Vorschau: VKD-PraxisBerichte 2019

vkdberlin

Bestellt werden können die Praxisberichte in der Geschäftsstelle des VKD, Oranienburger Straße 17, D-10178 Berlin, telefonisch unter 030/28 88 59-11 oder per E-Mail unter: vkdgs@vkd-online.de.

Praxisberichte
Zu aktuellen Fragen des
Krankenhausmanagements 2019
Projekte Positionen Perspektiven

Herausgeber:
Verband der
Krankenhausdirektoren
Deutschlands e.V.

Geschäftsstelle
Oranienburger Straße 17
D-10178 Berlin

www.vkd-online.de

Schutzgebühr:
14,90 Euro
ISBN 978-3-00-063659-2

PraxisBerichte

2019

Zu aktuellen Fragen des Krankenhausmanagements

Kampf ums

Personal

mehr ab Seite 17

Patientensicherheit

mehr ab Seite 51

Projekte | | Positionen | | Perspektiven


EDITORIAL

Montag,

18.11.2019

Dienstag,

19.11.2019

Mittwoch,

20.11.2019

HINWEISE ZUR REGISTRIERUNG

Um an den Veranstaltungen teilnehmen

zu können, registrieren Sie sich bitte

für den 42. Deutschen Krankenhaustag

kostenfrei online mit Hilfe des Links

www.medica.de/dkt_shop1.

Sie erhalten dann zur Bestätigung ein

E-Ticket, mit dem Sie sich bei jeden Besuch

einer Vortrags-Veranstaltung des

42. Deutschen Krankenhaustages vor Ort

einscannen können.

Dieses E-Ticket dient gleichzeitig als

Tages-Eintrittskarte zur Medica, die durch

das Einscannen vor Ort beim Deutschen

Krankenhaustag freigeschaltet wird.

Auftaktveranstaltung

mit Bundesminister Jens Spahn, MdB

12:00 - 13:30 Uhr, CCD-Ost, Raum M

Abendveranstaltung

„Treffpunkt Krankenhaus“

19:00 Uhr, Haus der Ärzteschaft

Entscheiderfabrik

10:00 - 13:00 Uhr, CCD-Ost, Raum M

103. VKD-Mitgliederversammlung

14:00 - 15:00 Uhr, CCD-Ost, Raum M

6. VKD-Forum

15:00 - 17:00 Uhr, CCD-Ost, Raum M

Abendveranstaltung „meet IT der Club“

ab 18:00 Uhr, MEDICA, Halle 13

EVKM-Europatag

09:30 - 13:00 Uhr, CCD-Ost, Raum R

UNSERE TERMINE

im Rahmen des

42. Deutschen Krankenhaustages

vom18. bis 21.11.2019 in Düsseldorf

vkd-online.de | medica.de |

deutscher-Krankenhaustag.de |

entscheiderfabrik.com | eahm.eu.org

Besuchen Sie uns auch an unserem

Stand auf der MEDICA in

Halle 13/ G58 - in der Nähe der

Entscheiderfabrik!

Welche Krankenhäuser können es sich leisten, Abwerbeprämien

in hoher vierstelliger Summe anzubieten?

Vermutlich die wenigsten. Mit bis zu 8.000

Euro werden spezialisierte Pflegekräfte schon gelockt,

den Arbeitgeber zu wechseln. Welche Krankenschwester,

welcher Pfleger mit der erwünschten

Qualifikation kann da nein sagen?

Vermutlich wissen alle Krankenhaus-Führungskräfte,

dass diese Art des Kampfes ums Personal, dieses

gegenseitige Abwerben, keine

Dauerlösung ist. Die Meldungen

in den Medien über

Stationsschließungen, Bettensperrungen,

das Abwandern

ganzer Teams von einem Krankenhaus

ins andere häufen

sich und betreffen im Grunde

Krankenhäuser aller Träger. Personal

fehlt an allen Ecken und

Enden. Das hat Auswirkungen

für die Versorgung der Patienten

und natürlich auch gravierende

wirtschaftliche Folgen

für die Kliniken, die geplante

Leistungen dann nicht erbringen,

wichtige Neubauten nicht

eröffnen können.

Editorial

Personal und Patientensicherheit – zwei Seiten einer Medaille

Dr. Josef Düllings,

Präsident des Verbandes

der Krankenhausdirektoren

Deutschlands (VKD)

Das Problem, mit dem sich

diese Praxisberichte im ersten

Schwerpunkt „Der Kampf ums

Personal“ beschäftigen, ist allerdings

nicht plötzlich vom Himmel gefallen, sondern

hat sich über viele Jahre aufgebaut – worauf der

VKD auch bereits seit Jahren immer wieder hingewiesen

hat. Ernstgenommen hat das die Politik erst

jetzt. Bisher war es ja „nur“ ein Kampf des Personals,

das mit größtem Engagement versucht hat, trotz

aller Schwierigkeiten die Versorgung der Patienten

dennoch in bester Qualität zu leisten. Das geht seit

langem so, aber es kann natürlich nicht unendlich

lange gehen.

Was Krankenhäuser tun, um nicht nur kurzfristig,

sondern nachhaltig das Problem anzugehen, wie

verschieden die Lösungsansätze sein können, davon

berichten Autorinnen und Autoren in diesem

Heft. Sie zeigen, dass neue Ideen, stimmige, umfassende

Konzepte und auch eine positive Ausstrahlung

nach innen und außen durchaus Wirkung

haben können.

Was die Politik aus Überzeugung des VKD tun kann

und tun muss, wird ebenfalls - wie es unsere Art

ist - deutlich angesprochen. Es hilft nicht weiter,

nur die Anzahl von Pflegekräften festzulegen, die

in dieser oder jener Abteilung

zwingend einzusetzen sind,

wissend, dass die Suche am

Arbeitsmarkt ziemlich erfolglos

sein wird.

Der Fachkräftemangel hat viele,

sattsam bekannte Gründe,

die alle auch gesundheitspolitisch

in den Blick genommen

werden müssen. Die überbordende

und durch immer neue

Regelungen weiter anwachsende

Bürokratie als erheblicher

Zeitfresser für Pflegende

und Mediziner etwa gehört

wesentlich dazu. Politik, Krankenkassen,

Gemeinsamer Bundesausschuss

– sie alle haben

dazu beigetragen und sollten

hier schnellstens den Rückwärtsgang

einlegen. Das ist

eine Frage des Wollens und

vor allem des Vertrauens in die Krankenhäuser. Sie

haben dieses Vertrauen verdient!

Gleichzeitig sind Lösungen zur Bewältigung des

Fachkräftemangels immer auch Beiträge zur Verbesserung

der Patientensicherheit – unserem

zweiten Schwerpunkt in diesen Praxisberichten.

Einen umfassenden Blick auf dieses Thema werfen

hier die Patientenbeauftragte der Bundesregierung,

Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke, und die

Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit

(APS), Hedwig François-Kettner. Während

wir bei der Händehygiene in den Kliniken inzwi-


EDITORIAL

INHALTSVERZEICHNIS

schen ein gutes Stück weitergekommen sind, ist

bei der Kommunikation mit Patienten, Angehörigen,

aber auch der Berufsgruppen im Krankenhaus

unter- und miteinander durchaus noch Luft nach

oben. Und was Piloten zwingend vorgeschrieben

ist, sollte auch in der Medizin gelten: Vor der Praxis

und auch später immer wieder einmal ins Simulationszentrum.

Fast schwindlig macht uns in den Krankenhäusern,

in welch enger Taktung derzeit Gesetzentwürfe aus

dem Haus von Gesundheitsminister Jens Spahn

vorgelegt werden. Die ersten Auswirkungen zeigen

sich bereits bei den Regelungen zu Pflegepersonal-Untergrenzen

in sensitiven Bereichen. Womit

wir künftig noch rechnen müssen, welche Interaktionen

die ganzen Gesetze auslösen werden, ahnen

wir allenfalls. Angekündigt sind überdies neue

gesetzgeberische Aktivitäten für eine sektorenübergreifende

Versorgung – eines der vermutlich

schwierigsten Themen überhaupt, an denen wir

uns alle schon jahrelang die Zähne ausbeißen. Den

Versuch eines Überblicks macht das aktuelle Interview,

mit dem wir in diesem Heft beginnen.

Und natürlich, wie schon in den vergangenen Jahren,

werden auch wieder Projekte der ENTSCHEI-

DERFABRIK für Unternehmenserfolg durch optimalen

IT-Einsatz vorgestellt. Der VKD ist hier nach

wie vor als Mitgründer des Projektes wichtiger

Partner. Die beteiligten Krankenhäuser gehören zu

den Vorreitern beim Thema Digitalisierung. Diese

ist ja ebenfalls essenziell für die Bewältigung des

Fachkräftemangels und für die weitere Verbesserung

der Patientensicherheit.

Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle allen

Autorinnen und Autoren, die in ihren Beiträgen

wichtige Erfahrungen weitergeben und so dafür

gesorgt haben, dass die diesjährigen Praxisberichte

wieder interessant und lesenswert sind.

Inhaltsverzeichnis

VKD-PRAXISBERICHTE 2019

Das aktuelle Interview

09

Gesetze am laufenden Band - was ist

die politische Strategie?

