Berliner Zeitung 08.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

1. FC Union: Viel Lob, wenig Punkte. Wiegeht es nun weiter? – Seite 17

Kolumne:

Eine Curry

mit Gysi

Seite 12

6°/13°

Eher regnerisch

Wetter Seite 26

www.berliner-zeitung.de

Dienstag,8.Oktober 2019 Nr.233 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Exklusiv: Mietenwatch.de zeigt, wo Berlin teuer gewordenist

Berlin Seiten 10 und 11

Portugal

Stark,

ungeduldig,

freundlich

VonMartin Dahms

Auf den ersten Blick hat sich nicht

viel verändert in Portugal. Die

drei großen linken Parteien haben

bei den Parlamentswahlen am Sonntag

gemeinsam zwei Prozentpunkte

zugelegt, die beiden großen bürgerlichen

Parteien haben zweieinhalb

Punkte verloren. Kein Erdrutsch nirgends.

Aber es gibt einen klaren Sieger:

António Costa. Vor vier Jahren

war er der unwahrscheinliche

Ministerpräsident.

Jetzt ist er

der unbestritten

starke Mann Portugals.

Das ist

nicht unbedingt

die leichtere

António Costa, Rolle.

Sozialist in Portugal, Der 58-jährige

Costa, Vor-

gewinnt Wahlen.

sitzender der

Sozialistischen Partei (die in Europa

zur sozialdemokratischen Familie

gehört), möchte nach diesem Wahlsonntag

am liebsten alles beim Alten

belassen. Das Bündnis seiner

Sozialisten mit dem Linksblock und

den Kommunisten sei doch offenbar

bei den Portugiesen gut angekommen,

sagte er am frühen Montagmorgen.

Warum also nicht weiter

so?

Portugal hat sich an diesem

Sonntag mal wieder als ein Wunder

an politischer Stabilität in instabilen

Zeiten erwiesen. Es gibt keine klügere

Erklärung dafür als die eines

Nationalcharakters, der zur Mäßigung

neigt. Was nicht heißt, dass

nicht auch einem Portugiesen mal

die Gäule durchgehen können. Zumal

wenn er der mächtigste Mann

im Staate ist.

António Costa, der zur Selbstverliebtheit

neigt, kann sehr ungeduldig

werden, wenn er sich mit jemandem

streiten muss. Das konnten seine

Landsleute am Freitag sehen, als ihr

Ministerpräsident den Anschein

machte, als wollte er sich mit einem

Kritiker auf offener Straße prügeln.

Natürlich tat er es nicht. Aber er ist

nicht immer der freundlich strahlende

Mann, als den man ihn meistens

sieht.

Für die anstehenden Regierungsverhandlungen

mit den anderen linken

Parteien wird ersich von seiner

besten Seite zeigen müssen. Seine

bisherigen Partner sind anspruchsvoller

geworden. Diesmal geht es

nicht, wie vor vier Jahren, darum,

eine rechte Regierung zu verhindern

–sonderneinen allzu mächtigen Regierungschef

Costa.

VonFabian Boerger,Sebastian Stein

und JanSternberg

Esist kurznach vier am Morgen.

Die Temperatur liegt

knapp über dem Gefrierpunkt.

Die Straßen der

Hauptstadt sind wie leer gefegt. „Wir

schwärmen aus“, lautet die Nachricht

über den Messenger der Aktionsgruppe.

Der Protest von Extinction

Rebellion (XR) beginnt. Etwa 600 Aktivisten

marschieren in Richtung Großer

Stern. Ihr Ziel ist es, den Berliner

Berufsverkehr lahmzulegen.

Um kurz nach halb fünf kommt

hier keiner mehr durch. Aktivisten

sitzen auf dem Boden, tanzen oder

singen. Kleine Grüppchen haben

sich an den Zufahrtsstraßen in Position

gebracht und präsentieren

aufgebrachten Auto- und Lastwagenfahrern

ihre Transparente. „Ihr

haltet mich vom Weg zur Arbeit

ab“, brüllt ein Caddy-Fahrer aus

dem Fenster. Ein Kleintransporter

hält auf die Barrikade zu, bleibtwenige

Meter vor ihnen stehen und

hupt. Kein Durchkommen. Nur

Rettungskräfte lassen die Aktivisten

durch.

Für Kanzleramtsminister Helge

Braun handelt es sich bei der Blockade

um einen gefährlichen Eingriff

in den Straßenverkehr,wie er im

Ruhender Verkehr

Demonstranten blockieren den Potsdamer Platz und den Großen Stern rund um

die Siegessäule: Ein Zeichen für Umweltschutz oder sinnloser Aktionismus?

Kein Durchkommen: Friedlicher Protest der Bewegung Extinction Rebellion auf dem Potsdamer Platz, am Nachmittag räumte die Polizei den Platz.

„ZDF-Morgenmagazin“ sagt. Braun

verteidigt die Klimapolitik der Regierung

und auch die langsame Steigerung

der CO 2 -Bepreisung. Auch

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist

Klagen über eine Abschwächung des

Klimaschutzkonzepts an diesem

Montag energisch entgegengetreten.

Bei der Eröffnungsfeier der sogenannten

Klima-Arena im nordbadischen

Sinsheim betonte sie die Bedeutung

von Kontrollmechanismen

im Konzept der Regierung. Es sei gerade

eine sehr große Nervosität in

der Diskussion. „Dieses Monitoring,

diese Überwachung, wirdglasklar in

dem Klimaschutzgesetz verankert

sein“, sagte Merkel.

Doch den Organisatoren der Proteste

geht das nicht schnell genug.

Radikalere Maßnahmen müssten

her, „um einen umfassenden und

tiefgreifenden Wandel herbeizuführen,

der das Klima rettet“, sagt Eva

Escosa-Jung, eine Sprecherin von

Extinction Rebellion.

Am Mittag warten alle auf den

Auftritt der ehemaligen Sea-Watch-

3-Kapitänin Carola Rackete, die

„Wenn wir die letzten dreißig Jahre mit

Petitionen und Demonstrationen und Fridays

for Future vor drei Wochen anschauen, dann

hat sich leider erschreckend wenig bewegt.“

Carola Rackete,

Klimaaktivistin und ehemalige Kapitänin der „Sea Watch 3“

symbolisch um fünf nach zwölf sprechen

soll. Doch es wirdetwas später.

Vor1000 Menschen fordert Rackete

die Bundesregierung auf, den ökologischen

Notstand auszurufen. Aber

kann diese Form des Protest etwas verändern?

„Wenn wir die letzten dreißig

Jahre mit Petitionen und Demonstrationen

und Fridays for Futurevor drei

Wochen anschauen, dann hat sich leider

erschreckend wenig bewegt“, sagt

Rackete der Berliner Zeitung (RedaktionsnetzwerkDeutschland).

DPA

Nicht nur der Große Stern stand

an diesem TagimMittelpunkt der

Proteste. Neben der angemeldeten

Kundgebung am Potsdamer Platz

blockierten Aktivisten im gesamten

Stadtgebiet Straßen, Kreuzungen

und Kreisel. Radfahrer legten um

11.20 Uhr den Ernst-Reuter-Platz

lahm. „Wir blockieren auch für deine

Zukunft“, steht auf ihren Bannern.

Am Potsdamer Platz sitzen und

stehen rund 500 Menschen auf der

Fahrbahn und blockieren einen weiteren

Knotenpunkt. Am späten

Nachmittag beginnt die Polizei damit,

die Demonstration zu beenden.

Möbel, die Demonstranten zuvor

aufgebaut hatten, werden weggeräumt.

auch die ersten Aktivisten

werden fortgetragen, wie ein dpa-

Reporter berichtet. Am späten

Abend melden die Demonstranten,

dass die Polizei sich zurückgezogen

habe. Die Behörde will sich dazu

nicht äußern.

Die ehemalige Grünen-Politikerin

Jutta Ditfurth warnte vor der

Klima-Bewegung Extinction Rebellion

(XR). „XR ist keine „gewaltfreie

Klimabewegung“, sondern eine religiöse-gewaltfreie

esoterische Sekte,

welche an die Apokalypse der baldigen

„Auslöschung der Menschheit“

glaubt, twitterte Ditfurth am Sonntagabend.

Seiten 2, 3und 8

Nobelpreis

für die

Krebsforschung

Medizin-Auszeichnung geht

an Amerikaner und Briten

Der Nobelpreis für Medizin geht

in diesem Jahr an William Kaelin

(USA), Peter Ratcliffe (Großbritannien)

und Gregg Semenza (USA). Die

drei Forscher entdeckten molekulare

Mechanismen, mit denen Zellen den

Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung

wahrnehmen und sich daran anpassen,

wie das Karolinska-Institut am

Montag in Stockholm mitteilte. Ihre

Arbeiten hätten die Grundlagen gelegt

für die Entwicklungneuer Strategien

zur Bekämpfung vonBlutarmut,

Krebs und vielen anderen Erkrankungen,

hieß es von der Nobeljury. Der

Sauerstoffgehalt in der Umgebung

beeinflusst in bestimmten Fällen das

Wachstum der Zellen in einemTumor

unddessenVersorgung. Daher gelten

die zugrundeliegenden Mechanismen

als mögliche Ansatzpunkte für

Krebstherapien.

Alle Tiere benötigen Sauerstoff,

um aufgenommene Nahrung im Inneren

der Zellen in lebenserhaltende

Energie umzuwandeln. Verändert

sich der Sauerstoffgehalt, verändert

sich die Aktivität zahlreicher Gene

und damit letztlich der Stoffwechsel.

Gregg Semenza vom Johns Hopkins

Institute for Cell Engineering in Baltimore

identifizierte in den frühen

90er-Jahren ein Protein, das diese

sauerstoffabhängigen Reaktionen

reguliert. 1995 konnte der 1956 in

NewYork geborene Biologe das Protein

gewinnen und weiter erforschen.

Der Name des Faktors: HIF

(Hypoxia Inducible Factor).

DerMedizinerWilliam Kaelin von

der Harvard Medical School in Boston,

geboren 1957 in New York, untersuchte

eine Krebserkrankung, die

auf einem fehlerhaften Protein beruht.

Die höchste Auszeichnung für

Mediziner ist mit 830 000 Euro (9

Millionen Schwedischen Kronen)

dotiert. (dpa)Wissenschaft Seite 16

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2* Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Klima-Protest

Aus Protest

gegen den

Protest

Autoliebhaber organisieren

sich in Fridays for Hubraum

VonFabian Boerger

Eswar wohl nur eine Frage der

Zeit, bis sich gegen die Protestbewegung

eine Protestbewegung organisiert.

Der Massenerfolg der Klimabewegung

Fridays for Futureund

auch die radikaleren Mitglieder der

Extinction Rebellion haben es wohl

provoziert. In Anlehnung an die

Schülerdemos gibt es nun Fridays for

Hubraum. Waslustig klingt, ist ernst

gemeint.

Für das Auto und gegen Klimahysterie

ist ihr Ziel, denn geplante

CO 2 -Abgaben und erhöhte Strompreise

würden den Autofahrer unrechtmäßig

belasten, argumentieren

die Macher. Und der Zulauf ist immens.

Mehr als eine halbe Million

Mitglieder zählt die nur auf Anfrage

zugängliche Facebook-Gruppe inzwischen.

Zum Vergleich: Die Facebook-Seite

von Fridays for Future

Deutschland, die für alle Nutzer frei

ist, hat 85 969 Abonnenten. Bei den

Extinction Rebellion sind es etwas

mehr als 300 000 Abonnenten –weltweit.

Autofans, Pendler und Mitarbeiter

der Automobilindustrie sind die

Mitglieder Fridays for Hubraum. Zu

ihnen haben sich auch Radikale und

Trolle gesellt, die die Seite mit Hassbotschaften

fluteten. Wegen rechter

Parolen und Gewaltaufrufe wurde

die Gruppe zwischenzeitlich abgeschaltet.

Das Hassobjekt Nummer

eins war Greta Thunberg. In Posts

wurde die 16-jährige Schwedin verunglimpft

und beleidigt.

Es brauchte einen zweiten Anlauf.

Seit gut einer Woche ist die Gruppe

nun wieder am Netz. Eine geschlossene

Facebook-Gruppe mit klaren

Regeln, mehr Moderatoren und festen

Zeiten, während derer kommentiert

werden kann, sollen den internen

Umgang und die Atmosphäre in

der Community verbessern, sagte

Christopher Grau dem WDR. „Das

Chaos muss aufhören“, erläuterte der

Initiator der Hubraum-Bewegung in

einem Facebook-Video und distanziertsich

vonrechtem Gedankengut.

Die Gruppe stehe „für eine alternative,

vernünftige CO 2 -Vermeidungsund

eine Umweltpolitik“. Siesei keine

Bewegung von Leugnern des Klimawandels.

Aber warum der Erfolg der

Gruppe?„Wir müssen einen Nerv getroffen

haben“, sagte Grau. E-Auto,

alternative Treibstoffe und freier

ÖPNV sind die Streitpunkte in der

Klimadebatte. Doch was ist mit den

Millionen Autofahrern mit Verbrennungsmotoren?

Diese Lücke

schließt die Bewegung. Doch ist die

Nähe zur rechten Politik nicht ganz

vonder Hand zu weisen.

Beifall vonder AfD

Vorallem die AfD macht sich das Anliegen

der Gruppe zunutze.Während

sie für die Hubraum-Bewegung im

Netz wirbt, wettert sie im gleichen

Atemzug gegen die Klimapolitik der

Regierung. „Mit der Verteufelung des

sauberen Dieselmotors hat sich die

Regierung ohne Not, getrieben vom

grünen Klima-Irrsinn, zum Handlanger

der ideologischen Wirtschaftsfeinde

gemacht“, schreibt

Mario Beger, AfD-Landtagsabgeordneter

in Sachsen, auf der Fraktionsseite.

Auch der Bundestagsabgeordnete

der AfD, Dirk Spaniel, rief dazu

auf, die Bewegung zu unterstützen.

„Sachlich und fair“ könne dort diskutiert

werden, sagt er in einem Facebook-Video.

Die Kommentare auf

der Seite sprechen jedoch eine andereSprache.

Der Annahme, dass es an einer

Interessenvertretung der individuellen

Mobilität in Deutschland mangelt,

widersetzt sich der Allgemeine

Deutsche Automobil-Club (ADAC).

Der Verband fordert einen Mittelweg:

bezahlbare Mobilität erhalten

und Emissionen senken.

Blockade in Rot am Potsdamer Platz

Sie wollen ihn jetzt. Sie wollen

ihn hier: den Systemwandel

für mehr Klimagerechtigkeit

auf der Welt. Und

wenn nötig, sind sie bereit, bis zum

Äußersten zu gehen. Wie weit –davon

konnte man sich in Berlin am

Montag einen ersten Eindruck machen.

Die Klimaaktivisten der Umweltorganisation

Extinction Rebellion

(XR) haben an diesem Tagmehrere

Berliner Straßen und Plätzeblockiert,

um auf ihr Anliegen

aufmerksam zu machen.

Mitten in der Nacht

Sie wollen die Regierung mit ihren

Aktionen in die Knie zwingen, damit

diese den Klimanotstand anerkennt

und ausruft. So sollen die Treibhausgas-Emissionen

bis 2025 auf Netto-

Null gesenkt werden. Man stehe vor

einem ökologischen Kollaps, sagen

die Aktivisten. DieganzeWoche wollen

sie in Berlin gegen die Klimapolitik

demonstrieren und zivilen Ungehorsam

üben. Friedlich, wie stets betont

wird. Die Aktion beginnt mitten

in der Nacht, als die höflichen Rebellen

die Zufahrtsstraßen Richtung Siegessäule

blockieren. „Berlin, wach

auf!Wirschwärmen aus!“ –mit dieser

Im Rahmen der eigenen Ansprüche

Das Klimapaket der Bundesregierung gilt ohnehin als nicht besonders ambitioniert. Wurden die Ziele noch einmal abgeschwächt?

VonMarina Kormbaki

Mit einer entspannten Woche hat

niemand im Bundesumweltministerium

gerechnet. Schließlich

soll am Mittwoch das Klimapaket von

der Bundesregierung zur Erreichung

der Klimaziele 2030 beschlossen werden

–das Bündel aus Gesetzen und

Maßnahmen zu deren Umsetzung ist

das zentrale Projekt von Umweltministerin

Svenja Schulze (SPD). Dass

allerdings am Montag derart viel

Druck und Hektik in den Fluren des

Baus am Potsdamer Platz herrschen

würde, hat dort niemand erwartet.

Denn Spiegel online hatte vermeldet:

„Regierung schwächt Klimaschutzziele

ab.“ Demnach fiele der finale

Gesetzentwurf aus dem Ministerium

hinter die ursprünglichen Pläne zurück.

So enthalte er für das Jahr 2040

kein nationales Ziel zur CO 2 -Einsparung.

Die Absicht, Deutschland bis

2050 CO 2 -neutral zu machen, werde

DPA/WOLFGANG KUMM

„Entschuldigen Sie

die Störung ...“

Die Umweltaktivisten von Extinction Rebellion blockieren

Berliner Straßen und Plätze. Viele von ihnen tun es friedlich, wie versprochen, sie singen

und lassen Seifenblasen durch die kalte Herbstluft schweben

jetzt bloß „verfolgt“, nicht mehr versprochen.

Ein noch zu gründender

Klimarat sei in seinen Kompetenzen

bereits beschnitten worden.

Staatssekretär Jochen Flasbarth

will am Montag einiges richtigstellen.

Der vorliegende Entwurf berge keinerlei

substanzielle Abschwächungen.

„Dieser Gesetzentwurf enthält

alles, was man benötigt, um guten

Klimaschutz in Deutschland zu machen

und die Ziele zu erreichen“, sagt

Flasbarth. Der Vorwurf des abgeschwächten

Klimapakets speise sich

aus dem Vergleich des jetzigen Entwurfs

mit dem, den Ministerin

Schulze imFebruar vorgelegt hatte.

DasPapier las sich tatsächlich wie ein

Wunschzettel Klimabewegter. Gemessen

am Widerstand aus der

Union ist erstaunlich viel vonden Ursprungsplänen

erhalten geblieben:

Sektorziele: Die Klimaschutz-Ziele

der Bundesregierung werden auf die

Klimacamp mit Blick auf das Kanzleramt

„Berlin, wach auf! Wir schwärmen aus!“ –Aktivisten sammeln sich.

VonNadja Dilger und Melanie Reinsch

rechtzuerhalten. Wenn nicht jetzt,

wann dann?

Am Morgen sperrt die Polizei die

Zufahrtsstraßen dann selbst ab und

duldet die Demonstrationen an der

Siegessäule.Dortsitzt man am Mittag

in der Sonne,singt Lieder,pustet Seifenblasen

in die Luft oder versucht

mit Yoga-Übungen, den steifen und

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

steht in der Kritik.

DPA

einzelnen Ministerien heruntergebrochen.

So weiß jedes Ministerium,

wie viel proJahr in seinem Bereich zu

tun ist, um das Klimaziel für 2030 –

eine Emissionsreduktion um 55 Prozent

gegenüber 1990 –zuerreichen.

Nachricht über den Messengerdienst

Telegram versuchen die Aktivisten,

mobil zu machen. Vier Uhr morgens

und noch dunkel ist es da.

Viele sind schon um drei Uhr auf

den Beinen gewesen. So wie Helena,

die extra für ihren Protest aus Freiburgangereist

und bereit ist, die Besetzung

die ganze Nacht weiter aufkalten

Körper zu aktivieren, während

am Himmel ein überdimensionierter

schwarzerLuftballon mit dem obligatorischen

XR-Symbol –der Sanduhr –

in der Luft schwebt. „Entschuldigen

Sie die Störung, aber es geht ums

Überleben“ steht auf einem Transparent,

das über der Straße hängt. Der

Abiturient Niko Meins aus Hamburg,

Überprüfbarkeit: Das Umweltbundesamt

veröffentlicht Daten zum

jährlichen CO 2 -Ausstoß im Zuständigkeitsbereich

eines jeden Ministeriums.Verfehlt

ein Ministerium sein

Ziel, muss es binnen drei Monaten

ein Sofortprogramm vorlegen. Das

wird dann rasch von der Bundesregierung

beschlossen – nicht aber

vomBundestag.

Klimarat: Hier gibt es einen Unterschied

zum ursprünglichen Gesetzentwurf:

Die Expertenkommission

soll keine Maßnahmen vorschlagen,

sondernlediglich die objektiveZahlengrundlage

schaffen. Für klimapolitischen

Ratschlag sind dann weiterhin

die Behörden der Bundesregierung

oder der Sachverständigenrat

für Umweltfragen zuständig.

Treibhausgasneutralität: Ursprünglich

wurde die Treibhausgasneutralität

für 2050 eigens als Ziel formuliert–

nun taucht der Punkt in der Passage

über den Zweck des Gesetzes auf.

Demnach sieht sich das Gesetz dem

IMAGO IMAGES

AFP/TOBIAS SCHWARZ

19 Jahrealt, sitzt eingewickelt in eine

Decke mit einer kleinen Musikgruppe

vor der Siegessäule an der

Einfahrtzur Straße des 17. Juni. „Von

der blauen Erde kommen wir, unser

Klima stirbt genauso früh wie wir“ –

sie stimmen eine bekannte Kindermelodie

an, singen einen neuen

Text. Die Sonne blinzelt ihnen ins

Gesicht, die Kälte scheint ihnen

nichts auszumachen. Am Sonntag ist

Meins angereist, bei einer Fridaysfor-Future-Demo

in Hamburg habe

er von XRund der Veranstaltung in

Berlin erfahren, sagt er.Was ihn dazu

bewegt, für das Klima zu streiken?

„Ich hatte einen Moment, in dem ich

dachte, wir sind am Arsch“, sagt

Meins ernst. „Und dann wollte ich

etwas tun.“

Jetzt bloß ausharren, denn auch

wenn die Sonne es meist durch die

Wolken schafft –esist kalt. Immer

wieder kommen Aufrufe, die Zufahrtsstraßen

weiter zu belagern,

auch wenn die Performances sich

eher an der Mittelinsel abspielen. An

den Kreuzungen zum Kreisverkehr

campieren daher jeweils rund 50 Aktivisten

–teilweise eingehüllt in goldglitzernde

Rettungsdecken oder eingekuschelt

in Hängematten, die die

Ziel verpflichtet, dass Deutschland

2050 nicht mehr CO 2 ausstößt, als es

binden kann.

Klimaziel 2040: Dasfehlt im aktuellen

Entwurf tatsächlich. Da jedoch die

Emissionen bis 2030 um 55 Prozent

im Vergleich zum Jahr 1990 sinken

und 2050 bei null liegen müssen, lässt

sich derWert für 2040 leicht ermitteln.

Strafzahlungen: Dafür ist nicht die

Bundesregierung zuständig, sondern

die EU-Kommission. Ab dem

kommenden Jahr muss Deutschland

Verschmutzungsrechte bei EU-

Nachbarn erwerben, weil es seine

Klimaziele verfehlt – diese sind in

den europäischen Klimaschutzzielen

eingebettet.

Fazit: Die Bundesregierung fällt also

insgesamt nicht hinter ihre eigenen

Ansprüche zurück. Die aber hätten

gewiss ambitionierter sein können.


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 3 *

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Klima-Protest

GLOBALE PROTESTE

Die Holzarche „Rebella“ diente als Bühne für die Redner.

DPA/FABIAN SOMMER

Besetzte Bankfiliale in Wellington

In der neuseeländischen Hauptstadt

Wellington blockierten die Klima-Demonstranten

der Gruppe Extinction

Rebellion zentrale Straßen sowie Ministerien

und besetzten eine Bankfiliale,wie

die Organisatoren mitteilten.

Mehr als 30 Aktivisten seien laut

Polizeiangaben vorübergehend festgenommen

worden. Insgesamt hatten

sich Hunderte an den Protestaktionen

beteiligt. Neuseelands Premierministerin

Jacinda Ardernäußerte

sich kritisch zu den

Blockade-Aktionen:„Ich werdenie

dagegen sein, dass jemand seine Meinung

äußernund seine Stimme erheben

kann. Aber Menschen daran zu

hindern, ihrer täglichen Arbeit nachzugehen,

bringt uns dem Klimaschutz,

den sie fordern, nicht unbedingt

näher“, zitierte dasWebportal

Stuff die Regierungschefin. (dpa)

Am Abend trugen Polizisten am Potsdamer Platz Demonstranten weg.

DPA/CHRISTOPHE GATEAU

Fahne mit dem Logo von Extinction Rebellion an der Siegessäule.

DPA/CHRISTOPH SOEDER

Blockade am Hauptbahnhof Sydney

In mehreren australischen Städten

blockierten Klima-Demonstranten

Straßen. In Sydney nahm die Polizei

30 Menschen fest, die sich geweigerthatten,

eine Straße nahe dem

Hauptbahnhof zu räumen. Demonstrationen

in Melbourne und

Brisbane verliefen laut Medienberichten

dagegen größtenteils ohne

Zwischenfälle. (dpa)

Demonstranten zwischen den Schildernaufgehängt

haben.

Gegen Mittag tritt in einer eigens

für die Aktion gebauten „Arche“

auch die Sea-Watch-Kapitänin Carola

Rackete auf, die den „Rebellen“

Mutzuspricht,„Berlin Tagund Nacht

zu blockieren“. Die Arche hätte eigentlich

direkt auf dem Sternauf der

Straße aufgebaut werden sollen. Das

hatte die Polizei den Demonstranten

allerdings untersagt. So ist die von

etwa acht Aktivisten gezimmerte

Holzarche „Rebella“ entstanden, die

als Bühne für die Redner fungiert,

auf der Mittelinsel neben der Siegessäule.„Sagt

die Wahrheit“, haben die

Aktivisten in großen Lettern auf den

Schiffsrumpf gemalt.

„Er soll für die Arche Noah stehen“,

sagte Martin Clausson, „wenn

wir fliehen müssen, können wir hier

rein.“ Der 49-jährige Clausson war

am Sonnabend aus Göteborg angereist

–mit ihm 200 bis 300 andere

Schweden.„Und mindestens 100 aus

Norwegen und Finnland“, ergänzt

er. Ergehört zuden Gründungsmitgliedern

von XR in Göteborg. Voreinem

Jahr hätten sie dort begonnen,

seitdem kämen täglich zwei Mitglieder

dazu, erzählt er. Für eine Woche

hat er sich nun frei genommen, um

in Berlin mit anderen zu demonstrieren,

seine Arbeit bei einem Sozialdienst

muss warten. Der Klimaschutz

ist noch wichtiger.

Über die Nachrichtendienste der

Umweltschützer verbreitete sich am

frühen Nachmittag dann die Warnung

,dass die Polizei die Zufahrtsstraßen

zum Großen Stern räumen

lassen wolle.Doch es passiertnichts.

Flexibel bleiben, so die Devise der

Polizei. Und wohl auch die der Aktivisten.

Eine Sprecherin von Extinction

Rebellion lobte das Verhalten

der Polizei als extrem positiv.Die Beamten

seien höflich in der Kommunikation

und zu keiner Zeit ruppig.

„Die machen ja auch nur ihren Job

und wissen, dass wir nichts gegen sie

haben“, sagt Cléo Mieulet.

Gemeinsam den Planeten retten

Susanne und Kristof aus München

sind froh, dass der Protest an diesem

Tagfriedlich verläuft. „Wenn es Krawall

gibt, gibt es zwar vielleicht mehr

Öffentlichkeit, aber das bringt uns

überhaupt nicht weiter“, sagt Kristof.

Auch seine Begleiterin sieht das so.

Man wolle schließlich so lange wie

möglich die Besetzung am Großen

Stern aufrechterhalten. Susanne und

Kristof sagen, dass sie beide bereit für

Aktionslevel 3seien –das heißt, sie

blockieren Straßen oder Wege auch,

wenn es zu Konfrontationen mit der

Polizei kommen sollte.

In London gibt es dagegen an diesem

Montag zahlreiche Festnahmen.

DieAktivisten in der britischen

Hauptstadt haben auch etliche Straßen

und auch mehrereThemse-Brücken

blockiert. Extinction Rebellion

(auf Deutsch etwa: Rebellion gegen

das Aussterben) kommt ursprünglich

aus Großbritannien.

Susanne ist Biologin und engagiert

sich schon seit zehn Jahren in

verschiedenen Umweltorganisationen.

„Vor zehn Jahren wären hier

vielleicht 20 Leute gekommen“,

glaubt sie. „Das ist ein toller Erfolg,

dass so viele Menschen gekommen

sind. Es ist eine super Stimmung

hier.“

DieKritik der Politikerin Jutta Ditfurth,

die am Wochenende mehrere

Tweets über Extinction Rebellion

verfasst hatte und darin die Organisation

als eine „religiöse-gewaltfreie

„Es ist mehr als Zeit“

esoterische Sekte“ bezeichnet hatte,

ist für Susanne kein großes Thema,

sie zuckt mit den Schultern. „Wir

wollen etwas Großes. Den Systemwandel.

Da gibt es immer Kritiker,

die uns kleinreden wollen“, sagt sie

gelassen. Dass das Nachrichtenmagazin

Der Spiegel meldete, dass die

Bundesregierung das Klimapaket offenbar

noch weiter verwässern will,

schafft dagegen Unmut. „Es ist kein

Wunder, wenn sich die Aktivisten

noch weiter radikalisieren“, kritisiert

Jojo aus Freiburg. Wenn sich nichts

ändere, sagt Jojo, dann müssten sie

eben noch mehr werden.

Nicht nur an der Siegessäule

gibt es Aktionen. Auch zum Potsdamer

Platz sind rund 2000 Menschen

gekommen. Die angemeldete

Demonstration wird am

Nachmittag durch die Polizei beendet,

einige Demonstranten haben

sich festgekettet. Über den Messengerdienst

Telegram rufen die

Aktivisten dazu auf, den Platz nicht

zu verlassen. „Der Platz wirdweiter

besetzt. Bitte dort bleiben“, heißt

es. Man wolle gemeinsam den Planeten

retten. „Wenn du kannst,

komm jetzt zum Potsdamer Platz

und unterstütze diese tollen Rebel*innen“,

schreiben die Organisatoren.

Viele Aktivisten campen auf einer

Wiese zwischen Kanzleramt und

Reichstag. Am Sonntagabend zählten

die Veranstalter dort 2200 Menschen

in rund 700 Zelten. DiePolizei

bestätigt, dass das Lager angemeldet

sei. Auch im Juni haben auf dem Rasenstück

einige Demonstranten

campiert–rund 100 Aktivisten riefen

dort beim „We4Future-Camp“ den

Klimanotstand aus.

Die 21-jährige Mitorganisatorindes

aktuellen Camps, Magdalena

Hartung, verweist auf die Leitlimien

von XR: „Sagt die Wahrheit, handelt

jetzt, Politik neu leben.“ Sie wollen

hier eine „Bürger:innenversammlung“

testen. Diese soll per Losverfahren

Menschen aus jeder gesellschaftlichen

und politischen Schicht

zusammenbringen, um zu lernen,

zu beratschlagen und Empfehlungen

für ein bestimmtes Problem von

öffentlichem Belang zu erarbeiten.

Das Konzept wurde bereits in Irland

bei der Aufhebung des Abtreibungsverbots

angewandt. Nun soll es das

Klimaproblem lösen.

Zelte in Amsterdam

DieAmsterdamer Polizei nahm etwa

50 Demonstranten bei einer Blockade-Aktion

fest. DieDemonstranten

hatten am frühen Montagmorgen

eine wichtige Durchgangsstraße blockiertund

Dutzende kleine Zelte aufgestellt.

Mit„zivilem Ungehorsam“

solle die Regierung gezwungen werden,

mehr für den Klimaschutz zu

tun, sagte ein Sprecher der Demonstranten

im niederländischen Radio.

DieStadt hatte die Protestaktion aber

an dieser Stelle verboten. (dpa)

Westminster Bridge in London besetzt

In London legtenTeilnehmer des Klimaprotests

teilweise den Verkehr in

der britischen Hauptstadt lahm.

MehrereGruppen vonDemonstranten

blockierten am Morgen dieWestminster

Bridge und mehrereStraßen

im Regierungsviertel. Unter den Demonstranten

waren auch Großeltern

mit ihren Enkeln und Prominente

wie die Schauspielerin Juliet Stevenson.

Mindestens 135 Demonstranten

wurden bis zum frühen Nachmittag

festgenommen. Bereits im

Aprilwaren bei den weitgehend

friedlichen Demonstrationen mehr

als 1100 Anhänger der Bewegung in

London festgesetzt worden. (dpa)

Die Aktivistin und Kapitänin Carola Rackete fordert einen radikalen Umschwung

VonSarah Pepin

Tosender Applaus für Carola Rackete.

Am Montagmittag steht

die Klimaaktivistin vor etwa 1000

Aktivisten der Klimabewegung Extinction

Rebellion an der Siegessäule

und kritisiertdie aktuelle Klimapolitik

der Bundesregierung.

„Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung

die Wahrheit sagt und den

ökologischen Notstand ausruft“, fordert

Rackete am Großen Stern. „Wir

befinden uns in einer existenziellen

weltweiten Krise, die sich immer

schneller verstärkt.“ Siesei froh, dass

sich die Bewegung Extinction Rebellion

dazu entschlossen habe, „die

ganzeWoche hierzubleiben, um Berlin

Tag und Nacht zu blockieren“,

sagt die 31-Jährige.

In den vergangenen Wochen hat

Carola Rackete, die als Seenotretterin

bekannt geworden ist, sich mehr

dem Klimaschutz zugewandt –und

Carola Rackete am Montagmorgen bei

der Blockade an der Siegessäule DPA

Extinction Rebellion, der Gruppe,

die als radikalereVariante der Klimabewegung

Fridays for Future verstanden

wird und die gewaltfreien

zivilen Ungehorsam als Demonstrationsmethode

nutzt.

Rackete, die aus Preetz in Schleswig-Holstein

stammt, ist vomPotenzial

der mittlerweile weltweiten Bewegung

überzeugt: „Ich glaube

schon, dass Extinction Rebellion

eine gute Bewegung ist, weil sie viel

von vorangegangenen Bewegungen

gelernt hat, vor allem eine Zukunft

zu definieren, die man selbst haben

möchte.“ Es geht Carola Rackete um

nicht weniger als um alles: um die

Zukunft unserer Existenz auf diesem

Planeten. Sieäußertsich regelmäßig

zum Thema Seenotrettung, zu den

EU-Außengrenzen und zum Fehlverhalten

der Politik weltweit.

Bekannt wurde sie als Kapitänin

des Flüchtlingsrettungsschiffs „Sea

Watch 3“, das sie im Juni trotz italienischem

Verbot mit 42 Migranten an

Bord in den Hafen von Lampedusa

steuerte.Esfolgten eine Auseinandersetzung

mit dem damaligen italienischen

Innenminister Matteo Salvini,

dreiTage Hausarrest und viel Medienaufmerksamkeit.

Seit drei Monaten

laufen Verfahren wegen Beihilfe zur

illegalen Migration gegen sie.

Kein Grund für Carola Rackete,

sich auf Dauer zurückzuziehen, im

Gegenteil. Vor ihrem Auftritt am

Großen Stern am Montag war sie

am Sonntagabend im Kino Babylon,

wo der Dokumentarfilm „Sea Watch

3“ Premiere hatte. Auch dort gab es

großen Applaus, als sie auf die

Bühne kam –die Frau, die Salvini

die Stirn geboten hat. Man fühlte

die Bewunderung des Publikums

für Rackete und ihren Aktivismus.

Allerdings: An diesem Abend

wurde kein Wort über Klimaaktivismus

gesprochen. Dabei hat Rackete

auch schon an den großen Klimaprotesten

vormehr als zwei Wochen teilgenommen.

Damals stand sie am

Brandenburger Tor und sagte, wir

Menschen seien für den Zusammenbruch

der Ökosysteme verantwortlich.

In den vergangenen Monaten

hat sie an der französischen Atlantikküste

ein Buch über eben diesen Zusammenbruch

geschrieben, es soll

Anfang November erscheinen.

Viele nehmen an, Carola Racketes

Wandel sei eine Transformation.

Sie selbst sagte dem Spiegel kürzlich,

diese Figur der Flüchtlingsretterin,

das sei sie nicht wirklich. Sie

sei damals auf der „Sea Watch 3“ nur

eingesprungen, weil sich sonst niemand

gefunden habe.Sie sei Naturschutz-Ökologin.

Beide Themen gehören

natürlich zusammen: Die

Konsequenzen des Klimawandels

werden weltweit größere Migrationsströme

auslösen. Und inbeiden

Fällen sieht Rackete die Politik in

der Verantwortung zu handeln.

Drohungen gegen Thunberg in Rom

Unbekannte haben in Romeine der

schwedischen Klimaschutzaktivistin

Greta Thunbergähnelnde Puppe

an einer Brücke aufgehängt. Die

Staatsanwaltschaft in Italiens

Hauptstadt leitete Ermittlungen

wegen schwerwiegender Drohungen

ein. In den sozialen Medien kursierten

Fotos vonder am Geländer

einer Brücke aufgehängten Puppe

mit der Aufschrift „Greta is your

God“ (Greta ist euer Gott). Wiedie

16-jährige Klimaschutzaktivisten

hatte die Puppe zwei geflochtene

Zöpfe.Politiker reagierten entsetzt

auf die gegen Thunberggerichtete

Drohung. Roms Bürgermeisterin

Virginia Raggi forderte die Bewohner

der Stadt zur Solidarität mit

Thunbergs Familie auf. DerChef

der italienischen Sozialdemokraten,

Nicola Zingaretti, verurteilte

die „makabereGewalt“ der Initiatorender

Aktion. (AFP)


4* Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Debatte um Begriff

„Unrechtsstaat“ für DDR

DieMinisterpräsidenten Manuela

Schwesig und Bodo Ramelowhaben

sich dagegen ausgesprochen, den

Begriff „Unrechtsstaat“ für die DDR

zu verwenden. „Die DDR war eine

Diktatur.Esfehlte alles,was eine Demokratie

ausmacht: Meinungsfreiheit,

Pressefreiheit, Demonstrationsfreiheit,

freie Wahlen, das Recht

auf Opposition“, sagte die Regierungschefin

vonMecklenburg-Vorpommernden

Zeitungen der Funke-

Mediengruppe (Montag). DerBegriff

„Unrechtsstaat“ werdeaber vonvielen

Menschen, die in der DDR gelebt

hätten, als herabsetzend empfunden.„Erwirkt

so,als sei das ganzeLeben

Unrecht gewesen. Wirbrauchen

aber mehr Respekt vorostdeutschen

Lebensleistungen. Dasist wichtig

auch für das Zusammenwachsen

vonOst und West“, sagte die SPD-

Politikerin. DerThüringer Ministerpräsident

Bodo Ramelow(Linke)

sagte den Zeitungen: „Die DDR war

eindeutig kein Rechtsstaat. DerBegriff

„Unrechtsstaat“ aber ist für

mich persönlich unmittelbar und

ausschließlich mit der Zeit der Nazi-

Herrschaft und dem mutigen Generalstaatsanwalt

Fritz Bauer und seiner

Verwendung des Rechtsbegriffs

„Unrechtsstaat“ in den Auschwitz-

Prozessen verbunden.“ (dpa)

Gedenkbaum für NSU-Opfer

soll ersetzt werden

Dassächsische Zwickau will einen

vonUnbekannten abgesägten Gedenkbaum

für das erste Mordopfer

des Nationalsozialistischen Untergrunds

(NSU) ersetzen. Daskündigte

die Stadt am Montag an. DieEiche für

EnverSimsek war Anfang September

gepflanzt worden.Wiegeplant, sollen

auch Gedenkbäume für die neun

weiteren Opfer der rechtsextremen

Terrorzelle NSU gepflanzt werden.

DieStadt richtet ein Spendenkonto

für die Bäume ein. (dpa)

Österreich: Kurz mit Bildung

der Regierung beauftragt

Streit zur Unzeit

In der CDU ist eine Debatte ausgebrochen, wie der nächste Kanzlerkandidat bestimmt werden soll

VonDaniela Vates

Es ist eine Attacke gegen

CDU-Chefin Annegret

Kramp-Karrenbauer, aber

sauer war erst mal jemand

anderes: „Es wäre schön, wenn wir

nicht die gleichen Fehler machen

würden wie die SPD“, sagte Thüringens

CDU-Chef Mike Mohring der

Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland)„Statt uns mit Personaldebatten

aufzuhalten, sollten

wir uns auf Sachpolitik konzentrieren

–und auf den Wahlkampf.“ Zwei Wochen

sind es noch bis zur Landtagswahl

in Thüringen. Und Mohring

scheint den Eindruck zu haben, als

seien nicht nur die Umfragen gegen

ihn, sondernauch Teile der Partei.

Die Junge Union hat gerade eine

sehr zentrale Personal-Frage wieder

auf die Tagesordnung gesetzt: Für

die Jahresversammlung des Parteinachwuchses

Ende derWoche liegen

mehrereAnträge vor, die der CDU einen

Mitgliederentscheid über den

Kanzlerkandidaten verordnen wollen.

Bislang wird der Kanzlerkandidat

vonden Delegierten eines Parteitags

gewählt.

Interessenten aus NRW

Die meisten Antragsteller kommen

aus Nordrhein-Westfalen – so wie

alle drei derzeitigen Konkurrenten

von Kramp-Karrenbauer: Ministerpräsident

Armin Laschet, Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn und

der frühere Unions-Fraktionschef

Friedrich Merz werden in der CDU

als Interessenten für eine Kanzlerkandidatur

gehandelt. Auch weil die

Umfragewerte der Vorsitzenden zuletzt

erneut gesunken sind, gilt

Kramp-Karrenbauer nicht als gesetzt

für die Nachfolge vonAngela Merkel

auch im Kanzleramt.

Eine mächtige Opposition gegen

den Vorstoß aus Teilen der JU zeichnet

sich schon ab: Zwar trägt auch

die Junge Union München Nord die

Forderung nach einem Mitgliederentscheid

mit. CSU-Generalsekretär

Markus Blume hat den Vorstoß allerdings

schroff abgelehnt: „Es hat sich

bewährt, dass die Kanzlerkandidaten

der Union gemeinschaftlich von

Mächtige CDU-Frauen: Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel.

„Statt uns mit Personaldebatten aufzuhalten,

sollten wir uns auf Sachpolitik konzentrieren

–und auf den Wahlkampf.“

Mike Mohring, CDU-Landeschef vonThüringen, kann der Urwahldebatte inder Bundes-

CDU nichts abgewinnen. In Thüringen wird am 27. Oktober ein neuer Landtag gewählt.

DPA

beiden Parteien und deren Parteivorsitzenden

vorgeschlagen werden.

Die Urwahl ist dafür nicht geeignet

und –mit Blick auf das SPD-Casting

–auch nicht erfolgversprechend.“

Auch CDU-Generalsekretär Paul

Ziemiak erteilte einem Mitgliederentscheid

eine Absage.Den Kanzlerkandidaten

wolle man „gleichberechtigt

und gemeinsam“ mit der

CSU bestimmen, sagte er der ARD.

Und außerdem sei es ja so: „Kein

Mensch wird uns deswegen wählen,

weil unser Wahlverfahren so toll ist.“

Der mächtige Wirtschaftsflügel

der Union, die Mittelstandsvereinigung

(MIT), hat sich voreiner Woche

ebenfalls gegen Urwahlen bei Personalentscheidungen

ausgesprochen –

weil es denkbar sei, dass die Mitglieder

von CDU und CSU sich etwa bei

der Kanzlerkandidatur für unterschiedliche

Personen aussprächen.

Die MIT stimmte dafür aber für eine

Beschränkung der Amtszeit vonBundeskanzlernauf

zweiWahlperioden.

Merz lehnt Vorschlag ab

Auf dem CDU-Parteitag Ende November

wird das Thema auf jeden

Fall landen. Die Werteunion, eine

ultrakonservative Splittergruppe der

Union, die an der Spitzelieber Spahn

und Merz sähe als Kramp-Karrenbauer,

sammelt Unterstützer für einen

entsprechenden Antrag. Mindestens

500 CDU-Mitglieder muss

sie dafür zusammenbekommen.

Einer derer, die sich möglicherweise

als Kanzlerkandidat sehen, hat

ebenfalls schon abgewunken: Friedrich

Merz bezeichnete Mitgliederentscheide

über Personalfragen als

Möglichkeit, die Partei zu spalten.

JU-Chef Tilman Kuban hat sich

noch nicht konkret positioniert, sondernnur

eine stärkereEinbindung der

Parteibasis gefordert. Man werde die

Forderung nach einem Mitgliederentscheid

kontrovers diskutieren, hat er

angekündigt. Aufder JU-Jahrestagung

treten Kramp-Karrenbauer, Laschet

und Spahn auf, es ist eine andereForm

des Castings. Ein weiterer Redner ist

auch dabei: Bayerns Ministerpräsident

Markus Söder.CSU-Kanzlerkandidaten

allerdings haben bisher die

Wahlen stets verloren.

Mehr

Terroropfer

wollen Hilfe

Antwort des Bundesamtes für

Justiz auf Grünen-Anfrage

VonMarkus Decker

ImJahr 2019 sind bei der Bundesregierung

bisher 86 Anträge auf

Entschädigung vonOpfernterroristischer

Gewalt eingegangen –und

damit 23 Anträge mehr als im ganzen

Jahr 2018. Das ergibt sich aus

der Antwort des Bundesamtes für

Justiz auf eine Anfrage des Grünen-

Bundestagsabgeordneten Danyal

Bayaz, die der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland)

vorliegt.

Insgesamt liegt die Zahl der einschlägigen

Anträge seit 2011 bei 508.

Allein 167 dieser Anträge ergaben

sich laut Bundesamt für Justiz aus

dem Anschlag auf dem Berliner

Breitscheidplatz am 19. Dezember

2016 durch den Tunesier Anis Amri,

bei dem zwölf Menschen starben

und Dutzende verletzt wurden.

Wörtlich heißt es in der Antwort:

„Wegen der hohen abschließenden

Härteleistungen, die für schwerund

schwerstverletzte Opfer dieses

Anschlags zu zahlen waren und

zum Teil noch sind, sowie wegen der

Bewilligung der rückwirkend verdreifachten

Angehörigenhärteleistungen

für die Hinterbliebenen dieses

Anschlags und der rund 30 weiteren

terroristischen Anschlagsereignisse

wurden im Haushalt

2018/2019 außergewöhnlich hohe

Mittel bereitgestellt.“ Die Mittel für

2020 seien ebenfalls„einem hohen –

prognostizierten Bedarf angepasst“

worden.

Österreichs Staatschef Alexander Vander

Bellen (r.) und ÖVP-Chef Sebastian Kurz AFP

Nach der Parlamentswahl in Österreich

hat Bundespräsident Alexander

Vander Bellen Ex-Kanzler Sebastian

Kurz (ÖVP) mit der Regierungsbildung

beauftragt. DerKlimaschutz

sollte seiner Ansicht nach bei den

Koalitionsverhandlungen „ganz

oben auf der Agenda“ stehen, sagte

der den Grünen nahe stehende Bundespräsident

am Montag. Kurz’konservativeÖVP

war als klareSiegerin

aus der Wahl am 29. September hervorgegangen.

Er werdemit allen im

Nationalrat vertretenen Parteien Gespräche

führen, sagte der 33-Jährige.

Mehrere Tote bei

Bootsunglück vor Lampedusa

Mindestens 13 Migranten sind bei einem

Bootsunglück vorder italienischen

Insel Lampedusa ums Leben

gekommen, etliche wurden vermisst.

Diegeborgenen Leichen seien alle

vonFrauen, sagte ein Sprecher der

Küstenwache am Montag. 22 Menschen

wurden gerettet, nach etwa 20

wurde noch gesucht. Unter denVermissten

seien auch zwei Kinder und

zwei Schwangere, twitterte ein Sprecher

der Internationalen Organisation

für Migration (IOM). (dpa)

Trump-Verbündete schielten auf Ukraine-Gas

Die Telefon-Affäre des US-Präsidenten erhält eine neue Dimension. Nun will ein zweiter Whistleblower auspacken

VonKarlDoemens, Washington

Erst sollte die Sache völlig harmlos

gewesen sein. Dann war es ihm

angeblich um die fehlende Unterstützung

der Europäischen Union

für die Ukraine gegangen. Kurz darauf

räumte Donald Trump ein, den

ukrainischen Präsidenten Wolodymyr

Selenskyj um Ermittlungen gegen

den demokratischen Präsidentschaftskandidaten

Joe Biden gebeten

zu haben. Nun behauptet er, es

sei bei seinem fragwürdigen Telefonat

gar nicht um Politik gegangen:

„Die ganzeSache dreht sich um Korruption“,

betonte der US-Präsident

am Wochenende.

Persönliche Beziehungen

Trump könnte recht haben –allerdings

ganz anders, als er es meint.

Nach investigativen Recherchen der

Nachrichtenagentur AP war in diesem

Frühjahr nämlich nicht nur

sein Anwalt Rudy Giuliani in der

Ukraine unterwegs, um die

Schmutzkampagne gegen Biden

voranzutreiben. Zur gleichen Zeit

sollen amerikanische Geschäftsleute

und Geldgeber der Republikaner

mit teilweise persönlichen Beziehungen

zum Präsidenten in dem

Land versucht haben, ein neues

Management beim staatlichen Gas-

Riesen Naftogaz zu installieren. Ihr

Ziel: Lukrative Verträge zwischen

Naftogaz und Unternehmen von

Trump-Verbündeten.

US-Präsident Donald Trump gerät zunehmend in die Defensive.

Zwar ist unklar, obdie Aktivitäten

mit Giuliani direkt koordiniertwaren.

Aber die Geschäftsleute verfügten

laut AP über beste Insider-Kenntnisse

der amerikanischen Politik. So kündigten

sie schon drei Monate vordem

Ereignis an, dass Trump die bisherige

US-Botschafterin Marie Yovanovitch

ablösen würde.Als die Investoren mit

ihrem Anliegen in Kiew auf Widerstand

stießen, soll sich US-Energieminister

Rick Perry eingeschaltet haben

und Präsident Selenskyj gedrängt

haben, den Aufsichtsrat vonNaftogaz

zu feuern. Aufder vonPerryvorgelegten

Liste mit den gewünschten Neubesetzungen

fand sich nach dem Bericht

auch der Name eines Texaners,

der ihm Geld gespendet hatte.

AP

Wenn die Enthüllung der renommierten

Nachrichtenagentur

stimmt, liegt der Verdacht einer Verquickung

vonTrumps Ukraine-Politik

mit knallharten Geschäftsinteressen

nahe. Bemerkenswerterweise

hatte der US-Präsident am Freitag

nach einem Bericht der Nachrichtenseite

Axios vor republikanischen

Abgeordneten behauptet, er habe

Selenskyj eigentlich gar nicht anrufen

wollen. Damit versuchte Trump

den Verdacht zu entkräften, dass er

den ukrainischen Präsidenten mit finanziellem

Druck zu Ermittlungen

gegen Biden erpressen wollte. Tatsächlich,

so der Präsident, habe

Energieminister Perryauf diesen Anrufgedrängt.

Es sei darum gegangen,

„etwas in Zusammenhang mit einer

Flüssiggas-Fabrik zu besprechen“. In

der Öffentlichkeit wurde Trumps

Aussage zunächst als Versuch gewertet,

Perryden SchwarzenPeter zuzuschieben.

Tatsächlich könnte sie

aber ungewollt die von AP aufgedeckte

neue Facette der Ukraine-Affärebestätigen.

Derzweite Zeuge

Möglicherweise werden bald weitere

Details bekannt. Inzwischen gibt es

nämlich einen zweitenWhistleblower

in der US-Regierung. Anders als der

erste Informant, der vonTrumps fragwürdigemTelefonat

nur aufgrund der

Berichte Dritter wusste,soll der neue

Whistleblower „Kenntnis aus erster

Hand“ haben. Nach Auskunft seines

Anwalts untermauern seine Aussagen

die Vorwürfe, dass Trump sein

Amt missbrauche, umausländische

Staaten zur Einmischung in die US-

Wahlen 2020 zu drängen.

Die Existenz eines zweiten Zeugen

ist politisch bedeutsam. DerPräsident

hatte nämlich versucht, die

Glaubwürdigkeit des ersten Whistleblowers

zu untergraben, obwohl

dessen Schilderungen mit dem später

veröffentlichten Protokoll des Telefongesprächs

exakt übereinstimmten.

„Wir danken für ihren Mut“, hat

sich Adam Schiff, der demokratische

Vorsitzende des Geheimdienstausschusses,

an die Informanten gewandt:

„Und wir hoffen, dass noch

weiterediesem Beispiel folgen.“

Beim Anschlag am Berliner Breitscheidplatz

starben zwölf Menschen.

DPA

Unterdessen ging die Zahl der

einschlägigen Anträge auf Härteleistungen

vonOpfernrechtsextremistischer

Übergriffe von 230 im Jahr

2018 auf 125 bis Anfang September

2019 zurück.

Übergriffe vonrechts

Im Bereich des „sonstigen Extremismus“

sank die Zahl im gleichen Zeitraum

von 32auf 16; davon gelten

drei als Opfer linksextremistischer

und acht als Opfer islamistischer

Übergriffe.Legt man die Anträge auf

Härteleistungen zugrunde, so sind

demnach 88 Prozent aller Opfer extremistischer

Übergriffe Opfer von

Rechtsextremisten.

Bayaz sagte: „Die Anzahl der gestellten

Anträge auf Härteleistungen

für Opfer extremistischer Übergriffe

ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen,

was erst mal erfreulich ist.

Jedoch bleiben die Schadenszahlungen

gerade für Opfer rechtsextremistischer

Gewalt weiterhin auf einem

hohen Niveau.

Vonden in diesem Jahr eingegangenen

141 Anträgen sind 125 von

Opfernrechtsextremer Gewalt –also

nahezu neun von zehn. Das zeigt,

dass Gewalt durch Rechtsextremisten

keine Randerscheinung ist, wie

es oft behauptet wird.“

Bayaz mahnte: „Wir brauchen

eine groß angelegte Kampagne und

Gesamtstrategie gegen den Rechtsextremismus.“

Dazu gehörten Präventionsprogramme,

eine Stärkung

der Erinnerungskultur und eine konsequente

Durchsetzung des geltenden

Rechts.


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 5 *

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Politik

Freie Bahn für die Invasion

Nach dem angekündigten Truppenabzug der USA will die Türkei in Nordostsyrien eine sogenannte Schutzzone schaffen

VonGerd Höhler

Die Türkei steht kurz vor

einer Invasion in Syrien.

Der Einmarsch könnte

den Bürgerkrieg neu anfachen

–und gefangenen IS-Terroristen

die Freiheit bescheren.

Oft hat er gedroht, jetzt ist es offenbar

so weit: „Heute oder morgen“

könne die Türkei in Syrien einmarschieren,

hatte der türkische Staatschef

Recep Tayyip Erdogan noch am

Sonnabend gesagt. Nun verdichten

sich die Hinweise auf eine unmittelbar

bevorstehende Invasion: Am

Montag begannen die USA ihre

Truppen aus der Grenzregion zurückzuziehen.

Zugleich wurden auf

der türkischen Seite der Grenze, wo

bereits am Wochenende Panzer und

Artilleriegeschütze aufgefahren waren,

weitere militärische Bewegungen

gemeldet.

Mit der Invasion will die Türkei in

Nordostsyrien eine sogenannte

Schutzzone entlang der türkischen

Grenzeschaffen. Siesoll dazu dienen,

kurdische Milizen vonder türkischen

Grenzefernzuhalten und dortMillionen

syrische Flüchtlinge anzusiedeln,

die jetzt noch in der Türkei leben. Ankaraund

Washington verhandeln seit

Monaten über diese Pläne. Erdogan

dauerte das zu lange.Erplant den Alleingang.

Am Sonntag informierte er

US-Präsident Donald Trump über

seine Absichten. Ein Sprecher des

Weißen Hauses erklärte,die USA würden

sich nicht an dem geplanten Militäreinsatz

beteiligen und ihn auch

nicht unterstützen. Aber offenbar hat

Trump grünes Licht gegeben. Das

zeigt der Rückzug der US-Truppen.

Die Türkei und die USA hatten

zwar nach monatelangem Drängen

Erdogans im August die Einrichtung

einer Schutzzone in Nordostsyrien

zwar grundsätzlich vereinbart und

bereits einige gemeinsame Militärpatrouillen

in der Region durchgeführt.

Erdogan und sein Außenminister

Mevlüt Cavusoglu zeigten sich

aber unzufrieden mit den Fortschritten

der Gespräche. Die Umsetzung

gehe zu langsam voran, kritisierte

man in Ankara.

Kurden fühlen sich im Stich gelassen

Syrische Kurden protestieren nahe eines US-Militärcamps gegen die türkische Politik. AFP

Die Türkei will einen 400 Kilometer

langen und 40 Kilometer breiten

Streifen zwischen Euphrat im Westen

und der irakischen Grenze im

Osten besetzen. Noch kontrollieren

die Syrisch-Demokratischen Kräfte

(SDF) große Teile der Grenzregion.

Siewerden vonder Kurdenmiliz YPG

angeführt und waren in den vergangenen

Jahren der engste Verbündete

der USA im Kampf gegen den „Islamischen

Staat“. DieTürkei hingegen

sieht in der YPG den syrischen Ableger

der verbotenen Terrororganisation

PKK. Erdogan spricht voneinem

Terrorkorridor, den die Kurden an

der Grenzegeschaffen hätten.

Jetzt fühlen sich die SDF von den

USA im Stich gelassen. DieUSA hielten

sich nicht an ihre Verpflichtungen

und zögen ihre Kräfte entlang

der türkischen Grenze ab, hieß es in

einer am Montag verbreiteten Erklärung

der SDF. Eine türkische Invasion

werde„gewaltige Auswirkungen

auf unseren Krieg gegen den IS in Syrien

haben“, erklärte die Organisation.

Ein Sprecher der SDF kündigte

Widerstand gegen die türkische Offensive

an: „Wir

werden nicht zögern,

jeden Angriff

TÜRKEI

Aleppo

Homs

Damaskus

von türkischer

Seite in einen umfassenden

Krieg

entlang der ganzen

Grenze zuverwandeln,

um uns und

unser Volk zu verteidigen.“

Die militärischen

Risiken und

die Frage, was die

türkische Invasion

für den Kampf gegen

den IS bedeutet, scheinen aus

türkischer Sicht aber zweitrangig zu

sein. Erdogan geht es vor allem

darum, die Kurden aus der Grenzregion

zu vertreiben und die demografischen

Strukturen dort durch die

Ansiedlung arabischer Syrer dauerhaft

zu verändern. Zwei Millionen

syrische Flüchtlinge, die sich jetzt

noch in der Türkei aufhalten, will Erdogan

in die Schutzzone umsiedeln.

Damit könnte er innenpolitisch

punkten, denn die Anwesenheit von

Von der Türkei geforderte

„Sicherheitszone“

Al-Rakka

rund vier Millionen Migranten in der

Türkei, darunter 3,6 Millionen Syrern,führt

zu immer größeren sozialen

Spannungen im Land.

Die meisten Türken sehen in

den Migranten unwillkommene

Konkurrenten im Wettbewerb um

Arbeitsplätze und Sozialleistungen.

Die Militäroperation ist aber

nicht ohne Risiken, auch für Europa.

Die SDF haben

bereits Widerstand

angekündigt

und warnen

vor einem

„umfassenden

Krieg“. Sie halten

in der Region Tau-

Irak sende ehemalige

IS-Kämpfer gefangen,

die als extrem

gefährlich

gelten. Es gibt Befürchtungen,

dass

Kurden/Rebellen

die türkische Invasion

zu ihrer

Befreiung und dem neuerlichen Erstarkendes

IS führen wird.

Auf die EU könnten auch neue

Kosten zukommen. Erdogan plant

für die Umsiedlung der Flüchtlinge

in der Schutzzone den Bau von 140

Dörfern und zehn Städten. Die Kosten

veranschlagt die türkische Regierung

auf umgerechnet 24,4 Milliarden

Euro. Die Europäer sollen sich

daran beteiligen. Sonst will Erdogan

den Migranten „die Tore nach Europa

öffnen“.

SYRIEN

BLZ/GALANTY; Q.: ISW, RELIEFWEB, OCHA, ETANA, DPA

Politiker sprechen von

besorgniserregender Lage

Der Truppenabzug der USA sorgt in Europa für Unruhe

VonDamir Fras, Marina Kormbaki

und Daniela Vates

Nach der Ankündigung einer

türkischen Militäroffensive in

Nordsyrien fordern die Grünen

Konsequenzen für den Einsatz der

Bundeswehr in der Region. Die

Luftaufklärungsbilder, die in Jordanien

stationierte Bundeswehr-Tornados

für die Nato erstellen, dürften

nicht mehr an die Türkei gehen. Zuvor

hatte US-Präsident Donald

Trump durch den Rückzug von US-

Truppen der Türkei faktisch freie

Hand für einen Einmarsch in Nordsyrien

gegeben. Dort will die Türkei

eine Pufferzone errichten, in die

Bürgerkriegsflüchtlinge geschickt

werden sollen.

„Die türkische

Regierung

muss jetzt

schnellstmöglich

ihre Pläne

offen legen.“

Alexander Graf Lambsdorf, stellvertretender

FDP-Fraktionsvorsitzender

„Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt,

an dem man aufhören muss,

der Türkei Bilder zu liefern, mit denen

sie ihren völkerrechtswidrigen

und auf Eskalation angelegten Krieg

in Syrien fahren kann“, sagte der außenpolitische

Sprecher der Grünen-

Bundestagsfraktion, Omid Nouripour,

der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland): „Wenn

die Türkei die Bilder hat, kann die

Bundesregierung die Verwendung

nicht mehr kontrollieren.“ Sollte dies

nicht möglich sein, müssten die Tornado-Flüge

der Bundeswehr eingestellt

werden.

Die Koalition hielt dagegen: „Die

aktuelle Lage ist höchst besorgniserregend,

hat aber keine Auswirkungen

auf das Bundeswehr-Mandat“,

sagte der außenpolitische Sprecher

der SPD-Fraktion, Nils Schmid. „Die

Regeln für die Auswertung der Daten

aus denTornadoflügen gelten.“ Auch

der außenpolitische Sprecher der

Unionsfraktion, Jürgen Hardt

(CDU), sagte: „Ich sehe keinen Konflikt

mit dem Bundeswehreinsatz.

Durch ein zweistufiges Verfahren

wird sichergestellt, dass die Daten

aus den Aufklärungsflügen nur so

verwendet werden wie vorgesehen,

also für den Kampf gegen den ‚Islamischen

Staat‘.“

US-Präsident Donald Trump verteidigte

den Rückzug von US-Truppen.

Es sei an der Zeit, aus diesen„lächerlichen

endlosen Kriegen“ herauszukommen,

schrieb Trump am

Montag auf Twitter.

Destabilisierung der Außenpolitik

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende

Alexander Graf Lambsdorff

zeigte sich besorgt. „Die türkische

Regierung muss jetzt schnellstmöglich

ihrePläne offen legen. Bisher

ist völlig unklar wie groß die von der

Türkei angestrebte Sicherheitszone

wäre, wersie kontrollieren soll und ob

der syrische Präsident Baschar al-Assad

die de facto stattfindenden Enteignungen

syrischer Flüchtlinge fortführen

will“, sagte Lambsdorff. „Sicher

ist nur, dass eine türkische Militäraktion

völkerrechtswidrig wäre.“

Der luxemburgische Außenminister

Jean Asselborn appellierte an

den türkischen Präsidenten, die

Pläne zu überdenken. Es sei keine

Lösung, „Menschen, die aus Syrien

geflohen sind, ohne Mitwirkung der

Uno nach Syrien zurückzuschicken“.

DerBerliner Zeitung sagte Asselborn:

„Ich habe große menschliche

und politische Bedenken. Wenn

Assad als Sieger aus dem Krieg hervorgehen

sollte, was eine durchaus

realistische Vorstellung ist, dann

könnten die Menschen dort Repressalien

ausgesetzt sein.“

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6* Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Osram lädt AMS

zum Gespräch

Nach dem Scheiterndes Übernahmeangebots

vonAMS fürden

Münchner Licht- und Sensorikkonzern

Osramwirdder Kampf um das

Unternehmen zur Geduldsprobe.

„Wir haben sie zu Gesprächen eingeladen

und müssen sehen, was das

Ergebnis sein wird“, sagte der Osram-Finanzvorstand

Ingo Bank über

den österreichischen Sensorhersteller

AMS dem Sender CNBC. Das

Unternehmen hält inzwischen

19,99 Prozent an Osram. AMS hatte

das bis Freitag selbst gesetzte Ziel

verfehlt, 62,5 Prozent der Osram-Anteile

unter seine Kontrolle zu bringen.

DasAngebot vonAMS sei für

die Aktionäreoffenbar nicht hoch

genug gewesen, so Bank. (dpa)

Gewerkschaft

prangert Betriebe an

Im Tarifkonflikt der Gebäudereiniger

verschärft die IG Bauen-Agrar-

Umwelt den Ton. Aufihrer Internetseite

will die Gewerkschaft Firmen

nennen, die nach ihrer Ansicht den

tariflosen Zustand ausnutzen, um

Beschäftigten schlechtereKonditionen

aufzuzwingen. Am „Dirty-Job-

Pranger“ wurde zum Auftakt ein

Arbeitsvertrag des Branchenriesen

Piepenbrock veröffentlicht: Zuschläge

für Arbeit an Sonn-und

Feiertagen sowie nachts seien ebenso

gekürzt worden wie der Urlaubsanspruch.

Piepenbrock wies die

Darstellung zurück. Bestehende

Arbeitsverträge seien nicht geändert

worden, lediglich bei Neuverträgen

gebe es neue Regelungen. (dpa)

Holpriger Produktionsanlauf

für neuen Opel

Opel-WerkEisenach

Im Opel-WerkEisenachklappt die

Umstellung vonKleinwagen auf den

Stadtgeländewagen Grandland Xoffenbar

nicht wie geplant. Laut „Handelsblatt“

liegt das Werk bei der Ende

August gestarteten Produktion rund

4000 Einheitenhinterden Sollzahlen.

Internsei voneiner „krassen

Fehlplanung“ dieRede. Probleme gebe

es mit veraltetenMaschinen und

derIT. Daszur französischen PSA-

Gruppe zählende Unternehmen

wollte dies nicht kommentieren.

Nach den Kleinwagen Corsa und

Adam ist nun derSUV Grandland X

einziges Modell in dem Werk. (dpa)

Mercedes setzt

mehr Autos ab

FOTO: MARTIN SCHUTT/DPA

DerStuttgarter Automobilbauer

Daimler hatnach dem schwachen

ersten Halbjahr beim Mercedes-Absatz

mit einemstarken September

das Blattgewendet.Imvergangenen

Monat verkauftendie Stuttgarter

weltweit 223838 Autos der Marke

Mercedes-Benz und damit

10,4Prozent mehr als im Vorjahresmonat,

wie derKonzern mitteilte.

Nach neun Monaten liegt Mercedes

damit nun knappmit 0,6 Prozent im

Plus bei 1,73 Millionenverkauften

Fahrzeugen. Im ersten Halbjahr

hatten die Modellumstellung in den

Kompaktklassen Aund Bsowie die

ProblemebeimProduktionsanlauf

neuer SUV-Modelle in den USA belastet.

(dpa)

Argentinien, Chile undBolivienverfügen über riesige Reserven des begehrten Leichtmetalls Lithium.

Rüstungsexport auf Rekordniveau

Zwei Jahre lang gingen die Ausfuhrgenehmigungenzurück. Jetztzeigtdie Kurvewiedersteil nach oben

Von Michael Fischer

Die deutschen Rüstungsexporte

steuernindiesem Jahr auf einen

Spitzenwert zu. Bis Ende September

stiegen die Ausfuhrgenehmigungen

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

um 75 Prozent auf 6,35 Milliarden

Euro. Damit nähert sich das Exportvolumen

den bisherigen Rekordwerten

aus den Jahren 2015 und 2016 von

7,86 beziehungsweise 6,85 Milliarden

Euro an. Die Zahlen der ersten

drei Quartale gehen aus einer Antwort

des Wirtschaftsministeriums

auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten

Omid Nouripour hervor.

Bereits zur Jahreshälfte hatten die

Exportgenehmigungen mit 5,3 Milliarden

Euro die des gesamten Vorjahres

(4,8 Milliarden) übertroffen.

Furcht vor dem Boom

Ureinwohner Argentiniens protestieren gegen Lithiumabbaufür E-Autos. Trinkwasser gefährdet

Von Klaus Ehringfeld

Am 1. März hielt Argentiniens

konservativer Präsident

Mauricio Macri vor

dem Kongress in Buenos

Aires eine Rede zur wirtschaftlichen

Zukunft seines Landes. Und der

Staatschef sagte in triumphalem Ton:

„Die Welt redet über Lithium, und wir

haben enorme Vorräte in Catamarca,

Salta und Jujuy.“

Tatsächlich lagern indiesen drei

Provinzen im Nordwesten des südamerikanischenLandesriesigeReserven

des Leichtmetalls, das gerade in

den Industrienationen gehypt wird.

Lithium braucht man vor allem, um

Batterien herzustellen. UndinZeiten,

in denen die Automobilindustrie voll

auf E-Mobilität setzt, erlebt Lithium

einen Boom. Aber die Ureinwohner

Argentiniens fürchten genau diesen

und die Auswirkungen auf ihre Lebensgrundlagen.

„Heute Lithium,

morgen Hunger“ –fassen die in der

Region lebenden Kolla-Ureinwohner

die Bedrohung für sich zusammen.

Die Kolla leben im Wesentlichen von

der Lamazucht und der Landwirtschaft.

Nach Berechnungen der Risikoanalysefirma

Global Data wird sich

die Lithiumproduktion bis 2022 verdreifachen.

86000 Tonnen mehr als

bisher würden in dieser Zeit gefördert

werden, hat das britische Unternehmen

berechnet. Undeinegroße Rolle

in dieser Voraussage spielt nicht nur

Argentinien,sondernauchdiebeiden

Genehmigung: Der chinesische

KonzernCATLhat eine

weitere Hürde für den Bau

einer Batteriezellenfabrik für

Elektroautos in Thüringen

genommen. Das Landesumweltministerium

genehmigte

jetzt den vorzeitigen Baubeginn.

Mir dem Bau solle

noch im vierten Quartal begonnen

werden, sagte CATL-

Europachef Matthias Zentgraf.

CHINESISCHEBATTERIEFABRIK IN THÜRINGEN

Nachbarstaaten Chile und Bolivien,

die an die drei lithiumreichen argentinischen

Provinzen grenzen. In den

Salzwüsten des kargen Hochgebirges

lagern indiesem Dreiländereck auf

rund 4000 Metern Höhe vermutlich

biszu80Prozent der weltweiten Vorkommen

des strategisch wichtigen

Metalls. Die Reserven werden auf

zehn Millionen Tonnen geschätzt.

Undwennman sich anschaut, wer

derzeit welchen Anteil an der Lithiumproduktion

auf der Welt hat,

ahnt man, was auf Argentinien und

seine Ureinwohner in den kommendenJahrenzukommt.NochistAustralien

führender Produzent mit 18300

Tonnen jährlich, gefolgt vonChile mit

Wirtschaftsminister Peter Altmaier

(CDU) hatte das mit der langen Hängepartie

bei der Regierungsbildung

nach der Wahl 2017 erklärt. Dadurch

sei ein Entscheidungsstau entstanden

und der sprunghafte Anstieg daher

„nur scheinbar überraschend“,

sagte er damals.

Die mit Abstand meisten Exporte

wurden mit 1,77 Milliarden Euro für

den EU- und Nato-Partner Ungarn

genehmigt. Die dortige rechtsnationale

Regierung von Ministerpräsident

Viktor Orban rüstet derzeit massiv

auf und will die Verteidigungsausgaben

verdoppeln. Dahinter folgt das

an der von Saudi-Arabien geführten

Kriegsallianz im Jemen beteiligte

Ägypten mit 802 Millionen Euro.Mit

den Vereinigten Arabischen Emiraten

(VAE) ist ein weiteres Land aus

Investitionen: Geplant sind

nach Unternehmensangaben

in den kommenden fünf

Jahren Investitionen vonbis

zu 1,8 Milliarden Euro in die

Thüringer Batteriezellenfabrik

–abhängig vonder

Marktentwicklung bei Elektroautos.

Das Werk wird in

der Nähe vonArnstadtgebaut.

In einer ersten Etappe

sollen 2020 bis zu 200

Arbeitsplätze entstehen.

Kunde BMW: Im Endausbau

in einigen Jahren könnte das

Werk bis zu 2000 Beschäftigte

haben. CATL will von

Thüringen aus europäische

Automobilhersteller mit Batterien

für E-Autos beliefern.

Zu den größten Kunden zählt

BMW.CATL(Contemporary

Amperex Technology) ist ein

großer Hersteller vonLithium-Ionen-Akkus

mit Sitz

im chinesischen Ningde.

14100 Tonnen. Weit dahinter erst liegt

Argentinien mit 5500 Tonnen. Doch

das wirdsich ändern, wenn die RegierunginBuenosAiresihrePlänedurchsetzt.

Dann könnte das Land künftig

gemeinsam mit Australien zum führenden

Produzenten des „weißen

Goldes“ aufsteigen. Laut Global Data

könnte das südamerikanische Land

künftig29ProzentzurweltweitenFörderung

beitragen. Für die Kolla-Indigenen

ist das eine fürchterliche Vorstellung.

Anders als Gold und Silber wirdLithium

nicht in großen Tagebauanlagen

gefördert, und es entstehen auch

keine riesigen Abraumhalden. Aber

die Gewinnung des „weißen Goldes“

diesem Bündnis, das gegen die vom

Iran unterstützten Huthi-Rebellen

kämpft, unter den TopTen der Empfängerländer.Mit

206Millionen Euro

steht der ölreiche Golfstaat auf Platz

neun.

Inzwischen haben sich die VAE

aber mit Saudi-Arabien überworfen

und den Abzug ihrer Truppen aus

dem Jemen angekündigt. Union und

SPD hatten sich in ihrem KoalitionsvertragimMärz2018

vorgenommen,

Exporten an die „unmittelbar“ am Jemen-Krieg

beteiligten Staaten einen

Riegel vorzuschieben. Es wurden

aber Ausnahmen zugelassen. Ein

kompletter Exportstopp wurde nach

der Ermordung des regierungskritischen

Journalisten Jamal Khashoggi

allerdings gegen Saudi-Arabien verhängt.

FOTO: GEORG ISMAR/DPA

ist sehr wasserintensiv und gelingt

nur unter Einsatz von Chemikalien.

Für den Abbau des Metalls werden

Zehntausende Liter Süßwasser pro

Stunde benötigt, und das in einer Region,

in der es zum einen wenig regnet

und zum anderen das Gleichgewicht

zwischen Salz- und Süßwasser sehr

fragil ist. Da die ständigen Arbeiten

und das Umpflügen des Untergrunds

die natürlichen Grenzen zwischen

beiden Wassern zerstören, wird das

Trinkwasser auf mittlereSichtirreversibel

kontaminiert und so die Existenzgrundlage

der in der Region noch

lebenden 60000 Kolla-Indianer gefährdet.

Bereits im Februar protestierten

die Ureinwohner wochenlang gegen

die geplanten Lithiumabbau-ProjekteinihrerRegionundkritisierten,dass

die Konzerne „ihr heiliges Territorium“

einfach besetzen. DiePolitik ignorieredas

Recht der Indianer auf Anhörung

und übe Druck auf die Stammesführer

aus,damit sie ihreZustimmung

geben. „Das Leben und das

Wasser sind wichtiger als das Lithium“,

protestierten die Kollas. Die

Lithiumkonzerne würden die Böden

mit ihren Chemikalien verseuchen

unddieLamasdadurchkrankundmit

Missbildungen geboren werden, kritisiert

Cecilia Sustersic vom Netzwerk

„Red Ambiental ySocial“. „Wir werden

den Konzernen nicht gestatten,

dass sie hier ein strategisch wichtiges

Metall abbauen, um den weltweiten

Konsum zu befriedigen, und uns dafür

an den Abgrund führen.“

Im Juli hatte die Bundesregierung

nach monatelangem Ringen auch

ihre 20Jahre alten Exportrichtlinien

für Rüstungsgüter überarbeitet und

leicht verschärft. Danach wird die

Lieferung vonKleinwaffen in Länder

außerhalb von Nato und EU nun

grundsätzlich nicht mehr genehmigt.

Zudem soll der Verbleib bereits

exportierter Waffen stärker kontrolliertwerden.

Vorallem die SPD dringt

in der Koalition auf eine restriktive

Genehmigungspraxis. Für den Grünen-Politiker

Nouripour ist das aber

angesichts anhaltender Lieferungen

an Mitgliedsländer der Jemen-

Kriegsallianz „weniger wert alsheiße

Luft“. „Es ist extrem bitter, dass der

heutigen SPD die Gewinne der Rüstungsindustrie

wichtiger sind als

Frieden“, sagte er. (dpa)

Haben

Paketdrohnen

eine Zukunft?

VorfünfJahren beganndas

Pilotprojektauf Juist

Von David Hutzler

Vor fünf Jahren flog die Zukunft

über Juist: Zwischen dem Festland

und der Apotheke „Seehund“

auf der Nordseeinsel wurden im

Herbst 2014 zum ersten Mal regelmäßig

Medikamente per Drohne

transportiert. Von einem weltweit

einzigartigen Projekt sprach damals

der Paketzusteller Deutsche Post

DHL, der die zwölf Kilometer langen

Flüge ausgeführt hatte. Nun stellt

sich die Frage: Wasbleibt vomDrohnenrummel?

Werden wir künftig

mehr Lieferungen ausder Luft erhalten?

Erich Hrdina ist der Apotheker

von Juist –und selbst passionierter

Hobbyflieger. Ersagt: „Für uns war

dasmit der Drohne perfekt.“ Da das

DHL-Modell damals nur 1,2 Kilogramm

tragen konnte, habe damit

zwar nicht die komplette Medikamentenversorgung

der Insel geklappt.

Aber in Ausnahmesituationen

warendie autonomen Fluggeräte

seiner Meinung nach wichtig: „Wir

hatten einen Notfall an einem Samstag

bei Nacht und Nebel. Da hätte

kein Hubschrauber mehr fliegen

können, da war die Drohne dann

schon toll.“

Regelmäßige Lieferungen per

Drohne gibt es aber bis heute nicht.

DHL hat zwar weitereTestläufe unter

anderem in Bonn und im Alpenort

Reit im Winkl unternommen. Doch

bis auf Weiteres sei das ein „reines

Forschungsprojekt“, erklärt Sprecherin

Sarah Preuß. In China hingegen

hat die DHL-Schwester DHL

Express im Maidie erste innerstädtische

Route eröffnet. In der Metropole

Guangzhou transportieren Drohnen

zweimal täglich Express-Sendungen

zwischen zwei Packstationen.

„Fürdie Notfallversorgung sollte

man Drohnen auf jeden Fall einsetzen“,

meint Inselapotheker Hrdina.

Doch auch in der regulärenPaketzustellung

können Drohnen sinnvoll

sein. Sie erreichen auch abgelegene

Orte, etwa eher wenig besiedelte

Bergregionen. „Da ist das Konzept

aufjeden Fall zu begrüßen“, sagt eine

Sprecherin des Bundesverbands Paket-

und Expresslogistik.

DerHimmel wäreschwarz

Für den Massenversand eignen sich

Drohnen jedoch nicht, da sind sich

die Beteiligten einig. Bei mehr als

drei Milliarden Paketen proJahr wäre

der Luftraum vollkommen überlastet.

„Stellen Siesich mal vor, da würden

Millionen Drohnen in der Luft

fliegen“, erklärt Anne Putz vom Logistikunternehmen

GLS: „Da wäre

der Himmel ja schwarz.“ AufJuist habe

es vorallem Sicherheitsbedenken

gegeben, erzählt Erich Hrdina. Keiner

wollte unbemannte Fluggeräte

über seinem Kopf schwirren haben.

Hinzu kommt, dass die Regeln für

Drohnenflüge in Deutschland bisher

sehr streng sind. Beidem Versuch auf

Juist musste jeder der insgesamt 40

Flüge einzeln genehmigt werden.

In der Zustellerbranche ist von

einem Drohnenhype nicht viel zu

spüren. Die Sprecherin des Bundesverbands

sagt: „Drohnen sind ein

Randthema bei der Zustellung von

Paketen.“ Auch Unternehmen wie

Hermes oder GLS stehen dem Thema

eher skeptisch gegenüber und

haben keine Entwicklungsprojekte

mit Drohnen laufen.

Fünf Jahrenach dem Testflug auf

Juist setzen die Logistiker auf E-Fahrzeuge

oder Lastenräder.„Dassind alles

Dinge, die für uns in Richtung

Emissionsfreiheit auch einfacher

umzusetzen sind“, sagt Sebastian

KaltofenvomPaketzustellerHermes.

Das sieht auch der Bundesverband

so: Man könne den Stadtverkehr

ganz konkret entzerren, indem man

etwa mehr Packstationen einrichten

würde. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 7

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

Weniger

Aufträge für

die Industrie

Der Abwärtstrend

setzt sich fort

Von Friederike Marx

Die Schwäche der deutschen Industrie

hat sich im Monat August

fortgesetzt. Bei den Betrieben

gingen im Vergleich zum Vormonat

0,6 Prozent weniger Bestellungen

ein, wie das Statistische Bundesamt

in Wiesbaden mitteilte. MarktbeobachterhattenimMittelnureinMinus

von 0,3 Prozent erwartet. Es war der

zweite Rückgang in Folge und die

mittlerweile fünfte Abschwächung

im laufenden Jahr. Verglichen mit

dem August des vergangenen Jahres

sank der Auftragseingang um 6,7 Prozent.

„Die Auftragseingänge setzen

ihren Abwärtstrend fort und sinken

auf das Niveau von 2016“, erläuterte

Katharina Huhn, Konjunkturexpertin

des Deutschen Industrie- und

Handelskammertages (DIHK). KundenimAuslandundinzwischenauch

zunehmend im Inland hielten sich

vorallem mit Bestellungen für Investitionsgüter

zurück, wie beispielsweise

Maschinen. „Die neuesten

Entwicklungen im Handelsstreit zwischen

den USA und Europa geben

zudem wenig Hoffnung auf eine baldige

Entspannung der Situation“,

sagte Huhn.

Deutschlands exportorientierte

Industrie leidet unter internationalen

Handelskonflikten. Die Produktion

ist seit geraumer Zeit rückläufig,

da die Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten

schwächelt. Neben dem

Dauerstreit zwischen den USA und

China hatte sich zuletzt die Auseinandersetzung

zwischen der Europäischen

Union und Washington wegen

Subventionen für den europäischen

Flugzeugbauer Airbus beziehungsweise

den US-Hersteller Boeing

zugespitzt.

Prognosen gesenkt

FührendeWirtschaftsforschungsinstitute

hatten vorallem wegen der Industrieschwäche

ihre Konjunkturprognosen

jüngst deutlich gesenkt.

Für dieses Jahr erwarten die Institute

wie die Bundesregierung nur noch

einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts

von 0,5 Prozent und damit 0,3

Prozentpunkte weniger als im Frühjahr.

Für 2020 gehen sie von 1,1 Prozent

aus –davon entfallen allerdings

0,4 Punkte allein auf mehr Arbeitstage

im Kalender.Die Gründe sehen sie

vorallem in den vonden Vereinigten

Staaten angestoßenen Handelskonflikten

sowie dem anstehenden Brexit.

Immerhin fiel im Juli der Rückgang

der Industrieaufträge in

Deutschland nicht ganz so stark aus

wie zuvor gemeldet. DasStatistische

Bundesamt revidierte den Dämpfer

auf nur noch 2,1 Prozent, nachdem

zunächst ein Rückgang im Monatsvergleich

um 2,7 Prozent gemeldet

worden war. (dpa)

Bei den Betrieben gehen wenigerBestellungenein.

ROBERT GÜNTHER/DPA-TMN

Von Frank-Thomas Wenzel

Armewerden ärmer, Reiche

werden reicher. Und nach

einer Studie des gewerkschaftsnahen

Wirtschaftsund

Sozialwissenschaftlichen Instituts

(WSI) der Hans-Böckler-Stiftung

haben auch in der Mittelschicht die

Beschäftigten unterschiedlich stark

vonderbishergutenKonjunkturprofitiert.

Wirerläutern, warum die Ungleichheit

bei den Einkommen einen

Höchststand erreicht hat und was die

Politik dagegen tun kann.

Wie haben sich die Einkommen entwickelt?

Bei vielen Einkommensgruppen

ging es seit 2005 nach oben –nur bei

den Ärmsten nicht. Nach einer

Untersuchung des WSI klaffen die

Einnahmen so weit auseinander wie

noch nie.Verantwortlich dafür seien

vor allem Entwicklungen an den

„Rändern“ des Spektrums, so die

WSI-Experten in der Studie, die am

Montag vorgelegt wurde.

Wergenau ist damit gemeint?

Einerseits Spitzenverdiener und

andererseits Menschen, die unter

„Einkommensarmut“ leiden. Beiden

ärmsten zehn Prozent ist das Haushaltseinkommen

demnach von2005

bis 2016 noch einmal spürbar gesunken,

während es am oberen Ende der

Skala deutlich gestiegen ist. Die Reichen

profitierten vor allem von steigenden

Kapitaleinkommen, also von

Gewinnen aus Unternehmen und

anderen Geldanlagen.

Der Internationale Währungsfonds

hat in einer Studie denn auch

darauf hingewiesen, dass ein maßgeblicher

Faktor Profite waren, die

mittelständische Firmen erzielten,

die in der Hand von Familien sind.

Bei Wohlhabenden kamen laut WSI

auch verschiedene steuerliche Entlastungen

zum Tragen –wie die Senkung

des Spitzensteuersatzes oder

die Reform der Erbschaftssteuer, die

die steuerfreie Weitergabe von betrieblichem

Vermögen vereinfacht

hat.

Wie stark ist die Einkommensarmut

verbreitet?

Die Armutsquote ist zwischen

2010 und 2016 gestiegen. Zuletzt lag

sie bei 16,7 Prozent der Haushalte.

2010 waren es nur 14,2 Prozent. Gemeint

sind damit Haushalte, die mit

weniger als 60 Prozent des mittleren

Einkommens auskommen mussten.

Zugleich sind die Geringverdiener

weiter abgerutscht. Ihr Abstand zur

Armutsschwelle ist deutlich größer

geworden.

WassinddieGründefürdieseEntwicklung?

Zwar legt seit Jahren die Zahl der

Beschäftigten zu, und die Arbeitslosenquote

sinkt. DieAutoren der WSI-

Von Friederike Marx

Die Europäische Zentralbank

(EZB) sieht die Banken im Euroraum

insgesamt gut aufgestellt, falls

Kunden im großen Stil Geld abziehen.

Die Liquiditätssituation der

überwiegenden Mehrheit der Institute

sei insgesamt „komfortabel“

trotz einiger Schwachstellen, erklärten

die EZB-Bankenaufseher am

Montag. An dem speziellen Stresstest

beteiligten sich 103 Institute.Zueinzelnen

Kredithäusern wurden keine

Angaben gemacht.

Die Aufseher wollten wissen, wie

viele Tage Banken im Falle eines

Schocks „anhand der verfügbaren

Zahlungsmittel und Sicherheiten ohne

Zugang zu den Refinanzierungsmärkten

ihre Geschäftstätigkeit auf-

Viele verlieren den Anschluss

Die Einkommen driften einer Studie zufolge immer weiter auseinander

Armut in Deutschland

Anteil der Personen, die in Haushalten mit einem verfügbaren Einkommen von

weniger als 60 Prozent des Mittelwertes aller Einkommen leben (in Prozent)

18

16

14

12

13,0

11,4

11,4

10

8

8,0

13,6

8,3

10,9

10,3

8,3

14,0

10,5

Studie argumentieren aber mit

wachsenden Lohnungleichheiten –

der Niedriglohnsektor ist deutlich

gewachsen, genauso wie die Zahl der

Minijobs. Das Deutsche Institut für

Wirtschaftsforschung (DIW) macht

in einer aktuellen Studie aber auch

darauf aufmerksam, dass die Migration

eine wichtige Rolle spielt. Die

Zahl der Zugewanderten ist zwischen

2010 und 2016 um die Hälfte

auf etwa zehn Millionen gewachsen.

Migranten haben es zunächst

rechterhalten“ können. Der Test ist

eine Konsequenz aus der Finanzkrise

nach der Lehman-Pleite 2008, als die

Finanzmärkte in Teilen praktisch

stillstanden und die Geldhäuser

massiveSchwierigkeiten hatten, sich

kurzfristig zu refinanzieren.

Den Angaben zufolge hält etwa

die Hälfte der Geldhäuser mehr als

sechs Monate durch, ohne auf fremdes

Kapital angewiesen zu sein. Bei

extremen Verwerfungen waren es

noch mehr als vier Monate.Das heißt

im Umkehrschluss allerdings auch,

dass viele Banken schon nach wenigen

Monaten extremer Bedingungen

in Schwierigkeiten käme.

Dennoch hätten die Institute diesem

Test zufolge mehr Zeit, auf Finanzturbulenzen

zu reagieren, als

vorder Finanzkrise.Eine lange Über-

15,2

14,2

13,7

13,3

6

’91 ’93 ’95 ’97 ’99 ’01 ’03 ’05 ’07 ’09 ’11 ’13 ’15’16

Erwerbslose in Deutschland

Anteil der Erwerbslosen an allen Erwerbspersonen, in Prozent

12

10

8 8,2

6

4

2

schwer, Jobs zu finden. Und auch

junge Menschen aus südlichen EU-

Ländern sind bereit, für wenig Geld

zu arbeiten.

Dazu passt, dass nach DIW-Erhebungen

unter den Erwerbstätigen im

alter von25bis 34 Jahren 2016 fast ein

Viertel für Niedriglöhne gearbeitet

hat. Hier kommt allerdings auch zum

Tragen, dass viele wegen kleiner Kinder

aus der Berufstätigkeit zeitweise

aussteigen oder in Teilzeit arbeiten.

Experten gehen indes davon aus,

Gesünder als vor der Finanzkrise

Die EuropäischeZentralbank hat Geldhäuser einem besonderen Stresstest unterzogen

15,3

13,6

Bruttolöhne in Deutschland

Veränderung der Bruttolöhne und –gehälter je geleisteter Arbeitsstunde gegenüber

dem Vorjahr, in Prozent

4,0

3,0

2,0

1,0

0

2,9

Deutschland insgesamt West Ost

9,9

11,2

7,8 7,5

17,0

16,7

16,7

0

’95 ’97 ’99 ’01 ’03 ’05 ’07 ’09 ’11 ’13 ’15 ’17 ’18

–1,0

–0,7

’00 ’02 ’04 ’06 ’08 ’10 ’12 ’14 ’16 ’18

3,8

1,2

0,8 0,9

3,9

4,6

3,2

3,1

2,8

BLZ/GALANTY; QUELLE: WWW.BOECKLER.DE/WSI

lebensdauer gebe ihnen ausreichend

Zeit, um ihre Notfall-Finanzierungspläne

umzusetzen, heißt es in der

EZB-Analyse. Nachbesserungsbedarf

sehen die Aufseher allerdings

beim Management vonSicherheiten

im Krisenfall bei einigen europäischen

Instituten.

Seit der schweren Finanz- und

Wirtschaftskrise 2008 haben die Aufseher

die Vorschriften generell verschärft

und unterziehen die Institute

regelmäßigen Gesundheitschecks.

DieBanken sind verpflichtet, ausreichendVermögenswertevorzuhalten,

um im Falle vongravierenden Liquiditätsengpässen

30 Kalendertage zu

überleben. DieEZB mit Sitz in Frankfurt

überwacht seit November 2014

die größten Geldinstitute im Euroraum

direkt.

dass die Zahl der jungen Geringverdiener

in den vergangenen drei Jahrennoch

weiter gestiegen ist.

Wie haben sich die Einkommen in der

Mittelschicht entwickelt?

Hier wurden seit 2005 tatsächlich

Zuwächseerzielt,undzwarreale–die

Inflation wurde herausgerechnet.

Dabei fällt aber auf, dass die oberen

Lohngruppen besonders starkprofitierten.

Leitende Angestellte und

auch höhere Beamte gehören dazu.

Für Beschäftigte,die in der Nähe der

mittleren Einkommen rangieren, fielen

die Erhöhungen dagegen äußerst

bescheiden aus: Auch innerhalb der

Mittelschicht steigen die Unterschiede.

Insgesamt verfehlt Deutschland

die Ziele der Vereinten Nationen

(UN) bislang deutlich –danach sollen

bis 2030 die ärmsten 40 Prozent

der Bevölkerung eigentlich einen

Einkommenszuwachs erreichen, der

über dem Gesamtplus liegt.

Was ist an Einkommensungleichheit

eigentlich so schlimm?

Experten aus allen Lagern sind

sich einig, dass wachsendes Ungleichgewicht

den Zusammenhalt

einer Gesellschaft schwächt, soziale

Verwerfungen fördert, Demokratie

aushöhlt und in einer Radikalisierung

von Bevölkerungsgruppen

münden kann. Aber auch das Funktionieren

des marktwirtschaftlichen

Systems selbst wird gefährdet. Simpel

formuliert: Menschen, die unter

der Armutsgrenze leben, fallen auch

als Konsumenten weitgehend aus,

was die Nachfrage insgesamt drückt.

Wie wird die Entwicklung beurteilt?

Es sei ein Armutszeugnis, dass es

sogar unter guten konjunkturellen

Bedingungen nicht gelinge, Ungleichheit

zu verringern und Armut

zu bekämpfen, so das WSI. DerParitätische

Wohlfahrtverband hat die

Ergebnisse der Studie als alarmierend

bezeichnet. Für das DIW ist klar,

dass Berufstätigkeit kein Schutz

mehr vorArmut ist.

Wastun?

Der Paritätische Wohlfahrtsverband

fordert unter anderem, die

Hartz-IV-Sätze umgut ein Drittel zu

erhöhen. Ferner müsse es eine

Grundsicherung für Kinder und eine

Mindestrente geben, die Armut im

Alter verhindere. Zur Finanzierung

müssten große Vermögen und hohe

Einkommen stärker besteuert werden.

Dieser Forderung schließt sich

auch das WSI an. Darüber hinaus

müsse der Niedriglohnsektor über

eine Stärkung vonTarifverträgen verkleinert

werden. Ferner brauche es

eine deutliche Anhebung des Mindestlohns.

Überdies müssten die

Hartz-IV-Sätze so weit angehoben

werden, dass niemand mehr unter

der Armutsgrenzeleben müsse.

Universalbanken wären der EZB

zufolge von Mittelabflüssen allerdings

stärker betroffen als Institute,

die sich auf das klassische Privatkundengeschäft

konzentrieren. Erstere

seien auf weniger stabile Refinanzierungsquellen

angewiesen, wie die

Einlagen von Großkunden und

Unternehmen.

Die Untersuchung ist nicht mit

dem umfassenden Stresstest des vergangenen

Jahres zu vergleichen. Damals

hatten Europas Bankenaufseher

geprüft, wie gut 48 Großbanken

für schwereKrisen gerüstet sind. Der

große Stresstest gemeinsam mit der

europäische Bankenaufsicht EBA erfolgt

alle zwei Jahre. In der Zwischenzeit

führen die EZB-Aufseher Untersuchungen

zu spezielle Themen

durch. (dpa)

DAX-30 in Punkten

8.7.19

8.7.19

MÄRKTE

▲ 12078,20 (+0,54 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

8.7.19

Stand der Daten: 07.10.2019 (16:45 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

7.10.19

▲ 59,40 (+1,66 %)

7.10.19

▲ 1,0993 (+0,13 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 07.10. zum Vortag

7.10.19

Lufthansa vNA 14,42 +3,48 WWWWWWWWWW

Software 25,60 +2,98 WWWWWWWWW

Lanxess 55,48 +2,74 WWWWWWWW

Kion Group 46,57 +2,74 WWWWWWWW

Wirecard 144,00 +2,35 WWWWWWW

Gerresheimer 66,35 +2,08 WWWWWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 07.10. zumVortag

Osram Licht NA 39,29 WWWWWWWWWWW –3,80

Evotec 19,79 WWWWWWW –2,15

DeliveryHero 39,35 WWWWWWW –2,09

Nemetschek 45,00 WWWWW –1,62

Continental 112,26 WWWWW –1,56

GrenkeNA 78,90 WWWW –1,31

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 07.10. ±% z. 04.10.

Euro Stoxx 50(EU) +0,63

3589/2909 3468,43

CAC 40 (FR) + 0,57

5705/4556 5519,55

S&P UK (UK) + 0,54

1562/1323 1452,71

RTS (RU) +0,60

1414/1033 1319,49

IBEX (ES) +0,77

9588/8286 9030,40

Dow Jones (US) –0,31

27399/21713 26491,39

Bovespa (BR) – 0,01

106650/82607 102542,70

Nikkei (JP) –0,16

23589/18949 21375,25

Hang Seng (HK) – 1,10

30280/24541 25831,37*

Stx Singap. 20 (SG) +0,56

1657/1350 1546,84

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,70 0,70 0,70

Advanzia **

advanzia.com - 0,40 0,40

Ikano Bank **

ikanobank.de 0,34 0,34 0,34

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

RaboDirect **

rabodirect.de 0,30 0,30 0,30

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

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Sparda-Bank Berlin (Online)

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BBBank

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Mittelwert von 85 Banken 0,14 0,15 0,14

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung


8 Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Meinung

Klimaprotest

ZITAT

Der Takt der großen

Maschine Berlin

Peter Neumann

fragt sich, warum Extinction Rebellion

nur wenig ausrichten konnte.

Eines ist den Klima-Aktivisten von Extinction

Rebellion gelungen: Sie haben

hohe Erwartungen geweckt. Wo wird

der Verkehr blockiert? Werdeich am Montagmorgen

überhaupt mit dem Auto zur

Arbeit kommen? Das waren Fragen, die

sich manche Berliner gestellt haben –zu

Recht, denn manche Ankündigungen ließen

ein großes Chaos erwarten.

Doch am Montagmorgen, zum Start

der Aktionswoche, zeigte sich: Für die Autofahrer

kam es weniger schlimm als befürchtet.

Denn die Maschine Berlin, in die

Sand gestreut werden sollte, ist viel zu

groß, um wirklich aus dem Takt zu geraten.

Sicher, der eine oder andere Pendler

wird sich geärgert haben, als Demonstranten

den Großen Stern, einen der

wichtigsten Kreisverkehre Berlins, lahmlegten.

Damit trafen die Blockierer übrigens

auch den klimafreundlichen Busverkehr

der BVG, auf mehreren Linien mussten

die Fahrzeuge umgeleitet werden. Ab

Montagmittag wurde dann auch der Potsdamer

Platz dichtgemacht, er ist ebenfalls

ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt.

Doch abgesehen davon war es ein ganz

normaler Ferienmorgen in Berlin.

„Typisch für die Herbstferien: Es ist relativ

entspannt“, hieß es am Vormittag gelassen

in der Verkehrsinformationszentrale,

die den Berliner Straßenverkehr mit

Hilfe von Zähldetektoren und Webcams

rund um die Uhr imBlick hat. Sicher, die

eine oder andere Dauerbaustelle nervte

wieder einmal. Weil jedoch viele Berliner

in den Urlaub gefahren sind, waren weniger

Autos unterwegs, waren die Straßen

leerer als sonst. Selbst auf den Umfahrungsstrecken

rund um den Großen Stern

ging es (abgesehen von der Bachstraße)

staufrei zu. Stell’dir vor, Extinction Rebellion

rebelliert–und kaum einer merkt es!

Wobei diese erste Zwischenbilanz

nicht falsch verstanden werden soll: Es ist

richtig, dass Demonstranten auf die Erderhitzung

aufmerksam machen und

Druck aufbauen, damit Politiker ent-

„Die größten Staus,

die wirkungsvollsten

und größten Blockaden

werden von den

Verkehrsteilnehmern

selbst erzeugt.“

Entschlossene Blockade

Der Wahnsinn des Wohnungsmarkts

in Berlin hat viele Facetten:

Mieterhöhung, Vertreibungsmodernisierung,

Eigenbedarfskündigung.

Familien, die in viel zu kleinen

Wohnungen zusammenrücken müssen,

Senioren, die aus Sorgevor Vertreibung nicht

schlafen können, Studenten, die in Notübernachtungen

unterkommen müssen. Gemeinsam

ist allen Betroffenen die Angst um

eines der existenziellen Bedürfnisse der Menschen:

eine menschenwürdige Unterkunft.

Wer soll diesen Wahnsinn bekämpfen?

„Der Markt regelt es.“ So lautet die gängige

Antwort der Marktgläubigen auf die vielen

existenziellen Probleme der Menschen in

unserer Gesellschaft. Die unsichtbare Hand

des Marktes soll den Klimawandel aufhalten,

die soziale Ungerechtigkeit abmildern und

auch das Wohnungsproblem lösen.

Der Markt regelt es aber nicht. Das zeigen

alle Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte

in den modernen Großstädten dieser Welt.

Dort, wo der freie Marktsich selbst überlassen

wurde,hat er in diesen Städten sozialeVerheerungen

angerichtet. Wir müssen nur nach

New York, Paris oder London schauen. Dort

finden Normalverdiener keine Wohnung

mehr oder nur zu horrenden Preisen. VonGeringverdienernbrauchen

wir gar nicht erst zu

reden. Ich bin mir sicher, die Mehrheit der

Berlinerinnen und Berliner möchte keine solchen

Zustände in ihrer Stadt.

Wasist aber die Alternativezur Alleinherrschaft

der Marktwirtschaft auf dem Wohnungsmarkt?

Ichdenke,dass die AntwortGemeinwirtschaft

lautet. Gemeinwirtschaft bezeichnet

ein Wirtschaften, welches nicht Gewinnmaximierung

zum Ziel hat, sonderndie

Versorgung der Allgemeinheit mit den existenziell

notwendigen Güternund Dienstleistungen.

Dieanfallenden Gewinne verbleiben

in der Gemeinschaft, werden für Verbesserungen

des Angebots und neue Investitionen

verwendet, anstatt an externe Investoren

ausgeschüttet zu werden.

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,derTagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wiebleibt Wohnen bezahlbar?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit.

Gemeinsam

wohnen

Rouzbeh Taheri

vonder Initiative„Deutsche Wohnen &Coenteignen“ fordert

mehr Wohnungen in öffentlichem Besitz.

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Das solidarische Wirtschaften in solchen

Gemeinschaften basiert auf der demokratischen

Mitverwaltung durch die Konsumenten,

die zugleich Eigentümer sind. Das bekannteste

Beispiel für Gemeinwirtschaft sind

die Wohnungsbaugenossenschaften. Unsere

Vorstellungen gehen aber weiter als das alte

Genossenschaftsmodell. Wir wollen Wohnungen

im öffentlichen Besitz, die mit sozialer

Zielsetzung und unter demokratischer

Kontrolle der Beschäftigten, der Mieter und

der Stadtgesellschaft bewirtschaftet werden.

Mit der Vergesellschaftung der Wohnungsbestände

der großen Immobilienkonzernewill

die Initiative„Deutsche Wohnen &

Co enteignen“ den Anteil des gemeinwirtschaftlichen

Wohnungssektors in Berlin signifikant

erhöhen. In einem gemeinsamen

Konzept unserer Kampagne, das demnächst

veröffentlicht wird, definieren wir Vergesellschaftung

wie folgt: „Durch Vergesellschaftung

von Wohnungsbeständen kann Berlin

Probleme lösen, für die heute der Politik jedes

Mittel fehlt. Öffentliches Eigentum erlaubt

nicht nur leistbare Mieten, sondern auch

Schutz für Kleingewerbe, dezentrale Unterbringung

von Geflüchteten, Raum für Kunst

und alternative Jugendkultur oder Schutzräume

vorhäuslicher Gewalt. Demokratische

Selbstverwaltung bedeutet, dass über die Umsetzung

dieser Möglichkeiten direkt in den Bezirken

und Kiezen entschieden werden kann.

Bürgerbeteiligung öffnet Räume für politische

Gestaltung, die durch Privatisierung und eine

rein investorenorientierte Stadtpolitik der

letzten drei Jahrzehnte verbaut worden sind.“

Wirstehen in Berlin an einem Scheideweg:

In welche Richtung soll sich unser Gemeinwesen

entwickeln? Wollen wir unsereStadt endgültig

zur bedingungslosen Verwertung durch

kapitalkräftige Investoren freigeben? Oder

wollen wir selbst entscheiden, wie die Stadt

von morgen aussieht? Die Entscheidung ist

noch nicht gefallen. Zeigen wir den Damen

und Herren vonDeutsche Wohnen &Co, dass

unser Leben mehr wert ist als ihreProfite.

„Wir haben uns immer

wieder zusammengerauft.

Dazu kommt unser

ursozialistischer Gedanke:

Keiner kriegt mehr

als der andere.“

Erry Stoklosa, 71, Sänger der Kölner Band

Bläck Fööss, die im nächsten Jahr 50 wird

AUSLESE

Fragen nach dem

Pariser Messerangriff

Nach dem mutmaßlich islamistischen

Messerangriff in der Pariser Polizeipräfektur

haben die deutschen Kommentatoren

Fragen.

Die Zeitung DieWelt stellt gleich zwei:

„Wollte der französische Innenminister

vertuschen, dass der Angreifer vom Donnerstag

ein Islamist war? Wieso dauerte es

fast drei Tage, bis dieser Zusammenhang

öffentlich wurde?“ Mit Zurückhaltung tue

man keinem einen Gefallen. „Gerade weil

militante Islamisten nicht mit Muslimen

gleichzusetzen sind, kann man die Taten

dereinen den anderen nicht vorwerfen.“

Die Neue Osnabrücker Zeitung hakt

ebenfalls nach: „Die Messerattacke eines

radikalisierten Mitarbeiters der Polizei

könnte höhere Wellen schlagen als zunächst

geahnt. Der Fall setzt Frankreichs

Innenminister Christophe Castaner unter

Druck. Wurde das Profil des Täters geschönt,

um zu verbergen, dass es lange

vor der TatHinweise auf dessen Gewaltbereitschaft

gab? Eine parlamentarische

Untersuchung soll das nun klären. Es

könnte eng werden fürCastaner.“

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

ist zu lesen: „Auch die französische Regierung

ignoriert nun nicht länger den Einfluss

von Religion auf die Gesellschaft.

Der jüngste Terroranschlag belegt abermals,wie

wichtig es für den Kampf gegen

einen Terror ist, der sich auf den Islam beruft,

diesen gemeinsam mit anerkannten

islamischen Religionsgelehrten zu führen.

Denn der klassische Islam lehrt, dass

das Gewaltmonopol allein beim Staat

liegt und dass eine ,Selbstjustiz‘ wie die in

Parisstrengverboten ist.“ Bettina Cosack

schlossener als bisher handeln. Es ist

auch richtig, dass sie beim Verkehr ansetzen,

der (soweit er mit Hilfe vonVerbrennungsmotoren

abgewickelt wird) unveränderteiner

der größten Klimakiller ist.

Doch so medienwirksam die weltweiten

Aktionen von Extinction Rebellion

auch sind: Das System, das unsere verschwenderische

und klimaschädliche Lebensweise

stützt, ist zu weitreichend, zu

stabil und zu verankert, um es mit ein

paar Blockaden stören zu können.

Auch wenn das Bewusstsein für die

Erderhitzung wächst: Weiterhin fahren jeden

Morgen weltweit Milliarden Menschen

mit dem Auto zur Arbeit, der Luftverkehr

und der Fleischkonsum nehmen

weiterhin zu. Die Maschinerie, die unseren

Way of Life in Deutschland und anderswo

am Laufen hält, ist nicht nur in

fast allen Teilen der Gesellschaft verankert

–sie ist auch groß. Das Berliner Straßennetz

umfasst mehr als 5400 Kilometer

Straße, davon sind 1 600 Kilometer als

Hauptverkehrsstraßen klassifiziert.

Im Übrigen gilt unverändert: Diegrößten

Staus,die wirkungsvollsten Blockaden

werden vondenVerkehrsteilnehmernimmer

noch selbst erzeugt. So war es zum

Beispiel am vergangenen Mittwoch zu

Beginn der Herbstferien: Weil an diesem

Tagviele Berliner mit dem Auto in den Urlaub

fuhren, herrschte auf der innerstädtischen

Autobahn A100 fast fünf Stunden

lang Stop-and-go. Dabrauchte es keine

Klima-Aktivisten, die gegen das befürchtete

Aussterben der Menschheit rebellieren,

um den Verkehr lahmzulegen.

Derzeit gelten Demonstranten in Hongkong

als die Guten, die Stadtregierung

und deren Polizisten als die Bösen. Den

Kopftuchzwang im Iran empfindet das ZDF

als schauerlichen Angriff auf die individuelle

Freiheit. Der wesentlich härtere Kopftuchzwang

in Saudi-Arabien verschwindet hinter

der Meldung, dass dortder Reformwille voranschreite.

InÄgypten finden wir die Proteste

gegen den Militärdiktator al-Sisi derzeit

wieder gut (=„zivilgesellschaftlich“) und vergessen

bitte raschestens, wie sehr uns der

Militärputsch al-Sisis gegen den infolge des

Arabischen Frühlings gewählten Staatspräsidenten

Mohamed Mursi 2013 erleichterte.

Natürlich jubelten wir nicht über die massenhaften

Todesurteile, die das neue, dem

Westen verbundene Kairoer Regime fällen

ließ, fragten nicht nach Folter und Gefängnissen,

sondern übergingen all das mit

Schweigen. Realpolitik erfordert eben Kompromisse.

So weit man weiß, hat es in Hongkong trotz

der tief ins Existenzielle reichenden Proteste

noch keinen Toten gegeben. Das verdankt

sich auch der dortigen Polizei und deren Führung.

Diese hat sich wegen eines Schusses,

der von einem schwer bedrohten Polizisten

abgegeben wurde,öffentlich entschuldigt.Wo

gibt es das sonst? Doch prompt legte Marietta

Slomka ihr Schluchztremolo auf und verkündete

mit bebender Stimme: „Erstmals wurde

auch scharf geschossen.“ Waswäre denn los,

wenn in Frankfurt amMain zum Beispiel radikalisierte

Klimakämpfer den Flughafen ta-

KOLUMNE

Vermummte in

Hongkong gut,

in Berlin böse

Götz Aly

Historiker

gelang blockieren, die U-Bahn demolieren

und die Polizei fortgesetzt mit Molotowcocktails

bewerfen würden, gedeckt vonZehntausenden

friedlichen Aktivisten? Solchen simplen

Überlegungen zum Trotz wird Angela

Merkel bedrängt, sich öffentlich für die Protestierer

in Hongkong stark zumachen, und

Außenminister Heiko Maas ergreift wortreich

deren Partei. Bekanntlich verspottete Konrad

Adenauer seinen Außenminister Heinrich

vonBrentano,der unter ihm nichts zu melden

hatte,als „feierliche Null“ –auch mit einer geschwätzigen

Null kommt man als Bundeskanzlerin

irgendwie zurecht.

Neuerdings besteht ein Vermummungsverbot

in Hongkong. Empörung in unseren

Medien! Kein Wort davon, dass wir ein solches

Verbot schon lange haben. Ichbin übrigens

froh darüber.Warum sollten der linksradikale

Schwarze Block oder eine rechtsradikale

Kameradschaft Wir-für-Deutschland

die Leute vermummt terrorisieren dürfen?

Undwas geschieht eigentlich im westlich befreiten

Irak? Dort sind während der vergangenen

Tage mehr als hundert Demonstranten

erschossen worden. Dieses Thema versenken

unsere Medien unter „ferner liefen“.

Schließlich „unterstützt“ Deutschland „die

irakischen Sicherheitskräfte“ in Bagdad. Wie

und mit welchen Ergebnissen –wer möchte

dasschon so genau wissen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, liebe Leserinnen

und Leser, ich bin weder für Kopftuchzwang

und islamische Revolutionswächter

noch für diktatorische Verhältnisse

in Ägypten oder Hongkong. Aber ich plädiere

für Urteilsgerechtigkeit. Ich meine, unsere

Berichterstatter,Kommentatoren und Politiker

sollten sich nicht rechthaberisch, siegesgewiss

und aufwiegelnd in die Verhältnisse

anderer Länder und aus vielerlei Gründen

anders strukturierter Gesellschaften einmischen.

DieDevise sollte lauten: Mäßigt euch,

sucht nach eigenen, möglichst friedlichen

Wegen der Veränderung.

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

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Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Auch das noch! Die

U1 wird ab 2020

zur Großbaustelle

Seite 13

Gute Wurst: Auf eine Curry mit Gregor Gysi–dieKolumne Seite 12

Schlechtes Klima: Der Prozess gegen den Vizechef der Stasi-Gedenkstätte Seite 14

Stadtbild

Slip, Slip,

hurra!

Christian Schwager

ist ein Klimakiller

erster Güte.

Ich habe es getan. Ichwar bei einem

Textildiscounter der mittleren

Preisklasse und habe den Kauf eines

Fünferpacks Unterhosen erwogen.

Daswar jetzt aber noch nicht das Geständnis.Das

Geständnis ist: Ichhabe

das Gespräch zweier Kundinnen belauscht,

unfreiwillig. Ehrlich. Es ging

um Trump und Greta und dann fielen

diese Sätze: „Chris und ich überlegen

inzwischen ernsthaft, ob wir uns

wirklich noch ein drittes Kind anschaffen

sollen.“ Die andere: „Ist ja

ganz normal bei allem, was so auf einen

einprasselt, Klima und so.“

Jetzt muss ich erst einmal nachdenken.

Über das Wort „anschaffen“

im Zusammenhang mit Kind und

Klima und Textildiscounter. Neben

der Rolltreppe hängt eine Tafel mit

der Aufschrift: UG Kinder. Doch von

einer Erweiterung des Sortiments im

Untergeschoss hätte ich garantiertetwas

mitbekommen. Auch dürfte es

sich nicht um einen versteckten anatomischen

Hinweis handeln, einen

Tipp für die familiäreErweiterung des

Sortiments sozusagen.

Beim Googeln mit dem Handy

verliere ich den Gesprächsfaden am

Unterhosen-Grabbeltisch. Dafür erhalte

ich im Internet andere interessante

Informationen: Bei den Stichwörtern

Kinder und Klima lande ich

bei Greta Thunberg und Donald

Trump und CO 2 ,und weil ich über

diese Thunberg-Trump-CO 2 -Sache

schon gefühlt tausendmal irgendwo

etwas gelesen habe, suche ich nach

Kinder und CO 2 und komme rasch bei

Frau Verena Brunschweiger an. Die

hat herausgefunden, dass Kinder extrem

klimaschädlich sind.

Genau genommen hat sie das

nicht selbst herausgefunden, sondern

ein Buch darüber geschrieben

und ist damit offenbar einigermaßen

bekannt geworden. Herausgefunden

hat diesen skandalösen Sachverhalt

die University auf British Columbia in

Vancouver. Kaum zu glauben, dass

man mit demVerzicht auf ein Kind 50

Tonnen proJahr einspart.

Gut, dass das erst mit den heutigen

wissenschaftlichen Methoden

nachweisbar ist. Sonst hätte Frau

Brunschweiger ja kein Buch darüber

schreiben können, denke ich, so klimafreundlich

abgeschafft, wie sie

wäre.

Ich google Flugreise, Tokio, CO 2 ,

Ausstoß, weil lange Flugreisen ja klimatechnisch

als Todsünde gelten

und Tokio ein lohnendes Ziel sein

könnte, wegen Olympia 2020 zum

Beispiel. Diegut sechs Tonnen Treibhausgas

sind ja geradezu ein Witz,

scheint mir, aber wir sind schließlich

auch nicht schlecht unterwegs. Fahren

mit unserer acht Jahre alten CO 2 -

Schleuder Bahn, jetzt wieder mit dem

ICE über die Herbstferien zur Oma.

Mehr geht unter den gegebenen Umständen

wirklich nicht, sage ich mir

und greife wahllos zu einer Unterhose

vom Grabbeltisch, die Trunk

heißt. „Made in Vietnam“, steht auf

dem Etikett. Sechs Tonnen CO 2 .Lieber

nicht.

Dieeine Kundin hat sich hinsichtlich

ihrer Anschaffung entschieden.

Siesteht in der Warteschlange an der

Kasse mit einem Packen Unterhosen

in der Hand. Für Chris vermutlich.

Hoffentlich sind die Dinger wenigstens

hilfreich fürs eheliche Klima.

Zwangspause fürs Gemüse

Wo sonst Touristen in langen Schlangen für Berlins wohl beliebtesten

Döner anstehen, bleiben die Jalousien vorerst unten. Ein Brand bei

Mustafa’s Gemüse Döner am Kreuzberger Mehringdamm zerstörte am

Montag einen Teil der Einrichtung.Wiedie Feuerwehr mitteilte,war gegen

9Uhr ein Notruf in der Leitstelle eingegangen. Ein Imbiss-Mitarbeiter

hatte plötzlich in dichtem Rauch gestanden –schuld war nach

Tempo 30 in der gesamten Innenstadt

Beim SPD-Landesparteitag ist der Verkehr ein Schwerpunkt –mit vielen streitträchtigen Anträgen

VonPeter Neumann

Höhere Parkgebühren für Anwohner,

Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit

innerhalb des S-

Bahn-Rings, „E-Scooter-Chaos beenden“

–und vieles mehr. Die Liste

ist lang. Während ihres Landesparteitags

Ende Oktober wollen die Berliner

Sozialdemokraten zeigen, dass

sie das Thema Mobilität nicht den

Grünen überlassen wollen. Mehr als

30 Anträge wurden eingereicht, und

manche werden zu heftigen Diskussionen

Anlass geben –nicht nur in

der SPD,sondernauch bei Bürgern.

„Alles spricht über den Klimawandel

und Umweltschutz. Da liegt

es auf der Hand, dass auch wir darüber

sprechen“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker

Tino Schopf. Rund ein

Zehntel aller Anträge, die für den

Landesparteitag am 26. Oktober vorliegen,

befassen sich mit Mobilität.

E-Tretroller kommunalisieren

Auffällig ist, dass die SPD im Zeichen

der Klimadiskussion versucht, in

puncto Radikalität mit den Grünen

gleichzuziehen. In den aktuellen Antragsunterlagen

finden sich Forderungen,

die bei der SPD noch vor

drei Jahren völlig undenkbar waren.

So setzen sich die Sozialdemokraten

in Mitte dafür ein, dass in der

Umweltzone innerhalb des S-Bahn-

Rings Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit

festgelegt wird. „Dies ist

durch entsprechende Kontrollen zu

flankieren“, so die dortige Kreisdelegiertenversammlung

in dem Antrag.

Höhere Gebühren: In ihrem

Antrag zum Parteitag spricht

sich die SPD Mitte dafür aus,

die Jahresgebühr für Bewohnerparkausweise

von10,20

auf 30,70 Euro zu erhöhen –

und zwar sofort. Zudem

sollte diese Gebühr künftig

in der gesamten Berliner

Innenstadt fällig werden.

TEURER PARKEN IN BERLIN

Vergleichsweise wenig: In

Berlin ist die Anwohnervignette

mit am billigsten. In

Potsdam und anderen deutschen

Städten kostet sie 30

Euro pro Jahr.InWestminster

(London) werden umgerechnet

bis zu 162 Euro fällig,in-

Kopenhagen bis zu 212 und

in Zürich 275 Euro jährlich.

Mehr Parkzonen: Im neuen

Luftreinhalteplan wird eine

Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung

angekündigt –

von40auf 75 Prozent des

Innenstadtgebietes. Die Gebühren

sollen auf zwei bis

vier Euro pro Stunde steigen.

Für die Anwohnervignette ist

keineÄnderung geplant.

Nachdem die Parkgebühren in

Berlin über Jahre hinweg kaum gestiegen

sind, spricht sich die SPD

Friedrichshain-Kreuzbergdafür aus,

die Gebühr für den Bewohnerparkausweis

zu verdreifachen. Kostet die

Anwohnervignette derzeit noch

10,20 Euro proJahr,sosollen künftig

30,70 Euro fällig werden. Das entspräche

dem gesetzlichen Höchstbetrag,

so die Sozialdemokraten.

Die SPD Mitte bekräftigt den Beschluss

des 2018er-Parteitags, den

Preis des Jahrestickets für Berlin auf

365 Euro zu senken. Auch sollen

nicht nur Schüler, sondern auch

Auszubildende gratis mit Bahn und

Busdurch die Stadt fahren dürfen.

Gleich mehrere Anträge befassen

sich mit neuen Mobilitätskonzepten.

So verlangen die PankowerSozialdemokraten,

Sharing-Anbieter zu verpflichten,

ihre Autos, Fahrräder und

elektrische Tretroller in allen Stadtteilen

anzubieten –nicht mehr wie

derzeit fast nur in der Innenstadt.

„Kein Profit mit dem öffentlichen

Raum und zu Lasten der Allgemeinheit“

steht in dem Antrag der Jungsozialisten,

die Sharing-Angebote stärker

regulieren wollen. Das Bußgeld

für ungeordnetes Abstellen sollte erhöht,

falsch abgestellte E-Tretroller

sollten vomLand eingesammelt werden.

Die Jusos fordern eine Kommunalisierung:

„Langfristig streben wir

an, den Verleih von Fortbewegungsmitteln

in die öffentliche Hand zu geben.“

So profitiere das Gemeinwohl

vonSharing-Angeboten, heißt es.

Sicher werde der Parteitag nicht

alle Anträge beschließen, so Schopf.

Doch sie enthielten wichtige Diskussionsthemen.

„Warum sollte es

VOLKMAR OTTO

ersten Erkenntnissen die Fritteuse. Das 2000 Euro teure Küchengerät

diente, soImbiss-Chef Tarik Kara, der Zubereitung des Gemüses für

den Gemüsedöner.Das Feuer sei vorLadenöffnung ausgebrochen und

habe keine Kunden gefährdet. „Nach dem Brand ist der Innenraum

zwar kohlrabenschwarz“, sagte Kara der Berliner Zeitung, „aber ich

hoffe,bereits in zwei oder drei Tagen wieder öffnen zu können“. (mow.)

Tempo30nur innerhalb des S-Bahn-

Rings geben?“ fragte der Abgeordnete.Andererseits

sollte auf Straßen,

die sich dafür eignen, auch künftig

Tempo50möglich sein. DieVerteuerung

des Bewohnerparkausweises

hält er für„angemessen“. In kaum einer

anderen Großstadt seien die

Parkkosten so niedrig wie in Berlin.

Kritik vomADAC

„Wenn wir die Verkehrswende erreichen

wollen, muss Parkraum verknapptund

verteuertwerden“, sagte

Sybille Uken, Vorsitzende des SPD-

Fachausschusses Mobilität. „So, wie

es ist, kann es nicht weitergehen.“

Es sei aber falsch, „im Fahrrad das

Heil zu suchen“, der Nahverkehr

habe „absolute Priorität“. Allerdings

spricht sich der Fachausschuss in einem

Antrag für den Parteitag aus,ab

sofort keine Elektrobusse mehr anzuschaffen.

Die BVG sollte auch andere

Technologien, etwa den Wasserstoffantrieb,imBlick

behalten.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club

(ADAC) sieht Tempo 30

kritisch.„UnsereTests haben gezeigt,

dass Tempo 30inStädten den Kohlendioxid-Ausstoß

nicht mindert. Insofernstellt

dies keinen Beitrag zum

Klimaschutz dar“, sagte Sprecher

Leon Strohmaier. „Höhere Parkkosten

träfen aktuell vor allem diejenigen,

die auf die Mobilität mit dem

Auto angewiesen sind, also beispielsweise

Ältere, Familien und

Schichtarbeiter.“ Darüber sollte erst

gesprochen werden, wenn der Nahverkehrausgebaut

worden ist.

NACHRICHTEN

Kosmonaut Sigmund Jähn

in Strausberg beigesetzt

Dererste Deutsche im All, DDR-Kosmonaut

Sigmund Jähn, ist im engsten

Familienkreis beigesetzt worden.

Jähn habe seine letzte Ruhestätte

schon am vergangenen Freitag in

Strausbergbei Berlin gefunden,

sagte ein Sprecher der Deutschen

Zentrums für Luft- und Raumfahrt

(DLR) am Montag. Jähn war am 21.

September im Alter von82Jahren gestorben.

Am 26. August 1978 war

Jähn vomWeltraumbahnhof Baikonur

aus mit dem Raumschiff „Sojus

31“ zur Orbitalstation Saljut 6gestartet.

Gemeinsam mit dem sowjetischen

Kommandanten WaleriBykowski

(1934-2019) war er 7Tage,20

Stunden und 49 Minuten im All. Er

umkreiste die Erde 125 Mal. Erst

1983 startete mit dem Astronauten

UlfMerbold ein zweiter Deutscher

ins All. (dpa)

Mietendeckel: Diskussion in

der heißen Phase

Beim Thema Mietendeckel in Berlin

geht es nun an die Detailarbeit. Bis

zum Montag waren die übrigen Senatsverwaltungen

aufgefordert, ihre

Stellungnahmen zu den Plänen aus

dem Ressortvon Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher (Linke)

einzureichen. „Wir bereiten jetzt die

Senatsvorlage vor“, sagte eine Sprecherin

am Montag. „Alle angeforderten

Stellungnahmen sind fristgerecht

bei uns eingegangen, wir liegen

also im Zeitplan. Unsererseits steht

einer Behandlung der Senatsvorlage

am 15. Oktober nichts entgegen.“

Spaziergänger entdeckt

Babyleiche

In einem Teich an der Straße Alt-

Lichtenrade im gleichnamigen Bezirkwurde

am Dienstagmittag ein

toter Säugling gefunden. Offenbar

hatte der Hund eines Passanten angeschlagen.

Daraufhin alarmierte

Rettungskräfte entdeckten die Leiche

kurzdarauf im Wasser.Die Hintergründe

sind noch völlig unklar.

Eine Obduktion soll klären, ob der

Säugling bei der Geburtgelebt hat.

Eine Mordkommission hat die Ermittlungen

übernommen. (pde)

Warnstreik am

Flughafen Tegel

Am Flughafen Tegel wollen heute ab

9Uhr die Gebäudereiniger für mehrere

Stunden die Arbeit niederlegen.

DieGewerkschaft IG Bauhat an insgesamt

acht deutschen Flughäfen zu

Warnstreiks aufgerufen, der Flughafen

in Tegel gehörtdazu. Grund seien

festgefahrene Verhandlungen über

einen Rahmentarifvertrag im Gebäudereiniger-Handwerk,

teilte die

Gewerkschaft mit. (BLZ)

AufFluggäste in Tegel könnten heute Unannehmlichkeiten

zukommen. DPA/S. KAHNERT


10 * Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

Angebot an erschwinglichen Ein-Zimmer-Wohnungen

Leistbar mit einem Durchschnitts-Netto-Einkommen von rund 1400 Euro

Frohnau

100 %

>80%

>60%

Tegel

Blankenburg

Malchow

Wartenberg

>40%

>20%

>1%

0%

Marzahn

Leistbare Wohnungen

für einen Ein-Personen-Haushalt,

mit einem Durchschnittseinkommen

von 1375 Euro

innerhalb des

S-Bahn Rings

1%

Kladow

Gatow

Grunewald

Tiergarten

Alt-Treptow

ausserhalb

des S-Bahn

Rings

6%

Bohnsdorf

B LZ/GALANTY;

QUELLE: MIETENWATCH

Leistbar ist eine Wohnung nach Mietenwatch-Definition dann, wenn dieGesamthöhe der Miete inklusivealler

Neben- und Betriebskosten 30 Prozent des Netto-Monatseinkommens nicht übersteigt. Zugrundegelegt ist dabei

das durchschnittliche Nettoeinkommen laut Mikrozensus. Bei Ein-Personen-Haushalten liegt es bei 1375 Euro.

Schmöckwitz

Der WegzuTilman Miraß

führt über zwei Hinterhöfe

in Kreuzberg und

ein staubiges Treppenhaus.

Der 30-Jährige wartet in einer

Fabriketage,die noch den abgerockten

Charme Westberlins der 80er-

Jahre ausstrahlt. Der Programmierer

sitzt an einem Tisch mit Laptop, daneben

steht ein Flipchart. DerKaffee

dampft im Pott, gegenüber lädt ein

Freund vonTilman MiraßZahlenkolonnen

auf den Bildschirm. Miraß’

Bekannter arbeitet hauptberuflich

beim Statistischen Bundesamt. In

der Kreuzberger Fabriketage hilft er

seit Monaten wie ein wissenschaftlicher

Mitarbeiter, umdie Datenbasis

valide aufzuarbeiten. Miraß selbst

hat an der Universität der Künste Gesellschafts-

und Wirtschaftskommunikation

studiert. Das Programmieren

hat er sich mit 15 Jahren selbst

beigebracht.

Mietenspiegel als Echo alter Zeit

Es ist Ende August, als MiraßReporter

der Berliner Zeitung und der taz einlädt,

um sein Projekt vorzustellen.

„Mietenwatch“ nennt er die neue

Plattform. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigt

sich Miraß bereits seit fast

anderthalb Jahren mit dem Projekt.

Er hat dafür eine Förderung des

Prototype Fund erhalten, das ist ein

Programm des Bundesministeriums

für Bildung und Forschung, das von

der Open Knowledge Foundation

Deutschland betreut wird. Durchdie

Förderung hatte der Programmierer

plötzlich Geld, um seine Idee zu verwirklichen:

eine Homepage,die klarmachen

soll, wer sich Berlin noch

leisten kann. Eine Homepage, die in

Grafiken visualisiert, wervon den aktuell

Wohnungssuchenden eine

Chance hat, mit einem Durchschnittsverdienst

eine erschwingliche

– Mietenwatch spricht von

Für viele

zu teuer

Ein Berliner programmierte die Internetplattform

Mietenwatch, die an diesem Dienstag online geht.

Sie will zeigen, wer sich in Berlin noch eine Wohnung

leisten kann. Das Ergebnis: Fast niemand mit

durchschnittlichem Einkommen

„leistbare“ –Bleibe zu finden. Eine

Miete gilt für Mietenwatch dann als

„leistbar“, wenn die Gesamthöheinklusive

aller Neben- und Betriebskosten

30 Prozent des Nettomonatseinkommens

nicht übersteigt. Zugrundegelegt

wirddas durchschnittliche

Nettoeinkommen laut

Mikrozensus. Bei Ein-Personen-

Haushalten beispielsweise liegt es

bei monatlich 1375 Euro.Als leistbar

gilt also eine Wohnung –ein bis zwei

Zimmer – mit bis zu 412,50 Euro

Miete.

Das Ergebnis der Mietenwatch-

Erhebung ist erschreckend: Nur sehr

wenige Suchende können sich Hoff-

VonKai Schlieter

nung auf eine Wohnung machen, die

für sie „leistbar“ ist. Und quasi niemand,

der wenig verdient. Das gilt

laut Mietenwatch in der ganzen Stadt.

Die Resultate zeigen für Miraß,

wie einseitig der Blick auf Berlin als

Mieterstadt mitunter ausfällt. Als

Stadtentwicklungssenatorin Katrin

Lompscher (Linke) im Mai den

neuen Mietenspiegel vorstellte,

wollte sie die eigene Leistung hervorheben

und ein bisschen Entwarnung

geben. Zwar sei die Nettokaltmiete

in den vergangenen 15 Jahren

von 4,49 auf 6,72 Euro pro Quadratmeter

um 50 Prozent gestiegen, doch

„der Mietanstieg hat sich in den ver-

gangenen zwei Jahren abgeflacht“,

sagte sie. Die Senatorin führte das

„auf mietstabilisierende Maßnahmen

des Landes Berlin“ zurück.

Doch diese Zahlen speisen sich

aus hunderttausenden Alt-Mietverträgen

aus einer Zeit, als Berlin noch

spottbillig war.Sie täuschen darüber,

was in den vergangen Jahren in der

Stadt passierte. Der Mietspiegel ist

ein Echo der Vergangenheit und liefert

nur ein verzerrtes Bild der Gegenwart.

Denn so gut wie jeder, der

gerade auf Wohnungssuche ist,

würde sich wohl über einen Mietpreis

von 6,72 Euro pro Quadratmeter

freuen. In der gefühlten Realität

liegen die Mietforderungen deutlich

höher. Die Erhebung der tatsächlichen

Angebotsmieten untermauert

diesen Eindruck und unterscheidet

sich deutlich von den „gewichteten

Durchschnittswerten“ des Senats.

Im Schnitt 15,20 Euro nettokalt

So liegen die Angebotsmieten, die

Mietenwatch aus Online-Offerten in

den vergangenen anderthalb Jahren

erfasst hat, mehr als doppelt so hoch:

bei 15,20 Euro nettokalt. Inklusive

Nebenkosten gar bei 17,57 Euro.

„Wir haben uns alles angeschaut,

was online zu finden war, sowie es

jeder anderetut, der in Berlin sucht“,

erklärt Tilman Miraß sein Vorgehen.

„Wir haben seit März 2018 Daten

über den Berliner Mietmarkt gesammelt

und ausgewertet.“ Er programmierte

dafür einen sogenannten Bot.

Das kleine Computerprogramm

durchforstete monatelang Seiten

von Immobilienanbietern, um die

Datenbasis aufzubauen und regelmäßig

zu aktualisieren. Abbilder der

Seiten, auf denen die Wohnungen

gefunden wurden, speicherte er auf

Servern, um stichprobenartig zu

prüfen, ob die statistische Auswertung

solide war. Der Bot erfasste

Leistbare Wohnungen

für Singles

Anteil leistbarer 1- bis 2-Zimmer-

Wohnungen für einen durchschnittlichen

1-Personen-Haushalt,

Anteil an den Wohnungsinseraten

in Prozent

0,8%

0,9%

1,2%

2,3%

3,1%

3,4%

Nicht-leistbare Wohnungen

Leistbare Wohnungen

Friedrichshain-Kreuzberg

Charlottenburg-Wilmersdorf

Mitte

Tempelhof-Schöneberg

Neukölln

Steglitz-Zehlendorf


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 11 **

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Berlin

Angebot an erschwinglichen Zwei-Zimmer-Wohnungen

Leistbar mit einem Durchschnitts-Netto-Einkommen von rund 2600 Euro

Angebot an erschwinglichen Vier-Zimmer-Wohnungen

Leistbar mit einem Durchschnitts-Netto-Einkommen von rund 3400 Euro

100 %

100 %

>80%

>80%

Blankenfelde

Heiligensee

Rosenthal

Stadtrandsiedlung

Malchow

Wartenberg

>60%

>40%

>20%

>1%

0%

Tegel

Rosenthal

Hermsdorf

Heinersdorf

Wartenberg

>60%

>40%

>20%

>1%

0%

Haselhorst

Marzahn

Hellersdorf

Grunewald

Charlottenburg

Schmargendorf

Mitte

Tier-

Friedrichsgartehain

Kreuzberg

Alt-Treptow

Kladow

Gatow

Westend

Grunewald

Dahlem

Mitte

Rahnsdorf

Rahnsdorf

Gropiusstadt

Altglienicke

Bohnsdorf

Müggelheim

Schmöckwitz

BLZ/HECHER, GALANTY (3); QUELLE: MIETENWATCH

Schmöckwitz

rund 79 000 Mietangebote. Unberücksichtigt

sei das Luxussegment

geblieben, von dem viele Angebote

nicht online stünden, sagt Miraß.

Die rund sechs Gigabyte Daten

würden sehr gut repräsentieren, was

maßgeblich in Berlin passiere, sagt

der Aktivist. Allein Immobilienscout

bilde rund 80 Prozent des Mietmarktes

ab,schätzt er.Zugleich böte manche

städtische Wohnungsbaugesellschaften

auch heute noch und selbst

im Neubau günstige Angebotsmieten.

Miraßsagt, es gehe nicht darum,

alles abzubilden. Aber er ist überzeugt,

dass der Datensatz die genauesten

Werte zuAngebotsmieten erfasst,

die bisher erhoben wurden.

Das Ergebnis: Die drei teuersten

Bezirke sind Mitte (22,31 Euro), Friedrichshain-Kreuzberg

(17,94 Euro)

und Charlottenburg-Wilmersdorf

(16,86 Euro). Die günstigsten Bezirke

der Stadt sind Marzahn-Hellersdorf

(10,95 Euro), Spandau (11,90 Euro)

und Treptow-Köpenick (12,64 Euro).

Miraß weiß, dass die Mieten aus

den Online-Angeboten nicht identisch

mit den später tatsächlich erzielten

Mieten sein müssen. Er

glaubt aber, dass die Abweichungen

nur marginal sind, da eine drastische

Wohnungsknappheit herrsche und

online angebotene Wohnungen

beim Vertragsabschluss später eher

teurer als günstiger werden würden.

Mietenwatch ist nicht das Projekt

von Miraß allein. Er spricht lieber

voneiner Initiative, weil ihn Freunde

unterstützen. Miraß gehört auch

zum Peng!Kollektiv, einem Zusammenschluss

von Aktionskünstlern,

HandwerkernundWissenschaftlern,

das durch subversive Aktionen Aufmerksamkeit

erzeugt und dafür bereits

mit dem Aachener Friedenspreis

ausgezeichnet wurde. Doch

Mietenwatch sei kein Projekt von

Peng, sagt Miraß. Es sei unabhängig.

Miraß war überrascht, als er die Ergebnisse

zum ersten Mal sah: „Die

Überschreitung des Mietenspiegel

ist wirklich krass“, sagt er. „Es

braucht radikalere Maßnahmen,

denn Wohnen im S-Bahn-Ring ist

nicht mehr leistbar und selbst außerhalb

sieht es nicht viel besser aus.“

Mit ihren Ergebnissen könnte

Mietenwatch tatsächlich für politischen

Wirbel sorgen. Denn mitunter

kann sich nur noch ein Prozent einer

Bevölkerungsgruppe das Wohnen in

der Innenstadt leisten, wenn es

höchstens das Durchschnittseinkommen

bezieht. Das träfe beispielsweise

für Ein-Personenhaushalte

zu. Für sie gab es zum Stichtag

innerhalb des S-Bahn-Rings

14 047 „leistbare“ Angebote. Ausgehend

von der Gesamtzahl kommt

Mietenwatch zu der Einschätzung,

dass sich nur ein Prozent dieser Personengruppe

eine Wohnung innerhalb

des S-Bahn-Rings leisten kann.

