2019/41 - Unternehmen [!] 69

suedwest.presse

unternehmen [!] MACHEN 37

Ich musste

mir die ganze

Betriebswirtschaft

selber

aneignen.

Horst Walz ist

geschäftsführender

Gesellschafter.

Gleichschritt mit der Belegschaft.

Heute sind am Standort

in Spitzenzeiten bis zu 400 Mitarbeiter

beschäftigt. 48 000 unterschiedliche

Komponenten

liegen im Moment auf Lager, zugehörig

zu 3000 verschiedenen

Spielen. Kurze Lieferfristen gehörten

mit zum Erfolgsrezept.

Puzzles gehören darüber hinaus

ins Portfolio, aber auch

Spielkarten. Dann zückt Walz

ein Karten-Set und sagt: „Von

dem gibt’s nur Unikate.“ So etwas

beherrschten sie auch.

Die Frage, die sich förmlich

aufdrängt: Ob er denn keine

Angst habe wegen der Digitalisierung?

Nein, habe er nicht, zumal

es gerade eine Renaissance

der klassischen Spiele gebe. Die

„Siedler von Catan“ erreichten

weltweit nach wie vor Produktionszahlen

von vier bis fünf

Millionen. Pro Jahr. „Azul“ liege

auch schon bei über einer

Million. Durchschnittliche Auflagen

aber lägen weit darunter,

zwischen 3000 und 5000.

Trotzdem hat die Digitalisierung

natürlich Auswirkungen,

etwa mit dem Trend zum multimedialen

Crossover – also

zweifache Ausführungen in analog

und digital. Oder dadurch,

dass sich Spiele-Erfindern neue

Möglichkeiten eröffneten. Waren

sie früher darauf angewiesen,

dass Verlage ihre Idee annahmen,

stünden ihnen heute

Plattformen wie „Kickstarter“

zum Crowdfunding zur Verfügung.

„Immer stärker“ machen

sich diese Kleinstverleger bemerkbar

in der Bilanz von Ludo

Fact, wie Walz betont.

Pläne? Mit dem Zukauf von

Firmen in den USA, in Tschechien

und der Mehrheitsbeteiligung

bei einer Digitaldruckerei

steckt Ludo Fact, genauer gesagt:

die HW-Holding, zu der die

GmbH gehört, mitten in einer

Expansionsphase. In Rumänien

wird bald eine Produktion für

Holzteile eröffnet. Dass er in Zukunft

auch die Kunststoffteile,

derzeit noch aus China bezogen,

selbst produzieren möchte, daraus

macht Walz kein Geheimnis.

Der höheren Flexibilität wegen,

um den „unökologisch-langen“

Transportweg einzusparen

und um die Wertschöpfungskette

noch mehr zu verlängern.

Integration von Höhn läuft

Unlängst kam auch noch Höhn

dazu, der Ulmer Spezialist für

Verpackungen und Displays, der

vergangenen Herbst Insolvenz

anmelden musste. Die Integration

des Traditionsunternehmens

ist in vollem Gange. Walz

ist zuversichtlich, dass die Belegschaft

von derzeit 109 bis

Ende des Jahres schon wieder

bei 130 bis 140 Köpfen sein werde.

Man bemühe sich gerade,

gute Mitarbeiter, die gegangen

sind, zurückzuholen.

Sein Optimismus speist sich

nicht zuletzt aus dem guten Namen,

den Höhn hatte. Der Standort

Ulm bleibe erhalten. Synergien?

„Wir bringen Höhn etwa

ein Viertel des Umsatzes.“ [!]


Thomas Vogel

Papier und regenerative Energie

Zur HW-Holding mit ihren

790 Beschäftigten gehören die

Töchter und Partner Ludo Fact,

Ludo Fact (USA), Ludo Packt,

Friedmann Print Data Solution,

Oriens Karton (Tschechien),

Höhn sowie Vento Ludens.

Letztere beackert das Feld der

regenerativen Energien.

Mit der Verarbeitung von

Papier erwartet die Holding im

laufenden Geschäftsjahr 100

Millionen Euro Umsatz, nächstes

Jahr sollen es zusammen

mit Höhn 120 Millionen sein.

Vento Ludens, 1996 gegründet,

investiert in Wasser- und

Windkraft sowie Photovoltaik.

2019/2020 steht ein Projektvolumen

von 40 bis 50 Millionen

Euro in den Büchern.

Augenscheinlich kümmert

sich der Alleingesellschafter

rechtzeitig um seine Nachfolge.

Zwei seiner drei Kinder sind

in der Gruppe an Bord. Sein

Sohn Fabian Walz ist einer von

drei Geschäftsführern. Seine

Tochter Stephanie Dengler verantwortet

das Marketing. thv

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