Berliner Zeitung 09.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

Wendepunkte der Geschichte: 9. Oktober 1989, Leipzig – Seite 3

Werden

Nobelpreis

bekommen

sollte

Seite 5

9°/16°

Viele Wolken

Wetter Seite 2

Bahn: VonBerlin geht’s

künftig öfter an die Ostsee

Berlin Seite 13

www.berliner-zeitung.de

Limburg: Wardie

Lkw-Fahrt ein Anschlag?

Politik Seite 4, Kommentar Seite 8

Mittwoch, 9. Oktober 2019 Nr.234 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Syrien: Die Kriegsgefahr

an der Nato-Grenze

Tagesthema Seite2

Nationalmannschaft

Die Stunde

des Niklas

Stark

VonPatrick Berger

Erhatte da eine leise Vorahnung.

„Das war schon mehr als ein Augenzwinkern“,

sagte Niklas Starkvor

fünf Tagen nach dem 3:1-Erfolg in

der Bundesliga mit Hertha BSC gegen

Fortuna Düsseldorf. Die starken

Signale, die er von Bundestrainer

Joachim Löw erhalten hatte, haben

sich im Laufe des Dienstags bestätigt:

Niklas Stark wird imTest gegen

Argentinien in

Dortmund zu

seinem Debüt

für die deutsche

Fußball-Nationalmannschaft

kommen. „Seine

Stunde schlägt

auf jeden Fall“,

Niklas Stark kündigte Löw

darf gegenArgentinien auf der Pressekonferenz

an.

vonBeginn an ran.

„Das hatte sich

schon länger angekündigt, weil Niklas

stabile und sehr solide Leistungen

in Berlin auf der Position gezeigt

hat.“ Der24Jahrealte Innenverteidiger

imponiere mit seiner selbstbewussten

Art und Weise und werde

auch deshalb vonBeginn an spielen.

Damit wird Stark gegen Argentinien

der 102. Debütant unter Löw sein.

Und das ist nach langer Wartezeit

durchaus verdient.

Seit März war Stark dreimal vom

Bundestrainer zu Lehrgängen eingeladen

worden, saß allerdings in allen

sechs Länderspielen nur auf der

Bank. So lange hatte in der Löw-Ära

seit 2006 noch kein Neuling auf seine

Chance warten müssen. Das lange

Warten macht sich nun aber bezahlt.

Freilich profitiert Herthas Abwehrchef

auch vonden vielen Ausfällen in

der DFB-Abwehr.Doch sein Premieren-Einsatz

ist kein Geschenk Löws,

sondern eine Anerkennung für die

starken Leistungen im Verein. Stark,

immerhin U17-Europameister von

2014 und U21-Europameister von

2017, nahm in den letzten Monaten

eine positiveEntwicklung.

2015 wechselte der gebürtige

Bayer, seinerzeit ein schlankes

Bürschchen, vom1.FCNürnbergan

die Spree. Mittlerweile ist er zu einer

festen Größe bei den Blau-Weißen

avanciert und machte 103 Bundesligaspiele

für eben diese.Starkist kein

Lautsprecher, aber ein durchaus

kommunikativer Teamspieler. Sein

Wort hat auch in der Kabine Gewicht.

Auch deshalb ernannte ihn

sein Vereinstrainer, Ante Covic, vor

der Saison zum Vizekapitän. Dass

Stark auch Mut zur klärenden Auseinandersetzung

hat, zeigt folgendes

Beispiel: Ende Januar gab der 1,90

Meter große (mittlerweile) Modellathlet

dem Berliner Kurier ein Interview,

indem er über seinen großen

Traum, das DFB-Team, sprach. Daraus

entstand die Zeile: „Die Nationalmannschaft

ist mein Ziel!“ Das

gefiel dem durchaus zielsicheren

Profi allerdings nicht. Die Überschrift

sei zu forsch, zu fordernd.

Stark wollte sich lieber mit Taten,

statt Worten aufdrängen. Das hat er

nun getan. SportSeite 20

Reden wir über Berlin

Wieteuer darf das Leben in der Hauptstadt sein? Ein Streitgespräch zwischen

dem Soziologen Andrej Holm und Ralf Spann, Europa-Chef des

Wohnungskonzerns Akelius. Seiten 10 und 11

Senat: Eklat um Mietendeckel

Sitzung wegen Beschlussunfähigkeit geplatzt. Grüne wollen Absenkung der Mieten vertagen

VonElmar Schütze und Ulrich Paul

Eklat im Roten Rathaus. Am

Dienstagmorgen ist die allwöchentliche

Sitzung des

Berliner Senats ausgefallen,

weil –mitten in den Herbstferien

–zuwenige Mitglieder der Regierung

anwesend waren. Mangels Beschlussfähigkeit

gingen die anwesenden

Senatsvertreter unverrichteter

Dinge auseinander. Dabei wollten

sie sich eigentlich über eines der

wichtigsten politischen Projekte verständigen:

über den Stand der Gespräche

zum Mietendeckel.

Wie konnte das passieren? Dazu

gibt es je nach Parteizugehörigkeit

unterschiedliche Antworten. Die einen

reden von „Schlamperei“, die

anderen sehen „höhereGewalt“. Von

den elf Regierungsvertretern hatten

es jedenfalls nur fünf ins Rote Rathaus

geschafft. Einer zu wenig für einen

Beschluss. Sechs Ressortchefs

fehlten: darunter Kultursenator und

Bürgermeister Klaus Lederer (Linke),

Wirtschaftssenatorin und Bürgermeisterin

Ramona Pop (Grüne) sowie

der Regierende Bürgermeister

Michael Müller (SPD), der den Angaben

zufolge mit seinen Kindern Urlaub

macht.

Wichtig ist dies, weil der Regierende

Bürgermeister normalerweise

durch die Bürgermeister vertreten

wird. Also durch Pop oder Lederer.

Weil Lederer mit den Philharmonikern

auf Dienstreise in Tokio ist,

hätte Pop die Sitzung am Dienstag

leiten sollen. Pop schaffte es aber

nach Angaben ihrer Sprecherin

nicht, rechtzeitig vom Urlaub aus

Kroatien nach Berlin zurückzukehren.

Die Senatorin habe nachts per

Fernbus nach Venedig fahren wollen,

um von dort per Flugzeug nach

Berlin zu kommen. Doch der Bussei

ohne die Senatorin gefahren. Er sei

„überbucht“ gewesen, erklärt Pops

Sprecherin. Es sei ärgerlich und

peinlich, dass dies passiert sei, doch

die Senatorin habe „alles versucht“.

Dass die Landesregierung nicht beschlussfähig

gewesen sei, bedauere

sie,sodie Sprecherin.

Im Laufe des Dienstags kam Pop

doch noch in Berlin an und entschuldigte

sich umgehend per Brief

bei den Senatskollegen. Sie werde

„sicherstellen, dass sich so eine Situation

nicht wiederholt“, schrieb

sie. Zugleich bedauerte sie, dass sie

durch ihr Fernbleiben ihre Kompromissvorschläge

zum Mietendeckel

nicht persönlich mit den anderen

Senatoren habe diskutieren können.

Obwohl die Senatssitzung offiziell

nicht stattfand, berieten einige Politiker

der Koalition informell darüber,

wie es aus ihrer Sicht mit dem Mietendeckel

weitergehen soll – „stehend“

am Senatstisch, wie Teilnehmer

berichten. Diemeisten Vertreter

der SPD,darunter mehrereStaatssekretäre,

verließen jedoch den Sitzungssaal.

Innensenator Andreas

Geisel (SPD) gehörte zu den wenigen,

die blieben.

Der Gesetzentwurf zum Mietendeckel

aus dem Haus von Stadtentwicklungssenatorin

Katrin

„Wir Grüne wollen den Mietendeckel

zu einem Erfolg führen. Wir sind den

1,5 Millionen Haushalten verpflichtet,

jetzt gemeinsam eine gute Lösung zu finden.“

Katrin Schmidberger, mietenpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, zu

den Gesprächen über den Mietendeckel

Lompscher (Linke) befindet sich

zurzeit im sogenannten Mitzeichnungsverfahren.

Das heißt, die beteiligten

Senatsressorts,darunter die

Justiz-, die Finanz- und die Wirtschaftsverwaltung,

nehmen dazu

Stellung. Am Dienstag sollte im Senat

der Sachstand beraten werden.

Hauptstreitpunkt ist die Frage,ob

es im Mietendeckel einen Anspruch

auf Absenkung überhöhter Mieten

geben soll. DieSPD lehnt dies ab.Innensenator

Geisel erklärte am

Dienstag, sein Ressort habe der

Stadtentwicklungsverwaltung verfassungsrechtliche

Bedenken mitgeteilt.

Die Berliner Zeitung hatte am

Montag über die Bedenken aus der

Innenverwaltung berichtet. „Was wir

für möglich halten, ist selbstverständlich

die Absenkung von Wuchermieten“,

so der Innensenator

am Dienstag. „Wir können uns auch

darauf konzentrieren, beispielsweise

Mieten oberhalb der gültigen Mietpreisbremse

abzusenken.“

Die Linke ist weiter für Absenkung.

DieGrünen wollen die Absenkung

überhöhter Mieten zwar auch

durchsetzen, sind aber bereit, den

Anspruch der Mieter erst im zweiten

Schritt einzuführen –etwa neun Monate

nach Inkrafttreten. Dasgeht aus

den Vorschlägen von Wirtschaftssenatorin

Pophervor.

Dahinter steckt der Gedanke, die

Zeit zu nutzen, um ein Mietpreis-Kataster

aufzubauen, also eine Übersicht

über die vereinbarten Mieten in

der Stadt. Anhand dieser Übersicht

soll festgestellt werden, ob die ortsüblichen

Entgelte überschritten werden

–und inwiefernein Anspruch auf

Absenkung besteht. DieGrünen wollen

zugleich absichern, dass Investitionen,

die dem Klimaschutz dienen,

nicht zurückgehen. So soll die Förderung

energetischer Modernisierungen

ausgeweitet werden, schlägt Pop

vor. DieMieten sollen nach ihrer Ansicht

außerdem so reguliert werden,

„dass Genossenschaften und sozial

agierende Vermieter mit niedrigen

Bestandsmieten nicht über Gebühr

belastet werden“.

Kommentar Seite 8

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Johnson hält

Brexit-Deal für

gescheitert

Premier: Die EU habe

ihre Position geändert

Die britische Regierung glaubt offenbar

nicht mehr an einen Erfolg

der Gespräche über ein EU-Austrittsabkommen.

Das berichten

mehrere britische Medien übereinstimmend.

Grund ist demnach ein

Telefonat zwischen dem Premierminister

Boris Johnson und Bundeskanzlerin

Angela Merkel am Dienstagmorgen.

In einer Mitteilung hieß

es später,die EU habe eine neue Position

bezogen. Merkel habe deutlich

gemacht, dass ein Abkommen „äußerst

unwahrscheinlich“ sei und

dass Großbritannien die Staatengemeinschaft

nur verlassen könne,

wenn Nordirland dauerhaft in der

Europäischen Zollunion und dem

Binnenmarkt verbleibe.

„Wenn das eine neue, etablierte

Position ist, dann bedeutet das,dass

ein Abkommen prinzipiell unmöglich

ist, nicht nur jetzt, sondern immer“,

hieß es in der Mitteilung aus

London laut SkyNews.

Brüssel reagierte verärgert. EU-

Ratspräsident Donald Tusk kritisierte

Johnson scharf. Es gehe nicht um das

Gewinnen eines „dummen

Schwarze-Peter-Spiels“, schrieb Tusk

auf Twitter. „Sie wollen keinen Deal,

Sie wollen keine Fristverlängerung,

Siewollen den Austritt nicht widerrufen,

quo vadis?“, fragte Tusk in Richtung

Johnson. (dpa) Politik Seite 4

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2* Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Tagesthema

Neue Front

Der angekündigte Truppenabzug der Amerikaner aus

Syrien wird in Russland als Erfolg der eigenen

Außenpolitik gewertet. Und US-Präsident Trump muss

sich für die Entscheidung, seine Soldaten heimzuholen,

der Kritik aus den eigenen Reihen erwehren.

Freund und Feind

VonStefan Scholl, Moskau

AFP/NAZEER AL-KHATIB

Donald Trump sei inzwischen

Russlands Außenminister,

Russland habe

Trump in der Tasche,

schimpfte der US-Demokrat Jason

Kander am Montag nach der Ankündigung

seines Präsidenten, die US-

Truppen aus Syrien abzuziehen. Die

russischen Medien zitierten Kander

eifrig. Denn den Abzug des globalen

Widersachers aus dem Bürgerkriegsland

werteten sie als Sieg der vaterländischen

Außenpolitik. Obwohl

man in Moskau noch nicht so recht

weiß, was man vonder neuen Lage in

Syrien halten soll.

Assads Verbündete

„Politisch und propagandistisch ist

es eher ein Erfolg“, sagt Alexander

Schumilin, Leiter des Zentrums „Europa-Nahost“

der Russischen Akademie

der Wissenschaften, der Berliner

Zeitung. StaatschefWladimir Putin

und Außenminister Sergej Lawrow

hätten ja ständig unterstrichen,

dass die US-Truppen ohne Billigung

von Staatschef Baschar al-Assad in

Syrien stünden und deshalb verschwinden

müssten. Positiv sei

auch, dass der Abzug der Amerikaner

die Gefahr eines direkten militärischen

Zusammenstoßes zwischen

den Großmächten minimalisiere.

Ansonsten gelte für Syrien das

Motto: „Die anderen kommen und

gehen, wir aber bleiben.“

Unklar ist, wie Russland mit dem

Vakuum im bisher von den USA und

ihren kurdischen Verbündeten kontrollierten

Nord- und Nordostsyrien

umgehen soll –imGegensatz zurTürkei,

die eine neue Militäraktion gegen

die Kurden angekündigt haben.

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte

am Dienstag, bisher habe Putin

weder mit Trump noch mit seinem

türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan

über die Ereignisse in Syrien

gesprochen. Aber der Kreml hoffe,

dass die Türkei die territoriale Souveränität

Syriens respektiere.

Vor allem wird nun in Moskau

diskutiert, wie weit die türkischen

Truppen in Nordsyrien vorstoßen

wollen. Die Kurden versichern, sie

würden sich mit einem „totalen

Krieg“ verteidigen. Farchat Patijew,

Mitglied des kurdischen Nationalkongresses,

sagte der Zeitung Nesa-

Machtverteilung in Syrien

Kontrolle (bevölkerungsreiche Gebiete)

Präsenz (bevölkerungsarmeGebiete)

Regierung und Verbündete

Kurden und Verbündete

Mittelmeer

Daraa

Idlib

Homs

LIBANON

TÜRKEI

Damaskus

Aleppo

Türken und Verbündete

Rebellen und Dschihadisten

US-Truppen ziehen sich zurück

TalAbjad Ras al-Ain

Qamischli

Palmyra

JORDANIEN

Al-Rakka

Deir ez-Zor

US-Stützpunkte und Positionen

IS-Miliz

Hasakeh

Vonder Türkei

geforderte

„Sicherheitszone“

IRAK

50 km

BLZ/GALANTY; QUELLEN: SOHR, AFP, STAND 7. OKTOBER 2019

wissimaja Gaseta, Ziel der Türken sei

es, die Gebiete von der Region Idlib

am Mittelmeer bis zur Provinz Deir

ez-Zor im Osten des Landes zu erobern.

Dort wolle Ankara eine „Türkische

Republik Nordsyrien“ nach

dem Vorbild Nordzyperns errichten.

Neue Koalitionen

Manche Beobachter in Moskau

schließen auch nicht aus, dass die

Türken sich mit der 23 Kilometer

breiten Sicherheitszone südlich der

syrischen Grenze zufriedengeben,

die sie 2018 mit den USA vereinbart

hatten. Nach Ansicht des Nahost-Experten

Anton Mardassow ist entscheidend,

wie sich die Lage in der

multiethnischen Grenzstadt Qamischli

entwickelt. Sie wird hauptsächlich

von kurdischen Kämpfern,

zum Teil aber auch vonsyrischen Regierungstruppen

kontrolliert.

Die Internetzeitung Medusa vermutet,

wenn nicht die Russen, so

könnten doch Assads Streitkräfte

den Kurden beispringen. „Kurdische

und syrische Quellen verlautbaren,

die syrische Armee bereite sich vor,

um der türkischen Offensive zuvorzukommen

und das Gebiet um die

Stadt Manbidsch im syrischen Nordwesten

zu besetzen.“ Außerdem sei

die syrische Staatsmacht schon

lange an den Ölquellen östlich von

Deir ez-Zor interessiert. Dort hatten

die Amerikaner noch 2018 einen vor

allem von russischen Söldnern vorgetragenen

syrischen Vorstoß blutig

zurückgeschlagen. Jetzt würde es der

Kreml nach Ansicht russischer Beobachter

nur begrüßen, wenn die

Kurden unter dem militärischen

Druckder Türkei enger an Assad heranrückten.

Aber kaum jemand in Moskau

glaubt, dass das russische Kontingent

in Syrien es auf einen militärischen

Zusammenstoßmit derTürkei

ankommen lässt, selbst, wenn deren

Streitkräfte syrische Regierungstruppen

unter Feuer nehmen. „Verbal

würde man die Syrer unterstützen,

aber nicht eingreifen“, vermutet Experte

Schumilin. Sein Kollege Kirill

Semjonow glaubt, in Moskau rechne

man darauf, dass die türkische OffensiveinNordsyrien

eher dasVerhältnis

der Türkei zu den USA verdirbt als zu

Russland.

US-Republikaner

Gegenwind für Trump

VonKarlDoemens, Washington

Ein geordneter Rückzug sieht anders

aus. Die meisten Washingtoner

Beamten steckten noch im

Stau, als Donald Trump am Montagmorgen

per Twitter überraschend

das Ende des amerikanischen Engagements

in Syrien verkündete.„Es ist

Zeit für uns, aus diesen lächerlichen

Endlos-Kriegen herauszukommen“,

verkündete der US-Präsident: „Türkei,

Europa, Syrien, Iran, Irak, Russland

und Kurden müssen nun mit

der Situation klarkommen.“

Mehr als 24 Stunden mit wilden

Trump-Tweets, einem Aufstand republikanischer

Senatoren und widersprüchlichen

regierungsamtlichen

Erklärungen später rätselten

Beobachter am Dienstag immer

noch, was den US-Präsidenten zu

der abrupten Entscheidung bewogen

hat und welche Folgen sie hat.

Nach amerikanischen Medienberichten

waren weder das amerikanische

Verteidigungsministerium

noch Nato-Alliierte oder engste innenpolitische

Trump-Vertraute in

den Kurswechsel eingebunden.„Was

ist das für eine Botschaft an unsere

nächsten Verbündeten?“, empörte

sich Brian Kilmeade, der sonst linientreue

Moderator von Trumps

Lieblingssendung„Fox and Friends“.

DieUSA habe die Kurdenmilizen bewaffnet

und die Drecksarbeit machen

lassen: „Und nun sagen wir:

Viel Glück? EinDesaster!“

Zwar schränkten Regierungsvertreter

in Hintergrundgesprächen ein,

es gehe keineswegs um einen Abzug

aller 1000 US-Soldaten aus Syrien.

Vielmehr sollten 50 bis 100 US-Soldaten,

die derzeit im Nordosten des

Landes in der Nähe der türkischen

Grenzestationiertsind, innerhalb Syriens

verlegt werden, um

bei einer türkischen Offensivenicht

ins Feuer zu geraten.Tatsächlich

wurden bereits

Dutzende amerikanische

Militärangehörige aus

der Region abgezogen. Vertreter

des State Departments

bemühten sich zu

dieser Zeit noch, Ankara

von einer Invasion abzuhalten.

Doch der allgemeine

Eindruck in Washington war,

dass Trump dem türkischen Staatschef

Recep Tayyip Erdogan bei einem

Telefonat am Sonntagabend „grünes

US-Präsident

Donald Trump

Licht“ für die Einrichtung einer

höchst umstrittenen türkischen

„Schutzzone“ im kurdischen Nordosten

Syriensgegeben hat.

Dass die USA ihrekurdischenVerbündeten

im Kampfgegen

die Terrororganisation IS

buchstäblich über Nacht

dem türkischen Erzfeind

auslieferte, sorgte unter

Trumps gewöhnlich ge-

AFP

folgsamen republikanischen

Parteifreunden für

offene Empörung. „Das ist

ein großer Sieg fürIran, Assad

und IS“, kritisierte Senator

Lindsey Graham, der

engste Golf-Freund des Präsidenten.

Und die ranghohe Senatorin Liz

Cheney aus Wyoming urteilte: „Ein

katastrophaler Fehler.“

Unter dem Eindruck der ungewöhnlich

massiven Kritik feuerte

Trump einen bombastischen Tweet

ab: „Falls die Türkei irgendetwas

macht, das ich in meiner großartigen

und unvergleichlichen Weisheit als

Tabu betrachte, werde ich die Wirtschaft

der Türkei total vernichten

und auslöschen.“

Spekuliert wird nun auch, was

Trump zu dem Pakt mitErdogan bewogen

hat, der nicht nur die Kurden

im Nordosten Syriens inLebensgefahr

bringt, sondern auch den von

ihnen bewachten IS-Kämpfer im

drohenden Chaos die Flucht ermöglichen

könnte.

Der konservative Publizist David

Frum äußerte die Vermutung, dass

Trumps private Geschäftsinteressen

in der Türkei den Ausschlag gegeben

haben. Auch gerät der US-Präsident

innenpolitisch in der Ukraine-Affäre

zunehmend unter Druck. Insofern

könnte er nach Meinung anderer Beobachter

ein Ablenkungsmanöver

gestartet haben, das seinen Anhängerngefällt.

„Syrien sollte eigentlich ein Kurzzeit-Einsatz

sein“, sagte Trump bei

einer improvisierten Pressekonferenz:

„Ich habe im Wahlkampf versprochen,

dass ich unsere Truppen

heimbringe.“ Gleichzeitig keilte er

heftig gegen Deutschland und

Frankreich, die sich weigern, die im

Nordosten Syriens inhaftierten IS-

Kämpfer aus ihren Ländern zurückzunehmen.

„Die sind daran gewöhnt,

dass die USA der Trottel ist“,

wetterte Trump. Doch damit sei es

vorbei.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute hängt der Himmel oft voller Wolken. Zwischendurch scheint aber

auch die Sonne. Die Höchstwerte erreichen 14 bis 16 Grad, und der Wind

weht schwach bis mäßig aus Südwest. In der Nacht liefern zahlreiche Wolken

zeitweilige Regengüsse. Dabei fallen die Tiefsttemperaturen bis auf

8Grad.

Biowetter: Die derzeitige Wetterlage

bringt verstärkt rheumatische

Beschwerden, Gelenk-, Glieder-,

Narben- und Muskelschmerzen.

Menschen mit hohem Blutdruck

sollten Aufregungen vermeiden.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 31 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 67 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 17 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 95%

Gefühlte Temperatur: maximal 15Grad.

Wind: schwach aus Südwest.

Wittenberge

10°/15°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

9°/15° 9°/15°

Luckenwalde

9°/16°

Prenzlau

9°/14°

Cottbus

10°/15°

Donnerstag

Freitag

Sonnabend

Regenschauer bedeckt stark bewölkt

9°/14° 8°/15° 13°/19°

Frankfurt

(Oder)

10°/16°

Mit stark böigen Westwinden ziehen Regengebiete atlantischer Tiefdruckgebiete

über West- und Mitteleuropa. Sie haben feuchte und erwärmte Meeresluft im

Schlepptau. Die relativ kalte Luft über Nordosteuropa muss nordostwärts zurückweichen.

Spätsommerlich warm ist es in Südspanien und am östlichen Mittelmeer.

Sylt

8°/12°

Hannover

9°/15°

Köln

9°/15°

Saarbrücken

9°/13°

Konstanz

10°/16°

Hamburg

9°/13°

Erfurt

8°/15°

Frankfurt/Main

10°/15°

Stuttgart

9°/14°

Rostock

8°/14°

Magdeburg

8°/16°

Nürnberg

9°/15°

München

9°/15°

Rügen

8°/13°

Dresden

11°/14°

Deutschland: Heute gibt es viele

Wolken, etwas Sonne sowie schauerartige

Regenfälle, und die Temperaturen

steigen am Tage auf 12 bis

16 Grad. Nachts sinken die Werte

dann auf 10 bis 6Grad. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus südwestlichen

Richtungen. Morgen teilen

sich etwas Sonne und viele Wolken

den Himmel. Stellenweise gibt es Regengüsse,

und die Höchstwerte liegen

bei 12 bis 16Grad. Der Wind

weht stellenweise mit stürmischen

Böen aus West.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 12°-13°

Nordsee: 14°-16°

Mittelmeer: 19°-29°

Ost-Atlantik: 15°-20°

Mondphasen: 13.10. 21.10. 28.10. 04.11.

Sonnenaufgang: 07:20 Uhr Sonnenuntergang: 18:25 Uhr Mondaufgang: 17:30 Uhr Monduntergang: 02:03 Uhr

Lissabon

23°

Las Palmas

24°

Madrid

30°

Reykjavik

10°

Dublin

11°

London

16°

Paris

17°

Bordeaux

19°

Palma

26°

Algier

29°

Nizza

23°

Trondheim

11°

Oslo


Stockholm

10°

Kopenhagen

14°

Berlin

15°

Mailand

16°

Tunis

26°

Rom

22°

Warschau

17°

Wien

15° Budapest

20°

Palermo

25°

Kiruna


Oulu


Dubrovnik

22°

Athen

24°

St. Petersburg


Wilna

13°

Kiew

13°

Odessa

17°

Varna

20°

Istanbul

23°

Iraklio

25°

Archangelsk


Moskau


Ankara

22°

Antalya

29°

Acapulco 33° Gewitter

Bali 39° heiter

Bangkok 34° Gewitter

Barbados 29° wolkig

Buenos Aires 26° Gewitter

Casablanca 25° sonnig

Chicago 21° sonnig

Dakar 28° Gewitter

Dubai 35° sonnig

Hongkong 31° heiter

Jerusalem 29° heiter

Johannesburg 32° sonnig

Kairo 36° sonnig

Kapstadt 16° wolkig

Los Angeles 20° sonnig

Manila 32° heiter

Miami 31° Gewitter

Nairobi 30° wolkig

Neu Delhi 33° sonnig

New York 17° Regen

Peking 22° wolkig

Perth 28° heiter

Phuket 32° Gewitter

Rio de Janeiro 18° Schauer

San Francisco 21° sonnig

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 29° wolkig

Singapur 31° Gewitter

Sydney 18° heiter

Tokio 26° wolkig

Toronto 16° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 3 *

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Seite 3

Das Wunder von Leipzig

Leipzig am 9. Oktober 1989

AKG-IMAGES/ARAM RADOMSKI

Ich habe mal den Versuch gemacht: Ich

habe drei verschiedene Menschen –

eine Westfrau, eine Ostfrau, einen

Westmann –gefragt, ob sie sich daran

erinnern, wie sie den 9. Oktober 1989 verbracht

haben. Alle drei begannen sofort davon

zuerzählen, wie sie den 9. November,

den Tagder Maueröffnung, erlebt haben. Die

Verwechslung ist nachvollziehbar, doch danach

hatte ich nicht gefragt. Ich hatte nach

dem 9. Oktober gefragt, dem Tagder großen

Demonstration in Leipzig.

9. Oktober,hä? Waswar da schon wieder?

Der 9.Oktober war ein Tag, der in einem

Bürgerkrieg hätte enden können. Es war

eben nicht vonAnfang an die „friedliche Revolution“,

als die sie heute gilt. Es hätten

Schüsse fallen können wie ein halbes Jahr

zuvor in Peking auf dem Platz des Himmlischen

Friedens. Jemehr man sich im Rückblick

mit den Abläufen des Tages befasst,

desto weniger versteht man, warum die

Ereignisse von Leipzig in der kollektiven Erinnerung

nur eine untergeordnete Rolle

spielen. Es ist ein Tag, an dem der spätere

Lauf der Geschichte entschieden wurde, ein

Tag, auf den man stolz sein kann. Und zwar

nicht nur die Ostdeutschen, sondern alle

Deutschen.

Es gibt in Leipzig jedes Jahr am 9. Oktober

ein Fest. Bislang wurde es kaum über die

Stadt und das Bundesland Sachsen hinaus

beachtet. In diesem Jahr findet eine größere

Gedenkfeier mit Bundespräsident Frank-

Walter Steinmeier statt, sie wirdliveimFernsehen

übertragen. Auch die Berliner DDR-

Oppositionelle Freya Klier sowie Sachsens

Ministerpräsident Michael Kretschmer

(CDU) werden dort reden. In der Peterskirche

wirdder Linke-Politiker Gregor Gysi auftreten,

darüber ist schon vorab gestritten

worden.

Ritualisiertes Gedenken

Gysi, Klier, Kretschmer, Steinmeier –schön

und gut. Das sind aber nicht die Menschen,

die am 9. Oktober in Leipzig auf die Straße

gegangen sind oder die verhindert haben,

dass ein Schuss fällt. Frank-Walter Steinmeier

war im Herbst 1989 wissenschaftlicher

Mitarbeiter an der Universität Gießen. Freya

Klier war 1988 ausgebürgert worden und

lebte in West-Berlin. Michael Kretschmer

war ein Schuljunge in Görlitz. Gregor Gysi

war Anwalt in der DDR.

Wenn man über den 9. Oktober redet,

muss man vielleicht grundsätzlich darüber

reden, wie ritualisiert und formelhaft alle

fünf Jahre an das Ende der DDR erinnert

wird. Mit immer den gleichen Gesichtern

und Reden, als wäreesein lästiger Termin im

Kalender,der abgearbeitet werden muss.

Manchmal wiederholen sich sogar die

Debatten, wie jüngst die Diskussion über

den Begriff Unrechtsstaat. DieOst-Ministerpräsidenten

Bodo Ramelow und Manuela

Am 9. Oktober 1989 kamen auf den Straßen und in den Kirchen

von Leipzig schätzungsweise 70 000 Menschen zusammen,

um zu demonstrieren. Es war ein Tag, derineinem Bürgerkrieg hätte

enden können. Doch alles blieb friedlich.

Der 9. Oktober ist ein Tag, aufden alle Deutschen stolz sein können

Schwesig hatten sie angestoßen, sie wehrten

sich gegen den Begriff Unrechtsstaat im Zusammenhang

mit der DDR. Ist das wirklich

die Frage, die das Land 2019 weiterbringt?

Die DDR war kein gutes Land, aber es war

auch kein zweiter NS-Staat.

Wenn über den Herbst ’89 gesprochen

wird, dann hat sich die Floskel vom Mauerfall

eingebürgert. Die Mauer ist aber nicht

gefallen, so wie Regen fällt. Es war auch nicht

Bundeskanzler Helmut Kohl, der die Mauer

öffnete, oder ZK-Generalsekretär Egon

Krenz. Und eswar auch nicht der Politiker

Björn Höcke oder einer der anderen westdeutschen

Funktionäre der Partei AfD, die

das Erbe von1989 für sich reklamieren.

Es waren mutige, disziplinierte Menschen,

die sich im Herbst 1989 auf die Straße

trauten, und es waren Menschen auf der anderen

Seite,die nicht schossen, Soldaten, Polizisten,

Kampfgruppenangehörige.

Am 9. Oktober 1989 kamen auf den Straßen

und in den Kirchen von Leipzig schätzungsweise

70 000 Menschen zusammen –

noch nie protestierten in der DDR so viele öffentlich.

Man muss sich noch mal ins Gedächtnis

rufen, was für ein Risiko jeder, der

damals auf die Straße ging, einging. Wenn

man darauf zurückblickt, dann schaut man

vomEnde her drauf, man weiß, wie es ausgegangen

ist. Man weiß, dass kein Schuss fiel.

Doch das war zu Beginn keinesfalls klar. Die

Lage hätte ganz leicht eskalieren können.

Es war ja nicht so wie heute beim Klimaprotest

vonExtinction Rebellion, wo alles generalstabsmäßig

durchorganisiert ist, jeder

weiß, was in einer Demokratie geht, was

nicht und wie weit man gehen kann. In der

DDR konnte man dafür ins Gefängnis wandern,

ein Plakat hochzuhalten.

Zwei Tage zuvor waren am 7. Oktober

1989 bei spontanen Demonstrationen in

Berlin rund 1200 Menschen verhaftet worden.

Werdamals dabei war, erinnert sich an

das brutale Vorgehen der Polizei. Die Menschen

wurden geschlagen, getreten und bespuckt.

„Wir durften stundenlang nicht auf

die Toilette“, erinnert sich eine, die damals

verhaftet wurde.

VonSabine Rennefanz

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk

zeichnet in seinem Buch„Endspiel“ die Ereignisse

rund um den 9. Oktober nach. Er erinnert

daran, dass Egon Krenz am 8. Oktober

noch im Auftrag von Erich Honecker an alle

SED-Bezirksleitungen ein eiliges Rundschreiben

verfasste, indem auf die „rowdyhaften

Zusammenrottungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen“

in mehreren Bezirken

hingewiesen wurde: „Es ist damit zu rechnen,

dass es zu weiteren Krawallen kommt. Sie

sind vonvornherein zu unterbinden.“

In der Zeitung meldeten sich Kampfgruppenkommandeure

zu Wort, die sich ent-

„Wir alle brauchen freien

Meinungsaustausch

über die Weiterführung

des Sozialismus in

unserem Land.“

Kurt Masur verlas am 9. Oktober 1989 einen

Aufruf im Leipziger Stadtfunk.

schlossen zeigten, konterrevolutionäre Aktionen

„endgültig“ zu beenden, notfalls mit

der Waffe.Am9.Oktober war die Lage angespannt,

um Leipzig herum standen Panzer

bereit. In der Stadt selbst waren überall Polizisten

zu sehen. In den Krankenhäusernwarenangeblich

schon zusätzliche Blutkonservenlager

angelegt worden, so schildertesder

Historiker Kowalczuk. Bei der Stasi kursierten

am Vorabend des 9. Oktober Listen mit

Namen von Oppositionellen, die bei einem

Übergriff verhaftet und in Isolierlager gesteckt

werden sollten.

Die Ereignisse vom 9. Oktober waren

nicht geplant, nicht orchestriert. In der Verwaltung

herrschte Nervosität. Die Leipziger

Funktionäre wussten nicht, wie sie mit den

zu erwartenden Montagsdemonstranten

umgehen soll. „Das ZK schwieg, Egon Krenz

als zuständiger Sekretär des ZK ebenfalls“,

schreibt Kowalczuk. Wasesgab, waren Aufrufe

verschiedener Oppositionsgruppen zur

Gewaltlosigkeit. Verschiedene Menschen

setzten sich dafür ein, dass nicht geschossen

wird. Am wichtigsten war ein Aufruf der

„Leipziger Sechs“. Derbekannteste der sechs

war der Dirigent Kurt Masur, dabei waren

auch der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und

der Theologe Peter Zimmermann.

Weniger bekannt ist, dass unter den Initiatoren

des Aufrufs auch drei Sekretäre der

SED-Bezirksleitung waren, die ebenfalls zustimmten,

öffentlich genannt zu werden. Sie

heißen Kurt Meyer, Jochen Pommertund RolandWötzel.

Siesetzen sich damals über Helmut

Hackenberg hinweg, den Einsatzleiter

der Truppen vor Ort, der als Hardliner galt.

Die„Leipziger Sechs“ kamen am Nachmittag

zusammen und verfassten den Aufruf.

Es war ein wichtiger Moment, ein Moment,

in dem sich alles entschied, ein Moment,

aus dem man heute noch Kraft schöpfen

könnte: Da kamen Menschen, die auf unterschiedlichen

Seiten standen, zusammen,

ließen ihre Differenzen beiseite und verhinderten

ein Blutbad. Nicht Parteien, nicht

feste Gremien, sondern Einzelpersonen, die

über ihren Schatten sprangen.

Man findet ihre Namen in historischen

Abhandlungen. Aber wer erinnert sich sonst

an sie? Wie viele Straßen wurden nach den

„Leipziger Sechs“ benannt?

DenAufrufverlas Kurt Masurdamals über

den Leipziger Stadtfunk. DieDemonstranten

hörten seine Stimme aus den Lautsprechersäulen

am Leipziger Ring. „Unsere gemeinsame

Sorge und Verantwortung haben uns

heute zusammengeführt. Wir sind von der

Entwicklung unserer Stadt betroffen und suchen

eine Lösung. Wir alle brauchen freien

Meinungsaustausch über die Weiterführung

des Sozialismus in unserem Land.“ Diejenigen,

die das hörten, waren erleichtert. Und

ja, damals war noch die Rede vonder Reform

des Sozialismus. Eine deutsche Einheit

schien jedenfalls weit weg, nahezu undenkbar.Die

Demonstranten riefen „Wir sind das

Volk“, den Satz, den die AfD dreißig Jahre

später im Wahlkampf benutzen wird.

Wenn man sich die Ereignisse vondamals

anschaut, dann sieht man, wie absurd und

falsch die Parallelen sind, die die AfD zwischen

heute und ’89 zieht. Die Bundesrepublik

sei heute in einer ähnlichen Phase wie

die späte DDR, die Bundesrepublik sei quasi

auch eine Diktatur, das sind die Parallelen,

die gerngezogen werden.

Dass dieseLegende so gerngeglaubt wird,

hat vielleicht damit zu tun, dass die Selbstbefreiung

der Ostdeutschen eine Angelegenheit

einer Minderheit war,die nach derVereinigung

nicht ins kollektive Gedächtnis eingeflossen

ist. 1990 wurden aus den Menschen,

die auf die Straße gegangen waren,

die Stasi-Zentralen besetzten und Zeitungen

gründeten, „Jammerossis“ und „Bürger

zweiter Klasse“.

Dabei hätte der 9. Oktober so viel identitätsstiftendes

Potenzial. Wenn man etwas

daraus lernen will, dann das: Dass Veränderung

möglich ist, und zwar nicht mit Hass,

Wutund Abgrenzung, sondernmit Kompromissfähigkeit,

Risikobereitschaft und Menschenfreundlichkeit.

Die Bilder,die Mutmachten

Etwa eine halbe Stunde nach demAufrufder

sechs wurde vor Ort in Leipzig entschieden,

nicht einzugreifen, wenn niemand angegriffen

wird. „Hier sind keine Forderungen gestellt

worden, nicht durch Herrn Krenz und

auch nicht durch Herrn Hackenberg, nicht

zurBeruhigung undnicht zurEskalation, ich

habe dann um 18.25 Uhr den Befehl zur

Selbstverteidigung undzur Rückziehung der

Kräfte gegeben“, wird Gerhard Straßenburg,

Chef der Bezirksbehörde der Deutschen

Volkspolizei, später zitiert. DieMenschen zogen

weiter, einige stellten vor dem Gebäude

der MfS Bezirksverwaltung Kerzen ab. Egon

Krenz rief erst gegen 19.15 Uhr anund segnete

die Entscheidung nachträglich ab. Die

Bildervon derVeranstaltung, die dieOppositionellen

Siegbert Schefke und Aram Radomski

gefilmt haben, wurden am nächsten

TagimWestfernsehen gezeigt. Sie machten

auch vielen DDR-BürgernMut.

An diesem 9. Oktoberkam etwas in Bewegung,

an den darauffolgenden Montagen

trauten sich auf einmal in vielen anderen

Städten Leute auf die Straße. Die meisten

Kundgebungen fanden laut Zählung desHistorikers

Kowalczuk im Bezirk Karl-Marx-

Stadt (heute Chemnitz) statt, die wenigsten

im BezirkFrankfurt(Oder).VierWochen später

stürmtendie Menschen dieMauer.

Sabine Rennefanz war am 9. Oktober

1989 nicht in Leipzig,sondernin

Eisenhüttenstadt in der Schule.


4* Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

AfD scheitertmit Klage vor

dem Verfassungsgericht

DasBundesverfassungsgericht in

Karlsruhe hat eine Organklage des

AfD-Bundestagsabgeordneten Petr

Bystron gegen ein Ordnungsgeld als

unzulässig verworfen. Zuvorhätte er

versuchen müssen, die Strafe mit

dem in der Geschäftsordnung des

Bundestags vorgesehenen Einspruch

abzuwenden, so die Karlsruher Richter

in einem am Dienstag veröffentlichten

Beschluss (Az.: 2BvE 2/18).

BeiderWiederwahl vonKanzlerin

Angela Merkel (CDU) am 14. März

2018 hatte Bystron in derWahlkabine

ein Foto seines ausgefülltenWahlzettels

gemacht und dieses im Internet

mit denWorten„Nicht meine Kanzlerin“

gepostet. Bundestagspräsident

Wolfgang Schäuble (CDU) warfBystrondanach

vor, er habe„bewusst gegen

den Grundsatz der Geheimhaltung

derWahl verstoßen“. (AFP)

Weiter keine Lösung bei

Verteilung von Flüchtlingen

Dievon Bundesinnenminister Horst

Seehofer vorangetriebene Übergangslösung

zur Rettung vonBootsmigranten

kommt kaum voran. Bei

einem EU-Innenministertreffen am

Dienstag in Luxemburgschloss sich

kein Staat offiziell der Einigung von

vorzweiWochen an, wie der CSU-

Politiker anschließend sagte.Einen

festen Verteilmechanismus für Migranten,

die aus dem zentralen Mittelmeer

gerettet werden, gibt es allerdings

weiterhin nicht. (dpa)

Militärflugzeug nahe

Trier abgestürzt

EinUS-Militärflugzeug ist am Dienstag

nahe Trier abgestürzt. Nach Angaben

des Bürgermeisters des Ortes

Zemmer stürzte die Maschine dort

über einem Waldgebiet ab.Wie ein

Sprecher der Luftwaffe am Dienstag

bestätigte,handelt es sich um einen

US-Kampfjet vomTyp F16. Dieser

sei im rheinland-pfälzischen Spangdahlem

stationiertgewesen. DerPilot

habe sich über den Schleudersitz

retten können. (dpa)

Grünes Licht für polnischen

EU-Kommissionskandidat

Janusz Wojciechowski soll der nächste EU-

Landwirtschaftskommissar werden. AFP

Derpolnische Kandidat für das Team

der künftigen EU-Kommissionspräsidentin

Ursula vonder Leyen hat im

zweiten Anlauf grünes Licht vom

EU-Parlament erhalten. DerAgrarausschuss

stimmte am Dienstag dafür,dass

Janusz Wojciechowski der

nächste EU-Landwirtschaftskommissar

werden soll. DieAbgeordneten

bewerteten den zweiten Auftritt

des 64-Jährigen deutlich positiver als

den ersten vergangene Woche. (AFP)

Keine Haftentlassung für

Holocaust-Leugnerin

DieHolocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck

muss im Gefängnis bleiben.

DasOberlandesgericht Hamm (OLG)

hat eine Entscheidung des Landgerichts

Bielefeld bestätigt, nach der die

Haftstrafe der heute 90-Jährigen

nicht zur Bewährung ausgesetzt wird.

Seit Mai2018 sitzt sie wegen mehrfacherVolksverhetzung

im geschlossenenVollzug

in Bielefeld-Brackwede

zwei Strafen ab. (dpa)

Limburg: Mit dem weißen Lastwagen rammte ein 32-jähriger Syrer mehrere Autos, die an einer Ampel standen.

Im Visier Erdogans

Ein Jahr war Deniz Yücel in der Türkei inhaftiert. Über seine Zeit im Gefängnis hat er das Buch „Agentterrorist“ geschrieben

VonMirjam Schmitt

Waresein Anschlag?

Lkw-Fahrer rammt mehrere Autos. Es gibt einige Leichtverletzte. Haftbefehl wegen versuchten Mordes

VonPitt von Bebenburg

Bei der Fahrt eines 32-jährigen

Mannes mit einem

Lastwagen in stehende Autos

in Limburg blieb die

Motivlage am Dienstag zunächst unklar.

Organisierter Terroranschlag

oder eher Amokfahrt? Es gebe keine

Anhaltspunkte für eine Straftat, die

vom Generalbundesanwalt verfolgt

werden müsste, sagte der Sprecher

der hessischen Generalstaatsanwaltschaft,

Alexander Badle,amDienstag.

Dennoch wurde am Abend Haftbefehl

erlassen. DieTatvorwürfe lauten

versuchter Mord,gefährliche Körperverletzung

und gefährlicher Eingriff

in den Straßenverkehr.Der Syrersitzt

in Untersuchungshaft.

Am Montagnachmittag hatte er

nach Angaben der Frankfurter

Staatsanwaltschaft und des Landkriminalamts

einen Lastwagen gekapert.

Mitdem gestohlenen Fahrzeug

sei er um 17.18 Uhr ungebremst in

andereAutos hineingefahren, die an

einer Ampel standen. Dabei habe er

einen Kleintransporter und sieben

Autos zusammengeschoben.

Behandlung im Krankenhaus

Acht Insassen dieser Wagen und der

Syrer seien dabei leicht verletzt worden.

Bei einer Person genügte laut

Polizei die medizinische Versorgung

vor Ort. Sieben Menschen seien ins

Krankenhaus gekommen, aber noch

in der Nacht zum Dienstag entlassen

worden. Der 32-jährige Täter wurde

Lkw-Zwischenfall in Limburg

200 m

Limburger Weg

Diezer Str.

Schiede

Dom

Ort des Geschehens

Bahnhof

nach Behördenangaben von Bundespolizisten

festgenommen, die

zufällig am Tatortgewesen seien. Am

Dienstagabend sollte der Haftrichter

über den Haftbefehl entscheiden.

Vorder Tathatte der Mann den

ursprünglichen Fahrer des Lasters

laut Polizei auf der Limburger

Hauptverkehrsstraße Schiede mit

Gewalt aus der Fahrerkabine gezogen.

Der Unbekannte habe ihn mit

weit aufgerissenen Augen angestarrt,

habe aber kein Wort gesagt,

berichtete die Frankfurter Neue

Presse unter Berufung auf den Lkw-

Fahrer. Der Mann habe gewirkt, als

stünde er unter Drogeneinfluss.

Nach Angaben vonAugenzeugen,

die von der Zeitung zitiert wurden,

soll der Täter Arabisch gesprochen

und von„Allah“ geredet haben. Dies

Seinen vorerst letzten TaginFreiheit

verbringt Deniz Yücel mit seiner

Katze und dem türkischen Journalisten

Ahmet Sik, der inzwischen

Abgeordneter ist. Es ist Weihnachten,

der 25. Dezember 2016, eigentlich ein

ruhiger Tag in der Türkei wäre da

nicht der Artikel in der regierungsnahen

Zeitung Sabah. Yücel erfährt aus

der Zeitung, dass Kollegen festgenommen

wurden, dass er selbst auf

einer Fahndungsliste steht –erentscheidet

sich, unterzutauchen. „Ahmet

ist der letzte Mensch, mit dem ich

spreche, bevor das Unheil über mich

hereinbricht“, schreibtYücel.

DasUnheil, das Yücel durchleben

musste, bestimmte ein Jahr lang die

Agenda der deutsch-türkischen Beziehungen.

VonFebruar 2017 bis Februar

2018 war der Welt-Korrespondent

ohne Anklageschrift in der Türkei

inhaftiert, bevor er entlassen

wurde und ausreiste. Noch immer

läuft ein Verfahren gegen Yücel wegen

Terrorpropaganda undVolksverhetzung

in der Türkei. Präsident Recep

Tayyip Erdogan beschimpfte den

Journalisten unter anderem als

„Agentterrorist“ – eine Wortneuschöpfung,

die Yücel zum Titel seines

neuen Buches machte.

Es erscheint am Donnerstag und

sei auch eine Art „Eigentherapie“,

sagt Yücel im Gespräch mit der

Deutschen Presse-Agentur.

Er halte seine Geschichte

zudem für erzählenswert.

Yücel schreibt in

seinem Buch, warum er in

der Sommerresidenz des

deutschen Botschafters in

Istanbul untertauchte und

sich dann doch stellte. Er

erzählt über neun Monate

Einzelhaft und Misshandlung

–über die Kraft, die er

durch seine Freunde erhielt und

durch seine Frau Dilek, die er im Gefängnis

heiratete.

Gesucht wurde Yücel in diesem

Dezember 2016 wegen Artikeln über

geleakte E-Mails des damaligen Energieministers

und Erdogan-Schwiegersohns

Berat Albayrak. Er berichtete

dabei nur über Dinge, die etwa

Der Journalist

Deniz Yücel

wurde von den Ermittlern nicht bestätigt.

Eine Information über „Allah“-Rufe

kenne er nur aus der Zeitung

und nicht vonErmittlern, sagte

Sprecher Alexander Badle. Der Hessische

Rundfunk meldete,der Mann

habe sich vor der Tatmit einem Verwandten

in einer Kneipe getroffen

und getrunken.

Der Syrer soll sich seit 2015 in

Deutschland aufhalten. EinJahr später

habe er einen subsidiären, also

eingeschränkten Schutzstatus erhalten,

berichteten Medien unter Berufung

auf Sicherheitskreise. Weiter

hieß es, der Mann sei bereits durch

Drogendelikte und Gewaltkriminalität

aufgefallen. Kontakte zu Islamisten

seien nicht bekannt.

Die Bild-Zeitung berichtete, der

32-Jährige stehe im Verdacht, am

durch türkische Medien schon bekannt

waren, wie er im Buch betont.

In seinem Fall sind die Albayrak-

Mails am Ende unerheblich. DieFragen

des Staatsanwalts beziehen sich

auf Artikel aus zwei Jahren, die Yücel

in der Welt veröffentlichte.

Yücels Zeit im Gefängnis steht im

Mittelpunkt seiner Erinnerungen,

aber er schreibt

nicht nur über sich. Es geht

auch um die politische Situation

während seiner Inhaftierung

2017. Die Türken

stimmen für eine Verfassungsänderung,

die Erdogan

zahlreiche

Vollmachten gibt. Die

Journalistin Mesale Tolu

und der Menschenrechtler

Peter Steudtner werden verhaftet.

Erdogan wirft Deutschland nach

Auftrittsverboten vonAKP-Politikern

Nazi-Methoden vor.

