Berliner Zeitung 11.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

Die Angst des Schiedsrichters vor dem Pfiff – Lokalsport Seite 18

Linderung

bei

Rheuma

Seite 17

9°/15°

Viele Wolken

Wetter Seite 2

S-Bahn soll 20 Millionen

für Verspätungen zahlen

Berlin Seite 12

www.berliner-zeitung.de

Helle Zukunft? Wiees

mit Osram weitergeht

Made in Berlin Seite 6

Freitag,11. Oktober 2019 Nr.236 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Polen: Wahlkampf in

einem gespaltenen Land

Politik Seite 5

Mann des Jahres

PS und Klima

in trauter

Einheit

VonChristian Schlüter

Die Frage, wann ein Mann ein

Mann ist, wird von dem Männermagazin

GQ seit gut 60 Jahren zuverlässig

beantwortet: Er muss Auto

fahren und ansonsten Stil haben und

Karriere machen wollen. Die Nachricht

vom Donnerstag, dass Lewis

Hamilton vonder Redaktion des Magazins

zu den „Männern des Jahres

2019“ gekürt worden ist, könnte insofern

passender nicht sein: Der 34-

jährige Formel-1-Pilot ist als inzwischen

fünffacher

Weltmeister erwiesenermaßen

sehr gut darin,

mit einem Auto

im Kreis zu fahren.

Zudem feiert

der Brite seit

einiger Zeit auch

Lewis Hamilton, gewisse Erfolge

fährtgut Auto und als Modedesigner

– für das

sieht gut aus.

Label Tommy

Hilfiger brachte er sogar schon eine

eigene Kollektion heraus.

Hamilton ist also eine gute Wahl,

der Mann gibt nicht nur auf der Rennstrecke

sehr beherzt Vollgas,sondern

verfolgt mit seinem Gespür für Style &

Fashion nachdrücklich weitere Karriereziele.

Einen kleinen Schönheitsfehler

mag man allenfalls darin sehen

wollen, dass Hamilton bereits 2007

von der Jury des Gentlemen’s Quarterly,wie

das ursprüngliche amerikanische

GQ-Magazin eigentlich heißt,

zum Jahresmann gewählt wurde –damals

wurden auch schon seine rennsportlichen

Kreisfahrerqualitäten belobigt

und darüber hinaus seine kindlich-ausgelassenen

Spritzereien mit

der großen Champagnerflasche auf

dem Siegerpodest.

Schön und gut. Hamilton befindet

sich in bester, inallemal illustrer Gesellschaft,

geehrt wurden zum Beispiel

schon David Garret, Bob Geldorf,

Stefan Aust, Hans-Dietrich

Genscher,Nicolas Cage,Bushido und

–jetzt bitte aufgepasst –etwa auch

Nora Tschirner als „die Frau, die jeder

haben will“, oder Annie Lennox für

ihren Kampf gegen das HI-Virus. Es

gibt also auch Frauen des Jahres in

diesem Männerkosmos, und was für

welche: Für dieses Jahr wurde die

Klima-Aktivistin Greta Thunberg mit

dem „Game Changer Award“ ausgezeichnet,

als Öko-Pin-up posierte die

Schwedin im Oktober auf dem Cover

der britischen GQ.

Werglaubt, hier den Selbstwiderspruch

entdeckt zu haben, Hamiltons

emissionsintensiver PS-Sport

konterkariere Thunbergs klimabesorgtes

Engagement –den verurteilen

wir als panikversessenen,

techniknihilistischen Spaßverderber.

Basta! Als modernes Auto- und

Mode-Lifestyle-Magazin bedient GQ

selbstverständlich beide Seiten: Fridays

for Futureund Fridays for Hubraum.

Anders gesagt: Ein Männermagazin

bleibt ein Männermagazin.

Freuen wir uns also auf die große

GQ-Gala, auf die Preisübergabe an

Lewis Hamilton am 7. November in

der Komischen Oper Berlin.

Zusammenhalten

Am Tagnachdem rechtsextremen Anschlag demonstrieren viele Menschen in Halle

ihre Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde. In der Politik gibt es eine Debatte

über geistige Brandstifter –und die Justiz nimmt rechte Netzwerke ins Visier

VonMarkus Decker und Jörg Köpke

Andiesem TaginHalle,dem

Tag nach dem Anschlag,

wollen viele Menschen

ihreVerbundenheit mit der

Jüdischen Gemeinde zeigen. Sie legen

vor dem Gotteshaus Blumen

nieder, verharren im Gedenken an

die beiden Toten und Verletzten, einige

weinen. Trauer mischt sicht mit

der Entschlossenheit, Rechtsextremen

nicht nachzugeben. Nachbarn

haben ein selbst gemaltes Transparent

an ihr Fenster gehängt: „Humboldstr.

gegen Antisemitismus

+Hass“ steht darauf.

Bundespräsident Frank-Walter

Steinmeier, der in die Stadt gekommen

ist, ruft zur Solidarität mit der

jüdischen Bevölkerung auf. „Dieser

Tagist ein Tagder Scham und der

Schande“, sagt er. Einen solchen

„feigen Anschlag“ zu verurteilen, reiche

nicht. „Die Geschichte mahnt

uns,die Gegenwartfordertuns.“

Der Tag danach ist auch der Tag

der Ermittler.„Waswir gestern erlebt

haben, war Terror“, sagt Generalbundesanwalt

Peter Frank in Karlsruhe.

Der mutmaßliche Täter Stephan B.

habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge

ein Massaker anzurichten und

eine weltweite Wirkung zu erzielen.

Nach Informationen des Südwestrundfunks

hat der Ermittlungsrichter

am Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen

Stephan B. erlassen. Nach Angaben

von Justizministerin Christine

Lambrecht handelte es sich bei dem

27-jährigen Schützen, einem Deutschen

aus Sachsen-Anhalt, um einen

Einzeltäter mit antisemitischen und

rechtsextremistischen Motiven.

Bei den Toten handelt es sich

nach Angaben aus Sicherheitskreisen

um eine 40 Jahre alte Frau aus

Halle sowie einen 20 Jahre alten

Mann aus Merseburg. Außerdem hat

der Täter auf der Flucht nach dpa-Informationen

ein Ehepaar in Landsbergverletzt.

Es werdegeprüft, ob es

Mittäter gegeben habe.

Und der Tagdanach ist auch der

Tag, an dem über die Konsequenzen

gestritten wird. Der bayerische Innenminister

Joachim Hermann

(CSU) gibt der AfD eine Mitschuld an

dem Anschlag auf die Synagoge und

den Tod von zwei Menschen. Er

spricht von geistigen Brandstiftern.

In letzter Zeit seien da auch einige

Vertreter der AfD in unverschämter

Weise aufgefallen, so der CSU-Politiker.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister

Lorenz Caffier (CDU)

pflichtet ihm bei. „Joachim Herrmann

hat recht“, sagt er der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). „Auch ich habe immer

gewarnt, dass rechte Hetze, der

Gebrauch vonNazi-Sprache und das

Jonglieren mit NS-Gedankengut wie

zum Beispiel von Herrn Höcke gefährlich

sind und den Boden für

schreckliche Taten bereiten können.“

Die AfD wehrt sich. „Wer dieses

entsetzliche Verbrechen missbraucht,

um die politische Konkurrenz

mit haltlosen Diffamierungen

zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft

und schwächt das demokratische

Fundament, auf dem wir

stehen“, sagt die Fraktionsvorsitzende

im Bundestag, Alice Weidel.

Thüringens Partei- und Fraktionschef

BjörnHöcke beklagt bei Twitter

ein „wahnhaftes Verbrechen“.

Abgesehen von der AfD herrscht

Konsens über die wachsende rechtsextremistische

Gefahr –und die Notwendigkeit,

mehr gegen den Antisemitismus

zu tun. Der stellvertretende

Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion,

Konstantin von

Notz, sagt: „Unsere Gesellschaft

muss sich mit aller Schärfe gegen

Antisemitismus wenden –und zwar

nicht nur rhetorisch, sondern ganz

„Wir sind froh über jede Synagoge,

über jede jüdische Gemeinde und über alles

jüdische Leben in unserem Land.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel

praktisch. Das bedeutet auch, dass

antisemitische Vorfälle im öffentlichen

Dienst konsequent relevante

Folgen haben müssen.“ Dies gelte

vor allem für die Bundeswehr und

die Sicherheitsbehörden.

FDP-Innenexperte Konstantin

Kuhle wirft die Frage auf, „warum

Synagogen an einem so herausgehobenen

Tagwie JomKippur nicht bundesweit

mit demselben Stand geschützt

sind“. Darüber müssten die

Innenminister von Bund und Ländern

bei ihrer Konferenz Anfang Dezember

beraten. „Die Länder sollten

einen gemeinsamen Standard für

den Schutz jüdischer Einrichtungen

und die politische Präsenz vereinbaren

und durchsetzen.“ Kuhle betont

überdies, der Anschlag von Halle sei

„keine Zäsur.Erist das jüngste Ereignis

einer Eskalation rechtsextremer

Gewalt, zu der auch die Ermordung

des Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke gehört“. Das Parlamentarische

Kontrollgremium des

Bundestages (PKGr) wird amMontag

zu einer Sondersitzung zusammen

kommen, um sich über die

Ereignisse von Halle informieren zu

lassen. Das hat dessen Vorsitzender

Armin Schuster (CDU) mitgeteilt. Es

sei zu früh, die Ereignisse abschließend

zu bewerten. Damit sei es auch

„zu früh“, vonStephan B. „als einem

Einzeltäter zu sprechen“.

Dabei wird esauch um die Frage

nach den rechtsextremen Netzwerken

in Deutschland gehen müssen.

Bundesjustizministerin Christine

Lambrecht (SPD) hat den Rechtsextremismus

als eine der aktuell größten

Bedrohungen bezeichnet, denen

der Rechtsstaat mit allen Mitteln gegenübertreten

müsse. Rechtsextremismus

trete in Deutschland immer

gewalttätiger und aggressiver auf,

sagt Lambrecht am Donnerstag in

Karlsruhe. Der Nährboden beginne

oft zunächst mit Worten,denen dann

Taten folgen. Man müsse ganz deutlich

machen, dass man die Mitmenschen

in Deutschland schütze, sagte

die Ministerin. Es gehörezur Staatsräson,

dass Juden in Deutschland sicher

leben könnten. Lambrecht kündigt

an, Vorschläge zu machen, wie Internetplattformen

verpflichtet werden

könnten, rechtsextreme Äußerungen

zu verhindern. Tatsächlich haben

Sachsen-Anhalt ebenso wie Sachsen

oder Hessen seit längerem ein gravierendes

rechtsextremistisches Problem.

Nach Angaben desLandesamtes

fürVerfassungsschutz gibt es in Sachsen-Anhalt

1300 Rechtsextremisten –

plus 500 Reichsbürger, von denen

viele als rechtsextremistisch gelten.

Dem stehen 530 Linksextremisten,

300 Islamistenund 250 militante Kurdengegenüber.

Seiten 2, 3und 8

AFP

Nobelpreise für

Handke und

Tokarczuk

Literaturauszeichnungen

der Jahre 2018 und 2019

Der Literaturnobelpreis

2019 geht an den

österreichischen

Schriftsteller Peter

Handke. Er

werde für sein

„einflussreiches

Werk“ ausgezeichnet,

das mit

„sprachlicher

Genialität die Peripherie

und die

Spezifität der

menschlichen

Erfahrung untersucht“,

begründete

die Akademie

ihre Entscheidung.

Im vergangenen

Jahr war die

IMAGO IMAGES

AFP

Peter

Handke

Olga

Tokarczuk

Vergabe der Auszeichnung wegen eines

Skandals bei der Schwedischen

Akademie ausgefallen und auf dieses

Jahr verschoben worden. DerPreis für

2018 geht an die polnische Autorin

OlgaTokarczuk. Siewerde fürihre„erzählerische

Vorstellungskraft“ geehrt,

die „das Überschreiten von Grenzen

als Lebensform symbolisiert“. Die je

mit rund 830 000 Euro dotierten

Preise werden am 10. Dezember verliehen.

Feuilleton Seite 21

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2* Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Anschlag in Halle

Bekennervideo

sahen 2200

Menschen

Plattform-Betreiber

reagierten schnell

VonJörg Hunke

Video gelöscht, Mission erfüllt –

wenn es nur so einfach wäre. Die

großen Plattformen wie Facebook,

Google und Microsoft hatten sich im

Frühjahr nach den Anschlägen in

Christchurch (Neuseeland) zusammengeschlossen,

um gemeinsam

gegen dieVerbreitung vonBekennervideos

vorzugehen, „Global Internet

Forum toCounter Terrorism“ nannten

sie ihreGruppe.Ein erster Erfolg:

Nur Stunden habe es gedauert, das

Video aus Halle zu löschen, teilte die

Gruppe in den USA mit.

Besonders betroffen war die eigentlich

für Computerspiele konstruierte

PlattformTwitch, denn dort

hatte der Attentäter sein Bekennervideo

hochgeladen. 30 Minuten

habe es gedauert, bis das Video bemerkt

und gelöscht werden konnte,

2200 Menschen hätten es gesehen,

teilte das Unternehmen mit. Alle

Konten, auf denen Inhalte dieser abscheulichen

Tatveröffentlicht würden,

würden dauerhaft gesperrt,

hieß es weiter. Der Account sei vor

etwa zwei Monaten erstellt worden,

zuvor sei nur einmal etwas veröffentlicht

worden.

Trotz aller Bemühungen, auch

grausame und abscheuliche Videos

lassen sich nie ganz aus dem Netz

verbannen. Darauf verweist Felix

Freiling, Professor für IT-Sicherheitsstrukturen

in Nürnberg, im Gespräch

mit der Berliner Zeitung. Es

gäbe immer die Möglichkeit, solange

ein Video verfügbar ist, es herunterzuladen

und auf seiner Festplatte zu

speichern. Was zur Folge hat, dass

diese Person es jederzeit wieder

hochladen und in den sozialen Medien

verbreiten kann. „Es ist damit

auf alle Ewigkeit verfügbar“, sagt er,

zumindest solange die Festplatte

hält. Im Netz gibt es auch Tauschbörsen,

in denen solche Videos gehandelt

und verbreitet werden.

Außerdem kann es auch immer

sein, dass Plattformen im Ausland

ein Interesse daran haben, das Video

zu verbreiten. Sind die Bilder dann in

Deutschland zu sehen, nimmt das

Bundeskriminalamt die Ermittlungen

auf, doch die Rechtsprechung ist

nicht in allen Ländern gleich, die

Möglichkeiten des BKA seien begrenzt,

teilte eine Sprecherin mit.

Für Plattform-Betreiber wird es

besonders schwierig, wenn es sich

um Live-Bilder handelt. Frankreichs

Premierminister Emmanuel Macron

hatte das Thema im Frühjahr zur

Chefsache erklärt und mit großen

Plattformbetreibern diskutiert. Eine

Überlegung für die Zukunft: Live-Videos

zeitverzögertzuveröffentlichen.

Rechtsextreme Gewalttaten 2018

Registrierte Gewalttaten mit rechtsextremistischem

Hintergrund pro 100 000 Einwohner (Stand Einwohner: 31.12.2018)

über 4

über 3bis 4

über 2bis 3

über 1bis 2

bis 1

1,2

Nordrhein-

Westfalen

1,3

Rheinland-

Pfalz

1,8

Saarland

0,3

Bremen

Unauffällig und zurückhaltend

Der mutmaßliche Attentäter ist in einem Dorf im Kreis Mansfeld-Südharz aufgewachsen. Als Rechtsradikaler ist er dort nicht bekannt

VonFabian Wagener

und Steffen Höhne

1,0

Schleswig-

Holstein

0,4

Hessen

0,4

Baden-

Württemberg

0,6

Hamburg

0,6

Niedersachsen

Das Sondereinsatzkommando

(SEK) rückt am

späten Mittwochabend

in ein kleines Wohngebiet

in Benndorf (Mansfeld-Südharz)

ein. In schwerer Ausrüstung

führen die Polizisten in einem zweistöckigen

60er-Jahre-Bau eine Hausdurchsuchung

durch. Dort wohnt

der mutmaßliche Attentäter Stephan

B. mit seiner Mutter. Die Nachbarn,

kommen für Stunden bei der Feuerwehr

des kleinen Ortes, der 40 Kilometer

westlich vonHalle liegt, unter.

Weitere Anwohner stehen auf dem

Gehweg und schauen den Einsatzkräften

zu.

Eine Nachbarin, die in einem der

schlichten Wohnblöcke gegenüber

wohnt, schüttelt den Kopf. „Das ist

für mich unbegreiflich“, sagt sie am

Donnerstagmorgen über die Tatin

Halle.Stephan B. sei sehr unauffällig

gewesen, sehr zurückhaltend. „Ich

habe ihn eigentlich nur dann gesehen,

wenn er seine Klimmzüge auf

dem Balkon gemacht hat.“ Ab und

an, erzählen andere, sei er mit seiner

Mutter in den Kleingarten gegangen.

Und alle stellen sich die eine Frage:

Wiekonnte das passieren?

4,1

Sachsen-

Anhalt

3,1

Thüringen

2,7

Mecklenburg-

Vorpommern

0,5

Bayern

3,3

Berlin

4,7

Brandenburg

3,4

Sachsen

1,3

Deutschland

BLZ/GALANTY;QUELLE:VERFASSUNGSSCHUTZBERICHT, STATISTISCHES BUNDESAMT, DPA

Über sein Motiv gibt der Attentäter

in einem halbstündigen Video,

das er während der Tat über eine

Helmkamera filmte und live imInternet

veröffentlichte, selbst Auskunft.

Er leugnet darin den Holocaust,

hetzt gegen Frauen und

Flüchtlinge und sieht als Schuldige

die Juden. Als es ihm nicht gelingt,

die verschlossene Tür der vollbesetzenSynagoge

in Halle zu öffnen und

ein Massaker anzurichten, flucht er

über sich selbst: „Einmal Verlierer,

immer Verlierer.“

Nach den Worten seines Vaters,

der in einem Einfamilienhaus im benachbarten

Helbra wohnt, ist der

junge Mann ein Eigenbrötler gewesen,

der häufig vor dem Computer

saß. DieBild-Zeitung zitierte den Vater

mit den Worten: „Er war weder

mit sich noch mit der Welt im Reinen,

gab immer allen anderen die

Schuld.“ Der 27-Jährige habe kaum

Freunde gehabt und stattdessen viel

Zeit im Internet verbracht. „Der

Junge war nur online.“

Dazu passt, dass dasVideo der Tat

über eine Online-Spielplattformveröffentlicht

wurde. Nach Angaben

von Generalbundesanwalt Peter

Frank ist der mutmaßliche Täter von

Halle ein „Nachahmer im doppelten

Sinne“. Er habe vergleichbareTaten,

Der mutmaßliche Täter Stephan B. wird zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe gebracht.

die vorher begangen worden seien,

nachgeahmt, und „er wollte nach

unserer Erkenntnis auch andere zu

solchen Taten zur Nachahmung anstiften“.

Im Zuge der Ermittlungen

sei die Wohnung von B.durchsucht

worden. Sichergestellte „Asservate“

Einschusslöcher in der Tür der Synagoge

in Halle

AFP

und auch dieWaffen und Sprengmittel

des mutmaßlichen Täters würden

nun kriminaltechnisch untersucht.

Im Wagen des mutmaßlichen Täters

wurden rund vier Kilogramm

Sprengstoff gefunden. DasZDF-Magazin„Frontal

21“ berichtet, Stephan

B. habe seine Waffen teilweise mittels

eines 3D-Druckers hergestellt. Er

selbst soll detaillierte Anleitungen

zum Bauvon Waffen im Internet verbreitet

haben. Dabei nutzt er offenbar

auch rechte Internetplattformen.

Der27-jährige Tatverdächtige besuchte

das Martin-Luther-Gymnasium

in Eisleben. „Ich habe 2010 mit

ihm gemeinsam Abitur gemacht“,

sagte ein ehemaliger Klassenkamerad

der Mitteldeutschen Zeitung.

Auch er beschrieb Stephan B. als zurückhaltend.

„Erwar ein ruhiger und

unscheinbarer Typ.“ ImUmgang sei

er freundlich gewesen. „Es war auch

nicht so,dass er ein totaler Außenseiter

war.“ Rechtsextremistische Äußerungen

habe er von Stephan B. nie

vernommen. Auch andere Mitschüler

berichten Ähnliches.

Auch eine Lehrerin des Gymnasiums

drückte ihre Fassungslosigkeit

aus. „Ich bin entsetzt“, meinte sie.

„Mehr will ich dazu nicht sagen.“

Der Eislebener Synagogenverein

und die Evangelische Kirchengemeinde

wollen am Freitagabend für

die Opfer einen Gedenkmarsch in

der Lutherstadt durchführen.

In Benndorf und der gesamten

Verbandsgemeinde Mansfelder

Grund-Helbra ist der 27-Jährige ein

eher unbeschriebenes Blatt. Am Gemeinde-

und Vereinsleben nahm er

DPA

offenbar kaum Teil. Gerüchte, wonach

er Mitglied des Fußballvereins

SV Wacker Helbra gewesen sei, dementierte

der Verein. Auch in Schützenverein

und Feuerwehr war er

nicht aktiv. Nach Informationen der

Mitteldeutschen Zeitung soll er als

Kind für einige Zeit im Schachverein

Mitglied gewesen sein. Es habe einen

Jungen mit seinem Namen gegeben,

der vor vielen Jahren dort

spielte, bestätigte Vereinsmitglied

Enrico Kalliwoda. Er sei ein „talentierter

Spieler“ gewesen, habe dann

aber irgendwann aufgehört.

Ein viel gefragter Mann ist am

Donnerstag Mario Zanirato, der

Ortsbürgermeister von Benndorf. Er

steht auf dem Rasen vordem Wohnblock,

vordem Absperrband, das die

Polizei vorden Eingang vonStephan

B.sWohnung gespannt hat. Zahlreiche

Journalisten sind vorOrt,darunter

sogar der arabische Nachrichtensender

Al-Jazeera. Viele kommen auf

Zanirato zu, wollen seine Sicht der

Dinge wissen. Wiesoviele an diesem

Tagkann auch er über den Tatverdächtigen

nur wenig sagen –dafür

aber umso mehr über Benndorf.„Ein

solcher Vorfall ist ein Schock für die

Gemeinde“, meint er. Aber es gehe

natürlich weiter.„Viel schlimmer ist

es ja für die Angehörigen.“

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute betragen die Temperaturen maximal 14 bis 17Grad. Dazu machen

graue Wolken den Sonnenstrahlen selten Platz. Der Wind weht mäßig, in

Böen frisch aus südwestlichen Richtungen. In der Nacht ziehen teils

dichte Wolken heran. Sie haben an wenigen Stellen auch Regen dabei.

Die Tiefstwerte pendeln sich bei 14 bis 12Grad ein.

Biowetter: Stoffwechsel und Durchblutung

laufen witterungsbedingt

verlangsamt ab. Dies führt zuniedrigem

Blutdruck, aber auch Kopfweh

und Migräne. Wetterfühlige 11°/16°

Wittenberge

Menschen klagen über Unwohlsein.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 55 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 52 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 12 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 75%

Gefühlte Temperatur: maximal 15Grad.

Wind: mäßig aus Südwest.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

9°/16° 9°/15°

Luckenwalde

9°/17°

Sonnabend

Sonntag

Montag

stark bewölkt wolkig sonnig

13°/19° 10°/21° 13°/22°

Prenzlau

8°/14°

Cottbus

9°/17°

Frankfurt

(Oder)

9°/17°

Über dem Mittelmeer und Alpenraum hat sich Hoch Lisbeth aufgebaut. Dadurch

scheint von der Iberischen Halbinsel bis nach Südosteuropa vielfach die Sonne.

Zwischen den Britischen Inseln, dem nördlichen Mitteleuropa, Skandinavien und

Nordwestrussland bleibt es unter Tiefdruckeinfluss hingegen wechselhaft.

Sylt

11°/14°

Hannover

10°/16°

Köln

10°/17°

Saarbrücken

9°/17°

Konstanz

7°/20°

Hamburg

10°/14°

Erfurt

8°/16°

Frankfurt/Main

9°/17°

Stuttgart

7°/20°

Rostock

8°/13°

Magdeburg

10°/17°

Nürnberg

8°/18°

München

3°/19°

Rügen

8°/12°

Dresden

8°/16°

Deutschland: Heute herrscht bei

größtenteils stark bewölktem Himmel

örtlich Regenwetter. Dabei werden

während des Tages 12 bis 20 Grad

erreicht, nachts kühlt es dann auf

14 bis 7Grad ab. Der Wind weht regional

in Böen stürmisch aus Südwest.

Morgen zeigt sich zuweilen die

Sonne. Es gibt aber stellenweise Wolken

und etwas Regen, und es werden

Höchstwertevon 13 bis 23 Grad

erwartet. Der Wind weht stellenweise

mit stürmischen Böen aus West.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 12°-14°

Nordsee: 13°-15°

Mittelmeer: 19°-29°

Ost-Atlantik: 15°-20°

Mondphasen: 13.10. 21.10. 28.10. 04.11.

Sonnenaufgang: 07:24 Uhr Sonnenuntergang: 18:21 Uhr Mondaufgang: 18:07 Uhr Monduntergang: 04:16 Uhr

Lissabon

27°

Las Palmas

25°

Madrid

28°

Reykjavik


Dublin

14°

London

17°

Paris

19°

Bordeaux

27°

Palma

26°

Algier

34°

Nizza

21°

Trondheim

10°

Oslo


Stockholm

12°

Kopenhagen

16°

Berlin

15°

Mailand

20°

Tunis

25°

Rom

23°

Warschau

16°

Wien

19° Budapest

18°

Palermo

22°

Kiruna

-1°

Oulu


Dubrovnik

24°

Athen

26°

St. Petersburg

11°

Wilna

10°

Kiew

14°

Odessa

18°

Varna

20°

Istanbul

23°

Iraklio

28°

Archangelsk


Moskau

11°

Ankara

24°

Antalya

33°

Acapulco 34° heiter

Bali 40° heiter

Bangkok 33° Gewitter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 26° Schauer

Casablanca 25° bewölkt

Chicago 21° Regen

Dakar 31° sonnig

Dubai 36° heiter

Hongkong 31° heiter

Jerusalem 28° heiter

Johannesburg 24° wolkig

Kairo 35° heiter

Kapstadt 21° wolkig

Los Angeles 25° sonnig

Manila 31° wolkig

Miami 31° heiter

Nairobi 26° bewölkt

Neu Delhi 33° sonnig

New York 17° bewölkt

Peking 18° bedeckt

Perth 23° bewölkt

Phuket 32° Gewitter

Rio de Janeiro 26° bedeckt

San Francisco 22° heiter

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 28° wolkig

Singapur 32° Gewitter

Sydney 14° Schauer

Tokio 24° Regen

Toronto 17° sonnig


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 3 *

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·

Anschlag in Halle

„Rechtsextreme

Gefahr ist

sehr hoch“

Antisemitismusbeauftragter

plädiert für schärfere Gesetze

Felix Klein ist Beauftragter der

Bundesregierung für jüdisches

Leben in Deutschland und den

Kampf gegen Antisemitismus.

In Trauer:Maram Stern, Jüdischer Weltkongress, Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, ElkeBüdenbender und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (v.l.), besuchen den Tatortander Synagoge.

Sie haben nur ihre Blumen,

die sie niederlegen wollen.

„Mehr können wir nicht

tun“, sagt Ismet Tekin, „aber

wir wollen zeigen, dass wir da sind.

Das ist doch unsere Pflicht als Menschen.“

Ismet Tekin und sein Bruder

Rifat gehen in die Knie,sie legen ihre

Rosen zu dem Meer aus anderen

Blumen und Grablichtern vor dem

Eingang der Synagoge in der Humboldtstraße

im halleschen Paulusviertel.

Halle,der Tagnach dem Anschlag

auf das jüdische Gotteshaus, bei

dem zwei Menschen sterben mussten

und zwei weitere verletzt wurden.

DieStadt trauert. Vielerorts versammeln

sich Menschen in stillem

Gedenken, Blumen in den Händen,

Kerzen. An der Synagoge. Und auch

in der nahen Ludwig-Wucherer-

Straße. Dort erschoss der Attentäter

nach dem gescheiterten Sturm auf

die Synagoge in einem Döner-Imbiss

einen unbeteiligten Mann. So wie er

vor dem Gotteshaus zuvor eine unbeteiligte

Frau getötet hatte.

Schutz hinter der Theke

Ismet und Rifat Tekin, zwei junge

Kurden aus der Türkei, wären an

diesem verhängnisvollen Mittwoch

beinahe selbst zu Opfern geworden.

Der jüngere, Rifat, arbeitet gerade

in dem Imbiss. Ersteht hinter

der Salattheke, als er auf der Straße

einen Mann sieht, der versucht, einen

Sprengsatz in den Laden zu

werfen. Als das misslingt, stürmt

der Angreifer das Geschäft. „Vorher

hat er noch auf das Schaufenster

geschossen.“ Tekin sucht Schutz

hinter der Salattheke. Erhört, wie

Kevin S. schreit: „Bitte nicht schießen,

bitte nicht schießen!“ Der 20-

jährige Maler aus Merseburg wird

das zweite Opfer des Todesschützenwerden.

In einem unbeobachteten Moment

gelingt Tekin die Flucht aus

dem Imbiss. Erruft seinen älteren

Bruder an. Als Ismet Tekin eintrifft,

wird erZeuge einer Schießerei zwischen

dem Täter und Polizeibeamten

auf offener Straße. Ersucht Deckung

hinter einem Auto.„Wenn ich

die Augen schließe, sind die Bilder

alle wieder da“, sagt er.

Die Eingangstür der Synagoge

trägt deutlich sichtbar die Spuren

des Angriffs –mehr als ein Dutzend

Einschusslöcher rund um das Türschloss.

Die Tür hielt stand. Benjamin

Leins wohnt schräg gegenüber

der Synagoge, auch er hat am Mittwoch

Schüsse gehört, aus dem

Fenster geschaut hat er nicht. „Viel-

Trauer

und Zuversicht

Halle am Tagdanach: Die Bewohner der Saalestadt setzen

mit vielen Aktionen ein Zeichen gegen Antisemitismus

leicht hat da jemand lautstark seinen

Sperrmüll entsorgt, so etwas

habe ich gedacht“, erzählt er am Tag

danach. 20 Minuten nach den

Schüssen packt er seinen Kram zusammen

und macht sich auf den

Wegzuseiner Hochschule in der Innenstadt.

Leins studiert Kirchenmusik.

Als er mitbekommen hat, was direkt

vorseiner Tür geschehen ist, eilt

er wieder nach Hause.AmNachmittag

entwickelt er zusammen mit seiner

Nachbarin die Idee für ein Transparent,

das jetzt deutlich sichtbar an

VonAlexander Schierholz, Halle

„Es muss klar sein,

dass der Staat

Verantwortung

übernimmt für

jüdisches Leben

in Deutschland.“

Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier

Anwohner der Humboldtstraße in Halle setzen ein Zeichen gegen den Hass

der Fassade von Haus Nr. 3prangt:

„Humboldtstr. gegen Antisemitismus

+Hass“ haben sie auf das Bettlaken

geschrieben. „Wir können die

Tat nicht ungeschehen machen“,

sagt Leins, „aber wir wollten ihr etwas

entgegensetzen.“ Er hat eine

kleine Tochter,fast zwei Jahrealt, oft

sind sie mit dem Kinderwagen im

Viertel unterwegs. „Ich bin sehr betroffen.

Es hätte auch uns treffen

können.“

Benjamin Leins steht an diesem

Donnerstag vor seinem Haus und

wartet auf Bundespräsident Frank-

AP

Walter Steinmeier. Ermuss bis zum

Mittag warten, bis das Staatsoberhaupt

in Halle eintrifft. Der Bundespräsident,

seine Frau Elke Büdenbender,

Ministerpräsident Reiner

Haseloff, Innenminister Holger

Stahlknecht, der Vorsitzende des

Zentralrates der Juden, Josef Schuster,Halles

Oberbürgermeister Bernd

Wiegand –selten hat man obereund

oberste Repräsentanten von Staat

und Gesellschaft mit ernsteren Mienen

gesehen. Steinmeier legt ein

Blumengesteck nieder, er verharrt

kurz, dann verschwinden er und sein

Gefolge durch eine kleine Tür zum

Friedhof in der Synagoge.

Appell des Bundespräsidenten

DPA

Als der Bundespräsident eine

knappe halbe Stunde später wieder

auf der Straße steht, vor sich einen

Pulk vonMedienvertretern, findet er

deutliche Worte. Er spricht von einem

„Tag der Scham und der

Schande“, von einem „feigen Anschlag“.

Es reiche nicht, diesen zu

verurteilen. „Es muss klar sein, dass

der Staat Verantwortung übernimmt

für die Sicherheit jüdischen Lebens

in Deutschland.“ Die gesamte Gesellschaft

müsse „Haltung zeigen“,

fordert Steinmeier: „Die Geschichte

mahnt uns, die Gegenwart fordert

uns.“

Nicht von ungefähr erwähnt der

Bundespräsident in seiner kurzen

Rede auch den Mord am Kasseler

Regierungspräsidenten Walter Lübcke,

der im Juni von einem mutmaßlich

rechtsextremen Täter erschossen

worden war. Man darf die

Rede verstehen als Aufforderung an

die Politik, dafür zu sorgen, dass

sich Anschläge und Morde wie in

Halle und in Kassel nicht mehr wiederholen.

Und man darf fragen, ob

die Politik bisher genügend dafür

getan hat.

Moritz, 25, findet: Nein. Er habe

den Eindruck, sagt der Student aus

Halle, dass die Politik bisher eben

nicht ausreichend auf rechtsextreme

und antisemitische Gewalttaten geschaut

habe. Auch Moritz, der in

Merseburg Kultur- und Medienpädagogik

studiert, ist zur Synagoge gekommen,

auch er hat Blumen niedergelegt

und ein Grablicht dazugestellt.

Am Abend versammeln sich Hunderte

in der Stadt, um gemeinsam

der Opfer zu gedenken. Allein zu einer

Andacht in die nahe am Tatort

gelegene Pauluskirche kommen so

viele Menschen, dass nicht alle hineinpassen.

Auch am Marktplatz

trauertHalle gemeinsam.

Herr Klein, wie bewerten Sie die

Ereignisse vonHalle?

Die Ereignisse von Halle stellen

eine neue Dimension antisemitischer

Straftaten in Deutschland dar.

EinTäter,der vorhatte,ein Massaker

unter jüdischen Gläubigen anzurichten

–soetwas gab es in der Geschichte

der Bundesrepublik bisher

noch nicht. Bund und Länder sind

jetzt gefordert, noch einmal grundsätzlich

über die Sicherheit jüdischer

Einrichtungen zu beraten. Der Bundesinnenminister

hat die Chefs der

Sicherheitsbehörden bereits für diesen

Freitag zu einem ersten Treffen

eingeladen. Wir müssen auch noch

einmal überprüfen, ob unsere Gesetze

ausreichen. Ich plädiere für

eine Verschärfung von Paragraf 46

Strafgesetzbuch. Er sieht vor, dass

bei der Bemessung von Strafen rassistische,

fremdenfeindliche oder

sonstige menschenverachtende Motive

besonders berücksichtigt werden

können. Diesen Paragrafen

müssen wir um das Wort antisemitisch

erweitern.

Der Präsident des

Zentralrats der

Juden in Deutschland,

Josef Schuster,

hat fehlenden

Schutz beklagt.

Muss da mehr geschehen?

Ja,ich halte es Felix Klein

für fahrlässig, am

höchsten jüdischen Feiertag voreiner

Synagoge keinen Polizeischutz zur

Verfügung zu stellen –zumal wenn

bekannt ist, dass dort ein Gottesdienst

mit vielen Gläubigen stattfindet.

Ichbegrüße aber,dass der Innenminister

von Sachsen-Anhalt diesen

Polizeischutz künftig gewährleisten

will. Im übrigen müssen wir noch

grundsätzlicher über Maßnahmen

wie etwa Videoüberwachung nachdenken.

Auch geht es um eineVernetzung

der Synagogen untereinander

und mit der Polizei. Und schließlich

müssen wir die politische Präventionsarbeit

verstärken –insbesondere

das Bundesprogramm „Demokratie

leben“ –und Programme zur Antisemitismusprävention.

Gleiches gilt für

die Lehrerbildung und die Erinnerungskultur.

Beider Präventionsarbeit des Bundes

soll aber doch gerade gekürzt werden.

Ja. Diese Kürzungen sollten noch

einmal überprüft werden. Das zeigt

der Fall Halle sehr deutlich.

Wie schätzen Sie die Gefahr des

Rechtsextremismus in Deutschland

insgesamt ein?

Die Gefahr ist sehr hoch. Der

Bundesinnenminister hat von

24 000 Rechtsextremisten gesprochen,

vondenen 12 000 gewaltbereit

seien. Dasist ein erhebliches Bedrohungspotenzial.

Wasbedeutet der Anschlag für die jüdischen

Gemeinden in Deutschland?

Er hat zu großer Verunsicherung

geführt. Wir sollten uns als nicht-jüdische

Gesellschaft solidarisch zeigen.

Dazu können Solidaritätsbesuche

in Synagogen gehören oder das

Kippa-Tragen auf der Straße. Auch

der Besuch von jüdischen Kulturtagen

oder jüdischen Restaurants zählt

dazu. Jüdisches Leben ist Teil der

Vielfalt in Deutschland. Das sollte

die Gesellschaft noch stärker zeigen.

DasGespräch führte Markus Decker.

PONIZAK


4* Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Linkescheitertmit Klage

gegen Anti-IS-Einsatz

DieLinksfraktion im Bundestag ist

mit einer Klage in Karlsruhe gegen

den Bundeswehr-Einsatz zur Bekämpfung

der Terrororganisation Islamischer

Staat (IS) gescheitert. Das

Bundesverfassungsgericht verwarf

den gegen Bundesregierung und

Bundestag gerichteten Antrag als unzulässig.

Es erscheine„von vornherein

ausgeschlossen“, dass Rechte des

Bundestags verletzt seien, teilte das

Gericht am Donnerstag mit. Eine allgemeine

Kontrolle außen- oder verteidigungspolitischer

Maßnahmen

der Bundesregierung sei im Organstreit

nicht möglich (Az. 2BvE 2/16).

(dpa)

Urteile gegen „Oldschool

Society“-Mitglieder

Zwei Mitglieder der rechtsextremen

„Oldschool Society“ (OSS) sind vom

Oberlandesgericht (OLG) Dresden

wegen Gründung und Mitgliedschaft

in einer terroristischen Vereinigung

und Verstoßes gegen das

Waffengesetz zu Freiheitsstrafen verurteilt

worden. DerStaatsschutzsenat

verhängte am Donnerstag zwei

Jahreund vier Monate für einen 43-

Jährigen aus Chemnitz sowie zwei

Jahreauf Bewährung für einen 31-

Jährigen aus Anklam. DieRichter sahen

es als erwiesen an, dass sie zur

Führungsriege der Gruppierung gehörtund

„erheblich“ zu deren Radikalisierung

beigetragen haben. (dpa)

Französische Kandidatin für

EU-Kommission fällt durch

DasEuropaparlament hat die Kandidatin

des französischen Präsidenten

Emmanuel Macron für die neue EU-

Kommission abgelehnt. Diefrühere

französische VerteidigungsministerinSylvie

Goulardbekam am Donnerstag

bei einer Abstimmung der

zuständigen Ausschussmitglieder

des Parlaments nicht die erforderliche

Mehrheit. (dpa)

Regierung in Rumänien per

Misstrauensvotum gestürzt

Die Opposition warf Viorica Dancila unter

anderem Inkompetenz vor.

AP

Rumäniens sozialdemokratische Regierung

unter Ministerpräsidentin

Viorica Dancila ist am Donnerstag

vomParlament abgewählt worden.

238 Abgeordnete und Senatoren –das

waren fünf mehr als notwendig –

stimmten für den Misstrauensantrag,

den sechs Oppositionsparteien eingebracht

hatten. Siewarfen Dancila

unter anderem Inkompetenz, ausgebliebene

öffentliche Investitionen sowie

eine schwache Nutzung vonverfügbaren

EU-Geldernvor. (dpa)

Islamistische Partei gewinnt

Wahlen in Tunesien

Beider Parlamentswahl in Tunesien

hat die gemäßigt islamistische Partei

Ennahdha die meisten Stimmen erhalten.

DiePartei sicherte sich laut

dem am Mittwoch veröffentlichten

vorläufigenWahlergebnis 52 der 217

SitzeimParlament. DiePartei Qalb

Tounes des Präsidentschaftskandidaten

Nabil Karoui landete mit 38 Mandaten

auf Platz zwei. Karoui wurde

derweil wenige Tage vorder Stichwahl

um das Präsidentenamt aus der

Untersuchungshaft entlassen. (AFP)

Bewohner aus dem Nordwesten Syriens bringen sich vor türkischen Angriffen in Sicherheit. Laut UN sind bereits mehr 60 000 Zivilisten auf der Flucht.

Allen Warnungen zum Trotz

Die Türkei setzt die Offensive in Nordsyrien fort, Zehntausende sind auf der Flucht. Und die EU mahnt vergeblich

VonMarina Kormbaki

3,6

Millionen syrische Flüchtlingeleben

in der Türkei.

UMSIEDLUNG NACH SYRIEN

140

neue Siedlungenwill Erdogan

in Nordsyrienbauen lassen.

2

Millionen Flüchtlingesollen

dorthin umgesiedelt werden.

Immer wieder hatte der türkische

Präsident Recep Tayyip

Erdogan in den zurückliegenden

Monaten mit dem Einmarsch

seiner Truppen in die nordsyrischen

Kurdengebiete gedroht.

Doch angesichts der hohen Risiken

eines Kampfes gegen die kurdischen

Volksschutzeinheiten YPG winkten

westliche Politiker und Diplomaten

ab: Das wird der sich nicht trauen.

Nun aber setzt Erdogan seine Drohung

in die Tatum. Am Donnerstag

setzte das türkische Militär seine tags

zuvor gestartete Offensive gegen die

Kurdenmiliz YPG fort.

109 „Terroristen“ seien bereits getötet

wurden, rühmte Erdogan sich

und seine Armee bei einem Konvent

der Regierungspartei AKP in Ankara.

Verletzte habe es auch gegeben.

Nach Angaben von Aktivisten wurden

mindestens zwei Kinder getötet.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk der

Vereinten Nationen vermeldete,dass

mehr als 60 000 Zivilisten auf der

Flucht sind, um sich vor der türkischen

Offensive in Sicherheit zu

bringen.

Erdogan führt zur Begründung

seines Feldzugs gegen die syrischen

Kurden eine terroristische Bedrohung

seines Landes an. Überdies

wolle er in 140 neuen Siedlungen

zwei Millionen Flüchtlinge unterbringen.

DieimZuge ihres erfolgreichen

Kampfes gegen den Islamischen

Staat erstarkte Kurdenmiliz

YPG und ihr politischer Arm –die

SDF –haben im Norden Syriens eine

quasi-autonome Region etabliert.

Aus Sicht Ankaras stellen die Autonomiebestrebungen

der Kurden in

Syrien, Nordirak und im Südosten

eine Gefahr für die Türkei an.

In weiten Teilen der Welt sieht

man das anders. Aus fast allen Himmelsrichtungen

richten sich derzeit

Warnungen an die Türkei, ihre Offensive

zu beenden. US-Präsident

Donald Trump –dessen Abzug von

US-Soldaten in der Region die Türkei

erst zu ihrer Offensive ermuntert

hatte –drohte den Türken am Donnerstag

auf Twitter mit finanziellen

Sanktionen, „wenn sie sich nicht an

die Regeln halten“. DerIranforderte

einen sofortigen Rückzug der türkischen

Truppen. Russland zeigte allerdings

Verständnis für das türkische

Vorgehen. „Seit Beginn der Syrien-Krise

haben wir deutlich gemacht,

dass wir die berechtigten

Sorgen der Türkei um die Sicherheit

der eigenen Grenzen verstehen“,

sagte Außenminister Sergej Lawrow.

Berlin versucht,Druck aufzubauen

Das schmälerte die Erfolgsaussichten

einer gemeinsamen Erklärung

des UN-Sicherheitsrates,für die sich

vor allem Deutschland als nichtständiges

Mitglied am Donnerstag

einsetzte. Berlin versucht, auf möglichst

weiter Front Druck auf die Türkei

aufzubauen. Außenminister

Heiko Maas (SPD) brachte sich am

Morgen in den Konflikt ein, indem er

mit seinem türkischen Amtskollegen

Mevlüt Cavusoglu telefonierte.Maas

habe seine ablehnende Haltung in

Gemeinsame Sache

dem Gespräch deutlich gemacht

und unterstrichen, dass die Türkei

bei ihrem Vorgehen in Nordsyrien

keinerlei Unterstützung aus

Deutschland und der EU erwarten

könne,hieß es aus dem Auswärtigen

Amt. Cavusoglu habe wiederum bekräftigt,

dass der Einsatz dem Kampf

gegen Terroristen diene.Einig wurde

man sich also nicht.

