Berliner Kurier 19.09.2019

BerlinerVerlagGmbH

*

AKTUELL

Silke und Holger Friedrich,

ein Berliner Ehepaar aus

der Bildungs- und Technologie-Branche,

sind die zukünftigen

Eigentümer des Berliner

Verlags, in dem unter anderem

die Berliner Zeitung

und der Berliner KURIER erscheinen.

An diesem Mittwoch,

ihrem zweiten Tag im

Berliner Verlag –den sie nach

der kartellrechtlichen Freigabe

übernehmen wollen –

haben sie noch einmal der Redaktionihren

Antrieb und ihre

Ideen erläutert. Und dazu auch

ein eingehendes Gespräch mit

der Chefredaktion geführt, das

wir hier dokumentieren.

Herzlich willkommen im

Berliner Verlag. Für die Redaktion,

den Verlag und die

Stadt war es am Dienstag eine

große Überraschung,

dass Sie beide als Berliner

Ehepaar angetreten sind,

den Berliner Verlag zukaufen

und sich hier zu engagieren.

Wir wollen nun natürlich

wissen, was Sie antreibt,

was Sie dazu gebracht hat?

Holger Friedrich:(zu seiner

Frau) Du fängst an.

Silke Friedrich: Eine Hauptmotivation

ist für uns, einen

Beitrag zu leisten im gesellschaftlichen

und politischen

Diskurs. Weil wir im persönlichen

Umfeld und auch aus eigener

Erfahrung feststellen

können, dass es eine Politikund

Medienverdrossenheit

gibt und eine ganz große Skepsis.

Viele Menschen fühlen

sich nicht abgeholt. Als Berliner

glauben wir, dass der Berliner

Verlag ein gutes Medium

ist, um viele Leute zu erreichen,

um einen wichtigen Beitrag

zu leisten für eine Änderung

dieser Entwicklung.

Sie haben gesagt,dass Sie die

Berliner Zeitung als ein Juwel

sehen, warum?

Holger Friedrich: Die Berliner

Zeitung habe ich zeit meines

bewussten Daseins als einen Ort

wahrgenommen, der sich um eine

bessere Idee bemüht hat. Sie

ist inden Diskurs gegangen als

Institution und als Objekt. Es

gibt in dieser Stadt sehr unterschiedliche

Kulturen, Ansprüche

und Wege, ein Ziel zu erreichen.

Ich habe die Berliner Zeitung

immer als einen Versuch

wahrgenommen, möglichst ehrlich

zu sein und das bestmögliche

Ergebnis zu erreichen. Deswegen

ist sie heute noch da. Wir

sind sehr dankbar dafür. Und

wir können für diese Zeitung etwas

einbringen, einen hohen

Grad an Unabhängigkeit, das

Wissen um technologische Zusammenhänge

und eine gewisse

Angstfreiheit. Vielleicht sind

wir füreinander wechselseitig

eine Chance.

Die Branche fragt sich, warum

sich Menschen, die aus

der Technologie- und Bildungsbranche

kommen, so

sehr für eine Zeitung interessieren.

Sind Sie auf den

Spuren von Jeff Bezos, der

die Washington Post gekauft

hat?

Silke Friedrich: Nee, sind

wir nicht.

Holger Friedrich: Wir machen

das nicht aus einem Mäzenatentum,

sondern aus einem

bürgerlichen Engagement

heraus und weil unser Ehrgeiz

angestachelt ist.

Aber Sie wollen auch Geld

verdienen damit?

Holger Friedrich: Ja, klar.

Silke Friedrich: Wir wollen

erfolgreich sein.

Worin besteht Ihr Ehrgeiz?

Silke Friedrich: Wir sind

branchenfremd, aber wir sehen

das als absolutes Potenzial,

als Chance für den Verlag,

für uns und für die Branche, in

der wir uns bewegen. Wir wollen

eintauchen und uns vertiefen,

lernen, uns austauschen

mit anderen. Das ist die Kompetenz

der Zukunft. Wir glauben

nicht, dass wir die besten

Verleger sind, aber dafür

haben wir ja ein tolles Team.

Wir sehen es als unsere Aufgabe,

Leute zusammen zubringen

und kraftschlüssig aufzustellen.

Wir wollen das System

befruchten. Wenn die Branche

in einer Selbstfindungskrise

ist, möchten wir zur Selbstfindung

beitragen. Wir glauben

nicht an den Abgesang des

Journalismus.Ganz im Gegenteil,

wir brauchen gute Medien

und zwar meinungsstark, reflektiert,

faktenorientiert als

Navigation in dieser unfassbarkomplexen

Welt.

Silkeund Holger Friedrich

übernehmen den Berliner Verlag

So ticken

die Neuen

Plötzlich Verleger: Ein Gespräch mit dem

Berliner Ehepaar über seine Pläne für

Berliner KURIER und Berliner Zeitung

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