GR_05 2019-Ausschnitt

gartenrundbrief

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GARTENRUNDBRIEF

www.gartenrundbrief.de Biologisch-Dynamisch

Ausgabe

Sept./Okt. 2019

Der Herbst beginnt

VON CHRISTEL RUPP (TEXT UND FOTOS)

Altweibersommer nennt man die Mitte

September beginnende, ungemein reizvolle

Jahreszeit. Die große Hitze ist vorbei, das

Laub leuchtet golden und silbrige Spinnenfäden

(„Herbstfäden“) glitzern im Sonnenlicht.

Meteorologisch steht der Altweibersommer

für eine zwischen Spätsommer und

Frühherbst häufig wiederkehrende Schönwetterperiode.

Der Ursprung reicht zurück

in die nordische Mythologie: Nach altem

Glauben weben (altdeutsch “weiben“) jetzt

die „Nornen“, die drei nordischen Schicksalsgöttinnen,

die Lebensfäden aller Geschöpfe.

Den Übergang vom Sommer zum Winter

spürt man an den rasch kürzer werdenden

Tagen und in höheren Lagen muss man mit

ersten Nachtfrösten rechnen. Doch noch

ist das Gartenjahr nicht zu Ende und es gibt

einiges zu tun.

INHALT

n Arbeitskalender September/Oktober

n Im Herbst fürs Frühjahr pflanzen

n Was Spinnen spinnen…

n Obst in Hülle und Fülle

n Demeter im Fernsehen

n Veranstaltungen/Buchtipp

Zwischenreich

Sommer ist es nicht mehr

und noch nicht Herbst.

Die Türen zum Unsichtbaren

öffnen sich leise –

Fäden spinnen

zwischen drüben und hier...

Ilona Boden

Christel Rupp


Oktober

Ein bisschen Stöhnen ist erlaubt, angesichts

des Blättersegens, den der Herbstwind jetzt

von den Bäumen fegt. Genau genommen

kommt das viele Laub als schützende Decke

für Boden und Pflanzen aber gerade recht.

Nur der Rasen verträgt es nicht, wenn die

Grasnarbe längere Zeit bedeckt ist. Also fegt

man die Blätter mit dem Fächerbesen zusammen

und packt sie in eine Ecke, damit sich

der Igel darin einrichten kann oder verteilt

sie als Mulchdecke auf bereits abgeerntete

Beete. Unter der isolierenden Schicht bleiben

die Bodenlebewesen auch bei Kälte aktiv und

verwandeln den größten Teil des Laubs bis

zum Frühjahr in luftigen Humus.

Knollensellerie gießen

Knollensellerie legt bis Ende des Monats an

Gewicht noch einmal kräftig zu und kann bei

mildem Herbstwetter bis Monatsende auf

dem Beet bleiben. Kritisch wird es nur, wenn

die Temperaturen unter –2 °C fallen. Dass

man durch Entfernen der unteren Laubblätter

größere Sellerieknollen erzielt, ist ein verbreiteter

Irrtum: Nur intakte Pflanzen können

genügend Nährstoffe aufnehmen und dicke,

feste und lagerfähige Knollen ausbilden.

Erlaubt ist jedoch, von gut entwickelten,

Aromatische Apfelquitten

blattreichen Knollen ab und zu etwas

Suppengrün zu pflücken. Knollenernte:

vor dem ersten Frost bei trockenem

Spätherbstwetter.

Kürbisse einlagern

Bei anhaltend sonniger Witterung kann

man die Kürbisernte noch ein wenig hinauszögern.

Der beste Erntezeitpunkt: wenn

sich um den Stielansatz winzige Risse bilden

und der Stiel holzig wird, aber unbedingt

vor dem ersten Frost! Man kürzt den Stiel

auf ca. 2 cm Länge ein und lässt die Früchte

an einem 20–25 °C warmen, trockenen

und luftigen Ort 2–3 Wochen nachreifen.

Während dieser Zeit steigt der Vitamingehalt

bei vielen Sorten noch an und das Fruchtfleisch

gewinnt an Aroma. Anschließend die

Kürbisse bei 10–14 °C und eher trockenen

Bedingungen (relative Luftfeuchte 60 %) aufbewahren.

Früchte mit Schalenrissen oder

abgerissenem Stiel umgehend verwerten.