Komplexität ist schwer beherrschbar, Folgenabschätzungen

sind vonnöten und die Wirkung

möglicher Interaktionen ist kaum überschaubar,

Interview mit Dr. Josef Düllings

Der Kampf ums Personal

Ihr

Dr. Josef Düllings

17

Es gibt nicht die eine Lösung | Der

Fachkräftemangel ist eine komplexe strategische

Herausforderung für das Management der

Krankenhäuser, Rehakliniken und Einrichtungen

der Altenpflege, Dr. Jens-Uwe Schreck

29

Unsere Mitarbeiter heute – und

morgen | Strategisches Personalmanagement

– die aktuelle Bewerberlage und die

künftigen Herausforderungen, Redaktion

Praxisberichte

35

35-Stunden-Woche bei vollem

Gehaltsausgleich | Wie die Frankfurter

Rotkreuz-Kliniken ihre Pflegefachkräfte stärken,

Tina Stanzel

46

24

Der Fachkräftemangel löst sich

nicht von alleine | Ein Plädoyer für die

Ausbildung, Oliver Neuhaus, Christian Busse

31

Gute Köpfe schätzen gute Kommunikation

| Wie sich ein offensives Marketing

auf die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern

in Zeiten des Fachkräftemangels auswirkt,

Sabine Loh

41

Damit die Integration internationaler

Pflegefachkräfte gelingt | Sektorenübergreifendes

Projekt erarbeitet konkrete,

bedarfsgerechte Lösungen für den Fachkräftemangel

in der Pflege, Prof. Dr. Beate Blättner,

Prof. Dr. Heinrich Bollinger

Im Kampf ums Personal „am Ende

der Kette“ | Wir nutzen alle Möglichkeiten,

aber Angebote müssen von den Mitarbeitern

auch angenommen werden, Franz Hartinger

VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT 4 5 VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT


INHALTSVERZEICHNIS

PATIENTENSICHERHEIT

51

Patientensicherheit als eine gemeinsame

Aufgabe verstehen | Vor allem die

Kommunikation mit Patienten und Angehörigen

ist von zentraler Bedeutung, Prof. Dr. Claudia

Schmidtke

57

Wir sind nicht zum Selbstzweck da|

Wichtigstes Instrument zur Verbesserung der

Patientensicherheit ist das gemeinsame Lernen

aus Fehlern, Interview mit Hedwig François-

Kettner

69

Sichere Kommunikation erleben!|

Ob Notfall oder klinische Routine: Zusammenarbeit

durch Einsatz interaktiver Plattformen

gezielt trainieren, Dr. Christopher Neuhaus

54

Ein Querschnittsthema, das alle

Versorgungsbereiche betrifft | Im

Zentrum des Qualitätsmanagements steht die

Patientensicherheit, Gabriele Kirchner

64

Simulationstrainings sollten obligatorisch

sein | Es geht um Kommunikation,

Koordination und Ressourcenmanagement,

um Vorkommnisse, für die es keine Routinen

gibt, Redaktion

74

„Dolmetscher der Seele“ - SIM im

LVR | Psychiatrische Versorgung unter Einsatz

von Sprachmittler*innen, Monika Schröder

ENTSCHEIDERFABRIK

Das aktuelle Interview

85

ENTSCHEIDERFABRIK

bereits im 13. Projektzyklus

| Wichtige Zukunftsthemen

für die stationäre und vernetzte

Gesundheitsversorgung

100

VKD fordert einen Masterplan

Digitalisierung|

Leistungserbringer, Patienten

und Industrie müssen beteiligt

und die Finanzierung muss abgesichert

werden, Dr. Josef Düllings,

Peter Asché

102

IMPRESSUM

88

Vorgestellt: Neue Ideen, Weiterentwicklungen

und Innovationen

89

91

93

96

98

Kommunikation mit Mehrwert, ohne “Whats-

App-Dilemma“ Die sichere Chat Plattform NetSfere

unterstützt Krankenhäuser bei Kommunikationsanforderungen

im Zuge der Digitalisierung, Franz Obermayer

Digital Boardroom für Krankenhäuser

Wie Entscheider in Krankenhäusern komplexe Zusammenhänge

agil und intuitiv analysieren können, Team

Digitalisierung der Pathologie

Es müssen unterschiedliche Systeme konventioneller

wie auch digitaler Art miteinander verbunden werden,

Autorenkollektiv

Mobilitätsanalyse: Stürzen vorbeugen mit

künstlicher Intelligenz

Individuelle Sturzprävention und Entlastung der Fachkräfte

durch 3D-Gangbildanalysen per Handy-Kamera,

Diana Heinrichs

Entlastung der Pflege

Notfallknopf bleibt nur noch für wirkliche Notfälle,

Julian Nast-Kolb

Gesetze am laufenden Band -

WAS IST DIE POLITISCHE STRATEGIE?

VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT 6


DAS AKTUELLE INTERVIEW

DAS AKTUELLE INTERVIEW

Gesetze am laufenden Band –

Was ist die politische Strategie?

Komplexität ist schwer beherrschbar, Folgenabschätzungen sind

vonNöten und die Wirkungen möglicher Interaktionen SIND kaum

überschaubar

Seit Amtsantritt von Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn werden in kurzer Taktung neue

Gesetzentwürfe produziert, diskutiert und auch

durchs Parlament gebracht. Während die Beteiligten

und Betroffenen noch versuchen, sich

darauf einzustellen, kündigt das Ministerium

weitere an. Werden sie die Gesundheitsversorgung,

speziell auch die Krankenhausversorgung,

verbessern oder sind sie in ihren Auswirkungen

eher kontraproduktiv? Das Interview

mit VKD-Präsident Dr. Josef Düllings zu den Positionen

des Managerverbandes und den Forderungen

aus Sicht der Praxis für eine tatsächlich

zukunftsweisende Perspektive.

Unser Gesprächspartner

Herr Dr. Düllings, wie fühlen Sie sich angesichts des

Gesetze-Tsunami aus der Berliner Friedrichstraße?

Dr. Josef Düllings: Einerseits, andererseits, würde ich

sagen. Erfreulich ist ja, dass der Minister einerseits

ganz offensichtlich Probleme aufgreifen und auch

zur Lösung bringen will. Er kennt die Herausforderungen

nicht nur aus früheren Zeiten als Gesundheitspolitiker,

sondern sucht auch immer wieder

selbst das Gespräch mit Praktikern, geht in Krankenhäuser,

hört zu. Er stellt sich Diskussionen – auch

mit uns, den Führungskräften der Krankenhäuser,

Rehakliniken und Altenpflegeheime. Das schafft

durchaus Vertrauen.

Andererseits ist die Gesundheitsversorgung ein

komplexes Thema. Wer hier Veränderungen in dieser

Geschwindigkeit anstrebt, noch dazu mit solch

einer Fülle neuer Gesetze, Verordnungen, Regelungen,

kann die daraus resultierenden Folgen in der

Praxis und auch die entstehenden Interaktionen

kaum abschätzen – wobei die Folgenabschätzung

von Gesetzentwürfen ohnehin ein Stiefkind der

Gesetzgebung in Deutschland ist. Die Taktung ist

so hoch, dass die Umsetzung ohnehin erst in den

Anfängen steckt, ohne dass auch wir aus unserer

Praxiserfahrung und eigenen Berechnungen heraus

sagen könnten, was das alles für die Krankenhäuser

tatsächlich bedeutet.

Foto.: VKD

Dr. Josef Düllings,

Präsident des Verbandes

der Krankenhausdirektoren Deutschlands

(VKD)

Haben Sie ein konkretes Beispiel parat?

Dr. Josef Düllings: Ja, natürlich. Ganz aktuell und

heftig diskutiert auch bei uns im Verband sind das

Pflegepersonal-Stärkungsgesetz und die darin vorgesehene

Ausgliederung der Pflegekosten aus dem

DRG-System. Ein Eingriff in das hochkomplexe Finanzierungssystem,

dessen Realisierung dem InEK,

wie man hört, jedenfalls nicht so flott gelingen wird,

wie zunächst angenommen, und nicht so schnell

realisiert werden kann, wie man das vielleicht in Berlin

erwartet hätte. Die Deutsche Krankenhausgesell-

VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT 8 9 VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT


DAS AKTUELLE INTERVIEW

DAS AKTUELLE INTERVIEW

Das Bundesgesundheitsministerium hat den

Krankenhausstrukturfonds für vier Jahre mit insschaft

rechnet damit, dass kaum ein Krankenhaus

zum 1. Januar 2020 ein Pflegebudget vereinbart

haben wird. Insgesamt haben wir es bei diesem Gesetz

gleich mit mehreren Problemen zu tun, die uns

großes Kopfzerbrechen bereiten.

Wir haben mögliche Auswirkungen auf die Krankenhäuser

bereits in unserer Stellungnahme zum Gesetzentwurf

deutlich gemacht. Inzwischen kann in

den Kliniken durchgerechnet

werden, was sie zumindest

die vorgesehene Pauschale

für die Übergangszeit kosten

wird. Da kommt man auf erhebliche

Summen, die von

dem pauschalen Tagessatz

in Höhe von 130 Euro pro Fall

vielfach nicht gedeckt werden

– ich denke da an die Geriatrie, Kinderkliniken,

aber auch Universitätskliniken. Doch nicht nur für

sie wird das schwierig. Es wird vorhersehbar eine

ganze Reihe von Häusern in finanzielle Schwierigkeiten

bringen, wenn diese Pauschale nicht aufgestockt

wird.

Es ist durchaus anzuerkennen, dass die Krankenhäuser

durch eine Begrenzung der Erlösverluste von

zwei Prozent aus der Summe von Gesamtbetrag

und Pflegebudget geschützt werden sollen. Die

Bemessungsgrundlage dafür soll aber das Budget

von 2019 sein. Kosten- und Leistungssteigerungen

werden also für 2020 nicht berücksichtigt.

Was wir schon in unserer Stellungnahme kritisiert

haben, ist die Tatsache, dass Assistenzpersonal, also

die Pflegenden unterstützendes Personal, das in

den letzten Jahren in vielen Krankenhäusern eingestellt

wurde, im Pflegebudget nicht berücksichtigt

ist und damit auch nicht vollständig refinanziert

wird. Das ist ein weiterer Baustein zur Unterfinanzierung

der Krankenhäuser und kontraproduktiv für

die Behebung des Fachkräftemangels in der Pflege.

Wir werden außerdem mit einem weiteren, erheblichen

Aufwuchs an Bürokratie durch die doppelte

Abrechnung von DRGs und Pflegebudget rechnen

müssen.

Im Rahmen der „Konzertierten Aktion Pflege“,

im vorigen Sommer ausgerufen von gleich drei

Bundesministern, wurde jetzt von den geschäftsführenden

Vorständen der Koalitionsfraktionen

beschlossen, dass die Pflege von Bürokratie entlastet

werden soll…

Erfreulich ist ja, dass der

Minister einerseits ganz

offensichtlich Probleme

aufgreifen und auch zur

Lösung bringen will.



Dr. Josef Düllings: Das ist ja an sich auch erfreulich.

Leider steht dem entgegen, dass zum Beispiel die

PKMS-Kodierung mit akribischer, kleinteiliger Aufzeichnung

pflegerischer Maßnahmen auch 2020

weiterhin vorgegeben wird – und das, obwohl

diese Daten für das Pflegebudget überhaupt nicht

benötigt werden. Der Abbau von Bürokratie ist immer

wieder versprochen worden. Das Gegenteil

geschieht, wie wir jeden Tag in den Krankenhäusern

erleben. Mit jedem Gesetz

und jeder Regelung werden es

mehr Pflichten für Ärzte und

Pflegende – und damit verstärkt

sich natürlich der Personalmangel

weiter.

Immerhin war doch erfreulich,

dass Tarifsteigerungen

für die Pflegekräfte von den Kassen voll refinanziert

werden – das hat der VKD immer wieder gefordert.

Dr. Josef Düllings: Ja, wenn es denn tatsächlich so

wäre. Die Vorgaben zur Tarifausgleichsrate verhindern

das bis heute. Das Geld kommt nicht vollständig

in den Krankenhäusern an. Die Krankenkassen

mauern bei den Budgetverhandlungen, wenn es

etwa um Zahlungen für Mitarbeiter aus Zeitarbeitsfirmen

geht, obwohl diese examiniert sind.

Positiv ist dagegen, dass die Vergütungen von

Auszubildenden in der Kinderkrankenpflege, Krankenpflege

und Krankenpflegehilfe im ersten Ausbildungsjahr

vollständig von den Kostenträgern

refinanziert werden. Hier gibt es einen Anreiz, mehr

auszubilden.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert,

dass einerseits den Krankenhäusern gegeben

werden soll, ihnen andererseits an verschiedenen

Stellen „genommen“ wird.

Dr. Josef Düllings: Ja, das Spiel kennen wir schon:

linke Tasche, rechte Tasche. Es zeigt erneut, wie wenig

konsequent viele Gesetzesregelungen sind, wie

gleichzeitig auch die vom Gemeinsamen Bundesausschuss

erarbeiteten Umsetzungsregeln den Willen

des Gesetzgebers oft konterkarieren.

Ein ziemliches Durcheinander…

Dr. Josef Düllings: Ja, so sieht´s aus. Und die Krankenhäuser,

ihre Mitarbeiter und auch die Patienten

baden es am Ende aus. Dazu gehört außerdem das

viel diskutierte Thema Personaluntergrenzen, die

seit Anfang dieses Jahres für vier Bereiche gelten.

Auch hier wieder: Das gesundheitspolitische Ziel

ist das eine, die Umsetzung das andere. Ziel des

Gesetzgebers ist es, durch Personaluntergrenzen

zunächst in diesen vier pflegesensitiven Bereichen

– Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie

- die Versorgung der Patienten und deren

Sicherheit zu verbessern. Das soll dann 2020 auf alle

Abteilungen ausgeweitet werden. Die Ausweitung

halten wir für einen Fehler. Die Nebenwirkungen

sind überhaupt nicht klar.

Was zunächst auch für die Öffentlichkeit gut und

fürsorglich klingt, ist aus Sicht der Praxis realitätsfern.

So wurden die Vorgaben für die Besetzung

von Intensivstationen vollkommen undifferenziert

festgelegt. Sie gehen nicht von einer sinnvollen,

auf die unterschiedlichsten Pflegebedarfe in diesem

Bereich ausgerichteten Besetzung aus, die sich

allein schon zwischen Hochleistungskliniken und

Intensivstationen der Grund- und Regelversorgung

logischer Weise deutlich unterscheiden. Hier wird

bereits bei diesen augenfälligen Unterschieden alles

über einen Kamm geschoren. Gleichzeitig verhindern

sie einen flexiblen Personaleinsatz, der vor

Ort möglich sein muss und effizient gesteuert werden

muss. Diese Vorgaben sind am grünen Tisch

gestrickt und wenig hilfreich. Gesetzgeberischer

Korrekturbedarf ist schon jetzt erkennbar.

Wir haben im vorigen Jahr mehrfach gefordert,

den damaligen Verordnungsentwurf grundsätzlich

zu überarbeiten oder ganz auszusetzen und uns

für ein gut begründetes, wirklich praxistaugliches

Gesamtpaket ausgesprochen, das vor allem dem

Management auch Spielraum für hausindividuelle

Entscheidungen lassen würde. Es gab zudem zahlreiche

Einwände auch von unseren Verbandsmitgliedern,

die deutlich gemacht haben, dass diese

Vorgaben zum Teil nicht umsetzbar sind oder die

Patientenversorgung sogar gefährden. Gewarnt

wurde auch vor Stations- und Bettenschließungen,

wenn die Vorgaben nicht erfüllt werden könnten.

Das ist auch so gekommen – über Stationsschließungen

berichten regionale Medien inzwischen

durchaus häufig.

