ZeitBlatt Magazin - Immenhof Ausgabe 2 / 2019

zeitblatt

Immenhof Sondermagazin mit Interviews : Peter Tost, Beate Fehrecke .......
Aus den Filmen der 50iger und 70iger Jahre

Z E I T B L A T T V E R L A G U W E M A R C U S R Y K O V

ZeitBlatt Verlag Uwe Marcus Rykov Autor Ariane Rykov

A U T O R A R I A N E R Y K O V


Vorwort

Eine Hommage

„Wisst ihr wo auf der Welt man von Sorgen

gar nichts hält? Im Ponyhotel! Im Ponyhotel!

Jeder schläft hier so gut wie bestimmt

nirgendwo. So wie die Ponys im Stroh.“

Das Leben und die Realität des Lebens ist kein Ponyhof – leider ist es das nicht.

Doch wer von Ihnen möchte nicht einmal abschalten, von allen Sorgen und Problemen, welche die Realität des eigenen Lebens

mit sich bringt?

Einfach einmal an nichts zu denken, sich für einige Stunden mal keine Gedanken machen zu müssen. Einfach einmal bye bye

Realität zusagen, die Seele baumeln zu lassen, einzutauchen in eine Welt voller Illusionen. Der Regisseur Ernst Marischka

sagte einmal: „Filmmenschen sind eben Menschen mit Illusionen.“ - eines der schönsten Zitate, die es jemals gab, wie ich

finde.

Neben Ernst Marischkas Sissi Trilogie und den Immenhof Filmen gab es keine weiteren Filmproduktionen, die es geschafft

haben sich bis zu der heutigen Zeit, über mehrere Generationen, eine derart treue Anhängerschaft beizubehalten.

Die Fünfzigerjahre gelten als das „ferne Land“, viel ferner als die Zwanzigerjahre, in denen zahlreiche Filmschaffende kreativ

tätig waren. Die Nazis verbannten einen Großteil dieser kreativen Köpfe hinter den Herd – die Bundesrepublik Deutschland tat

nichts dafür, an diesem Zustand etwas zu ändern. Deutschland ein Trümmerhaufen, mit existenziellen Problemen für die Bevölkerung

– dennoch gab es Kreative, denen es gelungen war, die Sorgen des Alltags abzulegen und sich komplett der kreativen

Arbeit zu widmen.

In der Rangordnung der wichtigsten Medien Deutschlands in den 50er Jahren belegt die Tageszeitung mit deutlichem Vorsprung

den ersten Platz. An zweiter Stelle erscheinen andere Printmedien wie Illustrierte, gefolgt von Taschenbüchern – für

den intellektuellen Kreis. Erst danach folgen Medien wie Rundfunk und Film. Die USA kämpfte während dieser Zeit bereits

mit einem großen „Kinosterben“, resultierend durch die Verbreitung des Fernsehens. Diese Problematik erreichte Europa erst

10-15 Jahre später, selbst zu dieser Zeit waren Fernsehgeräte ein besonders teurer Luxus, den sich wohl nur die gut betuchte

Schicht leisten konnte. Der einfache Arbeiter musste fast zwei Jahre arbeiten, um ein solches Gerät bezahlen zu können. Die

Auswahl an Programmen war zudem stark begrenzt. Im Jahre 1950 standen den 7 Millionen Kinobesuchern gerade einmal

7.000 Fernsehgerät-Besitzer gegenüber. Diese Zahl verzehnfachte sich innerhalb eines Jahrzehnts.

In den sechziger Jahren kippte das Verhältnis Fernsehen zu Kino. Die Betreiber der deutschen Lichtspielhäuser renovierten

ihre Säle mühevoll, um sie dem Nerv der Zeit, der 50er Jahre anzupassen. Die durchschnittlichen Preise für einen Kinobesuch

betrugen zwischen 40 Pfennig und 2DM für das Parkett, dem Rang. Moderate Preise, geräumige Kinos mit großen Sälen und

Sitzplätzen für bis zu 600 Personen, dazu noch die Möglichkeit, dem Trott des eigenen Lebens zu entfliehen – all das waren

Argumente, die dazu beitrugen, dass Millionen Menschen in die Kinos strömten.


Als herausragend und besonders prägend geltend überwiegend die einheimischen Produktionen. Obwohl es auf dem Markt

zahlreiche amerikanische Filme in den Kinos gab, erfreute sich allem voran der deutsche „Heimatfilm“ besonders großer Beliebtheit.

In den 50er Jahren faszinierten zwei Trilogien das Publikum ganz besonders – Ernst Marischkas Sissi Trilogie und Carola

Bornèes Immenhof Trilogie. Sie beide haben eines gemein, Jahrzehnte später, über mehrere Generationen, faszinieren sie

noch immer ihr Publikum. Befragen wir Kinder der heutigen Zeit – Immenhof und Sissi kennen sie alle, es sind Klassiker, die

ewig unvergessen bleiben.

Doch wer ist die Frau, die hinter dem Mythos Immenhof steht?

Die heute 94-jährige Carola Bornée – die damals, nach dem Krieg, zusammen mit ihrem Mann Gero Wecker ein Imperium

namens „Arca“ gründete und etablierte. Die Gründung dieses Imperiums erfolgte mehr oder weniger durch einen Zufall. Alles

begann mit einer Schreibmaschine, Carola Bornée und Gero Wecker. Das junge Paar verfolgte zunächst andere Absichten,

die in keinem Zusammenhang zum Film standen. Im Jahr 1947 „heirateten sie eine Töpferei“, wie Carola Bornée in einem

Interview verriet. Nach dem Krieg benötigten Millionen Haushalte in Deutschland neues Geschirr, welches die Weckers liefern

sollten, eine sensationelle Geschäftsidee. Das Schicksal will es anders und lässt diesen Plan zerplatzen.

Die Briten veranlassten eine Sprengung, in der Nähe von Weckers Werkstatt – dabei fällt ihr Schornstein ein. Die Töpferei der

Weckers fiel im wahrsten Sinne des Wortes zusammen – was nicht schlimm war, denn, im Laufe der Währungsreform tauchte

wieder jede Menge Geschirr in den Geschäften auf. Somit brach das Geschäftsmodell der Weckers also in sich zusammen.

Carola Bornée, die während des Krieges eine Ausbildung als Buchhändlerin absolvierte, hatte einen Kunden in der Buchhandlung

– dieser Kunde war Chef der Filmaufbau GmbH. Der Film und das Töpferhandwerk hatten eines gemein – die Weckers

„hatten bisher nie etwas damit am Hut.“

Carola Bornée sagt in einem Interview: „Damals konnte man alles machen, man musste es nur tun.“ Das war das Fundament

eines späteren Imperiums. Zunächst arbeitete Carola Bornée als Produktionssekretärin in den Studios der Filmaufbau GmbH,

während Gero Wecker die Geldgeber für das eigene Geschäftsvorhaben organisierte.

Die Dramaturgin Bornée erhielt eine Empfehlung für den Roman „Dick und Dalli und die Ponys“ von Ursula Bruns. Schnell

wurde klar, dass sie diesen Film produzieren will. Dazu gründete die Arca die „Herstellungsgruppe Carola Bornée“ - die Filme

entwickelten sich als grandioser Erfolg. Dieser grandiose Erfolg löste in Deutschland einen regelrechten „Freizeitpferdeboom“

aus.

Der Mythos Immenhof, er lebt weiter.

Doch was, wäre ein Mythos ohne jene Personen, die es sich zur Aufgabe machen, dass Andenken zu pflegen?

Drei Jahrzehnte später betrachtet ein junger Mann die Immenhof Filme im Fernsehen. Mario Würz verliebt sich in den Immenhof

und zieht Ende der Achtzigerjahre nach Malente. Er kontaktiert den damaligen Besitzer des Immenhofs, besucht die Originalschauplätze,

spricht mit den Anwohnern von Malente und organisiert über die Auskunft der Telekom die Telefonnummern

der mitwirkenden Schauspieler. Frei nach dem Motto: „Man kann alles machen, man muss es nur tun“ - gründet Mario Würz ein

Museum sowie einen Immenhof Verein. In Kooperation mit Mario Würz ist dieses Sondermagazin zu Immenhof entstanden.

An dieser Stelle bedankt sich das komplette Team des

ZeitBlatt Magazins bei Mario Würz für die tatkräftige

Unterstützung zu diesem Heft. Wir bedanken uns bei Beate

Fehrecke, Birgit und Bettina Westhausen, Christiane König

und Peter Tost für die spannenden Interviews.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern heitere Stunden

mit unserem Immenhof Magazin.

Ihre,

Ariane Rykov

Redaktionsleitung


Inhalt

01 Die Mädels vom

Immenhof 1955

02 Erinnerungen von

Heidi Brühl

03 Angelika Meissner

Hinter den Kulissen

04 Peter Tost im

Zeitblatt Interview

05 Christiane König

im Interview

01 02 04

06 Chaos um eine

Traumvilla

Angelika Meissner

07 Hochzeit auf

Immenhof

08 Volker von Collande

und der fehlende

Pfarrer

09 Heidi Brühl

Ein Wort verändert

Ihr Leben

05 09

Auszug aus dem

Immenhof Drehplan

10 Ferien auf

Immenhof

11 Beate Fehrecke im

Zeit Blatt Interview

über Ihren Vater

Karl-Heinz Fehrecke

12 Die Zwillinge

vom Immenhof

10 11

13 Interview mit

Birgit und Bettina

Westhausen

14 Frühling auf

Immenhof

15 Interview mit

Mario Würz

( Immenhof Museum )

13 15


IMMENHOF TEIL I

Die 50er Jahre


1

Die Mädels vom Immenhof

1955

Ein beschwingter Film um junge und naturverbundene Menschen,

ländliche Idylle und goldene Spätsommertage. Ein Film der zum

Träumen in eine andere Wirklichkeit verleitet. Für all jene die sich

noch ihr jugendliches Empfinden bewahrt haben und auch für

diejenigen dessen Empfindung im Laufe der Zeit, auf der Leiter des

erwachsen werden, in Miesepetrigkeit umschlug. Selbst ein

Griesgram könnte beim Anblick der über hundert Ponys, die sich

lebensfroh und übermütig auf den weiten Koppeln des Gutes

tummeln froh werden.

„Dick und Dalli und die Ponys“ - von Ursula Bruns ist die amüsante

Geschichte um ein mit Geldsorgen kämpfendes Ponygestüt dem die

Enkelinnen mit Hilfe wahrer Freunde wieder auf die Beine helfen. Ihre

Geschichte über Dick und Dalli wurde erstmals 1952 bei Herder

publiziert, es folgte eine Reihe von Veröffentlichungen in zahlreichen

Verlagen. Der Vergleich zwischen Buch und Film lässt bereits auf

den ersten Blick einige Unterschiede erkennen. So spielt die

Geschichte im Buch in den Wintermonaten, sodass Schnee und Eis

den Alltag bestimmen. Entgegen Dick und Dallis Träumen über den

Vetter Ethelbert, ihren Vorstellungen nach wäre dieser ein taffer

Wikinger - erscheint ein oftmals kränkelnder junger Schnösel. Das

sensible Stadtkind in Ursula Bruns Roman muss oftmals Oma

Jantzens Schwitzkuren zusammen mit Milch und Honig über sich

ergehen lassen um die zugezogenen Erkältungen, in seinen Augen

lebensbedrohlich, auszuschwitzen.

Im Film werden die kalten Wintermonate gegen ein frohes und

unbekümmertes Sommergefühl ausgetauscht. Diese Tatsache allein

birgt grundlegende Änderungen inhaltlicher Art. Eine

Gegenüberstellung zwischen Film und Buch zeigt auf, das es auch

bei den Figuren Abweichungen gibt. So wurde beispielsweise die

Schwester der verstorbenen Mutter, die bedeutend ältere Tante Tilde

durch die schöne ältere Schwester Angela von Dick und Dally ersetzt.

Der Retter des Immenhofs, Herr von Roth, der später die hübsche

Angela heiratet, ist im Buch keineswegs vermögender wie die

Besitzer des Immenhofs selbst.

Der Regisseur Wolfgang Schleif konzipiert aus diesem Stoff einen

Film, der mit einer frischen, frohen Handlung fraglos die richtige Kost

für ein Land im Nachkriegswirren ist. In der Zeit des deutschen

Nachkriegsfilm, 1945-1960 werden dem Zuschauer Erzählungen von

Vertriebenen mit dem Tenor einer großartigen Integration vermittelt.

Eine sogenannte systhemstabilisierende Rolle erhielten die

Vertriebenen im deutschen Nachkriegsfilm. Sie nehmen ihr Schicksal

an und legen einen unermüdlichen Aufbauwillen an den Tag und

sehen stets das Gute für den Verlauf ihrer Zukunft. Auf indirekte Art

und Weise vermitteln die Mädels vom Immenhof genau diese

Botschaft mit den Titelheldinnen Dick und Dally, ihrer Schwester

Angela, die nach der Flucht aus Ostpreußen auf dem Ponyhof der

Oma landen, um sich dort eine hoffnungsvolle neue Zukunft

aufzubauen.

Ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Heimatfilms birgt die

Vermittlung des neuen Heimatgefühls für jene die ihre ursprüngliche

Heimat verloren haben. Ein Vergleich der Handlungsschauplätze an

denen die Filme gedreht wurden zeigt auf, das zahlreiche

Landschaften in denen Vertreibung stattfand, einen neuen Gegenpol

im Heimatfilm fand. So auch die norddeutsche Heidelandschaft als

Schauplatz der Immenhof Filme. Das Wiederfinden einer neuen

Heimat im Film, übertragen auf die Realität des alltäglichen Lebens.

Im Gegensatz zum Buch vermittelt der Film auf indirekte Art und

Weise zahlreiche Probleme der Personen.

Die Waisenkinder Dick und Dally, im Roman in Schleswig - Holstein

geboren, werden im Film als Flüchtlinge die zusammen mit ihrer

Schwester Angela vertrieben wurden, gezeigt. Das Thema der

Vertriebenen als eine der gravierendsten Problematiken dieser Zeit.

Am Ende des Films entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen

Dick und Ethelbert für die eine Änderung des Alters nötig ist. Dick

und Dalli im Roman 13 und 10 Jahre alt, werden im Film 16 und 13

Jahre.

Aus einem affektierten mit Allüren behafteten ‚Stadtochsen‘ wird ein

umgänglicher und naturverbundener Mensch. Im Buch als auch im

Film. ‚Ist das ein Fatzke‘ – die Mädels vom Immenhof sind von ihrem

Vetter Ethelbert mehr als enttäuscht, für sie verkörpert er das

typische Klischee eines verzogenen Muttersöhnchens aus der Stadt.

Kompromisslos beschließen sie, sich nicht um den unangenehmen

Verwandten zu kümmern.

Für Oma Jantzen ist der Vetter ein kostbarer, weil zahlender Gast der

von seinen Eltern auf dem Hof untergebracht wurde. Diese waren für

längere Zeit verreist und äußerten außerdem den Wunsch den

oftmals kränkelnden Jungen ein wenig aufzupäppeln. Dieser Aufgabe

sollte sich die fürsorgliche Oma annehmen. Ihr können die jungen

Backfische des Immenhofs jederzeit ihr Herz ausschütten. Sie hat

wohl ihre Prinzipien. Ein langes Leben voller Erfahrungen trennt sie

von der ungestümen Jugend. Hinter ihren zürnenden Ermahnungen

verbergen sich herzliche Güte und wahrhaftige Mütterlichkeit.

Die Oma, bekannt für ihre hervorragenden Zuchtmethoden, leidet

unter mächtigen Geldsorgen, der Verkauf der Ponys gestaltet sich als

schleppend, somit ist jeder zahlende Gast ein Segen des Himmels.

Aus der Not heraus wurde das zum Gut gehörende Forsthaus Dodau

an den Reitlehrer Jochen von Roth verpachtet. Dieser betreibt dort

ein rentables Reiterparadies und sieht seine Zukunft in der Züchtung

von Pferden.

Immer wieder sorgt der aus einer wohlhabenden Familie stammende

Ethelbert für Aufruhr.

Als Dick bemerkt das sie tiefgehende Gefühle für den einst so

ungewollten Gast entwickelt stellt sie fest das dieser eine Fotografie

einer angeblichen Freundin aufbewahrt. Seine spätere Zuneigung für

eine von Jochen von Roths Reitschülerin, Fräulein Gisela sorgt

ebenfalls für Disharmonie zwischen den jungen Leuten. Immer

wieder ist es Dick, die eine Initiative ergreift, um auf den eitlen

Stadtmenschen zuzugehen. Ethelbert ist uneinsichtig und stur –

seine Arroganz katapultiert ihn schnell in die Position eines

Außenseiters, der von allen Gemeinsamkeiten der jungen Leute

ausgeschlossen wird.

Da Ethelbert keine Veranlassung sieht, den gütigen Lehrmeister ‚Rat‘

zu wählen, entscheidet er sich unterbewusst für den teuren

Lehrmeister ‚Schaden‘. Das wird ihm erstmals bewusst als er den

jungen Leuten bei der Heuernte zur Hand gehen will – wo er einfach

auf der Wiese stehen gelassen wird. Der einsame junge Mann aus

der Stadt denkt nach, doch alles Nachdenken ist sinnlos ohne eine

gewisse Einsichtnahme in das eigene Fehlverhalten. Dieses

Fehlverhalten wird ihm erst begreiflich als Jochen von Roth ihm

verdeutlicht wie unmöglich er sich gegenüber den anderen verhält.

Ethelbert überdenkt sein Verhalten und trifft eine Entscheidung: Von

nun an will er den anderen begreiflich machen das er keine Angst vor

Schmutz habe und durchaus in der Lage wäre körperlich zu arbeiten.

Vor allem Dick möchte er das beweisen. Der Zufall fordert seine

neugewonnene Erkenntnis und die daraufhin getroffene

Entscheidung heraus. Ethelbert trifft Dick in einem Bach. Das

Mädchen ist gerade damit beschäftigt mittels eines Spatens einen

kleinen Staudamm von Ästen und Schlamm zu befreien.


1

Die Mädels vom Immenhof

1955

Als der junge Mann ihr seine Hilfe anbietet, lehnt sie ab.

Es wäre doch keine Arbeit für ihn. Von einer Sekunde zur nächsten

springt Ethelbert in den Bach, um sich voll und ganz mit Schlamm

und allem möglichen Dreck zu beschmieren. Er schreit, aus purer

Verzweiflung über die bestehende Situation, allem voran die ihn

betrübende Einsamkeit. Er habe keine Angst vor Schmutz und er

könnte mit anpacken – hauptsächlichst möchte er nicht mehr allein

sein.

Den Wahrheitsgehalt seiner Worte beweist der junge Mann als er in

einer Gewitternacht einem jungen Fohlen das Leben rettet.

Zusammen mit Dick übernimmt er eine ganze Nacht lang die

Bewachung des Gesundheitszustands des Tieres. Diese Aktion wird

mit Anerkennung und Freundschaft belohnt.

Über den zwischenmenschlichen Problematiken unter den

Backfischen schwebt die große Wolke der finanziellen Problematiken

der Erwachsenen. Das große Elend erlangt seinen Höhepunkt als

einige Ponys erkranken. Aufopferungsvoll kümmert sich ‚Viehdoktor‘

Pudlich, ein alter Freund des Hauses und glühender Verehrer von

Oma Jantzen um die erkrankten Tiere. In Anbetracht der finanziellen

Situation weiß Oma Henriette Jantzen sich nicht anders zu helfen als

den Hof zu verkaufen.

Eine schwerwiegende Entscheidung für die alte Dame, die somit

nicht nur ihre Heimat verlieren würde, sondern Angela, Dick und Dalli

die neugewonnene Heimat nehmen würde.

Das Schicksal will es, das Dick ein Gespräch der Oma über einen in

Betracht gezogenen Verkauf belauscht. Dick ist ratlos. In ihrer

Ratlosigkeit sieht sie keine andere Möglichkeit, als Jochen von Roth

ihr Herz auszuschütten.

Jochen von Roth, der in die Thematik der finanziellen Schwierigkeiten

der Besitzerin vom Immenhof alles andere als involviert ist, trifft eine

Entscheidung. Mit dem Verkaufserlös eines seiner teuersten

Zuchtpferde ist es ihm möglich, dass Forsthaus Dodau, welches er

gepachtet hatte, zu erwerben. Der Kaufpreis den er an Oma Jantzen

bezahlen würde, wäre eine realistische Möglichkeit, um den

Immenhof vorerst über Wasser zu halten und den Zwangsverkauf zu

verhindern. Seinen ursprünglichen Gedanken, das Geld für die

Intensivierung seiner Pferdezucht zu investieren, verwirft er.

Die sechsundzwanzigjährige Schwester Angela ergreift ihre Chance

und involviert die Oma in ihr Gefühlsleben, ihrer Liebe zu Jochen von

Roth. Schließlich stimmt Oma Henriette Jantzen einer Verlobung der

beiden zu. Die ganze Geschichte ist eingebettet in die geruhsame

Atmosphäre des holsteinischen Landes, dessen vielfältige Reize die

Farbfilmkamera in stimmungsvollen Bildern eingefangen hat.


Erinnerungen

von

Heidi Brühl

Die Dreharbeiten selbst waren nur auf

sechs Wochen angesetzt, doch zuvor

mußten alle Kinder dieses Films reiten

lernen. (…) Diese acht Wochen waren

die schönsten meiner Jugend.“

„Bevor der Reitunterricht nicht

begonnen hatte, war es den Kindern

verboten worden, sich den Pferden zu

nähern.“

„Ein Schimmel gefiel mir über alles,

und ich wollte ihn wenigstens streicheln.

Wacker trabte ich auf die Herde zu.

Das weiße Pony streckte mir den Kopf

entgegen, und ohne jegliche Angst

streichelte ich das Tier.

Kaum war ich oben, warf das Pferd den

Kopf hoch und setzte im Galopp über die

Wiese. Die anderen nun hurtig hinterher,

versteht sich.

(…) Mit mir aber hoppelte die wilde Jagd

über Stock und Stein. Ich klammerte ich

mit aller Kraft an die lange Mähne; mir

war ganz schön mulmig. (…)‘‘

Verzweifelt hielt ich mich fest.

Irgendwann mußten die verdammten

Gäule schließlich stehen bleiben.

Doch ich hatte mich sauer verrechnet.

Am anderen Ende der Koppel angelangt,

machte der Schimmel eine blitzschnelle

Wendung und raste zurück.

Ich war darauf nicht gefaßt, flog in

hohem Bogen vom Pferd, landete wie ein

Mehlsack und sah Dutzende von Hufen

über mich hin wegflitzen.

