Berliner Zeitung 26.09.2019

BerlinerVerlagGmbH

Gewalt gegen Berliner Rettungskräfte –was tun? Berlin Seite 12

Heute

mit

Kulturkalender

11°/22°

Sonne und Schauer

Wetter Seite 2

Verlängerung: Fischer

bleibt Union-Trainer

Sport Seite 19

www.berliner-zeitung.de

Ärger um VBB-Tickets: Bus

und Bahn werden teurer

Berlin Seite 9

Donnerstag,26. September 2019 Nr.224 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Preiswerter Neubau?

Ja, es gibt ihn in Berlin

Berlin Seite 15

Präsidentin

mit Sinn für den

richtigen Ton

VonJens Blankennagel

Ruhig, klug, ausgewogen, aber

auch klar in der Kampfansage:

So könnte der Inhalt der Antrittsrede

der neuen Präsidentin im neuen

Potsdamer Landtag zusammengefasst

werden. Die promovierte Kulturwissenschaftlerin

Ulrike Liedtke

wurde bei der konstituierenden Sitzung

am Mittwoch mit 77 von 88

Stimmen gewählt. Einganz klares Ergebnis.

Aber eigentlich

war die

60-Jährige für

das Amt gar

nicht vorgesehen.

Eigentlich

sollte ihre aner-

UlrikeLiedtke

ist Präsidentin des

Potsdamer Landtags.

Brandenburg

kannte Vorgängerin

Britta Stark

es weiterführen.

Doch nach der

Landtagswahl

hat sich die politische

Landschaft sehr verändert.

Britta Stark verfehlte den Einzug

ins Parlament –obwohl sie auf dem

sonst so sicheren Platz zwei der SPD-

Wahlliste stand. Doch wegen der

Stärke der AfD kamen für die SPD

nur Abgeordnete mit Direktmandat

ins Parlament, und dafür fehlten ihr

665 Stimmen. Ulrike Liedtke hingegen

lag knapp voreinem AfD-Mann.

Liedtke, 1958 in Weimar geboren,

gehörte am Ende der DDR zu den

Gründernder Sozialdemokratischen

Partei. In Berlin-Hohenschönhausen

stieg sie in die Lokalpolitik ein,

saß dort bis 2002 im Bezirksparlament.

Beruflich aber zog essie ins

Brandenburgische: In Rheinsberg

war sie Gründungsdirektorin der

Musikakademie und leitete dort

auch das Schlosstheater. Sie war

auch schon Vorsitzende des RBB-

Rundfunkrates und istVizepräsidentin

des Deutschen Kulturrates.

In ihrer ersten Rede als Präsidentin

sprach sie über politische

Kämpfe in bewegten Zeiten. Siewarb

für „konstruktive Aushandlungsprozesse“

und für Kompromisse. Die

Basis dafür seien aber Respekt und

gegenseitige Wertschätzung. Dies sei

der„radikale Gegenpol zum Populismus“,

der keine anderen Positionen

akzeptiere. Brandenburg Seite 16

Die Rückkehr der Beamten

SPD-Fraktion will Lehrer in Berlin wieder zu Staatsdienern machen. Linke und Grüne sind dagegen

VonMelanie Reinsch

Eine deutliche Mehrheit der

SPD-Fraktion will die Lehrer

inBerlin wieder verbeamten.

29 Fraktionsmitglieder

stimmten am Dienstag dafür,

darunter auch der Regierende Bürgermeister

Michael Müller. Sieben

stimmten dagegen.

Nachdem sich die SPD auf ihrem

Parteitag im März nach einer stundenlangen

und harten Debatte ausschließlich

darauf einigen konnte,

dass man eine Verbeamtung weiterhin

prüfen wolle, geht die SPD-Entscheidung

in eine neue Runde.Ende

Oktober wird das Thema auf dem

Parteitag erneut eine Rolle spielen:

EinAntrag aus Spandau, der die Verbeamtung

fordert, liegt vor. Berlin ist

aktuell das einzige Bundesland, das

nicht verbeamtet. Manch ein Lehrer

arbeitet daher lieber im Nachbarland

Brandenburg.

„Wir haben nach dem letzten Parteitag

den Auftrag bekommen, die

Verbeamtung zu prüfen. Das haben

wir gemacht“, sagte Maja Lasic, bildungspolitische

Sprecherin der SPD,

der Berliner Zeitung. Unddas Ergebnis

sei eindeutig. „Ein verheirateter

Lehrer mit zwei Kindern, der nicht

verbeamtet ist, verdient im Laufe seines

Lebens 160 000 Euro netto weniger“,

so Lasic. Bei einem Alleinstehenden

seien es 80 000 Euro.Nachteile

bei der Krankenvorsorge und bei der

Altersvorsorge seien schon abgezogen.

EinAusgleich der Differenz über

eine Zulage sei nicht möglich. Laut Finanzverwaltung

seien 160 000 Euro

aber ein Maximalwert.

„Vor diesem Hintergrund sehen

wir keine andere Möglichkeit, den

Berliner Lehrern eine Gleichstellung

zu ermöglichen, als sie wieder zu

verbeamten“, betonte Lasic. Auch

Bildungssenatorin Sandra Scheeres

hält den Schritt „für unverzichtbar“.

Druck und

Gegendruck

Die US-Demokraten leiten

erste Schritte für ein

Amtsenthebungsverfahren

gegen Donald Trump ein.

Der US-Präsident wehrt sich.

Tagesthema Seite 2

SPD-Fraktionschef Raed Saleh

sagte, dass man es sich nicht leisten

könne, diesen Wegnicht zu gehen.

„Wir haben einen klaren Wettbewerbsnachteil

den anderen Bundesländerngegenüber“,

so Saleh. Lehrer

wanderten ab, weil sie in anderen

Bundesländern bessere Bedingungen

vorfänden. Saleh setzt große

Hoffnung auf den Parteitag, auch die

Zauderer doch noch überzeugen zu

können. Der Landesverband ist in

dieser Hinsicht gespalten. „Pragmatismus

muss vor Ideologie gesetzt

werden“, sagte Saleh in Richtung der

Koalitionspartner. Denn Linke und

Grüne lehnen die Verbeamtung weiterhin

ab.

So wie auch Clara West, stellvertretende

SPD-Fraktionsvorsitzende.

Siesagt, es sei ein „Trugschluss,dass

man mit der Verbeamtung Ungerechtigkeiten

lösen“ würde.„Im Gegenteil,

das schafft nur neue Ungleichheiten.

Der Fachkräftemangel

schlägt bei vielen Berufsgruppen

durch –von den Erziehernbis hin zu

Busfahrerinnen“, sagtWest. Dass alle

anderen Bundesländer verbeamteten,

sei das einzig stichhaltige Argument

dafür. „Für mich überwiegen

aber im Ergebnis die Argumente dagegen“,

sagte West.

Auch Finanzsenator Matthias

Kollatz stimmte gegen die Verbeamtung.

„Das Land Berlin bezahlt angestellte

Lehrkräfte schon beim Berufseinstieg

außergewöhnlich gut, nämlich

mit rund 5500 Euro monatlich.

Die Verbeamtung von Lehrkräften

garantiert eben nur begrenzt eine

bessere Position im Wettbewerb um

die knappe Ressource Lehrkraft“,

sagte er der Berliner Zeitung. Das

zeige das Beispiel Brandenburg, wo

trotzVerbeamtung zum Schuljahresbeginn

50 Prozent der Stellen mit

Quereinsteigern besetzt werden

mussten, argumentiertder Senator.

Kommentar Seite 8

AP/MARY ALTAFFER

Meeresspiegel

steigt

dramatisch

Der Weltklimarat legt einen

beunruhigenden Report vor

Der Meeresspiegel steigt doppelt

so schnell wie im vergangenen

Jahrhundert, ganze Küstenstreifen

könnten unbewohnbar werden, und

Wetterkatastrophen werden extremer.

Soverkündet es der Weltklimarat

IPCC inseinem Report zur Eisschmelze

und den Ozeanen, der am

Mittwoch in Monaco vorgestellt

wurde. Der Rat zeichnet darin eine

düstere Zukunft, wenn nicht schnell

etwas unternommen wird. Die Welt

müsse die Emissionen der Treibhausgase

unverzüglich drastisch reduzieren,

mahnte der Vorsitzende

des Weltklimarates, Hoesung Lee.

Das sei die Botschaft der Wissenschaft

an die Politik.

DasPapier zeigt auf, dass die menschengemachte

Erderwärmung

Meere und Eismassen massiv schädigt.

Eine besondere Gefahr könne

die beschleunigte Eisschmelzeinder

Antarktis werden, falls das Eisirreversibel

instabil werde. Das könnte den

Meeresspiegel innerhalb von Jahrhunderten

um mehrereMeter steigen

lassen. Es sei noch unsicher, obund

wann dies beginne. Der Anstieg sei

mit 3,6 Millimeter pro Jahr derzeit

doppelt so hoch wie im Schnitt des

20. Jahrhunderts.Während er im gesamten

20. Jahrhundertum15Zentimeter

geklettert sei, könnte er bei einer

starken Erhöhung der Treibhausgase

vonAnfang des 20. Jahrhunderts

bis 2100 um rund einen Meter steigen.

(dpa) Wissenschaft Seite 17

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2* Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Tagesthema

US-Präsident

Die Demokraten wollen Donald Trump

seines Amtes entheben. In der

Geschichte gibt es dafür nur wenige

Beispiele.

Im Angriffsmodus

VonKarlDoemens, New York

Nancy Pelosi hat lange gezögert. Nun spricht sich auch die Mehrheitsführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus für ein Amtsenthebungsverfahren aus. AFP/MANDEL NGAN

Mit einem triumphalen

Auftritt im NewYorker

Trump Tower hat er

vor gut drei Jahren

seine kometenhafte Karriereals Politiker

begonnen. In dem mit Marmor

und Gold überladenen Atrium verkündete

Donald Trump seine Kandidatur

für das Weiße Haus.

Eine Laune der Geschichte will es,

dass der US-Präsident in dem Wolkenkratzer

am Dienstag auch seine

bislang größte Demütigung verarbeiten

muss. Gerade erst hat er vor

der UN geredet, da tritt in Washington

eine Demokratin vor die Kameras

und verkündet den Auftakt zum

möglicherweise vierten Amtsenthebungsverfahren

der USA.

Trumps erste Reaktion klingt wie

der Protest eines beleidigten Kindes.

„Soein wichtiger Tagbei den Vereinten

Nationen, so viel Arbeit und so

viel Erfolg – und die Demokraten

machen es absichtlich kaputt“, twittert

er. Während unten an der 5th

Avenue unzählige Polizisten und

schwere Trucks den Eingang des

Hochhauses sichern, scheint Trump

am Abend in seinem Penthouse vor

dem Fernseher zu hängen. Immer

wieder twitterterVideoschnipsel mit

Moderatoren, die ihm recht geben.

Einlanger Weg

DasEgo des Narzissten ist angeschlagen.

Für seine Präsidentschaft gilt das

nicht unbedingt. Denn von der Einleitung

einer formellen Untersuchung,

wie sie Repräsentantenhaus-

Sprecherin Nancy Pelosi verkündet,

und der Absetzung eines Regierungschefs

ist es ein sehr weiter Weg. Nicht

nur vergehen bis zur entscheidenden

Abstimmung im Senat wohl Wochen

oder Monate. Vor allem wird diese

Kongress-Kammer, inder eine Zweidrittelmehrheit

erforderlich ist, von

den Republikanern beherrscht.

Selbst im Repräsentantenhaus, in

dem 235 Demokraten und 198 Republikaner

sitzen, haben noch nicht alle

Demokraten erklärt, dass sie mit Ja

stimmen. Es ist also viel Symbolik im

Spiel, als Pelosi verkündet: „Präsident

Trump hat die Verfassung gebrochen.“

Gründervater Benjamin

Franklin habe das Volk 1787 aufgefordert,

die Republik zu verteidigen. Dieser

Moment, so Pelosi, sei nun gekommen.

Mit der Aufforderung an

den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr

Selenskyj, politisch nützliches

Material zu beschaffen, habe Trump

den Rubikon überschritten:„Der Präsident

muss zur Verantwortung gezogen

werden.“

Das hätte man freilich auch

schon während der Mueller-Ermittlungen

sagen können. Damals

lehnte Pelosi aus Angst voreinem Eigentor

ein Impeachment ab. Was

sich seither geänderthat? DerDruck

auch von moderaten Abgeordneten

ist gewaltig gestiegen. Und Pelosi

glaubt, nun einen greifbareren Beleg

für Trumps Gesetzeslosigkeit zu haben.

Derkonkrete Anlass liegt genau

zwei Monate zurück: Am 25. Juli telefonierte

Trump mit Selenskyj, um

ihm zur Wahl zu gratulieren.

Wieman einer Abschrift entnehmen

kann, die das Weiße Haus am

Mittwoch auf öffentlichen Druck

hin veröffentlichte, nahm das Gespräch

eine bemerkenswerte

Wende: Trump stellt sich zunächst

in Gegensatz zu europäischen Verbündeten

(„Deutschland tut praktisch

nichts für Sie“) als großer

Freund der Ukraine dar und fordert

dann eindringlich, dass Kiew eine

Untersuchung des demokratischen

Präsidentschaftskandidaten Joe Biden

und seines Sohnes Hunter einleitet,

der im Verwaltungsrat eines

ukrainischen Gaskonzerns sitzt.

Eine Woche zuvor hatte Trump überraschend

400 Millionen Dollar zugesagte

Hilfsgelder eingefroren. Für die

Demokraten ist klar: Erhat das Geld

alsHebel genutzt, um eine Schmutzkampagne

gegen seinen möglichen

Herausforderer zu erzwingen. Das

wäre ein klarer Fall von Amtsmissbrauch

und Korruption. Selenskyj

sagte am Mittwoch in New York, er

habe sich in dem Telefonat nicht von

Trump unter Druck gesetzt gefühlt.

Es sei ein „normales“ Gespräch gewesen.

WeitereFälle sind möglich

Trump bestreitet den Zusammenhang.

Tatsächlich wird das Geld in

der Abschrift nicht erwähnt. Allerdings

hat auch ein Geheimdienstmitarbeiter

im Weißen Haus am

12. August eine Beschwerde eingelegt,

weil der Präsident krumme Geschäfte

mit ausländischen Regierungschefs

mache. Trotz klarer

rechtlicher Regeln weigert sich das

Weiße Haus bislang, die Eingabe an

den Geheimdienstausschuss des

Kongresses weiterzuleiten. Vertreter

derDemokraten argumentieren, das

nun vorgelegte Transkript reiche in

keiner Weise, um unterschwellige

Drohungen und Einschüchterungen

zu verstehen. Deshalb bestehen sie

auf der Vorlage der kompletten Beschwerde,

inder es auch noch um

weitere Fälle gehen könnte. Sie erwägen

sogar, den von Trump heftig

diffamierten Informanten im Kongress

anzuhören. Der Showdown ist

eröffnet. Trump behauptete am

Mittwoch, sein Telefonat sei „perfekt“

gewesen. Die Impeachment-

Untersuchung nannte er eine „Hexenjagd“.

Kein Präsident in der Geschichte

sei „so schlecht behandelt

worden wie ich“.

KarlDoemens

ist erstaunt über den Inhalt

des Trump-Telefonats.

VonHolger Schmale

Ich hatte kein sexuelles Verhältnis

mit dieser Frau, Miss Lewinsky.“

Diese WorteBill Clintons vorJournalisten

am 26. Januar 1998 sind als

zentraler Satz einer der bis dahin

größten Krisen der US-amerikanischen

Politik in die Geschichtsbücher

eingegangen. Wenn die Demokraten

jetzt ein Amtsenthebungsverfahren

gegen Präsident Donald

Trump einleiten, kehren die Erinnerungen

an jenes Spektakel zurück,

mit dem die Republikaner vor20Jahrenerfolglos

versucht haben, den erfolgreichen

demokratischen Präsidenten

Bill Clinton aus dem Amt zu

jagen.

DasMittel zum Zweck war die Affäre

Clintons mit Monica Lewinsky,

die ihm als Praktikantin im Weißen

Haus begegnet war.

Clinton hatte 1997 die Wahl für

eine zweite Amtszeit glänzend gewonnen,

doch er musste gegen eine

Mehrheit der Republikaner im Kongress

anregieren. Clinton und seine

selbstbewusste Gattin Hillary waren

Hassfiguren für das konservative

Amerika. Einerseits verkörperte Bill

Clinton, der aus kleinen Verhältnissen

in Arkansas stammte, den Aufstiegstraum

der USA –jeder kann es

schaffen. Andererseits war das Paar

Teil jener Ost- und Westküstenelite

geworden, deren liberaler Lebensstil

wenig mit den Werten vieler Bürger

in weiten Teilen der ländlichen USA

zu tun hatte. Schon in jenen Jahren

zeigte sich die gesellschaftliche Spaltung

der Vereinigten Staaten, wie sie

heute unter anderen Vorzeichen

Trump für sich instrumentalisiert.

Clinton profitierte von einem

lang anhaltenden wirtschaftlichen

Sex, Prominente und Machtpolitik

AndrewJohnson

Höhenflug der USA, der unter anderem

zu einem wahren Jobwunder

führte. Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung

sanken kräftig, politisch

war der Präsident kaum anzugreifen.

Aber moralisch öffnete die

auf dubiosen Wegen bekannt gewordene

Lewinsky-Affäre eine Flanke,

die von den Republikanern ohne

Rücksicht auf Verluste angegriffen

wurde. Sie heizten eine Kampagne

an, die mit ihren Zutaten aus Sex,

Prominenten und Machtpolitik von

Historie

Richard Nixon

Bill Clinton

vielen Medien begierig aufgenommen

wurde. Das anfängliche Leugnen

Clintons und die scheibchenweise

an das Tageslicht kommende

Wahrheit führten zur Einsetzung eines

Sonderermittlers und zu hochnotpeinlichen,

vomFernsehen übertragenen

Befragungen Clintons. Das

ganze mündete dann in dem von

den RepublikanernimRepräsentantenhaus

beschlossenen Amtsenthebungsverfahren

wegen Meineids

und Behinderung der Justiz.

IMAGO STOCK AND PEOPLE (3)

Damit aber begann sich das Blatt

zu wenden. Das Missverhältnis zwischen

denVerfehlungen Clintons und

dem Ausmaß der vonden Republikanernangestrebten

Strafe erschien immer

mehr Menschen geradezu

monströs. Daveranstaltete eine fast

hysterisch auftretende Parlamentsmehrheit

eine Hetzjagd gegen einen

politisch erfolgreichen, mit klarer

Mehrheit vom Volk gewählten Präsidenten.

Immer deutlicher erschien

seinVerhalten als Lappalie gegenüber

dem, was seine Gegner daraus machen

wollten. Auch durch geschickte

Ansprachen an das Volk, mit denen

Clinton die missgünstigen Hauptstadtmedien

umging, schaffte er es,

in den Augen vieler Menschen vom

Täter zum Opfer zu werden.Das blieb

nicht ohne Eindruck auf moderate

Kräfte bei den Republikanern. Die

Abstimmung im Senat wurde zum

Desaster für die Verfolger:Den Meineidsvorwurfverwarfen

die Senatoren

mit 55 zu 45 Stimmen, das Votum

über den Vorwurf der Justizbehinderung

endete 50:50. Für die Amtsenthebung

wäre eine Zweidrittelmehrheit

erforderlich gewesen.

Auch das erste Impeachmentverfahren

der USA, 1866 gegen Andrew

Johnson wegen Missachtung

der Rechte des Kongresses geführt,

scheiterte, wenn auch knapp. Schon

damals kamen den zögerlichen Senatoren

Zweifel, ob die Absetzung einesvom

Volk gewählten Präsidenten

nichteinen gefährlichen Präzedenzfallschaffen

würde. DerVersuch, den

in die Watergateaffäre verstrickten

Präsidenten Richard Nixon abzusetzen,

wäre 1974 wegen der Dimension

seines Verfassungsbruchs wohl

erfolgreich verlaufen. Erentzog sich

der Schmach durch seinen Rücktritt.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute machen die Temperaturen bei 20 bis 22Grad halt. Dazu wechseln

sich Sonne, Wolken und örtliche Regenschauer ab. Der Wind weht

schwach aus südwestlichen Richtungen. In der Nacht breiten sich vielerorts

reichlich Wolken mit einzelnen Regenfällen aus. Die Temperaturen erreichen

Wertevon 13 bis 11Grad.

Biowetter: Das allgemeine Wohlbefinden

lässt zu wünschen übrig.

Nach einem wenig erholsamen

Schlaf sind Wetterfühlige erschöpft

und elanlos. Im Arbeitsalltag fallen

ihnen Aufgaben schwer.

Pollenflug: Eine allergene Belastung

durch Pollen ist momentan

nicht vorhanden.

Gefühlte Temperatur: maximal 22Grad.

Wind: leichter Wind aus Südwest.

Wittenberge

9°/20°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

8°/21° 11°/22°

Luckenwalde

8°/21°

Prenzlau

13°/20°

Cottbus

10°/21°

Freitag

Sonnabend

Sonntag

Regenschauer Regenschauer stark bewölkt

14°/20° 12°/19° 12°/19°

Frankfurt

(Oder)

11°/21°

Mit einem Tief südlich von Island werden viele Wolken und Regenfälle sowie

mäßig warme Luft ins westliche und südliche Mitteleuropa gelenkt. Spätherbstlich

kühl ist es über dem Nordwesten und Teilen der Mitte von Russland. Der

Sommer hat sich nach Südspanien, Sizilien und indie Türkei zurückgezogen.

Sylt

12°/18°

Hannover

12°/20°

Köln

14°/17°

Saarbrücken

14°/16°

Konstanz

13°/19°

Hamburg

11°/18°

Erfurt

11°/20°

Frankfurt/Main

13°/16°

Stuttgart

13°/17°

Rügen

13°/19°

Rostock

13°/20°

Magdeburg

11°/21°

Nürnberg

11°/17°

München

10°/16°

Dresden

11°/20°

Deutschland: Heute gibt es bei vielfach

stark bewölktem Himmel zeitweilige

schauerartige Regenfälle, und

die Temperaturen steigen am Tage

auf 16 bis 22 Grad. Nachts gehen

die Werte dann auf 14 bis 11 Grad

zurück. Der Wind weht nur schwach

aus südwestlichen Richtungen. Morgen

gehen bei meist wolkigem Himmel

gelegentlich Regenschauer

nieder. Dabei sind Höchstwerte von

16 bis 23 Grad zuerwarten, und der

Wind weht schwach bis mäßig aus

südwestlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 15°-16°

Nordsee: 15°-17°

Mittelmeer: 21°-30°

Ost-Atlantik: 15°-20°

Mondphasen: 28.09. 05.10. 13.10. 21.10.

Sonnenaufgang: 06:58 Uhr Sonnenuntergang: 18:56 Uhr Mondaufgang: 03:08 Uhr Monduntergang: 18:26 Uhr

Lissabon

24°

Las Palmas

25°

Madrid

27°

Reykjavik

17°

Dublin

15°

London

21°

Paris

21°

Bordeaux

21°

Palma

28°

Algier

30°

Nizza

25°

Trondheim

14°

Oslo

13°

Stockholm

14°

Kopenhagen

17°

Berlin

22°

Mailand

23°

Tunis

28°

Rom

25°

Warschau

15°

Wien

21° Budapest

22°

Palermo

27°

Kiruna

11°

Oulu

12°

Dubrovnik

24°

Athen

28°

St. Petersburg

11°

Wilna

15°

Kiew

14°

Odessa

17°

Varna

22°

Istanbul

25°

Iraklio

26°

Archangelsk


Moskau

11°

Ankara

25°

Antalya

27°

Acapulco 33° heiter

Bali 36° heiter

Bangkok 34° heiter

Barbados 30° heiter

Buenos Aires 23° sonnig

Casablanca 26° sonnig

Chicago 21° heiter

Dakar 30° wolkig

Dubai 36° sonnig

Hongkong 32° heiter

Jerusalem 29° sonnig

Johannesburg 21° sonnig

Kairo 35° sonnig

Kapstadt 33° sonnig

Los Angeles 21° heiter

Manila 32° wolkig

Miami 31° heiter

Nairobi 26° Schauer

Neu Delhi 31° wolkig

New York 27° wolkig

Peking 31° sonnig

Perth 22° heiter

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 20° Schauer

San Francisco 22° sonnig

Santo Domingo 31° wolkig

Seychellen 27° wolkig

Singapur 33° Gewitter

Sydney 20° Schauer

Tokio 28° wolkig

Toronto 21° Gewitter


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 3

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Seite 3

Da sind diese Träume, die viele

Menschen schon mal geträumt

haben. Irgendwann schreibe ich

ein Buch. Irgendwann habe ich

mein eigenes Café. Irgendwann eröffne ich

ein Kino. Und dann ist Montagmorgen, der

Wecker klingelt und der Alltag beginnt.

Anne Lakebergsteigt dann auf ihr Fahrrad

und fährtvom Gesundbrunnen aus 20 Minuten

mit dem Rad nach Norden. Bis fast nach

Reinickendorfführtsie ihr Weg. Dort, wo das

urbane Berlin allmählich endet, wo es immer

einen Parkplatz vorm Haus gibt und wo gegenüber

die Kleingärtner ihre Parzellen liebevoll

pflegen, ist ihr Traum Wirklichkeit geworden.

Vorfünf Jahren hat sie hier ein Kino

eröffnet, das City Kino Wedding.

Die wichtigste Zutat für Anne Lakebergs

Glück fand sich im Internet. Auf einer Webseite,

die auch geschlossene Kinos in Berlin

auflistet, sah sie alten Kinosaal im Centre

Français de Berlin, dem französischen Kulturzentrum

in der Müllerstraße 74.

„Wir sind einfach hingefahren und haben

durch die Fenster geschaut. Aber da war natürlich

gar nichts zu erkennen“, sagt Anne

Lakeberg. DasGebäude ist groß, und der Kinosaal

im Obergeschoss des Hinterhauses ist

von außen nicht zu sehen. Mit ihr vor dem

Bau aus den Sechzigerjahren stand Wiebke

Wolter.Die beiden Frauen hatten sich bei einer

Weiterbildung zur Filmtheatermanagerin

in Wuppertal kennengelernt. „In der

Pause erzählte ich Wiebke,dass im Wedding,

wo ich wohne, ein Programmkino fehle“,

sagt Lakeberg. Kurz darauf standen beide

schon vordem riesigen CentreFrançais.

Der Zufall hat ihnen die Tür geöffnet. „Es

stellte sich heraus, dass Florian Fangmann,

der Geschäftsführer des CentreFrançais,mit

Wiebke zusammen in die Grundschule gegangen

ist“, erinnert sich Anne Lakeberg.

DerKinosaal war gerade saniertworden und

eigentlich für verschiedene Kulturveranstaltungen

vorgesehen.

Wasfür ein Saal!

Hollywedding

Anne Lakeberg im denkmalgeschützten Saal des City Kino SABINE GUDATH (2)

Zwischen Kiez und Hollywood:

Seit fünf Jahren betreibt Anne Lakeberg das City Kino Wedding.

Sie hat sich damals einen Traumerfüllt. Aber Leidenschaft allein reicht

nicht, um in Netflix-Zeiten als Kino-Chefin zu überleben.

Eine Geschichte vom kreativen Durchhalten

Marmorboden, bunte Leuchtquadrate an der Decke–das Foyer des City Kino

VonDominique Hensel

Undwas für ein Saal dortschlummerte! Über

einen Marmorboden führtder Wegunter einer

mit bunten Leuchtquadraten verzierten

Decke zu einer eindrucksvollen Wendeltreppe

mit goldenen Handläufen hinauf ins

Obergeschoss. Eine riesige Fensterfront

bringt Licht ins Foyer, der Kinosaal ist ganz

Sechzigerjahre mit roten Samtsitzen und einer

großen Bühne –alles denkmalgeschützt.

„Ein tolles Kino, aber viel zu groß“, das war

Anne Lakebergs erster Gedanke.

DasCity Kino Wedding hat nur diesen einen

Saal, der wiederum hat 218 Sitzplätze.

Für ein Kino dieser Art sind das viele. Doch

bei der ersten Vorstellung im September

2014 blieb kein Platz leer. Auch die zweite

war gut besucht, und so starteten die Kinoenthusiastinnen

mit ihrem Programm, zunächst

nur an den Wochenenden, später immer

öfter.Heute ist nur der Montag spielfrei.

Anne Lakeberg, 36 Jahrealt, eine zierliche,

zurückhaltende Frau mit schulterlangen Haarenund

Brille,stammt aus Bielefeld, dorthat

sie auch studiert. Damals hat sie bereits in einem

Kino gejobbt.„Film ist im ganzen Kulturbereich

das Bodenständigste,das hat mir gefallen“,

sagt sie.

Später arbeitete sie in einemVerleih, bevor

sie dann ihr eigenes Kino bekam. Undnicht

nur das.Vor drei Jahren gründete sie mit ihrer

Geschäftspartnerin einen kleinen Verleih. Sie

hat die Rechte für die deutsche Fassung von

„La Boum –Die Fete“.Werden Film öffentlich

zeigen möchte,muss bei Lakeberganrufen.

DerVerleih ist aber nur eine Randnotiz in

ihrem Alltag. Lakebergs Leben dreht sich um

den Kinobetrieb. Filme auswählen, Regisseureeinladen,

Filmgespräche organisieren,

Festivals in den Wedding holen. Das ist viel

Arbeit, weit mehr als ein 40-Stunden-Job.

Seit August träumt sie ihren Traum vom

eigenen Kino zudem allein. Ihre Geschäftspartnerin

ist weitergezogen nach Hannover.

„Dieser große Kino-Klotz liegt nun allein auf

meinen zarten Schultern“, sagt Anne Lakeberg

imScherz. Und meint es doch auch

ernst. Lediglich beim Kartenverkauf helfen

ihr vier Mitarbeiter in Teilzeit, überwiegend

filmbegeisterte Studenten.

Dienstpläne, Buchhaltung, Filmabrechnung,

Getränkeeinkauf, Instagram und Facebook,

Presse und Kooperationspartner,

Filme technisch für die Vorführung vorbereiten

–all das und viel mehr sind die Aufgaben

der Chefin. Manchmal steht sie selbst an der

Kinokasse, sonntags nimmt sie sich frei.

Wenn das wirklich klappt, fährtsie raus in die

Natur.Oder sie geht ins Kino.„Aber nicht ins

City Kino.Dortkann ich mich kaum auf den

Film konzentrieren, sehe dies und das. Ich

gehe lieber in das Neue Off in Neukölln, ins

Acud oder in die Hackeschen Höfe.“

Die Rahmenbedingungen für ihr eigenes

Kino: 218 Sitzplätze, ein großes Foyer, ein

französisches Restaurant und ein Hotel im

Vorderhaus, eine U-Bahnstation und Parkplätze

direkt vor der Tür: durchaus vorteilhaft.

Auch eine Mieterhöhung ist nicht zu befürchten.

Anne Lakebergs Partner ist das

Centre Français de Berlin, eine gemeinnützige

Gesellschaft für kulturellen Austausch,

das Haus gehört demBund.

Die eigentliche Herausforderung für die

Managerin lautet: den großen Saal am Rande

der Stadt Abend für Abend zu füllen. Wieden

meisten Indiekinos hilft auch ihr eine Spezialisierung.

Lakeberg erklärt: „Als Programmkino

braucht man Events und Sonderveranstaltungen,

und genau das machen

wir auch.“

Das City Kino Wedding zeigt nicht die allerneuesten

Filme, aber ein buntes, ausgewähltes

Programm, eine Mischung aus Filmperlen,

Kultfilmen und aktuellem Arthouse.

Derneueste Almodóvar ist ebenso dabei wie

der französische Film des Monats und Dauerbrenner

wie „Dirty Dancing“ mit anschließendem

Sektempfang. Gelegentlich lädt

Anne Lakeberg zusammen mit dem französischen

Restaurant im Vorderhaus zum Kulinarischen

Kino ein. DieVeranstaltungen, bei

denen es zum Film ein passendes Menü gibt,

sind besonders beliebt.

„Wir haben aber auch ganz viele Premierenfür

kleinere deutsche Filme.Esgibt Berliner

Filmemacher, die ihre neuen Filme inzwischen

immer bei uns uraufführen“, sagt

Anne Lakeberg. Für die ambitionierte Mischung

wurde das Kino bereits zweimal mit

dem Kinoprogrammpreis des Medienboards

Berlin-Brandenburgausgezeichnet.

Inzwischen haben viele Festivalsdas Kino

entdeckt. Die Berlinale war 2016, 2017 und

2019 imWeddingzuGast. In denvergangenen

zwei Jahren war Lakebergals Moderatorin aller

Berlinale-goes-Kiez-Vorführungen sozusagen

als Botschafterin ihres Kinos in der ganzenStadt

unterwegs: „Ich liebe das.Ich kenne

auch fast alle Kinos. Ich finde es wichtig, die

Leute hinter den Projekten kennenzulernen.“

Die Berlinale ist es nicht allein. Auch das

Jüdische Filmfest, das Festival des spirituellen

Films und das Arabische Filmfest machen

Station im City Kino.Und das Favourite Films

Festival findet seit mehreren Jahren komplett

in Lakebergs Kino statt, in diesen Tagen wieder

einmal. Gezeigt werden die Publikumslieblinge

der internationalen Festivals.

Unddann sind da immer wieder diese besonderen

Momente im eigenen Kino, die

Anne Lakebergfrohmachen. Kürzlich war die

Schauspielerin Charlotte Rampling auf der

Bühne im City Kino,das war so ein Moment.

DerTraum vom eigenen Kino hätte auch

scheitern können. Ab den Neunzigerjahren

ging es den deutschen Kinos schlecht, es kamen

immer weniger Zuschauer, Kinosäle

wurden geschlossen. Heute hat das City Kino

auch deshalb eine Chance, weil sich die Besucherzahlen

insgesamt stabilisiert haben.

Laut Filmförderungsanstalt steigt die Anzahl

der Kinostandorte in Deutschland sogar wieder,

und die Besucherzahlen sinken trotz

Netflix und Co.nicht weiter.

In Berlin sind vonJanuar bis Juni mehr als

4,4 Millionen Kinobesucher gezählt worden.

Statistisch gesehen waren also jeder Berliner

und jede Berlinerin in diesem Jahr bereits

mindestens einmal im Kino. Das sind etwas

mehr als im gleichen Zeitraum vor einem

Jahr.Die Zahl der Kinosäle in der Hauptstadt

blieb stabil. Berlin ist Deutschlands Kinohauptstadt,

hat mehr als 100 Kinos und fast

300 Leinwände.

Entschleunigung im Dunkeln

„Das Kino stirbt nicht“, sagt Anne Lakeberg.

„Es ist auch falsch, Netflix als großen Gegner

zu betrachten. Ich denke, esgibt Platz für

beides. Und das Kino hat Qualitäten, die

Netflix nicht hat und die die Leute schätzen:

die Größe des Raums, der soziale Kontext,

die Dunkelheit, das Gemeinschaftsgefühl,

wenn die Person neben dir auch lacht oder

weint, die Chance, aus dem Alltag rauszukommen

und sich wirklich auf etwas einzulassen.“

Kino sei auch Entschleunigung.

Angetreten ist sie vorfünfJahren mit dem

Motto „Kiezkultur reloaded“. Genau da will

sie auch weitermachen und das Lokale noch

stärker in den Fokus nehmen. Das könnte

eine stärkereZusammenarbeit mit Kiezinitiativen

wie dem Gemeinschaftsgarten Himmelbeet

sein, wo bereits jetzt gelegentlich

Kino im Garten gezeigt wird.

Unddas können Vorführungen besonderer

Filme mit Wedding-Akzent sein. Bei der

Feier des Kinogeburtstages hat Anne Lakeberg

deshalb einen 30 Jahre alten Film wieder

auf die Leinwand gebracht. „Wedding“

mit dem jungen Heino Ferch, ein Film aus

dem Jahr 1989, der im Wedding an der Berliner

Mauerspielt. DieVorführung war ausverkauft.

Kino im Wedding, das funktioniert.

Anne Lakebergkann weiterträumen.

Dominique Hensel

mag besonders die kleinen Kinos in

Berlin.


4* Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Verschuldung von

Alleinerziehenden steigt

Alleinerziehende in Deutschland haben

immer stärker mit Verschuldung

zu kämpfen. „ImJahr 2018 betrugen

die durchschnittlichen Gesamtschulden

über alle Alleinerziehenden-Haushalte

22 000 Euro“, heißt

es in der Antwortdes Bundesfamilienministeriums

auf eine Anfrage der

AfD-Bundestagsfraktion. 2013 habe

der Wert bei 16 800 Euro gelegen,

2008 bei 13 100 Euro. (rb.)

Missbrauch: Bischöfe regeln

Entschädigung neu

Diedeutschen Bischöfe wollen möglichst

zügig über mögliche höhere

Entschädigungszahlen für die Opfer

sexuellen Missbrauchs entscheiden.

Es solle „in der überschaubaren Zeit

vonMonaten“ Klärung geschaffen

werden, sagte der Missbrauchsbeauftragte

der Bischofskonferenz, der

Trierer Bischof Stephan Ackermann,

am Mittwoch in Fulda nach Gesprächen

mit Opfervertretern. „Wir wollen

eine Anerkennung haben, die Betroffene

als angemessen empfinden.“

EinModell der Opferorganisation

Eckiger Tisch sieht pauschale

Zahlungen von300 000 Euro je Opfer

vor. (AFP)

Bundesregierung fördert

Flugtaxis mit 14 Millionen

In einigen Jahren könnte der Einsatz von

Flugtaxis Realität werden.

DPA

DieBundesregierung fördertdie

Entwicklung vonFlugtaxis für die

Jahre2020 bis 2022 mit 14 Millionen

Euro.Das ergibt sich aus einer Anfrage

des haushaltspolitischen Sprechers

der Grünen-Bundestagsfraktion,

Sven-Christian Kindler.Wer

vonder Bundesregierung gefördert

werden soll, ist noch unklar.„Die

Auswahl der Projekte mit Flugtaxibezug

läuft derzeit noch“, heißt es aus

dem Verkehrsministerium. (ks.)

Netanjahu mit Bildung von

Regierung beauftragt

Israels Staatschef Reuven Rivlin hat

den amtierenden Ministerpräsidenten

Benjamin Netanjahu mit der Bildung

einer neuen Regierung beauftragt.

Dasteilte Rivlins BüroamMittwochabend

nach einem Treffen des

Präsidenten mit Netanjahu und seinem

Herausforderer Benny Gantz

mit. Im Parlament stellt die Mitte-

Rechts-Liste Blau-Weiß vonEx-Generalstabschef

Gantz nach der Wahl

einen Abgeordneten mehr als Netanjahus

Likud. Gantz' Liste Blau-

Weiß kommt auf 33 Sitze. (AFP)

Verfassungsschutz nimmt

BDS ins Visier

DieVerfassungsschützer vonBund

und mehreren Ländernprüfen, ob

die israelkritische Bewegung BDS

als verfassungsfeindlich eingestuft

werden muss.Die internationale

Kampagne,die zum Boykott Israels

aufruft, stelle „das Existenzrecht Israels

infrage“, begründete der Berliner

Innensenator Andreas Geisel

(SPD) gegenüber der Zeit die neue

Linie.Die Verfassungsschutzbehörden

müssten sich „stärker mit dem

BDS und seinen antiisraelischen

Positionen auseinandersetzen“,

sagte Geisel. (AFP)

„Wer widerspricht, muss länger warten“

Der Gesundheitsökonom Robert Nuscheler fordert einen Malus, wenn eine Organspende verweigert wird

Im Bundestag konkurrieren

zwei Gesetzentwürfe zur Organspende:

Auf mehr Aufklärung

setzt die Gruppe um Grünen-Chefin

Annalena Baerbock. Die

Gruppe um Gesundheitsminister

Jens Spahn will eine Widerspruchslösung.

Beieiner Anhörung am Mittwoch

im Bundestag plädierte eine

Mehrheit der befragten Verbände

und Juristen für diesen Vorschlag.

Gesundheitsökonomen wollen aber

noch weiter gehen: Sie fordern Anreizefür

die Organspende.

Herr Professor Nuscheler, unterstützen

Sie als Gesundheitsökonom den

Vorschlag einer Widerspruchslösung

oder den Gegenentwurf?

Seit Jahrzehnten wird die Bevölkerung

darüber informiert, wie

wichtig die Organspende ist. Die

Krankenversicherung klärt auf, die

Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung, die Stiftung Organtransplantation.

Man kann sich diesem

Thema doch gar nicht mehr entziehen.

Unddennoch sind die Spenderzahlen

auf bescheidenem Niveau geblieben.

Die bisherige Zustimmungsregelung

reicht einfach nicht

aus, noch mehr Informationen machen

sie nicht besser. Deshalb müssen

wir mit der Widerspruchslösung

eine neue Variante ausprobieren.

Wie bewerten Sie das Argument der

Kritiker, das sei ein unzulässiger Eingriff

in das Selbstbestimmungsrecht?

Das kann man nicht wegdiskutieren.

Aber die Frage ist doch, wie

schwer dieser Eingriff wiegt. Man

geht davon aus, dass die Widerspruchslösung

die Spenderzahlen erhöht.

Dann jedoch steigen die Überlebenschancen

derer, die auf ein Organ

warten. Vordiesem Hintergrund

relativiert sich der Eingriff in das

Selbstbestimmungsrecht doch ganz

erheblich. In einer Situation, in der in

Deutschland jährlich gut 1000 Menschen

auf der Warteliste sterben, darf

man vonden Bürgernverlangen, sich

mit dem Thema Organspende zu beschäftigen.

Dabei muss sich der Einzelne

gar nicht mit dem eigenen Tod

auseinandersetzen, wie das manche

Kritiker ja behaupten. Er kann einfach

widersprechen und dann hat

sich die Sache erledigt.

Aber führt die Widerspruchslösung

zu mehr Spenderorganen?

Das ist in der Tatnicht ganz so

einfach zu sagen, aber es spricht

doch sehr viel dafür. Sohaben Länder

mit einer Widerspruchslösung in

der Regel zum Teil deutlich höhere

Spenderzahlen als Länder mit einer

Zustimmungslösung.

Liegt das tatsächlich an der Widerspruchslösung?

Einfache Ländervergleiche sind

nicht ganz unproblematisch, da sich

die Länder nicht nur in den Regelungen

zur Organspende unterscheiden.

In Deutschland werden viel zu wenige Organe gespendet.

ZUR PERSON

RobertNuscheler ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie. Der

Wirtschaftswissenschaftler lehrtander Universität Augsburg.Dortist Nuscheler Inhaber des

Lehrstuhls für Finanzwissenschaft.

Vorseiner Zeit in Augsburg forschte und lehrte Nuscheler in Kanada –zunächst an der

McMaster University in Hamilton und dann an der University of Waterloo.

Mann der Kohle

THEPALMER

Spanien hat europaweit die höchsten

Spenderzahlen und hat seit langem

eine Widerspruchslösung sowie exzellente

Strukturen zur Organgewinnung

in den Krankenhäusern. Es

spricht viel dafür, dass es die Kombination

dieser beiden Dinge ist, die

Spanien weit nach vorne bringt. Im

Frühjahr wurden in Deutschland per

Gesetz die Bedingungen für die Organgewinnung

in den Krankenhäusern

verbessert. Wenn nun noch die

Widerspruchslösung kommt, bin ich

hinsichtlich der Spenderzahlen optimistisch.

Sollten die Spenderzahlen

dann immer noch unzureichend

sein, sollte man über Anreize zur Organspende

nachdenken.

Wasschlagen Sievor?

Wir plädieren für ein Malus-System.

Wereiner Spende widerspricht,

wirddann, wenn er selbst einmal ein

Organ benötigt, weiter hinten auf die

Warteliste gesetzt. Er muss also länger

auf ein Organ warten. Wir nennen

das Reziprozität. Eine Reihe von

Experimenten von Verhaltensforschern

hat ergeben, dass die Spendebereitschaft

dadurch deutlich

steigt. Israel, Singapur und Chile haben

Reziprozitätsregelungen.

Dasklingt brutal und unethisch, weil

es hier grundsätzlich den gleichen Zugang

zu Gesundheitsleistungen gibt,

unabhängig vomeigenenVerhalten.

Die Knappheit an Organen ist

brutal und unethisch. Wir sind moralisch

dazu verpflichtet alles rechtlich

Mögliche zu unternehmen,

diese Knappheit zu beseitigen. Reziprozität

kann Teil der Lösung sein.

So erhöht man durch die Spendebereitschaft

seine Überlebenschancen,

sollte man selbst ein Organ benötigen.

Außerdem wird die Organverteilung

dadurch gerechter. Es ist

nicht einzusehen, warum Menschen,

die nicht zur Organspende

bereit sind, dieselben Chancen auf

ein Organ haben sollen wie potenzielle

Spender. Schließlich sind die

Verweigerer die Ursache für die

Knappheit.

Ist esinIsrael gelungen, damit die

Spenderzahlen zu erhöhen?

Dortgibt es eine Zustimmungslösung

mit einem Bonussystem. Wer

Organspender ist, rutscht in der

Warteliste etwas weiter nach vorn.

Damit ist es zwar gelungen, die

Spendebereitschaft zu erhöhen. Der

Anstieg ist aber nur klein. Vermutet

wird, dass der Bonus nicht hoch genug

ist. Außerdem gibt es Schlupflöcher:

Wenn eine Person der Organspende

zustimmt, bekommt sie den

Bonus. Wenn diese Person aber

gleichzeitig ihreAngehörigen beauftragt,

im Falle des Todes einer Organspende

doch zu widersprechen,

dann wirddas System ausgetrickst.

DasGespräch führte

TimSzent-Ivanyi.

Grüne üben scharfe Kritik an der Berufung Stanislaw Tillichs zum Aufsichtratschef des Bergbaukonzerns Mibrag

VonMarkus Decker

Der politische Bundesgeschäftsführer

der Grünen, Michael

Kellner, hat den früheren sächsischen

Ministerpräsidenten Stanislaw

Tillich (CDU) aufgefordert, von

seiner Berufung zum Vorsitzenden

des Mibrag-Aufsichtsrates Abstand

zu nehmen. „Erst torpediert Stanislaw

Tillich wirksameren Klimaschutz,

indem er in der Kohlekommission

für die Interessen der Kohlelobby

streitet“, sagte er der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). „Danach lässt er sich

den Kompromiss auszahlen. So verkohlt

man die Öffentlichkeit und

produziert Politikverdruss. Herr Tillich

sollte davon Abstand nehmen.“

Der Vorsitzende des Bundes für

Umwelt und Naturschutz Deutschland

(BUND), Hubert Weiger, äußerte

sich ebenfalls kritisch.

„Das ist eine Personalie

mit Geschmäckle“,

sagte er. „Stanislaw Tillich

sollte in der Kohlekommission

als Vorsitzender den

ehrlichen Makler geben.

Letztlich hat er vor allem

die Interessen der Kohle

mit einer längeren Laufzeit

verteidigt.“ DerWechsel in

die Braunkohlewirtschaft

sei„insofernkonsequent“, soWeiger,

der der Kommission angehörte.

„Hoffentlich ist er nicht entlarvend.“

So oder so müsse der Konzern„dringend

raus aus der Kohle“.

Stanislaw

Tillich

Der Fraktionsgeschäftsführer der

Linken, JanKorte,erklärte: „Der Vorgang

zeigt, dass wir endlich härtere

DPA

gesetzliche Regelungen

zum Wechsel aus Regierungsposten

in die Wirtschaft

brauchen und dabei

auch Tätigkeiten in Gremien

des Bundes und der

Länder mit einbeziehen

müssen.“ Es dränge der

Eindruck auf, dass der

Kohlekonzern und Tillich

mit dem Ergebnis der Kohlekommission

den besseren

Deal gemacht hätten als die Bevölkerung.

Die Berufung Tillichs war am

Dienstag bekannt geworden. Er löst

den bisherigenVorsitzendenWilhelm

Beermann ab. Der 60-jährige Tillich

war in Sachsen unter anderem Minister

für Umwelt und Landwirtschaft,

Finanzminister und bis 2017 Ministerpräsident

und soll sich jetzt gemeinsam

mit der Geschäftsführung

um energie- und klimapolitische

Herausforderungen kümmern. 2018

wurde er einer von mehreren Vorsitzenden

der Kohlekommission und

verhandelte den Fahrplan für den

Kohleausstieg mit. Mit 2700 Mitarbeitern

gehört der BraunkohlefördererMibrag

zu den wichtigen Arbeitgebern

der Region Halle/Leipzig. Das

Unternehmen fördert jährlich bis zu

18 Millionen Tonnen Braunkohle.

Deutschland soll nach der Entscheidung

der Kohlekommission bis 2038

aus der Braunkohle aussteigen.

Fast eine

Milliarde für

den Wald

Ministerin Klöckner stellt

Bundeshilfe in Aussicht

VonJan Sternberg und Fabian Boerger

Landwirtschaftsministerin

Julia

Klöckner (CDU) hat auf dem

„Nationalen Waldgipfel“ angekündigt,

in den kommenden vier Jahren

547 Millionen Euro für von Dürre

und Schädlingen betroffene Forstwirten

zur Verfügung zu stellen. Zusammen

mit Kofinanzierungen der

Bundesländer könnten bis zu 800

Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Die Bundesgelder sollen aus

dem Energie- und Klimafonds fließen.

Diese Summe ist der aktuelle

Verhandlungsstand mit Bundesfinanzminister

Olaf Scholz (SPD),

sagte Klöckner. Mit dem Geld sollen

die mehr als 180 000 Hektar geschädigten

Waldflächen wieder aufgeforstet

werden. Zudem sollen die gesamten

elf Millionen Hektar deutscher

Wald an den Klimawandel angepasst

werden, sagte Klöckner.

Diegeschädigte Fläche hat sich in

den vergangenen Monaten noch

einmal deutlich vergrößert. Noch im

April war das Ministerium von

110 000 Hektar geschädigten Waldes

ausgegangen. „Der Klimawandel hat

uns deutlich schneller getroffen als

erwartet“, sagte die Ministerin. Allein

in den vergangenen beiden Jahren

seien 105 Millionen Festmeter

Schadholz entstanden.

DieWaldbesitzer zeigten sich zufrieden.

„Das ist ein erster Aufschlag

zur Bewältigung der Krise“, sagte

Hans-Georg von der Marwitz, Präsident

desWaldeigentümerverbandes,

der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). DieWaldeigentümer

hatten ursprünglich 2,3

Milliarden Euro Soforthilfen gegen

die Dürre- und Borkenkäferschäden

gefordert.

Klimawandel und Borkenkäfer schädigen

besondersdie Fichten.

DPA

Klöckner betonte die Bedeutung

der Bäume für den Klimaschutz. Jeder

Baum sei ein Mitkämpfer gegen

den Klimawandel. „Und das,was wir

heute nicht aufforsten, das fehlt natürlich

unseren Enkeln.“ Es müsse

mindestens so viel Wald wieder aufgeforstet

werden, wie in den vergangenen

Jahren durch Waldbrände,

Stürme, Dürren und den Befall von

Borkenkäfern verloren gegangen ist.

Das Ausmaß der Verluste durch den

Schädlingsbefall sei bisher noch gar

nicht absehbar.

