Berliner Zeitung 16.09.2019

BerlinerVerlagGmbH

Die Digital-Debatte: Wieviel Computer braucht der Mensch? – Seite 8

Neues aus

der Akte

Görlitzer

Park Seite9

10°/15°

Hin und wieder Regen

Wetter Seite 2

Die Einheitswippe: Steht sie

auf unsicherem Grund?

Stadtgeschichte Seite 10

www.berliner-zeitung.de

Der Videobeweis: Union

und die Schiedsrichter

Sport Seite 20

Montag,16. September 2019 Nr.215 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Der Europäer: Zum Tod

vonGyörgy Konrád

Feuilleton Seite 21

Großbritannien

Anlauf für ein

zweites

Referendum?

VonKatrin Pribyl

Auf den ersten Blick wirkte es, als

würde David Cameron Reue zeigen.

„Es tut mir leid. Ichbin gescheitert“,

wurde der ehemalige Premierminister

Großbritanniens am Wochenende

von der Times zitiert. Sie

druckte Auszüge aus seinen Memoiren,

die am Donnerstag erscheinen.

Undbei deren Lektürewirddeutlich:

Cameron bereut nicht die Entscheidung,

2016 ein

EU-Referendum

angesetzt zu haben.

Er bedauert

lediglich die Folgen.

Er behauptet,

das Volk sei bei

der Frage um die

EU-Mitglied-

David Cameron,

ehemaliger britischer

Premierminister

schaft Großbritanniens

damals

gespalten gewesen,

daher die Abstimmung. Umfragen

aus der Zeit zeigen aber,dass das

Thema weit unten auf der Prioritätenliste

der Briten stand. Der Konservative

wollte mit dem Referendum

vor allem Europaskeptiker bei

den Tories zum Schweigen bringen.

Das Spiel ging verloren, Cameron

trat zurück.

Heute steckt das Land in der

schwersten Krise der Nachkriegszeit

und die EU-Feinde sind so stark wie

nie,sitzen gar in der Regierung unter

Premierminister Boris Johnson. Alle

tragen Schuld, nur Cameron selbst

nicht, so der Tenor der Memoiren,

die jener größtenteils in einer kleinen

Hütte im Garten seines Hauses

in den beschaulichen Cotswolds geschrieben

hat. Zwischen dem Landsitz

in Oxfordshire sowie einem weiteren

in Cornwall und dem Stadthaus

in London pendelt er dieser

Tage,kümmertsich vorallem um die

drei Kinder, während seine Frau Samantha

ihr Modelabel führt.

Der52-Jährige will alle Erlöse aus

dem Buch guten Zwecken spenden.

Das Geld braucht er ohnehin nicht.

Er stammt aus reichem Hause und

hat dazu in den hohen britischen

Adel eingeheiratet. Der Ex-Premier

von 2010 bis 2016 wollte eigentlich

mit seinem Beitrag zur Wirtschaftserholung

des Landes in die Geschichte

eingehen, was er durch eine

rigorose Sparpolitik erreichte. Nun

steht er anders in den Büchern.

Während sich seine Vorgänger im

Klub der Ehemaligen, Gordon

Brown, Tony Blair und John Major,in

den vergangenen Jahren regelmäßig

zuWort meldeten und sich als Brexit-

Gegner profilierten, blieb Cameron

seit seinem Abgang stumm. Freunde

von ihm erzählten Medien, er wolle

nicht über die Angelegenheit Brexit

sprechen. Nun gab er immerhin zu:

„Ich denke jeden Tagdarüber nach.“

Und: Er mache sich „furchtbare Sorgen,

was als Nächstes passiert“. Und

er erteilt nun Ratschläge.Ein ungeregelter

Austritt sei die schlechteste

Option, befindet er. Umdann eine

mögliche Lösung vorzuschlagen, die

aus seinem Mund beinahe ironisch

klingt: ein zweites EU-Referendum.

Generalprobe vor dem Kanzleramt. Bereits am vergangenen Freitag demonstrierten Schüler in Berlin.

VonAnnika Leister

In etwa 40 Ländern wollen am

Freitag Schulkinder ihren Unterricht

schwänzen und für

den Klimaschutz auf die Straße

gehen. Die New Yorker Schulbehörde

hat für diesen Tageine Ausnahmeregelung

erlassen. Sie erteilt

SchülerninNew York offiziell die Erlaubnis

zum Fehlen in der Schule –

wenn sie demonstrieren gehen. Bürgermeister

Bill de Blasio twitterte,

New York stehe an der Seite der

Schüler. „Sie sind unser Gewissen.

Wirunterstützen den Klimastreik.“

UndBerlin? Istauch hier denkbar,

dass der rot-rot-grüne Senat eine

Ausnahme für den Streiktag macht?

Nein, heißt es in der Senatsverwaltung

für Bildung auf Anfrage.„Es

wird keine Regelung nach New Yorker

Vorbild geben. Es gilt die Schulpflicht“,

sagte Sprecher Martin Klesmann.

Prinzipiell finde man es gut,

wenn Schüler sich relevanten und

komplexen Themen widmeten.

Enttäuschung bei Organisatoren

Berliner Klima

Fridays for Future organisiert in dieser Woche ihre wohl größte Demo der Bewegung.

Und die Bundesregierung entscheidet endlich, wie sie ihre CO 2 -Ziele erreichen will

DER KLIMASTREIK UND DIE APP

Es sei auch im Sinne politischer Bildung,

„Selbstwirksamkeit“ zu erfahren.

Aber die Schulen hätten bisher

einen pragmatischen Weggefunden,

mit den Demos und den daraus entstehenden

Fehlstunden umzugehen.

Dabei will man es belassen.

Für die Berliner Aktivisten von

Fridays for Future ist das eine Enttäuschung.

Der Entschluss New

Yorkssei vorbildlich und „sehr cool“,

sagte Franziska Wessel, eine der Organisatorinnen

der Proteste. Regelmäßig

betonten Senat, Abgeordnetenhaus

und Schulverwaltung, dass

sie die Klima-Proteste gut und angezeigt

fänden. Wessel hält das für

scheinheilig. „Das ist eine Art Green

Washing“, sagt die 15-Jährige.Green

Washing beschreibt den Versuch von

Unternehmen, sich selbst ein umweltfreundliches

Image zu geben,

ohne dass sie sich tatsächlich für

Umweltschutz engagieren. „Die Berliner

Politik sollte bei sich anfangen

und endlich aktiv werden.“

Die Frage, obKlimaschutz oder

Schulpflicht schwerer wiegt, wurde

in Deutschland zu Beginn der Proteste

kontrovers diskutiert. Tatsächlich

gelten Berliner Schulen im Umgang

mit den Schulstreiks als recht

moderat. Viele Schulen legen keine

Klausuren mehr auf den Freitag und

richten Projekt- oder Wandertage

ein, sodass ganze Klassen an den

Protesten teilnehmen dürfen. Anderenotieren

die Fehlstunden nicht,

wenn die Schüler nachweisen, dass

sie demonstriert haben. Auch Franziska

Wessel bestätigt, dass die Probleme

nicht so groß seien, „weil der

öffentliche Druck besteht, weil die

Menschen hinter uns stehen, weil sie

sehen, dass wir es ernst meinen.“

Die Schulverwaltung teilte mit,

dass sie keine Übersicht darüber

habe, wie viele Fehlstunden in den

nunmehr neun Monate währenden

Die Berliner Zeitung erscheint am 20. September,dem Tagdes

Weltklimastreiks, mit einer Sonderausgabe, die mehr kann als eine

normaleZeitung.Viele Seiten können Sie mit unserer neuen App

Berliner Zeitung3D“ zumLeben erwecken. DieApp steht bereits jetzt

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gekennzeichneten Seiten und Artikel halten –und los

geht’s.

Schülerstreiks angefallen seien. „Im

Bundesvergleich hat Berlin den

wohlwollendsten Umgang mit den

Protesten“, sagte Silke Gebel, Fraktionschefin

der Berliner Grünen. Es

sei gut, dass sich die Diskussionen

um das Schulschwänzen gelegt hätten

und es endlich um Inhalte gehe.

Auch Dirk Stettner, bildungspolitischer

Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus,

lobte das Engagement

der Schüler und den pragmatischen

Ansatz vieler Schulen. Allerdings

dürfe es nicht dazu kommen,

dass „wir die nächsten Jahre jeden

Freitag Demos haben“. Stettner

wünscht sich stattdessen Bewegung

IMAGO IMAGES

in der Bundespolitik, wo die große

Koalition derzeit über ein Klimaschutzpaket

diskutiert. Im Gespräch

mit der Berliner Zeitung äußerte

Stettner einen radikalen Vorschlag:

Er wünsche sich eine Grundgesetzänderung,

um den Klimaschutz als

absolute Priorität festzulegen und

der Bundesregierung so zu erlauben

„durchzuregieren“ –das sollte zum

Beispiel das Planungsrecht beim Bau

vonStromtrassen so verändern, dass

Klagen vonAnwohnernkeine Verzögerungen

oder Rückbauten mehr erwirken

könnten, sondern lediglich

Entschädigungen gezahlt würden.

Milliardenschweres Paket

Die Grünen halten nicht von einer

Grundgesetzänderung zugunsten

des Bundes. „Das macht nur Sinn,

wenn Herr Stettner weniger Klimaschutz

will“, sagte Fraktionschefin

Gebel. „Es scheitertjagerade am politischen

Willen der großen Koalition.“

Im Bund wollen Union und SPD

am Freitag ein milliardenschweres

Paket für mehr Klimaschutz verabschieden.

Nach Medienberichten, die

Parteisprecher nicht weiter kommentieren

wollten, soll das Gesamtvolumen

40 bis 48 Millionen Euro betragen.

Geplant sind demnach höhere

Kaufprämien für Elektroautos, Zuschüsse

zur Gebäudesanierung oder

Förderung für die Wasserstoff-Forschung.

Der öffentliche Nahverkehr

soll ausgebaut und die Nutzung der

Bahn attraktiver werden. Finanzminister

Olaf Scholz (SPD) forderte zur

Unterstützungdes Umstiegs auf Elektroautos,

Deutschland brauche „so

was wie ein Eine-Million-Ladesäulen-Programm“.

Seiten 7und 8

Senat soll Daten

zur Schulgewalt

veröffentlichen

FDP-Abgeordneter klagt vor

dem Verfassungsgericht

VonAndreas Kopietz

Der Senat hält die Zahlen zur Gewalt

an Berliner Schulen unter

Verschluss. Der FDP-Abgeordnete

Marcel Luthe will darum jetzt vor

das Landesverfassungsgericht ziehen

und auf Herausgabe der Zahlen

klagen. „Statt die Situation an

den Schulen zu vernebeln und damit

Mutmaßungen und Unsicherheit

bei den Bürgern zuschüren,

wollen wir für Transparenz und

objektive Zahlen sorgen“, sagte

Luthe.

Die Berliner Zeitung hatte berichtet,

dass die Zahlen zu Straftaten

an den rund 680 Schulen der

Hauptstadt seit neuestem als „Verschlusssache

–nur für den Dienstgebrauch“

eingestuft sind. Einige

Zahlen sickerten dennoch durch.

So hatten nach Angaben von Ermittlern

mehrere Brennpunkt-

Schulen in Moabit und Wedding

Zuwächse vor allem bei Sexualdelikten

zu verzeichnen. Schul- und

Innenverwaltung verweisen darauf,

dass die Polizei lediglich die

an den Adressen angezeigten

Straftaten aufgelistet habe. Dies

könne zum Beispiel auch Delikte

vor der Schule betreffen.

„Die Menschen haben ein

Recht zu erfahren, was dort los ist,

wo ihre Kinder täglich zur Schule

gehen“, sagt Marcel Luthe. Für die

Einstufung als Verschlusssache

gebe es keine rechtliche Grundlage.

„Wenn der Senat diese nicht

freiwillig aufhebt, wird das Verfassungsgericht

auch hier entscheiden

müssen.“

Erst im August hatte der Abgeordnete

gegen die Innenverwaltung

vor dem Landesverfassungsgericht

gesiegt. Anlass war eine

unzureichend beantwortete parlamentarische

Anfrage der Verwaltung

von Senator Andreas Geisel

(SPD), durch die Luthe seine Abgeordnetenrechte

verletzt sah. Er

hatte Auskunft darüber verlangt,

auf welcher Grundlage eine von

Geisel eingesetzte Bewertungskommission

über Entschädigungsanträge

Hunderter von der

Schießstandaffäre betroffener Polizeibeamter

entschieden hat.

Diese Fragen waren nur unzureichend

beantwortet worden.

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Tagesthema

ImRingen um eine Lösung für

Migranten auf den Rettungsschiffen

im Mittelmeer bietet

Deutschland an, künftig jeden

vierten Geretteten von Italien zu

übernehmen. Das machte Innenminister

Horst Seehofer (CSU) deutlich.

Er bezog sich auf Verhandlungen

über einen Mechanismus zur

Verteilung vonaus Seenot geretteten

Bootsflüchtlingen in Europa. DieGespräche

liefen noch, sagte der CSU-

Politiker der Süddeutschen Zeitung.

Wenn aber alles bleibe wie besprochen,„können

wir 25 Prozent der aus

Seenot geretteten Menschen übernehmen,

die vorItalien auftauchen“.

„Das wird unsere Migrationspolitik

nicht überfordern.“

In Abstimmung mit den italienischen

Behörden brachte das Rettungsschiff

„Ocean Viking“ am Wochenende

82 Bootsflüchtlinge zum

Hafen der Insel Lampedusa. Die

Ausschiffung mit Booten der Küstenwache

begann in der Nacht zum

Sonntag. „Nach 14 Monaten ist die

Ocean Viking das erste zivile Rettungsschiff,

das autorisiert Menschen

an einen sicheren Ort inItalien

bringt“, schrieb die Hilfsorganisation

SOS Méditerranée und begrüßte

die Entscheidung der neuen

Regierung in Rom als ermutigendes

Signal. Nach italienischen Presseberichten

werden Deutschland und

Frankreich je 24 der 82 Migranten

übernehmen, weitere 24bleiben in

Italien. Acht gehen nach Portugal

und zwei nach Luxemburg.

Italien und Malta hatten Rettungsschiffen

mehrfach die Einfahrt

verweigert und gefordert, dass andere

EU-Staaten vorher die Aufnahme

der Migranten an Bord zusagen.

Dies wurde jeweils mühsam im

Einzelfall ausgehandelt – die Migranten

mussten teils wochenlang

auf dem Mittelmeer ausharren. Abhilfe

soll nun ein temporärer Mechanismus

schaffen, der die Geretteten

auf EU-Länder verteilt, die dazu bereit

sind. Am 23. September wollen

Deutschland, Frankreich, Italien und

Malta bei einem Treffen mit dem EU-

Ratsvorsitzenden Finnland im maltesischenVittoriosa

einen gemeinsamen

Vorschlag abstimmen.

In Rom war bis vor kurzem Matteo

Salvini von der rechten Lega als

Innenminister hauptverantwortlich

für den harten Kurs in der Migrationspolitik.

Nach dem Regierungswechsel

hoffen die europäischen

Partner wieder auf mehr Kooperationsbereitschaft

–und könnten ihrerseits

geneigt sein, Hilfe anzubieten,

um den innenpolitischen Druck auf

die neue Mitte-Links-Koalition zu

lindern. Seehofers öffentliches Angebot

kann daher auch als Signal vor

Mittelmeer

Deutschland bietet an, Flüchtlinge von den

Rettungsschiffen nach einer festen Quote aufzunehmen

Jeder Vierte darf kommen

SAGEN SIE IHRE MEINUNG

Ist Deutschland durch Einwanderung unsicherer geworden?

Gemeinsam mit fünf Partnermedien möchte die

Berliner Zeitung Menschen zusammenbringen, die

hinsichtlich ihrer Ansichten und Einstellungen

vieles voneinander trennt.

Weitere Informationen unter

www.berliner-zeitung.de/deutschland-spricht

DPA/SEAWATCH/BUNGERT

dem Besuch der neuen italienischen

Innenministerin Luciana Lamorgese

am Mittwoch gewertet werden.

Nach Darstellung der Süddeutschen

Zeitung und der Bild-Zeitung

soll auch Frankreich bereit sein, 25

Prozent der in Italien anlandenden

Geretteten aufzunehmen. Die EU-

Kommission wollte Details der laufenden

Verhandlungen nicht kommentieren.

Seehofer sagte: „Ich habe immer

gesagt, unsere Migrationspolitik ist

auch human. Wir werden niemanden

ertrinken lassen.“ Deutschland

habe auch bisher schon rund ein

Viertel der Geretteten aus Italien

übernommen. Deutschland hat sich

nach Regierungsangaben seit Juni

2018 zur Aufnahme von bis zu 565

aus Seenot geretteten Menschen bereiterklärt,

die in Italien oder Malta

an Land gebracht wurden. DerSprecher

des Bundesinnenministeriums

teilte mit, es sei ein „unwürdiger und

untragbarer Zustand, dass zwischen

den Mitgliedsstaaten bei jedem

neuen Schiff die Debatte über die

Aufnahme und Verteilung der an

Bord befindlichen Schutzsuchenden

immer wieder aufs Neue geführt

werden muss“. Er machte deutlich,

dass es nur um die Übernahme von

Asylsuchenden nach Rettungseinsätzen

im Mittelmeer geht –also beispielsweise

nicht um Menschen, die

selbst mit Booten nach Italien gelangen.

Insgesamt ist die Zahl der Migranten,

die auf dem Seeweg nach

Italien kommen, stark gesunken. In

diesem Jahr waren es laut Internationaler

Organisation für Migration bislang

gut 5850.

Scharfe Kritik an Seehofers Angebot

äußerte die AfD: „Diese Nachrichtwirdsich

unter Schleppernwie

Migranten wie ein Lauffeuer verbreiten,

der Run auf Deutschland wird

sich noch verstärken“, erklärte Fraktionschefin

Alice Weidel. Sie forderte,

übers Mittelmeer kommende

Migranten zurück ans afrikanische

Festland zu bringen. Auch in den

Reihen der Union gibt es Protest: Der

Vorsitzende der konservativen Werteunion,

Alexander Mitsch, forderte

die CDU/CSU-Fraktion auf, diesen

„Alleingang“ nicht zu akzeptieren.

Unterstützung für Seehofer kam

hingegen vom UN-Flüchtlingshilfswerk.„Wir

hoffen, dass die deutsche

Initiative ein Schritt in Richtung auf

ein berechenbares System ist, dasdie

geordnete und zeitnahe Ausschiffung

von Menschen ermöglicht, die auf

Seegerettet werden“, teilte eine Sprecherin

mit. Grünen-Fraktionschefin

Katrin Göring-Eckardt sagte der dpa,

Europa müsse jetzt„ein Signal der Solidarität“

an die neue italienische Regierung

senden. (dpa)

Herr Petrides, in den letzten Wochen

sind wieder viel mehr Flüchtlinge aus

der Türkei nach Griechenland gekommen.

Auch nach Zypern?

Zypernhat den Druck in den letzten

eineinhalb Jahren gespürt, und

zwar im Verhältnis zur Bevölkerungszahl

massiver als andere EU-Länder.

Das ist aber keine Entwicklung der

letztenWochen.Wirsind besorgt, weil

wir seit 2017 etwa 1000 Asylanträge

pro Monat verzeichnen, was für Zypernweit

überproportional ist.

Woher stammen die Migranten?

30 bis 40 Prozent sind Syrer. Ein

relativ neues Phänomen sind Menschen

aus Afrika. Die Mehrheit dieser

Migranten kommt über die Türkei

und über Nordzypern zu uns.

Diese Route ist neu, da die Schleuser

auf der zentralen Mittelmeerroute

„Unsere Aufnahmekapazität ist weit überschritten“

jetzt mehr Probleme haben und zudem

die politische Anomalie der Teilung

Zyperns ausnutzen.

Die meisten Migranten wollen nach

Westeuropa. Dafür ist Zypern eine

Sackgasse, weil es eine Insel ist und

nur Semi-Schengen-Status hat.

Trotzdem ist es inzwischen einfacher,

über die östliche Mittelmeerroute

nach Zypern zukommen als

über die zentrale Route nach Italien.

Hinzu kommt, dass die Türkei in

letzter Zeit nicht mehr mit Griechenland

kooperiert und mit Zypern

überhaupt noch nie kooperiert hat.

Aus unserer Sicht kommt die Türkei

ihrer Verpflichtung gegenüber der

EU nicht nach.

Wie ist die Lage momentan? Viele

Flüchtlinge in Nikosia sind obdachlos.

Zypern

Massive oder ungeplante Migration

bedeutet immer eine große Herausforderung

für den Wohnungs-

und Arbeitsmarkt.

Deshalb können wir die

Krise auch nicht allein

schultern. Daher habe ich

vor Wochen einen Brief an

meine EU-Ministerkollegen

und die EU-Kommission

geschickt, in dem ich

darum bat, uns 5000

Flüchtlinge abzunehmen,

da unsere Aufnahmekapazität

weit überschritten ist.

Wiehaben die EU-Länder reagiert?

Bisher leider gar nicht. Dies zeigt,

dass die EU als Ganzes keine zufriedenstellende

Migrationspolitik hat.

Alles bleibt unkonkret. Wir sehen

keine wirkliche Solidarität.

Constantinos

Petrides,

Innenminister

OFFICE OF THE PRESIDENT

Offenbar winkt der Inselnorden die

Migranten einfach durch, denn dort

gibt es keine Asylregelung.

Laut Europäischem Gerichtshof

ist das Regime im

Norden der Türkei untergeordnet

und wirdvon Ankara

verwaltet. Deshalb

gelten internationale Verpflichtungen

der Türkei

unserer Meinung auch für

den Norden Zyperns. Die

EU hat die Türkei vor einigen

Monaten erneut aufgefordert,

ihren Verpflichtungen

gegenüber Zypern nachzukommen,

aber –sie tut es nicht.

Die grüne Linie in Zypern, die den

griechischen Süden vom türkischen

Norden trennt, scheint eine offene

Tür zu sein.

Da haben Sierecht. Aber laut EU-

Gesetzgebung müssen wir Personen

aufnehmen, die um politisches Asyl

bitten. Wir brauchen eine Reform

des europäischen Asylsystems, um

das Problem dauerhaft zu lösen.

Ohnehin verbietet es sich für Zypern,

einen Zaun zu errichten oder gar eine

Mauer zu bauen.

Niemals! Wirwollen die Insel vereinen

und allen schutzbedürftigen

Menschen gerecht werden. Wir

möchten unseren Verpflichtungen

als EU-Mitgliedstaat, als UN-Mitgliedstaat,

als Unterzeichner der

Konventionen für Menschenrechte

in vollem Umfang nachkommen.

Die Vereinten Nationen kritisieren

den Rückstand vonfast 15 000 unbearbeiteten

Asylanträgen in Zypern.

Das Problem sind die hohen

Flüchtlingszahlen. Ich fürchte, dass

es zu hässlichen Reaktionen kommt.

Es gibt jetzt in Zypern auch eine

rechtsextreme Partei, Elam, die bei

der Europawahl acht Prozent erhielt.

Wäre deshalb nicht eine Lösung der

Zypernfrage umso wichtiger?

Natürlich. Einwesentlicher Grund

für unsereProbleme ist die ungelöste

Zypern-Frage, die damit verbundene

mangelnde Kontrolle der Grenzen,

die schlechten Beziehungen zur Türkei.

Wir brauchen eine politische Lösung,

damit wir ein souveränes Land

wie der Rest der EU sein und auch unsere

Grenzen schützen können. Hoffentlich

finden wir einen Wegzurück

an denVerhandlungstisch.

Gespräch: Frank Nordhausen.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es bei vielfach stark bewölktem Himmel zeitweilige Regenfälle,

und die Höchsttemperaturen erreichen 13bis 16 Grad. Der Wind weht

schwach bis mäßig aus West. In der Nacht werden Tiefstwerte von 8bis

4Grad erreicht. Dazu ist eswolkig. Mitunter regnet esbei bedecktem

Himmel.

Biowetter: Rheumatische Gelenkund

Gliederschmerzen werden aufgrund

der Witterung verstärkt. Muskelverspannungen

sind ebenfalls

Wittenberge

ein Thema. Nach einem unruhigen 8°/13°

Tiefschlaf fühlt man sich müde.

Pollenflug: Zurzeit ist nicht mit nennenswertem

Pollenflug zu rechnen.

Gefühlte Temperatur: maximal 15Grad.

Wind: schwach aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

8°/14° 10°/15°

Luckenwalde

9°/15°

Cottbus

9°/15°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Regen sonnig heiter

7°/15° 6°/16° 5°/17°

Prenzlau

10°/16°

Frankfurt

(Oder)

10°/15°

Ein Hoch bei Irland reicht über den Westalpenraum bis in den zentralen Mittelmeerraum

und beeinflusst das südwestliche Zentraleuropa. Ihm steht ein Wolkenband

mit örtlichen Schauern und spürbar kühlerer Luft über dem nördlichen

Deutschland gegenüber. Dafür verantwortlich ist Tief Ignaz über Nordwestrussland.

Sylt

9°/13°

Hannover

11°/13°

Köln

12°/20°

Saarbrücken

11°/25°

Konstanz

17°/27°

Hamburg

8°/14°

Erfurt

14°/20°

Frankfurt/Main

14°/25°

Stuttgart

15°/24°

Rügen

10°/14°

Rostock

10°/14°

Magdeburg

11°/16°

Nürnberg

13°/23°

München

16°/26°

Dresden

14°/19°

Deutschland: Heute wandern viele

Wolken und einzelne Regenfälle über

uns hinweg. Tagsüber müssen wir

uns auf 13 bis 27Grad einstellen.

Die tiefsten Temperaturen liegen bei

14 bis 4Grad. Der Wind weht nur

schwach aus West. Morgen wird es

örtlich freundlich. Sonst ziehen teils

dichte Regenwolken amHimmel vorüber.

Dabei steigen die Höchstwerte

auf 13bis 23 Grad, und der

Wind weht schwach bis mäßig aus

nordwestlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 16°-17°

Nordsee: 16°-18°

Mittelmeer: 22°-30°

Ost-Atlantik: 16°-21°

Mondphasen: 22.09. 28.09. 05.10. 13.10.

Sonnenaufgang: 06:41 Uhr Sonnenuntergang: 19:20 Uhr Mondaufgang: 20:33 Uhr Monduntergang: 08:41 Uhr

Lissabon

28°

Las Palmas

31°

Madrid

28°

Reykjavik


Dublin

15°

London

20°

Paris

27°

Bordeaux

32°

Palma

29°

Algier

27°

Nizza

27°

Trondheim

11°

Oslo

15°

Stockholm

14°

Kopenhagen

15°

Berlin

15°

Mailand

29°

Tunis

34°

Rom

28°

Warschau

17°

Wien

26° Budapest

28°

Palermo

27°

Kiruna


Oulu

10°

Dubrovnik

28°

Athen

30°

St. Petersburg

13°

Wilna

14°

Kiew

21°

Odessa

25°

Varna

27°

Istanbul

26°

Iraklio

27°

Archangelsk

12°

Moskau

13°

Ankara

23°

Antalya

31°

Acapulco 34° wolkig

Bali 36° sonnig

Bangkok 32° Gewitter

Barbados 31° Gewitter

Buenos Aires 19° heiter

Casablanca 25° heiter

Chicago 26° bewölkt

Dakar 31° heiter

Dubai 38° heiter

Hongkong 33° Gewitter

Jerusalem 26° sonnig

Johannesburg 29° sonnig

Kairo 33° sonnig

Kapstadt 22° heiter

Los Angeles 24° heiter

Manila 27° Gewitter

Miami 34° Gewitter

Nairobi 30° wolkig

Neu Delhi 37° heiter

New York 27° wolkig

Peking 27° sonnig

Perth 24° wolkig

Phuket 32° Gewitter

Rio de Janeiro 33° sonnig

San Francisco 20° wolkig

Santo Domingo 32° heiter

Seychellen 27° heiter

Singapur 32° wolkig

Sydney 27° bewölkt

Tokio 31° Schauer

Toronto 21° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 3· ·

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Seite 3

Im Friedrichstadt-Palast brüteten sie gerade

über Ideen zur 100-Jahr-Feier ihres

Hauses, als ein Geschenk vom Himmel

fiel. DasJubiläum im November sollte anders

als üblich ausfallen –originell natürlich, am

besten auch auffällig. Da traf beim Intendanten

Berndt Schmidt eine WhatsApp-Nachricht ein.

René Pollesch, seit Jahrzehnten Regisseur der

Volksbühne und ihr künftiger Intendant, bot an,

in dem Revuetheater mal ein Stück zu inszenieren.

Der Vorgang ist durchaus unüblich. Einer

wie Pollesch fragt sonst nirgendwo um Arbeit

nach, im Gegenteil –sie wird ihm angetragen.

Nur Berndt Schmidt vom Friedrichstadt-Palast

wäreein solcher Antrag im Leben nicht eingefallen.

Er kabelte erschrocken zurück: „Ich habe

keine gottverdammte Ahnung, was das werden

soll. Aber vielleicht was Großartiges.“ Damit war

die Sache besiegelt.

Wiedas so ist bei sonderbaren Nachrichten,

verselbstständigen sich gern die zugehörigen

Ausschmückungen. Eine kam direkt aus der

strengen Theaterkritikerwelt und lautete: Pollesch

ist der Regisseur für die kommende Revue.

Nein! Pollesch inszeniert ein Stück, sogar mit

Tänzerinnen, doch es läuft nur an sechs Abenden

zwischen Oktober und Januar, vielleicht

gibt es für höhere Rentabilität ein paar Zusatztermine.Aber

keinesfalls wirdder Regisseur ein

hundertköpfiges Ensemble dirigieren und zehn

Millionen Euro oder noch mehr für die kommende

Revue ausgeben, die dann zwei Jahre

lang vortäglich fast 2000 Zuschauernläuft. Die

ihnen gefallen muss! Jeden Abend! Das ist ein

völlig anderes Geschäft, daran hängt die Existenz

des Palastes, soetwas hatte René Pollesch

nie vor. Sein Stück für das Revuetheater,das zusammen

mit dem Schauspieler Fabian Hinrichs

entsteht, heißt:„Glauben an die Möglichkeit der

völligen Erneuerung der Welt“. Die Premierenkarten

sind schon alle weg. Zwar bleibt das

Hochparkett geschlossen, um eine gewisse

Theater-Intimität zu suggerieren und weil Hinrichs

teils auch ohne Mikrofon auftreten wird.

Aber 1500 Plätzesind immer noch zweieinhalb

Malsoviel wie das Deutsche Theater hat.

Die hochmütige Ignoranz der Kollegen

An dieser Stelle sei ein kurzer selbstherrlicher

Einwurfgestattet, denn einer hatte immer gewusst,

dass die Volksbühne im Friedrichstadt-

Palast einzieht, das ist der Theaterkritiker der

Berliner Zeitung. Ulrich Seidler schrieb im

Oktober 2016, wie er sich die Rettung des

Volksbühnen-Theatergeistes vorstellt: „Die

Original-Volksbühne wird imFriedrichstadt-

Palast ihre Arbeit fortsetzen, der dann Rosa-

Luxemburg-Palast heißt und über eine Eisbahn

verfügt, die –was die gebotenen Tanzeinlagen

bei René Pollesch angeht – längst

überfällig ist. Da sitzt man dann auch wieder

besser.“ An dem Vorschlag wurde eine Weile

herumgetüftelt, nun nimmt er Gestalt an.

Ob mit oder ohne Eisbahn, wird man sehen.

Berndt Schmidt gibt sich voller Zuversicht:

„Bei Pollesch weiß man, glaube ich, immer

erst am Premierentag, was es wird. Ich

kenne drei Viertel seiner Inszenierungen und

habe sie nie deprimiertverlassen. Er ist natürlich

ein Wortkünstler, aber hierher kommt er

nicht als Stückezertrümmerer oder weil es ein

origineller Spielort ist. Nein, er kann mit diesem

Haus und seiner Kunst etwas anfangen.

Beiuns werden sonst nicht die großen Fragen

erörtert, doch in der leichten Unterhaltung

steckt viel Kunstfertigkeit. Nichts Strümpfiges.

Die aktuelle Revue, „Vivid“, hat er sechsmal

gesehen. Aber die Pollesch-Gemeinde kommt

natürlich in den Friedrichstadt-Palast wie der

Teufel in den Vatikan.“

Genau. DieTheaterwelt wirdschauen, was

dem künftigen Intendanten von Deutschlands

schlagzeilenträchtigstem Theater für so

einen Palast einfällt. Ganz sicher erfreut sie

sich an den 21 umwerfenden Tänzerinnen.

Freiwillige übrigens,die sich neugierig für die

zusätzliche Arbeit gemeldet haben. Berndt

Schmidt, der sich mit seiner Initiative für Regenbogen-Vielfalt

und gegen Rechts schon

viel politischen Respekt verschafft hat, außer

in der AfD, kommt die Aufmerksamkeit zupass.

Die Chefs des Friedrichstadt-Palastes

wurden von anderen Intendanten immer

hübsch hochmütig ignoriert. Auch Schmidt

erinnert sich, wie Gespräche erstarben, als er

anfangs bei Begegnungen im Bühnenverein

auf seine Kollegen traf. Dinge ändernsich. Indessen

war Ulrich Khuon vom Deutschen

Theater mit seiner Dramaturgie zu Gast im

Palast, und über „Das schwere Los der leichten

Muse“ diskutieren demnächst Barrie

Kosky, René Pollesch und Georg Quander auf

einem Podium.

Das gehört schon zu dem weitläufigen Jubiläumsprogramm

der nächsten Monate, bei

dem wir endlich angelangt sind: EinJahrhundert

Palast. Wobei dieses Hundertjährige nur

eins von vielen Jubiläen ist, die das Haus im

Laufe seiner Existenz feierte.Eshatte ja schon

ein Vorleben als erste Berliner Markthalle,

vollendet 1867, geschlossen wenige Monate

später wegen Unrentabilität. Das Haus war

auch ein Zirkus, ein Riesenzirkus mit 8000

Plätzen und einer Pferderennbahn, bevor es

Wieder Teufel

im Vatikan

Als „Großes Schauspielhaus“ ging es 1919 unter Max Reinhardt los. 1984 gab es ein neues Gebäude.

Der Friedrichstadt-Palast wird 100 Jahre alt, steht stark da

wie nie und zeigt sich experimentierfreudig:

Gerade probt hier der künftige Volksbühnen-Intendant René

Pollesch –und bringt ein Publikum mit, das sonst eher keine

Revuetheater besucht. Die Jubiläumsvorstellung im

November feiert das Haus dann nicht mit Prominenten,

sondern mit Ehrenamtlern und Feuerwehrleuten

VonBirgit Walter

Nichts Strümpfiges: René Pollesch inszeniertim

Friedrichstadt-Palast.

WILLIAM MINKE

BERT BRUNDERT

1919 endlich seine Bühnenkarriere begann.

Damals rief der Regisseur und Produzent Max

Reinhardt den Palast zum Großen Schauspielhaus

aus,zeigte populäreTheaterklassiker für

die Massen, hatte aber wenig Erfolg. So zog

schon 1924 Eric Charell mit seinen bunten Revuen

hier ein, Erwin Piscator mit der politischen

Revue und 1934 die Nationalsozialisten

mit dem Theater des Volkes. Nach dem Krieg

bekam der Palast 1947 seinen heutigen Namen

und 1984 ein nagelneues Haus in der

Friedrichstraße. Die 900 Holzpfähle unter

dem alten Koloss hatten zu faulen begonnen

und alles drohte einzustürzen. Die Bühne

aber überlebte seit der Weimarer Republik

vier politische Systeme und einen Standortwechsel.

Am 29. November 2019 feiert sie ihr

Hundertjähriges.

Dazu wurde als erster der Berliner Kultursenator

Klaus Lederer persönlich ausgeladen.

Nicht, weil Senator und Intendant ein gespanntes

Verhältnis pflegten, im Gegenteil.

Aber dasHaus empfängt dieses Malüberhaupt

keine Prominenten aus Politik und Gesellschaft,

die man immer auf rotenTeppichen bei

Sekt und Häppchen trifft. Es lädt stattdessen

Besucher ein, die sonst keinen Zutritt zu den

glamourösen Premieren des Hauses haben:

Ehrenamtler, Polizistinnen, Stadtreiniger, Rettungskräfte,

Feuerwehrleute. Auf der Bühne

wird es Projektionen mit Erinnerungen an

den alten Palast geben, dann läuft die reguläre

Show „Vivid“ mit anschließender Party.

Dasalso ist der Plan, sich keinesfalls mit einem

Gala-Rückblick zu verzetteln: Schmidt:

„Ausschnitte aus den Inszenierungen der letzten

Jahre würden frisch und modern wirken,

alles davor vergleichsweise alt. Wäredoch unfair.Dennzuihrer

Zeit waren alle Revuen modernund

spektakulär“.

Um der Geschichte tatsächlich auf die Spur

zu kommen, gründlicher als sonst, hat das

Haus Forschungsaufträge ausgegeben über

die Zeit des Nationalsozialismus und die Jahre

von 1945 bis 1961. In Foyer-Ausstellungen

wird eszum Beispiel die „Bilder eines Jahrhunderts“

zeigen, „Dressed to Dance“ über

die Kostüme sowie „Die Revue ist weiblich“:

Bis auf eine Ausnahme war das Genre eine

von Männern beherrschte Domäne, während

Frauen von Josephine Baker, Fritzi Massari,

Marlene Dietrich, Caterina Valente bis Helga

Hahnemann ihr das Antlitz gaben.

Zum Auftakt der Feierlichkeiten noch im

September finden an der Rückseite des Friedrichstadt-Palastes

große Artefakte mit langer

Geschichte einen neuen Platz: Es sind Gitterund

Gerüstteile aus der ersten Berliner Markthalle

von1867. Siewurden beim Abriss des alten

Palastes Anfang 1982 gerettet und nach

Berlin-Kreuzberg verbracht. Der Transport erfolgte

damals höchst abenteuerlich über die

innerdeutsche Grenze in den Westen. Nun

kauftder Friedrichstadt-Palast die historischen

Teile zurück.

So kann es nicht weitergehen. Oder?

Er kann sich das leisten wie auch die zusätzliche

Inszenierung von Pollesch und Hinrichs.

Das gehört zum Kulturauftrag des subventionierten

Hauses, das zudem besser dasteht

denn je. Seit Berndt Schmidt, promovierter

Volkswirt aus Baden-Württemberg, das Haus

leitet, geht es hier immer nur in eine Richtung:

bergauf. Übernommen hatte er es vor zwölf

Jahren leer gespielt und mit einem Millionen-

Schuldenberg. Danach legte der Palast sein gemütliches

Rentner-Image ab, fand Las-Vegas-

Anschluss und zieht besonders junge Skandinavier

in Scharen an. Alle zwei Jahreverkündet

der Intendant neue Rekorde, mehr Zuschauer,

höhereEinnahmen, dieVerdoppelung der Auslastung

auf 93 Prozent. Gerade läuft mit„Vivid“

eine überragende Show – intelligent, witzig,

berauschend, erstmals von einer Frau inszeniert,

von der Kanadierin Krista Monson. Aber

so kann es doch nicht ewig weitergehen, oder?

„Das wird schwer“, sagt der Mann mit den

tollen Zahlen, und es klingt nicht wie aus dem

Mund eines in Optimismus gestählten Retters.

Der Intendant spricht so leise und tastend wie

am Anfang, trägt immer Zweifel imGepäck.

„Wir unterhalten Massen, müssen 2000 Leute

am Abenderreichen, da geht es auch um Stimmungen.

Nicht einfach, die vorabzuerspüren,

da hilft keine Marktforschung. Wieder müssen

wir was Neues erfinden –und das kann scheitern,

muss nicht besser werden als das Vorherige.Ich

bin da gar nicht locker.Jeder ist angespannt,

der sich mit der nächsten Premierebefasst.“

Die findet erst im Herbst 2020 statt. Geht

was schief, zählen keine gewesenen Triumphe,

denn es gibt keinen Ersatz für die Show.Seitder

Wende stand das Haus zweimal vor dem Aus.

Erfolg ist auch in dieser Branche nicht gottgegeben.

Die schönste Girlreihe der Welt reicht

nicht.

Birgit Walter

kennt die Revuen seit 1986 und sagt:

Keine war besser als „Vivid“.


4* Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Deutsche in der Türkeizu

hoher Haftstrafe verurteilt

In der Türkei ist einem Bericht von

WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung

zufolge eine Deutsche zu sechs

Jahren und drei Monaten Haft verurteilt

worden. EinGericht im südtürkischen

Karaman sah es demnach als

erwiesen an, dass die 51-Jährige sich

wegen ihrerVerbindungen zur Gülen-Bewegung

strafbar gemacht hat.

DieFrau, die 20 JahreinSüdwestdeutschland

gelebt habe,habe ausschließlich

die deutsche Staatsbürgerschaft

und sei 2013 in die Türkei

gezogen. Ausdem Auswärtigen Amt

hieß es dazu, man beobachte den Fall

aufmerksam. Einzelheiten wurden

mit Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte

aber nicht genannt. DemBericht

zufolge wurde die Frau bereits

im Dezember schuldig gesprochen.

Sollte ihreRevision scheitern, müsse

sie die Strafe absitzen. (dpa)

Rotes Kreuz wieder in

Afghanistan aktiv

Nach fünf Monaten Zwangspause

hat das Internationale Komitee vom

Roten Kreuz seine Arbeit in Afghanistan

wieder in vollem Umfang aufgenommen.

Grund ist, dass die Taliban

ein im April2019 ausgesprochenes

Tätigkeitsverbot aufgehoben haben.

DieIslamisten erklärten, alle

Talibankämpfer sollten für die Sicherheit

der Rotkreuzmitarbeiter

Sorgetragen. (dpa)

Zehntausende Hongkonger

demonstrieren

Demonstranten in Hongkong haben sich

mit Gasmasken ausgerüstet.

AFP

Trotz eines Verbots sind am Sonntag

in Hongkong wieder Zehntausende

für Demokratie und Freiheitsrechte

auf die Straße gegangen. Dabei kam

es zu Ausschreitungen. DiePolizei

setzte Tränengas und Wasserwerfer

ein, als radikale Demonstranten am

Regierungssitz Steine und Brandsätzeauf

Polizeikräfte warfen. Meist

schwarzgekleidete,mit Gasmasken

und Helmen ausgerüstete oder vermummte

Aktivisten hatten Straßenblockaden

errichtet und U-Bahn-

Einrichtungen beschädigt. (dpa)

USA bestätigen Toddes

Sohns von Bin Laden

US-Präsident Donald Trump hat den

Toddes Sohnes des ehemaligen Al-

Kaida-Chefs Osama bin Laden bestätigt.

Hamsa bin Laden sei bei einem

Anti-Terror-Einsatz „in der Region

Afghanistan/Pakistan“ getötet

worden, teilte das Weiße Haus mit.

Als hochrangiges Al-Kaida-Mitglied

sei Hamsa bin Laden für Terrorplanungen

verantwortlich gewesen.

DerZeitpunkt des Todes wurde nicht

genannt. (dpa)

Tunesien wählt neuen

Präsidenten

Rund 7,2 Millionen Tunesier waren

am Sonntag aufgerufen, einen Nachfolger

für den verstorbenen Präsidenten

Beji Caid Essebsi zu wählen.

Offiziell stehen 26 Kandidaten für

das höchste Staatsamt zur Wahl. Es

wurde erwartet, dass keiner der Kandidaten

im ersten Wahlgang die absolute

Mehrheit erreicht und es zu

einer Stichwahl kommt. (dpa)

„Wir haben eine passende Antwort“

Der designierte Verdi-Chef Werneke über Kampfansagen der Arbeitgeber und das Ende der Schwarzen Null

Fast 19 Jahre war Frank

Bsirske das Gesicht der Gewerkschaft

Verdi. Am Dienstag

in einer Woche soll sein

Nachfolger gewählt werden: Frank

Werneke.ImInterview spricht der 52-

Jährige über gute Nerven bei Tarifverhandlungen,

die Zukunft der Altenpflege

und das Konjunkturprogramm,

das seiner Meinung nach

dringend nötigist.

Herr Werneke, Sie sollen Nachfolger

vonFrank Bsirske als Verdi-Chef werden.

Waswerden Sieanders machen?

Sicher stehe ich auch für Kontinuität.

Frank Bsirske und ich als sein

Stellvertreter arbeiten seit vielen Jahren

eng zusammen und haben gemeinsam

mit dem gesamten Bundesvorstand

vieles angestoßen. Wasuns

verbindet, sind gemeinsame Ziele

und Werte. Wirsind aber auch unterschiedliche

Persönlichkeiten, jeder

hat seinen eigenen Stil. Wenn ich gewählt

werde, wird esmeine Aufgabe

sein, Verdi in der Tarifpolitik möglichst

schlagkräftig zu machen. Dazu

müssen wir in Betrieben und Verwaltungen

noch präsenter werden.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil

beschreiben?

Werführen will, muss Dinge aufnehmen

und sehr gut zuhören können.

Dasist die Grundlage,zum Beispiel

aus einer Diskussion konstruktive

Vorschläge zu entwickeln. Aber

es gibt auch Situationen, in denen

ich ungeduldig und sehr deutlich

werden kann.

Welche Fähigkeiten braucht ein guter

Gewerkschafter bei Tarifverhandlungen?

Geduld, Ungeduld, strapazierbareund

gute Nerven. Bluffen hilft

in diesem Bereich nicht weiter.

Wichtig ist, klar, respektvoll und

auch bei Kontroversen menschlich

miteinander umzugehen. Für

gewöhnlich sieht man sich ja nach

einiger Zeit am Verhandlungstisch

wieder.

Undwie wichtig sind Streiks?

Streiks sind ein wesentliches

Mittel, wenn es am Verhandlungstisch

nicht voran geht. Aber: Verdi

hat im vergangenen Jahr Tausende

von Tarifverhandlungen geführt.

In 139 Fällen gab es Arbeitskampfmaßnahmen.

Also eine begrenzte

Zahl. Aber diese Streiks waren

auch notwendig.

Verdi sucht den Kompromiss, ist aber bereit, auf Kampfansagen zu reagieren. DPA (2)

ZUR PERSON

Frank Werneke, 52, wurde in Schloss Holte nahe Gütersloh geboren. Der gelernte Verpackungsmittelmechaniker

ist seit 1985 in verschiedenen Funktionen für die IG Druck und Papier,später

die IG Medien tätig gewesen. Beim Verdi-Gründungskongress 2001 wurde er in

den Bundesvorstand, ein Jahr später später als Vizevorsitzender gewählt. 2018 wurde er von

einer Findungskommission als Nachfolger des langjährigen Bundesvorsitzenden Frank Bsirske

vorgeschlagen. Die Wahl vonWerneke, der SPD-Mitglied ist, soll am 24. September erfolgen.

Kramp-Karrenbauers heikleMission

Ohne die üblichen Rituale –beiderseitige

Drohungen und dann Warnstreiks

–scheint es aber nicht zu gehen.

Muss das sein?

Rituale würde ich das nicht nennen.

Uns nervt es aber schon, wenn

die andere Seite erst einmal zwei

Warnstreikrunden braucht, um

überhaupt ein Angebot vorzulegen.

Ehrlich gesagt: Die Psychologie von

Arbeitgeberverbänden erschließt

sich mir manchmal nicht. Undwenn

–wie zuletzt bei Ryanair –damit gedroht

wird, Streikende zu kündigen,

darf sich niemand wundern, wenn

die Streikbereitschaft der Belegschaft

wächst. Auf Kampfansagen

haben wir noch immer eine passende

Antwortgefunden.

Unter Ihrer Führung wirdVerdi weiter

den Konflikt suchen?

Wirsuchen nicht den Konflikt, wir

sind fähig zum Konflikt. Wenn eine

Gewerkschaft nicht in der Lage ist,

im Interesse ihrer Mitglieder im

Zweifelsfall einen Arbeitskampf zu

führen, hat sie ein Problem, denn

dann wäre sie regelmäßig tarifpolitisch

die Verliererin. Oft kommen wir

aber zu Lösungen amVerhandlungstisch,

nur weil die Arbeitgeber ganz

genau wissen, dass wir auch in den

Konflikt gehen könnten.

In den vergangenen Monaten haben

sich die Konjunkturaussichten rapide

verschlechtert. Ist das deutsche

Jobwunder bald vorbei?

Wohin die Entwicklung geht, lässt

sich noch nicht genau absehen. Die

Wachstumsschwäche ist vor allem

außenwirtschaftlich begründet –und

politisch verursacht. Da denke ich an

den Brexit oder an den Handelskonflikt

zwischen den USA und China.

Gegensteuernist jetzt notwendig.

Undzwar wie?

Wirmüssen die Binnennachfrage

stärken, um die Wirtschaft weiter zu

beleben. Eine Niedriglohnstrategie

wäre völlig verfehlt und würde die

Rezessionsgefahr noch erhöhen.

Entscheidungen für massiveInvestitionen

in Deutschland sind überfällig.