Andere Passagen im Buch sind

zutiefst persönlich. Etwa alsYücel im

Gefängnis von der Krebserkrankung

seines Vaters Ziya erfährt. Er stirbt

knapp vier Monate nach Yücels Frei-

DPA

Lahn

Limburg

A3

BLZ/GALANTY; QUELLE: OSM-MITWIRKENDE, DPA

31. August in Moers (Nordrhein-

Westfalen) ein 16-jähriges Mädchen

begrapscht zu haben. Vonoffizieller

Seite gab es für Angaben über mögliche

vorhergehende Delikte keine Bestätigung.

Die Polizei berichtete, sie

habeWohnungen in den Landkreisen

Offenbach und Limburg-Weilburg

durchsucht. Nach Informationen dieser

Zeitung soll der Mann in einer

Pension in Langen gelebt haben.

Beim zweiten durchsuchten Objekt

nahe Limburghandelt es sich um die

Wohnung eines Angehörigen.

Schneller Abschieben

DPA

DieAfD nahm die Tatzum Anlass,um

die Abschiebung „auffälliger Flüchtlinge“

zu fordern. „Wieso war er noch

hier –und wie viele solcher Zeitbomben

gibt es noch in Deutschland?“,

twitterte die AfD-Fraktionsvorsitzende

im Bundestag, Alice Weidel.

Die hessischen Parteien hielten sich

mit Reaktionen zurück, gingen aber

nicht unbedingt voneinem Terroranschlag

aus. Der FDP-Innenpolitiker

Stefan Müller sagte der Frankfurter

Rundschau, eswirke für ihn „nicht

wie eine durchdachte und geplante

Aktion“, wenn jemand einen Sattelschlepper

kapere und damit auf andere

Autos auffahre. Sein SPD-Kollege

Günter Rudolph bemerkte:

„Wenn es ein Terrorakt war, würde

sich sicher der Generalbundesanwalt

einschalten.“ Der Linke-Innenpolitiker

Hermann Schaus sagte dazu: „Es

gibt leider eine ganzeMenge verwirrter

Menschen.“

lassung. Die Einzelhaft setzt Yücel

zu, „eine Foltermethode“, schreibt

er.Doch er und seine Freunde finden

kreativeWege, um die Haft ein wenig

erträglicher zu machen. Briefe, die

ihm nicht zugestellt werden, lässt

Yücel als Gerichtsakten tarnen und

kann sie dann doch in seine Zelle

schmuggeln. Er bastelt sich aus Zeitungsfotos

ein Memory und züchtet

(verbotenerweise) Minze.

Der Journalist hatte in einem

dpa-Interview aus der Haft betont,

dass er nicht zum Preis eines Handels,

etwa durch Waffengeschäfte

freikommen wolle. „Für schmutzige

Deals stehe ich nicht zurVerfügung“,

sagte er damals. ImBuch beantwortet

Yücel nun die Frage für sich, ob es

einen solchen Handel gegeben hat,

und stellt fest: „Einen Deal ,Panzer

für Journalisten’ hat es nicht gegeben;

alles andere ist nichts als Geraune.“

Das Etikett „Exgefangener“

wolle er mit dem Buch abstreifen

und nach vorne schauen. Nach der

Lesetour, werde er weiter bei der

Welt arbeiten, „wo auch immer“,

sagt Yücel im Interview. (dpa)

Die Schuld

am

Scheitern

London: „Brexit-Abkommen

im Prinzip unmöglich“

VonPeter Nonnenmacher,London

DieVerhandlungen Großbritanniens

mit der EU über einen Brexit-Deal

schienen am Dienstag am

Rande des Kollapses zu stehen, obwohl

sie noch nicht endgültig abgebrochen

wurden. Diebritische Regierung

erklärte, sie sei an einem „kritischen

Punkt“ bei ihren Kontakten mit

der EU angekommen. Wenn Brüssel

nicht noch nachgebe, hieß es in der

Londoner Regierungszentrale,sei die

Aushandlung einer Austrittsvereinbarung„im

Prinzip unmöglich –nicht

nur jetzt, sondernfür alle Zeiten“.

Nach einem vertraulichen Telefongespräch

von Premierminister

BorisJohnson mit der Bundeskanzlerin

amDienstag zitierte London Angela

Merkel mitdenWorten,für Berlin

sei eine Vereinbarung „extrem unwahrscheinlich“

geworden. Leider

gehe Merkel davon aus,„dass die EU

ein Veto über unseren Austritt aus der

EU-Zollunion besitzt“, hieß es dazu

in einer offenbar vonJohnson autorisierten

Mitteilung „aus Regierungskreisen“.

Unter anderem beharre

Merkel darauf, dass Nordirland „für

immer“ EU-Regeln folgen müsse.

Zum Abbruch der Gespräche riet

dem Regierungschef auch die Partei

der Demokratischen Unionisten

(DUP). DUP-Chefin Arlene Foster erklärte,das

Telefongespräch mit Merkelhabe„das

wahreZiel Dublins und

der EUenthüllt“ –nämlich Nordirland

in „die Falle der Zollunion“ zu

locken und es dortfür immer festzuhalten.

„Keine britische Regierung

könnte eine solche Kapitulation je

akzeptieren“, meinte Foster.

Boris Johnson will Großbritannien zum

Monatsende aus der EU führen.

In Brüssel reagierte EU-Ratspräsident

Donald Tusk aufgebracht:

„Hier geht es nicht darum, ein dummes

Spiel der Schuldzuweisung zu

gewinnen“, schrieb er bei Twitter.

„Hier geht es um die Zukunft Europas

und des Vereinigten Königreichs

ebenso wie um die Sicherheit und

um die Interessen unserer Völker.“

Tusks Bemerkung zur Sicherheit

galt Äußerungen, die dem De-facto-

Stabschef Johnsons, seinem Brexit-

Chefstrategen Dominic Cummings,

zugeschrieben wurden. Das betreffende

Downing-Street-„Memo“

sprach von der Möglichkeit, dass die

Briten, wenn ihnen die EU weiterzusetzte,

die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich

einstellen könnten.

Großbritanniens Oppositionsparteien

zeigten sich empörtüberdie Regierungspolitik

gegenüber der EU.

„Der Versuch, die Schuld für das Brexit-Fiasko

allen außer sich selbst zuzuweisen,

ist auf erbärmliche Weise

durchsichtig“, sagte Schottlands Regierungschefin

Nicola Sturgeon. Die

Labour Party sprach von Johnsons

„zynischem Versuch, die Verhandlungen

zu unterlaufen“.

Ein bereits erlassenes Gesetz soll

Johnson zwingen, die EU am 19. Oktober

um dreimonatigen Aufschub

beim Brexit zu bitten, wenn bis dahin

kein Deal ausgehandelt ist zwischen

beiden Seiten. Johnson hat

aber immer wieder betont, er werde

sein Land „so oder so“ zum Monatsende

aus der EU führen. Wie erdas

Gesetz umgehen will, hat er noch

nicht zu erkennen gegeben.

AP


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 5 *

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Hauptstadt

Michael Brand

(CDU/CSU)

Ein bisschen Frieden

Zaklin Nastic

(Die Linke)

Die Weißhelme

„Die zivile Organisation Weißhelme in

Syrien hat unter Lebensgefahr,ohne

jede Anwendung vonGewalt gegen

Dritte Tausende vonMenschen gerettet

und appelliertseit Jahren an die Krieg

führenden Parteien und an die ganze

Welt, endlich wieder Frieden in dieses

zerstörte und zerrüttete Land zu bringen.

Die Arbeit der Weißhelme bildet

den Kerneiner zivilen und auf Respekt

des anderen begründeten Aussöhnung,

die in Syrien und darüber hinaus in anderen

Konflikten so dringend gebraucht

wird.“

Nasrin Sotoudeh

„Meine Kandidatin ist die iranische

Anwältin und Menschenrechtsaktivistin

Nasrin Sotoudeh. Sie kämpft seit

Jahren für Menschenrechte im Iran,

gegendie Todesstrafe und hat Frauen

verteidigt, die sich gegenden Zwang

wehren, sich zu verschleiern. Diese

mutigeFrau hat die Hoffnung auf eine

friedliche Entwicklung ihres Landes

nicht verloren –obwohl sie vomiranischen

Regime angefeindet wird und in

einem barbarischen Urteil zu 33 Jahren

Haft sowie 148 Peitschenhieben

verurteilt wurde. Es braucht mehr unerschrockene

Kämpferinnen wie Nasrin

Sotoudeh, und sie braucht unsere

Aufmerksamkeit und Unterstützung:

wenn es nach mir geht, durch die Auszeichnung

mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis!“

Nathan Law

Kwun-chung

Margarete Bause

(Bündnis 90/

Die Grünen)

Gyde Jensen

(Ausschussvorsitzende,

FDP)

„Nathan LawKwun-chung hat den

Friedensnobelpreis für sein

Engagement in Hongkong verdient.

Der jungeAktivist steht bereits seit

2014 an der Spitze der Demokratiebewegung

und streitet weiterhin friedlich

und mutig für die Gewährleistung der

verbrieften Freiheitsrechte in seiner

Heimatstadt –dem wachsenden

Einfluss der Volksrepublik China zum

Trotz. Als Liberale unterstütze ich

ihn in seinem entschlossenen Kampf

für das Versprechen ‚Ein Land, zwei

Systeme‘ und für Meinungs-,

Presse- und Versammlungsfreiheit.“

DPA (6)

Am Freitag wird bekannt gegeben, wer den Friedensnobelpreis 2019 bekommt.

Die Namen der Nominierten hält das Komitee traditionell geheim.

Wirhaben vorab Abgeordnete aus dem Menschenrechtsausschuss des

Bundestages nach ihren persönlichen Favoriten für dieses Jahr gefragt

VonTanja Brandes und Isabella Galanty

davon Politiker/innen ...

50 x Männer Frauen

eine Organisation

einzelne

Personen

2016 Juan Manuel Santos

2009 Barack Obama

2008 Martti Ahtisaari

2007 Al Gore

2004 Wangari Maathai

2002 Jimmy Carter

2000 Kim Dae-jung

1991 Aung San Suu Kyi

1990 Michail Gorbatschow

1987 Óscar Arias Sánchez

1983 Lech Walesa

1971 Willy Brandt

1961 Dag Hammarskjöld (posthum)

1960 Albert John Luthuli

1959 Philip Noel-Baker

1957 Lester Pearson

1949 John Boyd Orr

1945 Cordell Hull

1937 Robert Cecil

1936 Carlos Saavedra Lamas

1934 Arthur Henderson

1929 Frank Billings Kellogg

1920 Léon Bourgeois

1919 WoodrowWilson

1913 Henri La Fontaine

1912Elihut Root

1906 Theodore Roosevelt

1903 William Randal Cremer

Die Nobelpreise

Stand: 8. Oktober 2019

Männer (862)

Frauen (52)

5

Der Friedensnobelpreis und seine Preisträger

176

3

17 x

Alfred

Nobel

(1833–1896)

Tawakkol Karman /Leymah Gbowee/Ellen Johnson Sirleaf 2011

Jitzchak Rabin /Schimon Peres /Jassir Arafat 1994

John Hume /David Trimble 1998

José Ramos-Horta /Carlos Filipe Ximenes Belo 1996

Nelson Mandela /Frederik Willem de Klerk 1993

Alfonso García Robles /AlvaMyrdal 1982

MenachemBegin /Anwar as-Sadat 1978

Eisaku Satō /Seán MacBride 1974

Lê ÐứcThọ*/HenryKissinger 1973

Ludwig Quidde /Ferdinand Buisson 1927

GustavStresemann/Aristide Briand 1926

Charles Gates Dawes/Austen Chamberlain 1925

Christian Lous Lange/Hjalmar Branting 1921

Tobias Asser**1911

Paul Henri d’Estournelles de Constant /Auguste Beernaert 1909

Fredrik Bajer /Klas Pontus Arnoldson 1908

Ernesto Teodoro Moneta** 1907

Charles Albert Gobat /Élie Ducommun 1902

Frédéric Passy** 1901

210

12

Chemie Physik Medizin Literatur Frieden* Wirtschaft

*27 weitere Friedenspreise für Organisationen

207

14

100

17

89

1

80

QUELLE: NOBELPRIZE.ORG

Marie Curie hat als

einzigeFrauzwei

Nobelpreise erhalten:

Physik (1903),

Chemie (1911)

2x

zwei Organisationen

5x

eine Person und

eine Organisation

23 x

2x

drei Personen

zwei Personen

*lehnte Annahme ab

**Mitpreisträger waren

keine Politiker

Julian Assange

„Meiner Ansicht nach hat Julian Assange,

Mitbegründer der EnthüllungsplattformWikileaks,

den Friedensnobelpreis

verdient. Wikileaks hat unter

anderem Zehntausende Dokumente

der US-Armee und vonUS-Behörden

veröffentlicht und maßgeblich dazu beigetragen,

US-Kriegsverbrechen und

gravierende MenschenrechtsverletzungenimIrak

und in Afghanistan sowie illegale

Machenschaften der Geheimdienste

ans Licht zu bringen, vorallem

der CIA. Julian Assangeist in Großbritannien

inhaftiert. Im Fall einer Auslieferung

an die USA und einer Verurteilung

in allen Anklagepunkten droht ihm

eine Höchststrafe vonbis zu 175 Jahren

Haft. Assangehat einen wichtigen

Beitrag zur Aufklärung der Öffentlichkeit

und damit auch für den Frieden geleistet.

Nicht diejenigen, die Kriegsverbrechen

aufklären, gehören kriminalisiert,

sonderndiejenigen, die diese begehen.“

Kardinal Alvaro

Ramazzini

Frank Schwabe

(SPD)

„Ich würde mir wünschen, dass der

Friedensnobelpreis an den neuen Kardinal

Alvaro Ramazzini aus Guatemala

geht. Er setzt sich für die Rechte der Indigenen

und Armen des Landes ein. Es

wäre auch ein klares Zeichen gegendie

Straflosigkeit sogenannter Eliten.“

Jürgen Braun

(AfD)

Open Doors und

Schwester Hatune

Dogan

„Über200 MillionenChristen sindVerfolgung

ausgesetzt. Die Morde an Christen,

wie in den letztenTagen wieder in Nigeria,

werden häufig mit einem Achselzucken

zur Kenntnis genommen oder gar

völlig ignoriert. Die OrganisationOpen

Doors engagiertsich seitJahrzehntengegendie

weltweite Christenverfolgung.

Schwester Hatune Dogan setzt seit Jahrzehnten

ihrLeben für verfolgte Christen

ein, vorallem im Nahen und Mittleren

Osten,aberauchinAfrika.Immer wieder

hat sievor allemFrauen und Mädchen

aus größterGefahr gerettet,neben Christen

auch immer wieder Jesiden geholfen.

Der Friedensnobelpreisfür Open Doors

und für Hatune Dogan wäre ein mutiges

Signal, um die Tabuzone Christenverfolgungzudurchbrechen.“

PLATZ DER REPUBLIK

Politik mit

Prosit

Tanja Brandes

weiß, wieVölkerverständigung in Bayern funktioniert.

Am vergangenen Montag hat in

der (nach Ansicht der Münchner)

wahren deutschen Hauptstadt

eine neue Zeitrechnung begonnen:

die nach dem Oktoberfest. Das bedeutet,

dass es in und um München

noch einmal verdächtig viele Krankmeldungen

gab. Außerdem wird

jetzt Bilanz gezogen: Wie viele Besucher

waren da? (6,3 Millionen) Wie

viele Maß Bier wurden getrunken?

(7,3 Millionen) Natürlich gibt es

auch eine politische Bilanz.

Zwar wird stets betont, das Oktoberfest

sei unpolitisch. InWahrheit ist

es –wie alle Großereignisse von Karneval

bis Fußball-WM –für Politiker

eine Möglichkeit, sich zu zeigen und

sich dabei ganz zwanglos zu geben.

Wem das wie viel Spaß macht, ist

höchst verschieden. Grünen-Politikerin

und Bundestagsvizepräsidentin

Claudia Roth war auch in diesem Jahr

wieder mit dabei –und wirkte wie immer,als

fühle sie sich pudelwohl. Für

die gebürtige Allgäuerin ist die Wiesn

so etwas wie ein Heimspiel.

Auch FDP-Chef Christian Lindner

tauchte auf der Wiesn auf, tat das via

Instagram kund und erntete umgehend

Kritik –seiner Schuhe wegen.

Dieentsprachen nicht denTrachtenvorstellungen

seiner Follower. Ohnehin

sah Lindner auf dem Foto

nicht so aus, als genieße er den

Wiesn-Besuch uneingeschränkt. Für

ihn war es wohl eher die hemdsärmelige

Variante des Presseballs: Ein

Business-Auftritt mit Alkoholausschank.

Verkleiden muss man sich in

beiden Fällen – mit dem Unterschied,

dass beim Oktoberfest alle

das gleiche Kostüm tragen.

Dereinzige Politik-Promi, auf dessen

Oktoberfest-Besuch die ganze

Stadt hoffte, war Barack Obama. Der

US-Präsident im Ruhestand hatte einen

Auftritt bei der Gründermesse

„Bits &Pretzels“ in München und danach

beste Voraussetzungen, sich ins

Fest-Getümmel zu stürzen.

Dass Obama Brauchtum kann, hat

er bereits bewiesen: Wirerinnernuns

an die Bilder vom G7-Gipfel auf

Schloss Elmau 2015. Obama mit

Kanzlerin auf einer Wiese vor Alpenpanorama,

Obama mit Weißbierglas

in der Hand beim Dorffestbesuch.

Umso betrübter waren die Münchner,dassder

Ex-Präsident dieses Jahr

dann doch nicht beim Oktoberfest

auftauchte. Sie glaubten wirklich,

dass Obama sich nichts Schöneres

hätte vorstellen können, als mit der

verschwitzten Münchner Schickeria

durch den Abendzuschunkeln.

Womöglich war Obama heilfroh,

dass diese Maß anihm vorübergegangen

war. Wer weiß schon, wie es

ihm damals auf Schloss Elmau erging?

Vielleicht hatte er Spaß an dem

Freilufttheater. Vielleicht ging ihm

aber auch die Alphorn-Musik auf den

Keks und auf derWiese befürchtete er

Zeckenbisse. Wenn es so war, dann

sah man es ihm nicht an. Anders als

Christian Lindner ist der Amerikaner

ein Meister der Inszenierung undsomit

der perfekte Bayern-Besucher.

Sein Elmau-Auftritt hatte allerdings

einen Schönheitsfehler, der –

auf der Wiesn wiederholt –die bayerisch-amerikanischen

Beziehungen

nachhaltig hätte belasten können:

Wiesich später herausstellte,war das

Bier, das Obama 2015 beim Dorffest

trank, alkoholfrei. Das mag man in

Garmisch-Partenkirchen durchgehen

lassen. Für echte Münchner aber

hörtbeim Oktoberfest der Spaß auf.


6 Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Initiative vergibt

Ehrenpreis des Ostens

Im Osten gibt es auch Erfolgsgeschichten.

Diezufinden und zu

würdigen hat sich die Initiative

Macher30 vorgenommen und vergibt

in diesem Jahr den Ehrenpreis

des Ostens.Hinter der Initiativestehen

der Verein Berliner Kaufleute

und Industrieller,der Ostdeutsche

Bankenverband, die Managementschule

ESMT Berlin und Egon Zehnder

International. DasZiel ist,

außerordentlich erfolgreiche Persönlichkeiten

in Ostdeutschland

und Berlin zu ehren, die sich mit

ihrem Handeln und Wirken in den

vergangenen 30 Jahren in den gesellschaftlichen

Wandlungsprozess besonders

eingebracht haben. Es existieren

die Kategorien Wirtschaft,

Wissenschaft, Kommune und

Unternehmensgründung. Mankann

sich selbst bewerben oder jemanden

nominieren. GenauereInfos gibt es

auf der Internetseite www.macher30.de.Die

Ausschreibung läuft

noch bis zum 31. Oktober. (BLZ)

Piloten verklagen Boeing

wegen Verdienstausfall

DemUS-LuftfahrtriesenBoeing

droht wegen der nach zwei Abstürzenverhängten

Startverbote für

den Flugzeugtyp 737 Maxweiterer

rechtlicher Ärger. DiePilotengewerkschaft

der US-Fluggesellschaft

Southwest Airlines (Swapa) gab bekannt,

Klage gegen Boeingeingereicht

zu haben. DerHersteller habe

den Pilotengegenüberfalsche Angaben

zur Flugtauglichkeit der Maschinen

gemacht,teilte die Gewerkschaftmit.

DiePilotenmüssten sich

darauf verlassenkönnen, dass Boeing

wahrheitsgemäße Informationen

liefere, so Swapa-PräsidentJonathanL.Weaks.„Im

Fall der 737

Maxist diesnicht geschehen“, erklärteer.

(dpa)

Samsung erwartet

starken Gewinnrückgang

Samsung-ZentraleinSeoul.

Wegen fallender Chippreise erwartet

der Technologieriese Samsung das

vierte Quartal in Folge einen Rückgang

des operativen Gewinns.Der

Marktführer bei Speicherchips,

Smartphones und Fernsehernaus

Südkorea teilte in seinem Ergebnisausblick

für das dritte Quartal 2019

mit, der Gewinn aus den Kerngeschäften

werdeimJahresvergleich

um 56 Prozent auf 7,7 Billionen Won

(etwa 5,9 Milliarden Euro)sinken.

Seit Ende des vergangenen Jahres

kämpft Samsung mit den Folgen

eines schwächeren Chipmarkts.

Unter anderem belasteten ein Überangebot

und auch der Handelsstreit

zwischen den USA und China die

Branche. (dpa)

Finnen sichern sich

Mehrheit an Uniper

FOTO: DPA

Derfinnische Versorger Fortum greift

nach der Mehrheit beim Düsseldorfer

EnergiekonzernUniper.Für 2,3 Milliarden

Euro will Fortum zusätzlich bisher

vonden Fonds Elliott und Knight

Vinke gehaltene 20,5 Prozent an Uniper

kaufen.Damit kämen die Finnen

auf 70,5 Prozent und hätten das Sagen

bei der Ex-Tochter des Energieriesen

Eon. Den110000 Uniper-Beschäftigten

sagte Fortum-Chef Pekka Lundmarkzu,

sein Konzernwerde im Zuge

der Transaktion keine betriebsbedingten

Kündigungen veranlassen. (dpa)

2018 sind nach und nach mehrereP&R-Firmen, die fürPrivatanleger in Schiffscontainer investierthatten,pleitegegangen. FOTO: DANIEL BOCKWOLDT/DPA

Von Christiane Oelrich

Deutschland lahmt bei der Wettbewerbsfähigkeit

im Vergleich

mit anderen Ländern. In der neuen

Rangliste fällt die Bundesrepublik

vonPlatzdreiaufPlatzsiebenzurück,

wie das Weltwirtschaftsforum (WEF)

berichtet. Überholt wird Deutschland

von Hongkong, den Niederlanden,

der Schweiz und Japan. Im Gerangel

um die ersten Plätzehat Singapur

dieses Maldie Nase vorden USA.

China steht unterverändertauf Platz

28 der 141 untersuchten Staaten im

globalen Wettbewerbsbericht 2019

der Stiftung WEF.

Besonders düster sieht es hierzulande

bei der Informationstechnologie

aus: Bei Internetverbindungen

Anlegern droht Klage

WerinContainer der Pleitefirma P&R investiert hat, wird zum Teilmit Nachforderungen konfrontiert

Von Thomas Magenheim

INSOLVENZVERWALTER WILL HALBE MILLIARDE EURO SICHERN

Rückzahlung: In Zusammenhang

mit der P&R-Pleite

hat Insolvenzverwalter Michael

Jaffe eine erste Rückzahlung

an Geschädigte für

kommendes Jahr in Aussicht

gestellt. Bis Ende 2021 hofft

er,gut eine halbe Milliarde

Euro sichernzukönnen. Das

wäre ein Siebtel der rund

3,5 Milliarden Euro, die an

AnlegergeldernimFeuer stehen.

Deutschland rutscht ab

Weltwirtschaftsforum: An der Versorgung mit Informationstechnologie hapert es gewaltig

über Glasfaserkabel landet Deutschland

auf Platz 72, bei mobilen Breitbandanschlüssen

auf Rang 58.

In der Kategorie Innovationsfähigkeit

bleibt die Bundesrepublik dagegen

auf dem Spitzenplatz. Dabei

geht es etwa um die Zahl angemeldeter

Patente oder wissenschaftlicher

Veröffentlichungen. Für die makroökonomische

Stabilität, die die Inflationsrate

und Schuldenlage beurteilt,

gibt es auch Topnoten.

Aussicht aufAbschwung

In der Frage,wie gut sich Länder auf

digitale Geschäftsmodelle einstellen,

landen vonden 20 größten Volkswirtschaften

(G 20) nur zwei unter den

Top 10: die USA auf Platz eins,

Deutschland auf Platz neun.

Rückforderung: Weitere Beträgezur

Schadensminderungen

könnten aufgetrieben

werden, falls RückforderungenanAnleger

geltend gemacht

werden können.

Theoretisch wird der Schaden

dadurch gerechter verteilt.

Anwälte glauben, dass

Anleger,von denen Geld zurückgefordertwird,

sich per

Entreicherung vonForderungenbefreien

können.

Entreicherung: Bei der Vokabel

Entreicherung handelt

es sich um einen juristischen

Fachbegriff. Wenn gefordertes

Geld beispielsweise für

eine Luxusreise bereits ausgegeben

wurde und nicht

mehr als Wert vorhanden ist,

liegt eine Entreicherung vor.

Auch wermit einer P&R-Ausschüttung

neue P&R-Anteile

erworben hat, habe sich entreichert,

sagen Juristen.

Bei der Anlegerpleite um die

P&R-Firmengruppe wirdes

für Betroffene immer bitterer.

Denn Insolvenzverwalter

Michael Jaffe hat jetzt begonnen,

sogenannte Nachforderungen

durchzusetzen, womit Anleger erneut

zur Kasse gebeten werden. Zur

Erinnerung: 2018 sind nach und

nach mehrere P&R-Firmen, die für

Privatanleger in Schiffscontainer investiert

hatten, pleitegegangen. Mit

bundesweit 54000 Geschädigten

und einer Anlagesumme von rund

3,5 Milliarden Euro war das hierzulande

die wohl größte Anlegerpleite

aller Zeiten. Die jetzigen Nachforderungen

betreffen Ausschüttungen,

die Anleger in den vier Jahren vorder

Insolvenz bekommen haben. Siereichen

also bis 2014 zurück. ErsteAufforderungen

zur Rückzahlung hat

Jaffe nun verschickt.

„Nach den uns vorliegenden

Unterlagen haben Sie imZeitraum

zwischen dem 27.4.2015 und

7.2.2018 Zahlungen von der P&R

Container Leasing in Höhe von insgesamt

1016,56 Euro erhalten, hinsichtlichdenen

eine Anfechtung anzunehmen

ist“, schreibt Jaffe an eine

P&R-Anlegerin. Er fordert die Geschädigte

auf, die gut 1000 Euro bis

22. Oktober zu überweisen. Andernfalls

droht er mit einer Klage.Der Insolvenzverwalter

rät noch, sich zeitnah

rechtlichen Rateinzuholen.

EinExperte für Bank- und Kapitalmarktrecht

ist der Münchner Rechtsanwalt

Peter Mattil, dessen Kanzlei

viele PR-Geschädigte vertritt. Er sitzt

auch in P&R-Gläubigerausschüssen.

„Wir raten, keine Zahlung zu leisten“,

sagt Mattil zu Jaffes finanziellen Forderungen.

Denn dieser habe

schlechte Karten, seine Nachforderungen

durchzusetzen. Jaffes Sichtweise

teilt der Anlegeranwalt nicht.

Die sieht wie folgt aus. Die P&R-

Gruppe habe spätestens ab 2010 den

Geschäftsbetrieb nur dadurch aufrechterhalten

können, dass sie fällige

Ansprüche im Stil eines Schneeballsystems

mit frischen Anlegergeldern

bedient hat, sagt Jaffe.Zudem hätten

Anleger nur vermeintlich Eigentum

erworben, weil mit ihrem Geld vertragsbrüchig

vielfach keine Container

gekauft worden seien. Von 1,6

Millionen dieser Transportboxen, die

eigentlich hätten vorhanden sein

müssen, hat Jaffe nur rund 600000

Stück aufspüren können. Eine Million

Container fehlen also. Annicht

existierenden Containern könne

man kein Eigentum erwerben, argumentiert

der Insolvenzverwalter.

Hinsichtlich der Auszahlungen an

Anleger in den vergangenen vier Jahren

liege deshalb der Tatbestand

einer Schenkung vor, was eine

Rechtsgrundlage für Rückforderungen

sei.

Mattil ist dagegen der Meinung,

dass Anleger durchaus Eigentum erworben

haben, weshalb alle Nachforderungen

nichtig sind. Einig sind

Im Gesamtindex Wettbewerbsfähigkeit

liegen die ersten Länder dicht

beieinander. Singapur kommt auf

84,8 von 100 möglichen Punkten,

Deutschland auf 81,8. Der Durchschnitt

aller Länder liegt bei 61 Punkten.

Darin sieht das WEF Probleme

für die Zukunft. „Der Graben bei der

Wettbewerbsfähigkeit ist umso besorgniserregender,weildie

Weltwirtschaft

mit der Aussicht auf einen Abschwung

konfrontiert ist“, so das

WEF. „Die veränderte geopolitische

Lage und die wachsenden Handelsspannungen

heizen Unsicherheiten

anundkönntenzueinerKonjunkturabschwächung

führen.“

Aufden letzten Rängen liegen der

Kongo, Jemen und Tschad. Das rohstoffreiche

Venezuela rutschte we-

sich beide Juristen nur insofern, als

sie einräumen, dass es bislang keine

höchstrichterliche Rechtsprechung

für den komplizierten Sachverhalt

bei P&R gibt. Diewolle man mit rund

25 nun angestoßenen Pilotprozessen

für die große Masse potenzieller

Rückforderungenerreichen,lässtJaffe

erklären. Er geht nicht davon aus,

dass die von ihm angeschriebenen

Anleger zahlen, und bereitet Klagen

vor.

DieAngeschriebenen seien repräsentative

Fälle, erklärt Jaffe. Zudem

seien solche Personen ausgewählt

worden, die selbst keine Forderungen

im Insolvenzverfahren haben, da

ihre Anlage vor der Pleite komplett

zurückgeführt worden ist. Vorerst

geht es also nur um Anleger, die bislang

hoffen konnten, dem Schneeballsystem

gerade noch rechtzeitig

entkommen zu sein. Das stellt sich

nun als Irrtum heraus.Von Jaffe aktuell

gefordert werden meist Summen

zwischen 9000 und 30000 Euro.Man

habe auch darauf geachtet, Anleger

anzuschreiben, die aller Voraussicht

nach in der Lage sind, eine Klage führen

zukönnen, sagt Jaffe. Damit gemeintist,dasssienochnichtallzubetagt

sind.

Sollte Jaffe letztinstanzlich mit

seiner juristischen Sicht recht bekommen,

werde estausende Rückforderungen

geben, mit Ansprüchen

insgesamtinHöhemehrererhundert

Millionen Euro,schätzt Mattil. Letzte

Instanz sei der Bundesgerichtshof.

Drei bis fünf Jahrewerde es wohl dauern,

bis dortfür Klarheit gesorgt wird.

gen der katastrophalen Wirtschaftslage

sechs Plätze abund landet auf

Rang 133.

Den WEF-Wettbewerbsbericht

gibt es zwar seit 1979, die Methode

wurde aber immer wieder verfeinert.

Weil seit 2018 neue Bewertungsmethoden

gelten, ist ein Vergleich mit

früheren Rankings nicht möglich.

Das WEF beurteilt bei der Wettbewerbsfähigkeit

mehr als 100 Indikatoren,

etwa aus den Bereichen Finanzsystem,

Infrastruktur, Bildung

oder Arbeitsmarktbedingungen. Es

berücksichtigt Daten ebenso wie

Umfragen unter Unternehmern. Das

WEF ist vorallem durch seine exklusive

Jahreskonferenz mit Unternehmern

und Politikern in Davos bekannt.

(dpa)

Schwaches

Ergebnis für

Hofmann

IG-Metall-Chef

wiedergewählt

Von Michael Donhauser

Jörg Hofmann bleibt ungeachtet

eines überraschend schwachen

Wahlergebnisses weiterevier Jahre

Vorsitzender der IG Metall. Die

Delegierten der größten Einzelgewerkschaft

der Welt bestätigten den

63 Jahre alten Württemberger beim

24. ordentlichen Gewerkschaftstag

am Dienstag in Nürnberg mit 71

Prozent der Stimmen im Amt.

131 der 478 abstimmenden Delegierten

votierten gegen Jörg Hofmann.

Es war das schlechteste Ergebnis

für einen IG-Metall-Vorsitzenden

seit dem Jahr 2003. Damals

hatte sich Jürgen Peters im Machtkampf

gegen Berthold Huber

durchgesetzt und 66,1 Prozent der

Delegiertenstimmen auf sich vereint.

Hofmann ist seit 2015 Gewerkschaftschef.

Vor vier Jahren hatte er

noch 91,3 Prozent der Stimmen erhalten.

Hofmann gilt als ausgewiesener

Tarifexperte. Er sitzt als

Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten

von VWund Bosch. Bei

der Wahl am Dienstag war er einziger

Kandidat für den Vorsitz.

Nicht erwartet

Das schwache Abschneiden war so

nicht erwartet worden. Unter den

Delegierten herrschte nach Bekanntgabe

des Abstimmungsergebnis

Rätselraten. Als möglicher

Grund für Skeptiker gilt Hofmanns

vergleichsweise hohes Alter.Erwird

bei einer vollständigen Amtszeit bis

zum Alter vonfast 68 Jahren im Amt

bleiben. In Ostdeutschland

herrscht vereinzelt Unzufriedenheit,

weil die IG Metall dort die 35-

Stunden-Woche nicht durchsetzen

konnte.

Insgesamt steht die Gewerkschaft

vor gewichtigen Problemen.

Die IG-Metall-Führung hatte sich

klar zum Klimaschutz bekannt, was

teilweise Unzufriedenheit bei den

Arbeitern aus der Schwerindustrie

auslöste. Inder Autobranche muss

der Transformationsprozess hin zu

alternativen Antrieben begleitet

werden –ebenfalls ein Thema mit

großem Konfliktpotenzial.

Als Hofmanns Stellvertreterin

wurde Christiane Benner von den

Delegierten wiedergewählt. Sie erhielt

mit 87 Prozent der Stimmen ein

besseres Ergebnis als Hofmann,

aber kam ebenfalls nicht an ihr Resultat

von2015 heran. Auch die übrigen

Vorstandsmitglieder wurden

einstimmig zur Wiederwahl vorgeschlagen,

Gegenkandidaten meldeten

sich zunächst nicht.

Die Gewerkschaft IG Metall tagt

seit Sonntag in Nürnberg. Am heutigen

Mittwochwirdeine Grundsatzrede

des wiedergewählten Vorsitzenden

erwartet. Für Donnerstag

hat Bundeskanzlerin Angela Merkel

ihren Besuch angekündigt. Die Gewerkschaft

zählt 2,3 Millionen Mitglieder.

(dpa)

JörgHofmannbleibt an der Spitzeder IG

Metall.

FOTO: HOLGER HOLLEMANN/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 7 *

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Wirtschaft

Wirecard

setzt sich

höhere Ziele

Zahlungsabwickler will

Umsatz massiv steigern

Von Thomas Magenheim

Anfang des Jahres wurde der Dax-

KonzernWirecardaus Aschheim

bei München noch voneiner schweren

Krise um angebliche Scheinumsätze

und Geldwäsche erschüttert.

Erhärtet haben sich die Vorwürfe bisher

nicht, und der Zahlungsdienstleister

will sie nun endgültig abhaken.

In den nächsten Jahren werde

das Geschäft deutlich besser laufen

als bisher angekündigt, hat Wirecard-Chef

Markus Braun nun bei

einem Investorentag in NewYorkangekündigt.

Die Börse konnte er damit allerdings

nicht mehr positiv überraschen.

Nachdem der Kurs der Wirecard-Aktie

in den Tagen vor der Präsentation

bereits gestiegen war,

rutschte er am Dienstag ab.

Für 2025 plant Wirecard nun 12

Milliarden Euro Umsatz. Das sind 2

Milliarden Euro mehr alszuletzt veranschlagt

und das Sechsfache dessen,

was Wirecard 2018 umgesetzt

hat. Beim operativen Gewinn vor

Steuern, Zinsen und Abschreibungen

liegt die Latte für 2025 nun bei 3,8

Milliarden Euro. Das ist eine halbe

Milliarde Euro mehr als zuvor geplant

und fast das Siebenfache des

Vorjahres. Trotz des starken Wachstums

soll also der Ertrag nicht leiden.

Derbei Verbrauchernweitgehend

unbekannte Konzern wickelt vor allem

Zahlungen für Onlinehändler ab.

Im vergangenen Jahr wurden so

125 Milliarden Euro bewegt, im Jahr

2025 sollen es 810 Milliarden Euro

sein. Bislang wurde mit gut 710 Milliarden

Euro geplant.

Wirecardhat mit seiner Technologie

ein Geschäft erschlossen, das

auch traditionelle Banken hätten

machen können. Sie haben es aber

speziell in Deutschland verschlafen.

So kam esnicht von ungefähr, dass

Wirecard vor Jahresfrist die Commerzbank

aus dem Dax verdrängt

hat. Derglobale Trend geht zum bargeldlosen

Bezahlen, auch wenn man

das in Deutschland nicht so wahrnimmt.

Jüngst ist der japanische Hightechkonzern

Softbank bei Wirecard

eingestiegen. Derneue Großaktionär

willauchKontaktezuanderenUnternehmen

herstellen, in die Softbank

über seinen Technologiefonds investierthat.

Daskönnte die Innovationskraft

von Wirecard weiter stärken

und zudem neue Kunden bringen,

was auch ein wesentlicher Grund für

die jetzige Korrektur der Pläne nach

oben ist.

Dazu verknüpft Wirecard die abgewickelten

Zahlungsströme immer

mehr mit Mehrwertdiensten. So

weiß das Unternehmen genau, wer

was wo wann kauft. Eine Analyse dieser

Daten gibt umfassende Einblicke

in das Einkaufsverhalten von Verbrauchern,

die Händler gernhätten –

Wirecardkannsie liefern. IhrenKunden

wiederum können die Händler

per Wirecard-Technologie Kredite

oder Versicherungen anbieten. Vor

allem von diesen Zusatzangeboten

verspricht sich Braun in den nächsten

Jahren wachsende Gewinnmargen.

Wirecard-Chef MarkusBraun.

FOTO: PETER KNEFFEL/DPA

Wegvom Kohlendioxid

Mit dem Einsatz von Wasserstoff soll die Stahlherstellung klimafreundlicher werden

Von Frank-Thomas Wenzel

Stahlerzeugung und Klimaschutz

–das schließtsich aus.

Bislang. Jetzt wollen Thyssenkrupp,der

norwegische Energiekonzern

Equinor und der Essener

Gasnetzbetreiber Open Grid Europe

(OGE) vorführen, wie das doch machbar

ist. Dasist nur ein Projektvon vielen.

Langfristig soll es darum gehen,

eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen,

die kein Kohlendioxid mehr in

die Luft bläst.

Stahlwirdbislangdadurcherzeugt,

dass Kohlestaub in Hochöfen geblasen

wird. Auch im größten deutschen

StahlwerkinDuisburg.Dochderfossile

Brennstoff kann durch Wasserstoff

(H 2 )ersetzt werden. Selbiger sei der

Schlüssel zu einer klimafreundlichen

Zukunft, sagte Thyssenkrupp-ManagerArndKöfleramDienstag.Langfristig

bestehe das Ziel darin, „die Nutzung

von Wasserstoff aus erneuerbarenEnergienzuerhöhen“.

Vielfältige Nutzung

Dasgeht so: Stromaus Sonnen- oder

Windenergie wird für die Elektrolyse

(bekannt aus dem Chemieunterricht

in der Schule) eingesetzt, mit der Wasser

in Sauerstoff und Wasserstoff(H 2 )

zerlegtwird.Letztererlässtsichenorm

vielfältig nutzen. Als Brennstoff für

Heizungen, als Treibstoff für Autos

und in vielen industriellen Prozessen.

Dergroße Vorteil: Dieleicht flüchtige

Substanz ist kompatibel mit den guten

altenfossilen Energieträgern. Wie

das in großem Stil umgesetztwerden

kann,wirdderzeitinvielenLändernin

zahlreichen Vorhaben getestet. Die

Bundesregierung bastelt an einer

eigenen Wasserstoffstrategie. Ein

Wettlauf um den neuen Zauberstoff

hat begonnen. Fast alle großen Energieunternehmen,

aber auch Gasespezialisten

wie Linde witternneue lukrativeGeschäfte.

Nunhaben OGE und Equinor ein

Pilotgroßprojekt gestartet, das „Wegbereiter

für einen effizienten Wasserstoffhochlauf“sein

soll. Dabei geht es

allerdings noch nicht um den grünen,

sondern um den sogenannten blauen

Wasserstoff. Dabei wird fossiles Erdgas

zerlegt, und zwar in H 2 und in Kohlendioxid.DamitdiesesnichtindieAtmosphäre

gerät, soll es aufgefangen

und unterirdischgespeichertwerden.

DiebeidenUnternehmen wollen nun

unter dem Titel „H2morrow“ nicht

nurdemDuisburgerStahlwerkalsersten

Ankerkunden, sonderneiner Reihe

weiterer Firmen in NRWden blauenWasserstoffverkaufen.Bis2030sollenjährlich8,6Terawattstundengeliefert

werden –damit lassen sich rechnerisch

450000 Vier-Personen-Haushalte

versorgen.

Die zentrale Rolle spielt dabei

Equinor(früher:Statoil).Dernorwegische

Energiekonzern, der zu zwei

Drittel demStaat gehört, will das Erdgas

liefern, das für die sogenannte

Dampfreformierung eingesetzt wird.

Wo das Zerlegen des Methans passiert,

ist noch unklar. Klar ist, dass

Equinor auch die Aufgabe der CO 2 -

Abscheidung übernimmt. DasUnter-

Von Stefan Winter

Der geplante Stellenabbau der

Deutschen Bank wirddie heimischen

Standorte offenbar harttreffen.

Rund die Hälfte der 18000 Stellen,die

weltweit zur Disposition stehen,sollten

inDeutschland gestrichen werden,

berichtet die Nachrichtenagentur

Bloomberg. Der Konzern wollte

dazu am Dienstagnicht Stellung nehmen

und verwies lediglichauf die laufenden

Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung.

„Dort, wo es zu einem Abbau von

Arbeitsplätzen kommen wird, wer-

Stahlwerk von Thyssenkrupp in Duisburg.

Umbau: Der geplante Umbau

des kriselnden Stahlund

Industriekonzerns Thyssenkrupp

nimmt offenbar inzwischen

konkretere Formen

an. Die neue Konzernchefin

Martina Merz wolle die Sparten

Komponentenfertigung

und Anlagenbau auflösen,

berichtet das „Handelsblatt“

unter Berufung auf Konzernkreise.

THYSSENKRUPP TRENNT SICH VON SPARTEN

Deutsche Bank plant harten Schnitt

Stellenabbau trifft angeblich zur Hälfte deutscheStandorte

Partnerschaften: Zunächst

könnte es Partnerschaften

geben und später auch

einen Komplettverkauf. Der

Konzernwolltesichnicht dazu

äußern. AusFirmenkreisen

hieß es, zunächst gehe

es um eine Verschlankung

der Führungsstrukturen. Zudem

sollten die Geschäftsfelder

wettbewerbsfähig gemacht

werden.

FOTO: DPA

Verwaltungskosten: Die

Umbaupläne hatte noch der

Vorstand um den bisherigen

Konzernchef Guido Kerkhoff

ausgearbeitet, nachdem die

EU-Kommission die Stahlfusion

mit dem Konkurrenten

Tata Steel durchkreuzt hatte.

Danach soll Thyssenkrupp

eine schlankeHolding erhalten

und seine Verwaltungskosten

fast halbieren.

den wir direkt mit unseren Mitarbeitern

über ihre Arbeitsplätze und die

ihnen zur Verfügung stehenden Alternativensprechen“,teiltedieBankmit.

Nach dem gescheiterten Fusionsversuch

mit der Commerzbank hatte

Vorstandschef Christian Sewing eine

neue Strategie vorgestellt und angekündigt,

dass die Belegschaft bis zum

Jahr 2022 von 91500 auf 74000 Vollzeitstellen

schrumpfen soll. Gut

40000 Menschen arbeiten für die

Bank in Deutschland, demnach

könnte mehr als ein Fünftel der Stellen

hierzulande wegfallen. Auch London

sei voneinem überdurchschnittlichen

Stellenabbau betroffen, berichtet

Bloomberg.

In Deutschland dürfte es vorallem

um Personal im Privatkundengeschäft

gehen. Diese Sparte will die

Deutsche Bank enger mit der Konzerntochter

Postbankverzahnen, angeblich

wirdauch über eine gemeinsame

Zentrale nachgedacht. Derzuständige

Vorstand Frank Strauß hat

die Deutsche Bank bereits verlassen,

weil er die neue Strategie nicht mittragen

will.

Dem Bericht zufolge will Sewing

Details bei einem Investorentag im

Dezember präsentieren. Vorher

nehmen arbeitet mit dieser Technologie

bereits seit den 1990er-Jahren und

verfügt auch über große Erfahrung in

der Speicherung des Kohlendioxids in

ehemaligen Erdgaslagerstätten unter

der Nordsee.

Für Jörg Bergmann, Sprecher der

OGE-Geschäftsführung, ist maßgeblich,

„Pfade zur Dekarbonisierung aller

Sektoren“ zu entwickeln. Entscheidend

sei, den Wegsozubereiten,dass

er für Unternehmen realisierbar sei

und die Versorgungssicherheit jederzeit

gewährleistet werde. Die technische

Machbarkeit könne man mit der

Studie belegen, die am Dienstag vorgelegt

wurde.Injedem Fall brauche es

die Gasinfrastruktur –durch die Leitungen

kann auch Wasserstoff transportiert

werden. Diesen mittels Erdgas

zu gewinnen habe den Vorteil,

dass er erheblich preiswerter als grüner

Wasserstoff und jederzeit verfügbar

sei.

DasProblem vonÖko-H 2 ,von dem

Thyssenkrupp spricht: Für die Herstellung

werden riesige Mengen

Strom benötigt, deren Erzeugung

auch noch davon abhängt, wie stark

der Wind weht und wie heftig die Sonne

scheint.

Unerwünschte Nebenwirkungen

DerPferdefuß an der blauen Technologie

ist indes die CO 2 -Abscheidung

und Speicherung (Carbon Capture

and Storage, CCS), die hierzulande

starkumstritten ist.Mehrere Pilotprojekte

wurden gestoppt, aus Angst vor

vielfältigen unerwünschten Nebenwirkungen.

So hat denn auch die

Deutsche Umwelthilfe gerade gefordert,

hierzulande auf die Nutzung des

blauen Wasserstoffs gänzlich zu verzichten.

CCS sei einerseits ein sehr

energieintensiver Prozess,und es bestehedashoheRisiko,dassdasgespeicherte

CO 2 zu einem späteren Zeitpunktwieder

in die Atmosphäreaustrete.

Energieexperten sind sich indes einig,

dass das Klimaziel für 2050 –weitgehende

Dekarbonisierung allenthalben

–letztlich nur mit grünem Wasserstoff

erreicht werden kann. Nicht

nur, umdie Stahlerzeugung und andere

Hochtemperaturprozesse in der

IndustriewiedieAluminium-oderdie

Porzellanherstellung klimafreundlich

zu machen. Zahlreiche Studien gehen

davon aus, dass auch im Verkehr als

zweitem zentralen Einsatzgebiet

Öko-H 2 unerlässlich sein wird. Insbesondere

Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellen

sollen damit betankt werden.

Auch hier laufen zahlreiche Projekte.

Eines der ehrgeizigsten Vorhaben

startet gerade in der Schweiz. Und

zwar schon mit lupenreinem grünem

Wasserstoff.Lindewillhelfen,eineBasisinfrastruktur

aufzubauen, um Lastwagen

vonHyundai zu versorgen.Die

ersten 50 Brennstoffzellen-Lkw wollen

die Koreaner im nächsten Jahr liefern.Bis2025sollenes1600Fahrzeuge

werden. Der Schweizer Energieversorger

Alpiq erzeugt in einem Wasserkraftwerkden

Stromfür eine Elektrolyseanlage,

dieden Wasserstoff für die

ersten 50 Lkw produziert.

braucht die Bank noch den grundsätzlichen

Segen der Finanzaufsicht

fürdenUmbau,derdieBanknachhohen

Verlustenstabilisieren soll.

Obwohl die Deutsche Bank in seiner

Amtszeit tiefindie Krise rutschte,

ist Paul Achleitner der bestbezahlte

Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-

Konzerns. Im vergangenen Jahr sei

seine Vergütung um gut 7Prozent auf

860 000 Euro gestiegen, berichtetedie

Deutsche Schutzvereinigung für

Wertpapierbesitz (DSW) amDienstag.

Auf dem zweiten Platz rangiert

BMW-Aufseher NorbertReithofer mit

640000 Euro.

DAX-30 in Punkten

9.7.19

9.7.19

MÄRKTE

▼ 11970,20 (–1,05 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

9.7.19

Stand der Daten: 08.10.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

8.10.19

▼ 57,99 (–0,77 %)

8.10.19

▼ 1,0986 (–0,06 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom08.10.zum Vortag

Alstria Office 16,22 +0,62 W

Airbus 117,76 +0,60 W

BayerNA 63,37 +0,38 W

Volkswagen Vz. 149,10 +0,38 W

Beiersdorf 106,15 +0,24 W

AarealBank 26,64 +0,15 W

Verlierer

8.10.19

ausDAX und MDAXvom 08.10. zumVortag

Qiagen 23,27 WWWWWWWWWWW –20,96

Uniper NA 27,44 WWWWW –8,53

Software 24,14 WWWW –5,41

Wirecard 137,80 WWW –4,64

Hugo Boss NA 44,47 WWW –4,32

Infineon NA 15,63 WWW –3,47

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 08.10. ±% z. 07.10.

Euro Stoxx 50(EU) –1,11

3589/2909 3432,76

CAC 40(FR) – 1,18

5705/4556 5456,62

S&P UK(UK) – 0,78

1562/1323 1442,49

RTS (RU) – 1,05

1414/1033 1306,39

IBEX (ES) –1,15

9588/8286 8940,10

Dow Jones (US) –1,03

27399/21713 26205,86

Bovespa (BR) +0,57

106650/82607 101141,10

Nikkei (JP) +0,99

23589/18949 21587,78

Hang Seng (HK) +0,24

30280/24541 25894,49

Stx Singap. 20 (SG) +0,72

1657/1350 1555,99

Ratenkredite 10.000 Euro

Kreditzinsen, bonitätsunabhängigbzw.2/3 Zins

Kundenkontakt 36 Mon. 48 Mon. 60 Mon.

Deutsche Skatbank

skatbank.de 2,89 2,89 2,89

PSD Bank Nürnberg

psd-nuernberg.de 2,93 2,93 2,93

EthikBank

ethikbank.de 2,95 2,95 2,95

DKB Deutsche Kreditbank

dkb.de 3,19 3,19 3,19

SWK Bank

couchkredit.de 3,49 3,49 3,49

Commerzbank

069/98660966 3,74 4,98 4,74

Postbank

postbank.de 3,79 3,79 3,79

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 3,89 3,89 3,89

Targobank

targobank.de 3,95 3,95 3,95

ING

ing.de 3,99 3,99 3,99

PSD Berlin-Brandenburg

psd-bb.de 3,49 3,49 3,69

Pax-Bank

pax-bank.de 3,99 3,99 3,99

ABK Allgemeine Beamten Bank

030/28535200 4,49 4,49 3,39

BBBank

030 202480 5,82 5,61 5,40

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 8,99 8,99 8,99

Mittelwert von 70 Banken 3,87 3,95 4,07

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung


8* Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Meinung

Senat

ZITAT

Schlechtes Regieren

nervt

Elmar Schütze

empfiehlt den Regierenden einen

Terminkalender.

Es ist fast tragikomisch. Da versucht

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in

ihrem UrlaubsortinKroatien einen zuvor

gebuchten nächtlichen Fernbus nach Venedig

zu besteigen, um vondortnach Berlin

zu fliegen. Undwas passiert? DerFernbus

ist übervoll. Also wird’snichts mit Venedig.

Und damit wird’s auch nichts mit

Berlin. Spätestens hier hat es mit der Komik

ein Ende. Daist es dann auch unerheblich,

dass die Senatorin, „alles versucht“

habe,früh genug in Berlin zu sein.

Tragisch? Nein, fahrlässig!

Man muss es sich einige Male vor Augen

führen, um sich die Absurdität des

Falls klarzumachen: Die turnusmäßige

Senatssitzung am Dienstag ist ausgefallen,

weil zu viele Senatsmitglieder gleichzeitig

im Urlaub waren. Wie bitte? So etwas

ist peinlich und wirft ein sehr

schlechtes Licht auf die Arbeitsmoral des

rot-rot-grünen Senats.

Nein, diese Peinlichkeit bedeutet jetzt

nicht, dass Rot-Rot-Grün am Ende ist. Einiges

wie den Einstieg in die Verkehrswende

oder den notwendigen Eingriff in

die stadtzerstörenden freien Kräfte des

Wohnungsmarktes haben die Koalitionäre

inihren ersten fast drei Jahren erreicht

–und viel mehr haben sie noch vor.

Sogar so viel, dass sich eine ganze Menge

Beteiligte eine Verlängerung über 2021

hinaus vorstellen können. Und auch die

Umfragen geben ihnen in der linksgrünen

Stadt Berlin weiterhin satte Mehrheiten.

Aber es nervt. Es nervt, dass in Berlin so

vieles nicht funktioniert. Der Müll nervt,

der Lärm nervt – und auch, dass viele

Dinge so unendlich langsam vorwärtsgehen.

Wenn dann die Regierenden noch signalisieren,

dass ihnen ihr Urlaub wichtiger

ist als ihr Job, dann ist das schlechtes

Regieren. Auch das nervt.

Limburg

Gefährlich

schnelles Urteil

Jörg Köpke

wirft der AfD vor, mit zweierlei Maß

zu messen.

Auf den ersten Blick spricht tatsächlich

vieles dafür, dass der Lkw-Zwischenfall

im hessischen Limburgeinen islamistischen

Hintergrund hatte. Parallelen

zum Anschlag in Berlin vor drei Jahren

drängen sich auf, als der Tunesier Anis

Amri auf dem Breitscheidplatz ein Blutbad

anrichtete. Vielleicht wird die These

eines Terroranschlages in den nächsten

Stunden oder Tagen auch offiziell bestätigt

werden –doch bislang ist sie es eben

noch nicht.

Solange die Ermittlungen der Polizei

nicht abgeschlossen sind, verbieten sich

Spekulationen über die Motivlage des

mutmaßlichen Täters. Esverbieten sich

Vermutungen darüber, die Ermittler hätten

einen Maulkorb verpasst bekommen,

um die wahren Hintergründe der Tatzu

verschleiern. Die Polizei ermittelt noch –

und zwar in alle Richtungen. Das sollte

genügen, um sich mit voreiligen Schlüssen

zurückzuhalten.

Die sich selbst bürgerlich nennende

AfD blendet das kleine Einmaleins des

Rechtsstaates aus. Fraktionschefin Alice

Weidel spricht von einem Terroranschlag,

ohne dass die Fakten auf dem Tisch liegen

–und zwar mit voller Absicht. An Tatsachen

und Seriosität ist diese Partei im postfaktischen

Zeitalter nur bedingt interessiert.

Wie groß wäre wohl der Aufschrei,

sollte jemand aus Einzelfällen ableiten, die

AfD bestehe ausschließlich aus Betrügern,

Faschisten und Holocaust-Leugnern? Diesem

Muster folgt die AfD aber,wenn sie aus

einem Lkw-Unfall mit Beteiligung eines

Syrers einen Terroranschlag konstruiert,

ohne die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten.

Die AfD misst mit zweierlei

Maß. Undgenau das sollte man ihr nicht

durchgehen lassen.

Eine Lady genießt und schweigt.

Meine Frau und ich haben ein Ritual. Am

späten Nachmittag ruft sie mich, den

Heimarbeiter,aus dem Büroan: Sieschreibe

nur noch schnell eine Mail und käme dann

nach Hause, sofort. Es klappt nie. Der Weg

dauert nur eine Viertelstunde. Also sage ich,

wenn die Workaholikerin „gleich“ loszuradeln

verspricht: Schön, in zwei Stunden bist

du hier.Sie lacht: Achwo, in drei. Manchmal

schafft sie es in 90 Minuten.

90 mehr oder weniger Prominente, überwiegend

Schauspieler und Musiker, fordern

in einem Brief an die Bundesregierung:

„Deutschland muss bis 2025 klimaneutral

werden.“ „Voll und ganz“ schlössen sie sich

damit der Extinction Rebellion an, mithin jenen

Endzeitalarmisten, die gerade versuchen,

Berlins Straßen effektiver zu blockieren,

als alle Baustellenplanung es vermag.

Ab 2025 dürften demnach für Strom,

Stahl, Glas,Zement, Verkehr und Wärme weder

Kohle noch Öl oder Gas verbrannt werden.

Bevor jemand „Unmöglich!“ bläkt:

Doch, dieses Land lässt sich mit Sonne und

Wind unterhalten. Man leistet sich dann

eben nur noch so viel Wirtschaft, wie sich

rund um die Uhrmit Sonne undWind betreiben

lässt. Dasgeht, auch binnen gut fünf Jahren.

DieOstbetriebe wurden ja noch schneller

abgewickelt.

Kleiner Wermutstropfen: Gegen eine derartige

Express-Klimaneutralisierung war die

Treuhand Stehblues mit Anfassen. Nicht allein

die hiesige Kohlendioxidbilanz, auch soziale

Komfortfeatures näherten sich dadurch

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel unddie Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wiebleibt Wohnen bezahlbar?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Ich werde

vertrieben

Christine E.

wohnt seit 1987 in ihrer Wohnung und soll jetzt

wegenEigenbedarfs ausziehen.

KOLUMNE

Damit

sich was

bewegt

André Mielke

Autor

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Die Zeit, in der es für Normalverdiener

üblich war, die Höhe der

Miete auf ein Drittel des Einkommens

zu beschränken, ist schon

lange vorbei. Viele haben mittlerweile nicht

einmal ein Drittel ihres Einkommens für die

Lebenshaltungskosten und Absicherung. So

geht es auch mir.

Leider fällt mir für dieses Problem keine

Lösung ein, die ohne staatliche Hilfe auskommt,

also keine Lösung, die den Steuerzahler

schont. Denn wenn es im Zeitalter der

Globalisierung und der Gier möglich ist, dass

Häuser an Investoren aus der ganzen Welt

verkauft werden und unverhältnismäßige

Mietsteigerungen möglich sind, gibt es das

Grundrecht auf Wohnen nicht. Hinzu

kommt, dass Wohnungen häufig leer stehen

oderWohnraum nicht genutzt oder vernachlässigt

wird, wie ich später berichten werde.

DerStaat ist also gefordert, die Missstände

auszugleichen. Deshalb wirdjetzt Wohnraum

vom Staat partiell mit Verlust zurückgekauft,

und es wird neu gebaut. Aber die Gier findet

immer noch Raum undWege,zum Beispiel indem

die Mietpreise so hoch sind, dass nur Reiche

mieten können. Diese Fehler müssen

rückgängig gemacht werden und Wohnen

muss ein Grundrecht bleiben. Private Investorendürfen

nicht mehr Miete verlangen als öffentlicheWohnungsunternehmen.

Mein eigener Fall kann als Negativ-Beispiel

dienen. 1987 wurde meiner Familie und mir

eine Wohnung in einem sehr maroden Zweifamilienhaus

im Berliner Südwesten vermietet.

Wir zogen ein und zahlten 50 000 D-Mark für

den Hausrat derVorbesitzerin und die Herrichtung

derWohnung. Eigenbedarfwurde mitVerweis

auf die von uns erbrachten Leistungen

und auf weiteren Immobilienbesitz des Eigentümers

auch gerichtlich ausgeschlossen.

Später stellte sich heraus,dass unser Haus

nicht nur über zwei, sondernüber drei Wohnungen

verfügt. Unter meiner Wohnung im

Hochparterrebefindet sich noch eine Souterrain-Wohnung.

Das Landgericht Berlin bestätigte

im April 2005, dass es sich bei meinem

Haus um ein bestandsgeschütztes Dreifamilienhaus

handelt und dass die seit 1987

erhobene Miete zu hoch war. Für Dreifamilienhäuser

gelten andere Mietpreise als für

Zweifamilienhäuser. Entsprechend wurde

meine Miete gesenkt.

Vier Monate nach dem Landgerichtsurteil

teilte uns die Bauaufsicht des Bezirks mit, dass

die Souterrainwohnung auf Antrag des Hausbesitzers

in einen Keller umgewidmet wurde,

wodurch eine Wohnung scheinbar verschwand.

Jetzt sollte es wieder ein Zweifamilienhaus

sein. Es kam noch schlimmer.Die Erben

des früheren Besitzers haben jetzt Eigenbedarfangemeldet.

DerSohn der Familie benötigt

dieWohnung, in der ich, eine 70-jährige

Frau, seit mehr als 30 Jahren lebe, und in die

ich viel Geld investierthabe, füreine Studenten-WG.

EinVerfahren ist anhängig. Im Zuge

der Eigenbedarfskündigung habe ich ermittelt,

dass meine Hausbesitzer –neben dem

Haus,indem ich lebe –ineinem anderen Bezirk

zwei nebeneinander liegende Wohnreihenhäuser

mit Garten besitzen und selbst

nutzen. In ihrer Eigenbedarfsklage geben sie

aber nur eine Wohnung und weder die Größe

noch die Ausstattung ihres Eigentums an.

Meine Bilanz: In der Mauerzeit haben die

Berliner und zugereiste Familien wie meine

dafür gesorgt, dass es diese Stadtgibt.Wirhaben

indie oft sehr maroden Häuser investiert,

denn aufgrund der politischen Situation

fehltenInvestoren.Vieleverließen Berlin

in dieser Zeit. Jetzt ist es üblich, diese treuen

Mieter durchBelastungen und Schikanen zu

vergraulen, damit reichere Menschen diese

Stadtnutzen können. Für uns,die wirausziehen

müssen, gibt es keine Alternative.

Es muss sich etwas ändern. Denn: Wenn

Häuser weltweit verkauft werden und die

Mieten unverhältnismäßig steigen können,

sind Wohnungsnot und–wieseitlangem erkennbar

– Unzufriedenheit vorhersehbar.

Die tragischen Folgen der Unzufriedenheit

sind bekannt.

dem Standard der Spätrenaissance. Immerhin,

der Zuwanderungsdruck wäreweg.

Warum avisiert meine Frau mir pünktliche

Feierabende, die sie kaum je einhalten

kann? Nun, ich soll wohl sehen, dass sie wenigstens

erwägt, sich nicht länger ausbeuten

zu lassen. Undwieso signieren Schauspieler

einen Fünfjahresplan, der weltfremder ist als

das SED-Zentralkomitee. Weil sie gewohnt

sind, auch aberwitzigste Drehbücher zu verkörpern,

voll und ganz? Weil sie Physik beim

Abitur abgewählt und das Ökonomische ihren

Agenten überlassen haben? Weil sie hoffen,

dem Jüngsten Gericht durch Selbstentleibung

zuvorzukommen?

Oder ist es einfach, weil Aktivismus sexy

wirkt? Es gab mal Stimmen, Deutschland

könne jährlich eine Million Migranten aufnehmen.

Die derlei sagen, so offenbarte mir

damals ein Politiker, denen sei schon klar,

dass das ins Chaos führe. Aber die wollten halt

ihren Markenkern etablieren. Ähnlich ist es

mit der Wohnungskonzernenteignung. Sagt

man deren Anhängern, das Vorhaben minderefür

viel Geld kein bisschen Mangel, dann

kommt zurück: Kann sein. Man muss Druck

machen, damit sich überhaupt was bewegt.

Kann auch sein. Ohne präpotente Powerposition

hört dir niemand zu. Leider gibt es

Menschen, die keinen Nerv für Kommunikationstaktik

haben. Die hören zu, nehmen

ernst und sehen Folgen. Das macht sie so

verrückt wie die Gegenseite redet. Eine

wechselseitige Erregungsstimulation erscheint

mir in Zukunftsdebatten jedoch weniger

sachdienlich als beim Geschlechtsverkehr.

Deshalb habe ich, falls hinterm Ziel

2025 nicht Wahn, sondern propagandistischer

Unernst stecken sollte, für künftige

Künstlerbrandbriefe einen Vorschlag. Man

möge den Termin mit einem Zwinker-Smiley

markieren und ins Kleingedruckte schreiben:

„Zahlen sind Schall und Rauch. Für unsereDarbietungen

gilt heute wie in fünf Jahren:

DerSaalist beheizt.“

„Was dem Ami

die Waffe,

ist dem Deutschen

das Rasen.“

Winfried Kretschmann (Grüne),

Ministerpräsident von Baden-Württemberg, zur bisher

vergeblichen Forderung seiner Partei nach einem

generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen

AUSLESE

Der Ungehorsam

der Traumtänzer

Die Klima-Protestwoche der Aktivisten

von Extinction Rebellion läuft.

Gut oder schlecht? Bürgerkinder-Show

oder Traumtänzer-Ernst?

Die Tageszeitung Die Welt urteilt: „Jeden

Tagist Kirchentag im säkularprotestantischen

Deutschland. Mit Extinction

Rebellion betritt nach den Fridays for Future

eine zweite Umweltwiderstandsbewegung

das Licht der Öffentlichkeit und

zumindest die mediale Öffentlichkeit ist

wieder ganz entzückt. Geführt wird die

Klimasekte vom Postergirl moralischer

Exzellenzen: Carola Rackete, die, ähnlich

klassenbewusst wie die Bürgerkinder von

FFF und frei vonSelbstzweifeln, der Bundesregierung

Totschlag aus unterlassener

Hilfeleistung attestiert.“

Recht freundlich schreibt die Süddeutsche

Zeitung: „Der demokratische Staat

braucht den symbolischen Ungehorsam

radikaler Minderheiten, sonst erstarrt er

undentwickelt blinde Flecken. Er braucht

den Zorn der Rebellen wider die Selbstausrottung,

samt Apokalypse-Pathos und

unausgegorenen Forderungen.“ Jedoch:

Es drohe „der Absturz ins Banale, inden

Aktionismus und die Beschwörung des

Weltuntergangs gleich übermorgen, bis es

keiner mehr hören kann“.

„Bringt das was?“, fragt die taz. Die

Antwort: „Das bringt was,weil es funktioniert.

Werheute eine Bewegung daran bemisst,

wie realistisch ihre Forderungen

politisch, demokratisch und ökonomisch

durchsetzbar sind, der denkt ahistorisch.

Es ist die verdammte Pflicht von sozialen

Bewegungen, genau so radikal traumtänzerisch

zusein, wie Extinction Rebellion

es ist.“ Bettina Cosack

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Seite 3/Report: Bettina Cosack.

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Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Wiesehen Sie das

denn? Die Briefe

unserer Leser

Seite 15

Vonwegen selten: Die Bahn verdoppelt ihr Angebot Seite 13

Vonwegen sauer: Riesling aus Brandenburg Seite 16

Stadtbild

Verhindertes

Shopping

Torsten Landsberg

denkt amAlex wirtschaftlich.

Wenn wieder mal ein Wirtschaftsexperte

behauptet, wir

würden unser Geld horten und zu

wenig ausgeben, sei ihm ein Besuch

am Alexanderplatz empfohlen. Die

Massen an Einkaufstüten, die hier

durch die Gegend getragen und

manchmal gehievt werden, straft alle

entsprechenden Beurteilungen Lügen.

Vorneweg läuft ein Mädchen-

Quartett im „Fridays for Future“-Alter,

das die Herbstferien mit einer

ausgedehnten Shoppingtour einläutet.

Sie schwenken stolz die prallen

Tüten einer Kleidungskette, deren

Preise eine faire und nachhaltige

Produktion quasi ausschließen.

Ob diese Mädchen selbst fürs

Klima auf die Straße gehen, ist nicht

überliefert, da sie aber die Greta-Generation

verkörpern, blitzt kurz der

Gedanke auf, ob es zulässig ist, in

Klamotten für Klimaschutz zu protestieren,

die mehrfach um die halbe

Welt geschifft und unter prekären Arbeitsbedingungen

gefertigt wurden.

Mit dieser Problematik ist in abgewandelter

Form auch die Klimabewegung

Extinction Rebellion konfrontiert,

deren britischer Mitbegründer

sagte, eskönne auch mitmachen,

wer ein bisschen sexistisch

oder rassistisch denke –womit er ja

recht hat: Für eine Sache einzutreten,

die allgemein als gut bezeichnet

wird, bedeutet halt nicht automatisch,

auf allen Ebenen ein guter

Mensch zu sein.

Von den XR-Besetzungen dieser

Woche zeigt sich Berlin derweil weitgehend

unbeeindruckt. Kein Wunder,

an Stillstand ist diese Stadt

schließlich gewöhnt. Mehr Aufsehen

könnten die Aktivistinnen und Aktivisten

durch die Besetzung des Alexanderplatzes

erreichen, auch wenn

dort keine Autos fahren. Der verhinderte

Konsum an einem zentralen

Touristenmagneten, dessen Eventisierung

der permanente Auf- und

Abbau von Jahrmarktbuden dokumentiert,

könnte der wirksame Hebel

eines aufrüttelnden Protests sein.

Zwischen zwei unfertigen Ständen,

die gerade für den Weihnachtstrubel

errichtet werden, versucht ein

junger Hund, der fernab jeder Übertreibung

bereits Größe und Statur eines

Kalbs aufweist, ein riesiges rotes

Gummibärchen zu ergattern, das auf

dem Boden klebt. Seine Besitzerin

zieht harsch an der Leine, und obwohl

der Hund sie treuherzig und

ein bisschen schuldbewusst anblickt,

flackert auch in seinen Augen

die Rebellion: „Mach das mal lieber

nicht zu häufig, sonst ziehe ich zurück!“

Einkaufen am Alex: Günstig,aber nicht

nachhaltig.

IMAGO IMAGES

Sie sind friedlich, aber ihre Aktionen muten radikal an. Hier tragen Aktivisten von Extinction Rebellion das Klima symbolisch zu Grabe.

Friedlich, ungehorsam, organisiert

Auch am Dienstag blockieren Klima-Aktivisten die Stadt –einige hatten sich über Nacht festgekettet

VonMelanie Reinsch

Ungemütlich ist es am

Dienstagmorgen, es nieselt,

der Himmel ist grau.

Kein Vergleich zum Tag

zuvor,als die Sonne sich in den goldenen

Rettungsdecken, in die sich Klimaaktivisten

eingewickelt hatten,

widerspiegelte und die Seifenblasen

in bunten Farben glitzern ließ. Kein

Wetter,umimSchneidersitz im Kreis

zu sitzen, Gitarrezuspielen und Lieder

zu singen.

DieganzeNacht haben Dutzende

Demonstranten der Umweltorganisation

Extinction Rebellion (XR) am

Potsdamer Platz und am Großen

Stern ausgeharrt und die Straßen

weiter für den Verkehr blockiert.

Badewannen zersägt

Paris: Bis zu 300 Anhänger

der Bewegung zelteten in der

Nacht im strömenden Regen

auf der BrückePont au

Changeinder Nähe der Kathedrale

Notre-Dame und

auf dem benachbarten

Châtelet-Platz. Die Polizei

war nicht eingeschritten, als

sie die Brückeblockierten.

Am Abend zuvor hatte die Polizei

noch versucht, den Potsdamer Platz

zu räumen, sich dann aber zurückgezogen.

Wohl auch um die eigenen

Kräfte zu schonen. Denn spätestens

am Dienstagmorgen war auch klar,

warum: Die Aktivisten hatten sich

angekettet –anBadewannen gefüllt

mit Beton und an die Achsen von

Lkw. Oder sie waren festgeklebt an

einer hölzernen Bienenwabe,die die

Klimaschützer am Montag aufgebaut

hatten.

Undsomachten die Beamten sich

gegen halb zehn daran, die sogenannten

Lock-Ons aufzulösen. Badewannen

wurden zersägt, Aktivisten

vorsichtig aus der Verkettung gelöst –

und unter „Ihr seid nicht allein“-Gesängen

anderer Demonstranten von

der Polizei in Gewahrsam genommen.

Die Aktivisten ließen sich ohne

Widerstände abtransportieren. Festnahmen

gab es keine.Um12Uhr war

der Potsdamer Platz wieder frei.

Am Großen Sternhatte die Polizei

die Räumungen am frühen Dienstagabend

eingestellt. Am Abend befanden

sich dortnoch mehrereHundert

Aktivisten, während zwei der fünf

Achsen, die auf den großen Kreisverkehr

führen, nach Angaben der Polizei

wieder frei waren. Insgesamt befanden

sich rund 600 Beamte im Einsatz,

davon 200 am Großen Stern.

Schon früh versuchten die Aktivisten,

über die Messengerdienste ihre

„Rebellen“, wie sie sich selbst nennen,

zu mobilisieren. Überhaupt

funktioniert die Organisation in diesen

Tagen hauptsächlich über die sozialen

Medien. In regelmäßigen Abständen

werden Zwischenberichte,

Videos oder Hinweise vonExtinction

Rebellion verschickt. Mal geht es um

fehlende Schlafsäcke oder warme Getränke,

dann um die nächsten Blockade-Aktionen.

„Es ist mit baldiger

Räumung zu rechnen! Schnappt

euch Bezugsgruppen, Freunde und

Verwandte sowie Regenschirme und

Capes und kommt vorbei“, heißt es

am Dienstag um elf Uhr beim Messengerdienst

Telegramm, in dem

knapp 8000 Abonnenten die News

von Extinction Rebellion verfolgen.

Zehn verschiedene WhatsApp-Gruppen

sind freigeschaltet –jedeGruppe

hat 265 Mitglieder. Hinzu kommen

Gruppen in Englisch.Wieviele Klimaaktivisten

insgesamt in der Stadt un-

WELTWEITE PROTESTE

Amsterdam: Die Polizei

nahm etwa 50 Demonstranten

bei einer Blockade-Aktion

fest. Die Aktivisten hatten

eine Durchgangsstraße

am Reichsmuseums blockiertund

dortunter anderem

Zelte aufgebaut. Die Polizei

hatte den Protest dort

verboten.

Die Polizei musste auch festgeklebte Aktivisten loslösen.

London: Die britische Polizei

hat fast 380 Klima-Aktivisten

in London festgenommen.

Britische Medien gingenvon

etwa 30 000 TeilnehmerninLondonaus.

Sie

kommen aus allen Teilen

Großbritanniens –vom Norden

Schottlands bis Südengland.

VOLKMAR OTTO

terwegs sind, ist schwer zu sagen. Im

Klimacamp sprachen die Organisatorenvon

etwa 2200 Menschen.

Die „Rebellen“ sollen sich dabei

in Bezugsgruppen mit 4bis 12 Personen

organisieren –auf der Homepage

finden sich dazu Anweisungen,

Handbücher, Songbücher, Verhaltenstipps,

auch für Verhaftungen.

Dort kann man sich auch den „Rebellionskonsens“

mit Prinzipien und

Forderungen: Alles soll gewaltfrei

verlaufen, keine Aktionen unter Drogen

und Alkohol, die Teilnehmer sollen

ihr Gesicht zeigen, denn „wir stehen

mit unserem Gesicht und unserem

Namen zu dem, was wir tun“,

heißt es. Die symbolischen Bienen,

die man auf den Abbildungen findet,

werden in einem Video erklärt: Es

geht nicht um die eine große Aktion,

stattdessen wolle man wie „Bienen

ausschwärmen“ und mit vielen kleinen

Aktionen zivilen Ungehorsam

ausüben. Auch die Räumung am

PotsdamerPlatz bleibt gewaltfrei, sie

wirkt teilweise ein wenig bizarr: Da

reicht ein Polizist in voller Montur einem

Aktivisten noch einen Keks,

dort rückt einer das Kopfkissen zurecht

und stopft die vom Wind verwehte

Rettungsdecke unter die

Beine. Ein Aktivist bringt Frühstück,

„allerdings nicht vegan“, sagt er entschuldigend.

Wer im Team „Well-

Being“ (Wohlbefinden) ist, kümmert

sich um die,die gerade blockieren.

Radikal? Dogmatisch?

Es scheint zeitweise so, als ob hinter

der Organisation ein gewaltiger Verwaltungsapparat

steckt, der die Aktivisten

lenkt. Dabei agieren keine

Chefs im Hintergrund, auch wenn

der britische Extinction-Rebellion-

Gründer Roger Hallam, der gerade in

Großbritannien in Untersuchungshaft

sitzt, durchaus in Reden immer

wieder erwähnt wird. Daher scheiden

sich bei der Bewertung der Organisation

auch die Geister. Zuradikal, finden

viele,weilsie zu weit gingen.Wer

dann junge Frauen in Elfenkostümen

sieht, die mit Blättern in den Haaren

barfuß durch den Regen laufen, wird

es vielleicht schwer haben, diese Attributzuweisung

aufrecht zu erhalten.

Zu negativ und dogmatisch, sagen

andere, weil die Klimaaktivisten

mit apokalyptischen Ängsten spielten.

Soziologin Jutta Ditfurth verglich

die Bewegung gar mit einer „religiösen-gewaltfreien

esoterischen Sekte“.

Und die CDU-Fraktion fragt beim

Verfassungsschutz offiziell an, ob Extinction

Rebellion als extremistische

Organisation einzuschätzen sei.

Manch einer ist auch der Ansicht, die

„Rebellen“ würden den Erfolg der

„Fridays for Future“-Bewegung zunichte

machen. Dazu hat Luise Neubauer

von Fridays for Future eine

klare Haltung: Man müsse von der

Frage wegkommen, wie man protestiere,

sagt sie im ZDF. Stattdessen

sollte man sich fragen, warum die

Menschen protestierten.

AFP

Melanie Reinsch

ist beeindruckt, wie friedvoll

der Protest bisher verläuft.

NACHRICHTEN

Gebäudereiniger am

Flughafen im Warnstreik

Im Tarifkonflikt der Gebäudereiniger-Branche

sind am Dienstag zahlreiche

Beschäftigte einem Warnstreikaufruf

am Flughafen Tegel gefolgt.

Rund 150 Gebäudereiniger des

Flughafens legten am Dienstagvormittag

für einige Stunden die Arbeit

nieder und zogen bei einer Kundgebung

durch die Terminals,sagte ein

Sprecher der Gewerkschaft IG BAU.

DerFlugverkehr sei durch die Aktion

nicht beeinträchtigt worden, hieß es

vonseiten des Flughafens.Auch an

anderen deutschen Flughäfen hatte

es Aufrufe zu Warnstreik gegeben.

DerTarifkonflikt in der größten

Handwerkssparte mit 650 000 Beschäftigten

ist nach sechs Verhandlungsrunden

festgefahren. (dpa)

Nach Fund von totem Baby:

Polizei befragt Anwohner

Beider am Montagvormittag am

Lichtenrader Dorfteich entdeckten

Baby-Leiche handelt es sich um ein

Mädchen. Nach Informationen der

Staatsanwaltschaft soll das Kind bereits

einige Tage am Ufer gelegen haben.

Einzelheiten über den Zustand

des Säuglings wurden nicht mitgeteilt.

So ist unklar,obdas Mädchen

lebend zur Welt kam oder tot geborenwurde.Eslaufen

Befragungen

vonAnwohnern. Einöffentliches

Mithilfeersuchen sei bisher nicht geplant,

hieß es.Das tote Kind war,wie

berichtet, am Montagvormittag vom

Hund eines Spaziergängers entdeckt

worden. (ls.)

Investitionsbank rechnet

weiter mit Wachstum

DieInvestitionsbank Berlin (IBB)

sieht die Entwicklung der Berliner

Konjunktur weiter zuversichtlich. In

diesem Jahr rechnen die IBB-Volkswirte

mit einem Wachstum von

knapp 2Prozent –deutlich mehr als

die bundesweit prognostizierten

0,5 Prozent, teilte die IBB mit. Warnzeichen

seien allerdings Kapazitätsengpässe,die

vorallem der Bauindustrie

zu schaffen machten. (dpa)

Prozess wegen

Unterschlagung beendet

EinProzess gegen zwei Berliner Polizeibeamte

um angeblich unterschlagene

250 Euro ist nach wenigen Minuten

beendet worden. DasVerfahrenwerde

eingestellt, da Verjährung

eingetreten sei, begründete das

Amtsgericht Tiergarten am Dienstag

noch vorVerlesung der Anklage.Den

beiden Polizisten, einer 32-jährigen

Frau und einem 35-Jährigen, war zunächst

vorgeworfen worden, im Jahr

2014 etwa 250 Euro unterschlagen zu

haben. (dpa)

Regen und Gewitter

in Berlin und Brandenburg

Nach einem sonnigen Startindie

Woche müssen sich die Berliner

und Brandenburger in den nächsten

Tagen auf Regen und sogar Gewitter

einstellen. Schon der Dienstag

war bei Temperaturen bis maximal

14 Grad wechselhaft, regnerisch

und grau. Für den Mittwoch

sind laut Deutschem Wetterdienst

mancherorts Schauer angekündigt,

aber ansonsten soll es trocken bleiben.

(dpa)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Berlin

Als Ralf Spann und Andrej Holm

aufeinander treffen, begegnen

sich zwei Menschen, deren Blick

auf den Immobilienmarkt kaum

gegensätzlicher sein könnten: Spann, gebürtiger

Berliner und Europa-Chef von

Akelius, arbeitet seit Jahren bei einem Immobilienkonzern,

der zu den größtenWohnungseigentümerninBerlin

zählt. Undder

für hohe Mieten und für manche auch für

die Probleme steht, die entstehen, wenn

Wohnen zur international gehandelten

Ware wird. Andrej Holm wiederum war einer

der ersten, der als Stadtforscher untersuchte,

wie ökonomische Verdrängung

funktioniertund was sie mit Kiezenanstellt

und wie sie dazu führt, dass ganzeBevölkerungsteile

ausgetauscht werden. Er sorgte

dafür, dass heute fast jeder schon einmal

das Wort dafür gehört hat: „Gentrifizierung“.

Herr Spann, Herr Holm: Wasmacht für Sie

den Reiz vonBerlin aus?

RALF SPANN: Berlin ist unheimlich attraktiv.Inden

Metropolen in Europa und Nordamerika,

in denen wir vertreten sind, redet

jeder über Berlin. Berlin ist ein Magnet.

Akelius hat 2006 entschieden, ein Standbein

in Berlin aufzubauen, als niemand

sonst an diese Stadt geglaubt hat. Heute ist

es unser wichtigster Standort, wir haben

hier 14 000 Wohnungen. Das sind 0,7 Prozent

von allen Berliner Wohnungen. Und

wir haben vor, noch sehr lange zu bleiben.

Wassagen denn die Menschen in diesen anderen

Städten über Berlin?

RALF SPANN: Hip, cool, angesagt. Das ist

das, was wir als Feedback bekommen,

wenn es um Berlin geht.

ANDREJ HOLM: Ich werde in anderen

Städten gerade vor allem auf die aktuelle

Wohnungspolitik angesprochen, weil Berlin

all denen Hoffnung gibt, die sich auch

im 21. Jahrhundertnoch eine soziale Stadtpolitik

wünschen. Kolleginnen und Kollegen

aus anderen großen Städten fragen:

Was macht ihr denn da, wie funktioniert

das, was ist das Geheimnis dahinter? Dass

Berlin eine coole Stadt sei, das kenne ich

natürlich auch, aber das ist ja nicht erst seit

gesternso.

Hatdie Attraktivität Berlins denn auch was

mit den vergleichsweise niedrigen Mieten zu

tun?

SPANN: Berlin ist im Vergleich zu anderen

Städten attraktiv, was das angeht, ja. Das

Mietniveau ist in Berlin sehr viel geringer

als in anderen europäischen Metropolen,

in denen wir vertreten sind.

Aber die Mieten steigen, und zwar rasant.

Bestandsmieten und Neuvermietungsmieten

haben sich enorm auseinander bewegt.

Werkann das wieder in den Griff kriegen –

der Marktoder der Staat?

HOLM: Die Frage ist ja, was geregelt werden

soll. Es geht gar nicht darum, dem

Marktsämtliche Steuerungsfunktionen abzusprechen.

Wasder Markt aber nicht gut

kann, ist diejenigen mit weniger Geld als

der Durchschnitt angemessen mit Wohnraum

zu versorgen. Man kann doch stolz

darauf sein, dass Berlin noch eine relativ

gemischte Stadt ist. Das ist international

eine riesige Ausnahme, dass wir eine Stadt

haben, deren Innenstadt noch nicht eindeutig

an die Wohlhabenden gegangen ist.

SPANN: Wirsind uns,denke ich, einig, dass

es zu wenig günstigen Wohnraum gibt.

Aber dazu sage ich ganz klar: Die beste

Maßnahme gegen steigende Mieten ist der

Bau von neuen Wohnungen. Regulierung

schafft keinen neuen Wohnraum. Nur

neuer Wohnraum schafft Entspannung am

Wohnungsmarkt.

Siewürden aber zustimmen, dass eine sozial

gemischte Innenstadt ein erstrebenswerter

Zustand ist?

SPANN: Nein. Ichhabe gesagt, dass es mehr

preiswerte Wohnungen braucht.

Washeißt denn bezahlbar?

SPANN: Daswirdjamit fünf bis sieben Euro

pro Quadratmeter diskutiert. Und davon

gibt es zu wenig. Aber das ist Aufgabe des

Staates, solche Wohnungen zu Verfügung

zu stellen. Es gab 1990 in Deutschland 2,9

Millionen Sozialwohnungen. 2018 waren es

nur noch 1,2 Millionen Sozialwohnungen.

Sozialer Wohnungsbau ist Aufgabe des

Staates.

Es gibt die Forderung nach Enteignung,

nach Vergesellschaftung von Wohnraum.

Würden Sie sagen, wenn die Konzerne da

entschädigt werden, wäredas eine adäquate

Maßnahme?

SPANN: Also noch mal: Enteignung, Vorkaufsrecht,

Mietpreisbremse, Mietendeckel

–das schafft alles keinen neuen Wohnraum.

Bei den Enteignungen wird jaüber

200 000 Wohnungen diskutiert. Meiner

Auffassung nach wären dafür ungefähr 30

Milliarden Euro fällig. Eine kleine Anzahl

vonLeuten würde davon profitieren. Da ist

doch die Frage: Istdas gerecht? Unddie andere

Frage ist: Was könnte man mit dem

Geld machen, wie könnte man mit dem

Geld helfen? Meiner Meinung nach sollte

man das Geld nehmen und damit neue

Wohnungen bauen.

Sie sagen, Neubau ist die Lösung. Akelius

selbst engagiert sich allerdings kaum beim

Bauneuer Wohnungen.

SPANN: Wirsind ein langfristig orientiertes

Wohnungsunternehmen. Wir bewirtschaften

unsere Immobilien, wir vermieten sie,

wir modernisieren sie. Wir sind kein Projektentwickler.

Was wir aber machen ist:

Dachgeschossausbau, mal eine Baulücke

schließen. Wir wollen in den nächsten Jahren

1500 Wohnungen in Berlin bauen und

so unseren Beitrag leisten.

Herr Holm,wie sehen Siedas mit dem Neubau?

HOLM: Mich ärgertander Diskussion, dass

ja immer aufgeführtwird, welche Maßnahmen

alle nicht zum Neubau führen. Wenn

ich jetzt aber überlege,obder massenhafte

Handel mit Bestandsimmobilien irgendeine

neue Wohnung baut, komme ich ja zu

dem Ergebnis, dass das nicht so ist. In den

letzten zehn Jahren sind fast 140 Milliarden

Euro für den Erwerb vonBestandsimmobilien

und Grundstücken ausgegeben worden.

Für den Wohnungsbau vielleicht 16

Milliarden, hoch angesetzt. Dasist doch ein

Ungleichgewicht: Wenn es dem Markt

überlassen bleibt, fließt das Geld nicht in

den Wohnungsbau.

SPANN: Wir sind ein Bestandshalter von

Wohnimmobilien, langfristig orientiert.

Wir sind nicht auf Neubau spezialisiert.

Waswir machen, ist, dass wir Wohnimmobilien

erwerben, die lange Jahre vernachlässigt

worden sind. Dann modernisieren

wir diese Wohnungen, sehr behutsam. Das

heißt, dass sich die finanziellen Einschränkungen

für die Mieter in Grenzen halten.

Wenn es Mietanpassungen geben sollte,

dann strecken wir die auf drei bis fünf Jahre,

wir machen das sehr moderat. Kein Mieter

muss bei uns deswegen ausziehen.Wirsind

nur daran interessiert, bei Fluktuation,

wenn also jemand auszieht weil er eine Familie

gründet oder den Arbeitsplatz wechselt,

die Wohnung zu sanieren. Diemachen

wir schon sehr schön, das ist eine Top-Qualität.

Und die vermieten wir dann zur

Marktmiete. Das ist unser Geschäftsmodell.

Wasmeinen Siemit Marktmiete?

SPANN: Wir nehmen die Miete, die Leute

bereit sind zu zahlen, für eine sehr gut ausgestattete

Wohnung, in einer zentralen

Lage,ineinem sanierten Haus.

HOLM: Daswaren zuletzt ja jetzt bei Ihnen

ZUR PERSON

Andrej Holm (geboren 1970)

ist promovierter Sozialwissenschaftler

und arbeitet als

Stadt- und Regionalsoziologe

an der Humboldt-Universität

zu Berlin.

In seinen Forschungsprojekten

und Publikationen untersucht

er die sozialen Fragen

des Wohnens und der Wohnungspolitik

und analysiert

die damit verbundenen Konflikte.

Neben seiner wissenschaftlichen

Arbeit ist er seit

Anfang der 1990er-Jahren in

verschiedenen Stadtteil- und

Mieterinitiativen aktiv und versucht,

sich aktiv in die Berliner

Wohnungspolitik einzubringen.

bis zu 20 Euro proQuadratmeter.Kalt.

SPANN: DieMenschen, die diese Wohnungen

mieten, wollen unsereWohnungen. Sie

wollen zentrale Lage, gutes Objekt, top saniert.

Noch mal: Wirsind langfristig ausgerichtet.

Uns interessiert nur die Fluktuation,

das ist lukrativ.Alles anderenicht. Bestandsmieter

sind genauso wie Neumieter

herzlich willkommen. Sie sollen und dürfen

so lange wohnen, wie sie wollen. Wir

haben kein Interesse, unsere Investitionen

über unsereBestandsmieter reinzuholen.

HOLM: Aber das heißt doch, langfristig gesehen

tauscht sich auch die Mieterschaft in

den Akelius-Häusernaus.Nach jedem Auszug

gibt es eine preiswerte Wohnung weniger

und eine teureWohnung mehr.

SPANN: Die freiwerdende Wohnung sanieren

wir, richtig. Wir sind der Meinung: Die

preiswerten Wohnungen bereitzustellen,

das ist Aufgabe des Staates. Esist nicht unsere

Aufgabe, preiswerten Wohnraum zur

Verfügung zu stellen.

Waserwarten Siedenn, was der Mietendeckel

bewirken wird?

SPANN: Zwischen 2011 und 2017 sind

330 000 Menschen nach Berlin gekommen.

Im gleichen Zeitraum wurden

65 000 Wohnungen neu gebaut. Wir haben

etwa 40 000 Menschen pro Jahr, die

nach Berlin kommen. Das Wohnungsangebot

bleibt gleich. Und jetzt ist die entscheidende

Frage: Wer bekommt die

günstige Wohnung in der Innenstadt?

Meine Prognose ist, dass die privaten Vermieter

schauen: Werpasst in die Hausgemeinschaft?

Und wer hat eine vernünftige

Bonität? Das heißt, die Leute, die eigentlich

bedürftig sind, bekommen keine

Wohnung.

Andrej Holm: „Kein Mietendeckel führtauch nicht zu mehr Wohnungen.“

„Wir

saugen

nicht, Herr

Holm!“

Stadtsoziologe Andrej Holm und Ralf Spann, Europa-Chef von

Akelius, streiten über extreme Mietpreise, Wohnungsnot und

den Mietendeckel. Einig sind sich die beiden bei einer Sache:

Berlin ist ausgesprochen attraktiv.Was das aber für die Stadt

bedeutet, beurteilen sie ganz unterschiedlich.

MIETENWATCH.DE

Mietenwatch.de wurde entwickelt, um zu erfahren, wie

hoch die Mieten für Menschen sind, die über Online-Portale

nach Wohnungen suchen. Dafür wurden rund 800 00 Wohnungsangebote

ausgewertet, die seit März 2018 online gingen.

Mietenwatch wertet verschiedeneAspekte aus: die Leistbarkeit

bezogen auf Wohnungsgröße und Haushaltseinkommen.

Und nun, welche Anbieter am Markt mit welchen Preisen

antreten und wie hier der Mietendeckel wirken würde.

Nettokaltmiete

in Euro pro

Quadratmeter

in Berlin

43,24 20,24

17,52

Homefully

Akelius

Romi Immobilien


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 11 *

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Berlin

Ralf Spann: „Es ist unheimlich schade, dass sich nicht mehr Menschen diese Mieten leisten können.“

Wird Akelius das auch so machen?

SPANN: Bei uns sind alle Mieter willkommen.

Bei uns darf jeder mieten. Wir

schauen darauf, dass der Mieter in die

Hausgemeinschaft passt, und dass die Bonität

so ist, dass er langfristig in der Lage ist,

die Miete zu zahlen. Dasist alles.

HOLM: Sie haben prognostiziert, der Mietendeckel

würde bewirken, dass diejenigen,

die mit wenig Geld neu in die Stadt

kommen, keine Chance auf eine Wohnung

haben. Aber diesen Effekt haben doch die

hohen Neuvermietungsmieten schon jetzt.

Der Mietendeckel soll vor allem die Bestandsmieter

schützen. Damit dürfte Akelius

doch gar kein Problem haben, wenn

Mietsteigerungen im Bestand nicht das

Kerngeschäft Ihre Unternehmens sind.

SPANN: Wirschützen unsereBestandsmieter.Sie

dürfen so lange bleiben, wie sie wollen.

Wir hätten auch kein Problem damit,

wenn die Bestandsmieten nur noch nach

Preisindex angehoben werden könnten. Da

kann von mir aus auch reguliert werden.

Aber die freien Wohnungen möchten wir

sanieren und eine Marktmiete bekommen.

Noch mal einen Schritt zurück: Fängt das

Problem nicht schon da an, wo Wohnen als

Ware betrachtet wird?

HOLM: Ich kann Marktakteuren eigentlich

nicht vorwerfen, dass sie Wohnungen als

Ware betrachten. Dasist ja nun mal das unternehmerische

Geschäftsmodell. Meine

Forderung ist auch nicht, dass private Unternehmen

auf eigenes Risiko Wohnungen

für die Ärmsten der Stadt bauen. Dashat es

in 150 Jahren Kapitalismus noch nirgendwo

gegeben und wird esauch nicht

geben. Natürlich ist das Teil der öffentlichen

Verantwortung. Aber aus der hat sich

Berlin ja in den letzten 25 Jahren massiv zurückgezogen.

Privatisierungen, Stopp des

sozialen Wohnungsbaus, Liberalisierung

aller städtebaulichen Regulationen.

DerStaat muss jetzt also radikal eingreifen,

auch zulasten privater Vermieter?

HOLM: Ja, nach 25 Jahren neoliberaler

Wohnungspolitik zugunsten privater Gewinne,ist

es wirklich an der Zeit für eine Politik

im Interesse der Mieterinnen und Mieter.

Soziale Wohnversorgung und private

Gewinnerwartung schließen sich aus.Werden

soziale Mietpreise durch eine Regulierung

verordnet, dann reduzieren sich die

wirtschaftlichen Erträge andersherum:

Ohne staatlichen Eingriff wirddie Mietentwicklung

der Marktlogik überlassen und

die Zahl der preiswerten Wohnungen wird

sich weiter verringern. Da ist der Staat aus

meiner Sicht im Moment völlig zu Recht

aufgefordert, die schützende Hand über

den Großteil der Mieterinnen und Mieter

zu legen. Gleichzeitig ist klar, dass die Ausweitung

des öffentlichen gemeinwirtschaftlichen

Wohnungsbaus und die Forcierung

des leistbaren Wohnungsbaus eine

Hauptaufgabe ist. Aber das ist ein Prozess,

der etwas dauert, der eben keine unmittelbareLösung

ist.

SPANN: Die Mietregulierung schützt die

Bestandsmieter. Aber was ist denn mit denen,

die nach Berlin kommen? DerMietendeckel

baut keine Wohnungen. Wir brauchen

aber mehr Wohnungen.

HOLM: Kein Mietendeckel baut doch auch

keine Wohnungen. Dassind doch zwei verschiedene

Instrumente, die sich nicht ausschließen.

BLZ/MARKUS WÄCHTER

ZUR PERSON

Ralf Spann (geboren 1975)

ist seit 2018 der Chef von

Akelius Europe. Er arbeitet

seit 13 Jahren in dem Unternehmen,

das mit 14 000

Wohnungen zu den größten

WohnungsanbieterninBerlin

gehört. Er fing als Prokurist bei

dem Konzernanund leitete

später dann die Bereiche Berlin

und USA.

Spann absolvierte ein Masterstudium

in Business Administration

an der Humboldt-Universität

Berlin und der Jönköping

International Business

School in Schweden.

Auch Neuvermietungsmieten fließen in den

Mietspiegel ein. Das heißt, die Marktmiete,

die etwa Akelius nimmt, betrifft ja nicht nur

den jeweiligen Mieter,der sich das vielleicht

leisten kann, sondern auch alle anderen.

SPANN: Es ist unheimlich schade,dass sich

nicht mehr Menschen diese Mieten leisten

können. Das bedauere ich sehr, wirklich.

Aber, Einkommensungleichheit, Arbeitslosigkeit,

wirtschaftliches Wachstum: All das

ist Aufgabe der Politik. DiePolitik muss dafür

sorgen, dass sich die Lage verbessert.

Wenn noch mehr Menschen in Wohnungen

zu ihren Mietpreisen ziehen, dann ist Berlin

eine Stadt der Reichen.

SPANN: Wenn wir über Mietregulierung

sprechen, dann möchte ich auch mal auf

andereStädte schauen, in denen es das gab.

Zum Beispiel Lissabon. Wasist dort in40

Jahren Mietpreisregulierung passiert? Die

Objekte sind zerfallen. 1990 sind bis zu 20

Häuser pro Jahr einfach zusammengestürzt.

Dann, als man die Regulierung gelockert

hat, sind die Mieten durch die Decke

geschossen. Stockholm ist der stärkste regulierte

Wohnungsmarkt in der westlichen

Welt. 600 000 Menschen stehen auf einer

Warteliste für eineWohnung. Siewarten bis

zu 20 Jahre auf eine Wohnung. Menschen

mit Geld kaufen sich auf dem Schwarzmarkt

einen Mietvertrag. Menschen mit

Geld haben kein Problem eine Wohnung in

Stockholm zu finden.

Glauben Sie, dass in den nächsten fünf Jahren

in Berlin Häuser einstürzen werden,

wenn der Mietendeckel kommt?

SPANN: Die privaten Eigentümer haben

keine Anreizemehr,zumodernisieren oder

in die Bestände zu investieren. Wirals Akelius

werden weiter die Objekte instandhalten,

wir werden aber nur noch ganz wenig

energetische Sanierung durchführen, wir

werden nicht mehr modernisieren. Das

kann nicht im Sinne der Regierung sein. Ich

habe Ihnen ein Foto mitgebracht, wie ein

Berliner Hinterhof aussieht, vor der Sanierung

und nach unserer Sanierung. Dafür

konnten alle Mieter in ihren Wohnungen

wohnen bleiben. So etwas werden wir nicht

mehr machen. Außerdem: Es wird ein

Schwarzmarkt entstehen wie in Stockholm.

HOLM: Einen grauen Wohnungsmarkt gibt

es doch schon jetzt. Weil sich die Neuvermietungsmieten

immer weiter vonden Bestandsmieten

entkoppeln, versuchen viele,

ihre alten Mietverträge weiterzugeben, um

die Mietsteigerungen zu begrenzen. Ob

sich das wirklich verschärft, wenn die die

Neuvermietungsmieten gedeckelt werden,

ist eine sehr abstrakte Vermutung.

