, finden die Berliner

Kleinkunstbühnen ganz eigene, so

unterhaltsame wie anregende Antworten

und beweisen, dass hier zwischen

der „Ausweitung der Kampfzone“

àlaMichel Houellebecq und

den Mann-Frau-Plattheiten eines

Komikers wie MarioBarth noch sehr

viel Raum ist.

„Wirklich subversiv ist nur die

Liebe: Der ist gar nichts heilig.“ So

fasst Ulla Meinecke ihr Programm

zusammen, bei dem sie im Zebrano-

Theater Kurzerzählungen ihres dritten

Buches „Ungerecht wie die

Liebe“ mit sorgfältig umgedichteten

Cover-Stücken und eigenen Klassikern

kombiniert und dabei von ihrem

langjährigen Gitarristen Ingo

Torsten Wahl

mag„Bühnentiere“ wie Ulla Meinecke,

DannyDziuk, Bodo Wartke und

Constanze Behrends.

York begleitet wird. Spürten frühere

Songs wie „50 Tipps ihn zu verlassen“

(nach Paul Simon) oder eigene

Hits wie „Die Tänzerin“ oder „Der

Stolz italienischer Frauen“ noch unerfüllten

Sehnsüchten nach, so hat

die „Hardcore-Romantikerin“ mit

dem Stück „Wenn zwei zueinander

passen“ mittlerweile eine Nummer

im Programm, die ein eingespieltes

Paar feiert: „Sie können alles tun,

doch sie können es auch lassen –

wenn zwei zueinander passen.“

Geschrieben hat den schönen

Song vor 20 Jahren der Berliner

Songwriter Danny Dziuk, der in der

Wabe als „Lieblingsbühnentier“ von

Gastgeberin Johanna Zeul auf die

Bühne gebeten wird und auch andere

Stücke zum Thema beisteuern

kann. So fragt er sich etwa, warum er

von seiner Süßen immer auf die

Strafbank gesetzt wird. Das Motto

„Wenn zwei zueinander passen“

passt gut auf das eingeladene Comedy-Duo

Diagonal. Deana Kozsey

und Holger Ehrich spielen nicht nur

seit zwanzig Jahren miteinander, sie

sind auch verheiratet. Neben Dziuk

wird sich auch der stets einfallsreiche

Bodo Wartke ans Piano setzen,

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 8551) Late Night –Die

Show ihres Lebens 14.45; Once Upon aTime in...

Hollywood 17.00, 20.30

CinemaParis (✆ 881 31 19) Ein leichtes Mädchen

15.50, 20.30; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 18.10

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Und der Zukunft

zugewandt 15.15,17.50, 20.30

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Late Night –Die

Show ihres Lebens (OmU) 14.20, 16.40, 19.00,

21.20; Once Upon a Time in... Hollywood (OF)

16.50, 20.15; Synonymes 15.20, 18.00, 20.40;

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 17.30, 21.00;

Frau Stern 15.00,19.40; Synonymes (OmU) 17.00,

21.30;DiegoMaradona (OmU) 13.30,16.15; JFBB

– Jüdisches Filmfestival Berlin-Brandenburg: Fig

Tree (OmenglU) 19.00; JFBB –Jüdisches Filmfestival

Berlin-Brandenburg: Acre Dreams (OmenglU)

21.00; Die Agentin 14.00, 16.40; Und wer nimmt

den Hund? 14.40, 19.15; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 15.00, 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Die Agentin 18.00;

Mein Leben mit Amanda 20.15; Der Honiggarten:

Das Geheimnis der Bienen 17.00; JFBB – Jüdisches

Filmfestival Berlin-Brandenburg: Autonomies

(OmenglU) 19.00

Kant Kino (✆ 319 9866) Babykino: Gut gegen

Nordwind 11.00; Gut gegen Nordwind 15.00,

17.45, 20.30; Babykino: Gloria: Das Leben wartet

nicht 11.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 15.40; Gloria: Das Leben wartet nicht

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.20;

Das zweite Leben des Monsieur Alain 16.15; Die

Wurzeln des Glücks 18.30; Petting statt Pershing

20.45; Babykino: Rocketman 11.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.40, 15.15; Leid

und Herrlichkeit 17.30; Late Night –Die Show ihres

Lebens 15.30, 20.30

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Playmobil: Der

Film 13.40;Es: Kapitel II 16.00, 19.30; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.40; Once Upon a

Time in... Hollywood 17.00, 20.30; Gutgegen Nordwind

14.40; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 17.25;

Es: Kapitel II20.30; Der König der Löwen 14.30,

17.15; Angel Has Fallen 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood 22.50; Die drei !!! 14.45; Gut gegen

Nordwind 17.10, 20.00; Es: Kapitel II22.50;

Yesterday14.20;Angel HasFallen17.00; Der König

der Löwen 19.45; Es: Kapitel II 22.30; Gloria: Das

Leben wartetnicht 15.45;AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando18.05;LateNight –Die Show ihres

Lebens 20.30; Angel Has Fallen 23.00

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Das schönste

Paar 11.00; Made inChina (OmU) 12.30; Unsere

große kleine Farm –The Biggest Little Farm (OmU)

14.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

15.30; Es: Kapitel II17.00; Schwimmen (DFmenglU)

20.00; The Dead Don‘t Die (OmU) 21.45;

Eine moralische Entscheidung 11.00; Die Agentin

–The Operative (OmU) 12.45; Yesterday (OmU)

14.45; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

16.45; Mein Leben mit Amanda (OmU) 18.45; Es:

Kapitel II –It: Chapter Two(OF) 20.30; Endzeit (DFmenglU)

23.20; Free Solo (OmU) 11.00; Sunset –

Napszallta (OmU) 12.45; Cleo (OmenglU) 15.15;

Once Upon aTime in... Hollywood 17.00; Schwimmen

(DFmenglU) 20.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 22.25

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Frau Stern

14.15, 17.45; Und wer nimmt den Hund? 16.00;

Synonymes (OmU) 19.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 21.45; Congo Calling (OmU)

14.00; Super Friede Liebe Love 15.45; Thinking

Like aMountain (OmU) 17.30; Über Grenzen –Der

Film einer langen Reise 19.15; The Whale and the

Raven (OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.45, 17.30; Aladdin

13.45; Good Boys 13.50, 17.15, 20.15, 22.45;

Stuber –5Sterne Undercover14.00, 20.00, 23.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 14.00, 16.30,

20.30, 22.30; Gut gegen Nordwind 14.00, 16.30,

19.30, 22.30; Playmobil: Der Film 14.15; Meine

geliebte Unbekannte–Mon Inconnue (OmU) 14.15;

IMAX 3D: ABeautiful Planet 14.15; Fast &Furious:

Hobbs&Shaw14.20, 17.30,19.40, 22.50;Es: Kapitel

II 14.30,15.45,16.15,18.30,19.30,20.15,

23.15;Der König derLöwen 14.30;Good Boys (OF)

14.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.45, 16.45, 19.50; Late Night –Die Show ihres

Lebens 16.45; I Am Mother 17.00, 23.00; 3D:

Der König der Löwen 17.00, 20.00; Spider-Man:

Far From Home 17.15; Angel Has Fallen 17.20,

20.15, 23.15; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 19.15, 22.45; Es: Kapitel II–It: Chapter Two

(OF) 19.15,22.30; Crawl 20.40, 23.15; Annabelle

III 23.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Ich war zuhause,

aber... (OmenglU) 18.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.00; The Dead Don‘t Die

(OmU) 23.00; Synonymes(OmU) 18.00; Frau Stern

20.20; Berlin Bouncer (OmU) 22.00

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Gut gegen Nordwind

13.30, 16.30, 19.30; A Toy Story 13.30,

17.00; Pets II 13.45; Mein Lotta-Leben 13.50; Der

König der Löwen 14.00, 16.20; Playmobil 14.10,

16.50; Es: Kapitel II 15.15, 16.00, 19.15, 19.45;

Good Boys 16.40, 20.10; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.20; Fast &Furious 19.30; Angel Has

Fallen 19.40

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Und wer nimmt den

Hund? 14.00; Die drei !!! 16.00; Und der Zukunft

zugewandt 18.00; Leberkäsjunkie 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Gut gegen

Nordwind 14.15, 17.45, 20.20; Es II 14.15, 16.45,

19.30, 20.00; Playmobil 14.20, 17.10; 3D: Der

König der Löwen 14.30, 17.20; Good Boys 14.40,

17.40, 19.50; 3D: AToy Story 14.45; Der König

der Löwen 14.50, 17.00, 20.00; AToy Story 15.00,

17.30; Mein Lotta-Leben 15.10; Spider-Man: Far

From Home 16.50; Und der Zukunft zugewandt

17.30, 20.10; Once Upon aTime in... Hollywood

19.40; Fast &Furious 19.45;Angel Has Fallen20.30

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTime

in...Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; B Ein leichtes

Mädchen –Une fille facile (OmU) 17.15, 19.30,

21.45

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Prelude

17.45; Golden Twenties 18.00, 22.15; Synonymes

(OmU) 19.45, 21.45; Die untergegangene Familie –

Familia sumergida (OmU) 20.00

Moviemento (✆ 692 47 85) Der kleine Maulwurf

(1963-1975) 11.00; Ein leichtes Mädchen

13.00; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die

Charts (OmU) 15.15; Prelude 17.45; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 20.00; TelAviv OnFire

(OmU) 23.15; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 14.15; Benjamin Blümchen 16.30; Frau

Stern 18.45; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 20.45, 23.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 11.30, 14.45, 18.00, 21.15

Sputnik (✆ 694 11 47) Gloria: Das Leben wartet

nicht –Gloria Bell (OmU)16.00; Idioten der Familie

(DFmenglU) 18.00; Short Com: Kurzfilmprogramm

(OF) 20.00; Once Upon a Time in... Hollywood

(OmU) 22.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 16.00; Mein Leben mit Amanda (OmU)

18.00; Das Wunder imMeer von Sargasso (OmU)

20.00; Paranza (OmU) 22.00; Kinobar im Sputnik

Berlin Bouncer (OmenglU) 22.15

Yorck (✆ 78 91 32 40) Mein Lotta-Leben 14.45;

Ein leichtes Mädchen 17.45, 21.50; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.00; New Und der Zukunft

zugewandt 15.20,17.00, 19.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Good Boys 14.30,

17.45; Der König der Löwen 14.45, 17.15, 20.15;

Playmobil: Der Film 15.00; A Toy Story 15.15,

17.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

15.30; Es: Kapitel II 16.45, 19.45; Und der Zukunft

zugewandt 17.30, 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood 20.00; Angel Has Fallen 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Petting statt

Pershing 13.00, 20.00; Mein Leben mit Amanda

13.00, 17.45; Die Agentin 13.00, 20.15; Und der

Zukunft zugewandt 15.20, 17.30; Über Grenzen –

Der Film einer langen Reise 15.30; Und wer nimmt

den Hund? 18.00; Late Night –Die Show ihres Lebens

20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt amEastgate (✆ 93 03 02 60) Gut

gegen Nordwind 14.00, 16.45, 19.45; Good Boys

14.00, 17.20, 20.15; Der König der Löwen 14.00,

16.55; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00,17.15;Playmobil:Der Film 14.15;Benjamin

Blümchen 14.15; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.30; Es: Kapitel II 14.30, 16.15,

18.30, 20.15; Fast & Furious: Hobbs & Shaw

16.45, 19.45; Angel HasFallen 17.15, 20.00; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.45; 3D: Der König

der Löwen 19.45

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Kleiner Aladin und der

Zauberteppich 17.00; Und wer nimmt den Hund?

19.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

20.45; Kleine Germanen (OmenglU) 18.00; Die

untergegangene Familie –Familia sumergida (OmU)

19.30; Liebesfilm (OmenglU) 21.15

Babylon (✆ 242 5969) 60‘s Italia: Der Job –Il

posto (OmenglU) 18.00; 60‘s Italia: Mamma Roma

(OmU) 18.00; 60‘s Italia: Blow Up(OF) 20.00; CinemaIndonesia:

Kulari kepantai –Run to the Beach

(OmenglU) 20.00; The Dead Don‘t Die (OmU)

22.15; 60‘s Italia: Die rote Wüste –Ildeserto rosso

(OmenglU) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73)

Es: Kapitel II–It: Chapter Two (OF) 10.30, 13.45,

17.00, 20.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 12.15, 16.30; Yesterday (OmU) 14.15,

21.00; Die Wurzeln des Glücks –Holy Lands (OmU)

18.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Benjamin

Blümchen 11.00; Playmobil: Der Film 11.10,

14.10; Gut gegen Nordwind 11.15, 13.50, 16.45,

19.40, 22.40; Spider-Man: Far From Home 11.20;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 11.30,

14.00, 16.40; Der König der Löwen 12.10, 14.20,

16.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

12.20; Es: Kapitel II 12.30, 15.15, 16.15,

19.00,20.00,22.10,22.50; Pets II 13.30,15.45;

Once Upon aTime in... Hollywood 13.45, 17.00,

19.30, 22.50; Good Boys 14.40, 17.30, 20.30;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 17.10, 19.50,

23.10;3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

18.00; 3D: Der König der Löwen 19.15, 23.00;

Angel Has Fallen 20.15, 23.15; Crawl20.40, 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Der Honiggarten: Das Geheimnis

der Bienen –Tell It to the Bees (OmU) 17.00,

19.15; Gloria: Das Leben wartet nicht – Gloria

Bell (OmU) 21.30; Frau Stern (DFmenglU) 14.45,

17.45; Premiere: Idioten der Familie (m. Gästen)

20.00; Ein leichtes Mädchen – Une fille facile

(OmU) 22.15; Paranza: Der Clan der Kinder –La

paranza dei bambini (OmU) 14.15; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 16.45, 20.00; Blinded

by the Light (OmU) 14.30; Ein leichtes Mädchen

–Une fille facile (OmU) 17.00,21.15; Late Night –

Die Show ihres Lebens (OmU) 19.00; Golden Twenties

(DFmenglU) 14.45; Und der Zukunft zugewandt

16.45, 19.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.15

International (✆ 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 15.00, 17.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Experiment inTerror

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Es: Kapitel II14.00, 16.45, 19.30, 20.30, 22.40;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00,

16.45; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.10; Gut gegen Nordwind 14.10, 17.00,

19.55, 22.50; Spider-Man: Far From Home 14.15;

Der König der Löwen 14.15, 17.40, 20.00; Playmobil:

Der Film 14.20, 17.00; Pets II 14.30; Good

Boys 14.30, 17.05, 19.50; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw16.30,19.30, 23.00; Aladdin16.35; Angel

Has Fallen 16.50, 23.05; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.30, 22.50; Es: Kapitel II–It: Chapter

Two(OF) 19.30,22.45; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 20.30; Annabelle III 23.05

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Babykino: Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 10.30; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 12.50; Diego Maradona

(OmU) 15.50; Mein Leben mit Amanda (OmU)

18.15; Synonymes (OmU) 20.15; Die Agentin –The

Operative (OmU) 22.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50)Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.00, 20.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 17.00, 20.20; Gut gegen Nordwind

17.30,20.00; Frau Stern 16.40; Diego Maradona

(OmU) 18.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.15

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Es: Kapitel II –It: Chapter

Two (OF) 17.00, 20.30; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 17.30; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmenglU) 19.30, 22.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 17.45, 21.15;

Synonymes (OmenglU) 18.00, 20.50; Late Night –

Die Show ihres Lebens (OmU) 17.45, 20.00, 22.15

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Good Boys 14.00,17.25;AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 14.00, 16.50; Der König der Löwen

14.10, 17.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.30; Gut gegen Nordwind 14.35,

16.30, 19.50; Es: Kapitel II 15.00, 16.15, 19.00,

20.00; 3D: Der König der Löwen 19.30; Fast &Furious:

Hobbs&Shaw19.40;OnceUpon aTime in...

Hollywood 20.10

Wolf (✆ 921 03 93 33) Synonymes (OmenglU)

12.00; Ein leichtes Mädchen – Une fille facile

(OmU) 12.00, 21.20; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 13.50; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 14.40, 21.10; Kiriku und die Zauberin

16.10; Synonymes (OmU) 18.40; Das Wunder im

Meer von Sargasso –Tothavma tis thalassas ton

Sargasson:The Miracle of the Sargasso Sea (OmU)

19.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Und der

Zukunft zugewandt 18.00, 20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Gut gegen

Nordwind 15.00, 17.40, 20.20; Und der Zukunft

zugewandt 15.30, 18.00,20.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.15; Ein leichtes

Mädchen 17.20, 19.30, 21.30; Once Upon aTime

in... Hollywood 16.40, 20.00; AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 14.30, 16.00; Diego Maradona

(OmU) 18.10; Und wer nimmt denHund? 20.50


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 25

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Tagestipp

KALENDER

OLIVER HAAS

dessen „Liebeslied“ in immer neuen

Sprachen bei YouTube mittlerweile

fast vier Millionen Mal abgerufen

wurde und der in „Happy End“ das

Gegenstück parat hat: „Warum kann

es nicht einfach mal passen?“

Berlinische Lobeshymnen auf

den Mann schmettert Marga Bach

in ihrem Mundart-Theater –natürlich

sind die Komplimente für die

„Spaghettikavaliere“ mitunter vergiftet.

In ihrem Programm „Männer

muss man loben – Frauen aber

auch“, bei dem sie von Wolfram

Lauenburg am Klavier begleitet

wird, bringt die Chefin der „Berliner

Schnauze“ Klassiker von Otto Reutter,

Erich Kästner und Georg Kreisler

auf den neuesten Stand, findet

Anregungen aber auch bei jüngeren

Kolleginnen wie Annett Louisan:

„Ich hab dein Ding gepostet“.