Vorder Aufforstung müsse noch

viel beschädigtes Holz abtransportiert

werden. Da viele Waldbesitzer

nur kleine Flächen besäßen, könnten

sie das allein oft kaum leisten.

Verteidigungsministerin Annegret

Kramp-Karrenbauer (CDU) habe daher

die Hilfe der Bundeswehr angeboten.

Und während Umweltministerin

Svenja Schulze (SPD) bei einer

Pressekonferenz den IPCC-Sonderbericht

des Weltklimarats zu den Folgen

des Klimawandels für Ozeane

und Eismassen der Erde kommentiert,

steht ihre Vorgängerin vor dem

Austragungsort des Waldgipfels. Gemeinsam

mit rebellierenden Forstleuten

und der IG Baudemonstrierte

sie für mehr Forstpersonal für den klimageschädigten

Wald. „Die Gewerkschaft

hat völlig recht, dass mehr Personal

benötigt wird, um den Wald

wieder aufzubauen“, sagte sie.


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 5 *

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Politik

Ausgezeichnet: Davi Kopenawa,Schamane und Anführer der Yanomami-Indigenen in Brasilien, mit Kindern.

DPA/SURVIVAL INTERNATIONAL/FIONA WATSON

Kämpfer mit breitem Kreuz

Derbrasilianische Yanomami-Indianer Davi Kopenawa erhält den Alternativen Nobelpreis. Er kämpft seit Jahren für sein Volk und Umweltschutz am Amazonas

VonKlaus Ehringfeld

Essind harte Zeiten für Menschen

wie Davi Kopenawa.

Seine Heimat steht in

Flammen, Goldsucher,

Holzfäller und Hasardeure jeder Art

entern sein geschütztes Territorium

im Amazonas,und die brasilianische

Regierung will Kopenawa und alle

anderen Kämpfer für die Sache der

Indigenen und gegen den Klimawandel

im Land am liebsten mundtot

machen. Präsident Jair Bolsonaro

verfolge „ein Projekt der Zerstörung

der Amazonas-Region“, klagt Kopenawa

an.

Aber es sind diese Momente, die

der Yanomami-Indianer liebt. Wenn

er das Kreuz noch ein Stück breiter

machen muss als ohnehin, wenn er

sich nicht einschüchtern lässt

durch Morddrohungen, Invasoren

und einen vorlauten Präsidenten. Je

stürmischer es wird, desto ruhiger

wird Kopenawa. Angst vor vermeintlichen

Autoritäten hat er

nicht. Auch dafür wurde der 63

Jahre alte Schamane und wichtigster

Repräsentant der Yanomami-

Ureinwohner am Mittwoch mit dem

Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Nach innen ist der Ausgezeichnete

einer der größten geistigen Führer

seines Volkes, nach außen ist er

einer der wichtigsten Streiter für die

Sache seiner Ethnie im Ringen um

ihr Land und das Recht, auch heute

noch ungestört nach den alten Traditionen

leben zu dürfen. Aber das

wirdimmer schwieriger für die Indigenen,

die im nördlichen Teil des

Amazonasbeckens heimisch sind.

Vonden auf rund 26 000 geschätzten

Yanomami leben knapp 17 000 im

brasilianischen Teil. Dieser alleine

hat die Größe Portugals.Die übrigen

9000 Yanomami leben im venezolanischen

Teil des Amazonas.

Stehende Ovationen

Kopenawa, der als einer der wenigen

Yanomami fließend Portugiesisch

spricht, reist unermüdlich durch die

Welt, um auf die Gefahren für sein

Volk aufmerksam zu machen. Erst

im Mai war er bei einer Konferenz

zum Thema Klimawandel und Amazonas

an der US-Universität Harvard

Greta Thunberg,16, wird für

ihre weltweites Klima-Engagement

in diesem Jahr ebenfalls

mit dem Alternativen

Nobelpreis ausgezeichnet –

als mächtigeStimme der

jungen Generation.

PREISTRÄGER

Guo Jianmei ist Frauenrechtlerin

aus China. Die 57-

jährigeJuristin hilft Frauen,

die sich sexueller Belästigung

und häuslicher Gewalt

ausgesetzt werden, Rechtsbeistand

zu erhalten.

und wurde dort mit stehenden Ovationen

bedacht. Immer wieder reist

Kopenawa auch nach Deutschland,

um für die Sache seines Volkes um

Unterstützung zu werben.

Die brasilianische Schriftstellerin

und Filmemacherin Eliane Brum

nennt Kopenawa „einen der wichtigsten

Intellektuellen des Amazonas-Regenwaldes“.

Sie schrieb kürzlich:

„Wenn sie ihn ermorden, stirbt

mit ihm eine ganze Bibliothek.“ Gemeinsam

mit dem französischen

Anthropologen Bruce Albert hat der

Yanomami-Führer eine Amazonas-

Anthologie verfasst, die zeigen soll,

AP, DPA (2)

Aminatu Haidar, kämpft in

der Westsahara gewaltlos für

Gerechtigkeit und politische

Selbstbestimmung.Manche

nennen die 53-Jährigedeshalb

„Gandhi der Westsahara“.

worin der Glaube, das Wissen und

die Weisheiten der Volksgruppe bestehen.

„Es ist ein Buch für alle diejenigen,

die draußen in den Städten leben

und weder uns noch unseren

Wald kennen. Wir Yanomami sind

weise, können denken, sprechen

und kennen die Geschichte der Welt

und des Regenwaldes“, unterstreicht

Kopenawa.

Bekannter als sein „Lehrbuch“

aber ist noch seine Organisation mit

Namen „Hutukara“, was so viel bedeutet

wie „Der Himmel, der die

Erde gebar“. Es ist eine Interessensvertretung

der Indigenen, die Kopenawa

und andere Yanomami vor 15

Jahren gegründet haben und deren

wichtigste Aufgabe es ist, für die politischen

Rechte der Volksgruppe zu

kämpfen.

Denn diese sind in diesen Zeiten

mehr denn je in Gefahr, obwohl

das Territorium seit 1992 als

„Terra Indígena“ anerkannt ist,

also im Grunde geschütztes Indigenengebiet

ist. So steht es jedenfalls

auf dem Papier. Aber Kopenawa

zufolge ist die Zahl der Eindringlinge

im letzten halben Jahr

explodiert, seit Bolsonaro das

Amazonasgebiet rhetorisch zur

Ausbeutung freigegeben hat. Alleine

20 000 neue „Garimpeiros“,

Goldschürfer seien in diesem Jahr

widerrechtlich in ihr Gebiet eingedrungen.

Sie reißen die Böden auf

und verseuchen die Flüsse mit

Quecksilber.

Dermächtige Gegner

Präsident Bolsonaro hat damit kein

Problem. Schwierigkeiten hat er vielmehr

mit dem Rest der Welt, der den

Amazonas als „grüne Lunge“ schützen

will. Am Dienstag vor der UN-

Vollversammlung wiederholte der

rechtsradikale Präsident noch einmal

seine Meinung, dass die internationale

Gemeinschaft kein Recht

habe, sich in die Angelegenheiten

der Amazonas-Staaten einzumischen.

Darüber würde Davi Kopenawa

gerne einmal selber mit Bolsonaro

reden. „Ich habe keine Angst vor

ihm, nur vor seiner Aggressivität.

Aber der Präsident soll gerne zu uns

kommen, um mit mir und meinem

Volk zu reden.“

Das Drama geht weiter

Das britische Parlament tagt nach der durch den Supreme Court beendeten Zwangspause wieder.Johnson versucht die Attacke. Hauptthemen sind der Brexit und mögliche Neuwahlen

VonKatrin Pribyl, London

Willkommen zurück an unserem

Arbeitsplatz.“ So begrüßte der

Unterhaussprecher John Bercow am

Mittwoch die Abgeordneten bei ihrer

ersten Sitzung nach der Aufhebung

der Zwangspause des Parlaments.

Und was das Drama anbelangte,

machten dieVolksvertreter da weiter,

wo sie vor zwei Wochen aufgehört

hatten. Die Opposition ließ ihren

aufgestauten Ärger, ihre Wut und

Frustration über das Verhalten der

Regierung heraus.

„Misstrauensvotum!“

Und der aus New York herbeigeflogene

Premierminister BorisJohnson

forderte die Opposition auf, ein

Misstrauensvotum gegen ihn zu stellen.

„Werden sie den Mut haben zu

handeln? ... Na dann los“, rief Johnson

am Mittwoch im Unterhaus. Er

werdeamAustritt aus der EU festhalten,

betonte Johnson mehrfach in

seiner Rede. Oppositionsführer Jeremy

Corbyn von der Labour-Partei

Neuer Anlauf: Boris Johnson am Mittwoch auf dem Wegindie Downing Street.

mit war er krachend gescheitertund

hatte auch dem System „einen massiven

Schock verpasst“, wie ein Jurist

gegenüber Medien sagte.

Labour-Chef Jeremy Corbyn forderte

Johnson auf, sich sowohl bei

der Queen als auch der Bevölkerung

AP

hatte Johnson nach dessen Niederlage

vor Gericht am Dienstag zum

Rücktritt aufgefordert. Am Dienstag

hatten die elf Richter des Supreme

Courts, des höchsten Gerichts, die

von Johnson verfügte fünfwöchige

Suspendierung des Parlaments für

gesetzeswidrig erklärt. Corbyn erklärte,

die „höchste Priorität“ liege

für Labour derzeit darin, einen Brexit

ohne Abkommen am 31. Oktober zu

verhindern, sagte Corbyn der BBC.

Johnsons Gegner warfen dem

Premier vor, dass er das Unterhaus

kaltstellen wollte, umseinen harten

Brexit-Kurs durchzuboxen. Es wurde

gebrüllt und gebuht, geschimpft und

gekeift. Derweil schossen Regierungsvertreter

in gewohnter Westminster-Manier

verbal zurück.

Einen Vorgeschmack, was später

folgen sollte,konnte Downing Street

schon am frühen Mittag beimVerhör

des Generalstaatsanwalts Geoffrey

Cox erhalten. Der Konservative war

es, auf dessen Empfehlung die Regierung

den Zwangsurlaub bei Königin

Elizabeth II. beantragt hatte.Dazu

entschuldigen. Gleichzeitig erneuerte

er seine Forderung, der Regierungschef

müsse zurücktreten.

Dashatte Johnson noch am Dienstag

ausgeschlossen. Auch Geoffrey Cox

hält an seinem Posten fest. „Ich akzeptiere,

dass wir verloren haben“,

sagte der juristische Berater. Aber es

sei vertretbar gewesen, zu einem anderen

Schluss zu kommen als der

Supreme Court. Gleichzeitig attackierte

der europaskeptische Tory

die Opposition scharf. „Dieses Parlament

ist ein totes Parlament. Es

sollte nicht mehr tagen. Es hat kein

moralisches Recht, auf diesen grünen

Bänken zu sitzen.“ Der Grund

für seinen Wutausbruch? DieWeigerung

der Abgeordneten, dem Antrag

auf Neuwahlen vonJohnson stattzugeben.

Damit solle der Brexit verhindertwerden,

kritisierte Cox.

Die Optionen

Die Frage, die sich am Mittwoch

stellte, lautete: Nun, da die Parlamentarier

mehr Zeit zum Tagen bekommen

haben, wie würden sie

diese nutzen? Angeblich wollen sie

von der Regierung die Veröffentlichung

weiterer Pläne für den Fall eines

ungeregelten Austritts ohne Abkommen

verlangen. Das Problem:

Noch immer gilt es als ausgeschlossen,

dass Labour-Chef Corbyn eine

Mehrheit im Unterhaus zusammenbekommen

würde, umeine alternative

Regierung zu bilden. Johnson

selbst pocht auf Neuwahlen –und

will versuchen, die notwendige

Zweidrittelmehrheit im Parlament

zu erreichen. Cox kündigte am Mittwoch

eine baldige Abstimmung an.

Auch wenn das Unterhaus vor

zwei Wochen ein Gesetz verabschiedet

hat, das den Premier zwingt, in

Brüssel um eine Verlängerung der

Austrittsfrist zu bitten, sollte bis zum

19. Oktober kein Abkommen ratifiziertsein.

Johnson hat mehrfach betont,

diesen Schritt keinesfalls zu gehen.

Beobachter vermuten, dass der

Regierungschef Schlupflöcher nutzenkönnte.Die

ausfindig zu machen

und zu stopfen, könnte nun auf dem

Programm der Johnson-kritischen

Parlamentarier stehen.

Letztlich bietet sich Johnson noch

eine andere, wenn auch umstrittene

Option: Er könnte die Abgeordneten

schlichtweg erneut in den Zwangsurlaub

schicken. Dieses Malmüsste

die Pause nur kürzerausfallen.


6* Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

26.6.19

26.6.19

MÄRKTE

▼ 12234,18 (–0,59 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

26.6.19

Stand der Daten:25.09.2019 (21:51 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

25.9.19

▲ 62,42 (+0,10 %)

25.9.19

▼ 1,0982 (–0,19 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 25.09. zum Vortag

25.9.19

Osram Licht NA 38,80 +2,24 WWWWWWW

Commerzbank 5,36 +2,13 WWWWWWW

Airbus 121,00 +1,87 WWWWWW

Aurubis 41,97 +1,52 WWWWW

CompuGroupMed. 54,90

+1,29 WWWW

K+S NA 12,42 +1,26 WWWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom25.09.zum Vortag

Sartorius Vz. 167,60 WWWWWWWWWWW –3,84

Dürr 23,19 WWWWWWWWWW –3,58

CarlZeissMeditec101,50 WWWWWWWWWW –3,33

Siltronic NA 70,26 WWWWWWWWW –3,17

Knorr-Bremse 83,57 WWWWWWW –2,49

Fresenius 43,63 WWWWWWW –2,48

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 25.09. ±% z. 24.09.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,54

3578/2909 3513,03

CAC 40 (FR) – 0,79

5696/4556 5583,80

S&P UK (UK) ± 0,00

1562/1323 1473,36

RTS (RU) – 0,35

1414/1033 1354,01

IBEX (ES) –0,36

9588/8286 9085,30

Dow Jones (US) +0,73

27399/21713 27002,15

Bovespa (BR) –0,19

106650/78091103683,20

Nikkei (JP) – 0,36

24448/18949 22020,15

Hang Seng (HK) –1,35

30280/24541 25926,50

Stx Singap. 20 (SG) –0,61

1657/1350 1567,53

Sparbriefe und

langfristigeAnlagen 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Jahre 5Jahre 8Jahre

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 1,31 1,41 -

Bank11

bank11.de 1,15 1,30 -

akf bank **

akf.de 1,05 1,20 1,20

VTB Direktbank

vtbdirekt.de 1,00 1,20 1,20

Ziraat Bank

ziraatbank.de 1,00 1,20 -

Targobank

targobank.de 0,60 1,10 -

Santander

santander.de 0,60 0,90 1,22

ING

ing.de 0,03 0,10 -

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 0,01 0,01 0,01

Postbank

postbank.de - - -

Isbank

isbank.de 1,00 1,15 -

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de - - 0,15

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 0,01 - 0,01

Berliner Sparkasse

030/86986969 - - -

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,71 0,86 0,74

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Die deutschen Thomas-Cook-Töchter wieNeckermann brauchen dringend Geld –doch diePolitik zögert.

Anklage beunruhigt VW-Belegschaft

Juristischer Berater des Aufsichtsrats hältVorgehen gegen die Konzernspitzefür unbegründet

Von Jan Petermann

VW-Chef Herbert Diess und Aufsichtsratschef

Hans Dieter

Pötsch bleibentrotz der Anklage wegen

Marktmanipulation im Amt. Dies

entschied der Aufsichtsrat des Autoherstellers

am Mittwoch bei einer

Sondersitzung in Wolfsburg.

Das Präsidium des Kontrollgremiums

hatte sich bereitsamDienstag

dafür ausgesprochen, an denbeiden

Managern festzuhalten. NiedersachsensMinisterpräsident

StephanWeil

verteidigtedie Haltungdes Aufsichtsrats.Erhabe„großenRespekt“vorder

sorgfältigenArbeit der Braunschweiger

Staatsanwaltschaft, sagte der

SPD-PolitikeramMittwoch bei einer

Betriebsversammlung im Volkswagen-StammwerkWolfsburg.

Neckermann muss aufgeben

Auch die deutsche Thomas Cook GmbH meldetInsolvenz an –und hofft auf eine Sanierung

Von Frank-Thomas Wenzel

Jetzt hat es auch die deutschen

Veranstalter des kollabierten

Thomas-Cook-Konzerns erwischt.

Für drei hiesige Gesellschaften

der Gruppe seien Insolvenzanträge

gestellt worden, sagte

am Mittwoch eine Sprecherin des

zuständigen Amtsgerichts in Bad

Homburg dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND). Am Nachmittag

bestellten die Richter drei Anwälte

der Kanzlei Hermann WienbergWilhelm

zu vorläufigen Insolvenzverwaltern.

Zu dem Trio gehört auch

OttmarHermann,derbereitszahlreiche

spektakuläre Fälle wie die Insolvenzverfahren

vonHolzmann, Woolworth

und Karmann betreut hat.

Das Reiseunternehmen hatte zuvor

mitgeteilt: „Der reguläre Geschäftsbetrieb

ist eingestellt, jeglicher

Verkauf von Reisen aus dem

Portfolio der Thomas-Cook-Veranstalter

ist gestoppt.“ Urlaubsreisen

mit einem Veranstalter der Gruppe,

die für die nächsten Tage geplant waren,

können nicht durchgeführtwerden.

Zur deutschen Sparte gehören

die Marken Neckermann Reisen,

Öger Tours, Bucher Reisen, Thomas

Cook Signature und Air Marin. Ob

weitereGesellschaften betroffen seien,

werdeinden nächsten Tagen geprüft,

so die Oberurseler Firma.

Das Insolvenzverfahren wurde

auch für die Thomas Cook GmbH beantragt,

die als sogenannte Obergesellschaft

laut Firmenwebsite für alle

NÜRNBERGER UNTERNEHMER WÖHRL WILL CONDOR

Investor: Hans-Rudolf Wöhrl

hat Interesse an einem Einstieg

bei Thomas Cooks

deutscher Fluggesellschaft

Condor bekundet. Die Airline

sei ein grundsätzlich gesundes

Unternehmen und

schon deshalb wohl nicht

durch einen Ein-Euro-Deal

zu haben, sagte Wöhrl. Daher

würde er den Kaufpreis

mit anderen Investoren gemeinsam

aufbringen.

Aktivitäten im deutschsprachigen

Raum, in Belgien, den Niederlanden,

Tschechien, Ungarn und Polen verantwortlich

ist. Nach dem deutschen

Ableger stellte Thomas Cook auch in

Österreich einen Insolvenzantrag.

Nach Angaben der deutschen Geschäftsführung

werde derzeit mit

dem Auswärtigen Amt, dem Reiseinsolvenzversicherer

und weiteren

Partnern verhandelt, um „eine geordnete

Rückführung der Gäste zu

ermöglichen“. Etwa 140000 Kunden

sind momentan unterwegs.

Um Pauschalreisende in den

Urlaubsgebieten kümmert sich nun

die Zurich Versicherung. Sie übernimmt

Kosten, die bei Hotels oder

„Aber eine Anklage ist kein Urteil“,

betonte Weil. „Sie wiegtschwer, aber

in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung.“

Die Anklage gegen die

Konzernspitze sorgte für Unruhe in

der Belegschaft. Bei der Betriebsversammlung

diskutierten die Mitarbeiter

über die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Braunschweig.

Die Strafverfolger hatten Diess,

Pötsch und den früheren Konzernchef

Martin Winterkorn tags zuvor

wegen Marktmanipulation im Dieselskandal

angeklagt. Nach Angaben

aus Teilnehmerkreisen bewertete der

Jurist Michael Arnoldvon der Kanzlei

Gleiss Lutz, die den VW-Aufsichtsrat

berät, die Ermittlungsergebnisse. Er

betonte vor den Beschäftigten, dass

es vordem öffentlichen Bekanntwerden

der Abgastricks in den USA im

Kritik: Heftige Vorwürfe gab

es vonWöhrlgegen die britische

Konzernmutter.„Wie

eine Kolonialmacht mit ihren

Kolonien umzugehen pflegt“

–sobeschrieb er das Verhalten

der Briten mit dem Ferienflieger.Wöhrlhatte

unter

anderem einen Vorläufer von

Eurowings gegründet und

sich danach bei verschiedenen

anderen Fluggesellschaften

engagiert.

Kredit: Die Bundesregierung

und die hessische Landesregierung

wollen Condor einen

Überbrückungskredit von

insgesamt 380 Millionen

Euro mit einer Laufzeit von

sechs Monaten zur Verfügung

stellen. Um den Abfluss

vonstaatlicher Finanzhilfe

an die Briten zu verhindern,

stellte Condor einen

Antrag auf ein sogenanntes

Schutzschirmverfahren.

September 2015 zu keinem Zeitpunkt

eine Lage gegeben habe, in der der

Vorstand eine Mitteilung an die Finanzwelt

hätte herausgeben müssen.

Es kommenur darauf an,was derVorstand

damals gewusst habe, erklärte

Arnold –nicht darauf, was heute inzwischen

bekannt sei.

Anleger verlangen von Volkswagen

Schadensersatz, weil das Management

sieimHerbst2015 zu spät

über diefinanziellenRisiken derDieselkrise

informiert habe. Die Staatsanwälte

schlossen sich dieser Sicht

an. Beim Landgericht Braunschweig

mussdie 16.Wirtschaftsstrafkammer

nun prüfen, ob die Anklageschrift zugelassen

wird und es zu einem Strafprozess

kommt. Dazu muss zunächst

geklärtwerden, ob einhinreichender

Tatverdacht besteht, also ob eineVer-

FOTO: IMAGO IMAGES

Fluggesellschaften jetzt anfallen. Die

Assekuranz ist auch dafür zuständig,

dass Urlauber wieder nach Hause gebracht

werden –ohnedass diese dafür

noch etwas draufzahlen müssen.

Dies gilt aber nicht für Touristen,

die nur ein Hotel bei dem Unternehmen

gebucht haben. Siemüssen ihre

Rückreise selbst organisieren. Die

Versicherung übernimmt auch Entschädigungen,

die wegen angezahlter

oder schon komplett bezahlter,

aber nur durchgeführten Pauschalreisen

entstanden sind. Auch dortgehen

Kunden, die nur einzelne Komponenten

gebucht haben, leer aus.

Die maximale Gesamtsumme der

Entschädigungen beträgt 110 Millionen

Euro. Experten erwarten, dass

dies nicht reichen wird. Betroffene

würdendann nureinenTeil ihrerForderungen

zurückbekommen.

Wie es nun mit den deutschen

Thomas-Cook-Reiseveranstaltern

mit ihren rund 2000 Beschäftigten

hierzulandeweitergeht,waramMittwochnachmittag

offen. Die Geschäftsführung

teilte mit, sie habe

sich zum Insolvenzantrag gezwungen

gesehen, um sich „von den komplexen

finanziellen Verflechtungen

und Haftungsverhältnissen“ mit der

britischen Muttergesellschaft lösen

zu können.

Das ist die Thomas Cook Group,

die in der Nacht zum Montag ihre

Zahlungsunfähigkeit erklärt hatte.

Angestrebt werdenun ein„sanierendes

gerichtliches Verfahren“. Eine

Sprecherin bestätigte auf RND-Anfrage,dass

auch ein staatlicher Überbrückungskredit

beantragt wurde.

Sie fügte am Mittwochmittag hinzu:

„Eine Entscheidung gibt es aber noch

nicht.“

Die staatliche Unterstützung

dürfte entscheidend für die Zukunft

des Unternehmens sein –essollsich

um 375 Millionen Euro handeln, die

vom Bund und vom Land Hessen

kommen müssten. DasGeldwirdbenötigt,

um die Geschäfte weiterführenzukönnen.

Doch es gibt offenbar

Vorbehalte: „Wir müssen Gewissheit

haben, dass das zukunftsfähig ist,

was dort geschieht“, sagte Hessens

Ministerpräsident Volker Bouffier

(CDU).

urteilung der Topmanager wahrscheinlich

ist.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats

hatte am Dienstag erklärt, man

halte die Vorwürfe für nicht nachvollziehbar.

AnDiess und Pötsch werde

das Unternehmen daher festhalten,

es sei weiterhin keine vorsätzlich

unterlassene Information des Kapitalmarkts

zu erkennen. Betriebsratschef

Bernd Osterloh bekräftigte dies

nach Teilnehmerangaben auf der

Versammlung, er stehe auch als Gesamt-

und Konzernbetriebsratsvorsitzender

hinter der Erklärung des

Präsidiums.

DieGrünenimniedersächsischen

Landtag mahnten jedoch, im Blickzu

behalten, obPötsch und Diess ihre

Funktionen wirklich noch ausüben

könnten. (dpa)

Werneke

kündigt harte

Gangart an

Neuer Verdi-Chef fordert

Umverteilung

Von Basil Wegener

Der neue Verdi-Chef Frank Werneke

ist mit einem eindringlichen

Aufruf für höhereLöhne,sichere

Renten und Umverteilung in sein

Spitzenamt gestartet. „Verdi ist die

politische Gewerkschaft in Deutschland“,

sagte Werneke am Mittwoch

vorrund 1000 Delegierten des Verdi-

Bundeskongresses in Leipzig. Dies

solle so bleiben.

Frank Werneke war zuvor am

Dienstag zum Nachfolger des Langzeitvorsitzenden

Frank Bsirske gewählt

worden, der mit minutenlangem

Applaus offiziell verabschiedet

wurde.

Bsirske sagte: „Ich bin über viele

Jahredas Gesicht vonVerdi gewesen,

das stimmt.“ Doch nun gehe es weiter.

Der 67-Jährige überreichte dem

15 Jahre jüngeren Werneke symbolisch

einen Kugelschreiber –nämlich

jenen, mit dem er im Jahr 2001 die

Gründungsdokumente von Verdi

unterschrieben habe.Verdi entstand

damals aus fünf Einzelgewerkschaften.

Werneke machte deutlich, dass er

als „leidenschaftlicher Tarifverhandler“

lieber auf eigene Durchsetzungskraft

statt auf die Politik vertraue. So

habe Verdimit seinen 1,97 Millionen

Mitgliedernmehrals 22 600 Tarifverträge

ausgehandelt und eine erfolgreiche

„Streikkultur“ entwickelt.

Auch für künftige Tarifrunden kündigte

er sichtbareKampagnen an. Im

kommendenJahrwillerdieVerhandlungen

für den öffentlichen Dienst

für Bund und Kommunen führen.

Heute bröckele das Tarifsystem

teils stark, neun Millionen Menschen

arbeiteten für einen Niedriglohn und

Deutschland sei „eine Steueroase für

Vermögende und Reiche“. Zum

Schwerpunkt seiner Amtszeit wolle

er einen „Aufbruch“ für mehr Tarifverträge

machen, kündigte der für

vier Jahre gewählte Werneke an. Um

dies zu erreichen, sei auch die Regierung

gefordert, etwa durch bessere

Möglichkeiten, Tarifverträge für allgemeinverbindlich

in einer Branche

zu erklären.

HartzIVüberwinden

Werneke forderte, Hartz IV zu überwinden

–etwa durch höhere Sätze

und die Abschaffung vonSanktionen

gegen nicht kooperative Empfänger.

ErverlangtehöherenSchutzvorKündigungen

in Zeiten technologischen

Wandels –durch die Möglichkeit von

deutlichen Arbeitszeitverkürzungen

in bedrohten Bereichen. Gegen Altersarmut

müsse die von Bundesarbeitsminister

Hubertus Heil (SPD)

vorgeschlagene Grundrente kommen

– und ein höheres Rentenniveau.

Nötig sei ein gesetzlicher Mindestlohn

von„erst einmal 12 Euro“–

„und dann weiter ansteigend“, sagte

Werneke. Eine Erhöhung müsse

noch in der laufenden Legislaturperiode

kommen. Bisher ist geplant,

dass der Mindestlohn zum 1. Januar

2020 von derzeit 9,19 Euro auf 9,35

Euro proStunde steigt.

Mit der Bundesregierung ging

Werneke teils hartins Gericht. So sei

das vergangene Woche beschlossene

Klimapaket „eine klare Enttäuschung“.

Im Schulterschluss mit Klimaschützernbemängelte

das SPD-Mitglied,

dass der neue CO 2 -Preis, der

Erdgas, Heizöl, Kohle, Diesel und

Benzin verteuernsoll, beinur 10 Euro

proTonne Kohlendioxid starten soll.

Anstatt sich von Elektromobilität alleine

eine ökologische Verkehrswende

zu erhoffen und „dieses Land mit

Stromladesäulen vollzupflastern“,

seien höhereInvestitionen in den öffentlichen

Nahverkehr nötig.

Derneue Verdi-Chef kündigte an,

seine Gewerkschaft werde die Fridays-for-Future-Bewegung

weiter

unterstützen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 7

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Wirtschaft

Drittes

Angebot für

Osram

Der Übernahmekampf

verschärft sich

Von Thomas Magenheim

Im Übernahmekampf um den

Münchner LichtkonzernOsram ist

nun ein drittes Kaufangebot in Vorbereitung.

DaserklärtOsram alsObjekt

der Begierde in einer Ad-hoc-

Mitteilung. Dazu tut sich der US-Finanzinvestor

Bain mit dem Wettbewerber

Advent zusammen. Das Duo

will „einen bedeutenden Aufschlag“

gegenüber dem bisher lukrativsten

Angebot des österreichischen Sensorherstellers

AMS bieten, heißt es in

einem Schreiben an den Osram-Vorstand.

Genauer wirddas Investorenduo

derzeit nicht. Einbindendes Angebot

mit exaktem Kaufpreis wurde

für die nächsten Wochen angekündigt.

AMS bietet für die Münchner

38,50 Euro je Anteil und in der Summe

damit bis zu 4,3 Milliarden Euro.

Daskönnte nun nicht mehr reichen.

Die Hoffnung von Bain und Advent

dürfte sein, durch ihreAnkündigung

zu verhindern, dass AMS bis

Ende der eigenen Angebotsfrist am

1. Oktober die angepeilten 62,5 Prozent

der Osram-Aktien einsammelt.

Bisdahin können die Finanzinvestorennoch

kein verbindliches Angebot

präsentieren, weil das zuvor noch

vonder Finanzaufsicht Bafin geprüft

werden muss. Aus dem Rennen ist

nunwohldasersteÜbernahmeangebot

für Osram, das Bain mit Partnerinvestor

Carlyle gemacht hatte.

Bieterduotaktiert

Der Umstand, dass das neue Bieterduo

derzeit keinen Kaufpreis nennt,

dürftevorallemtaktischeGründehaben.DennAMSdarfdaseigeneAngebot

aus rechtlichen Gründen nur

noch einmal aufbessern. Ohne Klarheit

durch Bain und Advent weiß

AMS aber nicht, welche Summe man

konternmuss.

Stockt AMS die eigene Offerte auf,

auch ohne die Höhe des Gegenangebots

zu kennen, würde das die Annahmefrist

für das eigene Angebot

um zwei Wochen auf Mitte Oktober

verlängern. Bain und Advent wüssten

dann aber, was AMS maximal

zahlt und hätten zwei Wochen Zeit,

um auch diesen Preis zu überbieten,

ohne dass AMS aus rechtlichen

Gründen seinerseits noch einmal reagieren

dürfte. Stocken die Österreicher

jetzt nicht auf, müssen sie damit

rechnen, die für ihr Angebot festgelegte

Mindestannahmequote von

62,5 Prozent zu verfehlen und wären

dann ganz aus dem Rennen. Das

könnte durchaus geschehen, denn

zumindest Osram-Großaktionäre

wie die Allianz mit etwa einem Zehntel

der Anteile würden wohl unweigerlich

auf die bessere Offerte von

Bain und Advent warten.

Dem Osram-Management und

vorallem der 26000 Mitarbeiter starken

Belegschaft dürfte das gelegen

kommen. Betriebsrat und IG Metall

lehnen eine Übernahme durch AMS

ab. Sie fürchten von den Österreichern

imFall einer Übernahme den

angekündigten Abbau mehrerer

HundertJobs sowie den Verkauf von

Geschäftsteilen, also eine Zerschlagung

des über 100 Jahre alten Traditionskonzerns.

Für OsramwerdenMilliarden geboten.

FOTO: TOBIAS HASE/DPA

Kredit verbraucht

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff muss gehen. Vorerst übernimmtMartina Merz dieGeschäfte

Von Claus Haffert

Und wenn man mich nicht

mehr will, dann soll man

mir das sagen“ –nur gut

einen Monat ist es her,

dass Thyssenkrupp-Chef Guido

Kerkhoff dem „Spiegel“ auf die Frage

nach seiner Zukunft diese Antwort

gab.AmDienstagabend waresüberraschend

schnell so weit: Präsidium

und Personalausschuss des Aufsichtsrats

empfahlen, dem erst seit

Juli vergangenen Jahres amtierenden

Vorstandsvorsitzenden den Laufpass

zu geben. DerAufsichtsrat solle „Verhandlungen

über eine zeitnahe Beendigung

seines Vorstandsmandates“

aufnehmen.

Kerkhoff hat offensichtlich bei allen

wichtigen Gruppen des Traditionskonzerns

seinen Kredit aufgebraucht.

Präsidium und Personalausschuss

des Aufsichtsrats sind paritätisch

mit Vertretern von Anteilseignernund

Arbeitnehmernbesetzt.

Die endgültige Entscheidung des

Aufsichtsrats über die Ablösung von

Kerkhoff gilt deshalb nur als Formsache.

Rückendeckung der Aktionäre

Das Ruder bei dem angeschlagenen

Industrieriesen soll jetzt vorübergehend

die bisherige Aufsichtsratsvorsitzende

Martina Merz übernehmen.

Merz ist erst seit Februar Chefkontrolleurin

des letzten großen Industriekonzerns

an der Ruhr und damit

auch im Präsidium und im Personalausschuss

vertreten. Die frühere

Bosch-Managerin mit Maschinenbau-Examen

soll längstens zwölf

Monate Vorstandsvorsitzende bleiben

und dann in den Aufsichtsrat zurückkehren.

In dieser Zeit soll Siegfried

Russwurmden Aufsichtsrat leiten.

Auch der frühere Siemens-Manager

sitzt erst seit diesem Jahr in

dem Gremium.

Merz hat die Rückendeckung der

beiden wichtigsten Aktionäre von

Thyssenkrupp. „Martina Merz hat

dasvolleVertrauen derStiftung“,teilte

die Krupp-Stiftung, die mit rund 21

Prozent größter Anteilseigner ist, am

Mittwoch mit. Ein solches Bekenntnis

zu Kerkhoff hatte es von der Stiftung

zuletzt nicht mehr gegeben. Da

hieß es lediglich, die Stiftung stehe

„hinter dem vom Vorstand eingeschlagenen

Weg“.

Auch der schwedische Investor

Cevian, der rund 18 Prozent an Thyssenkrupp

hält, begrüßte die geplante

Berufung von Merz. „Wir unterstützendieErnennungvonMartinaMerz

zur Vorstandsvorsitzenden voll und

ganz“, erklärte dessen Co-Chef Lars

Förberg. Er dringt seit langem auf

Von Thomas Magenheim

Schutz geistigen Eigentums gilt als

eine wesentliche Stütze moderner

Volkswirtschaften. Welchen Einfluss

solche Schutzrechte auf technische

Erfindungen, Design oder Marken

für Wirtschaftskraft, Beschäftigung

und Lohnniveau ausüben, haben

das Europäische Patentamt

(Epa) in München und das Amt der

Europäischen Union für geistiges

Eigentum (Euipo) im spanischen AlicantejetztineinerStudieuntersucht.

Die Ergebnisse weisen geistigen

Schutzrechten vor allem einer Exportnation

wie Deutschland überragende

Bedeutung zu. So meldet die

heimische Industrie EU-weit nicht

nur die meisten Patente auf technische

Erfindungen an. Siereicht auch

so viele Anträge auf Geschmacksmuster

ein wie sonst niemand und

lässt sich am intensivsten Markensowie

Urheberrechte sichern.

Deutsche Wirtschaftszweige, die

solche Rechte überproportional nut-

Guido Kerkhoffräumt sein Chefbüro bei Thyssenkrupp.

Dünne Finanzdecke: Thyssenkrupp steckt

seit Langem in der Krise. Die Finanzdeckeist

dünn –auch eine Folgevon milliardenschweren

Fehlinvestitionen in StahlwerkeinBrasilien

und den USA. Die als Befreiungsschlag

geplante Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten

Tata wurde vonder EU untersagt.

zen, erzeugen mit 1,5 Billionen Euro

fast die Hälfte des jährlichen Bruttoinlandsprodukts

und sie stellen mit

13 Millionen Beschäftigten hierzulande

jeden dritten Arbeitsplatz. Damit

sind die Auswirkungen vongeistigen

Schutzrechten auf Wirtschaftskraft

und Beschäftigung laut Studie

so groß wie sonst nirgendwo in der

EU, betont die Studie. Analysiert

worden ist der Zeitraum von2013 bis

2016. In Deutschland würden

schutzrechtsintensive Industrien

mit dem Automobilbau an der Spitze

wie ein Jobmotor wirken.

Siemens und Bosch ragen heraus

Dabei würden patentintensive Industrien,

deren herausragende und

besonders anmeldestarke Vertreter

Konzerne wie Siemens,Bosch,BASF,

Continental und Bayersind, 6,3 Millionen

Deutschen Arbeit geben. Bei

Branchen, die besonders viele

Schutzrechte auf Design und Geschmacksmuster

anmelden, sind es

hierzulande sogar 7,1 Millionen

SEIT LANGEM IN DER KRISE

FOTO: ROLF VENNENBERND/DPA

Nachfolger Hiesingers: Guido Kerkhoff steht

erst seit Mitte Juli 2018 an der Spitze des Industriekonzerns.

Er hatte eigentlich einen

Vertrag bis 2023. Der einstigeFinanzvorstand

Kerkhoff sollte Thyssenkrupp nach dem

turbulenten Abgang des früheren Vorstandsvorsitzenden

Heinrich Hiesinger stabilisieren.

Europameister der Patente

Laut einer Vergleichsstudie liegt die Exportnation Deutschland vorn

Arbeitsplätze. Dasist sowohl prozentual

als auch absolut mehr als in jedem

anderen EU-Land.

Vondieser deutschen Stärke profitieren

aber auch Beschäftigte anderer

EU-Staaten. Denn bei Schutzrechten

besonders aktive deutsche

Unternehmen haben im vonder Studie

untersuchten Dreijahreszeitraum

in anderen EU-Staaten 1,7 Millionen

Arbeitsplätze aufgebaut. Das

ist ein Drittel aller in den jeweiligen

Ländernneu geschaffenen Jobs.

Ohne den Jobaufbau schutz-

mehr Tempo beim Umbau vonThyssenkrupp.

Jetzt ist Förberg „zuversichtlich,

dass Thyssenkrupp nun

endlicheineeindeutigeStrategieund

einen klar definierten Maßnahmenplan

erhält“. Für Merz dürfte aus

Sicht von Cevian sprechen, dass sie

bei Bosch erfolgreich den Verkauf

von Unternehmensteilen geleitet

hat.

Kerkhoff war es nicht gelungen,

den schlingernden Tanker Thyssenkrupp

auf Kurs zu bringen. Als der

langjährige Finanzchef im Juli 2018

das Ruder in Essen übernahm, hatte

sein Vorgänger Heinrich Hiesinger

entnervt über Querschüsse von Investoren

das Handtuch geworfen.

Kerkhoff wurde zunächst zum Übergangschef

berufen. Nach längerer

Suche bekam Kerkhoff schließlich im

Herbst einen Vertragbis 2023.

Wasfolgte, waren Strategiewechsel,

Gewinnwarnungen und Kursverluste

an der Börse.Zuletzt büßte der

Konzern sogar die prestigeträchtige

Mitgliedschaft im Dax ein. Kerkhoff

wollte zunächst den Konzernmit seinen

160 000 Mitarbeitern in zwei

eigenständige Unternehmen für

Werkstoffe und Industriegüter aufspalten.

Nachdem die geplante

Stahlfusion mit dem Konkurrenten

Tata Steel am Veto der EU-Wettbewerbshüter

gescheitert war, sagte

Kerkhoff die Aufspaltung ab. Stattdessen

soll der Konzern jetzt radikal

umgebaut werden. Dabei sollen 6000

Stellen gestrichen werden. An diesem

Konzept will Thyssenkrupp

auch nach dem Abgang vonKerkhoff

festhalten.

Debatte um Aufzugssparte

Zum Zerwürfnis zwischen Kerkhoff

und der Aufsichtsratsspitze könnte

auch die Debatte um die Zukunft der

Aufzugssparte des Konzerns beigetragen

haben. Um Geld in die leeren

Kassen zu bekommen, hatte Kerkhoff

einen Teil-Börsengang des hoch

profitablen Geschäfts geplant. Auf

die Möglichkeit, die Aufzugssparte

ganz oder teilweise an einen Konkurrenten

oder andere Investoren zu

verkaufen, hatte sich er sich nur sehr

zögerlich eingelassen.

Die IGMetall ist jedenfalls alarmiert.

„Ein weiterer Personalwechsel

bei Thyssenkrupp führtnicht zur Beruhigung,

sondernzuweiterer Unruhe

bei den Beschäftigten“, sagte ihr

nordrhein-westfälischer Bezirksleiter

Knut Giesler. Insbesondere bei

den Beschäftigten der Aufzugssparte

von Thyssenkrupp gebe es massive

Verunsicherungen. „Es kann nicht

sein, dass die Beschäftigten dem Finanzmarkt

zum Fraß hingeworfen

werden“, warnte Giesler. (dpa)

rechtsintensiver Wirtschaftszweige

wäredieGesamtbeschäftigunginder

EU zwischen 2013 und 2016 gesunken,

stellt die Studie klar.Saldiertmit

dem Abbau wenig innovativer Branchen

sei unter dem Strich aber ein

EU-weiter Aufbau von 1,3 Millionen

Arbeitsplätzen geblieben. Zudem

würden schutzrechtsintensiveBranchen

hohe Löhne und Gehälter zahlen.

Sielägen um fast die Hälfte höher

als im Schnitt der Wirtschaft. Aufbesonders

innovativeBranchen entfalle

mit über 80 Prozent auch ein Großteil

allen Handels mit Waren und

Dienstleistungen der EU mit anderen

Weltregionen. Sie sorgen damit

für hohe Handelsbilanzüberschüsse.

Ein besonderes Augenmerk hat

die Studie auf Technologien zum Klimaschutz

und zur Digitalisierung

der Wirtschaft gelegt. Denn ihnen

werden in naher Zukunft besonders

hohe Wachstumspotenziale zugetraut.

Schon heute entfallen auf Firmen,

die innovative Klimaschutztechnik

anbieten, EU-weit 2,5 Prozent

aller Beschäftigung und 4,7 Prozent

der Wirtschaftskraft.

EinZehntel aller beim Epaeingereichten

Patente zielen mittlerweile

auf grüne Technologien. Bei Digitaltechnologie

beträgt der Beschäftigungsanteil

1,7 Prozent und der an

der Wirtschaftsleistung 3,9 Prozent.

Hier verdienen Beschäftigte auch am

meisten. Mitarbeiter in digitaltechnologisch

starken Firmen erhalten

einen mehr als doppelt so hohen

Lohn wie im Schnitt der Wirtschaft.

NACHRICHTEN

Wieder Razzia

bei Deutscher Bank

Im Zusammenhang mit dem Geldwäscheskandal

bei der dänischen

Danske Bank haben Ermittler in der

Zentrale der Deutschen Bank in

Frankfurtnach Beweisen gesucht.

DieBank bestätigte die Durchsuchung

vomDienstag. DieErmittler

werfen Deutschlands größtem Geldhaus

vor, in einigenFällen keinen

Geldwäscheverdacht gemeldet zu

haben, obwohl das nötig gewesen

wäre. Offenbar geht es um eine

niedrige zweistellige Zahl vonFällen.

DieDanskeBank steht im Mittelpunkt

eines der größten Geldwäscheskandale

Europas.Esgeht um

Verstöße gegen Vorschriften zur Vermeidung

vonGeldwäsche. (dpa)

Maschinenbauer

wollen nach China

Deutschlands Maschinenbauer forderneinen

besseren Marktzugang in

China. Immer mehr Unternehmen

der Branche äußernsich kritisch

über das Geschäftsklima in dem

Land. VDMA-Hauptgeschäftsführer

Thilo Brodtmann legte am Mittwoch

vorder Presse in Peking eine lange

Liste vonKlagen vor. DieHandelsbarrieren

in China reichten von

wachsenden Visaproblemen über

Schwierigkeiten mit dem neuen Cybersicherheitsgesetz

bis hin zu

marktverzerrenden Subventionen.

DieAusfuhren der deutschen Maschinenbauer

nach China stagnierten

in der ersten Jahreshälfte praktisch.

(dpa)

Ikea steigert Umsatz

auf 36,7 Milliarden Euro

Das schwedische Möbelhaus wächst

weiter.

FOTO: DPA

Derschwedische Möbelriese Ikea

macht weiter gute Geschäfte.Der

Umsatz mit eigenen Möbelhäusern

sei im abgelaufenen Geschäftsjahr

vonSeptember 2018 bis August 2019

auf 36,7 Milliarden Euro gestiegen,

teilte der Ikea-MutterkonzernIngka

mit. Im Vergleich zum Vorjahr (34,8

Milliarden Euro)entspreche das

einem währungsbereinigten Anstieg

von5Prozent. Angaben zum Gewinn

wurden nicht gemacht.

Geprägt gewesen sei das Jahr von

zahlreichen Investitionen, unter anderem

in die Eröffnung vonEinrichtungshäuserninInnenstädten

und

in erneuerbareEnergien, so der Möbelkonzern.

(dpa)

Ersatzteile für Autos

deutlich teurer

Autoersatzteile wie Motorhauben,

Kotflügel und Leuchten sind in diesem

Jahr deutlich teurer geworden –

und damit auch die Reparaturkosten

nach Unfällen. „Die Preise stiegen

vonAugust 2018 bis August 2019

im Schnitt um 4Prozent, für Kotflügel

sogar um fast 7Prozent“, teilte

der Gesamtverband der Deutschen

Versicherungswirtschaft am Mittwoch

mit. Dashabe bei den Versicherernzusteigenden

Reparaturkosten

nach Unfällen geführt. „Im

Jahr 2013 kostete die Kfz-Haftpflichtversicherer

ein Pkw-Schaden

im Schnitt noch rund 2400 Euro“,

hieß es.2018 seien es 2800 Euro gewesen.

(dpa)


8 Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Meinung

Lehrer als Beamte

ZITAT

Dieser Wegwird

ein weiter sein

Melanie Reinsch

befürwortet die Entscheidung der

SPD-Fraktion.

Vor 15 Jahren verabschiedete sich die

SPD von der Verbeamtung von Lehrern.Nun

will sie sie mit aller Kraft zurück

–zumindest ein Teil. Denn die Sozialdemokraten

sind in dieser Frage tief gespalten,

wenn nicht sogar zerstritten. Dass die

Fraktion sich nun mehrheitlich für die

Verbeamtung ausgesprochen hat, soll einen

Grundstein für den nächsten Landesparteitag

legen, auf dem das Thema wieder

auf der Agenda steht. Rückblick: Im

März einigte man sich nach Stunden hitziger

Debatte auf ein entschiedenes„Vielleicht“.

Jetzt erhoffen sich die Befürworter

offenbar Rückenwind durch das klareVotum

in der Fraktion.

Berlins Alleingang fand damals vor

dem Hintergrund des Spardiktats unter

Wowereit Konsens. Das Argument, dass

auch andere Berufsgruppen ebenso berechtigt

wären, finanzielle Privilegien

durch einen Beamtenstatus genießen zu

können, ist stark. Und obLehrer wirklich

hoheitliche Aufgaben eines Beamten

übernehmen, muss man in der Tatgrundsätzlich

hinterfragen.

Doch auf der Gegenseite stehen Argumente,

die schwerer wiegen. Berlin leidet

unter massivem Lehrermangel, das Loch

wurde mit Quer-und Seiteneinsteigernzu

stopfen versucht – zum Unmut vieler.

Dass Lehrer in Brandenburg, das wie alle

anderen Bundesländer seine Lehrkräfte

verbeamtet, so viel mehr verdienen und

daher aus triftigem Grund abwandern,

muss auch die Parteilinken und die Koalitionspartner

Grüne und Linke eigentlich

zum Umlenken veranlassen. Auch wenn

es wehtun mag. So lange sich die Koalitionspartner

hier allerdings sperren, kann

auch ein SPD-Parteitagsbeschluss im Oktober

kaum etwas ändern. DerWeg bis zur

Rückkehr der Beamten ist noch weit.

Waldgipfel

Die Forstlobby

bleibt unter sich

JanSternberg

meint, dass die Umweltministerin

einen wichtigen Termin verpasste.

Bundesumweltministerin

Svenja

Schulze (SPD) meint, dass der Wald

der Zukunft ein Klimawald sein muss.Dafür

will Schulze sogar das Waldgesetz ändern.

Doch dem „Nationalen Waldgipfel“

mit Agrarministerin Julia Klöckner (CDU)

blieb sie fern. Sienahm lieber einen anderenTermin

wahr.Was zur Folge hatte,dass

die Umwelt beim Waldgipfel vor der Tür

blieb.Und das im wahrsten Sinne: SchulzesVorgängerin

BarbaraHendricks (SPD)

demonstrierte vor dem Tagungsort mit

Gewerkschaftern für die Interessen von

Waldarbeitern.

Drinnen beimWaldgipfel waren Klöckner

und die Forstlobby großteils unter

sich. Klöckners Rezepte gegen die akute

Krise waren auf Linie mit den Waldeigentümern

–Schadholz raus aus dem Wald,

Holznutzung vorantreiben, Jagd verstärken,

leistungsfähige Wälder schaffen. Natürlich

spricht auch Klöckner davon, dass

„der Klimawandel uns deutlich schneller

getroffen hat als erwartet“ –schließlich

muss sie einräumen, dass 70 000 Hektar

Wald mehr geschädigt sind als noch vor

einem halben Jahr befürchtet. Und sie

muss die Hilfen für betroffene Forstbesitzerals

Unterstützung für den Umbau zum

Klimawald verkaufen, schließlich kommen

die mehr als 500 Millionen nicht aus

ihrem Etat, sondernaus dem beim Klimakabinett

aufgelegten Sonderfonds.

Klöckner und Schulze sind schon wegen

einiger Fragen aneinandergeraten.

DieKrise des deutschen Waldes wäreeine

Auseinandersetzung auf offener Bühne

wert gewesen. Denn derWald der Zukunft

muss ein Klimawald sein.WelcherWegbei

dieser Generationenaufgabe gewählt

werden muss, darf nicht den Agrarinteressen

allein überlassen werden.

Premierminister-Schmelze

Das ist nicht mehr mein Berlin, wie

ich es kenne. Wenn ich auf die

Straße trete,begegnet mir oftmals

eine Aggressivität, eine Respektlosigkeit

und ein Tempo, vor dem ich mich

verstecken will. Diese Stadt will sich jeden Tag

selber überholen. Die Menschen hier atmen

hektisch ein –aber kaum wieder aus.

