stadt/land/dach

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„Menschen prägen Räume, Räume prägen Menschen“ lautete das Motto des Konvents der Baukultur 2018, „Räume prägen“ das des Tags der Architektur 2019. Unter demselben Titel, einzig ergänzt um die Relevanz, widmet sich auch der Deutsche Architektentag im September 2019 in Berlin dem Zusammenspiel zwischen menschli- chem Wohlgefühl und gebauter Umgebung. Immer geht es um eins: ein Verständnis für qualitätvolles, baukulturelles Bauen zu schaffen und gemeinsam Lösungen für den Erhalt zu entwickeln. Anlass genug, dass auch wir uns des relevanten Themas annehmen. Die zweite Ausgabe unseres Magazins stadt/land/dach widmet sich dem „Raum“, und das nicht nur von außen, sondern vor allem auch von innen. Wie fühlen wir uns unterm Dach? Wie wirkt sich die besondere Lichtstimmung auf unser Gemüt aus? Und was macht den Dachraum eigentlich zu einem so besonderen und vielleicht sogar mystischen Ort? Weite, Enge, Farbe und auch Form schaffen Atmosphäre, die sich unterschiedlich auf den jeweiligen Betrachter auswirkt. Wie fühlen Sie sich gerade? Unter welcher Dachform halten Sie unser Heft in den Händen? Jeder Bewohner eines Dachraumes hat sicherlich folgende Sätze schon mal gehört: „Ist es nicht unheimlich heiß im Sommer?“, oder: „Der Umzug in den vierten Stock ohne Aufzug muss anstrengend gewesen sein, oder?“ Ob Vorurteil oder Wahrheit, Dachräume sind individuell und einzigartig, sie schaffen Geborgenheit und Atmosphäre. Und meist erliegen die Be- wohner ihrem Charme.

stadt / land / dach

Magazin für Architektur und Raum.

StadtPortrait Kommentar

Raum verschenken,

Lebensqualität gewinnen

Großzügigkeit bei gleichzeitiger Geborgenheit:

Das Steildach schafft Emotion

DACHKULT • 02/19 • RAUM


INHALT

EDITORIAL

Editorial

/ 03

Liebe Architekten und Planer,

HERAUSGEBER

Dachkult

Initiative Steildach

Bürgermeister-Widmeier-Str. 2

86179 Augsburg

Klaus H. Niemann (Sprecher)

Mob.: 0175 / 59 11 518

Mail: niemann@dachkult.de

Steildach / In der Tradition verwurzelt

Heftthema / Von Kapellen und Kathedralen:

Dachformen nur für besondere Anlässe?

StadtPortrait / Das Steildach schafft Emotion

Kommentar / Raum verschenken,

Lebensqualität gewinnen

Ausblick

/ 04

/ 06

/ 08

/ 10

/ 11

„Menschen prägen Räume, Räume prägen Menschen“ lautete das

Motto des Konvents der Baukultur 2018, „Räume prägen“ das des

Tags der Architektur 2019. Unter demselben Titel, einzig ergänzt

um die Relevanz, widmet sich auch der Deutsche Architektentag im

September 2019 in Berlin dem Zusammenspiel zwischen menschlichem

Wohlgefühl und gebauter Umgebung. Immer geht es um eins:

ein Verständnis für qualitätvolles, baukulturelles Bauen zu schaffen

und gemeinsam Lösungen für den Erhalt zu entwickeln.

Anlass genug, dass auch wir uns des relevanten Themas annehmen. Die

zweite Ausgabe unseres Magazins stadt/land/dach widmet sich dem

„Raum“, und das nicht nur von außen, sondern vor allem auch von innen.

Wie fühlen wir uns unterm Dach? Wie wirkt sich die besondere Lichtstimmung

auf unser Gemüt aus? Und was macht den Dachraum eigentlich zu

einem so besonderen und vielleicht sogar mystischen Ort? Weite, Enge,

Farbe und auch Form schaffen Atmosphäre, die sich unterschiedlich auf

den jeweiligen Betrachter auswirkt. Wie fühlen Sie sich gerade? Unter

welcher Dachform halten Sie unser Heft in den Händen?

