2019/41 - Unternehmen [!] 69

suedwest.presse

36 MACHEN unternehmen [!]

Spielerisch

zum Erfolg

Ludo Fact Gespielt wird nur noch digital?

Stimmt nicht. Der Kartonagenspezialist und

Auftragsfertiger für Verlage aus Scheppach

proftiert vom Brettspielboom.

Wer seine Firma Ludo

Fact tauft, setzt sich

fast zwangsläufig

dem Verdacht aus,

ein „alter Lateiner“ zu sein.

Horst Walz muss lächeln und

legt anschließend ein Bekenntnis

ab: „Ich hatte am Gymnasium

zwar Latein, aber mein Lehrer

war wenig begeistert von

meinen Fähigkeiten.“ Latein

steckt natürlich dennoch drin

im Firmennamen: „ludere“

gleich „spielen“ und „facere“

gleich „machen“.

Hier in Jettingen „machen“

sie nicht wenige davon, nämlich

rund 70 000 am Tag, rund 17

Millionen im Jahr. Bei der Namenswahl

sei es dann hauptsächlich

darum gegangen, dass

viele auch im Ausland sofort das

Wort „Spiel“ mit dem Hersteller

verknüpfen.

17 Millionen Spiele im Jahr verlassen die Produktion in Scheppach.

Die Bandbreite der 3000 Produkte reicht von „Siedler von Catan“

bis hin zu Spielkarten.

Fotos: Dave Stonies

Mein Lehrer

war wenig

begeistert

von meinen

Fähigkeiten.

Horst Walz

Eigentümer von Ludo Fact

„Siedler von Catan“

Spiele wie beispielsweise „Siedler

von Catan“ oder „Halli-Galli“.

17 Mal schon hatten sie das

„Spiel des Jahres“ in den Auftragsbüchern

gehabt. Die Firma

Ludo Fact werden damit aber

wohl die wenigsten Spieler in

Verbindung bringen. Das aber

kann Horst Walz, der geschäftsführende

Alleingesellschafter,

gut verschmerzen.

Denn bei den Spieleverlagen,

seinen Hauptauftraggebern, genießt

Ludo Fact einen so guten

Ruf, dass es die Firma aus der

7000-Seelen-Gemeinde Jettingen-Scheppach

im Landkreis

Günzburg zum zweitgrößten

Produzenten weltweit gebracht

hat, seit Walz Regie führt.

Der Ausgangspunkt der Geschichte

liegt im Jahr 1992. Damals

waren 35 Mitarbeiter an

Bord, produziert wurden Kartonschachteln

für Gesellschaftsspiele.

Als Walz als Geschäftsführer

in die Firma eintritt, gehört

sie Österreichern. 1995 verkaufen

sie – an Walz. Er hatte

ein „zweites Studium“ hinter

sich, bedingt durch die Leitung

der gemeinsamen Firma seines

Vaters und seines Onkels, die

auf ähnlichem Gebiet tätig war.

„Alles Betriebswirtschaftliche

hatte ich mir selbst aneignen

müssen, diese Phase hat

mich sehr geprägt“, erzählt der

59-Jährige von dieser „wunderbaren,

aber auch sehr harten

Schule“. Eigentlich sei er ja Ingenieur

in der Papier- und

Kunststoffverarbeitung.

Mit Schachteln aber gab sich

der Neu-Unternehmer nicht zufrieden.

Walz wollte sich um das

komplette Produkt kümmern,

um die Bausteine ebenso wie die

Würfel, die Anleitung, die Lederbecher,

die Kunststoffteile.

Und auch um die Konfektionierung,

die Logistik bis hin zum

Versand an die Endkunden. Natürlich

international, mitsamt

Erledigung der Zollformalitäten.

„Die Verlage fanden die Idee

wunderbar.“ Das zusätzlich nötige

Know-how wuchs dann im

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