Es muss etwas passieren. In den

Kommunen gibt es einen Investitionsstau

von knapp 200 Milliarden

Euro.Die Konsequenz kann nur sein,

sich von der Ideologie der SchwarzenNull

zu verabschieden.

DasGespräch führte

Rasmus Buchsteiner.

Am Dienstag wird die Verteidigungsministerin verkünden, wie sie das Beschaffungsamt der Bundeswehr reformieren will

VonDaniela Vates

Esist eine etwas größereMitarbeiterversammlung,

die kommenden

Dienstag in Koblenz stattfindet.

Die Rhein-Mosel-Halle ist dafür gebucht,

größer geht es nicht in der

Stadt. Die wichtigste Rednerin wird

aus Berlin anreisen: Bundesverteidigungsministerin

Annegret Kramp-

Karrenbauer will den Mitarbeitern

des Bundeswehr-Beschaffungsamts

verkünden, wie sie die Mammutbehörde

umkrempeln will. Die ist so

eine Art Einkaufsagentur der Bundeswehr:

Wenn Panzer, Gewehre,

Stiefel und Munition benötigt werden,

läuft das über das Koblenzer

Amt. Weil das Material öfters mal

nicht, zu spät oder in schlechtem Zustand

bei der Bundeswehr ankommt,

gilt das Amt als Problemfall.

Im Beschaffungsamt fühlt man

sich ungerecht bewertet: „Was hier

geleistet wird, ist absolut top“, sagt

einer aus dem Haus.

Die Reform der Beschaffung ist

eine von Kramp-Karrenbauers ersten

großen Aufgaben –und eine ihrer

heikelsten. Die Ministerin fährt

zweigleisig. Sie hat öffentlich die Erwartungen

gedämpft und nach innen

deutlich gemacht, dass es nicht

ohne Reformgehen werde:„Wir wollen

und müssen bei der Beschaffung

besser werden“, sagte sie vergangene

Woche in ihrer Haushaltsrede

im Bundestag. Große Umbauten

würden vermieden, aber man könne

an kleineren Stellschrauben drehen.

Bei einem Treffen mit Personalvertretern

inihrem Ministerium einen

Tagspäter machte sie nach Angaben

von Teilnehmern klar: Man könne

nicht alles beim Alten belassen. Das

sei politisch nicht zu verkaufen.

Unterstützung kommt dafür aus

ihren eigenen Reihen. „Ein grundlegender

Umbau, wie zum Beispiel

eine Änderung der Rechtsform,

würde das Amt für Monate lähmen“,

sagte CSU-Verteidigungsexperte

Reinhard Brandl der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland,

RND).

Die FDP warnt vor zu kleinen

Schritten. Kramp-Karrenbauer habe

in ihrer Antrittsrede als Ministerin

eine große Reform versprochen.

Nunzeige sich, „dass vondieser vielversprechenden

Ankündigung nur

noch ein laues Reformlüftchen übrig

bleibt“, sagte die verteidigungspolitische

Sprecherin der FDP-Fraktion,

Maria-Agnes Strack-Zimmermann.

„Mit solch einem halbherzigen

Stückwerk kann man aber das dringend

reformbedürftige Beschaffungswesen

der Bundeswehr nicht

neu aufstellen.“

Die SPD-Verteidigungsexpertin

Siemtje Möller plädierte für eine

Auslagerung vonTeilen der Behörde.

„Eine weitere Zentralisierung solcher

Prozesse fernab der Küste hielte

ich für den falschen Weg“, sagte sie.

Die Projekte sollten dort gesteuert

werden, „wo man die Bedarfe der

Marine genauestens kennt“.

2500 unbesetzte Stellen

Der sicherheitspolitische Sprecher

der Grünen-Fraktion, Tobias Lindner,sagte:„Eine

Reformdes Beschaffungsamts

wirdnichts nutzen, wenn

die unbesetzten Stellen nicht besetzt

werden.“ Von rund 11 500 Stellen

sind derzeit etwa 2500 unbesetzt,

also rund ein Fünftel.

Die Personalvertreter der Behörde

haben Kramp-Karrenbauer

eine Liste von Sofortmaßnahmen

vorgelegt. Dazu gehören nach RND-

Informationen folgende Ideen: Beamten

des Beschaffungsamtes sollten

die üblichen Anforderungen für

Beförderungen erspartbleiben. „Das

Personalentwicklungskonzept

zwingt Beamte alle zwei Jahreauf einen

neuen Posten“, heißt es.„Dasist

ein großes Handicap.“ Auf diese

Weise gehe viel Expertise verloren.

Immer wieder müssten sich Mitarbeiter

neu in Projekte mit allen ihren

technischen Feinheiten einarbeiten.

„Das ist kontraproduktiv.“

Ein weiterer Vorschlag: Die Präsidentin

des Beschaffungsamtes

müsse mehr Rechte zur Organisation

ihrer Behörde bekommen, sich

also seltener mit dem Verteidigungsministerium

rückkoppeln müssen.

Darüber hinaus müsse das Projektmanagement

von Großprojekten

wieder in den Abteilungen stattfinden

statt Expertengruppen aus den

Abteilungen auszugliedern. Damit

seien die Experten auch für andere

Aufgaben verfügbar und das Haus

flexibler. Kramp-Karrenbauer habe

sich bei dem Treffen eifrig Notizen

gemacht, wird berichtet. Eigentlich

sollte die Reform ihre Vorgängerin

Ursula von der Leyen verkünden.

Der Termin im Juli war bereits geplant.

Dann kam ein Jobwechsel dazwischen:

von der Leyen wurde EU-

Kommissionspräsidentin.

Norbert Hofer

führt die FPÖ in

die Wahl

Österreichs Rechtspopulisten

streben Koalition mit ÖVP an

Nachdem sich FPÖ-Frontmann

Heinz-Christian Strache in Österreich

mit seiner „Ibiza-Affäre“

selbst ins Ausmanövrierthat, muss es

nun Norbert Hofer für die Rechtspopulisten

richten. Der Übergangsparteichef

wurde am Sonnabend beim

Parteitag in Graz von der Mehrheit

der Delegierten offiziell im Amt bestätigt

und wirddie Partei in die Parlamentswahl

in zweiWochen führen.

Hofer ist für eine Fortsetzung der

Koalition mit der konservativen ÖVP

von Ex-Bundeskanzler Sebastian

Kurz. Anders als Strache gilt Ex-Verkehrsminister

Hofer als der sanfte,

freundliche Rechte bei der FPÖ. Dem

stets lächelnden Politiker bescheinigen

sogar Widersacher Höflichkeit

und die Fähigkeit, gut zuzuhören.

Kritiker hingegen weisen darauf hin,

hinter dem Lächeln stecke ein knallharter,unbeugsamer

Ideologe.

Nunmuss er beweisen, dass er die

FPÖ-Hardliner hinter sich vereinen

und den Parteiskandal überwinden

kann, der zum Rücktritt Straches

und zum Ende der Regierung führte.

Hofer wurde in eine bürgerliche Familie

hineingeboren und wuchs im

Burgenland auf. 2016 inszenierte er

sich im Wahlkampf für das Präsidentenamt

als ehrlicher, netter und

obendrein kompetenter Politiker,

der über 20 Jahre Erfahrung mitbringt.

Überraschend gut schnitt

Hofer dabei ab, musste sich letztlich

aber dem Grünen-Politiker AlexanderVander

Bellen geschlagen geben.

Der freundliche Rechte: NorbertHofer

wurde zum FPÖ-Vorsitzenden gewählt. APA

2017 übernahm der gelernte

Flugingenieur in der Koalition aus

ÖVP und FPÖ dann das Amt des Verkehrsministers.

Hofer war einer der

wichtigsten Berater von Ex-FPÖ-

Chef Strache. Ihm gelang es, das

Image der Rechtspopulisten aufzupolieren.

Offen fremdenfeindliche

und antisemitische Äußerungen

wurden seltener, dafür fanden Themen

wie sozialer Schutz Einzug in

die FPÖ-Politik.

Spazierengehen mit Pistole

Seine tieferen politischen Überzeugungen

hat der Burschenschaftler

Hofer dabei aber nie verborgen. Er

geht gerne mit einer Pistole spazieren

und will Österreich, seine Kultur sowie

seine Werte„gegen die neue Völkerwanderung“

verteidigen. Hofer

steht für ein „Recht auf Heimat“ und

sieht im Schutz der Grenzen eines der

wichtigsten politischen Projekte.

Dass Hofer so schnell nicht aufgibt,

hat er schon mehrfach bewiesen.

Der 48-Jährige ist durch einen

Sportunfall 2003 beim Paragliding

beeinträchtigt und geht meistens am

Stock. Direkt nach dem Unfall hatte

er zunächst gelähmt im Rollstuhl gesessen.

Hofer ist stolz darauf, dass er

den Rollstuhl schließlich aus eigener

Kraft wieder verlassen konnte. Trotz

des Unglücks blieb er dem Amateurfliegen

treu und besitzt seit 2018 eine

eigene Cessna.

In Umfragen steht die FPÖ bei 20

Prozent. Im Vergleich zur Wahl 2017

würde die Partei damit zwar rund

sechs Prozentpunkte verlieren, im

Vergleich zu den Umfragen kurz vor

der Veröffentlichung des „Ibiza-Videos“

sind es aber gerade einmal

zwei bis drei Prozent. (AFP,dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 5 *

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Okkupation mit Methode

Dass sich die AfD als bürgerlich bezeichnet, gehört zur Strategie des rechten Milieus, sich demokratische Traditionen anzueignen. Eine Begriffsklärung

VonHolger Schmale

Was ist eigentlich bürgerlich?

Immer wieder

entbrennen in

Deutschland um diese

Frage Debatten, die oft auch mit Begriffen

wie Leitkultur oder Mitte verbunden

sind. Gerade versucht die

AfD, den Begriff für sich zu okkupieren.

„Wir sind die Vertreter des Bürgertums

in diesem Land“, behauptete

ihr Partei- und Fraktionsvorsitzender

Alexander Gauland nach den

jüngsten Landtagswahlen. Nicht nur

die klassischen „bürgerlichen Parteien“

CDU/CSU und FDP regen

sich darüber auf. Auch Linke protestieren,

obwohl sie noch vornicht gar

zu langer Zeit gegen alles Bürgerliche

gestritten haben.

Bundespräsident Frank-Walter

Steinmeier hat nun mit klaren Worten

in den Deutungskampf eingegriffen.„Bürgertum,

Rechtsstaat und

individuelle Freiheitsrechte gehören

doch zusammen“, sagte er in einem

Interview in der neuen Ausgabe des

Magazins Spiegel. „Der Staat dient

den Menschen. Er garantiert die

Menschen- und Bürgerrechte,

Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz

und Freiheit vonDiskriminierung.

Wer sich in dieser Tradition

sieht, der kann nicht gleichzeitig einem

ausgrenzenden, autoritären

oder gar völkischen Denken huldigen.

Das ist das Gegenteil von bürgerlich.

Es ist antibürgerlich.“

Die AfD reagierte empört und

warf Steinmeier die Verletzung der

parteipolitischen Neutralität des

Staatsoberhaupts vor. Darf er so über

eine Partei reden? Er darf. Das hat

das Bundesverfassungsgericht 2014

in einem bezeichnenderweise von

der NPD angestrengten Verfahren

gegen den damaligen Bundespräsidenten

Joachim Gauck entschieden,

der deren Anhänger als „Spinner“

bezeichnet hatte.Der Präsident habe

einen weiten Spielraum der Meinungsäußerung,

solange er nicht

willkürlich Partei ergreife, stellten

die Richter fest.

Kein Bürgerrechtler sagt „Wende“

Es gehört zur Strategie der AfD und

dem sie umgebenden rechten Milieu,

zu versuchen, sich demokratische

Traditionen anzueignen. So organisierten

sie im vergangenen Jahr

ein „Neues Hambacher Fest“ an jenem

Ort, der eine Geburtsstätte der

deutschen Demokratie ist. Dort traten

AfD-Chef JörgMeuthen, der Provokateur

Thilo Sarrazin und die nach

rechts abgedriftete DDR-Oppositionelle

Vera Lengsfeld als „demokratische

Systemkritiker“ auf und versuchten,

sich in eine Tradition mit

der ersten deutschen Demokratiebewegung

zu stellen. Die auf dem

Hambacher Schloss 1832 zuerst gezeigte

schwarz-rot-goldene Fahne

der Demokraten ist schon so gut wie

von den Rechten okkupiert worden,

die Liberalen und die Linken haben

„Es ist antibürgerlich“: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat klar gemacht,

waserdavon hält, dass die AfD den Begriff des Bürgerlichen für sich reklamiert. DPA

sie ihnen kampflos überlassen. Auch

die Widerstandskämpfer Hans und

Sophie Scholl und Alexander Graf

von Stauffenberg versuchten AfD-

Anhänger schon für ihre Zwecke zu

kapern. Ähnliches war während des

Landtagswahlkampfes in Brandenburg

zubeobachten, wo die AfD mit

der Parole antrat, sie wolle die von

den Bürgerrechtlernder DDR ausgelöste

„Wende“ vollenden. Das freilich

war verräterisch, kein Bürgerrechtler

benutzt diesen Begriff. Er

stammt vom damaligen SED-Generalsekretär

Egon Krenz und war der

Versuch der SED,die friedliche Revolution

in der DDR als Werk vonoben

und nicht von unten darzustellen.

Die ostdeutsche Autorin Ines Geipel

meinte dazu: „Die AfD beatmet das

alte Ost-Kollektiv neu.“

Verräterische Sprache

Nach ähnlicher Methode bemüht

sich die AfD nun, den Begriff des

Bürgerlichen für sich zu reklamieren.

Gerade Gauland dürfte dies betreiben,

um die zunehmende Dominanz

des völkischen „Flügels“ in der

Partei zu verschleiern. Kern einer

bürgerlich-demokratischen Gesellschaft

ist die Bereitschaft zum Diskurs,

zum Ausgleich und zum anständigen

Umgang miteinander.Die

AfD pflegt hingegen eine Spracheder

Ausgrenzung und macht den demokratischen

Staat verächtlich. Der so

bürgerlich auftretende Gauland

selbst gibt dafür immer wieder Beispiele

wie mit seiner Aussage 2017

über die damalige Staatsministerin

Aydan Özoguz:„Wir werden sie dann

auch, Gott sei Dank, in Anatolien

entsorgen können.“ Den Brandenburger

AfD-Vorsitzenden Andreas

Kalbitz nannte er im ARD-Sommerinterview

am Sonntag ungeachtet

dessen zahlreicher Bezüge in die

rechtsextreme Szene einen „bürgerlichen

Menschen“. Für seine Partei

wählte er allerdings den Begriff der

„Kampfgemeinschaft“.

Der Versuch, die Deutungshoheit

über den Begriff des Bürgerlichen zu

erlangen, ist allerdings keine Erfindung

der AfD.Als CDU/CSU und FDP

2009 die Bundesregierung bildeten,

bezeichneten sie sich ausdrücklich

als „bürgerliche Koalition“ –inAbgrenzung

zu Sozialdemokraten, Grünen

und Linken. Wenn ein anständiger

Umgang auch zum bürgerlichen

Wesen zählt, waren die Partner freilich

nicht besonders vorbildlich, Begriffe

wie Gurkentruppe und Wildsau

bleiben mit dieser Koalition verbunden.

Der damalige SPD-Vorsitzende

Sigmar Gabriel empörte sich gleichwohl

über den Versuch der Ausgrenzung:

„Keine Partei hat die bürgerliche

Demokratie entschiedener verteidigt

als die SPD!“

Holger Schmale

staunt über die klarenWorte

des Bundespräsidenten.

USA: Iran für Angriffe auf

Ölraffinerie verantwortlich

US-Präsident Trump bietet Saudi-Arabien Unterstützung an

Die Drohnenangriffe in Saudi-

Arabien auf die größte Ölraffinerie

der Welt verschärfen die Spannungen

zwischen den USA und dem

Iran. US-Außenminister Mike Pompeo

machte den Iran direkt verantwortlich,

obwohl sich die Huthi-Rebellen

aus dem benachbarten Jemen

zu den Angriffen bekannt hatten.

Das gewaltige Flammenmeer in

zwei Raffinerie-Komplexen des

staatlichen Ölkonzerns Saudi

Aramco führte vom Sonntag zu einem

drastischen Einbruch der Produktionsmenge:

Von 5,7 Millionen

Barrel Öl proTag ist die Rede.

Pompeo schrieb: „Inmitten der

Rufe nach Deeskalation hat der Iran

jetzt einen beispiellosen Angriff auf

die Welt-Energieversorgung verübt.

Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe

vomJemen kamen.“

„Der Iran hat einen

beispiellosen

Angriff auf die

globale Energieversorgung

verübt.“

Mike Pompeo, US-Außenminister

Hingegen hatten die Huthis mitgeteilt,

der Angriff mit zehn Drohnen

sei von ihnen ausgegangen. Es sei

der größte in Saudi-Arabien gewesen

–und eine„legitime Antwort“ auf die

anhaltende Militärkampagne der

Saudis im Jemen. „Wir versprechen

dem saudischen Regime, dass unsere

nächste Operation größer und

schmerzhafter sein wird“, sagte ein

Militärsprecher der Rebellen.

Saudi-Arabien führt im Jemen

eine von den USA unterstützte Militärkoalition

gegen die Huthis an. Die

wiederum werden vom Iran unterstützt

und kontrollieren große Teile

Nordjemens und die Hauptstadt Sa-

naa. Seit Monaten attackieren die

Huthis Ölpipelines und Flughäfen in

Saudi-Arabien mit Drohnen.

Pompeo forderte alle Nationen

auf, die iranischen Angriffe „öffentlich

und eindeutig“ zu verurteilen.

Die USA würden sicherstellen, dass

der Iran zur Rechenschaft gezogen

werde. Das Weiße Haus teilte mit,

Präsident Donald Trump habe dem

saudischen Kronprinzen in einem

Telefonat „seine Unterstützung für

Saudi-Arabiens Selbstverteidigung“

angeboten. DieUS-Regierung werde

darauf hinwirken, dass die Ölmärkte

ausreichend beliefert würden. Die

strategischen Ölreserven der USA

umfassen 630 Millionen Barrel.

Nach Angaben des saudischen

Energieministeriums ließen die Attacken

vom Samstagmorgen die Ölproduktion

um die Hälfte einbrechen.

Dies sei aber nur ein vorübergehender

Effekt, der zudem durch

die Einspeisung aus Ölreserven teilweise

kompensiertwerde.

Die Attacken hatten zum einen

Abkaik getroffen. In der weltgrößten

Raffinerie werden sieben Prozent

des weltweiten Rohöls gereinigt. Der

andere Angriff traf bei Churais eines

der weltgrößten Ölfelder. Die riesigen

Flammen verursachten Rauchschwaden,

die sich bis zu 150 Kilometer

weit ausbreiteten. Die Brände

seien unter Kontrolle, erklärte die

Regierung in der Nacht zum Sonntag.

Verletzte habe es nicht gegeben.

Der Konzern gilt als wertvollstes

Unternehmen der Welt und macht

nach Angaben des Handelsblattes

mehr Gewinn als Apple, die Google-

Mutter Alphabet und der größte US-

ÖlkonzernExxon Mobil zusammen.

An den Ölmärkten erwarten Experten

zum Wochenstart Turbulenzen.

Doch die Auswirkungen auf den

deutschen Markt und für die Autofahrer

dürften sich nach Einschätzung

des Mineralölwirtschaftsverbandes

(MWV) inGrenzen halten.

„Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl

nach Deutschland –2018 war es ein

Prozent“, sagte ein Verbandssprecher.

(dpa)

AUF DEM BERLINER

WOHNUNGSMARKT

MUSS SICH

ETWAS ÄNDERN!

WIR SIND SCHON DABEI.

UNSER VERSPRECHEN

#2

Unsere Mieterversprechen sind ein erster Beitrag für faires

Wohnen. Mit dem Berlin-Dialog geht es ab Oktober weiter.

Mehr dazu unter faires-wohnen.berlin

Durch Modernisierungsmaßnahmen wird kein

Mieter seine Wohnung aufgeben müssen.


6 Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Bahn erwägt Klagen

gegen Ex-Vorstände

In der Berateraffärebei der Deutschen

Bahn prüft der Staatskonzern

die Möglichkeit, frühereVorstände

zur Kasse zu bitten. Es bestehe ein

potenzieller Regressanspruch, verlautete

am Sonntag aus Aufsichtsratskreisen

des bundeseigenen

Unternehmens.Obdieser geltend

gemacht werde, hänge vomVerlauf

derBeratungenindem Kontrollgremium

ab.Der Bahnaufsichtsrat will

sich an diesem Mittwoch mit den

umstrittenen Beraterverträgen auseinandersetzen.

Beiden Fällen geht

es vorallem darum, dass Ex-Vorstände

vomManagementnach dem

Ausscheiden Beraterverträge bekommen

haben, ohne dass die Zustimmung

des Aufsichtsrats eingeholt

wurde.Dem Vernehmen nach

wurden in elf Fällen Verstöße gegen

das Aktienrecht festgestellt. (dpa)

Audi droht

Zwangsgeld

DasKraftfahrt-Bundesamt (KBA)

hat Audi mit Zwangsgeld gedroht,

sollte der Autobauer bei der Umrüstung

manipulierter Dieselfahrzeuge

Fristen nicht einhalten. Dasbestätigte

das Bundesverkehrsministerium

am Sonntag. Zudem drohen

Audi wegen Abgasmanipulationen

weitereRückrufe für ältereDieselmodelle

mit der Abgasnorm4.Die

Rückrufe durch das KBA vonEuro-

4-Fahrzeugen vonAudi stünden

„unmittelbar bevor“, hieß es.Audi

sieht sich bei der Umrüstung manipulierter

Dieselfahrzeuge im Plan

und wirdnach eigener Aussage die

Fristen einhalten. (dpa)

Brexit: Merck stockt

Arzneilager auf

Sichtkontrollevon Tabletten in derProduktionbei

Merck.

FOTO: ARNE DEDERT/DPA

DerPharmakonzernMerck rüstet

sich für einen ungeordneten EU-

Austritt Großbritanniens.„Wirhaben

unserelokalen Arzneilager für

den Fall eines ungeordneten Brexits

aufgestockt“, sagte Merck-Chef Stefan

Oschmann. ProMonat würden

45 Millionen Packungen Medikamente

aus Großbritannien in die EU

gebracht, 35 Millionen gingen umgekehrtauf

die Insel, erklärte Oschmann.

„Es wärenicht auszudenken,

wenn es zu langwierigen Grenzkontrollen

käme und Patienten wichtige

Medikamente fehlten.“ DasSzenarioeines

ungeordneten Brexits ist

ausOschmannsSicht wahrscheinlicher

geworden. (dpa)

Chemiearbeitgeber

in schwieriger Lage

Vor den Tarifverhandlungen für

rund 73000 Beschäftigte in der baden-württembergischen

Chemieindustrie

haben die Arbeitgeber Forderungen

der Gewerkschaft zurückgewiesen.

DieIndustrie stecke in der

Rezession, Produktion, Umsatz und

Gewinne stürzten ab,und Arbeitsplätzeseien

in Gefahr,erklärte der

Arbeitgeberverband Chemie Baden-

WürttembergamWochenende.Die

Gewerkschaft IG BCE hatte beschlossen,

unter anderem mit der

Forderung nach einem Zukunftskonto

in Höhe vonjährlich

1000 Euro,überdas jeder Beschäftigte

individuell verfügen kann, in

die Verhandlungen zu gehen. (dpa)

Unverheiratet, allein lebend, Stiefkind

Neue Familienmodelle werden in der gesetzlichen Erbfolge nicht bedacht –Vorsorgeist notwendig

Von Theresa Dräbing

Die „klassische“ Familie

–Mann und Frau verheiratet,

gemeinsame Kinder–wirdimmeröfterabgelöst

vonanderen Familienkonstellationen.

Geschiedene Eheleute finden

neue Partner, bringen jeweils

eigene Kinder mit in die zweite Ehe,

Paare leben unverheiratet zusammen

und haben keine leiblichen Kinder,

sondern einen Adoptivsohn oder

eine Adoptivtochter.Das gesetzliche

Erbrecht kennt viele dieser Konstellationen

aber gar nicht.

Wenn sogenannte Patchworkfamilien

also weder ein Testament verfassen

noch einen Erbvertrag abschließen,

werden einige Familienmitglieder

nicht bedacht, hingegen

andereentferntereVerwandte mehr.

Undwenn dann am Ende Verwandte

der Stiefeltern erben und näherstehende

Personen nicht, kann das

schnell zu unnötigen Verwerfungen

führen. Deshalb ist es einerseits

wichtig zu wissen, wer erben würde,

wenn es nach der gesetzlichen Erbfolge

geht, und andererseits,wie man

diese aushebeln kann, wenn man andereVorstellungen

hat.

Gesetzliche Erbfolge

NachdergesetzlichenErbfolgeerben

zunächst der Ehepartner, die Kinder

und anschließend die Enkelkinder.

Nur wenn von den nahen Verwandten

(Ehepartner ausgenommen)

zum Todeszeitpunkt des Erblassers

keiner mehr lebt, geht das Erbe

neben dem Ehepartner an die Eltern,

die Geschwister und unter Umständen

an Nichten und Neffen.

Großeltern, Onkel und Tanten

kommen nur zum Zug, wenn alle anderen

bereits verstorben oder nicht

vorhanden sind. „Wichtig ist zu wissen,

dass der Ehepartner bei einer

kinderlosen Ehe nicht alles erbt“,

sagt Kajo Frings, Notar und Fachanwalt

für Erbrecht in Berlin. „Wenn

keine Kinder da sind, geht ein Teil des

Erbes an die Elternoder die nachstehenden

Verwandten.“ Diese gesetzliche

Erbfolge greift immer dann,

wenn vom Verstorbenen kein Testament

oder Erbvertrag vorliegt.

Die Patchworkfamilie

Wenn Partner aus früheren Beziehungen

Kinder mit in die Ehe bringen,

zusätzlich vielleicht noch gemeinsamen

Nachwuchs haben, handelt

es sich um eine klassische Patchworkfamilie.

Nach der gesetzlichen

Erbfolge werden beim Erbe aber

eben nur die leiblichen Kinder bedacht.

Das bedeutet, dass im Fall

eines Verstorbenen Elternteils die

Kinder des anderen Elternteils leer

ausgehen. Das gilt selbst, wenn die

neuen Partner verheiratet sind.

Das Gesetz macht natürlich auch

dann keinen Unterschied, wenn die

Stiefkinder von klein auf bei dem

neuen Partner des Elternteils leben

und seit jeher wie die eigenen Kinder

angenommen worden sind. „Stiefkinder

haben keinen Pflichtteilsanspruch“,

macht Notar Frings deut-

Testament: Manunterscheidet zwischen Einzeltestamenten

und Gemeinschaftstestamenten.

Einzeltestamente kann jeder für sich

oder mit einem Notar erstellen und auch jederzeit

widerrufen. Das Gemeinschaftstestament

entfaltet auch erst mit dem Toddes

Erstverstorbenen Bindungswirkung.

nen 18 Rotoren aussieht wie eine Mischung

aus Hubschrauber und

Drohne,wirdmit Stromangetrieben,

verursacht also in der Stadt keine Abgaseundistdeutlichleiseralsnormale

Helikopter.Bei demTest am Samstag

drehte der Volocopter gut vier Minuten

lang vor dem Mercedes-Museum

seine Runden –allerdings ohne

Passagiere. Ein Pilot steuerte das

Fluggerät vom Boden aus auf gut

30 Meter Höhe und blieb etwa

100 Meter vor den etwa 12500 Zuschauerninder

Luft stehen.

Deutschlandweit wird anFlugtaxis

gearbeitet: So hat der fünfsitzige

ZWEI VERFÜGUNGSARTEN

Erbvertrag: Im Unterschied zum Testament

entfaltet der Erbvertrag sofortBindungswirkung.Das

bedeutet, der Vertrag kann nicht

ohne beiderseitigeZustimmung geändert

werden. Auch Elternkönnen mit ihren Kinderneinen

solchen Vertrag abschließen. Erbverträgemüssen

notariell beglaubigt werden.

Dem Stau entfliegen

elektrische Lilium-Jet im Mai in

Oberpfaffenhofen seinen Jungfernflug

erfolgreich absolviert. Der Flugzeugbauer

Airbus hatte kurzdavor in

Donauwörth seinen viersitzigen

elektrischen City-Airbus mit vier Rotoren

erstmals in die Luft gebracht.

Forscher der RWTH und der Fachhochschule

Aachen wollen bis 2024

ihr elektrohybrides Kleinflugzeug Silent

Air Taxi in Betrieb nehmen.

Daimler-Chef Källenius hält fliegende

Taxis für eine Lösung der Verkehrsprobleme

in den Städten. Er sei

überzeugt, dass das Stauproblem auf

bestimmten Strecken auf diese Art

GRAFIK: SASCHA JAECK

lich. „Deshalb ist es in solchen Konstellationen

notwendig, dass die Eltern

klare Regelungen treffen –für

beide Varianten: Waspassiert, wenn

der eine Elternteil zuerst verstirbt,

was passiert, wenn der anderezuerst

verstirbt? Daskannman in derRegel

nur sinnvoll über einen Erbvertrag

lösen“, führteraus.Ein Erbvertrag ist

ähnlich dem Testament, aber mit

dem Unterschied, dass ein Testament

zu Lebzeiten noch keine Bindungswirkung

entfaltet, es kann jederzeit

widerrufen werden.

In einem Erbvertrag, aber auch in

einem Testament können Erblasser

sogenannte Vor- und Nacherben

festlegen. Dem Vorerben, beispielsweise

dem Ehegatten, steht dann das

Erbe des Verstorbenen zu, nach dem

Toddes Vorerben wiederum geht der

Nachlass an den Nacherben und

nicht an die gesetzlichen Erben des

Ehepartners.

So kann beispielsweise sichergestellt

werden, dass im Anschluss an

den Ehegatten erst die Stiefkinder

profitieren und nicht die Eltern, Tanten

oder Neffen. „Der Vorerbe darf

den Nachlass zwar nutzen, ihn aber

nicht verschenken oder verkaufen“,

heißt es bei der Notarkammer Berlin.

„Ein Vorerbe darf grundsätzlich keine

Verfügungen treffen, die die Rechte

der Nacherben beeinträchtigen.“

Getrennt oder unverheiratet

Sofern eine frühere Ehe nicht geschiedenwordenist,erbtauchdergetrennt

lebende Ehepartner.Ein neuer

Partner, dann natürlich unverheiratet,

hat keinerlei Ansprüche.Bei einer

Scheidung wird inder Regel ein bestehender

Erbvertrag oder Gemeinschaftstestament

aufgelöst, außer es

ist darin eine Vereinbarung getroffen

worden, dass er auch über eine Scheidung

hinaus Gültigkeit behält.

Eingetragene Lebenspartner

Bei gleichgeschlechtlichen Partnern

müssen ausnahmsweise keine Sonderregelungen

getroffen werden. Sie

sind dem Gesetz nach beim Erbe mit

Ehepartnerngleichgestellt.

Adoptivkinder

Auch adoptierte Kinder zählen voll

und ganz zur Familie.Adoptivkinder

sind demnach beim Erbe den leiblichen

Kindern gleichgestellt. Einen

Sonderfall gibt es bei Adoptionen im

Erwachsenenalter. Dann bleibt das

Adoptivkind mit seinem leiblichen

Vater und seiner leiblichen Mutter

verwandt, ist aber auch erbberechtigt

bei seinen Adoptiveltern.

Keine Verwandtenmehr

Natürlich gibt es gerade unter Älteren

auch Menschen, die zum Zeitpunkt

ihres Todes allein leben und keine

Verwandten mehr haben. Diese vermachen

ihr Erbe automatisch dem

Staat. Es geht an das Bundesland, in

dem der Erblasser zuletzt gewohnt

hat.Sollenesstattdessengemeinnützige

Organisationen sein, ein Pfleger

oder die Nachbarin, die vom Nachlass

profitieren sollen, ist auch dann

ein Testament notwendig.

ZukunftsmusikinStuttgart: Das ersteVolocopter-Flugtaxihebtab–aber noch ohne Passagiere

Von Annika Grah

Baden-Württembergs

MinisterpräsidentWinfriedKretschmann

(Grüne) würde auf jeden Fall einsteigen,

Daimler-Chef OlaKällenius will

damit die Staus in Städten verringern:

Am Samstag flog ein als Flugtaxi

gedachter Ultraleichthubschrauber

des Bruchsaler Start-ups Volocopter

erstmals vorPublikum in einer europäischen

Stadt.

„Natürlich wäredas auch für mich

ein optimales Gerät“, sagte Kretschmann

mit Blick auf seinen Termindruck.

DasFluggerät, das mit sei-

gelöst werden könne, sagte er. Der

Autobauer ist an dem Bruchsaler

Start-upbeteiligt. AuchDaimlerschinesischer

Großaktionär Geely ist bei

Volocopter eingestiegen. Insgesamt

hat Volocopter 85 Millionen Euro von

Investoren eingesammelt.

Wann allerdings tatsächlich Flugtaxis

in deutschen Innenstädten

unterwegs sein werden, ist völlig offen.

Firmenchef Florian Reuter rechnet

damit in den kommenden zwei

bis drei Jahren. DerFlughafen Frankfurtprüft

gemeinsam mit Volocopter,

wie das Verkehrsmittel in den Flughafenbetrieb

integriertwerden kann.

Klimaprotest

mit Fahrrad

und Gesang

Tausende Demonstranten

wollen IAA lahmlegen

Von Isabell Scheuplein

Glänzende Neuwagen in den Messehallen,

Tausende Demonstranten

vor der Tür: Amersten Besucherwochenende

der Internationalen

Automobilausstellung (IAA) prallen

in Frankfurt am Main Weltanschauungen

aufeinander. Während

drinnen Autofans die Neuentwicklungen

vonVW, BMW und Daimler in

Augenschein nehmen, protestieren

vor den Toren amSamstag mindestens

15000 Menschen für mehr Klimaschutz

im Verkehrssektor.AmTag

darauf blockieren Aktivisten stellenweise

Zufahrtswege und Eingänge

der weltgrößten Automesse.

Schon am Morgen waren die

Demonstranten des Bündnisses

„SandimGetriebe“ in der Innenstadt

zusammengekommen. Kurz vor

Messebeginn um 9Uhr lassen sich

mehrereHundertvon ihnenauf den

Stufen vor dem Haupteingang nieder

–und machen ihndamit für Messebesucher

unpassierbar.„Ihrkönnt

auch Fahrrad fahren“ und „Es gibt

keinRecht,einSUVzufahren“singen

die Aktivisten den verdutzten Autofans

vor. „Autokonzerne entmachten“

und „Die Straße ist besetzt –Verkehrswende

jetzt“ steht auf ihren Plakaten.

Auch eine Fahrraddemo formiert

sich und blockiert zwischenzeitlich

einen Verkehrskreisel. Andere

Demonstranten setzen sich auf Straßen,

um die Zufahrt zum Messegelände

zu verhindern. „Ein echter

Wandel hin zu klimafreundlichem

Verkehr ist nur gegen die Profitinteressen

der Autolobby möglich“, erklärt

die Sprecherin des Bündnisses

aus Umwelt- und Klimaschützern.

Unter ihrem Pseudonym Tina Velo

war sie zuvor schon in der ZDF-Sendung

„Mabyrit Illner“ zu Gast.

Sternfahrtmit 18 000 Radfahrern

Für viel Aufmerksamkeit und teils erhebliche

Verkehrsbehinderungen

sorgt am Samstag eine großangelegte

Fahrradsternfahrt, zu der sich nach

Veranstalterangaben 18000 Radler

mit dem Ziel IAA aufmachten, einige

sogar aus dem 200 Kilometer entfernten

Stuttgart. Zwei Autobahnabschnitte

werden für die Radler vorübergehend

gesperrt. Als der aus Osten

kommende, bunte Korso durch

Offenbach rollt, wird ermit lautem

Klingeln begrüßt.

Woher kommt der breite Protest?

Die Forderungen der Demonstranten

nach mehr Radwegen, mehr öffentlichem

Nah- und Fernverkehr

und autofreien Innenstädten seien

an sich nicht neu, sagt der Sprecher

des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs

(ADFC) in Hessen, Torsten

Willner.Doch jetzt seien sie dringlich

geworden. Dieselskandal, verpasste

Klimaziele, die Fridays-for-Future-

Bewegung und die vergangenen zwei

trockenen und heißen Sommer kämen

in der Wahrnehmung der Menschen

zusammen. „Es ist einfach

nicht mehr zu leugnen, dass sich etwas

ändernmuss.“ DerVerkehrssektor

habe bisher nichts zur Reduzierung

des klimaschädlichen CO 2 beigetragen.

(dpa)

Demonstranten fordernein Umdenken in

der Verkehrspolitik. FOTO: THOMAS ROHNKE/EPD


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WassindHämorrhoiden?

Was viele nicht wissen:

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Hämorrhoiden sind Gefäßpolster,

die zusammen

mit den Schließmuskeln den

Darmausgang abdichten.

Vergrößern sich die Hämorrhoiden

dauerhaft, weil

sich Blut in ihnen staut,

sprechen Mediziner vom

Hämorrhoidalleiden – im

Volksmund oftnur „Hämorrhoiden“

genannt. Eine Ursache

hierfür kann zum Beispielregelmäßiges,

zu starkes

Pressen beim Stuhlgang sein.

Sind die Hämorrhoiden vergrößert,

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8* Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Meinung

Umwelt

ZITAT

Die Nagelprobe

der Klimapolitik

Daniela Vates

ist gespannt, wie ernst alle die

Wende wirklich wollen.

Alle sind jetzt also Klima. Unternehmen

rufen dazu auf, die Fridays-for-

Future-Demonstrationen zu unterstützen

und geben dafür ihren Mitarbeitern

frei. Bundeskanzlerin Angela Merkel

spricht voneiner„Menschheitsherausforderung“.

Markus Söder, der CSU-Vorsitzende

und bayerische Ministerpräsident

erklärt seine Partei zum Ursprung aller

Umweltpolitik, gemäß dem Motto des

Schweizer Kräuterbonbon-Werbefilms

„Wer hat‘serfunden?“

Die Debatte hat sich also gedreht.

Klima- und Umweltpolitik waren Nischenthemen,

lästige Störfaktoren, die

Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie

und in der Landwirtschaft gefährdeten.

Die Grünen galten als Chaoten in

Strickpullovern. Als sie im Bundestagswahlkampf

1990 verkündeten „Alle reden

von Deutschland. Wir reden vomWetter“

flogen sie aus dem Parlament.

Noch Anfang dieses Jahres rückte die

Kanzlerin die Fridays-for-Future-Schülerdemonstrationen

fürs Klima in die Nähe

von Internet-Desinformationskampagnen.

In der CDU-Zentrale sorgte man sich

weniger um ansteigende Temperaturen

als um die Schulpflicht der Demonstrantinnen.

FDP-Chef Christian Lindner wies

die Schüler zurecht, Klimapolitik sei eine

„Sache für Profis“ und damit eine Nummer

zu groß für sie.Nun reden tatsächlich

alle vomWetter.

Das ist schon mal nicht schlecht, weil

es den Handlungsdruck bei einem wichtigen

Thema erhöht und weil es die mitreißen

kann, die bislang zögerlich an der

Seite stehen und noch abwarten, sei es

aus Desinteresse oder aus Skepsis –oder

weil sie den Aufwand scheuen, den es bedeutet,

sich dem Klimawandel nicht nur

auf der Straße entgegenzustellen. Firmen

müssen dafür Produktionsweisen und

Produkte umstellen und der Einzelne sein

Konsumverhalten.

Das ist der Punkt:

Entscheidend ist,

ob und wie

aus dem

Wollen

das Tunwird.

Dasist der Punkt: Entscheidend ist, ob

und wie aus dem Wollen das Tunwird.

Klimaschutz muss mehr sein als der

Versuch, etwas abzubekommen vom

Scheinwerferlicht, das sich auf die Schüler-Demonstranten

mit ihrer beträchtlichen

Durchhaltefähigkeit richtet. Es muss

mehr sein als eine PR-Aktion, das Sponsoring

von Demo-Equipment und das Tragen

bedruckter T-Shirts. Es muss mehr

sein als das gute Gefühl, dabei zu sein bei

einer Bewegung, die nicht nur mit wichtigen

Zielen assoziiert wird, sondern auch

mit Schwung und Leidenschaft.

Wichtiger ist also, obund was daraus

folgt. Engagement und das Interesse dürfen

nicht zusammenbrechen, wenn der

große Fridays-for-Future-Demonstrationstag

Ende derWoche vorbei ist, wenn in

den Tagen darauf die Uno getagt hat,

wenn Greta Thunbergvielleicht auch mal

eine Pause macht. Die Überzeugung darf

nicht schwinden.

Wieviel Ernsthaftigkeit in Bekenntnissen

steckt, wirdsich auch in den Reaktionen

darauf zeigen, wenn etwa die Benzinpreise

steigen. Damit daraus keine soziale

Belastung wird, damit der Klimaschutz

nicht zu einem (vermeintlichen) Elitenprojekt

wird, sind kreative Lösungen gefragt:

Wenn es zu lange dauert, bis Landgemeinden

mit einem vernünftigen

ÖPNV-Takt versehen sind, könnten ja

zum Beispiel Unternehmen einspringen

und Busse finanzieren. Das wäre klimaund

sozialpolitisch sinnvoll. DasGemeinwohl

(und das eigene Prestige) lässt sich

nicht nur durch die Co-Finanzierung von

Fußballstadien befördern.

VonSöder gekidnappt

Ein Wahlkampfthema in Brandenburgwar

der Wolf. Der ist ja seit 20 Jahren zurück,

nachdem er hier 200 Jahre fast ausgestorben

war.Nun genießt er den höchsten Schutzstatus,den

man alsTier in Deutschland so haben

kann. 26 Rudel leben mittlerweile in Brandenburg.

Das heißt, Landwirte müssen mit Zäunen

oder Herdenschutzhunden aufrüsten,

um ihreNutztierezuschützen, und Jäger sind

wütend, weil ihnen die Wölfe den Job wegnehmen.

Interessanterweise entspann sich

daraus aber auch ein Berlin-Brandenburg-

Konflikt. Einige Brandenburger Wolfsgegner

werfen Großstädtern vor, die Situation mit

den Tieren zu romantisieren, weil sie sie nicht

zum Abschuss freigeben wollen. Ja, die wenigsten

Berliner betreiben Jagd und sehen

Wölfe deshalb als Konkurrenz. Und das mit

dem Tieretöten können wir ihnen schwerlich

vorwerfen, während wir selbst 15 Dönerbuden

in Laufnähe haben.

Stimmt schon, auf dem Land ist man näher

an der Natur, aber selbst in Berlin sind

nicht alleTiereinVolieren oder auf Seite 1des

Berlin-Teils, wenn sie Zwillinge bekommen.

Als Katzenbesitzerin werde ich ständig mit

tierischen Plagegeistern konfrontiert, von

denen nur ein Bruchteil mein eigener Kater

ist. Ich muss getötete Ratten in der Mülltonne

beerdigen, Flöhe aus der Wohnung

vertreiben und Streit mit Streunern schlichten.

Und dann werden wir zwar nicht von

Wölfen, aber immerhin von über 100 000

Hunden umzingelt. Davon beißen im Ge-

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und dieBundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wieviel Computer braucht der Mensch?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Die digitale

Depression

Manfred Spitzer

ist Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Uni-Klinik in Ulm und

findet, dass uns die Digitalisierung oft zu Marionetten macht.

KOLUMNE

Die Wölfe

und

wir

Katja Berlin

Autorin

HEIKO SAKURAI

Digitale Informationstechnik (IT)

verursacht Kurzsichtigkeit, Angst,

Depression, Aufmerksamkeitsstörungen,

Schlafstörungen, Bewegungsmangel,

Übergewicht, Haltungsschäden,

Diabetes,Bluthochdruck, Sucht (Internetsucht,

Spielsucht, Smartphone-Sucht,

aber auch mehr Alkohol- und Tabak-Konsum)

und ein erhöhtes Risikoverhalten beim

Geschlechts- und Straßenverkehr: Geosocial

Networking, darunter Dating-Apps mit

Standortangaben, fördert Gelegenheitssex

und damit auch die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten;

Smartphones haben

bei jüngeren Verkehrsteilnehmern den Alkohol

als Unfallursache Nummer 1abgelöst.

Digitale Medien lenken die Aufmerksamkeit

ab, schaden dem Lernen und bewirken

eine geringereBildung, wie Studien aus vielen

Ländern zeigen. Unabhängige Studien, die

das Gegenteil zeigen, gibt es nicht. Weiterhin

gilt: Je ungebildeter ein Mensch ist, desto

mehr schadet ihm digitale Informationstechnik.

Daher schaden Computer an Schulen

auch vorallem den schwächeren Schülern.

Soziale Online-Medien erzeugen nachweislich

soziale Unzufriedenheit und Depressivität,

wie internationale Studien zeigen.

Zudem haben sie ungünstige Auswirkungen

auf die Gesellschaft, wie die folgenden

Beispiele zeigen.

YouTube hat mit etwa 1,5 Milliarden Nutzern

und einer Milliarde Stunden Betrachtung

weltweit täglich das Fernsehen als Leitmedium

abgelöst. Im Gegensatz zum Fernsehen,

wo wir uns anschauen, was wir wollen,

werden aber etwa 80 Prozentder aufYouTube

geschauten Inhalte von dessen Algorithmus

vorgeschlagen. Damit wir besonders lange

am Bildschirm kleben bleiben (die gezeigte

Werbung ist das Geschäftsmodell!), werden

uns automatisch immer radikalere Videos

gezeigt: Manbeginntbei„Joggen“ und landet

wenige Videos später bei „Ultramarathon“;

oder man beginnt mit„vegetarisch“ und trifft

sehr bald auf „vegan“. Insbesonderebei politischen

Inhalten wurde die Tendenz zur Radikalisierung

sehr deutlich. Damit sehen

sich weltweit 1,5 Milliarden Menschen für

mehr als eine Milliarde Stunden Videos an,

deren Inhalte automatisch radikaler sind als

die Ansichten der Betrachter dieses Videos.

Twitter hat eine weitere ungewollte und

zugleich unvermeidliche Auswirkung: Falsche

Nachrichten werden schneller, weiter

und tiefer verbreitet als wahre Nachrichten,

wie eine im Fachblatt Science publizierte

Auswertung von 126 000 Twitter-Nachrichten,

die vondreiMillionen Nutzern4,5 Millionen

Malweitergeleitet wurden, ergab.

Facebook untergräbt systematisch unsere

Privatsphäre und spioniert uns aus. Mit nur

neun Facebook-Likes kann man die Persönlichkeit

eines Menschen etwa so gut vorhersagen,

wie wenn man sein Arbeitskollege

wäre, mit65Likes ist man in der Einschätzung

so gut wie ein Freund, mit 125 Likes so gut wie

Vater, Mutter,Bruder oder Schwester.Mit den

225 Likes, die Facebook-Nutzer im Durchschnitt

abgegeben haben, ist jeder, der diese

Datenauswerten kann, so gut wie der Partner!

All diese Erkenntnisse verblieben leider

nicht im Bereich der Wissenschaft, sondern

wurden ganz „praktisch“ umgesetzt, um damit

Geld zu verdienen. Wenn Sie nichts bezahlen,

dann sind Sie nicht der Kunde, sonderndas

verkaufte Produkt, d.h., das Internet

und alle seine „Segnungen“ sind nicht umsonst!

Wirbezahlenvielmehr alle mit unserer

Lebenszeit und mit einer Verschlechterung

unserer Gesundheit, unserer Bildung und Lebensbedingungen,

und verhelfen damit den

ohnehin schon reichsten Firmen der Welt –

Apple,Google,Amazon, Microsoft und Facebook

–zunoch mehr Reichtum.

Müssen wir die Geschäftsgrundlage dieser

Firmen wirklich mit Steuergeldern (z.B.

für den Breitbandausbau) weiter öffentlich

fördern? Kann eine Gesellschaft auf der

Grundlage automatischer und systematischer

Spionage,Unwahrheit und Radikalisierung

überhaupt nachhaltig existieren?

gensatz zu ihren scheuen Vorfahren auch einige

manchmal Menschen und können auch

sonst lästig sein. Derjenige unter uns, der

noch nie unwürdige Versuche unternommen

hat, auf dem Bürgersteig Hundekacke

von den Schuhen zu kratzen, werfe den ersten

Kotbeutel. Um die Nichthundefans zu

beschwichtigen, erlässt die Stadt immer

strengere Gesetze, wie zum Beispiel die Leinenpflicht.

Und um die Hundefans wiederum

zu beschwichtigen, kontrolliert einfach

niemand die Einhaltung derselben. So

haben alle was davon.