WEBSITE & SOCIAL MEDIA

dachkult.de

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KONZEPT, DESIGN & REDAKTION

Brandrevier GmbH, Essen

Saskja Jagenteufel

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DRUCK

Woeste Druck + Verlag GmbH & Co. KG

Druckauflage: 40.000

BILDNACHWEIS

1 • Sebastian Kolm

4/5 • Beer Bembé Dellinger (Portrait);

Thomas Müller-Naumann (1.v.l. / 2.v.l. oben);

Danny Rothe (2.v.l. unten / 3.v.l.)

6/7 • Paul Ott (1.v.l.); Sebastian Kolm (2. /

3.v.l.); Albrecht Immanuel Schnabel (unten)

8/9 • Thomas Heimann (Portrait / 1.v.l.);

Thomas Kröger Architekten GmbH; vapi /

photocase.de / 4.v.l.)

10 • archimage / Meike Hansen

11 • Ina Steiner

Jeder Bewohner eines Dachraumes hat sicherlich folgende Sätze schon

mal gehört: „Ist es nicht unheimlich heiß im Sommer?“, oder: „Der Umzug

in den vierten Stock ohne Aufzug muss anstrengend gewesen sein, oder?“

Ob Vorurteil oder Wahrheit, Dachräume sind individuell und einzigartig,

sie schaffen Geborgenheit und Atmosphäre. Und meist erliegen die Bewohner

ihrem Charme.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. Nutzen Sie das Steildach

beim nächsten Smalltalk doch auch mal als Eisbrecher. /

Klaus H. Niemann, Sprecher von Dachkult


STEILDACH • 04

In der Tradition verwurzelt

im ersten Entwurf für das „Quartier

thek und eine separate Ferienwoh-

Form und Funktion

Garmisch“ ein Flachdach vorgesehen.

nung mit Panoramablick auf die Berg-

Dass das Hotel parallel zur Stra-

Jahrzehntelang hatte Garmisch-Partenkirchen auf diesen Moment gewartet.

Auf Wunsch der Baugruppe für die

kulisse. Verbunden über die Rezeption

ße positioniert ist, hat nicht nur

Nach knapp 35 Jahren ist mit dem „Quartier Garmisch“ schließlich im Jahr

angegliederte Wohnbebauung wurde

im Eingangsbereich schließen sich

ästhetische Gründe. Ohne das

2016 der erste Hotel-Neubau in der bayrischen Gemeinde entstanden. Dem

dieses allerdings schnell durch eine

im Neubau 18 Lodges an, die nach

langgestreckte Volumen hätten die

Beer Bembé Dellinger

München / Greifenberg

Entwurf von Beer Bembé Dellinger gelingt es dabei, moderne Architektur mit

der Tradition des alpenländischen Umlands zu verbinden.

Dachlandschaft ersetzt, mit der alle

Beteiligten sehr zufrieden sind. „Ei-

dem Motto „Ankommen. Abschalten.

Bewegen“ reduziert gestaltet sind.

Schallschutzwerte für das Wohngebiet

nicht eingehalten werden

nen Entwurf durchzusetzen, der sich

Natürliche Materialien, die puristische

können. Damit auch das Hotel nicht

Garmisch selbst ist geprägt von klassischen Straßenzügen, in denen sich ein Steildach

stark von der Umgebung abhebt, hätte

Ausstattung und der Schalter mit der

vom Lärm beeinträchtigt wird,

ans nächste reiht. Giebelständige Straßen, unterschiedliche Hausbreiten und Dachnei-

zu Akzeptanzproblemen bei den Ein-

Funktion „WLAN aus“ tragen zu einer

haben die Architekten in der orna-

gungen sind regionale, immer wiederkehrende Elemente. Diese wurden zum Motiv

wohnern geführt. Auch deshalb haben

erholsamen Atmosphäre bei. Dabei

mentierten Holzfassade ein trick-

des Hotels, das in seiner Gestaltung eine formale Anspielung auf die Alpensilhouette

wir uns bereits zu Beginn entschie-

gleicht keine Lodge der nächsten.

