Taxi Times Berlin - Mai / Juni 2019

taxitimes

TAXI-DEMOS

DIE ÖFFENTLICHKEIT MITNEHMEN

Was für eine Reaktion darf man von einem Passanten

erwarten, der mit einer Kolonne unangenehm laut hupender

Autos konfrontiert ist, die den Verkehr lahmlegen, bei

denen er nicht weiß, was das soll, und die möglicherweise

daran schuld sind, dass er einen wichtigen Termin verpasst?

Von Kollegen, die dieses Kommunikationsdefizit

wahrnahmen, kamen später Vorschläge, man sollte bei

künftigen Aktionen Informationsblätter mitnehmen und

öffentlich verteilen und, wie die Friedensbewegung der

Achtzigerjahre es vorgemacht hat, akustisch mit ansprechender

Musik anstelle von Hupkonzerten auf das eigene

Anliegen aufmerksam machen.

die beiden Polizeiwagen an der Spitze die Kolonne, und einer

der Beamten sagte, der Korso sei zu lang geworden und es seien

Lücken entstanden, weil einzelne Kollegen angehalten und die

Straße blockiert hätten. Wenn das so weiterginge, müsse die Veranstaltung

abgebrochen werden – ein Dilemma für Boto Töpfer,

der darauf herzlich wenig Einfluss hatte.

Der TVB-Vizechef hatte in vielen Jahren Verbandsarbeit bereits

etliche vergleichbare Aktionen organisiert und sagte, so gut wie

an diesem Tag hätte die Koordination auf Seiten der Polizei noch

nie funktioniert. Er konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen,

dass es bei den beiden anderen Kolonnen alles andere als gut lief.

Um 13:10 Uhr erreichte die Spitze der Kolonne den Großen Stern

und begab sich auf die Zielgerade – 20 Minuten vor dem ursprünglich

geplanten Beginn der Abschlusskundgebung am Brandenburger

Tor. Überraschenderweise waren erst wenige hundert Taxen

verantwortlich, verteilte Informationsblätter des Bundesverbandes

mit Verhaltensanweisungen an die Kollegen und musste Fahrer,

die die Mühlenstraße blockierten, durch Zurufe an das Ende der

Taxischlange in der Straße der Pariser Kommune leiten.

KEINE FUNKVERMITTLUNG WÄHREND DER DEMO

Kurz vor 12 Uhr mittags waren rund um den Stralauer Platz

nur noch Taxen zu sehen (und zu hören), in welche Richtung

man auch blickte. Die Polizei sprach von 900 Fahrzeugen. Die

hupende Kolonne setzte sich mit etwa zehn Kilometern pro Stunde

in Bewegung, angeführt von zwei Polizeiwagen. Das erste Auto

des Taxikorsos war das Taxi von Boto Töpfer, bei dem auch zwei

Gewerbevertreter und der Taxi-Times-Redakteur mitfuhren. Töpfer

selbst war die halbe Zeit am Telefonieren mit Verbandskollegen,

denen er wichtige Informationen geben musste, die andere Hälfte

lobte er immer wieder die gute Organisation durch die Polizei, die

alle Seitenstraßen sorgfältig abgesperrt hatte.

Kreative Eigenproduktion: Dieser Kollege hatte eine eindeutige

Interpretation der Zusammenhänge.

Ungewohnter Anblick: Hauptbahnhof ohne Taxen

Die hupende Kolonne kroch über die Stralauer Straße zum

Hackeschen Markt, vorbei an Passanten am Straßenrand, die

zum Teil überrascht staunten, zum Teil Gesten der Zustimmung

machten, zum Teil aber auch ihr Unverständnis bekundeten. Mit

Missbilligung wurden auch vereinzelte Kollegen betrachtet, die

während der Veranstaltung Geld verdienten, statt sich am Protest

zu beteiligen. Weiter ging es über die Oranienburger und die

Hannoversche Straße zum Verkehrsministerium in der Invalidenstraße,

vor dessen Fenstern besonders intensiv gehupt wurde.

Als kurz darauf der Hauptbahnhof passiert wurde, staunten die

Demonstranten nicht schlecht, dass dort nicht ein einziges Taxi

zu sehen war, das sich bereithielt. Leider standen ein paar Wagen,

die sich nicht gut genug versteckt hatten, schräg gegenüber in

der Lehrter Straße.

Kurz darauf und ein weiteres Mal in der Paulstraße stoppten

vor Ort, und die Aufstellfläche füllte sich erst langsam. Auf der

Bühne und daneben hatten sich bereits Politiker eingefunden,

unter anderem Andreas Scheuer, Michael Donth, Lars Düsterhöft,

Raed Saleh und Tino Schopf, außerdem die Vorstände diverser

Gewerbevertretungen, darunter Michael Müller, Hermann Waldner,

Frederik Wilhelmsmeyer, Thomas Grätz, Michael Oppermann,

Rolf Feja und Irene Jaxtheimer. Auch die Agentur Elephantlogic,

die die Kundgebung logistisch geplant und angemeldet hatte, war

personell vor Ort. Nun fehlten nur noch die mehreren tausend

Demonstranten. Doch die ließen vorerst auf sich warten. ar

WEIL DEINE STIMME ZÄHLT . . .

Jetzt Mitglied

werden

030 2362 7201 · www.taxiinnung.org

TAXI MAI/JUNI 2019

7

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine