Zukunfts Werk Stadt_Das Buch

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Auszug aus dem Gutachten

zum Objekt

Prof. Dr. Walter Buschmann

Geschichte

Die überragende Bedeutung der 1864 von Nikolaus

August Otto und Eugen Langen gegründeten Motorenfabrik

für die Industriegeschichte und mehr noch für die allgemeine

Entwicklung der Menschheitsgeschichte in den letzten

hundert Jahren ist vielfach gewürdigt worden und gipfelt in

Aussagen wie „... von Deutz ist die Motorisierung der Welt

ausgegangen“ oder „Deutz ist die Wiege der Weltmotorisierung“.

Die lebhafte Entwicklung des Unternehmens seit seiner

Gründung spiegelt sich auch wider in seinen zahlreichen

Namensgebungen, von denen der Name Klöckner-Humboldt-Deutz

einen Höhepunkt der Unternehmensentwicklung

darstellt und viele Werksteile auch außerhalb von Köln einschließt.

Da es in diesem Gutachten nur um das 1869 entstandene

Werk an der Grenze von Deutz und Mülheim gehen soll,

wird, hier der 1872 entstandene Werksname Gasmotoren-

Fabrik Deutz verwendet.

Bedeutung

Deutschland als „verspätete Nation“ mit einer

gegenüber England und anderen Industrienationen späten

industriellen Entwicklung hat vergleichsweise wenig an

Innovationen zur Ersten Industriellen Revolution beigetragen.

In der Periode der Zweiten Industriellen Revolution mit den

Branchen Chemie, Elektrizität und Autobau ragt die Erfindung

von Nikolaus August Otto deutlich aus den nun dichter

werdenden deutschen Beiträgen weit über die Landesgrenzen

hinaus hervor. Der Motor hat die Welt verändert, und

Köln war Ausgangspunkt dieser Veränderung. Ort der ersten

Produktionsstätte für Motoren war zwar 1864 ein industrieller

Altbau in der Kölner Servasgasse. Die einzig für diesen Zweck

erbaute und vermutlich erste Motorenfabrik der Welt aber

entstand 1869 in Deutz.

Der Kaufmann Nikolaus August Otto beschäftigte

sich, angeregt durch eine Veröffentlichung über den Gasmotor

von J. J. Etienne Lenoir, seit 1861 mit Versuchen zur Herstellung

eines verbesserten, vor allem sparsameren Motors.

Durch die Verbindung mit Eugen Langen entstand 1864 unter

dem Namen „N. A. Otto & Cie.“ die erste Motorenfabrik

der Welt in einer von der Familie Nicolini erbauten Ölmühle

an der Servasstraße hinter dem Hauptbahnhof. Nach einer

Präsentation des damals noch atmosphärischen Ottomotors

auf der Pariser Weltausstellung von 1867 und einer deutlichen

Zunahme der Aufträge wurde mit Eintritt eines weiteren Geschäftspartners

Ludwig August Roosen-Runge die Grundlage

für den Bau einer neuen Fabrik geschaffen. Für 14 000 Taler

wurde 1869 ein 3 ½ Morgen großes Grundstück links von

der alten Straße von Deutz nach Mülheim erstanden. Weit

außerhalb des Festungsbereiches, umgeben von einem Kranz

blühender Gärten und schmucker Landhäuser entstand die

neue Fabrik.

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