Unddie Modernisierungen?

HOLM: Wenn der Mietendeckel so kommt,

wie zuletzt angekündigt, dann kann die

Obergrenze nur bei Modernisierungsmaßnahmen

überschritten werden. Warum

sollte diese Möglichkeit für eine Mietsteigerung

um 1,40 Euro je Quadratmeter nicht

genutzt werden?

SPANN: Weil es Menschen gibt, die eine

sehr gute Wohnung in einem tollen Objekt

nachfragen. Die Menschen möchten eine

gut sanierte Wohnung mieten. Warum soll

es nicht einen Markt geben, der eine Wohnung

anbietet, die auf einem geringeren

Standardsaniertwurde und eine,die auf einem

höheren Standardsaniertwurde?

HOLM: Mir geht es um das Szenario: Mietendeckel

führt zu Vernachlässigung der

Bausubstanz. Dasist ja die Argumentation.

SPANN: Das ist nachweislich in Lissabon

und NewYorkpassiert.

HOLM: Und deshalb meine Frage, warum

sollte es passieren, wenn Modernisierung

die einzige Möglichkeit ist, einen höheren

Mietertrag zu erzielen. Wieso sollte dann

also niemand mehr modernisieren?

SPANN: Wir werden aufgrund dieser Diskussioninden

nächsten Jahren 500 Millionen

Euro weniger in Berlin investieren.

HOLM: Zahlen die Mieter auch 500 Millionen

Euro weniger Miete?

SPANN: Moment. Da muss man sich vorstellen,

was das für Auswirkung auf die

Steuereinnahmen hat und auf die Arbeitsplätze.

Und zahlen denn die Mieter 500 Millionen

Euro weniger?

SPANN: Wirsparenein, weil sich die Investitionen

nicht mehr rentieren. Wenn wir

Neuvermietungsmieten nur noch vorgesetzt

bekommen, dann werden wir nicht

mehr sanieren. Es gibt ja aber auch Menschen,

die gernineine nicht ganz so top sanierte

Wohnung ziehen, wenn die dann

günstiger ist.

HOLM: Gesamtwirtschaftlich stehen den

500 Millionen weniger Investitionen, von

denen Sie sprachen, auch 500 Millionen

Euro weniger Mietzahlungen gegenüber.

DiegespartenWohnkosten können für Kultur-

oder Konsumgüter ausgeben werden.

Das hilft vielleicht nicht der Immobilienbranche,

wäre aber kein gesamtwirtschaftlicher

Verlust. Man kann also nicht sagen,

dass dieses Geld der Stadt verloren geht.

Dass Geld, dass Sie investieren, soll ja anschließend

von den Mieterinnen und Mietern

bezahlt werden. Ihre Investition saugt

ja dasGeldaus derenTaschen.

SPANN: Wir saugen nicht, Herr Holm! Wir

geben den Menschen das,was sie möchten.

HOLM: Ich nehme das zurück. Aber Investitionen

werden nun einmal durch Mietzahlungen

refinanziert.

SPANN: Unsere Gewinne werden reinvestiert,

das kommt den derzeitigen und zukünftigen

Mieter zugute.Wir müssen keine

Dividende ausschütten. Wir haben in den

letzten neun Jahren über 700 Millionen

Euro in unsere Objekte investiert. Wir haben

in den letzten zehn Jahren 100 Millionen

Euro an SOS-Kinderdörfer,Unicef und

Ärzte ohne Grenzen gespendet. Akelius ist

der größte Einzelspender der SOS-Kinderdörfer

weltweit.

Kann es auch sein, Herr Holm,dass der Mietendeckel

dazu führt, dass immer mehr

Leute nach Berlin wollen, weil eshier dann

so günstig ist?

SPANN: Dasist einguter Punkt!

HOLM: Das sieht man jaanEberswalde

und Frankfurt (Oder), wo die Mieten noch

günstig sind: Günstige Mieten allein machen

eine Stadt nicht attraktiv. Menschen

kommen in Städte, weil es ihnen dort gefällt.

Dass jemand aus Paderborn sagt, es

gibt einen Mietendeckel in Berlin, also lass

unsdamal hinziehen, dashalte ichfür ausgeschlossen.

Entscheidungen zum Umzug

sind komplexer. Das spielen Familienverhältnisse

eine Rolle,die Arbeit, Ausbildung.

Wie erklären Sie sich die hohe Zustimmung

zur Forderung, Immobilienkonzerne zu enteignen?

HOLM: Der eskalierende Markt mit seinen

steigenden Ertragserwartungen hat viele

Mieterinnen und Mieter verunsichert. Öffentliche

und sozialisierte Wohnungsbestände

werden dabei als Sicherheit gesehen,

weil viele hoffen, dass dort nach sozialenVorgaben

undnicht nach Gewinnmaximierung

bewirtschaftet wird.Insbesondere

die sichtbare Lücke zwischen sehr günstigen

Bestandsmieten in alten Mietverhältnissen

und den deutlich höheren Neuvermietungen

verstärkt den Verdrängungsdruck.

Um die lockende Neuvermietungsmiete

zu erzielen, wird immer häufiger

Druck auf Mieterinnen und Mieter ausgeübt,

um Auszüge zu beschleunigen.

SPANN: Das machen wir nicht! Wir haben

14 000 Wohnungen in Berlin, in denen

20 000 Menschen wohnen. Wir üben keinenDruck

aufunsereMieter aus. Kein Mieter

wird bei uns verdrängt. Das würde gegen

unsereWerte verstoßen.

Es gibt mittlerweile berlinweite Treffen von

Akelius-Mietern, die sich vernetzen, weil sie

Probleme mit ihrem Vermieterhaben.

SPANN: Ich würde mir wünschen, dass sie

mit uns reden. Ich bin bereit, mich mit ihnen

zu treffen und zu helfen, ihreProbleme

zu lösen. UnsereTür steht offen.

HOLM: Verdrängungsangst ist keine Vermutung,

sondern eine soziale Tatsache. Es

gibt unzählige Berichte über angekündigte

Modernisierungsmaßnahmen, fiktive Eigenbedarfskündigungen.

Eine Studie der

Wüstenrot-Stiftung hat kürzlich die innerstädtischen

Umzüge in Berlin untersucht.

Fast 25 Prozentgaben an, dass sie verdrängt

wurden. Dasist die Realität.

SPANN: Die Enteignungskampagne sagt,

dass 500 000 Menschen nicht schlafen können,

weil sieAngst haben, ihreWohnung zu

verlieren. Unsere Mieter brauchen keine

Angst haben, ihre Wohnung zu verlieren.

Fiktive Eigenbedarfskündigungen oder

überzogene Modernisierungsmieterhöhung:

Das sind wir nicht. So etwas gehört

sich nicht und muss unterbunden werden.

HOLM: Der Mietendeckel unterbindet das

ja.

SPANN: Der Staat könnte die Infrastruktur

in die Außenbezirke verbessern, er könnte

Wohngeld vergeben, höher bauen, er

könnte Baugenehmigungen schneller erteilen,

er könnte mehr Bauland ausweisen.

Der Staat sollte Menschen mehr Wohngeld

geben, damit sie sich Akelius-Wohnungen

leisten können?

SPANN: Er sollte Menschen helfen, wenn

sie in finanzieller Not sind, um in ihrer

Wohnung zu bleiben. Der Mietendeckel

subventioniertdie Besserverdienende.

Interview: MarleneGürgen und KaiSchlieter

12,87 12,68 12,48 10,77 10,73 10,46 10,04

Ado Immobilien Vonovia Deutsche

Wohnen

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BLZ/GALANTY; QUELLE: MIETENWATCH


12 * Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Jugendlicher schwer verletzt.

Ein20-Jähriger hat am Montagabend

in Kreuzbergmit seinem Pkw

einen 17-Jährigen angefahren. Der

Autofahrer war gegen 20.15 Uhrin

der Adalbertstraße in Richtung Bethaniendamm

unterwegs.Beim

Linksabbiegen in die Oranienstraße

erfasste er den Jugendlichen, der auf

der Adalbertstraße mit einem Moped

unterwegs war.Das Opfer wurde

schwer an den Beinen, am Kopf und

am Oberkörper verletzt. DerAutofahrer

blieb unverletzt.

Lokal überfallen.

EinUnbekannter hat in der Nacht

zum Dienstag ein Lokal in Wilmersdorfüberfallen.

DerMann hatte kurz

vorein Uhrden Gastraum des Cafés

in der Holsteinischen Straße betreten.

Er bedrohte die 32 Jahrealte Angestellte

mit einer abgebrochenen

Bierflasche und forderte Geld. Ein

57-jähriger Gast stellte sich dem

Räuber entgegen. Dabei kam es zum

Gerangel zwischen beiden Männern.

Dabei wurde der 57-Jährige

leicht verletzt. DerTäter flüchtete

unerkannt ohne Beute.

Fabrikdach in Flammen.

In der Mecklenburgischen Straße in

Wilmersdorfbrach am Dienstagvormittag

auf dem Dach einer stillgelegten

Zigaretten-Fabrik ein Feuer aus.

DieFeuerwehr war mit 35 Beamten

im Einsatz. Siebenötigten eine

Stunde,umdie Flammen zu löschen.

Verletzt wurde niemand. Die

Brandursache ist noch unklar.Der

Rauch war kilometerweit in der Stadt

zu sehen. Gefahr für Anwohner bestand

nach Angaben der Polizei

nicht.

Die Besatzung eines Streifenwagens wurde

bei dem Unfall verletzt.

PUDWELL

Polizisten verletzt.

BeieinerVerfolgungsjagd mit der Polizei

sind in der Nacht zum Dienstag

in Köpenick zwei Polizisten verletzt

worden. Kurz nach Mitternacht war

ein 18-Jähriger mit einem Vanunterwegs.Der

Besatzung eines Streifenwagens

fiel das Auto auf, weil es ohne

eingeschaltete Scheinwerfer unterwegs

war.Versuche,den Autofahrer

zu stoppen gelangen nicht. Beim

Versuch aus der Puchanstraße nach

rechts in die Friedrichshagener

Straße abzubiegen, prallte der Jugendliche

gegen einen Funkwagen,

dessen Besatzung verletzt wurde.

Dem18-Jährigen, der mit einer

19 Jahrealten Begleiterin unterwegs

war,drohen nun Verfahren wegen

Fahrens unter Alkohol, wegen Fahrens

ohne Führerschein und illegalen

Autorennens.Der Pkw sowie der

Streifenwagen sind nicht mehr fahrbereit.

Radfahrer verhaftet.

In Pankowist am Montagnachmittag

ein Radfahrer gegen ein Auto geprallt.

Der62-jährige Autofahrer war

gegen 17.10 Uhrinder Masurenstraße

unterwegs.Als er rechts in die

Mühlenstraße abbog, stieß er frontal

mit einem Radfahrer zusammen, der

auf der Straße in entgegengesetzter

Fahrtrichtung fuhr und ihm entgegenkam.

Polizisten stellten bei der

Unfallaufnahme fest, dass der 32-

jährige Radler nach Alkohol roch. Er

wurde zur Blutentnahme in ein Polizeirevier

gebracht. Dortwehrte er

sich gegen die Alkoholkontrolle.Dabei

verletzte er einen Polizeibeamten

im Gesicht und am Bein. Nach der

Blutentnahme wurde er wegen eines

offenen Haftbefehls für die Kriminalpolizei

eingeliefert. (ls.)

Kunterbunt in Szene gesetzt

Verteufelter Götterbaum

Die EU hat das Gehölz aus Asien schon auf eine Bann-Liste gesetzt, denn es verbreitet sich rasant –auch in Berlin

VonAnnett Stein

In vielen Grünanlagen Berlins

hat der zweite Hitzesommer in

Folge deutliche Spuren hinterlassen:

So mancher Baum

kümmert vor sich hin, selbst genügsame

Birken tragen gelbes Laub.Dazwischen

aber:frisches Grün an langen

Wedeln, ausladende Kronen an

Stellen, an denen Monate zuvor

noch gar nichts wuchs.„Trockenheit

macht dem Götterbaum nichts aus“,

erklärtder Pflanzenökologe Ingo Kowarik

vonder Technischen Universität

Berlin. „Er ist ein Zukunftsbaum

mit Blick auf den Klimawandel.“

Biszuvier Meter wachse ein Götterbaum

jährlich, erklärt Kowarik.

Damit schieße das Gehölz so rasant

in die Höhe wie wohl kein anderer

Baum in Europa. Die Art mit dem

Fachnamen Ailanthus altissima

stammt ursprünglich aus China und

Vietnam. Seinen ZugumdieWelt begann

der Götterbaum Mitte des

18. Jahrhunderts, nach Europa gelangte

er zunächst als Zierpflanze.

Unizüchtet Gegengift-Pilz

Götterbäume wuchernauch im Gleisdreieck-Park.

Sein großer Vorteil: Er steckt nicht

nur Trockenheit, Dauerhitze und

dreckige Luft, sondern auch Schadstoffe

im Boden problemlos weg –

ein Traumbaum für streusalzüberhäufte

Straßenzüge und giftverseuchte

Industriegebiete.

In Städten wie Berlin und Dresden

wuchert die Art inzwischen vielerorts

üppig, auf Brachflächen und

in Parks ebenso wie an Straßenrändern

und neben Wasserläufen. Meterhohe

Jungbäume ragen aus dem

Gebüsch vor Wohnanlagen, umranden

über Hunderte Meter den Zaun

einer Sportanlage, sprießen aus

Bordsteinritzen und den kleinen unversiegelten

Flächen von Straßenbäumen.

Seinen Namen verdankt

der Götterbaum verwandten Exemplaren

auf einer indonesischen Inselgruppe,

die von den Einwohnern

als „bis zu den Göttern wachsend“

bezeichnet wurden.

Das Problem ist: Wo ein Götterbaum

Wurzeln schlägt, ist er kaum

mehr auszumerzen. Ein gefällter

Baum treibe erst recht neu aus, erklärt

Sandra Skowronek vom Bundesamt

für Naturschutz (BfN) in

Bonn. „Es ist schnell zu spät, ihn

wieder loszuwerden.“ Lange blieb

die Art auf Innenstädte als Wärmeinseln

beschränkt. „Ältere halten

minus 20 Grad aus, aber junge

Pflanzen sind frostempfindlich“, erklärt

Kowarik. Mit der Klimaerwärmung

sei zu erwarten, dass sich die

Gebiete,die der Artgünstige Bedingungen

bieten, deutlich vergrößern

werden, sagt BfN-Expertin Skowronek.

Experten sehen die heimische Biodiversität

bedroht. DieEuropäische

Union (EU) veröffentlichte Ende Juli

eine Verordnung mit einem Handels-

und Pflanzverbot für den Götterbaum.

Ailanthus altissima wurde

damit als erstes Gehölz überhaupt in

die Liste invasiver Arten mit EU-weiter

Bedeutung aufgenommen. „Es

werden von den Naturschutzbehörden

nun Managementpläne erstellt,

was man mit den vorhandenen Beständen

macht“, so Skowronek.

Wie engagiert in Europa bereits

gegen die Art vorgegangen wird, ist

regional verschieden. In Wien sei

DPA/ANNETTE STEIN

FESTIVAL OF LIGHTS

Wenn die Tage wieder kürzer werden, feiert Berlin die Lichtwochen –

die „Berlin Light Weeks“. Nach Einbruch der Dunkelheit verwandeln

sich die zentralen Plätze, Straßen und Wahrzeichen der Stadt in bunte

Lichtinstallationen. Los geht es an diesem Mittwoch mit dem Festival

„Berlin leuchtet“, das ab Freitag noch um das „Festival of Lights“ ergänzt

wird. Dieses steht vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls im November

unter dem Motto „Lights of Freedom“ –Lichter der Freiheit.

Dazu sollen auch Ministerien, Botschaftsgebäude, Bezirksrathäuser

und Kirchen mit Bildprojektionen ins Szene gesetzt werden. DieLichtkunstwerke

erinnern„an die hohe Bedeutung vonFreiheit und Demokratie

“, sagte Schirmherr Michael Müller (SPD), der Regierende Bürgermeister

vonBerlin. DieLichtwochen enden am 20. Oktober. (mow.)

2011 mit der Bekämpfung begonnen

worden, sagt Alexander Mrkvicka von

den Wiener Forstbetrieben. Mithilfe

eines von der Universität für Bodenkultur

gezüchteten Pilzes, der in das

Holz eingebracht werde, würden die

Bäume zum Absterben gebracht. Allein

2019 sei man auf diese Artbereits

rund tausend Götterbäume losgeworden.

Darüber hinaus seien Zehntausende

Jungpflanzen ausgerissen

worden. Dasfunktioniere, solange sie

nicht älter als ein Jahr seien, so Mrkvicka.

Ausseiner Sicht ist die Pflanzein

der Stadt inzwischen weitgehend unter

Kontrolle. Ein Problem seien die

privaten Gärten. „Es gibt durchaus

Leute,die den Baum lieben.“ Auch in

Spanien wird der Götterbaum schon

seit vielen Jahren bekämpft. Es gibt

zahlreiche Aktionen, oft unter Mithilfe

vonFreiwilligen.

Nahrung für Bienen

Auch in den Innenstadtbereichen

Brandenburgs hat der Götterbaum

eine neue Heimat gefunden. Der

Götterbaum bilde zahlreiche Samen

aus, die bei stärkeren Winden sehr

weit flögen. „Dadurch hat die Artein

sehr hohes Ausbreitungspotenzial“,

sagt Thomas Frey, Sprecher des

Brandenburger Landesumweltamtes.

Sämlinge seien dann auch im

weiteren Umfeld größerer Städte zu

finden. Durchschnittliche Winter

verhinderten ein feste Ansiedelung

außerhalb von Ortschaften bisher

aber weitestgehend, erklärtFrey.

Die kommenden Winter werden

mit entscheiden, ob und wie stark

sich das im Zuge des Klimawandels

ändert. „Mit dem Götterbaum werden

wir herausgefordert, über die

Natur nachzudenken und die Konsequenzen

unseres Handelns zu ertragen“,

sagt der Berliner Forscher Kowarik.

Für die deutschen Städte plädiert

erfür eine pragmatische Kosten-Nutzen-Analyse.

Nicht zu

vergessen sei, dass ein in der Stadt

wildwachsender Götterbaum ganz

ohne Kosten für Pflanzung und

Pflege die Luft säubere und kühle,

Schatten spende und Nahrung für

Bienen biete. (dpa)

Computervirus

beeinträchtigt

Gericht

Richter und Angestellte seit

Wochen ohne Internet

Nach einer Cyberattacke sind

die infizierten Computer im

Kammergericht Berlin weiterhin

ohne Internet. DasGericht wies am

Dienstag den Vorwurfzurück, nach

dem Virenbefall nicht schnell genug

gehandelt zu haben. Am 25.

September habe es die ersten Hinweise

auf den Angriff gegeben,

sagte ein Gerichtssprecher.Daraufhin

habe man das Computersystem

umgehend vom Internet getrennt.

Bei dem Virus handelt es sich

um die Schadsoftware „Emotet“,

wie eine Sprecherin des IT-Dienstleistungszentrum

Berlin (ITDZ)

sagte. Das Bundesamt für Sicherheit

in der Informationstechnik

(BSI) bezeichnet Emotet als „eine

der größten Bedrohungen durch

Schadsoftware weltweit“. Wie eszu

dem Virenbefall kommen konnte

und wie groß die Schäden sind, ist

noch unklar.

Der Berliner CDU-Sprecher für

E-Government, Stephan Lenz,

nannte den Fall „sehr beunruhigend“.

Dass die Dauer der Schadensbegrenzung

so lange dauere,

sei schwer zu akzeptieren, sagte er.

Der Betrieb im Gericht ist derzeit

erheblich eingeschränkt. Die Mitarbeiter

sind zwar per Telefon, Fax

und Post zu erreichen, nicht aber

per E-Mail, teilte das Gericht mit.

Dieinfizierten Rechner hätten weiterhin

keinen Internetzugang. Daher

bemühe man sich unter Hochdruck,

neue Computer zu beschaffen.

Was mit den alten Rechnern

geschehe,werde noch geprüft.

Angeblich befürchten einige

Mitarbeiter, dass der Virus auch

ihre privaten Rechner infiziert haben

könnte – etwa über USB-

Sticks oder das Arbeiten im Homeoffice.

(dpa)

Tochter

jahrelang

missbraucht

Mann gesteht zu Beginn

seines Prozesses

E

in 39-jähriger Berliner hat zu

Beginn seines Prozesses vor

dem Berliner Landgericht gestanden,

seine eigene kleine Tochter

über Jahre hinweg missbraucht zu

haben.

Der beschuldigte Mann gab außerdem

zu, kinderpornografische

Aufnahmen von dem Mädchen

amgefertigt und diese zum Teil

über das Internet verbreitet zu haben.

Nach der Entdeckung der Taten

habe er eine Therapie begonnen,

erklärte der Angeklagte zu

Prozessbeginn an diesem Dienstag.

Dem Vater werden 29 Fälle in

der Zeit von Januar 2011 bis Mai

2018 zur Last gelegt. Die Anklage

lautet unter anderem auf schweren

sexuellen Missbrauch.

Das Mädchen sei fünf Jahre alt

gewesen, als es zu ersten sexuellen

Übergriffen in der Wohnung des

Mannes in Hellersdorf gekommen

sei, so die Anklage. Mehr als

6100 kinder- und jugendpornografische

Dateien habe die Polizei

zudem bei einer Durchsuchung

der Wohnung des angeklagten

Mannes im Februar vergangenen

Jahres gefunden –„mit einer Gesamtspieldauer

von sieben Tagen“,

wie die Staatsanwältin am

Dienstag sagte.

Ein Hinweis von Brandenburger

Ermittlungsbehörden hatte

das Verfahren ins Rollen gebracht.

Der Prozess soll am 10. Oktober

fortgesetzt werden. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 13 *

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Berlin

Mutmaßlicher

Angreifer in

Psychiatrie

Zentralrat der Juden

kritisiert Staatsanwaltschaft

Der Mann, der am Freitag mit einem

Messer vorder Neuen Synagoge

in der Oranienburger Straße

aufgetaucht war, hat nach derzeitigen

Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft

kein islamistisches Motiv. Die

Ermittlungen dazu werden aber mit

Hochdruck weitergeführt, teilte die

Behörde am Dienstag auf Twitter

mit. Gegen den 23-Jährigen sei kein

Haftbefehl beantragt worden. Es

gebe keinen dringendenVerdacht einer

Straftat, nur den Anfangsverdacht

eines Hausfriedensbruchs.

Der Mann sei derzeit in einem

psychiatrischen Krankenhaus.

Der Mann hatte laut Polizei am

vergangenen Freitagnachmittag

eine Absperrung vorder Neuen Synagoge

in der Oranienburger Straße

überwunden, ein Messer gezogen

und sei auf die Sicherheitsleute zugelaufen.

Er habe sich trotz gezogener

Dienstwaffen geweigert, stehen

zu bleiben. Unterstützungskräfte

überwältigten den Mann schließlich.

Bis dahin war er laut Staatsanwaltschaft

strafrechtlich nicht aufgefallen.

Nach der Festnahme wurde der

23-Jährige am Sonnabend wieder

aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Bei der Durchsuchung seiner

Wohnung waren elektronische Geräte

und Unterlagen beschlagnahmt

worden.

DerZentralrat der Juden warfder

Staatsanwaltschaft Fahrlässigkeit

vor. Die rasche Freilassung des Täters

sei unfassbar, Berlin gehe fahrlässig

mit einem Anschlagversuch

auf eine Synagoge um, hatte der Präsident

des Zentralrats der Juden, Josef

Schuster, laut einer Mitteilung

vomMontag gesagt. (dpa)

Die Neue Synagoge in der Oranienburger

Straße in Mitte.

DPA

So werden sie aussehen, die Intercity-Züge, die ab März auf der neuen Verbindung eingesetzt werden.

Ruckzuck ans Wasser

Die Bahn verdoppelt ihr Zugangebot auf der Nord-Süd-Strecke. Nach Rostock geht es 40 Minuten schneller

VonPeter Neumann

Im Jahr 2001 war Schluss. Zum

letzten Mal fuhr ein Interregio

von Berlin nach Rostock. Die

Deutsche Bahn (DB) stellte die

Fernverkehrslinie zur Müritz und an

die Warnow ein, weil sie aus ihrer

Sicht zu wenig genutzt wurde. Jetzt

füllt sie die Lücke wieder:Zum Fahrplanwechsel

am 15. Dezember

nimmt die Intercity-Linie zwischen

Dresden, Berlin und Rostock den Betrieb

auf. Dashat Personenverkehrsvorstand

Berthold Huber am Dienstag

bekräftigt. Künftig wird sich das

Angebot auf dieser Route auf eine

Fahrt pro Stunde verdoppeln. Sparpreistickets

gibt es ab 17,90 Euro.

„Wir wollen Schritt für Schritt Angebot

und Kapazitäten des Schienenverkehrs

ausbauen. Reisezeiten

werden kürzer, Regionen rücken näher

zusammen“, kündigte Huber an.

Für Berlin ist die neue Intercity-Linie

das erste sichtbare Ergebnis der Angebotsoffensive,

die das Bundesunternehmen

2015 verkündet hatte.

Gratis-WLAN und Imbissservice

DasKonzept, das damals vomspäter

geschassten Vorstand Ulrich Homburgpräsentiertwurde,war

eine Reaktion

auf den zunehmenden Fernbusverkehr.„Wirwollen

nicht länger

schrumpfen, wir wollen wieder

wachsen“, so Huber. Städte, die nur

noch mit Regionalzügen erreichbar

sind, sollen wieder an den Fernzugverkehr

angeschlossen werden. Das

gilt auch für Ostdeutschland, wo die

Bahn in den 1990er-Jahren ein Interregio-Netz

aufgebaut hatte –dessen

Fahrgastzahlen aber hinter den Erwartungen

zurückblieben, weil viele

lieber Auto fuhren oder das Fernverkehrsticket

ihnen zu teuer waren.

Doch die neue Intercity-Linie

dient nicht nur Städten wie Oranienburg,

Neustrelitz und Waren (Müritz),

die bald wieder häufiger von

Fernzügen angesteuert werden.

Auch die Berliner profitieren. Das

neue Angebot entlastet die jetzigen

Züge nach Rostock und Dresden, die

an manchen Tagen überfüllt sind.

Die neue Nord-Süd-Expresslinie

im Osten Deutschlands wird inzwei

Stufen in Betrieb genommen. Los

geht es am dritten Advent mit bis zu

fünf Zugfahrten pro Tag und Richtung,

so Huber.„Sie werden verkehren,

wenn bei Pendlern und Touristen

die größte Nachfrage besteht.“

Eingesetzt werden Intercity-Wagen

der ersten Generation. Ab dem 8.

März2020 werden sie nach und nach

ausgetauscht –durch Fahrzeuge,die

gerade mal zwei Jahrealt sind.

Für eine ungenannte Summe (im

Gespräch sind 200 bis 360 Millionen

Euro)hat die DB vonder österreichischen

Westbahn 17 Zuggarnituren,

die von Stadler unter dem Markennamen

Kiss gebaut worden sind, gekauft.

Neun Garnituren werden auf

der neuen Intercity-Linie eingesetzt.

Merkmale der Vier-Wagen-Züge:

Höchstgeschwindigkeit 200 Kilometer

in der Stunde, rund 300 Sitzplätze,

jeder mit Steckdose, Gratis-

WLAN, Imbissservice am Platz, in

Neue Fernverkehrslinie der Bahn

Warnemünde

Rostock

Südkreuz

Waren (Müritz)

Doberlug-Kirchhain

(Halt wird noch

geprüft)

Neustrelitz

Oranienburg

Gesundbrunnen

Berlin Hauptbahnhof

Flughafen Berlin-

Schönefeld*/BER**

Elsterwerda

Dresden-Neustadt

Dresden Hauptbahnhof

*ab 8. Mai 2020

**voraussichtlich ab Oktober 2020

BLZ/GALANTY

zwei Bistros oder an Automaten,

Fahrradstellplätze. Die elektrischen

Doppelstockgarnituren aus Schweizer

Produktion sind nicht nur moderner

als die Züge,die zunächst auf

der neuen Fernverkehrslinie verkehren,

sie werden auch öfter fahren: bis

zu achtmal proTag und Richtung.

Laut Fahrplan wirddie Reise vom

Berliner zum Rostocker Hauptbahnhof

in den meisten Fällen eine

Stunde und 59 Minuten dauern.

Heute sind mit dem Regionalexpress

40 Minuten mehr einzuplanen. Für

Berlin–Dresden werden ebenfalls

eine Stunde und 59 Minuten veranschlagt.

Dasist etwas weniger als bei

den Eurocity-Zügen, die derzeit dort

FOTO: DB/PRIEGNITZ, BEARBEITUNG: N+P INDUSTRIAL DESIGN

rollen, und etwas mehr als bei den

Eurocity-Zügen im neuen Fahrplan.

„Das hat damit zu tun, dass sie öfter

halten“, erklärte Huber.Ab4.Mai

stoppen die neuen Intercity-Züge im

Bahnhof Flughafen Berlin-Schönefeld

SXF, der heutigen Flughafenstation.

Nach Eröffnung des BER (angekündigt

ist das für Oktober 2020) halten

sie stattdessen im Tunnelbahnhof

unter dem neuen Hauptstadt-

Airport, der damit ans Fernzugnetz

angeschlossen wird. Einen Halt gibt

es auch in Elsterwerda. Für Doberlug-Kirchhain

wird geprüft, ob die

Kiss-Züge dort stoppen können. Die

Bahnsteige sind noch nicht saniert.

Ab Maiweiter nach Warnemünde

Zum 17. Mai wird die neue Linie im

Norden verlängert: nach Warnemünde.Obwohl

die Züge nicht über

Potsdam fahren, wirddie Stadt profitieren:

Über Oranienburgund Schönefeld

soll es gute Anschlussverbindungen

geben, verspricht die Bahn.

Wie berichtet rollt ein Rostocker

Zugpaar über Nacht von und nach

Wien über Jena, Nürnberg und Regensburg.

Mit dem IC 94/95 erhält

Berlin eine weitere direkte Zugverbindung

in die österreichische

Hauptstadt.Der Grund: Fürdie Kiss-

Züge wird dieBahndie jetzige Werkstattnutzen–und

die liegt in Wien.

Peter Neumann

hofft, dass auch die neuen

Zügegut ausgelastet sind.

Sarrazin

muss

zahlen

Ex-Senator darf aber Teil

von Vorschuss behalten

Obwohl sein alterVerlag sein Buch

nicht veröffentlichen wollte, bekommt

Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin

keine Entschädigung. Darauf einigten

sich die beiden Parteien vor

dem Landgericht München I, sagte

ein Gerichtssprecher am Dienstag.

Der frühere Berliner Finanzsenator

und umstrittene Autordarfdemnach

aber einen Großteil der Vorschusszahlung

behalten. 75 000 Euro bleiben

laut Einigung vom Montag bei

ihm, nur 25 000 Euro muss Sarrazin

zurückzahlen.

Sarrazin zeigte sich erfreut über

dieVereinbarung.„Ich bin sehr zufrieden“,

ließ er über seinen Anwalt mitteilen.

DerBild-Zeitung hatte er zuvor

gesagt, das Geld mit einem weinenden

Auge zu zahlen. Eine Sprecherin

vom Verlag Random House sagte,

man habe ohnehin nicht damit gerechnet,

dass Sarrazins Forderungauf

Schadenersatz erfolgreich sein

werde. VorGericht einigten sich die

beiden Seiten zudem, Sarrazins Autorenvertrag

zu beenden.

Sarrazin hatte dem Verlag Rufschädigung

vorgeworfen, weil dieser

sein neues Werk nicht mehr habe

veröffentlichen wollen. Dabei habe

er inhaltlich geliefert, was der Verlag

bestellt habe, sagte der langjährige

SPD-Politiker in der Verhandlung im

Sommer 2018. Die Gegenseite hatte

argumentiert, das Manuskript habe

sich –wie jedes Werk des Autors –als

sehr arbeitsintensiv erwiesen. In der

damaligen Fassung sei es nicht publikationsfähig

gewesen. Beide Seiten

hatten die Zusammenarbeit schließlich

beendet.

Das Buch „Feindliche Übernahme

– wie der Islam den Fortschritt

behindert und die Gesellschaft

bedroht“ ist mittlerweile bei

einem anderen Verlag erschienen.

Gegen den 74-Jährigen läuft ein

Parteiausschluss-Verfahren. Das

Parteigericht des SPD-Kreisverbandes

Charlottenburg-Wilmersdorf, in

dem Sarrazin Mitglied ist, hatte im

Juli für einen Ausschluss des Senators

plädiert und war damit einem

Antrag der Parteispitzegefolgt.

Allerdings ist die Entscheidung in

erster Instanz nicht rechtskräftig.

Sarrazins Anwalt hat angekündigt,

sein Mandant werdeBerufung einlegen

und notfalls durch alle Instanzen

bis zum Bundesverfassungsgericht

gehen. Bis dort eine Entscheidung

fällt, könnte es Jahredauern. (dpa)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Berlin

Humor als Schutzschild

LOUIS-JULIEN PETIT

hat als Regisseur von„Der Glanz der

Unsichtbaren“ in Frankreich einen

Filmhit gelandet. Über die Buchvorlage

zu seinem Film, dessen

Deutschlandpremiere amDienstagabend

in Anwesenheit der Darsteller

Adolpha van Meerhaeghe und

Quentin Faure imInternational gefeiert

wurde, sagt er: „Ich durfte in

eine sehr menschliche Geschichte

mit vielen tragikomischen Elementen

eintauchen.“

Im Mittelpunkt stehen weibliche Obdachlose.

„Frauen voller Widersprüche,

die einen verzaubern und zur

Verzweiflung bringen können: Filmheldinnen.

Es gibt sehr wenige Filme,

die dieses Thema ausgehend vonder

Erzählung der Protagonisten behandeln.“

ZurVorbereitung auf den Film,

der am Donnerstag in den deutschen

Kinos startet, besuchte der Regisseur

Unterkünfte wohnungsloser Frauen

in ganz Frankreich.

Dabei sprach er mit ihnen und den

Sozialarbeiterinnen: „Mir wurde

bald klar, dass ich mich in meinem

Film auf das tägliche Miteinander

dieser zwei Frauengruppen konzentrieren

wollte,die in der Gesellschaft

,unsichtbar’ sind.“ Undzwar als Komödie:

„Ich wollte mich dieser Welt

durch komische und berührende Si-

In „Ronny&Klaid“ spielt Sahin Eryilmaz

einen Späti-Betreiber.

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Im Kino International und im

Sony-Center werden zeitgleich

Premieren gefeiert

Feierten Premiere von „Der Glanz der Unsichtbaren“: Regisseur Louis-Julien Petit mit

den DarstellernAdolpha van Meerhaeghe und Quentin Faure (r.). CHRISTIAN SCHULZ (3)

Franz Dinda ist ab Donnerstag ebenfalls in

„Ronny&Klaid“ zu sehen.

tuationen nähern, ohne die dramatische

Wirklichkeit aus den Augen zu

verlieren, um die es geht. DerHumor

funktioniert dabei wie eine Art

Schutzschild.“

SAHIN ERYILMAZ &FRANZ DINDA

spielen in der Buddy-Komödie

„Ronny & Klaid“ Freunde, die in

Neukölln einen Späti betreiben. Am

Rande der Premiere am Dienstagabend

im Cinestar im Sony-Center

erzählten sie, dass sie im richtigen

Leben nach dieser Erfahrung zwar

keine Späti-Betreiber geworden

sind, aber Freunde. Eryilmaz: „Und

zwar echte, das ist keine PR-Nummer.“

Dinda ergänzt: „Das passt wie

Arsch auf Eimer.“

DieFrage,abwelcher Zuschauerzahl

sie vorFreude eine Flasche Schaumwein

entkorken, beantworten die

beiden extrem unterschiedlich.

Dinda geht bescheiden ran: „Ab

1000!“ Sein Kumpel Sahin denkt

größer: „Bei 500 000 Zuschauern

mache ich ein fettes Grillfest.“ Dinda

amüsiert sich über die Ansage und

ergänzt sie um eine entscheidende

Information: „Es gibt nur 38 Kopien

vom Film, da wird erwohl um seine

Grillparty herumkommen.“ Am

Donnerstag startet „Ronny &Klaid“

in den Kinos.

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Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 15 *

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Brandenburg

NACHRICHTEN

Prozess um Leugnung

des Holocaust geplatzt

DerProzess gegen einen Mann aus

Baden-Württemberg, der in der Gedenkstätte

Sachsenhausen die Existenz

vonGaskammerninAbrede gestellt

haben soll, ist wegen einer Justizpanne

geplatzt. Der69-Jährige

und sein Anwalt waren am Dienstag

nicht zu dem Prozess wegen Volksverhetzung

und Störung der Totenruhe

vordem Amtsgericht Oranienburgerschienen.

DieVorsitzende

Richterin konnte zu Beginn der Verhandlung

aber auch nicht feststellen,

dass die Ladung dem Angeklagten

rechtzeitig zugegangen war.Der

Mann gehörte zu einer Gruppe aus

dem Wahlkreis der AfD-Bundestagsabgeordneten

Alice Weidel, die die

Gedenkstätte im Juli 2018 besucht

hatte. (dpa)

Wilke-Wurst auch

in Brandenburg

Produkte des nordhessischenWurstherstellersWilke,indenen

Listerien-

Keime entdeckt worden waren, sind

nach Einschätzung desVerbraucherschutzministeriums

auch nach Brandenburggelangt.

Entsprechend den

rechtlichenVorschriften würden die

Produkte aus demVerkehr gezogen,

sagte Ministeriumssprecher Uwe

Krink am Dienstag der Deutschen

Presse-Agentur.„Wirgehen davon

aus,dass die Rückrufaktionen laufen.“

DasMinisterium schätzt, dass

Produkte an mehrereHandelsketten

gingen. Genaue Zahlen über die Produkte

wurden nicht genannt. (dpa)

A11 bis Donnerstag in

Richtung Berlin gesperrt

Autofahrer müssen sich bis Donnerstagmorgen

auf Behinderungen

auf der Autobahn A11 einstellen. Am

Dienstag und am Mittwoch wirdab

18 Uhrbis jeweils 6Uhr des Folgetages

die Strecke zwischen den Anschlussstellen

Lanke undWandlitz in

Richtung Berlin gesperrt, teilte der

Landesbetrieb Straßenwesen mit.

Grund sei die Instandsetzung des

rechten Fahrstreifens. (dpa)

Trauben statt Kohle

Lausitzer Weine gelten noch immer als exotisch. Dabei reicht die Winzer-Tradition bis ins Mittelalter zurück

VonSilkeNauschütz, Cottbus

Märkischer Erde Weinerträge

– gehen

durch die Kehle wie

’ne Säge“ – so sollen

Studenten der Viadrina Universität

in Frankfurt (Oder) im 16. Jahrhundert

über den Brandenburger Wein

gespottet haben. Was sie damals

wohl meinten, war die fehlende

fruchtige Süße und Qualität des beliebten

Traubensafts.

„Weit gefehlt“, sagt Claudia Körner.

Die Hobby-Winzerin muss es

wissen, denn sie betreibt auf der

Raunoer Hochebene nahe Senftenberg

(Oberspreewald-Lausitz) einen

der kleinsten Weinberge Brandenburgs.Auf

einer Fläche von400 Quadratmetern

baut die 65-Jährige sieben

alte Rebsorten an. Die Stadt

hatte der Senftenbergerin 2004 eine

Fläche zur Verfügung gestellt, die sie

urbar machte. Auf dem Gebiet holten

bis 1989 noch Bagger Braunkohle

aus der Erde.

„Brandenburghat über 2000 Sonnenstunden

im Jahr, meines Wissens

nach ist das durchaus mit Franken zu

vergleichen“, sagt Körner.Wein brauche

viel Sonne,damit sich der Fruchtzuckergehalt

erhöhe und die gebe es

genügend. Nach Angaben des Agrarministeriums

bietet die kontinentale

Lage im Sommer sogar einige Sonnenstunden

mehr als in den bekanntenWeinanbaugebieten

Rheinhessen

oder Rheinland-Pfalz.

In diesem Jahr hat Claudia Körner

ihren Ertrag um 35 Prozent steigern

können. 330 Kilogramm Wein hat sie

geerntet, darunter Sorten wie Frühmuskat,

Angostenga und Tauberschwarz–eine

Rotweinsorte.Imvergangenen

Jahr waren es noch 120 Kilogramm.

ZumVergleich: Auseinem

Kilogramm Trauben kann etwa eine

Flasche Wein gewonnen werden.

Stolz ist sie vor allem auf die selbstgebaute

Wasser-Tröpfchenanlage,

die über die Trockenheit der vergangenen

Monate half.

„Wir wollen denWeinanbau mehr

als Tradition betrachten“, sagt die

Winzerin, die auch Vereinsvorsitzende

der Senftenberger Weinfreunde

ist. Im 12. Jahrhundert hät-

Laut Statistik gibt es in der Lausitz mehr Sonnenstunden als am Rhein.

ten die Zisterziensermönche den

Weinanbau ins Land gebracht. Um

1416 sei der erste Wein in der Stadt

erwähnt worden. „Vom Mittelalter

bis Anfang 1980 wurde in der Region

auf etwa 40 Hektar Wein angebaut.

Dann kam der Bergbau“, beschreibt

Körner den damaligen Rückgang des

Weinanbaus. Heute bauten etwa 30

Brandenburger Winzer auf insgesamt

40 Hektar wieder Wein an.

Weinbauer Jürgen Rietze aus Luckau

(Dahme-Spreewald) klingt auf

die Frage nach seinen Anbauerfolgen

verhaltener. Die vergangenen zehn

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Jahreseien nicht einfach gewesen. Im

Jahr 2009 blieb nach einem schweren

Winter keine Rebe übrig. Der Mittsechziger

gab nicht auf und erweiterte

seine Weinanbaufläche auf 0,7

Hektar.2010 wurde er für sein Durchhalten

belohnt und vom Berliner

Weinführer für seinen Wein der Rebsorte

Solaris prämiert, wie er nicht

ohne Stolz erzählt. 2011 vernichtete

einen Tagvor der Weinlese ein Hagelschlag

einen Großteil der Ernte.

Rietzemachte weiter –mit Erfolg.

2018 war sein bestes Jahr mit einem

Ertrag von etwa 5000 Kilogramm

Wein. Seine Sorten wie etwa die weißen

Rebsorten Solaris oder Johanniter

seien Neuzüchtungen und sehr

widerstandsfähig gegen Pilzbefall,

erklärter. „Somuss ich auch weniger

mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten.“

Nurgegen dieWaschbären sind

auch die Reben machtlos.„DieTiere

haben weitergeerntet“, resümiert

Rietze. Deshalb und auch wegen der

Fröste im April habe er in diesem

Jahr nur einen Ertrag von1500 Kilogramm

erzielen können.

Hubert Marbach ist als Weinbauer

etabliertinder Region. Als der

Rheinländer vor über zehn Jahren

nach Jerischke (Spree-Neiße) ins

Neiße-Meixtal zog, entdeckte er auf

einer historischen Karteeinen eingezeichneten

Weinberg mit Südlage.

EinWinzer hatte ihn im 19. Jahrhundert

aufgegeben. Als Sohn eines

Winzers machte Marbach Bodenproben,

brachte zur Verbesserung

der Bodenqualität Kalk und Stickstoff

in die Erde.

„Wolfshügel“ heißt sein Weinberg.

Bei der Bewirtschaftung hatte

Marbach mal in der FerneeinenWolf

heulen hören. Auch seine Sorten Regent,

Solaris, Johanniter müssen

nicht oft gespritzt werden und sind

widerstandsfähiger gegen Frost und

Schädlingsbefall. „Ich versuche,

nach ökologischen Maßstäben anzubauen“,

sagt Marbach. Die Reben

düngt er unter anderem auch mit

Pferde- und Ziegenmist. Als Tribut

an die Heimat hat er auch einen

Riesling unter den Rebsorten.

Marbachs Weine werden in einigen

Hotels und Restaurants der Region

angeboten. Auch aus anderen

Bundesländern kommen Anfragen.

Seine Winzerkollegen Rietze und

Körner bieten wie andereWinzer der

Region ihre Weine auf Festen, Ausstellungen

und Märkten an. Siewünschen

sich noch eine stärkereUnterstützung

von der einheimischen

Gastronomie und mehr Bewusstsein

für Regionalität. Claudia Körner

spricht darüber mit den Kunden.

„Wir arbeiten intensiv daran und

sprechen mit den Bürgern oft über

regionale Produkte, damit das Geld

hierbleibt und die Landschaft hier

leben kann.“ (dpa)

Polizei rätselt

nach Todvon

Vater und Sohn

Leichen der Männer sollen

obduziert werden

Nach dem Todeines Vaters und

seines Sohnes in Frankfurt

(Oder) sind die Hintergründe des

Vorfalls vom Montag weiter unklar.

DieLeichen der 52 und 83 Jahrealten

Männer sollten am Dienstag obduziert

werden, sagte ein Sprecher der

Polizeidirektion Ost. Ursprünglich

war die Obduktion für Mittwoch angesetzt

gewesen.

Eine Mordkommission hatte

nach dem Vorfall die Ermittlungen

übernommen. Ob von einem Gewaltverbrechen

auszugehen sei, sollten

die weiteren Untersuchungen

klären, sagte der Polizeisprecher.Offen

sei auch, ob möglicherweise

noch weitereMenschen beteiligt gewesen

seien.

Der 52-Jährige war den Angaben

zufolge am frühen Montagmorgen

aus dem vierten Stock eines Wohnhauses

im Traubenweg gestürzt. Polizeibeamte,die

um 7.10 Uhrgerufen

worden waren, fanden den Mann auf

dem Gehweg hinter dem Haus. Die

Polizei geht davon aus, dass er an

den Folgen des Sturzes starb. Den

83-jährigen Vater des Mannes fanden

die Beamten tot in der Wohnung

im obersten Stockwerk des Hauses.

Vater und Sohn lebten nach Polizeiangaben

gemeinsam in der Wohnung.WeitereDetails

machte die Polizei

zunächst nicht. (dpa)

Am Montagmorgen wurde am Traubenweg

die Leiche eines Mannes gefunden. MOZ

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Die Redaktion behält sich das Recht

sinnwahrender Kürzungen vor.

Wieder beginnt es mit

Ungehorsam und Gewalt

Titel: „Ruhender Verkehr“ von Fabian

Boerger,Sebastian Stein und Jan

Sternberg

(8. Oktober)

Genau wie die 68er fühlen sie sich als

Speerspitze einer damals von Kapitalisten

ausgebeuteten Menge und

heute von einem naturausbeutenden

System. Wieder beginnt es mit

Ungehorsam und Gewalt gegen Sachen.

Schmal ist hier aber der Grad

zu Gewalt gegen Menschen.

Genau wie damals irrtdie Gruppe

im Glauben, die Massen zu vertreten.

Die Mehrheit will nicht aus den

Fängen des Kapitalismus befreit

werden, der ihnen Wohlstand und

gutes Leben bringt.

Jörg Meyer,Berlin-Spandau

Diese Truppe als Klimaaktivisten zu

bezeichnen, ist ein Hohn. Sie tun

nichts für das Klima. Sie versuchen,

Unordnung zu stiften und das über

viele Jahre herausgebildete Zusammenleben

in unserer Gesellschaft

(was schwierig genug ist) zu stören.

Wenn nicht sogar zu zerstören.

Werner Töpfer,per E-Mail

Willkürliche Straßenbesetzungen

sind Gesetzesverstöße, die zu ahnden

sind. Was bei uns jedoch gemacht

wird, ist seitens der Politik zuzuschauen.

Damit werden so unkontrollierte

Maßnahmen geduldet.

W. Gerlach, per E-Mail

Ein Briefträger der Deutschen Post

Mangelhafte elektronische Infrastruktur

Meinung: „Zukunft der Post: Mutige Politiker sind gefragt“ von Frank-Thomas

Wenzel

(2. Oktober)

Die Entstehung des Staatsbetriebes als staatliche Behörde begann aus

einem sehr guten Grund, der sich noch längst nicht überlebt hat: alle

Orte in Deutschland mit schriftlicher Kommunikation zu erreichen

und zu versorgen. Gerade die staatliche Verwaltung ist eine der letzten

Verlusterfahrung mit Traumapotenzial

Titel: „Ein Land. Mein Land?“ von Jochen

Arntz

(2. Oktober)

Bei aller Unausweichlichkeit des geschichtlichen

Ganges der Dinge eine

verinnerlichte Verlusterfahrung mit

Traumapotenzial. Wer mit offenen

Augen und Ohren durch den Osten

geht, weiß das.

Sven Hüber,per E-Mail

Das zulesen tut gut. In Freiheit und

Demokratie zu leben, ist etwas Großartiges.

Diese Güter zu erhalten, dafür

lohnt es sich einzutreten. Wenn

es aber zugleich die eigene Geschichte

nicht mehr geben darf, tut

das schon weh. Jetzt scheint der Weg

geöffnet zu werden, die Ungleichung

der vergangenen 30 Jahre „DDR ist

gleich Stasi und SED-Diktatur“

durch die Gleichung zu ersetzen, in

die auch die Werte und Lebensformen

aufgenommen werden, die von

den Menschen geschaffen wurden,

die in der DDR gelebt haben.

Werner und Christa Stöhr,per E-Mail

Ich bin von den heutigen persönlichen

Aussagen unter der Überschrift

Institutionen, die immer noch aus verschiedensten Gründen auf diese

Kommunikationsform setzt und dazu verpflichtet ist. Besonders im

ländlichen Raum gibt es mangelhafte elektronischen Infrastruktur.

Eine Zustellung vonBriefen an sechs Tagen in derWoche ist notwendig,

solange sich Institutionen auf eine bestimmten Postlaufzeit juristisch

berufen können. All das hat der Staat sicherzustellen.

Rainer Sommer,Berlin-Prenzlauer Berg

„Ein Land. Mein Land?“ begeistert.

Insbesondere die Differenziertheit

und Ausgewogenheit der Aussagen,

an einer Stelle, wosonst üblicherweise

Schwarz-Weiß-Denken vorherrscht,

ist großartig.

Manfred Fröbel, per E-Mail

Vielen Dank für diese kluge aus eigener

Erfahrung der Redakteure geschriebene

Doppelseite.Selten kann

man in der heutigen Zeit solche Floskel-

und stasifreien Artikel genießen.

Karola Hinze,

per E-Mail

DPA

Es ist richtig: Ostdeutsche

hatten es schwerer

Titel: „Die Ostdeutschen hatten es

schwerer“

(4. Oktober)

Es nervt, ist arrogant, aber dennoch

richtig: Die Ostdeutschen hatten es

schwerer! Die Westdeutschen dagegen

brauchten nichts tun, nichts

wissen, nicht handeln! An den allermeisten

ging die Vereinnahmung

des Ostens spurlos vorbei.

Wolfgang Schlenzig,

Berlin-Mariendorf

Vater warheimatvertrieben,

er stammte aus Danzig

Meinung: „30 Jahre Mauerfall: Wasist

Heimat? Ein Projekt für uns alle“ von

Aleida Assmann

(28.09.2019)

Unser Vater stammte aus Danzig,

war somit Heimatvertriebener, siedelte

dann, als er hörte,seine Mutter

wäre inMecklenburg angekommen,

aus Bayern dorthin. Er kehrte auch

der DDR den Rücken, als er gezwungen

werden sollte, als Journalist

seine Kollegen vom „Demokrat“(CDU-Zeitung

in Mecklenburg-

Vorpommern) zu bespitzeln.

Rüdiger Schlagowski, Berlin-Pankow

Die Trauer ist wie andere

Gefühle auch ansteckend

Magazin: „Leben &Sterben: Trauer ist

eine egoistische Kuh“ von Eric Wrede

(5. Oktober)

Dasist tapfer und erhellend, aus der

heiligen KuhTrauer eine„egoistische

Kuh“ zu machen. Zwar ist Trauer wie

andere Gefühle auch ansteckend,

und bei derartigen Resonanzphänomenen

ist das Ich nie ganz Herr im

eigenen Haus. Aber es gibt auch bei

Trauergemeinden eine Gruppendynamik.

Da sind dann mit Konkurrenzen

um die erhabenste oder die

tiefste Trauer zu beobachten. Dabei

kann die Trauer im Dienste ganz anderer

Motivestehen.

Christoph Seidler,Berlin

Bei der Miete eine Fünf-

Prozent-Klauseleinführen

Berlin: „Mietendeckel: Diskussion in

der heißen Phase“

(8. Oktober)

Natürlich muss auch eine Reduzierung

der Mieten möglich sein. Das

hat natürlich mit Umsicht zu erfolgen

und darfnicht zu einem Kampfinstrument

werden. Aber es wird

doch in erster Linie die treffen, die

schon jetzt die Vermietung nur zum

grenzenlosen Gewinnmaximieren

genutzt haben.

Am besten wäreesüberhaupt, die

Miete an den Verbraucherpreisindex

des Monats des Abschlusses des

Mietvertrages zu binden und eine

Fünf-Prozent-Klausel einzuführen.

Das wäre fair für Mieter (die hätten

eine Sicherheit) undVermieter.Noch

dazu, weil der Verbraucherpreisanstieg

die Grundlage für viele Bereiche

bildet, unter anderem auch der

Lohnerhöhungen.

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Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 17

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Wissenschaft

TYPEN VON EXOPLANETEN

Beispiele entdeckter Planeten aus verschiedenen Systemen

Exoplaneten sind Planeten außerhalb des vorherrschenden gravitativen Einflusses

der Sonne. Sie gehören also nicht unserem Sonnensystem an, sondern einem

anderen Planetensystem und umkreisen einen anderen Stern, oft Hunderte bis

Tausende Lichtjahre von der Erde entfernt.

Als habitable Zone bezeichnet

man im Allgemeinen den Abstandsbereich, in dem sich ein

Planet vonseinem Zentralgestirnbefinden muss, damit

Wasser dauerhaft in flüssiger Form als Voraussetzung

für erdähnliches Leben auf der Oberfläche vorliegenkann.

zu warm

HABITABLE

ZONE

zukalt

LAVA-PLANET

ist eine Welt, die

vollständig mit Lava

bedeckt ist.

Masse:

kleiner als 9Erdmassen

(z. B. 55 Cancri e)

HEISSER JUPITER

Gasriese, jupiterähnlich,

die Oberflächentemperatur

ist deutlich höher

als die des Jupiter.

Masse:

etwa 0,5 Jupitermassen

(z. B. 51 Pegasi b)

HEISSER

NEPTUN

Planet vom Typ

der kleineren

Gasplaneten

wie Uranus

oder Neptun.

Bewegt sich

auf einer

wesentlich

kleineren

Umlaufbahn

um seine

Sonne.

Masse:

etwa 22

Erdmassen

(z. B. Gliese

436 b)

MINI-

NEPTUN

Dichte

Wasserstoff-

Helium--

Atmosphäre.

Mini-Neptune

besitzen

kleine Kerne

aus flüchtigen

Stoffen mit

geringer

Dichte.

Masse:

bis zu 2,3

Erdmassen

(z. B. Kepler-

11f)

WASSER-

WELT

die

Oberfläche

ist zu

großen

Teilen oder

sogar

vollständig

von Wasser

bedeckt.

Masse:

etwa 6,55

Erdmassen

(z. B. GJ

1214b)

SUPER-

ERDE

muss

mindestens

so

schwer

sein wie

die Erde,

aber

leichter

als der

Uranus.

Masse:

das 1- bis

14-Fache

der Erdmasse

ERDÄHNLICHER

PLANET

Gleicht in seinemAufbau

der Erde, bestehtaus festen

Bestandteilen und hat

zumeist einen Schalenaufbau

(Eisenkern im

Zentrum, Mantel, Kruste,

Atmosphäre, Hydrosphäre).

Masse:

ähnelt der Erde, ebenso

die durchschnittliche Dichte

GASRIESE

besteht

überwiegend

aus leichten

Elementen wie

Wasserstoff und

Helium, mit

einen geringen

Anteil an

schwererem

Material.

Masse:

etwa 320 Erdmassen

(z. B. Jupiter)

STEPPEN-

WOLF-

PLANET

EISPLANET

besteht

überwiegend

aus Wasser

und leichten

Elementen,

kann aber auch

einen felsigen

Kern besitzen.

Masse:

5Erdmassen

(z. B. OGLE-

05-390L b)

treibt losgelöst von einem

Stern und dessen Planetensystem

frei durchs All.

BLZ/GALANTY

Ferne Welten, neue Sichten

Der Physik-Nobelpreis geht an drei Wissenschaftler,die dieEntwicklung des Universums erforschten und den ersten Exoplaneten entdeckten

VonTorsten Harmsen

Drei Astrophysiker, die

entscheidend zur Erforschung

des Universums

beigetragen haben, erhalten

den diesjährigen Nobelpreis

für Physik. „Ihre Entdeckungen haben

unsere Vorstellungen von der

Welt für immer verändert“, hieß es in

der Begründung des Nobelkomitees

bei der Verkündung am Dienstag in

Stockholm.

DieHälfte der mit neun Millionen

schwedischen Kronen – umgerechnet

ungefähr 830 000 Euro –dotierten

Auszeichnung geht an den in den

USA arbeitenden Kanadier James

Peebles für seine grundlegenden Beiträge

zur Kosmologie. Die zweite

Hälfte teilen sich die Schweizer Michel

Mayorund Didier Quelozfür die

Entdeckung von Exoplaneten. Die

Nobelpreise werden am 10. Dezember,

dem Todestag des Stifters Alfred

Nobel, in Stockholm verliehen.

Die Arbeiten von James Peebles

hätten die Grundlage für die Transformation

der Kosmologie in den

vergangenen fünfzig Jahren gelegt –

von der Spekulation zur Wissenschaft,

heißt es in der Begründung.

„Sein theoretischer Rahmen, der seit

Mitte der 1960er-Jahre entwickelt

wurde, ist die Grundlage unserer

zeitgenössischen Vorstellungen vom

Universum“, so die Nobel-Juroren.

Das Universum entstand vor fast

14 Milliarden Jahren und war zunächst

extrem heiß und dicht, wie es

in der Darstellung heißt. Knapp

400 000 Jahre nach dem Urknall

wurde es transparent, Lichtstrahlen

konnten durch den Raum wandern.

James Peebles sagte 1964 zusammen

mit anderen voraus, dass der Urknall,

wenn es ihn wirklich gegeben

habe, eine kosmische Reststrahlung

hinterlassen haben müsse, die der

Strahlung eines schwarzen Körpers

mit einer Temperatur von etwa drei

Kelvin entspreche. Die Bestätigung

folgte prompt. Die sogenannte kosmische

Hintergrundstrahlung

wurde zufällig vonzweianderen Forschern

entdeckt, als diese eine neue

empfindliche Antenne testeten. Die

beiden, Arno Penzias und Robert

Woodrow Wilson, erhielten dafür

schon 1978 den Nobelpreis.

DasMeiste ist unsichtbar

Peebles hat mit seinen Beiträgen also

die Urknall-These bestätigt. Er erforschte

auch die Strukturbildung im

frühen Universum – die Verteilung

von Galaxien und Galaxienhaufen,

die vonden 70er-Jahren an mit Computern

genauer bestimmt werden

konnte. Und er befasste sich mit

dunkler Materie und dunkler Energie,

also dem, was man nicht sieht, aber

den größten Teil des Universums ausmacht.

Schon Ende der 70er-Jahre

wies Peebles in kosmologischen Modellen

große Mengen an dunkler Materie

in den Halos der Galaxien nach.

Halos sind annähernd kugelförmige

Bereiche rund um die Galaxien.

Die Ergebnisse der Arbeiten von

Peebles zeigten laut Darstellung der

Nobel-Juroren „ein Universum, in

James Peebles: Der gebürtigeKanadier

wurde 1935 in

Winnipeg geboren. Seit

1962 arbeitete er an der

Princeton University in den

USA, wo er heute emeritierter

Professor ist.

DIE PREISTRÄGER

Didier Queloz: DerSchweizer

Astronomwurde1966 geboren.

Er entdeckteals Doktorand

mit MichelMayor den

ersten Exoplaneten. Seit

2013ist er Professorfür PhysikinCambridge

und Genf.

Zeichnung des 1995 entdeckten Exoplaneten 51 Pegasi b.

MichelMayor: Der Astronom,

1942 in der Schweiz geboren,ist

seit1984 Professor

an der UniversitätGenf,seit

seiner Emeritierung 2007 Honorarprofessor.Didier

Queloz

warsein Doktorand.

PHY.PRINCETON.EDU; KEYSTONE; DPA

ESO/M. KORNMESSER/N. RISINGER

dem nur fünf Prozent seines Inhalts

bekannt sind“, und zwar die sichtbareMaterie.Zudieser

gehörten die

„Sterne,Planeten, Bäume –und wir“.

Dierestlichen 95 Prozent bestünden

aus unbekannter dunkler Materie

und dunkler Energie. „Dies ist ein

Rätsel und eine Herausforderung für

die moderne Physik.“

Auf andere Weise haben die

Schweizer Astronomen Michel Mayor

und Didier Queloz unsere Weltsicht

erweitert. Beide forschten am

Departement für Astronomie der

Universität Genf, als ihnen die Entdeckung

des ersten Exoplaneten gelang.

Damit sind Planeten außerhalb

unseres Sonnensystems gemeint,

die zu fernen Sternen gehören.

Didier Queloz erzählte einmal,

wie die Entdeckung vorsich ging. Als

junger Doktorand in Genf suchte er

eigentlich nach sogenannten Braunen

Zwergen –kleinen, weniger heißen

und weniger leuchtenden Verwandten

der Sterne. Erentwickelte

dafür eine Software für einen Spektrografen.

Bei seinen Messungen

stieß er aber bei einem Himmelsobjekt

im Sternbild Pegasus auf Dinge,

die die gängige Theorie nicht erklären

konnte. „Wasich sah, war komplett

verrückt“, sagte er 2015 der

NeuenZürcher Zeitung.

Queloz vermutete, dass er einen

neuen Planeten außerhalb des Sonnensystems

gefunden habe. Er zog

seinen Doktorvater Michel Mayorins

Vertrauen. Beide verkündeten am 6.

Oktober 1995 auf einer Tagung in Florenz,

dass sie den ersten Exoplaneten,

der um einen sonnenähnlichen Stern

kreist, nachgewiesen hätten.

Der hochauflösende Spektograf

hatte leichte regelmäßige Veränderung

der Umlaufgeschwindigkeit

des 50 Lichtjahre von der Erde entfernten

Sterns 51 Pegasi erkennen

lassen. Später wurde der Stern Helvetios

genannt. Die Abweichungen

deuteten darauf hin, dass ein naher,

schwerer Himmelskörper den Stern

umkreist. Die erfassten Daten ergaben,

dass es sich um einen riesigen

Planeten handelt, der den Stern in

etwa vier Tagen umrundet. Er wurde

51 Pegasi bbenannt und erhielt später

den Namen Dimidium, was „die

Hälfte“ bedeutet und darauf hinweist,

dass er die halbe Massedes Jupiters

besitzt.

Seit der Entdeckung dieses ersten

„Heißen Jupiters“, wie Exemplare

dieser Art genannt werden,

wurden mehr als 4000 weitere Exoplaneten

in der Milchstraße gefunden.

Sie zeigen eine fantastische

Vielfalt an Welten und lassen das

Bild vom Universum fremdartiger

und wundervoller erscheinen, als

wir es uns je vorstellen konnten, wie

ein Nobel-Laudator sagte.

Gerade wurde Didier Queloz gemeinsam

mit Michel Mayor in einem

Comic verewigt, mit dem

Schweizer Schüler an die Astrophysik

herangeführt werden sollen.

Darin ist er neben einem kleinen

rundlichen Mayor als langer Lulatsch

zu sehen. Barfuß sitzen die

beiden auf einer Wiese und stoßen

auf ihreEntdeckung an. (mit dpa)

Ein strahlender Beginn

Die Geschichte des Physik-Nobelpreises startet 1901 mit Wilhelm Conrad Röntgen. Bis heute wurden insgesamt 212 Physiker geehrt

VonTorsten Harmsen

Der Physik-Nobelpreis ist eine Erfolgsgeschichte

für deutsche

Forscher –zumindest in den ersten

Jahren. Hier erscheinen all jene, auf

die sich heute noch Wissenschaftspolitiker

und Sonntagsredner berufen:

Max Planck, Max von Laue, AlbertEinstein,

Gustav Hertzund Werner

Heisenberg.

Der Erste, der 1901 den Preis erhielt,

war Wilhelm Conrad Röntgen

für die„Entdeckung der nach ihm benannten

Strahlen“ 1895. Noch heute

werden Röntgenstrahlen überall in

der Welt zur Diagnostik, aber auch in

der Strahlentherapie eingesetzt. Interessant

ist: Gleich die erste Nobelpreis-Ehrung

zeigte augenfällig und

für jeden verständlich, wie nah in der

Forschung möglicher Nutzen und

Schaden nebeneinander liegen.

Denn bei Röntgenstrahlung kann ein

Zuviel genau das auslösen, was man

eigentlich bekämpfen will: unter anderem

Krebs. Begeistert von den

neuen Möglichkeiten experimentierten

in den ersten Jahren Forscher,

Ärzte und Erfinder völlig ungeschützt

mit den Strahlen. Auch die Radiologen

in den Kliniken wussten noch

nichts vonStrahlenschäden. Viele erlitten

Hautverbrennungen, Haarausfall,

mussten Amputationen über sich

ergehen lassen, starben an Krebs.

Die Nobel-Erfolgsgeschichte der

großen Forscher, die aus Deutschland

stammten, endete abrupt mit

der Herrschaft des Nationalsozialismus.Von

den 39 Physik-Nobelpreisträgern

bis 1933 war jeder Vierte ein

Deutscher.Seitdem wurden 173 weitere

Physiker mit dem Preis geehrt

(oft wird eranmehrere Teilnehmer

verliehen), aber es waren nur 13

Deutsche darunter.Insgesamt dominieren

in der langen Historie die Vereinigten

Staaten den Preis, gefolgt

von Großbritannien und Deutschland,

die nahezu gleichauf liegen.

Wie überall in der Forschung

entstehen auch in der Physik die

großen Leistungen meist im Team.

Ein Beispiel ist die Entdeckung der

von Einstein vorhergesagten Gravitationswellen

aus dem All, an der

Tausende Wissenschaftler weltweit

mitwirkten. Ausgezeichnet wurden

am Ende drei Wissenschaftler, die

Vorarbeiten dafür geleistet hatten.

Der 1932 in Berlin geborene US-

Physiker Rainer Weiss zum Beispiel

war einer der führenden Entwickler

des Laserinterferometer-Observatoriums,

mit dem die ersten Wellen

schließlich 2015 entdeckt wurden.

Sein 1936 geborener US-Kollege

Barry Barish baute als Direktor das

Observatorium auf. Und der 1940

geborene US-Physiker Kip Thorne

leistete entscheidene theoretische

Vorarbeiten für das Projekt.

Eines fällt beim Physik-Nobelpreis

besonders auf: Er ist eine Männerdomäne.

Nur drei Frauen sind

unter den 212 Preisträgern: Marie

Curie(1903), MariaGoeppert-Mayer

(1963) und Donna Strickland (2018).

Unddas liegt nicht unbedingt daran,

dass es keine weiteren bedeutenden

Leistungen vonFrauen gegeben hat.

Die Kernphysikerin Lise Meitner

zum Beispiel, die die erste physikalisch-theoretische

Erklärung der

Kernspaltung geliefert hatte, wurde

mindestens 29-mal für den Nobelpreis

nominiert, erhielt ihn aber nie.

Auch andere Frauen wurden übergangen.


18 * Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Sport

Wanderer zwischen den Welten

Ein Fünftel der Rugby-Profis weltweit hat Wurzeln auf denSüdpazifik-Inseln Tonga, Samoa und Fidschi –und dochsind diese Nationen beider WM in Japannur Außenseiter

VonSissi Stein-Abel

ImAugust nagelte Siua Maile in

Christchurch noch Wellblechdächer

auf Häuser.Nach Feierabend

spielte er Rugby für den

Provinz-Klub in Shirley, einem Vorort

der zweitgrößten Stadt Neuseelands.

Dann wurde der 22-jährige

Hakler in den 31-Mann-Kader Tongas

für die Weltmeisterschaft in Japan

berufen und gab bei der 7:92-

Abfuhr gegen Neuseelands All Blacks

im letzten Testspiel vordem Großereignis

sein Debüt im Nationaltrikot.

Zum Einsatz ist er nicht gekommen,

aber sein Aufstieg aus dem Nichts ist

Indiz für die Probleme, mit denen

die kleinen Inselnationen im Südpazifik

–Tonga, Samoa und Fidschi –

seit jeher zu kämpfen haben.

EinFünftel der Rugby-Profis weltweit

hat Wurzeln auf diesen Inseln,

aber kaum ein Trainer dieser Nationen

hat bei einerWM seine 31 besten

Akteurezur Verfügung. Fast alle sind

Wanderer zwischen den Welten, tragen

die Trikots anderer Auswahlteams

oder werden von ihren Klubs

in Europa finanziell derart unter

Druck gesetzt, dass sie es nicht wagen,

für ihreHeimatländer aufzulaufen.

Das zweite Dilemma sprach

Tongas Coach Toutai Kefu an, nachdem

seine„Seeadler“ den dreifachen

Vize-Weltmeister Frankreich mächtig

erschreckt hatten, aber doch

21:23 verloren. „Wenn wir jedes Jahr

gegen solche Gegner spielen würden

und nicht bloß bei Weltmeisterschaften,

dann wären wir eine richtig

gute Mannschaft“, sagte Kefu, der

selbst ein Beispiel dafür ist, warum

die Gruppenphase für die Insulaner

fast immer Endstation ist: Wer mit

Rugby Geld verdienen will, muss ins

Ausland wechseln. Kefu ging einst

nach Australien und bestritt 60 Länderspiele

für die Wallabies.

Seine Aussage bezog sich auf die

fehlende Bereitschaft der großen Nationen,

sich mit den Insulanern zu

messen. So hat England außerhalb

von Weltmeisterschaften noch nie

gegen Tonga gespielt und nur einmal

–1991 –gegen Fidschi. Als Samoa

2017 in Twickenham (London) antrat,

spendete der englische Verband

84 000 Euro, rund ein Prozent der

Einnahmen. Das sei, so die Kritiker,

Arroganz in Hochpotenz gewesen.

Neuseelands All Blacks machten sich

trotz der engen Beziehungen und geringen

Entfernung erst einmal in 95

gemeinsamen Länderspiel-Jahren

auf den Wegnach Samoa.

Veto der Europäer

Dabei profitieren die All Blacks wie

kein zweites Team von Spielern mit

Wurzeln in Samoa, aber auch in

Tonga und Fidschi, ob das nun Einwanderer

der ersten oder zweiten

Generation sind. Der vor vier Jahren

gestorbene Tonga-Neuseeländer Jonah

Lomu war der erste globale

Superstar des Rugbys.Mittelfeld-Ass

Sonny Bill Williams betont immer

Samoanische Wurzeln: Neuseelands SonnyBill Williams.

GETTY

wieder: „Ich spiele nicht nur für die

All Blacks,sondernauch für Samoa.“

Umgekehrt kommt der bilaterale

Austausch auch der „Manu Samoa“

zugute: Viele ihrer WM-Akteure kamen

in Neuseeland zurWelt, wurden

dort inRugby-Akademien ausgebildet

und spielen für die fünf Franchises

(Klubs) der SuperRugby-Liga der

südlichen Hemisphäre auf höchstem

Niveau.

So manch einer dieser Profis mit

doppelter Staatsbürgerschaft erteilt

seinem Heimatland oder dem der Elterneinen

Korb in der Hoffnung, ein

berühmter All Black zu werden. Das

haben aus dem aktuellen WM-Kader

vier Spieler geschafft: Ofa Tu’ungafasi,

Shannon Frizell (beide aus

Tonga) sowie Nepo Laulala (Samoa)

und Sevu Reece (Fidschi). Drei dieser

vier sind Südsee-Insulaner der zweiten

Generation, genauso wie die für

England spielenden Brüder Mako

und Billy Vunipola, die offiziell aus

Neuseeland beziehungsweise Australien

stammen, aber Tonganer

sind. Siesind in England aufgewachsen,

weil ihr Vater Fe’ao –jetzt Manager

des leidgeprüften Rugby-Verbands

vonTonga –dortProfi war.

Um Chancengleichheit herzustellen,

verlangte Seilala Mapusua,

Mitglied der pazifischen Spielergewerkschaft,

der Weltverband müsse

die Wechselbestimmungen lockern,

um den Insulanern die Rückkehr in

die Nationalmannschaften ihrer

Heimatländer zu erleichtern. Dieser

Vorstoß Neuseelands scheiterte vor

15 Jahren am Veto der Europäer.

„Wenn die nördliche Hemisphäre

nicht umdenkt, wird esewig so weitergehen“,

sagt Mapusua,„es kommt

nicht von ungefähr, dass außer Fidschi

2007 kein Team von den Inseln

ins Viertelfinale vorgestoßen ist.“

Derzeit ist ein Spieler nach drei

Jahren Aufenthalt im Land spielberechtigt.

Das ist für Neuseeländer

oder Südafrikaner,die keine Chance

haben, kein Problem. Sie unterzeichnen

lukrative Verträge im Ausland

und laufen dann nach drei Jahren

für England, Schottland, Wales,

Irland, Italien oder Japan auf, so wie

es bei dieser WM dreizehn Neuseeländer

und sieben Südafrikaner tun.

Für Profis aus Samoa, Tonga und

Fidschi, die schon einmal in einem

anderen Nationalteam gespielt haben,

ist das unmöglich, denn in ihren

Heimatländern ist mit Rugby

kein Geld zu verdienen, die Verbände

nagen am Hungertuch. Die

„direkte und indirekte Unterstützung“

durch den Weltverband –inklusive

Förderprogrammen und Infrastruktur

–liegt bei 1,8 Millionen

Euro proVerband und Jahr.Während

jeder All Black in Japan 4300 Euro

Spesen pro Woche erhält, bekommt

jederTonganer 390 Euro.Für Samoas

Habenichtse fand vorWM-Beginn in

Sydney gar eine Spendenveranstaltung

statt, damit die Spieler Muskel-

Tape und Übergepäck nicht aus eigener

Tasche bezahlen mussten.

Das große

Zittern

DTB-Turner verhindern gerade noch beispiellose Blamage

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Die Jubeltraube der deutschen

Kunstturner im Block F der

Schleyer-Halle löste sich schnell auf,

auch der 29. Geburtstag vonAndreas

Toba wurde nur kurz begossen.

Denn bei aller spontanen Euphorie

wurde allen Beteiligten rasch klar:

Mit der Punktlandung auf Rang

zwölf hatte man lediglich eine beispiellose

Blamage verhindert –und

das vor eigenem Publikum bei den

Weltmeisterschaften in Stuttgart.

Noch nie war eine deutsche Riege

auf sportlichem Weg ander Olympia-Qualifikation

gescheitert.

„Ein Verpassen des olympischen

Teamwettbewerbs wäre einem Erdrutsch

nahe gekommen“, musste

auchWolfgangWillam, Sportdirektor

des Deutschen Turner-Bundes

(DTB), einräumen. Wasden Frauen

mit dem neunten Platz vergleichsweise

mühelos gelang, war für ihre

männlichen Kollegen eine Zitterpartie.

Erst als die Riegen aus den Niederlanden

und Rumänien im allerletzten

Durchgang doch noch

schwächelten, durfte bei den WM-

Gastgebernaufgeatmet werden.

Trio mit Chancen

Ausgehend von diesem historischen

Tiefpunkt soll und muss es schon bis

zu Olympia 2020 in Tokio aufwärts

gehen. Aber wie? Bundestrainer

Andreas Hirsch machte bei einer ersten

Analyse Einstellungsdefizite

deutlich: „Unser Turnpodium ist die

große Bühne,auf die wir alle wollen.

Das müssen wir noch mehr in die

Athleten hineinbekommen.“

Den Nachfolgern von Reck-

Olympiasieger Fabian Hambüchen,

der den Wettkampf als WM-Botschafter

beobachtete, fehlt eben

nicht nur dessen absolute Weltklasse.

Esmangelt bei einigen auch

häufig an der Emotionalität des einstigen

Weltmeisters, dessen goldene

WM-Kür von 2007 an gleicher Stelle

immer wieder auf der Videowand in

der WM-Arena zu sehen war und ist.

Aber während Hambüchen mit

Onkel Bruno regelmäßig einen Mentalcoach

an seiner Seite wusste, ist

dies für Hirsch keine grundsätzlich

erforderliche Begleitung des körperlichen

Trainings. „Wir haben uns

doch jetzt für Olympia freigeschossen,

da fange ich doch nicht das Grübeln

an“, sagte der Chefcoach, sein

nicht sichtbares Kopfschütteln

schwang im Tonfall mit.

Und ein verkopfter Laptop-Trainer,das

machte der 61-Jährige deutlich,

wird erauch nicht mehr werden:

„Mentales Training ist nicht der

Schlüssel, es hilft nicht bei dreifachen

Drehungen.“

Fakt ist sicherlich: Der goldene

Geburtsjahrgang 1987 mit Hambüchen,

dem Olympia-Zweiten Marcel

Nguyen und dem ehemaligen Europameister

Philipp Boy ist weitgehend

Turn-Geschichte, die sich so

schnell in Deutschland nicht wiederholen

wird. Aber auf dem aktuellen

„Ein Verpassen des

olympischenTeamwettbewerbs

wäre

einem Erdrutsch

nahe gekommen.“

Wolfgang Willam redet Tacheles.

Niveau verharren will und darf man

beim DTB deswegen nicht. Sportdirektor

Willam sagt: „Das kann nicht

unser Anspruch sein.“

So enttäuschend das Teamresultat

war, drei Finalqualifikationen für

den Hannoveraner Toba im Mehrkampf,

Nick Klessing (Halle) an den

Ringen und Lukas Dauser (Unterhaching)

am Barren waren realistischerweise

nicht zu erwarten. Dieses

Trio könnte also am Wochenende für

einen versöhnlichen WM-Abschluss

sorgen –und gemäß demWM-Motto

„Set new Signs“ doch noch ein neues

Zeichen auf dem olympischen Weg

nach Tokio setzen. (sid)


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 19 *

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Sport

VomSchweini

zum

Schweinsteiger

Der 35-Jährige beendet

seine große Karriere

Der frühere Fußball-Weltmeister

Bastian Schweinsteiger hat

seine große Karriere beendet. Der

35-Jährige, der mit dem FC Bayern

München und der deutschen Nationalmannschaft

große Erfolge feierte,

teilte seine Entscheidung am Dienstag

per Twitternachricht mit, zwei

Tage nach seinem letzten Spiel für

den US-Club Chicago Fire.

Schweinsteiger war 2017 in die MLS

gewechselt, um seine Laufbahn allmählich

ausklingen zu lassen.

„Ich danke euch und meinen

Mannschaften FC Bayern,Manchester

United, Chicago Fire und der

deutschen Nationalmannschaft –ihr

habt mir diese für mich so unglaubliche

Zeit ermöglicht“, schrieb er.

„Und natürlich danke ich meiner

Frau Ana Ivanovic und meiner Familie

für ihreUnterstützung.“

Mit den Bayern gewann der Mittelfeldspieler

acht deutsche Meisterschaften

und sieben Mal den DFB-

Pokal. 2013 holte er unter Trainer

Jupp Heynckes mit den Münchnern

das Triple, ein Jahr später triumphierte

er mit der Nationalmannschaft

im WM-Finale von Rio. In121

Länderspielen erzielte Schweinsteiger

24 Tore, nach derWM 2014 war er

bis zu seinem Abschied vom DFB-

Trikot nach der EM 2016 Kapitän der

Nationalmannschaft.

Diesportlichen Argumente,noch

eine weitere Spielzeit bei Chicago

Fire zu spielen, hielten sich in Grenzen.

Das Team aus Illinois verpasste

vorzeitig die Teilnahme an den Playoffs.

Der abschließende 5:2-Sieg am

Sonntag bei Orlando City war sportlich

bedeutungslos. Schweinsteiger

spielte ein letztes Maldurch und feierte

die Tore.

Nur2017 in den Play-offs

„Wir sind sehr enttäuscht, dass wir

uns nicht für die Play-offs qualifiziert

haben“, hatte er bereits in der Vorwoche

gesagt. Seinem Club hatte er

aber großes Potenzial bescheinigt.

Derneuerdings alleinige Eigentümer

JoeMansueto „will Dinge verändern.

Natürlich war nicht alles ideal. Aber

ich denke,Joe ist sehr smartund wird

die richtigen Entscheidungen treffen.“

Unter anderem war bereits bekanntgegeben

worden, dass der

Klub in der kommenden Saison wieder

im deutlich größeren Soldier

Field spielen wird.

In seinen 85 Saisonspielen hat der

frühere Mittelfeldlenker, der vor seinem

Wechsel in die USA zwei Jahre

für Manchester United aufgelaufen

war, acht Tore erzielt und 15 vorbereitet.

Nur2017 spielte er ein Spiel in

den Play-offs. Wie schon während

seiner Jahre in München galt

Schweinsteiger in Chicago als Publikumsliebling.

Mit seiner Ehefrau, der früheren

Tennisspielerin Ana Ivanovic, und

seinen zwei Kindernscheint sich der

einstige Bayern-Profi, dessen Karriere

imVerlauf der Heim-WM 2006

enormFahrtaufgenommen hatte,in

der „Windy City“ sehr wohl zu fühlen.

Anfang Oktober postete

Schweinsteiger ein Bild mit Sonnenbrille

vor der Chicagoer Skyline.

„Was ein großartiger erster Morgen

im Oktober“, schrieb er dazu. (dpa)

Paar im Rampenlicht: Bastian Schweinsteiger

und Ana Ivanovic.

DPA/KALAENE

Der Weisheit letzter Schuss

Zwei Berliner Teams in der

Bundesliga, zwei Kenner des Berliner Fußballs:

Michael Jahn und Andreas Baingogeben

immer mittwochs ihre Expertise ab.

Michael Jahn für Hertha BSC, seine Hertha,

die er seit mehr als zwei Jahrzehnten

als Reporter begleitet. Und Andreas Baingofür den 1. FC Union,

seine Eisernen, für die er selbst früher am Ball war.

In der Länderspielpause geht es einerseits um Herthas Traum

von einem reinen Fußballstadion, andererseits um eine seltene

Spezies, die bei Union von RobertAndrich vertreten wird.

Blau-weiße

Glücksgefühle

VonMichael Jahn

Vor ein paar Tagen fand ich

bei YouTube ein Video vom

Duell der Hertha gegen

den AC Mailand aus der

Champions-League-Saison

1999/2000. Im drei Minuten langen

Mitschnitt sah ich wie die Zaubermaus

Dariusz Wosz nach einem fulminanten

Sturmlauf mit einem

Flachschuss das entscheidende 1:0

erzielte. Ich bekam

Glücksgefühle wie

einst als Augenzeuge

im Olympiastadion.

Schon wegen solcher

Erlebnisse fand ich

das riesige Stadion imposant.

Aber ganz ehrlich:

In der heftig diskutierten

Stadionfrage war

ich lange Zeit hin-und

hergerissen. Ich halte

es mit den Worten des

ehemaligen Hertha-

Trainers Jürgen Röber:

„Das Olympiastadion

ist zweimal großartig –

wenn es ganz leer ist

oder ganz voll.“ In dieser

Arena ging es mir

wie vielen Hertha-Anhängern:

Ich erlebte spannende, vor

allem emotionale Duelle wie 1997

das 2:0 gegen Kaiserslautern oder

das 6:1 gegen den HSV 1999 mit drei

Torendurch Michael Preetz oder Triumphe

gegen den FC Bayern.Natürlich

gab es auch viele bittereNiederlagen.

Aber auch ich sehe längst die Notwendigkeit,

dass Hertha ein reines

Fußballstadion benötigt, um auf

Jahre hinaus wettbewerbsfähig zu

sein. Dassollte tatsächlich „steil, nah

und laut“ sein. Die Zeit rennt und je

länger eine endgültige Entscheidung

von der Politik, in diesem Fall vom

Berliner Senat, hinausgezögert wird,

umso schwieriger wird der Plan von

Hertha einzuhalten sein, ab 2025 in

einer neuen Arena zu spielen.

Nungibt es große Aktivitäten von

Hertha-Fans in der völlig unabhängigen

„Initiative Blau-Weißes Stadion“.

Deren sachliche und bestens

begründete Argumente für eine

neue Arena auf dem Olympiagelände

kann ich absolut nachvollziehen.

Initiator Knut Beyer, ein Fan-

Urgestein, und seine Mitstreiter sind

alle mit dem Olympiastadion groß

geworden, finden es„einzigartig und

schön“, halten es aber für den Bundesliga-Alltag

für ungeeignet. Ihnen

fehlt durch die enorme Entfernung

zum Spielfeld das „überwältigende

Stadionerlebnis“, so Beyer. Außerdem

kommen im Schnitt meist nur

rund 48 000 Zuschauer in den

74 000-Mann-Kessel.

Der großartige Support der Ostkurve

verpufft so im Olympiastadion.

In einer steilen Arena ohne

Laufbahn, so sagen es

Beyer & Co. voraus,

werden sich künftige

Gegenspieler einen

„Vorrat an Ohropax“

zulegen müssen. Die

Ideen der Fans, die im

Austausch mit Herthas

„Hertha

braucht

ein reines

Fußballstadion,

um

wettbewerbsfähig

zu sein.“

Vereinsführung stehen,

aber eigenständig

agieren, sind in einem

Interview mit dem

Portal „Stadionwelt.de“

zu lesen. Im

Moment sammeln die

Fans emsig Unterschriften

für eine Petition,

die dem Berliner

Senat überreicht werden

soll. Beyer sagte

mir:„Wirsind bei etwa

8500 Unterschriften

vonBerlinern, benötigen 11 000. Die

wollen wir später in einer riesigen

Papierrolle dem Senat präsentieren.“

Ziel ist es, eine breite Öffentlichkeit

für ein neues Stadion zu gewinnen.

Bei jedem Heimspiel werden

Unterschriften gesammelt.

Unabhängig davon wächst die

Front der Befürworter einer neuen

Arena. Berlins Fußball-Präsident

Bernd Schultz, den ich für ein Interview

traf, sagte mir:„In den nächsten

Tagen werden sich auch der Berliner

Fußballverband und der Landesportbund

Berlin in einer gemeinsamen

Erklärung zu Wort melden, in

der beide die Pläne von Hertha BSC

für ein neues Stadion unterstützen –

ohne einen genauen StandortinBerlin

zu favorisieren. Beide Verbände

erwarten eine seriöse Lösung.“

Auch ich habe die Petition inzwischen

mit meiner Unterschrift unterstützt

und bin für den Bau einer

reinen Fußballarena. Ich möchte

noch tolle Spiele in enger Atmosphäreerleben

und solche Momente

wie den grandiosen Treffervon Dariusz

Wosz gegen den großen AC Mailand.

Bundesliga, wo ist

der Osten geblieben?

VonAndreas Baingo

Länderspielpause, das heißt

nach den vergangenen Wochen

gerade für den 1. FC

Union vorallem: durchpusten!Während

andereTrainer lediglich

mit einem Häuflein an Spielernüben,

ändert sich für UrsFischer nicht viel.

Na gut, Sebastian Andersson und

Christopher Trimmel sind nicht da,

aber sonst? Werweiß,

vielleicht ist das sogar

ein Vorteil. Sogar gegenüber

dem nächsten

eisernen Gegner SC

Freiburg, denn auch

die Breisgauer stellen

inzwischen elf Mann

für diverse Auswahlteams

ab.

Bei manchem Länderspiel,

gerade wieder

beim heutigen gegen

Argentinien und dem

am Sonntag in Estland,

kommt mir, weil beide

kurznach dem Tagder

„Die

Bundesligaspieler

von hier

sind

eine

aussterbende

Spezies.“

GETTY

deutschen Einheit

stattfinden und weil

mit Union mal wieder

eine echte Mannschaft

aus dem Osten im

Oberhaus spielt, etwas anderes in den

Sinn: Wie viel Osten steckt eigentlich

im DFB-Team, wie viel Osten inder

Bundesliga?

Es hat Zeiten gegeben, 1996 war

das, dahätte es ohne einen Leader

aus Dresden, Matthias Sammer nämlich,

keinen EM-Titel gegeben und da

reichten die Finger einer Hand nicht

aus, umdie DFB-Stars mit Wurzeln

zwischen Rostock und Aue, Magdeburgund

Frankfurt (Oder) zu zählen.

BeiderWM 2002 in Japan und Südkoreajedenfalls

stammten sieben der 23

Spieler – Michael Ballack, Jörg

Böhme, Carsten Jancker, Jens Jeremies,Thomas

Linke, Marko Rehmer,

Bernd Schneider –aus dem Osten.

Fast ein Drittel also. Aktuell, und das

seit Jahren, ist Toni Kroos der letzte

der Mohikaner.

Die Bundesliga ihrerseits wurde

nach dem Fall der Mauer geradezu

überschwemmt mit klasse Spielern

aus der DDR-Oberliga. Ihre Zahl war

locker dreistellig. Natürlich hat es

auch daran gelegen, dass die Plätze

für ausländische Spieler damals arg

limitiert waren. In erster Linie aber

waren die Jungs, die nahezu ausnahmslos

ihre Entwicklung in den

Kinder- und Jugendsportschulen erfahren

hatten, grandios ausgebildet.

Selbst bei Hertha BSC standen

während der besten Zeit, in der

Champions-League-Saison

1999/2000, sieben Spieler unter Vertrag,

die ihr Fußball-Abc im Osten gelernt

hatten: mit MarkoRehmer sogar

ein ehemaliger Unioner, dazu Andreas

Thom, Michael Hartmann,

Hendrik Herzog, René

Tretschok, Sixten Veit

und Dariusz Wosz.

Noch Fragen?

Eine wenigstens,

und zwar die: Wiesieht

es heute,exakt 20 Jahre

später, aus?Von „nicht

so gut“ bis „könnte

besser sein“ ist alles

dabei. Aber das grenzt

an Schönfärberei,

denn ein einziges Wort

trifft es am besten: katastrophal!

Und zwar

ligaweit. Die Bundesligaspieler

„von hier“

sind eine aussterbende

Spezies.

Weil Steven Skrzybski,

der Ex-Unioner aus

Kaulsdorf, auf Schalke

diese Saison noch nicht zum Zuge

kam und Marcel Schmelzer (stammt

aus Magdeburg) in Dortmund keine

Rolle mehr spielt, haben Experten in

den 18 Bundesligateams gerade mal

vier (!) Stammspieler ausgemacht, die

aus einem der fünf neuen Länder

kommen. Ihre Namen: Maximilian

Arnold (Wolfsburg) aus Riesa, Nils Petersen

(Freiburg) aus Halberstadt, Felix

Uduokhai (Augsburg) aus Annaberg-Buchholz

und –auch der 1. FC

Union ist dabei –der Potsdamer Robert

Andrich. Natürlich könnte ihre

Zahl steigen mit den Bremern Leonardo

Bittencourt (in Leipzig geboren)

und KevinMöhwald (aus Erfurt),

mit dem Schalker Markus Schubert

(Freiberg) und dem Mönchengladbacher

Tony Jantschke (Hoyerswerda).

Auch in Köpenick gibt es Luft nach

oben. Felix Kroos,wie sein Weltmeister-Bruder

Toni in Greifswald zurWelt

gekommen, sollte es draufhaben.

Nicht falsch verstehen, das ist

kein Ruf und noch weniger ein

Schrei nach einer Ost-Quote im Fußball.

Aber sich Gedankendarüber zu

machen, dass essogekommen ist

wieesist,sollte man durchaus.

NACHRICHTEN

DFB-Frauen bauen ihre

Siegesserie aus

FUSSBALL. Diedeutsche Frauen-

Nationalmannschaft feierte im vierten

Spiel der EM-Qualifikation ihren

vierten Sieg. In Thessaloniki gewann

die Elfvon Bundestrainerin Martina

Voss-Tecklenburg5:0 (2:0) gegen

Griechenland, führtdie Gruppe 9für

die EM 2021 in England mit zwölf

Punkten an. AlexandraPopp (33.),

Lena Oberdorf(40.), SandraStarke

(65.), Pauline Bremer (75.) und Klara

Bühl (90.) erzielten die Tore.

Kein Visum: Lange ohne

Coach Al-Sultan auf Hawaii

TRIATHLON. Ironman-Weltmeister

Patrick Lange muss bei seinem Angriff

auf den Titel-Hattrick auf Hawaii

am Sonnabend ohne Trainer

auskommen. DasUS-Visum vonFarisAl-Sultan,

41, dessen Vater aus

dem Irak stammt, war abgelaufen

und soll vonden Behörden nicht erneuertworden

sein.

Spandau verliertzum Start

in die Champions League

WASSERBALL. Derdeutsche Rekordmeister

Spandau 04 verlor sein

Auftaktspiel in der Champions

League vor200 Zuschauerninder

Schwimmhalle Schöneberg8:11 gegen

Atletic Barcelona. Derneu verpflichtete

russische Nationalspieler

Dimitrij Cholod warfdreiTore.

Hitzlsperger wird beim VfB

zum Vorstandschef befördert

FUSSBALL. DerVertrag vonThomas

Hitzlsperger,37, als künftiger Vorstandsvorsitzender

des Zweitligisten

VfB Stuttgartläuft bis zum 31. Oktober

2022, gab Aufsichtsratschef

BerndGaiser bekannt. Zusätzlich

bleibt Hitzlsperger Sportvorstand.

ZAHLEN

Fußball

EM-Qualifikation, Frauen, 4. Spieltag

Gruppe 9

Griechenland -Deutschland 0:5 (0:2)

Irland -Ukraine 3:2 (2:2)

1. Deutschland 4 31: 0 12

2. Irland 2 5: 2 6

3. Griechenland 1 0: 5 0

4. Montenegro 2 0:12 0

5. Ukraine 3 2:19 0

Rugby

WM in Japan

Gruppe B

Südafrika -Kanada 66:7 (47:0)

1. Südafrika* 4 185: 36 15

2. Neuseeland 3 157: 22 14

3. Italien 3 398: 78 10

4. Namibia 3 34:175 0

5. Kanada 3 14:177 0

*fürs Viertelfinale qualifiziert

Tennis

ATP-Turnier in Schanghai

1. Runde: Matteo Berrettini (Italien/11) -Jan-

Lennard Struff (Warstein) 6:2, 6:1

WTA-Turnier in Linz

1. Runde: Julia Görges (Bad Oldesloe/5) -Margarita

Gasparjan (Russland) 6:4, 6:2; Laura Siegemund

(Metzingen) -Fiona Ferro (Frankreich) 6:2,

5:7, 7:5;Anna-Lena Friedsam (Neuwied) -Belinda

Bencic (Schweiz/Nr.2)6:4, 2:6, 6:2

Turnen

WM in Stuttgart

Frauen, Mannschaft: 1. USA (Simone Biles,

Jade Carey, Kara Eaker,Sunisa Lee, Grace McCallum)

172,330 Pkt.; 2. Russland (Anastassiia Agafonowa,

Liliia Akhaimowa, Angelina Melnikowa,

Aleksandra Shchekoldina, Daria Spiridonowa)

166,529; 3. Italien (Desiree Carofiglio, Alice Damato,

Asia Damato, Elisa Iorio, Giorgia Villa)

164,796; 4. China 164,230; …9.Deutschland

(Kim Bui/Stuttgart, Emelie Petz/Backnang,Pauline

Schäfer/Chemnitz, Elisabeth Seitz/Stuttgart,

Sarah Voss/Köln) 161,897(Qualifikation)


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 – S eite 20 *

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Sport

In Spanien als „Messi mit Handschuhen“ verehrt: Marc-André ter Stegen.

AFP/LAGO

Neues vom Herausforderer

Marc-André ter Stegen bietet sich beim Klassiker gegen Argentinier die Gelegenheit, seinen Anspruch auf einen Stammplatz im Torder DFB-Elf zu untermauern

VonFrank Hellmann, Dortmund

Es gab Zeiten, da hat Marc-

André ter Stegen öffentliche

Auftritte nicht so gelassen

gemeistert wie am

Dienstag die Pressekonferenz vor

dem Länderspiel zwischen Deutschland

und Argentinien (Mittwoch,

20.45 Uhr/RTL). Ein kurzer Blick auf

dem ausgeleuchteten Podium im

Dortmunder Fußballmuseum genügte

dem Keeper,umsich auch hier

so gut zu orientieren wie in den größten

Fußballstadien. Der Ballfänger

wirkte fast so instinktsicher wie an

seinem eigentlichen Arbeitsplatz. Mit

seiner stoischen Gelassenheit könnte

der gebürtige Mönchengladbacher

vermutlich auch einen Hort aufgeregter

Kinder beruhigen.

AmTagvor seinem 23. Länderspiel

spielte ter Stegen das Gezeter mit Manuel

Neuer herunter. „Wir sind im

Leistungssport. Jeder möchte spielen.“

Er freue sich auf die Bewährungschance,

zumal der Schauplatz

eine schöne Erinnerung weckt: Vor

drei Wochen hatte der 27-Jährige im

Dortmunder Stimmungstempel dem

FC Barcelona die Nullnummer gerettet

–der abgewehrte Elfmeter gegen

Nationalmannschaftskollege Marco

Reus war die Krönung einer Weltklasseleistung.

Damals wie heute werden

Verwandte, Angehörige und Freude

vorOrt sein, erzählte ter Stegen, „darüber

freue ich mich natürlich.“ Aber

mehr unter Druck gesetzt fühle er

sich nicht.

Sein Reifeprozess ist beachtlich.

Mit 18Jahren hat er den Abstiegskampf

mit seinem Heimatverein

Mönchengladbach bestanden, mit 22

ist er nach Barcelona gewechselt, um

bald als „Messi mit Handschuhen“

verehrtzuwerden. Da hat einer seine

Karriere aufs oberste Level gesteuert.

Sind seine Ansprüche nicht legitim?

Sein Verhältnis zu Neuer sei „professionell“

versicherte der Herausforderernun

und erläuterte: „Professionalität

heißt auch, dass man sich gegenüber

dem anderen gut verhält. Wir

haben keine großartigen Aussetzer.

Wirwerden uns unterstützen, egal in

welcher Konstellation.“ Gleichwohl

müsse man seine Einzelinteressen

verstehen: „Jeder hat persönliche

Ziele.“

Klostermann

Pereyra

DEUTSCHLAND

Gnabry

Tagliafico

Havertz

Voraussichtliche Aufstellung

ARGENTINIEN

Rodriguez

Süle

Lautaro

Martinez

Otamendi

ter Stegen

Kimmich

Waldschmidt

Paredes

Marchesin

Stark

Brandt

Dybala

Pezzella

Can

de Paul

Halstenberg

Foyth

Schiedsrichter:

C. Turpin (Frankreich)

BLZ/GALANTY; QUELLE: DPA

Ihm war eine einzige Halbzeit in

einem freudlosen Freundschaftsspiel

gegen Serbien (1:1) in den zurückliegenden

zwölf Monaten ein bisschen

zu wenig. UndseinenUnmut über die

Nicht-Nominierung gegen Nordirland

drückte der Ehrgeizling („harter

Schlag für mich“) in der Wahlheimat

aus.Woraufhin Neuer verärgertmehr

Unterstützung einforderte.Ter Stegen

legte einen Tagvor dem Champions-

League-Spiel in Dortmund nach

(„Seine Aussagen sind unpassend“).

Neuer war danach so klug, auf weitere

Konter zu verzichten.

Alles hätte sich schnell beruhigt,

wenn nicht die Bosse des FC Bayern

das ganz große Schwertherausgeholt

hätten. Präsident Uli Hoeneß wetterte

ineinem Rundumschlag gegen

Verband und Medien („Ter Stegen hat

überhaupt keinen Anspruch. Neuer

wird immer der Beste sein“) und

drohte gar mit einem Boykott der

Münchner Spieler für die Nationalmannschaft.

Vorstandschef Karl-

Heinz Rummenigge bemängelte, es

werde„niesorichtig Klartext“ gesprochen.

Hatten beide vergessen, wie

lange Joachim Löw für seine monatelang

verletzte Nummer eins die Tür

zurWM 2018 offen gehalten hatte?