Vonden Zwei-Personenhaushalten –

für die Mietenwatch 787,50 Euro

Miete als leistbar ansetzt –können

sich demnach zehn Prozent das

Wohnen innerhalb des Rings leisten

und außerhalb 46,2 Prozent.

Für Drei-Personen-Haushalte –

drei bis vier Zimmer für maximal

922,50 Euro Miete – träfe das auf

4,5 Prozent innerhalb und 38,3 Prozent

außerhalb des S-Bahn-Rings zu.

In Mitte kann sich beispielsweise

ein Single-Haushalt nach dieser Definition

laut Mietenwatch nur noch

eine Wohnung mit einer Größe von

19 Quadratmetern leisten. In Marzahn-Hellersdorf

wären bis zu

31 Quadratmeternleistbar.

Aber selbst dort, im günstigsten

Bezirk, sind Ein- oder Zwei-Zimmer-

Wohnungen für 83 Prozent der Singles

mit Durchschnittseinkommen

nicht mehr erschwinglich. In Friedrichshain-Kreuzberg

sind es sogar

99,2 Prozent, für die das nicht mehr

möglich ist; hier können sich also im

Umkehrschluss nur noch 0,8 Prozent

eine solche Wohnung leisten. Insge-

„Das kleine Computerprogramm

durchforstete monatelang Seiten von

Immobilienanbietern, um die Datenbasis

aufzubauen und regelmäßig zu aktualisieren.

Der Bot erfasste rund 79 000 Mietangebote.“

samt entstand nach Miraß’ Ansicht

in den vergangenen Jahren ein drastischer

Verdrängungsdruck. Betroffen

sind hier insbesondere auch

Kieze in Gegenden, die zumindest

öffentlich einen schlechteren Ruf

haben. Für Menschen, die mit Hartz

IV auskommen müssen, wurde Berlin

zu einer verschlossenen Stadt,

sagt Miraß. Mietenwatch zeigt eine

Karte, die von rot nach blau das Niveau

beschreibt, wie viel Prozent

leistbarer Wohnungen für diese Bevölkerungsgruppe

in der Stadt existieren.

Nahezu ganz Berlin ist bei der

Karte, die die Lage der Hartz-IV-

Empfänger zeigt, in Rottönen gefärbt:

Null Prozent in Tiergarten, jeweils

ein Prozent in Mitte und in

Friedrichshain-Kreuzberg. Denn:

Das Jobcenter übernimmt die Mietkosten

nur bis zu einem festgelegten

Satz.

Bei den Karten, die Mietenwatch

aufbereitet hat, ist es möglich, bis auf

Angebote einzelner Straßen heranzuzoomen.

Überall rote Punkte.

Mieter,die„ALGIIbeziehen, können

innerhalb des S-Bahn-Rings praktisch

nicht mehr umziehen“, so Mietenwatch.

Ausdiesen Informationen

bemisst Mietenwatch nun den „Verdrängungsdruck“,

der sich aus Mietenhöhe

bei der Neuvermietung und

dem Anteil der Transferbezieher bemisst.

Die Methode bezieht sich auf

die entsprechende Berechnung der

Stadtforscher Andrej Holm und

Guido Schulz. Es zeigen sich hier die

Areale, in denen die Bevölkerung

vonBerlin ganz besonders gefährdet

ist. Hier sticht der Humboldthain

Nordwest hervor, bei dem es bisher

überwiegend keine Milieuschutzabdeckung

gibt. Weitere indenselben

Kategorien äußerst gefährdete Kieze:

Heidestraße, Schulenburgpark, Moritzplatz,

Glasower Straße, Maulbeerallee,Weiße

Siedlung, Brunnenstraße,

Askanischer Platz, Mehringplatz,

Treptower Straße Nord,

Bouchéstraße, Germaniagarten,

Thälmannparkund Rollberg.

Verdrängungsdruck und „Leistbarkeit“

sind nur zwei Gliederungsrubriken

auf der Internetseite von

Mietenwatch, die an diesem Dienstag

freigeschaltet wird. Eine andere

lautet:„Wohnen alsWare“–hier werden

die größten Anbieter dargestellt

und wie sich die Preise zusammensetzen;

die letzte Rubrik nennt sich

unbescheiden „Antworten“. Die politische

Positionierung ist hier sehr

eindeutig: Mietendeckel und Enteignung,

lautet die Forderung.

www.mietenwatch.de

Wohnraum für Mieter,die ALG II beziehen

Anteile der Angebote in Prozent, bei denen die Mietkosten vom Jobcenter

übernommen werden nach Personen im Haushalt

innerhalb des S-Bahn Rings

1Person

2Personen

3Personen

4Personen

5Personen

1,3

0,9

0,8

2,0

2,6

außerhalb des S-Bahn Rings

7,9

10,1

13,2

19,6

BLZ/HECHER; QUELLE: MIETENWATCH

Leistbare Wohnfläche

Wohnfläche, die sich ein Haushalt mit Durchschnittseinkommen leisten kann,

nach Personenzahl

1Person 2Personen 3Personen 4Personen

Mitte

Friedrichsh.-Kreuzb.

Charlott.-Wilmersd.

Pankow

Steglitz-Zehlendorf

Berlin

Neukölln

Tempelhof-Schöneb.

Reinickendorf

Lichtenberg

Spandau

Treptow-Köpenick

Marzahn-Hellersdorf

in m 2 0 10

20 30 40 50 60 70 80

BLZ/HECHER; QUELLE: MIETENWATCH

3,7%

4,6%

4,7%

5,5%

6,2%

11,8%

16,8%

Pankow

Berlin

Treptow-Köpenick

Reinickendorf

Spandau

Lichtenberg

Marzahn-Hellersdorf

BLZ/GALANTY; QUELLE: MIETENWATCH


12 * Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Berlin

Doppelspitze

bei Berliner

SPD?

Antrag des Landesverbands

eingebracht

Auf Bundesebene bahnt es sich

schon an –und auch die SPD in

Berlin könnte künftig eine Doppelspitze

bekommen. Der Landesvorstand

hat einen entsprechenden Antrag

für den Parteitag am 26. Oktober

eingebracht. DieAntragskommission

gab einstimmig eine Beschlussempfehlung

dafür ab, wie der Landesverband

am Montag mitteilte.

Verpflichtend soll demnach die

Doppelspitze aber nicht werden. In

Zukunft sollen die Delegierten vor

Vorstandswahlen aber entscheiden

können, ob sie für ein Duo ander

Spitze sind oder nicht. Zuvor hatten

mehrere Berliner Medien über den

Plan berichtet.

Wenn es eine Mehrheit für eine

Doppelspitze gibt, steht aber auch

fest, dass nicht zwei Männer das Sagen

haben sollen. In dem Antrag

heißt es dazu: „Der Landesvorstand

setzt sich zusammen aus: 1. dem oder

der Landesvorsitzenden oder einer

Doppelspitze aus zwei gleichberechtigten

Landesvorsitzenden, davon

eine Frau.“

Anders als die Bundes-SPD, die

derzeit auf der Suche nach einem

Vorsitzenden-Doppel ist, will der

Landesverband den Beschluss zur

Doppelspitzen-Option vorab fassen.

Wenn 2020 die nächsteWahl des Landesvorstands

ansteht, wären die Statuten

dann bereits angepasst. Der

SPD-Bundesparteitag entscheidet

erst in zwei Monaten über die entsprechende

bundesweite Änderung.

Der Berliner Beschluss würde dem

SPD-Landesverband zufolge zeitgleich

in Kraft treten. (dpa)

Herr Gysi, Sie haben in einem Gespräch

bei uns im Haus mal mit

dem Außenminister-Posten kokettiert.

Sind Sie ein bisschen froh, es

derzeit nicht mit einem wie Trump

zu tun haben zu müssen?

Er reizte mich eher.Dem amerikanischen

Präsidenten muss man

auf Augenhöhe begegnen. Da

kommt man mit Katzbuckelei

nicht weit, sonst fühlt er sich sofort

überlegen. Der finnische Ministerpräsident

hat gezeigt, wie es

geht. Hinsichtlich seiner Aufrüstungsforderungen

an Deutschland

machte mir ein klares „No, Mr.

President!“ geradezu Freude.

Verstehen Sie Trump?

Es gab bisher kaum einen US-

Präsidenten, der so kenntnisfrei

und ausschließlich auf sein Image

bedacht war wie er. Erbetrachtet

alles unter diesem Aspekt und ist

dafür zu fast jedem Deal bereit.

Wenn man das einkalkuliert,

kann man sein Agieren schon erklären,

obwohl eine Roulettekugel

berechenbarer erscheint.

Wenn man ihn und seine Tweets

eine Woche ignorierte, wäre der

damit verbundene Aufmerksamkeitsverlust

wohl die größte Strafe

für ihn.

Wiegefährlich ist ein offensichtlich

immer nervöser agierender Trump

für die Welt?

Wenn zu seinem nationalen

Egoismus noch eine sich verstärkende

Irrationalität dazukommt,

muss man zumindest damit rechnen,

dass seine verbalen Rundumschläge

via Twitter auch in reale

Handlungen umschlagen. Da hat

er als Oberbefehlshaber der am

höchsten gerüsteten Armee der

Welt ein Arsenal zur Verfügung,

dass mehr als eine Gefahr darstellt.

Er wäre nicht der erste US-

Präsident, der eine innenpolitische

Bedrohung durch eine außenpolitische

Kriegserklärung bekämpft.

Besonders gefährlich war

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar Jehn

reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt

bewegt. Kurz und klar,ein paar Minuten nur,

solange man eben zusammensteht für eine Curry

am Mittag. Unser Thema in dieser Woche:

der richtige Umgang mit Donald Trump

und ist seine Kündigung des Iran-

Abkommens. Ein Verzicht auf Zukunft

ist die Kündigung des Klima-

Abkommens von Paris.

Verhält sich die Bundesregierung

richtig?

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

Sie lässt den Eindruck zu, dass

sie der Wucht von Donald Trumps

Attacken nichts Gleichwertiges

entgegenzusetzen hat. Warum will

sie diesen Irrsinn mitmachen,

zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts

für Rüstung auszugeben,

das heißt jährlich 75 Milliarden (!)

Euro –, 2018 waren es 38,5 Milliarden

– während bei uns Schulen

und vieles andere heruntergewirtschaftet

werden. Es war schon

falsch, diesem Ziel zuzustimmen,

aber es nun auch noch auf Forderung

vonTrump umzusetzen, zeigt

wenig Courage.

Der amerikanischen Präsident ist

das Idol vieler sogenannter Abgehängter

Amerikas. Warum gelingt

es linken Parteien nicht, diese

Menschen anzusprechen?

Der linke Bernie Sanders hat

diese Menschen auch angesprochen,

aber die Demokraten trauten

sich nicht, ihn zu ihrem Präsidentschaftskandidaten

zu machen.

Auch Parteien, die eher links verortet

werden, haben sich seit vielen

Jahren aktiv daran beteiligt, Menschen

zu sogenannten Abgehängten

und es sich selbst im Establishment

zu bequem zu machen. Dieser

Glaubwürdigkeitsverlust lässt

sich nicht so schnell kompensieren.

Überzogene Selbstbeschäftigung,

die ich ganz gut kenne, muss

auch vermieden werden.

Sehen SieParallelen zum Erfolg der

AfD, besonders im Osten?

Ja,weltweit geht es um nationalen

Egoismus, aber wir sollten die

AfD auch nicht größermachen, als

sie ist. Sie wird zwar zu viel gewählt,

aber von Mehrheiten ist sie

weit entfernt. Wir sind verpflichtet,

die Menschen vom Gegenteil

zu überzeugen.

Müssen wir uns auf eine zweite

Amtszeit Donald Trumps einstellen?

Leider! Letztlich wirdesaber an

den Demokraten liegen, ob sie

eine Kandidatin oder einen Kandidaten

aufstellen, die oder der Donald

Trumps inhaltliche Hohlheit

durch eigene Überzeugungskraft

demaskieren könnte. Übrigens:

Michelle Obama könnte es!

Flughäfen:

Verspätungen

und Ausfälle

Viele Flugzeuge mussten

unerwartet enteist werden

Weil unerwartet viele Flugzeuge

am Morgen von Eis befreit

werden mussten, sind am Montag

Dutzende Maschinen an den Berliner

Flughäfen verspätet gestartet –

einige fielen auch aus.14Starts- und

Landungen seien gestrichen worden,

sagte ein Flughafensprecher auf

Anfrage. 50 Abflüge und Ankünfte

seien verspätet gewesen. Zuvorhatte

der „Tagesspiegel“ darüber berichtet.

Zum Mittag hatte sich die Lage

demnach aber wieder normalisiert.

Insgesamt 29 Maschinen hätten

am Morgen enteist werden müssen,

sagte ein Sprecher des zuständigen

Dienstleisters Wisag. Weil die Wintersaison

offiziell erst Anfang November

beginnt, hätten nur zwei

Fahrzeuge zur Verfügung gestanden.

Es sei zu Staus gekommen, Flüge

wurden gestrichen.

Zu einem Vorfall am Flughafen

Tegel kam es am Montag bei der

Sichtung einer Drohne. Ein Pilot

habe die Drohne gesichtet, der Flugverkehr

sei daraufhin für wenige Minuten

unterbrochen worden, sagte

ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung.

Auswirkungen auf die Abläufe

habe das keine gehabt. Ob die

Drohne im Zusammenhang mit den

Klimaprotesten der Bewegung Extinction

Rebellion stand, wurde zunächst

nicht bekannt. DieAktivisten

hatten in mehreren europäischen

Großstädten wichtige Verkehrsknotenpunkte

besetzt, um auf die drohende

Klimakatastrophe aufmerksam

zu machen. Unklar war, obdabei

auch die Berliner Flughäfen Ziel

vonAktionen werden sollten. (dpa)

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LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 13 *

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Berlin

POLIZEIREPORT

Autofahrer flieht.

EinAutofahrer ist in der Nacht zu

Montag voreiner Polizeikontrolle in

Berlin-Reinickendorfgeflüchtet und

mit seinem Wagen gegen einen Laternenmast

gefahren. Der29-jährige

Fahrer,der keinen Führerschein

hatte,wurde bei dem Unfall schwer

am Kopf verletzt, zwei weitereInsassen

(20 und 26 Jahrealt) erlitten

leichte Verletzungen. DieBeamten

hatte ein Polizeiauto quer auf der

Straße abgestellt, um den Raser nach

seiner Flucht an der Emmentaler

Straße/Breitkopfstraße zu stoppen.

„Zuerst sah es so aus,als würde der

Fahrer ungebremst auf den Wagen

auffahren, dann scherte er aus und

kam vonder Fahrbahn ab“, sagte die

Sprecherin. Daraufhin krachte der

Wagen gegen ein parkendes Auto

und rammte anschließend einen Laternenmast.

Spielhalle überfallen.

Einmaskierter Mann hat in der

Nacht zu Montag eine Spielothek in

Berlin-Hellersdorfüberfallen und

eine Mitarbeiterin mit einem Messer

bedroht. Die41-jährige Angestellte

öffnete einem vermeintlichen Gast

die Tür,der den vermummten Räuber

mit hereinließ, wie die Polizei

mitteilte.Der Maskierte forderte

Geld und flüchtete anschließend mit

seiner Beute.ImAnschluss verließ

auch der vermeintliche Gast das Lokal.

Fünf Autos beschädigt

In Kreuzbergsind in der Nacht zu

Montag erneut Autos durch ein

Feuer beschädigt worden. EinFußgänger

hatte die Flammen kurzvor

Mitternacht bemerkt, wie die Polizei

mitteilte.Nach ersten Ermittlungen

hatte das Feuer am Paul-Lincke-Ufer

voneinem geparkten Fahrzeug auf

zwei benachbarte Wagen übergegriffen.

Durchdie Hitzewurden außerdem

zwei weitereAutos beschädigt.

DiePolizei ermittelt wegen des Verdachts

auf Brandstiftung.

Fußgänger angefahren.

Eine 50-jähriger Fußgänger ist in

Moabit beim Überqueren einer

Straße voneinem Auto angefahren

und schwer verletzt worden. Ein43-

jähriger Autofahrer erfasste den

Mann beim Abbiegen in die Wilhelmshavener

Straße,wie die Polizei

am Montag mitteilte.Der Fußgänger

stürzte bei dem Unfall, der sich bereits

am Sonntagabend ereignete

und erlitt Kopf- und Beinverletzungen.

DerMann wurde in ein Krankenhaus

gebracht. WeitereDetails

zum Unfallhergang waren zunächst

nicht bekannt. (dpa)

Nächster Halt: Ersatzverkehr

BVG lässt weiteren Abschnitt der U1 sanieren –ein Jahr lang. Die nächste Sperrung ist schon in Sicht

VonPeter Neumann

Bitte aussteigen, es wird gebaut!

Das müssen derzeit

nicht nur zahlreiche Fahrgäste

im Osten Berlins zur

Kenntnis nehmen: Dort ist die Sperrung,

die bisher vor allem die Linie

S75 betraf, auf die S5 und S7 ausgedehnt

worden. Auch eine der wichtigsten

U-Bahn-Trassen Berlins, das

Viadukt am Gleisdreieck in Kreuzberg,

ist unterbrochen. Doch den

Nutzern der Linien U1 und U3 steht

die größte Einschränkung noch bevor:

Vom kommenden Frühjahr an

wird der U-Bahn-Verkehr zwischen

Kottbusser Tor und Warschauer

Straße eingestellt –ein Jahr lang.

Hier begann die Geschichte der

Berliner Hoch- und Untergrundbahn.

Das stählerne Viadukt, das

entlang der Skalitzer Straße durch

Kreuzberg führt, gehört zur ältesten

U-Bahn-Verbindung. 1902 fuhr dort

erstmals ein Zug, unterwegs vom

Bahnhof Stralauer Tor(den es nicht

mehr gibt) zum Potsdamer Platz.

Buckelbleche mit Totalversagen

„In die Bazillenkutsche kriegt mich

kein Mensch mehr rein!“, sagte Robert

Koch, der Entdecker des Tuberkulose-

und des Cholera-Erregers,

als der Betrieb begann. Er hatte privat

Angst vor ansteckenden Kleinstlebewesen.

Kaiser Wilhelm II. fuhr

nur einmal U-Bahn und dann nie

wieder –angeblich, weil ihm in den

engen Wagen die Pickelhaube verrutscht

war. Doch obwohl die Fahrpreise

für viele Berliner unerschwinglich

waren, nahm das neue

Verkehrsmittel seinen Aufschwung.

Auf dem Viadukt rollen schon

lange keine Wagen zweiter und dritter

Klasse mehr. Rauchen ist in den

U-Bahnen im westlichen Stadtgebiet

inzwischen auch verboten – seit

1978. Die Kreuzberger Hochbahn,

die immer mal wieder instandgesetzt

wurde, ist in die Jahre gekommen.

In der jüngsten Zeit wurde eine

Sanierung immer dringlicher, wie

Ende 2017 in der Ausschreibung der

Planungsleistungen deutlich wurde.

„Im Juli 2017 wurde bei außerplanmäßigen

Instandsetzungsarbeiten

das stellenweise Totalversagen

der vorhandenen Buckelbleche festgestellt“,

stellten die Berliner Verkehrsbetriebe

(BVG) fest. Buckelbleche:

Dassind Eisenbleche mitVertiefungen,

die mit Schotter gefüllt werden,

auf dem dann die Schwellen mit

den Schienen ruhen. Totalversagen

bedeutet, dass die Situation ernst ist.

So sollte es sein: die U1 in voller Fahrt. Dieser Abschnitt ist bereits saniert.

U-Bahn der Rekorde:Berlin

hat die älteste Untergrundbahn

Deutschland (seit

1902), mit einer Linienlänge

von153 Kilometer ist es

hierzulande auch das größte

Netz dieser Art. Allein 2018

wurde die Berliner U-Bahn

für 583 Millionen Fahrten

genutzt –damit gehörtsie

weltweit zur Spitzengruppe.

HOHER INVESTITIONSBEDARF

Finanzlücke: Um die AnlageninSchuss

zu halten, investiertdas

Landesunternehmen

BVGviel Geld –in

den Jahren 2019 bis 2022

sind es rund 800 Millionen

Euro. Allerdings ist der Instandsetzungsbedarf

laut

Senat ungefähr doppelt so

groß. In früheren Jahren

wurde zu wenig investiert.

IMAGO IMAGES

Es wird gebaut: Ohne Sperrungen

und Schienenersatzverkehr,kurz

SEV,lassen

sich Sanierungsprojekte

meist nicht abwickeln. Lange

Unterbrechungen sind zum

Beispiel auf der U6 geplant.

So wird der Betrieb zwischen

Kurt-Schumacher-Platz und

Alt-TegelabFrühjahr 2021

rund 20 Monate lang ruhen.

Zwar beeilte sich die BVG mitzuteilen,

dass die Strecke weiterhin betriebssicher

sei. Bis zur nächsten

vorgesehenen Prüfung im Jahr 2020

lasse sich die Hochbahn auf dem

Mittelstreifen der Skalitzer Straße

problemlos betreiben. „Allerdings

könnte dann ein kritischer Zustand

erreicht sein“, teilte BVG-Sprecher

Markus Falkner damals mit.

Tatsächlich ist es im kommenden

Jahr so weit: Aufinsgesamt 755 Meter

Länge soll dasViadukt zwischen dem

Görlitzer und dem Schlesischen

Bahnhof saniert werden. So steht es

in der Ausschreibung der Bauleistungen,

die von der BVG jüngst im

Europäischen Amtsblatt veröffentlicht

wurde.ImApril 2020 soll es losgehen.

„Die gesamte Bauzeit entspricht

52 Wochen“, heißt es.

AufNeubauprojekte verzichten

„Damit schließen wir die Grundsanierung

auf der östlichen U1/U3

ab“, sagte Markus Falkner am Montag.

Eingebaut wird eine feste Fahrbahn,die

ohne Schwellen und Schotter

auskommt. Auch die Kabel- und

Entwässerungskanäle werden saniert.

Ungefähr 1200 Tonnen Baustahl

und 500 Kubikmeter Beton

werden benötigt –unter anderem.

Die Fahrgäste müssen so lange

zwischen Kottbusser Torund Warschauer

Straße auf Busse umsteigen.

Der Schienenersatzverkehr, kurz

SEV, dauertebenfalls ein Jahr.

Und selbst danach ist auf der

Trasse der U1und U3 mit den Bauarbeiten

noch nicht Schluss: Im

Spätsommer 2021 gehen im Park am

Gleisdreieck Bauleute im Auftrag der

BVG andie Arbeit. Ein Bauwerk der

dortigen Hochbahn wird abgerissen

und neu gebaut. Das hat zur Folge,

dass auf dieser Trasse zwischen

Gleisdreieck und Nollendorfplatz 17

Monate keine U-Bahnen fahren können

–wie bei der derzeitigen Sperrung,

die am 24. Oktober enden soll.

So viel steht fest: Berlins U-Bahn-

Netz erfordertenorme Investitionen.

Im aktuellen Nahverkehrsplan beziffert

der Senat den GrundinstandsetzungsbedarfimWesten

der Stadt mit

1,55 Milliarden Euro,imOsten Berlin

würden 190 Millionen benötigt. Status:

„vordringlich“.

Der SPD-Fachausschuss Mobilität

rät, auf U-Bahn-Neubauprojekte

zu verzichten und über Jahrehinweg

alle Mittel auf das bestehende Netz

zu konzentrieren: „Was nützt es,

wenn es neue Strecken gibt und die

alten Tunnel dorthin wegen Verfalls

geschlossen werden müssen?“

Prozess

wegen

„Mimimi“

Plakat-Tausch mit

politischem Hintergrund

VonPhilippe Debionne

Inder Anklageschrift geht es um

„Mimimi“, um „Satire darf alles“

und um „Humorlose Kackbratze“.

Doch was zunächst lustig klingt, ist

für einen Berliner ab heute eine

ernste Angelegenheit. Denn die

Staatsanwaltschaft wirft dem Mann

Sachbeschädigung und besonders

schweren Diebstahl vor. 200 Tagessätze

sollen als Strafe im Raum stehen.

Ab 90 ist man vorbestraft.

DerAngeklagte soll mehrereWerbeschaukästen

der Firma Wall AG

geöffnet haben, „die dortigen Plakate

gegen eigene ausgetauscht und

die ursprünglichen mitgenommen

haben“, steht in der Anklageschrift.

Auf einem dieser Plakate hätten die

Worte “#mimimimimimi“ sowie

„#Satiredarfalles“ und „#HumorloseKackbratze“

gestanden. Zudem

habe der Täter das ursprüngliche

Plakat mitgenommen, um „dieses

für sich zu verwenden“.

Dieser politisch motivierte Plakattausch,

bei dem es zumeist um

Themen wie Seenotrettung und

Flüchtlingspolitik geht, hat mittlerweile

einen eigenen Namen und

wird „Adbusting“ genannt. Neben

den politischen Botschaften soll so

„auf kritischeWeise aufWerbung, die

uns täglich überschwemmt“, aufmerksam

gemacht werden, heißt es

auf einer entsprechenden Seite im

Internet.

Für die Staatsanwaltschaft sind

solche Aktionen hingegen schlichtweg

Sachbeschädigung und schwerer

Diebstahl. Weswegen am Dienstag

um 12 Uhr imAmtsgericht verhandelt

wird.

Das beanstandete Plakat am Tiergarten

wurde mittlerweile entfernt.

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Berlin

Ortmit düsterer Atmosphäre und dunkler Vergangenheit: Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen.

MARKUS WÄCHTER

Schlechte Atmosphäre in Hohenschönhausen

Der Gedenkstätten-Vize Helmuth Frauendorfer geht vor Gericht gegen seine Kündigung vor.Den Vorwurf sexueller Übergriffe weist er zurück

VonElmar Schütze

Im Streit um die strukturelle

und personelle Neuausrichtung

in der Stasi-Gedenkstätte

Hohenschönhausen kündigt

sich eine weitere gütliche Einigung

an. Zuvor hatte bereits der langjährige

Direktor der Gedenkstätte, Hubertus

Knabe,einem außergerichtlichen

Vergleich inklusive Abfindungszahlung

zugestimmt. So steht

einem Neuanfang der Gedenkstätte

unter neuer Führung und Mentalitätswechsel

immer weniger imWege.

Am Montag beschäftigte sich das

Landesarbeitsgericht nun mit der

Klage vonHelmuth Frauendorfer gegen

dessen ordentliche Kündigung

zum Jahresende 2018, nur so sei dort

ein besseres Arbeitsklima zu etablieren.

Frauendorfer, langjähriger Vize

Hubertus Knabes, war wegen seines

angeblich übergriffigen Verhaltens

gegenüber Frauen gekündigt worden.

Über acht Jahre hinweg hätten

sich insgesamt ein Dutzend Frauen

von ihm bedrängt gefühlt, manche

Die Prozesse: Der Arbeitsprozess

vonHelmuth Frauendorfer

hat eine Vorgeschichte.

Sein Chef in Hohenschönhausen

war Hubertus

Knabe. Knabe war im

Herbst 2018 gekündigt worden,

weil er sich nicht energisch

genug für einen „Kulturwechsel“

eingesetzt habe.

Hubertus Knabe einigte sich

außergerichtlich mit der Stiftung

der Gedenkstätte und

strich eine nicht genannte

Abfindung ein.

klagten über sexuelle Belästigung.

Demnach habe er zu vielen jungen

Frauen in der Gedenkstätte ein inniges

Verhältnis gesucht, er habe sie

berührt, umarmt, ihnen von Besuchen

in Puffs erzählt, ihnen nachts

auch private SMS geschickt, sie teils

unter Alkoholeinfluss bei sich zu

Hause empfangen.

Diemeisten Frauen waren Praktikantinnen,

Volontärinnen oder Absolventinnen

eines freiwilligen sozialen

Jahres oder andere abhängig

Beschäftigte. Und der 60-jährige

Frauendorfer,soRichter Arne Boyer,

hätte ihr Großvater sein können.

In einem Fall habe er eine offenbar

alkoholisierte 20-jährige Praktikantin

zu sich in seineWohnung mitgenommen.

Die Frau hatte danach

über sexuelle Belästigung gegenüber

anderen Kollegen geklagt. In dem er

sie am Oberschenkel berührte, habe

er ihr zu verstehen gegeben, dass er

bereit sei, mit ihr zu schlafen, so der

Richter. Zwischenzeitlich sandte die

Senatskulturverwaltung, die per Statuten

den Vorsitzenden des Stiftungsrats

der Gedenkstätte stellt,

keine neuen Volontärinnen mehr

nach Hohenschönhausen – dort

habe ein Klima der Angst geherrscht.

VOR- UND FRÜHGESCHICHTE

Die Causa: Die Entlassung

Knabes hat hohe Wellen geschlagen.

Vorallem Konservativewitterten

eine Intrige,

um den wegenseines unerbittlichen

Antikommunismus

umstrittenen Historiker aus

dem Amt zu befördern. Besonders

pikant ist, dass neben

Kultursenator Klaus Lederer

(Linke) mit Kulturstaatsministerin

Monika

Grütters auch eine CDU-Politikerin

der Entlassung zugestimmt

hatte.

Die Gedenkstätte: An der

Genslerstraße in Hohenschönhausen

befand sich zu

DDR-Zeiten die Untersuchungshaftanstalt

des Ministeriums

für Staatssicherheit.

Unter anderem bieten

dortehemaligeHäftlinge

Führungen an. Nachfolger

vonHubertus Knabe als Direktor

ist der Historiker Helge

Heidemeyer. Er war am Montag

auch als Vertreter der Gedenkstätte

vorGericht anwesend.

Zu Beginn der Verhandlung referierte

Richter Boyer aus den Anschuldigungen,

die der Stiftungsratsvorstand

zusammengetragen

hat. Darin werde von Frauendorfer

ein Bild einer „gewissen Öligkeit“ gezeichnet,

„eine Figur àlaRainer Brüderle,Harald

Juhnke,Donald Trump

und Baby Schimmerlos“. DerRichter

zitierte aus einem Vermerk nach einem

Personalgespräch. Darin habe

Frauendorfer gesagt, er habe sich

„nie in irgendeiner Form Übergriffen

schuldig gemacht“.Vielmehr habe er

bei jungen Mitarbeitern stets ein

„Verhältnis auf Augenhöhe“ gesucht,

Ausbildung und Förderung junger

Menschen habe ihm schon zuvor in

seiner Tätigkeit als Jugendbeauftragter

eines Senders „am Herzen gelegen“.

Schon damals habe er es mit 95

Prozent junger Frauen zu tun gehabt.

Keine habe sich je beschwert.

Warum dies in Hohenschönhausen

anders gewesen sei, könne er

sich nicht recht erklären. Vielleicht,

so zitierte der Richter Frauendorfer,

sei er „anders und warmherziger“,

weil er aus Rumänien stamme.

Helmuth Frauendorfer wurde

1959 im rumänischen Banat geboren.

DerSchriftsteller,Journalist und

Dissident reiste 1987 aus,ließ sich in

West-Berlin nieder und engagierte

sich als Menschenrechtsaktivist.

Später ging er zum MDR. 2010 wurde

er Referent für politische Bildung

und Vize in Hohenschönhausen.

Vor Gericht wies Frauendorfer

über seinen Anwalt die Anschuldigungen

von sich. Auch gegenüber

der jungen Frau in seiner Wohnung

sei er nicht übergriffig geworden,

auch wenn die Einladung an sie vielleicht

„nicht glücklich“ gewesen sei.

Es sei nachvollziehbar, dass dieser

Vorfall vomGericht als entscheidend

betrachtet werde. Ein arbeitsrechtlicher

Verstoß liege jedoch aus seiner

Sicht keinesfalls vor. Niemand außer

ihr habe ein Problem darin erkannt,

dass er sie zu sich eingeladen habe.

Alle anderen Vorwürfe seien offenbar

konstruiert.

Richter Boyer regte am Ende Verhandlungen

über eine gütliche Verständigung

an. Beide Parteien wollen

sich darüber beraten. DerRichter

will am 6. November eine Entscheidung

verkünden.

Gute Aussichten

Stasi-Ausguck Fernsehturm: Das MfS fotografierte aus 241 Metern Höhe Passanten und Autos

VonGerhard Lehrke

Der Fernsehturm, gerade 50 Jahre

alt geworden, eignete sich in

den Augen der DDR-Staatssicherheit

als geeigneter Ausguck, ganz im

Sinne ihres Spitznamens „Horch &

Guck“. Bevor sie mit Teleobjektiven

Menschen und Autokennzeichen in

der Umgebung des Turms zwecks

Überwachung fotografierte, wurden

ausführliche Versuche angestellt.

Die Stasi-Unterlagenbehörde

BStU hat die 1983 gemachten Probeaufnahmen

und die 1984 erstellte

Analyse der Ergebnisse,die sogar geeignete

Methoden zur Entwicklung

der Kleinbildfilme umfasste,nun online

gestellt.

Fotografiert wurde von einer in

241 Meter Höhe befindlichen Außenplattform

über der Kugel. Dabei

fanden die Fotospezialisten heraus,

dass Gesichter von Passanten bei

Sonne und klarer Sicht bis zu einer

Entfernung von 800 Metern identifiziert

werden konnten. Nummernschilder

waren sogar noch lesbar,

wenn sich das Auto 1,2 Kilometer

weit entfernt befand. Damals war

das eine technische Herausforderung.

Geknipst wurde mit Pentaconund

Praktika-Kameras aus DDR-

Produktion. Aufgesetzt wurden Objektive

von Carl Zeiss Jena und Pentacon,

aber auch ein Tokina-Objektiv

aus Japan.

Die Stasi-Fotografen bemängelten

allerdings, dass das besonders

leistungsfähige Zeiss-Spiegelobjektiv

zusammen mit dem notwendigen

Stativ 25 Kilogramm wog und

nicht recht handhabbar war, das japanische

Produkt hingegen nicht

einmal ein Pfund wog.

Offenbar dachten die MfS-Agenten

daran, ein spezielles Nikon-Objektiv

zu erwerben. Manmeint, beim

Test-Fotografien des MfS, aufgenommen aus 241 MeternHöhe vom Fernsehturm

BSTU

Lesen dieser Zeilen die Seufzer des

Autoren hören zu können:„Nach unseren

Informationen ist zur Zeit

noch keine Diensteinheit des MfS im

Besitz dieses Objektivs, was wohl im

hohen Anschaffungspreis begründet

ist.“ Leider koste das japanische

Wunderwerk der Optik 17 000 Westmark,

schrieben sie in ihrem Abschlussbericht.

Auch die Filme wurde getestet:

Hierbei neigte man weniger den heimischen

Orwo-Fabrikaten zu, eher

dem englischen Ilford-Produkt, das

mit 5,60 D-Mark pro Kleinbildfilm

günstig zu haben sei.

Ausprobiert wurde auch die fast

nagelneue Videotechnik. Dabei

stellte das MfS fest, dass die Erwartung,

dass Videoaufzeichnungen Fotografien

unterlegen seien, durch die

Versuche bestätigt wurde.Die Auflösung

von Fernsehbildern, die zur

Auswertung mit weiterer Qualitätsverschlechterung

hätten auch noch

abfotografiert werden müssen, reiche

zum Lesen von Autokennzeichen

nicht aus. Welche Technik am

Ende von der Staatssicherheit verwendet

wurde,ist noch nicht geklärt.

Überliefert ist auch nicht, wie die

Stasi-Leute beim Fotografieren oberhalb

der Turm-Kugel über die„Rache

des Papstes“ dachten.

Gedanken aber hatte sich die

Staatssicherheit machen müssen:

Das Licht-Kreuz, das bei Sonnenschein

auf der Metallverkleidung der

Kugel erschien und dem Turm auch

den Spitznamen „St. Walter“ (Ulbricht)

einbrachte, war der DDR-

Führung zuwider. Untersuchungen

des MfS, ob „Sabotage“ bei der Montage

für den Lichteffekt verantwortlich

war,blieben jedoch ergebnislos.

Das Stasi-Papier mit den Fotos

kann man hier im Internet einsehen:

https://bit.ly/2oSex6Y


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 15 *

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Berlin/Brandenburg

Keine

Absage für

Hertha-Stadion

Sportsenator Geisel sieht

aber weiter große Hürden

Innen- und Sportsenator Andreas

Geisel hält die Tür für den Bau eines

reinen Fußballstadions des Bundesligisten

Hertha BSC im Olympiapark

offen. Er habe solchen Plänen

keine Absage erteilt, sagte der SPD-

Politiker in einem Gespräch mit der

Deutschen Presse-Agentur. Esgebe

aber große Hürden. So könne „Hertha

den Standort, den sie will, nicht

belegen, weil die Wohnungsbaugenossenschaft

diesen Standort nicht

zur Verfügung stellt. Sie haben kein

Baugrundstück im Olympiapark,

deshalb geht das nicht.“ Wie berichtet,

will Hertha BSC – seit 1963

Hauptmieter des Olympiastadions –

ausziehen und im Jahr 2025 eine eigene

privat finanzierte Arena für

50 000 Besucher eröffnen.

Falls Hertha doch noch eine Lösung

für die 24 Wohnungen in der

Sportforumstraße, die für ein neues

Stadion abgerissen werden müssten,

findet, sei das eine andere Situation,

so Geisel. „Dann muss man darüber

reden, natürlich. Aber das sind Mieter,

die dort wohnen. Diese Menschen

und deren Interessen müssen

wir ernst nehmen“, so Geisel.

Derzeit lässt der Senat vier mögliche

Standorte auf dem Gelände des

Flughafens Tegel prüfen, der nach

Eröffnung des BER schließen soll.

Wie die Prüfung ausgehe, „kann ich

bis dato nicht sagen“, sagte Geisel.

Mittlerweile wird ein neuer möglicher

Standortlanciert. DerinBerlin

tätige österreichische Architekt

Christoph Langhof hat einen Entwurffür

das Geländes am Autobahndreieck

Funkturm und der Avus-

Nordschleife veröffentlicht. Sein

Plan sieht dort neun Hochhäuser

vor, in das Gelände könne ein Fußballstadion

„eingebettet“ werden,

wie es hieß. (elm.)

Hertha BSC ist seit 1963 Hauptmieter

des Olympiastadions.

DPA/JAN WOITAS

VomLöwen lernen

Gesa Neitzel erzählt in ihrem neuen Buch, was sieinder Wildnis erlebteund wie sieFrieden mit Berlin schloss

VonKristin Hermann

Vor ein paar Jahren war der

Viktoriapark inKreuzberg

für Gesa Neitzel ein Ortder

Zuflucht. Der Wasserfall,

die Bäume, Ruhe vor dem Lärm der

Stadt –ein kleines Stück Wildnis mitten

in Berlin, gegenüber von ihrer

damaligen Wohnung am Rande des

Bergmannkiezes. Fast täglich wanderte

sie damals die Stufen bis zum

Kreuzberg empor und ließ den Blick

über die Stadt wandern, die sich für

sie nach knapp zehn Jahren immer

mehr wie ein Wartezimmer anfühlte.

Dortkonnte sie gewissermaßen über

den Dingen verschnaufen, wenn der

Alltag einmal mehr zu schwer war.

Es ist deshalb nicht verwunderlich,

dass die Autorin jenen Park als

Treffpunkt wählt, um vonihrem alten

Leben in Berlin und ihrem neuen

Buch zu erzählen. 2015 hat die damals

28-Jährige ihren Jobals Fernsehredakteurin

gekündigt, um sich in

Südafrika zur Rangerin ausbilden zu

lassen. Ihr Abenteuerbericht „Frühstück

mit Elefanten“ stand 2016/17

elfWochen auf der Spiegel-Bestseller-

Liste.Neitzel traf mit ihrem Buch den

wunden Punkt einer ganzen Generation,

die sich vonden Möglichkeiten,

alles werden zu können, überfordert

fühlt und sich auf der Suche nach Erfüllung

häufig rastlos durch das eigene

Leben bewegt.

Ausbildung zum Safari-Guide

Nach dem Abitur verkörpert Berlin

für sie zunächst alles, was ihre Heimat

Hildesheim nicht bietet. Sie

träumt davon, Schauspiel zu studieren,

doch muss sie schnell feststellen,

dass es ihr nicht liegt, in die Rolle

einer anderen Person zu schlüpfen.

Neitzel macht ein Volontariat bei einer

Fernsehproduktionsfirma, später

arbeitet sie als Redakteurin für

die Castingshow „The Voice of Germany“.

Doch insgeheim hofft sie auf

Veränderung, will sich selbst und die

Welt herum spüren und begreifen. In

einem Südafrikaurlaub fasst sie kurzerhand

den Entschluss, die Ausbildung

zum Safari-Guide zu wagen.

Wassie vonAfrikas Wildnis für das

Leben gelernt hat und wie jeder ein

Stück davon in seinen Alltag integrieren

kann, darum geht es in ihrem

neuen Buch „The Wonderful Wild“.

Neitzel ist nach ihrer Ausbildung dem

Kontinent treu geblieben. Zusammen

mit ihrem Freund Frank Steenhuisen

zeigt sie Touristen auf Safari

jene Natur und Wildtiere, für die sie

ihr altes Leben aufgab.

Ihr zweites Werk ist jedoch keine

klassische Fortsetzung des Abenteuerberichts.

Eserzählt die spirituelle

In der Wildnis des Viktoriaparks: die Autorin Gesa Neitzel.

Die Premiere: An diesem

Dienstag liest Gesa Neitzel

erstmals aus ihrem neuen

Buch „The Wonderful Wild“.

Die Veranstaltung im Kesselhaus

ist bereits ausverkauft.

LESEN & HÖREN

Das Buch: „The Wonderful

Wild“ ist am 27. September

bei Ullstein erschienen. Das

252 Seiten starkeBuch mit

der ISBN 978-3-96366-

061-0 kostet 15,99 Euro.

Der Blog: Aufder Website

http://wonderfulwild.com

veröffentlicht Gesa Neitzel

Auszügeihres neuen Buches,

aber auch andere

Texte, Tipps und Tricks.

ANDREAS KLUG

Reise zur Natur, die die Rangerin in

Afrika erlebte.Essoll den Leser dazu

motivieren, mehr auf seine innere

Stimme zu hören. „Ich glaube, dass

wir aktuell alle auf einer Reise zurück

zur Natur sind. Wir müssen uns im

Zuge des Klimawandels einmal

mehr erinnern, wo wir eigentlich

herkommen“, sagt Neitzel. Unterwegs

in Afrika werdeihr deutlich bewusst,

wie weit die Zerstörung einiger

Ökosysteme bereits vorangeschritten

sei. „In Sambia fragen sich

die Leute derzeit zum Beispiel, wo

das Wasser geblieben ist.“

Stille als wahrer Luxus

Auge in Auge mit Elefanten, Löwen

und Leoparden lernte Neitzel jeden

Tag aufs Neue, was wirklich zählt,

und ihr wurde klar, dass Menschen

im Vergleich zu Tieren die Möglichkeit

haben, bewusste Entscheidungen

zu treffen. „Ein Löwekann nicht

einfach damit aufhören, Fleisch zu

essen. Wirdagegen schon, und diese

Sichtweise lässt sich auf viele Bereiche

übertragen“, sagt sie.

Am Lagerfeuer wird für sie vieles

plötzlich ganz einfach und klar –

echte Stille etwa sei wahrer Luxus.

Das beobachtet die 32-Jährige auch

immer wieder,wenn sie mitTouristen

unterwegs ist. „Die ersten Tage wird

am Lagerfeuer ständig gesprochen,

weil jeder die Stille peinlich findet.

Dasändertsich im Laufe der Zeit, und

irgendwann schafft es jeder,den Moment

für sich zu genießen.“

Werzum ersten Maleinen Löwen

aus nächster Nähe brüllen hört, der

besinne sich auf seine Urinstinkte.

„Man weiß dann sehr schnell, wer

man eigentlich unter all den Klamotten

und dem Make-up ist“, sagt Neitzel.

Doch kann das auch in der Großstadt

gelingen? DieAutorin meint ja.

Natur sei überall auf der Welt zu finden

–auch in Berlin. „Die Menschen

sollten sich einfach öfter wieder unter

einen Baum setzen und spüren,

dass sie Teil der Natur sind.“

Mitder Großstadt hat Gesa Neitzel

trotzdem ihren Frieden geschlossen.

Nachdem sie ihr erstes Buch fertig

hatte,habe sie wieder einmal am Nationaldenkmal

imViktoriaparkgesessen.

Plötzlich habe sich alles nicht

mehr bedrückend angefühlt. Je nachdem,

wie sehr sie in Projekte eingespannt

ist, sei sie mittlerweile etwa

die Hälfte des Jahres in Afrika unterwegs,die

andereinDeutschland. Hier

pendelt sie zwischen ihrer Familie in

Hildesheim und ihrer Schwester und

Freunden in Berlin. 2020 planen sie

und ihr Partner nach Botswana auszuwandern.

Dort will sich Neitzel

noch mehr dem Schreiben und dem

Umweltschutz widmen.

NACHRICHTEN

Rot-Schwarz-Grün will

Regionen stärken

Beiihren Koalitionsverhandlungen

in Brandenburghat sich Rot-

Schwarz-Grün auf eine Stärkung der

Regionen verständigt. „Wir wollen in

Zukunft Regionalkoordinatoren einsetzen“,

sagte Ministerpräsident

Dietmar Woidke (SPD) am Montag

abendin Potsdam nach der ersten

Runde inhaltlicher Gespräche von

SPD,CDU und Grünen für ein gemeinsames

Bündnis in Potsdam. Sie

sollten die fünf regionalen Planungsgemeinschaften

mit der Landespolitik

verbinden. Derzeit gibt es fünf

dieser Gemeinschaften: Havelland-

Fläming. Lausitz-Spreewald, Oderland-Spree,Prignitz-Oberhavel,

Uckermark-Barnim. DieEntwicklung

in den vonPotsdam fernen Regionen

solle damit deutlich in den

Fokus genommen werden, hieß es.

(dpa)

Dietmar Woidke(SPD) will Regierungschef

in Brandenburg bleiben. DPA/SKOLIMOWSKA

30 Jahre Wiedervereinigung

wird in Potsdam gefeiert

Knapp ein Jahr vordem Jubiläum bereitet

die Landesregierung die Feierlichkeiten

zum 30. Jahrestag der

deutschen Wiedervereinigung vor.