Dr. Josef Düllings: Jens Spahn hat in diesem Zusammenhang

und auch in unserer Jahrestagung,

mehrfach erklärt, dass er damit nicht unbedingt unzufrieden

ist. Es gehe ja um die Pflegequalität. Das

können wir wirklich nicht nachvollziehen. Regelmäßig

berichten lokale Medien in den Grippezeiten

über Aufnahmestopps von Krankenhäusern. Das ist

nicht die Gesundheitsversorgung, die Bürger sich

wünschen und für die sie als Versicherte ihre Beiträge

gezahlt haben. Angesichts des erheblichen Fachkräftemangels

gerade in Pflegeberufen, der nicht

von heute auf morgen behoben werden kann, hat

nicht nur unser Verband vor einer willkürlichen Verknappung

von Behandlungskapazitäten gewarnt.

Wir haben uns zudem für den von der Deutschen

Krankenhausgesellschaft vorgeschlagenen Ganzhausansatz

ausgesprochen, um mit substanziellen

Datenerhebungen und einem soliden Personalbemessungsinstrument

eine belastbare Grundlage für

solche Festlegungen zu schaffen.

Was offenbar auch von der „Konzertierten Aktion

Pflege“ aufgegriffen wurde.

Dr. Josef Düllings: Anfang Juni wurden die Ergebnisse

der vor einem Jahr ins Leben gerufenen Aktion

gegen den Pflegemangel vorgestellt. Im Grunde

bestehen sie, wenn ich das richtig sehe, erst einmal

vor allem aus Vorhaben und Plänen. Dabei ist auch

vorgesehen, die Pflegepersonaluntergrenzen zu

einem Pflegepersonalbemessungsverfahren weiterzuentwickeln.

Was wir brauchen, ist ein praxisorientiertes

und flexibles System, das nicht einzelne

Abteilungen, sondern die gesamte Personalausstattung

im Blick hat.

Angesichts der vielen Gesetze, Regelungen und Aktionen

zur Behebung des Fachkräftemangels, nicht

nur in der Pflege, wird aber auch deutlich, dass es im

Grunde an einem Gesamtplan fehlt.

Und über all den Anforderungen und Notwendigkeiten

steht immer die Finanznot vieler Kliniken.

Dr. Josef Düllings: Ja. Ich kann mich an kein Jahr

in meinem Berufsleben, speziell als Geschäftsführer

eines Krankenhausunternehmens, erinnern, in

dem das nicht ein beherrschendes Thema gewesen

wäre. Es gab natürlich immer bessere und schlechtere

Zeiten für die Krankenhäuser. Aber eines durchzieht

die Branche wie ein roter Faden, und dies seit

Jahrzenten, nämlich das Drama der Investitionsfinanzierung,

auch wenn es von Bundesland zu Bundesland

Unterschiede gibt. Hier ist der Ansatzpunkt

für viele falsche Entwicklungen in der Branche, auch

im Personalbereich.

VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT 10 11

VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT


DAS AKTUELLE INTERVIEW

DAS AKTUELLE INTERVIEW

Dass die unterschiedlichen Finanzierungssysteme

nicht kompatibel sind, habe ich bereits gesagt. Wir

plädieren für ein eigenständiges System für diesen

Bereich. Wichtig ist dabei, dass die enorme Unterdegesamt

einer Milliarde Euro pro Jahr fortgesetzt.

Kommt das den Forderungen des VKD nicht

doch entgegen? Rund 120 kleine als bedarfsnotwendig

eingestufte Krankenhäuser in Flächenregionen

werden zudem mit je 400.000 Euro unterstützt.

Dr. Josef Düllings: Der Strukturfonds – immerhin

inzwischen nicht nur für die Schließung und Umwandlung

von Krankenhäusern gedacht, sondern

zum Beispiel auch auf Digitalisierungsprojekte erweitert

– ist natürlich besser als nichts. Auch die

Unterstützung bedarfsnotwendiger Häuser – von

den Kassen lange Zeit blockiert – ist natürlich nicht

abzulehnen. Aber angesichts der vor uns liegenden

riesigen Herausforderungen ist dies politische

Kosmetik.

Unsere zentrale Forderung geht in eine andere,

grundsätzliche und nicht nur temporär wirkende

Richtung: Der Bund muss angesichts der mittlerweile

jahrzehntelangen Misere dieser Tatsache


Die Gesundheitsversorgung ist ein komplexes

Thema. Wer hier Veränderungen

in dieser Geschwindigkeit anstrebt,

noch dazu mit solch einer Fülle neuer

Gesetze, Verordnungen, Regelungen,

kann die daraus resultierenden Folgen

in der Praxis und auch die entstehenden

Interaktionen kaum abschätzen.


endlich ins Auge sehen und sich an der Investitionsförderung

messbar beteiligen. Die Länder

bringen insgesamt nicht einmal die Hälfte der

konservativ als nötig geschätzten mehr als sechs

Milliarden Euro dafür auf. Anfang der 1990er Jahre

lag die Investitionsquote noch bei neun Prozent.

Heute liegt sie bei unter drei Prozent. Wir haben

zudem einen riesigen Investitionsstau. Viele Anlagegüter

der Krankenhäuser sind bereits seit Jahren

vollständig abgeschrieben, Gebäude und auch

technische Anlagen sind nicht selten in einem maroden

Zustand. Kein Mensch scheint sich für diese

tickende Zeitbombe zu interessieren. Ein Ende

der Unterfinanzierung ist nicht absehbar. Auch der

Strukturfonds bedeutet keine Beteiligung des Bundes.

