FACTS and STORIES 7

Comichunter1982

Dies ist eine Leseprobe des Fanzines FACTS & STORIES 7 mit dem Thema Grenzerfahrungen.

Mach’ mit!

www.facts-and-stories.de

Leseprobe

Mit Beiträgen von:

Claudia N., Suskar Lötzerich,

Christian Kaiser, Mathias Stanitzek,

chaotic und Benedikt Franke

THEMA:

GRENZERFAHRUNGEN


Psychose und Kunst

ERFAHRUNGSBERICHT

von Claudia N.

Ich sitze hier 2019, gut 16 Jahre

nach Ausbruch meiner Psychose,

vor meinem Bild (Entstehungsjahr

2008) und kann immer noch nicht

richtig fassen, was damals mit mir

passiert ist.

Aber der Reihe nach. Im Alter von 16

bis 18 Jahren habe ich

gekifft, d.h. regelmäßig

Marihuana konsumiert.

Dann folgte eine 2 jährige

Pause bzw nach 2

Jahren plötzlich, unerwartet

über Nacht brach

es über mich herein.

Zurück zu dem Bild. Es

entstand in einem klaren

Moment, als ich

mich wieder gesund an

dem Ort, wo meine Psychose

'passierte' befand und über

das erlebte nachdachte.

Das einzige lebendige außer mir in

meinem damaligen Jugendzimmer

waren meine Fensterpflanzen. Diese

hatten mich in dieser schlimmen Zeit

begleitet.

Wieder saß ich also an meinem

Schreibtisch und plötzlich mit Blick

auf das Grün entstand vor meinem

geistigen Auge das 'Bild meiner Psychose

'.

Ich erinnere mich, wie

ich morgens aufwachte

und sich alles anders

anfühlte. Ich schaute

lange auf meine Hände

und sie waren mir so

seltsam fremd.

Fragen über Fragen

rasten mir durch den

Kopf. Dazu gesellten

sich ein Haufen Ängste.

Da begann das Chaos.


Wenn ich meine Psychose beschreiben

sollte- so sähe sie aus.

Zeitnah besorgte ich mir Pinsel, Farben

und Leinwand und malte das

Bild auf. In mir war der Wunsch das

Unbeschreibbare zu beschreiben.

Also entstand dieses Bild.

Im großen und ganzen war die Zeit

meiner Psychose geprägt von Halluzinationen,

das verdeutlichen die

bunten Farbströme des Bildes die

große Flächen ausfüllen und gliedern.

Die großen zeigenden Hände, die

auf die Figur in der unteren rechten

Bildecke deuten symbolisieren übermächtige

negative Gefühle und verstärkte

Aufmerksamkeit auf mich

selbst.

Das hängende Menschlein am Galgen

zeigt wie nah am Abgrund ich

war, dem Suizid und wie negativ das

Lebensgefühl zu dieser Zeit war.

Das Gesicht im zerbrochenen Spiegel

zeigt mein Inneres, ebenso die

Hand im Strudel, kurz vordem Ertrinken,

Hilfe suchend, fast verloren.

Die seltsamen Schriftzeichen deuten

den Wahn den ich hatte an, in allem

höhere Zeichen zu sehen, auf der

anderen Seite konnte ich nicht mehr

lesen, ich hatte keine Kraft mich zu

konzentrieren. Darunter litt auch

meine Sprachfähigkeit, infolgedessen

auch meine Sozialisation.

Das schlimmste war, ich konnte

nicht mehr zusammenhängend reden,

erfand neue Wörter und betrieb

seltsame Wortspielchen.

Nach außen redete ich einen Wirrwarr

und wirkte seltsam, das

schreckte die Menschen in meiner

Umgebung ab und sie zogen sich

von mir zurück. Darunter litt ich stark.

Die Fratzen in der rechten oberen

Bildecke sollen Dämonen sein, negative

Geister, die ich überall sah

unter denen ich sehr litt.

Die herumfliegenden Münder symbolisieren

die Stimmen, die ich in

meiner größer werdenden Einsamkeit

zu hören begann.