Herbsthimbeeren schneiden

Seit einiger Zeit werden zweimal tragende

Herbsthimbeeren, sogenannte “Twotimer-Himbeeren”,

beispielsweise ‘Pokusa’

angeboten. Mit dem richtigen Schnitt kann

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Arbeitskalender

man bei allen Herbsthimbeeren, etwa ‘Himbotop’

oder ‘Aroma Queen’, im Frühsommer

eine kleinere Teilernte einfahren. Dafür im

Spätherbst die kräftigsten Ruten auswählen

und statt der kompletten Triebe lediglich die

abgetragenen Triebspitzen auf ca. 1 m Höhe

(also um etwa 1/3 der Gesamthöhe) kappen.

Schwächere Ruten werden komplett entfernt.

Bei ersten Anzeichen der Rutenkrankheit auf

die Sommerernte verzichten und im Winter,

wie üblich, sämtliche Ruten herausschneiden.

Quitten ernten

Quitten werden ausschließlich gekocht,

gedünstet oder gebacken auf dem Kuchen

verzehrt, lediglich die aus Asien importierte

Shirin-Quitte ist auch roh essbar. Mit

ihrem hohen Gehalt an Pektin eignen sich

Quitten besonders gut für die Gelee- und

Marmeladebereitung oder als süßes Konfekt

(“Quittenbrot“, Rezept: in Großmutters

Kochbuch oder im Internet). Erntebeginn

ist, sobald sich die Schale von hellgrün nach

zitronengelb färbt und man den anhaftenden

Flaum leicht abreiben kann. Wartet man

zu lange, wird Pektin abgebaut und das

Fleisch färbt sich braun. Fleischbräune kann

auch auftreten, wenn die Wasserversorgung

während der Fruchtentwicklung schwankt.

Im Kroneninneren reifen Quitten später,

deshalb erntet man nach und nach. Drohen

erste Nachtfröste, muss man sich beeilen, da

die Früchte schon bei –2 °C erfrieren.

Rhabarber teilen

Nach 8–10 Jahren sollten Rhabarberstöcke

geteilt und an anderer Stelle neu gepflanzt

werden. So bleiben die Pflanzen vital und

treiben wieder dicke, saftig-milde Stängel.

Man hebt den Wurzelballen mit dem Spaten

heraus, teilt ihn in 2–4 Stücke und pflanzt

diese an ihren vorgesehenen, sonnigen

bis halbschattigen Platz in ein Beet mit

humusreicher, feuchter Erde. Wichtig:

Jedes Teilstück sollte mindestens 2 große

Knospen aufweisen. Anschließend ist

Erntepause! Die umgesiedelten Exemplare

brauchen 2 Jahre Ruhe, um sich zu

etablieren.n

i

Im

Was im Oktober

noch zu tun ist:

Gemüsegarten

Säen: Asia-Salate (Frühbeet) Kerbelrüben,

Rauke, Rübstiel, Winterroggen (Gründüngung)

Pflanzen: Topinambur

Sonstiges: Fladenpräparat ausbringen,

Gemüse einlagern, Winterspinat anhäufeln,

Chicoréewurzeln ausgraben, in Eimer setzen

und zum Treiben vorbereiten

Im Kräuterbeet:

Säen: Frostkeimer (Bärlauch, Engelwurz,

Süßdolde, Waldmeister)

Sonstiges: Pfefferminze zurückschneiden,

Rosmarin mit Reisig abdecken

Im Obstgarten

Pflanzen: Kultur-Preiselbeeren (z. B.

‘Red Pearl’), Obstgehölze (wurzelnackt,

nach dem Laubfall)

Sonstiges: Fladenpräparat spritzen (am

Spätnachmittag), Leimringe gegen Frostspanner

anlegen, Hagebutten sammeln und

verwerten

Im Naturgarten/Ziergarten

Pflanzen: Lilien, Wild- und Zierstauden,

zweijährige Blumen (Goldlack, Stiefmütterchen,

Bartnelken)

Sonstiges: Rosen anhäufeln, Kübelpflanzen

einwintern, Dahlienknollen ausgraben,

abtrocknen lassen und einlagern, Pampasgras

und Fackellilien zusammenbinden

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Kirschessigfliege

Marienkäfer

tom - stock.adobe.com

Im Herbst fürs Frühjahr pflanzen

TEXT UND FOTOS AGNES PAHLER

Sollen im April Töpfe oder Schalen mit Tulpen,

Narzissen und anderen Zwiebelblühern vor

der Haus- oder Balkontüre stehen, muss

man jetzt pflanzen. Mit etwas Glück erscheinen

die Blüten im Frühjahr aufgrund idealer

Wachstumsbedingungen rund zwei Wochen

früher als im Freiland.