Selbst Wildtiere leben unter uns. Igel,

Waschbären und Füchse sieht man in der Tarifzone

A, und wer inden Außenbezirken

wohnt, kennt Wildschweine nicht nur mit

Rotkohl und Klößen. Ich bin in Hermsdorf

aufgewachsen, einige meiner nächsten

Nachbarn waren Wildschweine. Sie können

Menschen verletzen, Gärten zerstören,

Hunde töten und werden trotzdem kein großes

Wahlkampfthema.

Vielleicht liegt es gar nicht an unserer romantischen

Verblendung, dass wir den Wolf

weiterhin unter Artenschutz sehen wollen.

Sondernweil wir hier alle mit so vielen Lebewesen

auf engstem Raum zusammenleben,

die immer auch eine Zumutung oder gar

eine Gefährdung darstellen. Egal, ob es Hundehalter

sind oder Radfahrer, E-Tretrolleraufsteller,

U-Bahnmusiker, Parkgriller, MusikhöreroderAutofahrer.ImStadtleben

geht

es darum, sich zu arrangieren. Wirlernen zu

akzeptieren, dass andereLebewesen Bedürfnisse

haben, die uns persönlich einschränken.

Es gibt keinen Lebensraum, in dem alles

exakt so läuft, wie man es sich wünscht, und

es gibt keine hundertprozentige Sicherheit.

Nichtmal in Prenzlauer Berg.

Ein gesunder Wolf hält ja immer Abstand

zu Menschen, ansonsten dürfte auch er

gerne mal vorbeikommen. In dem Fall hoffe

ich allerdings, dass er nicht auf den Gehweg

kackt oder auf dem Radweg parkt.

„Weder bin ich noch war

ich suizidal. …Sollte ich jemals

aus einem Fenster fallen,

dann seien Sie sicher:

Ich wurde geschubst.“

Edward Snowden, 36, Ex-NSA-Mitarbeiter im Moskauer

Exil, im Spiegel-Interview auf die Frage, ob er

jemals Selbstmordgedanken hatte.

AUSLESE

Die Probleme

der Sparer

InEuropa bleibt es vorerst bei dem billigen

Geld. So hat es die Europäische

Zentralbank entschieden. Eine Politik, die

am Wochenende die Kommentatoren beschäftigte.Unter

anderem schrieb die niederländische

Zeitung De Telegraaf:„Südeuropas

Regierungen können zufrieden

sein, denn der italienische Bankpräsident

Mario Draghi eilt ihnen zu Hilfe. Erbelohnt

das Schuldenmachen. Länder wie

die Niederlande und Deutschland haben

das Nachsehen. Auf jeden Fall sind die

Sparer die Verlierer.Sowohl die,die auf einem

Bankkonto sparen, als auch jene,die

in eine Pensionskasse einzahlen, werden

von dieser Politik aus Frankfurt hart getroffen.“

Denn sie bekommen nichts

mehr für ihreGuthaben, schlimmer noch,

mit der Inflation verliertessogar an Wert.

Dazu meint die Wiener Zeitung DerStandard:

„Die Kritiker in Form der ehemaligen

Hartwährungsländer –Deutschland,

Niederlande und Österreich –sagen im

Wesentlichen: Wir haben unser Pulver

verschossen, und es hat nichts gebracht.

Wenn wir weiterballern, treffen wir die

Falschen (Sparer) und leisten den Falschen

Schützenhilfe (Spekulanten). Die

italienische Zeitung Corriere della Sera

schreibt: „Das zentrale Problem ist doch,

dass es den Banken nach wie vor anVertrauen

fehlt und sie lieber Strafzinsen in

Kauf nehmen. Hinzu kommt die Aversion

gegen Investitionen. Dabei hätten Länder

wie Deutschland oder die Niederlande

durchaus die Kapazitäten und würden

damit auch dem europäischen Projekt

neuen Schwung verleihen. Das wäre die

optimistische Variante.“ Tobias Miller

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Eine Bilanz

nach drei Monaten

E-Tretroller

Seite 12

Warum das Humboldt-Forum eines der bedeutendsten Museen der Welt wird Seite 11

Wiezwei Großstädter ihr Glück in der uckermärkischen Einsamkeit suchen Seite 15

Stadtbild

Ankerplatz

Bücherwand

BarbaraWeitzel

geht allein

zu einer Party.

Früher war nicht alles besser. Aber

manches einfacher. Partys zum

Beispiel. Nie wäre ich allein zu einer

Party gegangen. Man ging mit einer

Freundin. Mitdem aktuellen Freund.

Oder gleich im Rudel. Es kannten sich

ja eh alle.Heute,mit Mitte vierzig, ist

der Freundes-Bekannten-Kollegen-

Kreis verzweigter. Gleicht eher einer

Baumkrone als einem Kreis. Inder

Mitte kennen sich noch viele untereinander.AmRand

wachsen hier und

da neue kleine Kreise.Und mit ihnen

die Wahrscheinlichkeit, dass man zu

einer Party eingeladen ist und nur

den Gastgeber kennt. Kein Grund,

umzukehren, bevor man die Klingel

drückt. Aber doch einer,umnoch einmal

tief einzuatmen.

Denn es ist doch so: Es gibt Menschen,

die einen Raum betreten und

binnen 15 Minuten überall mitmischen.

Aber die meisten –oder irre

ich? –kleben sich doch erst einmal an

den Gastgeber oder ans Buffet, wenn

sie niemanden kennen. Aber an beidem,

Gastgeber wie Buffet, haben andere

auch Interesse. Und ewig essen

geht ja eh nicht. Trinken kann man

schon eher solange,bis einen der Zufall

oder ein mitgehörter Satz in eines

der Grüppchen schubst, die sich über

Wohnzimmer,Flur und Küche,vor allem

Küche,verteilen. Aber auch zum

Trinken braucht man einen Ort.

Über eine Bar, an die man sich betont

locker lehnen könnte, verfügen

die wenigsten Wohnungen. Jedenfalls

in den Kreisen, in denen ich eingeladen

bin. An die Wand drücken

will ich mich nicht. Wenn man das

tut, stehen die Worte „schüchtern“

und „sucht Anschluss“ wie Leuchtbuchstaben

über einem. DasSofa ist

besetzt. Auch legt man sich so fest,

wenn man sich niederlässt. Mag

sein, dass man dem Glück einen

Stuhl hinstellen soll, wenn es

kommt. DerZufall, das spontane Gespräch,

die plötzliche Erkenntnis,

dass man sich zwar nicht kennt, aber

dasselbe Instrument spielt oder zum

selben Friseur geht, all diese Helfer

auf einer Party voller Fremder, sie

setzen sich nicht hin. Siesehen einen

nicht mal, wenn man sitzt.

Dasgroße Glück in solchen ersten

halben oder ganzen Stunden sind Bücherregale.

Den Blick über die Rücken

und Titel schickend, ist man beschäftigt

und zugleich ansprechbar.

Im Raum statt am Rand und dennoch

nicht verloren. Undflugs nicht mehr

allein. Denn natürlich kennt nicht jeder

jemanden, das wirkt immer nur

so, und plötzlich steht man da zu

zweit. DerRest ist schnell erzählt.

Das große Pech in solchen ersten

halben oder ganzen Stunden sind

Wohnungen ohne Bücher. Plattensammlungen

bieten keinen Ersatz.

Zu schmale Rücken. Rausziehen gehörtsich

nicht. DasGleiche gilt für E-

Reader. Den macht man wegen der

Etikette nicht an und außerdem geht

man ja nicht auf eine Party, um auf einen

Bildschirmzuschauen.

Als ich schon etliche neue Namen

kenne und Gespräche geführt habe,

werfe ich der Bücherwand einen

dankbaren Blick zu. Die papiernen

Freunde mögen manchmal eine Last

sein. Sie sind aber auch ein Ankerplatz.

Nicht nur auf Partys.Sondernin

so vielen Lebenslagen. Daswar früher

so.Und so wirdesimmer sein.

Ermittlungsakte Görlitzer Park

VonPhilippe Debionne,

Eric Richard und MikeWilms

Ein ganzer Park in der Gewalt

von Dealerbanden –

und eine grüne Bezirksbürgermeisterin,

die offen zugibt,

dass sie den Park nachts meide,

weil er ihr„als Frau zu gefährlich“ sei.

Dass der Görlitzer Park –der sich im

Verantwortungsbereich von Monika

Herrmann befindet –einer der größten

Drogenumschlagplätzeder Stadt

ist und damit auch einer der gefährlichsten

Orte,zeigen aktuelle Zahlen

der Polizei, die der Berliner Zeitung

vorliegen.

Neue Zahlen zeigen, wie viele Drogendealer die Polizei in diesem Jahr

bereits festgenommen hat und aus welchen Ländern sie stammen

Tagsüber an vielen Stellen durchaus ein Idyll. Vorallem dann, wenn die vielen Dealer nicht zu sehen sind, die üblicherweise im Görlitzer Park unterwegs sind.

264 Einsätzeinacht Monaten

Demnach führte die Polizei dortvon

Januar bis einschließlich 9. September

2019 insgesamt 264 Einsätze

durch und überprüfte dabei etwa

2100 Personen. Dabei wurden 107

Tatverdächtige in Zusammenhang

mit Drogenhandel angezeigt, die

meisten davon aus den afrikanischen

Staaten Guinea (52), Guinea-

Bissau (16) sowie aus Gambia (13).

Zudem wurde Anzeige gegen 215

Personen wegen Erwerb und Besitz

vonBetäubungsmitteln erstattet.

Auch dabei handelt es sich oft um

Tatverdächtige aus Guinea (52), Guinea-Bissau

(23) und Gambia (23).

DiePolizei geht nach den Worten eines

Ermittlers auch in diesen Fällen

davon aus, dass es sich um Dealer

handelt, auch wenn sie nur mit

Kleinmengen –also weniger als 15

Gramm Marihuana oder Haschisch

–erwischt wurden. Wersolche Mengen

bei sich führt, gilt in der Statistik

als Konsument und nicht als Dealer.

Auffällig ist trotzdem, dass es vor allem

Männer aus den gleichen Ländernsind,

die immer wieder vonder

Polizei erwischt werden.

Tatsächlich, so weiß man bei der

Polizei, haben sich vier afrikanische

Ethnien den Görlitzer Park aufgeteilt:

Mali, Guinea, Senegal, Gambia. Und

immer wieder kommt es zu blutigen

Revierkämpfen zwischen den vier

Dealergruppen. Allein vonJanuar bis

Anfang Mai2019 kam es in dem Park

zu 27 Fällen vonschwerer und gefährlicher

Körperverletzung, im Vergleich

zum Vorjahreszeitraum eine Steigerung

von50Prozent.

Der FDP-Politiker Marcel Luthe

sagte der Berliner Zeitung: „Die Zahlen

zeigen, dass der Kreis der Gewohnheitsstraftäter

im Görlitzer Park

„Wenn die 200 Männer dortnicht mehr dealen

können, gehen sie einfach nach nebenan.“

Monika Herrmann,

Bezirksbürgermeisterin (Grüne) von Friedrichshain-Kreuzberg

erstens sehr groß und zweitens ethnisch

klar abgeschottet ist.“

Die aktuellen Zahlen der Polizei

zeigen auch, wie viele Dealer mittlerweile

im und am Görlitzer Park unterwegs

sind. Offenbar sind die Dimensionen

der für den Görlitzer

Park verantwortlichen Bürgermeisterin

Monika Herrmann durchaus

bewusst. So sagte sie dieser Zeitung,

eine Absperrung des Görlis würde

nichts bringen: „Wenn die 200 Männer

dort nicht mehr dealen können,

gehen sie einfach nach nebenan.“

Ultra-stark für Frauenrechte

IMAGO IMAGES

Bei den Männern, so die Bezirksbürgermeisterin,

gehe es „nicht um

ein paar Jugendliche,denen man einen

Sozialarbeiter schicken kann“.

Hier seien „ganz klar Polizei und Justiz

gefragt“. Für Sicherheit sei laut

Berliner Verfassung das Land zuständig.

„Was wir als Bezirk zur Verbesserung

der Situation im Görli tun

können, haben wir getan“, sagte

Herrmann. „Es gab etwa polizeiliche

Beratungen zur Parkgestaltung. Es

gibt ein Park-Management, einen

Parkrat, ein Gesundheitsmobil.“

Enger Kontakt zur Polizei

Dass der Bezirk Friedrichshain-

Kreuzberg ein Problem mit der Polizei

habe, sei zudem „nur ein Gerücht“,

sagte Herrmann. Man habe

„schon zu Zeiten des CDU-Innensenators

Frank Henkel engen Kontakt

zu Innenverwaltung und Polizei“.

Aber erst seit Andreas Geisel (SPD)

im Amt sei, gebe es „endlich Verbesserungen

wie etwa die mobileWache

am Kotti“.

Beim Fußball-Turnier am Sonnabend

im Görlitzer Park,das auch als

„Dealer-Turnier“ bezeichnet wurde,

traten die Mannschaften übrigens

bunt gemixt an. Teilen der anwesende

Presse wurde aber klargemacht:

Ihrseid hier unerwünscht!

Unioner setzen bei Bundesligaspiel Zeichen gegen die Unterdrückung von weiblichen Fans in Ländern wie dem Iran

VonAnnika Leister

Sie leben für den Fußball –aber

dass die Ultrabewegung sich für

Frauenrechte stark macht, war bisher

nicht bekannt. Im Gegenteil: Oft

kritisieren Initiativen wie das Netzwerk

„Frauen im Fußball“ den Sexismus

in der Fankurve und das anhaltende

Selbstverständnis der Branche

als reine Männerdomäne.

Vor diesem Hintergrund überraschte

am Sonnabend das Wuhlesyndikat,

die älteste von drei Ultragruppen

des 1. FC Union, mit einer

Geste der Solidarität, die auch internationale

Strahlkraft hat. Im Stadion

an der Alten Försterei entfalteten die

Ultras drei Banner, auf denen zu lesen

war: „Kein Stadionverbot fürs

Geschlecht. Fan-Sein ist ein Menschenrecht.

RIP Sahar Khodayari.“

Die 29-jährige Iranerin Sahar

Khodayari hatte sich in Teheran

selbst angezündet und starb am 8.

September an ihren Verbrennungen.

Ihrdrohte eine sechsmonatige Haftstrafe,

nachdem sie sich ins Stadion

schleichen wollte –als Mann verkleidet,

ganz im Blau ihres Lieblingsvereins

Esteghlal Teheran. Unter der

Mullah-Diktatur im Iran werden die

Rechte der Frauen konsequent beschnitten,

es gibt strikte Bekleidungsvorschriften

–und der Zutritt

zu Fußballstadien ist Frauen strengstens

untersagt.

Khodayaris Todhat in und außerhalb

des Irans massive Proteste ausgelöst,

auf Twitter zu finden unter

dem Hashtag #bluegirl. Viele Kritiker

nehmen die Fifa ins Visier und fordern,

dass der Weltverband den Iran

stärker unter Druck setzt, das Stadionverbot

für Frauen aufzuheben.

DerKapitän der iranischen Nationalmannschaft

sagte, das Verbot sei

das Ergebnis eines „verkommenen

und widerlichen Denkens“. Frankreichs

Nationalspieler Paul Pogba

twitterte, erwünsche Sahars Familie

Stärke. Nun ist der Kampf für die

Rechte iranischer Frauen in deutschen

Fankurven angekommen.

Auch in Düsseldorfwurden entsprechende

Transparente gezeigt.

Union war vorabnicht informiert,

begrüßt den Protest aber ausdrücklich:„Es

ist gut, wenn solche Solidaritätsbekundungen

mit weiblichen

Fußballfans aus der Szene selbst

kommen –die ja nach wie vor eher

männlich dominiert ist“, sagte

Union-Sprecher Christian Arbeit.

NACHRICHTEN

Bei Rockerdemo 14

Motorräder sichergestellt

Am Rande einer Rockerdemonstration

in Berlin hat die Polizei 14 Motorräder

vorläufig sichergestellt. Das

teilte ein Polizeisprecher am Sonntag

mit. Beieinigen der Maschinen seien

am Sonnabend schwerwiegende

technische Mängel festgestellt worden,

sagte er.Bei anderen wiederum

sei die Betriebserlaubnis erloschen

gewesen. Am Samstaghatten Hunderte

Rocker aus ganz Deutschland

mit einem Motorrad-Korso gegen das

Verbot der Abzeichen der Hells Angels

protestiert. (dpa)

Polizei vermisst

Maschinenpistole

DiePolizei vermisst seit mehreren

Monaten eine Maschinenpistole.Im

Rahmen einer„anlassunabhängigen“

Bestandsprüfung sei am 1. November

2018 aufgefallen, dass eine Maschinenpistole

in einer Lagerstätte fehlte,

sagte eine Polizeisprecherin amWochenende,nachdem„Bild“

und„B.Z.“

über denVorgangberichtet hatten.

„Mit der Maschinenpistole fehlen

auch Munition und Zubehörteile“,

fügte sie hinzu. DieBehördenleitung

sei informiertworden. (dpa)

Stichwahlen in Städten

im Berliner Umland

Zwei vonsechs Stichwahlen zum Amt

des Bürgermeisters im Land Brandenburgfanden

am Sonntag in Städten

im Berliner Umland statt: In Hoppegarten

(Märkisch-Oderland) siegte

Sven Siebertmit 67,5 Prozent. Der48-

Jährige war bis vorkurzemCDU-Gemeindevertreter,trataber

als Einzelkandidat

bei derWahl an und siegte

gegen Kasten Knobbe (Linke). Im havelländischen

Brieselang gewann

Ralf Heinmann vonder Initiativefür

Bürgerinteresse und Bürgerbeteiligung

mit 41,5 Prozentgegen seinen

Konkurrenten Michael Koch vonder

CDU. (BLZ)

200 Schafe und ihre Schäfer

demonstrieren in Berlin

MehrereSchäfer haben am Sonntag

im Herzen Berlins für mehr Anerkennung

ihrer Arbeit demonstriert–mit

dabei 200 Schafe.Der ungewöhnliche

Protestzug verlief vomHaus der Kulturen

derWelt imTiergarten vorbei an

Bundespräsidialamt und Siegessäule

zum Hansaplatz, wo es eine Kundgebung

gab.Vertreter des Berufsstandes

verwiesen auf die große Bedeutung

der Schäferei für den Arten- und

Landschaftsschutz. Allerdings könnten

viele Schäfer kaum noch vonihrer

Arbeit leben, sagte Knut Kucznik vom

Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg.

Er forderte besserePreise für

heimische Schafsprodukte. (dpa)

Auch so kann eine Demonstration in Berlin

aussehen.

SABINE GUDATH


10 Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Stadtgeschichte

150 Tonnen auf dem Mühlengraben

Alte Bauberichte beschreiben den instabilen Grund unter dem Sockel für das Nationaldenkmal als Herausforderung. Kann dort die Einheitswippe wackeln?

VonMaritta Tkalec

Berlin hat schon manches

in den Sumpf gesetzt,

zum Beispiel den Münzturm,

den König Friedrich

I. am Schloss haben wollte.

Das Bauwerk stand mit 60 Metern

Höhe halb fertig da, als ein Notabriss

1706 den Einsturz abwendete.

Baumeister Andreas Schlüter

hatte den wabbeligen Untergrund

am Spreeufer zu wenig beachtet –

„bodenlos und uncorrigible“ sei

der,urteilte ein Zeitgenosse.

Ein paar Schritte von diesem Ort

entfernt soll im Herbst Baubeginn

sein für das Einheits- und Freiheitsdenkmal,

gedacht zum Ruhme jener

DDR-Bürger, die 1989 anderswo Revolution

gemacht hatten. DieSchöpfer

vomBüroMilla &Partner planen,

eine schwankende Schale auf dem

instabilen Grund zu platzieren. Johannes

Milla ist optimistisch: „Alle

Planungen, Vorbereitungen unsererseits

sind gut vorangeschritten“, teilt

er mit. „Alles bedacht, berechnet,

TÜV-zertifiziert“, sagte er schon

2018 im Interview.

Bewegungen und Sackungen

Die Fundamentierung des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals: Schon zur Erbauungszeit galten die Gewölbe als Meisterleistung des Ingenieurbaus.

Das Einheitsdenkmal soll über den erhaltenen Gewölben schaukeln.

Geologie: Laut Bundesamt

für Bauwesen liegt etwa vier

Meter unter der Betonplatte

der Bestandsgründung eine

tragfähigemitteldichte

Sandschicht, darunter 14

und 24 Meter Geschiebemergel,

darunter eine tragfähigeSchicht

aus Feinsand.

BODEN UND BEWOHNER

Fauna: Geschützte Wasserfledermäuse

nutzen die Fundamentgewölbe

als Sommerquartier.Bei

der Bauplanung

hieß es 2012: Da die

Fundamentgewölbe erhalten

werden, entstehen keine artenschutzrechtlichen

Konflikte.

Das traf dann nicht zu.

MILLA&PARTNER

Bauplanung 2012: Die Vorlagefür

das Abgeordnetenhaus

besagt, „Boden- und

Baudenkmale werden erhalten,

gesichertund /oder integriert“.

EineWohnbebauung

der Schlossfreiheit werde wegendes

Einheitsdenkmals

nicht weiterverfolgt.

STIFTUNG STADTMUSEUM/HUGO RUDOLPHY

Als 1895/96 die Fundamentierung

des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals

ins Werk gesetzt wurde, blieb

man vorsichtig: „Die Gründung des

Denkmals an dieser Stelle und unter

den obwaltenden Verhältnissen erwies

sich als eine so vorwiegend wasserbau-technische

Aufgabe,dass die

Reichsregierung Entwurf und Ausführung

des ganzen Unterbaues der

preußischen Wasserbau Verwaltung

übertrug“, berichtete zur Halbzeit

der Arbeiten der Geheime Regierungs-

und Baurat Georg Eger im

Zentralblatt für die Bauverwaltung.

Fester Baugrund fand sich demnach

zwölf Meter unter der Erdoberfläche

und sechs Meter unter Niedrigwasser.

1500 Grundpfähle wurden eingerammt.

Ursprünglich hatte man beabsichtigt,

„in voller Ausdehnung

des Bauwerkes eine Betonplatte auf

Grundpfähle zu legen und den ganzenRaum

darüber bis zur Plattformhöhe

theils mit Mauerwerk theils mit

Sparbeton zu füllen“. Hiervon habe

man Abstand genommen, schrieb

Eger, stattdessen Pfeiler und Wölbungen

errichtet –wegen der Kosten,

doch vor allem zur „Verminderung

der Mauermassen“, also wegen

des auf dem schwierigen Grund lastenden

Gewichts.

Der ganze Fußboden wurde auf

Wölbungen gelegt, deren Einzelpfeiler

großenteils auf einer gemeinschaftlichen,

durchschnittlich zwei

Meter starken, auf Grundpfeilernruhenden

Betonplatte stehen. Manbehielt

aus alter Erfahrung das Wichtigste

im Blick: „Das Bauwerk sicher

gründen, und auch die unbelasteten

Theile der Plattform gegen Bewegungen

und Sackungen unbedingt

zu sichern.“ DieFundamentgewölbe

maßen etwa 76 mal 38 Meter.

Die Pfähle wurden „meist senkrecht

fünf bis sieben Meter tief unter

Betonunterkante in den Grund gerammt,

führte Eger aus,und reichen

oben 60 bis 80 Zentimeter in den Beton

hinein; den auftretenden Belastungen

entsprechend kommt auf jeden

Pfahl eine größte Beanspruchung

von rund 25 000 Kilogramm.

Zur Aufnahme schräg gerichteter

Gewölbedrucke sind nach Erfordernis

geneigt stehende Pfahlreihen angeordnet.“

Beim Einrammen der

Pfähle hielten Trichter oder Spundwände

das Wasser zurück.

Der Sockel ragt mehrere Meter in

den Spreekanal hinein. Wie beim

Bau des Bode-Museums wurde die

Fläche der Spreeinsel künstlich erweitert.

Durchden überwölbten Unterbau

fließen Reste des ehemaligen

Mühlengrabens bis zur Mündung in

den Spreekanal unter dem Denkmal.

Diesen komplizierten Umständen

entsprechend sind „dem Verlauf

der Druckkräfte entsprechend Bögen

und Gewölbe so gestaltet, dass

eine Druckbeanspruchung von 15

Kilogramm im Ziegelmauerwerk

und von 4,4 Kilogramm im Beton

nirgends überschritten ist“, schrieb

Eger im Fachblatt. Die Räume unter

den Wölbungen seien über dem Betonbett

bis zur Hochwasserlinie mit

Sand ausgeschüttet und durch einen

verschließbaren Schacht von oben

aus zugänglich. DieSpree hatte 1895

ungewöhnliches Hochwasser geführt

–zusätzliche Schwierigkeit für

die Fundamentarbeiten im tiefmorastigen

Ufergelände.Obendrein bekam

man es zu tun mit „alten Bauresten

in Gestalt von Mauerwerk,

Pfählen, Rosten, u. dgl., die vonUferund

Grundbauten aller Art sich seit

Jahrhunderten angehäuft“ hatten.

Das Bundesamt für Bauwesen

und Raumordnung teilte auf Anfrage

mit, dass für die Vorbereitung zum

Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals

Bohrungen durchgeführt

wurden, die unter einer Auffüllung

aus Bauschutt und Sand etwa vier

Meter unter der Betonplatte der Bestandsgründung

in zwei verschiedenen

Tiefen tragfähige Sandschichten

fanden (siehe Infobox).

Doch anders als der vonKolonnaden

umgebene, reglos auf hohem

Ross hockende Hohenzoller übt die

von Bürgern bewegbare, gewaltige

150 Tonnen schwere Schale aus

Stahlbauteilen wechselnden Druck

aus,den ein Feder-und Dämpfungssystem

mildern soll. 50 Meter lang

und 18 Meter breit, misst die Schale

an ihrer stärksten Stelle 2,50 Meter.

Um das enorme Gewicht auf festen

Grund abzuführen, werden zusätzlich

sieben Betonpfeiler, jeder

1,50 Meter dick, durch die sorgsam

austarierten Gewölbemauerngetrieben.

Dazu schreibt das Bundesamt:

„Durch eine vom vorhandenen Sockelbauwerk

unabhängige Gründung

soll gewährleistet werden, dass

keine Krafteinleitungen in die vorhandene

intakte Gründung des Sockelbauwerks

erfolgen.“

Dieses steht allerdings unter

Denkmalschutz, wurde mit fünf Millionen

Euro öffentlicher Mittel saniert.

Das Landesdenkmalamt trug

vor einem Jahr „erhebliche grundsätzliche

Bedenken“ aus „fachlicher

Sicht der Denkmalpflege“ gegen die

Einheitswippen vor. Das Vorgehen

sei „umso unverständlicher“, als der

Sockel des alten Denkmals neben

den Resten des Schlosskellers das

einzige in seiner originalen Substanz

erhaltene Gebäudefragment des

ehemaligen Schlosskomplexes ist.

Zwei Bedingungen stellten die Denkmalschützer:

Das ebenfalls unter

Schutz stehende und zwischenzeitlich

entfernte Mosaik des Kaiserdenkmals

müsse an den ursprünglichen

Standort zurückkehren. Die

Pfahlgründung sei zu überarbeiten.

Wurscht, urteilte die Oberste

Bauaufsicht Berlins 2018 und verlängerte

die Baugenehmigung –bis zum

9. Oktober 2019. Kulturstaatsministerin

Monika Grütters (CDU) trat mit

dem Ruf„Jetzt aber!“ auf. Im August

hieß es aus dem Hause Grütters: Diesen

Herbst geht es los. Das müsste

also in den nächsten Tagen sein.

Dann wäre man – vielleicht, vielleicht

auch nicht –zumTagder Deutschen

Einheit 2020 fertig. Ungefähr

zu jener Zeit will auch das Humboldt

Forumnach einem JahrVerzögerung

öffnen. Daswäreein kontrastreiches

Doppel: drinnen Weltsicht, draußen

deutsche Nabelschau.

Achja, die Unwägbarkeiten

Die Erklärungen aus dem Hause

Grütters wirken nicht beruhigend:

Trotz sorgfältiger Planung könnten

„Probleme auftreten, die sich erst bei

der praktischen Umsetzung zeigen“,

teilte Sprecherin Beate Frosch mit,

denn „beim Freiheits- und Einheitsdenkmal

handelt es sich um ein einmaliges

Bauprojekt, das in dieser

Form noch nie realisiertwurde“. Für

nähere Erklärungen wurde auf Büro

Milla verwiesen. Dort –siehe oben –

„geht es voran“.

Auch „dritte Stellen“, so Beate

Frosch, hätten Mitwirkungsrechte,

konkret gehe es um die „dauerhafte

Sicherstellung eines geeigneten Lebensraums

für gefährdete Fledermausarten“.

Das entsprechende

Verfahren werdeparallel zur Bauvorbereitung

vorangetrieben. Für die

Mosaike gilt, so Beate Frosch, die

2015 mit der Berliner Senatsbaudirektorin

Regula Lüscher getroffene

Vereinbarung, wonach das Land „im

Gegenzug zu einer Kostenübernahme

des Bundes für die denkmalgerechte

Sockelsanierung die vollständige,

auch finanzielle Verantwortung

für die Mosaike“ übernimmt.

Das Bundesamt für Bauwesen

sieht jedenfalls klare Zuständigkeiten:

Verantwortlich „für die Planung

und die bauliche Realisierung des

Freiheits- und Einheitsdenkmals –

auch der Tragwerksplanung –ist das

Büro Milla &Partner. Spezielle technische

Fragestellungen sind vombeauftragten

Planer zu lösen.“

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Funkturm

Königliche Giro- und Lehnbank

DDR in Graustufen

Mit146,7 MeternHöhe deutlich kürzerals der Ost-Fernsehturm,

ist der West-Berliner Funkturm immerhin der

ältereund mit seiner feingliedrigen Eleganz ein würdiges

Wahrzeichen der Stadt. In Anlehnung an den Pariser Eiffelturmals

Stahlfachwerkturmgebaut, ging er 1926 zur 3.

Großen Deutschen Funk-Ausstellung Berlin in Betrieb –

zunächst für Hörfunksendungen. Die weltweit erste

Fernsehsendung kam 1932 vom Berliner Funkturm.

Heute funkt er nur noch gelegentlich. Sein Abriss nach

Außerdienststellung wurde glücklich verhindert.

Besuchen und Essen im Funkturm-Restaurant –Informationen auf:

https://www.funkturm-messeberlin.de

Wenn es darum ging, seinen Staat bei Kasse zu halten,

kannte Friedrich II. keine Skrupel –mit Geschick und

Härte gelang es ihm, immer „den letzten Taler in der Tasche“

zu haben. Da kam es vor, dass seine Münzanstalten

streng geheim fremdes Geld prägten und im Ausland

profitabel unter die Leute brachten. Er hob aber auch das

gesamte Geldwesen auf die Höhe der Zeit, wobei er praktischerweise

sein eigener Finanzminister und oberster

Münzmeister war. Schon mit seiner Münzreform von

1750 hatte er die Münzanstalten der Hohenzollern personell

und technisch aufgerüstet. 1765 gründete er die

Königliche Giro- und Lehnbank und erteilte ihr am 29.

Oktober 1766 das Recht, Banknoten zu emittieren. Damit

hatte er faktisch eine Zentralnotenbank für Preußen etabliertund

mit der Rechnungswährung„Bankotaler“ dem

Großhandel die Möglichkeit verschafft, mit einem modernen

Zahlungsmittel zu arbeiten. Später wurde das Institut

in Königliche Hauptbank umbenannt. Seinen Sitz

hatte sie in der Jägerstraße, ineinem 1690 ursprünglich

für den kurfürstlich-brandenburgischen Oberjägermeister

errichteten Haus.Trotz seiner Kriege übergab der Alte

Fritz 1786 den Staat schuldenfrei und mit 51 Millionen

Talern Reserve in der Kasse an seinen Nachfolger –ein

einmaliger Vorgang. AndereLänder versanken derweil in

Schulden. Sein Erbe verjuxte viel. Und doch: Friedrichs

Vorbild wirkt bis heute. (mtk.)

DieGeschichte der DDR ist vonKlischees und dem Streit

um Deutungshoheit geprägt. Jedenfalls aber war der Alltag

der Rahmen für Anpassung, Duldung oder Widerstand

seiner Bürgerinnen und Bürger in allen Abstufungen.

Die Ausstellung „Graustufen“ zeigt den DDR-Alltag

aus drei Perspektiven: dokumentarische Fotos von Jürgen

Hohmuth, von denen sich Autorinnen und Autoren

zu literarischen Texte inspirieren ließen. In Wechselwirkung

dazu treten Installationen mit Gegenständen, die in

der DDR allgegenwärtig waren.

Graustufen: Innenansichten aus der DDR Museum Pankow,Prenzlauer

Allee 227, Di–So 10 bis 18 Uhr,feiertags geschlossen, bis 19. Januar


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 11

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Berlin

Humboldt ist ein Forum, kein Museum

Eines der bedeutendsten Museen der Welt wird das Humboldt-Forum sowieso. Wasaber macht es aus diesem Ruhm?

VonArnoWidmann

Im Humboldt Forum wurde

zwei Tage lang gefeiert: „Alexander

von Humboldt – 250

Jahre jung: Alles ist Wechselwirkung“

war die Parole. Eröffnet

wurde die Reihe von Veranstaltungen

Freitagabend mit einem Festvortrag

von Andrea Wulf. Von19.30 bis

nachts 2Uhr gab es Ausstellungen,

Performances,viel sehr unterschiedliche

Musik und so ab elf übernahm

eine polyglotte,tanzende Jugend das

Haus. Lateinamerikanische Rhythmen,

die das Schloss vielleicht das

erste Malerlebte,brachten das Haus

zum Schwingen. Der Generalintendant

des Humboldt-Forums Hartmut

Dorgerloh, 57 Jahrealt, gab sich

ganz begeistertvon diesem Auftakt.

Ich kann dazu nichts sagen. Ich

war nur Sonnabend da und auch nur

beim Festakt. Den bestritten in dieser

Reihenfolge Monika Grütters,die

Staatsministerin für Kultur und Medien,

der Regierende Bürgermeister

Michael Müller, Miruna Achim, die

an der Universidad Autónoma Metropolitana

in Mexiko City arbeitet,

Anna Mallmann, Nachfahrin der

Humboldts und Mitarbeiterin des

Goethe-Institutes sowie Generalintendant

Hartmut Dorgerloh. Talking

Heads.

Im Publikum prächtige Anzüge

und neben vielen eleganten Damen

in schwarzund grau auch einige,die

–nicht weniger elegant –die letzten

Sonnenstrahlen des Jahres nutzten,

um noch einmal bunte Farben auszuführen.

Berlin ist deutlich feiner

geworden in den letzten Jahren.

Kaum einer vonihnen hätte so auch

in einer U-Bahn sitzen können. Mir

kam der dumm-böse Gedanke:

Gentrifizierer unter sich.

Aber das ist der Festakt. Danach

konnte jeder kommen. Kostenloser

Eintritt. So soll es später auch bei den

Dauerausstellungen des Humboldt-

Forums sein. Dafür habe sie sich eingesetzt,

erklärte Monika Grütters.

Nach dem Festakt wurde es bunt.

Dafür sorgten schon die Indios in ihren

bunten Gewändern. Ich sah sie

nicht nur auf den Fluren des Schlosses,

sondern auch auf meinem Weg

in die Redaktion kamen sie mir zu

zweit und in größeren Gruppen entgegen.

Neben dem Rednerpult steht eine

Vase mit riesigen unterschiedlichsten

übereinandergesteckten Dahlien.

Ein gewaltiger Blickfang. Sie

sind, darüber werden wir am Ende

der Veranstaltung aufgeklärt, auch

Humboldt-Nachfahren. Sie stammen

aus dem botanischen Garten,

und ihre Urahnen brachte einst als

Humboldt auf Humboldt –sozusagen.

Samen Alexander von Humboldt

vonseiner Lateinamerika-Reise mit.

Monika Grütters,die in ihrer Rede

den Ethnologen Hans Jürgen Heinrichs

und dessen Wendung von den

„Weltanfreundungsversuchen“ zitierte,anHumboldt

dessen Annäherung

an das „gänzlich Unvertraute“

hervorhob und an ihm rühmte,dass

er kein Weltbild besaß, sonderneine

Haltung, Monika Grütters also

wandte sich am Ende an ihre Zuhö-

IMAGO IMAGES

rerund rief uns zu:„Werden SieWeltbürger

ganz wie der 250 Jahre junge

Alexander von Humboldt einer ist.“

Das, so sagte mir ein Herr,als wir gemeinsam

dem Ausgang zustrebten,

sei doch ein sehr schöner Schluss

und noch vor zwei Jahren ganz undenkbar

gewesen.

Weltbürger zu sein, fehlt mir ein

wenig das Kapital. Erdenbürger sind

wir alle notgedrungen und wenn wir

dazu übergehen könnten, nicht

mehr zu schützen, was wir lieben,

sonderndas,wovon wir leben, dann

wäre schon sehr viel gewonnen für

diesen Planeten und die Atmosphäre,

vonder er lebt.

Die mexikanische Wissenschaftlerin

Miruna Achim erinnerte daran,

dass wir uns täuschen, wenn wir uns

Humboldt als einsamen Reisenden

vorstellen. In Lateinamerika jedenfalls

war er das nicht. Er hatte immer

Personal dabei. Wie wäre es sonst

möglich gewesen, nicht nur die Forschungsinstrumente,

sondern auch

die Forschungsgegenstände zu

transportieren? Fast immer begleiteten

ihn auch einheimische Wissenschaftler.

Dazu kam, das machte die

Wissenschaftshistorikerin Achim

deutlich: Alexander von Humboldt

konnte sich auf die sehr konkreten

Statistiken der spanischen Kolonialverwaltung

stützen.

Die erlaubten es Humboldt, so

Miruna Achim, die von ihm gesammelten

Gegenstände nicht isoliertzu

sehen. Er konnte sie in einen Zusammenhang

kultureller Praktiken stellen,

sie so zum Sprechen bringen, in

Glücksfällen bildeten sie schon für

ihn, was Bruno Latour mehr als zwei

Jahrhunderte nach Humboldt das

„Parlament der Dinge“ nannte. Latour

erinnerte damit daran, dass

Ding (Thing) und Vollversammlung

im Germanischen dasselbe Wort

sind.

Die imSchloss Tegel aufgewachsene

Anna Mollmann erzählte, dass

bei ihnen zu Hause der Bruder Wilhelm

des Weltenfahrers Alexander

der prominentere gewesen sei, dass

aber an der Wand des Frühstückszimmers

das Bild hing, das Alexander

von Humboldt und Aime Bonpland

am Fuß des Vulkans Chimborazo

zeigt. Das habe in ihr, schon als

sie ein Kind war,die Sehnsucht nach

der Ferne geweckt. Alexander von

Humboldt lebe einem vor, dass man

sich befreien kann von dem, das einem

in die Wiege gelegt wurde.

Vielleicht geht es im Kern genau

darum: Wir müssen hinaus in die

Welt, um zu begreifen, wer wir sind.

Nicht um reumütig zurückzukehren,

sondern umzeigen zu können, dass

wir Produkte des Kosmos sind und

nicht Abkömmlinge einer preußischen

Offiziers- und Beamtenfamilie,

die erst 1738 in den Adelsstand erhoben

wurde. Anna Mollmann bekam

großen Applaus,als sie sagte,sie hoffe

sehr,dass das Humboldt-Forum auch

ein Ortsein werde, der Raum schaffen

werdeauch für jene Jugendlichen, die

im Berliner Schulwesen zu kurz kämen,

ein Ortalso,andem auch sie –in

Humboldts Sinne – zu sich selbst

kommen können.

Mach dich

mallorca.

easyJet_deutschland

Charité soll bei Untersuchung von Baby-Missbildungen helfen

In Nordrhein-Westfalen wurden Kinder mit deformierten Händen geboren. Mediziner,Politiker und werdende Eltern sind in Sorge. Nun soll nach den Ursachen geforscht werden

VonTorsten Harmsen

Eine Klinik aus Gelsenkirchen in

Nordrhein-Westfalen hat Kontakt

zur Berliner Charité aufgenommen.

Sie bittet um Mithilfe bei der

Untersuchung von Fehlbildungen

bei Neugeborenen. Die Fälle waren

von einer Kölner Hebamme öffentlich

gemacht worden und beschäftigen

derzeit Kliniken und Gesundheitspolitiker.

Den Meldungen zufolge sind im

Sankt-Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen

zwischen Juni und September

drei Kinder mit fehlgebildeten

Händen geboren worden. „Bei

zwei der betroffenen Kinder war die

linke Hand deformiert –bei normalem

Unterarm waren die Handteller

und Finger nur rudimentär angelegt“,

teilt die Klinik in einer Stellungnahme

mit. Beim dritten Kind

sei die rechte Hand deformiert –

auch hier Handteller und Finger.

Fehlbildungen dieser Art habe

man „viele Jahre nicht gesehen“,

heißt es weiter.„Dasmehrfache Auftreten

jetzt mag auch eine zufällige

Häufung sein. Wirfinden jedoch den

kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt

diese drei Fälle sehen, auffällig.“ Bei

den betroffenen Familien stellten die

Mediziner keine Besonderheiten

fest, außer, dass sie im lokalen Umfeld

wohnten. Insgesamt wurden im

Jahr 2018 an der Klinik mehr als 800

Kinder geboren.

Das Kölner Hebammen-Netzwerk

tauscht sich intensiv über die

Vorgänge im Raum von Gelsenkirchen

aus. „Da Missbildungen bei

Neugeborenen von den Krankenhäusernnicht

zentral gemeldet werden,

ist es derzeit unklar, obder Fall

nicht weitaus größere Dimensionen

hat – und Gefahr im Verzuge ist“,

sagte die Kölner Hebamme Sonja

Ligget-Igelmund, die die Fälle an die

Öffentlichkeit gebracht hatte. Der

Bild-Zeitung sagte die Hebamme,

dass sich bei ihr mittlerweile noch

weitere Familien gemeldet hätten.

Mancher fühlt sich bereits an den

Contergan-Skandal aus den 1960er-

Jahren erinnert. Der Deutsche Hebammenverband

lehnte allerdings

am Freitag eine Stellungnahme ab.

Andere Kliniken der Region,

etwa in Essen und Köln, beobachteten

dagegen keine Häufung von

Handfehlbildungen. „Die drei Fälle

in Gelsenkirchen lassen sich auch

durch eine statistische Zufälligkeit

Vielleicht kann die Forschung bei der Suche nach den Ursachen beitragen.

erklären“, sagte Berthold Grüttner,

Leiter der Geburtshilfe der Universitätsklinik

Köln. Zurückhaltend

reagiert auch die Charité. Diese erklärte

am Freitag: „Der derzeitige Informationsstand

erlaubt weder der

Charité noch insbesondere der

Embryonaltoxikologie eine inhaltliche

Stellungnahme zu diesem

IMAGO IMAGES

Thema.“ DieFachleute der Embryonaltoxikologie

befassen sich unter

anderem mit Arzneimittelrisiken

während der Schwangerschaft.

Mittlerweile hat sich auch die Politik

geäußert. Auf Anfrage begrüßte

das Bundesgesundheitsministerium

die Tatsache, dass sich die Klinik an

die Charité gewandt habe.„Wenn es

eine auffällige Häufung von Fehlbildungen

bei Neugeborenen geben

sollte, muss das so schnell wie möglich

geklärt werden“, sagte ein Sprecher

vonMinister Jens Spahn (CDU).

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerium

hat angekündigt, alle

Kliniken des Bundeslandes nach vergleichbaren

Fällen abzufragen. Der

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

rief dazu auf, „dringend eine

Studie in Auftrag zu geben, die systematisch

die Daten der Kliniken und

die Häufigkeit der Fälle erfasst“.

Nach Angaben der Gelsenkirchener

Klinik gebe es kein bundesweites

Melderegister für Fehlbildungen.

Nur in heutigen Sachsen-Anhalt

werden an der Uni Magdeburg seit

1980 Daten erfasst –imsogenannten

Fehlbildungsmonitoring. Die Daten

zeigen, das es 2017 in dem Bundesland

bei 1127 Geburten eine sogenannte

Reduktionsfehlbildung von

Extremitäten gab. Im selben Jahr

seien bundesweit 6884 Kinder mit

Fehlbildungen in Krankenhäusern

geboren worden, teilte das Bundesgesundheitsministerium

mit –0,89

Prozent der Neugeborenen. Allerdings

gebe es keine Informationen

über die Artder Fehlbildung.

Wiedie Mediziner des Sankt-Marien-Hospitals

Buer in Gelsenkirchen

erklärten, könnten Fehlbildungen

in der Schwangerschaft unter

anderem durch Infektionen auftreten.

Eine andere mögliche Ursache

sei das Abschnüren der Extremitäten,

etwa durch die Nabelschnur

oder sogenannte Amnionbänder,die

durch das Einreißen der Eihaut der

Fruchtblase entstehen. Der entscheidende

Entwicklungszeitraum

liege sehr früh, zwischen dem 24.

und 36. Entwicklungstag nach der

Befruchtung der Eizelle.

Bereits Ende 2018 hatte es in

Frankreich Aufregung gegeben, weil

in drei Regionen mindestens 14 Kinder

geboren wurden, denen Finger,

Hände oder Unterarme fehlten. Mittlerweile

sollen es 25 sein. Allein in der

Region Lyon registrierte man zwischen

2000 und 2014 insgesamt 18

Babysmit einer Fehlbildung der oberenGliedmaßen.

Wiedie Leiterin des

Melderegisters in Lyon sagte, kämen

die Mütter der Kinder aus Dörfern,

umgeben von Raps-, Sonnenblumen-

und Maisfeldern. Möglicherweise

seien in der Landwirtschaft verwendete

Pestizide eine Ursache der

Fehlbildungen. (mit dpa)


12 Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Berlin

Hanfpflanze

wird

Stadtgespräch

Grünen-Politiker Özdemir

reagiert souverän

VonPhilippe Debionne

Die BVG sorgt auf Twitter erneut

für einen Lacher und ist derzeit

Stadtgespräch. Das Social-Media-

Team veröffentlichte ein Foto einer

ebenso einsamen wie hochgewachsenen

Hanfpflanze, die von einer

noch unbekannten Person offensichtlich

in einer Berliner U-Bahn

stehengelassen wurde. Dazu fragen

die BVG-Mitarbeiter scheinbar unschuldig:

„Wer von euch hat seinen

Ahorn in der Bahn vergessen?“

Prompt reagieren Hunderte Menschen

mit mehr oder weniger lustigen

Kommentaren – unter ihnen

auch der Bundestagsabgeordnete

CemÖzdemir.

Zur Erinnerung: Der Grünen-Politiker

hatte vorvier Jahren ein Video

vonsich im Rahmen der Ice-Bucket-

Challenge veröffentlicht. Damals

hatten sich Prominente vor laufender

Kamera mit Eiswürfeln überschüttet.

Hintergrund der Kampagne

war eine Spendensammlung für

einen guten Zweck. Weil auf dem Video

des Politikers im Hintergrund

auch eine Hanfpflanzezusehen war,

die offensichtlich ihm gehörte,

nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen

Özdemir auf. Das Verfahren

wurde jedoch wegen Geringfügigkeit

eingestellt.

In Bezug auf die jetzt in der U-

Bahn entdeckte Hanfpflanze versicherte

der Grünen-Politiker nun augenzwinkernd:

„Ich kenne diese

Pflanzenicht, ehrlich“, und twitterte

das Bild erneut.

Nicht nur der Bundestagsabgeordnete,

auch die Berliner Polizei

kommentierte den Grasfund in der

U-Bahn mit Humor. Und twitterte

prompt: „Fotografieren im Asservatenwagen

ist verboten.“ Wemdie berauschende

Pflanze tatsächlich gehört,

ist derzeit noch unbekannt.

Ganz allein unterwegs: eine Hanfpflanze

in der Berliner U-Bahn.

BVG

Vonder Rolle

Seit drei Monaten sind die sogenannten E-Tretroller in Deutschland erlaubt. Eine ernüchternde Bilanz

VonAndreas Rabenstein

Sie sind schnell, in der City

fast überall verfügbar und

elektrisch. Diekleinen zweirädrigen

E-Tretroller sollten

in deutschen Städten die Verkehrswende

voranbringen. Seit dem 15.

Juni sind die Scooter hierzulande erlaubt

und haben viel Kritik ausgelöst.

Hier einige Antworten auf die wichtigsten

Fragen nach der ersten deutschen

E-Scooter-Sommersaison.

Wie viele E-Tretroller gibt es inzwischen

überhaupt?

DieZahl ist schwer zu bestimmen.

Nicht alle Verleiher machen dazu Angaben.

In ganz Deutschland dürften

inzwischen einige zehntausend Leihroller

auf den Straßen sein. In Berlin

bieten fünf Firmen insgesamt mindestens

9000 E-Scooter an. Weitere

Roller werden privat genutzt.

Wo und von wemwerden die Roller vor

allem genutzt?