TerStegen sagte gesternlapidar,es

sei sicher „ein Wort zu viel“ gefallen,

ging ansonsten auf diese Verbalinjurien

nicht weiter ein. TerStegen weiß

inzwischen, dass der Bundestrainer

zur EM 2020 fest mit dem 33 Jahrealten

Kapitän plant, der zur alten Form

zurückgefunden hat. Verbales Vorpreschen

bringt da wenig. „Keiner

weiß, was in einem Dreivierteljahr

passiert“, redete sich ter Stegen öffentlich

zu, der kein persönliches Gespräch

mit Neuergeführthat.„Es gibt

keine Diskussion, keinen Streit, keinen

Moment, wo wir sagen: Wirmüssenunbedingt

sprechen.“

Wenig Interesse an einer Aussprache

sieht auch der Bundestrainer.

„Ich habe alle Hände voll zu tun. Ich

sehe keine Veranlassung das zu tun“,

rief Löw aus, der auch „keine grundsätzliche

Problematik“ erkennen

mag. Denn: Er beobachte seit Jahren

ein „respektvolles Miteinander,einen

gesunden Konkurrenzkampf“. Ungewohnt

deutlich sagte er:„Für mich ist

das das allerkleinste Problem, das ist

überhaupt keine Baustelle.“

Nachfolger gesucht

Argentiniens Nationalmannschaft steckt in einem großen Umbruch. Eine Ausnahme ist der gesperrte Lionel Messi, der in seiner neuen Rolle die Mitspieler rührt

VonMatti Lieske

Das beste Beispiel für die Neustrukturierung

des argentinischen

Nationalteams nach dem enttäuschenden

Achtelfinal-Aus gegen

Frankreich bei derWeltmeisterschaft

2018 ist Leonardo Balerdi. Der 20-

Jährige ist neben Leverkusens Lucas

Alario und Nicolás González vom

Zweitligisten VfB Stuttgart einer von

drei SpielernimKader für das Match

gegen Deutschland, die bei deutschen

Klubs unter Vertrag stehen.

EinBundesligaspiel hat der Verteidiger

allerdings noch nicht bestritten,

mit der zweiten Mannschaft vonBorussia

Dortmund kam er nur in der

Regionalliga West zum Einsatz. Dafür

ist er bereits argentinischer Nationalspieler.

Sein Debüt gab er im

September im texanischen San Antonio

beim 4:0 gegen Mexiko. Gut

möglich, dass er nun im argentinischen

Trikot den ersten großen Auftritt

in seinem Dortmunder Heimstadion

erlebt.

Balerdi ist nur einer von vielen

jungen Leuten, die vomneuen Nationaltrainer

Lionel Scaloni berufen

wurden, der nach der WM zunächst

interimsmäßig die Nachfolge von

Jorge Sampaoli antrat und im Juli

dann zum Chefcoach ernannt wurde,

nachdem er sich bei der Copa

América bewährt hatte. Dafür fehlen

alte Kämpen wie Sergio Agüero, Ángel

Di María oder Gonzalo Higuaín. Unverdrossen

zur Verfügung steht weiterhin

Lionel Messi, er darf aber wegen

seiner dreimonatigen Sperre

noch nicht wieder mitwirken.

Streitfall Icardi

Freigegeben hat Scaloni auch sechs

Spielernvon River Plate und Boca Juniors.Die

Klubs aus Buenos Aires hatten

im vergangenen Jahr ein dramatisches

Finale in der Copa Libertadores

ausgetragen, das nach einem Angriff

auf Bocas Mannschaftsbus schließlich

ins Bernabéu vonMadrid verlegt

und von River gewonnen wurde.

Diesmal absolvieren sie ihren

Superclásico schon im Halbfinale.

Dieerste Partie endete 1:1, kurznach

der Länderspielpause steht das Rückspiel

an, das offenbar auch

in den Augen von Scaloni

Vorrang vor den Auftritten

gegen Deutschland und

Ecuador hat. Nicht allerdings

für Walter Kannemann.

Der Abwehrspieler

ist dabei, obwohl er mit

Gremio Porto Alegre das

andere Halbfinale gegen

Flamengo Rio de Janeiro

bestreitet.

Ansonsten besteht das Team vor

allem aus in Europa tätigen Profis,

Spieler wie Juan Foyth und Erik Lamela

von Tottenham Hotspur, LeandroParedes

vonParis St.Germain,

Atlético Madrids Ángel Correa und

Setzt auf Neue:

Lionel Scaloni

im Angriff der neue Torjäger Lautaro

Martínez, der beim 4:0 gegen Mexiko

einen Hattrick hinlegte. Der 22-Jährige

gibt den ArgentiniernHoffnung,

dass der Nachfolger für Agüero und

Higuaín gefunden ist, die im Nationalteam

allerdings längst nicht so

zuverlässig Tore schossen

wie in ihren Vereinen. Seinen

Stammplatz bei Inter

hat Martínez erst sicher,

seit sich vorige Saison ein

IMAGO IMAGES /AGENCIA EFE

anderer Argentinier,

Mauro Icardi, mit dem italienischen

Klub wegen der

resoluten Art überwarf,

mit der seine Ehefrau und

Agentin Wanda Nara die

Vertragsverhandlungen

führte. Der Inter-Kapitän durfte

nicht mehr spielen, im Sommer

wechselte der 26-Jährige zu Paris

St. Germain, wurde aber vonScaloni

für die anstehenden Partien nicht

berücksichtigt.

Grund genug für Argentiniens

Medien, die alten Geschichten wieder

auszugraben, nach denen Veteranen

wie Messi, Di María oder

Agüero dafür verantwortlich seien,

dass Icardi trotz vieler Tore in Italien

nur acht Einsätze bei der Albiceleste

bekam. Hintergrund ist die konfliktreiche

Scheidung Wanda Naras, damals

bekannte TV-Moderatorin in

Argentinien, vomehemaligen Nationalspieler

Maxi López, einem engen

Freund Messis, und die folgende

Liaison mit Icardi. Messi habe sogar

die Argentinier in Paris angerufen

und sie aufgefordert, den Neuankömmling

zu schneiden, hieß es.

Messi und PSG-Spieler Di María dementierten

heftigst, ebenso Icardi,

das Verhältnis der drei zueinander

sei bestens.

Di María sprach auch über die

Wandlung von Lionel Messi, der als

Kapitän bei der Copa América in

Brasilien ungewohnt redselig und

kampfeslustig aufgetreten war, was

schließlich auch zur Sperre führte.

Schon nach der Halbfinal-Niederlage

gegen Brasilien, als Argentinien

zwei nicht gegebene Elfmeter beklagte,hatte

Messi Südamerikas Verband

der Korruption und einer Verschwörung

zugunsten des Gastgebers

bezichtigt, und er wiederholte

das nach dem Spiel um Rang drei gegen

Chile. Dahatte der 32-Jährige

ein Brust-an-Brust-Duell mit dem

sehr viel kompakteren Gary Medel

provoziert, flog bei jedem Stoß einen

Meter in die Luft, gab aber nicht

nach. Beide sahen die Rote Karte.

„Mir gefällt der neue Messi“, sagt

Di María, der sicher ist, dass der Kapitän

Argentiniens dem Team noch

viel zu geben hat, nicht nur auf dem

Spielfeld, sondern neuerdings auch

rhetorisch. Nach dem Aus bei der

Copa América, so Di María, habe

Messi die Spieler mit seiner Kabinenrede

zu Tränen gerührt.


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Die Londoner Band

Black Midi spielte

im Lido

Seite 23

„Eigentlich machen wir doch auch nur hoch dotierten Blödsinn.“

Der Regisseur Jan Bosse über seine Inszenierung „Don Quijote“ mit Ulrich Matthes und Wolfram Koch Seite 22

Metaphern

Hamster des

Wohlbehagens

PetraKohse

will Tieren sprachlich zu ihrem

Recht verhelfen.

Die „Ratte des Zweifels“ in Eugen

Ruges Roman„Metropol“ hat es

mir sehr angetan. Werschon einmal

selbst erspürt hat, wie sich so ein

Zweifel immer tiefer in einen hineinnagen

kann, bis er alles, was einmal

Gewissheit war, gründlich zerbissen

und zerfetzt hat, kann Ähnlichkeiten

zum tätigen Werk einer Wanderratte

nicht verhehlen. Diese Tier-Metapher

also funktioniert. Anders alles,

was mit Ferkeln oder Schweinen zu

tun hat. Nur weil die meisten dieser

Paarhufer kein Fell, sondern nur

Borsten haben und gern mal ein

Schlammbad genießen, heißt es ja

nicht, dass sie nicht intelligent, sozial

oder schamhaft wären. DieRede

von den „Müll-Ferkeln“ oder „Stadt-

Ferkeln“ auf Berlins Straßen etwa

weist meines Erachtens mit wehenden

Schlappohren vielmehr auf den

Redner selbst zurück, der sprachlich

offenbar unbedingt mit etwas Kleinem,

Nackten herumwedeln will.

Eine klassische Trittbrett-Metapher.

Aber das Tierreich bietet ja noch

mehr. Treue Leser dieser Spalte haben

sicher schon den Tintenfisch der

tragischen Verträumtheit in ihren

Sprachschatz aufgenommen, nachdem

der Kollege Seidler neulich darlegte,wie

er (also der Tintenfisch) im

Schlaf ausgerechnet durch das Spiel

seiner Tarnfarben seine Träume verrät.

Undwie wäreesmit dem Hamster

des Wohlbehagens? Mit vollen

Backen im gemütlichen Pelz sommers

in einem Bett im Kornfeld liegen

(lasst endlich die Randstreifen

stehen, ihr Landwirte!) und winters

in unterirdischer Vorratskammer

verweilen –wer traute sich zu sagen,

dass dieser Müßiggang nicht aller

Kunst Anfang sein könnte?

Oder die Krähe des Vertrauens,

wie wäreesmit der? Denn wenn man

etwas erledigt bekommen will, etwa

eine Nuss geöffnet, gibt es keine findigere,

unerschrockenere und stilsichere

Mitstreiterin als die Kollegin

im glänzenden Schwarzen. Und natürlich

die Katze der Beständigkeit.

Denn bei aller scheinbaren Launenhaftigkeit

will die Katze ihr Hausoder

Straßenleben lang am liebsten

das gleiche Futter zur gleichen Zeit

und danach auf dem immer gleichen

Platz liegen (nämlich deinem).

Mühelos (Molch der Mühelosigkeit?)

ließe sich diese Liste fortsetzen,

aber zu Recht fragen Sie andieser

Stelle,was denn mit den Pflanzen

ist: Mit der treulosen Tomate, der

dummen Stulle oder der beleidigten

Leberwurst. Diesen soll bei nächster

Gelegenheit sprachanwaltlich zu

vollem Recht verholfen werden.

Kollege im Pelz mit beneidenswerten Talenten:

der Hamster,hier in Gold. IMAGO

Die Kreidekreise von Westbury

Der südafrikanische Künstler Robin Rhode zeigt im Kunstmuseum Wolfsburg,wie ignorant Berlin sein kann

VonIngeborg Ruthe

In dieser Wolfsburger Ausstellung

reibt man sich die Augen:

Kann es sein, dass der Berliner

Kunstbetrieb einen viel zu großen

blinden Fleck hat?Viele Künstler

leben ja inzwischen in Berlin oder

stellen hier aus.Manch einer hat gar

ein Dauerabonnement für seine jeweils

neueste Produktpalette, stellt

gernauch an zwei Orten gleichzeitig

aus: nicht kleckern, sondernklotzen.

Wieaber konnte in einer Stadt voller

Kuratoren und Talente-Scout-Galeristen

dieser junge Südafrikaner bislang

unentdeckt bleiben?

Robin Rhode, Zeichner, Performer

und Videoartist aus Johannesburg,

ist schon seit 2002 Wahlberliner,

imJahr 2007 hatte er im Haus

der Kunst München eine große

Schau. Aber Berlin übersieht ihn.

Keine der mindestens 500 hiesigen

Profi-Galerien holte ihn in ihren

Künstlerkreis. Passt er womöglich in

keine der (markt-)gängigen Schubladen

mit seiner multimedialen

Kunst? Er verlagert visualisierte

Kurzgeschichten per Kreide, Kohle,

Farbe, geformt zu Geometrien, auf

die Wand, interagiert in Aktionen,

hält alles fotografisch fest und übermalt

das Ganze. Rhode ist ein bekennender

Eskapist. Ausgerechnet dies,

so sagt er, eröffne ihm die Möglichkeit,

eine andere Realität anzubieten.

Paradoxund gesellschaftskritisch

Emotional gepackt, auch verwirrtob

dieser energetisch-paradoxen Bildladung,

die er soeben im Kunstmuseum

Wolfsburg ausbreitet, steht

man vor den wände-hohen und

wände-breiten Zeichner- und Film-

Aktionen. Alles wirkt leicht, komisch,

ironisch bis sarkastisch. Und dann

begreift man, dass alles, was wie ein

aberwitziges, auch slapstick-artiges

Spiel aussieht, eigentlich tief politisch

und gesellschaftskritisch ist.

Das Kunstmuseum der Autostadt

gleicht also die Berliner Ignoranz

aus,lässt entdecken, was Galeristen,

Kuratoren und Museumsleute in der

Hauptstadt eigentlich schon seit 17

Jahren hätten sehen können. Was

Rhode aus dem Township Westbury

mitbrachte, verarbeitet er zu Videos,

Wand- und Boden-Bildern und Installationen

in einer alten Reinickendorfer

Industriehalle. Der 1976 in

Kapstadt Geborene studierte in Johannesburg,

zeichnet seit Jahren mit

Kreide, Kohle, sogar Seife, choreografierteindrückliche

Performances.

Er zeichnete in Westbury große

Kreidekreise an dieWände der maroden

Häuser. Und ein Fahrrad. Auf

dieses versucht ein schwarzer Junge

zu steigen, natürlich vergeblich.

Zum Meisterwerk wird eine mit

Kohle gezeichnete Pyramide aus

Sektgläsern, in die eine jonglierende

Gestalt eine Magnum-Flasche ausgießt.

An einer Hauswand lehnt ein

riesiger Kamm. Auf den Putz sieht

man einen Kreis, rundum schwarze

Kringel. Jemand fährt mit dem

Kamm hindurch, zieht das Kraushaar

eines Jungen brutal zu strammen

Linien.

Kämmen als Metaphorik: Rhode

kommt aus einer Coloured-Familie,

hat schwarze, malaiische und weiße

Vorfahren.„Coloureds“ oder auf Niederländisch

„Kleurings“ waren zu

Kolonialzeiten und während der

Apartheid diskriminiert als „Kinder

der Sünde“, fühlen sich bis heute

eingeklemmt zwischen Schwarzen

undWeißen.Und werden pencil test

Geometrie der Farben, Maler-Aktion zu „Paradise“. 2016, Jericho

Robin Rhode im Performance-Käfig.

Aus der Zeichner-Performance-Serie „Delta“, 2018

R. RHODE/KM WOLFSBURG

KM WOLFSBURG/ MICHAL ANDRYSIAKE

R. RHODE/ KM WOLFSBURG

nicht bestand, galt als minderwertig:

Die Beamten des Regimes steckten

einen Bleistift ins Haar der „Prüflinge“

–blieb er stecken, war er kein

Weißer, selbst bei heller Haut. Seine

Kunst, sagt Rhode,sei vonseiner hybriden

Identität geprägt.

Kreis, Linie, Körper – und eine

Hauswand oder ein Straßenpflaster

dienen als Bildträger. Dann folgen

die Performance und das Filmen.

Und aus Lautsprechern Jazz-Musik.

Rhode nennt seinen Stil nicht Street-

Art, es ist noch etwas anderes.Ihm ist

seine Kunsttechnik vielmehr Ergebnis

der Erinnerung an die Schulzeit,

damals als Jungs mit Kreide ihre

Wünsche an die Klo-Tür malten. Er

will nicht irgendwo auf urbanen, womöglich

verbotenen Flächen seinen

„Stempel“, seine Botschaft hinterlassen

wie die Sprayer überall auf der

Welt. Ihmgeht es immer um das Prozesshafte,

das der inhaltlichen Aussage

dient.

Dafür arbeitete er über Jahre in

Abständen immer wieder mit einer

Straßengang aus dem Township

Westbury bei Johannesburg: 17 Jugendliche

und ihr Sozialarbeiter,der

selbst mal Straßenkind war. Die

grausame Vergangenheit Südafrikas

schwingt immer mit. In einer Zeichen-Serie

klappt ein Straßenkämpfer

sein Messer auf. Es hat einen Ornament-Griff,

dann mutiert diese

Waffe zu einer regelrechten Messer-

Attacke „GRiVultures –Geier“, so der

Titel, nach einer der gefährlichsten

Straßengangs. Das Messer stammte

aus deutscher Produktion, Solingen

vielleicht. Es gibt den Ausstellungstitel

„MemoryisaWeapon“ –„Erinnerung

ist eine Waffe“ –und stammt

vom Dichter Don Mattera, einst Anführer

der Vultures, zum Widerstandskämpfer

gegen die Apartheid

und zum Sozialarbeiter in der colouredcommunity

geworden.

Zeichenund Codes

Nach seinem Vorbild setzte Robin

Rhode sich für die Straßenjungen

von Westbury ein, als er sie in seine

Zeichen- und Filmaktionen einbezog.

Daraus entstand ein so sinnlicher

wie konzeptueller Spagat –Zeichen

und Codes zwischen dramatischer

südafrikanischer Geschichte

und einem Künstler, der nach Europa

ging. Mitunter gleichen Rhodes

wandbildgewordene Kurzfilmerzählungen

auch Trickfilm-Stills: EinPianist

versucht, auf einer Klaviatur aus

Kreide zu spielen, ein Saxofonist

hebt voreinem Engelsflügel an einer

Brandmauer förmlich ab. Und in einem

raumfüllenden Käfig, Metapher

für den Township, versuchen junge

Coloureds ihrer hybriden sozialen

Lage zu entkommen ...

Unlängst reiste Rhode nach Jericho,

zeichnete, malte, drehte inder

israelisch-palästinensischen Konfliktregion,

diesem Ort des Krieges,

der Religionen und der Kämpfe um

Land, Ackerboden und Wasser die

Serie„Paradise“: Eine junge Frau mit

Hijab setzte ihren Körper ein, um mit

einer archaischen Steinschleuder einen

gewaltigen Polyeder in den Farben

der Konstruktivisten-Avantgarde

zu manövrieren. DasMotiv erinnert

anAlbrecht Dürers „Melancholia

I“ von 1514 und lässt,

während man sich am Anblick erheitert,

zugleich an das biblische

Gleichnis von David und Goliath

denken.

Wolfsburg, Kunstmuseum, Hollerplatz 1. Bis 9.

Februar 2020, Di–So 11–18 Uhr.Kuratorin Uta

Ruhkamp, Katalog (Hatje Cantz).

NACHRICHTEN

Fall Serebrennikow

bekommt neuen Richter

Derseit mehr als zwei Jahren andauernde

Fall um den angeklagten russischen

Regisseur Kirill Serebrennikow

soll weiter verhandelt werden –aber

mit einem neuen Richter.ImSeptember

hatte eine Richterin den Fall wegen

zahlreicherWidersprüche in der

Anklage an die Generalstaatsanwaltschaft

zurückgegeben. DerTheatermacher

Serebrennikow, der auch in

Berlin inszenierthat,wurde im Sommer2017

wegen angeblicherVeruntreuung

festgenommen. DieStaatsanwaltschaft

habe alle Zahlen überprüft,

sagte der Staatsanwalt der

Agentur Tass zufolge.Man seisich sicher,dass

es zu keinen falschen Berechnungen

seitens der Anklage gekommen

sei.(dpa)

György-Konrád-Archiv an

der Akademie der Künste

Nach dem Toddes ungarischen

Schriftstellers György Konrád

(1933–2019) übernimmt die Akademie

der Künste in Berlin das Archiv

ihres ehemaligen Präsidenten.

Konrád habe den Bestand wenige

Monate vorseinem Todam13. September

2019 der Akademie zugesprochen,

damit er in Berlin für Forschung

und Öffentlichkeit erschlossen

wird, teilte die Akademie am

Dienstag mit. DasGyörgy-Konrád-

Archiv enthält Manuskripte und Typoskripte

seiner erzählerischen und

essayistischen Arbeiten, ebenso Arbeitsmaterialien,

biografische Unterlagen,

Tage- und Notizbücher,Fotografien

sowie zahlreiche Preise

und Auszeichnungen. (dpa)

Früherer SFB-Journalist

Goetz Kronburger gestorben

DerfrühereHörfunk- und Fernsehjournalist

Goetz Kronburger ist tot.

Kronburger starb Ende September

im Alter von86Jahren, wie der

Rundfunk Berlin-Brandenburg

(rbb) am Dienstag unter Berufung

auf die Familie bestätigte.Ersei seit

längerem erkrankt gewesen. Dergebürtige

Berliner beschäftigte sich

nach einer Schauspielausbildung

mit Literatur-und Theatergeschichte.1947

ging Kronburger zum

damaligen Berliner Rundfunk. Für

den Sender Freies Berlin (SFB) war

er als Reporter und Nachrichtensprecher

im Einsatz und moderierte

Radiosendungen wie „Treffpunkt

Funkhaus“ oder „Rund um die Berolina“.

(dpa)

Hamburg gibt Wandpaneel

an Afghanistan zurück

DasMuseum für Kunst und Gewerbe

Hamburg(MKG) hat am Dienstag

ein Wandpaneel aus Marmor an den

afghanischen Staat zurückgegeben.

DasPaneel gehörtzueinem Fries aus

dem 12. Jahrhundert, der aus dem

Innenhof des Königspalastes von

Sultan Mas’ud III. in der Stadt

Ghazni stammt. Ende der 70er-Jahre

wurde das Paneel aus dem dortigen

Rawza Museum of Islamic Artgeraubt.

2013 hatte es das Museum

gutgläubig auf einer Auktion in Paris

erworben.„Dass sich ein Museum zu

seinen Fehlernöffentlich bekennt,

halte ich für einen wichtigen

Schritt“, sagte Direktorin Tulga

Beyerle.Vorerst soll das Paneel im afghanischen

Nationalmuseum in Kabul

aufbewahrtwerden. (dpa)


22 Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

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Feuilleton

Im Theater wird das Wort zur Welt, der Container zum Streitwagen, und werweiß, wassonst noch alles passiert: Wolfram Koch (links) als Sancho Panza und Ulrich Matthes als Don Quijote.

ARNO DECLAIR

„Den Bach runter geht’sdoch von ganz alleine“

Dagegen zu arbeiten, das hält der Theaterregisseur Jan Bosse für die Kunst! Ein Gespräch über den notwendigen Luxus des Theaterspielens

Er sei „einer der üblichen

Verdächtigen“, sagt der

Theaterregisseur JanBosse

über sich. Zweimal, am

Deutschen Schauspielhaus in Hamburg

und am Gorki-Theater, war er

Hausregisseur. Seitdem reist er zwischen

den Leuchttürmen der

deutschsprachigen Theaterlandschaft

hin und her, wohnt aber in

Berlin. Bosse gilt als Spezialist für

das,was man „Schauspielertheater“

nennt. DieStars vertrauen ihm,weil

er sie glänzen lässt. Mitzweivon ihnen,

Ulrich Matthes und Wolfram

Koch, hat er im Sommer bei den Bregenzer

Festspielen Cervantes’ „Don

Quijote“ als Zwei-Personen-Stück

für die Bühne adaptiert. Nunkommt

der Abend ans Deutsche Theater.

Eine Begegnung in PrenzlauerBerg.

Jan Bosse, Sie haben sich mal als

„Rollkoffer-Regisseur“ bezeichnet.

Tatsächlich haben Sie allein in den

letzten zwei Jahren in Wien, Hamburg,

Stuttgart, Frankfurt, Zürich,

Berlin und Bregenz inszeniert. Und

wer so viel reist, der muss doch

zwangsläufig einen gewissen Überblick

gewinnen: Wiegeht's denn dem

Theater?

Ehrlich gesagt ganz gut, glaube

ich. Theater ist doch immer in der

Krise, aber meistens eher mit sich

selbst. Außer vielleicht in Zürich, wo

ich wirklich überrascht war, wie

schwierig es ist, Publikum ins

Haupthaus zu bekommen. Aber

auch da tut sich ja jetzt einiges ...

Aber zum Beispiel diese vielzitierte

Repräsentationskrise des Theaters,

also die Frage, wer da eigentlichnoch

für wen spielt –bekommen Siedavon

nichts mit an den Häusern?

Mich beschäftigt vor allem die

Frage, wie sehr das alles noch die

Gesellschaft abbildet, wenn es nur

noch geschlossene Zirkel oder Filterblasen

sind, in denen die Zuschauer

genau das bekommen, was

sie erwarten. Oder genau den Skandal,

den sie zwar nicht wollen, aber

über den sie sich dann aufregen dürfen.

Also diese ganzen Selbstbezüglichkeiten.

Ich habe aber nicht das

Gefühl, dass das Theater an sich

nichts mehr mit der Gesellschaft zu

tun hat. Ichglaube,dass die Beteiligten

immer wieder um diesen Bezug

ringen und auch gar nicht anders

können.

Glauben Sie denn, dass das Theater

heute noch soetwas wie eine Pflicht

gegenüber seinemPublikum hat?

Ich werde durch Subventionen

bezahlt. Das ist ein unglaublicher

Luxus.Aber dieser Luxus ist auchein

Fluch, weil die Risikobereitschaft sowohl

vonseiten der Intendanten als

auch der Zuschauergeringergeworden

ist. Der Quotendruck ist am

Stadttheater unglaublich groß geworden,

obwohl es eigentlich gar

keinen Druck gibt. Und Pflicht gegenüber

dem Publikum heißt für

mich vorallem: Mansoll nicht langweilen.

Theater ist, so fies das klingt,

auch Showbusiness. Ich glaube, es

sollte in der Kunst immer darum gehen,

die Wirklichkeit durch die

Mühle der eigenen Wahrnehmung

zu drehen unddann Geschichten zu

erzählen, die die Welt als veränderbare

darstellen. Da bin ich im Kern

total brechtianisch. DenBach runter

geht’s doch von ganz alleine. Dagegen

zu arbeiten, das ist das Schwere!

Nun sind Sie jajemand, der dabei

noch grundsätzlich an das Theater

zu glauben scheint ...

Ja,das stimmt.

... und Don Quijote ist ja auch jemand,

der sich gegen dietriste, freudlose

Wirklichkeit mit den Mitteln der

Fantasie und des Rollenspiels auflehnen

will. Er steigertsich allerdings in

die Lektüre seiner Ritterromane so

sehr hinein, dass es psychotische Dimensionen

annimmt. Ist das für Sie

eine Metapher auf das Theater?

Eine schreckliche Metapher einerseits,

ja, weil alles scheitert. Andererseits

aber auch toll, denn Don

Quijote ist im besten Sinne ein Idealist

und Träumer – und das sind

glaube ich selbst die routiniertesten

Theatermenschen auch. Er ist jemand,

der mit seinen verrückten

Ideen einfach immer wieder loszieht.

Zugleich ist derStoff wahnsinnig

gewalttätig, es herrscht ja Krieg.

Vladimir Nabokov, der ein sehrkritischer

Cervantes-Leser war, hat sich

immer darüber aufgeregt, dass alle

diesen Roman so lustig finden –dabei

wird injedem Kapitel mindestens

ein Zahn ausgeschlagen. Aber

anschließend ist alles wie weggeblasen

und Don Quijote machteinfach

weiter. Diese Haltung des „Trotzdem“,

die finde ich doch bewundernswert.

Weiterzumachen, trotz

der schrecklichen Lage in Spanien

Jan Bosse

im frühen 17. Jahrhunderts oder

DeutschlandsimJahre 2019.

Trotzdem ist ja für Don Quijote die

Flucht in die Fantasie ein Ausstieg

aus der Wirklichkeit, den er letztlich

mit seinemTod bezahlen muss.

Er liest sich quasi aus der Wirklichkeit

raus und findet in der Literatur

ihr Gegenmodell. Zusammen

mit Sancho Panza bastelt er sich bei

uns diese Wirklichkeit neu. Da be-

ZUR PERSON

schließen also zwei, dass ab heute

das ganzelangweilige,armselige Leben

ein einziges tolles Abenteuer

sein soll. Und das ist ein Luxus, der

für mich auch wieder mit dem Theater

zu tun hat. Eigentlich machen

BENJAMIN PRITZKULEIT/BERLINER ZEITUNG

Der Regisseur. Jan Bosse wurde 1969 in Stuttgartgeboren. Nach Engagement an den

Münchner Kammerspielen und am Hamburger Schauspielhaus arbeitet er seit 2005 als freier

Theater- und Opernregisseur.Vier seiner Inszenierungen wurden zum Theatertreffen eingeladen,

zuletzt 2018 „Die Welt im Rücken“ vonThomas Melle (Burgtheater Wien).

Die Inszenierung. „Don Quijote“ vonJakob Nolte nach Miguel de Cervantes hatte Mitte Juli

bei den Bregenzer Festspielen Premiere. Ulrich Matthes spielt den verarmten Junker Don Quijote,

Wolfram Koch seinen Knappen Sancho Panza. Die Berlin-Premiere am Deutschen Theater

ist am 12.10., weitere Aufführungen im Oktober:13./14., 20. und 22.10.

wir doch auch nur hochdotierten

Blödsinn, wenn wir Menschen auf

die Bühne stellen, die irgendeine

Geschichte erzählen und anderesitzenunten

und hören sich das an.

Sie haben schon angedeutet, dass

sich in Ihrer Inszenierung nach der

Bühnenfassung des Romans durch

Jakob Nolte das riesige Personal auf

zwei Figuren, nämlich Don Quijote

und Sancho Panza, reduzierthat.

Ja, und tatsächlich habe ich da

manchmal darunter gelitten. Die

Idee dazu stammt aus unserem Beckett-Projekt

„Endspiel“, das ich vor

zwölf Jahren mit Ulrich Matthes und

Wolfram Koch am Deutschen Theater

gemacht habe.Das war eine sehr

beglückende Erfahrung mit zwei

nicht ganz unkomplizierten, sehr

tollen Schauspielern. Ich fand immer,

dass ich diese Konstellation

mal wiederholen müsste. Und dann

haben wir einen Stoff gesucht.

Also handelt es sich fast um eine

Stückentwicklung!

Ja!Ich wollte das auch so anlegen,

dass es Projektcharakter haben darf.

Undsounterschiedlich Matthes und

Koch sind, haben sie sich in der Probenarbeit

eher gegenseitig beflügelt.

Trotzdem hatte ich dann ein gewisses

Verlustgefühl. Denn das eigentlich

Spannende am Roman sind für

mich die Beschreibungen der Wirklichkeiten.

Diese Welt im Umbruch.

Ich hatte dann plötzlich das Gefühl,

dass es vielleicht eine schlechte Idee

sei, das mit nur zwei Leuten zu machen,

weil es kein Außen gibt. Und

im Theater ist es ja ohnehin total

schwer, ein Außen herzustellen. Wir

mussten dieses Verlustgefühl also zu

einer Qualität machen. Zwei Menschen,

die sich eine Welt nach der

anderen erfinden. Sie spielen Theater,

aber eben auch in der ganzen

Beschränktheit von Theater. Immer

mit dem Gefühl, dass das alles eigentlich

nicht reicht. Es gibt bei uns

nicht einmal Pferd und Esel. Aber

eben auch keinen Krieg.

Dann sind die Hirngespinste der beiden

letztlich harmlos?

Ja, weil sie zugleich Autoren und

Protagonisten ihrer eigenen Geschichten

sind. Sie wollen diese

Deutungshoheit nicht abgeben,

keine funktionierenden Rädchen im

Getriebe sein. Insofern scheint die

Lesesucht Don Quijotes zwar ziemlich

unproduktiv,sobald aus ihr aber

Aktion wird, bekommt sie eine politische,widerständige

Dimension.

Wenn man über sechs Wochen in allen

Proben der einzige Partner für einen

oder zwei Schauspieler war,ist es

dann nicht seltsam, ihn oder sie am

Abend der Premiere allein auf die

Bühne zu entlassen und selber nicht

mehr dabei zu sein?

Ich bin ehrlich gesagt an jedem

Premierenabend froh, dass ich meinen

Job gewählt habe und nicht

Schauspieler bin. Ichkann mich gut

verabschieden. Es gibt ja Kollegen,

die sitzen dann noch in fast jeder

Aufführung und schreiben anschließend

kritische E-Mails.Würde

ich nie machen. Ich finde es unheimlich

wichtig, dass man loslässt,

damit das Ganze noch eine andere

Freiheit bekommt. Dass man sich

da ausprobieren kann. Das geht ja

beim Film zum Beispiel überhaupt

nicht, wenn man vier Jahre für eine

Produktion braucht, in der dann alles

drinstecken und perfekt sein

muss.Ich mache drei Stücke im Jahr

und wenn mal eines davon nicht

funktioniert, geht die Welt auch

nicht gleich unter. Dann lernt man

halt daraus. Daist das Theater viel

flüchtiger. Ich finde aber, das entspricht

mehr unserer zerfasernden

Wirklichkeit.

„Ohne zu sehen, müsst ihr glauben“,

sagt Don Quijote, wenn er mit seinem

eigenen Spiegelbild kämpft. Ist

das Prinzip des Theaters dann „Obwohl

ihr seht, müsst ihr glauben“?

Das Tolle am Theater ist doch,

dass ich behaupten kann: Das dort

ist keine Windmühle, sondern ein

Riese.Und der muss bekämpft werden!

Das heißt dann zwar noch immer

nicht, dass es wirklich ein Riese

ist, aber eben auch keine Windmühle.Esist

aber das schöne Recht

eines jeden Zuschauers, zusagen:

Hatmich nicht erreicht. Unddas ist

die schlimmste Kritik. Da mussman

sich jeden Abend neu beweisen und

nur dadurch bleibt es auch lebendig.

Sonst denkt man irgendwann,

man hat’s verstanden. Ich fürchte

auch, dass es einige Kollegen im Regiebereich

gibt, die meinen, ihr

Ding gefunden zu haben, das dann

abliefern und sich auch ein bisschen

daran aufgeilen, dass einfach

zu doof ist, wer’snicht versteht. Aber

dann bedeutet es letztlich gar nichts

mehr, welchen Stoff ich da gerade

mache. Dann geht es nur noch um

Labels. Und Kunst als Label – da

stimmt doch irgendwas nicht.

DasGespräch führte Janis El-Bira.


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 23

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Feuilleton

Rechte Denker,

linke

Aktivisten

Patricio Pron fabuliert über

einen Schriftstellerkongress

VonMathias Schnitzler

Während die Deutschen den

Norden besetzt halten und von

Süden die Alliierten vorrücken, wird

in Italien ein internationaler Kongress

faschistischer Schriftsteller geplant.

Geheimer Initiator: Ezra

Pound. Pound, einer der großen

amerikanischen Lyriker des 20. Jahrhunderts,

aber auch Mussolini-Verehrer

und Antisemit, lebte seit 1924

in Italien und hielt bei Radio Roma

rassistische Reden.

Als der Kongress im April 1945

stattfindet, ist Mussolini entmachtet

und Pound verschwunden. Überhaupt

fehlen große Namen: Marinetti

ist kürzlich verstorben, Hamsun

und Céline haben anderes zu

tun. So finden sich im norditalienischen

Pinerolo Schriftsteller niederen

Ranges ein, deutsche Blut- und

Boden-Dichter, italienische Nationalisten

wie Futuristen, rechte Autorinnen

und Autoren aus aller Welt.

DerKongress wirdein Fiasko.Die

verschiedenen Nationalitäten, die

eitlen Poeten, übelste Rassisten, Fanatiker,

Exzentriker und Clowns begegnen

einander mit Argwohn und

Spott. Der Krieg scheint ohnehin

verloren. Als plötzlich der italienische

Dichter Borello auf mysteriöse

Weise verschwindet und tot aufgefunden

wird, ist die Angst groß: Suizid

oder Mord,das ist hier die Frage.

Überzeugung oder Gewissen

Natürlich hat der Argentinier Patricio

Pron diesen Kongress, der im

Mittelpunkt seines neuen Romans

steht, frei erfunden –und dazu eine

Reihe rechter Schriftsteller,die er neben

reale Autoren stellt. Am Ende

von „Vergieß deine Tränen für keinen,

der in diesen Straßen lebt“ finden

wir alle in einer literarischen Enzyklopädie,

die in ihrer bizarren Art

an Roberto Bolaños groteskes Spiel

mit rechten Lebensläufen und Fiktionen

in „Die Naziliteratur in Amerika“

(1996) erinnert.

Pron aber zieht weitere narrative

Fäden. Derjunge Student Pietro, Unterstützer

der italienischen Roten

Brigaden, beschattet 1977 in Turin

einen Literaturprofessor, der kurz

darauf ermordet wird. Zerrieben

zwischen politischer Überzeugung

und schlechtem Gewissen stößt Pietro

dann in den Büchern des Professors

auf Borello. Dieser hatte vor

dem besagten Kongress Pietros Vater,

einem antifaschistischen Partisanen,

das Leben gerettet. Das erfährt

Jahre später Pietros Sohn. Der

war wegen der Verhaftung seines Vaters

beim Großvater aufgewachsen.

Im Jahr 2014 gerät der junge Mann

auf einer Mailänder Demonstration

in eine folgenschwere Auseinandersetzung

mit der Polizei.

Pron, geboren 1975, beschrieb in

seinemersten Roman„Der Geist meiner

Väter steigt im Regen auf“ das

schwierige konspirativeLeben seiner

Eltern inder argentinischen Militärdiktatur.

Imneuen Buch finden wir

wieder eine kaputte Familie, hineingezogen

in die Verkettung vonKunst,

Politik und rechter wie linker Gewalt.

Zwischen historisch-kulturellen Realitäten

und wilden Fiktionen

schwankt das Geschehen, zwischen

literarischem Spiel und grausamem

Ernst, zwischen Borges und Pasolini.

Dasist durchaus packend, wohin dieser

Roman aber

eigentlich will,

weiß man am

Ende nicht so

recht.

Patricio Pron:Vergieß

deine Tränen für keinen,

der in diesen Straßen

lebt. Ausdem Spanischenvon

Christian

Hansen. Rowohlt, Hamburg2019.411

S.,24

Euro.

An der Grenze von der DDR zur BRD herrscht Schießbefehl. Gilt der auch für ein kleines Mädchen mit Hund?

Das Wunder fiel nicht vom Himmel

Ein Trickfilm erzählt von Fritzi, dem Hund ihrer Freundin und vom Leipziger Herbst 1989

VonCornelia Geißler

Bis heute ist es nicht gelungen,

ein Denkmal für die

friedliche Revolution von

1989 zu errichten. Wettbewerbsentwürfe

gab es etliche, aber

weder in Berlin noch in der Heldenstadt

Leipzig wurde je ein Projekt

umgesetzt, das politisch und öffentlich

ausreichend Zustimmung gefunden

hätte. Es ist offenbar zu

schwer,die Ereignisse vondamals in

einfache Bilder zu packen. Wie tollkühn

also waren die Regisseure Ralf

Kukula und Matthias Brun, als sie einen

Zeichentrickfilm über den

Herbst 1989 in Leipzig entwickelten!

„Fritzi – eine Wendewundergeschichte“

richtet sich an ein sehr junges

Publikum, so jung, dass dessen

Eltern in der Zeit, von der erzählt

wird, selbst Kinder oder Jugendliche

waren. DasTeam, das auf Grundlage

eines Erstleserbuches aus dem Jahr

2009 die Filmhandlung um zwei

VonJohannes von Weizsäcker

Viele Männer, aber auch einige

Frauen hatten sich im Lido an

der Schlesischen Straße eingefunden,

als hier das junge, gemeinhin

als die Zukunft der Rockmusik gehandelte

Südlondoner Quartett

Black Midi gastierte. Das gut einstündige

Konzert der Band, der das

Label Rough Trade einen für heutige

Zeiten stattlichen Vorschuss gezahlt

haben soll, erfolgte ohne Ansagen

oder Zugaben und war in seiner konsequenten

Pausenlosigkeit eines jener

ganz seltenen Musikereignisse.

Es rechtfertigte den Hype um den Gitarristen

Matt Kwasniewski-Kelvin

vollends, obwohl dieser zunächst

spürbar mit technischen Schwierigkeiten

zu kämpfen hatte.

Als diese überwunden waren, bewegte

sich die Band wie über eine

Müllhalde aus Experimentalrockklängen

der vergangenen vier Jahrzehnte,

soselbstverständlich kickte

sie die Versatzstücke herum, dass

auch mal ein Spieler kurz ausfallen

konnte –esdekonstruierten sich auf

der Bühne immer noch etwa zehn

Subgenres gleichzeitig: Nervöser

Post-Punk trat gegen Sludge-Metal

an, Fela Kuti klammerte sich an Sonic

Youth, alles klang dabei aber

auch irgendwie nach King Crimson

oder Slint oder einem Dutzend

Grunge-Bands.

Mädchen, einen Jungen und einen

Hund erdachte,dürfte sich des Interesses

dieser speziellen Elterngeneration

bewusst gewesen sein. Schon

die ersten Bilder knüpfen mit der

Kleidung und Accessoires wie einem

Walkman an die Zeit-Erfahrung an.

Sophie ist mit ihrer Mutter in den

Sommerferien nach Ungarn gefahren,

mit ihr durch die Grenze geschlüpft

und von dort zur Großmutter

in den Westen gereist. Fritzi

wusste nichts davon und vermisst

ihre beste Freundin. Sie stellt sich

vor, wie deren Hund, den sie nur für

zwei Wochen beaufsichtigen sollte,

sich nach ihr sehnt. Höchst abenteuerlich

versucht sie während einer

Klassenfahrt inThüringen, das Tier

durch die Mauer zu schmuggeln.

Hier hat der Film seinen ersten

spannenden Höhepunkt mit Stacheldraht

und Scheinwerfern, Verhören

sogar, mit echtem Nervenkitzel.

Wieder in Leipzig, ist es der

Hund, der Fritzi zufällig in eine Montagsdemonstration

bringt –auf die

bald für das Mädchen weiterefolgen.

Der Animationsfilm in gedeckten

Farben bewegt sich in der Handlung

erstaunlich differenziert auf mehreren

Ebenen. Dafür kann er nicht genug

gelobt werden. Er zeigt eine Lehrerin

vom alten Schlag, die im Sinne

des Staates funktioniert, er stellt die

Schwierigkeiten der Mitschüler dar,

der Lehrerin folgen zu müssen oder

zu Fritzi zu halten. Er macht auch die

Sorgen der Elternvor den Folgen von

Fritzis Abenteurertum sichtbar. Bis

Anfang Oktober 1989 konnte man

bei einer Demonstration noch jederzeit

von der Polizei aufgegriffen und

festgenommen werden. Und der

Film zeigt Fritzis Entwicklung: Dem

Mädchen wird bewusst, dass man

gemeinsam mit anderen etwas erreichen

kann. Das sind viele Szenen,

die Gefühle wecken und zur Identifikation

einladen.

Ein realistisches Thema gezeichnet

zu erzählen, hält viele Fallstricke

Warten auf den Bus in die Zukunft

Die phänomenale Londoner Band Black Midi spielte im Lido

Der Hype um Matt Kwasniewski-Kelvin ist absolut gerechtfertigt!

Ähnlich wie ihr im Juni erschienenes

Debüt-Album „Schlagenheim“,

dessen Dynamik aber noch deutlich

expandierend, arrangierten die vier

Musiker um die 20, die ihre Band

nach einem japanischen Trend zur

maximalen Überladung des digitalen

Tontriggersystems MIDI bis hin

zum Computercrash benannt haben,

eine große Menge Vergangenheit

zu ihrer ganz eigenen Musikwelt.

Es ist eine Welt, wie vielleicht

nur junge Digital Natives sie erschaffen

können, eine furchterregende,

gleichzeitig aufregende Zerrissenheit,

eine Verfasstheit ständiger, hyperaktiver

Verarbeitung riesiger Datenmengen.

ROLAND OWSNITZKI

Dennoch fragte man sich beim

Konzert im Lido, wie derart junge

Menschen eine so große Referenzmasse

mit solcher Wucht verwalten

können und dabei klingen wie das

wackeligste Experiment und die abgebrühteste

Muckertruppe zugleich.

Immerhin besuchte die Band die

Südlondoner BRIT-Schule mit Musikschwerpunkt,

die der Welt bereits

Stars wie Amy Winehouse, Adele

oder King Krule schenkte, und

nutzte deren Proberäume über Jahre

ausgiebig. Aber dennoch bedarf es

einer ungewöhnlichen Vision, um

daraus ein lebendiges Endzeitgeräusch

zu destillieren. Bemerkenswert

übrigens der opernhafte Nu-

WELTKINO

bereit, denn die Figuren sind viel fester

an eine Struktur gebunden als

wenn die Handlung gespielt wird. Als

(Wende-)erfahrender Erwachsener

entdeckt man kleine historische

Fehler hier und dort, an anderen

Stellen jedoch eine große Sorgfalt in

den Details. Ambesten ist, dass der

flächigen Darstellung zum Trotz das

wahre Wunder nicht platt erzählt

wird. 1989 fiel kein guter Stern vom

Himmel und hat die Menschen beglückt.

Es dauerte mehrere aufregende

Montage und brauchte viele

mutige Menschen, bis Leipzigs Straßen

so voll waren mit dem Volk, das

freie Wahlen und freies Reisen forderte,

dass sich die bewaffneten

Kräfte zurückzogen. Undschließlich

sahen sich die Freundinnen wieder.

Fritzi–eine Wendewundergeschichte. Dtl., Luxemburg,Belgien,

Tschechien 2019. Regie: Ralf

Kukulaund MatthiasBruhn, Drehbuch:Beate

Völcker,Co-Autor:Péter Palátsik. 86 Minuten,

Farbe,FSK: ab 6

schel-Quak-Gesang von Gitarrist

Geordie Greep –dessen Look an den

jungen Gary Numan in Fünfziger-

Gedenkfrisur erinnerte.Alsbald driftete

Greeps Stimme in ziegenhaftes

Fisteln und wurde gelegentlich von

Post-Emo-Geschrei-Interventionen

durch Kwasniewski-Kelvin oder Bassist

Cameron Picton kontrastiert.

Doch lag der Fokus auf dem Instrumentalspiel,

und bei aller Detail-

Verarbeitung des antiken Idioms

„Gitarrenriff“ –egal ob im monolithischen

Eingangsstück „953“, in

den Noiserock-Schwellungen von

„Ducter“ oder einem atonalen Ping-

Pong-Spiel zwischen Greep und

Kwasniewski-Kelvin, welches wiederum

ins Schlussstück, das Disco-

Funk-Wrack „bmbmbm“ mündete,

war es Schlagzeuger Morgan Simpson,

der alles zusammenhielt. Dieser

Junge trommelt, als sei die Jazz-Legende

Elvin Jones in eine Punkrockband

geraten. Am Bühnenrand positioniert,

blickten die anderen drei

auch regelmäßig zwecks Orientierung

zu ihm hinüber, was sie wie

Wartende an einer Bushaltestelle

aussehen ließ – Nahverkehrskunden,

die beim Warten abgehetzten

Afro-Progrock spielen.

Ein schönes Bild: Warten auf den

Bus indie Zukunft, die sich auf diesem

appropriierten Vergangenheitsgewusel

sicher wird aufbauen lassen.

NACHRICHTEN

Chinesischer Staatssender

boykottiertNBA-Spiele

AusÄrger über unterstützende Bemerkungen

für die Protestbewegung

in Hongkong hat China die Übertragung

einiger NBA-Spiele gestoppt.

Wieder chinesische Staatssender

CCTV am Dienstag ankündigte,

werdeerdarauf verzichten, in China

ausgetragene Vorsaison-Spiele der

amerikanischen Basketball-Liga zu

zeigen. Demvorangegangen war in

China eineWelle der Empörung über

Äußerungen vonDaryl Morey, dem

Manager des US-Basketballteams

Houston Rockets.Morey hatte auf

Twitter ein Bild mit den Worten

„Fight for Freedom –Stand with

Hong Kong“ veröffentlicht (Kämpft

für die Freiheit– unterstützt Hongkong).

Derchinesische Basketballverband

beendete daraufhin umgehend

die Zusammenarbeit mit dem

NBA-Team. Basketball ist in China

ein äußertbeliebter Sport. Millionen

chinesischer Fans verfolgen die

NBA. (dpa)

Ausgezeichnete Reporter

bemerkenfeindliches Klima

Diediesjährigen Preisträger des

Leipziger Medienpreises beobachten

ein zunehmend pressefeindliches

Klima in der Gesellschaft. In

Deutschland werdeinzwischen bis

in bürgerliche Kreise hinein mit Hass

auf andereMeinungen reagiert,

sagte der Fernsehreporter Arndt

Ginzel (46). Ginzel ist zusammen mit

seinem Kameramann Gerald Gerber

(47) dieses Jahr Träger des Preises für

die Freiheit und Zukunft der Medien.

DieAuszeichnung wirdamDienstagabend

in Leipzig überreicht. Auch

dem österreichischen Journalisten

und ORF-Moderator ArminWolf (53)

wurde der Preis zugesprochen. Auch

er bestätigt, dass vonpolitischer

Seite immer mehr versucht werde,

die Arbeit vonJournalisten zu delegitimieren.

DerLeipziger Medienpreis

wirdseit 2001 vergeben. Er ist mit

insgesamt 30 000 Euro dotiert.(dpa)

Der Deutsche Fernsehpreis

wird wieder zur großen Show

DerDeutsche Fernsehpreis soll

nächstes Jahr als große „Samstagabendshow“

auf den TV-Bildschirm

zurückkehren. Die21. Verleihung

werdeam6.Juni 2020 liveum20.15

Uhrvon RTLaus Köln übertragen,

teilte das Sekretariat des Preises am

Dienstag in Köln mit. Als federführender

Sender richte RTLden Preis

neu aus.Inden vergangenen Jahren

hatte die Gala eher ein Schattendasein

geführt.Wie früher soll die Show

wieder im Kölner Coloneum stattfinden.

