Berliner Zeitung 01.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

Das letzte Gespräch: Voreinem Jahr starb der Boxer Graciano Rocchigiani – Seite 3

Kolumne:

Eine Curry

mit Gysi

Seite 14

10°/17°

Meist Regen

Wetter Seite 2

Berlin: Die Ausfälle bei

U- und S-Bahn nehmen zu

Berlin Seite 9

www.berliner-zeitung.de

Bunte DDR: Als das

Fernsehen Farbe bekam

Feuilleton Seite 19

Dienstag,1.Oktober 2019 Nr.228 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Österreich: Kurz steht vor

schwieriger Partnersuche

Tagesthema Seite2

Regierender Bürgermeister

Das Private,

das Politische

und die Polizei

VonElmar Schütze

Ja, das Private ist politisch. Wissen

wir.Manchmal ist das Private aber,

man traut es sich kaum zu sagen,

auch banal. Da zitiertder Tagesspiegel

aus einem internen Polizei-Papier.

Darin ist davon die Rede, dass

der Regierende Bürgermeister Michael

Müller (SPD) das obligatorische

polizeiliche Postenhäuschen

vor seiner Wohnung in Tempelhof

lieber auf der anderen

Straßenseite

sähe. Also

müsse umdisponiertwerden.

Prompt fragte

sich mancher:

Darf der das?

Darf ein Regie-

Michael Müller,

Regierungschef mit

Recht auf Anonymität

rungschef, dessen

Schutz

schließlich Steuergeld

kostet, bestimmen,

wie und wo er geschützt

wird?

Aus der Senatskanzlei, die Müller

zuarbeitet, kommt dazu folgendes

Statement. „Die Erklärung (für den

geänderten Standortdes Postenhäuschens)

ist ebenso einfach wie unspektakulär:

Die nun vorgesehene

gegenüberliegende Straßenseite verfügt

über einen breiteren Bürgersteig.

Das Postenhäuschen behindert

die Anwohnerinnen und Anwohner

weit weniger als auf der ursprünglich

vorgesehenen

Straßenseite.Dortist der Bürgersteig

schmaler und wird zusätzlich durch

eine Baustelle eingeschränkt. Nicht

jede spektakulär klingende Geschichte

ist also auch eine.“

Doch die Postenhäuschen-Geschichte

geht in Wahrheit tiefer. Sie

betrifft den Umgang mit der Privatsphäre

von Politikern. Was geht es

die Öffentlichkeit an, wo ein Politiker

wohnt? Auch Anonymität kann

schützend sein. Natürlich bezahlt

der Staat den Schutz seiner Amtsträger,

woimmer sie auch gerade sind

oder wohnen. Darauf muss ein Politiker

sich verlassen können. Ohne

dass jedes Detail öffentlich wird.

Wieimwahrsten Sinne des Wortes

lebensnotwendig dieser Schutz sein

kann, zeigt sich manchmal dann,

wenn er nicht bestanden hat. Selten

ist die Gesellschaft daran so gnadenlos

erinnert worden wie beim Mord

am Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke, der Anfang Juni vor

seinem Haus ermordet wurde.

In dem Zusammenhang sei daran

erinnert, dass selbst Müllers Vorgänger

Klaus Wowereit selbstverständlich

in der Öffentlichkeit geschützt,

manchmal sogar abgeschirmt

wurde. Seinerzeit wollte die Polizeigewerkschaft

vor Wowereits Haus

gegen Kürzungen im öffentlichen

Dienst demonstrieren.

Nunmag das Anliegen völlig legitim

gewesen sein, unter Klaus Wowereit

wurde der öffentliche Dienst

kaputtgespart, sagen seine Kritiker.

Dennoch untersagte die Versammlungsbehörde

den Aufzug mit Hinweis

auf Schutz der Privatsphäre.

Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.

Weltmacht China

Die Volksrepublik wird 70. Und ist dabei,

die USA in vielerlei Hinsicht zu überholen. Seite 5

Gericht akzeptiert Klage gegen VW

Verbraucherschützer wollen Schadenersatz für Dieselfahrer erstreiten. Richter spricht von einem Vergleich

VonStefan Winter

Zum Beginn des Mammutprozesses

im VW-Dieselskandal

hat derVorsitzende

Richter für einen Vergleich

geworben. Das könne das Verfahren

„deutlich abkürzen“ und wäre „sicher

im Sinne der Verbraucher“,

sagte Michael Neef am ersten Prozesstag

in der Braunschweiger Stadthalle.

Den großen Saal hätte das

Oberlandesgericht (OLG) nicht gebraucht:

Nur gut die Hälfte der rund

300 Plätze waren gefüllt –größtenteils

mit Juristen. „Ich sehe, es ist

nicht so großer Andrang“, sagte

Neef.

Nur eine Handvoll Dieselkäufer

war nach Braunschweig gekommen.

Wolfgang Schulz aus Süddeutschland

enttäuschte das: „Jetzt müssen

wir zusammenstehen“, sagte er. Er

habe seinen Seat Alhambra mit Turbodiesel

schließlich gekauft, weil er

mit niedrigem Verbrauch etwas für

die Umwelt tun wollte. „Und plötzlich

war ich ein Umweltverschmutzer.“ImSaal

geht es um Hunderttausende

VW-, Audi-, Seat- und Skoda-

Käufer, die Autos mit dem Motor

EA189 erworben haben.

In ihrem Namen fordert der Verbraucherzentrale

Bundesverband

(VZBV) Schadensersatz, weil der

Konzernund seine Führung vonBeginn

an gewusst hätten, dass eine

heimliche Motorsoftwaredie Abgaswerte

verfälsche. Der Wert der Autos

sei nach Auffliegen der Betrugsaffäre

massiv gesunken. Dafür sei Schadenersatz

fällig. VW hält dagegen:

Die Autos seien unverändert ordnungsgemäß

zugelassen und inzwischen

nachgebessert. Die Kunden

seien damit unterwegs und hätten

keinen Schaden.

Dieser Konflikt soll nun in der ersten

Musterfeststellungsklage in

Deutschland geklärtwerden. Richter

Neef ließ das Verfahren grundsätzlich

zu. DerVZBV führt die Klage, in

der es um allgemeingültige Fragen

gehen soll. Auf das Urteil können

sich dann alle VW-Kunden berufen,

die sich vor Prozessbeginn ins Klageregister

eingetragen haben. Eine

eigene Klage nach dem Musterprozess

bleibt ihnen allerdings nicht erspart–essei

denn, VW würde einem

Vergleich zustimmen. Ausgeschlossen

ist das nicht mehr, vorerst aber

weit entfernt:„EinVergleich heute ist

kaum vorstellbar“, sagte VW-Anwältin

Martina de Lind vanWijngarden

vonder Großkanzlei Freshfields.Zeit

bleibt noch genug: Mit Glück gibt es

ein Urteil im nächsten Jahr, danach

zieht derVerlierer wohl zum Bundesgerichtshof.

Richter Neef deutete schon zum

Auftakt an, dass es in diesem Verfahren

für keine Seite einen glatten

Durchmarsch geben wird. So mussten

sich die Kläger schon von einer

zentralen Forderung verabschieden:

Sie verlangen die Rückabwicklung

des Kaufs und die Erstattung des vollen

Neupreises. Einige Gerichte haben

in Einzelverfahren schon so entschieden.

DasKammergericht Berlin

hat erst vorwenigen Tagen sogar den

Austausch eines man manipulierten

Autos gegen ein neues Nachfolgemodell

verfügt. Das „will uns nicht

„Das Gericht hat (…) aus unserer Sicht

Andeutungen gemacht, dass es zu einer

Verurteilung kommen kann.“

Ralf Stoll, Anwalt der Verbraucherschützer

recht einleuchten“, sagte dagegen

Neef. Sollte es einen Schadensersatz

geben, müsse eine Nutzungsgebühr

für das jahrelange Fahren des Autos

abgezogen werden. Für VW ist das

ein zentraler Punkt: Eine Rückabwicklung

würde viele Milliarden kosten.

Auch in einigen Verfahrensfragen

folgte Neef der VW-Sicht.

Die Kläger trösten sich mit einem

anderen Punkt: Neef schloss ausdrücklich

nicht aus, dass die Autokäufer

vom Konzern und seiner damaligen

Führung vorsätzlich und sittenwidrig

geschädigt worden sein

könnten. Neef habe „sehr ernsthaft“

eine Haftung ins Gespräch gebracht,

und damit weiche das OLG Braunschweig

von seiner bisherigen Linie

ab,sagte der Klägeranwalt Ralf Sauer.

Die Braunschweiger Richter gelten

bei denVerbraucheranwälten als ausgesprochen

VW-freundlich. Sauer

schöpfte nach Neefs Äußerung Hoffnung:

„Wir sind sehr zuversichtlich.“

Er hat sich mit drei Kollegen zur Anwaltsfirma

RUSS Litigation zusammengeschlossen,

die die Verbraucherzentralen

vertritt.

Neef und seine Richterkollegen

halten Schadensersatz also grundsätzlich

für möglich, sehen aber

wohl keine Pauschallösung für alle

Kläger. Die gäbe es demnach nur

durch einen Vergleich, der vorerst allerdings

schon an einer simplen

Fragescheitert:Knapp 470 000 Menschen

haben sich ins Klageregister

eingetragen und wollen später auf

Basis des Musterurteils Schadensersatz

vonVWfordern. Wieviele es genau

sind, weiß man nicht, denn Interessenten

könnten bis zum

Schluss wieder abspringen. Genauso

offen ist, wie viele dieser Ansprüche

überhaupt berechtigt sind. Richter

Neef berichtete vonMehrfacheinträgen

und Autos, für die das Verfahren

nicht gelte. Erwill nun erst einmal

die endgültige Liste zur Prüfung beschaffen

– wohl in der Hoffnung,

dass die Streitparteien dabei ins Gespräch

finden.

Neef hielt auch eine Botschaft für

die Hunderttausenden bereit, die

sich ins Klageregister eingetragen

haben: Er breite all das Für und Wider

gleich zu Beginn aus, denn die

Verbraucher hätten am ersten Prozesstag

„die letzte Möglichkeit, sich

vom Verfahren zu verabschieden“.

Da wolle er doch „andeuten, wo die

Reise hingeht“. Sollte wohl heißen:

Sie wird lang und mühsam und am

Ende wartet kein Regenbogen.

IMAGO IMAGES/COLA IMAGES

Berlin

bekommt neue

Druckräume

Drogenabhängige sollen

unter Aufsicht konsumieren

VonMelanie Reinsch

InBerlin sollen zwei neue Drogenkonsumräume

für Suchtkranke

entstehen. Bisher gibt es in der

Hauptstadt drei solcher Räume –in

Mitte, Kreuzberg und in Neukölln.

Letzterer wurde erst Anfang des Jahres

eröffnet. Zudem existieren zwei

mobile Räume (Wohnwagen), in denen

Drogenabhängige sauberes Besteck,

Hilfe und Beratungsangebote

vorfinden. 4527 Konsumvorgänge

verzeichnete die Senatsverwaltung

im August 2019 an diesen fünf Orten.

„Die Drogenkonsumräume sind

ein pragmatisches Instrument, um

Anwohnerinnen und Anwohner zu

entlasten und den Drogenkonsum

von der Straße wegzubekommen“,

sagte Martin Matz, Staatssekretär in

der Gesundheitsverwaltung, der Berliner

Zeitung. Die Praxis zeige, dass

die Strategie aufgehe: Anwohnerinnen

und Anwohner im Umfeld der

Drogenkonsumräume berichteten,

dass sich die Situation auf der Straße,

in den Parksund auf den Spielplätzen

verbessere, so Matz.Daher wolle man

die Drogenkonsumräume ausbauen:

„Im Doppelhaushalt 2020/2021 sind

Mittel eingestellt für zwei weitere

Konsumräume sowie für die Erweiterung

der Öffnungszeiten“, sagte der

Staatssekretär.Mobile und stationäre

Drogenkonsumräume sorgten auch

dafür,dassgebrauchteSpritzendirekt

entsorgt werden und damit nicht auf

die Straßen oder Spielplätze gelangen.

„Eine große Bedeutung hat daher

nicht nur die Eröffnung zusätzlicher

Standorte, sondernauch die Erweiterung

der Öffnung vor allem

auch auf das Wochenende“, sagte

Matz.

Der Bezirksbürgermeister von

Neukölln, Martin Hikel (SPD), plädierte

dafür, die Druckräume an 24

Stunden am Tagzuöffnen. „Dass die

Räume am Wochenende geschlossen

sind, ist ein großes Problem“,

sagte der SPD-Politiker der Berliner

Zeitung. Vorallem in der kalten Jahreszeit

würden sich Drogenabhängige

dann in die U-Bahnhöfe oder

Hauseingänge zurückziehen, prognostiziert

Hikel. In Neukölln wurden

im vergangenen Jahr 30 000

Spritzen ausgegeben, viele landen

im Gebüsch oder auf Spielplätzen.

Berlin Seite 10

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Tagesthema

Österreich

Ex-Kanzler Sebastian Kurz hat die Dominanz der ÖVP mit dem Wahltriumph noch ausgebaut. Die Suche nach einem

Koalitionspartner gestaltet sich schwierig. Deutsche Konservative schauen neidisch auf die Alpenrepublik.

Deutschland

Lehren

für

die CDU

VonAndreas Niesmann

Aus Sicht vieler Vertreter des

rechten CDU-Flügels ist die

Sache klar: Von ÖVP-Chef Sebastian

Kurz lernen, heißt siegen lernen.

Aus ihrer Sicht hat das Wiener

Wunderkind mit klaren konservativen

An- und Aussagen im

Wahlkampf gepunktet: Steuern

senken, Wirtschaft entlasten, Migration

begrenzen.

Exakt dieses Profil wünschen

sich die CDU-Konservativen auch

für die eigene Partei. Wie kein

Zweiter steht für diese Richtung

Friedrich Merz, der bei der Wahl

um den Parteivorsitz nur knapp

unterlegen war. „Es hat sich einmal

mehr gezeigt: Mitklarem Profil

kann eine bürgerliche Partei

auch wieder Mehrheiten gewinnen“,

verkündete Merz.

Für die beim Parteitag siegreiche,

aber inzwischen kriselnde

CDU-Chefin Annegret Kramp-

Karrenbauer ist das Ergebnis

deutlich schwieriger. Zwar gratulierte

auch sie brav zum „historischen

Wahlsieg“, hielt sich aber

zurück, was die Lehren angeht.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak

betonte gar, dass der Erfolg

der Schwesterpartei viele Gründe

habe, die ausdrücklich nicht eins

zu eins übertragbar seien. Auch

Landwirtschaftsministerin Julia

Klöckner (CDU) hob die Unterschiede

hervor. Beide Länder

seien nicht vergleichbar –weder

von der Größe her noch von der

Vorgeschichte der Koalitionen.

Nachdenklich zeigte sich der

nordrhein-westfälische Ministerpräsident

Armin Laschet: Die

CDU könne sich durchaus ein

Beispiel an Kurz nehmen. „Er hat

seine Themen gehabt, er ist bei

seinen Themen geblieben, er hat

nicht den politischen Gegner beschimpft,

sondernfür seine Ideen

geworben“, sagte der Parteivize.

„Ich glaube, das brauchen wir:

klare Ideen, kurze Sätze und prägnante

Botschaften.“ Das könne

auch für die CDU ein Erfolgsrezept

sein. Die Idee, Rechtspopulisten

durch eine gemeinsame Regierung

zu entzaubern, zählt Laschet

ausdrücklich nicht zu den

nachahmenswerten Strategien.

Es sei auch nicht die Regierungsbeteiligung

gewesen, die der FPÖ

hohe Verluste bescherte. „Das ist

zurückzuführen auf das Ibiza-Video,das

weiß jeder.“

Sie erschien mit einer

schwarzenBluse und einem

wiesengrünen Sakko am

Wahlabend im Fernsehen.

Die langjährige Generalsekretärin

der ÖVP, Maria Rauch-Kallat – genannt

Mizzi –setzte damit ein Zeichen,

in welche Richtung es gehen

soll. Das Schwarz steht noch immer

für die ÖVP,obwohl die Partei seit Sebastian

Kurz Türkis benutzt. Das

Grün steht für eine Koalition mit der

Öko-Partei, die am Sonntag mehr als

zehn Prozentpunkte dazu gewann.

Es gibt viele in der ÖVP, die mittlerweile

so denken, auch wenn nur

ein Fünftel der konservativenWähler

so eine Koalition wollen. Insbesondere

die FPÖ-Wähler, die diesmal

zur ÖVP gewandertsind, haben tiefsitzende

Antipathien gegen die linken

Grünen. Ähnlich verhält es sich

umgekehrt. Für die SPÖ-Wähler, die

diesmal Grün wählten, ist Kurz alles

andere als ein Sympathieträger. Sie

werfen ihm vor, ausschließlich an

Macht interessiert zusein und Zukunftsfragen

wie den Klimaschutz zu

vernachlässigen.

Trotzdem scheint der Wahlsieger

Sebastian Kurz, der seine Partei auf

37 Prozent brachte, wenig andere

Optionen zu haben, als mit den Grünen

eine Koalition zu bilden. Kurz

hat angekündigt, zunächst einmal

mit der SPÖ zu verhandeln, doch

dies dürfte nicht ernst gemeint sein,

weil bei den Sozialdemokraten die

Zeichen auf Opposition stehen.

Großes Aufräumen

Die FPÖ legte sich überraschenderweise

darauf fest, nicht mehr mitregieren

zu wollen. Und das ist auch

nachzuvollziehen, denn mit einer

derartgeschwächten FPÖ –sie verlor

zehn Prozentpunkte –hätte die nun

noch mächtigere ÖVP ein leichtes

Spiel. Abgesehen davon steckt sie

wegen der Skandale rund um Heinz

Christian Strache in einer schweren

Krise.

Die FPÖ-Wähler haben ihrem

ehemaligen Idol angekreidet, dass er

Spesen für private Zwecke abgerechnet

haben soll –ein Leibwächter und

eine Assistentin haben in den letzten

Tagen ausgepackt. Strache soll über

ein Spesenkonto von 10000 Euro

pro Monat verfügt und wie ein Fürst

gelebt haben, während bei den Anhängernder

Rechtspopulisten die 25

Euro Mitgliedsgebühr angemahnt

wurden. Alle erwarten sich nun ein

großes Aufräumen, Strache könnte

wegen des Skandals aus der Partei

ausgeschlossen werden. Türkis-Blau

wirdimmer unwahrscheinlicher.

Bei Türkis-Grün könnten hingegen

die Bedürfnisse von Alt und

Jung, von Land und Stadt, von Konservativ

und Progressiv vereint werden.

Doch gleichzeitig sind sich auch

alle einig, dass es wohl lange und intensive

Gespräche brauchen wird,

um das zu ermöglichen.

Schwarz-grüne

Signale in Wien

VonAdelheid Wölfl, Wien

Sebastian Kurz, nicht gekrönt, aber mächtigster Mann in Österreich.

Nationalratswahl in Österreich '19

Ergebnis inklusive Briefwahlprognose

in KlammernVeränderung zu 2017

ÖVP

SPÖ

FPÖ

Grüne

Neos

Jetzt

Sonst.

21,8 % (–5,0)

16,0 % (–10,0)

14,0 % (+10,2)

7,8 % (+2,5)

2,0 % (–2,4)

1,3 % (–0,8)

37,1 % (+5,6)

Der Nationalrat

Voraussichtliche Sitzverteilung

(ohne Briefwahl)

Grüne

ÖVP

26

41

SPÖ

FPÖ

15 71

183 Sitze

Neos

30

AFP

BLZ/HECHER; QUELLE: ORF, SORA

Denn es gibt wohl keine Partei,

die härter verhandeln kann als die

ÖVP. Die Leute rund um Kurz sind

eine professionelle, superloyale

Truppe, die das Maximum herausholen

wird. Ganz anders sind die

Grünen aufgestellt –sie ziehen gerade

erst wieder ins Parlament ein,

haben noch keine Büros, keine Mitarbeiter,kein

eingespieltes Team.

Das Hauptproblem ist aber: Die

Parteiprogramme der Türkisen und

der Grünen stimmen nur zu 20 Prozent

überein. DieGrünen fordernein

umfassendes Klimaschutz-Paket. Es

geht um die Belastung fossiler

Brennstoffe und Belohnung erneuerbarer

Energie, die CO 2 -Steuer ist

nur ein Teil davon. DieGrünen-Politikerin

Ulrike Lunacek betonte, es

gehe „um eine Umkehr vonKurzvon

einer rechtspopulistischen Politik

hin zu einer Politik der Mitte“.

Der Politologe Peter Filzmaier

sieht große Herausforderungen: „Die

CO 2 -Steuer ist das größere Problem,

weil das dieWirtschaftsinteressen der

ÖVP betrifft.“ Tatsächlich hat Kurz die

ÖVP so weit nach rechts geführt, dass

es kaum Überschneidungen mit den

Grünen gibt. Der 33-Jährige vertrat

im Wahlkampf eher die Interessen

der Seniorinnen und Senioren als seiner

eigenen Generation.

Rückhalt unter den Jungen

Für den Wahlausgang ging seine

Strategie auf, im rechten Teil des

Spektrums zu fischen –für die Koalitionsverhandlungen

mit den Grünen

ist das allerdings nicht die beste

Voraussetzung. Für eine Zusammenarbeit

spricht aber, dass gerade

die junge Generation Türkis-Grün

gewählt hat. 27 Prozent der bis zu 29-

Jährigen wählten die Grünen und

genau gleich viele wählten die Konservativen.

Die ÖVP hat auf dem

Land deutlich besser abgeschnitten

als in großen Städten –aber sie legte

auch im urbanen Raum zu.

Kurz wirdnun aufZeitspielen. Es

stehen drei Landtagswahlen vor der

Tür, in Vorarlberg, im Burgenland

und am 20. November in der Steiermark.

Deshalbist damit zu rechnen,

dass es vorher keine Koalition auf

Bundesebene geben wird.

Dieses Zeitfenster könnte auch

den Spielraum vonKurzvergrößern.

Denn wenn es FPÖ-Chef Norbert

Hofer in dieser Zeit schaffen würde,

seine Partei neu aufzustellen und

mit der Ära Strache und ihren Skandalen

abzuschließen, könnte Kurz

durchaus wieder weich werden und

die Blauen mit einigen „Zuckerln“

neuerlich in die Koalition locken.

Entscheidend ist für ihn, dass die Koalition

diesmal halten wird.

„Das Nein der FPÖ ist nicht unbedingt

endgültig, wie 2002 gezeigt

hat“, erinnert auch Filzmaier. Auch

damals ließen sich die Freiheitlichen

auf eine Neuauflage der Koalition

ein, obwohl sie abgestürzt waren

Eine

Chance für

Strache

Schmusend mit Hunden, Katzen,

Pferden, Schweinen und

Kälbern –soinszeniert sich Philippa

Strache auf ihrem Instagram-Profil

als Tierschützerin. In

dieser Rolle wollte die überzeugte

Vegetarierin ins österreichische

Parlament einziehen. Doch es

wird knapp. AmMontag konnte

die Frau des Ex-Vizekanzlers und

früheren FPÖ-Chefs Heinz-Christian

Strache noch darauf hoffen,

trotz der ernüchternden Verluste

der FPÖ über einen Wiener Listenplatz

für die rechte Partei in

den Nationalrat einzuziehen. Der

Sender Oe24 berichtete allerdings,

dass sie ihr Mandat aus

Protest gegen die Behandlung ihres

Mannes durch die FPÖ in der

Ibiza-Affäre nicht annehmen

werde. Spekuliert

wurde

auch, dass sie

als Unabhängige

agieren

könnte.

Die gebürtige

Wienerin

jobbte einst

FPÖ

DPA

Philippa Strache,

32

als Mitarbeiterin

in der

SPÖ-Fraktion,

war später Pressesprecherin

der Partei des österreichisch-kanadischen

Milliardärs Frank Stronach,

moderierte im Boulevard-

TV das Wetter und gewann 2007

einen Schönheitswettbewerb.Vor

fünf Jahren lernte sie auf einer

Party FPÖ-Chef Strache kennen.

Seit drei Jahren sind die beiden

ein Paar; sie haben einen Sohn.

Seit 2018 tritt das Ex-Model als

FPÖ-Tierschutzbeauftragte für

die Belange der Tiereein.

In der Politkrise durch das

Ibiza-Video verteidigte sie ihren

Mann sehr beredt. Sie folgt seiner

Erzählung, dass das Ganze eine

„bsoffene Gschicht'“ gewesen sei.

Als Paar seien sie aus„dieser Belastungsprobe

gestärkt hervorgegangen“,

sagte sie Oe24. Vorwürfe, sie

und ihr Mann hätten luxuriös auf

Kosten der Partei gelebt, weist sie

zurück. Sie habe weder ein Spesenkonto

noch einen Chauffeur

noch eine Kreditkarte der Partei

gehabt:„Ich zahle alles selbst.“

DieRolle an der Seite des Vizekanzlers

hatte Philippa Strache

stets genossen. „Sie ist eine Frau,

die man aufgrund ihres Äußeren

leicht unterschätzt“, zitiertder Falter

einen Ex-Chef. (dpa/BLZ)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute werden 14 bis 20Grad erzielt. Dazu herrscht verbreitet Regenwetter.

Der Wind weht schwach bis mäßig aus südwestlichen Richtungen. In

der Nacht sorgen viele Wolken größtenteils für Regenschauer. Dabei ist

mit Tiefsttemperaturen von 9bis 4Grad zu rechnen.

Biowetter: Vermehrt machen Kopfschmerzen,

Migräne und Blutdruckschwankungen

zu schaffen.

Dadurch fühlen sich einige Menschen

nicht wohl. Sie gehen müde

und abgespannt durch den Alltag.

Pollenflug: Eine allergene Belastung

durch Pollen ist momentan

nicht vorhanden.

Gefühlte Temperatur: maximal 17Grad.

Wind: schwach aus Südwest.

Wittenberge

8°/16°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

9°/18° 10°/17°

Luckenwalde

9°/18°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

stark bewölkt stark bewölkt Regen

9°/14° 7°/13° 8°/14°

Prenzlau

10°/14°

Cottbus

9°/20°

Frankfurt

(Oder)

9°/17°

Ein ausgeprägtes Tiefdrucksystem liegt über dem nördlichen Baltikum und sorgt

an seiner Westflanke für die Zufuhr polarer Luftmassen inRichtung Mitteleuropa.

Noch bringen Tiefausläufer über Mitteleuropa viele Wolken und Regenfälle

bei gemäßigt warmen Temperaturen. Sommerlich warm ist es derweil am Mittelmeer.

Sylt

8°/11°

Hannover

11°/18°

Köln

13°/18°

Saarbrücken

11°/18°

Konstanz

11°/23°

Hamburg

8°/12°

Erfurt

11°/20°

Frankfurt/Main

12°/18°

Stuttgart

10°/21°

Rügen

Rostock

9°/11°

10°/11°

Magdeburg

10°/19°

Nürnberg

9°/19°

München

8°/23°

Dresden

10°/21°

Deutschland: Heute zeigen sich viele

Wolken am Himmel, die Schauer liefern

oder Regen abladen. Die Höchsttemperaturen

betragen zumeist

11 bis 23 Grad, die Tiefstwerte

14 bis 4Grad. Der Wind weht

schwach, in Böen mäßig aus Südwest.

Morgen ist es überwiegend

stark bewölkt. Zeitweise gibt es

Regen, und die Höchstwerte machen

bei 12bis 16 Grad halt. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus Nordwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 14°-15°

Nordsee: 15°-17°

Mittelmeer: 21°-30°

Ost-Atlantik: 15°-20°

Mondphasen: 05.10. 13.10. 21.10. 28.10.

Sonnenaufgang: 07:07 Uhr Sonnenuntergang: 18:44 Uhr Mondaufgang: 10:22 Uhr Monduntergang: 20:23 Uhr

Lissabon

26°

Las Palmas

32°

Madrid

26°

Reykjavik

10°

Dublin

14°

London

21°

Paris

21°

Bordeaux

21°

Palma

29°

Algier

33°

Nizza

24°

Trondheim


Oslo

12°

Stockholm

11°

Kopenhagen

12°

Berlin

17°

Mailand

25°

Tunis

31°

Rom

23°

Warschau

16°

Wien

24° Budapest

24°

Palermo

27°

Kiruna


Oulu

11°

Dubrovnik

26°

Athen

30°

St. Petersburg

12°

Wilna

11°

Kiew

16°

Odessa

21°

Varna

25°

Istanbul

29°

Iraklio

27°

Archangelsk

12°

Moskau

15°

Ankara

27°

Antalya

30°

Acapulco 33° sonnig

Bali 38° heiter

Bangkok 33° Gewitter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 15° Regen

Casablanca 25° sonnig

Chicago 27° wolkig

Dakar 31° heiter

Dubai 38° sonnig

Hongkong 35° sonnig

Jerusalem 27° sonnig

Johannesburg 18° bewölkt

Kairo 32° sonnig

Kapstadt 21° heiter

Los Angeles 20° sonnig

Manila 30° wolkig

Miami 31° wolkig

Nairobi 31° wolkig

Neu Delhi 32° heiter

New York 26° heiter

Peking 31° sonnig

Perth 22° wolkig

Phuket 32° wolkig

Rio de Janeiro 26° wolkig

San Francisco 19° sonnig

Santo Domingo 31° wolkig

Seychellen 28° heiter

Singapur 31° Gewitter

Sydney 19° bewölkt

Tokio 30° wolkig

Toronto 27° bedeckt


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 3

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Seite 3

Hauptstadtboxer

Graciano Rocchigiani (1963–2018)

GETTY IMAGES/VLADIMIR RYS

Es ist bereits Mittag, als Graciano

Rocchigiani im Legends Club auftaucht.

Er wirkt etwas zerknautscht,

so, als wäre er gerade

aufgestanden, kommt zum Training in das

Schöneberger Gym, das seinem alten Kumpel

Ahmad gehört, einem Bodyguard, der

Prominente beschützt. Sit-ups,Boxsack, Liegestütze,

Gewichte. „Bisschen locker machen“,

sagt Rocchigiani.

Seine Bewegungen sind nicht mehr so

kantig wie zu seiner aktiven Zeit, doch abgesehen

von der leicht lädierten Boxer-Visage

ist er gut in Schuss.Viele Kämpfer schwemmen

nach Beendigung ihrer sportlichen

Laufbahn auf, weil sie nicht vernünftig abtrainieren.

Rocchigiani, 54, wirkt trotz vieler

entbehrungsreicher Jahre viril. Nur seine

Trainingsjacke hat deutlich Patina angesetzt.

DieBeflockung blättertab, das Wort „Hauptstadtboxer“

ist nur noch in Umrissen erkennbar.

Wilde Berg-und-Tal-Fahrt

Graciano Rocchigiani, den viele nur als

„Rocky“ kennen, hat furchtbare Cuts und

Jabs weggesteckt. Oft brachte ihn das Schicksal

nah an einen K.o.Doch er hielt sich, wenn

auch manchmal taumelnd, stets auf den Beinen.

Umfallen war für ihn keine Option. Ein

aufrechter Verlierer im Ring, ein Sieger über

das Leben.

Undsoentbehrt esnicht einer gehörigen

Portion Zynismus, dass ausgerechnet ein

Smart, eine dieser Bonsai-Karossen, die ein

Kerl wie er beim Einsteigen wie einen Mantel

überzieht, seinem Leben auf einer einsamen

Schnellstraße ein jähes Ende setzt. Wenige

Monate nach dem Interview in Schöneberg

wird Graciano Rocchigiani am 1. Oktober

2018 kurz vor Mitternacht bei dem Versuch,

die Strada Statale 121 im sizilianischen Piano

Tavola zu überqueren, von einem Auto erfasst

–und ist soforttot.

Einen Schlag des Schicksals sieht selbst

der beste Boxer nicht kommen.

Nach sechzig Sit-ups,ein paar Haken und

Uppercuts schlendert Rocchigiani herüber

zur Sitzgruppe. Er hat sich bereit erklärt,

noch einmal über alles zu reden, über diese

wilde Berg-und-Tal-Fahrt, die er Leben

nennt. „Rocky“ ist guter Dinge,vieles sortiert

sich gerade neu.

Seine letzte Haftstrafe liegt ein Jahrzehnt

zurück. Beim TV-Sender Sport1 tritt er neuerdings

als Experte auf. Eine Freundin kümmertsich

liebevoll um seine Öffentlichkeitsarbeit.

Es scheint, als käme er nach den zahllosen

Exzessen und Scherereien endlich wieder

in die Spur.

„Frag, was du willst, nur zu Frauen gebe

ich keine Auskunft“, motzt er freundlich.

Warum denn nicht? Rocky grinst. „Weil’s

dazu nix mehr zu sagen gibt.“

Voreinem Jahr verunglückte Graciano Rocchigiani

auf einer Straße auf Sizilien tödlich.

Erinnerungen an ein letztes Gespräch mit dem Berliner Kämpfer,

für den Aufgeben nie eine Option war

Dreißig Jahre ist es her, dass er in Düsseldorf

den WM-Titel im Supermittelgewicht

gewann. Der dritte deutsche Box-Weltmeister

in der Geschichte –nach Max Schmeling

und Eckhart Dagge. Damals galt so ein Triumph

noch etwas, esgab weder das schwer

durchdringbare Dickicht von Verbänden

noch die daraus resultierende Titelflut.

Berlin hatte endlich einen neuen Sehnsuchtsboxer.

Rocchigiani war aus rauerem

Holz als vor ihm der schüchterne Sportsmann

Schmeling und der Hautevolée-Beau

Gustav „Bubi“ Scholz. Graciano Rocchigiani,

der zweite Sohn eines sardischen Eisenbiegers,kam

direkt vonder Straße.Seine Fresse

war riesig, sein Geduldsfaden kurz, und

wenn er den Ring betrat, schonte er weder

sich noch seine Gegner.

Als 16-jähriger Amateur nahm er es bereits

mit ausgewachsenen Anabolika-Hünen

aus dem Ostblock auf. Ein „Spargeltarzan“

sei er da noch gewesen, sagt er, bis 17, 18

habe er wie ein „kleener Junge“ ausgesehen,

aber Angst, Keile zu kriegen, nee, nee, habe

er nie gehabt. Furcht, wenn überhaupt, habe

er nur vor einer Sache verspürt: vor der Niederlage!

Das Boxen in der Inselstadt Berlin war

Ende der Achtziger noch fest in der Hand der

Halbwelt. Die Zuhälter liebten „Rocky“ für

seine Schlagfertigkeit und dafür, dass er sich

für keine Partyzuschade war.Während heute

Spitzensportler aus Angst, Sponsoren zu verprellen,

jedes öffentliche Wort abwägen, ist

Rocchigianis Umgang mit seiner Vergangenheit

erfrischend analog. Auf jeden Fehltritt,

jede Peinlichkeit blickt er ohne Bitterkeit zurück.

Die Luden seien immer nett gewesen.

„Immer jut drauf, mit denen hat das Feiern

Spaß gemacht“, sagt er.Ermeint es ernst, dass

man ihn alles fragen kann, er antwortet so direkt,

als liefen die Discoschlägereien, die

Fights und Gefängnisaufenthaltebeim Erzählen

wie ein Coming-of-Age-Kinodrama vor

seinem geistigen Auge ab. Erhörte nicht auf

die cleveren Promoter,die ihm rieten, seinen

VonTim Jürgens

Titel zu verwalten. Er boxte jeden, der sich

ihm in den Wegstellte. ImZweifel auch mal

einen unverschämten Taxifahrer. Trainer

und Berater wechselte er fast im Jahresrhythmus,irgendetwas

ging ihm immer gegen den

Strich.

Seine Energie schien grenzenlos. Ex-Gattin

Christine, seine große Liebe und die Einzige,

der es gelang, ihn über einen längeren

Zeitraum zu managen, schrieb in ihrer Biografie,

„Rocky“ habe teils vier-, fünfmal am

„So groß der Respekt vor

dem Gegner auch ist,

du musst weitermachen,

immer weitermachen,

und hoffen, dass du den

doch irgendwie triffst

und sich das Blatt

wendet.“

Graciano Rocchigiani,

geboren 1963 in Rheinhausen, gestorben 2018

in Piano Tavola auf Sizilien, beerdigt in Berlin

TagSex mit ihr gehabt –und sei abends trotzdem

noch in den Puff gegangen.

Er schmiss sich ins Leben wie in seine

Herausforderer. Schon Ende der Achtziger

sagteWilfried Sauerland, sein damaliger Promoter:

„Gracianos Leben ist aus den Fugen

geraten: Er säuft, er kokst und zieht um die

Häuser.“

Rocchigiani weiß, dass er für die ganz großen

Erfolge zu unsolide war.„Ichwar fleißig,

wenn ich trainieren musste, aber auch sehr

frei in meiner Lebensführung, wenn kein

Kampf anstand“, sagt er,„ich rauche,seit ich

zwölf bin, habe oft fünf gerade sein lassen.

Aber ich hab’s sehr genossen, auch wenn ich

zugebe,dass ich es eine Zeit lang übertrieben

habe.“

Sein Handy klingelt. Rocchigiani springt

auf, beginnt, auf und ab zu laufen, schneller

und schneller.Spricht in gebrochenem Englisch

in den Hörer. Versucht, das Gespräch

freundlich abzubiegen. „No, no,Icall youlater.Noproblem“,

sagt er zum Abschied. „No

problem!“ Doch als er zurück in der Sitzecke

kommt, murmelt er:„Probleme,immer Probleme.“

Und der Mann, dessen Ringduelle

mit Henry Maske und Dariusz Michalczewski

ganz Deutschland in Atem hielten, wirkt

für einen Moment ganz verloren.

Damals eignete er sich ideal als schmuddelige

Antithese zum Gentlemen-Boxer

Maske oder zum sanften „Tiger“ Michalczewski.

DieFights zogen Millionen in ihren

Bann –und nicht nur einmal blieb am Ende

ein schaler Beigeschmack zurück, wenn der

Ringrichter „Rockys“ Punktniederlage verkündete.

Ineiner Zeit, in der Promoter wie

Sauerland und Klaus-Peter Kohl danach

trachteten, das Boxen von den Schatten des

Milieus zu befreien, musste einer die Rolle

des„Bad Boy“ übernehmen –und keiner eignete

sich besser dafür als der West-Berliner

Streetfighter mit der großen Schnauze.

Schon nach dem WM-Kampf 1994 gegen

den Briten Chris Eubank war Rocchigiani

klar geworden, dass einer mit seinem Image

mehr tun musste, als nur gut zu boxen. „Ich

wusste, indieser Größenordnung muss ich

den Gegner weghauen, wenn ich gewinnen

will. DieVerbände wollten den Sport saubererpräsentieren,

einer wie ich, der auch mal

aufs Gas drückte, war da eben weniger gefragt.“

In der Dortmunder Westfalenhalle hing

Henry Maske 1995 bereits mit zerbeultem

Antlitz in den Seilen, als ihn der Gong vor

dem K.o.rettete.„Rocky“ ging wieder mal als

zweiter Sieger nach Hause.

Von Graciano Rocchigiani stammt der

Satz: „Mann am Boden, jutet Jefühl.“ Dieses

Gefühl will er schon bei seinem ersten

Kampf erspürt haben, da war er zwölf. „Das

Gefühl der absoluten Freiheit und der totalen

Erleichterung“ sei das gewesen, sagt er,

„weil dir bewusst wird, dass du den Ring als

Sieger verlassen wirst“.

Doch nach fast allen großen Kämpfen

verließ er, der keinen Gegner fürchtete, die

Bühne nur als Sieger der Herzen. DasGefühl

der Freiheit musste ausbleiben. Als er 1998

gegen Michael Nunn den vakanten WBC-Titel

im Halbschwergewicht gewann, erkannte

ihm der Verband sogar im Nachhinein die

Weltmeisterschaft ab. Angeblich, weil der

vorherige Titelträger den Gürtel offiziell nie

abgegeben habe.

Rocchigiani zogvor Gericht –und einigte

sich erst nach dem Rücktritt mit der Gegenseite

auf einen Vergleich. Als er im Jahr 2004

die Schadenersatzsumme von 4,5 Millionen

US-Dollar akzeptierte, saß er wieder einmal

in Haft. Vorher war er schon wegen Körperverletzung

und Sachbeschädigung verurteilt

worden, diesmal wegen Verstoßes gegen die

Bewährungsauflagen.

Einbisschen Anerkennung

Das Geld ist längst weg, als Rocchigiani im

Legends Gym ander Schöneberger Hauptstraße

über seinen Werdegang sinniert. Zeitweise

hat er vonSozialhilfe gelebt, er hat gegen

den Alkohol gekämpft, ständig er den

Wohnort gewechselt. Seine Berliner

Schnauzeund den Boxer-Optimismus hat er

dabei nie eingebüßt und auch nicht diese innere

Überzeugung, dass ein Kampf erst verloren

ist, wenn der Boxer die Hoffnung verliert.

„So groß der Respekt vor dem Gegner

auch ist“, sagt Rocchigiani,„du musst weitermachen,

immer weitermachen und hoffen,

dass du den doch irgendwie triffst und sich

das Blatt wendet.“

Als Graciano Rocchigiani mit 24 Jahren

gerade Weltmeister geworden war,sprach er

den Satz: „Was braucht der Mensch mehr

zum Leben außer Glotzegucken, ’n bisschen

bumsen und ’n bisschen Anerkennung?“ Damals

wähnte er sich am Ziel seiner Träume.

Ob dieser Satz gut dreißig Jahrespäter für ihn

gelte,wollen wir am Ende des Interviews von

ihm wissen. Rocchigiani überlegt. Schließlich

antwortet er:„Im Prinzip hat sich daran

wenig geändert. Aber ein bisschen Geld ist

auch nicht schlecht.“ Und etwas später sagt

er dann noch: „Glauben Sie mir, esgibt viel,

viel schlimmereLebensläufe als meinen.“

TimJürgens bewunderte Graciano

Rocchigiani für die emotionale Intelligenz,

die nur große Boxer entwickeln.


4* Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Linke: Fraktionsvorsitz-Wahl

könnte verschoben werden

DieWahl der neuenVorsitzenden der

Linksfraktion im Bundestag wird

möglicherweise ein zweites Malverschoben

–und zwar auf den Januar.

Nach dem Verzicht SahraWagenknechts

auf eine erneute Kandidatur

im Märzsollte ihreNachfolgerin zunächst

nach der Europawahl am 26.

Maibestimmt werden. Später hieß

es,die Entscheidung werdemit

Rücksicht auf die thüringischen Parteifreunde

nach der Landtagswahl

am 27. Oktober gefällt. (mdc.)

Maaßen tritt neuen Job bei

Kölner Kanzlei an

Derumstrittene frühereVerfassungsschutzpräsident

Hans-Georg

Maaßen arbeitet künftig für die Kölner

Kanzlei des Medienanwalts Ralf

Höcker.Maaßen fange am 1. Oktober

an, teilte die Kanzlei am Montagabend

auf ihrer Website mit. Höcker

ist als Pressesprecher für die konservativeWerte-Union

tätig. Zu den

Mandanten der Kanzlei gehören Politiker

sämtlicher im Bundestag vertretenen

Parteien. Maaßen werdejedoch

auf eigenen Wunsch nicht persönlich

befasst sein mit Mandaten

der Linken, der Grünen, der AfD

oder vonBeobachtungsobjekten des

Verfassungsschutzes,heißt es auf

der Webseite.Nach Informationen

vonNDR, WDR und „Süddeutscher

Zeitung“ vertratdie Kanzlei die AfD

in einem Verfahren gegen den Verfassungsschutz.

(AFP)

Abdullah erklärtsich in

Afghanistan zum Wahlsieger

Abdullah Abdullah hat sich lange vor

der Auszählung der afghanischen

Präsidentenwahl vomSonnabend

zum Sieger erklärt.„Wir haben bei

dieserWahl die meisten Stimmen“,

sagte der Regierungschef am Montag

in Kabul. Eine Stichwahl werdenicht

nötig sein. Abdullah wurde umgehend

vonderWahlkommission in die

Schranken gewiesen:„Kein Kandidat

hat das Recht, sich zum Sieger zu erklären.“

Mitdem Ergebnis wirdnicht

vordem 19. Oktober gerechnet. (AFP)

Seibert: Griechenland soll

Flüchtlinge zurückschicken

Flüchtlinge im Lager Moria auf der griechischen

Insel Lesbos

GETTY IMAGES

Angesichts katastrophaler Zustände in

Flüchtlingslagernauf den griechischen

Inseln pocht die Bundesregierung

auf schnellereRückführungen

vondortindie Türkei. Dies sei ein Teil

der Lösung, sagte Regierungssprecher

Steffen Seibert. DieFlüchtlingsorganisation

ProAsyl forderte die Evakuierung

der Lager,Deutschland und andereEU-Staaten

sollten die Menschen

aufnehmen. Aufder Insel Lesbos kamen

bei Bränden in einem Lager eine

Mutter und ihr Kind ums Leben. (dpa)

Ungarns EU-Botschafter soll

Kommissionsmitgliedwerden

Ungarnhat einen neuen Kandidaten

für die künftige EU-Kommission vorgeschlagen.

Derbisherige ungarische

EU-Botschafter OliverVarhelyi soll

Kommissar werden. DerRechtsausschuss

im EU-Parlament hatte zuvor

den bisherigen Kandidaten Laszlo

Trocsanyi wegen Interessenkonflikten

zweimal abgelehnt. Auch Rumänien

zogseine Kandidatin Ramona

Plumb zurück. (AFP)

Eigentlich wollte dieser Mann die Regierung stürzen –jetzt verbirgt er sich hinter einem Aktendeckel.

Merkel war das Ziel

Achtmutmaßliche Rechtsterroristen der Gruppe„Revolution Chemnitz“müssen sichvor Gericht verantworten

VonMatthias Puppe, Dresden

Ob die acht jungen Männer

tatsächlich in der

Lage gewesen wären, die

Bundesrepublik in ihren

Grundfesten zu erschüttern, das sei

dahingestellt. Die Generalbundesanwaltschaft

ist zumindest überzeugt,

dass die Mitglieder der mutmaßlichen

Terrorgruppe „Revolution

Chemnitz“ dies vorhatten. Am

Dresdner Oberlandesgericht (OLG)

hat am Montagvormittag der Prozess

gegen das Netzwerk begonnen. Generalbundesanwalt

Kai Lohse wirft

den Angeklagten vor, parallel zu den

rechtsextremen Ausschreitungen

und Demonstrationen im Herbst

2018 in Chemnitz einen gewaltsamen

Umsturz durch terroristische

Aktionen wie „Mord und Totschlag“

geplant zu haben. Laut Lohse ging es

darum, „eine Systemwende herbeizuführen,

eine Revolution mit allen

Konsequenzen“.

Gewaltsamer „Probelauf“

Trotz ihres vergleichsweise jungen

Alters zwischen 21 und 32 Jahren haben

alle Angeklagten bereits eine

einschlägige Vergangenheit in der

rechtsextremen Szene –zum Teil als

Mitglieder in verbotenen Vereinigungen,

viele auch mit Vorstrafen für

Gewalttaten. Die Sicherheitsvorkehrungen

beim Prozess sind entsprechend

hoch, die Verhandlungen finden

in einem speziellen Gerichtssaal

des OLG inder Dresdner Justizvollzugsanstalt

statt. Besucher müssen

sich vorBetreten des Saals aufwendigen

Kontrollen unterziehen.