DieRoller stehen besonders in den

Innenstädten, wo viele Menschen

unterwegs sind und die Verleiher auf

zahlreiche Kunden hoffen. Vorallem

jüngere Leute und Touristen nutzen

die Roller.Außenbezirke gehören selten

zu den Geschäftsgebieten derVerleiher.

Wie strikt beachten Rollerfahrer die

Verkehrsregeln?

Es sorgt immer wieder für Ärger,

wenn Menschen einen E-Scooter angetrunken

oder zu zweit nutzen oder

in Fußgängerzonen und auf Fußwegen

unterwegs sind. Fußgänger- und

Behindertenverbände beschwerten

sich. DiePolizei reagierte mit Kontrollen

und stellte fest: „Alles, was man

falsch machen kann, wirdauch falsch

gemacht.“ In München wurden in

900 Fällen Fahrer von E-Tretrollern

erwischt, die betrunken waren oder

Drogen genommen hatten. In Berlin

stoppte die Polizei in einer Nacht in

einem Kneipenviertel zwölf betrunkene

Fahrer, neun von ihnen hatten

mehr als 1,6 Promille und waren fahruntüchtig.

Wie gefährlich sind die Roller?

Ungeübte oder angetrunkene

Fahrer verlieren mit den wackligen

Fahrzeugen und ihren kleinen Rädernschnell

das Gleichgewicht. Gesicherte

Unfallzahlen, die einen Vergleich

mit Radfahrern erlauben, gibt

es aber noch nicht. DieBerliner Polizei

hatte nach einem Monat 21 Verkehrsunfälle

mit vier Schwer- und 15

Leichtverletzten registriert. Meistens

waren die Rollerfahrer schuld. So verletzte

sich ein 26-jähriger Schwede,

als er mit 2,2 Promille stürzte.Andere

Fahrer rammten einen Lastwagen

Besser ausgelastet, aber verboten: E-Tretroller sind nur solo erlaubt.

oder ein fahrendes Auto. Die Bilanz

des Chefarztes der Hamburger Innenstadt-Klinik

St. Georg fällt eindeutig

aus:„Wir haben mehrVerletzte

durch E-Scooter-Unfälle behandelt

als Verletzungen durch Fahrradunfälle.“

Beiden Operationen seien Verletzte

von Scooter-Unfällen sogar

fünfmal stärker betroffen. Die Verleihfirma

Voigibt zu: „Vor allem junge

Nutzer,die noch keine Führerscheinprüfung

gemacht haben, gehen oft

verantwortungslos mit den E-Scootern

um.“ Helfen soll eine bundesweite

Sicherheitskampagne.

IMAGO IMAGES

Wie störend sind die Roller?

Ziemlich. Neben den Leihfahrrädern

stehen in den Großstädten nun

auch überall die E-Roller herum. Einige

Städte arbeiten daher an Gegenstrategien.

In Berlin sollen ab dem

nächsten Jahr Parkflächen am Straßenrand

für E-Scooter und Leihräder

reserviertwerden. Düsseldorfwill die

Vermietung ab 2020 als Sondernutzung

einstufen, Roller dürfen nicht

mehr in Fußgängerzonen, Parksoder

auf Spielplätzen abgestellt werden.

Die Verleiher müssen falsch abgestellte

Roller beseitigen. Andere

Städte wie Hamburg, München oder

Dortmund haben kaum Probleme.

Nur wenige Bürger hätten sich beschwert,

heißt es dort. Herne etwa,

jene 150 000 Einwohner zählende

Ruhrpott-Stadt, in der Leihroller ihr

bundesweites Debüt feierten, zieht

eine positive Bilanz. Der Vermieter

sammle im Weg stehende Roller

schnell ein. In markierten Zonen

könnten die Roller nur gedrosselt fahren.

Auch in Münster gibt es kaum

Beschwerden.

Wie sieht die Umweltbilanz der E-Roller

aus?

Statt mit dem Auto zu fahren, sollten

die Menschen in den Städten die

neuen E-Roller in Kombination mit

Bussen und Bahnen nutzen. Daswar

das Argument der Verleihfirmen und

der Wunsch von Verkehrspolitikern.

Drei Monate später sind viele ernüchtert.

„Die gefahrenen Strecken

sind meist sehr kurzund können regelmäßig

auch zu Fuß, mit Bus, Bahn

oder Fahrrad bewältigt werden“,

stellt das Umweltbundesamt fest.

Besser wäre es, wenn Leihroller in

den Außenbezirken stünden, weil

die Strecken zur nächsten Haltestelle

dort länger seien. Eine Umfrage in

Parisergab,dass 85 Prozent der Nutzerohne

Roller zu Fußgegangen wären

oder die U-Bahn oder das Rad

genutzt hätten. „Wir hatten die Hoffnung,

dass E-Scooter auch mal dazu

benutzt werden, zum Bäcker zu surren.

Unddass dafür das Auto stehen

bleibt“, heißt es beim Fahrradverband

ADFC. Das sei aber nicht eingetreten.

Wasgeschieht mit den RollernimWinter?

„Bisher ist keine Winterpause geplant.

Solange die Nutzer mit den

Scootern fahren, haben sie die Möglichkeit

dazu“, teilte die schwedische

FirmaVoi mit. „Wir gehen davon aus,

dass sie auch im Winter fleißig gefahrenwerden.“

In Skandinavien habe es

auch im Winter „eine hohe Nachfrage“

gegeben.

Wie sehen die Erfahrungen im Ausland

aus?

Madrid begrenzte die Zahl der Lizenzen.

DieRoller dürfen nicht mehr

auf Bürgersteigen, den meisten Straßen

oder den Busspuren benutzt werden.

Erlaubt sind sie noch auf Radwegen

und zum Teil in Tempo-30-Zonen.

Mailand ließ die Verleiher ihre

Fahrzeuge wieder einsammeln und

verbannt die Tretroller bis auf Weiteres

aus dem öffentlichen Raum. Tel

Aviv drohte den Verleihfirmen mit Lizenzentzug,

wenn sie nicht dafür sorgen,

dass sich die Fahrer an die Verkehrsregeln

halten.

Was plant Verkehrsminister Andreas

Scheuer (CSU)?

Die Erlaubnis für die E-Roller

werde von der Bundesanstalt für

Straßenwesen über einen Zeitraum

von drei Jahren wissenschaftlich begleitet

und evaluiert, teilte das Ministerium

mit. Ende 2020 soll ein erster

Zwischenbericht zu Auswirkungen

auf dieVerkehrssicherheit vorgelegt

werden. (dpa)

Kreuzberger

Baustadtrat

lenkt ein

Schmidt will wieder über

Hermannplatz verhandeln

Nach heftiger Kritik an Florian

Schmidt, der als Kreuzberger

Baustadtrat die Pläne zu Um- und

Neubau des Karstadt-Kaufhauses

am Hermannplatz abgelehnt hatte,

sollen die Verhandlungen mit dem

österreichischen Immobilienentwickler

Signa nun doch wieder aufgenommen

werden. Dies bestätigte

der Grünen-Politiker am Sonntag

der Berliner Zeitung. Es werde weitereGespräche

geben, so Schmidt.

Die Entscheidung des Stadtrats

gegen den Umbau des Traditionshauses

in Kreuzberg hatte vor allem

den Regierenden Bürgermeister verärgert.

„Das geht so nicht“, sagte

Müller am vergangenen Donnerstag

im Abgeordnetenhaus. Signa will

etwa 450 Millionen Euro in den Teilabriss

und Umbau des Gebäudes am

Hermannplatz investieren und das

Kaufhaus wieder im Glanz der 20er-

Jahreerstrahlen lassen. Schmidt hält

die Pläne indes für „überzogen und

unangemessen“. Ein solches Gebäude

würde dort „wie ein Fremdkörper“

wirken. (BLZ)

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Beteiligung der Öffentlichkeit

an der Bauleitplanung

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Treptow-

Köpenick

OT Adlershof

Öffentliche Auslegung gemäß §3Absatz 2Baugesetzbuch

Bebauungsplan XV-68b-1 im Bezirk Treptow-Köpenick, Ortsteil

Johannisthal

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Was wird ausgelegt?

Für eine Teilfläche des städtebaulichen Entwicklungsbereichs

Berlin-Johannisthal/Adlershof, zwischen dem Landschaftspark

Johannisthal, dem Eisenhutweg und der Hermann-Dorner-Allee

legt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

den Bebauungsplan XV-68b-1 aus (Geltungsbereich vgl. Planausschnitt).

Was beinhaltet der Plan?

Es sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung

einer Gemeinschaftsschule, bestehend aus Grund- und Integrierter

Sekundarstufe mit gymnasialer Oberstufe sowie einer Sporthalle mit

dendazu gehörenden Freianlagen durch Festsetzung einer Gemeinbedarfsfläche

gemäß §9Abs. 5BauGB mit der Zweckbestimmung

„Schule“ geschaffen werden. Der Planentwurf liegt mit Begründung

und Umweltbericht sowie den wesentlichen umweltbezogenen Stellungnahmen

öffentlich aus. Bitte beachten Sie auch die formell verbindliche

Bekanntmachung im Amtsblatt für Berlin, Ausgabe Nr. 36

vom13. September 2019.

Wie kann man sich beteiligen?

Vom 24. September bis einschließlich 01. November 2019 können Sie

zum Bebauungsplan XV-68b-1 eine Stellungnahme abgeben, die mit

den anderen öffentlichen und privaten Belangen abgewogen wird. Bitte

achten Sie unbedingt darauf, die Frist einzuhalten. Sonst kann Ihre

Stellungnahme unberücksichtigt bleiben.

Wo wird der Plan ausgelegt?

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Dienstgebäude

Württembergische Straße 6, 5.OG, Raum 554, 10707 Berlin, Telefon

Ansprechperson: 030/90139-4209 und Bürogebäude der WISTA.Plan

GmbH, Rudower Chaussee 19, Foyer im 2. OG, 12489 Berlin, Telefon

Ansprechperson 030/6392-3926.

Wann wird der Plan ausgelegt?

Vom 24. September bis einschließlich 01. November 2019 bei der

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen; Montag bis

Donnerstag von 9:00 bis 17:00 Uhr sowie Freitag von 9:00 bis 16:00

Uhr; bei der WISTA.Plan GmbH, Montagbis Freitagvon 9:00bis 17:00

Uhr. Die Beantwortung von Fragenerfolgt nachtelefonischer Vereinbarung.

Sie können die Unterlagen außerdem im Internet einsehen

und sich dort online äußern unter:

www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/b-planverfahren/

sowie auf der Beteiligungsplattform www.mein.berlin.de

Hinweise zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Die Verarbeitung personenbezogener Daten erfolgt auf der Grundlage

des §3Baugesetzbuch in Verbindung mit Artikel 6Abs. 1

Buchst. eDatenschutz-Grundverordnung und dem Berliner Datenschutzgesetz.

Geben Sie Ihre Stellungnahme ohne Absenderangaben

ab, erhalten Sie keine Mitteilung über das Ergebnis der Prüfung

Ihrer Stellungnahme. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der

"Information über die Datenverarbeitung im Bereich des Bebauungsplanverfahrens",

die bereitgehalten wird.

IHRESTIFTUNG

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Das WWF Stiftungszentrum bietet Ihnen an, eine eigene

Stiftung für den Natur-und Umweltschutz zu gründen.

Für weitere Informationen und kostenloses Informationsmaterial

wenden Sie sich bitte an Gaby Groeneveld.

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Telefon 030 311 777 -730 | wwf.de/stiftung

J. Kramer/Fotolia

14 Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

·························································································································································································· Brandenburg

Streit um letzte Ruhe

Die rot-rote Landesregierung will Angehörigen ermöglichen, aus Totenasche Erinnerungsstücke zu fertigen

VonManfred Rey,Potsdam

Andem im Vorjahr geänderten

Brandenburgischen

Bestattungsgesetz lässt Raymund

Stelzer kein gutes

Haar.„Die Politiker haben nicht verstanden,

dass immer mehr Menschen

eine Bestattung in ihrer privaten

Umgebung wünschen und nicht

auf dem Friedhof“, sagt der Chef der

Märkischen Feuerbestattungen, der

als einziger in Brandenburg Baumbestattungen

auf eigenem Grund

anbietet. Erlaubt sind eigentlich nur

Bestattungen auf Friedhöfen.

Erstmals in Deutschland wollte es

die rot-rote Landesregierung Angehörigen

ermöglichen, aus Totenasche

Erinnerungsstücke fertigen zu

lassen. Mit knapper Mehrheit beschloss

der Landtag jedoch, dass die

gesamte Asche beigesetzt werden

muss.Auch werdie Möglichkeit vermittelt,

die sterblichen Überreste der

Beisetzung ganz oder teilweise zu

entziehen, aus ihr Erinnerungsgegenstände

herstellt oder dies auch

nur vermittelt, begeht laut neuem

Bestattungsgesetz eine Ordnungswidrigkeit.

Bei Stelzers Bestattungen wird

der Verstorbene in einem tschechischen

Krematorium eingeäschert.

Die Asche wird in die Erde einer

Pflanzeeingebracht, die die Angehörigen

später erhalten. Ähnliche Bestattungen

werden auch in anderen

Bundesländernangeboten.

Zwar wird derzeit in den Landtagen

von Mecklenburg-Vorpommern

und in Bayern über Änderungen des

Bestattungsrechts debattiert, eine

Abkehr von der Friedhofspflicht ist

dabei jedoch nicht in Sicht. Torsten

Schmitt vomVerein Aeternitas kann

das nicht verstehen. „Die Politiker

beugen sich dem Druck vonKirchen,

Steinmetzen und Gemeinden, die an

den Beisetzungen verdienen.“

Angesichts steigender Gebühren

deutet sich nach Ansicht Schmitts,

der bei den Landtagsberatungen in

Potsdam und Schwerin als Sachverständiger

geladen war, an, dass sich

VonSilkeNauschütz, Potsdam

Es ist ein straffer Zeitplan: Die

möglichen künftigen Partner einer

Regierungskoalition in Brandenburgtreffen

sich in den kommenden

zwei Tagen zu weiteren Gesprächen.

Am Sonntag sprachenVertreter einer

möglichen rot-grün-roten Koalition

miteinander,amMontag treffen sich

SPD,CDU und Grüne noch einmal.

Unterdessen mehren sich in der

SPD Stimmen für ein Bündnis mit

CDU und Grünen. DerPräsident des

Landkreistags Brandenburg, Wolfgang

Blasig (SPD), sagte nach einem

Bericht der „Märkischen Allgemeinen“,

die Interessen der Kommunen

ließen sich voraussichtlich besser in

Zusammenarbeit mit der CDU und

den Grünen durchsetzen als in einer

rot-grün-roten Konstellation. Blasig

ist Landrat in Potsdam Mittelmark.

Zuvorhatte sich bereits Schatzmeister

Harald Sempf als erstes Mitglied

des SPD-Landesvorstands für eine

rot-schwarz-grüne Koalition ausgesprochen,

um auf das Wahlergebnis

zu reagieren.

Ministerpräsident Dietmar Woidke

(SPD) ließ am Donnerstag nach

den Sondierungen mit beiden

Dreier-Runden keine Vorliebe für

eine bestimmte Koalition erkennen.

Bei der Landtagswahl wurde die

SPD mit 26,2 Prozent der Zweitstimmen

stärkste Kraft, gefolgt von der

AfD mit 23,5 Prozent. Auf Platz drei

kam die CDU mit 15,6 Prozent, gefolgt

vonden Grünen (10,8 Prozent),

der Linke (10,7 Prozent) und den

Freien Wählern(5,0 Prozent).

Bisher sind in Brandenburg nur Bestattungen auf Friedhöfen erlaubt.

IMAGO IMAGES

„Die Politiker haben nicht verstanden,

dass immer mehr Menschen eine Bestattung

in ihrer privaten Umgebung wünschen

und nicht auf dem Friedhof.“

Raymund Stelzer,

Chef der Firma Märkische Feuerbestattungen

Die schwierige Regierungsbildung

Nach der Landtagswahl laufen die Sondierungsgespräche. Werwill was? Worum geht es?

Der Grünen-Landtagsabgeordnete

Benjamin Raschke, der auch

Teil des Sondierungsteams seiner

Partei ist, verwies am Wochenende

auf die Vereinbarung eines neuen

Politikstils unter den möglichen

künftigen Regierungspartnern – er

meint damit Stillschweigen.

SPD und

Grüne hätten vereinbart,

eine Entscheidung

über eine Farbkonstellation

der Regierung

sowohl gemeinsam

zu treffen als

auch gemeinsam zu

verkünden, sagte

Raschke.Deshalb seien

alle weiteren Stimmen

aus Parteigremien und

von Landräten nicht

von Belang. „Wir stehen

zur gemeinsamen

Vereinbarung und vertrauen darauf,

dass das Wort des Ministerpräsidenten

gilt.“

Für die Linke geht es um viel. Sie

ist seit rund zehn Jahren als Koalitionspartner

der SPD in der Regierung.

Linke-Landeschefin Anja Mayer

hatte nach der ersten gemeinsamen

Dreier-Runde vom Donnerstag

gesagt:„Wir haben intensiveGespräche

geführt und in vielen Bereichen

Übereinstimmung erzielen können.

Allerdings ist es uns nicht gelungen,

alle wichtigen Themen zu besprechen.“

Deswegen würden die Gespräche

fortgesetzt.

Folgende Punkte könnten auf

dem Weg zur Entscheidung eine

Rolle spielen:

Alter und vermutlich

neuer Ministerpräsident:

Dietmar Woidke(SPD) DPA

Inhalt. Bei den Sondierungsgesprächen

geht es vor allem um strittige

Themen. Aufden ersten Blick mag es

bei den möglichen Partnern einer

rot-schwarz-grünen Koalition die

größten inhaltlichen Differenzen geben

–vor allem zwischen CDU und

Grünen, zum Beispiel

in der Sicherheits- und

Asylpolitik und in der

Landwirtschaft. Aber

auch zwischen SPD

und Grünen kann es

hakeln – etwa in der

Frage des Braunkohleausstiegs

und der Asylpolitik.

Inhaltlich sind

sich Rot-Grün-Rot näher,

Grüne und Linke

haben ähnliche Forderungen.

BeidieserVariante

liegt die Herausforderung

eher darin,

dass sich beide kleinereParteien mit

der SPD einigen.

Mehrheit. Die absolute Mehrheit

umfasst mehr als die Hälfte der Zahl

der 88 Abgeordneten im Landtag –

das wäre dann bei mindestens 45

Stimmen. Eine absolute Mehrheit

muss zum Beispiel bei der Wahl des

Ministerpräsidenten erreicht werden.

Ein rot-grün-rotes Bündnis

hätte genau 45 Stimmen, also eine

Stimme mehr als die Hälfte der 88

Abgeordneten. Ein rot-schwarz-grünes

Bündnis hätte 50 Stimmen, also

sechs Stimmen mehr als die Hälfte

des Landtags. Ministerpräsident

Woidke wies nach der Landtagswahl

darauf hin, dass sich die Frage einer

eine alternative Bestattungskultur

durchsetzen wird und die Urne

über kurzoder lang auch im Privatbereich

aufbewahrt werden kann.

Immerhin gestattet Bremen als bislang

einziges Bundesland, dass Totenasche

auf privatem Grund verstreut

werden kann.

Auch der Obermeister der Bestattungs-Innung

in Berlin und Brandenburg,

Rüdiger Kußerow,kritisiert

die märkische Regelung. „In Berlin

dürfen Erinnerungsgegenstände aus

Totenasche verkauft werden, in

Brandenburg ist das verboten“, sagt

der Chef einer Bestattungsfirma.

„Ich höre jeden zweiten Tag den

Wunsch von Kunden, die die Urne

mit nach Hause nehmen wollen.“

Er halte zwar an der Beerdigung

auf Friedhöfen fest, sagt Kußerow.

„In Ausnahmefällen sollte es aber

möglich sein, dass die Totenasche

geteilt werden kann und Urnen auf

privatem Gelände beigesetzt werden

können.“ Ohnehin wünschten nur

ganz wenige Kunden Erinnerungsgegenstände.

Erhabe in Berlin in 20

Jahren nur zwei Diamanten aus der

Asche Verstorbener verkauft.

In einer Anfrage wollte der Grünen-Abgeordnete

Axel Vogel kürzlich

erfahren, wie die Brandenburger

Landesregierung gegen Werbeanzeigen

von Bestattern vorgeht, die im

Widerspruch zum Bestattungsgesetz

stehen. Dabei nannte Vogel auch

Stelzers Unternehmen. Das Potsdamer

Innenministerium stellte klar,

ein Verzicht auf eine Bestattung der

gesamten Totenasche oder auch nur

Teilen davon außerhalb des Friedhofs

sei in Brandenburg eine Ordnungswidrigkeit.

Dafür dürfe auch

nicht geworben werden.

Stelzer findet es „merkwürdig“,

dass gerade ein Grünen-Politiker ihn

aufs Korn nimmt. Er habe Werbeanzeigen

in mehreren Amtsblättern

und einer Wochenzeitung geschaltet

und werdedas auch künftig tun. Mit

seinem Unternehmen in Tschechien

verhalte er sich gesetzeskonform.

„Da soll mir erst mal jemand einen

Rechtsverstoß nachweisen.“ (dpa)

Koalition aus seiner Sicht nicht allein

arithmetisch lösen lasse.

Vertrauen. Die künftigen Partner

müssen deshalb „miteinander können“,

schließlich soll die politische

Ehe fünf Jahre halten. Der Rücktritt

von CDU-Landes- und Fraktionschef

Ingo Senftleben nach einem

Machtkampf zwischen dem konservativen

und liberalen Flügel in der

Fraktion warf die Christdemokraten

bei der Sondierung zunächst zurück.

Mit dem kommissarischem Landeschef

Michael Stübgen hat die CDU

aber einen erfahrenen Verhandlungsführer,

der wie Woidke aus der

Lausitz kommt. Und Fraktionschef

Jan Redmann wurde einstimmig gewählt.

CDU und Grüne haben im

Wahlkampf miteinander geflirtet,

aber das war noch unter dem liberalen

Senftleben. Die Grünen waren

nach dem Rücktritt Senftlebens zunächst

sehr skeptisch.

Wahlergebnis. DieGewinne und Verluste

zeigen, dass sich bei der Landtagswahl

in diesem Jahr im Vergleich

zu 2014 einiges verschoben hat: Die

SPD lag zwar mit 26,2 Prozent wieder

vorn, aber die AfD verdoppelte ihr

Ergebnis von 2014 fast und kam auf

23,5 Prozent. Die Grünen legten zu

auf 10,8 Prozent. Linke und CDU verloren

drastisch, die CDU kam auf

15,6 Prozent, die Linke auf 10,7 Prozent.

Bei der Entscheidung für eine

neue Koalition geht es den Parteien

auch um die Frage, wie sie auf Wähler

zugehen, die sie verloren haben

und wieder erreichen wollen. (dpa)


Anzeigen-Sonderveröffentlichung Nr. 38|12. Oktober 2018

Anzeigen-Sonderveröffentlichung Nr. 43|17. September 2019

Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 15

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Brandenburg

Ohne die Äpfel aus der Uckermarkgäbe es die Apfelweinkelterei auf dem Gutshof Kraatz vermutlich gar nicht.

IMAGO IMAGES

Auf der Fruchtwein-Welle

VonBerlin in die Uckermark: Zwei Großstadtflüchter versuchen es in der Einsamkeit mit Obstweinen, gutem Essen und zwei Ferienwohnungen

VonDirk Engelhardt, Kraatz

Der Gutshof Kraatz wirbt

mit den Worten:

„100 Einwohner, eine

Apfelweinkelterei, eine

Gastwirtschaft und zwei Ferienhäuser

– willkommen in der Uckermark.“

In der idyllischen, aber recht

menschenleeren Gegend eine anspruchsvolle

Gastronomie aufzuziehen,

dazu gehört Pioniergeist. Edda

Müller (54) und Florian Profitlich

(50) wagten es, und nach einigen

Jahren in der Ödnis können sie jetzt

sagen: Es hat sich gelohnt.

25 000 Flaschen Wein

Beide haben Kommunikationsdesign

an der Folkwang Hochschule

studiert. Anschließend arbeitete sie

als Cutterin beim Fernsehen und er

als Architekturfotograf. Eine Weile

wohnten sie in Berlin. 2001 kauften

sie ein kleines Ferienhaus in Kraatz,

um es zu renovieren und die Wochenenden

dort zuverbringen. „Ich

sah die vielen alten Obstbäume, deren

Obst niemand erntete, und

dachte mir,daraus müsse man doch

etwas machen“, schildert Profitlich

seine Anfangsüberlegungen. Die

dann zur Obstweinkelterei führten.

Mittlerweile stehen fast zwei Dutzend

Weine und Schaumweine in

seinen Regalen. Allein im letzten Jahr

produzierte die Kelterei 25 000 Flaschen

Wein und Schaumwein und

11 000 Flaschen Säfte. Die Palette

reicht vom Bohnapfel Holzfass über

„Wilde Kerle“, Goldrenetten, Apfelwein

mit Mispeln, Kaiser Wilhelm

mit Quitte bis zu Apfelsekt mit Aronia

und Birnenwein. Die Abholpreise

pro Flasche liegen zwischen

6,50 Euro und 11,50 Euro. Produktion

derWeine,Abfüllung und Etikettierung

mit Designer-Etiketten wird

alles am Ort erledigt. „In Brandenburg

herrscht immer noch ein Mangel

an hochwertigen Produkten, die

typisch für die Region sind“, sagt

Neu-Gastronomen: Edda Müller und

Florian Profitlich.

GUTSHOF KRAATZ

Profitlich resigniert.

In Brandenburg

ist ansonsten

allenfalls

der Obstwein aus

Werder bekannt.

Ein Vorteil der

Obstweine sei es,

dass sie nur zwischen

5,5 Prozent

und 9,5 Prozent

Alkohol haben,

und somit auch in

Maßen von Autofahrern

genossen

werden können.

Denn nach Kraatz

kommt man mit

öffentlichen Verkehrsmitteln

nur

schwer.

Neben dem Ferienhaus lag die

riesige Scheune des Gutshofes und

Nebengebäude, die das Paar vor

sechs Jahren erwarb und aufwändig

sanierte.Ein Maurer,der auf natürliche

Baumethoden

mit Lehmputz

spezialisiert

ist, half bei der Renovierung

der Gebäude,

wobei natürliche

Baumaterialien

wie Hanf

und Kreidefarben

zum Einsatz kamen.

Geheizt wird

mit Holz und

thermischen Solaranlagen,

Strom

ist Ökostrom. Die

Wohnungen werden

auf zwei Portalen

im Internet

angeboten, die

auf Kunden mit

hohen Ansprüchen in punkto Design

zielen. „Wir haben viele Architekten

als Gäste, die Wert legen auf

hochwertige Materialien und Möbelstücke

und sich an ihnen erfreuen“,

sagt Profitlich.

2016 erhielt das Paar für die exklusiven

Ferienwohnungen den

Uckermärkischen Tourismuspreis.

Auf dem Gelände ist es außerdem

möglich, das Wohnmobil kostenlos

abzustellen –dafür ist man im Stellplatzführer

„Landvergnügen“ gelistet.

Dieser Stellplatzführer listet

Stellplätze inDeutschland bei Obstbauern,

Winzern, Imkern, Käsern

oder Kaffeeröstern. „Damit haben

wir meist auch Gäste für unser Restaurant

gewonnen“, freut sich Edda

Müller.Inder Weinschänke,2014 eröffnet,

gibt es amWochenende Frühstück

alacarte.AmFreitag ist Pizzatag

und am Donnerstag Piroggentag.

Für 12 Euro gibt es eine Auswahl an

hausgemachten Piroggen mit Salat.

Weil sich die Anstellung eines

festangestellten Kochs in dem winzigen

Dorf anfangs nicht lohnte, hat

sich das Paar etwas neues ausgedacht.

Für das „Uckermark Menü“

am Sonnabend kommt jede Woche

ein anderer Gastkoch der Region ins

Haus. Sokochte Jens Köhler im Mai

ein Spargel-Menü für 39 Euro, das

mit einem Schaumwein vom Pfannkuchenapfel

beginnt, es folgen

Knusperstangen vom grünen Spargel,

Hauptgericht ist Schnitzel Wiener

Art mit weißem Spargel, Soße

Hollandaise und Kartoffeln. DenAbschluss

bildet Spargel-Creme-Brulée

mit Pistazien und Erdbeersalat.

Die Schänke wird mittlerweile

auch von Einheimischen angenommen.

„Wir kommen gerade über die

Runden“, beschreibt Profitlich die

Finanzsituation. DieInvestitionen in

den Umbau der riesigen Scheune,

die als Produktionsstandort und

Restaurant dient, waren erheblich.

Gerade die Wintersaison in dieser

einsamen Gegend sei schwierig.

Dann bleibt im Winter Zeit, um

Brotzeitbretter herzustellen und alte

Obstbäume zu pflegen. Denn nur

wenn in einer Region die alten Sorten

auch wirtschaftlich genutzt werden,

ist der Anreiz da, sie zu erhalten.

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Lokalsport

NACHRICHTEN

RK 03 siegt im Stadtderby

gegen RC Berlin 20:17

RUGBY.Der RK 03 Berlin hat am

zweiten Spieltag der Bundesliga

überraschend das Stadtderbygegen

den Berliner RC für sich entscheiden

können. 20:17 hieß es am Sonnabend

nach einer dramatischen

Schlussphase,inder das Team von

Trainer Maxi Bonanno über sich hinauswuchs

und vor600 Zuschauern

eine bemerkenswerte Aufholjagd erfolgreich

vollendete.Zwischenzeitlich

hatte der favorisierte RC nämlich

schon 17:5 geführt, doch unter

dem Druck der vonNationalspieler

Falk Duwe angeführten 03er unterliefen

den Gastgeberneine Reihe ungeahnter

Fehler.

OSC Potsdam verpasst

die Champions League

WASSERBALL. DieWasserballer des

OSC Potsdam sind in der 2. Qualifikationsrunde

für die Champions-

League-Hauptrunde gescheitert.

DerMeisterschafts-Dritte verlor am

Wochenende beim Vierer-Turnier in

Budapest alle drei Spiele deutlich.

Gegen Gastgeber OSC Budapest unterlag

Potsdam mit 4:26 (2:11), gegen

Dynamo Moskau mit 9:17 (4:9) und

im abschließenden Sonntags-Match

gegen SintezKasan aus Russland mit

8:22 (5:12). DieHauptrunde mit zwei

Gruppen zu je acht Mannschaften,

in der Spandau 04 und Waspo Hannoverper

Wild Card gesetzt sind,

startet am 8. Oktober.

Auenwolf triumphiert

in Hoppegarten

GALOPP.Mit einem starken Ritt von

Bauyrzhan Murzabayev hat der fünfjährige

Wallach Auenwolf den

Herbstpreis auf der Galopprennbahn

Hoppegarten gewonnen. Vor

7211 Zuschauernpassierte das Duo

am späten Sonnabendnachmittag

sicher mit einer halben Länge Vorsprung

das Ziel vordem zum Schluss

sehr schnell werdenden Hout Bay

mit Michael Cadeddu im Sattel. Der

dritte Platz in dem mit 22 500 Euro

dotierten Ausgleich-I-Rennen über

die 1800-Meter-Distanz blieb dem

25:10-Wettfavoriten Alinaromit Lukas

Delozier vorbehalten. „Das Rennen

war flott gelaufen“, sagte der 26

Jahrealte Jockey Murzabayev und

fügte hinzu: „Auenwolf hat sich

großartig eingesetzt, als die Konkurrenz

angriff. Undwir konnten einen

knappen Vorsprung über Ziellinie

retten.“ Derzuvor als Favoritgehandelte

Mockingjay musste wegen einer

leichten Verletzung kurzfristig

passen.

ZAHLEN

Fussball

Berlin-Liga, 5. Spieltag

Füchse Berlin -Hilalspor Berlin 2:1 (1:1)

SD Croatia Berlin -Sparta Lichtenberg 2:3 (0:2)

SFC SternBerlin -Berlin Türkspor 1965 3:1 (0:1)

TuSMakkabi -Berlin United 2:1 (0:1)

Frohnauer SC -VfB Fortuna Biesdorf 1:0 (1:0)

Berliner SC -FSV Spandauer Kickers 2:1 (2:0)

Türkiyems. Berl. -FCBrandenburg 03 5:1 (2:1)

Eintracht Mahlsdorf -SVEmpor Berlin 3:1 (0:1)

TSV Rudow-Dersimspor 5:2 (4:1)

1. TuSMakkabi 5 14: 4 13

2. SFC SternBerlin 5 12: 4 13

3. Frohnauer SC 5 9: 1 11

4. Füchse Berlin 5 17: 9 10

5. Sparta Lichtenberg 5 14:10 10

6. Berlin United 5 11: 5 9

7. TSV Rudow 5 11: 8 9

8. Eintracht Mahlsdorf 4 10: 7 9

9. Hilalspor Berlin 5 7: 7 9

10. SV Empor Berlin 5 9: 7 8

11. Berliner SC 5 10: 9 7

12. FSV Spandauer Kickers 5 9:12 6

13. Türkiyems. Berl. 5 8:10 4

14. Berlin Türkspor 5 5:12 4

15. Dersimspor 5 7:19 3

16. SD Croatia Berlin 4 6: 9 1

17. VfB Fortuna Biesdorf 5 4:14 0

18. FC Brandenburg 03 5 3:19 0

Sprache des Fußballs

Berlin-Ligist Makkabi hat einen Umbruch geschafft: mit neuen Spielern, neuem Trainer –und Tabellenplatz eins

VonChristian Kattner

Die Freude musste raus.

Wolfgang Sandhowe jubelte,

genoss die Schulterklopfer

auf dem Weg

zur Kabine des TuSMakkabi Berlin,

nahm die Glückwünsche zum 2:1-

Sieg gegen Berlin United dankbar

und mit einem breiten Lächeln entgegen.

Dieblaue Mütze, die der Trainer

während der vorangegangenen

gut 90 Minuten getragen hatte, hielt

der 65-Jährige in der Hand, ließ

Sonne auf sein Haupt fallen. Durch

den Erfolg verteidigte Makkabi die

Tabellenführung in der Berlin-Liga.

Für Außenstehende war das vor

der Saison nicht unbedingt zu erwarten,

denn die Fluktuation im Sommer

war groß. Zwölf neue Spieler

mussten eingebaut, sechs Abgänge

kompensiertwerden. Dazu der neue

Trainer. Doch der Umbruch führte

nicht zum Stotterstart. „Wenn man

sich die Vorbereitung anschaut und

das,was der Trainer mit den Spielern

macht, ist der Erfolg nicht so ganz

überraschend“, sagt BenIsakow.

Seit Maiist der 24-Jährige Sportlicher

Leiter bei Makkabi und hat die

Veränderungen im Kader, dessen

Kern gehalten wurde, bewusst herbeigeführt.

Dasgeschah in enger Abstimmung

mit Sandhowe, einem erfahrenen

Coach. Der 65-Jährige hat

auch schon den aktuellen Drittligen

1. FC Magdeburgtrainiert. In der vergangenen

Saison betreute er Türkiyemspor,

bot sich im Sommer

dann selber Makkabi an.

Kurse an der Volkshochschule

Sandhowe erwartet Professionalität.

Damit müssen seine Fußballer erst

einmal zurechtkommen. „Die Spieler

sind das Pensum des Trainers am Anfang

noch nicht gewohnt gewesen“,

sagt Isakow, „deshalb sind wir positiv

erfreut, wie sie bislang damit umgehen.“

Auch mit einer wichtigen Regel,

die Sandhowe einfordert: Die Sprache

auf dem Platz ist Deutsch. Nicht

ganz so einfach, wenn sich der Kader

aus zehn Nationen speist.

Zwei Brasilianer und zwei Japaner

sind in diesem Sommer dazugekommen.

Dievereinheitlichte Kommunikation

ist Sandhowe wichtig, Makkabi

unterstützt die Spieler. Ein

Durchstarten: Makkabis Kalilu Conteh umkurvt United-Spieler. FOTOS: ANDREAS KLUG (3)

Durchatmen: Wolfgang Sandhowebeobachtet das Spiel seines Makkabi-Teams.

Durchzählen: vor dem Anpfiff Makkabis Elf auf der Julius-Hirsch-Sportanlage.

Sprachlehrer kommt aus dem Verein,

Kurse an Volkshochschule sind möglich.

Undwenn es trotzdem nochVerständigungsprobleme

gibt, kann Assistenztrainer

Ousmane Bangoura

einspringen. „Ousmane agiert als

Schwerer leichter Flug

Übersetzer, trägt aber auch so einen

großen Teil bei, dass das Team funktioniert.

Er leitet auch teilweise die

Trainingseinheiten“, sagt BenIsakow.

In der Halbzeitpause des Spiels

gegen Berlin United bereitete BangouraEinwechselspieler

Diego Lima

De Mello auf den Einsatz vor. Der

Angreifer belohnte die Arbeit des Assistenten

später mit dem Siegtreffer.

Gern wirdErfolg im Fußball mit dem

Trainer in Verbindung gebracht.

Beim TuSMakkabi ist es das Trainerteam,

das aus Sicht des Sportlichen

Leiters einen sehr guten Jobmacht.

Die Zuschauer jedenfalls können

sich bisher nicht beschweren. Laufintensiven

und offensiv ausgerichteten

Fußball lässt Trainer Sandhowe spielen.

Im Durchschnitt fallen fast vier

Tore pro Partie. Gegen Berlin United

sind es am frühen Sonntagnachmittag

drei, die Mannschaft kann in der

zweiten Halbzeit einen 0:1-Pausenrückstand

zum Sieg drehen. Bessere

Werbung in eigener Sache hätten die

Spieler vorden rund 100 Zuschauern

gar nicht machen können.

Neuaufbau der Jugendarbeit

Erst recht nicht für den an der Seitenlinie

stehenden Nachwuchs. Seit

dieser Saison wird bei Makkabi die

Jugendarbeit wieder intensiviert,

drei Teams sind im Spielbetrieb aktiv.Aber:„Diereinen

Ergebnisse sind

bisher eher ernüchternd“, sagt Ben

Isakow. Vorder Begegnung der ersten

Männermannschaft mussten

Kinder des TuSMakkabi eine 1:29-

Niederlage gegen ein Team aus

Schöneberg hinnehmen und später

den neugierigen Zuschauern erklären,

wie es dazu kam. Siewirkten dabei

aber keineswegs entmutigt. Das

erwartet Ben Isakow auch vom Umfeld,

er sieht die Nachwuchsarbeit

als Langzeitprojekt und bittet um

Geduld. „Die Eltern müssen uns die

Zeit geben, um wachsen zu können.

Man hat in den vergangenen Jahren

manchmal zu schnell aufgegeben“,

sagt der Sportliche Leiter.

Der TuS Makkabi wolle eine gut

strukturierte und funktionierende

Jugendarbeit, um davon in Zukunft

profitieren zu können. Eine Identität

schaffen wollen die Fußballer des

Mehr-Sparten-Vereins, die von der

ersten Männermannschaft bis zu

den Bambini gelebt wird. Im aktuellen

Erfolg in der Berlin-Liga waren

am Sonntag wieder mal große Teile

des Makkabi-Kicker vereint. Ein Zustand,

der aus Sicht derVereinsspitze

noch eine Weile Bestand haben darf.

Tierisch fit: Der Verein Möwe Britz betreibt seit 122 Jahren Radsport, doch muss er inzwischen um seine Existenz fürchten

VonChristian Kattner

Die ersten Fahrer kommen gegen

halb zwölf zurück. Die Rennräder

werden auf dem Hofder Christoph-Ruden-Grundschule

in Britz

abgestellt. Rückmeldung im Organisationsbüro,

ein alkoholfreies Bier,

eine Kleinigkeit zu essen, das ist die

Belohnung für mindestens 52 Kilometer,

größtenteils auf Brandenburger

Straßen. Knapp 150 Radler haben

sich an diesem Sonnabendvormittag

auf unterschiedlich lange Strecken

begeben. Der ausrichtende Verein

MöweBritz hat nur noch 20 Mitglieder.

„Wir sind in der Altersstruktur

mittlerweile am obersten Ende angelangt“,

sagt Harald Langner, „unser

jüngstes Mitglied ist 58 Jahrealt.“

Willy Kutschbach und die Tour

Seit 1897 gibt es MöweBritz, wie der

Vogel in den Namen kam, ist nicht

überliefert. Langer,83, kann nur spekulieren:

„Damals haben sich viele

Vereine Fantasienamen ausgedacht.

Vielleicht liegt es daran, dass die

Möwe leicht durch die Lüfte fliegt.

Mit dem Fahrrad, als es industriell

gefertigt wurde, konnte man ja auch

leicht über die Straßen fliegen.“

Die schnellste Möwe ist bis heute

Radprofi Willy Kutschbach. Viermal

nahm er an der Tour de France teil,

beendete sie zuletzt in Paris 1935 als

Träger der Laterne Rouge für das

Startzueiner Brandenburg-Tour:Radsportfreunde am Sonnabend in Britz.

Schlusslicht im Gesamtklassement.

Seit dem Zweiten Weltkrieg kämpfen

die Möwen um ihreExistenz. DieMitgliederzahl

schwankten, derzeit

scheint die Lage bedrohlich wie nie

zu sein. „Jüngere Fahrer meinten,

dass die älteren Mitglieder ihnen

nichts mehr bieten können und haben

den Verein verlassen“, sagt Langner.Vor

einem Jahrzehnt noch richteten

die Möwen das traditionelle

Hufeisenrennen aus. „Dann wurde

die Siedlung Weltkulturerbe. Dabekommen

wir keine Genehmigung

mehr,dortein Rennen auszurichten,

weil nicht verhindert werden kann,

dass die Besucher Schäden anrichten“,

sagt Langner. Und Alternati-

BLZ/UHLEMANN

ven? „Man bekommt in Berlin keine

Genehmigungen, es gibt noch den

einen oder anderen Verein, der Rennen

außerhalb Berlins ausrichtet.“

Übrig geblieben sind den Möwen

die Tourenfahrten im Frühjahr und

Spätsommer.Aber:„Es ist für uns mit

großem Aufwand verbunden. Am

Freitag wird hier aufgebaut, es fahren

außerdem Leute raus und kennzeichnen

die Strecke mit Pfeilen“,

sagt Langner.Während der Fahrtgeben

Vereinsmitglieder an der Strecke

die Verpflegung aus. Sie könnten

Hilfe von jüngeren Radsportfreunden

brauchen. Doch Nachwuchs zu

gewinnen, ist ein Problem – das

größte,das die Möwen haben.

Sie haben es versucht, Flyer verteilt,

Annoncen in Zeitungen geschaltet.

„Da passiert leider nichts“,

erzählt Langner. Mundpropaganda

sei noch die beste Methode, aber

längst keine Garantie für neue Möwen.

„Man bekommt die jüngeren

Leuten nicht dazu, eine Aufgabe im

Verein zu übernehmen, dort wirksam

zu sein.“ DasProblem haben die

Möwen nicht exklusiv. Inzwischen

gebe es hierzulande immer mehr

Trimmfahrer,Fahrer,die keinemVerein

angehören, sagt Langner.

Auch bei der Tourenfahrt am

Sonnabend sind rund die Hälfte der

Teilnehmer vereinslos. „Wir sehen

uns schon in einigen Jahren aussterben“,

sagt Harald Langner.Erspricht

vom schlimmstmöglichen Fall für

den 122 Jahre alten Verein. Noch hat

er Hoffnung, dass viele Jahre dazukommen.

Und solange diese Hoffnung

besteht, werden die Möwen

zweimal im Jahr an der Strecke stehen,

werden sie in der Britzer Grundschule

auf Tourenfahrer warten, werden

weitermachen.

Bisherinder Serieporträtiert:

Zehlendorfer Wespen (29.Juli),

WeddingerWiesel (22.Juli),

Berlin Flamingos(12. August),

BC LionsMoabit21(19.August),

Berlin Kettle Bears (26.August),

BerlinerWasserratten(2. September),

PBC Adler(9. September).

Offensiv

und

leichtfüßig

Der TTC Eastside deutet

sein großes Potenzial an

VonMichael Jahn

AmSonntagvormittag begann für

die Frauen des deutschen Tischtennis-Meisters

TTC Berlin Eastside

Tagdrei einer Hatz durch drei Wettbewerbe

binnen 48 Stunden. Das

erste Duell im Qualifikationsturnier

um die Teilnahme am Final Four,

dem deutschen Pokalfinale Anfang

Januar 2020 in Pforzheim, gewannen

Shan Xiaona, Matilda Ekholm und

Kathrin Mühlbach locker 3:0 gegen

die Drittligisten Hannover96. Insgesamt

zwölf Teams tummelten sich in

der komplett renovierten Halle am

Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg.

Vier Mannschaften erreichten

einen Finalplatz, darunter der TTC

Eastside. AmNachmittag trafen die

Berliner im entscheidenden Match

auf den Erstligisten SV Böblingen

und siegten erneut deutlich mit 3:0.

Diese Mal war Nina Mittelham für

Kathrin Mühlbach ins Team gerückt.

Der Vergleich mit Böblingen bildete

den Abschluss der „drei tollen

Tage“ für Eastside mit vier Auftritten

in Serieinder Champions League,in

der Bundesliga und im Pokal. DieBilanz

fiel erwartungsgemäß positiv

aus und kann als erster Testlauf für

die weitere Spielzeit verbucht werden.

Die wesentlich verstärkte

Mannschaft von Trainerin Irina Palina

sollte tatsächlich das Potenzial

besitzen, um Großes zu erreichen.

Probleme für Szöcs

Begonnen hatten die TTC-Festspiele

am Freitagabend in der europäischen

Königsklasse, wo die spanische

Mannschaft von Girbau VicTT,

einem Ort nahe Barcelona, der Gegner

war. Die Augen der Zuschauer

waren beim sicheren 3:0-Erfolg dabei

vor allem auf die beiden prominenten

Zugänge Fu Yu und Bernadette

Szöcs gerichtet. Beide sind sehr

unterschiedliche Typen, was nicht

nur am Altersunterschied liegt. Fu

Yu,40, 2016 Vizeeuropameisterin im

Einzel, spielte wie gewohnt: ruhig,

konzentriert und sehr schnörkellos.

IhrDuell gegen die walisische Nationalspielerin

Charlotte Careygewann

sie in 3:1-Sätzen.

Europas Nummer zwei spielt für Eastside:

Bernadette Szöcs. IMAGO IMAGES/PANORAMIC

Mehr Probleme bekam Europas

derzeitige Nummer 2, die 24-jährige

Rumänin Szöcs. Nach zwei souveränen

Satzgewinnen gegen die Chinesin

Sofia-Xuan Zhang verlor sie zwei

Sätze, lag im fünften Durchgang

schon 3:6 zurück und siegte noch

mit 11:9. Szöcs trat offensiv und

leichtfüßig auf, bot in einem offenen

Schlagabtausch attraktives Tischtennis.

Das dritte Spiel gewann die

deutsche Meisterin Nina Mittelham

sicher mit 3:0 gegen Orsolya Feher.

Am Sonnabend, beim ersten

Bundesligaspiel der neuen Saison,

war der TTK Anröchte der Gegner.

Der 6:0-Erfolg des TTC war nach einer

Stunde und 40 Minuten perfekt.

So leicht werden es in der Liga aber

andere Teams wie Kolbermoor oder

Bingen/Münster-Sarmsheim den

Berlinerinnen nicht machen. „Der

DJK Kolbermoor ist auch sehr gut

besetzt“, sagt TTC-Manager Andreas

Hain, „das wird sicherlich national

unser härtester Konkurrent sein.“


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 17 *

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Sport

Zupacken,

dann

feiern

Die Füchse steigern sich zu

einem 36:27 gegen Stuttgart

VonCarolin Paul

Schon der Blick auf die Aufstellung

verdeutlichte am Sonntagnachmittag,

dass die Füchse gegen denVfB

Stuttgart einiges anders machen

wollten. Erstmals musste ein Mitglied

des Torhüter-Trios, Martin Ziemer,

auf der Tribüne Platz nehmen. Doch

damit nicht genug. Zwischen den

Pfosten brachte Trainer Velimir Petkovic

Silvio Heinevetter und nicht wie

zuletzt Dejan Milosavljev. Ein Moderationsversuch,

um den 34-Jährigen

nicht gänzlich zu verstimmen? Oder

Vertrauen auf Erfahrung?„Ich habe in

der letzte Woche mit ihm gesprochen

und gesagt, dass er weiter fleißig und

positiv sein muss. Erwird inder langen

Saison noch öfter wichtig werden“,

erklärte Petkovic.

Heinevetter indes nutzte die Möglichkeit,

sich wieder für seine Stammposition

zu empfehlen. Mit dreizehn

Paraden war seine Leistung durchaus

vorzeigbar und Grundlage für das

36:27 (21:15) gegen die Schwaben.

Zu verdanken war dies allerdings

auch dem aggressiv zupackenden

Abwehrverbund. Allen voran Jakov

Gojun, der nicht nur defensiv seine

Aufgabe als Abwehrchef ausfüllte,

sondernebenso die Gegenstöße mitlief.

