Berliner Zeitung 07.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

Plauen: Wo es die erste Großdemonstration gegen die DDR-Spitze gab – Seite 3

Die neue

Platte von

Nick Cave

Seite 21

3°/11°

Sonnig

Wetter,Seite 2

Malaika Mihambo

springt zu WM-Gold

Sport Seite 17

www.berliner-zeitung.de

Ein Anschlag? Der Brand

unterm Alexanderplatz 1972

Stadtgeschichte Seite 10

Montag,7.Oktober 2019 Nr.232 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Fledermäuse gefährden

das Einheitsdenkmal

Berlin Seite 11

Hoffenheim

Ohne Nerven

bei den

Bayern

VonMaik Rosner

Krächzend sprach Sargis Adamyan

über seine Tore zum 2:1-

Sieg der TSG Hoffenheim beim FC

Bayern, und da er bisher nicht im

Rampenlicht gestanden hatte,galt es

zunächst zu klären, ob er immer so

klinge. Nein, sagte der Angreifer

amüsiert, das liege vor allem an seinen

Torschreien. Wie ein Teenager

im Stimmbruch klang er, was den

Sensationscharakter

seines

Doppelpacks

(54./79.) beim

Startelfdebüt

ebenso beförderte

wie jener

Umstand, dass

er dabei Jérôme

Sargis Adamyan

traf gleich zweimal

in München

Boateng getunnelt

hatte, den

Weltmeister von

2014. Der erste

Beinschuss sei Absicht gewesen, der

zweite Zufall, erzählte der 26-Jährige

vergnügt, und natürlich fühle sich

sein Beitrag zum Mannschaftserfolg

„überragend“ an. Adamyan war das

verblüffende Gesicht des insgesamt

sehr erstaunlichen Coups der zuvor

kriselnden Hoffenheimer, die exakt

jene Münchner blamierten, die vier

Tage zuvor in der Champions League

beim Vorjahresfinalisten Tottenham

Hotspur 7:2 triumphierthatten.

In Armeniens Hauptstadt Jerewan

wurde Adamyan als Sohn eines

Schuhfabrikanten geboren, zog als

Fünfjähriger mit seiner Familie nach

Mecklenburg-Vorpommern und

wurde im Tischtennis Jugend-Landesmeister.Vor

zwei Jahren kickte er

noch in der Regionalliga Südwest

beim TSV Steinbach. Doch offenbar

kommt er gerade auf den großen

Bühnen des Fußballs gut zurecht. In

der Vorsaison gelang Adamyan für

Jahn Regensburg beim ziemlich berühmten

Zweitligisten Hamburger

SV ein Hattrick. Nun traf er beim

noch etwas berühmteren deutschen

Abo-Meister erstmals in der Bundesliga.

Unddas sogar doppelt nach seiner

vergebenen Großchance in der

vierten Minute. Wie er es geschafft

habe, cool weiterzumachen? „Ich

wollte trotzdem positiv bleiben“,

sagte Adamyan und fügte über sein

geringes Lampenfieber hinzu: „Man

freut sich einfach auf das Stadion,

die Atmosphäre und versucht alles

rauszuhauen. Bisher liegt mir das

ganz gut.“

Verdient habe er seine persönlichen

Glücksmomente besonders

wegen seiner Bodenständigkeit, befand

Verteidiger Benjamin Hübner.

Obwohl Adamyan erstmals hochklassig

spiele. „Er packt alles: jede

Trainingseinheit, jedes Spiel. Für so

einen freut es mich.“Vorsichtshalber

nahm Adamyan sein Trikot vom

Sonnabend als Souvenir mit heim.

„Wahrscheinlich“, sagte er, werde

dieses eingerahmt seine Wohnzimmerwand

zieren. Adamyan lächelte.

Sein kommendes Spiel findet auf einer

eher kleinen Bühne statt: am

12. Oktober mit Armenien in Liechtenstein.

SportSeite 20

Mietendeckel passt zur Verfassung

Innenverwaltung hält Entwurf für weitgehend zulässig. Wohnungswirtschaft plant teure Gegenkampagne

VonUlrich Paul

Klima-Rebellen

Der Chor der Extinction Rebellion stimmt sich ein für Protestaktionen in

Berlin –mit Straßenblockaden in der Hauptstadt. Seiten 2und 4

Der vorliegende Gesetzentwurf

für den Mietendeckel

ist nach einer Einschätzung

aus der Senatsverwaltung

für Inneres in großen

Teilen mit der Verfassung

vereinbar. Das geht aus einem internenVermerkder

Behörde hervor, der

der Berliner Zeitung vorliegt.

Viel spreche dafür, dass die einzelnen

Instrumente des Gesetzentwurfs

„verfassungsrechtlich gerechtfertigt

werden können“, heißt es in

dem Papier –mit Ausnahme allerdings

der Absenkung überhöhter

Mieten. Die Innenverwaltung stärkt

damit grundsätzlich den Plan von

SPD, Linken und Grünen, den Anstieg

der Mieten in Berlin mit einem

eigenen landesrechtlichen Deckel zu

begrenzen. Zum anderen stützt sie

den Regierenden Bürgermeister Michael

Müller (SPD), der den bisher

noch geplanten Passus zur Absenkung

überhöhter Mieten ablehnt.

Im Gegensatz zum ehemaligen

Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts

Hans-Jürgen Papier

sieht der Verfasser des Vermerks aus

der Innenverwaltung keinen Widerspruch

zwischen dem Mietendeckel

und den mietrechtlichen Regelungen

im Bürgerlichen Gesetzbuch

(BGB). Papier war in einem Gutachten

für den Bundesverband deutscher

Wohnungs- und Immobilienunternehmen

(GdW) zu dem

Schluss gekommen, dass ein landesrechtlicher

Mietendeckel verfassungswidrig

sei. Begründet hatte er

dies damit, dass es mit dem Mietendeckel

dann für ein und denselben

Sachverhalt –nämlich den Mietpreis

für Wohnraum – unterschiedliche

Regelungen gäbe. Die Innenverwaltung

schließt sich dieser Sichtweise

nicht an. Die Regelungen des BGB

enthielten –anders als Papier es andeute

–keine preisrechtlichen Vorgaben,

sondernüberließen die Preisfindung

dem Markt sowie Mietern

und Vermietern.

Der Mietendeckel sieht vor, die

Mieten in Berlin auf dem Stand vom

18. Juni 2019 für fünf Jahreeinzufrieren.

So sollen die Haushalte in der

Stadt nach Jahren des starken Anstiegs

der Wohnkosten finanziell

eine Verschnaufpause erhalten. Die

Miete soll jedoch um 1,3 Prozent

jährlich erhöht werden dürfen, sofern

die geplanten Mietobergrenzen

der Wohnungen je nach Baualtersklasse

von bis zu 9,80 Euro je Quadratmeter

unterschritten werden.

„Angesichts der – wichtigen – Gemeinwohlziele,die

mit der Regelung

verfolgt werden, scheint dies angemessen“,

stellt der Verfasser des Vermerks

fest. Die Mietobergrenzen

werden in dem Papier ebenfalls als

zulässig beschrieben. Ziel sei es, die

Preisentwicklung auf dem Mietenmarkt

nicht dem freien Spiel der

Kräfte zu überlassen. Dies sei speziell

bei Immobilien grundsätzlich erlaubt,

„um breiten Bevölkerungsschichten

den Zugang zu dem –im

Falle von Wohnungen –unverzichtbaren

Wirtschaftsgut zu ermöglichen“.

Es müsse jedoch klar definiert

„Die Möglichkeit, künftig die Miete zu

erhöhen, ist noch kein zum Eigentum

erstarktes Recht, sondern nur eine bloße

Chance und Aussicht.“

Aus dem Vermerk

der Senatsverwaltung für Inneres zum Mietendeckel-Gesetzentwurf

werden, inwiefern die Oberwerte

künftig angehoben werden.

Heftig umstritten ist der im Gesetzentwurf

von Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher (Linke)

enthaltene Anspruch auf Absenkung

zu hoher Mieten. Mieter sollen eine

Absenkung verlangen dürfen, wenn

die Miete über den Oberwerten liegt

und die Bewohner mehr als 30 Prozent

ihres Einkommens für die

Wohnkosten aufbringen müssen.

Laut dem Papier aus der Innenverwaltung

sprechen überwiegend

Gründe dafür, die Regelung als unverhältnismäßig

anzusehen. Das

Land hätte auch die Möglichkeit, die

betroffenen Mieter mit Sozialleistungen

zu unterstützen. Als„legitim“

wird dagegen der Plan bezeichnet,

die Umlage der Modernisierungskosten

zu beschränken. Es gebe aber

keinen Grund für eine Begrenzung

der Umlage,wenn der Mieter freiwillig

mehr zahle. Probleme sieht die

Innenbehörde auch damit, dass die

Mieten rückwirkend eingefroren

werden sollen. Die Regelung sei

„nicht stichhaltig“ begründet. Staffelmieten

können laut dem Vermerk

zudem nicht eingefroren werden.

Unddie Härtefallregelung für Eigentümer

sei noch „zu unbestimmt“.

Unterm Strich ergebe sich aber

„keine unzumutbare Gesamtbelastung

der Vermieterseite“.

Die Wohnungswirtschaft bleibt

unterdessen nicht tatenlos. Sie will

mit einer 1,6 Millionen Euro teuren

Öffentlichkeitskampagne gegen

Mietendeckel und Enteignungspläne

kämpfen. „Unser Ziel ist es,die

Wohnungswirtschaft nicht länger

vondenjenigen diskreditieren zu lassen,

die uns als Miethai sehen wollen,

der sich am schmalen Einkommen

der Mieterinnen und Mieter

mästet“, heißt es in einem Schreiben,

das vomGdW sowie seinen Mitgliedsverbänden

unterzeichnet ist.

In dem Brief bitten die Unterzeichner

um finanzielle Unterstützung

der Mitgliedsunternehmen. Sie sollen

ab 30 Cent proWohnung zahlen,

wirdihnen als Richtwertempfohlen.

Bei der Initiative Deutsche Wohnen

und Co enteignen stößt die

Kampagne auf Kritik. Es sei „schamlos“,

wie die öffentliche Meinung beeinflusst

werden solle –„bezahlt aus

Nordkorea

beendet die

Atomgespräche

DieUSA wollten die

Treffen fortsetzen

Nordkorea schließt weitere Verhandlungen

mit den USA über

sein Atomwaffenprogramm vorerst

aus. Einen Tagnach der Beendigung

von gut acht Stunden langen Arbeitsgesprächen

zwischen beiden

Seiten in Schweden warfdas Außenministerium

in Pjöngjang den USA

am Sonntag eine„feindselige Politik“

vor. Nordkorea wolle nicht weiter

verhandeln, solange die USA keine

„praktischen Maßnahmen“ ergriffen,

um sich von ihrer feindseligen

Politik zurückzuziehen. Die Erklärung

wurde nach Berichten der südkoreanischen

Nachrichtenagentur

Yonhap von Nordkoreas Staatsmedien

veröffentlicht. Das US-Außenministerium

hatte zuvor erklärt, die

Gespräche sollten in zwei Wochen

fortgesetzt werden.

Nordkorea und die USA hatten

nach monatelanger Funkstille erstmals

wieder über atomare Abrüstung

in dem ostasiatischen Land verhandelt.

Der Unterhändler Pjöngjangs

warf danach der US-Delegation

vor, mit leeren Händen

angereist zu sein und an alten Standpunkten

festzuhalten.

Das Außenministerium in Washington

erklärte hingegen, die US-

Unterhändler seien mit kreativen

Ideen gekommen und hätten gute

Gespräche mit der nordkoreanischen

Seite geführt. Das Außenministerium

erklärte zunächst, dass die

Gespräche fortgesetzt werden. Die

USA und Nordkorea könnten nicht

an einem Tag„70 Jahre Krieg und

Feindseligkeit auf der koreanischen

Halbinsel“ beseitigen, erklärte das

US-Außenministerium am Sonnabend.

Um eine Lösung für die „gewichtigen

Themen“ zu finden,

bräuchten beide Seiten Entschlossenheit

und Ausdauer.

Es waren die ersten Atomverhandlungen

seit einem Gipfeltreffen

zwischen US-Präsident Donald

Trump und Machthaber Kim Jong

Un Ende Februar inVietnam, das unter

anderem an Fragen der atomaren

Abrüstung Nordkoreas sowie Sanktionserleichterungen

für das international

isolierte Land gescheitert war.

Trump und Kim hatten die neuen

Verhandlungen auf Arbeitsebene

Ende Juni bei einem Treffen an der

innerkoreanischen Grenze vereinbart.

(dpa) Kommentar Seite8

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2** Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Tagesthema

Charlotte Zenner sitzt auf einer

Decke in der Sonne

und hält für ihren dreijährigen

Sohn Thaddeus ein

Stückchen Stoff fest, damit der Junge

mit Pinsel und Farbe einen großen

Kreis aufmalen kann. Aus dem Kreis

soll am Ende eine symbolische Sanduhr

entstehen –das Erkennungszeichen

von Extinction Rebellion (XR),

der weltweiten Umweltorganisation,

die ab Montag in Berlin zu zivilem

Ungehorsam aufgerufen hat, um gegen

die aktuelle Klimapolitik zu protestieren.

„Aufstand gegen das Aussterben“,

heißt das Motto,unter dem

in Berlin eine ganzeWoche lang Proteste,Demonstrationen

und Straßenblockaden

angekündigt sind.

Rund 6000 Menschen haben die

Veranstalter für das Klimacamp

zwischen Reichstag und Kanzleramt

angemeldet –die Wiese gleicht

am Sonntagmittag einem Festivalgelände:

Menschen, die Gitarre

spielend vorihren Zelten sitzen und

ihr Lager mit Flaggen oder Erkennungssymbolen

dekorieren: Ortsgruppe

Hamburg, Ortsgruppe Lübeck,

selbst aus Dänemark sind Klimaaktivisten

in die Hauptstadt gekommen.

Zwei Tage frei

Charlotte Zenner ist mit ihrer ganzen

Familie aus Göttingen angereist, ihr

Mann ist dabei, auch ihrefünfjährige

Tochter Sophie, die sich ebenfalls

bemüht, ihre Sanduhr auf den Stoff

zu malen. „Ich will mir von meinen

Kindern später nicht anhören, dass

ich nichts getan habe“, sagt die junge

Frau. „Es macht mich traurig, wenn

ich daran denke, dass meine Kinder

vielleicht nicht mehr so leben können,

wie ich es aber noch konnte“,

sagt sie weiter.ZweiTage hat sich die

Psychologin freigenommen, um an

den Protesteninder Stadt teilzunehmen.

Für sie gilt: „Es gibt momentan

nichts Dringenderes.“ Viele hätten

immer noch nicht begriffen, dass wir

in einer Klimakrise steckten. „Ich

leiste jetzt hiermit meinen Beitrag“,

sagt Charlotte Zenner.

Gewaltfrei sollen die Proteste in

Berlin, Paris, London, Amsterdam

und NewYorkverlaufen, das ist Leit-

Die Sanduhr ist das Erkennungszeichen von Extinction Rebellion.

Camp in Berlin

Aktivisten von Extinction Rebellion wollen eine Woche gegen den Klimawandel

protestieren. Sie verfolgen die gleichen Ziele wie Fridays for Future, nur radikaler.

motiv von Extinction Rebellion, die

Berlin in den kommenden Tagen

lahmlegen wollen. Was genau geplant

ist, weiß keiner so genau, auch

die Teilnehmer nicht, sie lassen es

auf sich zukommen. Am Montag

steht nur fest, dass die Aktivisten um

5nach 12 am Potsdamer Platz „die

Straße fluten und dort verweilen“

wollen. Aber es werden ganz sicher

nicht die einzigen Proteste bleiben.

Einen Vorgeschmack auf die Aktionen

von Extinction Rebellion

konnte man Anfang September in

Friedrichshain erleben, als einige

Die Ungehorsamen

Dutzend Mitglieder der Bewegung

die Warschauer Straße besetzten, einige

hatten sich als sterbende Tiere

verkleidet. Vor ein paar Tagen versprühten

Mitglieder der Bewegung

in London 1800 Liter Kunstblut vor

dem Finanzministerium.

In Deutschland ist die Bewegung,

die in Großbritannien entstanden

ist, noch nicht so stark. Wie groß sie

tatsächlich ist, ist schwer einzuschätzen.

Extinction Rebellion ist

dezentral über Gruppen und Arbeitskreise

organisiert und in mehr

als 40 Ländern aktiv, esgibt keine

VonMelanie Reinsch

Chefs. Kommuniziert wird vor allem

über Chats und soziale Netzwerke.In

Deutschland gibt es zurzeit mehr als

50 aktive Ortsgruppen. Ihr Ziel: Jetzt

handeln, das Artensterben stoppen

und bis 2025 klimaneutral werden.

Aus Sicht des Protestforschers

Dieter Rucht handelt es sich in

Deutschland bislang nur um eine relativ

kleine Gruppe. „Extinction Rebellion

ist ein Stück weit aufgeblasen,

mehr Schein als Sein“, sagt er.

Das zeige sich auch an „vollmundigen

Ankündigungen“ zur Mitgliederzahl

und Anzahl der nationalen

AFP/JOHN MACDOUGALL

Verbände.Zuden jüngsten Aktionen

in Berlin sei stets nur eine kleine

Gruppe gekommen. Dennoch habe

es Extinction Rebellion damit stets in

die Medien geschafft.

Das Camp in Berlin fungiert in

den kommenden Tagen als zentrale

Anlaufstelle, es gibt Bastelzelte, in

denen man Banner und Plakate bemalen

kann, Yoga- und Meditationsangebote,Musik,

Podiumsdiskussionen

mit Titeln wie „Warum keine politische

Partei die Klimakrise für uns

lösen wird“ oder „Totalversagen

beim Klimaschutz“. In Workshops

wird über die Klimakrise und veganes

Leben, „Kompost-Boden als vergessene

Klimachance“ oder Deeskalationstechniken

gesprochen. Aktionstraining

nennen sich Vorbereitungstreffen,

die am Sonntag unter

anderem in den Mehringhöfen und

im Haus der Statistik stattfanden.

Das zeigt auch schon den Unterschied

zu Fridays for Future, die zwar

die gleichen Ziele verfolgen, aber

längst nicht so radikal sind wie Extinction

Rebellion. Ihr Mitgründer

und das bekannteste Gesicht, Roger

Hallam, ist erst kürzlich in London

festgenommen worden – offenbar

wegen einer geplanten Protestaktion

am Flughafen Heathrow.„Heathrow

Pause“ hieß die Aktion, die den Flughafen

lahmlegen sollte.

Suche nach Aufmerksamkeit

„Ich habe kein Problem damit, wenn

ich für ein paar Stunden ins Gefängnis

muss“, sagt auch Anni entschlossen.

Die 23-Jährige ist aus Frankfurt

nach Berlin gekommen. Sie findet,

dass Demos ein bisschen radikaler

sein müssten, „sonst verfehlen sie

die Wirkung“ und bekämen auch

nicht genügend Aufmerksamkeit.

„Wir müssen jetzt ein Zeichen setzen“,

sagt sie. Dazu gehören Straßenblockaden

ebenso wie die Bereitschaft,

auch mal einige Stunden von

der Polizei in Gewahrsam genommen

zu werden.

Paul aus Chile sieht das genauso.

Der 32-Jährige wohnt in Berlin, aber

wurde schon mal in seinem Heimatland

von der Polizei bei einer Demo

festgenommen, „Ich bin bereit für

Level 2“, sagt er.„Null“, erklärt Paul,

sei für Menschen, die gerndabei sein

wollten, aber im Hintergrund agierten.

Bei Level 1ginge man auf die

Straße,bei Level 2sei man bereit, sich

vonder Polizei mitnehmen zu lassen.

Jemand, der bereit für die letzte Stufe

sei, ginge bis aufs äußerste und

nehme auch eine längere Haftstrafe

in Kauf,erklärtPaul. (mit dpa)

Melanie Reinsch

war überrascht, wie viele am

Klimacamp zelten.

VonSarah Pepin

Das Große Ganze sehen, darum

geht es Carola Rackete. Die 31-

jährige Seenotretterin und Klimaaktivistin

sprach gestern Abend im ausverkauften

Kino Babylon am Rosa-

Luxemburg Platz, wo der Dokumentarfilm

„Seawatch 3“ von den

NDR-Journalisten Nadia Kailouli und

Jonas Schreijäg Premiere feierte. Berühmt

wurde sie im Juni diesen Jahres,

als sie,Kapitänin des Flüchtlingsrettungsschiffes

„Seawatch 3“, das

Schiff mit 42 Migranten aus Afrika an

Bord trotz Verbots in den Hafen Lampedusas

steuerte.Esfolgten Konflikte

mit dem damaligen italienischen Innenminister

Matteo Salvini, drei Tage

Hausarrest und viel Medienaufmerksamkeit.

Seit drei Monaten laufen

Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen

Migration gegen sie.

Die letzten Wochen hatte sich

Carola Rackete mehr dem Klimaschutz

und der Bewegung „Extinction

Rebellion“ zugewandt. Bei den

geplanten Protesten und Straßenblockaden

in Berlin wird Carola Rackete

dabei sein, in welcher Form ist

noch unklar. Vor etwas mehr als

zwei Wochen stand Rackete während

des Klimaprotests am Brandenburger

Torund sagte, wir Menschen

seien für den Zusammenbruch

der Ökosysteme verantwortlich.

Nach “Seawatch 3“ hatte sie

sich an die französische Atlantikküste

zurückgezogen, wo sie an einem

Buch über eben diesen Zusam-

Seenotretterin und Klimaaktivistin Carola Rackete im Kino Babylon

Mit Ruhe und Ausdauer

Carola Rackete kam zur Premiere des Dokumentarfilms „Seawatch 3“.

AP

menbruch schrieb, es soll Anfang

November erscheinen.

Im Babylon geht es aber um den

Film „Seawatch 3“. Kailouli und

Schreijägs Film „Seawatch 3“ dokumentiert

den Vorfall auf See mit eindrücklichen

Bildern, die dem Zuschauer

die Ausnahmesituation, in

der sich das Schiff befand, noch einmal

deutlich machen. Die frustrierende

Kommunikation mit dem Europäischen

Gerichtshof für Menschenrechte;

mit den italienischen

Behörden, der Guardia di Finanza,

die regelmäßig zum Schiff kamen, jedoch

nicht helfen konnten, weil sie

vonSalvini blockiertwurden; die humanitäre

Notsituation der Migranten;

die Traumata, die sie in Libyen

erlebt hatten. Unddas ewige Warten,

wochenlanges Warten auf See. Aber

auch die Ruhe undAusdauer der Kapitänin.

Als Carola Rackete nach der Premiere

auf die Bühne kommt, steht

der gesamte Saal auf. Standing Ovations

für die Frau, die Salvini die Stirn

bot. Im Podiumsgespräch mit Nadia

Kailouli und Jonas Schreijäg geht es

vorrangig um mögliche politische

Lösungen, um den Stand der zivilen

Seenotrettung in Europa. Man fühlt

den Respekt, den die Menschen im

Saal vor Rackete haben, die große

Bewunderung. Was man denn als

Einzelperson machen könne, um

was zuverändern, fragt eine Frau:

„Massiven Druck auf das Bundesinnenministerium

ausüben“, sagt Rackete.

„Das geht in Berlin gut.“

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es stellenweise Wolken. Sonst scheint jedoch die Sonne, und

die Höchsttemperaturen klettern bis auf 12Grad. Der Wind weht schwach

aus Ost. In der Nacht haben vorübergehend Wolken die Oberhand. Dabei

ist mit Tiefsttemperaturen von 6bis 2Grad zu rechnen.

Biowetter: Die Luftmasse bewirkt

nicht immer einen gesunden Tiefschlaf,

fördert aber die Arbeitsleistung

und bringt gute Konzentration.

Viele Menschen sind aktiv und

haben gute Laune.

Pollenflug: Im Moment tritt keine

Belastung durch Pollenflug auf.

Gefühlte Temperatur: maximal 11Grad.

Wind: leichter Wind aus Ost.

Wittenberge

0°/12°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

0°/12° 3°/11°

Luckenwalde

-1°/11°

Prenzlau

2°/11°

Cottbus

0°/12°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Regen Regenschauer Regenschauer

5°/12° 9°/14° 9°/14°

Frankfurt

(Oder)

2°/11°

Hoch Jennifer über dem Nordmeer und Skandinavien wird schwächer, behält

aber noch seinen Einfluss auf das nördliche Zentraleuropa. Weiter südlich befindet

sich die Regenwolken von Tief Olaf. Vonder algerischen Küste, Korsika und

Sardinien über Itlaien bis Kreta kann es heftig regnen und stürmen.

Sylt

4°/11°

Hannover

2°/13°

Köln

7°/15°

Saarbrücken

7°/14°

Konstanz

7°/16°

Hamburg

1°/12°

Erfurt

1°/12°

Frankfurt/Main

8°/15°

Stuttgart

7°/15°

Rostock

3°/11°

Magdeburg

-1°/12°

Nürnberg

7°/11°

München

7°/14°

Rügen

3°/10°

Dresden

2°/11°

Deutschland: Heute hängt der Himmel

in Ausnahmefällen voller Regenwolken.

Sonst scheint aber auch die

Sonne. Während des Tages ist mit

10 bis 16 Grad zurechnen. In der folgenden

Nacht betragen die Werte

10 bis 2Grad. Der Wind weht

schwach aus Ost. Morgen erwärmt

sich die Luft auf 10 bis 18 Grad.

Dazu ist der Himmel häufig bedeckt.

Gebietsweise regnet es. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus südwestlichen

Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 11°-13°

Nordsee: 12°-15°

Mittelmeer: 20°-29°

Ost-Atlantik: 15°-20°

Mondphasen: 13.10. 21.10. 28.10. 04.11.

Sonnenaufgang: 07:17 Uhr Sonnenuntergang: 18:30 Uhr Mondaufgang: 16:35 Uhr Monduntergang: --:-- Uhr

Lissabon

27°

Las Palmas

28°

Madrid

29°

Reykjavik

12°

Dublin

15°

London

16°

Paris

18°

Bordeaux

19°

Palma

25°

Algier

24°

Nizza

23°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen

10°

Berlin

11°

Mailand

20°

Tunis

23°

Rom

19°

Warschau

10°

Wien

11° Budapest

13°

Palermo

21°

Kiruna


Oulu


Dubrovnik

22°

Athen

23°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa

14°

Varna

16°

Istanbul

21°

Iraklio

26°

Archangelsk


Moskau


Ankara

21°

Antalya

26°

Acapulco 33° heiter

Bali 39° wolkig

Bangkok 32° Gewitter

Barbados 30° wolkig

Buenos Aires 22° sonnig

Casablanca 25° sonnig

Chicago 18° sonnig

Dakar 30° heiter

Dubai 36° heiter

Hongkong 31° Gewitter

Jerusalem 26° sonnig

Johannesburg 30° wolkig

Kairo 32° sonnig

Kapstadt 22° wolkig

Los Angeles 25° sonnig

Manila 32° heiter

Miami 31° Gewitter

Nairobi 29° sonnig

Neu Delhi 34° heiter

New York 25° bedeckt

Peking 24° sonnig

Perth 24° heiter

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 28° bedeckt

San Francisco 26° sonnig

Santo Domingo 30° wolkig

Seychellen 28° Gewitter

Singapur 32° Gewitter

Sydney 26° heiter

Tokio 25° bewölkt

Toronto 19° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 3· ·

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Seite 3

In der Alten Feuerwache hängt der

Zündstoff der Revolution. Hinter zwei

Bilderrahmen steckt je ein Blatt Papier.

Überschrieben ist die erste Seite mit

„Mitteilung und Aufruf der ,Initiative zur demokratischen

Umgestaltung der Gesellschaft‘“.

An die Bürger vonPlauen richtet sich

das Schreiben. Wutspricht aus den maschinegeschriebenen

Zeilen.„Wir Deutsche in der

DDR“ hätten „aus der Geschichte des verderbenbringenden

3. Reiches nichts, aber auch

gar nichts gelernt!“ Es herrsche „Menschenverachtung,

Kadavergehorsam und faschistischer

Ungeist“. Man müsse „aktiven und

energischen Widerstand leisten“. Es gehe

letztlich um die Einheit Deutschlands.

Zu einer Demonstration auf dem Theaterplatz

sollen sich die Plauener einfinden.

Und fordern: Versammlungs-, Meinungsund

Pressefreiheit; Demonstrations- und

Streikrecht; Zulassung der Oppositionsgruppe

Neues Forum, von unabhängigen

Parteien und Umweltgruppen; freie, demokratische

Wahlen; Reisefreiheit. Mit blauem

Stift nachträglich hinzugefügt steht auf der

ersten Seite oben rechts „Original vom

2.10.89“, auf der zweiten Seite unten rechts

eine Unterschrift, von der nur der Vorname

zweifelsfrei zu lesen ist: Jörg. DerNachname

beginnt mit „Sch“.

Längst hat die Feuerwache ausgedient,

seit zwölf Jahren ist das denkmalgeschützte

Gebäude in der Plauener Innenstadt eine Jugendherberge.

ImFlur hängt nicht nur der

Protestaufruf als Teil einer von Schülern gestalteten

Ausstellung; hier hängen auch Fotos,

die veranschaulichen, wie Zehntausende

Bürger fünf Monate lang für Freiheit,

Demokratie und ein vereintes Deutschland

demonstrierten, beginnend mit dem 40. Jahrestag

der DDR, dem 7. Oktober 1989.

Über Sachsen hinaus war das, was an jenem

TaginPlauen geschah, lange wenig bekannt.

Noch heute werden die Ereignisse begrenzt

wahrgenommen. Dabei schrieb der

amerikanische Historiker John Connelly

schon 1990: „Plauen war die erste ostdeutsche

Stadt, die einen geeinten Willen zur

Wende ausdrückte; sie war die einzige,inder

der ostdeutsche Umbruch von Anfang an

eine Sache der Massen war.“

Biszu20000 Menschen sollen am 7. Oktober

1989 auf die Straße gegangen sein, vermutlich

ein Viertel der damaligen Stadtbevölkerung.

Es war die erste Großdemonstration

in der DDR, die nicht offiziell war; die erste,

die Sicherheitskräfte nicht auflösen konnten;

die erste,die in einen Dialog mündete.

Drei Männer der Revolution

Es sind vorallem drei Männer,alle stammen

sie aus Plauen, die die Geschichte ihrer Stadt

beeinflusst haben und die Erinnerung an die

Tage der Revolution bewahren: Jörg Schneider,Siegmar

Wolf und Wolfgang Sachs.

JörgSchneider hat damals den Aufruf zur

Demonstration verfasst. Für ein Treffen steht

er an diesemTagnicht zurVerfügung. Der52-

jährige gelernte Werkzeugmacher hat viel zu

tun; er ist in einem Vermessungsbüro angestellt,

gibt nebenbei den heimatkundlichen

„Vogtland-Kalender“ heraus und engagiert

sich politisch. Am Telefon erzählt er, dass er

seinen Grundwehrdienst bei den Grenztruppen

leistete und dass kein Schlüsselereignis

ihn dazu brachte, sich gegen den Staat zu

wenden, sondern eine Kette von Erfahrungen,

die ihn lehrten: „Was in der DDR als Demokratie

propagiert wurde, hatte mir der

Wirklichkeit nichts zu tun.“

Wolfgang Sachs und Siegmar Wolf nehmen

sich die Zeit und kommen ins

Theatercafé. Es liegt mitten in der Stadt, Ecke

Theaterplatz/Postplatz, unweit der Alten

Feuerwache. Sachs hat den Ort vorgeschlagen.

In einem Beet neben dem Café steht

eine schulterhohe Schiefertafel, umrahmt

vonpoliertem Stahlrohr.Weiß auf grau steht

da: „An dieser Stelle begann am 7. Oktober

1989 die erste Großdemonstration auf dem

Gebiet der ehemaligen DDR. Das war der

Anfang der Veränderung unserer Welt.“

Sachs, 76, weiße Haare, grau-weißer

Schnurrbart ineinem gutmütigen Gesicht.

Wolf, 60, ist ein dynamisch-drahtiger Typmit

verschmitztem Lächeln. Er gilt als der Demonstrant,

der am 7. Oktober 1989 als erster

ein Spruchband hochhielt. Von ihrer Sitzbank

aus können die beiden durchs Fenster

auf den Postplatz blicken. Damals, 1989,

hieß der Postplatz noch Otto-Grotewohl-

Platz, kurzTunnel.

Plauen, bekannt durch seine Textilindustrie

(Plauener Spitze), ist mit 65000 Einwohnern

die größte Stadt im Vogtlandkreis und

die fünftgrößte in Sachsen; sie liegt 66 Kilometer

Luftlinie südwestlich vonChemnitz –und

lag während der deutschen Teilung 25 Kilometer

nördlich der innerdeutschen Grenze.

„Wir waren hier unten abgehängt“, sagt Wolfgang

Sachs. „Alles ging nach Berlin: Getränke,

Lebensmittel, Fachkräfte.“ Er hat Elektroinstallateur

gelernt, seinen Meister gemacht

und ist Innungsobermeister gewesen.

Plauener Protest

Es ist die erste Großdemonstration in der DDR gegen die Führung:

Am 7. Oktober 1989 gehen die Bürger in Plauen auf die Straße.

Fünf Monate halten sie durch, bis zur Wahl im März 1990.

In der DDR zählte Plauen zu den Orten, in

denen der Staat und die Partei auf großen

Widerspruch stießen: DieZahl der Neinstimmen

bei den –nicht demokratischen –Wahlen

betrug offiziell schon über drei Prozent,

die Zahl der Ausreiseanträge stieg in den

80er-Jahren sprunghaft an.

Dann kam das Wendejahr: Ungarns Abbau

der Grenzanlagen, die gefälschte Kommunalwahl

in der DDR am 7. Mai. Tausende

Bürger flüchteten ab Sommer in die Botschaften

der BRD, allen voran inPrag. Die

Sonderzüge mit den Flüchtlingen von Prag

nach Hof rollten im Herbst durch Plauen.

„Das Vertrauen inden Staat war weg“, sagt

Wolf. Der Klempner-Meister engagierte sich

in der Gemeinde der Markuskirche. „Die

Stasi nannte uns ,Die Lunte‘.“ Brenzlig ist die

Lage in der Tat: DDR-Bürger fordern Reformen,

anderewollen raus ausihrem Land.

Jörg Schneider kam Ende August ’89 die

Idee, „etwas auf die Straße zu bringen“. Er

wählte den 7. Oktober, den Jahrestag der

Staatsgründung, nicht nur wegen dessen

symbolischer Bedeutung. An diesem Tag

fand in der Innenstadt ein offizielles Volksfest

statt; da fiel es nicht auf, wenn sich Bürger

versammelten. Anders als andere gehörte

Schneider keiner Gruppe an. Nichtdie

„Initiative zur demokratischen Umgestaltung

der Gesellschaft“ rief zum Protest auf, er

allein tat es.„Die,Initiative‘ gab es zu diesem

Zeitpunkt noch nicht. Es sollte der Eindruck

entstehen, dass dahinter eine Organisation

steht“, sagt er.„Zunächst war nur ein Arbeitskollege

eingeweiht. Der hat mir die Schreibmaschine

geliehen.“

Aufruf für Aufruf tippte Schneider in die

orangefarbene Robotron. Kopiergeräte waren

nicht öffentlich zugänglich. Er verfasste zwei

VonMichael Brettin

Versionen, eine lange, 16, 17 oder 18 Exemplare,

er weiß es nicht mehr genau, und eine

kurze, 16Zeilen lang, erst um die 160 Handzettel,

später nochmals um die 40. Mit Arbeitskollegen

verteilte er seine Aufrufe in den

Abend- und Nachtstunden des 2. Oktober.Er

befestigte sie mit Reißzwecken an Bäumen

und Haustüren, legte sie aus in Telefonzellen

und an Haltestellen. Die Volkspolizei bekam

einen Hinweis noch in der Nacht. Zum Protesttag

erwartete sie wenige HundertTeilnehmer.AmMorgen

des 3. Oktober war der Aufruf

zur Demonstration Stadtgespräch. „Mit

wem man auch sprach“, sagt Jörg Schneider,

„jeder wollte kommen.“ Es wurden Tausende.

„Man wurde mutiger“, sagt Wolfgang Sachs.

„Man hat sich gegenseitig Mutgemacht.“ Bürger

zündeten Kerzen an, vorGebäudeninder

Innenstadt und in den Fenstern ihrer Wohnungen,

als Zeichen des Protests und der Solidarität,

der Hoffnung und des Friedens.

Es bedurfte Mutzudemonstrieren.Inder

Leipziger Volkszeitung erschien am 6. Oktober

ein Artikel mit der Überschrift „Staatsfeindlichkeit

nicht länger dulden“. DerAutor

warnte mit Blick auf die nächste Montagsdemonstration

in der Stadt, die Kampfgruppen

seien bereit und willens, „diese konterrevolutionären

Aktionen endgültig und wirksam

zu unterbinden. Wenn es sein muss, mit der

Waffe in der Hand.“

Angst einjagen ließen sich viele Menschen

nicht mehr, auch Siegmar Wolf nicht.

Noch am selben Tagbegab er sich in die Bodenkammer,schnitt

aus einem Bettlaken ein

1,60 mal 0,90 Meter großes Stück und beschrieb

es mit schnell trocknender Nitrofarbe.

Seiner Familie –seiner schwangeren

Frau undseinem siebenjährigen Sohn –verheimlichte

er sein Tunund seine Absicht, zur

Demonstration zu gehen; sie sollten sich

keine Sorgen machen.

AusseinerAktentasche holt Wolf ein Foto

undlegtesauf den Tisch. DieFarbaufnahme

zeigt ihn in einer Traube von Menschen vor

dem mit DDR-Fahnen beflaggten Neuen

Rathaus. Er hält sein Laken in die Höhe.Daraufsteht

mittig„Für Reformen und Reisefreiheit

gegen Massenflucht“, auf der linken

Seite hochkant gesetzt „Vor allem“ und auf

der rechten „Frieden“.

Plauen, Sonnabend, 7. Oktober, 15 Uhr.

Tausende Menschen sammeln sich auf dem

Theaterplatz und dem Otto-Grotewohl-Platz,

dem Tunnel. Die einen kommen, um zu demonstrieren,

andereaus Neugier,drittezufällig.

Spruchbänder oder Plakate sind nicht zu

sehen. Bereitschaftspolizisten formieren einen

Sperrgürtel, um den Eingang des Neuen

Rathauses zu schützen. DieFeuerwehr erhält

denBefehl, mitzweiTanklöschwagen dieDemonstranten

vom Tunnel zu spülen. Steine

und Flaschen prasseln auf die Fahrzeuge.

„SehrvielWut“ spürtSiegmarWolf,„aber auch

Mut.“ Entschlossen, dem Vorgehen der Sicherheitskräfte

etwas entgegenzusetzen, entrollt

er zum ersten Malsein Spruchband.

Kurz vor17Uhr formiertsich ein Protestzug

mit mehr als 15 000 Menschen. Sprechchöre

ertönen: „Wir bleiben hier!“, „Keine

Gewalt!“, „Gorbi, Gorbi!“ Als der Zug wieder

am Rathaus eintrifft, stehen dort Kampfgruppen,

mit Maschinenpistolen bewaffnet.

Die Demonstranten fordern den Oberbürgermeister

zu einer Stellungnahme auf. Thomas

Küttler, Superintendent des Kirchenbezirks

Plauen, darfmit dem OB sprechen. Daraufhin

werden Hubschrauber und Kampfgruppen

abgezogen. Küttler beruhigt via

Megafon die Demonstranten: Mit dem OB

PA/ZB/WOLFGANG THIEME

solle es Gespräche geben, am folgenden

Sonnabend solle erneut demonstriert werden.

Am Abend läuten die Glocken der Lutherkirche

gegenüber dem Rathaus. Die Demonstration

beginnt sich aufzulösen. Küttler

ruft insMegafon: „Wir kommen wieder!“

Und das tun sie, jeden Sonnabend, bis

zum 17. März 1990, dem Vortag der Volkskammerwahl,

derersten –und letzten–wirklich

demokratischen Wahl in derDDR.

Proteste gibt esanjenem 7.Oktober auch

in anderen Städten der DDR, zum Beispiel in

Ost-Berlin, wo die Staatsfeierlichkeiten stattfinden.

Mehrere Hundert Menschen werden

landesweit festgenommen, mindestens 60 in

Plauen.WeitereProteste folgen am 9. Oktober.

Zur Montagsdemonstration in Leipzig kommen

70000 Menschen. Diese Kundgebung

gilt als„Der Tagder Entscheidung“.

DasWendedenkmal

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, ein

Experte für die Wendezeit, findet: zu Unrecht.

Auch wenn jedes Ereignis seine historische

Bedeutung erlangt habe und man sich

mit hierarchischen Bewertungenzurückhalten

solle –„das eigentliche Erdbeben“ habe

am 7. Oktober in Plauen stattgefunden,

schreibt er („Endspiel“, 2009). Plauen sei nur

deshalb nicht zur „Heldenstadt“ erklärtworden,

„weil die Tragweite der Ereignisse aus

der Provinz ohne westliche Fernsehkameras

nicht bekannt wurde“.

Plauens Pioniergeist wurde lange nicht

gewürdigt, die Plauener ärgerte es; erst recht,

als für Berlin und Leipzig Revolutionsdenkmäler

ins Gespräch kamen. Wolfgang Sachs

stellte sich als Mitglied des Lions Clubs die

Aufgabe,inPlauen ein Wendedenkmal zu errichten.

Mit Unterstützung anderer Clubs –

Kiwanis, Rotary und Soroptimist –und mit

Spenden von Bürgern und Unternehmern

der Region verwirklichte er das Projekt.

Plauener Bürger wählten aus vierzehn Entwürfen

einen aus. Seit dem 7. Oktober 2010

steht das Denkmal in derInnenstadt.

Wie eine Kerze ist das Denkmal geformt,

bis zu dreieinhalb Meter hoch. In der Sonne

blitzt der Bronzemantel, der aus drei Teilen

besteht undeine Acryl-Stele umschließt, die,

wenn es dunkelt, warm leuchtet –wie die

Kerzen, die im Herbst 1989 in Plauen brannten.

Auf einem Teil des Mantels steht: „In

Plauen, am 7. Oktober 1989, fand die erste

Massendemonstration gegen das DDR-Regime

statt,vor derdie Staatsmacht kapitulieren

musste.“ Auf allen Teilen finden sich

Symbole, unter anderen für Repressionen,

Angst, Mut, Freiheit.

FürWolfgangSachs hatsichdie Friedliche

Revolution gelohnt, persönlich, beruflich.

„Ich bin“, sagt er,„rundum glücklich.“ Dem

schließtsich Siegmar Wolf an:„Ichhabeinsgesamt

nur gewonnen. Aber ich habe auch

wasdafür getan.“ Wo Gewinner sind, da sind

auch Verlierer. Viele junge, gut ausgebildete

Leute haben Plauen verlassen. Inzwischen

leben in der Stadt 10 000 bis 15000 Menschenweniger

als 1989. DasVogtland gehört

zu den wirtschaftlich schwächsten Regionen.

„Viele Menschen finden, dass ihre Meinung

nichts zählt“, sagt Sachs. „Das ist auch

der Grund, warum so viele AfD wählen.“ Die

AfD ist im Stadtrat zweitstärkste Partei, hinter

der CDU; die FDP stellt den Oberbürgermeister.

Die Landtagswahl Anfang Septemberbrachte

der AfD ein Direktmandat.

Diemeisten Stimmen holte die AfD unter

Wählernmittleren Alters: 33 Prozent bei den

45- bis 59-Jährigen. Vordreißig Jahren waren

die zwischen 15 und 29 Jahrealt. Viele erlebten,

wie ihreVäter und Mütter oder auch sie

selbst sich plötzlich auf der Schattenseite der

Vereinigung wiederfanden, dort, wo die Arbeits-

und Sozialämter stehen. „Der Osten

wurde nur als verlängerte Werkbank des

Westens gesehen“, sagt Jörg Schneider. Er

war Mitglied des Neuen Forums Plauen und

der SPD. Die Agenda 2010 bewog ihn 2004,

ausder Partei auszutreten. Er istMitbegründer

der „Bürgerplattform für demokratische

Erneuerung in Plauen“, für dieernoch aktiv

ist. „Politikverdrossenheit und Werteverfall

schlagen überall durch“, sagt Schneider.„Die

Altparteien sind zum Steigbügelhalter des

Finanzkapitals verkommen undzueiner Gefahr

fürdie Demokratie geworden.Ohnederenverfehlte

Politikgäbe es keine AfD.“

Trotz allem hat sich nach Meinung

Schneiders die Revolution gelohnt. „Wir haben

uns damals die Demokratie erkämpft!“

Aber: „Demokratie ist kein Selbstläufer, sie

bedarf der aktiven Beteiligung aller Bürger“,

mahnt er.„Nureine breitaufgestellte Bürgerbewegungkann

zukünftig unsereimGrundgesetz

garantierten Rechte durchsetzen.“

Wenn man so will, ist das die Botschaft von

Plauen.

Michael Brettin

empfiehlt, Plauen

malzubesuchen.


4** Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Politik

NACHRICHTEN

Sieg des gemäßigten

AfD-LagersinNRW

Beider Wahl des AfD-Landeschefs in

Nordrhein-Westfalen hat sich das

gemäßigte Lager gegen den rechtsnationalen

Flügel durchgesetzt. Zum

neuen Vorsitzenden bestimmten die

Delegierten eines außerordentlichen

Landesparteitags am Sonnabend

in Kalkar den Bundestagsabgeordneten

Rüdiger Lucassen. Mit

mehr als 59 Prozent gewann der 68-

jährige ehemalige Bundeswehroberst

gegen den bisherigen Parteichef

Thomas Röckemann. Derunterlegene

54-jährige Mindener

Landtagsabgeordnete Röckemann

gilt als Sympathisant des rechtsnationalen

AfD-Bündnisses „Der Flügel“

um den Thüringer Fraktionschef

BjörnHöcke.Röckemann selbst

weist das zurück. (dpa)

EU-Ratschef Rinne rechnet

mit Brexit-Verschiebung

Derfinnische Regierungschef und

derzeitige EU-Ratsvorsitzende Antti

Rinne rechnet mit einer erneuten

Verschiebung des Austritts Großbritanniens

aus der EU. Aktuell sehe es

so aus,als ob bis Ende Oktober kein

Austrittsabkommen zustande

komme,sagte Rinne der „Welt am

Sonntag“. „Ich gehe davon aus,dass

dann irgendein britischer Premierminister

die Frage nach einerVerlängerung

stellen wird.“ (AFP)

Mahnmale für NSU-Opfer in

Zwickau beschädigt

Unbekannte sägten die Eiche im

Zwickauer Schwanenteichparkab.

DPA

In Zwickau ist erneut ein Mahnmal

für die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle

Nationalsozialistischer Untergrund

beschädigt worden.Wiedie

Polizei am Sonntag mitteilte,wurde

eine erst am Freitag aufgestellte Holzbank

mit einer Inschrift zum Gedenken

an die NSU-Opfer zerstört. Die

Tatereignete sich in der Nacht zum

Sonntag. Erst am Freitag wurde in

Zwickau ein zum Gedenken an ein

Mordopfer des NSU gepflanzter

Baum vonUnbekannten abgesägt.

DieEiche sollte an das erste NSU-Opfer

EnverSimsek erinnern. (dpa)

Opposition siegt bei

Parlamentswahl im Kosovo

DasKosovo steht voreinem Machtwechsel:

DieOppositionsparteien

Vetevendosje und LDK gewannen

laut Wahlkommission die Parlamentswahl

am Sonntag mit 25,9 und

25,2 Prozent der Stimmen. Dieaus

der einstigen Rebellenbewegung

hervorgegangene Partei PDK, die

seit 2007 an der Macht war,erhielt

21,3 Prozent und gestand ihreNiederlage

ein. (AFP)

Ukraine-Affäre: Weiterer

Whistleblower meldet sich

Einzweiter Geheimdienst-Informant

ist nach Angaben des Senders

ABC News bereit, im Zuge der

Ukraine-Affäregegen US-Präsident

Donald Trump auszusagen. DerSender

zitierte am Sonntag den Anwalt

Mark Zaid, wonach dessen Mandant

weitereInformationen über das Telefonat

zwischen Trump und dem

ukrainischen Präsidenten Wolodymyr

Selenskyj habe. (AFP)

Industrie will Ausnahmen beim CO 2 -Preis

Branchenverband BDI rechnet mit dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung ab

VonAndreas Niesmann

und TimSzent-Ivanyi

Das Klimapaket der großen

Koalition gehe nicht

weit genug –das ist der

überwiegende Tenor der

Kritik an den Plänen vonUnion und

SPD. Selbst die Wirtschaft hatte in

ersten Reaktionen bemängelt, es

handele sich nicht um den großen

Wurf. Doch nun zeigt sich, dass die

Industrie nicht einmal die vorsichtigen

Schritte der Koalition mittragen

will. Das geht aus einem Positionspapier

des Bundesverbandes der

Deutschen Industrie (BDI) hervor,

das der Berliner Zeitung (RedaktionsnetzwerkDeutschland)

vorliegt.

Darin warnt der BDI vor einer

Doppelbelastung deutscher Unternehmen

durch den bereits existieren

EU-Emissionshandel und die

geplante CO 2 -Bepreisung auf nationaler

Ebene und fordert weitreichende

Ausnahmen: „Dieser Konstruktionsfehler

sollte behoben

werden, indem die gesamte Industrie

von dieser zusätzlichen nationalen

Bepreisung ausgenommen

wird“, schreibt der BDI.

„Unrealistisches Ziel“

Das Ziel der Bundesregierung,

Deutschland bis 2050 treibhausgasneutral

zu machen, hält der Industrieverband

für unrealistisch und

lehnt es daher ab. „Nach heutigem

Wissensstand ist Treibhausgasneutralität

2050 nur denkbar, wenn die

Möglichkeit geschaffen wird, Emissionsminderungen

im Ausland zu

finanzieren und im Inland anzurechnen“,

heißt es.„Daher ist in Zeiten

permanenter Zielverfehlungen

eine erneute nationale Zielerhöhung

hin zuTreibhausgasneutralität

kritisch zu sehen“, so der BDI.

Außerdem wendet sich der Industrieverband

gegen die Festschreibung

scharfer CO 2 -Ziele für

einzelne Sektoren. „Ziele für Sektoren

dürfen nie bei einzelnen Unternehmen

einklagbar sein. Diese Gefahr

könnte beim Vorhaben der

Bundesregierung allerdings drohen.“

Kritisch sieht der BDI auch die

geplante Verpflichtung für die energieintensive

Industrie, die Hälfte

der staatlichen Ausgleichszahlungen

in Effizienzverbesserung investieren

zu müssen. „Eine starre Investitionsquote

verhindert unternehmerisches

Handeln“, heißt es.