Da Brandenburgindiesem November

die Präsidentschaft im Bundesratübernimmt,

wirdder Tagder

Deutschen Einheit unter dem Motto

„Wir miteinander“ am ersten Oktoberwochenende

2020 in Potsdam

gefeiert. Dann sollen sich unter anderem

die Bundesländer und die

polnischen Partnerregionen Brandenburgs

auf einer Festmeile in der

Innenstadt präsentieren. DerStaatssekretär

für Bundesangelegenheiten

und Landesmarketing sagte am

Montag, als das zuständige Organisationsbüroinder

Staatskanzlei eröffnet

wurde,dass wohl allein das

zweitägige Bürgerfest drei Millionen

Euro kosten werde. Dafür werden

den Angaben zufolge noch Sponsorengesucht.

(dpa)

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Wissenschaft

Wenn die Sauerstoffmessung in den Zellen gestörtist, wirkt sich das auch auf die Produktion roter Blutkörperchen aus. Eine sogenannte Anämie –Blutarmut –kann die Folge sein.

GETTY IMAGES/SEBASTIAN KAULITZKI

Ein Sensor für Sauerstoff

Der Medizin-Nobelpreis geht an drei Forscher.Sie haben entdeckt, wie Zellen auf Sauerstoffmangel reagieren. Das ist auch wichtig für neue Therapien gegen Krebs

VonAnkeBrodmerkel

Peter Ratcliffe: Der Brite,

1954 in Lancashire geboren,

studierte Medizin undspezialisierte

sich in Nephrologe.

Seit 1996 ist er Professor an

der University of Oxford. Er

entdeckte das Enzymsystem,

das in allenZellen des

menschlichen Körpers die

Versorgung mitSauerstoff

misstund steuert.

Jeder Mensch und jedes Tier benötigt

Sauerstoff. Keine einzige

Zelle des Körpers funktioniert

ohne ihn. Er wird gebraucht,

um Energie bereitzustellen, sei es in

Form von Wärme oder Bewegung,

oder um neues Gewebe zu bilden,

zum Beispiel nach einer Verletzung

oder wenn der Organismus sich noch

entwickelt und wächst.

Wie die Zellen die Menge des verfügbaren

Sauerstoffs messen und ihre

Aktivitäten daran anpassen, war

lange Zeit unbekannt. Für die Lösung

dieses Rätsels ist drei Zellforschern

jetzt der diesjährige Medizin-Nobelpreis

zugesprochen worden. Die mit

neun Millionen schwedischen Kronen

(rund 830 000 Euro)dotierte Auszeichnung

geht in gleichen Teilen an

den Briten SirPeter Ratcliffe sowie an

die beiden US-Amerikaner William

Kaelin und Gregg Semenza. Das gab

das Nobelkomitee am Montag bekannt.

Am 10. Dezember,dem Todestag

von Alfred Nobel, dürfen die drei

Wissenschaftler ihre Preise in Stockholm

entgegennehmen.

Die Forscher hätten mit der Entdeckung

des Sauerstoffsensors die

Basis geschaffen, um zu verstehen,

wie Sauerstoff den Zellstoffwechsel

und physiologische Funktionen des

Körpers beeinflusse, heißt es in der

Begründung des Komitees. Ihre Arbeiten

hätten den Weg geebnet für

vielversprechende, neue Strategien

im Kampf gegen Blutarmut, Krebs

und andere Krankheiten. Für die

meisten Kollegen kommt die Ehrung

nicht ganz unerwartet. „Es sind drei

wirklich berühmte Forscher, die die

Funktion einer ganz komplizierten

molekularen Maschinerie aufgedeckt

haben“, sagt Gary Lewin, der am Berliner

Max-Delbrück-Centrum für

MolekulareMedizin (MDC) unter anderem

das Thema Hypoxie,also Sauerstoffmangel

im Körper oder einzelnen

Organen, erforscht. Es handele

sich um einen sehr grundlegenden

Mechanismus,den jede Zelle und jeder

Organismus nutze, um die Sauerstoffkonzentration

in der Umgebung

zu messen und darauf zu reagieren.

Auch Lewins Kollegin Christiane

Nolte vom MDC zeigte sich erfreut,

insbesondereüber die Auszeichnung

von Gregg Semenza. Mit ihm und

Detlev Ganten, dem Gründungsdirektor

des MDC und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden

der Berliner

Charité, habe sie viele Jahre lang zusammengearbeitet,

als gemeinsame

Herausgeber des Fachblatts Journal

of Molecular Medicine, sagt Nolte.

UndGanten habe schon damals prophezeit,

das Semenza eines Tages mal

den Nobelpreis bekommen werde.

DIE PREISTRÄGER

Gregg Semenza: Der USamerikanische

Pädiater,

1956 in NewYork geboren,

ist Professor an der Johns

Hopkins University in Baltimore.

Semenza konnte zeigen,

dass sich Zellen mithilfe

des Hypoxie-induzierten Faktors

(HIF) an wechselnde

Qualitäten der Sauerstoffversorgung

anpassen können.

William Kaelin: DerOnkologevon

der Harvard Medical

School in Boston wurde

1957 in NewYorkgeboren. Er

warArztund arbeitet seit

1992 als eigenständiger Forscher.Eruntersuchte

eine

Krebserkrankung,die auf einem

fehlerhaftenProtein beruht,dessen

Aktivitätabhängig

istvom Sauerstoffgehalt.

Sauerstoffmangel kann durch

viele Faktoren hervorgerufen werden.

Zum Beispiel tritt er in großer

Höhe oder bei körperlicher Anstrengung

auf. Auch bei diversen Krankheiten

fehlt den Zellen das lebensnotwendige

Gas, etwa bei einem

Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder

Krebs. Überleben kann der Organismus

nur, wenn er auf die Hypoxie

reagiert. Schon vor den bedeutsamen

Arbeiten der drei frisch gekürten

Nobelpreisträger war beispielsweise

bekannt, dass bei Sauerstoffmangel

in der Nierevermehrte Mengen

des Hormons Erythropoietin,

kurz EPO, hergestellt werden. Dadurch

kommt es zu einer gesteigerten

Produktion roter Blutkörperchen,

die den Körper mit Sauerstoff

versorgen.

DPA; AFP; AP

Über den Blutkreislauf wird

Sauerstoff zu den Zellen

befördert.

schematische Darstellung

Niere

Sauerstoff –

lebenswichtig für Zellen

Sauerstoff wird benötigt, um

Nährstoffe im Inneren vonZellen

in Energie umzuwandeln.

Diese Stoffwechselvorgänge nennt

man „innere Atmung“.

Gregg Semenza und Peter Ratcliffe

hatten als erste Wissenschaftler untersucht,

unter welchen Sauerstoffkonditionen

das Gen für EPO aktiv

wird. Undsie entdeckten unabhängig

voneinander, dass der dafür nötige

Sauerstoffsensor nicht nur in der

Niere, sondern inallen Geweben des

Körpers vorkommt – er deswegen

eine noch viel wichtigere Bedeutung

habenmuss als bis dahin vermutet. In

isolierten Leberzellen stieß Semenza

in den 90er-Jahren auf ein Kernelement

des Sensors: Er entdeckte einen

Proteinkomplex, der die Aktivität des

EPO-Gens je nach Sauerstoffgehalt

der Umgebung erhöhte oder verringerte,und

nannte ihn Hypoxie-induzierten

Faktor (HIF).

Wieman inzwischen aufgrund der

Arbeiten der drei Nobelpreisträger

Eine mögliche Reaktion des Körpers

auf Sauerstoffmangel: Niere wird

angeregt, das Hormon EPO

auszuschütten.

Knochenmark

Je mehr rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind,

desto mehr Sauerstoff kann aufgenommen werden.

EPO

EPO stimuliert

die Produktion

der roten

Blutkörperchen

im Knochenmark.

BLZ/GALANTY; QUELLE: NOBELPREIS-KOMITEE, DPA

weiß, ist eine Untereinheit von HIF,

das HIF-1, immer dann vermehrt in

Zellen vorhanden, wenn der Sauerstoffgehalt

niedrig ist. Das Molekül

heftet sich dann an das Gen für EPO

und an etwa 300 weitereErbanlagen,

mit denen der Körper auf Sauerstoffmangel

reagiert, und erhöht so deren

Aktivität. Steigt der Sauerstoffgehalt

wieder, wird HIF-1 in der Zelle rasch

abgebaut. Vermittelt wird dieser Prozess

voneinem Protein namens VHL,

das William Kaelin bei Krebspatienten

entdeckte und im Anschluss weiter

erforschte.Mutationen im Gen für

VHL, also Fehler in der Bauanleitung

für das Protein, sind an der Entstehung

mehrerer Krebserkrankungen

beteiligt.

Dank der bahnbrechenden Forschung

der drei Nobelpreisträger

könnten Pharmaunternehmen heute

neue Medikamente gegen Anämie,

also Blutarmut, und verschiedene

Krebsarten entwickeln, heißt es auch

beim Verband forschender Arzneimittelhersteller

(VfA). Einige dieser

Medikamente würden bereits in klinischen

Untersuchungen erprobt.

Sogenannte HIF-Prolylhydroxylase-

Inhibitoren (HIF-PHIs) kommen derzeit

in großen Patientenstudien zum

Einsatz, bei denen die Probanden

aufgrund einer Nierenerkrankung an

Anämie leiden. In Japanund China ist

eines dieser Medikamente sogar

schon zugelassen. Darüber hinaus

wird momentan getestet, ob sich die

Wirkstoffe auch eignen, um entzündliche

Darmerkrankungen zu behandeln.

Mit einer anderen Klasse von Medikamenten,

derenWirkungauf einer

Modulation des HIF-Komplexes beruht,

den HIF-2-Antagonisten, versuchen

Forscher derzeit, die Behandlung

unter anderem vonNierenkrebs

und Hirntumoren zu verbessern.

Auch diese Substanzen werden bereits

an Patienten erprobt; allerdings

ist ihreErforschung auf dem Wegzur

Zulassung noch nicht ganz so weit

vorangeschritten wie bei den Mitteln

gegen Blutarmut.

Auch wenn er kein Krebsforscher

sei, sagt Gary Lewin vomMDC, sei er

sich dennoch sicher,dass es sich bei

dem HIF-Komplex um eine gut geeignete

Zielstruktur handele, um

neue Therapien gegen Krebs zu finden.

Das sieht das Nobelkomitee

ähnlich: Indem man Wirkstoffe entwickle,mit

deren Hilfe die Menge an

HIF in den Krebszellen reduziert

werde, könne man die Versorgung

des Tumors mit Sauerstoff unterbinden,

hieß es auf der Pressekonferenz

in Stockholm. Auf diese Weise lasse

sich das unkontrollierteWachsen der

entarteten Zellen womöglich stoppen.

Faszinierende Chronik der Entdeckungen

Seit 1901 wurden 219 Wissenschaftler mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Unter den bisher Geehrten befinden sich zwölf Frauen

VonTorsten Harmsen

Der Medizin-Nobelpreis wirdseit

1901 verliehen. Alfred Nobel

hatte in seinem Testament 1895 verfügt,

dass derjenige geehrt werden

sollte, „der die wichtigste Entdeckung

in der Domäne der Physiologie

oder Medizin gemacht hat“. Eine

„Diejenige“ war gar nicht vorgesehen.

Zu Nobels Zeiten gab es kaum

Frauen in der Wissenschaft. Undbis

heute – die am Montag Geehrten

eingeschlossen –gibt es unter den

insgesamt 219 Medizin-Nobelpreisträgernnur

zwölf Wissenschaftlerinnen.

Mehr als 94 Prozent sind Männer.

Die Ausgezeichneten der frühen

Jahre hatten auf den ersten Blick

Bahnbrechendes geleistet. Zum Beispiel

der deutsche Bakteriologe Emil

von Behring (1901), der eine Serumtherapie

gegen Diphtherie und Tetanus

entwickelt hatte, sprich: eine

Schutzimpfung, die Menschen reihenweise

rettete. Diphterie wurde

damals der „Würgeengel der Kinder“

genannt. Es folgten Ehrungen für

grundlegende Arbeiten über Malaria,

Lichttherapie gegen Hauttuberkulose

(Lupus vulgaris), die Physio-

logie der Verdauung. 1905 erhielt RobertKoch

den Preisfür die Beschreibung

des Tuberkulose-Erregers.

Befasst man sich mit den Leistungen

der Nobelpreisträger, dann hat

man eine Chronik der Medizin-Geschichte

der vergangenen 140 Jahre

vorsich. Mansieht, dass die Leistungen

sehr oft die von Teams sind –

oder mehrerer unabhängig voneinander

arbeitender Forscher. 1906

gab es die erste Auszeichnung für

zwei Wissenschaftler –Camillo Golgi

und Santiago RamónyCajal. Gewürdigt

wurden ihre Arbeiten über die

Struktur desNervensystems.

Auch seit der Jahrtausendwende

waren es meist zwei oder drei Ausgezeichnete

in jedem Jahr.Sechs Frauen

und zwei Deutsche gehörten dazu,

nämlich: Harald zur Hausen (2008)

für seine Entdeckung der Auslösung

vonGebärmutterhalskrebs durch humane

Papillomviren und Thomas

Südhof (2013) für die Entdeckung wesentlicher

Transportmechanismen in

Zellen. Von44Nobelpreisträgern der

Jahre2001 bis 2018 stammt die Hälfte

aus den Vereinigten Staaten. Diese

liegen auch auf dem ersten Platz der

Gesamtbilanz, gefolgt von Großbritannien

und Deutschland.

Der Wettstreit der Nationen entspricht

immer weniger der Wirklichkeit

der Forschung, die heute auf den

meisten Gebieten international

stattfindet. Dennoch stehen auch in

den vergangenen Jahren herausragende

Einzelleistungen im Mittelpunkt,

die nicht selten Jahrzehnte

zurückliegen. Meist werden Grundlagenarbeiten

gewürdigt, auf denen

andereaufbauten.

Hier dieBeispiele aus den letzten

Jahren: 2014 wurden May-Britt und

Edvard Moser sowie John O’Keefe

dafür geehrt, dass sie im Gehirn

grundlegende Strukturen desOrientierungssinns

fanden. 2015 folgten

Youyou Tu, die den Malaria-Wirkstoff

Artemisinin entdeckt hatte, sowieWilliam

C. Campbell undSatoshi

Omura, die an der Bekämpfung weiterer

Parasiten arbeiteten. 2016

wurdeYoshinoriOhsumi gewürdigt –

für die Entschlüsselung des lebenswichtigen

Recycling-Systems in Körperzellen.

2017 folgten Jeffrey Hall,

Michael Rosbash und MichaelYoung

für die Erforschung der Inneren Uhr.

2018 ehrten die Nobel-Juroren James

Allison und Tasuku Honjo für die

Entwicklung von Immuntherapien

gegen Krebs.


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 17 *

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Sport

Mit

Herz und

Charakter

Alba legt einen Traumstart

in die neue Saison hin

Nach dem Traumstart indie Saison

herrschte bei Alba Berlin

vollste Zufriedenheit. „Das war ein

sehr guter Auftakt, den man so nicht

erwarten konnte“, sagte Manager

Marco Baldi nach dem 78:74-Erfolg

am Sonntag in der Bundesliga beim

ehemaligen Serienmeister Brose

Bamberg. Für die Hauptstädter war

es im vierten Pflichtspiel der vierte

Sieg.

Mit einem wahren Kraftakt erkämpfte

sich der Vizemeister in der

Schlussphase den ersten Auswärtserfolg

der Spielzeit. „Ich bin so stolz

auf uns,wie wir in der zweiten Halbzeit

zurückgekommen sind. Wir haben

Charakter und viel Kämpferherz

gezeigt“, sagte Guard Martin Hermannsson.

Besonders der Isländer

war es, der Alba zum Sieg führte. 17

Punkte und vier Assists gelangen

ihm. „Erhat das sehr gut kontrolliert.

Und auf ihm lastete viel Druck“,

sagte Baldi. Denn weiterhin fehlte

den Berlinern imverletzten Peyton

Siva der etatmäßige Aufbauspieler.

Am Freitag gegen Istanbul

DerAuftakt mit vier Duellen in neun

Tagen hat Alba gleich einen Vorgeschmack

auf die lange Saison gegeben.

„Wir sind ja erst am Anfang.

Und genau so müssen wir das auch

angehen“, sagte Baldi. Dasheißt, immer

mit voller Intensität spielen.

„Die hat aber in der ersten Halbzeit

gefehlt“, merkte Trainer Aíto García

Reneses an.

Am Montag hat das Team frei. Bis

zum nächsten Spiel am Freitagabend

in der Euroleague gegen Anadolu

Efes aus Istanbul bleibt nun etwas

Zeit. „Das ist fast wie Urlaub“,

sagte der Manager. Diese Tage will

Alba intensiv nutzen. „Aber bestimmt

nicht nur zum Regenerieren,

sondern auch um Dinge zu trainieren“,

sagte Baldi. (dpa)

Aus Mangel

an

Intensität

Die Füchse hadern mit ihrer

Leistung gegen Flensburg

B

ei den Füchsen Berlin machte

sich nach der 23:27-Pleite in der

Handball-Bundesliga bei Meister

Flensburggroße Ernüchterung breit.

„Flensburg war dieses Mal eine

Nummer zu groß für uns“, sagte Manager

Bob Hanning am Sonntag.

Und Nationalspieler Paul Drux ergänzte:

„Man kann in Flensburgverlieren,

aber wir sind schon enttäuscht,

denn wir hatten uns hier

schon mehr ausgerechnet.“

Fünf Tage nach dem starken Pokalauftritt

gegen Magdeburgkonnten

die Füchse nicht an diese Leistung

anknüpfen. „Wir haben es nicht geschafft,

die Aggressivität mitzunehmen.

Undohne die hat man in Flensburg

keine Chance“, sagte Hanning.

Den Berlinern fehlte die letzte Intensität.

„Wir hatten eine deutliche Abschlussschwäche

und haben zu viele

Fehler gemacht“, sagte Drux.

Immerhin verhinderten die

Füchse in der Schlussphase ein mögliches

Debakel und gestalteten das

Ergebnis noch erträglich. „Wir wollten

am Ende das Gesicht wahren.

Zumindest das ist uns gelungen“,

sagte Drux. Dieses kleine Positiv-Erlebnis

wollen die Füchse in das

nächste Heimspiel am Sonntag

(16.00 Uhr) gegen den Bergischen

HC mitnehmen. „Darauf muss der

Fokus liegen. Denn wenn wir da verlieren,

können wir uns jetzt schon

von unseren Träumen verabschieden“,

sagte Hanning. (dpa)

Hinten ein Ball zu viel drin, vorne einer zu wenig: Unions Trainer UrsFischer weiß, dass zum Siegen auch Tore und mehr Konsequenz im Abschluss gehören.

Unliebsame Wiederholungen

Beim 1. FC Union ist man genervt davon, immer nur Lob, aber keine Punkte zu bekommen

VonMathias Bunkus

Wiederholungen gefallen nicht.

Das wusste schon der alte römische

Dichter Horaz. Zumindest,

wenn es gilt, unliebsame Geschehnisse

zu verarbeiten. Ein bisschen

Horazgibt es auch derzeit bei UrsFischer,

der den Ausflug nach Wolfsburg

soeinordnete wie schon manchen

Auftritt seiner Schützlinge in

den Wochen zuvor. „Wir haben viel

aufgewendet, es war für mich ein

ausgeglichenes Spiel. Den einzigen

Vorwurf, den ich der Mannschaft

machen kann: Die letzte Konsequenz

vor dem Torhat gefehlt“, bekannte

der 53-Jährige nach der 0:1-

Niederlage in der Autobauerstadt.

Einwenig erinnerndiese Ausführungen

an die gute, alte Schallplatte

mit Sprung. Gute Ansätze, leidenschaftliches

Engagement, null Ertrag.

Jetzt bereits zum vierten Mal in

Serie, was das Abrutschen auf Rang

16 zur Folge hatte.

Beklagenswerte Normalität soweit.

Nicht umsonst tummeln sich

die drei Aufsteiger auf den letzten

drei Plätzen. Doch Unruhe herrscht

deswegen nicht in Köpenick. Der

Auftritt bei den Niedersachsen war ja

Einladung: Christopher Trimmel vom1.FC

Union ist erstmals seit neuneinhalb Jahren

wieder zum österreichischen Nationalteam

eingeladen worden. Teamchef Franco Foda

reagierte mit der Nachnominierung des 32-

Jährigen auf zahlreiche Ausfälle vorden EM-

Qualifikationsspielen am Donnerstag gegen

Israel und am Sonntag gegenSlowenien.

kein Offenbarungseid. Die Eisernen

boten einmal mehr eine recht passable

Vorstellung. Die nackten Zahlen

weisen auch kaum Unterschiede

aus. 4:5 Ecken, die Laufleistung war

nahezu gleich −mit einem hauchzarten

Vorsprung für Union. Was

auch bei den Torschüssen (14:13) so

war. 49:51 Prozent Ballbesitz sind

auch eher Remis-Niveau.

Doch Fußball ist brutal, weil es

ums Ergebnis geht. Diemaßgebliche

Zahl des Tages wies die Wölfe als Sieger

aus, weil Wout Weghorst einen

lichten Moment hatte und Fischer

TRIMMEL FÜR ÖSTERREICH

Einwechslung: Trimmel ersetzt den Mönchengladbacher

Stefan Lainer,der am Sonntag

beim 5:1 gegenden FCAugsburg eineAußenbandverletzung

im linken Sprunggelenk

erlitten hatte. Trimmel hatte seinen bislang

letzten Einsatz in der Nationalmannschaft am

3. März 2010 als Einwechsler in der Partie

gegenDänemark (2:1).

keinen Josip Brekalo als Vorlagengeber

von der Bank zaubern konnte

wie sein Gegenüber Oliver Glasner.

„Es war ein etwas glücklicher Sieg

für Wolfsburg. Wir haben heute ein

sehr gutes Spiel gemacht. Warenvon

der ersten Sekunde an ebenbürtig.

Es war ein ausgeglichenes Spiel.

Umso enttäuschender, dass einmal

mehr nichts rausgeschaut hat“, urteilte

der Schweizer Fußballlehrer.

Christian Gentner hingegen nervt

dieses immer mittenmang, aber nie

ganz wirklich dabei sein bei der Musik

gehörig.„Damüssen wir gar nicht

so viel sprechen. Es ist ein Stück, was

fehlt. Wir treffen nicht immer die

richtige Entscheidung, so wie sie die

Gegner dann irgendwann im Spiel

beim Tormachen. Vielleicht ist das

dann auch eine Qualitätsfrage“,

sagte der 34-Jährige, der es leid ist,

sich Woche für Woche viel Lob, aber

wenig Zählbares abzuholen.

Einbisschen Wutschwingt da natürlich

mit. Wut, die in Energie umgewandelt

werden muss, damit

Gentner nicht den dritten Abstieg

seiner Karriere erleidet. Nur da es

keine Option ist, die Flinte jetzt

schon hinzuwerfen –sind ja noch 27

Runden zu spielen –sucht der Routinier

natürlich nach dem Aufbauenden.

„Wolfsburg ist nach diesem

Spieltag Tabellenzweiter. Aber es

fühlte sich nicht an, als wäredaeine

Riesenlücke. Das ist das, was mich

nach wie vorpositiv stimmt“, meinte

er.Ähnlicher Tenor,nur mit trotzigerem

Unterton dann bei Kollege Keven

Schlotterbeck. „Wir lernen, werden

weitermachen, damit wir in zwei

Wochen gewinnen“, so die Ansage

des Innenverteidigers. Das wäre ein

Anfang. Undübrigens im Wiederholungsfalle

doch etwas, was gefallen

könnte.

„Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir“

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo ist überzeugt, dass sie ihr Leistungsvermögen noch nicht ausgeschöpft hat

Die Olympischen Spiele 2020 in

Tokio und den deutschen Rekord

von Heike Drechsler hat sie im

Blick, aber jetzt erst mal ging es für

Malaika Mihambo ab in den Urlaub

nach Thailand. Am Montag flog die

neue Weltmeisterin im Weitsprung

direkt vonDoha Richtung Bangkok –

ohne ihre Goldmedaille. „Ich habe

nur vier Wochen frei, und die will ich

einfach voll auskosten“, sagte die 25-

Jährige. „Ich nehme mir einfach die

Zeit, um zu reisen und alles zu verarbeiten.“

Keine zwölf Stunden nach ihrem

7,30-Meter-Satz im Khalifa-Stadion

und ihrem ersten WM-Triumph

schaltete die „superglückliche“ Mihambo

in den Urlaubsmodus.„Einfach

die Saison Revue passieren zu

lassen. Mal rauskommen aus dem

ganzen Alltagstrott!“, sagte die Athletin

von der LG Kurpfalz mit einem

entspannten Lächeln.

Die Goldplakette mit der eingravierten

Skyline von Doha und ihrem

Namen übergab sie ihrer Mutter.

„Nee, die nehme ich nicht mit. Ich

will die nicht verlieren“, erklärte Mihambo

am Sonntagabend. Auch ihre

Ab in den Urlaub: Malaika Mihambo.

WM-Tasche braucht sie nicht für

ihre Auszeit. „Sie ist so groß, da hat

mein Reiserucksack auch noch reingepasst.

Vondaher kann ich einfach

die Tasche abgeben und den Rucksack

aufsetzen. Unddann geht's los!“

Rekordaus dem Jahr 1988

Wohin die sportliche Reise führt? Als

Welt- und Europameisterin startet

Mihambo 2020 ins Olympia-Jahr.

AFP/ABUMUNES

Und die Sportlerin aus Oftersheim

bei Heidelberg weiß natürlich um

die gestiegenen Erwartungen nach

dem achtbesten Sprung der Leichtathletik-Geschichte.

Nach einer

Punktewertung des Weltverbandes

(IAAF) war Mihambos Leistung sogar

die beste einer WM-Teilnehmerin,

da sie noch Sätze über 7,09 und

7,16 Meter hingelegt hatte. „Wenn

man davon ausgeht, dass ich gesund

OTTMAR WINTER

bleibe, noch ein bisschen an Kraft

und Schnelligkeit zulegen kann,

dann, ja dann kann ich mich nur

freuen, wenn ich nächstes Jahr noch

mal in so einer Form beim größten

Wettkampf dastehe“, sagte sie.

Nur noch Heike Drechslers 7,48

Meter stehen in der deutschen Bestenliste

vor Mihambos 7,30 Meter.

Der Rekord stammt aus DDR-Zeiten

von 1988, aufgestellt in Neubrandenburg.

„Das ist offiziell anerkannt,

von daher gibt’s da nichts dran auszusetzen,

von meiner Seite jedenfalls“,

sagte Mihambo. „Und klar ist

das ein Ziel, was man dann auch mal

im Kopf haben kann.“ Die7,30 Meter

springe sie aber nicht jeden Tag.

„Deshalb muss ich schauen, ob ich

da jemals rankomme.“ Sie sei aber

zuversichtlich –und schließlich erst

25: „Von daher habe ich noch ein

paar gute Jahrevor mir.“

Heike Drechsler war bei ihrem

Rekordsprung gerade mal 24 Jahre

alt. Diezweifache Weltmeisterin und

Olympiasiegerin schwärmte: „Sie

war so überzeugend und die Beste in

diesem Jahr. Mental so stark. Ich

feieremit ihr!“ (dpa)

NACHRICHTEN

35 Strafbefehle gegen Fans

von Dynamo Dresden

FUSSBALL. Mehr als zwei Jahrenach

dem unrühmlichen Army-Fanmarsch

vonAnhängerndes Zweitligisten

Dynamo Dresden in Karlsruhe

sind die Ermittlungen abgeschlossen.

DieStaatsanwaltschaft

Karlsruhe hat den Erlass von35

Strafbefehlen beantragt. Dabei geht

es in sieben Fällen um zur Bewährung

ausgesetzte Freiheitsstrafen, in

den übrigen Fällen um Geldstrafen.

Zwölf Verfahren wurden eingestellt.

Am 14. Mai2017 waren etwa 2300

Dresden-Anhänger in Kleidung mit

Militär-Optik vordem Zweitligaspiel

gegen den Karlsruher SC durch die

Stadt marschiert. Dieerste Reihe des

Zuges trug ein Banner mit der Aufschrift

„Krieg dem DFB“. Während

des Marsches waren Polizisten mit

Pyrotechnik beworfen sowie beschossen

und verletzt worden.

Auch die deutschen Männer

buchen das Olympia-Ticket

TURNEN. Diedeutschen Männer

haben sich für die Olympischen

Spiele 2020 qualifiziert. Im Team-

Wettkampf der WM in Stuttgartlandete

das Quintett auf dem notwendigen

zwölften Rang und machte damit

die Teilnahme in Tokio wie zuvor

auch die deutschen Frauen perfekt.

Im Mehrkampf erreichte der deutsche

Meister Andreas Toba aus Hannoverdie

Medaillenentscheidung.

DerUnterhachinger Lukas Dauser

steht im Endkampf am Barren, am

Ringe-Finale darfNick Klessing aus

Halle teilnehmen.

ZAHLEN

Fußball

2. Bundesliga, 9. Spieltag

VfB Stuttgart−SVWehen 1:2

Darmstadt 98 −Karlsruher SC 1:1

Hamburger SV −Gr. Fürth 2:0

Dyn. Dresden −Hannover96 0:2

Sandhausen −Erzg.Aue 2:2

Nürnberg −FCSt. Pauli 1:1

Heidenheim −VfL Bochum 2:3

Kiel −Regensburg 1:2

VfL Osnabrück−Arm.Bielefeld 0:1

1Hamburger SV 9 21: 7 20

2VfB Stuttgart 9 15: 9 20

3 Arm. Bielefeld 9 20: 11 18

4 Erzg.Aue 9 14: 13 15

5 FC St. Pauli 9 14: 12 13

6 Nürnberg 9 15: 14 13

7 Heidenheim 9 15: 13 12

8 Sandhausen 9 10: 10 12

9 Karlsruher SC 9 13: 15 12

10 Regensburg 9 17: 14 11

11 Hannover96 9 10: 14 11

12 Gr.Fürth 9 9: 14 11

13 VfL Osnabrück 9 10: 9 10

14 Dyn. Dresden 9 12: 18 9

15 VfL Bochum 9 16: 19 8

16 Kiel 9 10: 14 8

17 Darmstadt 98 9 9: 13 8

18 SV Wehen 9 13: 24 7

Tennis

ATP-Turnier in Schanghai

1. Runde: Gael Monfils (Frankreich/9) -Lorenzo

Sonego(Italien) 7:5, 6:7 (1:7), 6:3; Fabio Fognini

(Italien/10) -Sam Querrey(USA) 6:4, 6:2; Vasek

Pospisil (Kanada) -DiegoSebastian Schwartzman

(Argentinien/14) 7:6 (7:2), 6:2; Denis Shapovalov(Kanada)

-Frances Tiafoe (USA) 6:4, 6:2; Cameron

Norrie (Großbritannien) -Gilles Simon

(Frankreich) 7:5, 6:2; AlbertRamos (Spanien) -

Marin Cilic (Kroatien) 6:4, 6:4; Benoit Paire

(Frankreich) -Marco Cecchinato (Italien) 6:2, 7:5;

Cristian Garin (Chile) -Pablo Cuevas(Uruguay)

6:1, 6:4; Jeremy Chardy(Frankreich) -Kyle Edmund

(Großbritannien) 6:4, 7:6 (7:3); AndyMurray(Großbritannien)

-Juan Ignacio Londero (Argentinien)

2:6, 6:2, 6:3

WTA-Turnier in Tianjin

1. Runde: Caroline Garcia (Frankreich/Nr.4)-

Anastassija Potapowa (Russland) 2:6, 6:2, 6:2,

Julia Putinzewa (Kasachstan/Nr.6)-Astra

Sharma (Australien) 6:1, 1:6, 7:5, Samantha Stosur

(Australien) -Yang Zhaoxuan (China) 7:5, 2:6,

6:2, Heather Watson (Großbritannien) -Kateryna

Bondarenko(Ukraine) 6:4, 7:6 (7:3), Rebecca Peterson

(Schweden) -Venus Williams (USA) 6:3,

4:6, 6:3, Wang Yafan (China) -Lauren Davis (USA)

6:0, 6:4


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 – S eite 18 *

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Sport

Der Bundestrainer lässt natürlich fahren: Joachim Löw bei der Ankunft im Teamhotel der deutschen Nationalmannschaft.

AFP/FASSBENDER

Die Grenzen des Klassikers

Ausgerechnet im Prestigeduell gegen Argentinien sieht sich Bundestrainer Joachim Löw aufgrund der vielen Ausfälle und Absagen zur Improvisation gezwungen

VonFrank Hellmann, Dortmund

Natürlich ist den Erinnerungsstücken

an die Heldentaten

der deutschen

Nationalmannschaft im

Fußballmuseum von Dortmund ein

besonderer Platz gewidmet. Speziell

beleuchtet, multimedial inszeniert.

So liegt der Schuh, mit dem Mario

Götze inder 113. Minute im WM-Finale

2014 gegen Argentinien den

Siegtreffer für Deutschland erzielte,

nicht nur dreckverklumpt hinter Glas.

Sondernaus dem Hintergrund ertönt

mitunter der Originalkommentar

von ARD-Mann TomBartels: „Mach

iiiiiiihhhhn.“ Götze spielt allerdings

keine Rolle, wenn die DFB-Auswahl

in Dortmund nun mal wieder gegen

Argentinien (Mittwoch, 20.45 Uhr/

RTL) antritt. So lang kann die Ausfallliste

gar nicht werden, dass sich Bundestrainer

Joachim Löw noch einmal

an den Siegtorschützen vonRio erinnert,

denn der 27-Jährige bestreitet ja

nicht einmal mehr bei Borussia Dortmund

die wichtigen Spiele. Und ob

die Westfalen ihn über die Saison behalten,

ist ebenso fraglich.

Und auch für dessen Mannschaftskameraden

Mats Hummels

bleibt die Tür zur Nationalmannschaft

definitiv zu. „An ihn habe ich

nicht gedacht. Ich habe vor einigen

Wochen gesagt, dass wir erst mal unseren

Wegmit den jungen Spielern

gehen. Es gibt jetzt keine Veranlassung,

den Mats zu nominieren“,

sagte Löw nach der Ankunft am Hotel

l’Arrivee im Dortmunder Süden.

Wenn der 59-Jährige am heutigen

Dienstag im Fußballmuseum über

seine Alternativen spricht, werden

andere Namen behandelt. Wie die

nachnominierten Neulinge Suat Serdar

und Nadiem Amiri. Diesen Sommer

U21-Vize-Europameister. AndereSpielertypen

als Götze.

Und doch hatte Löw mit ihnen

noch nicht für ein Prestigeduell geplant,

das in seiner persönlichen

Prioritätenliste für die Gestaltung

des Umbruchs weit oben angesiedelt

war. Der stets reizvolle Vergleich gegen

die Argentinier, bei der WM in

Russland übrigens im Achtelfinale

vom späteren Weltmeister Frankreich

an selber Stelle in der Tartarenstadt

Kasan eliminiert, wo auch

Reisen: Bayern München

muss Lucas Hernández trotz

einerVerletzung nun doch zur

französischen Nationalmannschaft

reisen lassen.

Der Weltmeister soll in Paris

vomÄrzteteam der Equipe

Tricolore an seinem verletzten

Knie untersucht werden,

teilte der deutsche Rekordmeister

mit.

Löws Ensemble im letzten Vorrundenspiel

gegen Südkorea Schiffbruch

erlitt, ist eines der ganz wenigen

Freundschaftsspiele,die der Terminkalender

noch zulässt.

„Einspielen hat bei der jungen

Mannschaft Priorität!“ Diesen Satz

formulierte der Südbadener am

10. September nach dem 2:0-Pflichtsieg

gegen Nordirland in Belfast mit

BAYERN KONTRA FRANKREICH

Anweisen: „Ich bin irritiert

über das Verhalten des französischen

Verbandes“, sagte

Bayern-Vorstandschef Karl-

Heinz Rummenigge. Der FC

Bayern hatte dem französischen

Verband nach dem

1:2 gegendie TSG Hoffenheim

mitgeteilt, dass

Hernández aufgrund der

Blessur bleiben müsse.

Hinweisen: Obwohl die Fifa-

Statuten das Vorgehen der

Franzosen ermöglichen, ist

der FC Bayern verärgert. „Ich

möchte darauf hinweisen“,

sagte Rummenigge, „dass

Hernández aufgrund seiner

Verletzung weder gegenTottenham

noch gegenHoffenheim

im Kader stehen

konnte.“

einem solchen Nachdruck, um deutlich

zu machen, dass er einen Monat

später keine Experimente machen

wolle. Doch auf einmal ist Improvisation

gefragt. Leroy Sané, Antonio

Rüdiger, Leon Goretzka, Nico

Schultz, Julian Draxler und Thilo

Kehrer sowie Torwart Kevin Trapp

waren wegen teils langwieriger Verletzungen

gar nicht berufen worden,

doch dann trudelte eine Absage

nach der anderen ein.

Am Sonntag sagten Toni Kroos

und Jonas Hector wegen muskulärer

Probleme ab, Timo Werner klagt seit

Montag über einen grippalen Infekt,

Ilkay Gündogan hat sich eine Muskelverletzung

zugezogen und Matthias

Ginter hat eine Schulterluxation erlitten.

WasLöw dazu veranlasste, kurzfristig

auch noch den Freiburger Robin

Koch und den Hoffenheimer Sebastian

Rudy nach Dortmund zu bestellen.

Der Bundestrainer, der

eigentlich mittels Einzelanalysen und

flachen Hierarchien den Konkurrenzkampf

schärfen wollte,muss jetzt aus

der Noteine Tugend machen.

Einsatzchance für Herthas Stark

Kai Havertz, zuletzt in den Länderspielen

nicht wirklich benötigt, hat

Gelegenheit, seine Anlagen gegen

ausgebuffte Gegner unter Beweis zu

stellen. Niklas Stark darf inder Abwehr

auf erste Einsatzminuten in der

A-Nationalmannschaft hoffen, und

vielleicht kommt im Angriff auch

Luca Waldschmidt zum Zuge, dem

Löw offenbar bereits mehr zutraut

als dessen Vereinstrainer in Freiburg

Christian Streich. Unddann ist da in

letzter Instanz auch noch Marc-

André ter Stegen, der nach einem

zwischenzeitlich absurd anmutenden

Theater um die Hierarchie im

deutschen Tormal wieder den Vorzug

vor Manuel Neuer bekommt.

„Gegen Argentinien spielt das Ergebnis

nicht die allerwichtigste Rolle“,

sagt Löw,der jetzt voneiner „Weiterbildungsgeschichte

für die jungen

Spieler“ spricht.

Ein Muster ohne Wert ist deswegen

der Leistungsvergleich gegen die

Südamerikaner, die auf ihren gesperrten

Weltfußballer Lionel Messi

verzichten müssen, deshalb noch

lange nicht, aber der Erkenntnisgewinn

dürfte sich in Grenzen halten.

Zumal Löw ja auch noch eine gesunde

Elffür das EM-Qualifikationsspiel

in Tallinn gegen Estland (Sonntag,

20.45 Uhr/RTL) zusammenbekommen

muss.„Gegen Estland werden

wir gewinnen, unabhängig

davon mit welcher Mannschaft“,

versprach der Bundestrainer. Mario

Götze wird eralso auch dann nicht

brauchen.

Späte Versöhnung

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft will das bewegte Jahr 2019 erfolgreich beenden: in Griechenland die Pflicht erfüllen, in England den Fortschritt vorführen

VonFrank Hellmann

ÄltereTouristen mögen es beruhigend

finden, wenn die jüngere

Generation den guten Stadtplan

nicht ganz verschmäht. Gerade bei

den technikaffinen deutschen Fußball-Nationalspielerinnen,

die mittlerweile

gefühlt jeden Schritt einer

Auslandsreise digital dokumentieren.

Um sich in Thessaloniki zurechtzufinden,

haben Lina Magull,

Lena Oberdorf, Giulia Gwinn und

Klara Bühl vor dem Spaziergang in

der griechischen Hafenstadt jedoch

mal die Köpfe über einem Faltplan

zusammengesteckt, der im Teamhotel

auslag. Bietet vielleicht doch die

bessereOrientierung zu den zahlreichen

Zeugnissen aus der römischen,

byzantinischen und osmanischen

Geschichte.

Dass die DFB-Frauen im EM-

Qualifikationsspiel gegen Griechenland

(Dienstag, 14 Uhr/ZDF) vonihrem

Weg abkommen, ist nach drei

durchgängig einseitigen Begegnungen

nicht zu erwarten. Mit der optimalen

Punkteausbeute und dem sagenhaften

Torverhältnis von 26:0 ist

der nächste Pflichtsieg eher Formsache.

Frauenfußball fristet bei den

Hellenen noch ein Mauerblümchendasein,

die Hauptstadtvereine

Olympiakos Piräus, AEK oder Panathinaikos

Athen weigern sich standhaft,

Frauenteams zu unterhalten. Es

gibt nur drei Ligen, alles auf bescheidenem

Niveau. Erst auf sanften

Druck der Dachorganisation (Uefa)

hat der griechische Fußballverband

angefangen, erste Entwicklungsprogramme

ins Leben zu rufen. Das

Geld kommt aus den Uefa-Fördertöpfen.„Wir

sind gegen Deutschland

der klare Außenseiter“, sagt Nationaltrainer

Antonis Prionas. Das Duell

gibt es erstmals.

Entspannte Arbeitsatmosphäre: Martina Voss-Tecklenburg

DPA/GOLLNOW

wartet wieder ein defensiv orientierter

Gegner.“ Am Wochenende war

noch keine deutsche Spielerin in der

Lage, sich über die Griechinnen zu

Insofernist es gar nicht überheblich,

dass Bundestrainerin Martina

Voss-Tecklenburg keine übermäßigen

Warnungen ausspricht. „Uns eräußern.

Die Trainerin kündigt nach

dem 8:0 gegen die Ukraine „vier,fünf

Veränderungen“ an, um die Belastung

zu steuern. Vermutlich erhält

Melanie Leupolz, über die Weltmeisterschaft

von der Führungskraft zur

Reservistin abgestuft, mal wieder

das Vertrauen von Beginn an. Ansonsten

geht es darum, den Prozess

der Erneuerung und Verjüngung mit

dem nächsten konzentrierten und

engagierten Auftritt der jungen

Gardevoranzutreiben.

Klassiker im Wembley-Stadion

Vordem letzten Pflichtspiel des Jahres

besteht die Bundestrainerin beinahe

darauf, dass es in 2019 ungeachtet

des frühen WM-Ausscheidens

und der verpassten Olympia-Qualifikation„mehrheitlich

Aufs“ gab.Um

diese These zu bestätigen, wäre ein

erfolgreicher Jahresabschluss am

9. November hilfreich, wenn sich

England und Deutschland im

Wembleystadion in einem Freundschaftsspiel

duellieren, das bald die

Maßstäbe verrückt. Der englische

Verband (FA) als Ausrichter der

Frauen-Europameisterschaft 2021

schaffte es, bereits jetzt sage und

schreibe 77 000 Karten abzusetzen.

Ansporn auch für Voss-Tecklenburg:

„Das ist einfach grandios, dass

wir solch ein tolles Spiel am Ende des

Jahres haben. Es ist etwas ganz Besonderes,

imVorfeld der EM in England

sein zu dürfen. Gegen Deutschland

ist immer ein Klassiker, egal in

welcher Sportart und welchem Bereich.“

Die 51-Jährige freut sich

„mega“ auf das stimmungsvolle

Kontrastprogramm zum eher tristen

Alltag in der EM-Qualifikation, der

vermutlich auch heute durch ein

ziemlich leeres Kleanthis-Vikelidis-

Stadion, der Heimstätte von Aris

Thessaloniki, bezeugt wird.


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 – S eite 19

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Feuilleton

Peter Uehling hörte die

Sängerin Julia Lezhneva

in derPhilharmonie

Seite 21

„Ein Loch zu stopfen, kann die Welt schonen.“

Susanne Lenz über die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ Seite 20

Medienkunst

Noch eine

Weile Weibel?

Harry Nutt

staunt über dieVorgängeam

ZKM Karlsruhe.

Lange bevor die Medienkunst beinahe

überall und täglich im Internet

nach Aufmerksamkeit verlangte,

hatte sie in der deutschen

Museumslandschaft einen festen

Ort. Aufebenso paradoxe wie selbstbewusste

Weise trägt das Karlsruher

Zentrum für Kunst und Medien

(ZKM) seit 30 Jahren dem Umstand

Rechnung, dass gerade die Medienkunst

eines stationären Museums im

Grunde gar nicht bedarf.

Seit genau 20 Jahren wird esvon

dem österreichischen Kurator,Medienkünstler

und -theoretiker Peter

Weibel geleitet, der das Haus mit Eloquenz,

Witz und Einfallsreichtum

nicht zuletzt auch als Forschungsstätte

etabliert hat, die weit über die

Belange eines Schauraums hinaus

wirkt. Peter Weibel ist im März 75

Jahre alt geworden, seit gut einem

Jahr ist allen Kennernund Freunden

des ZKM bekannt, dass Weibels Vertrag

zum Ende des Jahres 2020 ausläuft.

In der verbleibenden Zeit, so

hat es der von der Stadt Karlsruhe

und dem Land Baden-Württemberg

getragene Stiftungsrat beschlossen,

solle nach einem geeigneten Nachfolger

Ausschau gehalten werden.

Nunaber regte sich anlässlich der

Feierlichkeiten zum 30. Geburtstag

des ZKM schriftlich artikulierter Protest.

„Peter Weibel“, heißt es in einer

von über 200 Kunstschaffenden unterschriebenen

Petition, „ist seit

mehr als 40 Jahren der Motor, Entwickler

und Anwender, die Quelle

der Etablierung und der Förderung

der Medienkunst in Europa und der

Welt.“ Nach Ansicht der Unterzeichner,zuder

unter anderen die Schauspielerin

Christiane Paul, der Komponist

Alain Thibault und der DramaturgCarl

Hegemann gehören, soll

das auch so bleiben. Sie fordern einer

Verlängerung von Weibels Vertrag

um weiterefünf Jahre.

