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Die gemeinsame Sprache

Waltraud und Johannes Ertl nahmen uns mit zu einem Konzert nach Linz. Wie

wichtig Musik für die beiden Unternehmer seien, erzählten sie uns während der

Fahrt.

Waltraud Ertl öffnet die Beifahrertür ihres Peugeot 308

CC Cabrios. „Das Auto haben wir eigentlich nur wegen

dem Poldi gekauft.“ Er deutet Richtung Haustüre. Poldi

der Familienhund blickt Waltraud Ertl noch einmal tief

und vorwurfsvoll in die Augen, als ob es ein Abschied

für immer wäre. Waltraud nimmt am Beifahrersitz Platz.

Schlosszunge des Gurtes wandert reflexartig in das

Gurtschloss. „Zu einem Konzert fahre ich meistens hin,

Waltraud zurück“, erklärt Hannes und startet das Auto.

Juan Diego Floréz singt heute in Linz. „Mit dem Symphonieorchester

der Volksoper Wien, unter der Leitung

von Florian Krumpöck“, liest Waltraud von der Eintrittskarte

ab. Die Vorfreude ist groß. „Wir sind regelmäßige

Konzertgeher. Uns taugt das einfach“, erzählt Johannes.

„Die Musik beruhigt, entspannt und beseelt

uns. Man kann herunterkommen. Wir holen uns Energie

ab“, ergänzt Waltraud.

Bis nach Mailand sei man einmal gereist, um sich

dort ein Konzert anzuhören. „Linz geht da ja noch“,

scherzt Hannes. In Waizenkirchen klappt Waltraud einen

Taschenspiegel auf und zeichnet sich ihre Lippen

nach. „Hannes, da ist ein 50er!“ Er bremst kommentarlos

und passiert die Landwirtschaftliche Berufs- und

Fachschule Waizenkirchen.

Im St. Pius Heim haben sich die beiden Unternehmer

kennengelernt. Hannes: „Nach Eggerding hätte ich sicherlich

nicht hinaufgefunden.“ Waltraud war 21 Jahre

jung, machte ein Praktikum in Peuerbach. Hannes

bereits 27. Dass Hannes ihr einmal den Gaszug ihres

damaligen Peugeot aushängte, hätte sie ihm schon

lange verziehen. „Ich kam zu spät zum Date und dann

traf sie sich einfach mit wem anderen“, rechtfertigt sich

Hannes. Nach drei Jahren wurde geheiratet.

Wir fahren auf der B129 nach Eferding, der Weiße Graben

liegt vor uns. „Hannes, fahr nicht so knapp zuwi“,

protestiert Waltraud. Ein kurzer Schlagabtausch offenbart,

dass Waltraud vor Jahren in Deutschland einmal

ihren Führerschein abgeben musste. 80km/h in einer

50er Zone. Hannes schüttelt kritisch den Kopf.

HERBST 2018

Beide hätten sie gerne Klavier gespielt in ihrer Jugend.

„Früher war für sowas aber weniger Platz“, erzählt

Hannes. Waltraud wollte sogar Sonderschullehrerin

werden. Die Singprüfung stellte für sie letztendlich

aber eine unüberwindbare Hürde dar. Regelmäßige,

gar ständige Konzertbesuche wurden für die beiden

seit ihrer Heirat ein regelrechtes Hobby.

„Blinken, Hannes, blinken.“ Der Kreisverkehr vor

Hinzenbach wird ohne Blinken verlassen. Wortlos

wird die Ausfahrt zum Biohof Achleitner genommen.

Fahrerwechsel.

27 Jahre sind Waltraud und Johannes Ertl nun schon

verheiratet. Berufliches und Privates werden bei ihnen

nicht getrennt. Betritt man das Autohaus Ertl wird man

mit einem freundlichen Lächeln empfangen und kompetent

beraten – von beiden. „Im Jänner war die Waltraud

einmal krank, da hab ich dann bemerkt, wie sehr

sie mir auch in der Arbeit abgeht“, gesteht Hannes ein.

Die Stimmung im Auto ist gerettet.

Waltraud schwärmt von Bruckner und barocker Kammermusik,

ihr Gatte bevorzugt die italienische Oper.

Ehrlich und nicht abgehoben unterhalten sie sich über

Musikliteratur. „Die Fünfte von Bruckner“, Waltraud

schluckt, „die finde ich besonders toll.“

In der neuen Promenadengarage wird geparkt. Dass

sich Waltraud in der Tiefgarage verschaltet hat, ignoriert

Hannes mit zusammengebissenen Lippen. Vorm

Domplatz wird noch schnell ein Programm gekauft.

Hannes kramt in seiner Geldbörse: „Auf den Floréz hab

ich mich schon lange gefreut. Ich bin kein geborener

Sänger, singe aber im Kirchenchor mit.“ Einmal in der

Woche besucht Hannes eine Chorprobe. Und wenn er

dort ist, freue er sich wirklich. „Richtig laut zu singen,

sich den Alltag herauszusingen, das befreit mich.“

Das Konzert beginnt. Beide wünschen sich für Peuerbach

ein solides Kulturprogramm, vielleicht sogar

einen Kulturverein, der so etwas ermöglichen könnte.

Tief ergriffen lauschen Waltraud und Johannes Ertl

dem Startenor. Der Alltag ist vergessen, beide lächeln.

Heimfahren wird Waltraud.

Text von Georg Wiesinger

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