Die Grünen stellten unterdessen

klar,anwelchen Punkten sie das Klimapaket

der großen Koalition über

CO2-Emissionen in der EU

Anteil an den gesamten CO2-Emissionen der EU 2018 in Prozent

0% 1,5 3,0 9,0 22,5

Schweden*

Dänemark

Niederlande

Großbritannien

Irland*

Belgien

Luxemburg

Österreich

Frankreich

Spanien

Portugal*

Italien

Slowenien

Kroatien

1,1

0,3

1,4

11,4

7,7

Deutschland ist verantwortlich

für 2,1 Prozent der energiebedingten

weltweiten CO 2

-Emissionen. Im internationalen

Vergleich liegt

Deutschland damit auf Platz

6der größten CO 2 -Emittenten,

wie eine BP-Studie für

das Jahr 2018 belegt.

10,0

4,7

2,4

1,0

22,5 10,3

10,0

*unter Einbeziehung von Eurostat-Schätzungen

1,0

3,0

1,7

0,4

0,5

0,9

1,4

0,0

Malta*

GLOBALES PROBLEM

China ist als bevölkerungsreichstes

Land der Erde der

größteKlimasünder.Gleichzeitig

wirdnirgendwo sonst in

der Welt so viel Energieaus

Wasser- und Windkraft oder

aus Solaranlagengewonnen.

Zweitgrößter Verursacher von

Treibhausgasen sinddie USA.

1,3

0,5

0,2

0,4

2,1

2,2

1,3

Zypern

0,2

Was die Deutschen von einer CO2-Steuer halten

Anteil der Befragten, die eine CO2-Steuer befürworten oder ablehnen, nach Alter;

Basis: Befragung von 1817 Personen ab 18 Jahren Anfang Mai 2019

Lehne ich voll und

ganz ab/eher ab

Befürworte ich voll

und ganz/eher

Weiß nicht/

keine Angabe

18 bis 24

Jahre

29 % 39% 40 % 50 % 58 %

47 % 34%

24 % 27%

25 bis 34

Jahre

33 %

27 %

35 bis 44

Jahre

BLZ/GALANTY; QUELLE: EUROSTAT, AFP

29 %

45 bis 54

Jahre

Finnland*

Estland*

Lettland

Litauen

Deutschland

Polen*

Tschechien

Slowakei*

Ungarn*

Rumänien*

Bulgarien

Griechenland

über 55

Jahre

30 %

21 % 12%

BLZ/GALANTY; QUELLE: YOUGOV; DPA

Weltweit stößt jederErdenbürger

im Schnittpro Jahr

rund fünfTonnenKohlendioxid

aus –inDeutschland

sind es pro Kopf 9,7 Tonnen.

Jeder Chinese trug durchschnittlichsieben

Tonnen CO 2

zum Klimawandel bei, jeder

US-Bürger16Tonnen.

Seehofers Lösungssuche

Die Kritik an den Vorschlägen des Innenministers zur Migrationspolitik reißt nicht ab

Ohne eine gemeinsame europäische

Kraftanstrengung droht

nach Ansicht von Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU) schon

bald eine neue Flüchtlingskrise.„Wir

müssen unseren europäischen Partnern

bei den Kontrollen an den EU-

Außengrenzen mehr helfen. Wir haben

sie zu lange alleine gelassen“,

sagte Seehofer der Bild am Sonntag.

„Wenn wir das nicht machen, werden

wir eine Flüchtlingswelle wie

2015 erleben –vielleicht sogar noch

eine größereals vorvier Jahren.“

2015 waren mehr als eine Million

Asylbewerber nach Europa gekommen.

In Deutschland wurden damals

476 649 Asylanträge gestellt, 2016 warenes745

545, so viele wie nie zuvor.

Danach sank die Zahl wieder.

Vor der Ägäis-Insel Farmakonisi

griff die griechische Küstenwache

nach eigenen Angaben vomSonntag

innerhalb von 24 Stunden 85 Migranten

auf. Auf der Insel Samos

seien 19 Migranten angekommen.

Im Westen Griechenlands hatte die

Küstenwache am Freitag an Bord

von zwei Jachten insgesamt 60 Migranten

angetroffen. Die Registrierzentren

auf den griechischen Inseln

im Osten der Ägäis sind überfüllt.

Am Dienstag befassen sich die EU-

Innenminister mit dem Thema Migration.

Dann dürfte sich entscheiden,

wie viele EU-Staaten

sich dem Verteilmechanismus

anschließen, auf den

sich Deutschland, Frankreich,

Italien und Malta im

September geeinigt hatten.

Er sieht Aufnahmequoten

einzelner EU-Staaten für

aus Seenot gerettete Migranten

vor. Allerdings geht

es bei derVereinbarung nur

um Menschen auf der zentralen

Mittelmeerroute –also das Seegebiet

zwischen Nordafrika, Malta

und Italien. Seehofer hatte angeboten,

Deutschland könne jeden vierten

Bootsflüchtling vondortaufnehmen.

Allerdings soll die Übergangslösung

nur gelten, wenn genügend Staaten

mitmachen.

Seehofer war für seinen Vorstoß

vor allem von AfD, FDP und einigen

Unionspolitikern kritisiert worden.

AP

Sie warnten, Migranten und Schlepper

könnten sich dadurch ermutigt

fühlen. „Das Cinunserem Namen

gebietet, Menschen aus Seenot zu

retten“, sagte Unionsfraktionschef

Ralph Brinkhaus (CDU) den Zeitungen

der Funke-Mediengruppe.

Das andere sei die

Frage, welches Signal man

sende, wenn man pauschal25Prozent

derGeretteten

aufnehmen wolle.

„Das war eine Initiativedes

Innenministers, nicht der

CDU/CSU-Bundestagsfraktion“,

sagte Brinkhaus.

Innenminister

Horst Seehofer Der zuständige EU-

Kommissar Dimitris Avramopoulos

wies die Kritik zurück. Die

Arbeit an Regelungen für die Ausschiffung

dürfe nicht isoliertgesehen

werden, sagte Avramopoulos der

Funke-Mediengruppe. „Es ist unser

vorrangiges Ziel, irreguläre Ankünfte

zu reduzieren, Schmuggler zu bekämpfen

und die Rückführung irregulärer

Migranten zu erleichtern –

und ebenso, Leben zu retten und legaleWege

für Schutzbedürftige zu öff-

ihre Veto-Macht im Bundesrat verschärfen

wollen. So soll der Einstiegspreis

für die CO 2 -Belastung bei

40 Euro pro Tonne liegen und 2021

auf 60 Euro steigen, wie es in einem

Antrag des Bundesvorstands für

den Parteitag im November heißt.

Die Koalition will dagegen, dass die

Verschmutzungsrechte, die Unternehmen

für den Verkauf fossiler

Heiz- und Brennstoffe nachweisen

müssen, zum StartimJahr 2021 nur

zehn Euro proTonne kosten.

Grünen fordernhöheren CO 2 -Preis

Die Grünen fordern in ihrem Antrag,

dass der CO 2 -Preis weiter planbar

ansteigt. Dafür solle in Deutschland

ein unabhängiges Gremium

sorgen. „Mit den Einnahmen senken

wir die Stromsteuer auf das europarechtlich

zulässige Minimum

ab und führen als sozialen Ausgleich

ein Energiegeld für alle ein“,

heißt es weiter.Zunächst solle jeder

Bürger dadurch 100 Euro erhalten.

Insgesamt fordertder Vorstandsantrag

„einen klugen Mix aus CO 2 -

Preis, Anreizen und Förderung sowie

dem Ordnungsrecht“, also auch

Verboten. Gegen solche gebe es

zwar Vorbehalte, doch entwickelten

die betroffenen Branchen dann

meist innerhalb kurzerZeitAlternativen.

Weitere einzelne Punkte im geplanten

Klimakonzept der Grünen

umfassen unter anderem, dass Ölheizungen

ab sofort und fossile

Gasheizungen ab 2025 nicht mehr

eingebaut werden. Stattdessen sollten

Heizungen mit Sonnenwärme,

Wärmepumpe oder Holz gefördert

werden.

Die Kommunen sollen das Recht

bekommen, unbürokratisch über

die Einführung etwa von autofreien

Innenstädten zu entscheiden.

Schnell umsetzbar sei auch „die

Einführung vonTempo 30 innerorts

auf allen Straßen, indem Kommunen

ermöglicht wird, leichter darüber

zu entscheiden“.

Die Steuer- und Finanzpolitik

solle so gestaltet werden, dass der

Kauf von Autos mit fossilem Verbrennungsmotor

ausläuft. Um die

Schiene zu stärken, sollten Mauteinnahmen

auch der Bahn zugutekommen.

„Ab2025 wollen wir keine

neuen Bundesstraßen mehr in Angriff

nehmen, da Deutschland mit

Straßen ausreichend erschlossen

ist, während bei den Schienenwegen

erhebliche Nachholbedarfe

aufzuarbeiten sind.“ Die Befreiung

des Kerosins von der Energiesteuer

solle beendet werden.

nen.“ Pro Asyl forderte, den Verteilschlüssel

auf Schutzsuchende in

Griechenland und auf Zypernauszuweiten.

Auch müsse die Drei-Monats-Frist

für die Beantragung von

Familiennachzug verlängertwerden.

Seehofer hatte vergangeneWoche

in Ankara und Athen versucht, für

eine bessere Umsetzung des EU-

Türkei-Abkommens von 2016 zu

sorgen. Es sieht vor, dass Migranten,

die per Boot von der Türkei auf die

griechischen Inseln gelangen, nach

einer Prüfung in die Türkei gebracht

werden. Für jeden zurückgeführten

Syrer wird ein anderer Syrer aus der

Türkei in der EU angesiedelt.

Es sei gut, dass sich Seehofer jetzt

für eine europäische Lösung einsetze,

sagte die flüchtlingspolitische Sprecherin

der Grünen-Fraktion, Luise

Amtsberg, warnte aber davor, die

Türkei beim Grenzschutz zu unterstützen:

„Wenn wir der Türkei bei der

Versorgung und Integration syrischer

Flüchtlinge helfen, dann ist das richtig.Wirdürfen

aber nicht dazu beitragen,

dass verfolgte Türken ihr Land

nicht mehr verlassen können.“ (dpa)

Erst völlig

unauffällig,

dann radikal

Paris-Attentäter hatte

Kontakte in Salafistenszene

VonBirgit Holzer,Paris

AFP

Nach neuen Enthüllungen über

den Mann, der bei einer Messerattacke

am Donnerstag in der Polizei-Hauptdienststelle

vonParis vier

Menschen ermordet und eine Frau

schwer verletzt hat, geraten die französische

Regierung und Innenminister

Christophe Castaner zunehmend

unter Druck. Der Vorwurf

steht im Raum, dass bewusst Informationen

über die religiöse Radikalisierung

des Attentäters Mickaël Harpon

zurückgehalten wurden, der seit

2003 als IT-Spezialist im Hochsicherheitsbereich

des Polizei-Geheimdienstes

gearbeitet

hatte. Sieben

Minuten hatte

sein mörderischer

Gang

durch das Präfektur-Gebäude

gedauert, bis ihn

ein 24-jähriger

Praktikant erschoss,

der erst

seinen sechsten

Tagbei der Polizei hatte.

Mickaël Harpon

warIT-Spezialist.

Er sei völlig unauffällig gewesen,

hatte es zunächst vonHarpon geheißen.

„Wir haben keinen Hinweis auf

eine eventuelle Radikalisierung“,

sagte Regierungssprecherin Sibeth

Ndiaye in einer ersten Reaktion.

Dass er vor 18Monaten zum Islam

konvertiert sei, mache ihn ja noch

nicht verdächtig. Es habe „nicht das

geringste Warnsignal“ gegeben, versicherte

Innenminister Castaner.

Vielmehr sickerte aus dem Verhör

von Harpons Ehefrau durch, dass

dieser in der Nacht zuvor Stimmen

gehört habe. Das wies auf psychische

Probleme hin, zumal er in seiner

Arbeit frustriert gewesen sein

soll und unter seiner Hörbehinderung

litt.

Innenminister räumt Fehler ein

Inzwischen kam aber heraus, dass

Harpon gegenüber einem Kollegen

den blutigen Terror-Anschlag auf das

Satiremagazin Charlie Hebdo 2015

verteidigt haben soll. Das erstaunt

umso mehr, dader Mann in einer

Abteilung des französischen Nachrichtendienstes

arbeitete,die für den

Kampf gegen den radikalen Islam

zuständig ist. „Natürlich gab es eine

Fehlstelle“, räumte Castaner am

Sonntag ein. Aber er habe davon

nichts gewusst.

Bereits vor rund zehn Jahren soll

Harpon zum Islam konvertiert sein.

Der 45-jährige Vater zweier Kinder,

der vonder französischen Karibikinsel

Martinique stammt, besuchte

eine umstrittene Moschee in seinem

WohnortGonesse,hatte Kontakte zu

Mitgliedern der salafistischen Szene

und eine „radikale Sicht auf die Religion“,

sagte Jean-François Ricard,

Chef der Anti-Terror-Abteilung der

Pariser Staatsanwaltschaft am Sonnabend.

Diese nahm am Freitagabend

Ermittlungen auf.

Warum erst so spät? Man habe

zunächst die notwendigen Untersuchungen

durchführen müssen, hieß

es aus dem Büro des Premierministers

Édouard Philippe. Erkündigte

verschärfte Kontrollen in allen Geheimdiensten

an, die an der Terrorismusbekämpfung

beteiligt sind,

und sprach Castaner, der Präsident

Emmanuel Macron nahesteht, sein

Vertrauen aus. Die Opposition fordert

bereits dessen Rücktritt. „Ist es

Inkompetenz? Vertuschung?“, fragte

der republikanische Abgeordnete

Guillaume Larrivé. Rechtspopulistin

Marine Le Pen sprach von einem

Staatsskandal und forderte eine parlamentarische

Untersuchungskommission.

Staatsanwalt Ricard geht davon

aus, dass Harpon seine Morde geplant

hat. Die Autopsien der Todesopfer

ergaben, dass er diese mit „extremer

Gewalt“ ausführte.


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Nervenschmerzen mit Begleiterscheinungen wie

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Brennen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle?

Spezielles Arzneimittel bei Nervenschmerzen überzeugt Betroffene

Brennende Schmerzen

in Beinen und Füßen.

Ein Gefühl, als würde

man in einem Ameisenhaufen

stehen. Diese

Symptome treten häufig

als Begleiterscheinungen

von Nervenschmerzen

(Neuralgien)

auf. Ein rezeptfreies

Arzneimittel mit

5-fach-Wirkkomplex

schenkt Hoffnung

(Restaxil, Apotheke).

Millionen Menschen

in Deutschland leiden

unter Nervenschmerzen.

Besonders häufig

sind Diabetes-Patienten

betroffen. Bei ihnen

treten neben Schmerzen

oftmals auch Begleiterscheinungen

wie

Brennen, Kribbeln oder

Taubheitsgefühle in

Beinen und Füßen auf.

Diese Beschwerden bereiten

Betroffenen oft

schlaflose Nächte. Bisher

griffen viele von ihnen

zuherkömmlichen

Schmerzmitteln. Doch

diese wirken bei Nervenschmerzen

oft kaum,

Bereiten Betroffenen oft schlaflose Nächte: Nervenschmerzen inden Füßen

wie auch Mediziner der

Deutschen Gesellschaft

für Neurologie bestätigen.

1 Doch es gibt ein

Arzneimittel namens

Restaxil (Apotheke), das

speziell zur Behandlung

von Nervenschmerzen

zugelassen ist und diese

Schmerzen wirksam

bekämpft.

5-fach-Wirkkomplex

überzeugt

In RestaxilstecktdieKraft

aus fünf Arzneipflanzen,

diesichbei Nervenschmerzenbewährthaben.Sosetzt

Gelsemium sempervirens

laut Arzneimittelbild im

zentralen Nervensystem

an.Eskommt vorallem bei

Schmerzen längs einzelner

Nervenbahnen am ganzen

Körper zum Einsatz.

Iris versicolor hat sich z.B.

bei der Behandlung von

brennenden Schmerzen in

den Füßen bewährt. Diese

zwei Arzneipflanzen wurden

mit der natürlichen

Wirkkraft aus Spigelia

anthelmia, Cimicifuga

racemosa und Cyclamen

purpurascens kombiniert.

Durch die spezielle Dosierung

und Abstimmung

aller Wirkstoffe ergibt

sich die außergewöhnliche

5-fach-Wirkformel von

Restaxil.

Entscheidende Vorteile:

gute Verträglichkeit und

Tropfenform

Besonders Diabetes-

Patienten, die ohnehin

schon viele Medikamente

nehmen müssen, profitieren

bei Nervenschmerzen

von einem Arzneimittel,

das sowohl wirksam als

auch gut verträglich ist –

Restaxil bietet beides. Aufbereitet

in Tropfenform

können dieInhaltsstoffedirekt

über die Schleimhäute

im Mund aufgenommen

werden.

¹www.dgn.org/leitlinien/2373-ll62-2019-pharmakologisch-nicht-interventionelle-therapie-chronisch-neuropathischer-schmerzen, Abgerufen:02.09.2019•Abbildungen Betroffenen nachempfunden, Namegeändert

RESTAXIL.Wirkstoffe: Gelsemiumsempervirens Dil. D2,SpigeliaanthelmiaDil.D2, Iris versicolorDil.D2, Cyclamen purpurascens Dil. D3,Cimicifuga racemosaDil.D2. HomöopathischesArzneimittel beiNeuralgien(Nervenschmerzen). www.restaxil.de•ZuRisiken undNebenwirkungen

lesenSie diePackungsbeilage undfragen SieIhren Arzt oder Apotheker. •RestaxilGmbH, 82166Gräfelfing

„Habe das Produkt fürmeinenVater gekauft,

der seit Jahren an Diabetes leidet und täglich

mit Schmerzen und Brennen inden

Füßen kämpft und deshalb nachts oft nicht

schlafen konnte. Jetzt nimmt er das Produkt seit 4Wochen

ein und es geht ihm so gut wie schon lange nicht

mehr. Wir können das Produkt nur weiterempfehlen.“

(Michaela S.)

Gut zu wissen

Die fünf Wirkstoffe

in Restaxil wurden

gezielt gemäß dem

sogenannten Ähnlichkeitsprinzip

kombiniert.

Das heißt: In unverdünnter

Form würden die einzelnen

Arzneipflanzen

Nervenschmerzen auslösen.

In der speziellen

Dosierung von Restaxil

bewirken sie jedoch

genau das Gegenteil:

Sie bekämpfen Nervenschmerzen

wirksam!

Für Ihren Apotheker:

(PZN12895108)

i

Vergesslich?

Das kann helfen!

?

? Lust stattFrust!

So bekämpfen Sie sexuelle Schwäche wirksam

Mal wieder sind Brille oder

Schlüssel unauffindbar? Im

Alter nimmt die Vergesslichkeit

immer mehr zu.

Schuld sind oft verkalkte

Hirngefäße, die die Arterien

verengen. Dadurch gelangen

weniger Sauerstoff

und Nährstoffe ins Gehirn.

Die Folge: Gedächtnisleistung

und Konzentration

lassen nach. Doch es

gibt wirksame Hilfe aus

der Apotheke: Die Arzneitropfen

Sclerocalman

bekämpfen verkalkte Hirngefäße

mit ihrem einzigartigen

4-fach-Wirkkomplex.

Neben- oder Wechselwirkungen

sind nicht bekannt.

Unser Tipp: Mit

Sclerocalman (Apotheke,

rezeptfrei) können Sie Ihrem

Gedächtniswiederauf

die Sprünge helfen!

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Abbildung Betroffenen nachempfunden

SCLEROCALMAN. Wirkstoffe: Arnica montana

Dil. D3, Barium iodatum Dil. D4, Cornium

maculatum Dil. D4, Secale cornutum Dil. D3.

SCLEROCALMAN wird angewendet entsprechend

dem homöopathischen Arzneimittelbild.

Dazu gehört: Verkalkung der Hirngefäße.

www.sclerocalman.de •ZuRisiken und Nebenwirkungen

lesen Sie die Packungsbeilage

und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

•PharmaSGP GmbH,82166 Gräfelfing

Sexuelle Schwäche (z. B.

Erektionsstörungen) ist

ein belastendes Problem

für viele Männer. Doch

ein rezeptfreies Arzneimittel

bekämpft sexuelle

Schwäche wirksam –und

das ohne bekannte

Nebenoder

Wechselwirkungen.

Es gibt gute

Nachrichten für

alle Männer,

die unter Erektionsstörungen

leiden: Ein natürlichesArzneimittel

namens

Deseo(Apotheke)bietetbei

sexueller Schwäche gleich

drei entscheidende Vorteile

gegenüber chemischen

Potenzmitteln.

3GUTE GRÜNDE,

AUF DIE KRAFT DER

NATUR ZU VERTRAUEN

„Ich nehme schon die

dritte Flasche und

der Sex wird immer

schöner.“ (Volker B.)

kung aus! In den Tropfen

steckt die Wirkkraft der

besonderen Arzneipflanze

Turnera diffusa. Ihrem

Wirkstoff wird ein durchblutungsfördernder

Effekt

auf die Schwellkörper des

Mannes nach-

gesagt. Laut

Arzneimittelbild

setzt dieser

im Urogenitalsystem

an und

wird speziell bei

sexuellerSchwä-

che (z. B. Erektionsstörungen)

erfolgreich

angewendet.

2. Rezeptfrei und

ohne bekannte

Nebenwirkungen

Ein weiterer Vorteil:

Deseo ist rezeptfrei erhältlich.

Der unangenehme

Besuch beim Arzt bleibt

somit erspart. Wer auch

den Gang in die Apotheke

scheut,der kann dasnatürliche

Arzneimittel diskret

in einer Online-Apotheke

bestellen. Neben- oder

Wechselwirkungen sind

bei Deseo übrigens nicht

1. Natürliche Arzneikraft

in Tropfenform

Das Arzneimittel Deseo

zeichnet sich durch seine

100% natürliche Wirbekannt

–noch eine Sorge

wenigerfür viele Männer!

3. Der Sex ist nicht vom

Einnahmezeitpunkt

abhängig

Die Wirkung von Deseo

ist unabhängig vom Einnahmezeitpunkt

–anders

als bei vielen chemischen

Potenzmitteln. Diese müssen

rechtzeitig vor dem

Sex eingenommen werden.

Dadurch ist der Ge-

schlechtsakt an einen

bestimmten Zeitrahmen

gebunden, die Leidenschaft

bleibt dabei

oft auf der Strecke.

Nicht so bei Deseo:

Da das Arzneimittel

regelmäßig

eingenommen

wird, kann

die beim Sex so

wichtige Spontaneität

erhalten

bleiben.

Abbildungen Betroffenen nachempfunden, Namen geändert

DESEO. Wirkstoff: Turneradiffusa Dil. D4.DESEO DESEO wird angewendet entsprechenddemdem homöopathischen Arzneimittelbild.Dazugehört: Sexuelle Schwäche.www.deseo.net•Zu www.deseo.net Risiken undNebenwirkungen

lesenSie diePackungsbeilage undfragen Sie IhrenArzt oder Apotheker. •PharmaSGP GmbH, 82166Gräfelfing •Die Einnahme von ArzneimittelnüberlängereZeitsollte nach ärztlichem Raterfolgen.

„Esklapptwieder

wunderbar und auch

die Ausdauer ist

hervorragend.“

(Petra undFrank M.)

Fragen Sie bei sexu-

eller Schwäche in der

Apotheke nach Deseo

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Deseo

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6 Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

NACHRICHTEN

Mercedes-Transporter

unter Abgasverdacht

EinweiteresDieselfahrzeug von

Daimler steht nach einem Bericht

von„Bild am Sonntag“ im Verdacht,

mit illegaler Abgastechnik zu fahren.

Betroffen sind demzufolge 260 000

Transporter des Modells Mercedes

Sprinter in Europa, davon 100 000 in

Deutschland. DieWagen mit der AbgasnormEuro5,die

bis 2016 hergestellt

wurden, sollen nach einem

Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamtes

(KBA) an Daimler eine „unzulässige

Abschaltvorrichtung“ verwenden.

EinKonzernsprecher bestätigte,dass

das KBA ein Anhörungsverfahren

eröffnet habe.

Daimler habe die Funktionsweise

der Abgasreinigung bereits 2018 vorgestellt.

China zieht sich aus

Gasprojekt zurück

Nach dem französischen Ölkonzern

Total hat sich nach iranischen Angaben

auch die staatliche chinesische

Ölfirma aus der Erschließung eines

großen Gasfelds im Persischen Golf

zurückgezogen. DerIranwerde das

Gasfeld Süd-Pars nun allein erschließen,

meldete die vomÖlministerium

betriebene Nachrichtenagentur

Shana. Gründe für den

Rückzug wurden nicht genannt. Der

französische ÖlkonzernTotal hatte

sich aus dem Deal verabschiedet,

nachdem der amerikanische Präsident

Donald Trump die USA aus

dem internationalen Atomabkommen

zurückgezogen und harte

Sanktionen gegen den Iran verhängt

hatte. (ap)

Streetscooter bringt der

Post hohen Verlust

Die Post suchtPartnerfür den Streetscooter.

FOTO: MURAT/DPA

Deutsche-Post-Chef Frank Appel erwartet

für das Geschäft mit Elektrotransportern2019

erneut einen

deutlichen Verlust. „Ein signifikanter

zweistelliger Millionenbetrag

wirdesauch dieses Jahr werden“,

sagte Appel der „Frankfurter Allgemeinen

Sonntagszeitung“. Der

Streetscooter sei dennoch eine Erfolgsgeschichte.„Wirhaben

damit

vorfünfJahren angefangen,weil es

kein Angebot aus der Industrie gab.“

DiePost wolle aber kein Autohersteller

werden, deshalb spreche der

Konzernmit potenziellen Partnern

und Kaufinteressenten. (dpa)

Glyphosat-Prozess in den

USA wird verschoben

Dernächste Prozess in den USA

gegen den Bayer-Konzernumdie

Gesundheitsgefahren des Unkrautvernichters

Glyphosat wirdverschoben.

„Nach Vereinbarung beider Seiten

wirdder Prozess auf ein Datum

Anfang 2020 vertagt werden“, sagte

der Mediator Kenneth Feinbergdem

„Handelsblatt“. Feinbergsollzwischen

den Klägernund dem Konzern

einenaußergerichtlichen Vergleich

vermitteln. DieVertagung

deutet darauf hin, dass er dabei

Fortschritte macht. Tausende Kläger

verlangen vonder Bayer-Tochter

Monsanto Schadensersatz für Gesundheitsschäden,

die angeblich

deren Unkrautvernichter Roundup

verursacht hat. (dpa)

Der Wert der vier Wände

Um den Preis von Immobilien zu ermitteln, stehen Gutachter oder Onlinetools zur Verfügung

Von Mechthild Henneke

Immobilien gelten als sichere

Geldanlage,dochist ihr Wert alles

andere als fix. Angebot und

Nachfrage lassen die Preise

schwanken. DerWegzug vieler Menschen

aus ländlichen Regionen führt

etwa im Umland vonBerlin zu fallenden

Preisen. Wir erklären, wie der

Wert einer Immobilie ermittelt wird

und welche Möglichkeiten es für

Käufer und Verkäufer gibt, sich zu informieren.

Gesetzliche Grundlagen: Die Wertermittlungsverordnung

(ImmoWertV)

regelt, wie der Verkehrswert von Immobilien

ermittelt wird. Neben dem

Grundstück fließen auch Häuser und

andere Bauten auf dem Grundstück

in den Wert ein. Die Verordnung

nennt drei verschiedene Verfahren:

das Vergleichswertverfahren, das

Sachwertverfahren und das Ertragswertverfahren.

Vergleichswertverfahren: Der Wert

einer Immobilie wird ermittelt, indem

der Wert vergleichbarer Häuser

oder Wohnungen betrachtet wird.

Die Preise, die diese Objekte erzielten,

dienen als Hinweis darauf, was

für das jeweilige Objekt bezahlt werden

könnte. Neben der Größe und

dem Alter von Grundstück und Gebäude

kommen Ausstattung, Lage,

Bauweise und voraussichtliche Restnutzungsdauer

hinzu. Das Vergleichswertverfahren

wird vor allem

für selbst genutzte Wohnimmobilien

und Grundstücke herangezogen.

Sachwertverfahren: Selbst genutzte

Wohnimmobilien werden hierbei getrennt

vom Bodenwert analysiert.

Der materielle Wert der verbauten

Materialien wird kalkuliert, vom

Backstein über die Fenstertypen bis

zu den Fußböden. Dasgeschieht auf

derBasisderNHK-2010-Liste(NHK=

Normalherstellungskosten), der

staatlich eingeführten Standardliste.

DerBodenwertwirdanschließend in

die Bewertung integriert. Das Sachwertverfahren

wirdhäufig dortangewandt,

wo es wenige Vergleichsobjekte

auf dem Marktgibt.

Ertragswertverfahren: Vermietete

Gebäude,Wohnungenoderverpachtete

Grundstücke werden im Zuge

des Ertragswertverfahrens bewertet.

Dreh- und Angelpunkt ist der Gewinn,

der erzielt werden kann. Dieser

errechnet sich aus der Miete minus

den Bewirtschaftungskosten plus

dem Wert des Grundstücks. Hinzu

kommt ein sogenannter Vervielfältiger,

der Faktoren wie den Liegenschaftszinssatz

und die Restnutzungsdauer

einbezieht. Je länger ein

Objekt noch genutzt werden kann,

desto höher ist dieser Wert. Das Ertragswertverfahren

ist komplex. Es

wird von Sachverständigen angewandt.

Sachverständige einbeziehen: Traditionell

werden Sachverständige zur

Immobilienbewertung herangezogen.

Sieerstellen eines der vorgestellten

Gutachten. Diese sind vor Gericht

einsetzbar, was bei Streitigkeiten

zum Beispiel im Scheidungs-

Der Bodenrichtwert ist ein Faktor bei der

Wertermittlung vonImmobilien. Das Onlinetool

„Boris“ macht es möglich, Berliner Bodenrichtwerte

seit 1964 abzufragen. Durch

Eingabe einer Adresse wird der Bodenrichtwert

in Formder Bodenrichtwertkarte zusammen

mit den dazugehörigen Sachdaten angezeigt

(fbinter.stadt-berlin.de/boris/).

Zwar wachse die Ungleichheit aktuell

deutlich langsamer als noch zu

Beginn des Jahrtausends,betonte die

WSI-Expertin Dorothee Spannagel.

Und die Entwicklung unterminiere

auch nicht mehr so starkdie Position

der Hauhalte mit mittleren Einkommen.

Doch die Lücke zwischen den

ganz Armen und den ganz Reichen

werdeimmer größer.

Die hohen Einkommensgruppen

profitierten von wachsenden Kapitaleinkommen.

Dagegen seien die

40 Prozent der Haushalte mit den geringsten

Einkommen weiter zurückgefallen

–auch im Vergleich zur ge-

BODENRICHTWERTE

Aus der Zeit zwischen 1964 und 2001 können

Bodenrichtwerte als Rasterdaten über

das Geoportal Berlin abgerufen werden. Der

Nutzer erhält online einen Kartenausschnitt,

der geprüft und als PDF ausgedruckt werden

kann. Das Land Brandenburg hat das Berliner

System für seine Bodenrichtwerte übernommen

(boris-brandenburg.de).

sellschaftlichenMitte,dievondergu-

ten Arbeitsmarktlage und spürbaren

Lohnsteigerungen profitierthabe.

„Immer mehr Menschen sind von

Armut betroffen“, heißt es in der Studie.Die

Zahl der Haushalte,die weniger

als 60 Prozent des mittleren Einkommens

zur Verfügung haben und

deshalb nach gängiger Definition als

arm gelten, sei zwischen 2010 und

2016 von 14,2 auf 16,7 Prozent gewachsen.

Die Armutslücke –der Betrag,

der dem durchschnittlichen armen

Haushalt fehlt, um über die 60-

Prozent-Hürde zu kommen –sei beträchtlich

größer geworden.

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

oder Erbfall wichtig ist. Der Bundesverband

öffentlich bestellter und vereidigter

sowie qualifizierter Sachverständiger

(BVS) rät dazu, lediglich öffentlich

bestellte und vereidigte

Sachverständige zu engagieren. Sie

seien weisungsfrei und handelten

objektiv, heißt es auf der BVS-Website.

Der BVS bietet eine Datenbank

an, in der solche Sachverständigen

gelistetsind.DiePreisefürGutachten

sind nicht geregelt. Kurzgutachten

können bei 400 bis 500 Euro liegen.

Eines der drei zuvor genannten Gutachten

kostet ab 1000 Euro.

Zudem hat der BVS Checklisten

veröffentlicht, mit denen Privatpersonen

Immobiliengutachten überprüfen

können. Diese Checklisten

führen die wichtigsten Punkte auf,

sodass schnell geprüft werden kann,

ob ein Gutachten in Form und Inhalt

korrekt ist.

Onlineverfahren: Mehrere Websites

bieten eine Onlinebewertung von

Immobilien an. DieUser geben in der

Regel in mehreren Schritten die

wichtigsten Objektdaten ein wie Immobilientyp,

Größe, Alter, Ausstattung

und Zustand sowie ihrepersönlichen

Kontaktdaten. Die Auswertungssysteme

fügen den geschätzten

Bodenwert und Vergleichsdaten aus

Immobilienportalen hinzu.

EinigeAnbietervonOnlinebewertungen

nutzen die Daten, um auf diese

Weise Zugang zu möglichen Immobilienverkäufern

zu erhalten,

sprich: Immobilienmakler sichern

sich Kontaktdaten von potenziellen

Kunden. Wersich online von ihnen

einen Wertermitteln lässt, erhält deshalb

in der Folge häufig entweder direkt

einen Anruf oder einen WerbebriefanstelleeinesImmobilienwerts.

AnderePortale versenden einen ersten

Wert per Mail, lassen diesem Wert

aber rasch einen Anruf oder einen

Brief folgen. Die dritte Variante ist

eine Analyse mit einem Richtwert –

diese fällt jedoch nicht immer gleich

ausführlich und verständlich aus.

Wieseriös ein Onlineverfahren ist, ist

für den User im Vorhinein nicht

durchschaubar.

Die Berliner Sparkasse und ihre

Tochter, die BSK Immobilien, arbeiten

mit dem unabhängigen IIB-Institut

Dr.Hettenbach aus Schwetzingen

zusammen. Die Sparkasse und ihre

Immobilientochter bieten auf ihrer

Website Kunden und Nichtkunden

kostenlose IIB-Onlineanalysen an.

„Das Tool greift auf das geballte

Know-how aus langjähriger Marktforschung

zurück“, erklärt die Sparkasse.

Hettenbach betont, dass nicht mit

einem intransparenten Algorithmus,

sondern auf Basis der amtlichen

Wertermittlungsverfahren gearbeitet

werde. Der ermittelte Richtwert

werde mithilfe einer tagesgenauen

Auswertung von Angeboten an die

Marktsituation angepasst. Hettenbach

fügt hinzu: „Der Richtwert ist

nur eine Vorstufe.“ Aufihn müsse die

konkrete Bewertung des Objekts in

Form eines Gutachtens folgen. Diesen

Schritt leiste zum Beispiel der

Service der Sparkasse.

Einkommen fallen immer weiter auseinander

Von Erich Reimann

Trotz der guten Konjunktur und

seit Jahren wachsender Beschäftigung

klafft die Scherezwischen den

Wohlhabenden und den unteren

Einkommensgruppen immer weiter

auseinander.„ImmermehrEinkommen

konzentriert sich bei den sehr

Reichen“, heißt es in einer Studie des

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen

Instituts (WSI). DerVerteilungsbericht

des WSI, das zur gewerkschaftsnahen

Hans-Böckler-

Stiftung gehört, soll an diesem Montag

veröffentlicht werden.

WSI-Studie empfiehlt Stärkung der Tarifbindung und Erhöhung desMindestlohns

Einer der stärksten Treiber der

Entwicklung sei die zunehmende

Spreizung der Löhne.Eine wachsende

Gruppe am unteren Rand habe

den Anschluss an die Lohnsteigerungen

verloren. DieEinkommen in Ostdeutschland

entwickelten sich laut

WSI noch deutlich schneller auseinander

als im Westen.

Die WSI-Experten empfehlen ein

ganzes Bündel vonstaatlichen Maßnahmen:

vonder Stärkung der Tarifbindung

über die Erhöhung des Mindestlohns

bis zu einer stärkeren Besteuerung

von Spitzeneinkommen

und großen Erbschaften. (dpa)

Der Kampf um

Osram

geht weiter

AMSwill sich nicht

geschlagengeben

Von Thomas Magenheim

Die Zukunft des traditionsreichen

Lichtspezialisten Osram ist unsicherer

denn je.Das Angebotder österreichischen

AMS-Gruppe ist zwar

gescheitert, AMS will aber nicht aufgeben.

Branchenkenner rechnen mit

einem Machtkampf, den am Ende

doch die Österreicher für sich entscheiden

könnten.

AMS hatte 41 Euro proOsram-Aktie

geboten –deutlich mehr als ebenfalls

interessierte Finanzinvestoren.

Doch auch das genügte nicht: Nur

51,6 ProzentallerOsram-Aktienwurden

zum Kauf angeboten, AMS hatte

sich mindestens 62,5 Prozent zum

Ziel gesetzt. Der Kauf sei damit vorerst

gescheitert, teilte der Sensorhersteller

mit. Die angebotenen Anteile

bleiben nun bei ihren Besitzern.

Allerdings hatte AMS vorher

schon am freien Markt19,99 Prozent

derOsram-Anteilegekauft–undwird

siebehalten.Alsgescheitertsiehtsich

AMS-Chef Alexander Everke deshalb

nicht: „Im Dialog mit Osram wollen

wir auf unserer Stellung als größter

Aktionär aufbauen, um weiter den

vollen Erwerb von Osram zu verfolgen.“

Ganz anders sieht Osram die

eigene Zukunft. „Wir behalten jetzt

unsere Eigenständigkeit und gestalten

unsere Zukunft selbst“, betonte

Vorstandschef Olaf Berlien. AMS sehe

man als bloßen Ankeraktionär,sei

aber zu Kooperationen bereit.

Nach Einschätzung von Branchenkennern

könnte der Plan Bzur

Osram-Übernahme so aussehen:

Nach dem offiziellen Scheitern des

Gebots darf AMS weiter Osram-Aktien

kaufen, sobald die kartellrechtlichen

Genehmigungen vorliegen.

Wenn der Kurs nun unter die gebotenen

41 Euro fällt,wäredas sogar billiger

als bisher.Haben die Österreicher

insgesamt 30 Prozent beisammen,

müssen sie erneut ein Übernahmeangebot

vorlegen –und haben ihre

zweite Chance.

Dem sehen Betriebsräte und

IG Metall mit Grausen entgegen.

Denn AMS ist bereits hoch verschuldet,

und zugleich wird das Geschäft

schwerer, denn die Autobranche als

wichtigster Osram-KunderutschtgeradeineineRezession.DerAMS-Plan

beruhtjedochauf der Annahme,dass

beide Konzerne zusammen rasch

den Gewinn steigern, um die Schulden

schnell zu senken. „Das ist ein

Schönwetterszenario, das so nicht

kommen wird“, warnt ein Branchenkenner.

Auch Berlins IG-Metall-Chefin

Birgit Dietze fürchtet, dass sich das

AMS-Kalkül schnell in Luft auflösen

könnte und Osram dann vor einem

Schuldenberg stehen würde. „Diese

Verschuldung würde das gesamte

Unternehmen bei gegenwärtig rückläufiger

Marktentwicklung von Beginn

an in seiner gesamten Existenz

gefährdenundmitihmdieinsgesamt

35 000 Arbeitsplätze von Osram und

AMS“, warnt Dietze. In Berlin hat Osramnoch

rund 700 Mitarbeiter.

Die IGMetall hält statt einer kreditfinanzierten

Übernahme eine Fusion

unter Gleichen für sinnvoller.

Doch davon will AMS nichts wissen.

In der Münchner Osram-Zentrale kehrt

keine Ruhe ein.

FOTO: OSRAM AG


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 7· ·

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Wirtschaft

„Die Ärzte müssen die Versorgung verbessern“

Die Krankenkassen fordern für ihre Versicherten flexiblere Öffnungszeiten und Videosprechstunden

Seit Juli ist Stefanie Stoff-Ahnis

Vorstandsmitglied im GKV-

Spitzenverband. Erste Erfahrung

nach dem Start: Die

Schlagzahl in der Bundespolitik sei

„enorm“.

Frau Stoff-Ahnis, die große Koalition

hat die ambulant tätigen Mediziner

durch das Terminservicegesetz gezwungen,

die Zahl der Sprechstunden

anzuheben. Reicht Ihnen das?

Nein. Die niedergelassenen Ärzte

verdienenmitdenVersichertengutes

Geld –und sie sind wahrscheinlich

die einzige Berufsgruppe, die aufgrund

gesetzlicher Regelungen faktisch

jedes Jahr steigende Honorare

bekommt. Die Versicherten dürfen

zu Recht erwarten, dass sich die Öffnungszeiten

der Praxen nach ihren

Bedürfnissen richten.

Dasheißt für Sie?

In den letzten Jahrzehnten hat

sich die Lebenswirklichkeit vieler

Menschen geändert: Sie kaufen online

ein, arbeiten mobil, und 24/7 ist

in vielen Branchen selbstverständlicher

Servicestandardgeworden. Und

die niedergelassenen Ärzte? DiePraxensindMittwoch-

undFreitagnachmittagoderamfrühenAbendfastalle

gleichzeitig geschlossen, am Samstag

sowieso.Die Ärzteschaftist dringend

gefordert, mit der Zeit zu gehen

und über mehr Flexibilität und Koordination

untereinander die Versorgung

der Patienten zu verbessern.

Die Sprechzeitenpassen oftnicht zumAlltagder Patienten.

Welche Rolle kann hier die Telemedizin

spielen?

Im Zeitalter der Onlinekommunikation

erwarten die Versicherten,

dass ihnen auch online per Videosprechstunde

geholfen wird. Derzeit

betrachten die Ärzte das eher als Zusatzleistung,

als Sonderservice. Die

Videosprechstunde muss Alltag werden.

Wir brauchen einen Modernisierungsschub

in den Praxen. Alle

Ärzte sind gefordert, unseren Versicherten

eine ambulante Behandlung

per Videosprechstunde zu ermöglichen.

Ichgehe davon aus,dass in fünf

Jahren jede fünfte ambulante Behandlung

per Videosprechstunde erfolgt.

ZUR PERSON

Stefanie Stoff-Ahnis ist seit Juli 2019 Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbands der gesetzlichen

Kranken- und Pflegekassen. Die 43-Jährigehat Jura in Berlin studiertund war langefür

die AOKNordost tätig.Imdreiköpfigen GKV-Vorstand ist sie für Vertragsanalyse sowie die Abteilungen

ambulante Versorgung,Krankenhäuser und Arznei- und Heilmittel zuständig.

FOTO: BENJAMIN ULMER/DPA

Wasmusssichaus Ihrer Sicht bei den

Krankenhäusern ändern, um zu einer

besseren Versorgung zu kommen?

Deutschland verfügt pro 100000

Einwohner über 813 Betten. Das ist

die höchste Quote in Europa, sie liegt

fast 60 Prozent über dem EU-Durchschnitt.

Durch diese Überkapazitäten

haben wir ein massives Personalproblem.

Eigentlich gibt es genug

Pflegekräfte in Deutschland, aber sie

sind auf zu viele Krankenhäuser verteilt.

Es herrscht ein ständiger Mangel,

weil sich die Kliniken das Personal

gegenseitig abwerben.

Stimmt wenigstens die Qualität der

Behandlung?

Sie muss besser werden. Bei uns

machen letztlich zu viele Kliniken alles.

Dabei gibt es klare Belege dafür,

dass Routine bei Eingriffen zu besseren

Behandlungsergebnissen führt.

Ein Beispiel: In Deutschland operieren

über 900 Kliniken Brustkrebs,

was ein sehr komplexer Eingriff ist.

Da sind Häuser dabei, die machen

das weniger als 20-mal pro Jahr. Ich

kann niemandem empfehlen, so

eine Operation in einem Wald-und-

Wiesen-Krankenhaus machen zu

lassen.

Wasist die Lösung?

Wirbrauchen neben der flächendeckenden

Grundversorgung unbedingt

eine Konzentration, kombiniert

mit einer starken Spezialisierung

der Kliniken. Nordrhein-Westfalen

hat hier den richtigen Wegangekündigt.

Dortsollbei der Krankenhausplanung

nicht nur wie bisher die

Zahl der Betten eine Rolle spielen,

sondern auch die Frage, auf welche

Eingriffe das jeweilige Krankenhaus

spezialisiertist.

Dadurch könnte es gelingen, die

vorhandenen Überkapazitäten gerade

in den Ballungsräumen abzubauen.

Werals Patient weiß, dass ihn

eine Klinik hervorragend medizinisch

versorgt, wirdauch bereit sein,

dafür etwas weitere Wege inKauf zu

nehmen.

DasGespräch führte

TimSzent-Ivanyi.

Libra verliert einen

wichtigen Partner

Paypal verlässt Facebook-Projekt

DIE WELTNEUHEIT

Von Hannes Breustedt

Der Onlinebezahldienst Paypal

steigt bei Facebooks geplanter

Digitalwährung Libraaus.Damit verliertdas

Projekt, das vorallem bei Regierungen

und Notenbanken auf

schwere Bedenken stößt, den ersten

namhaften Partner. Zuden Beweggründen

hielt sich Paypal in seiner

Mitteilung bedeckt. Man wolle sich

auf die bisherigen Aufgaben und geschäftlichen

Prioritäten fokussieren,

hieß es lediglich.

Das Unternehmen betonte, Libra

trotz des Ausstiegs weiter unterstützendgegenüberzustehen.DerDialog

über mögliche künftige Kooperationen

werde weitergehen. Facebook

bleibe ein geschätzter strategischer

Partner,mit dem Paypal weiterhin in

verschiedenen Bereichen zusammenarbeite.

Nach Darstellung verschiedener

US-Medien überdenken

auch Visa, Mastercardund Stripe wegen

des starken politischen Widerstands

ihreBeteiligung an Libra.

Facebook hatte das Projekt im

Sommer angekündigt. Der Konzern

plant eine Kryptowährung ähnlich

wie Bitcoin, die jedoch durch eine

zentrale Organisation und die Anlehnung

an einen Korb von Wertpapieren

wertstabiler sein soll. Die Libra

Association hat ihren Sitz in der

Schweiz. Siestellte nach dem Paypal-

Ausstieg fest, dass alle Beteiligten Ri-

siken und Nutzen der Teilnahme

selbst abwägen müssten. Es sei besser,

von mangelndem Engagement

jetzt zu erfahren als später, erklärte

ein Sprecher der Organisation dem

„Wall Street Journal“.

Facebook hatte bei der Vorstellung

gut zwei Dutzend namhafte

Partner präsentiert. Erste offizielle

Mitglieder sollen in den kommenden

Wochen genannt werden, erklärte

der zuständige Facebook-Manager

David Marcus –ein ehemaliger Chef

von Paypal. Man sei dabei, „ruhig

und selbstbewusst“ die „berechtigten

Bedenken“ gegenüber Libra anzugehen.

Facebook hatte jüngst Einwände

von Aufsehern zurückgewiesen, wonach

Libra indie Hoheit von Notenbankeneingreifenkönnte.BeiderDigitalwährung

werdekeinneues Geld

ausgegeben, was Staaten vorbehalten

bleibe,betonte Marcus.Librasoll

nach bisherigen Plänen eins zu eins

mit stabilen Währungen und Staatsanleihen

abgesichertwerden.

Politiker und Regulierer befürchten

aber, dass der Fonds wegen der

enormen Nutzerzahlen von Facebook

zu Verwerfungen auf den Geldmärkten

führen könnte. Nach den

Vorstellungen von Facebook könnte

Libra zunächst bei grenzüberschreitenden

Überweisungen zum Einsatz

kommen, mit der Zeit aber auch zum

Bezahlen vonKäufen. (dpa)

IN BERLIN:

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FOTO: RAFAEL HENRIQUE/IMAGO IMAGES


8* Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Meinung

Atomgespräche

ZITAT

Das Scheitern

des Deal-Makers

Marina Kormbaki

findet, für den Konflikt mit Nordkorea

braucht es klassische Diplomatie.

Donald Trump schien davon überzeugt,

Nordkorea zum Verzicht auf

Atomwaffen bewegen zu können. DieDenuklearisierung

des Diktatorenregimes in

Pjöngjang sollte sein außenpolitisches

Glanzstück werden. Trump ließ wissen,

dass seinem Verhandlungsgeschick sogar

der Friedensnobelpreis gebühre. Es ist

durchaus möglich, dass künftige Handbücher

der Diplomatie den Bemühungen

des selbst ernannten Deal-Machers ein

langes Kapitel widmen –als Lehrbuchbeispiel

dafür,wie man es nicht macht.

Noch bevor sie Fahrt aufnehmen

konnten, sind die wiederaufgenommenen

Gespräche über die Stilllegung nordkoreanischer

Atomanlagen zum Erliegen

gekommen. Nach achteinhalb Stunden

verließen die Unterhändler Washingtons

und Pjöngjangs am Sonnabend den

Stockholmer Tagungsort. Die Nordkoreaner

werfen den US-Unterhändlernvor,sie

seien mit „mit leeren Händen“ angereist,

die sprachen von„kreative Ideen“, die sie

mitgebracht hätten. DieAmerikaner wollten

weiterreden, die Nordkoreaner nicht.

Die Episode vom Wochenende markiert

ein Scheitern nach dem Scheitern.

Die Verhandlungen auf Fachebene wurden

ja überhaupt erst angestoßen, als die

Chefs bei ihren denkwürdigen Begegnungen

nicht weiterkamen.

Trump dachte, den mühsamen, wenig

glanzvollenWegder Diplomatie abkürzen

zu können. Alles oder nichts, hier und

jetzt –das war seine Herangehensweise

an einen vielschichtigen Konflikt, dessen

Lösung sämtlichen US-Präsidenten seit

Dwight D. Eisenhower nicht gelang. Statt

also seine Experten das Abschalten nordkoreanischer

Atomanlagen Schritt für

Schritt aushandeln zu lassen und die für

Pjöngjang schmerzhaften Zugeständnisse

mit einem Termin des nordkoreanischen

Herrschers Kim Jong-un beim US-

Präsidenten zu belohnen, startete Trump

die Verhandlungen mit diesem eigentlichen

Finale.

Trump dachte,

den mühsamen,

wenig glanzvollen

Wegder

Diplomatie abkürzen

zu können.

Boris Johnson feiert50Jahre Monty Python.

Schaut auf diese Stadt. In den letzten

100 Jahren gab es vom Ende des

Zweiten Weltkriegs über den Mauerbau

bis hin zur Wende viele Phasen

der Stadtentwicklung Berlins.Alle haben die

Deutsche Wohnen beziehungsweise ihre

Vorläuferunternehmen miterlebt. Berlin ist

heute für Menschen aus aller Welt wieder ein

attraktiver Ort zum Leben. Mehr als 40 000

Menschen mehr beheimatet die Stadt pro

Jahr. Und das ist auch gut so, das sollten wir

nicht abwürgen!

Eine neue Teilung. Mit dieser Entwicklung

hat dieWohnungspolitik jedoch nicht Schritt

gehalten. 30 Jahrenach dem Mauerfall erlebt

die Stadt erneut eine Teilung in zwei Lager.