reiches Lüftungssystem konzipiert,

darstellt und zur Straße hin als Signet dient. Im hinteren Teil des Grundstücks schließt

den, die historische Villa Friedheim

Unterschiedlich hohe Dachräume

das zusätzlich als Schrank dient,

eine kleinteilige Wohnbebauung aus flach geneigten Satteldachhäusern an, die in

als Teil des Ensembles zu erhalten

ermöglichen einen immer anderen

in dem Winter- und Sportbeklei-

Form und Proportion an alpenländische Wohnhäuser erinnern.

und zum Herzstück des Quartiers zu

Ausblick auf die dahinter liegenden

dung gelüftet werden kann. Mit all

machen.“

Alpen. „Kinder lieben das, wenn die

seinen Details konnte das Projekt

Das Dach als wesentliches Merkmal beim Bauen

Räume mal höher und mal niedri-

inzwischen zahlreiche Architektur-

Das Grundstück liegt im Mischgebiet. Die Architekten konnten also grundsätzlich frei

Verbindung zwischen neu und alt

ger sind und es draußen immer was

preise einheimsen und zur positi-

entscheiden, welche Dachform den Neubau krönt. „Wir stehen in unseren Entwürfen

Obwohl der Abriss der Villa seitens

zu entdecken gibt“, so Bembé. „Die

ven Außenwirkung von Garmisch

dem Steildach offen gegenüber. Es können Räume entstehen, die unter einem Flach-

der Stadt genehmigt war, wurde sie

gemütlichen Sitznischen am Panora-

beitragen. /

dach gar nicht möglich sind. Um zu dieser Offenheit zu gelangen, hat es aber auch

behutsam saniert und beherbergt im

mafenster sind deshalb auch bei Klein

eine Weile gedauert“, erinnert sich der verantwortliche Architekt Felix Bembé. So war

Inneren ein Restaurant, eine Biblio-

und Groß sehr begehrt.“

Die schräg geschnittenen Fenster sorgen für spannende Ein- und Ausblicke.


HEFTTHEMA • 06

Von Kapellen und Kathedralen:

Dachformen nur für besondere Anlässe?

Kaum wandert der Fuß über die Schwelle, senkt sich die Stimme. Der Blick schweift ehrfürchtig gen Dachraum

nach oben, und die Hand berührt das kalte Gemäuer oder die Banklehne aus Holz. Sakralbauten

gehören zu den komplexesten Aufgaben in der Architektur. Sie haben eine emotionale Funktion, sind von

öffentlichem Interesse und bieten dem Besucher eine schützende Atmosphäre.

Fast scheint es, als seien besondere

ment. Diffuses, schwebendes Licht,

Hannes Sampl, bestechen hinge-

Dachräume nur sakralen und kul-

das wie Nebel durch das Gebäude

gen durch ihre prägnante, autar-

turellen Gebäuden vorbehalten und

Ausdruck der architektonischen

wabert, verstärkt das Gefühl von

Ruhe und Zuflucht, das im regen

ke Zeichenhaftigkeit. Als kleine

Volumen nehmen das Dach und

Ob gebogen oder spitz: Die Kapellen von sacher.locicero.architectes setzen auf die Wirkung des Steildachs.

Besonderheit. Die Kirchenbauten

Treiben der heutigen Zeit wie eine

die Reduktion auf das Wesentliche

der 50er und 60er Jahre gelten

Wohltat wirkt. Dass diese Assoziati-

eine wichtige Rolle ein. Alle drei

sacher.locicero.architectes besticht

auch die Kapelle Maria Magdalena

fernab der Zivilisation steht. Nicht

mitunter gar als gestalterische

onen aber nicht nur für monumen-

Baukörper nutzen das Motiv des

durch seine charakteristische

in Kärnten desselben Architekten

im offiziellen Sinne als Sakralraum

Juwele und Zeichen von Freiheit

tale Großbauten wie den Dom zu

Steildachs. Sie sind wie aus einem

Dachform aus aneinandergereih-

ein schlankes Satteldach, das durch

konzipiert, hat sie weder einen

und Aufbruch. In diesem Zeitraum

Speyer oder die Dresdner Frauen-

Material gegossen und in der Natur

ten, sich verjüngenden Bögen.

seine giebelseitigen Öffnungen

Namen noch eine Religion, der sie

wurden in Deutschland mehr als

kirche gelten, zeigt die Architektur

fest verwurzelt. Doch das höchste

Das Nurdachhaus, das im Dunkeln

wie eine skulpturale Kontur wirkt.

angehört. Es ist ein Andachtsraum,

8.000 Sakralbauten errichtet. Kir-

kleiner Kapellen, die in letzter Zeit

Gut liegt im Inneren. Bezeichnend

durch die warme Beleuchtung im

Der weithin sichtbare, monolithi-

ein Ort der Kontemplation ent-

chenräume sind auch heute noch

immer stärker als autarke Gebäude

für jeden Sakralraum: Freiraum.

