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Die Wissenschaft des Walzers

Was wäre ein Ball ohne das obligatorische “Alles Walzer!”? Und was hat es

eigentlich mit dem Dreivierteltakt auf sich? Wir haben uns auf die Suche nach

Antworten um den Mythos Walzer begeben und uns mit Experten aus Tanzund

Musikwissenschaft von der Universität Salzburg und dem Mozarteum

unterhalten.

Es ist wieder einmal so weit: Die winterliche Ballsaison

ist im vollen Gange und lädt in ganz Österreich zum Tanzen

ein. Egal ob man am Wiener Opernball zwischen der

Hautevolee sein Tanzbein schwingt oder am Rosenball

sein schrillstes Kostüm präsentiert – auch heuer ist wieder

unter den zahlreichen Events für jeden Geschmack etwas

dabei. Was alle Bälle aber trotz der unterschiedlichen Locations,

Gäste und dem dazugehörigen Ambiente vereint,

ist der dort jährlich praktizierte Tanz: Der Walzer. Als König

unter den Paartänzen bringt er mittlerweile seit knapp 200

Jahren wie kein anderer die Tänzerinnen und Tänzer zum

Rotieren. Besonders der Wiener Walzer erfreut sich in unseren

Breiten nach wie vor größter Beliebtheit. Kein Wunder,

ist dieser Tanz doch stark mit der österreichischen Geschichte

verwurzelt. Doch wie konnte sich ein Paartanz wie

dieser so stark etablieren und wieso wird er auch noch im

21.Jahrhundert getanzt?

Der Ballsaal als Gesellschaftsspiegel

Um sich ein Bild von der Geschichte des Walzers zu machen,

muss man bis ins 18. Jahrhundert zurückreisen und

die damaligen sozialpolitischen Umstände vergegenwärtigen:

In der damaligen Gesellschaft herrschte noch eine

strenge Ständeordnung mit Geistlichen, Adeligen, dem

Bürgertum und Bauern, was auch auf kultureller Ebene

sichtbar wurde. Die vorherrschenden Tänze, die bis dato

in den Prunksälen abseits des gemeinen Fußvolkes aufgeführt

wurden, waren das Menuett und der Kontratanz.

Beide galten als Gesellschaftstänze, die aus komplexen

Figuren bestanden, wechselnde Partner voraussetzten

und zu fast keinem Körperkontakt führten.

Unter manchen Tanzmeistern galt der aufkommende Walzer

aufgrund des ungewöhnlich großzügigen Körperkontaktes

als sittenwidrig und anstandslos, manche zweifelten

sogar am ästhetischen Wert. Trotz dieser Kritik – oder

Foto: shutterstock, Bild ID: 774726988

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