DieGrenzeverläuft nun zwischen jenen, die

angesichts stark gestiegener Preise für neu

vermietete und gebaute Wohnungen an ihre

finanziellen Grenzen stoßen, und denen, die

von historisch bedingt niedrigen Bestandsmieten

profitieren, die weit unter ihrem finanziell

Leistbaren liegen. Politik und Initiativen

schlagen immer neue und radikalere

Maßnahmen vor, die diese Teilung manifestieren;

die individuelle Leistungsfähigkeit der

Mieter und deren Wohnsituation wird dabei

nicht genügend berücksichtigt.

Lange Zeit haben Mieter mit geringerem

Einkommen in einem Haus weniger bezahlt,

und dies wurde ausgeglichen durch Mieter

mit höherer Leistungsfähigkeit. Schärfere

Mietpreisbremse und absoluter Mietendeckel

scheren jedoch alle über einen Kamm,

auch innerhalb der Quartiere. In einer solidarisch

geprägten Stadtgesellschaft sollten die

Bessergestellten die Schwächeren stützen.

Sonst müssen die Kosten für hochwertigen

und ökologisch-nachhaltigenWohnraum vor

allem jene tragen, deren Wohnsituation sich

gerade ändert, wie junge Familien, die mehr

Platz benötigen.

Bezahlbares statt billiges Wohnen. Analysiert

wurde zuletzt viel, aber leider zu wenig getan.

Die Berücksichtigung der individuellen Leistungsfähigkeit

der Mieter ist der Weg, mehr

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und dieBundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wiebleibt Wohnen bezahlbar?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit.

Wohnen

und reden

Michael Zahn

ist Chief ExecutiveOfficer (CEO) der Deutsche Wohnen und

will sich für faires Wohnen engagieren.

HEIKO SAKURAI

Fairness in den Mietmarkt zu bringen. Es geht

nicht darum, besonders billig zu wohnen –

aber es muss für den Einzelnen bezahlbar

sein. Daher haben wir unseren Mietern ein

Versprechen gegeben, sie finanziell nicht zu

überfordern. So muss kein Mieter seine Wohnung

wegen einer Modernisierungsmaßnahme

oder Mieterhöhung aufgeben.

Doch wo immer mehr Menschen leben

wollen, müssen wir auch neuen Wohnraum

schaffen. Viele fordern heute vor allem billigen

neuen Wohnraum, doch damit tun wir

uns keinen Gefallen. Daszeigen uns etwa die

teils wenig lebenswerten Bausünden der

Siebzigerjahre, die wir heute aufwendig sanieren

müssen. Berlin braucht modernen

nachhaltigen Wohnraum, der Qualitätsansprüchen

genügt und bezahlbar ist. Das

heißt, jene zu entlasten, die sich gestiegene

Mieten kaum noch leisten können und

gleichzeitig notwendige Investitionen in

nachhaltigen Wohnraum tätigen zu können.

Auch das versprechen wir: Die Deutsche

Wohnen will im Großraum Berlin bis zum

Jahr 2023 850 Millionen Euro in neuenWohnraum

investieren. Sofernespassende Grundstücke

gibt, können und wollen wir noch

mehr bauen, denn wir verfügen über die notwendigen

Mittel und Expertise.

Gemeinsam Antworten finden. Wenn die Höhe

der Miete sich beispielsweise stärker am Einkommen

orientiert, sorgen wir für ein solidarisches

Miteinander in unserer Stadt und vermeiden

zwei Klassen von Mietern. Zudem

sind wir überzeugt, dass nur ein gesamtgesellschaftlicher

Ansatz der Komplexität der aktuellen

Fragestellungen gerecht wird und wir

nur gemeinsam die richtigen Antworten finden.

Darum werden wir in den kommenden

Monaten einen Berlin-Dialog initiieren und

alle Interessierten einladen, sich gemeinsam

für ein faires Wohnen und eine lebenswerte

Stadt zuengagieren. Gemeinsam werden wir

auch diese und zukünftige Herausforderungen

meisternund dafür sorgen, dass die Stadt

fürneueund alte Berliner attraktiv bleibt.

„Oh, ich hatte keine

Ahnung, aber das ist schon

ziemlich großartig.“

Sam Whitelock, Kapitän der neuseeländischen

Rugbynationalmannschaft, völlig ahnungslos und

sehr bescheiden nach dem 71:9-Weltmeisterschafts-

Erfolg über Namibia. Für den Zweite-Reihe-Stürmer der

All Blacks war es der 100. Sieg im 115. Länderspiel.

AUSLESE

Seehofers Mission

in eigener Sache

Wogen glätten, Pakt retten –solässt

sich Horst Seehofers Flüchtlingsmission

in der Türkei zusammenfassen.

Bei seinem Besuch in Ankara hat der Innenminister

der Türkei angesichts des

wackelnden Migrationsabkommens mit

der EU für die Betreuung der vielen

Flüchtlinge im Land weitere Unterstützung

zugesagt. „So nett wie Horst Seehofer

hat lange kein deutscher Politiker

mehr in Ankara geredet. Was blieb ihm

auch anderes übrig. In der Migrationsfrage

steht Europa wieder mit dem Rücken

zur Wand. Die Türkei macht Druck.

Wohldosiertlässt sie immer mehr Zuwanderer

Richtung griechische Inseln passieren“,

schreibt der Münchner Merkur.

Undsoblickt DerNeue Tag aus Weiden

auf Seehofer, der „... mit Hochdruck an

seinemVermächtnis arbeitet: einer neuen

europäischen Asylpolitik. Die Regierung

Erdogan überhäuft er mit Lob für ihre

Leistungen bei der Aufnahme vonFlüchtlingen

aus Syrien. Mit seiner Ankündigung,

sich bei der künftigen EU-Kommissionspräsidentin

Ursula vonder Leyen für

mehr Hilfsgelder stark zumachen, dürfte

er weiterePluspunkte gesammelt haben.“

Der Reutlinger General-Anzeiger sieht

beim Innenminister eine wundersame

Wandlung: „Seehofer will seine Amtszeit

als Innenminister mit der Gewissheit beenden,

etwas Großartiges vollbracht zu haben.

Dazu könnte eine Einigung in der EU-

Asyl-und Flüchtlingspolitik zählen. Damit

könnte er das erste Jahr als Innenminister

vergessen machen, in dem er die Regierung

und die Union mehrfach an den Rand

des Bruchs gebracht hatte. Matthias Roch

Seine beiden Gipfeltreffen mit Kim in

Singapur und Vietnam brachten –außer

spektakulären Bildern –nichts. Trotz der

„wunderschönen Briefe“, die Trump nach

eigenem Bekunden von Kim erhielt, ließ

Letzterer nicht von seinem Raketenprogramm

ab.Erst vorwenigen Tagen feuerte

Nordkorea eine U-Boot-gestützte ballistische

Rakete in Richtung Japan. Einwenig

subtiler Hinweis darauf, dass sein Atomprogramm

Fortschritte macht.

Trump rühmt sich, als erster US-Präsident

einen nordkoreanischen Führer persönlich

getroffen und als erster US-Präsident

einen Fußauf nordkoreanischen Boden

gesetzt zu haben. Einem atomwaffenfreien

Nordkorea kam er keinen Schritt

näher. Eher stärkte er den nordkoreanischen

Diktator.Trumps Eile und Eitelkeit

hat Kimzuverdanken, dass sein Ansehen

in der Welt und wohl auch daheim gestiegen

ist. Wervom US-Präsidenten bezirzt

wird, gilt nicht mehr als unerwünschte

Person. Möge die Gefahr, der er sein Volk

und die Menschheit aussetzt, noch so

groß sein. Hier zeigt sich, wie zynisch

Trumps Außenpolitik ist. Undwie naiv.

Trump ist weit auf Pjöngjang zugegangen,

er hat die Verhandlungsstrategie seines

früheren nationalen Sicherheitsberaters

öffentlich kritisiert, schweigt aber zu

den Provokationen Nordkoreas.

Ohne Detailkenntnis, Geschick, Weitsicht

ist der Konflikt um Nordkoreas

Atomprogramm nicht zu lösen. Trump

hat nichts von alledem. Er wird daher gewiss

nicht der letzte US-Präsident sein,

der sich mit Pjöngjang abmüht.

Viele Geschichten fangen in diesen Tagen

mit „Damals, vor 30 Jahren ...“ an. Ich

finde das gut, denn diese 30 Jahre sind prägend

für das ganzeDeutschland, auch für die

Wessis. Nach einer langen Zeit des Desinteresses

ist jetzt langsam auch dem Westen klar,

wie wichtig die Vereinigung war und ist. Nicht

nur wegen der AfD mit ihrer absurden Kampagne,

dass sie die Erben der Wende sei. Das

ist sie nicht, nicht in ihren Absichten, nicht in

ihrem Wesen. Ein freies Land mit offenen

Grenzen, das wollte sie nie.

Am 7. Oktober 1989 hatte ein guter

Freund Geburtstag. Die Stimmung dieser

Tage war, als könnte jederzeit etwas passieren.

Aufregend, angespannt. Viele Leute gingen

jeden Tagindie Gethsemane-Kirche in

Berlin-Prenzlauer Berg. Ich war auch oft

dort. Es gab Friedensgebete, Plakate hingen

an der Kirche und drinnen trafen sich diejenigen,

die endlich einen Aufbruch wollten.

An einem Board, wie man heute sagen

würde, hingen haufenweise Nachrichten,

Einladungen, Informationen. Jeder konnte

etwas posten, oder die Message lesen, die interessierte

–eswar das soziale Netzwerk jener

Zeit. Ich hatte dort meine Einladung zur

Arbeitsgruppe „Ausländerfragen und Rassismus“

angepinnt. Rund um die Kirche war ein

Zauber, die Leute redeten über ihre Erfahrungen

und wie es weitergehen solle. Das

erste Mal soöffentlich, wie unter Freunden,

die sich noch nicht kennen.

Abends lagen Blumen vorder Kirche und

die Kerzen machten ein warmes Licht. Im-

KOLUMNE

Ein freies Land

mit offenen

Grenzen

Anetta Kahane

Amadeu Antonio Stiftung

mer, wenn eine U-Bahn auf der Trasse vorbeifuhr,gaben

die Fahrer ein langes,trötendes

Signal. Es war ein Gruß an die Menschen

vorder Kirche.

Dieses Tröten hat mich immer besonders

berührt. Diese Opposition dort hatte

ganz offensichtlich keine völkischen oder

nationalistischen Ziele. Ganz im Gegenteil.

Es war jene Artvon Menschen, die bis heute

von Nazis gehasst werden, weil sie Menschenrechte

wollten und nicht irgendwas

Deutsches. Darum ging es nicht. Und alle

teilten dies,auch die U-Bahnfahrer und andere,

die im Vorbeifahren solidarisch hupten.

Der Abend des 7. Oktober sollte anders

enden als die Abende zuvor.Bei der Geburtstagsfeier

sprachen wir darüber, dass die

friedliche Stimmung auch mit Gewalt beendet

werden könnte. Eine der Freundinnen

öffnete das Fenster und schrie ihren Frust

über das DDR-Regime hinaus. Einfach so.

Laut und ordinär.Das kam zwar unerwartet,

aber es hatte etwas sehr Befreiendes für uns

alle.

Mein Rückweg nach Hause führte an der

Kirche vorbei. Ich wollte schnell noch mal

hineingehen, doch die Straße war gesperrt.

Überall standen Polizeiwagen, Rufe kamen

aus Richtung der Kirche.Viele Leute wurden

verhaftet. Passanten erzählten, dass die

meisten in die Kirche gelaufen und dortnun

hoffentlich sicher waren. Der Abend endete

für die Opposition mit einem Schlag ins Gesicht,

es sollte nicht der letzte sein. Doch die

Stimmung ließ sich nicht mehr aufhalten.

Einen Monat und viele Demonstrationen

später war die Mauerweg.Diesen Geist vom

Abend des 7. Oktober will ich in Erinnerung

behalten. Denn er ist genau das, was heute

besonders gebraucht wird. Ein freies Land

mit offenen Grenzen. Für die Hoffnung, gegen

die Angst.

Und ihr, liebe Wessis, was habt ihr am

7. Oktober so gemacht?

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

Mitglied der Chefredaktion: Elmar Jehn.

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Michael Heun.

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Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Wasist geblieben? Vor

70 Jahren wurde die

DDR gegründet

Seite 12

Feuer: 1972 brennt es unterm Alex. Anschlag oder Kabelschaden? Seite 10

Regen: Das Septemberwetter lässt die Pilze sprießen Seite 11

Stadtbild

Trost gibt die

Fundnudel

BarbaraWeitzel

will weiter an die Ehrlichkeit

glauben.

Das Kind wundert sich. „Hat der

Ladenbesitzer nicht Angst, dass

die Sachen gestohlen werden?“ fragt

es und zeigt auf allerlei Firlefanz für

Mensch undWohnung, der malerisch

vor einem Geschäft aufgebaut ist.

„Offenbar nicht“, sage ich. Und erkläre

ihm, dass der Inhaber sich darauf

verlasse, dass die Passanten sich

an die Regeln und Gesetze halten.

Auch dann, wenn sie sich unbeobachtet

fühlen. Dass man für Waren,

die man haben möchte, eben auch

bezahlt. Dass man die Finger lässt

vom Eigentum anderer. Und so fort.

Und schließe, geradezu euphorisch,

denn ich habe noch nie darüber

nachgedacht, wie gut es ist, dass so

ein Ladenbesitzer darauf vertrauen

kann: „Weil Miteinander eben nur so

funktioniert.“

An dieses Gespräch erinnere ich

das Kind, als es einige Zeit später

nach einer Buchpremiere seine

Bauchtasche am Veranstaltungsort

vergisst. „Die hat bestimmt jemand

abgegeben“, ermuntere ich. Unddamit

das Kind vielleicht sogar lacht,

doziere ich erneut über die Redlichkeit

der allermeisten Menschen und

schließe dieses Mal mit der Fundnudel.

Mit der beginnt das Buch „Rico,

Oskar und die Tieferschatten“. Rico

findet eine Rigatoni auf dem Trottoir

und will herausfinden, wem sie gehört.

Seine Suche nach dem rechtmäßigen

Besitzer endet vorzeitig damit,

dass der fiese Fitzke die Nudel einfach

aufisst. Es funktioniert. Das Kind

lacht. Kein Wunder. Ich kenne niemanden,

der beim Wort„Fundnudel“

nicht lachen muss.Und ein Anruf am

nächsten Tagergibt, dass wir die Tasche

abholen können.

Ende gut, alles gut? Nicht so ganz.

Mitdem Sachenverlieren ist es ja wie

mit elektronischen Geräten. Die gehen

auch nie einzeln kaputt, sondern

immer im Kollektiv. Innerhalb einer

Woche lasse ich meinen Fotoapparat

im Bus liegen und das Kind seinen

Turnbeutel. Wir machen uns gegenseitig

Mut. „Warum sollte jemand

deine Kamera behalten?“ fragt das

Kind, „die ist klein und alt und außerdem

hat doch jeder ein Smartphone“.

Genau, denke ich, und es sind viele

Bilder drauf. Jeder kann sich doch

denken, dass die dem Besitzer am

meisten fehlen würden. Und all die

Eltern und Kinder im Turnbeutelbus

wissen, wie das ist, schnell neue Sachen

organisieren zu müssen. Außerdem

haben ja alle Turnsachen.

Nach einigen Anrufen beim Fundbüro,

an das ich schöne Erinnerungen

habe, weil es mir mal eine verloren

geglaubte Jacke und den Anblick

vieler erleichterter Menschen beschert

hat, sind wir klüger: Beides

wurde nicht abgegeben. Wie fühlt

man sich, wenn man so etwas mit

nach Hause nimmt, denke ich und

finde keine Antwort. Also denke ich

lieber an dasVertrauen der Geschäftsinhaber

und daran, dass die meisten

Menschen ehrlich sein müssen, sonst

gäbe es ja diesesVertrauen nicht.

In meinem Lieblingscafé werde

ich kurze Zeit später gebeten, gleich

zu bezahlen. Zu häufig sei es vorgekommen

in letzter Zeit, dass draußen

sitzende Gäste einfach gegangen

seien. Das erzähle ich dem Kind

nicht. Lieber lesen wir noch einmal

die Geschichte vonder Fundnudel.

Frei flanieren

Sie sehen richtig: Menschen flanieren einträchtig über die autofreie

Friedrichstraße –eine der zentralen Einkaufsmeilen Berlins war am

Wochenende an beiden Tagen für den Verkehr gesperrt. Das Ergebnis

war ein völlig neues Innenstadtgefühl, denn da, wo sich sonst auf zu engen

Bürgersteigen Menschen drängen und in der Mitte der Verkehr

tost, herrschte am Sonnabend und Sonntag Ruhe, Raum und Spaziergefühl.

Trotz des ungemütlichen Wetters flanierten Familien mit Kindern

mitten auf der Fahrbahn der Friedrichstraße. AmSonntag dann

Brauner Besuch

BERND FRIEDEL

waren vor den Geschäften Bänke, Pflanzen und verschiedene Stände

aufgebaut. DasMotto der Aktion mit Modenschauen und Musik lautete

„Friedrich, the Flâneur“. Das Experiment könnte Ausgangspunkt sein

für weitergehende Lösungen und ein Schritt in Richtung autofreie Stadt

und sauberereLuft. Zudem gibt es die Hoffnung, durch dieVerkehrsberuhigung

den Handel in der zuletzt kriselnden Einkaufsmeile anzukurbeln.

Eine verkehrsberuhigte Innenstadt –Noch ein seltenes,doch ein

schönes Bild. (mpw.)

Jüdisches Forum dokumentiert rechtsextremes Gedankengut bei „Wir für Deutschland“-Demo

VonPhilippe Debionne

Essind Bilder,die nachhaltig

verstören: Beider Demonstration

am Tag der Deutschen

Einheit am vergangenen

Donnerstag waren es keineswegs

nur besorgte oder islamkritische

Bürger,die quer durch die Stadt

zogen und sich als demokratische

Patrioten ausgaben. Videoaufnahmen,

die das Jüdische Forumfür Demokratie

und Antisemitismus

(JFDA) jetzt veröffentlicht hat, zeigen:

Die Veranstaltung war ein Aufmarsch

vonNeonazis.

Alles andereals friedlich

Unter dem Motto „Wir für Deutschland“

hatten sich am 3. Oktober rund

1000 Menschen versammelt. Deroffizielle

Tenor der Veranstaltung, wie

auch auf einem Plakat zu lesen war,

bot zunächst wenig neues: Neben

den üblichen „Merkel muss weg“-

Forderungen, demonstrierten die

Teilnehmer offiziell „für ein freies,

souveränes und friedliches Deutschland“.

Dabei war die Veranstaltung

alles andereals friedlich.

So wurde den anwesenden Journalisten

sowie den Gegendemonstranten,

die nicht der linksautonomen

Szene zuzurechnen sind, der

Schlachtruf„Wenn wir wollen, schlagen

wir euch tot“ entgegengeschleudert.

Die Männer, die diese Parolen

im Stil vonStadiongesängen grölten,

Eindeutige Botschaft: Ein Mitglied der „Bruderschaft Deutschland“.

trugen schwarze Bomberjacken, die

auf dem Rücken mit dem Schriftzug

„Bruderschaft Deutschland“ sowie

einer geballten Faust versehen waren.

Die Gruppe fiel immer wieder

durch massive Provokationen auf,

teilweise griffen sogar Ordner der

„Wir für Deutschland“-Demonstration

ein und versuchten, die aggressiven

Männer zu beschwichtigen.

Bei diesen handelt es sich um eine

Hooligan-Vereinigung aus Düsseldorf,

die 2016 entstanden ist. Die

rund 80 Mitglieder fallen immer wieder

durch offen rechtsradikales Auftreten

auf. Der Verfassungsschutz

stuft die „Bruderschaft Deutschland“

als eine „bürgerwehrähnliche

Gruppierung“ ein.

BOILLOT

Auch Einzelpersonen, die nicht

direkt als Neonazis zu erkennen waren,

skandierten Sprüche wie „Ein

Baum, ein Strick, ein Pressegenick“,

beschimpften Umstehende als

„Volksverräter“ und „Dreckschweine“.

Klar auf dem Video zu sehen

und zu hören ist zudem ein

Mann in einer grünen Bomberjacke,

der laut und deutlich ruft: „Nie wieder

Israel“.

In über Lautsprecher übertragenen

Rede-Beiträgen wurde außerdem

davon gesprochen, dass man

„Deutschland wieder zurückgewinnen“

werdeund man (in Anspielung

auf das Dritte Reich, das nach dem

Willen der NSDAP tausend Jahreandauern

sollte) „für weitere 1 000

Jahre“ kämpfen werde. Der frühere

Demo-Organisator und in der

rechtsextremen Szene beliebte Sven

Liebich erklärte in einer Wutrede unter

dem Applaus der Umstehenden

und vor den Augen dutzender Einsatzkräfte,dass

sich die Berliner Polizei

„ihre Polizeiunterhosen ausziehen“

lassen würde, umsich „zu bücken

und sich von Islamisten in den

Arsch f*****“ zu lassen. Ob diese

Rede strafbareInhalte enthält, werde

nun geprüft, sagte ein Polizeisprecherin

auf Anfrage.

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Insgesamt wurden am Donnerstag

46 Ermittlungsverfahren, unter anderem

wegen Verstößen gegen das

Versammlungsgesetz, Landfriedensbruchs,

Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte,

Beleidigung und

Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger

Organisationen

eingeleitet. Wie viele davon auf die

Neonazis entfallen, konnte die Polizeinicht

sagen.

Der FDP-Politiker Marcel Luthe

sagte der Berliner Zeitung: „Jede einzelne

Parole ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft

und hat nichts in

Deutschland verloren. Wer wie ein

Halbaffe geistigen Unrat brüllend

durch Berlin schwankt, kann es nicht

gut mit unserem Land meinen.“ In

Bezug aufdie Wutrede gegen die Polizei

gehe er „davon aus,dass bereits

von Amts wegen ermittelt wird.

Wenn nicht, wirdesdringend Zeit.“

NACHRICHTEN

Studenten müssen lange

auf Wohnraum warten

ZweiWochen vorSemesterbeginn

gibt es für dieWohnheimplätzein

Berlin langeWartelisten. 4200 Bewerber

zählt das Studierendenwerknach

eigenen Angaben.„Ein Großteil unsererBewerber

sind internationale Studierende“,

sagte eine Sprecherin. Drei

vonvierWohnheim-Bewohnern

seien nicht aus Deutschland. Nach

Angaben des Allgemeine Studierendenausschuss

(Asta) der Freien Universität

sind viele Studierende auf die

Wohnheimplätzeangewiesen. Studierende

aus dem Ausland würden

oft vonVermieternund Hausverwaltungen

ausgeschlossen. Auch das

Studierendenwerksieht internationale

Studierende im Nachteil, da sie

keine Bekannten oder Freunde in der

Stadthaben. Um für die vielen Studienanfänger

ausreichendWohnraum

zurVerfügung zu stellen, beschloss

der Senat 2015, zusätzlich 5000

Wohnplätzezuschaffen. Davonseien

bisjetzt 740 fertiggestellt worden,

sagte Senatssprecher Kuder. 1060 befänden

sich im Bau. (dpa)

Feuer im Hochhaus –Mann

stirbt im Rettungswagen

Nach einem Küchenbrand in Mitte

ist ein Mann im Rettungswagen gestorben.

DasFeuer war am Sonnabend

im sechsten Stock eines Hauses

in der Heinrich-Heine-Straße

ausgebrochen, wie die Feuerwehr

mitteilte.Rund 50 Einsatzkräfte warenvor

Ort. EinWagen der Freiwilligen

Feuerwehr war als erstes am Einsatzort.

DieKameraden holten den

leblosen Mann aus der brennenden

Wohnung. Im Treppenhaus versuchten

sie fast eine Stunde lang, ihn zu

reanimieren. Anschließend wurde

der Mann aus dem Gebäude in einen

Rettungswagen gebracht. Dortstarb

er wenig später.Warum es brannte,

stand zunächst nicht fest.(dpa)

Panda-Zwillinge

nehmen kräftig zu

Gute Nachrichten vonBerlins Mini-

Pandas: Dieschwarz-weißen Zwillinge

wachsen in Windeseile.Auf einem

Video,das der ZooamSonnabend

veröffentlichte,ist zu sehen,

wie eines der Jungtieregewogen

wird. Beide bringen nun jeweils

stolze1400 Gramm auf die Waage,

wie es bereits am Freitag hieß. Bei

der Geburtwaren es gerade mal 186

und 136 Gramm gewesen. Und

pünktlich zum Schmuddelwetter

scheinen die beiden auch für die

kalte Jahreszeit besser gerüstet zu

sein. „IhreKörpertemperatur können

die Kleinen bereits alleine halten“,

teilte der Zoomit. Pandadame

Meng Meng war am 31. August zum

ersten MalMuttergeworden. Im Zoo

ist es die erste Panda-Geburt. (dpa)

Gewichtskontrolle: Die Panda-Bärchen

sind schon ordentlich gewachsen. DPA


10 Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Stadtgeschichte

Blick in den

U-Bahn-Tunnel mit

ausgebrannten Wagen. Im

Hintergrund die

eingebrochene Decke

STASIUNTERLAGENBEHÖRDE (2)

Flammen unterm Alexanderplatz

Anschlag oder Kabelschaden? Als im Oktober 1972 zwei Züge verbrannt und 105 Meter Decke eingestürzt waren, übernahm die Stasi die Untersuchungen

VonAndreas Förster

Eswar am frühen Morgen des

4. Oktober 1972, als ein Bauzug

der Ostberliner Verkehrsbetriebe

BVB kurz vor

vier Uhr zum U-Bahnhof Alexanderplatz

fuhr. Der Feierabend für die

Nachtschicht, die auf der Strecke zwischen

den Bahnhöfen Vinetastraße

und Senefelderplatz gearbeitet hatte,

stand bevor. Hinter dem U-Bahnhof

Rosa-Luxemburgplatz aber wurden

die Arbeiter plötzlich unruhig –eswar

Rauch im Tunnel zu sehen.

Kurz vor der Einfahrt zum Bahnhof

Alexanderplatz bemerkten sie

die Ursache: In einem auf dem Abstellgleis

3, direkt unter dem Durchgang

zwischen dem Centrum-Warenhaus

(heute Kaufhof) und dem

Interhotel Stadt Berlin (heute Park

Inn Hotel) stehenden Zug war ein

Feuer zu sehen. Sofort stoppte der

Bauzug, die Arbeiter sprangen heraus

und liefen mit Feuerlöschern

zum Brandort. Das Feuer war nur in

einem Wagen des Zuges zu sehen,

und es schien zunächst so, als

könnte der Brand schnell erstickt

werden.

500 Grad und Luftzug

Doch das war ein Irrtum. Als die alarmierte

Feuerwehr um 4.12 UhrimU-

Bahn-Tunnel eintraf, hatten die

Flammen bereits auf alle vier Wagen

des abgestellten Zuges übergegriffen.

Die Brandbekämpfer standen

auf verlorenem Posten, zumal der

dichte Rauch, die Hitzevon mehr als

500 Grad und die Luftströmung im

Tunnel ein Annähern anden Brandherdverhinderte.Hilflos

mussten sie

mit ansehen, wie das Feuer auf einen

weiteren Zug auf einem benachbarten

Abstellgleis übergriff.

Nach einer Stunde, gegen 5.10

Uhr, zog sich die Feuerwehr zurück,

weil sich die Tunneldecke zu senken

begann. Zwanzig Minuten später

stürzte das unterirdische Bauwerk

Stück um Stück ein. Am Ende war der

Tunnel auf einer Länge von 105 Metern

zerstört. Unter der Überdachung

zwischenWarenhaus und Hotel

tat sich die Erde auf, die Freitreppe

am Kaufhaus,die auf eine damals

noch vorhandene Galerie in

Höhe des ersten Obergeschosses

führte, stürzte ein. Undnoch immer

wütete das Feuer im Tunnel.

Immerhin war es den Feuerwehrleuten

gelungen, eine Ausbreitung

des Brandes auf den Bahnhof und

das Stellwerk Alexanderplatz zu verhindern.

Gegen Mittag, um 11.40

Uhr war das Feuer schließlich gelöscht.

Unter den Trümmern des

Tunnels aber glommen Glutnester

weiter. Noch drei Tage später zog

Rauch aus dem eingestürzten Tunnelstück

am Alex.

Schon am Vormittag des 4. Oktober

waren Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes

an Ort und Stelle,

um sich ein erstes Bild von der

Brandkatastrophe zu machen. Sie

gehörten einer operativen Untersuchungsgruppe

an, die von der Berliner

Bezirksverwaltung des MfS umgehend

gebildet worden war. Zu

groß war die Sorge inder Staatsführung,

dass hinter dem Feuer so kurz

vordem 23. Gründungsjubiläum der

DDR am 7. Oktober ein politischer

Anschlag stecken könnte.

Gerade einmal einen Monat lag

das Olympiaattentat von München

zurück, bei dem palästinensische

Terroristen die israelische Mannschaft

überfallen hatten, was am

Ende 17 Menschen das Leben kostete.

Doch die Anschlagthese wurde

schnell entkräftet. Zwar nahm die

Stasi einen gerade aus der Haft entlassenen

Straftäter vorübergehend

fest, weil er in der Brandnacht in einem

am Alex abgestellten U-Bahnzug

seinen Alkoholrausch ausge-

Zwischen Centrum-Kaufhaus (l.) und Hotel Stadt Berlin (r.) klaffte das Loch.

schlafen hatte. Aber die Vermutung,

der Mann könne im Suff das Feuer

gelegt haben, bestätigte sich nicht.

Stattdessen förderten die monatelangen

Untersuchungen von Stasi,

technischen Experten und BVG-Mitarbeitern

Schlamperei im U-Bahnbetrieb

und erhebliche technische

Mängel in den 50 bis 70 Jahre alten

Zügen zutage. Wenn man heute die

jetzt in der Stasiunterlagen-Behörde

aufgetauchten Untersuchungsberichte

liest, mutet es fast wie ein

Wunder an, dass es nicht schon früher

zu einer weit verheerenderen

Brandkatastrophe im Ostberliner U-

Bahn-Netz gekommen ist.

In den Stasiakten findet sich eine

erste Schadensanalyse vom 7.Oktober,

die dazu angetan war, der SED-

Führung die Republikgeburtstagsstimmung

zu verderben. Dem Bericht

zufolge waren insgesamt 17 U-

Bahn-Wagen ausgebrannt, das Feuer

hatte auf 105 Meter Länge das Tunnelbauwerk

einschließlich sämtlicher

darin befindlicher technischer

und Bahnanlagen zerstört. Der Gesamtschaden

belief sich nach einer

ersten Schätzung auf insgesamt

rund 17 Millionen Mark. Die Kosten

für die später als notwendig eingestuften

technischen Nachrüstungen

der Züge und den Erwerb zusätzlicher

Wagen waren hierbei noch gar

nicht eingerechnet.

Die einzige positive Nachricht so

kurz nach dem Unglück war, dass

der Brand keine Opfer gefordert

hatte –lediglich die fünf Bauarbeiter,

die anfangs mit Feuerlöschern das

Feuer bekämpft hatten, mussten mit

leichten Rauchgasvergiftungen

kurze Zeit im Krankenhaus behandelt

werden. Allerdings gab es zwei

Wochen später einen tödlichen Arbeitsunfall

–einer der zum Beräumen

des eingestürzten Tunnels eingesetzten

25 NVA-Soldaten, ein

zweifacher Familienvater aus Lindenbach

bei Erfurt, war durch herunterstürzende

Trümmer zerquetscht

worden.

Zwar wurde dieser Todesfall geheim

gehalten. Dafür aber berichtete

die Berliner Zeitung –wie alle

DDR-Medien bei Havarien und Unglücken

sonst eher zurückhaltend –

außergewöhnlich umfangreich über

den unterirdischen Großbrand in

Berlin. Ein Verschweigen wäre auch

kaum möglich gewesen, da die großen

Schäden durch den Einsturzder

Tunneldecke am Alexanderplatz offensichtlich

waren.

Die Verantwortlichen versprachen

einen zügigen Wiederaufbau

des U-Bahntunnels. Die von den

Bauexperten angesetzte Bauzeit von

sechs Monaten aber fand keine

Gnade vor der SED-Führung. Dem

DDR-Bauministerium wurde eine

Frist von gerade mal zweieinhalb

Monaten gesetzt –bis Weihnachten

1972 sollten die Züge zwischenVinetastraße

und Alexanderplatz wieder

rollen.

Die Untersuchungen zur Brandursache

ergaben derweil, dass das

Feuer unter einem Sitz im U-Bahnwagen

ausgebrochen war.Inden Zügen

der Baureihe vom Typ A1war

dort der sogenannte Licht-Relaiskasten

angebracht, der Innenbeleuchtung

und Heizung regelte. In

diesem Kasten waren unter anderem

Widerstände angeordnet, die beim

Herunterregeln der Spannung von

220 auf 110 Volt Wärme entwickeln.

Da die Isolierung der Kabel und Widerstände

schadhaft war, führte das

zu einem Schwelbrand, aus dem

heraus sich das Feuer entwickelte.

Beider Überprüfung baugleicher U-

Bahnwagen in den Tagen nach der

Katastrophe wurden in insgesamt 13

solcher Licht-Relaiskästen zum Teil

erhebliche Schäden an der Isolierung

festgestellt.

Ausgemusterte West-Wagen

Vier Tage vorWeihnachten waren die

Reparaturarbeiten im Tunnel unterm

Alex abgeschlossen. Mit Betriebsbeginn

am 20. Dezember 1972

fuhr die U-Bahn wieder vom Thälmannplatz

durch bis zur Vinetastraße.Auch

die durch den Brand dezimierte

Wagenflotte war aufgefüllt

worden –die BVBhatte bei der Westberliner

BVG U-Bahnwagen der aus

den 1920er-Jahren stammenden A2-

Serie gekauft, die dort kurz zuvor

ausgemustert worden waren. Die

Baureihe war auch als Amanullah-

Wagen bekannt, weil der afghanische

König gleichen Namens 1926

einen Zugdieses Typs bei einem Besuch

in Berlin gesteuerthatte.

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Belastungskörper

Gesundbrunnen

Dietzgenstraße

Als die Ideen zum Umbau Berlins zurWelthauptstadt Germania

reiften, untersuchten Ingenieure die Belastbarkeit

des Untergrunds für die monumental gedachten Bauten.

1941 entstand deshalb der Schwerbelastungskörper in

Tempelhof. DerZylinder –21Meter Durchmesser,14Meter

Höhe –erzeugt mit 12 650 Tonnen in 18,20 Metern

Tiefe einen Bodendruck von 1,26 Meganewton je Quadratmeter.

Erbereitete den geplanten Triumphbogen auf

der Nord-Süd-Achse vor. Seit 1995 steht der Beton-/Stahlbetonbau,

genannt Nazi-Klotz, unter Denkmalschutz.

Schwerbelastungskörper,General-Pape-Straße 34A, Öffnungszeiten: Freitags

und montags geschlossen, sonst 14 Uhr bis 18 Uhr

Im Jahr 1748 wurde im Wiesen-und-Äcker-Gebiet nahe

dem VorwerkWedding erstmals eine eisenhaltige Quelle

vermerkt. Drei Jahre später ließ Hofapotheker Wilhelm

Behm ließ das Quellwasser durch den Chemiker Andreas

Sigismund Marggraf untersuchen, der ihm eine Heilwirkung

attestierte. Umgehend erwarb der Apotheker das

königliche Privileg, eine Heil- und Badeanstalt einzurichten.

Da Behm die Eigenschaften der Quelle als vortrefflich

pries, ließ Friedrich II. die Wasserqualität durch

das Obercollegium Medicum prüfen. Man stellte fest,

dass dasWasser auch bei Frost nicht gefror.Der König bewilligte

eine Förderung des Projektes. Der Bau der Gesundbrunnenanlage

begann 1758. DieQuelle wurde mit

einer Backsteinmauer gefasst, darüber ein sechseckiges

Brunnenhäuschen mit Rundbogenfenstern und geschwungenem

Dach errichtet. Zudem ließ Behm einen

Garten mit Trink- und Wandelhalle sowie Logierhäuschen

anlegen. Bis zu40Kurgäste konnten schließlich

hier übernachten. Zwei Jahredarauf erschien die Werbeschrift„Vorläufige

Nachricht vondem Gesundbrunnen“ .

Derexzellente Rufder Quelle lockte selbst Königin Luise

zum Kuren. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts galt der Gesundbrunnen

als Kur- und Badeort. Die Quelle wurde

1891 beim Bauder Kanalisation versehentlich angebohrt

und sprudelte kaum noch. Siekonnte nicht mehr genutzt

werden und existiertheute nicht mehr. (mtk.)

Im August 2019 feierte der Freundeskreis der Chronik

Pankow das 25-jährige Bestehen des Brose-Hauses. Aus

diesem Anlass präsentiert der Verein seine 87. Ausstellung.

DasThema: die Dietzgenstraße,benannt nach dem

Philosophen, Literaten und Nationalökonomen Josef

Dietzgen (1828–1888), der 1848 an den revolutionären

Kämpfen teilnahm. DasHauptwerkdes vomMarxismus

beeinflussten Autors (seit 1869 Mitglied der Sozialdemokratischen

Arbeiterpartei) ist „Das Wesen der menschlichen

Kopfarbeit“. Er starb in den USA.

Die Dietzgenstraße –ein historischer Spaziergang.Ausstellung mind. bis

Frühjahr 2020, Brose-Haus Dietzgenstraße 42, Mi und So 14 bis17 Uhr


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 11

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Das Berliner Wetter im September 2019

Temperatur Monatsmittel: 15,5°C heiter wolkig bedeckt Regenschaueregeschauer

Regen Gewitter Schnee-

Schnee-

Schneefall Nebel

Langjähriges Monatsmittel: 14,9°C

°C

Niederschläge gesamt: 50,2 l/m 2 35

Wärmster Tag: 30,5°C

Langjähriges Monatsmittel

30

Niederschlag:

46,9 l/m 2

Sonnenschein gesamt:

Langjähriges Monatsmittel:

168,1 h

157 h

25

20

Temperatur

Niederschlag

l/m2

18

15

12

Temperatur

Tagesmaximum in Grad Celsius

2019 2018

Tagesminimum

2019 2018

Niederschläge

in Liter pro Quadratmeter

2019 2018

15

10

5

0

9

Kälteste Nacht: 6,9°C

6

3

0

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30

BLZ/HECHER;QUELLE:WETTERKONTOR GMBH AUF DER BASIS VON DATEN DER WETTERSTATION TEMPELHOF

Am Tag, als der Regen kam

Schön warm, schön feucht –der Septemberbietet am Ende plötzlich gute Bedingungen für viele Pilze

VonSusanne Dübber

Sorichtig 0815 war er,der September,

jedenfalls, was das

Wetter betrifft. Ein Monat,

wie er durchschnittlicher

nicht sein kann. Nurineinem tat sich

der beginnende Herbst hervor: Es gab

endlich den ersehnten Regen und davon

sogar noch ein kleines bisschen

mehr als sonst im neunten Monat des

Jahres. 50,2 Liter pro Quadratmeter

waren es, somit 3,3 Liter über dem

langjährigen Mittel. Der erste Tag, an

dem der Regen nach Berlin kam, war

der vierte September.Eskamen zwar

nur 0,6 Liter pro Quadratmeter zusammen

–aber immerhin.

Am 8. fielen schon zwei Liter vom

Himmel und am 9. schließlich 13,9 Liter.

Das war dann der regenreichste

der insgesamt 30 Tage und zugleich

auch der kälteste mit 14,7 Höchsttemperatur.

Aber die Masse macht’s.

Ab dem 25. regnete es jeden Tag,

sechs Tage lang hintereinander, mal

mehr (am 27., 28. und 29.) und mal

weniger. Was für eine Erleichterung

für trockene Böden, durstige Pflanzen

und viele Menschen. Unangenehm

wurde es allerdings am 30.. Da

zogder erste Herbststurm, Tief Mortimer,mit

orkanartigen Böen bis zu 110

Stundenkilometern, Starkregen und

Gewitter über Berlin. Der S-Bahnund

Regio-Verkehr und Bahnstrecken

nach Hamburg, Hannover und

Stralsund waren für Stunden gesperrt.

Die Feuerwehr notierte etwa

75 Baum- und 25 Gebäudeschäden in

ihrer Bilanz und bewertete dasTief als

„glimpflich“ überstanden.

Gleichzeitig blieb es mit 15,5 Grad

Celsius Durchschnittstemperatur angenehm

warm, 0,6 Grad waren das

mehr als im langjährigen Mittel. Heiß

wie an einem Hochsommertag hatte

es bei 30,5 Grad gleich am 1. Tagdes

Monats begonnen. Da es einSonntag

war, konnten viele die letzten sonnensatten

Stunden genießen. Auf

dem Flughafen Tegel führte Backofenhitze

zur Schließung des Terminals

C3. Die Passagiere wurden auf

andere Terminals umgelenkt. Danach

ging es mit den Temperaturen

nurlangsam bergab,noch bis zum 26.

stieg die Tageshöchsttemperatur oft

wieder über die 20-Grad-Marke.

Selbst am 28. kletterte sie erneut bis

19,1 Grad undamMonatsendewaren

es noch 17,4 Grad.Auch nachts blieb

es angenehm, nur die Nacht vom20.,

mit 6,9 Grad die kälteste von allen,

wurde bibberiger.

Bundesweit war Berlin auch das

wärmste Bundesland in Deutschland.

Die Sonne schien 168,1 Stunden,

11,1 Stunden mehr als im langjährigen

Monatsmittel. 165 Stunden

schien die SonneinBrandenburg, das

war damit das zweitwärmste Bundesland.

Coschen, südlich vonEisenhüttenstadt

an der deutsch-polnischen

Grenze, gelangte am 1. September

mit 33,8 Grad auf Platz 1als heißester

OrtDeutschlands.

Rundum ideale Bedingungen für

Pilze, die esfeuchtwarm lieben. Was

keiner mehr gedacht hätte nach den

vielen trockenen Wochen: Am Monatsende

begannen sie in den Wäldern

Berlins und Brandenburgs

plötzlich fleißig zu sprießen.

Einheitsdenkmal unter

Fledermausvorbehalt

Naturschutzauflagen für Wippen-Bauer Milla

VonMaritta Tkalec

Natur-, Denkmal- und Klimaschutz haben

Probleme mit der Wippe. MILLA&PARTNER

Die Vorbereitungen für den Bau

des Einheits- und Freiheitsdenkmals

vordem Humboldt Forum

gehen mit einer Ausnahmegenehmigung

in die nächste Runde. Unter

strengen Auflagen erlaubt die Senatsverwaltung

für Umwelt den Bau

des als Einheitswippe bekannten

Denkmals.

Wieder Sprecher der Verwaltung,

Jan Thomsen, mitteilte, seien die

Auflagen am Freitag dem Generalunternehmer

des Bundes, der Arge

Milla Partner,amFreitag übermittelt

worden. Johannes Milla und Partner

sind die Urheber des als 50 Meter

große,150 Tonnen schwerebewegliche

Schale vorgesehenen Bauwerks.

Die Auflagen betreffen vor allem

den Schutz der in den Gewölben des

Sockels unter dem geplanten Denkmal

siedelnden Wasserfledermäuse.

Diese Populationen stehen in Berlin

auf der Roten Liste als gefährdete beziehungsweise

starkgefährdete Säugetiere.

Der Sprecher erinnert ausdrücklich

daran, dass Gutachter bereits

2012 festgestellt hatten, dass

Fledermäuse die Sockelgewölbe als

Überwinterungsquartier und im

Sommer zur Aufzucht von Jungen

nutzen.

Milla und Partner habe jedoch im

vornherein keine Maßnahmen zur

Umsiedlung vorgenommen. DerGeneralunternehmer

habe die Ausnahmegenehmigung

beantragt, um den

Bau möglichst kostengünstig voranzutreiben,

teilte der Sprecher der Senatsverwaltung

mit.

Die nun erteilten Auflagen verpflichten

dazu, bis spätestens Ende

Februar für circa 60 Wasserfledermäuse

alternative Brutplätze (zum

Beispiel Fledermaus-Brutkästen) im

Plänterwald in Treptow-Köpenick

einzurichten. Dort sind zudem längere

Uferbereiche zu renaturieren,

um das Nahrungsangebot an Insekten

sicherzustellen. Die durch Einflughindernisse

zwischenzeitlich

verloren gegangenen Winterquartiere

sind in den Gewölben des

Denkmalsockels wieder einzurichten

und zugänglich zu machen.

Klimasünde beheizte Schale

Sollten trotz der seit 25. September

2019 eingerichteten Einflughindernisse

noch Fledermäuse in den Gewölben

entdeckt werden, dürfen

keine Bauarbeiten stattfinden, die

diese Tiere gefährden. Weiter ordnet

die Ausnahmegenehmigung an,

dass sämtliche Maßnahmen und

ihre Erfolge zu protokollieren sind;

man behalte sich weitergehende

Auflagen vor.

Gegen den Bescheid kann vordem

Verwaltungsgericht Berlin geklagt

werden. Milla und Partner könnten

dies tun; sie hatten bereits früher wissen

lassen, dass sie nicht gewillt seien,

die auf etwa eine Million geschätzten

Kosten der Uferrenaturierung zu tragen.

Ob diese vonanderer Seite,etwa

vom Auftraggeber des Einheitsdenkmals,

der Bundesrepublik, bezahlt

werden könnten, bleibt unklar.

Auch der Bund für Umwelt und

Naturschutz (BUND) hat Klage angekündigt.

Ein Baubeginn in diesem

Jahr ist keinesfalls sicher.

Annette Ahme, Vorsitzende des

Vereins Berliner Historische Mitte,

forderte jetzt, „diese Maßnahme von

vorgestern“ zu „stornieren, zu überdenken,

aufzuhalten“. Angesichts des

deutsch-deutschen Auseinanderdriftens

passe „die Wippe der Einheit“

nicht ins Klima. Sie erinnert zudem

daran, dass der Fußboden der Schale

von fünf Grad abwärts beheizt werden

soll –Klimaschutz hin oder her.

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Tatsächlich

fallen dieHaare

vermehrt im

Herbst aus

Gerade wenn die dunkle Jahreszeit beginnt,

haben viele Frauen das Gefühl, dass vermehrt

Haare inihrer Bürste bleiben. In Drogerien

und Apotheken werden zurzeit Produkte zur

Kräftigung der Haare stärker nachgefragt.

Wissenschaftlerbestätigendie

Erfahrung vieler Frauen: Unsere

Haare wachsen im Herbst

tatsächlich weniger und fallen

vermehrt aus. Dies weisen Forscherinder

renommierten Zeitschrift

„British Journal of Dermatology“*

nach. Die Forscher

vermuten, dass Haarausfall im

Herbst eine Spätfolgeder intensiven

Sonneneinstrahlung im

Sommer ist. ImFrühjahr läuft

die Haarproduktion wieder an,

sie erreicht imMärz ihren Höhepunkt.

Jahreszeitlich bedingter Haarausfall

ist also kein Grund zur

Panik. Haarexperten weisen

jedoch darauf hin, dass Haarwurzeln

einen wahren Kraftakt

leisten. In derWachstumsphase

*Quelle: British Journal of Dermatology,

1991 Feb;124(2):146–151.

verbrauchen siebis zu achtmal

mehr Energie als in der Ruhephase.

Die ganzjährige Versor-

gung (vor allem im Herbst) mit

Nährstoffen ist daher von besonderer

Bedeutung.

Präparate wie Plantur 39Haar-

Aktiv-Kapselnsorgenmit ihren

Inhaltsstoffen wie Biotin und

Selen für den Erhalt gesunder

Haare. Das zusätzlich enthaltene

Zink ist ein wichtiges

Spurenelement. Zwei Kapseln

täglich unterstützen mit wichtigenVitalstoffen

dieVersorgung

der Haare.

Tipp:

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Aktiv-Kapseln erhalten Sie

in Ihrer Drogerieabteilung

oder in Apotheken

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12 Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Berlin

Mann zieht

Messer vor

Synagoge

Das Motiv ist unklar,der

Staatsschutz emitttelt

Ein Mann hat am Freitag in Mitte

die Absperrung vor der Neuen

Synagoge überwunden und ein Messer

gezogen. Mitarbeiter des Objektschutzes

hätten daraufhin ihre

Dienstwaffen gezogen und den 23-

Jährigen aufgefordert, die Waffe fallen

zu lassen, teilte die Polizei am

Wochenende mit. Nachdem dieser

sich weigerte, setzten eingetroffene

Unterstützungskräfte Pfefferspray

ein und überwältigten den Mann.

Den Angaben nach ließ sich das

Motiv der Tatauch nach der Festnahme

zunächst nicht klären. Beieiner

Durchsuchung derWohnung des

Mannes wurden im Anschluss mehrere

elektronische Geräte und Unterlagen

beschlagnahmt. Am Sonnabend

wurde der Mann wieder aus

dem Polizeigewahrsam entlassen.

DerStaatsschutz ermittelt. (dpa)

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0009 000 gewinnt 1000 000 Euro

331 190 gewinnt 100 000 Euro

81 052 gewinnt 10 000 Euro

4370 gewinnt 1000 Euro

03 gewinnt 10 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Ende eines enttäuschenden Versuchs

Am 7. Oktober vor70Jahren wurdedie DDR gegründet.Sie sollteder gerechtere Teil Deutschlands sein

VonJutta Schütz

Auf den großen Jahrestag

am 7. Oktober 1989 hatte

sich die Stasi gut vorbereitet.

Die „Sicherungsaktion“

hieß „Jubiläum 40“ und wurde

vom Minister für Staatssicherheit

Erich Mielke selbst unterzeichnet.

Die DDR-Oberen wollten den 40.

Jahrestag der DDR groß feiern –mit

einem Festprogramm: im Palast der

Republik, mit Parade und Fackelzug.

Dabei gärte es im Land seit langem,

die Menschen flüchteten massenweise

in den Westen. SED-Generalsekretär

Erich Honecker,nach längerer

Krankheit erst wenige Tage wieder

an Deck, wollte die Flüchtlinge

und Demonstranten offiziell totschweigen.

Mielke ordnete für die Feierlichkeiten

an, eine Diskreditierung der

„erfolgreichen Entwicklung unserer

Republik“ dürfe nicht zugelassen

werden. Absichten„des Gegners und

innerer feindlicher, oppositioneller

u.a. negativer Kräfte“ müssten umfassend

aufgeklärt, keinerlei Provokationen

dürften zugelassen werden,

heißt es in dem Papier aus der

Stasi-Unterlagenbehörde weiter.

Es wurde die letzte große Inszenierung

der DDR-Oberen. Als die Polit-Prominenz

im hell erleuchteten

Palast am Abend des 7. Oktober aufspielen

ließ, war auch der sowjetische

Partei- und Staatschef Michail

GorbatschowzuGast.Vonder Straße

erklang der Ruf„Gorbi, hilf uns“. Demonstranten

blieben hinter einer

Polizeikette an der Spreebrücke stecken.

Als mehrere Tausend Menschen

in Richtung Prenzlauer Berg

zogen, hieß es bei den Sicherheitskräften:

„Knüppel frei“. Viele wurden

verhaftet.

Anfangs war viel Hoffnung

Oppositionelle sammelten in den

folgenden Wochen Informationen

über Verhaftungen und gewaltsame

Übergriffe und veröffentlichten sie.