Wie Tinder, Smartphones und

Life-Coaches den modernen Reigen

beeinflussen, das zeigt Constanze

Behrends, Autorin, Regisseurin und

Darstellerin in ihrem Stück „Beziehungskiste“

im Heimathafen Neukölln.

In gleicher Multifunktion hatte

sie ja schon ihr Weddinger Prime-

Time-Theater mit der Soap „Gutes

Wenn

zwei

zueinander

passen

Berliner Kleinkunstbühnen

BÜHNE

Ulla Meinecke Ungerecht wie die Liebe:

12. und 13.9., 19.30 Uhr im

Zebrano-Theater

Johanna Zeul Lieblingsbühnentiere mit

Bodo Wartke,DannyDziuk und dem Duo

Diagonal: 12.9., 20 Uhr in der Wabe

MargaBach Männer muss man loben −

Frauen aber auch: 13.9., 20 Uhr im

Berliner Mundart-Theater

Beziehungskiste 13. und 14.9., 19.30

Uhr Heimathafen Neukölln

Männerschlussverkauf 12.9., 20Uhr;

So, 15.9., 19 Uhr,Galli-Theater Berlin

spielen gern mit

Geschlechterrollen

Wedding, schlechtes Wedding“ angetrieben.

Auch in der„Beziehungskiste“

wechseln rasch Kulissen und

Figuren. Im Bett liegen mal zwei

Jungs auf Klassenfahrt, mal ein Elternpaar,

dessen Tantra-Sex jäh unterbrochen

wird, weil die Hörspiel-

Kassette des Sohns zu Ende ist.

Neben Constanze Behrends steigen

Javeh Asefdjah sowie Tom-Veit

Weber und Tobias Wollschläger in

immer neuen Rollen auf die Matratze.

Ob Drogendealer, Knasti,

Transe oder Psychologin –„Beziehungskiste“

vereint die komplette

Neuköllner Mischung.

Ein Frauenduo bestreitet den

„Männerschlussverkauf“ –seit über

zwanzig Jahren der Klassiker im Galli-

Theater. Sina Haarmann spielt Frau

Mang, die auch im reiferen Alter nicht

aufgegeben hat, nach ihrem „Traummann“

zu suchen und deshalb Psychologin

Möbenbach (Marion Martinez)

aufsucht. Die versucht, ihre Klientin

mit immer neuen grotesken

Schreckensbildern von ihren Illusionen

über den Mann zu befreien. Ob

Cowboyoder Champion, Hippie oder

Punk –lachhaft sind sie alle. Aber ob

das alles noch passt?

Pop

Yéyé,

yéyé

Cinema

Keine Musik mehr,nie mehr

tanzen? Schon möglich,

dass Brezel Göring und

Françoise Cactus die Fans mit

ihrem Trailer zum neuen Album

erschrecken wollten. Natürlich

ist es genau umgekehrt.

Das schöne Klangprodukt mit

dem Titel„Ah Quel Cinema“ ist

voller Rhythmen und schöner

Ideen. In gewohnt subtiler

Popattitüde, die ihre Wurzeln

der französischen Yéyé-Yéyé-

Musik weder leugnen kann

noch will, haben sie sich das

Einfache und Naheliegende

wieder ein bisschen anders zurechtgelegt.

„Ich bin cool“,

singt Françoise Cactus oder:

„Cinemaskope“. Ein anderes

Stück handelt vom Freiheitsdrang

der Dachkatze, das nach

„Miau, miau“ immerhin schon

das zweite KatzenstückimRepertoire

von Stereo total ist.

Wer Cactus und Görung darauf

festlegen will, darf sich im

Kreuzberggerneines Besseren

belehren lassen. HarryNutt

Stereo total 20.30 Uhr,Festsaal

Kreuzberg,AmFlutgraben 2

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

10.00: Bremer Stadtmusikanten, RikeSchuberty,

On the road mit Esel, Hund, Katze und Hahn in 4

Sprachen (ab 4J.)

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Alle außerdas Einhorn(ab 11 J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

11.00: Ankommen is WLAN, musikalischeEnsembleproduktion

(ab12J.)

Theater Adlershof (✆ 23 93 45 79)

10.00: Pack schnell ein undfahr mit ‚m Schiff!,

Kindertheater Woffelpantoffel, maritimes Mitmachtheater

(ab 3J.)

Theater an derParkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Die fürchterlichen Fünf (ab 5bis 9J.)

Varia Vineta (✆ 43 72 32 44)

16.00: Rapunzel (ab 3J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

American Academy (✆ 804 83 -0)

19.30: AReading from The Organs of Sense, Adam

Ehrlich Sachs, in engl. Sprache. Anm. erf.

Babylon Mitte (✆ 242 59 69)

19.30: 65 mal Glück, Luise Lamprecht, Roman

Schomburg und SiirEloglu, am Klavier:Liam Laubinger,

Tanz: Warwara Nazarova

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

19.30: Mit Gedichten durch die norwegische Galaxis,

Terje Dragseth, Marte Huke, Ruth Lillegraven, Daniela

Seel

Helene-Nathan-Bibliothek (✆ 902 39 43 42)

18.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Nachtsendung“,

Kathrin Röggla, Lesung und Gespräch

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

20.00: Und ich war da, Martin Beyer, Buchpremiere

und Gespräch

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Gegen Morgen, Deniz Utlu, Buchpremiere,

Moderation: Thorsten Dönges

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

19.00: 19. Internationales Literaturfestival: Dissidentisches

Denken. Reisen zu den Zeugen eines

Zeitalters, MarkoMartin, Lesung und Gespräch

21.00: 19. Internationales Literaturfestival: NewGerman

Voices: „Gelenkedes Lichts“ /„Kintsugi“, Emanuel

Maeß, Miku Sophie Kühmel, Lesung und Gespräch

ocelot, not just another bookstore

(✆ 97 89 45 92) 20.00: Das flüssigeLand,

Raphaela Edelbauer,Lesung und Gespräch, Mod.:

Maria-Christina Piwowarski

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Aufschrei der Meere, Hannes

Jaenicke, Buchpremiere

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Kurt Tucholsky.Frauen sind eitel. Männer?

Nie!, Marina Erdmann, Musik: Jörg Miegel (Saxophon)

tik –Theater im Kino (Nord) (✆ 29 00 03 70)

20.00: Wieeinmal ein Bagger auf mich fiel, René

Marik, Vorpremiere mit Musik

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.00: EU Women –Geschichten vonFrauen aus

Europa, offene Lesebühne. Anm. erf.

KONZERT

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

20.00: Machine Gun Kelly

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Sebastian Böhlen Quartett

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.00: Fletcher

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.30: JeffreyLewis &Los Bolts

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.15: Faelder (Rock &Pop)

Café Lyrik (✆ 44 31 71 91)

19.30: Trio Scho

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: Straight No Chaser,The Open Bar

DODO (✆ 53 09 40 72)

20.00: Rob Crouch &Mr. Moe

Duncker (✆ 445 95 09)

21.00: MuddyOrchid /Scream Of The Butterfly,

Gnadenlos Kostenlos

Junction Bar (✆ 694 66 02)

21.00: RapidWhiskyTrain

Kleine Weltlaterne (✆ 892 65 85)

21.00: Rufus Temple Orchestra &Claus Jakobi

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Sam Outlaw, Lydia Luce

Museum für Islamische Kunst (✆ 20 90 54 01)

19.30 Mschatta-Saal: Mschatta-Lounge: Masaa

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.30: Wintersleep

Prachtwerk Berlin (Ganghoferstr.2)

20.00: Stahlhammer Klezmer Classic Trio

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

21.00: Ami Warning

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: Weissbrotsoul

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Matthias Boguth (voc), Philip Frischkorn(p),

Stephan Deller (b), Philipp Scholz (dr),Milk Wood

SO36 (✆ 61 40 13 06)

19.30: Adept, Aviana, Dead Like Juliet

Tempodrom (✆ 69 53 38 85)

20.00: Wilco

Werkstatt der Kulturen (✆ 609 77 00)

19.00: Kurdophone, Airy, Faya,L’Oud Whispers,

Yazkah, 2. creole global

19.00: Amalaya,Japal, OKO,FlowBeatz, Ahmed

Mounib Band, Superrocket 3000, 2. creole global

Yaam (✆ 615 13 54)

20.00: Non Phixion

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: Anat FortTrio

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

20.00: ChristophSchenker

CLUB

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

22.00: Säule, JoseyRebelle

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Damn Berlin, Danetic

Duncker (✆ 445 95 09)

23.00: AftershowParty,Eggs Delicious

Junction Bar (✆ 694 66 02)

23.30: DJaneB.B.

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

23.00: EverybodyDance Now!, Funky Henning

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: ADS –Art Destroys Silence, Mijk vanDijk,

10cars, ATAP

Mokum (Danziger Str.56)

22.30: ThursdayRockbar,John Crow

SageClub (✆ 278 98 30)

21.00: Rock At Sagefeat. KornRelease Party: Lord

Bishop /Tochter (live), Kate Kaputto, Sylvia &Toxic

Twin, Farina Fertig,Arvid

Solar Berlin (✆ 016 37 65 27 00)

14.00: Soulful Sunset presents DJ Soulspy

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.00: Chantals House of Shame

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Cha Cha, Walzer &Co, Evan, Josefina, Sascha

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

21.30: Red Rhythm –Swing Dance Night

Kulturbrauerei/Soda (✆ 44 31 51 55)

19.00: SodaSocial Club,mambo One, Fabinho FM,

Andrew, El Puma DJ

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Salsa,Flori, Wilber und Naudy

KINO

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 0200)

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 13.45, 16.50,

20.30; Der König der Löwen 13.45, 17.20; Gut gegen

Nordwind 13.50, 16.40, 19.30, 22.40; Mein

Leben mit Amanda 14.00, 19.00; Late Night –Die

Show ihres Lebens 14.00; Playmobil: Der Film

14.20; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.20; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.30, 16.30; Gloria: Das Leben wartet nicht

16.30; Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen

16.30; Und der Zukunft zugewandt 16.40, 19.15;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.45,

20.15, 21.50; Ein leichtes Mädchen 19.00; Es:

Kapitel II 20.00, 22.20; Der König der Löwen –The

Lion King (OmU) 21.20; Leid undHerrlichkeit21.30

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Frau Stern 19.00; Über

Grenzen –Der Film einer langen Reise 20.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Rote Räte- Die

bayrische Revolution aus der Sicht von Augenzeugen

17.00; Schwimmen (OmenglU) 18.00; Ich war

zuhause, aber...19.45

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Gut

gegenNordwind 14.15, 17.05,20.00, 22.45; Good

Boys 14.15, 16.50, 19.45,22.40; Benjamin Blümchen

14.15; Der König der Löwen 14.25, 17.10;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30, 17.00, 19.55; Playmobil: Der Film 14.40;

Es: Kapitel II 14.40, 16.25, 18.30, 19.40, 22.20;

Die drei !!! 14.45; Once Upon aTime in... Hollywood

14.50, 16.30, 19.10, 22.25; Spider-Man:

Far From Home 17.05; Late Night –Die Show ihres

Lebens 17.10, 20.00; 3D: Der König der Löwen

19.35; Angel Has Fallen 19.50, 22.45; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 20.05, 22.30; Crawl 22.40;

Little Monsters 22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 3004)

Late Night –Die Show ihres Lebens 15.00, 20.05;

Und der Zukunft zugewandt 17.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Yesterday 18.00; Leid

und Herrlichkeit 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30,20.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) Der Honiggarten: Das

Geheimnis der Bienen –Tell Ittothe Bees (OmU)

18.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Playmobil:

Der Film 10.00, 11.55, 14.40; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.00; Der

König der Löwen 10.00,12.05,14.45,20.00; Benjamin

Blümchen 10.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 10.00, 12.30, 14.15,17.30; Pets

II 12.30; Gutgegen Nordwind 14.15, 17.00, 20.00,

23.00; Es: Kapitel II 15.10, 16.45, 19.00, 20.30,

22.45; Good Boys 17.10, 23.00;OnceUponaTime

in... Hollywood 19.30, 22.50

Kino imKulturhaus Spandau (✆ 333 6081) Und

wer nimmt den Hund? 16.00; So wie dumich willst

18.00; Leid und Herrlichkeit 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Gut gegen Nordwind

14.30, 17.30, 20.30

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520)

Playmobil: Der Film 10.00, 12.10, 14.20, 17.55;

Pets II 10.00, 12.30, 14.40; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 10.00, 11.55, 14.15; Die

drei !!! 10.00,12.00; Der König der Löwen 10.00,

14.15, 16.30, 20.40; Benjamin Blümchen 10.00,

12.05; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

10.00, 12.25, 14.50, 17.20; Good Boys 11.55,

14.15, 16.55, 19.30, 23.00; Es: Kapitel II 14.15,

16.40, 19.30, 20.15, 23.00; Spider-Man: Far

From Home 16.55; Once Upon aTime in... Hollywood

17.05, 20.30, 22.00; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 19.55; National Theatre London: Fleabag

20.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Mein Lotta-

Leben –AllesBingomit Flamingo! 15.00;Der König

der Löwen 15.30, 18.00, 20.30; Playmobil: Der

Film 15.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.45, 18.00; Es: Kapitel II17.00, 20.30;

Gut gegen Nordwind 18.00, 20.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Frank Borzage: Humoresque

(EngZt; m. Live-Klavierbegleitung) 20.00;

Lutz Mommartz: Kurzfilmprogramm (teilw.OmenglU)

19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Gut gegen Nordwind 12.30, 14.00, 16.30, 19.45,

23.00; Es: Kapitel II 12.30, 14.00, 16.00, 17.15,

19.00, 20.15, 21.15, 22.10; Der König der Löwen

12.30, 14.00, 17.10, 19.00; 3D: Der König der Löwen

13.00, 16.20, 19.20, 22.30; Aladdin 13.00;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 13.30, 17.00,

20.30, 22.40;

Angel Has Fallen 13.30, 16.30, 19.30, 22.40;

Good Boys 13.50, 16.50, 19.40, 23.00; Pets II

14.00; Ein leichtes Mädchen 14.00, 17.30, 20.00;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00;

Und der Zukunft zugewandt 14.30, 16.45, 19.45;

Playmobil: Der Film 14.30; MeinLotta-Leben–Alles

Bingo mit Flamingo! 14.30; Spider-Man: Far From

Home 14.50, 19.30, 22.30; Once Upon aTime in...

Hollywood 15.00, 16.30, 18.15, 20.15, 22.20;

Late Night –Die Show ihres Lebens 16.15, 20.10;

Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen 16.15;

3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

17.00; Paranza: Der Clan der Kinder 17.10; Gloria:Das

Lebenwartet nicht 19.10; Yesterday 20.10;

Stuber –5Sterne Undercover 22.00; Die Agentin

22.00; John Wick: Kapitel III 22.30; Annabelle III

22.45; IAm Mother 22.50; Crawl 23.00

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Late Night –Die Show ihres Lebens (OF) 13.30; Es:

Kapitel II –It: Chapter Two(OF)13.30, 16.30, 20.15,

22.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando –

Toy Story IV(OF) 13.50, 17.00, 20.25; Playmobil:

Der Film –Playmobil: The Movie (OF) 14.15; Der

König der Löwen –The Lion King(OF)14.15,16.10,

19.10; Fantasy Filmfest 2019: Papa, sdokhni –Why

Don‘t You Just Die! (OmenglU) 14.15; Once Upon

aTime in... Hollywood (OF) 15.00, 17.45, 19.00,

21.45, 23.00; Fantasy Filmfest 2019: Harpoon

(OF) 16.15; Good Boys (OF) 17.15; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw (OF) 17.20, 23.10; Fantasy Filmfest

2019: The Professor and the Madman (OF) 18.00;

Angel Has Fallen (OF) 19.45,22.50; Sneak Preview

(OF) 20.00; Fantasy Filmfest 2019: Diner –Diner

daina (OmenglU) 20.30; 3D: Der König der Löwen

–The Lion King (OF) 22.10; Fantasy Filmfest 2019:

Dachra (OmenglU) 23.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 11.00, 15.00, 19.00; Es:

Kapitel II 22.50

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Congo Calling

(OmU) 19.45; Synonymes (OmU) 21.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Playmobil: Der Film 14.00,

16.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.00, 16.00; Benjamin Blümchen 14.00; Pets

II 14.30;AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30, 17.15; Good Boys 16.00, 18.00, 20.15,

22.30; Es: Kapitel II 16.30, 18.00, 20.15, 22.00;

Angel Has Fallen 18.00, 20.00, 22.30; Once Upon

aTime in... Hollywood 20.30

Casablanca (✆ 6775752) MeinLeben mit Amanda

18.15; Bohemian Rhapsody 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Good Boys 14.00, 17.15, 20.10, 23.00; A Toy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.00, 16.30; Und

der Zukunft zugewandt 14.15, 17.30, 19.45; Gut

gegen Nordwind 14.15,16.50, 19.50,22.40; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.20; Der

König der Löwen 14.25, 16.45, 20.10; Es: Kapitel

II 15.00, 16.15, 19.00, 20.00,22.00,23.00; Once

Upon aTime in... Hollywood 15.30, 19.15, 22.20;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.05; Angel Has

Fallen 19.50, 22.45; John Wick: Kapitel III 22.45;

Crawl 23.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.00;

Der König der Löwen 14.00, 17.45, 19.30; Playmobil:

Der Film 14.10; Es: Kapitel II 14.10, 16.45,

19.30, 20.20, 23.00; Gut gegen Nordwind 14.15,

17.00, 20.00, 22.50; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.15, 16.50; Pets II 14.45; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 16.30; Angel Has Fallen

16.30, 22.50; GoodBoys17.00, 20.30; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 19.15; Once Upon aTime

in...Hollywood 19.30, 22.15; Annabelle III 23.00

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Schwimmen

19.00; Once Upon a Time in... Hollywood

(OmU; mit Vorfilm) 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) The Whale and the

Raven (OmU) 19.00; Dark Circus 21.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00)Und der Zukunft zugewandt

12.15; Gut gegen Nordwind 14.45, 17.30,

20.15; Gut gegen Nordwind 10.45; Benjamin

Blümchen 13.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 15.45; Und der Zukunft zugewandt

18.00, 20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Prelude16.00;

So wie du mich willst 18.00; Synonymes 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) KiFiMo: Planet

Deutschland: 300 Millionen Jahre 14.30; Leid und

Herrlichkeit 18.00; Und wer nimmt den Hund?