Bei einer Demonstration

von„Pro Chemnitz“ trat die

mutmaßliche Terrorgruppe in

Erscheinung.Mit Quarzsand-

Handschuhen und Flaschen

bewaffnet kreisten sie mehrere

Iraner und Pakistaner

ein und attackierten sie.

Im Gerichtssaal selbst gibt es

Panzerglasscheiben, die Zuhörende

und Beteiligte voneinander trennen.

Zudem begleitet eine neu gegründete

Sicherheitseinheit der sächsischen

Polizei, die deeskalierend wirken

soll, aber auch für Zugriffe ausgerüstet

ist, den Prozess. Der Staat

präsentiert seine Macht, nicht nur

gegenüber den Angeklagten,

sondern rückblickend wohl auch,

weil der Mord an der Ägypterin

Marwa El-Sherbini vor fast genau

zehn Jahren in einem Dresdner Gerichtssaal

nicht vergessen ist. Damals

stach ein Zuschauer auf die

Zeugin ein.

Kurz vor zehn Uhr wurden am

Montag nacheinander Christian K.,

TomW., Sten E., Martin H., MarcelW.,

Sven W., Maximilian V. und Christopher

W. in den Gerichtssaal

geführt. Die Haarschnitte der Männer

sind ähnlich, ihr Auftreten im

Prozess ist es nicht. Einige der mutmaßlichen

Terroristen versuchten

TIEF IN DER SZENE VERANKERT

Die acht Mitglieder von

„Revolution Chemnitz“ gehören

der Hooligan-, Skinheadund

Neonazi-Szene der Region

an. Mehrere vonihnen

werden vonden Sicherheitsbehörden

zu deren führenden

Köpfen gezählt.

Bis April 2020 soll die Verhandlung

laufen. In diesem

Jahr hat die Staatsschutzkammer

des Oberlandesgerichts

23 Termine festgesetzt,

im nächsten Jahr soll an drei

Tagenpro Woche verhandelt

werden.

ihr Gesicht zu verstecken, andere

störte das Medieninteresse nicht.

Ein gutes Dutzend Anwälte wartete

aufseiten der Verteidigung, die Stimmung

auf den Bänken war vor

Verhandlungsbeginn gelöst. Gespannte

Ruhe herrschte dagegen bei

der Anklage um Bundesanwalt Kai

Lohse.

MitVerspätung eröffnete der vorsitzende

Richter, Hans Schlüter-

Staats, die Verhandlung und ließ die

Anklage verlesen. Eine hervorgehobene

Rolle hatte demnach Martin H.

Derdamals 20-Jährige soll das Kommando

bei dem „Probelauf“, der am

Rande einer Demo in Chemnitz am

14. September stattfand, geführt haben.

Er verletzte einen Mann mit einer

abgebrochenen Flasche am

Kopf. „Auf tödliche Waffen sollte hier

explizit noch verzichtet werden“, so

Staatsanwalt Lohse. Für den am 3.

Oktober 2018 in Berlin geplanten

Umsturzversuch galt dies laut Anklage

nicht.

DPA/SEBASTIAN KAHNERT

Schon bei der Gründung der

Gruppe vier Tage zuvor soll der mutmaßliche

Rädelsführer Christian K.

die Beschaffung von halb automatischen

Waffen geplant und Preise dafür

abgefragt haben. Man wollte politische

Gegner „ausrotten, auf die

Pirsch gehen, sie jagen“, sagte Lohse.

Ausländer und politisch Andersdenkende

sollten Ziele werden. „Die

Maßnahmen richteten sich auch gegen

die Bundesregierung und explizit

gegen Angela Merkel“, hieß es am

Montag.

Sechs Jahrefür vier Tage?

Es kam nicht so weit, weil der Staat

schon kurznach dem 14. September

vehement reagierte. Die Mitglieder

der Gruppe wurden am 1. Oktober

inhaftiert, einzige Beweise für den

Umsturzversuch sind deshalb die

Chats über Mobiltelefone. Darauf

zielt auch die Verteidigung ab.„Es ist

kaum vorstellbar, für 96 Stunden in

einem Chat letztlich eine Verurteilung

von sechs Jahren zu erhalten“,

sagte Rechtsanwalt Jan Pinkes am

Montag, der den mutmaßlichen Rädelsführer

Christian K. vertritt.

Bei Mitstreiter TomW.sollen es

sogar nur drei Nachrichten im Chat

gewesen sein, behauptet sein Verteidige

Hansjörg Elbs. Erwarf der Anklagevertretung

am Montag sogar

vor, aus politischen Gründen zu handeln

und ihre Pflicht vernachlässigt

zu haben, neben belastenden auch

entlastende Fakten zu ermitteln. Sowohl

Richter Hans Schlüter-Staats

als auch Anklagevertreter Kai Lohse

wiesen die Vorwürfe am Montag

scharfzurück.

„Die Morde hätten verhindert werden können“

Der NSU-Untersuchungsausschuss in Thüringen zieht Bilanz und wirft den Behörden schwere Versäumnisse vor

VonJan Sternberg

Die Mordserie des „Nationalsozialistischen

Untergrunds“

hätte verhindertwerden können. Zu

diesem Schluss kommt Katharina

König-Preuss, Obfrau der Linke-

Fraktion im Thüringer Landtag.

„Wenn alle den Sicherheitsbehörden

(nicht nur in Thüringen) bereits 1998

und 1999 vorliegenden Informationen

zum untergetauchten Kerntrio

richtig ausgewertet, analysiert und

bei der Zielfahndung zusammengefasst

worden wären“, hätten Uwe

Böhnhardt, UweMundlos und Beate

Zschäpe rechtzeitig aufgespürt und

verhaftet werden können.

Nach vierjähriger Arbeit hat kurz

vor der Landtagswahl der zweite

Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss

am Montag seinen Abschlussbericht

übergeben. Thüringen

war das Kernland des NSU.

Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe

stammten aus Jena, in Thüringen

hatten sie ihr größtes Unterstützernetzwerk,

in Eisenach erschossen

sich Böhnhardt und Mundlos in ihremangemieteten

Wohnmobil.

Einbisher unbekanntes Netzwerk

Der Umgang mit dem Tatort gehört

zu den schweren Versäumnissen, die

die Parlamentarier den Ermittlernin

Polizei, Verfassungsschutz und Justiz

vorwerfen. So habe etwa der Führer

des Polizeieinsatzes beim Auffliegen

des NSU am 4. November 2011 in Eisenach

das Wohnmobil von Mundlos

und Böhnhardt wie eine „Trophäe“,

nicht aber wie einen Tatort

behandelt. „Wir konnten nicht alles

aufarbeiten, was wir aufarbeiten

wollten“, bemängelte die Ausschussvorsitzende

Dorothea Marx (SPD)

bei der Vorstellung des Abschlussberichts.

Dies betreffe vor allem die

Rolle von sogenannten Vertrauenspersonen

bei der Polizei. „Und das

tut weh“, sagte Marx. Nicht alle Abgeordneten

des Gremiums teilten

alle Feststellungen des Abschlussberichts.

Die CDU widerspricht in einem

Sondervotum zum Beispiel der

Feststellung aus dem Papier, dass es

strukturelle Verbindungen zwischen

Neonazis und Schwerkriminellen

gegeben habe.

Die Linke weist vor allem auf die

Leerstellen im System hin. So habe

in den 90er-Jahren „vor allem der

analytische Blick auf die Neonaziszene

und deren Ideologie“ gefehlt,

was dazu geführthabe,„dass die Gefährlichkeit

und die Radikalisierung

der rechten Szene nicht wahrgenommen

und insbesondere auch

deren Vernetzung weitgehend übersehen

wurde“, sagte König-Preuss.

Der Untersuchungsausschuss habe

herausfinden können, „dass das Un-

terstützernetzwerk des NSU mindestens

mehrere Dutzend Personen

umfasste, beziehungsweise noch

umfasst, die wissentlich oder unwissentlich

zum Gelingen des NSU beigetragen

haben“.

Akten vonV-Leuten einsehen

Die Linke fordert inder Legislaturperiode

nach der Landtagswahl am

27. Oktober einen Untersuchungsausschuss

zum Rechtsterrorismus in

Thüringen ganz allgemein, sagte König-Preuss.

Besonders die Aktivitäten

des verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerks

und dessen militanten

Arms „Combat 18“ müssten

untersucht werden. Eindritter NSU-

Untersuchungsausschuss sei hingegen

nur dann sinnvoll, wenn er auch

die Akten vonV-Leuten der Polizei in

der Neonazi-Szene einsehen könne.

Diese Akten wurden dem zweiten

NSU-Ausschuss verweigert.

SPD-Rechte

wollen Reichen

ans Geld

Der Seeheimer Kreis stellt

sein Steuerkonzept vor

VonAndreas Niesmann

Die Abgeordneten des Seeheimer

Kreises in der SPD-Bundestagsfraktion

wollen das deutsche Steuersystem

radikal umbauen und haben

dafür ein Steuerkonzept erarbeitet.

In dem Konzeptpapier mit dem Titel

„Steuergerechtigkeit stärken – Ungleichheit

bekämpfen“, stellen die

als pragmatisch geltenden Parlamentarier

Forderungen auf, die in

ihrer Summe die größte Steuerreforminder

jüngeren Geschichte der

Bundesrepublik bedeuten würden.

DasPapier liegt der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland,

RND) exklusiv vor.

Beider Einkommensteuer plädieren

die Seeheimer für eine Anhebung

des Spitzensteuersatzes und

für eine Verschiebung des gesamten

Steuertarifs. Der derzeitige Spitzensteuersatz

von 42Prozent soll nach

ihren Vorstellungen erst ab einem

Jahresbruttoeinkommen von 90000

Euro greifen. Ab einem Einkommen

von 125 000 Euro jährlich soll der

Steuersatz auf 45 Prozent steigen.

Auf Spitzeneinkommen oberhalb

von 250 000 im Jahr wollen die Seeheimer

49 Prozent Steuern erheben.

Im Gegenzug soll der Solidaritätszuschlag

für alle Einkommensklassen

wegfallen. Kapitaleinkünfte wollen

die Seeheimer mit dem persönlichen

Einkommensteuersatz belasten.

Auch bei der Erbschaftsteuer forderndie

Abgeordneten eine Reform.

Siewollen einen Freibetrag voneiner

Million Euro für jede erbberechtigte

Werviel hat, soll mehr abgeben, finden

die Seeheimer.

IMAGO IMAGES

Person und Erbschaft einführen.

Erbschaften oberhalb voneiner Million

Euro wollen die Seeheimer pauschal

und ohne Ausnahme mit zehn

Prozent besteuern. Damit Unternehmen

durch die Steuer nicht in existenzbedrohende

Schieflagen geraten,

soll die Steuerschuld über zehn

Jahreabgezahlt werden können.

Beider Mehrwertsteuer plädieren

die Seeheimer für eine deutlicheVereinfachung.

Für sämtliche Dinge des

alltäglichen Gebrauchs soll der ermäßigte

Mehrwertsteuersatz gelten,

für Luxusgüter der normale.

Darüber hinaus forderndie Abgeordneten,

bei der Mindestbesteuerung

insbesondere großer Digitalkonzerne

ernst zu machen. Sollte

eine Verständigung auf Ebene der

G20 nicht gelingen, solle bis spätestens

Anfang 2021 eine europäische

Digitalsteuer auf den Weggebracht

werden –notfalls mit einer Koalition

vonStaaten, die dazu bereit sind. Außerdem

plädieren die Seeheimer für

mehr Engagement im Kampf gegen

Steuerbetrug sowie für mehr Personal

in Finanzämtern, Steuerfahndung

und Staatsanwaltschaften.

„Unser Steuerkonzept sorgt für

mehr Gerechtigkeit, weil es die hart

arbeitenden Menschen in den Blick

nimmt und spürbar entlastet“, sagte

Seeheimer-Sprecher Dirk Wiese.

„Facharbeiter müssen endlich raus

aus der Spitzenbesteuerung“, so

Wiese weiter. „Werzwischen 50 000

und 80 000 Euro im Jahr verdient,

hätte mit unserem Steuermodell

deutlich mehr Geld im Portemonnaie“,

fügte er hinzu.


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 5 *

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Politik

Bill Liu lächelt schelmisch,

als er den hauchdünnen

Bildschirm zusammenrollt.

Der Videoclip flimmert

derweil weiter auf der transparenten

Plastikfläche,die Liu nun zwischen

Daumen und Zeigefinger hält.

Als Rolle ist der Bildschirm sodick

wie ein Füller. „0,1 Millimeter ist

seine Fläche dünn“, sagt Liu stolz.

„Das kann weltweit niemand anders.“

Vorein paar Minuten hat er

den flexiblen Bildschirm mit dem

unscheinbaren 3-D-Drucker ausgedruckt.

Liu, 35 Jahre alt, ist Gründer und

Geschäftsführer von Royole, einem

Start-up aus der südchinesischen

Stadt Shenzhen. Sein Unternehmen

ist bereits mehr als fünf Milliarden

US-Dollar wert.

Der IT-Ingenieur, der an der US-

Elite-Uni Stanford studiert hat,

möchte nichts Geringeres „als die

Schnittstelle Mensch-Computer revolutionieren“.

Einen Schritt in diese

Richtung hat er schon geschafft:

Noch vor den führenden Smartphone-Herstellern

der Welt, Samsung

und Huawei, die beide auch

schon aus Asien kommen, hat

Royole ein Smartphone mit faltbarem

Bildschirm auf den Markt gebracht.

Gerade im Hochtechnologiesektor

sind chinesische Innovationen

längst keine Seltenheit mehr.

Wenn die Volksrepublik China an

diesem Dienstag mit viel Pomp ihren

70. Geburtstag begeht, schaut der

Rest derWelt mit einer Mischung aus

Ehrfurcht und Sorge auf das Riesenland.

Denn eines ist inzwischen klar:

DerWesten hat den Aufstieg Chinas

völlig unterschätzt. Als die Volksrepublik

am 1. Oktober 1949 gegründet

wurde,hat sich fast niemand vorstellen

können, dass China sich so

schnell entwickeln, ja sogar dieWeltmacht

USA herausfordernwürde.

Auch heute unterschätzen wir

China noch, weil wir uns in Europa

und den USA lieber mit den Schwächen

Chinas beschäftigen als mit seinen

Stärken. Inzwischen ahnen wir

allerdings: DenAufstieg Chinas können

wir nicht mehr ignorieren.

China ist innerhalb weniger Jahrzehnte

von einem der ärmsten Länder

der Welt zur größten Handelsnation,

zu einem globalen Innovationstreiber

und kaufkraftbereinigt zur

stärksten Volkswirtschaft aufgestiegen.

Das ist in dieser Geschwindigkeit

einmalig in der Weltgeschichte.

Dasdickste Sparbuch der Welt

In den 70er-Jahren warShenzhen noch ein Fischerdorf. Inzwischen hat sich die Millionenstadt zur drittstärksten Metropole nach Tokio und Singapur entwickelt.

China ist inzwischen auch größter

Gläubiger der USA. Washington hat

sich in Peking hoch verschuldet, um

seinen ausufernden Wohlstand weiter

finanzieren zu können. China

hingegen hat fast keine Auslandsschulden

und kann also auch nicht

international unter Druck gesetzt

werden. Im Gegenteil: DasReich der

Mitte verfügt mit seinen Devisenreserven

über das dickste Sparbuch

der Welt, weil es als Produktionsstandort

seit vielen Jahrzehnten

mehr an die Welt verkauft, als es in

der Welt eingekauft hat. Dennoch ist

das Pro-Kopf-Einkommen der Chinesen

in den 70 Jahren dramatisch

gestiegen. 1949 lag es umgerechnet

bei gut sechs Euro. 2018 waren es

rund 3600 Euro.

Was das für das Verhältnis des

Westens mit China bedeutet, zeigt

sich an Hongkong und seiner Festland-Nachbarstadt

Shenzhen. 1978

verkündete der Reformer und

Staatschef Deng Xiaoping nach dem

Todvon Mao Zedong die Reformund

Öffnungspolitik. Seinen verdutzten

kommunistischen Parteigenossen

erklärte er, China müsse von

nun an von den Kapitalisten lernen:

„Egal ob die Katzeschwarzoder weiß

ist, Hauptsache sie fängt Mäuse.“

Damals war Shenzhen ein Fischerdorf

und Hongkong eine der reichsten

Metropolen der Welt.

Deng ließ kurzerhand in Shenzhen

die erste chinesische Sonderwirtschaftszone

gründen. Erstmals

durften Ausländer dort investieren.

Heute, nur vier Dekaden später, ist

Shenzhen wirtschaftlich stärker als

Hongkong. Es ist nachTokio und Singapur

die drittstärkste Metropole in

Asien. In Hongkong leben sieben

Millionen Menschen. In Shenzhen

sind es mittlerweile zwölf bis 15 Millionen.

Die besten Architekten der

Welt bauen nun dortumweltfreundliche

Hochhäuser – und nicht in

Hongkong.

Die Schere zwischen Arm und

Reich ist inzwischen in Hongkong

größer als in Shenzhen. Zwischen

2004 und 2018 seien die Wohnungsmieten

dortummehr als das Vierfache

gestiegen, während die Löhne

nur um 0,1 Prozent zugelegt haben,

prangert die Internationale Arbeitsorganisation

(ILO) an. In Hongkong

leben 1,37 Millionen Menschen unterhalb

der Armutsgrenze. Das gibt

es so extrem in Shenzhen nicht. Die

Immobilienpreise sind zwar so hoch

wie in Hongkong. Die Löhne ziehen

jedoch mit. Hongkong wächst in diesem

Jahr –wenn überhaupt –unter

einem Prozent. Shenzhen wächst voraussichtlich

um mehr als sieben

Prozent. Verkehrte Welt: Hongkong,

das Symbol westlicher Werte in

Asien, stagniert invielerlei Hinsicht.

Das von Kommunisten geplante kapitalistische

Shenzhen prosperiert.

Dasist –neben den Plänen Hongkongs,Bürger

an Peking auszuliefern

–einer der Gründe,warum die Menschen

in Hongkong derzeit protestieren.

Sie werfen der Hongkonger

Regierung vor, den Vorsprung der

Metropole verspielt zu haben. Hongkong

hat längst seinen Status als das

Tordes Westens nach China eingebüßt

und steckt in einer Midlife-Crisis.Shenzhen

ist Anfang 20.

Am meisten wurmt die Hongkonger,die

lange auf Shenzhen herabgeschaut

haben, dass ihre Nachbarstadt

nun auch noch innovativer ist.

Sieist die Heimat einiger global führender

IT-Unternehmen. Zum Beispiel

ist der Internet-und-Gaming-

Konzern Tencent ein Kind dieser

Stadt. Tencent hat unter anderem

WeChat erfunden, eine App, die die

Funktionen von WhatsApp und

Facebook kombiniert und mit der

Millionen Menschen in China heute

täglich bezahlen. Die Multifunktionsplattformhat

über 1,1 Milliarden

regelmäßige User. Gleichzeitig gilt

WeChat auch als zentrales Überwachungsinstrument

des chinesischen

Staates.

Huawei hat seine Zentrale ebenfalls

in Shenzhen. DasUnternehmen

verkauft weltweit mehr Smartphones

als Apple.Der IT-Konzernist bereits

so mächtig, dass sich US-Präsident

Donald Trump genötigt sah, die

Smartphones in den USA zu verbieten,

angeblich, weil man damit spionieren

könne. Belege dafür gibt es

bisher allerdings nicht.

DJI, der weltgrößte Drohnenhersteller,

kommt ebenfalls aus Shenzhen,

aber auch BYD,der weltgrößte

Hersteller vonE-Autos.Deswegen ist

Shenzhen auch die Welthauptstadt

für Elektromobilität. Alle 21 000 Taxisund

16 000 Busseinder Stadt fahren

rein elektrisch. Wie magisch

zieht die Stadt junge Leute aus China

an, aber inzwischen auch aus aller

Welt. 27 Jahre alt sind Shenzhens

Das chinesische Jahrhundert

70 Jahre nach ihrer Gründung gehört die Volksrepublik zu den mächtigsten und innovativsten

Ländern der Welt. Auch wenn das im Westen gern ignoriert wird: Die Technikmetropole Shenzhen

hat nicht nur Nachbar Hongkong, sondern auch das Silicon Valley in vielerlei Hinsicht überholt

Bürger im Schnitt, 16 Jahrejünger als

die Berliner. Shenzhen ist das neue

Silicon Valley. In Shenzhen entstehen

15 Prozent der weltweiten „Unicorns“.

Das sind Start-ups, die mehr

als eine Milliarde US-Dollar wert

sind.Ein Weltrekord. Einweiterer.

Das, was für Shenzhen und Hongkong

gilt, steht auch für das Verhältnis

Chinas zum Westen, umso mehr

zum 70. Geburtstag. Die Chinesen

VonFrank Sieren, Peking

kennen natürlich die Schwächen ihres

Landes, die staatliche Willkür eines

Einparteienstaates.Aber wie das

bei runden Geburtstagen so ist, zeigt

sich: Das, was man geleistet hat, ist

wichtiger als das, was man noch

nicht geschafft hat, auch wenn der

reiche Onkel aus Amerika alles besser

weiß. Früher war er ein Held,

heute wirderamTisch geduldet, mal

stirnrunzelnd, mal schmunzelnd.

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Die Schaffung eines nachhaltigen

Verkehrssystems hilft, denKlimawandel zu

stoppen. Um den Übergang zur Elektromobilität

zu beschleunigen, entwickeln

wir InCharge und bauen mit Partnern

und Unternehmen in Europa ein Netz von

Ladestationen. Dort, wosie gebraucht

werden: zuHause, am Arbeitsplatz oder

im öffentlichen Raum. Für ein fossilfreies

Leben innerhalb einer Generation.

Mehr auf vattenfall.de/fossilfrei

Manhat eben seine eigenen Vorstellungen.

China ist wirtschaftlich sehr erfolgreich

und gut gemanagt. Weit

über 80 Prozent der chinesischen

Auslandsstudenten kehren freiwillig

nach China zurück, Tendenz steigend.

Es wird schon lange toleriert,

dass die Bürger über kleine Apps die

Zensur umgehen und sich mit der

Welt vernetzen. Anders wäreInnovation

ja auch nicht möglich. Dieallermeisten

Chinesen haben heute viel

mehr Spielräume als sie noch vor 30

Jahren zu träumen gewagt hatten.

Deshalbist das Land trotz seiner vielen

Probleme,einigermaßen stabil.

Langsam dämmert dem Westen:

DerAufstieg Chinas ist ein epochaler

Wandel. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert

konnten die Europäer als Kolonialmächte

die Spielregeln der Welt

bestimmen. Im 20. Jahrhundert waren

esdie Amerikaner. Nun jedoch

verschiebt sich der globale Machtschwerpunkt

offensichtlich dauerhaft

in Richtung Asien, mit dem Zentrum

China.

Die Macht der Mehrheit

Das passt uns gar nicht und entspricht

doch gleichzeitig einem unserer

grundlegendsten Werte: Die

Mehrheit soll entscheiden. Wir im

Westen haben die gottgesandten

Herrscher vertrieben, die Adligen

entmachtet. Wir haben Demokratie

eingeführt, die Sklaverei und die

Rassentrennung beseitigt, die

Gleichheit der Frauen einigermaßen

durchgesetzt. NunsorgenChina und

seine Alliierten dafür, dass von nun

an,global gesehen, die Mehrheit der

Welt die Maßstäbe setzen darf.

Je früher wir uns darauf einstellen,

desto mehr Spielraum haben

wir, umunsere Vorstellungen in die

neue Weltordnung einzubringen.

Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr.

Die Chinesen wollen uns zwar nicht

bekehren, aber sie warten auch nicht

auf uns. Das Jahrhundert der globalen

Gleichheit hat längst begonnen.

Der Bestseller-Autor FrankSieren („Zukunft?

China!“), gilt als einer der führenden deutschen

China-Spezialisten. Er lebt seit 25 Jahren in Peking.


6* Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

1.7.19

1.7.19

MÄRKTE

▲ 12428,08 (+0,38 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

1.7.19

Stand der Daten:30.09.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

30.9.19

▼ 59,36 (–4,04 %)

30.9.19

▼ 1,0889 (–0,42 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 30.09. zum Vortag

Lufthansa vNA 14,58 +2,10 WWWW

Dürr 23,81 +1,93 WWWW

Hochtief 104,60 +1,85 WWWW

K+S NA 12,72 +1,84 WWWW

DialogSemic. NA 43,43 +1,71 WWWW

Zalando 41,88 +1,60 WWWW

Verlierer

30.9.19

aus DAXund MDAX vom30.09.zum Vortag

Hella 41,02 WWWWWWWWWWW –6,26

Fresenius 42,90 WWWWW –2,42

Wirecard 146,75 WWWW –2,10

GEA Group 24,77 WWWW –1,98

Bechtle 93,35 WWWW –1,69

Cancom 49,50 WWW –1,49

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 30.09. ±% z. 27.09.

Euro Stoxx 50 (EU) +0,66

3578/2909 3569,45

CAC 40(FR) +0,66

5696/4556 5677,79

S&P UK(UK) – 0,28

1562/1323 1496,35

RTS (RU) – 1,02

1414/1033 1333,91

IBEX (ES) +0,66

9588/8286 9244,60

Dow Jones (US) +0,44

27399/21713 26938,65

Bovespa (BR) +0,03

106650/78625105107,07

Nikkei (JP) – 0,56

24448/18949 21755,84

Hang Seng (HK) +0,45

30280/24541 26039,57

Stx Singap. 20 (SG) +0,07

1657/1350 1565,29

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,70 0,70 0,70

Advanzia **

advanzia.com - 0,40 0,40

Ikano Bank **

ikanobank.de 0,34 0,34 0,34

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

RaboDirect **

rabodirect.de 0,30 0,30 0,30

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Santander

santander.de 0,03 0,03 0,03

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,14 0,15 0,14

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Für die medizinische Versorgungauf demLand ist einMasterplannotwendig,sagt Kassenchef Baas.

„Die Beitragssätze werden steigen“

Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, setzt auf neue Wege beider Patientenversorgung

Die Techniker Krankenkasse

(TK) ist mit rund

10,5 Millionen Versicherten

Deutschlands größte

gesetzliche Kasse. Vorstandschef Jens

Baas sprichtimInterview mit dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland

(RND) über die mangelhafte medizinische

Versorgung aufdem Land, die

Wahlerfolge der AfD, über sinkenden

Einnahmen der Kassen und den Einsatz

derKünstlichenIntelligenzinder

Medizin.

Herr Baas, der Erfolg der AfD bei den

LandtagswahleninSachsenundBrandenburg

wirdauchdamit erklärt, dass

sich viele Menschen allein gelassen

fühlen, insbesonderebei der ärztlichen

Versorgung. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Dass eineunzureichende Gesundheitsversorgung

auf dem Land, nicht

nur im Osten, sondern auch imWesten,ein

zunehmendes Problemfür die

Menschen darstellt, kann ich nachvollziehen.

Immer mehr Hausärzte

gehen in Rente, aber finden keinen

Nachfolger. Auch für Fachärzte sind

ländliche Regionen häufig nicht besonders

attraktiv, etwa wegen mangelnder

Infrastruktur oder fehlender

Kultur- und Freizeitangebote. Da ist

auch mit mehr Geld für die Ärzte

nichtszumachen.Wirmüssenüberlegen,

wie wir die konkreten Probleme

lösen. Aber zu Ihrer Frage: Dass AfD

wählen diese konkreten Problemlösungen

voran bringt, bezweifle ich

persönlich doch stark.

Aber wiekönnen die Probleme beider

Versorgung auf dem Land gelöst werden?

Jahrelang hat die Politik sich im

Klein-Klein verloren. Wir benötigen

endlicheinen gesamtdeutschen Masterplan,

um die medizinische Versorgung

auch auf dem Land sicherzustellen,

heute und vor allem für die Zukunft.

Ein weiterer zentraler Baustein

ist sicherlich, die Krankenhausplanungzuüberdenken.

Wasschlagen Sievor?

Benötigt werden im Grunde zwei

Artenvon Kliniken: hochspezialisierte

Häuser sowieKliniken, dienur für die

Grundversorgung undfür Notfälle zuständigsind.

Letzteremuss mannicht

nurfür dasErbringen vonLeistungen

bezahlen,sondernauchdafür, dasssie

da sind und die Notfallversorgung sicherstellen.

So eine Aufteilung würde

aber ein neues Finanzierungssystem

erfordern. Denn heute müssen Kliniken

viel operieren, damit sie wirtschaftlich

arbeiten.Das setzt völligfalsche

Anreize.

Wenn man überflüssige Kliniken

schließt,werden aber fürdie Patienten

auch dieWege länger.

Daher müssen wir uns überlegen,

wiedie Patientenzum Arzt kommen.

Es könnte sinnvoller sein,ingewissen

Regionen für Notfälle verstärkt HubschrauberoderandereschnelleTransportmittel

einzusetzen, anstatt ein

dichtes Netz schlecht ausgestatteter,

unrentabler Kliniken zu betreiben.

UndfüreineplanbareOperationbeim

Spezialisten wird jeder Patient einige

KilometermehrFahrtweginKaufnehmen,

wenn er dafür eine bessere Behandlungsqualitätbekommt.

Undwie lösen wirdas Problem der fehlenden

Hausärzte?

Einige Krankenhäuser, die nicht

mehr gebraucht werden, können zu

medizinischen Versorgungszentren

umgewidmetwerden, in denen Hausund

Fachärzte unter einem Dach

arbeiten. Für Mediziner kann das attraktiver

sein, weil siedann keineEinzelkämpfer

mehr sind. Angestellte

Ärzte geben zum Beispiel Verwaltungsaufgaben

abund können leichter

inTeilzeit gehen. Sinnvoll wäre in

ländlichen Räumen auch der Einsatz

vonmobilenPraxen. Undwir benötigen

eine Aufwertung derPflegeberufe.

So werden Ärzte entlastet und Pflegeberufe

attraktiver.

ZUR PERSON

Jens Baas (52) ist Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Er studierte Humanmedizin

an der Universität Heidelberg und wurde 1996 promoviert. Anschließend arbeitete er als

Transplantationsarzt. Seit 1999 war er für die Unternehmensberatung Boston Consulting Group

tätig und wurde dort2007 Partner.2011 wechselte er in den Vorstand der Techniker Krankenkasse.

Ein Jahr später wurde er Vorstandschef.

Warum ist das allesnicht längst in Angriff

genommenworden?

Vor allem im Gesundheitswesen

gibt es viele extrem unterschiedliche

Interessen. Die Kliniken wollen ihr

breites AngebotanOperationennicht

ohne weiteres einschränken,den Ärzten

fällt es schwer, Aufgaben abzugeben,dieLänderwollensichbeiderKlinikplanung

nicht reinreden lassen.

Die Beharrungskräfte sind enorm.

Hier muss ein gordischer Knoten

durchschlagen werden. Unddas kann

nur der Bundesgesundheitsminister

tun.

Die Wirtschaft befindet sich im Abschwung.

Wasbedeutet dasfür dieKassenund

deren Beitragssätze?

Auch in der Krankenversicherung

sind die richtig guten Jahre wohl vorbei.

Geht die Zahl der Beschäftigten

zurück, sinken die Beitragseinnahmen.

Die Ausgaben steigen jedoch

weiter kräftig, zuletzt mit einer Rate

von immerhin 5 Prozent. Das liegt

auch an den teuren Reformen aus der

laufenden und der vorangegangenen

Wahlperiode. DieKosten dieser Reformen

summierensichauf 10 bis 15 Milliarden

Euro jährlich. Bisher konnte

dasdurch diegute Beschäftigungslage

und die starke Zuwanderung aufgefangen

werden. Aber darauf können

wir unslangfristig nicht stützen.

Washeißt das denn für den Beitragssatz?

Bei sinkenden Einnahmen und

steigenden Ausgaben werden die

Krankenkassen ihre heutigen Beitragssätzeauf

Dauernicht haltenkönnen.

Wiestarkmüssen dieSätzesteigen?

Das kann man noch nicht sagen.

Klaristaber,dasswirjetztdringenddie

von Minister Spahn versprochene Finanzreformbenötigen,bei

der es um

die faire Verteilung der Gelder zwischen

den Kassengeht.Kommt die Finanzreform

nicht oder nur unvollständig,bestehtdieGefahr,dassschon

baldKassenindiePleiteschlittern.Die

AOKen bekommen rund 1,3 MilliardenEuropro

Jahr mehr,als siezur Versorgung

ihrer Versicherten ausgeben.

Das Geld fehlt entsprechend bei den

anderen Kassen. Die Situation ist kritisch

und wird inder Öffentlichkeit

völlig unterschätzt oder ist vielen gar

nichtbekannt, obwohlsie über 70 Millionen

gesetzlich Versicherte betrifft.

DieTKgilt als Vorreiter in Sachen Digitalisierung.

Wiewirddie elektronische

Gesundheitsakteangenommen,dieSie

vergangenes Jahr eingeführthaben?

Sehr gut. Wir haben aktuell über

200000 Versicherte,die sich dafürentschieden

haben, die Akte zu nutzen -

Tendenz stetigsteigend. Daszeigtuns,

dass sich die Menschen eine digitale

Lösung für ihr Gesundheitsmanagementwünschen.

Man hat den Eindruck, dass Jens

SpahnzwareinigenDruckbeiderDigitalisierung

macht, aber nichtwirklich

vorankommt. Teilen Sie die Einschätzung?

Ich will etwas tun, was für einen

Kassenchef eher ungewöhnlich ist:

Den Gesundheitsminister loben.

Spahn steht voll und ganz hinter dem

Digitalthemaundstelltsichmitgroßer

Ausdauer gegen all die Bedenkenträger

und Interessenwahrer im Gesundheitswesen,

die gerade versuchen, die

ab 2021 für alle Versicherten geplante

elektronische Patientenakte zu zerschießen.

Wirmüssenaufpassen,dass

sich die unendliche Geschichte der

elektronischen Gesundheitskarte

nichtwiederholt.

WenndiePatientenakteeinmalfüralle

da ist: Waswäre dann aus Ihrer Sicht

der nächste große technologische

Schritt?

Wenn die Patientenakten irgendwann

mit zahlreichen Daten gefüllt

sind, können Expertensysteme dem

behandelnden Arzt auf Basis künstlicherIntelligenz,gefüttertmitdenneuesten

wissenschaftlichen Erkenntnissen,

wichtige Hinweise geben. Entscheiden

muss am Ende zwar immer

der Mediziner, doch ihm steht dann

eine Vielzahl an Daten zur Verfügung,

die dem Patienten Vorteile bringen.

DieseDatenkanneraberohnetechnische

Hilfe nicht mehr bewältigen. Ich

bin mirganz sicher:Eswirdinabsehbarer

Zeit alsKunstfehler gelten, wenn

Ärztebei der DiagnosekeinExpertensystembefragen.

DasGesprächführte

TimSzent-Ivanyi.

FOTO: JENS BÜTTNER/DPA

Neustart unter

der Marke

Neckermann?

Hoffnung aufSanierung der

deutschen Thomas Cook

Von Friederike Marx

Der insolvente deutsche Reiseveranstalter

Thomas Cook

hofft auf einen Neustart unter der

Traditionsmarke Neckermann Reisen.

„Ich sehe gute Chancen, die

glorreiche Vergangenheit wiederzubeleben“,

sagte Stefanie Berk, Geschäftsführerin

der deutschen Thomas

Cook. Neckermann sei nach wie

vordie volumenstärkste Reisemarke

des Unternehmens in Deutschland.

„Es muss uns allerdings gelingen,

verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen“,

sagte Berk. „Wir

alle bei Thomas Cook, aber auch bei

der Zurich Versicherung versuchen,

unsere betroffenen Kunden so viel

wie möglich zu unterstützen.“

Die deutsche Thomas Cook, zu

der unter anderem die Töchter Neckermann

Reisen, Öger Tours und

Bucher Reisen gehören, war in den

Sogder Pleite des britischen Mutterkonzerns

geraten. Mitte vergangener

Woche stellten drei deutsche

Thomas-Cook-Gesellschaften Insolvenzantrag.

Die Zurich Deutschland

hat Urlaub und Rückreise der

Thomas-Cook-Kunden abgesichert.

„Nach dem ersten Schock überwiegt

bei unseren Mitarbeitern inzwischen

die Hoffnung“, sagte Berk.Alle

seien bemüht, die Folgen für die

Kunden so gering wie möglich zu

halten und sie umfassend zu informieren.

„Die Situation für die rund 2000

Beschäftigten ist hart, aber man

merkt Aufbruchstimmung“, berichtete

Berk. „Der Auftritt der vorläufigen

Insolvenzverwalter vergangene

Woche auf der Betriebsversammlung

hat den Eindruck hinterlassen,

dass die Sanierung gelingen kann.“

Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter

sind den Angaben zufolge

bis Ende November 2019 durch das

Insolvenzgeld gesichert.

Gespräche mit Investoren

DerReiseveranstalter hofft auch auf

staatliche Unterstützung und hat

beim Bund und beim Land Hessen

einen Überbrückungskredit beantragt.

„Dieser soll uns die Wiederaufnahme

des Geschäftsbetriebs ermöglichen,

parallel dazu werden

Gespräche mit Investoren geführt.“

Die Beschäftigten in Deutschland

hatten Berk zufolge bis zuletzt

auf eine Rettung des Mutterkonzerns

gehofft. „Die Abfolge der Ereignisse

war so nicht erwartet worden.

Es war ein Schock für die Mitarbeiter.“

Berk zufolge war eine Einigung

in wesentlichen Punkten erreicht

worden. „Doch in der

Schlussphase sind die Verhandlungen

gescheitert.“

Zu den genauen Gründen wollte

sich die Managerin nicht äußern.

Die britische Thomas Cook hatte

mit Investoren über eine zusätzliche

Finanzierung in Höhe von 200 Millionen

Pfund verhandelt.

DieReisebranche als solche sieht

Berk weiterhin auf Wachstumskurs.

„Das Bedürfnis zu reisen ist nach wie

vorstarkund ungebremst.“ (dpa)

Für NeckermannwirdeineLösunggesucht.

FOTO: SEAN GALLUP/GETTY IMAGES


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 7

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Mitnahme der

Mobilfunknummer billiger

DieKosten für die Mitnahme einer Mobilfunknummer

beim Anbieterwechsel

sollen sinken. DieBundesnetzagentur

kündigte am Montag an, sie werdedie

vonder Deutschen Telekom, Vodafone

und Co.den Kunden dafür in Rechnung

gestelltenEntgelte einerÜberprüfung

unterziehen. Es seien „deutliche

Absenkungen zu erwarten“. Zuvor

hatte die Bundesnetzagentur die sogenannten

Portierungsentgelte,die Vodafone

den anderen Mobilfunkanbieternfür

die Mitnahme einer Mobilfunknummer

bislang in Rechnung

stellt, überprüft und für unwirksam erklärt.

DieBonner Behörde ordnete –

gestützt auf einen europäischen Preisvergleich

–eine Absenkung des Entgelts

auf 3,58 Euro (netto) an. (dpa)

Made in Germany

weltweit gefragt

DieHerkunftsangabe „Made in Germany“

bleibt für deutsche Exporteure

einwichtigesVerkaufsargument.

Produkte aus Deutschland stehen

einer aktuellen Umfrage zufolge auf

Platz eins der weltweiten Konsumentengunst.

Gutdie Hälfte aller

Befragten hat einen positiven Eindruck

vonProdukten aus Deutschland,

ergab die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts

YouGov

und der Cambridge University.Nur 6

Prozent sahen ein negatives Image.

Daraus ergibt sich ein positives Ergebnis

von45Punkten für Produkte

„made in Germany“. AufPlatzzwei

stehen Warenaus Italien (38 Punkte)

gefolgt vonGroßbritannien und

Frankreich (jeweils 34). (dpa)

Gebäudereiniger drohen

mit Streik

Die Neuerfindung von RWE

Der Kohlekonzern soll klimafreundlich werden. Hohe Investitionen in Windkraft und Solarenergie

Von Frank-Thomas Wenzel

Jetzt beginnt die Ära der Erneuerbaren“,

sagte RWE-Chef Rolf

Martin Schmitz am Montag. Er

kann damit nur sein eigenes

Unternehmen meinen. Denn

der systematische Ausbau der regenerativen

Energiequellen hierzulande

hat bereitsvor knapp 20 Jahren begonnen.

In gut20Jahren soll der Essener

Konzern klimaneutral Strom erzeugen.

So Schmitz’ Kernbotschaft

bei der Präsentation der neuenRWE-

Strategie.

Das dürfte ein steiniger Weg werden.

Schließlich stößtderzeit hierzulandekeine

andereFirma so viel CO 2

aus –vor allem wegen der Braunkohlekraftwerke

in NRW. Doch der Vorstand

hat nun einen „Minderungsplan“

mit mehreren Stufen vorgestellt.

2030 will Schmitz die Kohlendioxidemissionen

im Vergleich zu 2012

um 70 Prozent verringert haben. Als

erster Schritt wird imnächsten Jahr

das letzte RWE-Kohlekraftwerk in

Großbritannien stillgelegt. In den

Niederlanden will das Management

bis 2030 zwei Anlagen auf Biomasse

umrüsten. Wobei dies mit „finanziellen

Lasten“ verbunden ist, für die es

keineKompensationgebe,heißtesim

Geschäftsbericht fürs erste Halbjahr.

Unddann kommen natürlich die im

deutschen Kohlekompromiss schon

vorachtMonaten empfohlenen Stilllegungen

hinzu, die vor allem Kraftwerke

imrheinischen Revier betreffen

werden. Geplant ist zunächst,bis

2022 bundesweit Braunkohlekapazitäten

in Höhe von 3000 Megawatt

stillzulegen. Die „Hauptlast“ davon

werde RWE tragen, so Schmitz. Hier

muss allerdings noch einiges geklärt

werden. Noch immer steht ein entsprechendesGesetzderBundesregierung

aus, was auch den RWE-Chef

RolfMartinSchmitz, Vorstandsvorsitzendervon RWE.

„befremdet“. Dabei geht es um viel

Geld. Schmitz verlangt bis zu 1,5Milliarden

Entschädigung pro 1000

Megawatt. Derzeit, so der Konzernchef,

werde auf „Arbeitsebene“ alle

14 Tage darüber verhandelt.

Indes fordertder Bund für Umwelt

und Naturschutz (BUND), dass RWE

„jetzt mindestens die uralten Kraftwerksblöcke

in Neurath und Niederaußem

vom Netz“ nimmt. Es gehe

um mindestens 3100 Megawatt. Der

Hambacher Wald und Dörfer in der

Region Garzweiler könnten sogerettet

werden. „Niemand würde mehr

verstehen,wenn das dann nicht auch

passiert“, so der BUND.

FOTO: MARCEL KUSCH/DPA

Schmitz will derweil nicht nur abschalten,

sondern auch, dass „etwas

angeschaltet“wird. Gemeint sind Erneuerbare.

Die machten imzweiten

Quartal aber nur etwa 8Prozent der

RWE-Stromerzeugung aus.Doch das

soll sich bald schonändern. Dafür haben

die Essener mit dem Exrivalen

Eon ein komplexes Tauschgeschäft

mit einem Volumen vonetwa 40 Milliarden

Euro arrangiert. RWE übernimmt

von Eon und der ehemaligen

Tochter Innogy Ökostromanlagen,

die auf eine Gesamtleistung von9000

Megawatt kommen – damit kann

man rechnerisch 7,5 Millionen Haushalte

versorgen. Weitere 2600 Megawatt

kommen durch klimafreundliche

Kraftwerke hinzu, die noch im

Bausind.

Die Erneuerbaren werden damit

dann knapp über den aktuellen

BraunkohlekapazitätendesKonzerns

liegen. RWE verfügt laut Konzernwebsite

zudem über 5300 Megawatt

beider Steinkohle. Diegrößte Erzeugungssparte

mit 15000 Megawatt

sind aber die Gaskraftwerke. Sie sollenkünftig

mit „grünem Gas“ betrieben

werden. Dahinter steckt das Konzept,

Sonnen- und Windstrom für

Elektrolyseanlagen zu nutzen, die

Wasser in Sauerstoffund Wasserstoff

aufspalten. In einem weiterenSchritt

kann daraus dann synthetischesund

CO 2 -neutrales Gas erzeugt werden –

dieses ist aber nach derzeitigem

Stand der Technik um das Fünf- bis

Achtfache teurer als fossiles Erdgas.

Schmitz und sein Team wollen

überdies in Windkraftanlagen und

Photovoltaik viel investieren. Nämlich

1,5 Milliarden Euro jährlich. Darin

eingeschlossen sind außerdem

Projekte für Speichertechnologien.

Sie werden mit steigendem Erneuerbaren-Anteil

zunehmend wichtiger,

um Phasen mit viel Wolken und

schwächlichen Brisen überbrücken

zu können. Inklusive Projekten mit

Partnern könnten die Investitionen

sogar bis auch 3 Milliarden Euro

hochgeschraubt werden. Allerdings

hält sich die Motivation des Vorstandschefs,

Geld in hiesige Vorhaben

zu stecken, starkinGrenzen. Bei

Windparks auf See dauere die Realisierung

zu lange.Und „verstreute Anlagen“

an Land seiennicht die Sache

seines Konzerns. Als „Global Player

Made in Germany“ will er RWEpositionieren.

Man orientiere sich nicht

an Landesgrenzen, sondern werde

dort aktiv werden, wo es günstige

Konditionen gebe.

Hersteller

von Parmesan

in Unruhe

US-Strafzölle könnten

Absatz einbrechen lassen

Parmesanhersteller in Italien

fürchten die von US-Präsident

DonaldTrump angedrohten Strafzölle

auf Warenaus der EU. „Trump kann

Zölleerheben,diedenPreiseinesProdukts

um 100 Prozent steigern würde“,

warnte der Präsident des nationalen

Parmesankonsortiums, Nicola

Bertinelli,inderZeitung„LaStampa“.

Derzeit würden auf ein Kilogramm

„ParmigianoReggiano“2,5DollarZoll

erhoben–dieser könnte auf 20 Dollar

steigen. „Das würde bedeuten, dass

der Preis im Supermarktregal von

heute 40 Dollarpro Kilo auf 60 steigen

würde.“ Parmesan wäredann ein exklusives

Nischenprodukt.

An diesem Dienstag wird US-

Außenminister Mike Pompeo Italien

besuchen. Das Zollthema soll dabei

auch zur Sprache kommen, da für Italien

der Export seiner beliebten Lebensmittel

wie Parmesan, Salami

oder Schinken ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

ist.

Grund für die Sorgeist der Fall des

europäischen Flugzeugbauers Airbus,derillegaleStaatshilfeninMilliardenhöhe

erhalten hatte. Die USA erwägen

daher Strafzölle, die nicht nur

Produkte und Komponenten für die

Luftfahrtindustriebetreffen könnten,

sondern auch zahlreiche andere Waren

wie Käsesorten, Olivenöl oder

Orangen. Falls Strafzölle verhängt

würden, könnte der Absatz des italienischen

Hartkäses auf dem US-Markt

um 80 bis 90 Prozent einbrechen, sagte

Bertinelli.„Ausden 10000 Tonnen,

die heute in den USA ankommen,

könnten2000 werden. Einunglaublicher

Schaden für uns“, sagte Bertinelli.

(dpa)

Landkreistag

für Stopp von

Müllexport

Plastiksoll in Deutschland

verwertet werden

Gebäudereiniger in Köln.

DieGewerkschaft IG Baumacht

Druck in den zähen Tarifverhandlungen

für die bundesweit 650 000 Gebäudereiniger.

„Wir bereiten neue

Warnstreiks vorfür den Fall, dass es erneut

keineEinigunggibt“, sagte Bundesvorstandsmitglied

Ulrike Laux.

„Wir setzen weiter auf unsereStrategie

der Nadelstichegegen einzelne Betriebe.“

DieIGBau hatte in der vergangenen

Woche bundesweit zu Warnstreiksaufgerufen.

DieGewerkschaft

fordertvor allem die Einführung eines

Weihnachtsgelds sowie die Bezahlung

vonÜberstundenzuschlägen für Teilzeitbeschäftigte.

(dpa)

Weniger Arbeitslose

in der Euro-Zone

FOTO: DPA

DieArbeitslosigkeit in der Euro-Zone

geht weiter zurück. Im August fiel die

Arbeitslosenquote in den 19 Euro-

Ländernum0,1 Prozentpunkte auf

7,4 Prozent, wie das Statistikamt

Eurostat in Luxemburgmitteilte. Das

ist der niedrigste Stand seit Mai2008.

Analysten hatten im Mittel eine unveränderte

Quote erwartet. In der gesamten

Europäischen Union fiel die

Quote von6,3 auf 6,2 Prozent. Dasist

der tiefstejemals gemessene Wert

seit Beginn der monatlichen Erhebung

im Jahr 2000. In der Euro-Zone

wies Deutschland die niedrigste

Arbeitslosigkeit auf. In Griechenland

und Spanien ist sie weiterhin am

höchsten, auch wenn sie dortzuletzt

deutlich gefallen ist. (dpa)

Der Deutsche Landkreistag hat

ein sofortiges Exportverbot für

Plastikmüll gefordert. Deutschland

verfüge über eine funktionierende

Entsorgungsstruktur und Recyclingwirtschaft,

teilte der Spitzenverband

am Montag in Berlin mit. Derhierzulande

anfallende Müll müsse auch

hier verwertet werden. Dies sichere

wichtige Ressourcen, spare lange

Transportwege und leiste einen Beitrag,

den Plastikmüll in den Meeren

zu reduzieren. Allein nach Malaysia

habe Deutschland im vergangenen

Jahr mehr als 100000 Tonnen Plastikmüll

verschifft. Zudem gebe es Exporte

nach Indonesien, Thailand

und Vietnam. In den Statistiken gelte

dieser exportierte Müll als recycelt.

Industrieländer verkaufen Plastikmüll

zum Recycling vor allem an

südostasiatischeLänder.Immerwieder

finden sich darin aber Verunreinigungen,

die den Zielländern Probleme

bereiten. Nach Angaben der

Zollbehörde hat etwa Indonesien in

diesem Jahr bereits mehrere Hundert

Container verunreinigten Plastikmülls

an die Herkunftsländer zurückgeschickt.

Seit China seine

Grenzen für praktisch alle Kunststoffabfälle

2018 dicht gemacht hat,

wirdimmer mehr Müll nach Indonesien,

Malaysia, auf die Philippinen

oder nach Kambodscha verschifft.

Doch auch dieseLänder wehren sich

zunehmend dagegen, den Müll reicher

Industriestaatenzuentsorgen.

Der Landkreistag sprach sich zudemdafüraus,dieAbfallvermeidung

–etwa durch eine Ausweitung des

Pfands auf alle Einwegflaschen aus

Kunststoff –voranzubringen. (dpa)

Willkommenim

erneuerbaren

Zeitalter.

Wirstehenfür sauberen,sicherenund bezahlbarenStrom.

Wirinvestieren MilliardeninErneuerbare Energien und

Speicher.Wir habenein klaresZiel: klimaneutral bis 2040.

Willkommen beider neuenRWE.


8* Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Meinung

Lebensmittel-Ampel

ZITAT

Grünes Licht

für die Vernunft

Anne Brüning

will, dass politische Entscheidungenwissenschaftlich

fundiertsind.

Bundesernährungsministerin

Julia

Klöckner (CDU) hat eine vernünftige

Entscheidung getroffen. Damit Verbraucher

künftig auf den ersten Blick erkennen

können, wie gesund ein Produkt ist,

führt sie das Nährwertkennzeichnungssystem

Nutri-Score ein. Die Lebensmittel-Ampel

soll künftig auf die Vorderseite

von verpackten Lebensmitteln. Sie stuft

die Produkte in fünf farbcodierte Kategorien

ein –vom dunkelgrünen Aals beste

Stufe bis zum roten Eals schlechteste.Das

System wurde von französischen Ernährungsforschern

entwickelt und hat in

mehr als 30 Fachpublikationen gut abgeschnitten.

Julia Klöckner ist nun also endlich den

Empfehlungen vieler Wissenschaftler gefolgt,

die schon lange für den Nutri-Score

plädieren. Unddas ist das Erstaunliche an

der Entwicklung. Denn lange Zeit hatte es

so ausgesehen, als ob die Ministerin sich

eher der Industrie verpflichtet sieht als

den Verbrauchern, die im Supermarkt Tag

für Tagschnell entscheiden müssen, welches

Produkt sie wählen.

Eine Umfrage unter 1600Verbrauchern

hat die Ministerin letztendlich auf den

Kurs des französischen Systems gebracht.

Denn die haben sich klar für die gut verständliche

Ampel ausgesprochen. Zuletzt

hatte es sogar schon innerhalb der Lebensmittelindustrie

Verwerfungen gegeben. Einige

Konzerne haben nämlich erkannt,

dass sie mit gesunden Produkten punkten

können und wollten die Ampel einführen.

Siewurden durch Klöckners Zögernausgebremst.

Nunkann es also losgehen. Dasist

auch mit Blick auf Europa vernünftig, wo

andere Länder ebenfalls den Nutri-Score

gewählt haben. Bleibt zu hoffen, dass wissenschaftliche

Fakten künftig ohne Umwege

Gehör finden.

Mietendeckel

Vermieter erschrecken

die Stadt

Ulrich Paul

wünscht sich mehr Respekt im Umgang

vonMieternund Vermietern.

Nehmen wir mal für einen Moment

an, der Rechtsanwalt Tobias Scheidacker,

Vorsitzender des Haus- und

Grundbesitzervereins Kreuzberg, hätte

Recht mit der Einschätzung, alle vor dem

18. Juni geschlossenen Mietverträge in

Berlin dürften mit Inkrafttreten des Mietendeckels

fristlos kündbar sein –wegen

Wegfalls der Geschäftsgrundlage. Und

nehmen wir an, die Vermieter der Stadt

folgen seiner in der Fachzeitschrift Das

Grundeigentum veröffentlichten Empfehlung,

„zu überlegen, welche Mieter am

Tagdes Inkrafttretens des Mietendeckelgesetzes

gekündigt werden sollen, weil

man unter den neuen gesetzlichenVorgaben

an sie nicht vermietet hätte,und diese

Kündigungen dann auszusprechen“. Was

wäredie Folge? Ja,dann würden wir Massen-Kündigungen

bekommen –inklusive

Obdachlosigkeit und sozialer Unruhen.

Die Äußerungen des Vermieter-Anwalts

zeigen, wie skrupellos der Meinungskampf

geworden ist. Unddass sich

Vertreter der Eigentümer mittlerweile

nicht zu schade sind, mit einem Schreckensszenario

die Öffentlichkeit zu verunsichern,

um Stimmung gegen den Mietendeckel

zu machen. Selbst, wer sich im

Recht wähnt, wäre jedoch gut beraten,

niemals mit Massen-Kündigungen zu

drohen. Denn danach würde auch kein

Eigentümer mehr gerne in Berlin leben.

Was Berlin in der Mietenpolitik

braucht, ist sicher keine Polarisierung,

sondern Verständigung. Vor allem aber

brauchen viele Mieter eine Atempause

vor weiteren Mieterhöhungen –solange,

bis endlich mehr preisgünstige Wohnungen

zur Verfügung stehen. Bis dahin ist

der Mietendeckel nötig. Grund dafür sind

die Mieterhöhungen der letzten Jahre.

Amerika, du hast es (manchmal) besser!

Die friedliche Revolution ebnete

für mehr als 16 Millionen Menschen

den Weg in eine für sie

ganz neue Chancen bietende

Zukunft. Hätten sie damals gewusst, dass in

30 Jahren nicht nur Erwachsene in Deutschland,

sondern insbesondere Kinder und Jugendliche

auf der ganzen Welt auf die Straße

gehen, um für ein gemeinsames Ziel zu demonstrieren,

wären sie vermutlich begeistert

gewesen. Hätten sie jedoch gewusst,

dass die Welt in 30 Jahren voreiner der größten

existenziellen Krisen der Geschichte stehen

würde, hätte sich „Fridays for Future“

wahrscheinlich schon viel früher gegründet.

Denn heute wie damals wirdeine unglaubliche

Tragödie vorden Menschen verschleiert.

Diesmal wirdden Kindernund Jugendlichen

nicht das Anrecht auf eine selbstbestimmte

Zukunft genommen, sondern auf eine Gegenwart,

in der sie sich nicht ständig fragen

müssen, ob sie noch eine lebenswerte Zukunft

haben werden.

Dabei könnte es doch so einfach sein.

Die Politik müsste nur endlich umsetzen,

was die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten

fordert: aufhören, sich von der Kohlelobbyund

anderen der Geschichte angehörenden

Industriezweigen sponsern zulassen

und die Augen öffnen für die ,,globalen

Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle

und das ökonomisch Machbare“ àlaChristian

Lindner.

Stattdessen brüsten wir uns weiterhin

mit Scheinmaßnahmen: einem Marktvorteil,

den wir einmal hatten und den in der

Statistik gut aussehenden äußeren Umständen,

die nichts mit realem Klimaschutz

zu tun haben. Denn Fakt ist: Wirsind schon

lange nicht mehr Marktführer in auch nur

irgendeinem energiepolitischen Bereich.

Statt die 2012 noch in Deutschland liegende

Marktführung in Solarenergie weiter

zu fördern, Rahmenbedingungen für neue

Industriezweige zu schaffen und den Kohleausstieg

sozial verträglich zu gestalten,

Die grüne Bundestagsabgeordnete Renate

Künast ist auf Facebook anonym

massiv beleidigt worden. Dennoch befand

ein Berliner Gericht, die Politikerin müsse

Bezeichnungen wie „ein Stück Scheiße“ und

Härteres als „zulässige Kritik und Meinungsäußerungen

im Kontext einer politischen

Sachauseinandersetzung hinnehmen“. Da

hatte es Künasts Bundestagskollegin Alice

Weidel (AfD) besser.Sie war 2018 –ebenfalls

auf Facebook –als „Nazi-Drecksau“ und wegen

ihrer lesbischen Partnerschaft verunglimpft

worden. Während der Facebook-

KonzernWeidel gegenüber pampig behauptete,

solche Beschimpfungen verstießen

nicht gegen die selbst definierten „Gemeinschaftsstandards“,

verurteilte die Hamburger

Pressekammer Facebook zur Löschung

des Eintrags und setzte für den Fall der Zuwiderhandlung

ein Ordnungsgeld von 250 000

Euro fest.

Künast fordert über die Löschung hinaus

die Herausgabe der Klarnamen der anonym

operierenden Ehrabschneider, Verleumder

und Rufmörderinnen. Dieser Gesichtspunkt

führtzur Stasi. Auch sie pflegte die gegen einzelne

Menschen gerichtete Hinterhältigkeit

exzessiv, genannt „operative Zersetzung“.

Ähnliches betreiben nicht wenige im Internet

verdeckt tätige Rechte, Linke und Sonstige.Wie

die Stasileute arbeiten sie unter fantasievollen

Decknamen, scheuen das Licht,

geilen sich in hämischer Schadenfreude untereinander

auf. Die „operative Zersetzung“

bezweckt, Andersdenkende in ihrem Selbst-

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel unddie Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wasist unsdas Klima wert?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Wir müssen

uns ändern

Gwendolyn Rautenberg,18, und Ronja Enold, 16,

sind beide bei „Fridays for Future“ aktiv.

KOLUMNE

Renate Künast,

Alice Weidel

und die Stasi

Götz Aly

Historiker

wertgefühl zu treffen, sie zu isolieren, zu verängstigen

und der üblen Nachrede einer

konformistischen Meute auszuliefern. Der

davon selbst betroffene Schriftsteller Jürgen

Fuchs bezeichnete ein solches Vorgehen als

„psychosoziales Verbrechen“ und als „Angriff

auf die Seele des Menschen“. Daraus

folgt aktuell die Frage: Wieviel Stasi, wie viel

Intoleranz und Niedertracht steckt in den sozialen

Netzwerken?

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

stecken wir immer mehr Geld in die Subvention

von fossilen Energieträgern wie

Kohle –einer Energiegewinnung, in welcher

wir schon lange nicht mehr marktfähig

sind, ja, de facto durch die hohen Subventionskosten

sogar Minus machen. Und

gleichzeitig sind wir so laut, brüsten uns

auf eine eigentlich schon beschämende Art

und Weise mit unfairen geografischen Vorteilen

und vereiteln damit jegliche Chance

auf realen Klimaschutz und damit auf eine

Zukunft für uns und unsereKinder.

Deshalb ist es jetzt Zeit für einen Wandel!

Die Politik hat uns gezeigt, dass sie

nicht von selbst die nötigen Schritte und

damit den nötigen Umschwung einläuten

wird. Also liegt es an uns: Wir müssen jetzt

Veränderung schaffen, wo keine gewollt

ist. Und das geht am besten, indem jeder

bei sich selbst anfängt. Also ändern wir

was, fangen wir an, nachhaltig und weitsichtig

zu denken! Wenn die Politik beschließt,

uns zu ignorieren, beschließen

wir, das Thema Klimaschutz in alle Bevölkerungsgruppen

zu tragen!

Wenn die Politik nicht handelt, handeln

wir und verschieben an ihrer Stelle mit genug

Aufklärung und Willen den Markt und

den Konsum. Wenn sie nicht bereit sind,

wirksame Klimaschutzkonzepte zu entwickeln,

setzen wir uns selbst mit der Wissenschaft

in Verbindung und finden heraus,

dass eine Tonne CO 2 eben nicht nur zehn

Euro kosten darf, sondern mindestens 180

Euro kosten muss, umzueinem Umdenken

bei Unternehmen und Konzernen zu

führen. Erhöhen wir den Druck auf die Politik

stetig, aber vergessen wir dabei nie,

dass wir alle Teil der Lösung sind und mit

unseren Entscheidungen und unserem

Handeln die Welt um uns herum maßgeblich

verändern können. Und amallerwichtigsten:

Fordern wir das Recht auf eine lebenswerte

Zukunft, denn das haben wir!

Eine Zukunft, über die wir bestimmen und

keine weltfremden Politiker.

Der Anwalt von Frau Künast, Severin Riemenschneider,

regt an, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz

(NetzDG) von 2017 zu verschärfen,

um die Plattformbetreiber zu zwingen,

bei Rechtsverstößen die Klarnamen der

Täter undTäterinnen zu offenbaren. Dieneue

Justizministerin Christine Lambrecht, die mir

weniger geschwätzig und tatkräftiger erscheint

als ihre gleichfalls sozialdemokratischen

Vorgänger Heiko Maas und Katarina

Barley, möchte das NetzDG neuerdings wirkungsvoller

fassen. Das ist eine Aufgabe aller

Parteien, an der Alice Weidel als Betroffene

mitarbeiten sollte. Denn die Justizministerin

irrt, wenn sie begründend allein auf „die Bedrohung

von rechts“ verweist. Tatsächlich

geht es frei nach Ernst Bloch darum, „die

rachsüchtige, kreuzigende Kreatur aller Zeiten“,

die im Internet ihren sumpfigen Nährboden

gefunden hat, mit harten rechtlichen

Mittelnzurückzudrängen.

Alice Weidel eingeschlossen wirken auch

Politiker nicht immer durch Vorbild. Als der

Historiker Yehuda Bauer am 29. Mai 2019 in

Berlin über Antisemitismus sprach, eröffnete

PetraPau denAbend.Soals gebe es keinen

linken und bürgerlichen Antisemitismus

redete sie ausschließlich von „den

Rechtsradikalen“ und damit zusammenhängend

mehrfach von „dem Gauland“. Die

linke Frau Pautat dasals Vizepräsidentin des

Deutschen Bundestages. Statt stichhaltig zu

argumentieren, diskreditierte sie ihren Kollegen

Dr. Gauland im herabsetzenden Ton

derGosse.Ich fand dashöchst befremdlich.

„Die Leute haben gesehen,

wie schwer es ist, mit

anderen Menschen in

Kontakt zu treten, und sie

haben eine Lösung dafür

gefunden.“

Elie Seidman, Chef der Kennenlern-Plattform Tinder

erklärt imInterview mit der Süddeutschen Zeitung,

warum Dating-Apps notwendig sind.

AUSLESE

Die AfD und der

Klimaschutz

Die AfD hat den Kampf gegen den Klimaschutz

für sich entdeckt. Er soll neben

dem Protest gegen den Euro und die

Zuwanderung in Europa zentrales politisches

Thema der Rechtspopulisten werden.

Das hat der AfD-Vorsitzende Alexander

Gauland angekündigt. „Und das kann

funktionieren“, kommentiert die Frankfurter

Allgemeine Zeitung diese Strategie.

„Schon heute treiben die Energiekosten

vielen Bürgerndie Zornesröte insGesicht –

noch mehr wird auf sie zukommen.

Gleichzeitig ist die Effektivität der beschlossenen

Maßnahmen umstritten. Die

Koalition und die sie tragenden Parteien

müssen seriöse Überzeugungsarbeit leisten,

damit der Klimaschutz nicht der

nächste Spalterder Gesellschaft wird.“

„Die AfD hat sich auf ein neues Feindbild

festgelegt: die Klimaschützer“,

schreibt die Freie Presse und kritisiert: „Ihr

geht es um pureAblehnung, nicht um Lösungen.

Siesetzt auf Radikalisierung –wie

schon bei der Migration. Die AfD hat aus

denWahlen gelernt: Siebraucht einen weiteren

Kristallisationspunkt, der sich emotional

aufladen lässt, weil sich das Thema

Flüchtlingspolitik abzunutzen droht.“

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung

stellt fest, dass die AfD zum wiederholten

Male den sogenannten „Altparteien“ die

Lösung von Problemen überlässt. „Diese

können daraus immerhin eines lernen:

Wenn man ein Problem kleinredet und

aussitzen will, werden Populisten es für

sich ausnutzen.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Blick in die Sterne:

Das Firmament

im Oktober

Seite 13

Aufbruch: Neue Räume für Drogenabhängige Seite 10

Ausbruch: Wieder „Maskenmann“ aus der JVATegel fliehen wollte Seite 12

Stadtbild

Tage

wie diese

BarbaraWeitzel

hilft die Erinnerung an ein

Kind.

Esist einer dieser Morgen, an denen

die Stadt sich benimmt wie

ein verstörter Teenager. Irgendwie

unglücklich, doch nicht wissend,

woher die Bedrückung rührt, verweigert

sie störrisch jede liebevolle

Geste.„Hey, Stadt, was ist denn los?“,

will ich ihr zurufen. „So schlechte

Laune wegen dem bisschen Regen?“

Doch schon beim „Hey“ hat sie sich

weggedreht.

Diegefühlte Ablehnung rührtnatürlich

auch von den Menschen der

Stadt. Letzte Woche,oder war es vorgestern,

fand ich doch noch einen

wunderbarer als den anderen. Einer

kollektiven Verabredung folgend

nahm es fast jeder mit den Widrigkeiten

und Ungeschicklichkeiten des

Zusammenlebens,dem Verkehr und

dem Wetter großzügig und beherzt

auf. Die wenigen Ausreißer gingen

einfach unter. Daran versuche ich

mich zu erinnern andiesem Stadtin-der-Pubertät-Tag.

Alle scheinen einen fiesen Traum

gehabt zu haben. Derihnen noch auf

den Schultern sitzt. Und ineinem

fort raunt, wie schwer das Leben ist.

Wie kalt der Regen, den man doch

monatelang herbeisehnte. Und um

wie vieles kürzerdie Tage schon wieder

sind. Jetzt kommt die dunkle

Zeit, flüstern die schlechten Träume

auf all den Schultern.

Entsprechend gebeugt gehen die

Menschen, den Blick verschlossen.

Fast jedes Gesicht ein „Sprich mich

nicht an“. Der Busfahrer nimmt die

bucklige Straße wie eine Rennstrecke.

Schüttelt die Insassen, als ob er

sie ausspucken will ins Oktobernass,

das alle Farben aus den Häuserngewaschen

hat. Kann man es ihm verübeln?

Er kam zu spät, etliche Minuten,

der Unmut über die Unzuverlässigkeit,

deren Grund niemand interessiert,

füllt seinen Bus wie saure

Milch. Beim nächsten Halt schilt

eine Mutter ihr Kind, weil es träumt,

statt seine Siebensachen zusammenzuraffen.

Um ein Haar verpassen

sie den Ausstieg.

EinJunge fällt mir ein, der vorvielen

Jahren bei uns übernachtete. Ein

Freund des Teenagerkindes, das damals

noch ein Grundschüler war und

kein Lulatsch mit schnell wechselnden

Launen. Dieser Junge machte

den Morgen zu einer Herausforderung,

weil er sich ständig wegträumte.

Beim Frühstück. Beim Zubinden der

Schuhe. Auf dem hastigen Wegzur

Schule. Statt sich zu beeilen, blieb er

stehen und streckte die Zunge heraus.

Er fing die Regentropfen auf. Ichweiß

noch, wie damals plötzlich eine große

Rührung und Ruhe über mich kam.

Ich brachte es nicht fertig, den Kerl

anzutreiben. Wir haben es, glaube

ich, trotzdem noch rechtzeitig zur

ersten Stunde geschafft.

Heute ist dieser Junge auch ein

Teenager. Ich vermute, dass er keine

Regentropfen mehr mit der Zunge

auffängt. An manchen Tagen ein richtiger

Blödian ist. Und an anderen

charmant bis nach dorthinaus.

Warumdas so ist, verstehen weder er

noch die anderen. Undsoist es auch

mit der Stadt. Siekann nicht immer so

schön sein wie ein kleiner verträumter

Junge.Aber die Erinnerung an solche

Momente hilft,Tage wie diesen zu

überstehen. Und wird esdahinten

nicht schon heller?

Zwei Straßenbahnen unterwegs im Berliner Verkehr.Bei der Tram wurden 2018 mehr als drei Prozent der geplanten Kilometer nicht gefahren.

Weniger Bahn für mehr Geld

Bei der BVG häufen sich die Ausfälle. Kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht, bedauert der Senat

VonPeter Neumann

Wann kommt die Bahn

endlich? Und wo

bleibt der Bus? Immer

wieder haben Fahrgäste

der Berliner Verkehrsbetriebe

(BVG) das Gefühl, dass die Zahl der

Fahrtausfälle gestiegen ist. Jetzt zeigt

eine Statistik der Berliner Verwaltung,

dass solche subjektiven Einschätzungen

auf objektiven Tatsachen

beruhen. Keine gute Nachricht

für die Fahrgäste –zumal der Senat

nur „mittelfristig“ Besserung erwartet.

Keine gute Nachricht auch vor

dem Hintergrund der Tatsache, dass

die nächste Fahrpreiserhöhung beschlossen

ist. Im Januar 2020 steigen

die Tarife in Berlin und Brandenburg

um durchschnittlich 3,3 Prozent.

Für seine Antwort auf eine Anfrage

der AfD ließ Verkehrs-Staatssekretär

Ingmar Streese (Grüne) auflisten,

wie viele Kilometer bei der BVG

in den vergangenen Jahren nicht gefahren

wurden. Ob Bahn oder Bus,

der Trend, der dabei herauskam, ist

klar: Die Ausfälle bei dem größten

kommunalen Nahverkehrsunternehmen

in Deutschland haben

deutlich zugenommen.

Eingeschränkter Fahrplan für Busse

Die Senatsexperten verglichen die

Verkehrsleistungen, die im veröffentlichten

Fahrplan angekündigt

worden sind, mit der Zahl der Kilometer,

die tatsächlich zurückgelegt

wurden. Die Ergebnisse: Während

bei der Berliner U-Bahn 2016 insgesamt

rund 169 000 Kilometer nicht

gefahren wurden, waren es im vergangenen

Jahr bereits fast 451 000,

geht aus der Antwort der Senatsverkehrsverwaltung

hervor. Bei der

Straßenbahn stieg die Zahl von

213 000 auf 645 000 Kilometer, beim

Bus von 516 000 auf 1413 000 Kilometer.Alle

Zahlen wurden gerundet.

Der Negativtrend setzte sich in

diesem Jahr fort. BisJulifielen bei der

U-Bahn 186 000 Kilometer aus, bei

der Straßenbahn fast 496 000 und im

Busverkehr rund 949 000. Es handele

sich bereits um bereinigte Zahlen, so

der Staatssekretär. Die Ausfälle, die

Rekordhalter: Die BVGist

der größte kommunale Nahverkehrsbetrieb

in Deutschland.

Das Pensum, das die

fast 15 000 Beschäftigten in

der Millionenstadt Berlin

leisten müssen, ist gewaltig.

Vorgesehen war,dass die

Busse 2018 insgesamt 91,5

Millionen Kilometer mit Fahrgästen

zurücklegen. Für die

U-Bahn waren 21,6 Millionen

„Nutzzugkilometer“ eingeplant,

bei der Straßenbahn

standen immerhin

20 Millionen Kilometer im

Jahresfahrplan für 2018.

der Arbeitskampf bei der BVG Anfang

des Jahres verursacht hatte,

seien herausgerechnet worden.

Auch die Verspätungen haben zugenommen,

so der Senat. Wurden

2016 noch 98,7 Prozent der U-Bahn-

Fahrten in Berlin als pünktlich gewertet,

so waren es im ersten Halbjahr

dieses Jahres 98,4 Prozent. Bei

der Straßenbahn sank der Wert von

91,4 auf 89,3 Prozent. Ein Lichtblick

in dieser Statistik ist der Busverkehr

der BVG: Dort stieg die Pünktlichkeitsquote

von87,2 auf 87,5 Prozent.

DasFazit des Senats fällt dennoch

wenig günstig aus –und bestätigt die

grundsätzliche Kritik, die vom Berliner

Fahrgastverband IGEB geäußert

wird. „Bei der BVG sind in Bezug auf

die Pünktlichkeit und insbesondere

in Bezug auf die Ausfälle in denletzten

Jahren merkbare Verschlechterungen

in der Betriebsqualität eingetreten“,

stellt Staatssekretär Streese

fest. 2019 hätten sich die Ausfälle

„noch einmal über das Niveau des

Vorjahres erhöht, welches bereits

durch eine sehr hohe Ausfallsituation

gekennzeichnet war“.

Wo liegen die Gründe? So fällt die

Analyse des Senatsvertreters aus:

GEWALTIGES PENSUM

Mit Fehlern: Fahrgäste berichten

jedoch immer wieder,

dass der Betrieb nicht rund

läuft, weil sich Fahrten verspäten

oder ausfallen. Die

Zuverlässigkeit hat abgenommen.

Wurden 2016 im

Busverkehr noch 99,4 Prozent

des geplanten Angebots

tatsächlich gefahren, so waren

es im vergangenen Jahr

98,5 Prozent, teilte die BVG

mit. Bei der Straßenbahn

sank die Zuverlässigkeit von

98,9 auf 96,9, bei der

U-Bahn von99,2 auf 98 Prozent,

so das Unternehmen.

Debatte über S-Bahn: Das

zweitwichtigste Verkehrssystem

ist besser geworden. So

gabeszwischen Anfang Januar

und Ende August 2019

rund 23 Prozent weniger

Fahrzeugstörungen als im

selben Zeitraum des Vorjahres,

so der Senat. Die Zahl

der Störungen bei der Leitund

Sicherungstechnik ging

um zwölf Prozent zurück.

Trotzdem hat die rot-rotgrüneKoalition

nun eine Anhörung

zur S-Bahn beantragt.

Die Ausfälle würden

wieder zunehmen, heißt es.

Wenn Bus- undStraßenbahnfahrten

ausfallen, sind „Engpässe beim einsatzbereiten

Fahrpersonal die überwiegende

Ursache“, stellte Streese

fest. Bei der U-Bahn liege es meist

daran, dass Fahrzeugenicht zur Verfügung

stehen. Die Flotte sei im

Durchschnitt ziemlich alt, und diverse

Wagen mussten wegen Rissen

abgestellt werden. Vandalismus,

Graffiti, aber auch die Werkstattorganisation

seien weitere Faktoren.

„Bei der U-Bahn gehen rund 21 Prozent

der Ausfälle auf Vandalismus

und Farbangriffe zurück“, bekräftigte

BVG-Sprecherin PetraNelken.

DerSenat habe die BVGaufgefordert,

die Probleme „mit höchster

Priorität“ anzugehen, so Streese weiter.

Ererkennt an, dass das Unternehmen

reagiert hat: „Die BVG hat

bereits Maßnahmen eingeleitet und

unternimmt weitere Anstrengungen.“

So gebe es im obersten Management

der BVGnun wieder einen

Vorstand für den Betrieb –bislang

hatte sich die Vorstandschefin Sigrid

Nikutta neben ihren übrigen Aufgaben

um diesen Bereich gekümmert.

Auch werde neues Fahr- und

Werkstattpersonal ausgebildet. „Wir

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

planen für 2019 insgesamt 1100

Neueinstellungen, die überwiegend

im Fahrdienst und in den Werkstätten

erfolgen sollen“, so Nelken. Die

BVGerinnerte zudem daran, dass sie

für bis zu 3,1 Milliarden Euro neue

Fahrzeugekauft –die Flotte wächst.

Ein Großteil der Maßnahmen

werde„jedoch erst mittelfristig wirksam“,

räumte Staatssekretär Streese

ein. Darum habe die BVG bei der U-

und Straßenbahn einen eingeschränkten

Fahrplan eingeführt. Das

Land wünsche dies auch für den

Busverkehr, „um das verbleibende

Busangebot stabiler und verlässlicher

zu machen“, so der Politiker.

Das Landesunternehmen BVG

steht nicht allein. Auch bei der S-

Bahn Berlin GmbH, Tochterfirma

der bundeseigenen Deutschen

Bahn, haben die Ausfälle zugenommen,

so Streese. Fielen 2016 insgesamt

42 455 Fahrten aus, summierten

sich die „bau- und störungsbedingten

Minderleistungen“ in Berlin

und Brandenburg im vergangenen

Jahr auf79419 ausgefallene Fahrten.

Die S-Bahn ist besser geworden

Allerdings haben sich die Pünktlichkeit

und die Stabilität des Betriebs

seit dem zweiten Halbjahr 2018 verbessert,

stellte Streese fest. Zu der

vergangenes Jahr begonnenen Qualitätsoffensive

„S-Bahn Plus“ gehörten

„zahlreiche sinnvolle Maßnahmen“.

Die Zahl der Störungen an

Fahrzeugen undSignalen gingen zurück,

das Fahrpersonal wurde um

210 Beschäftigte aufgestockt. Nun

müsse das Programm konsequent

weiterverfolgt werden, forderte er.

So ärgerlich die Ausfälle bei der

BVG sind – unterm Strich bekommen

die Berliner Fahrgäste immer

noch ein umfangreiches Angebot. So

legten die Busse im vergangenen

Jahr insgesamt mehr als 91 Millionen

Kilometer zurück. WasJens Wieseke

vom Fahrgastverband stört, ist die

negative Entwicklung. „Immer wieder

wirdgroßangekündigt, dass alles

besser werden soll –stattdessen gibt

es Verschlechterungen“, stellte Wieseke

fest. „Die BVG ist nicht mehr so

verlässlich, wie sie einmal war.“

NACHRICHTEN

Weitere S-Bahn-Strecken

im Osten Berlins gesperrt

S-Bahn-Fahrgäste müssen sich im

Osten Berlins auf weitereEinschränkungen

einstellen. Wieangekündigt

wirddie Sperrung vonStrecken am

Freitag ausgeweitet. Dann fährtdie

S5 nicht mehr zwischen Wuhletal

und Ostkreuz, die S7 nicht mehr zwischen

Ahrensfelde und Nöldnerplatz.

DieS75, die bereits zum Teil

unterbrochen ist, entfällt komplett.

BisMitte November müssen Fahrgäste

auf den Schienenersatzverkehr

oder andereVerkehrsmittel ausweichen.

So fahren zwischen Ostkreuz,

Strausbergund Ahrensfelde mehr

Regionalbahnen. DieBerliner Verkehrsbetriebe

(BVG)setzen bei der

Straßenbahn längereZügeein. Von

Freitag an weitet sie auf der U5 den

dichten Takt der Hauptverkehrszeit

bis in den Abend hinein aus.Kürzere

Abstände zwischen den Fahrten sind

aber technisch nicht möglich. (pn.)

Herbst sorgt für Rückgang

der Arbeitslosenzahlen

DieZahl der Arbeitslosen ist in Berlin

wie zu Beginn des Herbsts üblich

zurückgegangen. 152 366 Menschen

in der Hauptstadt waren im

September ohne Job, wie die Regionaldirektion

Berlin-Brandenburg

der Bundesagentur für Arbeit am

Montag mitteilte.Das waren 3882

Menschen weniger als im August

und 189 weniger als im September

des Vorjahres.Die Arbeitslosenquote

sank im Vergleich zum August

um 0,2 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent.

Verglichen mit dem Vorjahresmonat

ging sie leicht um 0,1 Prozentpunkte

zurück. Zudem suchten

die Unternehmen weiterhin Personal.

26 956 freie Stellenwaren im

September in Berlin gemeldet. Das

waren 1084 Stellenmehr als noch

im September 2018. (dpa)

Tief „Mortimer“ hinterlässt

seine Spuren

Stürmisch und nass hat die Woche in

Berlin und Brandenburgbegonnen.

Tief „Mortimer“ sorgte am Montag

für teils orkanartige Böen, Starkregen

und vereinzelt Gewitter,wie der

Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte.Eswurden

Windböen mit einer

Geschwindigkeit vonbis zu 115

Kilometernpro Stunde erwartet.

Zeitweise war durch das Sturmtief

der Fernverkehr der Bahn in Norddeutschland

unterbrochen. Wegen

der Gefahr herabfallender Äste blieben

am Montag der Zoosowie der

Tierparkinder Hauptstadt fürdas

Publikum geschlossen. Lediglich das

Aquarium habe regulär geöffnet,

hieß es.Die Tiereseien vorsorglich in

Häusern, Stallungen und Unterständen

der Zooanlage untergebracht

worden. (dpa)

Sturmtief „Mortimer“ vermieste vielen

den Wochenstart.

DPA/KAY NIETFELD


10 * Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Berlin

Spritzen unter Aufsicht: Hier finden Drogenabhängige nicht nur sauberes Besteck, sondernauch Soforthilfe und Beratungsangebote.

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Neue Räume für Süchtige

Damit Heroinabhängige nicht auf der Straße spritzen müssen, sollen in Berlin neue Druckräume entstehen. Dort soll auch das Besteck entsorgt werden

VonMelanie Reinsch

Todesopfer: In Berlin starben

im vergangenen Jahr

191 Menschen an den Folgenihres

Drogenkonsums –

23 mehr als im Jahr zuvor.

Damit hat die Zahl der Drogentoten

in Berlin in den vergangenen

Jahren wieder

deutlich zugenommen. Der

niedrigste Wert seit 2008 lag

im Jahr 2012 bei 113 Toten.

2015 waren es 153.

Es ist ein Szenario, das einem

Albtraum gleicht: Ein

kleines Mädchen tritt auf

einem Kreuzberger Spielplatz

barfuß im Sand in eine Heroin-

Spritze. Die Eltern sind in großer

Sorge, dass sich ihreTochter mit HIV

oder Hepatitis infiziert haben

könnte.Sie haben deshalb gegen den

Regierenden Bürgermeister Michael

Müller (SPD) und die zuständige Bezirksbürgermeisterin

in Friedrichshain-Kreuzberg,

Monika Herrmann,

Anzeige erstattet: Wegen Körperverletzung

durch Unterlassen.

Dass sich die Vierjährige mit HIV

angesteckt haben könnte, sei zwar

nahezu ausgeschlossen, sagt Jens

Petersen vonder Berliner Aids-Hilfe.

Anders verhalte es sich aber mit dem

Hepatitis-Virus,dadieses an der Luft

länger lebensfähig sei als das HI-Virus.

Bis Klarheit herrscht, müssen

die Elternnoch Wochen warten.

Die Geschichte vom 23. August,

über die der Tagesspiegel zuerst berichtete,

ist in der Politik nicht überhört

worden. In der Senatskanzlei

wollte man sich allerdings zum jetzigen

Zeitpunkt noch nicht äußern, da

man den Fall gerade noch recherchiere,

hieß es am Montag. Das Bezirksamt

verwies auf das Straßenund

Grünflächenamt, das den Spielplatz

zweimal wöchentlich reinige.

Dieses habe nur begrenzte finanzielle

Mittel zur Reinigung. „Eine tägliche

Reinigung würde ein sehr viel

höheres Budget erfordern“, hieß es.

Gebrauchte Spritzen auf Spielplätzen

und in Parks sind ein altes

Problem in Berlin. Um zu verhindern,

dass Drogensüchtige ihr Besteck

überall liegen lassen, setzt der

Senat auf sogenannte Drogenkonsumräume,woAbhängige

sich spritzen

oder andere Drogen konsumieren

können. Das Besteck wird dort

entsorgt, landet also nicht mehr auf

der Straße oder im Gebüsch. Zudem

finden die Konsumenten Hilfe.

Bisher gibt es drei dieser stationären

Räume: in Neukölln, Mitte und

Kreuzberg. Zwei mobile Drogenkonsumräume

gibt es in Schöneberg

und in Charlottenburg. Im August

wurde hier 4527 Malkonsumiert.

„Wir planen den Ausbau der Drogenkonsumräume“,

sagte Martin

Matz (SPD), Staatssekretär in der Gesundheitsverwaltung,

am Montag

der Berliner Zeitung. Im Doppelhaushalt

2020/2021 seien mit dem

Senatsbeschluss von Juni Mittel für

zwei weitere Konsumräume sowie

für die Erweiterung der Öffnungszeiten

vorgesehen, sagte Matz. Ob die

Räume mobil oder stationär entstehen

sollen, sei noch nicht sicher.Bisher

sind im Doppelhaushalt

2020/2021 rund 2,5 Millionen Euro

für die Errichtung der neuen Räume,

für Investitionen und zusätzliche

Personal- und Sachkosten berücksichtigt.

Doch die Gesundheitsverwaltung

möchte weitere Mittel, damit

die Räume an sieben Tagen in

der Woche und an acht Stunden am

Tagfür die Drogenabhängigen offen

DROGENKONSUM

Räume: Sowohl in den mobilen

als auch in den stationären

Drogenkonsumräumen

können Drogen unter

medizinischer Aufsicht konsumiertwerden.

Es gibt Soforthilfe

bei Überdosierungen,

eine medizinisch-pflegerische

Beratung und Vermittlung

zu weiterführenden

Hilfen der Drogen- und

Suchthilfe.

Deutschland: In ganz

Deutschland gibt es 24 solcher

Drogenkonsumräume in

insgesamt 15 Städten und

sechs Bundesländern. Als

erstes Bundesland verabschiedete

Hamburg am 25.

April 2000 eine Erlaubnis für

den Betrieb vonDrogenkonsumräumen.

In Deutschland

starben 2018 insgesamt

1276 Menschen an Drogen.

stehen. Denn bisher sind die Öffnungszeiten

sehr eingeschränkt.

Rund zwei Millionen Euro jährlich

würde das kosten. Ein entsprechender

Änderungsantrag müsste allerdings

von den Koalitionsfraktionen

im Parlament kommen.

„Die Drogenkonsumräume sind

ein pragmatisches Instrument, um

Anwohnerinnen und Anwohner zu

entlasten und den Drogenkonsum

von der Straße weg zubekommen“,

betonte Matz. Schon lange habe

man sich dafür eingesetzt –„oft gegen

Bedenken der Bezirke“. „Es zeigt

sich aber in der Praxis, dass unsere

Strategie aufgeht“, sagte Matz weiter.

Anwohner im Umfeld der Drogenkonsumräume

berichteten, dass

sich die Situation auf der Straße, in

den Parks und auf den Spielplätzen

verbessert habe. Erkönne die Panik

der Eltern absolut verstehen, so

Matz. Dass nirgends in der Stadt

Spritzen rumliegen, sei jedoch ein

schwer erreichbares Ziel. „Uns wäre

es natürlich lieber, wenn wir es

schaffen würden, die Konsumenten

von den Drogen loszubekommen“,

betonte der Staatssekretär der Gesundheitsverwaltung.

Auch der Bezirksbürgermeister

vonNeukölln, Martin Hikel (SPD), ist

der Meinung, dass die Öffnungszeiten

der Konsumräume stärker ausgebaut

werden müssten. Zwar solle der

Zeitrahmen um eine Stunde erweitert

werden, aber das hält Hikel für zu wenig.

„Eigentlich müssten die Räume

sogar 24 Stunden besetzt sein. Dass

die Räume am Wochenende geschlossen

sind, ist ein großes Problem“,

sagte der SPD-Politiker der Berliner

Zeitung. Vorallem in der kalten

Jahreszeit würden sich Drogenabhängige

in die U-Bahnhöfe oder Eingänge

flüchten, prognostiziertHikel.

Der imJanuar eröffnete Drogenkonsumraum

in der Karl-Marx-

Straße verzeichnet „monatlich 1300

bis 1600 Konsumvorgänge“. „Dabei

beobachten wir aber auch, dass es

nicht weniger Süchtige werden“,

sagt Hikel. Auch die Spritzenfunde

werden gefühlt mehr. Esgebe rund

um die U8 auch immer mehr Anwohnerbeschwerden,

auch weil immer

offenener konsumiertwerde.

Eine These sei, so Hikel, dass die

Verdichtung der Stadt dazu beitrage,

dass der Konsum öffentlicher werde,

weil es immer weniger Rückzugsräume

oder Brachflächen gebe.„Inzwischen

hat sich das Gebiet bis in

den Süden von Neukölln ausgedehnt“,

bemerkt der Bezirksbürgermeister.

Hikel plädiert dafür, mehr

mobile Drogenkonsumräume als Ergänzung

zu den stationären einzusetzen.

Wie groß das Spritzenproblem

tatsächlich ist, zeigen auch

diese Zahlen: Allein in Neukölln sind

im vergangenen Jahr 30 000 Spritzen

aus dem Automaten für Heroinsüchtige

ausgegeben worden.

Melanie Reinsch

findet, dass es noch mehr

mobile Räume braucht.

Bereinigter Sündenfall

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh führt durch seinen Kiez, die Hochhaussiedlung Heerstraße Nord in Spandau. Diese will Berlin jetzt zurückkaufen

VonElmar Schütze

Wenn man mit Raed Saleh

durch die Hochhaussiedlung

Heerstraße

Nord in Spandau

läuft, dauert esnicht lang, bis

der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus

einem Gemüsehändler

die Hand schüttelt, einer Dame mit

dem Rollator Gesundheit wünscht,

mit einer jungen Familie plaudert

oder denWegder Frau vomStadtteilzentrum

kreuzt. Saleh ist in dem sozial

schwierigen Hochhausviertel

zwischen Magistratsweg, Maulbeerallee,Obstallee

und Blasewitzer Ring

aufgewachsen. Gerne erzählt er bei

erster Gelegenheit, dass seine Mutter

dort noch wohne und sich weigere,

zu ihrem Sohn zu ziehen, der es

längst zu einem Häuschen im wohlhabenden

Kladow gebracht hat.

Auch deshalb fühlt sich Saleh Heerstraße

Nord verbunden: „Ich bin ein

Kind des Kiezes.“

Am Montagvormittag war es mal

wieder so weit für Saleh, aller Welt zu

Berlin ganz oben: Blick aus dem 17. Stock auf die Siedlung.

denfall, fast egal ,welcher Partei sie

angehören. Saleh gehört dazu. Jetzt

werdedie Geschichte geradegerückt,

sagt er sichtlich zufrieden.

In dieser Stimmung lud Saleh nun

ein paar Journalisten zu einem

Rundgang durch eines der laut Sozialdaten

problematischsten Viertel

der Stadt ein.„Hier in diesem Durchties

aus dem Steuerparadies Luxemburgüber

–was die Sache nicht besser

macht. Nun kassiert die Ado 580

Millionen Euro vomLand Berlin, für

340 Millionen Euro übernahm die

MARKUS WÄCHTER

zeigen, was es mit dem Kiez,des Kindes

er ist, so auf sich hat. Anlass war

die Nachricht vom Rückkauf von

knapp 6000 ehemals landeseigenen

Sozialwohnungen –3500 davon befinden

sich in Heerstraße Nord, der

Rest am Rande des Märkischen Viertels

in Reinickendorf.

Berlin holt sich also Berlin zurück.

DieRede ist vomgrößten Rekommunalisierungsankauf

in der Geschichte.

Aber er ist umstritten,

schließlich hat das Land fast eine

Milliarde Euro für Wohnungen bezahlt,

die ihm bis 2004 gehörthaben.

In Zeiten extremen Sparzwangs,sinkender

Bevölkerungszahl und dem

Spruch „arm aber sexy“ wurde die

landeseigene Wohnungsbaugesellschaft

GSW verkauft. Die Deutsche

Wohnen griff zu. Ausgerechnet.

Heute gilt sie als besonders aggressiver

Immobilienkonzern, der nur die

eigene Rendite, nicht aber die Belange

der Menschen im Blick hat, die

in den Häusernwohnen.

Vorfünf Jahren gingen 6000 dieser

Wohnungen an die Ado Proper-

landeseigene Wohnungsbaugesellschaft

Gewobag auch die Schulden.

Heute gilt die GSW-Privatisierung

vielen Politikern inBerlin als Süngang

habe ich mit meinen Kumpels

Murmeln gespielt, wenn es draußen

so nass war wie heute“, erzählt der

Politiker an einer Stelle.Ein paar Meter

weiter weist er auf eine Häuserzeile:

„Da habe ich gewohnt. Meine

Mutter wohnt immer noch in derselben

Wohnung. Ich sage jetzt nicht,

wo genau. Aber sie hat den Balkon

mit den schönsten Blumen …“ Tatsächlich

gibt es in dem Aufgang nur

einen Balkon mit Blumen.

DieGewächse in der Siedlung haben

es Saleh ohnehin angetan. Es

werde zuwenig für das Umfeld getan.

Dasärgeredie Leute.Tatsächlich

liegt viel Müll im Gebüsch, sind Hecken

struppig, Wege ungepflegt.

Während manche Häuser gut aussehen,

wirken andere vernachlässigt.

In einigen gibt es noch Stromheizungen,

nicht erst seit Greta Thunberg

ein ökologischer Frevel. Zufällig aufkreuzende

Bewohner berichten dem

kleinen Expeditionstrupp von rücksichtslosen

Nachbarn aus aller Welt,

Drogenhandel und einer nutzlosen

Polizei, die nichts bewirke.

Unddennoch soll der Kauf dieser

Wohnungen ein guter Deal sein?

„Ja“, sagt Raed Saleh und argumentiert

moralisch-emotional.

Keine Siedlung habe es so sehr verdient

wie diese,wieder unter die vermeintlich

schützende öffentliche

Hand zu kommen, nachdem man sie

ihr damals entrissen habe.Essei eine

Wunde gerissen worden, die man

jetzt heilen müsse.Denn:„Dieser Ort

schreit nach sozialer Gerechtigkeit.“

So etwas würden Bezirksbürgermeister

Helmut Kleebank und Finanzsenator

Matthias Kollatz wahrscheinlich

nie sagen. Die beiden Sozialdemokraten

– der eine wurde

vom Rückkauf überrascht, der andere

musste ihm zustimmen –begleiten

Saleh auf dem Rundgang

durch Heerstraße Nord. Kleebank

spricht von einem „wichtigen Signal“

und davon, dass sich der Kauf

lohne, weil er auch Mieteinnahmen

mit sich bringe.Und Kollatzbemüht

sich, die Folgekosten klein zu reden.

Nein, eine Generalsanierung sei sicher

nicht notwendig. Na dann!


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 11

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Berlin

Anwalt schlägt Massen-Kündigungen vor

Eigentümer sollen mit Inkrafttreten des Mietendeckels Verträge auflösen dürfen. Mietervertreter zeigen sich entsetzt. Ein Bündnis ruft zu Demo am 3. Oktober auf

VonUlrich Paul

Kurz vor dem für Mitte Oktober

erwarteten Senatsbeschluss

über das Mietendeckelgesetz

fährt die

Vermieterseite schärferes Geschütz

gegen die geplante Regelung auf. Der

Rechtsanwalt Tobias Scheidacker,

Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins

Kreuzberg, kommt

in einem Aufsatz für die Fachzeitschrift

Das Grundeigentum zu dem

Schluss, alle vor dem 18. Juni geschlossenen

Mietverträge dürften

mit Inkrafttreten des Mietendeckels

fristlos kündbar sein –wegen Wegfalls

der Geschäftsgrundlage.

Zur Erinnerung: Am 18. Juni hat

der Senat die Eckpunkte für den geplanten

Mietendeckel beschlossen.

Im Kern sollen danach die Mieten für

fünf Jahreeingefroren werden. Nach

dem zwischenzeitlich vorgelegten

Referentenentwurf für den Deckel

sollen aber Mieterhöhungen von 1,3

Prozent jährlich erlaubt sein, sofern

Mietoberwerte von bis zu 9,80 Euro

je Quadratmeter nicht überschritten

werden. Außerdem ist ein Absenken

überhöhter Mieten im Gespräch.

„Mit dem Inkrafttreten des Mietendeckelgesetzes

gelten komplett

andere Rahmenbedingungen als

vorher“, schreibt Anwalt Scheidacker.

Deshalb könnten Verträge, die

nach bisherigem Recht geschlossen

wurden, nicht ohne erneute Prüfung,

ob man sie eingehen möchte,

bestehen bleiben. „Es muss möglich

sein, sich vonVerträgen nach der alten

Rechtslage zu lösen, wenn man

sie nach der neuen Rechtslage nicht

eingehen wollen würde“, argumentiert

der Anwalt. Er belässt es nicht

bei einer rechtlichen Einschätzung,

sondern spricht sogleich eine Empfehlung

aus: „Die richtige Strategie

aus Eigentümersicht ist deshalb, zu

überlegen, welche Mieter am Tagdes

Inkrafttretens des Mietendeckelgesetzes

gekündigt werden sollen, weil

man unter den neuen gesetzlichen

Vorgaben an sie nicht vermietet

hätte, und diese Kündigungen dann

auszusprechen“, so Scheidacker.

Der Mietendeckel soll für 1,5 Millionen Wohnungen gelten.

IMAGO

Der Checkpoint des Tagesspiegels

hatte zuerst darüber berichtet.

Der Berliner Mieterverein (BMV)

zeigt sich empört. „Dass der Mietendeckel

einen Wegfall der Geschäftsgrundlage

darstelle und damit die

Mietverhältnisse bei Einführung

einfach gekündigt werden können,

ist mietrechtlich barer Unsinn und

soll offenkundig nur dazu führen,

Mieter zu verängstigen und die Politik

zu verunsichern“, sagt BMV-Geschäftsführer

Reiner Wild. Die massenhafte

Kündigung von Mietverhältnissen

könne nur als „wohnungspolitische

Geisterfahrt“

bezeichnet werden, die letztendlich

den Eigentümern und Vermietern

selbst schade, soWild. „Denn eine

Kündigung bewirkt ja zunächst nur

Leerstand, weil die Vermieter auch

bei Wiedervermietung dem Mietendeckel

unterliegen.“ Ein mehr als

dreimonatiger Leerstand der Wohnung

sei nach dem Verbot der

Zweckentfremdung nicht erlaubt –

genauso wenig wie eine Umnutzung

der Wohnung zu Gewerbezwecken.

„Wäre diese rechtliche Annahme eines

Verbandsvertreters von Haus &

Grund umsetzbar, wäre als Vermieterprotest

gegen den Mietendeckel

eine Massenwohnungslosigkeit in

Berlin die Folge“, so Wild. Der Mieterverein

sei „entsetzt über die Gewissenlosigkeit

diverser Vermieter

und Vermieterverbandsvertreter“.

Die Mietverhältnisse haben laut

Mieterverein auch bei Einführung

des Mietendeckels Bestand.

Unter dem Motto „Richtig deckeln,

dann enteignen“, ruft ein

Bündnis von Mieterinitiativen zu einer

Demonstration am Donnerstag,

den 3. Oktober, auf. „Wir brauchen

jetzt einen Mietendeckel, der hält

und uns langfristig vor Mieterhöhungen

schützt“, heißt es im Aufruf

zu dem Protest. DieVeranstalter fordernzugleich

einen Mietenstopp für

Sozialwohnungen und den Schutz

vor Zwangsräumungen. Die Demo

startet um 13 UhramAlexanderplatz

vor dem Haus des Lehrers und führt

zum Kottbusser Tor. DieVeranstalter

erwarten bis zu 10 000 Teilnehmer.

Hinter verriegelten Türen

VorGericht bestreitet ein leitender Bahnmitarbeiter sexuelle Übergriffe auf Mitarbeiterinnen

VonKatrin Bischoff

Bernhard B. trägt einen Drei-

Tage-Bart. Die dunklen Haare

sind ordentlich gestutzt. Er schaut

nicht ins Publikum, in dem auch

einstige Kollegen vonihm sitzen. Sie

sind ihm, das sieht man ihren Gesichternan,

nicht freundlich gesinnt.

Der 55-jährige ehemalige Vertriebsleiter

der Deutsche-Bahn-Tochter

DB Netz AG steht an diesem Montag

wegen eines schweren Vorwurfs vor

dem Landgericht. Der Mann, der 32

Jahre lang bei der Bahn gearbeitet

hat, soll zwischen 2002 und November

2016 vier Mitarbeiterinnen vergewaltigt

oder sexuell genötigt haben.

BernhardB.bestreitet die Straftaten.

Dievier Frauen sind Nebenklägerinnen

vor Gericht. Sie werden von

einer Anwältin vertreten, auf deren

Antrag die Namen der Betroffenen in

der Anklage nicht öffentlich verlesen

werden –umdie Frauen zu schützen.

DieTaten soll der Angeklagte an

seinen Arbeitsplätzen in Hannover,

Frankfurt amMain und Berlin begangen

haben. Beisogenannten Personalgesprächen,

bei denen er die

Tür voninnen verriegelt haben soll.

Aufgeflogen war der mutmaßliche

Täter vorfast drei Jahren, als sich

eine Frau ihrem unmittelbaren Vorgesetzten

offenbart und erzählt

hatte, ihr Chef habe sie in seinem

Büro küssen und begrapschen wollen.

Zur Rede gestellt, soll Bernhard

B. diese eine Tatsofort zugegeben

haben.

Nur im Strafverfahren legt der

Mann kein Geständnis ab. Im Gegenteil.

Zu den drei ersten Fällen aus

den Jahren 2002, 2004 und 2006, bei

denen es auch um Vergewaltigung

geht, soll der Mann im Ermittlungsverfahren

erklärt haben, die sexuellen

Handlungen hätten einvernehmlich

stattgefunden. So verlautet

es am Rande des Prozesses.

An diesem ersten Verhandlungstag

geht es zunächst nur um die

vierte mutmaßliche Tataus dem November

2016. Und umdie Frau, die

das Verfahren ins Rollen brachte,

nennen wir sie Renate C., auch wenn

sie nicht so heißt. Bernhard B.be-

Die Bahn sieht sich mit einem Missbrauchsfall in den eigenen Reihen konfrontiert. IMAGO

schuldigt sie in seiner Einlassung, sie

sei es gewesen, die damals etwas von

ihm gewollt habe.Aber er habe seine

Ehe und seine Kinder nicht aufs Spiel

setzen, keine Beziehung beginnen

wollen. Er spricht davon, Kontakt zu

Frauen gesucht zu haben. Aber in

diesem Fall habe er doch eigentlich

alles richtig gemacht.

Dann gibt er zu: Er habe sich in

Renate C. verliebt. Als sie ihn

schließlich beschuldigt habe, alle

Frauen angebaggertund eine Schreckensherrschaft

aufgebaut zu haben,

„hatte ich das Gefühl, mir

würde der Boden unter den Füßen

weggerissen“.

Renate C. ist die erste Zeugin in

dem Verfahren. Sieredet mit ruhiger

Stimme,schaut den Angeklagten immer

wieder an. Sie sagt, sie sei noch

heute schockiert von dem, was damals

geschehen sei. Vorallem auch

mit den anderen Frauen. Sie spricht

vom Weggucken. Vom Weghören

und Ignorieren. Auch sie habe damals

nichts auf das Gerede ihre Kolleginnen

gegeben, die sie vor B.gewarnt

hätten. „Ich habe das als pures

Gerücht abgetan“, sagt sie.

Die48-Jährige hatte damals noch

nicht lange bei der DB Netz AG gearbeitet,

als ihr Bernhard B.als Vorgesetzter

bei fachlichen Fragen half. Es

sei ein gutes und kollegiales Verhältnis

gewesen, schildert die Zeugin.

Bis Bernhard B.mitbekam, dass sie

sich von ihrem Ehemann getrennt

hatte. Dasei der Tonanders geworden.

Am 11. November 2016 habe ihr

Chef sie in sein Bürogebeten, weil er

mit ihr angeblich über ihre Beförderung

sprechen wollte. „Er hat mich

plötzlich gedutzt, er hat mehrmals

versucht mich zu küssen, er hat mich

bedrängt. Ich habe mich gewehrt“,

erzählt sie. Erhabe ihr auch gesagt,

dass er seit zehn Jahren in Therapie

sei. Ihrsei es gelungen, aus dem Büro

zu fliehen.

Als Renate C. das Erlebte publik

machte,begannen im Unternehmen

interne Ermittlungen. Mehrere

Frauen –von zehn ist am Rande des

Prozesses die Rede –sollen sich gemeldet

und den Mann beschuldigt

haben. BernhardB.bekam Hausverbot.Vonder

DB Netz AG erhielt er die

fristlose Kündigung. Gegen ihn

wurde als Beamter der Bahn ein Disziplinarverfahren

eingeleitet, das jedoch

erst nach Abschluss des Strafverfahrens

weitergeführt wird. Seit

einiger Zeit lebt er nur noch von einem

Teil seiner Pension. Mindestens

drei weitere Verhandlungstage sind

geplant.

An jedem Prozesstag soll eine der

betroffenen Frauen als Zeugin aussagen.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Berlin

Offener Vollzug

„Maskenmann“ Mario K. trennt die Gitterstäbe seiner Zelle in der JVATegel durch und seilt sich in den Gefängnishof ab. Dabei wird er von Wärtern ertappt

VonAndreas Kopietz

Ein Häftling hat am Montagmorgen

versucht, aus der

Justizvollzugsanstalt Tegel

auszubrechen. Dabei handelt

es sich um Mario K., den „Maskenmann“.

So wurde er genannt,

weil er bei seinen Überfällen auf

Wohlhabende stets eine Maske trug.

K. wurde gefasst und 2016 wegen

versuchten Mordes und erpresserischen

Menschenraubes zu lebenslanger

Haft verurteilt.

Nach Angaben vonJustizsprecher

Sebastian Brux hatte der 52-Jährige

gegen 4.30 Uhr zwei Gitterstäbe seines

Haftraums in der Teilanstalt V

durchgeschweißt. Um die Stäbe zu

durchtrennen, wandte der Häftling

ein elektrochemisches Schweißverfahren

an, indem er Chemikalien

verwendete und die Gitter unter

Strom setzte. Als der Weg frei war,

seilte er sich vom dritten Stock ab.

Vollzugsbedienstete bekamen den

Ausbruchsversuch mit und holten

den Häftling vonder Fassade.

Verurteilt im Indizienprozess

Laut Brux wäreerohnehin nicht weit

gekommen. Denn der Innenhof der

Teilanstalt ist mit einem Zaun und

Stacheldraht umgeben. Zudem hätte

der 52-Jährige auch noch die Gefängnismauer

samt Stacheldraht

überwinden müssen. „Inbeiden Fällen

wäre Alarm ausgelöst worden“,

sagte Brux. Wie der Häftling an die

Chemikalien gelangen konnte, ist

derzeit noch unklar.

Mario K., von Beruf Dachdecker,

sitzt in der JVAseit 2016 ein. Nach einem

umstrittenen Prozess am Landgericht

Frankfurt (Oder) und einer

anschließenden Revision sah es der

Bundesgerichtshof als erwiesen an,

Die Teilanstalt JVATegel: Sie ist mit mehr als 800 Haftplätzen eines der größten Gefängnisse Deutschlands.

dass K. einen Bank-Manager aus dessen

Villa entführt und ihn auf einer

kaum zugänglichen Schilfinsel in einem

Sumpfgebiet am Storkower See

gefangen gehalten hatte, um Lösegeld

zu erpressen. Dasgefesselte Opfer

konnte sich nach mehr als einem

Tagbefreien. Zudem hatte K. nach

Überzeugung des Gerichts in kurzen

Abständen zweimal eine andere Millionärsfamilie

in BadSaarow überfallen.

Er knüppelte dabei die Mutter

nieder und schoss Monate später auf

die Tochter. Ein Wachmann, der die

junge Frau schützte, wurde von einem

Projektil getroffen. Er ist seither

Gefängnisse: Berlin hat fünf

geschlosseneJustizvollzugsanstalten

(JVA) –Moabit, Plötzensee,

Heidering –sowie die

Jugendstrafanstalt Plötzensee

und das Frauengefängnis.

Hinzu kommen Strafanstalten

des offenenVollzugs an mehreren

Standorten.

AUSBRÜCHE

Schwere Jungs: Die JVATegelist

mit 938 Plätzen eine

der größten Deutschlands.

Dortsind zurzeit mehr als

800 Männer mit mittleren

und langen Freiheitsstrafen,

lebenslanger Freiheitsstrafe

oder in Sicherungsverwahrung

untergebracht.

Ausbrüche: Schon des Öfteren

gabesFluchtversuche.

Um den Jahreswechsel

2017/18 brachen zum Beispiel

vier Insassen der JVA

Plötzensee aus. Alle wurden

gefasst. Die Ausbrüche

brachten Justizsenator Behrendt

(Grüne) in Bedrängnis.

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

querschnittsgelähmt. Bei seinen Taten

trug er stets ein Maske, was ihm

den Titel „Maskenmann“ einbrachte.

Deranschließende Prozess sorgte für

Aufsehen, weil er von zahlreichen

Unstimmigkeiten geprägt war. Eine

interne Ermittlungsgruppe der Polizei

hatte schwere Führungsmängel

bei der damals ermittelnden Mordkommission

festgestellt.

Nach dem Fluchtversuch von

Mario K.dankte Justizsenator Dirk

Behrendt (Grüne) seinen Beamten,

die den Ausbruch vereitelten. Bei

dieser Gelegenheit ließ er mitteilen,

dass 21 künftige Beamtinnen und

Beamte die Laufbahnprüfung für

den Allgemeinen Vollzugsdienst an

Justizvollzugsanstalten bestanden

hätten. Sieerhielten am Montag ihre

Abschlusszeugnisse und werden ihren

Dienst in den Justizvollzugsanstalten

Moabit, Tegel und dem offenen

Vollzug antreten.

Die AfD nutzte den verhinderten

Ausbruch, um Behrendts Rücktritt

zu fordern. Er bekomme die Sicherheitslage

in den Gefängnissen nicht

in den Griff, teilte AfD-Justizexperte

Marc Vallendar mit. „Außer Ankündigungen

nach der Ausbruchswelle

2018 ist nichts passiert.“ Und die

FDP kritisierte den „dramatischen

Personalmangel“ in den Anstalten,

der auch nicht durch kosmetische

Maßnahmen gelöst werden könne.

Tatsächlich sind in den Berliner Gefängnissen

etwa 100 Stellen nicht besetzt.

Laut Verwaltung kann das Defizit

erst Ende 2020 durch Neueinstellungen

ausgeglichen werden.

Denkmalschutz gegen Sicherheit

Derzeit werden die Sicherheitsvorkehrungen

in den Berliner Haftanstalten

überarbeitet. Nachdem im

Februar 2018 ein Gefangener inTegel

in einem Lieferwagen nach draußen

gelangt war, schaffte die JVA einen

Herzschlag-Detektor an, der

menschliche Geräusche in Autos erfasst,

die die Anstalt verlassen. Auch

die anderen Haftanstalten sollen

nach Justizangaben mit diesen jeweils

150 000 Euro teuren Detektorenausgestattet

werden.

Zudem werden demnächst in Tegel

die Zäune um die Freistunden-

Höfe erhöht. Bei diesem Vorhaben

kam es zuVerzögerungen. DieDenkmalschutzbehörde

hatte längereZeit

Einwände. Die Zäune würden das

historische Gebäude verschandeln.

Wintermärchen in Dresden, Venedig und Salzburg

LESERREISEN

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Berliner Zeitung Leserreisen

LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 13

· ·

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Berlin

DER HIMMEL ÜBER BERLIN

Der Blick in den gestirnten

Nachthimmel wird für

uns Menschen immer

beschwerlicher. Die irdischen

Lichtquellen lassen von den

3500 Sonnen, die unsere Augen sehen

könnten, nur wenige übrig. Es

lohnt sich daher, aus der Stadt herauszutreten,

um die ganze Pracht

kosmischer Dimensionen entdecken

zu können.

Nach der Sonne ist der Mond das

zweithellste Objekt. Er leuchtet nicht

selbst, sondern reflektiert das Sonnenlicht.

DieMondphasen entstehen

allein durch seine Stellung auf dem

Weg um die Erde: Steht er der Sonne

gegenüber, strahlt er als Vollmond,

befindet er sich zwischen Sonne und

Erde,sehen wir nur seine unbeleuchtete

Seite. Wir sprechen von Neumond,

der uns am 28. September

ereilte.Am5.Oktober leuchtet die Sichel

des zunehmenden Halbmondes

(erstes Viertel)

am Abendhimmel.

Der Vollmond

erstrahlt

in der Nacht des

13. Oktobers.

Der abnehmende

Halbmond

(letztes

Viertel) kann am

TimFlorian Horn, 21. Oktober beobachtet

wer-

Direktor des Zeiss-

Großplanetariums, den, und am 28.

Prenzlauer Allee 80 Oktober gibt es

wieder Neumond.

Besonders schön anzusehen

ist es, wenn der Mond in der Nacht

vom 17. zum 18. Oktober nahe dem

Stern Aldebaran im Sternbild Stier

durch den Sternhaufen der Hyaden

wandert. Der rötlich leuchtende

Stern befindet sich am Ende seines

kosmischen Lebens.Vergeht er, werden

große Massen an schweren Elementen

wie Kohlenstoff oder gar Eisen

in die Tiefen des Universums geworfen.

Baumaterial für neue Sterne

und vorallem für neue Planeten!

EDINGER

Ende der Sommerzeit

Nach Sonnenuntergang ist es der Planet

Jupiter, der als erster erfolgreich

gegen die Dämmerung ankämpft –

gefolgt vom Ringplaneten Saturn.

Beide können wir ebenfalls nur beobachten,

weil Planeten Sonnenlicht

nur reflektieren. Der größte Planet

des Sonnensystems wandert weiter

durch das Sternbild Schlangenträger

und steht, wenn es dunkel genug für

die Beobachtung des Sternenhimmels

geworden ist, in südwestlicher

Richtung. So tief wie er am Himmel

steht, bleiben etwa anderthalb Stunden,

um ihn zu beobachten. Eingutes

Fernglas gibt bereits den Blick auf die

vier größten Jupitermonde preis, die

bereits Galileo Galilei Anfang des 17.

Jahrhunderts ausgiebig beobachtet

hat. Am 1. Oktober geht Jupiter um

21.21 Uhr unter, am31. Oktober bereits

um 18.42 UhrWinterzeit.

Saturn imSternbild Schütze büßt

gleichermaßen deutlich an Beobachtungszeit

ein. Am 1. Oktober geht der

Ringplanet um 23.14 Uhr unter, zum

Monatsende bereits um 20.22 Uhr

Winterzeit. In guten Teleskopen lässt

sich sein mit über 5100 Kilometern

Durchmesser größter Mond Titan erspähen.

Seine dichte Atmosphäreaus

Stickstoff enthält Kohlenwasserstoffe

und ermöglicht ein komplexes Wettergeschehen

aus Eis und Methanhydraten.

Weitab der Sonne sorgen

die Gezeitenkräfte des Saturn für

Wärme im Inneren seines Mondes

Enceladus, der als Eismond

große Fontänen von

flüssigem Wasser ins All

schießt. Hier gibt es somit

ausreichend

Wärme für einen großen

Ozean unter der

Oberfläche.

Etwa ab dem 20.

Oktober hat sich

die Venus langsam

aus den Fängen

der Sonne hervorgearbeitet

und O Aldebaran

kann im Sternbild

Waage gefunden

Stier

werden. Am 31.

Oktober dann geht

sie um 17.18 Uhr

Winterzeit unter.

Durch ihre dichten

Wolken wirdein Großteil

des ankommenden

Sonnenlichtes reflektiert.

Wolken, die auf der Oberfläche

der Venus für eine

Gluthölle mit Temperaturen

um 400 Grad Celsus sorgen –Tag

wie Nacht.

Am 27. Oktober endet die Sommerzeit

–hoffentlich bald zum letzten

Mal. An diesem frühen Sonntagmorgen

werden die Uhren umeine

Stunde zurückgestellt. Die eigentlich

mit guten Absichten eingeführte Zeitverschiebung,

um im Sommer die

längeren Sonnenstunden für Arbeit

und Leben zu nutzen, sorgt regelmäßig

für Unmut und unausgeschlafene

Gesichter im Büro. Der Nutzen der

Zeitumstellung ist bis heute umstritten

und nunmehr in europaweiter

Diskussion.

Himmelsanblick Berlin

Pollux

Zwillinge

Kastor

Plejaden

Die Raumstation

zieht ihre Bahn

Fuhrmann

Perseus

Kapella

Dreieck

TimFlorian Horn erklärt

das Firmament im Oktober

am 1. Oktober, 0 Uhr

Widder

Walfisch

Kassiopeia

Fische

Gr. Bärin

Polarstern

Andromeda

N

S

15. Oktober 23 Uhr, 31. Oktober 21Uhr

Gr. Wagen

Drache

Kl. Wagen/Kl. Bär

Kepheus

Deneb

Pegasus

Herbstviereck

Wassermann

Bärenhüter

Delphin

Steinbock

Wega

Schwan

Atair

BLZ /G AL A NTY; QUELLE: STIFTUNG

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel

jeweils etwas später in der

Nacht: Am 1. Oktober um 0Uhr, am

15. Oktober um 23 Uhr, am 31. Oktober

um 21 Uhr. Im Norden steht das

Sternbild des Großen Bären als immerwährenden

Wegweiser zum Polarstern,

der uns wiederum den Weg

gen Norden weist. Einen Teil des

Sternbildes der Großen Bärin kennen

wir gemeinhin als Großen Wagen.

Verlängern wir die gedachte Linie

über den Polarsternweiter,erreichen

wir das Himmel-W,das Sternbild Kassiopeia.

In dieser Konstellation eine

sitzende Königin zu erkennen, die

sich mit Spiegel in der Hand ihre

Haarekämmt, bleibt auch für das geübte

Auge gewagt.

Unser Blick geht weiter zur schönen

Andromeda, die das Königspaar

Kassiopeia und Kepheus opfern

mussten, um an der Macht ihres

Reiches bleiben zu können. Gut

nur,dassder Held Perseus der

bereits an Felsen angeketteten

jungen Dame zur Seite

Gemma

sprang und sie rettete,

Nördliche Krone spätere Heirat, Mitgift

und Thronfolge inklusive.

Das geflügelte

Herkules

Pferd Pegasus, ein

Kollateralschaden

eines anderen

Abenteuers Perseus,

ist Leier

inzweiter

Sommerdreieck

Adler

P L AN ET ARIUM BERLIN

W

Funktion als

Herbstviereck am

Himmel vertreten.

Mit Hilfe der

Kassiopeia finden

wir den Andromedanebel.

Nutzt man

die rechte Seite des

Himmels-W als Pfeil

und folgt derRichtung

gen Horizont, trifft man

genau auf unsere Nachbargalaxie,

die in unvorstellbaren

2,5 Millionen

Lichtjahren Entfernung steht.

Am Himmel lässt sich diese eigenständige

Milchstraße als kleine,

leuchtende Zigarreausmachen. Auch

hier ist die Beobachtung unter einem

dunklen Himmel außerhalb der

Städte angeraten.

Unweit, im SternbildWidder,zieht

ein weiterer Planet seine Kreise. Der

Uranus erreicht am 28. Oktober die

Opposition. An diesem Tagbefindet

sich Uranus der Sonne am Himmel

genau gegenüber und kann die ganze

Nacht beobachtet werden. Trotz der

Entfernung von fast drei Milliarden

Kilometern–selbst das Licht benötigt

vondiesem Planeten über zwei Stunden

und 37 Minuten zur Erde –kann

man Uranus unter sehr guten, dunklen

Beobachtungsbedingungen am

Himmel finden. Der Blick durch ein

Teleskop,vielleicht an einer der Berliner

Volkssternwarten, lohnt sich. Waren

es doch die Bahnfehler, Ungenauigkeiten

der Position des Uranus,

die zur Entdeckung des Planeten

Neptun in Berlin führten –erstmals in

der Astronomie durch mathematische

Berechnung.

Einen von irdischen Lichtern ungetrübten

Anblick des Sternenhimmels

erleben die Kosmonauten wie

Astronauten an Bord der Internationalen

Raumstation ISS. 400 Kilometer

über der Erde vermag auch die

Erdatmosphäreden Blick in den Kosmos

nicht mehr zu trüben. Vom1.bis

9. Oktober zieht die Raumstation am

Abend, ab dem 24. Oktober inden

frühen Morgenstunden als heller

Lichtpunkt über das Firmament.

Wenn es auf der Erde dunkel ist, die

Raumstation aber über uns von der

Sonne beleuchtet wird, reflektiertdie

Raumstation das Sonnenlicht, so

dass sie deutlich zu sehen ist.

Sigmund JähnsVermächtnis

Es sind gerade die farbenprächtigen

Ding, die uns in ihren Bann ziehen,

wenn wir den Sternenhimmel mit all

seinen Wundern betrachten können.

In unendlichen Facetten offenbart

das Universum eine große Geschichte.

Sind doch alle schweren

Elemente desKosmos, ausdenen wir

bestehen, wie Kohlenstoff oder Sauerstoff

erst über Jahrmilliardeninden

Sternen zusammengebacken und

wiederverwendet worden. Als Sternenstaub

sind wir im wahrsten Sinne

desWortes Teil des Universums.

Einen solchen unermesslichen

Eindruck der Schönheit des Kosmos

konnte auch der kürzlich verstorbene

erste deutsche Kosmonaut Sigmund

Jähn auf seiner Mission anBord der

RaumstationSaljut 6genießen. In seinen

sieben Tagen, 20 Stunden, 49 Minuten

und vier Sekunden im All

führte er nicht nur zahlreiche wissenschaftliche

Experimente zur Beobachtung

unseres Planeten durch,

sondernbrachte vielleicht auch einen

neuen Blick auf die Erde mit zurück.

Es ist sein Vermächtnis,unsereZugehörigkeit

zum Kosmos verstanden zu

haben, und so wurde er zu Lebzeiten

nicht müde in Hunderten Vorträgen,

Gesprächen und Interviews deutlich

zu machen, dass wir unabhängig von

Ländern, Systemen und Konfessionen

alle Bürger eines einzigen Planeten

sind, unserer Erde.

Wichtige Information für unsere Anzeigenkunden:

Vorgezogener

Anzeigenschluss

3. Oktober 2019

Erscheinungstag Anzeigenschluss Rubrik

Mittwoch, 02.10.2019 Montag, 30.09., 16 Uhr Veranstaltungen,Kulturkalender

Freitag, 04.10.2019 Mittwoch, 02.10., 10 Uhr alle Rubriken

Sonnabend, 05.10.2019 Mittwoch, 02.10., 10 Uhr Automarkt &Boote

Mittwoch, 02.10., 12 Uhr

Mittwoch, 02.10., 15 Uhr

Stellenmarkt

Reisemarkt

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Am 03. Oktober 2019

erscheint die

Berliner Zeitung nicht

Freitag, 04.10., 10 Uhr Bauen, Dienstleistungen u. a.

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14 Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Berlin

Für viele Menschen in den neuen

Ländern war der verstorbene Sigmund

Jähn ein Held ihrer Kindheit.

Für Sieauch?

Sein Weltraumflug als erster

Deutscher war 1978, da war meine

Kindheit doch schon ein bisschen

vorbei. Aber sein Flug war auch für

mich als damals 30-Jährigen etwas

sehr Beeindruckendes. Inzwischen

hat man sich daran gewöhnt, dass

immer einige Menschen hoch über

uns die Erde umkreisen –ich finde

nach wie vor die Möglichkeit, die

Erde als Planeten sehen zu können,

jede Stunde einen Sonnenauf- und

-untergang zu sehen, zutiefst beeindruckend.

Hatten Sie überhaupt einen Kindheitshelden?

Ich hatte als Kind nicht die eine

Heldin oder den einen Helden, die für

mich völlig ohne Fehl und Tadel waren.

Vielleicht hängt das mit dem Leben

meiner Eltern zusammen, die in

Nazi-Deutschland gegen die Nazis arbeiteten.

Natürlich gab es Heldengeschichten,

zum Beispiel von Überlebenden

aus den KZs, aber für mich

nicht eine bestimmte einzelne Person.

Sigmund Jähn wollte gar nicht als

Held gesehen werden. Können Siedas

verstehen?

Sigmund Jähn war der politische

Rummel, der um seinen Flug gemacht

wurde, immer eher suspekt.

Ichwerde nie vergessen, wie er nach

der, wie wir heute wissen, ziemlich

harten Landung dem Fernsehreporter

antwortete, der ihn nach seinem

Mut bei der unvergleichlichen Heldentat

zum Ruhme der DDR fragte.

Sigmund Jähn antwortete, dass,

wenn man in der Rakete säße, diese

Die Interview-Kolumne

Eine Curry mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt bewegt. Kurz und klar,ein paar Minuten nur,

einen mitnähme, unabhängig davon,

ob man nun besonders mutig

sei oder nicht. Eine bescheidene

Top-Antwort.

Braucht eine Gesellschaft Helden

oder kann das weg?

solange man eben zusammensteht für eine Curry am Mittag in Berlin.

Unser Thema in dieser Woche: Brauchen wir noch Helden?

Ohne Menschen, die über die

gegebenen Zustände hinaus denken

und handeln, kommt eine Gesellschaft

ebenso wenig voran, wie

sie auf Menschen verzichten kann,

die selbstlos in der größten Not für

andere da sind. Was sicher weg

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

kann, ist die Überhöhung eines

heldenhaften Verhaltens in Richtung

der Unfehlbarkeit. Auch Heldinnen

und Helden dürfen Fehler

machen und haben und sollten

dennoch für ihr Tungepriesen werden

können.

Sind die Menschen, die im Herbst

1989 in der DDR auf die Straße gingen,

Helden?

Im eben beschriebenen Sinne

durchaus, vor allem am Anfang,

als noch nicht klar war, wohin sich

das Blatt wenden wird. Dazu gehörte

Mut. Die meisten wollten ihr

Land besser, demokratischer,

freier, offener machen. Dieser urdemokratische

Impuls täte uns

auch heute gut gegen die Versuchungen

des nationalen Egoismus.

Besonders Männern scheint die

Sehnsucht innezuwohnen, ein Held

zu sein. Brauchen wir mehr Heldinnen?

Ich denke, die gibt es schon, die

Öffentlichkeit muss sie nur als

Heldinnen wahrnehmen wollen.

MitAminatou Haidar,Guo Jianmei

und Greta Thunberg werden in

diesem Jahr gleich drei Frauen mit

dem Alternativen Nobelpreis geehrt.

Ist Greta Thunberg eine Heldin für

Sie?

Sie wird das selbst gar nicht sein

wollen. Aber sie hat Millionen nicht

nur junger Menschen bewegt und

den Klimawandel in einem Maße in

den Fokus des Zeitgeistes gerückt,

dass nicht einmal Donald Trump

daran vorbeikam, ihr zuzuhören. Es

ist eine beachtliche Leistung, wie sie

uns Alte unter Druck setzt –als 16-

jährige. Wenn ich ihr Vater wäre,

würde ich sie jetzt versuchen, von

einem Monat Erholungsurlaub zu

überzeugen.

Welche Frauen und Männer fallen

Ihnen sonst noch ein?

Ich möchte vor allem einen nennen:

Nelson Mandela. Nach so langer

unschuldiger, politischer Haft

seinem Land einen Wegjenseits von

Rache und Hass weisen zu können,

ist eine wahrhaft historische Leistung.

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Skeptiker hielten es kaum für

möglich: Ein Jahr nach dem

Start des Projekts „Housing First“

(zu Deutsch etwa: Zuerst ein Zuhause)

in Berlin haben 35 obdachlose

Frauen und Männer trotz des

angespannten Wohnungsmarkts

eigene vier Wände gefunden.

Frage muss diskutiert werden

Sozialsenatorin Elke Breitenbach

(Linke) sprach an diesem Montag

bei einer Bilanzpressekonferenz in

Berlin von einem großen Erfolg,

der anfänglich kritische Stimmen

widerlege.

Das imOktober 2018 gestartete

Modellprojekt strebt demnach an,

innerhalb vondreiJahren bis zu 80

Wohnungen für Obdachlose zu

finden. DieSenatorin kündigte zudem

an, zu diskutieren, ob der

Umfang innerhalb der Projektzeit

noch ausgeweitet und wie das

Konzept etabliert werden kann.

„Der spannende Punkt ist: Wenn

es so erfolgreich ist, können wir

Housing First nach drei Jahren als

ganz normale Maßnahme der

Wohnungslosenhilfe implementieren

und Maßnahmen, die nicht

so gut laufen, ablösen?“, so Breitenbach.

Diese Frage müsse in aller

Ruhe diskutiert werden.

Die ehemals obdachlose Maria

Schneider sprach sich dafür aus:

„Housing First ist die Rettung. Das

muss erhalten und weiter ausgebaut

werden“, so die Betroffene,

die erst in der vergangenen Woche

einen Mietvertrag unterschrieben

hat. Zuvorhabe sie lange in Wohnheimen

und Notunterkünften gelebt

und dort Probleme mit anderen,

zum Teil psychisch kranken

Bewohnern gehabt.

Jetzt habe sie weiter zu kämpfen,

und zwar mit der Bürokratie

beim Jobcenter, das die Kosten für

die Wohnung übernimmt.

Sucht in den Griff bekommen

Bei „Housing First“ bekommen

Menschen ohne Vorbedingungen

einen unbefristeten Mietvertrag

und sozialpädagogische Unterstützung.

Allerdings müssen sie

die Wohnung selbst finanzieren

können, etwa mithilfe des Jobcenters,

durch eine Rente oder auch

durch Arbeit. Sie sollen erst zur

Ruhe kommen und dann ihr Leben

organisieren können. Zuvor

mussten sie viele Voraussetzungen

erfüllen, um eine Wohnung zu erhalten,

etwa mögliche Schulden

oder eine vorhandene Sucht in

den Griff bekommen. Daranscheiterten

aber viele.

Beteiligt an dem Projekt sind

der Sozialdienst katholischer

Frauen (SkF) und der Verein Neue

Chance in Kooperation mit der

Stadtmission. Die Sozialverwaltung

stellte dafür laut Sozialsenatorin

Elke Breitenbach 2018 und

2019 insgesamt rund 723 000 Euro

zur Verfügung.

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Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 15

· ·

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Berlin/Brandenburg

Blitzer werden

nun doch nicht

abgeschaltet

Innenministerium

zieht Erlass zurück

VonPeter Neumann, Potsdam

ImLand Brandenburg bleiben alle

Blitzer in Betrieb. Zuder Abschaltung,

die vonVerkehrssicherheitsexperten

befürchtet worden war, wird

es nun doch nicht kommen. Das

teilte das Innenministerium auf Anfrage

der Berliner Zeitung hin mit.

Wie berichtet hatte es Landkreise

und Kommunen im August aufgefordert,

die an den Straßen aufgestellten

Tempomessgeräte zu überprüfen.Wenn

die Blitzer keine Rohmessdaten

speichern, die das Messergebnis

nachvollziehbar machen, sollten

sie abgeschaltet werden, hieß es.

DasMinisterium reagierte auf eine

umstrittene Entscheidung aus dem

Saarland. Der dortige Verfassungsgerichtshofs

hatte Urteile gegen einen

Fahrer aufgehoben, der in einer Ortschaft

mit Tempo 77 geblitzt worden

war. Das Recht auf ein faires rechtsstaatliches

Verfahren werde verletzt,

wenn wie im Fall des Jenoptik Traffistar

S350 keine Rohmessdaten dokumentiertwerden,

so die Richter.

Daraufhin nahm das Saarland

alle stationären Blitzer außer Betrieb,

die Berliner Polizei schaltete

die Jenoptik-Geräte an der Frankfurter

Allee und der Seestraße ab.Essah

so aus, als Brandenburg ebenfalls

Geräte stilllegen würde. Doch mittlerweile

wurde der Erlass vom

22. August durch einen weiteren Erlass

aufgehoben, teilte das Innenministerium

mit. „Die Anordnung, die

betroffenen Geschwindigkeitsmessgeräte

aus dem Verkehr zu ziehen, ist

damit hinfällig“, sagte ein Sprecher.

Die Bitte an die Landkreise und

kreisfreien Städte, die Zahl der betroffenen

Geräte zu melden, bestünde

weiterhin. Doch vorweiteren

Schritten solle zunächst die künftige

Rechtsprechung abgewartet werden.

Bleibt blitzbereit: ein Tempomessgerät in

Großziethen.

DPA/BERND SETTNIK

Der Schriftsteller und die Möbelmacherin: der Schriftsteller Peter Prange mit seiner Tochter Coco.

PETER PRANGE

bittet zum Interview in das Büroseiner

Tochter Coco in der Mulackstraße

in Mitte. Sie verkauft Möbel

aus recyceltem Holz. Wenn der Vater

für einige Stunden aus seiner Heimatstadt

Tübingen nach Berlin

kommt, sehen sich die beiden meist

nur für zwei Stunden beim Essen. Ob

er Möbel von ihr zu Hause hat? Der

Bestsellerautor macht einen derben

Scherz, der eine zarter besaitete

Tochter verletzen könnte, bei den

Pranges scheint es aber deftiger zuzugehen:

„Nein, so weit geht die

Liebe nicht!“ Er mildert seine Aussage

in ein „noch nicht“ ab: „Ich

träume von einem richtig großen

Esstisch.“ Er gibt zu, dass ihn die

Richtung, in die seine Tochter beruflich

geht, überraschte.„Wenn ich in

Tübingen gefragt werde, was meine

Tochter beruflich macht, dann antworte

ich: Etwas, was typisch Berlin

ist. Minimalistische Möbel aus altem

Holz. Modernund ökologisch.“

Diese Woche erscheint der zweite

und letzte Teil von Pranges Roman

„Eine Familie in Deutschland“ mit

dem Titel „Am Ende die Hoffnung“,

in dem es um das Thema politische

Verführbarkeit geht: „Ich bin Jahrgang

55. Da war der Krieg in seinen

Auswirkungen durch Witwen und

Kriegsversehrte noch immer präsent.“

Als Kind habe er sich im Lexikon

die Bilder vonHitler angeschaut

und die Texte über ihn gelesen. Und

Fragen gestellt: „Wie war es möglich,

dass eine Gesellschaft, die sich als

Kulturnation verstand, für zwölf

Jahre insoeine Barbarei abgleiten

konnte? Das ist ein Lebensthema

von mir. Schon seit ‚Das Bernstein-

Das Thema seines Lebens

In Peter Pranges neuem Roman

„Eine Familie in Deutschland –

Am Ende die Hoffnung“ geht es

erneut um Verführbarkeit

Poduzentin Regina Ziegler brachte die

Verfilmung von Pranges Roman „Das

Bernstein-Amulett“ ins Fernsehen. IMAGO (2)

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Nico Hofmann macht aus Pranges Buch

„Unsere wunderbaren Jahre“ einen Dreiteiler,den

die ARD 2020 zeigen wird.

CHRISTIAN SCHULZ

Amulett‘, meinem ersten Roman.“

Auch wenn es zunächst wie ein Widerspruch

klingt: „Mich haben

schon immer die großen Geschichten

an der Geschichte interessiert,

die Geschichte in der Schule allerdings

nicht besonders. Das war mir

viel zu abstrakt.“

Prange ist sich bewusst, dass er

auf gefährlichem Terrain unterwegs

ist, denn Ungenauigkeiten darf er

sich nicht erlauben. Sein Lebensumfeld

erinnert ihn daran: „Ich lebe in

Tübingen, der Stadt mit der größten

Klugscheißerdichte. Die hat nicht

nur eine Universität, die ist eine.“

REGINA ZIEGLER

wirdPrange immer dankbar sein. Die

Berliner Filmproduzentin stieß in einer

Bahnhofsbuchhandlung auf seinen

ersten Roman. Einfür den Autor

entscheidender Zufall: „Sie hat ‚Das

Bernstein-Amulett‘ verfilmt. Unsverbindet

seitdem eine große Sympathie.

Ihr werde ich immer dankbar

sein für meine heutige Existenz.“

Denn bevor Prange den großen

Erfolg hatte,bekam er zwei seltsame

Angebote: Ein Verleger machte ihm

mal den erstaunlicherweise ernst gemeinten

Vorschlag, ein weibliches

Pseudonym anzunehmen. Er sagte:

„Sie schreiben so schöne Frauenfiguren.

Das wirkt doch viel überzeugender,

wenn das eine Frau macht.“

Prange wundert sich darüber noch

immer:„Diesen Verleger hielt ich bis

dahin für seriös…“ Ein Anderer dozierte,

dass sich Bücher von amerikanischen

Autoren besser verkaufen

würden. Ob er was dagegen hätte,

wenn der Verlag behauptet er sei ein

Ami? Prange hatte.

Verdächtiger

kommt in die

Psychiatrie

Mann attackierte Bruder und

Schwägerin mit einer Axt

Nach einer Axt-Attacke auf seine

Familie hat ein Richter den

mutmaßlichernTäter in die Psychiatrie

eingewiesen. Der 52-jährige Michael

S. soll in der Nacht zu Sonntag

in Biesdorfmit einer Axt seinen Bruder

und seine Schwägerin attackiert

und lebensgefährlich verletzt haben.

Den Ermittlungen der Polizei zufolge

war er mitten in der Nacht –gegen

3.30 Uhr–auf seinen 48 Jahrealten

Bruder und seine gleichaltrige

Schwägerin losgegangen. Sie überlebten

nur knapp.Nach Auskunft der

Ärzte schweben die beiden am Montag

nicht mehr in Lebensgefahr. Sie

wurden kurz nach der TatimKrankenhaus

notoperiert. Beide Opfer

sollen zahlreiche Schnittwunden erlitten

haben.

Polizisten nahmen S. kurz nach

der Tatals dringend Tatverdächtigen

fest. Am Montag ließ die Staatsanwaltschaft

den Mann einem Ermittlungsrichter

vorführen. Der Richter

erließ einen Unterbringungsbeschluss

in einem psychiatrischen

Krankenhaus. Nach Angaben der

Staatsanwaltschaft leidet Michael S.

an einer psychischen Erkrankung.

Warumeszudem blutigen Familiendrama

in dem gepflegten Einfamilienhaus

am Hafersteig kam, ist

der Polizei bislang ein Rätsel. Die

5. Mordkommission des Landeskriminalamtes

hat die derzeit noch andauernden

Ermittlungen zu dem

Fall übernommen. Auch ein Sprecher

der Staatsanwaltschaft konnte

am Montag nichts zum Tathergang

sagen. (kob., kop.)

LOTTO-QUOTEN

Gewinnzahlen vom Sonnabend:

13 -24-27- 30- 43- 44, Sz. 7

QUOTEN

Klasse 1: unbesetzt

Klasse 2: 2x771 344,90 Euro

Klasse 3: 62 x12441,00 Euro

Klasse 4: 431 x5368,90 Euro

Klasse 5: 3.841 x200,80 Euro

Klasse 6: 29 305 x52,60 Euro

Klasse 7: 81 644 x18,80 Euro

Klasse 8: 594 742 x11,60 Euro

Klasse 9: 653 068 x5,00Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

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50x2 Freikarten für „Late Night“ mit Musikern der Berliner Philharmoniker

Diemeisten Werkevon EdgardVarèsepräsentieren sich alsgeistreicheMiniaturen. Zur Zeitihrer Entstehung vorknapp hundertJahren

indessen verkörperten sie eine handfeste Revolution –mit neuen Kompositionsformen und einer bislang ungekannten Verschmelzung

von Geräusch und Musik. In diesem Late Night-Konzert stellen Mitglieder der Berliner Philharmoniker, François-Xavier Roth und Sarah

Aristidou originelle Werke des französischen Komponisten vor.

Samstag, 26.10.19 |Beginn: 22 Uhr

Philharmonie Berlin |Herbert-von-Karajan-Straße 1|10785 Berlin

Zu Gast:

Sarah Aristidou

als Sopran

©Heribert Schindler

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Das Angebot gilt nur für Abonnenten, die die Berliner Zeitung von

montags bis samstags beziehen.

Ihnensteht eingesetzliches Widerrufsrecht zu.AlleInformationen über dieses Recht und die

Widerrufsbelehrung finden Sie unter www.berliner-zeitung.de/widerruf

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Wissenschaft

Die Ampel für

Lebensmittel

kommt

Auskunft über Nährwerte

mit System Nutri-Score

VonFabian Boerger

In der Debatte um eine klarere

Kennzeichnung des Zucker-, Fettund

Salz-Anteils in vielen Lebensmitteln

hat Ernährungsministerin

Julia Klöckner (CDU) entschieden,

dass die Nährwerte von Lebensmitteln

im Supermarkt künftig mit dem

Nutri-Score-Modell gekennzeichnet

werden sollen. Es sei ein Meilenstein

in der Ernährungspolitik, sagte

Klöckner bei der Verkündung am

Montag in Berlin.