Er finanziert sich zur Hälfte aus Mitteln des Gesundheitsfonds

und zur anderen Hälfte aus Mitteln

der Länder, die hier aktiv werden müssen – oder es

auch lassen können.

Das MDK-Gesetz wurde noch kurz vor der parlamentarischen

Sommerpause vom Kabinett beschlossen.

Damit wurde eine wichtige Forderung

des VKD umgesetzt. Sind sie zufrieden?

Dr. Josef Düllings: Ja, im Grundsatz durchaus, auch

wenn die Fassung des Gesetzentwurfs noch verändert

wurde – zugunsten der Krankenkassen, zu

Lasten der Krankenhäuser. Durch die Unabhängigkeit

des Medizinischen Dienstes von den Krankenkassen

erwarten wir aber künftig faire Abrechnungsprüfungen.

Dass die Kassen strittig gestellte

Leistungen künftig nicht mehr gegen unstrittige

aufrechnen dürfen, ist ebenfalls sehr wichtig für die

Krankenhäuser. Der inzwischen erhebliche Anstieg

der Prüfungen wird auf ein normales Maß begrenzt.

Gut so!

Dass die Krankenhäuser mit Strafzahlungen belegt

werden sollen, wenn im Ergebnis der Prüfungen

Rechnungen gekürzt werden, ist dagegen ein Unding

und nirgends sonst in irgendeiner Gebührenordnung,

etwa für Vertragsärzte, so festgelegt. Hier

zeigt es sich wieder, das Misstrauen gegenüber den

Krankenhäusern.

Die neu in den Gesetzentwurf eingefügte Regelung

zur Besetzung der Aufsichtsgremien des Prüfinstituts

durch eine dominierende Anzahl von Kassenvertretern

kratzt erheblich an dessen eigentlich

angestrebter Unabhängigkeit. Das muss noch geändert

und die Krankenhausseite paritätisch eingebunden

werden.

Ein Blick in die nahe Zukunft: Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn hat auf der VKD-Jahrestagung

angekündigt, dass im zweiten Halbjahr

die Diskussion um eine sektorenübergreifende

Versorgung erheblich intensiviert wird. Eine

Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat dazu bereits den

Arbeitsentwurf für ein Eckpunktepapier veröffentlicht.

Wie sind die Positionen des VKD zu diesem

Thema?

Dr. Josef Düllings: Das Thema ist nicht neu – Integrierte

Versorgung, Ambulante Spezialfachärztliche

Versorgung (ASV) sind ja Schritte in diese Richtung.

Der VKD war und ist offen für eine sektorenübergreifende

Gesundheitsversorgung. Das haben wir immer

wieder betont.

Dass gerade in ländlichen Regionen die Realität, vor

allem das Fehlen niedergelassener Fachärzte, sektorenübergreifendes

Arbeiten erzwingt, ist uns allen

bewusst. Unser Verband plädiert dafür,

je nach den Bedingungen in einer Region,

sektorenübergreifend Versorgung zu

planen – eine definitive Pflicht der Bundesländer

in Kooperation mit der Selbstverwaltung.

Notwendig ist aus unserer

Sicht dabei aber auch die Konzentration

der Leistungen – ambulant wie stationär

– an den Krankenhäusern als Anker

der Versorgung und die Entwicklung der

Kliniken zu Gesundheitszentren, an die

dann auch Altenpflege und ambulante

Pflege sowie andere Gesundheitsberufe

andocken können.

Die Frage ist aber nicht das Ob, sondern

das Wie. Es geht ja neben der Bedarfsplanung

auch um Zulassungsfragen, um

die Honorierung der Leistungen, aber

auch um die technischen Vernetzungsbedingungen

und die telematische

Infrastruktur. Das sind keine einfachen

Herausforderungen, wie schon bei den

Modellen zur Integrierten Versorgung

sowie bei der von Kontrollwahn getriggerten

Überbürokratie in der ASV erlebt.

Besondere Knackpunkte sind für uns

die Finanzierung und die Qualitätssicherung.

Die Krankenhäuser mit ihrem

komplexen System der Qualitätssicherung

erwarten Vergleichbares auch von

den niedergelassenen Ärzten. Im Grunde

brauchen wir hier eine gemeinsame

Qualitätsstrategie und eben auch sektorenübergreifende

Qualitätsparameter, Prüfungen

und eine gemeinsame Qualitätssicherung. Hier

müssen sich auch die niedergelassenen Ärzte bewegen.

Auch die Krankenkassen müssen natürlich

ins Boot, da nach Entlassung der Patienten deren

weitere Wege für uns eine Black Box sind.

Ebenfalls ein sehr schwieriges Thema wird die Frage

der Finanzierung sein, denn bisher sind Projekte

der Integrierten Versorgung zum Beispiel meist auf

Finanzhilfen angewiesen. Die unterschiedlichen Finanzierungssysteme

ambulant und stationär sind

in sich nicht kompatibel. Wie die Kompatibilität hergestellt

werden könnte, ist eine Frage. Die Lösung

sehe ich derzeit eher noch in weiter Ferne. Ein Test

wäre zunächst für die ASV eine einheitliche Vergütungssystematik

sowie möglicher Weise Hybrid-

DRGs für die sektorenübergreifenden Elemente des

Versorgungssystems.