Eine Sprecherin betonte jedoch,

dass das Konzept völlig neu

sein werde. DiePreisverleihung

werdeeine „große dynamische,

emotionsgeladene Inszenierung“

werden und als solche nicht mit den

früheren Veranstaltungen vergleichbar

sein. Genaueres werdeRTL zu

gegebener Zeit mitteilen. DerDeutsche

Fernsehpreis wirdseit 1999 von

den großen TV-Anbieternvergeben –

Stifter sind die Intendanten und Geschäftsführer

vonARD,ZDF,RTL

und Sat.1.

TOP 10

Montag,7.Oktober

1 Dengler ZDF 5,60 18 %

2 Tagesschau ARD 5,01 17 %

3 heute ZDF 3,71 16 %

4 heute-journal ZDF 3,69 13 %

5 SokoPotsdam ZDF 3,27 17 %

6 RTL aktuell RTL 3,03 14 %

7 Wer weiß denn ...? ARD 3,01 16 %

8 Wiso ZDF 2,91 10 %

9 Morden im Norden ARD 2,81 11 %

10 Wohnen. Mieten ... ARD 2,71 8%

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Die Möglichkeit einer Insel

20.00 Neues Haus: Mütter und Söhne

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

20.00: Die Zofen

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00: Medea. Stimmen

20.00 Box: Tropfen auf heiße Steine

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Glauben an die Möglichkeit ...

HAU1(&25 90 04 27)

20.00: no apocalypse not now

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

19.30 Studio: Der Morphinist

Kleines Theater (& 821 20 21)

20.00: Alte Liebe

Komödie (& 88 59 11 88)

19.30: Rio Reiser –Mein Name ist Mensch

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: Anna Karenina oder Arme Leute

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Mord auf Schloss Haversham

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00 Saal C: DankeDeutschland

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Sophiensaele (& 283 52 66)

19.00 Festival After Europe: Fractured Memory

20.30 Festival After Europe: Azimut dekolonial /Remix

Staatsoper Unter denLinden (& 20 35 45 55)

19.00: Die lustigen Weiber vonWindsor

Theater Thikwa (& 61 20 26 20)

20.00: Zugabe (Addas Ahmad und Monster Truck)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Indien

Vierte Welt (& 01 57 88 44 09)

20.00: Tracings (Nora Amin &Steffi Sommer)

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Aquamarin(Klaus Hoffmann)

BKA (& 202 20 07)

20.00: Ediths Geburtstach (Ades Zabel &Friends)

Cabuwazi –Zelt Springling (& 60 96 28 48)

10.00, 14.00: 40 Jahre Marzahn –Die Cabuwazi-Jubiläumsshow

Anzeige

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos(Gravity&Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

19.30: Die Ding-Show(ImproBerlin)

20.00: Zirkus Angela

Estrel Showtheater (& 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: 2Berliner ernten Dank

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

20.00: Strictly StandUp–The English ComedyNight

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater Berlin (& 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

18.30: Mamma Mia! –Musical mitABBA-Hits

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00: Worumeswirklich geht (Sissi Perlinger)

Wintergarten Varieté (& 58 84 33)

20.00: Woodstock Variety Show

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Sächsisch für Anfänger (Thomas Nicolai)

KLASSIK

Lukaskirche Steglitz (& 795 50 51)

18.00: MarkusEpp, Orgel to go!–playorgan, play,

Schütz: Keep cool, Fantasia, Impressions; Gardony:

MozartChanges; Badelt: Fluch der Karibik –30

Minuten Orgelmusik ausFilm, Pop, Jazz

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: JungeKammerphilharmonie Berlin: Neues

Werk für Solo-Harfe, UA;Eötvös: Neues Werk für Solo-Violine,

UA;Hosokawa: Neues Werk für Solo-Englischhorn,

UA;Mahler:„Das Lied vonder Erde“

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

17.00: Stipendiaten der Karajan-Akademie der

Berliner Philharmoniker,Carte blanche

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Duo Linda Leine und Daria Marshinina, Schubert:

Divertissement, Rondo; Vasks: Musikfür zwei

Klaviere; Stravinsky: Concerto per duepianoforti soli

KINDER

Alte Dorfschule Rudow (& 66 06 83 10)

10.00: Kinderferienprogramm: Filzen mit Prisca,

Workshop. Anm.erf.

Berliner Festspiele

#immersion

HAUS DER BERLINER FESTSPIELE—HAUS DER BERLINER FESTSPIELE

Taylor Mac, with costumes byMachine Dazzle

©Photo: Little Fang Photography at the Curran

IMMERSION –PERFORMING ARTS 6

A24-DECADE

HISTORYOF

POPULAR MUSIC

10.–

20.10.19

Europapremiere /

European premiere

Vortrag

Gedanken

zum

Shitstorm

Armin Nassehi, dürfte

nichts Menschliches

fremd sein. In Tübingen geboren,

in Bayern, Teheran und

Gelsenkirchen aufgewachsen,

studierte er Soziologie und habilitierte

sich mit einer Arbeit

zu den Biografien ehemaliger

Insassen sowjetischer Zwangsarbeiterlager.

Erlehrt Soziologie

in München, ist Herausgeber

der Zeitschrift Kursbuch

und im Stiftungsrat der Katholischen

Universität Eichstätt.

Undheute kommt er ins Deutsche

Theater, um„Das Ärgernis

öffentlicher Erregung“ zu

erklären. Wieso Gefühle einen

mehr bewegen als Argumente

(weil man die einen eben fühlt

und die anderen nur denkt),

liegt auf der Hand, aber soziologisch

lässt sich das Phänomen

des Shitstorms bestimmt

noch anders ausdeuten, und

sei es, dass es auf die Notwendigkeit

eines leidenschaftlicheren

rationalen Diskurses

hinausläuft. PetraKohse

VortragArmin Nassehi,19Uhr,Saal,

Deutsches Theater, Schumannstr.13a

Der 30-jährige israelische PIanist LahavShani wird 2020 die Leitung des Israel Philharmonic Orchestra übernehmen. In Berlin spielt er am Mo

Peter Uehling

will Musik hören und keine Interpreten.

Im Berliner Musikleben sucht er nach

Veranstaltungen, die musikalische

Erfahrungen bieten könnten –neuartige,

begeisternde, interessante oder

herzerwärmende. Ob sie sich

tatsächlich einstellen, ist allerdings eine

Fragedes Glücks.

Modern, ach, was ist

schon modern? Jahrzehntelang

wurde uns

eingetrichtert: Atonal

und kompliziertmuss die Musik unserer

Zeit sein, auf Hörgewohnheiten

darfsich keiner herausreden, das

ist nur geistige Bequemlichkeit.

Diese Propaganda war erfolgreicher

als die Musik selbst. Zwar wurden

Komponisten wie Elgar, Strauss, Sibelius

oder Rachmaninow erfolgreich

als intellektuell minderbemittelte,geldgierige

Opportunisten verbannt,

aber dass stattdessen die Musik

Arnold Schönbergs und seiner

Adepten in den Konzertprogrammen

eine Blüte erlebt hätte, wird

wohl niemand behaupten. Dafür

sind die genannten, angeblich Ewig-

Gestrigen zurück. Ist das uneingeschränkt

zu begrüßen? Ist damit

nicht jede „moderne“ Perspektive

aufgegeben?

Aber man kann auch andersherum

fragen: Warum sollte Jean Sibelius’

letztes Orchesterwerk „Tapiola“

–zuhören bei den Berliner

Philharmonikernunter PaavoJärvi –

weniger „modern“ sein als Schönbergs

gleichzeitig entstandene Orchester-Variationen?

Sibelius suchte

1926 nicht weniger besessen nach

neuen Formen als Schönberg, und

warum sein Festhalten an der Tonalität

allein schon reichen soll, ihn als

Stütze der Gesellschaft zu diffamieren,

versteht heute niemand mehr –

denn allzu sehr nach Halt und Sicherheit

klingt sie in diesem Stück

wahrlich nicht. Im besten Fall zeigt

die Wiederkehr der „Konservativen“

an, dass wir gelernt haben, genauer

hinzuhören, dass uns die Moderne

nicht mehr mit dem Gesäß ins Gesicht

springen muss, damit wir aufmerksam

werden auf Dinge,die über

das Alte hinaus weisen.

Den Extremfall markiert in der

kommenden Wochedas Konzertder

Staatskapelle unter Daniel Barenboim

und mit Lahav Shani am Klavier:

Dagibt es Rachmaninows Drittes

Klavierkonzert von 1909, Elgars

„Falstaff“ von 1913 und Strauss’ „Till

Eulenspiegel“ von 1895. Strauss galt

eine Weile als moderner Tonsetzer,

aber seine Modernität lag in der Abkehr

von Kunstreligion, Autobiografismus

und spätromantischer

Schwere. Rachmaninow ist ihm gewiss

nicht in allem gefolgt – das

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Once Upon a

Time in...Hollywood 16.30; Preview: Joker 20.00

Cinema Paris (& 881 31 19) Nurejew 14.50,

17.40; Gelobt sei Gott 20.30

Delphi Filmpalast (& 312 1026) Deutschstunde

14.50,17.40, 20.30

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Memory Games

(OmU) 15.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 17.00, 20.30; Preview: Joker (OF) 20.15;

Systemsprenger 14.30, 17.15, 20.00; Gelobt

sei Gott (OmU) 15.00; Ad Astra (OmU) 18.00,

21.30; Ein Licht zwischen den Wolken 13.30; Nurejew

(OmU) 14.15, 18.40, 21.20; Der Distelfink

(OmU) 15.30; Und der Zukunft zugewandt 13.20,

17.30; Skin (OmU) 15.40, 18.20, 21.00; Synonymes

14.15; Ein Licht zwischen den Wolken (OmU)

16.50; Synonymes (OmU) 18.50

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Deutschstunde

17.30, 20.00; Systemsprenger 17.45; Zwischen

uns die Mauer 20.15

Kant Kino (& 319 9866) Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 14.00, 16.00; Gelobt sei Gott 15.15, 17.50;

Nurejew 20.40; Everest 13.30, 15.40; Downton

Abbey 14.30, 18.00, 20.40; Late Night 18.00;

Der Distelfink 20.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.00; Der Distelfink 17.00; Leid und

Herrlichkeit 20.00; Gut gegen Nordwind 17.00;

Once Upon aTime in...Hollywood 19.30

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) Angry Birds 2

12.00; Downton Abbey 14.15; Gemini Man 17.10,

23.10; Preview: Joker 20.15; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 12.20, 14.30; Downton Abbey 16.50;

Metallica &San Francisco Symphony: S&M2(OF)

20.00; Ad Astra 23.15; Deutschstunde 12.00,

14.50, 17.40, 20.30; Angel Has Fallen 23.15; Gemini

Man 12.30, 15.10, 20.40; AdAstra 17.50;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 11.45,

14.15; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 16.40; Preview:

Joker (OF) 19.45; AdAstra 22.40; Playmobil

12.45; AdAstra 15.00; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 17.50; Downton Abbey 20.00; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 22.50; Die drei !!!

11.15, 13.10; Angry Birds 215.10; Der Distelfink

17.30;AdAstra 20.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Midsommar

(OmU)11.00; DerGoldene Handschuh (DFmenglU)

13.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

15.20; Angry Birds 216.50; Datsche (OmenglU)18.30;Once

Upon aTime in...Hollywood (OmU)

20.00; Synonymes (OmU) 22.45;

Paranza 11.00; Push –Push (OmU) 12.45; Cleo

(OmenglU) 14.15; Systemsprenger 15.50; Memory

Games (DFmenglU) 18.00; Midsommar (OmU)

19.30; Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 22.00;

DieAgentin –The Operative (OmU) 11.00; Leid und

Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 13.00; Und der

Zukunft zugewandt (DFmenglU) 15.00; Wer 4sind

–Die Fantastischen Vier 16.45; Ama-San (OmU)

18.30; Systemsprenger (DFmenglU) 20.30; 3From

Hell –Three From Hell (OmU) 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 14.00; Systemsprenger

15.45, 20.00; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Midsommar (OmU) 22.30; Über Grenzen –

Der Film einer langen Reise 14.00; Congo Calling

(OmU) 16.15; Celebration (OmU) 18.00; Memory

Games (OmU) 19.30; Barstow, California (OmU)

21.15; Playland USA 22.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX 3D: Gemini

Man 14.00, 16.50; AdAstra 14.00, 16.50, 20.10;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.15;

Gemini Man 14.20, 17.20, 20.45; Preview: Fritzi –

Eine Wendewundergeschichte 14.20, 17.30; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 14.30, 18.10; Es: Kapitel II

14.30, 17.45, 20.30; Enzo und die wundersame

Welt der Menschen 14.30; Once Upon aTime in...

Hollywood 14.45; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

14.45;Angry Birds 214.50, 17.20; Everest 15.00,

17.30; 3D: Der König der Löwen 15.00; UglyDolls

15.10, 17.50; Deutschstunde 16.50, 19.50; Gut

gegen Nordwind 17.00; Angel Has Fallen 17.10;

Downton Abbey17.20, 20.10; Rambo 5: Last Blood

18.10, 20.20; Metallica &San Francisco Symphony:

S & M2 (OF) 20.00, 20.30; Preview: Joker

20.00; Preview: Dem Horizont sonah 20.00; Skin

20.15; 3D: Gemini Man 20.15; Midsommar 20.30;

Preview: Joker (OF) 20.45

Zukunft (& 01 76/57 861079) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 18.00; Skin (OmU)

20.15, 22.30; Berlin Bouncer (OmenglU) 18.00;

Frau Stern 19.45; Heute oder morgen 21.30

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 0200) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.30; Everest 13.40, 16.30;

Der König der Löwen 13.40; Angry Birds 213.50;

3D: Gemini Man 14.00, 17.10; Pets II 14.10;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 14.15, 16.50; 3D:

AngryBirds 216.20;Downton Abbey16.30, 19.40;

Good Boys 16.40; 3D: Everest 17.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 19.20; Rambo 5: Last Blood

19.30; Gemini Man 19.30; Preview: Dem Horizont

so nah 19.45; Metallica &San Francisco Symphony:

S&M220.00; Preview: Joker 20.00

Kino Kiste (& 998 74 81) Once Upon aTime in...

Hollywood 13.30;Der König der Löwen 16.20; Blinded

by the Light 18.25; Systemsprenger 20.30

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) Die drei !!!

11.50; 3D: Der König der Löwen 12.00; UglyDolls

12.10,14.30,17.10; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

12.10,15.10,17.20;AToy Story: Alles hörtauf kein

Kommando12.15,14.40;Jim Knopf und Lukas der

Lokomotivführer 12.20;Der Königder Löwen 12.30,

17.10;Angry Birds 212.30, 15.00, 17.30; Everest

12.40, 14.50, 17.20; Enzo und die wundersame

Welt der Menschen 14.20; Gemini Man 14.45,

20.20; Good Boys 15.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.00, 17.40; 3D: Everest 16.50;

Downton Abbey 17.00, 19.30; 3D: Gemini Man

17.15, 20.00; Rambo 5:Last Blood 19.40; Es: Kapitel

II 19.50; Metallica &San FranciscoSymphony:

S&M220.00; Preview: Joker 20.00; Preview: Dem

Horizont so nah 20.00; Ad Astra 20.10

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 17.10, 20.30; Preview: Joker

(OmU) 20.00, 22.40; B Ad Astra (OmU) 17.00

fsk am Oranienplatz (& 614 2464) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 17.45; Gelobt sei Gott (OmU)

17.45, 20.30; Systemsprenger 19.30,21.45

Moviemento (& 692 47 85) Mein Lotta-Leben –

Alles Bingo mit Flamingo! 10.00; Systemsprenger

12.30, 21.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.15, 17.15; Memory Games (OmU) 19.15; Der

kleine Maulwurf (1963-1975) 10.15; Midsommar

(OmU) 11.45, 17.00, 22.30; Prelude 14.45; Skin

(OmU) 20.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 14.15; Skin (OmU) 16.30; Once Upon a

Time in...Hollywood (OmU) 21.30

Sputnik (& 694 11 47) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.00; Normal (OmU) 16.45;

Mein Leben mit Amanda (OmU) 18.00; Systemsprenger

20.00; Paranza: Der Clan der Kinder –La

paranza dei bambini (OmU) 22.15; CatVideoFest

2019 (OmU) 15.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor

y gloria (OmU) 16.15; Zwischen uns die Mauer

18.15; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.15; WeHave Always Lived inthe Castle (OF)

22.45; Kinobar imSputnik Film aus Papier: Lesung

20.30

Yorck (& 78 91 32 40) Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 14.00, 16.00; Systemsprenger 17.15,

20.00; New Nurejew 14.30, 20.30; Undder Zukunft

zugewandt 18.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 9590) Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00, 18.15;

Playmobil 10.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 10.00,12.45; Everest 10.00,12.45,

15.15; Angry Birds 210.00, 15.15; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 12.30; UglyDolls

13.00, 15.00; Gemini Man 15.00, 17.30, 20.15;

Systemsprenger 17.15, 20.15; 3D: Everest 17.30;

Downton Abbey 17.45, 20.00; Es: Kapitel II 19.45;

Ad Astra 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Gut gegen

Nordwind 10.00, 20.30; Memory Games 10.15;

Angry Birds 210.15; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

12.30,15.30; Nurejew 13.00, 17.50; Downton Abbey

13.00, 17.30; Es: Kapitel II 14.30; 3D: Angry

Birds 215.45; Skin 18.00,20.30; Metallica &San

Francisco Symphony: S&M2 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Der

König der Löwen 11.30, 14.20; Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 11.45; Jim Knopf und

Lukas der Lokomotivführer 11.45; Everest 11.45,

14.40, 17.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

11.45,14.10; Shaun dasSchaf: UFO-Alarm

12.00, 14.30, 17.15; Angry Birds 212.00, 14.30,

16.50; 3D: Gemini Man 14.00, 17.00; Good Boys

14.15; UglyDolls 14.30, 17.00; Es: Kapitel II

16.40; Gut gegen Nordwind 17.00; Downton Abbey

17.10, 20.10; Once Upon aTime in... Hollywood

19.20; Metallica &San Francisco Symphony: S&

M2 (OF) 20.00; Preview: Joker 20.00; Gemini Man

20.00; Preview: Dem Horizont so nah 20.00; Rambo

5: Last Blood 20.15;Angel Has Fallen 20.15

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingomit Flamingo!17.00; Systemsprenger18.45;

Mein Leben mit Amanda (OmU) 21.00; Und der

Zukunft zugewandt 18.00; Portret pod mukhoi –

„Beschwipstes“ Porträt (OmenglU) 20.00; Memory

Games (OmU) 21.45

Babylon (& 242 5969) KinderwagenKino: Der unverhoffte

Charme des Geldes –Lachute de l‘empire

americain (OmU) 11.00; Zwischen uns die Mauer

16.45; 60‘s BRD: Die Artisten in der Zirkuskuppel:

ratlos (OmenglU)18.00; IndoGermanFilm:Sye Raa

Narasimha Reddy (OmenglU) 19.00; Metropolis

(1925/26; m. Live-Orchesterbegleitung) 19.30;

60‘s BRD: Der junge Törless 20.00; Jiddische Glikn:

AGesheft (OmU) 22.00; Mackie Messer –Brechts

Dreigroschenfilm 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Thilda

&die beste Band der Welt 10.00; Midsommar

(OmU) 12.45; Mein Lotta-Leben 15.45; Yesterday

(OmU) 18.00; Preview: Joker (OmU) 20.30; Mein

Lotta-Leben 10.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.00, 15.00, 17.00; Memory Games

(OmU) 19.00; Preview: Joker (OmU) 21.00

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) Everest

11.00,13.40; AToy Story11.10; Enzo unddie wundersame

Welt der Menschen 11.15, 14.00; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 11.20, 13.40, 17.10; Jim

Knopf und Lukas der Lokomotivführer 11.20; 3D:

Gemini Man 11.30, 14.20, 17.10, 19.40, 23.15;

Angry Birds 211.40, 14.20; Playmobil 11.50; Fritzi

14.00, 17.20; UglyDolls 14.10, 16.40; Downton

Abbey 14.30, 16.30, 19.40; Es: Kapitel II 16.10,

19.10, 22.30; Ad Astra 16.20, 20.10; 3D: Everest

16.45; Gut gegen Nordwind 17.30,19.30; Preview:

Dem Horizont so nah 19.45; Metallica &San Francisco

Symphony: S&M2 20.00; Preview: Joker

20.00,23.00; Rambo 5: Last Blood 20.30, 23.10;

Once Upon aTime in... Hollywood 22.30; Midsommar

22.40; Angel Has Fallen 23.00; Ready or Not?

–Auf die Plätze,fertig, tot 23.15

Hackesche Höfe (& 283 4603) Systemsprenger

14.30,19.45,22.15;Gelobtsei Gott (OmU)17.00;

Und derZukunftzugewandt 14.45,22.00; Deutschstunde

17.00, 19.30; Nurejew (OmU) 14.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 17.15, 20.30;

Berlin Babylon (OmU) 14.00; Der Distelfink (OmU)

16.00; Preview: Joker (OmU) 20.00; Ein leichtes

Mädchen – Une fille facile (OmU) 22.30; Skin

(OmU)14.00, 16.30,21.30; Nurejew (OmU) 19.00

International (& 24 75 60 11) Premiere: Fritzi –

Eine Wendewundergeschichte 17.00; Preview: Joker

(OmU) 21.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Berlin.Dokument:

Nachrede auf Klara Heydebreck /Ein Leben 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 06 44)

UglyDolls 12.00, 14.30, 17.00; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 12.00, 14.30,17.00; Playmobil 12.00;

Pets II 12.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 12.00; Everest 12.00,14.30, 17.30;Der

König der Löwen 12.00, 14.45, 17.00; Angry Birds

212.00, 14.15, 17.05; AToy Story 12.00, 14.20,

17.05; Downton Abbey 14.15, 20.10; 3D: Gemini

Man 14.20, 17.10, 20.00; Late Night 15.00; 3D:

Everest 16.45; Ad Astra 17.00; Gemini Man 19.30;

Gemini Man (OF) 19.45; Rambo 5: Last Blood

20.00; Firincinin Karisi (OmU) 20.00; Preview: Joker

20.15

IL KINO (& 91 70 29 19) Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 10.30; Zwischen uns die Mauer

(DFmenglU) 13.30; Diego Maradona (OmenglU)

16.10; Normal (OmenglU) 18.30; Synonymes

(OmenglU) 19.50; Nurejew (OmU) 22.00

Neues Off (& 62 70 95 50) Midsommar (OmU)

16.45; Preview: Joker (OF) 20.00

Passage (& 68 23 70 18) Frau Stern 14.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 16.40, 20.00;

Preview: Joker (OmU) 20.30; Gelobt sei Gott (OmU)

15.10; Downton Abbey (OmU) 17.20, 20.00;

Deutschstunde 14.50, 17.50

Rollberg (& 62 70 46 45) Skin (OmU) 17.15,

19.50; Preview: Joker (OF) 21.00; Skin (OF) 22.30;

Nurejew (OmU) 18.00; Midsommar (OmU) 20.40;

Ad Astra (OF) 19.30; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmenglU) 17.00, 22.10; Systemsprenger

(OmenglU) 18.15; Der Distelfink (OmU) 17.15

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) Jim

Knopf und Lukas der Lokomotivführer 11.30; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 11.40;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 11.50, 14.45, 17.15;

Everest 12.00, 14.30, 17.00;Angry Birds 212.10,

14.55,17.25; 3D:Gemini Man14.00, 16.50;Ugly-

Dolls 14.15,17.35; DowntonAbbey 14.40, 19.50;

Es: Kapitel II16.30; Gemini Man 19.30; Ad Astra

19.40; Metallica & San Francisco Symphony: S

&M2(OF) 20.00; Preview: Dem Horizont so nah

20.00; Preview: Joker 20.15

Wolf (& 921 03 93 33) Systemsprenger (OmenglU)

12.00, 21.00; Ad Astra (OmU) 12.00, 18.40; Synonymes

(OmenglU) 14.20,21.10; Ama-San (OmU)

14.20; Momo 16.30; Heute oder morgen (OmenglU)

16.50; Ama-San (OmU; mit Dinner) 19.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.00, 16.00; Deutschstunde

18.00, 20.40; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

16.00; Und der Zukunft zugewandt 18.00; Nurejew

20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.00, 16.00; Und der Zukunft

zugewandt 18.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 20.30; Preview: Joker (OmU) 20.30;

Systemsprenger 14.30, 17.15, 20.00; Preview:

Joker 20.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.50; Downton Abbey (OmU) 16.50; Everest

13.40,15.50; Nurejew 18.00,20.45; Deutschstunde

15.00,17.40


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

ntag und Dienstag mit der Staatskapelle Rachmaninov, Elgar und Strauss.

Dritte Klavierkonzertspricht vonseiner

Melancholie, seiner Herkunft –,

dennoch gibt es bei ihm eine Neigung

zu klassischer Übersichtlichkeit,

die noch einen Schuss Show bekommt,

was den romantischen Ton

für die Gegenwartbricht.

Elgar stellten sich derartige Fragen

nicht. Autobiografisches wird hier

verschlüsselt, weil es aus Formgründen

nicht nach außen getragen wird.

Elgars Musik vermittelt die Haltung

des Menschen in der Gesellschaft.

Auch wenn sein letztes Orchesterwerk

einen zur Völlerei neigenden

Wollüstling porträtiert: Die hysterischen

Gestalten, die deutsche Opernbühnen

vonWagner an beherrschen,

verdienen sein ethisches Interesse

nicht –darin ist er Strauss verwandt,

der mit modisch überspannten Patientinnen

wie Salome und Elektraerst

Kasse machte und sich dann zivileren

Vergnügen wie „Rosenkavalier“ und

„Ariadne“ widmete.

Für jüngere Generationen war

dergleichen nicht attraktiv.Paul Hindemith,

Hanns Eisler oder KurtWeill,

alle um 1900 herum geboren, gruselte

sowohl vor solch plüschigen

Sujets als auch vor der Vorstellung,

Im Sinne des

Klassenkampfs

Nicht erst heute findet neue Musik kein Publikum.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts geriet sie von

konservativer und noch jüngerer Seite unter Druck

KLASSIK

Berliner Philharmoniker: 10. &11.10.,

20 Uhr,12.10., 19 Uhr,Philharmonie,

Herbert-von-Karajan-Str.1

Staatskapelle: 14.10., 19.30 Uhr,

Staatsoper Unter den Linden, 15.10.,

20 Uhr,Philharmonie

Kammerakademie Potsdam: 16.10.,

Kammermusiksaal, Herbert-von-Karajan-

Str.1

MARCO BORGGREVE/ISRAELISCHE PHILHARMONIEORCHESTER/DPA

bretthart exklusive Avantgarde-Musik

zu schreiben: Beides hatte mir

der Wirklichkeit nichts zu tun. Der

Tonder Welt war aufzunehmen und

neu, vielleicht sogar im Sinne des

Klassenkampfs zu gestalten. Die

Kammerakademie Potsdam und die

große UteLemper zeigen ein durchaus

facettenreiches Bild einer Komponistengeneration,

deren Musik als

praktische Kritik an der ästhetizistischen

Avantgarde des Schönberg-

Kreises zu verstehen ist.

Hindemith bringt in seiner „Kammermusik

Nr. 1“die Großstadt mit

allgemeinem Rumoren zum Klingen,

in Eislers „Kleiner Sinfonie“ vernehmen

wir die Atmosphäre des Straßenkampfs.

Friedrich Hollaenders

Lieder markieren das Niveau damaligen

Amüsements, das in den Songs

von Weill in künstlerisches Neuland

verwandelt wird, das in den „Sieben

Todsünden“ in nach wie vorfaszinierende

oratorische Form gebracht

wurde.Zuhoffen ist, dass solche Programme

nicht nur im verklärten

Hochglanz der „Babylon Berlin“-

Twenties wahrgenommen werden,

sondern als Ausdruck künstlerischen

Eigenwillens in bewegter Zeit.

Buchvorstellung

Wo der

Süden

aufhört

Goethe betrachtete den

Brennerpassinden Alpen

als Grenzscheide zwischen

Süden und Norden. Der britische

Chemiker Humphrey

Davy, der 1824 imRahmeneiner

siebenwöchigen Reise bis

an die norwegischeKüste vorstieß,

wähnte sich bereits in

Hannover ziemlich weit in

südlichen Gefilden. Für den

Schweizer Dichter Charles

Victor stellte sich ein intensives

Nord-Gefühl ein, als er

zum ersten Mal die Heidelandschaft

bei Lüneburg erblickte.„Der

Norden beginnt“,

so schreibt der Kulturwissenschaftler

Bernd Brunner in

seinem Buch „Die Erfindung

des Nordens“, „wo der Süden

aufhört.“ Die auf dem Kompass

ausgewiesene Himmelsrichtung

ist Projektionsfläche

und Erlebnisraum zugleich.

BerndBrunner hatsie geografisch,

mythologisch, und mit

den Wanderschuhen erkundet.

Harry Nutt

DieErfindungdes Nordens 20 Uhr,

Buchlokal, Ossietzkystr. 10

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Hans im Glück (ab 6bis 10 J.)

10.30: Die Hühneroper (ab 6bis 10 J.)

Berlinische Galerie (& 78 90 26 00)

15.00: Offenes Atelier (ab 6J.)

Cabuwazi –Zelt Altglienicke (& 22 19 76 60)

10.00: Zirkusferien Altglienicke, Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

10.00: Zirkusferien Kreuzberg,Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Tempelhof (Columbiadamm 84)

10.00: Zirkusferien Tempelhof, Workshop (ab 7J.)

Das weite Theater (& 991 79 27)

10.00: Kannst du pfeifen, Johanna? (ab 5J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

11.00: PippiLangstrumpf (ab 5bis 11 J.)

FEZ Berlin (& 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung(ab 10 J.)

10.00: Berlins beste Herbstferien! PHÄNOMENIEN –

Erstaunliches für Neugierige (ab 4bis 10 J.)

Figurentheater Grashüpfer (& 536 95 15 0/ 52)

10.00: DasGlück, das nicht vomBaum fallen wollte,

Christiane Klatt puppen etc, Figurentheater (ab 3J.)

Fliegendes Theater (& 692 21 00)

10.30: Wind im Gummistiefel, Theater Fusion, Puppentheater

(ab2bis 5J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reichinder Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

11.00: Magdeburg hieß früher Madagaskar (ab 6J.)

Jaro Theater (& 341 04 42)

10.30: Pinocchio will nicht, Gastspiel vomTeatro

Baraonda, Schauspiel –Musik (ab 3J.)

Klax Kreativwerkstatt (& /64 49 44 22)

9.00: Herbstferien: Do it yourself!, Ferienworkshop für

Grundschulkinder (ab8bis 12 J.). Anm. erf.

MACHmit! Museum für Kinder (& 74 77 82 00)

10.00: Der Rest vomLagerfeuer –Kohlekunst

14.00: Brenn dirdein Jo-Jo, MACHmit! Aktion

Museum für Kommunikation (& 20 29 40)

13.00: Ferienprogramm: Gamedesigner. Programmiere

dein eigenes Computerspiel, Ferien-Medien-Workshop

(ab 12 bis 16 J.). Anm.erf.

Planetarium am Insulaner (& 790 09 30)

10.30: Der Regenbogenfisch und seine Freunde

Puppentheater Felicio (& 44 67 35 30)

10.00, 16.30: Kasperund Rotkäppchen

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

11.00: Der gestiefelte Kater (ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (& 21 79 10 60)

10.00: Hänsel und Gretel, Ulrich Müller-Hönow

Schaubude (& 423 43 14)

10.00: HerrWolf und die sieben Geißlein, Pierre

Schäfer,Schau- und Puppenspiel (ab 5bis 12 J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Das tapfere Schneiderlein, Theater Rad,

Märchentheater (ab 2J.)

Zeiss-Großplanetarium (& /42 18 45 10)

10.30: Der Regenbogenfisch und seine Freunde

LITERATUR/VORTRAG

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Isidora Sekulic: Briefeaus Norwegen, vorgestellt

vonProf. Marie-Theres Federhofer und Tatjana

Petzer (Übersetzung)

Buchlokal (& 40 04 73 33)

20.00: DieErfindung des Nordens, Bernd Brunner

Ephraim-Palais (& 240 02 -1 62)

18.00: Ost-Berlin erlesen: „Meine Winsstraße“ und

„Die Immanuelkirche Prenzlauer Berg“, Knut Elstermann,

Uta Motschmann

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

20.00: Best Of PoetrySlam, Mod.: Ken Yamamoto

Kulturhaus Karlshorst (& 475 94 06 10)

19.00: Buchpremieren des Anthea Verlages, Ira Loh,

Margarete Hoffend, Mark Denemark, Lesungen, Mod.:

Detlef W. Stein

Literarisches Colloquium Berlin (& 816 99 60)

19.30: Glamourder Straße. Literarische Erkundungen

jenseits des Bürgertums, Lesung und Gesprächmit

Sonja M. Schultz und Selim Özdogan, Mod.: Daniel

Schreiber

Literaturforum im Brecht-Haus (& 282 20 03)

19.30: Nelly Sachs

Periplaneta Kreativzentrum (& 44 67 34 33)

20.00: Rühmchen –Die offene Lesebühne

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

19.30: Literatur Live: Metropol, Eugen Ruge, Buchpremiere

20.00: Literatur Live: Ulrich Alexander Boschwitz

„Menschen neben dem Leben“, mit Thomas Sarbacher,Buchpremiere,

Lesung und Gespräch mit dem

Herausgeber Peter Graf

KONZERT

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: The TemptationsReview, feat. Glenn Leonard,

JoeHerndon, GC Cameron, 60 Jahre Motown –

Platinum Hits Tour

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.00: Chromatics, support: Desire,InMirrors

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Vandojam meets Robin’sNest –Jamsession

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

21.00: Love’n’Joy,Snøffeltøffs

Café Lyrik (& 44 31 71 91)

19.30: Trio Dreamland Swing Band

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

19.00: Eamon McGrath, Travels &Trunks

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: Conor Maynard

Festsaal Kreuzberg (& 551 50 65 87)

20.00: Truckfighters

Gretchen (& 25 92 27 02)

21.00: The Lesson Gk

Kulturbrauerei/Kesselhaus (& 44 31 51 00)

20.00: James Morrison

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

19.30: Freedom Call

Orania.Berlin (& 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Marque Löwenthal

Panda (& 44 31 95 57)

20.00: Vesna Pisarovic &Guests

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.30: MeenaCryle &the Chris Fillmore Band

Tempodrom (& 69 53 38 85)

20.00: Brad Paisley, special guest: Chris Lane

Theater Zukunft (& 01 76 57 86 10)

21.00: Emma Ruth Rundle

Yaam (& 615 13 54)

19.00: Jah9 &The Dub Treatment, Roots Daughter

Yorckschlösschen (& 215 80 70)

21.00: Big JoeStolle Band

Zitronencafè im Körnerpark (& 68 08 93 44)

20.00: FleischerMagússon Duo, Schimmer

CLUB

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: DJ MissVergnügen mit Tulpen

Matrix (& 293 69 9- 90)

22.00: Ladies first, Soel, Krs.Age

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor NewFaces hosted by Esther Duijn,

Burden, Dj Tool b2b Ezy

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Clärchen swingt,Evan&Friends

Insomnia (Alt-Tempelhof 17-19)

20.00: TangoVicioso

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

19.00: El Ocaso –TangoArgentino

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.30 Roter Salon: Tangonacht

KINO

Krokodil (& 44 04 92 98) Nurejew (OmU) 18.00;

Heimat ist ein Raum aus Zeit 20.15

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Normal (OmenglU)

17.00; Systemsprenger 18.15; Un cafe sans

musique c‘est rare aParis (OmU) 20.30; Datsche

(OmU) 22.30

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) Downton

Abbey 14.15, 17.10, 20.00; 3D: Gemini Man

14.20, 17.15, 20.10, 23.00; Der König der Löwen

14.25, 17.10; Angry Birds 214.25, 16.55;

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 14.25;

Shaundas Schaf: UFO-Alarm14.30,16.45;Everest

14.30, 16.55; Die drei !!! 14.30; UglyDolls 14.50,

17.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.50; Ad Astra 16.50, 19.55, 23.00; Systemsprenger

17.05, 19.55; Deutschstunde 17.05,

20.00; Rambo 5: Last Blood 19.30, 23.00; Es: Kapitel

II 19.55; Metallica &San Francisco Symphony:

S&M2(OF) 20.00; Preview: Joker 20.00; Preview:

DemHorizontsonah 20.00;Ready or Not?–Aufdie

Plätze,fertig,tot 22.55; Midsommar 22.55; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 22.55

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) Pets II

11.15; Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

11.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

11.15, 14.00; Der König der Löwen 11.20, 17.00;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 11.30, 14.20, 17.00;

Angry Birds 2 11.30, 14.15, 17.30; Playmobil

11.50; Everest 11.50, 14.30, 17.10; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 12.20; 3D: Gemini

Man 13.45, 16.45, 20.10; UglyDolls 14.00,

17.30; Downton Abbey 14.20, 16.40, 19.30; Fritzi

– Eine Wendewundergeschichte 14.30, 17.00;

Good Boys 15.00; 3D: Everest 16.45; Es: Kapitel

II 19.45; Preview: Dem Horizont so nah 19.45; Metallica

&San Francisco Symphony: S&M2 20.00;

Preview: Joker 20.00; Ad Astra 20.00; Rambo 5:

Last Blood 20.15;Angel Has Fallen 20.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 3004)

Systemsprenger 14.35, 17.30, 20.25

Cosima (& 85 07 58 02) Und wer nimmt den

Hund? 18.00; Und der Zukunft zugewandt 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Downton Abbey (OmU)

15.00, 17.45; Preview: Joker (OmU) 20.30

Xenon (& 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 18.00; Nurejew (OmU)

20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Ugly-

Dolls 10.00, 12.15, 14.45; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 10.00,12.00, 14.10, 17.15; Everest 10.00,

12.15, 14.30; Angry Birds 210.00, 12.10, 16.55;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 10.00,

12.15; 3D: Gemini Man 14.30, 17.15, 20.00; Late

Night 15.00; 3D: Everest 16.30; Downton Abbey

17.10, 19.30; Ad Astra 19.30; Preview: Dem Horizont

so nah 20.00; Preview: Joker 20.15

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 6081) Frau

Stern 14.30; Und wer nimmt den Hund? 16.15;

Gloria: Das Leben wartet nicht 18.15; Und der Zukunft

zugewandt 20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Downton Abbey

14.20, 17.10, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

UglyDolls 10.00, 12.15, 14.45; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 10.00, 12.10, 14.25, 17.00; Everest

10.00, 12.10; Benjamin Blümchen 10.00; Der König

der Löwen 12.05, 14.55; Angry Birds 212.10,

14.35, 17.00; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

12.10, 14.45; 3D: Angry Birds 212.15;

3D: Gemini Man 14.30, 17.15,20.00, 22.45; Late

Night 15.00; Ad Astra 17.05, 23.00; Deutschstunde

17.10, 20.00; Good Boys 17.45; 3D: Everest

17.45; Metallica &San Francisco Symphony: S&

M2 19.00; Once Upon aTime in... Hollywood 19.30,

22.55; Preview: Dem Horizont so nah 20.00; Es:

Kapitel II20.10; Preview: Joker 20.15; Midsommar

22.50; Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot

23.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 23.00

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00,

18.30; Everest 10.00, 14.00, 16.00; Benjamin

Blümchen 10.00; Angry Birds 2 10.00, 14.00,

16.00; Playmobil 12.00, 13.45; 3D: Everest

12.00; 3D: Angry Birds 2 12.00; Gemini Man

16.00, 18.00,20.30; Rambo 5: Last Blood 18.00;

Downton Abbey 18.00; Metallica &San Francisco

Symphony: S&M220.30; Preview: Joker 20.30;

Preview: Dem Horizont sonah 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Jocelyne Saab: Ein Leben

inder Schwebe: Samars erste Liebe –Une vie

suspendue (OmenglU) 20.00; Öffentliche Sichtung:

A-Clips: Filmprogramm (m. Gästen) 19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 806969)

Es: Kapitel II 13.10, 16.40, 19.00, 20.10, 22.40;

Gloria: Das Leben wartet nicht 13.30; Ad Astra

13.30, 16.45, 19.50, 23.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 13.40; Pets II 13.50; Ugly-

Dolls 14.00, 16.40; Systemsprenger 14.00, 17.00,

20.00; Shaundas Schaf: UFO-Alarm14.00, 17.15;

Gemini Man 14.00; Downton Abbey 14.00, 16.40,

19.50; Der König der Löwen 14.00, 16.20; Angry

Birds 214.00; Good Boys 14.10, 17.20, 19.50;

Everest 14.10; Enzo und die wundersame Welt der

Menschen 14.10, 17.00; AToy Story:Alles hört auf

kein Kommando 14.15; Get Lucky –Sex verändert

alles 14.30, 17.10; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.40; Der Distelfink 15.30; Skin 16.20,

19.50, 22.50; Yesterday 16.30; 3D: Gemini Man

16.45, 20.00, 22.30; 3D: Angry Birds 216.50;

3D: Der König der Löwen 17.00, 20.00; Once Upon

aTime in... Hollywood 17.05, 20.30, 22.15; Zwischen

uns die Mauer 17.20, 19.10; 3D: Everest

17.20; Gut gegen Nordwind 19.15; Rambo 5: Last

Blood 19.20, 23.00; Preview: Dem Horizont so nah

19.30; Angel Has Fallen 19.30, 22.40; Metallica &

San Francisco Symphony: S&M220.00; Ready or

Not? –Auf die Plätze, fertig,tot 20.30,23.00; Preview:

Joker 20.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

20.45, 23.00; Spider-Man: Far From Home 22.30;

Midsommar 22.45; Stuber –5Sterne Undercover

23.00; Annabelle III 23.00; 3From Hell 23.00

CineStar imSony Center (& 04 51/703 0200)

Enzo und die wundersameWelt der Menschen –The

Art ofRacing inthe Rain (OF) 13.20; 3D: Gemini

Man (OF) 13.30, 16.40, 19.40, 23.00; Good Boys

(OF) 13.40; Downton Abbey (OF) 13.40, 16.50,

19.20; Angry Birds 2–The Angry Birds MovieII(OF)

13.50; Shaun das Schaf: UFO-Alarm –Shaun the

Sheep Movie: Farmageddon (OF) 14.00, 16.30;

UglyDolls (OF) 14.15, 16.40; Once Upon aTime

in... Hollywood (OF) 16.20, 22.45; Der König der

Löwen –The Lion King (OF) 16.30; Ad Astra (OF)

16.50, 19.45; Es: Kapitel II–It: Chapter Two (OF)

19.00, 22.30; Midsommar (OF) 19.30; Metallica &

San Francisco Symphony: S&M220.00; Preview:

Joker (OF) 20.00, 23.10; Skin (OF) 20.15, 23.15;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig, tot (OF)

23.00; Rambo 5: Last Blood (OF) 23.10

CineStar IMAX (& 04 51/703 0200) 3D: Buckelwale:

Giganten der Meere 11.45; 3D: Galapagos:

Rätsel der verlorenen Welt 12.50; Gemini Man (OF)

14.00, 17.00, 23.15; Preview: Joker (OF) 20.00

Filmrauschpalast (& 394 4344) Blinded bythe

Light (OmU) 18.00; Normal (OmU) 20.15; Apollo

11 (OmU) 21.45

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) UglyDolls 10.00, 12.00,

14.00, 16.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.00, 16.00, 18.00; Mein Lotta-Leben –

Alles Bingo mit Flamingo! 10.00, 12.30; Everest

10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Angry Birds 210.00,

12.00, 14.00, 16.00; Gemini Man 15.00, 17.30,

20.00, 22.30; Rambo 5: Last Blood 18.00, 20.15,

22.30; 3D: Everest 18.00; Downton Abbey 18.00;

Preview:Joker 20.00,22.30;Preview: Dem Horizont

so nah 20.00, 22.30; Es: Kapitel II 20.30

Casablanca (& 677 5752) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mitFlamingo! 14.15; Preview: Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 16.15; Leid und Herrlichkeit

18.15; Und wer nimmt den Hund? 20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

Angry Birds 211.30, 14.50, 16.50;Aladdin 11.30;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 11.30,

17.00; Benjamin Blümchen 11.35; Pets II 11.40;

Everest 11.45,14.15, 16.50; Jim Knopf und Lukas

der Lokomotivführer 11.50; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 12.00, 14.30, 17.15; Die drei !!! 12.00;

3D: Gemini Man 14.00, 17.00, 20.00; Der König

der Löwen 14.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.05; Playmobil 14.20; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 14.35, 17.30; UglyDolls

14.40, 17.10; Es: Kapitel II 16.30, 19.40; Downton

Abbey 17.00, 19.40; Once Upon aTime in...

Hollywood 19.20; Preview: Dem Horizont sonah

19.45; Metallica &San Francisco Symphony: S&

M2 20.00; Preview: Joker 20.00; Ad Astra 20.10;

Rambo 5: Last Blood 20.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Angry

Birds 210.00, 14.30, 17.10; Everest 14.12; 3D:

GeminiMan 14.15, 17.20, 20.00; UglyDolls14.30,

17.00; Shaundas Schaf: UFO-Alarm14.50,17.00;

Late Night 15.00; 3D: Everest 16.50; Downton Abbey

17.00; Metallica &San Francisco Symphony: S

&M2(OmU) 19.00; Gemini Man19.30; Es: Kapitel

II 19.30; Annem (OmU) 19.50; Preview: Dem Horizont

so nah 20.00; Preview: Joker 20.15

City KinoWedding (& 01 77/270 19 76) Systemsprenger

18.45; Celebration (OmU) 21.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 40 01) Systemsprenger

18.00; Idioten der Familie 20.30;Cocksucker Blues

(OF) 22.30

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Gregs Tagebuch:

Von Idioten umzingelt! 10.00; Der kleine Maulwurf

(1963-1975) 12.00; Everest 13.30,15.45; Gut gegen

Nordwind 18.00; Systemsprenger 20.45; Der

Geheimbund von Suppenstadt 10.15; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 13.15, 15.15; Downton

Abbey 17.15, 20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Deutschstunde

15.30, 18.00, 20.30; Systemsprenger 18.00,

20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Nurejew 13.00,

17.45; Der alte deutsche Film: Eswar eine rauschende

Ballnacht 15.45; Deutschstunde 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Der Stein zum Leben 18.00;

Alpgeister –Mythen und Mysterien der Bayerischen

Alpen 20.30

Capitol (& 831 64 17) Nurejew15.00, 20.30; Systemsprenger

17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Die

kleineHexe10.00; Leidund Herrlichkeit17.00; The

Dead Don‘t Die 19.15

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Wenn du

König wärst 10.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

10.00, 14.15, 16.30; Pumuckl und der blaue Klabauter

10.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.30, 16.00; Und der Zukunft zugewandt 13.15;

Angry Birds 213.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.00; Systemsprenger 15.30,

18.00; Nurejew 16.00, 20.45; Deutschstunde

18.00, 20.30; Memory Games (OmU) 18.45; Zwischen

uns die Mauer 18.45; Preview: Joker (OmU)

20.30; Skin 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Playmobil 11.00; JimKnopf und Lukasder Lokomotivführer

11.00; Everest 11.00, 14.00, 17.10; Der

König der Löwen 11.00,13.50, 16.40; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 11.15, 13.45;

Angry Birds 211.15, 14.00, 17.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.15; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 11.20, 14.15, 16.50; 3D: Gemini

Man 13.40, 16.50; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.00; UglyDolls 14.20, 17.10; Es: Kapitel

II 16.10; Downton Abbey 16.40, 20.00; Gut gegen

Nordwind 19.40; Once Upon aTime in... Hollywood

19.45; Metallica &San Francisco Symphony: S&

M2 (OF) 20.00; Preview: Joker 20.00; Gemini Man

20.00; Preview: Dem Horizont so nah 20.00; Rambo

5: Last Blood 20.10

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/2798877) AngryBirds

210.00,12.15; Late Night 15.00; Downton Abbey

17.05; Preview: Dem Horizont so nah 20.00

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 15.00;

Wer 4sind –Die Fantastischen Vier 17.15; Gut gegen

Nordwind 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/703 02 00) Gut gegen

Nordwind 12.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

12.00, 15.00, 17.15; Enzo und die wundersame

Welt der Menschen 12.00, 14.40, 17.00;

UglyDolls 12.05, 14.10, 16.15; Everest 12.10,

14.30; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 12.15, 14.55,

17.10; Der König der Löwen 12.15, 15.00; Angry

Birds 212.20,14.45; Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

12.30; Benjamin Blümchen 12.30;

3D: Gemini Man 14.20, 17.00, 20.00; Good Boys

14.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.45; 3D: Everest 17.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 17.15; Downton Abbey 17.15,

20.00; 3D: Der König der Löwen 17.15; 3D: Angry

Birds 217.40; Es: Kapitel II 19.45; Preview:

Dem Horizont sonah 19.45; Rambo 5:Last Blood

20.00; Metallica &San Francisco Symphony: S&

M2 20.00; Preview: Joker 20.00; Angel Has Fallen

20.00; Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot

20.10; Ad Astra 20.30

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 10.00;

Everest 10.00, 14.00, 16.00; Angry Birds 210.00,

15.00; Playmobil 12.00; 3D: Everest 12.00; Shaun

dasSchaf: UFO-Alarm12.00, 14.00, 16.00, 18.15;

Gemini Man 17.45, 20.30; Metallica &San Francisco

Symphony: S&M220.30; Downton Abbey

20.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 4828)

Angry Birds 212.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

12.20, 14.15, 16.10; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 12.45; 3D: Angry Birds 214.00;

Everest 15.00; Fritzi–Eine Wendewundergeschichte

16.00; 3D: Everest 17.15; Downton Abbey 18.00,

20.20; AdAstra 18.00; Preview: Joker 20.15; 3D:

Gemini Man 20.15

Linden-Kino Wusterhausen (& 03 39 79/145 93)

Angry Birds 216.00; Gut gegen Nordwind 18.00;

Rambo 5: Last Blood 20.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Everest

15.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

15.45; 3D: Everest 17.30; Gut gegen Nordwind

18.00;Rambo 5: Last Blood20.00; Ad Astra 20.30


26 * Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

NACHRICHTEN

Bürger sollen Übersicht

über ihre Daten bekommen

WERKSTATT

Vorsicht,

Trickbetrüger

im Netz

VonDaniel Dangelmaier

Ein gutes Antivirenprogramm und

eine zuverlässige Firewall bilden

einen effektiven Schutz vordigitalen

Schädlingen und Viren. Doch die

beste Software bringt nichts, wenn

der User sich unbedacht im Netz bewegt:

Cyber-Kriminelle nutzen inzwischen

vorallem die elektronische

Post und den Browser ihrer Opfer,

um in ein Computersystem zu gelangen

und sensible Informationen abzugreifen.