Vorausgegangen war eine Verbraucherumfrage

des Markt-und-

Meinungsforschungsinstituts Info im

Auftrag des Ministeriums. Klöckner

hatte es maßgeblich von dem Ergebnis

der Studie abhängig gemacht,

welches Modell zur freiwilligen Nutzung

auf Packungen empfohlen werden

soll. 57 Prozent der 1600 Befragten

sprachen sich nun für die fünfstufige

Farbskala Nutri-Scoreaus.Vor

allem Personen, die sich selten oder

gar nicht mit der Zusammensetzung

von Lebensmitteln beschäftigen,

fühlten sich von dem von französischen

Forschern entwickelten System

angesprochen. Insgesamt waren

vier Modelle untersucht worden.

Kennzeichnung ist freiwillig

Hinter dem Kennzeichnungssystem

steckt ein aufwendiger Algorithmus.

Er berücksichtigt zum Beispiel erwünschte

Nährwerte wie Ballaststoffe

und unerwünschte Nährwerte

wie gesättigte Fettsäuren. Die Lebensmittel

werden damit in fünf

farbcodierte Kategorien eingestuft –

vom dunkelgrünen Aals beste Stufe

bis zum roten Eals schlechteste.

Die Ministerin betonte, dass das

neue Label als eine Erweiterung zu

verstehen sei. Die europaweit schon

lange erforderliche Nährwerttabelle

und die Zutatenliste bleiben beide

bestehen. Lebensmittelhersteller

würden nicht verpflichtet, die neue

Kennzeichnung auf die Verpackung

zu drucken. Es handele es sich um

ein freiwilliges Modell.

In Deutschland liebäugeln bereits

einige Unternehmen mit der Ampel-

Kennzeichnung –etwa Danone, Bofrost

und Iglo. InFrankreich gibt es

Nutri-Scoreseit 2017, in Belgien und

Spanien seit 2018. Verbraucherorganisationen

hatten schon seit Jahren

eine Kennzeichnung gesunder Lebensmittel

gefordert. Laut Foodwatch

hatte sich die Lebensmittel-

Lobby jedoch bisher erfolgreich gegen

Farbsymbole gewehrt, die diese

Information auf den ersten Blick vermitteln.

Stattdessen habe sich die Industrie

mit freiwilligen Selbstverpflichtungen

um transparente gesetzliche

Regelungen zu drücken

versucht.

Wann die neue Kennzeichnung in

Deutschland eingeführt wird, ließ

die Ernährungsministerin offen. Zunächst

würden bekannte Schwachstellen

des Algorithmus, der die

Nährwertberechnung steuert, optimiert.

Klöckner kündigte an: „Für

den deutschen Marktwerde ich sehr

zeitnah die rechtliche Grundlage für

die Verwendung von Nutri-Score

schaffen und dem Kabinett zur Zustimmung

vorlegen.“

Ein hellgrünes Bauf dem Müsli: die zweitbeste

Kategorie.

DPA

Expedition am Bildschirm

Schimpansen gesucht: Im Forschungsprojekt Chimp &See werten Laien Filme von Fotofallen in Afrika aus

VonKerstin Viering

Äste, Blätter, Baumstämme

und ein paar Steine. Auf

den ersten Blick ist in der

Videosequenz nichts Besonderes

zu entdecken. Also nochmal

in Zeitlupe abspielen und genauer

hinschauen: Verbirgt sich da

ein Tier im Schatten? Sind die dunklen

Silhouetten in den Baumkronen

vielleicht doch Affen statt Äste? Nein.

Also ein Mausklick auf „hier ist

nichts“ und weiter zum nächsten

Film. Auch der gibt allerdings nicht

mehr her.Und der dritte auch nicht.

Im vierten Video ist endlich etwas

los: Zwei kleinere Paviane jagen sich

am Ufer eines Tümpels entlang, zwei

größere fischen mit den Händen

Fressbares aus dem Wasser,ein fünfter

eilt in scheinbar dringenden Geschäften

aus dem Bild. Und ein

Weibchen stillt sein Kind. Nun sind

etliche Mausklicks gefragt, um die

Sequenz einzuordnen: einer für die

Kategorie „Affe oder Halbaffe“, einer

für „mehr als fünf“ und einer für den

Aufenthaltsort: am Boden. Auch die

Verhaltensweisen lassen sich grob

einsortieren: „Fressen“, „Säugen“,

„soziale Interaktion“ und „Fortbewegung“.

Fertig, nächstes Video.

Wersich auf diese Weise durch die

Filme auf der Website des Bürgerforschungsprojekts

Chimp &See klickt,

kann mithelfen, die Geheimnisse von

Schimpansen, Pavianen und vielen

anderen afrikanischen Tieren zu lüften.

Solche Mitmachprojekte für

Laienforscher gibt es inzwischen für

verschiedenste Fachgebiete: Man

kann Schmetterlinge zählen, historische

Bögen mit gepressten Pflanzen

digitalisieren und im Sediment von

Seen und Flüssen nach Mikroplastik

fahnden. Oder eben eine Online-Expedition

in die afrikanische Tierwelt

unternehmen. „Bei Chimp &See suchen

wir Mitstreiter,die Clips vonFotofallen

in Afrika auswerten“, sagt

Hjalmar Kühl vomMax-Planck-Institut

für EvolutionäreAnthropologie in

Leipzig.

Material aus mehr als 50 Regionen

In der Fotofalle: eine Schimpansenmutter mit ihrem Kind auf dem Rücken. CHIMP &SEE (5)

Eine Westliche Grünmeerkatze. Diese Artist im westlichen Afrika heimisch.

Mitunter geraten Elefanten ins Sichtfeld der für Schimpansen gedachten Kameras.

Brooke-Ducker heißt diese kleine Antilopenart, die in tropischen Wäldernlebt.

Eine Zibetkatze auf Pirsch: die nachtaktive Schleichkatzenartkann gut klettern.

Der Anfang: In der ersten

Phase des Projekts Chimp &

See zwischen 2015 und

2018 haben mehr als

10 000 Bürgerforscher aus

aller Welt schon mehr als

140 000 Videos ausgewertet.

Allerdings war die Website

damals nur auf Englisch

verfügbar,sodass man nur

mit entsprechenden Sprachkenntnissen

teilnehmen

konnte.

BÜRGERFORSCHER WERDEN

DieneuePhase: Seitkurzem

gibt es eine neue Plattform,

auf der man auch Deutsch

und weitereSprachenfür die

Auswertung wählen kann.Auf

dieserSeite präsentieren die

Forscher 40 000 Videos von

zwei neuenForschungsstätten.

In Zukunft solldas Angebotauf

Hunderttausende weiterer

Clips von26weiteren

Filmschauplätzenerweitert

werden.

Mitmachen: Jeder Chimp-&-

See-Teilnehmer bekommt

eine zufälligeAuswahl der

Clips. Erfahrung im Klassifizieren

vonTierarten und Verhaltensweisen

wird nicht

erwartet, denn es gibt eine

Anleitung und ein Team von

Moderatoren, das Fragen

beantwortet. Weitere Infos:

https://www.zooniverse.org/projects/sassydumbledore/chimp-and-see

Das Team interessiert sich vor allem

dafür, wie sich die Verhaltensweisen

von Schimpansen in verschiedenen

Regionen des Kontinents unterscheiden

und woran das liegt. Warumnutzen

die Tiere in einigen Regionen

Werkzeuge, während sie in anderen

darauf verzichten? Warum leben in

manchen Gruppen deutlich mehr

Männchen als Weibchen, während es

in anderen genau umgekehrtist? Und

was gibt es in Schimpansen-Kreisen

sonst noch für kulturelle Unterschiede?

Wer solche Fragen beantworten

will, muss zahllose Beobachtungen

aus den diversen Regionen

zusammentragen und vergleichen.

„Es gibt dazu zwölf über Afrika

verteilte Forschungsstationen, in deren

Umgebung die Tiere an den

Menschen gewöhnt sind, sodass sie

sich gut beobachten lassen“, sagt

Hjalmar Kühl. Aber das reicht nicht.

Denn in Sachen Kultur sind Schimpansen

ausgesprochene Individualisten.

Wasineiner Region angesagt

ist, kann anderswo völlig unbekannt

sein. „Nur von den zwölf Stationen

auf das Verhalten aller Schimpansen

schließen zu wollen, muss daher

schiefgehen“, erklärt der Leipziger

Forscher.„Das wäre ungefähr so, als

würde man wenige Menschen aus

zwei, drei Ländern studieren und

daraus Rückschlüsse auf die gesamte

Menschheit ziehen.“

Andererseits kann man auch

nicht in jedem Schimpansengebiet

eine eigene Forschungsstation aufbauen,

das wäre viel zu aufwendig

und teuer. Also haben Hjalmar Kühl

und seine Kollegen im Jahr 2010 ein

Programm namens „Pan African

Programme: The Cultured Chimpanzee“

ins Leben gerufen, um mehr

Informationen zusammenzutragen.

In insgesamt 40 weiteren Regionen

haben sie dazu ein Jahr lang Kamerafallen

aufgestellt, genetische Proben

analysiert und untersucht, wie viele

Früchte und andere für Schimpansen

wichtige Ressourcen die einzelnen

Lebensräume bieten. Das Problem

ist nur, dass jemand all dieses

Material auch auswerten muss. Allein

die Wildtierkameras haben

600 000 Videos aufgezeichnet. Da

sind dieWissenschaftler froh über jeden

Freiwilligen, der bei Chimp &

Seemitmacht und die Filme sichtet.

Dabei muss sich jeder Schimpansen-Fahnder

durch eine Menge Clips

kämpfen, in denen weder ein Menschenaffe

noch sonst ein Tier zu sehen

ist.„Oft werden die Kameras einfach

durch einen vonWind oder Regen

bewegten Ast ausgelöst“, sagt

Hjalmar Kühl. Auch solche Aufnahmen

müssen natürlich erst einmal

angesehen werden, um sie dann

aussortieren zu können. Spannend

für die Wissenschaftler sind hingegen

alle Sequenzen, in denen Schimpansen

zu sehen sind. Doch auch die

mehr als hundertanderen gefilmten

Tierarten werden konsequent erfasst.

Schließlich können auch diese

Daten für die verschiedensten Forschungsfragen

interessant sein.

Allerdings sind nicht alle diese Arten

für Laien leicht zu identifizieren.

Bei Elefanten oder Löwen ist das

kein Problem. Doch selbst Fachleute

haben Schwierigkeiten, die kleinen,

rotbraunen Ducker-Antilopen, von

denen es mehrere Arten gibt, auseinanderzuhalten.

In einem ersten

Schritt geht es daher nur darum, die

leicht erkennbaren Arten zu bestimmen

und die übrigen in größere

Schubladen wie „Nagetiere“, „Huftiere“,

oder „Vögel“ einzuordnen.

Manche Bürgerforscher aber stürzen

sich mit so viel Enthusiasmus in die

Arbeit, dass sie mit der Zeit selbst zu

Experten werden. Die können dann

tiefer in die Materie eintauchen und

zum Beispiel die verschiedenen Huftiere

näher bestimmen –oder sogar

einzelne Schimpansen individuell

erkennen.

Bereits 20 000 Videos ausgewertet

Mit der bisherigen Resonanz ihres

Projektes sind Hjalmar Kühl und

seine Kollegen schon sehr zufrieden.

Allein rund 20 000 Schimpansen-Videos

sind bisher zusammengekommen.

Undein Teil dieser Daten ist sogar

schon in wissenschaftliche Veröffentlichungen

eingeflossen. So war

Nikki Tagg vomForschungs- und Naturschutzzentrum

des Antwerpener

Zoos aufgefallen, dass etliche Schimpansen

in den Filmen auch mitten in

der Nacht durchs Bild liefen –obwohl

sie laut Lehrbuch von sechs

Uhr abends bis sechs Uhr morgens

in ihren Schlafnesternruhen sollten.

Dieses rätselhafte Phänomen hat

die Forscherin zusammen mit etlichen

weiteren Kollegen analysiert.

Demnach lassen sich die Tiereweder

von der Helligkeit des Mondes noch

von Leoparden oder anderen Feinden

in ihren nächtlichen Umtrieben

beeinflussen. Sehr wohl aber spielen

die Tagestemperaturen und die Aktivitäten

ihrer menschlichen Nachbarneine

Rolle.Die Forscher vermuten,

dass die Tiere anheißen Tagen

lieber nachts unterwegs sind –vor allem

in Regionen, in denen sie nicht

so oft vonMenschen gestörtwerden.

Interessant war auch die Reaktion

verschiedener Menschenaffen auf

die Kameras selbst, die man in einigen

Filmen erkennen kann. Es zeigte

sich, dass Gorillas eher desinteressiert

auf solche fremden Objekte in

ihrem Lebensraum reagieren. Bonobos

dagegen sind sehr scheu und zurückhaltend,

während Schimpansen

sich oft als mutige Draufgänger präsentieren,

die diese Kästen gerne genauer

unter die Lupe nehmen. „Die

einzelnen Menschenaffenarten unterscheiden

sich also massiv in ihrer

Neugier“, folgertHjalmar Kühl.

Er und seine Kollegen haben noch

jede Menge weiterer Ideen, was man

mithilfe der Filme aus dem Busch alles

untersuchen könnte –kulturelle

Techniken etwas oder dieVerbreitung

von Hautkrankheiten. Um das alles

zu klären, hoffen sie auf weitere Mitstreiter,

die Lust haben, im Dienste

derWissenschaft Filme zu schauen.

Fleisch ist doch

nicht so

ungesund

Das ist das Resultat einer

neuen, großen Analyse

Der Verzehr von rotem Fleisch

und verarbeiteten Fleischprodukten

geht bei den meisten Menschen

anscheinend nicht mit großen

gesundheitlichen Risiken einher. Zu

diesem Ergebnis, das der gängigen

Einschätzung widerspricht, kommt

eine internationale Gruppe von Medizinern

nach der Prüfung etlicher

Studien zu dem Thema. Zwar hätten

die Untersuchungen einen geringen

Zusammenhang zwischen Fleischkonsum

und Krebs, Diabetes sowie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden,

schreibt das Team um Bradley

Johnston vonder Dalhousie University

in Halifax, Kanada, nach Analyse

der Datenlage im Fachjournal

Annals of Internal Medicine.

Die Internationale Agentur für

Krebsforschung (IACR) in Lyon hat

den Verzehr vonrotem Fleisch –also

etwa Rind, Schwein, Schaf und Ziege

– als „wahrscheinlich krebserregend“

eingestuft. Verarbeitetes

Fleisch gilt demnach sogar als

„krebserregend“. Viele Ernährungsrichtlinien

empfehlen daher einen

geringen Fleischverzehr. „Diese

Empfehlungen beruhen jedoch in

erster Linie auf Beobachtungsstudien“,

schreiben Johnston und Kollegen.

Daher seien Aussagen über

kausale Zusammenhänge schwierig.

DieGruppe sichtete in Datenbanken

alle medizinischen Studien zum

Thema, die bis Juli 2018 erschienen

waren. Dabei zeigte sich: Senkt man

seinen Fleischkonsum zum Beispiel

von sieben auf vier Portionen pro

Woche, reduziert sich das Erkrankungsrisiko

nur leicht. Von 1 000

Menschen, die sich daran halten,

würden binnen elf Jahren zwölf

Menschen von Diabetes verschont

bleiben und vier Menschen von einer

Herz-Kreislauf-Erkrankung. Mit

Blick auf Krebs wären es auf die Lebenszeit

berechnet acht Fälle weniger.

Das Team rät daher: Gesunde

Menschen könnten weiterhin so viel

Fleisch und Fleischprodukte essen,

wie sie es aktuell tun. (dpa/fwt)

Keine Häufung

von Fehlbildungen

festgestellt

Entwarnung in

Nordrhein-Westfalen

Bei Arm- und Handfehlbildungen

Neugeborener sieht das Gesundheitsministerium

Nordrhein-

Westfalens in den vergangenen Jahren

keine offensichtlichen Trends

und regionalen Häufungen. Die Behörde

hatte in allen Geburtskliniken

des Bundeslandes nach Fehlbildungen

in den Jahren 2017, 2018 und

2019 gefragt. Anlass war eine vorgut

zwei Wochen bekannt gewordene

Häufung von Hand-Fehlbildungen

bei Neugeborenen an einer Gelsenkirchener

Klinik. Im Sankt-Marien-

Hospital Buer waren zwischen Mitte

Juni und Anfang September drei Kinder

mit fehlgebildeten Händen geboren

worden. Zuvor hatte es dort

nach Angaben der Klinik jahrelang

keinen einzigen Fall gegeben.

Die Abfrage des Ministeriums ergab,dass

bei deutlich weniger als 0,1

Prozent aller Neugeborenen Fehlbildungen

der Hände festgestellt wurden.

„Für die Jahre 2017, 2018, 2019

wurden mit Stand vom 27. September

2019 insgesamt 72, 64 beziehungsweise

61 Fehlbildungen der

oberen Extremitäten in Nordrhein-

Westfalen gemeldet“, teilte das Ministerium

am Montag mit. DieRückmeldungen

der Krankenhäuser sollen

jetzt eingehend analysiert werden.

(dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 17 *

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Sport

Attacke

am

Wassergraben

Hindernisläuferin Krause

holt in Doha WM-Bronze

Gesa Felicitas Krause breitete im

Ziel voller Freude die Arme aus,

fiel der neuenWeltmeisterin Beatrice

Chepkoech aus Kenia noch kurz um

den Hals und legte sich dann völlig

erschöpft auf die Bahn. Mit einem

beeindruckenden Lauf ist die 27-

Jährige aus Trier mit deutschen Rekord

bei der Leichtathletik-WM in

Doha erneut zu Bronze gerannt.

Krause holte damit am vierten Wettkampftag

der Titelkämpfe die ersehnte

erste Medaille für das deutsche

Team in Katar.„Es war eine Willensleistung.

Ich kann es nicht in

Worte fassen. Ich habe davon geträumt,

ich wollte es unbedingt. Es

ist ein Traum in Erfüllung gegangen“,

sagte Krause im ZDF:„Ich habe

heute alles aus mir herausgeholt.“

Beim Triumph der Weltrekordlerin

Chepkoech (8:57,84 Minuten)

verbesserte Krause ihreeigene nationale

Bestmarke gleich um mehr als

vier Sekunden und konnte hinterher

ihr Glück kaum fassen. Immer wieder

schlug sie die Hände vors Gesicht

und ließ sich dann selig mit der

deutschen Fahne um den Schultern

feiern.

Die Nerven behalten

Die entscheidende Attacke auf dem

Weg zuihrem Coup gelang Krause

am letzten Wassergraben, neben

Chepkoech musste sie nur noch der

entthronten Titelverteidigerin

Emma Coburn aus den USA

(9:02,35) denVortritt lassen. Mitihrer

Zeit ist Krause jetzt die zweitbeste

Europäerin der Geschichte. Vor vier

Jahren in Peking hatte Krause ebenfalls

WM-Bronzegewonnen.

Chepkoech rannte nach dem

Startschuss sofort vorne weg und

hatte schnell über 30 Meter Vorsprung.

Krause musste dahinter

kämpfen, um den Anschluss an die

Übertrifft sich mal wieder selbst:

Gesa Krause.

DPA/WEIKEN

Verfolgergruppe zu halten. Doch sie

behielt die Nerven und konnte am

Ende im Gegensatz zu einigen Konkurrentinnen

noch zulegen.

Denn Krause hatte sich in den

vergangenen Monaten im Training

gequält wie noch nie,seit Ende Oktober

2018 gönnte sich die Studentin

der Wirtschaftspsychologie keinen

freien Tag. „Das ist für einen Außenstehenden

vermutlich wirklich unvorstellbar“,

hatte Krause,die für ihren

Traum von der Medaille in Höhentrainingslagern

in Kenia, den

USA, der Schweiz und unmittelbar

vor Doha noch in Südafrika schuftete,vor

der WM gesagt.

Alles für das ganz große Ziel: Ein

Coup wie vor vier Jahren sollte her,

als Krause in einem Bummelrennen

in Peking die Konkurrenz düpierte

und ebenfalls im Schlussspurt auf

Rang drei stürmte. Doch seitdem

hatte sich das Niveau in der Weltspitze

noch einmal verbessert. „Es

wird nicht einfach, aber dafür ist

man ja bei einer WM“, hatte Krause

nach ihrem Vorlauf geahnt, aber:

„Ich bin eine Wettkämpferin.“

Krause wirdsich nun für die lange

Saison, all die Schmerzen imTraining

und Bronze belohnen, der Urlaub

ist gebucht. „Mit meinem

Freund fliege ich nach Griechenland“,

hatte sie verraten. (sid)

Alles bis auf Zucker

So will Raphael Holzdeppe bei der WM von Doha in die Elite der Stabhochspringer zurückkehren

Vielleicht hat Renaud Lavillenie

geahnt, wie die

Leichtathletik-WM in

Doha verlaufen würde, die

Konkurrenz im Stabhochsprung. Jedenfalls

stellte er Mitte Juli die Prognose,

dass sich so ein packender

Wettbewerb wie bei der Europameisterschaft

2018 in Berlin nicht

wiederholen werde. Renaud Lavillenie

hat das dem deutschen Kollegen

Raphael Holzdeppe in Monaco mit

einem Grinsen gesagt – und recht

behalten. Der Franzose, vor einem

Jahr in Berlin Dritter,schied diesmal

in der Qualifikation aus. Der Kampf

um die WM-Medaillen wirdamheutigen

Dienstag ohne einen der Favoriten

stattfinden (19.05 MESZ).

Tja, die Favoriten.„Die Leistungsdichte“,

hat Holzdeppe im Interview

mit Sport 1gesagt, „hat extrem zugenommen,

wenn man sich die letzten

zehn Jahreanschaut.“ Früher,inden

Neunzigern, da hat er noch vor dem

Fernseher Stabhochsprung geschaut.

Damals waren Sergej Bubka

und gern auch mal deutsche Athleten

auf den vorderen Plätzen zu finden.

„Dass im Vorfeld einer Meisterschaft

drei Athleten aus drei verschiedenen

Nationen über sechs

Meter springen, habe ich persönlich

noch nicht gesehen“, so Holzdeppe.

Der30-Jährige selbst hat in dieser

Saison bereits 5,80 Meter überwunden.

In der Qualifikation von Doha

am Sonnabend lief es nicht ganz so

gut. Holzdeppe meisterte erst im

dritten und letzten Versuch die geforderten

5,75 Meter, nachdem er

schon 5,70 Meter im letzten Anlauf

gepackt hatte.„Ichhabe es nicht mit

Absicht so spannend gemacht, ich

hätte es gerne andersrum gehabt.

Das waren mehr Sprünge, als ich eigentlich

machen wollte“, sagte Holzdeppe:

„Die Hauptsache ist aber,

dass das Ende gut ist.“

DerKörper setzt die Grenzen

Dieses Motto war zuletzt bei großen

Meisterschaft nicht das Motto des

Raphael Holzdeppe gewesen. 2012

bei den Sommerspielen in London

gewann er olympisches Silber. 2013

wurde er bei den Titelkämpfen in

Moskau Weltmeister, und schon

glaubte die Fachwelt, einen künftigen

Olympiasieger vorsich zu sehen.

Der Eindruck verwässerte nicht, als

der gebürtige Kaiserslauterer zwei

Jahre später die WM in Peking als

Zweiter abschloss,hinter dem Kanadier

Shawnacy Barber, vor Renaud

Lavillenie und PawelWojciechowski

aus Polen. Doch es kam anders, am

Ende war nicht alles gut.

Denn der Körper hat Holzdeppe

oft Grenzen gesetzt. Im Februar 2016

Die Welt auf dem Kopf: Raphael Holzdeppen in der WM-Qualifikation.

Befürchten: Der Fußball-Weltverband (Fifa)

hat Befürchtungen zurückgewiesen, bei der

WM-Endrunde 2022 in Katar könnte es ähnliche

Probleme geben wie derzeit bei der

Leichtathletik-WM in Doha. Extreme Hitze,

leere Stadion und kaum Stimmung sorgen

bei der ersten Wüsten-WM der Leichtathleten

für harsche Kritik.

DIE FIFA WEHRT SICH

DPA/KAPPELER

Beruhigen: Mit Verweis auf die Klub-WM, die

in diesem Dezember mit Champions-League-

Sieger FC Liverpool zur gleichen Jahreszeit

wie die WM 2022 stattfindet, meinte die Fifa

am Montag: „Das Turnier bietet Teams und

Fans die Möglichkeit, den milden Winter in

Katar mit Durchschnittstemperaturen zwischen

15 und 24 Grad Celsius zu erleben.“

In aller Freundschaft

zog ersich bei den Deutschen Hallenmeisterschaften

in Leipzig eine

Verletzung am Sprunggelenk zu.

Ausgerechnet im Jahr der Sommerspiele

vonRio de Janeiro. Holzdeppe

bestritt erst im Juni wieder einen

Wettkampf. Nun bereiteten ihm die

Muskeln Probleme; er verpasste die

Europameisterschaft und überstand

schließlich bei Olympia die Qualifikation

nicht. Die nächste Saison begann

mit seinem ersten Sprung über

5,80 Meter nach seiner Fußverletzung

besser. Bei der WM in London

kam er ins Finale,riss dortjedoch die

Einstiegshöhe von 5,50 Meter dreimal

–Ende,Aus.

Verletzung aus dem Nichts

„Erst durch Rückschläge hat man die

Chance, mit noch größerer Motivation

wieder zurückzukommen“, hat

Holzdeppe einmal dem Internetportal

leichtathletik.de gesagt. Da war

im vergangenen Jahr der Fall. Es

habe ihm zu denken gegeben, dass

er in Topform gewesen sei und sich

wie aus dem Nichts verletzt habe,hat

er unlängst der Saarbrücker Zeitung

erzählt. Er hat die Ursache für sich

gefunden: die Ernährung. Er verwendete

seither nur noch Lebensmittel

ohne industriellen Zucker.

„Das war am Anfang schwer. Ich

musste erst mal im Supermarkt herausfinden,

was ich essen konnte.“

Einschränken muss er sich jedoch

nicht. „Ich habe schon vorher kaum

Süßigkeiten gegessen.“

Sein erstes Ziel hat er nun bei der

WM immerhin schon erreicht. „Für

mich ist die Hauptsache,dass ich zur

WM in Topform bin.“ Er will unter

die ersten fünf kommen, und wenn

ihm die Psyche keinen Streich spielt

und er 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit

erreiche,sei vielleicht sogar

eine Medaille drin.

Das ist bei der derzeitigen Leistungsdichte

allerdings schwer. „Von

der Form her ist das aber definitiv

möglich.“ Das Niveau schätzt der

deutsche Springer so hoch ein wie

vielleicht noch nie. Die drei, die bereits

in dieser Saison die sechs Meter

geknackt haben, sind Titelverteidiger

Sam Kendricks (USA/6,06), der

WM-Zweite Piotr Lisek (Polen/6,02)

und Europameister Armand Duplantis

(Schweden/6,00).

Lavillenie wird zuschauen. Er

hatte im Februar 2014 mit übersprungenen

6,16 mden Weltrekord

aufgestellt. Seither plagten auch ihn

immer wieder Verletzungen. Auch in

diesem Jahr. Spät erst konnte er ins

Training für die WM einsteigen. „Es

geht los!!!“, hatte er damals auf Instagram

geschrieben. Das war im Juni.

Jetzt ist es schon wieder vorbei. (cs.)

Erik Schmidt tritt im DHB-Pokal mit dem SC Magdeburg gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber,die Füchse Berlin, an

VonCarolin Paul

Einen etwas verwirrten Eindruck

machte Erik Schmidt schon, als er

vorgut einem Monat einen Abstecher

nach Berlin machte. Welche Hausnummer

war es noch mal? 39? 39A?

Man sah dem ehemaligen Fuchs die

Orientierungsprobleme an –und das,

obwohl Schmidt drei Jahre in der

Hauptstadt wohnhaft war. Verraten

hat ihn aber vorallem seine Kleidung.

Der Kreisläufer passierte die Straße

nämlich im Polo-Shirt seiner neuen

Mannschaft, dem SC Magdeburg.

Selbst wenn sich Schmidt nicht zu

den genauen Vorgängen äußern will,

die zu seinem Abschied von den

Füchsen führten, scheinen sich beide

Parteien letztlich nicht unbedingt im

Guten getrennt zu haben.

Ganz anders sieht es hingegen

mit den Gefühlen bezüglich der Elbestädter

aus. „Es ist super leicht,

sich hier zu integrieren beziehungsweise

integriert zuwerden. Jeder ist

sehr hilfsbereit und offenherzig. Da

gibt es keine Startschwierigkeiten“,

erzählt der 26-Jährige.

Ebenso kommen allerdings Gedanken

auf, dass eben dieses Miteinander

für den Kreisläufer in Berlin

nicht mehr gegeben war.

Wenngleich seine Freundin

in der Hauptstadt wohnt

und weiterhin enge Kontakte

zu den einstigen

Teamkameraden bestehen:

Schmidts Handball-Heimat

liegt mittlerweile eindeutig

in Sachsen-Anhalt.

Jetzt wieder an seine alte

Wirkungsstätte zurückzukehren,

ist für ihn gerade

deshalb eine „lukrativeAufgabe“. Die

Motivation, gegen seinen ehemaligen

Verein eine besonders gute Partie zu

spielen, ist zwangsläufig besonders

hoch, ganz davon abgesehen, dass es

sich um ein Derbyhandelt, indem es

um nichts weniger geht als das Weiterkommen

im DHB-Pokal.

„Das ist für jeden Magdeburger

Spieler und Fan etwas Besonderes“,

Erik Schmidt will

ins Final-Four.

äußert sich Schmidt zu dem Duell.

„Aber für mich ist das noch einmal

eine ganz spezielle und andere Situation.

Ichbin heiß auf das Spiel.“

Für Magdeburg wie auch Berlin

ist das Final-Four in Hamburg

gesetztes Ziel dieses

Wettkampfes.Beide haben

aber auch einen durch-

IMGAO IMAGES

wachsenen Saisonstart

hinter sich. Während Berlin

sich in Leipzig und gegen

Minden Fehltritte erlaubt

hat und nun nach

vier Siegen in Folge einen

Aufwind erlebt, erfährt

Magdeburg die umgekehrte

Entwicklung. Nach drei deutlichen

Siegen und einem Achtungserfolg

gegen den THW Kiel folgten

Niederlagen gegen Mannheim, Melsungen

und Wetzlar.

„Das haben wir uns sicher anders

vorgestellt. Wir versuchen momentan

allerdings, unseren Rhythmus

wiederzufinden und so bald wie

möglich wieder gute Ergebnisse ein-

zufahren. Am besten natürlich

schon gegen Berlin“, erklärt

Schmidt.

Ein Ergebnis, das die Füchse ihrerseits

selbstredend verhindern

wollen. Derzeit auf Platz zwei der Tabelle

emporgestiegen, ist der Verein

da angekommen, wo er auf Dauer

hin möchte: auf einem Champions

League-Platz. Mit dem Aufschwung

soll es nach Belieben der Berliner

gerne weitergehen. Welcher bessere

Schritt würde sich da anbieten, als

ein gewonnenes Pokal-Achtelfinale

gegen den „geliebten Feind“ aus

Magdeburg?

Wenn die beiden Mannschaften

an diesem Dienstag um 19 Uhrinder

Max-Schmeling-Halle aufeinandertreffen,

ist folglich nicht weniger zu

erwarten als ein leidenschaftlicher

Kampf. Dann wird Erik Schmidt

nicht im legeren Polo-Shirt auftreten,

sondern imTrikot der Magdeburger.

Dann werden die Freundschaften

beiseitegeschoben und es

geht allein um den Sieg.

NACHRICHTEN

Redlich strebt bei TeBe

keine Rückkehr an

FUSSBALL. Derehemalige Vorstandschef

Jens Redlich wirdbei der

Mitgliederversammlung vonTennis

Borussia keinen Versuch mehr unternehmen,

ins Amt zurückzukommen.

Daskündigte Redlich am Montag

an. Anfang dieser Woche hätten

die ehemaligen Vorstandsmitglieder

Redlich und Andreas Voigt auch formell

ihren Rücktritt erklärt, heißt es

in der Mitteilung. Am Dienstag treffen

sich die Mitglieder des Oberligisten.

Dabei soll ein neuer Aufsichtsrat

gewählt werden. DasAmtsgericht

Charlottenburghatte einen Antrag

vonRedlich auf Einstweilige Verfügung

zurückgewiesen. Damit wollte

der Betreiber einer Fitnessstudiokette

seinen Vorsitz zurückbekommen.

DieAufsichtsratsmitglieder

Franziska Hoffmann und Christian

Gaebler hatten zuvor eine Änderung

im Vereinsregister erwirkt und Günter

Brombosch als neuen Vorsitzenden

eintragen lassen.

Erzgebirge Aue trauert

um Fan

FUSSBALL. Zweitligist Erzgebirge

Auetrauertumeinen Fan, der am

Rande des Derbys am Sonntag gegen

Dynamo Dresden (4:1) ums Leben

gekommen ist. „Wir sind voller

Trauer und wünschen der Familie

Kraft“, teilte der Verein via Twitter

mit.Der Vorfall ereignete sich am

Ende des Spiels,als der 49 Jahrealte

Mann im Stadion zusammengebrochen

war und zunächst reanimiert

wurde.ImKrankenhaus verstarb der

Anhänger der Erzgebirgler.

ZAHLEN

Fußball

Champions League, 2. Spieltag

Gruppe A

Real Madrid -FCBrügge Di., 18.55

Galatasaray-Paris Saint-Germain Di., 21.00

Gruppe B

Roter SternBelgrad -Olymp. Piräus Di., 21.00

Tottenham Hotspur -BayernMünchen Di., 21.00

Gruppe C

Atalanta Bergamo -Schachtjor Donezk Di., 18.55

Manchester City -Dinamo Zagreb Di., 21.00

Gruppe D

LokomotiveMoskau -Atlético Madrid Di., 21.00

Juventus Turin -Bayer Leverkusen Di., 21.00

Gruppe E

KRC Genk -SSC Neapel Mi., 18.55

FC Liverpool -RBSalzburg Mi., 21.00

Gruppe F

Slavia Prag -Borussia Dortmund Mi., 18.55

FC Barcelona -Inter Mailand Mi., 21.00

Gruppe G

Zenit St. Petersburg -Benfica Lissabon Mi., 21.00

RB Leipzig -Olympique Lyon Mi., 21.00

Gruppe H

FC Valencia -Ajax Amsterdam Mi., 21.00

OSC Lille -FCChelsea Mi., 21.00

Leichtathletik

WM in Doha

Männer

5000 m: 1. Muktar Edris 12:58,85 Min.; 2. Selemon

Barega(beide Äthiopien) 12:59,70; 3. Mohammed

Ahmed (Kanada) 13:01,11; ... 24. Sam

Parsons (Frankfurt/M.) 13:38,53; 30. Richard

Ringer (Rehlingen-Siersburg) 13:49,20

Diskuswurf: 1. Daniel Stahl (Schweden) 67,59

m; 2. Fedrick Dacres (Jamaika) 66,94; 3. Lukas

Weißhaidinger (Österreich) 66,82; ... 8. Martin

Wierig (Magdeburg) 64,98; 14. Christoph Harting

(Berlin) 63,08 (Qualifikation); 16. David Wrobel

(Magdeburg) 62,34

400 mHürden: 1. Karsten Warholm (Norwegen)

47,42 Sek.; 2. Rai Benjamin (USA) 47,66; 3. Abderrahaman

Samba (Katar) 48,03; ... 21. Luke

Campbell (Frankfurt/M.) 50,00; 31. Constantin

Preis (Sindelfingen) 50,93 (Vorläufe)

Frauen

3000 mHindernis: 1. Beatrice Chepkoech (Kenia)

8:57,84 Min.; 2. Emma Coburn(USA)

9:02,35; 3. Gesa Felicitas Krause (Trier) 9:03,30

800 m: 1. Halimah Nakaayi (Uganda) 1:58,04

Min.; 2. Raevyn Rogers (USA) 1:58,18; 3. Ajee

Wilson (USA) 1:58,84; ... 17. Katharina Trost

(München) 2:01,77; 25. Christina Hering (München)

2:03,15 (Vorläufe)

Hochsprung: 1. Marija Lasizkene (Neutrales

Team) 2,04 m; 2. Jaroslawa Mahutschich

(Ukraine) 2,04; 3. Vashti Cunningham (USA)

2,00; ... 9. ImkeOnnen (Hannover) 1,89; 27.

Christina Honsel (Dortmund) 1,80 (Qualifikation)

100 m: 1. Shelly-Ann Fraser-Pryce (Jamaika)

10,71 Sek.; 2. Dina Asher-Smith (Großbritannien)

10,83; 3. Marie-Josee Ta Lou (Elfenbeinküste)

10,90 ... 18. Tatjana Pinto (Paderborn) 11,29;

20. Gina Lückenkemper (Berlin) 11,30


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 – S eite 18 *

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Sport

Geniales Trio (v.l.): Vedad Ibisevic, PerSkjelbred und Vladimir Darida

ANDREAS GORA

Oldies but Goldies

Herthas Altmeister Vladimir Darida, Per Skjelbred und Vedad Ibisevic feiern beim 4:0-Erfolg in Köln ihre erneute Auferstehung

VonPatrick Berger

Es rüttelte und krachte. In

luftigen Höhen wurde die

siegreiche Mannschaft von

Hertha BSC nach dem 4:0-

Erfolg beim 1. FC Köln so richtig

durchgeschüttelt. „Wir hatten echt

ganz schöne Turbulenzen da oben“,

sagte Ante Covic am Morgen nach

dem ersten Auswärtssieg der Saison

und atmete tief durch. DasSturmtief

„Mortimer“ hatte die Blau-Weißen

auf dem Rückflug von Köln-Bonn in

die Bundeshauptstadt in Griff. Nicht

so schön für Salomon Kalou, der bekanntlich

Flugangst hat. Gut (zumindest

in der Hinsicht) für Marvin

Plattenhardt, der sich über den Wolken

ebenfalls unwohl fühlt und der

wegen einer Blessur am Sprunggelenk

gar nicht erst mitgeflogen war.

„Mortimer“ fegt durch Deutschland.

Und ein gewisser „Vedator“

wütete am Sonntag über Köln-Müngersdorf.

Es war der Abend des 35

Jahrealten Routiniers,der 53 Sekunden

nach seiner Einwechslung für

Davie Selke traf (58.). Sein genialer

Laufweg in den Rücken der Abwehr

und der genaue Pass von Vladimir

Darida führten zum Premierentreffer

für den Oldie. „Ich wollte unbedingt

treffen, bin den richtigen Weg

gelaufen. Aber natürlich hatte ich

Glück, dass der Ball sofort zu mir

kam“, sagte der Bosnier bescheiden.

Nur vier Minuten später machte er

das 3:0 und schob sich in der ewigen

Bundesliga-Torschützenliste mit seinem

122. Treffer vor Miroslav Klose

und Lothar Matthäus auf Rang 29.

Covic lobte seinen Kapitän, der in

den jüngsten drei Spielen nicht zur

Startelf gehört hatte: „Es gibt zwei

Möglichkeiten: Entweder du bist beleidigt.

Oder du hast einen Kapitän,

der reinkommt und dir zeigt: So,jetzt

kriegst du zwei schlaflose Nächte

von mir, damit du weißt, wie es am

Freitag weitergeht.“ Ibisevic hat mit

seinem Doppelpack die Chancen gesteigert,

im Heimspiel gegen Fortuna

Düsseldorf (20.30 Uhr) anstelle des

glücklosen Selke von Beginn an auflaufen

zu dürfen.

Neben Ibisevic glänzten zwei weitereRoutiniers:

Darida und PerSkjelbred.

Während Letztgenannter, 32

Jahre alt, im Mittelfeld als „echter

Balleroberer“ (Covic) auftrat und

seine Kollegen dadurch stets in gefährliche

Umschaltmomente

brachte, überzeugte Erstgenannter

als Dauerläufer und Vorbreiter –und

zwar auf ungewohnter Position. Covic

ließ Darida gegen Köln als hängende

Spitzeran. Eintaktischer Kniff

mit Erfolg. Covics Begründung: „Wir

brauchten jemanden, der die langen

Wege geht und den ersten Pass vorne

unterbindet.“ Darida zu seiner Rolle:

„Ich sollte als Zehner einen Kölner

Innenverteidiger konsequent anlaufen

und somit ihr Aufbauspiel stören

–das hat gut geklappt.“ Gemeint ist

Sebastiaan Bornauw. Der 20 Jahre

„Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du bist

beleidigt. Oder du hast einen Kapitän, der

reinkommt und dir zeigen will: So,jetzt kriegst

du zwei schlaflose Nächte von mir.“

Ante Covic über den Ehrgeiz von Vedad Ibisevic

alte Belgier wirkte auch dank des bissigen

Darida heillos überfordert.

„Wir haben immer wieder Lücken

gefunden und den Ball erobert“,

sagte Darida, der kurz vor der Pause

auch noch die berechtigte Rote Karte

von Jorge Meré „rausholte“. „Ich

wurde am Schienbein getroffen und

hatte das Gefühl, dass der Platzverweis

berechtigt war. Gegen zehn

Mann haben wir es dann gut gemacht.“

In Köln zählte Darida zu den Besten.

DerBlick auf die Statistik beeindruckt:

Mit 12,98 Kilometern rannte

der 29-Jährige die zweitmeisten am

ganzen sechsten Spieltag. Nur Bayern-Profi

Joshua Kimmich (13,41)

lief noch mehr. 36Sprints und 100

intensive Läufe, gemeint sind Tempoläufe

zwischen 21 und 24 km/h,

waren mit Abstand Top-Werte im

Spiel. Dazu brachte Darida 40 von44

Pässen an den Mann und bereitete

das 1:0 vonJavairoDilrosun (23.) vor.

Covic glücklich: „Vladi zeigt Tagfür

Tag, dass er am Wochenende auf die

Weide muss. Er ist sich nicht zu

schade, lange Wege zu gehen und

opfertsich fürs Team.“

Die Oldies feiern bei Hertha ihre

x-te Auferstehungen. Ibisevic traf

erstmals seit dem 4. Mai (3:1 gegen

Stuttgart), Skjelbred saß in den ersten

drei Spielen nur auf der Bank,

und Darida kämpfte sich aus einem

Loch zurück. Die vergangene Saison

bezeichnet der tschechische Nationalspieler

gar als „die schwerste Zeit

meiner Karriere“. Er hoffe, soetwas

nie mehr erleben zu müssen. Von

Verletzungen geplagt (Knie, Sehne,

Oberschenkel) verpasste der frühere

Freiburger 16 Spiele.

Darida kämpfte sich über den

Sommer zurück, ließ den Urlaub

sausen und schuftete schon vor der

eigentlichen Vorbereitung in einem

Berliner Athletik-Zentrum, das mit

Hertha kooperiert, fürs Comeback.

Dasverlorene Selbstvertrauen holte

sich der gebürtige Pilsener in aufbauenden

Gesprächen mit Covic,

einer guten Vorbereitung und Einsätzen

bei der Nationalmannschaft

zurück. Einen zusätzlichen Motivationsschub

gab ihm auch die Geburtvon

Söhnchen Andreas im Juni.

Kürzlich sagte Darida gegenüber

der BZ: „Ich habe den großen

Traum, eines Tages mit ihm in die

Ostkurve zu gehen und einen Hertha-Sieg

zu feiern.“

Der Schattenmann

Drei Jahre nach dem Abschied kehrt Serge Gnabry gereift nach London zurück. Das Champions-League-Spiel der Bayern bei Tottenham ist für ihn eine wichtige Standortbestimmung

VonMaik Rosner,München

Natürlich geht es auch jetzt sehr

viel um Philippe Coutinho, gerade

jetzt sogar. Sein weiterer guter

Auftritt im Ligaspiel am Sonnabend

beim SC Paderborn mit einem Tor

und einer Vorlage leistete dazu einen

Beitrag, und als die Reisegruppe des

FC Bayern am Montag gen London

abhob, flogen auch jene Erwartungen

und Fragen mit, die den Brasilianer

seit seiner Ankunft in München

begleiten. Genau genommen sind

die Erwartungen und Fragen eng

miteinander verknüpft.

Als kreativer Kicker, der den Unterschied

in der Champions League

ausmachen könne,wirdder 27 Jahre

alte Leihspieler des FC Barcelona seit

seinem Wechsel zu den Bayern auch

intern stets gepriesen. Wenn es an

diesem Dienstag bei Tottenham Hotspur

zum zweiten Gruppenspiel

kommt, geht es zugleich um die

Frage,obCoutinho die Erwartungen

erfüllen kann. DerVergleich mit dem

Serge Gnabryschoss

das 1:0 beim 3:2

seiner Bayernin

Paderborn. IMAGO IMAGES

Finalisten der Vorsaison soll

aus Münchner Sicht einen ersten

positiven Hinweis liefern. „Das

wird sicherlich ein sehr anspruchsvolles

Spiel“, sagte Vorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge vor dem

„schweren Prüfstein“.

Dadurch, dass der Feinfuß Coutinho

so sehr im Mittelpunkt steht,

bewegen sich seine Offensivkollegen

–außer Stürmer RobertLewandowski

mit zehn Toreninsechs Ligaspielen –

etwas unter dem Radar. Das galt in

Paderborn besonders für Serge Gnabry,

24. Neben dem zentralen Mittelfeldspieler

Coutinho war der Flügelflitzer

dortder beste Akteur,doch gesprochen

wurde vor allem über den

Künstler Coutinho. Dass Gnabry

nicht sogar mit zwei Vorlagen und einem

Tornoch mehr hervorgestochen

war als ohnehin, lag an Lewandowskis

Schuss am leeren Torvorbei nach

Gnabrys Zuspiel. Nachdem Lewandowski

die Führung versäumt hatte,

holte Gnabry diese nach Coutinhos

anspruchsvollem Pass nach und servierte

dem Brasilianer später das 2:0.

Hinzu kamen noch drei Torchancen,

mit denen Gnabry allerdings ähnlich

verschwenderisch umging wie die

Kollegen.

Dennoch fügte sich sein Auftritt

samt gutem Zusammenspiel mit

Coutinho in den positiven Gesamteindruck,

den Gnabrynach seinem

Aufstieg zur

Stammkraft in

der Vorsaison

beim FC Bayern

durchaus

auch jetzt hinterlässt.

In fünf der

sechs Ligaspiele

stand er in der Startformation.

Und wenngleich er bisher

nur ein Torund zwei Vorlagen sowie

eine weitere imPokal beisteuernkonnte

und auch durchschnittliche

Leistungen einstreute, wirkt

Gnabry doch wie ein Gereifter vor

seiner ersten Rückkehr nach London,

drei Jahre nachdem er sich

dort von Tottenhams Nachbarn FC

Arsenal verabschiedet hatte. Unterfüttert

wird dieser Eindruck von

seinen Darbietungen in der Nationalmannschaft.

In der Nationalmannschaft gesetzt

Neun Tore und zwei Vorlagen hat

Gnabry inzehn Länderspielen angehäuft.

Zuletzt traf er gegen die Niederlande

und in Nordirland. „Serge Gnabryspielt

immer.Erist für den Gegner

schwer zu greifen“, hatte Joachim

Löw schon vorabfestgelegt und seine

Stammkraft ausführlich gelobt.

„Serge macht es wirklich klasse.Nicht

nur im Abschluss,sondernerist auch

ein wichtiger Zielspieler für uns geworden“,

sagte der Bundestrainer,„er

kann die Bälle in den Räumen vorder

gegnerischen Abwehr sehr gut behaupten.

Er kann sie weiterspielen,

geht wieder weiter und ist immer anspielbar.

Erkann auf mehreren Ebenen

spielen. Er spielt gut und schlau.“

Es war ein Ritterschlag für Gnabry,

der 2016 von Arsenal zu Werder

Bremen (11 Ligatore, 2Vorlagen) und

anschließend zur TSG Hoffenheim

(10/7) weiterzog, ehe er danach auch

beim FC Bayern (10/7) überzeugte.

Gnabry trat mit viel Anlauf aus

dem Schatten der langjährigen

Münchner Flügelartisten Arjen Robben

und Franck Ribéry. „Umzuspielen,

musste ich einen Schritt zurück

machen, und letztlich war es auch die

richtige Entscheidung“, sagte er nun

gegenüber der Daily Mail über seine

bisher „schwierigste Entscheidung“

der Karrierevor seinem Abschied von

Arsenal gen Bremen 2016. Jetzt kehrt

er zurück nach London, zwar im

Schatten von Coutinho, aber als gereifter

Profi. Undwie für den FC Bayernund

seinen neuen Taktgeber geht

es auch für Gnabry bei Tottenham

darum, die hohen Ansprüche zu untermauern.

„Unser Ziel ist es,esganz

nach oben zu schaffen, und wir haben

das Potenzial dazu“, findet Gnabry,

„gegen die Spurs werden wir sehen,

wie weit wir schon sind.“ In jener

Stadt, in der die Bayern 2013 letztmals

die Champions League gewannen.


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 – S eite 19 *

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Feuilleton

„Kulturrevolution“

im

Theaterdiscounter

Seite 21

„Ich habe Angst im Leben, aber nicht auf der Bühne.“

Der Schauspieler Fabian Hinrichs, der gerade mit dem halben Tanzensemble des Friedrichstadt-Palastes probt Seite 20

Straßenbilder

Absichtsvolle

Signale

Arno Widmann

denkt über Frauen in

Mexiko-Stadt nach.

Harry Graf Kessler (1868–1937)

schreibt am 22. November 1896

in sein mexikanisches Tagebuch:

„Heute Nachmittag beim Korso habe

ich mir die Frauen der Gesellschaft

angesehen. Der Typus ist nicht

hübsch, kleine Figur und kein Teint;

aber viel Schminke,die Kleider bunt,

und Hüte, die in Paris nur Kokotten

tragen. Man fühlt, dass hier die, die

etwas gelten wollen, aufzufallen suchen;

sie scheinen zu fürchten, dass

man sie übersehen könnte.“

Ich komme gerade von ein paar

Tagen Mexiko City zurück. Ich habe

keinen Korso gesehen und, soweit

ich weiß, auch keine Damen der Gesellschaft.

Aber sehr viel Schminke,

jede Menge bunter Kleider und einen

Enthusiasmus aufzufallen, wie

man ihn in Deutschland wohl nicht

einmal in den Clubs finden wird.

Es scheint kein Frauenideal zu geben.

Jede Reklamewand zeigt die

schlanken jungen Frauen, die wir

aus unserer Werbung kennen. Die

wirklichen Frauen aber scheinen

sich nicht darum zu kümmern. Auf

den Straßen sieht man dicke,dünne,

große, kleine. Keine von ihnen versteckt

sich in einem grauen Sack. Alle

zeigen ihrer Körper voller Stolz.

Frauen ohne Taille tragen engste

Kleidung. Die scheint jede einzelne

Speckfalte zu streicheln. Bäuche

werden betont; kleine, dicke Frauen

balancieren auf Stöckelschuhen

über das nach einem tropischen

Platzregen glitschige Pflaster.

Doch, doch: Ich sah auch Joggerinnen

und alles,was es bei uns gibt.

Aber daneben blüht eine Schönheit,

birst eine Erotik, die wir aus den Straßen

verdrängt und ins Internet abgeschoben

haben. Es geht um erschreckend

zielgenau eingesetzte Signale:

Bauch, Busen und Po. Fast ohne Altersgrenze.

Mexiko ist eine multikulturelle

Gesellschaft. Dazu gehört auch,

dass die unterschiedlichsten Formen

von Schönheit, von sexueller

Anziehung ausgespielt werden.

Kessler hat das gut beobachtet, aber

zu schnell geurteilt.

Der kleine Prinz der Defa

Das Zeughauskino zeigt vom 1. Oktober an zehn Filme „Im Auftrag des Fernsehens der DDR“

VonTorsten Wahl

Welcher Politiker stellte

fest, das Publikum

habe sich vom Staatsfernsehen

entfremdet

und forderte,die TV-Sender müssten

ihreLangeweile überwinden? Würde

man die Frage in einer Quizshow

stellen, könnte man manchen in die

Irre führen. WaresBjörnHöcke? Tatsächlich

war es Erich Honecker, der

sich 1971 als frisch gewählter Erster

Sekretär der SED mit dem DDR-

Staatsfernsehen auseinandersetzte.

In jenen Jahren gab es im Osten

viel Neues: Unterhaltungssendungen

wie der „Kessel Buntes“ oder

„Außenseiter-Spitzenreiter“ wurden

etabliert, neben der belehrenden

Krimireihe„Der Staatsanwalt hat das

Wort“ startete der offenere „Polizeiruf

110“. Auch technisch gab es

Neues: Der spektakuläre Fernsehturm

mitten in Berlin strahlte schon

ab 1969 Fernsehen in Farbe und ein

zweites Adlershofer Programm aus –

der Start erfolgte zum 20. Republikgeburtstag

am 3. Oktober. Fünfzig

Jahrespäter stellt nun das Zeughauskino

zehn besondere Spielfilme „Im

Auftrag des Fernsehens der DDR“

vor – Kooperationspartner ist das

Deutsche Rundfunkarchiv.

Verworrene Rechtelage

DerAuftakt fällt aus der Reihe.Die Literaturadaption

von Saint-Exuperys

„Der kleine Prinz“ durch Konrad Wolf

sollte zwar 1969 das neue Farbfernsehen

eröffnen. Doch da der Sender die

Rechte aus Frankreich noch nicht bekommen

hatte,lief der Film erst 1972

und konnte wegen der verworrenen

Rechtelage auch später im Fernsehen

nicht gezeigt werden. Dabei gilt der

Film heute als Juwel, weil Konrad

Wolf, Präsident der Akademie der

Künste der DDR, stilistisch viel wagte

und die Parabel mit Christel Bodenstein,

EberhardEsche,Inge Keller und

Klaus Piontek starkbesetzt war.

„Der keine Prinz“ ist der einzige

Film der Reihe, der im Studio gedreht

wurde –alle anderen zeigen

DDR-Alltag. Aus heutiger Sicht fällt

auf, dass damals das Arbeitsleben in

den Betrieben als Schauplatz diente.

Im heutigen Fernsehen tauchen ja

neben den Hundertschaften von

Kommissaren, neben Dutzenden

Ärzten und Rechtsanwälten kaum

Szene aus Konrad Wolfs „Der kleine Prinz“ mit Christel BodensteinDEFA-STIFTUNG/RUDOLF MEISTER

andere Berufe auf. Dagegen arbeitet

der vonUlrich Thein gespielte „Tull“

in Lothar Bellags Film als Gießer in

einem Hüttenwerk; „Kippenberg“,

Titelheld in Christian Steinkes Verfilmung

vonDieter Nolls Buch, forscht

in einem Biologie-Institut.

Nun hatte sich das DDR-Fernsehen

schon in den 60er-Jahren intensiv

um das Arbeitsleben gekümmert–

doch wie hier mitunter Helden der

Arbeiterklasse ausgestellt wurden,

war selbst ganz oben als „langweilig“

empfunden worden. „Die Charaktere

werden widersprüchlicher, ambivalenter,

sind näher an den tatsächlichen

Erfahrungen der Arbeitswelt

und komplexer, insofern sie mehr

psychologische und zwischenmenschliche

Facetten besitzen“, betont

im Geleitwort Kurator Thomas

Beutelschmidt, der seit den 90er-Jahrendas

DDR-Fernsehen erforscht.

Noch auffälliger ist, welch starke

Rolle die Frauen in den Betrieben

spielten. Vera (Angelica Domröse)

kämpft in Horst E. Brandts Film „Eva

und Adam oder Drum Prüfe“ um ihre

Stellung in einem Druckmaschinenwerk

und will sich auch von ihrem

Mann, dem Betriebsdirektor (Horst

Drinda), nicht einschränken lassen.

Rita (Jutta Hoffmann), Titelfigur von

Egon Günthers Film, arbeitet am

Fließband und will sich weiterbilden.

Die Ingenieurin Nora (Swetlana

Schönfeld) will zwischen lauter

männlichen Geologen herausfinden,

warum eine Pumpe aneiner Bohrstelle

nicht funktioniert – hier verfilmte

Georg Schiemann eine Erzählung

vonErikNeutsch.Wie diese Heldinnen

sich behaupten, beruflich wie

privat, das dürfte gerade in den aktuellen

Geschlechterdebatten anregend

sein.

DerWind drehte sich

WeitereFilme der Reihe folgen einer

Aufforderung Honeckers, es dürfe

keine Tabus in der Kunst geben. So

handelt„Absage anViktoria“von Celino

Bleiweiß von einer Frau, die

Mann und Kind für eine Karriere im

Westen verlässt. Auch ein Beitrag der

Reihe „Der Staatsanwalt hat das

Wort“ widmete sich dem heiklen

Thema „Republikflucht“. Doch ausgestrahlt

werden konnteder 1980 gedrehte

Film „Risiko“ erst nach der

Wende –die ausgerufene Liberalisierung

war schon ab Mitte der 70er-

Jahreanihreengen Grenzengekommen.

Viele Regisseure und Schauspieler

hatten gegen die Ausbürgerung

Wolf Biermanns protestiert, ein

Teil war ausgereist. Auch im SED-

Führungszirkel drehte sich derWind:

Auf den 1978 verunglückten Werner

Lamberz, Vertreter einer offeneren

Medienpolitik, folgte der Apparatschik

Joachim Herrmann. Hans

Bentzien, couragierter Leiter der

Fernsehdramatik, der schon in den

60ern als Kulturminister für die

Filmkunst gestritten hatte, wurde

nach der Ausstrahlung von Frank

Beyers „Geschlossene Gesellschaft“

durch den linientreuen Erich Selbmann

ersetzt, bis dahin Chef der

„Aktuellen Kamera“. DasDDR-Fernsehen

wurde wieder langweiliger.

TorstenWahl

arbeitete 1990/91 im

Deutschen Fernsehfunk

Wechsel an der

Spitze des

Goethe-Instituts

Afrika-Spezialistin Carola

Lentz wird neue Präsidentin

Die Ethnologin Carola Lentz wird

neue Präsidentin des Goethe-

Instituts.Sie wirdimNovember 2020

den bisherigen Leiter Klaus-Dieter

Lehmann ablösen, dessen Amtszeit

dann endet. Lentz sei am vergangenen

Freitag vomPräsidium des Instituts

in einer Sondersitzung gewählt

worden, teilte das Auswärtige Amt

am Montag mit

und betonte,

dass es sich bei

ihr um eine„ausgewiesene

Spezialistin

für

Afrika“ handle.

Lentz, 1954 in

Braunschweig

geboren, ist Professorin

für Ethnologie

an der

DPA

Die Ethnologin

Carola Lentz

Universität Mainz sowie Vizepräsidentin

der Berlin-Brandenburgischen

Akademie der Wissenschaften.

Sie habe zunächst in Südamerika

und seit Ende der 80er-Jahre regelmäßig

in Westafrika geforscht,

erklärte das Goethe-Institut. Zu ihren

Forschungsschwerpunkten gehören

Nationalismus,Kolonialismus

und Erinnerungspolitik, aber auch

die neuen Mittelklassen in Afrika.

Das Goethe-Institut wird durch

das Auswärtige Amt, die deutsche

Sprache fördern und die kulturelle

Zusammenarbeit im Ausland stärken.

Derzeit gibt es 157 Institutein98

Ländern. Im vergangenen Jahr besuchten

rund 244 000 Menschen die

Deutschkurse des Instituts imAusland.

Lentz wird die zweite Frau an

der Spitzeder Einrichtung sein. 2002

war die Juristin Jutta Limbach zur

Präsidentin gewählt worden, 2008

übernahm dann Lehmann. DerPhysiker

und Mathematiker war vorher

Präsident der Stiftung Preußischer

Kulturbesitz gewesen.

Lehmanns Amtszeit endet am 18.

November 2020, einen Tagspäter soll

seine Nachfolgerin übernehmen –

zunächst für vier Jahre, wie üblich.

„Dass eine renommierte Wissenschaftlerin

mit einem internationalen

Netzwerk künftig die Geschicke

lenken wird, begrüße ich sehr“, so

Lehmann. (dpa/BLZ)

UNTERM

Strich

Meine Tiere

Vomeigenen

Leben

VonHilal Sezgin

Diese Herbsttage sind mir die liebsten im

ganzen Jahr.Heute früh war es kalte fünf

Grad, doch sobald sich der Morgennebel gelichtet

hatte und die Sonne hinterm Wald

aufgestiegen war, wärmten sich Garten und

Wiesen. Das Licht ist golden, die Schatten

sind lang. Auf der Weide zupfen die Schafe

das letzte frische Grün, die Gänse haben die

Schnäbel zum Dösen unter die Flügel gesteckt.„Sie

leben meinen Traum“, schreiben

mir manche Leute, oder: „Später einmal

möchte ich einen Hof wie Sie haben!“ Einen

Lebenshof, auf dem Tiere ein möglichst

selbstbestimmtes Leben leben können,

ohne mutwillig vonihrer Familie getrennt zu

werden und ohne einen gewaltsamen Todim

Schlachthof zu erleiden.

Ob wohl diese anderen Menschen ahnen,

wie nahe Traum und Albtraum manchmal

beieinanderliegen? Wie oft nämlich auf einem

Lebenshof gekränkelt und auch gestorben

wird? Drei meiner alten Schafe haben

Liegewunden auf der Brust, als Verbände haben

wir ihnen waschbare Leibchen mit Kissen

genäht. Die 17Jahre alte Schafsoma Ernestine

leidet unter Arthrose und braucht

Schmerzspritzen, Kaninchen Bosse hat

chronischen Schnupfen; viermal im Jahr

kontrolliert ein Spezial-Tierarzt die Zähne

der Schafe; der kleine Kamerunbock Christopher

hat Grauen Star und Jamina Leukämie.

Im vergangenen Hitzesommer musste ich

HENDRIK JONAS

mittags zu einem kleinen Einsatz der Freiwilligen

Feuerwehr, allein vom Tragen der Einsatzkleidung

war ich schweißnass. Ich beschloss,zur

Belohnung ins Freibad zu gehen,

und tobte mich im Kühlen richtig aus.Als ich

abends um acht heimkam, dachte ich genüsslich:

„Jetzt noch Heu indie Raufen und

Wasser in die Tränken, dann ab aufs Sofa.“

Bloß dass Tristan auffällig herumlag und,

als er aufstand, ganz breitbeinig ging –ich

ahnte,warum. Schon einmal hatte er wegen

Harnsteinen operiert werden müssen, wieder

packte ich ihn in meinen Caddy. Die

Landstraßen waren verstopft, als wir in der

Klinik in Hannoverankamen, war es 23 Uhr.

Zwei Tierärztinnen operierten bis 2Uhr.

Neulich Vormittags musste ich zum Physiotherapeuten;

kurz davor telefonierte ich

mit einer Freundin und sagte noch: „Na, in

den anderthalb Stunden wird jawohl nichts

passieren.“ Ichkam mit massierten Muskeln

zurück, und die Gänse waren verschwunden.

Sie waren durch ein kleines Loch im

Zaun in den Wald entschlüpft und fanden

nicht zurück. Während ich nach ihnen

suchte,fand ich im Schafstall ein am Morgen

noch quicklebendiges, allerdings sehr altes

Schaf tot im Stroh. Und in einer Viertelstunde

sollte die Tierärztin kommen, um einen

Durchfallpatienten zu untersuchen. Ich

suchte und fand die Gänse imWald; während

ich sie vor mir hertrieb, blieb die weibliche

Gans im Schlamm eines Grabens stecken.

Dadurch konnte ich sie leicht hochnehmen

und heimtragen, und der Ganter folgte brav.

–Ahnen Sie, wie ich nach dieser Aktion aussah?

Ja,oft bemitleide ich mich. Auch Krankwerden

und Urlaub sind nicht erlaubt.

Aber dann kommen die Schafe alle im

Verbund auf mich zugelaufen und ich berühre

so manche samtige Schnauze; der

Jungspund Lukas hüpft beim Verteilen des

Heus um mich herum; Tristan fällt beim

Streicheln in Trance. Gerade wir Tierrechtler

sehen so viele unglückliche Tiere. Zur Abwechslung

Tieren zu begegnen, die ihr eigenes

Leben leben, und sie dabei unterstützen

zu dürfen, tut auch der Menschenseele wohl.


20 Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Feuilleton

„Spüren ist das Wichtigste“

Der Friedrichstadt-Palast

feiert in dieser Saison

sein hundertjähriges Bestehen

und hat dazu den

Regisseur und Autor René Pollesch

eingeladen. MitFabian Hinrichs und

28 Tänzerinnen und Tänzernwirder

die Uraufführung seines Stücks

„Glauben an die Möglichkeit der völligen

Erneuerung derWelt“ inszenieren.

Fabian Hinrichs wurde an der

Volksbühne und später an der Seite

von Dagmar Manzel als „Tatort“-

Kommissar bekannt. Er ist 45 Jahre

alt, hat sich aber die Frische eines

kernigen Landburschen bewahrt.

Doch wo steckt er? Der Kaffee droht

kalt zu werden, als er endlich die

Treppe im Foyer des Friedrichstadt-

Palasts zu unserem Gespräch heraufhetzt.

Lieber Herr Hinrichs, hallo und

schön, dass Sienun da sind!

Es tut mir leid, dass ich mich so

verspätet habe, ich wollte Ihnen

nicht die Zeit rauben. Aber gerade

gibt es Bauarbeiten an der S-Bahn

und am Regionalexpress nach Potsdam.

Deshalb habe ich das Auto genommen

und stand natürlich ewig

im Stau.

Sie sind verheiratet, haben zwei

kleine Kinder und sind vor vier Jahren

aus Kreuzberg nach Potsdam gezogen.

Bereuen Siedas manchmal?

Überhaupt nicht! Denn wenn der

öffentliche Personennahverkehr

funktioniert, bin ich in 35 Minuten

am S-Bahnhof Friedrichstraße. Da

braucht man für räumlich kürzere

Wege in Berlin oft zeitlich länger.Außerdem

ist Potsdam für mich einer

der schönsten Orte in Deutschland,

eine richtig gestaltete,durchkomponierte

Stadt, ein heller Ort, Arkadien.

IstPotsdam aber nicht auch die Stadt,

in der sich die Ost- und die West-Bewohner

aus dem Weg gehen? Wo es

auf der einen Seite die reichen Zugezogenen

aus demWesten gibt und auf

der anderen Seite die abgehängten

Einheimischen?

Mein Eindruck von der Stadt ist

anders. Die Bereiche, indenen ich

mich als Bürger bewege,sind durchaus

gemischt, im Kindergarten, im

Supermarkt, im Einwohnermeldeamt,

in der Straßenbahn. Ichglaube,

die Teilung erfolgt hier eher nach

Einkommensverhältnissen. Es gibt

immer noch den Handwerker, dem

eine – wenn auch unrenovierte –

Villa gehört, und daneben den reichen

Werbeagenten, der für seine renovierte

Villa sechs Millionen Euro

auf den Tisch legte. Dieser leise Anschein

einer konkreten Utopie wird

leider wohl bald verschwinden.

Trotzdem muss man ein Auge darauf

haben, dass Potsdam nicht ein deutsches

Beverly Hills wird.

Klingt fast wie ein Satz aus einem

Stück von René Pollesch, der sich oft

mit Eigentumsverhältnissen und sozialen

Entwicklungen beschäftigt.

Worum wird esindem neuen Stück

„Glauben an die Möglichkeit der völligen

Erneuerung der Welt“ gehen?

Wir arbeiten nie nach Themen

und geben auch keine Inhaltsangaben

heraus, nach denen die Zuschauer

dann prüfen können, ob

auch alle Stichworte wirklich in der

Inszenierung auftauchen. Pollesch

und ich haben Begegnungen und

daraus entstehen unsere Theaterabende.

Wäre ich ein Romancier,

würde ich meine Romane auch nicht

erklären wollen. Man müsste sie lesen

und dann könnte die Abteilung

Hermeneutik übernehmen.

Will weder Chef sein, noch einen haben: Fabian Hinrichs.

Erklären müssen Sie’s janicht, aber

Sie können doch kurz sagen, was das

Thema der Produktion sein wird. Der

Titel gibt doch eine Richtung vor.

Man kann ihn verschieden lesen,

neomarxistisch, philosophisch, vielleicht

sogar theologisch. Übrigens

stehen die Titel bei uns auch manchmal

einfach für sich, wir verordnen

uns da kein Programm. Es wäre für

die Zuschauer doch eine Möglichkeit,

in die Aufführung wie in ein Konzert

zu gehen und danach selbst zu entscheiden,

was man gesehen und gehört–und

was man gespürthat. Das

ist ja fast das Wichtigste im Theater,

finde ich: Spüren, nicht nur denken.

In den Friedrichstadt-Palast passen

knapp 2000 Zuschauer. Wie wollen

Siedie alle erreichen?

Ich möchte auf jeden Fall größtenteils

ohne Mikrofon arbeiten. Das

Theater ist ja ein kultischer Raum.

Eine natürliche Stimme in einem

solchen Raum ist etwas sehr Schönes.

Diese Erfahrung kann man mit

den Zuschauern teilen. Ich will auf

der Bühne nicht dank Mikroportwie

am Küchentisch oder wie im kleinen

Fernsehspiel sprechen. Das ist inzwischen

so verbreitet, furchtbar!

Selbst in hutschachtelgroßen Winzräumen

haben die Schauspieler

Mikroports und einen Tonmeister

im Hintergrund, der alles aussteuert,

darunter blubbert irgendeine Ambient-Klangfläche.

In „Kill your Darlings!“ sind Sie 2012

mit 15 jungen Turnern in der Volksbühne

aufgetreten. Diesmal spielen

sie mit 28 Tänzerinnen und Tänzern.

Wir haben uns sozusagen beim

Tanzensemble des Friedrichstadt-

Allein mit 28 Tänzerinnen und Tänzern: Fabian Hinrichs spielt in der

neuen Inszenierung von René Pollesch im Friedrichstadt-Palast

ZUR PERSON

Theater Geboren 1974 in Hamburg,studierte Fabian Hinrichs einigeSemester Jura, bevorer

Schauspieler wurde. Von2000 bis 2005 gehörte er zum Ensemble der Volksbühne. Danach

war er in München, Zürich, Wien und Hamburg engagiert. Er lebt in Potsdam.

Auszeichnungen Mit dem Solo „Ich schau dir in dieAugen, gesellschaftlicherVerblendungszusammenhang“

vonRené Pollesch wurde Fabian Hinrichs 2010 Schauspieler des Jahres.

2012 erhielt er den Alfred-Kerr-Darstellerpreis, 2014 den Ulrich-Wildgruber-Preis.

Film undTV 2005 spielte Hinrichs Hans Scholl in „Sophie Scholl –Die letztenTage“. Seit 2015

ist er „Tatort“-Kommissar Felix Voss und auf Sky in der Mini-Serie „8 Tage“(2019) zu sehen.

Premiere „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“ vonRené Pollesch

und Fabian Hinrichs hat am 9.10. im Friedrichstadt-Palast Premiere. WenigeTermine!

Palastes beworben. René und ich haben

uns vorgestellt, haben erzählt,

wie wir arbeiten, ich habe ein paar

Texte gesprochen. Wer wollte,

konnte dann bei uns mitmachen.

Das war rund die Hälfte des Ensembles.Und

wir haben gesagt, werspäter

merkt, dass es ihm nicht gefällt,

kann ohne jedes Drama wieder aussteigen.

Wir wollten nicht so einen

Ausbeutungsmythos begründen,

dass wir machen können, was wir

wollen, wenn sie erst einmal zugesagt

haben. Wir wollten die Leute,

die sich wirklich für uns entschieden

haben, und wir haben sie aufgefordert,

auch Dinge zu machen, die sie

in den großen Shows nicht zeigen.

Sie können sich einbringen und

nicht nur Ornament sein.

JELKA VON LANGEN

Die Bühnenbilder im Friedrichstadt-

Palast sind berühmt für ihre Prächtigkeit.

Wiewirddas bei Ihnen sein?

Wir dürfen das Bühnenbild der

aktuellen Show „Vivid“ benutzen,

das ist eine Herausforderung, es ist ja

kein skulpturales Bühnenbild wie

früher oft bei Bert Neumann an der

Volksbühne. Inder Existenzphilosophie

Heideggers,auch im Existentialismus

Sartres gibt es das Wort „Geworfenheit“.

Wir sind in diesem

Sinne in dieses Bühnenbild geworfen

und wollen etwas aus dem machen,

was wir darin erfahren.

Studieren Sie ander Fernuniversität

Hagen noch Kulturwissenschaften?

Ja, ich bin ein Langzeitstudent,

weil ich viel arbeite und Familienvater

bin. Ichmache das Studium ja für

mich. Es ist mir eine Artvon Zugang

zur Welt, es vergrößert ihn. „Man

sieht nur, was man weiß“, hat Goethe

gesagt.

Im Theater sind Sielange nicht aufgetreten.

Werden Sie inder Intendanz

von René Pollesch ab 2021 wieder an

der Volksbühne spielen?

Auf jeden Fall! Das haben wir

schon fest verabredet. Zwischendurch

hatte ich immer mal Anfragen

für sogenannte klassische Theaterarbeiten,

die ich eher bürgerlich

nennen würde.Das interessiertmich

aber nicht, ich habe nach der Schauspielschule

jahrelang meist glücklose

und trübsinnige Erfahrungen

im „normalen Theaterbetrieb“ gemacht.

Für mich war das Unterforderung

und Überforderung zugleich

und überhaupt keine künstlerische

Arbeit. Und dann diese Regisseure

mit ihren Markenzeichen vonRegie-

Handschrift, die eine mehr oder

minder intellektuelle, meist aktualisierende

Interpretation verfolgen,

die ich wahrscheinlich nicht teile …

Ich sollte diese dann ausführen und

fühlte mich wie eine Servicekraft, die

in einem Dienstleistungsverhältnis

zum Regisseur steht. Nein, das ist

nichts für mich. Ich will weder Chef

sein, noch möchte ich einen Chef

haben. Ich will lieber etwas mit anderen

zusammen machen und setze

auf die Schwarmintelligenz.

Im Fernsehen fühlen Siesich in dieser

Hinsicht besser aufgehoben?

Schauspielerei vorder Kameraist

ein ganz anderer Beruf als im Theater.

Regie spielt bei den meisten

Fernsehfilmen keine große Rolle,

den Autorenfilm gibt es da nicht, der

ist weitgehend ausgestorben. Am

wichtigsten ist das realistische Drehbuch

mit psychologisch durchgezeichneten

Figuren. Dann ist die

Frage,wie man das glaubwürdig umsetzen

kann. Das finde ich reizvoll.

Ich selber gucke ja auch realistischpsychologische

Filme oder Serien.

Und als Schauspieler versuche ich

wie viele andere daran zu arbeiten,

dass es in Deutschland zu einer Verbesserung

in diesem kulturellen Bereich

kommt.

Beim „normalen Theater“, klagen Sie,

haben Schauspieler keinen Einfluss

auf die Inszenierungen. Ist das im

Fernsehen anders?

Manchmal bin ich an der Drehbuch-Entwicklung

beteiligt, da kann

ich Einfluss nehmen. Aber wenn da

steht, „Liebeserklärung“, muss die

auch stattfinden, nur wie und auf

welche Weise, das ist der Unterschied.

In den Grenzen des Drehbuchs

ist die Freiheit des Schauspielers

zu entdecken. Undinden Grenzendes

Bildes natürlich, denn wenn

ich den Rahmen verlasse, sieht man

mich nicht mehr.

Ein Stücktext ist doch auch eine Art

Drehbuch, oder nicht?

Aber im Theater bin ich dann

dauernd mit einem interpretatorischen

Befehl zur Aufführung konfrontiert,

das reicht vonder Regie bis

zum Licht, zum Kostüm, zur Musik,

und das ist für mich nicht interessant.

Es gibt nicht viel starke Gegenwartsdramatik,

also spielt man lieber

die alten Stücke. Das ist ja in Ordnung,

aber man muss schon genau

schauen, wie man die Klassiker so

herausbringen kann, dass sie uns

heute noch etwas zu sagen haben.

Da reicht es nicht, wenn der Regisseur

und sein Dramaturg behaupten,

die Stücke von Ibsen oder

Strindberg zeigen genau die bürgerliche

Gesellschaft vonheute und der

Schauspieler soll das im Anzug und

mit Handy auf der schicken Sofalandschaft

demonstrieren. Das ist

kein Plädoyer meinerseits für sogenannte

Werktreue, bloß unreflektierte

Übertragungen helfen im

Theater auch nicht weiter. Gerade

kommen ja viele antike Stücke auf

die Bühne, weil es darin Schlüsselworte

wie „Flucht“ und Krieg“ gibt.

Doch dass die Punischen Kriege mit

den heutigen asymmetrischen Kriegen

überhaupt nichts zu tun haben

und ebensowenig die Fluchtursachen,

wirdgar nicht mehr bedacht.

DerFriedrichstadt-Palast ist viel größer

als auch große Sprechtheater.

Fürchten Siesich ein wenig, wenn Sie

an die Premieredenken?

Ich habe Angst im Leben, aber

nicht auf der Bühne.Das habe ich irgendwann

so beschlossen! Außerdem

habe ich mir angewöhnt, kurz

vor einer Vorstellung durch den Vorhang

das Publikum zu betrachten.

Dann sage ich mir:Sind ja alles Menschen!

Und ich bin auch so ein

Mensch. Dadurch verliere ich jede

Angst und denke: Probiere ich das

heute Abend einfach mal.

DasGespräch führte Irene Bazinger.


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Feuilleton

Am Anfang

war die

Improvisation

Das DSO mit Robin Ticciati

und Nicolas Altstaedt

VonMartin Wilkening

Vom geräuschhaften Urlaut zur

geordneten Klangerzählung, das

ist in etwa die Idee,die Gustav Mahler

zu Beginn seiner 1. Symphonie

entwickelt. Auseinem fernen Pfeifen

und Brummen treten bruchstückhafte

melodische Gesten hervor, rudimentäre

Bewegungen in Quartintervallen,

langsam deutet sich ein

rhythmischer Puls an, einzelne Rufe

leuchten wie energetische Entladungen

auf.WasMahler als Anstoß zu einem

knapp einstündigen Prozess erfand,

erscheint wie die Vorlage für

ein kleines, aber doch ungewöhnliches

Experiment, mit dem das Deutsche

Symphonie-Orchester sein

Konzert inder Philharmonie eröffnet

und damit einen Bogen zur Mahler-Symphonie

nach der Pause

spannt. Eingerahmt wird so das

Cello-Konzertvon William Walton.

Knapp fünfzig Musiker betreten

das Podium, die in kreisförmiger

Aufstellung eine Gruppenimprovisation

entwickeln. Sie wirkt wie eine

freie Paraphrase von Mahlers Entwurf,

geht aus von Luftgeräuschen,

wirdzueinem Höhepunkt gesteigert

und verhakt sich in einem Ostinato

des Kontrabasses,umsich in den allgegenwärtigen

Quarten, die später

bei Mahler wiederkehren, allmählich

auszublenden. Man kann das

naiv finden, aber vielleicht steckt

darin eher eine Koketterie mit dem

Naiven. Man kann fragen, ob solche

Funktionalisierung der Improvisation

als bloße Einleitung tatsächlich

Freiräume erschließt. Ein bisschen

wirkt so ein Auftritt auch wie ein Verratander

Musik, aus deren Vorrat er

sich bedient. Trotzdem ein Dank für

den Mut, einmal ohne Notentext

aufzutreten und ein Risiko des

Scheiterns einzugehen.

Berlin 89/90 –Fotografien von Christian Schulz

Dakam der Trabant schon wieder zurück aus dem Westen –mit

leuchtenden Augen sozusagen, aber am Checkpoint Charlie doch

wieder Richtung Osten fahrend in der Nacht auf den 10. November

1989. Als roter Teppich diente ein karierter Schal.

Der Fotograf Christian Schulz, 1961 geboren, zog 1981 nach West-

Berlin und wurde zu einem wichtigen Bildberichterstatter des Popund

Kulturlebens dort. Ganz dicht dran, aber nie nur reflektierender

Teil der Szene, sondern gestaltender, jastets noch mehr erzählender

Beobachter. Das Persönliche und Hintergründige macht auch seine

Berlinale-Porträts so legendär. Die Kontinuität natürlich auch. In Ost-

Berlin war Christian Schulz schon vor dem Fall der Mauer unterwegs.

Göttlicher Quelltext des Wissens

Georg Schareggs „Kulturrevolution“ im Theaterdiscounter

CHRISTIAN SCHULZ

Die Auswahl von Fotografien zu „Berlin 89/90“, die jetzt im Hotel de

Rome zu sehen ist, zeigt NVA-Offiziere amCheckpoint Charlie im August

1989, Zeitung lesende Genossen beim letzten Parteitag der SED,

Menschen bei der Großdemonstration am 4. November am Alexanderplatz

oder die nach allen Seiten wühlenden Massen in der Nacht der

Maueröffnung. Schulz, der tatsächlich auch als Standfotograf beim

Film arbeitet, gibt diesen historischen Szenen etwas Filmisches. Er

schafft es, stets ein Davor und Danach mit ins Bild zu packen. Er zeigt

den Moment als Teil der Erzählung, die das Leben ist. PetraKohse

Berlin 89/90,2.10.–28.11., tägl., 10–18 Uhr,Hotel de Rome,Behrensstr.37

NACHRICHTEN

Springer investiert–und

reduziertPersonal

DerMedienkonzernAxel Springer

investiertMillionenbeträge in Projekte

bei seinen Marken Bild und

Welt und reduziertzugleich im Konzern

Personal. In den nächsten drei

Jahren sollen mehr als 100 Millionen

Euro vorallem in eine Live-Video-

Strategie vonBild fließen, wie das

Medienhaus am Montag in Berlin

mitteilte.Insgesamt soll es Kosteneinsparungen

im Bereich News Media

National in Höhe von50Millionen

Euro geben. Personal will das

Medienhaus unter anderem in Verlagsstrukturen

und Redaktionen abbauen.

DerKonzernstrebt zudem

eine engereVerzahnung vonRedaktionen

an. So werden Bild und Bild

am Sonntag den Angaben zufolge

weiter zusammengeführt. Auch sollen

künftig Sport-Inhalte markenübergreifend

für Welt, Bild und Sport

Bild produziertwerden. Laut Springer

werden Bild, inklusiveRegionalausgaben

und B.Z., Bild am Sonntag

sowie Welt und Welt am Sonntag als

gedruckte Zeitungen weiter bestehen.

Diewerktäglichen Ausgaben

vonWelt Kompakt sowie Welt Hamburgwürden

eingestellt. (dpa)

Michael „Bully“ Herbig

verfilmt den Fall Relotius

Michael „Bully“ Herbig soll den

Fälscherskandal beim Spiegel auf die

Leinwand bringen. In dem Film „Der

Fall Claas Relotius“ übernimmt Herbig

(„Der Schuh des Manitu“, „Ballon“)

die Regie,wie die Produktionsfirma

UfaFiction am Montag in Potsdam

mitteilte.Zuvor hatte bereits die

Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.

DerKinofilm basiertauf dem

Buch „Tausend Zeilen Lüge.Das System

Relotius und der deutsche Journalismus“

des Spiegel -Reporters

Juan Moreno,der seinen Kollegen

Relotius der Lüge überführte.

DerSpiegel hatte den Skandal Ende

2018 selbst öffentlich gemacht. Es ist

nicht das einzige Projekt, das die Ufa

mit Herbig plant, der dem komischen

Fach, mit dem er bekannt

wurde,vor einigen Jahren abgeschworen

hat. Mit„Siegfried &Roy“

wirderauch die Lebensgeschichte

der beiden berühmten Magier verfilmen.

(dpa)

Paris: Koons bedauertStreit

um Skulptur für Terroropfer

Diesmal pauschal polierend: Robin Ticciati

und das DSO.

KAI BIENERT

Gegen Ende der Improvisation

füllt sich plötzlich das Podium, und

dann sind unversehens auch Robin

Ticciati, der Dirigent, und Nicolas

Altstaedt, der Solist des Abends, dabei.

Bruchlos gleitet der Improvisationsausklang

in die traumverlorenen

Melodien vonWaltons Cello-Konzert

hinein. Das selten gespielte Werk

entstand 1957 und wirkt wie ein elegischer,aber

innerlich heiterer Abgesang

auf die späte Romantik.

Nicolas Altstaedt folgt den rhapsodischen

Entwicklungen mit hoch

gespannter Präzision, einem feinen,

farbig nuancierten Ton, dessen Facettenreichtum

stets im Dienst der

subtilen Phrasierungen steht. Beialler

Virtuosität im Detail behält seine

Darstellung doch immer den verinnerlichten

Grundzug dieser Musik

im Blick. Das Zusammenspiel mit

dem DSO lässt in seiner Lebendigkeit

alle Qualitäten dieser fantasievollen,

letztlich allerdings epigonalen

Partitur deutlich werden.

Zwiespältig war der Eindruck von

Ticciatis Interpretation der Mahler-

Symphonie. In seiner etwas pauschal

polierten Klangkultur ohne

Schärfen und Schroffheiten wirkte

das eigentlich bunt zusammengefügte

Werk seltsam überraschungslos,bis

auf die natürlich ungewollten

Grobheiten der Hörnergruppe.

VonDoris Meierhenrich

Man weiß gar nicht, wo

man anfangen soll bei

der Beschreibung dieses

ungewöhnlich

vielseitigen, vielformatigen Theaterabends,der

sich durch reale und virtuelle

Räume und Zeiten frisst, durch

Figuren, Allegorien und Bewusstseinsstadien

mäandert und keines

davon als nur vorläufig oder endgültig

behauptet. Dabei nennt der Autor

und Regisseur Georg Scharegg, der

nebenbei auch noch Leiter des Theaterdiscounters

ist, sein fantastisches

Stück „Kulturrevolution“ im

Untertitel„eine Art-Fiction“ und verweist

damit freundlich ironisch nicht

nur auf das,was es selbst über kurze

90 Minuten im Schleudergang betreibt,

sondern auch darauf, dass er

hier ein Zukunftsbild ersponnen hat,

das doch realistischer, gegenwartsnaher

kaum sein könnte.

Aber was heißt „ein“ Bild? Der

Abend ist ein multipler Wirklichkeits-

und Reflexionsfluss in drei Teilen,

der ganz altmodisch in der alten

Ruine der Klosterkirche gegenüber

dem Theater beginnt, wo wir uns zur

Trauerfeier für sämtliche verstorbene

Berufe dieser Welt einfinden –

also für alle weit und breit. Dann

zieht die Gemeinde hinüber zur

Klosterstraße, wosie sich unversehens

in eine aggressiv naive Dance-

Demo verwandelt, die die schnelle

Lösung gegen das neue,joblose Freizeitleben

gefunden zu haben meint

und unter trommelwirbelnden Ani-

Washeißt es, in der Schein-Basisdemokratie des Digitalolymps zu leben?

mationsrhythmen berufsmäßig demonstrieren

geht: „Kulturrevolution

von unten!“ wird skandiert. Doch

bald flüchten alle schon wieder in

den wohlig-warmen Bühnenraum

des Theaterdiscounters, wodie Götter

des digitalen Olymps schon im

Wellness-Wasserdampf vor leise

über die Displaywand fliegenden

Zahlenskalen auf uns warten.

Hier, inder „Cloud“, lebt es sich

doch am besten, die Internetgötter

im weichen weißen Bademantel machen

es uns vor: Pallas, auch Shitstorm

genannt, begrüßt uns ausgesucht

freundlich und stellt sich als

gütige Abreaktionshilfe vor, die un-

INGO HÖHN

serer revolutionären Gemütserweiterung

Raum gibt. Dann folgt Hera,

die Informationsgöttin, die sich bei

ihrerVorstellung zwar etwas im sinnfreien

Info-Auswurf verliert, aber

auch darin mordsmäßig viel abliefert

und schließlich kommt noch

Hermes, auch Fake News genannt,

der sich als Heras Sohn ausgibt und

sich uns als kreativer Verwerter ihrer

überbordenden Info-Fruchtbarkeit

andient. Ja,das ist alles richtig schön

und kuschelig in diesem freundlichen,

preisgünstigen, weiträumigen

Digital-Hotel „Olymp“, in dem wir

doch eigentlich schon längst leben,

uns die Welt scheinbar souverän zurechtklicken

und bewusst nicht

wahrnehmen, wie der Brunnen, aus

dem der göttliche Quelltext des Wissens

sprudelt –hier heißt er auch

Google&Co. – uns und unsere Bedürfnisse

längst fernprogrammiert.

Wenn jetzt die Anwälte oder Ärzte

oder Künstler oder sogar IT-Experten

denken, sie wären davon nicht

betroffen, irren sie natürlich gewaltig.

Auch sie sind ein Auslaufmodell.

Juristische,medizinische,auch kreative

Chips im Getriebe arbeiten weit

besser, und wer ein PC-Programm

erfindet, hat schon den ersten

Schritt getan, dass dieses ihn abschafft.

Nun ist eine solche „Art Zukunft“

nicht ganz neu. Bei Scharegg

aber,der sein Stück in Koproduktion

mit dem Theater Chur und dessen

agil verwandlungsstarken Schauspielern

produziert hat, bildet sie

aber auch nur den Anfang einer umfassend

kritischen Tiefen- und Weiterbohrung.

Was heißt es, in der

Schein-Basisdemokratie des Digitalolymp

zu leben? Und kommt man

aus dem Universalprogramm irgendwie

wieder raus? Dass hippe

Demos,die nach „Revolution“ rufen,

während ihre Rufer selbst munter

weiter bei Google und Amazon leben,

ein schlaffes Pusten gegen

Windmühlen sind, zeigt das Stück so

süffig schön, wie es andere Suchen

nach Auswegen trotzdem ganz und

gar ernst nimmt. Eintoller,selbstkritischer,hochaktueller

Abend.

Theaterdiscounter bis2.10., 20 Uhr,

Tel: 280 93062

DerUS-Künstler Jeff Koons bedauert

die Streitigkeiten um seine Tulpen-

Skulptur zum Gedenken an die Opfer

der Pariser Terroranschläge von

2015. Koons sagte der französischen

Zeitung Le Figaro(Montagausgabe),

er sei„traurig“ über die Debatte,die

dasWerk ausgelöst habe.Die zehn

Meter hohe Skulptur einer ausgestreckten

Hand mit elf Tulpen wird

am Freitag im Beisein des Künstlers in

Parisnahe den Champs-Elysées auf

dem Gelände des Petit Palais enthüllt,

der das Museum der Schönen Künste

beherbergt. Koons wies Kritik aus der

französischen Politik- und Kunstszene

zurück, sein knallbunter Tulpenstrauß

sei Kitsch und diene der

Selbstvermarktung. Er verfolge damit

keine finanziellen Interessen. (AFP)

TOP 10

Sonntag,29.September

1 Tatort ARD 8,23 24 %

2 Tagesschau ARD 7,76 24 %

3 Formel 1 RTL 4,39 27 %

4 heute journal ZDF 4,07 14 %

5 heute ZDF 3,69 14 %

6 Terra X ZDF 3,60 12 %

7 Sportschau ARD 3,33 13 %

8 Leichtathletik WM ARD 3,29 13 %

9 RTL Aktuell ARD 3,24 13 %

10 Berlin direkt ZDF 3,15 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Die Blechtrommel

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: La Traviata

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00 Box: Lenz

20.00: ugly duckling

Ehem. Postfiliale (Hallesches Ufer 60)

17.00: Hau: Berlin bleibt! Stadt, Kunst, Zukunft –

Projektraum urbaner Aktion

HfS Ernst Busch (& 75 54 17 -0)

20.00 UNTEN: Sterben in guter Gesellschaft

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: Glaube Liebe Hoffnung

20.00 Container:Die Verlobung in St. Domingo–Ein

Widerspruch vonNecati Öziri gegenHeinrich von

Kleist

Radialsystem (& 288 78 85 88)

14.00: Verrat der Bilder (Nico and the Navigators)

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00: Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Theaterdiscounter (& 28 09 30 62)

20.00: Kulturrevolution

Theaterforum Kreuzberg (& 70 07 17 10)

20.00: LadyGoethe (Gastspiel Jürgen F. Schmid, Inga

Rosa Kammerer)

Uferstudios (& 46 06 08 87)

19.00 Uferstudio 1: KuringaForum Theater Festival

–Aesthetics of Solidarity (Forumtheatergruppen aus

Deutschland, England, Frankreich, Indien, Italien und

Schottland)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Hiob

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.00 3. Stock: Die Hand istein einsamer Jäger

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Pigor singt. Benedikt Eichhornmuss begleiten:

Einführung für Anfänger

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Zwei Zimmer,Küche: Staat!

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Der Spielekönig (Improtheater Paternoster)

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

20.00: DominiqueHorwitz singt Brel

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Jäger des verlorenen Satzes (Willy Astor)

KLASSIK

BKA (& 202 20 07)

20.00: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Französische Friedrichstadtkirche

(& 20 64 99 22) 15.00: Kilian Nauhaus, 30 Minuten

Orgelmusik, Orgelwerkeverschiedener Jahrhunderte

Philharmonie (& 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Johanna Staemmler,Rahel Rilling (Violine),

Allan Nilles (Viola), Christopher Jepson (Violoncello),

Callum Jennings (Kontrabass), Lunchkonzert,

Wolfgang Amadeus Mozart: Adagio und Fugec-Moll;

Antonín Dvorák: StreichquintettG-Dur op. 77

20.00: Chor und Orchester der Posener Oper,Ltg.Gabriel

Chmura, Solist*innen: Magdalena Molendowska,

Dominik Sutowicz, Tomasz Konieczny, Rafal Korpiku.

a., StanislawMoniuszko: „Halka“,konzertant

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Leonard Elschenbroich(Cello), Alexei Grynyuk

(Klavier), Schostakowitsch: Cellosonate, Sonate op.

147; Prokofjew: Cellosonate;

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00: Erosund Thanatos: Maria Lettberg (Klavier),

Klavierwerkevon Franz Liszt, Richard Wagner,Alexander

Skrjabin und Georgi Catoire

KINDER

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Malala (ab 10 J.)

10.30: Ben liebt Anna (ab 8J.)

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Das weite Theater (& 991 79 27)

10.00: Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt (ab

3J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

10.30: Pippi Langstrumpf (ab 5bis 11 J.)

Figurentheater Grashüpfer (& 536 95 15 0/ 52)

10.00: Bremer Stadtmusikanten,RikeSchuberty,

Objekttheater (ab 4J.)

Fliegendes Theater (& 692 21 00)

10.30: Die kleine Wolke, Figurentheater mit Projektionen

und Livemusik (ab 4bis 7J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reichinder Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

11.00: Das Nacktschnecken-Game (ab 12 J.)

Jaro Theater (& 341 04 42)

10.30: Die Eichhörnchen Story, TheaterJaro,Puppenund

Schauspiel (ab 3bis 8J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Kulturhaus Spandau (& 33 34 02 1/ 22)

10.00 Theatersaal: Gordon und Tapir,Nicole Gospodarek

(ab 3J.)

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

10.00: Das tapfere Schneiderlein, Abenteuer Märchenspiel

(ab 4J.)

Schaubude (& 423 43 14)

10.00: Pappelapapp, Materialtheater,ohne Sprache

(ab 3bis 6J.)

Schillertheater-Werkstatt (Bismarckstr.110)

10.00: Schau mich an!, Victoria McConnell, Ahmed

Soura, Tanz (ab 9J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Die weiße Robbe, Maria Mägdefrau (ab 7

bis 10 J.)

Theater an der Parkaue (& 55 77 52 52)

10.00: Bambi. Eine Lebensgeschichteaus dem

Walde (ab 8bis 12 J.)

Theater Mirakulum (& 449 08 20)

10.00: Haseund Igel /Die Sonne und der Gockelhahn,

Thomas Mierau, Puppentheater (ab4bis 12

J.). Anm.erf.

Theater o.N. (& 440 92 14)

10.00: Future Beats, Performance für Babysab6

Monate und ihre Erwachsenen

Theater Zitadelle (& 335 37 94)

10.00: Die gestiefelte Katze (ab4J.)

Vortrag

Frauenklinik

der Charité in

der NS-Zeit

Die Serie „Charité“ hat in

Berlin Medizingeschichte

ins Licht gerückt. Ziemlich interessant,

was man hier erfährt.

Im Rahmenprogramm der

Sauerbruch-Ausstellung „Auf

Messers Schneide“, die im Medizinhistorischen

Museum

noch bis Anfang Februar 2020

zu sehen ist, hält Susanne

Doetz einen Vortragüber die 1.

Berliner Universitätsfrauenklinik

unter dem Gynäkologen

Walter Stoeckel, der einerseits

für den Aufbau einer fortschrittlichen

Frauenklinik

sorgte, andererseits auf vielfältige

Weise in das NS-System

eingebunden war.Sowar er behandelnder

Arzt von Magda

Goebbels. ImMittelpunkt des

Vortrags steht Stoeckels Wirken

während der NS-Zeit, seine

Haltung zu Zwangssterilisiation,

Schwangerschaftsabbrüchen

und der Vertreibung jüdischer

Kollegen. Susanne Lenz

Revolutionszeiten sindGebärzeiten

19 Uhr,Hörsaalruine des Medizinhistorischen

Museums der Charité,

Virchowweg17. Der Eintritt ist frei

Schlecht gelaunte

Küchenschaben

Es stehen an: haarscharfer Deutschrap für Berliner Juristen,

schön fettiger Rock’n’ Roll aus L.A.

und eine zweitägige Feier mit Krautrock von gestern bis heute

Ein paar der sympathischsten Schmierlappen des Rock’n’Roll: Tito &Tarantula .

Markus Schneider

empfiehlt ausdrücklich nicht die

Steißbeinbrecher-Raps Kollegahs.

Erfreulich dagegen die Genrerocker

Tito and Tarantula sowie die Labelschau

vonGrönemeyers Grönland-Label

(ohne den Chef).

Eigentlich wollte ich hier

mal wieder über die

sprachliche Verwahrlosung

und soziale Verrohung im

deutschen Battlerap jammern. Denn

Kollegah kommt nach Berlin. Bei einem

Auschwitz-Besuch hat er jüngst

festgestellt, dass es sich dabei gar

nicht, wie er auf seinem Echo-erfolgreichen

(und -sprengenden) letzten

Album mit Farid Bang vermutete,

um ein Fitnessstudio handelt und

verzichtet daher jetzt reuig auf entsprechendeVergleiche.Die

Klage auf

Volksverhetzung hatte das zuständige

Gericht sowieso schon zurückgewiesen.

Kollegah findet aber, dass

einen die Vergangenheit nicht gleich

am Nationalstolz hindernsollte.

Je nun, dafür gibt es ja Texter wie

ihn: „King ist der,der sich den Thron

erobert, nicht irgend’ne Fotze, die

man demokratisch wählt“, meint er

zum Einstieg auf seinem jüngsten

Album „Monument“. Dort fickt er

wie immer zahlreiche „Nutten, Bitches

und Hoes“, wobei es sich interessanterweise

ebenso oft um weibliche

Jacht-Deko wie männliche Konkurrenten

handelt. Deren Mütter

kommen auch dran, er begegnet ihnen

wesentlich unsentimentaler als

der eigenen „Mama“ („Ich fick sie

alle weg, dein Sohn ist Löwe,

Mama“). Gegenüber den bisherigen

Arbeiten klingen die strammen Gewaltfantasien

und der misogyne,homophobe

Mafia- und Dealerbossquatsch

allerdings etwas ermattet

(die Luxuswaren und Protzsettings,

an denen er seine Menschenwürde

misst, hat man sowieso in staubigen

Tracks von Raekwon zu Jay-Z alle

schon unterhaltsamer gehört). Für

unappetitlich und menschenverachtend

reicht es aber immer noch.

Nur, wo sogar Berliner Richter –offenbar

Battlerap-Fans – gerade im

Künast-Beschluss eine Sprache wie

jene des ehemaligen Jurastudenten

als kritisch-sachdienlichen Beitrag

zum öffentlichen Diskurs legitimiert

haben – warum sollte ich etwas

darum geben?

In diesem Sinne freut es mich besonders,

dass mit Tito &Tarantula

ein paar der sympathischsten

Schmierlappen des Rock’n’Roll zu

Besuch kommen, wobei schmierig

in diesem Fall ein ästhetischer Fachbegriff

ist. Eigentlich verdanken sie

ihren bescheidenen Ruhm vorallem

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Gut gegen

Nordwind 14.30; Once Upon aTime in...Hollywood

17.00,20.30

Cinema Paris (& 881 31 19) Gelobt sei Gott

14.45,20.30; Nurejew –The White Crow 17.40

Delphi Filmpalast (& 312 1026) Downton Abbey

14.50,17.40,20.30

Delphi LUX (& 322 931040) Systemsprenger

14.30, 17.15, 20.00; Gelobt sei Gott –Grace a

Dieu (OmU) 14.30, 17.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.30; Late Night –Die Show

ihres Lebens 14.20; Ad Astra –Zuden Sternen

(OmU) 18.00, 20.45; Nurejew –The White Crow

(OmU) 14.15, 16.00, 18.45, 21.30; Der Distelfink

–The Goldfinch (OmU) 14.45, 17.00, 20.15;

Und der Zukunft zugewandt 14.00, 16.30, 19.00;

Midsommar (OmU) 21.30; Ein Licht zwischen den

Wolken 14.00; Synonymes (OmU) 16.40; Ein Licht

zwischen den Wolken (OmU) 19.20; Midsommar

(OF) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Systemsprenger

17.30, 20.00; Celebration (OmU) 18.00; Mein Leben

mit Amanda 20.15

Kant Kino (& 319 98 66) Nurejew –The White

Crow 14.30, 20.30; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.15, 17.30; Gelobt sei Gott 17.15;

Der Distelfink 17.15, 20.15; Ein leichtes Mädchen

14.15; Late Night –Die Show ihres Lebens 18.45;

Wer 4sind –Die Fantastischen Vier 21.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 13.45, 15.50; Gut gegen

Nordwind 16.15, 18.00; Leid und Herrlichkeit

20.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!15.20;

Once Upon aTime in...Hollywood 19.30

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) DowntonAbbey

14.15, 17.10; AdAstra –Zuden Sternen 20.00;

Es: Kapitel II 22.50; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm15.00; Ad Astra –Zuden Sternen 17.20,

23.00; Downton Abbey 20.10; Die drei !!! 14.00;

Es: Kapitel II 16.20; Hauptrolle Berlin: Berlin Chamissoplatz

20.00; Angel Has Fallen 23.10; Angry

Birds 2:Der Film 15.30; AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 14.40; Der Distelfink 17.10; Es:

Kapitel II 20.20; Ad Astra –Zuden Sternen 14.50;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 17.35; Gut

gegen Nordwind 19.50; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.40; Ad Astra –Zuden Sternen

14.00; Gut gegen Nordwind 17.30; Der Distelfink

20.30

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Systemsprenger

11.00, 20.30; Diego Maradona 13.15; Mein

Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! 15.30;

Mein Leben mit Amanda 17.00; Wer 4sind –Die

Fantastischen Vier 18.45; The Dead Don‘t Die

(OmU) 22.40; Cleo(OmenglU)11.00; Berlin, ILove

You (OmU) 12.45; Free Solo (OmU) 14.45; Push

–Push (OmU) 16.30; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Synonymes (OmU) 19.50; Es: Kapitel II –It:

Chapter Two(OF)22.00;Die Agentin –The Operative

(OmU) 11.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 13.00; Yesterday (OmU) 15.00; Angry Birds

2: Der Film 17.00; Celebration (OmU) 18.40; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 20.00; Paranza:

Der Clan der Kinder –Laparanza dei bambini

(OmU) 22.45

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 8129) Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 14.00, 17.00; Midsommar

(OmU) 20.00,22.45;Thinking Like aMountain

(OmU) 14.00; Congo Calling (OmU) 15.45; Über

Grenzen –Der Film einer langen Reise 17.30; Playland

USA 19.45; Celebration (OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Good Boys 14.00;

IMAX 3D: Der König der Löwen 14.00; Es: Kapitel

II 14.10, 16.20, 18.20, 20.20; Ad Astra –Zuden

Sternen 14.10, 17.00, 20.00; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.15, 17.20; Stuber –5

Sterne Undercover 14.20; Downton Abbey 14.20,

17.20, 20.10; Spider-Man: Far From Home 14.30;

Gut gegen Nordwind 14.30; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus14.30,17.00;Fast &Furious:Hobbs &

Shaw 14.50; Angry Birds 2: Der Film 14.50, 17.20;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.00,

17.50; Get Lucky – Sex verändert alles 15.00,

17.40; 3D: Everest: EinYeti will hoch hinaus 16.45;

Angel Has Fallen 16.50, 19.45; Ready or Not? –

Auf die Plätze, fertig, tot 17.30, 19.30; Ad Astra

–Zuden Sternen (OF) 17.30; Rambo 5: Last Blood

17.40,20.20; Downton Abbey (OF) 19.30; MyPeople,

My Country (OmU) 19.45, 20.15; Once Upon a

Time in...Hollywood 20.00; Midsommar 20.00; Der

Distelfink 20.20

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 18.00; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 20.15; Berlin Bouncer

(OmU) 23.15; Heute oder morgen 18.00; Frau

Stern 19.50; Cleo (OmenglU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Pets II 13.45;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 13.50, 16.20; Downton

Abbey 13.50, 16.45, 20.00; Everest 14.00,

16.30; Der König der Löwen 14.00; Angry Birds 2

14.20;AToy Story14.30; Es II 16.00,19.10; Good

Boys 16.50; 3D:Angry Birds2:Der Film 17.00;3D:

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 17.15; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 19.20; Gut gegen Nordwind

19.30; Midsommar 19.40; Ad Astra –Zuden Sternen

19.50; Rambo 5: Last Blood 20.10

Kino Kiste (& 998 7481) Blinded by the Light

13.45; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

15.55; Leberkäsjunkie 17.40; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.30

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 41 09) Downton Abbey

14.15,17.00,19.30; AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 14.20; 3D: Angry Birds 2: Der Film

14.30; AdAstra –Zuden Sternen 14.40, 20.15;

Get Lucky – Sex verändert alles 14.45, 17.40,

19.30; Good Boys 14.50; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 15.00,17.20;Angry Birds 2: Der Film

15.00, 17.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 15.10, 17.20; Gut gegen Nordwind 16.40;

3D:Everest:Ein Yeti will hoch hinaus 16.50; Rambo

5: Last Blood 17.10, 19.45; Der König der Löwen

17.15; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.40; Es:

Kapitel II 19.50; Ready or Not? –Auf die Plätze,

fertig, tot 20.00; Midsommar 20.00; Angel Has

Fallen 20.10

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Once UponaTime in...

Hollywood (OmU) 17.10, 20.30; B Ad Astra –Zu

den Sternen (OmU) 17.00, 19.30, 22.00

fsk amOranienplatz (& 614 2464) Systemsprenger

(OmenglU) 17.45, 19.45; Ein Licht zwischen

denWolken–Streha mesreve (OmU) 18.00; Gelobt

sei Gott – Grace aDieu (OmU) 20.15; Heute oder

morgen 22.00

Moviemento (& 692 4785) Benjamin Blümchen

13.15; Systemsprenger 15.30; Ein Licht zwischen

den Wolken 18.15; Premiere, Preview: Memory

Games (OmU) 20.15; Tel Aviv OnFire (OmU)

22.45; Der kleine Maulwurf (1963-1975) 10.00;

Midsommar (OmU) 11.30; Prelude 14.30; Mein

Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! 16.45;

Systemsprenger 19.00, 21.45; Frau Stern 10.15;

Systemsprenger 12.15; Midsommar (OmU) 15.00,

21.15; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

18.00

Sputnik (& 694 11 47) Kinderfilm des Monats:

Mein Lotta-Leben 10.30, 15.00; Idioten der Familie

17.00; Blown Away19.30; DasWunder im Meer von

Sargasso (OmU) 22.00; Gloria: Das Leben wartet

nicht –Gloria Bell (OmU) 15.00; Leid und Herrlichkeit

17.00; Mein Leben mitAmanda (OmU) 19.15;

Once Upon aTime in...Hollywood (OmU) 21.15

Yorck (& 78 91 32 40) Systemsprenger 17.15,

20.00; New Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00, 16.00; Nurejew –The White Crow 14.30,

20.30; Und der Zukunft zugewandt 18.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 9590) Shaun das Schaf:

Der Film:UFO-Alarm14.00, 16.15, 18.15; 3D:Everest:

EinYeti will hoch hinaus 14.00,18.15; Downton

Abbey 14.30, 17.15, 20.00; Angry Birds 2: Der

Film 15.15, 17.30; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 15.15; Everest: Ein Yeti willhochhinaus

16.00; Systemsprenger 17.30, 20.15; Es: Kapitel II

19.45; Rambo 5:Last Blood 20.30; AdAstra –Zu

den Sternen 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Downton Abbey

13.00, 15.20, 18.00, 20.30; Der Junge muss

an die frische Luft 13.00; Der Honiggarten: Das

Geheimnis der Bienen 13.00; Und der Zukunft zugewandt

15.30; Der König der Löwen 15.30; Gut

gegen Nordwind 17.50; AdAstra –Zuden Sternen

18.00,20.30; Systemsprenger 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Get

Lucky –Sex verändert alles 14.00; Downton Abbey

14.10, 17.10, 20.00; Der König der Löwen 14.15;

Good Boys 14.25, 20.15; Angry Birds 2: Der Film

14.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.40,

17.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.45, 16.55; Es: Kapitel II16.40, 19.30; 3D: Angry

Birds 2:Der Film 16.50; Gut gegen Nordwind

17.15; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 17.15;

Rambo 5: Last Blood 17.30, 20.15; Ready or Not?

–Auf die Plätze, fertig, tot 20.00; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.00;Angel Has Fallen 20.15; Sneak

Preview 20.30

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 17.00; Nur eine Frau (OmenglU)

18.45; Leid und Herrlichkeit 20.30; Kleine Germanen

(OmenglU) 18.00; Ein Licht zwischen den

Wolken 19.45; Mein Leben mit Amanda –Amanda

(OmU) 21.30

Babylon (& 242 59 69) 60‘s BRD: Zur Sache,

Schätzchen 17.30; Africa Look: Poisson d‘or, poisson

africain –Golden Fish, African Fish (OmenglU;

m. Gast u. Diskussion) 18.00; Jiddische Glikn: Mir

kumen on–Children Must Laugh (EnglF) 18.15;

Berlin –Hauptstadt der DDR: Die Architekten (m.

Gast u.Gespräch) 19.30; Africa Look: Duga, les

charognards –The Scavengers (OmU) 20.00; Jiddische

Glikn: Yidl mitn Fidl –Judel gra naSkrzypcach

(OmenglU) 20.00; IndoGermanFilm:Sye Raa Narasimha

Reddy (Tegulu) 21.45; Africa Look: Rafiki

(OmenglU) 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Yesterday

(OmU) 14.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 16.45; Premiere: Memory Games

(OmU) 19.00; Midsommar (OmU) 21.15; Yesterday

(OmU) 10.45; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 13.00; Midsommar (OmU) 15.00,

17.45; Es: Kapitel II –It: Chapter Two(OF) 20.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) Good

Boys 11.00,13.30, 23.15; Angry Birds 2: Der Film

11.00, 14.10; Spider-Man: Far From Home 11.10;

Der König der Löwen 11.10,14.15; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando11.15, 13.50; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 11.30, 14.00, 18.30; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 11.45;

Benjamin Blümchen 11.50; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 12.00, 14.30, 16.50, 19.50; Playmobil:

Der Film 13.30; Get Lucky –Sex verändert

alles 14.20, 16.00; Downton Abbey 14.30, 16.45,

19.30, 23.00; Es: Kapitel II 16.00, 19.20, 22.30;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.30; Ad

Astra –Zuden Sternen 16.30, 19.45, 23.15; 3D:

Angry Birds 2: Der Film 17.00; Gut gegen Nordwind

17.10, 20.00; Rambo 5:Last Blood 17.30,

20.15, 23.00; Midsommar 19.50, 22.30; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.30, 23.10;

Once Upon aTime in... Hollywood 21.00; Angel Has

Fallen 22.50

Hackesche Höfe (& 283 4603) Berlin Babylon

(OmU) 14.30; Systemsprenger 16.30; Idioten der

Familie 21.30; Gelobt sei Gott –Grace aDieu

(OmU) 14.30, 19.30; Und der Zukunft zugewandt

17.15,22.15;Frau Stern15.00; Once UponaTime

in... Hollywood (OmU) 17.00, 20.15; Der Distelfink

–The Goldfinch (OmU) 14.00, 17.00, 20.00;

Ein Licht zwischen den Wolken –Streha mes reve

(OmU) 14.30; Nurejew –The White Crow (OmU)

16.30, 19.15; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 22.00

International (& 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 13.50; Nurejew –The White Crow 16.15,

19.00; Midsommar (OmU) 21.45

Z-inema (& 28 38 91 21) Die Angreifbaren –The

Attackables (DFmenglU) 20.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Der kleine Prinz

(1966 DDR) 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (& 01 80/505 06 44)

Get Lucky –Sex verändert alles 14.00; Angry Birds

2: Der Film 14.00, 17.05; Downton Abbey 14.10,

16.50, 19.45; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus –

Abominable (OF) 14.20; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.20, 16.50; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.30, 17.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.30; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 14.30, 17.30; Der König der

Löwen 14.45, 17.00; Es: Kapitel II 16.30, 19.20;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.45; Ad

Astra –Zuden Sternen 17.00, 20.10; Once Upon

aTime in... Hollywood 19.25; Ready orNot? –Auf

die Plätze, fertig,tot 19.30; Midsommar 19.35; Ad

Astra –Zuden Sternen (OF) 19.40; Firincinin Karisi

(OmU) 20.00; Rambo 5: Last Blood 20.15

IL KINO (& 91 70 29 19) Diego Maradona

(OmenglU) 10.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor y

gloria (OmU) 12.20; Synonymes (OmenglU) 14.20;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.30;

Nurejew –The White Crow (OmU) 19.30; Mein Leben

mit Amanda (OmU) 21.40

Neues Off (& 62 70 95 50) Midsommar (OmU)

16.30,19.30, 22.30

Passage (& 68 23 70 18) Frau Stern 14.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.40, 20.00;

Sneak Preview 22.30; Downton Abbey (OmU)

14.45, 17.20, 20.00; Gelobt sei Gott 15.10,

18.00;Gelobt seiGott –Grace aDieu(OmU) 20.50

Rollberg (& 62 70 46 45) Nurejew –The White

Crow (OmU) 17.45, 20.30; Ad Astra – Zu den

Sternen (OF) 16.20, 19.30, 21.40; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmenglU) 17.00, 22.10;

Systemsprenger (OmenglU) 19.00; Der Distelfink

–The Goldfinch (OmU) 16.45, 20.00; Synonymes

(OmenglU) 18.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF) 20.40

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) AToy

Story 14.00; Der König der Löwen 14.10; Downton

Abbey 14.20, 17.20, 20.15; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.30, 17.00; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.45, 17.10; Angry Birds 2: Der

Film 15.00; Es: Kapitel II 16.30, 19.30; Ad Astra

–Zuden Sternen 16.50, 19.50; 3D: Angry Birds

2: Der Film 17.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 19.40; Gut gegen Nordwind 20.00; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 20.10


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

dem Auftritt in Robert Rodriguez’

„From Dusk Till Dawn“, wo sie 1996

die Hausband der verkeimten Vampirbiker-Absteige

Titty Twister gaben,

mit unvergesslich dahergelappten

Nummernwie „After Dark“und „Cucarachas

Enojadas“, den missgelaunten,

feierwütigen Küchenschaben.

Immerhin gehörte Ex-Chorsänger

und -GeigerTito Larrivaseit den Siebzigern

zum engeren Kreis des Punk-

Undergrounds vonL.A., wo er mit seiner

ersten Band The Plugz Chicano-

Motiveeinführte.Abund zu taucht er

als Nebendarsteller auf, in Rodriguez’

„Machete-Filmen“ etwa und bei Wim

Wenders. Es gab kleinere Chancen

auf den musikalischen Durchbruch,

zum Beispiel mit den Plugz-NachfolgernCruzados,die

in den Achtzigern

immerhin mit Dylan auf Tour waren –

aber, soLarriva, „zu viel Spaß und

Koks standen im Weg“. Gerade erschien

nach längerer Pause wieder

ein Tito &Tarantula-Album mit dem

bewährten Sixties-beeinflussten

Blues-und-Stonerrock mit Latinschuss.

„Als unausgesprochene Regel“,

erklärte Larrivaeinmal das praktische

Konzept, „spielt jeder, worauf

er Lust hat, geprobt wirdselten“.

POP

Tito &Tarantula 3.10., 20 Uhr,verlegt

ins Huxley’s

Grönland 20 Jahre 3./4.10., 19 Uhr,

Festsaal Kreuzberg

Kollegah 10.10., 20 Uhr,Huxley’s

IMAGO/FUTURE IMAGES

Besser als Herbert Grönemeyers

Musik gefällt mir die Arbeit seines

Labels Grönland.Vor20Jahren hat er

angefangen, sich zunächst um die

coolere Geschichte der deutschen

Popmusik zu kümmern. Krautrockgrößen

wie Neu! und Harmonia kamen

dabei zu neuen Ehren, DAF,die

wegweisenden Synthiepopper der

NDW, wurden neu aufgelegt, dazu

gab es verdienstvolle Boxen wie die

Holger-Czukay-Hommage „Cinema“.

Mittlerweile erscheinen

auch Grönemeyers eigene Alben auf

dem in Berlin ansässigen Label, sowie

auch Musik von jungen Künstlern

wie dem Popduo Boy und Das

Paradies, dem hübschen Schrammel-Pop-Projekt

vonFlorian Sievers.

Die zweitägige Geburtstagsparty

bringt einen Querschnitt durchs

Programm, also die oben genannten

Jüngeren, aber auch Hans-Joachim

Roedelius von Harmonia, der mit

Christoph H. Müller vonder Elektrotango-Band

Gotan Project spielt,

Roedelius„ ehemaliger Mitmusiker

Michael „Flammende Herzen“ Rother,

sowie auch DAF-Drummer Robert

Görl mit vermutlich technoidgeräuschigen

Beats.

Fotografie

Die

Kurische

Nehrung

Aus dem Flugzeug betrachtet,

ist sie ein sandhelles

Band vor der litauischen

Küste. 98 Kilometer lang, an

ihrer schmalsten Stelle nur 380

Meter breit, trennt die Kurische

Nehrung das Haff vonder

Ostsee. 2000 wurde die Gegend

mit ihren Wanderdünen

und legendären Bernstein-Anschwemmungen

Unesco-

Welterbe. Geologisch gesehen

entstand die Landzunge nach

der letzten Eiszeit aus einer Inselkette

von Endmoränenhügeln,

an die der Westwind über

Jahrhunderte stetig Sand

wehte. Die litauische Sagenwelt

aber erzählt es anders:

Eine Riesin habe dereinst dieses

Naturereignis geschaffen.

Der Litauische Fotograf Kazimieras

Mizgiris zeigt grandiose

Aufnahmen der Wind-

Sand-Gebilde in der Alfred

Ehrhardt-Stiftung. Ehrhardts

Fotos von Wanderdünen sind

dazu die ästhetische Entsprechnung.

Ingeborg Ruthe

Alfred-Ehrhardt-Stiftung,Auguststr.75.

Bis 22.12., Di–Sa 11–18 Uhr

Tucholsky-Buchhandlung (& 27 57 76 63)

19.30: Kinderbuchpremiere: „Wir sind ganz durcheinander!

–Chaos im Zoo“ und „Wir sind ganz durcheinander!

–Chaos in der Küche“, mit Claudia Honecker

und Sabine Pflitsch, Buchpräsentation

LITERATUR/VORTRAG

Buchhandlung Der Divan (Reichsstr.104)

19.30: Lyrik-Empfehlungen: „Kreuzzug mit Hund“,

Nora Bossong,Lesung und Gespräch mit Nora

Bossong und Michael Krüger

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Nach Auschwitz. Ein Lebensbild vonTheodor

W. Adorno., präsentiertvon Jürgen Tomm

DODO (& 53 09 40 72)

20.00: Offene Lesebühne, Moderation: Regine &Dago

exploratorium berlin (& 84 72 10 52)

18.00: Lesezirkel Improvisationsliteratur,Lesung und

Diskussion mit Reinhard Gagel. Anm. erf.

Geistesblüten (& 49 96 17 92)

19.00: Buchpremiere: „Oreo“, Fran Ross, Audrey

Boateng,Deutschlandpremiere undGespräch mit der

Übersetzerin PiekeBiermann und Christian Dunker

Museum in der Kulturbrauerei (Knaackstr.97)

19.00: Buchpremiere: „Nachwendekinder.Die DDR,

unsere Elternund das große Schweigen“, Johannes

Nichelmann, Die Buchpremiere findet mit einigen der

interviewten Zeitzeugen statt.

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Der Schnee vongesternist die

Sintflut vonheute, Daniela Dahn, Buchpremiere

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: LSD –Liebe Statt Drogen

Theater im Palais (& 201 06 93)

19.30: GrünaugesiechtDich,BastienneVoss, Autor/

in: Bastienne Voss, Buchpremiere

Zitadelle Spandau (& 35 49 44 29 7/)

19.00 Zentrum für Aktuelle Kunst: Eure Heimat ist

unser Albtraum, Fatma Aydemir,Hengameh Yaghoobifarah

und MaxCzollek, Mod.: Elisa Aseva,imRahmen

der Ausstellung “Just love”

FÜHRUNG

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí–Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Gedenkstätte Berliner Mauer –Besucherzentrum

(Bernauer Str.119) 11.30: Die Berliner Mauer vom

Wasser aus, Treff: Anleger Berliner Dom (11.30, 14.30

Uhr); Anleger East Side Gallery(12.00 Uhr)

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (& 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in der Kunst, Treff: Foyer

Museum für Kommunikation (& 20 29 40)

18.30: Likeyou! Freundschaft –digital und analog

18.30: Kuratorenführung: Mehrals Worte. 150 Jahre

Postkartengrüße, Dr.Veit Didczuneit

Stadt im Ohr (& 20 07 88 41)

9.00: Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

11.00: Werkstatt Wedding.Hörspaziergang durch die

Bilder einer Stadt, stadt im ohr,Treff und Ausgabe der

Audioguides. Rosa Parks Café, Soldiner Straße 32,

13359 Berlin

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr, Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im Cafe Sibylle,

Karl-Marx-Allee 72

KONZERT

b-flat (& 283 31 23)

21.00: JatzKatzenFabrik

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: My Sister Grenadine

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

19.30: Sing dela Sing XXXIII

Hintersee Bar (Greifenhagener Str.55)

20.00: Jörges –Steinhoff –Cantrell Trio

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (& 44 31 51 00)

20.00: Alexandra Janzen, Erinnerungen and die

Zukunft

Kulturhaus Spandau (& 33 34 02 1/ 22)

19.00 Theatersaal: Schalala –das Mitsingding mit

Stefanie Bonse, Marie-Elsa Drelon

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: Josh Savage,Will Church

Orania.Berlin (& 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: LarryPorter

Prachtwerk Berlin (Ganghoferstr.2)

20.00: DudleyBenson, European Tour

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: JonCampbell

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mitHeinz Glass u. a.

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Young European Quartett, special guest: Holly

Schlott

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.00 Roter Salon: Lucy Kruger

Wabe (& 902 95 38 50)

20.00: Musikalische Comedytherapie mitMathias

Wildenbruch

Yaam (& 615 13 54)

19.30: RasWilla &guests, Freedom Fighter Fyah

Crew

CLUB

Bohnengold (Reichenberger Str.153)

18.00: Ping Pong –Music –Drinks (PingPong –

Music –DrinksTT-Schläger können vorOrt geliehen

werden)

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Bellmeria, Ale Castro, Mountak

Matrix (& 293 69 9- 90)

22.00: Iluv2bang!, Krs.Age

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois –Techno Edition, Alexander

Kowalski, Kaltès, Horace Dan D, Michael Placke

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

Leandro

MUSEEN

Botanisches Museum (& 83 85 01 00)

9.00: Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie

und Moderne, tgl. 9-19 Uhr

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí –Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (& 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadt der Spione, tgl. 10-20 Uhr

Kulturforum (& 266 42 42 42)

10.00: Micro Era. Medienkunst aus China, Di-Fr 10-

18, Do 10-20, Sa/So 11-18 Uhr

Kupferstichkabinett (& 266 42 42 42)

10.00: Menzel. Maler auf Papier,Di-Fr 10-18, Sa/So/

Feiert. 11-18 Uhr

Museum The Kennedys (Auguststr.11-13)

10.00: Die Kennedy-Sammlung,Di-Fr 10-18, Sa/

So 11-18 Uh

KINO

Wolf (& 921 039333) Systemsprenger 11.00,

18.50; Wajib – Die Hochzeitseinladung (OmU)

12.00, 19.20; Synonymes (OmU) 13.20; Heute

oder morgen (OmenglU) 14.00; Mein Nachbar

Totoro 16.00; Das Wunder im Meer von Sargasso

(OmU) 17.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.00; Ein leichtes Mädchen –Une fille facile

(OmU) 21.20

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.00; Und der Zukunft

zugewandt 18.00; Nurejew –The White Crow 20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 14.00, 16.00; Der Distelfink

(OmU) 18.00; AdAstra –Zuden Sternen (OmU)

21.00; Systemsprenger 14.30, 17.15, 20.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 13.45, 15.50; Downton

Abbey (OmU) 17.40, 20.15; Und der Zukunft

zugewandt 15.15, 18.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.30; Gelobt sei Gott 15.00,

20.30; Nurejew –The White Crow (OmU) 17.45

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

Systemsprenger 13.45, 16.40, 19.40, 22.30; Nurejew

–The White Crow 13.45, 19.00; Gut gegen

Nordwind 13.45, 22.45; Kuddelmuddel bei Pettersson

und Findus 14.00; Ein Licht zwischen den Wolken

14.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.10, 16.50; Der König der Löwen 14.20; Angry

Birds2:Der Film 14.30, 16.45;Midsommar16.00;

Und der Zukunft zugewandt 16.20, 22.45; Downton

Abbey 16.30, 19.30; Ad Astra –Zuden Sternen

17.00; Gelobt sei Gott 17.10, 19.15; Sneak

Preview (OmU) 20.00; Normal (OmU) 20.00; Der

Distelfink 20.20; Es: Kapitel II 21.50; Once Upon

aTime in...Hollywood (OmU) 22.00; Nurejew –The

WhiteCrow(OmU) 22.30;AdAstra –Zuden Sternen

(OmU) 22.30

Krokodil (& 44 04 92 98) Über Grenzen –Der Film

einer langen Reise 17.30; Heimat ist ein Raum aus

Zeit 19.30

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Rote Räte- Die

bayrischeRevolution aus der Sicht vonAugenzeugen

17.00; Der Himmel über Berlin (OmenglU) 18.00;

Shorts Attack –Sundance Shorts 2019 20.15; Leid

und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 22.00

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) Mein

Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! 14.15;

Downton Abbey14.15, 17.10, 20.00; Der König der

Löwen 14.15,17.00; Angry Birds 2: Der Film 14.20,

17.00; Get Lucky –Sex verändert alles 14.30;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.30, 17.00;

AToy Story 14.30; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

14.35, 16.50; Playmobil 14.35; Die drei !!! 14.35;

Es: Kapitel II 16.25, 19.30, 22.15; Ad Astra 16.50,

19.50, 22.55; Systemsprenger16.55, 19.50; Rambo

5: Last Blood 17.00, 19.30, 22.55; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 17.05; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.30, 22.15; Midsommar 19.35,

22.45; Gut gegen Nordwind 19.35; Ready or Not?

19.45, 22.50; 3D: Der Königder Löwen 20.10; Fast

&Furious 22.35;Angel Has Fallen 23.00

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Systemsprenger 14.35, 17.30, 20.25

Cosima (& 85 07 58 02) Leid und Herrlichkeit

18.00; Once Upon aTime in...Hollywood 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Downton Abbey (OmU)

15.00, 20.30; Nurejew –The White Crow (OmU)

17.40

Xenon (& 78 00 15 30) Spatzenkino: Herbstgemüse

10.00, 11.15; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 18.00; Nurejew –The White Crow

(OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.00,

14.20, 17.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

10.00, 12.15, 14.45; Benjamin Blümchen 10.00;

Angry Birds 2: Der Film 10.00, 12.05, 14.25,

16.50; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

10.00, 14.15; 3D: Angry Birds 2: Der Film 12.10;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

12.20; Good Boys 14.30; Downton Abbey 17.10,

20.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 17.15;

Ad Astra –Zuden Sternen 17.20,20.10;Es: Kapitel

II 19.20; Once Upon aTime in... Hollywood 19.30;

Midsommar 19.40

Kino imKulturhaus Spandau (& 333 60 81) Gloria:

Das Leben wartet nicht 14.30, 20.15; Und wer

nimmt den Hund? 16.30; Frau Stern 18.30

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Downton Abbey

14.20, 17.10, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.15, 14.35, 17.00; Playmobil: Der Film 10.00;

Pets II 10.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

10.00, 12.10, 14.00, 15.00; Benjamin Blümchen

10.00, 11.55; Angry Birds 2: Der Film 10.00,

12.10, 14.35, 17.05, 17.25; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 10.00, 12.10, 15.00;

Der König der Löwen 12.05, 14.55, 17.00, 20.10;

3D:Angry Birds 2: Der Film 12.30; Get Lucky –Sex

verändert alles 14.35; Es: Kapitel II 16.20, 19.15,

22.50; Good Boys 17.45; 3D: Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 17.45; Midsommar 19.45, 22.30;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.00,

23.00; Once Upon aTime in... Hollywood 20.00,

22.55; Ad Astra –Zuden Sternen 20.00, 23.00;

Gut gegen Nordwind 20.10; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 22.55

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.30, 18.15; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 15.45; Downton Abbey

15.45, 18.00, 20.30; Angry Birds 2: Der Film

15.45, 18.15; Once Upon aTime in... Hollywood

17.30, 20.30; 3D: Everest: EinYeti will hoch hinaus

18.00; Rambo 5:Last Blood 20.30; Es: Kapitel II

20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00)Filme vonWolfgangHöpfner

und Peter Goedel: Gruselkrimis in der Hauptschule

/ Was Eltern fordern und Kinder leisten

(m. Gästen u. Moderation) 20.00; Magical History

Tour: Für immer Alexandria –Iskindariya,kaman wa

kaman (OmenglU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Benjamin Blümchen 12.30; Aladdin 12.30; 3D: A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 12.30;

Es: Kapitel II 13.00, 15.15, 17.30, 19.00, 20.30,

22.10; Once Upon aTime in... Hollywood 13.10,

15.15, 18.00, 20.00, 22.00; Der Distelfink 13.10,

16.50, 20.20; Ad Astra –Zuden Sternen 13.10,

17.00, 19.40, 22.50; Gloria: Das Leben wartet

nicht 13.15; Und der Zukunft zugewandt 13.20;

Systemsprenger 13.20, 19.30; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 13.35; Rambo 5: Last

Blood 13.40, 16.30, 20.00, 22.50; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 13.40, 18.20; Downton Abbey

13.40, 16.30, 19.40, 22.45; Pets II 14.00;

Der König der Löwen 14.00, 16.00, 19.50; Angry

Birds 2:Der Film 14.10; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.30, 17.30; Good Boys 14.40,

17.30, 20.00, 22.30; Get Lucky –Sex verändert

alles 15.40, 17.10; Polityka (OmU) 16.20; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 16.30, 20.10,

22.50; 3D: Der König der Löwen 16.30, 22.50;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.40; Gut

gegen Nordwind 16.45; 3D: Angry Birds 2:Der Film

17.00; Midsommar 19.20, 22.40; Yesterday19.30;

My People, My Country (OmU) 19.30; Angel Has

Fallen 19.30, 22.40; Late Night –Die Show ihres

Lebens 19.50;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 21.00, 22.40; Annabelle

III 22.30; Stuber –5Sterne Undercover

22.50; Spider-Man: Far From Home 22.50; John

Wick: Kapitel III 22.50

CineStar imSony Center (& 04 51/703 02 00)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm (OF) 13.30, 15.50,

18.15; Der König der Löwen (OF) 13.45; Downton

Abbey (OF) 14.00, 16.40, 19.30, 23.10; Angry

Birds 2(OF) 14.00; Good Boys (OF) 14.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 15.10, 19.00,

22.40; Rambo 5: Last Blood (OF) 16.45, 20.20,

23.00;Der Distelfink –The Goldfinch (OF) 17.00; Ad

Astra –Zuden Sternen (OF) 17.20, 20.15, 23.15;

3D: Angry Birds 2: Der Film –The Angry Birds Movie

II (OF) 17.45; Midsommar (OF) 19.45, 22.30; Es:

Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 20.30; Ready or

Not? –Auf die Plätze,fertig, tot (OF) 20.45, 23.15

CineStar IMAX (& 04 51/703 02 00) 3D: ABeautiful

Planet 11.45; Ad Astra –Zuden Sternen (OF)

13.05,16.00, 19.15; Es: Kapitel II –It: Chapter Two

(OF) 22.30

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Frau Stern

(OmenglU) 18.30

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.00, 16.00, 18.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 14.00; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.00, 16.00; Angry Birds 2:Der

Film 14.00, 16.00; Downton Abbey 15.00, 17.30,

20.00, 22.30; Ad Astra –Zuden Sternen 16.00,

20.00,22.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

18.00; Es: Kapitel II 18.00, 20.15, 21.30; Rambo

5: Last Blood 18.30, 20.30, 22.30

Casablanca (& 677 57 52) Spatzenkino: Herbstgemüse

10.00; Mein Leben mit Amanda 16.15;

Und wer nimmt den Hund? 18.30; Und der Zukunft

zugewandt 20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 0200)

Downton Abbey 13.55, 16.50, 19.45; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00, 16.30, 19.40;

Good Boys 14.00; Angry Birds 2: Der Film 14.00,

17.10;Der König der Löwen 14.10; Everest: Ein Yeti

willhoch hinaus14.15,16.50;Get Lucky –Sex verändertalles

14.20, 16.55;MeinLotta-Leben–Alles

Bingo mit Flamingo! 14.35; Playmobil: Der Film

14.40; Es: Kapitel II 16.20, 20.00; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 16.30; Rambo 5:Last

Blood 17.15, 20.10; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 17.20; Once Upon aTime in... Hollywood

19.25; Gut gegen Nordwind 19.30; Ready or Not?

–Auf die Plätze, fertig,tot 19.55; Ad Astra –Zuden

Sternen 19.55; Midsommar 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Downton

Abbey 14.00, 17.00, 19.30; Der König der Löwen14.10;Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15,

14.40; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.20; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.30, 17.00; Angry Birds 2: Der Film 14.30,

17.20; AdAstra –Zuden Sternen 16.45, 19.50;

Rambo 5: Last Blood 16.50, 19.50; 3D: Everest:

Ein Yeti willhoch hinaus 17.00; Es: Kapitel II 17.00,

20.30; Once Upon aTime in... Hollywood 19.30;

Midsommar 19.30; Firincinin Karisi (OmU) 19.45

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 4001) Wajib –Die Hochzeitseinladung

(OmU) 18.00; Ein Licht zwischen

den Wolken –Streha mes reve (OmU) 20.00; Die

untergegangene Familie –Familia sumergida (OmU)

21.30

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Love,Simon (OmU)

12.45;Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.45; Und

der Zukunft zugewandt 18.00; Gut gegen Nordwind

20.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

10.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 12.30;

Downton Abbey 14.45,17.30, 20.15

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Sowie du

mich willst 16.00; Mein Leben mit Amanda 18.00;

Celebration (OmU) 20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Nurejew –The

White Crow 15.00, 20.15; Gut gegen Nordwind

17.30

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Leid und Herrlichkeit 18.00;

Rocketman 20.30

Capitol (& 831 6417) Nurejew –The White Crow

15.00,20.30; Systemsprenger 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Stan

&Ollie 17.00; Aktuelles Potsdamer Filmgespräch:

Systemsprenger (m.Gast u.Moderation) 19.00

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Nurejew

–The White Crow 10.30, 15.30, 18.00, 20.30; Angry

Birds 2:Der Film 13.45, 16.00; Systemsprenger

15.15, 18.15, 20.45; Gelobt sei Gott 15.30,

20.45; Downton Abbey (OmU) 18.00, 20.30; Und

der Zukunft zugewandt 18.15

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70) Der

König der Löwen 13.40, 16.45; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 13.45, 16.50; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 13.45;

Downton Abbey 13.55, 16.55, 19.55; Angry Birds 2

14.00; AToy Story 14.00; Playmobil 14.10; Everest

14.15, 17.15; Es II 16.10, 19.40; Ad Astra 16.30,

20.00; Rambo 516.55, 20.10; 3D: Angry Birds

2: Der Film 17.00; Midsommar 19.40; Gut gegen

Nordwind 19.45; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

19.50; 3D: Everest: EinYeti will hoch hinaus 20.10

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/2798877) AngryBirds

2: Der Film 15.00; Downton Abbey 17.30,20.20

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Late Night –Die Show ihres Lebens 17.15; Blinded

by the Light 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/7030200) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 14.00; AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 14.00, 17.00; Pets II 14.20;

Good Boys 14.20; Gut gegen Nordwind 14.30,

20.00; Get Lucky – Sex verändert alles 14.45,

16.05; Downton Abbey 14.45, 17.20, 19.50; Der

Königder Löwen 14.50; Shaun das Schaf:Der Film:

UFO-Alarm15.00, 17.15, 19.30;Angry Birds 2: Der

Film 15.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.20, 18.10; Es: Kapitel II16.45, 19.45; Rambo

5: Last Blood 17.15, 20.30; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 17.15; 3D: Der König der

Löwen 17.30; 3D: Angry Birds 2:Der Film 17.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.50; Ad Astra

–Zuden Sternen 20.00; Midsommar 20.10; Ready

or Not?–Aufdie Plätze,fertig,tot 20.15; Angel Has

Fallen 20.20

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 5454) Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.00, 18.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 15.30; Angry Birds 2:

Der Film 15.30; Once Upon aTime in... Hollywood

17.00; Downton Abbey 17.45, 20.30; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 18.00; Winnetou –Der

Schatz im Silbersee 20.30; Es: Kapitel II 20.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 48 28)

3D: Angry Birds 2: Der Film 15.00, 17.00; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 15.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 15.15; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 17.15; Der König der Löwen

17.20; Gut gegen Nordwind 19.45; Angel Has

Fallen 20.00; Ad Astra –Zuden Sternen 20.05; Es:

Kapitel II 20.15

Linden-Kino Wusterhausen (& 03 39 79/145 93)

Angry Birds 2: Der Film 17.00; Es: Kapitel II19.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 15.00; Der König der Löwen

15.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 17.30;

Und der Zukunft zugewandt 18.00; Gut gegen Nordwind

20.00


24 * Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

FRAGEBOGEN

„Nachts gönne

ich mir

Funkstille“

Kurze Fragen, schnelle Antworten:

Im Chat kommen Menschen

zu Wort,die sich in der digitalen

Welt bewegen. Julia Butter ist als

AI-Evangelist für die Scout24-Group

tätig. Sie absolvierte ihr Studium an

der LMU in München und der Tel

Aviv University.

Womit beginnt morgens Ihr Einstieg

in die digitale Welt?

Zuallererst deaktiviere ich den

Flugmodus meines Smartphones –

um tagsüber leistungsfähig zu sein,

gönne ich mir nachts komplette

Funkstille.Auf dem Wegindie Arbeit

lese ich oft den „Inside AI“-Newsletter,

der mich mit allen Neuigkeiten

rund um Künstliche Intelligenz, Robotik

und Neurotechnologie versorgt.

Außerdem werfe ich oft einen

Blick auf die Blogbeiträge bei Medium.com.

Ohne welche App könnten Sie nicht

leben?

Ganz klar: Google Spreadsheets.

Auch wenn es mittlerweile super Nischen-Apps

gibt, ist das für mich eines

der besten Tools zur schnellen

und strukturiertenWissensorganisation

im beruflichen, aber auch im

privaten Bereich. Ich habe sogar ein

Spreadsheet zu Wellnesshotels mit

einer Kategorie „Entfernung von

München“.

Eingroßes Thema zurzeit ist Künstliche

Intelligenz. Wassollte diese Technik

in Zukunft unbedingt können?

Ein faszinierendes Einsatzgebiet

für Künstliche Intelligenz ist sicherlich

der Healthtech-Bereich. Personalisierte

Heilmittel, mit denen aktuell

noch unheilbareKrankheiten behandelt

werden können –das wäre eine

großartige Entwicklung. Im Alltag

sollte die Technologie zudem schlicht

dazu dienen, unser Leben zu vereinfachen,

indem sie uns repetitive Aufgaben

abnimmt und diese weitaus

präziser und schneller erledigt, als ein

menschliches Gehirnesvermag.

Was geht gar nicht in der digitalen

Welt, was verurteilen Sie?

Bashing oder Mobbing, insbesondereinanonymer

Form,geht für

mich gar nicht.

Vielen Menschen macht die Zukunft

Angst. Welcher Podcast macht Ihnen

Mut?

Ichmag kurze,prägnante Gedankenimpulse.

Podcasts sind mir

manchmal zu lang und wenig konkret.

Ich bevorzuge daher Medium-

Posts, Aufnahmen von Conference-

Talks oder Blinks –und manchmal

auch den Blick in die Zeitschrift

Hohe Luft. DieZeitschrift beleuchtet

Themen rund um Kultur und Politik

aus einem philosophischen Blickwinkel.

Mut machen mir auch Unternehmen

mit einer positiven Vision.

Vor allem, wenn dort begeisterte

Menschen arbeiten, die holistisch

und ethisch denken.