Erdogan widersprach der europäischen

Lesartmit einer unverhohlenen

Drohung. „Hey, Europäische

Union. Reißt euch zusammen. Seht,

ich sage es noch einmal: Wenn ihr

versucht, unsere aktuelle Operation

als Besatzung zu bezeichnen, dann

haben wir leichtes Spiel. Dann öffnen

wir die Türen und schicken euch

(die) 3,6 Millionen Flüchtlinge“,

sagte er vor Parteifreunden. „Dann

öffnen wir eben die Türen.“

Die französische Regierung bestellte

am Donnerstag den türkischen

Botschafter ein. Das Auswärtige Amt

hatte am Donnerstag noch keine entsprechenden

Pläne gefasst. Die norwegische

Regierung hat alle neuen

Rüstungsexporte an den Nato-Partner

Türkei vorerst gestoppt. Angesichts

der „komplexen“ und sich

rasch ändernden Lage werde Oslo

keine neuen Anträge für Ausfuhrerlaubnisse

von „Rüstungsgütern oder

mehrfach einsetzbarem Material“

bearbeiten, erklärte die norwegische

Außenministerin IneEriksen Soreide.

Sieben Kandidatenduos bewerben sich um den SPD-Vorsitz. Am Mittwochabend aber diskutierten nur die Frauen

VonTobias Peter

Warum glaubt die sächsische Integrationsministerin

Petra

Köpping, dass sie eine bessere SPD-

Chefin sein könnte als andere Bewerberinnen?

Köpping verweist erstens

darauf, dass der niedersächsische

Innenminister Boris Pistorius

und sie ein Ost-West-Team sind.

„Und das Zweite ist: Wir sind beide

Kommunalpolitikerinnen“, sagt sie.

Dann korrigiertsie sich, benutzt einmal

die weibliche und einmal die

männliche Form.Inder Kommunalpolitik

lerne man, die Politik vom

Bürger aus zu denken, sagt sie noch.

Die Ausgabe des RND-Salons am

Mittwochabend im China-Club in

Berlin ist eine besondere –eine besonders

weibliche. Sieben Kandidatenduos

–jeeine Frau und ein Mann –

bewerben sich zurzeit um den Parteivorsitz

der SPD. Doch die Bewerberinnen

sind in der öffentlichen Wahrnehmung

oft kürzer gekommen als

die Männer.Bei der politischen Talkrunde

des Redaktionsnetzwerks

Deutschland gehörtihnen die Bühne

zen darf, dass der Staat jederzeit

handlungsfähig sein muss.“

Die Parteilinke Hilde Mattheis

warnt davor, der nachfolgenden Generation

im Namen der schwarzen

Null eine marode Infrastruktur zu

hinterlassen. SiefordertInvestitionen

in Bildung, Gesundheit und Pflege.

Die Bundestagsabgeordnete Saskia

Esken –Co-Kandidatin des früheren

nordrhein-westfälischen Finanzministers

NorbertWalter-Borjans –hebt

hervor, wie wichtig ihr die Abschaffung

der Sanktionen bei HartzIVsei.

DasInnenleben der Partei

Nach der fachpolitischen Debatte

geht es noch um ein besonders sensibles

Thema: um das Innenleben der

SPD und natürlich auch ihre Außenwirkung.

Gesine Schwan, zweimalige

Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin,

betont, sie wolle die Partei

stärker öffnen und bekräftigt den

Anspruch:„Wir sindVolkspartei.“

Die Bundestagsabgeordnete Nina

Scheer wirddarauf angesprochen, ob

sie tatsächlich die Einzige gewesen

sei, die in der Fraktion die Stimme ge-

AFP/DELIL SOULEIMAN

an diesem Abend ohne die männlichen

Mitbewerber.

Die sieben Kandidatinnen stellen

sich den innen-, wirtschafts- und außenpolitischen

Fragen des Leiters des

RND-Hauptstadtbüros, Gordon Repinski,

und der RND-Korrespondentin

Marina Kormbaki.

Kontrovers wirdes, als es ums Geld

geht. Die frühere NRW-Familienministerin

Christina Kampmann, die

gemeinsam mit Außenstaatsminister

Michael Roth an die Parteispitzewill,

hat im Lauf ihrer Kampagne eine kostenfreie

Bahncard50für Pendler und

die Abschaffung der Mehrwertsteuer

für Bahntickets gefordert. Wiewill sie

das finanzieren? Kampmann bekräftigt

die Forderung –und antwortet,

„dass wir auch dafür die schwarze

Null hinter uns lassen wollen“. Sie

sagt:„Mich ärgertestotal, wenn Flüge

heute günstiger sind als die Bahn auf

denselben Strecken.“ Die Brandenburgerin

Klara Geywitz –Co-Kandidatin

vonVize-Kanzler und Bundesfinanzminister

Olaf Scholz – widerspricht

in Sachen schwarze Null: „Ich

glaube, dass man nicht unterschätgen

das Klimapaket der großen Koalition

erhoben habe. „Das mag sein“,

antwortet Scheer. Sie fordert: Ein

schlechter Kompromiss müsse auch

so genannt werden.

Bei einer schnellen Fragerunde

gibt es dann noch einiges über die

Kandidatinnen und ihreAnsichten zu

erfahren. Gesine Schwan etwa rechnet,

so sagt sie,nach der Bundestagswahl

2021 mit einer SPD auf der Höhe

von 21Prozent. Bei welchem Thema

ist sie am konservativsten? „Frisur“,

antwortet Schwan. Gelächter.

Gibt es in der SPD eine gläserne

Decke,die Frauen behindert? „Auf jeden

Fall“, hat Andrea Nahles in einem

Interview geantwortet –kurz bevor

sie zur ersten Vorsitzenden der SPD

gewählt wurde. „Frauen fehlt oft das

Lobekartell“, sagte Nahles weiter.

Eine der sieben Kandidatinnen

wird als Vorsitzende ein Lobekartell

brauchen. Glaubt man ihnen an diesem

Abend, so wirddas kein Problem

sein. Auf die Frage, mit wem aus der

Runde sie –imFall des Sieges –gern

zusammenarbeiten würden, sind

sich alle einig: am liebsten mit allen.

Mörder von

Kandel tot

aufgefunden

Behörden gehen von einem

Suizid in der Zelle aus

Der Mörder von Mia aus Kandel

ist tot in seiner Gefängniszelle

gefunden worden. Ersten Erkenntnissen

zufolge hat sich Abdul D. in

der Jugendstrafanstalt Schifferstadt

erhängt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft

am Donnerstag mitteilten.

Der aus Afghanistan stammende

Mann war im September

2018 für den tödlichen Messerangriff

auf die 15-jährige Miaverurteilt worden.

Die Richter in Landau erkannten

auf Mord und verhängten acht

Jahre und sechs Monate Haft nach

Jugendstrafrecht.

Debatte um Altersfeststellung

DieTat kurznach Weihnachten 2017

in einem Drogeriemarkt der kleinen

Stadt in der Pfalz hatte bundesweit

großes Entsetzen ausgelöst. Der Fall

fachte außerdem die Diskussion um

die Altersfeststellung junger Flüchtlinge

an. Rechtspopulistische Gruppen

nahmen die Tragödie zum Anlass,uminKandel

und umliegenden

Orten gegen die Asylpolitik der Bundesregierung

zu protestieren. Die

nächste Demonstration war für diesen

Freitag in Landau angekündigt.

D. hat sich nach Angaben des Justizministeriums

in Mainz in der

Nacht zum Donnerstag mit Schnürsenkeln

und Kopfkissenbezug erhängt.

Die Einzelzelle sei von außen

verschlossen gewesen, sagte Sprecher

Christoph Burmeister.Eine Obduktion

soll genauere Erkenntnisse

zum Todeszeitpunkt bringen.

Die Zelle sei nicht videoüberwacht

gewesen, weil es keine Anzeichen

für eine Selbsttötungsabsicht

gegeben habe.

In Kandel kam es nach dem Mord an Mia

zu Demonstrationen von Rechten. DPA

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal

und die Kriminalpolizei Ludwigshafen

haben ein Todesermittlungsverfahren

eingeleitet, um die

genauen Umstände zu klären. Die

Leiche soll an diesem Freitag im

rechtsmedizinischen Institut in

Mainz obduziertwerden.

Der damalige Anwalt von Abdul

D., Maximilian Endler, sagte zu der

Todesmitteilung: „Ich weiß von

nichts und kann daher auch nichts

dazu sagen.“ Er hatte nach dem Urteil

gesagt, er rechne damit, dass sein

Mandant nach der Verbüßung eines

Teils der Strafe abgeschoben werde.

Abdul D. war nach seiner Ankunft

in Deutschland als unbegleiteter

minderjähriger Flüchtling aufgenommen

und betreut worden. Er

gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren

an. Nach der Tatkamen Zweifel auf,

ob er so jung ist. Ein Gutachten im

Auftrag der Staatsanwaltschaft kam

zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt

der Tatmindestens 17 Jahre

und sechs Monate, wahrscheinlich

aber schon 20 Jahrealt war.

Als Motiv für die Tat hatte die

Staatsanwaltschaft Eifersucht und

Rache angenommen. Sieging davon

aus, dass Abdul D. Mia bestrafen

wollte, weil sie sich wenige Wochen

zuvor vonihm getrennt hatte.Die Tat

ereignete sich im Supermarkt des

kleinen Ortes. Das Urteil blieb damals

nur knapp unter den Forderungen

der Staatsanwaltschaft, die den

Täter für zehn Jahre ins Gefängnis

schicken wollte. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 5

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Politik

Regieren ist harte Arbeit

Die ewige Geschichte von den Armen, den Reichen und der großen Ungerechtigkeit in Polen: Der PiS-Vorsitzende JaroslawKaczynski (Mitte) inszeniertsich und seine Partei gernals bescheiden und fleißig.

AFP/WOJTEK RADWANSKI

Christian Gytkjaer schiebt

den Ball nicht einfach ins

leere Tor. Erhämmert ihn

unter die Latte. Ohne jede

Gnade. Die kräftigen Männer im

Block Bwinken ab und gehen, um das

nächste Bier in der Kneipe zu trinken.

Man kann es verstehen. Es ist zugig

und kalt im Stadion von Gornik

Zabrze,und das 1:3 in der Nachspielzeit

hat auch die letzte wärmende

Hoffnung sterben lassen. Die Gäste

aus Posen nehmen an diesem Abend

drei Punkte mit in die reiche westpolnische

Handelsmetropole, wo man

sich sogar einen dänischen Nationalstürmer

leisten kann. In Zabrze dagegen,

im Herzen des oberschlesischen

Kohlereviers,leben sie noch vonehrlicher

Arbeit. Aber das funktioniertim

21. Jahrhundertimmer seltener.Auch

die Zeit, so scheint es, kennt keine

Gnade.

Natürlich ist die Geschichte vom

beherzten Kampf der ehrlichen Arbeiter

längst zum Klischee geronnen,

nicht nur im Fußball. Das wissen

sie auch in Zabrze. Rafal Riedel

zum Beispiel, der im Revier aufgewachsen

ist und bei Gornik eine

Dauerkarte besitzt, weiß es sogar

besser als die meisten Menschen.

Schließlich forscht der Politologe

unter anderem über Muster gesellschaftlicher

Kommunikation. Und

doch sagt der Fußball-Fan Riedel,

während er zwischen schwer dahinstapfenden

Männerndas Stadion

verlässt, diesen Satz, der die unglückliche

Niederlage vielleicht erklären

kann: „Das Budget von Lech

Posen ist dreimal so hoch wie das

vonGornik.“ Also schießt Lech auch

dreimal so viele Tore wie Gornik, folgertder

Zuhörer fast automatisch.

Armgegen Reich

In der Luft hängt leichter Brandgeruch.

DerHerbst ist da, und die Menschen

in Zabrze heizen abends

schon ihreÖfen an, meist mit Kohle,

weil die hier so schön billig ist, die

Löhne aber niedrig sind. Es ist also

wirklich wahr, denkt der Zuhörer

weiter: Arm hat gegen Reich 1:3 verloren.

Wieungerecht!

Mitetwas Distanz würde Riedel in

einem solchen Fall vermutlich von

Framing zugunsten von Gornik

Zabrze sprechen. Die bittere Wirklichkeit

wird ineinen Deutungsrahmen

gesetzt, und mit dieser Überlegung

ist man plötzlich mitten im

polnischen Wahlkampf gelandet.

Denn genau das ist das Verfahren,

In Polen steht die rechtsnationale PiS vor einem klaren Wahlsieg. Washat die Partei

des autoritären Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski richtig gemacht?

Eine Spurensuche im Südosten des Landes

mit dem die nationalkonservative

Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS)

2015 die Parlamentswahl gewonnen

hat. Und nun, vier Jahre später,

spinnt sie die Geschichte vonden Armen,

den Reichen und der großen

Ungerechtigkeit weiter, umihre absolute

Mehrheit im Sejm auszubauen.

Beim Bier spricht Riedel tatsächlich

vonFraming und berichtet, dass

bislang weder die liberale noch die

linke Opposition ein Mittel gegen die

Rahmenerzählung der PiS gefunden

hat. Alle Umfragen sagen für den

13. Oktober einen klaren Sieg der

Nationalkonservativen voraus.Offen

scheint nur noch zu sein, ob die Partei

mit ihrem autoritären Vorsitzenden

Jaroslaw Kaczynski erstmals in

der Geschichte des postkommunistischen

Polen die 50-Prozent-Marke

durchbrechen kann. Riedel, der an

der Universität Opole lehrt, will das

nicht ausschließen, macht aber auch

der Opposition Hoffnung: „Die Demoskopen

haben in Polen schon oft

danebengelegen.“

Alles offen also? Eher nicht. Kaczynskis

Reden fallen auch in Schlesien

auf fruchtbaren Boden. Zum

Beispiel in Bielsko-Bialo, 60Kilometer

südlich von Zabrze, woder PiS-

Chef Anfang Oktober auftritt. „Regieren

ist kein Vergnügen“, sagt er,

und das nehmen die meisten Menschen

dem oft finster dreinblickenden

70-Jährigen ab. „Regieren heißt

nicht, bei teuren Zigarren zusammenzusitzen“,

fährterfort, und auch

das klingt in vielen Ohrenglaubwürdig.

Es ist in Polen weithin bekannt,

dass Kaczynski in einem bescheidenen

Haus im Norden von Warschau

lebt. Und dann kommt der Satz, der

kommen muss: „Regieren ist harte

Arbeit.“

Arm gegen Reich: Der Hinweis

auf die Zigarren gehört zuKaczynskis

beliebtesten Seitenhieben auf die

Opposition, genauer gesagt auf die

liberale Bürgerplattform (PO), die

VonUlrich Krökel, Zabrze/Krosno

bis 2015 regierte. 2014 hatte das

Nachrichtenmagazin Wprost eine

Reihe illegal abgehörter Gespräche

von Regierungsmitgliedern der PO

veröffentlicht, die inWarschauer Nobelrestaurants

bei erlesenen Weinen

und Importzigarren politische Intrigen

spannen. Im folgenden Wahlkampf

fiel es der PiS leicht, ihre Geschichte

von den hart arbeitenden

Normalbürgern und den dekadenten

Eliten glaubwürdig unter das

Volk zu bringen.

Es war eine klassische populistische

Erzählung, wie sie 2016 auch

Donald Trump ins Weiße Haus

„Vielleicht sind wir Polen gar nicht so

freiheitsliebend, wie wir angesichts unserer

historischen Unabhängigkeitskämpfe

immer behaupten.“

führte und die Brexiteers zum Sieg

im EU-Referendum. Die PiS nutzte

ihre erfolgreiche Geschichte aber

auch in der Regierungsverantwortung

weiter. Mit der Begründung,

korrupte Eliten entmachten zu müssen,

startete die Partei einen Frontalangriff

auf die Gewaltenteilung. Sie

brachte die Justiz inklusive des Verfassungsgerichts

sowie die Staatsmedien

unter ihre Kontrolle. Nur

zwei Monate nach dem Regierungswechsel

in Warschau leitete die EU-

Kommission deshalb ein Rechtsstaatsverfahren

gegen Polen ein, das

bis heute läuft.

Im Wahlkampf 2019 spielt das

Thema Demokratieabbau allerdings

bestenfalls eine Nebenrolle. „Vielleicht

sind wir Polen gar nicht so freiheitsliebend,

wie wir angesichts un-

Rafal Riedel, Politologe aus Zabrze

serer historischen Unabhängigkeitskämpfe

immer behaupten“, sagt

Riedel, wiegt aber den Kopf: Es ist

nur so eine These. Sie lässt sich aber

weiterentwickeln. Klar ist, dass sich

Polen spätestens seit dem EU-Beitritt

2004 in einem nachholenden

Konsumrausch befindet. Wohlstand

schlägt Freiheit, ließe sich folgern,

oder um es mit Bill Clintons berühmter

Formel zu sagen: „It’s the

economy, stupid!“ Wahlen gewinnt

man mit Wirtschaftsthemen.

So gesehen könnte es nicht besser

laufen für die PiS. 2018 erzielte Polen

mit einem Wachstum von 5,1 Prozent

ein Zehnjahreshoch. Die Arbeitslosenzahl

sank zuletzt auf 3,3

Prozent. Faktisch ist dasVollbeschäftigung.

Beides wirkt sich auf die

Staatsfinanzen aus. 2020 will die Regierung

erstmals seit 1989 eine

schwarze Null schreiben. „Eine gute

Zeit für Polen“, lautet der zentrale

Slogan der PiS-Kampagne, und das

ist bei solchen Zahlen schwer zu widerlegen.

Wenn überhaupt, dann im

äußersten Südosten des Landes. Die

Woiwodschaften Lublin und Karpatenvorland,

die noch immer zu den

20 ärmsten Regionen in der EU zählen,

gelten als finsteres Polen B. Zumindest

sehen das die A-Menschen

in den boomenden Metropolen wie

Posen, Breslau und Warschau so.

Das Karpatenvorland ist eine

waldreiche Region, in der die Straßen,

wenn man sich von Krakau nähert,

schnell leerer und bald auch

schmaler werden. Dafür stehen häufiger

Marienstatuen am Wegesrand,

und wer aneinem Imbiss hält, hat

dieWahl zwischen Eisbeinund Kohlrouladen.Vegetarier

bekommen hier

ein Problem. „Es ist ein sehr konservativer

Landstrich“, erklärtPiotr Dyminski,

der in der Kreisstadt Krosno

für ein regionales Nachrichtenportal

schreibt, eine Online-Heimatzeitung,

wie es sie in Polen nur selten

gibt. „Es braucht aber jemanden, der

den Mächtigen auf die Finger

schaut.“ Das gelte für Krosno genauso

wie für Krakau. Allerdings

werde die Arbeit für die Journalisten

von krosnocity.pl ökonomisch immer

schwieriger.

Also geht es mit der Wirtschaft im

Karpatenvorland weiter in den Keller?

„Nein, nein“, wiegelt Dyminski

ab und überlässt es dem Gast, seine

Schlüsse zu ziehen. Bekannt ist, dass

die PiS den Druckauf private Medien

dadurch erhöht hat, dass sie staatlich

finanzierte Werbung reduziert

hat. Dyminski sagt dazu nichts. Er

führtlieber durch die zentrale Bahnhofsstraße.Das

ist dem Enddreißiger

wichtig, denn er wohnt nicht nur

selbst hier. Inder Ulica Kolejowa ist

auch Robert Biedron aufgewachsen,

der im katholischen Polen einst als

erster offen schwuler Sejm-Abgeordneter

für Furore sorgte. Und dieser

Biedron hat die Bahnhofsstraße

kürzlich als Getto beschrieben, in

dem er„zu sechst auf 30 Quadratmetern“

groß geworden sei.

Dyminski dagegen ist Lokalpatriot.

„Sehen Sie, überall Büros und

Geschäfte“, sagt er stolz. „Die ganze

Straße blüht.“ Damit spielt der Journalist

auf Biedrons linksliberale Partei

Wiosna (Frühling) an, die er zu

Beginn dieses Jahres gegründet hat

und mit der er zeitweise zum Hoffnungsträger

der Anti-PiS-Opposition

aufstieg. Inzwischen ist der erste

Glanz verblasst. Wiosna geht am 13.

Oktober als Teil einer Linksallianz an

den Start, um nicht an der Fünf-Prozent-Hürde

zu scheitern.

In voller Blütesteht aber auch die

Bahnhofsstraße in Krosno nicht. Bei

derLeuchtreklame des „Full Market“

fehlt an drei Buchstaben ausgerechnet

die Füllung. Immerhin wird viel

gebaut, und vorder Grundschule,in

die Biedron einst ging, stehen neue

Klettergerüste.

Verarmtes Krosno oder blühendes

Krosno? In dieser Frage schimmert

sie wieder auf, die PiS-Erzählung

von den fleißigen Normalbürgern,

die mehr verdient haben als

abfällige Kommentare. Dyminski

selbst ist kein PiS-Mann. Er beschreibt

sich als liberal-konservativ.

In einem ist er sich aber sicher:„Die

Linken und die Bürgerlichen haben

in ihrenRegierungszeiten viel zu wenig

für die Menschen getan. DieThemenfür

diePiS lagen auf der Straße,

und sie hat sie einfach aufgesammelt.“

Tatsächlich hat die PiS in ihrer

Regierungszeit nicht nur den

Rechtsstaat geschleift. Sie hat erstmals

ein Kindergeld in Polen eingeführt,

die Rente mit 67 zurückgenommen,

den Mindestlohn erhöht

und das Steuersystem so umgebaut,

dass nicht länger nur die Besserverdienenden

profitieren.

DasGeheimnisdes Erfolgs

Dasmerkt man auch im angeblich so

finsteren Polen B. Beim EU-Beitritt

2004 lag das Karpatenvorland bei 35

Prozent des Unionsdurchschnitts,

gemessen am Bruttoinlandsprodukt

je Einwohner. Heute sind es rund 50

Prozent. Der Warschauer Weltbank-

Ökonom Marcin Piatkowski stellt

nüchtern fest: „Die Ungleichheit in

Polenist unterder PiS-Regierung zurückgegangen.

Echte Armut ist fast

verschwunden.“ Und: „Die Schwerpunkte

derstaatlichen Investitionen

wurden von Polen Anach Polen B

verlagert. Das hat die Inklusion gestärkt.

Eine Gesellschaft ist schließlich

eine Gemeinschaft.“ Anders gesagt:

Wollte man den Erfolg der PiS

auf einen alles erklärenden Nenner

bringen, müsste man Bill Clintons

legendäre Siegformel wohl korrigieren.

Es ist nicht die Wirtschaft,

Dummkopf. Es istdie Sozialpolitik.

Ulrich Krökel ist im Wahlkampf

tief in die polnische

Provinz eingetaucht.


6 Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

NEU IN DER STADT

Kreuzbergs

kleinstes

Haus

VonJörg Niendorf

Woimmer in Berlin größere Flächen

neu bebaut werden, darf

es mittlerweile nicht mehr fehlen:

Das Townhouse. Schmale Stadthäuser,manchmal

nur fünf, sechs Meter

breit und dafür drei bis vier Stockwerke

hoch, entstehen in Reih und

Glied, ob am Stadtrand oder auf innerstädtischen

ehemaligen Brachflächen.

Seit etwa 15 Jahren hat die

Stadt damit einen völlig neuartigen

Bautypus hinzugewonnen, einen Eigenheimbau

im Miniaturformat, der

hier zuvor noch unbekannt war.

Doch Halt, ein Ausnahme-Haus

gab es längst, schon bevor überhaupt

ein Architekt oder Immobilienentwickler

des 21. Jahrhunderts

begann, von dieser neuen Mode zu

träumen. In der Kreuzberger Oranienstraße

steht seit dem Jahr 1864

das Ur-Townhouse vonBerlin: Es ist

nur fünf Meter breit. Allerdings entstand

es aus einer Verlegenheit, und

nicht, um etwa Avantgarde zu spielen

oder etwas Neues auszuprobieren.

Trotzdem könnte man es als

Prototyp ansehen: Sein Grundstück

misst gerade einmal 48 Quadratmeter,

es hat keinen Hinterhof oder

Garten. Es stehen einfach nur das

Parterre und drei große Räume

übereinander gestapelt, jeder einzelne

ist 32 Quadratmeter groß. Es

gibt auch kein gesondertes Treppenhaus.

In der Lücke zweier Grundstücke

„Kunsthaus“ steht an der Fassade.

Im Erdgeschoss liegt eine Galerie für

experimentelle Kunst, darüber gibt

es drei Büros. Eines davon nutzt der

Eigentümer dieses „kleinsten Gebäudes

in Kreuzberg“, als das das

Haus nahe dem Moritzplatz bekannt

ist –falls es denn überhaupt jemandem

auffällt. Allenfalls von der gegenüberliegenden

Straßenseite lässt

sich erkennen, wie sehr die Nummer

46 vonden Nachbarbauten eingezwängt

wird. Beide sind „normale“,

mehr als 20 Meter hohe Altbauten.

Sie liegen auf den für Berlin

üblichen Grundstücksparzellen von

etwa 20 mal 40 Metern Fläche. Nach

diesem Muster wurde vor150 Jahren

die Luisenstadt, das heutige Kreuzberg,

entlang der damals neuen Straßen

eingeteilt. Meistens mussten die

Bauherren mehrereAgrarflächen zusammenstückeln.

EinProblem gab es allerdings: Bei

allen Flächensortierungen blieb als

Rest eben diese Oranienstraße 46

übrig, genau jener fünf mal knapp

zehn Meter Grund. Zuzukaufen gab

es nichts mehr.Und doch erwarb ein

Konditormeister das Grundstück,

stellte erst eine Bude auf und ergatterte

schließlich eine Ausnahmegenehmigung,

es zu bebauen. Mehreren

Handwerkern gehörte es in seiner

Geschichte, nach dem Krieg

kaufte es ein Kunsthändler,der darin

Bilderrahmen herstellte.2002 ersteigerte

der jetzige Besitzer, ein Physiker,das

Townhouse-Fossil.

Das schmalste Haus in Kreuzberg steht in

der Oranienstraße 46. CC BY-SA 3.0/JÖRG ZÄGEL

Es war am vorigen Freitagabend kurzvor sieben Uhr, als Thomas Wetzel die Nachricht erhielt, dass der österreichische

Sensorhersteller AMS mit seiner geplanten Osram-Übernahme gescheitertwar.FürWetzel war es eine gute Nachricht.

DerBetriebsratsvorsitzende des Osram-Werks in Spandau hatte in den zurückliegendenWochen keinen Hehl aus seiner Abneigung

gegenüber dem Plan der Österreicher gemacht. Zwar ist auch ihm klar,dass Osram„ein Übernahmekandidat geworden“ ist,

aber das Unternehmen aus der Steiermarksollte nicht der neue Eigentümer werden.Wetzel befürchtete die Zerschlagung vonOsram.

„Dageht es nur um Kohle,nicht um die Menschen und den Standort“, sagtWetzel.„Das ist pervers.“

DerStandortBerlin, das ist zugleich auch der Geburtsortdes Osram-Konzerns.Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde das Unternehmen

in Berlin gegründet, das heute mehr als 27 000 Menschen beschäftigt und seinen Hauptsitz in München hat. Berlin hat nur noch

ein Werk, dessen Belegschaft seit dem Ende der klassischen Glühbirne Mitte der Neunziger immer weiter zusammengestrichen wurde.

Teilbereiche wurden abgestoßen. Heute reicht die Arbeit bei Osramander Nonnendammallee noch für 700 Leute.Sie fertigen Speziallampen

für die Filmbranche und Handyhersteller.Das Hauptprodukt aber sind Xenon-Lampen für Autoscheinwerfer,für die die Nachfrage jedoch

bedrohlich sinkt. Glaubten die Osram-Strategen Mitte des Jahrzehnts noch, in der zweiten Hälfte dieser Dekade jährlich gut 14 Millionen

Xenon-Lampen produzieren zu können, waren es 2017 tatsächlich nur zehn Millionen Leuchten. 2018 ging die Fertigung um weiteredreieinhalb

Millionen Lampen zurück.

Wie lange geht das noch? Bei Osram legt sich dazu offiziell niemand fest. Das als Lampenhersteller groß gewordene Unternehmen will ein

Hochtechnologiekonzernwerden. Lichtchips und Sensoren sollen künftig Arbeitsplätzesichern. Aber Osramist starkvom Autogeschäft abhängig,

ist die Nummer eins bei Autobeleuchtung und macht jeden zweite Euro im Autogeschäft. EinMarkt mit vielen Unbekannten.

Der55-jährigeWetzel, der sein Arbeitsleben als Schlosser-Lehrling bei Siemens an der Nonnendammallee begonnen hatte,sieht noch Bedarf

für die Xenon-Lampen. Auf„fünf Jahreplus“ taxierterderen Produktion in Spandau und verweist auf das Ersatzteilgeschäft sowie darauf, dass

es weltweit Regionen gebe,inder das Automobil durchaus noch als erstrebenswertgelte.

Wasnach Xenon kommt, ist offen. LED-Lampen für Autoscheinwerfer hat Osramebenfalls im Programm, fertigt sie aber in Regensburg.

Allerdings gibt es in Spandau einen kleinen Bereich, in dem gut 30 Leute unter Reinraumbedingungen wie in einer Chipfabrik arbeiten.

Dortentstehen Laser-LED-Module,mit denen Autoscheinwerfer bis zu 600 Meter weit strahlen können. Diefingerhutkleinen Leuchten

galten als die Hoffnungsträger.„OsraminvestiertimBerliner Werk in die Zukunft“, hatte ein Vorstand vorzweiJahren bedeutungsschwer

vorOrt verkündet. Einzweistelliger Millionenbetrag war geflossen, doch nun wurde der Laser-Scheinwerfer bereits wieder

zum Auslaufmodell erklärt.„Die Nachfrage ist nicht so prickelnd“, heißt es in der Münchener Unternehmenszentrale.

Tatsächlich bricht ein Innovationsteam vonOsram in Berlin nun seine Zelte ab.Der Rückzug des 2018 gegründeten Gemeinschaftsunternehmens

Osram-Continental aus Berlin ist beschlossen. Wieinder Münchener Zentrale auf Anfrage

bestätigt wurde,werde der Berliner Entwicklungsbereich vonOsram-Continental, wo das Laser-Modul entwickelt

wurde,am30. Juni 2020 geschlossen. „Wir haben uns entschieden, keine weitereGeneration unserer Lasermodule

für das Zusatzfernlicht zu entwickeln, da der Marktfür diese Nischenanwendung sehr limitiertist“, so

die Erklärung aus München. 15 Mitarbeiter sind betroffen. Ihnen wurden den Angaben zufolge Jobs an

anderen Standorten angeboten. Weltweit sind 1500 Mitarbeiter für das Joint Venture tätig. Für die

kleine Laser-Modul-Fabrik an der Nonnendammallee gibt es damit kein Nachfolgeprodukt.

OSRAM Für BetriebsratschefWetzel ist das fatal.„Wir verabschieden uns vonZukunftsthemen“, sagt AMS

er und verlangt vomVorstand mehr Engagement und Mut. EinUnternehmer müsse unternehmen.„Wir

können nicht so weitermachen wie bisher.“

Dass Osrams Zukunft aber doch noch von der AMS AG aus Österreich bestimmt

27400 MITARBEITER

421 MIO. EURO

INVESTITIONEN IN

FORSCHUNG UND

ENTWICKLUNG

Osram

Aktienkurs in Euro

70

60

50

40

30

17800 PATENTE

20

6.10.14 10.10.19

Osram Umsatz

in Millionen Euro

5142

4128 4115

3572

3785

’14 ’15 ’16 ’17 ’18

Gedimmte Zukunft

PATENT

39,05

Das Unternehmen

Osram-Continental schließt seine Berliner

Entwicklungsabteilung. Dem Osram-Werk in Spandau

fehlen indes die Innovationen

VonJochen Knoblach (Text) sowie Isabella Galanty und Annette Tiedge(Grafik)

wird, ist nicht ausgeschlossen. AMS-Chef Alexander Everke träumt nach wie vorvon

der Erschaffung eines Weltchampions für optische Sensoren und Optoelektronik.

Derzeit hält das Unternehmen knapp 20 Prozent der Osram-Aktien. Schafft es

AMS, seinen Anteil auf 30 Prozent zu erhöhen, muss das Unternehmen erneut

ein Übernahmeangebot für Osramabgeben. Dasist die zweite Chance.

FürWetzel indes bleiben dieVorbehalte.Esgeht vorallem um die fast 18 000

Osram-Patente,die die Österreicher nach der Übernahme nach Singapur auslagernwollen.„ImGrunde

müsste es hier einen großen Aufschrei geben, denn

es sind in Deutschland entstandene Ideen. Lagern sie erst einmal im Ausland,

gibt es aus Deutschland keinen Zugriff mehr darauf“, sagte er in einem

Interview.Hinzu kommt die Verschuldung vonAMS, die bereits bei

mehr als 1,4 Milliarden Euro liegt. Für den Aktienkauf bei Übernahme

wären weitereKredite über gut vier Milliarden Euro nötig.

10166 MITARBEITER

239 MIO. EURO

INVESTITIONEN IN

FORSCHUNG UND

ENTWICKLUNG

2700 PATENTE

AMS

Aktienkurs in Euro

80

60

40

20

0

6.10.14 10.10.19

AMS Umsatz

in Millionen Euro

464 623

550

38,33

1064 1426

Akkutausch

für

Freiminuten

VonJochen Knoblach

Als der Elektroscooter-Verleiher

Coup zum Startder diesjährigen

Saison im Frühling sein neues Preismodell

präsentierte, gab sich das

Management alle Mühe, das Angebot

als günstig zu verkaufen. Tatsächlich

ist das Rollerfahren mit einem

Coup-Roller seitdem insgesamt

teurer.Seit Wochenbeginn gibt es allerdings

die Möglichkeit, sich von

der Bosch-Tochter Geld zurückzuholen.

Dann nämlich, wenn der Fahrerden

fast leeren Akku selbst gegen

einen vollen ersetzt.

„Coup Boxenstopp“ nennt der

Verleiher die Aktion, für die in Berlin

zunächst zwei Ladestationen zur

Verfügung stehen. Die eine befindet

sich am Mercedes-Platz in Friedrichshain,

die andere auf einem Supermarkt-Parkplatz

in der Kreuzberger

Stresemannstraße, wie auch per

Coup-App zu erfahren ist.

Liegt also der Ladezustand der

Akkus im gerade ausgeliehenen Roller

unter 50 Prozent, kann man dort

vorfahren. An der Station nimmt

man den leistungsschwachen Akku

aus dem Scooter, dockt ihn in die

weiße Ladestation und entnimmt

dann einen vollen Batterieblock, um

diesen in den Roller zu schieben und

die Reichweite wieder auf 100 Prozent

zu heben. In höchstens zwei Minuten

soll der Akkutausch erledigt

sein. Klappt was nicht, helfen tagsüber

Mitarbeiter vonCoup.Injedem

Fall wird der Batteriewechsel per

Selbstbedienung mit einer Gutschrift

von20Freimuten imWert von

4,20 Euro belohnt.

100 Prozent Ökostrom

Bei Coup hofft man freilich auf rege

Beteiligung. „Für uns bietet der Boxenstopp

den Vorteil, dass wir die

Batterien nicht mehr durch Berlin

transportieren müssen, sondern die

Nutzer uns dabei helfen, noch nachhaltiger

agieren zu können“, sagt

Justus Thormann, der das Coup-Geschäft

in Berlin lenkt.

Tatsächlich ist das Laden der

Scooter-Batterien recht aufwendig.

Mit mehreren Transportern – sie

fahren mit Diesel, nicht mit Strom–

sind Serviceteams in der Stadt unterwegs,

umangeparkten Rollern

leere Akkus durch volle zu ersetzen.

Immerhin hat Coup 1500 Scooter in

der Stadt im Einsatz. Die leeren Akkus

werden dann in einer zentralen

Ladestation in einem Kellergeschoss

am südlichen Ende der

Charlottenstraße in Kreuzberg wieder

fit gemacht. Dort können

220 Akkus gleichzeitig geladen werden.

Zweieinhalb Stunden dauert

eine Ladung. Mit 100 Prozent Ökostrom,

wie Coup versichert.

Wenngleich Coup seine Roller

mittlerweile auch in Madrid und Paris

anbietet, wird der Akkutausch

ausschließlich in Berlin getestet. Die

Ladetechnik stammt vom Roller-

Hersteller Gogoroaus Taiwan, der in

seiner Heimat nicht nur seine Stromscooter

anbietet, sondern dort zugleich

ein dichtes Netz von Akku-

Wechselstationen aufgebaut hat.

Insgesamt 1200 Ladestationen sind

über ganz Taiwan verteilt und erhöhen

so die praktische Reichweite der

Roller, die mit einer Akkuladung 80

Kilometer zurücklegen können.

Ob auch in Berlin mehr Stationen

installiert werden, will Coup

nach Auswertung des Tests entscheiden.

Dieser läuft noch bis

zum 1. November.

COUP


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 7 *

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

11.7.19

11.7.19

MÄRKTE

▲ 12164,20 (+0,58 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

11.7.19

Stand der Daten: 10.10.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

10.10.19

▲ 59,30 (+1,68 %)

10.10.19

▲ 1,103 (+0,45 %)

Quelle

10.10.19

aus DAX und MDAX vom 10.10. zum Vortag

Siltronic NA 68,80 +4,12 WWWWWWWWWWW

Commerzbank 4,99 +3,85 WWWWWWWWWW

Dürr 22,74 +3,55 WWWWWWWWW

Qiagen 24,58 +3,23 WWWWWWWWW

Aurubis 41,58 +3,18 WWWWWWWWW

Linde PLC 174,45 +3,01 WWWWWWWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 10.10. zumVortag

Carl Zeiss Meditec 102,50 WWWWWWWWWWW –4,21

MorphoSys 97,20 WWWWWWW –2,61

SartoriusVz. 159,90 WWWWWW –2,26

Gerresheimer 65,60 WWWWWW –2,09

Evotec 19,62 WWWWWW –1,93

RWESt. 27,13 WWWWW –1,88

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 10.10. ±% z. 09.10.

Euro Stoxx 50(EU) +0,92

3589/2909 3493,96

CAC 40 (FR) + 1,27

5705/4556 5569,05

S&P UK (UK) + 0,25

1562/1323 1451,31

RTS (RU) +1,02

1414/1033 1330,92

IBEX (ES) +1,25

9588/8286 9104,40

Dow Jones (US) +0,59

27399/21713 26501,09

Bovespa (BR) +1,09

106650/82607102354,40

Nikkei (JP) +0,45

22959/18949 21551,98

Hang Seng (HK) –0,03

30280/24541 25700,84

Stx Singap. 20 (SG) –0,08

1657/1350 1541,97

Festgeld für 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Mon. 6Mon. 12 Mon.

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 0,81 0,91 1,01

Bank11

bank11.de 0,40 0,50 0,60

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,45 0,46 0,51

akf bank **

akf.de 0,20 0,45 0,70

abcbank

abcbank.de - 0,45 0,55

Deutsche Bank*

deutsche-bank.de - 0,01 0,20

Santander

santander.de - 0,01 0,05

Targobank

targobank.de 0,00 0,00 0,20

ING

ing.de - - 0,01

Commerzbank

commerzbank.de - - 0,01

Isbank

isbank.de 0,35 0,35 0,50

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse

mbs-potsdam.de - - 0,01

Sparda-Bank Berlin

sparda-b.de - - 0,002

Berliner Sparkasse

-030/86986969 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,22 0,28 0,39

*12Monate Neukundenangebot

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag)

Quelle: FMH Finanzberatung

Von Frank-Thomas Wenzel

Die Luftbilder gingen um

die Welt: Tanklager und

petrochemische Anlagen,

aus denen schwarze

Rauchschwaden aufsteigen. Mitte

September schlugen Marschflugkörper

und Drohnen dortein und legten

für einige Tage die Ölproduktion mitten

in der Wüste lahm.

Die Angriffe, hinter denen offenbar

der Iran stand, trafen die Firma

Saudi Aramco hart. Zeigten sie doch,

wie verletzlich ihre Infrastruktur ist.

Doch inzwischen sollen die Schäden

weitgehend behoben sein. Und das

Management will endlich ein Projekt

mit gigantischen Ausmaßen angehen.

Ende Oktober soll der mehrmals

schon verschobene Börsengang offiziell

angekündigt werden, berichtet

der Finanzdienst Bloomberg.

An Superlativen wird es nicht

mangeln. Das Management und der

saudische Kronprinz Mohammed

bin Salman wollen nichts Geringeres

als den mit Abstand größten Gang an

den Aktienmarkt aller Zeiten hinlegen.

40 Milliarden Dollar soll die Aktion

in die Staatskasse des Königreichs

spülen, dem Saudi Aramco

bisher komplett gehört. Um diese

Summe einzuspielen, ist geplant,

denInvestorenabernur2Prozentder

Anteile anzudienen. Das bedeutet

zugleich, dass das Unternehmen insgesamt

2000 Milliarden Dollar wert

wäre –das ist in etwa so viel wie die

Risse an

Flugzeugen

von Boeing

Betroffen ist der

Vorgänger der 737 Max

Von Hannes Breustedt

Die US-Fluggesellschaft Southwest

Airlines hat wegen Rissen

an wichtigen Bauteilen zwei Jets vom

TypBoeing 737 NG aus dem Verkehr

gezogen. Die Probleme seien bei

einer von der US-Luftfahrtaufsicht

FAA angeordneten Inspektion entdeckt

worden, teilte die Airline mit.

Der weit überwiegende Teil der

untersuchten Flotte sei jedoch in

Ordnung. Die beiden Maschinen

würdenerstwiederbenutzt,wenndie

Probleme vollständig behoben seien.

„Sicherheit und Qualität sind unsere

oberste Priorität“, betonte das Unternehmen.

DieFAA hatte einige Betreiber von

Boeings 737 NG am vergangenen

Mittwoch angewiesen, die Maschinen

innerhalb von sieben Tagen auf

Risse zu überprüfen. Der Hersteller

habe das Problem selbst entdeckt

und die Behörde darüber informiert.

Das Risiko von Rissen besteht bei

wichtigen Bauteile zur Befestigung

der Tragflächen am Flugzeugrumpf.

Boeing bekräftigte in einer Stellungnahme,

seine Kunden aktiv bei

den Untersuchungen der 737 NG zu

unterstützen. Allen betroffenen Betreibern

seien detaillierteAnweisungen

gegeben worden,auchbei erforderlichen

Reparaturen beteilige Boeing

sich.

Die 737 NG ist der Vorgänger des

Unglücksfliegers 737 Max, der Mitte

Märznach zwei Abstürzenmit insgesamt

346 Toten fast weltweit mit

Startverboten belegt wurde.

Southwest Airlines ist nicht die

einzige Fluggesellschaft, die Boeings

737 NG auf Anweisung der FAAauf

Risse prüfen musste.Laut einem Bericht

des Nachrichtendienstes

Bloomberg wurden noch deutlich

mehr Probleme festgestellt. AufBasis

vorläufiger Erkenntnisse seien bei

5Prozent der insgesamt 493 untersuchten

älteren 737-NG-Maschinen

Risse festgestellt worden. (dpa)

Ölschwemme an der Börse

Die 2Billionen Euro schwere Saudi Aramco wagt den Schritt auf das Parkett

Ölarbeiter von Aramco:Inder Förderungkostet ein Fass Öl nur 3Dollar.

FOTO: AMR NABIL/AP

aktuelle Marktkapitalisierung von

Microsoft und Apple zusammen.

Beide Unternehmen stehen derzeit

in der Rangliste der börsennotierten

Gesellschaften an der Weltspitze.

Diese Superlative haben mit der

Bedeutung von Aramco zu tun. Im

Halbjahresbericht wird die Fördermenge

mit zehn Millionen Fass (je

159 Liter) pro Tag angegeben. Das

entspricht etwa 10 Prozent des weltweiten

Ölbedarfs. Die Gewinne sind

gigantisch. Knapp 47 Milliarden Dollar

waren es in den ersten sechs Monaten.

Beinahe astronomische Renditen

werden erzielt, weil es nirgendwo

so einfach wie in der saudischen

Wüste ist, Öl zu fördern. Das kostet

nach Berechnungen von Experten

weniger als 3Dollar proFass.

Allerdings hat das Ölgeschäft

auch seine Tücken. Die47Milliarden

sind 12 Prozent weniger als der Nettoprofit

in der ersten Hälfte von2018.

Das Unternehmen, in dem das Königshaus

um den Kronprinzen das

Sagen hat, ist abhängig vomAuf und

Ab der Notierungen für den zähflüssigen

Stoff. Womöglich wird der GewinnauchinderzweitenJahreshälfte

weiter einbrechen. Derzeit kostet das

Fass der weltweit wichtigsten ReferenzsorteBrentgut58Euro.Imersten

Halbjahr konnte Aramco das Rohöl

laut Zwischenbericht noch im

Schnitt für 66 Dollar verkaufen.

Es gibt noch mehr Unsicherheitsfaktoren:

Schon im Frühjahr hatten

die US-Ratingagenturen Moody’s

und Fitch darauf hingewiesen, dass

der Staatskonzern zahlreichen Bedrohungen

ausgesetzt sei, weil sich

das saudische Königshaus mit seinen

Nachbarn verkracht habe und in

zahlreiche Konflikte verwickelt sei.

Schon damals wurde vor möglichen

Raketenangriffen auf Ölanlagen gewarnt.

Genau deshalb geht ein großer

Teil der Aramco-Gewinne,die an

den Staat überwiesen werden, für

Waffenkäufe drauf.

Aramco sei zwar das beste Öl- und

Gasinvestment auf dem Planeten,

sagte Danilo Onorino, Chef des

Schweizer Fondsmanagers Dogma

Capital, zu Bloomberg. Aber es gebe

auch Probleme mit der Transparenz.

Dahinter steckt die Befürchtung,

dass die Herrscherfamilie mit ihrem

Einfluss auf das Management Entscheidungen

durchsetzen wird, die

nicht unbedingt betriebswirtschaftlichen

Notwendigkeiten entsprechen,

sondern politisch motiviert

sein könnten.

NACHRICHTEN

Tarifeinigung

bei der Postbank

Im Tarifkonflikt bei der Postbank hat

es nach Angaben der Verhandlungspartner

in Königswinter eine Einigung

gegeben. Wieein Mitglied der

Verdi-Verhandlungskommission

sagte,soll es in zwei Schritten mehr

Geld geben: 3,0 Prozent ab November

2019 und weitere1,75Prozent ab

Januar 2021. DieLaufzeit des Tarifvertrages

betrage 29 Monate.Außerdemsei

der Kündigungsschutz bis

2023 verlängertworden. „Es ist ein

ziemlich umfassendes Paket“, sagte

der Verdi-Vertreter.Inden vergangenen

Wochen und Monaten hatte es

Warnstreiks in dem Tarifkonflikt bei

der Postbank gegeben. (dpa)

Deutschland

exportiert weniger

ER IST DER BESTE

FREUND IM KAMPF

GEGEN KREBS.

Der beste Freund weiß immer, was zu tun ist:

Einfach alles, was geht! Mit genau dieser Haltung

forschen wir nach neuen Lösungen gegen Krebs.

Krebsbekämpfung ist Teamwork: Das Immunsystem von Patienten,

ihre Familien, Freunde, Ärzte und die Forschung sind gemeinsam eine

kraftvolle Waffe imKampf gegen Krebs. Als forschendes Pharmaunternehmen

ist Bristol-Myers Squibb Pionier in der Immunonkologie.

Mit präzisen Therapien für eine lebenswerte Zukunft von Patienten

zu kämpfen, ist unsere größte Aufgabe.

KREBS.DE

Belastet voninternationalen Handelskonflikten

sind die deutschen Exporte

im August gesunken.Insgesamt

gingen WarenimWertvon 101,2Milliarden

Euro ins Ausland, teilte das

Statistische Bundesamt mit.Das waren3,9

Prozent weniger als ein Jahr

zuvor und 1,8 Prozent weniger als im

Vormonat. DieEinfuhrenverringerten

sich innerhalb eines Jahres um

3,1 Prozent auf 85,0 Milliarden Euro.

DerAußenhandelsverband BGA hatte

jüngst seine Prognose für dieses

Jahr nach unten korrigiert. Maximal

sei noch mit einem Miniwachstum

von0,5 Prozent zu rechnen. (dpa)

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8 Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Meinung

Halle

ZITAT

Der Mythos

vom Einzeltäter

Harry Nutt

glaubt:RechtsradikaleGesinnunghat

längst eineAdresse im Bundestag.

Die Bekundungen des Entsetzens über

den antisemitischen Terroranschlag

von Halle kamen schnell, und sie waren

vielfältig. Aber so rituell sie erscheinen

mögen: Es geht nicht ohne eine Vergewisserung

der Gesellschaft über sich selbst.

Dabei bringen die Äußerungen der Anteilnahme

mit den Angehörigen der Opfer

in solchen Fällen stets auch zum Ausdruck,

dass es sich um einen Angriff von

außen handelt. Es sind, meint man, wenige

andere, die sich solch einen Hinterhalt

auszudenken vermögen und noch

weniger,die skrupellos genug sind, ihn in

die Tatumzusetzen. DasAußen erscheint

in diesen Momenten monströs, und an

dem im Internet verfügbaren Video über

die Taterschreckt die Mischung aus Kaltblütigkeit,

Dummheit und blindwütigem

Hass.Terror ist nicht die Normalität, auch

wenn er aus ihr hervorgeht und nicht selten

sehr banale Züge trägt.

Nichts allerdings ist irreführender, als

angesichts des Terroranschlags von Halle

von einem Einzeltäter zu sprechen. Auch

wenn der 27-jährige aus Sachsen-Anhalt

stammende Stephan B. wie ein versprengter

Desperado agiert haben mag,

deutet alles darauf hin, dass es sich bei

ihm um einen Gesinnungstäter handelt.

UndwoesGesinnung gibt, da ist auch

eine Gemeinschaft, auf die sie sich bezieht.

Die Experten haben wenige Stunden

nach der TatParallelen zum Terroranschlag

auf eine Moschee im neuseeländischen

Christchurch gezogen, und es

spricht vieles dafür, dass die Mordlust

nicht zuletzt auch auf einer Radikalisierung

im Internet beruht, der man noch

immer hilflos gegenübersteht, weil es

kaum möglich scheint, die verheerende

Propaganda der Tatzuunterbinden. Das

Internet wird dann immer als große Vereinzelungsmaschine

angesehen, die sich

von den gesellschaftlichen Entwicklungen

abgekoppelt zu haben scheint. Polizei

Der Anschlag ist eine

Gesinnungstat. Und

wo es Gesinnung gibt,

da ist auch eine

Gemeinschaft, auf die

sie sich bezieht.

und Staatsanwaltschaft sind angesichts

der virtuellen Verbreitungswege machtlos,das

staatliche Gewaltmonopol ist immer

öfter dazu verdammt, vorder Unverfügbarkeit

des Internets zu kapitulieren.

Das ist keine neue Erkenntnis, aber nach

dem Anschlag von Halle ist es umso

dringlicher, nach politischen Lösungen

zu suchen, die Rechtsfreiheit des digitalen

Raumes nicht einfach nur hinzunehmen.

Die Diskussion über die Gewalt aus

dem Internet darfaber nicht darüber hinwegtäuschen,

dass es inzwischen fatale

Entsprechungen im politischen Raum

gibt. Rechtsradikale Gesinnung oder zumindest

die mangelnde Abgrenzung davonhat

längst eine Adresse im Deutschen

Bundestag. DerTerror des mutmaßlichen

Gesinnungstäters von Halle ist auch das

Ergebnis einer ungenierten Etablierung

rechtsradikalen Gedankenguts in der politischen

Debatte.Die Schamlosigkeit, mit

der gewählte Politiker mit der Wiederbelebung

eines nationalsozialistischen Jargons

kokettieren, hat ihr furchtbares Echo

in der Selbstermächtigung des Täters von

Halle gefunden.

Es gehört zur traurigen Wahrheit nach

Terroranschlägen, dass den Motiven der

Täter mehr Aufmerksamkeit geschenkt

wird als dem Leid der Opfer. Obwohl der

Angreifer außerhalb der Synagoge von

Halle mordete,galt sein Anschlag doch einem

religiösen Symbol. Vor allem aber

war es eine Attacke auf die Gewissheit, die

Verbrechen der NS-Zeit überwunden zu

haben. Es geht schon lange nicht mehr

um den Schutz von Minderheiten, sondern

um das Selbstverständnis unserer

Demokratie.

Das Brüllen des Tigers

Ineiner seiner besten Detektivgeschichten

beschreibt der amerikanische Spätromantiker

Edgar Allan Poe die Aufdeckung eines

mysteriösen Pariser Doppelmords, dem eine

Wahrsagerin und ihreTochter zum Opfer gefallen

sind. Zahlreiche Zeugen berichten von

einem Streit, der in der Wohnung der Frauen

stattgefunden habe. Einig sind sie sich, dass

dabei neben Französisch auch noch eine ihnen

unverständliche Sprache erklang. Am

Ende ist klar,dass das Verbrechen voneinem

Orang-Utan verübt wurde,der seinem Eigentümer

entlaufen war. Die vermeintliche

Fremdsprache enthüllt sich als das Schimpfen

eines Affen. Die Zeugen haben sich getäuscht.

Poes Erzählung„Der Mord in der RueMorgue“

liefert ein Lehrstück über die Unzuverlässigkeit

der menschlichen Wahrnehmung.

Nach kognitionspsychologischen Studien geben

in der Regel nur 20 Prozentder Augenzeugen

den Ablauf eines Unfalls oder eines Verbrechens

halbwegs richtig wieder. Der Rest

täuscht sich bei der Erinnerung an Ereignisse

und Personen unwissentlich. Gerade die

Plötzlichkeit eines Geschehens sorgt für

Wahrnehmungslücken, die im späteren Bericht

durch frei erfundene Mutmaßungen geschlossen

werden. Für Polizei und Gerichte

bedeutet das eine erhebliche Hypothek. Allein

auf der Basis von Zeugenaussagen können

Straftaten objektiv nicht rekonstruiert,

Urteile nicht irrtumssicher gefällt werden.

Daraus darfman schlussfolgern, dass nur

das verlässlich ist, was durch Datenabgleich

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wiebleibt Wohnen bezahlbar?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Vision mit

Tradition

Margit Piatyszek-Lössl,

Vorstand Märkische ScholleWohnungsunternehmen eG, erklärt

die Vorteile des genossenschaftlichen Wohnens.

KOLUMNE

Gefühlte Fakten

und der

subjektive Faktor

Peter-André Alt

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

begründet werden kann. DiereineWahrnehmung

täuscht ebenso oft wie unsere Intuition.

Gleichzeitig aber offenbart die psychologische

Forschung eine andereFacette.Der

langjährige Max-Planck-Direktor Gerd Gigerenzer

hat in einer Studie nachgewiesen,

dass „Bauchentscheidungen“ oft profunder

sind als Vernunftentschlüsse,die auf eigener

rationaler Einschätzung beruhen. Gigerenzerspricht

von„unbewussten Erfahrungen“,

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

Bezahlbares, sicheres und gutes

Wohnen – das ist der Grundgedanke

der Baugenossenschaftsbewegung,

die Ende des 19. Jahrhunderts

in Berlin entstand. Damals wie heute

hatte Berlin eine hohe Anziehungskraft. Die

Stadt entwickelte sich zum Handels- und Industriezentrum.

Bau und Vermietung von

Wohnraum war privaten Investoren und

spekulativer Rendite überlassen. Im Jahr

1920 wuchs die Einwohnerzahl auf fast 4Millionen;

nach NewYorkund London war Berlin

die drittgrößte Metropole der Welt und

die am dichtesten besiedelte „Mietskasernenstadt“.

Als Gegenmodell und Alternative entstanden

in dieser Zeit viele Genossenschaften

aus unterschiedlichsten Gesellschaftsgruppen

–von Arbeitern über Handwerker

bis zu Beamten. Und beim Wohnen ging es

erstmals nicht nur um Rendite, sondern um

helle, freundliche Wohnungen mit einem

Fleckchen Grün, um demokratische Teilhabe,Dauerwohnrecht,

innovativeArchitektur

sowie Sozial- und Kultureinrichtungen.

Durch das genossenschaftliche Identitätsprinzip,das

erstmals die bis dahin getrennten

Marktpositionen von Kunde und Eigentümer

vereinte, gelang die Synthese von Vermieter

und Mieter. Bis heute bedeutet dies einen

„Dritten Weg“ zwischen dem Wohnen zur

Miete und dem im Eigentum, zugleich als

Nutzer sowie als Miteigentümer am Unternehmen.

Dieser Blick in die Geschichte ist unverzichtbar,

umauch heute für bezahlbares

Wohnen in Berlin zu sorgen. Als Genossenschaften

müssen wir keine neuen Visionen

zum Thema Wohnen entwickeln. Die Unternehmensform

Genossenschaft ist die Vision.

Eine Vision, die seit über 130 Jahren nicht nur

in dieser Stadt funktioniert. Es gibt in Berlin

rund 200 000 Genossenschaftswohnungen,

bundesweit sind es mehr als zwei Millionen.

Die meisten Genossenschaften haben

zwei Weltkriege, Weltwirtschaftskrisen, unterschiedliche

politische Systeme und die Finanzkrise

überstanden. Unser Modell ist krisensicher

und zukunftstauglich. Auch wenn

die heutige Generation andere Bedürfnisse

hat: Die heutige Bewohnerschaft ist heterogener,multikultureller

und mobiler.Und die

klassische Kleinfamilie nicht mehr das Mehrheitsmodell.

Und trotzdem funktioniert unsere Unternehmensformnach

wie vor, weil wir sachorientiertsind:

gute,bezahlbareWohnungen für

unsere Mitglieder, nicht größtmöglicher Gewinn.

Wir investieren erwirtschaftete Überschüsse

in unsereHäuser und bauen Eigenkapital

für Neubauten auf. UnsereGrundstücke

und Häuser sind langfristig der Spekulation

entzogen; deshalb können unsere Mieten im

Vergleich zum Marktgünstiger sein. In Berlin

heißt das durchschnittlich 5,60 Euro/Quadratmeter

nettokalt. Damit haben wir die

niedrigsten Mieten undbieten gleichzeitig die

meisten Leistungen beim Service und im sozialen

Bereich und darüber hinaus die Sicherheit

eines lebenslangenWohnrechts.

Blickenwir noch in die Schweiz. Dortsind

Genossenschaften aus Tradition gut positioniert

und sind sich politischer und gesellschaftlicher

Anerkennung sicher.Daverwundert

es nicht, dass es derzeit vorallem die Baugenossenschaften

sind, die sich dort mit zukunftsweisenden

Konzepten und ganz neuen

Wohnmodellen hervortun. Und das hat auch

mitihrem demokratischen Ansatz zu tun: Mitglieder

können mitreden, Anregungen und

Trends der Bewohner können in die Projekte

einfließen. Ohne Mitgliederbefragung entsteht

kein Neubau –auchbei unsnicht.

WerWohnungsbaugenossenschaften unterstützt

und fördert, unterstützt und fördert

damit gutes, bezahlbares und sicheres Wohnen

–jetzt und in der Zukunft. WerGenossenschaften,

wie hier in Berlin geplant, mit einem

Mietendeckel schädigt, indem er ausgerechnet

unsereniedrigen Mieten genauso deckeln

will wie überzogene Mieten, gefährdet ein krisensicheres

Modell und vorallem auch sicherengenossenschaftlichen

Neubau.

die unsere Intuition leiten. Gerade in Situationen,

die von großer Unsicherheit geprägt

sind, hilft die Logik nicht weiter. Hier muss

das Unbewusste den Ausschlag geben, weil

wir mit den Methoden der Vernunft keine

klare Begründung für unsere Entscheidungen

finden.

In vielen Lebensbereichen trägt man der

Macht des Unbewussten bereits Rechnung.

DerWetterbericht auf unserem Handy verrät

nicht nur die objektive, sondernauch die„gefühlte“

Temperatur, die durch Faktoren wie

Licht oder Wind massiv beeinflusst werden

kann. Eine Fußballreportage spricht von„gefühlt

100 000 Zuschauern“, weil die anwesenden

50 000 die Heimmannschaft mit mächtigem

Lärm unterstützen. Der Wissenschaftsjournalist

Sebastian Hermannveröffentlichte

voreinigen Monaten ein Buch über „gefühlte

Wahrheiten“, das wiederum die Bedeutung

subjektiver Ängste und Wünsche bei der Auseinandersetzung

mit politischen Urteilen und

wissenschaftlichen Befunden untersucht.

So produktiv die Intuition bei Risikoentscheidungen

sein mag, so problematisch

bleibt die alleinige Berufung auf die Macht

des Subjektiven. Gerd Gigerenzer verweist

nachdrücklich darauf, dass das intuitive Urteil

als Ergänzung zur Logik zu betrachten ist.

Wo es Tatsachen gibt, klare Diagnosen möglich

sind und die Statistik eindeutig ist, muss

der subjektive Faktor zurücktreten. „Gefühlte

Fakten“ bilden einen Widerspruch in

sich. DieIntuition wird zur Gefahr, wenn sie

objektiv Gegebenesleugnet.

„Großartig! Er wäre auf

jeden Fall schon vor mir

dran gewesen.“

Elfriede Jelinek,

österreichische Literatur-Nobelpreisträgerin,

über die Entscheidung, den diesjährigen Preis an

Peter Handke zuvergeben

AUSLESE

Schatten der

Vergangenheit in Halle

Der antisemitische,rechtsextreme Anschlag

in Halle hat auch im Ausland

für Entsetzen gesorgt. Überraschend kam

er aus Sicht der internationalen Presse

aber nicht: „Der Antisemitismus hat in

Europa in den vergangenen Jahren auf erschreckende

Weise zugenommen“,

schreibt El Mundo aus Spanien.„Offenbar

sollte (...) ein Massaker in einer Synagoge

angerichtet werden. DieZunahme der Judenfeindlichkeit

und des Extremismus

unterschiedlicher Ausrichtung sind eine

teuflische Kombination, die erhöhte

Wachsamkeit der gesamten Öffentlichkeit

erfordert.“

„Haben die Behörden wirklich alles getan,

um eine solche Tatzuverhindern?“,

fragt die italienische Zeitung Corriere

della Sera. „Deutschland hat den Judenhass

niemals unterschätzt und hält sein

Gedächtnis wach. Aber die Schatten der

Vergangenheit sind dadurch nicht vertrieben

worden, und nun haben sie erneut

Gestalt angenommen –und zwar in bewaffneter

Form.“

Die in Israel erscheinende Haaretz

geht noch einen Schritt weiter und nennt

den Terrorakt „die aktualisierte Version

der nationalsozialistischen Rassentheorie,

wie sie von Adolf Hitler in ‚Mein

Kampf‘ beschrieben wurde“. DerTat liege

„eine rassistische Ideologie überwiegend

weißer Menschen zugrunde, die diese

Werteals Bedrohung ihrer eigenen‚Rasse‘

ansehen“.„Der Terroranschlag (...) hat gezeigt:

Juden können überall zum Angriffsziel

weißer Rassisten werden. DieSchüsse

(...) waren aber nicht nur eine antisemitische

Attacke. Sie richteten sich allgemein

gegen Migration und gegen Wertewie Offenheit

und Toleranz.“ Tanja Brandes

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Aufgeputzt: Der

Kudamm soll noch

schöner werden

Seite 15

Ärgerlich: Nach Pannen fordert der Senat 20 Millionen Euro von der S-Bahn Seite 12

Skandalös: Nikolaus Bernau empört sich im Neuen Museum Seite 16

Stadtbild

Wachteln oder

Currywurst?

Lutz Schnedelbach

traut den Bodenvögeln nicht

so richtig.

Ein guter Bekannter war kürzlich

in einem Lokal der etwas höheren

Gastronomie eingeladen. Es war

gemütlich, nicht so voll und derWein

war erlesen, erzählte er, als wir uns

bei Konopke auf eine Currywurst trafen.

Er schwärmte von seinem Besuch

und bedauerte immer wieder,

dass er nicht so viel Gehalt bekomme,ummit

solchen Speisen seinen

Gaumen regelmäßig zu entzücken.

Er redete vonWeißen Trüffeln,

Filets vomHasen und in Rotwein geschmorten

Ochsenbäckchen.

Er entschied sich schweren Herzens

für Wachteln, die der Koch in

Brandy und Sherrygeschmorthatte.

Umso mehr er davon redete, desto

feuchter wurden unsere neidischen

Zungen. Es war schwer für ihn, sich

auf die Currywurst am Imbiss zu

konzentrieren. Obwohl sie ebenfalls

ein kulinarischer Höhepunkt der

Stadt ist.

Er gab also Wachteln. Haben Sie

schon einmal Wachteln zu sich genommen?

Ich nicht. Nicht, weil sie

so klein sind. Ich trau dem Getier

nicht. Irgendwann hatte ich gelesen,

dass die Bodenvögel Pflanzen fressen,

die giftig für uns Menschen sein

können, den Wachteln aber nicht

schaden. Von Muskelschmerz und

Verdauungsstörungen war die Rede.

Das hatte mich immer vom Verzehr

der Vögel abgehalten. Egal, diesmal

sollten esWachteln sein. Doch in den

vergangenen Tagen änderte sich unser

Kochvorhaben. Der Grund: Der

Tierschutz siegte über unsere Fresslust.

Wir hatten aus der Tiersammelstelle

erfahren, dass in Rudow ein

Karton entdeckt wurde.Darin befanden

sich mehrerelebende Wachteln.

Einfach so ausgesetzt. Auch ein Bild

hatten die Tierschützer von einem

dieser Vögel veröffentlicht. Obwohl

wir nicht zu den fanatischen Tierschützern

gehören, tat uns das Federvieh

leid. Also entschieden wir

uns für ein Maishuhn, das auf französischen

Boden herangewachsen

war.Eswar nicht besonders gut. Das

lag aber mehr an unserer Zubereitung,

als am Huhn selbst. Das hätte

uns aber auch mit Wachteln passieren

können. An jenem Abend sprachen

wir noch einmal über das gefundene

Geflügel in Rudow. Wer

weiß, was aus den Wachteln geworden

ist. Vielleicht haben die Tiere

eine Bleibe in einem Brandenburger

Freigehege gefunden oder wohnen

jetzt auf einem Marzahner Balkon?

Gibt es eigentlich auch Currywurst

aus Wachtelfleisch?

Eine Wachtel. Sie lebt bis zu fünf Jahren.

Ihr Fleisch gilt als Delikatesse. IMAGO

Neue Synagoge: Ihre Einrichtungen schützt die Jüdische Gemeinde selbst. Allerdings in enger Kooperation mit der Polizei.

VonPhilippe Debionne

Nach dem Nazi-Attentat vonHalle

wirderneut die Frage diskutiert:

Wie sicher sind Juden und Israelis in

Deutschland und Berlin? Wiewerden

jüdische Einrichtungen geschützt,

wie schützen sich die Menschen selber?

Bereits kurz nach dem Attentat

erhöhte die Berliner Polizei ihre Präsenz

vor jüdischen Einrichtungen,

die ohnehin rund um die Uhr eingesetzten

Objektschützer vor Synagogen

und anderen jüdischen Einrichtungen

trugen am Mittwoch Maschinenpistolen.

Wie lange das so bleibt,

ist noch nicht klar.

Sicherheitstraining in Gemeinden

Davon unabhängig sind Orte wie

beispielsweise die Synagoge in der

Oranienburger Straße in Berlin mit

Pollern ausgestattet, die mögliche

Fahrzeug-Attentäter aufhalten soll.

Auch jüdische Schulen oder Friedhöfe

sind teils mit Sicherheitskameras

und Metalldetektoren an den

Eingängen ausgestattet, auch eigenes

Wachpersonal ist keine Seltenheit.

Zudem werden jüdische Einrichtungen

in Berlin von der Polizei

„mit sichtbaren und unsichtbaren

Maßnahmen“ bewacht.

„Leider haben wir uns beinahe

schon daran gewöhnt, dass jede jüdische

Einrichtung von der Polizei

bewacht oder besonders geschützt

werden müssen: Synagoge, Schule,

Kindergarten, Restaurant, Friedhof“,

hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel

in Berlin vergangenes Jahr anlässlich

des 80. Jahrestags der Pogromnacht

gesagt. Doch diese

Schutzmaßnahmen sind nicht mehr

ausreichend, darüber herrscht Einigkeit

in der Berliner Politik. Auch

der Brandenburger Landesrabbiner

Nachum Presman hält einen größeren

Schutz jüdischer Einrichtungen

für notwendig.

Die Berliner CDU teilte am Donnerstag

mit, man müsse „den Polizeischutz

vor Synagogen und anderenjüdischen

Einrichtungen auch in

Berlin verstärken, den Verfassungsschutz

besser aufstellen und den

Nie wieder

Wiesich Berliner Juden und Israelis gegen antisemitische Attentate schützen

Wilhelmstr.

Nordbahnhof

Neue Synagoge Berlin –

Centrum Judaicum

Oranienburger Str.

Lauder Beth-Zion Schule /Synagoge

Friedrichstr.

Unter d. Linden

Leipziger Str.

Kochstr.

Torstr.

Lindenstr.

Jüdisches Museum Berlin

Hallesches Tor

Hackescher

Markt

Prinzenstr.

Kampf gegen den Antisemitismus

entschiedener umsetzen“. Das Attentat

vonHalle sei„ein Anschlag auf

uns alle“ und auf„unserer gemeinsames

Zusammenleben“ gewesen.

Marcel Luthe von der FDP sagte

der Berliner Zeitung, auch er erwarte,

dass „der Schutz jüdischer

Einrichtungen in Berlin deutlich verstärkt

wird“. Es sei „unsere besonderePflicht,

jüdische Kultur in Berlin

zu schützen“. Lorenz Korgel, Ansprechperson

für Antisemitismus

des Landes, sagte zudem, er sei für

die spontane Solidaritätskundgebung

vorder Neuen Synagoge Berlin

an der Oranienburger Straße am

Mittwoch dankbar. Jetzt gehe es, so

Korgel, „um den Schutz jüdischer

Einrichtungen und eine konsequente

Strafverfolgung durch Polizei

und Staatsanwaltschaft“.

Offene Worte kamen am Donnerstag

von der integrationspolitischen

Sprecherin der CDU-Fraktion

Berlin, Cornelia Seibeld: „Wir müssen

uns in Deutschland eingestehen,

dass weder unsereSicherheitsbehörden

noch unsere Präventionsarbeit

im Bereich des Antisemitismus ausreichend

gewappnet sind.“

„Wir können und dürfen jetzt

nicht so schnell zurück zur politischen

Tagesordnung übergehen. Ich

erwarte, dass das Sicherheitskonzept

für jüdische Einrichtungen der

Alexanderplatz

Greifswalder Str.

Jüdisches Gymnasium Moses Mendelssohn

Weinmeisterstr.

Spittelmarkt

Moritzplatz

Jüdische Gemeinde zu Berlin

Mariannenplatz

Senefelderplatz

Jannowitzbrücke

Kottbusser Tor

Eine Auswahl jüdischer Einrichtungen im Berliner Stadtgebiet.

Andreasstr.

Ostbahnhof

Mühlenstr.

BLZ/GALANTY

Bedrohungslage angepasst wird.“

Tatsächlich verlassen sich die jüdischen

Gemeinden in Berlin und

Deutschland nicht auf Behördenschutz.

„Wenn es um Anschläge oder

‚Vorfälle‘ geht, haben sicherlich einige

Gemeinden etwas zu erzählen,

von der Schändung eines jüdischen

Friedhofs, der Beschädigung einer

Synagoge bis hin zum Brandanschlag

in der Jüdischen Gemeinde

Da

DPA

Wuppertal im Sommer 2014“, heißt

es bei der Zentralwohlfahrtsstelle

der Juden in Deutschland e.V. Der

bundesweit tätige Verein veranstaltete

in der Vergangenheit Seminare

zum Thema „Security in Jüdischen

Gemeinden“.

Ein Schwerpunkt dabei sind Simulationen,

bei denen Szenarien

„geprobt“ werden, in denen „die

spezifischen Sicherheitserfordernisse

verdeutlicht wurden, wie zu

Schabbat oder anlässlich jüdischer

Feiertage,wenn viele Besucher in die

einzelnen Gemeinden kommen“, so

der Verein.

Notwehr und Selbstverteidigung

Und weiter: „Praktisch geübt wurde

außerdem ein effektiver Gebäudecheck,

Personen- und Taschenkontrolle

und der Umgang mit aggressiven

Personen (‚Störern‘)“. Zudem

werde„juristisches Grundwissen aus

der Strafprozessordnung vermittelt:

Wie definiere ich Notwehr, abwann

ist eine vorläufige Festnahme zulässig.

Auch die Grundlagen der Selbstverteidigung

und Eigensicherheit

gehörten zum Programm“. Weiterhin

wiesen die Leiter des Seminars,

an dem auch ein LKA-Beamter teilnahm,

darauf hin, „wie wichtig ein

guter Kontakt und die enge Zusammenarbeit

der jüdischen Gemeinden

mit der Polizei vorOrt ist“.

Auch die Jüdische Gemeinde zu

Berlin wird nach eigener Aussage

„zu den stark gefährdeten Einrichtungen

der Stadt gezählt“. Sowohl

die Gemeinde als auch der Berliner

Senat seien „durch Terrordrohungen

und rechtsradikale Gefahren

gezwungen, Vorkehrungen zu treffen“.

Zuständig für die „Organisation

des Objektschutzes“ ihrer Einrichtung

ist die Jüdische Gemeinde

nach eigenen Angaben selbst, wenn

auch „in enger Kooperation mit der

Polizei“.

Philippe Debionne

hofft, dass den Forderungennun

auch Taten folgen.

NACHRICHTEN

Neuer Fahrplan bringt

mehr ICE-Verbindungen

Mitzusätzlichen Fahrten will die

Deutsche Bahn den Fernverkehr

auch vonBerlin aus verdichten.

Zwischen der Hauptstadt und München

sowie zwischen Berlin und

Frankfurtsolle damit „für einen lückenlosen

Stundentakt“ gesorgt

werden, teilte der KonzernamDonnerstag

mit. Dies sieht der neue

Fahrplan für 2020 vor, der ab Mitte

Dezember gelten soll. Damit

wachse das Angebot zwischen Berlin

und München um zehn Prozent.

Denneuen Fahrplan können Kunden

ab dem 15. Oktober einsehen

und auch Fahrten buchen. (dpa)

Christdemokraten

kritisieren Mietendeckel

Ausder Berliner CDU-Fraktion gibt

es deutliche Kritik an den Plänen der

rot-rot-grünen Regierungskoalition

zum Mietendeckel. DieAuseinandersetzungen

unter den Regierungsfraktionen

hätten zu einer tiefenVerunsicherung

vonMieternund Vermieterngeführt,

teilte Christian

Gräff, in der Fraktion Sprecher für

Bauen und Wohnen, am Donnerstag

mit. „Wer mit seinen Ankündigungen

falsche Erwartungen weckt, zerstörtVertrauen

und schürtPolitikverdrossenheit.

Rot-Rot-Grün ist auf

dem falschen Weg, Deckel und Enteignungen

taugen nicht gegen den

Wohnungsmangel.“ Skeptisch sieht

Gräff auch die Überlegung, die umstrittene

Absenkung vonBestandsmieten

oberhalb einer bestimmten

Grenzezeitlich verzögertinKraft treten

zu lassen: „Die Trickserei, erst

Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes

Mietsenkungen einzuräumen,

ist ein letzter verzweifelter Rettungsversuch.

Auch sie ist klar verfassungswidrig.

Deshalb kann man

das nur ablehnen“, sagte Gräff laut

Mitteilung. (dpa)

Ausgefallene Senatssitzung:

CDU will Aufklärung

DieCDU hat Aufklärung über die

Hintergründe der ausgefallenen Senatssitzung

am vergangenen Dienstag

gefordert. CDU-Generalsekretär

Stefan Evers stellte im Namen der

Fraktion eine parlamentarische Anfrage,inder

er unter anderem wissen

will, worüber laut Tagesordnung gesprochen

werden sollte und welche

Folgen es habe,dass die Sitzung

nicht stattgefunden hat. Am Dienstag

waren nur fünf Senatorinnen

und Senatoren anwesend, somit bestand

keine Beschlussfähigkeit.

Sechswären dafür erforderlich gewesen.

Wirtschaftssenatorin Ramona

Pop(Grüne) hatte kurzfristig

abgesagt und sich dafür anschließend

schriftlich bei den Senatskollegen

entschuldigt. (dpa)

Sie kam nicht rechtzeitig zurück: Ramona

Pop(Grüne).

DPA


10 * Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Berlin

Vier bemalte Segmente der

Berliner Mauer, ein alter

Wachturm und das letzte

Kontrollhäuschen vom

Checkpoint Charlie –auf der Freifläche

des Alliiertenmuseums an der

Zehlendorfer Clayallee erinnern

mehrere Ausstellungsstücke an die

Teilung Berlins. Jürgen Lillteicher,

51, Direktor des Alliiertenmuseums,

steht vor den Mauerteilen. „Junge

Besucher wissen immer weniger

über die Teilung“, sagt er. Umso

wichtiger sei es, die Erinnerung

daran wachzuhalten. Dasmacht das

Alliiertenmuseum, das sich im ehemaligen

US-amerikanischen Kino

Outpost befindet.

Das Kino ist selbst Teil der Nachkriegsgeschichte.

Es entstand

1952/53 im Zuge des Neubaus der

Wohnsiedlung für US-Soldaten und

ihre Familien am Hüttenweg –und

war Teil eines Stadtviertels, zudem

eine Kirche und ein Einkaufszentrum

gehörten. DerName Outpost –

auf Deutsch: Vorposten –entsprach

dabei ganz dem damaligen Verständnis

der Amerikaner von Berlin

als Vorposten der Freiheit.

Die Idee für das Alliiertenmuseum

entstand nach der Wiedervereinigung

im Deutschen Historischen

Museum. 1994, im Jahr,als die West-

Alliierten aus Berlin abzogen, wurde

im Outpost zunächst die Ausstellung

„Mehr als ein Koffer bleibt. DieWestmächte

und Berlin 1944–1994“ eröffnet.

1998, zum 50. Jahrestag der Luftbrücke,

wurde das Museum schließlich

feierlich eingeweiht.„Es geht um

die Würdigung der Verdienste der

West-Alliierten für Berlin und

Deutschland als Ganzes“, beschreibt

Jürgen Lillteicher die Aufgabe seines

Hauses.

Schutzmächte für West-Berlin

Hintergrund: Die West-Alliierten

waren bis zur Wiedervereinigung so

etwas wie die Lebensversicherung

der West-Berliner. Aufgrund des

Viermächtestatus Gesamt-Berlins,

nach dem die Stadt in vier Besatzungszonen

aufgeteilt worden war,

garantierten Amerikaner, Briten

und Franzosen durch ihre Anwesenheit

den freien Zugang in ihre

Besatzungszonen –und damit die

Sicherheit der West-Berliner. Der

Ostteil avancierte unterdessen unter

sowjetischer Besatzung zur

Hauptstadt der DDR. An die Leistungen

der Sowjets,vierter Alliierter

im Kampf gegen Nazi-Deutschland,

später Kontrahent der Westmächte

im Kalten Krieg, wird imDeutsch-

Russischen Museum in Karlshorst

erinnert.

Auffälligstes Ausstellungsstück

des Alliiertenmuseums ist ein Rosinenbomber,

eine britische Hastings

TG 503. Sie gehörte zu den Fliegern,

die die Menschen im Westteil der

Stadt während der sowjetischen Blockade

1948/49 über die Luftbrücke

mit Lebensmitteln und Brennstoff

versorgten. Der Rosinenbomber

steht unweit der Mauerteile auf dem

Freigelände.Über eine Außentreppe

gelangen die Besucher zu einer großen

geöffneten Ladeluke.Innen drin

stehen Sitzbänke aus Holz. Ölgeruch

liegt in der Luft. „Hier riecht man

noch die Geschichte“, sagt Lillteicher.

Auf dem Boden des Flugzeugs

liegt ein Sack, gefüllt mit Kohlen. Er

dient dazu, die Leistung während

der Luftbrücke zu begreifen. „Wir sagen

den Kindern, dass sie den Sack

mal in die Hand nehmen sollen, um

zu sehen wie schwer er ist“, sagt Lillteicher.

Kohlen gehörten als Brennstoff

zu den wichtigsten Gütern, die

bei der Luftbrücke nach West-Berlin

transportiert wurden. Leider steht

der Rosinenbomber ungeschützt auf

dem Freigelände. Die Witterung

Vier Mauerteile

und ein Wachturm

Das Alliiertenmuseum in Zehlendorf erinnert mit Großobjekten

an die Teilung Deutschlands. 21 Jahre nach seiner Einweihung

verfolgt das Ausstellungshaus neue Pläne an einem anderen Platz

Das Alliiertenmuseum befindet sich an der

Clayallee 135 in 14195 Berlin. Es ist täglich

außer montags von10bis 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei. U-Bahn: U3 bis Oskar-Helene-Heim.

Vondort8Minuten Fußweg.Bus:

Linie 115 oder X83 bis Alliiertenmuseum.

VonUlrich Paul

DAS MUSEUM UND SEIN CHEF

Jürgen Lillteicher,51Jahre, ein promovierter

Historiker,ist seit 2018 der Chef des Alliiertenmuseums.

Zuvor hat Lillteicher von

2007 bis 2018 das Willy-Brandt-Haus in Lübeck

geleitet, einen geschichtlichen Lernort

in der Geburtsstadt Willy Brandts.

setzt

dem

Ausstellungsstück

zu. „Es zerfällt“,

sagt Lillteicher.

DieVersorgung des Westteils Berlins

aus der Luft ließ aus den westlichen

Besatzungsmächten Schutzmächte

werden. DerMauerbau vom

13. August 1961 erschütterte jedoch

für einen Moment das Vertrauen der

West-Berliner zu ihren Schutzmäch-

BERND FRIEDEL

ten. „Der Westen tut nichts!“ titelte

eine große deutsche Zeitung, die in

der Ausstellung des Alliiertenmuseums

zu sehen ist, und drückte damit

das Unverständnis vieler Menschen

über die Untätigkeit der Westmächte

aus. „Die Westmächte wollten

keinen Krieg riskieren“, erklärt

Jürgen Lillteicher die Beweggründe.

Amerikaner, Briten und Franzosen

nahmen den Mauerbau deswegen

hin. Wichtig war ihnen, dass ihre

Rechte,also ihreAnwesenheit in Berlin,

nicht infrage gestellt wurde. So

blieb es bis zum Mauerfall 1989. Den

Weg zur Wiedervereinigung am

3. Oktober 1990 machten dann wieder

alle vier Siegermächte des Zweiten

Weltkriegs frei, die die Rechte für

Deutschland als Ganzes inne hatten.

Jürgen Lillteicher erlebt den

9. November 1989 als junger Student

in FreiburgimBreisgau. „Als ich vom

Mauerfall erfuhr, wollte ich unbedingt

nach Berlin“, berichtet er. Silvester

1989 feierteramBrandenburger

Tor. „Wir haben zusammen mit

Ost-Berlinern Sekt getrunken und

kamen aus dem Freudentaumel

nicht mehr heraus“, erinnertersich.

„Es war für mich schier unvorstellbar,

dass die Grenze einmal fallen

würde“, sagt er.

Umzug nach Tempelhof geplant

Lillteicher sieht die Verdienste der

westlichen Alliierten nicht nur darin,

dass sie in der Nachkriegszeit das

freie Leben der West-Berliner

schützten. „Durch meine Beschäftigung

mit der Wiedergutmachungsgeschichte

in der Bundesrepublik,

insbesondere mit den Auseinandersetzungen

um die Rückerstattung

jüdischen Eigentums, weiß ich, welchen

Beitrag die Alliierten zur Demokratisierung

Deutschland geleistet

haben“, sagt er.„Ohne den Druck

der Alliierten hätte es keine Rückgabe

von jüdischem Eigentum nach

1945 gegeben.“ Ein wesentlicher

Baustein zur Aussöhnung zwischen

Juden und Nicht-Juden in der Bundesrepublik

hätte damit gefehlt.

So gut der Standortdes Alliiertenmuseums

im Kino Outpost für die

Anfangsjahregewählt war,für die Zukunft

schwebt Lillteicher etwas anderes

vor. „Wir wollen zum Flughafen

Tempelhof umziehen“, sagt er. Der

Hangar 7wirddortseit Jahren für das

Museum frei gehalten. Zum einen

könnten dort Ausstellungsstücke wie

der Rosinenbomber vom Wetter geschützt

untergebracht werden, zum

anderen hätte das Museum endlich

genug Platz, um all jene Großobjekte

zu präsentieren, für die am aktuellen

Standort die Fläche nicht ausreicht.

Dazu gehört ein alter Spionagetunnel,

ein Hubschrauber und ein Paradewagen.

DasProblem: Die27Millionen

Euro,die der Bund vorJahren für

die Herrichtung des Hangar 7, eine

neue Ausstellung und den Umzug bewilligt

hat, reichen bei weitem nicht.

Wie teuer es wird, werde gerade geprüft,

sagt Lillteicher. Das letzte Wort

hat der Haushaltsausschuss des Bundestags.

Ermuss die Mittel bewilligen.

Lillteicher hat noch ein nicht unwichtiges

Argument für den Umzug:

„In Tempelhof könnten wir die Zahl

der Besucher von 70000 auf bis zu

350 000 proJahr erhöhen“, sagt er.

Erverlief auf einer Länge von rund 430

Metern und steht für eine der wohl

spektakulärsten Geheimdienstoperationen

der Nachkriegszeit: Der Spionagetunnel,

der vomNeuköllner Ortsteil Rudowbis

nach Altglienicke in Ost-Berlin gegraben

wurde –umTelefongespräche der Sowjets

abzuhören. Ein Teil des Tunnels ist in der

Ausstellung des Alliiertenmuseums an der

Clayallee zu sehen.

Der amerikanische Geheimdienst CIA

und der britische SIS hatten den geheimen

Tunnel von 1953 bis 1955 geplant und gebaut.

Er führte vomamerikanischen Sektor

in den sowjetischen Sektor.„Über die angezapften

Leitungen hörten Amerikaner und

Briten vonMai 1955 bis April1956 mehr als

400 000 Telefonate der Sowjetarmee sowie

einen umfangreichen Fernschreibverkehr

ab“, heißt es auf der Homepage des Alliiertenmuseums

über das Ausstellungsstück.

Nach seiner Entdeckung durch eine

Fernmeldesondereinheit der sowjetischen

Streitkräfte im April 1956 sorgte der Berliner

Spionagetunnel weltweit für Aufsehen.

Im Herbst 1956 wurde der cirka 300 Meter

lange Tunnelabschnitt auf Ost-Berliner Territorium

entfernt. Die verbliebenen Segmente

auf West-Berliner Seite gerieten jedoch

in Vergessenheit. Das änderte sich

erst 1997. Da ließ das Alliiertenmuseum einen

etwa sieben Meter langen Abschnitt

der Tunnelröhre freilegen und abtransportieren,

um ihn zu restaurieren und auszustellen.

„Zum weiteren Verbleib des DDR-

Tunnelabschnitts gab es keine Hinweise –

Ausstellungsstück

Der Spionagetunnel

Blick in den Spionagetunnel, der einst von Rudow

nach Altglienickeführte.

BLZ/BERND FRIEDEL

bis zum Jahr 2012“, schreibt das Museum.

Durch einen Telefonanruf kam das Museum

2012 den Tunnelresten auf die Spur.

Der Anrufer sagte, dass sich die Reste im

Forst von Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern

befinden könnten. Ein Historiker

fuhr daraufhin nach Mecklenburg-Vorpommern

und stellte vor Ort fest, dass es

sich bei dem Fund tatsächlich um Teile des

legendären Tunnels handelt.

Nach Informationen des Museums warenPioniereinheiten

der Nationalen Volksarmee

der DDR 1956 mit der Entfernung

der Tunnelsegmente im sowjetischen Sektor

Berlins beauftragt. Die Pioniere hätten

jedoch deren Nutzen für ihreeigene militärische

Arbeit und eine Reihe der Segmente

zum Bauvon Unterständen und Kommandozentralen

für Übungen verwendet. Nach

derWiedervereinigung seien die Teile in der

Erde verblieben. Zusammen mit der Denkmalschutzbehörde

und den Verantwortlichen

für den Pasewalker Forst ließ das Alliiertenmuseum

die Tunnelsegmente im Dezember

2012 bergen. Sie befinden sich inzwischen

im Museumsdepot.

DerTeil des Tunnels,der an der Clayallee

gezeigt wird, in der Nicholson-Gedenkbibliothek

zu finden, dem zweiten Gebäude des

Alliiertenmuseums neben dem Kino Outpost.

DerName erinnertanMajor Arthur D.

Nicholson, der der US-Militärmission in

Potsdam angehörte und 1985 bei einer Inspektionsfahrt

von einem sowjetischen

Wachposten erschossen wurde,heißt es auf

der Museums-Homepage. (ulp.)


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 11 *

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Berlin

Mehr

Aufklärung

nötig

Weibliche Beschneidung

auch hierzulande häufiger

Die

Frauenrechtsorganisation

Terre des Femmes (TDF) hat

mehr Aufklärung über weibliche

Genitalverstümmelung in

Deutschland angemahnt.

Die Zahl der vermutlich betroffenen

oder bedrohten Mädchen

und Frauen hierzulande steige seit

Jahren kontinuierlich an, sagte

TDF-Referentin Charlotte Weil am

Donnerstag in Berlin. Grund hierfür

sei der verstärkte Zuzug von

Menschen etwa aus Ländern wie

Somalia und Eritrea, in denen

diese schädliche und brutale Praxis

der weiblichen Beschneidung

verbreitet sei.

Zahlen umgelegt

„Aktuell leben mindestens 70 000

betroffene Frauen hier in

Deutschland“, sagte Weil. Man

gehe zudem von knapp 17 700

Minderjährigen hierzulande aus,

die gefährdet sind –das sind fast

doppelt so viele wie vor drei Jahren.

TDF legt für die sogenannte

Dunkelzifferstatistik die Prozentzahl

der Betroffenen im Herkunftsland

auf die Zahl hier lebender

Frauen und Mädchen um.

Fälle voninDeutschland vorgenommener

Genitalverstümmelung

sind den Angaben zufolge

bisher allerdings nicht bekannt

geworden. Man habe aber gehört,

dass es bei Auslandsreisen in die

Heimat oder in andere EU-Länder

wie beispielsweise Frankreich zu

Beschneidungen komme, erklärte

Weil.

Weltweit leben laut dem Kinderhilfswerk

der Vereinten Nationen

Unicef rund 200 Millionen beschnittene

Mädchen und Frauen.

Die Praxis hat unter anderem in

rund 30 Staaten in Afrika Tradition,

aber auch in einigen Ländern

des Nahen Ostens und in Asien.

Bei der Beschneidung werden die

äußeren Geschlechtsorgane dabei

teilweise oder ganz abgeschnitten,

mit oft lebenslangen körperlichen

und psychischen Folgen für die

betroffenen Frauen. (dpa)

POLIZEIREPORT

Die Unfallortist immer noch ein Ortder Trauer.

Tausende für Tempo 30

Fünf Wochen nach demSUV-Unfall in Mitte werden die Pläne für mehr Verkehrssicherheit konkreter

VonElmar Schütze

Fünf Wochen nach dem

fürchterlichen Unfall mit

vier toten Fußgängern ist

die Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße

immer noch ein

Ortder Trauer und der Anteilnahme:

Blumen liegen am Straßenrand,

ebenso Kuscheltiere und Grabkerzen,

an einem Bauzaun hängen Fotos

und persönliche Briefe.Zwar gibt

es am Unfallort eine neue Ampel,

und auch die durch den Aufprall aus

dem Boden gerissenen Poller sind

ersetzt, doch ansonsten hat sich

nicht viel verändert: Die Staatsanwaltschaft

meldet, dass es bei den

Ermittlungen zum Unfallhergang

noch immer nichts Neues gebe.Und

auch der Versuch der Behörden, die

Invalidenstraße sicherer zu machen,

steht noch am Anfang. Unter anderem

erweist sich die Straßenverkehrsordnung

als hohe Hürde.

Schon wenige Tage,nachdem am

6. September ein 43-Jähriger mit einem

Porsche-SUV in eine Gruppe

von Fußgängern, die an der Kreuzung

stand, raste und vier vonihnen

tötete, stellten sich viele Fragen:

Warumhat der Fahrer nicht versucht

zu bremsen? Oder auszuweichen?

Angeblich soll der Fahrer an Epilepsie

leiden, möglicherweise hatte er

sogar einen akuten Anfall. Unklar ist

auch noch, wie der Bordcomputer

des Unfallautos, ein rund zwei Tonnen

schwerer Porsche Macan, programmiertwar.War

zum Beispiel der

elektronische Bremsassistent aufgeschaltet?

Die Staatsanwaltschaft

schweigt zu alldem.

Kommunalpolitiker wie Mittes

Bürgermeister Stephan von Dassel

und Friedrichshain-Kreuzbergs

Stadtrat für Stadtentwicklung Florian

Schmidt (beide Grüne) forderten

SUV-Verbote in der Innenstadt.

50 Parkplätzefallen weg

Realitätsnaher war eine Petition auf

der Plattform change.org. Für eine

„unverzügliche Ausweitung der

Tempo-30-Zone auf die Invalidenstraße

zwischen Brunnenstraße und

Nordbahnhof“ unterschrieben bis

heute rund 14 000 Menschen.

Drei Wochen nach dem Unfall

trafen sich von Dassel, der Regierende

Bürgermeister Michael Müller

(SPD) und Verkehrssenatorin Regine

Günther (Grüne) mit einem Anwohner,der

die Petition eingestellt hatte.

Alle hatten ein Ziel: Die Verkehrssicherheit

an der Invalidenstraße

sollte verbessert werden. Auch darüber,

was im Einzelnen geschehen

Gartenstr.

Ackerstr.

Invalidenstr.

SUV-Unfallstelle

vom 6. September

Ackerstr.

Torstr.

PRENZLAUER

BERG

Brunnenstr.

Rosenthaler Platz

BLZ/GALANTY

solle, wurde man sich einig. Erstens:

Tempo 30, um die Straße insbesonderefür

Kita- und Schulkinder sicherer

zumachen. Zweitens: Radfahrstreifen

rechts und links der Fahrbahn.

Die bisherigen Parkplätze sollen

dafür entfallen, schon weil

dadurch die Gefahr sogenannter

Türöffner-Unfälle auf der durch die

Straßenbahn ohnehin stark belasteten

Straße sinkt. Inzwischen ist bekannt,

dass zwischen Garten- und

Brunnenstraße tatsächlich etwa

50 Kfz-Stellplätzewegfallen sollen.

Das lässt sich vergleichsweise

leicht umsetzen. Um schnell Radfahrstreifen

einrichten zu können,

ELMAR SCHÜTZE

sind auch provisorische Lösungen

wie Baken oder Leitboys möglich. Zu

sehen ist vonalldem noch nichts.

Ohnehin schwieriger ist die Etablierung

von Tempo-30-Zonen. Die

Invalidenstraße ist als Hauptverkehrsstraße

ausgewiesen, und auf

diesen gilt laut Straßenverkehrsordnung

Tempo 50. „Beschränkungen

und Verbote des fließenden Verkehrs“

seien demnach nur zulässig,

wenn „auf Grund der besonderen

örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage

besteht, die das allgemeine

Risiko im Straßenverkehr erheblich

übersteigt“. Klingt eindeutig, ist aber

auslegungsfähig und unbedingt ein

Fall für spitzfindige Juristen.

Im aktuellen Fall könnte der

Sportplatz der Papageno-Grundschule

an der Bergstraße ein Schlüssel

sein. Der Sportplatz liegt an die

Invalidenstraße. Dort gibt es einen

Ausgang, der jedoch stets verschlossen

ist –auch weil die Straße zu gefährlich

ist. Hauptein- und ausgang

der Schule ist an der ruhigen Bergstraße.Das

sollte Beweis genug sein,

so die Argumentation der Behörden.

In jedem Fall soll sich eine eigens

gebildete Projektgruppe in der zweiten

Oktoberhälfte erstmals treffen,

wie es aus der Senatsverkehrsverwaltung

hieß.

Eine

haushohe

Fontäne

Rohrbruch in der

Langhansstraße

VonL.Schnedelbach und E. Richard

Inder Langhansstraße in Weißensee

heißt es gegenwärtig „Bürgersteig

unter“. Dort kam es am Mittwoch

zu einem Wasserrohrbruch auf

einem Gehweg. Der Druck des Wassers

war so stark, dass die Fontäne

bis zum dritten Stockwerk eines angrenzenden

Wohnhauses reichte.

Die Ursache für den Schaden ist

noch nicht bekannt. Möglicherweise

war es eine Materialermüdung. Verletzt

wurde niemand. DieFeuerwehr

musste lediglich eine Straßenlaterne

umlegen.

„Jeder Rohrbruch ist einer zu viel“,

twitterten die Wasserbetriebe. „Wir

haben die Schadenszahl seit 20 Jahrenhalbiert.

Dieser heute in der Weißenseer

Langhansstraße aber ist imposant.

So eine Fontäne ist selten.“

Wasserwerke und Polizei sperrten

die Schadensstelle.Noch in der Nacht

zu Donnerstag begannen die Wasserbetriebe

mit der Reparatur des Schadens.

Der Straßenbahnverkehr sollte

im Laufe des Donnerstags wieder laufen.

„Nach unterspülter Straße sieht

es zum Glück nicht aus, wird aber

noch gecheckt“, teilte Stephan Natz,

Sprecher der Wasserbetriebe, mit.

Wäre die Straße unterspült gewesen,

hätten sich die Reparaturen in die

Länge gezogen, so dieWasserwerker.

Für Hans-Joachim Burl (65) war

der Donnerstag gelaufen. „Ich wollte

zur Arbeit nach Hohenschönhausen

fahren, aber die Bahn fuhr nicht“,

sagte der Verwaltungsangestellte.

Solch eine Fontäne habe er noch

nicht gesehen, betonte der Mann,

der seit 61 Jahren in der Straße

wohnt. Es räche sich heute, dass zu

Zeiten der DDR die Wasserleitungen

Fußgängerin erfasst.

SchwereVerletzungen erlitt eine

Fußgängerin bei einem Verkehrsunfall

am Mittwochnachmittag in

Schöneberg. Gegen 16.45 Uhrwollte

ein 60-jähriger Mitsubishi-Fahrer

vonder Martin-Luther-Straße nach

rechts in die Kleiststraße abbiegen.

Dabei ließ er zunächst mehrereFußgänger

die Fahrbahn passieren. Anschließend

bog der Fahrer ab und erfasste

wenige Meter weiter die 25-

jährige Frau in der Kleiststraße.Sie

erlitt bei dem Aufprall schwereVerletzungen

am Kopf. DerAutofahrer

blieb unverletzt.

Autofahrer überfallen.

In Kreuzbergist in der Nacht zum

Donnerstag ein Autofahrer überfallen

worden. Nach bisherigen Erkenntnissen

soll ein Smartgegen

1.30 Uhrauf der Anhalter Straße den

57-jährigen Autofahrer durch abruptes

Bremsen zum Anhalten genötigt

haben. Anschließend sei der Smart-

Fahrer ausgestiegen und habe sich

an die Fahrertür des 57-Jährigen begeben,

der gleichzeitig sein Fenster

herunterkurbelte.Der Mann habe

den 57-Jährigen angebrüllt und begonnen

ihn zu schütteln und zu ohrfeigen,

teilte die Polizei mit. Anschließend

habe er das Telefon des

Geschädigten aus der Halterung im

Fahrzeuginnenraum genommen, sei

damit zu seinem Smartgegangen

und damit geflüchtet. Derangegriffene

Autofahrer blieb unverletzt. (ls.)

Fürsorge nebenan

Gesundheitssenatorin Kalayci fordert in der Wocheder seelischen Gesundheit Hilfe unter Nachbarn

Psychische Erkrankungen sollen

raus aus der Tabuzone: In Berlin

und auch bundesweit beginnt an

diesem Donnerstag deshalb die Woche

der seelischen Gesundheit.

Bis zum 20. Oktober sind in der

Hauptstadt 200 Veranstaltungen angekündigt,

darunter auch Workshops

und offene Sprechstunden in

Beratungseinrichtungen, wie das

Aktionsbündnis Seelische Gesundheit

ankündigte.

Berührungsängste abbauen

Eine Woche lang sind Bürger und

Bürgerinnen in Berlin eingeladen,

die vielfältigen ambulanten und stationären

Angebote der psychiatrischen

und psychosozialen Einrichtungen

in ihrer Umgebung zu erkunden.

Ziel aller Veranstaltungen ist es,

über psychische Krankheiten aufzuklären,

Hilfs- und Therapieangebote

aufzuzeigen und die Diskussion anzuregen.

Ob Vorträge, Workshops,

Schnupperkurse, Fachtagungen

oder Kunstausstellungen –alle Veranstaltungen

tragen dazu bei, Berührungsängste

abzubauen und vor

allem Betroffene sowie deren Angehörige

einzubinden.

In diesem Jahr steht dieVeranstaltung

unter dem Motto „Gemeinsam

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Rauf auf den Wasserturm,

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statt einsam –seelisch gesund zusammen

leben“. Berlins Gesundheits-

und Pflegesenatorin Dilek Kalayci

(SPD) erklärte an diesem Mittwoch,

sie beobachte,dass gerade ältere

Menschen in sozialer Isolation

lebten. Die Gesundheitssenatorin

wolle daher die Angebote zur Unterstützung

im Alltag niedrigschwelliger

gestalten: „Mir schwebt vor, dass

Menschen in der Nachbarschaft unkompliziertfüreinander

da sind und

beide Seiten etwas davon haben: Der

isolierte Pflegebedürftige bekommt

Unterstützung, der Nachbar oder die

Nachbarin dafür 125 Euro monatlich.“

In der „Single-Hauptstadt“ Berlin

seien alle Bürger gefragt, Einsamkeit

zu bekämpfen, betonte Kalayci.

Aktionen in 50 Städten

Trotz der zahlreichen Projekte und

Hilfsangebote zur Teilhabe in der

Stadt seien der tägliche Umgang und

der menschliche Kontakt in der

Nachbarschaft zu stärken.

Der gestrige Donnerstag, 10. Oktober,war

der internationale Tagder

Seelischen Gesundheit. Rund um

den Termin gibt es laut Ankündigung

bundesweit Aktionen in mehr als 50

Städten. (BLZ)

Ordentlich Druck: Die Fontäne schoss

mehrere Stockwerke hoch.

BWB

nicht gewartet worden seien, ist er

sich sicher.„Ichhabe auf der Arbeitsstelle

angerufen und um einen Tag

Urlaub gebeten.“ Dashabe geklappt.

Frisör Meriton Audili hatte den

Rohrbruch hautnah miterlebt und

die Fontäne gefilmt. Es habe geknackt,

dann seien Steine und Sand

in die Höhe geflogen und dann kam

das Wasser, berichtete er. Essah so

aus, wie eine heiße Quelle in Island.

Seine Kunden konnten trotz des

Wassers den Laden erreichen.

Bis zum späten Abend waren 200

Haushalte ohne Trinkwasser. Nach

Informationen von Wasserbetriebe-

Sprecher Natz waren spezielle Anschlüsse

an Hydranten befestigt

worden, so dass sich die Mieter mit

Trinkwasser selbst versorgen mussten.

Dieser Zustand dauerte bis Mitternacht.

„Ich habe mir vonmeinem

Enkel die Badewanne füllen lassen“,

berichtete eine Frau. Zuletzt war es

zu einem derartigen Rohrbruch im

Februar dieses Jahres in Lichtenberg

gekommen. Dabei war die Straße

Alt-Friedrichsfelde teilweise geflutet

worden. Die Feuerwehr musste

mehrere Keller auspumpen. Auch in

dem Fall war die Leitung wegen Materialermüdung

gebrochen.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Berlin

Da fährtsie, die Berliner S-Bahn. pünktlich und mit der vollen Wagenzahl. Böse Zungen behautpen, dies wäre ein Bild mit Seltenheitswert. Allerdings: Die Leistungen haben sich in jüngster Zeit verbessert.

DPA/PAUL ZINKEN

Gelbe Karte vom Senat

Zugausfälle, Verspätungen, schmutzige Wagen: Die Abrechnung für das vergangene Jahr liegt vor.Nun fordert Berlin 20 Millionen von der S-Bahn

VonPeter Neumann

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Der VW T-Cross, das kleinste

VW-SUV,imAlltags-Test

So ist es geregelt: Für eine

Leistung, die nicht den Anforderungen

entspricht, gibt

es weniger Geld. Diesen

Grundsatz bekommt auch wieder

einmal die S-Bahn Berlin GmbH zu

spüren.Weil Züge ausfielen, sich verspäteten

oder nicht oft genug gereinigt

wurden, muss das Tochterunternehmen

der Deutschen Bahn

(DB) auf Geld vom Land verzichten

und geleistete Abschlagszahlungen

erstatten. Für das vergangene Jahr

hat Berlin einen Rückzahlungsanspruch

vonfast 20,1 Millionen Euro.

Das geht aus dem jüngsten Jahresbericht

über die Verkehrsleistungen

hervor, den der Verkehrsverbund

Berlin-Brandenburg (VBB)

vorgelegt hat. Auch die DB und andere

Regionalzugunternehmen

müssen danach Geld zurückzahlen.

Für die S-Bahn fällt der Bericht

wenig schmeichelhaft aus –was Erfahrungen

bestätigt, die viele Berliner

Pendler vor allem zu Beginn des

vergangenen Jahres gemacht haben.

„Die seit Frühsommer 2017 deutlich

zurückgegangene Fahrzeugverfügbarkeit

verblieb auch im ersten

Quartal 2018 auf sehr unbefriedigendem

Niveau“, lautet die Bilanz.

An Menschen, die S-Bahnen fahren

können, mangelte es ebenfalls.

Folge: „Insbesondere die Reserve-

Umläufe konnten häufig nicht mit

Personal besetzt werden.“ Bei Störungen

und kurzfristigen Ausfällen

konnte die S-Bahn nicht mit der nötigen

Flexibilität reagieren. „Es bleibt

festzuhalten, dass der Personalbestand

planerisch weiterhin vergleichsweise

knapp bemessen war.“

Die S-Bahn Berlin GmbH leistete

aber nicht nur weniger als mit dem

Land vertraglich festgelegt, an anderen

Stellen leistete sie auch mehr. So

wurden für 71 Veranstaltungen Sonderverkehre

vereinbart, die zusätzliche

Fahrten auf die Schienen brachten

–etwa bei Heimspielen von Hertha

BSC und des 1. FC Union, Messen,

Konzerten oder der Pyronale.

Nummer zwei: Gemessen an

der Zahl der Fahrgäste ist die

S-Bahn nach der U-Bahn

das zweitwichtigste Verkehrsmittel

in Berlin. 2018

wurde sie für 478 Millionen

Fahrten genutzt –19Prozent

mehr als fünf Jahre zuvor.

FAST 50 MILLIONEN EURO ÜBERSCHUSS

Auch Bauarbeiten erforderten zusätzlichen

Aufwand, zum Beispiel

für den Ersatzverkehr mit Bussen. Zitat

im Bericht: „2018 erforderten 395

Baumaßnahmen Anpassungen im

S-Bahn-Verkehr“ –41mehr als 2017.

Fast 400 Baustellen störten Betrieb

All das ist in eine umfangreiche

Rechnung eingeflossen. Ganz oben

steht der Finanzierungsanspruch,

den die S-Bahn Berlin GmbH gegen

das Land Berlin für 2018 hat: 225,7

Millionen Euro –knapp 7,50 Euro für

jeden vereinbarten Fahrkilometer.

Weiter unten in der Kalkulation

sind die Abzüge zu finden. So wurde

Komplizierte Rechnung: Für

jeden gefahrenen Kilometer

erhält die S-Bahn Berlin

GmbH Geld vonden Ländern.

Auch im vergangenen

Jahr reichte das für einen

Gewinn, den der DB Konzern

erhielt: 49,9 Millionen Euro.

Wieder pünktlicher: Im Zeitraum

Januar–August 2019

wurden 96,26 Prozent der

Fahrten als pünktlich registriert–1,5

Prozentpunkte

mehr als 2018. Sie fuhren

exakt nach Plan oder maximal

239 Sekunden zu spät.

der Zahlungsanspruch der S-Bahn

wegen „nicht vertragsgerechter Leistung“

um knapp 18,9 Millionen Euro

gemindert. Für diesen Rechnungsposten

werden zum Beispiel Fahrtausfälle

oder S-Bahn-Züge,die weniger

Wagen als vereinbart hatten, berücksichtigt.

Doch auch die Qualität

der Verkehrsleistungen wurde bewertet.

Ein Ergebnis war, dass die S-

Bahn Berlin GmbH wegen Unpünktlichkeit

auf rund 772 000 Euro verzichten

muss. Geregelt ist auch, wie

häufig Züge und S-Bahnhöfe gereinigt

werden oder wie viel Servicepersonal

einzusetzen ist. Hier ergaben

sich Abzüge von339 000 Euro.

Auch wenn sich Fahrgäste immer

wieder darüber ärgern, dass sie länger

als geplant auf ihre S-Bahn warten

müssen: Für eine faire Betrachtung

muss man berücksichtigen, wie

sich die Situation entwickelt. Undda

ist festzustellen, dass der langfristige

Trend trotz allem positiv ist –nicht

nur im Vergleich zur S-Bahn-Krise,

als allein zwischen August und Ende

Dezember 2009 die Zahlungen um

37 Millionen Euro gekürzt wurden.

Zwei weitereVergleichswerte: Für

2016 wurde ein Rückzahlungsanspruch

von16Millionen, für das vergangene

Jahr von fast 22 Millionen

Euro errechnet. Wie die Rechnung

für dieses Jahr ausfallen wird, ist

noch nicht absehbar. Klar ist aber,

dass sich die S-Bahn verbessert hat,

wie Daten für den Zeitraum von Anfang

Januar bis Ende August zeigen.

So lag die Zahl der Zugausfälle um

33 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.

Bei den Fahrzeugstörungen

betrug der Rückgang

23 Prozent. Auch bei der Leit- und Sicherungstechnik,

für die DB Netz zuständig

ist, wurden weniger Ausfälle

registriert. Dasgeht offenbar auf das

großangelegte Qualitätsprogramm

zurück, das S-Bahn-Chef Peter

Buchner im vergangenen Jahr vorgestellt

hat – und so naheliegende

Maßnahmen wie mehr Personal und

bessereArbeitsabläufe enthält.

In dem Jahresbericht des Verkehrsverbunds

geht es auch um den

Regionalzugverkehr, der in Berlin

ebenfalls immer bedeutender wird.

Fahrgastzahl stieg um 50 Prozent

Das zeigen die Fahrgastzahlen, die

dort aufgelistet sind: Stiegen 2013

noch rund 26,4 Millionen Menschen

in Berlin in Regionalzüge ein, waren

es im vergangenen Jahr 39,3 Millionen.

DieZüge sind voller geworden.

DiedreiUnternehmen, die in der

Hauptstadt in diesem Bereich tätig

sind, müssen ebenfalls dem Land

Berlin Geld erstatten. Gegenüber DB

Regio summiert sich der Anspruch

für das vergangene Jahr auf 2,93 Millionen

Euro,heißt es in dem Bericht.

Beider Ostdeutschen Eisenbahn, als

ODEG bekannt, sind es 316 000 Euro.

Die Niederbarnimer Eisenbahn

(NEB) muss 625 000 Euro zurückzahlen

–achtmal mehr als zwei Jahre

früher. Sie und ihre Fahrgäste leiden

vor allem unter den Problemen auf

der Ostbahn in Richtung Kostrzyn

(Küstrin). Die Züge des polnischen

Herstellers Pesa entsprechen nicht

den Anforderungen. Sie sollten zum

Teil in Dreierverbänden verkehren –

aber das ist technisch unmöglich.

Im Zeichen abnehmender Sympathie

Die Klimaschützer von Extinction Rebellion kündigen auch für Freitag weitere Aktionen vor.Polizei räumt die Jannowitzbrücke, Autofahrer sind genervt

VonLutz Schnedelbach

Die Sympathie für die Klimaaktivisten

von Extinction Rebellion

schwindet zunehmend bei genervten

Autofahrern. Nach Informationen

der Polizei kam es am Mittwochabend

an der Oberbaumbrücke vereinzelt

zu Bedrohungen, Beschimpfungen

und Beleidigungen zwischen

Autofahrernund Klimaschützern.

Er sei für eine Strecke vonfünf Kilometern

schon mehr als eine

Stunde unterwegs, beschwerte sich

ein Autofahrer aus Potsdam. „Geht

arbeiten und nutzt somit der Gesellschaft!“,

forderte er die Protestler

durch das geöffnete Fenster der Fahrertür

auf. Die wiederum warfen

dem Mann vor, bis nach Potsdam

nicht den Regionalverkehr zu nutzen.

Dersei viel schneller und vorallem

besser fürs Klima, brüllte eine

Frau zurück.

DerPolizei gelang es,beide Gruppen

auseinanderzuhalten und

Handgreiflichkeiten zu vermeiden.

Eine Frau, die in einem Taxi saß, bereute

es, nicht früher losgefahren zu

sein. Siebefürchtete ihren Flug nach

München zu verpassen. Die Klimaschützer

hatten die Fahrspur in

Richtung Kreuzbergbesetzt. In Richtung

Friedrichshain verlief der Autoverkehr

sehr schleppend. Mittlerweile

liegen bei einigen die Nerven

blank, hieß es.

Es ging nichts mehr

Am späten Abend waren die Verkehrsbeeinträchtigungen

wieder

aufgehoben und die Klimaschützer

räumten widerstandslos die Fahrspur.Die

Teilnehmer waren vonden

Veranstaltern der Blockaden gebeten

worden, die Aktivisten an der

Jannowitzbrücke zu unterstützen.

Dieser Bitte folgten sie.

Zu dieser Zeit ging dort nichts

mehr. Selbst Fußgänger hatten es

schwer,anden sitzenden Menschen

vorbeizukommen. Auch dortkam es

zu Unmutsäußerungen zwischen

Demonstranten und Fußgängern.

Am Donnerstagmorgen kündigte die

Polizei über Lautsprecher an, die

Jannowitzbrücke: Sitzen für besseres Klima und weniger Verkehr.

DPA/CHRISTOPH SOEDER

Blockade aufzulösen. Als Grund

nannte sie,die Deklarierung der Veranstaltung

zur Versammlung. Das

führt dazu, dass in solch einem Fall

von den Sicherheitsbehörden Auflagen

erteilt werden. Das betrifft zum

Beispiel den Versammlungsort. Der

sei den Teilnehmern mitgeteilt worden.

Er habe sich in der Nähe befunden

an einem Ort, an dem der Fahrzeugverkehr

nicht behindert wird.

Dieser Aufforderung seien die Demonstranten

nicht nachgekommen.

Deshalb wurde die Brücke geräumt,

so die Polizei. Extinction Rebellion

hatte zuvor angekündigt,

weiter an der Jannowitzbrücke und

an der Marschallbrücke in Mitte zu

bleiben. Nach Polizeiangaben waren

an der Jannowitzbrücke am Donnerstagmorgen

etwa 250 Menschen,

an der Marschallbrücke 200.

Diese Brücke sei noch nicht geräumt

worden, weil dort der Autoverkehr

nicht so stark behindert

wird. Extinction Rebellion hat auch

für Freitag Aktionen in der Hauptstadt

angekündigt.

Gerüchte, nach denen die Aktionen

auf die Zufahrt des Flughafens

Tegel oder auf Zufahrten zur Stadtautobahn

ausgeweitet werden sollen,

wurden nicht bestätigt. Am Nachmittag

war die Rede von Blockaden in

Weißensee und Prenzlauer Berg.

DasAuto stehen lassen

Man sei auf alles vorbereitet, sagten

Polizisten am Donnerstag. Mehr als

1000 Beamte sind mittlerweile zur

Sicherung der Aktionen eingesetzt.

Die Berliner Polizisten werden unterstützt

von Kollegen aus Niedersachsen,

Sachsen und der Bundespolizei.

Es werde Zeit, dass die Woche

vorbeigeht, sagte ein Zugführer

am Donnerstag. DasWegtragen von

Blockierern in voller Montur gehe

ganz schön auf die Knochen, so der

Mann. Die Umweltschutzbewegung

will auf eine drohende Klimakatastrophe

aufmerksam machen. DiePolizei

empfahl auch am Donnerstag,

das Auto wegen der Staus stehen zu

lassen. Geplant ist am Freitag eine

Aktion vordem Roten Rathaus.


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 13 *

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Berlin

Die

unendliche

Geschichte

„Wir Kinder vom Bahnhof

Zoo“ wird in Berlin gedreht

InPrag und Berlin laufen noch bis

Februar 2020 die Dreharbeiten zur

Serie„WirKinder vomBahnhof Zoo“

nach dem autobiografischen Buch

von Christiane F. –unter der Regie

von Philipp Kadelbach spielt eine

Riege neuer deutscher Schauspieler

mit, teilten Constantin Television

und Amazon Prime Video am Donnerstag

in München mit. Darunter

sind Jana McKinnon als Christiane,

Michelangelo Fortuzzi und Lena Urzendowsky.

Geplant sei eine moderne,zeitgenössische

Interpretation der 1978

veröffentlichten Memoiren von

Christiane F. 2021 soll die Serie in

Deutschland, Österreich und der

Schweiz beim kostenpflichtigen

Streaming-Dienst Amazon Prime zu

sehen sein. Das Budget für die acht

Folgen beträgt laut Produzent Oliver

Berben mehr als 25 Millionen Euro.

Für Berben ist die Geschichte einer

der bewegendsten Stoffe der

deutschen Nachkriegszeit:„,Wir Kinder

vom Bahnhof Zoo’ erzählt eine

wilde Fahrtdurch das Leben, das Erwachsenwerden.“

Im Mittelpunkt

der Serie stehen laut Constantin

sechs Jugendliche,die in einem Umfeld

vonDrogen und Prostitution um

ihren Traum vom Glück kämpfen.

Die Folgen zeichneten ein ebenso

provokatives, kontroverses wie eindrückliches

Bild der Berliner Drogen-

und Clubszene.

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

sorgte bei seinem Erscheinen für

Aufsehen und wurde auch viel in

Schulen gelesen, um Jugendliche auf

die dramatischen Folgen des Drogenkonsums

aufmerksam zu machen.

(dpa)

Wurde berühmt als Junkie: Schauspielerin

Nadja Brunckhorst warChrsitiane F. IMAGO

Niemals ohne die Rinnsteinprinzessin

TIM FISCHER

findet schrecklich, dass das Restaurant

Grosz im Haus Cumberland am

Kurfürstendamm Ende November

schließen wird. Am Eingang steht

eine Tafel, auf der das Mobiliar des

Lokals zum Verkauf angeboten wird.

„Hier bin ich gernmit Leuten aus der

Schweiz hergekommen, denen ich

was bieten wollte. Ins KaDeWe kann

man ja auch nicht mehr gehen, weil

die dortinzwischen Mitte kopieren.“

Ob er Lust hätte, das Grosz zu übernehmen?

Fischer findet die Idee

spontan lustig: „Daraus machen wir

ein Frühstückslokal! Ich mache hervorragende

Rühreier a la Marlene.

Mit viel guter Butter ...“ Aber eigentlich

hat er keine Zeit dafür,einen auf

„Promi-Wirt“ zu machen. Am Freitag

erscheint sein Doppel-Album „Zeitlos“,

das schon dadurch aus der Zeit

gefallen scheint, dass es ein Doppelalbum

ist. Ein richtiges, zum Anfassen.

Und nicht nur eine Playlist, die

man auf Knopfdruck bei einem

Streamingdienst anhören kann.

Tim Fischer hat Glück: „Mein Publikum

ist nicht so Download-affin.

Es schätzt das Haptische.“ Und bekommt

etwas geboten. Der Sänger

verweist stolz auf die Beilage, das

108-seitige Booklet. Und auf die Zusammenstellung

des Albums: „Ich

will nicht nur Denkmalpflege betreiben,

sondern auch immer modern

sein. Deshalb sind 15 neue und 15

alte Songs drauf.“ Die Auswahl fiel

ihm nicht leicht: „In30Jahren singst

du eine Menge Holz zusammen. Es

gibt Lieder, die nicht mehr zu mir

passen. Aber es gibt auch Lieder, die

zeitlos sind. VonFriedrich Hollaender

und Thomas Pigor.“ Manchmal

klingt er verwundert: „Das Lied

,Spötterdämmerung’ von Hollaender

ist 61 Jahre alt und wirkt modern.“

Er fasst selbstironisch zusammen:

„Die Kunst ist zeitlos,ich bin es

nicht.“

Am 17. Oktober startet im Tipi am

Kanzleramt Fischers Tournee zu seinem

30. Bühnenjubiläum. Hier in

Berlin liebt ihn das Publikum besonders,

deshalb sind acht Konzerte im

Tipi angesetzt, bevor es kreuz und

quer durch den deutschsprachigen

Raum geht. Das Programm für die

Tour ist wohlüberlegt, aber nicht in

Stein gemeißelt: „Es ist ein Prozess,

wenn man liveauftritt. Undich bin ja

kein Gemälde, dass nach dem letzten

Pinselstrich verkauft wird und

dann für immer so bleibt, wie es ist.“

Natürlich darf Fischers „Rinnsteinprinzessin“

nicht fehlen. Er bezeichnet

sie als seine „längste Begleiterin“

und findet es einfach „wunderbar,

wenn man mit einem Lied

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

TimFischer feiert mit Doppelalbum

und Tour sein 30. Bühnenjubiläum.

Günther Fischer freut sich auf den

Askania-Award

Auf der Bühne macht man ihm sicherlich nichts mehr vor:Tim Fischer.

Die neue Uhr:Günther Fischer (r.) sucht aus. Leonhard Müller berät.

CHRISTIAN SCHULZ

CHRISTIAN SCHULZ

verbunden wird.“ Und dieses auch

nach drei Jahrzehnten zu einem

passt: „Ich bin selber erstaunt, dass

es Lieder gibt, die atmen, mitwachsen.“

EinSong, dessen Qualität auch

viele Sängerkollegen erkannt haben:

„Es gibt inzwischen viele Versionen.

Das spricht für das Lied. Ein Dauerbrenner,

für den ich sehr dankbar

bin.“ Nach Jahren mit Klavierbegleitung

freut Fischer sich auf die neue

Tour: „Für mich ist es sehr besonders,

mit einer Band unterwegs zu

sein. Und das ist nicht irgendeine

Band. Das sind Spitzenmusiker!“

Nach den Konzerten gibt Tim Fischer

nicht nur Autogramme: „Wir

sammeln auch immer für den Hospizdienst

Tauwerk, katholische

Schwestern, die sich um HIV-Positivekümmern.“

Tim Fischer versteht nicht, wenn

Menschen für Greta Thunberg nur

Spott und Gehässigkeiten übrig haben:

„Ich bewundere Greta. Ich

finde, dass mittlerweile Respekt vor

der Jugend angesagt ist.“

GÜNTHER FISCHER

ist mit Tim Fischer nicht verwandt.

Dies nur für alle Verschwörungstheoretiker,

die befürchten, ich sei von

Familie Fischer entführtund müsste

jetzt nach und nach über alle Fischers

schreiben (Lesen Sie bitte

auch morgen meine Kolumne über

Helene Fischer, Ottfried Fischer und

die Fischer-Chöre!). Günther Fischer

lernte am Donnerstag zur Mittagsstunde

eine Besonderheit des Askania-Awards

kennen, der traditionell

kurzvor der Berlinale vergeben wird.

Dieser Preis verursacht die Qual der

Wahl, denn jeder Preisträger darf

sich in der Zentrale der Askania Uhrenmanufaktur

am Kurfürstendamm

eine Uhr aussuchen, die für

ihn dann in den Hackeschen Höfen

hergestellt und mit einer Preisträgergravur

zur einmaligen Trophäe gemacht

wird.

Günther Fischer fühlte sich vom

Angebot der Manufaktur, das ihm

vom Firmenchef Leonhard Müller

vorgestellt wurde, erkennbar überfordert.

Nach Stunden des Anprobierens,

Abwägens und Überlegens

wirkte der Musiker, der sich am

18. Februar 2020 im Wintergarten

Varieté seinen Askania-Award abholen

darf, erstaunlich ratlos. Wobei

eine leichte Tendenz in Richtung der

Modelle Tayfun Chrono oder Tempelhof

erkennbar war. Fischer ist

wild entschlossen, seinen Askania-

Award nicht in der Vitrine verstauben

zu lassen, sondernzueinem Teil

seines Alltags zu machen: „Der wird

getragen!“

Tatmotiv:

ein

Davidstern

Antisemitische Tat–

Angeklagte schweigen

Nach einem mutmaßlich antisemitischen

Angriff auf einen

Mann in einem Berliner Park stehen

seit Donnerstag fünf Männer

vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergaren.

Die 19- bis 23-jährigen Angeklagten

schwiegen zu Beginn des

Prozesses. Laut Anklage sollen sie

den damals 25-jährigen Geschädigten

wegen seines jüdischen

Glaubens und seiner sexuellen Orientierung

minutenlang geschlagen

und getreten haben. Das Opfer

habe unter anderem Platzwunden

an der Stirnerlitten.

Kettevom Hals gerissen

Die Angeklagten – drei syrische

Staatsangehörige und zwei Männer

mit ungeklärter Staatsbürgerschaft

– sollen sich im Juli vergangenen

Jahres im James-Simon-ParkinBerlin-Mitte

in einer größeren Gruppe

befunden haben, als sie von dem

Opfer angesprochen worden seien.

Der Mann habe um ein Feuerzeug

gebeten, so die Anklage.

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Morgen präsentiert sich

Ihnen in dieser Zeitung:

„Hasserfüllt“ hätten sich die Angeklagten

entschlossen, ihn anzugreifen.

Einer der Männer habe dem

Geschädigten dessen Kette mit Davidstern-Anhänger

vom Hals gerissen,

sie sich um die Faust gewickelt

und dem 25-Jährigen dann einen

Faustschlag ins Gesicht versetzt.

DerMann sei vonder Gruppe weiter

geschlagen und getreten worden.

Diefünf Angeklagten und der geschädigte

Mann, bei dem es sich um

einen Syrer jüdischen Glaubens

handeln soll, hätten sich bis dahin

nicht gekannt, hieß es am Rande

des Prozesses. Der Prozess kam allerdings

ins Stocken, weil das Opfer

und eine weitere Zeugin nicht erschienen

waren. Gegen den abwesenden

Mann erging ein Ordnungsgeld

von150 Euro.Ersoll zum zweiten

Verhandlungstag am 24. Oktober

nun polizeilich vorgeführt

werden. (dpa)

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Tief betroffen nehmen wir Abschied von

unserem Kameraden

Hauptgefreiten

Cord Yorrick Barbe

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Unsere aufrichtige Anteilnahme und

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14 Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Berlin

Schnell, immer schneller:Wenn die Straßen frei sind, treten auch Berliner Autofahrer kräftiger als erlaubt aufs Gaspedal. Einer von ihnen hat es übertrieben –und musste vor Gericht eine Niederlage kassieren.

IMAGO IMAGES/ROLF KREMMING

Mit Tempo 103 durch Berlin

Das Kammergericht verwehrt einem Autofahrer,der bei einem Unfall schwer verletzt wurde, Schmerzensgeld –weil er viel zu schnell fuhr

VonPeter Neumann

Marcus Gülpen ist angetan.

„Das ist eine mutige,

eine spannende

Entscheidung“, sagt

der Rechtsanwalt, der den Allgemeinen

Deutschen Automobil-Club

(ADAC) Berlin-Brandenburg als

Clubsyndikus berät. DasKammergericht

Berlin hat entschieden, dass ein

Kraftfahrer von einer Frau, die ihm

die Vorfahrt genommen hat, trotz

schwerer Verletzungen kein Schmerzensgeld

bekommt –weil er gerast

ist. „Das weicht von bisherigen Urteilen

ab“, schätzt Gülpen ein. „Es ist

klar:Raser werden nicht geduldet.“

Es geschah vor fast genau drei

Jahren im Nordosten Berlins, genauer

gesagt auf einer Kreuzung im

Pankower Ortsteil Buchholz. Dort

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im Saale-Unstrut-Gebiet

Vesterålen in Norwegen:

Die grünen Alpen im Nordmeer

prallte ein Opel Corsa, der auf der Pasewalker

Straße stadteinwärts fuhr,

auf einen entgegenkommenden Mercedes,

der gerade von der Berliner

Straße links in die Bahnhofstraße abbog.

Es muss eine größere Kollision

gewesen sein, denn der Corsa-Fahrer

musste zehn Tage im Krankenhaus

bleiben. Bei dem Unfall hatte er sich

die Halswirbelsäule verstaucht, den

Schaft eines Oberschenkelknochens

gebrochen sowie Verletzungen im

Bauch und im Brustkorb erlitten.

So war es wenig verwunderlich,

dass der Mann vor Gericht zog, um

von der Autofahrerin Schmerzensgeld

zu erstreiten. Doch das Berliner

Landgericht wies seine Klage ab.

Seine Berufung wurde im August

ebenfalls zurückgewiesen. Die Entscheidung

des Kammergerichts Berlin,

die dem Mann eine weitere Niederlage

bereitete,ist nun rechtskräftig

geworden. Eine Revision ließ der

22. Zivilsenat unter dem Vorsitzenden

Peter-Hendrik Müther nicht zu.

1,6 Sekunden vordem Knall

Am Unfallort inBuchholz gilt Tempo

50, wie vielerorts in geschlossenen

Ortschaften. Der Mann fuhr allerdings

mindestens 103 Kilometern in

der Stunde –mehr als das Doppelte

zu schnell. Hätte sich der Fahrer an

Mehr Unfälle: Die Polizei hat

in Berlin 2018 mehr als

144 000 Verkehrsunfälle

registriert. Im Vergleich zu

2017 ist das ein Anstieg um

0,6 Prozent.15 630 Menschen

wurden leicht, 2542

schwer verletzt. 45 starben.

GEFÄHRLICHE STRASSEN

Zu schnell unterwegs:

„Nicht angepasste Geschwindigkeit“

zählt zu den

Hauptursachen. In Berlin

kam es deshalb 2018

2330-mal zu Verkehrsunfällen.

Im Vergleich zu 2016

(2 798) ging die Zahl zurück.

Rekorde 2018: Aufder

Autobahn A100, auf der

Tempo 80 gilt, wurde ein

Auto geblitzt, das 186 Kilometer

in der Stunde fuhr.

Am TreptowerPark (Tempo

50) erwischte die Polizei ein

Fahrzeug mit Tempo 158.

das Tempolimit gehalten, wäre es

„mit hoher Sicherheit“ nicht zu dem

Zusammenstoß gekommen. So aber

konnte er nach den Berechnungen eines

Sachverständigen erst 1,6 Sekunden

vor dem Knall die Gefahr erkennen

–viel zu spät, um sie noch abwenden

zu können. Wer in Innenstadtlagen

mit ihrem komplexen

Verkehrsgeschehen so zügig unterwegs

ist, nehme sich selbst die Möglichkeit,

„unfallverhütend“ zu reagieren,

so das Kammergericht.

Sicherlich, die Mercedes-Fahrerinhabe

ihreSorgfaltspflicht verletzt

und dadurch den Unfall verursacht.

Linksabbieger müssen entgegenkommende

Fahrzeuge durchfahren

lassen, bekräftigte das Gericht. Auch

wenn es zum Unfallzeitpunkt dunkel

war und eine Straßenbahnhaltestelle

der Frau möglicherweise die Sicht

beeinträchtigte: Sie hätte den Verkehr

genauer beobachten müssen.

Trotzdem habe der Kläger keinen

Anspruch auf Schmerzensgeld, sagten

die Richter.Sie formulieren es so:

Hinter seinem Verkehrsverstoß trete

das, was die Mercedes-Fahrerin getan

hat, zurück. Darummüsse er für

den erlittenen Schaden allein einstehen

und allein dafür haften.

In ähnlichen Streitfällen reichte

es nicht aus, wenn ein Raser das er-

laubte Tempo um 100 Prozent überschreitet,

es mussten noch „besondere

Umstände“ hinzukommen, berichtete

das Kammergericht. Doch

in diesem Fall käme es darauf nicht

an, denn was der Mann getan habe,

wiegt einfach zu schwer. Und so formuliert

das Gericht, das anderswo

Oberlandesgericht heißen würde,als

amtlichen Leitsatz: „Wird die

höchstzulässige Geschwindigkeit

um mehr als das Doppelte überschritten

und liegt die Geschwindigkeit

innerorts absolut über 100 Kilometer

in der Stunde, ist ein besonders

schwerer Verkehrsverstoß gegeben,

der in der Regel zu einer

Alleinhaftung führt, auch wenn der

Handelnde an sich die Vorfahrthat.“

Forscher sieht Urteil skeptisch

„Mindestens 100 Prozent zu schnell,

mindestens Tempo 100 in der Stadt –

dann gibt es kein Schmerzensgeld“,

fasst ADAC-Vertragsanwalt Gürgen

zusammen. „Das ist eine pragmatische

Lösung. Es sind eindeutige Vorgaben,

die das Kammergericht hier

gemacht hat“ –Vorgaben, die andere

Gerichte künftig auf andere Fälle anwenden

werden. Der Chefsyndikus

geht davon aus, dass das Urteil mit

dem Aktenzeichen 22 U33/18 eine

große Ausstrahlung entfalten wird.

Diese Wirkung hätte vergrößert werden

können, wenn das Kammergericht

die Revision zum Bundesgerichtshof

zugelassen – und das

oberste deutsche Zivilgericht die Entscheidung

bestätigt hätte.

Siegfried Brockmann, der beim

Gesamtverband der Versicherer in

Berlin die Unfallforschung leitet, gelangt

allerdings zu einer anderen Einschätzung

als Gürgen. Andere Gerichte

hätten bereits ähnlich geurteilt,

das Kammergericht schon 1992.

Die Feststellung, dass die Mercedes-Fahrerin

ihreSorgfaltspflicht verletzt

habe, weil Linksabbieger mit zu

schnellem Gegenverkehr rechnen

müssen, sei „schwer erträglich“.

Denn es sei kaum möglich, das

Tempo eines entgegenkommenden

Fahrzeugs genau zu schätzen, zumal

bei Dunkelheit. Nähme man das

Kammergericht beim Wort, hätte der

Mann bei Tempo 98 vorGericht noch

Erfolg gehabt: „Jemand, der vorsätzlich

mit hoher Geschwindigkeit billigend

die Gefährdung vonMenschenleben

in Kauf genommen hat, bekäme

dann auch noch Schmerzensgeld.“

Aus Brockmanns Sicht sei das

Urteil des Gerichts vom 22. August

weder „wegweisend oder gar mutig,

sondern das Mindeste, was man von

der Gerichtsbarkeit erwarten darf“.

„Wirbelsturm-Haie! Werdenkt sich so etwas aus?“

Oliver Kalkofe und Peter Rütten feierten die 100. Folge ihrer Sendung „SchleFaZ –Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ im Tempodrom

Vor dem Humor des Entertainers

Oliver Kalkofe ist nichts und

niemand sicher. Inseiner Fernseh-

Show „SchleFaZ –die schlechtesten

Filme aller Zeiten“ auf Tele 5nimmt

er mit seinem Co-Moderator Peter

Rütten unfreiwillig komische Trash-

Filme aufs Korn. Die 100. Ausgabe

der Satiresendung, die an diesem

Freitag ab 22.05 Uhr imFernsehen

ausgestrahlt wird, wurde am 28.

September im Berliner Tempodrom

vor großer Live-Kulisse aufgezeichnet.

Zu diesem Anlass sprach die

Berliner Zeitung mit den beiden

Gastgebern.

Herr Kalkofe, woran erkennt man,

dass ein Film wirklich schlecht ist?

KALKOFE: Machen Sie doch mal ein

Gedankenexperiment und erinnern

Siesich an „Titanic“ mit Kate Winslet

und Leonardo DiCaprio zurück. Zu

diesem Filmklassiker hat jeder sein

eigenes Geschmacksurteil – von

grandios bis grottenschlecht und

verkitscht. Aber es gibt auch Filme,

über die man leichter Einigkeit erzielt,

weil sie ziemlich eindeutig in

die Kategorie „Gewollt und nicht gekonnt“

gehören. Das ist Trash, aber

auch Trash kann man lieben. Darum

geht es in unserer Sendung. In der

Jubiläumsshowwerden wir„DreiEngel

auf der Todesinsel“ aus dem Jahr

1985 ausgiebig besprechen.

Sie zeigen die Filme in voller Länge

und kommentieren sie süffisant.

KALKOFE: Genres wie Horror,

Science Fiction und Kung Fu bieten

viel Angriffsfläche. In der „Sharknado“-Reihe

zum Beispiel geht es

um menschenfressende Haie, die

von einem Tornado aus dem Meer

aufgesaugt und nach Los Angeles

gewirbelt werden. Das muss man

sich mal auf der Zunge zergehen

lassen: Wirbelsturm-Haie! Wer

denkt sich so etwas aus? Trash

sprengt die Grenzen der Logik und

des Machbaren. Dasist, positiv ausgedrückt,

Fantasie ohne Grenzen.

Herz über Verstand.

Lästerngerne über miese Filme: Oliver Kalkofe und Peter Rütten.

Herr Rütten, welchen Trash-Klassiker

sehen Siesich am liebsten an?

RÜTTEN: „Frogs“ ist einfach herrlich.

Das war in den 70er-Jahren etwas

ganz Neues –ein Ökothriller.Der

Grundgedanke, dass die Natur vom

GERD ENGELSMANN

Menschen zerstörtwirdund sich zur

Wehr setzt, hat seitdem nichts von

seiner Aktualität verloren. Aber bei

„SchleFaZ“ geht es uns vorallem um

die filmische Umsetzung. Ich liebe

die Szene mit dem Giftanschlag der

Warane: Der angegriffene Darsteller

rennt regelrecht in die Gaswolke.

Das mag schauspielerisches Unvermögen

sein. Aber solche Filme haben

oft etwas sehr Liebevolles und

Liebenswertes an sich.

Es gibt das Phänomen, dass ein Film

so schlecht und kitschig ist, dass er

schon wieder cool wirkt.

KALKOFE: (lacht) Wir bekommen

häufiger Post von Leuten, die sich

wundern, warum die beiden Doofen

auf dem Bildschirm den hervorragenden

Film schlechtreden.

RÜTTEN: Ich möchte auch nicht zu

streng zu den Filmen sein. Dramaturgische

Schwächen, ratlos machende

Darsteller und misslungene

Effekte sind jeweils für sich noch

kein Grund, einen Film kaputtzureden.

Erst wenn alles drei zusammenkommt,

war wahrscheinlich ein talentfreier

Filmemacher am Werk.

Was erwartet die Fernsehzuschauer

in Ihrer Jubiläumssendung?

KALKOFE: Wir haben zum ersten

Mal das Experiment einer großen

Liveaufzeichnung mit 2500 Zuschauern

im Berliner Tempodrom

gewagt –und es war gigantisch. Zur

Unterstützung traten musikalische

Gäste wie Bela B.,Fünf Sterne Deluxe

und mehrere Überraschungsgäste

auf. Es war einer der schönsten und

emotionalsten Abende meines Lebens.

Außerdem gibt es jetzt auch

ein „SchleFaZ“-Buch, in dem wir alle

Trash-Filme aus sieben Jahren Revue

passieren lassen.

In jeder „SchleFaZ“-Sendung werden

Cocktails serviert. Müssen Sie

sich die schlechten Filme schöntrinken?

RÜTTEN: (lacht) Einmal war ich beschwipst.

Aber das darfman nicht zu

oft machen, denn die Show verlangt

die volle Konzentration. Wir können

leider nur eine alkoholfreie Ersatzflüssigkeit

schlürfen.

DasGespräch führte Mike Wilms.


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 15

· ·

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Berlin

In den Warenkorb legen

Grundstücksgesellschaften investieren acht Millionen Euro in das Vorhaben, den Kudamm in Konkurrenz zum Online-Handel fit zu machen

VonGerhard Lehrke

Die Berliner City-West hat ihre

Krise hinter sich, aber Handel

und Immobilienunternehmer wollen

sich besser gegen die Gefahren

wappnen, die der Einkaufsmeile

durch Online-Geschäfte drohen.

Acht große Grundstückeigentümer,

darunter die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche,

haben einen „Business

Improvement District“ (BID)

gebildet, der die Strecke Tauentzien –

Kurfürstendamm zwischen Wittenbergplatz

und Uhlandstraße attraktiver

für Kauflustige und Flaneure

machen soll. Am Donnerstag wurden

die Pläne und Ideen vorgestellt.

Sie reichen von mehr Sauberkeit

über bessere Grünpflege bis hin zu

freiem WLAN.

Der BID, durch ein Berliner Gesetz

aus dem Jahr 2014 ermöglicht

und der von den beteiligten Unternehmen

bis 2023 mit acht Millionen

Euro gefördert wird, hat als ersten

Schritt fünf „City Guides“ eingestellt.

Die Frau und vier Männer sind seit

Donnerstag täglich von 8bis 21 Uhr

auf der 1,2 Kilometer langen Strecke

unterwegs, umHilfestellung zu geben.

Georgios Nikolaidis, bislang

Sightseeing-Führer, ist einer aus

dem Quintett und fünfsprachig. Auf

Deutsch, Englisch, Französisch,

Griechisch und Portugiesisch kann

er Ratschläge geben: „Wir haben uns

einen Monat lang mit dem Kudamm

vertraut gemacht. Wir können den

Passanten sagen, wo es Restaurants

gibt, kennen Öffnungszeiten, weisen

auf Verkehrsverbindungen oder Toiletten

hin.“ Gleichzeitig achten die

Guides auf Sauberkeit, informieren

bei Bedarfdas Ordnungsamt.

Eines können sie jedoch nicht:

Den Mangel an Cafés ausgleichen.

Sie hatten weitestgehend den Geschäften

von Ketten weichen müssen

–nur noch ältere Berliner erinnern

sich zum Beispiel an das Café

Möhring.

Hilfsbereit: Drei der fünf Guides, die Kudamm-Besucher beraten.

CAMCOP MEDIA/ANDREAS KLUG

Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied

der AG City,einem Zusammenschluss

von Unternehmen aller Art,

hofft auf Besserung: Man sei in Gesprächen

mit den Hauseigentümern,

um einen Trend zu befördern:

„Food ist das neue Fashion.“

Wasbedeutet, dass zu einer Einkaufsstraße,

die sich nach den Worten

von Charlottenburg-Wilmersdorfs

Bürgermeister Reinhard Naumann

(SPD) mit der Oxford Street

und den Champs-Élysées messen

muss, auch Orte des Einkehrens haben

muss. Erhofft mit den BID-Verantwortlichen,

dass mehr Veranstaltungen

auf der Straße mehr Publikum

anlocken, vergleichbar mit dem

umgestalteten Steinplatz.

Vom 28. Oktober an sollen die

Passanten an einem Info-Wagen ihre

Wünsche äußern („Träume deine

Stadt“), was sich an Tauentzien und

Kudamm ändern sollte. InArbeitskreisen

wollen die BID-Teilnehmer

hinterher festlegen, was davon umgesetzt

werden kann. Ein angenommener

Wunsch soll Anfang 2020 erfüllt

werden, nämlich freies WLAN.

DieRouter müssen an den Fassaden

angebracht werden, weil der Senat

die Nutzung der Straßenlaternen

nicht genehmigt hatte. Über die Signale

der Handys sollen –anonymisiert

–die Ströme der Passanten gemessen

werden.

Bereits vereinbart ist die weitere

Finanzierung zusätzlicher Reinigungstouren

durch die Berliner

Stadtreinigung BSR, die in diesem

Zusammenhang auch die Mittelstreifen

putzt, was eigentlich Aufgabe

des Bezirks wäre. Das Grün auf

den Mittelstreifen soll besser gepflegt

werden, Landschaftsplaner

wurden beauftragt, sie umzugestalten

und schöner zu bepflanzen.

Noch nicht ganz ausgegoren ist

die Idee,auf dem Kudamm nur noch

kleine, leise Elektrobusse der BVG

einzusetzen, weil herkömmliche

Busse zu laut sind.

Jobbeschreibung:

Königin der Unterwelt

Wintergarten sucht neue Kraft für den Sanitärbereich

VonFlorian Thalmann

Esist eines der glamourösesten,

aber wohl auch eines der skurrilsten

Jobgesuche der Hauptstadt:

Das Varieté Wintergarten in der

Potsdamer Straße sucht eine neue

Toilettenkraft. Wobei: „Klofrau“

wäre hier zu einfach, denn die Toilette

in den unterirdischen Räumlichkeiten

des edlen Theaters ist alles

andere als eine normale Bedürfnisanstalt.

„Ich glaube, dass wir die

schönste Toilette Berlins haben“,

sagt Thomas Eißler, Theaterleiter

des altehrwürdigen Varietés, der

Berliner Zeitung. Die Räume tragen

den Titel „The First Flush“, wurden

Anzeige

Lesen Sie am Wochenende

Karriere

Die eigene Stärke:Wie man das

Selbstbewusstsein stärkenkann

Worauf es bei Englisch-

Zertifikaten wirklich ankommt

von Künstlerin Fiona Bennett und

Designer Hans-Joachim Böhme

entworfen und 2017 mit einer eigenen

WC-Party eröffnet. Goldene

Verzierungen, prunkvolle Spiegel

mitsamt wirbelnden Federn, edle

Hocker und viel Kitsch lassen sie

weniger wie ein handelsübliches

Klosett, sondern viel mehr wie eine

begehbare Kunstinstallation wirken.

„Und für diese Toilette brauchen

wir natürlich eine ganz spezielle

Persönlichkeit, die nicht nur auf

die Räume aufpasst, sondern auch

unsere Besucher unterhält, eine

Gastgeberin.“

Thomas Eißler,Theaterleiter des Hauses,

in der edlen Männertoilette. SABINE GUDATH

Bis vor kurzer Zeit hatte der Berliner

Damen-Imitator Tomasz Reichelt

den Job–als polnische Klofrau

Ewelina Flaszka mit feuerrotem

Haar, eleganten Kleidern und einer

eigenen Champagner-Bar. „Die

meisten Toiletten sind nur funktional.

Hier sind die Klos eine eigene

Welt“, sagte er damals.Erkümmerte

sich um die Gäste, achtete auf die

Ordnung, bot manchmal Führungen

an. „Oft wollen die Damen mal

das Männerklo anschauen und umgekehrt.

Sie trauen sich nicht, dann

kündige ich an und komme mit.“

Nicht im klassischen Sinne

Anfang Juli verabschiedete er sich

vom Örtchen, um sich neuen Projekten

zuzuwenden –seitdem sind

die Toiletten allein den Besuchern

überlassen. Momentan ist hier eine

Ausstellung des Zeichners Robert

Nippoldt zu sehen, der Werke aus

seinem Buch „Es wirdNacht im Berlin

der Wilden Zwanziger“ zeigt –in

Vorbereitung der 20er-Jahre-Revue,

die im Februar einziehen soll. Zum

1. Januar soll es aber wieder eine

Toilettenkraft geben.

Aber natürlich nicht irgendeine:

„Wir suchen keine Toilettenfrau im

klassischen Sinne. Wer den Job

übernimmt, sollte natürlich ab und

zu schauen, dass alles in Ordnung

ist“, sagt Eißler.„Aber für die Reinigung

gibt es ein Team, das ist nicht

Aufgabe unserer Unterwelten-Königin.“

Stattdessen soll der- oder diejenige

für das Wohlbefinden der

Gäste sorgen, gleichzeitig unterhaltsam

sein. „Ich könnte mir wieder

jemanden aus dem Travestie-

Bereich vorstellen, aber mit einer

gewissen Klasse, niemanden, der

frech ist oder Witze unter der Gürtellinie

erzählt. Oder aber eine

Dame, gern auch etwas älter, mit

echter Berliner Schnauze.“ Wichtig

seien „hervorragende Gastgeberqualitäten“

und gute Kommunikationsfähigkeiten.

„Er oder sie muss den Gast symbolisch

in den Armnehmen, auf die

Menschen zugehen. Es kommt vor,

dass Gäste nicht gleich wissen, wohin

sie müssen, wenn sie über unsere

große Treppe in die Unterwelt

kommen.“ Auch künstlerische Talente

sind nicht verkehrt. „Wir haben

Pianisten, aber im Empfangsbereich

der Toiletten steht ein Flügel,

deshalb ist es nicht schädlich,

wenn die Person spielen kann.“ Die

Stelle wäreeineVollzeitstelle,befristet

auf ein Jahr.

Bewerbungen an jobs@wintergarten-berlin.de

Bekanntmachungen

Wir geben bekannt!

Auslegung von Planunterlagen zum Zweck der Planfeststellung für die

„Straßenbahnneubaustrecke Hauptbahnhof –U-Bahnhof Turmstraße“ im Bezirk Mitte von Berlin

Bekanntmachung vom 25.09.2018 –SenUVK IV E15–

Telefon: 9025-1565 oder 9025-0, intern 925-1565

Die BerlinerVerkehrsbetriebe (BVG) haben im November 2017 die Feststellungdes

Planes nach §28Personenbeförderungsgesetz (PBefG) für den Neubau der Straßenbahnstrecke

von Hauptbahnhof biszum U-Bahnhof Turmstraße beantragt.

Mit dem Vorhaben solldie bestehende Straßenbahnstrecke ab Hauptbahnhof mit

Führung über die Invalidenstraße –Alt Moabit –Rathenower Straße –Turmstraße

biszum U-Bahnhof Turmstraßeweitergeführt werden. DieStraßenbahn wird in der

Mittellageder Richtungsfahrbahnen zum Teil unabhängigauf besonderem Bahnkörper

und zum Teil straßenbündig gemeinsam mit dem KFZ-Verkehr geführt.

Durch dieTrassenführung und diebarrierefreien Haltestellenergeben sich größere

Veränderungen im Straßenraum.

Die hierfür inder Zeit vom 27. November 2017 bis einschließlich 5.Januar 2018 –

jedoch nicht vom 22. Dezember 2017bis einschließlich 2. Januar2018 –ausgelegten

Planunterlagen wurden aufgrund der Einwendungen aus der 1. Anhörung

aktualisiert. Das geänderte Schallgutachten weist eine größere Anzahl erstmalig

und stärker betroffener Immissionsorte aus. Diese Betroffenen werden durch die

erneuteAuslegungder Planunterlagen beteiligt.

Für das Vorhaben besteht nach Aktualisierung der Planunterlagen auch weiterhin

keine Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung gem.

§5i.V.m.§7des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG).

Deraktualisierte Planfür daseingangs bezeichnete Bauvorhaben(Erläuterungsbericht

und Plänesowiedie entscheidungserheblichen Unterlagenüber dieUmweltauswirkungen,

bestehend aus: Verfügung der Planfeststellungsbehörde zur Feststellung,dasskeine

Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung

besteht, Checklistezur UVP-Vorprüfung (Planunterlage (U) 9a),Landschaftspflegerischer

Begleitplan (U 8),artenschutzrechtlichePrüfung (U 8.4) sowie schalltechnischeund

erschütterungstechnische Gutachten (U 11, 12 und 13)) liegt

vom14. Oktober 2019 bis einschließlich13. November 2019

beim

BezirksamtMitte von Berlin

Abteilung Stadtentwicklung,Soziales undGesundheit

Stadtentwicklungsamt

FachbereichKataster undVermessung

Rathaus Tiergarten

Mathilde-Jacob-Platz1,Raum 325

10551 Berlin

Telefon:901833-600

montags bis mittwochs von8.00Uhr bis16.00 Uhr, donnerstagsvon 10.00 Uhr bis

18.00 Uhr und freitagsvon 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr sowienach telefonischerVereinbarung

(Telefon wie vor) auch außerhalb dieser Zeiten zur allgemeinen Einsichtnahmeaus.

Donnerstagsvon 12.00 Uhrbis 17.00Uhr werden Mitarbeitende der Vorhabenträgerin

zu weiterenErläuterungen und AuskünftenamAuslegungsort zur Verfügung

stehen.

Die Bekanntmachung und die zur Einsicht ausgelegten Unterlagen sind von Beginn

der Auslegung bis Ende derEinwendungsfrist aufder Internetseite: www.berlin.de/

planfeststellungen/ sowie im UVP-Portaldes Landes Berlin veröffentlicht.

Für die Vollständigkeit und die Übereinstimmung der im Internet veröffentlichten

Unterlagen mit denamtlichen Auslegungsunterlagenwird keine Gewähr übernommen.

Der Inhalt der zur Einsicht ausgelegten Unterlagen ist maßgebend (§27a

Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) i.V.m.§20 Abs. 2UVPG).

Hinweis

1. Jeder, dessen Belange von den Planänderungen berührt werden, kann bis spätestens

zwei Wochen nach Beendigungder Auslegung, das ist biseinschließlich

27. November2019 (maßgebend ist der Eingang in der Verwaltung), Einwendungen

bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, IV E1,

Postanschrift: Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin(während der Auslegungszeit

auch am Auslegungsort) schriftlich oder zur Niederschrift (Raum Ru 419) oder

in elektronischerForm mit einer qualifizierten Signatur im Sinne des Vertrauensdienstegesetzes

(VDG) i.V.m. der Verordnung(EU) Nr.910/2014 versehenandie

E-Mail-Adresse post@senuvk.berlin.de erheben. Personendie sich bereitsim1.

Anhörungsverfahrenzudem Vorhaben geäußerthaben, dürfennur nochzuden

geänderten Teilen der Planunterlagen Einwände erheben. Personen, die durch

dieprognostizierten Lärmimmissionen erstmalig oder stärker als bisher betroffen

sind, dürfen, ungeachtet obsie sich bereits zudem Vorhaben geäußert

haben oder nicht, zu allenTeilender PlanunterlagenEinwändeerheben.

Die Einwendungen müssen das Bauvorhaben bezeichnen sowie den geltend

gemachten Belang unddas Maßseiner Beeinträchtigungerkennen lassen.

Einwendungen, die nach Ablauf dieser Frist erhoben werden, sind gemäß §29

Abs. 4Satz1PBefGausgeschlossen.

Ebenfalls bis zumvorstehend genannten Terminkönnen Vereinigungen,soweit

diese sich für den Umweltschutz einsetzen und nach in anderen gesetzlichen

Vorschriften zur Einlegung von Rechtsbehelfen in Umweltschutzangelegenheitenvorgesehenen

Verfahren von Bund oder Land anerkannt sind, zu den Planänderungen

Stellung nehmen. Einwendungen und Stellungnahmen der Vereinigungen,

die nach AblaufdieserFrist erhoben werden,sind ebenfalls gemäߧ73

Abs. 4Satz 5ffVwVfG ausgeschlossen. Für das Rechtsbehelfsverfahren findet

der Einwendungsausschluss keine Anwendung (§7Abs. 4Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz),

das heißt der Einwendungsausschluss beschränkt sich bei Einwendungenund

Stellungnahmen nur aufdiesesVerwaltungsverfahren.

Bei Einwendungen, dievon mehr als 50 Personen auf Unterschriftslistenunterzeichnet

oderinForm vervielfältigter gleichlautenderTexte eingereicht werden

(gleichförmige Eingaben),ist aufjeder miteiner Unterschriftversehenden Seite

ein Unterzeichner mit Namen, Beruf und Anschrift als Vertreter der übrigen

Unterzeichner zubezeichnen. Andernfalls können diese Einwendungen unberücksichtigt

bleiben.

DieseortsüblicheBekanntmachungdient auch derBenachrichtigungder Vereinigungen

nach §73Abs. 4Satz 5VwVfG.

Die Erhebung dieser Daten erfolgt entsprechend der seit dem 25. Mai 2018

anwendbaren neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO).ImRahmen

der Beteiligung der Öffentlichkeitimobengenannten Planfeststellungsverfahren

werden die von Ihnen erhobenen Einwendungen und darin mitgeteilten

personenbezogenen Daten ausschließlich für das Planfeststellungsverfahren

von unserhoben, gespeichert und verarbeitet. Ihre persönlichen Daten werden

benötigt,umden Umfang Ihrer Betroffenheitbeurteilen zu können. Wir können

die Datenandie Planfeststellungsbehörde,die Vorhabenträgerinund ihremitarbeitendenBüros

zurAuswertung der Stellungnahmen weiterreichen. Insoweit

handeltessich um eineerforderliche und somitrechtmäßige Verarbeitung aufgrundeinerrechtlichen

Verpflichtung gemäß Art. 6Abs. 1Satz1lit. c) DS-GVO

i.V.m.§3Satz 1Berliner Datenschutzgesetz. Die Hinweise zum Datenschutz sind

mit ausgelegt und auch imInternet unter: https://www.berlin.de/senuvk/service/formulare/de/datenschutz.shtml

einsehbar.

2. Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden in einem Termin erörtert, der zu

gegebener Zeit noch ortsüblich bekannt gemacht wird.

Diejenigen, die fristgerechte Einwendungen erhoben haben, beziehungsweise

bei gleichförmigen Einwendungen der Vertreter, werdenvon demTermin gesondert

benachrichtigt.

Sind mehr als50Benachrichtigungen vorzunehmen, so könnensie durch öffentliche

Bekanntmachung ersetzt werden. Die Teilnahme an dem Erörterungstermin

ist denBeteiligten freigestellt. BeiAusbleibeneinesBeteiligtenindem Erörterungstermin

kann auch ohne ihn verhandelt werden. Die Vertretung durch

einen Bevollmächtigten ist möglich. DieBevollmächtigungist durch eine schriftliche

Vollmacht nachzuweisen, die der Anhörungsbehörde zuden Akten zu

geben ist.

3. DurchEinsichtnahmeindie Planunterlagen, Erhebungvon Einwendungen, Teilnahme

amErörterungstermin oder Vertreterbestellung entstehende Kosten

werdennichterstattet.

4. Entschädigungsansprüche, soweit über sie nicht in der Planfeststellung dem

Grunde nach zu entscheiden ist, werden nicht in dem Erörterungstermin, sondern

in einem gesonderten Entschädigungsverfahrenbehandelt.

5. Über die Einwendungen wird nach Abschluss des Anhörungsverfahrens durch

die Planfeststellungsbehörde entschieden. Die Zustellung der Entscheidung

(Planfeststellungsbeschluss) an die Einwenderkanndurch öffentliche Bekanntmachungersetzt

werden, wenn mehr als 50 Zustellungen vorzunehmen sind.

6. Die Nummern 1, 2, 3und 5gelten für die Anhörung der Öffentlichkeit zuden

Umweltauswirkungen des Bauvorhabens nach §18Abs.1UVPGentsprechend.

7. Seit Beginnder 1. Auslegungdes Planes(27.November 2017) besteht eineVeränderungssperre

nach §28aAbs. 1PBefG. Darüber hinaus steht seit diesem

Zeitpunkt der Vorhabenträgerin ein Vorkaufsrechtanden vom Plan betroffenen

Flächenzu(§28aAbs. 3PBefG).

Leiter derAnhörungsbehörde

Clemens Wanzek

Rechtsgrundlagen

Personenbeförderungsgesetz (PBefG) in der Fassung der Bekanntmachung vom

8. August 1990 (BGBl.IS.1690), zuletzt geändert durch Art.2Abs. 14 des Gesetzes

zur Modernisierung des Rechts der Umweltverträglichkeitsprüfung vom 20. Juli

2017 (BGBl. IS.2808)

Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in der Fassung der Bekanntmachung

vom 24. Februar2010 (BGBl. IS.94), zuletztgeändert durch Art. 22 des

Gesetzes zurBeschleunigungdes Energieleitungsausbaus vom 13. Mai2019 (BGBl.

IS.706)

Gesetz über ergänzende VorschriftenzuRechtsbehelfen in Umweltangelegenheiten

nach der EG-Richtlinie 2003/35/E (Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz –UmwRG) in der

Fassung derBekanntmachung vom 8. April 2013 (BGBl.IS. 753),zuletztgeändert

durch Art. 4des Gesetzes zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, des

Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, des Energiewirtschaftsgesetzes und weiterer

energierechtlicher Vorschriften vom 17. Dezember 2018 (BGBl. IS.2549)

Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) in der Fassung der Bekanntmachung vom

23. Januar2003 (BGBl. IS.102), zuletzt geändert durch Art. 5Abs. 25 desGesetzes

zur Einführung einer Karte für Unionsbürger und Angehörige des Europäischen

Wirtschaftsraums mit Funktion zum elektronischen Identitätsnachweis sowie zur

Änderung des Personalausweisgesetzes und weiterer Vorschriften vom 21. Juni

2019 (BGBl. IS.846)

Vertrauensdienstegesetz (VDG) vom18. Juli 2017 (BGBl. IS.2745),zuletztgeändert

durch Art.2eIDAS-Durchführungsgesetz vom18. Juli 2017 (BGBl. IS.2745)


16 ** Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Rentner stirbt nach

Rettung aus der Havel

Knapp zwei Wochen nach seiner

Bergung aus der Havelist ein 65-Jähriger

gestorben. Er sei am Mittwoch

in einem Krankenhaus seinen

schweren Verletzungen erlegen,

teilte die Polizei am Donnerstag mit.

DerMann war am 27. September mit

seinem Auto rückwärts vonseinem

Grundstück in Rathenow(Havelland)

in den Fluss gefahren. Zufällig

anwesende Polizisten und Rettungskräften

zogen ihn aus dem Fahrzeug

und reanimierten ihn. (dpa)

Vermutlich verseuchte Wurst

auch in die Prignitz geliefert

Fünf Brandenburger Landkreise haben

sich bislang in Zusammenhang

mit der Rückrufaktion wegen Listerien

in Wilke-Wurstwaren gemeldet.

Dasteilte das Verbraucherschutzministerium

mit. In der Prignitz etwa

hätten fünf Betriebe Warenerhalten,

teilte der Landkreis mit. Dazu gehörten

zwei Altenheime,ein Imbiss,ein

Großhändler und eine Pension. In

zwei Fällen sei Wurst entdeckt worden,

die nicht zum Endverbraucher

gelangt sei. Aktuell wirdimLand den

Angaben zufolge bei drei Erkrankungen

untersucht, ob sie auf Listerien

zurückgehen. (dpa)

Uni Potsdam schreibt

Preis für Toleranz aus

Biszum 10. November können Vorschläge

für den mit 5000 Euro dotierten

Voltaire-Preis „für Toleranz,

Völkerverständigung und Respekt

vorDifferenz“ eingereicht werden.

DieUniversität Potsdam hat die Auszeichnung

nun zum vierten Malausgeschrieben.

(dpa)

LOTTO-QUOTEN

Mittwoch-Lotto:

2-12-22-32-40-45, Sz. 8

QUOTEN

Klasse 1: unbesetzt

Klasse 2: 4x216 083,20 Euro

Klasse 3: 93 x4646,90 Euro

Klasse 4: 762 x1701,40 Euro

Klasse 5: 2670 x161,80 Euro

Klasse 6: 26 083 x33,10 Euro

Klasse 7: 38 962 x22,10 Euro

Klasse 8: 368 053 x10,50 Euro

Klasse 9: 300 059 x5,00 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Prächtig strahlt das goldene Geländer,zierlich schwebt der Dachstuhl, und die Wände sind geschmückt mit riesigen Gemälden: Aber nur wenn man eine VR-Brille trägt.

Vorwärts in die Vergangenheit

Im Neuen Museum könnenBesuchermittels Virtual-Reality-Brille zerstörte Gemälde betrachten

VonNikolaus Bernau

Inder nächsten Woche vorzehn

Jahren wurde das nach Plänen

von David Chipperfield Architects

wiederaufgebaute Neue

Museum auf der Museumsinsel eröffnet.

Mehr als acht Millionen Menschen

haben das Haus inzwischen

besucht, es gibt so gut wie keinen Architektur-

oder Museumspreis, den

es nicht erhalten hat. Am Freitagabend

wird das Jubiläum schon mal

vorgefeiert, und dabei werden auch

ein neues Führungssystem und eine

Reanimation des im Krieg zerstörten

großen Treppenhauses mit den

Wandgemälden Wilhelm von Kaulbachs

vorgestellt.

Lustige Entdeckungsreise

BrandenBurger adressen

25.RHEINSBERGER

TÖPFERMARKT

Sa.12./So. 13. Oktober2019 •10.30 -17Uhr

•100 Keramikeraus Deutschland &Europa

•bestesHandwerk&Unikat-Keramik

•Keramikpreisder StadtRheinsberg

•Manufakturbesichtigungen

•Ausstellungen

info: www.heimatverein-rheinsberg.de

telefonische anzeigenannahme: 030 2327-50

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte

und das Ägyptische Museum

haben nämlich ein System von

handlichen Führungskarten entwickelt,

mit denen sich die Besucher

eigene Rundgänge etwa zu Themen

wie Massenproduktion, Schein oder

Sein oder Nasen zusammenstellen

können. Eine lustige Entdeckungsreise

zu 160 Objekten, die im ganzen

Haus verstreut sind.

Ebenfalls eine Entdeckung dürfte

für die meisten Besucher sein, dass

die gewaltigen Ziegelsteinwände des

Treppenhauses einst mit Wandgemälden

geschmückt waren. Sechs

riesige Bilder sollten, so war es der

Wille König Friedrich Wilhelm IV.

und seines Malers Wilhelm von

Kaulbach um 1850, die aus ihrer

Sicht wichtigsten Stadien der

Menschheitsgeschichte darstellen –

damals selbstverständlich aus europäischer

Sicht. Man setzt sich also

auf die dank Chipperfield wieder erstandenen

Sitzbänke, stülpt die Virtual-Reality-Brille

auf und taucht ein

in eine Rekonstruktion des im Krieg

zerstörten Treppenhauses.

Prächtig strahlt da das goldene

Geländer, zierlich schwebt der gewaltige

Dachstuhl, und die Wände

scheinen wieder geschmückt zu sein

eben mit riesigen Wandgemälden,

die Titel tragen wie: „Die Zerstörung

Jerusalems“, „Die Hunnenschlacht“

und„Das Zeitalter der Reformation“.

Dank eines erhaltenen Ölgemäldes,

einiger Drucke sowie Aquarelle

konnten die Farbwerteder Bilder im

Computerprogramm ungefähr rekonstruiertwerden.

Perfekt sind diese Animationen allerdings

wahrlich nicht. Die Abbildungen

sind starkverpixelt, auch sind

die Raumbilder zu hell, die einst satttiefen

Farben zu scharf.Wereinmal in

französischen oder chinesischen archäologischen

Museen der jüngeren

Generation war, weiß, was da technisch

inzwischen an Illusionseffekten

Veranstaltungen

Oktoberf est

in

Hoppe garten

GROSSES

SAISONFINALE

13.OKTOBER

Sonntag –1.Start 11:00Uhr

FREIER EINTRITT

für Kinder und Jugendliche*

*bis 18 Jahre in Begleitung

von Erwachsenen

möglich wäre. Doch kosten solche

datenreichen Programme auch viel

Geld, das die Staatlichen Museen bekanntlich

nicht haben. Trotzdem

kann konstatiert werden: Der Raumeindruck

des im Krieg zerstörten

Treppenhauses wird überraschend

lebendig. Deutlich wird aber auch,

warum die Gemälde Kaulbachs mit

ihrer reichlich verschwurbelten Symbolikschon

um 1860 kaum noch verständlich

waren.

Erschreckende Beschreibungen

Der Text, den man jetzt inden VR-

Brillen hört, schließt sich an die damals

publizierten reinen Bildbeschreibungen

an. Undgenau deswegen

erschrickt man oft regelrecht: Da

wirdetwadie Zerstörung Jerusalems

durch die Römer –eine der größten

Katastrophen der jüdischen Geschichte

–als „Gottes Auftrag“ und

„Strafgericht“ beschrieben, dem nur

eine Christenfamilie entkam. Der

Angriff der Hunnen auf die Römer

wirdals angeblich „ewiger Kreislauf“

zwischen kraftvollen Barbaren und

an der Zivilisation schwächlich-dekadent

Gewordenen beschrieben.

DieEroberung Jerusalems durch die

Kreuzfahrer erscheint als „mystischer“

christlicher Glaubensakt,

ohne das fürchterliche Massaker,das

Gottfried von Bouillion und seine

Mannen 1099 an Muslimen und Ju-

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DAVIDS

den verübten, auch nur zu erwähnen.

Undist dieWeltgeschichte wirklich,

wie Kaulbauch und seine Auftraggeber

behaupteten, in den Gelehrten

und Künstlern der

Renaissance und in Martin Luthers

Reformation kulminiert?

Diese Gemälde waren auch aus

der Perspektiveder Zeit auffällig antisemitisch,

rassistisch, protestantismus-

und preußenzentriert. Für Historiker

ist das offensichtlich. Doch

den meisten Menschen muss man

diese Doppelbedeutung erklären.

Hier aber fehlt jede historische Einordnung.

Die scheinbar neutrale Beschreibung

der Bilder verschleiert

eher die oft grässlichen Inhalte. Immerhin

wirddeutlich: Es war die richtige

Entscheidung, diese Gemälde

nach 1989 nicht –wie es oft gefordert

wurde–nachzumalen.Schon als historische

Dokumente sind sie schwer

erträglich. Als neugeschaffene Kunstwerke

imalten Stil aber wären sie im

heutigen Deutschland schlichtweg

indiskutabel gewesen. Immerhin:

Anhand dieser virtuell rekonstruierten

preußischen Propagandakunst

kann man wieder heftig debattieren.

Präsentiert von:

Nikolaus Bernau findet,

auch historischer Antisemitismus

muss erklärtwerden.

Höherer

Mindestlohn,

Pflege stärken

Ergebnisse der Gespräche

von SPD, CDU und Grünen

Die Vertreter von SPD, CDU und

Grünen haben sich in ihrerVerhandlungsrunde

zu einer möglichen

Koalition in Brandenburg auf

eine Erhöhung des Mindestlohns

bei öffentlichen Aufträgen auf 13

Euro und auf einen „Pakt für Pflege“

geeinigt. Zudem sollen für die Gesundheitsversorgung

in der Fläche

alle Krankenhausstandorte erhalten

bleiben, wie Ministerpräsident

Dietmar Woidke (SPD) am Donnerstag

nach Beratungen zur Arbeitsmarkt-

und Gesundheitspolitik

in Potsdam berichtete.

Die Verhandlungsrunde habe

eine Anhebung des Mindestlohns

bei öffentlichen Aufträgen in einem

Schritt von derzeit 10,50 Euro auf 13

Euro in der kommenden Legislaturperiode

beschlossen, sagte Woidke.

Einen Zeitpunkt für die Erhöhung

konnte Woidke nicht nennen. „Das

kann in ein oder zwei Jahren passieren“,

meinte der Regierungschef.

Zudem sollen die Unternehmen bei

Fachkräften zur Zahlung von Tariflöhnen

verpflichtet werden. „Dies ist

auch ein Signal an den Bund, den gesetzlichen

Mindestlohn anzuheben“,

sagte Woidke. Derzeit liegt der

gesetzliche Mindestlohn bundesweit

bei 9,19 Euro.

Der kommissarische CDU-Landeschef

Michael Stübgen betonte in

diesem Zusammenhang, dass der

bürokratische Aufwand für Kommunen

und Kleinunternehmer bei öffentlichen

Ausschreibungen begrenzt

werden müsse.„Daher wollen

wir die derzeit gültige Grenze von

3000 Euro Auftragsvolumen, ab der

diese Regelungen gelten, überprüfen.“

Ziel der CDU ist eine Anhebung

dieser Grenze.

Der „Pakt für Pflege“ beinhalte

etwa ein Förderprogramm für die

„Pflege vor Ort“ und eine Unterstützung

der Ausbildung vonPflegefachkräften,

sagte Grünen-Fraktionschefin

Ursula Nonnemacher.Außerdem

seien ein Investitionsprogramm für

Kurz- und Tagespflegeplätze sowie

ein Ausbau der Pflegestützpunkte

auf dem Land vorgesehen. Dafür sei

ein zweistelliger Millionenbetrag

vorgesehen. „Wir denken, dass wir

damit ein deutliches Zeichen setzen,

dass uns die Situation der Pflegebedürftigen

sehr am Herzen liegt“,

sagte Nonnemacher.

Mehr Polizisten

Ministerpräsident Dietmar Woidke

(SPD) sagte, die Runde habe zudem

einen Erhalt aller Krankenhausstandorte

im Land beschlossen. In

die Klinken sollten jährlich mehr als

100 Millionen Euro investiert werden.

Allerdings sollen Kliniken auf

dem Land zu Gesundheitszentren

ausgebaut werden, in denen die

Ärzte neben der stationären Behandlung

auch ambulante Behandlung

anbieten, wie Nonnemacher erläuterte.

Beschlossen wurde nach Angaben

vonStübgen auch die Bestellung

von einem Jugend- und einem Seniorenbeauftragten.

Diese sollen bei

der Landesregierung angesiedelt

werden und die Interessen dieser Bevölkerungsgruppen

vertreten.

Die Koalitionsverhandlungen

werden an diesem Sonnabend mit

Beratungen zur Innenpolitik fortgesetzt.

In den Gesprächen hatten sich

die Parteien bereits auf eine Anhebung

der Zahl der Polizisten vonderzeit

8250 auf 8500 geeinigt. Über

das heikle Thema Abschiebehaft

wollen die drei Parteien nach Informationen

der Lausitzer Rundschau

am Sonnabend ebenfalls sprechen.

Bislang vereinbarten SPD, CDU und

Grüne inihren Sondierungsgesprächen,

dass die Abschiebehaft letztes

Mittel sein soll und Haftplätzeanderer

Länder weiter genutzt werden

sollen. Erst wenn keine Kapazitäten

mehr vorhanden sind, soll über neue

Maßnahmen beraten werden. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 17

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Gesundheit

Leichte Linderung

Rheuma ist nicht heilbar.Aberdie Patienten können bei rechtzeitiger Behandlung heute mit weniger Beschwerden leben als noch vor einigen Jahren

VonBernhard Sprengel

Rheuma hat viele Gesichter:

Es zerstört Gelenke, kann

aber auch Herz, Nieren,

Augen und andere Organe

befallen. In mehr als hundert unterschiedlichen

Erscheinungsformen

kann sich die Erkrankung äußern:

Gicht und Arthrose zählen beispielsweise

dazu, aber auch Morbus Bechterew

und Osteoporose.Treffen kann

die Krankheit nicht nur alte Menschen,

auch bei Kindern und Jugendlichen

können die typischen

Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten,

die zumeist mit Rheuma in

Verbindung gebracht werden. Allein

in Deutschland sind 17 Millionen

Menschen betroffen, so die Deutsche

Rheuma-Liga. Zwei Drittel sind

Frauen. Bisheute kann die Krankheit

nicht geheilt werden.

Tablette statt Spritze

Seit etwa zwei Jahren aber steht Patienten

mit entzündlichen Rheumaerkrankungen

eine neue und weniger

komplizierte Behandlungsmöglichkeit

zur Verfügung. Ärzte in Deutschland

können zwei Mittel verordnen,

die die Autoimmunreaktion bei der

rheumatoiden Arthritis auf neuartige

Weise unterdrücken.

Diesogenannten Januskinase-Inhibitoren

verhindern, dass bestimmte

Botenstoffe (Zytokine) an

der Zellmembran eine Signalkette

auslösen, die im Inneren der Zelle

zur Produktion neuer Entzündungsstoffe

führen. Diese verursachen im

Muskel- und Skelettsystem, aber

auch an Herz und Lunge schwere

Schäden und Schmerzen.

Es gibt bereits Biologika, gentechnisch

hergestellte Eiweißstoffe, die

als Medikament genauso spezifisch

außerhalb der Zelle die Botenstoffe

hemmen. Diese Mittel sind bereits

seit 1998 in Deutschland zugelassen,

sagt Hendrik Schulze-Koops, Präsident

der Deutschen Gesellschaft für

Rheumatologie. Seitdem hätten die

entzündlichen rheumatischen Erkrankungen

ihren Schrecken verloren.

Noch in den 80er-Jahren seien

die Patienten im Schnitt zehn Jahre

früher als die Gesamtbevölkerung

gestorben. Inzwischen sei ihre Lebenserwartung

dem Durchschnitt

angeglichen. Die Betroffenen könnten

sogar Sporttreiben.

Doch für viele Patienten haben

die Biologika einen Nachteil: Sie

müssen unter die Haut oder in die

Blutbahn gespritzt werden. Die

neueren Januskinase-Inhibitoren,

auch JAK-Hemmer genannt, können

Betroffene dagegen einfach als Tablette

schlucken. Die Leiterin der

Sektion für Rheumatologie und entzündliche

Systemerkrankungen am

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf,

Ina Kötter, bewertet die

Mittel als weiteren wesentlichen

Fortschritt in der Rheuma-Therapie.

Einanderer Vorteil, der sich in einigen

Jahren bemerkbar machen

könnte: die Kosten. Zurzeit schlägt

eine Behandlung mit Biologika nach

Angaben von Schulze-Koops mit

12 000 bis 25 000 Euro pro Jahr zu

Schmerzende Gelenkesind ein Symptom rheumatischen Erkrankungen.

Info-Veranstaltung: Zum Welt-Rheuma-Tag

hat der Landesverband der Deutschen-

Rheuma-Ligavier Vorträgeanerkannter Experten

organisiert. Die Veranstaltung an diesem

Freitag beginnt um 16 Uhr in der Begegnungshalle

der Deutschen Rheuma-Liga

(Mariendorfer Damm 159/161a). Die Vorträgewerden

liveimInternet übertragen:

www.rheuma-liga.de

SERVICE

SCIENCE PHOT

Andere Angebote: Der Landesverband Berlin

bietet aber auch regelmäßigeVeranstaltungen–zum

Beispiel Gruppengymnastik,

Selbsthilfegruppen, Beratungen und einen

Stammtisch für jüngere Erkrankte. Aufder Internetseite

des Verbandes kann man auch

die Broschüre „Agil bleiben“ mit Kursangeboten

herunterladen:

https://rheuma-liga-berlin.de

Buche. Die JAK-Hemmer sind ähnlich

teuer, eine Behandlung kostet

nach Angaben von Kötter 15 000 bis

18 000 Euro. Allerdings laufe der Patentschutz

für die Mittel innerhalb

von sieben oder acht Jahren aus.

Dann könnten Nachahmer-Medikamente

günstig hergestellt werden.

„Wir warten auf Generika“, sagt Kötter.

Die Produktion von Biologika

werde dagegen mit einem großen

Aufwand verbunden bleiben.

Schulze-Koops verteidigt die Verschreibung

der teuren Medikamente.

Während der Patient an Lebensqualität

gewinne,gewinne die Bevölkerung

an Arbeitskraft. Frühverrentungen

würden vermieden, betroffene Frauen

könnten schwanger werden und Kinder

bekommen. DieNebenwirkungen

der neuartigen Medikamente sind

meist Folgen der geschwächten Abwehrkräfte.

Kötter nennt vor allem

Herpes-Viren, die aktiv werden könnten.

Auch die Nierenwerte müssten

genau beobachtet werden.

Allerdings sind die Biologika

nicht das erste Mittel bei entzündlichen

rheumatischen Erkrankungen.

Wermit Schmerzen zum Arzt geht,

bekomme in der Regel zunächst Kortison.

Damit werde die Aktivität des

Immunsystems vermindert. „Wenn

es brennt, sind Sie froh, wenn die

Feuerwehr erst mal Wasser gibt“, erläutertSchulze-Koops

das Vorgehen.