Eine bei Hackern besonders beliebte

Methode, sich Zugang zu privaten

Daten zu verschaffen, ist das

sogenannte Phishing. Die Masche

gliedert sich in zwei Teile: Zunächst

versenden Betrüger wahllos E-Mails

an zuvor gesammelte Adressen. Der

Absender und die Aufmachung dieser

Nachrichten gaukeln Usern vor,

dass die Mail beispielsweise von einem

seriösen Geldinstitut oder einem

Dienstleister stammt. Zur Klärung

des Sachverhalts soll der Nutzer

auf die verlinkte Seite klicken und

die hiesigen Felder ausfüllen.

Der Link führt den User auf eine

Internetpräsenz, die der des vermeintlichen

Absenders zum Verwechseln

ähnlich sieht. Tatsächlich

handelt es sich aber um eine gefälschte

Webseite,die sämtliche Eingaben

direkt an die Server der Kriminellen

weiterleitet. Auf diese Weise

gelangen sie an Kontodaten, Passwörter

und andereDaten, die für illegale

Machenschaften missbraucht

werden können.

Erkennen Mailprogramme und

Virenscanner einen Phishing-Versuch,

sortieren sie die entsprechende

Mail aus.Browser geben eine

Warnung aus,wenn eine Seite als gefährlich

eingestuft wurde. Allerdings

sind manche Lock-Mails und Fake-

Seiten derartgut gemacht, dass sie es

durch die Filter der Schutzvorkehrungen

schaffen. Derzeit landen

zum Beispiel gefälschte Phishing-

Mails in den Postfächern, die eine

Reisekostenerstattung vom insolventen

Reiseveranstalter Thomas

Cook in Aussicht stellen.

Der wichtigste Schutz gegen die

unfreiwillige Weitergabe von vertraulichen

Daten ist deshalb der eigene

Verstand. Selbst Druck und

Drohungen sind kein Grund, überstürzt

zu handeln. Grundsätzlich

sollten User Links in E-Mails nie

blind anklicken. Wichtige Nachrichten

können Kunden einer Bank

oder eines Online-Shops auch

nach dem Einloggen über die offizielle

Homepage der Unternehmen

abrufen.

Klarheit kann auch der genaue

Blick auf den Absendernamen geben.

Oft verwenden die Betrüger

Adressen, die denen der echten Geschäftsadressen

ähneln. Sie sind jedoch

nicht identisch. Eine Mitteilung

mit dem Absender amazon.eu

stammt nicht vomVersandshop.Außerdem

besteht kein Grund, eine

„dringliche Mail“ eines Anbieters zu

öffnen, bei dem der User nicht einmal

Kunde ist.

EineÜbersicht über aktuelle Phishing-Fälle und

weitere Hacker-Tricks verraten Portale wie onlinewarnungen.de,

sicher-im-netz.deoder verbraucherzentrale.de

Daniel Dangelmaier

schreibt seit mehr als

17 Jahren über Digitales.

Auch wenn Natascha Kampusch viel Widerspruch im Netz erlebt, ist sie aktiv in den sozialen Medien.

Ruf nach der Internet-Polizei

Natascha Kampusch berichtet in ihrem neuen Buch von Cybermobbing und dem Hass im Netz

VonSandraWalder

Die Österreicherin Natascha

Kampusch wirdseit

ihrer Flucht aus einem

Kellerverlies in sozialen

Medien und Online-Foren beschimpft

und beleidigt. Viele User

hätten ihr den Todgewünscht, sagte

die 31-Jährige in Wien. „Am meisten

getroffen hat es mich immer, wenn

gesagt wurde,dass meine Gefangenschaft

nur ein Spaziergang gewesen

wäre.“ Inihrem am heutigen Mittwoch

erscheinenden Buch „Cyberneider.

Diskriminierung im Internet“

will Kampusch ihre Erfahrungen

teilen und fordert härtere Strafen

für Cyber-Mobber.

Zivilcourage zeigen

Eine international agierende „Internet-Polizei“

schwebt Kampusch vor,

die bei Vergehen sofort eingreifen

und Betroffenen helfen soll. Vorallem

Frauen würden im Internet häufig

zum Ziel von Mobbern werden.

Opfer sollten die Angriffe nicht still

ertragen, sondern vielmehr dokumentieren

und Behörden einschalten,

rät die Wienerin.

Kampusch war als Zehnjährige

auf dem Schulweg entführt und

mehr als acht Jahre lang in einem

Keller gefangen gehalten worden. Im

August 2006 gelang der damals 18-

Jährigen die Flucht. Stunden später

brachte sich der Entführer um.

Dass sie sich nicht als gebrochenes

Opfer in der Öffentlichkeit zeige,

werde ihr seit ihrer Selbstbefreiung

immer wieder vorgeworfen. „Sie sehen

mich lächeln und kommen gar

nicht auf die Idee,dass ich mich, gerade

weil ich so viel Schreckliches

durchgemacht habe, so freue, auf

der Welt zu sein und meine Freiheit

zu genießen“, schreibt Kampusch.

Ihr Drama will sie auch mit ihrer

neuen Aufgabe als Autorin bewältigen.

Ein weiteres Buch sei ebenfalls

angedacht. Das Thema wollte Kampusch

aber noch nicht verraten. Zudem

arbeite sie mit Organisationen

zusammen, die sich für Menschen

einsetzen, die Diskriminierung im

Netz erfahren.

„Man hat mich schon habgierig,

mediengeil, verlogen oder fresssüchtig

geschimpft“, schreibt Kampusch

in ihrem dritten Buch. Siehabe lange

gebraucht, um sich von diesen Worten

nicht mehr verletzen zu lassen.

Wieso ihr so viel Hass entgegenschlage,habe

sie aber bis heute nicht

verstanden. Die Angst, von anderen

instrumentalisiertzuwerden, sei ein

DAS BUCH

Natascha Kampusch: Cyberneider

Diskriminierung im Internet, Dach-Verlag,Wien 2019, 189 Seiten, 19,99 Euro

ständiger Begleiter für sie geworden.

Oft bemerke sie auch, dass Passanten

auf der Straße heimlich Fotos

von ihr machten, die später in Medien

wieder auftauchten.

Kampusch ist trotz ihrer Kritik an

den sozialen Medien selbst bei Facebook,

Twitter und Instagram aktiv.

Sie postet in diesen Tagen vor allem

Hinweise auf ihr neues Buch, aber

immer wieder auch Botschaften, die

das Zusammenleben im Netz erleichtern

sollen. „Es gibt keine

Rechtfertigung für Diskriminierung,

niemals“, schrieb sie am Dienstag,

ein paar Tage zuvor lautete ihre Botschaft:„Zeige

Zivilcourage,wenn andere

gemobbt werden.“ Ihre Ergänzung

dazu„Es ist wichtig, sich für andereMenschen

starkzumachen.“

Sie wolle sich trotz der negativen

Seiten nicht gänzlich von sozialen

Unterstützung aus den USA

DPA/MARCUS BRANDT

Medien fernhalten, begründete

Kampusch ihre Aktionen im Netz.

Sie erhalte auch positive Zusendungen.

Der Hinweis auf die Zivilcourage

gefiel bei Facebook 38 Nutzern,

eine Frau schrieb: „Leider werden

Menschen, die gemobbt werden, im

Stich gelassen.“ Kampuschs Antwort:

„Deshalb müssen wir alle mithelfen

und Zivilcourage zeigen.“

Aufbösartige oder verletzende Zitate

ihr gegenüber aus dem Netz

habe sie auf den 192 Seiten ihres Buches

bewusst verzichtet, sagte Kampusch.

„Ich habe mich dafür entschieden,

keiner dieser Hasstiraden

unnötig Raum zu geben, denn den

haben sich ihre Verfasser wahrlich

nicht verdient.“

HerzensthemenimAufwind

In der Vergangenheit haben sich

auch Wissenschaftler und Politiker

des Themas angenommen. Bei der

Gesellschaftskonferenz re:publica

sprach Bundespräsident Frank-Walter

Steinmeier in seiner Eröffnungsrede

auch über die Gefahren und

Schwachstellen im Netz. Sein

Schlussplädoyer ging damals in die

Richtung derjenigen, die mit Hatespeech

und Fake-News versuchen,

das Netz zu verseuchen. „Mit der

Meinungsfreiheit kommt auch eine

Meinungsverantwortung“, sagte

Steinmeier.Erwünschte sich vonder

demokratischen Mehrheit, sich

nicht vertreiben zu lassen vom Gebrüll

der wenigen. Kampusch würde

bestimmt nicht widersprechen: Zudem

sieht sie ihre Herzensthemen

Umwelt- und Tierschutz im Aufwind.

„Ich finde es sehr positiv, dass

sich jetzt so viele für Umweltschutz

engagieren“, sagte sie. (dpa, BLZ)

Im Wettbewerb um den Ausbau der 5G-Netzwerke sollen europäische Unternehmen gefördert werden

päische Firmen den Zuschlag erhalten.

„Wir sollten da dem Beispiel

der australischen Regierung

folgen; sie hat Huawei nicht zugelassen.

Nokia und Ericsson sollten

das machen“, sagte Habeck vor

Wochen der Welt am Sonntag. So

könne eigenes europäisches Knowhow

entstehen. „Wenn wir chinesische

Technik benutzen und Peking

würde irgendwann entscheiden,

gegen unsere Interessen zu agieren,

sind wir geliefert.“

Der Datenschutzbeauftragte Ulrich

Kelber sagte in der Berliner Zeitung:

„Die ganze Diskussion macht

aber mehr als deutlich: Europa muss

in bestimmten Bereichen sowohl bei

der Hard- als auch bei der Software

Die US-Regierung erwägt laut einem

Bericht der Financial

Times, die beiden führenden europäischen

Huawei-Konkurrenten finanziell

zu unterstützen. Der Plan

sei, Nokia und Ericsson im Kampf

gegen eine mögliche Vormachtstellung

des chinesischen Telekommunikationsriesen

beim Ausbau der

neuen 5G-Netzwerke Kredite zu gewähren,

schrieb die Zeitung am

Dienstag unter Berufung auf informierte

Personen.

Die beiden Konzerne sollen damit

in die Lage versetzt werden, ihren

Kunden ähnlich großzügige Finanzierungskonditionen

einzuräumen,

wie sie Huawei seinen

Kunden bietet, hieß es weiter.Huawei

verkauft nach Zahlen des

Marktforschungsunternehmens

Dell’Oro 28Prozent der weltweiten

Telekommunikationsausrüstung.

Insbesondere inSchwellenländern

erzielen die Chinesen derzeit große

Absatzerfolge, auch weil sie vergleichsweise

günstige Finanzierungsangebote

machen. Im Westen

wird dagegen aktuell erwogen,

Huawei wegen Sicherheitsbedenken

vom Aufbau der 5G-Netze auszuschließen.

Der Grünen-Chef Robert Habeck

hatte sich beispielsweise dafür

ausgesprochen, Huawei nicht am

Aufbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes

in Deutschland teilnehmen

zu lassen. Stattdessen sollten eurotechnologische

Autonomie entwickeln

und darf nicht auf Produkte

aus anderen Staaten angewiesen

sein.“

Dem Bericht zufolge ist es in

der US-Administration allerdings

nicht unumstritten, Huawei-Konkurrenten

aus Europa zu fördern,

weil es in den USA keinen entsprechenden

Anbieter von 5G-Funktechnik

gibt. Die Kritiker drängten

stattdessen darauf, einen einheimischen

Rivalen von Huawei zu

fördern. So seiengroße amerikanische

Technologiekonzerne wie

Oracle und Cisco gefragt worden,

ob sie einen Einstieg in den 5G-

Funktechnikmarkt in Betracht ziehen

würden. (dpa)

DieMenschen in Deutschland sollen

nach Plänen vonDigital-Staatsministerin

Dorothee Bär (CSU) künftig

online verfolgen können, welche Behörden

persönliche Daten vonihnen

verarbeiten. Am Mittwoch soll das

Kabinett das Vorhaben verabschieden.

Wann es an den Startgehen

könnte,ist allerdings noch unklar.

Aufdem geplanten Online-Portal

sollten die häufigsten Fragen übersichtlich

beantwortet werden, sagte

Bär am Dienstag in Berlin: „Welche

Stelle hat die Daten über mich gespeichert?

Welche Daten sind über

mich gespeichert? Wann und von

wemund zu welchem Zweck wurde

auf meine personenbezogenen Daten

zugegriffen?“ Bürgerinnen und

Bürger sollten aber auch entscheiden

können, ob sie dem Datenaustausch

zwischen Behörden überhaupt

zustimmen. (dpa)

Experten warnen vor

veralteter Twitter-Software

Zahlreiche Apps für iPhone und

iPad, die eine Twitter-Kommunikation

eingebaut haben, enthalten gravierende

Sicherheitslücken. Sicherheitsforscher

des Fraunhofer-Instituts

für SichereInformationstechnologie

SIT in Darmstadt warnten am

Dienstag vorAnwendungen, die

noch den veralteten Software-Baustein

TwitterKit für iOS 3.4.2 verwenden.

DieSicherheitslücken könnten

Identitätsdiebstahl, Account-Missbrauch

sowie Datenverluste zur

Folge haben. Unter den beliebtesten

2000 iOS-Apps in Deutschland seien

45 Anwendungen betroffen.

Waymo schickt Fahrzeuge

nach Los Angeles

Die Waymo-Fahrzeuge sollen jetzt in einer

Großstadt getestet werden.

DPA

DieGoogle-Schwesterfirma Waymo

bringt ihreRoboterwagen erstmals

in das vonchronischen Staus geplagte

Los Angeles.Man wolle erkunden,

wie die Fahrzeuge in das

Verkehrsumfeld der zweitgrößten

US-Stadt passten, erklärte Waymo in

der Nacht zum Dienstag. Traditionell

erstellen die Autos erst vonMenschen

gesteuerthochpräzise Karten,

bevor sie in autonomen Betrieb gehen.

Waymo ging aus dem Google-

Roboterwagenprojekt hervor, das

vorrund einem Jahrzehnt seine ersten

selbstfahrenden Autos auf US-

Straßen brachte.Inzwischen sind

umgebaute Minivans fürWaymo unter

anderem in SanFrancisco und

der Google-Heimatstadt Mountain

View unterwegs. (dpa)

Dombrovskis will

Kryptowährungen regulieren

Digitalwährungen wie Facebooks

Librasollen nach Aussage des designierten

EU-FinanzkommissarsValdis

Dombrovskis stärker reguliert

werden. An entsprechenden Regelungen

werdegearbeitet, sagte Dombrovskis

bei einer Anhörung im Europaparlament.

Librakönne Auswirkungen

auf die Finanzstabilität haben,

auch bestehe ein Risiko der

Geldwäsche.Die EU-Kommission

habe vonden in der LibraAssociation

verbundenen Unternehmenzusätzliche

Informationen angefordertund

warte noch darauf, sagte Dombrovskis.Facebook

will Libraimkommenden

Jahr fürVerbraucher verfügbar

machen, die Idee stößtaber bei Politikernund

Zentralbanken zum Teil auf

heftigenWiderstand. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 27

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

10.45 (für HG) Meister des Alltags 11.15 (für

HG) Werweiß denn sowas? 12.00 (für HG)

Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00

(für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG)

Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00

(für HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder

Liebe. Telenovela 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG) Sportschau. Turn-WM:

Mannschaftsfinale Mehrkampf Männer,live

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Hubertund Staller.Neapel hören

und sterben? 19.45 (für HG) Wissen voracht

–Werkstatt 19.50 (für HG) Wetter /Börse vor

acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Halbe Hundert

Komödie, D2012. Mit Martina Gedeck,

Johanna Gastdorf, Leslie Malton. Drei

Freundinnen um die 50 haben mit ihren

jeweils ganz eigenen Problemen zu

kämpfen.

21.45 (für HG) Plusminus

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Familie Brasch

Eine deutsche Geschichte

0.25 (für HG) Nachtmagazin

0.45 (für HG) Halbe Hundert

Komödie, D2012. Mit Martina Gedeck

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht Report

11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –

Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Schätze aus Schrott

16.00 Mensch Papa! Väter allein zu Haus 17.00

Herz über Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns.

Daily Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell

19.03 RTL Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 RTL Fußball –Länderspiel

Deutschland –Argentinien, live. Klassiker

in Dortmund: Deutschland empfängt

Argentinien. In der FIFA-Weltrangliste

liegen die Südamerikaner (10.) sechs

Plätze vorDeutschland.

22.45 (für HG) RTL Fußball –Länderspiel

Highlights

23.15 sternTV

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 (für HG) CSI: Den Tätern auf der Spur

Krimiserie. Mit besten Grüßen, Dr.Jekyll

MDR

15.15 (für HG) Der Klang der Freiheit –Neue

Glocken für St. Nikolai 16.00 (für HG) MDR um 4

16.50 (für HG) MDR extra 17.00 (für HG)

Friedensgebet aus der Leipziger Nikolaikirche

18.20 (für HG) MDR extra 18.50 (für HG) Wetter

für 3 18.54 (für HG) Sandmann 19.00

Regionales 19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für

HG) Tierisch tierisch 20.15 (für HG) Zug in die

Freiheit. Dokumentarfilm, D2014 21.45 (für HG)

Aktuell 22.05 (für HG) Tatort: Trübe Wasser.

Krimireihe, D2001 23.33 Aktuell 23.35 (für HG)

Mein Zug in die Freiheit 0.20 unicato

Bayern

13.30 (für HG) Traumhäuser wiederbesucht

14.15 (für HG) Lichters Schnitzeljagd 14.45 (für

HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wirin

Bayern 17.30 Regionales 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Stationen 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) jetzt red i 21.00 (für HG) Kontrovers 21.45

(für HG) Rundschau Magazin 22.00 (für HG)

DokThema 22.45 (für HG) Pre-Crime. Dokumentarfilm,

D2017 0.15 kinokino

Vox

5.15 (für HG) CSI: NY 6.55 (für HG) CSI: Vegas

8.45 Verklag mich doch! 10.50 VoxNachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind 12.00 Shopping

Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00

Mein Kind, dein Kind 15.00 Shopping Queen

16.00 Die schönste Braut 17.00 Zwischen Tüll

und Tränen 18.00 First Dates 19.00 Das

perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für

HG) Bones. Ein Vorbild als Vogelfutter /Die Frau

in Weiß 22.10 (für HG) ChicagoMed. Aufgeflogen/Abgewiesen

23.55 VoxNachrichten 0.15

(für HG) Medical Detectives

Super RTL

5.45 Die Oktonauten 6.25 Ranger Rob 6.45

Peppa Pig 6.55 PawPatrol 7.25 Caillou 7.50

Peppa Pig 8.00 Dennis &Fletscher 10.30 Tom

und Jerry 13.10 Polly Pocket 13.40 Angelo!

14.15 Die Tomund JerryShow 14.45 Dragons

15.15 Mr.Bean –Die Cartoon-Serie 15.45

Alvinnn!!! und die Chipmunks 16.40 Die

Nektons 17.10 Mr.Magoo 17.40 Zak Storm

18.10 Die Tomund JerryShow 18.35 Woozle

Goozle und die Weltentdecker 19.05 Alvinnn!!!

und die Chipmunks 19.45 Mighty Mops 20.15

(für HG) Dr.House 0.30 Infomercials

Sport1

5.45 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

StorageWars –Die Geschäftemacher.

Doku-Soap. Ärger in der Luft /Alles auf Risiko

16.30 Lost &Sold. Doku-Soap. Unter der Haube

17.00 YukonGold 19.00 Poker. PCA 2018 Main

Event 20.00 Die PS Profis –Mehr Poweraus

dem Pott. Doku-Soap. HotRod mit Stargast Alex

Wesselsky /Barbara will einen Franzosen /Ein

Pickup als Bühne /Familienkombi für 7000 Euro

0.00 SportClips 0.45 Teleshopping Nacht 1.00

SportClips 1.05 Teleshopping Nacht

ZDF

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.45 (für HG) 30 Jahre Friedliche

Revolution 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Der Todkommt im Flug 17.00 (für

HG) heute 17.10 (für HG) hallo deutschland

17.45 (für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Wismar.Benzin im Blut 18.54 Lotto am Mittwoch

–Die Gewinnzahlen 19.00 (für HG) heute 19.20

(für HG) Wetter 19.25 (für HG) Heldt. Krimiserie.

Der längste Tag(1/2): Der Ausbruch

20.15 (für HG) Aktenzeichen XY ... ungelöst

Moderator Rudi Cerne behandelt in

dieser Ausgabe folgende Themen: Mord

im Supermarkt /Schreck hoch zwei /

Räuber mit Spray/Dramatische Szenen

/Der XY-Preis 2019

21.45 (für HG) Die Chefin

Krimiserie. Prager Kristalle

23.15 (für HG) heute journal

23.45 (für HG) Markus Lanz

0.55 heute+

1.10 Die innere Unsicherheit –

Wenn Bürger Streife gehen

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im

Einsatz 14.00 AufStreife. Doku-Soap 15.00 Auf

Streife –Die Spezialisten 16.00 Klinik am

Südring 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer.Doku-Soap. Mutter Katrin ist

geschockt, als ihre einst vernünftigeTeenie-

Tochter Ina einen Komasuff inszeniertund sich

selbst verletzt. Kommt das Mädchen nicht über

die Trennung vonihrem Freund Timhinweg?

17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer /

oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00 Die

Ruhrpottwache 19.00 Genial daneben –das Quiz

19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 The Taste

Castingshow. Unter dem wachen Auge

vonGast-Juror BjörnSwanson müssen

die Kandidaten im Teamkochen vier

amerikanische Saucen zaubern, darunter

eine Honey-Mustard-Sauce.

23.00 Topten! Der Geschmacks-Countdown

Rankingshow. Fast Food voll verrückt

23.55 The Taste

Castingshow

2.10 Auf Streife –Die Spezialisten

2.55 Auf Streife –Die Spezialisten

3.40 Auf Streife

WDR

13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55

Erlebnisreisen 14.00 Lecker an Bord 14.30 (für

HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG) Aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) Aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Markt 21.00

(für HG) Doc Esser –Das Gesundheits-Magazin

21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Das

Comeback der Hippie-DrogeLSD 22.55 (für HG)

Die Macht am Rhein 0.25 (für HG) Spielen Sie

Gott, Mr.Feinberg? Dokumentarfilm, D2017

NDR

14.00 (für HG) Aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) Aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag

17.10 (für HG) Leopard, Seebär &Co. 18.00

Regionales 18.15 (für HG) Wiegeht das? 18.45

(für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Expeditionen ins

Tierreich 21.00 (für HG) Treckerfahrer dürfen das!

XXL 21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für HG)

Großstadtrevier 22.50 (für HG) extra 3 23.20

(für HG) extra 3Spezial 23.50 (für HG) 7Tage...

0.20 Kümo Henriette 0.45 (für HG) Visite

Kabel eins

5.50 Without aTrace 6.40 (für HG) The Mentalist

7.35 Blue Bloods 9.30 (für HG) Navy CIS: L.A.

10.25 Navy CIS 11.20 Without aTrace 12.15

Numb3rs 13.05 (für HG) Castle 14.00 (für HG)

The Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A.

15.50 kabel eins news 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung

Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15 (für HG)

Ocean’sEleven. Gaunerkomödie, USA 2001

22.40 Heat. Actionfilm, USA 1995 1.50 Watch

Me –das Kinomagazin 2.00 kabel eins late news

RTL 2

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 14.00 Traumfrau gesucht 16.00

Hilf mir! Die volle Dröhnung 17.00 RTL II News

17.04 RTL II Wetter 17.05 Krass Schule –Die

jungen Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin

–Tag &Nacht 20.15 Die Wollnys –Eine

schrecklich große Familie! 21.15 Die Wollnys –

Eine schrecklich große Familie! 22.15 Babys!

Kleines Wunder –Großes Glück 23.15 The

Walking Dead 0.15 The Walking Dead 1.10 The

Walking Dead 2.05 The Walking Dead

Eurosport 1

8.30 Motorsport 9.30 Schwimmen 10.30

Radsport. Cro Race. Highlights 11.30 Radsport.

Binche –Chimay–Binche 12.30 Radsport. Tre

Valli Varesine 13.30 Radsport. Giro dell’Emilia

14.45 Radsport. EintagesfahrtMilano –Torino in

Italien, live 16.30 Tennis. Upper Austria Ladies.

Tag3,live 18.00 Tennis. Upper Austria Ladies.

Tag318.25 Nachrichten 18.30 Tennis. Upper

Austria Ladies. Tag3,live 22.30 Nachrichten

22.40 Radsport. EintagesfahrtMilano –Torino

0.05 Radsport. TreValli Varesine

TV-Tipps

ARTE, 23.00 UHR DRAMA

Der Schwan

Das recht verschlossene isländische Mädchen Sól (Gríma Valsdóttir) soll

den Sommer bei Verwandten auf einer abgelegenen Farm verbringen,

um reifer zu werden und das harte Leben kennen sowie meistern zulernen.

Dieeinzige Person, mit der sich die Neunjährige verbunden fühlt in dieser

düsteren, wenngleich ruhigen Landschaft Islands,ist der geheimnisvolle

Stallknecht Jón. Aber Sól hat eine Konkurrentin. Siedurchlebt ein Familiendrama,

das sie für immer verändern wird ... „Der Schwan“ basiertauf

der gleichnamigen Novelle von Guðbergur Bergsson. DieHauptrolle spielt

die beim Dreh elfjährige Nachwuchsschauspielerin Gríma Valsdóttir. Die

isländisch-deutsch-estnische Koproduktion ist das Langfilmdebüt der isländischen

Regisseurin Ása Helga Hjörleiffsdottir.

(D,ISL, EST/2017)

Foto: NDR

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6 9 4 3 7 8 5 2 1

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9 8 6 1 2 7 3 5 4

7 3 2 9 5 4 8 6 1

4 1 5 6 8 3 7 9 2

5 7 9 8 4 6 2 1 3

8 2 3 7 1 9 6 4 5

1 6 4 5 3 2 9 8 7

RBB

5.30 (für HG) Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb

7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg

aktuell 8.30 (für HG) Abendschau 9.00 (für HG)

In aller Freundschaft 10.30 (für HG) Rote Rosen

11.20 (für HG) Sturmder Liebe 12.10 (für HG)

Julia –Eine ungewöhnliche Frau 13.00 rbb24

13.10 (für HG) Verrückt nach Meer 14.00 (für

HG) Liebe ohne Minze. Drama, D2011 15.30

(für HG) Tiere bis unters Dach 16.00 (für HG)

rbb24 16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 17.00

(für HG) rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &

Co. 17.55 (für HG) Sandmann 18.00 rbb UM6

18.27 rbb wetter 18.30 zibb 19.27 rbb wetter

19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) rbb Praxis Beim Wirbelgleiten

sind die Gelenkeder Wirbelsäule instabil.

Die Beschwerden lassen sich aber durch

Schmerztherapie, Gymnastik und Elektrotherapie

gut in den Griff bekommen.

Wann ist eine Operation erforderlich?

21.15 (für HG) Die rbb Reporter

Die Müllsammler vonnebenan

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Wildes Südafrika (1/3)

22.45 (für HG) Wildes Arabien (1/2)

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) rbb Praxis

ProSieben

5.15 2BrokeGirls. Sitcom 5.35 The Middle

6.15 (für HG) Twoand aHalf Men 7.35 (für HG)

The Big Bang Theory 8.55 (für HG) HowIMet

Your Mother 10.45 Fresh Off the Boat 11.10

Mike&Molly 11.35 2BrokeGirls 12.30 Mom

13.25 (für HG) Twoand aHalf Men. Liebe ist

geisteskrank /Meine Zungeist aus Fleisch /Was

ist ein Quickie? 14.45 The Middle. Die

Sommerferien /Der Familienausflug (1/2) 15.40

(für HG) The Big Bang Theory. Mädels an der Bar

/Howards Phasen /Terror in der Stadt der Rosen

17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die

Simpsons. Die Farbe Gelb /Grand Theft U-Bahn

19.05 Galileo. Programmänderung ab 20.15 Uhr

für Joko-und-Klaas-Sondersendung möglich

20.15 (für HG) 9-1-1 Notruf L.A.

Actionserie. Geister.Gerade als Elisio und

Stavros eine Grabstätte ausheben,

rutscht plötzlich der Boden unter ihren

Füßen weg. Für die Ersthelfer ist es ein

riskantes Unterfangen, Stavros zu retten.

21.20 (für HG) 9-1-1 Notruf L.A.

Actionserie. Liebesgeschichten

22.20 (für HG) Atlanta Medical

Arztserie. Risiken und Nebenwirkungen /

Gebrochenes Herz

0.15 (für HG) Two and aHalf Men

1.55 The Flash

Arte

13.05 Stadt Land Kunst 13.50 (für HG) Tage

des Himmels: In der Glut des Südens. Drama,

USA 1978 15.20 Wiedas Land, so der Mensch

15.50 Feine Stoffe, ferne Länder 16.40 Xenius

17.10 (für HG) Yangtse –Unterwegs in China

17.40 Spanien, 24 Stunden 18.35 (für HG)

Tierisch alt! 19.20 Arte Journal 19.40 Re: 20.15

Wildes Treiben am Quai d’Orsay. Komödie, F

2013 22.05 André Malraux –Schriftsteller,

Politiker,Abenteurer 23.00 Der Schwan. Drama,

D/ISL/EST 2017 0.30 Arte Journal 0.50 Von

glücklichen Schafen. Drama, D2015

3Sat

9.00 (für HG) ZIB 9.05 Kulturzeit 9.45 nano

10.15 (für HG) Zimmer frei 11.15 (für HG) Die

Suche nach dem Paradies 12.00 (für HG) Zwei

Bayern und 40 000 Bienen 12.30 Böses Wasser

13.00 (für HG) ZIB 13.15 Leben für die Utopie

13.35 unterwegs 18.30 nano 19.00 (für HG)

heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Arm, alt, sucht Wohnung

21.00 Verwalter des einsamen Todes 21.45 (für

HG) Edinburgh 22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 (für

HG) Alles Isy.Drama, D2018 23.55 (für HG)

Megacity Mumbai 0.25 10 vor100.50 Eco

Phoenix

10.30 Leben ohne Bargeld 11.15 Die Zukunft

des Maschinenbaus 12.00 phoenix vorort 12.45

Der Wegzur Einheit 14.00 phoenix vorort 14.45

Abchasien –Die abtrünnigeRepublik 15.45

Wendejahr ’89 –Der Wegzum Mauerfall 16.00

Als Mutti arbeiten ging 16.45 China 17.30

phoenix der tag 18.00 Hausbesetzer auf

Mallorca 18.30 Alltag in Ost und West 19.15

Mythos Plattenbau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Abenteuer Neuseeland 21.45 Die

gezielte Manipulation 22.15 Phoenix Runde

23.00 phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

12.25 The Garfield Show 12.50 Marcus Level

13.05 Marcus Level 13.15 41/2 Freunde

13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10 Schloss

Einstein –Erfurt 15.00 (für HG) Eine lausigeHexe

15.50 (für HG) Miss Moon 16.15 Die Piraten von

nebenan 16.50 (für HG) Geronimo Stilton 17.35

(für HG) Belle und Sebastian 18.00 Der kleine

Nick 18.15 Kleine lustigeKrabbler 18.35

Elefantastisch! 18.47 Baumhaus 18.50

Sandmann 19.00 Tib&Tumtum 19.25 (für HG)

Anna und die wilden Tiere 19.50 (für HG) logo!

20.00 (für HG) Kika Live 20.10 Twin Teams

Dmax

5.10 Dubai Airport 6.00 Die Aquarium-Profis

6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn 9.50

Infomercial 10.15 BaggageBattles 11.15

HighwayPatrol 12.15 Border Control 13.15

Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in der Wildnis

15.15 Ed Stafford: Wieich die Welt überlebte

16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15 Asphalt-

Cowboys 18.15 Steel Buddies 19.15 A8 20.15

Auction Hunters 20.45 Hardcore Pawn 21.15

BaggageBattles 22.15 Shark Tank 23.10 DMAX

News 23.15 Shark Tank 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Mama, Papa und die Anderen 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Die Wahrheit

über ... 11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Markt 20.00 Tagesschau 20.15

ReportMünchen 20.45 Panorama 3 21.15

Tagesschau 21.17 Fakt ist! 22.15 Markt 23.00

Tagesthemen 23.30 Kontrovers 0.15 defacto

1.00 Nachtmagazin 1.20 extra 3 1.50 Extra

2.00 Nachtmagazin 2.20 MDR Sachsen-Anhalt

Heute 2.50 Extra 3.00 Tagesschau 3.02

Landesschau Baden-Württemberg

ONE

6.50 Erlebnisreisen 7.05 Brisant 7.45 Liebe

ohne Minze. Drama, D2011 9.15 Brisant 9.55

Hot in Cleveland 10.35 Lindenstraße 11.05

Großstadtrevier 11.55 Sturmder Liebe 13.30

Um Himmels Willen 14.20 Frau Pfarrer &Herr

Priester.Drama, D2016 15.50 Großstadtrevier

16.40 Hot in Cleveland 17.20 Lindenstraße

17.50 Hartaber herzlich 18.40 Sturmder Liebe

20.15 Agatha Christies Marple: Die Tote in der

Bibliothek. Krimireihe, GB 2004 21.45 Alfred

Hitchcock präsentiert: Ohne jede Spur 22.10

Agatha Christies Poirot 23.55 Hot in Cleveland

0.35 Agatha Christies Marple: Die Tote in der

Bibliothek. Krimireihe, GB 2004

ZDF NEO

5.10 (für HG) Albrecht Dürer –Superstar 5.55

(für HG) Expedition in die Wüste –Johann Ludwig

Burckhardt 6.40 (für HG) Expedition in die

Südsee –Georg Forster 7.20 (für HG) Darwins

Geheimnis 8.05 Topfgeldjäger 9.00

Lafer!Lichter!Lecker! 9.45 (für HG) Bares für

Rares 12.15 (für HG) Monk 13.35 Psych 15.00

(für HG) Monk 16.20 Psych 17.45 Bares für

Rares 20.15 (für HG) Wilsberg: AusMangel an

Beweisen. Krimireihe, D2012 21.45 (für HG) Ein

starkes Team: Blutsschwestern. Krimireihe, D

2011 23.15 (für HG) Aktenzeichen XY ...

ungelöst 0.45 Undercover 2.25 (für HG) Ein Tag

im Mittelalter 3.10 (für HG) Die Deutschen II

ZDF INFO

8.13 heute Xpress 8.15 Geheimnisse der Seele

Gefährliche Experimente mit dem „Ich“ 9.15

ZDF-History 10.00 Lincolns letzter Tag 10.45

Aufgeklärt–Spektakuläre Kriminalfälle 12.15

Serienkiller 13.00 TerraXpress XXL 15.15 Leschs

Kosmos 17.45 Geheimnisse der Seele

Gefährliche Experimente mit dem „Ich“ 18.45

Chruschtschows Baby 19.30 Geheimnisse der

Sowjet-Technik 20.15 (für HG) Die Suche nach

Hitlers „Atombombe“ 21.00 Geniale Rivalen

21.45 Uran –Das unheimliche Element 23.15

Super-GAUTschernobyl –Sarkophag für die

Ewigkeit? 0.00 Tödliche Wissenschaft –Chemische

und biologische Waffen

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Köthener Herbst. Mit Werken vonJohann

Sebastian Bach, ca. 87 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Spezial Musik für den Herzog –Die

Renaissance-Metropole Ferrara, ca. 56 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Gegenwart Die Sopranistin Sarah

Maria Sun, ca. 56 Min.

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Alte Musik St. Agnus war seine Andachtskirche.

Johann Sebastian Bachs Köthener Wirkungsstätten,

ca. 30 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Spielweisen Der Sänger Äneas Humm und die

Pianistin Renate Rohlfing stellen Edvard Griegs

„Sechs Lieder“ op. 48 vor, ca. 45 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Propaganda (22/29). VonSteffen

Kopetzky.Gelesen vonJohann vonBülow, ca. 30

Min.

20.30 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lesezeit David Wagner liest aus seiner Erzählung

„Der vergessliche Riese“ (2/2), ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Hörspiel Zeugnis ablegen (6/6). Die Tagebücher

des Victor Klemperer.Sechster Teil: Die Jahre

1943-1945, ca. 57 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Feature 30 Jahre friedliche Revolution. Leipzig –

9. Oktober,ca. 56 Min.

MAGAZIN

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Opernführer Stefano Pavesi –Ser Marcantonio,

ca. 56 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit VonTrump vorgeführt? Ukrainischer

Präsident Selenskyj und das Telefonat. Gespräch

mit Florian Kellermann, ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Genesis –oder die Wende im

Leben des Fotografen Sebastiao Salgado,

ca. 26 Min.

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen. Kultur und Geschichte D-Daydes

SED-Regimes, ca. 55 Min.

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Hanne Hukkelberg,ca. 30 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Aus Religion und Gesellschaft Erkenne Dich

selbst: Die Freimaurer und ihre Bausteine für eine

bessere Welt, ca. 20 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 234 · M ittwoch, 9. Oktober 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

Sascha Hehn wirdamFreitag rentenaltersmäßige

65 Jahrealt und lässt

dennoch keine ruhständlerhafte Gemütlichkeit

erkennen. Im Rückblick

auf sein filmisches Schaffen spricht

der Schauspieler verächtlich von

„Fließbandarbeit“ beim Dreh, gemeint

ist ein gedankenloser,geringschätziger

Umgang mit Geschichten,

und zwar„nach dem Motto: DerZuschauer

merkt das ja sowieso nicht“.

Hehn schimpft indes nicht über sein

quasi-pornografisches Frühwerk

oder den anderen, quasi-adoleszenten

Quark, sondernpikanterweise

über die„Traumschiff“-Reihe des altehrwürdigen

ZDF:„Klar,die Bücher

waren früher auch nicht immer der

Hit…[Doch] zum Schluss wurden

die dramaturgischen Fehler unerträglich.“

Allerhand, denn neben der

ZDF-Serie„Schwarzwaldklinik“ verdankt

der Mann gerade dem„Traumschiff“

seine weitgehende Bekanntheit,

ja Beliebtheit. Nun, 2018 ging

Hehn in Unfrieden endgültig von

Bord,seitdem beklagt er die sinkende

Qualität bei der Schiffsserie.Florian

Silbereisen wurde sein Nachfolger als

Kapitän. DerKlabautermann!

Kim Kardashian (38) hat ihreKinder in

Armenien, dem Heimatland ihrer

Vorfahren, christlich taufen lassen.

Wiejetzt bekannt wurde,war die Ich-

Unternehmerin (neudeutsch: Influencerin)

am Montag mit dem Nachwuchs

–PsalmWest (0,4), Chicago

West (1), SaintWest (3) sowie North

West (6) –und ihrer Schwester Kourtney

(40) in die Gemeinde Etschmiadsin

gereist, etwa 20 Kilometer vonder

armenischen Hauptstadt Eriwan entfernt.Vater

KanyeWest (42) wurde bei

der Taufe in der örtlichen

Kathedrale allerdings

nicht gesehen.

Cara Delevingne (27)

würde am liebsten

auf Kleidung verzichten.„Wenn

ich

dieWahl hätte,

dann sollten alle

Menschen nackt

sein“, sagte das britische

Topmodel

jetzt in einem Interview

des Magazins

Elle,sie sähen

dann viel schöner aus.

„Kleidung ist doch nur ein

Schutz vordemWetter.“

Na dann! (schl.)

Sie weiß: Kleidung entstellt

die natürliche Schönheit.

AP/EVAN AGOSTINI

TIERE

Obacht: Zahnoperation bei einem

Königstiger. DPA/TIERHAUS VIER PFOTEN

Tigerin Cara hat hat eine bewegte Geschichte

hinter sich –und jetzt auch

einen goldenen Fangzahn!Vorsechs

Jahren wurde sie vonder Polizei in

Italien befreit, Privatleute hielten sie

illegal auf einem Bauernhof. Cara

kam nach Deutschland, zur Großkatzenstation

der TierschutzorganisationVier

Pfoten in Maßweiler (Rheinland-Pfalz).

Nunhaben dänische

Spezialisten bei dem Königstiger-

Weibchen den besagten Fangzahn,

der wegen tiefer Rillen zu brechen

drohte,durch eine Zahnkrone gerettet.

Alles gut! (schl.)

Als das Gespräch auf Ruth

kommt hellen sich plötzlich

Samuel Littles Gesichtszüge

auf, seine Augen

funkeln und sein Mund verzieht

sich zu einem breiten Grinsen. „Ja,

Ruth, Mann, ich habe Ruth geliebt“,

sagt er. Man könnte meinen, der

knorrige alte Mann denke unter seiner

Wollmütze an eine Liebschaft

seiner Jugend, an die er besonders

schöne Erinnerungen hegt.

Doch seine kurze Begegnung mit

Ruth in Little Rock vor25Jahren war

alles andereals romantisch. Little las

die bislang noch nicht näher identifizierte

„Ruth“ in einem Drogen-

Haus in Arkansas auf, vergewaltigte

sie,strangulierte sie und lud dann ihren

leblosen Körper auf einer Müllhalde

ab.

PerDNA überführt

Weil sich das FBI davon Aufklärung erhofft,

plaudert der schlimmste Serienmörder der

USA video-öffentlich über seine Taten

VonSebastian Moll

Die Interviews mit Samuel Little stellte die

Bundespolizei FBI auch auf YouTube ein. YOUTUBE (3)

Beschlagnahme und Notverkauf

An all das kann sich Samuel Little in

verblüffenden Details erinnern. Er

weiß noch genau, wie Ruths Haar

war, ererinnert sich an ihre Zahnlücken.

Undererinnertsich mit schelmischem

Vergnügen daran, dass die

Polizei von Arkansas, die ihn wegen

Ladendiebstahls in Gewahrsam genommen

hatte, nur Stunden vor

dem Mord auf freien Fußsetzte.

Littles Geständnis ist auf einem

Video auf der Website des FBI zu sehen.

Es ist eines vonDutzenden von

Geständnissen, die Little freigiebig

und mit sichtlichem Vergnügen in

den vergangenen Monaten abgelegt

hat. 93 um genau zu sein. 50 davon,

so gab das FBI in diesen Tagen bekannt,

konnten verifiziert werden

und es gibt nur wenig Zweifel daran,

dass die übrigen 43 ebenfalls stimmen.

Somit ist der 79-Jährige, der

seit 2012 in einem Gefängnis in Kalifornien

sitzt, der schlimmste Serienmörder

aller Zeiten.

Dass die Welt nun von Littles

monströsem Lebenswerk erfährt, ist

ein Zufall. Beinahe hätte der alte und

zunehmend gebrechliche Mann sein

Geheimnis mit ins Grab genommen.

Little wurde im Jahr 2014 des Mordes

an drei Frauen Ende der 80er-Jahre

überführt und zu drei lebenslänglichen

Haftstrafen verurteilt. Seine

DNA konnte eindeutig der DNA zugeordnet

werden, die man bei den

Opfern fand. Schon während des

Verfahrens begannen Untersuchungen,

ob man Little weiteren ungeklärten

Sexualmorden würde überführen

können. Beinahe 60 Fälle

wurden wieder aufgerollt, doch die

Fälle verliefen im Sand.

Im vergangenen Jahr nahm sich

dann der texanische Sheriff James

Holland des Falles an. Holland untersuchte

einen Mord aus dem Jahr 1994

in der Kleinstadt Little Odessa in seinem

Heimatstaat, die Spur führte zu

Little. Als Holland zu Little vorgelassen

wurde, gelang ihm, was vorher

keinem der untersuchenden Beamten

gelungen war: Erbrachte Little

zum Reden. Der Trick, so erinnerte

sich Holland in einem Interview mit

dem Fernsehsender CBS am vergangenen

Wochenende, sei es gewesen,

Little nicht als Vergewaltiger anzusprechen.

„Wenn ich das Wort Vergewaltigung

benutzte,machte er dicht“,

so Holland. Sobald er Little als Mörder

ansprach, öffnete er sich jedoch.

„Er sieht sich wohl als Mörder, erist

sogar ein bisschen stolz darauf.“

DerEhrgeiz der Polizei

So durfte Holland wochenlang mit

Little in einem texanischen Gefängnis

sprechen. Die Videoaufnahmen

der Verhöre, die nun zum Teil der Öffentlichkeit

zugänglich gemacht

wurden, liefern einen gruseligen

Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt

eines Psychopathen. Little

erinnert sich mit erstaunlicher Detailgenauigkeit

–wie er seine Opfer

kennenlernte, wie sie aussahen, an

ihre Haarfarbe, ihr Gewicht. Und er

kann sich exakt an die Taten erinnern,

bis hin zu den genauen Stellen,

an denen er die Körper ablud.

Der Hergang der mutmaßlichen

93 Morde war immer ähnlich. Die

Frauen waren oft Prostituierte oder

Drogenabhängige oder beides. Little

fand sie in Striptease-Bars,inDrogenhäusernoder

am Straßenrand. Es war

ein Millieu, in dem Little selbst verkehrte.

Erhatte keinen festen Wohnsitz,

er war das,was man einen Drifter

nennt, ein unsteter Mann, der durch

das Land reist und sich mit Gelegenheitsarbeit

durchschlug. Er wohnte in

Obdachlosenunterkünften, in Bordellen

und in Drogen-Wohngemeinschaften,

wo er auch seine Opfer

fand. Nicht zuletzt wegen dieser Lebensweise

blieb er lange unentdeckt.

„Ich bin nie in eureWelt gekommen“,

sagte er zu Holland.„Ich bin immer in

meinerWelt geblieben.“

Auch deshalb blieb Little jahrzehntelang

unbemerkt. Seine Opfer

waren das,was man gemeinhin marginal

nennt: Frauen vom Rand der

Gesellschaft, um die sich niemand

sorgt, die niemand vermisst und derentwegen

die Staatsgewalt keinen

großen Aufwand betreibt. Doch nach

den Geständnissen hat das FBI nun

den Ehrgeiz entwickelt, Littles Geständnisse

zu überprüfen, jeden einzelnen

Fall aufzuklären und den Angehörigen

so zumindest ein gewisses

MaßanFrieden zu verschaffen. Eben

deswegen hat man neben den von

Little gezeichneten Porträts der Opfer,

auch seine Video-Geständnisse

veröffentlicht: Manhofft offenbar auf

die Mithilfe der Bevölkerung.

So bekommt die Öffentlichkeit

wenigstens im Nachhinein ein präzises

Bild vonLittles Monstrosität. Unbeantwortet

bleibt jedoch die Frage,

wie es sein konnte, dass er vier Jahrzehnte

lang praktisch ungehindert

sein Unwesen treiben konnte.

In Kiel hat in Prozess gegen eine Staatsanwältin wegen Rechtsbeugung in Tierschutzverfahren begonnen

Der Stolz des

Mörders

Die Angeklagte (2.v.r.) wollte offenbar das Tierwohl mit Nachdruck durchsetzen.

Eine Staatsanwältin muss sich seit

Dienstag wegen Verdachts der

Rechtsbeugung im Zusammenhang

mit Ermittlungen wegen möglicher

Tierschutz-Verstöße vor dem Kieler

Landgericht verantworten. Sie habe

bei der Bearbeitung der Fälle in der

Tatauch Fehler gemacht, räumte die

44-Jährige zu Prozessbeginn ein.

„Keinesfalls aber habe ich das Recht

gebeugt.“ Der früheren Tierschutz-

Dezernentin wird vorgeworfen, beschlagnahmte

Tiere notveräußert zu

haben, ohne den Besitzernzuvor die

Möglichkeit des Widerspruchs eingeräumt

zu haben.

DerJuristin werden zehn Fälle aus

der Zeit zwischen Ende 2011 und Anfang

2014 zur Last gelegt. „Die Angeklagte

wollte ihre Stellung als Staatsanwältin

dazu nutzen, das Tierschutzrecht

mit Nachdruck durchzusetzen“,

sagte Staatsanwalt Joachim

Reinhold bei derVerlesung der Anklageschrift.

„Sie entfernte sich dabei jedoch

bewusst und in schwerwiegenderWeise

vonRecht und Gesetz.“

DPA

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe

führt die Ermittlungen gegen die

Kieler Kollegin. Sie soll in neun Fällen

bei Notverkäufen von beschlagnahmten

Tieren gegen Verfahrens-

vorschriften verstoßen haben. Gegen

die Tierbesitzer wurde der Anklage

zufolge wegen Straftaten nach

dem Tierschutzgesetz ermittelt. In

einem weiteren Fall soll die Juristin

„schlecht gehaltene Tiere eines

Landwirts ohne förmliche Notveräußerung

eigenmächtig veräußert haben“.

Das begründe den „Vorwurf

der Rechtsbeugung in Tateinheit mit

Diebstahl“.

Zum Prozessauftakt waren auch

mehrere betroffene Tierhalter im

Saal 232 des Landgerichts erschienen.

Sie mussten den Gerichtssaal

aber vor Verlesung der Anklage verlassen,

weil sie in dem Verfahren als

Zeugen in Betracht kommen. Die 7.

Große Strafkammer hat für den Prozess

36 Verhandlungstage angesetzt.

Ein Urteil könnte Ende März 2020

fallen. (dpa)

NACHRICHTEN

Drogenhandel: elf Menschen

zum Tode verurteilt

Wegen illegalen Drogenhandels sind

inVietnam elf Menschen zum Tode

verurteilt worden. EinGericht in Ho-

Chi-Minh-Stadt verhängte die Todesstrafe

über acht Mitglieder eines Drogenrings,wie

die ZeitungViet Nam

News am Dienstag berichtete.Sie sollen

132 Kilo Heroin und 55 Kilo Crystal

Meth aus Laos nachVietnam geschmuggelt

und dortverkauft haben.

In einem weiteren Fall des Drogenhandels

in der Provinz SonLa, westlich

der Hauptstadt Hanoi, wurden

laut einem Bericht der Tageszeitung

VnExpress drei Menschen zum Tode

verurteilt. (dpa)

Heinz-Erhardt-Denkmal

wieder aufgetaucht

Dasvor rund dreiWochen in Göttingen

gestohlene Denkmal des Schauspielers

Heinz Erhardt (1909–1979) ist