(…) Nach einer Weile drang meine

Abenteuerlust durch – ich mußte wissen,

wie es (…) Keine Menschenseele durfte

erfahren, was ich ausgefressen hatte.“

„Frau Bruns hatte mir den Schimmel

zugeteilt, meinen Freund von gestern.

Er hieß Gráni und sollte mich durch den

ganzen Film begleiten.“

„Die acht Wochen gingen viel zu

schnell vorbei. Einziger Trost: die

Filmgesellschaft plante, im nächsten

Jahr einen zweiten ‚Immenhof‘-Streifen

zu drehen. Schon jetzt freute ich mich

darauf, meine Freunde wiederzusehen

(…)“ Heidi Brühl über die Dreharbeiten

zu „Die Mädels vom Immenhof“.


3

Angelika Meissner

Hinter den Kulissen

Nachdem Carola Bornée eines Tages Ursula Bruns Publikation von

Dick und Dalli und die Ponys gelesen hatte, fragte sie Ihren Mann

Gero Wecker, ob man daraus nicht einen Film kreieren könnte.

Gero Wecker als Inhaber der ARCA Film bekundete seine

Zustimmung und übertrug seiner Frau die Herstellungsleitung als

auch die Auswahl der Schauspielerinnen und Schauspieler.

So kam es, das Carola Bornée ein junges, talentiertes Mädchen

kennen lernte, welches sich als wirklicher Glücksgriff enttarnte.

Das Angebot der Herstellungsleiterin war nahezu perfekt für die

zukünftige Hauptdarstellerin der „Mädels vom Immenhof“. Denn diese

saß, im wahrsten Sinne des Wortes, gemeinsam mit Ihrer Mutter in

München auf dem Trockenen. Da kam das Angebot gerade Recht.

Angelika Meissner lernte zusammen mit Ihrer Mutter eine Dame

kennen, die ihnen wie ein zweiter Harald Braun vorkam. Carola

Bornée fand die junge Angelika sofort entzückend und engagierte sie

für die Rolle der Titelheldin „Dick“.

Angelika Meissner – Voelkner erhielt vor Drehbeginn ein

Rollenangebot für die Schneekönigin im Münchner Residenztheater.

Der Intendant schien auf den ersten Blick begeistert von der

talentierten Filmschauspielerin, dennoch beschäftigte ihn die Frage,

ob das talentierte Filmkind sich tatsächlich auf der Theater Bühne

bewähren könnte.

Um Gewissheit zu erlangen, nahm er Angelika an

die Hand, um mit ihr Professor Müller von der Falckenberg –

Schauspielschule aufzusuchen. Professor Müller hörte das Mädchen

fünf Minuten lang an. Aus dem Stegreif spielte ihm Angelika die

Rolle der Schneekönigin vor. Was danach folgen sollte, mag wie ein

Märchen aus Hollywood klingen.

Professor Müller hörte dem Mädchen fünf Minuten lang zu und

entgegnete ihr: „Geh weg! Du bist ein Naturtalent. Wir können dir

nichts mehr beibringen!“ Was anderen Schauspielerinnen und

Schauspielern in fünf Jahren gelingt, das gelang Angelika in nur fünf

Minuten – ein Zeugnis von der Falckenberg- Schauspielschule.

Eigens für die Filmarbeit in Malente löste Angelika Meissners Mutter

das gemeinsame Münchner Domizil auf, um mit Angelika in das

Kneipp – Kurheim „Landhaus am Holzberg“ nach Malente zu ziehen.

Die Dreharbeiten im malerischen Holstein fanden bei aller schönstem

Sonnenschein statt. Die Gage der Schauspielerin wurde mit 12.000

DM angesetzt. Mit dieser Summe wäre es Angelika und Ihrer Mutter

problemlos möglich gewesen, die 4.000 DM für Kost und Logie zu

bezahlen, wenn man dies für nötig erachtet hätte. Frau Meissner hielt

den Ausgleich der Zahlung für unnötig und blieb den Betrag schuldig.

Was Frau Meissner für umso nötiger erachtete, war ihre Vorstellung,

das sämtliche Produktionsbeteiligte, ihre Tochter als Star behandeln.

Frau Meissner war nämlich der Ansicht, ihre Tochter wäre ein echter

Star und demnach als solcher zu behandeln. So lies Frau Meissner,

um nur ein Beispiel zu benennen, zum Mittagessen einen Extratisch

für sich und Angelika reservieren. Währenddessen saßen die

anderen Produktionsbeteiligten an einer gemeinschaftlichen Tafel.

Ebenso wohnten Mutter Meissner und Angelika in einem gesonderten

Haus, um sich von den anderen zu separieren. Die übrigen Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen des Filmstabs lebten gemeinsam in einem

Haus.

Diese Aktionen sollten klar zum Ausdrucke bringen, dass

Angelika etwas ganz besonders ist, das man sie keines Wegs mit

den anderen Schauspielern gleich stellen könne.

Während der gesamten Produktionszeit stand Mutter Meissner wie

ein Leibwächter neben der Kamera um darauf acht zu geben das ihre

Tochter mit dem nötigen Respekt behandelt werde.

Der Produktionsleiter Helmut Volmer erlebte am eigenen Leibe ein

Beispiel dafür, wie Mutter Meissner ihre Tochter unter ihren Einfluss

gebracht hatte. Wieder einmal stand Mutter Meissner neben der

Kamera und nörgelte an der Aufnahme herum, solange bis Helmut

Volmer der Geduldsfaden riss.

Er hielt kurz inne, drehte sich um und sagte: „Sie stören, Frau

Meissner!“ Einen Augenblick lang herrschte absolute Ruhe am Drehort.

Angelika Meissners Mutter rang nach Luft und Worten. Bevor sie

wütende Worte verlieren konnte, um den armen Produktionsleiter vor

dem gesamten Produktionsstab anzufeinden, sprang ihre Tochter für

sie in die Breschen. In diesem Augenblick offenbarte sich die Frucht

ihrer langjährigen Bemühungen um Tochter Angelika.

Diese glaubte, man hätte ihre Mutter gravierend beleidigt. Der kleine

Star konnte das geschehene nur schwer verarbeiten – aus diesem

Grunde sprang das Mädchen Herrn Volmer an und zerkratzte ihm

das Gesicht.

In späteren Jahren fand die Schauspielerin diese Begebenheit

entsetzlich. Angelika Meissner erinnert sich daran, dass ihre Mutter

während ihrer Zeit bei der ARCA, in der sie vier Filme drehte, acht

Rechtsanwälte beschäftigte. Die kleinste Kritik an Angelika gab ihr

Anlass für eine Klage.Gewonnen hatte Sie nicht einen einzigen

Prozess. In jenen Momenten in denen die Mutter verhindert war, und

nicht am Drehort erscheinen konnte, war es möglich Angelika lebhaft

und unbeschwert zu erleben. In diesem Momenten lies sich Angelika

gerne auch mal aus der altklugen Reserve locken, die ihre Mutter ihr

anerzogen hatte. So sah man das fünfzehnjährige Mädchen auch

dann einmal lachen, wenn es nicht im Drehbuch stand.

Das komplette Gegenteil zu Angelika Meissner war ihre etwas

jüngere Filmpartnerin Heidi Brühl.

Heidi Brühl war viel freier aufgewachsen als Angelika, nicht nur im

Film, auch im wirklichen Leben unkompliziert, lustig und offen, allzeit

zu Späßen auferlegt. Es mag sein, dass dies der Grund dafür war,

das beide Mädchen sich sehr schnell anfreundeten.

Heidi Brühl schreibt in ihren Erinnerungen „Eine kühle Blonde, bitte“,

das sie beide einmal unerlaubterweise zur Pferdekoppel gegangen

waren. Während Angelika ängstlich gesagt hätte, dass sie gerade

das nicht dürften, kletterte Heidi über das Gatter, um auf einem der

ungesattelten Ponys zu reiten. Heidi hörte nicht darauf und trieb das

Tier, während sie sich mit den Händen an der Mähne festhielt, zu

einem kräftigen Galopp an. Wenig später war sie herunter gefallen,

was ihr den ein oder anderen blauen Fleck einbrachte. Angelika

beugte sich sogleich über die a Boden liegende Heidi und

erkundigte sich, ob diese verletzt sei. Nachdem Heidi ihre Frage

verneinte betonte sie, dass beide niemandem davon erzählen

dürften, und das diese Begebenheit ihr erstes gemeinsames

Geheimnis sei.


Angelika Meissner


3

Angelika Meissner

Hinter den Kulissen

Lediglich die harmlosen Passagen sollten die Filmkinder selbst reiten,

während alles andere gedoubelt werden sollte. Doch nach der ersten

Woche waren Angelika Meissner, Heidi Brühl, Matthias Fuchs

und Peter Tost innig mit ihren Ponys verwachsen. Sie tollten mit

ihnen durch die Wälder, durchquerten seichte Seeränder. Furchtlos

übersprangen sie einen Meter hohe Hindernisse. Rückblickend sagte

Angelika Meissner, sie habe vorher noch nie auf einem Pony

gesessen, geschweige denn auf einem Pferd. Es waren glückliche

Momente, die Angelika auf dem Rücken von Blakkur verlebte – an

das ursprüngliche Doublen der Szenen war lange nicht mehr zu

denken.

Die eigens für diese Filmarbeit in Island gekauften Ponys eroberten

die Herzen der jungen Darsteller im Sturm – auch ihre Kollegen

wollten von gedoubelten Szenen nichts mehr wissen.

Der siebzehnjährige Matthias Fuchs war die erste, ganz zarte Liebe,

die der fünfzehnjährigen Angelika begegnete. Das Mädchen weigerte

sich so lange ihren ersten Filmkuss mit Matthias Fuchs zu tauschen,

bis ihre Mutter den Drehort verlassen würde. Selbst danach musste

sie nach jedem Kuss einen großen Schluck Limonade trinken. „Mach

beim Küssen endlich deine Augen zu!“ - Tönte aus der

Regieanweisung.

Rückblickend stellte die Schauspielerin fest, auch das waren

besondere Momente, die sie nicht missen möchte. Den sie gehörten

zu den schönen Erinnerungen in einer Zeit, in der sie nicht viel zu

lachen hatte. Ihrer Mutter gefielen die ersten Liebesregungen zu

Matthias Fuchs in keiner Weise, was die Arbeit vor Ort erschwerte.

Der Film erwies sich als grandioser Erfolg. Überall wurde er mit

Begeisterung aufgenommen. Eine Fortsetzung von Immenhof galt

unter diesen Umständen als zwangsläufig.

Nach Beendigung der Dreharbeiten zu „Die Mädels vom Immenhof

erhielt Angelika Meissner einen Fünfjahresvertrag mit der ARCA. Der

Vertrag vereinbarte eine Garantiesumme in Höhe von 35.000 Mark.

Angelika zur Liebe bemühte sich Carola Wecker-Bornée die

„Nervosität“ der Mutter zu dämpfen. Immer wieder bewog sie ihren

Mann die Beschuldigungen der Mutter zu schlucken. Die Fortsetzung

des Films war bereits in Planung.

Angelika Meissner wurde zunächst für den ARCA Film „Drei Mädels

von Rhein“ engagiert. In dem in Bacharach gedrehtem Film mimte sie

die jüngste Tochter der Wirtin des Gasthofs „Zur Linde“.

Durch die Konkurrenz eines neuen, modernen Hauses gerät der

Gasthof „Zur Linde“ in finanzielle Schwierigkeiten. Damit am Ende

alles gut wird, hilft ein junger Amerikaner durch unkonventionelle

Methoden.

Der Streifen verkauft sich nach Amerika.

Nachdem der Film dort angelaufen war, erreicht Carola Wecker-

Bornée ein Ferngespräch aus Florida/USA. Ein Mister Dietmar

Amandy Berverly erkundigte sich bei Frau Bornée eindringlich nach

Angelika Meissner. In seiner Vorstellung gab er an, Direktor einer

Fruchtsaftfabrik in Florida und Konsul eines südamerikanischen

Staates zu sein. Weiterhin sei er ganz „verrückt“ nach einem

deutschen Mädchen wie Angelika. Carola Bornée übermittelte dem

Anrufer die Adresse Angelikas und konnte nicht ahnen, dass am

anderen Ende der Leitung ein zwanzigjähriger sprach. In ihren

kühnsten Fantasien vermochte sie nicht ahnen, was für ein

zwanzigjähriger Mr. Bezold war.

Mr. Bezold sprach von seinem reichen Vater, dieser habe ihn bereits

mit neunzehn Jahren zum Fabrikdirektor gemacht. Angeblich sollte

er Jazz auf der Orgel spielen und zehn Sprachen sprechen. Dieser

junge Mann meldete jede Nacht ein Gespräch von Florida nach

Schleswig – Holstein an.

Angelika, die sich ein wenig in ihren Filmpartner Matthias Fuchs

verliebt hatte, konnte nachts kaum noch schlafen. Der Grund für die

schlaflosen Nächte war nicht wie vermutet Mathhias Fuchs, nein - es

war der junge Amerikaner. Eines Tages kündigte Dietmar A.B. Bezold,

der ein gebürtiger Deutscher war, seinen Besuch in

Deutschland an. Mutter Meissner verhielt sich abwartend und nicht

ablehnend. Wahrscheinlich hoffte sie auf eine reiche Heirat, die sie

von allen finanziellen Sorgen befreien würde. Inzwischen steckte sie

in noch größeren finanziellen Schwierigkeiten als vorher. Das

finanzielle Desaster erlangte seinen Höhepunkt als sie ein gemietetes

Haus mit einem 80.000 DM Kredit umbauen lies.

Gemeinsam mit ihrer Mutter fuhr Angelika zum Hamburger Flughafen

Fuhlsbüttel, um Dietmar abzuholen. Sie warteten und warteten.

Vergebens! Wer nicht kam war Dietmar! Angelika war enttäuscht und

traurig. Was sie nicht wissen konnte, sein Flugzeug hatte eine

Bauchlandung in Amsterdam überlebt. Als Dietmar endlich in

Lensahn eintraf, amüsierte er sich königlich darüber.

Das Drehbuch im Film ihres Lebens sieht vor, dass sich Angelika in

den jungen Amerikaner verliebt. Dietmar schien ohne hin für die

junge deutsche Schauspielerin zu brennen. Die Dinge nahmen ihren

Lauf. Wieder einmal schien es, als lebe Angelika in einer Märchenwelt

in Hollywood. Die Schulden der Mutter, die inzwischen von 80.000

DM auf 120.000 DM gestiegen waren, ignorierte der vermögende

Mann. Es würde ihn nicht interessieren, schließlich wolle er nicht die

Mutter, sondern Angelika heiraten.

Die im Hamburger Hafen liegende „Passat“ mietete er für eine

Verlobungsfeier, zu der er am 9. Februar 1958 vierzig Personen

eingeladen hatte. Darunter auch den brasilianischen Konsul in

Hamburg und natürlich – Angelikas Mutter.

Ohne einen blassen Schimmer einer leisen Ahnung erschien

Angelikas Mutter zu der Feierlichkeit. Niemand hatte ihr gesagt, das

es sich hierbei um die Verlobung ihrer Tochter handeln sollte. Als sie

im Bilde war, schmiss sie ihren Schwiegersohn in spe auf direktem

Wege aus dem Haus. Mit dieser Aktion hatte sie sich ausnahmsweise

einmal korrekt und mütterlich verhalten. Doch da war es fast schon

zu spät. Angelikas Mutter hatte die Dreistigkeit des jungen Mannes

weit unterschätzt.

In den drei Wochen, in denen er in Deutschland lebte, hatte er alle

notwendigen Papiere Angelikas besorgt, um damit eine romantische

Flucht vorzubereiten. Sein Ziel war es Angelika zu heiraten. Das

junge Mädchen glaubte in einem schwachen Moment, dass die Heirat

und die Flucht nach Amerika die einzige Lösung für sie bedeuten

würde. Das Licht am Ende des Tunnels, die Rettung aus den

Fittichen der Mutter, die über ihr Leben wacht und ständig neue

Probleme verursacht.

Dietmar flog zurück nach Florida, jedoch ohne Angelika.

Im April 1958 wurde auf dem amerikanischen Generalkonsulat

zwischen Deutschland und Amerika per Telefon eine amerikanische

Ferntrauung vollzogen. Kurz darauf wurde Angelika mit Anrufen

bestürmt. Sie möge doch auf dem schnellsten Wege nach Amerika

reisen. Das amerikanische Generalkonsulat teilte ihr mit, dass ihr

Verlobter für sie eine Flugkarte nach Amerika geschickt habe.


3

Angelika Meissner

Hinter den Kulissen

Angelika verschob ihre Reise nach Amerika von Tag zu Tag.

Sie hatte Angst. Große Angst. Angst vor Amerika – dem neuen,

unbekannten Land. Angst vor den Personen – die ihr alle fremd

wären. Angst vor dem Leben – und den Dingen, die ihr das Leben

abverlangt.

Diese Ängste zählten zum Verdienst der Mutter – das hatte ihre

Mutter aus ihr gemacht, das Ergebnis ihrer jahrelangen, verfehlten

Erziehung. Die Reise nach Amerika kam nicht zustande.

„Die deutschen Behörden haben diese Ehe nicht anerkannt.“ Nach

vier Monaten und Zehntagen erklärte sie sich auf dem Postweg für

geschieden. Ihren „Ehemann“ sah sie nie wieder. Wenige Monate

später berichtete der ‚Spiegel‘ über diesen denkwürdigen jungen

Mann.

Wer war dieser Dietmar A.B. Bezold wirklich?

„Ein Tausendsasa, der weder Millionär noch Konsul, noch

Generaldirektor war, der nie eine Zitrusfabrik besaß, sondern nur dort

beschäftigt war, der sich selbst zum ‚Aufsichtsrats-Vorsitzenden‘

seiner Fantasiefirma‚ Florida International House‘ machte.

Dietmar Amandy Beverly Bezold heißt in Wirklichkeit schlicht und

einfach Wolfgang Bezold, ist ganze 22 Jahre alt, stammt aus

Rosenheim in Bayern, wanderte 1956 nach Amerika aus und arbeitet

als kleiner Angestellter in Tampa im Staate Florida. Übrigens hat er

Angelika die Ferntrauung mit falschen ‚Dokumenten‘

vorgeschwindelt.“


ANGELIKA

MEISSNER


Der Schauspieler und

Kameramann Peter Tost wurde

am 7. April 1939 in München

geboren.

Als Schauspieler gewann Peter

Tost 1954 nationalen

Bekanntheitsgrad durch seine

Mitwirkung in der Erstverfilmung

von Erich Kästners Klassiker

„Das fliegende Klassenzimmer“.

Neben bereits etablierten

Schauspielern wie Paul Dalke,

stand er gemeinsam mit Paul

Klinger und Peter Kraus vor der

Kamera. In „Die Mädels vom

Immenhof“ und „Hochzeit auf

Immenhof“ mimte er den

Schmiedesohn „Mans“.

In „Der Engel, der seine Harfe

versetzte“ stand er 1959 ein

zweites Mal mit seinem

Immenhof“ - Kollegen Matthias

Fuchs vor der Kamera. Als

Schauspieler übernahm er weitere

Rollen in Streifen wie „Geliebtes

Fräulein Doktor“ (1954)

„Liebesbriefe aus Mittenwald“.

Im Jahr 1961 stand er ein letztes

Mal als Schauspieler vor der

Kamera, in dem Fernsehfilm „Du

holde Kunst – Szenen um Lieder

von Franz Schubert“.

Anschließend verabschiedete

sich Peter Tost aus dem

Schauspieler Beruf. Dennoch

blieb er dem Filmgeschäft treu.

Er traf die Entscheidung

Kameramann zu werden und

absolvierte eine Ausbildung im

Bavaria-Kopierwerk. In seiner

neuen Tätigkeit als Kameramann

verzeichnete Peter Tost weiterhin

Erfolge. In der Fernsehserie

„Kommissar Freytag“ (1963-1966)

und „Waldheimat“ (1982) stand er

hinter der Kamera.

Peter Tost

im ZeitBlatt

Interview


DAS

INTERVIEW

Ariane Rykov – von Niepello:

Herr Tost, wie sind Sie damals zu

dem Casting gekommen? Und

welche Kriterien gab es, dass Sie für

den Film engagiert worden sind?

Peter Tost:

Ich wurde mit dem Film „Das

fliegende Klassenzimmer“ bekannt.

Dadurch wurde ich zum Kinderstar

und wurde für die Immenhof-Filme

engagiert.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wenn Sie heute an die damalige Zeit

zurück denken, welche Erinnerungen

haben Sie an die Figur des

Schmiedesohns Mans?

Peter Tost:

Ein gestandener Sohn vom Schmied

und Freund von Dick und Dalli.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie gestaltete sich die Arbeit an

der Rolle des Mans?

Peter Tost:

Durch sehr einfühlsame

Regisseure, die mich mit einer

Schauspielererfahrung aus

anderen Filmen führen konnten,

war auch die Rolle als „Mans“ eine

weitere tolle Erfahrung.

Ariane Rykov – von Niepello:

Heidi Brühl in der Rolle der Dalli

wirkte frei und lebenslustig. Im

wirklichen Leben genau wie im

Film?

Peter Tost:

Heidi, spielte sich selbst und Ihren

Lebensmut 1:1 so auch als

Immenhof Dalli und Pferdenärrin.

Ariane Rykov – von Niepello:

Angelika Volker Meissner erschien

zusammen mit Ihrer Mutter am Set,

inwiefern beeinflusste ihre Mutter

die Dreharbeiten und wie war die

Stimmung vor Ort?

Peter Tost:

Leider negativ, wurde auch von der

Regie sehr oft des Sets verwiesen,

nicht nur bei den Immenhof-

Filmen.

Ariane Rykov – von Niepello:

In „Das fliegende Klassenzimmer“

von Erich Kästner spielten Sie eine

Hauptrolle, wenn Sie an diese

Filmarbeit zurückdenken, was

kommt Ihnen als erstes in den

Sinn?


Peter Tost:

Das fliegende Klassenzimmer war

eine wunderbare Zeit.

Gerne denke ich an meinen lieben

alten Schauspielkollegen Paul Dalke

zurück, der mir unendlich viel mit

seiner Erfahrung helfen konnte und

mir wertvolle Tipps für andere Filme

mitgeben konnte.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere

zurück blicken, wofür sind Sie am

dankbarsten?