Das zweite Bild entstand etwas später,

als ich über den seelischen Zustand

in dieser Zeit nachdachte, in

Verbindung mit den Worten einer

Psychologin ich sei 'dünnhäutig'.

Ich machte mir meine eigenen Gedanken

und Vorstellungen und mir

wurde klar, dass ich mich zu dieser

Zeit sehr schutzlos fühlte. Schutzlos


ausgesetzt. Wie diese kleine Figur in

einer öden leeren Landschaft aus

Schachfeldern bösen Blicken aus

einem dunklen übermächtigen Himmel

ausgesetzt.

Dieses Bild beschreibt wohl am besten

mein mulmiges, unwohles, beklommenes

Gefühl der Paranoia.

meinem Kopf gibt. Ich reiße entsetzt

die Augen auf.

Das vierte Bild- in den Klauen der

Angst. Als Betroffener kann man sich

selbst kaum helfen, besonders bei

der ersten Psychose. Man weiß

nicht, was über einen hereinbricht.

Das zeigt dieses Bild eine unbekannte

dunkle Macht-die Krankheit-hat

das eigene Wesen fest im Griff. Es

ist ein Schatten im Dunkeln, die einen

beherrscht.

Heute weiß ich, ich habe meine Psychose

gemalt und damit auch etwas

besser verstanden

Ich bin sehr dankbar für die sogenannte

psychoedukative Gruppe in

der wir genesenden Betroffenen

über unsere Symptome und Erfahrungen

sprechen konnten um das

Erlebte besser einordnen zu können,

zu sehen dass man nicht alleine ist.

Das dritte Bild zeigt mich in dieser

Zeit ein Scherben-ich. Nicht ganz.

Durchbrochen. Getrennt. Wie eine

Wasserspiegelung in einer Momentaufnahme,

wenn Wellen die ganze

Bildoberfläche aufrühren, erschüttern.

Ich halte mir die Ohren zu, weil die

Stimmen so schlimm sind und ich

nicht weiß , dass es sie nur in


2


Christians Grenzerfahrungen

ERFAHRUNGSBERICHT

von Christian Kaiser

Ich heiße Christian, wurde 1982 geboren

und hatte in Alter von 14 Jahren

das erste Mal eine Psychose.

Das war 1997, meinen 15. Geburtstag

feierte ich in der Jugendpsychiatrie.

Ich kann nicht sagen, dass es

eine schlimme Zeit war, das einzige,

was nicht so toll war, war dass ich

zum Anfang der Therapie so sehr mit

Medikamenten vollgepumpt wurde,

dass ich mich nicht bewegen und

nicht sprechen konnte, aber alles um

mich herum mitbekam. Es war wie

ein Wachkoma und das wünsche ich

keinem.

Ich muss zugeben ich war nicht ganz

normal, aber wer ist das schon? Ich

bin noch immer der Meinung von

Außerirdischen entführt worden zu

sein, aber auch heute kenne ich die

Wahrheit nicht. Außerdem wurde

mein Glaube damals zur Besessenheit.

Ich habe schon einige verrückte

Dinge gemacht.

Einige aus meiner Schulklasse,

glaubten mir vieles. Ich saß z. B. mal

in Italien mit meiner Klasse im Bus

und sah dann, vor meinem Inneren

Auge, dass dieser einen Abhang hinunter

stützt. Dass sagte ich meiner

Lehrerin und sie warnte den Busfahrer

und sagte er solle vorsichtigfahren.

Das Komische war jedoch, dass

als wir unten ankamen der Abhang

genauso aussahwie in dem was ich

voraussah.

Allerdings hatte ich auch Wahrnehmungen,

die man als Einbildung bezeichnet.

Aber ein Gutes hat meine

Störung, ich bin kreativ und habe viel

Fantasie. Während einer manischenPhase

bin ich sehr gut drauf

und mein Denkapperat läuft auf

Hochtouren, dummerweise ist das

für mein Gehirn zu viel. Deshalb folgt

wenn ich mich zu sehr verausgabe,

entweder die Psychose oder die Depression.

Ich muss dabei zugeben, dass ich es

regelrecht genoss, wenn ich manisch

war. Es war ein tolles Gefühlder

Euphorie, ich konnte die ganze

Welt umarmen. Das kann ich nach

der Therapie wieder!