Wenig später musste die SED-Führung

Fehler zugeben und stimmte

einer unabhängigen Untersuchungskommission

zu – bis dahin

undenkbar.Doch das Ende war nicht

mehr aufzuhalten. Noch im Oktober

musste Honecker zurücktreten. Am

9. November 1989 besiegelte der

Mauerfall das Ende des Arbeiterund

Bauern-Staates. Ein Jahr danach,

am 3. Oktober 1990, trat die

DDR der Bundesrepublik bei.

Mit einem Fackelzug hatte die

DDR in Ost-Berlin auch ihre Grün-

Parade mit Honecker und Gorbatschow: Der 40. Geburtstag wurde der letzte.

Zeremonien: Der 7. Oktober

war neben dem 1. Mai als

Gedenktag arbeitsfrei. Den

DDR-Gründungstag feierte

die SED-Führung mit aufwendigen

Militärparaden

und Festakten.

TAG DER REPUBLIK

Wohltaten: Die SED-Führung

zeigte sich dem Volk zu

dem Anlass als Wohltäter:

Zum Termin 1969 startete

das DDR-Farbfernsehen;

1979 gabeseine Amnestie

für 21 000 Strafgefangene.

Perestroika-Angst: Ausgerechnet

die Anwesenheit der

Sowjet-Prominenz wurde der

SED beim 40. DDR-Jahrestag

zum Verhängnis: Junge

Leute riefen: „Gorbi, Gorbi“

und „Gorbi, hilf uns“.

IMAGO

dung gefeiert. Damals habe echte

Aufbruchstimmung geherrscht, erinnerten

sich später Zeitzeugen.

Zum 40. Jahrestag war davon allerdings

schon lange nichts mehr zu

spüren.

Knapp fünf Monate nach Gründung

der Bundesrepublik entstand

am 7. Oktober 1949 mit der DDR der

zweite Staat auf deutschem Boden.

Die Provisorische Volkskammer beschloss

eine Verfassung. Ost-Berlin

wurde Hauptstadt der DDR,Wilhelm

Pieck der erste Präsident.

Jahre voller Spannung lagen zwischen

dem Ende des Zweiten Weltkrieges

und der DDR-Gründung.

Neue Währungen wurden in Ostund

West eingeführt, im Osten wurden

mit der Bodenreform Landbesitzer

enteignet. Vorallem die Zwangsvereinigung

vonSPD und KPD 1946 zur

Sozialistischen Einheitspartei

Deutschlands (SED) stellte die Weichen.

Nach Kriegsende hatten viele im

Osten dem Ziel „Nie wieder Faschismus,nie

wieder Krieg“ durchaus zugestimmt.

Gerade in den sowjetischen

Besatzungszonen waren die

Folgen des Krieges drastisch: Umfangreiche

Reparationsleistungen

für die Sowjetunion mussten erbracht

werden. Flüchtlingsströme,

zerstörte Städte und Mangel an fast

allem bestimmten am Anfang das

Leben im Osten Deutschlands.

Werzuspät kommt,…

Ihre Unzufriedenheit über die Erhöhung

von Preisen, die erneute Ausgabe

von Lebensmittelkarten und

die Anhebung der Arbeitsnormen

um mindestens zehn Prozent brachten

am 17. Juni 1953 viele auf die Barrikaden.

Sowjetische Panzer walzten

den Arbeiteraufstand nieder.

Während im Westen mit US-amerikanischer

Hilfe das Wirtschaftswunder

begann, verließen Hunderttausende

den SED-Staat. Die Antwort:

Am Morgen des 13. August

1961 begann der Bauder Mauer,der

die Teilung Deutschlands für rund 28

Jahre besiegelt. Die DDR sah sich

auch danach vonFeinden umzingelt

und baute mit der Staatssicherheit

den Überwachungsapparat aus.

Grenzanlagen wurden verstärkt. Kritik

am Staat wurde unterdrückt.

Seit den Feiernzum 40. DDR-Jahrestag

wird Gorbatschow mit dem

inzwischen legendären Ausspruch

an die Adresse Honeckers zitiert, der

zumindest wörtlich so nie gefallen

sein soll: „Wer zu spät kommt, den

bestraft das Leben.“ (dpa)

Schutz

für

Pegida

280 Polizisten im Einsatz für

fünf Demonstranten

Fünf Anhänger von Pegida München

haben am Sonnabend in

der Rigaer Straße in Friedrichshain

demonstriert – beschützt von 280

Polizisten. Auch 200 Gegendemonstranten

waren vor Ort, wie eine Polizeisprecherin

sagte. Sie hatten sich

an der Ecke zur Pettenkofer Straße

versammelt –inetwa 50 Meter Entfernung

zur Kundgebung des fremdenfeindlichen

Bündnisses. Von

Zwischenfällen war zunächst nichts

bekannt.

Die fünf Demonstranten hatten

am Abend ein Gerüst in der Rigaer

Straße aufgebaut. Dortwar laut Polizeiangaben

zunächst ein Plakat zu

sehen mit der Aufschrift „Neofaschisten

nennen sich heute Antifa.

Antifa verbieten.“ Angemeldet

wurde die Veranstaltung den Angaben

zufolge vonPegida München.

Bereits am Vortag hatten fünf Anhänger

vonPegida München im Görlitzer

Park in Kreuzberg eine Kundgebung

veranstaltet –ebenfalls unter

größerem Polizeiaufgebot und im

Beisein von Dutzenden Gegendemonstranten.

Im Görlitzer Park hatten

die Pegida-Anhänger zu einem

späteren Zeitpunkt auch einen Film

abgespielt.

DieUmgebung der Rigaer Straße

94 und der benachbarten Liebigstraße

34 ist als Konfliktherd bekannt.

Die Pegida-Kundgebung sei

jedoch rund einen Kilometer von

diesen Punkten entfernt gewesen,

hieß es.Dies sei eine Auflage für die

Genehmigung gewesen. Weitere

Veranstaltungen oder Kundgebungen

der Pegida-Anhänger seien in

Berlin vorerst nicht angemeldet, so

die Polizeisprecherin. (dpa)

Die Veranstaltung fand einen Kilometer

von der Rigaer Straße entfernt statt. DPA

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Berlin

Kollegenbesuch beim König von Deutschland

FRÉDÉRIC BROSSIER

spielt im täglichen Wechsel mit Philip

Butz noch bis zum 3. November

die Titelfigur im Stück „Rio Reiser –

Mein Name ist Mensch“, dessen Premiere

amSonntagabend in der Komödie

am Kurfürstendamm im

Schillertheater gefeiert wurde. Dass

diese Rolle doppelt besetzt wurde,

hat damit zu tun, dass sie anstrengend

ist. Denganzen Abend wirdgesungen.

ANGELIKA MANN &

WOLFGANG BAHRO

sehen sich gerade täglich bei der Arbeit.

Sie proben für die deutsche

Erstaufführung des Stückes „Ruhe!

Wir drehen!“ am Schlossparktheater.Premieresoll

am 27. Oktober gefeiert

werden. Zwischendurch kamen

sie ins Schillertheater, umsich

anzuschauen, was die Kollegen treiben.

Wobei für Bahro klar war, dass

er sich durch den Gesang auf der

Bühne nicht mitreißen lassen

würde: „Ich singe nur, wenn ich

muss.“ Er mag besonders Reisers

Lieder „König von Deutschland“

und „Junimond“ und kennt das

Stück schon aus dem Hans-Otto-

Theater in Potsdam. „Ich habe bei

der Berlin-Premiere zugesagt, weil

meine Frau ein Rio-Reiser-Fan ist

und das Stück so toll fand.“

Sängerin und Schauspielerin Angelika

Mann ist vonder Premierebegeistert:

„Was für ein tolles Ensemble!Vondem

ich niemanden kenne –

wo kommen die bloß alle her?!“ Ein

Detail fand sie bemerkenswert: „Ich

habe noch nie in einem Theater einen

besseren Sound gehört.“

Kam auch im Festgewand: Rosa von

Praunheim.

CHRISTIAN SCHULZ

ROSA VONPRAUNHEIM

war so nett gegenüber den Menschen,

die bei der Premiere hinter

ihm saßen, seinen arghohen Hutabzunehmen.

Er hat gute Erinnerungen

an eine Begegnung mit Rio Reiser:

„Ich fand ihn sehr schüchtern,

zurückhaltend und melancholisch.“

Der 1996 verstorbene Sänger macht

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Premiere des musikalischen

Rio-Reiser-Stückes im

Schillertheater

Die Rio-Reiser-Komödie „Mein Name ist Mensch“ hatte am Sonntag im Schillertheater

Premiere.

CHRISTIAN SCHULZ

ihm Mut:„Dass er heute noch so eine

große Wirkung hat, macht Hoffnung

für die Zeit nach meinem Tod.“

SUSANN UPLEGGER

fand das Rio-Reiser-Stück schon in

Potsdam großartig: „Das gehört auf

eine Berliner Bühne.“ Ihre Freundin

Gesine Cukrowski fühlt sich um Jahr-

zehnte zurückversetzt: „Die Musik

vonTon Steine Scherben habe ich zuerst

durch die Zimmertür gehört, weil

mein Bruder die immer gespielt hat.“

RobertNippoldt im Wintergarten Potsdamer

Straße.

CHRISTIAN SCHULZ

ROBERT NIPPOLDT

wirkt glücklich wie ein Kind, das die

Nacht in einem riesigen Spielzeuggeschäft

verbringen darf. Er steht inmitten

seiner Ausstellung im Wintergarten

Varieté, für die es seiner Meinung

nach keinen besseren Ort geben

könnte. Schließlich huldigen die

Zeichnungen, die er für den Prachtband

„Es wird Nacht im Berlin der

Wilden Zwanziger“ (Taschen Verlag)

angefertigt hat, Orten wie dem alten

Wintergarten: „Das war im Berlin der

Zwanzigerjahre die Location

schlechthin, damit fängt das Buch

auch an.“ An dem hat Nippoldt, der in

Münster Grafik und Illustration studierte

und dort hängengeblieben ist,

fünf Jahregearbeitet:„Unterbetriebswirtschaftlichen

Aspekten einfach

unverantwortlich.“ Aber so ist das mit

Herzensprojekten. Wenn es gut läuft,

dann spürt das Publikum das: „Zum

Glück hat sich das Buch gut verkauft.“

Undinzwischen zwei DutzendPreise

bekommen, darunter den Best Book

Award inLos Angeles, den German

Design Award und Auszeichnungen

der Art Directors Clubs in New York

undBerlin. FürNippoldt ist das Berlin

der Zwanzigerjahre„ein Sehnsuchtsort“,

wobei er einschränkt:„Natürlich

ohne die ganzeArmut.“

Er gibt inmitten seiner Ausstellung

im eleganten Foyer der von Fiona

Bennett designten Wintergarten-Toiletten

zu, dass er eigentlich viel lieber

ein Rockstar wäre: „Meine Frau

schimpft immer,wenn ich so spät mit

fünf Groupies nach Hause komme.“

Also hat er sich für sein „spießbürgerliches

Zeichner- und Bücherwurmdasein“

entschieden. Manchmal

bricht er aus und stellt sich auf die

Bühne. Wie am 10. März 2020 zum

Abschluss seiner Ausstellung imWintergarten.

In der Show „Ein rätselhafter

Schimmer“ wird erlive auf der

Bühne zeichnen, mit Scherenschnittfiguren

kleine Szenen entstehen lassen.

Musik gibt es auch. Bisher hatte

er es damit nur bis Greven in Westfalen

geschafft. Der Auftritt im Wintergarten

Berlin könnte der entscheidende

Schritt sein: „Nun ruft bestimmt

bald die Carnegie Hall an.“

Anlässlich desdreißigjährigen Mauerfalljubiläums feiern wir an diesem

Abend Berlin als eine Drehscheibe von(Sub)Kulturen, Sprachen,

Lebensstilen, Meinungen und Weltanschauungen und nicht zuletzt auch

als eine Reibungsfläche für neue Ideen und Narrative, Konflikte und

Kontroversen, die seit dreißig Jahren diese Stadt prägen.

18hbis 19h

GRÜNER SALON: LESUNG

MitSimon Strauß, Deniz

Utlu, Jackie Thomae.

Moderation: EsraKüçük

19.30h

GROSSE BÜHNE: FEST

Feiern Siezusammen mit Annaund Nellie

Thalbach, JuttaAllmendinger, Idil Baydar,

Harald Welzer, Katja Lange-Müller, Marion

Brasch, MaxCzollek, Yasemin Şamdereli,

CarlaReemtsma, Sophia Salzberger, Lars

Vogel, Ferda Ataman, Klaus Wowereit,

SashaWaltz, JochenSandig und DOTA.

Moderation: Martin Zingsheim

21.30h

FOYER: EMPFANG &MUSIK

Blitzkonzert thebest of

RotFront &DJ-Sessionsmit

Yuriy Gurzhy &Techno Türken

7. NOVEMBER 2019

VOLKSBÜHNE BERLIN

PROGRAMM &TICKETS UNTER:

www.volksbuehne.berlin/de

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Berlin/Brandenburg

POLIZEIREPORT

Köpenick: „Sieg Heil“-Rufe.

„Sieg Heil“-Rufe bei und möglicherweise

volksverhetzende Musik haben

am Wochenende die Polizei auf

den Plan gerufen. Nach Informationen

kam es dazu auf dem Gelände

der NPD-Zentrale.Die Partei war am

Sonntag nicht für eine Stellungnahme

zu erreichen. Wiedie Polizei

mitteilte,wurden die Beamten am

Sonnabend gegen 18 Uhrwegen lauter

Musik zur Seelenbinderstraße ij

Köpenick gerufen. Zeugen sollen

vonvolksverhetzenden Texten berichtet

haben. Während des Einsatzesnahmen

die Beamten zudem

„Sieg Heil“-Rufe vomGelände wahr.

Angriff aus Hass gegen Schwule.

Drei Männer sind bei einem vermutlich

schwulenfeindlich motivierten

Angriff leicht verletzt worden. Die

zwei 19-Jährigen und ein 37 Jahrealter

Mann waren in der Nacht zu

Sonnabend mit einem weiteren Bekannten

auf dem Zionskirchplatz unterwegs,als

sie voneiner Gruppe junger

Männer angesprochen wurden.

Diese hätten sie zunächst nach Zigaretten

gefragt. Kurz darauf erkundigte

sich die Gruppe,obsie homosexuell

seien. DieGefragten bestätigten das,

woraufhin einer der Männer den 19-

Jährigen und dem 37-Jährigen ins Gesicht

geschlagen haben soll.

Auto brannte.

In der Nacht zu Sonntag hat in Rosenthal

ein Auto gebrannt. Gegen

0.20 Uhrbemerkte ein Passant an

der Hauptstraße Flammen an dem

Fahrzeug. DieFeuerwehr löschte das

Feuer,der Wagen wurde jedoch stark

beschädigt.

Straßenbahnfahrer attackiert.

EinStraßenbahnfahrer hat in Marzahn-Hellersdorffünf

Graffiti-

Sprayerauf frischer Tatertappt und

ist vondiesen mit Flaschen und Steinen

attackiertsowie mit Farbe besprüht

worden. Der49-Jährige erlitt

eine Beinverletzung. DerFahrer hatte

nach Mitternacht den Geruch frischer

Farbe wahrgenommen. Er stieg

aus und sah fünf Maskierte,die gerade

Farbe an das Fahrzeug sprühten.

Nach der Attacke flüchteten die Täter.

Auf der Flucht überschlagen.

Aufder Flucht vorder Polizei hat ein

Autofahrer mit seinem Leihwagen einen

Zaun durchbrochen und sich

überschlagen. Ermittler wollten den

Wagen eines Carsharing-Anbieters

am Sonnabend in der Nähe des Ostbahnhofs

kontrollieren. DerFahrer

gab jedoch Gas. In der Straße An der

Ostbahn entdeckten die Beamten

kurze Zeit später denWagen, der auf

dem Dach lag. DieInsassen waren

nicht mehr vorOrt.ImPkw fand die

Polizei ein Handy und Drogen. (dpa)

Sie wollen die Koalitionsverhandlungen erfolgreich abschließen: Dietmar Woidke(SPD), Ursula Nonnemacher (Grüne) und Michael Stübgen (CDU, v.l.).

Zum Erfolg verdammt

Die Koalitionsverhandlungennähernsichder Ziellinie. SPD,Grüne und CDUwollen es unbedingt versuchen

VonOliver von Riegen

Endspurt für die Koalitionsverhandlungen

in Brandenburg:

BisMitte Oktober

wollen SPD, CDU und

Grüne mit ihren Verhandlungen fertig

sein; eine mögliche Reserve bis

Ende des Monats ist aber schon vereinbart.

An diesem Montag trifft sich

nach knapp zwei Wochen die große

Verhandlungsrunde wieder.Auf dem

Tisch liegen in jeder Sitzung die Ergebnisse

der sieben Arbeitsgruppen

Bildung, Wirtschaft, Inneres, Landwirtschaft/Umwelt,

Soziales/Gesundheit,

Gutes Regieren/Bund/Europa

und Finanzen.

Sind schon Vorschläge der Arbeitsgruppen

bekannt?

Ja. SPD, CDU und Grüne wollen

Schulen und Kitas stärken –das ist

ein Ergebnis der Verhandlungsgruppe

für Bildung. Sieschlägt demnach

vor, dass es mehr gut ausgebildete

und gut qualifizierte Lehrkräfte

geben soll. Auch Kindertagesstätten

sollen gestärkt werden –hinsichtlich

der Betreuung und auf dem Wegzu

mehr Beitragsfreiheit. Diese Ziele

waren im Ergebnispapier der Sondierungsgespräche

vereinbart und

werden nun konkretisiert.

Wie laufen die Koalitionsverhandlungen

jetzt weiter?

Die große Verhandlungsgruppe

berät über Vorschläge der Arbeitsgruppen.

Erst ist das Thema Gutes

Landtagswahlen: Sie fanden

am 1. September 2019

statt. Vonden knapp 2,1 Millionen

Wahlberechtigten

nahmen 1,28 Millionen

Menschen an der Wahl teil.

Die Wahlbeteiligung lag damit

bei 61,3 Prozent.

Regieren, Bund, Europa an der

Reihe, am Mittwoch Bildung. Die

große Runde unter Leitung von

SPD-Ministerpräsident Dietmar

Woidke, dem kommissarischen

CDU-Landeschef Michael Stübgen

und Grünen-Fraktionschefin Ursula

Nonnemacher prüft auch, ob

sich die Vorschläge der Arbeitsgruppen

finanzieren lassen. Dietmar

Woidke hatte schon vorher erklärt,

dass der Schuldenabbau weiter ein

Ziel ist.

DIE WAHL, DIE ERGEBNISSE

Sieger: Die SPD wurde bei

den Zweitstimmen mit 26,2

Prozent stärkste Kraft, gefolgt

vonder AfD (23,5) und

der CDU (15,6). Platz vier

nahmen die Grünen mit 10,8

Prozent ein. Die Linken erreichten

10,7 Prozent.

Verluste und Gewinne: Verluste

erlitten die SPD (minus

5,7 Prozent), die CDU (minus

7,4 Prozent) und die

Linke(minus 7,9 Prozent).

Den stärksten Zuwachs erlangte

die AfD mit einem

Plus von11,3 Prozent.

Geht es hoch her bei den Gesprächen

oder ist alles harmonisch?

Weder noch. Die Verhandler arbeiten

konzentriert, aber an manchen

Stellen hakt es auch, wie aus

Verhandlungskreisen zu hören ist.

Die Parteien müssen sich nicht nur

über Inhalte verständigen, sondern

auch menschlich und organisatorisch

einen Wegzueinander finden.

Dasbrauchte mitunter etwas Zeit. In

den Arbeitsgruppen kennen sich

viele untereinander, aber nicht alle.

Manche Beratungen waren strittiger

als andere. Die Arbeitsgruppe Bildung

war zuerst fertig, hieß es.

Wie geht es weiter, wenn ein Koalitionsvertrag

auf dem Tisch liegt?

Nichts ist beschlossen bis nicht

alles beschlossen ist –diese Parole

haben die Parteien ausgegeben. Zuletzt

soll es um Personalien gehen.

Wenn SPD, CDU und Grüne sich in

allen Punkten geeinigt haben und

ein Koalitionsvertrag vorliegt, ist

das Bündnis noch nicht besiegelt.

Erst entscheiden die Parteien darüber.

Bei der SPD trifft ein Parteitag

die Entscheidung. DieCDU will ihre

Mitglieder befragen, dann votiert

ein Parteitag formal. Die Grünen

DPA/SÖREN STACHE

planen eine Urabstimmung, wobei

auch ein Parteitag über den Vertrag

diskutiert.

Wie viel Zeit haben die drei Parteien,

bis die Regierung stehen muss?

Vonder Konstituierung des Landtags

am 25. September sind drei Monate

Zeit, bis der Ministerpräsident

gewählt wird –das wäre Weihnachten.

SPD, CDU und Grüne wollen

aber früher fertig sein. Woidke will

wieder als Regierungschef antreten.

Er hat in den kommenden Tagen

nicht nur die Koalitionsverhandlungen

im Terminkalender. Am kommenden

Freitag wird erimBundesrat

zum Präsidenten der Länderkammer

gewählt, das Amt startet im

November.

Was passiert, wenn eine Koalition

noch scheiternsollte?

Wenn sich die Verhandler nicht

einigen können, die Parteien kein

grünes Licht geben oder die Zeit

nicht reicht, wäre esfür neue Verhandlungen

sehr knapp. Kommt es

nicht zur Wahl des Ministerpräsidenten

bis Weihnachten, gilt der

Landtag als aufgelöst, dann müsste

innerhalb von 70Tagen eine Neuwahl

angesetzt werden. Dieses Szenario

gilt den drei Parteien nicht als

Alternative. Deshalb sehen sie sich

„zum Erfolg verdammt“, wie jemand

von den Verhandlern sagt. Auch

wenn es einige unter ihnen gibt, die

lieber Rot-Grün-Rot gehabt hätten.

(dpa)

Polizei reicht

nicht aus für

Flughafen

Laut GdP fehlen 80 Stellen in

der Inspektion Schönefeld

Wenn der BER im Oktober 2020

wirklich eröffnen sollte, dann

gibt es nach Ansicht der Gewerkschaft

der Polizei (GdP) zu wenig Polizisten

für den Standort. Wie die

Märkische Oderzeitung berichtet,

baue die GdP darauf, dass sich die

Eröffnung des Flughafens weiter verzögert.

Hintergrund: DerAusbau der

Polizeiinspektion Schönefeld ist laut

GdP bis zum nunmehr geplanten Eröffnungstermin

des BER nicht zu

schaffen.

Laut Schuster müsste die Inspektion

mit 80 zusätzlichen Stellen besetzt

werden. Trotz Rekord-Ausbildungszahlen

an der Hochschule der

Polizei reiche die Kapazität aber

nicht für Schönefeld, sagte Schuster.

Denn die derzeit ausgebildeten Beamten

würden benötigt, um die Kollegen

zu ersetzen, die demnächst in

Pension gehen. Deshalb befürchtet

die GdP, dass kurzfristig Beamte aus

den Direktionen Ost und Süd nach

Schönefeld abgezogen und an ihrem

eigentlichen Standorterhebliche Lücken

reißen würden.

Das brandenburgische Innenministerium

widersprach der Gewerkschaft.

Demnach gebe es ein Konzept,

wie die Flughafeninspektion

bis zur Eröffnung des Airports ausgebaut

werden solle.Das Papier soll allerdings

aus dem Jahr 2015 stammen,

wonach das vorgesehene Fluggastaufkommen

bei 31 Millionen

Passagieren im Eröffnungsjahr lag.

Schon heute flögen aber bereits

35 Millionen Passagierevon den Berliner

Flughäfen.

Derzeit sind laut GdP von den

vorgesehenen 160 Stellen der Polizei

in Schönefeld 140 besetzt. Später

sollen es 240 Polizeikräfte sein. (BLZ)

Mit dem Eröffnungstermin im Oktober

2020 hat die GdP ein Problem. DPA

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Lokalsport

Guter Schuss aus der zweiten Reihe: Dmitrii Kholod

IMAGO IMAGES

Einer für Europa

Mit Dmitrii Kholod hat Spandau 04 einen Wasserballer vonWeltklasseformatverpflichtet. Der Russesoll dem Team zu internationaler Konkurrenzfähigkeit verhelfen

VonAnnika Schultz

Für einen Sportler ist es ja oft

das Schlimmste, wenn er

tatenlos zuschauen muss.

Nicht aktiv ins Geschehen

eingreifen, die Mannschaftskollegen

nicht unterstützen zu können. Insofern

war es für Dmitrii Kholod ein

anstrengender Donnerstagnachmittag.

DerSommerzugang der Wasserfreunde

Spandau 04 verfolgte den

Auftritt seiner Mannschaft im Supercup

in Blue Jeans und Vereins-Poloshirt

von einem weißen Plastikstuhl

vom Beckenrand aus –und konnte

dabei kaum still sitzen, kaute immer

wieder an seinen Fingernägeln. Regung

kam nur in den 1,97 Meter großen

und knapp 100 Kilogramm

schweren Hünen aus Russland,

wenn seinen Mitspielern ein Torgelang.

Dann sprang er auf und riss

seine tätowierten Arme in die Luft.

Trotz der leidenschaftlichen Unterstützung

verloren die Wasserfreunde

allerdings nach Fünfmeterwerfen

gegen Waspo Hannover20:21.

„Ich bin immer nervös. Aber normalerweise

legt sich das, sobald ich

im Wasser bin und der Ball im Spiel

ist. Beim Supercup war ich also die

ganzeZeit angespannt“, sagt Kholod

und lacht. Trainer Petar Kovacevic

hatte dem 27-Jährigen nach einer

langen Sommersaison eine Pause

verordnet. Ohnehin soll der Russe

den 37-maligen Deutschen Meister

vorallem im Hinblick auf die Champions

League, die für Spandau am

Dienstag mit einem Heimspiel gegen

Zodiac Barceloneta (19 Uhr/Sportund

Lehrschwimmhalle Schöneberg)

beginnt, noch einmal verstärken.

Die Heimstärke als Trumpf

Vor zwei Jahren waren die Wasserfreunde

in der Königsklasse noch in

das Finalturnier eingezogen, die vergangene

Saison verlief international

mit nur zwei Siegen und einem Unentschieden

enttäuschend. Und das

obwohl man den Kader zu großen

Teilen zusammengehalten hatte.

Auch in diesem Jahr setzten die Verantwortlichen

um Klub-Präsident

Hagen Stamm und Trainer Kovacevic

auf Kontinuität. Kholod kann und

soll den Unterschied ausmachen:

„Wenn wir komplett wären, wären

wir mit Dmitrii stärker einzuschätzen

als im letzten Jahr“, glaubt

Stamm, „die Mannschaft kennt sich

gut, dadurch sind wir noch einmal

eingespielter.“

Treffen: Spandau 04 trifft in

der Gruppenphase der

Champions League auf Zodiac

Barceloneta, OlympiakosPiräus,

Jadran Herceg

Novi, Jadran ST,Szolnoki

Dozsa, Sintez Kasan und Jug

CO Dubrovnik.

Auf nationaler Ebene kann das

Ziel nicht anders als der Titel in Pokal

und Meisterschaft heißen, in der

Champions League will Spandau in

das Finalturnier der besten acht

Mannschaften einziehen. Dafür ist

in der Gruppenphase ein Platz unter

den ersten Vier der Achter-Gruppen

notwendig. Dass mit dem französischen

Nationalspieler Rémi Saudadier

ein wichtiger Akteur in der Center-Verteidigung

aufgrund vonHerzrhythmusstörungen

für vier Wochen

ausfällt, macht die Auftakt-Aufgabe

gegen Barcelona ungleich schwerer.

„Aber wir haben schon oft gezeigt,

CHAMPIONS LEAGUE

Hoffen: Klub-Präsident HagenStamm

sagt trotz der

starken Konkurrenz: „Da sind

aber trotzdem noch einige

Teams auf Augenhöhe. Wenn

wir einen guten Taghaben,

sollten wir um die Plätze drei

und vier mitspielen können.“

Schaffen: Der Rekordsieger

des prestigereichen Wettbewerbs

ist Pro Recco Waterpolo

1913 mit acht Titeln.

Spandau 04 schaffte in den

Achtzigerjahren das Kunststück,

den Titel viermal nach

Berlin zu holen.

dass wir in Berlin sehr schwer zu

schlagen sind“, sagt Stamm.

Am Dienstag soll dann auch Kholod

zum ersten Pflichtspiel-Einsatz

für seinen neuen Verein kommen.

Bereits vor drei Jahren war Spandau

an der Verpflichtung des russischen

Nationalspielers interessiert gewesen,

jetzt ist der Transfer-Coup möglich

geworden, weil sein vorheriger

Verein Dynamo Moskau und Kholod

den eigentlich noch ein Jahr gültigen

Vertragimgegenseitigen Einvernehmen

nach finanziellen Problemen

des Vereins aufgelöst hatten. Dass

sich ein Spieler von Kholods Format

für Spandau und die deutsche Liga

statt für ein Angebot aus Montenegro

entschieden hat, ist maßgeblich

Trainer Kovacevic zu verdanken.

Der 43-Jährige war für Kholods Entscheidung

ausschlaggebend. „Ich

will mich als Spieler weiterentwickeln

und dafür ist er der richtige

Coach“, betont der 27-Jährige in gut

verständlichem Englisch, „mein

Heimtrainer ist so etwas wie ein Lehrer

für Petar. Dadurch kenne ich

seine Philosophie gut.“

Die Mutter als Triebfeder

Eine nette Randnotiz: Kholod wurde

nur wenige Kilometer von seiner

neuen Heimat in Potsdam als Sohn

einer Weißrussin und eines Russen

geboren, sein Vater war dort als Soldat

stationiertgewesen. EinJahr später

zogdie Familie in die Heimat seiner

Mutter, mit 16 Jahren ging es

nach Russland. Seine Mutter, so

Kholod, sei schließlich auch die

Triebfeder hinter seiner Karriere gewesen.„Eigentlich

wollte ich Fußball

spielen. Dann haben wir einen Deal

gemacht, ich sollte zuerst schwimmen

lernen“, erzählt Kholod. Ein

Jahr später konnte der damals Zehnjährige

schwimmen, zum Fußball

wollte ihn seine Mutter trotzdem

nicht fahren. Stattdessen schlug sie

Wasserball vor. „Und jetzt stehe ich

hier.“

Kholod gehört zuden Besten seines

Landes, „vielleicht ist er sogar

der Beste überhaupt“, sagt Stamm.

„Er ist ein Ausnahmespieler, körperlich

sehr präsent, schwimmt schnell

und hat einen guten Schuss aus der

zweiten Reihe.“ Damit passe er zu

dem schnellen Wasserball, der Kovacevic

vorschwebt, und sei die ideale

Ergänzung. Kholod ist das Lob des

Präsidenten merklich unangenehm,

der Russe vermeidet es,über sich zu

sprechen. „Das Wichtigste ist, dass

jeder Spieler seine Rolle im System

kennt. Ichbin ein System-Spieler,ich

will dem Team so gut helfen, wie ich

kann, und das machen, was der Trainer

möchte.“

Der zweifache Vater möchte unbedingt

Deutsch lernen und nimmt

deswegen schon seit einigen Wochen

Unterricht. Einige deutsche

Gepflogenheiten hat der Russe

schon kennengelernt: Er muss deutlich

früher aufstehen, das Vormittagstraining

beginnt bei den Wasserfreunden

schon um 7.45 Uhr. „Und

dass sich hier alle an die Regeln halten.

In Russland würde das alle irritieren.“

Bundesliga-Spieler in einer Woche

Serie -Tierisch fit: Wiedie Gekkos Berlin an der Entwicklung der Sportart Crossminton mitgewirkt haben

VonChristian Kattner

Die Voraussetzungen für ein Training

am Freitag waren nicht die

besten: Regen, Brückentag und

Herbstferien, zudem hatten lediglich

drei Spieler ihr Kommen angekündigt.

Als dann auch noch dasTorzum

Schulgelände defekt war, blieb das

Licht in der Sporthalle im Dunstkreis

des S-Bahnhofs Warschauer Straße

eben aus. Sebastian Wolff-Marting

hatte zwar mehrfach probiert, das

beschädigte Torzuöffnen −vergeblich.

Er hofft nun, dass es möglichst

schnell repariert wird. Der Zweite

Vorsitzende der Gekkos Berlin ist

recht zuversichtlich, dass er und die

anderen Vereinsmitglieder schon

zeitnah wieder in die Winter-Trainingsstätte

können.

Wäre das Wetter besser, könnten

die Gekkos auch in die Berliner Parks

ausweichen. Dorthin, wo ihreSportart

vor wenigen Jahren entstanden

ist. Aus dem Impuls, Badminton

auch bei Wind spielen zu können,

hatte eine Berliner Firma Schläger

und Bälle des heutigen Crossmintons

kreiert. Undmit den Gekkos im

Jahr 2005 auch gleich einen eigenen

Verein gegründet, nach Lucky Smash

übrigens den weltweit zweiten in

dieser Sportart. „Der Gekko ist bis

heute das Firmenlogo und wurde in

den Vereinsnamen übernommen“,

erzähltWolff-Marting. Seit 2007 ist er

Mitglied bei den Gekkos, hat selbst

vorher Tischtennis und auch mal

Tennis gespielt. Nie aber leistungsorientiert,

so wie das bei den ersten

Gründungsmitgliedernder Fall war.

Es ist auch keine Grundvoraussetzung,

um Crossminton spielen zu

können. Klar wäre es von Vorteil,

wenn man schon mal Schläger und

Ball, egal in welcher Sportart, in den

Händen gehalten hat. Aber:„Beiuns

kannst du in einer Woche Bundesliga-Spieler

werden“, sagt Wolff-

Marting und lacht. Man muss dazu

wissen, dass Crossminton in

Die Gekkos Berlin sind der zweitälteste Crossminton-Verein der Welt.

tieren, wenn man was gewinnen

will“, sagt Wolff-Marting.

Keine falschen Illusionen

PRIVAT

Deutscher Pokalsieger ist der zweitälteste

Crossminton-Verein der Welt

schon geworden, Deutscher Vizemeister

waren die Gekkos auch

schon. Auch Medaillen bei Welt-

Deutschland seit einigen Jahren

wettkampfmäßig und nicht mehr

nur in Parksgespielt wird. Allerdings

gibt es nur vier Bundesligen, die

nach geografischen Gesichtspunkten

unterteilt sind. Auch wenn es

also nicht einfacher gehen kann,

Bundesligaspieler zu werden, so

„muss man aber schon mehr invesmeisterschaften

wurden vonden aktuell

35 Vereinsmitgliedern bereits

gewonnen. Im Steffi-Graf-Stadion

im Grunewald waren die Berliner bereits

zweimal Ausrichter einer WM.

„Ich habe schon an vier von fünf

Weltmeisterschaften teilgenommen,

Edelmetall habe ich aber noch nie

gewonnen“, erzählt Wolff-Marting.

Immerhin ist der 42-Jährige in den

vergangenen drei Jahren Berliner

Ü40-Meister geworden.

Wasdie Bedeutung seiner Sportart

angeht, gibt er sich keinen falschen

Illusionen hin: „Wir sind ein

Nischensport und das ist auch nicht

schlimm“, sagt er. Träume, dass

Crossminton irgendwann mal olympisch

wird, teilt er nicht. Im Zuge

steigender Kommerzialisierung

würde dabei vermutlich auch der eigentliche

Charme einer Sportart, deren

Spielfelduntergrund nicht festgelegt

ist, verlorengehen. Eigentlich

kann Crossminton, das bis 2016 als

Speed Badminton geläufig war,

nämlich auf Straßen, Sandflächen,

Wiesen, Hallen, aber vor allem auf

Tennisplätzen gespielt werden.

„Wenn man das Netz abbaut und ein

paar Zusatzlinien anbringt, kann

man gleich zwei Crossminton-Felder

aufbauen“, erklärt Sebastian

Wolff-Marting.

Innerhalb weniger Jahre hat

Crossminton, wahrscheinlich auch

wegen dieser Einfachheit, die komplette

Welt erobert. BeiWeltmeisterschaften

sind immer Spieler aus allen

Kontinenten dabei. Seinen Ursprung

hat die Sportart zwar in Berlin,

die sportlichen Hochburgen

befinden sich allerdings mittlerweile

in Tschechien, Polen und Ungarn.

Um mit den Spielernaus diesen Ländernauch

künftig mithalten zu können,

wirdbei den Gekkos zweimal in

der Woche trainiert. Wenn nicht ausgerechnet

das Torzum Schulgelände

defekt ist. Am 2. November ist Start

in die neue Bundesliga-Saison. Spätestens

dann sollte es repariertsein.


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 17 ***

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Sport

ZAHLEN

Eishockey

DEL, 9. Spieltag

Eisbären Berlin -Straubing 5:2 (1:1,0:0,4:1)

ERC Ingolstadt -Kölner Haie 3:1 (1:0,1:1,1:0)

Wolfsburg -Düsseldorfer EG 2:3 (0:1,2:0,0:2)

Krefeld -Mannheim 1:4 (1:1, 0:1, 0:2)

Iserlohn -Augsburg 5:3 (3:0, 0:3, 2:0)

Bremerhaven-EHC München 1:2 (0:0, 1:1, 1:2)

Schwenningen -Nürnberg 3:5 (1:3, 2:1, 0:1)

1. EHC Red Bull München 9 36:15 27

2. Adler Mannheim 9 31:24 19

3. Straubing Tigers 9 35:24 18

4. Düsseldorfer EG 9 25:18 17

5. Pinguins Bremerhaven 9 25:22 15

6. Nürnberg Ice Tigers 9 24:22 14

7. Iserlohn Roosters 9 20:22 13

8. ERC Ingolstadt 9 30:31 11

9. Eisbären Berlin 8 18:22 11

10. Grizzlys Wolfsburg 9 21:27 9

11. Krefeld Pinguine 9 21:30 9

12. Augsburger Panther 9 25:29 8

13. Kölner Haie 9 16:29 8

14. Schwenninger Wild Wings 8 24:36 7

Handball

Bundesliga, 8. Spieltag

SC Magdeburg -FAGöppingen 30:21 (16:14)

HSG Nordhorn-DHfK Leipzig 33:30 (16:12)

Ludwigshafen -TVB Stuttgart 23:27 (10:14)

Flensburg-Handewitt -Füchse 27:23 (12:9)

Rhein-Neckar Löwen -HSG Wetzlar 29:26 (15:9)

Melsungen -Hannover-Burgdorf 31:25 (17:15)

Bergischer HC -GWD Minden 26:23 (14:10)

TBV Lemgo-THW Kiel 27:30 (12:17)

HBW Balingen -HCErlangen 30:32 (14:15)

1. TSV Hannover-Burgdorf 8 236:203 14: 2

2. RN Löwen 8 234:205 12: 4

3. Flensburg-Handewitt 8 208:190 11: 5

4. Melsungen 8 216:211 11: 5

5. THW Kiel 6 184:163 10: 2

6. SC Magdeburg 8 256:221 10: 6

7. Füchse Berlin 8 225:200 10: 6

8. DHfK Leipzig 8 220:226 10: 6

9. HC Erlangen 7 180:178 9: 5

10. HSG Wetzlar 8 239:234 9: 7

11. GWD Minden 8 212:216 7: 9

12. Bergischer HC 8 218:227 7: 9

13. FA Göppingen 7 176:187 4:10

14. Balingen-Weilstetten 7 199:218 4:10

15. TVB Stuttgart 7 175:202 3:11

16. TBV Lemgo 8 215:242 3:13

17. Ludwigshafen 8 193:222 2:14

18. HSG Nordhorn 8 197:238 2:14

Leichtathletik

WM in Doha

Männer

1500 m: 1. TimothyCheruiyot (Kenia) 3:29,26

Min.; 2. Taoufik Makhloufi (Algerien) 3:31,38; 3.

Marcin Lewandowski (Polen) 3:31,46 ... 20. Amos

Bartelsmeyer(Frankfurt/M.) 3:37,74 (Halbfinale)

10 000 m: 1. Joshua Kiprui Cheptegei (Uganda)

26:48,36 Min.; 2. Yomif Kejelcha (Äthiopien)

26:49,34; 3. Rhonex Kipruto (Kenia) 26:50,32

4x400 m: 1. USA 2:56,69 Min.; 2. Jamaika

2:57,90; 3. Belgien 2:58,78

Speerwurf: 1. Anderson Peters (Grenada) 86,89

m; 2. Magnus Kirt(Estland) 86,21; 3. Johannes

Vetter (Offenburg) 85,37; 4. Lassi Etelätalo (Finnland)

82,49; 5. Jakub Vadlejch (Tschechien)

82,19; 6. Julian Weber (Mainz) 81,26 ... 20. Andreas

Hofmann (Mannheim) 80,06 (Qualifikation)

…23. Thomas Röhler (Jena) 79,23

Marathon: 1. Lelisa Desisa (Äthiopien) 2:10:40

Std.; 2. Mosinet Geremew(Äthiopien) 2:10:44; 3.

Amos Kipruto (Kenia) 2:10:51

Frauen

100 mHürden: 1. Nia Ali (USA) 12,34 Sek.; 2.

Kendra Harrison (USA) 12,46; 3. Danielle Williams

(Jamaika) 12,47 …1.CindyRoleder

(Halle/Saale) 12,86

4x400 m: 1. USA 3:18,92 Min.; 2. Polen

3:21,89; 3. Großbritannien 3:23,02

Weitsprung: 1. Malaika Mihambo (Schwetzingen)

7,30 m; 2. Maryna Bech-Romantschuk (Ukraine)

6,92; 3. Ese Brume (Nigeria) 6,91

Rugby

WM in Japan

Gruppe A

Japan -Samoa 38:19 (16:9)

Gruppe B

Neuseeland -Namibia 71:9 (24:9)

Gruppe C

England -Argentinien 39:10 (15:3)

Frankreich -Tonga 23:21 (17:7)

Tennis

ATP-Turnier in Tokio

Finale: NovakDjokovic (Serbien/1) -John Millman

(Australien) 6:3, 6:2

ATP-Turnier in Peking

Halbfinale: Stefanos Tsitsipas (Griechenland/3)

-Alexander Zverev(Hamburg/2) 7:6 (8:6), 6:4;

Dominic Thiem (Österreich/1) -Karen Chatschanow(Russland/4)

2:6, 7:6 (7:5), 7:5

Finale: Thiem -Tsitsipas 3:6, 6:4, 6:1

WTA-Turnier in Peking

Finale: Naomi Osaka (Japan/Nr.4)-Ashleigh

Barty (Australien/Nr.1)3:6, 6:3, 6:2

Die Überfliegerin

Malaika Mihambo springt zu Gold und hübscht die WM-Bilanz der deutschen Leichtathletik auf

Malaika Mihambo flog mit einem

Traumsprung zum WM-

Titel, Konstanze Klosterhalfen

rannte trotz aller Aufregung zum

größten Erfolg ihrer Karriere und Johannes

Vetter belohnte sich für eine

harte Saison. Mit einmal Gold und

zweimal Bronze haben die deutschen

Leichtathleten einen starken

WM-Endspurt hingelegt und zehn

Monate vor den Olympischen Spielen

in Tokio doch jede Menge Lust

auf die Sommerspiele im kommenden

Jahr gemacht.

Mit zweimal Gold und viermal

Bronze gewann der Deutsche

Leichtathletik-Verband (DLV) bei

der heftig kritisierten WM eine Medaille

mehr als vor zwei Jahren in

London (1/2/2). In der Hitze von

Doha beeindruckte dabei besonders

die jungen Garde –allen voran der

erst 21 Jahre alte Zehnkampf-Weltmeister

Niklas Kaul, der wie Mihambo

und Klosterhalfen die Zukunft

der Sportartprägen könnte.

Doch während sich Kaul sensationell

zu Gold kämpfte, hatte Malaika

Mihambo den Titel selbstbewusst

als Ziel ausgegeben. Und die

Europameisterin lieferte: Überragende

7,30 mimdritten Versuch –

erstmals seit Heike Drechsler 1993

hat Deutschland wieder eine Weitsprung-Weltmeisterin.

„Das ist unglaublich, ich kann es

selbst noch nicht fassen“, sagte die

25-Jährige: „Es war nicht einfach, ich

hatte am Anfang ein paar Probleme.

Jetzt bin ich einfach nur glücklich.“

Zweite wurde Maryna Bech-Romantschuk

aus der Ukraine (6,92) vorEse

Brume (Nigeria/6,91). Mihambo triumphierte

mit dem größten Vorsprung

der WM-Geschichte.

Kurz gezittert

Dabei musste die Ausnahmeathletin

kurzzittern, nach 6,52 Meter und einem

ungültigen Versuch war sie nur

Siebte,ehe sie hinter dem deutschen

Rekord von Drechsler (7,48 Meter)

zur zweitbesten deutschen Weitspringerin

der Geschichte aufstieg.

Klosterhalfen hatte am Sonnabend

dagegen die wohl schwerste

Woche ihrer Karriere mit dem größten

Erfolg ihrer Laufbahn abgeschlossen.

Trotz des Wirbels um den

Doping-Skandal ihres alten „Chefs“

Alberto Salazar und den Attacken

der Konkurrentinnen lief die 22-Jährige

zu Bronzeüber 5000 m.

Mitblutigen Beine eroberte sie als

erste Deutsche eine Medaille über

Der bis dato beste TagihrersSportlerlebens: Malaika Mihambo.

Magisch: Die zweifacheWeitsprung-WeltmeisterinHeikeDrechsler

feierteals Fernsehzuschauerindie

Goldmedaille vonMalaika Mihambo.

„Derdritte Versuch war magisch!“,

sagtedie WM-Siegerin von1983 und1993.

„Ich werde jetzt eine Flasche Champagner aufmachen

und auf sie anstoßen.“

Tagder Premieren

Eisbären gewinnen zum zweiten Mal in Serie

Eswar sicherlich nicht die beste

Möglichkeit dieses Nachmittags.

DieEisbären hatten vorher durchaus

bessere Chancen als diesen Schuss

vonJames Sheppard. Unter freundlicher

Mithilfe von Gäste-Torwart Sebastian

Vogl trudelte der Puck nach

einem eher ungefährlichen Schuss

aber zum 2:1 ins Torund ebnete den

Weg zum 5:2-Heimsieg gegen die

Straubing Tigers, die zuvor nur ein

Spiel verloren hatten.

Vergebene Chancen

Am Freitagabend hatten die Eisbärenzum

ersten Malauswärts gewonnen

(2:1 in Augsburg), nun wollten

sie erstmals in dieser Saison einen

zweiten Sieg in Folge landen. Dementsprechend

engagiert gingen die

Gastgeber gegen den Tabellenzweiten

zu Werke. Bei der Vielzahl der

Torschüsse war es eigentlich nur

eine Frage der Zeit, bis der erste Treffer

fallen würde.Nach gut fünf Minuten

war es Verteidiger Ryan McKiernan

mit seinem ersten Saisontor,der

die Eisbären mit 1:0 in Führung bringen

sollte. Ein Treffer, der die Berliner

zu beflügeln schien. Allerdings

rächten sich die zahlreichen vergebenen

Chancen. Nach einem Fehler

von Kai Wissmann tauchte Mitchell

Heard frei vor Sebastian Dahm auf

und ließ dem Torhüter der Eisbären

keine Abwehrchance.

Dass die Berliner an diesem Gegentreffer

zu knabbern hatten, war

dem Spiel in der Folge deutlich anzusehen.

Im Aufbau schlichen sich immer

wieder Abspielfehler ein, im

Überzahlspiel gelang dem Team kein

vernünftiger Angriff. Dass das Powerplay

noch nicht die Stärke in dieser

Saison ist, offenbarte sich in zahlreichen

Situationen. „Wir spielen offensiv

ganz gut und haben auch gute

Chancen. Wir müssen sie aber auch

nutzen“, sagte Louis-Marc Aubry

nach zwei Dritteln. Dieser Weckruf

kam an.

Nach nicht einmal vier Minuten

des zweiten Drittels wurde dieser

Wunsch dann gleich doppelt erfüllt.

Durch Sheppards durchaus haltbarenSchuss

(43.) und den Powerplay-

Treffer vonMaxim Lapierre(44.). Der

Wegzum dritten Heimsieg im dritten

Heimspiel war geebnet. Dieweiteren

Treffer vor 11321 Zuschauern

erzielten Louis-MarcAubry(4:1) und

Mark Olver(5:2). Daszwischenzeitliche

4:2 für die Gäste durch Stefan Loibl

war da längst vergessen.

DRECHSLER GRATULIERT

GETTY/HASSENSTEIN

Finnisch: Die heute 54 Jahre alte Thüringerin

war 1983 in Helsinki und 1993 in Stuttgart

die bisher einzigedeutsche Weltmeisterin in

der Sandgrube. Sie verfolgte das WM-Finale

in Helsinki, wo ihr finnischer Ehemann Arto

Bryggare lebt. „7,30 Meter ist so stark“,

sagte Drechsler.

diese Distanz.„Das ist alles noch surreal“,

sagte Klosterhalfen, die nach

ihrem Coup zugab, „nicht viel geschlafen“

zu haben.

Allerdings nicht wegen ihrer viel

diskutierten Mitgliedschaft im Nike

Oregon Project, deren Gründer Salazar

am vergangenen Dienstag vier

Jahre gesperrt worden war. „Ich

weiß, dass das keinen aus meiner

Gruppe betrifft“, sagte Klosterhalfen,

die wieder in die elitäre Laufgruppe

zurückkehren will.

Vetter konnte seinen Coup von

vor zwei Jahren zwar nicht wiederholen,

beendete aber eine schwierige

Saison versöhnlich. Der deutsche

Rekordhalter hatte mit vielen

Verletzungen zu kämpfen, besonders

der linke Fußmachte Probleme,

sogar der Abbruch der Saison stand

im Raum.

„Ich versuche in diesem schwierigen

Jahr, aus Scheiße Gold zu machen“,

hatte Vetter vorder Weltmeisterschaft

in einem Interview gesagt.

Es wurde Bronze. MitBlick auf Olympia

muss er sich nach der WM aber

operieren lassen.

Überraschend gescheitert

Anders als gedacht fehlten im Finale

zwei deutsche Hoffnungsträger. Der

Olympiasieger und Europameister

Thomas Röhler und der EM-Zweite

Andreas Hofmann scheiterten überraschend

in der Qualifikation. Julian

Weber (Mainz) kam mit 81,26 mauf

Platz sechs.

Achtbar zogen sich die verletzungsgeplagten

deutschen Sprinterinnen

aus der Affäre. Ohne die deutsche

Doppel-Meisterin Tatjana Pinto

(Knieverletzung) liefen Gina Lückenkemper,

Lisa-Marie Kwayie

(beide Berlin), Yasmin Kwadwo (Leverkusen)

und Jessica-Bianca Wessolly

(Mannheim) im Finale über

4x100 mauf Platz fünf.

Hürdensprinterin Cindy Roleder

(Halle/Saale) lief in ihrem Halbfinale

in 12,86 Sekunden auf Platz vier –das

reichte für die WM-Zweite von 2015

nicht für den Endlauf.

