AJOURE´ Magazin Oktober 2019

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AJOURE / INTERVIEW

Welches war dein persönlich emotionalster

Moment während der Reise?

Es gab tatsächlich mehrere. Immer wenn

wir uns mit den Protagonisten getroffen

haben, sie uns in ihre Welt geholt haben

und wir sie dann wieder zurücklassen

mussten, war das sehr emotional. Es waren

magische Momente, auch wenn das

immer so platt klingt – doch so war es

einfach.

Es gab einen Moment, um auf deine Frage

zurückzukommen, von dem ich behaupten

würde, dass er das Zeug zum „emotionalsten

Moment“ hat. Dieser ereignete

sich, als wir in New York waren und eine

Verabredung mit einem polnischen Juden

hatten, der damals mit seinen Eltern

im Warschauer Ghetto wohnte und den

Holocaust überlebte. Er hatte diese Zeit

nie wirklich verarbeitet, war eigentlich

Chemiker und hatte dann einen schweren

Unfall, der ihn halbseitig lähmte und

plötzlich begann er, Bilder über den Holocaust

zu malen. Zum Beispiel Bilder

aus dem KZ, obwohl er nie dort gewesen

ist. Er übernahm die Erlebnisse von seinen

Eltern und malte seitdem jeden Tag

ein Bild mit der linken Hand, obwohl er

eigentlich Rechtshänder war. Er ist ein

unglaublich berührender Mensch, der

uns viel erklärte und von den damaligen

Umständen erzählte. Er war gerührt,

dass zwei junge deutsche Menschen zu

ihm kommen und mit ihm sprechen

wollten. Am Ende der Gespräche haben

wir die Leute immer nach deren größten

Wunsch befragt. Er meinte, sein größter

Traum sei eine Ausstellung in Berlin und

das würden wir ihm gerne ermöglichen.

Wie habt ihr all diese Personen, die ihr

interviewt habt, entdeckt? Woher kamen

die Informationen, dass es all diese

besonderen Menschen gibt?

Bei Jurek, dem polnischen Holocaust-Überlebenden,

war es tatsächlich

Zufall. Wir sind in New Jersey bei einer

unglaublich netten Frau untergekommen.

Wir haben ihr erzählt, was wir so machen

und sie sagte, dass sie da eine sehr interessante

Person kenne und diese Person

war Jurek. Wir haben also teilweise vorab

recherchiert, aber manchmal auch die

Informationen von Leuten bekommen,

die Menschen kannten, die dort, wo wir

gerade waren, lebten. Ich glaube, man

Ich

hoffe, wir

überstehen

das.

findet überall auf der Welt spannende

Geschichten, wenn man die Augen aufmacht,

Menschen anspricht und danach

fragt.

Ihr hattet ja überhaupt kein Drehbuch.

Wie kompliziert wurde es teilweise, um

all die Szenen einzufangen? Habt ihr

euch das zu Anfang einfacher vorgestellt?

Und wie kam Manuel mit dieser

Herausforderung klar?

Vor allem ich habe es mir wohl anfangs

einfacher vorgestellt. Wir hatten zwar

kein Drehbuch, hatten aber vorbereitete

Interviewfragen und uns war es wichtig,

dass alles authentisch und echt ist. Deshalb

haben wir uns vorher mit den Leuten

getroffen, um ihnen zu erklären, worum

es geht und ihnen mögliche Ängste

zu nehmen. Aber dieses ständige „die

Sonne steht gerade so gut und das Licht

ist so schön“ war eine echte Herausforderung,

denn diese Momente wollten mit

der Kamera eingefangen werden. Irgendwann

haben wir einen Weg gefunden, so

entspannt als möglich alles aufzunehmen

und gleichzeitig diese schönen Momente

auch für uns genießen zu können.

Viele träumen von so einer Reise und

nur die Wenigsten setzen diesen Traum

in die Tat um. Welchen Tipp hast du für

junge Leute, die sich zu so einem Abenteuer

entscheiden?

Was uns sehr geholfen hat, war, uns vorab

schon mit einigen Menschen aus den verschiedenen

Ländern zu connecten. Vielleicht

hätte all das auch geklappt, wenn

wir auf gut Glück angereist wären, doch

die Art und Weise, wie wir uns auf alles

vorbereitet haben, hat vieles erleichtert.

Was ebenfalls sehr hilfreich war, war, dass

Manu fließend Spanisch spricht. Gerade

in Mexiko standen uns deshalb alle Türen

offen. Sehr wichtig ist auch, alle Vorurteile,

die man ja manchmal hat, wegzulassen.

Zum Beispiel war es so, dass wir beide

die USA zuvor noch nie bereist haben.

Dort sind wir aber so tollen und liebenswürdigen

Menschen begegnet, die wir auf

keinen Fall missen möchten.

Liebe Maria, vielen Dank für die viele

Zeit, die du dir für uns genommen hast.

Wir drücken dir die Daumen und freuen

uns sehr auf den Film sowie auf das

Buch.

AJOURE MAGAZIN SEITE: 36 | OKTOBER 2019

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