ERFAHRUNGSBERICHT

von chaotic

Es war Nacht, ich lag in meinem

Bett. Vor mir standen fremde Wesen.

Der Kopf hatte die Form einer umgedrehten

Birne. Am Kinn schmal zulaufend,

mit großen, tiefschwarzen,

mandelförmigen Augen. Die Begegnung

fand in einer Nacht von Samstag

auf Sonntag Ende August 1997

statt. Ich war damals 11 Jahre alt.

"Du brauchst keine Angst zu haben."

Es nimmt Kontakt auf. Es ist friedlich.

Meine Todesangst verschwand.

"Und jetzt klettere von dem Bett herunter."

Es war noch dunkel im Raum. Ich

traute dem Wesen nicht und wollte

es im Auge behalten. Also bin ich

rückwärts auf allen Vieren in Richtung

der zweiten

Leiter am linken

Bettende. Als ich

mich beim Runterklettern

umsah,

standen

noch zwei andere

von denen im

dunklen Raum.

Das Wesen am

Kopfende des

Bettes kletterte

gleichzeitig mit

mir runter und

stellte sich zu

den Anderen.

Ich hatte Angst.

Ich musste das

Licht einschalten.

Also habe

ich gefragt. "Ich

habe Angst.

Kann ich das

Licht einschalten?

Ich mache

auch die Jalousie

runter, dann

kann euch von

draußen nie-


mand sehen." Sie haben nichts verboten,

also bin ich ans Fenster und

habe die blaue Alujalousie heruntergelassen.

Die war vorher nur zu 1/3

unten.

Jetzt war es erst recht dunkel. Ich

konnte meine Hand vor Augen nicht

mehr sehen, stand in einem Raum

mit drei Monstern und der Lichtschalter

war gegenüber an der Tür.

Also Arme hoch fürs Vortasten und

quer durch den Raum an den Wesen

vorbei. Ich schaltete das Licht ein.

Die wollten, dass ich mit ihnen mitkomme.

"Und was, wenn ich mich weigere?",

fragte ich sie.

"Dann werden wir dich mitnehmen."

Nicht nett, aber klipp und klar. Sie

kommunizierten telepathisch. Ich bin

mir nicht sicher, ob hier Worte übermittelt

wurden, oder ob mein Gehirn

aus ihrer Botschaft Worte geformt

hat. Auf jeden Fall wurden in der

kurzen Botschaft viel mehr Informationen

mitgeteilt. Ich wusste sofort, sie

würden mich unter mentaler Beeinflussung

mitnehmen. Ich würde alles

bewusst miterleben, aber sie würden

meinen Körper steuern. Ich würde

gezwungen, hätte keine Kontrolle

mehr über mich. Das wollte ich auch

nicht. Ich entschied mich für das

"freiwillig". Mehr oder weniger.

Zwei von ihnen gingen vor. Einer war

hinter mir. Durch meine Zimmertür

gingen wir rechts in den Flur. In der

Küche wieder rechts. In der Küche

passierten wir die Uhr an der Mikrowelle.

1:15. Wir waren auf dem Weg

zum Balkon. Auf dem Weg kamen

mir Fragen in den Sinn. Wo gehen

wir hin? Komme ich zurück? Quälen

die mich? Was erwartet mich? Betrete

ich ein Raumschiff? Die Fragen

lenkten mich ab.


Als wir auf den Balkon gingen, 4.

Etage, Dachgeschoss, blickte ich

hoch und schaute auf die Unterseite

eines scheibenförmigen Fahrzeugs.

Es schwebte etwa 6-9 Meter über

mir. Ich habe oft versucht, die Größe

zu schätzen. Ich würde sagen, es

war etwa 14 Meter im Durchmesser.

Die Unterseite war aus anthrazitfarbigem

Material, das an Metall oder

Stein erinnerte und aus großen Paneelen

zusammengesetzt schien.

Mit drei großen, roten Lichtern am

Rand, die in einem gleichschenkligen

Dreieck angeordnet waren. Die

Luft um die rot erleuchteten Stellen

herum waberte, als wären sie heiß.