Die insgesamt guten Leistungen

in Doha konnten allerdings nicht

übertünchen, dass die WM alles andere

als Werbung für die Sportart

war. Die Hitze, kollabierende Athleten

und die leeren Tribünen dominierten

die Schlagzeilen vorallem zu

Beginn der WM mehr als die Ergebnisse.

„Ich glaube, dass man der

Leichtathletik keinen Gefallen getan

hat“, sagte Kaul im ZDF. (dpa)

Das böse Pauschenpferd

Deutschlands Turner zittern um Olympia-Teilnahme

Der Kampf der deutschen Kunstturner

bei den Weltmeisterschaften

in Stuttgart umdie Olympia-Tickets

für Tokio ist noch nicht

endgültig gewonnen und zur Hängepartie

geworden. Nach einem Auf

und Ab an den sechs Geräten nehmen

die WM-Gastgeber, die von

7500 Zuschauern unterstützt wurden,

nach dem ersten vonzweiQualifikationstagen

den fünften Platz

ein. Somit wird sich erst am Montag

entscheiden, ob die Auswahl von

Chefcoach Andreas Hirsch wie

schon die Frauenriege des Deutschen

Turner-Bundes bei den Sommerspielen

2020 in der japanischen

Hauptstadt an den Start gehen darf.

DasTeamfinale am Mittwoch (13.30

Uhr/SWR und ARD) dürfte schwer

zu erreichen sein.

„Es war eine Stimmung in der

Halle wie beim Fußball. Ich kann jedem

Zuschauer, der gekommen ist,

nur für die Unterstützung danken“,

sagte Teamkapitän Lukas Dauser, er

und seine Teamkollegen winkten

den Besuchern zum Abschied abgekämpft

zu.

DieWM-Gastgeber begannen am

Barren mit Licht und Schatten. Der

Berliner Philipp Herder konnte seinen

Abgang nicht stehen, dafür

turnte Dauser fast alle Übungsteile

auf den Punkt. Mit 15,033 Punkten

half der Unterhachinger nicht nur

seinen Team, sondern brachte sich

auch für das Gerätefinale am Sonntag

in Stellung.

Am Reck stabilisierte sich das

Team und kam nahezu fehlerfrei

durch. DerpositiveTrend setzte sich

am Boden fort. Erneut blieben größereFehler

aus,und der sonst so ruhige

Cheftrainer Hirsch wurde ungewohnt

emotional. Sein „sauber, sauber“

war trotz der lautstarken Begeisterung

des Publikums in der

Hanns-Martin-Schleyer-Halle gut zu

vernehmen. Am gefürchteten Pauschenpferd

allerdings musste das

Turn-Team Deutschland Federn lassen.

Herder musste das Gerät vorzeitig

verlassen, Dauser verließen wenige

Sekunde vor dem Ende seiner

Übung die Kräfte. Auch an den Ringen

ließ das DTB-Quintett mehrere

Zehntelpunkte liegen.

An die Spitze setzte sich erwartungsgemäß

das Quintett aus Russland

vor Taiwan und Brasilien. Die

mitfavorisierten Mannschaften aus

China, Japan und den USA gehen

erst am Montag an die Geräte. (sid)

NACHRICHTEN

Frauen gewinnen auch drittes

EM-Qualifikationsspiel

FUSSBALL. Diedeutsche Frauen-

Nationalmannschaft kommt mit

perfekter Bilanz der Qualifikation

zur EM 2021 in England immer näher.Das

Team vonBundestrainerin

Martina Voss-Tecklenburggewann

am Sonnabend in Aachen gegen die

Ukraine mit 8:0 (4:0). Bereits das

Hinspiel in der Ukraine hatten die

DFB-Frauen mit 8:0 gewonnen, zum

Auftakt gab es ein 10:0 gegen Montenegro.

Am Dienstag treffen die Fußballerinnen

in Thessaloniki auf Griechenland

(14.00 UhrMESZ/ZDF).

Sauerland kündigt

Kulttrainer Wegner

BOXEN. Kulttrainer Ulli Wegner hat

nach 23-jähriger Zugehörigkeit zum

Sauerland-Stall die Kündigung vom

Box-Unternehmen erhalten. „Zum

31. Dezember ist Schluss,hat man

mir mitgeteilt.Wenn man mich nicht

mehr will, bitte schön. Es ist so traurig“,

sagte Wegner.Zuerst hatten boxen1.de

und die Bildzeitung über die

Trennung berichtet. Wegner hatte in

seiner Äraunter anderen Sven Ottke,

Markus Beyer, Arthur Abraham und

MarcoHuck zu Weltmeisterngemacht.

„Wir können es uns einfach

nicht mehr leisten, für so wenige Boxer

so viel Geld für den Trainer auszugeben.

Wirhaben Ulli Wegner angeboten,

dass er seine Boxer weiter

trainieren kann und wir einen Zuschuss

geben“, sagte Promoter Wilfried

Sauerland.

Waldgeist gewinnt

Prix de l'Arc de Triomphe

GALOPPSPORT. DieAusnahmestute

Enable hat den historischen dritten

Sieg beim Prix de l'ArcdeTriomphe

knapp verpasst. DieFünfjährige

musste sich unter Jockey Frankie

Dettoriauf der Pariser Nobelrennbahn

Longchamp nur Waldgeist mit

Pierre-Charles Boudot im Sattel geschlagen

geben. Platz drei nach

2400 mbelegte Sottsass unter Cristian

Demuro. Dievon John Gosden

trainierte Enable hatte das prestigeträchtigste

Galopprennen der Welt

2017 und 2018 gewonnen und hätte

als erstes Pferdden Hattrick perfekt

machen können.

Volleys spielen in zwei

Tests zweimal Remis

VOLLEYBALL. MitzweiTestspielen

beim SVGLüneburghat sich der

deutsche Meister Berlin Volleys abschließend

auf die neue Bundesliga-

Saison vorbereitet. Beide Partien endeten

2:2, nachdem sich beide Seiten

vorabauf eine Spieldauer vonjeweils

vier Sätzen verständigt hatten.

Marquez vorzeitig

Weltmeister in der Moto-GP

MOTORSPORT. Marc Marquezist

Motorrad-Weltmeister in der Klasse

Moto-GP.Mit einem Sieg beim Thailand-Grand-Prixhat

sich der Spanier

vorzeitig seinen achten WM-Titel gesichert.

Beiden ausstehenden vier

Rennen kann Marqueznicht mehr

vonseinem Verfolger Andrea Dovizioso

aus Italien eingeholt werden.

Marc Marquez gibt einen Hinweis auf die

Anzahl seiner WM-Titel.

DPA/LALIT


18 * Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Sport

ZAHLEN

Fussball

2. Bundesliga, 9. Spieltag0

VfB Stuttgart−SVWehen 1:2

Darmstadt 98 −Karlsruher SC 1:1

Hamburger SV −Gr. Fürth 2:0

Dyn. Dresden−Hannover96 0:2

Sandhausen−Erzg.Aue 2:2

Nürnberg−FCSt. Pauli 1:1

Heidenheim −VfL Bochum 2:3

Kiel −Regensburg 1:2

VfL Osnabrück−Arm.Bielefeld Mo., 20.30

1 Hamburger SV 9 21: 7 20

2VfB Stuttgart 9 15: 9 20

3 Arm. Bielefeld 8 19: 11 15

4 Erzg.Aue 9 14: 13 15

5 FC St. Pauli 9 14: 12 13

6 Nürnberg 9 15: 14 13

7 Heidenheim 9 15: 13 12

8 Sandhausen 9 10: 10 12

9 Karlsruher SC 9 13: 15 12

10 Regensburg 9 17: 14 11

11 Hannover96 9 10: 14 11

12 Gr.Fürth 9 9: 14 11

13 VfL Osnabrück 8 10: 8 10

14 Dyn. Dresden 9 12: 18 9

15 VfL Bochum 9 16: 19 8

16 Kiel 9 10: 14 8

17 Darmstadt 98 9 9: 13 8

18 SV Wehen 9 13: 24 7

3. Liga, 11. Spieltag

KFC Uerdingen −Magdeburg 0:0

Kaiserslautern−FCCZJena 3:1

Großaspach −Ingolstadt 1:5

Unterhaching −Pr. Münster 2:2

Hallescher FC−FSV Zwickau 1:1

Viktoria Köln−SVWaldhof Mannheim 2:2

Hansa Rostock−SVMeppen 2:1

B. München II−Braunschweig 2:0

Chemnitzer FC −Duisburg 3:1

Würzb.Kickers−München Mo., 19.00

1 Unterhaching 11 19: 14 22

2 Hallescher FC 11 21: 10 21

3 Braunschweig 11 20: 14 20

4 Duisburg 11 24: 18 19

5 SV Waldhof Mannheim 11 20: 12 18

6 Ingolstadt 11 21: 14 18

7 Viktoria Köln 11 22: 19 18

8 B. München II 11 21: 20 17

9 Magdeburg 11 17: 10 16

10 Hansa Rostock 11 14: 13 16

11 FSV Zwickau 11 17: 15 15

12 SV Meppen 11 21: 16 14

13 München 10 14: 16 14

14 Kaiserslautern 11 18: 23 13

15 KFC Uerdingen 11 12: 17 13

16 Würzb.Kickers 10 17: 27 12

17 Großaspach 11 13: 25 11

18 Pr.Münster 11 16: 21 10

19 Chemnitzer FC 11 15: 21 9

20 FC CZ Jena 11 8: 25 1

RegionalligaNordost, 11. Spieltag

Halberstadt−Lichtenberg 47 1:1

Babelsberg−RWErfurt 1:1

Viktoria −Meuselwitz

abges.

Chemie Lei. −Lok Leipzig 2:0

Dynamo −Auerbach 2:0

Nordhausen−Cottbus 1:2

Berliner AK−Rathenow 1:1

Fürstenwalde −Altglienicke 1:2

Bischofswerda −Hertha II 2:7

1Hertha II 11 38: 15 25

2 Altglienicke 11 30: 13 25

3 Lok Leipzig 11 19: 13 22

4 Nordhausen 11 25: 16 20

5 Cottbus 11 30: 22 20

6 Fürstenwalde 11 17: 11 17

7 Viktoria 10 10: 6 15

8Dynamo 11 12: 18 15

9 Berliner AK 11 18: 18 13

10 Meuselwitz 10 16: 16 12

11 Chemie Lei. 11 12: 14 12

12 Lichtenberg 47 11 9: 11 12

13 Halberstadt 11 16: 19 11

14 RW Erfurt 11 12: 16 11

15 Auerbach 11 18: 26 11

16 Babelsberg 11 12: 19 8

17 Rathenow 11 8: 23 8

18 Bischofswerda 11 11: 37 5

DerRegionalliga-Meister Nordost spielt im Play-off gegen den Regionalliga-MeisterWest

um den

Aufstieg in die Dritte Liga.Die drei anderen Regionalliga-Meister steigendirektauf.

Oberliga, Nordost, 8. Spieltag

Tennis Borussia -Ludwigsfelder FC 9:0 (5:0)

MSV Pampow-Brandenburger SC Süd 3:2 (2:2)

FC Strausberg -Hansa Rostock II 0:6 (0:1)

Hertha 03 Zehlendorf -1.FCLok Stendal 0:0

CFC Hertha 06 -TorgelowerFCGreif 0:3 (0:2)

Berlin-Liga, 9. Spieltag

VfB Fortuna Biesdorf -TSV Rudow 1:5 (0:4)

SV Empor Berlin -SFC SternBerlin 0:2 (0:1)

FSV Spandauer Kickers -Frohnauer SC 1:2 (0:1)

Hilalspor Berlin -Berlin United 1:3 (1:3)

SD Croatia Berlin -TuS Makkabi 1:1 (0:0)

Sparta Lichtenberg -Türkiyems. Berl. 4:0 (1:0)

Dersimspor -Füchse Berlin

abgesagt

Berlin Türkspor 1965 -Berliner SC 0:0

FC Brandenburg 03 -Eintracht Mahlsdorf 2:7

Ante Covic hat derzeit viel Freude als Übungsleiter von Hertha BSC.

Aufschwung West

Derdritte Sieg in Serie hat die Stimmung rund um Hertha BSC und um den Trainer endgültig ins Positive gedreht

VonMichael Jahn

Wann Ante Covic in der

Nacht nach dem überzeugenden

3:1 gegen

Fortuna Düsseldorfins

Bett gefallen war und vielleicht endlich

Schlaf gefunden hatte, ist nicht

überliefert. Herthas Cheftrainer aber

gab gernzu, dass er sich das Spiel sofort

noch einmal angeschaut hatte.

„Ich hatte die Gier, einige Sachen zu

reanalysieren, gute und weniger gute

Momente rauszunehmen, um dann

am Dienstag vorder Mannschaft eine

Analyse zu betreiben“, sagte der 44-

Jährige am Tagnach dem verdienten

Erfolg im nasskalten Olympiastadion.

Nicht nur die nächtliche Arbeitswut

von Covic war bemerkenswert,

auch die Leistung seiner Mannschaft

zuvor.Der dritte Sieg in Serie–dieses

Malauch spielerisch überzeugend erzielt

–hat die Stimmung rund um

Hertha BSC und auch um den Trainer

endgültig ins Positive gedreht. Das

war durchaus ein längerer Prozess.

Eine ganz andereSerie –dreiNiederlagen

in Folge am zweiten, dritten

und vierten Spieltag –hatte die vor

Saisonbeginn als qualitativ sehr gut

eingeschätzte Mannschaft auf den

letzten Tabellenplatz katapultiert.

Dortwar Hertha zuvor zuletzt im Mai

2010 zu finden gewesen und unter

Trainer Friedhelm Funkel abgestiegen.

Zweifel an Ante Covic, dem Trainer-Neuling

in der Bundesliga, wurden

laut. Vorallem unter den Berliner

Fans,aber auch in der breiten Öffentlichkeit.

In Internetforen wurde heftig

diskutiert und schon nach Alternativenauf

dem Trainermarkt gefahndet.

GEGENBAUER VERTEIDIGT INVESTORENDEAL

Erklären: Herthas Präsident Werner Gegenbauer

kann die anhaltende Kritik an der Zusammenarbeit

mit Finanzinvestor Lars Windhorst

und dessen Unternehmen Tennor überhaupt

nicht nachvollziehen. Man dürfe „nicht

den Fehler machen, die Gremien vonHertha

für doof zu halten, die dem Einstieg vonTennor

alle einstimmig zugestimmt haben. Uns

nach den letzten 15 Jahren zu unterstellen,

wir seien in Finanzangelegenheiten nicht topfit,

ist ein Witz“, erklärte der 69 Jahre alte Gegenbauer

in einem Interviewmit dem Tagesspiegel

und ergänzte: „Ich sehe jedenfalls

überhaupt kein Risiko, was es gerechtfertigt

hätte, die Beteiligung vonTennor nicht einzugehen.“

Doch die Verantwortlichen bei

Hertha ließen keinerlei Zweifel an

dessen Befähigung als Trainer der

Profis zu. Covic: „Es ist unfassbar,wie

geschlossen und ruhig wir in der

Phase waren, in der es nicht so lief.

Wenn die Führungscrew, selbst die

Geschäftsstellenmitarbeiter eine gewisse

Ruhe ausstrahlen, ist dass das

größte Merkmal, um den Bock umzustoßen.“

Covic spürte natürlich damals

„die Unruhe von draußen, aber

vor allem das Vertrauen im Verein.

Dashat meine Arbeit erleichtert.“ Die

aktuellen Erfolge –das weiß auch Covic

–wurden gegen Kontrahenten aus

dem Tabellenkeller erzielt, was sie

aber nicht weniger wertvoll machen.

Eröffnen: Bisher hat Windhorst mit seiner

FirmaTennor Holding für 125 Millionen Euro

37,5 Prozent der Anteile an der Hertha BSC

KGaA erworben. Weitere 100 Millionen sollen

demnächst fließen. Dann würde Tennor 49,9

Prozent halten. Dem Klub werden so „ganz

neue Möglichkeiten eröffnet“, sagte Gegenbauer.Auch

Windhorst selbst verteidigte Gegenbauer.„Ich

sehe ihn deutlich positiver,als

er in der Öffentlichkeit dargestellt wird“,

sagte er:„Er ist bisher ein ausgesprochen

kundiger und verlässlicher Partner,der alle

Absprachen mit Hertha eingehalten hat.“

Windhorst legte in der Vergangenheit zwar

auch zwei Insolvenzen hin, kam danach aber

immer wieder auf die Beine.

Hatte Covic nach dem Sturz ans

Tabellenende, der nun eindrucksvoll

korrigiertworden ist, seine Arbeit verändert?

„Nein“, sagte der Trainer dieser

Zeitung,„ich bin meiner Linie treu

geblieben, habe die Ruhe bewahrt

und fest daran geglaubt, dass wir zum

Erfolg zurückkehren werden. Dafür

mussten wir hartarbeiten.“

Stabilität dank Skjelbred

Halbfertige Abschlüsse

Natürlich hat Covic an einigen Stellschrauben

gedreht. Mit dem Einbau

des wuchtigen belgischen Nationalspielers

DedryckBoyata in die Innenverteidigung

kam Stabilität in die Defensive.

Und seitdem der Norweger

Per Skjelbred wieder in die Startformation

rückte und im Mittelfeld

agiert, ist dortein Mann amWerk,der

für die Balance zwischen Abwehr und

Angriff sorgt und mit seiner Siegermentalität

ungemein wertvoll ist.

Skjelbred freute sich nach dem Duell

gegen Düsseldorf: „Wir merken alle,

dass wir eine gute Mannschaft sind.

Das Vertrauen in unsere Fähigkeiten

ist zurück.“ Auch die Maßnahme von

Covic, den formschwachen Ondrej

Duda, normalerweise einer der besten

Fußballer im Team, durch Vladimir

Darida zu ersetzen, hat sich ausgezahlt.

DerTscheche legte gegen die

Fortuna ein formidablen Auftritt hin.

Wichtig ist, dass sich die Mannschaft

nun von Duell zu Duell auch

spielerisch immer mehr steigern

konnte. Esist zu sehen, für welchen

Fußball Covic stehen will. DerTrainer

sagt: „In den letzten Wochen haben

wir genug gelitten, was spielerische

Elemente betrifft. Gegen Köln und

Düsseldorfhaben wir oft gute spielerische

Lösungen gefunden.“ Warder

erste Sieg am 5. Spieltag gegen Paderborn(2:1)

vorallem erkämpft und erzwungen,

überzeugte das Team beim

souveränen 4:0 in Köln und nun gegen

Düsseldorf, wo es auch einen

Rückstand sofort wegsteckte. „Jeder

hatte den Glauben, dieses Spiel zu

drehen“, freute sich der Trainer.

In der Länderspielpause können

alle bei Hertha erst einmal durchatmen.

Covic sagt, er glaubt, dass der

Aufschwung „jetzt nachhaltig ist“. In

der Pause werdeman zweimal amTag

trainieren und vor allem im athletischen

Bereich viel tun. „Wir werden

hart arbeiten“, sagt Covic. Es soll

schließlich weiter nach oben gehen.

Die Füchse Berlin wehren sich beim amtierenden deutschen Meister tapfer,unterliegen in Flensburg aber 23:27

VonCarolin Paul

Flensburg ist viel schöner als Berlin,

schallte es den Handballern

der Füchse Berlin von einem Großteil

der 6500 Zuschauer in der Flens-

Arena entgegen. Nun ja, über Geschmack

lässt sich ja bekanntlich

streiten. Fakt ist jedoch, dass die

Schleswig-Holsteiner am Sonntag

mehr zu feiern hatten als der Verein

aus der Hauptstadt. Am achten

Spieltag musste sich das Team von

Velimir Petkovic dem amtierenden

Meister mit 23:27 (9:12) geschlagen

geben.

Dabei hatte alles so gut angefangen.

Die Füchse stellten eine kompakte

Abwehr, dahinter glänzte ein

bestens aufgelegter Dejan Milosavljev.

Bereits nach drei Minuten parierte

der 23 Jahre alte Keeper einen

freien Ball vom Kreis und

den Nachwurf gleich hinterher.

Neun weitere Safes

sollten folgen. Problematisch

war allerdings, dass

Benjamin Buric imTor der

Flensburger ebenfalls bester

Laune war. Inder 13.

Minute nahm er Füchse-

Kapitän Hans Lindberg einen

Siebenmeter ab und

machte deutlich, dass er

seinem serbischen Konkurrenten in

nichts nachsteht.

Das führte sogar dazu, dass die

Partie zwischenzeitig ganze sechs

Minuten ohne Treffer auskommen

musste und nach einem Viertel der

Spielzeit beide Teams jeweils nur

fünf Tore vorweisen konnten.

Nach dem ausgeglichenen

Start legte Flensburg

dann doch allerdings

zu. Wenngleich Milosavljev

seine Mannschaft zunächst

im Spiel halten

DPA/HEIMKEN

konnte, lag der Vorteil zunehmend

bei den Hausherren.

Auch er ist machtlos:

Heinevetter Trotz eines dritten gehaltenen

Strafwurfs von

Milosavljev nach der Pause, gelang

es den Füchsen nicht, den Spielstand

noch einmal zu drehen. Im Gegenteil,

die Berliner Abwehr ließ

MATTHIAS KOCH

mehr zu und die Torhüter bekamen

nichts mehr zu fassen. Auch der eingewechselte

Silvio Heinevetter blieb

erfolglos. Was in der Defensive begann,

setzte sich im Angriff fort. Zu

viele Ungenauigkeiten im Positionsspiel

und halbfertige Abschlüsse

machten es den Flensburgernleicht,

den Vorsprung schrittweise durch

ihr gewohnt gefährliches Tempospiel

auszubauen.

Flensburg mag vielleicht nicht

schöner sein als Berlin, der am Sonntag

gezeigte Handball war es hingegen

schon. Und das zeigt sich jetzt

ebenso in der Bundesligatabelle, wo

die SG nun Platz zwei einnimmt,

während die Füchse auf Platz fünf

abrutschten.

Experiment

mit

Effenberg

Einstiger Weltklasseprofi soll

Drittligist Uerdingen retten

Stefan Effenberg scheint eine Vorliebe

für heikle Missionen zu haben.

Dreieinhalb Jahre nach seinem

unrühmlichen Ausals Coach des damaligen

Zweitligisten SC Paderborn

wagt der einstige Weltklasseprofi

beim aus der Spur geratenen Drittligisten

KFC Uerdingen um den umstrittenen

Investor Michail Ponomarew

das nächste Experiment. „Ich

werde das hier mit vollem Engagement

angehen“, kommentierte der

51-Jährige in der Bild am Sonntag

den Coup. AmSonnabend hatte er

sich der Mannschaft vorgestellt.

Auch beim zweiten Versuch, nach

seiner ruhmreichen Profikarriere

mit einem Champions-League-Sieg

(2001), drei Meisterschaften (1999,

2000, 2001) und zwei Pokalsiegen

(1995, 2000) in seinem Sport wieder

Fuß zufassen, ist Effenberg mächtig

gefordert. Vom dem einstigen Bayern-

und Gladbach-Profi mit der

Fußballlehrer-Lizenz, der am Mittwoch

offiziell vorgestellt werden soll,

erhoffen sich die Uerdinger Unterstützung

„in den sportlichen Entscheidungsprozessen“.

Nach den

Aufstiegen 2017 und 2018 und aktuell

nur drei Siegen aus elf Partien liegt

die Abstiegszone für den eigentlich

als Aufstiegsaspiranten gehandelten

Klub nur bedrohliche zwei Punkte

entfernt.

Sechs Trainer in drei Jahren

Dabei stehen mit 2014-Weltmeister

Kevin Großkreutz, dem früheren

Bayern-Profi Jan Kirchhoff sowie

dem ehemaligen Bremer Abwehrspieler

Assani Lukimya namhafte

Profis im Kader des Klubs, der 1985

noch als Bayer 05 Uerdingen den

DFB-Pokal gewann.

Eine der ersten Aufgaben Effenbergs:

einen neuen Trainer verpflichten.

Es wird inder knapp dreijährigen

Ponomarew-Ära bereits der

sechste Chefcoach sein. „Wenn es

nötig ist und uns an unser Ziel

bringt, hole ich 18 Trainer“, hatte Ponomarew

erst im April gesagt, als

Heiko Vogel vorgestellt wurde. Vor

rund zweiWochen mussteVogel aber

Ziehen ab sofortaneinem Trikot: Manager

Weinhartund Effenberg. IMAGO IMAGES

schon wieder gehen. Sein Vorgänger

Norbert Meier flog bereits nach sieben

Partien aus dem Amt. Zuletzt

fungierte Stefan Reisinger als Interimscoach,

dem Co-Trainer fehlt

aber die nötige Lizenz.

Unmittelbar vor der Meier-Verpflichtung

im Februar war Effenberg

sogar als KFC-Trainer im Gespräch.

Doch es kam zu keiner Einigung mit

dem Champions-League-Sieger von

2001. Nach seiner erfolgreichen

Spielerkarriere war Effenberg bislang

nur in der Saison 2015/2016 als

Coach des damaligen Zweitligisten

SC Paderbornfür rund sechs Monate

im Profifußball aktiv, scheiterte aber

letztlich krachend.

Dienegativen Schlagzeilen konnten

Ponomarew nicht schrecken.

„Stefan Effenberg hat in seiner Karriere

soziemlich alles erlebt und erreicht.

Wir erhoffen uns, dass er mit

all seiner Erfahrung und seinem

Fachwissen dabei helfen kann, die

nächsten Schritte auf dem Wegnach

vornezumachen“, sagte der KFC-Investor.

(dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 19 *

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Sport

1. FC Köln

BUNDESLIGA

Borussia Dortmund

Comeback

des Grundsoliden

Das Jahr 2018 war kein

gutes für den Fußballprofi

Jonas Hector. Erst stieg

er mit dem 1. FC Köln aus der

Bundesliga ab, dann war er

einer der Unglücksraben, die

in Kasan beim 0:2 gegen Südkorea

auf dem

Platz standen.

Doch während die

anderen Unglücksraben

minus Mesut

Özil und Sami

Khedira alsbald

wiederkommen

durften, blieb der

nunmehrige

Zweitligist, der seinem

FC wie immer

die Treue hielt, erstmal draußen

vor. Klostermann, Halstenberg,

Schulz hießen die

Alternativen auf seiner Position,

alles deutete auf einen

unspektakulären Ausklang

der internationalen Karriere

des 29-Jährigen hin, der trotz

seiner 42 Einsätze ohnehin

nie als die ideale Lösung des

linken Außenbahnspielerproblems

galt, sondern eher

als die grundsolide.Wobei als

ideale Variante ohnehin nur

ein auf ewig 25-jähriger Philipp

Lahm in Frage kommt.

Rettet Köln: Hector

IMAGO IMAGES/WUNDERL

Im Gegensatz zu einigen

anderen Kasaner WM-Spielverderbern

überstand Hector

jedoch das winterliche

Großreinemachen des Bundestrainers,

niemand reiste

nach Köln, um ihn demonstrativ

für immer

auszuladen, Lohn

der Graumäusigkeit

sozusagen.

Hector gehört

nach wie vor zum

erweiterten Kader

von Joachim Löw

und spielt auch

wieder erstklassig.

Das fiel einer breiteren

Öffentlichkeit

am Sonnabend auf, als er

beim 1:1 in Gelsenkirchen

zunächst den Kopfball nach

Eckstoß unter Zuhilfenahme

des eigenen Torpfostens ausprobierte

und dann kurz vor

Schluss mit fast identischer

Aktion den Ball im Schalker

Torversenkte. Das Jahr des

Unglücksraben ist Vergangenheit,

zumindest für Hector.

Wenngleich er Löw für

die anstehenden Länderspiele

aufgrund neuromuskulärer

Probleme eine Absage

erteilen musste. (mali.)

Verein Sp S U N Tore Punkte

1 M'gladbach 7 5 1 1 15: 6 16

2 VfL Wolfsburg 7 4 3 0 10: 4 15

3 München 7 4 2 1 20: 8 14

4 SC Freiburg 7 4 2 1 15: 7 14

4 RB Leipzig 7 4 2 1 15: 7 14

6 FC Schalke04 7 4 2 1 14: 7 14

7 Leverkusen 7 4 2 1 12: 8 14

8 Bor.Dortmund 7 3 3 1 19: 11 12

9 Eintracht Frankfurt 7 3 2 2 11: 10 11

10 Hertha BSC 7 3 1 3 12: 12 10

11 Werder Bremen 7 2 2 3 12: 16 8

12 Hoffenheim 7 2 2 3 6: 11 8

13 Mainz 05 7 2 0 5 7: 17 6

14 FC Augsburg 7 1 2 4 8: 19 5

15 Düsseldorf 7 1 1 5 9: 14 4

16 Union Berlin 7 1 1 5 6: 13 4

17 1. FC Köln 7 1 1 5 5: 16 4

18 SC Paderborn 7 0 1 6 9: 19 1

8. Spieltag,18.10. bis 20.10.:

Frankfurt-Leverkusen Fr., 20.30

Leipzig -Wolfsburg Sa., 15.30

Bremen -Hertha BSC Sa., 15.30

Düsseldorf -FSV Mainz Sa., 15.30

Augsburg -BayernMünchen Sa., 15.30

1. FC Union -Freiburg Sa., 15.30

Dortmund -M’gladbach Sa., 18.30

Köln -Paderborn So., 15.30

Hoffenheim -Schalke So., 18.00

Torjäger:

11 Tore: Lewandowski (Bayern München)

5Tore: Alcácer (Borussia Dortmund),

Werner (RB Leipzig)

4Tore: Harit (FC Schalke), Hennings

(Düsseldorf), Reus (Dortmund), Volland

(Leverkusen), Waldschmidt (Freiburg),

Pléa (Gladbach), Weghorst (Wolfsburg)

Die vornehmste Aufgabe

eines Verteidigers ist es,

zur richtigen Zeit am richtigen

Ort zu sein. Genauso

wichtig kann es aber auch

sein, sich nicht zur falschen

Zeit am falschen Ort aufzuhalten.

Das weiß momentan

niemand besser als Borussia

Dortmund. So schön könnte

man an der Tabellenspitze

thronen, wenn es nicht zur

lieben Gewohnheit geworden

wäre, den Ball kurz vor

Schluss ins eigene Tor zu

bugsieren und eigentlich 2:1

gewonnene Partien noch in

ein 2:2 zu verwandeln. So wie

Thomas Delaney, der den

Sieg in Frankfurt mit einem

späten Querschläger verhinderte,

oder Manuel Akanji,

der am Sonnabend die von

VincenzoGrifo ziemlich hilflos

vors Torgespielte Kugel

per Schienbein zum Freiburger

Ausgleich über die Linie

prallen ließ.

Dabei sollte der Schweizer

doch gelernt haben, die

Füße still zu halten, wenn der

Gegner schießt. Nur zugut

hat die eidgenössische Fangemeinde

das WM-Achtelfinale

in Erinnerung, wo der

Dortmunder in St. Petersburg

einen harmlosen

Zappeliger

Eidgenosse

Und kann es nicht fassen: Dortmunds

Akanji (l.)

AFP/KIENZLE

Schuss von Emil Forsberg

unhaltbar abfälschte und die

ambitionierte Schweiz mit

0:1 gegen Schweden ausschied.

Kann natürlich trotzdem

mal passieren, und

Akanjis Hauptproblem gegen

Freiburg war auch eher

Aufgabe eins. Zupassiv bei

Freiburgs erstem Treffer

durch Luca Waldschmidt, zu

schwerfällig bei der Flanke

vor Grifos Billardeinlage.

„Momentan sind wir einfach

zu schlampig“, schimpfte

Dortmunds Offensivmann

Julian Brandt in Freiburg,

und fast schien es, als würde

sein Blick dabei Richtung

Schweiz schweifen. (mali.)

Was die Augsburger Abwehr

beim 1:5 in Mönchengladbach

defensiv offenbarte,

war mitunter

schon mitleiderregend. Regelrecht

schwindelig gespielt,

weisen die Schwaben

mit 19 Gegentoren nun gemeinsam

mit dem SC Paderborndie

schwächste Abwehr

der Liga auf.

In Erinnerung dürfte aber

vor allem bleiben, wie Torwart

Tomas Koubek mit seiner

Slapstick-Einlage vor

dem 0:4 diesen bedenklichen

Auftritt krönte.Nach einem

Rückpass von Felix

FC Augsburg

Ausdruck des

Schwindels

Armer Torwarttropf: Augsburgs Koubek

Uduokhai wollte er den Ball

aus der Gefahrenzone schlagen,

was mächtig misslang.

Der sechsfache Nationalspieler

seines Landes drosch

über den Ball, anschließend

rutschte das Spielgerät durch

seine Beine. Beim anschließenden

Versuch, den späteren

Torschützen Alassane

Plea zu blocken, rutschte

Koubek dann auch noch sehenswertaus.

Dass Koubek trotz dieses

Patzers dennoch zu den besseren

Augsburgern an diesem

Tagzählte,sollte zu denken

geben. (pae.)

GETTY/MOUHTAROPOULOS

Stillleben mit Hinteregger

So vieles lässt sich im Fußball wirklich nur

schwer erklären. So auch dieses Foto, das den

Frankfurter Profi Martin Hinteregger und den

Bremer Leonardo Bittencourt im Zweikampf

zeigt. Oder ist das gar kein Zweikampf? Nungut,

auf jeden Fall trennten sich am Sonntagabend

Hinteregger und Bittencourt und damit auch

GETYY IMAGES/KASPAR-BARTKE

ihre Teams 2:2. Was keinen so richtig weiter

bringt. Die Bremer gingen in der 27. Minute

durch Davy Klaassen in Führung, den Ausgleich

erzielte Sebastian Rode (55.). Diespäte Führung

durch André Silva inder 88. Minute reichte für

Frankfurt nicht zum Sieg, Milot Rashica glich in

der Nachspielzeit per Foulelfmeter noch aus.

Bei der einen oder anderen

Erfolgsgeschichte,

die im Fußball geschrieben

wird, ist man sich letztlich

doch nicht sicher, obsie wegen

oder trotz des verantwortlichen

Übungsleiters

zustande gekommen ist.Weil

man den einen oder anderen

„Erfolgstrainer“ aber nicht

im Nachhinein noch mit einer

derartigen Gemeinheit

konfrontieren möchte, sollen

die Namen einiger Verdächtiger

nicht genannt werden.

Kann sich ja jeder für

sich denken, in welchem Fall

mehr Schein als Qualität an

der Seitenlinie zu finden war.

Problematisch wird die

Sache allerdings, wenn der

Trainer eines Klubs aus welchen

Gründen auch immer

für ein Spiel außen vor ist,

und die zuvor ziemlich

glücklose Mannschaft dieses

eine Spiel gleich mal gewinnt.

Wenn also zu beobachten

ist, dass ein Fußballteam

am Spieltag ganz

gut ohne ihren Trainer auskommt.

FSV Mainz

Scherz und

Wahrheit

Sicher, der Fußballlehrer

Sandro Schwarz hat die

Mainzer auf die Partie in Paderborndie

ganzeTrainingswoche

bestimmt ganz toll

vorbereitet, hat seinen Profis

bestimmt in der abschließenden

Teambesprechung

ganz viele tolle Tipps mit auf

dem Weg gegeben. Aber als

die Mainzer am Sonnabend

in Paderborn2:1 siegten, war

Schwarz wegen einer Gelb-

Rot-Sperreaußen vor, saß im

Mannschaftsbus, um den

Auftritt seiner Elf imFernsehen

zu verfolgen.

So geht das Wort an Daniel

Brosinski, an den Teamkapitän,

der per Elfmeter das

entscheidende 2:1 erzielte:

„Wir sollten schauen, dass

Sandro immer im Bus bleibt

und Jan-Moritz (Assistenztrainer

Lichte, d.R.) an der

Seitenlinie“, sagte er – im

Scherz, versteht sich. Aber

wie heißt es in einem spanischen

Sprichwort doch so

schön: „Der Scherz, der die

Wahrheit ausspricht, verletzt

am meisten.“ (lot.)

SIEBTER SPIELTAG

1:2 (0:0)

BAYERN–HOFFENHEIM

1:1 (0:0)

LEVERKUSEN–LEIPZIG

3:1 (2:1)

HERTHA–DÜSSELDORF

2:2 (0:1)

BREMEN–FRANKFURT

2:2 (0:1)

FREIBURG–DORTMUND

1:1 (0:0)

SCHALKE–KÖLN

1:2 (1:2)

PADERBORN–MAINZ

5:1 (4:0)

M’GLADBACH–AUGSBURG

1:0 (0:0)

WOLFSBURG–UNION

Bayern München: Neuer -Kimmich,

Süle, Boateng,Pavard -

Thiago, Tolisso (60. Perisic) -

Coman (60. Müller), Philippe

Coutinho, Gnabry-Lewandowski

1899 Hoffenheim: Baumann -

Posch, Akpoguma, B. Hübner,

Skov -Grillitsch (67. Nordtveit) -

Kaderabek (62. Stafylidis),

Rudy, Geiger,Bebou -Adamjan

(81. Bicakcic)

Schiedsrichter:Tobias Stieler

Zuschauer:75000

Tore: 0:1 Adamjan (54.), 1:1 Lewandowski

(73.), 1:2 Adamjan

(79.)

Gelbe Karten: Thiago(2), Perisic

(1) /-

BayerLeverkusen: Hradecky -

Tah, S. Bender,Sinkgraven(46.

Wendell) -Ch. Aranguiz (89. Demirbay),

Baumgartlinger -Weiser,Havertz,

Amiri, Bellarabi

(76. Diaby) -K.Volland

RB Leipzig: Gulacsi -Klostermann,

Upamecano, Orban, Halstenberg

-Demme, Laimer -Sabitzer

(63. Schick), Forsberg -

Matheus Cunha (70. Poulsen),

Werner (59. Nkunku)

Schiedsrichter:Marco Fritz

Zuschauer:26335

Tore: 1:0 K. Volland (66.), 1:1

Nkunku (78.)

Gelbe Karten: Sinkgraven(1),

Weiser (1) /Demme (2), Poulsen

(2)

Hertha BSC: Jarstein -Klünter,

Stark, Boyata, Mittelstädt -

Skjelbred, Grujic -Wolf (79. Leckie),

Darida, Dilrosun (60. Lukebakio)

-Ibisevic (71. Selke)

Fortuna Düsseldorf: Steffen -

Mat. Zimmermann, Ayhan,

Adams Nuhu, Gießelmann -Baker(71.

Morales), Bodzek -Tekpetey,

O. Fink (77. Karaman),

Ampomah (64. Thommy) -Hennings

SR: Petersen -ZS: 37 128

Tore: 0:1 Hennings (32./FE),

1:1 Ibisevic (37.), 2:1 Dilrosun

(44.), 3:1 Darida (62.)

GK: Boyata (1), Skjelbred (2),

Grujic (2) /Bodzek (3), Morales

(2), Tekpetey(1)

Eintracht Frankfurt: Rönnow-

Touré, Hasebe, Hinteregger -da

Costa, Sow, Rode, Kostic -Kamada

(84. Gacinovic) -Paciencia,

A. Silva

Werder Bremen: Pavlenka -Gebre

Selassie, Veljkovic, Groß,

Friedl -N.Sahin -M.Eggestein,

Klaassen (90.+3 Lang) -Bittencourt(84.

Bargfrede) -Sargent

(72. Goller), Rashica

Schiedsrichter:Winkmann

Zuschauer:51500

Tore: 0:1 Klaassen (27.), 1:1

Rode (55.), 2:1 A. Silva(88.),

2:2 Rashica (90.+1/Foulelfmeter)

Gelbe Karten: Hinteregger (2),

Hasebe (1) /Rashica (1)

SC Freiburg: Schwolow-Kübler

(84. Grifo), R. Koch, Heintz -

Schmid, Abrashi (75. Petersen),

Höfler,Günter -Haberer,Höler

(68. Sallai) -L.Waldschmidt

Borussia Dortmund: Bürki -

Piszczek (14. Brandt (87.

Schmelzer)), Akanji, Hummels,

Guerreiro -Witsel, Delaney-T.

Hazard (63. Sancho), Reus, Hakimi

-M.Götze

Schiedsrichter:Jablonski

Zuschauer:24000

Tore: 0:1 Witsel (20.), 1:1 L.

Waldschmidt (55.), 1:2 Hakimi

(67.), 2:2 Akanji (90./Eigentor)

Gelbe Karten: -/Hummels (2),

Delaney(1), Hakimi (2)

FC Schalke04: Nübel -Kenny,

Stambouli, Salif Sané, Oczipka -

Mascarell, Serdar -D.Caligiuri

(61. Kutucu), Harit -Uth (46.

McKennie) -Burgstaller

1. FC Köln: T. Horn-Ehizibue

(80. Risse), Bornauw,Czichos,

Katterbach -Skhiri, Hector -K.

Schindler,Schaub (78. Modeste),

F. Kainz -Terodde (70.

Cordoba)

Schiedsrichter:Welz

Zuschauer:61883

Tore: 1:0 Serdar (72.), 1:1 Hector

(90.+1)

Gelbe Karten: Kenny(2), Serdar

(1), Salif Sané (1), Oczipka (1)

/Katterbach (1), Ehizibue (2),

Terodde (2), Modeste (1)

SC Paderborn07: Zingerle -

Dräger,Kilian, Schonlau, Collins

-Vasiliadis, Gjasula (64. Ritter)

-Pröger,Oliveira Souza (84.

Antwi-Adjej) -Zolinski, S. Michel

(64. Shelton)

FSV Mainz: Zentner -R.Baku,

St. Juste, Niakhaté, Brosinski -

Fernandes, Kunde Malong -

Boetius (90.+3 Barreiro Martins),

Öztunali -Onisiwo(85.

Szalai), Quaison (77. Burkardt)

SR: Ittrich -ZS: 14 217

Tore: 0:1 Quaison (8.), 1:1 Zolinski

(14.), 1:2 Brosinski

(32./FE)

GK: Ritter (2) /Niakhaté (4), R.

Baku (1), Öztunali (1), Fernandes

(2)

Mönchengladbach: Sommer -

Lainer (60. Elvedi), Ginter (81.

Wendt), Jantschke, Bensebaini -

C. Kramer,Zakaria -P.Herrmann,

Bénes, Thuram -Pléa

(54. Embolo)

FC Augsburg: Koubek -Lichtsteiner

(46. Framberger), Jedvaj,

Uduokhai, Max -Hahn, Moravek,

R. Khedira (46. Oxford),

Vargas -Gregoritsch (76. Jensen),

Niederlechner

SR: Schröder -ZS: 50352

Tore: 1:0 Zakaria (2.), 2:0 P.

Herrmann (8.), 3:0 P. Herrmann

(13.), 4:0 Pléa (39.), 4:1 Niederlechner

(81.), 5:1 Embolo

(83.) -GK: P. Herrmann (1) /R.

Khedira (2), Framberger (1)

VfL Wolfsburg: Pervan -Knoche,

Bruma, Tisserand -William, Arnold,

Guilavogui, Steffen (90.+2

Gerhardt) -Victor (83. Klaus),

Mehmedi (66. Brekalo) -Weghorst

1. FC Union Berlin: Gikiewicz -

M. Friedrich, Subotic (86.

Mees), K. Schlotterbeck -Trimmel,

Gentner (77. Ujah), Andrich,

C. Lenz -Becker (72. Ingvartsen),

Bülter -Andersson

SR: Dankert(Rostock)

Zuschauer:27012

Tor: 1:0 Weghorst (69.)

GK: Guilavogui (1), Bruma (1) /

Andrich (2), M. Friedrich (1)


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 – S eite 20 *

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Sport

Trauerarbeit in Rot: die Profis des 1. FC Union nach der vierten Niederlage in Serie.

MATTHIAS KOCH

Elf ohne Punch

Dem 1. FC Union mangelt es beim 0:1 in Wolfsburg in der Offensive an Konsequenz, um sich für eine ansprechende Leistung zu belohnen

VonMathias Bunkus, Wolfsburg

Ein unabdingbarer Faktor

bei dem Versuch, als Bundesligaaufsteiger

nach einer

paar empfindlichen

Niederlagen eine Trendwende herbeizuführen,

ist ein Torwart inherausragender

Form. Ein Schlussmann,

der frühe Gegentore verhindert,

da so ein frühes Gegentor bei

einem Bundesligaaufsteiger doch

schnell mal arge Zweifel an der eigenen

Konkurrenzfähigkeit hervorruft.

Gestern Nachmittag hatte der 1.

FC Union in Gestalt von Rafal Gikiewicz

so einen formstarken Könner

zwischen den Pfosten. In der siebten

Spielminute war der Pole beispielsweise

mit einer famosen Fußabwehr

zur Stelle, als Wolfsburgs WuchtbrummeWoutWeghorst

plötzlich frei

vor ihm auftauchte und ihn mit einem

gar nicht so unplatzierten Torschuss

herausforderte. Und tatsächlich

legten die Eisernen im Anschluss

an diese Großtat einen guten Auftritt

hin, waren auf Augenhöhe,erspielten

sich Torchancen, doch am Ende

reichte es für die Elf von UrsFischer

beim Gastspiel am Mittellandkanal

erneut nicht zu einem Punktgewinn,

geschweige denn zu einem Sieg. Ja,

das 0:1 war für Union die vierte Niederlage

in Serie, lässt die Eisernen in

der Tabelle auf Platz 16 stürzen. Und

doch ist nach dieser ansprechenden

Leistung der Begriff „Krise“ nicht angebracht.

„Die Mannschaft hat es toll

gemacht, aber am Schluss fehlt das

Resultat. Unnötig. Unddumusst halt

auch mal einen reinhauen. Da fehlt

die letzte Konsequenz. Wirlassen uns

aber nicht unterkriegen und werden

das nächste Spiel entsprechend vorbereiten“,

sagte Fischer.

Der Schweizer hatte seine Mannschaft

in der taktischen Anordnung

eines 3-4-3-Systems aufs Feld geschickt.

Wobei Christopher Lenz und

Christopher Trimmel offensichtlich

den Auftrag erhalten hatten, in der

Rückwärtsbewegung möglichst

schnell die Dreierkette Schlotterbeck-Subotic-Friedrich

in eine Fünferkette

zu verwandeln. Das sah zunächst

alles ein wenig konfus und ein

wenig nach Orientierungslauf aus,

siehe die bereits erwähnte Chance

vonWeghorst, siehe weitereMöglichkeiten

für den VfL-Stürmer in der 19.

und 22. Minute,doch allmählich stabilisierte

sich das Spiel der Unioner.

Und nicht nur das: Trotz einer eher

unterdurchschnittlichen Passquote

(53 Prozent) erarbeiteten sich die Köpenicker

ein Gleichgewicht und

durch gelungene Aktionen auch ein

viel besseres Gefühl.

„Wir lassen uns aber nicht unterkriegen

und werden das nächste Spiel

entsprechend vorbereiten.“

Union-Coach Urs Fischer hadert mit dem Ergebnis, aber nicht mit der

Leistung seines Teams.

Robert Andrich, der noch mal einenTick

aktiver war als zuletzt, passte

perfekt in den Lauf von Sheraldo Becker,

der allerdings aus spitzem Winkel

viel zu überhastet abschloss (15.).

Marius Bülter setzte sich im Wolfsburger

Strafraum gekonnt in Szene,

offenbarte dann aber seine Eindimensionalität

in Sachen Torschuss.

Sein Schuss mit rechts war nämlich

nur ein Schüsschen und kein Problem

für Wolfsburgs Keeper PavaoParvan(25.).

Undbei einer Ecke in der 35.

Minute fehlten Neven Subotic nur

Zentimeter,umdas 1:0 für sein Team

zu erzielen.

Es gab für die mitgereisten Union-

Fans also allerlei gute Gründe,umauf

ein glückliches Ende hoffen zu dürfen.

Auch der Videoreferee in Köln

schien es ja gut mit dem Aufsteiger zu

meinen. Denn nachdem Marvin

Friedrich im Ringkampf mitWeghorst

in Spielminute 54 einen unerlaubten

Klammergriff zum Einsatz gebracht

und Hauptschiedsrichter Bastian

Dankert bereits auf Strafstoß entschieden

hatte, meldete sich der Videoreferee

mit dem Einwand, dass

der BallWeghorst zuvor an den Ellbogen

gegangen war.

Was an diesem Nachmittag den

Unterschied zwischen dem Werksklub

und dem Selfmadeklub aus dem

Osten unserer Haupststadt ausmachte?

Tja, wohl letztlich die Klasse,

die im zweiten Spielabschnitt da wie

dortvon der Bank ins Spiel kam. Was

nicht als böses Urteil gegen die Einwechselspieler

des 1. FC Union, also

Marcus Ingvartsen (72. für Becker)

und Anthony Ujah (77. für Christian

Gentner), betrachtet werden darf.

Nein, mit Brekalo hatte Wolfsburgs

Trainer Oliver Glasner aber eben einen

Offensivmann in der Hinterhand,

der mit seinen Tempoläufen

und forschen Dribblings das Unberechenbareverkörpert.

Der kroatische Nationalspieler

steckte in der 69. Minute nach einem

kurzen Dribbling gekonnt zu Weghorst

durch, der im Rücken der

Union-Abwehr dieses Mal Gikiewicz

keine Chance zur Abwehr ließ. Die

Entscheidung war das, weil Andrich

in der Schlussminute mit seinem

wuchtigen Schuss das Wolfsburger

Torknapp verpasste.

Mit Kater auf die Wiesn

Mit dem 1:2 gegen Hoffenheim beschließt der FC Bayern eine verblüffende Woche, die stellvertretend steht für die fehlende Konstanz der wankelmütigen Münchner

VonMaik Rosner,München

Lachende Gesichter gab es durchaus

am Sonntag beim Mannschaftsbesuch

des FC Bayern auf

dem Oktoberfest. Und zumindest

Hasan Salihamidzic hatte sogar

schon direkt nach dem 1:2 (0:0) gegen

Hoffenheim einen Scherz über

die Lippen gebracht, wenn auch einen

voller Sarkasmus.„Das sind wir

ja schon gewohnt“, erinnerte der

Sportdirektor süßsauer an die Vorjahre,

in denen sich die Münchner

sogar einige Misserfolge während

der Wiesn erlaubt hatten und den

Kater wie auch jetzt schon zum Zuprosten

mitbrachten. Abgesehen

von seinen Äußerungen ging es am

Sonnabendabend in der Interviewzone

sehr ruhig zu, jedenfalls auf der

Seite der Bayern. Ein Spieler nach

dem anderen trat aus dem Kabinengang,

schüttelte mit dem Kopf oder

winkte ab und ließ die Medienvertreter

mit ihren Fragen zurück, mit Ausnahme

des stets höflichen Philippe

Coutinho.

Ein Prosit auf den Pflichttermin: Salihamidzic, Kovac und Rummenigge.

Es war das unerwartete Ende einer

ohnehin verblüffenden Woche,

die nach dem wackeligen 3:2 bei Aufsteiger

Paderborn den rauschhaften

7:2-Sieg in der Champions League

beim Vorjahresfinalisten Tottenham

Hotspur am Dienstag bereitgehalten

hatte. Nun gingen die Münchner

schon vor ihrem gemeinsamen

Wiesnbesuch mit Kopfschmerzen in

die Länderspielpause. „Sehr ärgerlich

für uns“, sagte Salihamidzic, behielt

aber eine grundsätzlich selbstgewisse

Tonalität bei. „Wir haben die

Bundesliga noch mal spannend gemacht“,

sagte er und gab en passant

bekannt, dass man neben dem Österreicher

David Alaba (Haarriss in

einer Rippe) auch den Franzosen Lucas

Hernández (Kniereizung) trotz

dessen Nominierung nicht für das

Nationalteam abstellen werde.