20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Die drei !!! 16.00; Das zweite

Leben des Monsieur Alain –Unhomme presse

(OmU) 18.00; Das Ende derWahrheit (OmU) 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Und der Zukunft zugewandt

15.45,20.30; Und wer nimmt den Hund? 18.15

FREILUFTKINOS

Freiluftkino Friedrichshagen (✆ 65 01 31 41) Ich

bin dann mal weg 20.00

Open-Air-KinoSchlossparkBiesdorf (✆ 998 74 81)

Und der Zukunft zugewandt 20.10

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Effi

Briest (1972-1974) 17.00; Schach von Wuthenow

19.30

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Idioten

der Familie 13.45, 20.45; Im Land meiner Kinder

13.45; The Whale and the Raven (OmU) 14.00;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.00, 16.15; ÜberGrenzen–Der Film einer langen

Reise 15.45, 18.15; Und der Zukunft zugewandt

16.00, 18.15, 20.45; Gloria: Das Leben wartet

nicht 16.15; Und wer nimmt den Hund? 18.30;

Frau Stern18.30; Once Upon aTimein... Hollywood

(OmU) 20.30; Mein Leben mit Amanda 20.30

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 13.40;

Der König der Löwen 13.45, 16.35; Benjamin

Blümchen 13.50; Playmobil: Der Film 13.55; Gut

gegen Nordwind 14.00, 17.00, 19.55; Good Boys

14.10, 16.50, 19.40; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.20; Es: Kapitel II14.20,

16.10,19.00, 20.15; Once Upon aTime in... Hollywood

16.15, 19.50; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

16.30; Angel Has Fallen 17.00, 20.00; Sneak Preview

20.00; 3D: Der König der Löwen 20.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Der König

der Löwen 14.45; Gut gegen Nordwind 17.20,

20.15

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 03375/469777)

Und der Zukunft zugewandt 17.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.30

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 0200) Playmobil:

Der Film 14.30, 17.00; Pets II 14.30; Es: Kapitel

II 14.30, 16.45, 19.30, 20.15; 3D: Der König der

Löwen 14.30, 17.15, 19.50; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.30, 17.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.40, 17.00; Die

drei !!! 14.40; Gut gegen Nordwind 14.45, 16.50,

20.20; Good Boys 15.00, 18.15, 20.30; Der König

der Löwen 15.00, 17.40; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 17.00, 20.10; Angel Has Fallen 17.30,

20.20; 3D: Avengers: Endgame 19.30; Once Upon

aTime in... Hollywood 19.40; Stuber –5Sterne Undercover

20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Mein

Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! 15.00;

Playmobil: Der Film 15.15; Der König der Löwen

15.30; Es: Kapitel II 17.00, 20.15; Gut gegen Nordwind

17.30, 20.30; Good Boys 18.15; Once Upon

a Time in... Hollywood 20.30

filmpalast Eisenhüttenstadt (✆ 03364/40 83 10)

Es: Kapitel II 16.30, 19.30; Und der Zukunft zugewandt

17.00, 19.45; Gut gegen Nordwind 17.00,

20.00; Der König der Löwen 17.15; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Der König der Löwen 14.45, 17.15; Playmobil: Der

Film 15.00; Gut gegen Nordwind 15.10, 17.30,

20.15; A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.15; Es: Kapitel II 17.00, 20.00; Und der Zukunft

zugewandt 17.45; Angel Has Fallen 19.45; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 20.20

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) A Toy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.00; Und

der Zukunft zugewandt 20.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.45; Es: Kapitel II

17.00, 20.30

Kammerspiele Kleinmachnow (✆ 03 32 03/84 75 84)

3D: Der König der Löwen 15.00; Gloria: Das Leben

wartet nicht 17.15; Und der Zukunft zugewandt

19.00

Scala Kulturpalast Werder (✆ 033 27/462 31 75)

Playmobil:Der Film 13.00; Gloria: DasLeben wartet

nicht 15.00

Union Neuruppin (✆ 033 91/50 96 96) Der König

der Löwen 15.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 15.00, 17.20; Playmobil: Der

Film 15.10; Es: Kapitel II 17.10, 20.00; Effi Briest

17.15; Once Upon aTime in... Hollywood 19.45;

Angel Has Fallen 20.20

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Spatzenkino

9.30; Und wer nimmt den Hund? 16.15;

Wir sind Champions 18.00; Über Grenzen –Der

Film einer langen Reise 20.15

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 033 71/40 16 41)

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 15.25;

Playmobil:Der Film 15.30;MeinLotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.30; Es: Kapitel II 17.20,

19.45; Der König der Löwen 17.25; Gut gegen

Nordwind 17.30, 20.00; Good Boys 20.30

Union Prenzlau (✆ 039 84/80 1721) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.15; Es:

Kapitel II 19.30; Playmobil: Der Film 14.55; Es: Kapitel

II 17.00; Angel Has Fallen 20.15; Der König

der Löwen 14.55, 17.20; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.45


26 Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Netzwerk

WERKSTATT

Immer Ärger

mit den

E-Mails

VonAdrian Lobe

Man kennt das Gefühl: Man ist

ein paar Tage nicht im Büro,

und nach der Rückkehr quillt das

Postfach über. Mails vom Chef,

Spam, Einladungen zu Events, Anfragen,

die sich längst erledigt haben

oder,besonders nervig, Ketten-Mails

nach dem Muster „Re: AW: Re: AW:

Re: AW“. Als im Jahr 1971 die erste

Mail verschickt wurde,war das in der

Informatikwelt eine Verheißung.

Keine lästige Post mehr,weniger Anrufe.

Dieelektronische Post hat sich zu

einer wahren Pandemie im globalen

elektronischen Dorf entwickelt: 281

Milliarden E-Mails wurden allein im

vergangenen Jahr versendet – pro

Tag. Und das, obwohl knapp die

Hälfte der Weltbevölkerung noch

immer keinen Internetzugang hat.

Auch Alternativen wie Whatsapp-

Gruppen oder die Bürosoftware

Slack, deren Gründer StewartButterfield

Mails einmal als „Kakerlaken

des Internets“ bezeichnet hat, können

die Kommunikationsflut nicht

eindämmen.

Seit den 1990er-Jahren werden

Mails sogar gezielt als Waffe eingesetzt.

Angreifer verschicken Tausende

Mails an einen Empfänger,sodass

die Server überlastet sind und

das Postfach blockiert wird. Cyberkriminelle

machen sich die Technik

zunutze, um während der langen Ladezeit

geheime Transaktionen

durchzuführen. Aber auch für politische

Sabotageakte werden E-Mail-

Bomben abgeworfen: So legten Hacker

2017 das Postfach des Recherchebüros

ProPublica für einen Tag

lahm. 2012 trollte der Netzaktivist Linus

Neumann den Springer-Verlag,

indem er der Verbreitung der Gratis-

Bild-Zeitung mit einem Schreiben

widersprach. MehrereTausend Leser

schlossen sich der Aktion an und

überfluteten die Posteingänge der

Verlagsmitarbeiter.

E-Mails gelten als der Produktivitätskiller

schlechthin. Laut einer Studie

von McKinsey kostet die Ablenkung

durch E-Mails und soziale Medien

die US-Volkswirtschaft jährlich

rund eine Billion Dollar. Die Informatikprofessorin

Gloria Mark hat

herausgefunden, dass Büroarbeiter

alle drei Minuten durch E-Mails abgelenkt

werden. Nach einer Unterbrechung

dauert es23Minuten, bis

sich der Angestellte wieder konzentriert

seinen Aufgaben widmen

kann.

Derfranzösische IT-Anbieter Atos

hat schon vorein paar Jahren Konsequenzen

gezogen und E-Mails für

den internen Kommunikationsverkehr

abgeschafft. Bei Unternehmen

wie Daimler oder Volkswagen werden

Dienstmails, die nach Feierabend

oder während der Urlaubszeit

eingehen, automatisch gelöscht. Allein

durch Löschen und Blockieren

wirdman das Problem aber nicht lösen.

Die charmanteste Idee im

Kampf gegen die E-Mail-Flut und

Spam erscheint ein digitales Porto,

wie es Yahoo-Forscher bereits vor

zehn Jahren vorgeschlagen haben:

Wenn man auch für einen elektronischen

Brief 60 Cent bezahlt, überlegt

man sich zweimal, ob man den Inhalt

abschickt.

Adrian Lobe

versucht im Urlaub,eigentlich

keine Mails zu checken.

Sascha Lobo gilt als sensibler

Beobachter gesellschaftlicher

und digitaler Entwicklungen.

Gerade hat er sein

neues Buch „Realitätsschock“ veröffentlicht,

in dem es um Veränderungen

der Welt durch die Globalisierung

und Digitalisierung geht.

Herr Lobo, die Süddeutsche Zeitung

hat Sie als „digitale Schnittstelle“ beschrieben.

Sehen Siesich auch so?

Aufs Zwischenmenschliche übertragen,

würde man wohl eher Übersetzer

sagen. Es geht um die Verständigung

von Menschen, die im eher

analog geprägten 20. Jahrhundert

groß geworden sind und denjenigen,

die im eher digital geprägten 21. Jahrhundertaufwachsen

und deshalb einenVorsprung

haben.

Um das gleich zu sagen: Aus meiner

Sicht ist es schon ein Luxus, wenn man

das Digitale gar nicht braucht, um im

21. Jahrhundertklarzukommen.

DieGespräche,die sich um Reduzierung,

Verzicht oder Digital Detox

drehen, werden meist von Leuten

geführt, die sich aussuchen können,

ob sie soziale Medien nutzen oder

nicht. Die junge Generation kann

das nicht. DasSozialleben der Unter-

30-Jährigen funktioniert nur, wenn

sie sich auf soziale Medien einlassen.

Sienutzen verschiedene Kanäle und

tun das aus meiner Sicht ziemlich

souverän, souveräner als die allermeisten

Erwachsenen. Faktisch gibt

es eine Freiwilligkeit da nicht mehr.

JaronLanier,immerhin ausgezeichnet

mit dem Friedenspreis des deutschen

Buchhandels, fordert ineinem Buch

seine Leser trotzdem auf, alle Social-

Media-Accounts sofortzulöschen.

Das sind Positionen der Privilegierten.

Wenn man über 60 Jahre alt

ist und eine C-3-Professur besitzt,

kann man sagen, dass Digitale interessiertmich

nicht. Oder wie UliHoeneß

erklären, dass man noch nie im

Internet war.Der Präsident vonBayernMünchen

müsste eigentlich hinzufügen:„Weil

ich meine Leute dafür

habe.“ Die Teilnahme am 21. Jahrhundert

bedeutet für viele, dass sie

nur Geld verdienen und mitreden

können, wenn sie das Instrumentarium

beherrschen und im Netz sichtbar

werden –und da möchte ich die

junge Person sehen, die sagt, den

ganzen Digitalquatsch mache ich

nicht mit.

Ein anderer Punkt sind die Einflüsse

der sozialen Medien auf die Politik,

der wütend-twitternde US-Präsident

und die Folgen des Brexit-Referendums

sind nur zwei Beispiele.

Entwicklungen wie der Brexit

weisen auf den Realitätsschock hin.

Kaum jemand hat mit diesen Entwicklungen

gerechnet. Weder in der

Politik, die doch Strategien für die

Zukunft bauen will, noch die Medienleute,die

die Welt gerne einsortieren.

Noch kurz vor dem Wahltag in

den USA haben führende Medien erklärt,

dass die Wahrscheinlichkeit,

dass Hillary Clinton zur US-Präsidentin

gewählt wird, bei über 90 Prozent

liege.Dass dann Donald Trump

gewann, das nenne ich Realitätsschock:

Wir wurden damit konfrontiert,

dass unsere Expertise sich von

der Wirklichkeit abgelöst hatte.

Undjetzt?

Digitalisierung und Globalisierung

haben uns vor Probleme gestellt,

die wir vor 15Jahren niemals

für möglich gehalten hätten. Ein

drastisches Beispiel: Facebook hat in

Myanmar einen Völkermordmitausgelöst

durch Fakenews. Das haben

UN-Inspektoren vor Ort herausgefunden.

Diese Mitverantwortung an

einem Völkermord durch soziale

Medien, die war so nicht abzusehen.

IstRegulierung die Antwort?

Sie ist definitiv ein Teil der Antwort,

weil der Umgang mit sozialen

Medien zugleich eine Frage von Zivilgesellschaft

und Bildung ist. Es

braucht einen sehr umfassenden

Ansatz, dafür haben wir noch nicht

die richtigen Instrumente gefunden.

Bisher versuchen wir,die Gegenwart

mit Instrumenten des 20. Jahrhunderts

zu begreifen und auf dieser Basis

auch Lösungen zu finden –und

da wirdesproblematisch. Mankann

„Wir wissen nicht

so viel, wie wir

Sascha Lobo (44) kam in

Berlinzur Welt. Er studierte

ab 1995Publizistikander

FU Berlin und Biotechnologie

an der TU Berlin. 1998

begann er ein Studiumder

Gesellschafts- undWirtschaftskommunikationan

der Universitätder Künste,

das er 2013mit einem Diplom

abschloss.Inzwischenist

er als Buchautor

und Kolumnist fürSpiegel-

Online tätig.

dachten“

Der Blogger und Buchautor Sascha Lobo

über unsere Abhängigkeit von sozialen

Medien, die Berufswelt der Zukunft und

Fehler der Berliner Politik

„Schon jetzt gibt es Arbeitsbereiche, in denen Künstliche Intelligenz der direkte Chef von

Angestellten ist“, sagt Sascha Lobo. BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING (2)

ZUR PERSON

Sascha Lobo rät, mehr

auf die Jugend zu hören.

Das Buch: Sascha Lobo hat

bisher acht Bücher herausgebracht.

„Wir nennen es

Arbeit –die digitale Boheme“

hat ihn als Autor bekannt

gemacht. Gerade erschienen

ist sein neues

Werk „Realitätsschock –

zehn Lehren aus der Gegenwart“.

Es ist bei Kiepenheuer

und Witsch erschienen,

hat 352 Seiten, kostet

18,99 Euro und ist ab heute

im Buchhandel erhältlich.

mit einem Rettungsring auch kein

Feuer löschen.

Wassind denn die neuen Methoden?

Die müssen noch erarbeitet werden.

Die Lösungswege in der Demokratie

des 20. Jahrhunderts haben

Jahre gebraucht, bis sie funktioniert

haben.

Nachdem die Öffentlichkeit dann

festgestellt hatte, dass wir einen stabilen

demokratischen Fluss hingekriegt

haben, kommt das 21. Jahrhundert

und stellt alles infrage.

Die liberale Demokratie ist deutlich

fragiler als erhofft. Wirbegreifen

viele Aspekte der Gegenwart noch

gar nicht, weil sie sehr neu sind, aber

doch unfassbare Wirkung erzielen –

Stichwort Myanmar. Wir sollten zuzugeben,

dass wir nicht so viel wissen,

wie wir dachten.

Künstliche Intelligenz (KI) ist auch so

ein Aspekt. Welchen Einfluss wird

diese Technologie in Zukunft auf die

Arbeitswelt haben?

Es gibt auch Beispiele aus der Gegenwart:

Schon jetzt ist es so,dass KI

vielen Paketboten sagt, wie ihr Tourenplan

aussieht. Derdirekte Chef ist

ein KI-Algorithmus. Künstliche Intelligenz

ist die nächste Stufeder Automatisierung.

Wenn Menschen mit

Maschinen konkurrieren, dann werden

nicht alle sofort arbeitslos, wie

oft geschrieben wird. Sie konkurrieren

aber zunehmend mit der Maschine

und werden dadurch mit immer

größerem Druck gezwungen,

preisgünstiger zu werden. Wie inallen

Stufen derAutomatisierung werden

altbekannte Kapitalismuseffekte

verstärkt.

Ein anderer Aspekt, wie die Digitalisierung

unsereSicht veränderthat, ist

der Klimawandel. Auch eine Folgeder

Digitalisierung, die uns einen vernetzten

Blick auf dieWelt erst ermöglicht.

UndOrganisationen wie „Fridays

for Future“ zeigen, wie es gehen

kann, weil sie auf vernetztes Denken

und globale Analysen setzen.

Wasist da der Unterschied zu der Elterngeneration,

die gegen Atomkraft

demonstriert hat, „Jute statt Plastik“

geforderthat und für die das Ozonloch

schon ein großes Thema war?