Inneren an das Leuchtfeuer einer

sche Raum wird zäsiert durch drei

standen, der allen zur Verfügung

bedeutende Räume. Nicht nur als

an Bedeutung gewinnen.

Ein wohltuendes Gefühl in Zeiten

Kerze erinnert, ist an den Längssei-

Fensterschlitze, die für ein diffuses

steht, die „in sich gehen“ wollen.

Ausdruck des jeweiligen Glaubens,

von hocheffizienter und auf den

ten geschlossen und an den

Licht im Inneren sorgen. Je nach

So gilt der Aufstieg von über 900

sondern auch als Ort der Zuflucht

Kapelle als Zufluchtsort

letzten Zentimeter ausgenutzter

Giebelseiten komplett verglast. Der

Witterung wird der Innenraum in

Höhenmetern wohl als erste Hürde

und des Schutzes. Nahezu alle Sak-

Früher bildeten Kapellen ge-

Architektur.

Raum wird so zum architektoni-

unterschiedliche Farbstimmungen

auf dem Weg zu sich selbst. Der

ralbauten, einige von ihnen geprägt

meinsam mit dem Hauptbau, der

schen Bindeglied zwischen Mensch

getaucht.

unprätentiöse Innenraum ist weder

durch Architekten wie Gottfried

größeren Kirche, ein Bauensemble.

Der Raum als Schlüssel

und Natur. Der Andachtsraum

belichtet noch gedämmt. Der Raum

Böhm oder Frei Otto, arbeiten mit

Die heutigen Bauten, exempla-

zu sich selbst

im bayrischen Ruhewald Schloss

Wider alle Konventionen

ist in seiner Schlichtheit spirituell,

einer besonderen Lichtstimmung

risch gezeigt an Objekten von

Der Innenraum der Kapelle mit

Tambach ist ein Ort der Stille,

Aus einer studentischen Ab-

in seiner Ruhe liegt die Kraft. /

als zentrales, wegweisendes Ele-

sacher.locicero.architectes und

verzerrter Spitzbogentonne von

der Raum für Abschied von den

schlussarbeit resultierte die kleine

Verstorbenen lässt. Ebenso krönt

Bergkapelle, die auf einer Alm

Die Bergkapelle von Hannes Sampl ist erst nach einem Aufstieg von über 900 Höhenmetern zu erreichen.


STADTPORTRAIT • 08

Thomas Kröger Architekten

Berlin

Das Steildach schafft Emotion

Die Architektur von Thomas Kröger Architekten ist in der Tagespresse

angekommen. Wenn das gelingt, geschieht es meist aus einem

dieser zwei Gründe: Zeit- und Kostenplanung wurden maßlos überschritten,

oder es entstand Architektur, die von der Gesellschaft akzeptiert

und als angenehm empfunden wird. Für Thomas Kröger gilt

Letzteres, denn seine Architektur ist alles andere als eindimensional.

„Es ist ein spektakulärer Raum entstanden mit den relativ

einfachen, konstruktiven Mitteln eines Sparrendaches. Ich

bin überzeugt, dass Räume ihre Benutzer prägen. Schüler

erinnern Haptik und Raumgefühl des Schulalltags ein Leben

lang, so auch meine ganz persönliche Erfahrung.“

Thomas Kröger über den Neubau für die Stadtteilschule Kirchwerder/Hamburg

Lichtstimmung, Atmosphäre und Luftigkeit sind immer wiederkehrende Elemente in den Entwürfen Krögers.

Der Entwurf für die Schule in Hamburg ist stark von der regionalen, historischen Langhaus-Typologie inspiriert.