Dann folge normalerweise die Gabe

von Hydroxychloroquin oder Methotrexat.

Das eine ist eigentlich ein

Malariamittel, das andere ein Tumormedikament.

In sehr niedriger

Dosierung könnten sie die Entzündungen

zum Stillstand bringen, jedoch

in der Regel erst nach einigen

Wochen oder mehr.

Eine Heilung rheumatisch entzündlicher

Erkrankungen ist noch

nicht möglich –auchmit den neuen

JAK-Hemmer nicht. „So suchen wir

nach wie vor nach dem Heiligen

Gral“, sagt Schulze-Koops.

Frühe Diagnose sehr wichtig

Entscheidend für den Erfolg einer

Therapie sei die frühe Diagnose.Wer

erkranke, habe nicht gleich Gelenkschmerzen,

sondern Symptome wie

bei einer Grippe: Fieber, Nachtschweiß,

Leistungsverminderung,

Müdigkeitsgefühl. Ob eine Entzündung

vorliege,müsse einRheumatologe

schnell klären.

Die Wahrscheinlichkeit eines Behandlungserfolgs

sinke pro Woche

um ein Prozent. Die Zeitspanne von

den ersten Symptomen bis zum ersten

Besuch beim Rheumatologen

liege nach einer Studie von 2016 bei

rheumatoider Arthritis aber bei acht

Monaten, bei Morbus Bechterew, einer

Erkrankung vorallem an der Wirbelsäule,sogar

fünf bis sieben Jahre.

Darum fordere die Gesellschaft

für Rheumatologie eine bessere

Früherkennung und Versorgungsstruktur.

Esfehlten 600 niedergelassene

Rheumatologen in Deutschland,

sagt Schulze-Koops.Zum Welt-

Rheuma-Tag will die Selbsthilfeorganisation

Deutsche Rheuma-Liga an

diesem Sonnabend den Blick auf die

Volkskrankheit lenken. (dpa; ost.)

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NEUE THERAPIEN ERMÖGLICHEN EINE SCHONENDERE BEHANDLUNG VON TUMOREN IM MUND- UND RACHENRAUM –EINE GUTE NACHSORGE IST DENNOCH WICHTIG

Mund- und Rachentumore nachhaltig behandeln

Tumore in Mund und Rachen werden oftmals zu

spät erkannt. Dabei erkranken nach Angaben

des Robert Koch-Instituts jährlich etwa 8000

bis 9000 Männer und 2000 bis 3000 Frauen an

einem Karzinom im Mund- und Rachenraum. Minimalinvasive

Operationen können Folgeschäden

der Therapie heute minimieren.

Kaum jemand denkt sich etwas dabei, wenn es

im Hals etwas kratzt, gerade zu dieser Jahreszeit.

Doch manchmal steckt mehr hinter dem scheinbar

harmlosen Symptom: Wenn sich das Kratzen

zu starken Schmerzen auswächst, die gemeinsam

mit Husten oder gar Atemnot länger als zwei bis

vier Wochen anhalten, sollten Betroffene umgehend

einen HNO-Arzt aufsuchen. Schließlich gibt

es im Mund- und Rachenraum einige Regionen, in

den sich Karzinome ansiedeln und aufgrund ihrer

starken Aggressivität schnell wachsenkönnen. So

treten Mundhöhlen- und Rachenkarzinome an der

Zunge, am Mundboden, am Gaumen und meistens

an den Mandeln auf. Eine weitere Tumorart,

die oftmals nur schwer zu erkennenist, ist ein Karzinom,

welches in Richtung Zungengrund wächst.

Befindensich die Tumore in den sogenannten prämalignen

Vorstufen, sind sie noch relativ klein und

können frühzeitig erkannt werden. Anzeichen für

eine Krebserkrankung sind beispielsweise weiße

Fleckenander Mund- und Rachenschleimhaut, die

sich in Krebs verwandeln und relativ schnell wachsen

können, wenn sie bösartig geworden sind.

Verschiedene Risikofaktoren

Mundhöhlen- und Rachenkrebs wird unter anderem

durch Tabak- und Alkoholkonsum ausgelöst.

Doch obwohl es inzwischen weniger Raucher

gibt, sind die Fallzahlen keineswegs rückläufig –

im Gegenteil: „Mittlerweile sind neue Risikofaktoren

hinzugekommen, etwa das HP-Virus. Dadurch

kommt es sogar wieder zu einem Anstieg an Erkrankungen“,

erklärt Prof. Marc Bloching, Chefarzt

der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde im Helios

Klinikum Berlin-Buch.

Ursprünglich war das Virus als Risikofaktor

für Gebärmutterkrebs identifiziert worden, doch

mittlerweile steigt auch die Rate der Karzinome

an, die durch HP-Viren bedingt sind. „Beim Rachenkrebs

sind es bis zu 40 Prozent“, so der

HNO-Experte. Mittlerweile gibt es deshalb auch

für Jungen von neun bis 14 Jahren eine offizielle

Empfehlung durch die Ständige Impfkommission

(STIKO)m nachdem die Impfung lange nur

für Mädchen empfohlen worden war. Die Kosten

übernehmen in diesen Fällen die Krankenkassen.

Prof.Dr. med. Marc Bloching,Chefarzt der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Ein weiterer Risikofaktor ist jedoch auch eine

unzureichende Mundhygiene, die die Entstehung

der Tumore begünstigen kann. So können sowohl

die Zahnfleisch- und Mundgesundheit, chronische

Entzündungen als auch die Zahl der kariösen

Zähne bei einer Tumorentstehung von Bedeutung

sein. „Es gibt auch bestimmte Risikofaktoren in

der Arbeitswelt“, fügt Prof. Bloching hinzu. „Diese

sind teilweise noch nicht anerkannt, wir haben

aber Hinweise, dass etwa bestimmte Kaltschneideöle

und Lösungsmittel das Risiko einer Erkrankung

erhöhen.“

Neue Behandlungsmethoden

Während ein Karzinom im Mund- und Rachenraum

in einem frühen Stadium meist operativ entfernt

wird, müssen fortgeschrittene Tumore im Normalfall

multimodal behandelt werden. Die Behandlung

umfasst dann eine OP sowie eine Radio-Chemotherapie.

„Im Einzelfall kann man auch nur eine

Radio-Chemotherapie einsetzen“, erklärt Prof. Bloching.

„Wichtig ist uns aber vor allem eine individuelle

Behandlung. Denn es gibt Tumore an Stellen,

die fürs Weiterleben unheimlich wichtig sind.“

Muss aufgrund eines Zungengrundkarzinoms der

Zungengrund entfernt werden, so können die Patienten

oft nicht mehr richtig schlucken. Einschränkungen

dieser Art beeinträchtigen somit ineinem

hohen Maße die Lebensqualität der Betroffenen.

Heute geht der Trend dagegen zur minimalinvasiven

Chirurgie. „Früher haben wir viel offen operiert,

heute arbeiten wir vermehrt endoskopisch,

mikroskopisch mit dem Laser oder im Einzelfall mit

dem Operationsroboter“, erläutert Prof. Bloching.

Funktionseinschränkungen wie Schluckund

Sprechbeschwerden und irreversible Geschmacksstörungen

lassen sich dennoch nicht

ausschließen. Begleitende Maßnahmen wie

beispielsweise die Spülung der Speicheldrüsen

mittels eines Endoskops sind jedoch innovative

medizinische Alternativen, die den Patienten den

Weg zurück in ein normales Leben erleichtern

können. Und auch die Nachsorge sollte nicht vernachlässigt

werden, empfiehlt Prof. Bloching: „Im

ersten Jahr sollte man alle vier bis sechs Wochen

einen Arzt raufschauen lassen.“ Grundsätzlich

rät der Experte dazu, sich nur in Zentren wie dem

Helios Klinikum in Berlin-Buch behandeln zu lassen,

die eine allgemeine Nachsorge durchführen

und diese als ein Gütesiegel ihrer Behandlungsmethoden

betrachten.

KREBS-INFOTAG

THOMAS OBERLÄNDER/HELIOS KLINIKEN

Am Samstag, den 9. November sprechen

Spezialisten von 9bis 15 Uhr im Helios

Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit

Interessierten über moderne Krebsmedizin.

Arzt und TV-Moderator Dr. Carsten

Lekutat moderiert eine Expertenrunde

zur fachübergreifenden Krebsbehandlung.

Interessierte könnensich über die Website

anmelden, aber auch spontane Teilnehmer

sind herzlich willkommen:

www.helios-gesundheit.de/

krebs-weiter-leben


18 Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Lokalsport

UM DIE ECKE

Routinedrama

der Woche

AKTIVES ABSEITS

Für die

lange Distanz

gemacht

Enjoy the Moon, das klingt nicht

nur gut, sondern gibt dem Galoppsportfreund

schon einmal einen

eindeutigen Hinweis auf das verheißungsvolle

Pedigree des dreijährigen

Hengstes, der am Sonntag auf der

Rennbahn in Hoppegarten zu den

sechs Startern bei der mit 55 000

Euro dotierten Gruppe-III-Prüfung

unter dem Titel „Silbernes Pferd“ an

den Startgehen wird. Denn wer„the

Moon“ im Namen trägt, ist ein Nachkomme

des Ausnahmehengstes Sea

the Moon, der wiederum das erste in

Deutschland geborene Produkt von

Seathe Stars ist. Wobei Letztgenannter

einer der großartigsten, wenn

nicht sogar der großartigste Galopper

der vergangenen zwanzig Jahre

ist. Sea the Moon siegte beispielsweise

im Jahr 2014 beim Deutschen

Derbymit elf Längen Vorsprung, Sea

the Stars wiederum hatte 2009 das

Kunststück fertiggebracht, der Reihe

nach das 2000 Guineas Stakes, das

Epsom Derby, das Eclipse Stakes,das

International Stakes, das Irish

Champions Stakes und schließlich

auch den Prix de l’Arc deTriomphe

für sich entscheiden zu können. Und

gilt deshalb für viele als das beste

Rennpferdaller Zeiten.

Seine größte Herausforderung

Zu derartigen Glanzleistungen ist

der in Köln von Trainercrack Peter

Schiergen vorbereitete Enjoy the

Moon offensichtlich nicht in der

Lage.Ja, nach den Eindrücken, die er

seit seinem ersten Einsatz am 19. August

2018 hinterlassen hat, stellt das

Rennen in Hoppegarten seine bis

dato größte Herausforderung dar.

Man darf vor allem gespannt sein,

wie er unter Mithilfe von Jockey Lukas

Delozier bei diesem prestigereichen

Steher-Rennen mit der Distanz

von3000 Meternklarkommt. Wobei

Schiergen darauf setzt, dass er zur

Entfaltung seines Potenzials„weitere

Wege braucht“.

Als Favoriten des Hauptrennens

im Rahmen des Hoppegartener Saisonfinals

gehen jedenfalls kurznach

14 Uhr der sechs Jahre alte Hengst

Moonshiner und die vierjährige

Stute Lillian Russell aus dem Besitz

von Scheich Mohammed aus Dubai

in die Startbox. Voreinem Jahr war

Moonshiner,der am Sonntag vonFilip

Minarik gesteuertwird, im Silbernen

Pferd nur Nikkei unterlegen.

Und auch in diesem Jahr zeigte er

durchweg eine ansprechende Form,

belegte in Hoppegarten beim Oleander-

und beim Altano-Rennen jeweils

den dritten Platz. (lot.)

Berühmter Vater,noch berühmterer Großvater:Enjoythe

Moon.

IMAGO IMAGES

Anweisung zum Schutz der Schiedsrichter:Ganz offenbar halten heute viel zu viele diesen Hinweis für antiquiert.

Die Angst pfeift mit

Schiedsrichterattacken, Spielabbrüche, Schlägereien: Der Fall Al-Dersimspor ist nur die Spitze des Eisbergs

VonMichael Jahn

An diesem Freitagabend

tagt ab 18 Uhrdas Sportgericht

des Berliner Fußball-

Verbandes (BFV). Es

könnte eine lange und komplizierte

Verhandlung geben im Fall des Berlin-Ligisten

BSV Al-Dersimspor.Was

war geschehen?

Das Gericht muss schwerwiegende

Vorfälle beurteilen, die beim

Spiel der Berlin-Liga, immerhin der

höchsten Berliner Spielklasse der

Amateure, zwischen Al-Dersimspor

und dem Frohnauer SC (2:4) am

Sonntag, den 22. September,passierten.

Nach insgesamt vier Platzverweisen

gegen Spieler von Gastgeber

Al-Dersimspor, drei davon in den

letzten Spielminuten, ist der Referee

Stefan Paffrath von einem Aktiven

von Al-Dersimspor tätlich angegriffen

worden. Offizielle des Gastgebers

hatten Paffrath noch schützend

Richtung Kabine begleitet, erst dort

soll ein zuvor ausgewechselter Spieler

den Schiedsrichter attackiert haben.

Der Spieler ist inzwischen vom

Verein aus Kreuzberg suspendiert

worden. Nach diesem Vorfall auf der

Lilli-Henoch-Sportanlage am Anhalter

Bahnhof reagierte der Schiedsrichterausschuss

des Berliner Fußballverbandes

umgehend und boykottierte

Al-Dersimspor. Für Spiele

dieses Vereins wurden nach dem 22.

September bis zur Sportgerichtsverhandlung

keine Referees mehr abgestellt.

„Der Schutz der Schiedsrichter

hat oberste Priorität“, begründete

JörgWehling, der Chef des Ausschusses,

die ungewöhnliche Maßnahme.

Später wurde Al-Dersimspor bis zum

heutigen Freitag für alle Spiele gesperrt.

Biszur Morddrohung

SITTENVERFALL

25

Gelbe Karten hat der BSV Al-Dersimspor

nach neun Spieltagen

in der Berlin-Liga

bislang kassiert. Da beim Tabellensechzehnten

noch drei Gelb-Rote Karten

und vier Rote Karten hinzukommen,

führtder Klub vomAskanischen Platz

die vomInternetportal Fupa.de

erstellte Unfairness-Tabelle

der Berliner Fußballklubs an,

bei der die Kreisliga

nicht eingerechnet ist.

150

Mal wurden Schiedsrichter

in der Saison 2018/2019 auf

Berliner Fußballplätzen angegangen.

Das Spektrum: Beleidigungen und

körperliche Gewalt

bis hin zu einer Morddrohung.

50

Spielabbrüche in der vergangenen

Saison, 30 davonbei den Erwachsenen,

20 bei Jugendspielen zeugen von

einer brisanten Lage, in der es immer

schwieriger wird, jungeLeute

für das Schiedsrichterwesen

zu gewinnen.

1100

Schiedsrichter sind eine

alarmierend geringeZahl, um die etwa

35 000 Pflichtspiele zu leiten,

die in einer Fußball-Saison

in den Berliner Ligen

anstehen.

Der Verein, seit 2015/16 in der Berlin-Liga

und meist in Abstiegsgefahr,

war in der Vergangenheit bereits

mehrfach unangenehm aufgefallen

und hatte Vereinbarungen, die Sicherheit

der Unparteiischen auf dem

engen Platz besser zu gewährleisten,

nicht eingehalten.

Die Ereignisse rund um Al-Dersimspor

sind aber nur die Spitze eines

Eisbergs. Bereits auf einer Pressekonferenz

im August hatte Jörg

Wehling, der Chef der Berliner

Schiedsrichter, Alarm geschlagen.

Damals wurden die Ereignisse aus

der Saison 2018/19 ausgewertet. Dabei

gab es 150 Vorfälle, bei denen

Schiedsrichter angegangen wurden.

„Das Spektrum reichte von Beleidigungen

über körperliche Gewalt bis

hin zu einer Morddrohung“, sagt

Wehling.

Es gab 50 Spielabbrüche, 30davonimErwachsenen-Bereich

und 20

im Jugendbereich. Die Konsequenz:

Es wird immer schwieriger, junge

Leute für das Schiedsrichterwesen

zu begeistern und zu gewinnen. Im

Amateur-und Jugendbereich Berlins

gibt es nur noch 1100 Referees für

etwa 35 000 Pflichtspiele in einer Saison.

Ralf Kisting, Referent für Öffentlichkeit

des Schiedsrichterausschusses,

selbst Unparteiischer und

Schiedsrichter-Obmann bei Hertha

BSC, sagte dieser Zeitung: „Wenn es

so weitergeht, haben wir irgendwann

keine Schiedsrichter mehr.Wir

sind total unzufrieden mit der Situation.“

Auch in der laufenden Spielzeit

häuften sich bereits wieder unschöne

Vorkommnisse im Amateurbereich.

Allein ein Blick in die „Fußball-Woche“

vom zurückliegenden

Montag zeigt das aktuelle Bild auf

vielen Plätzen. Da heißt es etwa nach

dem Spiel in der Kreisliga B, 2. Abteilung

zwischen DeportivoLatino und

SV Hürriyet Burgund, das 2:3 endete:

„Die Partie stand wegen einer größeren

Schlägerei unter den beiden

Teams in den Schlussminuten vor

dem Abbruch. Insgesamt wurden

fünf Platzverweise ausgesprochen.“

Oder: Inder gleichen Liga, 1. Abteilung,

meldete der Berichterstatter

vom Duell CFC Hertha 06 II gegen

BSC Rehberge II: „In der 72. Minute

wurde die Partie abgebrochen. An

der Ersatzbank der Gäste war es zwischen

Anhängern beider Vereine zu

einer Schlägerei gekommen.“

Zum Spiel Eichkamp Rupenhorn

gegen Cimbria Trabzonspor II in der

Kreisliga Bkam kein Schiedsrichter

und zum Duell in der Bezirksliga

zwischen dem Adlershofer BC und

Polar Pinguin erschien die Schiedsrichterin

nicht und war auch auf

Nachfrage der Vereine nicht zu erreichen.

Viele Unparteiische haben inzwischen

Angst, in bestimmten Ligen

zu pfeifen.

So ähnlich geht es beinahe jede

Woche auf Berlins Plätzen zu. Jörg

Wehling sagte: „Was wir erleben, ist

eine unglaubliche Respektlosigkeit

gegenüber Entscheidungen der

Schiedsrichter.Die Angst pfeift mit.“

Tobende Vorbilder

IMAGO IMAGES

Ralf Kisting beschreibt die Situation

so:„Die Hemmschwelle auf den Plätzen

ist gesunken –bei den Aktiven

untereinander und gegenüber den

Schiris. Auch die Eltern spielen bei

Begegnungen der Jugend oft eine

unrühmliche Rolle, bei den Erwachsenen

die FunktionäreamRande.“

Oft mischen sich selbst Trainer

ein und stürmen nach Schiedsrichterentscheidungen

auf den Platz.

Kisting kritisiert zudem die falsche

Vorbildfunktion, die manche Medien

aus dem Profibereich transportieren.

„Man zeigt tobende Trainer in

der Coachingzone oder Rudelbildungen

von Spielern, aber den versöhnlichen

Händedruck nach Abpfiff

im Kabinengang sieht man

nicht.“

Im Berliner Amateurbereich ist

die Lage brisant. „In der Kreisliga B

können wir nur etwa 80 Prozent der

Spiele mit Unparteiischen ansetzen,

in der Kreisliga Cnur rund 60 Prozent“,

sagt Kisting. Junge Referees,

die etwa tätlich angegriffen worden

sind oder beleidigt wurden, wieder

mental aufzubauen, sei sehr schwer.

Auch die Verrohung der Spracheuntereinander

auf dem Rasen sei extrem.

Kisting sagt: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl

geht irgendwie immer

mehr verloren. Dass Spieler beider

Mannschaften später gemeinsam

ein Bier trinken gehen, wie früher

oft üblich, findet kaum noch

statt.“ Berlins Amateurvereine blicken

nun gespannt auf das Sportgericht

des Verbandes. Die Entscheidung

im Fall Al-Dersimspor könnte

Signalwirkung haben.

Michael Jahn

trinkt nach dem Fußball

gern friedlich sein Bier.

FUSSBALL. Einem Krimi wohnt immer

ein Drama inne.Auch im Fußball

entstehen die spannendsten

Partien auf dieser Grundlage.Pokalspiele

bieten besonders gute Voraussetzungen.

Davonhat es zwischen

Viktoria 89 und Lichtenberg47zuletzt

einige gegeben. „Inden vergangenen

vier Jahren ist es diesen Freitag

schon das dritte Aufeinandertreffen“,

sagt Lichtenbergs Sportlicher

Leiter Benjamin Plötz. „Spiele gegen

Viktoria im Oktober oder November

sind für uns fast schon zur Routine

geworden“, fügt er ironisch an. Als

„Pokaldrama mit Elferkrimi“ ist vielen

das Spiel aus dem Jahr 2017 in Erinnerung.

Damals hielt Lichtenbergs

Keeper Niklas Wollertden Elfmeter

vonViktorias Kapitän Ümit Ergirdi.

Damals war Lichtenbergnoch Oberligist,

dem Drama folgte der Freudentaumel

beim unterklassigen

Klub.Andiesem Freitag treffen beide

Teams in Runde drei des Berliner Pokals

erneut aufeinander –als Regionalliga-Konkurrenten.

Diese Konstellation

ist neu. Nichtgeänderthat

sich die Attraktivität des Wettbewerbs:

„Man hat die Chance,inwenigen

Spielen an viel zu kommen“,

sagt Plötz. Lichtenberg47erreichte

das Finale zuletzt 2016 –und unterlag

dem BFC Preussen. Viktoria ist

der Titelverteidiger.Um19Uhr beginnt

die Geschichte heute im Stadion

Lichterfelde erneut. Sieist prädestiniert,

ein Drama zu werden.

Bücherwechsel

der Woche

VOLLEYBALL. Pokalspiele sind ein

Kapitel, Ligaspiele ein anderes.Im

Pokal haben die Zweitliga-Volleyballerinnen

des BBSC aus Köpenick am

Sonntag mit dem 3:1-Finalsieg gegen

den Drittligisten VSV HavelOranienburgzum

dritten Malhintereinander

den Regionalpokal gewonnen.

Besonders an diesem Buch: Auch voriges

Jahr bestritten beide Klubs das

Pokalfinale.Allerdings dirigierte

BBSC-Trainer RobertHinz damals

die Oranienburgerinnen. Besonders

ist auch, dass BBSC-AußenangreiferinAlina

Gottlebe-Fröhlich den Regionalpokal

schon elfmal gewonnen

hat –mit verschiedenen Teams.Bevordie

Köpenickerinnen aber in die

erste DVV-Pokalrunde einsteigen

dürfen, müssen sie sich am 27. Oktober

im Heimspiel gegen die Stralsunder

Wildcats durchsetzen. Gegen

den Zweitligakonkurrenten verloren

sie in der Liga vorzweiWochen glatt

mit 0:3. Aber der Pokal schreibt ja

seine eigenen Bücher.Zunächst

schlägt der BBSC nach fünf Pflichtspielen

auswärts am Sonnabend um

19 Uhrinder Hämmerlinghalle wieder

daheim ein Liga-Kapitel auf. Gegen

Meisterschaftsanwärter DSHS

Köln ist die Wahrscheinlichkeit allerdings

hoch, dass es weniger gut ausgeht.

ZAHL DER WOCHE

2

Heimspiele haben die Spielerinnen

des BHC noch, dann ist die Feldhockey-Bundesliga

um. So weit, so berechenbar.

Wobei Trainer Stan Huijsmans

mit drei Punkten rechnet, bevor

es in die Hallensaison geht. Am Sonnabend

spielt der BHC gegen den Club

an der Alster,amSonntag (je 14 Uhr)

gegen Großflottbek. „Wir sind besser

als Flottbek, daher ist es wichtig, dass

wir gewinnen“, sagt Hujsmans. Was

wohl bedeutet, dass er sich am Sonnabend

keine Punkte ausrechnet.


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 19 *

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Sport

Hagibis

sorgt für ein

Novum

Ein Supertaifun führt zu

Spielabsagen bei Rugby-WM

VonSissi Stein-Abel, Christchurch

Plötzlich spielt das Wetter die

Hauptrolle bei der Rugby-Weltmeisterschaft

in Japan und sorgt für

ein Novum: Aufgrund des auf den

Süden Japans zurollenden Supertaifuns

Hagibis, der das Festland der

Hauptinsel Honshu am Sonnabend

erreichen soll, hat der Rugby-Weltverband

World Rugby (WR) zwei der

acht Spiele des letzten Vorrundenspieltags

abgesagt: Neuseeland gegen

Italien in der Stadt Toyota und

England gegen Frankreich in Yokohama.

Zumersten Malinder 42-jährigen

Geschichte der Rugby-Weltmeisterschaften

fallen damit Spiele

aus. Die Punkte (vier für einen Sieg)

werden aufgeteilt.

Dasbedeutet beispielsweise,dass

Italien zwei Zähler für die Partie gegen

den dreifachen Weltmeister und

Titelverteidiger Neuseeland gutgeschrieben

bekommt, in der die Azzurri

nie im Leben ein Unentschieden

erreicht hätten –dafür gibt’s im

Rugby zwei Punkte. Inder Gruppe B

spielt dies jedoch keine Rolle,dasich

Neuseelands All Blacks und Südafrikas

Springboks vorzeitig fürs Viertelfinale

qualifiziert haben, ebenso wie

England und Frankreich in der

Gruppe C. „Wir haben uns schweren

Herzens zu diesem Schritt entschlossen“,

sagte Turnierdirektor

Alan Gilpin in einer Pressekonferenz,

„aber es ist im Interesse der Mannschaften,

der Zuschauer, des Turniers

und der Sicherheit der freiwilligen

Helfer.Alles anderewäreverantwortungslos

gewesen.“

Derstärkste Taifun des Jahres

Ob die Duelle am Sonntag zwischen

Japan und Schottland (Gruppe A) in

Yokohama sowie zwischen Wales

und Uruguay in Kumamoto stattfin-

Hagibis bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit

auf Japan zu.

den, wird erst am Morgen entschieden,

wenn der Taifun weitergezogen

ist und die Folgen begutachtet werden

können. Für Schottland, das am

Mittwoch beim 61:0 gegen Russland

den höchsten Sieg seit 15 Jahren einfuhr,

könnte eine Absage fatale Folgen

haben, denn in der Gruppe A

führt Japan mit 14 Punkten vor Irland

(11) und Schottland (10). Fällt

die Partie Japan gegen Schottland

aus,schließen diese Teams die Gruppenphase

kampflos mit 16 beziehungsweise

12 Punkten ab, und Irland

genügt in Fukuoka, wo auf jeden

Fall gespielt wird, ein Sieg gegen

Samoa, um mit 15 Zählernauf jeden

Fall vorden Schotten abzuschließen.

DerGruppensieger trifft im Viertelfinale

auf Südafrika, der Zweite auf

Neuseeland.

Hagibis hat sich im Westpazifik

von einem tropischen Zyklon in einen

Supertaifun umgewandelt. Die

Windstärke erreichte gestern bis zu

300 Stundenkilometern. Hagibis ist

bereits der 19. und bisher stärkste

Taifun in diesem Jahr.

Nicht nur die Rugby-WM wird

von dem wilden Wetter getroffen,

auch das Qualifying des Formel-1-

Rennens in Suzuka, das knapp 100

Kilometer südwestlich vonToyota im

Großraum Nagoya liegt, könnte am

Sonnabend ins Wasser fallen.

AP

Talent fürs Gefühl

Der Isländer Martin Hermannsson hat sich bei Alba vom Punktesammler zum Punktevorbereiter entwickelt

VonChristian Kattner

Der Montag, der freie Tag

in dieser Woche, gehörte

seiner zweitgrößten,

sportlichen Leidenschaft.

Auf dem Golfplatz erholte

sich Martin Hermannsson von den

Strapazen der vorherigen Tage: Drei

Spiele in fünf Tagen hatte der 25-Jährige

mit Alba Berlin absolviert, alle

drei gewonnen. „Golf gibt mir eine

Pause vom Basketball, ich denke an

nichts anderes, wenn ich auf dem

Golfplatz stehe“, erzählt er mit einem

Funkeln in den Augen. Schon

seit einigen Jahren spielt er Golf. In

seiner Heimat Island aber sind die

Sommer für Golf leider nicht so lang.

„Also musst du in ungefähr vier Wochen

so viel spielen wie möglich“,

sagt er und lacht.

Mitvielen Spielen hat Hermannsson

offensichtlich keine Probleme.

Nicht auf dem Golfplatz und erst

recht nicht auf dem Basketballfeld.

Am Erfolg in den bisherigen vier Saisonspielen

mit Alba Berlin hat er

maßgeblichen Anteil. An einem Gespräch

mit Martin Hermannsson

kommt man deshalb im Moment

nicht vorbei. Warder Isländer in seinem

ersten Jahr bei Alba Berlin noch

größtenteils als großartiger Punktelieferant

aufgefallen, so schultert er

zu Saisonbeginn den Ausfall der zwei

potenziellen Point Guards Peyton

Siva und Stefan Peno gemeinsam

mit Jonas Mattisseck und überzeugt

dabei mit einer offensichtlich neuen

Qualität: Wettbewerbsübergreifend

hat Hermannsson in den bisherigen

vier Saisonspielen durchschnittlich

8,5 direkte Vorlagen für seine Teamkollegen

verteilt und damit maßgeblichen

Anteil daran, dass diese vier

Spiele auch gewonnen wurden.

Auch am Freitagabend (19.30 Uhr)

im zweiten Euroleague-Spiel der Saison

bei Anadolu Efes Istanbul

möchte Hermannsson an seine bisherigen

Leistungen anknüpfen.

WasAußenstehende daran überrascht,

kommt für Martin Hermannsson

nicht unerwartet. „Ich

habe schon immer ein gutes Gefühl

für das Spiel und Talent für Pässe gehabt“,

sagt er.Dass er jetzt allerdings

einen klassischen Point Guard mit

Fokus auf das Passen und weniger

das Punkten abgibt, ist neu für ihn.

Mitdem eigenen Blick auf seine Körpergröße,

die Schnelligkeit und Körperlichkeit

kommt er allerdings zum

Schluss, dass dies vielleicht sogar

schon von Anfang seine Position

hätte sein sollen. „Es passt mehr zu

Martin Hermannsson ist aktuell der Überflieger im Team von Alba Berlin.

Bewusst: Als klarer Außenseiter geht Alba

Berlin in sein zweites Spiel der Euroleague.

Am Freitag treten die Berliner bei Anadolu

Efes Istanbul (19.30 Uhr) an, dem Zweiten

der vergangenen Saison in der höchsten europäischen

Spielklasse. „Uns ist bewusst,

dass wir nicht als Favorit dahin reisen“, sagt

Jonas Mattisseck.

ALS AUSSENSEITER IN ISTANBUL

CAMERA4

Beflügelt: Erst vordrei Wochen standen sich

beide Teams bei einem Vorbereitungsturnier

gegenüber.Damals siegten die Türken mit

92:74. „Das spielt aber keine Rolle mehr.

Das wird jetzt ein ganz anderes Spiel“, meint

Forward LukeSikma. Durch vier Siegeinden

ersten vier Pflichtspielen der Saison hat Alba

Selbstbewusstsein tanken können.

Mekka in der Landsberger Allee

mir“, sagt er. Das ist offensichtlich

auch Trainer Aito Garcia Reneses

und Sportdirektor Himar Ojeda im

Laufe der vergangenen Saison aufgefallen.

Haben die meisten Beobachter

dortmeistens nur Hermannssons

Wurf- und Scorerqualitäten gesehen,

so hat die sportliche Leitung

auch die Bundesligaspiele in Bonn (9

Assists), in Braunschweig und Göttingen

(je 8) sowie das Eurocup-Viertelfinale

in Malaga (9) gesehen. Bereits

dort glänzte der Isländer mit

Vorlagen für seine Mitspieler und

wurde von Ojeda sowie Coach Aito

nach der Saison darauf vorbereitet,

dass sie ihn in dieser Spielzeit eher

als Point Guardsehen. „Ich habe den

ganzen Sommer darüber nachgedacht,

um es zu verinnerlichen und

darauf vorbereitet zu sein. Genau

das zeige ich jetzt“, sagt Hermannsson,

„ich war immer der große

Punktesammler, muss aber jetzt

noch mehr lernen zu kreieren und

nicht zu punkten. Wirhaben so viele

gute Spieler, soviele gute Werfer in

der Mannschaft, die ich zur richtigen

Zeit auf dem Feld finden muss.“

Genau dafür aber braucht es ein

Talent. Während ein Basketballer

tagtäglich seinen Wurf verbessern

und daran arbeiten kann, ist das Verständnis

für das Spiel, das genaue Timing

von Pässen auf die Mitspieler

eine Gabe, die man nicht so einfach

trainieren kann. „Dieses Talent für

das Passen, das Gefühl für das Spiel

ist in dir oder nicht. Dasist schwer zu

lernen“, erklärter„mein Talent dafür

fällt erst jetzt auf, wo ich es regelmäßiger

mache.“ Auch in Istanbul

möchte der Isländer das am Freitagabend

wieder unter Beweis stellen,

wird dabei aber aller Voraussicht

nach erstmals in dieser Saison mit

Peyton Siva, dem etatmäßigen Point

Guard imTeam, auf dem Feld stehen.

„Zwei Spieler auf dem Feld zu

haben, die passen und werfen können,

gibt uns eine Menge Möglichkeiten.

Das wird schwer für die Gegner

zu entscheiden, wem sie etwas

Raum geben und wen sie unter

Druck setzen“, meint Hermannsson.

Die Rollenverteilung zwischen ihm

und Siva wirddie größte Aufgabe für

die nächsten Spiele sein. Dass das

klappen kann,„haben wir im vergangenen

Jahr auch schon gezeigt“, sagt

Peyton Siva, der vor kurzem durch

Martin Hermannsson seine Leidenschaft

für Golf entdeckt hat. Zugegebenermaßen,

erst mal nur auf dem

Handy,aber vielleicht verbringt auch

er bald mal Zeit mit seinem Aufbau-

Kollegen auf einem richtigen Platz.

Beim Weltcup in Berlin jagen die weltbesten Schwimmer Punkten für ihre Prämienwertung hinterher

Dieser Tage lässt sich das, was

sich die Schwimmer als Aufbruch

in eine neue, attraktivere Zeit

erhoffen, ganz gut mit dem vergleichen,

was es immer schon gab.Während

ein Teil der Topathleten bei der

Weltcup-Serie des Schwimm-Weltverbandes

(Fina) vonBudapest nach

Berlin weitergereist ist, um sich von

Freitag bis Sonntag im Becken der

Schwimmhalle an der Landsberger

Allee zu messen, zieht der andereTeil

der Topathleten einen Start bei der

International Swimming League

(ISL) vor. Nach dem Auftakt in Indianapolis

gastiert das neue Format,

das die Fina noch immer naserümpfend

ignoriert, an diesem Wochenende

in Neapel.

Geld gibt es bei beiden Wettkampfserien

zu verdienen. Bei der

Weltcup-Serie schüttet die Fina insgesamt

2,5 Millionen US-Dollar an

Prämien aus. Die private Profiliga

ISL wird von einem Konsortium getragen,

das vondem ukrainisch-russische

Oligarchen Konstantin Grigorischin

finanziell und von dem früheren

CIA-Agenten Daniel Hoffman

beratend unterstützt wird. EinPreisgeld

vonfünf Millionen Dollar ist für

die Premierensaison ausgelobt, dazu

darf sich jeder Sportler über 10 000

Dollar Antrittsgeld freuen.

Während Schwimmer wie Franziska

Hentke oder US-Olympiasiegerin

Katie Ledecky, die vorige

Woche in Indianapolis

dabei waren, und für

Teams wie Aqua Centurions,

Energy Standard oder

DC Trident starten, vom

Team- und Partycharakter

des poppig ausgeleuchteten

Events mit bunten

Teamboxen schwärmten,

will Deutschlands Doppel-

Weltmeister Florian Wellbrock

beim Heim-Weltcup in Berlin

seine Form bestätigen. „Die Halle an

der Landsberger Allee ist das Mekka

für uns“, sagte der Freiwasser-undzwischen-den-Leinen-Held

vom SC

Magdeburg. Vor einer Woche hatte

der 22-Jährige in Budapest in

14:57,83 Minuten über 1500 Meter

Freistil gewonnen. „Eine Zeit unter

15 Minuten ist zu diesem Zeitpunkt

prima“, sagte er.„Aber jetzt geht die

richtige Olympiavorbereitung erst

los mit drei harten Trainingslagern.“

Zuvor tritt Wellbrock in Berlin über

200 Meter Schmetterling sowie 200

und 400 Meter Freistil an.

In Berlin am Startist auch die Ungarin

Kattinka Hosszu. Die 30-Jährige

vermarktet sich als

Iron Lady und gehörte zu

dem Athletentrio, das in

der USA Klage gegen das

GETTY IMAGES/OLIVER HARDT

Wettkampfmonopol des

Weltverbandes Fina einreichte.

Sie fordert mehr

Partizipation der Schwimmer

an den Einnahmen

Sieben Jahre ungeschlagen:

Hosszu cup in Budapest überragte

des Verbandes. Beim Welt-

sie mit vier Siegen.

Für Aufmerksamkeit sorgten dort

nicht nur ihre Erfolge im Wasser.

Nach dem Rosenkrieg mit ihrem früheren

Ehemann und Trainer Shane

Tusup,der sich im Trennungsmodus

noch öffentlich darüber ausgelassen

hatte, dass Hosszu ihn mit ihrem

Trainingspartner Daniel Dudas betrogen

habe, waren viele auf das

Rennen über 400 Meter Lagen gespannt.

Dortnämlich sprang die Italienerin

Ilaria Cusinato vom Start-

block, die unbedingt bei Tusup trainieren

wollte.

Im ersten direkten Duell zwischen

Hosszu und Cusinato lagen

zwischen der Iron Lady und der 10

Jahrejüngeren Italienerin vier Plätze

und 14 Sekunden. Die eiserne Lady

baute über 200 Meter Lagen ihreSiegesserie

auf 65 Rennen ohne Niederlage

aus,zuletzt verlor sie über diese

Distanz im Dezember 2012.

Beim Weltcup in Berlin (Finals

Freitag 17.30 Uhr, Sonnabend 17.40

Uhr, Sonntag 18 Uhr, Eurosport)

rechnet sich Hosszu erneut ein üppiges

Taschengeld aus: EinSieg auf der

Einzelstrecke bringt 1500 US-Dollar,

in der Gesamtwertung 150 000 Dollar.

Nach vier von sieben Stationen

führt Hosszu die Frauenwertung an.

„Es ist igendwie verrückt, dass es gerade

diese Entwicklung im

Schwimmsport gibt“, sagte sie in

Berlin.„Hoffentlich bewegen wir uns

immer weiter in Richtung Professionalität.

Ich bin stolz darauf, Teil der

Entwicklung, vielleicht sogar ein

Vorbild zu sein, und zu zeigen, dass

man auch als Schwimmer Geld verdienen

kann.“ (kah.)

NACHRICHTEN

Eisbären wollen Siegesserie

gegen Krefeld ausbauen

EISHOCKEY. MitzweiSiegen am vergangenen

Wochenende haben sich

die Eisbären Berlin auf den neunten

Tabellenplatz vorgearbeitet. Am

Freitagabend (19.30 Uhr) wollen die

Hauptstädter ihren Aufschwung mit

einem Heimerfolg gegen die Krefeld

Pinguine fortsetzen. Beiden Gästen

zeigte die Formkurve zuletzt nach

unten: Durchfünf Niederlagen in Seriesind

sie auf den elften Rang abgerutscht.

Frauen im Iran erhalten

Zutritt ins Fußballstadion

FUSSBALL. Zumersten Malnach

fast 40 Jahren haben Frauen in der Islamischen

Republik Iran ungehinderten

Zutritt in ein Fußball-Stadion

erhalten. Für das WM-Qualifikationsspiel

gegen Kambodscha am

Donnerstag kamen Medienberichten

zufolge zwischen 3500 und 4000

Frauen erstmals mit einem frei zu

kaufenden Ticket ins Asadi Stadion

in Teheran.

Ehemaliger Langläufer Dürr

lebenslang gesperrt

LANGLAUF. Derösterreichische Skilangläufer

Johannes Dürr ist als Doping-Wiederholungstäter

lebenslang

gesperrtworden. Dasteilte die

österreichische Antidoping Rechtskommission

am Donnerstag mit.

Der32-Jährige sei wegen des „Verstoßes

gegen die Anti-Doping-Bestimmungen

schuldig zu sprechen“,

hieß es in der Mitteilung. Dürr soll

zeitweise zudem Blutdoping für einen

anderen Sportler organisierthaben.

Als Kronzeuge hatte er weitreichende

Aussagen gemacht und die

„Operation Aderlass“ ausgelöst, die

bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld/Österreich

zu Razzien geführt

hatte.

ZAHLEN

Eishockey

DEL, 10. Spieltag

DEG−Ingolstadt 1:2

Bre'haven−Schwen'gen Fr., 19.30

Eisbären −Krefeld Fr., 19.30

Köln −Augsburg Fr., 19.30

München−Wolfsburg Fr., 19.30

Nürnberg −Straubing Fr., 19.30

1 München 9 36: 15 27

2 Mannheim 9 31: 24 19

3 Straubing 9 35: 24 18

4 DEG 10 26: 20 18

5 Bre'haven 9 25: 22 15

6 Nürnberg 9 24: 22 14

7 Ingolstadt 10 32: 32 13

8 Iserlohn 9 20: 22 13

9 Eisbären 8 18: 22 11

10 Wolfsburg 9 21: 27 9

11 Krefeld 9 21: 30 9

12 Augsburg 9 25: 29 8

13 Köln 9 16: 29 8

14 Schwen'gen 8 24: 36 7

Fussball

EM-Qualifikation, 7. Spieltag

Gruppe C

Weißrussland -Estland 0:0

Niederlande -Nordirland Do., 20.45

1. Deutschland 5 17: 6 12

2. Nordirland 5 7: 4 12

3. Niederlande 4 14: 5 9

4. Weißrussland 6 3:10 4

5. Estland 6 2:18 1

Tennis

ATP-Turnier in Schanghaia

Achtelfinale: A. Zverev(Hamburg/5) -Rubljow

(Russland) 6:0, 7:6 (7:4); Djokovic (Serbien/1) -

Isner (USA/16) 7:5, 6:3; Federer (Schweiz/2) -

Goffin (Belgien/13) 7:6 (9:7), 6:4; Medwedew

(Russland/3) -Pospisil (Kanada) 7:6 (9:7), 7:5;

Thiem (Österreich/4) -Bassilaschwili (Georgien/15)

6:3, 6:4; Tsitsipas (Griechenland/6) -

Hurkacz (Polen) 7:5, 3:6, 7:6 (7:5); Fognini (Italien/10)

-Chatschanow(Russland/7) 6:3, 7:5;

Berrettini (Italien/11) -Bautista Agut (Spanien/8)

7:6 (7:5), 6:4


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 – S eite 20

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Sport

Nationalmannschaft

Gefahr

im Verzug

Frank Hellmann

wertet leere Tribünen als

Alarmzeichen für den DFB.

Wenn der Deutsche Fußball-

Bund (DFB) Länderspiele der

Frauen-Nationalmannschaft im Kartenvorverkauf

abwickelt, spuckt das

Ticket-Portal die Plätze nur blockweise

aus. Damit wird verhindert,

dass die Zuschauer sich später im

Stadion so verstreut wiederfinden

wie Pusteblumen auf einer Grünfläche.InPerfektion

wurde die Positionierung

der Kulisse beim DFB-Pokalfinale

der Frauen zwischen dem

VfL Wolfsburg und SC Freiburg (1:0)

in Köln am 1. Mai vorgeführt: Bereiche

oberhalb der Gegengerade und

Kurven blieben verwaist. Der Fernsehzuschauer

bekam trotz der nur

17 048 Zuschauer eine schöne Kulisse

vorgegaukelt, weil die Führungskamerameist

nur über die unteren

Tribünen des 50 000 Plätzebietenden

Stadions schwenkte. Verwerflich

war die geringe Resonanz

nicht, denn viel mehr gibt das

Frauen-Event nicht her.

Wenn allerdings dieselben Tricks

plötzlich für den Länderspielklassiker

Deutschland gegen Argentinien

der Männer greifen müssen, ist Gefahr

im Verzuge. Dass der Stadionsprecher

triumphierend die Zahl von

45 197 Zuschauern ausrief, muss in

Wahrheit als ein Alarmschrei gewertet

werden. Denn die gewaltige

Heimstätte von Borussia Dortmund

mit ihrer Kapazität für 80 000 Menschen

ist eigentlich immer voll bis

unters Dach.

Tristesse am Tivoli

Gewiss, das lange feststehende Fehlen

des gesperrten Lionel Messi

dürfte für das Länderspiel mindestens

5000 Fans gekostet haben, aber

der DFB ist gut beraten, eine vertiefende

Analyse über den Vertrauensverlust

bei seiner Stadionkundschaft

anzustellen. Die späten Anstoßzeiten,

die vielen Absagen bei Testspielen,

die mitunter lässige „Ergebnisist-egal“-Grundstimmung

des Bundestrainers

Joachim Löw und die

fragwürdige Preisgestaltung sind

eine Grundsatzdebatte wert. Wer

beispielsweise sich am 19. November

in Frankfurt das vermutlich bedeutungslose

EM-Qualifikationsspiel

Deutschland gegen Nordirland

ansehen will, zahlt zentral auf der

Gegengerade 80, hinter dem Tor45

Euro.