Die Umweltbewegung im

20. Jahrhundert war gar nicht unwirksam,

aber damals herrschte die

Überzeugung vor, dass es sich meist

um isolierte Probleme handelte, die

man auch mit isolierten Maßnahmen

lösen kann. Ein Beispiel: Das

Ozonloch wurde größer, also wurde

beschlossen, FCKW zu verbieten.

Diese Sichtweise passt nicht mehr.

Wenn wir schon bei Realitätsschock

sind: SiesindBürger der Stadt Berlin.

Washat Sie hier zuletzt so richtig getriggert?

Ich habe mir detailliert die Entstehung

der arabischen Clans angesehen

–ein Musterbeispiel für die

fehlgeschlagene Integrationspolitik.

Wasist falsch gelaufen?

Alles. Esfing damit an, dass über

Jahre Mitgliedern vor allem libanesisch-kurdischer

Clans ein Arbeitsverbot

auferlegt wurde, sie mussten

im Flüchtlingsheim bleiben, ihre

Kinder hatten zudem Schulverbot,

die jungen Erwachsenen durften

keine Ausbildung machen. Eine Garantie

dafür, dass kriminelle Kräfte

innerhalb der Clans stärker wurden.

Werhat die Fehler gemacht?

Konservative und linke Politikfehler

haben sich gegenseitig verstärkt.

Die Konservativen wollten

eine so feindliche Umgebung schaffen,

dass die Menschen möglichst

schnell die Stadt verlassen. Dielinke

Politik hat offenbar gedacht, dass Integration

von alleine funktioniert,

wenn man ein paar Möglichkeiten

anbietet und die Menschen, ihreBedürfnisse

und ihre spezielle Problematik

ansonsten nicht weiter beachtet.

Das Hin und Her führte zueiner

fatalen Konzeptlosigkeit. Das Scheitern

eines guten Teils der Integration

ergab auch einen Nährboden, auf

dem rechte und rechtsextreme

Überzeugungen gedeihen.

DasGespräch führte Jörg Hunke.

NACHRICHTEN

Deezer will Musiker

gerechter bezahlen

DerMusikstreaming-Dienst Deezer

will ab dem kommenden Jahr ein gerechteres

Vergütungsmodell für Musiker

und Rechteinhaber testen. Für

die Erlöse soll dann nicht mehr die

Zahl der einzelnen Streams ausschlaggebend

sein, sonderndie Zahl

der Hörer,wie das französische Unternehmen

am Mittwoch mitteilte.

Aufdiese Weise könnten unter anderemManipulationen

durch betrügerische

Bot-Accounts unterbunden

werden. Demzunächstauf Frankreich

beschränkten Testmodell müssen

laut Deezer aber noch die Rechteinhaber

zustimmen –dazu zählen

unter anderem die großen Musik-

Labels.Bislang werden die Musiker

undRechteinhaber im Internet-

Streaming nach ihrem Marktanteil

bezahlt. (dpa)

Apple setzt beim iPhone

auf bessere Kamera

Apple setzt bei seiner neuen iPhone-

Generation starkauf bessereKameras,

um die zuletzt gesunkenen Verkäufe

seines wichtigsten Produkts

anzukurbeln. DasiPhone 11, das als

Einstiegsmodell das aktuelle iPhone

XR ersetzt, bekommt unter anderem

einen Nachtmodus,der für gute Bilder

bei dunklen Lichtverhältnissen

sorgen soll. Undzum ersten Malbekommt

auch das günstigste iPhone-

Modell eine Doppelkamera, die

Weitwinkelaufnahmen, einen vollwertigen

Porträtmodus und andere

Verbesserungen ermöglicht. (dpa)

Mit dem iPhone sollen spezielle Fotowünsche

leichter erfüllt werden.

APPLE

US-Regulierer prüfen

Amazons Händler-Plattform

Amazons Händler-Plattform

Marketplace gerät nach Wettbewerbsermittlungen

in Europa auch

ins Blickfeld amerikanischer Regulierer.Die

US-Handelsaufsicht FTC

befrage teilnehmende Händler,um

festzustellen, ob Amazon Wettbewerber

benachteilige,berichtete der

Finanzdienst Bloomberg. DieFTC-

Vertreter wollten dabei unter anderemwissen,

welcher Anteil ihres Geschäfts

auf Marketplace entfalle,verglichen

mit anderen Plattformen wie

Ebay.Das Interesse könnte auf die

Vorbereitung offizieller Ermittlungen

hinweisen. BeiMarketplace

können Händler ihreArtikel über die

Amazon-Website verkaufen. In Europa

hatte die EU-Kommission im

Juli eine Untersuchung zu Marketplace

eingeleitet. DieBrüsseler Wettbewerbshüter

gehen der Frage nach,

ob Amazon als Betreiber Daten aus

der Plattformnutzt, um sich gegenüber

den Händlerneinen unerlaubten

Vorteil zu verschaffen. (dpa)

Wikipedia: Millionen-Spende

für IT-Sicherheit

Wenige Tage nachdem die Wikipedia

massiv durch einen Online-Angriff

gestörtwurde,bekommt das Web-

Lexikon eine Millionen-Spende für

Gegenmaßnahmen. Vonder Stiftung

des Medienunternehmers Craig

Newmarkkommen 2,5 Millionen

Dollar,die in die Sicherheit der Plattformfließen

sollen. Ziel sei auch, Informationen

über die Nutzer besser

zu schützen, teilte die Wikimedia-

Stiftung am Dienstag mit. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG)Gefragt –Gejagt 12.00

(für HG)Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet

13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für

HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen

15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm

der Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für

HG) Verrückt nach Meer 17.00 (für HG)Tagesschau

17.15 Brisant 18.00 (für HG) Gefragt –

Gejagt 18.50 (für HG) In aller Freundschaft –Die

jungen Ärzte. AufDistanz. Arztserie 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Mensch 19.55 (für HG) Börse

voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Nord bei Nordwest

Waidmannsheil. TV-Kriminalfilm, D’17

Mit Hinnerk Schönemann, Henny

Reents, Marleen Lohse u.a.

21.45 (für HG) Panorama

Berichte –Analysen –Meinungen

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) extra 3

23.30 (für HG) Drei. Zwo. Eins. Michl Müller

Gast: Matthias „Matze” Knop

0.15 (für HG) Nachtmagazin

0.35 (für HG) Nord bei Nordwest

Waidmannsheil. TV-Kriminalfilm, D’17

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Susanna Ohlen, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Ran an den Speck –

Familien nehmen ab 16.00 Mensch Papa!

Väter allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf.

Krimiserie 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00

Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 (für HG) Alarm für Cobra 11–

Die Autobahnpolizei

Happy Birthday. Actionserie

21.05 Alarm für Cobra 11–Die

Autobahnpolizei

Atemlose Liebe. Actionserie

22.05 Der Knastarzt

Sterbehilfe

23.05 Männer! Alles auf Anfang

0.00 Nachtjournal

0.30 Alarm für Cobra 11–Die

Autobahnpolizei

Happy Birthday. Actionserie

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR 2x Riesling Grafenstück Arte

1

15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 16.00

(für HG) MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell

18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG) Sandmann

19.00 (für HG) MDR Regional 19.30

(für HG)Aktuell 19.50 (für HG)Außenseiter –

Spitzenreiter 20.15 (für HG) Lebensretter

21.00 (für HG) Hauptsache gesund 21.45 (für

HG) Aktuell 22.05 (für HG) artour 22.35 (für

HG) Die schwerste Entscheidung meines Lebens

23.05 (für HG) Lebensläufe 23.35 Fröhlich

lesen 0.20 (für HG) Lebensretter 1.05 (für

HG) Hauptsache gesund

Bayern

14.45 (für HG) Wer weiß denn sowas? 15.30

(für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) mehr/wert 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) quer 21.00 Asül für alle 21.45 (für

HG) Rundschau Magazin 22.00 Ringlstetter

22.45 (für HG) Über-Ich und Du. Komödie, D/

CH/A 2014 0.15 Woidboyz on the Road 0.45

Startrampe 1.15 Night of the Proms

Vox

12.00 Shopping Queen 13.00 ZwischenTüll

und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen

16.00 4Hochzeiten und eineTraumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für HG) Die

Monster Uni. Animationsfilm, USA 2013 22.10

(für HG)Welcome to the Jungle. Actionkomödie,

USA 2003 0.05 nachrichten 0.25 (für HG)

Medical Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

Unfall oder Mord?

Super RTL

14.05 Die Tomund JerryShow 14.20 Zak

Storm–Super Pirat 14.55 Dragons –Auf zu neuen

Ufern 15.20 Mr.Bean –Die Cartoon-Serie

15.50 ALVINNN!!! und die Chipmunks 16.20 Zig

&Sharko–Meerjungfrauen frisst man nicht!

16.45 Hotel Transsilvanien –Die Serie 17.10

Inspector Gadget 17.40 Zak Storm–Super Pirat

18.10 Die Tomund JerryShow 18.40 Woozle

Goozle 19.10 ALVINNN!!! und die Chipmunks

19.40 Angelo! 20.15 (für HG) CSI: Miami 21.10

(für HG) CSI: Miami 22.05 (für HG) CSI: Miami

23.00 (für HG)CSI: Miami 23.55 30 Rock

Sport1

15.30 Die PS-Profis –Mehr Poweraus demPott.

Ein Luxus-SUV für 20 Mille 16.30 Container

Wars. Schmugglerware 17.00 Container Wars.

Aufhoher See 17.30 StorageWars –Geschäfte

in Texas. Kampf der Generationen 18.00 Storage

Wars –Geschäfte in Texas. Glückliches Händchen

18.30 StorageWars –Die Geschäftemacher.

Zweites Standbein 19.00 StorageWars –

Die Geschäftemacher. Zurück zu den Wurzeln

19.30 Poker 20.30 CasinoConfidential 21.00

Sport-Quiz 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Hartander Kante 11.15 (für HG) SOKO Wismar.

Seitenwechsel 12.00 heute 12.10 drehscheibe

13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute

–inDeutschland 14.15 Die Küchenschlacht

15.00 (für HG) heute Xpress 15.05 (für HG)

Bares für Rares 16.00 (für HG) heute–inEuropa

16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops. Die

Tote in derKiste 17.00 (für HG) heute 17.10

(für HG) hallodeutschland 17.45 (für HG) Leute

heute 18.00 (für HG) SOKO Stuttgart. La vie en

rose 19.00 (für HG)heute 19.25 (für HG) Notruf

Hafenkante. Crystal

20.15 (für HG) Lena Lorenz

Kind da, Job weg.Unterhaltungsserie.

Mit Judith Hoersch, Jens Atzorn, Eva

Mattes, Raban Bieling, Fred Stillkrauth,

Michael Roll, Liane Forestieri u.a.

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) maybrit illner

Der Polit-Talk im ZDF

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 (für HG) Schuld nach Ferdinand von

Schirach

Kinder.Krimiserie

5.30 Frühstücksfernsehen. Gäste: Vanessa

Blumhagen, Anika Decker.Moderation: Matthias

Killing,Karen Heinrichs 10.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens, Isabella

Schulien 12.00 Anwälte imEinsatz 13.00

Anwälte im Einsatz 14.00 Auf Streife. Reportagereihe

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring 17.30

Ungelogen –das ehrlichste Gespräch deines

Lebens 18.00 Nächste Ausfahrt Liebe 19.00

Genial daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Criminal Minds

Kurz vor Zwölf. Krimiserie

Mit Joe Mantegna, Matthew Gray

Gubler,A.J.Cook u.a.

21.15 Criminal Minds

Gespaltene Zungen. Krimiserie

22.15 Bull

Kuss und Feuer.Krimiserie

23.10 Bull

Mädchen ohne Gefühl. Krimiserie

0.05 Criminal Minds Valhalla

1.05 Criminal Minds Lauren Reynolds ist tot

1.50 Criminal Minds Kurz vor Zwölf

14.30 (für HG) In aller Freundschaft 15.15

(für HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG)

Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Tatort. TV-Kriminalfilm, D2008 21.45 (für HG)

Aktuell 22.10 (für HG) FrauTV 22.40 (für HG)

Menschen hautnah 23.25 (für HG) Hagen –

Verändern Einwanderer die Stadt? 23.40 (für

HG) Der Wert des Menschen. Drama, F2015

1.05 (für HG) Tatort. TV-Kriminalfilm, D2008

NDR

16.20 (für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für

HG) Leopard, Seebär &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) Typisch! 18.45 (für HG)

DAS! 19.30 Ländermagazine 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Länder –Menschen

–Abenteuer 21.00 (für HG) Wa(h)lheimat

Kanada 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für

HG) Seegrund. Ein Kluftingerkrimi. TV-Kriminalfilm,

D2013 23.30 (für HG) Die Diplomatin.

Das Botschaftsattentat. TV-Kriminalfilm, D

2016 1.00 (für HG) extra 3Spezial 1.30 (für

HG) Zapp 2.00 (für HG) Kulturjournal

Kabel eins

8.30 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

9.30 Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.10

Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.00 Castle

13.55 The Mentalist 14.50 Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Quiz mit Biss 20.15

Rosins Restaurants –Ein Sternekoch räumt

auf! Culo Del Mondo, Werdohl 22.15 K1 Magazin

23.20 Trucker Babes –400 PS in Frauenhand

1.15 Late News 1.20 Mein Revier.

Ordnungshüter räumen auf

RTL 2

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Die Wollnys –Eine schrecklich große Familie!

13.00 Die Wollnys –Eine schrecklich große

Familie! 14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Hartz und herzlich –

Tagfür TagBenz-Baracken 17.00 News 17.05

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.00 Love Island Flash 19.05 Berlin –

Tag&Nacht 20.15 Frauentausch 22.15 Love

Island –Heiße Flirts und wahre Liebe 23.45

Reeperbahn privat! 1.40 Love Island –Heiße

Flirts und wahre Liebe

Eurosport 1

7.55 Snooker:World Main Tour. Shanghai Masters

(CHN): Viertelfinale 11.30 Snooker:World

Main Tour 12.25 Radsport: Vuelta aEspaña.

18. Etappe: Colmenar Viejo –Becerril de la Sierra

17.45 Radsport:Vuelta extra 18.15 Radsport:

Tour of Britain 19.30 Tennis: US Open

20.30 Eurosport News 20.45 Radsport: Vuelta

aEspaña 22.00 Eurosport News 22.15 Snooker:

World MainTour. ShanghaiMasters (CHN):

Viertelfinale 23.45 Olympische Spiele. Camps

to Champs 0.15 Radsport: Tour of Britain

VOX, 20.15 UHR ANIMATIONSFILM

Die Monster Uni

Das glupschäugige grüne Monster Mike (r.) hat seit Kindestagenaneinen

großen Traum: Es möchte einmal ein großer „Schrecker“ werden. Mitviel

Fleiß und ein Glückschafft es der kleine Geselle an die renommierte Monster-

Universität. Aufdem Campus trifft er auch aufseinen zukünftigenMitbewohner,

den großmäuligen Sulley(l.), der auseiner angesehenen Monsterfamilie stammt.

Zwischen den beiden herrschtsofortAntipathie,dochals die strengeDekanin

Hardscrabble den beiden rivalisierenden Stubengenossendamit droht, sie der

Schule zu verweisen, müssen die Streithähne lernen miteinander auszukommen.

ElfJahrenach dem sensationellen Pixar-Kinoerfolgvon „Die Monster AG“erzählt

Regisseur undDrehbuchautor DanScanlon die Vorgeschichte derFreundschaft,der

beiden Monster Sulleyund Mike Glotzkowski.

(USA/2013)

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7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach

Meer 14.00 Gartengeschichten 14.45 Unsere

köstliche Heimat 15.00 Heute im Parlament.

Live 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas?

17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &Co.

17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin

18.30 zibb. zuhause in berlin &

brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Wir müssen reden!

Braunkohle –geht Klimaschutz vor

Kumpelschutz?

21.15 Die rbb-Reporter Eisern inder 1.

Liga –Über Union und seine Fans

21.45 rbb24

22.00 Polizeiruf 110 Angst um Tessa Bülow

TV-Kriminalfilm, D2002

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) Immer Drama um Tamara

Komödie, GB 2010

1.45 Wir müssen reden! Braunkohle –geht

Klimaschutz vor Kumpelschutz?

ProSieben

11.55 2Broke Girls. All That Jazz. Comedyserie

12.50 Mom. Nüchtern betrachtet. Comedyserie

13.15 Twoand aHalf Men. Die Industrielle-Revolutions-Show/Phase

eins, erfolgreich/

Der Truthahn und die Männlichkeit. Comedyserie

14.40 The Middle. Die schrecklichen Nachbarn/Das

Vorstellungsgespräch. Comedyserie

15.40 The Big Bang Theory. Der Kometen-

Klau/Der Hochzeitskleid-Hype/Die Reifendoktor-Reise.Comedyserie

17.00 taff. Beruf(ung)

Lehrer!. Moderation: Rebecca Mir,Thore

Schölermann 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons.

Kleiner Waise Milhouse/Szenen einer

Ehe.Zeichentrickserie 19.05 Galileo. Braincrash.

Moderation: Aiman Abdallah

20.15 TheVoice of Germany

Blind Audition

Jury: Alice Merton, Mark Forster,Rea

Garvey,Sido

Moderation: Lena Gercke, Thore

Schölermann

22.50 red.