Peter Tost:

Für die Entscheidung, Kameramann

zu werden und über die Ausbildung

im Bavaria-Kopierwerk. Den Weg

habe ich bis heute in keiner Weise

bereut.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wollten Sie schon als Kind

Schauspieler werden?

Peter Tost:

Eine Schauspiellaufbahn war von

mir und meinen Eltern nie geplant.

Ariane Rykov – von Niepello:

Warum hatte Immenhof zu der

damaligen Zeit einen solchen

Erfolg und warum heute genau so?

Peter Tost:

Weil die Bücher bzw. die Filme, die

heile Welt vermitteln, was gerade

für die Kinder aber auch für

Erwachsene die Sehnsucht weckt.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wonach suchen Sie als

Schauspieler?

Peter Tost:

Mit in Kürze 80 Jahren suche ich

als Rentner nur nach Gesundheit

und seelischer Ausgeglichenheit.

Ariane Rykov- von Niepello:

In diesem Jahr erschien eine

Neuverfilmung zu Immenhof – bzw.

eine an die Filme von damals

angelehnte Verfilmung. Wie denken

Sie heute, unabhängig von

Immenhof über Neuverfilmungen

alter Klassiker?

Peter Tost:

Ich halte sehr wenig von

Neuverfilmungen von Klassikern,

denn egal wie gut man versucht die

„Magie&Charme“ des alten Filmes

in den neuen zu bringen, wird dies

nie geschehen. Die alten Klassiker

haben etwas, was man heutzutage

mit neuen Filmen nur sehr schwer

erreichen kann.

Ariane Rykov – von Niepello /

ZeitBlatt Magazin:

Wir bedanken uns recht herzlich

für dieses Interview!

Vielen Dank an Peter Tost, auch

für die Signierung der

zugesandten Immenhof

Fotografie.


Die Schauspielerin und Tänzerin Christiane König wurde am 7.

Oktober 1932 geboren.

Im Alter von zwölf Jahren begann Christiane König eine

Tanzausbildung bei der Tänzerin, Choreografin und Pädagogin

Lola Rogge.

Das Staatstheater Aachen engagierte sie 1952 als Tänzerin, zwei

Jahre später, 1954, wurde sie am Theater am Besenbinderhof in

Hamburg engagiert. Gustaf Gründgens, der damalige Intendant

des Schauspielhaus Hamburg, wo Christiane König ebenfalls

engagiert war, empfahl ihr Schauspielunterricht zu nehmen. Diesen

Rat lehnte die Künstlerin zunächst ab, da sie sich allem voran als

Tänzerin und weniger als Schauspielerin sah. Später erhielt sie

durch das Schauspielhaus das Angebot für ein Schauspiel-

Stipendium – welches sie schließlich annahm.

In „Tanz in der Sonne“ gab sie 1954 ihr Filmdebüt, in der

Märchenverfilmung „Der Froschkönig“ stand sie im selben Jahr

nochmals vor der Kamera. In beiden Produktionen trat die

Schauspielerin als Siglinde König auf. Ihren Geburtsnamen

Siglinde tauschte sie wenig später und nannte sich Christiane

König.

In „Die Mädels vom Immenhof“ spielte Sie die Rolle der älteren

Schwester Angela der beiden Schwestern Dick und Dalli. Die

Produktionsfirma bot ihr einen 3-Jahresvertrag an, den sie

annahm. In dem Spielfilm „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“

sollte sie die Hauptrolle übernehmen. Als sie sich weigerte eine

Beziehung mit Produzent Gero Wecker einzugehen, wurde ihr

Vertrag stillschweigend aufgelöst und Marion Michael erhielt die

Hauptrolle. Gero Wecker bot ihr ein Auto, eine Wohnung und

einiges mehr an, wenn Sie sich bereit erklären würde – seine

Geliebte zu werden. Nach einem erfolgreich geführten

Arbeitsprozess erhielt sie kaum noch Filmangebote und wurde auf

Eis gelegt. In den anschließenden Immenhof-Filmen blieb sie

unberücksichtigt – Angela verstarb und Karin Andersen, wurde für

die anschließenden Immenhof-Filme, die von Gero Wecker

produziert wurden, engagiert. Bei der Premiere von „Die Mädels

vom Immenhof“ sprach man ihr das Auftrittsverbot aus. „Wir

standen alle oben auf der Bühne, ich wollte gerade die Treppen

heraufgehen, als die Aufnahmeleitung zu mir kam und sagte, ich

hätte Auftrittsverbot.“

Im Jahr 1963 heiratet Christiane König Austin Armbrecht, dessen

Namen sie annahm. Ihren Mann lernte sie zuvor im Urlaub kennen.

Austin Armbrecht betrieb ein Hotel auf Ibiza, sie zog zu ihm und

gab ihre Schauspielkarriere auf. Das Ehepaar Armbrecht blieb bis

zum Tod von Austin Armbrecht verheiratet, aus der Ehe ging

Tochter Lilian hervor. Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte Sie

das Anwesen und zog 1993 nach Mallorca. Heute lebt sie in dem

kleinen Ort Portals Nous unter dem Namen Christiane Armbrecht.

Für den von Florian Gottschick inszinierten Kurzfilm „Martha“

kehrte Christiane Armbrecht vor die Kamera zurück, der Film

wurde auf Mallorca gedreht, sie übernahm die Rolle der

Großmutter.

Eigens für das 60. Immenhof Jubiläum war Christiane Armbrecht

2015 nach Malente gereist und besuchte dort noch einmal das Gut

Rothensande und weitere Drehorte von damals. Während ihres

Besuches in Malente sprudelten die Erinnerungen an eine

„unvergessliche, wunderschöne Zeit“ aus der 82-jährigen Dame nur

so heraus. Sie erinnerte sich bis ins kleinste Detail an den Anfang

ihrer Filmkarriere.

„Ich bin so glücklich, heute hier sein zu können und habe auch das,

wie schon damals die Rolle der Angela jeweils einem Zufall zu

verdanken.“

Mario Würz organisierte das Gala Programm zum Jubiläum, Jahre

vorher war er damit beschäftigt, herauszufinden wo Christiane

König derzeit lebt, ob sie überhaupt noch lebt. Seine Versuche, die

Schauspielerin ausfindig zu machen scheiterten. Bis er schließlich

ihre Spur nach Mallorca verfolgen konnte. Dort besuchte Sie ein

Konzert und wurde von einem Zauberer als Assistentin auf die

Bühne gerufen. Der Veranstalter stellte sie als eine der Immenhof-

Hauptdarstellerin vor.

Als erste Schauspielerin machte Sie bereits in den 50er Jahren

eine heute als „Me-too“ bekannte Debatte öffentlich. Weil sie sich

weigerte, mit einem Produzenten zu schlafen flog Sie aus der

Filmbranche – der Fall ging damals durch die Presse „Junge

Schauspielerin Christiane König klagt gegen große

Produktionsfirma.“

„Wenn Sie begabt sind, kommen Sie auch weiter. Aber nur über

die sogenannte Besetzungscouch.“

Ihre Geschichte ging durch alle Zeitungen, im Anschluss

konzentrierte sich die Schauspielerin auf Theaterrollen. Jedoch

bedeutete das Ende der Filmkarriere für Sie nicht das Ende ihres

Vertrauens in das eigene Talent. „Dann eben Theater“ sagte sich

die junge Schauspielerin. „Die Zeit, die ich als Bühnenschauspielerin

arbeitete, war ich selten ohne Engagement.“

- sagte Christiane König in einem Interview. Unter anderem spielte

Sie zusammen mit Gert Fröbe und Gulietta Masina.

In dem Drama „Das kunstseidene Mädchen“ und in dem Musikfilm

„Ich zähle täglich meine Sorgen“ war sie 1960 nochmals vor der

Kamera zu sehen. Weiterhin trat sie im Theater auf. Sie stand in

der Kleinen Komödie in Hamburg, sowie am Roßmarkt in

Frankfurt am Main auf der Bühne. Während ihrer Zeit als

Theaterschauspielerin erhielt sie diese „Anträge“ wie jenen von

Immenhof Produzenten Gero Wecker nicht.

Links: Schauspieler und Kameramann Peter Tost

Rechts: Schauspielerin und Tänzerin Christiane König


DAS

INTERVIEW

Ariane Rykov – von Niepello:

Frau Armbrecht, wie sind Sie

damals zu dem Casting gekommen?

Und welche Kriterien waren

ausschlaggebend, dass Sie für den

Film engagiert worden sind?

Christiane König:

Meine Managerin, Charlotte Serda

hatte mir das Casting organisiert.

Ich dachte, ich wäre bereits für die

Rolle engagiert, dass mein erster

Drehtag mein Casting war, erfuhr ich

erst einen Tag später, als man mir

mitteilte, dass ich die Rolle

bekommen hatte.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wenn Sie heute an die damalige Zeit

zurück denken, welche

Erinnerungen haben Sie an die

Figur der Angela?

Christiane König:

Ich habe eine schöne und freudige

Erinnerung. Anstrengend, aber

auch, da ich zur gleichen Zeit noch

Theater in Hamburg spielte.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie gestaltete sich die Arbeit an

der Rolle der Angela?

Christiane König:

Margarete Hagen, Sie spielte die

Großmutter und stand an meiner

Seite mit Ihren großen

Erfahrungen, war eine gute Hilfe.

Ariane Rykov – von Niepello:

Sie standen mit der damals sehr

jungen Heidi Brühl vor der Kamera,

an welche Momente erinnern Sie

sich zurück?

Christiane König:

An Heidi Brühl denke ich oft und

gerne zurück. Sie war immer lustig

und wollte stets mit mir tanzen, da

ich bevor der Film begann eine

3-jährige Tanzausbildung bei Lola

Rogge in Hamburg absolviert hatte.

Ariane Rykov – von Niepello:

Angelika Volker Meissner erschien

zusammen mit Ihrer Mutter am Set,

in wie fern beeinflusste ihre Mutter

die Dreharbeiten und die Stimmung

vor Ort?

Christiane König:

An die Mutter von Angelika

Meissner kann ich mich nur

schlecht erinnern. Nur weiß ich,

dass Sie es ihrer Tochter am Set

sehr schwer machte und oft das

Atelier verlassen musste.


Ariane Rykov – von Niepello:

In Immenhof standen Sie für einen

Teil vor der Kamera, für weitere

Filme hatte man Karin Andersen

engagiert. Wie fassten Sie diese

Entscheidung damals auf?

Christiane König:

Das Karin Andersen für meine Rolle

engagiert wurde, wusste ich nicht

und es kam sehr plötzlich. Da es

sehr plötzlich kam, nehme ich an,

das der Grund war, dass ich nicht

die Geliebte von dem Produzenten

wurde.

Ich hatte bereits einen 3-Jahres

Vertrag, die nächsten Rollen

standen schon fest (Das Mädchen

aus dem Urwald), aber da ich mich

weigerte die Geliebte zu werden,

wurde der Vertrag still und heimlich

zurückgezogen.

Meine Agentin, Charlotte Serda,

ging dagegen an und es ging durch

viele Zeitungen: “Junge

Schauspielerin klagt gegen großen

Produzenten.“ Daraufhin wurde ich

erst-mal auf Eis gelegt. Ich machte

mir nicht allzu viel daraus, da ich so

jung war und außerdem noch

Theater spielte.

Ariane Rykov – von Niepello:

In der heutigen Zeit gibt es heftige

Debatten über das Thema Sexismus

in der Filmbranche, wie behandelte

man diese Thematik in den 50er

Jahren?

Christiane König:

Es wurde öffentlich nicht darüber

gesprochen und ich war damals

sehr empört als ich das Angebot

des Produzenten bekam. Ich war

eine der ersten, die dieses Thema

damals öffentlich machte.

Ariane Rykov – von Niepello:

Sprachen Sie jemals mit Carola

Bornée über Ihren Mann? Wie

reagierte Sie?

Christiane König:

Vor ungefähr 2 Jahren sprach ich

mit Frau Bornée, da ich den Grund

wissen wollte warum mein Vertrag

so kurzfristig gekündigt worden

war.

Auch meine Fans sprachen mich

wieder darauf an. Sie gab mir eine

Antwort und sagte: „zu der Zeit

haben wir uns noch geliebt“, heißt,

es könnte nicht stimmen, dass der

Produzent mich als seine Geliebte

haben wollte und mir dafür Auto,

eine Wohnung und weiteres

angeboten hatte.

Ariane Rykov – von Niepello:

Hatten Sie das Gefühl, das Paul

Klinger von Anfang an seine

Ehefrau Karin Andersen in das

Projekt Immenhof integrieren

wollte?

Christiane König:

Dazu kann ich leider nichts sagen,

aber hilfreich verhielt er sich am

Set mir gegenüber nicht.

Ariane Rykov – von Niepello:

Könnte man in Ihrem Fall von

Mobbing am Arbeitsplatz

sprechen? Wie denken Sie heute

darüber?

Christiane König:

Zu meiner Zeit kannte ich

‚Mobbing‘ nicht. Heute finde ich es

nur gut, dass es endlich zur

Sprache gebracht wird. Ich war die

erste vor über 60 Jahren, die das

Thema in die Zeitung brachte, ohne

zu wissen, was daraus entsteht.

Ariane Rykov – von Niepello:

Die Filmbranche wird oftmals als

sehr oberflächlich beschrieben,

wie denken Sie heute über Branche

und Beruf des Schauspielers, der

Schauspielerin?

Christiane König:

Ich habe eine schöne Zeit gehabt,

am Theater habe ich so einen

‚Antrag‘ nie erlebt. Heute möchte

ich diesen schönen Beruf nicht

mehr haben.

Ariane Rykov – von Niepello:

Denken Sie oft zurück an die Zeit

in Deutschland, die Zeit als

Schauspielerin? Welche

Erinnerungen verbinden Sie im

positiven Sinne mit dem

Immenhof?

Christiane König:

Ich denke gerne an die Zeit als

Schauspielerin (und den

Immenhof) zurück, da auch meine

Fans mir treu geblieben sind.

Wir bedanken uns sehr herzlich für

dieses spannende Interview – und

wünschen Ihnen weiterhin alles

erdenklich Gute liebe Frau Armbrecht!

Ihr ZeitBlatt – Team.


Christiane König


Christiane König

in Malente 2015


Christiane König in Malente 2015


Christiane

König


6

Chaos um eine Traumvilla

Angelika Meissner

Angelika Meissner konnte die Dreharbeiten für die Fortsetzung der

Immenhof Filme kaum erwarten. Endlich würde sie zurückkehren zu

Ihrer „Ersatzfamilie“ bestehend aus Carola Bornée, Heidi Brühl und

Margarete Hagen – die Angelika Meissner in späteren Jahren als

eine meist ernsthafte Frau beschreibt.

Die Seelandschaft um Malente und Eutin als Kulisse für herrliche

Außenaufnahmen – ein Traum! Angelika träumt von den

Hunderttausenden Menschen, die in die Kinos strömen, um dort

einige schöne Stunden in Harmonie, umgeben von ländlicher Idylle

zu verleben. Zusammen mit ihren Filmpartnern, noch dazu in einer

herrlichen Landschaft, könne man sie dann in Eastman-Color

bewundern.

Diesmal hatte Carola Bornée auch ihren beiden Töchtern eine Rolle

im Film übertragen.

Angelika Meissner erinnert sich an freudige Momente in denen sie

sich zusammen mit Heidi Brühl köstlich darüber amüsierte wie Angela

Wecker um ein Eis bat. So kam es vor, dass sie beide mehrmals

nachfragten, denn sie amüsierten sich köstlich über das niedliche

Lispeln des Mädchens.

Während der Dreharbeiten des Dritten Immenhof Films in Malente

lernte Angelika Meissner den Bürgermeister von Lensahn, Dr. Kühn,

kennen.

Dieser unterbreitete dem erst siebzehnjährigen Mädchen – dass

durch die Immenhof Filme in Holstein zum Star avancierte, ein

Angebot.

Der Bürgermeister offerierte Angelika eine Option, sich in Lensahn

niederzulassen. Es ergab sich die Gelegenheit zu einem günstigen

Immobilienkauf. Angelikas Mutter ergriff die Gunst der Stunde und

langte sofort zu. Unberücksichtigt der Tatsache, dass die für einen

Hauskauf benötigten finanziellen Mittel nicht zur Verfügung standen.

Die Tatsache das es ihr finanziell nicht möglich war, eine Immobilie

zu erwerben, ignorierte Angelikas Mutter und mietete das Objekt

vorerst an. Nachdem sie den Mietvertrag unterzeichnete, nahm sie

einen großzügigen Kredit in Höhe von 80.000 Mark auf. Mittels dieser

Summe sollte das gemietete Objekt umgebaut werden. Der Name

Angelika Meissner bürgte für diese Summe.

Angelika Meissner erinnert sich: „Ich weiß nicht, wie sie das gemacht

hat, aber es wurde ein Traumhaus daraus. Sie lies alles umbauen:

Hausbar, Garage, Bad, Fernsehen.“

In jener Zeit, als Angelika sich mit dem denkwürdigen jungen Mann

aus Amerika verlobte, kündigte ihre Mutter einen zweiten ARCA

Garantievertrag mit über 60.000 Mark. Aus unerfindlichen Gründen!

Das Haus verwandelte sich während des Umbauprozesses in eine

wahrhaftige Traumvilla. Ein Bad mit hellrosa Wanne wurde aufwendig

in resedagrün gekachelt, weiterhin wurden sämtliche Möbelstücke

eigens für dieses Haus angefertigt. Die Bewohner von Lensahn

waren stolz, einen so berühmten Filmstar in der Nachbarschaft

begrüßen zu dürfen.

Am 12. Januar 1958 war es endlich soweit – die Traumvilla wurde

bezogen. Der Erfolg des Mädchens – ein Nutzen für die Bewohner,

allem voran für jene, die durch ihre Dienstleistungen am Umbau des

Hauses beteiligt waren. Ein Glaube, der sich später als Irrglaube

herausstellen sollte. Die Kaufleute und Handwerker hatten ihre

Rechnungen übermittelt und hofften sogleich auf die baldige

Übermittlung der Zahlung von Frau Meissner.

Diese bot Ihnen während des Umbaus an – bereits im Vorfeld die

Abschläge zu bezahlen. Weil es seiner Zeit nicht üblich war, lehnten

sie ihr Angebot ab.

Es verging Woche um Woche ohne Zahlungseingang, langsam

wurden die Beteiligten ungeduldig. Was nun folgte, war so erfreulich

nicht – Mahnungen die unbeachtet blieben.

Es war verwunderlich, dass Frau und Fräulein Meissner die meiste

Zeit abwesend waren. Hierfür blieb nur die Erklärung, das beide auf

Grund zahlreicher Filmangebote sehr beschäftigt waren – dennoch

wurde man misstrauisch.

Die bestehende Situation erdrückte die junge Schauspielerin

zunehmend. Sie und ihre Mutter befanden sich plötzlich in Hamburg.

Dort wollte Mutter Meissner eine Geschäftsidee aufziehen und mit

Angelikas Hilfe umsetzen – einen Versandhandel mit Teenager

Bedarfsartikeln! Permanent wurden Waren angefahren, unter deren

Lieferscheine Angelika Meissner ihren Namen setzte. Während

dieser Zeit kontaktierte sie das amerikanische Generalkonsulat – es

ging um die Flugkarte nach Amerika. Diese sollte Angelika von dem

ehemaligen Verlobten erhalten.

Die Schlinge zog sich enger und enger, kleine Probleme enttarnten

sich als große Katastrophe. Angelika wollte zurück nach Lensahn –

was nun nicht mehr möglich war.

Mutter Meissner erklärte ihr, dass eine Rückkehr unmöglich wäre.

Dort gäbe es zu viele Gläubiger die nur auf ihre Rückkehr warten

würden, sie müssten schnell ins Ausland fliehen.

Mit 4,50 Mark in der Tasche setzte sich Angelika in den Ford ihrer

Mutter, sie flüchtete nach Lensahn zu einer Freundin. Bereits am

nächsten Morgen sprach sich ihre Ankunft in dem kleinen Ort herum.

Ihre Gläubiger eilten mit unbezahlten Rechnungskopien herbei –

schließlich wurde das Auto gepfändet.

In ihrer Verzweiflung rief Angelika ihren Vater in Berlin an.

„Ich kann nicht mehr! Mutti macht mich verrückt! Bitte, bitte hol mich

zu dir!

Mutti ist so seltsam, zeitweise kommt sie mir richtig verrückt vor. Ich

habe manchmal tatsächlich etwas Angst, sie könnte mir nach dem

Leben trachten.“

Der Vater übersendete Fahrgeld – Angelika holte zunächst den

jüngeren Bruder Jens in Plön im Internat ab und fuhr nach Berlin.

In Berlin wollte sie all das vergessen – endlich abschalten von den

Strapazen, verursacht durch die Mutter.

Ihr Wille, vom Wunsche beseelt, die Realität war eine Andere.

Am nächsten Morgen, war der Vater bereits auf dem Weg zur Arbeit,

Angelika lag noch im Bett. Es klopfte an der Tür. Zwei stämmige

Beamtinnen der Berliner Kriminalpolizei holten Sie aus dem Bett. Die

Beamtinnen wollten von ihr wissen, wo ihre Mutter sei – Angelika

konnte es ihnen nicht sagen. Sie war weg – einfach verschwunden!

Es lag ein Haftbefehl von der Staatsanwaltschaft in Lübeck vor, die

Schauspielerin wurde von der Kriminalpolizei mitgenommen. Angelika

Meissner wurden „betrügerische Handlungen“ vorgehalten. Sie werde

verdächtigt, gemeinsam mit der Mutter in mehreren Fällen Schulden

in beträchtlicher Höhe verursacht zu haben. Zu ihrer Verteidigung

warf sie ein, dass lediglich die Mutter die Geldgeschäfte

vorgenommen hatte – sie damit nichts zu tun habe.


6

Chaos um eine Traumvilla

Angelika Meissner

Jedoch hatte Angelika mitunterschrieben und somit war sie

mitverantwortlich. Aufgrund einer möglichen Fluchtgefahr – ist sie in

Untersuchungshaft zu nehmen. Außerdem bestehe in nächster Zeit

nicht die Möglichkeit, die verursachten Schulden zu begleichen. Eine

Haftverschonung wäre lediglich dann möglich, wenn es eine Person

gäbe, die für die Summe bürgen würde.

Da ihr Vater selbst noch unter den finanziellen Eskapaden seiner

Ex-Frau zu leiden hatte, kam er als möglicher Bürge nicht in Betracht.

Die Schauspielerin erinnert sich an ihren Vertrag mit der ARCA, der

ihr 60.000 Mark garantieren sollte. Die einzige Hoffnung auf Hilfe, das

wäre die ARCA, Gero Wecker und seine Frau Carola Bornée. In ihrer

Verzweiflung erzählte das Mädchen, sie stände bei der ARCA unter

Vertrag und würde in der nächsten Zeit bei zwei Produktionen

mitwirken. Der Vertrag könnte eventuell sogar verlängert werden,

oder Herr Wecker könne vielleicht sogar für sie bürgen. Freilich

entsprach das nicht den Tatsachen, es entsprach viel mehr dem Griff

nach dem letzten Strohhalm, eines jungen, verzweifelten Mädchens.

Auszug aus dem STERN:

„Herr Wecker?“

Sagte eine weibliche Basisstimme.

„Hier ist die Kriminalpolizei.

Herr Wecker, wir wollen Sie nicht erpressen, sondern nur von Ihnen

wissen, ob Sie bereit sind, der Angelika Meissner einen langfristigen

Vertrag zu geben?“

Der Filmproduzent lächelte säuerlich.

Er fragte: „Wer ist denn überhaupt da? Sie können mich doch nicht

mehr auf den Arm nehmen, Frau Meissner! Mich doch nicht mehr!“

Und hing den Hörer auf. Er kalkulierte – durch Erfahrung gewitzt –

dass Mutter Meissner sich einen Scherz mit ihm erlaubt habe.

Einen jener Scherze, wie die sonderbare Mutter von Angelika sie nun

einmal liebte – über die aber niemand lachte.

Doch der Filmproduzent täuschte sich.

Vielleicht kam er nachträglich auf den Gedanken, die Basisstimme

könnte tatsächlich der weiblichen Kriminalpolizei angehören.

Vielleicht brachte ihn auch seine Sekretärin darauf – jedenfalls rief er

das Landeskriminalamt in Berlin Schöneberg an und fragte ein wenig

herum. Und siehe da: Die Basisstimme gab es wirklich bei der

Kriminalpolizei. Sie sagte: „Wir haben hier einen Haftbefehl von der

Staatsanwaltschaft in Lübeck. Wir haben ihn heute Morgen auch

vollstreckt. Fräulein Meissner wird in Untersuchungshaft bleiben

müssen, da Fluchtgefahr besteht – es sei denn, Sie sind bereit, eine

Bürgschaft über hundertzwanzigtausend Mark zu übernehmen und

dafür zu sorgen, dass Fräulein Meissner nicht Berlin verlässt.“

„Hundert zwanzigtausend...?“ wiederholte Wecker fassungslos.

„Natürlich“, erklärte die Basisstimme lakonisch. „So hoch sind die

Schulden die Fräulein Meissner und ihre Mutter gemacht haben.“

Angelika hatte bei der ARCA insgesamt vier Filme einschließlich der

Immenhof“-Serie gedreht.

Dafür hatte sie letztendlich rund 40.000 Mark erhalten. Aber Gero

Wecker wusste nur zu gut, dass Angelika nie mehr als fünf Mark

davon in der Tasche gehabt hatte. Wie konnte sie da so viele

Schulden gemacht haben?

Die Kriminalbeamtin verriet ihm, was er längst ahnte: „Die Mutter hat

diese Schulden gemacht – aber auf den Namen ihrer Tochter, und

Fräulein Meissner hat mit unterschrieben.“

Gero Wecker seufzte. „Und warum rufen sie ausgerechnet mich an?“

Der letzte Film, den er mit Angelika gemacht hatte, war schon ein

Jahr alt. Bis zu diesem Tag – dem 7. Juli 1958 – hatte er keine neuen

Pläne mit ihr. Ursprünglich war für den Sommer 1958 zwar etwas

vorgesehen gewesen: der „Immenhof“ - Film Numero 4 mit dem Titel

„Sommernacht auf Immenhof“. Die Vorbereitungen dazu waren

getroffen worden: die bewährte Filmcrew sollte unter Regisseur Hans

Deppe spielen. Doch dann wurde die Herstellungsleitung Carola

Bornée krank und die ganze Sache fiel ins Wasser. - Manchmal rief

Angelika an und fragte, ob es etwas Neues gäbe und manchmal

dachte Gero Wecker, wenn er einen Stoff las, diese oder jene Rolle

könnte die kleine Meissner spielen, aber es kam nichts Konkretes

dabei heraus.

„Warum ich sie anrufe?“ Fragte die Kriminalbeamtin erstaunt. „Ich

denke, Sie machen noch mindestens zwei Filme mit Angelika

Meissner in diesem Jahr?“ Gero Wecker schaltete schnell. Er folgerte

richtig, dass sie das der Kriminalpolizei erzählt hatte. „Ja, wir stehen

in Verhandlungen, aber...“

„Heißt das, dass Sie für die Schulden bürgen?“ Wollte die

Basisstimme wissen. Gero Wecker konterte: „Wenn ich nicht bürge,

was ist dann? Wollen Sie die Kleine dabehalten?“ Er dachte, das

können sie doch nicht tun. Das Mädchen kann doch nichts dafür,

wenn ihre Mutter Schulden macht. Aber die Kriminalbeamtin

versicherte amtlich: „Dann bleibt sie hier. In Untersuchungshaft. Und

zwar bis der Fall geklärt ist.“

„Das kann lange dauern!“ sagte Wecker, „Oja“, sagte die

Basisstimme. „Das kann lange dauern.“

Wenn die Gläubiger aus Kiel, Lübeck, Lensahn und Hamburg das

weinende junge Mädchen auf der Stuhlkante im Betrugsdezernat der

Kriminalpolizei gesehen hätten – sie würden auf der Stelle ihre

Forderungen zurückgezogen haben. Sie wollten ja nicht das

Filmsternchen ins Gefängnis bringen, das ihnen auf der Leinwand so

gut gefallen hatte, ganz im Gegenteil: Sie hatten ihr gutes Geld und

ihre Waren ja gegeben, weil sie hofften, noch viele, viele Filme mit

der beliebten Künstlerin zu sehen. Sie waren, kurz gesagt, Opfer

ihrer eigenen Kinoleidenschaft geworden, die ihre nüchternen

Kaufmannsinstinkte verdorben hatte. Weil die Mutter und die

Kaufleute dem verführerischen Glanz der Traumwelt erlegen waren,

mußte Angelika nun ins Gefängnis. Die Einzige, die nüchtern

geblieben war bei dem ganzen Zirkus.

Gero Wecker beschloss, Angelika zu helfen. Der ARCA - „Boß“, wie

er sich gern bezeichnen ließ, rief seinen Syndikus Dr. Will zu Hilfe;

der entwarf einen „Vor-Vertrag“ ließ den vom Vormundschaftsgericht

genehmigen und erschien damit fünf Minuten nach Dienstschluss bei

der weiblichen Kriminalpolizei. Wecker erklärte in diesem Vertrag

seine Bereitschaft, mit Angelika einen Jahresvertrag abzuschließen,

„dessen einzelne Bestimmungen noch niedergelegt werden müssen.“

Es hieß weiter in diesem Vertrag, dass Angelika monatlich

mindestens 500 Mark von der ARCA erhalten und dafür ständig

dieser Filmgesellschaft zur Verfügung stehen würde.


6

Chaos um eine Traumvilla

Angelika Meissner

Die Kriminalpolizei ließ sich davon überzeugen, dass damit ein Fluchtgrund für Angelika nicht mehr gegeben sei, auch als der Vertrag später

von beiden wieder annulliert wurde. Offenbar waren die nach Tarifordnung A VII besoldeten Beamtinnen von den 500 Mark beeindruckt. Dr. Will

konnte Angelika Meissner gegen Auflagen gleich mitnehmen. Angelika hat dann zwar nur noch einen Film bei der ARCA gemacht („Wunderland

bei Nacht“) - dank der schnellen Hilfe Gero Weckers – hatte sie eine Chance für die Zukunft bekommen.“

Doch was passierte nun mit Frau Hildegard Meissner?

Die Person, die stets eine Schar von Rechtsanwälten beschäftigte, um diverse Personen aus dem beruflichen Umfeld der Tochter vor den

Richter zu zitieren – diese Person stand nun selbst vor Gericht. Hildegard Meissner musste sich wegen Betruges in mehreren Fällen vor Gericht

verantworten. Zunächst verschwand Mutter Meissner ins Ausland – währenddessen war es Angelika gelungen, sich aus den betrügerischen

Fittichen der Mutter zu lösen. Die Schauspielerin verkündete öffentlich: „Meine Mutter ist so seltsam. Zeitweise kommt sie mir richtig verrückt vor.“

Hildegard Meißner wurde durch einen Gerichtspsychiater „für normal, im Sinne des Gesetzes“ eingestuft. Weiterhin hieß es: „ Sie lebe in einem

Starwahn“ und wäre eine „Illusionistin“.

Auf der Grundlage dieses Gutachtens wurde Hildegard Meißner freigesprochen, weil man „der Angeklagten die Betrugsabsichten nicht

ausreichend habe nachweisen können.“

Später trat Mutter Meissner eine Stelle in einem Bonner Heim der inneren Mission an – als Putzfrau.


Dick und Dalli


7

Hochzeit auf

Immenhof

Der zweite Teil der Immenhof Trilogie erschien im Jahr 1956, nach

dem Drehbuch von Per Schwenzen, unter der Regie von Volker von

Collande.

Es agieren wieder die gleichen Menschen, die Island – und Shetland-

Ponies, die herb-schöne, malerische Landschaft der Holsteinischen

Schweiz. Es vergingen zwei Jahre – und vieles hat sich verändert.

Oma Jantzen hat den Immenhof nicht halten können. Die finanziellen

Schwierigkeiten waren ihr über den Kopf gewachsen. Hilflos musste

Jochen von Roth, in dessen Dodauer Haus die Familie eine Zufl ucht

gefunden hatte, mitansehen, wie der Gerichtsvollzieher den geliebten

Immenhof amtlich versiegelte. Jochen von Roth lies nichts

unversucht, um seine Idee, mit der er den Hof hätte retten können, zu

verwirklichen. Doch niemand war bereit, ihm das nötige Geld für sein

Vorhaben zu leihen.

Es steht schlecht um die Leute vom Immenhof, existenzielle Ängste

überschatten die einst sorglose Atmosphäre des Ponyhofes.

Dick ist inzwischen reifer und ernster geworden, sie hilft im Haushalt

und erwies sich Oma Jantzen als große Stütze.

Im Gegensatz zu Dick ist ihre jüngere Schwester Dalli unverändert

geblieben.

In verspielter Sorglosigkeit lebt sie in den Tag hinein, sie ist

glückselig, wenn sie bei den Ponies auf der Koppel sein kann.

Es erscheinen zwei Überraschungsgäste, Ethelbert begleitet von

seinem Freund Ralf.

Die Freude über das Wiedersehen lässt zunächst alle Sorgen

vergessen. Sehr schnell muss Ethelbert erkennen, das vieles anders

geworden ist.

Seine Frau Angela, die ältere Schwester von Dick und Dalli, war

nur wenige Monate nach der Hochzeit gestorben. Sein Gestüt hat er

aufgeben müssen. Allein die Pony-Zucht wird in Dodau mit

bescheidensten Mitteln fortgesetzt. In vier Wochen soll die

Versteigerung des Hofes stattfinden.

Auch das er und Dick sich durch die Zeit der Trennung entfremdet

haben. Oder sollte nicht die lange Zeit zwischen dem Wiedersehen,

sondern der so viel sicherere und verständnisvollere Ralf dran

schuld sein?


Es scheint, dass Ethelberts Eifersucht nicht ganz unbegründet ist,

während Jochen von Roth versucht Geld aufzutreiben,

verbringen die jungen Leute sorglose Tage mit den Ponies

am See. Niedergeschlagen und verbittert muss er jedoch

immer wieder Oma Jantzen berichten, dass der Landrat und

die Kreissparkasse sich entweder verleugnen lassen oder

seinen Plan missbilligen.

Sein Vorhaben ist es, nach schottischen Vorgaben, aus

dem Immenhof ein Pony-Hotel zu machen.

Lange hatte Jochen von Roth über dieses Vorhaben

nachgedacht, sich intensiv Gedanken um die Umsetzung

gemacht. Denn gut zahlende Gäste gibt es mehr als genug

– sodass sich sein Unternehmen schnell rentieren würde.

Doch die Zeit spielt gegen Jochen von Roth, der Tag der

Versteigerung rückt drohend näher.

Niemand kann helfen...

Ethelbert ist völlig verzweifelt, als Dick ihm zu verstehen

gibt, dass sie ihn für einen oberflächlichen und verwöhnten

Jungen hält. Die Worte der geliebten Dick treffen den jungen

Mann tief, sie gleichen einem Schlag, mitten ins Herz.

Das Gesagte konnte er unmöglich so stehen lassen.

Um dem Mädchen zu imponieren, überredet er heimlich Dr.

Pudlich, mit ihm nach Eltville zu seinem reichen Onkel Pankraz

Hallgarten, einem Weingutsbesitzer, zu fahren.

Wenn jemand helfend mit Geld einspringen kann, dann nur

dieser.

Es gelingt Ethelbert und Dr. Pudlich tatsächlich, Onkel Pankraz

zu überreden, mit seiner reizenden Tochter Margot nach

Dodau zu reisen. In Dodau verderben die Ponies den so gut

vorbereiteten Empfang für Onkel Pankraz und Tochter Margot.

Lediglich Dalli gelingt es, den missgestimmten Onkel leidlich zu

versöhnen und ihn sogar auf einen Ponyrücken hinaufzulocken.

Ein absichtsloser Pfiff, und das Pony gewohnt, auf dieses

Zeichen hin zu steigen, sieht Onkel Pankraz sowie Ethelbert‘s

und Dr. Pudlich‘s gut gemeinten Plan an Boden liegen.

Nichts scheint den reichen Onkel mehr in Dodau zu halten.

Dass seine Tochter Margot sich weigert, mit ihm zurückzufahren,

stimmt ihn keineswegs versöhnlicher.


Margot und Jochen haben sich ineinander verliebt.

Doch Pankraz Hallgarten sieht in Jochen von Roth nur einen

Mitgiftjäger. Beide scheiden im Zorn voneinander.

Ethelbert‘s Onkel Pankraz fährt, auch mit seiner Tochter

erzürnt, grollend nach Eltville zurück.

Die Zeit verging wie im Fluge und der Tag der Versteigerung

ist gekommen.

Viele Interessenten, darunter auch potenzielle Bieter, haben

sich eingefunden.

Doch ehe es zum bieten kommt, hat ein Mann mit Melone im

Nacken alles ohne zu handeln gekauft. Sein Vorhaben ist es –

so lässt er verlauten – aus dem Immenhof ein Pony-Hotel zu

machen.

Das ist zu viel für Jochen, der sich nun auch noch um seine

Idee betrogen sieht.

Die Liebe einer Frau bewahrt ihn vor völliger Verzweiflung.

Margot überredet ihn, allen Hindernissen zum Trotz, zu heiraten.

Am Tag der großen Hochzeit folgt die Auflösung über die

denkwürdigen Geschehnisse der letzten Zeit. Onkel Pankraz,

unter dessen rauer Schale ein weicher Kern steckt, hat heimlich

durch den Mann mit der Melone den Immenhof kaufen lassen

und präsentiert ihn nun als Hochzeitsgeschenk.

Nun ist die Harmonie wieder am Immenhof eingekehrt – Oma

Jantzen mit Dick und Dalli sind wieder zu Hause, auf ihrem über

alles geliebten Immenhof.

Am meisten jedoch strahlt Ethelbert: Er ist ja an allem ‚Schuld‘.

Am Ende hatte sie allen Glück gebracht – Die Hochzeit auf

Immenhof.


Ponylied

Trippel trappel,

trippel trappel Pony

Über Felder durch die Wälder,

kreuz und quer

Trippel trappel,

trippel trappel Pony

immer hin und her

Trippel trappel,

trippel trappel Pony

einmal rechts und einmal links

Bergauf Bergab

Trippel trappel,

trippel trappel Pony

mal Galopp mal Trab

Hü-Ho

Hü-Ho

Hü-Ho

Hü-Ho

Trippel trappel,

trippel trappel Pony

Wir sind im Schritt und Galopp

vergnügt und froh

Trippel trappel,

trippel trappel Pony

immer hopplahop


Pony Hopp

Pony hopp, ja du musst traben,

Pony hopp, hast keine Zeit

Und der Weg, den wir noch vor uns haben

ist für kleine Ponys groß und weit

Pony hopp, ja du musst laufen,

Pony hopp, lauf wie der Wind

Dafür kannst du rasten und verschnaufen,

wenn wir dann am Ziel der Reise sind

Wer sein Pony liebt, Pony liebt,

und ihm Zucker gibt, Zucker gibt,

ja, dem geht es gut, dem geht‘s gut,

weil sein kleines Pony alles für ihn tut

Pony hopp, ja du musst traben,

Pony hopp, hast keine Zeit

Und der Weg, den wir noch vor uns haben,

ist für kleine Ponys groß und weit

Pony hopp, ja du musst laufen,

Pony hopp, lauf wie der Wind

Dafür kannst du rasten und verschnaufen,

wenn wir dann am Ziel der Reise sind


Meine Wiege

Stand Im Westen

Meine Wiege stand im Westen und ein Cowboy zog mich auf

und er legte mir ein Lasso in die Wiege mit hinein

Hallo ho, hallo ho, in die Wiege mit hinei-hein

Hallo ho, holla ho, in die Wiege mit hinein

Mit dem Lasso in der Wiege nahm mein Schicksal seinen Lauf

und dann hängte meine Mami meine Windeln daran auf!

Solch ein Cowboy braucht ein Mädel,

braucht ein Mädel treu wie Gold

Darum hab ich mit dem Lasso mir die schönste Braut geholt!

Und dicht oben bei den Sternen nahm die Mustangs mit nach

Haus!

Ja sie fielen an meinem Lasso auf die Erde mit herab!

So ein Pony, das kann alles, ja das weiß viel mehr als wir

Könnte es noch Eier legen, wäre es ein Wundertier

(wär´s im Zirkus und nicht hier)

Dr. Pudlich und die Oma wären so ein schönes Paar

Kommt auch immer was dazwischen einmal wird es doch noch

wahr!

Unser Brautpaar das soll leben, und wir wünschen ihm viel

Glück! Wünschen ihm auch viele Kinder, beider Sorten sieben

Stück! 3xHoch, 3x Hoch! Unser Brautpaar lebe hoch!


8

Volker von Collande

und der fehlende Pfarrer

Am 15. Juli 1956 sorgte der Regisseur, Drehbuchautor und

Schauspieler Volker von Collande für Aufsehen in der

Medienlandschaft Deutschlands. An jenem Sommertage war der

Regisseur bei Bild 86 der Kameraeinstellung 417 – zu „Hochzeit auf

Immenhof“- angelangt.

Im Drehbuch stand geschrieben:

„In der Kirche. Jochen von Roth (Paul Klinger) und Margot Hallgarten

(Karin Andersen) stehen als Brautpaar vor dem Altar.“

Eine besondere Szene für den Regisseur und seine Schauspieler,

schließlich handelte es sich um das Finale des zweiten Immenhof

Teils. Wenige Augenblicke vor Drehbeginn der Szene, kam von

Collande zu der Erkenntnis: Er hatte noch keinen geeigneten

Schauspieler für die Rolle des Pfarrers, der die Filmtrauung

vollziehen sollte, gefunden!

Nun galt es für den Filmmann, das Beste aus der Situation

herauszuholen. Es musste dringend eine zufriedenstellende Lösung

gefunden werden.

Volker von Collande überlegte nicht lange – mit seinem

ausgeprägtem Sinn für das Naheliegende, trug er dem tatsächlichen

Malenter Pfarrer, Friedrich Meier auf, selbst die Rolle des Geistlichen

im Film zu übernehmen.

Friedrich Meier zählte zu den fähigsten unter den Geistlichen im

Bezirk der Landeskirche Eutin.

Der Geistliche zeigte sich angenehm überrascht über das so

plötzliche Angebot des Regisseurs. Das Malenter Gotteshaus würde

durch seinen Auftritt einem Millionen Publikum in Agfa-Color gezeigt.

Ihm erschlossen sich weitere positive Momente, die aus dem

Angebot hervorgehen würden.

Später erläutert er – Ihm wäre bei gelegentlichen Kinobesuchen

aufgefallen, dass meistens katholische Trauungen auf der Leinwand

gezeigt werden. Somit könne es nicht schaden, wenn einmal das

schlichte Bild einer evangelischen Trauungszeremonie präsentiert

werde.

Um sich zu vergewissern, dass die Leitung der Landeskirche Eutin

bei seiner Schauspielerei keine Bedenken sehe, rief er seinen

Vorgesetzten, den Landespropst Wilhelm Kieckbusch in Eutin an.

Der Landespropst war von der Filmidee gleichermaßen angetan und

riet ihm: „Das machen sie man ruhig...“ - seine Besorgnis erwies sich

somit als unbegründet.

Pastor Meier verblieb in seiner Sakristei bis Kameramann Fritz Arno

Wagner den Altar richtig ausgeleuchtet hatte. Nach dem ein „und

bitte“ aus der Regie zu vernehmen war, zelebrierte der Geistliche die

Trauung zwischen dem Filmpaar Paul Klinger und Karin Andersen

genau so, wie er es stets tat – wenn heiratswillige Malenter

Brautpaare vor seinen Altar treten. Als er mit dem Satz endete: „Im

Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heilligen Geistes –

Amen“, winkte Regisseur Volker von Collande zufrieden ab.

Ohne eine vorherige Probe war die Aufnahme perfekt gelungen im

Kasten.

Volker von Collande über die darstellerische Leistung des

Geistlichen:

„Der Pastor hat zauberhaft gesprochen. Die Szene ist so

geschmackvoll und so würdig dargestellt, wie es sich die Kirche nur

wünschen kann. So etwas von sauber und echt in der Ausstrahlung,

und dabei unkompliziert – das kann uns niemals einer von den

Burschen aus der Branche machen...“

Die Geschichte dieser improvisierten Begebenheit wäre den

Immenhof Verehrern und Verehrerinnen vorenthalten geblieben.