Als ich vor 36Jahren von Bremen nach

Berlin zog, versprach diese Stadt Abenteuer,

die in den darauffolgenden Jahren eingelöst

wurden. Heute strahlt Berlin zwar nach außen

eine wahnsinnige Hipness und Weltoffenheit

aus. Aber sobald man diese Zuckergussglasur

abzieht, trifft man auf Menschen,

die frustriert sind, die sich in ihrer Heimat

nicht mehr wohl fühlen, die sich in dieser

Stadt nichts mehr leisten können und die die

Sprache nicht verstehen, die auf dem Bürgersteig

gesprochen wird.

Denn in einigen Stadtteilen ist Englisch

mittlerweile die Hauptsprache. Dabei finde

ich, dass Menschen, die in diese Stadt kommen,

um hier einige Jahrezuleben, auch unsereSprache

lernen sollten. DieVeränderungen

machen sich bemerkbar,das äußertsich

auch bei einigen Menschen in lautem und

präsentem Verhalten. Anstatt sich in die gegebenen

Strukturen einzufädeln, verändern

sie die Stadt zu ihren Gunsten. Berlin wird

teurer,szeniger,plastischer.

Gleichzeitig findet ein Generationswechsel

statt, der viele junge Menschen in diesen

Kiez treibt. Sie suchen hier wahrscheinlich

die gleichen Abenteuer, die ich hier früher

auch vermutete, nur das sich das, worauf sie

stoßen werden, grundlegend verändert hat.

Weder Jobs nochWohnungen lassen sich hier

einfach finden. Das verändert die Haltung

der Menschen untereinander, weil sie zu

Konkurrenten werden. Ich würde meinen

Platz sogar hergeben, wenn ich die Möglichkeit

hätte,ein bezahlbares neues Zuhause zu

finden. Dann würde ich in eine kleinereWohnung

im Grünen ziehen und einer Familie

meine Altbauwohnung überlassen. Aber es

Wosind die denn alle? Vonden älteren

Mietern, die ich in der Krausnickstraße

seit meinem Einzug vorknapp dreißig Jahren

kannte,geht nur noch eine unsichereGreisin

über den Bürgersteig. Andere Nachbarn

konnten nach Sanierung die höhere Miete

nicht bezahlen. Manchen ist die ganze Gegend

auch einfach zu laut geworden.

Schon lange Zeit sanieren Arbeiter ein

Haus schräg gegenüber. Von vorn sieht es

sich noch ähnlich. Aber ein Nachbar ist hinten

über das Gerüst in ein offenes Fenster geklettert.

Es hat sich alles angesehen und kam

mit einemWort zurück:„Luxus!“ Es sollen Eigentumswohnungen

werden.

DerKunstkritiker Karl Scheffler wurde vor

150 Jahren geboren: Sein Spruch ist bis heute

berühmt –dass die Tragik des Schicksals Berlin

dazu verdammt, „immerfort zuwerden

und niemals zu sein“. Besonders im Osten

nach dem Mauerfall.

Hin und wieder weg inmeiner Straße:

EinBordell, geschlossen nach Schüssen auf

den Besitzer. Ein Feinschmeckerrestaurant

für Sadomasochisten, das „Lasziv“ –hinten

wurde gepeitscht. Nach der Wende noch da:

Krisentelefon. Zwei Nagelstudios. Different

Scent, ein Duftladen. Georgische Küche,

das Kin Za. Muses Maschine, eine Kunstgalerie.

Bikram Yoga. Eine Segway-Vermietung.

Als ich aus meinem Haus komme,

spricht mich eine Frau an: „Wohnt hier Angela

Merkel?“ „Nein“, sage ich. Eine Kanzlerin

dürfe nicht in einem normalen Mietshaus

wohnen, sie hätte auch immer Polizei-

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,derTagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wasist Heimat?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Mein Berlin

ist weg

Birgit M.

istFriseurmeisterin in Berlin und fühlt sich hier zwischen

Soja-Latte und teuren Mieten kaum noch zu Hause.

KOLUMNE

Wohnt

hier Angela

Merkel?

Regine Sylvester

Autorin

schutz: „Wollen Sie etwas Wichtiges von

ihr?“ „Nur mal reden. Die muss hier irgendwo

wohnen.“ Die Frau geht weiter.

Wahrscheinlich ist sie bei den Alexianern

untergebracht, die drei Häuser weiter psychisch

kranken Menschen helfen.

Ein älterer Mann schiebt im Nebenverdienst

allen Autos Kärtchen in die Fensterdichtung

–„Ankauf für den Export ... nur

beim Original!“Wasbedeutet„Original“? Die

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

ist unmöglich, eine neue Wohnung zu einem

vergleichbaren Preis zu finden. Dass wir aufgrund

der hohen Mietpreise so auf unseren

Wohnraum festgenagelt sind, schränkt unsere

Flexibilität und Weiterentwicklung ein.

Daswar früher nicht so.Auch damals gab es

hier eine internationale, aufregende Szene,

doch eines spielte nie eine Rolle: Geld. Damals

war ohnehin alles schlichter. Esging

um den Menschen, nicht um die Socken

oder Accessoires,die er trägt.Wenn ich heute

sehe,wie sich viele Menschen damit schmücken,

Lebensmittel in Unverpackt-Läden zu

kaufen, hoffe ich, dass sich der Trend einer

nachhaltigen Lebensweise etabliert und dabei

aufhört, ein Trend zu sein. In meiner

Kindheit war das keine Mode, sondern eine

Selbstverständlichkeit mit Glasflasche zum

Milchmann zu gehen.

Viele Menschen kommen in diese Stadt,

weil sie ihnen Freiheit verspricht, das ist verständlich.

Aber sie vergessen oftmals, dass

zur Freiheit ein hohes Maß anEigenverantwortung

gehörtund die Freiheit stets bei der

Freiheit ihres Gegenübers endet. Freiheit

wird imMoment häufig missverstanden: Sie

wirdmit Trinkspielen auf der Straße und Partys

verwechselt. DieMenschen, die eben das

hier suchen, nehmen der Stadt mehr, als sie

ihr geben. Dabei herrscht eine oberflächliche

Weltoffenheit, die aber schnell an Wertigkeit

verliert, sobald man den Bereich des Gegenübers

betritt.

Ich möchte, dass wir alle mal wieder

durchatmen. Vielleicht sollten auch junge

Menschen, die in dieser Stadt geboren sind,

zuerst ein Anrecht auf einen Studienplatz habenund

bevorzugt behandelt werden gegenüber

Menschen, die nicht aus dieser Stadt

kommen. Dass wir uns respektvoller behandeln,

besonders in Kleinigkeiten, zum Beispiel

im Straßenverkehr. Und ich wünsche

mir,dass diese ganzeStadt eine Bestandsaufnahme

macht und sich fragt, wo es hingehen

soll, sie sich regeneriert. Vielleicht kann sie

dann auch wieder mein Zuhausewerden.

Autobesitzer schmeißen die Kärtchen auf die

Straße.Alle sind genervt.

An der rechten Ecke steht ein Wagen von

der Paketzustellungsfirma UPS. Normale

Autos kämen links vorbei, aber nicht der

Tieflader mit Straßenwalzedrauf. DerFahrer

muss auf ganzer Länge die Autos blockieren,

die ausparken wollen, darunter ein Streifenwagen

der Polizei. Hinter dem Tieflader warten

weitereAutos.Bald geben sie das Hupen

auf. Autofahrer biegen vonder Großen Hamburger

in die Krausnickstraße ein –glücklich

am UPS vorbei, registrieren sie zu spät den

Tieflader. Ihnen folgt weiterer Verkehr. Eine

Fahrradgruppe versucht, durch eine Lücke

zu kommen. Die ersten geben auf. Sie trippeln

auf Fußspitzen rückwärts,weshalb sich

die nachfolgenden Räder verkeilen. Jetzt bewegt

sich nichts mehr. Aber dann fährt der

UPS-Mann weg. Der Stau löst sich harmonisch

auf. DieStraße wirdstill. Nichts bleibt,

wie es ist.

Am letzten Sonnabend zog mit satten

Beats eine Demo gegen den Paragrafen 218

durch. Ichstand mit zustimmendem Lächeln

vorder Haustür.Eswaren aber,jedenfalls für

mich, zu spezielle Parolen dabei. Ein junger

Mann schrie: „Nie-Wieder-Deutschland!“

Und? Wasdann? Wasstattdessen? Ein eher

unauffällige Frau in den Zwanzigern verlangte:

„Wir-Wollen-Mehr-A-Nal-Ver-Kehr!“

Mankann das privat machen, aber kann man

es fordern? Muss das in ein Gesetz? Auf meiner

Straße übt die Kommunikation. Früher

stand hier der Galgen vonBerlin.

„Also ganz ehrlich, meine

Tochter hätte ich da nicht

hingelassen. Auf der einen

Seite ist das Mädchen bewundernswert,

aber auf der

anderen Seite ist sie krank.“

Friedrich Merz, ehemaliger Fraktionschef der Union

im Bundestag, äußert sich im Interview mit der

Augsburger Allgemeinen über Greta Thunberg.

AUSLESE

Kein Premier schnitt

schlechter ab

Die Niederlage des britischen Premierministers

Boris Johnson vor dem

obersten britischen Gericht bewegt die

Kommentatoren. „Wie glaubwürdig ist

Borisüberhaupt noch?“, fragt die italienische

Zeitung La Repubblica. „Im Parlament

hat er sechs vonsechs Abstimmungen

verloren – nie hat ein Premier

schlechter abgeschnitten. Mit dem

Zwangsurlaub für das Parlament hat er

das Gesetz gebrochen. UndimTreibsand

des Brexits hat er sogar die Queen hineingezogen,

die mit 93 Jahren wegen ihm einen

illegalen Akt unterzeichnet hat.“

Nach der Queen fragt auch die französische

Regionalzeitung Sud-Ouest:„Welche

Bedeutung hat die Queen noch? ... Das,

was sie nicht zu sagen gewagt hatte, haben

die obersten Richter laut und deutlich

verkündet“, heißt es dort.

„Für Boris Johnson könnte das Urteil

das Ende seiner politischen Karrierebedeuten“,

meint Die Presse aus Wien und

die Londoner Financial Times findet,

das Parlament sollte nun ein Misstrauensvotum

gegen den Premier beschließen.

Mehr noch: „Es sollte von seinem

Recht Gebrauch machen, eine Übergangsregierung

zu bilden, die einen

Aufschub des Brexits über den 31. Oktober

hinaus erwirken und Neuwahlen organisieren

kann. Die Richter haben ihr

Urteil gefällt. Jetzt sollte das Volk das

Wort bekommen. Sofunktioniert Großbritanniens

konstitutionelle Demokratie.“

Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Ganz neu: In Brandenburg

konstituiertsich

der Landtag

Seite 16

Ganz fern: Unsere Serie zum Kosmonauten Sigmund Jähn Seite 11

Ganz nah: Die Highlights aus den Bezirken Seite 10

Stadtbild

Gesichtslose

Herren

Ruth Herzberg

bekommt ein Kfür ein Xvorgemacht.

Herr X hat Prosopagnosie, also

Gesichtsblindheit. Dasheißt, er

kann sich Gesichter einfach nicht

merken. Namen allerdings auch

nicht. Hin und wieder kommt es allerdings

auch vor, dass auch er nicht

erkannt wird und so habe ich ihn ja

auch kennengelernt, weil ich ihn mit

Bruder,meinem alten Freund Herr Y

verwechselt habe.

Herr Xist mittlerweile liiert und

lebt in Familie. Seine Tochter ist

knapp über ein Jahr alt und besucht

seit Kurzem eine Kita. Neulich wollte

er sie das erste Mal dort abholen.

Aber wieder stand ihm sein altes Gebrechen

im Weg. Alle Kinder sahen

so gleich aus.Welches war seins? Alle

waren so klein und blond. Unsicher

steuerte er auf eines der Kinder zu.

Das könnte meins sein, dachte er.

Aber was hatte seine Frau der Kleinen

heute Morgen angezogen, versuchte

er sich zu erinnern. Gestreifter

Fleece Pulli und pinke Latzhose,

konnte das sein?

Er und seine Frau waren doch

mehr so Naturfaserfans und Pinkes

oder Synthetisches hatten sie überhaupt

nicht im Haus. Sie hätte der

Kleinen was Rotes anziehen sollen

und er hätte sich dann merken müssen,

dass sie ihr was Rotes angezogen

hatte, dann wäre die Situation jetzt

leichter für ihn. Herr Xgab auf.

Es wäre ihm unangenehm gewesen,

das falsche Kind mit nach Hause

zu bringen. „Wo ist sie denn?“ fragte

er die Erzieherin. Die lachte und

führte den Verwirrten zu seiner in

blasslila Naturfaser gewandeten

Tochter.

Neulich erreichte Herr X eine

Nachricht, dass Herr K, ein Arbeitskollege,

verstorben sei. Herr X erschauderte.

Hatte er nicht erst vor

Kurzem mit Herrn K gesprochen?

Daswar doch einer dieser vier Typen

aus der IT, oder? Jetzt kam es ihm so

vor, als sei Herr Kbei diesem Gespräch

schon vom Anhauch des nahen

Todes umweht gewesen.

Umso erstaunter und erfreuter

war er, als er den verstorben Geglaubten

am Montagmorgen gesund

und munter hinter seinem Schreibtisch

vorfand.

Aber wer war dann dieser Herr K,

der in die ewigen Jagdgründe eingeritten

war? Herr X. hatte eine neue

Vermutung, aber auch dieser Kollege

kam ihm später lebendig in der Kantine

entgegen. All dies erzählte mir

Herr Xneulich höchstpersönlich, bis

mir dann auffiel, dass ich es nicht

mit ihm, sondernmit seinem Bruder

Herr Y zu tun hatte, aber was beschwere

ich mich, ich bin ja eigentlich

gar nicht ich.

Hallo, wersind Sie denn? Ich glaube, ich

kenne Sie. Oder?

IMAGO STOCK&PEOPLE

Kein Karneval vorm Kanzleramt

VonMikeWilms

Fahrkarten für Busse und

Bahnen im Verkehrsverbund

Berlin-Brandenburg

(VBB) sollen teurer werden.

Die Preiserhöhung könnte bereits

am Donnerstag im VBB-Aufsichtsrat

beschlossen werden. Forderungen

nach einer Tariferhöhung waren, wie

berichtet, vorallem vonVerkehrsunternehmen

in Brandenburgerhoben

worden. Der Preis für ein AB-Einzelticket

soll nach Informationen der

Berliner Zeitung von 2,80 Euro auf

2,90 Euro steigen. AB-Tageskarten,

die vor allem von Touristen gekauft

werden, könnten künftig 8,60 Euro

statt 7Euro kosten. Für ein AB-Monatsticket

würden 84 Euro statt bisher

81 Euro fällig. Keine Preissteigerung

gibt es bei den AB-Jahresabos.

Erste Preissteigerung seit 2017

Teure Trips für Touristen

Der Verkehrsverbund will die Fahrkartenpreise für Busse und Bahnen erhöhen

Preise: Das AB-Einzelticket

kostet in Zukunft 2,90 Euro.

Der Preis der AB-Tageskarte

steigt dem Vernehmen nach

auf 8,60 Euro und der AB-

Monatskarte auf 84 Euro. Im

ABC-Bereich erreicht das

Jahresticket mit monatlicher

Abbuchung die 1000-Euro-

Marke(1008 Euro).

DIE PREISE, DIE FORDERUNGEN

VBB: Im Verkehrsverbund

Berlin-Brandenburg gibt es

die Verabredung,die Ticket-

Preise jährlich zu erhöhen,

orientiertaneinem Index,

der die Lebenshaltungskosten

berücksichtigt. Im Jahr

2018 war allerdings auf

Drängen Berlins auf Tariferhöhungen

verzichtet worden.

Kostenlose „Öffis“: Diese

Forderung ist nicht so weit

hergeholt, wie es Kritikern

erscheinen mag .Wer zum

Beispiel in der estnischen

Hauptstadt Tallinn gemeldet

ist, kann dortseit 2013 Bus

und Bahn kostenlos nutzen.

Im französischen Aubagne

sind Busse ebenfalls gratis.

Die geplanten Tarifänderungen

könnten bereits zum Fahrplanwechsel

im Dezember eingeführtwerden.

Es wäre die erste Preiserhöhung in

der Region seit 2017. Im Jahr 2018

wurde auf eine Tarifanpassung verzichtet.

Die imVBB zusammengeschlossenen

Verkehrsunternehmen

begründen die Preiserhöhung mit

gestiegenen Personalkosten. Beiden

Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)

waren die Gehälter der 14 500 Beschäftigten

nach dem Tarifabschluss

im April dieses Jahres erhöht worden.

Verkehrsbetriebe im Berliner

Umland befürchten nach Informationen

der Berliner Zeitung die Insolvenz,

wenn es nicht zu einer substanziellen

Preisanhebung kommt.

Bei Verkehrspolitikern im Berliner

Abgeordnetenhaus stößt die geplante

Tarifanpassung auf ein geteiltes

Echo. „Eine moderate Erhöhung

der Ticketpreise ist verständlich, da

sich die Personalkosten des Öffentlichen

Personennahverkehrs stark erhöht

haben“, sagt der Abgeordnete

Henner Schmidt (FDP). Gleichwohl

müsse darauf geachtet werden, dass

ein attraktives Preissystem erhalten

bleibe. Ein Problem sieht Schmidt

darin, dass der VBB die Preiserhöhung

ungleich auf Abonnenten und

künftig stärker belasteteWenigfahrer

verteilt. Wenn man die Bürger aus

Gründen des Umweltschutzes zum

Umsteigen auf den Öffentlichen Personennahverkehr

bewegen wolle,

dürfe die Hürde zum Ausprobieren

nicht zu hoch sein, so Schmidt.

Dass die Ticketpreise für das Jahres-Abo

imTarifbereich AB bei 761

Euro (monatliche Abbuchung) und

728 Euro (Jahresabbuchung) konstant

bleiben, dürfte indes einem

Hintergedanken entspringen. Für

die Verkehrsbetriebe ist es von wirtschaftlichem

Interesse, ihre Kunden

langfristig zu binden und Neukunden,

die vom Auto auf die Schiene

umsteigen, von Beginn an für ein

Jahresticket zu gewinnen. Diedauerhafte

Kundenbindung gewährleistet

stabile Einnahmen und damit eine

größere finanzielle Planungssicherheit.

Der deutliche Preissprung um

1,60 Euro beim AB-Tagesticket trifft

weniger einheimische Kunden, sondern

vor allem die Millionen Berlin-

Touristen. Sie haben keine andere

Wahl als trotzdem zuzugreifen.

Mit Verwunderung reagiert der

Verkehrsexperte der CDU-Fraktion,

Oliver Friederici, auf das Preis-Paket.

Die Tariferhöhung durchkreuze die

Erwartungen der Berliner Bevölkerung

an die politisch Verantwortlichen.

Nach demVersprechen des Regierenden

Bürgermeisters Michael

Müller (SPD), ein verbilligtes 365-

Euro-Jahresticket einzuführen, seien

die nun bekannt gewordenen Pläne

schwer vermittelbar, so Friederici

DPA/CHRISTOPH SOEDER

Olaf Scholz (SPD) und die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind

von Pappe –was aussieht, wie der Aufbau eines Wagens beim Karnevalsumzug,

hat einen gänzlich wenig komischen Hintergrund. Die Figuren

sind Teil einer Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt am

Mittwochmorgen und stehen symbolisch für dasVersagen der Bundesregierung

bei der Klimapolitik. Aufgerufen zu dem Protest hatten die

Klimaschutzaktivisten der Bewegung „Fridays for Future“ und Nichtregierungsorganisation

Campact. Campact wirft der GroKo vor, beim Klimaschutz

versagt zu haben und die Klimaproteste mit „Zahlentricks

und Symbolpolitik“ zum Schweigen bringen zu wollen. (mpw.)

am Mittwoch. Er kritisierte außerdem,

dass die Abo-Preise für Pendler

im ABC-Tarif steigen sollen, während

die Abo-Preise im AB-Bereich

gleichbleiben. Das ABC-Jahresticket

soll bei monatlicher Abbuchung

künftig 1008 Euro statt bisher 992

Euro kosten, bei jährlicher Abbuchung

978 Euro stattbisher 961 Euro.

„Es ist ungerecht, wenn Abonnenten

in Außenbezirken mehr bezahlen“,

sagte Oliver Friederici. Dies sei„Abosurdistan

in der Tarifpolitik“.

Senat will BVG-Nutzer entlasten

DieTicket-Verteuerung fügt der Verkehrspolitik

des rot-rot-grünen Senats

aus Sicht des SPD-Abgeordneten

Tino Schopf keinen Schaden zu.

DieKoalition habe bereits viele Nutzer

der öffentlichen Verkehrsmittel

entlastet. „Wir haben das kostenlose

Schülerticket, das 365-Euro-Ticket

für Azubis und das Firmenticket für

weniger als 50 Euro im Monat eingeführt“,

sagte Verkehrsexperte Schopf

dem RBB. Der Regierende Bürgermeister

Müller hält an seinem Ziel

fest, nach dem „Wiener Modell“ ein

365-Euro-Jahresticket für alle BVG-

Nutzer einzuführen. Diese Idee stößt

jedoch, wie auch die radikalere Forderung

nach kostenlosen öffentlichen

Verkehrsmitteln, auf Finanzierungsbedenken

vonvielen Seiten.

Der VBB wollte die durchgesickerten

Pläne,die Preise zu erhöhen,

nicht kommentieren. Der VBB-Aufsichtsrat

tage am Donnerstag.

MikeWilms

lässt das Auto stehen und

fährtnur mit der U-Bahn.

NACHRICHTEN

Studie: Studenten müssen

höhere Mieten zahlen

Berliner Studenten müssen für ihre

Unterkünfte mehr als im vergangenen

Jahr bezahlen.Wieeine am Mittwoch

veröffentlichte Analyse der Finanzberatung

MLP und des Instituts

der deutschen Wirtschaft zeigt, liegen

die Kosten für eine Musterwohnung

mittlerweile bei 400 Euro.Dies

sei ein Anstieg von7,4 Prozent im

Vergleich zu 2018. Zugrunde gelegt

wurde eine Wohnung mit 30 Quadratmeterninnormaler

Ausstattung.

Für solche Wohnungen müssen

Studenten in München 717 Euro

Miete bezahlen. (dpa)

Neue S-Bahn-Züge

machen Testfahrten

In Berlin sind nachts inzwischen

zwei Testfahrzeuge der neuen S-

Bahn unterwegs.Zuerkennen sind

die Züge an der kantigen Form und

daran, dass sie nur zwei und vierWagen

haben. DieMessfahrten sollen

zeigen, ob die Fahrzeuge überall reibungslos

passieren können, wie eine

S-Bahn-Sprecherin sagte.Abdem

1. Januar 2021 sollen dann Fahrgäste

auf dem Ring in die neuen Züge einsteigen

können. Für Fahrgäste gibt

es einige Neuerungen: Klimaanlagen,

Videoüberwachung sowie Monitore,

die über Haltestellen und

Umsteigemöglichkeiten informieren.

(dpa)

Gebäudereiniger streiken

auch in Berlin

Im Tarifstreit in der Gebäudereiniger-Branche

sind nach Gewerkschaftsangaben

zahlreiche Beschäftigte

in Berlin und Brandenburgin

einen 48-stündigen Warnstreik getreten.

Rund 200 vonihnen kamen

am Mittwoch zu einer zentralen

Kundgebung am Bayer-Werk in Berlin

zusammen, wie die Gewerkschaft

IG Baumitteilte,die zu den Aktionen

aufgerufen hatte. (dpa)

Justizsenator fordert

mehr Tierschutz

Nutztieresollen nach demWillen des

Senators für Justiz undVerbraucherschutz

bei Hitzeweniger lang in

Transporten ausharren müssen. Die

Transportzeiten bei mehr als 30 Grad

müssten deutlich verkürzt werden,

erklärte Dirk Behrendt (Grüne) anlässlich

der Agrarministerkonferenz

in Mainz.„Wenn die Temperaturen

über 30 Grad steigen, dürfen Tiere

nicht länger als vier Stunden auf einem

Lkw durch Deutschland gefahrenwerden.“

Derzeitdürfen Tiereinnerhalb

Deutschlands laut Angaben

nicht länger als acht Stunden zu einem

Schlachtbetrieb befördertwerden.(dpa)

Für Tiere sollen die langen Transporte erträglicher

gemacht werden.

DPA


10 * Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Bezirke

Prenzlauer Berg

Dahlem

Sanierung abgeschlossen

Rechtzeitig vorBeginn der

Feierlichkeiten zum

30. Jahrestag des Mauerfalls

ist die Außensanierung der

Gethsemanekirche abgeschlossen.

Maßgeblich gefördertwurden

die 2,8 Millionen

Euro teuren Arbeiten

durch das Programm Städtebaulicher

Denkmalschutz.

Außerdem gehören die Deutsche

Stiftung Denkmal-

schutz, die Landeskirche,der

Evangelische Kirchenkreis

Stadtmitte und private Spender

zu den Geldgebern.

Die Gethsemanekirche in

Prenzlauer Berg sei ein Symbol

der friedlichen Revolution

von 1989 und habe eine

große Bedeutung für die Geschichte

Berlins, erklärte Senatsbaudirektorin

Regula

Lüscher. (mw.)

Ideen für Breitenbachplatz

Zuerst haben die Bezirksverordnetenversammlungen

von Steglitz-Zehlendorf

und Charlottenburg-

Wilmersdorf den Abriss der

Brücke über den Breitenbachplatz

gefordert. Nun ist

auch das Abgeordnetenhaus

tätig geworden. Es beschloss

die Anfertigung einer Machbarkeitsstudie

für den Rückbau

der Querung. Damit

könne der Kiez leiser und

grüner werden und wieder

zusammenwachsen, hofft

zumindest die Bürgerinitiative

Breitenbachplatz. Sie

wird bei einer Veranstaltung

der Grünen-Fraktionen aus

beiden Bezirken am 1. Oktober,

19Uhr, imTheater Jaro,

Schlangenbader Straße 30,

ihreIdeen für den einst schönen

Platz vorstellen. (nm.)

Lichtenberg

Schöneweide

Halbzeit für Neubauprojekt

So soll das Dolgenseecenter einmal

aussehen. ELWARDT &LATTERMANN

Der Neubau des Lichtenberger

Wohnquartiers

Dolgenseecenter kommt

planmäßig voran. Darüber

freute sich Bausenatorin Katrin

Lompscher beim sogenannten

Halbzeitfest am

Montag. Bis 2021 errichtet

die Gewobag zwischen Rummelsburger

Bucht und Tierpark

678 Wohnungen für

1200 Menschen. (ylla.)

Fahrstühle in Betrieb

Seit kurzem sind die provisorischen

Aufzüge im

Bahnhof Schöneweide endlich

in Betrieb, auch die Zugänge

sind fertig. Parallel

dazu wurde der Zugang zum

Bahnhof aus Richtung Johannisthal

gesperrt, um Personentunnel,

Treppen und

bestehende Aufzugsanlage

grundlegend zu erneuern.

Auch die Verbindungshalle

zwischen historischem

Empfangsgebäude und Personenunterführung

ist inzwischen

zurückgebaut. Die

Inbetriebnahme der Fahrstühle,die

während der Bauphase

den barrierefreien Zugang

zum Bahnhof ermöglichen,

musste wegen nicht

ausreichenden Brandschutzes

monatelang verschoben

werden. (ylla.)

Poller für die Altstadt

Umdem ordnungswidrigen

Verhalten einiger

Verkehrsteilnehmer entgegenzuwirken,

hat das Spandauer

Bezirksamt in Abstimmung

mit der Polizei hinter

der Zufahrt Breite Straße

Ecke Charlottenstraße sowie

an der Ecke Carl-Schurz-

Straße/Mönchstraße mehrere

versenkbare Poller installiert.

Mit der Maßnahme

Spandau

komme der Bezirk dem

Wunsch vieler Anwohner

und Gewerbetreibender

nach, hieß es. Rettungskräften

sei die Durchfahrt weiterhin

möglich, auch für den

regulären Lieferverkehr

werde die Zufahrt zur Altstadt

weiterhin möglich

sein. Hierfür gelte nach wie

vor die Zeit von 19 bis

11 Uhr. (nm.)

Besucherstark

Noch bis Sonntag sind die Sommerbäder

Kreuzberg, Wilmersdorf, Insulaner und

Humboldthain geöffnet, doch die Besucherbilanz

wirddas nicht mehr wesentlich

ändern: Mehr als 1,86 Millionen Gäste kamen

in diesem Sommer in die Freibäder

und in das Strandbad Wannsee, melden

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

die Berliner Bäder-Betriebe. Das sei das

zweitbeste Ergebnis seit mehr als 15 Jahren.

Nur2018 habe es noch mehr Besucher

–nämlich 2,04 Millionen –gegeben. Am

meisten Gäste kamen ins Sommerbad

Kreuzberg, auch dieses Jahr waren es wieder

mehr als 300 000. (BLZ)

Marzahn

Chance für den Wernersee

Auf einem Teil des Geländes

des 2002 geschlossenen

Wernerbades wird eine

Pflegeeinrichtung gebaut.

DerWernersee selbst und der

dazugehörige Park sollen zu

einer öffentlichen Grünanlage

umgestaltet werden.

Deshalb hat der Bezirk eigenen

Angaben zufolge jetzt

beim Senat finanzielle Unterstützung

beantragt. (ylla.)

Die Überreste des Wernerbades

sind noch zu sehen. S. BARTYLLA

Parkläufer unterwegs

Neun Parkanlagen in Reinickendorf

werden

noch bis Ende des Jahres von

einer Parkmanagerin und

sechs Parkläufern betreut.

Ziel dieser Maßnahme ist,

die Wertschätzung, Anerkennung

von Natur und Grünflächen

bei den unterschiedlichen

Nutzergruppen zu erhöhen,

hieß es vom Bezirksamt.

Parkläufer sind

Reinickendorf

unterwegs im Schäferseepark,

Klemkepark, Kienhorstpark

mit Bahnhofspark,

Steinbergpark, Triftpark, Göschenpark,

Greenwichpromenade,

Uferpromenade Tegeler

Hafen und Medicalpark.

„Die Präsenz vonParkläufern

wird positiv aufgenommen“,

sagte die Bezirksstadträtin

Katrin Schultze-Berndt

(CDU). (nm.)

Konzert: „Mikis Theodorakis –

EinLeben für die Freiheit’“ ist

der Titel eines literarisch-musikalischen

Abends am 29. September,20Uhr,imSchlossparktheater

in der Steglitzer

Schloßstraße 48. DerPianist

GerhardFolkerts interpretiert

gemeinsam mit der Sängerin

Julia Schiliski und dem Schauspieler

Rolf Becker Lieder und

Texte des Meisters.

TERMINE

Parktag: Zum19. MalinFolge

findet am 29. September der

Tagdes Plänterwalds statt. Das

Programm ist auch in diesem

Jahr darauf ausgerichtet, das

schöne Erholungsgebiet bekannt

zu machen und für seine

Erhaltung zu werben. DerTag

beginnt um 10.30 Uhrmit einer

Waldwanderung mit Andreas

Haase vonder Waldschule und

einem Insektenspezialisten.

Buchpräsentation: Unter dem

Titel „Weltausstellung“ präsentiertder

Verbrecher Verlag vom

30. September bis zum 22. November

100 Bücher in der Philipp-Schaeffer-Bibliothek

in der

Brunnenstraße 181. Im Verbrecher

Verlag haben Belletristik,

Sach- und Kunstbücher ihren

festen Platz. Werkschauen,

zum Beispiel zu Gisela Elsner,

gehören zum Profil.

Die Berliner Zeitung berichtet aus den BezirkeninZusammenarbeit mit dem Berliner Abendblatt.

Circus Cabuwazi bleibt

Sein 25. Jubiläum hat der

Circus Cabuwazi (Chaotisch-bunter

Wanderzirkus)

auf dem ehemaligen Flughafen

Tempelhof am vergangenen

Wochenende mit Torte,

Luftballons und mit guten

Neuigkeiten gefeiert: Die

Standortfrage ist geklärt! „Wir

freuen uns sehr, dass wir auf

dem schönen Feld bleiben

dürfen, wenn auch an einem

Tempelhof

neuen Ort. Hierfür werden

wir einen Antrag auf Genehmigung

des Projektes stellen.

Der Zeitpunkt des Umzuges

steht noch nicht fest“, heißt es

in einer Mitteilung des Circus’.

Binnen einesVierteljahrhunderts

habe sich Cabuwazi

zu einem der größten Kinderund

Jugendeinrichtungen

seiner Art in Europa entwickelt.

(sara.)

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Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 11 *

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Berlin

Es ist ein Sonntag, als die

ganze Republik jubelt. Jener

historische 26. August

1978, als im Radio und im

Fernsehen in Sondersendungen

plötzlich mitgeteilt wird, dass der

DDR-Bürger Sigmund Jähn als erster

Deutscher mit dem Raumschiff Sojus

31 in den Weltraum fliegt. Bisdahin

wurde die Mission, die drei Jahre

Vorbereitungszeit im Moskauer Sternenstädtchen

brauchte, streng geheim

gehalten. EinDetail bleibt aber

weiter für die DDR und der Weltöffentlichkeit

top secret. Dass Jähn mit

41 Jahren gerade Großvater geworden

ist, als er mit dem sowjetischen

Kommandanten WaleriBykowski ins

All startet.

Die Geheimniskrämerei um seinen

Enkel versteht selbst Jähn nicht,

wie er später erklärte. Ersah darin

keinen vernünftigen Grund. Anders

die DDR-Oberen: Siewollten sich ihren

Triumph nicht durch westliche

Schlagzeilen wie „Die DDR schießt

einen Opains All“ zerstören lassen.

Für Jähn gibt es ein ganz anderes

Problem. Er hat seinen Enkel Daniel

noch gar nicht gesehen. Genau eine

Woche vor dem Start brachte seine

Tochter Marina, damals 20 Jahre alt,

ihn zur Welt. Jähn steckte gerade in

Moskau in der heißen Phase seiner

Kosmos-Mission, durfte daher nicht

in die DDR reisen.

Sieben Tage, 20Stunden, 49 Minuten

und vier Sekunden dauert

Jähns Weltraum-Reise. Und so lange

muss er auch warten, bis er seinen

Enkel erstmals sehen darf. Als die

Raumschiffkapsel mit ihm und Bykowski

am 3. September 1978 auf der

Erde landet, wirdJähn ein Schächtelchen

überreicht, in dem ein Foto von

seinem Enkelkind liegt. Das stolze

Lächeln des Großvaters halten die

anwesenden Pressefotografen fest.

In geheimer Mission

Sigmund Jähn flog als erster Deutscher ins All. Die Mission galt im Vorfeld als

Staatsgeheimnis. Auch, dass der Kosmonaut Großvater geworden war.

Teil 2: Der Tag, an dem die DDR jubelte

VonNorbertKoch-Klaucke

Nach sieben Tagen wieder auf der Erde: Sigmund Jähn sieht nach der Landung am 3. September 1978 zum ersten Mal ein Foto, das Enkel Daniel zeigt.

Doch die Bilder durften damals nicht

veröffentlicht werden.

Auch Jähn hält lange vieles geheim,

wenn es um seine Weltraum-

reise ging. Etwa, dass der spätere

Träger des Ordens „Held der DDR“

eine große Angst vordem Startins All

hatte. Dabei ging es nicht um drohende

Gefahren einer solchen Reise.

Wenn er sich davor gefürchtet hätte,

wäreerder falsche Mann für die Mission

gewesen, sagte Jähn stets.„Wer

ein Pilot ist, darf keine Angst haben,

in ein Flugzeug zu steigen. Das gleiche

gilt für einen Kosmonauten, der

mit einem Raumschiff fliegt.“

ZB

Jähns Angst gilt einem Satz, den

er vor dem Start sagen musste: „Ich

widme meinen Flug dem 30. Jahrestag

der Gründung der Deutschen

Demokratischen Republik.“ Erst

nach dem Ende der DDR erzählt er,

wie ihm auf demWegzur Rakete„der

Puls ging“. „Ich hatte große Angst,

dass ich mich verhaspeln könnte“,

sagte er.„Ich darf mir gar nicht vorstellen,

was dann passiertwäre.“

In einem Gespräch mit der Berliner

Zeitung räumte Jähn auch voreinem

Jahr mit der Behauptung auf,

sein Flug wäre nur ein Freundschaftsdienst

der Sowjets gewesen.

„Die DDR musste ordentlich dafür

bezahlen“, sagte er. Die genaue

Summe kenne er nicht. Aber es ging

ums Geld, später sogar um harte Divisen.

Wie inden 1980er-Jahren, als

wieder ein Kosmonaut aus der DDR

ins All reisen sollte. „Ich gehörte zu

denjenigen, die diese Mission mit

den sowjetischen Genossen vorbereitet

hatten“, sagte Jähn. Das aus

dem Vorhaben nichts wurde, hatte

einen finanziellen Grund. „Die sowjetischen

Genossen fragten mich:

,Ihr habt gute Leute,guteIdeen, aber

habt ihr auch gutes Geld?’ Die DDR

hatte es nicht. Die Sowjetunion

schaute sich bei den Westdeutschen

um, die gutes Geld hatten.“

Dennoch ist Jähn stets den Russendankbar,dass

sie ihn zu den Sternen

ließen. „Zuvor hatte ich nie

daran geglaubt, dass jemals ein

Deutscher ins All starten würde“,

sagte er.„DieRaumfahrtwar damals

fest in der Hand der Sowjetunion

und der Amerikaner.“

NorbertKoch-Klaucke

war zwölf Jahre alt, als Jähn

das Weltall eroberte.

Rettung in die neue Welt

Hugendubel eröffnet im Europa-Center eine Filiale und nennt sie „Buchshop der Zukunft“

VonElmar Schütze

Macht irgendwo in Berlin ein

Buchladen auf, muss das keine

große Sache sein. Eröffnet aber Hugendubel

eine neue Filiale und

nennt sie „Buchshop der Zukunft“,

lässt das sehr wohl aufhorchen, denn

der angeschlagene Konzern sucht

damit offenbar einen Weg aus der

Krise. Abdiesen Donnerstag ist das

Geschäft im Europa-Center in der

City-West geöffnet.

Auf 1 100 Quadratmetern folgt

Hugendubel einem Konzept, das bereits

in der Konzernheimat München

ausprobiertwurde.Voriges Jahr

war am Stachus, ähnlich zentral gelegen

wie der Tauentzien in Berlin,

eine Filiale eröffnet worden. Jetzt

dient sie als Vorbild, auch für Berlin.

Auch im Europa-Center soll nun

vieles anders sein, als in herkömmlichen

Filialen großer Ketten. So

wurde die langbewährte Wareneinteilung

wie „Romane A-Z“ abgeschafft,

ebenso die herkömmliche

Trennung zwischen Belletristik oder

Sachbuch. Stattdessen gibt es sogenannte

Themenwelten zum Beispiel

für unterhaltsame Fiktion wie Krimis,

Fantasy, Comics oder Manga.

Andere Welten befassen sich mit

„Wohnen, Essen, Spaß und Sport“,

andere mit „Kindern“, aber auch

„fremde Kulturen“ und „Horizont“.

Nahe an der Pleite

Vorallem aber sagt Maximilian Hugendubel,

geschäftsführender Gesellschafter

und zusammen mit seiner

Schwester Nina in fünfter Generation

verantwortlich für das Familienunternehmen,

dass sie nun „viel

mehr Themen inszenieren“ und vielen

„den Zugang zum Buch“ erleichterten.

Die Buchhändler würden zu

bücherempfehlenden „Lesensberatern“.

Was imübrigen auch hinten

auf ihren schwarzen Poloshirts

stehe. Ganz im Sinne der Dienstleistungsgesellschaft

ist auch ein kostenfreier

Fahrradkurier,der im Stadtgebiet

unterwegs sein soll.

Insgesamt, so sagt Schwester

Nina, sei es das Ziel, „wieder mehr

Sieht eigentlich aus wie immer im Buchladen.

HUGENDUBEL

Menschen, insbesondere Jüngere,

für den Besuch in einer Buchhandlung

und fürs Lesen zu gewinnen“.

Dazu muss man wissen, dass Hugendubel

noch vor wenigen Jahren

kurzvor dem Ausstand. DerPartner

Weltbild war pleitegegangen, auch

die Buchhandelskette geriet in große

Not. „Wir haben in den Abgrund geschaut“,

sagte Maximilian Hugendubel

in einem Interview mit der Süddeutschen

Zeitung.

Mit Weltbild hatten sich die

Münchner zusammengetan, um

dem Onlineriesen Amazon etwas

entgegensetzen zu können. Seit Anfang

der 2000er-Jahre mischen die

Kalifornier weltweit den Buchmarkt

auf und haben seitdem alle alteingesessenen

Märkte aufgewirbelt. Hierzulande

litten zuletzt vorallem Filialisten

wie eben Hugendubel mit seinen

rund 80 Läden im ganzen Land.

Wie immer sich der „Buchshop

der Zukunft“ im Europa-Center entwickeln

wird, an den Problemen der

Ketten wirdernach Ansicht vonDetlef

Bluhm, dem Berliner Geschäftsführer

des Börsenvereins des deutschen

Buchhandels, vorerst nichts

ändern. Seit fast 20 Jahren sinkt die

Zahl der Buchläden in Berlin kontinuierlich.

Nach Bluhms Angaben

gab es 2012 in der Stadt noch 220

Buchhandlungen mit Mitgliedschaft

im Branchenverband, voriges Jahr

waren es nur noch 180. Doch voneinem

Buchhandlungssterben könne

man nicht reden, so Bluhm. „Es gibt

zwar einen erkennbaren Rückschritt,

aber wir befinden uns in Berlin

noch immer deutlich über dem

Durchschnitt der Branche. Tatsächlich

ist unserePosition relativ gut.“

Vorteil in der Nische

Das gelte freilich vor allem für die

kleineren und mittleren Läden, so

Bluhm –einem Segment, dem zuletzt

in den Neunzigern das Wasser

bis zum Hals stand. „Damals kamen

die Großen und machten sich mit ihren

Filialen breit“, erinnert sich

Bluhm, „die Thalias, FNAC, Virgin

Media Storeund auch Hugendubel.“

Viele kleine Läden kapitulierten vor

der scheinbar übermächtigen Konkurrenz.

Doch die Stimmung der Branche

in Berlin habe sich gedreht, sagt

Bluhm, der aktuell einen „kleinen

Hang zum Analogen“ ausgemacht

hat. „Jetzt müssen die großen Ketten

knapsen.“ Während viele kleine

Buchhandlungen ihreNische gefunden

haben –sei es mit einer speziellen

inhaltlichen Festlegung, sei es

mit einer familiären Atmosphäre

oder einem besonders kompetenten

Service, der ein Bildungsbürgertum

anspreche –seien die Großen noch

auf der Suche aus der Krise.

Ob ein Sortiment aus Tassen,

Puppen, Plüschtieren, Kartenspielen

und Büchern der Weisheit letzter

Schluss sei, wisse er nicht, sagt

Bluhm. „Im Moment ist es noch

nicht so stringent.“

Endgültig den Stab brechen über

die Filialisten möchte Bluhm aber

nicht. Man brauche die Mischung

vom Bücherbogen am Savignyplatz

in Charlottenburg mit einem Sortiment

aus Architektur, Kunst, Mode,

Film und Design bis hin zum „breit

aufgestellten Boulevard“, sagt er.

biocompany.de/kaufweniger


12 * Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Berlin

„Wir machen uns

nicht zum Opfer“

Janina Dressler ist die Gewaltpräventionsbeauftragte der Berliner Feuerwehr –die erste in Deutschland.

Sie fordert wegen der vielen Übergriffe auf Rettungskräfte eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft

SABINE GUDATH

Kaum ein Tag vergeht, an

dem Rettungskräfte in dieser

Stadt nicht beschimpft,

bedroht oder körperlich attackiert

werden. Trauriger Höhepunkt

war im Juni der Angriff auf Sanitäter

mit einer Schusswaffe. Janina

Dressler ist seit Februar Gewaltpräventionsbeauftragte

der Berliner Feuerwehr

–die erste deutschlandweit.

Sie fordert eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft,

die sich um Angriffe auf

Retter kümmert.

Frau Dressler, warum braucht die

Berliner Feuerwehr eine Gewaltpräventionsbeauftragte?

Die Gewalttaten gegen Rettungskräfte

werden nicht weniger. Die

Berliner Feuerwehr hat erkannt, dass

es zielgerichtete und koordinierte

Maßnahmen braucht, um dieser

Entwicklung zu begegnen. Es ist

auch schon in der Vergangenheit etwas

getan worden. Doch jetzt geht

die Feuerwehr in die Offensive. Ich

bin diejenige, die die Maßnahmen

koordiniert.

Die Zahlen zu Straftaten gegen Rettungskräfte

in der polizeilichen Kriminalstatistik

sind seit 2015 starkangestiegen.

Im vorigen Jahr wurden

242 Retter Opfer einer Straftat.

Das ist die offizielle Statistik. Ich

bin dabei, für uns verlässliche Zahlen

zusammenzustellen. Es gibt

starke Schwankungen, weil nicht alle

Kollegen einen Übergriff anzeigen.

In diesem Jahr gab es bereits etwa

150 Fälle,von denen ich weiß.

Übergriffe werden nicht angezeigt?

Dasist eher die Regel als die Ausnahme.

Das heißt, die Dunkelziffer

ist sehr groß.

Warum erstatten Kollegen keine Anzeige?

Weil der Glaube daran, dass dabei

etwas herauskommt, gering ist. Mir

wirdoft berichtet, dass das Vertrauen

der Kollegen in die Justiz nicht besonders

hoch ist. Dementsprechend

überlegen sie sich, wie viel Mühe sie

in die Strafanzeige und den damit

verbundenen Aufwand investieren.

Werden Verfahren häufig eingestellt?

Bisjetzt ja.

Weil die Täter nicht ermittelt werden

können?

DieErmittlung des Täters ist nach

unserer Kenntnis in der Regel nicht

das Problem.

Warum werden Verfahren dann eingestellt?

Es gibt dafür rechtlich begründete

Erklärungen der Justiz, die den

Einzelnen aber nicht zufriedenstellen.

Warum werden Menschen, denen Ihre

Kollegen helfen wollen, aggressiv?

Wirhaben einen erheblichen Anteil

von Patienten, die unter Drogen

stehen, die alkoholisiert sind. Die

vollkommen unvorhersehbar reagieren,

die im Rettungswagen um

sich schlagen. Diese Fälle wirdesimmer

geben, solange es Drogen- und

Alkoholkonsum in der Gesellschaft

gibt. Sie sind nicht akzeptabel, aber

erklärbar.Was mich beschäftigt, sind

die Angriffe, bei denen es absolut

keinen erkennbaren Grund gibt.

Gegen plötzliche Angriffe können sich

die Kollegen auch schlecht wehren.

So ist es. Diese Überraschungsmomente

machen die Arbeit so gefährlich

für uns.

Stimmt es, dass schon jede Feuerwehrfrau,

jeder Feuerwehrmann bedroht,

bespuckt, beleidigt oder tätlich

angegriffen wurde?

Ich gehe davon aus, dass weit

über 90 Prozent der Kollegen bei der

Ausübung ihrer Arbeit zumindest

beleidigt wurden.

Undwie hoch ist der Anteil hinsichtlich

körperlicher Angriffe?

Das ist je nach Wache unterschiedlich.

Dort, wo wir viele Einsätze

fahren, ist der Anteil in der Regel

höher als in Gebieten mit geringer

Einsatzdichte.

Gibt es einen außerordentlichen Fall?

Der Schusswaffengebrauch gegen

Kollegen vom Deutschen Roten

„ “

Kreuz im Juni. Daswar nicht nur eine

Bedrohung, der Täter hat abgedrückt.

Das war der erste aktive

Schusswaffengebrauch gegen Rettungskräfte

in Berlin – zumindest

vondem ich weiß. ZumGlück war es

nur eine Gaspistole.

Wasmacht so ein Übergriff mit den

Rettern?

Meistens ist es nicht der eine Angriff,

der Folgen hat. Es ist die ständige

Konfrontation mit psychischer

Gewalt, also mit Beschimpfungen

und Bedrohungen, die langfristig

Folgen für die Einsatzkräfte haben.

DieMotivation sinkt.

Wersind die Täter?

Der durchschnittliche Täter ist

Ende 20, männlich, alkoholisiert

oder hat Drogen genommen. Es sind

Patienten, Angehörige, aber auch

vollkommen unbeteiligte Passanten,

die aus irgendeinem Grund auf einmal

übergriffig werden. Oft sind es

auch Verkehrsteilnehmer.

Lassen

Sie uns

über Berlin

reden

Das Amt: Janina Dressler ist seit Februar Gewaltpräventionsbeauftragte der Feuerwehr.Die

32-Jährigestudierte in Hamburg und Bonn Jura und promovierte in Kriminologie auf dem Gebiet

„Gewalt gegenRettungskräfte“. Dafür befragte sie 1659 Einsatzkräfteder Feuerwehren in

Berlin, Hamburg,Köln und München. Über 90 Prozent gaben an, schon einmal beleidigt oder

bespuckt worden zu sein. Jeder Dritte wurde während des Einsatzes getreten oder geschlagen.

Die Straftaten: Im vorigen Jahr wurden in Berlin laut polizeilicher Kriminalstatistik 242 Rettungskräfte

im Einsatz Opfer vonStraftaten, 2017 waren es 235 registrierte Taten, ein Jahr

zuvor 218 und im Jahr 2015 insgesamt 174 Straftaten.

Warum Verkehrsteilnehmer?

Die Kollegen stehen bei einem

Einsatz mit dem Rettungswagen oft

in der zweiten Reihe. Sie können in

einem Notfall ja nicht ewig nach einem

Parkplatz suchen. Einige Menschen

haben dafür kein Verständnis,

weil sie eingeparkt wurden, weil sie

pünktlich zu einem Termin wollen

oder generell nicht begreifen,

warum die Feuerwehr im Wegsteht.

Es kommt vor, dass Fahrzeuge durch

Einsatzstellen fahren, weil die Fahrer

glauben, jetzt dortweiter zu müssen

und dadurch Einsatzkräfte gefährden.

Unvorstellbar, dass das überhaupt

geschieht.

Denken sie nur an den Fall des

einjährigen Jungen, der im vorigen

Jahr in einer Kita in Moabit wiederbelebt

werden musste. Der Rettungswagen

stand einem Autofahrer

imWeg, der zur Arbeit musste.

Der Mann beschädigte den Rettungswagen

und schrie die Kollegen

an, es sei ihm doch egal, wer dagerade

reanimiertwerde.Erwurde übrigens

nur wegen Sachbeschädigung

verurteilt.

Wasbringt die Menschen zu solchen

Reaktionen?

Eine einfache Antwort auf diese

Frage gibt es nicht. Bei den einen

steckt dieser Trend zum Egoismus in

der Gesellschaft dahinter, dieser

ständige Zwang, sich vermarkten,

nach vorne bringen, sich durchsetzen

zumüssen. Der Einzelne agiert

immer mehr für sich als für die Gesellschaft.

Bei den anderen ist es

pure Gedankenlosigkeit und Ignoranz

–schlimmstenfalls die Absicht,

uns ernsthaft Schaden zuzufügen.

Zum Beispiel mit Brandsätzen, die

auf Löschfahrzeuge geworfen werden.

Sie sind selbst bei der Freiwilligen

Feuerwehr in Charlottenburg Nord ...