So herausragend die Bedeutung

und Leistungen Weibels auch sind,

sendet die Debatte um sein Amt

doch ein fatales Signal. In der Welt

der Kunst und der Medien verändert

sich genug. Am ZKM in Karlsruhe

aber soll alles bleiben wie es ist, wenigstens

noch für eine kleine Weile.

Die Ratte des Zweifels

Eugen Ruge blickt mit „Metropol“ ins Moskau der Stalinzeit und auf die Verführbarkeit des Menschen

VonCornelia Geißler

Eugen Ruge musste erst einen

Bestseller schreiben,

um es sich leisten zu können,

einmal im Hotel Metropol

in Moskau zu übernachten. Er

kann es so einrichten, dass er genau

das Zimmer bekommt, in das seine

Großmutter Charlotte Anfang Oktober

1936 einzog. Er blickt auf die

Stuckrosette an der Decke,unter der

schon ihre Gedanken kreisten. Das

erwähnt er im Epilog seines Romans

„Metropol“, der heute erscheint.

Charlotte kennen wir aus „In Zeiten

des abnehmenden Lichts“, dem

2011 mit dem Deutschen Buchpreis

gekrönten Romandebüt Ruges.

Darin zeigt der Autor eine Familie –

seine Familie –unchronologisch verstrickt

in die Entwicklungen undVerwerfungen

des 20. Jahrhunderts.Das

neue Buch bleibt auf einen kurzen

Zeitabschnitt und die Stadt Moskau

konzentriert. Die zuweilen fast

klaustrophobische Dichte des Erzählens

entsteht jedoch aus den politischen

Vorgängen, die Teil und Hintergrund

der Handlung sind: die stalinistischen

Säuberungen, die

Schauprozesse und die Umwidmung

vonKommunisten in Volksfeinde.

Charlotte Ruge, hier unter ihrem

Parteinamen Charlotte Germaine,

und ihr Lebensgefährte Wilhelm haben

im Machtgefüge nur untergeordnete

Rollen. Der Roman setzt

während eines Jalta-Urlaubs des

Paars ein, als es in der Zeitung liest,

der Historiker Alexander Emel habe

gestanden, an einem Mordkomplott

gegen Stalin beteiligt gewesen zu

sein. Das war im August 1936, unter

den weiteren 15 Angeklagten befanden

sich auch Grigori Sinowjew und

Lew Kamenew –einst enge Weggefährten

Stalins. Die emigrierten

Deutschen Charlotte und Wilhelm

wissen sofort, dass allein ihre Bekanntschaft

mit jenem Emel ihnen

schaden könnte.

In einer vierseitigen Erklärung

versucht Charlotte ihrem Arbeitgeber

gegenüber die Harmlosigkeit des

Kontakts zu schildernund Selbstkritik

wegen mangelnden Misstrauens

zu äußern. Diese Erklärung ist als

Dokument abgedruckt: Eugen Ruge

hat im Russischen Staatsarchiv für

sozio-politische Geschichte die Kaderakte

seiner Großmutter eingesehen.

Beider Arbeitgeber war damals

der OMS, der Nachrichtendienst der

Am 9. Oktober liest er im Pfefferberg aus seinem Buch: Eugen Ruge.

Komintern. Dersetzt sie ohne offizielle

Entlassung im Metropol fest, direkt

neben dem Geheimdienstgefängnis

Lubjanka. Und dort warten

sie.Erst eine Woche,noch eine,dann

den ganzen Winter lang und immer

weiter. Eugen Ruge gestaltet diese

quälende Ungewissheit spannend.

Charlotte verbringt Stunden in

Schlangen nach Lebensmitteln, Wilhelm

studiert die Zeitungen mit den

Erfolgsmeldungen über die sowjetische

Wirtschaft. Zwischendurch er-

IMAGO

hält sie eine Aufgabe, die Freude

währt kurz. Undeskommen andere

OMS-Mitarbeiter ins Hotel. Dürfen

sie zu ihnen Kontakt haben? Charlotte

trägt „die Ratte des Zweifels in

ihrem Bauch mit sich herum wie das

Kind eines fremden Mannes“.

Die meisten Kapitel im Roman

sind aus Charlottes Perspektive erzählt,

in der Spannweite zwischen

Naivität und klarer Analyse. Hinzu

kommen zwei weitereHauptfiguren,

beides ebenfalls reale Personen: Die

Kommunistin Hilde Tal, Wilhelms

Ex-Frau, die im (heute berüchtigten

Emigranten-)Hotel Lux wohnt, und

WassiliWassiljewitsch Ulrich, Oberster

Militärrichter der UdSSR, Bewohner

eines der besseren Zimmer des

Metropol. Dieser Mann, der sich

durch seine Biografie in Stalins Hand

weiß, urteilt mit großer Härte und

übersieht großzügig die logischen

Lücken in den erpressten Geständnissen.

Eugen Ruge verknüpft seine Lust

an Satire mit ihm, das ist schon Galgenhumor!

Ausgerechnet er hat einen

Draufblick auf die Zusammenhänge.

Den Schriftsteller Feuchtwanger,der

Stalin in der Prawda und

später in einem Buch preist, nennt er

herablassend „mein Täubchen“. Der

machtvolle Richter entdeckt seine

eigene Lehre, den„Ulrichismus“. Die

besagt: Die Menschen glauben, was

sie glauben wollen. „Man kann ihnen

Fakten liefern, man kann sie widerlegen,

es hilft nichts.“ Unddamit

wirkt dieser historische Roman in

die Gegenwart, in der Verschwörungstheorien

Anhänger finden und

Fakten „alternativ“ sein können.

Eugen Ruge hatte nach seinem

großen Erfolg eine flirrende Novelle

über einen Autor in der Schreibkrise

vorgelegt („Cabo di Gata“) und einen

fiktiven Enkel aus seiner Familie ins

Jahr 2055 geschickt („Follower“).

Nun also ein Tatsachenroman, erzählt

entlang erschütternder Ereignisse.

Erbehandelt eine von vielen

Historikern –auch von seinem Vater

Wolfgang Ruge – untersuchte und

von Zeitzeugen beschriebene

Etappe der Geschichte. Inder Belletristik

gibt es erstaunlich wenig Vergleichbares,

umso mehr ist sein

Buch zu begrüßen. Mit „Metropol“

setzt Eugen Ruge fort, was Arthur

Koestler mit „Sonnenfinsternis“

(1940) angefangen hat, denn er

blickt auf die Menschen, die in Angst

um ihr Leben und das ihrer Nächsten

Taten gestehen, die sie nie begangen

haben. Man kann auch an

Anatoli Rybakows„Jahredes Terrors“

(1988) denken und an Stefan Heyms

Romanbiografie „Radek“. Mit dem

Stalinismus hatte der

Kommunismus sein

Gütesiegel als Fortschrittslehreverloren.

Eugen Ruge:Metropol.

Roman. Rowohlt, Hamburg

2019. 432 S.,24Euro

NACHRICHTEN

Prix de l'Académie de Berlin

für Autorin Annie Ernaux

Diefranzösische Schriftstellerin Annie

Ernaux (79) wirdmit dem Prix de

l'Académie de Berlin geehrt. Die

Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert.

Verliehen wirdsie jedes Jahr an

Menschen oder Institutionen, die

„zur Belebung und Vertiefung der

Beziehungen zwischen Deutschland

und Frankreich beitragen“. Ernaux

(„Die Jahre“) ist für ihreautobiografischen

Erzählungen bekannt. Die

Akademie lobte am Montag ihre

„hochmoderne,gewagte,meisterlich

komponierte Literatur,die von

Klassenkämpfen, den Zumutungen

kultureller Differenz und der Emanzipation

der Frauen erzählt“. Der

Preis wirdam26. November in Berlin

verliehen. (dpa)

Bayerischer Buchpreis

für Joachim Meyerhoff

DerSchauspieler,Regisseur und Autor

Joachim Meyerhoff erhält beim

Bayerischen Buchpreis 2019 den Ehrenpreis.Ministerpräsident

Markus

Söder (CSU) bezeichnete den seit

dieser Spielzeit an der Schaubühne

in Berlin engagierten Darsteller als

Multitalent. Sein Romanzyklus „Alle

Toten fliegen hoch“ sei einfühlsam

und selbstironisch geschrieben. Der

Bayerische Buchpreis wirdvom Börsenverein

des Deutschen Buchhandels

in Bayern mit Unterstützung der

Bayerischen Staatskanzlei vergeben.

DieVerleihung ist am 7. November in

München. (dpa)

Bronzezeitliche Hauptstadt

in Israel ausgegraben

Forscher haben in Nordisrael die

Überreste einer altertümlichen Metropole

freigelegt. DieStätte nahe

dem heutigen Harish im BezirkHaifa

sei rund 5000 Jahrealt und die

„größte und zentralste“, die jeweils

im Gebiet des Nahoststaats entdeckt

worden sei, erklärte die israelische

Altertumsbehörde.Die Arbeiten an

der Ausgrabungsstätte En Esur legten

eine Stadtmauer,Wohngebiete,

Plätzesowie Straßen und Gassen für

rund 6000 Einwohner frei. Zusätzlich

stießen die Archäologen auf die

Spuren einer wohl noch 2000 Jahre

älteren Siedlung aus der Kupferzeit –

direkt unter den Häuserresten der

Bronzezeit-Metropole. (dpa)

VonHarry Nutt

Im Lichte der Dunkelschöpfung

Literarische Hilfestellung: Wortfächer sollen gegen die Generalweltanbrennung helfen

Der lange und heiße Sommer,

den wir inzwischen nicht mehr

als meteorologische Ausnahme zu

betrachten wagen, hat ein modisches

Accessoire hervorgebracht,

das bislang das Umfeld eines Tango-

Abends oder einer Bizet-Oper bedurfte.

Kostbare und kunstvoll ausgearbeitete

Variationen des manuellen

Belüftungsvehikels Fächer gibt es

schon lange,doch die akuten Klimaveränderungen

haben zuletzt auch

dazu beigetragen, die Produktpalette

auf ebenso praktische wie originelle

Weise zu erweitern. So spendierte

das Goethe-Institut den Besuchern

einer Kultur-Konferenz in

Weimar unlängst ein handliches

Stück, das aufgrund der hohen Temperaturen

sogleich rege Anwendung

fand.

Es geht aber auch noch ein bisschen

ambitionierter, hat man sich

nun in dem SchweizerVerlagVatter &

Vatter gedacht, und den Wortfächer

mit Zitaten und Sentenzen vonAutorinnen

und Autoren herausgebracht.

Offen gestanden eignen sich die zigarrengroßen

Bündel nicht sonderlich

zur wohligen Luftzufuhr.

Dafür aber sind sie ein geeignetes

Werkzeug zur literarischen Erbauung,

ein gefälliges Gesellschaftsspiel.

Bestens geeignet zur Vorführung des

handlichen Zettelkastens ist natür-

lich der Wortschöpfungsreichtum

Theodor Fontanes,der zu den ersten

Ausgaben des Wortfächers aus Bern

zählt.

Gleich zu Beginn blättern wir da

das Wort „Dunkelschöpfung“ auf,

das Fontane in einem Brief an seine

Frau Emilie verwandte und mit dem

er zugleich einiges über seine

schriftstellerische Ökonomie verriet.

„Meine ganze Produktion“, schreibt

er da, „ist Psychographie und Kritik,

Dunkelschöpfung im Lichte zurechtgerückt.

EinZufall hat es so gefügt,

dass ich diese ganzeNovelle (Irrungen,

Wirrungen) mit halber und

viertel Kraft geschrieben habe. Dennoch

wird ihr dies schließlich niemand

ansehen.“ Zu den Fontane-

Ausdrücken des Wortfächers gehörenferner

die Ängstlichkeitsprovinz,

die Ernsthaftigkeitskomödie und die

Generalweltanbrennung.

„Das ist das Zeichen unser Zeit

jetzt, ‚angebrannt und angeätzt‘“,

heißt es typisch fontanisch etwa im

„Stechlin“. Der Schriftsteller aus

Neuruppin berichtet außerdem über

die Geschlechtsüberspringung, den

Harmlosgkeitsmenschen und den

Lausedichter. Man verlässt sich in

der Schweiz aber nicht auf Fontane.

„Wortfächer“ gibt es auch von Andrea

Maria Keller, Rudolf von Tavel

und Hermann Burger.

WortfächerTheodor Fontane,Verlag Vatter &

Vatter,Bern2019, 61 Seiten, 14 Euro.

Berliner Festspiele

#immersion

HAUS DER BERLINER FESTSPIELE—HAUS DER BERLINER FESTSP

Taylor Mac, with costumes by Machine Dazzle

©Photo: Little Fang Photography at the Curran

IMMERSION –PERFORMING ARTS 6

A24-DECADE

HISTORYOF

POPULAR MUSIC

10.–

20.10.19

Europapremiere /

European premiere


20 Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Feuilleton

Staublunge, Dürre, Tierquälerei

Ist das x-te Shirt im Schrank den Preis wert, den Mensch, Tier und Umwelt dafür bezahlen? „Fast Fashion“ –eine Ausstellung über „Die Schattenseiten der Mode“

VonSusanne Lenz

Allein die Begegnung mit

Reshma lohnt den Weg

hinaus nach Dahlem. Die

Inderin mit dem umwerfenden

Lächeln arbeitet seit 15 Jahrenineiner

Fabrik in Panipat, in der

Kleidung recycelt wird, die in

Deutschland, Italien oder Frankreich

im Altkleidercontainer landete.

Kleidung recyceln klingt gut,

ist aber wegen der Mischfasern, die

meist verwendet werden, sehr

schwierig. In Panipat entstehen aus

allem nur Decken, bei denen es

wohl nicht darauf ankommt, aus

was sie sind. Aber das nur nebenbei.

DieKleiderberge hier reichen bis

unters Dach der Halle, jedes einzelne

Stück nehmen die Arbeiter in

die Hand. Es gibt Frauen und Männer,die

den ganzen Tagnichts anderes

tun, als Knöpfe oder Reißverschlüsse

zu entfernen. Oder die alles

nach Farben sortieren, die Maschinen

beladen, die Kleidung in

kleine Fetzen reißen, aus denen ein

Faden gesponnen werden kann.

Und bei dieser Arbeit entsteht ein

Bild. Ein Bild von den Menschen in

Deutschland, Italien, Frankreich

oder den USA, die diesen unendlichen

Kleiderstrom ausstoßen.

Am wahrscheinlichsten erscheint

Reshma und ihren Kollegen

die Erklärung, dass dort das Wasser

knapp ist und deshalb sehr teuer.

Haben die Leute dortein Kleid, eine

Hose,eine Jacke ein, zwei Malgetragen,

schicken sie es auf die Reise

über das Meer, denn wegen der hohenWasserpreise

lohnt sich dasWaschen

nicht. „Ich wüsste nicht,

warum diese Kleidung sonst kommen

sollte“, sagt Reshma.

60 Kleidungsstücke im Jahr

Meghna Guptas Dokumentarfilm

„Unravel“ bedrückt und beschämt

einen. Er ist in der Ausstellung „Fast

Fashion. Die Schattenseiten der

Mode“ im Museum Europäischer

Kulturen zu sehen. Siewirft ein grelles

Licht auf die dunklen Aspekte

der internationalen Modeindustrie

und das Konsumverhalten in der

westlichen Welt. Unfassbare 1,35

Millionen Tonnen Kleidung allein

aus privaten Haushalten in

Deutschland landen jedes Jahr in

Altkleidercontainern. Im Durchschnitt

kauft jeder Deutsche 60 Kleidungsstücke

im Jahr,und viele werden

kaum oder gar nicht getragen,

bevor sie weggeworfen werden.

Daswar nicht immer so.Die Fast

Fashion, getriggert durch ständig

neue Kollektionen der Modeketten,

hat das Kaufverhalten verändert

Manche Menschen verbringen ihr Arbeitsleben damit, Knöpfe oder Reißverschlüsse aus fast neuer Kleidung zu entfernen, die dann zu Decken verarbeitet wird.

und die Wertschätzung, die einem

Kleidungsstück entgegengebracht

wird, deutlich verringert. Im Durchschnitt

besitzen die Menschen viermal

so viel Kleidung wie 1980.

Die Ausstellung, die für das Museum

für Kunst und Gewerbe in

Hamburg entwickelt wurde, bietet

so viel Gedankenfutter, dass man

jede Schulklasse dorthin schicken

möchte, und die Fridays-for-Future-Aktivisten

und -Aktivistinnen,

bei denen das Thema Kleidung bisher

nicht im Fokus steht. Dabei ist

der CO 2 -Ausstoß der Modeindustrie

höher als der durch internationale

Flüge und Kreuzfahrten verursachte

zusammen. Viele vonihnen werden

sich bestimmt wiedererkennen in

den eingangs gezeigten Videos, in

denen zwei Teenager umgeben von

Einkaufstüten von ihren Beutezügen

erzählen und jedes Detail der

Hose oder des T-Shirts präsentieren,

die sie gerade gekauft haben. Diese

sogenannten Haul-Videos sind ein

Internet-Phänomen und irrsinnig

beliebt. Werden Begriff bei YouTube

Besuch. „Fast Fashion. Die Schattenseite

der Mode“, bis 2. August 2020, Di–Fr 10–18

Uhr,Sa+So 11–18 Uhr,Museum Europäischer

Kulturen, Arnimallee 25. An vielen

Sonntagen jeweils um 14 Uhr gibt es Führungenfür

Einzelbesucher,Gruppenführungen

kann man buchen (Tel. 266 424 242).

Selbermachen. Ebenfalls sonntags von15-

18 Uhr gibt es Repair-Cafés, in denen man

unter fachkundiger Anleitung kleiner Reparaturen

an Kleidungsstücken ausführen kann.

Und es gibt Workshops „Zu Schade für die

Tonne!“, in denen man Kleidungsstückeupcyceln

kann. Anmeldung nicht erforderlich.

eingibt, wirdbei einer schier endlosen

Liste solcher Videos landen.

Immer wieder geht es um den

Verbleib gebrauchter Kleidung,

AUSSTELLUNG, TERMINE, FAKTEN

Thementag. Am 24. November findet der

Thementag „Reuse Reduce Recycle“ statt. Es

findet eineTauschbörse statt,Akteure des Forums

Waschen erklären, wie man ressourcenschonend

wäscht und man kann aus alten

T-Shirts Weihnachtsgeschenkebasteln.

Fakten.1,35 Millionen Tonnen Kleidung aus

privaten Haushalten allein in Deutschland

landen jedes Jahr in Altkleidercontainern.

Der jährliche CO 2 -Ausstoß der Modeindustrie

ist höher als der durch internationale Flüge

und Kreuzfahrten gemeinsam verursachte.

Die Produktion eines Baumwoll-T-Shirts kostet

zwischen 2500 und 12 000 Liter Wasser.

etwa in der Arbeit des niederländisch-kanadischen

Fotokünstlers

Paolo Woods. Er thematisiert mit

seiner Arbeit „Pepe“ die Rückkehr

TIM MITCHELL

von Kleidung aus den USA an ihren

Produktionsort Haiti. Die T-Shirts

mit den dümmsten Sprüchen, die

kein Second-Hand-Laden in den

USA mehr haben will, werden dann

hier verkauft. Siewirken wie eine Erniedrigung

derer, die sie tragen.

Ganz abgesehen davon, dass dieser

Re-Import haitianischen Schneidern

die Existenzgrundlage entzogen

hat. Genauso ist es in vielen

LändernAfrikas.

Es gibt noch viel mehr negative

Aspekte. Die meist in Asien lebenden

Textilarbeiterinnen werden

schlecht bezahlt und arbeiten unter

schlechten, unsicheren Bedingungen.

Der Einsturz des Fabrikgebäudes

Rana Plaza in Bangladesch im

Jahr 2013, bei dem mehr als 1000

Menschen starben und rund 2500

verletzt wurden, machte die westliche

Welt schlagartig darauf aufmerksam.

In Dahlem sind die weltbekannt

gewordenen Fotografien von Taslima

Akhter zu sehen: ein vom Geröll

begrabenes Paar, das sich im

Tod umarmt oder die drei sich umarmenden

Menschen inmitten von

Leichensäcken.

Andere gesundheitsschädliche

Aspekte der Arbeit in der Textilindustrie

sind weniger bekannt. So

werden Jeans gesandstrahlt, um ihnen

einen getragenen Look zu geben.

DasEinatmen des Quarzstaubs

schädigt die Lungen irreversibel.

DieProduktion vonKleidung belastet

die Umwelt nicht nur durch CO 2

-Ausstoß, sondern auch aufgrund

des Einsatzes von Pestiziden und

desWasserverbrauchs,wie eine Aufnahme

des fast nicht mehr existenten

Aralsees in Usbekistan schmerzhaft

deutlich macht. Einmal war er

der viertgrößte See der Welt –bis

Unmengen des Wassers für die Bewässerung

der Baumwollkulturen

gebraucht wurden. Ein Baumwoll-

T-Shirt kostet 2500 Liter Wasser

oder auch 12 000 je nach Anbaugebiet,

erfährtman auf einer Texttafel.

Brutaler Film über Schafschur

Dem wegen der enthaltenen Brutalität

nur hinter einem schwarzen

Vorhang gezeigten Film über den

Umgang mit Schafen bei der Schur

in Australien, bei der die Arbeiter

auf den Tieren herumtrampeln, sie

verletzen und sogar töten, konnte

die Autorin keine zehn Sekunden

lang standhalten. Australien ist der

größte Woll-Exporteur der Welt.

Man atmet auf, wenn man den

dritten Raum der Ausstellung betritt,

denn hier geht es um Berliner

Repräsentanten der Slow Fashion,

der nachhaltigen Mode. Man lässt

die Welt des Konsums mit ihren

Horrornachrichten von Ausbeutung,

Umweltverschmutzung und

Zerstörung hinter sich und betritt

eine auf ein freundliches, überschaubares,

moralisch vertretbares

Format geschrumpfte Welt. Eine,

die einem keine Angst macht.

Rut Meyburg etwa stellt Taschen

oder auch Handschuhe aus ausrangierten

Ledersofas her, die sie in ihrem

Laden in Berlin-Schöneberg

verkauft. Jenna Stein hat den Berlin

Clothing Swap ins Leben gerufen,

bei dem man eigene Kleidung gegen

anderetauschen kann. Verena Paul-

Benz lässt die Sachen für ihr Label

Lovejoi vonGeflüchteten aus Syrien

und Afghanistan in Oberschwaben

produzieren. EinNachthemd kostet

50 Euro, wie man zu Hause ergoogeln

kann. Aber man soll eben

höchstens zwei davon haben und

sie möglichst lange tragen.

Am Schluss steht man in Dahlem

vor einer Schüssel mit lauter Näh-

Kits. Ein Loch einfach mal zu stopfen,

kann die Welt schonen.

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Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 21

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Feuilleton

Nah an

absoluter

Reinheit

Julia Lezhneva sang bei

den Philharmonikern

VonPeter Uehling

Eines der Werke, die Adam Fischer

am Wochenende mit den Berliner

Philharmonikern aufführte,

stand vor 13, ein anderes vor 28Jahren

zum letzten Mal auf dem Programm

des Orchesters. Die Rede ist

nicht von exotischen Werken, sondern

von Mozarts „Linzer“ und

Haydns letzter Londoner Symphonie.Drastischer

lässt sich nicht illustrieren,

dass die traditionellen Symphonieorchester

das Wiener klassische

Terrain für Mahler-Zyklen und

„Sacre du printemps“ aufgegeben

haben. Von Vertretern der historischen

Aufführungspraxis lassen sie

sich gelegentlich in vibratofreiem

Spiel schulen –aber da deren eigene

Orchester das im Zweifel besser können,

ist das ziemlich überflüssig.

Adam Fischer lässt die Philharmoniker

in kleiner Besetzung, aber

kraftvoll spielen – und plötzlich

stimmt der Ausdruck wieder. Dabei

rutscht der Klang keineswegs Richtung

Brahms, sondern ist voller

rauer, eigenwilliger Farben. Fischer

selbst ist ein Energiebündel, das

seine Freude über das, was er dirigiert,

kaum zügeln kann. Sein Zugang

ist frei von dogmatischer Einengung

auf Struktur oder Rhetorik.

Beides kommt aus einer inneren

rhythmischen Vibration und intimster

Kenntnis heraus zur Geltung.

Manhörtsehr vieles wie zum ersten

Mal. Fischers Interpretationen

bestätigen kein Klischee wie das vom

rationalen Haydn und vom spontanen

Mozart. Vorder Vitalität in beiden

Werken werden solche Einteilungen

zu müßigem Räsonnement –

beide Symphonien entfalten derart

furiose Wirkung, dass sie den Krachern

von Bruckner oder Mahler in

nichts nachstehen. Dass Fischer die

Haydn-Symphonie ans Ende des

Konzerts setzt, zeugt vomVertrauen

in die elementareKraft dieser Musik.

Zwischen den Symphonien sang

die junge russische Sopranistin Julia

Lezhneva zwei Arien dieser Komponisten.

Lezhneva, zum ersten Mal

bei den Philharmonikern, muss nur

Stimme mit Zukunft: die Sopranistin Julia

Lezhneva.

DECCA/SIMON FOWLER

eine Phrase singen, und es ist klar,

dass sie eine der großen Sängerinnen

der nächsten 20 Jahresein wird:

Eine so durchdringende und niemals

harte Stimme,mühelos des Pianos

in jeder Lage fähig, nah an absoluter

Reinheit und dennoch mit Individualität

gesegnet, betritt die Bühne

nur einmal in zehn Jahren. Mit Rossini

wurde sie voreinigen Jahren berühmt,

mittlerweile singt sie auch

viel alte Musik.

Dass Mozarts Arie „Non temer

amato bene“ –mit Adam Fischer am

Klavier –etwas zu tief für sie liegt, ist

nicht zu überhören, bremst aber ihre

Gestaltungskraft kaum. Mit der effektvolleren

und noch vielfältigeren

Arie „Berenice, che fai“ hält sie ein

starkes Plädoyerfür den Opernkomponisten

Joseph Haydn, auch wenn

er das Stück als Konzertarie verfasste

und mit seiner 104. Symphonie uraufführte.

Wie Lezhneva diese Charaktere

vermittelt, wie sie mit Melodien

seelische Landschaften darstellt,

ist zutiefst beeindruckend.

„Bauernhof statt Altersheim“: Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren hat „37 Grad“ die beiden jungen Leute bei der Erschaffung ihrer Öko-Oase beobachtet.

VonTorsten Wahl

Ausdauernde Beobachtungen

Seit 25 Jahren läuft die Porträtreihe „37 Grad“ erfolgreich im ZDF

Hier sind keine investigativen

Reporter unterwegs,

werden keine illegalen

Praktiken oder Geheimnisse

enthüllt. Deraktuelle Beitrag

beobachtet in aller Ruhe, wie

eine 84-Jährige von ihrer kleinen

Stadtwohnung in NRW ineine Senioren-WG

auf einem Bauernhof

umzieht, zeigt, was sie hinter sich

lässt und auf welche neuen Mitbewohner

sie trifft –ein typischer Film

der Reihe „37 Grad“. Auch oder gerade

weil die Porträtreihe so unspektakulär

wirkt, kommt sie an.

Als „erfolgreichste Reportagereihe

des deutschen Fernsehens“ feiertsie

Peter Arens,Leiter der Hauptredaktion

„Geschichte und Wissenschaft“,

und er hat gute Argumente

für diesen Superlativ. Am späten

Dienstagabend erzielt „37 Grad“ im

Schnitt zweistellige Quoten und 2,2

Millionen Zuschauer, manche Folgen

erreichen mehr als 3Millionen –

für eine Doku um 22.15 Uhrsehr beachtlich.

Seit 1994 strahlte „37 Grad“

knapp 950 Ausgaben aus und gewann

über 50 Preise,darunter mehrfach

den Grimme-Preis. Seit 2005

läuft sie mit dem markanten Vorspann

zur Musik von Mias „Es ist,

was es ist“. Verantwortlich sind die

drei ZDF-Redaktionen „TerraX“und

„Kirche und Leben evangelisch“ sowie

„Kirche und Leben katholisch“.

Doch anders als das traditionsreiche

ARD-Pendant „Gott und die Welt“,

das schon seit 1984 läuft und seit

2017 „Echtes Leben“ heißt, hat „37

Grad“ vonvornherein ein breites Publikum

auch außerhalb der christlichen

Gemeinden angesprochen.

Der ungewöhnliche Titel mit der

leicht erhöhten Körpertemperatur

sollte eine Metapher sein für Menschen

in existenziellen Lebenssituationen,

erinnert Arens zum Jubiläum.

Zum 25. Jahrestag des Sendestarts

zeigt das ZDF neben dem aktuellen

Beitrag „Bauernhof statt

Altersheim“ in einer langen Nacht

acht besondere Filme der Reihe. So

führt „Jenseits der Schamgrenze“ in

das Jahr 1994 zurück, da der Autorenfilm

noch die Reihe prägte, der

Reporter mit seinem Kommentar

noch viel präsenter war. Sobewertete

beispielsweise Hartmut Schoen

sehr sarkastisch den Wegeiner jungen

Slowakin, die sich nach

Deutschland verkaufen ließ und ihr

Kind zurückließ.

Längst aber stehen die Protagonisten,

meist sind es drei, im Zentrum

der halbstündigen Filme, öffnen

sich dem Zuschauer, ohne vorgeführt

zuwerden. Das ist oft wirklich

berührend. Dafür begleiten die

Autoren ihre Helden im Schnitt

sechs bis acht Monate lang –diese

Ausdauer ist ziemlich einzigartig,

Langzeitbeobachtungen über mehrere

Jahre sind sogar eine Charakteristik

der Reihe. Ein Mädchen, das

von Geburt anmit HIV infiziert ist,

wirdschon seit 15 Jahren begleitet.

Zu einem zentralen Thema hat

sich der Umgang der Gesellschaft

mit den Alten entwickelt. Ob sie

nach Mallorca oder Bulgarien auswandern,

ob sie nachts Pfandflaschen

sammeln oder im hohen Alter

weiter arbeiten müssen, ob sie einen

Partner suchen, ob sie vonihren Kindern

oder osteuropäischen Pflegekräften

betreut werden – das alles

wird bei „37 Grad“ immer wieder

Alles andere als Kuschel-Klassik

aufgegriffen. Gerade ein unspektakulärer

Film wie „Bauernhof statt Altersheim“

zeigt auch Alternativen

auf, die international längst besser

funktionieren: Denn auf dem Land

gibt es ja nicht nur genug Wohnraum,

Ruhe und Natur.

DieAlten-WGauf dem Bauernhof

in Brilon zeigt, wie die Senioren

trotzdem mit der Welt in Verbindung

bleiben: Sie werden in die Stadt gefahren,

musizieren miteinander, haben

Kontakte ins Dorf. Dabei ist „37

Grad“ beileibe keine Seniorenreihe,

sondern technisch auf der Höhe der

Zeit. In der ZDF-Mediathek sind

über 130 Beiträge abrufbar,geordnet

nach Themen wie „Schicksal und

Krankheit“, „Trauer und Tod“ oder

„Flüchtlinge“. Schon seit 2010 geben

die Autoren auf der Facebook-Seite

Einblick in ihreArbeit und laden zur

Diskussion, seit diesem Frühjahr

präsentiert sich „37 Grad“ auf Instagram,

zum Jubiläum wirdnun ein eigener

YouTube-Kanal eingerichtet.

37 Grad immer dienstags um 22.15imZDF,am

8.10. „BauernhofstattAltersheim“, ab 00.20 Uhr

„Lange37-Grad-Nacht“ mit acht Beiträgen.

Das Konzerthausorchester und das Chamber Orchestra of Europe mit Mendelssohn, Mozart und Haydn

VonMartin Wilkening

Gast im Konzerthaus: der Dirigent Jan Willem de Vriend.

Im Konzerthaus sind die betont

klassischen Programme seltener

geworden. Trotzdem entspricht ein

Mozart-Mendelssohn-Abend wohl

immer genau dem, was das Publikum

hier erwartet, und der Saal ist so

gut wie ausverkauft. Dabei ist der

1962 geborene Dirigent Jan Willem

de Vriend in Berlin bisher kaum bekannt.

Mehr als drei Jahrzehnte leitete

er als Geiger sein eigenes Barockensemble

in Amsterdam, er hat

mit allen niederländischen Orchestern

gearbeitet und ist in Stuttgart,

Barcelona und Lille als Erster Gastdirigent

verpflichtet. Mitdem Konzerthausorchester

und dem Pianisten

Matthias Kirschnereit hat er eine

Schumann-CD eingespielt, die in

diesem Frühjahr bei Berlin Classics

erschienen ist.

An diesem Abend trifft dieselbe

Besetzung bei Mozart zusammen.

Dessen C-Dur-KonzertKV467 ist mit

Kirschnereit und de Vriend alles andere

als Kuschel-Klassik. Die Tempi

sind straff, auch in dem berühmten

und als Filmmusik abgenutzten Andante,

und der Klang ist aufgerauht

durch die Verwendung von Naturtrompeten.

Bei der Deutlichkeit der

Phrasierung und Klarheit der Artikulation

bleiben sowohl bei Kirschnereit

als auch dem Orchester keine

Wünsche offen. Weniger durchdacht,

ja manchmal fast zufällig,

wirkt die Abstimmung der Farben.

Aber die Lebendigkeit des Zusammenspiels

begeistertdie Zuhörer,die

Kirschnereit erst nach zwei Zugaben

entlassen, einem Mendelssohnschen

Lied ohne Worte und Mozarts

„Alla turca“, konzentriert und spannungeladen

gespielt, ohne ranschmeißerische

Mätzchen.

De Vriends Vorliebe für den Spaltklang

findet in einer eingangs gespielten

Sinfonie für Doppelorches-

MARCEL VAN DEN BROEK

ter von Johann Christian Bach eine

dankbare Vorlage. Virtuos werden

die räumlichen Effekte vonden zwei

Orchestergruppen realisiert, und

entspannt wirkt die Überlagerung

vonZweier-und Dreierrhythmen im

langsamen Satz, der in solch idyllisierender

Vereinigung der Gegensätze

das Andante aus Mozarts Klavierkonzert

vorwegnimmt. Der Eindruck,

den Mendelssohns Schottische

Symphonie am Schluss

hinterlässt, bleibt allerdings uneinheitlich:

perfekt intonierende Holzbläser,

rhythmischer Schwung, der

MICHAEL PETSCH

Klang der Violinen jedoch ist blass,

das dynamische Profil eher grob.

Die tollkühne Herausforderung,

die Mendelssohns Orchestervirtuosität

darstellt, wurde tags darauf erst

richtig spürbar. Mit Andras Schiff

und dem Chamber Orchestra ofEurope

im Kammermusiksaal klangen

Mendelssohns 1. Klavierkonzertund

seine Italienische Symphonie, als

würde man sie zum ersten Mal hören,

so pointiert imZusammenspiel

und mit irrwitzigen Steigerungen in

den Schlussteilen, die man nicht für

möglich gehalten hätte.

Auch in Haydns letztem Klavierkonzert

in D-Dur und seiner 88.

Symphonie konnte sich solch ein

Schein des Spontanen entfalten, der

auf der Basis einer genauen Vorbereitung

beruht und der präzisen Vorstellung

eines Ganzen. Zwar spielen

die Violinen fast ohne Vibrato, aber

mit belebtem und differenziertem

Bogenstrich und umgekehrtbenutzt

Schiff, der gerade seine neue CD mit

Schubert auf dem Hammerklavier

herausbrachte, auch für Haydn ein

modernes Instrument, seinen eigenen

Steinway. Der Reichtum an Farben,

den er darauf selbst bei fast pedallosem

Spiel hervorbringt, befreit

die Frage nach Authentizität von

allzu äußerlichen und wohlfeilen

Antworten.

NACHRICHTEN

Luc Besson weist Vorwürfe

der Vergewaltigung zurück

Derfranzösische Starregisseur Luc

Besson („Das fünfte Element“) hat

Vorwürfe der Vergewaltigung gegen

ihn als falsch zurückgewiesen. „Ich

habe noch nie eine Frau körperlich

oder moralisch zu irgendetwas gezwungen“,

so der 60-Jährige am

Montag in einem Interview mit dem

französischen Fernsehsender

BFMTV. EinRichter hatte in der vergangenen

Woche Ermittlungen wegenVergewaltigungsvorwürfen

einer

Schauspielerin wieder aufgenommen,

zu der Besson zwei Jahrelang

eine Beziehung gehabt habe,wie er

auch einräumt. Er habe seine Familie

und Frau angelogen und Fehler

gemacht, so der Regisseur. (dpa)

Freilassung der Reporterin

Julia Jusik im Iran in Aussicht

DerIranhat die Festnahme der russischen

Journalistin Julia Jusik mit einem

Verstoß gegen Visumbestimmungen

begründet. „Mit Spionage

hatte es nichts zu tun“, sagte der Regierungssprecher

Ali Rabiei laut der

Nachrichtenagentur IRNA am Montag.

DerFall werdeuntersucht und

bald aufgeklärt. Dierussische Botschaft

in Teheran hatte am Freitag

die Vermutung geäußert, Jusik sei

unter Spionageverdacht in Gewahrsam

genommen worden. Daraufhin

wurde der iranische Botschafter

Mehdi Sanaei ins russische Außenministerium

geladen, um die Lage

aufzuklären. Sanaei habe die baldige

Freilassung der Reporterin zugesichert.

(dpa)

Ingmar Stadelmann

übernimmt RBB-Abendshow

DerComedian Ingmar Stadelmann

präsentiertabdem 24. Oktober die

„Abendshow“ im Fernsehen des

Rundfunk Berlin-Brandenburg

(rbb), wo der in Sachsen-Anhalt geborene

Stadelmann schon häufig als

Gast aufgetreten ist. Die45-minütige

„Abendshow“ begann 2017 als satirisch-politisches

Format und wurde

seit dem Sendestartvon Britta Steffenhagen

und MarcoSeiffertmoderiert.

Ingmar Stadelmann soll dazu

beitragen, dass die „Abendshow“

künftig stärker als Comedy-und Satireformat

aus Berlin wahrgenommen

wird. (BLZ)

Erster Trailer zur dritten

Staffel von „Babylon Berlin“

Einerster Trailer zur dritten Staffel

von„Babylon Berlin“ wurde am

Montag veröffentlicht. Darintreten

Schauspieler wie Volker Bruch, Liv

Lisa Fries und Benno Fürmann auf.

Diedritte Staffel soll zunächst im Bezahlsender

Skyund im Herbst 2020

im Ersten zu sehen sein. Diezwölf

neuen Episoden seien bereits in 100

Länder verkauft worden, darunter

die USA, Kanada, Australien und

China, heißt es in einer Mitteilung.

Vorlage für die dritte Staffel ist der

Roman „Der stumme Tod“ vonVolker

Kutscher.Rath soll den Todeiner

Schauspielerin aufklären, die bei

Dreharbeiten ums Leben kam. (dpa)

TOP 10

Sonntag,6.Oktober

1 Polizeiruf 110 ARD 8.88 26 %

2 Tagesschau ARD 6,44 20 %

3 ZDF-Sportextra ZDF 6,08 19 %

4 Leichtathletik ZDF 6,02 21 %

5 heute ZDF 4,69 18 %

6 Leichtathletik ZDF 4,20 18 %

7 heute-journal ZDF 3,43 11 %

8 ZDF-Sportextra ZDF 3,41 15 %

9 RTL aktuell RTL 3,12 12 %

10 Voice of Germany Sat.1 3,02 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 * Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

20.00Neues Haus: Mütter und Söhne

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00: Publikumsbeschimpfung

20.00Box: Frei-Boxen

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

Komödie am KurfürstendammimSchillerTheater

(✆ 88 59 11 88) 19.30: Rio Reiser –Mein Name

ist Mensch

Maxim GorkiTheater (✆ 20 22 11 15)

19.30:Salome

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00 Saal C: DankeDeutschland

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Adelverpflichtet

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00:Indien

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Aquamarin (Klaus Hoffmann)

Cabuwazi – Zelt Springling (✆ 60 96 28 48)

10.00: 40 Jahre Marzahn –Die Cabuwazi-Jubiläumsshow

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Zirkus Angela

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Howtobecome aBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Wermit wem? (TheatersportBerlin)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Strictly Stand Up –The English ComedyNight

(hosted by ChristianSchulte-Loh)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater Berlin (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30:MammaMia! –Das Musicalmit den Hits

vonABBA

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00:Tour2019 (Emmi &Willnowsky)

KLASSIK

BKA (✆ 202 20 07)

20.00:Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden20. und des 21.

Jahrhunderts

Bode-Museum (✆ 266 42 42 42)

16.00: Kammerensemble des Berliner ResidenzOrchesters,Klassik

am Nachmittag–Goldener Oktober,

PreußischeMusik trifft auf Werkeder italienischen

und französischen Komponisten; Kompositionen von

König Friedrich II., Anna Amalie vonPreußen, Bach,

Monteverdi und Rameau;anschl. Führung möglich

Französische Friedrichstadtkirche

(✆ 20 64 99 22) 15.00: Kilian Nauhaus, 30 Minuten

Orgelmusik, OrgelwerkeverschiedenerJahrhunderte

KonzerthausBerlin (✆ 203 09 21 01)

14.00: Espresso-Konzert

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Mathieu Dufour (Flöte), Michèle Gurdal

(Klavier), Lunchkonzert, Gabriel Fauré: Fantasiefür

Flöte und Klavier op. 79; François Borne: „Fantaisie

brillante sur Carmen“ für Flöte und Klavier

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00:Jiyong Yoon (Oboe), Myoung Joon Cho (Klavier),

Johann Sebastian Bach:Oboenkonzertg-Moll;

Gilles Silvestrini: Sechs Etüden fürOboe, Auszüge;

Eun-Chul Oh: „SecretGarden“ fürOboe und Klavier;

Antonio Pasculli: Concerto über Themen aus Donizettis

Oper „La favorite“ für Oboe und Klavier

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Franz Ensemble,Ferdinand Ries: Oktett;

Beethoven: Septett

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

19.30: Die Offene Gesellschaft: Margarete Huber

(Sopran),Tomas Bächli (Klavier), Dr.Christine

Rhode-Jüchtern (Texte, Moderation),Lieder vonHanns

Eisler,Arien aus G. F. Händels Opern„Giulio Cesare“

und „Alcina“,Klavierwerkeaus Arnold Schönbergs

„Opus11“; Margarete Huber: „die vögel stehen in

der luft und schreien“für Klavier &Zuspiel,„il vento /

schwärmen“, „Giardino utopico“ für Elektronik; Texte

aus „Deine Utopie“

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

19.30: Barockquartett der lautten compagney,

:lounge–Misterio,Musik aus den barocken Mysteriensonaten

vonHeinrich Ignaz Franz Biberund dem

TangoNuevo vonAstor Piazzolla

KINDER

Alte Dorfschule Rudow (✆ 66 06 83 10)

10.00: Kinderferienprogramm: Filzen mitPrisca,

Workshop. Anm. erf.

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio:Die besten Beerdigungen der Welt

(ab 5J.)

10.30: Rico, Oskar und dieTieferschatten (ab 8J.)

Cabuwazi –Zelt Altglienicke (✆ 22 19 76 60)

10.00:Zirkusferien Altglienicke, Workshop(ab 7 J.)

Cabuwazi –ZeltKreuzberg (✆ 29 04 78 40)

10.00:Zirkusferien Kreuzberg,Workshop(ab 7 J.)

Cabuwazi –ZeltTempelhof (Columbiadamm84)

10.00: Zirkusferien Tempelhof, Workshop (ab 7J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games.Wie digitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Das weite Theater (✆ 991 79 27)

10.00: Kannst du pfeifen, Johanna? (ab 5J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.30: Schneewittchen &die sieben Zwerge, PuppenbühneallerHand,

Mitmachstück (ab 4J.)

11.00: Razzz 4Kids, Beatboxmusical(ab 6J.)

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

9.00:Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

10.00: Berlins beste Herbstferien! PHÄNOMENIEN–

Erstaunliches fürNeugierige, Aktionen und Workshops

(ab 4bis 10 J.)

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

10.00: DasGlück,das nicht vomBaum fallen wollte,

Christiane Klatt puppen etc, Figurentheater (ab 3J.)

Fliegendes Theater (✆ 692 21 00)

10.30: Wind im Gummistiefel, Theater Fusion,Puppentheater

(ab2bis5J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reichinder Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00:Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY!Queer in Schöneberg

und anderswo

Klax Kreativwerkstatt (✆ /64 49 44 22)

9.00:Herbstferien: Zauberei im Malatelier,Ferienworkshop

für Grundschulkinder (ab 8bis 12 J.).

Anm. erf.

9.00: Herbstferien:Doityourself!, Ferienworkshop für

Grundschulkinder (ab 8bis 12 J.). Anm. erf.

MACHmit! Museum fürKinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Der Rest vom Lagerfeuer –Kohlekunst,

MACHmit! Aktion, 14.00: Glühwürmchen im Glas,

MACHmit! Aktion, Kosten 5€

Museum für Kommunikation (✆ 20 29 40)

14.00: Ferienprogramm: Strenggeheim! Rätselhafte

Codes und unsichtbareTinten, Workshop (ab 8bis 12

Lied

Berlin

und

Jacques Brel

Lieder über Berlin können

mit ihrer Ickerei ziemlich

peinlich sein –oder aber sie

sind von Klaus Hoffmann.

„Was fang ich an in dieser

Stadt, die so viel Fortschritt

nötig hat“ fragte sich der beste

Berliner Liedermacher 1978

auf einer seiner ersten Platten.