Er war es, der im Doppelschlag

die Füchse das erste Malmit fünf ToreninFührung

brachte (12., 9:4).

Ein Zeichen, dass die Partie heute

anders verlaufen sollte. Das Credo

mit mehr Bewegung, mehrTaktik und

noch mehr Leidenschaft zu überzeugen,

setzten die Berliner engagiert

um. Allein neunzehn der insgesamt

sechsunddreißig Tore entstanden aus

der ersten und zweitenWelle.

Vorallem blieb der Zusammenbruch

nach der Halbzeitpause aus.

Zwar leisteten sich Fabian Wiede und

Paul Drux kurz nach Wiederanpfiff

zwei technische Fehler auf die zwei

Gegenstoß-Tore folgten, doch brach

die Mannschaft nicht ein.

Entscheidender Moment war

daran anschließend eine Aktion Heinevetters.

Aus seinem Kasten eilend,

fing der Schlussmann in der 37. Minute

einen Gegenstoß der Gäste in

der eigenen Hälfte ab,spielte den Ball

weiter und Hans Lindberg traf zum

23:28. DerSieg geriet vondaannicht

mehr in Gefahr.

Und Heinevetter? Der diskutierte

nach Abpfiff in gewohnter Manier

erst einmal mit den Schiedsrichtern

bevor er mit seinen Teamkameraden

feierte.

VonMatti Lieske

Als Rudi Gutendorf im Januar

1986 Trainer bei Hertha

BSC wurde, führte er

etwas Ungewöhnliches

ein. Er lud die örtlichen Journalisten

allwöchentlich zu einem Frühstückstreffen

in das Lokal Holst am

Zoo ein. Der Grund dafür war simpel:

Gutendorf redete gern. Da hielt

er dann Hof, plauderte in bester

Laune über dies und das, ein bisschen

über die Hertha, die damals in

der Zweiten Liga ums Überleben

kämpfte, meist aber über seine vielfältigen

Erlebnisse in allen Teilen der

Welt.

Im Laufe der Zeit wurde die

Laune etwas schlechter, was am

Klub, an den Ergebnissen, an der

Mannschaft lag, die sich am Saisonende

in den Amateurfußball verabschiedete.

Da war Rudi Gutendorf

längst wieder weg, keine drei Monate

hatte er gebraucht, um sich vorallem

mit Klubchef Wolfgang Holst, dem

Lokaleigner, zu überwerfen. Ein

Muster, das bei vielen Stationen des

streitbaren Globetrotters wiederkehrte.

Hängen blieb sein Satz, Hertha

BSC, das kurzvorher eine prächtige

Villa als Geschäftsstelle bezogen

hat, müsste eigentlich in einem

Hühnerstall wohnen. Nach dem Berliner

Zwischenstopp suchte Gutendorf

imwahrsten Sinne des Wortes

das Weite, erwurde Trainer der Nationalmannschaft

vonFidschi.

Konflikt mit den Platzhirschen

Abschied vom Abenteurer

Der legendäre Fußballtrainer Rudi Gutendorf stirbt im Alter von 93 Jahren

Zwischenstopp Berlin: Rudi Gutendorf am Kurfürstendamm.

Gut zehn Jahre zuvor war Rudi Gutendorf

schon einmal in Berlin tätig,

nicht unbedingt erfolgreicher, aber

mit sehr viel mehr Befriedigung. Da

übernahm er 1976 den Bundesliga-

Aufsteiger Tennis Borussia und

musste gleich mit ansehen, wie der

klamme Klub die Schlüsselspieler

Norbert Stolzenburg und Norbert

Siegmann verkaufte. Trotzdem

schlug sich TeBe oft sehr ordentlich,

vorallem dank des brillanten schwedischen

Stürmers Benny Wendt. Gutendorf

sorgte für Schwung und Publicity,

esgab furiose Heimsiege gegen

Köln, Bayern und Hertha, am

Ende stand dennoch der allgemein

erwartete Abstieg.

Gutendorfs Karriere tat das keinen

Abbruch, er wechselte zum damals

hochambitionierten Hamburger

SV, der gerade den Europacup

der Pokalsieger gewonnen hatte.

Auch dort benötigte er nicht lange,

um sich mit dem mächtigen Generalmanager

Peter Krohn und Teilen

der Mannschaft anzulegen, da es

ihm nicht gelang, den Konflikt zwischen

den altgedienten Platzhirschen

um Felix Magath und dem

neuen Star Kevin Keegan sinnvoll zu

moderieren. Schon im Oktober 1977

war Schluss, diesmal zog esihn anschließend

nach Australien.

DieJobs in fernen und exotischen

Gefilden, die er in seiner 1987 erschienenen

Autobiographie „Ich bin

IMAGO IMAGES/WEREK

„Es stimmt nicht, dass ich in Spanien mit

vielen Frauen poussiert habe. Esgibt viele

Fotos, woich alleine unter Pinien stehe.“

Rudi Gutendorf war nie um einen Konter verlegen.

ein bunter Hund“ ausführlich und

begeistert schildert, waren das Lebenselixier

des Rudi Gutendorf. Er

liebte es, fremde Länder und Sitten

kennenzulernen, und, wenn man

seinen Erinnerungen glaubt, auch

die dortige Damenwelt. Gutendorf

war der erste deutsche Trainer, der

mit Chile eine ausländische Nationalmannschaft

betreute, als er 1991

in China anheuerte, fand er Eingang

ins Guinnessbuch der Rekorde als

Trainer mit den meisten Auslandsstationen.

Begonnen hatte das abenteuerliche

Trainerleben in der Ferne nach

frühen Ausflügen in die Schweiz mit

der zweijährigen Tätigkeit ab 1966

bei den St. Louis Stars in der North

American Soccer League. Die Kontakte

hatte er bei einer Nordamerika-

Reise mit dem Meidericher SV geknüpft,

die er dem Vorstand abgerungen

hatte,nachdem die Duisburger

in der ersten Bundesliga-Saison

1963/64 sensationell Zweiter hinter

dem 1. FC Köln geworden waren.

Gutendorf überraschte die Gegner

mit seinem sogenannten „Roll-System“,

einem für den deutschen Fußball

völlig neuen 4-2-4, bei dem die

Verteidiger stürmten und die Stürmer

verteidigten, abgesehen vom

schwergewichtigen Oldtimer Helmut

Rahn, versteht sich.

MitSchalke im Pokalfinale

Trotz des Erfolges wurde er in der folgenden

Saison entlassen, ging nach

einer Stippvisite beim VfB Stuttgart

in die USA, dann nach Bermuda, bevorerinDeutschland

gleich zweimal

dem Bundesliga-Skandal entkam.

Im September 1970 wurde er bei

Schalke 04 gefeuert, ein halbes Jahr

später bei Kickers Offenbach, beide

Klubs Protagonisten der Bestechungsorgie

am Saisonende. Mit

Schalke war er zuvor einem Titelgewinn

in seiner 54 Stationen umfassenden

bunten, aber nicht unbedingt

glanzvollen Trainerkarrieream

nächsten gekommen. Das Pokalfinale

1969 ging jedoch gegen Bayern

München 1:2 verloren, im Pokalsieger-Cup

schieden die Gelsenkirchener

im Halbfinale gegen Manchester

City aus.

Den größten Erfolg als Nationaltrainer,

seine Teilnahme an der WM

1974 in Deutschland, vereitelte der

Militärputsch 1973 in Chile. Mit der

letzten Lufthansa-Maschine verließ

Gutendorf das Land. Die Mannschaft

qualifizierte sich dann kampflos,

weil sich die Sowjetunion weigerte,

imFolterstadion von Santiago

anzutreten, und die Fifa einen Ortswechsel

ablehnte.

Rudi Gutendorfs Trainerstationen

umspannen die Welt, von Simbabwe

über Mauritius, Botswana,

Grenada, Nepal, Ruanda, Bolivien,

Trinidad und Tobago bis Tonga, um

nur einige zu nennen. Zuletzt betreute

er 2003 Samoas U23. Am vergangenen

Freitag ist Rudi Gutendorf

im Alter von93Jahren gestorben.

NACHRICHTEN

Eisbären unterliegen

deutlich in Bremerhaven

EISHOCKEY. Zwei Tage nach dem

souveränen Auftaktsieg gegenWolfsburghaben

die Eisbären Berlin in

der DEL eine deutliche Auswärtspleite

kassiert. Dersiebenmalige

Meister unterlag bei den Fischtown

Pinguins in Bremerhaven 0:5.

Volleyballer wollen endlich

ersten Sieg bei der EM

VOLLEYBALL. Nach dem EM-Fehlstartmit

den Niederlagen gegen Serbien

(0:3) und Belgien (2:3) sind die

deutschen Volleyballer in ihren

nächsten Spielortgereist. In Antwerpen

hat der enttäuschend gestartete

Vize-Europameister von2017 einen

spielfreien Tag, ehe am Montag gegen

Österreich in der Gruppe Bder

erste Sieg bei der Endrunde gelingen

soll. Da aus den insgesamt vier

Sechsergruppen jeweils die ersten

vier Teams ins Achtelfinale einziehen,

hat Deutschland das Erreichen

der ersten K.-o.-Runde noch selbst in

der Hand.

Spanien schlagen im

WM-Finale Argentinien

BASKETBALL. Diespanischen Basketballer

haben in China nach 2006

zum zweiten Malden WM-Titel gewonnen.

DasTeam um NBA-Meister

Marc Gasol bezwang Argentinien im

Finale am Sonntag in Peking mit

95:75. Bronzegewann Frankreich

mit einem 67:59 gegen Australien.

Liverpool erhält

Schützenhilfe von Norwich

FUSSBALL. Jürgen Klopp und

Champions-League-Sieger FC Liverpool

konnten sich über unverhoffte

Schützenhilfe in der englischen Premier

League freuen. Aufsteiger Norwich

City mit dem deutschen Teammanager

Daniel Farkebezwang am

Sonnabend überraschend Titelverteidiger

Manchester City mit 3:2

(2:1). Fünf Punkte beträgt damit der

Vorsprung der Reds vonder Anfield

Road auf Verfolger ManCity.

Roglic gewinnt

die Vuelta

RADSPORT. DerSlowene Primoz

Roglic, 29, hat erstmals die Spanien-

Rundfahrtder Radprofis gewonnen.

DasGesamtpodest komplettieren

der Spanier AlejandroValverde sowie

Roglic-Landsmann Tadej Pogacar.

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18 * Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Sport

ZAHLEN

Eishockey

DEL, 2. Spieltag

Bremerhaven-Eisbären Berlin 5:0 (2:0,3:0,0:0)

Wolfsburg -Schwenningen 5:3 (2:1,1:1,2:1)

Krefeld -Augsburg 3:4 n.V.(2:1,1:0,0:2)

Iserlohn -Straubing 2:3 n.P.(0:0,2:1,0:1,0:0,0:1)

EHC München -Düsseldorf 3:2 (2:1, 0:1, 1:0)

Mannheim -Köln 1:2 n.V.(0:0, 1:1, 0:0, 0:1)

Ingolstadt -Nürnberg

Fussball

Zweite Liga, 6. Spieltag

SpVgg Greuther Fürth -SVWehen 2:1 (0:0)

Karlsruher SC -SVSandhausen 1:0 (0:0)

Hannover96-Arminia Bielefeld 0:2 (0:1)

1. FC Heidenheim -Holstein Kiel 3:0 (2:0)

Jahn Regensburg -VfB Stuttgart 2:3 (0:1)

Darmstadt 98 -1.FCNürnberg 3:3 (1:2)

VfL Bochum -Dynamo Dresden 2:2 (0:1)

ErzgebirgeAue -VfL Osnabrück 1:0 (1:0)

FC St. Pauli -Hamburger SV Mo., 20.30

1. VfB Stuttgart 6 11: 7 14

2. Hamburger SV 5 13: 3 13

3. Arminia Bielefeld 6 14: 8 12

4. SpVgg Greuther Fürth 6 9: 7 11

5. ErzgebirgeAue 6 8: 6 11

6. SV Sandhausen 6 7: 5 10

7. VfL Osnabrück 6 9: 5 9

8. Karlsruher SC 6 10:12 9

9. 1. FC Heidenheim 6 11: 9 8

10. 1. FC Nürnberg 6 9:12 8

11. Jahn Regensburg 6 12: 9 7

12. Dynamo Dresden 6 9:11 6

13. Darmstadt 98 6 6: 9 6

14. FC St. Pauli 5 8:10 5

15. Hannover96 6 6: 9 5

16. Holstein Kiel 6 5:10 5

17. VfL Bochum 6 10:14 3

18. SV Wehen Wiesbaden 6 7:18 1

3. Liga, 8. Spieltag

1. FC Magdeburg -MSV Duisburg 1:1 (0:1)

FSV Zwickau -KFC Uerdingen 1:2 (0:1)

Preußen Münster -Viktoria Köln 2:3 (0:2)

SG Großaspach -BayernMünchen II 2:2 (0:2)

1860 München -CarlZeiss Jena 3:1 (2:0)

SV Meppen -1.FCKaiserslautern 6:1 (3:1)

Mannheim -Würzburger Kickers 1:2 (1:1)

FC Ingolstadt -Hallescher FC 2:3 (0:0)

Braunschweig -Hansa Rostock 1:2 (1:2)

Unterhaching -Chemnitzer FC Mo., 19.00

Regionalliga, Nordost, 8. Spieltag

Hertha BSC II -Wacker Nordhausen 0:2 (0:1)

1. FC Lok Leipzig -Berliner AK 07 2:2 (1:1)

VfB Auerbach -Optik Rathenow 5:2 (3:0)

VSG Altglienicke-BSG Chemie Leipzig 3:2 (1:1)

SV Lichtenberg -SVBabelsberg 03 0:0

Halberstadt -Bischofswerdaer FV 2:1 (1:1)

FUnion Fürstenwalde -FCViktoria 1889 2:2 (0:0)

Energie Cottbus -ZFC Meuselwitz 3:2 (0:1)

Rot-Weiß Erfurt-BFC Dynamo 2:1 (0:1)

Oberliga, Nordost, Gruppe Nord,

5. Spieltag

Victoria Seelow-Blau Weiss 90 2:2 (1:0)

Hansa Rostock II -Greifswalder FC 4:1 (2:1)

Brandenburger SC Süd -Tennis Borussia 0:2 (0:1)

TorgelowerFCGreif -SVTasmania 2:0 (1:0)

1. FC Lok Stendal -CFC Hertha 06 1:1 (1:0)

Ludwigsfelder FC -TSG Neustrelitz 3:0 (2:0)

FC Strausberg -MSV Pampow 1:6 (1:4)

SC Staaken -Hertha 03 Zehlendorf 1:2 (0:2)

VonMaik Rosner,Leipzig

Drei Szenen gab es hinterher,

die einiges über das

zunächst so einseitige

und plötzlich wundersam

ausgeglichene 1:1 (1:1) zwischen

RB Leipzig und dem FC Bayern sowie

über dessen Nachwirkungen erzählten.

Dieerste Szene war die Reaktion

der Fans, als die Leipziger vor ihre

Fankurve traten. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“,

riefen die Zuschauer voller

Inbrunst, was am vierten Spieltag etwas

putzig klang, aber mittelfristig

wohl zurecht ambitioniert.

Die zweite Szene trug sich im

Bauch der Arena zu, als Niko Kovac

das Gespräch mit einem Security-

Mitarbeiter suchte, der ihm gerade

die blickdichte Tür zur Interviewzone

wie schon ein paar Minuten zuvor erneut

genau im richtigen Moment geöffnet

hatte, obwohl dieser den

Münchner Trainer gar hatte kommen

sehen können. Wie der Security-Mitarbeiter

das mache,fragte Kovac.Sein

Staunen wirkte wie eine Metapher auf

den verblüffenden Wandel dieses

Topspiels dank einer simplen Finesse.

Erhöre, dass jemand kommt,

antwortete der Türsteher, schließlich

schlage eine andere Tür davor zu,

wenn der Flur genutzt werde.

Unddann war da noch eine dritte

Szene, der Dialog mit Situationskomik

zwischen Thomas Müller und einem

Journalisten. Es war ebenfalls

ein Tür-auf-Tür-zu-Dialog, wenn

man so will, was sich auch aufs sportliche

Geschehen übertragen ließ. Begonnen

hatte dieser Dialog mit Müllers

Analyse, dass man nach Bayerns

extrem dominant geführter erster

Halbzeit zu lange gebraucht habe,um

sich auf die Systemumstellung von

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann

von Fünfer- auf Viererkette und auf

die Verdichtung des Mittelfelds einzustellen.

„Ich würde mir wünschen,

dass wir da schneller reagieren“, sagte

Müller, eswar ein Tür-auf-Satz. „Ist

das eine Trainersache?“, fragte der

Journalist. „Keine Feuer legen, bitte,

so spät am Abend“, antwortete Müller

in witzelnder Tür-zu-Manier und

drehte den Spieß sofortum: „Wie bewerten

Siedie Arbeit vonIhrem Chef

so? Ist das ein netter Mann?“ Gegenfrage

an Müller:„InteressiertSie das?“

„Ja“, sagte Müller. Kurze Pause. „Ist

sehr nett“, antwortete der Journalist.

Auch Müller musste jetzt lachen und

sagte: „Da haben Sie jetzt aber lang

gebraucht für.“

Der bekannte Makel

Bei den Bayern klingen nach dem 1:1 bei RB Leipzig vertraute Debatten neu an

Paarlauf an der Seitelinie: die Trainer Kovac und Nagelsmann.

Müllers ausweichende Dialogführung

entfaltete auch deshalb eine gewisse

Wucht, weil Kapitän Manuel

Neuer zuvor ebenfalls die fehlende

Anpassung auf Leipzigs Veränderungen

beklagt hatte.Man wisse aus Nagelsmanns

Hoffenheimer Zeit, dass

er taktisch umstellen könne, nichts

Überraschendes also. Nur:„Da müssen

wir auch darauf reagieren“, sagte

DDP

Neuer kritisch und bemängelte den

Verlust an Selbstverständnis und passender

Positionierung. Auch dem

Torwart wurde die Frage gestellt, ob

solche Maßnahmen nicht in Kovacs

Ressort fallen? „Das lag an unserer

Spielweise einfach“, antwortete

Neuer ebenfalls latent ausweichend.

Zumindest klangen vorm Auftakt

der Champions League am Mittwoch

gegen Roter Stern Belgrad vertraute

Debatten beim FC Bayern neu an,

und zu diesen zählt neben dem

Wunsch nach erfolgreichen Interventionen

vonaußen auch der bekannte

Makel, trotz großer Dominanz in der

Offensive nicht zwingend genug zu

agieren. Das war auch in Leipzig zu

besichtigen, trotz der frühen Führung

durch RobertLewandowskis (3.).

Danach wirkte es zuweilen, als sei

Leipzig in dieser Saison bisher eine

optische Täuschung gewesen, die

dem Publikum nur vorgegaukelt

hatte, dass hier ein ernstzunehmender

Herausforderer für den Abo-

Meister aus München erwachse.

„Sensationell gut, fantastisch“, fand

Kovac die in der ersten Halbzeit so

noch nie dagewesene Dominanz seiner

Elf gegen Leipzig und trat doch

„enttäuscht und verärgert“ die Heimreise

an. Denn RB war kurz vor der

Pause zum 1:1 gekommen, weil Lucas

Hernándezungeschickt gegen Yussuf

Poulsen jenen Elfmeter verursachte,

den Emil Forsberg verwandelte

(45.+3).

Eigenverantwortung ist gefragt

Wasfolgte, war die Raserei des offenen

Schlagabtausches in Halbzeit

zwei mit vielen Großchancen auf beiden

Seiten. Und jene Einlassungen

der Leipziger, die Kovac in den vertrauten

Debatten etwas entlasteten.

Nagelsmann erklärte, warum er mit

seinen Interventionen trotz massiver

Unterlegenheit überhaupt bis zur

Pause gewartet hatte.„Wir sind noch

nicht so variabel, dass wir die Spieler

schwuppsdiwupps hin- und herschieben

können. Das ist ein Lernprozess“,

sagte er. Dann ließ Torwart

Peter Gulacsi, der wie Neuer teils

spektakulär gerettet hatte,anklingen,

dass Debatten über den Trainereinfluss

ein Alibi liefern. Nagelsmann

habe seinen Spielern gesagt, dass sie

selbst früher erkennen müssten,

„wenn es nicht gut läuft“, berichtete

der Ungar und fügte vor der Reise zu

Benfica Lissabon in der Champions

League am Dienstag einsichtig an:

„Wir haben genug erfahrene Spieler

auf dem Platz, wir können das selbst

ein bisschen regeln und umstellen.“

Dass auch Eigenverantwortung

gefragt ist, gilt für die Bayern wohl

noch etwas mehr.Zumal in jenem aktuellen

Dreikampf mit Leipzig und

Borussia Dortmund, in dem sie am

Sonnabendabend nur in der ersten

Halbzeit ihre Favoritenrolle untermauernkonnten.

Und alle

Köpfe

frei

Schalke siegt 5:1 in Paderborn

und klettert auf Platz sechs

Der FC Schalke 04 hat eindrucksvoll

den Sprung ins vordere

Drittel der Fußball-Bundesliga geschafft.

Die Mannschaft von Trainer

David Wagner gewann am Sonntagabend

beim Aufsteiger SC Paderborn

mit 5:1 (1:1) und ist nun Sechster vor

dem punktgleichen Teams aus Mönchengladbach

und Leverkusen.

„Jetzt haben wir alle die Köpfe frei

und können gut aufspielen“, sagte

S04-Torwart Alexander Nübel. „Wir

freuen uns über den guten Saisonstart.“

Vor15000 Zuschauern inder

ausverkauften Benteler-Arena sorgten

Salif Sané (33. Minute), Suat Serdar

(50.), Amine Harit (71./85.) und

Ahmed Kutucu (83.) für den zweiten

Saisonsieg. An seinem 24. Geburtstag

hatte Cauly Oliveira Souza (8.)

den weiter sieglosen Tabellen-17. zunächst

in Führung geschossen.

„Das ist eine deftige Niederlage.

Man hat gesehen, wo wir ansetzen

müssen. Wir haben Fehler gemacht,

die Schalke ausgenutzt hat. Daher ist

die Niederlage auch in der Höhe

komplett in Ordnung. Wirwollen genauso

mutig weiter agieren“, sagte

SC-Trainer Baumgart. „Wir wissen,

dass wir jede Woche vor Riesenaufgaben

stehen.“

Keeper Nübel hatte besonders

auf die Rückkehr an alte Wirkungsstätte

hingefiebert, doch die Wiedersehensfreude

war schnell getrübt.

Denn schon nach acht Minuten

musste sich der ehemalige Paderborner

beim ersten guten Angriff der

Gastgeber geschlagen geben. Nach

einem unnötigen Ballverlust vonDaniel

Caligiurizog Sven Michel auf der

linken Seite an Jonjoe Kelly vorbei

und flankte zielgenau auf Oliveira

Souza. DerBrasilianer versenkte den

Ball per Kopfball zur SC-Führung.

SC-Keeper Jannik Huth war wesentlich

mehr beschäftigt als sein

Gegenüber Nübel. Vor Sanés Kopfball-Treffer

zum verdienten 1:1 reagierte

er dabei zu zögerlich bei der

hohen Flanke von Bastian Oczipka.

Beim 2:1 hatte die Revierelf hingegen

Glück, dass Paderborns Innenverteidiger

Uwe Hünemeier den Schuss

vonSerdar unhaltbar für seinen Keeper

Huth abfälschte. Zweimal Harit

und Kutucu schraubten das Ergebnis

in der Schlussphase dann noch in

die Höhe. (dpa)

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Sport

VfL Wolfsburg

BUNDESLIGA

Eintracht Frankfurt

Ein bisschen klang Wout

Weghorst wie der ehemalige

Bundespräsident

Heinrich Lübke, der nach

dem berühmten Wembley-

Torbei der WM 1966 erklärt

hatte: „Der Ball zappelte im

Netz, das habe ich

im Fernsehen

deutlich gesehen.“

Der Stürmer des

VfL Wolfsburg

sagte nach dem 1:1

gegen Fortuna

Düsseldorf: „Ich

habe direkt gesehen,

dass der Ball

aus war, für mein

Gefühl.“ Eine Devise,

nach der auch Schiedsrichter

Manuel Gräfe handelte,

für dessen Gefühl der

Ball drin war oder auch

nicht, wie auch immer. Und

was der Video-Assistent

fühlte,sah oder tat, weiß niemand,

womöglich las er alte

Reden von Heinrich Lübke.

Die TV-Bilder zeigten jedenfalls,

dass der Ball vor dem

Führungstor der Düsseldorfer

so aus war, wie ein Ball

nur aus sein kann.

Wardann am Ende doch

nicht ganz so schlimm, weil

Mit Lübkes

Überzeugung

Treffsicher:Weghorst.

IMAGO IMAGES

das ominöse Grundliniendebakel

schon in der 17. Minute

stattfand und die Wolfsburger

noch genug Zeit hatten,

die Partie zu gewinnen.

Und weil Weghorst seinem

Rufals Fortunen-Schreck gerecht

wurde, nachdem

er sich wieder

abgeregt hatte,

und wenigstens

zum Ausgleich traf.

Vergangene Saison

hatte der Niederländer

insgesamt

vier Tore gegen

Düsseldorferzielt.

Beim WM-Finale

1966 hieß der

zuständige Assistent übrigens

Tofik Bachramow, befand

sich aber leider an der

Seitenlinie,statt in einem gemütlichen

Fernsehzimmer.

Immerhin lieferte die Wolfsburger

Episode nun ein Indiz

dafür,dass England das Spiel

gegen die Bundesrepublik

Deutschland womöglich

auch gewonnen hätte, wenn

der TV-Beweis damals schon

bei der Spielbeurteilung zum

Einsatz gekommen wäreund

nicht nur beim amtierenden

Bundespräsidenten. (mali.)

Verein Sp S U N Tore Punkte

1 RB Leipzig 4 3 1 0 10: 3 10

2 Bor.Dortmund 4 3 0 1 13: 5 9

3 SC Freiburg 4 3 0 1 10: 3 9

4 München 4 2 2 0 12: 4 8

5 VfL Wolfsburg 4 2 2 0 7: 3 8

6 FC Schalke 4 2 1 1 8: 4 7

7 Borussia M’gladbach 4 2 1 1 5: 4 7

8 BayerLeverkusen 4 2 1 1 6: 7 7

9 Eintracht Frankfurt 4 2 0 2 5: 5 6

10 Werder Bremen 4 2 0 2 8: 9 6

11 Düsseldorf 4 1 1 2 6: 7 4

12 Union Berlin 4 1 1 2 5: 8 4

13 Hoffenheim 4 1 1 2 3: 6 4

14 FC Augsburg 4 1 1 2 6: 10 4

15 1. FC Köln 4 1 0 3 4: 7 3

16 Mainz 05 4 1 0 3 4: 13 3

17 SC Paderborn 4 0 1 3 5: 12 1

18 Hertha BSC 4 0 1 3 3: 10 1

5. Spieltag,20. bis 28. September:

Schalke04-FSV Mainz 05 Fr., 20.30

Bayern München -Köln Sa., 15.30

Leverkusen -1.FCUnion Sa., 15.30

Hertha BSC -Paderborn Sa., 15.30

Freiburg -Augsburg Sa., 15.30

Bremen -RBLeipzig Sa., 18.30

M’gladbach -Düsseldorf So., 15.30

Frankfurt-Dortmund So., 18.00

Wolfsburg -Hoffenheim Mo., 20.30

Torjäger

7Tore: Lewandowski (Bayern München)

5Tore: Alcácer (Borussia Dortmund),

Werner (RB Leipzig)

3Tore: Andersson (1. FC Union), Osako

(Werder Bremen), Paciencia (Frankfurt),

Reus (Dortmund), Vargas (Augsburg)

Weghorst (Wolfsburg)

Feuchtfröhlicher

Funkenflug

Knallhart war Frankfurts

Trainer Adi Hütter mit

seinem Spieler Martin Hinteregger

ins Gericht gegangen.

Einen freien Taghatte er

dem Österreicher gestrichen,

der vorige Woche zwischen

zwei Länderspielen seinen

27. Geburtstag bis in die

Morgenstunden gefeiert

hatte und deshalb gegen Polen

zuschauen musste. Eine

Pause, die dem Abwehrspieler

Gelegenheit gab,sich ausreichend

von den feuchtfröhlichen

Strapazen zu erholen

und in Augsburgtopfit

in der Startelf zu stehen. Hütter

war einst in Salzburg

schon ein großer Förderer

von Hinteregger gewesen

und hat gelernt, dessen Wesensartzuakzeptieren.

Vom Augsburger Publikum

kann man das nicht behaupten.

Daspfiff den einstigen

Liebling bei jeder Ballberührung

aus, nachdem er

zweimal erfolgreich seinen

Wechsel zur Eintracht betrieben

hat. Er werde nichts Positives

über den damaligen

Trainer Manuel Baum sagen,

hatte Hinteregger einst nach

einem Spiel erklärt. Das gab

Ärger,obwohl heute in Augsburg

niemand mehr Positi-

Zeit zum Haareraufen:

Hinteregger.

DDP IMAGES

vesüber Baum sagt, der Spieler

wurde nach Frankfurt

ausgeliehen, und als er wiederkam,

verweigerte er das

Mannschaftsfoto, kam angeblich

mit einem Eintracht-

Rucksack zum Training und

fiel stark angetrunken bei einem

Volksfest in Tirolauf.

Natürlich wäreesnun nur

logisch gewesen, wenn Hinteregger

die Eintracht nun

zum Sieg geschossen hätte.

Doch es kam anders, die

Gastgeber gewannen 2:1, und

Trainer Martin Schmidt jubelte:„Der

Funke ist gesprungen,

das Feuer ist entfacht.“

VonHinteregger sprach niemand

mehr. (mali.)

Zwischen Simulation

und Realität

Klar, Lucien Favre ist ein

guter Trainer, einer, der

auch bei Borussia Dortmund

viele Spieler besser macht.

Aber wie sich am Beispiel des

wunderbaren Jadon Sancho

zeigt, zieht so ein junger Fußballprofi

eben gern mal aus

ein anderen Quelle seine

Motivation.

Ja, was hat sich der junge

Engländer über die Woche

nicht geärgert. Die Bewertung

bei FIFA 20, der inzwischen

27. Ausgabe des Videospiels

zur Fußballsimulation

von EASports –aus seiner

Sicht ein schlechter Witz.

Mit insgesamt 84 Punkten

schaffte er es nicht mal unter

dieTop100, vorallen Dingen,

Borussia Dortmund

weil er beim Rating für sein

Passspiel nur 77 Punkte erhalten

hat. „77 passing?“,

schrieb der 19-Jährige in einem

Tweet, schickte ein paar

ungläubige Emoijis hinterher

–und ließ am Sonnabend

in der Bundesligarealität

beim 4:0 gegen Leverkusen

Taten, also zwei Torvorlagen

per Pass folgen.

DieKlage gegen EA Sports

übernahm dieses Mal aber

die Social-Media-Abteilung

seines Arbeitgebers. „Zwei

Vorlagen heute“, schrieb der

BVB bei Twitter und garnierte

die Worte mit einem

Zwinker-Smiley: „Also, wegen

dieses Passspiel-Ratings.“

(lot.)

Vorlagengeber und Vollstrecker:Sancho (l.) und Reus.

AP/MEISSNER

So funktioniert Überraschung

Die Bundesliga hat eine Überraschungsmannschaft,

wobei es sich wieder einmal um den SC

Freiburg handelt. Denn wer bitteschön hätte es

vor dieser Saison für möglich gehalten, dass die

Breisgauer nach vier Spieltagen mit neun Punkten

und einem Torverhältnis von10:3 auf Tabellenplatz

drei geführt werden. Das ist nach dem

GETTY IMAGES/KASPAR-BARTKE

3:0 in Hoffenheim aber der Fall, nach einem

Spiel, das der Sportclub mit einer schon fast unwirklichen

Dominanz bestritt. Christian Günter

(11.), Janik Haberer (38.) und Nils Petersen (59.)

trafen vorknapp 30 000 Zuschauerninder Arena

zu Sinsheim für die Mannschaft von Trainer

Christian Streich.

Borussia Mönchengladbach

So wertvoll wie

47 058 823 Knallkörper

Inder Frage,was ein echter

Kracher ist, gehen die Meinungen

in der Bundesliga

auseinander. Die Schalker

nahmen nach der vorigen

Saison an, dass aus Breel Embolo,

22, kein Kracher mehr

werden wird. Als solcher verpflichtet,

verbrachte der

Stürmer mehr als 1000 Tage

bei den Gelsenkirchenern,

vondenen er etwa 650 wegen

Verletzungen nicht kickte.

Nungreift Embolo für Borussia

Mönchengladbach an,

was schon zu einem Treffer

in Mainz und einem gegen

Leipzig führte und in Köln zu

einem Sololauf mit anschließendem

Tordurch den Kollegen

Alhassane Plea. „Ich versuche

einfach, meine Wucht

einzubringen“, hat Embolo

danach gesagt, es aber tunlichst

vermieden, große Töne

zu spucken. Ein Kracher

muss ja nicht laut sein.

Er muss es krachen lassen.

In der Kasse der Gladbacher

zum Beispiel. Für zehn Millionen

Euro haben sie Embolo

gekauft, auf 14 Millionen

Endlich ein Kracher:Breel

Embolo (r.). GETTY IMAGES/SCHÜLER

wird er schon jetzt taxiert.

Macht vier Millionen plus.

Für das Geld gibt es

47 058 823 China-Böller.

Wenn man so veranlagt ist

wie ein Kölner, der am Sonnabend

einen Kracher hinters

Torwarfund zwölf Menschen

einen kurzzeitigen Klinikaufenthalt

bescherte.Gegen den

35-Jährigen wird wegen gefährlicher

Körperverletzung

ermittelt. Klar: Der Knallkopf

muss bestraft werden. Dass es

nur so kracht. (cs.)

VIERTER SPIELTAG

4:0 (1:0)

DORTMUND–LEVERKUSEN

1:1 (1:1)

LEIPZIG–BAYERN

1:1 (1:1)

DÜSSELDORF–WOLFSBURG

1:5 (1:1)

PADERBORN–SCHALKE

2:1 (1:0)

MAINZ–HERTHA

2:1 (2:0)

AUGSBURG–FRANKFURT

0:1 (0:1)

KÖLN–M’GLADBACH

1:2 (1:1)

UNION–BREMEN

0:3 (0:2)

HOFFENHEIM-FREIBURG

Borussia Dortmund: Bürki -Hakimi,

Akanji, Hummels, Guerreiro

-Witsel (78. Weigl), Delaney-Sancho,

Reus, Brandt (61.

T. Hazard) -Alcácer (79. Bruun

Larsen)

BayerLeverkusen: Hradecky -L.

Bender,Tah, S. Bender,Wendell

-Ch. Aranguiz (78. Alario),

Baumgartlinger -Havertz, Amiri

(46. Bailey) -K.Volland, Bellarabi

(73. Diaby)

Schiedsrichter:Siebert(Berlin)

Zuschauer:81365

Tore: 1:0 Alcácer (28.), 2:0

Reus (50.), 3:0 Guerreiro (83.),

4:0 Reus (90.)

Gelbe Karten: -/Amiri (1),Wendell

(2), Havertz(1)

RB Leipzig: Gulacsi -Mukiele,

Konaté, Orban -Klostermann

(46. Demme), Halstenberg -

Laimer -Sabitzer,Forsberg (69.

Nkunku) -Poulsen (81. Matheus

Cunha), Werner

Bayern München: Neuer -Pavard,

Süle, Boateng,Lucas

Hernández -Kimmich, Thiago

(88. Philippe Coutinho) -Gnabry(62.

Davies), Müller (63. Tolisso),

Coman -Lewandowski

SR: Stegemann (Niederkassel)

Zuschauer:42146

Tore: 0:1 Lewandowski (3.), 1:1

Forsberg (45.+3/FE)

GK: Halstenberg (1), Nkunku

(1), Laimer (2), Sabitzer (1) /

Lewandowski (2), Boateng (1)

Fortuna Düsseldorf: Z. Steffen -

Mat. Zimmermann, Ayhan (83.

Adams Nuhu), Bormuth, Gießelmann

-Baker,Bodzek -Thommy

(73. J. Zimmer), O. Fink (72. Karaman),

Kownacki -Hennings

VfL Wolfsburg: Pervan -Knoche,

Guilavogui, Tisserand -William,

Gerhardt, Arnold, Roussillon -

Mehmedi (69. Klaus), Brekalo

(90. Victor), Weghorst

Schiedsrichter:Gräfe (Berlin)

Zuschauer:36758

Tore: 1:0 Gießelmann (16.), 1:1

Weghorst (29.)

Gelbe Karten: -/Weghorst (1),

Knoche (1)

SC Paderborn07: J. Huth -Dräger,

Strohdiek, Hünemeier,Collins

-Gjasula (78. Sabiri),Vasiliadis

-Oliveira Souza, Antwi-Adjej

-Mamba (73. Pröger), S. Michel

(58. Gueye)

FC Schalke04: Nübel -Kenny,

Stambouli, Salif Sané, Oczipka -

Serdar (86. Kabak), Mascarell -

D. Caligiuri (62. McKennie), Uth

(67. Kutucu), Harit -Burgstaller

Schiedsrichter:Schröder

Zuschauer:15000

Tore: 1:0 Oliveira Souza (8.),

1:1 Salif Sané (33.), 1:2 Serdar

(49.), 1:3 Harit (71.), 1:4 Kutucu

(83.), 1:5 Harit (85.)

Gelbe Karten: S. Michel (1),

Gjasula (3) /Kenny(1)

FSV Mainz 05: Zentner -Brosinski,

St. Juste, Niakhaté, Martín -

Kunde Malong -Fernandes (67.

R. Baku), Latza (88. Burkardt) -

Boetius -Szalai (76. Onisiwo),

Quaison

Hertha BSC: Jarstein -N.Stark,

Boyata (80. Dilrosun), Torunarigha

-M.Wolf, Skjelbred, Grujic,

Plattenhardt -Duda (69. Löwen)

-Lukebakio (63. Kalou),

Selke

Schiedsrichter:Fritz (Korb)

Zuschauer:22798

Tore: 1:0 Quaison (40.), 1:1

Grujic (83.), 2:1 St. Juste (88.)

Gelbe Karten: St. Juste (2),

Kunde Malong (2) /Skjelbred

(1), N. Stark (1)

FC Augsburg: Koubek -Framberger,

Jedvaj, Uduokhai, Max -Moravek(67.

Oxford), R. Khedira -

M. Richter (79. Teigl), Vargas

(74. Hahn) -Niederlechner,

Finnbogason

Eintracht Frankfurt:Trapp -Abraham,

Hasebe, Hinteregger -da

Costa, Sow(46. Kohr), Rode

(65. Dost), Chandler -Kamada -

A. Silva, Paciencia

SR: Osmers (Hannover)

Zuschauer:28513

Tore: 1:0 M. Richter (35.), 2:0

Niederlechner (43.), 2:1 Paciencia

(73.)

Gelbe Karten: Koubek (1), Hahn

(2) /Hinteregger (1)

1. FC Köln: T. Horn-Ehizibue,

Bornauw,Czichos, Hector -

Skhiri, Verstraete (86. F. Kainz) -

Schaub (74. Risse), Drexler -

Modeste (74. Terodde), Cordoba

Bor.Mönchengladbach: Sommer

-Lainer,Ginter,Elvedi, Bensebaini

-Zakaria -C.Kramer

(83. Strobl), Neuhaus -Embolo

-Pléa (87. P. Herrmann), Thuram

(78. Bénes)

SR: Aytekin (Oberasbach)

Zuschauer:50000

Tore: 0:1 Pléa (14.)

Gelbe Karten: Hector (2), Risse

(1) /C.Kramer (2), Elvedi (1)

Union Berlin: Gikiewicz -Trimmel,

M. Friedrich, Subotic, Lenz

-Gentner (84. Abdullahi), Andrich

-Becker (73. Gogia), Bülter

-Andersson, Ujah (67. Polter)

Werder Bremen: Pavlenka -

Lang,Gebre Selassie, Groß,

Friedl -N.Sahin, Klaassen -J.

Eggestein (84. Pizarro), Osako

(68. Sargent), Bittencourt(90.

Goller) -Füllkrug

SR: Welz -Zuschauer:22012

Tore: 0:1 Klaassen (5./FE), 1:1

Andersson (14./HE), 1:2 Füllkrug

(55.)

GK: Trimmel (1) /Füllkrug (1),

Bittencourt(2) -GRK: Subotic

(89./grobe Unsportlichkeit) /N.

Sahin (90.+1/Unsportlichkeit)

Hoffenheim: Baumann -Posch,

Vogt, Bicakcic (46. Rupp) -

Rudy, Grillitsch (46. Locadia) -

Kaderabek, Stafylidis (70.

Skov)-Geiger -Bebou, Belfodil

Freiburg: Schwolow-Lienhart,

Koch, Heintz -Frantz (68. Abrashi),

Höfler -Schmid (89. Kübler),

Günter -Haberer (77.Waldschmidt),

Petersen, Höler

Schiedsrichter:Winkmann

Zuschauer:29395

Tore: 0:1 Günter (11.), 0:2 Haberer

(38.), 0:3 Petersen (59.)

Gelbe Karten: -Höfler,Koch


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 – S eite 20 *

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Sport

Video killed den Fußballspaß

Drei Elfmeter,zwei Platzverweise: Die Schiedsrichter stehen bei Unions 1:2-Niederlage gegen Bremen im Fokus, doch die Eisernen geben sich selbstkritisch

VonPatrick Berger

Es muss schon ausgesprochen

viel passiert sein,

wenn Urs Fischer, 53, mal

ein paar Worte zur Leistung

der Schiedsrichter verliert.

Denn eigentlich gehört der

Übungsleiter des 1. FC Union zu

den Trainern, die sich partout nicht

über die Referees äußern. Nach der

1:2 (1:1)-Niederlage gegen ein personell

arg gebeuteltes Werder Bremen

gab es allerdings Gesprächsbedarf.

„Ich mache das eigentlich

nicht“, sagte Fischer nach der zweiten

Saisonniederlage, „und ich

finde den Videobeweis auch eigentlich

gut, aber heute habe ich

mich mal getraut, etwas zu sagen,

weil ich mit dem ersten Strafstoß

wirklich nicht einverstanden war.

Da gab es keinen Kontakt. Das ist

nie und nimmer ein Elfmeter.

Wenn du dir das dann noch mal anschaust

und trotzdem bei deiner

Entscheidung bleibst, dann bin ich

schon verwundert.“ Schlussendlich,

führte der Schweizer aber weiter

aus, müsse sich jeder an die eigene

Nase fassen, in ersterLinie natürlich

seine Spieler,die zu wenig aus

ihren Chancen gemacht hätten, aber

eben auch der Schiedsrichter.

Dieser hieß an diesem zuweilen

chaotischen Sonnabend in Köpenick

Tobias Welz. Es war –oder besser

VAR–vor allem ein seltsames Zusammenspiel

zwischen ihm und seinem

Kollegen Bastian Dankert, 39,

der im Kölner Keller als Video Assistant

Referee (VAR) fungierte. In

gleich mehreren strittigen Szenen

wirkten die Absprachen zwischen

den beiden Unparteiischen nicht

immer klar. „Wenn wir die Situationen

jetzt alle durchgehen wollen“,

sagte Unions Verteidiger Christopher

Lenz nach dem Spiel, „dann

sind wir hier noch länger unterwegs.“

Versuchen wir es mal kurz:

Szene 1: Nach nur 65 Sekunden entschied

Welz, aus dem hessischen

Wiesbaden stammend und vonBeruf

Polizist, erstmals auf Elfmeter

für Bremen. Eine missratene Brustrückgabe

von Lenz hatte Davy

Klaassen gefunden, der im Strafraum

zu Fall kam. Keeper Rafal Gikiewicz

schilderte: „Der Schiri kam

zu mir und meinte, dass ich Klaassen

mit dem Finger berührt habe.

Das war aber nicht so.“ Tatsächlich

hob der Werder-Kapitän etwas

theatralisch ab. Das hatte wohl

Schiedsrichter Tobias Welz ging vor dem ersten Elfmeter noch mal raus an die Monitore, überprüfte die strittige Szene –und entschied falsch.

auch VAR Dankert sogesehen und

funkte Welz an. Der geht, begleitet

von obligatorischen „Fußball-Mafia-DFB“-Rufen,

raus an den Monitor

und bleibt vier (!) Minuten später

bei seiner Meinung. „Ich frage

mich wirklich, wieso man sich die

Bilder noch mal anschaut“, grantelte

Fischer. Und auch Unglücksrabe

Lenz war verdutzt: „Er (Klaassen)

läuft Rafa (Gikiewicz) gegen

die Hand. Rafa kann sich aber nicht

in Luft auflösen. Komisch, dass es

dafür Elfmeter gab.“ Gikiewicz, der

das 0:1 durch Klaassen (5.) nicht

„Köln sagt

kein Strafstoß, der Schiri

sagt Strafstoß. Dann vergehen

gefühlt sieben, acht Minuten bis zu einer

Entscheidung. Das ist schon komisch.

Das ist Chaos.“

Rafal Gikiewicz

sagt zwar, dass der Videobeweis nicht Schuld an der Niederlage des 1. FC Union war,

dennoch stört den Torwart die Art und Weise der Entscheidungsfindung.

MICHAEL HUNDT

verhindern konnte: „Köln sagt kein

Strafstoß, der Schiri sagt Strafstoß.

Das ist komisch.“ Auch beim DFB

räumte man den Fehler ein. „Regeltechnisch

ist die Entscheidung, in

dieser Situation einen Strafstoß zu

geben, aus unserer Sicht aber

falsch“, erläuterte Jochen Drees,Projektleiter

des Videobeweises beim

Verband.

Szene 2: In der 13. Minute gab es

wieder Elfmeter, diesmal allerdings

für Union. Unter den 22 012 Fans im

Stadion An der Alten Försterei hatte

niemand etwas voneinem Handspiel

im Werder-Strafraum von Christian

Groß mitbekommen. Auch Welz

nicht. Erst auf Einschreiten Dankerts

unterbrach der Unparteiische die

Partie und lief zum zweiten Mal raus

an die Mittellinie. Tatsächlich hatte

der Bremer Verteidiger den Ball mit

seitlich ausgestreckten Arm gespielt.

Welz gab –korrekterweise –Elfmeter.

Bemerkenswert, dass sogar die bevorteilten

Union-Anhänger in Richtung

DFB skandierten: „Ihr macht

unseren Sport kaputt.“ Den Elfmeter

verwandelte Sebastian Andersson

zum 1:1 (14.).

Szene 3: Welz hatte seinen Finger in

der 22. Minute wieder am rechten

Ohr, Köln funkte.Die Bremer forderten

Strafstoß, nachdem der Ball an

den linken Arm von Lenz geflogen

war. Lenz dazu: „Ich kriege den Ball

kurzvorher an die Hand und konnte

die nicht mehr wegnehmen.“ Elfmeter

wäre dennoch vertretbar. Den

gab es aber trotz VAR-Einsatz nicht.

Szene 4: In der 54. Minute gab es den

dritten Strafstoß der Partie, weil

Unions Kapitän Christopher Trimmel

Theodor Gebre Selassie am Trikot

gezogen und beim Torabschluss

gehindert hatte. Sag Welz, diesmal

ohne technische Hilfe, aber dafür

mit der seines Linienrichters (ja, die

gibt es auch noch) so und zeigte auf

den Punkt –eine richtige Entscheidung.

Klaassen scheiterte an Gikiewicz,

doch aus dem daraus resultierenden

Eckball köpfte Niclas Füllkrug

den Bremer Siegtreffer (55.).

Der Ausgang des Köpenicker Videospiels,indessen

hitziger Schlussphase

noch NevenSubotic und Nuri

Sahin berechtigterweise Gelb-Rot

sahen, ärgerte die Eisernen. „Was

mich am meisten nervt, sind die letzten

zehn Minuten, in denen eigentlich

nur noch diskutiert wurde“,

sagte Fischer. Doch freilich war das

Video-Chaos alleine nicht Schuld an

der zweiten rot-weißen Saisonpleite.

„Wir müssen die Tore schießen und

weniger Fehler machen“, befand Gikiewicz.

„Von einem Videobeweis

bekommst du kein Gegentor.“

MitBlick auf das Auswärtsspiel in

fünf Tagen bei BayerLeverkusen gab

Fischer seinen Profis einen klaren

Auftrag mit. „Natürlich muss auch

meine Mannschaft daraus lernen,

mit dem VARumzugehen.“ Die Devise:„Geh

weg, diskutierenicht, konzentriere

dich auf dein Spiel.“ VAR

hin oder her.