Schutz vor übermäßiger Nässe spielt eine

Hauptrolle bei der Bepflanzung der Gefäße.

Zu diesem Zweck legt man zunächst auf

den Schalenboden ein paar Tonscherben.

Sie verhindern, dass Erde die Abzugslöcher

verstopft. Darüber kommt eine mehrere

Zentimeter dicke Drainageschicht aus Splitt

oder Blähton, die ebenfalls dafür sorgt, dass

sich keine Staunässe bildet. Als Pflanzerde

eignet sich ein mineralisches Substrat besser

als gewöhnliche, humusreiche Blumenerde.

Ideal ist eine Mischung aus gewöhnlicher

Gartenerde, dem gleichen Volumenanteil

Sand und noch einmal der gleichen Menge

Topfpflanzenerde.

Für ein Arrangement aus Tulpen und anderen

Frühjahrsblühern pflanzt man in drei

Etagen. Auf die eingebrachte Splitt- oder

Blähtonschicht kommt eine mehrere Zentimeter

dicke Lage Substrat, darauf bettet man

eine Lage Tulpenzwiebeln (Foto 1). Höhere Sorten

eignen sich schon aufgrund der Standfestigkeit

nur für größere Kübel. In flacheren

Schalen kommen Züchtungen mit höchstens

30 cm langen Schäften besser zur Geltung.

Die Zwiebeln können mit weniger Abstand als

im Beet ausgelegt werden, erfahrungsgemäß

arrangieren sie sich beim Austrieb miteinander.

Den Zwischenraum füllt man mit

Substrat auf und deckt die Zwiebeln dabei

nur soweit ab, dass die Spitzen noch sichtbar

sind. In die Lücken steckt man als zweite

Lage die Zwiebeln einer weiteren, niedrigeren

Tulpensorte (Foto 2), damit sich ein dekorativer

Stockwerkaufbau ergibt. Ebenfalls wichtig

ist die übereinstimmende Blütezeit, je

nach Sorte und Auslese zwischen März und

Mai. Ob man bei der Wahl der Blütenfarbe

auf Kontraste setzt oder die Schale lieber Ton

in Ton gestaltet, ist Geschmackssache. Nach

dem Abdecken der zweiten Zwiebellage bestückt

man das dritte Stockwerk mit den kleinen

Zwiebeln passender Begleiter (Foto 3),

beispielsweise blau oder weiß blühendem, ca.

20 cm hohem Schneestolz (Chionodoxa luciliae),

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1 3

2 4

1 Auf die unterste Substratschicht bettet man die dickeren Zwiebeln

der etwas größeren Tulpensorte. 2 Die Zwiebeln der kleineren Tulpensorte

kommen in die Lücken inmitten der folgenden Substratschicht.

3 Auf der folgenden Erdschicht verteilt man Zwiebelchen von

Schneestolz. 4 Nach dem Angießen im Frühjahr und den ersten

warmen Tagen erscheinen die Triebspitzen.

Traubenhyazinthen (Muscari) oder Hasenglöckchen

(Hyacinthoides hispanica). Zum Schluss

deckt man diese Lage in doppelter Zwiebelstärke

mit Substrat ab, maximal aber bis

ca. 3 cm unter den Gefäßrand, damit beim

Gießen keine Erde ausgeschwemmt wird.

Die fertig gefüllte Schale wird kurz gewässert

– man gießt dabei sanft mit dem

Brauseaufsatz der Gießkanne – und stellt sie

dann an einen vor Regen geschützten Ort.

Dort bleibt die Schale bis zum März. Sobald

die Temperaturen steigen, holt man sie auf

den Balkon, die Terrasse oder stellt sie an den

Hauseingang und feuchtet die Erde erstmals

an. Meist zeigen sich darauf schon nach

wenigen Tagen erste Triebspitzen (Foto 4),

bis zur Blüte muss man sich noch etwa drei

Wochen gedulden.

Wie im Boden müssen die Zwiebelblüher

auch im Pflanzgefäß ihr Laub in Ruhe einziehen

können. Die welken Blüten werden

gleich entfernt, die Stängel lässt man stehen,

bis sie gelb und dürr geworden sind. Danach

zieht man alles Welke einfach ab und lässt

das Gefäß den Sommer über im Freien stehen.

Tulpen vertragen es bestens, wenn die

Erde während dieser Wachstumsruhe völlig

austrocknet. Im folgenden Herbst kann man

die Zwiebeln aus der Schale nehmen und

sie erneut in frische Erde pflanzen. Die aus

den Mutterzwiebeln entstandenen Tochterzwiebeln

blühen im Folgejahr weniger

zuverlässig. Für einen üppigen Blütenflor

ist es besser, die Schale mit neu gekauften

Zwiebeln zu bestücken. Die abgeblühten

dürfen an einem passenden Platz im Garten

neue Kraft sammeln. n

i

Tulpen-

und andere Zwiebelblumen in Bio-

Qualität gibt es im Fachhandel für Biogartenbedarf.

Für eine Schale von 30 cm

Durchmesser benötigt man von 2 Tulpensorten

jeweils 2 Beutel in Standardgröße

(7 große oder 10 mittelgroße Zwiebeln pro

Beutel). Dazu kommen noch ein bis zwei

Gebinde mit jeweils 10 Schneestolz-Zwiebelchen

oder anderen Frühlingsblühern.

Bezugsquellen z. B. bei

www.naturalbulbs.de;

www.bingenheimer-saatgut.de,

www.biogartenbedarf.de

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Obst in Hülle und Fülle –

Äpfel & Birnen

TEXT RUTH DETTWEILER, FOTOS CHRISTEL RUPP

Schwachwachsender

Apfelbaum

Eigene Obstbäume sind eine große Bereicherung

und bestimmen maßgeblich den Charakter

eines Gartens. Je nach Größe und Art eignen

sie sich als Schattenspender, Sichtschutz,

Heckenelement und nicht zuletzt als attraktives

Solitärgehölz. Da Obstbäume zum Teil sehr

alt werden können, sollte der Standort mit Bedacht

und in Hinblick auf den zu erwartenden

Kronenumfang gewählt werden. Es ist nicht

sinnvoll, jedes Jahr radikal zu schneiden, weil

der Baum eine Nummer zu groß geworden ist.

Das verkürzt seine Lebensdauer, vermindert

den Ertrag und schadet unseren Nerven.

Obstbäume kaufen

Fast alle Obstbäume werden veredelt. Je nach

Wuchsstärke der sogenannten Unterlage wird

der Baum später als Hochstamm, Halbstamm,

Buschbaum oder Spindel gezogen. Mittlerweile

gibt es bei einigen Sorten auch Zwerg- und

Säulenformen. Spalierbäume ermöglichen den

Anbau sowohl freistehend, als auch an der Wand.

Vor der Pflanzung sollten folgende Punkte

überlegt werden:

n Wie ist der Standort, also Bodenbeschaffenheit,

Sonneneinstrahlung, Wind und Niederschlagsmenge?

n Welcher Baum passt an den vorgesehenen

Platz?

n Wofür möchte ich die Früchte nutzen –

zum Frischverzehr, zum Einlagern, zum

Konservieren (z. B. Saft, Kompott) oder

zum Dörren?

n Ist die gewählte Art oder Sorte ausreichend

selbstfruchtbar oder braucht sie einen

passenden Pollenspender zur Bestäubung?

Wenn ja, wächst so eine Sorte in der Nähe

oder muss man noch eine weitere, andere

Sorte pflanzen?

n Soll der Baum auch als Hausbaum oder Spielbaum

zum Klettern und Schaukeln dienen?

n Möchte ich ein Obstspalier oder eine Reihe

von Säulenbäumen pflanzen?

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Äpfel und Birnen

Anschließend können Obstart, Sorte und

die zum Standort passende Unterlage gewählt

werden. Diese gibt dem Baum auch die gewünschte

Form und Größe. Ist man unsicher,

sollte man sich in einer Baumschule vor Ort beraten

lassen. Wurzelnackt verkaufte, also ohne

Erdballen gelieferte Bäume sind preisgünstig

und wachsen meist gut und zügig an. Sie

können von Ende Oktober bis Ende März gepflanzt

werden, also in der laublosen Zeit und

solange der Boden nicht gefroren ist. Getopfte

Obstgehölze ermöglichen die Pflanzung

während der kompletten Vegetationsperiode.

Nachteil ist das höhere Transportgewicht und

der ebenfalls höhere Preis. Stehen die Bäume

länger in ihren Gefäßen, wachsen die Wurzeln

an der Topfwand entlang (Ringelwurzelbildung)

und sie fassen im Pflanzloch nur zögernd Fuß.