Alles neu bei „The Voice of Germany”

Moderation: Annemarie Carpendale

23.55 Big Stories

Deutsche Hip Hop Superstars

0.55 The Voice of Germany

Blind Audition

11.20 Eine blonde Provinz 12.15 (für HG) Re:

12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land Kunst

14.05 (für HG) Laurel Canyon. Drama, USA

2002 15.45 Magic Cities 16.40 X:enius

17.05 Wie das Land, so der Mensch 17.35

Indien –Der letzte Tanz 18.30 (für HG) Wildes

Griechenland 19.20 Arte Journal 19.40 Re:

20.15 (für HG) Die Neue Zeit 21.00 (für HG)

Die Neue Zeit 21.45 (für HG) Die Neue Zeit

22.30 Gefährliche Seilschaften 23.30 Gefährliche

Seilschaften 0.30 Gefährliche Seilschaften

1.30 Gefährliche Seilschaften

3Sat

11.45 (für HG) Aufgetischt 12.30 ECO 13.00

(für HG) ZIB 13.20 Pistazien –Siziliens grüne

Diamanten 14.00 (für HG) Wanderlust! 14.50

Die Toskanischen Inseln 15.30 Die Äolischen

Inseln 16.15 Die Pontinischen Inseln 17.00

(für HG) Die Vulkaninseln Siziliens 18.30 nano

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 Autofrei mobil in

der Stadt 21.00 scobel 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 AWar. Drama, DK/F 2015 0.15

10vor10 0.45 Rundschau 1.30 Reporter 1.50

(für HG) Hessen-Reporter

Phoenix

7.00 (für HG) Terra X8.45 phoenix tagesgespräch

9.00 Bundestag live. Live 17.30

phoenix der tag 18.00 Der Preis des billigen

Fliegens 18.30 (für HG) Terra X20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Despoten 21.00 Brudermord

am Airport 21.45 (für HG) heute-journal 22.15

(für HG) phoenix runde 23.00 phoenix der tag

0.00 (für HG) phoenix runde 0.45 Despoten

1.30 Brudermord am Airport 2.15 Die Story

3.00 Heimliche Helden des Mauerfalls 3.45

Zurück zum Mond –Apollos Erben brechenauf

4.00 Die härtesten Jobs von damals

Kika

13.50 (für HG) Die Regeln von Floor 14.10

Schloss Einstein 15.00 Lockie Leonard 15.45

Stoked 16.10 (für HG) Lenas Ranch 16.55

Kein Keks für Kobolde 17.40 (für HG) Belle

und Sebastian 18.05 Der kleine Nick 18.20

Ben &Hollys kleines Königreich 18.40 Löwenzähnchen

–Eine Schnüffelnase auf Entdeckungstour

18.50 Sandmann 19.00 (für HG)

Robin Hood –Schlitzohr von Sherwood 19.25

(für HG) Die Kamerahelden –Deine Schule,

deine Fotos 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) KiKA Live 20.10 Du bist STYLE!

Dmax

11.15 Highway Cops 12.15 Border Control –

Spaniens Grenzschützer 13.15 Airplane

Repo –Die Inkasso-Piloten 14.15 Das Survival-Duo:

Zwei Männer,ein Ziel 15.15 Coast

Guard Alaska –Rettung aus der Luft 16.15 Die

Zwangsvollstrecker 17.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

19.15 Border Control –Spaniens

Grenzschützer 20.15 A2 –Abenteuer Autobahn

22.15 Rätselhafte Phänomene 23.10 DMAX

News 23.15 Expedition ins Unbekannte 0.10

DMAX News 0.15 A2 –Abenteuer Autobahn

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.0

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Marktcheck 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 45 Min 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Geheimnis

volle Orte 20.00 Tagesschau 20.15 Leonora. Wie

ein Vaterseine Tochter an denISverlor 21.02

Maischberger 21.15 Tagesschau 22.30 Plusminu

23.00 Tagesthemen 23.30 Panorama 0.00 Exakt

0.30 Weltbilder 1.00 Nachtmagazin 1.20 Zapp

1.50 Schätze der Welt 2.05 Die Tagesschauvor

20 Jahren 2.25 SachsenSpiegel 2.54 Extra 3.02

SWR LandesschauBaden-Württemberg 3.47 Extr

4.02 Abendschau 4.30 aktueller bericht

ONE

8.55 „Denver-Clan”ohne Maske(5) 9.25 Brisant

10.05 Dawson's Creek 10.50 Dawson'sCreek

11.30 Lindenstraße 12.00 Sturmder Liebe 12.4

Sturmder Liebe 13.35 Um HimmelsWillen 14.25

Verliebt aufIsland. TV-Komödie, D2019 15.55

Dawson'sCreek 16.40 ComedyCuisine 17.25

Lindenstraße 17.55 OhneSchnitzelgehtesnicht

18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe

20.15 Inas Nacht 21.15 Comedy Cuisine 22.00

extra 3Spezial 22.30 KirRoyal 23.25 Kir Royal

0.25 Die PierreM.KrauseShow 0.55 extra3Spe

zial 1.25 Comedy Cuisine 2.10 Kir Royal 3.10 Kir

Royal 4.10 kinokino 4.25 Lindenstraße 4.55 Um

Himmels Willen

ZDF NEO

5.15 TerraXpress 5.45 TerraX6.30 TerraX7.15

TerraX8.00 Topfgeldjäger 8.50 Lafer!Lichter!

Lecker! 9.35 Bares fürRares 10.30 Bares für Rares

11.20 Bares für Rares–Lieblingsstücke

12.05 Monk 12.50 Monk 13.30 Psych 14.10

Psych 14.55 Monk 15.35 Monk 16.20 Psych

17.00 Psych 17.45 Bares für Rares –Lieblingsstü

cke 18.30 Bares für Rares 19.20 Bares für Rares

20.15 Letzte Spur Berlin. Sommersonnenwende

21.45 heute-show 22.15 Neo Magazin Royale

23.00 (fürHG) Blochin –Die Lebenden unddie

Toten. Kapitel 1. TV-Kriminalfilm, D2015. MitJürgen

Vogel, ThomasHeinze,Maja Schöne 0.35 Ne

MagazinRoyale 1.20 heute-show 1.50 Unit 42

ZDF INFO

13.20 Migration –Das großeMissverständnis

14.05 Operation souveräne Grenzen –Australiens

harte Migrationspolitik 14.35 (für HG)ZDF.reportage

15.05 AchtungPolizei!–Willkür,Pannen,Perso

nalnot 15.50 Rockerkrieg 18.00 Drahtzieher Burschenschaften

18.45 Die Fleischpanscher –Wie

ausWasser Wurstwird 19.15 (für HG)Der wahre

Preis für den perfekten Apfel 19.45 (für HG)TEDi

und Co. –Die dunkle Seiteder Billigshops 20.15

(für HG)No-Name oder Marke? 21.40 (für HG)Die

Tricksder Lebensmittelindustrie 23.10 (für HG)

Nelson MüllersLebensmittelreport 23.55 (für HG)

NelsonMüllersKäse-Check 0.35 (für HG)heutejournal

1.05 Hitlerprivat –Das Lebendes Diktator

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Clara Schumann zum 200. Geburtstag Glüc

und Drama einer Künstlerehe.Mit Margarete

Zander,ca. 56 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Raritäten der Klaviermusik. Mit Werke

von Donizetti, Alkan,ca. 117 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Beethovenfest Bonn Mit Werken von

C.Ph.E. Bach, Beethoven, ca. 146 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Historische Aufnahmen Reflektierte Präzision

Der Dirigent Christoph von Dohnányi (*1929)

Von Christoph Vratz, ca. 45 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(4/29). Es liest Johann von Bülow, ca. 30 Min

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Propaganda” Hörspiel nach dem gleichnam

gen Buch von Edward Bernays., ca. 57 Min.

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Rafik Schami: „Die geheime Mission

des Kardinals” (39/40). Mit Udo Schenk, JürgenTarrach,ca.

26 Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Marktplatz Klimafreundlich unterwegs –Alternativen

zum eigenen Auto. Mit Georg Ehring,

ca. 80 Minuten

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin MazalTov! 25Jahre Jüdisches

Filmfestival Berlin &Brandenburg., ca. 26 Min

22.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Gespräch Mit Michael Triegel (Maler). Modera

tion:Thomas Bille,ca. 30 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Anna Leman, ca. 30 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazzfacts Neues von der Improvisierten Musik

Mit Michael Engelbrecht, ca. 55 Minuten

23.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jazz Judith Hill bei Women in Jazz. Mit Judith

Hill (voc, p, keys), Peewee Hill (b), Michiko Hi

(keys), Michael White (dr), Greg Moore (g).M

Heidi Eichenberg,ca. 30 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Klangkunst Kurzstrecke 89: Feature, Hörspiel

Klangkunst. Eine Kulturgeschichte sexueller

Normen /Szenen einer Freundschaft /Die

Stunde, der Himmel, die Erde, der Wind /Neu

es aus der Wurfsendung mit Julia Tieke,

ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Ashton Kutcher (41) hat sich beim Zubettbringen

seiner kleinenTochter einen

Zehgebrochen. So weit, so normal.

Aber was der Schauspieler jetzt

in der US-Talkshow„Livewith Kelly

and Ryan“ zu den näheren Umständen

erzählte,ist doch sehr erstaunlich:„Als

ich aufstand, bemerkte ich

nicht, dass mein Bein eingeschlafen

war.Ich mache also einen Schritt und

fiel hin. Dann zeigte mein Zehineine

andereRichtung …Eswar drei Uhr

morgens und ich hatte keine Lust auf

die Notaufnahme.Also machte ich es

wie MelGibson in ,LethalWeapon‘.“

DenVerweis auf den Actionfilm„LeathalWeapon“

haben wir so zu verstehen,

dass Kutcher sich den abstehenden

Zehselbst wieder gerade richtete.

KrasserTyp! Aber es kommt noch besser.Seine

Frau Mila Kunis (36) habe

die notfallärztliche Selbstversorgung

schwer beeindruckt, so Kutcher,und

diese anerkennendenWortefinden

lassen:„Das ist das sexieste Ding, das

ich je gesehen habe.“

Wolfgang Joop (74) sorgt sich sehr

darum, dass bei ihm alles heil bleibt.

In der Zeit legte der Modedesigner

jetzt seine diesbezüglichen Vorstellung

dar:„Ichwill keinen Bauch, ich

will die Zähne behalten und die

Haareauch.“ Ja,ja, das Alter soll mit

seinen Vergänglichkeitsforderungen

bloß nicht herumnerven. Träum

weiter,Mann! (schl.)

TIERE

Im Amazonas wohnen drei Arten

elektrischer Aale. DPA/LEANDRO SOUSA

Achtung,Hochspannung: Bislang

dachten wir, der Zitteraal (Electrophorus

electricus)sei der einzige seiner

Art. Nunaber haben Forscher im

Fachjournal „NatureCommunications“

die sensationelle Mitteilung gemacht,

dass sich im Amazonasgebiet

zwei weitereVertreter dieser zwar als

Aal bezeichneten, in Wahrheit aber

den sogenannten Neuwelt-Messerfischen

zugehörenden Stromschleudern

tummeln: der Electrophorus

varii und der Electrophorus voltai.

Letzterer nun gibt Stromstöße von

bis zu 860 Volt ab und ist damit das

Lebewesen, das die höchste Spannungsentladung

erzeugen kann.

Britzel! Knister!! (schl.)

Queenie humpelte mit einem

gebrochenen Bein

durch die Welt. Kein

Problem, das heilte, als

die Verletzung der jungen

Mutter durch Zufall entdeckt wurde.

Bei Esperance sah es wesentlich

schlechter aus. Sie wurde mit einem

deformierten Schädel und einer daraus

resultierenden Gehirnquetschung

geboren. Aber für engagierte

Chirurgen wie Prof. Brett Gartrell und

Dr. Lisa Argilla gibt es erst mal keine

hoffnungslosen Fälle. Sie führten an

dieser Patientin die weltweit erste

Schädeloperation durch – ein Novum,

weil Esperance ein Kakapo ist,

ein Nacht- oder Eulenpapagei (Strigops

habroptilus). Diese vomAussterben

bedrohte Spezies,die nur in Neuseeland

vorkommt, ist so selten, dass

jedes Küken einen Namen bekommt

und nichts unversucht bleibt, um ein

Vogelleben zu retten.

PerHubschrauber ins Hospital

Esperance –voller Name: Esperance-1-B-19

–ist das Paradebeispiel

dafür.Sie hat sich

von dem Eingriff in dem

durch Spendengelder finanzierten

Wildlife Hospital

in Dunedin blendend

erholt. Sie hat in ihrem

Krankenhaus-Käfig mit

anderen Kakapo-Küken

getollt und Purzelbäume

geschlagen, und mit ihrem

Überleben hat sie, da sie

jetzt älter als 150 Tage ist und

den Status als Jungvogel erreicht

hat, mitgeholfen, die Kakapo-Population

Neuseelands

nach einer Rekordsaison von142

auf mehr als 200 anwachsen zu lassen.

Wenn alle das kritische Alter

überschritten haben, stapfen 214 Exemplare

dieser liebreizend dreinblickenden

Schwergewichte – Männchen

wiegen bis zu vier,Weibchen bis

zu zweieinhalb Kilogramm –auf ihren

stämmigen Beinen durch die

Nacht. DieKakapos sind nicht nur die

schwersten, sondern auch die einzigen

nachtaktiven und flugunfähigen

Papageien der Welt.

Es war ein Jahr der Superlativefür

diese seltsamen Vögel, die Schnurrhaare

wie eine Katze haben, nach

Blumen und Honig riechen und trotz

beträchtlicher Flügel nicht fliegen

können. 72 der 86 geschlüpften Küken

überlebten, das sind zehnmal so

viele wie der Durchschnitt. Wobei

man wissen muss,dass die leuchtend

moosgrün-gelben Kakapos nur alle

paar Jahre brüten, wenn die roten

Früchte auf den Rimu-Steineiben reifen.

Woher die Vögel wissen, dass

solch ein Mastjahr bevorsteht, ist ein

Rätsel. Aufden beiden feindfreien Inseln

im tiefen Süden –Codfish Island

(Whenua Hou) bei Stewart Island

und Anchor Island im Dusky Sound

in Fiordland – paarte sich nur ein

Weibchen im brutfähigen Alter nicht.

Es muss laut zugegangen sein in diesen

von der Naturschutzbehörde

(Department of Conservation/DoC)

Babyboom

beim Kakapo

Dank der Hilfe engagierter Menschen: Der Bestand

der vom Aussterben bedrohten Papageienart auf

Neuseeland erholt sich langsam

streng überwachten

Habitaten, wo die

Federtiere – einige

mit Minisender ausgestattet

–mit hohen

Personalaufwand

rund um die Uhr

umsorgt werden,

denn die

Männchen

balzen zwei,

drei Monate

lang wie die

Weltmeister.

Aber es war

auch ein besonders

schwieriges Jahr: Auf

Codfish Island brach

im April eine Aspergillosis-Epidemie

aus. Diese vom Aspergillus-Pilz

ausgelöste

Atemwegserkrankung, die nur

Tiere mit geschwächtem Immunsystem

befällt, kann auf die inneren Organe

übergreifen und zum Todführen.

Aufgrund der geringen genetischen

Diversität der winzigen Popu-

VonSissi Stein-Abel, Christchurch

Kakapos sind nachtaktiv,flugunfähig

und ausgewachsen bis zu

vier Kilogramm schwer.

Kakapo-Küken werden

mit großem medizinischen

Aufwand betreut.

DEPARTMENT OF CONSERVATION (2)

lation sind

Infektionskrankheiten

ein Grund zur Panik,

denn sie können

die ganze Spezies

auslöschen. Deshalb

wurden 36

Kakapos mit

den geringsten

Symptomen –

Atemnot,

Schleimhautverfärbung,

Appetitlosigkeit


per Hubschrauber

zur Untersuchung

in das Hospital nach

Dunedin, den Zoo

nach Auckland und

die „Wildbase“ der

Massey-Universität

in Palmerston North

geflogen. Zwei erwachseneVögel und

fünf Küken sind dennoch gestorben,

die übrigen infizierten Tiere wurden

mehrere Monate medikamentös behandelt

und aufgepäppelt. „Wir hatten

große Sorge, welche Auswirkungen

die Aspergillosis-Epidemie haben

würde“, sagt DoC-Rangerin

Bronwyn Jeynes, „und es war ein

schwerer Schlag ins Kontor, dass es

passierte, als viele Küken gerade

flügge wurden. ZumGlück haben wir

das Problem in den Griff bekommen.

Alle infizierten Vögel sind jetzt gesund

und auf demWegnach Hause.“

Unzählige freiwillige Helfer

Während dasProgramm zur Rettung

des Kakapos 1989 auf Codfish Island

begann, leben in der Zwischenzeit

unter anderem 21 brutfähige Weibchen

auf Anchor Island und eine weitere

Gruppe auf Little Barrier Island

nordöstlich vonAuckland,wosichin

dieser Saison nachwuchsmäßig

nichts getan hat. Auch istesden Wissenschaftlern

umDr. Andrew Digby

gelungen, einige Eier mit dem

Sperma von genetisch unterrepräsentierten

Männchen zu befruchten,

die noch nie Nachwuchs produziert

hatten. Darüber hinaus

werden die Kakapo-Weibchen

animiert, eine zweite oder

dritte Brut zu legen, indem

ihnen das erste Gelege aus

dem Nest genommen wird.

Das ist einfach, weil die

Weibchen nachts auf Futtersuche

gehen und die

Eier stundenlang unbewacht

lassen. Dieentwendeten

Eier werden dann in

Inkubatoren ausgebrütet

und die Küken in Brutzentren

von Hand großgezogen.

Das Dunedin Wildlife Hospital

und Andrew Digby posten

auf Facebook und Twitter regelmäßig

herzerwärmende Videos

vonden putzigenKüken.