Denkverbote sollte es nicht geben.

Nurkann die Lösung nicht sein,

Männer-Länderspiele vermehrt in

kleinereStadien und Städte zu vergeben.

DieDFB-Frauen haben kürzlich

ihr EM-Qualifikationsspiel gegen die

Ukraine (8:0) in Aachen ausgetragen.

Gerade 5504 Interessierte kamen

auf den schönen Tivoli mit seinem

Fassungsvermögen für fast 33 000

Zuschauer. Daherrschte auf weiten

Teilen der Tribüne noch mehr Tristesse

als in Dortmund –darfaber bestimmt

kein Trost sein.

Eine erschreckende Zahl: Nur 45 197 Zuschauer

sahen das Länderspiel. MATTHIAS KOCH

Bundestrainer Joachim Löw gibt seinen Spielerngar nicht so leicht zu deutende Orientierungshilfen.

Konstant inkonstant

Der Prozessder Erneuerunghat bei der Fußball-Nationalmannschaft eine latente Wankelmütigkeit zur Folge

VonFrank Hellmann, Dortmund

Die Neuerungen bei der

deutschen Nationalmannschaft

reißen nicht

ab,und fast scheint es so,

als könne Veränderung gerade nicht

schnell genug gehen. Nicht nur,dass

die DFB-Auswahl beim überraschend

munteren 2:2 gegen Argentinien

in Dortmund am Mittwochabend

erstmals ohne einen Weltmeister

antrat, so ertönt neuerdings

bei Torerfolgen nicht mehr das nervige

„Schwarzund Weiß“ des Comedian

Oliver Pocher,sondernder knackige

Techno-Hit „Kernkraft 400“

von Zombie Nation. Innovativ auch,

dass ein Spieler bereits auf dem Platz

für alle Stadionbesucher über die

Lautsprecheranlage interviewt wird.

Nach dem durch 13 Absagen auf

deutscher Seite entwerteten Länderspiel

vorgerade mal 45 197 Zuschauern

(siehe Kommentar) traf es den

tapferen Julian Brandt, der im Sommer

zum BVB gewechselt ist. Doch

als der gebürtige Bremer nach „den

vielen guten Sachen aus der ersten

Halbzeit“ auch die Versäumnisse im

zweiten Durchgang ansprach – da

habe in der zusammengewürfelten

Mannschaft „die Chemie nicht mehr

so gut gepasst“ –mischten sich Pfiffe

in Brandts Ausführungen.

Das Murren im westfälischen

Stimmungstempel drückte einen gewissen

Unmut aus. Weil der tapfere

Auftritt der Verlegenheitself die latente

Wankelmütigkeit nicht übertünchen

konnte. Nur Joachim Löw

reagierte über dieses Manko an einem

nasskalten Oktoberabend nicht

verschnupft. Der Bundestrainer zog

ein überwiegend positives Fazit

nach einem „sehr dynamischen

Spiel, mit sehr starker Physis, sehr

viel Tempo“.

An den grundverschiedenen

Halbzeiten gab es ja auch für Löw

nichts zu rütteln. So gut der Ball erobert,

das Tempo erhöht und der

Weg zum Tor gesucht wurde, so

schlecht reagierte das Team auf die

Veränderung beim Gegner. Löws Elf

verließ der Mut, die Ballverluste

häuften sich –und am Ende verloren

selbst die Stabilisatoren die Übersicht.

Auch wenn die Dynamik eines

Lukas Klostermann erstmals wirklich

im Nationaldress zum Vorschein

Zehn Tore in elf Länderspielen: Serge Gnabrytrifft zum 1:0.

kam, die Robustheit eines Emre Can

gefiel und der Spielwitz eines KaiHavertz

jede Mannschaft bereichert:

Konstanz, Balance und Stabilität

über die gesamte Spielzeit sind

Fremdworte bei der DFB-Auswahl

geworden, seit der Prozess der Erneuerung

konsequent durchgezogen

wird. Trotzdem sprach Löw der

Mannschaft ein Kompliment aus,

„mit welchem Herz sie gespielt hat“.

Schwung und Spielfreude sahen 45

Minuten zukunftsweisend aus.

Diese Erkenntnis war dem 59-

Jährigen wichtiger als das Ergebnis.

So datiert der letzte Sieg in einem

Freundschaftsspiel gegen die Südamerikaner

mittlerweile mehr als 30

GETTY IMAGES/BARON

„In der Summe, wenn man die ganzen

Umstände betrachtet, war es nicht schlecht.

Wir kriegen aber hinten raus

noch die Tore. Das ist uns leider

jetzt schon öfter passiert.“

Joshua Kimmich gibt den lobenden, zugleich auch kritischen

Aushilfskapitän der Fußball-Nationalmannschaft.

Jahre her. Muss aber keinen in

Deutschland interessieren, so lange

die wichtigen WM-Duelle gegen Argentinien

gewonnen werden. Dass

die beiden im Umbruch befindlichen

Teams eher bei der Winter-WM

2022 in Katar als bei der EM 2020 beziehungsweise

bei der Copa América

2020 ausgereift sind, wirkt offenkundig.

Komplimente für Gnabry

WITTERS

Noch ist Löws Mannschaft, egal in

welcher Besetzung, unreif, ja fast

flattrig wenn sie einen Vorsprung

verwalten soll. Nicht einmal Anführer

Joshua Kimmich, von Löw nicht

aufgrund der Zahl seiner Länderspiele

(„schaue ich nicht drauf“),

sondern seiner Ausstrahlung zum

Kapitän ernannt („ein Vorbild an

Einsatz, in seiner ganzen Einstellung“),

ist davor gefeit. Dass die Argentinier

durch die eingewechselten

Lucas Alario (66.) und Lucas Ocampos

(88.) ausglichen, als der deutsche

Kontrollverlust bis in die letzte

Stadionecke zu spüren war, verhinderte

auch der 24 Jahre alte Münchner

nicht mehr.

Dafür bescheinigte Kimmich seinem

Klubkameraden Serge Gnabry

„absolute Weltklasse“. Seine Leistungen

wecken inzwischen größte

Hoffnungen, die Quote vonzehn Toreninelf

Länderspielen wirkt beeindruckend.

Wahnwitziges Durchsetzungsvermögen

und Können, wie

der Irrwisch per Außenrist das 1:0 erzielte

(15.), um dann auch Havertz

das 2:0 aufzulegen (22.). Klar, dass

Löw mit Komplimenten für den 24-

Jährigen nicht sparte. „Er ist ein

wahnsinniges Tempo und unglaubliche

Wege gegangen. Er ist überall

aufgetaucht und war ständig brandgefährlich.“

Seine Auswechslung war

allein der Vorsorge geschuldet, denn

ein gesunder Gnabry wird womöglich

den nächsten Gegner ganz alleine

aufmischen.

Estland wird imEM-Qualifikationsspiel

am Sonntag (20.45 Uhr) nur

auf Schadensbegrenzung aus sein.

Voneinem Sieg in Tallinn geht Löw

nach dem lockeren 8:0 im Hinspiel in

Mainz selbstverständlich aus.Der in

Dortmund noch geschonte Marco

Reus und Ilkay Gündogan sollen im

Baltikum wieder mitwirken. Und es

braucht dortauchkeine Dreierkette.

Wobei Löw mit Notlösung Robin

Koch alseiner vonvier Debütanten –

dazu Luca Waldschmidt, Suat Serdar

und Nadiem Amiri –ganz zufrieden

war. Der 23 Jahre alte Freiburger

spielte am Ende zwar im Abwehrzentrumnicht

so stabil, wie der Bundestrainer

das gesehen hatte,aberes

hat definitiv deutlich schlechtere

Anfänge einer Nationalmannschaftskarriere

gegeben. Der blondierte

Sohn von Harry Koch, Legende

mit Lockenkopf aus besseren

Tagen des 1. FC Kaiserslautern, im

Nationaltrikot – auch das ist eine

Neuerung bei der Nationalmannschaft

in Zeiten der rasanten Transformation.

Hübner

macht

Hoffnung

Union und Dynamo Dresden

trennen sich im Test 0:0

VonPatrick Berger

Es war ein niedliches Bild, das

beim Blick auf die Waldseiten-

Tribüne An der Alten Försterei zu sehen

war. Auf den beiden Emporen,

wo eigentlich die eisernen Vorsänger

−breit gebaut, bärtig und tätowiert−

stehen und die Menge mit Megafonen

anheizen, standen ein paar

Knirpse. Die jungen Zuschauer belebten

den eher müden und torlosen

Testkick zwischen dem 1. FC Union

und Dynamo Dresden mit ihren Gesängen.

„Auf geht’s Unioner, schießt

ein Tor!“, forderten sie immer wieder.

Das hatten sich die kleinen Stadionbesucher

vonden Großen abgeschaut.

NurGehör leisteten die Spieler

ihnen nicht.

Wieder im 3-4-3-System

2300 Zuschauer, begünstig durch

die Schulferien und den freien Eintritt

für Kinder bis zwölf Jahren, waren

am Mittag nach Köpenick gekommen,

um das Freundschaftsspiel

der Ost-Klubs zu sehen. Es war

ein klassischer Test für die zweite

Reihe.Trainer UrsFischer ließ gegen

den Zweitligisten alle Akteure, die

beim 0:1 in Wolfsburg noch auf dem

Platz gestanden hatten, draußen,

gab dafür Profis wie Michael Parensen,

Nicolai Rapp,JulianRyerson, die

alle noch ohne Saisoneinsatz sind,

oder Felix Kroos (nur ein Kurzeinsatz)

vonBeginn an eine Chance.Der langzeitverletzte

Florian Hübner feierte

zudem nach seiner Knieverletzung,

die er sich in der Sommervorbereitung

zugezogen hatte, sein Comeback

in der Innenverteidigung. Es sei

wichtig, Hübner peu àpeu anzuführen,

sagte Fischer. Hübner, der zur

Pause gegen Keven Schlotterbeck

ausgetauscht wurde, war zufrieden:

„Ich bin glücklich über meine Rückkehr.“

Er habe lange darauf hingearbeitet,

mit den Jungs wieder auf dem

Platz stehen zu können. Die wichtigste

Erkenntnis für ihn persönlich:

„Das Knie hat gehalten.“

Wie bereits in Wolfsburg ließ Fischer

mit einem 3-4-3-System spielen,

das bei gegnerischen Angriffen

zu einer Fünferkette wird. Routinier

Parensen fungierte als Kapitän, im

Angriff bemühten sich Sebastian Polter,MarcusIngvartsen

und Suleiman

Abdullahi. Unions Reservewar gegen

die Schwarz-Gelben spielerisch leicht

überlegen, vergab aber zu viele Torchancen.

Ein Kopfballtreffer von

Hübner nach nur sechs Minuten

nach Eckball vonKroos wurdewegen

Abseits aberkannt (6.). Kroos (30.),

Ingvartsen (41.), Parensen (42.), JoshuaMees(54.)

und Polter (62.) ließen

gute Möglichkeiten aus.

Coach Fischer, der seinen Spielern

bis Montag freigibt, fasste zusammen:

„Die Mannschaft hat so

noch nie zusammengespielt. Natürlich

war das phasenweise zu hektisch.

DieJungs warenengagiertund

konnten sich zeigen.“

Unions Hübner geht in den Zweikampf mit

Dresdens Kone.

CITY-PRESS


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Die Alte Nationalgalerie

stellt Werke

von Frauen vor 1919

aus Seiten 24 und 25

„Fabian Hinrichs im hautengen Goldeinteiler stößt Text vor sich her.“

Janis El-Bira genoss das neue Pollesch-Stück im Friedrichstadt-Palast Seite 22

Peter Handke wurde 1942 in

Griffen in Kärnten geboren.

Ich 1946 in Frankfurt am

Main. Er ist der Autor meiner

Generation. Als 1966 seine „Publikumsbeschimpfung“

im Theater

am Turm in Frankfurt amMain uraufgeführt

wurde, saß ich in der

zweiten oder dritten Vorführung im

Publikum. Er war damals schon ein

berühmter Mann. Nicht dank seines

kurz zuvor erschienenen Romans

„Die Hornissen“. Sonderndurch seinen

Auftritt bei der Tagung der

Gruppe 47 in Princeton. Er war damals

aufgestanden und hatte dem literarischen

Establishment „Beschreibungsimpotenz“

vorgeworfen.

Ausgerechnet er! Dabei zeichnete

gerade er sich dadurch aus.

Nichts lag der „Publikumsbeschimpfung“

und seinen anschließenden

Texten ferner als „Beschreibung“.

Es war, als beschimpfte er

seine Eltern, dass sie ihm die falschen

Gene gelieferthatten. Mirging

dieser Mangel an Reflexion sehr auf

den Wecker. Das änderte nichts an

meiner Begeisterung für seine Stücke.

Ich liebte ihre „Beschreibungsimpotenz“.

Ich liebte, dass es kein

Außen gab, dass die Sprache selbst

sich in ihnen auszutoben schien.

Mitunflätiger Lässigkeit

Ein Sprachspieler,

Virtuose und

Aufrührer

Der österreichische

Romanschriftsteller,Essayist und

Lyriker Peter Handke

erhält den

Literaturnobelpreis 2019

VonArnoWidmann

Seit über 50 Jahren ein literarischer Erneuerer:ImAlter von 76 Jahren ist Peter Handkeder Nobelpreis zugesprochen worden.

Das war meine Liebe zu Peter

Handke. Ich wusste damals noch

nicht, dass Liebe das Verlangen ist

nach etwas,das einem fehlt. Handke

war ein Sprachspieler, ein Wörterartist,

ein Virtuose auf der Klaviatur

unserer Redewendungen. Aber er

liebte die Beschreibung. Siebegehrte

er. Ich weiß nicht, ob er sich ärgerte

über den Erfolg der vonihm so leicht

gelieferten Kunststücke. Öffentlich

genoss er sie mit jener unflätigen

Lässigkeit, die wir an ihm liebten.

Er war Popliterat und er sah aus

wie einer.Pilzkopf und Schlaghosen.

Mädchenhaft schlank und immer

eine gut aussehende Frau an seiner

Seite.Hofiertvon den Medien, war er

vonAnfang an ein Star.Nicht nur des

Literaturbetriebes. Bewundert und

beneidet. Man hat Handke immer

wieder seinen Narzissmus vorgeworfen.

Vielleicht stimmt der Vorwurf.

Aber er ist ganz sicher falsch,

wenn man damit ein sattes Selbstbewusstsein

meint, jemanden also,der

völlig begeistert ist von dem, was er

macht. So einer war Handke nie. Er

war ein Arbeiter,einer,der sich abrackerte,ein

anderer zu werden.

Ich schrieb, dass ich ihn liebte.

Aber ich liebte den, der er war.Nicht

den, der er sich anstrengte zu sein.

Auch das liebende Herz ist ein

gleichtaktiger Muskel. Veränderungen

führen zu Herzrhythmusstörungen

und müssen behandelt werden.

Man will immer mehr von dem, das

man liebt. Manwill gerade nichts anderes.

Bis man sich überfressen hat.

Nunsucht man Neues.Für den Autor

und sein Publikum ist das ein Problem.

Wiekönnen sie im Takt bleiben?

Wie können sie es, wenn der Autor

sich gerade nicht treu bleiben

möchte, sondern nach Neuem

sucht. Womöglich nach dem, das er

gerade nicht geliefert hatte. Aber

auch das Publikum geht seine eigenen

Wege. Zunächst will es immer

mehr vom selben. Mit einem Male

aber langweilt es sich. Verfolgt neue

Ziele. Das müssen nicht dieselben

sein wie die des Autors.

Ichhabe keine Erinnerung daran,

wo Handke politisch stand in jenen

Jahren. Er war habituell einer von

uns. Aber er war das schon nicht

mehr in den Jahren der Studentenrevolution.

Sprachrevolten waren auf

einmal aus der Mode.Aufrufe waren

gefragt, Plakate,Manifeste.Eindeutiges.

Handke hätte das liefern können.

Aber allenfalls spielerisch. Sehr

schnell jedoch wurden aus Puddingattentaten

echte.

Das war nicht Handkes Weg. So

gekonnt er Sprache zerlegt hatte, so

weit war er doch davon entfernt, mit

der Welt das gleiche zu tun. 1972 erschien

sein trotziges Bekenntnis „Ich

bin ein Bewohner des Elfenbeinturms“.

Über Jahretrennten sich unsereWege.Ich

gehörte nicht mehr zu

seinem Publikum. Er gewann ganz

offensichtlich ein Neues.

JOHANNES SIMON

Ich ging wenig ins Theater. Ich

entdeckte ihn erst viele Jahre später

wieder. Erst 1992 erschienen der

„Versuch über die Müdigkeit“, der

über die Jukebox und der über den

geglückten Tag. Da kamen wir wieder

zusammen. Nach sehr unterschiedlichen

Wegen. Man würde die

deutschsprachigeWelt und vielleicht

nicht nur diese besser verstehen,

wenn man dieseVerzweigungen besser

begreifen würde. Die Seiten-, die

Nebenstraßen, die sich plötzlich

treffen, beide weit weg von der

Hauptstraße. Wir trafen uns gerade

nicht in der Mitte. Jedenfalls bilde

ich mir das ein. Zwei Jahrespäter das

gewaltigeWerk„Mein Jahr in der Niemandsbucht.

Ein Märchen aus den

neuen Zeiten“ fraß mich auf. Ich las

es, wie man lesen muss. Innehaltend,

nachdenkend. Ich verbrachte

viel Zeit mit ihm. Aber aufgeben

konnte ich nicht.

EinMeister der Beschreibung

Handke war in den Jahren, da ich ihn

verlassen hatte, ein Meister der Beschreibung

geworden. Unfassbar gut

war er, wenn es „Nicht-Orte“ waren,

anonyme Orte,Orte, die man durcheilt,

weil einen nichts an ihnen hält.

Handke lehrte mich, sie zu sehen. Im

„Versuch über die Jukebox“ heißt es:

„In dem Asphalt des Bahnsteigs war

ein großer Rußfleck; der Auspuff eines

inzwischen verschwundenen

Busses musste da lange hingeblasen

haben, so dick war die schwarze

Schicht.“ So schreibt ein Maler.Aber

einer, der weiß, dass alles eine Geschichte

hat. Der Rußfleck erzählt

eine über den Bus, der längst nicht

mehr zu sehen ist. Die Geschichte

macht aus einem Maler einen Erzähler.

Peter Handke ist der Autor, der

sich immer wieder neu erfindet. Der

Potenteste der Beschreibungsimpotenten

ist heute der, der das Beschreiben

besser beherrscht als die

meisten anderen. Er hat das gelernt.

Ich weiß nicht, wie er das getan hat.

Ichweiß nur:Erist ein poeta doctus,

einer, der nicht nur Spinoza und die

Mystiker gelesen hat.

Jetzt habe ich doch über Peter

Handke geschrieben, ohne Slobodan

Miloševic zu erwähnen. Daswar

wohl der Irrtum im Leben des Peter

Handke. Wer 1996 seinen Aufsatz

„Eine winterliche Reise zu den Flüssen

Donau, Save,Morawa und Drina

oder Gerechtigkeit für Serbien“ las,

der konnte den Verdacht haben, Peter

Handke habe sich in eine Landschaft

verguckt, sei möglicherweise

seiner eigenen in langen Arbeitsjahren

erworbenen Beschreibungskunst

auf den Leim gegangen.

Eine Gesamtausgabe des Werkes von

PeterHandke ist 2018 im Suhrkamp-Verlag

erschienen. HandkebibliothekI,II, III,

zusammen 355 Euro

Meisterin der Ambivalenz

Die Welt ist kompliziert, warum auch nicht? Olga Torkarczuk erhält den Literaturnobelpreis 2018 für ein komplexes, ausschweifendes Werk

VonJudith von Sternburg

Eine Situation wie aus einem Roman

von Olga Tokarczuk: Olga

Tokarczuk, natürlich unterwegs,

muss erst einmal rechts ranfahren,

um im Oktober 2019 die Nachricht

entgegenzunehmen, dass sie ab jetzt

und für immer die Literaturnobelpreisträgerin

für das Jahr 2018 ist.

Olga-Tokarczuk-Figuren sind in

Bewegung, nicht nur, aber auch in

dem ausschweifenden Mosaikroman

„Unrast“ (im vergangenen Jahr

mit dem internationalen Man-Booker-Preis

ausgezeichnet). Und ihre

Autorin geht von einer solchen

Gleichzeitigkeit der Dinge und Möglichkeiten

aus, dass es in ihren Büchern

zu erstaunlichen Verwebungen

kommt. Zeitlichen und auch solchen

zwischen Realität und (volkstümlicher)

Fantasie – zwei Wörter,

die man allerdings künftig wohl

grundsätzlich in Anführung setzen

muss, wenn eine Literaturnobelpreisträgerin

erklären kann: „Ich

kann mich nicht erinnern, dieses

Buch geschrieben zu haben“ (über

„Taghaus,Nachthaus“ von1998).

Dabei leidet Olga Tokarczuk gewiss

nicht unter einer Gedächtnisschwäche.

Die Kühnheit, mit der sie

Olga Tokarczuk im Jahr 2018 bei einer Lesung

auf der lit-cologne. DPA/CARSTENSEN

in ihren Romanen und Erzählungen

für die Desorientierung des Publikums

sorgt –eines Publikums, das

schon ein Minimum an intellektuellem

Wagemut mitbringen sollte –,

dient auch nicht der Verschleierung,

sondern dem Gegenteil davon: Tokarczuk

nimmt die Komplexität der

Welt in voller Brutalität, wenngleich

literarisch feinsinnig transformiert

in ihreBücher auf. Es ist nicht immer

das Einfache, das eine entlarvende

Wirkung hat, vielmehr ist es das Einfache,

das es zu entlarven gilt. Das

geht. Olga Tokarczuk, wie man liest,

ist in Polen eine ernsthaft viel gelesene

Autorin. In 25 Sprachen wurden

ihreBücher übersetzt.

„Ur und andere Zeiten“ erzählte

schon in den Neunzigerjahren von

einem polnischen Ort, an dem Menschen

zugleich in mehreren Zeiten

existieren. Fabelwesen tummeln

sich zwischen ihnen. Dersoeben auf

Deutsch (2014 auf Polnisch) erschienene

gewaltige Roman „Die Jakobsbücher“

(bei Kampa herausgekommen,

dem jungenVerlag, bei dem am

Donnerstag die Champagnerkorken

geknallt haben müssen) führt indas

vielsprachige, multiethnische, multikonfessionelle

Polen-Litauen des

18. Jahrhunderts (und zu der merkwürdigen

historischen Figur des

mehrfachen Konfessionswechslers

Jakob Frank). Das ist freilich jenes

Reich, von dem das nationalkonservativePolen

möglichst wenig wissen

will. Es hat insoferneine Ironie,dass

der polnische Kulturminister Piotr

Glinski die Ehrung Olga Tokarczuks

am Donnerstag als nationalen Erfolg

wertete: Er selbst, so Glinski, werde

sich jetzt noch einmal der noch nicht

beendeten Lektüre der Werke Tokarczuks

zuwenden.

Dem Schwiemeligen ist Tokarczuk

also abhold (auch wenn ihre

Kritiker das gerne einmal unterstellen,

wie gesagt: Literatur für Wagemutige).

Als sie 2015 den polnischen

Literaturpreis Nike erhielt, prangerte

sie bei der Preisverleihung die Intoleranz

gegen Flüchtlinge und den Antisemitismus

imLand an. „Wir haben

schreckliche Dinge getan“, sagte

sie mit Blick auf die polnische Geschichte

in einem Interview, worauf

sie massiv bedroht wurde.

Zuerst die Psychologie

Am Umgang mit Tokarczuk lässt sich

zweifellos auch die dramatische

Spaltung der polnischen Gesellschaft

ablesen. „Es ist so, als ob wir

zwei unterschiedliche Sprachen

sprechen würden“, so die Schriftstellerin

vor zwei Jahren in einem Interview

mit der österreichischen Zeitung

DiePresse,„es gibt nicht einmal

ein elementares Verständnis ... “

Olga Tokarczuk, vielleicht merkt

man es ihren Büchern an, hat sich

nicht immer ausschließlich dem

Schreiben gewidmet. 1962 in Sulechow

geboren, studierte sie in Warschau

Psychologie und arbeitete

zunächst als Therapeutin (und

bezogsich ausdrücklich auf C.

G. Jung). Mit einem Gedichtband

stellte sie sich 1989 als Autorin vor.

Auf Deutsch kann man sich auch

über eine Art Krimi, einen Tokarczuk-Krimi,

an sie heranpirschen.

„Der Gesang der Fledermäuse“ dreht

sich um einige seltsame Todesfälle

und lässt dafür eine höchst unzuverlässige

Erzählerin zu Wort kommen,

die die Möglichkeit ins Spiel bringt,

dass hier Tiere mit gutem Grund gemordet

haben könnten. Ein interessanter

Beitrag zum Thema Tierschutz

und Achtsamkeit sowie Unachtsamkeit

im Umgang mit der

Natur, dargeboten mit weit

mehr Ironie und Leichtigkeit,

als es in anderen Büchernzudiesem

so aufmerksam

beäugten

Bereich der Fall ist.

Den Nobelpreis

erhält

die 57-Jährige

nun

für ihre

„er-

zählerische Vorstellungskraft“,

die „mit enzyklopädischer

Leidenschaft

das Überschreiten

von

Grenzen als

Lebensform

symbolisiert“.

LA BOHEME

13., 19., 20., 23., 26.

Oktober 2019

Giacomo Puccini

Giacomo Sagripanti /Daniel Carter Musikalische Leitung

Götz Friedrich Inszenierung

Karten und Infos: deutscheoperberlin.de

+4930343 84-343


22 Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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Feuilleton

An den Showeinlagen beteiligt sich Fabian Hinrichs im völligen Einverständnis mit dem eigenen Dilettantismus, waszur Einsicht passt, dass nur Unvermögen vor der großen Uniformität noch rettet.

DPA

Man muss sich hängen lassen

Selten hat René Pollesch über sein Theater mehr verraten als mit Fabian Hinrichs und 27 Tänzern und Tänzerinnen des Friedrichstadt-Palastes

VonJanis El-Bira

Fast waren sie schon wieder

rum, die 75 Minuten

dieses funkelndsten

Klunkers in der Berliner

Spielplankrone, da wurde noch

mal geprotzt. Ein monströses

Stahlgerüst fährt hinein in die unendlichen

Weiten des Friedrichstadt-Palasts,

leuchtröhrenumrankt,

Treppen auf beiden Seiten.

Eine Einladung, eine Verheißung.

Fabian Hinrichs, Wanderprediger

mit heute offenbar wehem, sachte

gesetztem Fuß, geht eine dieser

Treppen hinauf –und wieder runter.Zweimal,

dreimal.

27 Tänzerinnen und Tänzer des

Palasts tun es ihm gleich, queren die

Brücke.Wenig später treffen sie sich

unter der Überführung, legen sich

wie schlafend nieder,Hinrichs in ihrerMitte.„All

die Möglichkeiten, die

gar keine sind!“, ruft er einmal –ist

es vorher,ist es danach? –andiesem

Abend. Nun also steht sie da und

glotzt romantisch, die eiserne

Show-Rampe. Ungenutzt und ausgeschlagen

wie ein in der Postfiliale

vergessenes Zalando-Paket.

Tief ins Herz des Pollesch-Theaters

führt dieser Moment, der aus

allem und nichts gezimmert

scheint. Ins Flirren und Schillern

seiner Kritik an der kapitalistischen

Wertschöpfungslogik, die nie so

daherkommt, als gäbe es überhaupt

noch eine Position, von der

aus sie sich unbeschadet äußern

ließe.

Widerständiges Ruhen

René Pollesch geht es um das widerständige

Ruhen inmitten der

Warenströme. Man muss sich hängen

lassen, weshalb Fabian Hinrichs

auch in „Glauben an die Möglichkeit

der völligen Erneuerung

der Welt“ am Ende vom Schnürboden

herunterhängt wie schon 2012

in Polleschs „Kill your Darlings!

Streets of Berladelphia“ an der

Volksbühne.

Zu jenem legendär gewordenen

Abend verhält sich das ungeahnte

Palast-Gastspiel überhaupt wie ein

Fortsetzungsstück. Wieder ist Einsamkeit

das Thema, wieder gibt

Hinrichs den monologisierenden

Conférencier, wird geturnt und gepurzelt

und ein Morrissey-Song rezeptionsästhetisch

ausgedeutet.

Wasbedeutet es, fragt Hinrichs ins

hallende Rund der 2000 Palast-

Plätze, wenn Zigtausende Menschen

Morrisseys Suizidfantasien

mitsingen? Haben die etwa alle

auch „kein Zuhause“? Wahrscheinlich

doch. Aber im Schmerz haust

es sich schöner.Und zusammen ist

man weniger allein.

Dass Pollesch und Co-Autor

Hinrichs damit nun eine Hochburg

DAS EREIGNIS

René Pollesch: „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“,Regie:

René Pollesch und Fabian Hinrichs, Mitwirkende: Fabian Hinrichs und Théa Barnwell, Azama

Bashir,Mirela Bauer,Marten Baum, AnastasiyaBerlovich, Paolo Busti, Valeria Ciampi, Emanuele

Corsini, Ezzat Wahid Ezzat Abdelmoty Gamel, Dimitri Genco, Lisa Jost, Marcello Letizia,

RobertMachamud, Gréta Nagyová, Anudari Nyamsuren, Gioia Pangallozzi, Beatrice Piastra,

PavelPukha, Sofia Schabus, Irina Spiridonova,Chelsea vanden Berg,Emanuele Vignoli, Filip

Vereš, Hanna Woldt, Justyna Woloch, Christine Wunderlich, Zahari Zahariev

Weitere Vorstellungen am 6. und 27. November,11. Dezember und 15. Januar,19. 30 Uhr,

Friedrichstadt-Palast, Friedrichstr.107

der durchperfektionierten Unterhaltungsshows

behelligen, kommt

dennoch erstaunlich selten wie ein

Ufo-Absturz daher. Das liegt auch

daran, dass Pollesch mit „Glauben

an die Möglichkeit“ einen seiner

bisher melancholischsten, zugewandtesten

Texte geschrieben hat,

weit weniger diskursgeschüttelt

und manchmal durchaus zuckriger

als seine jüngeren Arbeiten, die er

seit dem Ende der alten Volksbühne

landauf, landab über die

Bühnen schickt.

Pollesch nimmt den Friedrichstadt-Palast

ernst, weiß um die Verwandtschaft

seines E-Theaters mit

jenem mit dem großen U. Und der

Palast darf herzeigen, was er kann

und hat. In den Bühnenresten der

aktuellen Revue „Vivid“ lässt die

Lichttechnik ihre Lasershow-Muskeln

spielen; die begnadeten Tänzerinnern

und Tänzer sind Masse,

aber nicht Ornament, eher Kollektiv

als Netzwerk. Eine „Boléro“-

Choreografie wird zum szenenbeklatschten

Selbstzweck, eine Show-

Reihe mit makellos synchronisierten

Beinwürfen zum

musikbefreiten Sportstück.

Verkündigung im Goldeinteiler

Dazwischen stößt Fabian Hinrichs

im hautengen Goldeinteiler den

Text vor sich her, schlendert durch

die Zuschauerreihen, spricht im

angelernten Verkündigungston eines

Redners, der weiß, dass er eigentlich

„Käse erzählt“. An den

Showeinlagen beteiligt er sich in

völligem Einverständnis mit dem

eigenen Dilettantismus. Ganz so

hoch wie am Palast gefordert, wirft

auch ein Supersportler wie Hinrichs

die Beinchen nicht, seine Bewegungen

schleppen denen der

Kompanie stets um einen Sekundenbruchteil

hinterher. Auch das

ist purer Pollesch: Nur Unvermögen

rettet noch vorder großen Uniformität.

Aber Wahnsinn, wie gut

die aussieht!

„Zusammen im Auto zu sitzen,

das hatte Größe, aber es war eben

doch nichts“, sagt Hinrichs einmal

und hascht mit dem Text nach einem

dieser raren, wettbewerbsfreien

Augenblicke, die immer

schon in der Vergangenheit passiert

sein müssen. „Und an diesem

Nichts liegt mir unheimlich viel.“

DieShowsteht stille.Man kann das

rührend finden, allzu milde vielleicht.

Aber selten hat René Pollesch

mehr über sein Theater verraten,

selten lag es so schutzlos da. Ein

Theater, das immer auch im Verdacht

stand, aus dem Vielen nichts

und dem Nichts viel zu machen.

Wie seltsam, wie richtig, dass es

jetzt ausgerechnet an diesem Ort

ein vorübergehendes Zuhause hat.

Die Wunschmaschine namens Mensch

Robert Borgmann inszeniert Michel Houellebecqs Roman „Die Möglichkeit einer Insel“ im Berliner Ensemble

VonDoris Meierhenrich

Was wäre eigentlich, wenn man

am Ende aus dem Theater

ginge und wirklich alles anders

würde? Wenn man den Zweifel, der

dortgesät wird, zuließe,sein Denken

in kein Bild mehr stopfte, das sich

seit Ewigkeiten aus halbbewussten

Ideologien und vorgefertigten Kategorien

aufbaut. Wenn man wirklich

mal befreit sehen, anders denken,

also auch anders leben würde? Geht

das überhaupt? „Fragen Sie sich

selbst!“

UndWolfgang Michael, der so fragend

das Zwiegespräch mit dem Publikum

sucht, dabei aber nur als

Schatten hinter einer Stoffwand

sichtbar ist, setzt noch einen drauf:

„Suchen Sie Ihren Weg! Gehen Sie

durch ihre Angst! Zweifeln Sie!“ Wenige

Augenblicke später traut man

seinen Augen kaum, denn während

seine eigentlich kunstfreundlichen,

lebensbejahenden Ohrwürmer tiefer

in die Gehörgänge kriechen, dabei

immer verworrener, sinnloser

werden, hebt sich langsam die Wand

und Michael wird als Guru in faschistischer

Uniform sichtbar. Neben

ihm dreht sich eine wunderschöne

Plastikorchidee vom Bühnenhimmel

herab um sich selbst

und Michael fährtlächelnd fort, halb

spielend, halb aus seiner Rolle tretend.

Einglitschiger Fisch.

Es ist eine der vielen irrlichternden

Kippszenen, die Regisseur RobertBorgmann

an diesem erstaunlichen

Houellebecq-Abend mit erfreulich

weitmaschiger Texttreue im

Berliner Ensemble ganz in die Mitte

stellt. Sie ist nicht nur eine Glanznummer

für Wolfgang Michael, dessen

schillernde Schärfe unter seiner

immer zerknautschten Oberfläche

hier endlich einmal klar zutage tritt.

Sie amalgamiert auch gekonnt

verführerisch jene zentrale Doppelbödigkeit

der Wunschmaschine

Mensch, um die Michel Houellebecq

2005 seinen tiefschwarzen, so lebensgierigen

wie lebensmüden Zukunftsroman

„Die Möglichkeit einer

Insel“ schrieb. Esgeht darin –man

Peter Moltzen macht Houellebecqs „Arschloch-Komiker“ sympathisch. JR/BERLINER ENSEMBLE

becqs 450-Seiten-Schinken vor allem

Qual verspricht, weil er in weiten

Teilen aus den feuchten Altmännerfantasien

des egomanen, asozialen,

trotzdem unstillbar liebeshungrigen

Erfolgskomikers Daniel besteht.

Borgmann schrumpft ihn zurecht,

legt Figuren zusammen wie

fast alle, die im Roman als Vertreter

kann es faustisch nennen –umdie

Suche nach größter Lebensfülle und

tiefster Lebensruhe zugleich, ja dem

Nichts. Houellebecq nennt es die

„Aporie des Daseins“, Borgmann findet

etwas viel Interessanteres darin:

die Verführbarkeit, auch die Verführungskraft

der Kunst selbst. Entwarnung

also für alle, denen Houelleder

Elohim-Sekte auftauchen und

eine neue, leidenschaftslose, beliebig

erneuerbare Gattung Menschen

erschaffen wollen. Andere interpretiertergriffiger,vor

allem die Hauptfigur

Daniel selbst, den Peter Moltzenmit

seiner bübischen Fahrigkeit,

in übergroßen Clownsschuhen zu einem

schon wieder sympathischen

Macho-Looser macht. Constanze

Becker gibt seiner Lebensabschnittsgeliebten

Isabelle das puppenhaft

starre Schminkgesicht einer typischen,

flexibel einsetzbaren Karrieristinnen-Karikatur

unserer Zeit.

Der eigentlich interessante Aspekt

des Romans besteht nun darin,

dass dem „Arschloch-Komiker“ Daniel

seine genomidentischen Nachfahren

Daniel 24 und 25 zur Seite gestellt

werden. Sie leben in einer

durch Kriege und Klimaverschiebungen

völlig veränderten Welt 2000

Jahre nach ihm (und uns), sind aus

seiner DNA hergestellt, lesen aber

seine Berichte und geben ihre befremdlichen

Kommentare aus der

Zukunft dazu ab.Als kühl optimierte

Neomenschen ohne Begehren –den

Stoffwechsel erledigt Photosynthese

–treffen sie auf das wechselwarme

Leidenschaftstier Daniel wie ein Lindenblatt

auf den Kampfstier.

Was ist Glück, Völlerei oder

Leere?, fragt Houellebecq in diesen

Perspektivwechseln mal naiv, mal

zynisch. Borgmann kondensiert etwas

Intelligenteres daraus und fragt

mit allen Mitteln der Bühnenkunst:

Waswirduns als Glück verkauft? Was

sehen wir, was wollen wir sehen?

Wände heben und senken sich

scheinbar unmotiviert vor dem

schönen, großen Raum, als wären es

riesige Lidschläge eines Auges, das

die Bühne selbst ist. Unverkennbar

erscheint irgendwann auch die sich

malerisch drehende Riesenorchidee

in deren Mitte als DNA-Doppelhelix:

das bloße Ornament wird zum zentralen

Informationsbaustein des Lebens.

Verstörend, gefährlich. Es

braucht nur einen Lidschlag.

DieMöglichkeiteinerInsel 20., 27.10.,18Uhr,

BerlinerEnsemble,Bertolt-Brecht-Platz 1


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 23

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Feuilleton

Nur Grinsen

bringt

Zinsen

Sissi Perlinger gastiert

in der ufa-Fabrik

VonTorsten Wahl

Trägt gern(synthetische) Tiermuster:die

Kabarettistin Sissi Perlinger. STEFFEN JÄNICKE

Sie könnte auch als Therapeutin

ihr Geld verdienen. Sissi Perlinger

animiertihreGäste,die Gesichter

locker zu schütteln. Sie führt

vor, wie ansteckend und befreiend

das Lachen sein kann, indem sie

mit allen möglichen Tierstimmen

ein irres Gelächter erzeugt, das

vom Kreischen über Heulen bis

zum Glucksen reicht.

In ihren vorigen Programmen

hatte Sissi Perlinger ihre eigenen

Therapien ans Publikum weitergegeben,

hatte für Auszeiten gegen den

Burn-out geworben und Tipps fürs

Jungbleiben gegeben. Ihrneues Programm

heißt nun „Worum es wirklich

geht“ und will sehr viel politischer

sein als bislang von ihr gewohnt.

Die selbst erklärte „Bühnen-

Schamanin“ will nun die „Physik des

Glücks“ lehren, was nicht nur dem

Einzelnen nützen soll, sondern die

Konsum-Gesellschaft infrage stellt.

Denn glückliche Menschen müssten

nicht so viel Schrott kaufen. Das

Motto: „Nur Grinsen bringt Zinsen.“

Ihre Botschaften richten sich vorallem

an die Frauen, deren Belastungen

nicht mehr mit den traditionellen drei

K„Kinder, Küche, Kirche“ umschrieben

werden, sondern heute 39Kumfassen

würden: Vommorgendlichen

Kosmetik-Körper-Kult bis zum Kredenzen

einer kuriose Cunnilingus-

Choreografie des Nachts.Männer werden

von ihr entweder als Schimpansen,

Sklaven mit Schlips oder Playboys

karikiert –wobei sie die Anwesenden

als kultivierteTheatergänger vonihren

Schmähungen ausnimmt. Manche

Männerfiguren könnten auch helfen,

die von ihr propagierte vegetarische

Ernährung zu unterstützen. So schlägt

sie vor, Fleischpackungen künftig mit

einem Nacktbild vonRainer Calmund

zu versehen.

Ihr Programm ist hochtourig von

der ersten bis zur letzten Minute:

Sissi Perlinger arbeitet mit Stimme

und Körper, begleitet ihre Lieder

selbst mit Gitarre und Schlagzeug,

wechselt Kostüme und Rollen. So

verleiht sie in einer Berliner Szene einem

halben Dutzend Figuren verschiedene

Sprachen. Der Neonazi

spricht natürlich mit sächsischem

Einschlag. Dabei wirddie weltoffene

Gesellschaft nicht nur von solch

dumpfen Karikaturen angegriffen.

Als politische Kabarettistin agiert

Sissi Perlinger längst nicht so treffsicher

wie als Bühnen-Schamanin.

Dass die Politiker im Bundestag allesamt

„Schmarotzer“ seien und man

beim Wählen nur zwischen Pest und

Cholera unterscheiden könne, sind

billige Parolen, die auch von denen

stammen könnten, die sie attackiert.

Viel origineller sind Nummern

wie ihr Traum von einer Versammlung

aller Insekten: Hier findet sie für

jeden Käfer,jede Ameise,jede Biene,

jeden Falter eine eigene Stimme und

das Publikum muss nicht nur grinsen,

sondern kommt aus dem Lachen

gar nicht mehr heraus.

Sissi Perlinger:Worum es wirklich geht

weitereVorstellungen am Freitag und Sonnabend,

jeweils 20Uhr,Varieté-Saal der ufa-Fabrik

Die Herren baten zum Diktat

Heide Sommer erinnert sich an ihre Zeit als Sekretärin von Rudolf Augstein, Helmut Schmidt und anderen

VonArnoWidmann

Sie wurde 1940 in Berlin geboren.

„Für ein Studiumhaben

wir das Geld nicht“, erklärte

ihr Vater, ein Musiker,

der Abiturientin. Mit 22war sie Sekretärin

in der politischen Redaktion

der Wochenzeitung DieZeit. Fast ihr

ganzes Leben lang war sie Sekretärin.

Von Rudolf Augstein, Joachim

Fest, Günter Gaus, Fritz J. Raddatz,

Helmut und Loki Schmidt, Theo

Sommer, Carl Zuckmayer. Sie hatte

dazwischen auch weniger illustreArbeitgeber.„Lassen

Siemich mal machen“

ist der Titel ihrer Erinnerungen

an die berühmten Chefs.

Es ist ein großartiges Buch über

eine aussterbende Spezies. Es wird

immer Chefsekretärinnen geben.

Aber auch immer weniger.„Fünf Jahrzehnte

als Sekretärin berühmter

Männer“ ist der Untertitel. WerSkandalgeschichten

erwartet, wird enttäuscht

werden. Loyalität und Diskretion

stecken in der DNA einer Chefsekretärin.

Ohne sie sind alle anderen

Qualitäten, die sie hat, nichts wert.

Heide Sommer kann sich die entsprechenden

Stränge nicht einfach für ein

Buch rausschneiden. Aber was sie als

Skandalnudel nicht hergibt, macht

sie mehr als wett durch ihre Intelligenz.

Ich weiß, dass man so etwas

nicht sagt. Aber ich muss es doch sagen,

denn Heide Sommers Intelligenz

erstreckt sich auch und gerade aufs

Skandalöse.

Eine spezifische Intelligenz

Aber zunächst doch noch ein paar

andere Bemerkungen. Sie hat Romane

vonHenryRoth übersetzt und

eines der schönsten Bücher der vergangenen

Jahre: Sy Montgomerys

„Rendezvous mit einem Oktopus.

Extrem schlau und unglaublich

empfindsam: Das erstaunliche Seelenleben

der Kraken“ und im März

erschien „Einfach Mensch sein. Von

Tieren lernen“ ebenfalls von Sy

Montgomery. Auch Howard Zinns

„MarxinSoho“ hat sie aus dem Englischen

übersetzt. Sielektoriertauch

Bücher sehr bekannter Autoren.

Darüber schreibt sie nicht in ihrem

Buch. Es gibt nichts, davon gehe ich

aus,was sie nicht kann.

Womit wir bei ihrer sehr spezifischen

Form der Intelligenz sind. Es

ist eine invasive Form. Sie dringt ein

in ihr Gegenüber, macht sich vertraut

mit ihm, lernt zu denken wie es.

Sie schildert, dass sie bei Günter

Gaus durch die Wand, die das Chefvom

Vorzimmer trennt, hindurch

wusste,was er dachte.Wenn er dann

die Tür öffnete,war sie schon vorbereitet.

