Auf der Suche nach der Stille

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Ganz oben: Wegkreuze sind häufige Wegmarken der Pilgerrouten.

Oben: Der begehrte Pilgerstempel ist das wohlverdiente Ziel am

Ende eines langen Wandertages. Rechts: Meist spielt die Natur die

Hauptrolle auf den Etappen, wie hier die herrliche Ammer im Herbst.

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»Es kommt niemals ein Pilger nach Hause,

ohne ein Vorurteil weniger

und eine neue Idee mehr zu haben.«

Thomas Morus

Der englische Lordkanzler und Schriftsteller Thomas Morus

(um 1478–1535) bringt mit diesen Worten die Kraft des Pilgerns auf

den Punkt. Es ist eine besondere Art des Reisens, die auf gar keinen

Fall mit einfachem Wandern gleichgesetzt werden kann. Pilgern ist

Beten mit den Füßen, so heißt es, und tatsächlich formen Pilgerreisen

ganz besondere Erlebnisse. Dabei ist gar nicht so entscheidend,

was in der Außenwelt passiert. Wer pilgert, möchte ins Innere

reisen, in seine Gefühls- und Erinnerungswelt. Man nimmt eine

bewusste Auszeit aus dem Alltag – und das auf Wegen, die möglichst

kaum ablenken, die sich zur Not auch schlendernd passieren

lassen, wenn die Gedanken sich so sehr mit einem Thema verstricken.

Pilgern ist Therapie, Vergangenheitsbewältigung und Krafttanken

in einem. Es ist, als träte man für eine Zeit heraus aus der

Welt des Müssens und Sollens.

Der Pilger braucht kein Kräftemessen mit sich selbst, keine Verausgabung,

keine Aufregung oder Herausforderung, denn beim

Pilgern geht es um die Ruhe. Es geht darum, Wege der Stille zu finden,

die dem Pilger viel Raum lassen, in sein Inneres zu blicken und

letztendlich zu sich selbst zu finden. Oftmals trägt der Pilger in seinem

Rucksack nicht nur Verpflegung und Kleidung mit sich, sondern

zudem noch ein Thema, mit dem er sich auf den Weg macht,

manchmal eine Lebenskrise oder manchmal möchte er auch einfach

nur Ruhe finden, Besinnung in einer Welt, in der er ständig

erreichbar und umgeben von technischem Gerät ist. Wie gut tut es

da, Waldluft zu atmen, sich Zeit zu lassen und Panoramen ganz tief

in sich aufzusaugen – sei es über die sanften Wellen der norddeutschen

Seen, die leichten Hügel des Harzes oder die schroffen Berge

des Voralpenlandes.

Es scheint, als ob die technisierte Zeit eine Sehnsucht nach dem

Pilgern hervorruft, denn es ist populär wie nie zuvor. Die Menschen

machen sich dabei nicht nur auf den Weg zum wohl bekanntesten

Pilgerziel Europas, Santiago de Compostela. Es gibt auch viele Wege,

die den Lebenslinien anderer Heiligen und spiritueller Lehrer

nachempfunden sind, wie etwa der heiligen Elisabeth von Thüringen

oder Martin Luther. Doch die meisten Pfade verdichten das

Netz der Jakobswege, das Europa überspannt und im bekannten

Santiago de Compostela endet.

Wachsende Pilgerzahlen lassen dieses Wegenetz enger werden,

viele Strecken wurden erst in den letzten 15 Jahren ausgebaut

– und das nicht nur in Deutschland. Die europäischen Jakobswege

neu zu beleben ging auf eine Initiative des Europaischen Rates zurück.

Mithilfe von EU-Fördermitteln wurde das teils schon vergessene

Wegenetz neu errichtet. Überall in Europa werden die Strecken

seitdem ausgebaut.

Ob Jakobsweg oder nicht – wichtig ist zu betonen, dass Pilgern

nicht mit Wallfahren zu verwechseln ist. Beim Pilgern geht es um

die Versenkung in die eigene Stille, beim Wallfahren wird gebetet,

gesungen, gehuldigt. Und dennoch haben beide eines gemeinsam:

die Offenheit für spirituelle Geschichten und Themen. Sei es auf

dem Weg selbst oder in den Kirchen – die Pilgerwege geben reichlich

Gelegenheit, in die Welt der Gleichnisse und Mythen einzutauchen.

Vielfältige Möglichkeiten bieten sich dem dem Pilger in

Deutschladn, der sich auf eine solche Reise macht: Manche Strecken

sind eng verwoben mit dem Genuss, etwa von Wein an Rhein

und Mosel. Andere Wanderer suchen die Nähe zum Wasser und

finden an der Ostsee den perfekten Weg. Wieder andere verlangt

es nach kulturellen Höhepunkten wie etwa dem Kölner Dom oder

der Römerstadt Trier, die allesamt gut angebunden sind an dieses

Netz der Pilgerwege. Fest steht auf jeden Fall eines: Pilger kehren

verändert nach Hause zurück. Möglicherweise gelassener oder milder

und vielleicht, wie Morus sagt, mit einem Vorurteil weniger

und einer Idee mehr.

Bilder vorhergehende Seiten:

S. 2/3: Durch den Pfälzerwald führt ein Abschnitt des Jakobsweges,

der unter anderem herrliche Fernblicke bereithält.

S. 4/5: Der Münchner Jakobsweg führt am Schwaigsee vorbei, einem

Badesee vor Rottenbuch.

S. 6/7: Der Dom zu Speyer ist die größte erhaltene romanische Kriche

der Welt. Seine Krypta wurde 1014 geweiht. An dem Gotteshaus

beginnt der Pfälzer Jakobsweg.

S. 8/9: Auf verschlungenen Pfaden durch die Weinberge zieht sich der

Mosel-Camino.

S. 10/11: Auf vielen Strecken treuer Begleiter: die stilisierte Jakobs -

muschel als Zeichen für einen Jakobsweg, der in seinem weiteren

Verlauf bis nach Santiago de Compostela führt.

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Kiel

Rostock

Hamburg

Oldenburg

Bremen

Hannover

Berlin

Magdeburg

Essen

Düsseldorf

Dortmund

Kassel

Halle

Leipzig

Köln

Siegen

Dresden

Bonn

Koblenz

Mainz

Frankfurt

am Main

Saarbrücken

Mannheim

Nürnberg

Stuttgart

Augsburg

Freiburg

München

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Inhalt

Via Jutlandica 16

Via Baltica 24

Pilgerweg der

heiligen Birgitta von Schweden 34

Wunderblutweg

Berlin – Bad Wilsnack 44

Jacobusweg

Lüneburger Heide 50

Sigwardsweg 60

Hermannsweg 68

Pilgerweg

Loccum – Volkenroda 76

Harzer Klosterwanderweg 86

Via Regia 94

Lutherweg 104

Rheinischer Jakobsweg 112

Auf dem Jakobsweg durch

die Eifel 120

Elisabethpfad 130

Pfälzer Jakobsweg 170

Jakobsweg Main­Taubertal 180

Martinuswege:

Regionalweg Nord 190

Auf dem Jakobsweg

durchs Altmühltal 198

Kinzigtaler Jakobsweg 208

Neckar­Baar­Jakobusweg 218

Beuroner Jakobsweg 226

Martinuswege:

Regionalweg Südwest 234

Martinuswege:

Regionalweg Süd 242

Crescentia­Pilgerweg 252

Münchner Jakobsweg 260

Heilige Landschaft Pfaffenwinkel

(Westschleife) 270

Jakobsweg Isar – Loisach –

Leutascher Ache – Inn 278

Bonifatius­Route 138

Rheingauer Klostersteig 148

Mosel­Camino 154

Wendelinus­Pilgerweg 164

Register 286

Bildnachweis, Impressum 288

PILGERWEGE IN DEUTSCHLAND

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D Ä N E M A R K

Sønderborg

Etappe 1

Handewitt

Etappe 2

Flensburg

derschmedeby

Etappe 3

Naturpark

Schlei

Husum

Etappe 4

Kropp

Etappe 5

Schleswig

Eckernförde

Naturpark

Hüttener Berge

Nationalpark

Schleswig-

Holsteinisches

Wattenmeer

Heide

Nord-Ostsee-Kanal

Jahrsdorf

Büdelsdorf

Rendsburg

Etappe 7

Etappe 8

Etappe 6

Stafstedt

Naturpark

Aukrug

Naturpark

Westensee

Neumünster

Brunsbüttel

Elbe

Itzehoe

Etappe 9

Kaltenkirchen

Glückstadt

Elmshorn

20 km

Das Wasserschloss Glücksburg erreicht man am letzten Tag der

Strecke, der Schleswiger Dom ist bereits das Ziel der dritten Etappe.

16 VIA JUTLANDICA


Via Jutlandica

Auf dem Jütländischen Jakobsweg zu den

Schönheiten Schleswig-Holsteins

Routenlänge: 213 km

Pilgerwege sind nicht nur Wege für Gläubige, sondern beschreiten, wie die Via Jutlandica, oft auch Trassen des Krieges. Große Teile folgen

dem alten Heerweg vom heutigen Dänemark bis zur Elbe. Händler mit ihren Ochsenwagen oder Viehherden nutzten diese Pfade ebenso

wie das Militär, das seine Truppen über diese Strecken in die Feldzüge schickte. Um Moore und unwegsames Gelände machten die

Strecken einen weiten Bogen, dafür überzog ein dichtes Netz an Siedlungen den Rand, denn Gasthäuser und Unterkünfte wurden

gebraucht. Noch heute bieten sie den Pilgern Herbergen in einer doch eher dünn besiedelten Gegend. Je weiter südlicher die Strecke

führt, desto windiger wird es. Und flach: Schon bald zeigt die Landschaft ihr nordseetypisches Gesicht.

1. Etappe:

Kruså – Handewitt (16 km)

Von Dänemark aus startet der Weg entlang einer Strecke von

Findlingssteinen durch ein Naturschutzgebiet, das sogar ein

wenig an Afrika erinnert.

2. Etappe:

Handewitt – Süderschmedeby (25 km)

Ein See als stummer Zeuge der Eiszeit markiert den Höhepunkt

dieser Etappe.

3. Etappe:

Südderschmedeby – Schleswig (26 km)

Von der Endmoränenlandschaft wandelt sich die Gegend in

flach-sandigen Geestcharakter; ein Ganggrab gehört zu den

Höhepunkten dieser Tour.

4. Etappe:

Schleswig – Kropp (22 km)

Die Mitte des Weges verführt zu vielen Stopps, ob im Wikingerdorf

Haithabu oder im bekannten Schloss Gottorf.

5. Etappe:

Kropp – Rendsburg (22 km)

Der alte Ochsenweg führt schnurstracks nach Rendsburg.

6. Etappe:

Rendsburg – Stafstedt (23 km)

Eine Rolltreppe begleitet den Wanderer unter dem Nord-

Ostsee-Kanal hindurch, der ein beeindruckendes Technikdenkmal

auf dem Weg bildet.

7. Etappe:

Stafstedt – Jahrsdorf (20 km)

Hünengräber, kleine Katen und eine Gegend, deren Sagen

Angst machen, vom Wege abzukommen, durchquert der

Pilger auf dieser Strecke.

8. Etappe:

Jahrsdorf – Itzehoe (29 km)

Die Itzequelle empfängt den Wanderer und begleitet ihn ein

Stück in die Stadt.

9. Etappe:

Itzehoe – Glückstadt (30 km)

Weite, gerade Strecken und in der Ferne ein Fluss, der so breit

ist, dass er wie ein Meer wirkt: Die letzte Etappe zeigt Norddeutschlands

schönste Seiten.

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1. Etappe

Kruså – Handewitt

Die dänische Stadt ist Ausgangspunkt der Tour. Kruså war vor

der Eröffnung der Autobahn die wichtigste dänische Grenzstadt.

Gleich hinter der Grenze findet sich die erste Markierung des Jakobsweges

– die gelbe Muschel auf blauem Grund. Der Weg

schlängelt sich über den »Krummen Weg«, einen mit Findlingssteinen

gepflasterten Pfad, durch die bewaldete Landschaft. Kurz

vor dem Ende der Etappe erreicht der Pilger Niehuus und stößt auf

Reste einer alten Burg. Entlang eines Sees geht es weiter durch das

Naturschutzgebiet Schäferhaus. Die Gegend mutet mit ihrer Weite

und dem niedrigen Bewuchs wie eine afrikanische Steppe an. Hier

wurden sogar Knochen von urzeitlichen Elefanten gefunden. Heute

grasen Galloways und Wildpferde friedlich auf den Weiden.

2. Etappe

Handewitt –

derschmedeby

Die zweite Etappe des Weges schlängelt sich durch eiszeitlich

geformte Landschaften. Die neugotische Kirche in Handewitt lädt

noch einmal zur Andacht ein, bevor es weiter gen Süden geht. Zunächst

führt die Strecke in Hörweite der Autobahn, doch dann wird

es wieder stiller. Höhepunkt der heutigen Etappe ist der Sankelmarker

See, eine einstige Gletscherzunge aus der Eiszeit. Vier Kilometer

lang ist seine Umrundung, der Pilgerweg folgt dieser Strecke

ein Stück. An seinem Ufer führt die Route durch Buchenwäldchen

und immer wieder Stationen mit Blicken auf das Wasser. Schon

bald erreicht der Pilger das Örtchen Oeversee, dessen Geschichte

mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Unbedingt sehenswert

ist die Wehrkirche St. Georg mit ihrem Rundturm aus

Feldsteinen, den filigranen Deckengemälden und ihrem barocken

Altar. Über das Flüsschen Treene geleitet der Weg den Pilger nach

derschmedeby. Schon der Name des Ortes erinnert an die Vergangenheit

als Schmiedestadt, der Schmiedeplatz am Auberg zählt

zu den ältesten Waldschmieden Norddeutschlands.

3. Etappe

derschmedeby – Schleswig

Auf dieser Etappe durchquert der Wanderer die Endmoränenlandschaft

des Nordens und tritt ein in die sandig-flache Geestlandschaft.

Die Gemeinde Sieverstedt markiert diesen Übergang

und ist nicht nur deswegen interessant, sondern auch weil sie über

ein einzigartiges Gotteshaus verfügt. Wer die St.-Petri-Kirche betritt,

wird nicht nur florale Fresken an den Bögen der Decke finden,

sondern auch eine Besonderheit: Neben dem Altar befindet sich

ein Kamin. Die Kirche stammt dem 12. Jahrhundert, ihr Taufstein ist

sogar noch älter.

Nach dieser kurzen Einkehr setzt sich der Weg über Idstedt fort

gen Süden. Dort lohnt sich unbedingt ein Stopp, denn die Idstedter

Räuberhöhle gehört zu den wenigen fast gänzlich erhaltenen

steinzeitlichen Ganggräbern Norddeutschlands, sie liegt etwas

versteckt im Wald. Von dort aus sind es nur noch etwa sechs Kilometer,

ehe Schloss Gottorf erreicht ist, eine der Hauptattraktionen

der Stadt Schleswig.

4. Etappe

Schleswig – Kropp

Schloss Gottorf sollte auf keinen Fall ausgelassen werden bei

dieser Pilgertour, schließlich zählt es zu den bedeutendsten weltlichen

Bauwerken Schleswig-Holsteins. Allein seine Baugeschich-

Eine der Hauptattraktionen in Schleswig ist das Fischerviertel von

Holm (alle Abbildungen). Die vielen bunten Fischerboote zu Wasser

und die reizvollen kleinen Häuschen zu Lande verleihen der Siedlung

einen besonderen Charme.

18 VIA JUTLANDICA


VIA JUTLANDICA

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te ist bemerkenswert, denn es wandelte sich von einer mittelalterlichen

Festung zu einem Renaissanceschloss und hat heute ein

barockes Antlitz bekommen. Die einstige Residenz dänischer und

schwedischer Könige ist jetzt ein bedeutsames Museum für Archäologie

und Kunstgeschichte. Der Neuwerkgarten gehört zu

den ersten barocken Terrassengärten Nordeuropas. Bemerkenswert

für Jakobspilger ist die Stehle auf der Schlossinsel. Sie weist

den Weg ins 3199 Kilometer entfernte Santiago de Compostela –

etwa 4,25 Millionen Schritte weit weg.

Für Schloss Gottorf sollten sich Pilger schon einige Stunden

im Terminplan reservieren, ebenso wie für die anderen Sehenswürdigkeiten

von Schleswig: den St. Petri-Dom, das Graukloster

oder das St. Johannis-Kloster. Da die Stadt an der Schlei fast die

Mitte des Pilgerweges markiert, lohnt es sich, vielleicht sogar einen

mehrtägigen Stopp einzuplanen, denn auch das nahe gelegene

Wikingerdorf Haithabu mit seinen Schiffen und der Bernsteinsammlung

ist einzigartig.

Nach so viel Kultur führt der Jakobsweg seine Pilger schließlich

in die Natur zurück, auf den Spuren der Wikinger bis nach

Kropp.

5. Etappe

Kropp – Rendsburg

Auf einer kleinen Anhöhe liegt Kropp, das für seinen Ochsenweg

bekannt ist. Schnurgrade verläuft der Weg durch den Wald, auf Tafeln

erfährt der Pilger mehr über die Geschichte des Ochsenweges,

der als Heer- und Handelsweg wohl schon in der Bronzezeit bis nach

Dänemark führte. Dass es dabei auch immer wieder zu Schlachten

kam, darauf deuten die Wallenstein-Schanzen hin. Sie stammen

aus dem Dreißigjährigen Krieg und waren vom Feldherrn wohl zur

Verteidigung des Ochsenweges errichtet worden. Über wenig befahrene

Straßen geht es nun weiter zum Nord-Ostsee-Kanal nach

Rendsburg, der geografischen Mitte Schleswig-Holsteins. Wer keine

Sehenswürdigkeit verpassen möchte, folgt der blauen Linie durch

die Stadt. Hier lohnt es sich, nicht nur die Altstadt anzuschauen,

sondern auch einen Blick in die Marienkirche mit ihrem geschnitzten

Altar zu werfen. Das Jüdische Museum gehört zu den wenigen

seiner Art in Norddeutschland. Bei einem Bummel durch die Stadt

mit ihren bunten Häusern am Wasser klingt der Tag schön aus.

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6. Etappe

Rendsburg – Stafstedt

Technik beeindruckt den Pilger am Anfang dieser Etappe, denn

eine Rolltreppe bringt ihn nun 20 Meter unter die Erde und führt zu

einer Passage unter dem Nord-Ostsee-Kanal. Die am stärksten befahrene

künstliche Wasserstraße der Welt ist auch vom Ufer aus

sehenswert, vor allem wenn Containerschiffe oder Kreuzfahrtgiganten

dort wie Hochhäuser gen Elbe schippern. Von dort aus geht

es gemütlich durch Felder und Wälder bis zum Zielort der Etappe.

7. Etappe

Stafstedt – Jahrsdorf

In Stafstedt sollten Pilger besser nicht vom Weg abkommen.

Eine Sage geht um, dass sie sonst von einer wilden Sau angefallen

werden, die ihre Ferkel bewacht. Also Augen auf beim Verlassen

von Stafstedt und bloß nicht auf die besagte Wiese abdriften! Das

Wasser und die Blicke über Seen oder gar auf das Meer am Horizont

sind nun verschwunden, der Pilgerweg führt durch die Mitte

Schleswig-Holsteins über Nindorf, Tappendorf, Vaasbüttel nach

Hohenwestedt. Wer genau hinschaut, erkennt auf dem Weg Hünengräber

und hübsche Katen. Aus der Einsamkeit heraus tritt der

Wanderer in Hohenwestedt. Die dortige Peter-Pauls-Kirche gehört

zum Pflichtstopp, der Backsteinbau stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Nun steuert der Pilger schon bald das Ziel der Etappe an. In

Jahrsdorf, einem typischen Bauernort, ist vor allem die Kopfsteinpflasterstraße

Quellengrund sehenswert; die angrenzenden Häuser,

teilweise mit Reet gedeckt, entführen in eine andere Zeit.

Im 17. Jahrhundert gab Herzog Friedrich III. den nach römischem

Vorbild gestalteten Neuwerkgarten in Auftrag (großes Bild). Der

knapp 100 Kilometer lange, quer durch Schleswig-Holstein fließende

Kiel-Kanal verbindet die Nordsee mit der Ostsee (ganz oben). An der

Siegfriedwerft lässt eine Klappholzbrücke einerseits Fußgänger und

andererseits Boote passieren (oben).

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8. Etappe

Jahrsdorf – Itzehoe

Die Etappe ist geprägt von militärischen Übungsplätzen, die

die Natur langsam wieder zurückerobert. An manche Zeiten erinnern

nur Denkmäler oder die Namen von Brücken wie Bismarck

oder Moltke. Obwohl Hohenlockstedt nicht direkt am Jakobsweg

liegt, lohnt sich für Kulturinteressierte ein Abstecher, das Rathaus

und die Lageruhr sind sehenswert. Wer es lieber ruhig hat, genießt

währenddessen den Weg durch den Itzehoer Forst, der sich nördlich

der Stadt erstreckt und schon bald zum Ziel der heutigen Etappe

führt. Itzehoe kündigt sich mit dem vorgelagerten Naturerlebnisraum

Itzequelle wunderbar wasserreich und grün an. Die Stadt

selbst ist vor allem mit ihrer Sankt-Laurentii-Kirche und dem

benachbarten Kloster interessant. Sie bilden ein hübsches Bauensemble,

an dem sich ganz in Ruhe Kraft sammeln lässt, bevor die

nächste Etappe beginnt. Jenseits dieser kirchlichen Sehenswürdigkeiten

lohnt aber auch das Germanengrab auf dem Galgenberg

einen Abstecher; es stammt aus der Bronzezeit.

9. Etappe

Itzehoe – Glückstadt

Nun macht sich das Land zwischen Elbe und Nordsee bemerkbar,

denn über die flachen Wiesen bläst dem Pilger ein kräftiger

Wind entgegen. Entlang des hübsch mäandernden Flusses Stör

schlängelt sich der Pilgerweg aus der Stadt hinaus. Bevor es aber

aufs Land geht, erreicht die Strecke eine der ältesten Kirchen

Schleswig-Holsteins: Die kleine St.-Marien-Kirche zu Heiligenstedten

geht zurück auf das 9. Jahrhundert. Ein kurzer Stopp, und weiter

geht es am Deich entlang. Hier hat man das Gefühl, schon etwas

unterhalb des Meeresspiegels zu wandern. Tatsächlich liegt

der tiefste Punkt Deutschlands nur zehn Kilometer entfernt und ist

garantiert in Sichtweite, denn der Blick reicht weit.

Der Fluss Stör wird breiter und schon bald kündigt sich

Glückstadt an – ein passender Ausklang für diese Tour. Der Name

verspricht nicht zu viel, denn die Innenstadt ist geprägt von holländisch

anmutenden Häusern und Fleten. Besonders hübsch ist es

am Hafen mit seinen Backsteinhäusern und historischen Schiffen.

Von dort lohnt sich der Gang zur Elbe, die hier nun schon breit ist

wie eine Meeresbucht. Es tut gut, den Blick in die Ferne schweifen

zu lassen und die inneren Prozesse, die man auf dem Weg durchlaufen

hat, noch einmal zu reflektieren.

Nach dem Besuch der Sankt-Laurentii-Kirche und dem dazugehörigen

Kloster (ganz rechts) führt der Pilgerweg über scheinbar endlose

Wiesen, die sich zwischen Elbe und Nordsee bis nach Glücksstadt

ausdehnen (großes Bild). Ihr Binnenhafen mit seiner prächtigen, historischen

Häuserfront lässt das Städtchen an der Elbe in maritimem

Glanz erstrahlen (rechts).

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VIA JUTLANDICA

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1. Etappe:

Heringsdorf – Usedom (Stadt) (23 km)

Vom mondänen Badeort mit Sandstrand und derderarchitektur

bringt der Weg den Pilger ins Innere der Insel.

2. Etappe:

Usedom – Pinnow (15 km)

Diese Etappe führt über den Peenestrom aufs Festland.

3. Etappe:

Pinnow – Wrangelsburg (25 km)

Durch das Kranichland geht es wieder an die an die Ostseeküste,

durch ursprüngliche Moore.

4. Etappe:

Wrangelsburg – Greifswald (23 km)

Über Felder und Wiesen, vorbei an einer romantischen

Klosterruine führt diese Etappe.

5. Etappe:

Greifswald – Grimmen (31 km)

Ein Stopp in der Stadt von Caspar David Friedrich lohnt

auch für Kunstfreunde.

6. Etappe:

Grimmen – Zarrentin (14 km)

Backsteingotik bleibt der Begleiter der nächsten Tage –

ebenso wie imposante Stadttore und hübsche Marktplätze.

7. Etappe:

Zarrentin – Bad Sülze (21 km)

Entlang am Moor und an Flüssen laufend, spürt der Wanderer

die Weite Vorpommerns.

8. Etappe:

Bad Sülze – Sanitz (23 km)

Gutshäuser liegen wie Perlen verteilt auf der ländlich

geprägten Strecke.