Ohne diese Tricks und den Einsatz

des DoC-Personals und unzähliger

freiwilliger Helfer, die auf den geschützten

Inseln in der Nähe der Nester

campieren, gäbe es längst keine

Kakapos mehr. In freier Wildbahn

würden die vonMenscheneingeführten

Säugetiere –Wiesel, Marder, Ratten,

Hermeline,verwilderte Hauskatzen

– die Nester leer räumen und

auch den erwachsenen Kakapos den

Garaus machen, denn deren einziger

Abwehrmechanismus ist, sich auf

ihre vermeintliche Tarnfarbe zu verlassen.

Darauf fallen die mittlerweile

in Neuseeland lebenden Räuber aber

nicht herein. Umso mehr sind die Kakapos,

die 90 oder gar 100 Jahre alt

werden können, auf die Hilfe von

Menschen wie Lisa Argilla angewiesen.

Diegebürtige Südafrikanerin, die

weltweit Schlagzeilen machte, als sie

sich 2011 um den in Neuseeland gestrandeten

Kaiserpinguin HappyFeet

kümmerte, sieht ihre Wundertaten

ganz lakonisch: „Es ist meine Leidenschaft,

mich um verletzte und kranke

Tierezukümmern.Dafür lebe ich.“

Sissi Stein-Abel

begeistertsich für das Engagement

der Kakapo-Helfer.

NACHRICHTEN

Heftige Unwetter,schwere

Stürme auf Mallorca

AufMallorca hat sich der Sommer

mit heftigen Unwetternverabschiedet.

SchwereStürme,starke Regenfälle

und Hagel haben die spanische

Urlaubsinsel nach Medienberichten

seit Dienstag fest im Griff. In der

Nacht zum Mittwoch wurde dieWetterwarnung

zeitweise vonder Stufe

Orange auf Rotangehoben, wie die

örtlichen Behörden mitteilten. Der

geplante Schulbeginn wurde in

mehreren Ortschaften um einen Tag

auf Donnerstag verschoben. In der

Berggemeinde Escorca fielen den

Angaben zufolge 154 Liter Regen pro

Quadratmeter.AmFlughafen in der

Hauptstadt Palma gab es Verspätungen,

einige Flügemussten nach Ibiza

umgeleitet werden. (dpa)

Singapur gibt Älteren mehr

Zeit zum Queren der Straße

Toll: Senioren-Karte dranhalten, schon

brennt das Ampellicht länger.

DPA

In Singapur bekommen ältereMenschen

mehr Zeit, um eine Straße zu

überqueren: Werseine elektronische

Seniorenkarte an eine Fußgängerampel

hält, hat zwischen drei und

zwölf Sekunden länger grün. Inzwischen

sind in dem südostasiatischen

Stadtstaat nach offiziellen Angaben

mehr als 1000 Ampeln mit der Sonderschaltung

ausgestattet, viele davoninder

Nähe vonAltenheimen

und Krankenhäusern. (dpa)

Fußballer Neymar soll

erpresst worden sein

Dasbrasilianische Model, das Fußballstar

Neymar (27) der Vergewaltigung

beschuldigt hatte,soll nach

Empfehlung der Polizei in São Paulo

wegen versuchter Erpressung und

Verleumdung angeklagt werden. Ein

Richter muss nun über eine Anklageerhebung

entscheiden. Neymar

hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen

und voneinvernehmlichem

Sexgesprochen. EinErmittlungsverfahren

gegen Neymar wurde im vergangenen

Monat aus Mangel an Beweisen

eingestellt. (AFP)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute herrscht bei größtenteils stark bewölktem Himmel örtlich Regenwetter.

Dabei kommen die Höchstwerte auf 20 bis 24 Grad voran, und der

Wind weht schwach bis mäßig aus westlichen Richtungen. Inder Nacht erreichen

die Tiefsttemperaturen 13 bis 10 Grad. Dazu ist esgebietsweise

klar, hin und wieder ziehen jedoch Wolken durch.

Biowetter: Wetterfühlige Menschen

klagen häufig über Kopfweh und Migräneattacken.

Schwindelgefühle

und Kreislaufbeschwerden können

sich einstellen. Die Leistungsfähigkeit

ist unterdurchschnittlich.

Pollenflug: Die Belastung durch

Gänsefuß- und Ambrosiapollen ist

schwach.

Gefühlte Temperatur: maximal 22Grad.

Wind: schwach aus West.

Wittenberge

13°/21°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

12°/23° 14°/22°

Luckenwalde

12°/23°

Freitag

Sonnabend

Sonntag

stark bewölkt heiter heiter

13°/20° 8°/19° 10°/22°

Prenzlau

13°/20°

Cottbus

11°/24°

Frankfurt

(Oder)

11°/22°

Das Wolkenband von Ex-Hurrikan Dorian sorgt über dem nordwestlichen Mitteleuropa

für einzelne Regenfälle. Nach Süden und Osten hin dominiert freundliches

Wetter. Lokale Unwettergefahr herrscht zwischen den Balearen,

Südostspanien und Nordalgerien. Sommerlich heiß ist es am östlichen Mittelmeer.

Sylt

12°/18°

Hannover

14°/20°

Köln

13°/22°

Saarbrücken

11°/24°

Konstanz

11°/24°

Hamburg

12°/20°

Erfurt

13°/23°

Frankfurt/Main

13°/23°

Stuttgart

13°/23°

Rügen

13°/19°

Rostock

14°/19°

Magdeburg

13°/24°

Nürnberg

11°/22°

München

13°/24°

Dresden

13°/23°

Deutschland: Heute gibt es bei vielfach

stark bewölktem Himmel zeitweilige

Regenfälle, und die

Temperaturen steigen amTage auf

18 bis 24Grad. Nachts gehen die

Wertedann auf 14 bis 9Grad zurück.

Der Wind weht schwach aus

westlichen Richtungen. Morgen

scheint zuweilen die Sonne. Sehr

vereinzelt fällt aus dichteren Wolken

etwas Regen. Es werden 17 bis

25 Grad erreicht, und der Wind weht

schwach bis mäßig aus Nordwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 16°-18°

Nordsee: 16°-18°

Mittelmeer: 21°-31°

Ost-Atlantik: 16°-21°

Mondphasen: 14.09. 22.09. 28.09. 05.10.

Sonnenaufgang: 06:34 Uhr Sonnenuntergang: 19:29 Uhr Mondaufgang: 19:23 Uhr Monduntergang: 04:13 Uhr

Lissabon

31°

Las Palmas

27°

Madrid

29°

Reykjavik

10°

Dublin

19°

London

24°

Paris

24°

Bordeaux

28°

Palma

30°

Algier

29°

Nizza

27°

Trondheim

14°

Oslo

17°

Stockholm

19°

Kopenhagen

18°

Berlin

22°

Mailand

27°

Tunis

29°

Rom

29°

Warschau

23°

Wien

24° Budapest

26°

Palermo

27°

Kiruna

11°

Oulu

14°

Dubrovnik

29°

Athen

30°

St. Petersburg

21°

Wilna

21°

Kiew

28°

Odessa

26°

Varna

27°

Istanbul

27°

Iraklio

29°

Archangelsk

18°

Moskau

24°

Ankara

28°

Antalya

36°

Acapulco 34° Gewitter

Bali 35° heiter

Bangkok 33° wolkig

Barbados 30° wolkig

Buenos Aires 18° wolkig

Casablanca 25° sonnig

Chicago 30° Gewitter

Dakar 32° heiter

Dubai 38° sonnig

Hongkong 35° heiter

Jerusalem 28° sonnig

Johannesburg 26° sonnig

Kairo 35° heiter

Kapstadt 17° Schauer

Los Angeles 26° sonnig

Manila 28° Gewitter

Miami 33° wolkig

Nairobi 30° wolkig

Neu Delhi 38° heiter

New York 26° wolkig

Peking 27° heiter

Perth 24° sonnig

Phuket 33° sonnig

Rio de Janeiro 38° heiter

San Francisco 28° sonnig

Santo Domingo 32° heiter

Seychellen 27° wolkig

Singapur 33° Schauer

Sydney 25° wolkig

Tokio 31° heiter

Toronto 21° bewölkt


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 – S eite 1

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Kulturkalender

DER WOCHENÜBERBLICK VOM 12. BIS 18. SEPTEMBER 2019

Filmtipps

Kinoprogramm

Literatur

Ausstellungen

Konzerte

Bühne

Seiten 2&3

Seiten 2–6

Seite 6

Seite 7

Seite 7

Seite 8

VomAuswandern,

vom Einwandern, vom Bleiben

Esist das Thema unserer Zeit: Flucht. Nicht bloß

in den Talkshows, sondern überall in Deutschland

redet man seit dem Sommer 2015 über Geflüchtete,

Flüchtlingsströme, Fluchtursachen.

Doch wie man weiß, führt thematische Monokultur oft

dazu, dass die Menschen, genervt und erschöpft, die Lust

daran verlieren, dass sie ihre Augen, Ohren, Herzen verschließen.

Aber wäre esnicht möglich, dies aufs Neue zu

verändern, indem man das schwierige Sujet mit Musik

aufbereitet? Freinach Heiner Müller,der einmal in einem

Gespräch mit Alexander Kluge sagte: „Was man noch

nicht sagen kann, kann man vielleicht schon singen“?

Dann ließe sich optimistisch folgende Hoffnung artikulieren:

„Was man besingen und nicht nur besprechen

kann, mag man vielleicht auch wieder hören.“

In diesem Sinne richtet die Komische Oper drei

Konzerte aus, die sich aus verschiedenen Perspektiven

mit dem Problemfeld Flucht beschäftigen.

Den Auftakt macht ein Abend mit dem

Titel „Flucht I–VomAuswandern“. Musiker

wie Zuschauer sitzen dabei gemeinsam auf

der Bühne,um–jenseits der allzu bekannten

politischen Positionen –bislang unbekannten

Schicksalen und Klängen ihre Stimme

respektiveihr Gehör zu schenken. Diesmal

geht es um die Flüchtlinge aus Deutschland

heraus, denn nicht alle Einwohner

waren in ihrer Heimat immer wohlgelitten.

Wie zum Beispiel zeitweise Richard Wagner,

nachdem er sich an der Revolution

1848 beteiligte und in Dresden auf den Barrikaden

gesehen wurde. Deshalb wurde er

steckbrieflich gesucht und tauchte 1849 mit

einem falschen Pass in der Schweiz unter.

Sein Exil dauerte bis 1862, als ihn König Ludwig

II. zurück ins Deutsche Reich holte. Inder

Schweiz komponierte Wagner unter anderem

die „Wesendonck-Lieder“, gewidmet der Gattin

seines großzügigen Mäzens Otto Wesendonck.

Diese werden in einer von Hans Werner Henze instrumentierten

Fassung für Kammerorchester unter

der Leitung des Dirigenten Stefan Sanderling mit der

Mezzosopranistin Karolina Gumos aufgeführt.

„Schellackplatten auf der Flucht“ heißt ein weitererTeil

dieses ungewöhnlichen Programms.Ererinnertandas le-

Drei ungewöhnliche Konzerte zum Thema

Flucht in der Komischen Oper

VonIrene Bazinger

gendäre „Semer Label“, das 1932 von Hirsch Lewin gegründet

wurde. Inseiner „Hebräischen Buchhandlung“

im Scheunenviertel verkaufte er neben jüdischen Büchern,

Schriften und religiösem Zubehör auch Schellack-

Platten. Zwischen 1932 und 1938 nahm er selbst hunderte

Platten mit einem breiten künstlerischen Spektrum auf:

VomKabarett und Schlager bis hin zu liturgischer und

klassischer Musik, Gesänge auf Hebräisch, Jiddisch,

Deutsch, Russisch und Italienisch, Volksmusik, Theatermusik,

italienische Arien und russische Volksweisen.

Besessen dokumentierte er das jüdische Musikleben

Berlins,als hätte er gespürt, dass es unweigerlich zu Ende

gehen würde.Sobot er jüdischen Künstlern, die vonden

Nationalsozialisten aus dem Kulturbetrieb ausgestoßen

worden waren, ein eigenes Forum an. In der

Pogromnacht wurde sein Buchladen samt 4500

Schallplatten und 250 Matrizen zerstört. Anhand

der historischen Aufnahmen, die heute in alle

Welt verstreut sind, hat das Semer Ensemble

unter dem Bandleader Alan Bern die Lieder

rekonstruiert und neu eingespielt – und

bringt sie sozusagen an den Ort der Entstehung

zurück.

Von der zunehmend schwierigeren Situation

in der DDR berichten schließlich

Musikerinnen und Musiker des Orchesters

der Komischen Oper.Kurioserweise verließ

dieses kaum jemand bei den Auslandsreisen

in den 80er-Jahren, aber gleich vier

sprangen bei einem Gastspiel in London im

Sommer 1989 ab –also kurz vor dem Mauerfall

in der Zeit der großen Fluchtbewegung.

Drei von ihnen werden von ihren Erfahrungen

berichten und mit dem Kammerorchester

der Komischen Oper einige Stücke

aus dem damaligen Gastspiel-Repertoire aufführen,

wie aus Glucks „Orpheus und Eurydike“,

Smetanas „Die verkaufte Braut“ und Offenbachs

„Blaubart“. Dieanderen Konzerte dieser klug konzipierten

und verheißungsvoll gestalteten Trilogie

heißen„Flucht II –Vom Einwandern“ (26. Januar 2020)

und „Flucht III –Vom Bleiben“ (15. Mai2020).

FluchtI–VomAuswandern So 15.9., 19 Uhr, Komische Oper,

Behrenstr.55–57, KartenTel.: 47 99 74 00

KOMISCHE OPER/ AN WINDSZUS PHOTOGRAPHY

Die Rückkehr der Pola Negri

Der Zoopalast zeigt den Stummfilm-Klassiker „Madame Dubarry“ 100 Jahre nach seiner Uraufführung mit Orchester

VonTorsten Wahl

Das Kino ist ja seit jeher ein Spiel

mit Illusionen und Verführungen.

DerZoopalast feiertinder kommenden

Woche mit einer festlichen

Aufführung des Stummfilm-Klassikers

„Madame Dubarry“ auch „100

Jahre Filmgeschichte“ – doch wer

aus diesem Titel „100 Jahre Zoopalast“

herausliest, ist schon mal auf

dem Irrweg.

Denn das heutige Gebäude

wurde ja erst in den Jahren 1956/57

errichtet und immer wieder modernisiert,

zuletzt 2013. Seine größten

Jahre erlebt das Haus als Zentrum

der Berlinale bis 1999. Der Vorgängerbau

am selben Platz war im

Herbst 1943 durch alliierte Bombardements

zerstört worden – doch

auch er war nicht etwa 1919 eingeweiht

worden. Denn hier standen

die 1906 eingeweihten „Ausstellungshallen

am Zoo“, in deren Westsaal

schon 1913 eine „Bildwerferhalle“

eingebaut wurde und wo der

Film „Quo Vadis“ uraufgeführt

wurde. Nach weiteren Umbauten

aber wurde das Haus tatsächlich am

18. 9.1919 mit einer Uraufführung

von „Madame Dubarry“ als „UFA

Filmpalast am Zoo“ neu eröffnet.

Damals hatte der Saal 1740 Plätze,

später war das Haus mit über 2000

Plätzen für einige Jahre das größte

Kinotheater Deutschlands.

Esverfügte über

den Raum für ein Orchester,

über eine

Kino-Orgel sowie eine

Licht-Orgel. Ufa-Klassiker

wie „Metropolis“

und „M“ feierten hier

Premiere, NS-Propagandawerke

wie „Der

Triumph des Willens“

oder „Jud Süß“ ebenso.

Die letzte Uraufführung

vor der Zerstörung

erlebte „Münchhausen“ –ein

Urahn der trickreichen Täuscher.

Mit der Wieder-Aufführung von

„Madame Dubarry“ nach genau

Pola Negri als

Madame Durbarry

IMAGO IMAGES

hundertJahren will der

Zoopalast eine Tradition

wieder beleben.

Denn das Historiendrama

von Ernst

Lubitsch wird, wie

anno 1919, in großem

Stil musikalisch begleitet

–esspielt das Berliner

Metropolis Orchester

unter Burkhard

Götze. Allerdings

stammt die Filmmusik

nicht vom Original-

Komponisten Alexander Schirmann,

sondern wurde 2007 neu komponiertvon

Stephan Graf vonBothmer,

bekannt für seine Stummfilmbeglei-

tungen im Kino Babylon. Auch die

einleitende Wochenschau aus dem

Jahr 1919 wird von Orchestermusik

untermalt –die Komposition vonRichardSiedhoff

wurde für den Festakt

„100 JahreWeimarer Verfassung“ geschrieben.

Der Film selbst kreist um Täuschungen

und Verführungen. Denn

„Madame Dubarry“ stammte aus

ärmlichen Verhältnissen und hieß

Marie-Jeanne Decu, stieg aber dank

diverser Intrigen und Tricks zur Mätresse

des Königs Ludwig XV.auf. Der

Aufstieg endete im Drama, die Frau

wurde während der Revolution hingerichtet.

Die junge, gerade mal 22-

jährige Pola Negri wurde 1919 mit

der Titelrolle zum Star –dabei hieß

sie eigentlich Apolonia Chalupiec

und stammte aus dem polnischen

Lipno. Neben ihr sind Größen des

deutschen Films und Theaters zu erleben:

Emil Jannings (eigentlich:

Theodor Friedrich Emil Janenz)

spielt König Ludwig XV, Eduard von

Winterstein (eigentlich: Eduard Clemens

Franz Freiherr von Wangenheim)

ihren Pro-Forma-Gatten Graf

Jean Dubarry. Auch mit den Namen

wurde also immer schon gern getrickst.