... aber noch in Ausbildung, die

ich nach Feierabend und an denWochenenden

absolviere.

Sind Sie schon einmal angegriffen

worden?

Mir ist mal eine Flasche auf den

Rettungswagen geflogen. Daswar allerdings

nicht in Berlin, sondern in

Hamburg. In Berlin erlebe ich vor allem

aggressives Verhalten im Straßenverkehr,

Autofahrer, die leider

falsch reagieren, wenn ein Löschfahrzeug

um die Ecke biegt. Diesich weigern,

zur Seite zu fahren, bewusst

Kreuzungen blockieren, Stinkefinger

zeigen, herumpöbeln.

Ich dachte, viele Autofahrer würden

nach der Debatte um Rettungsgassen

eher Platz machen.

Die meisten schon. Dort, wo verstärkt

Probleme erkannt werden, suchen

wir das Gespräch.

Siehaben zum Thema „Gewalt gegen

Rettungskräfte“ promoviert.

Mich hat Gewalt gegen Polizeibeamte

schon immer betroffen gemacht.

Ich habe geahnt, dass es bei

der Feuerwehr ähnlich ist, konnte

dazu aber weder Daten noch Studien

finden. Also habe ich mich entschieden,

selbst Daten zu erheben.

Können Sie sagen, wo das Gewaltpotenzial

gegen Rettungskräfte am

größten ist?

Großstädte haben im Vergleich

generell die höchsten Belastungen.

Wasmüsste Ihrer Meinung nach geschehen?

Berlin braucht mehr Personal bei

der Polizei und der Staatsanwaltschaft.

Und eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft,

die im Falle von

Gewaltdelikten gegen Menschen

aus dem öffentlichen Dienst wie Polizisten,

Feuerwehrleute oder Lehrer

zuständig ist. In Nordrhein-

Westfalen geht die Staatsanwaltschaft

Düsseldorf mit gutem Beispiel

voran. Dort ist eine solche

Struktur bereits eingerichtet.

Es ist Ihre Aufgabe, so etwas auf den

Wegzubringen.

Ich kann für Ideen werben, Lösungsmöglichkeiten

suchen und

natürlich auch über den Tellerrand

gucken und schauen, was andere

machen. Und ich halte das Modell

von Düsseldorf für erfolgversprechend.

Hat die Gewalt gegen Rettungskräfte

auf die Nachwuchssuche Einfluss?

Wir brauchen dringend Nachwuchs.Und

es wärefalsch, wenn der

Eindruck entstünde, die Feuerwehr

würde ständig etwas auf die Mütze

bekommen. Wir machen uns nicht

zum Opfer.Imabsoluten Regelfall sagen

die Leute: ZumGlück seid ihr da.

IstIhnen das auch schon passiert?

Nicht im Einsatz. Aber wenn ich

in Uniform mit der U-Bahn fahre,

klopfen mir manchmal fremde Menschen

auf die Schulter und sagen:

Danke. Aber eigentlich fahre ich

nicht so gerne in UniformU-Bahn.

Warum nicht?

Viele beäugen mich eher misstrauisch.

Sie kramen nach ihrem

Fahrschein, weil sie glauben, ich sei

ein Kontrolleur.

Eigentlich müsste die Feuerwehr

ohne Gewaltpräventionsbeauftragte

auskommen.

Keine Gewalt, keine Präventionsbeauftragte.

Das wäre der Idealfall.

Danach sieht es aber in der Realität

nicht aus.

DasGespräch führte

Katrin Bischoff.


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14 * Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

15-Jähriger überfallen.

Aufdem Alexanderplatz in Mitte ist

am Dienstagabend ein Jugendlicher

beraubt worden. Der15-Jährige gab

der Polizei zufolge an, voneinem unbekannten

jungen Mann in der Panoramastraße

mit einem Messer bedroht

worden zu sein. Anschließend

habe dieser ihm die

Armbanduhr entwendet. DiePolizei

ermittelte einen 23-Jährigen als Tatverdächtigen

und nahm ihn am

Mittwochmorgen in seiner Wohnung

in Buch fest.

Autos ausgebrannt.

Im Märkischen Viertel sind in der

Nacht zum Mittwoch zwei Autos fast

vollständig ausgebrannt. Gegen

0.50 Uhrbemerkten Passanten am

Wilhelmsruher Damm Flammen an

einem geparkten Audi und alarmierten

die Feuerwehr.Das Feuer griff

auf einen davor stehenden Opel

über.Die Brandbekämpfer löschten

die Flammen. EinBrandkommissariat

des Landeskriminalamtes hat

die Ermittlungen aufgenommen.

Supermarkt überfallen.

Einmaskierter Mann hat in der

Nacht zum Mittwoch in Reinickendorfeinen

Supermarkt überfallen.

Zwei Beschäftigte gaben bei der Polizeian,

dass ein Unbekannter ihnen

gegen 22.30 Uhrbeim Verlassen des

Discounters in der Wilhelmstraße

nach Ladenschluss aufgelauerthat.

Er soll sie in den Kassenraum gedrängt

haben, wo er Geld raubte und

dann in Richtung der Straße

Krumme Gärten flüchtete.

Rollerfahrer festgenommen.

Wegen überhöhter Geschwindigkeit

und Fahrens ohne Fahrerlaubnis ist

ein Motorrollerfahrer in Treptow

festgenommen worden. Beamte hatten

den Mann am Dienstagnachmittag

anhalten wollen, teilte die Polizei

am Mittwoch mit. DerRollerfahrer

war mit 60 Kilometernpro Stunde –

statt erlaubten 45 –über die Köpenicker

Landstraße gefahren. DerFahrerflüchtete

vorder Polizei, die ihn

aber wenig später stoppen konnte.

Beider Kontrolle stellte sich heraus,

dass er keine gültige Fahrerlaubnis

besaß und vermutlich unter Drogeneinfluss

stand. Außerdem war ein

falsches Kennzeichen an dem Fahrzeug

angebracht. (kop.)

Bei der „Kundgebung zur Palästinafrage“ am Brandenburger Tor

Hass-Parade mit Palästinenserschal

Polizei untersagt Rapper-Auftritt: Sänger wollten Antisemitismus und Israelhetze verbreiten

VonAndreas Kopietz

Hunderte Palästinenser haben am

Mittwochabend am Brandenburggegen

Israel protestiert. EinPolizeisprecher

gab die Teilnehmerzahl

mit rund 500 an. In den meist auf Arabisch

gehaltenen Reden konnten die

von der Polizei engagierten Dolmetscher

keine Gewaltaufrufe oder antisemitische

Parolen identifizieren.

Die Kundgebung hatte zuvor Empörung

ausgelöst, weil die palästinensischen

Rapper Shadi Al-Bourini

und Shadi Al-Najjar auftreten sollten

–bekannt für ihreHasstiraden gegen

Juden und Israel. Offenbar erst als jüdische

Organisationen und Medien

wie die Berliner Zeitung ab Dienstagabend

darauf aufmerksam machten,

als der Grünen-Politiker Volker Beck

die Innenverwaltung über das Thema

der Kundgebung informierte, begannen

bei Polizei und Innenverwaltung

die Krisensitzungen. Es wurde geprüft,

was gegen den Auftritt der Sänger

unternommen werden könnte.

„Die Kundgebung fällt unter das

Versammlungsrecht und kann nicht

untersagt werden. Sie wird aber mit

harten polizeilichen Auflagen versehen“,

sagte Martin Pallgen, Sprecher

von Innensenator Geisel (SPD). Gegen

17.30 Uhrkam das Verbot für die

Sänger. Die Musiker bedienten in ihrenLiedernundVideos

klassische antisemitische

Vorurteile und verwendeten

eine nicht hinnehmbaren Vernichtungsrhetorik,

teilte Pallgen mit.

Also behalfen sich die Veranstalter

mit Musik vom Band, um die Menge

aufzuheizen. Vorallem junge Menschen

waren da und skandierten unter

anderem „Allahu Akbar!“ (Gott ist

der Größte). Im Gegensatz zu früheren

Palästinenser-Demos waren auffällig

viele kleine Kinder dabei. Viele

von ihnen hatten einen Palästinenserschal

über den Schultern oder als

Stirnband um den Kopf gebunden.

„Das ist Erziehung zum Hass“, stellte

Levi Salomon vom Jüdischen Forum

am Rande derVeranstaltung fest.

Deutsches Konsulat stellteVisa aus

Die „Kundgebung zur Palästina-

Frage“ wurde am Abend des 18. September

bei der Polizei angemeldet.

Der Aufruf auf arabischsprachigen

Webseiten richtete sich an die in Berlin

lebenden Palästinenser.Schon am

Montag waren die vonden Veranstaltern

eingeladenen Rapper in Berlin

und wurden von der Leiterin der Palästinensischen

Mission empfangen.

Die beiden Liederbarden, denen die

Polizei bei der Kundgebung den Bescheid

über einVerbot der politischen

Betätigung überreichte und die dann

im Auto davonfuhren, stehen für die

Verherrlichung von Terror und die

Auslöschung Israels.Inihren Produktionen

bedienen sie sich antisemitischer

Bildsprache.Sogibt es in einem

Video von 2018 eine von Laiendarstellern

gespielte Sequenz, die zeigt,

wie ein „Jude“ mit Schläfenlocken

US-Präsident Donald Trump beim

Unterzeichnen eines Papiers die

Hand führt –das antisemitische Klischee

der jüdischen Allmacht. In anderen

Liedern fordern die Sänger

Messerangriffe auf Israelis oder Raketenangriffe

auf TelAviv:„Bombardiert

sie und treibt sie raus.“ Beim polizeilichen

Staatsschutz lagen diese Informationen

zunächst nicht vor.

Dass die Polizei die Kundgebung

verschlafen hat, weist deren Sprecher

Thilo Cablitz zurück. Die Kundgebung

sei sehr spät angemeldet worden.

„Häufig stehen in Anmeldungen

keine Details zu Personen, die zum

Beispiel Redebeiträge haben. So etwas

wirddann in Veranstaltergesprächen

geklärt. Erst wenn alle Details

AFP/TOBIAS SCHWARZ

geklärt sind, können wir tiefer in die

Bewertung einsteigen.“

„Israelfeindliche und antisemitische

Veranstaltungen wurden in Berlin

schon mehrmals unter dem Deckmantel

vermeintlich unpolitischer

Folklore angemeldet. Auf den Versammlungen

wurden dann jedoch

mitunter offen antisemitische und

terrorverherrlichende Inhalte verbreitet.

Hier muss die Berliner Versammlungsbehörde

zukünftig genau

hinschauen“, sagt Benjamin Steinitz

von der Recherche- und Informationsstelle

Antisemitismus.

Als die Kundgebung bekannt

wurde,protestierten Politiker und jüdische

Organisationen –etwa der israelische

Botschafter Jeremy Issacharoff,

das American Jewish Committee

und CDU-Fraktionschef Burkard

Dregger.Volker Beck hatte bereits am

Dienstag ein Verbot der Demo und

die Ausweisung der Sänger gefordert.

„Ich frage mich, wie solche Leute zu

einem Visum kommen, da wir das

Aufenthaltsrecht gegen Hassprediger

eigentlich wasserdicht gemacht haben.“

Nach Informationen dieser

Zeitung hatte das deutsche Konsulat

in Ramallah (Westjordanland), den

Sängerndie Visa ausgestellt.

Schlag

gegen

Diebesbande

Wohnungen durchsucht,

Porsche beschlagnahmt

VonPhilippe Debionne

und Eric Richard

Die Berliner Polizei hat in der

Nacht zu Mittwoch bei einem

spektakulären Einsatz in Oberschöneweide

einen Autodieb festgenommen.

Zudem beschlagnahmten die

Einsatzkräfte einen Sportwagen der

MarkePorsche Panamera.

Gegen Mitternacht stürmten die

Fahnder die Drei-Zimmer-Wohnung

des Tatverdächtigen in der Tabbertstraße,

nach Angaben eines Augenzeugen

wurde dabei auch eine

schwere Metallramme eingesetzt.

Wenig später führten Polizeibeamte

den Mann unter Führung des Landeskriminalamtes

in Handschellen

ab.Inder Tiefgarage des Mehrfamilienhauses

beschlagnahmten die Einsatzkräfte

zudem den Porsche Panamera

4S. Das Fahrzeug soll gestohlen,

aber auf den jetzt Festgenommenen

angemeldet sein.

Aus Polizeikreisen hieß es am

Mittwoch, dass es in Zusammenhang

mit der Festnahme stadtweit

weitere polizeiliche Maßnahmen

wie Wohnungsdurchsuchungen

gegeben habe, bei denen es unter

anderem um die Sicherung vonBeweismitteln

gegangen sei.

Ob es weitere Festnahmen gab,

war zunächst nicht bekannt. Hintergrund

sei ein seit mehreren Monaten

laufendes Ermittlungsverfahren

wegen des Verdachts des

bandenmäßigen Diebstahls, bei

dem es unter anderen auch um

entwendete Luxusfahrzeuge gehen

soll.

Obwohl moderne Autos immer

besser gegen Diebstahl geschützt

sind, sei „mit einer Entspannung

im Bereich der Kfz-Kriminalität

nicht zu rechnen“, heißt es beim

Bundeskriminalamt. Grund dafür

seien „die technischen Fähigkeiten

der Täterseite zur Überwindung

von Kfz-Sicherungseinrichtungen

sowie die guten Absatzmöglichkeiten

für entwendete Fahrzeuge und

Fahrzeugteile“.

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Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 15

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Berlin

Und es gibt ihn doch, den preiswerten Neubau

Ob Südwesten, Osten oder Mitte: Die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen schaffen immer mehr bezahlbare Unterkünfte. Ein Überblick

VonUlrich Paul

Eine bezahlbare Neubauwohnung

in Berlin zu finden,

ist nicht leicht. Aber

mittlerweile werden durch

die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen

immer mehr Unterkünfte

fertiggestellt, die zu vertretbaren

Mieten angeboten werden. In

diesem Jahr sind es rund 5000. Sie

werden als Sozialwohnungen in der

Regel zu Mieten ab 6,50 Euro je Quadratmeter

(kalt) vergeben. Um eine

solche geförderteWohnung zu erhalten,

ist jedoch ein Wohnberechtigungsschein

(WBS) nötig. Freifinanzierte

Wohnungen werden im

Schnitt unter zehn Euro je Quadratmeter

vermietet. Für sie wird kein

WBS gebraucht. Hier ein Überblick,

wo die Unternehmen zurzeit neue

Wohnungen anbieten –und wo die

nächsten Unterkünfte entstehen.

Degewo: In der Rudower Straße 47,

49 und 51 in Treptow-Köpenick errichtet

die größte landeseigene Gesellschaft

in drei dreigeschossigen

Gebäuden 41 Mietwohnungen. Der

Vermietungsstartist laut Degewo im

Oktober.Die Wohnungen werden an

WBS-Inhaber vermietet. Die Mieten

reichen von 6,50 bis 8Euro jeQuadratmeter

Wohnfläche.

In der Mahlower Straße 2, 2A, 2B,

4und 4A in Treptow-Köpenick entstehen

bis zum Herbst dieses Jahres

101 geförderte Wohnungen. Die

durchschnittliche Miete liegt bei

6,50 Euro je Quadratmeter. Vermietungsstartwar

bereits im August.

Im Bohnsdorfer Weg127, 129, 131

sowie im Knospengrund 27, 29, 31,

33 errichtet die Degewo in sechs

Mehrfamilienhäusern bis zum

Herbst insgesamt 72 frei finanzierte

Wohnungen. Die Miete liegt im

Schnitt unter 10 Euro je Quadratmeter

(kalt). DieVermietung läuft.

An der Luisenstraße/Wendenschlossstraße

entstehen 172 Wohnungen,

davon 106 Wohnungen in

einem zweiten Bauabschnitt, der

zurzeit fertiggestellt wird. Einstiegsmiete:

ab 6,50 Euro je Quadratmeter.

In der Joachim-Ringelnatz-Straße 2-

14, der Hans-Fallada-Straße 2, der

Cecilienstraße 183–197 hat die Degewo

299 Wohnungen errichtet, davon

110 Sozialwohnungen, die bereits

alle vergeben sind. Vonden frei

finanzierten Wohnungen, die zu

Kaltmieten von 9 bis 9,99 Euro je

Quadratmeter vermietet werden,

sind nur noch wenige verfügbar.

Howoge: In der Genslerstraße 17 in

Lichtenberg hat die Howoge im Juni

dieses Jahres 188 Wohnungen fertiggestellt,

die zurzeit noch vermietet

werden. 46 Wohnungen davon entstanden

mit Fördermitteln und werden

für 6,50 Euro je Quadratmeter

angeboten. Die übrigen frei finanzierten

Wohnungen kosten im

Schnitt 11 Euro je Quadratmeter.

In der Goeckestraße 32, 34 in

Lichtenberg entstehen bis Januar

nächsten Jahres 264 Wohnungen. 97

davon werden für 6,50 Euro je Quadratmeter

vermietet, weitere 24

Wohnungen sind für 8Euro jeQuadratmeter

zu haben. Dieübrigen 143

frei finanzierten Wohnungen kosten

im Schnitt 11 Euro je Quadratmeter.

In der Flämingstraße 70 in Marzahn-Hellersdorf

wurden im August

167 Wohnungen fertiggestellt, darunter

67 Sozialwohnungen, die 6,50

Euro je Quadratmeter kosten. Die

übrigen 100 frei finanzierten Wohnungen

kosten im Schnitt unter 10

Euro je Quadratmeter.

An der Frankfurter Allee 135 in

Lichtenbergerrichtet die Howoge bis

Januar 2020 insgesamt 116 Wohnungen,

darunter 31 geförderte Wohnungen.

23 davon werden für 6,50

Euro je Quadratmeter angeboten.

Acht Wohnungen kosten 8Euro je

Quadratmeter. Die frei finanzierten

Wohnungen kosten im Schnitt weniger

als 10 Euro je Quadratmeter.

Stadt und Land: Im Südosten Berlins

hat die Stadt und Land zwischen

Schönefelder Chaussee und Ortolfstraße

die Altglienicker Höfe mit 406

Wohnungen errichtet. 123 davon

wurden gefördert. Sie werden für

6,50 Euro je Quadratmeter vermietet.

Einige wenige Wohnungen sind

noch zu haben.

Fertigstellungen von Mietwohnungen der landeseigenen Gesellschaften

2017 bis 2018 2019 bis 2021 ab 2022 Termin offen

Treptow-

Köpenick

Lichtenberg

Spandau

Pankow

Marzahn-

Hellersdorf

Mitte

Friedrichshain-

Kreuzberg

Neukölln

Tempelhof-

Schöneberg

Steglitz-

Zehlendorf

Reinickendorf

Charlottenburg-

Wilmersdorf

186

337

162

510

388

666

636

640

1417

1207

284

600

795

1169

219

436

375

866

821

192

583

496

248

130

643

227

113

944

789

1505

1491

1319

1426

1968

2306

3030

2736

3636

4031

4776

5313

BLZ/GALANTY; QUELLE: INBERLINWOHNEN.DE

In der Fürstenwalder Allee in

Treptow-Köpenick errichtet die

Stadt und Land bis Dezember dieses

Jahres 216 Wohnungen, 69 davon

sind gefördert. Die Mieten bewegen

sich zwischen 6,50 bis 11,20 Euro je

Quadratmeter.

In der Otto-Franke-Straße 70 in

Adlershof entstehen 29 Wohnungen.

16 davon werden mit Mitteln des

Landes gefördertund zu Mieten von

6,50 je Quadratmeter angeboten. Die

übrigen Wohnungen kosten bis circa

11 Euro je Quadratmeter. Die Wohnungen

sind zwar erst im April 2020

bezugsfertig, doch können sich Interessenten

schon jetzt registrieren

lassen. Das gilt auch für acht Wohnungen,

die in der Otto-Franke-

Straße 74 errichtet werden.

Im Forster-Karree an der Louis-

Lewin-Straße in Marzahn-Hellersdorfwerden

308Wohnungen gebaut.

Sie sollen zum 1. Dezember bezugsfertig

sein. Die Hälfte der Wohnungen

entsteht mit Fördermitteln des

Landes und wird für 6,50 Euro je

Quadratmeter vermietet.

In der Schkeuditzer Straße in

Marzahn-Hellersdorf entstehen 165

Wohnungen. 83 Wohnungen werden

für 6,50 Euro je Quadratmeter vermietet.

Das Projekt wird imFebruar

2020 fertig, doch können sich Interessenten

bereits registrieren lassen.

Gesobau: In der Kastanienallee 21

und in der Kirchstraße69inPankow

errichtet die Gesobau derzeit 57

neue Wohnungen. Weitere 24Wohnungen

entstehen im Thurbacher

Steig in Reinickendorf. Wegen des

Andrangs ist laut Gesobau eine Interessentenregistrierung

nicht mehr

möglich. Aber: Wohnungssuchende

können sich bereits jetzt für die

nächsten Neubauprojekte registrieren,

die ab Februar 2020 zur Verfügung

stehen. Auf dem Grundstück

Kummerower Ring 34 bis 40 in Hellersdorfentstehen

56 neue Mietwohnungen.

22 davon sind gefördert. Sie

werden zu Mieten von 6,50 Euro je

Quadratmeter vermietet. Die übrigen

34frei finanzierten Wohnungen

sind im Schnitt für unter zehn Euro

je Quadratmeter zu haben.

In der Tangermünder Straße in

Hellersdorf errichtet die Gesobau

423 Wohnungen, darunter 186 geförderte

Wohnungen. Sie sind für 6,50

Euro je Quadratmeter zu mieten. 150

Wohnungen sind als Seniorenwohnungen

konzipiert. Die frei finanzierten

Wohnungen werden im

Schnitt für unter zehn Euro je Quadratmeter

offeriert.

Gewobag: In Falkenberg imNordosten

Berlins errichtet die Gewobag

mit einem privaten Unternehmen

rund 1200 Wohnungen in Reihenhäusern

und Mehrfamilienhäusern.

110 Wohnungen in Reihenhäusern

sind bereits fertig. Sie werden für

9,90 Euro je Quadratmeter vermietet.

Weitere 115 Wohnungen in

Mehrfamilienhäusernsollen im vierten

Quartal hinzukommen. Sie werden

ab 1. Januar 2020 vermietet. 90

Wohnungen davon werden gefördertund

für Mieten ab 6EurojeQuadratmeter

angeboten, die übrigen

für 9,90 Euro je Quadratmeter.

In Wedding, direkt an der Panke

gelegen, baut die Gewobag 42 Mietwohnungen.

Der Neubau soll noch

im vierten Quartal fertig werden, die

Vermietung ab 1. Februar 2020 erfolgen.

DieHälfte der Wohnungen wird

ab 6Euro jeQuadratmeter vermietet.

Diefreifinanzierten Wohnungen

kosten 9,90 Euro je Quadratmeter.

WohnungsbaugesellschaftMitte(WBM):

In den Pepitahöfen, dem bereits fertiggestellten

Gemeinschaftsprojekt

der Wohnungsbaugesellschaft Mitte

(WBM)und der Degewo in Spandau

sind derzeit noch fünf Wohnungen

zu haben –zuNettokaltmieten zwischen

9und 10,75 Euro je Quadratmeter.Ineinem

weiteren Projekt der

WBM in der Friedenstraße am Volkspark

Friedrichshain hat die Vermietung

noch nicht begonnen. Interessenten

können sich noch nicht bewerben.

Ulrich Paul sieht mit

Freude, dass die Zahl preiswerter

Wohnungen wächst.

Ab durch die Mitte

Bundesstiftung Baukultur lädt zur Architektur-Führung

ExklusivE adrEssEn

VonUlrich Paul

Die niederländische Botschaft,

das Humboldt-Forum und die

gerade eröffnete James-Simon-Galerie

auf der Museumsinsel –das sind

drei vonfast 20 Stationen, die bei einer

Architektur-Führung der Bundesstiftung

Baukultur am 5. Oktober

angesteuertwerden. DasBesondere:

Der Baukulturspaziergang, letzter

von insgesamt fünf Führungen in

diesem Jahr, ist kostenlos. Eine Anmeldung

wirdjedoch erbeten.

„Wir möchten Menschen einladen,

sich mit ihrer gebauten Umwelt

auseinanderzusetzen“, sagt Reiner

Nagel, Vorstandsvorsitzender der

Bundesstiftung Baukultur. „Gemäß

dem Motto: Mansieht nur,was man

weiß, sollen die Führungen Einblicke

in die Ideen und Konzepte vermitteln,

die hinter Gebäuden, Plätzenund

Anlagen stehen –und damit

zu einem tieferen Verständnis führen,

was unsere Städte ausmacht

und wofür sich unser Engagement

lohnt“, so Nagel.

Die circa zweieinhalbstündige

Führung, als„Crash-Kurs Baukultur“

angekündigt, startet um 11 Uhr am

Hauptstadtmodell im Atrium der Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr

und Klimaschutz. Adresse: Am Köllnischen

Park 3inMitte. Das Modell

liefert einen guten Überblick über

die geplanten Projekte in Berlin –

vom Alexanderplatz bis zur City-

West. Weiter geht es von dort am

Märkischen Museum vorbei über die

niederländische Botschaft, die vom

Architekten Rem Koolhaas entworfen

wurde, bis zum Spittelmarkt.

Nicht weit vomSpittelmarkt entfernt

werden die Teilnehmer mit der Idee

für den Bau des House of One vertraut

gemacht. Dahinter verbirgt

sich das gemeinsame Gotteshaus für

Christen, Muslime und Juden, das

nach Plänen des Büros Kuehn Malvezzi

Architects an der Gertraudenstraße

in Mitte entsteht. Am 14. April

nächsten Jahres soll der Grundstein

für das international beachtete Projekt

gelegt werden. DieFertigstellung

ist für 2023 vorgesehen.

Vonder Gertraudenstraße geht es

zum Versuchsschiff der Initiative für

ein Flussbad und weiter bis zum

neuen Berliner Schloss, das ab September

2020 unter dem Namen

Humboldt-Forum schrittweise eröffnet

werden soll. Dessen Ost-Fassade

wurde nach dem preisgekrönten

Entwurf des Architekten Franco

Stella in moderner Architektur gestaltet,

die übrigen wurden rekonstruiert.

Über den Lustgarten führt

der Spaziergang zur James-Simon-

Galerie,dem neuen Eingangsbau zur

Museumsinsel. Das Bauwerk, das

nach Plänen des britischen Architekten

David Chipperfield entstand,

wurde im Juli eröffnet. DasGebäude

trägt den Namen des Unternehmers

James Simon, dem bedeutendsten

Mäzen der Staatlichen Museen.

Anmeldungen zurFührung per Mail unter:

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Vier Täter sollen Tausende

Briefe geöffnet haben

In der Nacht zum Mittwoch haben

Zivilfahnder vier Verdächtige festgenommen,

denen vorgeworfen wird,

als Bande Tausende Briefe gestohlen

zu haben. DieBerliner sollen in den

Postsendungen nach Bargeld, Gutscheinen

und Bankkarten gesucht

haben. „Derzeit wirdvon einem

Schaden vonmehreren Zehntausend

Euro ausgegangen“, sagte Polizeisprecher

MarioHeinemann. Der

Festnahme gingen längereErmittlungen

der Landeskriminalämter

vonBrandenburgund Berlin voraus.

Drei Männer wurden vonZivilfahndernauf

frischer Tatfestgenommen.

DiePolizei konnte auch den Fahrer

während seiner Auslieferungstour

fassen. DieTäter sind 18 bis 57 Jahre

alt. (bla.)

OVG:Gemeinden müssen

Kitakosten erstatten

Gemeinden müssen freien Trägern

die laufenenden Kosten für das Betreiben

ihrer Kita-Räume erstatten.

Dasgeht aus einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts

Berlin-Brandenburghervor.

DieTräger haben demnach

Anspruch auf die Erstattung

etwa vonHausmeister-und Reinigungskosten

sowie vonMietnebenkosten.

Kosten für Spiel- und Freizeitmaterialien,

Geschirr oder Drogerieartikel

müssen selbst getragen werden.

Befindet sich die Kita in einem

Gebäude,das dem freien Träger gehört,

hat er Anspruch auf Erstattung

der ortsüblichen Kaltmiete.Ineinem

weiterenVerfahren entschied das Gericht,

dass eine Gemeinde angemessene

Kosten erstatten muss,wenn

Kinder in einer Einrichtung im Nachbarortbetreut

werden. (dpa)

GEWINNZAHLEN

Mittwoch-Lotto:

5-7-15 -23 -33 -37

Superzahl: 8

Spiel 77: 7098577

Landeslotterie Super 6: 895730

Alle Angaben ohne Gewähr!

Zwei neue: Landtagspräsidentin UlrikeLiedtkevon der SPD bekam 77 von 88 Stimmen. Ihr Vize Andreas Galau von der AfD wurde mit 36 Ja-Stimmen gewählt.

AfD bekommt einen Vize-Posten

Aber einen anderen Kandidaten der größten Oppositionspartei lassen die Landtagsfraktionen durchfallen

VonJens Blankennagel, Potsdam

Bei der konstituierenden

Sitzung des Potsdamer

Landtags nach der Wahl

2014 hielt der AfD-Politiker

Alexander Gauland die Eröffnungsrede.Erwar

damals mit 73 Jahren

der älteste Abgeordnete. Am

Mittwoch, bei der konstituierenden

Sitzung nach derWahl am 1. September

diesen Jahres hielt Marianne

Spring-Räumschüssel die Eröffnungsrede

–auch sie ist vonder AfD.

Sieist mit 73 Jahren die älteste.

Wahl der neuen Präsidentin

Doch der wichtigste Akt war dieWahl

von Ulrike Liedtke (SPD) zur neuen

Parlamentspräsidentin. Danach

aber beherrschte wieder die AfD die

Debatte,die mit 23,5 Prozent bei der

Wahl zweitstärkste Kraft wurde und

nun die Opposition anführt.

Im Vorfeld wurde debattierte, ob

die anderen Parteien der AfD den ihr

zustehenden Posten eines Vizepräsidenten

gewähren oder ob sie Andreas

Galau durchfallen lassen. Etliche Abgeordnete

hatten angekündigt, ihn

nicht wählen zu wollen, aber auch

nicht mit Nein zu stimmen, sondern

sich zu enthalten. Ihre Begründung:

DieAfD solle sich nicht wieder als Opfer

präsentieren können.

Eine der 88 Stimmen war ungültig.

So erhielt Galau 36 Ja-Stimmen –

die AfD selbst hat 23 Abgeordnete.Er

bekam auch 20 Nein-Stimmen und

31 Enthaltungen. „Damit ist Andreas

Galau mit der Mehrheit der abgegeben

Stimmen gewählt worden“,

sagte Präsidentin Ulrike Liedtke.

Anschließend stimmen 75 Abgeordnete

für BarbaraRichstein (CDU)

als weitereVize-Präsidentin. Es wurden

noch sieben Mitglieder ins Präsidium

gewählt, darunter auch ein

AfD-Mann. Ein anderer Abgeordneter

–Daniel Freiherr vonLützow –fiel

zweimal durch. Er ist Vize-Chef der

AfD und wird dem Rechts-außen-

Flügel zugerechnet. Im ersten Wahlgang

bekam er 57 Gegenstimmen,

im zweiten 55. In der nächsten Sitzung

will die AfD einen neuen Kandidaten

aufstellen.

In ihrer Eröffnungsrede bezog

sich die AfD-Abgeordnete Spring-

Räumschüssel auf die Historie und

erinnerte an große Ereignisse im Jahr

2019 –zuerst an den 200. Geburtstag

des Schriftstellers Theodor Fontane.

Sie machte ihn zum Kronzeugen in

der Frage der Einwanderung von

Muslimen. Sieerinnerte an Fontanes

Roman „Effi Briest“, in dem die Rolle

der Frau in der damaligen Zeit beschrieben

wird. Dann fragte sie:

„Wird die heutige Gesellschaft die

Errungenschaften der Gleichberechtigung

wehrhaft verteidigen? Mitder

Zuwanderung wandern andere Gesellschaftsmodelle

auch nach Brandenburg,

was würde uns Theodor

Fontane heute dazu sagen?“ Sieerinnerte

an seine Zitat: „Am Mute hängt

der Erfolg.“ Sie sagte: „Seien wir in

der Verteidigung unserer Werte.“

In der großen Politik ist die einstige

Ingenieur-Ökonomin und heutige

Rentnerin unbekannt, aber

Spring-Räumschüssel holte ihr

Mandat in Cottbus direkt –und zwar

gegen drei bekannte Politiker:gegen

den früheren CDU-Chef Michael

Schierack, gegen Kulturministerin

Martina Münch (SPD) sowie gegen

den Landtagsabgeordneten Matthias

Loehr (Linke).

In ihrer Rede erinnerte sie dann

an 30 JahreMauerfall und sagte,dass

sich auch in Brandenburgeine große

Ernüchterung und Enttäuschung

breitgemacht habe. Als einen Grund

nannte sie auch die Ausgrenzung ihrer

Partei. „Ja, es gibt freie und geheime

Wahlen, aber wird der Wählerwille

hinterher bei der Regierungsbildung

ausreichend abgebildet?“,

fragte sie. Die Frage klingt

recht abwegig, da die AfD nicht

stärkste Kraft wurde, damit keinen

Auftrag zur Regierungsbildung hat

und nicht mal einen potenziellen

DPA/SÖREN STACHE

Koalitionspartner hätte,daniemand

mit ihr zusammenarbeiten will.

Die neue Parlamentspräsidentin

Ulrike Liedtke (SPD) sagte nach ihrer

Wahl: „Ich bin bewegt und sehr aufgeregt,

so groß ist meine Dankbarkeit.

Denn es ist das schönste Amt,

das unser Land zu vergeben hat.“

Sie sprach über die harten politischen

Kämpfe der vergangenen

Jahre und erinnerte als Musikwissenschaftlerin

an eine Zeichnung

des Komponisten Arnold Schönberg

mit dem Titel„Der Sieger und der Besiegte“.

Beide Figuren seien verbeult

und verformt. DasBild zeige die Verletztheit

und die Verletzlichkeit des

Siegers. Liedtke fragte: „Können wir

streiten, ohne uns zu verletzen, ohne

dass es Sieger und Besiegte gibt?“ Ja,

man müsse streiten, und das könne

man auch lernen.„Das ist notwendig

für eine gute politische Kultur.“

EinOrt für die Zukunftsfragen

Liedtke sagte, es sei auch eine

Chance,dass das Volk so viele unterschiedliche

Parteien gewählt habe.

Sie bezeichnete das Parlament als

„Möglichkeitsraum“, sie warb für die

Suche nach Kompromissen und

wandte sich gegen die einseitige

Sicht von Populisten. „Ich will, dass

der Landtag ein Ortist, an dem über

Zukunftsfragen diskutiertwird.“

Siemens

streicht

weniger Stellen

In Berliner Schaltwerk

sollen 410 Stellen wegfallen

Siemens reduziert in seiner kriselnden

Energiesparte seine bisherigen

Stellenabbaupläne –auch in

Berlin. Im Schaltwerk inder Hauptstadt

ändertsich die Zahl der wegfallenden

Stellen von 470 auf 410.

Deutschlandweit sollen noch 1100

statt der ursprünglich angekündigten

1400 Jobs gestrichen werden,

wie ein Unternehmenssprecher am

Mittwoch sagte.

Laut dem sogenannten Radolfzeller

Abkommen können betriebsbedingte

Kündigungen bei Siemens

nur im Einvernehmen zwischen Unternehmensleitung,

IG Metall und

dem Betriebsrat erfolgen. „Wir haben

das Ziel, einvernehmliche Lösungen

zu erzielen“, betonte der

Sprecher. Die reduzierten Abbaupläne

seien Ergebnis eines mit der

Arbeitnehmerseite gefundenen

Kompromisses.

DerStellenabbau soll die Ausgliederung

der Energiesparte vorbereiten,

zu der neben den Transformatorenund

den Schaltanlagen auch das

kriselnde Kraftwerksgeschäft gehört.

Siemens will die Sparte in ein neu zu

gründendes Energieunternehmen –

bislang inoffiziell Powerhouse genannt

–auslagern. Dorthin sollen bis

2020 rund ein Drittel des derzeitigen

Gesamtumsatzes übertragen werden.

Zudem soll das neue Unternehmen

die bislang von Siemens gehaltene

Mehrheit an Siemens Gamesa

übernehmen. Der Konzern bündelt

damit das Geschäft mit konventionellen

sowie erneuerbaren Energien

unter einem Dach. (dpa)

Siemens streicht in Berlin weniger

Stellen als befürchtet.

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Wegestreit am Griebnitzsee

Gericht verhandelt erneut, ob der Uferpfad für die Öffentlichkeit geöffnet werden darf

VonGerhard Lehrke, Potsdam

Inder Auseinandersetzung um den

UferwegamPotsdamer Griebnitzsee

begann am Mittwoch eine neue

Gerichtsrunde. Mit zwanzig sogenannten

Normenkontrollverfahren

gehen Seegrundstück-Besitzer beim

Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg

gegen den Bebauungsplan

der Stadt Potsdam vor, der

eine Öffnung des Uferwegs auf Babelsberger

Seite vorsieht. Etliche der

70 Villenbewohner haben den Fußwegseit

zehn Jahren gesperrt.

5Eurooder 115 Euro

Bis kurz nach dem Fall der Mauer

1989 war der Postenweg im DDR-

Grenzgebiet unzugänglich. Dann

wurde er geöffnet. Doch 2009 entschied

das OVG, dass es keinen Anspruch

auf die öffentliche Nutzung

des 2,8 Kilometer langen Wegs gibt.

Die Begründung: Der entsprechende

Bebauungsplan wurde erst 2007 aufgestellt.

Die meisten Anrainer hatten

aber bereits seit 2004 ihrebis ans Ufer

reichenden Grundstücke vom Bund

gekauft. Potsdam kam nicht zum

Zuge, weil die Grundstücke zu teuer

waren. DieStadt wollte seinerzeit fünf

Euro pro Quadratmeter zahlen, der

Bund erzielte bei den privaten Käufernaber

etwa 115 Euro.

Schön, aber nicht für jeden: Der Wegam

südlichen Ufer des Griebnitzsees. UHLEMANN

Besonders hartleibige Anlieger

blockierten nach dem Urteil denWeg.

Die Absperrungen vor 2004 hatte die

Stadt Potsdam unterbunden. Daswar

dann wegen der Gerichtsentscheidung

nun nicht mehr möglich.

Die Stadt stellte daraufhin einen

neuen Bebauungsplan auf und modifizierte

ihn bis 2016. Versuche,sich

mithilfe eines Richters als Vermittler

mit den Anliegern zueinigen, scheiterten

jedoch, obwohl Potsdam 13

Millionen Euro bereitstellte, umFlächen

zu kaufen. Nun lassen die Anlieger

die Rechtmäßigkeit des neuen

Bebauungsplans prüfen.

Kontrollverfahren zur Prüfung

solcher Pläne werden nicht vor einem

Verwaltungsgericht geführt,

sondern das Oberverwaltungsgericht

ist die erste Instanz.

Die begehrte Villengegend war

mehrfach von Enteignungen betroffen.

Die Nationalsozialisten hatten

jüdischen Eigentümern Häuser und

Grundstücke genommen, nach

Kriegsende 1945 griff die Sowjetunion

zu, und ab 1961 holte sich die

DDR im Rahmen des Mauerbaus

den Grund und Boden, um entlang

des Sees ihreSperranlagen zu bauen.

Die eigentlich nur für Mittwoch

und Donnerstag angesetzte mündliche

Verhandlung vordem OVGander

Hardenbergstraße wird nicht ausreichen,

sagte die Vorsitzende Richterin.

Es sei noch kurzfristig ein artenschutzrechtliches

Gutachten nachgereicht

worden, die das Gericht bislang habe

noch nicht prüfen können. Es wird

deshalb in etwa zwei Monaten einen

weiteren Gerichtstermin geben.

DieAnwohner sind in der Angelegenheit

unterschiedlicher Auffassung.

Der Regisseur Volker Schlöndorff,

der am See wohnt, will den

Weg geöffnet sehen. Er kann nicht

verstehen, dass Nachbarn, die teilweise

enteignete Grundstücke zurückerhalten

hatten, den Uferweg

der Öffentlichkeit vorenthalten.


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 17 *

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Wissenschaft

Das große Schmelzen beschleunigt sich

Der Meeresspiegel steigt immer schneller,warnt der Weltklimarat. Die Auswirkungen könnten dramatisch werden, wenn der Klimaschutz nicht verstärkt wird

VonAnne Brüning

Das Timing ist gut, die

Nachricht bedenklich:

Am höchsten Berg der

Alpen, dem Mont Blanc,

drohen wegen Erwärmung Teile des

Planpinceux-Gletschers einzustürzen.

Die Gemeinde Courmayeur in

der Region Aostatal auf der italienischen

Seite des Massivs warnt vor

Eislawinen und ließ zwei kommunale

Straßen sperren. Rund 250 000

Kubikmeter Eiskönnten abbrechen.

Solche Nachrichten wirdeskünftig

häufiger geben. Denn das Abschmelzen

der Gletscher in den Bergen

und des Eises in den Polargebieten

beschleunigt sich –und so steigt

auch der Meeresspiegel schneller als

bisher.Das macht der Sonderbericht

des Weltklimarats IPCCdeutlich, der

am Mittwoch in Monaco vorgestellt

wurde.

104 Autoren aus 36 Ländern haben

anhand von fast 7000 Studien

den Sachstand über den Ozean und

die Kryosphäre, also den eisbedeckten

Regionen der Erde,ineinem sich

wandelnden Klima zusammenzutragen.

Sie warnen nun: Angesichts

immer stärker schmelzender Gletscher

und anderer Eismassen müsse

die Politik rasch handeln.

Stürme, Wellen, Fluten

Überreste eines Eisbergs in der Bonavista Bucht im kanadischen Neufundland. Die Bild wurde im Juni dieses Jahres aufgenommen.

Denn wenn nichts geschieht und die

Menschheit weiter agiert wie bisher,

werden zum Beispiel in den Alpen

bis zum Ende des Jahrhunderts 80

Prozent der Gletscher verschwinden.

Auch der Skitourismus wird weitgehend

zum Erliegen kommen, denn

die künstliche Beschneiung, die derzeit

die negativen Auswirkungen der

globalen Erwärmung in vielen Wintersportregionen

noch verringert,

wird stark anEffektivität verlieren.

„Entsprechend muss mit noch höheren

Risiken für die Schneesicherheit

auf den Pisten in Europa, Nordamerika

und Japan gerechnet werden“,

sagt Harald Kunstmann vom Campus

Alpin des Karlsruher Instituts für

Technologie in Garmisch-Partenkirchen.

Doch das sind absolute Luxusprobleme

angesichts der weiteren zu

erwartenden Ereignisse. Denn der

Bericht macht klar: Fast alle durch

den Klimawandel angestoßenen

Prozesse nehmen an Fahrt auf. Der

mittlere globale Meeresspiegel zum

Beispiel steigt schneller, zurzeit sind

es 3,6 Millimeter pro Jahr –und die

Beschleunigung wirdsich fortsetzen.

Biszum Jahr 2100 bedeutet das mindestens

29 bis 59 Zentimeter mehr

als im Zeitraum 1986 bis 2003. Bei

unverminderten Treibhausgasemissionen

können es sogar bis zu 110

Zentimeter mehr werden. Die magische

Ein-Meter-Grenze wird demnach

anders als in früheren Berichten

bis Ende des Jahrhunderts nicht

mehr ausgeschlossen.

Die IPCC-Forscher legen neueste

Zahlen zu zwei Szenarien vor: ein

pessimistisches, indem nichts weiter

gegen die globale Erwärmung

unternommen wird, und ein optimistisches,

indem die Erwärmung

auf weniger als zwei Grad beschränkt

wird, wie es das Abkommen

des Klimagipfels von Paris aus

dem Jahr 2015 vorsieht.

„Ungebremster Klimawandel

führtzudramatisch abschmelzenden

Gletschern, einer immer heftiger werdenden

Verringerung der großen

Eisschilde und damit zu einem Anstieg

des Meeresspiegels vonetlichen

Meterninden kommenden Jahrhunderten“,

sagt Christoph Schneider,

Professor für Klimageographie am

Geographischen Institut der Humboldt-Universität

(HU) Berlin.

Doch selbst wenn doch noch ehrgeizige

Klimaschutz-Pakete geschnürtwerden,

sind die Aussichten

nicht gut. Denn der Klimawandel ist

bereits voll in Gang. So sagen die Experten

voraus, dass sich vielerorts

Extremwasserstände, die bislang

Jahrhundertereignisse waren, bis

zum Jahr 2050 jährlich und häufiger

ereignen.

Die Geschwindigkeit, in der sich

die Ozeane erwärmen, hat sich dem

Bericht zufolge seit 1993 mehr als verdoppelt.

In Kombination mit dem

Meeresspiegelanstieg führedas dazu,

3

2

1

0

Das Gremium: Angesichts

der Erderwärmung gründeten

zwei UN-Organisationen

1988 den Weltklimarat IPCC,

der inzwischen 195 Mitgliedsländer

hat. Er hat seinen

Sitz in Genf und forscht

nicht selbst. Vielmehr werten

für die IPCC-Berichte ausgewählte

Forscher Studien aus.

GEGRÜNDET 1988

Die Mission: Der IPCC soll

aufzeigen, wie sich der Klimawandel

auf Mensch und

Natur auswirkt, wie er gebremst

werden kann und

welche Anpassungsstrategien

es gibt. Die Abkürzung

IPCC steht für Intergovernmental

Panel on Climate

Change.

Weltweiter Anstieg des Meeresspiegels

in Metern

Messdaten

4 Prognose optimistisches Szenario

Prognose pessimistisches Szenario

0,84 m

0,43 m

Die Berichte: Der jetzt in

Monaco vorgestellte Bericht

über die Ozeane und die

Kryosphäre ist der 13. Sonderbericht

des IPCC. Darüber

hinaus wurden fünf

grundlegende sogenannte

Assessment Reports erarbeitet.

Der nächste ist für das

Jahr 2022 angekündigt.

–1

1950 2100 2300

BLZ/GALANTY; QUELLE: IPCC

AFP

dass sich extreme Windgeschwindigkeiten

und Niederschläge von tropischen

Wirbelstürmen sowie die Zunahme

extremerer Wellen verschärfen

werden, konstatiertder IPCC.

Weiteres Problemgebiet ist der

Permafrost, also Dauerfrostböden.

DieTemperaturen dorthaben in den

vergangenen 40 Jahren Rekordwerte

erreicht. Vielerorts hat das Tauen bereits

begonnen. Das Dramatische

daran: In den Permafrostböden der

Nordhalbkugel lagern 1 460 bis

1600 Gigatonnen (Milliarden Tonnen)

organischer Kohlenstoff. Dasist

fast doppelt so viel Kohlenstoff wie in

der Erdatmosphäre.

Bedenklich sind auch die neuen

Erkenntnisse zum beschleunigten

Abschmelzen in Grönland, vorallem

der Antarktis.Denn die Tatsche,dass

die Forscher inzwischen einen Anstieg

des Meeresspiegels von mehr

als einem Meter bis zum Jahr 2100

nicht mehr ausschließen, hängt vor

allem mit dem nun zu erwartenden

größeren Beitrag der Antarktis zusammen,

über den bislang Unsicherheit

herrschte. „Gerade nach

2010 hat sich im Bereich der Westantarktis

der Massenverlust noch

mal verstärkt“, berichtet Angelika

Humbertvom Alfred-Wegener-Institut

für Polar- und Meeresforschung

in Bremerhaven.

Vergleiche man die Zeiträume

1997 bis 2006 und 2007 bis 2016, so

habe sich der Massenverlust in

Grönland verdoppelt und in der Antarktis

verdreifacht. „Da Eisschilde,

eigentlich langsame, träge Systeme

sind, sind solche Veränderungen in

der Dynamik schon wirklich

enorm“, sagt Humbert. Deshalbgingen

die Auswirkungen auch weit

über das Jahr 2100 hinaus.

Erstmals legt der IPCCmit seinem

aktuellen Sonderbericht nämlich

auch Projektionen vor, die bis zum

Jahr 2300 reichen. Siezeigen die langen

Nachwirkungen der Erderwärmung:

In knapp 300 Jahren wird der

Meeresspiegel je nach Szenario um

etwa einen, schlimmstenfalls mehrere

Meter höher sein (siehe Grafik).

Die Forscher warnen aber auch

für die nahe Zukunft vorschwerwiegenden

Konsequenzen der globalen

Erwärmung für Millionen von Menschen.

In Regionen wie den Tropeninseln

und an manchen Küsten werden

Überschwemmungen die Existenz

vieler Menschen bedrohen. In

Küstenregionen wohnen dem IPCC

zufolge 680 Millionen Menschen, im

Jahr 2050 wird esmindestens eine

Milliarde sein.

In Bergregionen werden durch das

Schmelzen der Gletscher und das

Auftauen dort bestehender Permafrostböden

Lawinen, Steinschläge

und Bergrutsche begünstigt. Sind die

Gletscher schließlich ganz verschwunden,

ist die Trinkwasserversorgung

gefährdet, warnen die Forscher.

InHochgebirgsregionen leben

zurzeit 670 Millionen Menschen, bis

2050 könnte die Bevölkerung dortauf

mehr als800 Millionen anwachsen.

Folgen für alle Menschen

„Die Ozeane,die Arktis,die Antarktis

und die Hochgebirgsregionen scheinen

für manche Menschen weit

weg“, betonte der Vorsitzende des

Weltklimarates, Hoesung Lee, bei

der Vorstellung des Berichts. „Aber

wir sind auf vielerlei Art abhängig

vonihnen und werden vonihnen beeinflusst

–direkt oder indirekt.“ Als

Beispiel nannte er das Wetter und

Klima, die Versorgung mit Nahrungsmitteln,

Wasser und Energie,

aber auch Handel,Verkehr,Erholung

und Tourismus sowie Gesundheit

und Wohlbefinden.

Der Bericht mache klar, dass die

Risiken eines weiter ungebremsten

Klimawandels gegenüber einem

Szenario, das die Pariser Klimaziele

von maximal zwei Grad Erwärmung

erreicht, viel größer seien –vor allem

in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts,betont

der Berliner Klimageographie-Professor

Christoph

Schneider von der HU. Die Unterschiede

seien dramatisch.„Es ist also

in der Tatso, dass das ungenügende

Handeln der Weltgemeinschaft vor

allem die Zukunftsaussichten der

Enkel und Urenkel heutiger Entscheidungsträger

trifft.“ (mit dpa)

Frühe Einschulung erhöht das Risiko für Depressionen

Einer britischen Studie zufolge kann es psychische Folgen haben, wenn Kinder immer die jüngsten ihrer Klasse sind. Die Gründe für den gefundenen Zusammenhang sind unklar

VonAnja Garms

Zu den jüngsten Kindern einer

Klasse zu gehören, erhöht das Risiko

für Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen

und Depressionen.

Das berichten Wissenschaftler

nachdem sie Daten vongut

einer Million Kinder aus Großbritannien

ausgewertet haben. Wie sie im

Fachmagazin Jama Pediatrics schreiben,

sind die Gründe dafür unklar.

Lernprobleme und Hyperaktivität

Vermutlich seien die jüngeren Kinder

einfach unreifer und damit auch

weniger belastbar als ihre älteren

Klassenkameraden. Denkbar sei

aber auch, dass derartige Probleme

bei jüngeren Kindern häufiger diagnostiziertwürden.

Absolut gesehen war das Risiko

der Kinder für die betrachteten Störungen

gering. Es sei naheliegend,

Den Ernst des Lebens verkraften: eine Sechsjährige bei der Einschulung.

dass es jüngereund damit per se unreifere

Kinder in einer Schulklasse

schwerer haben und dass Lehrer auf

diese Kinder besonders aufmerksam

achten müssen, sagt Ingeborg Krägeloh-Mann,

Präsidentin der Deutschen

Gesellschaft für Kinder- und

Jugendmedizin.

Allerdings müsse man beachten,

dass bei der Analyse vongroßen Datenmengen

wie in der Studie leicht

ein statistischer Zusammenhang

herzustellen sei. „Man muss sich

dann aber fragen: Istdas klinisch von

Bedeutung?“, sagt die Expertin, die

nicht an der Untersuchung beteiligt

war.

DieForscher um Adrian Root von

der London School of Tropical Hygiene

and Medicine hatten für ihre

Studie eine Datenbank genutzt, in

der die Untersuchungen und Diagnosen

von Kindern gespeichert

sind. Siewerteten Angaben zu gut einer

Million Kinder zwischen 4und

15 Jahren aus. Die Forscher teilten

die Kinder nach ihrem Geburtsmonat

in vier Gruppen ein –von den

jüngsten eines Jahrgangs bis zu den

IMAGO IMAGES

ältesten. Dann prüften sie, obesbis

zum Alter von 16Jahren einen Zusammenhang

gibt mit der Diagnose

von Lernschwierigkeiten, mit der

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

(ADHS) oder mit Depressionen.

Bei allen drei Krankheiten hatten

die jüngsten Kinder ein leicht erhöhtes

Risiko im Vergleich zu den ältesten

Kinderneiner Jahrgangsstufe.So

bekamen etwa von 100 000 Kindern

2361 der jüngsten Kinder die Diagnose

ADHS im Vergleich zu 1741

der ältesten Gruppe. Bei Depression

waren es 1087 im Vergleich zu 833.

Insgesamt hatten die jüngsten Kinder

ein 1,3-fach höheres Risiko für

Lernschwierigkeiten und Depression

und ein 1,4-fach höheres Risiko

für ADHS als die ältesten Kinder.

Es sei grundsätzlich bemerkenswert,

dass die jüngeren Kinder

schlechter in allen drei Parametern

abschnitten als die älteren, sagt Krägeloh-Mann.

„Dass man das als Hinweis

nimmt, speziell auf die Jüngeren

ein besseres Augenmerk zurichten,

ist sicher eine wichtige Botschaft.

Aber dasist unter erfahrenen Pädagogen

ohnehin bekannt.“ Insgesamt

seien die Raten der untersuchten Erkrankungen

erfreulich niedrig. Die

Direktorin der Klinik für Neuropädiatrie,Entwicklungsneurologie

und Sozialpädiatrie

der Universität Tübingen

bemängelt, dass die Studie nicht

genau aufschlüsselt, welche Probleme

der Kinder zu der untersuchten

Diagnose geführthaben.

Mitvier Jahren in dieSchule

Die Übertragung der Studienergebnisse

auf Deutschland sei zudem

schwierig, unter anderem, weil Kinder

hierzulande erst mit 6Jahreneingeschult

werden. InGroßbritannien

gehen die Kinder früher zur Schule,

mit 4bis 5Jahren. Außerdem könnten

hierzulande Kinder für ein Jahr zurückgestellt

werden, wenn dieSchuleingangsuntersuchungen

eine fehlende

Reife bescheinige. (dpa/fwt)


18 ** Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Valverde gibt Entwarnung

bei ausgewechseltem Messi

FUSSBALL. Nach der verletzungsbedingten

Auswechslung vonWeltfußballer

Lionel Messi im Spiel gegen

den FC Villarreal hat Ernesto Valverde,Trainer

des FC Barcelona,

leichte Entwarnung gegeben. Es sei

ein kleines Problem im Adduktorenbereich,

und als Vorsichtsmaßnahme

habe man entschieden,

nichts zu riskieren, sagte Valverde

nach dem dritten Ligasieg der Katalanen.

Anklagen nach Überfall

auf Özil in London

FUSSBALL. Zwei mutmaßliche Täter

sind nach dem versuchten Raubüberfall

auf Mesut Özil und den früheren

Bundesliga-Profi Sead Kolasinac,

Spieler des englischen Traditionsklubs

FC Arsenal, angeklagt worden.

Wiedie Polizei am gestrigen

Dienstag mitteilte,werden ein 30-

Jähriger und ein 26-Jähriger des versuchten

Raubs sowie der Bedrohung

mit einer Waffe bezichtigt.

Djokovic gibt sein

Comeback in Tokio

TENNIS. Wimbledonsieger Novak

Djokovic wirdknapp einen Monat

nach seiner verletzungsbedingten

Aufgabe im Achtelfinale der US

Open sein Comeback beim ATP-Turnier

in Tokio geben. DerSerbe hatte

im Achtelfinale in Flushing Meadows

in der Neuauflage des Endspiels von

2016 gegen den Schweizer Stan

Wawrinka beim Stand von4:6, 5:7,

1:2 aufgrund einer Verletzung in der

linken Schulter aufgeben müssen.

Uruguays Rugby-Amateure

glückt WM-Sensation

RUGBY.Uruguay hat bei der Weltmeisterschaft

in Japan für die erste

große Überraschung gesorgt. Die

zum Teil aus Amateuren bestehende

Auswahl aus Südamerika bezwang

am Mittwoch Fidschi mit 30:27 und

feierte den größten Erfolg ihrer Geschichte.„Dasist

unreal, das ist

überragend“, sagte Felipe Berchesi,

der in Kamaishi 15 Punkte erzielte

und zum Spieler des Spiels gewählt

wurde.Der Weltranglisten-19. hatte

noch bei keiner WM so viele Punkte

erzielt. Fidschi, aktuell die Nummer

zehn in der Welt, kassierte nach dem

Auftakt gegen Australien bereits die

zweite Niederlage bei dieserWM und

droht damit den Einzug in das Viertelfinale

zu verpassen.

Vollgas drauf

LeonhardPföderlsteht für den offensiven Spielstilder Eisbären Berlin –und für die Tücken eines Saisonstarts

VonChristian Kattner und

Christian Schwager

Es geht auf Mittag zu im

Wellblechpalast. DieEisbären

Berlin machen Feierabend.

Anderthalb Stunden

haben sie trainiert. Es war wieder

einmal eine anspruchsvolle Zeit.

Alle Eishockeyprofis verlassen die

von ihren Kufen zerschrammte Fläche.Alle,bis

auf zwei: Lukas Reichel,

das 17 Jahrealte Talent. Undein arrivierter

Kollege, 26Jahre alt und neu

bei dem Berliner DEL-Klub: Leonhard

Pföderl. Die beiden machen

Zielübungen, schießen aufs Tor, aufs

Tor, aufs Tor, immer wieder. Erst die

Eismaschine zwingt sie in den Feierabend.

Die rollt an jedem Taggegen

zwölf Uhr heran, um den Untergrund

glatt zu ziehen. Noch so eine

Sache, andie sich Leonhard Pföderl

inzwischen gewöhnt hat.

Der1,83 Meter große Stürmer aus

BadTölz ist ein gutes Beispiel dafür,

was es bedeutet, einen Eishockeyprofi

in ein Mannschaftsgefüge zu

integrieren. Dafür, dass es nicht

reicht, Spielsysteme zu erklären, die

Philosophie des Trainers zu vermitteln,

in Worten. Obwohl SergeAubin

auch das getan hat. DerTrainer lässt

einen offensiven Stil praktizieren,

das ist Pföderl klar gewesen, als er

vor dieser Saison von den Nürnberg

IceTigers nach Berlin gewechselt ist.

DasWissen jedoch in die Praxis umzusetzen,

ist etwas anderes.

„Ich muss jetzt deutlich mehr

nach vorne arbeiten“, sagt Pföderl,

und als er das so sagt, am Rande der

Eisfläche, auf seinen Schläger gestützt,

klingt das erst einmal merkwürdig.

Arbeitet ein Stürmer nicht

grundsätzlich nach vorne? „Früher“,

erzählt der Bayer, wobei sein Dialekt

durchklingt und die Herkunft verrät,

„in Nürnberg war ich es gewohnt,

dass für mich gearbeitet wurde.Dass

ich darauf warte, Chancen zu kriegen.“

Die offensive Ausrichtung der

Eisbären, die blitzartigen Vorstöße,

erfordern von Pföderl ein Umdenken:

„Jetzt ist es so,dass man Vollgas

drauf muss.“ Er sagt: „Drrrrauf.“

Erstes Torimvierten Spiel

Das angestrebte Tempo hat die Auswahl

des Personals beeinflusst. Pföderl

trauten die sportlich Verantwortlichen

bei den Eisbären zu, ihren

Ansprüchen gerecht zu werden.

Der Stürmer sagt: „Ich gewöhne

mich gerade dran.“ Am vergangenen

Sonntag im Spiel in München hat er

seinen ersten Treffer im Trikot der

Berliner erzielt. „Ich habe vier Spiele

gebraucht“, sagt er,„das finde ich eigentlich

ganz okay.“ Zumal er ein

Langzeit-Berliner:Leonhard Pföderlgewöhnt sich Eisbären-Sturmein.

Reagiert: Die Eisbären Berlin haben Charlie

Jahnkeandie Düsseldorfer EG ausgeliehen,

allerdings nur bis zur Ligapause Mitte November.Der

21 Jahre alte Angreifer wird also

die kommenden 13 Saisonpartien in der DEL

zur Praxiserfahrung beim Ligakonkurrenten

nutzen. Die Düsseldorfer reagieren damit auf

den verletzungsbedingten Ausfall vonLeon

Niederberger und den Wechsel vonChristoph

Körner in die DEL2.

JAHNKE AN DEG AUSGELIEHEN

CITY PRESS/POHL

Kommentiert: „Da wir möglichst durchgängig

mit vier Sturmreihen auflaufen wollen,

haben wir reagiert. Da Jahnkederzeit in Berlin

wenig eingesetzt wird, ist dies für beide

Seiten eine gute Lösung.Erhat bereits gute

Leistungen in der DEL gezeigt und wird dies

sicherlich auch bei uns bestätigen“, kommentierte

Nicki Mondt, der Sportliche Leiter

der DEG. Jahnkehat bis dato 58 Einsätze für

die Eisbären in der DEL bestritten.

paar Malnur an Torpfosten oder Torlatte

gescheitertwar.Inder Partie gegen

die Kölner Haie etwa. „Ein, zwei

Minuten ärgere ich mich darüber,

aber dann ist es auch wieder gut“,

sagt Pföderl. „Außerdem haben wir

das Spiel dann ja trotzdem gewonnen.“

3:2 hieß es am Ende.

In der Tabelle liegen die Eisbären

nach zwei Siegen und zwei Niederlagen

auf dem zehnten Platz. Am heutigen

Donnerstagabend treten sie

beim Tabellensiebten Adler Mannheim

an, was ihnen Gelegenheit zu

einer weiteren Steigerung gibt. Ganz

am Anfang, sagt Pföderl,„da wussten

wir noch nicht recht, wie wir es anstellen.“

Zuletzt beim bisher unbesiegten

Spitzenreiter München lieferten

er und seine Teamkollegen

eine ansehnliche Leistung ab. Nur

das Ergebnis passte nicht dazu (2:4).

In Unterzahl taten sich die Eisbären

schwer, was Pföderl zu diesem

Zeitpunkt erklärlich findet: „Wenn

die Münchner ihr Powerplay aufziehen,

dann wird es schwer.“ Allerdings

standen sich die Gäste auch

selbst im Weg. Die hohe Foulbelastung

setzte ihnen zu. „Das eine oder

andere Foul hätten wir uns sparen

können“, meint Pföderl. Doch die

Saison ist noch jung, die Integration

noch nicht abgeschlossen.

MitBus und Bahn durch die Stadt

Dass sich Pföderl akklimatisieren

wird, daran haben Coach Aubin und

sein Stab keinen Zweifel. Sie haben

den Stürmer mit Bedacht ausgewählt,

haben um ihn gekämpft und

sich durchgesetzt gegen die anderen

Interessenten aus München, Mannheim

und Köln. Sie wissen um die

Qualität des Profis, der vergangene

Saison in 48 DEL-Partien 23 Tore erzielte

und zwölf Vorlagen gab. Unter

anderen taktischen Vorzeichen zwar,

aber dennoch statteten die Eisbären

Pföderl mit Vertrauen und einem

Vertragüber drei Spielzeiten aus.

Er kann sich also längerfristig einrichten

in seiner neuen Stadt, in der

er sich mit Bus, Bahn und Fahrrad

bewegt. Nurzur Arbeit, zum Training

in Hohenschönhausen, kommt er

mit dem Auto. Soauch diesmal, als

mittags wie immer die Eismaschine

den Feierabend einläutet. Pföderl

gleitet an den Spielfeldrand, wo eine

Schulklasse auf ihn wartet, Autogramme

wünscht, Selfies macht. Geduldig

erfüllt der Profi die Wünsche

der jungen Fans.

Weiter hinten öffnet sich ab und

zu die Tür zur Umkleidekabine.Spieler

verlassen den Wellblechpalast.

Die Eismaschine brummt. Noch ein

paar Runden, dann ist hier endgültig

Schluss für heute.

ZAHLEN

Eishockey

DEL, 5. Spieltag

Adler Mannheim -Eisbären Berlin Do., 19.30

ERC Ingolstadt -EHC München Do., 19.30

1. EHC München 4 16: 7 12

2. Grizzlys Wolfsburg 4 12: 9 9

3. Bremerhaven 4 14:10 8

4. Krefeld Pinguine 4 14:13 8

5. Nürnberg Ice Tigers 4 12: 9 6

6. Straubing Tigers 4 14:12 6

7. Adler Mannheim 4 12:14 6

8. Augsburger Panther 4 12:12 5

9. Düsseldorfer EG 4 9: 9 5

10. Eisbären Berlin 4 9:12 5

11. Kölner Haie 4 6:11 4

12. Schwenninger Wild Wings 4 14:20 4

13. ERC Ingolstadt 4 15:16 3

14. Iserlohn Roosters 4 7:12 3

Fussball

Bundesliga, 6. Spieltag

Union Berlin -Eintracht Frankfurt Fr.,20.30

RB Leipzig -Schalke04 Sa., 15.30

TSG Hoffenheim -M’gladbach Sa., 15.30

FSV Mainz 05 -VfL Wolfsburg Sa., 15.30

FC Augsburg -Bayer Leverkusen Sa., 15.30

SC Paderborn-BayernMünchen Sa., 15.30

Borussia Dortmund -Werder Bremen Sa., 18.30

Fortuna Düsseldorf -SCFreiburg So., 15.30

1. FC Köln -Hertha BSC So., 18.00

1. RB Leipzig 5 13: 3 13

2. Bayern München 5 16: 4 11

3. Borussia Dortmund 5 15: 7 10

4. SC Freiburg 5 11: 4 10

5. Schalke04 5 10: 5 10

6. Borussia Mönchengladbach 5 7: 5 10

7. BayerLeverkusen 5 8: 7 10

8. VfL Wolfsburg 5 8: 4 9

9. Eintracht Frankfurt 5 7: 7 7

10. Werder Bremen 5 8:12 6

11. TSG Hoffenheim 5 4: 7 5

12. FC Augsburg 5 7:11 5

13. Fortuna Düsseldorf 5 7: 9 4

14. 1. FC Union 5 5:10 4

15. Hertha BSC 5 5:11 4

16. 1. FC Köln 5 4:11 3

17. FSV Mainz 05 5 5:15 3

18. SC Paderborn 5 6:14 1

Rugby

WM in Japan

Gruppe B

Italien -Kanada Do., 9.45

1. Italien 1 47:22 5

2. Neuseeland 1 23:13 4

3. Kanada 0 0: 0 0

4. Südafrika 1 13:23 0

5. Namibia 1 22:47 0

Gruppe C

England -USA Do., 12.45

1. England 1 35: 3 5

2. Frankreich 1 23:21 4

3. Argentinien 1 21:23 1

4. USA 0 0: 0 0

5. Tonga 1 3:35 0

Gruppe D

Fidschi -Uruguay 27:30 (12:24)

1. Wales 1 43:14 5

2. Australien 1 39:21 5

3. Uruguay 1 30:27 0

4. Fidschi 2 48:69 2

5. Georgien 1 14:43 0

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Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 19

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Sport

Union-Trainer UrsFischer holt im Training weit aus. Ist mit der Verlängerung seines Vertrages den Köpenickernder große Wurf gelungen?

MATTHIAS KOCH

VomFischer un syner Crew

Warum der 1. FC Union mit der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung seines Trainers sehr konsequent handelt

VonMathias Bunkus

Es ist nicht auszuschließen,

dass der 1. FC Union am

Ende dieser Spielzeit das

gelobte Land namens Bundesliga

wieder verlassen muss.Sei es

als Direktabsteiger oder nach hartem

Relegationskampf – beispielsweise

gegen die von Uwe Neuhaus

trainierte Bielefelder Armina, bei der

Marcel Hartel derzeit so glänzt, dass

er es in die Elfdes Tages beim Sportmagazin

Kicker geschafft hat. Das

wäreangesichts der Tatsache,dass es

seit der Gründung der Bundesliga 56

Aufsteiger gab, die nur einen Sommer

tanzten, nicht weiter verwunderlich.

Seit gestern aber ist auszuschließen,

dass im Falle des Falles die

Köpenicker das Unternehmen Wiederaufstieg

ohne ihren Chefstrategen

angehen müssen. Denn wie die

Rot-Weißen verlautbarten, hat sich

derVertragdes 53-Jährigen spielklassenunabhängig

um eine Spielzeit

verlängert, er gilt also jetzt bis 2021.

Diekürzlich gestellte Frage,obes

nicht Zeit sei für eine Prolongation

seines bis zum 30. Juni 2020 laufenden

Arbeitspapieres und damit für

eine längerfristige Zusammenarbeit

mit den Eisernen, hatte Manager

Oliver Ruhnert grundsätzlich als erstrebenswert

eingeordnet: „Es gibt

keinen Grund, warum es das nicht

sein sollte.“ Auch der Übungsleiter

erwiderte die Avancen freundlich

mit denWorten, er habe beide Ohren

offen bezüglich dieses Themas.

Die allerdings hätte er bei vorgenannter

Frage durchaus auf Durchzug

stellen können. Denn es gab da

wenig zu verhandeln im Südosten

der Stadt. Durch den im Mai geschafften

Aufstieg griff eine Klausel,

der zufolge der Vertragsich automatisch

um zwölf Monate verlängert.

Waswohlgemerkt für die beiden

Eliteklassen in Deutschland gilt. Mit

anderen Worten: DieEisernen gehen

den Freiburger Weg, sie sehen Langfristigkeit

als entscheidendes Kriterium

an, um Erfolg zu haben. Die

Breisgauer haben es in den vergangenen

Dekaden ja vorexerziert. Sie

hielten sowohl an Volker Finke als

auch später an Christian Streich fest,

als diese den Neuaufbau im Bundesligaunterhaus

versuchen durften.

Ähnliches stellt sich Union-Boss

Dirk Zingler nun vor.

Stellt sich nur die Frage, warum

Union ausgerechnet jetzt kommuniziert,

was hausintern bekannt war.

Den Gedanken des antizyklischen

Handelns, weist der in Zürich-Affoltern

aufgewachsene Trainer von

Gesperrt: Sebastian Polter

vom1.FCUnion Berlin ist

vomSportgericht des Deutschen

Fußball-Bundes für

zwei Ligaspiele gesperrt worden.

Er fehlt somit im Heimspiel

gegenFrankfurtund am

6. Oktober in Wolfsburg.

SEBASTIAN POLTER

Gefoult: Polter hatte bei der

0:2-NiederlageinLeverkusen

am vergangenen Sonnabend

in der 63. Minute wegengroben

Foulspiels die

Rote Karte gesehen. Ein Tritt

gegenJulian Baumgartlinger

war vorausgegangen.

Gespielt: Aufvier Gelbe Karten

kommt der 28 Jahre alte

Offensivspieler.Polter hat in

vier Ligapartien insgesamt

69 Minuten auf dem Platz

gestanden. Beim 3:1-Sieg

gegenDortmund war er nicht

zum Zug gekommen.

sich. „Toll, dass es so ist. Für mich ist

das eine schöne Auszeichnung.

Sollte aber jetzt gar nicht das Thema

sein, sondernviel mehr das Spiel gegen

Frankfurt. DerZeitpunkt der Bekanntgabe

hat nichts mit unseren

Niederlagen zuletzt zu tun. Ichhätte

lieber gegen Bremen und in Leverkusen

gepunktet. “

Es ging dem 56. Erstligisten der

Bundesliga-Historie also nicht

darum, seinem leitenden Angestellten

den Rücken zu stärken, nach zuletzt

zwei Niederlagen in Folge.Oder

womöglich branchenüblichen Raus-

Kassandra-Rufen vorzubeugen, die

weitere Rückschlage nach sich ziehen

würden. Wasangesichts der bevorstehenden

Aufgaben in den

nächsten vier Spieltagen (Frankfurt,

Wolfsburg, Freiburg, Bayern) nicht

auszuschließen ist.

Eine Haltung, die nur konsequent

zu sein scheint. Mit seiner ruhigen,

sachlichen Art, mit seinem geradezu

preußisch anmutenden Arbeitsethos

passt er perfekt zu den Nachfahren

der Schosserjungs. Also dorthin,

wo Malochertum groß geschrieben

und nicht immer dem nächsten

marktschreierischen Trend der Liga

hinterhergehechelt wird.

Fischer ist der Mann, der morgens

als Erster das Haus betritt, um

in der Frühe seine Arbeit vorzubereiten,

und der abends oft das Licht

ausmacht. Er ist der Mann, der es

möglich gemacht hat, dass die eisernen

Fans in den vergangenen 15 Monaten

so großartige Stunden erleben

durften, das 3:1 am 3. Spieltag der

Bundesliga gegen Borussia Dortmund

inklusive. Wobei der Fußball-

Lehrer sich am vergangenen Wochenende

durchaus vorgekommen

sein muss, wie der der Protagonist

im plattdeutschen Märchen mit seiner

Gattin. „Myne FrudeIlsebill, will

nich so, asikwol will“, heißt es da.

Wasdurchaus auf Fischer und seine

Crew zutraf. Denn die Jungs um Kapitän

Christopher Trimmel wollten

sich so gar nicht den vorgegebenen

Matchplan halten, was bekanntermaßen

im einem 0:2 in der BayArena

zu Leverkusen mündete.

Das wird künftig eher nicht der

Alltag sein, egal wie schwer die kommenden

Monate für Klub und Umfeld

werden. Fischer ist ein Glücksfall

für Union.Wieumgekehrtaber auch.

Finanzielle Motive treiben den

Schweizer eher weniger an. Da hätte

er anderenorts deutlich mehr Geld

verdienen können denn bei einem

Aufsteiger.

Ihm kommt es auf die Wertschätzung

seiner Arbeit an. Die findet er

bei den Eisernen wie wohl bei keinem

anderen Klub der Liga. Kaum Öffentlichkeitsarbeit

notwendig. Abschottung

fast nach Belieben. Dort hat er

die Ruhe –und damit die Muße –sich

um seinen Jobzukümmern. Derzum

Beispiel am letzten Sonntag darin bestand,

nach absolviertem Frühtraining

mit den Profis,mit den A-Juniorender

Köpenicker gegen Leipzig und

Wolfsburg gegen Hoffenheim zwei

Spiele binnen nicht mal 36 Stunden

vorOrt zu observieren und nebenbei

noch zwei weitere Erstligakicks am

TV-Bildschirmzusezieren.

Ehrgeiz treibt den Mann also an.

Egal ob er in der Schweiz schon zweimaliger

Meister und Pokalsieger gewesen

ist, egal ob er in der Königsklasse

des Fußballs Verantwortung

tragen durfte.Die Etablierung der Eisernen

in der Bundesliga ist für ihn

so etwas wie ein Titelgewinn. „Unser

ambitioniertestes Ziel ist der Klassenerhalt.

Darüber hinaus haben wir

im Verein auch über andereZiele gesprochen,

die ich aber nicht öffentlich

machen werde.“ Muss er auch

nicht. Denn die sind klar: Auf Kurs

mit Urs in Deutschlands Fußballoberhaus.Was

anders als bei der Ilsebill

kein unverschämter Wunsch ist

und daher vom„Steinbutt“ des Märchens

wohl gewährtwerden würde.

Willkommen auf der Großbaustelle

Mit der Wahl zum DFB-Präsidenten steht Fritz Keller vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss den Fußballverband auf einen neuen Wegführen und sich mit den Amateuren gut stellen

VonFrank Hellmann, Frankfurta.M.

Besondere Ereignisse erfordern

besondere Maßnahmen: Bundeskanzlerin

Angela Merkel kommt

am Donnerstag angereist, um auf

dem Gelände der früheren Galopprennbahn

den Grundstein für die

neue Heimat des Deutschen Fußball-Bundes

(DFB) zu legen. Aufdem

Areal begegnet die höchste Frau im

Staate dann auch dem Mann, der

dem Verband wieder Halt geben soll:

MitFritz Keller als 13. DFB-Präsidenten

der 119-jährigen Geschichte sind

viele Erwartungen verknüpft.

DerKlubchef des SC Freiburg, der

am Freitag beim DFB-Bundestag

von den 259 stimmberechtigten Delegierten

ohne Gegenstimme gewählt

werden könnte, steht vor Aufgaben,

die ein bisschen an das 150

Millionen Euro teure Leuchtturmprojekt

mit der Akademie erinnern:

DerWinzer,Gastronom und Hotelier

soll tiefe Gräben zwischen Amateurund

Profilager schließen und ein

tragfähiges Fundament für die Zukunft

legen. Der WM-Skandal 2006,

das WM-Desaster 2018 und die unglückliche

Figur Reinhard Grindel

sollen den Verband nicht länger belasten.

„Meine Hauptaufgabe wird

sein, zum Dienstleister und Lobbyisten

für jede Liga zu werden“, sagt

Keller. Und nicht nur 36 Profiklubs,

sondern auch 25 000 Amateurvereinen,

zu dienen.

Die Vorstellung des 62-Jährigen

kam bei den Vertreternder Regionalund

Landesverbände voreinem Monat

gut an: „Eine One-Man-Show

wird esnicht geben. Es geht für den

Verband vor allem darum, Glaubwürdigkeit

und Vertrauen zurückzugewinnen.“

In der Gesellschaft. Und

gegenüber der Politik. Dass Keller

seit Jahren als Gastgeber des Kaiserstühler

Gesprächskreises Merkel vor

ihrer Wiederwahl nach Freiburg

lockte,zeigt seine gute Vernetzung.

Sich nur als Repräsentant zu begreifen,

dürfte zu wenig sein. Drei,

vier Tage die Woche Präsenz plant

der harmoniebedürftige wie gesellige

Familienmensch künftig in der

Spaten-Ballett: Wo die neue DFB-Zentrale entsteht, herrscht noch Einöde.

Otto-Fleck-Schneise ein. Derweitgehend

unbelasteten Persönlichkeit

wird zugetraut, dem DFB zu mehr

Bodenständigkeit zu verhelfen. Die

Grundbedingungen dürften es ihm

einfacher machen. Durch die Änderung

des Paragrafen 34 wird der

DPA/DETERT

oberste Dienstherr die Gesamtverantwortung

und Richtlinienkompetenz

los.

Stattdessen„leitet er dieVerhandlungen

des Präsidiums und koordiniert

die Arbeit der Mitglieder des

Präsidiums“. Ein deutlicher Unter-

schied. Zudem ist der Präsident

nicht mehr für die Belange der Nationalelf

zuständig. Angenommen,

Bundestrainer Löw würde die EM

2020 missglücken, trüge Oliver Bierhoff

als Geschäftsführer Sport der

DFB GmbH die Verantwortung.

DerSCFreiburgmacht es vor

Der wirtschaftlich unabhängige Keller

dürfte gutheißen, dass dieser Institution

unter Führung des Generalsekretärs

Friedrich Curtius der gesamte

Geschäftsbetrieb obliegen

soll, um bei einem Haushaltsvolumen

von371 Millionen Euro in 2018

die Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden.

Auch die auseinander driftenden

Interessen des DFB,der Uefa

und der Fifa münden für ihn nicht in

unlösbaren Konflikten, weil sich die

Ämter nicht mehr in einer Person

bündeln; daran war neben Grindel

schon Wolfgang Niersbach und in

Teilen Theo Zwanziger gescheitert.

Keller wird nur aufpassen müssen,

dass er sich mit dem Vizepräsidenten

und Amateurvertreter Rainer

Koch gut stellt, der den DFB in absehbarer

Zeit bei Uefa und Fifa vertreten

soll. Schwierig könnte es bei

der Machtbeschneidung werden,

dauerhafte Akzente zu setzen. Das

Fritz-Walter-Patenkind wird am

Freitag die Lizenzvereine an die Verantwortung

für den Frauenfußball

erinnern. Der SC Freiburg macht

schließlich vor, dass ein ähnlich geartetes

Nachwuchskonzept für einen

Männer- und Frauen-Bundesligisten

sehr wohl funktionieren kann.

Derdesignierte Boss bringt eine Verpflichtung

für die Profiklubs im Rahmen

der Lizenzierung ins Spiel und

sagt: „Profifußball, Amateurfußball

und Frauenfußball –ist alles eines!“

Im internen Umgang ist Keller gut

beraten, sein bisweilen überschäumendes

Temperament und seine

dann zu schroffe Tonart zuzügeln.

Davonhaben die mehr als 400 Mitarbeiter

nämlich unter seinemVorgänger

gelitten, obwohl die DFB-Zentrale

beileibe keine Schlangengrube

mehr ist. Aber sehr wohl noch eine

Großbaustelle.


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 – S eite 20 *

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Sport

Nations League

WM-SPLITTER

Torejagd ohne

Toreschießen

Christian Schwager

dankt Schalkefür Verdienste

um die Abstiegsregel.

Jetzt schlagen sie sich beim Deutschen

Fußball-Bund (DFB) mal

wieder auf die Schulter und loben

sich gegenseitig, wie toll sie das

hinbekommen haben mit der Reform

der Nations League. Dank

der Erweiterung der A-Liga von

zwölf auf sechzehn Mannschaften

dürfen die Deutschen weiter ganz

oben mitmachen. So wie die übrigen

Absteiger Kroatien, Polen und

Island auch. Die Lobbyarbeit beim

europäischen Verband Uefa hat

gewirkt, das wird jedenfalls suggeriert.

Diskret verschwiegen wird dabei

allerdings, dass die Erfindung

der abstiegslosen Abstiegsregel

auf den FC Schalke 04 zurückgeht.

Der war 1965 in der Deutschen

Meisterschaft wegen mangelnder

sportlicher Befähigung bereits für

die Zweitklassigkeit vorgesehen,

als die Bundesliga dann doch noch

um zwei auf achtzehn Mannschaften

aufgestockt wurde, wovon

dann übrigens auch der Karlsruher

SC profitierte.

EinPräsident schreitet voran

In Vergessenheit mag diese Pionierarbeit

der Schalker deshalb geraten

sein, weil sie später noch andere

wichtige Reformen auf den

Weg brachten. Die Torejagd ohne

Toreschießen perfektionierten sie

unter reger Anteilnahme der eigenen

Fans bis zur Serienreife. Unlängst

vollführte ihr Präsident Clemens

Tönnies schließlich die weltweit

erste rassistische Bemerkung

ohne rassistischem Hintergrund.

Erst durch diese geradezu geniale

Vorarbeit konnte der DFB mit seinem

Urteil ohne Konsequenzen

nachlegen.

Auch das Schalker Grundprinzip

„Die Null muss stehen“ hat der

DFB auf die Bedürfnisse seiner

Auswahl zugeschnitten. Die Leitlinie

„Last Coach standing“ wiederum

ist Grundlage für eine Debatte

um die Null im Tor, also nicht

in personeller Hinsicht, sondern

in Bezug auf die Zahl der Gegentreffer.

Leidenschaftlich wird jaderzeit

die Debatte geführt, welcher

Schlussmann unter der deutschen

Latte zu stehen kommt: der aktuelle

Herausforderer Marc-André

ter Stegen vom FCBarcelona oder

der amtierende Torverteidiger Manuel

Neuer vom FCBayern. Münchens

Klubpräsident Uli Hoeneß

soll vorsichtshalber gedroht haben.

Mit Konsequenzen nämlich,

und zwar für den Fall, dass Neuer

nur noch Ersatzmann sein sollte.

Dann will Uli Hoeneß alle Profis

seines FC Bayern aus der deutschen

Auswahl abziehen.

Schon bahnt sich die nächste

Reform an: die Nationalmannschaft

ohne Nationalspieler.

Nationalmannschaftstorwartreformer:

Uli Hoeneß gibt sich pfiffig. DPA/KNEFFEL

Probelauf mit Starthütchen im Khalifa International Stadium zu Doha.

Sebastian Coe hat ein Problem.

Genau genommen hat

der alte und neue Präsident

des Leichtathletik-Weltverbandes

(IAAF) eine ganze Menge

Probleme, aber eines sticht heraus:

Der Mann, der die Leichtathletik

mehr als eine Dekade lang über

manche Probleme und Krisen hinweggetragen

hat, ist nicht mehr da.

Nein, es handelt sich nicht um RobertHarting,

sondernumUsain Bolt.

Seit seinem olympischen Comingout

mit drei Goldmedaillen 2008 in

Peking hatte der Jamaikaner bei den

Großereignissen zuverlässig prächtige

und unterhaltsame Werbung für

den Sport betrieben, zuletzt bei der

WM 2017 in London allerdings schon

etwas fußlahm. Da der 100-Meter-

Sprint traditionell zu Beginn der

Wettkämpfe stattfindet, war schon

vor Beginn eine launige als Pressekonferenz

getarnte Usain-Bolt-Show

garantiert, der Hype steigerte sich

dann bis zum großen Knall, dem

Startschuss im Stadion. Weltweites

Interesse war gewährleistet.

„Die Stadien waren in diesem Jahr

auch ohne Usain voll“, sagt etwas

trotzig der deutsche Speerwerfer

Thomas Roehler, Athletensprecher

bei der IAAF,aber gerade die am Freitag

beginnenden Weltmeisterschaften

in Katar könnten einen Bolt gut

gebrauchen. Wie sehr der geborene

Entertainer der Leichtathletik fehlen

würde,zeigte schon die ebenso sinnlose

wie vergebliche Suche der Medien

nach dem „neuen Bolt“ vorzwei

Jahren in London. Den neuen Bolt

wird esnicht geben, was den Sprint

am Sonnabend angeht, muss sich die

Welt etwa mit den US-Amerikanern

Christian Coleman, 23, oder Noah Lyles,

22, zufriedengeben. Durchaus

Leute mit Showman-Qualitäten, aber

weit entfernt von der globalen Ausstrahlung

des Jamaikaners.

Wäre es nach Katar gegangen,

hätte die WM in Doha Usain Bolt

noch erlebt. DasLand hatte sich, von

Bestechungsvorwürfen umrankt,

schon für die WM 2017 beworben.

Doch im Gegensatz zu anderen großen

Sportverbänden widerstand die

IAAF zunächst denVerlockungen des

Wüstenstaates und wählte London.

Den Zuschlag gab es dann aber für

2019. In Hinblick auf die Fußball-

WM 2022 hat das Land sein Buhlen

um sportliche Großereignisse forciert,

stößt dabei aber auf Probleme,

vondenen das Klima noch eines der

geringeren ist. Zwar sind viele Athleten

nicht erfreut über den ungewohnt

späten Termin der WM, aber

die gefürchtete Hitze wird eher als

Generalprobe für die Olympischen

Spiele im kommenden Jahr in Tokio

gesehen.

Am Abend, wenn die Hauptwettkämpfe

stattfinden, sind es etwa 30

WM

ohne Messias

Bei den Titelkämpfen in Doha

treten die tiefgreifenden Probleme der

Leichtathletik zutage, da fehlt zur

Ablenkung einer wie Usain Bolt

Usain Bolt als Unterhaltungskünstler bei der WM 2017 in London.

Grad Celsius in Katar,dasei es in diesem

Jahr oft schon heißer gewesen,

sagt der Hochspringer Raphael Holzdeppe.

Dennoch wollen die Organisatoren

das Stadion per Klimaanlage

auf 26 Grad herunterkühlen, was unnötig

erscheint und in Zeiten grassierender

Klimaschutzeuphorie auf heftige

Kritik stößt.

Verhinderter Besuch

VonMatti Lieske

IMAGO IMAGES/PERENYI

Ein anderes Problem dürfte der Zuschauerzuspruch

werden. Katar ist

trotz der Erfolge einiger Athleten,

zum Teil eingebürgert, aber wie der

elegante Hochspringer Mutaz Essa

Barshim, amtierender Weltmeister,

zum Teil auch hier geboren, beileibe

keine Hochburg der Leichtathletik.

Hinzu kommen die aktuellen politischen

Spannungen in der Region und

der Boykott durch die anderen Golfstaaten,

der Besuche aus den Nachbarländern

verhindert. Da sich auch

der erhoffte Ansturmvon Fans aus aller

Welt sehr in Grenzen hält, drohen

viele leerePlätzeim40000 Zuschauer

fassenden Khalifa International Stadium.

Erst 50 000 Eintrittskarten sollen

trotz Preisen ab15Euro für die

zehnTage verkauft sein. DieVakanzen

sollen, wie schon in der Vergangenheit

an anderen Schauplätzen, mit

Freikarten gefüllt werden, für Schulkinder

und die meist asiatischen Arbeitsimmigranten,

die sonst vor allem

durch die miserablen Arbeitsbedingungen

auf den zahlreichen Baustellen

ins Rampenlicht der

Öffentlichkeit geraten.

Eine aktuelle Entwicklung, welche

die Leichtathletik eher weniger trifft,

sind die neuerlichen Vorwürfe gegen

Russland in Sachen Doping. DieWelt-

Antidoping-Agentur (Wada) hat festgestellt,

dass die nach großen Mühen

erlangten Daten aus dem Moskauer

Dopinglabor nicht komplett mit denen

übereinstimmen, die man 2015

vom ehemaligen Leiter Grigori Rodtschenkow,

der inzwischen in den USA

lebt, erhalten hat. Offenbar wurden

Einträge gelöscht. Drei Wochen Zeit

hat die Wada den russischen Stellen

gegeben, die Sache aufzuklären, ansonsten

droht die erneute Sperre der

russischen Antidoping-Agentur (Rusada)

und gegebenenfalls der Ausschluss

von Veranstaltungen wie

Olympia oder der WM-Qualifikation

im Fußball.

Schon voreiniger Zeit hatte derim

Sommer 2017 angetretene neue Rusada-Chef

Juri Ganus vor solchen

Szenarien gewarnt und Präsident

Wladimir Putin sowie die zuständigen

Institutionen dazu aufgerufen,

enger mit der Wada zu kooperieren.

IMGO IMAGES/SVEN SIMON

Damals ging es vor allem darum, die

beiden Bedingungen für die Wiederzulassung

der suspendierten Rusada

zu erfüllen, die Herausgabe besagter

Daten und die Anerkennung des Mc-

Laren-Reports,der das russische Dopingvertuschungssystem

von 2011

bis 2015 und die Geheimdienst-Manipulationen

bei den Winterspielen

2014 in Sotschi beschrieb. Letzteres

wurde verweigert, da der Report

maßgeblich auf den Aussagen von

Rodtschenkow basierte, der in Russland

als Überläufer,Verräter und Lügner

betrachtet wird.

DieWada hob dennoch trotz zahlreicher

Proteste die Suspendierung

der Rusada auf, bei der Ganus mit seiner

ersten Amtshandlung nahezu alle

bisherigen Mitarbeiter entlassen und

durch neue Kräfte ersetzt hatte.Nicht

zuletzt auf Drängen von IOC-Präsident

Thomas Bach ließen alle Sportverbände

die russischen Sportler wieder

mit eigener Flagge zu –außer der

Leichtathletik. Da legte sich Sebastian

Coe mit Bach an, und das IAAF-

Council verlängerte am Montag angesichts

der neuen Vorwürfe und der

Kunde, dass gesperrte Trainer weiter

Sportler betreuen, zum zwölften Mal

die Sperre Russlands. InDoha treten

30 russische Sportler, die genügend

unabhängige Dopingkontrollen

nachweisen konnten, als sogenannte

neutrale Athleten an.„Wir leben in einem

Land, in dem alles möglich ist“,

kommentierte die aktuellen Entwicklungen

ein frustrierter Rusada-Chef

Juri Ganus, der zuvor die Ablösung

der Führung des nationalen Leichtathletik-Verbandes

gefordert und

Sportminister PawelKolobkowungewohnt

scharf für die Ablehnung dieses

Ansinnens kritisierthatte.

Diedeutschen Medaillenhoffnungen

beiderWM werden vorallemvon

der Weitspringerin Malaika Mihambo,

den Speerwerfern umRoehler

und Johannes Vetter, der 3000-

Meter-Hindernisläuferin Gesa-Felicitas

Krause und KonstanzeKlosterhalfen

getragen, die kurzfristig

entscheiden will, ob sie über die 1500

oder die 5000 Meter startet. Ein Novum

gibt es am Sonnabend mit der

Mixed-Staffel über 4x400 Meter, bei

der für die USA zehn Monate nach

Geburtihrer Tochterauch Allyson Felix

starten wird, es ist ihreneunteWM.

Darüber kann JesúsÁngel García nur

lachen, der spanische Geher gewann

bereits 1993 in StuttgartGold und bestreitet

mit 49 Jahren seine 13. Weltmeisterschaft.

Nicht nur Sebastian

Coe hätte sich gewünscht, dass auch

Usain Bolt so lange durchhält.

Matti Lieske

schätzt als Urlauber das

Wetter am Persischen Golf.

Sebastian Coe ist als Präsident des

Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF)

einstimmig wiedergewählt worden.

Der62-jährige Brite hatte beim Kongress

in Doha/Katar keinen Gegenkandidaten.

Coe führt den Verband

seit 2015, seine neue Amtszeit dauert

bis 2023. DieKolumbianerin Ximena

Restrepo, Olympiadritte von 1992

über 400 Meter, wurde zur ersten

weiblichen Vizepräsidentin in der

Geschichte der IAAF gewählt. Weitere

Coe-Stellvertreter sind der einstige

Stabhochspringer Sergej Bubka

(Ukraine) sowie Geoffrey Gardner

(Norfolk-Inseln) und Nawaf BinMohammed

Al Saud (Saudi Arabien).

DerDeutsche Jürgen Kessing hat bei

der Wahl zum Council des IAAF unterdessen

eine Niederlage erlitten.

Der 62-Jährige erhielt nicht genug

Stimmen (45), um einen der 13 freien

Plätze im höchsten Gremium des

Verbandes zu bekommen. Damit

sitzt im Council erneut kein deutscher

Vertreter.

Präsidenten-Schelte Helmut Digel,

früheres Mitglied im Council, hält

die Vergabe der WM an Doha/Katar

für falsch. „Man hätte die Entscheidung

für Doha nie treffen dürfen!“,

sagte der deutsche Sportsoziologe

im Interview der Südwest Presse.

„Der heutige IAAF-Präsident Sebastian

Coe war damals Vorsitzender

der Evaluierungskommission. Er

hatte sich nicht gegen Doha ausgesprochen

und damit den Befürwortern

breiten Raum gegeben.“ Digel

war zum Zeitpunkt der WM-Vergabe

an Doha für den Medien- und Marketingbereich

zuständig und dagegen.

„Für mich stellen diese Titelkämpfe

zu dieser Jahreszeit eher ein

ökonomisches Problem dar“, erklärte

Digel. Mitder wegen der Hitze

ungewöhnlich späten WM sei man

im selben Zeitfenster wie die Champions

League – „und da hat die

Leichtathletik kaum eine Chance gegen

den Fußball“. Die Hitze sei kein

Argument gegen Doha. „Tokio im

kommenden Sommer wird wegen

der extremen Luftfeuchtigkeit viel

schlimmer werden“, sagte Digel mit

Blick auf Olympia 2020.

Pro Berlin Coehält eine Olympia-Bewerbung

Berlins für 2036 nicht für

ausgeschlossen. „Die Olympischen

Spiele 1936 waren nun mal in Berlin.

Ichwürde nicht sagen, dass wir dieses

Jubiläum feiern. Das ist ein anderes

Thema“, sagte der Brite im Interview

der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

zur Debatte, ob100 Jahre nach den

von der Hitler-Diktatur zur Propaganda

missbrauchten Spielen Berlin

wieder Schauplatz werden dürfe.

„Eine Olympia-Bewerbung ist gewiss

nicht undenkbar.“ Deutschland habe

eine tiefe Beziehung zur olympischen

Bewegung. „Mein Gefühl ist, dass sie

das mit Berlin tun sollten“, sagte Coe.

Prämien Bei den Titelkämpfen werden

7,53 Millionen Dollar (rund 6,85

Millionen Euro) anPrämien ausgeschüttet.

Die Sieger erhalten je

60 000 Dollar, für die Zweit- und

Drittplatzierten gibt es 30 000 beziehungsweise

20 000 Dollar. Prämiert

werden auch die Ränge vier bis acht

mit Zuwendungen von 15000,

10 000, 6000, 5000 und 4000 Dollar.

Für einen aufgestellten Weltrekord

ist eine Prämie von 100 000 Dollar

ausgelobt. Bei der Einstellung eines

Weltrekordes gibt es kein Geld.

Profitables Geschäft Der Weltverband

hat den größten Sponsoren-

Deal in seiner Geschichte an Land

gezogen. Der chinesische Multi-

KonzernWanda Group wird ab2020

für zehn Jahre Titelsponsor der Diamond

League und erhält zudem

weitgehende Medienrechte an der

wichtigsten Wettkampfserie. Die

Wanda Group ist vorallem in den Bereichen

Unterhaltung, Immobilien

und Tourismus tätig.


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Washat die hessische

Filmförderung mit der

AfD zu schaffen?

Seite 23

„Der Fall ist in Israel kaum bekannt.“

Ido Bruno, der Direktor des Israel-Museums in Jerusalem, über die Gurlitt-Ausstellung in seinem Haus Seite 22

Ein Tintenfisch erzählt

Geschichte mit

Doppelmoral

Ulrich Seidler

ist froh, dass man seine

Träume nicht mitlesen kann.

Wir wollen es nicht zu hoch hängen,

aber das Internet hat ein

Filmchen angespült, das der Sonderstellung

des Menschen über den Lebewesen

dieser Welt ein Ende setzt −

zumindest was seine Fähigkeit angeht,

Geschichten zu erzählen. Geteilt

werden die Aufnahmen von

dem Kunst- und Wissenschaftsblog

„Der lachende Tintenfisch“ (Laughing

Squid): Manschaut in ein Aquarium.

Es ist Nacht. Ein Oktopus

hängt kopfüber imWasser −Geraffel,

aus dem sich ein Hautsack in der

Größe eines Tennisballs stülpt. Zwei

Knubbel sind die geschlossenen Augen.

Das Tier schläft, wiegt sich im

Wasser oder wird von der Strömung

gewiegt –wer weiß?

Der Meeresbiologe David Scheel

von der Alaska Pacific University

kommentiert die Bilder aus dem Off:

„Letzte Nacht wurde ich Zeuge von

etwas, das noch nie aufgenommen

wurde.“ Unddann ändertder Tintenfisch

mehrmals seine Farbe. Erwird

weiß, dann dunkel, dann nimmt er

ein Camouflagemuster an. All dies geschieht

bei geschlossenen Knubbelaugen.

Scheel stellt die naheliegende

These auf, dass das Tier −erspricht

voneiner Sie−träume.

Wir kennen das von schlafenden

Hunden, die winseln und mit den

Beinen zucken − sie werden wohl

vomJagen träumen. Oder doch vom

Fliehen? Das, was das Meerestier erzählt,

ist eindeutiger und differenzierter.Scheel

beginnt die Farbwechsel

zu dechiffrieren: DerWechsel ins

Dunkle sei typisch für Oktopusse,die

sich vom Meeresboden abstießen.

Das geschuppte Muster nehme das

Tier an, wenn es dabei sei, eine

Krabbe zu überwältigen. Undmit jener

Korallenstruktur versuche es,

sich an den Hintergrund anzupassen:

Sie wolle nun, so Scheel, die

Krabbe fressen und nicht dabei gesehen

werden. Was ist der Sinn? Das

Tier träumt, dass es sich versteckt,

und gibt eben dieses Sichversteckenwollen

preis.Eshandelt unabhängig

vonseiner wirklichen Umgebung, ist

gefangen in einer Traumwelt, aus der

heraus es in Echtzeit Erlebtes sendet.

An wen, wenn nicht an uns?

„Wenn sie geträumt hat“, schließt

der Wissenschaftler seine Interpretation,

„dann war das der Traum.“ Eine

Offenbarung braucht keinen letzten

Beweis. Man fragt sich, wie man ein

derart hoch entwickeltes, kreatives,

fantasiebegabtes Geschöpf essen

kann. Andererseits: Der Tintenfisch

macht es mit der Krabbe vor. Sein

Traum hat ihn verraten.

Unehrenhafte Entlassung

Plácido Domingo und die Metropolitan Opera trennen sich nach einem halben Jahrhundert

VonPeter Uehling

Was für ein peinliches

Ende.Seit August wurden

gegen Plácido Domingo

Vorwürfe laut,

der spanische Jahrhundert-Sänger

habe sich teils drastischer Verstöße

gegen die sexuelle Mitbestimmung

schuldig gemacht. Den neun

Frauen, die den Stein ins Rollen gebracht

hatten, folgten weitereelf, die

von Grapschereien, Knutschereien,

nächtliche Anrufe und bei Abweisung

Karriere-Behinderungen berichteten.

Zahlreiche Kulturinstitutionen

sind seitdem vonDomingo abgerückt,

haben ihn ausgeladen oder

seine Tätigkeit ausgesetzt bis zur

Klärung der Vorwürfe.

Kein Schuldeingeständnis

VomPublikum geliebt, von Kolleginnen gefürchtet: Plácido Domingo.

ARORIZO/IMAGO IMAGES

An der Metropolitan Opera inNew

York hat es jetzt richtig gekracht: Am

gestrigen Mittwoch hätte Domingo

hier neben Anna Netrebko die Titelrolle

in einer neuen „Macbeth“-Produktion

singen sollen; nun tut er es

nicht. Nach eigenen Angaben gegenüber

der New York Times hat er die

Opernleitung einen Tagvor der Premiere

um Entbindung von seinen

Pflichten gebeten und angekündigt,

nie mehr an der Met aufzutreten.

Aber das dürfe man nicht als Schuldeingeständnis

verstehen: „Ich weise

die Anschuldigungen gegen mich

entschieden zurück und mache mir

Sorgen um ein Klima, in dem Menschen

ohne angemessene Untersuchungen

verurteilt werden.“ Sein

Auftritt jedoch würde für von „der

harten Arbeit“ seiner Kollegen „auf

und hinter der Bühne ablenken“ –

und das wolle er nicht.

Die Met selbst gab ebenfalls eine

Presseerklärung heraus, inder von

einer gemeinsamen Entscheidung

die Rede ist: „Die Metropolitan

Opera bestätigt, dass Plácido Domingo

zugestimmt hat, vonallen zukünftigen

Aufführungen an der Met

mit sofortiger Wirkung zurückzutreten.“

Warum die Met anders als die

Häuser in San Francisco oder Los

Angeles überhaupt an dem Sänger

festhielt, ist nicht ganz verständlich.

Immerhin gab es an dem Haus vor

erst zwei Jahren einen Skandal von

noch grausamerer Dimension, nämlich

den Missbrauch mehrerer Jugendlicher

durch den Chefdirigenten

James Levine,der offenbar jahrelang

ein offenes Geheimnis war.

Domingos Anwesenheit während

der Proben führte im Haus zu spürbarem

Unbehagen, das Peter Gelb,

der General Manager der Met, noch

am Sonnabend zum Anlass für eine

Aussprache mit Chor und Orchester

des Hauses nahm, in der er vonnach

wie vor „unbestätigten Vorwürfen“

sprach. In dieser Situation sei es besser,

die Unschuldsvermutung aufrechtzuerhalten

und Domingo auftreten

zu lassen. Der größte Teil der

Belegschaft sah das offenbar anders

und fragte sich, ob der Grundsatz anderer

Häuser, Angestellten einen sicheren

Arbeitsplatz zu garantieren,

an der Met nicht gelte. Die Sängerin

Patricia Wulf, eine der wenigen Domingo-Anklägerinnen,

die aus der

Anonymität herausgetreten sind, erzählte

nun erneut, wie sie sich vor

Jahren immervon einem Kollegen zu

ihrem Auto begleiten ließ aus Sorge,

Domingo könnte ihr auflauern.

Nachdem laut Bericht der New

York Times State Senator Brad Hoylman,

in dessen Einflussbereich das

NewYorkerLincoln-Center samt Met

gehört, am Dienstag Peter Gelb mit

Entlassung drohte, falls Domingo

auftrete, besann sich Gelb auf seine

eigene Karriere und rückte von seiner

Verteidigung des Sängers ab.Vor

mehr alseinem halben Jahrhundert,

als 27-Jähriger war der an diesem

keineswegs besten, aber weltweit berühmtesten

Opernhaus zum ersten

Mal aufgetreten. Nun verlässt er es

als jemand, der seine Triebe nicht im

Griff hat –und grollt im Abgehen:

Seit wann ist das ein Problem?

Lange vomErfolg geschützt

Damit relativierte Domingo nach

den erstenVorwürfen seinVerhalten:

Heute würden andere Anforderungen

an das Verhalten gestellt, und er

hätte immer den Eindruck einvernehmlicher

Handlungen gehabt –

wie man davon ausgehen kann,

wenn man Frauen nachstellen muss

oder Blitzattacken in Ausschnitte

oder unter Röcke startet, bleibt Domingos

Geheimnis. Und Domingo

hatte,wie schon im August berichtet,

in der Branche einen Rufals respektlos

übergriffigerSchürzenjäger.

WasDomingos Karriere trotz seines

Verhaltens bislang sicherte, war

sein Status als Kassenmagnet. Als er

im Sommer beiden Salzburger Festspielen

zum ersten Mal nach Bekanntwerden

der Vorwürfe auftrat,

wurde er vom Publikum ungebrochen

bejubelt. An derMet,woerjetzt

durch den für spätere Aufführungen

ohnehin vorgesehenen Željko Lucic

ersetzt wird, wird den Opernbesuchern

die Möglichkeit eingeräumt,

ihre Karten zurückzugeben –denn

natürlich istein„Macbeth“ohne Domingo

nicht mehr das Ereignis, für

dasman bezahlthat.Dem Publikum

scheinen Domingos Übergriffe egal

zu sein, es will auf seine Idole nicht

verzichten und stabilisiert damit ein

System, das Machtmissbrauch ermöglicht.

Peter Uehling hält Željko

Lucic als Macbeth für eine

angemessene Lösung.

NACHRICHTEN

NobertScheuer erhält

Wilhelm-Raabe-Preis

Für seinen Roman „Winterbienen“

bekommt der Autor NorbertScheuer

den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis

2019. Der67-Jährige erhalte die mit

30 000 Euro dotierte Auszeichnung

am 3. November in Braunschweig,

wie die Stadt am Mittwoch mitteilte.

Mitseinem Werk,das auch für den

Deutschen Buchpreis nominiertist,

erreiche der Schriftsteller eine äußerste

Nähe vonsymbolischem Zeichen

und konkreter Realität, heißt es

in der Begründung der Jury.Der Preis

gehörtzuden angesehensten literarischen

Auszeichnungen im

deutschsprachigen Raum. Stifter

sind die Stadt Braunschweig und der

Deutschlandfunk. Scheuer habe seinen

kleinen Eifelortinbisher acht

Romanen zum Spiegel der Welt gemacht

und das lokale Kleine zum

Gegenstand höchster Aufmerksamkeit

gesteigert. (dpa)

Norwegisches Bodø ist

Kulturhauptstadt 2024

Dienorwegische Stadt Bodø wird

eine der Europäischen Kulturhauptstädte

2024. Damit werdedie Gemeinde

im nördlichen Teil des skandinavischen

Landes der dritte Titelträger

in dem Jahr neben dem estnischen

Tartuund einer noch nicht

benannten österreichischen Stadt,

berichteten der norwegische Rundfunksender

NRK und die Nachrichtenagentur

NTB am Mittwoch. In

Österreich muss sich noch entscheiden,

ob es das Salzkammergut mit

BadIschl, Dornbirnoder St.Pölten

wird. Bodø setzte sich gegen die bosnischen

Städte Banja Luka und Mostar

durch. Die50000-Einwohner-

Stadt liegt Luftlinie etwa 850 Kilometer

nördlich vonOslo. Damit wird

nach NRK-Angaben erstmals eine

Stadt nördlich des Polarkreises den

Titel tragen. (dpa)

Pariser Balzac-Museum

nach Umbau wieder geöffnet

Dasletzte erhaltene Pariser Domizil

des Schriftstellers Honoré de Balzac

(1799−1850) ist nach einem rund

einjährigen Umbau wieder geöffnet.

DasMuseum solle die Besucher vor

allem dazu animieren, Balzac zu lesen

und wiederzulesen, sagte Direktor

Yves Gagneux am Mittwoch. Der

Autor sei im Ausland bekannt: „Es

gibt Millionen Balzac-Leser in

China.“ Balzac lebte in dem Haus im

16. Stadtbezirkvon 1840 bis 1847, allerdings

unter unter dem falschen

Namen „Monsieur de Breugnol“. Es

wirdvermutet, dass der Schriftsteller

seinen Gläubigernentkommen

wollte.Das einfache Haus lag damals

vorden Torender Hauptstadt. (AFP)

VIVALDI &BACH

14.09. -28.12.2019

GOLDENER OKTOBER

3.10.|8.10.|15.10.|22.10.|31.10.

Dinner 18.00 Uhr |Konzert 20.00 Uhr

Beginn 16 Uhr

Berliner Residenz Orchester

unterder Leitung von AlexandraRossmann

mit Werken von Haydn, Purcell,

Vivaldi&Bach

Kammerensemble des Berliner Residenz Orchesters

unterder Leitung von AlexandraRossmann (Cembalo)

mit LauraBraun (Mezzosopran), Tobias Hoffmann (Cello)

& YasukoFuchs (Flöte)

Werkevon König Friedrich II., sowie Arien von

Monteverdi, Scarlatti,Pergolesi und Caccini

KLASSIKKONZERTE

SCHLOSS CHARLOTTENBURG

Karten www.residenzkonzerte.berlin | 030 25810350

KLASSIK AM NACHMITTAG

BODE MUSEUM |GOBELINSAAL

Karten www.residenzkonzerte.berlin | 030 258 10 35 0


22 Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Feuilleton

„Eine ziemlich typische Geschichte“

Nach Bern, Bonn und Berlin: In Jerusalem wird jetzt eine Auswahl von Werken aus der Gurlitt-Sammlung gezeigt

Als Kulturstaatsministerin

Monika Grütters voreinem

Jahr zu Regierungskonsultationen

in Jerusalem war,

vereinbarte sie mit dem israelischen

Kulturministerium, die Gurlitt-Ausstellung

nach Israel zu bringen. Nun

ist es so weit. Im Israel-Museum in

Jerusalem wird seit Mittwoch eine

Auswahl der Werke gezeigt, die Cornelius

Gurlitt, Sohn des Kunsthändlers

Hildebrand Gurlitt, in seiner

Münchner Wohnung aufbewahrte.

Die Ausstellung heißt „Schicksalswahlen“

und ist bis zum 24. Januar

2020 zu sehen. Mit Ido Bruno, dem

Direktor des Israel-Museums, sprachen

wir am Abend der Eröffnung.

Wasbedeutet es Ihnen, diese Ausstellung

hier in Jerusalem zu zeigen?

Wir sind ein Kunstmuseum und

einfach sehr froh, diese wunderbarenWerke

zeigen zu können. Da sind

ein paar wirklich sehr schöne Stücke

dabei.

Welches ist Ihr Lieblingsbild?

Schwierige Frage.Von den zeitgenössischen

Werken vielleicht die von

Emil Nolde. Außerdem mag ich die

Bilder von Cornelia Gurlitt, der

Schwester vonHildebrand Gurlitt.

Emil Nolde, ausgerechnet?

Ich finde, erwar ein sehr guter

Künstler.

StörtSie nicht, dass er Antisemit war?

Dashat mit seiner Kunst nichts zu

tun.

In Deutschland wird diese Frage heftig

diskutiert. Diedeutsche Kanzlerin

hat zwei Noldes abgehängt.

WasSie ansprechen, ist eine sehr

große Frage, die nicht nur Nolde betrifft

und die viele andere Fragen

nach sich zieht: Müssen wir einen

Künstler boykottieren, nur weil wir

seine Einstellungen problematisch

finden? Nach welchen Kriterien entscheiden

wir,obein Künstler tragbar

ist oder nicht? Werlegt diese Kriterien

fest? Werentscheidet, wer hält

Gericht?

Haben SieAntworten darauf?

Ich glaube, wenn wir uns einmal

auf diese Diskussion einlassen, werden

wir schnell feststellen, dass wir

kaum noch auf die Kunst achten,

sondern viel Zeit damit verbringen,

Urteile über Künstler zu fällen und

dass Politiker aus allen möglichen

Richtungen sich diese Diskussion zu

Die Kuratorin Schlomit Steinberg hatte für eine andere Ausstellung einen Delacroix gesucht, aber in Israel keinen gefunden. Das hier warihre Chance, nun doch noch einen zu

zeigen, und sie entschied sich für „Ein maurisches Paar im Gespräch auf einer Terrasse“ (um 1832). Gurlitt erwarb die Zeichnung in seiner Pariser Zeit. BAYERISCHE STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN

nutzen machen, um Kunst zu verhindern.

Womöglich völlig ungerechtfertigt.

Dasist ein sehr gefährliches

Spiel, und deshalb finde ich, jeder

sollte für sich selbst entscheiden,

was er sich ansieht und was nicht.

Wenn jemand meint, Nolde war ein

Antisemit oder sogar aktiver Nazi und

aus diesem Grund seine Kunst nicht

sehen will, ist das zu akzeptieren.

Gibt es Künstler,die SieinIhrem Museum

nicht zeigen würden?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht.

Istdas eine sehr deutsche Diskussion?

In gewisser Weise schon. Aber sie

wird auch hier geführt, im Bereich

der Musik zum Beispiel.

Sie meinen, die Diskussion darüber,

ob in Israel Richard-Wagner-Kompositionen

gespielt werden dürfen oder

nicht.

Genau. Die Diskussion über

Komponisten, die vonden Nazis bewundert

wurden. Es geht um dieselbe

Frage, und es ging eine Weile

heiß her. Obdas bei Nolde auch so

sein wird, weiß ich nicht.Wagner war

ja jemand, der mit den Nazis sehr

eng verbunden war und das Regime

unterstützt hat. Wenn Adolf Eichmann

ein sehr guter Maler gewesen

wäre, hätten wir seine Werke sicher

nicht gezeigt. Oder wir würden sie

gerade deshalb zeigen. Um den Riss

zwischen Künstler und Person darzustellen

und darüber zu diskutieren,

warum gute Künstler nicht unbedingt

gute Menschen sind.

DER DIREKTOR UND SEIN HAUS

Ido Bruno,1963 in Jerusalem geboren, hat 25 Jahre lang an der Jerusalemer Bezalel Academy

of Arts&Design unterrichtet, an der er selbst studierthat, und eine Design-Firma geleitet.

Zudem hat er zahlreiche Ausstellungen in Israel und international kuratiert. Seit November

2017 ist er Direktor des Israel-Museums.

Das Israel-Museum in Jerusalem ist eines der größten Museen des Landes. Es beherbergt

rund 500 0000 Objekte, darunter die Schriftrollen vomToten Meer.

Was haben Sie gedacht, als Sie das

erste Mal vom Fall Gurlitt gehört haben?

Ich dachte, das ist eine ziemlich

typische Geschichte, eine, die in

diese Zeit passt. Aber diese hat einen

besonderen Reiz, weil sie wie ein Kriminalfall

ist, ein guter Kriminalfall.

Typisch inwiefern?

In dem Sinn, dass es viel Raubkunst

in Nazideutschland gab und

Kunsthändler,die das ausgenutzt haben.

Wir im Israel-Museum hatten

hier alleine zwei Ausstellungen dazu.

Wiebekannt ist der Fall Gurlitt in der

israelischen Gesellschaft?

Er ist kaum bekannt. In Kunstkreisen

natürlich schon. Unsere Kuratorin

für europäische Kunst Schlomit

Steinbergwar Mitglied der Taskforce,

die nach den ursprünglichen

Besitzern der Gurlitt-Bilder geforscht

hat. Aber für einen Großteil

der Leute hier in Israel ist das alles

sehr weit weg.

Obwohl es Teil der jüdischen Geschichte

ist?

Nicht alle Israelis haben die gleiche

Verbindung zu jedem Teil der

jüdischen Geschichte.Natürlich hat

jeder hier vom Holocaust gehört.

Aber es gibt dabei so viele Nebengeschichten,

und Raubkunst ist eine

sehr kleine Nebengeschichte.

Wie sind die Reaktionen auf die Ausstellung?

Dasmüssen Siemich in einerWoche

noch einmal fragen.

Waserwarten Sie?

Ichdenke,imUnterschied zu Europa

können wir die Diskussion ein

bisschen mehr öffnen. Wir sind

freier, denn es ist nicht hier passiert

und uns belastet keine Schuld.

Sind unter den sechs Familien, die

bisher Werke rückerstattet bekamen,

auch israelische?

Nein, davon ist mir nichts bekannt.

Könnte es passieren, dass Besucher

durch die Ausstellung gehen und sagen:

Guck mal, das Bild hing doch bei

unserer OmainBerlin?

Natürlich kann es sein, dass jemand

im Familienalbum der Großmutter

ein Foto findet, wie sie im

Salon sitzt, und hinter ihr hängt ein

Bild, das nun hier in der Ausstellung

zu sehen ist. Sehr wahrscheinlich ist

das jedoch nicht. Die Geschichte

dieser Bilder wurde sehr gut erforscht.

Warum ist die Ausstellung so klein?

Siezeigen nur 100 vonmehr als 1500

Werken.

Wir möchten die Geschichte auf

einfache und klare Art erzählen, in

vier Kapitel unterteilt, leicht zugänglich.

Die Qualität der Kunstwerke ist

sehr unterschiedlich. Wir haben uns

vorallem für hochwertige Bilder entschieden.

Außerdem ist es generell

so,dass die meisten Besucher kleine

Ausstellungen mehr schätzen als

große. Sie fühlen sich weniger überfordert.

Waren Hildebrand oder Cornelius

Gurlitt jemals in Israel?

Soweit ich weiß, nein.

Istesmöglich, dass es noch mehr versteckte

Kunstsammlungen wie die

von Gurlitt gibt? Irgendwo auf der

Welt?

Klar, warum nicht? Wir wissen

nur, was wir wissen, nicht, was wir

nicht wissen. Niemand von uns hat

mit einem Mann gerechnet, der in

seiner Wohnung in München mehr

als tausend Kunstwerke versteckt.

Aber dass es Kunsthändler gab in

der Nazi-Zeit, die zwielichtige Geschäfte

betrieben, das wussten wir.

Und die gesamte Kunstwelt stellt

sich die Frage: Warum haben wir

nicht schon vor 20oder 50 Jahren

nach dem Verbleib dieser Bilder geforscht?

DasGespräch führte Anja Reich.

Sein Bildpersonal waren die kleinen Leute

Vor125 Jahren wurde im Wedding der Maler und einstige Borsig-Arbeiter Otto Nagel geboren. Er überlebte das KZ, wurde zu DDR-Zeiten AdK-Präsident. Eine Bürgerinitiative ehrt ihn

VonIngeborg Ruthe

Otto Nagels Kunstprogramm war

die Wirklichkeit, die der kleinen

Leute.Der Berliner Realismus seiner

Frühzeit war kein Stil, in dem das Alltagsleben

der Arbeiter,Bediensteten,

Tagelöhner, der Witwen, Waisen, Invaliden,

der Ausgegrenzten und Obdachlosen

als Idylle dargestellt worden

wäre. Der am 27. September

1894 im Wedding geborene, 1967 in

Biesdorf gestorbene Borsig-Arbeiter,

Autodidakt und Freund von Käthe

Kollwitz hatte sich als Künstler gar

nicht erst mit dem herrschenden Salonstil,

dem Akademismus der wilhelminischen

Zeit eingelassen. Für

ihn war das alles verlogen. Diedüsteren,

melancholischen Farben für Alltag,

Arbeit, Desillusion, ohne Pathos,

aber auch ohne Sentimentalität reizten

den Kaiser,die Malerei vonNagel

oder dessen Kollegen Hans Baluschek

als „Rinnsteinkunst“ zu verachten.

Alte DDR-Schulbücher enthielten

die Reproduktion eines düsteren Ölbildes

von1927: Eine Parkbank, darauf

Arbeitslose und Alte, ins Leere

starrend –ein trostloses Bild aus dem

Otto Nagel: „Selbst mit rotem Schal“, gemalt 1949, im Gründungsjahr

der DDR, Öl auf Leinwand. SMB/NATIONALGALERIE/VG BILD-KUNST, BONN, 2019

dau –„das ging alles zum Teufel“, wie

Nagel es 1944/45 bitter niederschrieb.

In der späten DDR landete sein

Nachlass –immerhin in einem Otto-

Nagel-Haus am Märkischen Ufer –in

der Schublade der „proletarisch-revolutionären“

Realisten − neben

Zille,Kollwitz, Baluschek und dem in

der stalinistischen Verbannung gestorbenen

Heinrich Vogeler. Folgerichtig,

dass der Maler und Kommunist

Nagel, der unter den Nazis das

KZ Sachsenhausen überlebt hatte,

dessen Bilder im Bombenhagel verbrannt

waren, zum Präsidenten der

Ost-Akademie der Künste gewählt

wurde,woer−1956 bis 1962 −Meisterschüler

wie die heute hoch geachteten

Maler Harald Metzkes und Ronald

Parishatte.

Es ist überliefert, dass Nagel ein

Akademiechef war,der in den Jahren

der stalinistischen Kulturpolitik das

Vermächtnis der Moderne und damit

das von Künstlern wie Cézanne,

Kandinsky, Klee, Moholy-Nagy, Picasso

und Mooreschätzte.Als Maler

blieb er seinem Milieu treu: den Berliner

Arbeiterbezirken, den Leuten in

den Mietshäusern, Eckkneipen, Fa-

Berlin der Goldenen Zwanziger. In

diesen Büchern fanden sich auch

das Porträt eines„Neubauern“, 1949,

und das des Akkordbergarbeiters

Adolf Hennecke, 1950 –Arbeitshelden

des realen Sozialismus. Imdunkelfarbigen,

sachlichen Malstil Nagels

wirkten sie aber so gar nicht heldisch,

vielmehr ernst und spröde.

Und imJahr 1936, als die Nazis

dem Weddinger Realisten als „entartet“

stigmatisiert hatten, malte er

sich selbst im Weddinger Atelier, abgerückt

vonder rabiat angeschnittenen

Leinwand, Zigarre inden Fingern,

der Blick zum Betrachter ratlos

ernst, fast leer. Trotz Malverbots

streifte er,ininnerer Emigration und

bis in die Kriegsjahre hinein, durch

die ältesten Stadtbezirke Berlins.

Wohl ahnte er, dass vieles später auf

immer verloren sein würde. Diese

Pastelle sind mit fast religiöser Liebe

gemalte Erinnerungsbilder. Was die

Motive wiedergeben –der Wochenmarkt

in Gesundbrunnen, die Hauseingänge

in der Friedrichsgracht, die

Molkenritze, die Jungfernbrücke,der

Apothekenflügel des Schlosses, die

Hausdielen und Höfe der Fischerstraße

oder die Jüdenstraße in Spanbriken

und Parks. Und auch in den

Motiven nach 1945 dominieren

Ernst, stille Melancholie, kein zukunftsgewisses

Pathos. „Selbst mit

rotem Schal“ von 1949, zeigt vielmehr

einen Antihelden im Profil, mit

Palette.Das Bildnis gehörtder Nationalgalerie,aber

es steht im Depot.

DieSpuren Otto Nagels drohen zu

verwischen. Zwar wurde ihm 1970

die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin

zuteil, ansonsten gibt es keinerlei

Anstrengungen, an ihn zu erinnern.

Das versucht umso mehr eine Bürgerinitiative

namens „Otto Nagel

125“. Der Verein „Freunde Schloss

Biesdorf“ gehört unter anderem

dazu, der Heimatverein Marzahn-

Hellersdorf, das Otto-Nagel-Gymnasium

der Kulturring, das Kunstarchiv

Beeskow, das Bezirksmuseum Mitte,

das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf

–und die beiden einzigen noch

lebenden Meisterschüler Nagels,

Harald Metzkes und Ronald Paris.

Am 27.September ehrtdie Bürgerinitiative den

Maler Otto Nagel: Infos, Tel.: 90293-0/Bürgertelefon:

115. Im Mai 2020 beginnt auf Schloss

Biesdorf eine umfassendeSchauzum Leben und

Werk OttoNagels, zusammenmit der AdK.


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 23 *

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Feuilleton

Schlachten

ohne Blut

und Schmutz

„Playland USA“ von

Benjamin Schindler

VonAlexandraSeitz

InWilliamstown in Kentucky, USA,

steht die Arche Noah, ein monströses,

klobiges Gebilde, von dem

man sich kaum vorstellen kann, dass

es in der Sintflut manövrierfähig gewesen

wäre. Drinnen ein mechanischer

Noah, der sein Hadern mit

Gott ins Logbuch einträgt, während

um ihn her zahlreiche ausgestopfte

Tierepaare sitzen. Die christlichen

Fundamentalisten klotzen die absurdesten

Vorstellungsräume in die

Gegend. Dicht gefolgt von Reaktionären,

Militaristen sowie allerhand

Spiritisten und Esoterikern.

Zumindest legen die Orte, die

Benjamin Schindler für seinen Dokumentarfilmessay

„Playland USA“

besucht, diesen Gedanken nahe.Die

einen ahmen das Siedlerleben der

Gründerväter nach, die anderen

spielen Bürgerkrieg, während im

Mysterious Mansion Geister gejagt

und im Ufo-Museum Aliens seziert

werden. Manche der Orte sind bevölkert

von kostümierten Schaufensterpuppen,

manche bieten elaborierte

Roboter in Dioramen −in

den meisten Fällen aber sind es

Menschen, die entsprechend verkleidet

vor historischer Kulisse dem

seltsamen Treiben des Makebelief

und Reenactment (Vortäuschen und

Nachspielen) nachgehen.

Selbstverständlich flurbereinigt,

denn vomHunger und vomElend der

Kolonialisten, vomSchrecken der Revolution

und vom Terror des Krieges

ist in den pseudogeschichtlichen Erlebniszonen

freilich nie die Rede.

Ebensowenig vom rechtsfreien

Raum, den die Frontier darstellte,

oder vomVölkermordanden Indigenen.

Weswegen diese natürlich ihren

eigenen Park eröffnen, in dem dann

aber auch wieder nur Federn aus

Plastik verkauft werden. Und in

Tombstone, womit Eifer die legendäreSchießerei

am O. K. Corral nachgestellt

wird, fließt kein Tropfen Blut.

Einer der Protagonisten, der sich zeitweise

in einen Sherrif verwandelt. ZEITGEBILDE

Es ist ein mächtiges revisionistisches

Unterfangen, das Schindler

in „Playland USA“ abbildet, eines,

das eine lange Tradition hat im

Land der unbegrenzten Möglichkeiten,

und eines, das auf die

Dauer,bedenkt man die dortige aktuelle

politische Lage, aufs Hirn zu

gehen scheint. Zwischen popkulturellen

Phänomenen, den Einflüsterungen

der Hollywood’schen Unterhaltungsindustrie

und multimedialem

Overkill geht der Realitätssinn

verloren – diese Überlegung

wird ander ein oder anderen Stelle

vondem ein oder anderen Protagonisten

zwar durchaus sorgenvoll

artikuliert. Abgesehen davon aber

verzichtet Schindler auf jeden

Kommentar und jede tiefere Analyse.

Er vergibt damit bedauerlicherweise

die Chance, das kulturkritische

Potenzial fruchtbar zu

machen, das seiner so verblüffenden

wie beunruhigenden Bildersammlung

innewohnt.

Playland USA Deutschland2019. Regie: Benjamin

Schindler, Drehbuch:Benjamin Schindler,

Jan Wilde, Kamera:BenjaminSchindler,Musik:

Jan F. Kurth, Lukas Truniger,88Minuten, Farbe.

Waswollen wir sehen? Der Niedergang der Filmförderung von einer kulturellen zu einer rein wirtschaftlichen Steuerungsmaßnahme passt zum Programm der AfD.

Die Mittel der Filmförderung

Es geht nicht um eine Ächtung der AfD, sondern um die Rettung der Kunst: der Fall Mendig

VonDaniel Kothenschulte

Als der Aufsichtsrat der Hessen-Film

am Mittwoch unter

dem Vorsitz der grünen

Kunstministerin Angela

Dorn beschloss, sich vom Chef dieser

Filmförderanstalt, Hans Joachim

Mendig, zu trennen, hatte ein

Rechtspopulist bereits seine Ernte

eingefahren. Unter dem Titel „Trefft

euch nicht privat mit AfDlern“ sah

sich Jörg Meuthen auf seiner Facebook-Seite

schon am Morgen zu einer

Äußerung „gezwungen“. Der

Bundessprecher der Partei hatte am

24. Juli ein Foto auf Instagram gepostet,

das ihn mit Mendig und dem mit

ihm befreundeten PR-Berater Moritz

Hunzinger zeigte. Nun beklagte er

das „Kesseltreiben“ der „linksgrünen

Kulturszene gegen einen völlig unbescholtenen

Menschen“, das seinen

„bürgerlichen Todvorangetrieben“

habe –und das alles wegen eines

„rein privaten“ Mittagessens in

einem Frankfurter Restaurant.

550 Filmschaffende hatten dieses

Treffen in einer Erklärung verurteilt.

Mendig, so die Unterzeichner, habe

„mit seinem Verhalten den Ruf der

Hessen Film, der durch seine autoritäre

Amtsführung bereits vorher belastet

war, weiter schwer beschädigt“.

Mankann darüber streiten, ob

das Treffen mit Meuthen allein

schon Grund genug gewesen wäre,

Mendigs Rücktritt zu fordern. Dereigentliche

Skandal lag in dessen aktiver

Propagandahilfe, die er mit seinem

Lächeln auf Meuthens Social-

Media-Account aktiv geleistet hatte.

Meuthen bestätigte in seinem

Post fast beiläufig, dass er bei Mendig

vorabdas Einverständnis zu dieser

Veröffentlichung eingeholt habe.

Damit darfman Mendig nun als aktiven

AfD-Unterstützer bezeichnen.

Wobei dieser bei vielen Mitarbeitern

der hessischen Filmförderung schon

vorher so unbeliebt war,dass voneinem

zerrütteten Verhältnis die Rede

Drei gutgelaunte Herren am sicher im Hintergrund brutzelnden Grill: Jörg Meuthen

(links), Hans Joachim Mendig (Mitte) und Moritz Hunzinger. SCREENSHOT/INSTAGRAM/JOERG MEUTHEN

war. Von Anfang an passte der ehemalige

HR-Redakteur für „Drei Damen

vomGrill“ nicht auf seinen Posten

als Leiter einer Institution der

Kunstförderung. Aber genau das war

auch die Idee gewesen, als der damalige

hessischeWissenschaftsminister

BorisRhein ihn 2016 zum Geschäftsführer

der neuen Hessen-Film und

Medien GmbH machte: Der konservative

CDU-Politiker wollte der bis

dahin kulturell ausgerichteten Filmförderung

einen neoliberalen Deckel

aufsetzen.

„Zur Vereinfachung des Fördersystems“

wurde der 1985 zur Förderung

des „kulturellen, kritischen und

kontroversen Films“ gegründeteVerein

mit der auf dem kommerziellen

Film ausgerichteten HessenInvest-

Film fusioniert. VomWert des „Kritischen

und Kontroversen“ war danach

nicht mehr die Rede,dafür von

der „wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit

hessischer Filmschaffender“.

Einfacher ist die Förderung seither

nicht geworden, jedenfalls nicht

für Künstler.Der Niedergang der kulturellen

Filmförderung in Hessen ist

ein Musterbeispiel für pseudo-wirtschaftliche

ausgerichtete Kulturpolitik,

die weniger Künstler als Produzenten

im Blick hat. AufderWebseite

rühmt sich die Hessen-Film mit der

Förderung der Matthias-Schweighöfer-Filme

„What a Man“ und

„Schlussmacher“. Dabei ist es ein

Trugschluss, dass öffentliches Geld

in Publikumsfilmen besser angelegt

sei. Gewinne macht in Deutschland

ohnehin kaum ein Film, die Branche

verdient an den Budgets, kaum später

an der Kinokasse. Für die sogenannte

wirtschaftliche Filmförderung

ist Qualität letztlich unerheblich,

künstlerische Belange spielen

bei dieser Förderpraxis keine Rolle,

und Publikumserfolge sind zwar

willkommen, aber ebenfalls völlig

unerheblich.

Künstlerische Filme haben meist

kleinere Budgets, das macht sie für

eine Wirtschaftsförderung weniger

interessant. Und wer sich als Künstler

nicht mit einer kommerziell operierenden

Produktionsfirma zusammentut,

scheitert oft schon an der

Bürokratie oder in der Kommunikation

mit den Wirtschaftsprüfern bei

der Abrechnung. Doch die neoliberale

Idee von Kunst als „Kulturwirtschaft“,

der es nicht um Inhalte,sondern

um pseudo-wirtschaftliche

Produktionsprozesse geht, passt natürlich

auch zur Ausrichtung der

AfD. Eswird oft vergessen, dass mit

dem Rechtspopulismus auch ein radikaler

Wirtschaftsliberalismus im

Parteiprogramm steht. Und da

schließt sich der Kreis zwischen

Mendig und Meuthen.

Peter Rippl, ein preisgekrönter

Frankfurter Dokumentarfilmer, formuliertesso:

„Meuthen, bekannt für

sein Engagement gegen die grünlinks-versiffte

Republik, schmiedet

offensichtlich neue Allianzen. Und

da die AfD einen erklärten Kulturkampf

führt, fühlten sich die Filmschaffenden

und Produzenten von

Mendig nicht mehr vertreten. Basisdemokratisch

haben sich alle deutschen

Filmverbände, zum Schluss

Mendigs Mitarbeiter selbst, von ihm

distanziert. Da braucht man nicht

über ,welche Färbung’ zuspekulieren.

Zudem hat er nach meiner Meinung

seine Kompetenz weit überschritten.

So war er selbstverständlich

in jeder Preisjury mit von der

Partie, umden Kurs der Förderung

neu auszurichten.“

Wie populistisch ausgerichtete

Filmpolitik aussieht, konnte man im

vergangenen Mai inÖsterreich erleben,

als der für die Kultur zuständige

damalige Minister Gernot Blümel

den Filmbeirat demonstrativ mit

kunstfernem Personal besetzte.

Nach einer Woche waren 3000 Protest-Unterschriften

aus der Kulturszene

eingegangen. Nun wäre esan

der Zeit, nicht nur um die Neubesetzung

der Leitung der hessischen

Filmförderung nachzudenken, sondern

um eine komplette Neuausrichtung

zurück zur Kunst. Die

Kunstministerin fordert: Gerade

jetzt, wo Deutschland ein Kinosterben

droht, braucht der künstlerische

Film mehr Unterstützung als je zuvorinseiner

Geschichte.

Daniel Kothenschulte

kritisiertneoliberale Filmpolitik

als kunstfeindlich.

Leonardos „Vitruvianischer Mensch“ darf doch nach Paris

Die Veränderungen in Italiens Regierung machen sich auf kultureller Ebene positiv bemerkbar

Es ist eines der berühmtesten

Werke Leonardo da Vinci: „Der

vitruvianische Mensch“. Nach längerem

Gerangel zwischen Frankreich

und Italien darf die Zeichnung

nun bei der Ausstellung zum 500. Todestag

des Universalgelehrten in Paris

gezeigt werden. Dies bestätigte

das italienische Kulturministerium

am Dienstag in Rom. Zuvor hatte

auch der Direktor der Galleria del’

Accademia in Venedig sein Einverständnis

gegeben. Die Ausstellung

im Louvreeröffnet am 24. Oktober.

Leonardo da Vinci wurde 1452 in

Italien geboren und starb 1519 in

Frankreich. Die Zeichnung zeigt einen

Mann mit ausgestreckten Armen

und Beinen in zwei überlagerten

Positionen. Sie ist auch auf den

italienischen Ein-Euro-Münzen

oder auf Gesundheitskarten in

Deutschland zu sehen.

Im Maihatte der damalige italienische

Kulturminister Alberto Bonisoli

noch dementiert, dass über die

Leihgabe entschieden sei. Die populistische

Regierung, die in Rom

vonJuni 2018 bis August dieses Jahresregierte,hatte

sich gegen ein Abkommen

der Vorgängerregierung

gewehrt, wonach wichtige Leonardo-Werke

als Leihgaben nach

Frankreich gehen sollten. Sie wollte

den Künstler allein für Italien reklamieren.

Seit Anfang September aber ist

der Sozialdemokrat Dario Franceschini

wieder Kulturminister, der

sich während seiner Amtszeit von

2014 bis 2018 für eine Modernisierung

der italienischen Museums-

GETTY/NIKADA

landschaft starkgemacht hatte. Am

Dienstag unterzeichnete Franceschini

in Paris mit seinem französischen

Amtskollegen Franck Riester

ein Memorandum, das auch die Ausleihe

von Werken des Renaissancemalers

Raffael (1483−1520) für eine

Ausstellung in Rom2020 einschließt.

„Es ist eine außerordentliche Gelegenheit:

Leonardo und Raffael werden

auf europäischer Ebene mit zwei

großen Ausstellungen gewürdigt“,

sagte Franceschini laut einer Mitteilung

seines Ministeriums. (dpa)

NACHRICHTEN

Studie: TV-Sendernsteht

Wandel bei Nutzung bevor

DenTV-Sendernsteht laut einer Studie

ein wachsender Schwund bei ihrenZuschauerzahlen

bevor.Nur

noch etwa die Hälfte der Sehzeit (54

Prozent) verbringen Zuschauer

demnach heute mit linearem Fernsehen,

ergab eine Studie der Beratungsgesellschaft

Roland Berger und

der Universität Münster.Die Entwicklung

vomlinearen TV zum Streaming

werdesich deutlich fortsetzen,

prognostizieren die Autoren der Studie.Dabei

sehen sie die klassischen

TV-Sender schlecht gerüstet. Demnach

hat Netflix in Sachen Sehzeit bereits

die führende Position eingenommen

− undzwar nicht nur im

Streaming-Markt. DerStudiezufolge

widmet das Gesamtpublikum 10,3

Prozentseines Zeitbudgets Netflix.

Aufden Plätzen danach folgen mit ihrenlinearen

und nichtlinearen Angeboten

RTL(10,0 Prozent), ZDF (9,8

Prozent) und ARD (8,8 Prozent), vor

Amazon mit8,7 Prozent. (dpa)

„Simpsons“-Produzent

J. Michael Mendel gestorben

Er war einer kreativer Kopf hinter

den „Simpsons“: DerUS-Produzent

und vierfache Emmy-Preisträger J.

Michael Mendel ist zwei Tage vorseinem

55. Geburtstag in Kalifornien

gestorben. DerUS-Sender Adult

Swim, der die vonMendel mitproduzierte

Trickfilmserie „Rick and

Morty“ ausstrahlt, bestätigte dessen

Todineiner vonmehreren US-Medien

zitierten Mitteilung. Mendel

starb laut seiner Ehefrau, der Casting-Direktorin

Juel Bestrop,am

Sonntagabend „eines natürlichen

Todes“ in seinem Haus in Studio

City,wie der Hollywood Reporter am

Montag berichtete.Mendel hatte die

US-Kultserie „Die Simpsons“ mehr

als 25 Jahrelang mitgestaltet . (dpa)

Pia Stutzenstein wird neue

„Cobra 11“-Kommissarin

Derneue Partner an der Seite vonErdogan

Atalay in der RTL-Actionserie

„Alarmfür Cobra11“ wirdlaut einer

RTL-Mitteilung erstmals eine Frau.

Diegebürtige Aachenerin Pia Stutzenstein

(30) werdeabder 36. Staffel

die Nachfolge vonDaniel Roesner

(35) antreten, der als Kommissar

Paul Renner nach vier Dienstjahren

aus der Serieausgeschieden war.Erdogan

Atalay (52) −als Semir Gerkhan

das Gesicht der Serie−findet:

„Wir haben viele Jahredas Buddy-

Team erzählt, nun ist der richtige

Zeitpunkt für eine Partnerin.“(dpa)

Axel Prahl distanziertsich

von seiner „Tatort“-Figur

Als Kommissar Frank Thiel im Münster-„Tatort“

gehörtAxel Prahl (59) zu

Deutschlands Fernsehprominenten.

DerSchauspieler findet seine Figur

aber merkwürdig, wie er der Bunte

sagte:„Thiel ist unmusikalisch,

raucht nicht, ist ordnungshörig, er ist

häufig übellaunig und oft unfreundlich,

dazu absolut nicht offen neuen

Menschen gegenüber,ein Eigenbrötler

und Fußballfanatiker.Sobin ich

jedenfalls definitiv nicht.“ (dpa)

TOP 10

Dienstag,24. September

1 Inaller Freundsch. ARD 5,06 17 %

2 Dr. Mertens ARD 4,46 15 %

3 Tagesschau ARD 4,42 16 %

4 Rosenheim-Cops ZDF 4,28 17 %

5 heute ZDF 3,99 18 %

6 heute-journal ZDF 3,70 14 %

7 SokoHamburg ZDF 3,38 19 %

8 ZDFzeit ZDF 3,19 11 %

9 RTL aktuell RTL 3,05 15 %

10 Höhle der Löwen Vox 2,92 11 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acker Stadt Palast (& 441 00 09)

20.30: BAM! Festival für aktuelles Musiktheater:

Replay

Acud (& 44 35 94 97)

20.00: Contractions(Sweet Phoebe Theatre)

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Felix Krull –Stunde der Hochstapler

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

Brotfabrik (& 471 40 01)

20.00: Wetterleuchten

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: Giselle (Staatsballett Berlin)

Dock 11 (& 448 12 22)

19.00: My David |Sodom |Lost Feathers (Gastspiel)

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00 Box: Jutta Wachowiak erzählt Jurassic Park

20.00: Ausweitung derKampfzone

Galli Theater Berlin (& 27 59 69 71)

20.00: Männerschlussverkauf

GarnTheater (& 78 95 13 46)

20.30: Intermezzo

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

Kleines Theater (& 821 20 21)

20.00: Die Rechnung

Klosterruine (Klosterstr.73a)

19.30: Trinkerpark

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 20.00: Hase Hase

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: Die Nacht vonLissabon

20.00 Studio R: The Sequel

Radialsystem (& 288 78 85 88)

16.00: Verrat der Bilder (Nico andthe Navigators)

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00Bruckner-Foyer: Weibergeschichten: Raya.Eine

Bagatelle /Frau Pawelkeräumt auf

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00: Ungeduld desHerzens

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Sophiensaele (& 283 52 66)

20.30 Hochzeitssaal: Fear +Fever (Flinn Works +

Asedeva)

Staatsoper Unterden Linden (& 20 35 45 55)

16.00: Siegfried

Theater im Palais (& 201 06 93)

19.30: Deutschland. Ein Wintermärchen

Theater O-Tonart (& 37 44 78 12)

19.00: Die Einladung (Inseltheater Moabit)

Theater Thikwa (& 61 20 26 20)

20.00: Schweigen impossible

Theater untermDach (& 902 95 38 17)

20.00: Grete

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Afzals Tochter (The Who and theWhat)

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Best of: Unsere Greates Hitst (Muttis Kinder)

BKA (& 202 20 07)

20.00: Sexuelle Belustigung (Suchtpotenzial)

BühnenRausch (& 44 67 32 64)

20.00: Frauenangelegenheiten (WonderWomen)

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

19.30 Studio: Eins aufdie Presse

20.00: Zwei Zimmer,Küche: Staat!

Estrel Showtheater (& 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: DasBeste!* (*… aus gefühlten 150 Jahren

Comedy)(Dittmar Bachmann)

Mehringhof-Theater (& 691 50 99)

20.00: Früher war ich älter (Horst Evers)

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(NikoFormanek, Simon

Pearce, Thorsten Dornbach, C. Heiland,Mod.: Costa

Meronianakis)

Scheinbar Varieté (& 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Katharina Hoffmann

(Mod.)

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Wintergarten Varieté (& 58 84 33)

20.00: Woodstock Variety Show

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

20.00Gr. Saal: Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin,

Ltg.Gabriel Bebeselea, Rodica Vica (Sopran), Tiberius

Simu (Tenor), Bogdan Baciu (Bariton),Alin Anca

(Bass), Edvard Grieg: Suiten aus der Bühnenmusik zu

Henrik Ibsens „Peer Gynt“ Nr.1op. 46 und Nr.2op.

55; GeorgeEnescu: „Strigoii –Die Geister“, Kammeroper

auf einen Text vonMihai Eminescu, nach dem

Manuskript vollendet vonCornel Taranu, konzertant

Philharmonie (& 25 48 83 01)

19.15: Einführung (Berliner Philharmoniker)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.MikkoFranck,

Anna Vinnitskaya (Klavier), Einojuhani Rautavaara:

„Apotheosis“; Sergej Prokofjew: Konzertfür Klavier

und Orchester Nr.2g-Moll op. 16; Claude Debussy:

„Printemps“, Fassung für Orchester;Maurice Ravel:

„Daphnis et Chloé“, Suite Nr.2

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

20.00: RIAS Kammerchor, Ltg.Justin Doyle, Capella

de la Torre, Ltg.Katharina Bäuml, Heinrich Schütz:

„Schwanengesang“ op. 13; Giovanni Gabrieli: Magnificat

a14; Giovanni Bassano: Ricercare

KINDER

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Oh wie schön ist Panama (ab 4bis 8J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

10.00: Canislupus –Der Wolf, Fräulein Brehms Tierleben,

(ab 8J.). Anm. erf.

10.30: Pippi Langstrumpf (ab 5bis 11 J.)

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

11.00, 18.00: Ankommen is WLAN, musikalische

Ensembleproduktion (ab 12 J.)

16.00 Studios 3&4: Verwandelt!, mobile Ensembleproduktion

(ab3J.)

Jaro Theater (& 341 04 42)

10.30: Die Eichhörnchen Story, TheaterJaro, Puppenund

Schauspiel (ab3bis 8J.)

Schaubude (& 423 43 14)

10.00: ¡Ver-rückt! (AT), ForscherTheater-Produktion

der Schaubude mitTUKI Bühne, Objekt- undMaterialtheater

mitSoundcollagen (ab 4bis 7J.)

Theater an derParkaue (& 55 77 52 52)

10.00: Ich, Ikarus (ab 9J.)

Varia Vineta (& 43 72 32 44)

16.00: Schneewittchen (ab 3J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: „In rechts und links ein halbes Herz“, Alban

Nicolai Herbst

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

19.30: Arthur Schnitzler:Traumnovelle, mit Ulrich

Matthes

Georg Büchner Buchladen (& 442 13 01)

20.00: He, du Glückliche!, Monika Stenzel &Ulrike

Jackwerth, Buchvorstellung.Anm. erf.

Haus für Poesie (& 48 52 45 -0)

19.30: Portraits-Robots –Wovon denn bitte?, Michèle

Métail, Christian Steinbacher

Trümmertunten

Der echte

Glamour

von Berlin

Das ist doch mal ein Zugang

zu Berlin, den das

Märkische Museum bietet! In

den Fotografien, auf denen

Annette Frick seit 1996 den

Zerfall unserer Stadt mit Porträts

von Persönlichkeiten ihrerSubkultur

kombiniert, wird

der Charakter Berlins sehr erhellend

allegorisiert. Der Titel

der Ausstellung im Foto-Grafischen

Kabinett − „Abriss,

Trümmertunten und internationale

Individuen“ −legt die

Spur. ImBegleittext heißt es:

Die Stadt „will sich darstellen,

präsentiert sich nackt, zeigt

aber auch manchmal flüchtige

Zurückhaltung.“ Berlin ist

eine Trümmertunte! Vor der

charaktervollen Nacktheit

kommt allerdings jede Menge

Flitter, Glimmer, Fummel,

Schminke, Kunsthaar − Glamour

der echten Sorte. Heute

wird die Ausstellung mit Vorträgen

und Tuntenshow präsentiert.

Ulrich Seidler

Tunten trümmerndurchs Museum

18Uhr, MärkischesMuseum, Am Köllnischen

Park 5, Tel.: 24002162

Die Diva von René Polleschs Liebhaber- und Verweigerungstheater duelliertsich mit einem kritischen Zuschauer (Sophie Rois und Bernd Mos

Während einer Theateraufführung

kann

durchaus das eine

oder andere schiefgehen,

es ist ja alles live, und das Publikum

zeigt dafür meist Verständnis.

Aber was soll das für eine Aufführung

werden, die ausschließlich aus Pleiten,

Pech und Pannen besteht, in der

absolut gar nichts funktioniert−und

wenn, dann nur irrtümlich? Kein Publikum

derWelt wirddafürVerständnis

zeigen −jedoch lachen, bis das

Zwerchfell schmerzt.

Ausgedacht haben sich diesen

höchst artistischen Nonsens die –

natürlich britischen −Schauspieler

Henry Lewis, Jonathan Sayer und

Henry Shields, die von ihrem Beruf

nicht leben konnten und deshalb ihr

Glück als Autoren mit der völlig

durchgeknallten Komödie „The Play

That GoesWrong“ (2012) probierten.

Sie wurde ein Hit inLondon, in

New York − und unter dem Titel

„Mordauf Schloss Haversham“ auch

im Renaissance-Theater. Der Inhalt

ist verwirrend, die Botschaft simpel:

Schadenfreude ist die schönste

Freude. Undsokannman sich wunderbar

daran erheitern, wie eine

Irene Bazinger

ist glücklich, wenn im Theater die Selbsterkenntnis

nicht bierernst daherkommt,

sondernsoabsurd-verrückt wie in den

erwähnten Komödien. Ganz im Sinne

Nietzsches, der einmal sagte: „Wir haben

die Kunst, damit wir nicht an der

Wahrheit zugrunde gehen.“

Laiengruppe ein Stück einstudieren

will und dies offenbar als hohe

Schule der Ungeläufigkeit begreift.

Auftritte und Abgänge klappen

nicht, Textewerden vergessen, Türen

lassen sich nicht öffnen, angeklebte

Bärte lösen sich. In der souveränen

Regie von GuntbertWarns zelebriert

das hinreißende Ensemble um Anna

Thalbach und Boris Aljinovic glanzvoll

grandiose Anarchie. Theater ist

mitunter im Scheitern besonders

aufschlussreich. Undhier außerdem

kolossal vergnüglich.

Eine andereFormvon englischem

Humor ist im Schlosspark-Theater

bei „Adel verpflichtet“ zu genießen.

Frei nach einem 1907 erschienenen

Roman von Roy Horniman wird von

einem jungen Mann namens Victor

erzählt, der zum Serienkiller avanciert,

um endlich Graf und Schlossherr

zu werden. Istdas lustig? Kommt

darauf an, wie man’s macht.

Der Regisseur Anatol Preissler

und der Schauspieler Otto Beckmann

haben daraus als Autorenduo

„Dogberry & Probstein“ jedenfalls

eine „mörderisch schwarze Komödie“

entwickelt. In kleinen, kuriosen

Szenen wirdVictors Meuchelchronik

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Gut gegen

Nordwind 14.30; Once Upon aTime in...Hollywood

17.00,20.30

Cinema Paris (& 881 31 19) Gelobt sei Gott

14.45,20.30; Nurejew –The White Crow 17.40

Delphi Filmpalast (& 312 1026) Downton Abbey

14.50,17.40,20.30

Delphi LUX (& 322 931040) Systemsprenger

14.30, 17.15, 20.00; Gelobt sei Gott –Grace a

Dieu (OmU) 14.30, 17.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.30; Late Night –Die Show

ihres Lebens 14.20; Ad Astra –Zuden Sternen

(OmU) 18.00, 20.45; Nurejew –The White Crow

(OmU) 14.15, 16.00, 18.45, 21.30; Der Distelfink

–The Goldfinch (OmU) 14.45, 17.00, 20.15;

Und der Zukunft zugewandt 14.00, 16.30, 19.00;

Midsommar (OmU) 21.30; Ein Licht zwischen den

Wolken 14.00; Synonymes (OmU) 16.40; Ein Licht

zwischen den Wolken (OmU) 19.20; Midsommar

(OF) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Systemsprenger

17.30, 20.00; Celebration (OmU) 18.00; Mein Leben

mit Amanda 20.15

Kant Kino (& 319 9866) Babykino: Nurejew –

The White Crow 11.00; Nurejew –The White Crow

14.30, 20.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 15.15, 17.30; Babykino: Rocketman 11.00;

Gelobt sei Gott 17.15; DerDistelfink 17.15,20.15;

Ein leichtes Mädchen 14.15; Late Night –Die Show

ihres Lebens 18.45; Wer 4sind –Die Fantastischen

Vier 21.00;Everest:Ein Yeti willhoch hinaus 13.45,

15.50;Gut gegenNordwind 16.15, 18.00; Leid und

Herrlichkeit 20.30; Babykino: Once Upon aTime

in... Hollywood 11.00; Mein Lotta-Leben – Alles

Bingo mit Flamingo! 15.20; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.30

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) Downton Abbey

14.15, 17.10; AdAstra –Zuden Sternen 20.00;

Es: Kapitel II 22.50; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm15.00; Ad Astra –Zuden Sternen17.20,

23.00; Downton Abbey 20.10; Die drei !!! 14.45;

Es: Kapitel II 17.10, 20.45; Angry Birds 2: Der Film

14.45;Der Distelfink 17.10;Once UponaTime in...

Hollywood 20.30; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 15.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

17.20; Gut gegen Nordwind 20.20; Angel Has Fallen

23.10;AdAstra–Zuden Sternen 14.50,19.50;

Shaundas Schaf:Der Film: UFO-Alarm17.35; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 22.40; Gut gegenNordwind15.15;Angry

Birds2:Der Film 18.00;

Der Distelfink 20.30

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Ramen Shop

–Ramen Teh(OmU) 11.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 12.30; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.15; Wer 4sind –Die

Fantastischen Vier 16.45; Systemsprenger 18.30,

20.30; The Dead Don‘t Die (OmU) 22.40; Eine

moralische Entscheidung 11.00; Die Agentin –The

Operative (OmU) 12.45; Free Solo (OmU) 14.45;

Push –Push (OmU) 16.30; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Synonymes (OmU) 19.50; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 22.00; Berlin, ILove You

(OmU) 11.00; Yesterday (OmU) 13.00; Leid und

Herrlichkeit 15.00; Angry Birds 2: Der Film 17.00;

Celebration (OmU) 18.40; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.00; Paranza: Der Clander Kinder

–Laparanza dei bambini (OmU) 22.45

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Once Upon

a Time in... Hollywood (OmU) 14.00; Midsommar

(OmU) 20.00, 22.45; Carmine Street Guitars

(OmU) 14.00; Super Friede Liebe Love 15.45; Über

Grenzen –Der Film einer langen Reise 17.30; Playland

USA 19.45; Celebration (OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Gutgegen Nordwind

13.45, 19.50; AdAstra –Zuden Sternen 13.50,

17.00,19.15,20.00, 23.00; Spider-Man: Far From

Home 14.00; Good Boys 14.00; IMAX 3D: Der König

der Löwen 14.00;AToy Story:Alles hörtauf kein

Kommando 14.15,16.40; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 14.20, 22.30; DowntonAbbey 14.20,17.20,

20.00; Get Lucky – Sex verändert alles 14.30,

17.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.30,

17.00; Es: Kapitel II 14.30, 16.30, 18.20, 20.20,

22.20; Stuber –5Sterne Undercover 14.40; Angry

Birds 2:Der Film 14.50, 17.20; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 15.00, 17.30; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 16.45; Ad Astra –Zuden

Sternen (OF) 16.45; Ready or Not? –Auf die Plätze,

fertig, tot 17.10, 19.30, 23.15; Angel Has Fallen

17.10, 20.10, 23.15; Rambo 5:Last Blood 17.40,

20.20, 23.00; Downton Abbey (OF) 19.30; Midsommar

19.40, 22.20; 3D: Der König der Löwen

19.40; Der Distelfink 19.50, 22.15; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.30, 22.30; IAmMother

22.50; Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot

(OF) 23.00; Rambo 5:Last Blood (OF) 23.15

Zukunft (& 01 76/57 861079) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 18.00; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 20.15; Berlin Bouncer

(OmU) 23.15; Heute oder morgen 18.00; Frau

Stern 19.50; Synonymes (OmU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Pets II 13.45;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 13.50,

16.20; Downton Abbey 13.50, 16.45, 20.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.00, 16.30; Der

König der Löwen 14.00; Angry Birds 214.20;AToy

Story: Alles hörtauf kein Kommando14.30;Es: Kapitel

II 16.00, 19.10; Good Boys 16.50; 3D: Angry

Birds 2:Der Film 17.00; 3D: Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 17.15; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

19.20; Gut gegen Nordwind 19.30; Midsommar

19.40;AdAstra 19.50;Rambo5:LastBlood20.10

Kino Kiste (& 998 74 81) Leberkäsjunkie 13.45;

Mein Lotta-Leben 15.35; Once Upon aTime in...

Hollywood 17.20; Blinded by the Light 20.15

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 41 09) Downton Abbey

14.15,17.00,19.30; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.20; 3D: Angry Birds 214.30;

Ad Astra –Zuden Sternen 14.40, 20.15; Get Lucky

–Sex verändert alles 14.45, 17.40, 19.30;

Good Boys 14.50; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.00, 17.20; Angry Birds 215.00, 17.30; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.10, 17.20; Gut

gegen Nordwind 16.40; 3D: Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 16.50; Rambo 5:Last Blood 17.10,

19.45; Der König der Löwen 17.15; Fast &Furious

19.40; EsII19.50; Ready or Not? –Auf die Plätze,

fertig, tot 20.00; Midsommar 20.00; Angel Has

Fallen 20.10

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Once UponaTime in...

Hollywood (OmU) 17.10, 20.30; B Ad Astra –Zu

den Sternen (OmU) 17.00, 19.30, 22.00

fsk amOranienplatz (& 614 2464) Systemsprenger

(OmenglU) 17.45, 19.45; Ein Licht zwischen

denWolken–Streha mesreve (OmU) 18.00; Gelobt

sei Gott – Grace aDieu (OmU) 20.15; Heute oder

morgen 22.00

Moviemento (& 692 47 85) Kinderfilmdes Monats:

Planet Deutschland: 300 Millionen Jahre 10.00,

14.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

12.15; Der blaueTiger 16.45; Down Under Berlin:

Stray (OF) 19.45; Systemsprenger 22.45; The

Whale and the Raven (OmU) 13.45; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 16.15; Down Under

Berlin: Stray (OF) 19.45; Open Screening 22.00;

BenjaminBlümchen11.00; Systemsprenger 13.15,

19.00; Midsommar (OmU) 16.00, 21.45

Regenbogen Kino (& 69 57 95 17) Synonymes

(OmU) 20.30

Sputnik (& 694 1147) Idioten der Familie 16.15;

Mein Leben mitAmanda (OmU) 18.15; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 20.00; Das Wunder

im Meer von Sargasso –Tothavma tis thalassas ton

Sargasson:The Miracle of the Sargasso Sea (OmU)

22.45; Gloria: Das Leben wartet nicht –Gloria Bell

(OmU) 16.30; Submission (OF) 18.15; Paranza:

Der Clan der Kinder (OmU) 20.00; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 22.00

Yorck (& 78 91 32 40) Systemsprenger 17.15,

20.00; New Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00, 16.00; Nurejew –The White Crow 14.30,

20.30; Und der Zukunft zugewandt 18.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 9590) Shaun das Schaf:

Der Film:UFO-Alarm14.00, 16.15, 18.15; 3D:Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.00,18.15; DowntonAbbey

14.30,17.15, 20.00; Angry Birds 2: Der

Film 15.15, 17.30; AToy Story:Alles hört auf kein

Kommando 15.15; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.00; Systemsprenger 17.30, 20.15; Es: Kapitel II

19.45; Rambo 5:Last Blood 20.30; AdAstra –Zu

den Sternen 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Gut gegen

Nordwind 13.00, 20.45; Downton Abbey 13.00,

18.00,20.30; Der Honiggarten: Das Geheimnis der

Bienen 13.00; Und der Zukunft zugewandt 15.30;

Der König der Löwen 15.30; Systemsprenger 15.45;

Ad Astra –Zuden Sternen 18.00,20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Get

Lucky –Sex verändert alles 14.00; Downton Abbey

14.10, 17.10, 20.00; Der König der Löwen 14.15;

Good Boys 14.25, 20.15; Angry Birds 2: Der Film

14.30, 16.50;AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

14.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.40, 17.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 14.45, 16.55; Es: Kapitel II 16.40, 19.30;

Gut gegenNordwind 17.15;3D: Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 17.15; Rambo 5:Last Blood 17.30,

20.15; Once Upon aTime in... Hollywood 19.35;

Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.00;

Ad Astra –Zuden Sternen 20.00;Angel Has Fallen

20.15

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) DerkleineMaulwurf(1963-

1975) 17.00; Und wer nimmt den Hund? 18.30;

Mein Leben mit Amanda –Amanda (OmU) 20.15;

Ein Licht zwischen den Wolken –Streha mes reve

(OmU) 18.00; Und der Zukunft zugewandt 19.45;

Liebesfilm (OmenglU) 21.45

Babylon (& 242 5969) Africa Look: Lost Warrior

(OmU)18.15; Jiddische Glikn: Rabbi Wolff (OmenglU)18.15;

Jiddische Glikn: Mir kumen on –Children

Must Laugh (EnglF) 18.30; Premiere: Playland USA

(OmU; m. Gast u. Gespräch) 20.00; Africa Look:Die

Stropers (OmenglU) 20.00; Jiddische Glikn:ASerious

Man (OmU) 20.00; Best of Pictoplasma 2019:

Animationskurzfilme (OF) 22.00; Africa Look: Rih

rabani –Divine Wind (OmenglU) 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73)

Yesterday (OmU) 14.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingomit Flamingo! 16.15; Cleo (OmenglU) 18.30;

Midsommar (OmU) 21.15; Yesterday (OmU) 10.45;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

13.00; Midsommar (OmU) 15.00, 17.45; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two(OF) 20.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 0200) Pets II

11.00; Angry Birds 2: Der Film 11.00, 14.10; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 11.10; Der König der Löwen

11.10, 14.15; AToy Story:Alles hört auf kein

Kommando 11.15, 13.50; Everest: EinYeti will hoch

hinaus 11.30, 14.00, 18.30; Mein Lotta-Leben –

Alles Bingo mit Flamingo! 11.45; Playmobil: Der

Film 11.50, 13.30; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 12.00, 14.30, 16.50, 19.50; Good

Boys 13.30, 23.15; Get Lucky –Sex verändert alles

14.20, 16.00; Downton Abbey 14.30, 16.45,

19.30, 23.00; Es: Kapitel II 16.00, 19.20, 22.30;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.30; Ad

Astra –Zuden Sternen 16.30, 19.45, 23.15; 3D:

Angry Birds 2: Der Film 17.00; Gut gegen Nordwind

17.10, 20.00; Rambo 5:Last Blood 17.30,

20.15, 23.00; Midsommar 19.50, 22.30; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.30, 23.10;

Once Upon aTime in... Hollywood 21.00; Angel Has

Fallen 22.50

Hackesche Höfe (& 283 4603) Berlin Babylon

(OmU) 15.00; Systemsprenger 17.00, 19.30; Idioten

der Familie 22.00; Gelobt sei Gott –Grace

aDieu (OmU) 14.30, 19.30; Und der Zukunft zugewandt

17.15, 22.15; Frau Stern 15.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 17.00, 20.15;

Der Distelfink –The Goldfinch (OmU) 14.00, 17.00,

20.00; Ein Licht zwischen den Wolken –Streha mes

reve (OmU) 14.30;Nurejew–TheWhite Crow(OmU)

16.30, 19.15; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 22.00

International (& 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 13.50; Nurejew –TheWhite Crow 16.15,

19.00; Midsommar (OmU) 21.45

Zeughauskino (& 20 30 47 70)EllaBergmann-Michel

–Kurzfilmprogramm (Drohende Gefahr, Angst,

Katastrophe) 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (& 01 80/505 06 44)

Get Lucky –Sex verändert alles 14.00; Angry Birds

2: Der Film 14.00, 17.05; Downton Abbey 14.10,

16.50, 19.45; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus –

Abominable (OF) 14.20; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.20, 16.50; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.30, 17.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.30; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 14.30, 17.30; Der König der

Löwen 14.45, 17.00; Es: Kapitel II 16.30, 19.20,

22.35; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.45;

Ad Astra –Zuden Sternen 17.00, 20.10, 23.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.25, 22.00;

Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 19.30,

22.55; Midsommar 19.35, 22.45; Ad Astra –Zu

den Sternen (OF) 19.40; Firincinin Karisi (OmU)

20.00,22.50; Rambo 5: Last Blood 20.15, 22.50;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 22.45; Ready or

Not? –Auf die Plätze,fertig,tot (OF) 23.00

IL KINO (& 91 70 29 19) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 10.30; Synonymes (OmenglU)

13.00; Diego Maradona (OmenglU) 15.20; Mein

Leben mit Amanda (OmU) 17.40; Nurejew –The

White Crow (OmU) 19.40; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 22.00

Neues Off (& 62 70 95 50) Midsommar (OmU)

16.30,19.30, 22.30

Passage (& 68 23 70 18) Frau Stern 14.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.40, 20.00;

Downton Abbey (OmU) 14.45, 17.20, 20.00; Gelobtsei

Gott 15.10, 18.00; Gelobt seiGott –Grace

aDieu (OmU) 20.50

Rollberg (& 62 70 46 45) Nurejew –The White

Crow (OmU) 17.45, 20.30; Ad Astra – Zu den

Sternen (OF) 16.20, 19.30, 21.40; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmenglU) 17.00, 22.10;

Systemsprenger (OmenglU) 19.00; Der Distelfink

–The Goldfinch (OmU) 16.45, 20.00; Synonymes

(OmenglU) 18.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 20.40

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00;

Der König der Löwen 14.10; Downton Abbey 14.20,

17.20, 20.15; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.30, 17.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm14.45, 17.10; AngryBirds 2: Der Film 15.00,

17.30; Es: Kapitel II16.30, 19.30; Ad Astra –Zu

den Sternen 16.50, 19.50; 3D: Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 19.40; Gut gegen Nordwind 20.00;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 20.10


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

s).

Theater als

schönster Witz

Schadenfreude im Renaissance-Theater,

Erbstreit im Schlosspark-Theater und

Widerspruchsdenken im Deutschen Theater

BÜHNE

Mord auf Schloss Haversham

3.−19. 10., Renaissance-Theater,

Knesebeckstr.100, Tel.: 3124202

Adel verpflichtet 26.−28. 9., 1.−3. 10.,

jeweils 20 Uhr,29. 9., 16 Uhr,

Schlosspark-Theater,Schlossstraße 48,

Tel.: 78 95 66 71 00

CryBaby 2. 10., 19.30Uhr;29. 10.,

20Uhr,Deutsches Theater,Schumann-

Str.13a, Tel.: 28 44 12 25

ARNO DECLAIR

aufgeblättert. Seine diversen exzentrischen

Verwandten werden mit

schnellen Kostüm- und Perückenwechseln

von Dieter Hallervorden

(fünf) und seinem Sohn Johannes

(drei) gespielt. Das ist gekonnt und

witzig, und wenn es auch keinen

Sinn hat, macht es doch Spaß.

Außer einer sehr hübschen Unterwasserszene

im Stil des SchwarzenTheaters

ist außerdem ein eigens

gedrehter Stummfilm hervorzuheben,

den der Henker humorig mit

den Worten „Veni, vidi, Video“ ankündigt:

Astrein amüsant.

Ganz anders komisch, aber nicht

weniger abgründig ist „Cry Baby“

von René Pollesch im Deutschen

Theater mit Sophie Rois, Christine

Groß, Judith Hofmann, Bernd Moss

und und einem Chor von zwölf Elevinnen.

Es geht um den Schlaf als

konsequenteVerweigerung vonAktivitätsdrang

und Verpflichtungen aller

Art: Wer schläft, sündigt nicht,

und kann dabei trotzdem unzensiert

seinen Wünschen folgen. Zu solchen

Phasen beherzt unökonomischer

Weltabgewandtheit zählt Pollesch

außerdem den Tagtraum oder das

Schlafwandeln, weshalb immer wieder

auf Heinrich von Kleists Schauspiel

„Prinz Friedrich vonHomburg“

verwiesen wird.

Dieses fröhlich kluge Diskurstheater

folgt dem bei Max Ophüls

entlehnten Motto „Zwanglos drauflosdenken“.

Es wirdzweckfrei diskutiert

und gestritten und der Gegensatz

von Kunst und Leben nonchalant

zelebriert. Dazu gibt es geistvoll

kuriose Dialogblüten etwa über Mieten,

Märkte und Moden. Die Personenzuschreibungen

sind fließend,

Textpassagen werden mal von dieser,

mal von jenem gesprochen, ein

Handlungsbogen ist nur entfernt zu

erkennen, dazu sind Flamenco-

Rhythmen oder Evergreens à la

„Crying“ vonRoy Orbison zu hören.

Zwischen Tradition und Vision,

zwischen emotionalen Wahrheiten

undintellektuellenVolten entwickelt

Pollesch mit dem hervorragenden

Ensemble seine schöne Inszenierung.

Und der Chor, der die älteren

Protagonisten zwischendurch hämisch

auslacht, schluchzt schließlich,

alleingelassen und wie die Hühner

auf der Stange an der Rampe aufgereiht.

So ist das eben: DasTheater

geht weiter,als es das Leben erlaubt.

Lyrik

Weltende,

zweisprachig

revisited

Dem Bürger fliegt vom spitzenKopf

der Hut,/ In allen

Lüften hallt es wie Geschrei,/

Dachdecker stürzen ab und

gehn entzwei/ Undanden Küsten

–liest man –steigt die Flut.//

Der Sturm ist da, die wilden

Meerehupfen/ An Land, um dicke

Dämme zu zerdrücken./

Die meisten Menschen haben

einen Schnupfen./ Die Eisenbahnen

fallen von den Brücken.

„Weltende“ –dieses expressionistische

Gedicht von

Jakob vanHoddis brachte 1911

definitiv einen neuen Tonauf

undist als Angst vorder Naturkatastrophe

noch ebenso aktuell

wie als politische Metapher.Van

Hoddis,als Hans Davidsohn

1887 in Berlin geboren,

schrieb noch weitere

Gedichte, die jetzt unter dem

Titel „Starker Wind über der

bleichen Stadt“ auf Deutsch

und Englisch erscheinen. Gehen

Sie doch heute zur Buchvorstellung

mit den Übersetzern!

PetraKohse

Jakobvan Hoddis 19.30 Uhr,

LiteraturhausBerlin, Fasanenstr. 23

Literaturhaus Berlin (& 887 28 60)

19.30: Starker Wind über der bleichen Stadt –Strong

Wind Over the Pale City,Jakob vanHoddis, Buchpremiere

mit Irene Stratenwerth, Mitch Cohen, Gregory

Divers und Michal Beller

ocelot, not just another bookstore

(& 97 89 45 92) 20.00: Laufen, Isabel Bogdan,

Lesung und Gespräch mit Isabel Bogdan, Moderation:

Ludwig Lohmann

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Du bleibst mein Sieger,Tiger,

Leo &Gutsch, Buchpremiere

KONZERT

Auster Club (& 611 33 02)

20.00: Daniel Puente Encina &Band

b-flat (& 283 31 23)

21.00: KatharinaStueber (voc), Uri Gincel (p),Paul

Kleber (b), Das ist der Klavierstimmer,Schätzchen!

Badehaus (& 95 59 27 76)

20.00: Beasts +Mexican Radio

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.30: Yetundey, Haszcara, EsRAP,Doctorella, Ich

brauche eine Genie Vol. 9

Bi Nuu (& 69 56 68 40)

20.00: The Album Leaf,support: Joyero

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

20.00: Tequila and the Sunrise Gang +support

Columbiahalle (& 69 81 75 86)

20.00: Rap for Good: Beginner,Samy Deluxe, Megaloh,

Chefket u. a.

Duncker (& 445 95 09)

21.00: We Had To Leave,Gnadenlos Kostenlos

Gretchen (& 25 92 27 02)

21.00: JayElectronica

Junction Bar (& 694 66 02)

21.00: Phaedro’sFuneral, Rene Marik &The Sugar

Horses

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Jenny&The Mexicats

Mercedes-Benz Arena (& 20 60 70 88 99)

20.00: Cher

Musik&Frieden (Falckensteinstr.48)

19.30 Baumhaus Bar:Songslam Kreuzberg

20.00: Friedberg

Anzeige

Wechselnde Bestetzung

11.09.

11.09.

–24.11.

–24.11.

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: Hutch Harris (of The Thermals)

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.30: Jessy Martens &Band

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: Shoreline, Crosshill Rebels, Shoplifters

SO36 (& 61 40 13 06)

20.00: The Creepshow,Death At My Door

Wild At Heart (& 611 70 10)

22.00: Nowherebound, The CreepshowAftershowparty

Zig Zag Jazz Club (& 94 04 91)

21.00: Esther Kaiser „Songs of Courage“

Zimmer 16 (& 48 09 68 00)

20.00: Ben Walker

CLUB

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

22.00: Säule, E-Saggila (live), JANEIN, Rune Bagge

Bohnengold (Reichenberger Str.153)

23.00: Indietanzbar (indie, brit pop, electro, wave

&beyond from the early days until now), King Kong

Kicks

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

23.00: Damn Berlin, Marc Hype

Junction Bar (& 694 66 02)

23.30: DJane B.B.

Mokum (Danziger Str.56)

22.30: Punkrock with DJ Vossi

SageClub (& 278 98 30)

21.00: MoreCore PartyBerlin NeverSay Die +Polar

DJ-Set, Guybrush Beatwoot &Adam Woodford, DJ

Bubbles, Bruno, John Crow

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.00: Chantals House of Shame

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Cha Cha, Walzer &Co, Evan, Josefina, Sascha

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

21.30: Red Rhythm –Swing Dance Night

Kulturbrauerei/Soda (& 44 31 51 55)

19.00: Soda Social Club,ElPuma DJ,Fenómeno,

Markus, Ando

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Salsa, Flori, Wilber und Naudy

5MEGASTARS LIVE ON STAGE

ESTREL SHOWTHEATER . STARS-IN-CONCERT.DE

TICKETS: 030 6831 6831

KINO

Wolf (& 921 03 93 33)Wajib –Die Hochzeitseinladung

(OmU) 12.00; Ein leichtesMädchen –Une fille

facile (OmU) 12.00; Systemsprenger 13.50; Heute

oder morgen (OmenglU) 14.00; Wir Kinder aus Bullerbü

16.00;Das Wunder im Meer vonSargasso –To

thavma tis thalassas ton Sargasson: The Miracle of

the Sargasso Sea (OmU) 16.20; Systemsprenger

(m. Gespräch) 19.00; Heimat ist ein Raum aus Zeit

(OmenglU) 19.10; Synonymes (OmU) 21.30

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.00; Und der Zukunft

zugewandt 18.00; Nurejew –TheWhite Crow 20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00,16.00; Der

Distelfink –The Goldfinch (OmU) 18.00; Ad Astra

–Zuden Sternen (OmU) 21.00; Systemsprenger

14.30, 17.15, 20.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

13.45, 15.50; Downton Abbey (OmU) 17.40,

20.15; Und der Zukunft zugewandt 15.15, 18.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 20.30;

Gelobt sei Gott 15.00, 20.30; Nurejew –TheWhite

Crow (OmU) 17.45

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

Systemsprenger 13.45, 16.40, 19.40, 22.30; Nurejew

–The White Crow 13.45, 19.00; Ein Licht

zwischen den Wolken 14.00; Angry Birds 2: Der

Film 14.00, 16.30; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.10, 16.50; Downton Abbey 14.20,

16.30, 19.30; Der König der Löwen 14.20; Und

der Zukunft zugewandt 16.20; Gut gegen Nordwind

16.40, 22.45; Gelobt sei Gott 17.10, 19.15; Midsommar

17.30; Ad Astra19.00;HRFFB: Preisträgerfilm

(OmenglU) 20.00; Der Distelfink 20.20; Midsommar

(OmU) 21.00; Es II 21.50; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 22.00; Nurejew (OmU)

22.00;AdAstra –Zuden Sternen (OmU) 22.30

Krokodil (& 44 04 92 98) Frau Stern 18.00; Heimat

ist ein Raum aus Zeit 19.30

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Rote Räte- Die

bayrische Revolution aus der Sicht von Augenzeugen

17.00; Berlin, Prenzlauer Berg –Begegnungen

zwischen dem 1.Mai und dem 1. Juli 1990 18.00;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 19.30

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) Mein

Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! 14.15;

Downton Abbey14.15, 17.10, 20.00; Der König der

Löwen 14.15,17.00; Angry Birds 2: Der Film 14.20,

17.00; Get Lucky –Sex verändert alles 14.30;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.30, 17.00; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.30;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.35,

16.50; Playmobil: Der Film 14.35; Die drei !!!

14.35; Es: Kapitel II 16.25, 19.30, 22.15; Ad Astra

–Zuden Sternen 16.50, 19.50, 22.55; Systemsprenger

16.55, 19.50; Rambo 5: Last Blood

17.00, 19.30, 22.55; 3D: Everest: EinYeti will hoch

hinaus 17.05; Once Upon aTime in... Hollywood

19.30, 22.15; Midsommar 19.35, 22.45; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 19.45, 22.50;

Downton Abbey (OF) 20.00; 3D: Der König der Löwen

20.10; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 22.35;

Angel Has Fallen 23.00

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Systemsprenger 14.35, 17.30, 20.25

Cosima (& 85 07 58 02) Leid und Herrlichkeit

18.00; Once Upon aTime in...Hollywood 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Downton Abbey (OmU)

15.00, 20.30; Nurejew –The White Crow (OmU)

17.40

Urania-Filmbühne (& 218 9091) Foresight Filmfestival

No 4: „Vision findet Stadt“: Filmprogramm

(m. Gästen u. Filmgesprächen) 18.30

Xenon (& 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Nurejew –The White

Crow (OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.00,

14.20, 17.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

10.00, 12.15, 14.45; Benjamin Blümchen 10.00;

Angry Birds 2: Der Film 10.00, 12.05, 14.25,

16.50; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

10.00, 14.15; 3D: Angry Birds 2: Der Film 12.10;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

12.20; Good Boys 14.30, 22.50; Downton Abbey

17.10, 20.00, 23.00; 3D: Everest: EinYeti will hoch

hinaus 17.15; AdAstra –Zuden Sternen 17.20,

20.10, 23.00; Es: Kapitel II19.20, 22.50; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.30; Midsommar

19.40,23.00

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 6081) Frau

Stern 16.30; Und wer nimmt den Hund? 18.15;

Leid und Herrlichkeit 20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Downton Abbey

14.20, 17.10, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 10.00,12.15,14.35,

17.00; Playmobil 10.00; Planet Deutschland: 300

Millionen Jahre 10.00, 14.30; Pets II 10.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 10.00,12.10,14.00,

15.00; Benjamin Blümchen 10.00, 11.55; Angry

Birds 210.00, 12.10, 17.25; Der König der Löwen

12.05, 14.55, 17.00; AToy Story 12.10, 15.00;

3D: Angry Birds 212.30; Get Lucky –Sex verändert

alles 14.35; Es II 16.20, 19.15, 22.50; Ad Astra

17.05, 20.00, 23.00; Good Boys 17.45; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 17.45; Midsommar

19.45, 22.30; Ready orNot? 20.00, 23.00; Once

UponaTime in... Hollywood20.00, 22.55;National

Theatre London (OmU) 20.00; Gut gegen Nordwind

20.10; Fast &Furious 22.55

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 15.45, 18.15; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 15.45; Downton Abbey 15.45,

18.00, 20.30; Angry Birds 215.45, 18.15; 3D:

Everest 18.00; Rambo 5: Last Blood 20.30; Gut

gegen Nordwind 20.30; Es: Kapitel II20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Frank Borzage: Tödlicher

Sturm –Mortal Storm (OmU) 20.00; Künstlerinnenprogramm

(Russia Today; u. andere; m.Gästen u.

Diskussion) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Es II 13.00, 15.40, 17.30, 19.00, 20.30, 22.10;

Benjamin Blümchen 13.00; 3D: AToy Story 13.00;

Once Upon aTime in... Hollywood 13.10, 15.15,

18.00, 20.00, 22.00; Der Distelfink 13.10, 16.50,

20.20; Ad Astra 13.10, 17.00, 19.40, 22.50; Gloria:

Das Leben wartet nicht 13.15; Und der Zukunft

zugewandt13.20; AToy Story 13.35;Rambo5:Last

Blood 13.40, 16.30, 20.00, 22.50; Downton Abbey

13.40, 16.30, 19.40, 22.45; Pets II 14.00; Everest:

Ein Yeti willhochhinaus 14.00,18.20; Der König der

Löwen 14.00, 16.00; Angry Birds 214.10; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 14.30, 17.30; Good Boys

14.40, 17.30, 20.00, 22.30; Get Lucky –Sex verändert

alles 15.40, 17.10; Systemsprenger 16.10,

19.30; Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot

16.30, 20.10, 22.50; Gut gegen Nordwind 16.45,

19.50; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.45;

3D: Der König der Löwen 16.50, 19.50, 22.50; 3D:

Angry Birds 217.00; Midsommar 19.20, 22.40;

Yesterday 19.30; Angel Has Fallen 19.30, 22.40;

Late Night –Die Show ihres Lebens 19.50; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 21.00, 22.40; Annabelle

III 22.30; Stuber 22.45; Spider-Man 22.50; John

Wick III 22.50

CineStar imSony Center (& 04 51/703 0200)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm (OF) 13.30, 15.50,

18.15;AToy Story (OF)13.30; Downton Abbey(OF)

13.40, 16.40, 19.30, 23.10; Der König der Löwen

(OF) 13.45; Good Boys (OF) 13.50; Angry Birds 2

(OF) 14.00; Ad Astra (OF) 16.00, 20.15, 23.15;

Once Upon a Time in... Hollywood (OF) 16.20,

19.00, 22.45; Der Distelfink –The Goldfinch (OF)

16.30; Rambo 5: Last Blood (OF) 16.45, 22.45;

3D: Angry Birds 2–The Angry Birds Movie II(OF)

17.45; Midsommar (OF) 19.45, 22.30; Sneak Preview

(OF)20.00; Es: Kapitel II –It: ChapterTwo (OF)

20.30; Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot

(OF) 20.45, 23.15

CineStar IMAX (& 04 51/703 02 00) 3D: ABeautiful

Planet 11.45; Ad Astra –Zuden Sternen (OF)

13.05, 16.00, 19.15; Es: KapitelII–It: ChapterTwo

(OF) 22.30

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Frau Stern

(OmenglU)18.30; Apollo11(OmU) 20.00; Blinded

by the Light (OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Planet Deutschland: 300

Millionen Jahre 10.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.00,16.00,18.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.00; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.00, 16.00; Angry Birds 2: Der

Film 14.00, 16.00; Downton Abbey 15.00, 17.30,

20.00, 22.30; Ad Astra –Zuden Sternen 16.00,

20.00,22.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

18.00; Es: Kapitel II 18.00, 20.15, 21.30; Rambo

5: Last Blood 18.30, 20.30, 22.30

Casablanca (& 677 57 52) Once Upon aTime

in... Hollywood 17.30; Und der Zukunft zugewandt

20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 0200)

Downton Abbey 13.55, 16.50, 19.45; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00, 16.30, 19.40;

Good Boys 14.00; Angry Birds 2: Der Film 14.00,

17.10;Der König der Löwen 14.10; Everest: Ein Yeti

willhoch hinaus14.15,16.50;Get Lucky –Sex verändertalles

14.20, 16.55;MeinLotta-Leben–Alles

Bingo mit Flamingo! 14.35; Playmobil: Der Film

14.40; Es: Kapitel II 16.20, 20.00, 22.00; AToy

Story:Alles hörtauf kein Kommando 16.30; Rambo

5: Last Blood 17.15, 20.10, 22.45; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 17.20; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.25, 22.40; Gut gegen Nordwind

19.30; Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot

19.55, 23.15; Ad Astra –Zuden Sternen 19.55,

23.00; Midsommar 20.00, 22.30; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 23.10; Angel Has Fallen 23.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Downton

Abbey 14.00, 17.00, 19.30, 22.30; Der König

der Löwen 14.10; Everest 14.15,14.40;AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.20; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.30, 17.00; Angry

Birds 214.30, 17.20; AdAstra 16.45, 19.50,

23.00; Rambo 5:Last Blood 16.50, 19.50,22.45;

3D: Everest 17.00; Es II 17.00,20.30,22.20; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.30; Midsommar

19.30,22.45; FirincininKarisi (OmU)19.45, 22.30

City Kino Wedding (& 01 77/270 19 76) FavouritesFilm

Festival: Paper Flags 19.00;Favourites Film

Festival: First Reformed 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 4714001) Russisch.dok: Stadt

M–Gorod M(OmenglU; m. Vorfilm) 18.00

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Downton Abbey

17.15, 20.00; Captain Fantastic –Einmal Wildnis

und zurück (OF) 10.30; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 13.30, 15.45; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Gut gegen Nordwind 20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Frau Stern

16.00; Mein Leben mit Amanda 18.00; Diego Maradona

20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) The White Crow

15.00,20.15; Gut gegen Nordwind 17.30

ZEHLENDORF

Bali (& 811 4678) Die kleinen Hexenjäger 16.00;

Leid und Herrlichkeit (OmU) 18.00; Rocketman

(OmU) 20.30

Capitol (& 831 6417) The White Crow 15.00,

20.30; Systemsprenger 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12)

Mauerfahrt (m. Kurzfilm u. Gast) 14.00; Das Versprechen

(m. Gast) 15.45; Wir sind jung. Wir sind

stark. (m. Gast) 18.15; Männerfreundschaften (m.

Gast) 20.45

Thalia Potsdam (& 03 31/743 7020) Angry Birds

213.45, 16.00; Undder Zukunft zugewandt14.00;

Moving History: Goldrausch 14.00; Downton Abbey

(OmU) 15.00, 18.30; Moving History: Nie wieder

schlafen 16.15; Moving History: Open Memory

Box 16.30; Systemsprenger 17.30, 21.00; The

White Crow 18.15; Moving History: Welche Bilder

bleiben? 18.30; Moving History: Die Unberührbare

20.00; Gelobt sei Gott 20.45; Once Upon aTime

in...Hollywood (OmU) 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70) Der

König der Löwen 13.40, 16.45; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 13.45, 16.50; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 13.45; Downton

Abbey13.55,16.55,19.55;Angry Birds2:Der Film

14.00, 16.40; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

14.00; Playmobil: Der Film 14.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15, 17.15; Es: Kapitel

II 16.10, 19.40; Ad Astra –Zuden Sternen 16.30,

20.00; Rambo 5: Last Blood 16.55; Midsommar

19.40; Gut gegen Nordwind 19.45; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.50; Sneak Preview 20.00;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 20.10

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/2798877) AngryBirds

2: Der Film 15.45; Downton Abbey 17.45,20.20

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Blinded by the Light 17.15; Late Night –Die Show

ihres Lebens 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/703 02 00) Everest

14.00; AToy Story 14.00, 17.00; Pets II 14.20;

Good Boys 14.20; Gut gegen Nordwind 14.30,

20.00; Get Lucky 14.45, 16.05; Downton Abbey

14.45, 17.20, 19.50; Der König der Löwen 14.50;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 15.00, 17.15, 19.30;

Angry Birds 215.00; 3D: Everest 16.20, 18.10;

Es: Kapitel II 16.45, 19.45; Rambo 5:Last Blood

17.15, 20.30; Mein Lotta-Leben 17.15; 3D: Der

König der Löwen 17.30; 3D: Angry Birds 217.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.50; AdAstra

20.00; Midsommar 20.10; Ready orNot? 20.15;

Angel Has Fallen 20.20

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 5454) Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 15.30; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 15.30, 18.00; Angry Birds 2:

Der Film 15.30; Downton Abbey 17.45, 20.30; 3D:

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 18.00; Gut gegen

Nordwind 20.30; Es: Kapitel II 20.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 4828)

Spatzenkino: Überraschung! 10.00, 11.15; 3D:

Angry Birds 2: Der Film 15.00, 17.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 15.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 15.15; 3D: Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 17.15; Der König der Löwen

17.20; Gut gegen Nordwind 19.45; Angel Has Fallen

20.00; Ad Astra –Zuden Sternen 20.05; Es:

Kapitel II 20.15

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 15.00; Der König der Löwen

15.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 17.30;

Mustang (OmU) 19.00; Gut gegen Nordwind 20.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Netzwerk

WERKSTATT

Die Wirkung

des blauen

Handylichts

VonDaniel Dangelmaier

Als Smartphone-Nutzer kann einem

angst und bange werden:

Immer wieder wird inden Medien

vor den gesundheitlichen Auswirkungen

des sogenannten blauen

Lichts der Bildschirme gewarnt. Ist

es wirklich so schädlich?

Das blaue Licht kennt die Physik

als hochenergetisches sichtbares

Licht, das im Spektrum direkt neben

der Ultraviolett-Strahlung liegt. In der

Natur wirdesbreit gestreut und sorgt

dafür, dass der Himmel blau erscheint.

Neben der Sonne generieren

auch Laptops,Tablet-PCs und Mobiltelefone

dieses blaue Licht. Die Hersteller

nutzen dessen Leuchtkraft, um

ein helles und farbintensives Bild auf

dem Display zu erzeugen.

Wie sich die künstliche Strahlung

langfristig auf den Menschen auswirkt,

ist noch nicht hinreichend erforscht.

Allerdings warnen Experten

schon vor potenziellen Auswirkungen.Wissenschaftler

haben zum Beispiel

bereits nachgewiesen, dass

blaues Licht die Bildung von freien

Radikalen fördern kann. Dabei handelt

es sich um instabile Sauerstoffmoleküle,

die Hautzellen angreifen

und altern lassen. Andere Studienreihen

offenbarten negative Effekte

von Lichtquellen mit höherem

blauen Lichtanteil auf unsereAugen.

Wenn blaues Licht lange auf die Zellen

der Netzhaut trifft, entstehen giftige

Moleküle, heißt es in Auswertungen.

Auf Dauer würden deshalb

die Zellen absterben, was letztlich

zur Erblindung führen könne.

Und schließlich machen große

Teile der Wissenschaft das Blaulicht

für etwaige Schlafstörungen verantwortlich.

Denn wer abends in der

Dunkelheit auf einen hellen Bildschirmschaut,

nimmt übermäßig viel

blaues Licht auf. Dadurch senkt der

Körper den Ausstoß des Schlafhormons

Melatonin und stellt gleichzeitig

die innere Uhr von Nacht auf Tag.

Die Forscher gehen davon aus, dass

Nutzer dann schlechter schlafen,

morgens müde sind und mit Konzentrationsschwächen

sowie Kopfschmerzenzukämpfen

haben.

Wohlbemerkt: Auch wenn die

Thesen der Experten in der Theorie

schlüssig sind, gibt es noch keine belastbaren

Daten, die sie untermauern.

In der Praxis können Faktoren

wie das allgemeine Befinden oder

der emotionale Zustand vor dem

Einschlafen zu ganz anderen Ergebnissen

führen. Häufig betonen Wissenschaftler

sogar, dass eine Gesundheitsgefährdung

beim normalen

Umgang mit LED-Geräten nicht

zu erwarten ist –zumal wir selbst an

einem bewölkten Tag30-mal mehr

blaues Licht von der Sonne absorbieren

als voneinem Display.

Dennoch ist vor allem bei übermäßigem

Gebrauch von Smartphones

und Tablets Vorsicht geboten.

Displayschutzfolien, Monitore und

spezielle Brillen mit Blaulichtfilter

können helfen. Unter iOS oder Android

gibt es vonHaus aus einen softwarebasierten

Blau-Schutz. Über die

„Anzeige“-Optionen lässt sich ein

Nachtmodus aktivieren, der den

Blauanteil reduziert. Im Google Play

Store finden sich zudem Filter-Apps

wie Twilight oder iBlue.

Daniel Dangelmaier

schreibt seit 17 Jahren über

Digitales.

Diät-Lollis und coole E-Zigaretten –jenach Popularität können Influencer 5000 Dollar und mehr mit einem einzigen Foto verdienen. PAOLO CIRIO/CARLY ERIN O’NEIL (3)

Verführerische Wirkung

Der italienische Künstler Paolo Cirio entlarvt Influencer und ihre versteckte Werbung

VonTilman Baumgärtel

Der Lolli, den sich Kim

Kardashian auf einem

Bild auf ihrem Instagram-Account

zwischen

die aufgespritzen Lippen schiebt,

sieht zunächst harmlos aus –einfach

ein roter Lutscher an einer weißen

Stange.Doch tatsächlich ist das Ding

angeblich ein Mittel zum Abnehmen.

Er gehört zu einer ganzen

Reihe vonProdukten, die unter dem

Markennamen Flat Tummy als Appetitzügler

dienen soll. Wersoeinen

Lolli lutscht oder eine Mahlzeit

durch einen Proteinshake der Firma

ersetzt, soll angeblich keinen Hunger

mehr verspüren und so schnell

Gewicht verlieren können.

Verbraucherschützer sehen das

anders: Für sie ist Flat Tummy ein

starkes Abführmittel, das Durchfall,

Magenkrämpfe und Kopfschmerzen

auslösen kann. Wersolche Produkte

nutzt, kann zwar wirklich kurzzeitig

Gewicht verlieren. Aber sobald man

die kostspieligen Mittel absetzt,

kommt der Hunger zurück –oft sogar

stärker als zuvor.

DasLogo deutlich sichtbar

Flat Tummy ist eine der Firmen, mit

denen KimKardashian einenWerbevertrag

hat. Und sobeglückt sie ihre

120 Millionen Follower auf Instagram,

darunter Kinder und Jugendliche,

regelmäßig mit Werbung für

Produkte des Unternehmens.

Cirio will solche Manipulationen

nicht hinnehmen. Der italienische

Künstler,der in NewYorklebt, hat unter

dem Titel „Ambition“ eine Serie

vonArbeiten geschaffen, die sich mit

den unethischen Werbepraktiken internationaler

Influencer beschäftigt.

Siesind zurzeit in der Berliner Galerie

NOME zu sehen. Cirio hat Instagram

gezielt nach Werbung für gefährliche

Produkte und Schleichwerbung

durchsucht. Da sitzt dann die Russin

Alina Tapilina mit Wodka in der Hand

und grimassiert indie Kamera, der

Grieche Konstantinos Papathomas

zieht an einer E-Zigarette.

Oft ist nicht klar zu erkennen, ob

es sich um bezahlte Präsentationen

handelt, oder ob die TschechinVanda

Janda einfach zufällig gerade einen

Milkshake von McDonald’s in der

Hand hatte, als sie ein Foto von sich

mit dem Rest derWelt teilte –sodeutlich

wie das Logo der Fast-Food-Kette

zu sehen ist, ist es allerdings höchstwahrscheinlich

bezahlte Werbung. Je

nach Popularität eines Influencers

kann man so 5000 Dollar und mehr

mit einem einzigen Foto verdienen.

ZUR PERSON

Paolo Cirio: ImageRights,bis zum 16. Oktober in der NOME GalleryinKreuzberg.

Im Internet unter:paolocirio.net

Die Internetadresse influencers-watch.org führtzueiner Website, die der 40-jährigeKonzeptkünstler,Hacker

und Kulturkritiker zusammen mit der Universität Maastricht entwickelt hat.

Hier soll eine Datenbank entstehen, in der Beispiele für Schleichwerbung und Promotion von

zweifelhaften Produkten in den sozialen Medien gesammelt werden.

DieBilder hat Cirio auf Glasscheiben

aufgezogen und so arrangiert,

dass Bildelemente, die die verführerische

Wirkung der Aufnahmen ausmachen,

stärker ins Auge fallen. Weil

ihm aber klar ist, dass er mit einer

Galerieausstellung kaum die eigentliche

Zielgruppe von Instagram erreicht,

hat er die Bilder auch auf Poster

gedruckt und in Berlin im Stadtraum

geklebt. DieStreet-Art-Version

der Arbeit würde von Jugendlichen

zur Kenntnis genommen, die so versiert

inder Analyse solcher Bildbotschaften

seien, dass sie auch die versteckte

Werbung wahrnehmen würden,

glaubt Cirio.

DasWerk von Cirio kreist um unethische

Methoden, mit denen Internetunternehmen

Geld verdienen

wollen. Oft nutzt er dabei die Methoden

eines Hackers: Für sein Projekt

„Face to Facebook“ von 2011 lud er

Permira macht Kasse mit Teamviewer

250 000 Porträtbilder aus dem sozialen

Netzwerk herunter und fütterte

damit eine Pseudo-Datingseite, die

er selbst programmiert hatte. Der

Aufschrei war groß. Facebook

musste sich für den achtlosen Umgang

mit den Fotos seiner Nutzer

entschuldigen und die gravierenden

Sicherheitslücken schließen, die die

Aktion erst ermöglicht hatten.

Reste an Wänden in Kreuzberg

Cirios bekannteste Arbeit sind aber

die „Streetghosts“. Hier vergrößerte

er die Bilder von Passanten, die unfreiwillig

für Google Street View fotografiert

worden waren, auf Lebensgröße.

Die verpixelten Konterfeis

klebte er an die Wände, vor denen

diese Leute aufgenommen worden

waren, ohne dass man sie je um Erlaubnis

gefragt hätte. An einigen

Wänden in Kreuzberg finden sich

noch Restedieser Arbeit.

Auch in deranderen Arbeit, die in

Berlin zu sehen ist, legt sich Cirio mit

einem internationalen Medienunternehmen

an. In der Datenbank der

Fotoagentur Getty Images hat er Bilder

gefunden, die aus dem amerikanischen

Nationalarchiv und von der

Website des Weißen Hauses stammen.

Eigentlich sind diese Aufnahmen

urheberrechtsfrei. Wersie aber

von Getty bezieht, um sie zu veröffentlichen,

zahlt an die Firma.

Cirio hat die Bilder mit allen Informationen

zu Rechteinhaber und

Fotograf ausgedruckt und weiß gerahmt.

„Gerahmt durch Paolo Cirio“

sind diese Bilder nun für 1500 Euro

in der Galerie zu erwerben –ein böser

Scherz über Unternehmen, die

aus geistigem Eigentum anderer Gewinne

beziehen.

Finanzinvestor bringt schwäbischen Softwareentwickler an die Börse und streicht zwei Milliarden Euro ein

Die Entwicklung geschah eigentlich

aus Eigennutz. Um sich mittels

Ferndiagnose von Computer zu

Computer die oft langen Wege zu

Kunden seiner Softwarefirma zu ersparen,

hatte Tilo Rossmanith 2005

die Software Teamviewer entwickelt.

Aus dem gleichnamigen Unternehmen

ist Rossmanith längst ausgestiegen

–möglicherweise zu früh. Denn

inzwischen beschäftigt Teamviewer

rund 800 Mitarbeiter in Europa, den

USA und Asien und ist mehr als fünf

Milliarden Euro wert. Ein Einhorn,

wie man Start-ups nennt, die einen

Milliardenwert erreichen, war Teamviewer

schon vorJahren.

Am Mittwoch wagte sich das

Technologieunternehmen auf das

Parkett der Frankfurter Börse –mit

Erfolg. Der Eigner von

Teamviewer,der Finanzinvestor

Permira,

konnte für die 84 Millionen

Aktien 2,21 Milliarden

Euro einstreichen.

Damit hat sich die Investition

für Permira mehr

als gelohnt. Permira

hatte Teamviewer 2014

für 870 Millionen Euro

gekauft. Nunkonnte der

Teamviewer AG

Kurs in Euro, 25.9.19

26,5

26,0

25,5

25,0

9Uhr

Investor mit dem Teilverkauf seiner

Aktien Kasse machen –und bleibt

gleichzeitig mit gut 60 Prozent als

Großaktionär engagiert.

Zum Handelsstart lagen die Papiere

zwar unter dem Ausgabepreis

von 26,25 Euro. Dennoch sind die

Aussichten gut. Für dieses Jahr erhofft

25,3

17 Uhr

BLZ/GALANTY

sichTeamviewerWachstumsraten

von bis zu 39

Prozent bei den in Rechnung

gestellten Umsätzen

und war zuletzt äußerst

profitabel. Vom

Emissionserlös sieht die

Firma selbst nichts, der

geht an Permira. Die

Milliarden benötigt

Teamviewer nach den

Worten von Finanzchef

Stefan Gaiser aber auch nicht. „Wir

brauchen ja kein zusätzliches Geld

für unserWachstum. Dasschaffen wir

aus eigener Kraft.“

Das Unternehmen bietet nicht

nur die Software zur Fernwartung,

sondernauch Programme für Videokonferenzen.„Wir

rechnen nach dem

Börsengang mit mehr Aufmerksamkeit,

vor allem im Großkundenbereich“,

sagte Gaiser. Die Konjunkturabkühlung

fürchtet die Firma nicht.

Denn ihre Programme werden von

Firmen gerade in Zeiten des Abschwungs

gerne genutzt, um Reisekosten

zu sparen. Teamviewer bietet

seine Programme bereits im Aboan–

eine Umstellung, die andereSoftwarefirmen

noch vorsichhaben.

Derzeit haben die Göppinger

rund 368 000 Abonnenten –mehrals

doppelt so viele wie im Juni 2018. Die

Software, die in der Basisversion für

Privatkunden kostenlos ist und bleiben

soll, wurde schon zwei Milliarden

Mal installiert. Mehr als 360 000

Abonnenten zahlen für das Programm

laut Börsenprospekt. (dpa)

Naziparolen auf

Handyspielen

für Kinder

Stiftung Warentest

untersucht 14 Apps

Ineinigen Handyspielen für Kinder

finden sich nach Angaben vonExperten

Naziparolen und Pornografie.

Tester der Stiftung Warentest stießen

bei 14 geprüften Spieleapps auf Verweise

auf Pornoseiten, Mitspieler

mit rechtsextremen Pseudonymen

wie „SiegHeil“ und ein Spiel, in dem

„böse Juden“ getötet werden sollen,

wie die Verbraucherorganisation am

Dienstag in Berlin mitteilte. Ineiner

Appfür Sechsjährige gab esWerbung

für ein Spiel, in dem unablässig Menschen

erschossen werden.

Auch verleiten viele Apps zu teurenKäufen,

mit denen innerhalb von

Apps zusätzliche Inhalte oder Dienste

gekauft werden sollen wie Rohstoffe

oder Kostüme für Spielfiguren. Oft

seien die Kosten sehr intransparent.

Darauf beruht das Geschäftsmodell

bei Gratisapps.Keines der 14 Handyspiele

für Kinder, darunter „Minecraft“,„Clash

of Clans“ oder„Fortnite“,

kann die Stiftung Warentest empfehlen.

13 stufte sie sogar als inakzeptabel

ein. Das laut Warentest „am wenigsten

schlimme“ Spiel, „Pokémon

Go“,wurde als bedenklich eingestuft.

Dieallgemeinen Geschäftsbedingungen

der meisten Apps enthalten

der Untersuchung zufolge unzulässige

Klauseln und lassen sich etwa

bestätigen, dass man einer Überwachung

zustimmt und keine Privatsphäre

erwartet. Keine einzige Datenschutzerklärung

erfülle die gesetzliche

Forderung, die Hinweise

zum Datenschutz in einer einfachen

kindgerechten Sprache zu geben.

Die Untersuchung zum Kinderschutz

in Spieleapps nahmen die

Tester gemeinsam mit Jugendschutz.net

vor. (AFP)

Kinder verbringen viel Zeit mit Smartphones.

Elternsind deshalb besorgt. IMAGO

Wenn das Kind

ungestört lernen

kann

Drei Viertel der Eltern für

Handyverbot an Schulen

DreiViertel der Elternsind laut einer

Umfrage für ein Handyverbot

an Schulen. Dashabe eine nachträgliche

Auswertung des „Deutschen

Schulbarometers“ ergeben,

teilte die Zeit-Verlagsgruppe am

Mittwoch in Hamburgmit.

In der repräsentativen Befragung

im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung

in Kooperation mit der Verlagsgruppe

sprachen sich 76 Prozent der

befragten Väter und Mütter dafür

aus, ihren Kindern die private Nutzung

von Handys in der Schule zu

verbieten. An Grundschulen sowie

Haupt-,Real- und Mittelschulen befürworteten

sogar 82 Prozent der Eltern

ein solches Verbot, an Gymnasien

sowie Gesamt- und Gemeinschaftsschulen

nur 68 Prozent.

In Frankreich müssen Schüler seit

einem Jahr ihre Mobiltelefone ausschalten,

wenn sie die Schule betreten,

wie es in einem Bericht zu der

Umfrage hieß. In Deutschland gibt es

ein solches Verbot nur in Bayern.Das

bayerische Kultusministerium strebe

jedoch eine Lockerung des seit 2006

geltenden Gesetzes an. (dpa)


Herbst 2019 4,50 €

Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) LivenachNeun 9.55 (für

HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG)Meister des

Alltags 11.15 (für HG)Gefragt –Gejagt 12.00 (für

HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00

(für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für

HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt

nach Meer. Traumhochzeit in NewYork 17.00 (für

HG) Tagesschau 17.15 Brisant 18.00 (für HG)Gefragt

–Gejagt 18.50 (für HG) In aller Freundschaft –

Die jungenÄrzte. Soll und Haben 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Mensch 19.55 (für HG)Börse

voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Der Bozen-Krimi: Gegen die

Zeit TV-Kriminalfilm, D2019

Mit Chiara Schoras, Tobias Oertel, Tim

Bergmann u.a.

Regie: Thorsten Näter

21.45 (für HG) Kontraste

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Nuhr im Ersten

Gäste: Lisa Eckhard, Monika Gruber,

IngoAppelt, Torsten Sträter

Moderation: Dieter Nuhr

23.30 (für HG) Mittermeier!

Gast: Maxi Gstettenbauer

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Susanna Ohlen, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 16.00 Mensch Papa! Väter

allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf. Krimiserie

17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv

–Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Star-

Magazin. Moderation: Frauke Ludowig 18.45

aktuell 19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap

19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 (für HG) Alarm für Cobra 11 –Die

Autobahnpolizei

Zoé. Actionserie. Mit ErdoganAtalay,

Daniel Roesner,Katja Woywood u.a.

21.15 Alarm für Cobra 11 –Die Autobahnpolizei

Gefangen.Actionserie

22.15 Der Knastarzt

Geiselnahme. Dramaserie

23.10 Männer! Alles auf Anfang

Liebesblues. Comedyserie

0.00 Nachtjournal

0.30 (für HG) Alarm für Cobra 11 –Die

Autobahnpolizei Zoé. Actionserie

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR ABENTEUER

Arte

14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) MDR

um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00 Regional

19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für HG)

Mach dich ran –Spezial 20.15 (für HG) Lebensretter

21.00 (für HG) Hauptsache gesund

21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG) artour

22.35 (für HG) Nah dran 23.05 (für HG)

Hans-Dietrich Genscher 23.35 (für HG) Leidenschaft

und Pflicht und Liebe 0.30 (für HG)

Lebensretter 1.15 (für HG) Hauptsache gesund

Bayern

14.45 (für HG) Wer weiß denn sowas? 15.30

(für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) mehr/wert 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) quer 21.00 Schlachthof. Live 21.45

(für HG) Rundschau Magazin 22.00 Ringlstetter

22.45 (für HG) Wir sind die Neuen. Komödie,

D2014 0.10 Woidboyz on the Road 0.40

Startrampe 1.10 Heimatsound Concerts

Vox

15.00 Shopping Queen 16.00 Die schönste

Braut 17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00

First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für HG)

Guardians of the Galaxy. Actionfilm, USA 2014

22.40 (für HG) Antigang –ImSchatten des

Verbrechens. Drama,F/GB 2015 0.25 nachrichten

0.45 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Hund, Katze,

Mord 1.35 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Eigen Fleisch

und Blut

Super RTL

13.10 Polly Pocket 13.35 Angelo! 14.15 Die

Tomund Jerry Show 14.55 Dragons –Auf zu

neuen Ufern 15.20 Mr.Bean –Die Cartoon-

Serie 15.50 ALVINNN!!! und die Chipmunks

16.20 Zig &Sharko –Meerjungfrauen frisst

man nicht! 16.45 Die Nektons –Abenteurer

der Tiefe 17.10 Angelo! 17.40 Zak Storm –

Super Pirat 18.10 Die Tomund Jerry Show

18.45 Woozle Goozle 19.10 ALVINNN!!! und

die Chipmunks 19.40 Angelo! 20.15 (für HG)

CSI: Miami 21.10 (für HG) CSI: Miami 22.25

(für HG) CSI: Miami 23.20 (für HG) CSI: Miami

Sport1

15.30 Storage Hunters. Steinreich 16.30 StorageWars

–Geschäfte in Kanada. Roys Rollenspiel

17.30 Poker 18.30 Sport1 News 19.00

Timbersports: Deutsche Meisterschaft 20.00

Sport1 News 20.15 Storage Wars –Geschäfte

in Miami. Ausgespielt 21.15 StorageWars –

Geschäfte inMiami (3). Karte zum Glück

21.45 Storage Wars –Geschäfte in Miami.

Kopfschutzjäger 22.15 Die PS-Profis –Mehr

Power aus dem Pott. Der korrekte Dreier 23.15

Sport1 News 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –

Service täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Jasmins Fall 11.15 (für HG) SOKOWismar.

Laura 12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00

(für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops. Mörderische

Schatzsuche 17.00 (für HG) heute 17.10 (für

HG) hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute

heute 18.00 (für HG) SOKO Stuttgart. Hopp &

Ex 19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG) Notruf

Hafenkante. Erster Einsatz

20.15 (für HG) Lena Lorenz

Geschwisterliebe

Unterhaltungsserie

Mit Judith Hoersch, Eva Mattes, Fred

Stillkrauth u.a.

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) maybrit illner

Abschwung,Jobs und Klimarettung –

riskieren wir unseren Wohlstand?

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 Gätjens großes Kino

1.05 (für HG) Heldt Keiner von uns

5.30 Frühstücksfernsehen. Benjamin Bieneck.

Moderation: Matthias Killing,Alina Merkau

10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan

Lucas, Alexander Stephens, Isabella Schulien

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan

Lucas, Alexander Stephens, Isabella Schulien

12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im

Einsatz 14.00 Auf Streife 15.00 Auf Streife –

Die Spezialisten 16.00 Klinik am Südring

17.00 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial daneben

–Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Criminal Minds

Lake Palmer.Krimiserie

Mit Joe Mantegna, A.J.Cook, Kirsten

Vangsness u.a.

21.15 Criminal Minds

Land der Freiheit. Krimiserie

22.15 Bull Die Wege des Herrn.Krimiserie

23.15 Bull Claire und Randy.Krimiserie

0.10 Criminal Minds

Sturmjäger.Krimiserie

1.00 Criminal Minds

Schmetterlinge. Krimiserie

1.45 Criminal Minds Lake Palmer

14.05 (für HG) Papageien, Palmen &Co.

14.30 (für HG) In aller Freundschaft 15.15

(für HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG)

Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Ihre Meinung. Live 21.45 (für HG) Aktuell

22.10 (für HG) Frau tv 22.40 (für HG) Menschen

hautnah 23.25 (für HG) High-Rise. Sci-

Fi-Film, GB 2015 1.20 (für HG) Ihre Meinung

2.50 Erlebnisreisen 3.00 Lokalzeit aus Köln

NDR

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG)

Typisch! 18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Länder –Menschen –Abenteuer

21.00 (für HG) Länder –Menschen –Abenteuer

21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für HG) Herzblut.

Ein Kluftingerkrimi. TV-Kriminalfilm, D

2016 23.30 (für HG) Zerrissene Umarmungen.

Drama, E2009 1.30 (für HG) Spiekeroog...

mit Judith Rakers

Kabel eins

13.05 Castle 13.55 The Mentalist 14.55 Navy

CIS: L.A. 15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal,

Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55 Quiz mit

Biss 20.15 Achtung Abzocke –Peter Giesel rettet

den Urlaub 22.20 K1 Magazin. Wenn die

Reise zum Albtraum wird: Peter Giesels härteste

Abzocke-Fälle /Straßensanierung in Hessen:

Wer zahlt Gebäudeschäden? /Thermomix

gegen Profikoch 23.20 Trucker Babes –400

PS in Frauenhand 1.15 Late News 1.20 Mein

Revier. Ordnungshüter räumen auf

RTL 2

7.55 Frauentausch 9.55 Frauentausch 11.55

Die Wollnys –Eine schrecklich große Familie!

12.55 Die Wollnys –Eine schrecklich große

Familie! 13.50 Traumfrau gesucht 14.55

Traumfrau gesucht 16.00 Der Trödeltrupp –

Fundstücke 17.00 News 17.05 Krass Schule –

Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667 19.00

Love Island Flash 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 Frauentausch 22.15 Love Island –Heiße

Flirts und wahre Liebe 23.45 Reeperbahn

Privat! Das wahre Leben auf dem Kiez 1.40

Love Island –Heiße Flirts und wahre Liebe

Eurosport 1

8.25 Snooker:World Main Tour 11.30 Snooker:

World Main Tour. China Championship: 4.

Tag 13.10 Radsport: Straßen-WM. Straßenrennen

Junioren 16.50 Tennis: Laver Cup 17.50

Radsport: Straßen-WM 19.00 Radsport: Straßen-Weltmeisterschaften

20.00 Eurosport

News 20.15 Snooker:World Main Tour. China

Championship: 4. Tag 22.00 Eurosport News

22.05 EWC All Access 22.35 Radsport: Straßen-WM

23.30 Radsport: Straßen-WM. Straßenrennen

Junioren 1.30 Pause

VOX, 20.15 UHR ACTIONFILM

Guardians of the Galaxy

Als Kind wurde der jungePeter Quill (Chris Pratt) in die Weiten der Galaxieentführt.

Als Erwachsener führtder eitle Outlawhier unter dem Namen

„Star-Lord“ ein Dasein als Weltraumbandit.Als der Ganove eines Tagesauf einem

seiner Beutezügeeine seltsame Kugelmitgehen lässt,bekommteresmit

dem MuskelprotzDrax, dem einsilbigen, baumähnlichen WesenGroot,der grünen

Killeramazone Gamoraund dem waffenverliebten Waschbär Rocketzutun.

Bald schon müssen sichdie fünf ungleichen Charakterköpfe notgedrungenzusammentun,

um sich einem noch größeren Gegner zu stellen, der nichtwenigerwill,

als die komplette Galaxie auszulöschen. Vergnügliche und turbulente

Space-Opera, die sichauf erfrischende Weisevon den bisherigen Marvel-Verfilmungen

absetzt. 2017 kameine Fortsetzungder Sci-Fi-Komödie in die Kinos.

(USA/2014)

Foto: VOX

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DAS ERSTE, 20.15 UHR

UND

DASMAGAZIN DES

BUNDESLIGA!

EineRundreise

durch Unions

neue Fussballwelt

EISERN ANTWORTEN

Die Abwehrspieler Neven Subotic und

Marvin FriedrichimDoppelinterview

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leidenschaftlicher FanimPorträt

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6

1 7 3

9 7 2

5 8

6 1 5

3 5 7

8 9

4 2

MIT DIAGONALEN –SCHWER

8 3

9 1

4

2

3 2 4

7 9

7 1 5 3

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AUFLÖSUNG

VOM 25. 9. 2019

MITTEL

AUFLÖSUNG

VOM 25. 9. 2019

SCHWER

6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach

Meer 14.00 Mein Traum vom Hof 14.45 Unsere

köstliche Heimat 15.00 Heute im Parlament.

Live 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn

sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &

Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das

Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin

&brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Abendshow

Live aus Berlin

21.00 Quizduell –Der Olymp

Kandidaten: Guido Cantz, RuthMoschner

Moderation: Jörg Pilawa

21.45 rbb24

22.00 Polizeiruf 110

Vergewaltigt.TV-Kriminalfilm, D2005

Mit Imogen Kogge, Horst Krause u.a.

23.30 Talk aus Berlin

0.00 Deutscher Radiopreis 2019

Mit FrankWalter Steinmeier (Bundespräsident

derBundesrepublik Deutschland)

ProSieben

11.55 2BrokeGirls. Gemixte Gefühle/Straßenkakao.

Comedyserie 12.50 Mom. Die furchtbare

Professorin. Comedyserie 13.15 Twoand aHalf

Men. Kein Truthahnhals fürOma/Riech malam

Schirmständer/Der vergessene Sohn. Comedyserie

14.40 The Middle. Die falsche Freundin/

Die Heck-Männer.Comedyserie 15.35 The Big

Bang Theory. Kleines Gefäß mitHonig/Die Geschenk-Hypothese/Monte

der Roboter.Comedyserie

17.00 taff. Moderation: Annemarie Carpendale,

Christian Düren 18.00 Newstime

18.10 Die Simpsons. Aufder Jagd nach dem

Juwel vonSpringfield/Im Namen desGroßvaters.

Zeichentrickserie 19.05 Galileo. X-Days Zimternte.

Moderation: Aiman Abdallah

20.15 (für HG) The Voice of Germany

Blind Audition (5/9)

Jury: Alice Merton, Mark Forster,Rea

Garvey,Sido

Moderation: Lena Gercke, Thore

Schölermann

22.50 red.

Alice Mertons Erfolgsgeheimnis

23.50 (für HG) The Voice of Germany

Blind Audition (5/9)

2.05 The Voice: Comeback Stage bySEAT

Mit Nico Santos

2.20 red. Alice Mertons Erfolgsgeheimnis

15.50 Magic Cities 16.45 (für HG) X:enius

17.10 (für HG) Reinhold Messner –Heimat. Berge.Abenteuer

17.40 Unterwegs auf dem Inka-

Trail 18.35 (für HG) HöllischeParadiese! 19.20

Arte Journal 19.40 Re: 20.15 (für HG) El Hierro

–Mordauf den Kanarischen Inseln 21.05 (für

HG) El Hierro –Mord auf den KanarischenInseln

22.00 (für HG) El Hierro–Mordauf den Kanarischen

Inseln 22.50 Gefährliche Seilschaften

23.50 Gefährliche Seilschaften 0.50 Gefährliche

Seilschaften 1.45 Gefährliche Seilschaften

2.45 Gefährliche Seilschaften

3Sat

13.15 Costa Rica: Mittelamerikas grüne Schatzkammer

14.00 Jamaika –Die wildeSchöne der

Karibik 14.45 Kolumbien 15.30 (für HG) Wunderschön!

17.00 (für HG) Karibische Träume –

Die Dominikanische Republik 18.30 nano 19.00

(für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Schatzkammer Regenwald –

Der Manu-Nationalpark in Peru 21.00 scobel

22.10 (für HG)ZIB 2 22.35 (für HG)Solitary

Man –Herzensbrechera.D.Tragikomödie, USA

2009 0.00 Meeresfrüchte. Komödie, F2005

1.30 10vor10 2.00 10vor10 extra

Phoenix

8.45 phoenix tagesgespräch 9.00 Bundestag

live. Live 17.30 phoenix der tag 18.00 Die

gezielte Manipulation –Fake-News-Macher im

Netz 18.30 (für HG) Camilla, Kate und Meghan

–drei Herzoginnen für die Krone 19.15

(für HG) Mythos Monaco 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Wahl 2019 Österreich wählt. Live

22.00 (für HG) phoenix runde 23.00 phoenix

der tag 0.00 phoenix runde 0.45 (für HG) Alte

Bündnisse –neue Bedrohungen 1.30 (für HG)

Das Atomwaffen-Kartell –Ende der Abrüstung?

2.15 Die Gesten der Mächtigen 3.00 Kosovo

Kika

11.35 Die unglaublichen Abenteuer vonBlinky

Bill 12.00 (für HG) Tashi 12.25 The Garfield

Show 12.50 (für HG) Insectibles 13.15 4½

Freunde 13.40 (für HG) DiePfefferkörner 14.10

Schloss Einstein 15.00 Jamie Johnson 16.00

Ein Fall für TKKG 16.50 (für HG) Geronimo Stilton

17.35 (für HG) Belle und Sebastian 18.00

Der kleine Nick 18.15 Kleine lustigeKrabbler

18.35 Elefantastisch! 18.50 Sandmann 19.00

Tib&Tumtum 19.25 (für HG) Timster 19.50 (für

HG) logo! 20.00 (für HG) KiKA Live 20.10 (für

HG) StarkeKinder –StarkeKlasse

Dmax

9.50 Infomercial 10.15 BaggageBattles–Die

Koffer-Jäger 11.10 HighwayCops 12.15 Border

Control –Spaniens Grenzschützer 13.15 Canada

Airport–Flughafen extrem 14.15 Abenteuer

Survival 15.15 Ed Stafford –Das nackte Überleben

16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15 Asphalt-Cowboys

18.15 Steel Buddies –Stahlharte

Geschäfte 20.15 A2 –Abenteuer Autobahn

22.15 Warship –Einsatz fürdie RoyalNavy

23.10 DMAX News 23.15 Expedition ins Unbekannte

0.18 A2 –Abenteuer Autobahn

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.0

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Marktcheck 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Bauhaus in Brandenburg

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Die Heldenvon Prag 20.00 Tagesschau

20.15 Messerland Deutschland? 21.02 Maischberger

22.15 Plusminus 22.45 Die Tagesschau

vor 20 Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30 Kontras

te 0.00 Exakt 0.30 Weltbilder 1.00 Nachtmagazin

1.20 Saarland 4.0–Wie die Digitalisierung unser

Leben verändert 1.50 Brandenburg aktuell 2.20

Thüringen-Journal 2.50 Extra 3.02 SWR Landesschau

Rheinland-Pfalz 3.47 Extra

ONE

11.05 Großstadtrevier 11.55 Sturmder Liebe

12.40 Sturmder Liebe 13.30 Um Himmels Willen

14.20 MariaMafiosi. Komödie, D2017 15.50

Großstadtrevier 16.40 HotinCleveland 17.00 Ho

in Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Hartabe

herzlich 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder

Liebe 20.15 Inas Nacht 21.15 ComedyCuisine

22.00 Die Florian Schroeder Satireshow 22.45 D

PierreM.Krause Show 23.30 Simon Pearce –Liv

auf derBühne! 0.10 Hot in Cleveland 0.30 Hot in

Cleveland 0.50 ComedyCuisine 1.35 DieFlorian

Schroeder Satireshow 2.20 Die Pierre M. Krause

Show 3.05 Simon Pearce –Liveauf derBühne!

3.50 kinokino 4.05 Hart aber herzlich

ZDF NEO

5.50 TerraX6.35 TerraX7.20 TerraX8.05 Topfgeldjäger

9.00 Lafer! Lichter! Lecker! 9.45 Bares

für Rares 10.35 Baresfür Rares 11.30 Bares für

Rares –Lieblingsstücke 12.15 Monk 13.35 Psych

15.00 Monk 16.20 Psych 17.45 Bares fürRares

Lieblingsstücke 18.30 Bares fürRares 19.20 Bares

fürRares 20.15 LetzteSpurBerlin 21.00 Letz

te Spur Berlin 21.45 heute-show 22.15 Neo MagazinRoyale

23.00 La zona–Do notcross 23.55

La zona –Donot cross 0.50 Neo Magazin Royale

1.35 heute-show 2.05 (für HG)Modus –Der Mörder

in uns. TV-Kriminalfilm,S/DK/N/D/IRL2015

3.30 (für HG)Modus–Der Mörder in uns. TV-Kriminalfilm,

S/DK/N/D/IRL 2015

ZDF INFO

8.30 Tödliche Rennen–Viel PS und keine Skrupe

9.15 Crash Cops 10.00 Aufden Spuren der Automafia

–Luxuskarossen im Visier 10.45 Polizei

im Einsatz 11.30 (für HG)MeinHaus,mein Kiez,

mein Clan 12.15 Die innereUnsicherheit–Wenn

Bürger Streife gehen 13.00 (für HG)Deutschlands

große Clans 14.30 Rivalen 15.15 (für HG) No-Name

oder Marke? 16.00 (für HG)Deutschlands

große Clans 16.45 LeschsKosmos 17.15 Firmen

am Abgrund 18.45 (für HG)Leschs Kosmos 20.1

DasGeheimnisder dunklenEnergie 21.00 (für

HG)FaszinationUniversum 0.00 Aliens –Die Jagd

nach dem ersten Beweis 0.45 (für HG)heute-journal

1.15 Geheimnisse desKosmos

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Musikfest Berlin Mit Werken von Lachenmann,

Hosokawa, Eötvös, ca. 117 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Talente und Karrieren Das Bundesjugendorchester

bei Young Euro Classic 2019.,

ca. 56 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Historische Aufnahmen Sternstunden, ca. 45 Min

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(14/29). Es liest Johann von Bülow, ca. 30

Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(14/29), ca. 31 Minuten

MAGAZIN

14.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kompressor Das Popkulturmagazin. „Die Krän

kungen der Menschheit” –Premiere in den

Münchner Kammerspielen, ca. 55 Minuten

16.35 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Forschung aktuell Hyperspektrale Fernerkundung.Forschende

kartieren Riffe aus der Luft

Wie kreativ ist Künstliche Intelligenz? Bericht

von der 42. Deutschen Konferenz für KI in

Kassel, ca. 25 Minuten

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Unter der Drohung der Taliban. Präsidentschaftswahl

in Afghanistan /Indie Existenznot

gebombt, ca. 30 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

DLF –Zeitzeugen im Gespräch Birgit Wentzie

im Gespräch mit Joachim Gauck, Bundespräs

dent a.D., ca. 45 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Freispiel Kurzstrecke 90: Feature, Hörspiel,

Klangkunst. Wake up –eat –sleep. Von Julia

Gabel und Dinah Rothenberg,ca. 57 Minuten

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Perspektiven Eine Diskussion über Berliner

jüdische Geschichte,ca. 56 Minuten

23.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Fazit Kultur vomTage. Pionier der digitalen

Kultur: Große Ausstellung im ZKM zum 75. vo

Peter Weibel,ca. 55 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Jocelyn B. Smith., ca. 30 Minuten

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Das Duo Gianluigi

Trovesi &Gianni Coscia.,ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazzfacts Geschmeidig,ausladend,intim. Die

Vokalkunst der Laura Totenhagen., ca. 55 Min


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Markus Söder (52) kokettiertmit seiner

Bekanntheit –die ihm eigenen

Angaben zufolge nichts ausmacht.

„Mich störtesüberhaupt nicht,

wenn ich erkannt und angesprochen

werde–die meisten Menschen kommen

ja auch sehr freundlich auf einen

zu“, so der CSU-Vorsitzende

und bayerische Ministerpräsident in

der Bunten. Am häufigsten werdeer

beim Bäcker angesprochen –„denn

Brötchenholen ist meine Aufgabe“.

Wasdie Menschen dann zu ihm sagen,

darüber können wir an dieser

Stelle nur spekulieren. „Geh weggli“

oder „Hast’s wieder versemmelt?“

wird’sschon nicht sein.

LennyKravitz (55) vermisst seine

Sonnenbrille.Zwar dürfte der US-

Musiker unzählige Exemplarebesitzen,

aber dieses spezielle,nach einem

Auftritt in Los Angeles am Wochenende

abhanden gekommene,

ist von„besonderem sentimentalen

Wert“, wie Kravitz in seiner Suchmeldung

auf Twitter schreibt. „Sie ist

Vintage und hat einem Familienmitglied

gehört.“ Sachdienliche Hinweise

an jede Polizeidienststelle

oder an kravitzglasses@gmail.com.

Desmond Tutu (87) ist in den Genuss

gekommen, Baby Archie kennenzulernen.

Dersüdafrikanische Friedensnobelpreisträger

erlebte in Kapstadt

einen strahlenden, bestens

aufgelegten Vier-Monats-Fratz, der

sich bereitwillig herzen, stirnküssen

und bespaßen ließ. Schon jetzt ein

Höhepunkt der zehntägigen Afrikareise

vonPrinz Harryund Herzogin

Meghan. Davonkann Archie noch

seinen Enkeln erzählen! (avo.)

Der fremdelt nicht: Archie Mountbatten-

Windsor trifft Desmond Tutu. GETTY IMAGES

TIERE

Diese Fledermaus wurde vor dem

Hungertod gerettet. QUEENSLAND BATS

Bat News: Dieses Flattertier hat noch

Glück gehabt –eswurde vonTierschützerngerettet

und kann nun

aufgepäppelt werden. Vielen seiner

Artgenossen im Osten Australiens

ergeht es derzeit ungleich schlechter.

Durcheine anhaltende Dürreund

zahlreiche Buschbrände sind in den

Bundesstaaten Queensland und

NewSouth Wales bereits Hunderte

Flughunde und Fledermäuse verhungert–infreier

Wildbahn finden

sie keine Nahrung mehr.Teile der bei

Touristen beliebten Gold Coast sind

mit toten Tieren regelrecht übersät.

EinMassensterben mit Folgen,

schließlich spielen die fliegenden

Säuger als Bestäuber vonEukalyptusbäumen

eine wichtige Rolle in

Australiens Umwelt. Eukalyptus wiederum

ist die Hauptnahrung von

Koalas.Alarmierend! (avo.)

Wegen seiner ausladenden Architektur und seinen sechs Seitenarmen wird das Hauptgebäude des Flughafens Peking-Daxing auch „Seestern“ genannt.

Selbstverständlich war man

pünktlich in Peking. Die Eröffnung

des Riesenflughafens

Daxing am Mittwoch

fand nur wenige Tage von dem 70.

Jahrestag der Volksrepublik China

statt. Eine Verspätung wäreaus Sicht

der Staats- und Parteiführung nicht

nur unverzeihlich gewesen, sondern

erschien in dem drakonischen Vierjahresplan

für das Verkehrsprojekt

auch undenkbar. Ja, richtig gehört:

In nur vier Jahren wurde die als

Staatsakt angelegte Prestige- und

Propagandaunternehmung fertig.

Und innerhalb der nächsten vier

Jahrewirdder Betrieb dann mit jährlich

100 Millionen Passagieren und

auf insgesamt acht Rollfeldern voll

angelaufen sein.

In einer kurzen Eröffnungszeremonie

konnte sich Präsident Xi Jinping

angesichts des sorgfältig geplanten

und eingehaltenen Termins

und in Hinblick auf das anstehende

Gründungsjubiläum also hocherfreut

zeigen und ansonsten die Errungenschaften

seines Landes belobigen.

Zur feierlichen Begleitmusik

gehörten auch die Hinweise in einigen

chinesischen Medien, dass man

sich in Berlin, wo bekanntlich seit

über 13 Jahren an einem weitaus

kleineren Flughafen gebaut wirdund

die Eröffnung noch immer nicht sicher

ist –dass man sich also in Berlin

die Pekinger Erfolgsgeschichte mal

zum Vorbild nehmen könnte. Sobescheiden

werden heute Weltmachtansprüche

formuliert.

Erstaunlich ist das alles: Allein

die baustofflich schwer beherrschbare,

da weitläufig geschwungene,

aus nicht standardisierbaren Elementen

bestehende Dachkonstruktion

der irakisch-britischen Architektin

Zaha Hadid (1950–2016),

allein das mit 700 000 Quadratmetern

größte Flughafengebäude der

Welt und seine klug angelegten, nie

Der organische Formenkanon bestimmt auch das Innere des Flughafens.

Geplant, gebaut

und sogar eröffnet!

Chinas neuer Mega-Flughafen

Peking-Daxing ist ein einziger Superlativ,

ein wegweisender Propaganda-Bau

VonChristian Schlüter

Die Eröffnungsfeier mit Präsident Xi Jinping am Mittwoch.

Zaha Hadids Konzept: runde, fließende Formen.

AFP/GREG BAKER

DPA

AFP/GREG BAKER

länger als 600 Meter zu laufenden

Wege sowie die nahtlosen Anschlüsse

zum Straßen- und Bahnverkehr,

allein die mit umgerechnet 51

Milliarden Euro im berechneten

Rahmen gebliebenen und dabei

noch einen Schnellzug nach Peking

beinhaltenden Gesamtbaukosten –

all das müsste uns vor Neid erblassen

und das hohe Lied der Planwirtschaft

anstimmen lassen.

Eigentlich. Der Preis für die

staatsdoktrinäreEffizienz ist die fehlende

Zimperlichkeit bei solchen alteuropäischen

Petitessen wie Umwelt-,

Arbeits- oder auch Menschenrechten.

Der Berliner Flughafen

(BER) mag bislang das unvollendete

Projekt einer erschlafften Moderne

sein, der neue Beijing New International

Airport (PKX) ist in jedem Fall

ein Symbol einer nach innen repressiven

und nach außen aggressiven

Morgenröte. Die leuchtet uns Europäern

schon länger heim und verdrängt

uns unter dem Projekttitel

der Neuen Seidenstraße von allen

angestammten Plätzen. Der PKX ist

eine geostrategische Maßnahme der

Superlative und ordnet die globalen

Verkehrswege neu.

Das weiß man in China und sagt

es ganz unverblümt. So sprach der

Projektleiter Bai Henhong von „der

größten integrierten Transportdrehscheibe

der Welt“ und bettete seinen

Flughafen damit in den Kontext der

wirtschaftlichen und politischen

Großambitionen Chinas ein. Daneben

könnte das „Made in Germany“

alsbald zum Ladenhüter verblassen.

Wie auch immer: Jetzt werden die

Passagiere im Peking-Daxing über

die lichtdurchfluteten Flure eilen,

sich an den organischen Formen erfreuen,

die sehr betont, geradezu

aufdringlich und auftrumpfend den

Funktionsbau zum ästhetischen Ereignis

machen sollen. Schaut her,

was wir können!

Den Monumentalbau sollen einmal 100 Millionen Passagiere im Jahr nutzen. AFP/GREG BAKER

AFP

Toddurch Gift: Säugling

starb an Organversagen

Nach dem Toddurch eine vergiftete

Arznei aus einer Kölner Apotheke ist

nach der Mutter auch das tote Baby

obduziertworden. „Auch der Säugling

ist an multiplem Organversagen

gestorben“, sagte Staatsanwalt Ulrich

Bremer am Mittwoch. Diegleiche

Todesursache hatten die Ermittler

bereits für die Mutter des Babys

bekannt gegeben. Die28-jährige

Kölnerin war in der vergangenen

Woche gestorben, nachdem sie eine

Glukose-Mischung aus einer Kölner

Apotheke zu sich genommen hatte,

die Teil eines Routine-Tests auf

Schwangerschaftsdiabetes gewesen

sei. Auch das Baby,das man noch

durch einen Kaiserschnitt zu retten

versuchte,kam ums Leben. Die

Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren

gegen unbekannt eingeleitet, eine

Mordkommission ermittelt. (dpa)

Explosion im Salzbergwerk

Berchtesgaden

Fünf Arbeiter sind bei einer Explosion

im SalzbergwerkBerchtesgaden

am Mittwochmorgen verletzt worden.

Drei hätten Verbrennungen erlitten,

zwei vonihnen seien leicht

verletzt worden, teilten die Südwestdeutschen

Salzwerke,zudenen das

in Teilen auch für Touristen zugängliche

Bergwerk Berchtesgaden gehört,

am Mittwoch mit. Es habe sich

um eine Verpuffung gehandelt. Drei

der Arbeiter seien inzwischen in spezialisierte

Kliniken gebracht worden.

In Lebensgefahr war keiner vonihnen.

Es gab auch keine größeren Zerstörungen.

DerUnfall ereignete sich

bei Schweißarbeiten. (dpa)

Mindestens 32 Tote nach

Erdbeben in Pakistan

In Jatlan bei Mirpur wurden Straßenabschnitte

komplett zerstört. AP/ANJUM NAVEED

Nach einem starken Erdbeben in Pakistan

ist die Zahl der Toten auf mindestens

32 gestiegen. 30 Menschen

kamen im nordöstlichen BezirkMirpur

der Region Kaschmir ums Leben,

zwei in der Provinz Punjab,sagten

Behördenvertreter am Mittwoch.

Hunderte Menschen seien verletzt

worden. DasBeben hatte am Dienstag

Pakistan erschüttert, es war aber

auch in Afghanistan und Indien zu

spüren. Pakistanischen Behörden

zufolge hatte es eine Stärke von5,8.

DieRettungsarbeiten werden durch

schwereSchäden an Straßen und

starken Regen behindert. (dpa)

Autofahrer löscht Brand

erfolgreich mit Bier

MitBier hat ein Autofahrer auf der

A3in Bayern Schlimmeres verhindert.

Als sein Wagen seltsame Geräusche

machte,fuhr er an der Anschlussstelle

Hösbach (Unterfranken)

vonder Autobahn ab und hielt

im gesicherten Bereich an, wie die

Polizei am Mittwoch berichtete.Der

Mann entdeckte Flammen im Motorraum.

Kurzerhand holte er einige

Flaschen aus dem Auto und löschte

mit Gerstensaft den Brand selbst.

DerMann habe perfekt reagiert, so

die Polizei. DieFeuerwehr habe

nicht mehr eingreifen müssen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019 – S eite 1

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Kulturkalender

DER WOCHENÜBERBLICK VOM 26. SEPTEMBER BIS 2. OKTOBER 2019

Filmtipps

Kinoprogramm

Literatur

Ausstellungen

Konzerte

Bühne

Seiten 2&3

Seiten 2–6

Seite 6

Seite 7

Seite 7

Seite 8

Die schönste Zuschreibung zu

Pigor und Eichhornsteht schon

im Flyer und wird hier ungeniertzitiert:

Siesind die Grandseigneurs

des süffisanten Sozialkommentars.

Seit seinem ersten Auftritt in der Bar

jeder Vernunft 1995 legt das musikalische

Kabarett-Duo an Ruhm zu, kehrt aber in

schönster Treue hierher zurück. Meistens

wird inder Vorstellung gelacht, dass sich

die Zeltwände erschrecken, wenn auf der

kleinen Bühne immer neu das Großmaul

und der Erniedrigte zu erleben sind: Pigor

singt, Benedikt Eichhorndarfbegleiten. Ein

Gespräch mit dem Autor Thomas Pigor.

Herr Pigor, Sie verwirren Ihr Berliner Publikum.

Sie sind eigentlich mit der neunten

Staffel auf Tournee, in der BarjederVernunft

präsentieren Sie aber statt „Volumen 9“ ein

Anfänger-Programm.

„Einführung für Anfänger“ ist gedacht

für Leute, die später dazu kamen. Manche

waren vielleicht noch nicht mal geboren,

als wir unsere Programme eins bis

vier in den 90er-Jahren auf die Bühne

brachten. Aber etliche Songs in unseren

Schubladen sind noch frisch! Natürlich

kommt manchmal ein Fünf-Mark-Stück

vor, und wir fordern auf, nicht den EG-

Gesundheitsministern zu trauen, wenn

es ums Rauchen geht. Ach, was damals

geraucht wurde! An solchen Reizworten

merkt man, wie viel Zeit vergangen ist.

Dann fehlen ja lauter Lieblingstitel: „Baut

den Palast der Republik wieder auf!“, „Lasst

doch den Gastgeber machen!“ oder „Iiih, ein

SUV!“ von2017 –daläuft gerade die Debatte

zu Ihrem Song.

Dafür hören Sie zuUnrecht vergessene

Perlen wie „Das schmuddeligste Bordell

des Senegal“, acht Minuten lang, in dem

der Frage nachgegangen wird, warum pornografische

Texte immer auf englisch sein

müssen. Jetzt nehmen wir uns die Zeit. Und

vertrauen Sie auf die Zugaben! Unser Programm

ändert sich jeden Abend, wir nehmen

auch Zurufe aus dem Publikum auf,

spielen, was gewünscht wird.

Publikum kann sehr unterschiedlich reagieren.

Ja,und zwar in ein- und demselben Programm.

Das hängt von Orten ab, von Wochentagen

–ein seltsames Bühnenphänomen.

Manche Zuschauer kommen mit hohen

Erwartungen und lachen beim kleinsten

Anlass los. Dann gibt es die Skeptiker,

die abwarten, das ist oft leichter,man kann

sich von unten nach oben arbeiten.

Manchmal fehlen einfach Erstlacher –

Leute,die laut über eine Pointe lachen und

Dem Beleidigten

fliegen die Herzen zu

Thomas Pigor über sein Programm für Anfänger

mit Benedikt Eichhorn, über Lieblingstitel und Abende

ohne Erstlacher im Publikum

Oft mit Benedikt Eichhorn, aber nicht immer.Thomas Pigor (rechts) stand Rede und Antwort.

THOMAS NITZ

andere anstecken. Dazu ist nur ein kleiner

Teil der Bevölkerung in der Lage.Ein Abend

ohne Erstlacher mündet in Schmunzeln

und Applaus.

Zu erleben ist also ein dankbarer Rückblick,

obwohl es an neuem Material nicht fehlen

kann. Sie haben bis 2018 alle vier Wochen

ein „Chanson des Monats“ abgeliefert bei

großen Radiosendern, mit Video –100 Titel,

Respekt! Schreiben Sieseitdem weniger?

Tatsächlich: ja. Der Termindruck fehlt,

der einen zwingt, halb fertige Sachen zu

Ende zu bringen. Aber Benedikt Eichhorn

und ich sind außerdem für das Musiktheater

tätig. Ich habe gerade eine Revue-Operette

geschrieben, die in München auf die Bühne

kam: „Drei Männer im Schnee“ nach dem

Kästner-Roman –Buch, Songtexte und Teile

der Komposition, große Arbeit.

Aber auch ein großer Erfolg, diese Uraufführung

im Gärtnerplatztheater. Wie fühlt er

sich an, der Aufstieg von der Kleinkunst in

die Hochkultur?

Dasist schon eine andereWelt. Ichfinde

es großartig vom Intendanten Josef Köpplinger

einen Kabarett-Autor um eine Operette

zu bitten, wie in den Zwanziger-Jahren.

Damals waren dieWelten noch nicht so

getrennt. Aber ja, in dem Theater ging mir

das Herz auf, als meine Ideen auch auf der

großen Bühne funktionierten. Undwie faszinierend,

wenn alles plötzlich mit einem

Orchester erklingt. Bei der ersten Orchesterprobe

kamen mir die Tränen.

Mansieht, dass die Aufteilung in Groß- und

Kleinkunst etwas Absurdes hat.

Das ist ein Spezifikum im deutschsprachigen

Raum, im englischsprachigen sind

die Grenzen längst nicht so scharf, was mit

dem Theatersystem zu tun hat. Es gibt ja in

Deutschland, Österreich und der Schweiz

1700 Kleinkunstbühnen unterschiedlichster

Modelle. Dawird mit viel Können und

Herzblut gearbeitet, oft ohne jede finanzielle

Unterstützung, schon ungerecht.

Als Zyniker stellen Sie Ihren Partner auf der

Bühne andauernd bloß, unterbrechen und

beleidigen ihn. Bekomme ich sofortMitleid.

Aber Sie halten das Konzept durch. Darf er

sich im richtigen Leben mal rächen?

Rächen? Wieso das denn? Ihm fliegen

doch die Herzen zu, er bekommt alle Sympathien

des Publikums!

DasGespräch führte Birgit Walter.

Pigorsingt, Benedikt Eichhornmuss begleiten

Einführung für Anfänger:1.bis 6. Oktober,20Uhr,

Bar jeder Vernunft.Karten: 883 15 82

Puten mit ihren breiten Schnuten

Peter Wawerzinek liest im Pfefferberg-Theater aus dem dritten Band seiner autobiografischen Vogel-Trilogie

VonTorsten Wahl

Eine Lesung oder ein Vortrag von

Peter Wawerzinek ist immer ein

Ereignis! Das war schon in den späten

80er-, frühen 90er-Jahren so, als

der aufgedrehte Moppel Schappik

mit Stegreifgedichten und Parodien

die Berliner Literatenszene aufmischte.

Eine ganz neue Zuhörerschar

erreicht er seit 2010 mit „Rabenliebe“,

mit dem er sogar den Ingeborg-Bachmann-Preis

gewann.

Wieerdarin sein Schicksal als Heimkind,

das von der Mutter verlassen

wurde,verarbeitete,berührte viele.

Nun hat Peter Wawerzinek den

dritten und letzen Band seiner Vogel-Trilogie

vorgelegt. Nach „Rabenliebe“

hatte er sich in „Schluckspecht“

mit seiner Alkoholsucht auseinandergesetzt.

Der dritte Roman

des 1953 in Rostock geborenen

terer werden. Im Zentrum von„Liebestölpel“

steht ein Mädchen namens

Lucretia, deren Zöpfen er

schon im Kinderheim auf dem Dreiradhinterherfuhr,die

ihn Jahrzehnte

lang anzog, abstieß und immer wieder

sitzen ließ. Wawerzineks reales

Leben als unglücklich Verliebter,Vater

vonvier Kindernund Verlassener

ist nicht nur ein leichter, oft komischer

Liebesreigen, sondern besitzt

viele bittere, tragische Momente,die

er hier einfließen lässt. Der Elternmangel

und die Angst vorm Verlassenwerden

bestimmen, ohne dass er

es lange wahrhaben will, auch sein

Leben als „Liebestölpel“.

Aufgeschrieben und vorgetragen

wird das Liebesdrama im markan-

Schriftstellers heißt „Liebestölpel“

und kreist um die Probleme von

Partnerwahl, Paarung, Nestbau und

Brutpflege.

Ein Leben als „Trottellumme“

hatte dem vierzehnjährigen Ich-Erzähler

sein angenommener Opafrüh

vorausgesagt. Das sind Vögel, die gut

fliegen und im Meer jagen können,

aber an Land nur tölpelhaft watscheln

– auch wenn sie ornithologisch

nicht zur Familie der „Tölpel“

gehören. Eigentlich hatte Peter Wawerzinek

versprochen, er werde mit

jedem Vogel-Buch leichter und heiten

Wawerzinek-Sound. WieerKinderlieder,

Märchen, Alltagsfloskeln

zusammenführt und in eigenen

Reimen weiterfließen lässt, das

klingt oft musikalisch. Selbst seine

Trauung beschreibt er in Vogelreimen:

„Der Pinguin, nicht spröde,

hält die Hochzeitsrede. Dazu singen

Puten mit ihren breiten Schnuten:

Rabe, Rabe, schaff heran die

erste Gabe.“

Die Lesung im Pfefferberg-Theater

ist nicht nur die Berlin-Premiere

vonPaterWawerzinek als„Liebestölpel“,

sondern wird auch gleich als

Live-Hörspiel aufgezeichnet.

Lesungvon Peter Wawerzinek: am Mo,den

30.9., um 20 Uhr im Pfefferberg-Theater

Erste

Gastdirigentin

20. OKTOBER 2019

20 UHR IPHILHARMONIE

KARINACANELLAKIS

STRAUSS „Ein Heldenleben“ –

Tondichtung für großes Orchester

BEETHOVEN Sinfonie Nr.7

Strauss’ „Heldenleben“ &

Beethovens 7. Sinfonie

030 202 98715

rsb-online.de


2 Berliner Zeitung · N ummer 224 · D onnerstag, 26. September 2019

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Film/Kinoprogramm

DVD-TIPP

NEU IM KINO

Zigaretten

holen gehen

Ein Mann fällt aus dem

Leben –„Wakefield“

von Robin Swicord

VonAlexandraSeitz

Eher ausVersehen rutscht Howard

Wakefield eines Abends aus seinem

Leben. DerZug, mit dem er von

seiner Anwaltskanzlei in Manhattan

zu seiner Familie pendelt, hat Verspätung.

Dann lenkt ein unerwünschter

Waschbär seine Schritte

in die Garage anstatt in die Küche,

wo Frau und Töchter gerade mit dem

Abendessen beginnen. Und dann

bleibt er dort oben in der Dachkammer

hängen, fasziniertvom Ausblick

auf ein, sein Leben, dessen Routine

da gerade ohne ihn abläuft.

Wer hätte wohl noch nicht darüber

nachgedacht, wie die eigene

Existenz von Außen betrachtet aussieht?

Werhätte sich nie gewünscht,

herauszukommen aus dem Hamsterrad?

„Wakefield“ lotet das Potenzial

dieser Fragen aus. Das Innehalten

des Protagonisten dient dabei als

Initialzündung für einen Strom von

Reflexionen innerhalb eines raumzeitlichen

Stillstands.Espassiertalso

nicht viel. Zunehmend verwahrlost

schautWakefield aus dem Dachfenster

dabei zu, wie seine Familie ihn

immer weniger vermisst, während er

im Voiceoverseinen Gedanken über

Sinn und Unsinn der sich ihm stetig

entfremdenden, vormaligen

Existenz nachhängt. Obzwar Robin

Swicord ihre Adaption der gleichnamigen

Kurzgeschichte von E.L.

Doctorow immer mal wieder mit

Rückblenden und Tagträumen auflockert,

trägt Bryan Cranston in der

Titelrolle den Film quasi im Alleingang.

Und selten noch sah sich das

Hadern eines

Mannes mit seiner

Versorgerrolle

derart fesselnd.

Wakefield (USA

2016) Regie: Robin

Swicord, bei NewKSM

Cinema,ca. 10 Euro

Brandgefährliche Bande mit Hang zur Folkore: Die Einheimischen in „Midsommar“.

VonMarcus Weingärtner

Wenn die amerikanische

Jugend die Stadt verlässt,

um im Hinterland

die Freiheit auszukosten,

geht das im Kino selten gut

aus: Gemeuchelt von irren Clans, fanatischen

Rechten aus dem Bibel-

Gürtel oder religiösen Sektierernwird

die sexuelle und sonstige Sinnsuche

fernab der Metropolen mit Folter und

Todbestraft.

Wervom rechten Wegabkommt,

der findet fast zwangsläufig ein unschönes

Ende in Filmen wie Tobe

Hoopers„Texas Chainsaw Massacre“,

Wes Cravens „The Hills have Eyes“

oder in neueren Abhandlungen wie

dem entzückenden „Jeepers Creepers“

und den zumindest noch unterhaltsamen

Wald-und-Wiesen-Schockern

„Blair Witch Project“ und

„Wrong Turn“. Auch AriAlster nimmt

sich in seinem neuen Horrorfilm

„Midsommar“ dieses Themas an und

schickt eine Gruppe Studenten aus

der sicheren Heimat ins alte Europa,

genauer: nach Schweden, wo diese

dank ihrer Unkenntnis einheimischer

Gebräuche und Sitten zügig ableben,

eingebacken in Fleischpasteten oder

verkohlt in rituellen Lagerfeuern. Wie

Heiden-Spaß mit Hygge

Schwedenschocker: Ari Alsters neuer Folk-Horrorfilm „Midsommar“

in „Hereditary“, seinem letzten Film

für die feine Produktionsfirma A24,

versucht Alster auch in„Midsommar“

seiner Geschichte durch das Element

der Trauer eine existenzielle Tiefe zu

verleihen –beide Hauptfiguren, Toni

Colette als die von Verlust erdrückte

Mutter in „Hereditary“ und die famose

Florence Pugh als Dani in„Midsommar“,

sind traumatisiertvom Tod

geliebter Menschen.

Besuch vonMichel

Was in „Hereditary“ noch funktioniert

und eine schwer zu ertragende

Atmosphäre erzeugt, verpufft jedoch

in Alsters aktuellem Film spätestens

mit der Ankunft der Gruppe um Dani

im skandinavischen Hinterland.

Nach einem hübschen LSD-Trip mit

den einheimischen Jugendlichen erreicht

die verstrahlte Truppe das Ziel,

ein Dörfchen, wie man es sich wohl

im schwedischen Fremdenverkehrsamt

erträumt.

In weißes Leinen gekleidete Maiden

mit Blumen im Haar führen

Volkstänze auf, die Sonne lacht, die

Dorfgemeinschaft kocht Leckeres,

und jede Sekunde hat man das Gefühl,

ein erwachsener Michel müsse

blond und braun gebrannt aus Lönneberga

zu Besuch sein. Klar, der

Sonnenschein trügt. Doch die Erkenntnis

kommt zu spät, schon Neil

Howie musste in „The Wicker Man“

seine bornierte Naivität mit dem Leben

bezahlen und nicht anders ergeht

es den amerikanischen Studenten,

deren kolonialistische Überheblichkeit

sie zügig ins wirklich hübsch

und aufwendig angerichtete Verderben

führt.

War„Hereditary“ in der Darstellung

der Gewalt schon explizit, so ist

„Midsommar“ noch schonungsloser.

Gestorben wird hierauf die scheußlichste

Weise, man kann mitunter

kaum hinsehen. Ganz klar: In den

Holzhäusern unter warmer Sonne

lebt eine Gemeinschaft, die so versiert

Brot backt wie Touristen

schlachtet, um ihrer brutalen Naturgottheit

Tribut zu zollen. Genau da

liegt die Schwachstelle in Alsters

„Midsommar“ –der Film folgt kaum

einer nennenswerten Geschichte,

dehnt diese aber auf über zweieinhalb

Stunden aus.

Dass man sich trotzdem nicht

langweilt, liegt an der psychedelischen

Wucht der Bilder, immer wieder

ertappt man sich dabei, der LSD-

Pracht der wohlarrangierten Kompositionen

zu erliegen, den leuchtenden

Farben, dem gleißenden Licht. Alster

weiß um dieseWirkung und unterlegt

das Ganze mit einem Score, der für

den Soundtrack zu einem doch recht

konventionellen Horrorfilm avantgardistisch

anmutet. EinGlück wurde

hier auf das übliche Suspense-Piano-

Geklimper oder aufgeregtes Gefiedel

verzichtet, das so viele Filme dieses

Genres ruiniert.

RestaurativeBotschaft

WELTKINO

Mankann sich„Midsommar“ also gut

ansehen. Dass einen der Film trotzdem

mit einem faden Beigeschmack

entlässt, liegt nicht nur an der recht

dünnen Geschichte, die Alster durch

Tonund Bild zu kompensieren weiß,

sondernander fast reaktionären Haltung,

die seinem Film zugrunde liegt.

Denn zwar bestraft Alster seine Protagonisten

brutal für ihreTaktlosigkeit,

mit der sie den Einheimischen begegnen,

doch schlussendlich ist die Botschaft

von „Midsommar“ keine Appell

für mehr Sensibilität im Umgang

mit Fremden, sonderndas Gegenteil:

Verlasse Heim und Hof nicht! Fahre

nicht aufs Land und schon gar nicht

nach Europa. Bleib daheim, make

America great again!

Midsommar USA 2019, 171 Minuten, Regie:Ari

Alster,Darsteller Florence Pugh, Jack Reynor u. a.

GET LUCKY –SEX VERÄNDERT ALLES

Deutschland 2019. Regie: Ziska Riemann.

Daserste Malist für Jugendliche

ein Ereignis,bei dem bloß nichts

schiefgehen soll. Dass diese Vorstellung

allerdings nicht immer der Realität

entspricht, müssen eines Sommers

auch die Teenager Julia, Aaron,

Emma, David, Hannah, Mehmet

und Mats feststellen. Während sie –

untergebracht bei Ellen (Palina Rojinski),

der Tante von zwei der Jugendlichen

– einen aufregenden

Sommer am Meer erleben, steht

diese ihren Schützlingen stets zur

Seite, wenn die mal wieder nicht

weiter wissen. Langweilig wirdesder

Sexualberaterin diesen Sommer also

schon mal nicht.

CELEBRATION Frankreich 2006. Regie:

Olivier Meyrou. Paris, 2001. Yves

Saint Laurent skizziert, bereits

schwer von Krankheiten gezeichnet,

die Entwürfe für seine letzte Kollektion.

Unterdessen richtet sein Lebens-

und Geschäftspartner Pierre

Bergé eine Serie von Feiern aus, um

dasWerk des Modedesigners zu würdigen.

Regisseur Olivier Meyrou begleitet

Saint Laurent in den letzten

Karrierejahren und wirft dabei vor

allem ein Licht auf die komplexe Beziehung