9. Etappe:

Sanitz – Rostock (23 km)

Durch duftenden Wald geht es auf in die Hansestadt, die vor

allem mit der Altstadt ein Kleinod darstellt.

10. Etappe:

Rostock – Bad Doberan (23 km)

Von der Stadt an Meer führt diese Etappe ins mondäne

Bad Doberan.

11. Etappe:

Bad Doberan – Alt Karin (20 km)

An sprudelnden Quellen und Hünengräbern vorbei geht es

übers Land.

12. Etappe:

Alt Karin – Alt Bukow (22 km)

Alte Dorfkirchen und eine Wassermühle sind die Attraktionen

dieses Abschnittes.

13. Etappe:

Alt Bukow – Wismar (21 km)

Auf in die Hansestadt mit ihrer wunderschönen Backsteinarchitektur!

14. Etappe:

Wismar – Grevesmühlen (25 km)

Einsamkeit breitet sich zwischen den beiden Städten aus.

15. Etappe:

Grevesmühlen – Schönberg (28 km)

Dorfidylle mit außergewöhnlichen Kirchen und viel Weite

prägen diese Strecke.

16. Etappe:

Schönberg – Lübeck (26 km)

Auf der Zielgraden überrascht der Weg noch einmal mit

einem Stück Heide.

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Via Baltica

Auf dem

Baltisch-Westfälischen Jakobsweg

von Usedom nach Lübeck

Routenlänge: 363 km

Die zweitgrößte deutsche Insel ist zu jeder Jahreszeit ein herrliches Ziel zum Start eines Pilgerweges, vor allem aber im Sommer. Mit ihren

feinen Stränden, den mondänen Bauten in Orten wie Heringsdorf und den Seebrücken wie in Ahlbeck hat Usedom ein ganz eigenes

Gesicht. Es lohnt sich, etwas früher anzureisen und einfach mal ein paar Tage am Strand auszuspannen, bevor die Pilgertour startet. Denn

obwohl die Zielorte oftmals an der Ostsee liegen, schlängelt sich dieser Weg eher selten an der Küste entlang und bevorzugt das

Landesinnere, das mit viel Kultur überrascht. Dennoch macht der Weg Schlenker und versorgt den Pilger immer wieder mit schönen

Momenten am Wasser – ob am Ostseestrand, den Binnenseen oder an den ursprünglichen Bächen und Flüssen.

20 km

Malente

Naturpark

Eutin

Neustadt

Holsteinische

Schweiz Scharbeutz

Bad

Schwartau

Etappe 15

Lübeck

Etappe 16

Schön

berg

Grevesmühlen

Naturpark Ratzeburg

Lauenburgische Biosphären-

Schwerin

Mölln reservat

Seen Schaalsee

Fehmarn

O S T S E E

Wismar

Güstrow

Darß

Ribnitz-

Damgarten

Etappe 10

Etappe 9

Bad Doberan

Rostock

Etappe 12

Sanitz

Alt Bukow

Etappe 11

Alt Karin

Etappe 14

Etappe 13

Naturpark

Sternberger

Seenland

Nationalpark

Vorpommersche

Boddenlandschaft

Stralsund

Bad Sülze Etappe 7 Grimmen

Etappe 8

Zarrentin Etappe 6

Demmin

Naturpark

Teterow

Mecklenburgische

Schweiz

und

Kummerower See

Neubrandenburg

Etappe 5

Bergen

Greifswald

Wrangelsburg

Nationalpark

Jasmund

Sassnitz

Rügen

Biosphärenreservat

Südost-Rügen

Etappe 4

Etappe 3

Pinnow

Etappe 2

Insel

Usedom

Ueckermünde

Naturpark

Usedom

Heringsdorf

Etappe 1

Usedom

Am Stettiner Haff

POLEN

Links: Der Start des Pilgerweges in Heringsdorf lässt sich mit einem Strandbesuch an der Ostsee recht angenehm gestalten.

VIA BALTICA

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1. Etappe

Heringsdorf – Usedom (Stadt)

Die Kirche im Walde ist ein schöner Startpunkt für die Pilgerroute

von Usedom nach Lübeck, bei der insgesamt etwa 360 Kilometer

zurückgelegt werden. Deswegen heißt es hier: Nochmals

Kraft sammeln, bevor die große Pilgerreise startet! Die Kirche im

Walde ist im Stil des Historismus errichtet, sie stammt aus dem

Jahr 1848 und ist mit ihrer Vorhalle schon von außen sehenswert.

Von dort führt der Weg ins Inselinnere, weg von Strand und Meeresrauschen.

Durch Felder schlängelt er sich am Wolgastsee entlang

bis zur Stadt Usedom. Die Landschaft ist von Gräben durchzogen,

Seevögel brüten oder suchen Futter und erfreuen mit ihrem

Gesang. Die typisch nordische Landschaft präsentiert sich mit Rosen,

Holunderbüschen und sich am Himmel auftürmenden Wolken.

Im kleinen Dorf Dargen passiert der Pilger das DDR-Museum.

Hier lohnt sich ein Stopp ebenso wie am Schloss Stolpe, dessen

Fassade sich malerisch im Wasser spiegelt. Über Wiesen führt der

Weg entlang des Usedomer Sees in die kleine Inselstadt.