100Jahre Filmgeschichte Mi (18. 9.),

19.30 Uhr Zoopalast, Hardenbergstr. 29 a,

Karten 35 Euro


2 Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019

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Film/Kinoprogramm

DVD-TIPP

NEU IM KINO

Lust

und Lüge

Roman Polanskis

Klassiker

„Wenn Katelbach kommt“

Lange Jahre konnte der Film hierzulande

aus rechtlichen Gründen

nicht gezeigt werden; jetzt ist er

endlich wieder da: „Wenn Katelbach

kommt“, Roman Polanskis Meisterstück,

ausgezeichnet mit dem Goldenen

Bären der Berlinale 1966. Eine

Studie über Macht, Abhängigkeit

und Gewalt, bürgerliche Neurosen

und Rollenspiele,Lust und Lüge,die

Unwägbarkeit menschlichen Tuns.

Polanski hatte eine Zeitlang versucht,

Samuel Becketts Stück „Warten

auf Godot“ zu verfilmen. Daswar

ihm nicht gelungen, weil sich der Autor

dem Wunsch versperrte. In

„Wenn Katelbach kommt“ sind Becketts

Spuren aber deutlich erkennbar;

kein Zweifel, dass Polanski das

absurde Theater, auch Eugène Ionesco

und Harold Pinter gründlich

studierthatte.

Der Plot spielt auf einer von Flutwasser

umschlossenen Burg;ein Ort,

der den Figuren kein Entkommen ermöglicht.

Zwei Gangster flüchten

nach einem missglückten Überfall

hierher; einer bleibt schwer verletzt

im Auto zurück, das Wasser steht

ihm bis zum Hals. Das ist, natürlich,

eine Metapher, die auch andere betrifft:

den Burgherrn, einen früheren

Fabrikbesitzer, der mit schlaffen

Rhabarberstängeln hantiert, und

seine junge Frau mit ihrem Heer von

Hühnern. Am Ende zerfällt die fragile

bürgerliche Beziehung, zurück

bleiben Verwüstung und Wahnsinn:

Der Hausherr kauert auf einem Fels

im Meer und beschwört jammernd

das alte Leben zurück. Gefilmt ist

dies in Schwarzweiß mit zahllosen

Graustufen. Polanskis

Sicht auf

die Welt: erbarmungslos

und

sarkastisch.

Wenn Katelbach

kommt GB/BRD

1966, 107 Min.,

ab 12,99Euro

Naima (Mina Farid) und ihre Sommerbekanntschaft (Lakhdar RileyDridi)

VonChristina Bylow

Die Provokation ist natürlich

einkalkuliert. Eine

junge Frau schwimmt im

Meer, der grüne winzige

Slip betont ihre Nacktheit, die sie

nachher,sich am Strand räkelnd, erst

richtig ausstellt. Die Kamera umkreist

ihre Silhouette und zeigt, was

diese Frau zeigen will, Brüste,Beine,

Po. Alles straff, alles glatt. Die Regisseurin

Rebecca Zlotowski beginnt

ihren Film mit einem Blick auf eine

Frau, der gemeinhin als „männlich“

gilt. Derweibliche Körper als Schauobjekt,

das davon lebt, betrachtet

und begehrtzuwerden. Endet dieser

Blick, endet auch die Frau. Jedenfalls

in den weiten Niederungen der Filmindustrie.

Warum nur muss ausgerechnet

eine Regisseurin diesen Blick rekapitulieren?

Es ist eine Finte, das vorweg.

Zlotowski zitiert, Brigitte Bardot

zum Beispiel, wie sie am Strand von

Cannes posiert. In Zahia Dehar, der

Frau am Strand, fand sie die ideale

Verkörperung einer Figur, die Retro

Die Spiele der Reichen

Mit anteilnehmender Neugier: Eine Sommerelegie von Rebecca Zlotowski

und Gegenwartvereint. Eine ehemalige

Prostituierte, die den französischen

Fußballer Franck RiberyinBedrängnis

brachte, weil er deren

Dienste in Anspruch genommen haben

soll, zu einem Zeitpunkt, als die

heute 27-jährige Dehar noch minderjährig

war. Ribery wurde 2014

freigesprochen, Zahia Dehar rühmte

sich der Affäre, fand Investoren für

ihr Dessous-Label, Karl Lagerfeld

nannte sie anerkennend eine „moderne

Kurtisane“ und sprach voneiner

„sehr französischen Tradition

der Galanterie“. Zlotowski bietet ihr

mit ihrem Film auf den ersten Blick

das passende glamouröse Forum.

Doch was wie pornografische Konfektion

beginnt, entpuppt sich bald

als fein gesponnene Studie über das

Erwachen einer jungen Frau an einem

Ort, der Cannes heißt.

An diesem Ort der Reichen und

Gefallsüchtigen lebt die 16-jährige

Naima, gespielt von der begabten

Debütantin Mina Farid, mit einer

Mutter,die als Hausangestellte in einem

der teuren Hotels schuftet. Jetzt

sind Ferien, und plötzlich ist die ältere

Cousine Sofia (Zahia Dehar) im

Haus, angereist aus Paris. Sie wird

zum Katalysator einer Veränderung,

am Ende der Ferien ist Naima eine

andere. Im Rückblick erzählt Naima

ihre Geschichte, die so leicht daherkommt

wie eine Meeresbrise, aber

doch von den gefährlichen Unterströmungen

einer Gesellschaft handelt,

die klar unterteilt ist in solche

die bedient werden und solche, die

dienen.

Naima folgt Sofia (Zahia Dehar)

wie ein Welpe, will ihr ähnlich werden,

imitiertsie.Geht mit ihr auf die

Yacht deutlich älterer Männer,die sie

nicht kennt, lässt sich hineinlotsen

in eine Welt, die Leute wie sie benutzenund

verachten. Diebeiden Männer

bilden das etwas klägliche Gegenpaar

zu den beiden jungen

Frauen, Pseudophilosophie über

Geld und Anarchie auf den Lippen,

Selbstmitleid, das schon auf ein bitteres

Alter verweist, und doch –auch

sie sind keine Karikaturen. Aufihren

exquisiten Schauplätzen, einer von

einem Skulpturenpark umgebenen

Villa, einem Luxusrestaurant, sind

LES FILMS VELVET/WILD BUNCH

die beiden Frauen nur kurzzeitig

Gast, und das nur weil sie jung und

hübsch sind, und Sofia zudem eine

raffinierte Sexgespielin ist. Gerade

weil sie nicht nach Liebe, sondern

nur nach Erlebnissen sucht –die sie

sich allerdings mit teuren Geschenken

bezahlen lässt –ist sie die Verkörperung

der ewigen Fantasie von

Lust ohne Versprechen. Zlotowski

legt dieser Erscheinung ein Überlebensmantra

inden Mund: Niemals

Opfer sein, niemals passiv sein. „Ich

warte nie auf etwas, ich führe es

selbst herbei.“ Diese Illusion, alles

selbst entscheiden zu können, zieht

Naima an, aber sie verfällt ihr nicht.

EinFilm voller Licht undWärme,weniger

literarisch als der von der Regisseurin

spürbar verehrte Eric Rohmer

–,aber mit derselben anteilnehmenden

Neugier gegenüber

menschlichen Wesen. Auch Zlotowski

lässt ihnen ihr Geheimnis.

Einleichtes Mädchen Frankreich 2019. Regie:

RebeccaZlotowski,;Darsteller: MinaFarid, Zahia

Dehar,Nuno Lopes, Benoit Magimel,Kamera:

Georges Lechaplois,92Min., FSK: 16

GUT GEGEN NORDWIND Dtl. 2019.

Regie: Vanessa Jopp.Eigentlich hatte

Emmi Rothner (NoraTschirner) bloß

ein Zeitungsabonnement abbestellen

wollen. Doch weil sie einen Tippfehler

in der Adresszeile macht, landet

die E-Mail im Postfach von Leo

Leike (Alexander Fehling). Der beschäftigt

sich gerade beruflich mit

der Sprache von Mails und schreibt

Emmi kurzerhand zurück, überrascht

sie damit, was er daraus

schließen kann, wie sie ihre E-Mail

verfasst hat. Es ist der Beginn eines

langen Online-Austauschs. Mail für

Mail kommen sich Leo und Emmi

näher. Erst zaghaft, dann intensiver

berichten sie auch vonihrem Privatleben.

Leo hängt immer noch an seiner

Ex-Freundin Marlene (Claudia

Eisinger), während Emmi mit Bernhard

(Ulrich Thomsen) verheiratet

ist. Eine Chance auf eine Romanze

scheint es zuerst nicht zu geben.

Aber natürlich kommtes anders.

MEIN LEBEN MIT AMANDA Frankreich

2018. Regie: Mikhael Hers.David

ist Mitte 20 und macht sich keine

Gedanken über die Zukunft, er verdient

sein Leben in Paris mit halblegalen

Vermietungen an Touristen.

Seine einzige feste Beziehung pflegt

er zu seiner Schwester.Als die bei einem

Attentat umkommt, kümmert

er sich um ihre Tochter Amanda,

auch wenn er sich dem nicht gewachsen

sieht. Drama, das von der

Annäherung eines jungen Mannes

und seiner Nichte und dessen Erwachsenwerden

erzählt, ausgehend

von einer Tragödie. Mikhael erzählt

es mit großer Leichtigkeit, Ehrlichkeit,

fast beiläufig, folgt seinen Protagonisten

mit der Handkamera. Die

ungewöhnliche Familiengeschichte

wurde in Venedig ausgezeichnt.

SICCIN 6 Türkei 2019. Regie: Alper

Mestci. Bei der Familie von Yasar

liegt einiges im Argen: Mit seiner

Stiefmutter streitet er sich um das

Erbe seines Vaters.Seine Schwägerin

hat sich in ihn verliebt –was keine

Idealsituation ist, wenn man in der

gleichenWohnung wohnt. Undseine

Tochter Efsun, die mit einer geistigen

Behinderung geboren wurde, muss

sich der schwierigen Vergangenheit

stellen. Als sich mysteriöse Dinge im

Apartment zu ereignen beginnen,

stellt sich die Fragen, was von allem

ein Segen und was ein Fluch ist.

FILME 12. BIS 18. SEPTEMBER

25 KM/H Openair Kino Spandau: Fr 20.15 Uhr. UCI

Kinowelt Colosseum 1: Fr 19.55 Uhr.

3FROM HELL CineStar im SonyCenter 1(OV): So

18.15 Uhr.

ABEAUTIFUL PLANET UCI Luxe Kino Mercedes-Platz

1-14 (IMAX 3D): Do/Fr/Mo/Di 14.15 Uhr,Sa/So

11.20 Uhr.

AGLOBAL MESS Moviemento 3(OmU): Sa 15 Uhr.

AGOOD WOMAN IS HARD TO FIND CineStar im Sony

Center 1(OV): Sa 18 Uhr.

AGSCHICHT ÜBER D'LIEB Delphi LUX 4: So

13.15 Uhr.

ATOY STORY: ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO

AstraFilmpalast 1-5 (2D): tgl 14.30, 17.15 Uhr,

Sa/So/Mi a. 10, 12.15 Uhr. CinemaxX Potsdamer

Platz 1-19 (3D): tgl 17 Uhr. CinemaxX Potsdamer

Platz 1-19 (2D): Do-Sa/Di/Mi14Uhr,Fr-Soa.19.50

Uhr, Mo 14.30 Uhr,Di/Mia.19.30 Uhr. CineMotion

Hohenschönhausen 1(3D): Do-Sa/Mo-Mi 14.45

Uhr. CineMotion Hohenschönhausen 1(2D): tgl 15,

17.30 Uhr, Sa/Soa.12.30Uhr. Cineplex Alhambra1-

5(2D): tgl14.15, 16.50 Uhr,Sa/So a. 12 Uhr. Cineplex

Neukölln Arcaden 1-9 (2D): tgl14Uhr,Do-

Sa/Mo-Mi a. 16.45 Uhr, Sa/Soa.12Uhr,Soa.17Uhr.

Cineplex Spandau 1-5 (2D): tgl 10, 12.30, 14.15

Uhr,Do-Sa/Mo-Mi a. 17.30 Uhr. Cineplex Titania Palast

1-7 (2D): tgl 10, 12.25, 14.50, 17.20 Uhr. Cine-

Star -Der Filmpalast Treptower Park 1(2D): Do-

Sa/Mo-Mi 14,16.30Uhr,Sa/Soa.11.30 Uhr,So

14.15,17Uhr. CineStar CUBIX Filmpalast Alexanderplatz

1(3D): Do-So/Di/Mi18Uhr,Mo17.20 Uhr.

CineStar CUBIX Filmpalast Alexanderplatz 1(2D):

tgl 11.30,14Uhr,Do-Sa/Mo-Mi a. 16.40 Uhr, So a. 17

Uhr. CineStar Hellersdorf 1(2D): tgl 17 Uhr,Do-

Sa/Di/Mi a. 13.30 Uhr, So a. 11.50,13.45 Uhr. Filmtheater

am Friedrichshain 5(2D): Do-Mo 16 Uhr,

Do/Fr/Moa.14.30 Uhr, Sa/So a. 13.50 Uhr, Di/Mi 15

Uhr. Kant Kino 4(2D): tgl 15.15 Uhr,Do/Fr/Mo-Mi a.

14.40 Uhr, Sa/So a. 13 Uhr. Kino in der Kulturbrauerei

1-8 (2D): Do/Sa-Mi 14.20 Uhr, Fr/Sa/Di/Mi a.

16.30 Uhr, Fr 14 Uhr,Soa.11.30 Uhr. Kino Spreehöfe

1(2D): tgl17.30 Uhr,Do-Sa/Mo-Mi a. 15.15 Uhr, So

a. 13, 15.30 Uhr. Thalia Movie Magic 1(2D): tgl

15.45 Uhr, Do/Mi a. 18 Uhr,Sa/Soa.13.30 Uhr, So a.

11.15 Uhr. UCI Kinowelt am Eastgate 1(2D): tgl 14,

17.15 Uhr, Sa/Soa.11.30 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum

1(2D): tgl 14.30, 17 Uhr,Do/Sa/So/Di/Mi a.

19.55Uhr,Sa/So a. 12 Uhr. UCI Luxe Gropius Passagen1-6

(2D): tgl 14 Uhr,Do-Sa/Mo-Mi a. 16.50 Uhr,

Sa/Soa.11.45 Uhr,Soa.17.25Uhr. UCI Luxe Kino

Mercedes-Platz 1-14 (2D): tgl14.45 Uhr, Do-Sa/Mo-

Mi a. 16.45 Uhr, Do-So/Di/Mi a. 19.50 Uhr,Sa/Soa.

11.10 Uhr,Soa.17Uhr. UCI Luxe Potsdam Center 1-

8(2D): tgl 13.40 Uhr,Sa/So a. 11 Uhr. Zoo Palast 2

(2D): Do/Sa/Di 14.40 Uhr, Fr/Mi 14.30 Uhr, Sa/So a.

12.15 Uhr. Zoo Palast 4(2D): Mo 14.45 Uhr. Zoo Palast

5(2D): So 14.45 Uhr. Zoo Palast Clubkino B

(2D): Do/Sa-Mi 18.05 Uhr, Fr 17.40 Uhr.

ATOY STORY: ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO -

TOY STORY IV CineStar im SonyCenter 1(OV): tgl 17

Uhr,Do-So/Di/Mi a. 13.50 Uhr, Do/Mi a. 20.25 Uhr,Fr

a. 19.45 Uhr,Sa/Moa.19.30 Uhr,Soa.20Uhr,Moa.

13.30 Uhr, Di a. 20.10 Uhr. Rollberg 1(OV): Sa/So

14.45 Uhr.

ABRAHAMS GOLD Eva-Lichtspiele: Sa 18 Uhr.

ACCATTONE -WER NIE SEIN BROT MIT TRÄNEN Aß

Babylon 1-2 (OmU): Fr 18 Uhr,So14.15Uhr,Di

17.15 Uhr.

ACID (2019) -KISLOTA Krokodil (OmU): So 21 Uhr.

ACRE DREAMS Delphi LUX 6(OmenglU): Do 21 Uhr.

DIE AGENTIN (2019) CinemaxX Potsdamer Platz 1-

19: Do-Sa 22 Uhr, Fr/Sa a. 19.10 Uhr, So 22.30 Uhr,

Mo/Mi 19.20 Uhr, Di 22.25 Uhr. Delphi LUX 7: tgl14,

16.40 Uhr. Filmkunst 66 Kino 1: Do/Di 18 Uhr. Filmkunst

66 Kino 1/2: So 20 Uhr. Union Filmtheater:

Do/Di 13 Uhr, Do a. 20.15 Uhr, Fr 17.30 Uhr, Sa

13.15, 20.30 Uhr,So17.45 Uhr,Mi13.30, 18 Uhr.

DIE AGENTIN (2019) -THE OPERATIVE b-ware!Ladenkino

2(OmU): Do/Mo 12.45 Uhr, Mi 14.45 Uhr. IL

KINO Kino-Bar-Bistro (OmU): Do 22.30 Uhr,Fr14.30

Uhr,Mo10.30 Uhr, Mi 10 Uhr.