Ganz unten

Hertha BSC braucht in Mainz 16 Torchancen für einen Treffer,Trainer Covic meint Mittel gegen die Offensivschwäche gefunden zu haben: enger zusammenrücken und fleißig bleiben

VonTobias Schächer,Mainz

Per Skjelbred hat gesagt, er wisse,

wie schwer es sei, da unten rauszukommen.

Aber der Mittelfeldspieler

von Hertha BSC Berlin weiß immerhin

auch, was dazu nötig ist:

„Wir müssen knipsen“, forderte der

Norweger kurz und klar. Nach der

1:2-Niederlage beim FSV Mainz 05

muss Hertha BSC Berlin das Licht ja

nun ganz unten im Tabellenkeller

wieder anknipsen. Aber knipsen ist

in der Fußballersprache auch das

Synonym für: Tore schießen. In

Mainz erzielte die Hertha nur einen

Treffer, trotz „unfassbarer 16 Torchancen“,

wie Trainer Ante Covic genervt

feststellte.

Nur ein Torinden vergangenen

drei Spielen, nur ein Punkt aus den

ersten vier Saisonspielen: So einen

miesen Saisonstart erlebten die Berliner

nur zweimal in ihrer Geschichte,1979

und 1990. Daranwird

derzeit natürlich oft erinnert, weil

die Hertha in diesen Jahren auch abgestiegen

ist. Tabellenletzter ist die

mit ganz anderen Ambitionen angetretene

Hertha nun, und Trainer Covic

haderte in Mainz: „Manchmal ist

es schwer,den Sportzuerklären.“

Wie ein Dank an den Fußballgott

Als Marko Grujic zum verdienten

1:1-Ausgleich getroffen hatte,

streckte Covic noch ebenso erleichtert

wie beschwörend seine Hände

Richtung Himmel. Er blickte nach

oben, ganz so, als wolle er sich mit

dieser Geste beim Fußballgott bedanken.

Doch da waren erst 83 Minuten

gespielt in Mainz und statt der

Erlösung musste Covic dann doch

einen bitteren Rückschlag erleben:

Jeremia St. Juste köpfte nach einer

Ecke in der 88. Minute noch den 2:1-

Siegtreffer für den FSV Mainz 05.

Nach einem Eckball ließ Zugang

Marius Wolf den Niederländer ohne

große Gegenwehr einköpfen. „St.

Juste war mein Mann, ich hätte ihn

beim 1:2 nicht so zum Kopfball kommen

lassen dürfen“, gab

Wolf hinterher geknickt

zu. DasDebüt des jüngst

aus Dortmund ausgeliehenen

Rechtsaußen

hätte besser laufen können,

das von Innenverteidiger

Dedryck Boyata

(Celtic Glasgow) gab Anlass

zur Hoffnung.

Der Belgier war nach

langer Verletzung Teil einer

relativ stabilen

neuen Dreierkette in der

zunächst von Covic gewählten 3-5-

2-Grundordnung. Gegenüber der

0:3-Niederlage in Schalke hatte der

Trainer seine Startelf auf fünf Positionen

verändert, ohne dass sich das

Pfeifen im Walde?

Hertha-Coach Covic

im Ergebnis letztlich niedergeschlagen

hat. Zwar spielten die Berliner

tatsächlich viel besser Fußball als zuletzt,

Skjelbred meinte: „Wir haben

ein gutes Auswärtsspiel gemacht.“

Besonders in der zweiten

Hälfte hätten sie mehr

Zählbares aus ihrer

CITY-PRESS

Überlegenheit ziehen

können. Aber: „Im Moment

müssen wir sehr

viel investieren, um Tore

zu erzielen“, sagte Covic.

Und Torschütze Grujic

wusste sofort nach dem

Abpfiff: „Nächste Woche

gegen Paderborn müssen

wir gewinnen.“

Noch ist die Saison

jung, aber wie groß die Geduld mit

dem jungen Trainer bei anhaltendem

Misserfolg sein wird, ist eine

spannende Frage.Gelingt nicht bald

der erste Sieg, ist die Position des

ehemaligen Nachwuchscoaches gefährdet.

Der Klub investierte im

Sommer mehr als 33 Millionen Euro

in Zugänge. Doch die Aufbruchsstimmung

ist nun erst mal verflogen.

Es ist eher nicht denkbar, dass die

Hertha-Führung zehn Spiele auf einen

Sieg wartet, bevor sie handelt –

so lange durfte vor drei Jahren der

ehemalige KSC-Trainer Markus

Kauczinski beim FC Ingolstadt in der

ersten Liga ohne Sieg im Amt bleiben,

bevor er gefeuertwurde.

Frust im Kopf

Wiedie Berliner ihreTorflaute beheben

wollen, weiß Covic: „Noch enger

zusammenrücken und so fleißig

bleiben wie bisher.“ Das klingt allerdings

eher nach gängiger Durchhalteparole

–nach dem Motto: Irgendwann

wird der Knoten schon platzen.

Davie Selke,der erstmals für Vedad

Ibisevic von Beginn an im

Sturmzentrum eingesetzt wurde

und drei große Tormöglichkeiten

vergab,meinte,essei viel zu früh, um

auf die Tabelle zu schauen.

DerBlick der Hertha ging vorSaisonbeginn

nur nach oben. Nun ist

man nach vier Spielen Letzter. Gerade

bei Mannschaften, bei denen

eigenen Erwartungen und Realität

weit auseinanderklaffen, besteht die

Gefahr,dass sich der Frust mit jedem

weiteren Negativerlebnis in die Spielerköpfe

frisst. So weit muss es bei

der Hertha noch nicht sein. Die

Mannschaft deutete in Mainz ihr

durchaus vorhandenes Potenzial an.

Andererseits hat sie dieses Spiel gegen

die zuvor drei Mal sieglosen

Rheinhessen eben auch: verloren.

Und das sollten die Hertha-Spieler

und ihr Trainer Ante Covic als Zeichen

lesen, dass die aktuelle Malaise

nicht nur an der mangelnden Chancenverwertung

liegt.


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Zum 100. Geburtstag

des Berliner Schriftstellers

Horst Krüger

Seite 22

„Man weiß ja viel zu wenig über die Schmerzen von Akrobaten.“

Birgit Walter über die neue Show des Berliner Chamäleon-Theaters Seite 23

Weltspiegel

Nach der

Lindenstraße

Harry Nutt

liebt am Fernsehen die Wiederkehr

des Gleichen.

Gewohnheiten sind der Feind des

Neuen, das gilt ganz besonders

in der Welt, in der Nachrichten aufbereitet

und versendet werden. Man

nennt es Medien. Die hereinbrechende

Nachricht soll alles verdrängen.

Wenn etwas passiert ist, darf es

keine Erzählroutinen und erst recht

kein störendes Programmschema

geben.

Andererseits gibt es nur wenig,

was versessener auf Ordnung und

Struktur aus ist, als die Sendeanstalten

des öffentlich-rechtlichen Rundfunks,

von denen der eingehende

Nachrichtenfluss verteilt wird. Weil

diesen das Behördenimage so hartnäckig

im Nacken sitzt, jagt dorteine

Programmreform die nächste. Nur

wer sich ständig reformiert, entgeht

dem Verdacht, in Gewohnheit und

Langeweile zu verharren. In der Welt

saturierter Entscheider ist Innovation

eine Heilsversprechen, das die

Salbung mit ewiger Modernität verheißt.

Die Präferenz für Angebote

kluger Unterhaltung und kontextualisierter

Information indes gilt als Indiz

schlimmer Rückständigkeit.

Eine weitere Reform plant nun

die ARD für die Zeit nach der „Lindenstraße“,

deren Aussterben als

TV-Dinosaurier beschlossen ist. Am

29. März 2020 soll die Serie, die seit

1985 ununterbrochen sonntags im

Ersten zu sehen war, das letzte Mal

ausgestrahlt werden. Ein schlimmer

Kulturbruch, dem nun ein zweiter

folgen soll. Das Magazin „Weltspiegel“,

das sich in der ARD unmittelbar

an die „Lindenstraße“ anschloss,soll

ebenfalls vonseinem angestammten

Sendeplatz kurz vor der Tagesschau

und dem „Tatort“ verschwinden –

zugunsten der „Sportschau“. Die

Auslandskorrespondenten, die den

„Weltspiegel“ mit ihren oft hinreißenden

Reportagen und Analysen

bestücken, sind empört, weil sie um

die Wahrnehmung der Relevanz ihrerArbeit

fürchten. DieVorverlegung

auf 18.30 Uhr misst weniger als eine

Stunde, aber sie bedeutet das Verständnis

von der einen und ganzen

Welt.

Im Alter von elf Jahren, hat György

Konrád einmal gesagt, sei

er erwachsen geworden. Das

war im Mai 1944, als seine Elternvon

den Nationalsozialisten deportiertwurden.

Während die Eltern

die Zwangsarbeitslager überlebten,

verlor Konrád in dieser Zeit einen

Großteil seiner jüdischen Familie.

Die Erlebnisse dieser Konfrontation

mit der Politik der Vernichtung schilderte

György Konrád später in seinen

Romanen „Heimkehr“ und

„Glück“.

Sein literarisches Debüt aber gab

Konrád, der zunächst Soziologie studiert

und in der Jugendfürsorge in

Budapest gearbeitet hatte, 1969 mit

dem Roman „Der Besucher“. Darin

leuchtet er mit kühl-distanzierter

Beobachtungsgabe die vernachlässigtenViertel

der Stadt aus,die er von

unten kennengelernt hatte und die

es nach offizieller LesartimRealsozialismus

gar nicht geben durfte.

Emigriertins Leseland

Seine nicht korrumpierbare politischeWachheit

war zweifellos dasVermächtnis

eines jungen Menschen,

der früh erfahren musste, was es

heißt, ein Überlebender zu sein. György

Konrád ist einer der großen Autoren

der europäischen Erinnerungsliteratur,

der sich bald jedoch an den

neuen Verhältnissen rieb. 1956 hatte

er am Ungarnaufstand teilgenommen,

und spätestens mit seinen ersten

literarischen Veröffentlichungen

galt er als Kritiker des ungarischen

Sozialismus, der bald als Gulasch-

Kommunismus bezeichnet wurde,

weil er in etwas sanfterer Form den

Alltag prägte als in den übrigen Staaten

des Warschauer Paktes.Dennoch

konnten viele vonKonráds Texten lediglich

unter der Hand in der sogenannten

Samisdat-Literatur erscheinen.

„In jener Zeit, in den Jahren der

Diktatur“, schrieb Konrád, „sind wir

Abend für Abend emigriert, indem

wir lasen“. Das Zitat verrät einiges

über den hohen Anpassungsdruck,

dem er als gesellschaftlicher Außenseiter

ausgesetzt war,und man unterschlägt

bei der Rückschau auf seine

intellektuelle Biografie allzu leichtfertig,

dass György Konrád bereits 56

Jahrealt war,als die osteuropäischen

Diktaturen implodierten.

Als Intellektueller und Essayist war

Konrád einer der ersten und einflussreichsten

Denker,die in der Idee eines

neuen Mitteleuropas die Konfrontation

vonOst undWest zu überwinden

versuchten. Neben Václav Havel,

Adam Michnik, Milan Kundera und

PavelKohout gehörte er zu den wichtigsten

Stimmen, die den Eisernen

Ein

zuversichtlicher

Europäer

Zum Toddes Schriftstellers und

Intellektuellen György Konrád

GyörgyKonrád (1933–2019 )

VonHarry Nutt

IMAGO IMAGES

Vorhang gedanklich aufgeweicht und

den Fall der Mauer vorbereitet hatten.

György Konrád verfolgte dabei ein

Konzept der Anti-Politik, die die realpolitischen

Bemühungen mit Skepsis

begleitete und auf eine geistige Unabhängigkeit

setzte,die er auch für seine

künstlerische Existenz beanspruchte.

Es ist eine Mischung aus Scharfsinn,

Melancholie und Eigensinn, die fast

alle seine Arbeiten prägen. Für György

Konrád stellte der Begriff Mitteleuropa

nicht nur den Versuch dar,

eine geopolitische Idee wiederzubeleben.

Er attestierte dem Mitteleuropäer

auch einen Sozialcharakter, der

sich gerade dadurch, dass er oft durch

die Geschichte geschubst worden

war, eine eigene Weltsicht bewahrt

hat.

Auf exemplarische Weise übte

Konrád diese Rolle von1997 bis 2003

in Berlin als Präsident der wiedervereinigten

Akademie der Künste aus.Es

war ein wichtiges Signal der deutschen

Künstler, ihn als Ungarn in

diese Position berufen zu haben, und

Konrad verkörperte dabei nicht zuletzt

den Anspruch, Berlin zu einem

Brückenkopf zwischen Ost und West

zu machen in der Hoffnung, dass gerade

kulturelle Beziehungen und

künstlerische Einbildungskraft der

Politik den Wegweisen können. Eine

Hoffnung, die sich nicht erfüllte,

denn der ungarische Kosmopolit, der

er war, musste bald einsehen, dass

gerade die postkommunistische Politik

seines Heimatlandes von turbulenten

Richtungsschwankungen

durchgeschüttelt wurde. Während

beinahe jede neue Regierung gnadenlos

abgewählt wurde, wurde eine

gesellschaftliche Radikalisierung offenbar,die

bis dahin eher im Verborgenen

rumorte.

EinKritiker Orbans

Als sich rechte und antisemitische

Strömungen schließlich ganz offen in

Ungarn artikulierten, verlor Konrad

dennoch nicht seine Zuversicht. Es

nutzeimmer,sagte er in einem Interview

von2006, wenn dieWahrheit auf

den Tisch kommt. Es sei gut, dass die

extreme Rechte zeige,wer sie wirklich

ist.

György Konrád blieb auch später

ein scharfer Kritiker des rechtspopulistischen

Kurses von Ministerpräsident

Victor Orban, war aber dennoch

optimistisch, dass Ungarn ein

Rechtsstaat bleiben werde, weil letztlich

die Anziehungskraft, die von Europa

ausgehe, größer sei als die sich

überall ausbreitenden nationalistischen

Verengungen. Am Freitag ist

György Konrád im Alter von86Jahren

in Budapest gestorben.

NACHRICHTEN

Jüdisches Museum: Grütters

gegen Vertretung Israels

Kulturstaatsministerin Monika Grütters

(CDU) lehntVertreter des israelischen

Staates im Beirat des Jüdischen

Museums Berlin ab.Das Museum

solle dabei helfen, die jahrhundertealte

deutsch-jüdische

Geschichte zu erzählen. „Das ist

seine Zweckbestimmung. Dazu

brauchen wir keinen offiziellen Vertreter

des Staates Israel im Beirat –

bei allem Respekt vorvielen wechselseitigen

Bezügen heutzutage.“

DasMuseum war voreinigen Monaten

in Turbulenzen geraten, nachdem

Israels Regierung gefordert

hatte,eine Sonderausstellung zu Jerusalem

zu schließen. Museumschef

Peter Schäfer war im Juni zurückgetreten.

Nunwirdeine neue Museumsleitung

gesucht. (dpa)

Kurt-Tucholsky-Preis für

Margarete Stokowski

DieJournalistin Margarete Stokowski

bekommt den mit 5000 Euro dotierten

Kurt-Tucholsky-Preis für literarische

Publizistik. Ihre Kolumnen

auf dem Portal Spiegel online zeichneten

sich aus durch eine kompromisslose

Entlarvung gesellschaftlicher

Missstände,präzise Sprache

und gekonnte Ironie,begründete die

Jury ihreamSamstag bekanntgegebene

Entscheidung. DerPreis wird

seit 1995 alle zwei Jahrevergeben,

unter den bisherigen Preisträgern

sind der Journalist Deniz Yücel

(2011) und der Liedermacher Konstantin

Wecker (1995). (dpa)

Ai Weiwei musste Haus der

Kunst verlassen

Miteiner Solidaritätsaktion hat sich

der chinesische Künstler Ai Weiwei

für die vonEntlassungen bedrohten

Mitarbeiter des Münchner Hauses

der Kunst eingesetzt. DieMuseumsleitung

kritisierte die umstrittene

und unangemeldete Aktion und bat

Ai, die Ausstellungsräume zu verlassen.

Ai Weiwei dementierteinen

Rauswurfjedoch. Der62-Jährige war

am Freitag ohne Wissen der Museumsleitung

im Haus der Kunst aufgetaucht

und hatte unter anderem

die Eintrittskarten der Besucher abgerissen.

(dpa)

UNTERM

Strich

Rom &Peter

Ob

oder ob?

VonPeter Wawerzinek

Der Mond steht über der asphaltierten

Straße, die bautechnisch eher ein befahrbares

Dach ist. Zwanzig Meter würde man

in die Tiefe stürzen, bräche die Oberfläche

auf, sagt Tatjana Doll, die uns per Mail hierher

eingeladen hat: Heute Abend ist eine Straßenzeichnung

vonStefania Galegati aus Palermo

zu sehen in der Via del Mandrione (Nächste

U-Bahn Station: Arco di Travertino).

Wir sind befreundet und kennen uns seit

2003/04. Die Eröffnung ist 18 Uhr, gegen

20 Uhr gibt es ein Aperitif im Studio von Alfredo

Pirriumdie Ecke.Wer Lust hat, kommt

doch gernmit dahin!

Vierzehn Personen sind wir zum Taxistand

unterwegs. Dreimal vier von ihnen

fahren sofort ab. Taxi vier, für mich und

meine Freundin gedacht, stellt sich seltsam

an. Manweiß nicht, will er oder ist es ihm ein

Graus? Nach langem Hinund Herlässt er uns

doch einsteigen. Wohin? Wir sagen die

Straße.Numero?Wissen wir nicht. DieStraße

ist lang, fährt eruns an. Wir beginnen nach

Pirris Studio zu fahnden, finden es im Internet,

geben dessen Adresse an. Als Alternative.

Und suchen weiter. Werden fündig.

Schreiben stolz die Zahl Hundertneunzig auf

einem Zettel, geben ihn dem Fahrer. Wie

denn was nun, also jetzt wieder Mandrione!

Er regt sich auf, brabbelt und schimpft über

uns, den Verkehr, und stößt bis ans Ziel alle

möglichen italienischen Flüche aus.

Stefania hat mit weißer Farbe ein langes

Schriftband auf den Asphalt geschrieben. Es

geht um das Wort cadere, zudeutsch so viel

wie fallen, hinfallen, gefallen, stürzen, einstürzen,

hineintappen, stolpern, ausrutschen,

hinschlagen und sündigen.

KLAUS ZYLLA

Einige hundertMeter kann man sich ihre

Varianten durchlesen und schreitet nebenbei

noch andereKunstwerke ab.Nicht sofort

auch als solche zu entdecken, wenn zum Beispiel

zwei junge Mütter unter einer Zeltplane

im Schneidersitz zeitgleich Babys stillen. Da

weiß man nicht, ob oder ob? Calma, Calma

krächzt eine ältereFrauenstimme aus einem

kleinen runden Radio. Calma steht dreimal

auf dem weißen Tuch geschrieben, dessen

eine Ecke das Tongerät beschwert. Calma

tragen drei Männer auf ihren Rücken gedruckt,

die vordem Transparent niederknien

wie einst Willi Brandt. Die Hände hinter ihren

Köpfen verschränkt für zwei Minuten.

Dann erheben sie sich, werden beglückwünscht,

umarmt und stellen sich vor die

Leute hin, die sich Stühle mitgebracht und

auf diesen Moment gewartet haben.

Es wird eine Rede gehalten. Worum es

geht? Ich könnte es erfragen, unterlasse es

tunlich. Dreimal wird in die Hände geklatscht,

und dann ist es damit auch gut. Die

Leute unterhalten sich durcheinander miteinander,

packen allmählich ihre Sitzgelegenheiten,

rücken ab.Wir laufen ihnen zum

Studio hinterdrein, gelangen treppab auf

den Sammelplatz.

Wasfür ein Garten! Welch eine Idylle unter

der Lichtgirlande! Auf einer großen Tafel

werden breite Brotfladen auseinandergeschnitten

mit Mortadella, Pasten,Schweinebraten

belegt, zugeklappt und in Streifenstücke

geschnitten gereicht. Eingeladen dazu

haben die Leute mit den Stühlen, die Anwohner.

Eswird fröhlich gegessen, lebhaft

geredet, der erfolgreiche Kunsttag gefeiert,

das Leben genossen. Dazu gibt es Wein aus

Flaschen mit Bügelverschluss.Und bevor ich

jetzt richtig zuschwelgen beginne, beruhige

ich mich mit einem dreifachen: Calma,

Calma, Calma.


22 Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Feuilleton

Die schlechte Welt war drei Stationen von Eichkamp entfernt

Eine Jugend in Berlin: Zur Neuausgabe des Buchs „Das zerbrochene Haus“ von Horst Krüger,der heute 100 Jahre alt geworden wäre

VonJörg Aufenanger

Als Horst Krüger 1966 sein

Buch „Das zerbrochene

Haus“ vorlegte,war das ein

unerhörtes Ereignis, erzählte

da doch einer aus eigener Erfahrung

von der Mitschuld des bravenKleinbürgers

an den Verbrechen

der Nazizeit. Dabei hatten die doch

gemeint, nicht mitgetan zu haben

und schuldlos zu sein. Dasverstörte,

das störte im westdeutschen Wirtschaftswunderland,

wo man vielfach

geneigt war, die Vergangenheit zu

vergessen.

Wolfgang Koeppen mutmaßte im

Magazin Spiegel, das Buch werde

„Ärgernis wecken, zu viele werden

sich in lieben alten Träumen verletzt

sehen. Dabei sollte Krügers Blick in

Zorn und Trauer ein deutsches

Hausbuch werden.“ Marcel Reich-

Ranicki lobte es als „ein Zeitbild

ohne Lüge“. Es ist sowohl eindrückliches

Porträt des zwölfjährigen

Reichs als auch schonungsloses

Selbstbildnis eines Mannes,dem die

Jugend gestohlen wurde, nicht nur

von Hitler und Konsorten, sondern

auch vonder eigenen Familie.

„Ich bin ein typischer Sohn jener

harmlosen Deutschen, die niemals

Nazis waren und ohne die die Nazis

doch niemals ihr Werk hätten tun

können“, schreibt Krüger in dem

Buch, das den Untertitel „Eine Jugend

in Deutschland“ trägt. Geboren

wurde er vor100 Jahren, am 17. September

1919, wuchs in Berlin auf,

und zwar in der nach Plänen von

Max Taut erbauten Wald- und Gartensiedlung

Eichkamp nahe dem

Grunewald, die noch heute eine

VonSabine Rohlf

Der Auftritt der nigerianischen

Schriftstellerin Chimamanda

Ngozi Adichie im HAUwar zweifellos

einer der Höhepunkte des diesjährigen

Literaturfestivals. Als sie in einem

hinreißenden lila Hosenanzug

die Bühne betrat, wurde geklatscht,

gejubelt und gepfiffen. Es war der

Auftritt eines Literaturstars, der von

Publikum und Feuilleton gleichermaßen

geliebt wird.

Adichie las die ersten Seiten aus

„Americanah“ ihrem Weltbestseller

über Ifemelu aus Nigeria, die in

Horst Krüger,der mit seinem Roman „Das zerbrochene Haus“ den nationalsozialistischen Alltag ausgleuchtet hatte, starb 1999 in FrankfurtamMain.

Idylle ist oder eine zu sein vortäuscht.

Nach dem Abitur schlitterte er

wegen eines Freunds in eine Widerstandszelle,

wurde eingekerkert,

bald wieder freigelassen, wohl weil

man seine Naivität erkannt hatte.

Horst Krüger studierte dann Philosophie,

wurde eingezogen, kam an die

Ostfront und nach Italien, beendete

aber Ostern 1945 den Krieg auf eigene

Faust und lief zu den Amerikanernüber.

Krüger wurde Journalist, leitete

das Literarische Nachtstudio des

Südwestfunks, bis er sich 1964 als

freier Autor in Frankfurt am Main

niederließ, um „Das zerbrochene

Haus“ verfassen zu können. Später

schrieb er regelmäßig für die Zeit

und veröffentlichte zahlreiche Reise-

DAS BUCH

,

Horst Krüger:Das zerbrochene Haus

Neuausgabe mit einem Nachwortvon Martin Mosebach.

Schöffling &Co., Frankfurta.M. 2019. 215 S.

22 Euro

Die absurden Aspekte der Toleranz

IMAGO

bücher.Sein autobiografisches Buch

beginnt mit dem Kapitel„Ein Ortwie

Eichkamp.“ Das kleine Wort „wie“

hat hier eine tiefere Bedeutung, besagt

es doch, dass Eichkamp für viele

Orte stand, in denen der Kleinbürger

ignorierte, was um ihn herum geschah.

Man war „auf eine rührende

Weise unpolitisch. Ich lernte früh,

dass ein anständiger Deutscher immer

unpolitisch ist. Eichkamp war

die Welt des guten Deutschen“,

schreibt Krüger mit der ihm eigenen

Ironie. Nie sei er dort einem wirklichen

Nazi begegnet.„Es waren lauter

brave, fleißige Bürgerfamilien, ein

wenig borniert.“ Die schlechte Welt,

der Moloch Berlin mit seinen abstoßenden

politischen Gefechten war

weit entfernt –drei S-Bahn-Stationen

weit.

Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie begeisterte ihr Publikum beim Internationalen Literaturfestival mit Klugheit und Eleganz

Princeton ein Stipendum ergattert

und etwas kennenlernt, das es bei ihr

zuhause nicht gibt: Den Rassismus

einer Nation mit Sklavereigeschichte.

Mit „Americanah“, so berichtete

Adichie, schrieb sie den Roman

über Migration aus Afrika, den

sie selber lesen wollte: keine Geschichte

über Leid, Armut und Rettung,

sondern eine über Mittelklassekinder,die

sich im ach-so-begehrten-Einwanderungsland

in entwürdigenden,

teilweise aberwitzigen

Situationen wiederfinden. Was in

den USA oder Europa gern als großzügige

Aufnahme, Tolerierung be-

nachteiligter Menschen

oder fragwürdige Wirtschaftsflucht

aufgefasst

wird, ist eine komplexe,

oft schmerzhaft-absurde

Angelegenheit.

Adichie schreibt gegen

eine Haltung an, die

so tut, als habe sie die

humanistische Wahrheit

gepachtet, während ihr

Maßstab doch immer

der weiße Westen ist. Sie

macht eine andere, afrikanische Perspektive

stark und das gelingt ihr

derart gut, dass der internationale

Literaturbetrieb sich um

sie reißt, ihre Romane

werden in mehr als 30

Sprachen gelesen.

Über all das unterhielt

sie sich mit Moderatorin

Zara Rahman,

die als Wissenschaftlerin

und Autorin ihrerseits

gegen globale Ungerechtigkeit

antritt. Die

Chemie zwischen den

beiden stimmte, und

Adichie war auf entspannte Artklug,

witzig und persönlich –wie ihre Bücher.

Wer ihre Talks im Netz kennt,

Diese Bahn führt Horst Krüger

Jahrzehnte später zurück in die vermeintliche

Idylle. Erwill begreifen,

wie alles geschehen konnte. Das

Haus seiner Jugend findet er in

Trümmern. „Das zerbrochene Haus“

wird ihm im Nachhinein zu einem

Menetekel, das besagt, Unschuld

kann es nicht geben, auch wenn

man selbst nichts Unrechtes getan

hat.

DieS-Bahn ist für den Schreibenden

ein Vehikel der Erinnerung. Als

er zum Grab der Schwester fährt, die

sich vergiftet hatte, ahnt er, dass die

eigene Familie Urzelle allen Unheils

sein kann.„FamiliäreWorte sind Formeln,

erstarrte Missverständnisse.“

Das zweite Kapitel „Ein Requiem für

Ursula“, nennt Krüger den Schlüssel

zu allem, zu der kleinbürgerlichen

Existenz, die Leben vernichten kann.

Es ist ein erschütternder Abgesang

an das Elternhaus, das zwangsläufig

zerbrechen musste. Darüber zu

schreiben war für Horst Krüger ein

„ersterVersuch der Selbstbefreiung“,

mehr noch als die Schilderung seiner

Haft unter den Nazis, mehr noch als

die seiner„Stunde Null“, als er desertierte

und kein Deutscher mehr sein

wollte.

Im Schlusskapitel berichtet er

vom Frankfurter Auschwitzprozess

1964, den er auf Einladung von Fritz

Bauer vier Wochen lang verfolgte. Er

beobachtet die Angeklagten und

fragt sich selbst: Wie schuldig wäre

ich geworden, in anderen Umständen?

Der finale Satz des Buchs ist

Provokation und Warnung: „Hitler,

den gibt es auch in uns. Erherrscht

noch im Untergrund. Dieser Hitler,

der bleibt uns lebenslänglich.“

weiß das bereits. Ihre Rede „We all

should be feminists“ beeindruckte

die Soul-Sängerin Beyoncé so sehr,

dass sie Teile davon sampelte.

Adichie sprach aber nicht nur

über Feminismus, Politik und

Trump, sie plauderte auch über ihr

Leben als erfolgreiche Frau. So erzählte

sie etwa vomVogue-Shooting

mit dem kürzlich verstorbenen Fotografen

Peter Lindbergh. Oder davon,

dass „Americanah“ von und mit Oskarpreisträgerin

Lupita Nyong’o verfilmt

wird. Und natürlich sprach sie

über Feminismus und die Erziehung

vonTöchtern, das Thema ihres aktuellen

Buches „Liebe Ijeawele“. Dazu

gab es Publikumsfragen, eine wurde

zunächst auf Igbo gestellt, Adichies

Muttersprache, was sie ausgesprochen

freute und die in Berliner Theaternwirklich

nicht oft zu hören ist.

Es war also ein praller, sehr interessanter

Abend mit einer bestens

aufgelegten Schriftstellerin, die allerdings

eines nicht verriet: Danach gefragt,

woran sie gerade schreibe und

wann wir es lesen können, beantworte

sie mit einem freundlichen

„das verrate ich nicht“. Dabei freuen

sich doch alle auf ihren nächsten Roman.

Vielleicht beim nächsten ilb?

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Sibiriens faszinierende Landschaften und Kulturen

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LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 23 *

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Feuilleton

Kurz

vor dem

Abflug

Daniel Harding bei den

Berliner Philharmonikern

VonClemens Haustein

Beim Musikfest wird Robin Ticciati,

der Leiter des Deutschen

Symphonie-Orchesters, Antonín

Dvoráks Oper „Rusalka“ konzertant

dirigieren, aber kein Werk von Hector

Berlioz, dem sich das Festival in

diesem Jahr besonders widmet. Das

ist schade, weil Ticciati zu den derzeit

besten Berlioz-Dirigenten gehört.

Seit seinem Amtsantritt vor

zwei Jahren setzt er auch seltener gespielte

Werke des französischen

Komponisten aufs Programm, zu

Weihnachten 2017 etwa das Sinfonie-Oratorium

„L’enfance du

Christ“, vor einem Dreivierteljahr

die „dramatische Sinfonie“ „Roméo

et Juliette“ nach William Shakespeare.

Die Aufführungen blieben in Erinnerung

wegen Ticciatis außergewöhnlichem

Verständnis für Berlioz’

Musiksprache: für die besondere

Grammatik der melodischen Geste

wie der Instrumentation, für die fein

abgestufte Färbung der einzelnen

musikalischen Passagen.

Damit hat Ticciati die Messlatte

für die Konzerte des Musikfestes extrem

hoch gesetzt. Ein Dirigent wie

Daniel Harding, der „Roméo et Juliette“

nun mit den Berliner Philharmonikern

aufführte, kann nur

schwer mithalten. Mehr als ein recht

solide organisierter Abend war nicht

zu erleben am Donnerstag. DieDuftigkeit

dieser Musik, die Fülle ihrer

Aromen, all das bleibt verschlossen

unter Hardings oft hart ordnender,

seltsam einstudiert wirkender Gestik.

Sein deutliches Interesse für die

Mittelstimmen der Partitur trägt wenig

Früchte, weil er darüber die Gestaltung

der führenden Melodie vernachlässigt.

Selten gelingt es, eine

der differenzierten Berlioz’schen

Klangatmosphären so zu vermitteln,

dass sie beim Hören unmittelbar

verständlich wird. Die Folge ist ein

zähes Stück, das sich dehnt und

dehnt.

Daniel Harding dirigiertdemnächst aus

dem Cockpit heraus.

MONIKA RITTERHAUS

Die Sänger haben nur selten Gelegenheit,

unterstützend einzugreifen,

ihnen lässt Berlioz inaußergewöhnlicher

Weise keine handelnde

sondern nur eine reflektierende

Rolle zukommen. Die Instrumente

treiben in dieser Oratoriums-Opern-

Sinfonie das Geschehen und erzählen

vomKampf der beidenVeroneser

Familien und von den Empfindungen

zwischen Romeo und Julia. Kate

Lindsey beglückt gleichwohl mit

rundem, sorgfältig abgedunkeltem

Mezzosopran, Andrew Staples singt

bei seinem kurzen Auftritt im ersten

Teil mit verführerisch elegantem Tenor,

der chinesische Bassbariton

Shenyang gibt im letzten Satz einen

machtvollen, bei verstärktem Tremolieren

leicht dröhnenden Pater

Lorenzo. Der Rundfunkchor Berlin,

von Chorchef Gijs Leenaars einstudiert,

bewegt sich beeindruckend

wandlungsfähig zwischen schwingender

Eleganz und stimmlicher

Macht. Nach der dürren Vorstellung

entwickelt Harding doch Einfallsreichtum,

wenn er im Schlussapplaus

mit den Sängern herumkaspert.

Ab nächster Saison wird erfür

ein Sabbatical bei Air France als Co-

Pilot arbeiten. Alles Gute dafür!

Jenseits des Hypes

Das Filmfestival von Toronto präsentierte neben vielen Stars auch bemerkenswerte Filme

VonFrédéric Jaeger

Ist Jennifer Lopez’ Auftritt als

Stripperin in „Hustlers“ so umwerfend,

wie alle sagen? Sind

die Leistungen von Matt Damon

und Christian Bale im Actionkracher

„Le Mans 66“ preisverdächtig?

Schafft Adam Sandler mit„Uncut

Gems“ das lang erhoffte Comeback

im ernsten Fach? Werdie Diskussionen

beim Filmfestival von Toronto

verfolgt, könnte denken, fürs Kino

zählt nichts außer den Stars aus Hollywood

und ihren Chancen auf Oscars.

DieNähe zu Los Angeles und seinen

Filmstudios ist Fluch und Segen

zugleich des größten Festivals Nordamerikas.Sie

sorgt für Aufmerksamkeit

und sehnsüchtige Erwartungen

an das Programm in Kanada, verstellt

aber auch den Blick auf die

Filme.Vor allem kennt der Strudel an

Aufregung kaum andere Bewertungsmaßstäbe

als die emotionale

Schlagkraft schauspielerischer Performances.Dabei

ist selbst das Können

herausragender Darsteller mit

solchen Kriterien nicht zu fassen.

„Le Mans 66 – Gegen jede

Chance“ ist dafür ein gutes Beispiel.

Als Actionfilm ist er ein Festival-Außenseiter

und auch bei Filmpreisen

haben es Genrefilme nicht ganz einfach.

Der Goldene Löwe für die Comicverfilmung

„Joker“ in Venedig

wirddaran so schnell nichts ändern.

„Le Mans 66“ ist dagegen ohnehin

der unauffälligere Film, weil nicht

über jedem Bild geschrieben steht:

Schaut, was ich Mutiges, Seltenes,

Düsteres mache!

Nach seinem eigenwilligen Marvel-Ausflug

„Logan“ hat sich Regisseur

James Mangold auf eine einfache

historische Geschichte eingelassen,

die ohne viel Schnickschnack

alte Autos, Wett- und Machtkämpfe

feiert. Christian Bale spielt darin einen

Rennfahrer, der in einem Ford-

Wagen gegen Ferrari antritt. Sein

Ganzkörpereinsatz ist nicht darauf

ausgelegt, zu beeindrucken, tiefe

Gefühle oder Verwandlungen sichtbar

zu machen. Stattdessen fügt er

sich ganz in Zeit und Gesellschaft

ein: Lockerer Arbeiterbuckel, halbherziger

Wutausbruch, bübisches

Grinsen, alles stimmt im Spiel von

Bale.Bisweilen tritt er sogar zurück –

Jennifer Lopez als Stripperin in dem Film „Hustlers“.

hinter die Kraft der Montage,der Settings,

der rasanten Verfolgungsjagden.

Ganz ähnlich ist es bei Adam

Sandler. Josh und Benny Safdie haben

ihm in ihrem für Netflix produzierten

Kleinganovendrama „Uncut

Gems“ keine Rolle gegeben, mit der

IMAGO IMAGES/ANNAPURNA PICTURES

er sich beweisen kann. Das hat er

auch gar nicht nötig. Stattdessen fügt

sich sein Spiel in die künstlerische

Strategie ein, dass die unterschiedlichen

formalen Mittel gleichberechtigt

die Geschichte erzählen.

Sei es der großartige Elektro-

Soundtrack von Daniel Lopatin, sei

Überzeugungstäter im Chaos

es die aufgeregte 35mm-Kameravon

Meister Darius Khondji, seien es das

Drehbuch, die Montage,das Szenenbild

oder das Schauspiel: nichts genügt

sich selbst. Sandler spielt in

„Uncut Gems“ einen zwielichtigen

Juwelenhändler, der allen Geld

schuldet, sich aber mit dem einen

besonders ausgeklügelten Deal kurz

vor dem Durchbruch wähnt. Es ist

ein atemloser Ritt durch New York,

den die Filmemacher zu einem Erlebnis

für alle Sinne machen.

Das verspricht auch die mit großen

Hoffnungen in Toronto erwartete

„Dritte-Reich“-Satire „Jojo Rabbit“.

Irgendwo zwischen düsterem

Märchen, lebensbejahendem Kinderfilm

und erwachsenem Perspektivwechsel

auf die deutsche Geschichte

ist sie angelegt. Regisseur

Taika Waititi, der sich mit „Thor:Tag

der Entscheidung“ auch schon im

Marvel-Universum positioniert hat,

mangelt es nicht an Ambition: ob im

bonbonfarbenen Setdesign, Gedicht-Zitaten

vonRilke oder dem eigenwilligen

Soundtrack inklusiver

deutscher Coverder Songs„I’mABeliever“

von The Monkees und David

Bowies „Heroes“.

Vor allem die Ausgangslage der

Storyhat es in sich: Der10-jährigeTitelheld

ist ein strammer Nazi und

sein imaginärer Freund heißt Adolf

Hitler. Der jüdisch-maoristämmige

Regisseur Waititi spielt diesen Hitler

selbst, angeblich, weil er niemanden

finden konnte, der bereit war, die

Rolle zu übernehmen. Richtig in

Fahrt kommt der Film, wenn Jojo

entdeckt, dass seine Mutter ein jüdisches

Mädchen im Haus versteckt

hält.

„Jojo Rabbit“ bezeichnet sich

selbst als „Anti-Hass-Satire“, setzt

aber mehr auf vergnüglichen Slapstick

als auf bittere Überzeichnungen.

Diekindliche Perspektiveist dafür

entscheidend: Der Krieg ist hier

ein Spiel. Sich gegen Hass zu stellen

scheint für Waititi jedenfalls auch zu

heißen, keinen Hass gegen Nazis zu

schüren. Und sowird der Film zunehmend

zu einem Gegenwarts-

Kommentar. Die versöhnlichen

Töne,mit denen er für Offenheit und

Differenzierung eintritt, statt für Karikaturen

und harsche Verurteilungen,

wirken jedenfalls sehr zeitgemäß.

Das Chamäleon feiert den 15. Jahrestag seines Bestehens und präsentiert ein neues Programm in Hochform

VonBirgit Walter

Wer weiß, ob wir das 20. Jahr

überhaupt erleben! Den Satz

sagt Anke Politz, künstlerische Leiterindes

Chamäleons,letzte Woche in

ihrer beherzten Rede zum 15. Jahrestag

der Neueröffnung des Varieté-

Theaters. Doch dann lässt sie keine

Zeit zum Zusammenzucken und ruft

gleich: „Ein Scherz!“ Bloß keine

Missverständnisse! Immerhin endete

die Vorgänger-Bühne gleichen

Namens, 1992 gegründet, tatsächlich

in der Pleite.Aber die Neuen haben

hier nicht Haus und Programmatik

erneuert, ihre Visionen vom

zeitgenössischen Zirkus geschickt

durch finanzielle Abgründe jongliert,

sich zur Jubiläumspremiereeinen

Saal voller Staatssekretäre, Abgeordnete,

Diplomaten und einen

Prinzen eingeladen, um sich pessimistische

Ausblicke zu erlauben.

Ein paar kleine Hinweise vielleicht,

dass Künstler hier auch deshalb

so gern auftreten, weil ihnen

Verträge über sechs Monate geboten

werden –mit Krankenversicherung,

keineswegs selbstverständlich für

ein Haus ohne Fördermittel. Dass sie

mehr bieten wollten als Unterhaltung,

Kunst nämlich, an Grenzen gehen,

das „Unbequeme“ und die

„Ecken und Kanten“ suchen, wie sie

Akrobaten, die über Schmerzen sprechen.

gern wolkig ihre Anliegen umschreiben.

Der Varieté-Macher Markus

Pabst sagt es so: „Die Leute wollen

Blockbuster sehen und ihr jubelt ihnen

Programmkino unter.“ Stimmt.

Auch hier verließ man Vorstellungen

mitunter gelangweilt: Dem

Kunstanspruch fehlte oft die Leistung.

Diesmal aber haben die Überzeugungstäter

vom Chamäleon etwas

Packendes ausgewählt: „Out of

Chaos“, ein Import aus Australien,

wo auch Zirkuskunst als förderungswürdig

gilt. Er beginnt natürlich mit

Chaos. Neun Artisten der Gruppe

Gravity &Other Myths bevölkerndie

ANDY PHILLIPSON

Bühne mit hellen Taschenlampen,

bis einer zu sprechen beginnt. „Ich

bin müde. Mir ist kalt. Mein Körper

ist schmerzig.“ So klagt er, switcht

ins Englische, wo er die „richtige

Grammatik“ vermutet, meistens.

Während man noch nachsinnt, wie

wenig über Schmerzen von Akrobaten

mit ihren absurden Fähigkeiten

bekannt ist, bleiben auch die anderenstehen

und beginnen vonsich zu

erzählen, jeder mit Verve, sicher interessant,

aber man versteht ja keinen

mehr in dem Chaos.

Endlich Ruhe,Dunkelheit. Als die

Menschen wieder auftauchen, ste-

hen sie Kopf, hängen still in der Luft

oder bauen zu viert eine Brücke. Da

die Taschenlampen sehr partiell

leuchten, sieht man etwa die Brücke

nur zur Hälfte, sie endet wie im

Nichts. Zusammen mit den sphärischen

Klängen, Geräuschen und

Stimmen entfaltet sich gleich zum

Auftakt eine Wirkung zum Wegschweben

–heiter und leicht.

Regisseur Darcy Grant erzählt

hier Geschichten vom Bauen und

Fallen von Türmen in jeglicher Ausführung,

bis zu vier Etagen, mit bis

zu sieben Akrobaten. Der Aufstieg

passiert zackig und ohne Hilfsmittel

wie Sprungbrett, der Fall kommt immer

erschreckend unerwartet. Und

hier fliegen keine zarten Asiatinnen

mit Kindergewicht durch die Luft,

Lisa Goldworthy etwa steht sowohl

am Sockel wie an der Spitzeder Pyramide,

erzählt von ihren 71 Kilo Gewicht,

nach einem BigMac 72. Jeder

Akrobat bringt seine eigene Klasse

ein, auch wenn sich die Überraschungsmomente

vom Bauen und

Fallen, vom Schwingen, Werfen, Anspringen,

Kugeln grundsätzlich in

der Stunde vor der Pause entfalten.

Natürlich endet das Chaos – wo

sonst –inHarmonie.

OutofChaos bis16. 2. 2020, ChamäleonTheater,Rosenthaler

Str.40/41

Björn Höcke

beendet

TV-Interview

Verband kritisiert Umgang

der AfD mit Journalisten

Ein Interview des ZDF mit dem

AfD-Spitzenkandidaten für die

Landtagswahl in Thüringen, Björn

Höcke, endete mit einem Eklat. In

dem Gespräch, das am Sonntagabend

in der Sendung„Berlin direkt“

ausgestrahlt wurde,ging es zunächst

um die Sprache des Politikers vom

rechtsnationalen Flügel der AfD und

um Begriffe aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Nach etwa zehn Minuten

intervenierte Höckes Pressesprecher

nach Angaben des ZDF und

sagte: „Ich würde sagen, das sollten

wir einfach wiederholen. Dasgeht so

nicht. Das geht so nicht. Sie haben

jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert,

die ihn stark emotionalisiert

haben. Diese Emotionen,

glaube ich, sollte man so nicht im

Fernsehen bringen.“

Eine Wiederholung lehnte der

ZDF-Redakteur allerdings ab.Höcke

war nach eigenen Aussagen davon

ausgegangen, dass es in erster Linie

um den Landtagswahlkampf gehen

würde. Das ZDF betont, dass es laut

Absprache nicht um Thüringen, sondern

die bundespolitische Bedeutung

Höckes gehen sollte.

Vor Beendigung des Interviews

waren Höcke Aussagen seiner Parteikollegen

gezeigt worden. Diesen

wiederum hatte der Redakteur Aussagen

von Höcke vorgelegt und sie

gefragt: „Ist das aus ,Mein Kampf’

oder von Herrn Höcke?“ Bei einem

Fall antwortete der AfD-Bundestagsabgeordnete

Jens Maier: „Wenn,

eher aus ,Mein Kampf’würde ich sagen,

aber nicht vonHerrnHöcke.“

Höcke sagte im Interview: „Ich

glaube nicht, dass es eine allgemeingültige

Definition dessen gibt, was

eine NS-Diktion, was NS-Sprache

ist.“ Kritiker, die ihm eine sprachliche

Nähe zum Nationalsozialismus

vorwerfen, seien „Stellenmarkierer“.

Sie wollten „kontaminieren, was angeblich

nicht mehr sagbar ist.“

„Interessante politische Person“

Am Ende des Gesprächs sagte Höcke:

„Wir beenden das Interview.(...)

Dann ist klar,dass es mit mir kein Interview

mehr für Sie geben wird.“

Auf die Frage, obdas eine Drohung

sei, sagte Höcke: „Nein, das ist nur

’ne Aussage, weil auch ich nur ein

Mensch bin.“ Auf die weitere Frage:

„Was könnte kommen“, antwortete

Höcke: „Vielleicht werde ich mal ’ne

interessante persönliche, politische

Person in diesem Land. Könnte doch

sein.“

Das Interview wurde am Mittwoch

in Erfurt geführt. Das ZDF hat

das komplette Interview und den

Wortlaut online gestellt.

Der Bundesvorsitzende des Journalisten-Verbands,

Frank Überall,

erklärte,essei völlig richtig gewesen,

dass sich der Kollege nicht darauf

eingelassen habe, das Interview in

Höckes Sinne weichzuspülen.„Björn

Höcke hat ein weiteres dunkles Kapitel

des gestörten Umgangs der AfD

mit der Pressefreiheit im Allgemeinen

und kritischen Journalistinnen

und Journalisten im Besonderen

aufgeschlagen“, sage er. (dpa, AFP)

TOP 10

Sonnabend, 14. September

1 Tagesschau ARD 5,20 23 %

2 Ottilie von ... ARD 4,46 18 %

3 Sportschau ARD 3,99 22 %

4 Das Supertalent RTL 3,26 13 %

5 Willkommen bei ... ZDF 3,17 13 %

6 heute-journal ZDF 3,13 17 %

7 heute ZDF 2,42 13 %

8 Sportschau ARD 2,42 17 %

9 Bares für Rares ZDF 2,35 11 %

10 Sportstudio ZDF 2,13 18 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Die Blechtrommel

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Passagier 23

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: Cavalleria rusticana /Pagliacci

20.00 Tischlerei: Wolfsschlucht

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

19.30: Westend

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: Jugend ohne Gott

Neuköllner Oper (& 68 89 07 77)

20.00 Studio: istdie welt auch noch so schön

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Ewig Jung

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00 Studio: Prometheus

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Hitch und ich: Die Vögel (Jens Wawrczeck)

BKA (& 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (& 204 47 04)

20.00: Zirkus Angela

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: TheBest &The Test (Fil)

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

19.30: Die LiveShow–Die 3. Staffel

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

19.45: Die Florian Schroeder Satireshow

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Shownungslos (Hans Werner Olm)

KLASSIK

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (& 44 31 51 00)

20.00: Festival Afekt: Ensemble Mosaik

Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt

(& 81 70 47 26) 19.00: Preisträger*innen des

Landeswettbewerbs Jugend musiziertBerlin,

Der Klang der NeuenZeit, WieKomponisten der

Aufklärungsepoche ihr Publikum zum Zuhören

verführten und Gleichberechtigung ausprobierten.