„Hier herrscht Gleichgültigkeit,

der Hass und der Neid,

der Zaster und das Leid, die

Einsamkeit, die Heuchelei, die

Lüge, Entfremdung und die

Not, lassen dich wählen zwischen,

Angst oder Betrug.“

Mehr als dreißig Alben hat der

68-jährige Interpret in seiner

Karriere aufgenommen. Bis

zum heutigen Tage gültig ist

seine behutsame und höchst

eigenständige Anverwandlung

von Liedern des belgischen

Chansonniers Jacques Brel,

von denen einige sicherlich

auch bei seinen diesjährigen

Berliner Auftritten zu hören

sein werden. Frank Junghänel

Klaus Hoffmann 8. bis 11. 10., jeweils

20 Uhr,13.10., 19 Uhr, Bar jeder Vernunft,

Schaperstraße 24

Mit großem Orchester,Ukulelenensemble und reichlich Zerstörungsenergie arbeitet sich der Performer Taylor Mac durch all das, woran man

Das einzige Kulturgut, das

die Konservativen erschaffen

haben, sind die

,Die Hard‘-Filme und

Gott“, sagt der queere Performancekünstler

Taylor Mac über seine Monumentalshow

„A 24-Decade

History of Popular Music“. Das

müsste man in dieser Knappheit

vielleicht diskutieren, aber Mac hat

da einen Punkt. Diesen zu beweisen,

scheut der Performer keine Mühe:

246 Songs in 24 Stun den, von alten

Native-American-Weisen über Walt

Whitman zum Broadway, von den

Supremes über Bowie zu Lauryn Hill,

zehn Songs pro Dekade, scheint er

nichts auszulassen, ah, sorry, scheint

„judy“ nichts auszulassen: Judy –als

Hommage an Judy Garland –ist sein

heiterer Vorschlag, die geschlechtsfixierenden

Pronomen zu umgehen,

wobei judy auch meint: „My gender

is performer“.

In Berlin feiertdas Stück seine europäische

Premiere, das vordreiJahren

inNew York erstmals zu sehen

war und seither mit Theaterpreisen

und Pulitzernominierungen gefeiert

wurde. Daich die Show nicht gesehen

habe, bin ich auf Ausschnitte

Markus Schneider

empfiehlt Taylor Macs

24-Stunden-Performance über die

Queerness der US-Geschichte, die

wimmelnden Allround-Psychedeliker

King Gizzard, sowie den exoterischen

Krautrocktechnoindiepop der Türen.

Zur Erholung: Unterwasserbeats mit

Gesang und Saxofon vonLaura Misch.

und Berichte angewiesen, die mir

begeisternd genug klingen und aussehen:

Ein großes Orchester, Ukulelenensembles

und Solisten sowie ein

offenbar unerschöpflicher Hauptperformer

queeren die US-Geschichte,

mit u.a. massenhaft irren

Glitzerkostümen, Glamtheater und

aufblasbaren Penissen, mit nackten

Gefängnisszenen, Bürgerkriegssoldaten

und Weltkriegsschützengräben,

Stripperbanden, einer Busladung

voll queerer Menschen auf

demWegzur Civil-Rights-Demo und

einer Inszenierung der Beerdigung

von Judy Garland (deren Tod im

Sommer ’69, so die Folklore, die

LGBTQ-Szene so aufgewühlt hatte,

dass sie eine Woche später entschlossen

gegen die Razzia der New

Yorker BarStonewall auf die Barrikaden

gingen und der Gay Liberation

einen Gründungsmythos gaben).

„Ich opfere sozusagen mit jedem

Song etwas, woran wir uns festhalten,

ob es die Idee des Patriarchats

als Leitkultur ist oder die Angst, mit

dem falschen Geschlecht angesprochen

zu werden“, sagt judy.„Wir gehen

die Liste durch und haken ab –

aber auf sehr unterhaltsame Art.“ Als

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Once Upon a

Time in... Hollywood 16.00; RoyalOpera House London:

Don Giovanni 19.45

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Nurejew 14.50,

17.40; Gelobt sei Gott 20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 1026) Deutschstunde

14.15,17.00; RoyalOpera House London:Don Giovanni

19.45

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Memory Games

(OmU) 14.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 17.00, 20.30, 21.30; Systemsprenger

14.30,17.15,20.00;Gelobt seiGott (OmU) 15.00;

Ad Astra (OmU) 18.00, 20.45; Ein Licht zwischen

den Wolken 13.30; Nurejew (OmU) 14.15, 18.40,

21.20; Der Distelfink (OmU) 15.30; Und der Zukunft

zugewandt 13.20,16.30,19.00; Midsommar

(OmU) 21.30; Skin (OmU) 15.40, 18.20, 21.00;

Synonymes 14.15; Ein Licht zwischen den Wolken

(OmU) 16.50; Synonymes (OmU) 18.50

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Deutschstunde

17.30, 20.00; Zwischen uns die Mauer 18.00; Systemsprenger

20.15

Kant Kino (✆ 319 9866) Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 14.00, 16.00; Gelobt sei Gott 15.15, 17.50;

Nurejew 20.40; Everest 13.30, 15.40; Downton

Abbey 14.30, 18.00, 20.40; Late Night 18.00; Der

Distelfink 20.15; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.50; Der Distelfink 17.00; Leid

und Herrlichkeit 20.00; Gut gegen Nordwind 17.00;

Once Upon aTime in...Hollywood 19.30

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Angry Birds 2

12.00; Downton Abbey 14.15; Gemini Man 17.10,

20.00,23.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 12.20,

14.30; Downton Abbey 16.50, 19.45; Es: Kapitel

II 22.40; Deutschstunde 12.00, 14.50, 17.40,

20.30;Angel HasFallen 23.15;Gemini Man 12.30,

15.10; AdAstra 17.50; Once Upon aTime in...

Hollywood 20.40; AToy Story: Alles hört auf kein

Kommando 12.15, 14.45; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 17.10; AdAstra 20.10, 23.00; Playmobil

12.45; AdAstra 15.00; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 17.50; Gut gegen Nordwind 20.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 22.50; Die drei

!!! 11.15, 13.10; Angry Birds 215.10; Der Distelfink

17.30; Es: Kapitel II20.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Ama-San

(OmU) 11.00; Sunset –Napszallta (OmU) 13.00;

Mein Lotta-Leben15.20; Angry Birds 216.50; Datsche

(OmenglU) 18.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 20.00; Synonymes (OmU) 22.45;

Paranza: Der Clan der Kinder (OmU) 11.00; Crawl

12.45; Cleo (OmenglU) 14.15; Systemsprenger

15.50; Memory Games (DFmenglU) 18.00; Midsommar

(OmU) 19.30; Es II (OF)22.00;Die Agentin

(OmU) 11.00; Leid und Herrlichkeit (OmU) 13.00;

Und der Zukunft zugewandt (DFmenglU) 15.00;Wer

4sind –Die Fantastischen Vier 16.45; Ama-San

(OmU) 18.30; Systemsprenger (DFmenglU) 20.30;

3From Hell –Three From Hell (OmU) 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.00; Systemsprenger

15.45,20.00; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Midsommar (OmU) 22.30; Über Grenzen –

Der Film einer langen Reise 14.00; Congo Calling

(OmU) 16.15; Celebration (OmU) 18.00; Memory

Games (OmU) 19.30; Barstow, California (OmU)

21.15; Playland USA 22.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX 3D: Gemini

Man 14.00, 16.50, 19.45; Ad Astra 14.00, 16.50,

20.00;3D: DerKönigder Löwen14.15; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.15; Good Boys

14.20; Gemini Man 14.20, 17.20, 20.15; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 14.30, 18.10; Enzo und die

wundersameWelt der Menschen 14.30; Once Upon

aTime in...Hollywood 14.45; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 14.45; Es: Kapitel II 14.45, 17.45, 20.30;

Angry Birds 214.50,17.20; Everest 15.00, 17.30;

UglyDolls 15.10, 17.00; Deutschstunde 16.50,

19.50; Gut gegen Nordwind 17.00; Angel Has Fallen

17.10, 20.10; Downton Abbey 17.20, 20.10;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig, tot 17.30,

21.00; Rambo 5:Last Blood 18.30, 21.20; Royal

Opera House London: Don Giovanni 19.45; Midsommar

20.00; Ad Astra (OF) 20.00;SneakPreview

(OF) 20.15; Skin 20.15

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 18.00; Skin (OmU)

20.15, 22.30; Berlin Bouncer (OmenglU) 18.00;

Synonymes (OmU) 19.45; Das melancholische

Mädchen (OmenglU) 22.15

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Everest 11.00,

13.40,16.30; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

11.10, 13.30; Pets II 11.15, 14.10; Playmobil

11.20; Angry Birds 211.30, 13.50; MeinLotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 11.40; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 11.50, 14.15, 16.50; Der

König der Löwen 13.40; 3D: Gemini Man 14.00,

17.10, 20.00; 3D: Angry Birds 216.20; Downton

Abbey16.30,19.40;GoodBoys16.40;3D: Everest

17.00; Es: Kapitel II19.10; AdAstra 19.20; Gut

gegen Nordwind 19.30; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 19.45; Rambo 5: Last Blood 20.10

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Systemsprenger 13.30;

3D: Der König der Löwen 15.40; Once Upon aTime

in... Hollywood 17.45; Blinded by the Light 20.35

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Die drei !!!

11.50; 3D: Der König der Löwen 12.00; UglyDolls

12.10,14.30,17.10; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

12.10,15.10,17.20;AToy Story: Alles hörtauf kein

Kommando12.15,14.40;Jim Knopf und Lukas der

Lokomotivführer12.20; Der König der Löwen 12.30,

17.10;Angry Birds 212.30, 15.00, 17.30; Everest

12.40, 14.50, 17.20; Enzo und die wundersame

Welt der Menschen 14.20,19.30; Gut gegen Nordwind

14.30; Gemini Man 14.45,20.20; Good Boys

15.00; 3D: Everest 16.50; Downton Abbey 17.00,

19.30; 3D: Gemini Man 17.15, 20.00; Get Lucky

–Sex verändert alles 17.40; Rambo 5:Last Blood

19.40; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.45; Es:

Kapitel II 19.50; Angel Has Fallen 20.00; AdAstra

20.10

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 17.10, 20.30; B Ad Astra (OmU)

17.00, 19.30, 22.00

fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 17.45; Gelobt sei Gott (OmU)

17.45,20.30; Systemsprenger 19.30, 21.45

Moviemento (✆ 692 47 85) Mein Lotta-Leben –

Alles Bingo mit Flamingo! 10.15; Systemsprenger

13.00, 18.00, 20.45; Benjamin Blümchen 15.45;

Skin (OmU) 23.30; Der kleine Maulwurf (1963-

1975) 10.30; Midsommar (OmU) 12.00, 17.00,

22.30; Ein Licht zwischen den Wolken 15.00;

Skin (OmU) 20.00; Memory Games (OmU) 12.30,

19.15; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; Skin (OmU) 16.45; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 21.15

Sputnik (✆ 694 1147) Pippi Langstrumpf 15.00;

Zwischen uns die Mauer 16.45; Systemsprenger

18.45; AdAstra (OmU) 21.00; We Have Always

Lived in the Castle (OF) 23.00; Normal (OmenglU)

15.00; Cleo (OmenglU) 16.15; Mein Leben mit

Amanda (OmU) 18.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 19.45; Paranza: Der Clan der Kinder

–Laparanza deibambini (OmU) 22.30; Kinobar im

Sputnik Normal (OmU) 19.00; CatVideoFest 2019

(OmU) 21.00; Berlin Bouncer (OmenglU) 23.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 14.00, 16.00; Systemsprenger 17.15,

20.00; New Nurejew 14.30, 20.30; Und derZukunft

zugewandt 18.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00, 18.15;

Playmobil 10.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 10.00,12.45; Everest 10.00,12.45,

15.15; Angry Birds 210.00, 15.15; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 12.30; UglyDolls

13.00, 15.00; Gemini Man 15.00, 17.30, 20.15;

Systemsprenger 17.15, 20.15; 3D: Everest 17.30;

Downton Abbey 17.45, 20.00; Es: Kapitel II 19.45;

Ad Astra 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 13.00, 15.00; Gut gegen Nordwind

13.00; Downton Abbey 13.00, 15.30, 17.00;

Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen 15.40;

Nurejew 18.00; 3D: Angry Birds 218.00; Royal

Opera House London: Don Giovanni 19.45; Skin

20.15; Es: Kapitel II 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Der

König der Löwen 11.30, 14.20; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 11.45; Jim Knopf und

Lukas der Lokomotivführer 11.45; Everest 11.45,

14.40, 17.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

11.45,14.10; Shaun dasSchaf: UFO-Alarm

12.00, 14.30, 17.15; Angry Birds 212.00, 14.30,

16.50; 3D: Gemini Man 14.00, 17.00, 20.00;

Good Boys 14.15, 19.50; UglyDolls 14.30, 17.00;

Es: Kapitel II 16.40, 19.30; Gut gegen Nordwind

17.00; Downton Abbey 17.10; Royal Opera House

London: Don Giovanni 19.45; Sneak Preview (OF)

20.15; Rambo 5:Last Blood 20.15; Angel Has Fallen

20.15; Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 17.00; Systemsprenger (m.

Gast u.Gespr.) 19.00; Und der Zukunft zugewandt

21.30; Memory Games(OmU) 18.00; Ein Licht zwischen

den Wolken 19.45; Mein Leben mit Amanda

(OmU) 21.30

Babylon (✆ 242 5969) Zwischen uns die Mauer

16.45; Jiddische Glikn: AGesheft (OmU) 17.15;

60‘s BRD: Zur Sache, Schätzchen 17.30; IndoGerman

Film: War(OmenglU) 19.00; IndoGermanFilm:

Sye Raa Narasimha Reddy (OmenglU) 19.00; Berlin

–Hauptstadt der DDR: Sonnenallee (m. Gast u.

Gespräch) 19.30; Der unverhoffte Charme des Geldes–Lachute

de l‘empire americain(OmU) 22.00;

Mackie Messer –Brechts Dreigroschenfilm 22.00;

60‘s BRD: Katzelmacher (OmenglU) 22.30

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Yesterday

(OmU) 14.00; Mein Lotta-Leben 16.15;

Cleo (OmenglU) 18.30; Midsommar (OmU) 21.15;

Midsommar (OmU) 11.30, 16.00; Memory Games

(OmU) 14.15,19.00; Es:Kapitel II –It: Chapter Two

(OF) 21.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Everest

11.00,13.45; AToy Story11.10; Enzo unddie wundersame

Welt der Menschen 11.15, 14.00; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 11.20, 13.40, 17.10; Jim

Knopf und Lukas 11.20; 3D: Gemini Man 11.40,

14.30, 17.20, 20.00, 23.15; Angry Birds 211.40,

14.20; Mein Lotta-Leben 11.50; Der König der

Löwen 12.00; Get Lucky 13.50; UglyDolls 14.10,

16.40; Downton Abbey 14.30, 16.30, 19.40,

23.10; Good Boys 14.50; Es: Kapitel II 16.10,

19.20, 22.30; Ad Astra 16.20, 20.10, 23.10; 3D:

Everest 16.45; 3D: Angry Birds 217.15; Gut gegen

Nordwind 17.30, 19.30; Once Upon aTime

in...Hollywood 19.10; Rambo 5: Last Blood 19.50,

22.45; Midsommar 19.50, 22.55; Ready orNot? –

Auf die Plätze, fertig, tot 20.30, 23.15; Angel Has

Fallen 22.40; Spider-Man: Far From Home 23.00

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Systemsprenger

14.30,19.45,22.15;Gelobtsei Gott (OmU)17.00;

Und derZukunftzugewandt 14.45, 22.00; Deutschstunde

17.00, 19.30; Nurejew (OmU) 14.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 17.15, 20.30;

Berlin Babylon (OmU) 14.00; Der Distelfink (OmU)

16.00, 19.00; Einleichtes Mädchen–Une fille facile

(OmU) 22.00; Skin (OmU) 14.00,16.30, 21.30;

Nurejew (OmU) 19.00

International (✆ 24 75 60 11) Preview: Der Glanz

der Unsichtbaren 19.30

Z-inema (✆ 28 38 91 21) One Cut of the Dead –

Kamera otomeru na! 20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Aus dem Fernseharchiv:

Der Beginn 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

UglyDolls 12.00, 17.00; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 12.00, 14.30, 17.00; Playmobil 12.00;

Pets II 12.00; Everest 12.00, 14.30, 17.30; Der

König der Löwen 12.00, 14.45, 17.15; Angry Birds

212.00, 14.15, 17.05; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando12.00, 14.20,17.05;Downton Abbey

14.15, 20.10; 3D: Gemini Man 14.20, 17.10,

20.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; 3D: Everest 16.45; Ad Astra 17.00,

19.30;Gemini Man19.30;Es: Kapitel II 19.30;Gemini

Man (OF) 19.45; Rambo 5: Last Blood 20.00;

Firincinin Karisi (OmU) 20.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 10.00; Zwischen uns die

Mauer (DFmenglU) 12.00, 17.20; Nurejew (OmU)

13.45; Normal (OmenglU) 16.00; Synonymes

(OmenglU) 19.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.15

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Midsommar (OmU)

16.00,19.15, 22.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Frau Stern 14.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.40, 20.00;

SneakPreview 22.30; Gelobt sei Gott (OmU) 15.10;

Downton Abbey (OmU) 17.20, 20.00; Deutschstunde

14.50, 17.50, 20.30

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Skin (OmU) 17.15,

19.50, 22.30; Skin (OF) 21.40; Nurejew (OmU)

18.00; Once Upon a Time in... Hollywood (OF)

20.40; Ad Astra (OF) 16.20, 19.30; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmenglU) 17.00, 22.10;

Systemsprenger (OmenglU) 19.00; Der Distelfink

(OmU) 17.15; Synonymes (OmenglU) 20.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Jim

Knopf und Lukas der Lokomotivführer 11.30; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 11.40;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 11.50, 14.45, 17.15;

Everest 12.00, 14.30, 17.00;Angry Birds 212.10,

14.55,17.25; 3D:Gemini Man14.00, 16.50;Ugly-

Dolls 14.15,17.35; DowntonAbbey 14.40, 20.15;

Es: Kapitel II 16.30, 19.50; Gemini Man 19.30;

Royal Opera House London: Don Giovanni 19.45;

Gut gegen Nordwind 19.55; Sneak Preview 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) AdAstra (OmU) 11.00,

21.10; Systemsprenger (OmenglU) 12.00, 18.50;

Synonymes (OmenglU) 14.20, 21.10; Ama-San

(OmU) 14.20, 19.00; Kiriku und die Zauberin

16.30; Wajib – Die Hochzeitseinladung (OmU)

16.50

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.00, 16.00; Deutschstunde

18.00, 20.40; Und der Zukunft zugewandt 18.00;

Nurejew 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.00, 16.00; Und der Zukunft

zugewandt 18.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 20.30; Systemsprenger 14.30, 17.15,

20.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.40; Downton Abbey (OmU) 16.50, 19.30;

Everest 13.40, 15.50; Nurejew 18.00, 20.45;

Deutschstunde 15.00, 17.40, 20.20


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 23 *

·························································································································································································································································································

Tagestipp

Sie dürfen Judy zu mir sagen

sich so festhalten kann.

Freund von Marathon-Events finde

ich den einzigen Wermutstropfen in

der Entscheidung, die 24 Stunden

auf vier Tage zu verteilen.

Wie sich ungefähr 13 verschiedene

Hippie-Rockstile in Songs fusionieren

lassen, zeigen die australischen

King Gizzard and the Lizard

Wizard seit wenigen Jahren auf vielen

Alben, 14, um genau zu sein, seit

2012, fünf davon allein im Jahr 2017.

Auch sie gehen auf sehr unterhaltsame,auch

verwirrende und psychedelische

Art die Liste durch und haken

ab.Allerdings ist ihr Auftritt ausverkauft.

Recht monumental fiel das letzte

Album von Maurice Summens Die

Türen aus.„Exoterik“ dauert gut 110

Minuten und schrubbt dabei sehr divers

und ebenso unterhaltsam zwischen

Krautrock-Getucker, Psychedelik

und Elektrokram aller Art

herum, alles in bester Tradition zusammengejammt

und geschnitten

auf einem Gehöft in der (ost)deutschen

Provinz. Sie sind seither ein

Quintett,wennich es recht verstehe,

Andreas „Ja, Panik“ Spechtl und

Drummer Chris Imler haben das

Kerntrio erweitert. Furchtlos und

Ein queeres Marathonspektakel, überfüllter Progrock und

humorvoll weise Krautmusik zwischen gestern und heute

POP

Taylor Mac: A24-Decade HistoryofPopular

Music 10., 12., 18., 20.10., 18

Uhr,Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr.24

King Gizzard and the Lizard Wizard

12.10., 20 Uhr,Columbiahalle, Columbiadamm

13–21 (ausverkauft)

Die Türen 12.10., 21 Uhr,Volksbühne

am Rosa-Luxemburg-Platz

LauraMisch 14.10., 20 Uhr,Berghain

Kantine, Am Wriezener Bahnhof

verwimmeln die Woche.

SCOTT KOWALCHYK/CBS VIA GETTY IMAGES

auch musikalisch am Dada gebaut

können sie schon mal 20-Minuten-

Stücke durchstehen, aber auch mit

großartigen Parolen-Hits und präzisen

postfordistischen Mantras glänzen.„Miete

StromGas“, wassoll man

auch mehr sagen (außer vielleicht

„Keine Zeit, kein Geld, kein Glück“,

so der Vorschlag in „Ich bin eine

Krise“). Sie haben das Album schon

Anfang des Jahres betourt, es aber,so

heißt es in der Ankündigung, nun

noch einmal gebürstet und poliert.

Nach all der Crazyness noch ein

bisschen jazzelektronischeWatte. Die

Londoner Klang- und Visualkünstlerin

Laura Misch spielt Saxofon, singt

und produziert. Aufbisher zwei Minialben

hört man dabei schiefgelegte,

minimalistische Tracks, die mit viel

Dub-Raum angenehm kontrastreiche

Downbeats aus mal mehr subaquatisch

hallenden, mal eher trocken

knackenden Sounds bastelt. Ihr

hauchiger Jazz-Alt und das Saxofon

geben ihr manchmal einen etwas

cappuccinohaften Touch, aber die

originelle Zärtlichkeit der Beats

sträubt sich meist erfolgreich. Chillout,

der sich elegant über die Genregrenzehinwegsetzt.

Pop

Auflegen

und

abhören

Wenn das Format nicht so

unprätentiös daherkäme,

wäre esangebracht, ein

kleines Jubiläum zu annoncieren.

Seit zehn Jahren präsentiert

der Münchener Schriftsteller

und Musiker Thomas

Meinecke seinen „Plattenspieler“.

VorPublikum wird aufgelegt

und darüber gesprochen.

Meinecke lädt dazu Künstler

ein, die Lieblingsplatten mitbringen,

aber auch darauf gefasst

sein müssen, etwas vom

Gastgeber vorgespielt zu bekommen.

Wasman dann aber

auch zu hören bekommt, sind

poptheoretische Abschweifungen,

in denen es grundsätzlich

und spielerisch zugleich

wird. Diesmal sitzt die

amerikanische Poetin, Musikerin

und Aktivistin Moor Mother

mit am Mischpult und es

wird dabei mit vielen Klangbeispielen

einerseits um Industrial-

und Noise-Klänge,

aber auch um Identitätspolitik

gehen. HarryNutt

Plattenspieler 20 Uhr,Hau 2, HalleschesUfer

32

Planetarium am Insulaner (✆ 790 09 30)

10.30: Das kleine 1x1 der Sterne

PuppentheaterFelicio (✆ 44 67 35 30)

10.00: Kasper undRotkäppchen

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

16.00: Das tapfereSchneiderlein, Abenteuer Märchenspiel

(ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

10.00: Hänsel und Gretel, Ulrich Müller-Hönow

Schaubude (✆ 423 43 14)

10.00: HerrWolf und die sieben Geißlein, Pierre

Schäfer,Schau- und Puppenspiel

(ab 5bis 12 J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Die Glücksucher,Kindertheater Mobil, Puppenspiel

(ab 3J.)

LITERATUR/VORTRAG

analog p100 (PotsdamerStr.100)

19.30: Blau. Wiedie Schönheit in die Welt kommt,

Kai Kupferschmidt

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

20.30: Wilhelm Müller:„Die Liebe liebt das Wandern...“,

Der Dichter,Griechenfreund mit Musikbeispielen

vorgestellt von JürgenTomm, gelesen von

Hanspeter Krüger.

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: Lästerschwestern: Lästernineiner Tour 2019,

David Hain und Robin Blase, Podcast Live

Deutsches Spionagemuseum (✆ 398 20 04 51)

19.00: Schatten der Toten, ElisabethHerrmann,

Spionageroman im Deutschen Spionagemuseum

Fahimi (Skalitzer Str. 133)

20.00: VerbrecherVersammlung: „Inneres Lind“, Tom

Combo

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

19.30: LyriklineHör-Lounge, mit Nancy Hünger,

Daniel Falb,HeikoStrunk

Katholische Akademie (✆ 28 30 95 -0)

19.00: Vonoben, Sibylle Lewitscharof

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.30: Peace, Love &Poetry –die Satiredes modernen

Dichterwettstreits!

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

19.30: Gesa Neitzel

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Westemigranten. Deutsche Kommunisten

zwischen USA-Exil und der DDR, Mario Keßler,Buchvorstellung

und GesprächMod.: AnnetteLeo

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: LSD – LiebeStattDrogen

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

20.00: Rakete2000 Lesebühne der Extraklasse

FÜHRUNG

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Gedenkstätte Berliner Mauer –Besucherzentrum

(Bernauer Str. 119) 11.30: Die Berliner Mauer vom

Wasser aus, Treff: Anleger Berliner Dom (11.30, 14.30

Uhr); Anleger East Side Gallery(12.00 Uhr)

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (✆ 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in der Kunst,Treff: Foyer

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

14.00: Ältestes Berlin über-wie unterirdisch: Klosterviertel

–archäologischer Ort–James-Simon Ehrung,

ersteStadtmauer,Franziskaner-Ruine, lnstanzenweg,

Bernd S.Meyer,Treff: Klosterstr.,Eingang Parochialkirche

Museum für Naturkunde (✆ 889 14 0- 85 91)

12.30, 14.00: Ferienführungen zu den Ausstellungshighlights

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

9.00:HörspaziergangFriedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

S ß S 4

KALENDER

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge,Platzder Vereinten Nationen1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: CaféBlume an der Hasenheide,

Fontanestr. 32

11.00: Werkstatt Wedding.Hörspaziergang durch die

Bilder einer Stadt,stadtimohr,Treff und Ausgabe der

Audioguides. Rosa Parks Café,Soldiner Straße 32,

13359 Berlin

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.

9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im Cafe Sibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Konzert

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Bill Callahan

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Karl Seglem &Christoph Stiefel Group, Hopp

(and Smile)

BadenscherHof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Reggie MooreJazz Trio, Cookin’ withJazz

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

21.00: Little Simz

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str. 70)

20.00: Franc Moody

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: Chase Atlantic, Bexey, Xavier Mayne

CafeTasso (✆ 48 62 47 08)

20.00: Gregor LenersFloating Time Quartett

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

19.00: Prince Daddy &The Hyena, Oso Oso, Support

HAU2(✆25 90 04 27)

20.00: Plattenspieler: Thomas Meineckeund Moor

Mother

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

20.00: Songslam –Der Sängerwettstreit im Heimathafen

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

20.00: Milow, Martin &James

Musik &Frieden (Falckensteinstr. 48)

20.00: Twin Peaks

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: LarryPorter

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: Henrik Freischlader Band

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mitHeinz Glass u. a.

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Composers’ OrchestraBerlin, Ltg. Hazel Leach

Wabe (✆ 902 95 38 50)

20.00: 1+1=12: Zofia Charchan

CLUB

Bohnengold (ReichenbergerStr. 153)

18.00: Ping Pong –Music –Drinks (Ping Pong –

Music –DrinksTT-Schläger können vorOrt geliehen

werden)

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str. 99)

20.00: Bellmeria, Marie Midori, AdyToledano

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: Iluv2bang!, DK

Monster Ronson’s Ichiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr. 53)

19.00: Vinylsounds

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

KINO

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Nurejew (OmU) 17.45;

Is It Easy to Be Young: Ist esleicht, jung zu sein? –

Vai vegli but jaunam? (OmenglU) 20.00

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Systemsprenger

18.00; Deckname Jenny 20.00; Normal (OmenglU)

22.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Downton

Abbey 14.15, 17.10, 20.00; 3D: Gemini Man

14.20, 17.15, 20.10, 23.00; Der König der Löwen

14.25, 17.10; Angry Birds 214.25, 16.55;

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 14.25;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 14.30, 16.45; Everest

14.30, 16.55; Die drei !!! 14.30; UglyDolls

14.50, 17.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 14.50; Ad Astra 16.50, 19.55, 23.00;

Systemsprenger 17.05, 19.55; Deutschstunde

17.05, 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

19.20,22.15; Rambo 5: Last Blood 19.30,23.00;

Royal Opera House London: Don Giovanni 19.45;

Es: Kapitel II19.55; Sneak Preview (OF) 20.15;

Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 22.55;

Midsommar 22.55

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Jim Knopf

und Lukas der Lokomotivführer 11.15; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.15, 14.00;

Der König der Löwen 11.20, 17.00; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 11.30, 14.20, 17.00, 19.30;

Pets II 11.40, 14.30; Playmobil 11.50; Everest

11.50, 14.30, 17.10; Angry Birds 212.10, 14.50,

17.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

12.20; UglyDolls 14.00, 17.30; 3D: Gemini

Man 14.15, 17.15, 20.15, 23.15; Downton Abbey

14.20, 16.40, 19.30; Good Boys 15.00; 3D: Everest

16.45; Rambo 5:Last Blood 17.30, 20.20,

23.10; Gut gegen Nordwind 19.45; Es: Kapitel II

19.45, 22.00; Ad Astra 20.00; Angel Has Fallen

20.10, 23.15;Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig,

tot 20.30, 23.10; Once Upon aTime in...Hollywood

22.30; Midsommar 22.50; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 23.10

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 3004)

Systemsprenger 14.35, 17.30, 20.25

Cosima (✆ 85 07 58 02) Und wer nimmt den

Hund? 18.00; Und der Zukunft zugewandt 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Downton Abbey (OmU)

15.00, 20.30; Nurejew (OmU) 17.40

Xenon (✆ 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Nurejew (OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11)UglyDolls

10.00,12.15, 14.45; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

10.00,12.00, 14.10, 17.15; Everest 10.00, 12.15,

14.45; Angry Birds 210.00, 12.10, 14.30, 16.55;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 10.00,

12.15; 3D: Gemini Man 14.30, 17.15, 20.00; 3D:

Everest 16.30; Downton Abbey 17.10, 20.05; Es:

Kapitel II 19.30;AdAstra 19.45

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Frau

Stern 14.30; Und wer nimmt den Hund? 16.15;

Gloria: Das Leben wartet nicht 18.15; Und der Zukunft

zugewandt 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Downton Abbey

14.20,17.10, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520)

UglyDolls 10.00, 12.15, 14.45; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 10.00, 12.10, 14.25, 17.00; Playmobil

10.00; Everest 10.00, 12.10, 15.00; Benjamin

Blümchen 10.00; Angry Birds 2 10.00, 12.10,

14.35,17.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

10.00, 12.10, 14.45; Der König der Löwen

12.05,14.55; 3D: AngryBirds 212.15; 3D:Gemini

Man 14.30, 17.15, 20.00, 22.45; Ad Astra 17.05,

20.00, 23.00; Deutschstunde 17.10, 20.00; Good

Boys 17.45; 3D: Everest 17.45; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.30, 22.55; Royal Opera House

London: Don Giovanni 19.45; Gut gegen Nordwind

20.10; Es: Kapitel II 20.10, 23.00; Midsommar

22.50; Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot

23.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 23.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00,

18.30; Pumuckl und sein Zirkusabenteuer 10.00;

Everest 10.00,14.00, 16.00;Angry Birds 210.00,

14.00, 16.00; Mein Lotta-Leben – Alles Bingo

mit Flamingo! 12.00; 3D: Everest 12.00; 3D: Angry

Birds 212.00; Playmobil 13.45; Gemini Man

16.00,18.00,20.30; DowntonAbbey 18.00; Good

Boys 18.30, 20.30; Rambo 5: Last Blood 20.30;

Es: Kapitel II20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Jocelyne Saab, Dokumentarfilmprogramm:

Egypte, cite des morts –

Egypt City of the Dead (OmU) /Die Sahara wird

nicht verkauft–LeSahara n‘est pasavendre (OmU;

m. Einführung) 20.00; Filme von Wolfgang Höpfner

und Peter Goedel: Rückkehr zu den Sternen. Ein

Film über Science und Fiction (OmenglU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Gloria: Das Leben wartet nicht 13.30; Es: Kapitel

II 13.30, 16.40, 19.20, 20.25, 22.20; Ad Astra

13.30, 16.45,19.40,22.50; Rambo 5:Last Blood

13.40, 20.00, 23.00; Mein Lotta-Leben – Alles

Bingo mit Flamingo! 13.40; Once Upon aTime in...

Hollywood 13.45, 17.05, 20.30, 22.20; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 13.50, 17.15; UglyDolls 14.00,

16.40; Systemsprenger 14.00, 17.00, 20.00; Pets

II 14.00; Gemini Man 14.00; Enzo und die wundersame

Welt der Menschen 14.00, 16.45; Downton

Abbey 14.00, 16.40, 19.50; Der König der Löwen

14.00, 16.20, 19.30; Angry Birds 214.00, 16.30;

Good Boys 14.10, 17.20; Everest 14.10; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.15; Get Lucky

–Sex verändert alles 14.30, 17.10; Gut gegen

Nordwind16.20, 19.50;Skin 16.40,19.50,22.50;

3D: Gemini Man 16.40, 19.50, 23.00; 3D: Der König

der Löwen 17.00, 19.15, 23.00; 3D: AngryBirds

217.00; Zwischen uns die Mauer 17.20, 19.45;

3D: Everest 17.30; Yesterday 19.15; Angel Has Fallen

19.30,22.55; Royal Opera House London: Don

Giovanni (OmU) 19.45; DerDistelfink 19.50; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.30, 23.00;

Fast & Furious: Hobbs & Shaw 20.45, 22.45;

Spider-Man: Far From Home 22.30; Midsommar

22.30; Stuber –5Sterne Undercover 23.00; John

Wick: Kapitel III 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Enzo und die wundersameWelt der Menschen –The

Art ofRacing inthe Rain (OF) 13.20; 3D: Gemini

Man (OF) 13.30, 16.40, 19.40, 22.45; Angry Birds

2–TheAngry Birds Movie II (OF) 13.30; Good Boys

(OF) 13.40; Downton Abbey (OF) 13.50, 16.10,

19.20; Shaun das Schaf: UFO-Alarm –Shaun the

Sheep Movie: Farmageddon (OF) 14.00, 16.30;

UglyDolls (OF) 14.15, 16.40; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando –Toy Story IV (OF) 14.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 16.20, 19.10,

22.45; Der König der Löwen –The Lion King (OF)

16.30;AdAstra (OF) 17.00, 20.00, 23.00; Es: Kapitel

II–It: Chapter Two (OF) 19.00, 22.30; Midsommar

(OF) 19.30; Skin (OF) 20.15, 23.15; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot (OF) 23.00;

Rambo 5: Last Blood (OF) 23.10

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: ABeautiful

Planet 11.45; Gemini Man (OF) 13.15, 16.15,

19.20,22.30

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Blinded bythe

Light (OmU) 18.00; Normal (OmU) 20.15; Apollo

11 (OmU) 21.45

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) UglyDolls 10.00, 12.00,

14.00, 16.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.00, 16.00, 18.00; Playmobil 10.00;

Everest 10.00, 12.00,14.00, 16.00; Angry Birds 2

10.00, 12.00, 14.00, 16.00; MeinLotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.30; Gemini Man 15.00,

17.30, 20.00, 22.30; Rambo 5:Last Blood 18.00,

20.15, 22.30; 3D: Everest 18.00; Downton Abbey

18.00, 20.00, 22.30; AdAstra 20.00, 22.30; Es:

Kapitel II20.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Die drei !!! 13.45;

Gloria: Das Leben wartet nicht 15.45; Bohemian

Rhapsody 17.45; Once Upon aTime in... Hollywood

20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Angry Birds 211.30,14.50, 16.50; Aladdin11.30;

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 11.30,

17.25; Benjamin Blümchen 11.35; Pets II 11.40;

Everest 11.45, 14.15, 16.50; Jim Knopf und Lukas

der Lokomotivführer 11.50; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 12.00, 14.30, 17.15; 3D: Gemini Man

14.00, 17.00,20.00,23.00; Der König der Löwen

14.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.05; Playmobil 14.20; UglyDolls 14.40,

17.10; Es: Kapitel II16.30, 19.40, 22.30; Downton

Abbey 17.00, 19.40; Rambo 5: Last Blood

17.30, 20.15, 23.10; Once Upon aTime in... Hollywood

19.20, 22.30; Gut gegen Nordwind 19.30;

Midsommar 19.45, 22.45; Ready orNot? –Auf die

Plätze, fertig, tot 20.10; AdAstra 20.10, 23.10;

Angel Has Fallen 22.50; Fast &Furious: Hobbs &

Shaw 22.55

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Everest

14.12; 3D: Gemini Man 14.15, 17.00, 20.00; Der

König der Löwen 14.20; UglyDolls 14.30, 17.00;

Angry Birds 2 14.30, 17.10; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 14.50, 17.00; 3D: Everest 16.50;

Downton Abbey17.00,19.30;Rambo 5: LastBlood

19.30;Gemini Man19.30; Es:KapitelII19.30; Annem

(OmU) 19.50;AdAstra 20.10

City KinoWedding (✆ 01 77/270 1976) Systemsprenger

18.45; Sneak Preview (OmU) 21.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Systemsprenger

18.00; Idioten der Familie 20.30; Cocksucker Blues

(OF) 22.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Downton Abbey

12.45; Lola: Lola auf der Erbse 15.30; Gut gegen

Nordwind 17.30; Systemsprenger 20.15; Mein Lotta-Leben–Alles

Bingo mit Flamingo!10.00; Everest

12.30, 14.45; Und der Zukunft zugewandt 17.00;

Downton Abbey 19.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Deutschstunde

15.30, 18.00, 20.30; Systemsprenger 18.00,

20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.00; Deutschstunde

15.00,20.15; Nurejew 17.45

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Der Stein zum Leben 18.00;

Alpgeister –Mythen und Mysterien der Bayerischen

Alpen 20.30

Capitol (✆ 831 64 17)Nurejew15.00, 20.30; Systemsprenger

17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 10.00;

Stan &Ollie 17.00; Film und Diskussion (m. Einführung)

19.30

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) Kinder-

WagenKino: Deutschstunde 10.30; Gelobt sei Gott

13.00;Angry Birds 213.30, 15.45; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 13.45; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.15, 16.30; Nurejew 15.45,

20.45;Downton Abbey(OmU) 15.45; Deutschstunde

18.00, 20.30; Systemsprenger 18.15, 20.45;

Und der Zukunft zugewandt 18.30; Zwischen uns

die Mauer 18.45; Skin 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70)

Playmobil 11.00; Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

11.00; Everest 11.00, 14.00, 17.10;

Der König der Löwen 11.00, 13.50, 16.40; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 11.15,

13.45; Angry Birds 211.15, 14.00, 17.00; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 11.15,14.00;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 11.20, 14.15, 16.50;

3D: Gemini Man 13.40, 16.50; UglyDolls 14.20,

17.10; Es: Kapitel II16.10, 19.45; Downton Abbey

16.40, 20.00; Gut gegen Nordwind 19.40; Royal

Opera House London: Don Giovanni 19.45; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.45; Gemini Man

20.00; Rambo 5:Last Blood 20.10; Sneak Preview

(OF) 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/2798877) AngryBirds

212.30, 15.00; Downton Abbey 17.30, 20.20

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Wer 4sind –Die Fantastischen Vier 17.15; Gut gegen

Nordwind 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 0200) Playmobil

12.00; Gut gegen Nordwind 12.00, 20.00; Enzo

und die wundersame Welt der Menschen 12.00,

14.40, 17.00; UglyDolls 12.05, 14.10, 16.15; Everest

12.10, 14.30; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

12.15, 14.55, 17.10, 18.25; Der König der Löwen

12.15, 15.00; Angry Birds 212.20, 14.45; Jim

Knopf und Lukas der Lokomotivführer 12.30; Benjamin

Blümchen 12.30; 3D: Gemini Man 14.20,

17.10, 20.00; Good Boys 14.45; AToy Story: Alles

hört auf kein Kommando 14.45; Pets II15.00; 3D:

Everest 17.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 17.15; Downton Abbey 17.15, 20.00;

3D: Der König der Löwen 17.15; Rambo 5: Last

Blood17.30,20.00;3D: Angry Birds 217.40; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.45; Es: Kapitel II

19.45; Angel Has Fallen 19.50; Midsommar 20.00;

Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.10;

Ad Astra 20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Pumuckl

und sein Zirkusabenteuer 10.00; Everest

10.00,14.00, 16.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

10.00,14.00,16.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 12.00; 3D: Angry Birds 212.00;

3D: Everest 12.00; Angry Birds 215.00; Systemsprenger

17.45; Gemini Man 18.00, 20.30; Good

Boys 18.15; Gloria: Das Leben wartet nicht 20.30;

Downton Abbey 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Angry Birds 212.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

12.20,14.15, 16.10; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 13.00; 3D: Angry Birds 214.00,

16.00; Everest 15.00; 3D: Everest 17.15; Downton

Abbey 18.00, 20.15; Ad Astra 18.00; Es: Kapitel II

19.45; Gut gegen Nordwind 20.20

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) Angry Birds

217.00; Systemsprenger 20.00

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Angry Birds 217.00; Rambo 5: Last Blood 19.30

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Everest

15.00; Der König der Löwen 15.30; 3D: Everest

17.30; Ad Astra 18.00; Rambo 5: Last Blood

20.00; Gut gegen Nordwind 20.30

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 03371/40 16 41)

Good Boys 15.30; Angry Birds 215.30, 17.30;

Shaun dasSchaf15.45, 17.45; Gemini Man17.30,

20.00; Gut gegen Nordwind 20.00;AdAstra 20.00


24 * Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019

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Netzwerk

NACHRICHTEN

Ehtik-Institut zu KI in

München eröffnet

DOKUS

Wenn der

Bildschirm

schwarz bleibt

VonTorsten Wahl

Wer versteht schon alle Zusammenhänge

der vernetztenWelt?

Werkennt sich wirklich aus mit den

technischen Veränderungen? Auf

Funk, dem Online-Angebot vonARD

und ZDF für die 14- bis 29-Jährigen,

widmen sich zwei Beiträge gerade

den größten Problemen der Zielgruppe:

Das Smartphone ist defekt,

die Festplatte des Laptops zerstört.

Abzocke Datenrettung. Wer kann

helfen, wenn der Bildschirm plötzlich

schwarz wird und die Masterarbeit

kurz vor der Abgabe nicht mehr

abrufbar ist? Armin Ghassim, Reporter

des Formats „Strg+F“, hat selbst

erlebt, wie wichtig professionelle

Datenrettung sein kann. Um zu testen,

wie seriös jene Firmen arbeiten,

die bei der Google-Suche ganz oben

erscheinen, hat er eine externe Festplatte

so präpariert, dass sie in zwei

Minuten wieder hergestellt werden

könnte. Ergab sie bei diversen Anbietern

ab und musste feststellen,

dass hinter allen Google-Top-Adressen

immer dieselbe, in Wales sitzende

Firmasteckte,die ihm entweder

zwischen 500 und 3000 Euro abknöpfen

wollte oder eine komplett

zerstörte Festplatte zurückschickte.

Die Alternative: Werkstätten vor Ort

suchen oder noch besser: Daten seriös

sichern. „Strg+F“ beweist nicht

nur hier seine Hartnäckigkeit, das

Konzept wurde gerade mit dem You-

Tube Goldene KameraDigital Award

für das beste Informationsformat

ausgezeichnet.

Philipp Walulis setzt bei seinem Recherche-Format

auf Satire. FUNK/JULIAN_HARTWIG

Recht auf Reparatur. Schon viele

Preise bekommen hat Philipp Walulis,der

seit 2016 auf Funk zuhause ist

und in diesem Jahr vom Marler

Grimme-Institut den Bert-Donepp-

Preis für Medienpublizistik erhielt. In

einem aktuellen Clip fragt er, warum

sich das hippe iPhone so schwer oder

gar nicht reparieren lässt. Er kombiniertYouTube-Clips

von aufgebrachten

Bastlern und professionellen Reparateuren,

die sich darüber beklagen,

dass sie von Apple keine Ersatzteile

bekommen, mit eigenen Clips,

die die fadenscheinigen Vorwände

der Hersteller satirisch illustrieren.

Die simple kommerzielle Taktik, die

dahinter steckt –„Kauf dir doch besser

gleich ein neues Smartphone!“ –

ist in diesen Tagen noch unzeitgemäßer,

das Recht auf Reparatur immer

dringender.

„Strg+F“ und „Walulis“ sind auf www.funk.net und

bei YouTubeabrufbar.

Torsten Wahl

guckt immer gern beim

Jugendsender Funk vorbei.

Der Mittelständler TCS aus Genthin (Sachsen-Anhalt) setzt bei der Entwicklung von Klingelanlagen auf die Digitalisierung.

Digitalisierung als Türöffner

Im Mittelstand zeigt sich, dass die neuen Technologien Arbeitsplätze nicht abschaffen

VonFranziska Höhnl

Wer für sein Haus eine

Klingelanlage nach eigenen

Vorstellungen

bestellte, wusste beim

Hersteller Tür-Control-Systeme

(TCS) lange nicht, wann genau sie geliefertwird.

„Wenn alles gut lief, dauerte

es sieben Tage, sonst bis zu 44

Tage“, sagt Frank Balla, der zur TCS-

Geschäftsleitung gehört. Das war

eine unbefriedigende Situation für

den Mittelständler, der in Genthin in

der Nähe von Magdeburg sitzt und

auch produziert. Zwei MillionenTCS-

Sprechanlagen hängen bundesweit

in Wohnungen, viele sind nach den

individuellen Wünschen der Planer

oder Eigentümer konzipiert.

Lehrlinge gut geschult

44

Prozent der Teilnehmer einer

Studie wünschen mehrDigitalisierunginallenBereichen.

Das Kombinieren der vielen Möglichkeiten

für das Wunschprodukt

musste beschleunigt und vereinfacht

werden. „Jetzt haben wir noch

drei bis fünf Arbeitstage Lieferzeit“,

sagt Balla. Wie hat TCS das hinbekommen?

DieAntwortlautet: Digitalisierung

des Prozesses.

Damit gehört TCS innerhalb des

deutschen Mittelstandes zur Minderheit.