Fest eingeplant gewesen war ein

weiterer Sieg gegen die zuvor sehr

mäßig in die Saison gekommenen

Hoffenheimer. Der vierte Sieg während

des Oktoberfestes hätte es sein

sollen und damit eine weiße Wiesnstufte

und Trainer Niko Kovac wegen

des Mangels an Entschlossenheit als

„nicht unverdient“.

Dergefrustete Müller

AFP/MATZKE

Schon in der ersten Halbzeit, mit

derselben Formation wie in der

zweiten in Tottenham, hatte sich der

Eindruck eingestellt, dass die denkwürdigen

Ereignisse in London nicht

in den Ligaalltag überführt werden

Weste, was zuletzt 2015 unter dem

spanischen Fußballlehrer Pep Guardiola

gelungen war, mit dem sogar

fünf Siege während des Volksfestes

angehäuft worden waren. Stattdessen

setzte es die erste Niederlage dieser

Bundesligasaison, die erste

Heimniederlage seit einem Jahr und

die erste gegen die TSG überhaupt.

Es war sogar eine, die Kapitän Manuel

Neuer als „Warnhinweis“ einkönnen.

Schleppend trugen die Bayern

ihre Angriffe vor, nachdem sie

durch Sargis Adamyan beinahe früh

in Rückstand geraten wären. Da

konnte Jérôme Boateng noch dazwischenfunken,

später aber nutzte

Adamyan bei seinem Startelfdebüt

die Chancen zum 0:1 (54.) und 1:2

(79.) und tunnelte Boateng dabei jeweils.Anzulasten

waren dem Innenverteidiger

die Gegentreffer aber nur

bedingt. Sondern vor allem seinen

Vorderleuten, die sie mit ihren Ballverlusten

heraufbeschworen hatten,

zunächst Corentin Tolisso,später der

eingewechselte Ivan Perisic.„Das ist

das, was du in der Bundesliga oder

international nicht machen darfst“,

tadelte Kovac und zog ein betrübliches

Zwischenfazit, das im krassen

Kontrast zur Feststimmung nach

demTriumph inTottenham stand. Er

sagte: „Wir sind anscheinend noch

nicht so weit, das gute Spiel alle vier

Tage zu bringen.“

Es fügte sich in die übergeordneten

Eindrücke,dass den Bayern Konstanz

und Kontrolle abgehen, sowohl

über mehrereSpiele hinweg als

auch in den einzelnen Spielen. Immerhin

Robert Lewandowski hatte

jene Beständigkeit gezeigt, die die

anderen wankelmütigen Bayern

nicht nachweisen konnten. Das 1:1

(74.) war sein 15. Tor im elften

Pflichtspiel der Saison, nach einer

perfekten Flanke aus dem Halbfeld

des gefrusteten Einwechselspielers

Thomas Müller, der zudem die wenig

aufbauende Ansage („Wenn Not

am Mann sein sollte, wird ermit Sicherheit

auch seine Minuten bekommen“)

von Kovac vor dem Spiel

bei Skyverdauen muss.

Die lange Mängelliste unterfütterte

Salihamidzic schließlich mit einem

dezenten Hinweis zu Einstellungsfragen:

„Man sieht, dass man

auch in der Bundesliga 100, 110 Prozent

bringen muss und nicht nur in

der Champions League.“ Oder wie es

Kovac bedauernd formulierte: „Der

letzte Eindruck ist immer der, der

bleibt.“ Damit stießen sie nun an auf

der Wiesn, als Blamierte kurz nach

dem 7:2 in Tottenham.


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Steffen Kopetzkys

Roman über eine

vergessene Schlacht.

Seite 23

„Es besteht Anlass zur Selbstkritik.“

Der Historiker August Heinrich Winkler über die deutsche Rolle in der internationalen Politik Seite 22

Debatten

An die

Nachgeborenen

Harry Nutt

liest aus aktuellem Anlass

zwei Gedichte vonBrecht

Was sind das für Zeiten, fragte

Bertolt Brecht in seinem Gedicht

„An die Nachgeborenen“, wo

„Ein Gespräch über Bäume fast ein

Verbrechen ist/ Weil es ein Schweigen

über so viele Untaten einschließt!“.

Angesichts einer sich ins

Monströse steigernden kollektiven

Schuld, so legt es das Gedicht nahe,

kann es ein unverfängliches Gespräch

nicht mehr geben. Dasgilt inzwischen

auch jenseits eines diktatorischen

Zusammenhangs. Wetter,

gutes Essen, schnelle Autos –nichts

eignet sich mehr zur kurzweiligen

Unterhaltung. „Ihr aber“, schreibt

Brecht an eine kommende Generation,

„wenn es soweit sein wird/ Daß

der Mensch dem Menschen ein Helfer

ist/ Gedenkt unsrer/ Mit Nachsicht.“

Danach sieht es aber gerade nicht

aus. „Wie könnt ihr es wagen?!“ ruft

Greta zornig. An Schuld, Nachsicht,

Greta und Brecht musste ich denken,

als ich davon hörte,dass sich eine Aktion

namens „Fridays for Hubraum“

gegründet hat. Für einen Moment

fand ich das lustig, weil es nicht ohne

Selbstironie auf die moralische Überlegenheit

der Klimakinder zu antworten

schien. Aber es wurde bald anders

verstanden. Die AfD witterte Bündnispartner

im Kampf gegen den

„ideologischen Irrsinn der Ökoaktivisten“,

wie AfD-Chef Jörg Meuthen

es nennt. In den aktuellen semantischen

Kämpfen gibt es weder Unschuld

noch Leichtigkeit, in dem Bekenntnis

zu PS und Hubraum überwiegt

eine Arttrotzige Peinlichkeit.

Für Brecht-Leser gibt es allerdings

einen Ausweg. Schon früh

hatte der Dichter seiner automobilen

Begeisterung lyrischen Ausdruck

verliehen. „Wir liegen in der Kurve

wie Klebestreifen/ Unser Motor ist:/

Ein denkendes Erz// Mensch, fahre

uns!!// Wir fahren dich so ohne Erschütterung/

Daß du glaubst, du

liegst/In einem Wasser.“ Vomösterreichischen

Autohersteller Steyr soll

Brecht dafür sogar ein Sportcoupé

erhalten haben. Waswaren das noch

für Zeiten.

VonMarkus Schneider

Der Schmerz kennt keine

Trommeln. Wenn etwas

den spürbarsten Unterschied

des neuen Nick-

Cave-Albums zu seinem Gesamtwerk

auf den Punkt bringt: Es fehlen

die Drums und wohl auch die Gitarren.

Das ist zunächst musikalische

Konsequenz. „Ghosteen“, so heißt

das 17. Album Caves, ist der dritte

Teil einer Trilogie,die mit dem leisen

Drama des songförmig zugänglichen

„Push the Sky Away“ 2013 begann,

sich 2017 mit dem recht zerstoßenen,

widersprüchlichen „Skeleton

Tree“ verlängert hat und sich

nun in den Sphären von„Ghosteen“

auflöst. Das Doppelalbum teilt sich

in kürzere Stücke „für die Kinder“,

sowie eine Spoken-Word-Strecke

und zwei Viertelstünder „für die Eltern“.

Aber es fließt eigentlich als

Elegie aus weichen Ambientmotiven

dahin, und Cave singt darüber einsam,

sehnsüchtig, oft flehend, ihr frei

bewegtes Auf und Ab geordnet eher

zu Litaneien als zu Songs.

Noch nie klang er so voll

Mir brach das Herz beim dritten

Stück. „I’m waiting for you“ seufzt

Nick Cave mit allem dunklen

Schmelz, den seine Stimme finden

kann, also einer ganzen Menge, und

sein Tonklang noch nie so voll, klar

und entschieden. Er ruft die Wortein

harmonische, fast sakrale Klangschichten

aus feierlichem Klavier,

Streichern und Harmoniumdrone,

und lässt es leise verebben, um am

Ende noch„to return, to return, to return“

nachzuschieben – in einem

brüchig-ungelenken Falsett oder

besser: einem Fisteln, wie man es

noch nie von ihm gehört hat. Rein

künstlerisch entwickelt sich aus der

Fallhöhe von einem gefasstem Cave

und erschütterter Zärtlichkeit eine

ungeheureWucht.

„Waiting for you“ ist ein Liebeslied.

An seine trauernde Frau? An seinen

toten Sohn? Natürlich muss

man dieses Album biografisch lesen.

Wersoll denn der Wandergeist, wie

Cave Ghosteen übersetzt, das Mischwesen

aus Geist und Teenager des

Titels sonst sein, wenn nicht sein

Sohn Arthur, der fünfzehnjährig

2015 bei einem Unfall ums Leben

kam? Bei„Ghosteen“ handelt es sich

Mit zärtlicher Wucht

Nick Caves neues Album „Ghosteen“ ist ein Stück außergewöhnlicher Musik

Nick Cave zeigte sich zuletzt deutlich aufgeschlossener.

um das Album, das alle in der verwirrten

Leere und tauben Verzweiflung

von „Skeleton Tree“ zu hören

glaubten. Dessen Stücke waren

schon geschrieben, als der Sohn ums

Leben kam. Zweifellos standen die

Aufnahmen im Zeichen des Verlusts.

„Ghosteen“ ist das Album danach.

Er klingt nicht mehr nach dem

fiebrigen Bluesprediger, der wie Robert

Mitchum in „Nacht des Jägers“

den Kampf der Gewalten darstellt,

die Fingerknöchel mit „Love“ und

„Hate“ tätowiert. Als Performer mit

ständig wachsendem Charisma, präsentierte

er diese Figur schon länger

IMAGO/KAROL MAKURAT

auch mit lakonischer Distanz –das

Theater aus Elvis, Gott und Teufel

stand bereit für die Vegasbühne.

Aber Cave hat sich zuletzt auch

öffentlich aufgeschlossen. Der Tod

seines Sohnes und die Anteilnahme

habe seinen Blick auf die Menschen

verändert und ihn verständnisvoller

für den Schmerz der Menschen gemacht,

sagte er. Seit einiger Zeit beantwortet

er in seinen Red Hand

Files im Netz Fanfragen, nach gescheiterten

Liebesgeschichten

ebenso wie nach Drogeneinfluss

und Kunstschaffen, freundlich, persönlich,

aber nicht privat. Jüngst

brachte er dieses Konzept auch auf

eine Tour,spielte auf ZurufTitel und

plauderte mit dem Publikum.

Leutselig ist er dabei nicht geworden.

In den Texten sitzt er im Hotel

oder fährt amPacific Highway, erzählt

von sterbenden Königen,

strahlenden Pferden und geheimnisvollen

Galeonen. Wir begegnen den

Heilsfiguren von früher, Elvis gleich

zu Beginn, später Jesus, Buddha,

Beatnikpriestern und erlöschenden

Sternen. Das Hadern mit Himmel

und Erde ist geblieben, die Synthesizer

schimmern tröstlich. Cave baut

wie immer nah am Kitsch, und für

manch einen kippt das Ganze sicherlich

auch. Wie eseben so geht,

wenn es um Transzendenz und die

letzten Dinge geht. Aber er weiß das:

„Jeder ruft nach etwas, aber die

leuchtenden Pferde sind nur Pferde,

die Felder nur Felder“, singt er in

„Bright Horses“,„es gibt keinen Gott,

und die kleine weiße Figur, die am

Ende des Flurs tanzt, ist nur ein

Wunsch, den die Zeit nicht löschen

kann.“

Warten,bis derFrieden kommt

Mit jedem Hören erkennt man die

Sorgfalt der Musik besser, lehnen

sich die Songs enger an die Hörerschultern;

das abschließende „Hollywood“,

dann doch mit einem stoischen

Bass rhythmisiert, gehört zu

den eindringlichsten Balladen, die

Cave je geschrieben hat. Oft knirschen

kleine Störfiguren, perkussiv

oder mit sachter Schrillheit; der

Friede in den erhabenen Chorpassagen,

dem schweren Klavier, dem

synthetischen Wohlklang wirkt ungerührt

und nicht gerade warmblütig.

Und das gelegentliche Falsett

klingt wacklig und klein. „Ich warte

jetzt, dass meine Zeit kommt/Ich

warte, dass der Friede kommt“, sind

die letzten Wortedes Albums.

Vielleicht gehört esineine Reihe

der großen, mysteriösen Schmerzensalben

von Musikern wie John

Cale oder Scott Walker. Vielleicht ist

es ein agnostischer Gospel,ohne Gewissheit:

„Wir sind hier/ und du bist,

wo du bist.“ Ganz sicher jedoch hören

wir auf „Ghosteen“ außergewöhnliche

Musik von wundersamer

Schönheit.

Nick Cave andthe BadSeeds–Ghosteen

(GhosteenLTD/ RoughTrade).

NACHRICHTEN

Mehr Besucher beim

Hamburger Filmfest

MitPreisverleihungen und dem Film

„Sorrywemissed you“ vonKen

Loach ist das Filmfest Hamburgzu

Ende gegangen. Zehn Tage lang wareninden

Festivalkinos Produktionen

aus aller Welt zu sehen. Mit

45 000 Besuchernkamen 2000 Zuschauer

mehr als im Vorjahr.Der mit

insgesamt 75 000 Euro dotierte

Hamburger Produzentenpreis ging

in der Kategorie „Deutsche Kinoproduktion“

an Verena Gräfe-Höft (Junafilm,

Hamburg) für „Pelikanblut“.

Dasbeste europäische Produkt lieferte

MichaelHenrichs (Die Gesellschaft

DGS, Köln) mit „You Will Die

at Twenty“. (dpa)

AbbeyRoad nach 50 Jahren

erneut Nummer 1

50 Jahrenach seiner Erstveröffentlichung

ist das Beatles-Album „Abbey

Road“ erneut spitze: DieNeuausgabe

mit bearbeitetenTiteln und bislang

ungehörtem Material ist direkt

auf Platz eins der britischen Charts

geklettert. In der UK-Hitliste stellte

das Werk noch einen Rekordauf: jenen

des Albums mit dem längsten

Zeitraum zwischen den Spitzenplatzierungen.

Dasteilte die britische

Charts-Organisation mit. Bei„Abbey

Road“ betrug die Zeit 49 Jahreund

252 Tage –127 Tage länger als das

„Sgt. Pepper“-Album der Beatles.„Es

ist schwer zu glauben, dass sich Abbey

Road nach all diesen Jahren immer

noch behaupten kann. Aber

wiederum ist es einfach ein verdammt

cooles Album“, twitterte

Paul McCartney. (dpa)

Schau über Maximilian I. im

Metropolitan-Museum

Rund 500 Jahrenach dem Todvon

Maximilian I. (1459–1519) zeigt das

NewYorker Metropolitan Museum

eine Ausstellung über den römischdeutschen

Kaiser.Etwa 180 Stücke

aus Sammlungen in Europa, dem

Nahen Osten und den USA, darunter

Rüstungen, Wandteppiche und Gemälde,illustrieren

das Leben des gebürtigen

Erzherzogs aus dem Geschlecht

der Habsburger.Die Schau

soll bis zum 5. Januar 2020 zu sehen

sein. (dpa)

UNTERM

Strich

Rom &Peter

Einfach

Kümmel

VonPeter Wawerzinek

Ein original-thüringisches Essen, aus

Apolda stammend, steht in Rom an.

Backhaus-Kartoffeln mit Bauchfleisch, Birne

und Kümmel. Um den Kümmer kümmele

ich mich, wortwitzele ich da noch ganz unschuldig.

Undwanderefrohgemut zum Hintertürchen

der Villa hinaus die Straße herunter

zur Markthalle.Und wieder sind da einen

Abschnitt lang Pappkartons auf den Bürgersteig

gestellt, auf ihnen tellerähnliche Behältnisse.Für

den Lohn, eine kleine Spende,

Trinkgeld, was auch immer und vonwem abgedrückt?

Gar nicht so weit entfernt ist ein

Afrikaner zu entdecken, der den Bürgersteigdreck

zu Haufen fegt.

Nicht zu üppig, nicht zu bescheiden liegen

sie den Fußgängern imWege, zwingen

jedermann sie wahrzunehmen und zu umgehen.

Wie eransein Geld kommt, frage ich

mich? Für wenerdie Becher bereithält, ist im

Vorbeigehen nicht zu enträtseln. Ich sollte

mir die Zeit nehmen, mich hinsetzen, abwarten

und sehen, was passiert, denke ich. Und

frage mich, was wäre, wenn ich zu dem

Mann hinginge, ihm das Tageswerk auslöhnen

wollte? Welche Summe würde er nennen?

Waswürde ich ihm zahlen? Wemwürde

ich damit in die Suppe spucken oder die

Quere kommen? Wenwürde meine edle Tat

finanziell entlasten? Verdiente mein Mann

an jenem Taggar doppelt an der geleisteten

Arbeit? Und dann schwirrt mir wieder der

entscheidende Satz wie eine lästige Fliege

um den Kopf. Derdawill, dass wir in die Länder

gehen sollten, aus denen die Leute massenweise

zu uns fliehen. Um dort dann

grundlegend die Grundlagen dafür abzuschaffen,

dass sie vonZuhause weglaufen.

KLAUS ZYLLA

In der Markthalle stellen sich derartige

Fragen nicht. Hier stehst du dem Produzenten

nahezu direkt gegenüber. Hier gibt es all

das, was die Supermärkte auch feilbieten.

Nur eben preisgünstiger. Esverdienen nicht

so viele Zwischenhändler mit. Du kannst

hier eine kinderkopfgroße Tüte geschnippeltes

Gemüse für nur einen Euro erwerben.

Tüte aufgerissen und in den Topf geschmissen

ist die Suppe fast schon fertig. Um einen

Stand bilden die Leute so sehr Traube, dass

der Händler,sich gezwungen sieht, sie Nummern

ziehen zu lassen. Wie beim Postamt

um die Ecke: Taste drücken und warten, bis

man dran ist. Warum der Auflauf geschieht,

ob es an der Qualität, dem Preis, der Ware

selbst liegt, werde ich in den kommenden

Monaten erforschen. Hier und heute bin ich

einzig angetreten, die Kümmelfrage zu stellen.

Kümmel für Backhauskartoffeln,wie sie

ihn in Apolda verwenden. Das richtige Wort

dafür trage ich auf den Zettel geschrieben

mit mir,halte es dem Händler vordie Nase.Ja

doch, heißt es von Stand zu Stand. Das hier

ist dein Kümmel. Aber nein, beharreich.Der

Kümmel ist doch kreuz und dieser hier

schwarz. Das alles ist nicht Kümmel wie wir

ihn kennen. Verstehst du? Einfachen Kümmel

suche ich! Und kaufe drei Packungen

Kümmel, vondenen ich weiß, dass in keiner

von den dreien derjenige Kümmel ist, dessentwegen

ich hierher aufgebrochen bin.

Dass es so schwierig wird, hätte ich nicht

gedacht, sage ich zu meiner Entlastung.

Bleibt nichts anderes übrig, als den Kümmel

zu nehmen, der unserem am nächsten

kommt, besänftigt mich die gute Köchin.

Undsokosten wir alle drei Sorten, bis wir uns

einig sind. Kümmel also zugegeben, Form in

die Röhre geschoben und zu zweit sich vor

die Sichtscheibe gesetzt, ganz wie daheim

vorder Breitbildleinwand.


22 Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Feuilleton

„Demokratie heißt auch, Spielregeln zu beachten“

Der Historiker Heinrich August Winkler im Gespräch über die Erfolge populistischer Regierungen und die Stärke funktionierender Zivilgesellschaften

Durch seine beiden

Hauptwerke „Der lange

Weg nach Westen“ und

„Die Geschichte des

Westens“ wurde der Historiker Heinrich

AugustWinkler zu einem gefragten

Deuter der politischen Gegenwart.

Wir sprachen mit ihm über die

sich immer stärker abzeichnenden

Veränderungen der politischen

Weltordnung.

Herr Winkler, der Brexit scheint immer

chaotischer zu verlaufen. In welchem

Zustand befindet sich die britische

Demokratie?

Wir leben in einer Zeit, in der die

beiden klassischen westlichen Demokratien,

die Vereinigten Staaten

von Amerika und das Vereinigte Königreich,

keine besonders überzeugenden

Beispiele für die Überlegenheit

der repräsentativen Demokratie

und des politischen Pluralismus bilden.

Daher wird esdie Verantwortung

anderer westlicher Demokratien

in dieser Zeit sein, dafür zu sorgen,

dass liberale Errungenschaften

nicht ihreStrahlkraft verlieren.

Gibt es Parallelen in der Entwicklung

der USA und Großbritannien, gerade

in Bezug auf die Führungspersönlichkeiten

Trump und Johnson?

In beiden Fällen haben wir es mit

Regierungen zu tun, die sich populistisch

gebärden und auf ein breites

Ressentiment in der Bevölkerung

stützen. Der Stärke dieses Ressentiments

verdankt Donald Trump seine

Wahl im Jahr 2016, durch eine ähnliche

Gemengelage erklärtsich der Erfolg

der Brexiteers bei der Volksabstimmung

über die Zugehörigkeit

zur EU im Juni 2016 in Großbritannien.

Kann man beide in eine Typologie der

Politiker einordnen? Trump wurde ja

bereits mit Mussolini verglichen.

Ein großer Unterschied zwischen

den faschistischen Bewegungen der

Zwischenkriegszeit und den nationalpopulistischen

Bewegungen der

Gegenwart liegt darin, dass die Faschisten

keinen Hehl aus ihrer Verachtung

der Demokratie machten,

während die Populisten sich als

Gralshüter der Demokratie aufspielen.

Sie vergessen nur, dass Demokratie

mehr ist als Mehrheitsherrschaft,

nämlich die Beachtung von

Spielregeln, von Checks and Balances,von

Gewaltenteilung und Streitkultur,was

eben auch die Rechte der

Opposition einschließt.

Sind Sieüberrascht über die Entwicklung

vonTrump,oder hat er bestätigt,

was Siebefürchtet haben?

In den Vereinigten Staaten hat

sich gezeigt, dass die Checks und Balances

im Großen und Ganzen noch

Leidenschaftlicher Beobachter,kühler Analytiker:der Historiker Heinrich August Winkler.

funktionieren. Die USA haben nicht

aufgehört, eine Demokratie zu sein.

Und die amerikanische Zivilgesellschaft,

die verfassungspatriotisch

geprägt ist, wirddie ÄraTrump überleben.

Ich bin mir auch sicher, dass

die möglicherweise nur kurzlebige

Regierung unter BorisJohnson nicht

das Ende der parlamentarischen Demokratie

in Großbritannien ist. Dafür

sind in beiden Ländern die liberalen

Traditionen zu stark.

Wiewirddie EU ohne die Briten aussehen?

Sieschreiben, sie würde kontinentaler

und protektionistischer werden.

Diese Gefahr besteht. Solange

Großbritannien Mitglied der Europäischen

Union war, konnten die

Bundesrepublik, die Niederlande

und andere Länder, die haushaltspolitisch

besonders soliden Staaten,

sich immer darauf verlassen, dass

sie sich, wenn es um Fragen der

Wettbewerbs- oder Ordnungspolitik

ging, auf Großbritannien verlassen

konnten. Nun wird es in Zukunft

für eher protektionistisch gestimmte

Mitgliedstaaten sehr viel

leichter, die währungs- und wirtschaftspolitisch

stabilen Staaten in

einen Minderheitsstatus zu versetzen.

Die Sperrminorität des sogenannten

D-Mark-Blocks innerhalb

der EU gibt es nicht mehr. Das ist

eine tiefe Zäsur.

Sie bevorzugen die Idee eines Kerneuropas.

Gehören die osteuropäischen

Staaten dazu?

Zu einem normativen Kerneuropa

gehören alle EU-Staaten, die

sich an die Wertevorgaben des Vertrags

vonLissabon gebunden fühlen,

das heißt die unbedingte Einhaltung

der Rechtsstaatlichkeit und damit

die Unabhängigkeit der Justiz. Vor

diesem Hintergrund wird deutlich,

dass einige Staaten diese Vorgaben

als nicht mehr verbindlich ansehen.

Dazu gehören Ungarn unter Victor

Orban und Polen unter Jaroslaw

ZUR PERSON

Heinrich August Winkler wurde am 19. Dezember 1938 in Königsberg geboren. Zuletzt lehrte

er bis 2007 Geschichtswissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin.

Als seine Hauptwerke gelten die jeweils mehrbändigen Bücher „Der langeWeg nach Westen“

und „Die Geschichte des Westens“, die bei C.H. Beck erschienen sind.

Zuletzt veröffentlichte er die Bände: „Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtigeKrise in

Europa und Amerika“ sowie „Werte und Mächte“ (ebenfalls bei C.H. Beck).

IMAGO/FLORIAN GAERTHNER

Kaczynski. Im Falle Rumäniens

könnte es sein, dass Neuwahlen

dazu führen, dass dort schon bald

eine rechtsstaatskonforme Regierung

ans Ruder kommt. Überaus bedenklich

ist der Zustand des Rechtsstaats

auf Malta. Undwas Italien angeht,

ist zu hoffen, dass unter der

zweiten Regierung Conte Zweifel an

der Rechtsstaatstreue dieses Landes

beseitigt werden können. Es geht

nicht darum, eine institutionelle

Spaltung der EU herbeizuführen.

Die Staaten, die sich an die Wertegrundlage

der Europäischen Union

gebunden fühlen, müssen enger kooperieren,

also in den Gebieten tätig

werden, in denen sich einige Mitgliedstaaten

der Zusammenarbeit

verweigern.

Sieschreiben, die EU sei eineWertegemeinschaft

auf Widerruf. Wie

schlimm steht es denn um die EU?

DieEUkann ihren Anspruch, eine

Wertegemeinschaft zu sein, nur aufrechterhalten,

wenn die normativen

Grundlagen, auf die sie sich in den

Kopenhagener Beitrittskriterien von

1993 und dem Lissabonner Vertrag

von2009 verständigt hat, in allen Mitgliedstaaten

ohneWenn und Aber beachtet

werden. Dasaber ist im Augenblick

nicht der Fall. Wir dürfen uns

keine Illusionen machen. DieEUbefindet

sich, was ihren Anspruch angeht,

eineWertegemeinschaft zu sein,

in einer schweren Krise.

Daran haben auch die Deutschen einen

großen Anteil?

Meine Kritik an der deutschen

Politik bezieht sich darauf, dass wir

oft viel europafreundlicher sprechen

als wir handeln. Icherwähne die Außerachtlassung

existenzieller Interessen

unserer östlichen Nachbarn

auf dem Gebiet der Energiepolitik.

Mit Nord Stream II haben wir uns

über berechtigte Bedenken Polens

und der baltischen Staaten hinweggesetzt,

vonden Interessen des Transitlandes

Ukraine, das nicht zur EU

gehört, ganz zu schweigen. Auch sicherheitspolitisch

bietet die Berliner

Regierung Anlass zu Kritik. Wir dürfen

nicht mehr versprechen, als wir

halten können, und wir müssen halten,

was wir versprochen haben.

Dasheißt?

Wenn wir uns darauf festgelegt

haben, zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts

für Zwecke der Verteidigung

auszugeben, muss eine solche

Zusage auch Bestand haben.

Eines der großen Probleme unserer

Zeit ist der Rechtspopulismus. Wenn

man sich das Abschneiden der rechten

populistischen Kräfte in Europa

anschaut, zuletzt auch in Ostdeutschland,

wird das Phänomen

dann nicht doch unterschätzt?

Viele haben ja mit einem noch

stärkeren Abschneiden der nationalistischen

Rechten bei den Europawahlen

gerechnet. Nunist die nationalistische

Rechte in Straßburg in

sich so zerstritten, dass sie viel weniger

Einfluss ausübt, als viele befürchtet

haben. DieFrage,die sich alle Parteien

stellen müssen, ist, ob sie in der

Vergangenheit ungewollt einen Beitrag

zum Erstarken der Populisten

geleistet haben, indem sie etwa im

Zusammenhang mit dem Thema

Migration weit verbreitete Besorgnisse

in der Bevölkerung nicht aufgegriffen,

sondern Probleme schöngeredet

oder ignoriert haben. Da ist

Anlass zur Selbstkritik gegeben. Das

führtzur grundsätzlichen Frage,was

die westlichen Demokratien aus

dem Aufstieg populistischer Kräfte

vorallem vonrechts gelernt haben.

Gäbe es noch das „normative Projekt

der beiden atlantischen Revolutionen“,

müsste der Westen die Demonstranten

in Hongkong unterstützen.

Es passiertaber wenig. Istdas typisch

für die Ambivalenz der westlichen

Werte?

Wir können sie Gesellschaften

nicht aufzwingen, die die westlichen

Traditionen nicht kennen. Wo immer

das versucht worden ist, war der

Erfolg negativ.Aber Hongkong kennt

und verteidigt diese Traditionen.

Deshalb können und müssen wir gerade

hier für unsereÜberzeugungen

einstehen und für sie werben. Das

kann im Falle Hongkongs sehr viel

nachdrücklicher geschehen, auch

seitens der EU. Aber die Bundeskanzlerin

hat bei ihrem Besuch in

China mit großer Deutlichkeit voreiner

gewaltsamen Lösung des Hongkong-Problems

gewarnt und unfreundliche

Reaktionen ihrer Gastgeber

bewusst in Kauf genommen.

Dasselbe gilt für Außenminister

Maas in Berlin. Beides war richtig.

DasGespräch führte Michael Hesse

Menschmaschine im Tarnanzug

Amir Reza Koohestani inszeniert Heiner Müllers „Philoktet“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters als Stück über die Macht, Geschichte zu erzählen

VonDoris Meierhenrich

Esmuss einen guten Grund geben,

warum man Heiner Müllers

„Philoktet“ heute wieder inszeniert.

Der iranische Regisseur Amir Reza

Koohestani gab vor seiner Premiere

im Deutschen Theater bekannt, der

Mechanismus der Aus- und Eingrenzung

darin interessiere ihn, die Behandlung

von Menschen, die nicht

ins System passen und durch irgendeinen

Umstand wieder nützlich werden.

Etwas scheint passiert zusein

im Laufe der Proben, denn was man

nun in den Kammerspielen sieht, ist

kein Stück über innereGrenzen, sondern

über die Macht, Bilder zu beherrschen,

Geschichte zu erzählen.

Ein schöner Beweis, wie viel Stücke

ein einziges Müller-Stück birgt. Zugleich

aber ist es auch ein Hinweis

darauf, wie unsicher Koohestanis

Zugriff auf den „Philoktet“ bleibt.

Müller schrieb ihn 1962 in der inneren

Verbannung, sozusagen.

Nachdem sein Bauern-Stück „Die

Umsiedlerin“ den Aufbau des Kommunismus

etwas zu offen als widersprüchliches

Unterfangen beschrieben

hatte, gerieten die Oberen der

jungen DDR in Unruhe, schlossen

den ebenfalls noch jungen Autor aus

dem Schriftstellerverband aus und

suspendierten ihn vomTheater.

Heiner Müller schrieb dann im

Stillen an dem Sophokleischen Mythenstoff,

in dem der ausgesetzte

Griechenheld Philoktet das griechische

Funktionärssystem attackiert.

Philoktet ist ein Antiheld par excellence:

Als bester Bogenschütze ist er

eigentlich unersetzbar im Krieg gegen

Troja, doch verbannt Odysseus

ihn auf die Insel Lemnos, weil eine

nicht heilende Bisswunde am Bein

unerträglich stinkt und die Kampfmoral

der Truppe schwächt.

Düsterer Blick auf „Philoktet“.

ARNO DECLAIR

Das Stück nun setzt da ein, wo

Philoktet sich bereits ins neunte Jahr

der Einsamkeit quält. Die Wunde

brennt noch immer, mit ihr sein

Hass. Genau in diesem Wundbrand

findet auch Koohestani einen eindrücklichen

Beginn. Im Zeitraffer einer

filmischen Projektion verfault

ein aufgerissenes Bein, bis die Kamera

indie Wunde zoomt wie in die

innere Hassschwärze des Philoktet.

Aber schon mit diesem Zoom gerät

der Abend in seine methodische Unausgegorenheit:

Große Zuschauernähe

wechselt volatil mit einer modellhaften,

textzentrierten Ferne, die

Müller selbst so wichtig war.Koohestani

versucht beides und findet keinen

klaren Wegdazwischen. Schon

die auseinanderfallenden Haltungen

seiner drei Protagonisten zu ihrenRollen

machen das deutlich. Einsamer

Leuchtturm ist da Odysseus,

der kühl rationale Machtstratege,

der zusammen mit dem naiven Helfer

Neoptolemos (Niklas Wetzel) auf

die Insel zurückkehrt, um unter Aufbietung

schönster Lügengeschichten

den Verbannten in den stockenden

Krieg zurück zu holen. Und wie

Jörg Pose das macht, wie er sich

selbst auf Distanz hält zu seinen vergitterten

Schachtelversen, wie er sie

mal laut pointiert, mal runter rattert,

ganz Menschmaschine im Tarnanzug,

ist genau das, was hinhören

lässt, wodurch man gedanklich einspringen

kann in den Manipulationsapparat

„Odysseus“. Dagegen

bleibt Edgar Eckerts Gefühlsmensch

Philoktet seltsam unverbindlich und

beherrscht, seine Gefangenschaft in

sich selbst nur Behauptung.

Vor35Jahren nannte Müller die

Kollision dieser zwei Prinzipien das

„Negativ eines kommunistischen

Stücks“. Gegen jede Aktualisierung

sei es ein „Drama der Ent-Täu-

schung“. Etwas wehmütig denkt

man an diese Sätze, wenn man bei

Koohestani nun nach Spuren einer

„Ent-Täuschung“ sucht. Alles läuft

zu glatt, zu allererst die überdeutliche

Medienkritik, die sich in der

Überblendung des Spiels mit Livebildern

zeigt. Gleich zu Beginn hebt

sich dafür ein Double jener rostigen

Eisenwand auf, die das Verlies Philoktets

in der Unterbühne abdeckt.

In der Senkrechten dient es nun als

Projektionsfeld für eine Kamera, die

vom Bühnenhimmel aus im Draufblick

filmt. Unser horizontales Sehen

führt sofast immer in die Vertikale,

als sähen wir geradeaus in einen Abgrund.

Diese Bilder ziehen uns in

Odysseus’ Geschichtslügen so hinein

wie in Philoktets Privatleiden.

Hübsch, aber ohne viel Belang.

Philoktet, Kammerspiele DT,wieder am 12., 18.,

26.10.,20Uhr,Tel:28441225


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 23

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Feuilleton

Werkennt

schon

Simon Veit?

Hazel Rosenstrauch

zeigt einen Übersehenen

VonArnoWidmann

Niemand kennt Simon Veit

(1754–1819). Wergründlich las,

was die großen Berliner jüdischen

Salondamen um 1800 einander

schrieben, begegnete ihm ein paar

Mal. Hazel Rosenstrauch –Autorin

einer Reihe von Büchern zur

deutsch-jüdischen Welt von 1800 –

hat zusammengetragen, was über Simon

Veit bekannt ist.

Seine Ehefrau Brendel Mendelssohn,

die später zu Dorothea Schlegel

(1764–1839) wurde, Henriette

Herz und Rahel Levin, verheiratete

Varnhagen, ließen jahrelang kein gutes

Haar an dem höchst erfolgreichen

Kaufmann und Bankier. Langweilig

sei er, empfindungslos. Als

Brendel sich hatte vonVeit scheiden

lassen, als sie zu Dorothea, Friedrich

Schlegels Gattin und katholisch geworden

war, kam Simon Veit weiter

nicht nur für den Lebensunterhalt

seiner Söhne,sondernimmer wieder

auch für ihren und den ihres Gatten

auf. DenSöhnen Johannes und Philipp

bezahlte er ihr aufwändiges

(Rom-Aufenthalte einschließendes)

Kunststudium, begeisterte sich an

ihren Bildern.

Auch sie waren katholisch geworden

und nazarenische Maler.Von Johannes

Veit ist ein Porträt seines Vaters

erhalten, das einen gütigen

Mann zeigt, dem Spott nicht ganz

fremd war.Man stellt sich vor, was er

über die Eskapaden seiner Gattin,

dieses ganzen deutsch-romantischen

Milieus dachte, das sich gesternfür

die Französische Revolution

begeisterte und morgen, als Metternich

das Sagen hatte, inden Schoß

der katholischen Kirche kroch.

Ein großzügiger Mann: der Bankier Simon

Veit (1754–1819).

JÜDISCHES MUSEUM

Simon Veit dagegen blieb immer

Jude, hatte immer genug Geld, seine

so überaus anpassungsfähige, damit

aber nie sonderlich erfolgreiche Familie

zu ernähren. Während die Propagandisten

der Liebe größte

Schwierigkeiten hatten, sie zu zeigen,

schlug „das kalte Herz des Kapitalisten“

stets zuverlässig liebevoll für die

einstige Gattin und die Söhne.Erüberwies

nicht nur Geld. Er interessierte

sich für ihre Arbeiten, er las Romane

und Gedichte.Erwar nicht fühllos.

Hazel Rosenstrauchs Band ist ein

schönes Buch geworden. Nicht nur

schön geschrieben, sondern schön

gedacht. Es macht deutlich, wie

leicht wir denen auf den Leim gehen,

die wir lesen. Wersich nicht zu Wort

meldet, den übersehen wir. Simon

Veit besaß einen jener seltenen

Schutzbriefe, die nicht nur ihm

selbst, sondern auch seinen Nachkommen

ein Aufenthaltsrecht in

Brandenburg garantierte. Eine Geschichte

von Simon Veits Geschäften,

wie er sich einzurichten verstand

in seiner sehr privilegierten

Außenseiterposition, würde mindestens

ebenso wichtige Einblicke in

die deutsch-jüdische Welt verschaffen,

wie eine Biographie von Rahel

Varnhagen. Aber dazu scheint es

nicht genug Material zu geben.

Hazel Rosenstrauch:Simon Veit. DermissachteteMann

einer berühmtenFrau.

persona,Mannheim 2019. 112 S.,10Euro.

Mythen und Medienkrieg

Steffen Kopetzky trifft Hemingway und General Model in seinem Roman „Propaganda“

VonMartin Halter

Steffen Kopetzky ist fasziniert

vom großen Spiel der großen

Kriege. In „Risiko“

(2015) machte er zuletzt aus

dem Plan des deutschen Generalstabs,

die Moslems zwischen Konstantinopel

und Kabul zum Heiligen

Krieg gegen die Feinde des Kaisers

aufzuhetzen, eine Partie„Mensch ärgeredich

nicht“.

Jetzt erzählt er von der „Allerseelenschlacht“

1944 im Hürtgenwald

bei Aachen, dem letzten Sieg der

Wehrmacht, als wäre eseine Partie

„Risiko“. Das Bindeglied zwischen

Vergangenheit und Gegenwart ist in

beiden Fällen das „Große Spiel“ der

Militärstrategen. Kopetzky beschreibt

die Ardennenschlacht, als

sei er dabei gewesen, und das

stimmt in gewisser Weise auch.

Propagandaoffizier Glueck

Sein Erzähler, der Deutschamerikaner

John Glueck, kennt als US-Propagandaoffizier

fast alles, was zwischen

1939 und 1971 Rang und Namen

hat in Militär,Politik und Literatur.

Kurz vor dem Krieg diskutiert er

in New York mit seinen Kommilitonen

Charles Bukowski und J.D.Salinger

Theorie und Praxis der Short

Story. Später,als Kriegsberichterstatter,

begegnet er Churchill und de

Gaulle,Picasso und Jünger.InFrankreich

trifft er auch sein Idol, Papa Hemingway,

der wie immer markige

Sprüche klopft („Gebt Gas, Jungs,Paris

erwartet uns“), aber schon Blut

im Urin hat. Nach 1945 beteiligt sich

Glueck an der Reeducation des deutschen

Feuilletons, ehe er in Vietnam

dann zum Kriegsgegner wird.

Glueck liebt nicht nur Deutschland

und die deutsche Literatur, er

bewundert auch die Wehrmacht für

ihre Verbindung von Kampfkraft,

preußischer Tradition und technologischer

Innovation. Amerika „inhalierte“

den Geist der Wehrmacht wie

einst den der Indianerkrieger; das

machte seine Stärke und seine

Schwäche aus. Die Allerseelenschlacht

markiert für Kopetzky eine

historische Zäsur: Auf Schloss

Schlenderhan, dem Stammsitz aller

Kavalleristen, legte General Model

1944 die Grundlagen der modernen

Kriegführung, wenn nicht des politischen

Designs von heute. Das große

Spiel der Nazis zwischen Kall und

Schmidt war die „Simulation eines

intelligenten Netzwerks, gebaut aus

Funk- undTelefonleitungen“, der kybernetische

Vorläufer von Facebook

und Google.Und die Befreier lernten

VonTorsten Wahl

Wer will so etwas hören? Werwill

so etwas sehen?“ Die ehrgeizige

Psychotherapeutin (Katrin Röver)

hat genug von wehleidigen Typen

um die 30. Jaksch (Jakob

Schreier) ist der Prototyp eines Ex-

Studenten, der den Schritt ins Arbeitsleben

scheut. Doch wie er sich

durch die Münchener Tage und

Nächte treiben lässt oder wie er getrieben

wird, das wollten bislang

schon einige sehen. Die fünfteilige

Miniserie „Fett und Fett“, in Szene

gesetzt von Absolventen der Münchener

Hochschule für Film und

Fernsehen, lief im Netz und war auf

Festivals ein Hit. DasKleine Fernsehspiel

des ZDF gab weitere sechs Folgen

in Auftrag und stellt nun beide

Staffeln zunächst ins Netz, bevor am

kommenden Montag alles in einer

Nacht versendet wird.

Jakob, der stets Jaksch genannt

wird, erklärt in der ersten neuen

Folge in der Kneipe noch mal den Serientitel

„Fett und Fett“: In seinem

Alter komme es im Wesentlichen

Angehörige der Deutschen Wehrmacht im Dezember 1944.

von den Nazis: „Was einstmals Propaganda

geheißen hatte, erschien

uns nun als das legitime Mittel, unsere

demokratische Gesellschaft zu

steuern. Aber es mußte viel subtiler

vorsich gehen“.

1971, im letzten Kapitel dieses

wahrheitsgemäß fabulierenden Romans,

steht Glueck, von einer Hautkrankheit

entstellt, alsWhistleblower

vorGericht. Er hat sich nach langem

BERLINER VERLAG ARCHIV

Münchener Tagträumer erlebt Berlin

Das ZDF schickt die muntere Serie „Fett und Fett“ zuerst ins Netz

noch auf vier Dinge an: Essen und

Trinken, Sex und Geld. Doch da er

weder eine feste Freundin noch eine

berufliche Stellung in Aussicht hat,

bleiben ihm nur Essen und Trinken.

Selbst den Gang zum Friseur scheut

er. Sowächst ihm sein Wuschelkopf

in die Höhe –allein die schräge Frisur

sorgt dafür, dass man ihn so

schnell nicht vergisst.

Nun sind im Kino schon einige

gleichgesinnte Tagträumer aufgetaucht.

Am bekanntesten wurde der

von Tom Schilling gespielte Niko in

Jan-Ole Gersters „Oh Boy“. Verglichen

mit dem Berliner Herumtreiber

wird der Münchener Boy zwar nicht

mit so coolen Bildern, dafür mit

mehr Milde und mehr Mitgefühl begleitet.

Dasdürfte daran liegen, dass

der Darsteller Jakob Schreier seinem

Helden nicht nur seinen Vornamen

gegeben hat, sondernneben der Regisseurin

Chiara Grabmayr auch

Hauptautor der Serie ist. Vorallem

aber ist „Fett und Fett“ witzig-gut zu

erleben in der Szene, in der sich

Jaksch verkatert als Regie-Assistent

bei Matthias Lilienthal, dem Inten-

Der Serienheld Jaksch (Jakob Schreier)

liebt Hanna (Isabella Wolf). ZDF/J. BRUGGER

danten der Münchner Kammerspiele

bewirbt.

Die episodische Struktur ist im

Serienformat bestens aufgehoben.

In jeder Folge zieht es Jaksch zu einer

besonderen Person oder in ein spezielles

Milieu. So führt ihn in der Episode

„Voll nett“ der bedrohlich sinkende

Akkustand seines Smartphones

in eine Schwulenbar.Inder Folge

Zögern aus der Kriegsmaschinerie

ausgeklinkt und der Öffentlichkeit

(wie im wahren Leben der Journalist

Daniel Ellsberg) die Pentagon-Papierezugespielt:

Ausdem Kriegspropagandisten

ist ein Märtyrer der

Freiheit, aus dem verantwortungslosen

Abenteurer ein Aktivist und

Schmerzensmann geworden.

„Propaganda“ ist so etwas wie

„Risiko“ hoch zwei. Erzählte Kopetzky

den Ersten Weltkrieg als Operettenkrieg

wie von Karl May, so beschreibt

er den Zweiten als modernes

Medienereignis. Erschreibt mal

männlich nüchternwie Hemingway,

mal wütend wie Bukowski und mal

zärtlich wie Salinger in „Der Fänger

im Roggen“. Oskar Maria Graf und

Handke, Melville und Updike werden

zitiert, aber nicht Thomas Pynchon,

obwohl „Propaganda“ ziemlich

pynchonesk wirkt. Es gibt jede

Menge deutsche Mythen, Popkultur-

Zitate, Verschwörungsparanoia und

Drogen. Glueck, gedopt mit der

Nazi-Wunderdroge Pervitin, macht

keinen Mucks, als der hünenhafte

Indianer und promovierte Jurist Seneca

ihm den Skalp abnimmt.

Krieg, schreibt Glueck in seiner

Dissertation, ist „freie schöpferische

Tätigkeit“, und das gilt auch umgekehrt.

Die postmodernen Zitatschlachten

machen den Roman

bunt und unterhaltsam, aber auch

ein wenig zerfahren. „Propaganda“

soll eine Art Great American Novel

aus Deutschland sein, ist aber

manchmal nur eine filmisch aufgemöbelte

deutsche Literaturgeschichte

aus der Sicht eines amerikanischen

Propagandaoffiziers.

Vorallem das Gemetzel im Hürtgenwald

oszilliertschaurig zwischen

Märchen und Sciencefiction, Kubrick

und Tarantino: Major Glueck

oder wie ich lernte den Krieg zu lieben;

selbst der tollwütige Surfer-General

aus „Apocalypse Now“ hat seinen

Auftritt.

Zwischen Fakten und Fiktionen

So switcht Kopetzky munter zwischen

Fakten und Fiktionen, dem

Großen Spiel und dem Ernst der Realität.

Er liebt das Land, das Hollywood

und Coca-Cola, Hemingway

und Faulkner hervorgebracht hat,

und hasst es für die Nixons und

Trumps, die das große Versprechen

von Demokratie und Frieden zur

Propagandashow machten. Ein

Mann kehrt als Propagandist, verhinderter

Schriftsteller und enttäuschter

Liebhaber in das Land

seiner Väter zurück (Mütter und

überhaupt Frauen sind stark unterrepräsentiert),

um das böse Spiel,

das in Nazi-Deutschland begann,

endlich zu unterbrechen. Die raffinierte

Verquickung von historischen

Fakten, spielerischer Fantasie und

filmischem Blick machen „Propaganda“

zu Kopetzkys bislang bestem

Roman.

Steffen Kopetzky: Propaganda.

Roman.Rowohlt Berlin 2019, 496 S.,25Euro

„Gib ihm“ wirdihm das Handy am S-

Bahnhof Sonnenallee voneinem gewissen

Issa aus der Hand gerissen –

zusammen mit seiner Freundin

Hanna (Isabella Wolf)erlebt der Berlin-Besucher

eine besondere Neuköllner

Nacht und lernt im Schlepptau

einer arabischen Rappertruppe

den Unterschied zwischen „Halal“-

Geld und „Haram“-Geld.

Auch in der zweiten Berliner Episode

„Spürst du’s?“ wird ein Milieu

spöttisch überzeichnet –diesmal die

sich selbst feiernde Startup-Szene.

Zwar kreiste schon die ZDFneo-Serie

„Nix Festes“ um das Dauerscheitern

mit immer neuen Ideen in Berlin.

Doch „Fett und Fett“ schafft es immer

wieder, den Zuschauer nicht

über seine Helden zu erheben, sondern

ihn hineinzuziehen, bevor das

überraschende Finale alle komplett

aus der gewohnten Szenerie herausschleudert.

Fett und Fett –sechsMonate langinder ZDF-

Mediathek, am Montag,den 14. 10. im ZDF.

NeueStaffel (sechs Folgen) ab 00.15Uhr

Erste Staffel(fünfFolgen)ab02.30 Uhr

Mit wilder

Energie und

Könnerschaft

Zum Toddes Schlagzeugers

Ginger Baker

VonHarry Nutt

Seine Geschichte ist längst ein

Stück der gesicherten Pop-Mythologie.

Der 1939 in London geborene

Schlagzeuger Ginger Baker war

einer der wenigen Musiker,die es als

Protagonisten ihres vornehmlich

rhythmusgebenden Instruments zu

Weltruhm brachten. Seine wilde

Könnerschaft war unbestritten, und

bereits die Kapitel der frühen Jahre

lesen sich heute ehrfürchtig wie ein

Who-is-who der populären Musikgeschichte.

Bereits in den 50er-Jahren

hatte Baker Alexis Korner und

Dick Heckstall-Smith kennengelernt,

in Korners so einflussreicher

Schule des weißen Blues löste er

1962 in der Band Blues Incorporated

Charlie Watts ab, der fortan bei den

Rolling Stones eine bis heute anhaltende

Karrieremachte.

Peter Edwar „Ginger“ Baker, der

seinen Beinamen aufgrund seiner

feuerroten Haarpracht, aber nicht

zuletzt auch wegen seines überschäumenden

Temperaments trug,

wurde bald selbst zur tragenden

Säule einer der ersten als solche bezeichneten

Supergroups. Zusammen

mit Jack Bruce und Eric Clapton

bildete er das überaus einflussreiche

Trio Cream, das nur kurze Zeit bestand,

da der Bandfrieden bei derart

ausgeprägten Individualisten nicht

lange aufrechtzuerhalten war. Nach

der Auflösung von Cream zog esBaker

und Clapton aber bereits in die

nächste Supergroup.Zusammen mit

dem als Wunderkind der Londonder

Musikszene gehandelten SteveWinwood

entstand 1969 die Band Blind

Faith, zu der noch Rick Grech gehörte.

Als das ambitionierte Bandprojekt

sich nach einem inzwischen

zu den LP-Klassikern gehörenden

Album wieder auflöste,gründete Baker

seine Band Airforce, die jedoch

ebenfalls nicht lange Bestand hatte.

Seine Neugier auf polyrhytmische

Drumkultur führte ihn in den

70er-Jahren nach Nigeria, wo er mit

dem legendären Fela Kuti, dem Erfinder

des Afro-Beat, spielte, und in

Lagos gemeinsam ein Studio betrieb.

In Berlin war der im privaten Umgang

als schwierig geltende Baker

zuletzt im April zu sehen, bereits

stark von der Lungenkrankheit

COPD gezeichnet. Nun ist Ginger

Baker im Alter von80Jahren in London

gestorben.