Der Zufall wollte es anders – so kam es, dass Theologie Professor

Dr. Helmut Thielicke eine kleine Notiz in seiner Abendzeitung

gelesen hatte. Der 47-jährige Gottesmann wartete zunächst sechs

Wochen „daß im kirchlichen Blätterwald irgendetwas zu rauschen

begänne oder daß hinter kirchenbehördlichen Wänden irgendwelche

Töne von Entrüstung hörbar würden.“

Dr. Helmut Thielicke sah einen Affront gegen die Kirche, einen Frevel

im Hause Gottes. Die Kirche, die in der heutigen Zeit gegen die

Bedeutungslosigkeit kämpft, war während der damaligen Zeit von

existenzieller Bedeutung. Dr. Thielicke betrachtete es als seine

Pflicht, die weltlichen Geschehnisse aus kirchlichem Blickwinkel zu

betrachten und schließlich zu kommentieren. Existenziell die

Hoffnung, mit seinen Berichten und Kommentaren dezent an die

Existenz der Kirche zu erinnern. Als Direktor des Seminars für

systematische Theologie an der Hamburger Universität publizierte

Thielicke zahlreiche Schriften, die bereits im Jahr 1956 einen Umfang

von über 200 überschritten hatten. Eine solche Niederschrift

publizierte er 1956 über die Film-Trauung auf Immenhof.

Es verging Woche um Woche in welcher nichts der Gleichen

geschah. Als „jemand, der in einem öffentlichen Amt verantwortlich

christliche Ethik zu treiben hat und ein Lehrer der Kirche ist“ -

betrachtete er es als seine Pflicht, den folgenden Aufsatz an Bischof

Liljes „Sonntagsblatt“ zu senden.

An dieser Stelle wird der Spiegel zitiert:

„Welche Lohengrin-Aufführung könnte sich wohl einen echten

Schwan leisten?“ schrieb Thielicke.

„Natürlich ist er aus Pappe... Aber die Manager der Mädels vom

Immenhof können sich einen echten Pfarrer leisten...“ Thielicke warf

dem Malenter Pastor vor, als talartragender Mannequin über den

Laufsteg gegangen zu sein und „ein Übersoll an zeremoniellem

Zauber“ erfüllt zu haben: „Denn er hat sich für eine Situation

hergegeben, die gar nicht ernst gemeint war, die nicht einmal einen

irregeleiteten Ernst hatte, sondern ein reines Theater war.“

„Wie“, fragte Thielicke, „wird sich wohl das nächste Brautpaar fühlen,

das an diesen entweihten Altar tritt? Wird es nicht mit der Anfechtung

kämpfen müssen, daß auch seine Traugelübde nicht ganz ernst

gemeint, daß es ein frommes Spiel sei, und daß man dieses Spiel ja

abbrechen könne, wenn einem die Lust woandershin steht?“

Auch die Überlegung des Geistlichen Meier, er werde durch sein

Auftreten vor der Kamera die schlichte evangelische Trau-Zeremonie

dem Bewußtsein eines Publikums einprägen, das im Kino

vornehmlich katholische Eheschließungen sieht, schien dem

Professor Thielicke verfehlt:

„In welcher Art wird hier mit dem Katholizismus umgegangen: Die

katholische Konkurrenz überflügelt uns in Film-Trauungen!“ Also

auch hier, am traurigsten Punkt, bricht der Paritätsfimmel aus. Wir

müssen zeigen, daß wir auch etwas zu bieten haben!“

Schließlich glaubte der Professor Thielicke, am Ende seiner Kritik

nicht auf die Frage verzichten zu sollen, von welchem Stoff die

Silberringe gewesen sind, die von den Gästen der Filmhochzeit beim

Ausgang vermutlich in die Opferbüchsen gelegt oder dem Pfarrer für

seinen Kasualienfonds gegeben worden sind. Waren sie aus

Theaterblech oder Pappmaché´ - oder waren sie wirklich von Silber?


8

Volker von Collande

und der fehlende Pfarrer

Angesichts dieser massiven Attacke fühlte sich „Arca“- Produktionschef

Fiebig veranlaßt, dem bedrängten Pastor Meier zur Hilfe zu

eilen. Treuherzig verkündete er, die Trauung in der Kirche zu Malente

sei keineswegs – wie Thielicke behauptete - „reines Theater“

gewesen, sondern vielmehr eine von der Kamera belauschte „echte

Hochzeit“.

Produktionschef Fiebig verlautbarte, was bis dahin wenige wußten:

Die Schauspieler Paul Klinger und Karin Andersen, die in dem Film

„Hochzeit auf Immenhof“ das glückliche Paar spielen, hatten sich im

bürgerlichen Leben bereits vor zwei Jahren standesamtlich trauen

lassen. Vor der Kamera, erklärte Fiebig, hätten sie nun die kirchliche

Trauung nachgeholt.

„Paul und Karin waren glücklich“, erläuterte die „Arca“-

Herstellungsleiterin Carola Borne‘e, „sie sagten sich, jetzt holen wir

die kirchliche Trauung gleich nach. Paul und Karin baten den

Standphotografen sogar, die Hochzeitsszene gleichzeitig mit der

Handkamera zu filmen – als bleibende Erinnerung.“

Das Argument der nachvollzogenen „echten Trauung“ vermochte den

Theologen Thielicke nicht zu beeindrucken. Er wies darauf hin, daß

weder eine Urkunde vorgelegt noch das Aufgebot bestellt worden war

und daß die Trauung auch nicht in das Kirchenbuch eingetragen

wurde.

Es sei eben doch nur ein Spiel gewesen. Sein Aufsatz mit dem dröhnenden

Vokabular des Leitartikels hat gleichwohl den verschreckten

Pastor noch nicht um sein Amt gebracht.

Obwohl der Professor das Weiteramtieren seines Kirchenbruders

„nicht für möglich“ hielt, wird der Pfarrer Meier, der sich von dem

Schreck und von einer Stirnhöhlenvereiterung zur Zeit in

Bad Salzuflen erholt, auch weiterhin seine Gemeinde betreuen.

Landes-probst Wilhelm Kieckbusch ist nach den Kirchengesetzen der

Einzige, der ihn abberufen könnte. Und der Propst hat schon mit

fester Stimme erklärt, der Amtsbruder Meier bleibe: „Ich trage die

Verantwortung, und ich trage sie gern“.


HEIDI BRÜHL


9

Heidi Brühl

Ein Wort verändert Ihr Leben

Im zarten Alter von nur zwölf Jahren betrat Heidi Rosemarie Brühl

das Büro des Regisseurs Wolfgang Schleif. Der Filmschaffende

befand sich auf der Suche nach einer geeigneten Schauspielerin,

welche die Rolle der Titelheldin Dalli übernehmen sollte. Das junge

Mädchen, dass sich an diesem Tage vorstellte, überzeugte durch ein

Wort – was ihr Leben für immer verändern sollte.

Die am 30. Januar 1942 im München des zweiten Weltkriegs

geborene Heidi, blieb an Schleifs Sessellehne hängen. „Scheißstuhl!“

Ruft sie und lässt damit ihrem Temperament freien Lauf. Dieses

ungezähmte, junge Temperament überzeugte den Regisseur: „Das

ist meine Dalli!“ Die Rolle der lebenslustigen Dalli vom Immenhof war

dem zwölfjährigem Mädchen wie auf den Leib geschrieben. Diese

Erkenntnis erlangte Schleif in jenem Moment.

In späteren Jahren beschreibt Heidi Brühl die Dreharbeiten als die

acht schönsten Wochen ihrer Jugend. Die Mädels vom Immenhof, für

das talentierte Mädchen der Beginn einer großen Karriere und das

Ende einer Kindheit. Das junge Mädchen, das bereits als fünfjährige

Tanzunterricht nahm, stand schon vorher als Schauspielerin vor der

Kamera. Neben Wolfgang Schleif erkannte Produzent und Regisseur

Harald Braun das Talent des Mädchens – er engagierte sie in dem

1954 erschienen Film „Der letzte Sommer“. Heidi erhielt die Rolle der

kleinen Schwester der bereits bekannten Hauptdarstellerin Liselotte

Pulver. Ihr unterstützend zur Seite stand der Vater, der ihre

Neigungen und Talente im frühsten Kindesalter erkannte und

förderte. Der individualistischen Lebenseinstellung des Vaters war es

zu verdanken, dass Heidi ihren Weg gehen konnte. In einer Zeit, die

von Konventionen geprägt war, die Möglichkeit zu erhalten,

bestehende Talente und Fähigkeiten auszuleben, das war ein Glück

und keine Selbstverständlichkeit. Beide Elternteile verbindet wenig

mit der künstlerischen Berufssparte. Ihr Vater Friedrich Brühl, Soldat

und Halbjude- später Kaufmann, der viel lieber Opernsänger

geworden wäre, die Mutter, Anna Ottilie Brandt, Blumenbinderin.

Sie verbindet eine positive Lebenseinstellung die sich auch auf ihre

Tochter überträgt – sie beide waren keine Negativisten mit der

Tendenz skeptisch und unkonstruktiv kritisch zu sein.

Nach dem Krieg verliebt sich Heidis Mutter in einen anderen. Die

Eltern trennen sich als Heidi acht ist. Nach der Scheidung wächst sie

bei Ihrem Vater auf, der auch das Management für sie übernimmt.

Die bestehende Situation impliziert zumindest etwas Positives für ihre

Tochter: Heidi lernt Tanzen. Die Ballettstunden der Tochter

rechtfertigen die Ausflüge der zu diesem Zeitpunkt noch nicht

geschiedenen Mutter.

Ihren ersten Tanzauftritt absolviert Heidi im Bayrischen Hof, wo sie

sich die Zehenspitzen blutig tanzt – da sie ihre Tanzschuhe nicht mit

Watte auspolstert.

„Ich fühlte, dass man hart sein musste gegen sich selbst, wenn man

was erreichen wollte, und bereit, Schmerzen zu ertragen.“

Diese Erkenntnis, die Heidi später in ihrem Buch „Eine kühle Blonde

– bitte“ niederschrieb, begleitete sie ein Leben lang – wenngleich die

Zuschauer sie als lebenslustiges und unbefangenes Mädchen

kennenlernen. Um die Talente seiner Tochter zu fördern, lässt ihr

Vater nichts unversucht, um das Mädchen weiterhin populär zu

machen. Es folgte ein Ballettauftritt beim NWDR-Fernsehfunk dazu

kleine Zeitungsberichte mit Heidi als Münchner Kindl. Die

ambitionierte Künstlerin will Primaballerina werden und landet

schließlich in der Filmbranche. Sie ist stets erfreut, wenn sie auf

Grund von Auftritten nicht die Schulbank drücken muss. Während die

Dreharbeiten zu Immenhof einem Spiel gleichen, beginnt danach der

Ernst der Realität des eigenen Lebens. Neben Dreharbeiten zu

weiteren Filmen wie „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ oder

„Die Frühreifen“absolviert Heidi Gesangs, Sprech- und

Klavierunterricht. Sie studiert fünf Jahre lang Gesang und Tanz,

nimmt Schauspielunterricht und lässt sich zudem in Englisch und

Französisch ausbilden. Parallel dazu arbeitet sie in Vollzeit um den

Unterhalt für sich selbst, den Vater und die Haushälterin zu sichern.

Ihr Management wird von ihrem Vater Friedrich Brühl, den sie gern

Fritz nannte, übernommen. Dieser organisiert Termine und arbeitet

an dem Image des unverdorbenen, unschuldigen Mädchens. Ihr

Image soll absolut rein sein – Männerkontakte sind offiziell tabu,

inoffiziell ist sie verlobt. Seine Devise war es, dass man nur dann

weiter kommt, wenn man besser ist als andere – diesen Leitsatz

vermittelt er seiner Tochter.

Um Heidis Bekanntheitsgrad zu erweitern, versucht Fritz Brühl ihr

den Weg in die Musikbranche zu ebenen – im Alleingang und ohne

ihr Wissen.

Wie es dazu kam? Heidi Brühl nahm aus Spaß eine Musikkassette in

ihrem Kinderzimmer auf. Diese Kassette übersendete Vater Brühl

1959 an die Plattenfirma Phillips. Das Resultat war, dass Heidi zu

Probeaufnahmen eingeladen wurde und daraufhin einen

Plattenvertrag bei Phillips erhielt.

Die Plattenfirma vermarktet sie zusammen mit Corina Corten als die

„Dolly Sisters“. Schon im August des Jahres 1959 erscheint Heidis

Soloplatte „Chico Chico Charly“ mit „Wir wollen niemals

auseinandergehen“ - von Michael Jary , Text Bruno Balz und Gloria

de Vos. Heidi Brühl wird zur Schallplattenmillionärin, in der deutschen

Hitparade steigt sie bis zum fünften Platz auf. Bis zu dem Jahr 1967

war es ihr gelungen zwölf ihrer Titel in den deutschen Hitlisten zu

platzieren.

Im Jahr 1963 vertritt sie Deutschland beim Eurovision Song Contest

und belegt mit „Marcel“ von Charly Niessen Platz neun. Bereits 1960

trat sie mit „Wir wollen niemals auseinandergehen“ bei der

Voren tscheidung des Grand Prix Eurovision an, sie erreichte Platz

zwei hinter Wyn Hoop.

Ein halbes Jahr, kurz vor ihrem einundzwanzigsten Geburtstag und

ihrem Auftritt beim Eurovision Songcontest 1963 verstarb ihr Vater.

Ein schwerer Schicksalsschlag für die Künstlerin. Sie selbst wäre

beinahe den Folgen einer Bauchspeicheldrüsen Entzündung erlegen.

Diese Ereignisse lies sie sich niemals anmerken – sie perfektionierte

das Bild einer taffen und disziplinierten Frau.

Heidi Brühls Bestreben war es, ihre Disziplin zu perfektionieren. Auf

der einen Seite gab es den Menschen Heidi privat auf der anderen

Seite den perfekten Star, der ungeschminkt nicht einmal den Müll

wegbringen würde. Ihre Tochter, Nicole Brühl, beschreibt sie als

ehrgeizig und diszipliniert – keine Diva. Sie war stets pünktlich, und

fehlte niemals wegen Krankheit, „Nie wieder ist mir ein Mensch mit

soviel Selbstbeherrschung begegnet“ - erinnert sich ihre Tochter in

einem Interview.

Heidi Brühl entdeckt ihre Leidenschaft für das Musical und feiert mit

„Annie Get Your Gun“,von Irving Berlin, weitere Erfolge.


9

Heidi Brühl

Ein Wort verändert Ihr Leben

Am 31. August 1967 erblickt ihr Sohn Clayton Halsey das Licht dieser

Welt in Rom, drei Jahre später seine Schwester Nicole Brühl. Der

Vater, US- Schauspieler Brett Halsey, heiratete 1964 Heidi Brühl die

Ehe wurde 1976 geschieden. Das Paar zog zunächst nach Rom,

später nach Las Vegas und schließlich nach Los Angeles. Als eine

der wenigen deutschen Künstlerinnen war es Heidi Brühl gelungen,

auch in Amerika Fuß zu fassen. Sie spielte zusammen mit Clint

Eastwood und erhielt eine Rolle in einer Columbo-Folge, es folgen

Auftritte in Las Vegas, unter anderem mit Sammy Davis jr., weiterhin

erhielt sie Show Angebote aus Deutschland, die sie annahm. Erst

nach der Trennung von Ehemann Clayton zog sie 1980 zurück nach

Deutschland.

Die Rückkehr impliziert eine weitere Wendung in Heidi Brühls Leben,

für die Künstlerin war es an der Zeit weiter zu gehen. Als Künstlerin

mit fundierter Ausbildung und einem weitgefächerten Repertoire,

übernahm sie eine Rolle, die bis zu dieser Zeit im deutschen

Showgeschäft unbesetzt blieb. Die Rolle der toughen Geschäfts-und

Karrierefrau. Sie liebte die Bühne, das Leben auf der Bühne – ganz

egal welche Bühne das sein mochte, sie machte Operette, Musical,

Komödie, Disco, Schlager, sogar eine eigene Bühnenshow.

Zu Beginn des Jahres 1980 war Heidi Brühl im Playboy zu sehen.

Wenig später gründete sie ihren eigenen Musikverlag und war als

Produzentin tätig. Als Produzentin entdeckte sie Dallas-Püppi

Charlene Tilton und Denver-Homo Al Corley für die Schallplatte.

Sie feierte ein sehr erfolgreiches Comeback als Sängerin, erfand sich

als Künstlerin neu und veröffentlichte zwei Singles im Diskomusik-Stil

in englischer Sprache.

Im Jahre 1991 übernahm sie die Rolle der Buhlschaft bei den Berliner

Jedermann-Festspielen. Sie absolvierte die ersten Proben – die

Premiere überlebte sie nicht. Heidi Brühl starb nach einer

Krebsoperation an Herz Kreislaufversagen. „Die 49-jährige klagte

über Leibschmerzen und wachte aus der Narkose nicht mehr auf“ -

hieß es.

Über ihre Krankheit und jene Dinge, die sie wirklich bewegten sprach

sie selten. Heidi Brühl starb am 8. Juni 1991 im Alter von nur

49 Jahren in einem Starnberger Krankenhaus. Dass sie sechs Jahre

gegen Brustkrebs gekämpft hatte, wussten die wenigsten aus ihrem

Umfeld. Sie lies es sich nicht anmerken.

Die „deutsche Seele“ des einstweiligen unvorsichtigem Mädchen, der

kühlen Blonden, wird das Publikum nie vergessen. Das Mädchen

Heidi mit ihrem lebensfrohen, betörendem Temperament, vielleicht

niemals die große Meisterin eines Faches und niemals ganz oben –

ohne Tragödien, ohne tiefen Fall. Sie repräsentierte das glamouröse

Leben, ein wenig amerikanisch und vielmehr deutsch. Sie verlieh

Fremdwörtern wie „Entertainment“, „Business“ und „Show“ eine

heimatliche Bedeutung in Deutschland.


Auszug aus dem

Immenhof

Drehplan


10

Ferien auf

Immenhof

Im Jahre 1957 erschien der dritte Teil der Immenhof Trilogie „Ferien

auf Immenhof“ in den deutschen Kinos. Die Uraufführung des Films

erfolgte am 3. September 1957 im Aegi in Hannover. Am 27. August

1957 wurde der Film mit einer FSK Prüfung unter der Nummer

-15120 - freigegeben. Zwei Jahre später, 1959 veröffentlichte man

Immenhof in den USA, unter dem Titel „As Raparigas de Immenhof

in Portugal.

Nach einem harmonischen, glanzvollen Ende des zweiten Teils wird

nun das „Pony-Hotel Immenhof eröffnet“. Die ursprünglichen Ängste

über den Verlust des Immenhofs gehören nun der Vergangenheit an.

Oma Jantzen ist dankbar, das dass Schicksal doch noch eine

positive Wendung für ihre Zukunft und die Zukunft des Immenhofs

bereithielt. Sie scheut keine Aufwendungen und Mühen, um den

Immenhof so gemütlich wie möglich herzurichten. Hierbei wird sie

von allen Seiten eifrig unterstützt: Dick und Dalli, Jochen von Roth

und seine junge Ehefrau Margot. Im Pony-Hotel Immenhof findet ein

jeder seine Anstellung und Aufgabe, so auch Hein Daddel, der stolz

die Portiermütze trägt. Der alte Charmeur, Dr. Pudlich erklärte sich

schmunzelnd bereit, außer den Tieren des Dorfes auch die

Hotelgäste zu betreuen.

Der junge Ethelbert opfert begeistert seine Semesterferien, um in der

Nähe seiner geliebten Dalli zu sein. Ralf, der als freier Grafiker für

eine Lübecker Zeitung tätig ist, entwirft einen schwungvollen

Werbeprospekt – der dem Betrachter große Lust auf Ferien auf

Immenhof vermittelt.

Sorgsam wurde alles vorbereitet, sodass am Schluss nur noch eine

große Kleinigkeit fehlte: die Gäste. Doch diese bleiben zunächst aus.

„Wer nicht wirbt, stirbt.“ - diese Erkenntnisse erlangen auch die

Menschen vom Immenhof. Schnell wurde klar, dass man kräftig die

Reklametrommel rühren müsse. Es stellte sich nur die Frage nach

einem wirkungsvollen und effizientem „wie“? Sowohl die

Erwachsenen als auch die Kinder entwickeln eine Strategie zur

Umsetzung dieses Vorhabens.

Jochen von Roth beschließt nach Hamburg zu fahren, um dort mit

einem großen Reisebüro zu verhandeln. Währenddessen

unternehmen die Kinder auf eigene Faust einen Reklamefeldzug, von

dem sie sich einen besonders großen Erfolg versprechen. Still und in

aller Heimlichkeit reiten Dick und Dalli zusammen mit Ethelbert und

einem dutzend Kinder des Dorfes auf ihren Ponys nach Lübeck. In

Lübeck unternehmen sie einen großen Umzug durch die Straßen, mit

ihren Aufführungen lenken sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit

auf sich und auf das zu bewerbende Pony-Hotel. Sie verteilen Ralfs

Werbeprospekte, denen Dick „humorvollen Schwung“ - wie sie es

nennt, verliehen hat. Ihr „humorvoller Schwung“ besteht

leichtsinnigerweise aus einer Aneinanderreihung von Übertreibungen.

In der Realität verfügt der Immenhof weder über einen

Swimmingpool, noch jenen neuzeitlichen Komfort, den der Prospekt

kühn verspricht.

So gut die Kinder es auch gemeint haben, sie werden von der

besorgten Oma Jantzen und dem empörten Jochen wegen ihrer

Eigenmächtigkeit heftig ausgeschimpft. Die Niederlage nimmt ihren

Lauf, als die Kinder mitansehen, wie die wenigen Gäste, die nach

Immenhof kommen, gleich wieder enttäuscht abreisen, da sie den im

Prospekt angekündigten Luxus vermissen.

Jochen von Roth überwirft sich mit Ralf, er konnte nicht ahnen, dass

Dick die Schuldige war – und Ralf ihr und den anderen nur einen

Gefallen tat. Grollend bricht Ralf seinen Besuch im Pony-Hotel Immenhof

ab. Dick hat es schwer in diesen Tagen, denn sie befürchtet,

Ralfs Liebe zu ihr würde erkalten.

Ein kleiner Junge namens „Fritzchen“ - ist der Einzige Mensch, der

von dem Lübecker Werbefeldzug profitierte – und dem

versprochenen, nicht vorhandenem Luxus keinerlei Bedeutung

beimisst. Das Waisenkind „Fritzchen“ gewann den mit der

Prospektaktion verbundenen vierzehntägigen kostenlosen

Ferienaufenthalt auf Immenhof. Es dauerte nicht lange, und der

hilfsbereite freundliche Junge wurde von allen ins Herz geschlossen.

Ein erster Erfolg tritt näher – die ersten Gäste besuchen das Pony-

Hotel. Einige Gäste prägen sich dem Zuschauer besonders ein.

In einem schicken Sportwagen reist das elegante Fräulein Gisela an.