Der Abbau von Bürokratie ist immer

wieder versprochen worden. Das Gegenteil

geschieht, wie wir jeden Tag in den Krankenhäusern

erleben. Mit jedem Gesetz und

jeder Regelung werden es mehr Pflichten

für Ärzte und Pflegende – und damit verstärkt

sich natürlich der Personalmangel

weiter.



Inzwischen gibt es konkrete Vorstellungen für ein

Gesetz zur ambulanten Notfallversorgung. Sind

diese eine Blaupause für ein künftiges Gesetz zur

sektorenübergreifenden Versorgung?

Dr. Josef Düllings: Wir haben als Verband immer

wieder betont, dass die Gestaltung der ambulanten

Notfallversorgung ein erster Schritt in sektorenübergreifende

Versorgungsformen sein könnte. Was jetzt

als Vorschlag vorliegt, ist allerdings noch keine Lösung.

Wir begrüßen sehr, dass die Politik hier tätig

wird. Wir müssen als Verband aber auch sehr deutlich

auf Gefahren für die Krankenhäuser hinweisen,

die sich für die Zukunft daraus ergeben können.

VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT 12 13

VKD-PRAXISBERICHTE 2019 | KAMPF UMS PERSONAL - PATIENTENSICHERHEIT


DAS AKTUELLE INTERVIEW

ckung aus der bisherigen Vergütung keine Fortsetzung

findet. Außerdem ist es systemwidrig, dass die

Vergütung dreiseitig mit den KVen zu vereinbaren

ist, die über die Jahre eine faire Vergütung für die Kliniken

verhindert haben.

Die Reform der Notfallversorgung darf nicht dazu

führen, dass der Patientenversorgung wertvolle

Ressourcen entzogen werden. Der VKD befürchtet,

dass mit der jetzt angestrebten Lösung genau dies

geschieht: Aufbau von Parallelstrukturen und Aufwuchs

von Bürokratie.

Was wir ebenfalls grundsätzlich ablehnen, ist die

Vorstellung, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen

im Rahmen der geplanten Integrierten Notfallzentren

in unseren Häusern mitbestimmen sollen.

Schwierig ist in diesem Zusammenhang auch die

Frage der personellen Ausstattung. Die INZ sollen

eigenständig agieren, das Personal aber wird naturgemäß

vom Krankenhaus gestellt werden. Dass

wir hier große personelle Unterstützung aus dem

KV-Bereich erhalten werden, scheint angesichts der

aktuellen Lage ohnehin eine Illusion zu sein.

Als VKD müssen wir uns jedenfalls sehr konkret mit

den möglichen Auswirkungen auf die Krankenhäuser

beschäftigen. Wir werden uns hier nicht von der

Lobby der niedergelassenen Ärzte das Heft aus der

Hand nehmen lassen.

Nicht zu vergessen ist, dass der Ausbau von Versorgungsstrukturen

für die ambulante Notfallversorgung

an Krankenhäusern Investitionen erfordert.

Daher ist aus Sicht des VKD eine weitere Aufstockung

des Strukturfonds explizit für diesen Zweck

für alle an der stationären Notfallversorgung teilnehmenden

Krankenhäuser notwendig.

Was zunächst auch für die Öffentlichkeit

gut und fürsorglich klingt, ist aus

Sicht der Praxis realitätsfern. So wurden

die Vorgaben für die Besetzung von

Intensivstationen vollkommen undifferenziert

festgelegt.



Die Krankenhäuser haben bisher den Versorgungsauftrag

für die ambulante Notfallversorgung

für sich reklamiert…

Dr. Josef Düllings: …weil sie diejenigen sind, die

den größten und einen seit Jahren wachsenden Teil

dieser Arbeit leisten. Um auch künftig eine flächendeckende

Zugangsmöglichkeit für Notfallpatienten

zu gewährleisten, muss allen Krankenhäusern, die

bereits heute an der Notfallversorgung teilnehmen,

der Versorgungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung

durch Entscheidung der Länder übertragen

werden.

Wir stehen bei der sektorenübergreifenden Versorgung

vor einem komplexen, sicher auch von vielen

Diskussionen begleiteten Vorhaben, das die Strukturen

der Gesundheitsversorgung grundlegend

verändern und das in der Umsetzung Zeit brauchen

wird. Diese müssen wir dann gemeinsam auch nutzen,

immer wieder Korrekturen und Anpassungen

vorzunehmen. Ich denke nicht, dass wir von Anfang

an ein perfektes Konzept umsetzen können. Die

Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Sektorenübergreifende

Versorgung“ soll bis 2020 ihre Vorschläge veröffentlichen.

Dann sehen wir hoffentlich klarer, was

die Politik will – und können uns damit konstruktiv

auseinandersetzen – wie wir es als Krankenhauspraktiker

gewohnt sind. Was wir wollen ist klar, eine

gute und ambulant-stationär integrierte Patientenversorgung.

Herr Dr. Düllings, vielen Dank für Ihre

ausführlichen Antworten.

Der Kampf ums Personal

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