Taxi Times DACH SPECIAL- August 2019

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SCHEUERWEHR-TOUR

BZP-PRÄSIDENT MICHAEL MÜLLER:

»MOTIVATION ZIEHEN

WIR AUS DEM VERTRAUEN

DER UNTERNEHMER«

Drei Wochen lang tourte der Bundesverband Taxi durch

alle Bundesländer und hielt jeweils vor den Staatskanzleien

eine Mahnwache ab. Verbandspräsident Michael

Müller zieht im Taxi Times Interview ein Fazit.

TAXI TIMES: Herr Müller, vor dem Start haben Sie zwei Ziele

definiert: Mit der Politik noch einmal ins Gespräch zu kommen

und lokale mediale Resonanz zu erzeugen. Konnten

diese Ziele erreicht werden?

MICHAEL MÜLLER: Insgesamt ist diese Tour ein Erfolg. Vielerorts

haben wir Unterstützung für unsere Positionen gegen

die Eckpunkte von Bundesminister Andreas Scheuer erhalten.

Gleichzeitig konnten wir auch mediales Aufsehen erreichen. Dieses

zeigt sich auch darin, dass die Diskussion um die „Rückkehrpflicht“

in den Medien inzwischen deutlich versachlicht ist.

Die Teilnehmerzahl lag im Durchschnitt bei etwa 30–40 Taxiunternehmern

und -fahrern. Fast überall waren diejenigen,

die gekommen waren, enttäuscht von denjenigen, die nicht

erschienen waren. Ging es Ihnen genauso?

Wir haben den Kolleginnen und Kollegen samt den Fahrerinnen

und Fahrern in den letzten Wochen viel Einsatz bei den zahlreichen

Kundgebungen abverlangt. Es hat mich tief beeindruckt,

wie viel Engagement, Begeisterung und Opferbereitschaft seitens

der Teilnehmer auch für diese kurzen, zielgerichteten Aktionen

aufgebracht wurde. Gerade in kleineren Bundesländern oder

Landeshauptstädten haben die Kolleginnen und Kollegen zur

Unterstützung An- und Rückfahrten von zwei bis drei Stunden

und mehreren Hundert Kilometern auf sich genommen. Umso

mehr hat es mich verärgert, wenn dann in einigen Staatskanzleien

(teilweise sogar trotz vorheriger Zusage) die Politik sich

hinter verschlossenen Fenstern dem Gewerbe verweigert hat.

Enttäuschung und Unverständnis ob dieser Missachtung seitens

der politisch Verantwortlichen war den Kolleginnen und Kollegen

ins Gesicht geschrieben und es wird ihr

Wahlverhalten zukünftig deutlich bestimmen.

Mitten in die Tour hinein platzte die Meldung,

dass der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

(VDV) ein Mobility-Forum gegründet hat, in dem

Uber mit am Tisch sitzt, aber das Taxi nicht. Wie motiviert

man sich da noch, weiterzukämpfen?

Natürlich war ich mehr als überrascht ob dieser Meldung. Wir

haben zwischenzeitlich mit dem VDV gesprochen und werden

die Thematik im August aufarbeiten. Zumindest kann ich hier

verkünden, dass der VDV nach eigenen Angaben zwar unter

anderem auch mit Uber gesprochen hat, keineswegs aber eine

Zusammenarbeit vereinbart worden sein soll. Allerdings hätte

ich mir in dieser Frage von einem Partner im ÖPNV-Verbund uns

gegenüber mehr Sensibilität gewünscht. Motivation für unser

Gewerbe ziehen wir – Präsidium, Vorstand und Geschäftsführung

des Bundesverbandes – aus dem Vertrauen und der Unterstützung

der Unternehmerinnen und Unternehmer, die wir in unserer

Arbeit täglich erfahren dürfen – dafür möchte ich mich im

Namen aller ausdrücklich bedanken.

Als letzte und 16. Station sollte am Freitag noch Berlin angefahren

werden. Warum fand dort keine Mahnwache mehr

statt?

Berlin ist als absoluter Brennpunkt von besonderer Bedeutung.

Hier war es mir besonders wichtig, einen zugesicherten

Gesprächstermin zu bekommen – auch um neben den Eckpunkten

von Bundesminister Scheuer hier das massive behördliche

Vollzugsdefizit gegenüber Rückkehrpflicht-Verstößen nochmals

zu besprechen. Zudem denke ich, dass gerade in Berlin die Kolleginnen

und Kollegen die Geschlossenheit des Gewerbes bereits

hinlänglich bewiesen haben.

FOTOS: Taxi Times, City Taxi AG, Yvette Mierell, Sadik Arslan, Paul Rupp, Rolf Feja, GVN,

6 AUGUST / 2019 TAXI

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