Der korpulente Herr Ottokar, stets hungrig und von Doktor Pudlich

wegen seines maßlosen Appetits gewarnt, mietet mit seiner Frau ein

Doppelzimmer – es kommt zu ständigen Diskussionen zwischen den

beiden. Eine Malerin namens Fräulein Nadler wird wegen ihrer

Konterfreisucht bald zur Landplage auf Immenhof – für sie stellt jeder

Gast ein belebtes Motiv dar. Und dann gibt es den Herrn Westkamp,

auf den man besonders großen Wert legt. Dieser zunächst

unsympathisch erscheinende Herr ist der einflussreiche Direktor des

Hamburger Reisebüros. So hoffnungsvoll wurde dieser Gast erwartet,

alles wurde bis ins kleinste Detail vorbereitet – um den bedeutenden

Mann von der guten Küche und dem Flair des Immenhofs zu

begeistern. Der gut gemeinten Küche zieht der bedeutende Gast

gleich zu Beginn ein Butterbrot und einen Joghurt vor. „Na das kann

ja heiter werden“ - seufzen seine Gastgeber. Anstelle der gewünschten

Vertragsverhandlungen gibt es nur Gespräche zum Thema

Angeln – denn Direktor Westkamp ist ein eifriger Jünger St. Petris.

Als Servier-und Zimmermädchen haben Dick und Dalli alle Hände

voll zu tun – erwachsen sind sie geworden die Mädels vom Immenhof.

Während Dick sich ihrer Arbeit widmet, ist ihr Freund Ralf in ständiger

Begleitung des schicken Fräulein Gisela. Sie beide hätten

„Heimlichkeiten“ - ist sich Dick sicher. Sie gehen zusammen baden,

treffen sich in der Stadt zum Kaffee, das alles scheint Dick zu

vertraut. In dem Fräulein aus der Stadt sieht Dick sehr bald eine

Gefahr. Das Mädchen kämpft mit Zweifeln an sich selbst und

hinterfragt – was sie Ralf den zu bieten hätte.

Währenddessen kommt es zur Versöhnung zwischen Ralf und

Jochen.

Oma Jantzens Sorgenkind ist und bleibt Herr Westkamp, den nichts

anderes zu interessieren scheint als seine Angelei. Die existenzielle

Problematik veränderte sich nicht. - Will das Pony-Hotel weiterhin

existieren, muss es ständig besetzt sein, somit ist es auf die enge

Zusammenarbeit mit einem großen Reisebüro angewiesen. Herr

Westkamp, das ist das Problem, ist der einflussreiche Direktor des

Reisebüros – die baldige Zusammenarbeit lässt sich nur schwer

erkennen.

Selbst die rührenden Versuche des kleinen Fritzchens, den Direktor

an den Zweck seines Besuches zu erinnern, scheitern kläglich.

Die Situation wendet sich zum Positiven.

Oma Jantzen hat Geburtstag und ausgerechnet Herr Westkamp ist

der Grund für eine positive Wendung auf Immenhof.


10

Ferien auf

Immenhof

Unvermutet überreicht Direktor Westkamp ihr einen langjährigen Vertrag

mit dem Reisebüro. „Aber Sie kennen ja unseren Betrieb überhaupt

nicht richtig!“ Ruft Oma Jantzen entgeistert. „Sie haben doch

nur geangelt!“ - „Ich kenne ihn besser, als Sie glauben!“ Verkündet

Westkamp in aller Seelenruhe. „Meine Sekretärin Fräulein Gisela hat

sich gründlich umgeschaut!“ So gründlich, dass Ralf, der nun wieder

mit Dick ein Herz und eine Seele ist, vom Fleck weg als Werbechef

des Reisebüros engagiert wird.

So nimmt die Geschichte auf Immenhof doch noch ein gutes Ende.

Das Pony-Hotel Immenhof kann sich nun vor Gästen nicht mehr

retten. Die Ideen der „Kleinen“ und der „Großen“ trugen dazu bei, das

gemeinsame Ziel doch noch in die Realität umzusetzen.

„Wer künftig seine Ferien auf Immenhof verbringen will, darf nicht

vergessen, sich rechtzeitig anzumelden. Denn das beliebte

Pony-Hotel ist stets auf viele Wochen voraus ausverkauft.“


BEATE FEHRECKE IM ZEIT BLATT INTERVIEW ÜBER IHREN

VATER KARL-HEINZ FEHRECKE


DAS

INTERVIEW

Ariane Rykov – von Niepello:

Herr Karl-Heinz Fehrecke wurde

1913 in Kassel geboren, nahm nach

einer Lehre als Lithograf in

Göttingen ein Studium an der

staatlichen Kunstgewerbeschule in

Kassel auf. Wie begann seine

Karierre?

Beate Fehrecke:

Schon sehr früh - mit 23 Jahren -

machte sich mein Vater 1936

selbstständig. Damals erhielt er

bereits den Staatspreis für Grafik, in

die Zeit fällt die Gestaltung des

Plakates zur „200 Jahr Feier der

Georg-August- Universität in

Göttingen“. Unterbrochen wurde die

berufliche Entwicklung durch

den 2. Weltkrieg. Gleich nach dem

Krieg gründete er sein „Atelier

Fehrecke“ mit dem Signet „KHF“

neu, diesmal schon mit einigen

angestellten Grafikdesignern und

einem Fotografen.

Sein Kundenstamm wuchs nicht nur

regional, sondern auch

international. 1947 hatte er die

künstlerische Leitung auf der ersten

Hannover Messe.

Ariane Rykov – von Niepello:

Was beeinflusste Ihn, was inspirierte

Ihn zu der Berufswahl?

Beate Fehrecke:

Sein Vater, Wilhelm Fehrecke, hatte

zunächst eine Druckerei in Kassel.

Dort wurde 1913 mein Vater

geboren. 1914 zog mein Großvater

mit der Familie nach Göttingen, da

er ins Zeitungswesen wechselte

und Redakteur beim „Göttinger

Tageblatt“ wurde.

Von klein auf wuchs mein Vater mit

Lettern und grafischen

Bildgestaltungen auf. Dies prägte

seine Berufswahl schon frühzeitig.

Besonders hatten ihn immer

Schriften fasziniert.

Auf seinen Plakaten kann man

diesbezüglich diverse

unterschiedliche Typografien

sehen. Unter anderem entwarf er

sogar eine eigene Schrift.

Sein künstlerisches Interesse und

seine Begabung waren früh

erkennbar.

Ariane Rykov – von Niepello:

Noch heute gelten Karl-Heinz

Fehreckes Motive, die zahlreiche

Cover von DVD-Editionen alter

Filme zieren, als Klassiker.

Beate Fehrecke:

Die Immenhofplakate spiegeln

Lebensfreude, Freundschaft und

Harmonie wider. In ihnen hat mein

Vater die Filmbotschaft sehr gut

eingefangen und wiedergegeben.

Das geht nur, wenn man ein

entsprechendes Feeling hat.

Mehrfach ist er später mit uns zum

Gut Rothensande gefahren.

Er wollte uns Kindern die Drehorte

zeigen und erzählte uns von der

besonders netten Stimmung, die

während der Dreharbeiten

herrschte. Er konnte sehr gut mit

Kindern und Jugendlichen

umgehen und war beliebt, mit Heidi

Brühl machte er gern und oft

Scherze. Als Familienmensch,

stolzer Vater dreier Töchter und

Naturliebhaber haben ihn sicherlich

der Filmstoff, die tollen

Schauspieler und das schöne

Schleswig – Holstein inspiriert.

Ariane Rykov – von Niepello:

Karl-Heinz Fehrecke gehörte zu den

bestimmenden Persönlichkeiten im

Bereich des deutschen

Filmplakates der 1950er und 1960er

Jahre. Wie kam er dazu, die

Immendorf-Serie zu gestalten?

Beate Fehrecke:

Seit Ende der 40er Jahre gestaltete

mein Vater Filmplakate für die

„ARCA“ Filmproduktion, die

zunächst als Verleihfirma agierte.

Es waren anfangs vornehmlich

Plakate für französische Filme.

Damals war Göttingen eine

Filmstadt. Neben der „ARCA“ gab

es noch die „Filmaufbau“. Diese

beiden Filmfirmen produzierten

ihre Filme in den Hallen eines

ehemaligen Flugplatzes. Auch

nachdem die ARCA nach Berlin

umgezogen war, bestand die

Zusammenarbeit weiter bis 1965.

Dann konzentrierte sich die Arbeit

des „Atelier Fehrecke“ auf

Werbung und Gebrauchsgrafik.

Ariane Rykov – von Niepello:

Welche und wie viel Plakate malte

er für die Immenhof-Serie?

Beate Fehrecke:

Er gestaltete insgesamt fünf bzw.

sechs Plakate, jeweils zwei für die

„Mädels vom Immenhof“,

„Hochzeit auf Immenhof“ und

„Ferien auf Immenhof“. Von den

letzteren beiden besitze ich aber

nur eins, das andere lediglich als

schwarz/weiß Entwurf.

Zu seinen Plakaten gehört auch

das bekannteste: Heidi Brühl auf

dem steigenden Pferd, die

anderen Protagonisten sitzen links

daneben, im Hintergrund ist der

gemalte Gutshof zu sehen.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie weit können Sie, Frau Beate

Fehrecke, als Tochter sich noch an

die Arbeitsweisen und Poster

erinnern?

Beate Fehrecke:

Das Atelier und der private

Wohnbereich lagen unter einem

Dach, zunächst in einer Etage und

dann ab 1960 in einem von meinem

Vater entworfenen Haus.


Das Photo wurde

zur Zeit der

Immenhof Filme

aufgenommen.

Karl-Heinz Fehrecke


Daher war ich täglich von dem

kreativen Umfeld umgeben.

Die Filmplakate waren zu Hause

immer gegenwärtig und begleiten

mich bis heute. Im Atelier gab

es ein separates Treppenhaus, an

dessen Ende die Wände von etlichen

Plakaten behängt waren.

Stolz wurden diese von uns Töchtern

allen Freunden vorgeführt, auf

meiner Abifete z. B. wurden die

Wände mit Plakaten dekoriert. Auch

Werbeplakate, die im „Atelier

Fehrecke“ entworfen waren,

fehlten hier nicht. Die meisten KHF

- Plakate sind klar strukturiert und

oft auf wesentliche Aussagen reduziert.

Es wurde noch handwerklich

gearbeitet: Fotografie und Gemaltes

ergänzen sich in ihrer Wirkung. Klare

Farben fordern zum Hingucken auf.

Hier ist ein Unterschied zu anderen

zeitgenössischen Plakatgestaltern

festzustellen. Ich vermute, dass er

den jeweiligen Filminhalt in grafisch

ansprechender Form sichtbar machen

wollte– diese Plakatgestaltung

scheint bis heute zu gefallen und die

Leute anzusprechen.

Ariane Rykov – von Niepello:

Hatten sie schon in der Kindheit

einen Einblick in die

Entstehungsprozesse seiner Werke?

Oder hatten sie diesen Einblick erst

nach der Recherche bei der

Entstehung ihres Buches über ihn?

Beate Fehrecke:

Als mein Vater die letzten Filmplakate

gestaltete, war ich elf Jahre alt. Die

Entwicklung dieser Motive habe ich

noch in Erinnerung. Es gab mehrere

Entwürfe, die nebeneinander auf dem

Boden lagen. Seine angestellten Grafiker,

die Lehrlinge und auch wir als

Familie berieten mit ihm über

Verbesserungen und die endgültige

Auswahl. Sehr gut habe ich noch das

Plakat “Frühstück mit dem Tod“ vor

Augen. Viele Informationen habe ich

erst durch die Recherche erfahren. Es

gibt einige interessante Details.

So setzte mein Vater z. B. bereits

1956 eine Leuchtfarbe ein, die erst

in den 60er Jahren durch Andy

Warhol bekannt wurde. Anderes

wusste ich: Es gab zensierte Plakate

( zu viel Brust zu sehen! ) oder

solche, bei denen etwas weggelassen

werden musste. ( eine Handgranate ).

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie gestaltete er seine Arbeit?

Gabe es ein Ritual?

Beate Fehrecke:

Mein Cousin, Professor Nikolaus

Ott, hatte bei meinem Vater eine

Ausbildung als grafischer Zeichner

absolviert. Er war auch schon als

Kind häufig im Atelier und konnte

sich noch gut an die Phasen der

Gestaltung erinnern:

„Einer Idee eine Form geben!... Es

gab ein Ritual:...“ ( Filmplakate im

Wirtschaftswunder, S. 10).

Dieses Ritual war recht umfangreich,

es begann mit dem feuchten

aufgespannten Papier, dann folgten

Trocknung, Übertragung von

Bleistiftskizzen - vorlagen, Ausmalen

mit Tempera - farben, Ausschneiden

und Collagieren von Fotomotiven,

Schreiben der Schriften mit der

Hand und am Ende Spritzen der

Farben mit der Airbrush-Pistole.

(ebenda, S.10)

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie war seine Herangehensweise

zu seinen einzelnen Projekten?

Beate Fehrecke:

Der Gestaltung der einzelnen

Projekte gingen immer intensive

Gespräche mit den Kunden voraus.

Schon dabei wurden von meinem

Vater Skizzen gezeichnet und

Notizen gemacht. Auch direkt vor

Ort wurde häufig recherchiert, dort

fotografierte er dann oft selbst.

Ansonsten gab es auch im Atelier

ein eigenes Fotostudio und ein

schwarz/weiß Fotolabor.

Dort konnten viele der benötigten

Elemente hergestellt werden.

Ariane Rykov – von Niepello:

Warum entschloss er sich nach

über vierzig Jahren intensiver

gestalterischer und erfolgreicher

Arbeit, sein Atelier 1978 zu

schließen?

Beate Fehrecke:

Das Atelier meines Vaters wurde

aufgrund seiner Erkrankung 1978

aufgelöst.

Da sich kein Nachfolger gefunden

hatte, konnte das Atelier Fehrecke

nicht weitergeführt werden.

Ein Restarchiv seiner Arbeiten

blieb erhalten.

Ariane Rykov – von Niepello:

Was hat sie bewegt, über ihren

Vater ein Buch herauszugeben?

Beate Fehrecke:

Mein Vater war für meine

Persönlichkeitsentwicklung sehr

prägend. Sein Verlust 1994 war für

mich sehr schmerzlich. Für meine

Trauerbewältigung übernahm ich

sein Restarchiv und ordnete es.

Es waren zu dem Zeitpunkt nur

noch ein paar Filmplakate

vorhanden. Drei Jahre später fand

ich heraus, dass es möglich war,

seine nicht mehr in unserem Besitz

befindlichen Plakate wieder zu

erwerben. So reiste ich zu

Auktionen, nahm mit Händlern

Kontakt auf und ersteigerte einige

im Internet.

Nach und nach vergrößerte sich

meine Sammlung auf ca. 70 Plakate

und ich fand es zunehmend

schade, dass sie ungenutzt und

verborgen bei mir lagerten.

2010 stellte meine Schwester,

Dagmar Rode, in Essen den

Kontakt zum Leiter des

Plakatmuseums

(Folkwangmuseum in Essen) Herrn

Grohnert her. Es entstand so nach

und nach die Idee zur

Herausgabe eines Buches, das

meine Sammlung zeigen sollte.

Mit meiner Schwester zusammen

schrieb ich das Vorwort.

Mein Cousin Professor Nikolaus

Ott gestaltete den Titel und Herr

Grohnert das Buch.

Beide schrieben weitere

Begleittexte.

Erschienen ist es dann 2017 unter

dem Titel “Filmplakate im

Wirtschaftswunder - Karl-Heinz

Fehrecke“ im renommierten

Steidl – Verlag.


Das Photo wurde zur Zeit der Immenhof Filme aufgenommen.

Links: Dagmar Rode Rechts: Beate Fehrecke


Ariane Rykov – von Niepello:

Wenn Sie auf die Karriere ihres

Vaters zurückblicken, welches Motiv

gefällt ihnen am besten?

Beate Fehrecke:

Zwei absolute Lieblingsplakate sind

zum einen das in Pin-Up Stil

gestaltete „Liane- die weiße

Sklavin“ (1957) und zum anderen das

„Madeleine- Tel. Nr. 13 62 11“ (1958),

welches in seiner auf Auge und

Mund reduzierten Darstellung eine

große Signalwirkung bis heute hat.

Es gibt natürlich auch noch einige

andere , die ich für sehr

eindrucksvoll halte und die ich sehr

schätze.

Die „Immenhof-Plakate“ waren für

uns Töchter immer etwas

Besonderes.

Wir selber schlüpften in die Rollen

von Dick und Dalli und komponierten

sogar ein eigenes Lied.

Es ging das Gerücht, dass meine

damals fünfjährige Schwester

Dagmar und ich als Dreijährige im

dritten Teil „Ferien auf Immenhof

eine kleine Rolle übernehmen sollten.

Es ist plausibel, da wir Töchter

schon von kleinauf mit Freude für

Werbeaufnahmen posierten.

Wir fanden es immer sehr schade,

dass diese Idee nicht umgesetzt

wurde, zumal wir die Filme und

natürlich auch die Plakate mit ihrer

fröhlichen Ausstrahlung liebten.

Ariane Rykov – von Niepello:

An welchem Plakat hatte Ihr Vater

die meiste emotionale Bindung?

Beate Fehrecke:

Mein Vater mochte das Plakat„

Piefke – Der Schrecken der

Kompanie“ (1958) mit Harald Juhnke

besonders gern. Es ist mit fünf liebevoll

gezeichneten kleinen

Skizzen versehen. Das

Göttingenplakat (1936) mit dem

Wahrzeichen „Gänseliesel“

(200 Jahre Universität Göttingen)

und ein Plakat zur „1100 Jahrfeier

von Bad Gandersheim“ (1952) lagen

ihm als heimatverbundenem

Göttinger und Gandersheimer

besonders am Herzen.

Das „Gänseliesel“ ist ein Wahrzeichen

von Göttingen und wurde

vom „Atelier Fehrecke“

noch häufiger in Szene gesetzt.

Etwas Spezielles ist das Plakat

„Lilli, ein Mädchen aus der

Großstadt“ (1958). Hier stand die

„Bild-Lilli“ als Vorbild , die Vorgängerin

/ der Prototyp der späteren

Barbie Puppe. Die exotischen

„Liane“ Plakate möchte ich noch

einmal an dieser Stelle erwähnen.

Und ich denke, auch die

Immenhof“ Plakate (1955 – 1957)

mochte er mehr als andere, wie

schon bereits vorhin erwähnt.

„Das“ Lieblingsplakat im

eigentlichen Sinne gibt es nicht.

Mein Vater hatte viele Begegnungen

mit den Schauspielern, die damals

sehr oft auch bei uns zu Hause

waren.

Daher verband er mit den verschiedensten

Plakaten unterschiedliche,

jeweils ganz spezifische Emotionen

und Erinnerungen.

Frau Fehrecke, das Team des ZeitBlatt

Magazins bedankt sich recht herzlich für

das spannende und informative Interview!

Vielen Dank!


Eine Hommage an

Karl-Heinz Fehrecke

Filmplakate im Wirtschaftswunder

Karl-Heinz Fehrecke, geboren 1913 in Kassel,

nahm nach einer Lehre als Lithograf in

Göttingen ein Studium an der staatlichen

Kunstgewerbeschule in Kassel auf. Nach

seinem Einsatz als Kriegsmaler betrieb

er nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1978

erfolgreich sein Atelier für Gebrauchsgrafik.

Fehrecke starb 1994 in Gummersbach. Noch

heute gelten Karl-Heinz Fehreckes Motive, die

zahlreiche Cover von DVDEditionen alter Filme

zieren, als Klassiker. Die von ihm geschaffenen

Filmplakate wecken bei vielen Menschen

gute Erinnerungen und Assoziationen an die

Wirtschaftswunderjahre nach dem Zweiten

Weltkrieg. Bis 1965 entwarf Fehrecke zahlreiche

Plakate, vor allem für die sehr erfolgreichen

Filme des Mainstreams – für Filme, die

ihr Publikum in Menschen mit steigendem

Wohlstand gefunden hatten. Dazu gehörten

kurzweilige Komödien, seichte Liebesstreifen

und spannende Krimis ebenso wie zeitkritische

Produktionen und Spielfilme tiefgreifender

Theatralik.

Fehrecke spiegelte den Inhalt der Filme

durch die Auswahl passender Szenen auf den

Plakaten wieder. Dabei nutzte er ein breites

Spektrum der Darstellung zwischen Malerei

und Fotografie. Seine Plakate waren zwar

konventionell, hoben sich aber trotzdem durch

eine Besonderheit ab: die kolorierten Portraits

von Stars und Sternchen. Dazu benutze der

Künstler oftmals ungewöhnliche Farbkombinationen,

die er durch aufwendige Druckverfahren

realisierte. Die Palette reicht von der

einfachen Tönung über eine nahezu expressive

Farbgebung bis hin zur frühen Nutzung von

Leuchtfarben. KHF-Plakate erreichten enorme

Auflagenzahlen und fanden mit der Popularität

der Filme eine weite Verbreitung.

Verlag: Steidl

Herausgeber: Beate Fehrecke und Dagmar Rode

ISBN-10:3958292224

ISBN-13:978-3958292222

Größe und/ oder Gewicht: 20,2 x 1,5 x 26,4 cm

Text: Renè Grohnert

Text, Interview und Fotokredits

© by Beate Fehrecke

Webpräsenz Beate Fehrecke

http://www.immenhof-filmplakate.de/

Mit freundlicher Genehmigung von Beate Fehrecke


FILMPLAKATE IM

WIRTSCHAFTSWUNDER

K A R L - H E I N Z F E H R E C K E

F I L M P L A K A T E

IMMENHOF

Die Mädels vom Immenhof

Hochzeit auf Immenhof

Ferien auf Immenhof

LIANE - Die weiße Sklavin

LILLI - Ein Mädchen aus der Großstadt

PIEFKE - Der Schrecken der Kompanie

MADELEINE

200 Jahre Universität Göttingen

1100 Jahrfeier Bad Gandersheim


IMMENHOF TEIL II

Die 70er Jahre


12

Die Zwillinge

vom Immenhof

Der vorletzte, der fünf Immenhof Filme erschien im Jahr 1973 unter

der Regie von Wolfgang Schleif. Das Drehbuch für diesen Film

verfertigte Wolfgang Schleif zusammen mit Johannes Weiss.

Inhaltlich knüpft er an die Immenhof Trilogie der 1950er Jahre an.