Musik mitModeration zum 290. Geburtstag Moses

Mendelssohns

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Israel Philharmonic Orchestra, Ltg.Zubin

Mehta, Gil Shaham (Violine), Musikfest Berlin,

Ödön Pártos: Concertino für Streichorchester;Felix

Mendelssohn Bartholdy: Violinkonzerte-Moll op.

64; Hector Berlioz: Symphonie Fantastique op. 14,

Episode aus dem Leben eines Künstlers in fünf Teilen

KINDER

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

FELD –Theater für Kinder und Erwachsene

(& 54 08 69 48) 14.00: Feldspiele –Ein Festival

zwischen den Generationen: Männer tanzen, David

Bloom &Felix Marchand (ab 8J.)

HAU2(&25 90 04 27)

9.00: 19. Internationales Literaturfestival: Ik ben

Vincent en ik ben niet bang, Enne Koens, Lesung und

Gespräch,Mod.: ShivaMesgarian

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Komische Oper Berlin (& 47 99 74 00)

11.00: Kinderkonzert1:Tschuldigung!–Orchester

der Komischen Oper Berlin, Ltg.Ivo Hentschel, Robin

Poell (Moderation), Johannes Brahms: Doppelkonzert

für Violine und Violoncello a-Mollop. 102, 1. Satz

u. a.

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

11.30 Ausstellungsfoyer: Kitakonzert3-2-1-LOS!

Phoenix in der KULTSchule (& 72 01 19 19)

16.00 MediaLab: Phoenix-Küken, Kindertheater-Workshop,

Leitung: Oksana Loidova (ab 4bis 12 J.)

Pierre Boulez Saal (& 47 99 74 11)

10.00: 360 Beats –Quatuor Beat, Originalstücke,

Arrangements und eigene Kompositionen für vier

Schlagezeuger –Konzertfür Kinder und Erwachsene

(ab 6J.)

18.00: 360 Beats –Quatuor Beat, Originalstücke,

Arrangements und eigene Kompositionen für vier

Schlagezeuger –Konzertfür Kinder und Erwachsene

(ab 6J.)

Schlossplatztheater (& 651 65 16)

10.00: Jetzt hab’ ich mich, Das Weite Theater,

Figurentheater (ab 4J.). Anm. erf.

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Judyund Punch mit der Wurstnase, Marionettentheater

Kaleidoskop (ab 3J.)

SO36 (& 61 40 13 06)

17.00: Roller Kidz, Rollschuhdiskofür Kinder

Staatsoper Unter den Linden (& 20 35 45 55)

11.00 Alter Orchesterprobensaal: Über Stock und

Stein –Kinderkonzert(ab 3bis 5J.)

Theater an der Parkaue (& 55 77 52 52)

10.00: Konradoder Das Kind aus der Konservenbüchse,(ab

7bis 11 J.)

10.00: Die fürchterlichen Fünf (ab 5bis 9J.)

Theater o.N. (& 440 92 14)

10.00: Future Beats, Performance für Babys ab 6

Monate und ihre Erwachsenen

LITERATUR/VORTRAG

Backfabrik (& 44 03 16 11)

20.00Clinker Lounge:Eure Heimat ist unser Albtraum,

Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah

Buchhandlung Braun &Hassenpflug

(& 802 93 04) 20.00: Hier sind Löwen, Katerina

Poladjan

Collegium Hungaricum Berlin (& 21 23 40 -0)

18.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Crónicas“

–Literarische Reportagen aus Südamerika II. „Man

nannte ihn El NiñodeHollywood“, Oscar Martínez,

Premiere, Lesung und Gespräch

19.30: 19. Internationales Literaturfestival: „Jasmine

Days“, Benyamin, Lesung und Gespräch

Danziger 50 (& 41 71 58 87)

19.00: Erzählbühne, Kathleen Rappolt;Sven Tjaben

HAU2(&25 90 04 27)

18.00: 19. Internationales Literaturfestival: Lesung

mit Ann Cotten &PhilippSchönthaler,Lesung

und Gespräch mit Thomas Nikolaus Haider,Jan

Müggenburg

James-Simon-Galerie (Bodestr.)

9.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Zähnchen,

Zähnchen, auf das Dach“, Liu Xun, Lesung,Gespräch

&Live-Illustration

11.00: 19. Internationales Literaturfestival: „You Go

First“, Erin Entrada Kelly,Lesung und Gespräch

19.30: 19.Internationales Literaturfestival: „Le

naufragedes civilisation“, Amin Maalouf, Premiere.

Lesung und Gespräch

21.00: 19. Internationales Literaturfestival:

„Schwarzer September“, SherkoFatah, Lesung und

Gespräch

Literaturhaus Berlin (& 887 28 60)

21.00: Wortservierung: Werhat meinen Vater umgebracht?,

vonEdouard Louis mit Richard Burger

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Die

Leben der Elena Silber“, Alexander Osang,Lesung

und Gespräch

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

Kunst

Zwischen

Migration,

Heimat, Natur

Imszenigen Friedrichshain,

an der Stelle,wodas touristische

Tag-und-Nacht-Begängnis

langsam verebbt, gibt es einen

kleinen Kunstort, den

„Kulturschöpfer“ samt „Green

Hill Gallery“. Dortbegann jetzt

eine bewegende Ausstellung.

17 Künstler aus vielen Ländern,

darunter solche mit Konfliktpotenzial,

gar Kriegserfahrung,

malten zum Thema „Migration,

Heimat und Natur“.

Kuratorin Therese Berg nennt

die Schau denn auch „Entwurzelt“.

Dieser Zustand ist sozusagen

die Metapher für alle Bilder.

Viele Menschen, das erzählen

diese, müssen eine

neue Heimat finden, sei es aus

existenziellen, wirtschaftlichen

oder klimatischen Gründen.

Und auch in unserer

westlichen Gesellschaft, in

den anonymen Metropolen,

fühlen sich Leute zunehmend

naturfern – und entwurzelt.

Ingeborg Ruthe

Kulturschöpfer &Green Hill Gallery

Grünberger Str.13,Mo9–13 &

Do 13–16 Uhr.Eintritt frei

Zurück zu den Anfängen

Esist schwer,wennnicht unmöglich,

in Berlin in dieser

Woche der Literatur zu entkommen.

Das Internationale

Literaturfestival bietet Lohnendes

im Stundentakt, und das wird

noch bis Samstag so weitergehen.

Am besten bestellt man jemanden,

der die Katze versorgt und zieht mit

dem Schlafsack los, ich sage nur:

www.literaturfestival.com. Nureines

vielleicht noch: Auch Alexander

Osang stellt heute im Rahmen des

Literaturfestivals seinen neuen Roman

„Die Leben der Elena Silber“

vor, die Suche eines Enkels nach der

Lebensgeschichte seiner russischen

Großmutter und seines Urgroßvaters,

eines Revolutionärs, der hingerichtet

worden war. Wer den Vorabdruck

im Magazin dieser Zeitung

Anfang Augustgelesenhat,wirdsich

das Buch vielleicht schon gekauft

haben. Aber im Pfefferberg Theater

liest derAutor selbst daraus.

Und natürlich ruht auch das

sonstige Literaturleben der Stadt in

dieser Woche nicht. In der Reihe

KOOKread (Texte,Sounds,Diskurse)

treffen am Dienstag drei auch politisch

aktive Künstlerinnen mit dem

Mit Alexander Osang, verschiedenen Rückblicken

PetraKohse

fragt sich immer wieder,warum das

(künstlerische wie alltägliche)

Nachdenken eigentlich so intensiv um

die Vergangenheit kreist und so

verhältnismäßig wenigumdie Zukunft.

Obwohl es ja nur diese ist, die man

nochgestalten kann.

und Llucia Ramis’ Roman „Verortungen“

auf Rechtsextremismus spezialisierten

Historiker Volker Weiß zusammen:

DieLyrikerinund Übersetzerin

Özlem Özgül Dündar,die Schriftstellerin

und Mitinitiatorin des Netzwerkes

„Nazis und Goldmund“ Sandra

Gugic und die MusikerinBernadette

La Hengst, Mitglied des Vereins Die

Vielen sowie Schöpferin des erfreulichen

Formats Bedingungsloses

Grundeinsingen. Gemeinsam wollen

sie resümieren, ob ihre Initiativen

gegen Rechts bisher eigentlich

etwas bewirkt haben, wie sich der

wachsende Druck von Rechts auf

ihre künstlerische Arbeit auswirkt

und was genau man den diffusen

Vorstellungen der Rechten von Kultur

und Bildung entgegensetzen

kann. Selbstüberprüfung„at its best“

sozusagen. Und vielleicht wird Bernadette

La Hengst am Ende ja auch

noch die Gitarrezücken.

Mitreden kann und will auch das

Nachbarland Österreich. Und zwar

über den Mauerfall, dessen Vorbeben

es nicht nur im Sommer 1989

anhand des wachsenden Durchgangsverkehrs

spüren konnte, sondern

der sich im Rückblick auch

künstlerisch auf seinem Terrain

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 8551) Late Night –Die

Show ihres Lebens 15.10; Once Upon aTime in...

Hollywood 17.20, 20.30

CinemaParis (& 881 31 19) Ein leichtes Mädchen

15.50, 20.30; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 18.10

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Und der Zukunft

zugewandt 15.15,17.50, 20.30

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Late Night –Die

Show ihres Lebens (OmU) 14.20, 16.40, 19.00,

21.20; Once Upon a Time in... Hollywood (OF)

16.50, 20.15; Synonymes 15.20, 18.00, 20.40;

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 17.30, 21.00;

Frau Stern 15.00,19.40; Synonymes (OmU) 17.00,

21.30;DiegoMaradona (OmU) 15.15,18.00; JFBB

–Jüdisches Filmfestival Berlin-Brandenburg: Kurzfilmprogramm

(Hebrew Kisse) 21.00; Die Agentin

14.00, 16.40; Und wer nimmt den Hund? 14.40,

19.15; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

15.00,21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Idioten der Familie

18.00; JFBB –Jüdisches Filmfestival Berlin-Brandenburg:

Obloki plyna nad nami –Unter dem stillen

Himmel: Under aPlacid Sky (OmenglU) 20.00; Der

Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen 17.45;

Mein Leben mitAmanda 20.15

Kant Kino (& 319 98 66) Gut gegen Nordwind

15.00,17.45, 20.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 15.40; Gloria: Das Leben wartet

nicht 17.30; Wer 4sind –Die Fantastischen Vier

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.20;

Das zweite Leben des Monsieur Alain 16.15; Die

Wurzeln des Glücks 18.30; Petting statt Pershing

20.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.40, 15.15; Leid und Herrlichkeit 20.00; Late

Night –Die Showihres Lebens 15.30, 17.45, 20.00

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) Playmobil: Der

Film 13.40; Es: Kapitel II 16.00, 19.30, 23.05;

Once Upon aTime in... Hollywood 17.45, 21.00;

Gut gegen Nordwind 14.40; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 17.25; Es: Kapitel II 20.30; AToy Story:

Alles hörtauf kein Kommando14.45;Der Königder

Löwen 17.15; Angel Has Fallen20.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 22.50; Die drei !!! 14.45; Gut

gegen Nordwind 17.10, 20.00; Es: Kapitel II 22.50;

Yesterday14.20;Angel HasFallen17.00; Der König

der Löwen 19.45; Once UponaTime in...Hollywood

(OF) 22.30; Gloria: Das Leben wartet nicht 15.45;

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 18.05;

Late Night –Die Show ihres Lebens 20.30; Angel

Has Fallen 23.00

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Endzeit (DFmenglU)

11.00; Unsere große kleine Farm 12.30;

Berlin Bouncer (OmenglU)14.00;MeinLotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.30; Es: Kapitel II

17.05, 20.00; Little Monsters (OmU) 22.45; Nur

eine Frau (DFmenglU) 11.00; Die Agentin –The

Operative (OmU) 12.45; Yesterday (OmU) 14.45;

Leid und Herrlichkeit 16.45; Mein Leben mitAmanda

(OmU) 18.45; TheDead Don‘t Die(OmU) 20.30;

Burning – Beoning (OmU) 22.15; Der Goldene

Handschuh (DFmenglU) 11.00; Sunset –Napszallta

(OmU) 12.45; Schwimmen (DFmenglU) 15.15;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 17.00,

19.45; Paranza: Der Clan der Kinder –Laparanza

dei bambini (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Frau Stern

14.15, 17.45; Und wer nimmt den Hund? 16.00;

Synonymes (OmU) 19.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 21.45; Congo Calling (OmU)

14.00; Super Friede Liebe Love 15.45; Thinking

Like aMountain (OmU) 17.30; Über Grenzen –Der

Film einer langen Reise 19.15; The Whale and the

Raven (OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Once Upon aTime

in... Hollywood 13.45, 16.30, 19.45; Aladdin13.45;

Good Boys 13.50, 17.15, 21.00; Stuber –5Sterne

Undercover 14.00; Gut gegen Nordwind 14.00,

17.15, 20.15; Playmobil: Der Film 14.15; IMAX

3D: ABeautiful Planet 14.15; Es: Kapitel II 14.30,

15.45, 16.15, 18.30, 19.30, 20.15; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.45, 18.15;

Der König der Löwen 14.45; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 14.45, 16.45; Meine geliebte

Unbekannte –Mon Inconnue (OmU) 15.00; Good

Boys (OF) 15.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

15.00, 17.30, 20.45; Late Night –Die Show ihres

Lebens16.45;IAm Mother17.00;Angel HasFallen

17.20, 20.15; Spider-Man: Far From Home 17.40;

3D: Der König der Löwen 17.45, 20.40; Once Upon

aTime in...Hollywood (OF)19.15; Es:KapitelII–It:

Chapter Two(OF) 19.15; TheGame Changers (OmU)

20.00,20.30; Sneak Preview 20.30

Zukunft (& 01 76/57 861079) Ich war zuhause,

aber... (OmenglU) 18.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.00; The Dead Don‘t Die

(OmU) 23.00; Synonymes (OmU) 18.00; Frau Stern

20.20; Berlin Bouncer (OmU) 22.00

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Es: Kapitel II

15.30, 16.00, 19.15, 19.45; Der König der Löwen

16.20; Gut gegen Nordwind 16.30, 19.30; Good

Boys 16.40, 19.30; Playmobil: Der Film 16.50; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 17.00;

Once Upon aTime in...Hollywood 19.20;Angel Has

Fallen 19.40; 3D: Der König der Löwen 20.10

Kino Kiste (& 998 7481) Und der Zukunft zugewandt

14.00; Die drei !!! 16.00; Leberkäsjunkie

18.00; Bohemian Rhapsody 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) Gut gegen

Nordwind 14.15, 17.45, 20.20; Es: Kapitel II

14.15, 16.45, 19.30, 20.00; Playmobil: Der Film

14.20, 17.10; 3D: Der König der Löwen 14.30,

17.20; Good Boys 14.40, 17.40, 19.50; 3D: AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.45; Der

König der Löwen 14.50, 17.00,20.00;AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.30; Mein

Lotta-Leben–Alles Bingomit Flamingo! 15.10; Spider-Man:

Far From Home 16.50; Und der Zukunft

zugewandt 17.30, 20.10; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.40; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

19.45;Angel Has Fallen 20.30

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 16.30, 20.00; B Ein leichtes

Mädchen –Une fille facile (OmU) 17.15, 19.30,

21.45

fsk am Oranienplatz (& 614 24 64) Prelude

17.45; Golden Twenties 18.00, 22.15; Synonymes

(OmU) 19.45, 21.45; Die untergegangene Familie –

Familia sumergida (OmU) 20.00

Moviemento (& 692 4785) Mein Lotta-Leben –

Alles Bingo mit Flamingo! 11.00; Ein leichtes Mädchen

13.15; Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in

die Charts (OmU) 15.30; Frau Stern 18.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 20.00; Tel Aviv

On Fire (OmU) 23.15; Benjamin Blümchen 13.45;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

16.00; Prelude 18.15; Ein leichtes Mädchen –Une

fille facile (OmU) 20.30, 22.45; Once Upon aTime

in...Hollywood (OmU) 11.15,14.30, 17.45, 21.00

Regenbogen Kino (& 69 57 95 17) Laflor (OmU;

Akt VIII) 20.30

Sputnik (& 694 11 47) Cleo (OmenglU) 16.00;

Idioten der Familie (DFmenglU) 17.45; Gloria: Das

Leben wartet nicht–Gloria Bell(OmU) 19.30;Once

UponaTime in... Hollywood(OmU)21.15; Mein Leben

mit Amanda (OmU) 17.00; Russisch.dok: Stadt

M–Gorod M(OmenglU; m.Vorfilm) 19.00; Das

Wunder im Meer von Sargasso 20.15; Paranza: Der

Clan der Kinder –Laparanza dei bambini (OmU)

22.15; Kinobar imSputnik B-Movie: Lust &Sound

in West-Berlin (OmenglU) 22.30

Yorck (& 78 91 32 40) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.45; Ein leichtes Mädchen

17.45, 21.50; Once Upon aTime in... Hollywood

20.00; New Und der Zukunft zugewandt 15.20,

17.00, 19.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 95 90) Good Boys 14.30,

17.45; Der König der Löwen 14.45, 17.15, 20.15;

Playmobil: Der Film 15.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 15.15, 17.30; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.30; Es: Kapitel

II 16.45,19.45; Und der Zukunft zugewandt 17.30,

20.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.00;

Angel Has Fallen 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Über Grenzen

–Der Film einer langen Reise 13.00; Petting statt

Pershing 13.00; Mein Leben mit Amanda 13.00;

Der König der Löwen 15.15; Und der Zukunft zugewandt

15.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Gut

gegen Nordwind 14.00, 16.45, 19.45; Good Boys

14.00, 17.20, 20.15; Der König der Löwen 14.00,

16.55, 19.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.00, 17.15; Playmobil: Der Film 14.15;

Benjamin Blümchen 14.15; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.30; Es: Kapitel II

14.30,16.15, 18.30, 20.15; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 16.45, 19.45; Angel Has Fallen 17.15,

20.00; Once Upon aTime in... Hollywood 19.45

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Mirai: Das Mädchen aus

der Zukunft 17.00; Nureine Frau (OmenglU) 19.00;

Fisherman‘s Friends –Vom Kutter in die Charts

(OmU) 20.45;Die untergegangene Familie –Familia

sumergida (OmU) 18.00; Cleo (OmenglU) 19.45;

Und wer nimmt den Hund? 21.45

Babylon (& 242 59 69)Woodstock 50!: EasyRider

(OF)17.15; Jahrgang 45 18.00;60‘sItalia: Der Job

–Ilposto (OmenglU) 18.00; 60‘s Italia: Fellinis 8

1/2 –Otto emezzo (OmU) 19.15,22.15; The Dead

Don‘t Die (OmU) 20.00; 60‘s Italia: Blow Up (OF)

20.00; Woodstock 50!: Woodstock (OF) 22.00;

60‘s Italia: Mamma Roma (OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73)

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 10.30, 13.45,

17.00, 20.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 12.15, 16.30; Yesterday (OmU) 14.15,

21.00; Die Wurzeln des Glücks –Holy Lands (OmU)

18.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) Playmobil:

Der Film 11.10, 14.10; Gut gegen Nordwind 11.15,

13.50, 16.45, 19.40, 22.40; Die drei !!! 11.15;

Spider-Man: Far From Home 11.20; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 11.30, 14.00, 16.40;

Der König der Löwen 12.10, 14.20, 16.30, 19.15;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

12.20; Es: Kapitel II12.30, 15.15, 16.15, 19.00,

20.00, 22.10, 22.50; Benjamin Blümchen 12.40;

Once Upon aTime in... Hollywood 13.40, 17.00,

19.30, 22.50; Good Boys 14.40, 17.10, 20.30;

Pets II 15.00;Fast &Furious: Hobbs &Shaw17.10,

23.15;3D: AToy Story: Alles hörtauf kein Kommando

17.20; TheGameChangers (OmU)20.00; Sneak

Preview(OF)20.00; AngelHas Fallen 20.15, 23.15;

3D: Der König der Löwen 23.10; Crawl 23.15

Hackesche Höfe (& 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Der Honiggarten: Das Geheimnis

der Bienen –Tell It to the Bees (OmU) 17.00;

JFBB –Jüdisches Filmfestival Berlin-Brandenburg:

Papier-Brigade: Die Shoah und die Bücher von Vilna

(OmenglU) 19.00; JFBB –Jüdisches Filmfestival

Berlin-Brandenburg: As Themselves (OmenglU)

21.00; Frau Stern (DFmenglU) 14.45; Idioten der

Familie (DFmenglU) 16.45, 19.00; Liberte (OmenglU)21.15;

Paranza: DerClan der Kinder –Laparanza

dei bambini (OmU) 14.15; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 20.00; Blinded by the Light

(OmU) 14.30; Einleichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 17.00, 21.15; Late Night–Die Show ihres

Lebens (OmU) 19.00; Golden Twenties (DFmenglU)

14.45; Und der Zukunft zugewandt 16.45, 19.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.15

International (& 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 13.30, 16.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 18.30; Siegessäule und Teddy

präs. MonGay: Preview: Gelobt sei Gott – Grace a

Dieu (OmU) 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (& 01 80/505 06 44)

Es: Kapitel II 14.00, 16.45, 19.30, 20.30; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00, 16.45;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.10; Gut gegen Nordwind 14.10, 17.00, 19.55;

Spider-Man: Far From Home 14.15; Der König der

Löwen 14.15, 17.40, 20.00; Playmobil: Der Film

14.20,17.00; Pets II 14.30; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 16.30; Aladdin 16.35; Angel Has Fallen

16.50; Once Upon aTime in... Hollywood 19.30;

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 19.30; Good

Boys 19.50; Sneak Preview (OF) 20.00; Sneak Preview

20.00

IL KINO (& 91 70 29 19) DieAgentin –The Operative

(OmU) 10.30; Diego Maradona (OmU) 12.40;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 15.00;

Mein Leben mit Amanda (OmU) 18.00; Grrl Haus

Cinema Short films (DFmenglU) 20.00; Synonymes

(OmU) 22.10

Neues Off (& 62 70 95 50)Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 17.00, 20.30

Passage (& 68 23 70 18) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 17.00, 20.20; Gut gegen Nordwind

17.30,20.00; Frau Stern 16.40; Diego Maradona

(OmU) 18.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.15

Rollberg (& 62 70 46 45) Es: Kapitel II –It: Chapter

Two (OF) 17.00, 20.30; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 17.30; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmenglU) 19.30, 22.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 17.45, 21.15;

Synonymes (OmenglU) 18.00, 20.50; Late Night –

Die Show ihres Lebens (OmU) 17.45, 20.00, 22.15

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

Good Boys 14.00,17.25;AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 14.00, 16.50; Der König der Löwen

14.10, 17.00; Playmobil: Der Film 14.20; Gut

gegen Nordwind 14.35, 16.30, 19.50; Es: Kapitel

II 15.00, 16.15, 19.00, 20.00; 3D: Der König der

Löwen 19.30; Once Upon aTime in... Hollywood

20.10; Sneak Preview 20.15

Wolf (& 921 03 93 33) Synonymes (OmenglU)

12.00; Ein leichtes Mädchen – Une fille facile

(OmU) 12.00, 21.20; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 13.50; Liberte (OmU) 14.30; Tonari

no Totoro – Mein Nachbar Totoro 16.10; La flor

(OmenglU) 18.00; Das Wunder im Meer von Sargasso

–Tothavma tis thalassas ton Sargasson: The

Miracle ofthe Sargasso Sea (OmU) 19.00


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 25

· ·

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Tagestipp

KALENDER

nachgerade mit vorbereitet hat. Jedenfalls

haben Literaturhistoriker

festgestellt, dass die Preisträger und

Preisträgerinnen der Klagenfurter

Bachmanntage der letzten vier Jahre

vor dem Mauerfall alle aus der DDR

stammten: UweSaeger,Katja Lange-

Müller, Angela Krauß und Wolfgang

Hilbig. Zufall? Ein zweitägiges Symposium

am Wannsee wird die

deutsch-deutschen Literaturbeziehungen

jener letzten 80er-Jahre

Mitte der Woche beleuchten.

Und dann sei noch die Vorstellung

eines Romans empfohlen, der

(von Heike Nottebaum) aus dem Katalanischen

übersetzt wurde und auf

Mallorca spielt: „Verortungen“ von

Llucia Ramis.Von den Touristenhorden,

die die Insel gleichermaßen fluten

und austrocknen, ist nicht die

Rede in diesem möglicherweise autobiografisch

inspirierten Buch der

1977 in Palma geborenen Journalistin

und Schriftstellerin. Auch nicht

vom Unabhängigkeitsbestreben Kataloniens.

Aber Fragen der Landnahme

spielen dennoch eine Rolle,

denn das erzählende Ich wird aus

dem Journalistinnenalltag in Barcelona

heraus nach Hause auf die Insel

LITERATUR

Alexander Osang:

Die Leben der Elena Silber

Buchpremiere, 16. 9., 20 Uhr,Pfefferberg

Theater,Schönhauser Allee 176

Kunst kontraRechts

Özlem Özgül Dündar,Sandra Gugic

und Bernadette La Hengst im Gespräch

mit dem Historiker Volker Weiß,

17. 9., 20 Uhr,KOOKread im

Acud-Studio, Veteranenstr.21

Klagenfurtrevisited

18./19. 9., jeweils ab 14.30 Uhr,

Literarisches Colloquium Berlin,

Am Sandwerder 5

Llucia Ramis: Verortungen

20. 9., 19 Uhr,Literaturhaus,

Fasanenstr.23

Die

katalanische

Journalistin

und

Schriftstellerin

Llucia

Ramis.

IMAGO IMAGES

gerufen, weil ihr Vater, ein Psychologe

im Ruhestand, über eine hohe,

mit Stacheldraht bewehrte Mauer,

die ein Nachbar um sein Gelände gezogen

hat, buchstäblich fast wahnsinnig

geworden ist.

In Alltagssprache und manchmal

fast tagebuchartig geschrieben, hat

der Roman formal dennoch etwas

Experimentelles, weil man bis zum

Ende nicht weiß, was eigentlich die

Hauptgeschichte ist: der Kampf des

Vaters gegen die Windmühlenflügel

lokalpolitischer Interessen, die Aufarbeitung

einer alten Liebesgeschichte,

das undurchsichtige Ende

einer aktuellen Liebesgeschichte,die

familiäreVerstrickung in einen tragische

Mordfall vor vielen Jahren oder

das Thema Korruption und Niedergang

der Presse. Ramis springt erzählerisch

oft sehr gewagt und verwebt

die Stränge zu einem melancholischen

Stimmungsbild, das

nicht vollständig entschlüsselt werden

kann (zumindest nicht vonmir),

das aber gerahmt ist vom dringenden

und vergeblichen Wunsch, Wurzeln

zu haben, ohne deswegen an einem

Fleck bleiben zu müssen. Sehr

zeitgemäß.

Diskussion

Vierzig

Jahre

grün

Die Karriereals bürgerliche

Partei der Mitte ist noch

vergleichsweise jung, aber

nicht wirklich überraschend,

wenn man sich an die Parteibildung

der Grünen erinnert,

die in Berlin unter dem Namen

Alternative Liste firmierten.

Die frühen Grünen waren

Sammelbecken für eine Mittelschichtsgeneration,

die politische

Ansprüche jenseits der

alten Klassengegensätze formulierte.

Die Angst vor der

zerstörerischen Kraft der

Kernenergie war eine Triebfeder

für die politische Gemeinschaftsbildung.

Joschka Fischer

und Robert Habeck sehen

das vielleicht anders, und

es ist nicht einmal wahrscheinlich,

dass sie sich auf

eine gemeinsame Lesart zur

Entstehungsgeschichte ihrer

Partei verständigen können,

die nun ihren 40. Geburtstag

begeht. Zeit zu feiern, Zeit zu

diskutieren. HarryNutt

Joschka Fischerund RobertHabeck

20 Uhr,Literaturfestival, Hau1,

Stresemannstraße29

Silent Green Kulturquartier (& 46 06 73 24)

9.00: 19. Internationales Literaturfestival: „Mitt lyckliga

Liv“, Rose Lagercrantz, Lesung und Gespräch

19.30: 19. Internationales Literaturfestival: „Permission“,

Saskia Vogel, Lesung und Gespräch

21.00: 19. Internationales Literaturfestival: „M“,

Marlene Stark +Anna Gien, Lesung und Gespräch

Z-Bar (& 28 38 91 21)

20.00: Freihafen–offene Lesebühne

Zimmer 16 (& 48 09 68 00)

19.30: offene Lesebühne Pankow

FÜHRUNG

Berlinische Galerie (& 78 90 26 00)

14.00: Kuratorenführung in denaktuellen Ausstellungen

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

Bärentouren (& 015 20 -5 22 67)

14.00: Berlin on the Second View –Berlin insider

tour to famous historical sights, Meetingpoint:

‚Granitschale’ (big stone bowl), Lustgarten, Führung in

engl. Spr.. Anm. erf.

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain –

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bis heute, Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

16.00: Berlin zur Zeit derRomantik –Literaturführung

vonE.T.A. Hoffmann über die Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour –Alt-Berliner Sagen und

Anekdoten: romantiktour zwischen Hackeschem Markt

und Klosterviertel, Treff: Klosterruine –Klosterstr./Grunerstr.(Nähe

U-Bhf. Klosterstraße). Anm. erf.

22.00: The Ghost Tour with Nightwatchman –Tracing

theghosts andsagas of Old-Berlin, Meeting point:

Entrance Nikolaikirche, Propststr.(Mitte), English

guided tour.. Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf denSpuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm.erf.

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí–Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

14.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

Treff: Ausstellungshalle

Gedenkstätte Berliner Mauer –Besucherzentrum

(Bernauer Str.119) 11.30: Die Berliner Mauer vom

Wasser aus, Treff: Anleger Berliner Dom (11.30, 14.30

Uhr); Anleger East SideGallery(12.00 Uhr)

Meyers Stadtgänge (& 442 32 31)

11.00: VonCharlottenburgs Stadttor zur Kgl.Prozellanmanufaktur,zum

Hansaviertel: Gründerzeit-Ikonen,

Weltdorfsiedlung der Architekturmoderne Bauhaus

100, Bernd S. Meyer, Treff: Straße des 17. Juni/ Ecke

Salzufer.Anm. erf.

Stadt im Ohr (& 20 07 88 41)

9.00:Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern,stadt

im ohr,Treff: Concierge,Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im CafeSibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie –Haus 7

(Ruschestr.103) 15.00: Einblickins Geheime,Treff:

Foyer

KONZERT

Arcanoa (& 67 96 26 51)

21.00: Open-Stage–Singer-Songwriter +Poets

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.00: Common +DJRush+DJ Shusta (Rap)

b-flat (& 283 31 23)

21.00: b-flatJazzOrchestra,Ltg.Maria Baptist

Badehaus (& 95 59 27 76)

20.00: SaySue Me

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: The Hormones

Café Engels (Herrfurthstr.21)

20.00: Blue MoondayJazzsession hosted by Charlotte

Joerges

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: Kris Barras &Band

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: Indiean SummerTour:Belle Mt., CaseyLowry

u. a.

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session mit Jürgen

Bailey

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: ChristophSchobesberger,Susanne Eisenkolb

&Big Band, Schobesbergergoes Sinatra–Die

Frank-Sinatra-Story

Schlot (& 448 21 60)

21.00: JakobReisener (p), Phillip Schilz (dr), Otis

Sander (b), REISE

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00 Theatersaal: Schalala –Das Mitsingdingmit

Stefanie Bonse (Gitarre) und Marie-Elsa Drelon

(Klavier)

CLUB

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Nice One, Felix Offermanns, Lamaz

Kulturbrauerei/Alte Kantine (& 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Matrix (& 293 69 9- 90)

22.00: Scandal!

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 18.00: Multisexual Boxhopping

21.00: Sing on Stagewith The Shredder

SO36 (& 61 40 13 06)

19.00: Roller SkateDisko, Rollers HiFi

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 Globus: House of Waxx, John Barera,Gwenan,

Wittes

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Montagsswing,MondaySwing Night DJ Team

MUSEEN

Berlin StoryBunker (SchönebergerStr.23a)

10.00: Geschichte der Hauptstadt, Di-Fr 10-19, Sa/

So/Feiert. 12-20 Uhr;23.12.-26.12./31.12. geschl.,

ab 1.1. tgl. 10-19 Uhr

Brücke-Museum (& 831 20 29)

11.00: The GardenBridge, Mi-Mo 11-17 Uhr

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí –Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (& 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadt der Spione, tgl. 10-20 Uhr

Keramik-Museum Berlin (& 321 23 22)

13.00: Max Roesler,Fr-Mo 13-17 Uhr

Ramones Museum Berlin (& 75 52 88 90)

10.00: Ausstellung zur US-Punkrockband „The

Ramones“, tgl. 10-22 Uhr

Trabi-Museum Berlin (& 30 20 10 30)

10.00: DieWeltder Trabis, tgl. 10-18 Uhr

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Und der

Zukunft zugewandt 18.00,20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Gut gegen

Nordwind 15.00,17.40,20.20; Sneak Preview

22.00; Und der Zukunft zugewandt 15.30, 18.00,

20.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

15.15; Ein leichtes Mädchen 17.20, 19.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 16.40, 20.00;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.30,

16.00; Diego Maradona (OmU) 18.10; Und wer

nimmt den Hund? 20.50

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 0200)

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.00, 17.00; Mein Leben mit Amanda (OmU)

14.00, 19.00; Und wer nimmt den Hund? 14.15;

Playmobil: Der Film 14.20; Der König der Löwen

14.20, 17.20; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

14.20; Gut gegen Nordwind 14.30, 17.20,

19.30, 22.40; Yesterday (OmU) 14.40; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 16.30, 20.15, 21.20;

Gloria: Das Leben wartet nicht –Gloria Bell (OmU)

16.30; Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen

–Tell It to the Bees (OmU) 16.30; Und der Zukunft

zugewandt 16.40; Es: Kapitel II–It: Chapter Two

(OF) 16.50,20.30; Ein leichtes Mädchen –Une fille

facile (OmU) 19.00; The Game Changers (OmU)

20.00; Sneak Preview 20.00; Es: Kapitel II 20.00,

22.20; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

21.30; Der König der Löwen –The Lion King (OmU)

22.40

Krokodil (& 44 04 92 98) Über Grenzen –Der Film

einer langen Reise 19.00; Frau Stern 21.00

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Rote Räte- Die

bayrischeRevolutionaus der Sicht vonAugenzeugen

17.15;Schwimmen(OmenglU) 18.15; Audre Lorde:

The Berlin Years 1984 to 1992 –Audre Lorde: Die

Berliner Jahre 1984-1992 (OmenglU) 20.00; Ich

war zuhause,aber... 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) Gut

gegenNordwind14.15,17.05, 20.00, 22.45; Good

Boys 14.15,16.50, 19.45,22.40; Benjamin Blümchen

14.15; Der König der Löwen 14.25, 17.10;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30, 17.00; Playmobil: Der Film 14.40; Es: Kapitel

II14.40, 16.25, 18.30, 19.40, 22.20; Die drei

!!!14.45; Once Upon aTime in...Hollywood 14.50,

16.30, 19.10, 22.25; Spider-Man: Far From Home

17.05; Late Night –Die Show ihres Lebens 17.10;

3D: Der König der Löwen 19.35;

AngelHas Fallen 19.50, 22.45; The Game Changers

(OmU) 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 20.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 20.05,

22.30; Little Monsters 22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Late Night –Die Show ihres Lebens 15.00, 20.05;

Und der Zukunft zugewandt 17.30

Cosima (& 85 07 58 02) Yesterday 18.00; Leid

und Herrlichkeit 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 16.30, 20.00

Urania-Filmbühne (& 218 90 91) KI-Science Film

Festival: Filmprogramm („Künstliche Intelligenz“; m.

Gästen u. Gespräch) 19.00

Xenon (& 78 00 15 30) Der Honiggarten: Das

Geheimnis der Bienen –Tell It to the Bees (OmU)

18.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 0211) Playmobil:

Der Film 10.00, 11.55, 14.40; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.00;

Der König der Löwen 10.00, 12.05, 14.45; Benjamin

Blümchen 10.00; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 10.00,12.30, 14.15, 17.30; Pets

II 12.30;Gut gegenNordwind 14.15, 17.00,20.00;

Es: Kapitel II15.10, 16.45, 19.00, 20.00; Good

Boys 17.10; Once Upon aTime in... Hollywood

19.30; Sneak Preview 20.15

Kino imKulturhaus Spandau (& 333 60 81) Und

wer nimmt den Hund? 16.00; Leid und Herrlichkeit

18.00; Sowie du mich willst 20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 0711) Gut gegen Nordwind

14.30,17.30,20.30

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 0520)

Playmobil: Der Film 10.00, 12.10, 14.20, 17.55;

Pets II 10.00, 12.30,14.40; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 10.00, 11.55, 14.15; Die

drei !!! 10.00, 12.00; Der König der Löwen 10.00,

14.15, 16.30, 20.40; Benjamin Blümchen 10.00,

12.05; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

10.00, 12.25, 14.50, 17.20; Good Boys 11.55,

14.15, 16.55, 19.30; Es: Kapitel II 14.15, 16.40,

19.30, 20.15, 23.00; Spider-Man: Far From Home

16.55; Once Upon aTime in... Hollywood 17.05,

20.30, 22.00; Fast & Furious: Hobbs & Shaw

19.55; Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 20.30;

Sneak Preview (OF) 23.00; Sneak Preview 23.00

Thalia Movie Magic (& 774 3440) Mein Lotta-

Leben –Alles Bingomit Flamingo! 15.00; Der König

der Löwen 15.30, 18.00, 20.30; Playmobil: Der

Film 15.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.45; Es: Kapitel II17.00, 20.30; Gut gegen

Nordwind 18.00, 20.30; Es gilt das gesprochene

Wort 18.00; Once Upon aTime in... Hollywood

20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Frank Borzage: The Vanishing

Virginian (OF) 20.00; FilmDokument: Unternehmen

Teutonenschwert (+Urlaub auf Sylt; m.

Einführung) 19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Gut gegen Nordwind 12.30, 14.00, 16.30, 20.20,

23.00; Es: Kapitel II 12.30, 14.00, 16.00, 17.15,

19.00, 20.15, 21.15, 22.10; Der König der Löwen

12.30, 14.00, 17.10, 19.10; 3D: Der König der

Löwen 13.00, 16.20, 19.20, 22.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 13.30, 16.30, 18.15, 20.15,

22.30; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 13.30,

17.00, 19.30, 22.40; Benjamin Blümchen 13.30;

Angel Has Fallen 13.30, 16.30, 20.00, 23.00;

Good Boys 13.50, 17.30, 19.40, 23.00; Pets II

14.00; Ein leichtes Mädchen 14.00, 17.30,20.00;

Gloria: Das Leben wartet nicht 14.10; Playmobil:

Der Film 14.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.30; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.30; Drei Schritte zuDir 14.50,

17.05; Aladdin 16.00; Der Honiggarten: Das Geheimnis

der Bienen 16.10; K-12 (OmU) 16.40;

Und der Zukunftzugewandt 16.45, 19.40; 3D: AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 17.00; Paranza:

Der Clan der Kinder 17.10; Die Agentin 19.20;

The Game Changers (OmU) 20.00, 20.30; Sneak

Preview 20.00; Yesterday 20.10; Late Night –Die

Show ihres Lebens 20.10, 22.20; Stuber –5Sterne

Undercover 22.00; Spider-Man: Far From Home

22.30; John Wick: Kapitel III 22.40; Annabelle III

22.45; IAm Mother 22.50; Crawl 23.00

CineStar imSony Center (& 04 51/703 02 00)

Late Night –Die Show ihres Lebens (OF) 13.30,

19.45; Es: Kapitel II–It: Chapter Two (OF) 13.30,

16.00, 19.50; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

–Toy Story IV(OF) 13.30, 17.00, 19.30;

Good Boys (OF) 13.40, 17.15; Playmobil: Der Film

–Playmobil: The Movie (OF) 14.15; Der König der

Löwen –The Lion King (OF) 14.15, 16.10, 19.10;

Once Upon a Time in... Hollywood (OF) 15.00,

17.45, 19.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw (OF)

16.10; Angel Has Fallen (OF) 19.45

CineStar IMAX (& 04 51/703 02 00) Es: Kapitel

II –It: Chapter Two(OF) 11.00, 15.00, 19.00

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Frau Stern

(OmenglU) 18.00; Speed (OF) 19.45; Synonymes

(OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (& 636 1650) Playmobil: Der Film 14.00,

16.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.00, 16.00; Pets II 14.30; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.30, 17.15; Es: Kapitel

II 16.30, 18.00, 20.15, 22.00; Good Boys 18.00,

20.15, 22.30; Angel Has Fallen 18.00, 20.00,

22.30; Once Upon aTime in...Hollywood 20.30

Casablanca (& 677 57 52) Und wer nimmt den

Hund? 16.30; Gloria: Das Leben wartet nicht

18.30; Leid und Herrlichkeit 20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

Good Boys 14.00, 17.15; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.00, 16.30; Und der Zukunft

zugewandt 14.15, 17.30, 19.45; Gut gegen Nordwind14.15,16.50,19.50;

Mein Lotta-Leben–Alles

Bingo mit Flamingo! 14.20; Der König der Löwen

14.25, 16.45, 20.10; Playmobil: Der Film 14.30;

Es: Kapitel II 15.00, 16.15, 19.00, 20.00; Once

Upon aTime in... Hollywood 15.30, 19.15; Angel

Has Fallen 17.05, 19.50; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 19.05; Sneak Preview (OF) 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.00; Der

König der Löwen 14.00,17.45; Playmobil: Der Film

14.10; Es: Kapitel II 14.10, 16.45, 19.30, 20.20;

Gut gegen Nordwind 14.15, 17.00, 20.00; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 14.15, 16.50;

Pets II 14.45;Fast &Furious:Hobbs &Shaw16.30;

Angel Has Fallen 16.30, 20.30; Good Boys 17.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.30; Sneak

Preview 20.00; Sneak Preview (OF) 20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 4001) The Whale and the

Raven (OmU) 19.00; DasWunder imMeer von Sargasso

–Tothavma tis thalassas ton Sargasson:The

Miracle of the Sargasso Sea (OmU) 21.00

Toni &Tonino (& 92 79 12 00)Und der Zukunftzugewandt

12.15; Gut gegen Nordwind 14.45,17.30,

20.15; Gut gegen Nordwind 10.45; Benjamin

Blümchen 13.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 15.45; Und der Zukunft zugewandt

18.00,20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) So wie du mich

willst 16.00; Prelude 18.00; Synonymes 20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.30; Und wer nimmt

den Hund? 18.00; Leid und Herrlichkeit 20.30

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78)Das zweite Lebendes Monsieur

Alain 18.00; Das Ende derWahrheit 20.30

Capitol (& 831 64 17) Und der Zukunft zugewandt

15.45, 20.30; Und wer nimmt den Hund? 18.15

FREILUFTKINOS

Pompeji –FLK am Ostkreuz (& 01 76/56 70 92 98)

Border –Gräns (OmU) 20.00

POTSDAM

Thalia Potsdam (& 03 31/743 7020) Und der

Zukunft zugewandt 13.45, 16.00, 20.45; Im Land

meiner Kinder 13.45; The Whale and the Raven

(OmU) 14.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 14.00, 16.00; Über Grenzen –Der Film

einer langen Reise 15.45,18.15; Gloria: Das Leben

wartet nicht –Gloria Bell (OmU) 16.15; Romys Salon

(m. Gästen) 18.00; Frau Stern 18.15; Und wer

nimmt den Hund? 18.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.30; Idioten der Familie 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70) A

ToyStory:Alles hört auf kein Kommando 13.40; Der

König der Löwen 13.45, 16.35; Benjamin Blümchen

13.50; Playmobil: Der Film 13.55; Gut gegen

Nordwind 14.00, 17.00, 19.55; Good Boys 14.10,

16.50; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.20; Es: Kapitel II 14.20, 16.10, 19.00,

20.15; Once Upon aTime in... Hollywood 16.15,

19.50; Fast & Furious: Hobbs & Shaw 16.30,

19.30; Angel Has Fallen 17.00, 20.00; The Game

Changers (OmU) 20.00; 3D: Der König der Löwen

20.00

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 88 77) Der König

der Löwen 14.45; Gut gegen Nordwind 17.20,

20.15

CapitolKönigs Wusterhausen (& 03375/469777)

Und der Zukunft zugewandt 17.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.30

CineStar Wildau (& 04 51/703 02 00) Es: Kapitel

II 16.45, 19.30, 20.15; Gut gegen Nordwind

16.50, 20.20; Playmobil: Der Film 17.00; Mein

Lotta-Leben –AllesBingomit Flamingo! 17.00; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 17.00, 20.10; 3D: Der

König der Löwen 17.15, 19.50;

Angel Has Fallen 17.30, 20.20; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 17.30; Der König der Löwen17.40;

Good Boys 18.15,20.30; 3D: Avengers:

Endgame 19.30; Once Upon aTime in...Hollywood

19.40; Stuber –5Sterne Undercover 20.30

Filmforum Schwedt (& 033 32/44 92 90) Es: Kapitel

II 16.45, 19.45; Gut gegen Nordwind 17.15,

20.00; Und der Zukunft zugewandt 17.15; They

Shall Not Grow Old 17.30, 20.00

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Der König

der Löwen 15.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mitFlamingo!15.00; Playmobil: DerFilm 15.15;

Es: Kapitel II 17.00, 20.15; Gut gegen Nordwind

17.45,20.30; Es gilt das gesprochene Wort 17.45;

Once Upon aTime in... Hollywood 20.30

filmpalast Eisenhüttenstadt (& 033 64/40 83 10)

Es: Kapitel II16.30, 19.30; Und der Zukunft zugewandt

17.00, 19.45; Gut gegen Nordwind 17.00,

20.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

17.15; Der König der Löwen 19.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 4828)

Der König der Löwen 14.45, 17.15; Playmobil: Der

Film 15.00; Gut gegen Nordwind 15.10, 17.30,

20.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

15.15; Es: Kapitel II 17.00, 20.00; Und der Zukunft

zugewandt 17.45; Angel Has Fallen 19.45; Ein Becken

voller Männer 20.00

Kino-Cafe Dahme (& 03 54 51/343) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.00, 17.00; Und

der Zukunft zugewandt 20.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Once Upon

aTime in... Hollywood 14.00, 20.00; Der König der

Löwen 15.30; Es: Kapitel II17.00, 20.30; Good

Boys 18.00

Union Neuruppin (& 033 91/50 96 96) Der König

der Löwen 15.00,17.15;AToyStory:Alles hört auf

kein Kommando 15.00,17.20; Playmobil: Der Film

15.10; Es: Kapitel II17.10, 20.00; Made in China

19.45; Angel Has Fallen 20.20

Union Fürstenwalde (& 033 61/73 64 40) Und

wer nimmt den Hund? 14.00; Kleiner Aladin und

der Zauberteppich 16.30; Die Kinder der Utopie

18.15; Über Grenzen –Der Film einer langen Reise

20.15

Union Kino-Center Luckenwalde (& 03371/40 16 41)

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 15.25;

Playmobil:Der Film 15.30;MeinLotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.30; Der König der Löwen

17.25;Gut gegenNordwind 17.30, 20.00; Leid und

Herrlichkeit 17.45; Es: Kapitel II 19.45; Good Boys

20.30


26 Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019

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Spreewild

Klartext

Ein Bündnis, das

ich schließen muss

VonAlma Dewerny, 21Jahre

Ich demonstrierefreitags nicht, ich

habe selten dafür Zeit. Ichgebe damit

meineVerantwortung an jene ab,

die regelmäßig auf die Straße gehen

und damit die Politik unter Druck

setzen, dass wir eine Klimapolitik

brauchen, die dem Pariser Klimaabkommen

gerecht wird. Doch jetzt

rufen eben diese jungen Menschen

am 20.September dazu auf, dass alle

für den Umweltschutz demonstrieren.

Anlass dafür sind die Tagung

des Klimakabinetts in Berlin und die

Vorbereitungen

auf den UN-Gipfel

in New York.

Bei dem globalen

Klimastreik

werden Unternehmen

und

Organisationen,

Alma hofft, dass der

Klimastreik die

Generationen eint.

PRIVAT

Menschen jeden

Alters und sozialen

Hintergrundes

dazu aufgefordert,

sich den

Protesten anzuschließen.

Doch es reicht nicht, dass

der Querschnitt der Gesellschaft auf

die Straße geht. Esist an der Zeit,

Bündnisse zu schließen.

Wir brauchen ein Bündnis zwischen

den Generationen, damit Umweltschutz

thematisiert wird imBildungssystem

und beim Arbeitgeber.

Wir brauchen Bündnisse zwischen

Unternehmen und Verbrauchern,

damit wir unseren Konsum hinterfragen

und anpassen können.

Damit diese Bündnisse geschlossen

werden können, müssen zwei

Dinge passieren: Die unterschiedlichen

Parteien müssen sich auf Augenhöhe

begegnen. Undwir müssen

einander zuhören. Es braucht Diskussionen

darüber, wie der Klimaschutz

für alle funktionieren kann.