ALADDIN (2019) CinemaxX Potsdamer Platz 1-19:

Do 13 Uhr, Fr/Di/Mi 19.30 Uhr, Sa/So 20 Uhr, Mo/Di

a. 16 Uhr,Mia.15.45Uhr. Cineplex Neukölln Arcaden

1-9: tgl16.35 Uhr,Sa/So a. 12 Uhr. CineStar -

Der FilmpalastTreptower Park 1: Sa/So 12 Uhr. Freiluftkino

Friedrichshagen: Sa 20 Uhr. IL KINO Kino-

Bar-Bistro (DF): Sa 13.30 Uhr,So11.30 Uhr. UCI

Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14: tgl13.45Uhr,

Sa/So a. 11.45 Uhr. Union Filmtheater: Fr 13 Uhr,So

15.45 Uhr,Di20.15Uhr,Mi15.15Uhr. Zoo Palast 5:

Sa/So 12 Uhr.

ALFONS ZITTERBACKE -DAS CHAOS IST ZURÜCK

Acud Kino 1: Sa/So 16.45 Uhr, Mi 17 Uhr.

ANGEL HAS FALLEN AstraFilmpalast 1-5: tgl18, 20,

22.30 Uhr,Mia.10Uhr. CinemaxX Potsdamer Platz

1-19: tgl 16.30 Uhr,Do-Sa/Mo-Mi a. 13.30 Uhr,

Do/So/Di/Mia.19.30Uhr,Do/Di/Mia.22.40 Uhr,Fr-

Mo a. 23 Uhr, Fr/Sa/Mo a. 20 Uhr. CineMotion Hohenschönhausen

1: tgl 20.30 Uhr,Fr/Sa a. 22.40

Uhr. Cineplex Alhambra1-5: Do-Sa/Mo-Mi 16.30

Uhr, Do/Fr a. 22.50 Uhr,Fr/So/Mo/Mi a. 20.30 Uhr.

Cineplex Neukölln Arcaden 1-9: tgl16.50 Uhr, Do-Sa

a. 23.05 Uhr, Fr/So/Di a. 19.50 Uhr. CineStar -Der

Filmpalast Treptower Park 1: tgl 19.50 Uhr,Do-Sa a.

22.45Uhr,Fr-Mi a. 17.05 Uhr. CineStar CUBIX Filmpalast

Alexanderplatz 1: tgl20.15, 23.15 Uhr. Cine-

Star Hellersdorf 1: Do-Sa/Mo-Mi 19.40 Uhr, Fr/Sa a.

23 Uhr. CineStar im SonyCenter 1(OV): tgl19.45

Uhr,Do-So/Di/Mi a. 22.50 Uhr. Kino Spreehöfe 1: tgl

20.30 Uhr. UCI Kinowelt am Eastgate 1: tgl17.15,

20 Uhr, Fr/Sa/Mi a. 23 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum

1: tgl19.50, 22.45 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-

Platz 1-14: tgl17.20, 20.15 Uhr,Do-So a. 23.15 Uhr.

UCI Luxe Potsdam Center 1-8: Do-Sa/Mo-Mi17, 20

Uhr,Fr/Sa a. 23 Uhr, So 20.15 Uhr. Zoo Palast 4:

Do/So-Mi 20 Uhr,Fr23Uhr. Zoo Palast 5: Fr 20 Uhr.

Zoo Palast Clubkino A: Do/Sa-Mi17Uhr,Saa.19.45

Uhr. Zoo Palast Clubkino B: Do/Sa-Mi

23 Uhr.

ANGRY BIRDS 2: DER FILM AstraFilmpalast 1-5

(Preview/2D): So 14,16Uhr. CinemaxX Potsdamer

Platz 1-19 (Preview/2D): So 15 Uhr. CineMotion

Hohenschönhausen 1(Preview/2D): So 15 Uhr. CineplexAlhambra1-5

(Preview/2D): So 15 Uhr. Cineplex

NeuköllnArcaden 1-9 (Preview/2D): So 15 Uhr.

Cineplex Spandau 1-5 (Preview/2D): So 15 Uhr. Cineplex

Titania Palast 1-7 (Preview/2D): So 15 Uhr.

CineStar -Der Filmpalast Treptower Park 1(Preview/2D):

So 14.30 Uhr. CineStar CUBIX Filmpalast

Alexanderplatz 1(Preview/2D): So 14.30 Uhr. Cine-

Star Hellersdorf 1(Preview/2D): So 14.30 Uhr. Kino

in der Kulturbrauerei 1-8 (Preview/2D): So 14.30

Uhr. Kino Spreehöfe 1(3D/Preview): So 15.15 Uhr.

Thalia Babelsberg 1(Preview/2D): So 16 Uhr. Thalia

Movie Magic 1(Preview/2D): So 15.45 Uhr. UCI

Kinowelt am Eastgate 1(Preview/2D): So 14.30

Uhr. UCI Kinowelt Colosseum 1(Preview/2D): So

14.30 Uhr. UCI Luxe Gropius Passagen 1-6 (Preview/2D):

So 14.30 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-

Platz 1-14 (Preview/2D): So 14.30 Uhr. UCI Luxe

Potsdam Center 1-8 (Preview/2D): So 14.30 Uhr.

Zoo Palast 2(Preview/2D): So 14.30 Uhr.

ANGRY BIRDS 2: DER FILM -THE ANGRY BIRDS MO-

VIE II CineStar im SonyCenter 1(OV/Preview): So

14.30 Uhr.

ANNABELLE III CinemaxX Potsdamer Platz 1-19: tgl

22.45 Uhr. Cineplex Alhambra1-5: Do-Sa 23 Uhr. Cineplex

Neukölln Arcaden 1-9: Do-Sa 23.05 Uhr. CineStar

Hellersdorf 1: Fr/Sa23Uhr. UCI Luxe Kino

Mercedes-Platz 1-14: Do/Sa/So23Uhr.

APOCALYPSE NOW -FINAL CUT Rollberg 3(OmU):

Sa/So14.15 Uhr.

ARMY OF LOVERS IN THE HOLY LAND Delphi LUX 6

(OmenglU): Fr 21.15 Uhr.

AS THEMSELVES Hackesche Höfe Kino 1

(OmenglU): Mo 21 Uhr.

ASPHALT (1927/28) Delphi LUX 2: So 11.30 Uhr.

AUDRE LORDE: THE BERLIN YEARS 1984 TO 1992 -

AUDRE LORDE: DIE BERLINER JAHRE 1984-1992

Lichtblick-Kino (OmenglU): Mo 20 Uhr.

AUTONOMIES (2018) Filmkunst 66 Kino 1/2

(OmenglU): Do 19 Uhr.

AVENGERS: ENDGAME CinemaxX Potsdamer Platz

1-19: Fr-So/Di/Mi 22.10 Uhr.

B-MOVIE: LUST UND SOUND IN WEST-BERLIN Kinobar

im Sputnik (Höfe am Südstern) (OmenglU): Sa

22 Uhr, Mo 22.30 Uhr.

BAISHE: YUANQI -WHITE SNAKE CineStar im Sony

Center 1(OmenglU): So 12 Uhr.

BALKAN MELODIE Zeiss-Großplanetarium (OmU):

Sa 21 Uhr,So13.30Uhr.

BAR BAHAR -INBETWEEN (2016) City KinoWedding

(OmenglU): Fr 19 Uhr. Filmkunst 66 Kino 1

(OmenglU): Sa 18 Uhr.

BECOMING ANIMAL Tilsiter-Lichtspiele 2(OmU):

Fr/Di14Uhr.

BEETLEJUICE Rollberg 5(OV): Sa 22.30 Uhr.

BENJAMIN BLÜMCHEN (2019) AstraFilmpalast 1-

5: Do-So/Di/Mi 14 Uhr, Sa/Soa.10Uhr. b-ware!Ladenkino:

Fr 12.30 Uhr. Casablanca: Sa 14 Uhr,So

14.15 Uhr. CinemaxX Potsdamer Platz 1-19: Fr-Di

13.30 Uhr. CineMotion Hohenschönhausen 1:

Sa/So 12.10 Uhr. Cineplex Alhambra1-5: Sa/So 12

Uhr. Cineplex Neukölln Arcaden 1-9: Sa/So 12 Uhr.

Cineplex Spandau 1-5: tgl 10 Uhr. Cineplex Titania

Palast 1-7: tgl10, 12.05 Uhr. CineStar -Der Filmpalast

Treptower Park 1: Sa/So 11.40 Uhr. CineStar

CUBIX Filmpalast Alexanderplatz 1: Do-So/Di/Mi

11 Uhr, Mo 12.40Uhr. CineStar Hellersdorf 1: So 11

Uhr. Filmtheater am Friedrichshain 1: So 13 Uhr.

Kant Kino 1: Sa/So 13 Uhr. Kino in der Kulturbrauerei

1-8: So 12 Uhr. Kino Spreehöfe 1: So 10,12.15

Uhr. Moviemento 1: So 15.45 Uhr. Moviemento 2:

Do 16.30 Uhr,Fr/Mo-Mi 13.45 Uhr,Sa12.15Uhr. Thalia

Babelsberg 1: Sa 14 Uhr,So13.45 Uhr. Thalia

Movie Magic 1: So 11 Uhr. Tonino: tgl 13.30 Uhr. UCI

Kinowelt am Eastgate 1: Do-Sa/Mo-Mi14.15 Uhr,

Sa/Soa.11.35 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum 1: tgl

14.15 Uhr,Sa/Soa.12Uhr. UCI Luxe Gropius Passagen1-6:

Sa/So 11.50 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-

Platz 1-14: Sa 11.20 Uhr, So 11.50 Uhr. UCI Luxe

Potsdam Center 1-8: tgl 13.50 Uhr, Sa/So a.

11.15Uhr.

THE BERLIN 48 HOUR FILM PROJEKT Babylon 1-2:

Sa 17,19Uhr.

BERLIN BABYLON Hackesche Höfe Kino 1

(DFmenglU): tgl15Uhr,Soa.11Uhr.

BERLIN BOUNCER b-ware!Ladenkino (OmenglU):

Mo 14 Uhr. Kinobar im Sputnik (Höfe am Südstern)

(OmenglU): Do 22.15 Uhr. Zukunft 4(OmU): Do/Mo

22 Uhr, Sa/So 16.15Uhr.

BERLIN, ILOVE YOU b-ware!Ladenkino 2(OmU): Di

14.45 Uhr, Mi 12.45 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum 1:

Sa/So 12 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14:

So 11.30 Uhr.

BESPRECHUNG Arsenal 2: Mi 20 Uhr.

BLINDED BY THE LIGHT (2019) Filmkunst 66 Kino 1:

So 20.15 Uhr. Filmkunst 66 Kino 1/2: Sa 17.45 Uhr,

Di 20 Uhr. Hackesche Höfe Kino 4(OmU): tgl14.30

Uhr.

BLOW UP Babylon 1-2 (OV): Do/Mo 20 Uhr, Mi 22

Uhr.

BOHEMIAN RHAPSODY Casablanca: Do 20.30 Uhr.

Kino Kiste: Mo 20 Uhr.

BORDER (2019) -GRÄNS Pompeji -Freiluftkino am

Ostkreuz (OmU): Mo 20 Uhr.

BURNING (2019) -BEONING b-ware!Ladenkino 2

(OmU): Mo 22.15 Uhr.

CALLBOYS -DIE SERIE Moviemento 3(OmenglU): Fr

19 Uhr.

CARMINE STREET GUITARS fsk am Oranienplatz 1

(OmU): Sa/So 13.45 Uhr. Tilsiter-Lichtspiele 2

(OmU): Sa/Mi 14 Uhr. Xenon (OmU): Sa/So

16 Uhr.

CASABLANCA Lichtblick-Kino (OmU): Sa

23.59 Uhr.

CHINA IST NAHE -LACINA EVICINA Babylon 1-2

(OmenglU): Fr 17.15 Uhr,Mi17.45 Uhr.

CLEO (2019) Acud Kino 1(OmenglU): Fr 21 Uhr,Sa

20.45 Uhr. Acud Kino 2(OmenglU): So 21.30 Uhr,

Mo 19.45 Uhr, Mi 18 Uhr. b-ware!Ladenkino 2

(OmenglU): Di/Mi 11 Uhr. b-ware!Ladenkino 3

(OmenglU): Do 15.15 Uhr, Fr 12.45 Uhr. Casablanca:

Mi 18.15 Uhr. Moviemento 1: Sa 11 Uhr,So11.15

Uhr. Moviemento 3: Di 10.15 Uhr. Openair Kino

Spandau: Mi 20.15 Uhr. Sputnik (Höfe am Südstern)

1(OmenglU): Fr/Mo16Uhr,Di16.45 Uhr, Mi 16.15

Uhr. Sputnik (Höfe am Südstern) 2(OmenglU): Sa

16 Uhr,So15.45 Uhr. Zukunft 3(OmenglU): Sa/So

16 Uhr. Zukunft 4(OmenglU): Fr 22 Uhr.

CLOSE-UP (1990) -NAMA-YE NAZDIK Arsenal 2

(OmenglU): Di 19.30 Uhr.

COMRADE XZeughauskino: Fr 21 Uhr.

CONGO CALLING Filmrauschpalast (OmU): Do/Mi

19.45Uhr,Fr18Uhr. fsk am Oranienplatz 1(OmU):

Sa/So 15.45 Uhr. Tilsiter-Lichtspiele 2(OmU):

Do/Mo 14 Uhr.

CRAWL (2019) b-ware!Ladenkino: Di 22.45 Uhr. b-

ware!Ladenkino (OV): Mi 22.45 Uhr. CinemaxX Potsdamer

Platz 1-19: Do-Di 23 Uhr,Mi22.20 Uhr. Cine-

Motion Hohenschönhausen 1: Fr/Sa23Uhr. Cine-

Star -Der Filmpalast Treptower Park 1: Do-Sa 23

Uhr. CineStar CUBIX Filmpalast Alexanderplatz 1:

tgl23.15 Uhr,Do-So/Di/Mi a. 20.40 Uhr. UCI Kinowelt

Colosseum 1: Do/Sa/So/Di/Mi 22.40 Uhr. UCI

Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14: Do/Sa/So20.40

Uhr,Do-Saa.23.15 Uhr,Fr20.15Uhr,Soa.23Uhr,

Di/Mi 21.10 Uhr. UCI Luxe Potsdam Center 1-8: Sa

23 Uhr.


Berliner Zeitung · N ummer 212 · D onnerstag, 12. September 2019 3

·························································································································································································································································································

Film/Kinoprogramm

Rita (Youla Bouidali) will nur eins: wegaus Mesolongi.

REALFICTION

Im Morast der Gefühle

Die griechische Welle rollt weiter –imPolizistinnendrama „Das Wunder im Meer von Sargasso“ mit einer umwerfenden Angeliki Papoulia

VonPhilipp Bühler

Im heutigen Kino wird viel geflucht,

gelegentlich auch von

Frauen, doch eine derart konstant

übellaunige Figur wie Elisabeth

muss man lange suchen.

Morgens beim Aufstehen, meistens

verkatert, sobald sie ihr Revier betritt

oder einen Tatort, lässt die Kommissarin

ihrer Wut freien Lauf. „Lass

mich in Ruhe! Wasmischst du dich

ein! Schlappschwanz!“ Ihre Tiraden

sind nie besonders ausgefeilt, dafür

treffen sie ins Mark. Vergleiche mit

Götz George,wie sie auf der diesjährigen

Berlinale zu hören waren, wo

„Das Wunder im Meer vonSargasso“

im Panorama gezeigt wurde,sind gerechtfertigt,

treffen aber weniger gut

– Georges Kommissar Schimanski

liebte den Ort seines Wirkens, den

Ruhrpott. Die Athenerin Elisabeth,

fulminant verkörpert von der griechischen

Ausnahmeschauspielerin

Angeliki Papoulia, hasst Mesolongi,

die öde Halbinsel, auf die sie versetzt

wurde. Sie hasst die Menschen dort

und das Leben, das sie ihr aufzwingen.

Darumläuft sie den ganzen Tag

herum wie eine geladene Waffe.

Ausgehend von dieser Figur

zeichnet der Regisseur Syllas Tzoumerkas

die Provinz als einen Orteintönigsten

Grauens. Jedes Bild gibt

Elisabeth recht. Der örtliche Schlagersänger

wird tot aufgefunden. Am

Abend zuvor,auf der Bühne nach einem

seiner öligen Songs und vollkommen

unerwartet, schleuderte er

dem Publikum noch seinen Hass

entgegen: „Fick dich, Mesolongi!“

Ein Bruder im Geiste, der sein erstes

wahres Wort mit dem Leben bezahlte?

So einfach ist die Sache nicht,

und Tzoumerkas’ disparate Anordnung

der Handlungsstränge macht

es nicht leichter. Manolis (Christos

Passalis), der Sänger, war ein Widerling.

In Szenen mit seiner Schwester

Rita sahen wir zuvor ein Ausmaß an

emotionalem Missbrauch, das erschüttert,

hier aber die Regel zu sein

scheint. Rita (Youla Boudali, die

auch am Drehbuch mitgewirkt hat)

gleicht Elisabeth allein darin, dass

auch sie nur weg will von diesem

Ort. Wiedie Aale,die sie in einer Fabrik

verarbeitet, wenn sie es nicht –

das ist die etwas überstrapazierte

Metapher des Filmtitels – in die

ferne Sargassosee geschafft haben,

in die Freiheit. Doch sie kann sich

nicht lösen aus dieser inzestuösen

Beziehung, flucht nicht, erträgt ihr

Leiden stumm. Bisdie Wege der beiden

Frauen sich notgedrungen

kreuzen.

Am besten begreift man „Das

Wunder im Meer vonSargasso“ wohl