Schauplatz des fiktiven Immenhofs war erneut das Gut Rothensande

in Schleswig Holstein. Am 18. Dezember 1973 erfolgte die

Erstaufführung. Im Lexikon des internationalen Film hieß es, „der

Film sei eine gemütsbetonte Wiedererweckung der Immenhof-

Geschichten der 50er Jahre“. Dem ursprünglichen Besetzungsstab

der Schauspieler aus den 50er Jahren gehörte lediglich noch Heidi

Brühl an. Um an die vergangenen Immenhof Filme anzuknüpfen,

wurden alt bewehrte Schemata eingebaut, welche die Figur des

Viehdoktor betreffen. Er ist ein glühender Verehrer der Großmutter,

die von allen „Zarin“ genannt wird. Die Rolle der Großmutter

übernimmt eine Diva der deutschen Filmgeschichte - Olga

Tschechowa. Eine weitere Verbindung zu den „alten“ Immenhof

Filmen wird mittels zweier Rückblenden an die Jugendzeit von Dalli,

geschaffen.

Dalli kehrt als Erwachsene Frau Brigitte Voss in ihre Heimat zurück.

Etliche Jahre waren vergangen, in denen Dalli ihrer Heimat, dem

Immenhof fernblieb. Der Wildfang von einst entwickelte sich zu einer

eleganten Lady aus der Großstadt. Brigitte Voss lebt in Hamburg,

arbeitet als Dolmetscherin, reiste durch die ganze Welt, gilt als

erfolgreiche Karrierefrau.

Auf beruflicher Ebene erreichte sie alles, was man erreichen könnte.

Doch das Glück schien ihr fern. Inmitten eines Meetings beginnt sie

zu stottern, das atmen fällt ihr schwer – eine Fortsetzung der Arbeit

schien in diesem Moment schier unmöglich. Ihr Chef führt sie in sein

Büro, damit sie einmal durchatmen könne. „Sie müssen einmal

ausspannen – richtig Urlaub machen.“ Bei einem Glas Cognac und

einer Zigarette schwelgt Brigitte Voss in Erinnerungen -

Erinnerungen an Damals, Erinnerungen an ihre Kindheit, mit jenen

Menschen, die einst ihre Familie waren. Diese Menschen gibt es

nicht mehr, das Leben von Damals gibt es nicht mehr. Der Immenhof,

wie er früher einmal war ist Vergangenheit, was bleibt ist der Hauch

einer Erinnerung an eine vergangene Zeit. Der Zuschauer als Zeuge,

als ständiger Begleiter von Dalli, die an jenen Ort der Heimat zurückkehrt.

„Wissen sie schon, wo sie Urlaub machen werden?“ Die

wenigen Momente, die ihr zum nachdenken blieben waren

ausreichend um eine Entscheidung zu treffen – die ihr bisheriges

Leben komplett auf den Kopf stellen sollte. „Ich will nach Haus. Dort

wo ich aufgewachsen bin...ich habs verpachtet...aber es gehört mir

noch...Immenhof!“

Auf Immenhof gibt es nun keine Familie Jantzen mehr, dort lebt eine

Familie Arkens, bestehend aus den Zwillingen Billy und Bobby, dem

Vater Alexander Arkens und der Großmutter, die „Zarin“ genant wird.

Alexander Arkens, wird von seinen Töchtern zärtlich „Va Ti“ genannt.

„Er gehört uns ja schließlich beiden... also haben wir ihn eben geteilt,

ihr gehört der Va und mir gehört der Ti!“ - erklären die Mädchen auf

Nachfrage von Dalli, welche die Art und Weise wie die Zwillinge über

ihren Vater sprachen als komisch empfand. „Und ich bin Dal Li!“

„Vati“ ist Witwer und versucht zusammen mit der Mutter, den

Zwillingen und den Angestellten des Gutes den Alltag zu bestreiten.

Wie damals Familie Jantzen kämpft nun die neue Generation auf

Immenhof mit finanziellen Sorgen, welche die Idylle in graue Wolken

der Besorgnis umhüllen. Alexander ist Pächter von Immenhof, ihn

belasten Forderungen einer Hamburger Liegenschaftsverwaltung,

die Namens und in Vollmacht des Eigentümers agieren. Was auf dem

ersten Blick als Tatsache in Stein gemeißelt erscheint, entwickelt sich

im Laufe der Zeit als großes Missverständnis.

Bei ihrem ersten Besuch wird Dalli von den Zwillingen herzlich

empfangen. Auf dem Weg zum Immenhof schloss sie bereits

Bekanntschaft mit Alexander. Der zuvorkommende Mann holte sie

aus dem Wagen und riet: „Gehen Sie drei Schritte und schreien laut

Bähh!“ nach einem schnellen „Warum eigentlich?“, erklärt er:“Das ist

ein alter Kosaken-Trick.“ Brigitte Voss raste zuvor mit ihrem Auto

durch die Straßen des malerischen Holsteins – plötzlich erscheint

eine Schafherde, sie weicht aus, der Wagen steckt im Sumpf fest. Als

Retter in der Not erscheint der Immenhof Erbin ihr Pächter. Es funkt

zwischen den Beiden. In der ganzen Eile hatte Alexander vergessen

sich vorzustellen, die Autofahrerin sahs bereits in ihrem Wagen in

Richtung Immenhof. Sie vernahm seine Worte und entgegnete ihm

„Wenn es sein soll dann sehen wir uns auch ohne das Wieder!“

Auf Immenhof wird sie nicht nur von den Zwillingen herzlich

empfangen, sie erhält sogleich eine Einladung der Zarin - zum Kaffee

in ihrem Salon. Die alte Dame, in tiefer Sorge über ihre Zukunft und

die Zukunft des Immenhofes, ist glücklich darüber, Fräulein Voss

kennenzulernen. „Eigentlich habe ich mir die Besitzerin des

Immenhofs ganz anderes vorgestellt! - äußert diese erleichtert.

Die Harmonie auf Immenhof scheint offensichtlich wieder hergestellt.

Doch der Schein trügt. In Hamburg sitzt Alexander Arkens bei seinem

Anwalt, um die Situation zu besprechen, der Liegenschaftsverwaltung

ein Angebot zur Pachtverlängerung zukommen zulassen. Zusammen

mit seinem Anwalt ist man sich einig, dass Angebot wenig

Hoffnung auf Erfolg in Aussicht stellt.

Das kurze Feuer welches zwischen Dalli und Alexander entflammte

erkaltet innerhalb weniger Stunden, als Alexander Arkens erfährt, wer

die Frau in dem Auto wirklich war. Die zweite Begegnung zwischen

den beiden fällt relativ rüde aus, Alexander glaubt, sie stecke hinter

der Kündigung seines Pachtvertrages. Überglücklich wird er von

seinen Töchtern in Empfang genommen, die ihm sogleich die

„freudige Nachricht“ überbringen. Die Besitzerin des Immenhofs ist

da, sie steht im Pferdestall. Schnellen Schrittes eilt Alexander in

Richtung Pferdestall, wo er Brigitte Voss forsch angeht. Sie möge

doch bitte die Box des Hengstes verlassen. Dalli ist völlig verdutzt

und kontert, „Sie glauben wohl, Sie sind der einzige Mensch, der mit

Pferden umgehen kann.“ - sagte sie und ging... „Vielen Dank für die

reizenden Stunden auf Immenhof!“

Die bestehende wirtschaftliche Situation zwingt ihn, über eventuelle

Möglichkeiten, für die Zukunftsgestaltung nachzudenken. Existenziell

ist die Tatsache, dass ein neuer Pachtvertrag zu neuen Bedingungen

ausgeschlossen sei – die geforderte Pachterhöhung könne er unter

keinen Umständen leisten. Als „Sturkopf“ scheint es ihm unmöglich

ein persönliches Gespräch zu Dalli zu suchen. Im Gegenteil, er

bewegt die Besitzerin des Immenhofs dazu, den Hof zu verlassen,

die Zarin und die Kinder verstehen die Welt nicht mehr. Dalli, in ihrer

Ehre gekränkt, verlässt den Immenhof und besucht den

nahe gelegenen „Dorfkrug“ - dort kennt man sie. Die Wirtin des

Dorfkrugs, Mutter Karstens, konnte zunächst überhaupt nicht

glauben, wer da vor ihr steht. Es erschien ihr wie eine halbe Ewigkeit

in welcher sie Dalli nicht mehr gesehen. Dalli raucht eine Zigarette

und plaudert mit der Wirtin, bis plötzlich das Telefon rasselt.


12

Die Zwillinge

vom Immenhof

Am anderen Ende der Leitung Herr Arkens, von seinen Töchtern

genötigt, Dalli zurückzuholen. Das Durchsetzungsvermögen der

Zwillinge siegte. „Wenn die Demokratie nicht funktioniert, muss man

Revolution machen!“ Der Vater sollte freundliche Worte finden um

Dalli umzustimmen. Diese bezog bereits ihr Zimmer im Dorfkrug und

lies sich von der gespielten Freundlichkeit des Anrufers in keinster

Weise um den Finger wickeln.

Die Zwillinge gelangen spontan zu einer Idee, mit welcher man den

modernen Menschen von heute garantiert aus der Reserve locken

könne. „Die Achillesferse von dem Menschen von heute! - Sein

Auto!“ So besorgen sie sich ein wenig Blech, welches beim

aufeinander schlagen dem Klang des Aufschlages eines

Gegenstandes auf einem Auto gleichkommt. Während sie das Blech

zusammen führten, rannte der Enkel von Mutter Karstens nach oben,

wo sich Dallis Zimmer befand, er rief „ihr Auto, ihr Auto!“ In

Lichtgeschwindigkeit rennt Dalli nach unten, um zu sehen, was mit

ihrem Auto passiert war. Weil Dalli die Zwillinge schon bei der ersten

Begegnung in ihr Herz geschlossen hatte, lässt sie sich überreden

sie zurück nach Immenhof zu begleiten.

Auf Immenhof sind alle von der „Seejungfrau“ begeistert. Bis auf der

Haushälterin Stiene und dem gnädigen Herrn. Der

Verhaltensforscher Klaus erklärt sich sogar bereit sein „Gästezimmer“

zu räumen, damit Dalli dort wohnen könne. Sie teilt sein Interesse zur

Musik, interessiert sich für die von ihm betriebene

Verhaltensforschung. Plötzlich klettert seine Freundin zum Fenster

des Gästezimmers hinauf und betrachtet die fremde Frau beim

Umkleiden. Was für ein Chaos...

Wie gerne würde Dalli wieder ausreiten, wie damals in der Kindheit,

zu jener Zeit als die Welt noch in Ordnung war. „Satteln Sie bitte

Scheitan“ - ordnet sie an. Doch da hat sie wohl die Rechnung ohne

ihren Pächter gemacht. Dieser stellt klar, „das Sagen auf Immenhof

habe ausschließlich er.

In „Wo ist das Glück meiner Kindheit“ - wird der Zuschauer erneut

Zeuge von Dallis Jugendjahren auf Immenhof. Die Zeit von damals

läuft wieder einmal Revue vor ihrem inneren Auge und wird mit

Gesang von Heidi Brühl untermalt. Brigitte Voss erinnert sich zurück

an die Zeit, die so schön war, mehr und mehr kommt die Dalli von

einst zum Vorschein. Jene Dalli, die Mutter Karstens Birnen klaute,

die viel lieber Zeit mit ihren Ponys als mit den lästigen Schulaufgaben

verbrachte.

Die Zwillinge, deren schulische Leistungen mehr als zu Wünschen

übrig ließen, leiden an einer schweren Krankheit. „Skolatitis – die

Krankheit wenn man die Schule schwänzen möchte...“ In Dalli finden

Sie zunächst eine Mitstreiterin, die ihr „Blau“ machen tatkräftig

unterstützt. Aus der Mitstreiterin die in den Zwillingen Parallelen zu

sich selbst erkennt, wird bald eine Trainerin für das ihnen verhasste

Fach Englisch. „Englisch? - Damit verdiene ich ja meine Brötchen...“,

entgegnet Dalli die den beiden von nun an auf die Sprünge helfen will.

Die dunkle Wolke der Besorgnis übernimmt mehr und mehr Raum

auf Immenhof. Dalli bleibt es nicht verborgen, „Alle laufen hier rum

wie zehn Tage Regenwetter...“ Am liebsten möchte sie der Situation

auf den Grund gehen, wenn sie nur wüsste, wo sie ansetzen sollte.

Alexander denkt inzwischen darüber nach, nach Südafrika

auszuwandern. Die Zarin ist bestürzt und klagt ihrem Verehrer dem

Viehdoktor ihr Leid. „Alexander muss Brigitte heiraten“, sagt sie und

sorgt damit für einen verdutzten Blick ihres Verehrers.

Sie ist sich sicher, „Brigitte wäre die erste Frau, die ihn nach dem Tod

der Schwiegertochter interessiert.“ Auch wenn es ein schwieriges Unterfangen

darstellt die beiden zusammen zu bringen, hat die Zarin die

Hoffnung nicht aufgegeben. Sie zitiert Katharina die Große, die sogar

einen Krieg angefangen hätte, um mit dem Mann ihres Herzens

zumindest bei den Friedensverhandlungen ins Gespräch zu kommen.

„Feuer und Wasser müssen zusammen kommen, damit die Lokomotive

fährt!“ - „die Lokomotive wird nie fahren“, vermutet der skeptische

Viehdoktor. Um nicht unwissend zu bleiben, belauschen Billy

und Bobby das Gespräch im Salon der Zarin. Sie sind der Meinung,

„Wenn die Zwei heiraten würden, wäre das ne super Wuchtwolke!“

Doch wie stellen sie das nur am besten an? Dazu befragen sie

zunächst einmal ihr Doktorchen, den Verhaltensforscher – immerhin

beschäftigt dieser sich ja mit dem menschlichen Verhalten und sollte

wissen wie man es am besten anstellt, zwei Menschen zusammen zu

bringen. Nach einigen spickigen Fragen von Klaus und seiner

Freundin Anke kommen endlich die gewünschten Tipps. An erster

Stelle wäre Alkohol zu empfehlen und Tanzen wäre nicht schlecht.

Da haben die beiden auch schon eine Lösung parat. Das alles lässt

sich wunderbar in die Tat umsetzten – an ihrem Geburtstag.

Am Tage ihres Geburtstages sitzt Brigitte neben Alexander, beide

bekommen Wein eingeschenkt und sollen natürlich zusammen

anstoßen. Wenig später ertönt Musik und es dauert nicht lange bis

die Geburtstagskinder fordern, die Zwei sollen einmal zusammen

tanzen.

Die Freude in den Augen der Zwillinge ist groß, als sie Dallis

Geburtstagsgeschenk erblicken. Ihr altes Segelboot, der fast

„abgesoffene Kahn“, der jahrelang unbekümmert im See vor sich hin

dümpelte.

Am Ende der Schnipsel-Jagd kommen sich Brigitte Voss und

Alexander Arkens näher. Als sie ihm verdeutlicht, sie habe der

Liegenschaftsverwaltung gekündigt, weil diese ohne ihr Wissen

handelten, ist Alexander zuversichtlich und gleichzeitig erleichtert.

Das Feuer von einst beginnt erneut zu glühen – sie kommen sich

näher. Am Abend erscheint Dalli zusammen mit dem

Verhaltensforscher Klaus nicht zum Abendessen, was für

Verunsicherung und Betrüben sorgt.

Der Knecht des Hauses hatte bemerkt, das Gänseblümchen, das

Fohlen verschwunden war. Spontan beschloss Dalli es mit Klaus zu

suchen.

Am nächsten Morgen findet Alexander seine Zwillinge zusammen mit

Dalli im Pferdestall vor. Das Glück scheint perfekt, der Liebe von den

einstigen Streithähnen scheint nun nichts mehr im Weg zu stehen.

Die nächste Verwunderung lässt jedoch nicht lange auf sich warten.

Dallis Chef findet den Weg nach Immenhof mit dem Ziel sie zurück

zu holen. „Brigitte gehört in die internationale Welt“, äußert er gegenüber

der Zarin.

Am Ende siegt die Liebe, als Dalli ihrem neuen Chef Alexander klar

macht, das sie ihrem Chef, der nicht ihr Verlobter ist, kündigen

müsse. Das Glück auf Immenhof ist perfekt – das einstige Mädchen

vom Immenhof ist endlich angekommen – in der neuen, alten Heimat,

ihrem Immenhof.


BIRGIT UND BETTINA

WESTHAUSEN

Ariane Rykov – von Niepello:

Bei den beiden Filmen waren Sie

noch sehr jung, handelt es sich bei

diesen Filmarbeiten um ihre ersten

Filme?

Birgit und Bettina Westhausen:

Nein, wir hatten vorher schon

Fernsehrollen. Als Zwillingskind wird

man dafür oft angesprochen, auch

um sich eine Rolle zu teilen, wegen

des wichtigen Jugendschutz.

Allerdings waren die Immenhof-

Rollen die ersten für das Kino.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie gestaltete sich die Arbeit an der

Rolle für Sie?

Birgit und Bettina Westhausen:

Also „Arbeit“ war das nie. Wir haben

den Text gelernt, den wir nach

unserem Gespür umstellen konnten,

der Regisseur war da sehr locker.

Sich in diese Rollen einzufühlen

war nun wirklich nicht schwer.

Vorher und danach saßen wir wieder

rasch im Sattel und hatten viel

Spaß mit den Reiterkindern rund

um Malente, die uns da noch etwas

beibringen konnten.

Ariane Rykov – von Niepello:

Erhielten Sie Unterstützung von

den damaligen ‚Altschauspielern‘?

Birgit und Bettina Westhausen:

Ja - Olga Tschechowa war da sehr

ernsthaft an der Sache und brachte

alle wieder etwas runter, wenn wir

uns z B. bei Szenen mit

Horst Janson häufig vor Lachen

kugelten.

Hier merkte man, dass damals noch

zwei Schaupielerwelten aufeinander

trafen:

Nennen wir es neutral, hier die

etwas theatralische Vorkriegsauffassung

und dort das lockere, minimale

Schauspiel, ganz auf die Kamera

abgestimmt.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie würden Sie Ihren Weg zum

Film, speziell zu Immenhof

beschreiben?

Birgit und Bettina Westhausen:

Da wir schon Rollen spielten, sprach

man uns für die Immenhof-Filme an.

Der Produktionsfirma saß in Berlin.

Nach einem riesen Casting mit vielen

netten Zwillingspärchen, haben

wir dann die Rollen bekommen.


Ariane Rykov – von Niepello:

Welche Erinnerungen haben Sie an

die Zeit von damals, die

Dreharbeiten zum Film – gab es

besondere Momente für Sie an die

sie sich positiv oder weniger positiv

zurückerinnern?

Birgit und Bettina Westhausen:

Wir beide haben nur positive

Erinnerungen. Für uns waren es

lange, sonnige Reiterferien mit

interessanten Einblicken in die

Dreharbeiten. Wir haben alles genau

unter die Lupe genommen, die

Kamera, den Ton, die Regie. Nur mit

der Garderobe und der „Maske“

hatten wir oft Diskussionen, uns war

das alles etwas zu brav und glatt.

Doch Malente ist eben nicht Berlin,

sagte man uns, und das stimmte ja

auch.

Ariane Rkov-von Niepello:

Sie standen in beiden Teilen mit

Heidi Brühl vor der Kamera, wie

erlebten Sie die Arbeit mit ihr als

Schauspielerin und als Mensch?

Birgit und Bettina Westhausen:

Als Kinder mochten wir ihre drei

Immenhof-Filme sehr, dass sie

später in Las Vegas und in

Deutschland insbesondere ein

Musical-Star wurde, erfuhren wir

erst nach und nach beim Dreh. Sie

war eine sehr einfühlsame

Schauspielerin, und man merkte,

dass sie Kinder wirklich liebte. So

sprach sie oft und gern über ihre

zwei Kinder. Beim ersten Film war

sie schon recht melancholisch,

denn ihre Scheidung lief gerade.

Beim zweiten Film war sie aber

wieder ganz oben auf.

Ariane Rykov- von Niepello:

Besuchten Sie in späteren Jahren

das Gut Rothensande noch einmal?

Birgit und Bettina Westhausen:

Da Bettina häufig in Hamburg ist,

kommt sie öfter in die Gegend. Doch

direkt besucht haben wir das Gut

nicht mehr, doch wir haben es vor,

denn es war sehr schön dort und

die Besitzer liebenswert.

Ariane Rykov – von Niepello:

Sicherlich erhielten Sie nach

Abschluss der Dreharbeiten

zahlreiche Filmangebote, wie

würden Sie die Zeit danach

beschreiben? Was passierte

danach?

Birgit und Bettina Westhausen:

Ja, da beide Filme die damals

bestlaufensten Kinofilme des

Jahres waren, haben wir viele

Angebote bekommen. Wir haben

auf Wunsch unserer Eltern diese

jedoch sehr reduziert. Schule und

Studium waren uns dann auch

wichtiger.

Ariane Rykov- von Niepello:

Wie gingen Sie mit dem Erfolg der

Immenhof Filme um, was änderte

sich in ihrem Leben?

Birgit und Bettina Westhausen:

Als Zwilling erhält man meist

schon etwas mehr Aufmerksamkeit

und so empfanden wir die Fragen

etc. an uns nach den Dreharbeiten

fast immer als sehr freundlich und

positiv. Wir sind immer wieder

erstaunt, wie viele

Autogrammwünsche uns noch aus

Deutschland, Österreich und der

Schweiz erreichen, besonders von

Kindern, natürlich wissen wir, dass

dieses der Gesamtbegeisterung an

den Immenhof-Filmen geschuldet

ist. Allerdings gibt es auch nicht

so angenehme Stalking-/Fan-

Erfahrungen, so halten wir uns in

der Öffentlichkeit zurück.

Ariane Rykov- von Niepello:

Aktuell sind Sie beide in der

Filmbranche tätig – an welchen

Projekten arbeiten Sie derzeit?

Birgit und Bettina Westhausen:

An Drehbüchern für eine TV-Reihe.

Und ganz aktuell an einen TV show

Konzept. Zudem sind wir am

Ende einer Web-Serie.

Ariane Rykov- von Niepello:

In diesem Jahr erschien eine

Neuverfilmung zu Immenhof – bzw.

eine an die Filme von damals

angelehnte Verfilmung.

Wie denken Sie heute, unabhängig

von Immenhof über Neuverfilmungen

alter Klassiker?

Birgit und Bettina Westhausen:

Manchmal geht eine Neuverfilmung

gut, manchmal nicht.

Ariane Rykov- von Niepello:

Pflegten Sie nach den Dreharbeiten

Kontakte zu den damaligen

Kollegen – oder verlor man sich

schnell aus den Augen?