Doch zuerst möchte ich ein

Bündnis mit den Verantwortungen

eingehen, die ich verspüre. Auf

der einen Seite möchte ich mich

bewusster ernähren, darauf achten,

von wodas Obst und Gemüse

kommt, das ich kaufe, und möglichst

viel Fahrrad fahren. Meine

persönliche Verantwortung muss

ein Bündnis mit meiner politischen

Verantwortung schließen. Ich werde

mich informieren und die Debatten

des Klimastreiks in meinen Freundeskreis,

die Uni und unter meine

Kollegen bringen. Ichmöchte meine

Rechte in dieser Demokratie nutzen:

Ich wähle für den Klimaschutz, protestiereund

engagieremich in Organisationen.

Ich werde nicht immer

freitags demonstrieren gehen, aber

ich möchte mich an mein Bündnis

zwischen politischer Teilhabe und

Eigenverantwortung halten.

MELDUNG

„Fridays for Future“ ruft

zum Generalstreik auf

Unter dem Motto #AllefürsKlima

ruft die Bewegung alle Generationen

dazu auf, auf die Straße zu

gehen und für einen besseren

Klimaschutz zu demonstrieren. Es

wird der dritte globale Klimastreik

dieser Art sein. In Berlin finden

die Tage zuvor bereits zahlreiche

Aktionen statt. (jill)

Alle Infos zur Aktionswoche unter

www.fridaysforfuture.berlin/aktionswoche

Vonder Freitagsdemo inden Hörsaal

In der SchülerUni lernen neugierige Nachwuchsstudenten, wie esumdie Umwelt steht

Von Moritz Tripp, 24 Jahre

Am Freitag gehen wieder

Tausende Jugendliche auf

die Straßen, um für einen

sauberen Planeten und

eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.

Wie dringend notwendig

das ist, lernten sie vergangene

Woche an der Freien Universität, wo

abermals die vielfach ausgezeichnete

SchülerUni stattfand. In 74 Workshops

lernten die Fünft- und Sechstklässler

im Rahmen der Projektwoche

alles rund um nachhaltige

Entwicklung.

„Wir wollen Kinderdarin bestärken,

dass man alleine und gemeinsam

mit anderen Einfluss auf heutige

Entwicklungen nehmen und

Zukunft gestalten kann“, erklärt

Karola Braun-Wanke, die Gründerin

und Leiterin der SchülerUni.

Und das funktioniert: „Unsere Erfahrung

zeigt, dass bereits 10- bis

13-Jährige sich um den aktuellen

Zustand der Welt sorgen. Sie hören

ja auch täglich von den bedrohlichen

Folgen des Klimawandels, der

weltweiten Armut, dem Insektensterben

und dass die Regenwälder

abgeholzt werden.“

Was sie selbst tun können, war

unter anderem Thema des vierstündigen

Workshops „Fast, Faster,

Fashion“, der von Studierenden der

FU veranstaltet wurde und sich um

Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie

drehte. Umnicht die klimaschädliche

„Fast Fashion“ zu unterstützen,

gilt es,nur das zu kaufen,

was man auch tragen wird, mahnten

die Studierenden. Auch sollte man

beim Kauf auf Fairtrade-Siegel achten

und seine ausgemusterte Kleidung

nicht einfach wegschmeißen.

So kann man seine Klamotten spenden,

auf dem Flohmarkt verkaufen

oder zu einem neuen Kleidungsstück

upcyclen.

Der Schutz der Weltmeere war

Thema der „Kinderkonferenz für

den Ozean“. Die Ozeane, die 50

Prozent der atembaren Luft auf der

Erde generieren und ein Drittel der

Weltbevölkerung ernähren, werden

Beweisfoto Nr. 7: Sadé studiert Architektur in den USA und war gerade anlässlich eines Austauschs für drei Monate in Berlin. Ihre Pläne

für die Zukunft sind groß. Ihr Wille, sie umzusetzen, ist stark. Angst vor dem alten weißen Mann hat sie nicht.

SANDRA KÖPKE

Der Podcast „Deine Homegirls“

vonDJane und RadiomoderatorinJosi

Miller und Journalistin Helen

Faresgilt als Powerfrauen-Medium.

Wie bereitet ihr euch auf euren Gast

vor? DurchStalkingbei Instagram?

Helen: Das hängt vom Künstler

ab.Manchmal sind Social Media wirklich

ambesten, um sich einen Eindruck

zu verschaffen, um was sich das

Leben vonder Person gerade dreht.

Josi: Undesgeht ja nicht nur um

den Gast, sondern umalles andere

auch. Also beschäftigen wir uns vorab

mit aktuellen Themen und neuen

Rap-Releases anderer Künstler.

Ihr recorded über mehr als 60 Minuten.

Habt ihr keine Angst vorunangenehmen

Stille-Momenten?

Man kann nicht früh genug in der Uni sitzen, um zu lernen, was für später wichtig ist. MORITZ TRIPP

zunehmend von uns verdreckt und

zerstört. Siesind ein prägnantes Beispiel

dafür, wie wir uns unsere eigene

Lebensgrundlage nehmen. Geisternetze,

Verpackungsmüll und giftiges

Wasser kontaminieren mehr und

mehr das einst reine Wasser und töten

Blauwal, Schildkröte und Co.

Der Workshop „Fit 4 Future“

stand im Zeichen der Forschung.

Hier lernten die Schüler, dass jeder

Deutsche einen maximalen jährlichen

CO₂-Ausstoß von zwei Tonnen

haben sollte –der Durchschnitt jedoch

bei zehn Tonnen liegt. Also:

Licht nur anschalten, wenn es dunkel

ist. Nur die Menge an Wasser im

Wasserkocher erhitzen, die benötigt

wird. Malauf den Föhn verzichten.

Damit auf das Gelernte Taten

folgen, reicht eine Projektwoche

aber nicht aus, weiß Braun-Wanke

und mahnt die Schulen zu mehr

Initiative. „Die Themen müssen

noch viel stärker im Unterricht und

im Schulalltag berücksichtigt werden.“

Mit Fortbildungen für Lehrkräfte

will sie auch die Erwachsenen

für den Klimaschutzsensibilisieren.

Mehr Infos unter www.fu-berlin.de/

schueleruni.de

„Es besteht ja nicht alles aus Kloppis und Drogen“

Aktuelles, Katzenvideos und Hip-Hop –das gibt’s bei „Deine Homegirls“. Warum der Podcast so hörenswert ist

Josi Miller und Helen Fares.

PROMO

Josi: Ich glaube, wir haben ein

gutes Gespür, inwiefern sich die

Personen neben uns gerade wohlfühlen.

Wenn das versagt, können

wir wunderbar ausweichen. Und

wenn uns gerade eine Handcreme

unglaublich begeistert, dann werden

wir wohl sehr oft in der Folge

auch über diese Handcreme

sprechen.

Helen: Und Katzenvideos.

Katzenvideos gehen immer.

Zwischendurch schnackt ihr über

persönliche Meinungen und Privates.

Oder dass ihr eine Schamanenausbildung

absolvierthabt.

Helen: Manerzählt vonDingen,

dieintim sind, weil du dich der Stimmung

wegen wohlfühlst. Das würdest

du auf der Straße wohl niemandem

erzählen. Daskann creepysein.

Ihr werdet ja als Power-Frauen-

Doppel gehandelt.

Josi: Istdas so?

Helen: Ich würde schon sagen,

wir sind tough.

Josi: Hauptsache, du fragst

nicht, wie es als Frau im miesen,

fiesen Rap-Business ist. Schnarch.

Früher war

nicht alles

besser

In der Öffentlichkeit tragen sie

Anzug und Krawatte. Beruflich

haben sie schrecklich viel

zu sagen. Macht ist ihr Metier.

Der alte weiße Mann führt

Firmen an und trifft die großen

Entscheidungen. So war

es jedenfalls bisher. Zwar wird

dieses Land noch immer überwiegend

vonihnen regiert. Alle

anderen –seien es nun Frauen,

junge Menschen, Ausländer,

Schwule oderAlternative–haben

es aber zumindest leichter

als noch vor zehn, 20 Jahren.

Die Chefetagen werden

menschlich bunter. Die Möglichkeiten

der Selbstverwirklichung

breiter.Früher war alles

besser? Vonwegen! (jill)

Dann die letzte Frage, bevor ihr zurück

ins miese, fiese Rap-Business

entlassen werdet: Warum sollte ich

mir euren Podcast anhören?

Helen: Bei uns erfährst du von

Künstlern eine persönlichere Seite

als in ganz normalen Interviews.

Du kannst dich berieseln lassen

oder nimmst viel Input mit, was

Wissenschaft, Politik oder generell

gesellschaftliche Themen angeht.

Oder eben über die neueste Handcreme.

Josi: Superwichtig ist, dass

auch Nicht-Rap-Hörer sich für uns

begeistern können. Also alles ohne

Vorurteile betrachten, es besteht ja

nicht alles aus Kloppis und Drogen.

Das Gespräch führte Jessica

Schattenberg, 20 Jahre.

Rummels

Bucht gibt

nicht auf

Volksinitiative kämpft gegen

Bebauungsplan Ostkreuz

Von Selly Häußler, 28 Jahre

Tausende Unterschriften haben

die Freunde der Rummels Bucht

gesammelt, drei Demonstrationen

organisiert und einen alternativen

Plan ausgearbeitet. Dennoch weicht

der Senat nicht vomBebauungsplan

Ostkreuz ab. Dieser sieht unter anderem

vor, dass der beliebte Club

und Biergarten an der Lichtenberger

Rummelsburger Bucht zum Ende

des Jahres schließt.

Auf dem Nachbargelände soll

das umstrittene Aquacenter „Coral

World“ gebaut werden. Neben Luxuswohnungen

sind etwa 140Wohneinheiten

im unteren Preissegment

geplant. Der Bedarf an bezahlbarem

Wohnraum ist aber inzwischen

so hoch, dass die im 26 Jahre alten

Bebauungsplan vorgesehenen Luxuswohnungen

und das Aquarium

heute als Platzverschwendung erscheinen.

Ironischerweise ist an diesem

Ort die Not offensichtlich: An

der Stelle des Bauvorhabens soll ein

Obdachlosencamp weichen.

„Bucht für Alle“, wie sich die

gegründete Volksinitiative nennt,

denkt trotz Kündigung nicht ans

Aufgeben. Es gehe längst nicht mehr

nur um den Kulturort, sagen sie.Das

neue Ziel: der Rückkauf von Teilgebieten

durch die Stadt und eine

stärkere Fokussierung auf das Gemeinwohl.

Zugleich wird diskutiert,

warum die Aktionen bei der Bezirksund

Landespolitik kein Gehör gefunden

haben. Aus gemachten Fehlern

wolle man lernen, damit Partizipation

und politisches Engagement in

Zukunft nicht ins Leerelaufen.

Hörprobe

Die Lochis –„Kapitel X“

Es ist erst das dritte Studioalbum

–wird aber bereits ihr letztes

sein. Im Mai haben Heiko und

Roman Lochmann (beide 20) alias

Die Lochis bekannt gegeben, neue

Wege gehen zu wollen. Damit versetzten

sie ihren Fans einen ziemlichen

Schock. Am Freitag nun ist

„Kapital X“ erschienen. Die Platte

läutet das Ende der gemeinsamen

YouTube-Karriere der berühmten

Zwillinge ein. Der Albumname ist

passend gewählt: Im gleichnamigen

Song, einem Geschenk an ihreFans,

bedanken sie sich für die„geile Zeit“.

„Das hier ist ein Teil von mir, der für

immer bleibt.“ Aber auch: „Dadraußen

wartet so viel mehr.“ Insgesamt

steckt „Kapitel X“ voll fresher Beats

undtiefer Lyrics.Die Brüder klingen

lockerer als gewohnt. Jeder Track

ist einzigartig. Sowohl die große

Liebe als auch die Schattenseiten

eines Social-Media-Lebens werden

thematisiert. Features mit Sängern

wie Lukas Rieger und Rapper

Eko Fresh sorgen für Abwechslung.

TessniemKadiri, 18 Jahre

Fazit Krönender Abschluss einer bemerkenswerten

Karriere.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

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Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) LivenachNeun 9.55

(für HG)Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-

Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00

(für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen

15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm

der Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für

HG) Verrückt nach Meer. 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 Brisant 18.00 (für HG) Gefragt –

Gejagt 18.50 (für HG) Großstadtrevier. Der einsamste

Walder Welt 19.45 (für HG)Wissen vor

acht –Zukunft 19.55 (für HG) Börse voracht

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Hirschhausen im Hospiz

Eckartvon Hirschhausen spricht mitMenschen,die

an der Schwelle zumTod stehen.

21.00 (für HG) Hart aber fair

Woche der Entscheidung –wer zahlt für

die Klimarettung?

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) China –Die neue Weltmacht

23.30 (für HG) Die Helden von Prag

Über diedeutsche Botschaft in die Freiheit

0.35 (für HG) Polizeiruf 110

Der Ort, von dem die Wolken kommen

TV-Kriminalfilm, D2019

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report. Putzfrau

findet Blutlache 11.00 Der Blaulicht-Report

12.00 Punkt 12. Moderation: Roberta

Bieling 14.00 Die Superhändler –4Räume, 1

Deal 15.00 Die Superhändler –4Räume, 1

Deal 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu Haus

17.00 Herz über Kopf. Krimiserie 17.30 Unter

uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin

18.30 Exclusiv –Das Star-Magazin. Moderation:

Frauke Ludowig 18.45 aktuell 19.05 (für

HG) Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Wer wird Millionär?

Quiz-Show. Moderation: Günther Jauch

Mit seiner gewitzten Art hat der

Moderator Günter Jauch schon so

manchen Kandidaten aus der Fassung

gebracht.

22.15 Extra –Das RTL Magazin

23.15 SpiegelTV

Schaulaufen der PS-Protze

0.00 Nachtjournal

0.30 Die Alltagskämpfer –ÜberLeben in

Deutschland Lieber wohnungslos, als

Teil des Systems. Reportagereihe

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR Cafe Moskau

Dieneuesten Trends Arte

14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) MDR

um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00 MDR

Regional 19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für

HG) Mach dich ran! 20.15 (für HG) Donna

Leon. Sanft entschlafen. TV-Kriminalfilm, D

2004 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG)

Fakt ist! 23.05 (für HG) Grüne Hochzeit. Drama,

DDR 1989 0.40 (für HG) Alles Klara 1.30

(für HG) MDR Kultur –Filmmagazin 1.45 (für

HG) Fakt ist!

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG)

Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Querbeet 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) StofferlWells Bayern 21.00 (für HG) Unter

Königstreuen 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG) Lebenslinien 22.45 (für HG)

Der Kaiser von Schexing 23.35 Asül für alle

0.25 Ringlstetter 1.10 (für HG) Dahoam is

Dahoam 1.40 (für HG) Wir inBayern

Vox

14.00 Mein Kind,dein Kind –Wie erziehst du

denn? 15.00 Shopping Queen 16.00 Die

schönste Braut 17.00 ZwischenTüll und Tränen

18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00

Das perfekte Dinner –Wer ist der Profi? 20.00

Prominent! 20.15 (für HG) Survivor. Schach

mit Menschen 22.00 Prominent! Spezial. Das

Phänomen Survivor 23.15 Goodbye Deutschland!

Die Auswanderer. Michael Wendler,Cape

Coral, Florida 0.15 nachrichten 0.35 (für HG)

Medical Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

Im Namen desVolkes

Super RTL

15.20 Mr.Bean –Die Cartoon-Serie 15.50

ALVINNN!!! und die Chipmunks 16.20 Zig &

Sharko –Meerjungfrauen frisst man nicht!

16.45 Hotel Transsilvanien –Die Serie 17.10

Inspector Gadget 17.40 Zak Storm –Super

Pirat 18.10 Die Tomund Jerry Show 18.40

Woozle Goozle und die Weltentdecker 19.10

ALVINNN!!! und die Chipmunks 19.40 Angelo!

20.15 On the Case –Unter Mordverdacht

21.15 On the Case –Unter Mordverdacht

22.10 On the Case –Unter Mordverdacht

23.10 On the Case –Unter Mordverdacht

Sport1

16.00 Storage Hunters. Feuer frei 16.30 StorageWars

–Geschäfte in Kanada 18.00

Springreiten: Riders Tour 18.30 FC Bayern Inside

19.00 Sport1 News 19.25 Goooal! –Das

internationale Fußball-Magazin 19.55 Fußball:

Regionalliga West. Vorberichte 20.15 Fußball:

RegionalligaWest. 8. Spieltag: SG Wattenscheid

09 –Alemannia Aachen 22.15 Sport1

News 22.30 Goooal! –Das internationale Fußball-Magazin

23.00 Fußball: Die MLS-Highlights

23.30 3. Liga pur (bis 0.15)

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –

Service täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Das Versprechen 11.15 (für HG) SOKO

Wismar. HalbeVolte 12.00 heute 12.10 drehscheibe

13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die Küchenschlacht

15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Abpfiff. Krimiserie 17.00 (für HG)

heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45

(für HG) Leute heute 18.00 (für HG) SOKO

München. Die rote Bank. Krimiserie 19.00 (für

HG) heute 19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Jenseits derAngst

TV-Drama, D2019

MitAnja Kling,Benjamin Sadler,Moritz

Grove,Milena Dreißig u.a.

Regie: Thorsten Näter

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Die Neue Zeit

Die Märzgefallenen. Historienserie

23.00 (für HG) Die Neue Zeit

Die Frauenklasse. Historienserie

23.45 heute+

0.00 (für HG) Berlin is in Germany

Drama, D2001. Mit Jörg Schüttauf u.a.

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Marlene

Lufen, Daniel Boschmann 10.00 Im Namender

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen fürSie! Mit Alexander Hold,

Stephan Lucas, Alexander Stephens, Isabella

Schulien 12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte

im Einsatz 14.00 AufStreife. Reportagereihe

15.00 AufStreife –Die Spezialisten. Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring 17.00 Klinik

am Südring –Die Familienhelfer 17.30 Ungelogen–das

ehrlichste Gespräch deines Lebens

18.00 Nächste AusfahrtLiebe 19.00 Genial

daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Stadtlandliebe

Komödie,D2016

Mit Jessica Schwarz,Tom Beck, Uwe

Ochsenknecht, Gisa Flake, Christine

Schorn, Hannes Wegener u.a.

Regie: Marco Kreuzpaintner

22.05 akte.

23.05 Die Fahnder

Erwischt &Abkassiert

0.05 Stadtlandliebe

Komödie,D2016

Mit Jessica Schwarz,Tom Beck, Uwe

Ochsenknecht u.a.

15.15 (für HG) In aller Freundschaft 16.00

(für HG) Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00

(für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Lecker an Bord 21.00 (für HG)

Viel für wenig 21.45 (für HG) Aktuell 22.10

(für HG) Unterwegs im Westen 22.40 (für HG)

Sträters Männerhaushalt 23.25 (für HG) Westart

extra 23.55 (für HG) Vince Ebert live –„Zukunft

is the Future” 0.40 (für HG) Vince Ebert

live –„Evolution” 1.40 Erlebnisreisen

NDR

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG) Die

Nordreportage 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Markt 21.00 (für HG) Die

Tricks... 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für HG)

45 Min 22.45 (für HG) Kulturjournal 23.15

(für HG) Meerjungfrauen ticken anders. Romanze,

USA 2010 0.35 (für HG) Die Tricks...

1.20 Iss besser! –Tariks wilde Küche 1.50 (für

HG) Markt

Kabel eins

8.30 Blue Bloods –Crime Scene NewYork 9.25

Numb3rs 10.20 Navy CIS 11.10 Without aTrace

12.05 Numb3rs 13.00 Castle 13.55 The

Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A. 15.50 News

16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt

18.55 Quiz mit Biss 20.15 The Transporter. Actionfilm,

F/USA 2002 22.05 Die City-Cobra.

Actionthriller,ISR/USA 1986 23.50 Mission

Adler–Der starkeArm der Götter. Actionkomödie,

HK 1991 1.40 Late News 1.45 Die City-

Cobra. Actionthriller,ISR/USA 1986

RTL 2

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Family Stories

16.00 Der Trödeltrupp –Fundstücke 17.00

News 17.05 Krass Schule –Die jungen Lehrer

18.05 Köln 50667 19.00 Love Island Flash

19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Love Island

–Heiße Flirts und wahre Liebe 21.15

Wild im Wald 22.15 Reality Alarm! 23.15 UNdressed

–Das Date imBett 0.15 Love Island –

Heiße Flirts und wahre Liebe 1.10 Love Island

–Heiße Flirts und wahre Liebe

Eurosport 1

13.40 Tennis: French Open 14.40 Tennis: US

Open 15.40 Radsport: GP de Montréal 16.50

Volleyball: Europameisterschaft 17.00 Radsport:

Tour of Britain. 8. Etappe 18.30 Radsport:

Vuelta aEspaña 19.30 Springreiten:

Global Champions League 20.00 Eurosport

News 20.10 Snooker:World Main Tour. Shanghai

Masters (CHN): Finale 21.55 Eurosport

News 22.00 Tourenwagen: Weltcup 22.45 Tourenwagen:

Weltcup 23.30 Tennis: US Open

0.30 Tennis: French Open

ZDF, 20.15 UHR TV-DRAMA

Jenseits der Angst

Was istlos mit Lisa Hembach(AnjaKling, l.)? In letzter Zeit irritiertdie Modedesignerin

ihr Umfeld: Siewirkt fahrig, unkonzentriertund paranoid

und machtFehler,die die Zukunft der Firmagefährden. Tatsächlich wird die im

Grunde selbstbewusste Frau vonAlbträume,Panikattackenund Angstzuständen

gequält.Spioniertder IT-Experte ihrer Firma, Stefan (MoritzGrove, r.)ihr hinterher?

Warumkannauch ihreFreundin, die Ärztin Susanne,ihr nicht helfen? Auf

der Fashion Week eskaliertdie Situation endgültig, Eifersuchttreibt einen tiefen

Keil zwischen sieund ihren Mann Ronald. Lisa fürchtet,den Verstand zu verlieren.

Doch dann kommtsie,ausgerechnet mit Stefans Hilfe,dahinter,dass ihr

Zustand sehr reale Ursachen hat. Biszum Showdown liegendie Nerven blank in

diesem modischen TV-Thriller vonTorsten Näter (Buchund Regie).

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AUFLÖSUNG

VOM 14./15. 9. 2019

SCHWER

7.30 Das Seelenparadies von Neukölln 8.00

Brandenburg aktuell /Abendschau 8.30 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller

Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft –Die

jungen Ärzte 10.30 Rote Rosen 11.20 Sturm

der Liebe 12.10 Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach Meer

14.00 Treckerfahrer dürfen das! 14.45 Einfach

genial 15.10 Landschleicher 15.15 Unser

Westen 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn

sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &

Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das

Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin

&brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Super.Markt

Neues für Verbraucher

Moderation: Janna Falkenstein

21.00 Die Wahrheit über ...

Geld

21.45 rbb24

22.00 Tatort Schürfwunden

TV-Kriminalfilm, D2005

Mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär,

Anna Schudt. Stephan Kampwirth u.a.

Regie: Niki Stein

23.30 Polizeiruf 110 Zwei Schwestern

TV-Kriminalfilm, DDR 1987

ProSieben

10.35 Fresh off the Boat 11.30 Mike &Molly.

Die Reise nach Mudlick. Comedyserie 11.55 2

Broke Girls. Neustart inL.A./Der verwettete

Arsch. Comedyserie 12.50 Mom. Trouble mit

Tammy.Comedyserie 13.15 Twoand aHalf

Men. Ich kann mir keine Hyänen leisten/Wer

kriegt die Verrückte?/Wer kriegt die Verrückte?

Comedyserie 14.40 The Middle. Der Buchstabierwettbewerb/Die

Trennung.Comedyserie

15.35 The Big Bang Theory. Erregungsfaktor:

Null/Die Leuchtfisch-Idee/Die andere Seite

der Krawatte. Comedyserie 17.00 taff 18.00

Newstime 18.10 Die Simpsons. Debarted –

Unter Ratten/BeiAbsturz Mord. Zeichentrickserie

19.05 Galileo. Moderation: Stefan Gödde

20.15 The Big Bang Theory

Der Nobelpreis-Diebstahlsversuch.

20.45 Young Sheldon Atomkraft, Liebeskummer

und Dads erster Schwarm

21.10 Die Simpsons Der Matratzenkönig

21.40 Die Simpsons Die Sklavsons

22.05 The Big Bang Theory

Sei vorsichtig und ruf an! /Dunkle

Materie. Comedyserie

23.05 The Orville

Der andere Weg. Sci-Fi-Serie

0.05 The Big Bang Theory

Der Nobelpreis-Diebstahlsversuch

11.20 Auf den Dächern der Stadt 12.15 Re:

12.50 Arte Journal 13.05 Stadt Land Kunst

13.45 Unter dem Sand. Psychodrama, F/J

2000 15.20 Wie das Land, so der Mensch

15.45 24 Stunden 16.40 (für HG) X:enius

17.10 Wie das Land, so der Mensch 17.40

Stadt der Läufer: Bekoji, Äthiopien 18.30 Wundersame

Wanderungen 19.20 Journal 19.40

(für HG) Re: 20.15 (für HG) In den Straßen der

Bronx. Drama, USA 1993 22.10 (für HG) Die

Sieger. TV-Thriller,D1994 0.30 (für HG) Der

Ochsenkrieg. Literaturverfilmung, D1920

3Sat

14.05 Chinas mythische Berge 16.15 (für HG)

Expedition Himalaja 17.00 (für HG) Expedition

Himalaja 17.45 (für HG) Expedition Himalaja

18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Universum 21.45 Zentralkalahari –Nur für

Löwen? 22.00 (für HG) ZIB 222.25 Die Gentrifizierung

bin ich –Beichte eines Finsterlings.

Dokumentarfilm, CH 2017 0.05 (für HG) Ich

gebe dir meine Niere 0.35 10vor10 1.05 (für

HG) Gags, Gags, Gags –Highlights aus „Willkommen

Österreich”

Phoenix

12.00 phoenix vor ort 14.45 phoenix plus

15.15 phoenix plus 16.00 Das Schicksal in

unseren Genen 16.45 Wir und der Keim: Zwei

Frauen kämpfen für ihr Leben 17.30 phoenix

der tag 18.00 Unsere Welt in Zukunft 18.30

planet e. 19.15 Retortenstädte –Wie Indien

den Fortschritt plant 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Pioniere am Himmel

21.00 (für HG) Terra X21.45 (für HG) heutejournal

22.15 (für HG) unter den linden 23.00

phoenix der tag 0.00 unter den linden 0.45

Pioniere am Himmel 1.30 Terra X

Kika

13.50 (für HG) Die Regeln von Floor 14.10

Schloss Einstein 15.00 Jamie Johnson 16.00

Ein Fall für TKKG (1/26) 16.25 (für HG) Lenas

Ranch 17.10 Kein Keks für Kobolde 17.35 (für

HG) Belle und Sebastian 18.05 Der kleine

Nick 18.20 Ben &Hollys kleines Königreich

18.40 Löwenzähnchen –Eine Schnüffelnase

auf Entdeckungstour 18.50 Sandmann 19.00

(für HG) Robin Hood –Schlitzohr von Sherwood

19.25 (für HG) Die Kamerahelden –Deine

Schule, deine Fotos 19.50 (für HG) logo!

20.00 (für HG) KiKA Live 20.10 Du bist STYLE!

Dmax

15.15 Coast Guard Alaska –Rettung aus der

Luft 16.10 Die Zwangsvollstrecker 17.15 Die

Gebrauchtwagen-Profis 18.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

19.15 Border Control –Spaniens

Grenzschützer 19.45 Border Control –Spaniens

Grenzschützer 20.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

21.15 Youngtimer Duell 21.45 Diesel

Brothers 22.40 DMAX News 22.45 Las

Vegas Hot Rods 23.40 DMAX News 23.45 Die

Gebrauchtwagen-Profis 0.40 Youngtimer Duell

1.10 Head 2Head –Stiftung Wagentest

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 45 Min 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Alles Wissen 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.20 Weltspiegel

20.00 Tagesschau 20.15 Anne Will 21.17

Extra 21.30 Westpol 22.00 Markt 22.45 DieTagesschau

vor20Jahren 23.00 Tagesthemen

23.30 Gott statt Drogen 0.00 sportinside. Bis

zum bitteren Ende /Frei unddochgefangen /Um

strittene Datensammlung 0.30 Europamagazin

1.00 Nachtmagazin 1.20 Kowalski&Schmidt

1.50 Abendschau 2.20 Sachsen-Anhalt Heute

2.50 Extra 3.02 AktuelleStunde 3.47 Extra

ONE

8.20 PartyofFive 9.05 kinokino 9.20 Lindenstraße

9.50 Comedy Cuisine 10.35 Lindenstraße

11.05 Großstadtrevier 11.55 Sturmder Liebe

12.40 Sturmder Liebe 13.30 Um Himmels Willen

14.20 EinFerienhaus aufIbiza. TV-Familienfilm, D

2008 15.50 Großstadtrevier 16.40 Hot in Cleveland

(1) 17.00 Hot in Cleveland 17.20 Lindenstra

ße 17.50 Hart aber herzlich 18.40 Sturm derLiebe

19.25 Sturmder Liebe 20.15 Grand Hotel

21.00 Grand Hotel 21.45 extra322.30 Clique

23.10 Clique 23.55 Hot in Cleveland 0.15 Hot in

Cleveland 0.35 Nordbei Nordwest. Waidmannsheil.

TV-Kriminalfilm, D2017 2.05 Grand Hotel

2.50 GrandHotel 3.35 Clique 4.15 Clique

ZDF NEO

11.30 Bares für Rares –Lieblingsstücke 12.15

Monk 13.35 Psych 15.00 Monk 15.40 Monk

16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 Bares für Rares

–Lieblingsstücke 18.30 Bares fürRares

19.20 Bares für Rares 20.15 (für HG) Inspector

Barnaby. Leben und Morden in Midsomer.TV-Kriminalfilm,

GB 2008. MitJohnNettles,Jason

Hughes, Jane Wymark 21.50 (für HG)Inspector

Barnaby. Der Wald derlebenden Toten. TV-Kriminalfilm,

GB 2008. MitJohn Nettles, Jason Hughes

Jane Wymark 23.20 CandiceRenoir 0.15 Candice

Renoir 1.05 Spooks–ImVisier des MI5 2.00 heu

te-show 2.30 Shapira Shapira 3.10 TerraX3.50

TerraX4.35 TerraX

ZDF INFO

11.35 Aufder Spur desVerbrechens –Forensiker

im Einsatz 12.20 ZDF-History 12.50 Rätsel der G

schichte 13.35 Ursprung der Technik 14.20 (für

HG)Die Kelten 16.35 ZDF-History 17.20 Gladiato

ren –Kampfmaschinen der Antike 18.05 Warrior

Women 18.50 Deadly Intelligence –Wissenschaft

ler im Fadenkreuz 20.15 (für HG) TrumpsRussland-Connection

21.15 Daphne –Tod einerJourna

listin 21.55 Entführung ausdem Vatikan–DerFa

Emanuela Orlandi 22.40 Berlusconi unddie Mafia

23.25 Putin unddie Mafia 0.10 Todesflug MH17

Den Tätern auf derSpur 0.35 (für HG)heute-journal

1.05 Unser Universum 1.50 Das Universum –

Eine Reisedurch Raum und Zeit

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Bach-Rezeption in Klassik und

Romantik, ca. 56 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Schöne Stimmen Die Mezzosopranistin Danie

la Barcellona. ca. 56 Minuten

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Einstand Romantic Exuberance. Die Debüt-CD

der Geigerin Ioana Cristina Goicea, ca. 30 Min

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Neue Musik Wenig sagen, das aber klar und

deutlich. Der englische Komponist Laurence

Crane. Von Leonie Reineke, ca. 55 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(6/29). Es liest Johann von Bülow,

ca. 30 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Farben der Nacht” Hörspiel nach Davit Gabunia.,

ca. 57 Minuten

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

ARD Radio Tatort „Psychotrop”., ca. 56 Min.

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(6/29), ca. 31 Minuten

MAGAZIN

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin 100 JahreWaldorfschule. Steiners

Erben im Aufbruch., ca. 26 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Robin Holcomb.,ca. 30 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

In Concert 13. Jazzdor Strasbourg-Berlin /

„En Corps” (Deutschlandpremiere) (Eve Risse

Trio: Eve Risser,Klavier; Benjamin Duboc, Kon

trabass; Edward Perraud, Schlagzeug) /„Dan

cing in your heads –LaGalaxie Ornette”

(Deutschlandpremiere) (Orchestre National de

Jazz,Leitung: Frédéric Maurin) /„No Tongues”

(Deutschlandpremiere) (Matthieu Prual, Saxofon

&Bassklarinette; Alan Regardin, Trompete

Ronan Prual, Kontrabass; Ronan Courty,Kontrabass),

ca. 87 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik-Panorama Interkulturelle Perspektiven.

Zwei Konzerte des Detmolder Ensembles Hori

zonte /Klang-Landschaften. Werke u.a. von

Frédéric Pattar,Malika Kishino, Valerio Sannicandro

(Aufnahme vom 14.01.2019 aus der

Rudolf-Oetker-Halle Bielefeld) /New Gates.

Werke u.a. von Farzia Fallah, Joanna Wozny,

Violeta Dinescu,ca. 105 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 215 · M ontag, 16. September 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Susann Atwell (51) hat einen„großen

Trend“ entdeckt und ist, wie es sich

für eine Lifestyle-gestählte Fernsehmoderatorin

gehört, ganz vornedabei:„Waldbaden

–das macht man

jetzt. Es kommt aus Japan und bedeutet,

dass du das Handy zuhause lässt,

in denWald gehst und einen Spaziergang

machst. Beiuns in Deutschland

sagt man auch einfach nurWaldspaziergang.“

In Hamburg, wo sie lebe,

gehe sie regelmäßig im Sachsenwald

spazieren. Dabei umarme sie auch

mal einen Baum, so Atwell …Aber

halt mal: Bevorman sich jetzt über Atwell

als neueWaldbademeisterin

oder überhaupt die ökologischen Irrsinnstrends

unserer Tage erregen

möchte: Dasjapanische Landwirtschaftsministerium

fördertdie Erforschung

des„Shinrin-yoku“, also des

Wald(luft)badens,schon seit 40 Jahrenmit

Millionenbeträgen. Inzwischen

bieten Universitäten in Japan

eine fachärztliche Spezialisierung in

„Waldmedizin“ an.

Nicole (54) glaubt an überirdische

Wesenheiten und auch an Schutzengel.

DieSchlagersängerin („Ein bisschen

Frieden“) führte im Interview

des Senders radio B2 etliche Belege

dafür an, dass„da doch irgendwas

sein muss,jemand der da auf mich

aufpasst“. So sei sie 1988 deswegen

nicht zur Flugshownach Rammstein

gefahren und damit der Katastrophe

entkommen, weil ein innerer Zwang

sie trödeln ließ. Im Winter 2004 reiste

sie nicht nach Thailand und entging

somit dem tödlichen Tsunami, weil

sie„irgendetwas“ für den Urlaub in

Südafrika entscheiden ließ …

Peter Maffay (70) glaubt an Europa.

Deswegen bereiten ihm die politischen

Entwicklungen

derzeit einige Sorgen,

wie er jetzt Radiosender

HitRadio FHH

sagte: „Wir erleben,

wie schöne Ideen

zum Teil erodieren

–wie die Vision

Europa. Es gibt

Tendenzen hin zu

Isolation und zu

Kleinstaatlichkeit,

meiner Ansicht

nach ist das die verkehrte

Richtung.“

(schl.)

Kleingeisterei und auch

Kleinstaaterei findet er

gar nicht gut. IMAGO IMAGES

TIERE

Sonnenuntergang: ein denkendes

Schaf in Schleswig-Holstein. DPA

Wohlan, geben wir die wohlgesetzten

Wortekund:„Erschrocken staunt der

Heide Schaf mich an, /als sähs in mir

den ersten Menschenmann. /Sein

Blick steckt an; wir stehen wie im

Schlaf; /Mir ist, ich sah zum ersten

Malein Schaf.“ Dieses Gedicht

Christian Morgensterns (1871–1914)

heißt „Geburtsakt der Philosophie“

und erstaunt mit seiner Titelei nur

wenig, weil einsame Schafe auf Deichen

–unser Bild zeigt eines im

schleswig-holsteinischen Haseldorf

–nun mal Philosophen sind: Sie

staunen, erschrecken und regen anderezum

Denken an. (schl.)

Mit „Hanne“ präsentiert

Iris Berben (69) am

Mittwoch in der ARD

einen ihrer berührendsten

Filme.Ausgerechnet am Tag

der Pensionierung erfährt die Titelheldin,

dass sie Brustkrebs haben

könnte. Ein Wochenende voller Ungewissheit

liegt vor ihr ... Das TV-

Drama ist die erste Zusammenarbeit

zwischen Berben und dem preisgekrönten

Regisseur Dominik Graf. Was

die Schauspielerin mit „Hanne“ gemeinsam

hat und ob der Film Bezug

nimmt auf ihreverstorbene Freundin

Hannelore Elsner (1942–2019), erzählte

Berben beim Gespräch in

Hamburg –auch wenn ihr Letzteres

nicht leicht fiel.

Frau Berben, „Hanne“, der Titel Ihres

neuen Fernsehfilms, klingt wie eine

Hommage an HanneloreElsner!

Das ist eher Zufall. Unser Film ist

schon über anderthalb Jahrealt.

Unddoch wirkt es irgendwie wie eine

Hommage.

IhrTod hat mich sehr mitgenommen.

Sie und ich kannten uns gut

seit Anfang der Siebziger. Und wir

haben drei Filme zusammen gedreht.

Sie fehlt. Und wird auch weiterhin

fehlen.

HanneloreElsner hatte sich entschieden,

mit ihrer Krankheit nicht in die

Öffentlichkeit zu gehen. Das ist eine

Parallele zum Film. Können Sie das

nachvollziehen?

Ichbin auch eher dafür,die Dinge

erst mal mit sich selber auszumachen.

Ich finde gerade, wenn man

auch ein öffentlicher Mensch ist, gibt

es Dinge, die man privat belassen

möchte. Ich möchte dann wenigstens

meine Krankheit für mich haben,

meinen Kummer und mein

Leid. Ichteile schon so vieles.

Wussten Sie von der Krankheit Ihrer

Freundin HanneloreElsner?

Ja. Aber darüber möchte ich lieber

gerade nicht reden.

Für Schlagzeilen hatte jüngst ein gemeinsames

Filmprojekt von Ihnen

beiden gesorgt.

Es wäreschön gewesen, noch einmal

gemeinsam vor der Kamera zu

stehen. Aber der Film war davor

schon von uns abgesagt und ad acta

gelegt worden. Deshalb finde ich es

merkwürdig, dass jetzt plötzlich drüber

geschrieben wird.

In Ihrem neuen Film empfiehlt der

Arzt Hanne: „Bitte googeln Sie nicht

im Internet nach Ihrer Krankheit!“

Wiehalten Siesolche Dinge?

Ich bin kein Hypochonder, aber

ich würde googeln, um mehr zu erfahren.

Ich habe mich allerdings mit

Ärzten unterhalten, die erzählten,

dass Menschen zu ihnen kommen

und ihnen mitteilen, wie ihre Diagnose

ist und was ihreTherapie sein

sollte. Das habe ich gar nicht für

möglich gehalten. Ichfinde das auch

gefährlich.

Beschäftigen Siesich viel mit der Endlichkeit?

Klar! Ich werde 70 nächstes Jahr.

Jetzt ist es nicht mehr etwas, was

man sich vorstellen muss so wie früher

mit 30, sondern jetzt ist es eine

biologische Zeit und Uhr, die da

tickt. Natürlich denke ich über den

Todnach, aber ich will nicht, dass

das mein Leben vorgibt. Es ist da, ich

verdränge es auch nicht. Das ginge

auch gar nicht, weil es in meiner Familie

und meinem Freundeskreis so

viele Abschiede gibt. Das bedeutet

doch auch immer ein Reflektieren,

wie der Status quo bei einem selber

ist, und wo man steht. Manfängt an,

sich all die philosophischen Fragen

zu stellen, beispielsweise warum das

Leben überhaupt aufhört.

Wiefällt IhreBilanz aus?

Ich bedaure nichts. Wirklich

nicht. Es ist schön, das sagen zu können.

Ich habe das Leben wirklich in

vollen Zügen genossen. Getanzt, wo

„Natürlich

denke ich über

den Todnach“

Die Schauspielerin Iris Berben hat

das Leben „wirklich in vollen Zügen genossen“

und bedauert nichts, wie sie im Interview

erzählt. Sie wünscht sich eigentlich nur etwas

mehr Gelassenheit und will sich in der

Kunst des Zulassens üben

Iris Berben: „ich glaube, wenn man sich bewusst macht, dass nichts selbstverständlich

ist, ist man immer eher auf der guten Seite.“

DPA/CARL SEIDEL

ZUR PERSON

Iris Renate Dorothea Berben wurde 1950 in Detmold geboren und wuchs in Hamburg als

Tochter eines Gastronomen-Ehepaars auf. Ihren ersten Fernsehauftritt hatte sie 1967 in einem

Beitrag der Nordschau des NDR-Fernsehens über die Blumenkinder der Hansestadt. Bekannt

wurde sie 1978 durch die Comedy-Fernsehserie „Zwei himmlische Töchter“. Mit der

deutschen Schauspielerin Hannelore Elsner spielte sie 1998 zusammen in dem Drama „Andrea

und Marie“ und 2002 in dem Horrorfilm „Fahr zur Hölle, Schwester!“.

Ihr neuer Film „Hanne“ ist am Mittwoch, 18. 9. um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen.

es ging, Wein getrunken, wo es ging.

Unddie Disziplin gehabt, wo es sein

musste.Dumusst beides können.

Da klingt doch reichlich Lust an der

Ekstase an. Lassen Siesich dabei gern

verführen oder verleiten? Oder sind

Siedie Anstifterin?

Mir geht es vor allem um dieses

Loslassen: Dass dich ein anderer

Mensch dazu bekommt, wild zu tanzen,

viel zu viel zu trinken, das Leben

wahrzunehmen und überhaupt zu

genießen. Das kann ich schon gut,

das mag ich auch.

Sind Siegut darin, im Moment zu leben?

Ja. Ich nehme das Leben bewusst

wahr und nichts für selbstverständlich.

Dassagt sich immer so leicht. Aber Sie

haben doch sicherlich auch Stress,

oder?

Ja,natürlich, aber wenn der Stress

anfängt, dein Leben zu dominieren,

sind das die Momente,sich zu sagen:

Pass mal lieber auf, das ist gar nicht

selbstverständlich, was du hier

machst, wie privilegiertdulebst, was

du erleben kannst, wie du denken

kannst, wie du funktionierst. Man

hätte ja auch als Volltrottel auf die

Welt kommen können, ne? Oder an

einem Platz auf der Erde, woman

weniger privilegiert ist. Ich glaube,

wenn man sich bewusst macht, dass

nichts selbstverständlich ist, ist man

immer eher auf der guten Seite.

Im Film geht Hanne schwimmen,

was sie lange nicht mehr tat, worin

sie aber immer sehr gut war. Gibt es

diesbezüglich etwas in Ihrem Leben?

Ich war in einigen Dingen sehr

gut. Ich habe mal richtig gut Tennis

gespielt und war ganz gut im Skilaufen.

Ichdenke heute immer,dass mir

ein bisschen mehr Sport gut getan

hätte.Ich mache ja gar keinen Sport.

Mit Verlaub: Das sieht man Ihnen

wahrlich nicht an. Jetzt dürften alle

Frauen, die sich im Fitnessstudio abmühen,

einen Nervenzusammenbruch

bekommen.

Ach nein, das glaube ich nicht.

Denn dafür kann ich ja nichts. Ich

kann auch essen, so viel ich will. Das

ist ein Geschenk. Es gibt aber genügend

andere Sachen, mit denen ich

Leuten auf den Keks gehe: mit meiner

Geschwindigkeit, mit meinem

Einfordern, mit meiner Nervosität.

Aber eine Bucketlist haben Sienicht?

Ich habe wenig nicht gemacht.

Wenn ich mal in eine Situation wie

Hanne käme und eine schlechte Diagnose

bevorstünde, hätte ich keine

Liste abzuarbeiten. Ich würde mir

dann wünschen, dass ich das Leben

noch mal voll begreife und wahrnehme

und Dinge einfach zulassen

kann.

Es passiert nicht häufig, dass in einem

Film eine Rentnerin eine sexuelle

Ekstase erlebt. In diesem schon!

Wirtun immer so,als könnten das

nur 20-Jährige und als würde das Leben

aufhören, wenn man die 60 passiert

hat. Natürlich hört das Leben

nicht auf! Es gibt Menschen, die vielleicht

ihr ganzes Leben lang körperlich

so malocht haben, dass sie sagen:

Jetzt ist das vorbei, jetzt möchte

ich die Zeit anders leben. Hanne ist

keine Frau, die mit unglücklichem

Gesicht durch die Welt läuft, ganz im

Gegenteil: Sie ist neugierig und fragt

sich, was jetzt passiert, wenn ihr

Rentendasein anfängt. Ichmag, dass

sie sich so treiben lässt. Da gibt es

plötzlich kein Korsett und keine

Pläne mehr.

Aber Hoffnung.

Es ist ein Film, der zwar vom

Krebs und vomTod handelt, der aber

überhaupt nicht runterzieht, sondernmit

einer Leichtigkeit und einer

Lust zum Leben entlässt.

DasGespräch führte

Katja Schwemmers.

NACHRICHTEN

Studie: Plastikrückstände

in Kinderkörpern

Eine Studie des Umweltbundesamts

und des Robert-Koch-Instituts enthüllt

Erschreckendes: EinGroßteil

der Kinder und Jugendlichen sind

mit Plastik-Weichmachernbelastet.

Zwischen 2003 und 2017 wurde untersucht,

welche Rückstände dieser

Kunststoffe sich im Blut und Urin

vonKindernund Jugendlichen

nachweisen lassen. DasErgebnis:

Mitbestimmten Plastikrückständen

ist jedes vierte Kind zwischen drei

und fünf Jahren so starkbelastet,

dass es gesundheitlich bedenklich

ist. Insgesamt haben fast alle Kinder

Plastikrückstände im Körper.Ursächlich

dafür sind Gegenstände,

denen ihr Plastikanteil oft nicht anzusehen

ist, etwa beschichtete Kleidung,

Lebensmittelverpackungen,

aber auch Waschmittel oder Cremes.

Im direkten Kontakt mit dem Körper

oder über die Raumluft kommt jeder

in Berührung mit diesen Stoffen. Das

Umweltbundesamt betont allerdings:

In ärmeren Familien ist das

Umfeld tendenziell belastender und

die Kinder haben mehr Plastikrückstände

im Körper als Kinder in Familien

mit sozial hohem Status. (BLZ)

Diebe stehlen goldene

Toilette aus Ausstellung

Dieses güldene Kunstwerkheißt „America“

und hat einen Wasseranschluss. DPA

Diebe haben eine goldene Toilette

aus einer Kunstausstellung in Großbritannien

gestohlen. DasWerk

„America“ des italienischen Künstlers

Maurizio Cattelan ist eine voll

funktionsfähige 18-Karat-Gold-Toilette

und wurde in der Nacht zum

Sonnabend aus dem Schloss Blenheim

Palace in der englischen Grafschaft

Oxfordshiregestohlen. Im

Schloss,das zum Unesco-Weltkulturerbe

gehört, gab es eine Überschwemmung.

DiePolizei nahm einen

66-jährigen Verdächtigen fest.

DieErmittler gehen aber davon aus,

dass mehrereTäter am Diebstahl beteiligt

waren und mindestens zwei

Fahrzeuge nutzten. DasKunstwerk,

das 103 Kilo wiegen und fünf Millionen

Euro wert sein soll ,wurde bisher

nicht wiedergefunden. (AFP)

Verschütteter Kaffee zwingt

Ferienflieger zur Landung

Verschütteter Kaffee im Cockpit hat

eine Condor-Maschine auf demWeg

vonFrankfurtnach Mexiko im vergangenen

Februar zu einem Stopp in

Irland gezwungen. DurchdasVerschütten

des Getränks über eines der

Panel sei es zu einer Hitze- und

Rauchentwicklung gekommen, teilte

eine Sprecherin der Airline am Samstag

mit. In der Folge sei es zu technischen

Ausfällen gekommen, insbesondereder

Funksprechverkehr sei

starkbeeinträchtigt gewesen. Deswegen

sei die Maschine nach demVorfall„rein

vorsorglich“ auf dem Flughafen

Shannon gelandet. Konsequenz

aus dem Vorfall: „Unsere

Crews sind angewiesen, vorallem im

Umgang mit Kaffeebechernbesonders

vorsichtig zu sein und grundsätzlich

geeignete Becher,ambesten

mit Deckel, zu verwenden.“ (dpa)

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