Derseit drei Jahren erstellte Digitalisierungsindex

der Deutschen Telekom

ergab zuletzt, dass bundesweit

45 Prozent der befragten Mittelständler

die Digitalisierung in ihrer Geschäftsstrategie

verankert haben.

Dieser Anteil wächst, 2017 lag er bei

42 Prozent. Besonders aktiv seien die

Betriebe seit Jahren bei der Digitalisierung

der Beziehung zu den Kunden.

Da passt TCS inden allgemeinen

Trend. Seit Februar ersetzt ein

Online-Konfigurator den alten Prozess,

den Balla auch ewiges Ping-

Pong nennt. Elektriker hätten ihre

Vorstellungen für die Klingelanlage

mitunter als Skizze auf einem Pappdeckel

übermittelt. Bis die TCS-Experten

auf dieser Grundlage das Endprodukt

mit Kunden abgestimmt und

alle Teile zusammengestellt hatten,

dauerte es.Jetzt klicke sich der Kunde

online seine Wunschstation zusammen

und könne sie dankVirtual-Reality-Tool

auch als Projektion an der eigenen

Hauswand sehen, so Balla. Die

Skizzen, die Konstruktion, die Stückliste

–alles wirdautomatisierterstellt.

Betreut wird der Konfigurator von

Mitarbeitern, die vorher mit der analogen

Planung betraut waren. Sie

wurden im laufenden Betrieb weitergebildet.

In der Weiterbildung der Belegschaft

liege ein Knackpunkt für eine

erfolgreiche Digitalisierung der Industrie,

sagt der Präsident des Bundesverbands

der Elektrotechnik und

Elektroindustrie (ZVEI), Michael Ziesemer.

Digitalisierung heiße nicht,

STÄNDIG ERREICHBAR

400

Menschen ließ der Dienstleister

PricewaterhouseCoopers

dafür befragen.

24

Stunden Erreichbarkeit, das

war eine der großen Sorgen

der Befragten.

dass Stellen wegfallen, eher im Gegenteil,

aber es brauche andereJobs.

Bewerkstelligen müssten Betriebe

den Wandel größtenteils mit den

Mitarbeitern, die schon jetzt bei ihnen

arbeiteten.

„Künftig geht es mehr um Service

und weniger um die Dispo von Aufträgen“,

so Ziesemer. Laut Digitalisierungsindex

haben das auch viele

Mittelständler in Deutschland erkannt:

46 Prozent der befragten Unternehmen

halten es für einen entscheidenden

Erfolgsfaktor, die digitale

Kompetenz ihrer Belegschaft

auszubauen. Nurein Drittel sagt: Die

Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter in diesem

Feld reichen aus. Vertreter der

Arbeitnehmer sehen Nachbesserungsbedarf

aufseiten der Unternehmen.

DerAusbildungsreportdes

Deutschen Gewerkschaftsbunds

(DGB) ergab: Einer von drei Azubis,

der kurz vor den Prüfungen steht,

fühlt sich nicht gut auf die digitale

Arbeitswelt vorbereitet. „Diese Zahlen

machen uns Sorge“,sagt die stellvertretende

DGB-Chefin Elke Hannack.

„Berufsschulen und Betriebe

Altmaier will Marktmacht begrenzen

DIGITAL VISION VECTORS

müssen gleichermaßen besser werden.“

Gut weitergebildet fühlen sich

laut Studie vor allem Lehrlinge in

großen Unternehmen. Hier sagen 70

Prozent, sie würden gezielt auf die

neuen Technologien vorbereitet. Bei

kleinen Betrieben bis zehn Beschäftigten

bejahten das nur 45 Prozent.

Dabei fühlen sich die Azubis laut

einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung

noch am besten

auf die digitale Zukunft vorbereitet.

Mit dem Alter der Beschäftigen

steige auch der Anteil derjenigen, die

sich weniger gut weitergebildet fühlen.

41 Prozent aller befragten Beschäftigten

sagten: Sieseien gut weitergebildet,

ebenso viele fühlen sich

nicht ausreichend unterstützt. Ein

Großteil fürchtet dennoch nicht,

dass die Digitalisierung den eigenen

Jobkosten könnte.

Wunsch nach Weiterbildung

Aber was passiert, wenn ein Projekt

völlig neue Anforderungen an die

Mitarbeiter stellt –wie es bei TCS in

Genthin mit dem Web-Konfigurator

war? Die Entscheidung sei nicht nur

mit Freude aufgenommen worden,

räumt Fertigungsleiter Matthias Hebecker

ein. Gerade nicht bei den Mitarbeitern,

die für die analoge Konstruktion

der Wunsch-Anlagen zuständig

waren. „Sie alle sind jetzt im

Konfigurator-Team, haben neue

Aufgaben und mussten sich weiterbilden“,

sagt Hebecker. Das biete

neue Chancen, müsse aber gewollt

sein.„Oft war die Kritik zu hören: Das

schaffen wir nicht.“ Sie schafften es,

sagt Hebecker –und es habe nicht einen

einzigen Jobgekostet. (dpa)

Minister will den Umgang mit Kundendaten regeln und Kooperationen von kleineren Unternehmen erleichtern

Wirtschaftsminister Peter Altmaier

(CDU) will die Wettbewerbsregeln

für große Digitalkonzerne

wie Google, Facebook und

Amazon verschärfen und so deren

Macht einschränken. Das geht aus

einem Gesetzentwurfhervor, der der

Deutschen Presse-Agentur vorliegt

und über den zuvor Spiegel online

berichtet hatte.

Demnach schlägt Altmaier eine

ganze Reihe neuer Vorschriften vor,

die den Umgang mit Kundendaten

regeln und Kooperationen mittelständischer

Unternehmen der Internetbranche

erleichtern sollen. Ziel

sei es, die Spielregeln für marktbeherrschende

Plattformen strenger zu

fassen und zugleich die Chancen für

Innovationen zu erhöhen.

Konkret sollen Nutzer künftig Zugang

zu ihren eigenen Daten erhalten

und diese auch zu anderen Anbietern

mitnehmen können –etwa

die Nachrichten beim Wechsel eines

Messenger-Dienstes auf dem Handy.

Internetriesen wie Amazon sollen

Angebote von Wettbewerbern und

ihre eigenen Angebote bei der Darstellung

vonSuchergebnissen gleich

behandeln. So sollen sich die Verbraucher

unbeeinflusst für das aus

ihrer Sicht beste Produkt entscheiden

können. Außerdem soll das Bundeskartellamt

schneller eingreifen

können, um Monopole zu verhindern

– denn der Markt verändere

sich so rasant, dass man mit bestehenden

Regeln nicht hinterherkomme.

Zusammenschlüsse mittelständischer

Unternehmen sollen allerdings

erst dann der Fusionskontrolle

durch das Bundeskartellamt

unterliegen, wenn alle beteiligten

Unternehmen in Deutschland mindestens

einen Jahresumsatz von

zehn Millionen Euro machen, statt

bisher fünf Millionen.

Bereits im Mai hatte einer der

Gründer von Facebook gefordert,

den Internetkonzernzuzerschlagen.

Chris Hughes rief in einem Gastbeitrag

für die NewYork Times die US-

Regierung dazu auf, die Dienste Instagram

und WhatsApp wieder von

Facebook abzuspalten und dem Unternehmen

für die nächsten Jahre

neue Zukäufe zu untersagen. Facebook

sei zu groß und sein Chef Mark

Zuckerberg zu mächtig geworden.

Hughes verwies auf die US-Tradition,

Monopole einzuschränken,

„egal wie gut es das Management

meint“. (dpa, BLZ)

Dasvon Facebook finanzierte Institut

zur Erforschung ethischer Fragen

rund um Künstliche Intelligenz ist

am Montag in München eröffnet

worden. Im Fokus der ersten Forschungsprojekte

stehen unter anderemSoftware-Entscheidungen

beim

autonomen Fahren und im Klinik-

Alltag sowie die Entwicklung von

Hasskommentaren im Netz. Facebook

unterstützt das Institut an der

TU München mit 6,5 Millionen Euro

undbetont, dass damit keine Auflagen

oder Erwartungen verbunden

seien. Beiden ersten Förderprojekten

soll zum Beispiel erkundet werden,

welche Rolle die Algorithmen

vonOnline-Plattformen bei der Verbreitung

vonHassrede und Fake

News haben. (dpa)

YouTube-Paar zeigt das

Gesicht seines Sohnes Lio

Bisjetzt haben die YouTube-Stars

Bianca und Julian Claßen („Bibis

Beauty Palace“) ihren Sohn Lio nur

vonhinten gezeigt. Nunhat

Deutschlands erfolgreichstes You-

Tube-Paar bei Instagram die ersten

Fotos hochgeladen, auf denen auch

das Gesicht ihres ein Jahr alten Kindes

zu sehen ist. „Das sind wir:Die

Familie Claßen“ schrieben die beiden

26-Jährigen unter das Foto.Dafür

sammelten sie innerhalb kurzer

Zeit mehrereHunderttausend Likes.

DerClip,indem das Paarr Bibis

Schwangerschaft ankündigte,war

2018 mit mehreren Millionen Aufrufen

das erfolgreichste Nicht-Musik-

Video bei YouTube-Nutzernaus

Deutschland. (dpa)

Julian und Bianca Claßen gehören zu den

erfolgreichen Socical-Media-Stars. DPA

Bürgermeister trainieren für

ihr Amt mit dem Handy

Niederländische Bürgermeister können

die Kniffe ihres Berufs jetzt ganz

locker mit dem Handy lernen. Wann

darfich eine Demo verbieten oder

was muss ich tun, wenn ein Buckelwal

am Strand angespült wird? Antworten

auf solche Fragen gibt eine

neue App, die die Niederländische

Vereinigung für Bürgermeister jetzt

auf den Marktgebracht hat.„DeBurgemeestersApp“

sei ein „neues lehrreiches

Serious Game,schreibt der

Berufsverband in DenHaag auf seiner

Website. (dpa)

Weitere Ermittlungen im

Darknet-Cyberbunker

Rund zehnTage nach dem Auffliegen

eines Darknet-Rechenzentrums in

einem ehemaligen Bunker an der

Mosel sind die Ermittler weiter vor

Ortbeschäftigt. „Die Untersuchungen

werden angesichts der Vielzahl

an sichergestellten Servernund der

daraus resultierenden Datenmenge

auch noch einige Zeit andauern“,

sagte Oberstaatsanwalt JörgAngerer

vonder Landeszentralstelle Cybercrime

der Generalstaatsanwaltschaft

Koblenz. DasServerzentrum für illegale

Geschäfte im Darknet war am

26. September bei einer großen Polizeiaktion

ausgehoben worden. Die

Betreiber sollen auf ServernWebseiten

gehostet haben, über die Kriminelle

Drogen verkauften, Falschgeldgeschäfte

abwickelten, Kinderpornografie

verschickten oder Cyberangriffe

starteten. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 25

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TV-Programm

ARD

9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.44 (für HG)

Tagesschau 10.45 (für HG) Meister des Alltags

11.15 (für HG) Werweiß denn sowas? 12.00

(für HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet

13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für

HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen

15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG)

Sturmder Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG) Sportschau. Turn-WM:

Mannschaftsfinale Mehrkampf Frauen, live 17.00

(für HG) Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant

18.00 (für HG) Werweiß denn sowas? 18.50

(für HG) Familie Dr.Kleist 19.45 (für HG) Wissen

voracht –Natur 19.50 (für HG) Wetter /Börse

voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

Ausklang.Susanne gerät mit Oberbürgermeister

Herrenbrück aneinander:Er

verlangt vonihr,sich den Wünschen

eines potenziellen Sponsors anzupassen.

Dessen Tochter möchte Affenbabys.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Arztserie. Herzstolpern

21.45 (für HG) Report München

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Kölner Treff

0.15 (für HG) Nachtmagazin

0.35 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv–Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das

Wetter 19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap

19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Zahltag! Ein Koffer voller Chancen

Schaffen Hartz IV-Empfänger den Sprung

in die Selbstständigkeit, wenn sie einen

Koffer voller Bargeld und Unterstützung

durch ein Expertenteam bekommen?

Diese Fragebeantwortet die Sendung.

0.00 RTL Nachtjournal /Das Wetter

0.30 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Krimiserie. Schmerzkekse

1.20 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Das Leben und Sterben des Lichts

2.15 (für HG) CSI: Miami

Krimiserie. Kinderstars

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) MDR aktuell 18.10 (für HG)

Brisant 18.50 (für HG) Gedanken zum Feiertag

18.54 (für HG) Sandmann 19.00 Regionales

19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Einfach

genial 20.15 (für HG) Umschau 21.00 (für HG)

Der Klang der Freiheit –Neue Glocken für St.

Nikolai 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG)

Mein Zug in die Freiheit 22.48 Aktuell 22.50 (für

HG) Nikolaikirche. Drama, D1995 1.00 (für HG)

Die besonderen Fähigkeiten des Herrn Mahler

Bayern

14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG)

Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 Regionales 18.00 (für

HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Gesundheit! 19.30 (für HG)

Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tatort: KI. Krimireihe,D2018

21.45 (für HG) Rundschau Magazin 22.00 (für

HG) Capriccio 22.30 (für HG) Wenn die Zukunft

zu klug für uns wird 23.15 nacht:sicht 23.45

Haitink dirigiertJoseph Haydn „Die Schöpfung“

1.30 Rundschau Nacht

Vox

5.15 (für HG) CSI: NY 6.45 (für HG) CSI: Vegas

8.40 Verklag mich doch! 10.50 VoxNachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –

Wieerziehst du denn? 15.00 Shopping Queen

16.00 Die schönste Braut 17.00 ZwischenTüll

und Tränen 18.00 First Dates 19.00 Das

perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für

HG) Die Höhle der Löwen 22.50 True Story

23.50 VoxNachrichten 0.10 (für HG) Medical

Detectives 1.05 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

6.25 Ranger Rob 6.45 Peppa Pig 6.55 Paw

Patrol 7.25 Caillou 7.50 Peppa Pig 8.00 Voll zu

spät! 10.35 Alvinnn!!! und die Chipmunks

13.10 Polly Pocket 13.40 Angelo! 14.15 Die

Tomund JerryShow 14.45 Dragons 15.15 Mr.

Bean –Die Cartoon-Serie 15.45 Alvinnn!!! und

die Chipmunks 16.40 Die Nektons 17.10 Mr.

Magoo 17.40 Zak Storm 18.10 Die Tomund

JerryShow 18.35 Woozle Goozle und die

Weltentdecker 19.05 Alvinnn!!! und die

Chipmunks 19.45 Mighty Mops 20.15 Snapped

23.50 Böse Mädchen 0.20 Infomercials

Sport1

6.00 Teleshopping 15.30 Normal 16.00 Storage

Wars –Die Geschäftemacher.Selbstläufer 16.30

Lost &Sold. Zäh wie Leder 17.00 YukonGold

17.55 Eishockey.Champions Hockey League:

Djurgarden Stockholm –Adler Mannheim, live

20.30 Eishockey.Champions Hockey League.

Konferenz: EHC Red Bull München –Färjestad BK

Karlstad &Augsburger Panther –Bílí TygriLiberec,

live 21.45 Magenta Sport: Arena 22.45 Goooal!

23.15 Scooore! 0.00 SportClips 0.45

Teleshopping Nacht 1.00 SportClips

ZDF

5.05 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

13.45 (für HG) ZDF Sportextra. Fußball-EM-

Qualifikation der Frauen: Griechenland –

Deutschland,live 16.00 (für HG) heute –in

Europa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute 18.00

(für HG) SokoHamburg.HerrDückers 19.00 (für

HG) heute 19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG)

Die Rosenheim-Cops. Ein Auftrag für Frau Stockl

20.15 (für HG) ZDFzeit

Pennyoder Netto? In dieser Ausgabe

nimmt Nelson Müller die deutschen

Marken-DiscounterPennyund Netto

genauer unter die Lupe. Er vergleicht

unter anderem die Produktpreise.

21.00 (für HG) Frontal 21

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: Bauernhof statt

Altersheim

Alt werden zwischen Hahn und Esel

22.45 (für HG) Markus Lanz

0.00 heute+

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Eine Achtjährigemalt in der

Schule Bilder vonsich mit einem fremden Mann

und spielt mit ihren Puppen sogar Szenen nach,

die sie mit ihm in zärtlichen Situationen zeigen.

17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer /

oder Sat.1 Regional-Magazine. Doku-Soap

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Krimiserie.Der Tote im Meer.Als sein

Körper im offenen Wasser entdeckt wird,

ist es für Officer Allston bereits zu spät:

Die Kameraden können nur noch seine

Leiche bergen.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie.Stadt der Engel

22.15 Hawaii Five-0

Krimiserie.Von Hand zu Hand

23.10 Focus TV –Reportage

Mit Münchens Feuerwehr im Einsatz

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

12.45 (für HG) Aktuell 13.05 (für HG) Elefant,

Tiger&Co. 13.55 Erlebnisreisen 14.00 Lecker

an Bord 14.30 (für HG) In aller Freundschaft

16.00 (für HG) Aktuell 16.15 Hier und heute

18.00 (für HG) Aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Abenteuer Erde 21.00 (für HG)

Quarks 21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG)

Einmal Hallig und zurück. Komödie, D2015

23.40 (für HG) Taxi. Liebeskomödie, D2015

1.10 (für HG) Quarks 2.00 Lokalzeit aus Köln

NDR

12.25 (für HG) In aller Freundschaft 13.10 (für

HG) In aller Freundschaft –Die jungen Ärzte

14.00 (für HG) Aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) Aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag

17.10 (für HG) Leopard, Seebär&Co. 18.00

Regionales 18.15 (für HG) NaturNah 18.45 (für

HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15 (für HG)

Panorama 3 21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für

HG) Tatort: Sturm. Krimireihe, D2017 23.30 (für

HG) Weltbilder 0.00 Seawatch 3

Kabel eins

5.00 Navy CIS 6.00 Eureka 7.45 Blue Bloods

9.35 (für HG) Navy CIS: L.A. 10.30 Navy CIS

11.25 Without aTrace 12.20 Numb3rs 13.15

(für HG) Castle 14.05 (für HG) The Mentalist

15.00 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins

news 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben

täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi

kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir kümmern

uns drum 20.15 (für HG) Aliens –Die Rückkehr.

Science-Fiction-Film, USA/GB 1986 23.20 (für

HG) Alien 3. Science-Fiction-Film, USA 1992

1.25 kabel eins late news

RTL 2

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 7.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Traumfrau gesucht 15.00

Traumfrau gesucht 16.00 Hilf mir! Die volle

Dröhnung 17.00 RTL II News 17.04 RTL II Wetter

17.05 Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05

Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15

Armes Deutschland –Stempeln oder abrackern?

22.15 Deutschlands verrückte Sammler 23.15

The Walking Dead 0.00 The Walking Dead

Eurosport 1

8.30 Radsport 9.30 Motorsport 10.15

Skispringen 11.30 Schwimmen 13.00 Radsport.

CRORace 14.00 Motorsport. FIA Langstrecken-

WM 14.45 Skispringen. FIS Sommer Grand Prix.

Einzelspringen (HS 140) 15.30 Radsport. TreValli

Varesine, live 17.00 Radsport. Famenne Ardenne

Classic 17.45 Legenden Hautnah 18.15 Camps

to Champs 18.45 PowerOfOne 19.15 Radsport

20.05 Judo 21.00 Judo. Grand Slam in Brasilia.

Tag3,live 23.30 Nachrichten 23.35 Horse

Excellence 0.05 Watts Sportzapping

TV-Tipps

KABEL 1, 20.15 UHR SCIENCE-FICTION-FILM

Aliens –Die Rückkehr

Ellen Ripley (Sigourney Weaver) wird 57Jahrenach der Alien-Invasion auf

dem Raumschiff „Nostromo“ von der Besatzung eines Bergungsschiffs

gefunden. Doch niemand hält ihreGeschichtefür glaubwürdig. Zufällig

erfährtsie,dass Menschen den Planeten, auf dem sie und ihreLeute damals

die Alien-Eier entdeckt hatten, vor 20Jahren besiedelt haben. Doch nun ist

der Kontakt zu der Kolonie abgebrochen. Ripley und ein Soldaten-Trupp

sollen der Sache auf den Grund gehen. Doch auf LV-426 finden sie nur die

kleine Newt als einzige Überlebende ... James Cameron präsentiertimSequel

um Ridley Scotts furchteinflößendeAliens wieder sein ganzes Können: furiose

Action, fantastische Spezialeffekte,schnelle Schnitte und eine exzellente

Kameraführung. Diekongeniale Fortsetzung gewann zwei „Oscars“.

(USA, GB/1986)

Foto: Twentieth Century Fox

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5 6 8

7

3

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4 6 1

7 5

1 2

8 6 4

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MIT DIAGONALEN –SCHWER

2

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3 1

2

2 5 8

4 7

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Widerrufsbelehrung finden Sie unter www.berliner-zeitung.de/shop.

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Limitiert

auf 199

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LESERSHOP

AUFLÖSUNG Auflösung

VOM vom07. 7.10.2019

MITTEL mittel

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6 8 2 9 3 4 1 5 7

5 1 3 7 8 6 4 9 2

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM

vom

07.

7.10.2019

10. 2019

SCHWER schwer

9 1 4 7 2 8 3 6 5

5 2 8 6 9 3 4 7 1

3 6 7 5 1 4 8 9 2

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1 5 6 2 3 7 9 4 8

2 8 9 1 4 6 7 5 3

8 9 2 4 6 1 5 3 7

7 4 5 3 8 2 6 1 9

6 3 1 9 7 5 2 8 4

RBB

6.20 zibb 7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG)

Brandenburg aktuell 8.30 (für HG) Abendschau

9.00 (für HG) In aller Freundschaft 10.30 (für

HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturmder Liebe

12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche Frau

13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Meer

14.00 (für HG) Ein Sommer auf Sylt. Komödie, D

2010 15.30 (für HG) Tiere bis unters Dach.

Familienserie. Pony in Not 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt–Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.00 rbb

UM6 18.27 rbb wetter 18.30 zibb 19.27 rbb

wetter 19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnisvolle Orte

BahnhofFriedrichstraße. Millionen

Deutschehaben am berühmtesten

Bahnhofder deutschen Teilung ihre

persönlichen und direkten Grenzerfahrungengemacht.

21.00 (für HG) Expedition Baikal (4/4)

21.45 (für HG) rbb24

22.00 Thadeusz und die Beobachter

23.00 (für HG) Nuhr im Ersten

23.45 (für HG) Best of Ladies Night

0.30 (für HG) Expedition Baikal (4/4)

1.15 Thadeusz und die Beobachter

ProSieben

5.00 2BrokeGirls 5.40 The Middle 6.20 (für

HG) Twoand aHalf Men 7.40 (für HG) The Big

Bang Theory 8.55 (für HG) HowIMet Your

Mother 10.45 Fresh Off the Boat 11.10 Mike&

Molly 11.35 2BrokeGirls 12.30 Mom. Tacos für

Tammy /Eine einfacheUmarmung 13.20 (für

HG) Twoand aHalf Men. Santas Dorf der

Verdammten /Ein gewisses Ziehen /Selbsterniedrigung

ist ein visuellesMedium 14.45 The

Middle. Der Schulball /Die Brücke 15.40 (für

HG) The Big Bang Theory. Das Suppentattoo /

Die Racheformel /Das Gorilla-Projekt 17.00 taff

18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die Simpsons.

Zeichentrickserie.Million Dollar Homie /Curling

Queen 19.05 Galileo

20.15 Joko &Klaas gegen ProSieben

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-

Umlauf treten wiedergegen ProSieben

an. Die beiden ewigen Rivalen müssen

gemeinsam spielen, um gegenihre

Gegner zu bestehen.

23.30 (für HG) jerks.

Comedyserie.Happiness /Volker

0.30 (für HG) Die Simpsons

Zeichentrickserie

2.55 ProSieben Spätnachrichten

3.00 Eine schrecklich nette Familie

Sitcom

Arte

8.45 Stadt Land Kunst 9.35 (für HG) Höllische

Paradiese! 11.45 Die großen Mythen 12.15 (für

HG) Re: 12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land

Kunst 13.55 Die Spaziergängerin vonSans-

Souci. Melodram, D/F 1982 15.50 Feine Stoffe,

ferne Länder 16.40 (für HG) Xenius 17.10 (für

HG) Yangtse –Unterwegs in China 17.40

Großbritannien, 24 Stunden 18.30 (für HG)

Tierisch alt! 19.20 Arte Journal 19.40 Re: 20.15

Cholesterin, der große Bluff 21.40 Eingeimpft

23.35 Die Karawane der Pflegerinnen 0.30 Mit

offenen Karten 0.40 Arte Reportage

3Sat

12.10 (für HG) Wenn der Wald stirbt 13.00 (für

HG) ZIB 13.15 (für HG) Almendro 14.00 Die

Magie des Leoparden 14.40 (für HG) Rift Valley

–Der große Graben 16.55 (für HG) Schwarze

Mamba 17.40 (für HG) Im Reich vonKreuzotter

&Co. hautnah 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Hubertund Staller:Die ins Gras

beißen. Krimikomödie, D2013 21.45 kinokino

22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 Liken, daten,

löschen 23.15 Wiewir morgen Liebe machen

0.00 Böses Wasser 0.25 10 vor10

Phoenix

9.30 SPD-Spitze gesucht 10.00 phoenix vorort

10.30 Die Zukunft des Maschinenbaus 11.15

Zukunft Wirtschaft 12.00 phoenix vorort 12.45

Terror vonRechts 14.00 phoenix vorort 14.45

Leben ohne Bargeld 15.30 Zukunft Stadt 16.00

Der rote Riese zockt ab 16.45 Als Mutti arbeiten

ging 17.30 phoenix der tag 18.00 Operation

Wald 18.30 Geschichte Mitteldeutschlands

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 Alltag in Ost

und West 21.00 Mythos Plattenbau 21.45 (für

HG) heute journal 22.15 Phoenix Runde 23.00

phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

12.00 (für HG) Tashi 12.25 The Garfield Show

12.50 Marcus Level 13.15 41/2 Freunde

13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 (für HG) Eine lausigeHexe

15.50 (für HG) Miss Moon 16.15 Die Piraten von

nebenan 16.50 (für HG) Geronimo Stilton 17.35

(für HG) Belle und Sebastian 18.00 Der kleine

Nick 18.15 Kleine lustigeKrabbler 18.35

Elefantastisch! 18.47 Baumhaus 18.50

Sandmann 19.00 Tib&Tumtum 19.10 Tib&

Tumtum 19.25 pur+ 19.50 (für HG) logo! 20.00

(für HG) Kika Live 20.10 Twin Teams

Dmax

5.55 Die Aquarium-Profis 6.50 Infomercial 8.55

Hardcore Pawn 9.55 Infomercial 10.15 Baggage

Battles 11.15 HighwayCops 12.15 Border

Control 13.15 Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in

der Wildnis 15.15 Ed Stafford: Allein gegendie

Wildnis 16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15

Asphalt-Cowboys 18.15 SteelBuddies 19.15 A8

20.15 Steel Buddies 21.15 Die Austausch-Cops:

Einsatz im Ausland 22.15 112: Feuerwehr im

Einsatz 23.15 DMAX News 23.18 Drug Wars

23.45 Drug Wars 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Wasser für NRW–überraschende

Geschichten über unsere Talsperren 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Super.Markt

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Der Mordfall Lübckeund rechter

Terror in Deutschland 20.00 Tagesschau 20.15

Hartaber fair 21.30 Tagesschau 21.32 Prinz

Ludwig 22.00 Marktcheck 22.45 Tagesschau vo

20 Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30 Report

München 0.00 Umschau 0.45 Königreich der

Sklavenhändler –Abomey 1.00 Nachtmagazin

ONE

5.10 Um Himmels Willen 6.00 Großstadtrevier

6.50 Erlebnisreisen 7.05 Brisant 7.45 Utta

Danella –Liebe mit Lachfalten. Romanze, D

2011 9.15 Brisant 9.55 Hot in Cleveland 10.35

Lindenstraße 11.05 Großstadtrevier 11.55

Sturmder Liebe 13.30 Um Himmels Willen

14.20 Liebe ohne Minze. Drama, D2011 15.50

Großstadtrevier 16.40 Hot in Cleveland 17.20

Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich 18.40

Sturmder Liebe 20.15 Doctor Who. Spinnefeind

/Die Weihnachtsinvasion /Neue Erde 22.50

Hustle –Unehrlich währtamlängsten. Goldfinger

23.40 Doctor Who 2.15 Hustle –Unehrlich wäh

am längsten 3.05 Hot in Cleveland

ZDF NEO

5.20 (für HG) TerraXpress 5.50 (für HG) Ein Fall

für Lesch und Steffens 6.35 (für HG) Die Macht

der Vulkane 8.05 Topfgeldjäger 9.00 Lafer!-

Lichter!Lecker! 9.45 (für HG) Bares für Rares

12.15 (für HG) Monk 13.35 Psych 15.00 (für

HG) Monk 16.20 Psych 17.45 Bares für Rares

20.15 (für HG) Unter anderenUmständen: Tod

eines Stalkers. Krimireihe, D2016 21.45 (für

HG) Professor T. 22.45 (für HG) heute-show

23.15 Shapira Shapira 23.45 Blockbustaz 0.20

Blockbustaz 0.50 Greyzone –NoWay Out 2.15

(für HG) R.I.F.–Ich werde dich finden! Thriller,F

2011 3.40 (für HG) Marco Polo –Entdecker ode

Lügner? 4.25 (für HG) Das Shakespeare-Rätsel

ZDF INFO

9.00 Der Zweite Weltkrieg 9.45 Der Zweite

Weltkrieg 10.30 Der Zweite Weltkrieg 11.15 Der

Zweite Weltkrieg 12.00 Der Zweite Weltkrieg

12.45 Der Zweite Weltkrieg 13.30 Der Zweite

Weltkrieg 14.15 Der Zweite Weltkrieg 15.00 Der

Zweite Weltkrieg 15.45 Der Zweite Weltkrieg

16.30 Der Zweite Weltkrieg 17.15 Der Zweite

Weltkrieg 18.00 ZDF-History 18.45 Mysterien

des Mittelalters 19.30 Mysterien des Mittelalters

20.15 Mysterien des Mittelalters 21.00

Mysteriendes Mittelalters 21.45 WarofThrones

–Krieg der Könige 22.30 WarofThrones –Krieg

der Könige 23.15 WarofThrones –Krieg der

Könige 0.00 WarofThrones –Krieg der Könige

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikstadt Berlin Streifzügedurch das

klassische Musikleben der Hauptstadt, ca. 56

Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Traunsteiner Sommerkonzerte. Mit

Werken vonLudwig vanBeethoven, Nadia

Boulanger,Francis Poulenc u. a., 117 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werstatt Mit Clemens Goldberg.

Sinfonien op. 4von François-Joseph Gosse, ca.

56 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Propaganda (21/29). VonSteffen

Kopetzky.Gelesenvon Johann vonBülow, ca. 30

Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature „… und wir sind unendlich verarmt“

–Der vergessene SPD-Vorsitzende HugoHaase.

VonKarsten Krampitz, 45 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel Hundelebensberatung.Von Tom

Heithoff, 50 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Feature-Antenne.direct radio, 57 Min.

MAGAZIN

16.35 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Forschung aktuell Der Nobelpreis für Physik

2019 /Sternzeit 8. Oktober 2019: Sommeranfang

auf dem Mars, 25 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Es grünt so grün: HundertTage

finnischerEU-Ratsvorsitz, 20 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Dringend gesucht! Ausländische

Pflegekräfte im deutschen Krankenhausalltag, ca

26 Min.

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Isabelle Aubret, ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Mediterránea, 56 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Märkische Wandlungen Es gabkeine

Alternative. Geschichten über Flucht aus der DDR

und über Zivilcourage, ca. 56 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musikszene Liebende, Strategin, Rollenmodell:

Clara Schumann zum 200. Geburtstag,45Min.

JAZZ /BLUES

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz Live Fred Hersch: Piano Solo, 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 233 · D ienstag, 8. Oktober 2019 – S eite 26 **

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Angelina Jolie (44) spricht uns aus der

Seele,das möchten wir an dieser

Stelle mit ungewohnter Parteilichkeit

einmal deutlich sagen. In derWelt am

Sonntag klärte uns die US-Schauspielerin

jetzt über den rationalen Umgang

mit gesellschaftlichen Reizthemen

auf, also mitThemen wie Flüchtlingskrise,Klimawandel,

Fake News,

Populisten und Nazis.„Ichpersönlich

versuche zurzeit vorallem, einen ruhigen,

starken Kopf zu bewahren“,

sagte Jolie in dem Interview,„und

wenn ich in mir selbstWutaufsteigen

spüre, zwinge ich mich erst mal zum

Nachdenken.“ Zwar sei überall„diese

Dringlichkeit zu spüren“, sich„möglichst

schnell Beurteilungen wie ,richtig‘

oder ,falsch‘“ anzuschließen, das

kenne sie auch vonsich selber,soJolie

weiter.Aber dann solle man umso

mehr„den ruhigen, rationalen Stimmen

zuhören“.

Carolin Kebekus (39) litt in ihrer Kölner

Kindheit unter dem irrationalen

Schreckensregime der katholischen

Kirche und ihrer polnischen Großmutter.Der

Frankfurter Allgemeinen

Zeitung erzählte die Komikerin jetzt:

„Irgendwann wurde in unserer Kirche

ein Kreuz aufgehängt. Ichhabe

Angst vorJesus bekommen, er hing

da völlig ausgemergelt, voller Blut.“

Zu der ohnehin schon gruseligen, da

quasi-untoten, also zombiehaften Jesusgestalt

sagte„die Omadann noch,

der sieht alles,beurteilt alles und ist

böse,wenn man was falsch macht,

und bestraft einen“. Ja,Kind, Kirche,

Trauma … (schl.)

TIERE

Vollwaise, fingerlang,knallersüß:

ein Igel-Baby. DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Übrigens, weil schon Nachfragen zu

unserem letzten Thema an dieser

Stelle,der katholischen Hundesegnung

in Osnabrück, eintrudeln: Wir

hätten auch Tauf-Bilder aus dem religiös

starkunterkühlten, da erzprotestantischen

und pfeffersäckischen

Hamburgzeigen können.

Unser Bild heute zeigt einen jungen

Igel im Nabu-Artenschutzzentrum

Leiferde (Niedersachsen). DerStachelknirps

war abgemagerthier abgegeben

worden und wirdnun aufgepäppelt.

Gute Sache. (schl.)

Warten auf die Restauration: Stützkonstruktionen aus Stahl und Holz halten den versehrten Sakralbau von Notre-Dame zusammen.

Afrikas Unterwasserwald

Bei der Restauration des zerstörten Dachstuhls von Notre-Dame könnte spezielles Holz aus Ghana helfen

VonJohannes Dieterich

Das weltberühmte Wahrzeichen

mittelalterlicher

europäischer Zivilisation,

die schwer beschädigte

Notre-Dame-Kathedrale in Paris,

kann für ihreWiederherstellung ausgerechnet

auf Rettung aus Afrika hoffen.

Weil in Frankreich selbst nicht

mehr genügend alte Eichen zu finden

sind, deren Holz zur Restauration des

im Aprilverbrannten Dachstuhls herangezogen

werden könnte, hat ein

Unternehmen im westafrikanischen

Ghana seine Hilfe angeboten.

Versteinertes, extrem hartes Holz

Im Volta-Stausee lagerndie bis zu 500 Jahre alten Iroko-Bäume. Sie wurden vor 54 Jahren

bei der Inbetriebnahme des Akosombo-Damms überflutet.

IMAGO IMAGAES

Die „Kete Krachi Timber Recovery“

genannte Firmaverfügt über eine Lizenz

zur Nutzung der Bäume, die

nach dem Bau des Akosombo-

Damms vor54Jahren vomVolta-See

überflutet wurden: Ihre im Wasser

konservierten Stämme befinden sich

bereits im Prozess der Versteinerung

und sind härter als jedes andereHolz

der Welt. Das Unternehmen könne

genug Baumaterial zur Wiederherstellung

des Dachstuhls der alten

Dame einschließlich ihres ebenfalls

verbrannten Dachreiters zur Verfügung

stellen, sagte Firmenchef Kete

Krachi jetzt der BBC: Mit einer

Dichte von bis zu 900 kg pro Kubikmeter

entsprächen die Unterwasserbäume

den beim Bauder Pariser Kathedrale

benutzten Moor-Eichen.

Die Fachwelt reagiert begeistert.

„Eine geniale Lösung“, kommentiert

Andrew Waugh, Direktor eines Londoner

Architekturbüros für nachhaltiges

Bauen. Diebis zu 500 Jahrealten

Iroko-Bäume,die beim Aufstauen des

Volta-Sees überschwemmt wurden,

verfügten über „unglaublich stabiles

und dauerhaftes Holz“, das für die

Restaurierung der über 800 Jahre alten

Kathedrale geradezu ideal sei,

sagte der Architekt.

Hinzu kommt noch ein ökologisches

Bedenken. Denn beim 1163 begonnenen

und fast 200 Jahre andauernden

Bau der Pariser Kathedrale

waren vor allem für den Dachstuhl

der Kirche mehr als 1300 Bäume, in

der Mehrheit besonders harte Moor-

Eichen, gefällt worden: Heute wären

in ganz Frankreich nicht mehr so viele

ausgewachsene Eichenbäume zu finden

–ganz abgesehen davon, dass sie

nicht gefällt werden dürften.

AFP/PHILIPPE LOPEZ

Allerdings rief auch das Hilfsangebot

der ghanaischen Firma Umweltschützer

auf den Plan, die voreinem

Kahlschlag der Unterwasserstämme

warnen. Einem Bericht im

US-Fachmagazin „Environmental

Health Perspectives“ zufolge werde

das massenhafte Herausziehen der

abgestorbenen Bäume Ablagerungen

im Volta-See aufwirbeln, die zur

Eintrübung des Lichteinfalls und zu

vermindertem Wachstum der Wasserpflanzen

führe.

Außerdem dienten die Stämme

Fische als schützende Ablagerungsstätten

für ihre Eier, fügt die ghanaische

Nichtregierungsorganisation

„Friends of the Nation“ hinzu: Die

Entfernung der Stämme könne den

Fischreichtum des Volta-Sees „drastisch

vermindern“, vondem mindestens

300000 Fischerfamilien abhängig

seien. Firmenchef Krachi ließ dessen

ungeachtet bereits zahlreiche

Iroko-Stämme aus dem Staudamm

ziehen, die zumVerkaufnach Europa,

den MittlerenOsten oder Asien transportiert

werden. Den finanziellen

Umfang des möglichen Deals mit

Frankreich schätzt der Geschäftsmann

auf 50 Millionen US-Dollar.

Miese Ökobilanz für Notre-Dame

Schließlich verweisenUmweltschützer

imZeitalter von Greta Thunberg

auf den ökologischen Fußabdruck,

den der Transportder Baumstämme

von Afrika nach Paris hinterlassen

würde. „Schiffe verbrauchen eine

Menge Sprit“, wirft Klimawissenschaftler

John Recha in Nairobi ein:

Auch die Maschinen, die zum Herausziehen

der Bäume verwendet

werden, schleuderten Mengen an

Kohlendioxid in die Luft.

Doch bevor sich Ökologen, Restaurateure,

Fischer und geschäftstüchtige

Unternehmer indie Haare

geraten, sollten sie sich ans französische

Kulturministerium wenden:

Denn dortscheint noch nicht einmal

sicher zu sein, ob der Dachstuhl der

alten Dame tatsächlich mit Holz und

nicht mit einem ganz anderen Material

wiederhergestellt werden soll.

„Zur Zeit kümmernwir uns noch immer

um die statische Sicherung des

Monuments“,erklärte Ministeriumssprecher

Jérémie Patrier-Leitus unlängst:

„Erst dann werden wir entscheiden,

wie wir das Dach und den

Dachreiter restaurieren.“

Lkw fährtauf Fahrzeuge auf –

viele Verletzte

EinLastwagenfahrer ist am Montagabend

an einer Ampel im hessischen

Limburgauf mehrereFahrzeuge aufgefahren

und hat 16 Menschen verletzt.

DerschwereLastwagen war

laut Polizei zuvor in unmittelbarer

Nähe des Schauplatzes gegenüber

dem Landgericht gestohlen worden.

DerFahrer wurde festgenommen,

auch er habe Verletzungen davongetragen.

DiePolizei ermittelte in alle

Richtungen und warnte vorSpekulationen.

Eine Person sei „sehr schwer

verletzt und in kritischem Zustand“,

sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes

(LKA). ZurFrage vonMedienvertretern,

ob es sich um einen

terroristischen Anschlag handeln

könnte,sagte der LKA-Sprecher:

„Wenn solche Ereignisse passieren,

dann ist es Aufgabe der Polizei, natürlich

in sämtliche Richtungen alle

Möglichkeiten im Blick zu haben.

Genau das machen wir.Und wir

schließen momentan überhaupt

nichts aus.“ (dpa)

An einer Ampel fuhr der Lastwagen in Limburg

auf die Autos auf. DPA/THORSTEN WAGNER

Serienmörder in den USA

gesteht 93 Morde

Einbereits wegen dreifachen Mordes

verurteilter 79-Jähriger hat in den

USA die Ermordung voninsgesamt

93 Menschen gestanden. Samuel Little

sei damit der schlimmste Serienmörder

in der US-Geschichte,teilte

die Bundespolizei FBI jetzt mit. Nicht

alle Opfer konnten bislang identifiziertwerden.

DieMorde ereigneten

sich laut FBI zwischen 1970 und 2005.

DasFBI veröffentlichte auf seiner

Website einigeVideo-Aufnahmen mit

Littles Angaben zu den noch nicht

aufgeklärten Morden. (AFP)

Schwerster deutscher

Kürbis kommt aus Bayern

Derdickste Kürbis kommt erneut

aus Bayern.Bei der deutschen Meisterschaft

im Kürbiswiegen brachte

das Exemplar vonZüchter Michael

Asam 687,5 Kilogramm auf die

Waage.Den zweitschwersten Kürbis

präsentierte Mathias Würsching aus

Hessen. Aufdem dritten Platz landete

Martin Rudorfer aus Baden-

Württemberg. (dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute machen Regenwolken selten Platz für Lichtblicke. Dabei belaufen

sich die Temperaturen auf maximal 11 bis 16Grad, und der Wind weht

schwach bis mäßig aus südwestlichen Richtungen. Inder Nacht bringen

viele Wolken zeitweilige Regengüsse. Die Tiefstwertesinken auf 9bis

7Grad.

Biowetter: Der erholsame Tiefschlaf

bleibt aus. Dadurch gehen

Wetterfühlige abgespannt und mit

geringem Elan durch den Alltag. Ihre

Wittenberge

Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit

ist somit

7°/16°

herabgesetzt.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 66 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 71 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 11 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 51%

Gefühlte Temperatur: maximal 13Grad.

Wind: schwach aus Südwest.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

5°/14° 6°/13°

Luckenwalde

5°/14°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Regen Regenschauer bedeckt

9°/16° 9°/14° 9°/17°

Prenzlau

5°/13°

Cottbus

4°/11°

Frankfurt

(Oder)

5°/14°

Das Regenband von Sturmtief Peter südlich von Island erfasst das nordwestliche

Mitteleuropa. Mit dem Regen sind ein stark böiger Südwind und relativ

milde und feuchte Luft verbunden. Auch vom Schwarzen Meer bis Tunesien gibt

es reichlich Schauerwolken mit lokaler Unwettergefahr durch Sturm und Starkregen.

Sylt

9°/15°

Hannover

9°/17°

Köln

11°/13°

Saarbrücken

9°/13°

Konstanz

7°/18°

Hamburg

8°/15°

Erfurt

7°/12°

Frankfurt/Main

10°/13°

Stuttgart

7°/17°

Rostock

6°/15°

Magdeburg

7°/15°

Nürnberg

7°/13°

München

5°/16°

Rügen

6°/13°

Dresden

6°/11°

Deutschland: Heute gibt es verbreitet

Regenfälle bei stark bewölktem

Himmel, und die Temperaturen steigen

am Tage auf 11 bis 18 Grad.

Nachts sinken die Wertedann auf

12 bis 6Grad. Der Wind weht

schwach bis mäßig aus südwestlichen

Richtungen. Morgen zeigt sich

ab und zu die Sonne. Schauerartige

Regenfälle gibt es jedoch auch, und

die Temperaturen belaufen sich auf

maximal 13 bis 16Grad. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus Südwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 11°-12°

Nordsee: 12°-15°

Mittelmeer: 19°-29°

Ost-Atlantik: 15°-20°

Mondphasen: 13.10. 21.10. 28.10. 04.11.

Sonnenaufgang: 07:19 Uhr Sonnenuntergang: 18:28 Uhr Mondaufgang: 17:05 Uhr Monduntergang: 00:57 Uhr

Lissabon

27°

Las Palmas

28°

Madrid

30°

Reykjavik

13°

Dublin

13°

London

18°

Paris

16°

Bordeaux

22°

Palma

25°

Algier

24°

Nizza

22°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen

15°

Berlin

13°

Mailand

19°

Tunis

24°

Rom

22°

Warschau

12°

Wien

17° Budapest

14°

Palermo

21°

Kiruna


Oulu


Dubrovnik

20°

Athen

22°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa

12°

Varna

16°

Istanbul

17°

Iraklio

25°

Archangelsk


Moskau


Ankara

19°

Antalya

25°

Acapulco 34° Gewitter

Bali 38° wolkig

Bangkok 34° wolkig

Barbados 30° heiter

Buenos Aires 25° wolkig

Casablanca 25° sonnig

Chicago 20° sonnig

Dakar 29° bewölkt

Dubai 36° sonnig

Hongkong 31° Gewitter

Jerusalem 30° heiter

Johannesburg 32° heiter

Kairo 34° heiter

Kapstadt 21° heiter

Los Angeles 24° sonnig

Manila 32° heiter

Miami 31° Gewitter

Nairobi 30° wolkig

Neu Delhi 33° sonnig

New York 20° bedeckt

Peking 19° sonnig

Perth 27° wolkig

Phuket 32° wolkig

Rio de Janeiro 25° Schauer

San Francisco 22° wolkig

Santo Domingo 31° wolkig

Seychellen 28° heiter

Singapur 30° Gewitter

Sydney 24° wolkig

Tokio 29° bewölkt

Toronto 17° sonnig

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