Birgit und Bettina Westhausen:

Jutta Speidel trifft man ab und an

auf Branchentreffs und auch Horst

Janson, da freuen wir uns ganz

besonders, er hat nichts von seiner

jugendlichen Natürlichkeit und

Frische verloren. Einige Mitarbeiter

vom damaligen Stab sind auch

noch immer aktiv.

Ariane Rykov – von Niepello:

In Bad Malente entstand das

Immenhof Museum mit einigen

Exponaten von damals –

besuchten Sie dieses Museum

oder könnten Sie sich in der

Zukunft einen Besuch vorstellen?

Birgit und Bettina Westhausen:

Nein, wir waren noch nicht dort.

Aber natürlich, können wir uns dort

einen Besuch vorstellen.

Das ZeitBlatt Magazin

bedankt sich recht

herzlich für dieses

freundliche Interview!

Tausend dank – an

Birgit und Bettina

Westhausen


14

Frühling auf Immenhof

Millionen Besucher waren begeistert, als mit „Die Zwillinge vom

Immenhof“ eine der erfolgreichsten Serien des deutschen Films neu

belebt wurde. Und wieder war es ein ausgezeichneter Erfolg.

„Das Leben auf dem viel geliebten Reiterhof, den Millionen kennen,

geht weiter. Neue Abenteuer, neue Herzensverwicklungen, etwas

Blitz und Donner, aber vor allem viel Sonnenschein erfüllen die

Handlung dieses neusten Films der beliebten Serie wieder mit Liebe,

Romantik und Humor. Rundherum beste Unterhaltung – ein Film der

fröhlich macht.“

Im ersten Teil Immenhof der 70er Jahre, fand das einstige „Mädchen

vom Immenhof“ - Dalli, endlich wieder nach Hause. Das Schicksal

wollte es, dass sich alles doch noch zum Positiven veränderte. Nach

dem Auftauchen von Dallis Chef, Georges Chambrin-Latour, der

gegenüber Alexander vorgab, der zukünftige Ehemann von Fräulein

Voss zu sein – gab es erneute Irrungen und Wirrungen auf

Immenhof. Doch was wären die Geschichten vom Immenhof, ohne

die hoffnungsvollen jungen Menschen, die stets die Initiative

ergreifen? So kam es, dass Billy und Bobby das erreichten, was den

Erwachsenen misslang. Sie trugen dafür Sorge, dass auf Immenhof

alles blieb, wie es war – beinahe alles. Denn wie es am Ende aussieht,

heiratet Vater Arkens bald die Besitzerin vom Immenhof...

Mit „Frühling auf Immenhof“ ist es Wolfgang Schleif erneut gelungen,

die neusten Ereignisse und Abenteuer rund um den Immenhof, im alt

bewährten Stil der Vorgänger Erfolge zu präsentieren. Es entstand

ein rundum gelungener Unterhaltungsfilm, der wiedereinmal ein

ausgezeichneter Erfolg wurde.

„Da sind wieder „Dalli“ Heidi Brühl und „Alexander“ Horst Janson, da

sind die fröhlichen Zwillinge Billy und Bobby, die Oma, der

Wedderkoop Vater, der alte Doktor – aber auch manch neues

Gesicht – und auch sonst viel neues auf dem alten Gutshof.“

Unbeschwert und sorgenfrei verbringen die Zwillinge, Billy und Bobby

ihre Jugend auf Immenhof. Mit zahlreichen Freunden und den

geliebten Ponys ähnelt ihr Leben auf Immenhof wahrlich dem Leben

im Paradies. In der Schule begrüßen die Zwillinge zunächst ihren

neuen „Pauker“, denn der weiß sicherlich nicht, dass es in seiner

neuen Klasse Zwillinge gibt. Es bereitet ihnen höchstes Vergnügen,

den neuen Lehrer erst einmal zu testen – doch dieser nimmt es mit

Humor, er ist selbst Zwilling und kennt die Geschichten.

Der ewig

niesende Pauker, der von seiner Klasse bald nur noch „Dobermann“

genannt wird, ist keines Falls auf den Kopf gefallen und lässt sich

auch durch allerlei Streiche, so leicht nicht aus der Reserve locken.

Er kontert mit Humor und versteht es, den Spieß umzudrehen. So

auch, als Billy und Bobby den hausgemachten „Erkältungssirup“ ihrer

Großmutter mit Kreide, Salz, Pfeffer und allerlei Ekelerregender

Zutaten verfeinern. Den Braten riechend, da vorher beobachtet -

fragt er seine Klasse „Wer von euch möchte den als erstes“?

Niemand wollte freiwillig einen Schluck des ekelerregenden Getränks

zu sich nehmen.

Das Glück der Zwillinge, es scheint vollkommen – zu Hause auf

Immenhof scheint alles in bester Ordnung zu sein. Vater Arkens wird

in naher Zukunft die Gutsbesitzerin Dalli heiraten.

Doch auch das Paradies ist nicht frei von Sorgen und Problemen.

Ihre Großmutter, die Zarin roch den in der Luft liegenden Ärger. „Ein

Jucken im kleinen Finger ist ein untrügliches Zeichen dafür“.

Ärger liegt in der Luft – schon bald braut sich etwas zusammen und

ein böser Sturm zieht über den Immenhof. Alexander und Dalli

stecken in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Was die Zwillinge

nicht wissen: Die erwachsenen haben einen Kredit aufgenommen der

zurückgezahlt werden muss, nur wissen beide nicht wie sie eine

solche Rückzahlung gewährleisten sollten. Schnell gibt Dalli ihrem

zukünftigen Mann zu verstehen, dass Sie diejenige ist, die auf

Immenhof das „Sagen“ hat. Dalli ist der Boss – Alexander lediglich

der Pächter. Sie beide haben völlig unterschiedliche

Herangehensweisen das bestehende Problem zu lösen. Dalli reist

nach Hamburg, um dort mit ihrem ehemaligen Chef zu sprechen.

Zunächst unterbreitet sie ihm den Vorschlag, wieder für ihn zu

arbeiten. Georges Chambrin-Latour hatte die Bilder der glücklichen

Dalli mit den Zwillingen und ihrem zukünftigen Mann nicht vergessen.

Weiterhin bezweifelt er, dass Brigitte dem stressigen Alltag, der nun

wieder auf sie zukommen würde, gewachsen sei.

Chambrin-Latour liest zwischen den Zeilen und nennt das Kind beim

Namen. Er hatte das Problem erkannt, Brigitte braucht Geld und

möchte aus diesem Grund wieder arbeiten.

Die Zwei sind eng miteinander befreundet, so unterbreitet er ihr ein

Angebot, dass sie nicht ablehnen kann. Er ist bereit, ihr das Geld zu

leihen – ohne jegliche Gegenleistung.

Alexander weißt das großzügige Angebot empört zurück – er

bezweifelt diese uneigennützigen Motive. Sein Stolz verbietet es ihm,

fremde Hilfe anzunehmen, er will es aus eigener Kraft schaffen und

konzipiert dafür einen konkreten Plan. Ferien auf Immenhof! Die

Leitidee ist das neue Lebensgefühl der Großstadtmenschen, die sich

nach der Romantik des einfachen Lebens auf dem Lande sehnen.

Zielsetzung ist es, den Trend der Zeit in klingenden Münze zu

verwandeln. Dalli ist von diesem Vorhaben alles andere als

begeistert, „Ferien auf Immenhof, das hatten wir schon mal als ich ein

Kind war“ - es funktionierte nicht, ihrer Meinung nach wird es das

auch diesmal nicht.

Im Vorfeld organisiert Alexander Arkens den Kontakt zu einem

Reisebüro, dass die ganze Sache mit ihm aufziehen soll. Als

Vertreterin des Reisebüros erscheint zu Dallis Verdruss eine überaus

attraktive junge Dame, die sich mehr für Alexander als für das

gemeinsame Projekt zu interessieren scheint.

Blitz und Donner entladen sich über dem Immenhof. Beide kränken

einander, es folgt Missverständnis nach Missverständnis, tiefe

Eifersucht und verletzter Stolz. Da die beiden Streithähne nicht in der

Lage sind einen Kompromiss zu finden, zieht Alexander Arkens

schon bald die Konsequenzen - er kündigt als Pächter, packt seine

Sachen und verlässt den Immenhof mit seinen Töchtern. Natürlich

soll auch seine Mutter, die Zarin mitziehen – theatralisch stürzt sie auf

der Treppe und ist somit vorerst nicht reisefähig. Nachdem sie und

der Doktor darüber debattieren, welches Bein nun eingegipst werden

solle – erhält sie von Dalli die Zusicherung auf Immenhof bleiben zu

dürfen.

Dalli ist sich sicher, den Immenhof allein bewirtschaften zu können,

der Versuch geht über ihre Kräfte. Während dessen hat es sich

Alexander mit Billy und Bobby auf einem abgewirtschafteten

Nachbarhof gemütlich gemacht. Die Kinder des „Immenhof – Clubs“

gehen ihm tatkräftig zur Hand und renovieren den alten Hof – schon

bald soll es nun „Ferien auf dem Bauernhof“ geben.


14

Frühling auf Immenhof

Dalli muss sich eingestehen, dass sie selbst nicht in der Lage ist, ein

Gut wie Immenhof zu bewirtschaften. Erneut ruft sie Ihren alten

Freund und Chef in Hamburg an und bittet diesen, ihr beim Verkauf

von Immenhof behilflich zu sein. Sie ist verletzt und glaubt, Alexander

für immer verloren zu haben. Die Zarin sieht mit an, wie Dalli alle

nötigen Vorbereitungen trifft, um den Hof so schnell es geht zu

verkaufen.

Die Großmutter und die Zwillinge wünschen sich nichts sehnlicher,

als endlich wieder eine richtige Familie zu sein. Es gestaltet sich als

unmögliches Unterfangen, Dalli davon zu überzeugen nicht

abzureisen, nicht zu verkaufen. Billy und Bobby kämpfen für ihren

Traum von einer richtigen Familie. Sie teilen Alexander mit, dass

Dalli Immenhof verlassen wird – und zwar für immer!

Die Zeit spielt gegen Dalli, die ihren Zug nach Hamburg verpasst.

Während Alexander Arkens am Bahnhof lediglich den fahrenden Zug

betrachtet, versperren die Kinder den Waldweg. Resigniert reitet

Alexander zurück, als er glaubt, alles verloren zu haben – erschient

ihm Dalli, ebenfalls resigniert. Sie verpasste ihren Zug und Ole war

noch immer damit beschäftigt den Weg frei zu räumen.

Als die Streithähne von einst erneut aufeinander treffen beseitigt ein

Gespräch alle Missverständnisse. Sie beide haben begriffen, wie

sehr sie einander lieben und brauchen. Das Glück und die Liebe, ist

endlich wieder zurück auf Immenhof. Bald schon sollten sie erklingen,

die Hochzeitsglocken auf Immenhof.


Während den

Dreharbeiten


Mario Würz

Immenhof Museum Malente


Der Sammler und Autor Mario Würz sah 1984, das erste Mal die Immenhof-Filme im Fernsehen. Das war die

Geburtsstunde einer großen Leidenschaft. Sein Weg führte ihn an die Originalschauplätze von Damals, bis hin

zum Original Immenhof. Heute führt er ein Museum, ist Veranstalter des Immenhof-Filmpreises und

veröffentlichte drei Immenhof Romane.

Das ZeitBlatt Magazin traf Mario Würz zum Interview.

Ariane Rykov- von Niepello:

Wie bist du zu der Idee gekommen, ein

Immenhof Museum zu gründen? Was hat

dich dazu inspiriert?

Mario Würz:

Da ich so vieles zu Immenhof gesammelt

hatte, stand ich eines Tages vor der Frage,

was mache ich mit dieser beträchtlichen

Sammlung. Ich überlegte hin und

her und plötzlich kam ich auf die Idee mit

dem Immenhof-Museum.

Ariane Rykov – von Niepello:

Wie ist diese große Sammlung entstanden?

Mario Würz:

Diese große Sammlung ist zunächst über

die Verkaufsplattform Ebay entstanden.

Hinzu kamen Sammler und Privatpersonen,

von denen ich eine Vielzahl an

Material erwarb.

Ariane Rykov – von Niepello:

Die Immenhof-Filme der 50er und 70er

Jahre wurden in Malente gedreht – wie

hast du es geschafft, an die Originalschauplätze

von damals zu gelangen?

Mario Würz:

Zunächst betrachtete ich die alten Filmfotos

sehr genau. Später sprach ich mit

Einheimischen, durch deren Erzählungen

mir die Orte ganz genau aufgezeigt

wurden.

Ariane Rykov- von Niepello:

Was verbindet die Original Filme mit der

Neuverfilmung, die aktuell im Kino zu

sehen ist? Wie denkst du über Neuverfilmungen

alter Klassiker?

Mario Würz:

Die Neuverfilmung hat mit den Original

Filmen, bis auf den Namen, nichts zu

tun. Neuverfilmungen alter Klassiker sind

grundsätzlich sehr schwer und die Umsetzung

ist nicht immer möglich.

DAS INTERVIEW

Ariane Rykov- von Niepello:

Du bist Organisator des Immenhof

Filmpreises, wie gestaltet sich die

künstlerische Umsetzung und wie

wird es finanziert?

Mario Würz:

Bei der künstlerischen Umsetzung

unterstützen mich die Agenturen der

Schauspielerinnen und Schauspieler.

Finanziert wird der Immenhof

Filmpreis mit Hilfe von Sponsoren.

Ariane Rykov- von Niepello:

Jedes Jahr erscheinen mehrere

Prominente zu Deiner Veranstaltung

– wie ist die nationale Resonanz

darauf?

Mario Würz:

Die Resonanz wird von Jahr zu Jahr

größer.

Ariane Rykov- von Niepello:

Das Immenhof Museum ist ein Verein,

worin liegen die primären Aufgaben

des Vereins, wie definierst du

das Hauptbestreben des Vereins?

Mario Würz:

Das Hauptbestreben des Vereins ist

der Erhalt des Immenhof Museums.

Ariane Rykov – von Niepello:

Als Museumsinhaber stehst du

in engem Kontakt zu den Schauspielern

von damals, wie ist dieser

Kontakt entstanden?

Mario Würz:

Natürlich habe ich mir Gedanken

gemacht, wie man da am besten

einen Kontakt herstellen könnte.

Also beschloss ich, einmal bei der

Auskunft der Telekom nachzufragen.

Dort erhielt ich die Telefonnummern

der Schauspieler, diese

rief ich an – bis ich den richtigen am

Telefon hatte.

Ariane Rykov- von Niepello:

Ursprünglich kommst du aus der

Nähe von Frankfurt am Main, wie

sah dein persönlicher Weg nach

Malente aus?

Mario Würz:

Nach Malente bin ich wegen der

Immenhof-Filme im Jahr 1989 gezogen,

direkt nach meiner Lehre. Die

Immenhof-Filme habe ich im Jahr

1984 das erste Mal im Fernsehen

gesehen, danach habe ich Kontakt

zu dem damaligen Besitzer vom

Immenhof aufgenommen.

Ariane Rykov- von Niepello:

Du selbst bist Autor und publizierst

Bücher rund um den Immenhof

was würdest du als deinen Quell der

Inspiration bezeichnen?

Mario Würz:

Die Ideen zu meinen Immenhof

Büchern sind mir ganz spontan eingefallen

– und ich habe mir überlegt

wie die Geschichte vom Immenhof

weitergehen könnte. Alle drei

Immenhof Bücher sind auf dem

Original Immenhof entstanden.

Ariane Rykov- von Niepello:

Der Immenhof im Wandel der Zeit

– wie stellst du dir den Immenhof

der Zukunft nach Beendigung aller

Arbeiten vor?

Mario Würz:

Man wird dann wieder Ferien auf

Immenhof machen können! Wie

im Film! Darauf haben viele Fans

gewartet.

Ariane Rykov – von Niepello:

Welche Projekte planst du für die

Zukunft?

Mario Würz:

Es wird weiterhin das Immenhof-

Museum, die Immenhof-Filmtour

sowie die große Gala und Immenhof-

Filmpreisverleihung geben. In

Planung ist ein neues Immenhof-

Buch, was natürlich wieder auf dem

Original Immenhof geschrieben wird.

Ideen gibt es noch für die Immenhof-

Festspiele und einen neuen

Immenhof Film – natürlich auf dem

Original Immenhof in Malente.

Lieber Mario, wir bedanken uns sehr herzlich für dieses spannende Interview.


Der Immenhof in Malente


Unter dem Titel Sommernacht auf

Immenhof“ sollte 1958 ein vierter

Immenhof-Film“ gedreht werden.

Doch leider wurde dieser Plan aus

verschiedenen Gründen nie verwirklicht.

Der Film wurde nie

gedreht. In diesem Buch lässt

Mario Würz, seit vielen Jahren

begeisterter Immenhof-Fan und

Betreiber des Immenhof-Museums“

in Bad Malente, all die beliebten

Figuren aus den Filmen der 50er

Jahre wieder auferstehen und

schuf damit endlich die Fortsetzung

von Ferien auf Immenhof.

Auf dem Immenhof überschlagen

sich die Ereignisse. Ralf ist

plötzlich verschwunden und eine

spannende Suche beginnt.

Dr. Pudlich macht mit Oma

Jantzen eine Reise und besucht

einen Kollegen. Dick plagt

großes Heimweh, sie hat

Sehnsucht nach dem Immenhof.

Mario Würz ist durch und durch

Fan der „Immenhof“-Filme.

Er wohnt nicht nur auf dem Gut

Rothensande bei Malente, einem

der Hauptdrehorte der Kult-Filme,

er stellt sogar zum 50-jährigen

Geburtstag der Verfilmung im

Sommer ein Jubiläums-Programm

in Malente auf die Beine.

(www.immenhof-filme.info).


Bildnachweis

Cover Titelbild: (©) Immenhof Museum – M. Würz /Malente

Backcover: (©) Immenhof Museum – M. Würz

Sämtliche Bilder werden nachfolgend den jeweilig ermittelten Rechteinhaber zugewiesen und aufgelistet. Nicht

alle Inhaber von Fotos oder sonstigen Rechten konnten ermittelt werden, sie werden gebeten, eventuelle

Ansprüche geltend zu machen. Kontaktieren Sie uns bitte unter der folgenden Anschrift: ZeitBlatt Magazin,

Inhaber: Uwe Marcus Rykov und Ariane Rykov, Tomsona iela 39/ 1-26, Riga, Latvia

(©) Uwe Marcus Rykov: Autorenfoto A. Rykov

(©) Immenhof Museum Mario Würz / Malente: Sämtliche Fotos zu Immenhof aus den 50er und 70er Jahren

(©) Beate Fehrecke: Sämtliche Plakate, Fotos von Karlheinz Fehrecke, Interview über Karheinz Fehrecke,

Buchvorstellung zu den Werken von Karlheinz Fehrecke – Renè Grohnert

(©) Peter Tost: Signierte Fotografie und Interview Peter Tost

(©) ZeitBlatt Galerie und Archiv: Heidi Brühl PK, Signierte Fotos von Birgit und Bettina Westhausen, Pressefoto

Heidi Brühl und Horst Janson

(©) Ursula Röhnert: S/W Fotografie Heidi Brühl

Quellnachweis

Alle autobiografisch verwendeten Zitate aus Interviews mit/über die Schauspieler der Filme, und weiteren im

Inhalt genannten Personen werden nicht gesondert aufgelistet. Die jeweiligen Passagen sind lediglich als Zitat

markiert.

Biografie über Angelika Meissner

Autor: Kurt Hahn – das Werk wurde nicht für die Veröffentlichung/ Herausgabe publiziert

Heidi Brühl – Eine kühle Blonde bitte. Erinnerungen eines bisweilen unvorsichtigem Mädchens

ISBN-10: 3217007581 Verlag: Molden, Mchn. (November 1982)

Interview mit Peter Tost /ZeitBlatt Magazin

Interview mit Christiane Armbrecht / ZeitBlatt Magazin

Interview mit Birgit und Bettina Westhausen /ZeitBlatt Magazin

Interview mit Beate Fehrecke / ZeitBlatt Magazin

Interview mit Mario Würz / ZeitBlatt Magazin

DER SPIEGEL, Ausgabe vom 12.9.1956

WELT, Ausgabe 17.1.2019

Ursula Bruns, Dick und Dally und die Ponys, Ausgabe/Verlag: Ravensburger, 2008

Werberatschlag, „einweg“ Werbematerial von Constantin Film, Die Zwillinge vom Immenhof

Werberatschlag, „einweg“ Werbematerial von Constantin Film, Frühling auf Immenhof

Filmprogramme der 50er Jahre, Die Mädels vom Immenhof, Hochzeit auf Immenhof, Ferien auf Immenhof

Pony Lied: Melodie Der Welt by J. Michel KG im Frankfurt


Impressum

ZeitBlatt Magazin

Ariane Rykov und Uwe Marcus Rykov

Tomsona iela 39 / 1-26

1013 Riga / Latvia - Lettland

Idee und Konzept:

Uwe Marcus Rykov

Ariane Rykov

Mario Würz

Layout

Aike Hartenfels

Uwe Marcus Rykov

Vertrieb

ONPRESS Media

Altonaer Str. 84- 90

13581 Berlin (Spandau)

Tel. (030) 33 09 617-0

Fax. (030) 33 09 617-29

E-Mail info@onpress.de

Copyright 2019. Alle Rechte beim Verlag

ZeitBlatt Verlag / Magazin

Uwe Marcus Rykov

Ariane Rykov

Tomsona iela 39 / 1-26

Tel. +371-20016903

www.zeitblatt.com

1013 Riga / Latvia - Lettland

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung,

vorbehalten. Kein Teil des vorliegenden Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung

des Verlags sowie des Autoren reproduziert, vervielfältigt oder verbreitet werden.


Immenhof

Immenhof Soundtrack - So ein Pony Songtext

So ein Pony, das kann alles,

ja das weiß viel mehr als ihr!

Könnte es noch Eier legen,

wäre es ein Wundertier!

Ponys lesen keine Zeitung,.

tanzen niemals Rock‘n Roll!

Wählen keine Miss Europa

und sie fühl‘n sich trotzdem wohl!

So ein Pony musst Du haben,

denn dann hast Du einen Freund!

Wirft es Dich auch mal herunter,

war‘s bestimmt nicht bös‘ gemeint!

So ein Pony will nicht rauchen,

macht sich nichts aus Bier und Schnaps!

Darum springt es frisch und munter

und sein Herz hat keinen Klaps!

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