Ginger Baker (1939–2019), hier bei einem

Konzert2013 in Oakland.

DPA

TOP 10

Sonnabend, 5. Oktober

1 Tagesschau ARD 6,43 24 %

2 Sportschau ARD 5,26 23 %

3 Leichtathletik ARD 4,99 17 %

4 Sportschau, Studio ARD 4,57 15 %

5 Quiz-Champion ZDF 4,10 15 %

6 Das Supertalent RTL 3,68 12 %

7 Sportschau ARD 3,56 20 %

8 heute-journal ZDF 3,01 15 %

9 Tagesschau ARD 2,91 17 %

10 heute ZDF 2,73 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Tagestipp

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (& 75 45 37 25)

20.00: Postcolonial Poly Perspectives: Stricken

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

20.00 Neues Haus: Mütter und Söhne

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Passagier 23

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

19.30: Der Menschenfeind

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00: ugly duckling

GarnTheater (& 78 95 13 46)

20.30: Aufzeichnungen aus derUnruhe

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

KABARETT/VARIETÉ

BKA (& 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (& 204 47 04)

20.00: ZirkusAngela

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

20.00: Quint-Essenz (Ass-Dur)

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Tour 2019 (Emmi &Willnowsky)

Zimmer 16 (& 48 09 68 00)

19.30: Offene Bühne Pankow

KLASSIK

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Konstantin Wecker und die Bayerische Philharmonie,

Ltg.Mark Mast, Weltenbrand

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Anastasia Kobekina (Violoncello), Julien

Quentin (Klavier), Musica Litoralis, Werkevon Stravinsky,Prokofiev,

Rachmaninov, Tchaikovsky

KINDER

Alte Dorfschule Rudow (& 66 06 83 10)

10.00: Kinderferienprogramm: Filzen mit Prisca,

Workshop. Anm. erf.

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Die besten Beerdigungen der Welt

(ab 5J.)

10.30: Rico, Oskar und dieTieferschatten (ab 8J.)

Cabuwazi –Zelt Altglienicke (& 22 19 76 60)

10.00: Zirkusferien Altglienicke, Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

10.00: Zirkusferien Kreuzberg,Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Tempelhof (Columbiadamm 84)

10.00: Zirkusferien Tempelhof, Workshop (ab 7J.)

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

11.00: Schrecklich und schön –Geschichten über die

Armbrust, Treff: Pei-Bau; Führung und Workshop (ab

8bis 12 J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

10.30: Schneewittchen &die sieben Zwerge,Puppenbühne

allerHand, Mitmachstück (ab 4J.)

FEZ Berlin (& 530 71 -0)

10.00: Berlins beste Herbstferien! PHÄNOMENIEN –

Erstaunliches fürNeugierige, Aktionen und Workshops

(ab 4bis 10 J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Klax Kreativwerkstatt (& /64 49 44 22)

9.00: Herbstferien: Zauberei im Malatelier,Ferienworkshop

für Grundschulkinder (ab 8bis 12 J.).

Anm. erf.

9.00: Herbstferien: Do it yourself!, Ferienworkshop für

Grundschulkinder (ab 8bis 12 J.). Anm. erf.

KALENDER

Phoenix in der KULTSchule (& 72 01 19 19)

16.00 MediaLab: Phoenix-Küken, Kindertheater-Workshop,

Leitung: Oksana Loidova (ab 4bis 12 J.)

Planetarium am Insulaner (& 790 09 30)

10.30: Raumschiff Erde

12.00: MitRaketen zu Planeten

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

16.00: Das tapfereSchneiderlein, Abenteuer Märchenspiel

(ab 4J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Die Glücksucher,Kindertheater Mobil, Puppenspiel

(ab 3J.)

LITERATUR/VORTRAG

Akademie der Künste Hanseatenweg

(& 200 57 20 00) 19.00 Studiofoyer: Heiner

Müller:Germania 3–Gespenster am Toten Mann,

Hörspiel vonUlrich Gerhardt, und Gespräch mit

Ulrich Gerhardt, Elisabeth Panknin, Stephan Suschke,

Moderation: Thomas Irmer

Backfabrik (& 44 03 16 11)

19.00Clinker Lounge: Buchpremiere: „Du bist

anders, du bist gut“, Nora Imlau, Buchvorstellung mit

Nora Imlau und Georg Cadeggianini

Evangelische Kirchengemeinde in der Friedrichstadt

(& 204 35 48) 19.30: BeiSchleiermacher:

„Seezeichen“, Holger Teschke

Haus am Lützowplatz (& 261 38 05)

20.00: Albert Camus: Der Fall. „Alle sind schuldig.“,

mit Roland Schäfer,Einführung: Hartmut Diekmann

Kulturfabrik Moabit (& 397 50 56)

19.30 Fabriktheater:Schall &Rauch Slam, Poetry

Slam Schattenwand

Literaturhaus Berlin (& 8872860)

21.00: Wortservierungen: Deutschland und die

Deutschen, vonThomas Mann, mit Richard Burger

Mosse-Palais (Vossstr.22)

19.00: Schöne Seelenund Komplizen, Julia Schoch.

Anm. erf.

Periplaneta Kreativzentrum (& 44 67 34 33)

20.00: Lesebühne: Vision &Wahn „Übersetzer-Fehler“,

Spider,Eva Wunderbar,Marion Alexa Müller,

Thomas Manegold und RobertRescue

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Wieeinmal einBagger auf mich

fiel, René Marik, Buchpremiere

Rathaus Schöneberg (John-F.-Kennedy-Pl.)

17.30: Wirwaren Nachbarn: Uns kriegt ihr nicht, von

Tina Hüttl, Alexander Meschnig,mit Rahel R. Mann

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

Urania (& 218 90 91)

19.30: Bobby. Requiem für einen Gorilla. Die ungeheuerliche

Geschichte des ersten Menschenaffen in

einem europäischen Zoo, Christian Welzbacher

FÜHRUNG

Berlinische Galerie (& 78 90 26 00)

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

15.00: Guided Tour:Original Bauhaus (in English)

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí–Die Ausstellung

am PotsdamerPlatz,Treff: Im Museum

Gedenkstätte Berliner Mauer –Besucherzentrum

(Bernauer Str.119) 11.30: Die Berliner Mauer vom

Wasser aus, Treff: Anleger Berliner Dom (11.30, 14.30

Uhr); Anleger East Side Gallery(12.00 Uhr)

Haus am Köllnischen Park (& 238 06 75 -0)

17.00: UFO–Urbane Forschung Ost: „Die DDRwid

70“. Anm.erf.

Meyers Stadtgänge (& 442 32 31)

14.00: „Henselmann fingspäter an!“ Wohn-Stadtgang

zur „wiederentdeckten“ DDR- Bauhaus-Moderne

von1949/50, Bernd S. Meyer, Treff: Eing.Hochhaus

Weberwiese, Marchlewskistr.25(U5 Weberwiese)

Gespräch

Wieeine neue

Oper

entsteht

Die Deutsche Oper Berlin

bringt am 15. November

die Oper „Heart Chamber“

erstmals auf die Bühne. Die

Proben laufen längst, jetzt

wird das Publikum angefüttert.

Die Komponistin Chaya

Czernowin, 1957 in Haifa geboren,

die in Tel Aviv, Berlin

und New York studierte und

derzeit als Professorin an der

HarvardUniversity in den USA

lehrt, stellt sich der Berliner

Öffentlichkeit vor. Bisher wurden

ihreUraufführungen etwa

in München und Gent viel beachtet.

Die Komponistin

schürfe nach verborgenen

Schichten menschlicher Erfahrungen,

nach Traumata, einer

„inneren Dunkelheit“, wie

es in der Ankündigung heißt.

„Heart Chamber“ inszeniert

Claus Guth; er wird heute etwas

von seiner Umsetzung

verraten. DerAusstatter Christian

Schmidt zeigt Skizzen und

Entwürfe zu Bühne und Kostümen.

Cornelia Geißler

Gespräch 19.30Uhr,Deutsche Oper,

Foyer, Bismarckstr.35, Eintrittfrei

Berliner Kinder begleiten um 1930 einen Zirkus-Umzug durch die Straßen der Stadt.

Die Stadt frisst

wieder mal ihre

Kinder

Eine echte Wiederentdeckung: Ulrich Alexander

Boschwitz’ „Menschen neben dem Leben“ von 1937

Marcus Weingärtner

istbegeistertvon demRoman

„Menschen neben demLeben“. Derzeigt

dasLeben in Berlin zwischen den

Kriegenund wird nun erstmalsinder

Stadt vorgestellt, aus dersein Autor

UlrichAlexander Boschwitz 1935

vertrieben wurde.

Vor rund sechs Jahren erschien

in einer Neuauflage

Ernst Haffners Buch

„Blutsbrüder. Ein Berliner

Cliquenroman“ und wurde prompt

ein großer Erfolg. Wiederentdeckt

hatte die Geschichte aus dem Jahr

1932 der Verleger Peter Graf, der mit

„Blutsbrüder“ definitiv einen Nerv

getroffen hat –das Interesse am Berlin

zwischen den beiden Weltkriegen,

den wirtschaftlich so schwierigen

wie vom Aufbruchsgeist des

noch jungen Jahrhunderts geprägten

goldenen Zwanzigern war immens

–und ist es immer noch. Produktionen

wie„Babylon Berlin“ künden

von der anhaltenden Begeisterung

für diese Epoche, aus deren

Glanz Berlin bis heute viel von seinem

Selbstverständnis zieht: Eine

weltoffene Stadt, deren Laissezfaire-Haltung

bisweilen ärgerlich ist,

schnoddrig, gleichwohl herzlich.

Nunhat Peter Graf einen weiteren

Roman aus dieser Zeit herausgegeben,

und auch wenn er in vielen

Punkten den „Blutsbrüdern“ gleicht,

so ist Ulrich Alexander Boschwitz’

„Menschen neben dem Leben“

ebenfalls eine große Wiederentdeckung.

Wie auch Haffners Roman

zeichnet sich Boschwitz’Buch durch

eine typische Lakonie aus,der mit er

seinen Hauptfiguren durch die von

der Inflation gebeutelte Metropole

folgt, ihr Leben am Rande einer Gesellschaft

beschreibt, die sich noch

nicht von der Ursünde des Ersten

Weltkriegs erholt hat und mit Wut

über den Verlust vonWohlstand und

Würde auf das Ende der Weimarer

Republik zusteuert.

Nach Krieg und Weltwirtschaftskrise

gibt es in Berlin nicht mehr viel

zu lachen, viele Menschen haben alles

verloren, die Inflation hat das Geld

gefressen, die Armut die restliche

Würde. Kriegsheimkehrer, Bettler,

Hurenund Irre vereinen sich zu einer

postapokalyptischen Bande, einer

Parallelgesellschaft mit ganz eigenen,

der Härte des Daseins am Rand

angepassten Regeln. Boschwitz’Helden

schlafen in feuchten Kellernund

ernähren sich vonAlmosen. Sietreffen

sich abends im „Fröhlichen

Waidmann“, einer Spelunke, wodie

mühsam zusammengeschnorrten

Groschen in ein bisschen Freude in

Form vonPfefferminzschnaps angelegt

werden.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Gut gegen

Nordwind 14.45; Once Upon aTime in...Hollywood

17.00,20.30

Cinema Paris (& 881 3119) Nurejew –The White

Crow 14.50,17.40; Gelobt sei Gott 20.30

Delphi Filmpalast (& 312 1026) Deutschstunde

14.50,17.40, 20.30

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Memory Games

(OmU) 14.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 17.00, 20.30, 21.30; Systemsprenger

14.30, 17.15, 20.00; Gelobt sei Gott – Grace

aDieu (OmU) 15.00; Ad Astra –Zuden Sternen

(OmU) 18.00, 20.45; Ein Licht zwischen den Wolken13.30;

Nurejew –The White Crow (OmU) 14.15,

18.40,21.20; Der Distelfink –The Goldfinch (OmU)

15.30; Und der Zukunft zugewandt 13.20, 16.30,

19.00; Midsommar (OmU) 21.30; Skin (OmU)

15.40, 18.20, 21.00; Synonymes 14.15; Ein Licht

zwischen den Wolken – Streha mes reve (OmU)

16.50; Synonymes (OmU) 18.50

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Deutschstunde

17.30,20.00; Zwischen uns die Mauer 20.15

Kant Kino (& 319 98 66) Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.00, 16.00; Gelobt sei Gott

15.15, 17.50; Nurejew –The White Crow 20.40;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 13.30, 15.40;

Downton Abbey 14.30, 18.00, 20.40; Late Night –

Die Show ihresLebens18.00; Der Distelfink20.15;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

14.50; Der Distelfink 17.00; Leid und Herrlichkeit

20.00; Gut gegen Nordwind 17.00; Once Upon a

Time in...Hollywood 19.30

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) Angry Birds 2:

DerFilm12.00; DowntonAbbey 14.15; GeminiMan

17.10, 20.00, 23.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 12.20, 14.30; Downton Abbey 16.50,

19.45; Es: Kapitel II 22.40; Deutschstunde 12.00,

14.50, 17.40, 20.30; Angel Has Fallen 23.15; Gemini

Man12.00, 14.45; OnceUpon aTime in... Hollywood

20.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

12.15, 14.45; Ad Astra –Zuden Sternen

17.20, 20.10, 23.00; Playmobil: Der Film 12.45;

Ad Astra –Zuden Sternen 15.00; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 17.50; Gut gegen Nordwind

20.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

22.50; Die drei !!! 11.15, 13.10; Angry Birds 2:

Der Film 15.10; Der Distelfink 17.30; Es: Kapitel

II 20.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Little Monsters

(OmU) 11.00; Unsere große kleine Farm –

The Biggest Little Farm (OmU) 12.30; Celebration

(OmU) 14.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 15.20; Angry Birds 2:Der Film 16.50;

Datsche (OmenglU) 18.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.00; Synonymes(OmU) 22.45;

Paranza: Der Clan der Kinder –Laparanza dei bambini

(OmU) 11.00; Endzeit (DFmenglU) 12.45; Cleo

(OmenglU) 14.15; Systemsprenger 15.50; Memory

Games (DFmenglU) 18.00; Midsommar (OmU)

19.30; Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 22.00;

DieAgentin –The Operative (OmU) 11.00; Leid und

Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 13.00; Und der

Zukunft zugewandt (DFmenglU) 15.00; Wer 4sind

–Die Fantastischen Vier 16.45; Ama-San (OmU)

18.30; Systemsprenger (DFmenglU) 20.30; 3From

Hell –Three From Hell (OmU) 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 8129) Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.00; Systemsprenger

15.45,20.00; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

22.30; Über Grenzen –Der Film einer langen Reise

14.00; Congo Calling (OmU) 16.15; Celebration

(OmU) 18.00; Memory Games (OmU) 19.30; Barstow,

California (OmU) 21.15; Playland USA 22.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX 3D: Gemini

Man 14.00, 16.50, 19.45; Ad Astra –Zu den Sternen

14.00,16.50,20.00; AToy Story: Alles hörtauf

kein Kommando 14.15; Good Boys 14.20; Gemini

Man 14.20, 17.20, 20.15; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.30, 17.40; Enzo und die wundersame

Welt der Menschen 14.30; Spider-Man:

Far From Home 14.45; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 14.45; Es: Kapitel II 14.45, 17.45, 20.30;

Angry Birds 2:Der Film 14.50, 17.20; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 15.00, 17.30; 3D: Der König

der Löwen 15.00, 20.20; UglyDolls 15.10, 17.50;

Deutschstunde 16.50, 19.50; Gut gegen Nordwind

17.00; Angel Has Fallen 17.10; Downton Abbey

17.20, 20.10; Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig,

tot 18.00,21.00; Rambo 5: Last Blood 18.30,

21.20; Once Upon aTime in... Hollywood 20.00;

CatVideoFest 2019 20.00; Skin 20.15; Sneak Preview

20.30; Midsommar 20.30

Zukunft (& 01 76/57 861079) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 18.00; Skin (OmU)

20.15, 22.30; Berlin Bouncer (OmenglU) 18.00;

Frau Stern 19.45; Heute oder morgen 21.30

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 13.30; Everest: Ein Yeti

willhochhinaus13.40, 16.30; DerKönig der Löwen

13.40; Angry Birds 2: Der Film 13.50; 3D: Gemini

Man 14.00, 17.10, 20.00; Pets II 14.10; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.15, 16.50;

3D: Angry Birds 2: Der Film 16.20; DowntonAbbey

16.30, 19.40; Good Boys 16.40; 3D: Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 17.00; Es: Kapitel II19.10;Ad

Astra –Zuden Sternen 19.20; Gut gegen Nordwind

19.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.45; Rambo

5: Last Blood 20.10

Kino Kiste (& 998 74 81) Once Upon aTime in...

Hollywood 13.30; 3D: Der König der Löwen 16.20;

Systemsprenger 18.25; Rocketman 20.35

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) Die drei !!!

11.50; 3D: Der König der Löwen 12.00; UglyDolls

12.10, 14.30, 17.10; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 12.10, 15.10, 17.20; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 12.15, 14.40; Jim Knopf

und Lukas der Lokomotivführer 12.20; Der König

der Löwen 12.30, 17.10; Angry Birds 2: Der Film

12.30, 15.00, 17.30; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 12.40,14.50, 17.20; Enzo und die wundersame

Welt der Menschen 14.20, 19.30; Gut gegen

Nordwind 14.30; Gemini Man 14.45, 20.20; Good

Boys 15.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.50; Downton Abbey 17.00, 19.30; 3D: Gemini

Man 17.15, 20.00; Get Lucky –Sex verändert alles

17.40; Rambo 5:Last Blood 19.40; Es: Kapitel II

19.50;ElvisUnleashed(OmU) 20.00; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.10;Alien –Das unheimliche Wesen

aus einer fremden Welt 20.15

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Once Upon aTimein...

Hollywood (OmU) 17.10, 20.30; B Ad Astra –Zu

den Sternen (OmU) 17.00, 19.30, 22.00

fsk am Oranienplatz (& 614 2464) Shaun das

Schaf: DerFilm:UFO-Alarm17.45; Gelobt seiGott–

Grace aDieu (OmU) 17.45, 20.30; Systemsprenger

19.30,21.45

Moviemento (& 692 47 85) Systemsprenger

13.00, 18.00, 20.45; Benjamin Blümchen 15.45;

Prelude 23.30; Der kleine Maulwurf (1963-1975)

10.30; Midsommar (OmU) 12.00, 17.00, 22.30;

Frau Stern 15.00; Raiva –Rage (OmenglU) 20.00;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

10.15, 14.30; Memory Games (OmU) 12.30,

19.15,23.45; Skin (OmU) 16.45, 21.15

Regenbogen Kino (& 69 57 95 17) Congo Calling

(OmU; m. Gast) 19.30

Sputnik (& 694 1147) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.00; Normal (OmU) 16.45;

Mein Leben mit Amanda 18.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU)20.00;Paranza: Der Clan der

Kinder–La paranzadei bambini(OmU) 22.45; Cleo

(OmenglU) 15.00; Zwischen uns die Mauer 16.45;

Systemsprenger (OF) 18.45; Ad Astra – Zu den

Sternen (OmU) 21.00; We Have Always Lived in the

Castle (OF) 23.00; Kinobar im Sputnik CatVideo-

Fest 2019 (OmU) 20.00

Yorck (& 78 91 32 40) Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.00, 16.00; Systemsprenger 17.15,

20.00; New Nurejew – The White Crow 14.30,

20.30; Und der Zukunft zugewandt 18.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 9590) Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00,

18.15; Playmobil: Der Film 10.00; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.45;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 10.00, 12.45,

15.15; Angry Birds 2: Der Film 10.00, 15.15; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 12.30;

UglyDolls13.00,15.00;GeminiMan 15.00, 17.30,

20.15; Systemsprenger 17.15,20.15; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 17.30; Downton Abbey

17.45, 20.00; Es: Kapitel II 19.45; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Downton Abbey

13.00, 17.30; Angry Birds 2: Der Film 13.00;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 13.15,

15.30; Gut gegen Nordwind 15.15; 3D: Angry Birds

2: Der Film 15.15; Skin 17.30, 20.00; Memory

Games18.00; Nurejew –The White Crow20.00; Es:

Kapitel II 20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Der

König der Löwen 11.30, 14.20; Mein Lotta-Leben –

Alles Bingomit Flamingo! 11.45; Jim Knopf undLukas

der Lokomotivführer 11.45; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus11.45, 14.40,17.15; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 11.45, 14.10; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.00, 14.30, 17.15;

Angry Birds 2: Der Film 12.00, 14.30, 16.50; 3D:

Gemini Man 14.00, 17.00, 20.00; Good Boys

14.15; UglyDolls 14.30, 17.00; Es: Kapitel II

16.40, 19.30; Gut gegen Nordwind 17.00; Downton

Abbey 17.10, 20.10; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.20; Ad Astra –Zuden Sternen 19.45;

CatVideoFest 2019 20.00; Rambo 5: Last Blood

20.15; Angel Has Fallen 20.15

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Mein Lotta-Leben 17.00;

Systemsprenger18.45;Leidund Herrlichkeit (OmU)

21.00; Und der Zukunft zugewandt 18.00; Memory

Games (OmU)20.00; Das Wunder im Meer vonSargasso

(OmU) 21.45

Babylon (& 242 59 69) IndoGerman Film: Sye

Raa Narasimha Reddy (OmenglU) 17.00, 19.00;

Mackie Messer –Brechts Dreigroschenfilm 17.00;

60‘s BRD: Der junge Törless 17.15; IndoGerman

Film: War (OmenglU) 19.30; 60‘s BRD: Ich bin ein

Elefant, Madame20.00; Und wernimmt denHund?

22.00; Zwischen uns die Mauer 22.00; Preview:

SeaWatch3 (OmenglU) 22.30

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Der

kleine Drache Kokosnuss –Auf inden Dschungel!

10.30; Der kleine Maulwurf (1963-1975) 12.15;

Yesterday (OmU) 13.30, 18.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 15.45; Midsommar

(OmU) 20.30; Memory Games (OmU) 14.15,

19.00;Midsommar (OmU)16.00; Es: Kapitel II –It:

Chapter Two(OF) 21.00

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 11.00, 13.45; AToy Story

11.10; Enzo und die wundersame Welt der Menschen

11.15, 14.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 11.20, 13.40, 17.10; Jim Knopf und

Lukas der Lokomotivführer 11.20; 3D: Gemini Man

11.40,14.30, 17.20,20.00, 23.15;Angry Birds 2:

Der Film 11.40,14.20; Playmobil: Der Film 11.50;

Der König der Löwen 12.00; Get Lucky –Sex verändert

alles 13.50; UglyDolls 14.10, 16.40; Downton

Abbey 14.30, 16.30, 19.30, 23.10; Good Boys

14.50; Es: Kapitel II16.10, 19.20, 22.30;AdAstra

–Zuden Sternen 16.20, 20.10, 23.10; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 16.45; 3D: Angry Birds 2:

Der Film 17.15; Gut gegen Nordwind 17.30; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.10; Midsommar

19.50, 22.55; Sneak Preview 20.00; Elvis Unleashed

(OmU) 20.00; Rambo 5:Last Blood 20.30,

22.45; Angel Has Fallen 22.40; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw23.00; ReadyorNot?–Aufdie Plätze,

fertig,tot 23.15

Hackesche Höfe (& 283 46 03) Systemsprenger

14.30, 19.45, 22.15; Gelobt sei Gott –Grace

aDieu (OmU) 17.00; Und der Zukunft zugewandt

14.45, 22.00; Deutschstunde 17.00, 19.30; Nurejew

–The White Crow (OmU) 14.30; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 17.15, 20.30; Berlin

Babylon (OmU) 14.00; Der Distelfink –The Goldfinch

(OmU) 16.00, 19.00; Ein leichtes Mädchen

(OmU) 22.00; Skin (OmU) 14.00, 16.30, 21.30;

Nurejew (OmU) 19.00

International (& 24 75 60 11) Und der Zukunft

zugewandt 13.50; Nurejew –The White Crow 16.15,

19.00; Siegessäule und Teddy präs. MonGay: The

Cockettes (OF) 22.00

Z-inema (& 28 38 91 21) Wessifizierung durch

Fernsehen (Teil 2: Warnsendungen) 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (& 01 80/505 06 44)

UglyDolls 12.00, 14.10, 17.00; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 12.00, 14.30, 17.00; Playmobil 12.00;

Pets II 12.00; Mein Lotta-Leben 12.00, 14.30;

Everest 12.00, 14.30, 17.30; Der König der Löwen

12.00, 14.45, 16.30; Angry Birds 2: Der Film

12.00, 14.15, 17.05; AToy Story 12.00, 14.20,

17.05; Downton Abbey 14.15; 3D: Gemini Man

14.20,17.10,20.00; 3D: Everest 16.45; Ad Astra –

Zu den Sternen 17.00, 19.30; Gemini Man 19.30;

Gemini Man (OF)19.45; Sneak Preview(OF) 20.00;

Sneak Preview 20.00; Rambo 5: Last Blood 20.00;

Firincinin Karisi (OmU) 20.00

IL KINO (& 91 70 29 19) Synonymes (OmenglU)

10.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

12.15; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU)

15.10,22.20; Normal (OmenglU) 17.10; Zwischen

uns die Mauer (DFmenglU) 18.30; Nurejew –The

White Crow (OmU) 20.10

Neues Off (& 62 70 95 50) Midsommar (OmU)

16.00,19.15, 22.30

Passage (& 68 23 70 18) Frau Stern 14.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.40, 20.00;

Gelobt sei Gott –Grace aDieu (OmU) 15.10;Downton

Abbey (OmU) 17.20, 20.00; Deutschstunde

14.50,17.50, 20.30

Rollberg (& 62 70 46 45) Skin (OmU) 17.15,

19.50, 22.30; Skin (OF) 21.40; Nurejew – The

White Crow (OmU) 18.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 20.40; Ad Astra –Zuden Sternen

(OF) 16.20, 19.30; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmenglU) 17.00, 22.10; Systemsprenger

(OmenglU) 19.00; Der Distelfink –The Goldfinch

(OmU) 17.15; Synonymes (OmenglU) 20.30

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer 11.30;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

11.40; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

11.50, 14.45, 17.15; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 12.00, 14.30, 17.00; Angry Birds 2:Der

Film 12.10, 14.55, 17.25; 3D: Gemini Man 14.00,

16.50, 20.00; UglyDolls 14.15, 17.35; Downton

Abbey 14.40, 19.50; Es: Kapitel II 16.30, 19.30;

Gut gegen Nordwind 19.40; CatVideoFest 2019

20.00; Sneak Preview 20.15


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Am nächsten Tag beginnt alles

von vorn. Nur einmal ist es anders,

als die Frau vom imKrieg blind geschossenen

Sonneberg mit Grissmann

tanzt, der den Jähzorn des

Kriegsversehrten und gehörnten

Gatten unterschätzt. Ein weiteres

Unheil nimmt seinen Lauf, als ob die

Protagonisten davon nicht schon im

Übermaß zu bewältigen hätten.

Der Autor Ulrich Alexander

Boschwitz wurde nur 27 Jahre alt.

Geboren 1915 in Berlin als Sohn eines

jüdischen Kaufmanns,konnte er

1935 nach Skandinavien und 1939

nach England emigrieren, wurde

dortallerdings nach Kriegsausbruch

als „feindlicher Ausländer“ interniert.

Er starb 1942 im Atlantik, auf

einem Schiff, torpediert durch ein

deutsches U-Boot. 2018 erst wurde

der Schriftsteller wiederentdeckt, als

Peter Graf seinen Roman „Der Reisende“

bei Klett-Cotta herausgab.

Nun folgt also Boschwitz’ Debüt

von1937,„Menschen neben dem Leben“.

Der damals 22-jährige Autor

beobachtet in 39 Kapiteln seine Figuren

auf den Berliner Straßen konzentriert,

er schreibt mit Humor,

Mitgefühl, dann wieder kühl, mit

LESUNG

Buchpremiere: Der Schauspieler Thomas

Sarbacher liest aus Ulrich Alexander

Boschwitz’ Roman „Menschen neben

dem Leben“. Der Herausgeber Peter Graf

spricht über den Autor.

Mi, 9. 10., 20 Uhr.Pfefferberg Theater,

Schönhauser Allee 176. Karten kosten im

Vorverkauf 12,50 Euro. Abendkasse 14

Euro. Tel.:939358555

AKG-IMAGES

wenigen Worten treffsicher charakterisierend.

Es sind vorallem die Nebenfiguren,

deren Schicksale berühren.

Miteiner solchen Wucht kommt

ihr Elend daher, dass man das Buch

erst einmal zur Seite legen möchte.

So beschreibt Boschwitz nur auf

ein paar Seiten den rasanten Niedergang

der bürgerlichen Frau Fliebusch.

IhrGatte kehrtnicht aus dem

Krieg zurück, ihr Erspartes ist nichts

mehr wert.Eskannsich nur um eine

Verschwörung handeln, mutmaßt

sie, während sie in Lumpen auf

Bahnhöfen nächtigen muss. Ihr

Elendsteht im scharfen Kontrast zur

hektischen Entwicklung Berlins im

beginnenden 20. Jahrhundert. Es

tost der noch junge Automobilverkehr

den Tauentzien runter, Busse,

hoch wie Häuser, rasen von Haltestelle

zu Haltestelle, Tram folgt auf

Tram. „Sie hupten und tuteten wild

durcheinander und fraßen die Nerven

der Leute, die zu Fuß gingen ...

Berlin hatte keine Geräuschverbote,

manmerktees.“

Verkehrsprobleme, Verschwörungstheorien

und Geldsorgen –es

hat sich viel geändert inBerlin. So

viel dann aber auch wieder nicht.

Musik

Wecker

in

Klassik

Inder Riege der Liedermacher

genoss Konstantin Wecker

schon immer eine Sonderstellung.

Während einige

seiner Kollegen weitgehend

mit gewitzten Texten und ein

paar Akkorden auskamen, bestach

er durch musikalische

Vielseitigkeit und kompositorische

Finesse. Auch wenn

Konstantin Wecker sich selbst

lediglich am Klavier begleitete,

schien er dabei orchestrale

Ausstrahlung zu haben. In seinen

Liedern tendierte er ins

Barockhafte, die berlinische

Kargheit vieler Kollegen überbot

er durch bajuwarische

Opulenz und Genussfreudigkeit.

Wecker vermochte, wenn

es darauf ankam, allein den

Konzertsaal zu füllen, nun

aber kommt er mit dem Kammerorchester

der Bayerischen

Philharmonie,umein musikalisch

und politisch ambitioniertes

Repertoire unter dem

Namen„Weltenbrand“ zu präsentieren.

HarryNutt

Konstantin Wecker 20 Uhr,Philharmonie,

Herbert-von-Karajan-Straße 1

Stadt im Ohr (& 20 07 88 41)

9.00: Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im Cafe Sibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie –Haus 7

(Ruschestr.103) 15.00: Einblickins Geheime, Treff:

Foyer

KONZERT

Arcanoa (& 67 96 26 51)

21.00: Open-Stage–Singer-Songwriter +Poets

Auster Club (& 611 33 02)

20.00: Josin

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Pangea Ultima

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str. 70)

20.00: Kaleem Taylor,Melissa Audrey

Gretchen (& 25 92 27 02)

21.00: Natty

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

21.00: TomRosenthal

Huxleys Neue Welt (& 301 06 80 88)

20.00: Mero

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00 Blaues Zimmer:High South

20.30 Schwarzes Zimmer:Issues, special guest:

Lotus Eater

Orania.Berlin (& 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Christian vander Goltz

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: Off Bloom

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session mitJürgen

Bailey

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Antje Rietz &Band, VomSingen im Regen

Schlot (& 448 21 60)

21.00: GilbertPaeffgen Trio

Tempodrom (& 69 53 38 85)

20.00: NewOrder,Stolen

CLUB

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Nice One, Degio’s, Alessio Collina

Kulturbrauerei/Alte Kantine (& 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Matrix (& 293 69 9- 90)

22.00: Scandal!, Zissa

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 18.00: Multisexual Boxhopping

21.00: Sing on Stagewith Lulu Berlinoise

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 +4Bar:House of Waxx, Alexkid, Dman, Shoe Bee

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

MUSEEN

Anti-Kriegs-Museum (& 45 49 01 10)

16.00: StändigeAusstellung des Anti-Kriegs-Museums,

tgl. 16-20 Uhr,Gruppen n. Vereinb.: 402 86 91

16.00: Angekommen? –Geflüchtete auf Lesbos, tgl.

16-20 Uhr

Berlin StoryBunker (Schöneberger Str.23a)

10.00: Geschichte der Hauptstadt, Di-Fr 10-19, Sa/

So/Feiert. 12-20 Uhr;23.12.-26.12./31.12. geschl.,

ab 1.1. tgl. 10-19 Uhr

Botanisches Museum (& 83 85 01 00)

9.00: Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie

und Moderne, tgl. 9-19 Uhr

Brücke-Museum (& 831 20 29)

11.00: The Garden Bridge, Mi-Mo 11-17 Uhr

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí –Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (& 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadtder Spione, tgl. 10-20 Uhr

Futurium (Alexanderufer 2)

10.00: Visionen möglicher Zukünfte, Mo/Mi/Fr-So

10-18, Do 10-20 Uhr

James-Simon-Galerie (Bodestr.)

10.00: Nah am Leben –200 JahreGipsformerei, tgl./

Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Jüdisches Museum (& 25 99 33 00)

10.00: StändigeAusstellungdes Jüdischen Museums

(bis 2019 wg Umbau geschl.), Mo 10-22, Di-So

10-20 Uhr

10.00: This Place, WendyEwald, Martin Kollar,Josef

Koudelka, Jungjin Lee, Gilles Peress u. a., tgl. 10-20

Uhr

Keramik-Museum Berlin (& 321 23 22)

13.00: Max Roesler,Fr-Mo 13-17 Uhr

Käthe-Kollwitz-Museum (& 882 52 10)

11.00: Mehr als ein Leben. Dauerausstellung des

Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, Käthe Kollwitz, tgl.

11-18 Uhr

11.00: GeorgeGrosz –Das Huhn im Kopf, tgl. 11-18

Uhr

Liebermann-Villa am Wannsee (& 80 58 59 00)

11.00: Max Liebermann –Gartenbilder,Apr.-Sept.

Mi-Mo/Feiert. 10-18 Uhr,Okt.-Mär.Mi-Mo/Feiert.

11-17 Uhr

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

(& 28 59 94 07) 10.00: Blindes Vertrauen –

versteckt am Hackeschen Markt 1941-1943, tgl.

10-20 Uhr

10.00: „... und immer wieder bewundernwir Eure

mit aufopfernder Liebe prima gepackten Pakete“, tgl.

10-20 Uhr

Museum für Film und Fernsehen (& 300 90 30)

10.00: 120 Jahre Deutsche Filmgeschichte und

Fernsehgeschichte in West und Ost, Di-So 10-18, Do

10-20 Uhr

10.00: Kino derModerne. Film in der Weimarer

Republik, Mi-Mo/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama

(Am Kupfergraben 2) 10.00: Pergamon. Meisterwerke

der antiken Metropole und 360°-Panorama von

Yadegar Asisi, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Ramones Museum Berlin (& 75 52 88 90)

10.00: Ausstellung zur US-Punkrockband „The

Ramones“, tgl. 10-22 Uhr

Schwules Museum (& 69 59 90 50)

14.00: Love at First Fight! Queere Bewegungen in

Deutschland seit Stonewall, Mi-Mo 14-18, Do 14-20,

Sa 14-19 Uhr

14.00: HIVstories: Living Politics, Mi-Mo 14-18, Do

14-20, Sa 14-19 Uhr

Sportmuseum Berlin (& /30 58 3- 00)

10.00: StändigeAusstellung des Sportmuseums,

Mo-Fr 10-14 Uhr

Stasi Museum Berlin (& 553 68 54)

10.00 Haus 1: Staatssicherheit in der SED-Diktatur,

Mo-Fr 10-18, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

The StoryofBerlin (& 88 72 01 00)

10.00: 800 Jahre Berliner Geschichte, tgl. 10-20 Uhr

Trabi-Museum Berlin (& 30 20 10 30)

10.00: Die Welt der Trabis, tgl. 10-18 Uhr

KINO

Wolf (& 921 03 93 33) Systemsprenger (OmenglU)

12.00, 18.50; Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

12.00,21.10; Synonymes (OmenglU) 14.20;Ama-

San (OmU) 14.20; Tonari no Totoro –Mein Nachbar

Totoro 16.30; Heute oder morgen (OmenglU)

16.50; Heimat ist ein Raum aus Zeit (OmenglU)

19.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Shaun das

Schaf:Der Film: UFO-Alarm 14.00,16.00; Deutschstunde

18.00, 20.40; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Nurejew –The White Crow 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00, 16.00; Und der

Zukunft zugewandt 18.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.30; Sneak Preview 22.00;

Systemsprenger 14.30, 17.15, 20.00; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.40; Downton

Abbey (OmU) 16.50, 19.30; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 13.40, 15.50; Gelobt sei Gott 18.00;

Ad Astra –Zuden Sternen (OmU) 20.50; Deutschstunde

15.00, 17.40,20.20

Krokodil (& 44 04 92 98) Nurejew –The White

Crow (OmU) 19.00; Und der Zukunft zugewandt

21.15

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Systemsprenger

18.00; Rise and Resist 20.00; Datsche (OmU)

22.00

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00)

Downton Abbey 14.15, 17.10, 20.00; 3D: Gemini

Man 14.20, 17.15, 20.10, 23.00; Der König

der Löwen 14.25, 17.10;Angry Birds 2: Der Film

14.25, 16.55; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.25; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.30, 16.45; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.30, 16.55; Die drei !!! 14.30;

UglyDolls 14.50, 17.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.50; Ad Astra –Zuden

Sternen 16.50, 19.55, 23.00; Systemsprenger

17.05, 19.55; Deutschstunde 17.05, 20.00;

Rambo 5:Last Blood 19.30, 23.00; Gut gegen

Nordwind 19.30; Es: Kapitel II 19.55, 22.15; Gemini

Man (OF) 20.00; CatVideoFest 2019 (OmU)

20.00; Once Upon aTime in... Hollywood 22.15;

Ready or Not? –Auf die Plätze,fertig,tot 22.55;

Midsommar 22.55; Fast & Furious: Hobbs &

Shaw 22.55

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) Jim Knopf

und Lukas der Lokomotivführer 11.15; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.15, 14.00; Der

König der Löwen 11.20, 17.00; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 11.30, 14.20, 17.00; Pets II

11.40, 14.30; Playmobil: Der Film 11.50; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus11.50, 14.30, 17.10;Angry

Birds 2:Der Film 12.10,14.50, 17.30; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 12.20; UglyDolls

14.00, 17.30; 3D: Gemini Man 14.15, 17.15,

20.15; Downton Abbey 14.20, 16.40, 19.30; Good

Boys 15.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.45; Rambo 5: Last Blood 17.30, 20.20; Gut

gegen Nordwind 19.30; Es: Kapitel II19.45; Sneak

Preview 20.00; Ad Astra –Zuden Sternen 20.00;

Angel Has Fallen 20.10; Ready orNot? –Auf die

Plätze,fertig, tot 20.30

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Systemsprenger 14.35, 17.30, 20.25

Cosima (& 85 07 58 02) Und wer nimmt den

Hund? 18.00; Und der Zukunft zugewandt 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Downton Abbey (OmU)

15.00, 20.30; Nurejew –The White Crow (OmU)

17.40

Xenon (& 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Nurejew –The White

Crow (OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11)UglyDolls

10.00, 12.15, 14.45; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.10, 17.15; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 10.00, 12.15, 14.45; Angry

Birds 2: Der Film 10.00, 12.10, 14.30, 16.55;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 10.00,

12.15; 3D: Gemini Man 14.30, 17.15, 20.00; 3D:

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.30; Downton

Abbey 17.10, 19.30; AdAstra –Zuden Sternen

19.45; Sneak Preview 20.15

Kino imKulturhaus Spandau (& 333 60 81) Frau

Stern 14.30; Und wer nimmt den Hund? 16.15;

Gloria: Das Leben wartet nicht 18.15; Und der Zukunft

zugewandt 20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Downton Abbey

14.20, 17.10, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

UglyDolls 10.00, 12.15, 14.45; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 10.00, 12.10, 14.25, 17.00; Playmobil

10.00; Everest 10.00, 12.10, 15.00; Benjamin

Blümchen 10.00; Angry Birds 2 10.00, 12.10,

14.35, 17.00; AToy Story 10.00, 12.10, 14.45;

Der König der Löwen 12.05, 14.55,20.10; 3D: Angry

Birds 212.15; 3D: Gemini Man 14.30, 17.15,

20.00, 23.00; Ad Astra 17.05, 20.00, 23.00;

Deutschstunde 17.10, 20.00; Good Boys 17.45;

3D: Everest 17.45; Es II 19.30; Elvis Unleashed

(OmU) 20.00; Gut gegen Nordwind 20.10; Midsommar

22.50; Once Upon aTime in... Hollywood

22.55; Sneak Preview (OF) 23.00; Sneak Preview

23.00; Fast &Furious 23.00

Thalia Movie Magic (& 774 3440) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00,

18.30; Everest 10.00, 14.00, 16.00; Benjamin

Blümchen 10.00; Angry Birds 2 10.00, 14.00,

16.00; Pets II 12.00; 3D: Everest 12.00; 3D: Angry

Birds 212.00; Playmobil 13.45; Gemini Man

16.00, 18.00, 20.30; Downton Abbey 18.00,

20.30; Gloria 18.15; Rambo 520.30; EsII20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Jocelyne Saab (OmenglU)

20.00; DEFA-Stiftung, Filme mit Marcel Marceau:

DerMantel;Die Kunst der Pantomime; 19.00;

Der junge Engländer 21.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Gloria 13.30; Es II 13.30, 16.40, 19.00, 20.15,

22.20; Ad Astra 13.30, 16.45, 19.40, 22.50; Pets

II 13.40; Mein Lotta-Leben 13.40; Once Upon a

Time in... Hollywood 13.45, 17.05, 20.30, 22.15;

Late Night 13.50; UglyDolls 14.00, 16.40; Systemsprenger

14.00, 17.00, 20.00; Shaun das Schaf

14.00, 17.15; Gemini Man 14.00; Downton Abbey

14.00, 16.40, 19.50; Der König der Löwen 14.00,

16.20; Angry Birds 214.00; Good Boys 14.10,

17.20, 19.50, 23.00; Everest 14.10; Enzo 14.10,

17.00; AToy Story 14.15; Get Lucky 14.30, 17.10;

Der Distelfink 16.00; Und der Zukunft zugewandt

16.15; Skin 16.40, 19.50, 22.50; 3D: Gemini Man

16.45, 19.50, 23.00; 3D: Der König der Löwen

17.00, 20.00, 23.00; 3D: Everest 17.15; Zwischen

uns die Mauer 17.20, 19.45; 3D: Angry Birds 2

17.20; Yesterday 19.15; Rambo 519.20, 22.50;

Angel Has Fallen 19.20, 22.30; Gut gegen Nordwind

19.50; Sneak Preview 20.00; Elvis Unleashed

(OmU) 20.00;Ready or Not? 20.30, 23.00; Fast &

Furious 20.45, 22.40; Midsommar 22.10; 3From

Hell 22.30; Stuber 23.00; John Wick III 23.00; Annabelle

III 23.00

CineStar im Sony Center (& 04 51/703 02 00)

Enzo und die wundersame Welt der Menschen (OF)

13.20; 3D: Gemini Man (OF) 13.30, 16.40, 19.40;

Good Boys (OF) 13.40;DowntonAbbey (OF) 13.40,

16.50, 20.10; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm–Shaun the SheepMovie:Farmageddon(OF)

14.00, 16.30; UglyDolls (OF) 14.15, 16.40; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 16.20; Ad Astra

–Zuden Sternen (OF) 17.00, 20.00; Es: Kapitel

II –It: Chapter Two (OF) 19.00; Midsommar (OF)

19.30; Skin (OF) 20.15

CineStar IMAX (& 04 51/703 02 00) 3D: Pandas

11.45; Gemini Man (OF) 13.15,16.15; Gemini

Man 19.20

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Blinded by the

Light (OmU) 17.45; Berlin Babylon (OF) 20.00;

Apollo 11 (OmU) 21.45

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) UglyDolls 10.00, 12.00,

14.00, 16.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00, 18.00; Playmobil:

Der Film 10.00; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Angry Birds 2:

Der Film 10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 12.30; Gemini

Man 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Rambo 5: Last

Blood 18.00, 20.15, 22.30; 3D: Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 18.00; Downton Abbey 18.00,

20.00, 22.30; AdAstra –Zuden Sternen 20.00,

22.30; Es: Kapitel II 20.30

Casablanca (& 677 5752) Benjamin Blümchen

14.15; Über Grenzen –Der Film einer langen Reise

16.15; Leberkäsjunkie 18.30; Gut gegen Nordwind

20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 0200)

Angry Birds 2: Der Film 11.30, 14.50, 16.50; Aladdin

11.30;AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

11.30, 17.00; Benjamin Blümchen 11.35; Pets

II 11.40; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 11.45,

14.15, 16.50; Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

11.50; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm12.00, 14.30, 17.15; Diedrei !!!12.00; 3D:

Gemini Man 14.00, 17.00, 20.00; Der König der

Löwen 14.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 14.05; Playmobil: Der Film 14.20; Good

Boys 14.35; UglyDolls 14.40, 17.10; Es: Kapitel

II 16.30, 19.40; Downton Abbey 17.00, 19.40;

Rambo 5: Last Blood 17.30; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.20; Gut gegen Nordwind 19.30;

Midsommar 19.45; Sneak Preview 20.00; Ready or

Not? –Auf diePlätze,fertig,tot 20.10; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 0311) Everest

14.12; 3D: Gemini Man 14.15, 17.00, 20.00; Der

König der Löwen 14.20; UglyDolls 14.30, 17.00;

AngryBirds 214.30,17.10;Shaun dasSchaf: UFO-

Alarm 14.50, 17.00; 3D: Everest 16.50; Downton

Abbey 17.00, 19.30; Gemini Man 19.30; Annem

(OmU) 19.50; Ad Astra 20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 40 01) Systemsprenger

18.00; Idioten der Familie 20.30; Cocksucker Blues

(OF) 22.30

Toni & Tonino (& 92 79 12 00) Everest 13.15,

15.30; Berliner Filmmontag: Berlin – Ecke Schönhauser

18.00; Systemsprenger 20.45; Pets II

10.00; Downton Abbey 12.15, 15.00, 20.15; Und

der Zukunft zugewandt 17.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Deutschstunde

15.30, 18.00, 20.30; Systemsprenger 18.00,

20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Mein Lotta-Leben

13.00; Deutschstunde 15.00, 20.15;Nurejew 17.45

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Der Stein zum Leben 18.00;

Alpgeister –Mythen und Mysterien der Bayerischen

Alpen 20.30

Capitol (& 831 6417) Nurejew –The White Crow

15.00,20.30; Systemsprenger 17.45

POTSDAM

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Systemsprenger

13.15, 18.15, 20.45; Angry Birds 2

13.30, 15.45; Mein Lotta-Leben 13.45; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.15, 16.30; Nurejew (OmU)

15.45, 20.45; Downton Abbey (OmU) 15.45;

Deutschstunde 18.00, 20.30; Und der Zukunft

zugewandt 18.30; Zwischen uns die Mauer 18.45;

Skin (OmU) 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

3D: Gemini Man 13.40, 16.50, 20.00; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.45; Der

König der Löwen 13.50, 16.40; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.00, 17.10; Angry Birds 2:Der

Film 14.00, 17.00; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 14.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.15, 16.50; UglyDolls 14.20, 17.10;

Es: Kapitel II 16.10, 19.45; DowntonAbbey 16.40,

20.00; Midsommar 19.30; Gut gegen Nordwind

19.40;AdAstra –Zuden Sternen 19.50; CatVideo-

Fest 2019 20.00; Rambo 520.10

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/2798877) AngryBirds

2: Der Film 15.00; DowntonAbbey 17.30,20.20

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Wer 4sind –Die Fantastischen Vier 17.15; Gut gegen

Nordwind 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/703 0200) Playmobil

12.00; Gut gegenNordwind 12.00, 20.00; Enzo und

die wundersame Welt der Menschen 12.00, 14.40,

17.00; UglyDolls 12.05, 14.10, 16.15; Everest

12.10, 14.30; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 12.15,

14.55, 17.10, 18.25; Der König der Löwen 12.15,

15.00; Angry Birds 212.20, 14.45; Jim Knopf und

Lukas der Lokomotivführer 12.30; Benjamin Blümchen

12.30; 3D: GeminiMan 14.20, 17.10, 20.00;

Good Boys 14.45; AToy Story 14.45; Pets II 15.00;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 17.00; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 17.15;

Downton Abbey 17.15, 20.00; 3D: Der König der

Löwen 17.15; Rambo 5: Last Blood 17.30, 20.00;

3D: Angry Birds 2: Der Film 17.40; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.45; Es: KapitelII19.45; Angel

Has Fallen 19.50; Midsommar 20.00; Ready or

Not? –Auf diePlätze,fertig,tot 20.10; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.30

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Mein

Lotta-Leben –AllesBingo mitFlamingo! 10.00;Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 10.00, 14.00, 16.00;

Angry Birds 2: Der Film 10.00, 15.00; Playmobil:

Der Film 12.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

12.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

12.00, 14.00, 16.00; Systemsprenger 17.45; Gloria:

Das Leben wartet nicht 18.00; Gemini Man

18.00, 20.30; Downton Abbey 20.30; Es: Kapitel

II 20.30

FilmpalastOranienburg (& 033 01/704828) Angry

Birds 2: Der Film 12.00; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 12.20, 14.15, 16.10; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 12.45; 3D: Angry

Birds 2: Der Film 14.00, 16.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 15.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 17.15; Downton Abbey 18.00; Ad Astra –Zu

den Sternen 18.00; Elvis Unleashed (OmU) 20.00;

Und wer nimmt den Hund? 20.15; Alien –Das unheimliche

Wesen aus einer fremden Welt 20.15

Kino-Cafe Dahme (& 03 54 51/343) Angry Birds

2: Der Film 17.00; Systemsprenger 20.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 13.00; Ad Astra

–Zuden Sternen14.00,20.30;Everest:Ein Yeti will

hoch hinaus 15.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 17.30; Gut gegen Nordwind 18.00; Rambo

5: Last Blood 20.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019

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Spreewild

Klartext

Respekt,

Alba!

VonSelly Häußler, 28Jahre

Innerlich schwinge ich meine

Pompons für Alba Berlin, als ich

die Meldung auf einem Bildschirm

in der U-Bahn lese. Der Schritt, die

Cheerleader aus dem Pausenprogramm

zu streichen, ist ein wichtiges

Statement. DerVerein sei zu der

Überzeugung gekommen, dass „das

Auftreten junger Frauen als attraktive

Pausenfüller bei Sportevents

nicht mehr in unsere Zeit passt“, so

die Begründung.

Es mag sein, dass die Mädels gerne

in knappen

Kostümen tanzen

und die Basketballspieler

anfeuern

–das ändert

aber nichts

daran, welches

Bild das vermit-

Selly ist froh, dass

das Cheerleader-

Team Geschichte ist.