Fällt es Ihnen schwer, amAbend abzuschalten?

Wenn ich begeistert an einem

Projekt arbeite, merke ich schon,

dass meine Gedanken öfter dorthin

zurückkehren. Eine Runde Yoga

wirkt da oft Wunder.

Julia Butter ist als Expertin

für Künstliche Intelligenz bei

der Scout24-Group tätig.

In der Factorygibt es auch eine sogenannte Wabenwand, in der die Studenten diskutieren können. CODE UNIVERSITY (3)

Lernen für die Zukunft

Wasmüssen Hochschulen tun, um in digitalen Zeiten zu überleben? Professoren empfehlen Experimente

VonJörg Hunke

Irgendwo in einer Universitätsbibliothek

hat Anne Prill den

Satz zum ersten Mal gehört.

„Steckdosen sind die neue

Währung der Hochschulen“, sagte

ein Student, als er sein Notebook mit

dem Stromnetz verbinden wollte.

Nur waren alle Steckdosen in seiner

Umgebung belegt, der Student

konnte nicht sofort loslegen, musste

lange suchen, denn es gab kaum

Steckdosen im Saal. Für Anne Prill ein

gutes Beispiel dafür, dass Hochschulen

in Deutschland aufpassen müssen,

dass sie die Zukunftstrends nicht

verpassen.

Kuschelige Sitzecken

Prill gehört zusieben Wissenschaftlern,

die sich in den vergangenen

Monaten intensiv mit der Frage beschäftigt

haben, warum Hochschulen

über zukunftsfähige Lernraumentwicklung

abseits traditioneller

Hörsäle und Seminarräume sprechen

müssen. Die Kernbotschaft

lautet: Niemand kann seriös sagen,

wie Künstliche Intelligenz, Virtual

Reality, Quantencomputer und ein

schnelles Internet die Gesellschaft

und die Berufswelt verändern werden.

In diesen ungewissen Zeiten

haben Studenten dann die besten

Chancen, wenn sie kreative Lösungen

finden, wenn sie analytisches

und kritisches Denken gelernt haben,

zur Kollaboration fähig sind

und virtuelle und persönliche Kommunikation

beherrschen. „Damit

verbunden braucht der Wandel vom

Lehren zum Lernen auch eine räumliche

Übersetzung“, sagt Anne Prill,

Projektmanagerin im Hochschulforum

Digitalisierung. Also weg von

Frontalvorlesungen, hin zu flexiblen

Mitmachlösungen, von „strategischer

Lernraumentwicklung“ ist in

dem Arbeitspapier, das der Berliner

Zeitung exklusiv vorliegt, die Rede.

Wie also müssen Räume ausgestattet

sein, welche Möbel sind notwendig,

was wirkt motivierend auf

junge Menschen –mit solchen Fragen

beschäftigten sich die Wissenschaftler

im Auftrag des Hochschulforums.

Das Forum wurde vor fünf

Jahren gegründet, um den Diskurs

zur Hochschulbildung im digitalen

Zeitalter zu orchestrieren.

Wie esgehen kann, wird anBeispielen

aus Baden-Württemberg,

Hessen und Berlin erklärt. Als vorbildlich

in der Hauptstadt gilt die

Code University. Sie wurde vor zwei

Jahren gegründet, hat 350 Studierende

und wächst beständig. DieUni

An der Code University sind 350 Studierende eingeschrieben.

Bundesweit: In der Bundesrepublik

existieren 349

Hochschulen. Diese spalten

sich in verschiedene Hochschularten

auf. Universitäten

sind wissenschaftliche

Hochschulen, die das breiteste

Fächerangebot aufweisen.

wird indem Arbeitspapier als vorbildlich

im Bereich „Community of

Equals“ bezeichnet, es geht konkret

darum, die Hochschule gemeinschaftlich

auf Augenhöhe weiterzuentwickeln.

Also ab durch den Görlitzer Park

hin zum ehemaligen Fabrikgebäude

an der Lohmühlenstraße. Es wird

von der Factory betrieben, die auch

Firmen wie Soundcloud oder Tesla

Arbeitsraum in der Stadt bietet. In

dem fünfstöckigen Gebäude in Alt-

HOHE STUDENTENZAHL

Berliner Sicht: Die Humboldt-Uni

ist die älteste in Berlin.

Dort, und an anderen

Hochschulen, gibt es auch Experimentefür

das Lernen und

Lehren der Zukunft.Außerdem

gibt es Kooperation mit Unternehmen,

der Siemens-Campus

ist ein Beispiel.

Boom: Im Wintersemester

des vergangenen Jahres waren

so viele Studierende wie

noch nie zuvor an den deutschen

Hochschulen eingeschrieben.

Nach Ergebnissen

des Statistischen Bundesamtes

waren 2867 500

Studenten immatrikuliert.

Auf die Möglichkeit des spontanen Austauschs wird bei Core Wert gelegt.

Treptow hat die Uni eine Etage gemietet.

Erster Eindruck: viel Glas,

viel Holz, Bereiche zum stillen Lernen

und fürs engagierte Diskutieren,

offene Räume und Gruppenräume,

bei denen man die Türen schließen

kann, dazu kommen eine große Küche

und kuschelige Sitzecken –ein

Gesamtkonzept wie bei einem erfolgreichen

Start-up.„Überspitzt formuliertwollen

Studierende bei ihren

Lernanstrengungen auch sehen,

dass sich andere auch anstrengen

müssen“, sagt Richard Stang, Leiter

des Learning Research Center an der

Hochschule der Medien in Stuttgart.

In dem Arbeitspapier ist von einem

Paradigmenwechsel die Rede,

früher ging es vor allem ums Lehren

mit Frontalunterricht, heute steht das

Lernen, auch das gegenseitige Schulen

in Gruppen, im Vordergrund. Wer

durch die Glastüren in die Gruppenräume

schaut, erkennt diese Vielfalt.

Ist das tatsächlich ein Professor, der

gerade genüsslich eine Birneisst und

intensiv zuhörtoder doch ein Student

oder ein externer Referent? Nicht so

leicht zu entscheiden.

Raumgefühl entwickeln

Prill spricht auch davon, dass Lehrende

und Studenten eine Raumkompetenz

erlernen müssen. Dasbedeutet:Wann

ist es wichtig, Möbel für

eine Gruppenbesprechung zusammenzuschieben,

wie groß muss die

gewünschte Fläche sein, welche technische

Ausstattung ist notwendig?

„So etwas zu erlernen, braucht Zeit“,

sagt Prill. Und es braucht die passende

Ausstattung. In der Berliner

Hochschule sind alle Tische mit Rollen

versehen, sie können problemlos

hin- und hergeschoben werden, in

manchen Räumen gibt es Stehtische

und Schreibtische, manche sind wie

klassische Konferenzräume gestaltet.

Undauf den Fluren sind immer wieder

Sitzecken zufinden, wo die jungen

Menschen sich spontan austauschen

können. Früher diente dazu oft

die Bibliothek, die ist in der Factory

sehr übersichtlich, die meisten Studentenlesen

inzwischen digital.

Wem die anstehenden Veränderungen

Angst machen sollten, dem

sei ein Blick in die Vergangenheit

empfohlen. Den Hochschulen ging

es schon immer darum, die beste

Lernumgebung für Studenten zu

schaffen, so sind Bibliotheken entstanden,

so kam man auf die Idee,

Podeste für die Vortragenden zu installieren

oder in größeren Hörsälen

ansteigende Sitzreihen wie in Arenen

zu schaffen, um die „Sehgüte für

die Sitzenden“, wie es damals hieß,

zu verbessern. Prill sagt jedenfalls,

dass die Lernraumentwicklung ein

komplexer und auch dauerhafter

Prozess bleibe. Sie empfiehlt, neue

Konzepte iterativ umzusetzen, also

gemeinsam Ideen auszuprobieren

und weiterzuentwickeln.

Jörg Hunke würde an

modernen Unis gernenoch

einmal studieren.

Apple will beim

Recycling

Vorbildsein

Umweltchefin des Konzerns:

Wendepunkt ist erreicht

Apple-Umweltchefin Lisa Jackson

will den Einfluss des iPhone-

Konzerns nutzen, um einen breiteren

Einsatz von Recycling und erneuerbarer

Energie zu erreichen. Als

Leiterin der US-Umweltbehörde unter

Präsident Barack Obama habe sie

gesehen, wie man mit politischen

Entscheidungen von einer bedrohten

Zukunft zu einer hoffnungsvolleren

kommen könne. „Wir glauben,

dass es wichtig, ist, unsere Rolle in

der Privatwirtschaft zu nutzen, um

Druck für mutiges Handeln beim

Klimaschutz zu machen –und mit

gutem Vorbild voranzugehen“, sagte

Jackson.

Ein Beispiel sei der Einsatz seltener

Erden aus dem Recycling im

neuen iPhone 11 –zum ersten Malin

einem Smartphone. „Wenn wir das

machen, können andere es auch“,

sagte Jackson. „Wir hoffen, dass

diese Entwicklung anderezum Handeln

anspornt, damit wir die Nachfrage

schaffen können, die man

braucht, um dieses recycelte Material

noch schneller in einen größeren

Maßstab zu bringen.“ Apple nutzt

bei mehreren Modellen auch Aluminium

aus dem Recycling.

Sehnsucht nach Wandel

Jackson sieht einen neuen gesellschaftlichen

Fokus auf Umweltschutz.

„Die Menschen sind ausgehungert

nach echtem Wandel und

Führung bei diesem Thema und für

mich fühlt es sich an, als wären wir

an einem Wendepunkt angelangt.“

Allein die Tatsache, dass 1,5 Millionen

Menschen bei den Klimaprotesten

in Deutschland auf die Straße ge-

Lisa Jackson ,Umweltchefin bei Apple,

ist Chemieingenieurin. IMAGO STOCK&PEOPLE

gangen seien, zeige,dass diesmal etwas

anders sei. So glaube sie auch,

das Potenzial, gemeinsam „entmutigende“

Klima-Herausforderungen

anzugehen, sei größer denn je.„Und

Stimmen wie die von Greta Thunberg

sind so wichtig für die Klarheit,

die wir für unseren Antrieb und unsereHerangehensweise

brauchen.“

Eine Herausforderung sei, dass

viele Unternehmen nicht erkennen,

dass man sich nicht zwischen dem

Wohl desPlaneten und dem eigenen

Profit entscheiden müsse. Man

brauche smarte und innovative Lösungen,

um als Branche den CO 2 -

Ausstoßstark und nachhaltig zu senken.

Zugleich bedürfe es staatlicher

Regulierung dafür.

Apple hatte im vergangenen Jahr

bekannt gegeben, dass alle Standorte

des Konzerns komplett mit erneuerbarer

Energie betrieben werden.

Inzwischen verpflichteten sich

auch 44 Zulieferer des Konzerns

dazu. Apple veröffentlicht zu jedem

seiner Geräte Angaben zum CO 2 -

Ausstoß, den es über seine Lebenszeit

erzeugen dürfte. Beim neuen

iPhone 11 etwa rechnet Applemit 72

Kilogramm Kohlendioxid pro Gerät,

davon entstünden 79 Prozent bei der

Produktion und 17 Prozent bei der

Nutzung.

In derTech-Branche bezieht auch

Google seinen gesamten Strom aus

erneuerbaren Energien. Amazon

kündigte jüngst an, den Energiebedarf

bis 2030 komplett auf erneuerbare

Quellenumzustellen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 25

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun

9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG)

Meister desAlltags 11.15 (für HG)Wer weiß

denn sowas? 12.00 (für HG)Tagesschau 12.15

(für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für

HG) Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau

15.10 (für HG)Sturm der Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Leichtathletik:WM.

Hammerwerfen Herren, Qualifikation; 400 m

Herren; Hochsprung Herren; 400 mHürdenDamen

18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Leichtathletik:WM.Stabhochsprung

Herren 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Leichtathletik:Weltmeisterschaften

Speerwerfen Damen, Finale; 800 m

Herren, Finale; 200 mHerren, Finale

Moderation: Claus Lufen

Aus Doha (KAT)

22.00 (für HG) Report Mainz

Das Phänomen Greta

22.30 (für HG) Tagesthemen

23.00 (für HG) Hier spricht Berlin

Gäste: Günther Jauch, Sido, Petra

Schmidt-Schaller, Thomas Quasthoff,

Else Buschheuer,Daniel Krause

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Wolfram Kons, Roberta Bieling 8.30 (für HG)

Gute Zeiten,schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler XXL.

Moderation: Sükrü Pehlivan 16.00 Mensch

Papa! Väter allein zu Haus 17.00 Herz über

Kopf. Krimiserie 17.30 Unter uns. Daily Soap

18.00 Explosiv –Das Magazin. Moderation:

Elena Bruhn 18.30 Exclusiv –Das Star-Magazin.

Moderation: Frauke Ludowig 18.45 aktuell

19.05 (für HG)Alles was zählt. Soap 19.40 (für

HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Zahltag! Ein Koffer voller Chancen

Mit Mit Ilka Bessin, Heinz Buschkowsky,

Felix Thönnessen

In diesem Experiment erhalten Familien

mit einer finanziellen Starthilfe eine

Chance, ihr Leben neu zuorden.

23.00 Vera unterwegs –Zwischen Mut und

Armut Reportagereihe

0.00 Nachtjournal

0.30 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Und wen verurteilen die Opfer?

1.20 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Der Mörder im Mittleren Osten

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR Arte

16.00 (für HG) MDR um vier 17.45 (für HG)

Aktuell 18.10 (für HG) Brisant Classix 18.54

(für HG) Sandmann 19.00 MDR Regional

19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Einfach

genial 20.15 (für HG) Umschau 21.00 (für

HG) Der Osten –Entdecke wodulebst 21.45

(für HG) Aktuell 22.05 (für HG) Kriminalfälle

der Einheit –Bankraub,Banden, Bilderdiebe

22.50 (für HG) Polizeiruf 110. Ein unbequemer

Zeuge. TV-Kriminalfilm, DDR 1977 0.05

(für HG) WaPo Bodensee 0.55 (für HG) Weissensee

1.45 (für HG) Weissensee

Bayern

15.30 (für HG)Schnittgut. Alles aus demGarten

16.00 (für HG)Rundschau 16.15 (für HG) Wirin

Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für

HG) Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Tatort. Der oide Depp. TV-Kriminalfilm, D

2008 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG)Capriccio 22.30 (für HG) Unsere

Tracht und dieMacht 23.15 nacht:sicht extra

23.45 KlickKlack 0.15 BR-Klassik 1.05 (für HG)

Dahoam is Dahoam 1.35 (für HG) WirinBayern

Vox

15.00 Shopping Queen 16.00 Die schönste

Braut 17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00

First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für HG)

Die Höhle der Löwen (5). Brad Brat aus Bremen

/Protect Pads aus Luxemburg /AER aus

Stuttgart /GoBunion aus München 22.45 True

Story 23.40 nachrichten 0.00 (für HG) Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit 0.55 (für

HG) Medical Detectives –Geheimnisse der

Gerichtsmedizin. Mord zum Dessert

Super RTL

14.55 Dragons –Auf zu neuen Ufern 15.20 Mr.

Bean –Die Cartoon-Serie 15.50 ALVINNN!!!

und die Chipmunks 16.20 Zig &Sharko –

Meerjungfrauen frisst man nicht! 16.45 Die

Nektons –Abenteurer der Tiefe 17.10 Mr.Magoo

17.40 Zak Storm –Super Pirat 18.10 Die

Tomund Jerry Show 18.45 Woozle Goozle und

die Weltentdecker 19.10 ALVINNN!!! und die

Chipmunks 19.40 Angelo! 20.15 Snapped –

Wenn Frauen töten 22.00 Snapped –Wenn

Frauen töten 22.50 Snapped –Wenn Frauen

töten 23.50 Böse Mädchen 0.25 Infomercials

Sport1

9.00 Teleshopping 15.30 Hans Sarpei –Das T

steht für Coach 15.55 Fußball: UEFAYouth

League. 2. Spieltag: Tottenham Hotspur –FC

Bayern München 18.00 Fußball: UEFAYouth

League. 2. Spieltag: Juventus Turin –Bayer Leverkusen

18.30 Goooal! –Das internationale

Fußball-Magazin 19.00 Magenta Sport: Arena

20.00 Fantalk 23.15 Scooore! –Internationales

Fußball-Magazin 0.00 Sport-Clips 0.40

Sport-Clips 0.45 Teleshopping-Nacht 1.00

Sport-Clips 1.05 Teleshopping-Nacht

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –

Service täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Knockout 11.15 (für HG) SOKO Wismar

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –inDeutschland

14.15 Die Küchenschlacht 15.00 (für HG)

heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für Rares

16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10 (für

HG) Die Rosenheim-Cops. Zu hochzuRoss

17.00 (für HG)heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute 18.00

(für HG) SOKO Hamburg. Der Pferdeflüsterer

19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Eine sensationelleEntdeckung

20.15 (für HG) Rewe oder Edeka?

Der große Einkaufs-Check mit Nelson

Müller

21.00 (für HG) Der Mordfall Sophia- Protokoll

einer fehlerhaften Fahndung

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Die Anstalt

Gäste:Timo Wopp, Michael Altinger,

Anny Hartmann

Mit Max Uthoff, Claus vonWagner

23.00 Leschs Kosmos Digitale Revolution:

die Zukunft des Lernens

23.30 (für HG) Markus Lanz

5.30 Frühstücksfernsehen. Gäste: Boris Palmer,Charlotte

Karlinder,Pascal Schroth. Moderation:

Karen Heinrichs,Daniel Boschmann

10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf Streife.

Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die Spezialisten.

Reportagereihe 16.00 Klinik am Südring

17.00 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial daneben

–Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 MacGyver

Hochverrat. Actionserie

Mit LucasTill, Tristin Mays, Justin Hires,

Levy Tran, Meredith Eaton u.a.

21.15 MacGyver

Auge um Auge.Actionserie

22.15 Hawaii Five-0

Der falsche Fensterputzer. Krimiserie

23.10 Focus TV –Reportage

Verschuldet, verpfändet –gerettet!

Letzter Ausweg Pfandleihhaus

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

Gast: Gayle Tufts

13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55 Erlebnisreisen

14.00 (für HG) Lecker an Bord 14.30

(für HG) In aller Freundschaft 15.15 (für HG) In

aller Freundschaft 16.00 (für HG) Aktuell 16.15

Hier und heute 18.00 (für HG)aktuell /Lokalzeit

18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für HG)

Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Abenteuer Erde

21.00 (für HG) Quarks 21.45 (für HG) Aktuell

22.10 (für HG) Jahr desDrachen. TV-Drama, D

2012 23.40 (für HG) Aufeinmal. Drama, D/NL

2016 1.25 (für HG) Menschen hautnah

NDR

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG)

NaturNah 18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Visite 21.15 (für HG) Panorama –die

Reporter 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für

HG) Polizeiruf 110. Zwischen denWelten. TV-

Kriminalfilm, D2013 23.30 (für HG) Weltbilder

Spezial 0.00 (für HG) Im Schatten der Netzwelt

–The Cleaners. Dokumentarfilm,D/BRA/

NL/I/USA 2018 1.25 (für HG) 3nach 9

Kabel eins

8.35 Blue Bloods –Crime Scene NewYork 9.30

Navy CIS: L.A. 10.25 Navy CIS 11.20 Without a

Trace 12.15 Numb3rs 13.10 Castle 14.05 The

Mentalist 15.00 Navy CIS: L.A. 15.50 News

16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Spezial 18.55

Achtung Kontrolle! Wir kümmern uns drum

20.15 Forbidden Kingdom. Abenteuerfilm,

CHN/USA 2008 22.25 Mortal Kombat. Actionfilm,

USA 1995 0.15 Mortal Kombat 2. Actionfilm,

USA 1997 1.50 Late News 1.55 Mortal

Kombat. Actionfilm, USA 1995

RTL 2

10.00 Frauentausch 12.00 Extrem sauber –

Putzteufel im Messie-Chaos 13.00 Extrem sauber

–Putzteufel imMessie-Chaos 14.00

Traumfrau gesucht 15.00 Traumfrau gesucht

16.00 Hilf mir! Die volle Dröhnung (2) 17.00

News 17.05 Krass Schule –Die jungen Lehrer

18.05 Köln 50667 19.00 Love Island Flash

19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Armes

Deutschland –Stempeln oder abrackern?

22.15 Love Island –Heiße Flirts und wahre

Liebe 23.40 Reality Alarm! 0.40 Love Island –

Heiße Flirts und wahre Liebe 1.50 Ibiza Diary

Eurosport 1

18.30 Radsport: Straßen-Weltmeisterschaften.

Herren 20.10 Eurosport News 20.20 Olympische

Spiele. Legenden hautnah 20.50 Olympische

Spiele. Camps to Champs 21.25 Eurosport

News 21.30 Spirit of Yachting. Das Eurosport-Segelmagazin

22.00 ERC All Access

22.30 Motorsport: Blancpain GT Series Endurance

Cup 23.30 Motorsport: Blancpain GT

World Challenge Asia 0.05 Radsport: Tour of

Croatia 1.05 WATTS. Die Tennis-Spezial-Ausgabe

der Eurosport-Clipshow 1.30 Pause

3SAT, 20.15 UHR TV-THRILLER

Der Mann ohne Schatten

Auchfür den, mitallen Wassern gewaschenen AnwaltJoachim Vernau

(Jan-JosefLiefers) ist es einungewöhnlicher Auftrag, alservon Katherina

Gebhardt engagiertwird, um ihrenvor 30 Jahren verschwundenen Bruder

Martin aufzuspüren. Doch wo suchtman nach einemMann, denseit 30 Jahren

scheinbar niemand mehr gesehen hat?Vernau geht einem ersten Hinweisnach

und reist in die kubanische Hauptstadt Havanna. Hier kommtder Anwalt dem

Gesuchten bald aufdie Spur undfindet heraus,dassMartinindiverse Korruptionsfälle

undeinen mysteriösen Todeines Mitarbeitersdes Innenministeriums

verwickelt war. Nach weiterenNachforschungen trifft er schließlich aufeinen

Mann dersich als derGesuchte ausgibt.Dochhandeltessich beidiesem Mann

auch wirklich um den echten Martin Gebhardt?

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5.25 Berliner Nächte 5.30 Panda, Gorilla &

Co. 6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach

Meer 14.00 Mein Traum vom Hof 14.45

Traumhäuser 15.15 Mit dem Zug ... (1/2)

16.00 rbb24 16.15 Gefragt –Gejagt 17.00

rbb24 17.05 Panda, Gorilla &Co. 17.55

Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin

18.30 zibb 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Der Alex –Platz der Extreme

Dokumentation

21.00 Expedition Baikal –Mit dem Robur

nach Sibirien (3/4)

Vom Ural bis Nowosibirsk

21.45 rbb24

22.00 Nuhr im Ersten

Gäste: Lisa Eckhard, Monika Gruber,

IngoAppelt, Torsten Sträter

22.45 Ladies Night

Gäste: Dagmar Schönleber,Tina Teubner,Carmela

de Feo,Helene Bockhorst

23.30 Talk aus Berlin

ProSieben

10.45 Fresh off the Boat 11.40 Mike &Molly.

Der Hausmann. Comedyserie 12.00 2Broke

Girls. The Stalking Dead/Handwerker und Notfälle.

Comedyserie 12.55 Mom. Bo und die

Sucht nach Tattoos. Comedyserie 13.20 Two

and aHalf Men. Sushi und Ketchup/Mein

schönstes Wochenenderlebnis/Vergiss den

Techniker. Comedyserie 14.40 The Middle. Der

zweite Valentinstag/Der neue Freund.Comedyserie

15.40 The Big Bang Theory. Der Kampf

der Bienenköniginnen/Der Wolowitz-Koeffizient/Die

Las-Vegas-Kur.Comedyserie 17.00

taff. Moderation: Viviane Geppert, DanielAminati

18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons

19.05 Galileo. Moderation: Aiman Abdallah

20.15 Renn zur Million ... wenn Du kannst!

Moderation: Rebecca Mir,Daniel

Aminati. Wer rennt, gewinnt! Um die

Million Euro zu kassieren, müssen die

Kandidaten rennen und alle Hindernisse

überwinden.

22.50 Die Simpsons

Lisa und ihre Jungs. Zeichentrickserie

23.15 Die Simpsons

Bart hat die Kraft.Zeichentrickserie

23.45 Die Simpsons

Wenn ich einmal reich wär!

Zeichentrickserie

17.10 Wie das Land, so der Mensch 17.35

Kuba –Flüchten oder standhalten? 18.30 (für

HG) Geheimnisse Asiens –Die schönsten Nationalparks

19.20 Arte Journal 19.40 (für HG)

Re: Schwerpunkt: 30 Jahre Fall des Eisernen

Vorhangs 20.15 (für HG) Palast der Gespenster.

Dokumentarfilm,D2019 21.45 (für HG)

Gorbatschow. Dokumentarfilm,GB2018

23.15 Interview mit Alt-Bundespräsident Joachim

Gauck und Daniela Schadt 23.50 Solidarnosc

0.45 Geheimsache Mauer. Dokumentarfilm,

D2011 2.15 Mit offenen Karten

3Sat

13.00 (für HG) ZIB 13.20 Nordgriechenland –

Die unbekannte Schöne 14.05 (für HG) Sonnenziele

für jede Jahreszeit 14.50 (für HG) Das

Land, wo die Orangen blühen 15.35 Inseln des

Mittelmeeres 16.15 Küstenparadies Kroatien

18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Der Mann ohne Schatten. TV-Thriller,D

2015 21.45 kinokino 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 Der Doppelgänger von Ost-Berlin 23.25

(für HG) Geheimnisvolle Orte 0.10 (für HG)

Mauerkinder 0.55 Reporter 1.15 10vor10

Phoenix

15.15 phoenix plus. Komiker im Kabinett 16.00

Panorama –die Reporter 16.45 Wirund der

Keim:ZweiFrauen kämpfen fürihr Leben 17.30

phoenix der tag 18.00 plan b 18.30 Katastrophen,

die Geschichte machten 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Mythos Wolfskind.

Dokumentarfilm,D2016 21.00 (für HG)Der

Lippenbär –Held ausdem Dschungelbuch

21.45 (für HG) heute-journal 22.15 phoenix

runde 23.00 phoenix der tag 0.00 phoenix runde

0.45 Mythos Wolfskind. Dokumentarfilm,D

2016 1.30 Held ausdem Dschungelbuch

Kika

12.00 (für HG) Tashi 12.25 The Garfield Show

12.50 (für HG) Insectibles 13.15 4½Freunde

13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10

Schloss Einstein 15.00 Jamie Johnson 15.30

Ein Fall für TKKG 16.40 (für HG) Geronimo Stilton

17.25 (für HG) Mascha und der Bär 17.35

(für HG) Belle und Sebastian 18.00 Der kleine

Nick 18.15 Kleine lustige Krabbler 18.35 Elefantastisch!

18.50 Sandmann 19.00 Tib &

Tumtum 19.25 pur+ 19.50 (für HG) logo!

20.00 (für HG) KiKA Live 20.10 Twin Teams –

Die Geschwister-Challenge 21.00 Pause

Dmax

12.15 Border Control –Spaniens Grenzschützer

13.15 Canada Airport –Flughafen extrem

14.15 Abenteuer Survival 15.15 Ed Stafford:

Allein gegen die Wildnis 16.15 Die Zwangsvollstrecker

17.15 Asphalt-Cowboys 18.15 Steel

Buddies –Stahlharte Geschäfte 21.15 Roter

Stahl –Der Panzer-Clan 22.15 112: Feuerwehr

im Einsatz 23.18 Drug Wars 23.45 Drug Wars

0.10 DMAX News 0.15 Steel Buddies –Stahlharte

Geschäfte 1.10 Roter Stahl –Der Panzer-Clan

2.00 Asphalt-Cowboys: Polen

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Quarks 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Super.Markt 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Messerland

Deutschland? 20.00 Tagesschau 20.15 Hart

aber fair 21.30 Tagesschau 21.32 Lebenshilfe im

Gemüseladen 22.00 Marktcheck 22.45 Die Tagesschau

vor 20 Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30

ReportMainz 0.00 Umschau 0.45 Shift 1.00

Nachtmagazin 1.20 7Tage ... 1.50 Abendschau

2.20 SachsenSpiegel 2.50 Extra 3.02 Aktuelle

Stunde 3.47 Extra 4.02 Brandenburg aktuell 4.30

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ONE

9.55 Hot in Cleveland 10.15 Hot in Cleveland (1)

10.35 Lindenstraße 11.05 Großstadtrevier 11.55

Sturmder Liebe 12.40 Sturmder Liebe 13.30 Um

HimmelsWillen 14.20 Gloria, die schönste Kuh

meiner Schwester. Drama, D2018 15.50 Großstadtrevier

16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in

Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Hartaber

herzlich 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturm der

Liebe 20.14 DoctorWho 21.05 DoctorWho 21.50

Hustle–Unehrlichwährt am längsten 22.40 Torchwood

23.30 Torchwood 0.20 Doctor Who 1.10

DoctorWho 1.55 Hustle –Unehrlich währtam

längsten 2.50 Torchwood 3.40 Torchwood 4.30

Hot in Cleveland 4.50 Hot in Cleveland

ZDF NEO

5.05 TerraXpress 5.35 TerraX6.35 TerraX7.20

TerraX8.05 Topfgeldjäger 9.00 Lafer! Lichter!

Lecker! 9.40 Baresfür Rares 10.35 Bares für Rares

11.30 Bares für Rares –Lieblingsstücke

12.15 Monk 12.55 Monk 13.35 Psych 14.15

Psych 15.00 Monk 15.40 Monk 16.20 Psych

17.00 Psych 17.45 Bares für Rares –Lieblingsstücke

18.30 Bares für Rares 19.20 Bares fürRares

20.15 (für HG) Unter anderen Umständen. Falsche

Liebe. TV-Kriminalfilm, D2014 21.45 Professor T.

22.45 heute-show 23.15 ShapiraShapira 23.45

Blockbustaz 0.15 Blockbustaz 0.45 Greyzone –No

WayOut 2.15 Todesfalle Highlands. Kriminalfilm,

GB 2011 3.45 TerraX4.30 TerraX

ZDF INFO

6.15 Codebreakers –Auf der Jagd nach Hitlers

Geheimcode 7.00 Hitler undLudendorff –Der Gefreite

und der General 9.15 Täterjagd 13.00 Ermittler!

13.30 ZDF-History 14.15 Hitlers Angriff

aus dem All 15.00 Himmelfahrtskommando–Im

Kajak gegen dieNazis 15.45 (für HG) DieSuche

nach Hitlers„Atombombe” 16.30 Die Geheimprojekte

der Nazis 17.15 Das unterirdischeReich

18.00 Das unterirdische Reich 18.45 (für HG)

Kaisersturz. TV-Dokudrama, D2018 20.15 Spuren

des Krieges 21.00 Panzer! 21.45 Weltenbrand

0.00 Kriegder Bunker –Westwall gegen Maginot-

Linie 0.45 (für HG)heute-journal 1.15 Unter

Gangstern 4.15 Wildlands

Radio

KLASSIK

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt Smetanas Trauer: das Klaviertrio

g-Moll. 1852 verlor Friedrich Smetana seine

musikalisch begabte und von ihm besonders

geliebte Tochter Friederike. In seinem Klaviertrio

g-Moll verarbeitet er diesen Verlust., ca. 56 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musikszene Abgeschiedenheit als Chance. Die

„Geigen Meisterkurse &Konzerte” der Kronberg

Academy.Aus Spanien, Südkorea oder Australien

reisen sie an. Mehrere Tausend Kilometer liegen

zwischen ihren Heimatorten und dem Städtchen

Kronberg im Taunus. Um sich auf ihrem Instrument

weiterzuentwickeln, nehmen sie die weite

Reise auf sich: die jungen Teilnehmerinnen und

Teilnehmer der ‚Geigen Meisterkurse &Konzerte'

der Kronberg Academy., ca. 45 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Chormusik „Wir sind das Volk! –Wir sind die

Champions!” in Radioessay über das Sprechen

im Chor.Von Georg Beck, ca. 55 Minuten

HÖRSPIEL

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspielmagazin 09/19 Berichte, Gespräche

und Informationen zum Hörspiel, in Deutschland

und in aller Welt, ca. 50 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Steffen Kopetzky: „Propaganda”

(17/29), ca. 31 Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Depressionen im Alter.Wenn

die Seele sich verdunkelt. Gast: Prof. Dr.med.

Dr.phil. Michael Rapp (Universität Potsdam,

Professur Sozial- und Präventivmedizin, Präsident

der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie

und -psychotherapie e.V.). Mit

Carsten Schroeder,ca. 80 Minuten

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Wendepunkte. Zwei Frauen aus

Ost und West erzählen ihr Leben. Von Grit

Kockot, ca. 26 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Digitale Brandbeschleuniger.Der

unregulierte Wahlkampf im Netz. Von Peter

Kreysler,ca. 45 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Erlöser des Kunstmarktes. Wie „Salvator

Mundi” zum teuersten Kunstwerk der Welt

wurde., ca. 57 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Inge Brandenburg,ca. 30 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz live Mathias Eick Quintet. ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 228 · D ienstag, 1. Oktober 2019 – S eite 26 *

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Wolfgang Niedecken (68) ist um eine

starke Meinung zu den gesellschaftlichenVerhältnissen

eigentlich eher

selten verlegen, aber was er glaubt,

vorallem im Osten Deutschlands beobachten

zu müssen, verschlägt dem

Frontmann der kölschen Rockband

BAP beinahe die Sprache.Soklagte er

in der Rheinischen Post jetzt sein

Leid:„Die AfD-Erfolge in den neuen

Bundesländernmachen einen ratlos.“

BAP seien eineWoche in Dresden

gewesen, erläuterte Niedecken

seine Ratlosigkeit, man habe dort

Teile des neuen Albums eingespielt:

„Das Studio war in einemVorort.Und

wenn man dortall die AfD-Plakate

sieht, wirdeinem unwohl zumute.

DieSPD kommt praktisch gar nicht

mehr vor, die Grünen noch ein bisschen

…Die Demokratie ist tatsächlich

in der Krise.“ Krieeeese!

Michael Ley (47) beschäftig sich mit

recht überschaubaren, wenn auch

sehr anspruchsvollen Problemlagen.

DerPaketzusteller aus Engelskirchen

im Bergischen Land ist siebenfacher

deutscher Sudoku-Meister.Mit dem

Lösen seiner Zahlenrätsel verfolgt er

ein bescheidenes und zugleich ehrgeiziges

Ziel, wie er jetzt am Rande

der Sudoku-WM im hessischen

Kirchheim erklärte:„Das gibt so ein

kleines Glücksgefühl, wenn man die

Lösung für ein Problem gefunden

hat.“ Apropos Rätselglück: Ley

könnte an diesem Dienstag Sudoku-

Weltmeister werden!

Nicole (54) hat mit

dem Älterwerden

nach eigenen

Worten kein

Problem. Zumindest

äußerlich:

Um schlank

und schön zu

bleiben, verzichtet

die Sängerin

„seit 35 Jahren

auf Süßigkeiten

–keine Schokolade,kein

Kuchen,

kein Zucker“.

Uff! (schl.)

Zuckerlos glücklich,

weil schlank und rank.

IMAGO PICTURES

TIERE

Obacht, hier ist ein Flusskrebs zum

Äußersten bereit. DPA/BERND THISSEN

Regen allüberall, so auch über dem

Kemnader Seebei Bochum. In der

Folge stiegen die Pegelstände des

Ruhrstausees und brachten einige

Bewohner auf Trab,wie den auf unseremBild

verewigten Louisianakrebs,

der auch Roter Amerikanischer

Sumpfkrebs genannt wirdund den

wissenschaftlichen Namen Procambarus

clarkii trägt: Derrot-schwarz

gefleckte,etwa 15 Zentimeter lange

Scherenträger versperrtamMontag

allzu wehrhaft einen Fußgängerweg

am Seeufer.Wie der Name schon andeutet,

ist das zu den Flusskrebsen

gehörende Schalentier ein aus Nordamerika

kommender Eindringling

und ein großes Problem, weil es einen

Pilz in sich trägt, der unsereheimischen

Arten ausrottet. DerRote Amerikanische

Sumpfkrebs wurde 2016 in

die„Liste der unerwünschten Arten“

für die Europäische Union aufgenommen.

(schl.)

Das Schloss Bran (auch Törzburg) wird Touristen gernals Draculaschloss präsentiert–mit Bram StokersRoman „Dracula“ hat es indes nichts zu tun. WINFRIED SCHUMACHER (3)

Echte Wildnis

In den rumänischen Karpaten kämpft eine Naturschutz-Stiftung für den größten Nationalpark Europas

VonWinfried Schumacher

DieWildnis beginnt direkt

vor seiner Haustür. Von

seinem Reiterhof in

Sinca Noua blickt Christoph

Promberger auf das nahe Fagaras-Gebirge,

blühende Wiesen

vor dunklen Waldhängen –ein vertrautes

Panorama im rumänischen

Siebenbürgen. Doch die Gegend hält

für Naturbegeisterte weit mehr als

idyllische Aussichten bereit.

Wolf, Bär und Luchs

„Ein so riesiges Gebiet ohne Straßen

und Siedlungen, in dem noch immer

Wolf, Bär und Luchs leben“, sagt

Promberger,„das ist in Europa ziemlich

einzigartig.“ Derdeutsche Forstwissenschaftler

undWildbiologe leitet

zusammen mit seiner Frau Barbara

die Fundatia Conservation Carpathia

(FCC). Die Stiftung hat das

Ziel, im Zentrum Rumäniens den

größten Wald-Nationalpark Europas

zu schaffen –ein Schutzgebiet von

mehr als 250000 Hektar, etwa zehnmal

größer als etwa der Nationalpark

Bayerischer Wald.

Werdurch die Einsamkeit der Fagaras-Berge

wandert, mag tagelang

keinem Menschen begegnen. Dagegen

stehen die Chancen gut, auf Bären-

oder sogar Wolfsspuren zu stoßen.

Wasfür Touristen wie ein vom

Menschen unangetastetes Naturparadies

wirkt, ein seit Jahrhunderten

vergessener Wald, ist jedoch in

Wahrheit eine Wildnis in Gefahr.

In den 2000er-Jahren wurden in

Rumänien mehrere Tausend Quadratkilometer

Land aus Staatsbesitz

an die Bevölkerung zurückgegeben.

Viele der neuen Waldbesitzer hatten

jedoch nur wenig Bezug zu ihrem Eigentum.

So kauften Holzhändler ihnen

für wenig Geld riesige Flächen

ab und ließen sie roden. Eine regelrechte

Mafia entwickelte sich und

vermachte –gedeckt durch korrupte

Politiker –das Holz an inländische

Holzeinschlagunternehmen und

ausländische Konzerne.

Abertausende Hektar Wald wurden

vor allem zwischen 2005 und

2010 in den Karpaten illegal gerodet.

„Wir waren schockiert, dass kein

Mensch etwas unternommen hat“,

sagt Promberger. Die FCC konnte

den Holzeinschlag in dem vonihnen

kontrollierten Gebieten inzwischen

weitgehend aufhalten. Andernorts

Wandernauf eigene Gefahr:Inden Karpaten ist der Braunbär noch zahlreich.

Kapitaler Geweihträger:Der „Karpatenhirsch“ gilt bei Jägernals Top-Trophäe.

geht der Kahlschlag weiter.Die Kontrollen

der staatlichen Behörden

funktionieren oft nicht, die Verantwortlichen

sehen weg oder sind

selbst an dem Geschäft beteiligt.

Die Prombergers fanden auch

viele Unterstützer.

Einer von ihnen

ist Hansjörg

Wyss,der mit Medizintechnik

reich wurde und

nun weltweit Naturschutzprojekte

fördert. Der

Milliardär hatte

gleich größere

Pläne: Am besten

das gesamte Fagaras-Gebirge

mit den höchsten

SLOWAKEI

UNGARN

POLEN

Fagaras-Berge

SERBIEN

Gipfeln Rumäniens sollte zum

Schutzgebiet werden.

Bisheute wurden mehr als 23 000

Hektar Land aufgekauft. Die Ranger

der Stiftung überwachen weitere

30 000 Hektar. Sieben Quadratkilometer,

die bereits abgeholzt worden

waren, wurden wieder aufgeforstet,

mehr als zwei Millionen Bäume gepflanzt.

In Rumänien soll, so hoffen

es die Umweltschützer um die Prom-

bergers, irgendwann einmal ein europäisches

Yellowstone entstehen.

„Yellowstone ist ein Symbol, eine

Ikone“, sagt Promberger. „Amerika

und Afrika haben solche Nationalparks,die

wirklich jeder kennt. In Europa

sticht jedoch

keiner heraus.“ In

UKRAINE den Karpaten

sieht der Biologe

das Potenzial für

ein riesiges Wildnisgebiet,

in dem

RUMÄNIEN

die Natur das Sagen

hat. „In zwei

Bukarest oder drei Jahren

ist das nicht zu

Karpaten

100 km

BLZ/HECHER

schaffen“, sagt

Promberger, aber

ja vielleicht in 20.“

Ein Ausflug in

das Stramba-Tal, nicht weit vom Hof

der Prombergers gelegen, gibt einen

Eindruck vonder einzigartigen biologischen

Vielfalt, die der künftige Park

bewahren soll. Durchdas vonMischwald

gerahmte Wiesental plätschert

ein Flüsschen. Auf das dumpfe Quaken

der Gelbbauchunken und das

knarrende Rufen der Wachtelkönige

antwortet der Kuckuck vom nahen

Waldrand. Herrmann Kurmes sucht

mit dem Fernglas den Waldrand ab.

Der Siebenbürger Sachse hat im

Stramba-Tal unzählige Male nach seltenen

Vogelarten Ausschau gehalten.

„Wenn wir Glück haben, erwischen

wir auch einen Schreiadler oder

Neuntöter“, sagt er.Kurmeswar einer

der Initiatoren der rumänischen Vereinigung

für Ökotourismus und ein

Pionier für Naturreisen in den Karpaten.

Wiedehopf, Wespenbussard, Habichtskauz

–inMitteleuropa allesamt

längst selten gewordene Vogelarten –

hier lassen sie sich immer noch häufig

blicken.

Schreiadler und Neuntöter

Die meisten Touristen kommen jedoch

wegen der Braunbären. Am

Ende des Tals, woder Wald immer

näher an das Flüsschen rückt und es

schließlich fast ganz verschluckt,

werden sie regelmäßig gesichtet.

„Am Anfang sagten die Leute: Ihr

seid verrückt“, erzählt Kurmes.Als er

Ende der Neunziger gemeinsam mit

seiner Frau begann, Wanderungen

auf den Spuren derWölfe,Bären und

Luchse anzubieten, glaubten sie

beide selbst noch nicht so richtig an

den Erfolg. Es waren die Prombergers,die

sie dazu motivierten.

„Der Wolf gilt für viele hier noch

immer als Hauptfeind desMenschen.

Bären waren in der Ceausescu-Zeit

die größten Devisenbringer durch die

Trophäenjagd“, sagt Kurmes. „Das

macht es schwer,einem Schäfer oder

Jäger den Nutzen vonÖko-Tourismus

zu erklären.“ Aus der Idee wurde

trotzdem ein Erfolgskonzept. „Irgendwann

haben die Leute verstanden:

Zum Bergwandern können sie

auch nach Österreich oder in die

Schweiz“, sagt Kurmes,„die Chance,

Wölfe oder Bären zu sehen, haben sie

jedoch nur hier.“

Demnächst soll das Carpathia-

Schutzgebiet dem Yellowstone noch

ähnlicher werden. Während dort Bisons

die Touristen locken, sollen in

den Fagaras-Bergen ihre eurasischen

Verwandten wieder durch die

Wälder streifen: Wisente.Die zotteligen

Urrinder, die größten LandsäugetiereEuropas,waren

in Rumänien

spätestens im 19. Jahrhundert ausgestorben.

„In den nächsten fünf

Jahren sollen 75 Tiere indie Wildnis

zurückkehren“, sagt Promberger.

Und wäre damit seinem Ziel, eine

„echteWildnis“ einzurichten, wieder

ein Stückchen näher gekommen.

Mindestens hundertTote

durch Monsun-Regen

Beitagelangem heftigen Monsun-

Regen und Überschwemmungen

sind im Nordosten Indiens mindestens

hundertMenschen ums Leben

gekommen. Im Bundesstaat Uttar

Pradesh seien seit Freitag 63 Tote

und im Nachbarstaat Bihar weitere

27 Todesopfer gemeldet worden,

teilten die Behörden am Montag mit.

Nach Angaben des Wetterdienstes

dürfte der ungewöhnlich starke

Monsun in insgesamt 15 Bundesstaaten

noch weiterevier bis fünf

Tage anhalten. Allein im Juli starben

in Indien, Nepal, Bangladesch und

Pakistan mindestens 650 Menschen

durch den Monsun. (AFP)

Sportgeschäft in Auckland

zeigt ungewollt Pornos

In der Fußgängerzone vonNeuseelands

größter Stadt Auckland hat ein

Sportgeschäft amWochenende ungewollt

stundenlang Pornos gezeigt. Die

Sex-Szenen waren eine ganzeNacht

lang auf großen Bildschirmen über

dem Eingang zu sehen. Nach einem

Bericht der Zeitung NewZealand Herald

am Montag wurde dieVorführung

erst gestoppt, als die ersten Angestellten

zur Arbeit kamen.Vermutet

wird, dass sich jemand durch einen

Hacker-Angriff Zugang zum internen

Videosystem verschaffte und die Bilder

aufspielte. (dpa)

Beschlagnahmte Luxusautos

in der Schweiz versteigert

Wurde auch versteigert: ein extrem seltener

Lamborghini Veneno Roadster. DPA

Ferraris,Lamborghinis,Bentleys und

ein Maserati: In der Schweiz sind 25

beschlagnahmte Luxusautos des

Sohns des Präsidenten vonÄquatorialguinea

versteigertworden. DieAuktion

brachte am Sonntag 21,6 Millionen

Euro ein, wiedas Auktionshaus

Bonhams mitteilte.Die Schweizer

Justiz hatte die Luxuskarossen 2016

im Zuge vonKorruptionsermittlungen

gegenTeodorin Obiang beschlagnahmt.

Er soll Staatsgelder veruntreut

haben, um seinen luxuriösen Lebensstil

zu finanzieren. DerErlös der Auktion

soll an Hilfsorganisationen fließen,

die sich in Äquatorialguinea engagieren.

(AFP)

Mini-Elefant musste

eingeschläfertwerden

Dasacht Monate alte Elefantenkalb

BenLòng im ZooLeipzig ist tot. Der

seit geraumer Zeit erkrankte kleine

Bulle wurde am Montagvormittag

eingeschläfert, wie der Tierparkmitteilte.Trotz

intensiver medizinischer

Behandlung sei das Tier zunehmend

schwächer geworden und am

Schluss nicht mehr aufgestanden.

„UnsereMittel waren angesichts der

Laborwertebegrenzt“, sagte Zoodirektor

JörgJunhold. „Aber wir haben

alles Erdenkliche getan, um ihn zu

stabilisieren und haben bis zum

Schluss gehofft, dass er es schafft.“

BenLòng war am 25. Januar zur Welt

gekommen. Da Mutter Hoaihn nicht

annahm, kümmerten sich Ziehmutter

Don Chung sowie die „Tanten“

Rani und Trinh um ihn. (dpa)

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