WELLNESS Magazin Exklusiv - Herbst 2019

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„In der analogen Welt behüten wir unsere Kinder wie

Glucken. Doch kaum tun sie erste Schritte in die Welt

des Digitalen, lassen wir sie mutterseelenallein.“

Gr.Insp. DSP Alexander Geyrhofer,

Diplom Sozial- und Gewaltpädagoge

Wehrlosigkeit neigen – und genau dieses

Verhalten bei Bullying auch an den Tag legen.

„Im virtuellen Raum legt der Effekt

von Mobbing oder Cyberbullying noch einmal

ordentlich an Dramatik zu“, weiß der

Experte. Mobbing im Cyber-Raum hat besonders

traumatische Auswirkungen, die

Anzahl der Stressoren steigt im Vergleich

zum klassischen Mobbing dramatisch an.

Soziale Isolierung droht! Beim

Mobbing face to face gibt es „Ruhephasen“.

Cyberbullying hingegen bedeutet,

24 Stunden am Tag angreifbar zu sein

und auch angegriffen zu werden. Wird

man z.B. Opfer einer Smack-Cam-Attacke

– dabei werden gewalttätige Angriffe auf

Personen mitgefilmt und in den sozialen

Medien verbreitet – gesellt sich zur körperlichen

auch psychische Gewalt hinzu.

„Doxing nennt man das systematische

Sammeln von Informationen (personenbezogene

Daten) über ein potentielles

Opfer im Internet, um diese zu veröffentlichen“,

definiert Geyrhofer. „Wie unendlich

wichtig es ist, dass Kinder und Jugendliche

kompetente Ansprechpartner

haben, an die sie sich im Notfall jederzeit

wenden können und wie sehr das Leben

eines Opfers durch Cyberbullying beeinträchtigt

oder gar zerstört wird, zeigt die

folgende Auflistung wesentlicher Veränderungen,

die damit meist einhergehen:

Veröffentlichung peinlicher Fotos oder

Videos (oft Fakes) – die Ablehnung von

Freundschaftsanfragen ist die Folge. Der

systematische Ausschluss aus Gruppen

(Facebook, WhatsApp): Das bedeutet

nichts anderes als soziale Isolierung.“

Umgang mit Fakes – früh erlernt!

Eine gute „Lehrmethode“ ist es,

den Kindern früh und immer wieder beizubringen,

unterschiedliche Suchmaschinen

mit unterschiedlichen Suchbegriffen zu

verwenden. So erkennen sie schnell, dass

dies immer zu unterschiedlichen Ergebnissen

führt. Der Internetcrime-Experte

empfiehlt die Plattform www.mimikama.

at, ein Verein zur Aufklärung von Internetmissbrauch,

„die Suche nach Fake-News

über das Portal ist meist von Erfolg gekrönt.

Wenn nicht: eine Meldung an die

Betreiber schicken.“ Ein einfacher Like auf

Facebook zur Mimikama-Seite genügt,

und Sie werden laufend über die neuesten

Erkenntnisse rund um Hoaxes und Fakes

auf dem Smartphone informiert.

Herkunft einer E-Mail checken!

Eine einfache Methode ist, den Inhalt

der Internetkopfzeile zu kopieren und

diesen dann auf der Seite www.gaijin.at

auslesen zu lassen. Öffnen Sie dort die

Registerkarte »Online-Tools« und gehen

Sie zum Bereich »Netzwerk & E-Mail«.

Dort den »E-Mail Header Analyzer« aufrufen,

die Daten des E-Mail-Headers eingeben.

Dann »die Kopfzeile analysieren«

drücken. Zusätzlich können Sie die Domain

auch über www.whois.com auslesen.

Unser Fazit: Die Gefahren im Internet

sind für unsere Kinder mit mehr Umsicht

und weniger Leichtsinnigkeit schon

drastisch zu minimieren. Bedenken Sie

immer, dass die Kleinen noch nicht wissen,

dass das Internet kein „rechtsfreier

Raum“ ist. Beleidigen über Social Media

ist strafbar, auch das unbedachte Posten

von Sexting-Bildern (Nacktfotos) gilt per

Gesetz als „Verbreitung von Internetpornografie“.

Man sollte auch wissen, dass Kinder

bzw. Jugendliche erst mit 16 Jahren zu 100

Prozent Realität und Virtualität unterscheiden

können. Also: Den Einstieg so lange wie

möglich verzögern oder reduzieren! Das

Abtauchen in die Reizüberflutung der digitalen

Welt bringt alle und vor allem unsere

Kinder an ihre Grenzen!

HARMLOSE CHATS?

Ratschläge für Ihre Kinder –

zum sicheren Einstieg

✱✱

Besprechen Sie den Start in die

Welt des Chattens ausführlich

mit Ihren Kindern. Die wichtigste

Regel: Niemals persönliche Daten

bekanntgeben, weder Name, noch

Wohnadresse, Geburtsdatum,

Schule oder Skype-Adresse.

✱✱

Den Nicknamen immer so

wählen, dass daraus keine Infos

zur Identität abgeleitet werden

können (Sabine13 legt doch bereits

nahe, dass es ein 13-jähriges

Mädchen sein dürfte).

✱✱

Niemals »verführerische«

Nicknamen verwenden, wie etwa

Sexysusi12 oder Sweetrose13, rät

der Experte Geyrhofer: „Die »Eigenschaft«

der Namensträgerin,

die hier mitschwingt, ruft Kriminelle

geradezu auf den Plan.“

✱✱

Was lässt sich tun, wenn man

auf Hassseiten oder Fake-News

stößt? Nutzen Sie überall dort, wo

Plattformen einen Melde-Button

anbieten, diesen unbedingt.

Facebook, Twitter, Instagram oder

Ask.fm bieten diese Möglichkeit.

So können Sie verdächtige Links,

Bilder, Postings oder konkrete

User melden. Der Erfolg solcher

Interventionen hängt aber leider

oft von der »Tagesform« der

Sachbearbeiter ab. Nicht locker

lassen! In Österreich besteht

auch die Möglichkeit, Hetzer

oder bewusste Verbreiter von

Falschmeldungen nach § 283 StGB

(Verhetzung) zu belangen (so man

sie ausfindig macht).

WELLNESS MAGAZIN HERBST 2019 n 019

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