PRIVAT

telt. Die Helden

auf dem Feld

kassieren die dikke

Kohle, Frauen

sind dagegen nur

Beiwerk. Durchs

Cheerleading verinnerlichen Fans

die veraltete Rolle der sexy Unterstützerin.

Schön, dass der Verein jetzt stattdessen

die Damen-Basketballmannschaft

stärker fördernmöchte.Damit

will ich nicht sagen, dass Tanzen als

Sport weniger beeindruckend ist –

aber doch besser auf der eigenen

Bühne bleibt. Die „Alba Dancers“

bekommen durch die Bespaßung

am Rand bestimmt mehr Aufmerksamkeit

als die meisten anderen

Tanzgruppen. Und natürlich machen

sie das freiwillig. Aber Basketballfans

kommen nicht wegen ihrer

Begeisterung fürs Tanzen und somit

liegt der Fokus dann doch eher auf

dem Aussehen der Frauen.

Eine andere Möglichkeit für den

Verein ein Statement zu setzen,

wäre die „Alba Dancers“ auch für

Männer zu öffnen. Und wenn nötig

eine Männerquote einzuführen. Die

Höschen aber bitte genauso kurz! So

zeitgemäß ist Alba dann scheinbar

auch wieder nicht.

Hörprobe

Seeed –„Bam Bam“

Nach dem plötzlichen Tod des

Sängers Demba Nabé war die Angst

groß, Seeed würde sich zurückziehen.

Seit Freitag ist „Bam Bam“

draußen, das fünfte Studioalbum

der Berliner Band. Elf Songs –voller

Hip-Hop, Afro-Trap, Dub und Reggae,

mit gewohnt teils tiefgründigen

Inhalten, unter anderem: „Komm in

mein Haus“. Elf Songs –voller Abwechslung

und mit musikalischer

Unterstützung von Musikern wie

Trettmann, Deichkind, Rapperin

Nura und Salsa 359. Aber auch dramatischen

Töne finden ihren Platz

im neuen Album –wie in „What a

Day“, einer alten Aufnahme, bei der

Demba Nabé singt, unterstützt von

Streichinstrumenten.

LauraKrüger,24Jahre

Fazit Seeed hat es auch nach sieben Jahren

ohne Album noch ordentlich drauf.

Engagiert für ein geeintes Europa

Die 21-jährige Friederike Schier führt seit Kurzem die Partei Volt Deutschland an. Ein Portrait

Von Moritz Tripp, 24 Jahre

VonJulia Sauer, 23Jahre

Von Rassismus und Social Diversity

handelt der neue Kurzfilm

„True Colors of Society“ des 16-jährigen

Filmemachers Samu Gabor.

Im Interview spricht er über sein

Projekt, seine Ambitionen und das

Filmemachen.

Wovonhandelt dein neuer Film?

Es geht um einen dunkelhäutigen

Mann, der magische Kartentricks

auf der Straße aufführt. Zunächst

ist keiner an der Show interessiert

–wegen seiner Hautfarbe. Sohat er

die Idee, weißes Make-up auf seinem

kompletten Gesicht aufzutragen.

Daraufhin bleiben viele Leute

stehen, obwohl er die gleiche Show

macht. Er fühlt sich allerdings nicht

gut mit der Täuschung und wischt

das Make-up weg. Sofort nimmt das

Interesse an seinerShowwieder ab.

Welche Ziele verfolgst du mit deinen

Filmen?

Die grundlegende Idee ist, einem

Thema Raum zu geben, das in unserer

Welt sehr wichtig ist. In Ungarn,

Mit 21 Jahren ist Friederike Schier diejüngste Vorsitzende einer Partei in Deutschland. MARCELL DAVIDS

Volt wurde 2017 als Reaktion

auf wachsenden Populismus

und den Brexit gegründet. Die

Partei ist paneuropäisch,also

in allen europäischenLändern

vertreten.

wo ich herkomme, ist Rassismus

ein sehr großes Problem. Für einen

schwarzen Mann ist es dort schwer

,ein friedliches Leben zu führen.

Also sind deine Filme auch ein Stück

weit soziales Engagement?

Ja, total! Der Film ist ein Icon,

er ist nicht sehr realistisch. Wasich

zeigen möchte ist, wie leicht Leute

„brainwashed“ werden können.

DIE PARTEI VOLT

Mitglieder können selbst

bestimmen, wie sehr sie

sich zeitlich und finanziell

engagieren. Volt sieht sich

als eine Mischung aus

Partei und Bewegung.

Ziel der Partei ist es, die

EU als System zu reformieren

und näher an den Bürger

zu bringen. Mittlerweile hat

Volt auch einen Abgeordneten

im Europaparlament.

Der Film trägt den Namen „True

Colors of Society“. Welche Gesellschaft

meinst du genau?

Keine spezielle –weder eine spezifische

Zeit noch einen spezifischen

Ort. Rassismus und Social Diversity

waren aktuelle Themen vor 50Jahren,

sind es heute und in 50 Jahren

werden sie es auch noch sein. Deswegen

habe ich auch an Zaubertricks

gedacht. Siesind zeitlos.

Pünktlich um halb elf erscheint

Friederike Schier in

der Redaktion, bereit über

sich und ihre Partei zusprechen,

inder sie gerade zur Co-Vorsitzenden

gewählt wurde. Sie wirkt

entspannt. Und das, obwohl sie seit

7.30 Uhrauf den Beinen ist. Trotz des

vollen Terminkalenders ist ihr der

Stress, den die Arbeit in einer Partei

mit sich bringt, nicht anzumerken.

Geboren und aufgewachsen ist

Friederike Schier in Strausberg bei

Berlin. Sie sagt, sie sei mit der Stadt

aufgewachsen und nicht in ihr. Erst

für die höheren Klassenstufen und

das Abitur wechselte sie auf ein

Gymnasium im Osten Berlins.„Weil

ich Lust dazu hatte, einfach noch

was Neues wollte, irgendwie neuen

Input brauchte.“ Man hat den Eindruck,

auch jetzt sei sie ständig auf

der Suche nach Neuem.

Anschließend folgte das Bachelorstudium

in Sozial- und Kulturanthropologie

an der FU.Während dieser

Zeit erstarkte in ihr der Wunsch,

sich selbst politisch zu engagieren.

Ein Auslöser war ein Auslandssemester

in Kopenhagen: „Ich bin mit

dem dortigen Sozialsystem aneinandergeraten.

Die Sozialnummer, die

man inDänemark braucht, um am

dänischen Sozialsystem teilzunehmen,

konnte ich als Erasmus-Studentin

aus verschiedenen Gründen

nicht bekommen. Deshalb war ich

zu großen Teilen vom Sozialsystem

ausgeschlossen und dachte mir:

Wo ist denn eigentlich die Unionsbürgerschaft?

Ich merkte, dass wir

hier etwas tun müssen.“ Ihr Ton ist

entschieden, während sie mit Überzeugung

davon erzählt, tatsächlich

etwas verändernzukönnen.

Im Sommer 2018 stieß sie dann

auf Volt, jenes junge Bündnis, das

eine Brücke zwischen Partei und Bewegung

schlagen will. Vonder paneuropäischen

Idee der Partei war sie

begeistert.Während der Europawahl

koordinierte sie die Volt-Wahlkampagne

mit, arbeiteteals studentische

Hilfskraft bei der Europäischen Bewegung

Deutschland, schloss ihren

Bachelor ab und begann einen Master

in European Studies –alles quasi

zeitgleich. Wiesie das fertigbringt?

„Ich bin Managerin, ich kann richtig

gut Zeitpläne erstellen.“ Das mache

ihr Spaß, das sei einfach sie.

Unter anderem aufgrund ihres

Organisationstalents hat sie es vor

vier Wochen mit gerade einmal 21

Jahren in den Parteivorsitz von Volt

Deutschland geschafft.„BeiVolt zählen

einzig der Charakter und die Leistung,

die man erbringt, nicht etwa

Alter,Geschlecht und dergleichen.“

Und wenn ihr nun doch jemand

unterstellt, sie habe mit 21 Jahren

nicht die nötige Lebenserfahrung

für so ein wichtiges politisches Amt?

Über eine Antwort muss sie nicht

lange nachdenken: „Dann würde ich

sagen, ich habe das längste Leben

mit diesen politischen Verhältnissen

vor mir und habe einfach so zügig

wie möglich begonnen, Politik zu

beeinflussen. Denn ich möchte uns,

der Jugend, ermöglichen, die Sache

selbst in dieHand zu nehmen.“

Ihr Motor ist dabei die Vision

eines geeinten Europas. Sie sagt,

sie bewundere andere Menschen,

die sich politisch engagieren, doch

wirkliche politische Vorbilder habe

sie nicht. Nun kann sie selbst eines

werden. Zugegeben, zuletzt war sie

als Generalsekretärin und Koordinatorin

vor allem im Hintergrund

der Partei tätig. Ihre neue Rolle als

Gesicht der Partei sei für sie zwar

noch ungewohnt, doch man merkt,

dass sie nicht davor zurückschreckt,

ins Licht der Öffentlichkeit zu treten.

Dabei ist es ihr noch etwas fremd,

Fragen in einem Interview zu beantworten:

Normalerweise sei sie

diejenige, die fragt, und nicht andersherum.

Siewirdsich wohl daran

gewöhnen müssen.

DieFrage,wosie sich in fünf Jahrensieht,

findet sie „ganz furchtbar“.

Trotzdem fällt ihr eine Antwort ein:

„Auf der Straße,beim Wahlkampf für

die nächste Europawahl.“

Das ausführliche Portrait sowie

Infos zur Partei auf spreewild.de.

„Ich will wichtigen Themen Raum geben“

16-jähriger Filmemacher Samu Gabor veröffentlicht Kurzfilm über Alltagsrassismus

Wie wäre sein Leben, wennerhellhäutig wäre?Davonhandelt „True Colors of Society“.

GSTFILMSTUDIO

Und mit welcher Farbe würdest du

unsere Gesellschaft in Berlin beschreiben?

Ganz klar –bunt! Berlin ist wirklich

eine vielfältige Stadt und dafür

liebe ich sie! Das sieht man auch

gut in meinem Team. Es besteht aus

Leuten aus China, Brasilien, Syrien,

Ungarnund Deutschland.

Was hältst du von der Entwicklung

hin zu einem digitalen Filmmarkt?

Mittlerweile kann jeder einen

Film verbreiten – auch ohne ein

großes Hollywood-Studio. Früher

musste man ein hohes Risiko eingehen

und viel Geld investieren, damit

ein Film veröffentlicht wurde. Heute

kann ein Film auf YouTube in ein

paar Tagen Millionen vonMenschen

erreichen! Dasist super cool.

Wielange dauert es, bis ein Film fertig

ist?

An„TrueColors of Society“ haben

wir vier bis fünf Monate gearbeitet.

Das ausführliche Interview mit

Samu Gabor inklusive Link zum

Film gibt esauf spreewild.de.

Formen des

gewaltfreien

Widerstands

So verläuft ein Training für

zivilen Ungehorsam

Von Selly Häußler, 28 Jahre

Ich würde mich wegtragen lassen“,

ruft ein Mädchen aus meiner Bezugsgruppe.

Zwei von uns sieben

zweifeln noch. Für uns alle wäre das

die erste Sitzblockade,bei der wir aktiv

dabei sind. Hypothetisch blockieren

wir gerade eine Nazi-Demo. In

Wirklichkeit sitzen wir in einem Zelt

beim „We4Future-Camp“ vor dem

Kanzleramt und nehmen aneinem

sogenannten Aktionstraining teil.

Dortcampten gerade Menschen, die

die Politik bezüglich der Klimakrise

zum schnellen Handeln bewegen

wollen. Mit Demonstrationen. Oder

aber auch mit anderen Mitteln. Hier

erfahren wir,wie ziviler Ungehorsam

funktioniert.

„Ziviler Ungehorsam ist die bewusste

Überschreitung gesellschaftlicher

Regeln, um auf etwas aufmerksam

zu machen. Das sind nicht nur

Blockaden, es können zum Beispiel

auch Boykotte sein“, sagt Voltaire,

der das Training leitet und nicht mit

richtigem Namen genannt werden

möchte. Schon Mahatma Gandhi,

Rosa Parks und Martin Luther King

Jr. haben diese Form des gewaltfreien

Widerstands praktiziert, umfür

ihre Sache einzustehen. Begründet

werden die meist illegalen Handlungen

durch ihreLegitimität.

Voltaire erklärt, wie eine Blockaden

organisiert wird. Die Beteiligten

treffen sich im Vorfeld in Bezugsgruppen

von vier bis zwölf Leuten,

die sich idealerweise kennen und

vertrauen. Jede Bezugsgruppe bespricht,

wie weit sie gehen möchte.

Zum Beispiel kann man sich im

„Päckchen“ wegtragen lassen, sich

einhaken oder sogar schlaff hinlegen,

um es den Beamten schwer zu

machen. Die verschiedenen Vorgehensweisen

bergen aber auch unterschiedliche

Risiken. ZumBeispiel

ist beim Einhaken die Gefahr höher,

sich aus Reflex loszureißen, was

rechtlich erhebliche Konsequenzen

haben kann.

Voltaire stellt klar, dass alles, was

er über den rechtlichen Teil sagt,

auch falsch sein könne. Wir sind

aber besonders daran interessiert,

welche Konsequenzen drohen.

„Werden Ordnungswidrigkeiten ins

Führungszeugnis eingetragen?“,

„Kann ich fürs Wegrennen bestraft

werden?“, „Gilt ein Schal als Vermummung?“

Bei diesen Fragen zögert

auch Voltaire. Es gibt ein erweitertes

Führungszeugnis, Wegrennen

ist keine gute Idee und der Schal ist

wahrscheinlich okay,aber werweiß.

MELDUNG

Jugendschreibwettbewerb

„THEO“ ist gestartet

Der„THEO –Berlin-Brandenburgischer

Preis für Junge Literatur“ 2020

steht unter dem Motto „Inseln“. Bis

zum 15. Januar 2020 können junge

Schreibtalente bis einschließlich 18

Jahren aus aller Welt Gedichte und

Kurzgeschichten zu diesem Thema

einreichen. Diebesten Autoren

gewinnen einen professionellen

Schreibworkshop. (jill)

Alle Infos: www.theo-schreibwettbewerb.de.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

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Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 27

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TV-Programm

ARD

9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.44 (für HG)

Tagesschau 10.45 (für HG) Meister des Alltags

11.15 (für HG) Werweiß denn sowas? 12.00 (für

HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet

13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für

HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen.

Telenovela 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für

HG) Sturmder Liebe. Telenovela 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Fluss

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Morden im Norden 19.45 (für

HG) Wissen voracht –Zukunft 19.50 (für HG)

Wetter voracht 19.55 (für HG) Börse voracht

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Wohnen. Mieten. Abzocken.

Der Beitrag erzählt die Geschichte vom

großen Geschäft mit Immobilien und

fragt: Warumschaffen es Städte wie

Wien, auch heute noch günstigeMietwohnungen

vorzuhalten?

21.00 (für HG) Hart aber fair

Talkshow. Klimaretteroder Nervenkiller

–was kann die deutsche Bahn?

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Bluthandel

23.30 (für HG) Unser Deutschland

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.10 Explosiv –Weekend 6.00 Guten Morgen

Deutschland 8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte

Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap

9.30 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 10.00

Der Blaulicht Report 11.00 Der BlaulichtReport

12.00 Punkt 12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00

Die Superhändler–4Räume, 1Deal. Trödelshow

15.00 Schätze aus Schrott. Trödelshow 16.00

Mensch Papa! Väter allein zu Haus 17.00 Herz

über Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell

19.03 RTL Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Team Wallraff –Reporter undercover

Auch in der neuen Ausgabe begeben sich

Günter Wallraff und sein Reporter-Team in

aufwendigeUndercover-Recherchen und

decken alarmierende Bedingungen in der

Arbeitswelt auf.

22.30 Extra –Das RTL Magazin

23.25 SpiegelTV

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Die Alltagskämpfer –Überleben in

Deutschland

1.15 Ohne Filter

MDR

13.58 (für HG) MDR aktuell 14.00 (für HG) MDR

um 2 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für

HG) MDR um 4 17.45 (für HG) MDR aktuell

18.05 (für HG) Wetter für 3 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Unser Sandmännchen

19.00 Regionales 19.30 (für HG) MDR aktuell

19.50 (für HG) Mach dich ran 20.15 (für HG)

Sonnenallee. Komödie, D1999 21.45 (für HG)

MDR aktuell 22.05 (für HG) Fakt ist! 23.03 MDR

aktuell 23.05 (für HG) Heimweh nach drüben.

Komödie, D2007 0.35 (für HG) Salto Postale

1.28 MDR aktuell 1.30 (für HG) Fakt ist!

Bayern

14.15 (für HG) Lichters Schnitzeljagd 14.45 (für

HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wirin

Bayern 17.30 Regionales 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Unkraut 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Landfrauenküche 21.00 (für HG) Bayern

erleben 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG) Lebenslinien 22.45 (für HG) Der

Kaiser vonSchexing.Familienserie 23.35

Ringlstetter 0.20 Rundschau Nacht

Vox

5.15 (für HG) CSI: NY 6.55 (für HG) CSI: Vegas

8.50 Verklag mich doch! 10.50 Nachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00

Die schönste Braut 17.00 Zwischen Tüll und

Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei

19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent!

20.15 Goodbye Deutschland! 22.15 (für HG)

Survivor 23.50 Goodbye Deutschland! 0.45

Nachrichten 1.05 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

5.45 Die Oktonauten 6.25 Ranger Rob 6.45

Peppa Pig 6.55 PawPatrol 7.25 Caillou 7.50

Peppa Pig 8.00 Zak Storm 10.30 Ninjago 13.10

Polly Pocket 13.40 Angelo! 14.15 Die Tomund

JerryShow 14.45 Dragons –Auf zu neuen Ufern

15.15 Mr.Bean –Die Cartoon-Serie 15.45

Alvinnn!!! 16.40 Die Nektons –Abenteurer der

Tiefe 17.10 Mr.Magoo 17.40 Zak Storm–Super

Pirat 18.10 Die Tomund JerryShow 18.35

Woozle Goozle und die Weltentdecker 19.05

Alvinnn!!! 19.45 Mighty Mops. Animationsserie

20.15 On the Case 0.20 Infomercials

Sport1

5.00 SportClips 5.30 Antworten mit Bayless

Conley 6.00 Die Arche-Fernsehkanzel 6.30

Teleshopping 15.30 Fußball. Legendenspiel.

Klassiker 17.30 Fußball. Legendenspiel.

Deutschland –Italien, live 19.55 Fußball.

RegionalligaVorberichte 20.15 Fußball.

Regionalliga: Wacker Burghausen –Türkgücü

München, live 22.15 Sport1 News 22.30

Goooal! –Das internationale Fußball Magazin

23.00 Fußball –Die MLS-Highlights 23.30 3.

LigaPur.11. Spieltag 0.15 SportClips

ZDF

5.00 (für HG) ZDF.reportage 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoPotsdam. Krimiserie.

Familienschande 19.00 (für HG) heute 19.20

(für HG) Wetter 19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Dengler –Brennende Kälte

Krimireihe,D2019.Mit Ronald Zehrfeld.

Georg Denglerwird von der Hackerin

Olga, mit der er schon mehrfach

zusammengearbeit hat, kontaktiert. Eine

Freundin vonihr wurde umgebracht.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Mord auf höchster Ebene

Thriller,B2016. Mit Koen De Bouw

0.00 heute+

0.15 (für HG) Lebenszeichen –Jüdischsein

in Berlin

Dokumentarfilm, D2018

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen. Moderation:

Christian Wackert, Alina Merkau 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie!

Reality-Soap 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Reality-Soap 12.00

Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz

14.00 AufStreife 15.00 AufStreife –Die

Spezialisten 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer 17.30 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer /oder Sat.1 Regional-Magazine

18.00 Die Ruhrpottwache. Zwei Kinder spielen in

einem verschlossenen Gartenhäuschen mit

gefährlichen Waffen. 19.00 Genial daneben –

das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Todesfrist –Nemez und

Sneijder ermitteln

Kriminalfilm, D/A 2019. Mit Josefine

Preuß, Raymond Thiry. Werschafft es, das

„48-Stunden-Rätsel“ zu lösen und damit

ein Leben zu retten?

22.15 akte.

23.15 Grenzenloser Schmuggel? Zöllner

packen aus! –Die Sat.1 Reportage

0.15 (für HG) Todesfrist –Nemez und

Sneijder ermitteln

Kriminalfilm, D/A 2019

1.55 (für HG) Criminal Minds

WDR

13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55

Erlebnisreisen 14.00 Lecker an Bord 14.30 (für

HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG) WDR

aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

WDR aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Der Vorkoster 21.00 (für HG) Viel

für wenig 21.45 (für HG) WDR aktuell 22.10 (für

HG) Unterwegs im Westen 22.40 (für HG)

Sträters Männerhaushalt 23.25 (für HG) Eine

Weltreise durch den Westen 0.05 So lacht NRW

NDR

14.00 (für HG) Aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) Aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag

17.10 (für HG) Leopard, Seebär&Co. 18.00

Regionales 18.15 (für HG) Die Nordreportage

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Markt 21.00

(für HG) Die Ernährungs-Docs 21.45 (für HG)

Aktuell 22.00 (für HG) 45 Min 22.45 (für HG)

Kulturjournal 23.15 (für HG) Der Mann mit dem

Fagott (1/2). Biografie, A/D 2011 1.00 (für HG)

Die Ernährungs-Docs

Kabel eins

5.55 Eureka –Die geheime Stadt 7.35 Blue

Bloods 9.25 Navy CIS 11.10 Without aTrace

12.10 Numb3rs 13.05 (für HG) Castle 13.55

(für HG) The Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS:

L.A. 15.50 kabel eins news 16.00 Navy CIS

16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein

Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15

(für HG) Aufder Jagd. Actionfilm, USA 1998

22.55 (für HG) Aliens vs. Predator 2. Science-

Fiction-Film, USA 2007 0.40 (für HG) Aufder

Jagd. Actionfilm, USA 1998

RTL 2

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 7.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Traumfrau gesucht 15.00

Traumfrau gesucht 16.00 Hilf mir! Die volle

Dröhnung 17.00 RTL II News 17.04 RTL II Wetter

17.05 Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05

Köln 50667 19.00 Love Island Flash 19.05

Berlin –Tag &Nacht 20.15 Love Island 21.15

Hartes Deutschland –Leben im Brennpunkt

23.15 The Walking Dead 0.05 The Walking Dead

Eurosport 1

8.30 Legenden Hautnah 9.00 Camps to Champs

9.30 Springreiten. FEI Nations Cup 2019 in

Barcelona. Finale 11.00 Radsport 12.00

Radsport. Radsport 13.00 Radsport. Famenne

Ardenne Classic 14.00 Radsport. Gran Premio

Beghelli 2018. Eintagesrennen in Italien 15.00

Motorsport 16.30 Skispringen 17.30 Schwimmen

19.00 Radsport. CRORace 20.00 udo.

Grand Slam in Brasilia 21.00 Judo. Grand Slam

in Brasilia. Tag2,live 23.00 Nachrichten 23.05

Schwimmen 0.00 Nachrichten 0.05 Radsport

TV-Tipps

ZDF, 22.15 UHR THRILLER

Mord auf höchster Ebene

Früher Morgen in Brüssel, es regnet in Strömen: Belgien hat den Vorsitz

der EU übernommen, der belgische Premierminister Michel Devreese

(Koen De Bouw) bereitet sich in seinem Haus am Rande der Stadt auf hohen

Staatsbesuch vor. Binnen Stunden soll er die US-Präsidentin begrüßen und

nach einem Staatsbankett mit ihr drängende politische Fragen diskutieren.

Doch als Michel zu seinem Chauffeur und seiner Pressesprecherin Evain

seinen Wagen steigt, wird das Auto kurze Zeit später von einem bewaffneten

Kommando überfallen. DerChauffeur stirbt und wird durch einen Komplizen

der Terroristen ersetzt. Deren Forderung: Michel soll die US-Präsidentin

erschießen. Als Druckmittel benutzen die Männer unter ihrem gefährlichen

Anführer Michels gesamte Familie.

(B/2016)

Foto: ZDF

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9 3

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2 4 7

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2 8 7 5 9 6 4 3 1

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RBB

8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30 (für HG)

Abendschau 9.00 (für HG) In aller Freundschaft

9.45 (für HG) In aller Freundschaft –die jungen

Ärzte 10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG)

Sturmder Liebe 12.10 (für HG) Julia –Eine

ungewöhnliche Frau. 13.00 rbb24 13.10 (für

HG) Verrückt nach Meer 14.00 (für HG)

Lottoschein ins Glück. Komödie, D2003 15.30

(für HG) Tiere bis unters Dach 16.00 (für HG)

rbb24 16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 17.00

(für HG) rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &

Co. 17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.00

rbb UM6 18.27 rbb wetter 18.30 zibb 19.27 rbb

wetter 19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Super.Markt

Der neue Nutriscore /Grüne Geldanlagen

–Nachhaltig und sicher? /Fertig-Bolognese

–Welche Soße ist die Beste? /

Verwirrende Konfektionsgrößen –Welche

Hose passt? /Bioresonanzmessungen

21.00 (für HG) Die Wahrheit über ...

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Tatort: Am Ende des Flurs

Krimireihe, D2014. Mit Udo Wachtveitl

23.30 (für HG) Polizeiruf 110: Ihr faßt mich

nie! Krimireihe, DDR 1988

1.00 (für HG) Alles Klara

ProSieben

5.35 NewGirl. Sitcom 6.15 Eine schrecklich

nette Familie. Sitcom 7.15 Last Man Standing.

Comedyserie 8.05 Mr.Griffin –Kein Bock auf

Schule. Comedyserie 9.00 (für HG) HowIMet

Your Mother.Sitcom 10.45 Fresh Off the Boat.

Sitcom 11.15 Mike&Molly.Sitcom 11.35 2

BrokeGirls. Sitcom 12.30 Mom. Sitcom 13.20

(für HG) Twoand aHalf Men. Sitcom 14.45 The

Middle. Comedyserie. Die königlicheHochzeit /

Der zweite Muttertag 15.40 (für HG) The Big

Bang Theory. Sitcom.Der Mann, der seine Omi

liebte /Football für Nerds /Der Gitarrist auf der

Couch 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für

HG) Die Simpsons. Donnerstags bei Abe /Eswar

einmal in Springfield 19.05 Galileo

20.15 (für HG) The Big Bang Theory

Sitcom. Die Prominenten-Peinlichkeit.

Sheldon lernt in WilWheatons Sendung

William Shatner kennen –und muss sich

vorlauter Aufregungübergeben. Dann will

er sich bei Wilentschuldigen.

20.45 (für HG) Young Sheldon

Comedyserie

21.15 (für HG) Die Simpsons

22.10 (für HG) The Big Bang Theory

23.10 Late Night Berlin

Gast: Katrin Bauerfeind

0.15 (für HG) The Big Bang Theory

Arte

11.30 Die Nomadenärztin 12.15 Re: 12.50 Arte

Journal 13.00 Anderswo in Europa 13.05 Stadt

Land Kunst 13.50 (für HG) Ein unvergesslicher

Sommer.Romanze, F2018 15.25 Wiedas Land,

so der Mensch 15.50 Feine Stoffe, ferne Länder

16.45 Xenius 17.10 (für HG) Yangtse 17.40

Italien, 24 Stunden. Dokumentarfilm, F2017

18.35 (für HG) Tierisch alt! 19.20 Arte Journal

19.40 (für HG) Re: 20.15 (für HG) Tage des

Himmels: In der Glut des Südens. Drama, USA

1978 21.45 Lebensgier.Drama, USA 1954

23.15 (für HG) Elliott Erwitt 0.15 Arte Journal

3Sat

13.20 (für HG) Große Völker 14.05 (für HG)

Spreewald 14.45 Deutschlands Traumstraßen

15.30 Mythos Plattenbau 16.15 Die Krake

17.00 (für HG) Skandal! 17.45 Wahr oder

falsch? 18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20

Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Im Reich vonKreuzotter &Co. 21.00 (für

HG) Schwarze Mamba 21.45 Wildes Nairobi

22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 Kolyma –Die Straße

der Knochen. Dokumentarfilm, D2017 23.50

(für HG) Sag mir,wodie Frauen sind 0.20 10 vor

10 0.50 (für HG) Willkommen Österreich

Phoenix

6.45 Mitteldeutschland vonoben 8.15 (für HG)

Geschichte Mitteldeutschlands 9.00 phoenix vor

ort 9.30 phoenix plus 10.00 phoenix vorort

10.30 phoenix plus 12.00 phoenix vorort 12.45

phoenix plus 14.00 phoenix vorort 14.45

phoenix plus 16.00 Das war dann mal weg

17.30 phoenix der tag 18.00 Meine Demokratie

18.30 Dokumentation 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Geschichte Mitteldeutschlands

21.45 (für HG) heute journal 22.15 unter

den linden 23.00 phoenix der tag 0.00 unter

den linden 0.45 Geschichte Mitteldeutschlands

Kika

12.25 (für HG) Die Sendung mit der Maus 12.55

(für HG) Insectibles 13.15 41/2 Freunde 13.40

(für HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein

–Erfurt 15.00 (für HG) Eine lausigeHexe 15.50

(für HG) Miss Moon 16.15 Die Piraten von

nebenan 16.50 (für HG) Geronimo Stilton 17.35

(für HG) Belle und Sebastian 18.00 Der kleine

Nick 18.15 Kleine lustigeKrabbler 18.35

Elefantastisch! 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 Tib&Tumtum 19.25 (für

HG) Wissen macht Ah! 19.50 (für HG) logo!

20.00 (für HG) Kika Live 20.10 Twin Teams

Dmax

5.10 Dubai Airport 6.00 Die Aquarium-Profis

6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn 9.50

Infomercial 10.15 BaggageBattles 11.15

HighwayCops 12.15 Border Control –Spaniens

Grenzschützer 13.15 Dubai Airport 14.15

Ausgesetzt in der Wildnis 15.15 Ed Stafford

16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15 Asphalt-

Cowboys 18.15 Steel Buddies 19.15 A8 –Abenteuer

Autobahn 20.15 Die Gebrauchtwagen-

Profis 22.15 DieselBrothers 23.10 DMAX News

23.15 DieselBrothers 0.40 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Patienten, Pillen und das große Geld

10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 Wetter

verstehen! 11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.0

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.20 Weltspiegel 20.00 Tagesschau

20.15 Der Klimacheck –Wie verändertsich die

Natur? 21.47 Tagesschau 21.50 Extra 22.00

Markt 22.45 Tagesschau vor20Jahren 23.00

Tagesthemen 23.30 Wetter extrem 0.00

Großputz im Stadion 0.30 Europamagazin 1.00

Nachtmagazin 1.20 Westpol 1.50 Brandenburg

aktuell 2.20 MDR Sachsen-Anhalt Heute

ONE

5.15 Die Pierre M. Krause Show 5.45

Großstadtrevier 6.35 Hollywood’sBest Film

Directors 7.00 Quarks 7.45 PartyofFive 9.15

kinokino 9.30 Lindenstraße 10.00 Hot in

Cleveland 10.40 Lindenstraße 11.10 Großstadtrevier

12.00 Sturmder Liebe 13.35 Um

Himmels Willen 14.20 Utta Danella –Liebe mit

Lachfalten.Romanze, D2011 15.50 Großstadtrevier

16.40 Hot in Cleveland 17.20 Lindenstraße

17.50 Hartaber herzlich 18.40 Sturmder

Liebe 20.15 Grand Hotel. Dramaserie 21.45

Nuhr im Ersten 22.30 Private Eyes 23.10 Hot in

Cleveland 23.50 Schweinskopf al dente.

Krimikomödie, D2016 1.20 Grand Hotel

ZDF NEO

7.20 (für HG) Kerners Köche 8.05 Topfgeldjäger

9.00 (für HG) Lafer!Lichter!Lecker! 9.40 (für HG

Bares für Rares 10.35 (für HG) Bares für Rares

11.30 Bares für Rares 12.15 (für HG) Monk

12.55 (für HG) Monk 13.35 Psych 14.15 Psych

15.00 (für HG) Monk 15.40 (für HG) Monk

16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 Bares für Rare

18.30 (für HG) Bares für Rares 19.20 (für HG)

Bares für Rares 20.15 (für HG) Inspector

Barnaby: Sportler und Spione. Krimireihe,GB

2009 21.50 (für HG) Inspector Barnaby: Sag Ja

und stirb! Krimireihe, GB 2009 23.20 Scott &

Bailey. Krimiserie 0.05 Scott &Bailey. 0.55

Spooks –ImVisier des MI5. Krimiserie

ZDF INFO

5.00 (für HG) Verräterische Spuren 5.45 Dem

Verbrechen auf der Spur 6.30 Murder Maps 7.45

Die Paten vonder Ruhr 8.28 heute Xpress 8.30

Ermittler! 9.00 Aufgeklärt–Spektakuläre

Kriminalfälle 11.15 Das perfekte Verbrechen

12.00 Serienkiller 12.45 Wunder der Baukunst

14.15 Mythos Concorde 15.45 Genial

konstruiert 18.45 (für HG) Leschs Kosmos 19.4

Leschs Kosmos 20.15 Exoplaneten –Fahndung

nach derzweiten Erde 21.00 (für HG) Faszinatio

Universum 0.00 Geheimnisse des Universums

0.45 (für HG) heute journal 1.15 Krieg der

Bunker –Westwall gegenMaginot-Linie 2.00

Panzer! 2.45 Weltenbrand

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik BarockeBeats –die Lautten

CompagneyBerlin, mit Bernhard Schrammek,

ca. 56 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Gegenwart Der Saxophonist Martin

Posegga. Mit Eckhard Weber,ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik-Panorama KammerorchesterBasel. Franz

Schubert: Ouvertüre zur Oper „Fierrabras“, D796

/Sinfonie Nr.5B-Dur,D485 /Sinfonie Nr.1

D-Dur,D82, Leitung: Heinz Holliger,ca. 105 Min

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Der Münchner Bariton Ludwig Mittelham

mer debütiertmit Franz Schubert, HugoWolf und

Nikolai Medtner,ca. 30 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Propaganda. VonSteffenKopetzky,

gelesenvon Johann vonBülow, ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kriminalhörspiel HeiligeMörderin (2/2). Nach

dem Roman vonKeigoHigashino, Bearbeitung

und Regie: Janine Lüttmann, ca. 57 Min.

MAGAZIN

13.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Länderreport Wuppertal im Bergischen Land –

Wo Utopia garnicht so weit wegist. VonPhilipp

Lemmerich,ca. 55 Min.

15.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Tonart Das Musikmagazin am Nachmittag:

Musiktipps /LiveSession /Kulturnachrichten,

ca. 115 Min.

15.35 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

@mediasres Das Medienmagazin, ca. 25 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Mauerreste unter Palmen: Das

Wende-Museum in Los Angeles. VonMargit

Miosga, ca. 26 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Schöne Stimmen Irmgard Seefried zum 100.

Geburtstag.Mit Rainer Damm, ca. 56 Min.

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen Damengedeck –Wenn Frauen allein

in Bars sitzen. VonNatalie Putsche, ca. 55 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Mélanie De Biasio (belgische Soulund

Jazz-Sängerin), mit Ortrun Schütz, ca. 30 Min

22.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert The Milk Carton Kids in der Passionskirche

Berlin, ca. 87 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 232 · M ontag, 7. Oktober 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

MileyCyrus (26) verteidigt auf Twitter,

dem digitalen Relevanzkanal, ihr

Recht, tun und lassen zu können, was

sie will. Dazu gehörtfür die US-Sängerin

unter anderem, nach dem Ende

ihrer Beziehung mit Schauspieler

Liam Hemsworth (29) wieder auf

Partnersuche zu gehen, ohne dafür

angefeindet zu werden:„Gewöhnt

euch dran, dass ich date.“ Ehrlich gesagt,

war uns das mit den Anfeindungen

noch gar nicht aufgefallen –sieht

man einmal vondem affektgesättigten,

allemal gehässigen Grundrauschen

bei Twitter ab.Egal, Cyrus

geht’s eigentlich darum:„Männer

werden selten für ihresexuelle Freizügigkeit

an den Pranger gestellt. Sie

ziehen voneiner schönen Frau zur

nächsten, meistens ohne Konsequenzen.“

Schlimme Bigotterie!

GaryBarlow (48) meldet sich auch

mit einer Botschaft zuWort.Der Sänger

der einstmals hypererfolgreichen

Brit-Boygroup Take That klagt im

Münchner Merkur,dass früher –in

den 90ern–alles besser war.Ersei

froh, in einer Zeit mit Take That groß

geworden zu sein, in der noch keine

Social Media nervten:„Heute schaut

jeder nur noch auf sein Smartphone.

Manwirdzum Sklaven des Telefons.

Isttraurig, aber ich bin selbst eins dieser

Opfer.“ EinSuchtopfer gar?

Sebastian Fitzek (47)

wirdschnell zum Opfer

seine Angst. Als Kind

habe ihn die ZDF-Sendung

„Aktenzeichen

XY... ungelöst“ mit

ihrer Botschaft

vonder Allgegenwartdes

Bösen

traumatisiert, erzählte

der Krimi-

Autor („Amokspiel“)

jetzt dem

Sender HitRadio

FHH. Nunängstige

er sich vorallem –

Entführung, Diebstahl

…Kurzum: „Ich

bin ein Weichei.“

(schl.)

Hat früher die

falsche TV-Sendung

geguckt.

IMAGO IMAGES

TIERE

Mit dem Weihwasserwedel an der

Tiersegnungsfront. DPA/GUIDO KIRCHNER

Seit Jahren vermelden wir an dieser

Stelle pflichtschuldigst, wenn es mal

wieder zu gottgefälligen Tiersegnungen

kommt.Wirinder kleinen Tierkastenredaktion

enthalten uns jeglicher

Kommentierung solcherVorgänge

und nehmen schlicht zur

Kenntnis,dass Tiereaus Sicht des

Menschen auch Gottesgeschöpfe

sind und einen Segnungsanspruch

haben.Wirgeben allerdings zu, die

Segnerei bislang eher in den südlichen,

religiös hochmotorigen Regionen

verortet zu haben: Einblödes

Vorurteil über den Stand der Aufklärung,

das wir mit demVerweis konterkarieren,

dass in dem religiös eher

unterkühlten Osnabrück allerlei

Hunde gesegnet wurden. Unserreichen

gerade die schönsten Bilder:Ein

selbstergriffenes Halleluja für die

Domgemeinde Osnabrück! (schl.)

Schummeln geht nicht mehr

Will Smith und Ang Lee über die Erfahrung, als Computeranimation über die Leinwand zu hüpfen

Vor Fernsehkameras scherzt

Will Smith immer wieder

gerne, wie vor einigen Tagen

bei der Weltpremiere

seines neuen Films „Gemini Man“

(im Kino) in Budapest zu erleben

war, die passenderweise mit seinem

51. Geburtstag zusammenfiel und

entsprechend groß gefeiert wurde.

Mit Printjournalisten spricht der

vierfache Grammy-Gewinner, der

auch schon zweimal für den Oscar

und fünfmal für den Golden Globe

nominiert war, eher ungern. Zum

Gesprächstermin im hauseigenen

Kino der Paramount Studios hatte er

sich jedenfalls einen Beistand mitgebracht:

seinen Regisseur Ang Lee,

um Fragen zu dem vorallem in technischer

Hinsicht bemerkenswerten

Actionfilm zu beantworten.

Mr. Smith, Ihr Widersacher in „Gemini

Man“ ist niemand anderes als

eine jüngereVersion Ihrer selbst. Eine

sicherlich ungewöhnliche Erfahrung,

oder?

SMITH: Ichfand das verdammt cool.

Um diese junge Version vonmir zum

Leben erwecken zu können, hat das

Team von WETA, der neuseeländischen

Firma für visuelle Effekte, all

meine alten Arbeiten aus derVersenkung

geholt. Ich konnte mir also all

die Tragödien noch einmal ansehen,

die ich in meinen über 30 Jahren in

der Unterhaltungsbranche so verbrochen

habe. Sollte ich jemals die

Gelegenheit bekommen, noch einmal

jung zu sein, weiß ich spätestens

jetzt, dass ich um meine Zwanziger

einen großen Bogen machen sollte.

Dann muss es doch aber erst recht befriedigend

gewesen sein, mit dem

Blick von heute noch einmal der

junge Will Smith zu sein …

LEE: So einfach konnten wir es Will

nicht machen. BeidieserVerjüngung

ging es ja nicht nur um ein Foto,sondern

um eine ganze Performance,

mit den unterschiedlichsten emotionalen

Facetten. Es ging darum, für

den Film nicht bloß ein Spiegelbild

zu schaffen, sondern eine ganz eigene,

zweite Figur, die Will verkörpernmusste.Und

dabei war es eines

der größten Probleme, dass er heute

ein sehr viel besserer Schauspieler ist

als früher.

SMITH: Immer wenn ich Junior,also

den jungen Klon des Protagonisten

Henry, verkörperte, meinte Ang zu

mir, dass ich schlechter spielen

müsse. Und dann zeigte er mir wieder

eine Szene aus einem meiner

frühen Filme und meinte: genauso

schlecht wie damals.Wobei ich noch

mal dazu sagen muss,dass es hier so

war, dass ich vor der Kamera stand

und nachträglich mein Gesicht ver-

Will Smith ist froh, mal keine Verantwortung zu tragen. IMAGO IMAGES/ARMANDO GALLO (2)

Ang Lee hält seine Schauspieler auf Trab, damit sie wach und frisch aussehen.

REVOLUTION DES KINOS

Will Smith ist als Schauspieler,Filmproduzent und Rapper überaus erfolgreich in Hollywood

unterwegs –zuden bekanntesten Filmen des Amerikaners gehöret gewiss die „Men in Black“-

Reihe. Ang Lee gehörtzuden vielseitigsten Regisseuren in Hollywood, für seine Filme „Brokeback

Mountain“ (2005) und „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ (2012) wurde er jeweils mit dem

Oscar in der Kategorie Beste Regie ausgezeichnet.

Der Film „Gemini Man“ kommt in technischer Hinsicht einer Revolution des Kinos gleich: ImVergleich

zu Filmen, die mit den herkömmlichen 24 Bildernpro Sekunde gedreht wurden, wird hier bei

120 Bildernpro Sekunde gedreht und damit eine 35-mal größere Datenmengeverarbeitet,was

dafür sorgt, dass selbst die schnellstenAction- und Bewegungssequenzen so plastisch wirken wie

nie zuvor:Der Zuschauer wird quasi selbstTeil der Action.

„Den Selbstzerstörungsknopf gedrückt“

jüngt wurde.Ich habe nur meine Mimik

zur Verfügung gestellt, alles anderestammt

aus dem Computer.Junior

ist genauso eine Computeranimation

wie die Tiere im neuen

„König der Löwen“.

„Gemini Man“ wurde im sogenannten

3D+ aufgenommen, einem neuen

Verfahren mit 120 statt 24 Bildern pro

Sekunde. Macht das bei den Dreharbeiten

einen Unterschied?

SMITH: Ich hatte –wie die meisten

Schauspieler –sonoch nie gearbeitet

und fand es recht respekteinflößend.

Immerhin hat Ang dafür eigens eine

neue Kamera entwickelt. Unddie ist

so nah an mir dran gewesen, dass ich

wirklich das Gefühl hatte,mich nicht

auf meine üblichen Tricks verlassen

zu können. DieKamerasieht alles.Bei

24 Bildern pro Sekunde kann man

noch was vertuschen, aber bei 120

kommt man mit „so tun als ob“ nicht

mehr durch.

LEE: Vielen ist diese neue Methode

irgendwie unheimlich, dabei

würde ich sagen, dass sie einfach

nur viel näher an der Realität ist als

andere. Diese Kameranimmt einen

nun so wahr, wie es auch das Gegenüber

im richtigen Leben tut.

Was tatsächlich bedeutet, dass die

Schauspieler nicht mehr im herkömmlichen

Sinne „spielen“ können,

sondernviel mehr im Moment

sein müssen. Ich hatte deswegen

das Gefühl, dass ich meine Darsteller

ganz anderes inszenieren muss

als sonst. Oberstes Gebot war, sie

immer wach und frisch zu halten,

damit sie ja nicht in bewährte Muster

verfallen.

Haben Sie sich deswegen mit einem

der größten Filmstars der Welt zusammengetan?

LEE: Selbstverständlich. Wobei ich

mich damit selbst ganz schön unter

Druck gesetzt habe. Jeden Morgen

jemandem von Wills Kaliber gegenüberzustehen,

der mich dann fragt,

was er heute tun solle –das war nicht

ohne (lacht).

SMITH: Für mich war ja gerade das

Schöne, dass ich in diesem Fall das

Gefühl hatte,mal nicht Filmstar sein

zu müssen, sondern einfach Schauspieler

sein zu können. Als Filmstar

bist du der, umden sich alles dreht,

und der entsprechend dafür verantwortlich

ist, dass der Laden läuft und

es allen gut geht. Als Schauspieler

dagegen konnte ich mich ganz in die

Hände von einem Meisterregisseur

wie Ang Lee begegeben und ihm die

Verantwortung überlassen. Das war

enormbefreiend!

Interview: Patrick Heidmann,

Joanna Ozdobinska.

Angeblich wurde seine Mailbox abgehört: Prinz Harry weitet sein juristisches Vorgehen gegen britische Boulevardmedien aus

Prinz Harry holt zum großen

Schlag gegen britische Zeitungen

aus. Erst vor wenigen Tagen

hatte sich der britische Royal in einem

emotionalen Schreiben an die

Öffentlichkeit gewandt, in dem er

eine „skrupellose Kampagne“ gegen

seine Frau Meghan (38) beklagte.Sie

sei „eines der jüngsten Opfer der britischen

Boulevardpresse“ geworden.

Dabei erinnerte Harry andie Verfolgungsjagd

in Paris1997, bei der seine

Mutter, Prinzessin Diana, auf der

Flucht vorPaparazzi starb.

Zeitgleich kündigten die Anwälte

des Paars eine Klage gegen die Mail

on Sunday und die Mutterfirma Associated

Newspapers an. Die Mediengruppe

habe falsche und„vorsätzlich

abfällige“ Berichte über den

Herzog und die Herzogin vonSussex

geschrieben. Auslöser war ein Brief

Meghans an ihren Vater,

den das Blatt teilweise veröffentlicht

und kommentierthatte.

Bei dieser Klage vom

Dienstag ließ es Harryallerdings

nicht bewenden.

Zum Wochenende klagte

der 35-Jährige gegen zwei

weitere britische Zeitungsverlage,

der News Group

Newspapers,zuder die Sun

gehört, und gegen Trinitiy Mirror,wo

der Daily Mirror erscheint. Der Prinz

wirft den Zeitungen, die zu den auflagenstärksten

Blättern Großbritanniens

gehören, illegales Abhören von

Mailbox-Nachrichten vor.

Die Vorwürfe erinnern aneinen

der größten Medienskandale

in der Geschichte

Großbritanniens, in dessen

Zentrum 2011 die inzwischen

eingestellte Boulevardzeitung

News of the

World stand. Jahrelang

AFP/STEVE PARSONS

hatten Journalisten

Handygespräche von Verbrechensopfern

und Pro-

Prinz Harry:Wurde

er belauscht? minenten abgehört und

Polizisten bestochen. Rollt

mit Harrys Klage nun also der

nächste Großskandal heran?

Britische Boulevardmedien sind

im Vergleich zu den deutschen sehr

viel krawalliger und skrupelloser.Und

sie sind kaum schuldbewusst. So

schlug die TV-Moderatorin Lorraine

Kelly in einem Beitrag für die vonder

Klage betroffenen Sunvor,Harryund

Meghan sollten künftig die Öffentlichkeit

ganz meiden und „schlicht

Herr und Frau Windsor werden“. Die

Sky-News-Korrespondentin Rhiannon

Mills beschrieb Harrys Vorgehen

gegen den Boulevard ineinem Blog

ihres Senders so:„Es ist, also ob er den

Selbstzerstörungsknopf für seine Beziehung

mit einem Teil der britischen

Presse gedrückt hat.“

Richtig ist: Dieroyale Soap,die in

Großbritannien jeden Tagzur Aufführung

kommt, ist ohne den Boulevard

nicht denkbar. (schl./mit dpa)

NACHRICHTEN

Fünf Menschen aus

Eifersucht erschossen

Ein25-jähriger Mann hat nach Angaben

der Polizei im österreichischen

Kitzbühel aus Eifersucht fünf

Menschen erschossen. DieOpfer

sind den Behörden zufolge seine 19-

jährige Ex-Freundin, ihr neuer

Freund, der Bruder sowie die Eltern

der jungen Frau. Tatortwar ein Einfamilienhaus.Die

19-Jährige hatte

sich laut Polizei vorzweiMonaten

vondem 25-Jährigen getrennt.

Nach der Bluttat stellte sich der Einheimische

am Sonntagmorgen der

örtlichen Polizei. (dpa)

Hilfsbereiter Freund setzt

alles in Brand

In einer Kettenreaktion hat ein Mann

in Bayern erst das Auto seines Freundes,dann

eine Scheune und schließlich

das ganzeAnwesen samt Bauernhaus

in Flammen aufgehen lassen.

Dabei wollte der 62-Jährige in Bibertal

bei Günzburgseinem Kumpel bei

Schweißarbeiten an dessen Auto helfen,

wie die Polizei am Sonnabend

mitteilte.AmEnde konnte auch der

Einsatz von140 Feuerwehrleuten das

Unglück nicht mehr abwenden. Der

Gesamtschaden wirdauf 200 000

Euro geschätzt. (dpa)

Heinz-Erhardt-Denkmal

bleibt verschwunden

Echt jetzt: Mehrere Tausend Euro soll dieses

Denkmal wert sein. DPA/WOLFGANG WEIHS

DiePolizei in Göttingen sucht weiter

nach einem gestohlenen Denkmal

des Komikers Heinz Erhardt (1909-

1979). Bislang habe es keine Hinweise

auf die Figur gegeben, sagte ein Polizeisprecher

am Sonntag. Unbekannte

hatten das Denkmal vordrei

Wochen mit Gewalt vomSockel am

Heinz-Erhardt-Platz gerissen. (dpa)

Private Briefe von Greta

Garbo werden versteigert

DasNewYorker Auktionshaus Swann

Galleries will 65 private Briefe vonder

1990 verstorbenen schwedisch-amerikanischen

Schauspielerin Greta

Garbo versteigern. Es wirdein Erlös

zwischen 40000 und 60000 Dollar

(36000 bis 55000 Euro)erwartet. Sie

gehe nicht aus und treffe sich mit niemandem,

schrieb sie nach Angaben

vonSwann Galleries in einer der

Nachrichten. Es sei hartund traurig,

alleine zu sein. (dpa)

Fahrrad gestohlen: Polizei

kauft Jungen ein neues

Nachdem einem Sechsjährigen in

Mailand ausgerechnet an seinem Geburtstag

das neue Fahrrad gestohlen

worden war,kaufte ihm die Polizei

kurzerhand ein neues.Wie die Zeitung

Corrieredella Sera am Sonnabend

berichtete,war das Zweirad

samt Schloss verschwunden, als der

Junge aus der Grundschule kam. Die

Mutter rief die Polizei, die beim Anblick

des verzweifelten Kleinen sogleich

Geld sammelte. (dpa)