2. Etappe

Usedom (Stadt) – Pinnow

In Usedom-Stadt gibt es einiges zu sehen, bevor es weiter über

den Peenestrom in Richtung Land geht. Das Anklamer Tor zum Beispiel,

das heute so unvermittelt in der Stadt auftaucht, war einst

Bestandteil einer mittelalterlichen Wehranlage. Der viergeschossige

Backsteinbau mit Durchfahrt ist ein beliebtes Fotomotiv und

das Wahrzeichen der Stadt. Für Pilger interessanter ist die Marienkirche.

Der dreischiffige Bau stammt aus dem ausgehenden

15. Jahrhundert und strahlt die besondere Stimmung der norddeutschen

Backstein-Hallenkirchen aus. Es gilt innezuhalten, den Blick

auf den Altar zu richten und vielleicht noch einmal um Segen zu

bitten, bevor es über die Peene auf das Festland geht. Der Weg nach

Pinnow ist erstaunlich grün und waldreich, er führt durch das Peenetal,

entlang der Torfabstichgebiete, durch Wälder bis zum Zielort.

In Pinnow erwartet den Pilger eine Überraschung: Weiß verputzt

leuchtet ihm die kleine Dorfkirche entgegen. Ein Ort, um den

Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.

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seltene Pflanzen und Tiere. Libellen, Frösche oder Fichtenkreuzschnabel

zeigen sich mit etwas Glück, wenn der Pilger eine kleine

Rast macht.

4. Etappe

Wrangelsburg – Greifswald

3. Etappe

Pinnow – Wrangelsburg

Heute steht eine lange Etappe auf dem Plan, deswegen gilt es

auch, sich besser recht früh mit ausreichend Proviant auf den Weg

zu machen. Auf geht es nun wieder gen Wasser, denn der Jakobsweg

macht nun einen Schlenker zur Küste, nach Lassan. Wer im

Frühling pilgert, so zwischen März und April, kann mit Glück hier

Kraniche auf den Weiden beobachten, wie sie Futter suchen. Lassan,

die Kleinstadt am Wasser, lädt zu einer Rast ein. Über Hohensee

führt der Weg in die feuchten Wälder der Buddenhagener Moore.

Wer dort genauer hinschaut, kann Sonnentau und Wollgras

entdecken, denn die Moore sind ein wertvoller Rückzugsraum für

Inmitten unberührter Naturlandschaften wie am Wolgastsee

(linke Seite) oder im Peenetal (ganz oben) können Pilger ihre Seele

baumeln lassen. Aber auch die friedlich gelegene Ruine Eldena ist

ein idealer Ort, um zur Ruhe zu kommen (oben).

Das Schloss Wrangelsburg sieht mit seinem Park und den

umgebenden Alleen schon von Ferne hübsch aus. Diese Idylle der

vorpommerschen Dörfer zeigt sich den ganzen Tag, etwa in der

Wassermühle Hanshagen aus dem 16. Jahrhundert oder kleinen

Dorfkirchen. Vor Greifswald sollten Pilger unbedingt einen längeren

Stopp einplanen, denn die Klosterruine Eldena hat schon

Caspar David Friedrich in seinen romantisierenden Bildern verewigt.

Sie strahlt eine wunderbare Stimmung aus. Geradezu perfekt,

um noch einmal zur Ruhe zu kommen, bevor es in die quirlige

Stadt geht.

5. Etappe

Greifswald – Grimmen

Greifswald ist nicht nur geprägt von mittelalterlicher Backsteingotik,

es ist vor allem auch der Geburtsort des Malers Caspar

David Friedrich. Somit ist es klar, dass viele Sehenswürdigkeiten der

Stadt auch mit dem Maler verbunden sind. Sein ehemaliges Wohnhaus

ist ein Museum, im Pommerschen Landesmuseum sind seine

Werke zu sehen und ein Caspar-David-Friedrich-Bildweg führt auf

den Spuren des Malers durch die Stadt, zu deren touristischen Höhepunkten

der Marktplatz gehört. Nicht fehlen dürfen bei einem

Rundgang Besuche im Dom St. Nikolai sowie der Marienkirche, beide

im typisch nordischen Backsteinstil. Entspannen mit Blick auf

alte Schiffe lässt es sich am Museumshafen. Der Pilgerweg führt

vom quirlig jungen Greifswald nun in das Hinterland, weiter nach

Grimmen.

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6. Etappe

Grimmen – Zarrentin

Grimmen ist ein architektonisches Kleinod mit seiner von Backsteingotik

geprägten Innenstadt. Das Rathaus aus dem Jahr 1400

etwa wirkt wie fein gezeichnet, ebenso die drei Stadttore, deren

rote Erscheinung immer wieder von weißen Flächen unterbrochen

wird. Die St.-Marienkirche ragt majestätisch aus alldem heraus

und beeindruckt durch ihre barocke Kanzel. Ein idealer Ort, um sich

wieder auf das Pilgern zu besinnen und sich auf den Weg über Felder

und weite Landschaft zum nächsten Ziel zu machen.

7. Etappe

Zarrentin – Bad Sülze

Die mäandernde Trebel ist auf dieser Etappe plätschernder Begleiter.

Die Strecke führt durch einsames Gebiet nach Tribsees, einen

Ort, dessen Kirche die Landschaft zu dominieren scheint. Leicht

auf dem Hügel gelegen, erhebt sie sich über die Kleinstadt, die mit

ihren Backsteingotiktoren und dem Kartoffelmuseum ein beliebtes

Ausflugsziel ist. Doch der Weg führt weiter durch die feuchten

Niederungen des Grenztalmoors nach Bad Sülze. Vor allem die

Stadtkirche aus dem 13. Jahrhundert ist ein guter Stopp, um noch

einmal Kraft zu tanken. Wer sich für Stadtgeschichte interessiert,

besucht das örtliche Salzmuseum.

8. Etappe

Bad Sülze – Sanitz

Das ländliche Vorpommern zeigt sich auf dieser Etappe von seiner

besten Seite: Die Dorfkirche bei Kölzow aus dem 13. Jahrhundert

ist ebenso bemerkenswert wie Gutshäuser und Herrenhäuser, die

am Wegesrand liegen. Das Gotteshauf am Zielort Sanitz bietet

nach dieser Etappe einen schönen Abschluss.

9. Etappe

Sanitz – Rostock

Durch die dichten Wälder des Billenhäger Forstes zieht sich diese

Etappe bis nach Rostock. Die Stadt kündigt sich an, denn die Gegend

wird merklich dichter besiedelt. Von Rostocks Geschichte als

bedeutende Hansestadt zeugen noch immer die Backsteinbauten,

die auf früheren Reichtum hinweisen. Erster Anlaufpunkt ist für

Pilger die Marienkirche, die auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Sie

gehört zu den am reichsten ausgestatteten Kirchen des Ostseeraums,

sehenswert sind vor allem der Rochusaltar sowie die

astronomische Uhr. Auffällig in Rostocks Stadtbild sind die Tore, die

Rostock birgt einige Schätze vergangener Zeiten (großes Bild). Dazu

gehört die Marienkirche mit ihrer markanten Spitze und der astronomischen

Uhr von 1472 (ganz rechts). Das schmucke Warnemünde

ist ebenfalls einen Besuch wert (rechts).

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sich wie Türme aus der Stadt erheben, tatsächlich sind sie Überreste

der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Rund um das Rathaus

und den Marktplatz gleicht die Stadt mit ihren hübsch zurechtgemachten

Fassaden einer Puppenstube. Eine Oase der Stille bietet

der Klosterhof der Stadt, das ehemalige Zisterzienserinnenkloster

fungiert heute als Museum. Wer in Rostock weilt, sollte auf jeden

Fall einen Abstecher nach Warnemünde unternehmen. Der größte

deutsche Kreuzfahrthafen bietet nicht nur riesige Schiffe, sondern

auch eine stimmungsvolle Altstadt. Und nach so viel Binnenland

gibt es in Warnemünde die Möglichkeit, am herrlichen Sandstrand

in der Ostsee zu baden.

10. Etappe

Rostock – Bad Doberan

Über die Vorstadt Kröpeliner Tor verlässt der Pilger Rostock und

wandert über Felder und durch Wälder nach Bad Doberan, das im

13. Jahrhundert ein Wallfahrtsort war. Das Hostienwunder im Kloster

hat sich seitdem nicht mehr wiederholt, dennoch bleibt das

Kloster die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt. Die ehemalige

Zisterzienserabtei ist heute nur noch in Teilen erhalten, ist aber

dennoch mit dem Münster und den verwunschenen Gärten ein

Besuchermagnet.

11. Etappe

Bad Doberan – Alt Karin

Von Bad Doberan aus führt der Weg ins Quellental. Dort ist der

Name Programm, denn tatsächlich entspringt hier eine klare Mineralquelle.

Sogar ein eigenes Quellhäuschen wurde errichtet, und

bis heute kommen die Menschen und füllen ihr Wasser direkt in

Gefäße ab. Hügelgräber umgeben die Quelle. Von diesem schönen

Platz aus biegt der Weg nach Süden, am wunderschön gelegenen

Gutshaus Groß Siemen mit dem duftenden Rosenpark, ab nach Alt

Karin. Die gotische Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert ist ein

perfekter Ort für Andacht und Stille.

12. Etappe

Alt Karin – Alt Bukow

Von Alt Karin macht die Via Baltica einen Nordschlenker nach

Neubukow, und wie schon so oft auf dem Weg sind Windmühlen

in Form der alten Galerieholländer ein schöner Blickfang. Die Stadtkirche

in Neubukow ist nicht nur von außen schön anzuschauen;

innen überrascht ein kunstvoll geschnitzter Eichenaltar. Nur wenige

Minuten Fußweg entfernt rattert eine Wassermühle, die sehr

idyllisch am Mühlteich gelegen ist, im Museumsbetrieb.

Die Farbe Rot wirkt nachweislich belebend und erhöht den

Energiespiegel. Das sattrote Mohnfeld am Wegrand (großes Bild)

kommt also gerade rechtzeitig, um die Pilger für den Besuch von

Bad Doberan und seinem Münster (links) mit dem dazugehörigen

Johann-Sebastian-Bach-Garten (ganz links) zu stärken.

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