Berliner Kurier 16.09.2019

BerlinerVerlagGmbH

BERLIN

Demonstrationsroute

Reinhardtstr.

Friedrichstr.

MITTE

DER

ROTE

TEPPICH

Ehre, wemEhregebührt!

Norwegens

Kronprinzessin

Mette-

Marit kommt

nach Berlin.

B96

Bundestag

Scheidemannstr.

Str.d.17. Juni

START/ZIEL

Platz des

18. März

Ebertstr.

Luisenstr.

Behrenstr.

Dorotheenstr.

Brandenburger Tor

Reichstagufer

Glinkastr.

Friedrichstr.

Unter den

Linden

Französische Str.

Grafik/Galanty

Foto: dpa

Royaler Besuch aus dem

hohen Norden hat sich

angesagt. Ihre Königliche

Hoheit Kronprinzessin

Mette-Marit von Norwegen

(46) wird Mitte Oktober

nach Berlin kommen. Dabei

wird sie auf den ganzen

Schnickschnack verzichten,

der dabei normalerweise

gekrönten Häuptern zuteil

wird. Ihr Besuch gilt einem

ganz einfachen Zweck:

Sie will in Berlin über norwegische

Literatur und

Kunst sprechen. Im Gepäck

hat sie das Buch „Heimatland.

Was es bedeutet norwegisch

zu sein“, das sie mit

mehreren Autoren schrieb.

In dem Werk gibt sie erstmals

vieles aus ihrem Privatleben

preis. Etwa über

ihre Jugend. Wie aus einem

pflichtbewussten Mädchen

eine rebellische Jugendliche

wurde. „Ich durchlief

Phasen, in der ich viel Böses

in mir hatte“, schreibt sie.

Und gibt zu, dass auch eine

Kronprinzessin Ecken und

Kanten hat. „Ich habe immer

gewusst, dass ich im

Erfüllen von Erwartungen

nicht sonderlich gut bin.“

Am 13. Oktober stellt Mette-Marit

das Buch beim

RBB-Sender Radio Eins im

Großen Sendesaal im Haus

des Rundfunks (Masurenallee)

vor. Die Kino-Stars

Fritzi Haberland und

Joachim Król werden

daraus vorlesen.

Fragen?

Wünsche?

Tipps?

Redaktion: Tel. 030/63 33 11 456

(Mo.–Fr. 10–18 Uhr)

10969 Berlin, Alte Jakobstraße 105

E-Mail: leser-bk@dumont.de

Abo-Service: Tel. 030/232777

Von

ANNIKA LEISTER

Berlin – Es ist der bisher

größtangelegte Streik der

„Fridays for Future“-Bewegung:

In rund 40 Ländern

wollen an diesem Freitag

Schulkinder für den Klimaschutz

auf die Straße gehen.

In Berlin erwarten die Organisatoren

am Brandenburger

Tor ab 12 Uhr mehr als 10 000

Teilnehmer –dieses Mal sollen

dabei nicht nur Schüler

demonstrieren. Erstmals

werden gezielt auch Arbeitnehmer

aufgefordert, teilzunehmen.

Eine besondere Frage aber ist

nach wie vor und besonders

jetzt, wo die Proteste schon

mehr als neun Monate währen:

Wie umgehen mit den Schülern,

die für die Proteste den

Unterricht boykottieren? Die

New Yorker Schulbehörde hat

gerade angekündigt, für diesen

Freitag eine Ausnahmeregelung

zu erlassen. Sie erteilt

New Yorker Schülern offiziell

die Erlaubnis zum Fehlen in der

Schule.

Und Berlin? Ist auch hier

denkbar, dass der rot-rot-grüne

Senat eine Ausnahmegenehmigung

für den Groß-Streiktag er-

Freitag, 12 Uhr:

Berlin streikt

für das Klima

Über 10 000 Berliner werden am

Brandenburger Torerwartet

lässt? Nein, teilt die Senatsverwaltung

für Bildung auf

Anfrage mit. „Es wird keine

Regelung nach New Yorker

Vorbild geben. Es gilt die

Schulpflicht“, sagt Sprecher

Martin Klesmann.

„Prinzipiell“ finde man es

gut, wenn Schüler sich relevanten

und komplexen

Themen widmeten. Es sei

außerdem im Sinne politischer

Bildung, „Selbstwirksamkeit“

zu erfahren. Berliner

Schulen hätten bisher

aber einen pragmatischen

Weg gefunden, mit den Demonstrationen

und den daraus

entstehenden Fehlstunden

umzugehen. Dabei

will man es belassen.

Für die Berliner Aktivisten

von „Fridays for Future“

ist das eine Enttäuschung.

Der Entschluss der

Stadt New York sei vorbildlich

und „sehr cool“, sagt

Franziska Wessel, eine der

Organisatorinnen der Proteste

dem KURIER. Senat,

Abgeordnetenhaus und

Schulverwaltung betonten

regelmäßig, dass sie die Klima-Proteste

gut und angezeigt

fänden. Wessel aber

hält das für scheinheilig:

„Das ist eine Art Green Washing“,

so Wessel. Green

Washing ist ein kritischer

Begriff für den Versuch von

Unternehmen, sich selbst

ein umweltfreundliches

Image zu geben, ohne dass sie

sich tatsächlich für Umweltschutz

engagieren. „Die Berliner

Politik sollte bei sich anfangen

und endlich aktiv werden.“

Die Frage, ob Klimaschutz

oder Schulpflicht schwerer

wiegt, wurde in Deutschland zu

Beginn der Proteste kontrovers

diskutiert. Tatsächlich gelten

Berliner Schulen im Umgang

mit den Schulstreiks als recht

moderat. Viele Schulen legen

keine Klausuren mehr auf den

Freitag und richten Projektoder

Wandertage ein, an denen

ganze Klassen an den Protesten

teilnehmen dürfen. Andere notieren

die Fehlstunden nicht,

wenn die Schüler nachweisen,

dass sie demonstriert haben.

Auch Wessel bestätigt, dass die

Probleme gar nicht so groß seien,

„weil der öffentliche Druck

besteht, weil die Menschen

hinter uns stehen, weil sie sehen,

dass wir es ernst meinen.“

Die Schulverwaltung teilt mit,

dass sie keine Übersicht darüber

habe, wie viele Fehlstunden

in den nunmehr neun Monaten

währenden Schülerstreiks

angefallen seien.

„Im Bundesvergleich hat Berlin

den wohlwollendsten Umgang

mit den Protesten“, sagt

Silke Gebel, Fraktionschefin

der Berliner Grünen. Es sei gut,

dass sich die Diskussionen um

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