Ehe Thomas Kröger sein eigenes

Architektur im Kontext

chitektonischen Formensprache ist,

Auch seine öffentlichen Gebäude

Lösung. Dennoch liebe er das Dach

Bezogen aufs Dach ist Kröger ein

Architekturbüro gegründet hat,

Obwohl bereits zu Beginn inter-

dient es in Städten im besten Fall

sind von Großzügigkeit geprägt

und würde immer sein aktuelles

großer Fan von Mailand. Die Moder-

durchlief er die Büros namhafter

nationale Großprojekte realisiert

auch wie eine Art Landmarke zur

und überzeugen mit innenräum-

Projekt als sein liebstes bezeich-

ne sei hier durch eine kluge Stadt-

Kollegen wie Norman Foster oder

wurden, lässt Kröger seinen Blick

Orientierung.

licher Qualität, die sich durch die

nen. Egal ob private Wohnhäuser,

entwicklung mit starken Akteuren im

Max Dudler. Auch wenn es auf den

zur Inspiration auch immer wieder

Dachfigur ergibt. Ein Paradebei-

Museen oder eine Tenne in der

20. Jahrhundert prägend in die his-

ersten Blick konträr erscheint, war

in dörfliche Regionen schweifen.

Räume prägen ihre Benutzer

spiel hierfür ist ein Schulneubau in

Uckermark, all seine Dachräume

torische Stadtgestalt eingefügt. Das

die Zusammenarbeit mit Dudler,

Bebauungen auf dem Land haben

Räume brauchen Luft. Und das

Hamburg. Die zweigeschossige Aula

haben eins gemein: die allseitige

Dach – egal ob flach, terrassiert oder

dessen Büro landläufig eher für

für ihn traditionell ähnliche Anfor-

merkt man den Entwürfen von

ist im Giebel des Gebäudes unter-

Erlebbarkeit von Innen- und Au-

geneigt – bespiele und bereichere den

großmaßstäbliche und flache Bau-

derungen zu erfüllen wie ihr städ-

Kröger auch an. Keine bis auf den

gebracht, dessen Volumen sich in

ßenraum, die landschaftliche Weite

städtischen Raum ungemein. Hier

ten bekannt ist, für ihn ein großer

tischer Konterpart. Die Volumen

letzten Zentimeter ausgenutzten

diesem Bereich unter einer doppelt

über Fenstergrenzen hinweg und

dürfe man gerne lernen, wie auch in

Gewinn. Kröger zeichnet sich mit-

sind dabei geprägt durch Funktion,

Grundrisse, sondern mächtige

gekrümmten Dachfläche öffnet.

einfache Grundrisse mit einer kom-

Deutschland dieses stiefmütterlich

verantwortlich für eins der wenigen

Konstruktionsmöglichkeiten und

Innenräume, teils über drei Etagen,

plexen, vertikalen Raumstruktur./

behandelte Thema mutiger aufge-

Steildach-Objekte aus dem Portfo-

landschaftlichen Kontext. Archi-

die bei manchen Bauherren auch

Annäherung statt Doktrin

griffen werden könne.

lio Dudlers. Die Entwurfsaufgabe

tektur, die auf dem Dorf entsteht,

mal Überzeugungsarbeit erfordern.

Ein Dach wird von Kröger immer

lag dabei in einer typologischen

ist durchaus übertragbar in das

Der Moment, in dem die Begeiste-

auf Sinnhaftigkeit überprüft. Es

Annäherung an eine giebelständige

verdichtete, städtische Umfeld.

rung ausbricht und die Bewohner

muss sich in das Umfeld einfügen

Bebauung für ein kleines Hotel, das

Während das Dach im dörflichen

beginnen, ihre Räume zu lieben, ist

und architektonisch der Umgebung

„Quartier 65“ in Mainz.

Kontext fester Bestandteil der ar-

für ihn dabei ein ganz besonderer.

annähern. Zwang ist dabei keine


KOMMENTAR • 10

Trapez Architektur

Hamburg

Die Holzdielen knarzen, der Lichtschalter

wird gedrückt. Leise tapern kleine Füße auf

Socken die steile Holzstiege empor. Eine flackernde

Glühbirne gibt gerade so viel Licht,

dass sich die wachen Augen schnell an die

Dunkelheit gewöhnen und all die dort verborgenen

Schätze erspähen können.