Wir mussten uns auf dem Balkon in

einem engen Kreis aufstellen. Ich

sah nach oben. In der Mitte öffnete

sich ein weißes Licht. Und dann

strahlte ein Lichtstrahl auf uns herab.

Weiß, hell, aber mit einem scharfen

Rand auf dem Boden. Aus Mangel

an Worten nenne ich es heute den

Traktorstrahl.

Der Strahl bewegte uns nach oben,

wie ein Fahrstuhl ohne Boden. Dabei

haben wir uns leicht im Uhrzeigersinn

gedreht, so dass ich über das

Mietshaus hinwegsehen konnte.

Über die Satellitenschüssel. Die

Hausantenne. Und über das Haus

auf der gegenüberliegenden Straßenseite

das bisher immer die Sicht

ins Tal versperrte. Hinter dem Tal auf

dem anderen Berg, in Richtung Norden,

strahlten die Lichter von Wuppertal.

Von Osten über Norden nach

Westen konnte ich Lichter von Siedlungen

sehen, die mir sonst immer

verborgen waren. Über dem eigenen

Haus zu fliegen ist eine verrückte

Erinnerung.

Die Erinnerungen auf dem UFO waren

schon immer undeutlich und

bruchstückhaft. Es sind nur Ausschnitte

vorhanden, die ich in keine

klare Reihenfolge mehr bringen

kann. Darum hatte ich diesen Teil –

IMPRESSUM:

ist ein Comic- und Wissensfanzine der Selbsthilfe- und

Kreativgruppe Mad Artists. Es erscheint in unregelmäßigen Abständen. Wir sind Mitglied

im Landesverband seelische Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Wir übernehmen keine Haftung für Manuskripte, die an uns geschickt wurden.

Druck: Unitedprint.com Vertriebsgesellschaft mbH

Friedrich-List-Straße 3, 01445 Radebeul

Auflage 200 Stück

Herrausgeber: SHG Mad Artists,

Redaktionsanschrift: Christian Kaiser - Albert-Einstein-Straße 7 - 18059 Rostock,

E-Mail: comichunter1982@gmail.com, Internet: www.facts-and-stories.de


Märchen unter der Lupe

Inpulse und Botschaften aus alten Überliferungen neu entdeckt

Die Geschichte handelt von alt gewordenen

und daher nicht mehr leistungsfähigen

Tieren, einem

Esel, einem Hund, einer Katze

und einem Hahn. Ihnen droht

der Tod durch den Herrn, denen

sie lange Jahre treu gedient

haben.

Ein jeder entscheidet sich zur

Flucht, nach dem bekannt gewordenen

Motto „etwas besseres

als den Tod findest du

überall" und macht sich auf

den Weg in ein besseres Leben.

Auf dem Weg treffen sich

die unterschiedlichen Tiere

und es eint sie der Wunsch in

Bremen Stadtmusikanten zu

werden.

Gemeinsam vertreiben sie

Räuber aus einem Haus und

schaffen es gemeinsam zu

überleben und sich ein kleines

Glück aufzubauen.

Die Geschichte ist wie eine Fabel,

die zeigt, dass trotz aller

Unterschiede mit einem gemeinsamen

Willen ein Ziel er-

Text und Bild: Claudia N.

reicht werden kann und hat ein

glückliches Ende.

Das Märchen ist vielseitig interpretierbar,

auch in der Richtung, dass der

Weg das Ziel ist, da sie ja das Haus

der Räuber erobern und dort bleiben,

statt in Bremen Stadtmusikanten zu

werden.

Das bekannte und beliebte Märchen

hat einen optimistische Botschaft und

will Mut machen sein Schicksal in die

eigenen Hände zu nehmen.

So verschieden sie auch sind – sie

haben das gleiche Ziel : in Bremen

Stadtmusikanten zu werden.

Gemeinsam schaffen sie es zwar

nicht nach Bremen, aber sich quasi

unterwegs eine Existenz aufzubauen.

Doch von ganz vorne: das Märchen

von den Bremer Stadtmusikanten wird

dieses Jahr 200 Jahre alt 1819 haben

es die Brüder Grimm erstmals in ihrer

Märchensammlung veröffentlicht.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine