2019/41 - Unternehmen [!] 69

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Standort unter Druck

Region Göppingen Vom Pressenbauer Schuler über den Haushaltswarensteller WMF bis hin

zu Fysam in Böhmenkirch: Die IG Metall sieht 2000 Jobs bedroht.

Konjunktur Die Wirtschaft in

der Region Göppingen war erfolgsverwöhnt.

In den vergangenen

Jahren hat sie sich zu einem

High-Tech-Standort entwickelt.

Erst vor wenigen Tagen

hat der Fernwartungsspezialist

Teamviewer einen Börsengang

in Milliardenhöhe hingelegt.

Doch es mehren sich die Fälle,

in denen Unternehmen drastische

Rückgänge im Auftragseingang

und im Umsatz verspüren.

Der Werkzeugmaschinenspezialist

Emag aus Salach spürt bereits

seit dem vierten Quartal

2018, dass sich die Kunden zurückhalten.

Daher erwartete das

Unternehmen ein Umsatzminus

im bis zu zweistelligen Prozentbereich.

2018 war der Umsatz

noch um 17 Prozent auf 673 Millionen

Euro gestiegen.

Einen regelrechten Schock hatte

der Pressenbauer-Schuler

ausgelöst, als er ankündigte 500

Stellen abzubauen, 300 davon

am Stammsitz. Zudem stellt die

Schuler AG, die zum österreichischen

Andritz-Konzern gehört,

die Produktion neuer Maschinen

in Göppingen ein. Der

Firmensitz bleibe aber „wichtiger

Standort“ für Forschung

und Entwicklung, Innovation,

Engineering und Service.

Schlechte Nachrichten gibt es

auch von WMF in Geislingen,

Accuride, Saurer Spring Solution

(Ebersbach), der Schweizer

Group (Hattenhofen), Saxonia

Umformtechnik, vom Sondermaschinenbauer

Hang (beide

Göppingen) und Fysam in

Böhmenkirch (ehemals Binder).

Die IG Metall sieht im Bezirk

Göppingen-Geislingen

mehr als 2000 Arbeitsplätze bedroht.

Nach Einschätzung von Gernot

Imgart, Geschäftsführer

der IHK-Bezirkskammer

Göppingen, stagnieren die

Unternehmen auf einem

hohem Niveau. „Gesamtwirtschaftlich

liegen wir

noch im Positiven. Dem

Aufschwung geht aber

nach sieben Jahren –

so scheint es – ein

wenig die Puste

aus.“ [!] ara

Ein Schuler-Mitarbeiter

wartet eine Pressenlinie:

Die Lage für Maschinenbauer

und Autozulieferer

wird zunehmend

schwieriger.

FOTO: SCHULER

Erfindungsreich in der Baukrise

Baubranche Mit einer ungewöhnlichen

Bandbreite ist das

Ulmer Tiefbau- und Straßenbauunternehmen

Heim erfolgreich.

Die Firmengruppe, die

1919 von Philipp Immanuel

Heim als Pflasterfirma gegründet

wurde, erwirtschaftet mittlerweile

die Hälfte des Umsatzes

von knapp 80 Millionen

Euro mit der Stromproduktion

aus erneuerbarer Energie. Firmenchef

Philipp Heim (44) hat

die Biogas-Sparte „Pure Power“

während der Baukrise vor 15 Jahren

ins Leben gerufen. Heute

produziert Heim jährlich 100

Millionen Kilowattstunden. Das

Philipp Heim auf dem Gelände des Ulmer Baustoff-Recyclings

– einer von mehreren Standorten in Ulm. Foto: Lars Schwerdtfeger

entspricht dem Strombedarf von

25 000 Haushalten.

Neben dem Straßen- und

Tiefbau ist Heim im Geschäft

mit Baustoffen und Recycling tätig.

An 30 Standorten beschäftigt

er rund 400 Mitarbeiter,

davon 150 in Ulm und 120 in Nobitz

(Thüringen). In Ostdeutschland

ist Heim stark vertreten.

Dort hat die fünfte Sparte

ihren Sitz: Im sächsischen

Neusorge hat Heim eine Rinderfarm

aufgekauft, mit mehreren

hundert Stück Vieh für Milchwirtschaft

und Bullenaufzucht.

Das kam den Gästen der

100-Jahr-Feier zugute. [!]kö

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