Viele von uns erinnern sich wahrscheinlich

an das Gefühl, wagemutig und gespannt auf

den Dachboden der Großeltern geklettert zu

sein. Vielleicht war es das Unbekannte, die

speziellen Gerüche oder der Reiz schwer zugänglicher

Bereiche zwischen alten Schränken

und Dachschrägen. Ganz oben ist es

schön. Und ganz unten? Der Keller kommt

bei der Betrachtung weniger gut weg. Angst,

Beklemmung oder Spuk haften ihm an. Aber

warum ist das so? Warum fühlen wir uns

unterm Dach geborgen? Vielleicht sind es

die Lichtstimmung, die Raumatmosphäre

oder die Proportion. Vielleicht ist es aber

auch einfach nur das Gefühl: Ich bin ganz

oben, und nur das Dach trennt mich von der

Umgebung.

Für mich sind Dachräume inspirierende

Orte: Die atelierartige, lichtdurchflutete

Atmosphäre und die meist unverbaute Aussicht

sind einfach charmant. Ob im Neubau

oder mit dem Flair freigelegter Dachbalken

in historischer Bausubstanz, kein Dachraum

gleicht dem nächsten. Sie sind ein Segen,

wenn sie gut gestaltet sind.

Studi-Bude, Luxus-Loft oder Museumsarchitektur:

Der eingangs beschriebene

Raum verschenken,

Lebensqualität gewinnen?

Ein Kommentar von Dirk Landwehr von Trapez Architektur

aus Hamburg über sein Empfinden von Dachräumen.

Dachboden ist heute größtenteils passé.

Zu groß die Wohnungsnot, zu hoch das

Potenzial, unterm Dach auch zu leben. Fast

verschwunden sind auch die Vorurteile,

dass es im Winter viel zu kalt, im Sommer

viel zu heiß und außerdem immer zugig

sei. Trotzdem: Ein Steildach zu bauen

gehört immer weniger zum Standardrepertoire

der Architekten. Weil sie es einfach

nicht so häufig tun. Die von Investoren oft

gewünschte und weit verbreitete Realität:

Klötzchenbau mit Schlitzfenstern – möglichst

raumausnutzend, günstig und hocheffizient.

„Zeitgemäße Baukultur“ nennen es

die Investoren oder „urbane Wohnsiedlungen“.

Ob das Dach und großzügig gestaltete

Dachräume das Allheilmittel für bessere

Architektur sind? Sicher nicht. Aber sie sind

vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung.

Warum? Weil es angenehm wohltuend

ist, einen Raum zu betreten, der nicht

nach renditeoptimierter Flächeneffizienz

schreit und in dem eine Geschossdecke der

nächsten folgt. Er kann ja trotzdem effizient

sein, dabei gleichzeitig aber charmant und

einprägsam.

Wir planen viel für die öffentliche Hand, die

sich der Baukultur nur schwer entziehen

kann. Mein Wunsch für die Zukunft? Ob

flach oder geneigt, es täte der Architektur

sehr gut, wenn architektonische Qualität bei

Investoren endlich als Marktwert erkannt

würde. Dazu gehört auch die Bereitschaft,

mal Raum zu verschenken, um Lebensqualität

zu gewinnen. /

VERANSTALTUNGEN UND TERMINE

Rooftop Talk#7 in Bochum

am 18. November 2019

Rooftop Talk#8 in Dresden

am 20. Januar 2020

Rooftop Talk#9 in Münster

am 2. März 2020

Rooftop Talk#10 in Leipzip

am 4. Mai 2020

HERAUSGEBER

dachkult.de

PARTNER

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Deutschen Ziegelindustrie

Weitere Infos zu den Partnern

unter dachkult.de/partner

Gastkommentare in stadt/land/dach geben stets die Meinung der jeweiligen Gastautoren wieder

und nicht explizit die der Herausgeber.

Maßgeschneidert und lichtdurchflutet: Die Liebe zum Detail findet sich auch im

„Schwarzen Haus“ von Thomas Kröger Architekten wieder.