Äpfel (Malus domestica)

Apfelbäume gedeihen in Deutschland bis

auf 1000 Meter Höhe und in fast allen Lagen.

Wenige Sorten, insbesondere anspruchsvolle

Erwerbs-Züchtungen mit langer Fruchtentwicklung

wie ‘Granny Smith’, können bei uns

nicht angebaut werden. Da Apfelblüten spätfrostgefährdet

sind, sollten Tallagen, in denen

sich im Frühjahr Kälteseen bilden, als Standort

vermieden werden. Von Vorteil sind tiefgründige,

lehmige Böden. Eine Jahresniederschlagsmenge

von 500–600 mm sichert den Ertrag.

In trockeneren Lagen ist vor allem im Erwerbsobstbau

eine Zusatzbewässerung erforderlich.

Gedüngt wird gar nicht oder nur sehr verhalten

– höhere Nährstoffgaben bewirken eine

höhere Anfälligkeit für Pilz- und Schädlingsbefall.

Für eine gute Befruchtung und somit

einen guten Ertrag sollte im Umkreis von

500 m eine andere Apfelsorte zur Befruchtung

stehen.

Wie groß wird der Baum?

Für Hochstämme werden Apfelsorten auf

starkwüchsige Unterlagen wie Sämlinge und

A 2 veredelt. Für niedrigere Baumformen

eignen sich schwächer wachsende Unterlagen

wie M 9 oder M 27. Weil diese Bäume

ein flacheres und weniger umfangreiches Wurzelsystem

entwickeln, sind sie zeitlebens auf

einen Stützpfahl und gute Böden angewiesen.

Statt mit der traditionellen Rundkrone werden

sie als sogenannte Spindel, also eher zweidimensional

erzogen. Die Wuchshöhe einer auf

M 27 veredelten Sorte beträgt etwa. 2 m. Auf

Sämlinge veredelte Apfelbäume werden etwa

6 m hoch. Auch der Ertragsbeginn und die

Lebensdauer verändern sich mit der Unterlage.

Schwachwachsende Bäume liefern bereits ab

dem zweiten Jahr Früchte und werden 15–20

Jahre alt. Die starkwachsenden Bäume tragen

oft erst im fünften Jahr, können aber 60–80

Jahre und älter werden. Eine Zwischenlösung

für mittelgroße Bäume kann mit einer Veredlung

auf M 26 oder M 7 erreicht werden.

Mostäpfel und Tafeläpfel

Die Sortenwahl beim Apfel zu treffen ist angesichts

der Vielzahl an Züchtungen ein

schwieriges Unterfangen. Für private Obstanlagen

sollte die Unempfindlichkeit gegenüber

den wichtigsten Apfelkrankheiten, wie Mehltau

und Schädlingen, wie der Blutlaus vorrangig

sein. Die häufigste Krankheit bei Äpfeln ist der

Apfelschorf. Will man auf den Einsatz von

Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich verzichten,

Apfelsorte

‘Gerlinde’

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©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

sollte man besonderen Wert auf hoch widerstandsfähige

Züchtungen legen.

Weiterhin gibt es Sorten, die besonders für

die Saft- und Mostherstellung geeignet sind.

Diese werden vor allem auf den klassischen

Streuobstwiesen meist als Hochstämme gezogen.

Sie tragen reichlich und die Früchte enthalten

besonders viel Fruchtsäure, sind aber

direkt verzehrt oft wenig schmackhaft. Süßere,

meist großfrüchtigere Sorten mit weicherem

Fruchtfleisch bezeichnet man als Tafelobst.

Zu den empfehlenswerten, ebenso leckeren

wie robusten Tafeläpfeln zählen beispielsweise

‘Gerlinde‘, ‘Rebella‘, ‘Rubinola‘ und ‘Topaz‘. Ein

weiterer wichtiger Aspekt der Sortenwahl ist

die Lagerfähigkeit. Wer über ideale Lagermöglichkeiten

(2–3 °C bei einer Luftfeuchtigkeit

von ca. 90 %) verfügt, ist mit frühen Sommeräpfeln,

mittelfrühen Herbstäpfeln und spät

reifenden, lagerfähigen Züchtungen nahezu

ganzjährig mit eigenen Äpfeln versorgt.

