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polarreisen

RUSSLANDS FERNER OSTEN

ENDLOSE WEITEN

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WENN ES MÖGLICH WAR, VON LONDON BIS NACH MURMANSK ZU

SEGELN, DANN MUSSTE DOCH ENTLANG VON RUSSLANDS NORD-

KÜSTE AUCH EIN SEEWEG WEITERFÜHREN BIS NACH CHINA…

DIE ÜBERLEGUNG DER EUROPÄISCHEN SEEFAHRER IM 16. JAHRHUNDERT WAR RICHTIG. Bloss

dauerte es 400 Jahre und kostete Hunderte von Matrosenleben, bis der Schwede Adolf Erik

Nordenskiöld 1878 die Durchfahrt schaffte. Er brauchte dazu zwei Jahre. Aber die Nordostpassage

war endlich bezwungen. Heute verkürzt die Nordostpassage den Weg der Handelsschiffe

beispielsweise von Hamburg nach Shanghai von 20’000 auf 14'000 Kilometer.

ERST SEIT EIN PAAR JAHREN STEHT DIE NORDOSTPASSAGE AUCH TOURISTENSCHIFFEN

OFFEN. Der Seeweg bleibt aber für sie genauso anspruchsvoll: 7000 Kilometer von Murmansk

bis Anadyr durch sieben Randmeere mit je eigenem Charakter und Klima. Mächtige Archipele

wie Nowaja Semlja und Sewernaja Semlja oder die Neusibirischen Inseln. Und Meereis, das

ständig in Bewegung ist. Da kommt man als Besucher nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Das von Europa aus gesehen andere Ende der Nordostpassage ist das Tor zu Russlands unbekanntem

fernen Osten: Tschukotka ganz am östlichsten Zipfel Russlands und die südlich anschliessende

Halbinsel Kamtschatka. Zusammengenommen sind die beiden Bezirke dreimal

so gross wie Deutschland und äusserst dünn besiedelt: In Tschukotka trifft es statistisch betrachtet

gerade mal 0,07 Einwohner pro Quadratkilometer Land. Neben den namensgebenden

Rentierzüchtern, den Tschuktschen, finden sich an den Küsten auch russische Inuit, die noch

wie früher als Jäger und Fischer leben.

DIE ENDLOSEN, FLACHEN WEITEN DER TUNDRA und das urtümliche Leben ihrer Bewohner

machen den Reiz dieses Landes aus. Die Tierwelt ist hier ungestört und die Natur beinahe

unberührt. Wer sie erkunden will, braucht einen einheimischen Guide und Motorschlitten.

Und extrawarme Kleidung, denn auch im Sommer kann das Thermometer schon mal auf

Minusgrade fallen. Die Nomaden sind freundliche Menschen. Sie laden Besucher gerne in

ihre Jurten ein, denn irgendwo muss man ja schliesslich übernachten. Stolz zeigen sie ihren

Gästen auch die Rentierherden. Wer Glück hat, kriegt ein Lasso in die Hand gedrückt: So,

nun versuche mal, den Bullen dort zu fangen... Auch Kamtschatka besteht aus weitgehend

unberührter Natur. Man könnte sagen, es ist eine Mischung aus Island und Kanada: 30 aktive

Vulkane und mit ihnen unzählige Geysire prägen die Landschaft, 130 weitere Vulkane gelten

als inaktiv. Wiesen und Wälder leuchten grün, Braunbären streifen darin umher, Lachse

ziehen die Flüsse hoch. In einem Wort: archaisch. Kein Wunder, hat die Unesco 1996 die

Vulkanregion zum Weltnaturerbe erklärt. Natürlich existieren auf der 1200 Kilometer langen

Halbinsel auch Dörfer. Aber wie in Tschukotka nur sehr wenige. Mehr als die Hälfte der

380’000 Einwohner von Kamtschatka leben in der Hauptstadt mit dem unaussprechlichen

Namen Petropawlowsk-Kamtschatski.

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