RCKSTR Mag. #170

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#170 | SEPT. 2019

30

MUSIK

Der trashigste

Sommerhit des

Jahres ist auch

unser liebster

1

Yikes. Warum können

wir nicht aufhören,

bei «Mine» von Slayyyter

mitzuwippen wie ein Wackeldackel,

der übers Kieselfeld gefahren

wird? Vielleicht gerade weil der Track

so unverschämt jenem Late-90s/

Early-00s Bubblegum Pop huldigt,

zu dem die Kids einst im Sommer

mit Wodka-Red-Bull durch

die Clubs von Ayia Napa

gewankt sind.

Wer Slayyyter als

überzuckertes Update

von Britney und Christina

abtut, hat damit nur zur Hälfte

recht. Auf Bänger wie «Daddy AF»

zelebriert die Sängerin nicht bloss

den eigenen Sexappeal, sondern

stellt gekonnt klischierte Geschlechterrollen

auf den Kopf

und tritt ihnen hochhackig

in den Arsch.

Obwohl Slayyyters

Sound-Sirup nun so

langsam vom Underground

in den Mainstream schwappt,

ist die Amerikanerin (geboren und

aufgewachsen in St. Louis) noch immer

indie as fuck. Ihre bisherigen Tracks

schrieb und produzierte sie vorwiegend

gemeinsam mit Kollegen wie

Ayesha Erotica und Robokid, für das

Artwork zeichnet sich der englische

Künstler glitchmood

verantwortlich.

slayyyter

3 4

5 6

(Und 6 weitere

Gründe, warum du

Slayyyter

auf dem Schirm

haben solltest)

2

Als «sexy Myspacecore»

bezeichnet die

22-Jährige ihren kitschbunten

Output – ein Genre, unter dem

bislang meist überschaubar erfolgreiche

Emo-Bands belächelt wurden, die

inzwischen nicht mehr in ihre Skinny Jeans

passen und sich hoffentlich einen neuen

Haarschnitt zugelegt haben. Slayyyter

trägt die Stilbezeichnung dagegen stolz

wie einen Orden und rundet sie mit

einer Ästhetik ab, die wie eine

Geocities-Fanpage für Bratz

Dolls anmutet.

Slayyyters bislang prominentester

Fan: Charli XCX.

Unser aktueller Coverstar hat auf

seiner vielbeachteten und immer wieder

formidabel kuratierten Spotify-Playlist

«The Motherfucking Future» unter

anderem Slays frühe Singles «BFF» und

«Ghost» gefeatured. Und selbst mit der

notorisch streitsüchtigen Azealia Banks

scheint sich Slayyyter zu verstehen:

Gemeinsam nahmen die beiden

den Song «New Victim» auf.

Das ihr (noch?)

kein Musiklabel mit

«Pass bloss auf, was du

sagst»-Abteilung auf die Finger

schaut, lässt sich auch an ihrem

Twitter- und Instagram-Account ablesen,

wo Slayyyter täglich ihre Follower

mit einem charmant albernen FSK-18

Stream of Consciousness bespasst

– Screenshots aus dem eigentlich

von uns schon längst verdrängten

«The Simple Life»

inklusive.

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