Birnen (Pyrus communis)

Birnen verlangen mehr Wärme als Äpfel und

stellen auch etwas höhere Ansprüche an den

Standort. Feuchte und staunasse Böden

werden sehr schlecht vertragen. Insbesondere

spätreifende Birnensorten benötigen sehr

mildes Klima, damit die Früchte im Herbst

ausreifen und ihr volles Aroma entwickeln. Die

Blüten sind noch stärker frostgefährdet als

beim Apfel, da Birnbäume oft bereits 10 Tage

vor den Äpfeln blühen.

Auch für Birnen gibt es schwachwachsende

Unterlagen, etwa Quitte A und Quitte C. Diese

sind aber weniger winterhart, die Bäume werden

nicht so alt und neigen auf kalkhaltigen

Böden zu Chlorosen (Blattaufhellungen meist

durch Eisenmangel). Vorteilhaft sind der frühere

Ertragsbeginn und die höhere Fruchtqualität.

Da das Wurzelsystem der Quittenunterlage

eher flach ist, sollten die Bäume nach dem

Pflanzen bei Trockenheit häufig gewässert

werden. Ebenfalls wichtig ist ein niedriger

pH-Wert des Bodens (unter pH 6,5). Starkwachsende

Birnen werden auf die ‘Kirchensaller

Mostbirne’ veredelt. Diese Bäume wachsen

kräftig, sind sehr langlebig und winterhart,

tragen dafür aber erst im vierten oder fünften

Standjahr Früchte. Da Birnen einen kräftigen,

senkrechten Mitteltrieb bilden, eignen sie

sich gut für die Erziehung am Wandspalier.

Südwände bieten auch in weniger günstigen

Lagen ausreichend Schutz und Wärme.

Säulenbirnen

machen sich

schmal

Die im Birnenanbau hauptsächlich auftretenden

Krankheiten werden durch die Erreger

des Birnengitterrosts und Birnenschorfs verursacht.

Zudem sind Birnen anfällig für Feuerbrand,

eine meldepflichtige Bakterieninfektion.

Bei Befall verfärben sich die Äste dunkel,

krümmen sich und wirken wie verbrannt. Bei

feuchtem Wetter bildet sich oft Bakterienschleim

an den befallenen Stellen. Als weniger

anfällig gelten Sorten wie ‘Harrow Delight‘,

‘Harrow Sweet‘ und ‘Pierre Corneille‘. n

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Buchtipp

Tiere pflanzen

Der Titel löst fragendes

Stirnrunzeln aus – das

nimmt die Autorin

in ihrer Danksagung

gleich vorweg. Blättert

man weiter, wird der

Zusammenhang rasch

klar. In 18 Porträts stellt

die Biologin Lebensgemeinschaften

zwischen

Pflanzen, Gartenvögeln

und Insekten vor. Wer

Stieglitze beobachten

möchte, sollte der

Wilden Karde einen Platz

im Garten einräumen, mit der Schneemarbel

lockt man Hummeln und Wildbienen an, die

Wilde Möhre ist Spezialist für Schwebfliegen.

Ein vielseitiger Blumen-Kräuter-Rasen bietet

dem Hauhechel-Bläuling inklusive Nachkommen

einen perfekten Lebensraum. Für jeden

Bereich – ob Staudenbeet, Hecke, Teichrand

oder Kompostplatz – gibt es passende

Pflanzvorschläge und alle dafür empfohlenen

Arten sind in übersichtlichen Tabellen

zusammengefasst. Anhand des Blühkalenders

kann man Beete zusammenstellen, die

garantieren, dass über die gesamte Vegetationsperiode

immer etwas blüht. Ob man

nach der fachkundigen und spannenden

Lektüre nicht doch lieber Pflanzen statt Tiere

pflanzt, um naturnahe Lebensräume für

alle Gartenbewohner zu gestalteten, sei mal

dahingestellt!

Ulrike Aufderheide, Pala Verlag 2019,

ISBN 978-3-89566-388-8, 19,90 € n

Impressum

Demeter-Gartenrundbrief für den

biologisch-dynamischen Gartenbau

Ausgabe 5/2019, Nr. 363

www.gartenrundbrief.de

Herausgeber und Aboverwaltung

Demeter Baden-Württemberg e.V.

Hauptstr.82, 70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel. 0711/90254-13, Fax -54

(Mo, Di, Do, Fr, 9.00 –13.00 Uhr)

Corina Panitz

panitz@demeter-bw.de

www.demeter-bw.de

Postbank Stuttgart

IBAN: DE94 6001 0070 0026 2027 05

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Redaktion

Christel Rupp, Offenburg

redaktion@gartenrundbrief.de

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Reinhold Burkart, Pforzheim

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Christel Rupp

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