Heute hat man ein Wort dafür:

Empathie. Ich glaube, es kommt

nicht ein einziges Malinihrem Buch

vor. Dafür gibt es einen einfachen

Grund. Es hörtsich zu gefühlig an, es

fehlt der Abstand, den die Intelligenz

braucht, um sich auch in der größten

Nähe noch entfalten zu können.

Heide Sommer ist angewiesen auf

Chefs, die sie mal machen lassen.

Kontrollfreaks kann sie nicht brauchen,

und sie können sie nicht brauchen.

Je freier sie ist, desto besser erfüllt

sie dieWünsche ihrer Auftraggeber.Esist

ein wenig wie bei einer guten

Übersetzung. Ohne Freiheit gibt

es da keine Treue.

Wer jetzt denkt, er bewege sich

auf dem dünnen Eis einer gefälligen

Lebensphilosophie, der schreibe sie

bitte nicht Heide Sommer zu. Sie

kommt von mir. Heide Sommer ist

immer am Thema. Siebeschreibt die

Wandlungen des Bürolebens des

vergangenen halben Jahrhunderts.

Nicht nur die qualmenden Männerrunden

jener frühen Jahre, sondern

auch die damit verbundenen Technologien.

Wirstarten mit ihr in einer

Welt, in der Schreibmaschinen noch

schwergewichtige Apparate waren,

in denen es noch kein Tippex gab

und Diktiergeräte so gut wie keine

Rolle spielten.

Die Herren baten zum Diktat. Sie

waren brillant oder sie waren es auch

einmal nicht. Wichtig war, dass der

Text, den die Sekretärin ihnen am

1956: Heide Sommer vor dem Kirow-Stadion in Leningrad. ULLSTEIN BUCHVERLAGE GMBH

DAS BUCH

Heide Sommer:

Lassen Sie mich mal machen

Ullstein-Verlag Berlin, 2019, 256 Seiten, 22 Euro

Schluss gab, eswar. Erwar der Spiegel,

in dem sie sich wiedererkennen

wollten. Die Vorstellung, alles drehe

sich um Effizienz, ist falsch. Sie mag

die Voraussetzung für alles sein, aber

ohne Narzissmus und dessen Befriedigung

läuft nichts auf der Welt. Nur

Psychopathen brauchen nicht das

Gefühl, geschätzt oder gar geliebt zu

werden.

Heide Sommer schildert sehr genau

die Nähe,die zwischen einer Sekretärin

und ihrem Chef entsteht,

ohne zu erschrecken vor der damit

immer verbundenen Erotik. Theo

Sommer heiratete sie,und sie bekam

Kinder von ihm. Eine Weile verschwand

sie in der Ehe.Das ist keine

Institution, in der es heißt:„Lassen Sie

mich mal machen.“ Es sei denn, man

trennt die Bereiche.Aber Heide Sommers

Intelligenz ist invasiv.Getrennte

Bereiche sind ihreSache nicht.

Über die Arbeit mit Günter Gaus

schreibt sie: „Seine Artikel schrieb er

wie Augstein mit der Hand, und er tat

das, wie dieser, in der alten deutschen

Sütterlin-Schrift. Da unlesbar,

weil ein Spiegel seiner Verklemmtheit,

musste er mir seine Texte nach

der Niederschrift noch ins Stenogramm

diktieren.“ Das ist die vom

Stand der Technologie geschaffene

Ausgangssituation. Sie hat Konsequenzen:

„Wie Jahre zuvor mit Theo

entstand auch hier in der physischen

Intimität der Diktatsituation diese

leicht erotische Spannung, die wir

nicht ernst nahmen, die uns aber ein

Flirtlächeln ins Gesicht zauberte und

den Arbeitseifer enorm ankurbelte.“

Erotische Spannung erhöht den Arbeitseifer.

Das ist eine Erfahrung. Eine Erfahrung

ist freilich auch, dass man

die Spannung nicht beliebig erhöhen

kann und der Arbeitseifer steigt

immer weiter mit. Ganz abgesehen

davon, dass man nicht davon ausgehen

kann, dass die eigene erotische

Spannung immer der des Gegenübers

entspricht.

Die Hand im Nacken

Heide Sommer erzählt weiter:

„Gaus wanderte beim Diktieren im

Zimmer auf und ab, immer wieder

die gleichen Schritte um die Sitzgruppe

aus Leder herum. Ich saß

niedrig im Besuchersessel, die

Beine übergeschlagen, den Kopf

Richtung Block geneigt. Ab und zu,

ganz selten, wenn er beim Umherwandern

anmir vorbeikam, strich

er mir sacht mit der Hand über den

Nacken und beobachtete interessiert

die Wirkung, die das auf mich

hatte. Und es hatte eine Wirkung,

das war für ihn deutlich zu erkennen,

doch lag das eher an meinem

sensiblen Nacken als an ihm. Wir

machten nichts draus, esblieb bei

der leeren, verspielten Geste, einem

Hauch vonNichts.“

Keine tiefen Blicke mehr,sondern

zarte Handlungen, kleine, gezielte

Übergriffe, von oben nach unten.

Heide Sommer schützte sich, indem

sie Gaus von oben betrachtete: „Ich

fühlte mich weder bedrängt noch

beleidigt und spürte, dass er, der

enorm Eitle, stets Unsichere, nach

Lob und Bestätigung Lechzende,das

nur machte, umseine eigene innere

Anspannung, den Druck, ob der Artikel

gelingen würde, abzubauen. Die

kurzen Berührungen waren seine

Blitzableiter,die Blicke eher fragend,

Zustimmung erheischend.“

Wieviel Druck durfte er abbauen?

Welchen Druck? Wo war die Grenze?

Natürlich ist eine Sekretärin nicht

dazu da, dem Chef beim Druckabbau

behilflich zu sein. Dergleichen

gehört in keine Arbeitsplatzbeschreibung,

in keinen Arbeitsvertrag.

Andererseits geht es bei aller

Kommunikation nie nur um Mitteilung,

sondernimmer auch um Spannungsauf-

und Spannungsabbau.

Wer esbei sich nicht bemerkt, der

sehe sich bei seinen Mitmenschen

um oder betrachte auf Youtube einen

Film über Bonobos.Oder besser

noch: Er lese Heide Sommers Expeditionsberichte

aus der bundesrepublikanischen

„Mad Men“-Welt.

NACHRICHTEN

Russische Journalistin Julia

Jusik im Iran freigelassen

Dietagelang im Iran inhaftierte russische

Journalistin Julia Jusik ist wieder

in Freiheit. Siesei nach Bemühungen

des russischen Außenministeriums

und der Botschaft in Teheranfreigelassen

worden, teilten

Diplomaten bei Twitter mit. Die

Rede war zunächst voneinem Spionageverdacht

gewesen, später hatte

der Iran die Festnahme mit einem

Visaverstoß begründet. Im Iran werden

Ausländer bei Visaverstößen

normalerweise des Landes verwiesen.

Es sei denn, es besteht Verdacht

auf illegale Aktivitäten wie etwa

Spionage.Als illegal gilt auch, wenn

Journalisten mit einem Touristenvisum

ins Land kommen und ohne

Kenntnis des Presseamts journalistisch

arbeiten. (dpa)

Senat meldet Erfolge

der Berliner Bühnen

Dieinstitutionell geförderten Theater,Orchester

und Tanzcompagnien

erwarten im Jahr 2019 insgesamt

über 3,3 Millionen zahlende Besucher.Das

teilte die Senatsverwaltung

für Kultur am Donnerstag mit. Allein

der Friedrichstadt-Palast meldet den

Angaben zufolge mehr als 550 000

Kartenverkäufe,die Philharmoniker

knapp 266 000, dahinter liegen die

drei Opernhäuser mit zwischen

211 000 und 244 000 Besuchern. Die

Liste der Sprechtheater führtdie Komödie

am Kurfürstendamm mit

167 000 verkauften Karten an. (BLZ)

Berliner Ensemble

hat sparsame Besucher

DasBerliner Ensemble hat zur Eröffnung

seiner zweiten Spielstätte das

Prinzip „Pay what youwant“ getestet.

DieBesucher konnten über den

Kartenpreis selbst entscheiden. Die

Bilanz nach sieben Abenden: DieZuschauer

spendeten im Schnitt 9Euro

und damit weniger,als sie sonst hätten

zahlen müssen, teilte eine Sprecherin

mit. DerregulärePreis betrage

im Neuen Haus zwischen 13

und 29 Euro.Allerdings sei etwa jeder

vierte Besucher erstmals im Berliner

Ensemble gewesen. (dpa)

Ozzy Osbourne sagt

Europatournee 2020 ab

Derbritische Musiker Ozzy Osbourne

(70) hat seine Europatournee

für Februar,März2020 aus gesundheitlichen

Gründen abgesagt –

und zugleich ein neues Album angekündigt.

In einem Instagram-Video

teilte er am Mittwoch (Ortszeit) mit:

„Wie ihr vielleicht wisst oder auch

nicht wisst, hatte ich Anfang des Jahreseinen

bösen Sturz. Dabei wurden

alle Wirbel in meinem Nacken zerstört,

und ich musste mich operieren

lassen. Jetzt habe ich mehr Schrauben

und Mutterninmeinem Nacken

als in meinem Auto.Ich sterbe nicht,

ich erhole mich. Es dauerteinfach

nur ein bisschen länger als gedacht.“

Laut Tourneeveranstalter „LiveNation“

werden alle Europa-Shows in

der ersten Jahreshälfte 2021 nachgeholt.

(dpa)

TOP 10

Mittwoch, 9. Oktober

1 Fußball, 2. Halbzeit RTL 7,70 29 %

2 Fußball, 1. Halbzeit RTL 6,78 22 %

3 Tagesschau ARD 5,40 19 %

4 Brennpunkt Halle ARD 4,79 16 %

5 heute ZDF 4,50 19 %

6 Aktenzeichen XY ZDF 4,38 14 %

7 ZDF spezial ZDF 4,21 16 %

8 Brennpunkt Türkei ARD 4,11 13 %

9 SokoWismar ZDF 3,93 20 %

10 Heldt ZDF 3,61 13 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Ost (✆ 44 03 91 68)

20.00: Ambient 1: Theatrefor Airports (Hyperion)

20.00 4. Etage: Machbar Unmöglich (Tretau /Reiwer)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Panikherz

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

19.30: Lear

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30: Kommt ein Pferd in die Bar

20.00: Draufgängerinnen (Junges DT)

HAU1(✆25 90 04 27)

20.00: no apocalypse not now

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

19.30: Die Mittelmeer-Monologe

20.00: Keine Angst vorNiemand! (Rixdorfer Perlen)

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Alte Liebe

Komödie (✆ 88 59 11 88) 19.30: Rio Reiser –Mein

Name ist Mensch

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Yesbut No

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Mord aufSchloss Haversham

Schaubude (✆ 423 43 14)

20.00: EIS −Lost (in) Antarctica (PortFolio Inc.)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00 Saal C: DankeDeutschland

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

21.00: Festival After Europe: Being pink ain’teasy

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

19.00: Die lustigen Weiber vonWindsor

Theaterdiscounter (✆ 28 09 30 62)

20.00: Karneval der Tiere (ThermoboyFK)

Theater Thikwa (✆ 61 20 26 20)

20.00: Zugabe (Addas Ahmad und Monster Truck)

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: UntermTeppich

Uferstudios (✆ 46 06 08 87)

20.30 Studio 1: Soft Things

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07) 20.00:

Shakespeares sämtliche Werke(in 90 Minuten!)

Anzeige

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: TV Noir

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Aquamarin(Klaus Hoffmann)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Chanson Divine (Evi Niessner)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Die Zukunft istkeinPonyhof

20.00: Zirkus Angela

Estrel Showtheater (✆ 68 31 68 31)

20.00: StarsinConcert

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn

(✆ 546 98 -0) 19.30: Showlights

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

20.00: West Side Story

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Ausder Hüfte, fertig,los! (Sascha Korf)

Mehringhof-Theater (✆ 691 50 99)

20.00: Kein Wunder (Frank Goosen)

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Zwäi (E1nz)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(John Doyle, Serhat Dogan,

Nizar,Sebastian Krämer,Mod.: Roberto Capitoni)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Harald Pomper (Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Carrington-Brown: Best of

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Varieté-Salon: Razzz –Das Beatboxmusical

20.00 Varieté Salon: Worumeswirklich geht

(Sissi Perlinger)

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Woodstock Variety Show

Berliner Festspiele

#immersion

HAUS DER BERLINER FESTSPIELE—HAUS DER BERLINER FESTSPIELE

Taylor Mac, with costumes byMachine Dazzle

©Photo: Little Fang Photography at the Curran

IMMERSION –PERFORMING ARTS 6

A24-DECADE

HISTORYOF

POPULAR MUSIC

10.–

20.10.19

Europapremiere /

European premiere

Spektakel

Das Leben

und die

Literatur feiern

Der Mauerfall war für Ronald

M. Schernikau kein

Grund zur Freude. Ersprach

sogar von Konterrevolution.

Schernikau schrieb in dieser

Zeit an seinem Opus Magnum

„Legende“, dessen Erscheinen

1999 er nicht mehr erlebte.Der

Autor, 1960 geboren, aufgewachsen

in Lehrte bei Hannover,

zog 1980 zum Studium

nachWest-Berlin, träumte aber

davon, am Literaturinstitut„Johannes

R. Becher“ in Leipzig zu

studieren, was ihm ab 1986 gelang.

„Die Tage in L.“, 1989 herausgekommen,

sind ein Blick

auf diese Zeit. Er starb im Oktober

1991. Die „Legende“ erscheint

jetzt wieder: 1072 Seiten

als Montage aus Dokumentarliteratur

und Science Fiction,

aus Theaterstück und

Erzählung, ungezügelter, expressiver

Text. Im Literarischen

Colloquium wird das Werk auf

vielerlei Weise in vielen Räumen

mit elf Autoren und Musikerngefeiert.

Cornelia Geißler

Legendäres Schernikau-Spektakel

19Uhr, LCB, Am Sandwerder 5, 8/5 Euro

Sabine Lepsius: „Selbstbildnis“, 1885

SMB/NATIONALGALERIE/JÖRG P. ANDERS.

Ingeborg Ruthe

erlebt in dieser aufschlussreichen Ausstellung

der Alten Nationalgalerie das

energische Streiten und die zähe Ausdauervon

Künstlerinnen der jungen Weimarerer

Republik um Gleichberechtigung.Sie

schafften es damals mit ihren

Werken in den heiligen Tempel der deutschen

Kunst.

Endlich

sichtbar

Die Alte Nationalgalerie erzählt

vom zähen Ringen vieler

Künstlerinnen vor 1919 um

Akzeptanz und Anerkennung

Die junge Malerin mit dem

Bubikopf schaut ernst,

irgendwie prüfend aus

dem Bild mit dem goldbraun-diffusen

Hintergrund. In den

Händen hält sie Palette und Pinsel,

den kleinsten zur Lasur klemmt sie

manieristisch zwischen Ringfinger

und kleinem Finger. Die Frau wirkt

zwar selbstbewusst, aber auch nachdenklich,

fast ein wenig zögerlich.

Sabine Lepsius, geborene Graf,

maltesich 1885 –sie war 21 Jahrealt –

in dieser Haltung: Eine stimmungsvolle

Mischung aus Verträumtheit,

Entschlossenheit, aber auch Skepsis.

Die gebürtige Berlinerin kam aus einer

assimilierten jüdischen Künstlerfamilie.DerVaterwar

Porträt- und

Historienmaler,die Mutter Lithografin,

aber Malerei studieren konnte

sie damals noch nicht an einer offiziellen

Kunsthochschule.Der Zutritt

war Frauen verwehrt.

Dasänderte sich erst mit der Weimarer

Republik. Also lernte die

Hochtalentierte das Handwerk und

profilierte ihren impressionistischen

Porträt-Stil zuerst im Atelier des Vaters,

später unter Obhut ihres Ehemannes,

des Malers Reinhold Lepsius,

Mitglied der Berliner Sezession

um Max Liebermann, genauso wie

seine nach künstlerischer Emanzipation

strebende Gattin. Diesemalte

an die 280 Porträts der jüdischen

Berliner Gesellschaft, Frauen, Männer,

Kinder. Nur zu kleinen Teilen

blieb dieses auch zeitzeugenhafte

Werk erhalten, da die Auftraggeber

aus Nazi-Deutschland fliehen, ihre

Sammlungen auflösen mussten oder

gar Opfer des Holocaust wurden.

Fast vergessen im Depot

Sabine Lepsius’ Selbstporträt hängt

nun im Blickpunkt einer Schau der

Alten Nationalgalerie. Der Titel

„Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen

der Nationalgalerie vor1919“ erzählt

Bild für Bild, Skulptur für

Skulptur, Plastik für Plastik vom oft

steinigen und hindernis-bewehrten

Weg heute namhafter Künstlerinnen,

es sind 43 an der Zahl. Ihre Arbeiten

gehören der Nationalgalerie;

aber sie waren nur gelegentlich ausgestellt,

lagerten zumeist im Depot,

gerieten gar in Vergessenheit wie

etwa die Plastikender norwegischen

Bildhauerin Ambrosia Tønnesen

oder die Bilder der auch in den USA

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Gut gegen

Nordwind 14.15; Once Upon aTime in...Hollywood

17.00,20.30

Cinema Paris (✆ 881 3119) Nurejew –The White

Crow 14.50, 17.40; Der Glanz der Unsichtbaren –

Les invisibles 20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 1026) Deutschstunde

14.50,17.40,20.30

Delphi LUX (✆ 322 931040) Der Glanz der Unsichtbaren

15.00, 17.30; Joker (OF) 15.15, 18.00,

20.00, 20.45, 22.40; Ein Licht zwischen den

Wolken 13.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 17.10, 20.30; Nurejew –The White Crow

(OmU) 14.00, 18.40; Midsommar (OmU) 21.20;

Downton Abbey (OmU) 14.30, 20.15; Und der

Zukunft zugewandt 15.30, 17.50; Systemsprenger

14.30, 17.15, 20.00; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit 14.00, 16.45; Skin (OmU) 16.00,

22.40; Synonymes (OmU) 18.30;AdAstra –Zuden

Sternen (OmU) 21.10

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Deutschstunde

17.30, 20.00; Blinded by the Light 22.15; Bruder

Schwester Herz 16.30; Systemsprenger 18.30;

Zwischen uns die Mauer 20.30; Kamikaze 1989

(OmenglU) 22.30

Kant Kino (✆ 319 98 66) Joker 15.00, 17.45,

20.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

13.30,15.30;Gelobtsei Gott 17.30; Nurejew –The

White Crow 20.15; Die drei!!! 13.15; DerDistelfink

15.30; Late Night –Die Show ihres Lebens 18.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 20.45; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 13.15, 15.15; Gut gegen

Nordwind 17.20; Leid und Herrlichkeit 20.00; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingomit Flamingo! 13.15; Fritzi

–Eine Wendewundergeschichte 15.20; Downton

Abbey 17.30, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 2966) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.15, 14.25; Joker

(OF) 16.45; Joker 19.45, 22.45; Joker 11.45,

14.30; 3D: Gemini Man 17.20, 20.10, 23.00; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 12.45,15.15;

Joker 17.45; Ad Astra –Zuden Sternen 20.40;

Downton Abbey 11.30, 14.15, 17.10, 20.00; Es:

Kapitel II 22.50; Angry Birds 2: Der Film 12.30; 3D:

Gemini Man 14.45; Deutschstunde 17.30; Dem

Horizont so nah 20.20; Joker (OF) 23.00; Der Distelfink

11.45; Deutschstunde 15.00,20.15; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 17.45; Ad Astra

–Zuden Sternen 23.00; Die drei !!! 11.00; Dem

Horizont so nah 13.10, 15.20, 17.40; Joker (OF)

20.00; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 22.50

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Memory

Games (OmU) 11.00; Der Goldene Handschuh

(DFmenglU) 12.30; Midsommar (OmU) 14.15;

Datsche (OmenglU) 16.50; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm18.30;Once UponaTime in... Hollywood

(OmU) 20.00; The Dead Don’t Die (OmU)

22.45; Und der Zukunft zugewandt (DFmenglU)

11.00; Push – Push (OmU) 12.45; Schwimmen

(DFmenglU) 14.15; Synonymes (OmU) 15.50; Die

Geldwäscherei –The Laundromat (OmU) 17.50;

Gelobt sei Gott 19.40; Midsommar (OmU) 22.00;

DieAgentin –The Operative (OmU) 11.00; Leid und

Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmU) 13.00; Mein Leben

mit Amanda 15.00;Shaun das Schaf: DerFilm:

UFO-Alarm 16.45; Skin (OmU) 18.15; Systemsprenger

(DFmenglU) 20.20; Ready or Not? –Auf

die Plätze, fertig,tot (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Und der Zukunft

zugewandt 14.00, 18.15; Systemsprenger

16.00, 20.15; Midsommar (OmU) 22.45; Über

Grenzen –Der Film einer langen Reise 14.00; Celebration

(OmU) 16.15; Barstow, California (mit

anschl. Gespräch) 17.45; Congo Calling (OmU)

19.30; Barstow, California (OmU) 21.15; Playland

USA (OmU) 22.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Spider-Man: Far

From Home 13.45; Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

13.45, 16.45; Fast &Furious: Hobbs

&Shaw 13.45; 3D: Der König der Löwen 13.45,

19.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00, 17.00; Joker 14.00, 17.00, 19.30, 20.00,

22.30, 23.00; 3D: Gemini Man 14.00, 16.50,

19.45,22.45; Dem Horizont so nah 14.00, 17.00,

20.00, 23.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.15, 17.30; Dora und die goldene Stadt 14.15,

17.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.15; Enzo und die wundersame Welt der Menschen

14.20;Angry Birds 2: DerFilm 14.30, 17.15;

Good Boys 14.40; Ready or Not? –Auf die Plätze,

fertig, tot 16.15; Gut gegen Nordwind 16.15; Es:

Kapitel II 16.40, 20.15, 22.30; Downton Abbey

16.50, 19.50; Angel Has Fallen 17.00, 20.00; Ad

Astra –Zuden Sternen 17.10, 20.15; Midsommar

19.00, 22.15; Joker (OF) 19.15; Gemini Man

20.15; Once Upon aTime in... Hollywood 20.30;

47 Meters Down: Uncaged 20.30, 23.00; Rambo

5: Last Blood 22.50; Midnight Movie:MonsterParty

23.00; Intrigo –Samaria 23.00; Skin 23.15; Gemini

Man (OF) 23.15

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 18.00; Systemsprenger

(OmenglU) 20.10; Skin (OmU) 22.30;

Berlin Bouncer (OmenglU) 18.00; Dunkel, fast

Nacht –Ciemno, prawie noc (OmU) 19.45; Heute

oder morgen 22.00; Endzeit (OmenglU) 23.45

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Fritzi – Eine

Wendewundergeschichte 13.30; Dem Horizont so

nah 13.40, 16.40, 19.30; Dora und die goldene

Stadt 13.50, 16.20; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.00, 16.30; Angry Birds 2: Der Film

14.00, 17.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.10, 16.50; Joker 14.15, 17.10, 20.10, 23.00;

3D: Gemini Man 17.00, 20.00, 22.50; Es: Kapitel

II 19.10; Gut gegen Nordwind 19.20; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 19.40; Downton Abbey 19.50;

Ad Astra –Zu den Sternen 22.20; Intrigo: In Liebe

Agnes 22.30; Rambo 5: Last Blood 22.50; Intrigo –

Samaria 22.50; Good Boys 22.50

Kino Kiste (✆ 998 7481) 3D: Der König der Löwen

15.05; Gelobt sei Gott 17.45; Blinded by the

Light 19.40

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Dora und die

goldene Stadt 11.50, 14.30, 17.40; Enzo und die

wundersame Welt der Menschen 12.00; 3D:Der König

der Löwen 12.00; UglyDolls 12.10; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.10, 15.10, 17.20;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 12.15,

14.40; Der König der Löwen 12.20, 17.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 12.30, 14.50, 17.20; Angry

Birds 2:Der Film 12.40, 15.00, 17.00; Joker

14.20, 17.30, 20.20, 22.20; Dem Horizont so nah

14.20, 17.00, 19.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.40; Gemini Man 14.45, 19.30; Downton

Abbey 16.50; 3D: Gemini Man 17.15, 20.00,

22.50; Es: Kapitel II 19.40,22.10; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 19.45; Rambo 5:Last Blood 19.50;

Angel Has Fallen 20.00; 47 Meters Down: Uncaged

20.10, 22.30; Metallica &San Francisco Symphony:

S&M2 22.30; Ready or Not? –Auf die Plätze,

fertig, tot 22.40; The Last House on Dead End

Street (OF) 23.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Joker (OmU) 17.00,

19.45, 22.30; B Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

16.15, 18.50; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.30

fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 17.45; Der Glanz der

Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.00, 20.00;

Systemsprenger (OmenglU) 19.30, 22.00; Gelobt

sei Gott –Grace aDieu (OmU) 21.45

Moviemento (✆ 692 47 85) Spatzenkino: Herbstgemüse

10.00;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 13.00; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingomit Flamingo! 15.00; Systemsprenger

17.15, 20.00, 22.45; Ein Tick anders

10.15; BFG: Big Friendly Giant 13.30; Midsommar

(OmU)16.30, 21.45;Bruder Schwester Herz19.30;

BenjaminBlümchen 13.15; Fritzi–Eine Wendewundergeschichte

15.30; Skin (OmU) 17.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 22.30

Regenbogen Kino (✆ 69 57 95 17) Agrokalypse –

Der Tag, an dem das Gensoja kam (OmU) 19.30;

Birdwatchers: Im Land der roten Menschen –Birdwatchers:

La terra degli uomini rossi (OmU) 21.00

Sputnik (✆ 694 1147) Mein Leben mit Amanda

15.00; Zwischen uns die Mauer 16.45; Soura Film

Fest: Martyr (OmenglU) 19.00; Soura Film Fest:

KurzfilmprogrammI21.00;The Last HouseonDead

End Street(OF) 23.00; Ronja Räubertochter 15.00;

Systemsprenger (OmenglU) 17.15; Bruder Schwester

Herz 19.30; Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig,

tot (OmU) 21.30; Ad Astra –Zuden Sternen

(OmU) 23.15

Yorck (✆ 78 91 32 40)Shaundas Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 13.45, 15.45; Systemsprenger 17.20,

20.00; New Der Glanz der Unsichtbaren 15.00,

20.30; Nurejew –The White Crow 17.45

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00;

Playmobil: Der Film 10.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 10.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 10.00, 13.00, 15.15; Angry Birds 2:

Der Film 10.00, 16.00; UglyDolls 12.00, 14.00;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 12.15;

Dora und die goldene Stadt 12.45, 15.00, 18.00;

Joker 14.30, 17.30, 20.15; Systemsprenger 17.15,

20.00;Gemini Man 17.15, 20.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

18.00;Es: Kapitel II 19.45; Ad

Astra –Zuden Sternen 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 13.00; Fritzi – Eine

Wendewundergeschichte 13.00,15.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 13.15; Nurejew–The

White Crow 15.00; 3D: AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 15.30;Es: Kapitel II 17.00, 20.30;

Skin 17.45, 22.45; Joker 17.45, 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt amEastgate (✆ 93 03 02 60) Everest:

EinYeti will hoch hinaus 11.25, 14.00, 16.45;

Dora und die goldene Stadt 11.25, 14.10, 16.55;

Dem Horizont so nah 11.30, 14.15, 17.15, 20.15;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.45,

14.15,17.15;AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

11.45; UglyDolls 12.00;

Angry Birds 2: Der Film 12.00, 14.30, 17.15; Joker

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Gemini Man 14.15,

17.00, 20.00, 23.00; Der König der Löwen 14.20;

Es: Kapitel II 16.30, 19.20, 22.15; AdAstra –Zu

den Sternen 19.45; 47 Meters Down: Uncaged

19.50,23.10; Rambo 5: Last Blood 20.15, 22.45;

Angel Has Fallen 20.15; Ready orNot? –Auf die

Plätze, fertig, tot 23.00; Midnight Movie: Monster

Party 23.00; 3From Hell 23.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 17.00; Leid und Herrlichkeit

18.45; Cleo (OmenglU) 21.00; Memory Games

(OmU) 18.00; Mein Lebenmit Amanda 19.45; Dunkel,

fast Nacht –Ciemno,prawie noc (OmU) 21.45

Babylon (✆ 242 59 69) Goodbye, GDR!: Spur der

Steine (OmenglU) 17.00; Films 4 Transparency:

Quien mato mi hermano –Who Killed My Brother?

(OmenglU; m. Gast u. Gespräch) 17.15; Goodbye,

GDR!: Sonnenallee 17.30; Goodbye, GDR!: Die

Legende von Paul und Paula (OmenglU) 19.30; IndoGerman

Film: Adhyaksha in America (Kannada)

19.30;Films4Transparency: Push (OF) 19.45; 60’s

BRD: Ich bin ein Elefant, Madame 21.30; Goodbye,

GDR!: Good Bye, Lenin! (OmenglU) 21.45; Goodbye,

GDR!: Berlin –Ecke Schönhauser (OmenglU)

22.00; Videoart atMidnight 23.59

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Fritzi

–Eine Wendewundergeschichte 10.30;Joker (OmU)

12.15, 14.45, 17.15, 20.00, 22.45; Yesterday

(OmU) 13.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

16.00; Midsommar (OmU) 18.00; Joker (OmU)

21.00,23.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) UglyDolls

11.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 11.10,

13.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 11.15,

13.30; Playmobil: Der Film 11.30; Joker 11.30,

14.30, 17.00, 20.00, 23.00; Der König der Löwen

11.40; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

12.00, 14.30, 17.30; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.00; Angry Birds 2: Der Film

12.15, 14.30; Dem Horizont sonah 13.30, 16.30,

19.40, 22.40; Dora und die goldene Stadt 14.00,

16.40; Downton Abbey 14.30, 19.15; 3D: Gemini

Man 14.45, 17.30, 20.15, 23.15; Good Boys

15.50; AdAstra –Zuden Sternen 16.15, 19.30;

3D: Angry Birds 2: Der Film 17.00; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 17.45; Intrigo –Samaria

18.15; Es: Kapitel II19.15, 22.15; 47 Meters

Down: Uncaged 20.20,22.50; Ready or Not? –Auf

die Plätze, fertig,tot 20.30; Once Upon aTime in...

Hollywood 21.00; Intrigo: In Liebe Agnes 22.30;

Ronny &Klaid 23.00;

Rambo 5:Last Blood 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Systemsprenger

(DFmenglU) 14.00, 19.15; Gelobt sei Gott –Grace

aDieu (OmU) 16.30; Skin (OmU) 21.45; Und der

Zukunft zugewandt 14.15; Deutschstunde 16.30,

19.00; Joker 21.30; Der Distelfink –The Goldfinch

(OmU) 14.00, 21.45; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit – Escher: Het oneindige zoeken –

Journey Into Infinity (OmU) 17.00; Nurejew –The

White Crow (OmU) 19.00; Berlin Babylon (OmenglU)

15.30; Joker (OmU) 17.30, 20.00, 22.30; Der

Glanz der Unsichtbaren – Les invisibles (OmU)

14.30, 16.45, 19.00; Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 21.15

International (✆ 24 75 60 11) Nurejew – The

White Crow 13.30; Joker (OmU) 16.15, 19.00,

21.45

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) dokuarts: Variations

Kawase (OmenglU; m.Vorfilm) 18.30; dokuarts:

Indus Blues (OmenglU) 21.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

UglyDolls 12.00, 14.20; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 12.00, 14.15, 17.00; Playmobil:

Der Film 12.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 12.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

12.00, 14.03, 17.05; Dora und die goldene Stadt

12.00, 14.30, 17.00; AngryBirds 2: DerFilm 12.00,

14.30,17.00; AToy Story:Alles hört auf kein Kommando

12.00, 14.20, 17.05; Pets II 12.15; Dem

Horizont so nah 14.10, 16.45, 19.30; Joker 14.15,

17.05, 20.00, 22.55; Der König der Löwen 14.20,

16.30; 3D: Gemini Man 17.10, 20.00, 22.45; Joker

(OF) 19.30, 22.30; Es: Kapitel II 19.30, 22.00;

7. Kogustaki Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben

(OmU) 19.30, 22.30; 47Meters Down: Uncaged

19.30, 23.00; Gemini Man 19.35; Firincinin Karisi

19.45; Rambo 5: Last Blood 22.15; Annem (OmU)

22.20;AdAstra –Zuden Sternen 22.30

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Diego Maradona

(OmenglU) 10.00, 23.10; Normal (OmenglU)

12.20; Zwischen unsdie Mauer(DFmenglU) 13.40;

Nurejew –The White Crow (OmU) 15.20; Gans im

Glück 17.30; New Money (OmU; m.Gast u.Gespräch)

19.00; Systemsprenger (DFmenglU) 21.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Joker (OF) 16.45,

19.30,22.15

Passage (✆ 68 23 70 18) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30, 22.30; Downton Abbey (OmU)

15.45, 18.20; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.00; Deutschstunde 14.40,17.20,20.00


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 25

· ·

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Tagestipp

KALENDER

Paula Modersohn-Becker:„Mädchen mit Blütenkranz im Haar“, um 1901

überaus erfolgreichen Salonmalerin

Vilma Parlaghy. Die meisten Künstlerinnen,

von denen diese Ausstellung

berichtet, darunter über Käthe

Kollwitz,durften vor1919 nur Privatunterricht

nehmen, im Höchstfalle

die sogenannten Damenklassen besuchen,

unterrichtet von Meistern,

die zwar Begabungen erkannten und

förderten, aber an der frauenfeindlichen

wilhelminischen Gesetzeslage

nichts zu ändernvermochten.

Auch Paula Modersohn-Becker,

deren puppenhaftes „Mädchen mit

Blütenkranz im Haar“, gemalt um

1901, ein besonderer Hingucker der

Schau ist, dufte nicht offiziell studieren.

DieinDresden geborene,inder

Hansestadt Bremen aufgewachsene

Frühexpressionistin musste Umwege

machen, um Malerin zu werden.

Sieabsolvierte ein Lehrerinnenseminar

und nahm privaten Unterricht

bei dem Maler Bernhard Wiegandt.

Bei ihm hatte sie erste

Gelegenheit, nach einem lebenden

Modell zu arbeiten.1896 lernte sie

dann weiter privat an einer Malschule

in Berlin, wo elf Jahre zuvor

schon Käthe Kollwitz Unterricht genommen

hatte, und wurde ein Jahr

MEIN BILD DER WOCHE

Die Künstlerinnen: 43 Malerinnen, Bildhauerinnen,

Grafikerinnen, deren Werke

sich in den Sammlungen der Nationalgalerie

befinden, mussten ihre Emanzipation

im Kunstbetrieb harterkämpfen. Die

Schau beleuchtet den schwierigen Weg

vonFrauen zu künstlerischer Anerkennung.

Die Ausstellung: „Kampf um Sichtbarkeit.Künstlerinnen

der Nationalgalerie

vor1919“. Alte Nationalgalerie, Museumsinsel,

Bodestr.1–3. Bis 8. März.

Di–So 10–18/ Do bis 20 Uhr.

STAATLICHE MUSEEN ZU BERLIN, NATIONALGALERIE/JÖRG P. ANDERS

später an der Damenakademie des

Vereins der Berliner Künstlerinnen

zugelassen. In der Künstlerkolonie

Worpswede, neben ihrem Mann

Otto Modersohn, vor allem aber

während der Paris-Aufenthalte –sie

besuchte die Académie Colarossi

und die École des Beaux-Arts –

prägte sie ihren erdigen, fast bäuerlich

anmutenden expressionistischen

Stil aus. Ihr früher Tod im

Kindbett machte diesem hoffnungsvollen

Weg ein jähes Ende. Heute

zählt sie zu jenen unverwechselbaren,

mutigen Frauen in der Reihe der

Wegbereiter der modernen Kunst.

VorhundertJahrenhat die Demokratie

in Deutschland neben dem

Frauenwahlrecht auch die Zulassung

zu staatlichen Kunsthochschulen

gesetzlich verankert. Eine Epoche

später geht diese vonYvetteDeseyveund

Ralph Gleisgemachte Ausstellung

gerade der Frage nach, was

Frauen davor alles auf sich nahmen,

um Künstlerinnen zu sein. So gesehen

ist das auch eine Revision der

Nationalgalerie-Sammlung unter

dem Aspekt heutiger Diskussionen

um das eigentlich Normalstevon der

Welt: um Gleichberechtigung.

Pop

Kleine Seen

und kleine

Seelen

Der junge Karl Rüdiger

Schulz war 13, als er in

Köln ein Orgelgeschäft heimsuchte

und auf den angeschlossenen

Instrumenten

Stücke vonDeep Purple nachspielte.Aus

dieser Zeit stammt

der Spitzname Purple Schulz,

aber es brauchte wohl die ironische

Aufgekratztheit der

80er-Jahre, um daraus ein erkennbares

Muster zu machen.

DerDurchbruch gelang Purple

Schulz 1985 mit dem Hit„Verliebte

Jungs“, der an die Unbeschwertheit

der Neuen Deutsche

Welle anschloss. Man erfreute

sich an einer Art männlicher

Niedlichkeit. Die

verliebten Jungs wirkten so

harmlos, dass man ihnen die

Drogeneskapaden, von denen

Schulz erst kürzlich berichtet

hat, kaum zutrauen mochte.

Aus dem Stück „Kleine Seen“

habe ich anfangs immer

„kleine Seel’n“ herausgehört.

Hätte auch schön gepasst.

HarryNutt

Purple Schulz 20 Uhr,Wühlmäuse, Pommernallee2–4

KLASSIK

Nikolaikirche (✆ 24 00 21 74)

17.00: Kreuzesklingen –Nikolai-Musik zum Kreuz

Weg, 30 Minuten Orgelmusik

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.Paavo Järvi,

Janine Jansen (Violine), Jean Sibelius: „Tapiola“,

Tondichtung op. 112; Peter Tschaikowsky: Konzertfür

Violine und Orchester D-Dur op. 35; RobertSchumann:

Symphonie Nr.3Es-Dur op. 97 „Rheinische“

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Horacio Lavandera (Klavier), Ludwig van

Beethoven: Klaviersonate cis-Moll op. 27 Nr.2

„Mondscheinsonate“, Klaviersonate B-Dur op. 106

„Hammerklavier“; Dino Saluzzi: Drei Stücke;Johann

Sebastian Bach: Italienisches KonzertF-Dur;Felix

Mendelssohn Bartholdy: Variations sérieuses op. 54

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00: Il-Ryun Chung (Gitarre und Live-Elektronik)

Zitadelle Spandau (✆ 35 49 44 29 7/)

10.00 Gotischer Saal: Meisterkurs mitCarlo Marchíone

19.30 Gotischer Saal: Klangzauber der klassischen

Gitarre: Annemarie van Hoof, Duo Kastelic/Chwastyk,

Moringa-Gitarrenquartett, Werkevon Dilermando

Reis, Astor Piazzolla, Mauro Giuliani, „Romance yCanciones

yDanzas“, spanischeund südamerikanische

Musik, Werkevon Barock bis Gegenwart

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Des Kaisers neue Kleider (ab5J.)

10.30: Ferdi unddie Feuerwehr (ab 4bis 8J.)

Cabuwazi –Zelt Altglienicke (✆ 22 19 76 60)

10.00: Zirkusferien Altglienicke, Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

10.00: Zirkusferien Kreuzberg,Workshop (ab 7J.)

17.15: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab 8J.)

Cabuwazi –Zelt Tempelhof (Columbiadamm 84)

10.00: Zirkusferien Tempelhof, Workshop (ab 7J.)

Deutsches Technikmuseum (✆ 90 25 40)

11.00, 13.00 Ladestraße, Eingangshalle: Herbstferienprogramm:

GPS –Geocaching auf dem

Museumsgelände, Workshop (ab 9J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.30: Schneewittchen &die sieben Zwerge,Puppenbühne

allerHand, Mitmachstück (ab 4J.)

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung(ab 10 J.)

10.00: Berlins beste Herbstferien! PHÄNOMENIEN –

Erstaunliches fürNeugierige, Aktionen und Workshops

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Anton macht’sklar (ab 8J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

10.00: Magdeburg hieß früher Madagaskar (ab 6J.)

Planetarium am Insulaner (✆ 790 09 30)

10.30: Lars –der kleine Eisbär

12.00: Unser Blauer Planet

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

16.30: Kasper hilftRobin Hood (ab 5J.)

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

16.00: Der Froschkönig,Märchenspiel (ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

17.00: Kasper aufdem Bauernhof, Gastspiel Alpenkasper

Tierpark Berlin (✆ 51 53 10)

10.00: Baumstachler Agutis und Schneeleoparden –

Mit Pinsel und Stift aufPirsch im Tierpark, Workshop

(ab 10 bis 14 J.). Anm. erf.

Werkstatt Hortensienstraße (Hortensienstr.29a)

11.00 Keramikwerkstatt: Schmuck im Retro-Look –

Emaillieren auf Kupferblech, Workshop (ab 12 J.)

11.00: Regenmasken –Masken aus Holz, Sand und

Pigmenten bauen, Workshop (ab 8bis 11 J.)

Zitadelle Spandau (✆ 35 49 44 29 7/)

12.00: Kostüm Foto Fashion –Lichtarbeit hautnah

mit Berliner Originaldenkmälern, Workshop (ab 13 bis

17 J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

20.00 Werkraum: Oscar und die Dame in Rosa, von

Eric-Emmanuel Schmitt, mit Stefanie Reinsperger,

Autor/in: vonEric-Emmanuel Schmitt

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

18.00: Märchenabend am Feuer

kallasch& –Moabiter Barprojekt (Unionstr.2)

18.45: Eagel Slam –PoetrySlam Moabit, Poetry

Slam mit Improrunde

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.00: „Das schönste Musical der Welt ist ein

Buch“. Legendäres Schernikau Spektakel, literarisch-musikalisches

Spektakel mit Özlem Özgül

Dündar,Jens Friebe, Krischa Hasselbach, Thomas

Keck, Isabelle Lehn, u. a.

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

18.00: Festival After Europe: ToskaChina, Leone Contini,

Lecture-Food-Performance, in engl Sprache

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00 Roter Salon: Miroloi, Karen Köhler,Buchpremiere,

Mod.: Maria Christina Piwowarski

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

20.00: rbb-Hörspielkino: „Der Mieter –Tür an Tür

mit Jack The Ripper“ und „Moabit Die wilden 20er

in Berlin“

KONZERT

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Pina Lopez’ Havanna Soul

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: 5K HD

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

20.00: The Interbeing,Sublimerent, Kiroptera

Ehem. Maya &Callas (Markstr.5)

21.00: Klangstraße–Ein Tagvoller Musik in der Resi:

Abschlusskonzertmit Noë

Ibero-Amerikanisches Institut (✆ 266 45 43 20)

19.00 Otto-Braun-Saal: Omar Massa (Bandoneon)

und Vitaliy Shal (Gitarre)

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

19.30: Gospel Meets HipHop #3

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: Duran Jones &The Indications,The Dip

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: The AsteroidsGalaxy Tour

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

21.00: Orania.Jazz: Martina Bárta (voc) &David

Friedman (vibraphon)

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Aren &Chima, VonNun An Glücklich

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: Miu &Band

Residenzstraße

15.00: Klangstraße –Ein Tagvoller Musik in der Resi

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Karsulke

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Big Band Kameleon, Ltg.Matthias Harig

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Wood In Di Fire

Silent Green Kulturquartier (✆ 46 06 73 24)

17.00 Kuppel- undBetonhalle: Future Soundscapes

Festival: Perera Elsewhere +Forest Swords (Matthew

Barnes) –LiveScore „In the Robot Skies“

St. Elisabeth-Kirche (✆ 44 04 36 44)

18.00: Pádhraic ÓDochartaigh, Conradh fna Gaeilge

Bheirlín, Lorcán Mac Mathúna, Máirtín Tourish, Eamonn

Galdubh, Indigene Sprachen und Folk Musik aus Wales,

Irland und Schottland III –Ireland. Anm. erf.

Wabe (✆ 902 95 38 50)

20.00: MarkusEhrlichs Flexible Eingreiftruppe, Our Thing

Werkstatt der Kulturen (✆ 609 77 00)

21.30: Fatemeh Nikuzad &Kimia Bani, WorldWide-

Music

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Purple Schulz, Nach wie vor–Tour 2019

KINO

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Joker (OF) 15.15,

18.00, 20.45, 21.40; Leid und Herrlichkeit –Dolor

ygloria (OmenglU) 17.40; Once Upon aTime

in... Hollywood (OF) 20.15; M.C.Escher: Reise in

die Unendlichkeit –Escher: Het oneindige zoeken

–Journey Into Infinity (OmU) 15.00, 17.00; Systemsprenger

(OmenglU) 15.00,19.00; Midsommar

(OmU) 21.40; Nurejew –The White Crow (OmU)

16.15; Ad Astra –Zuden Sternen (OF) 19.00; Der

Distelfink–TheGoldfinch(OmU)16.30; Synonymes

(OmenglU) 19.40; Skin (OmU) 22.00

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Dora und die goldene Stadt 11.30, 14.30, 16.45;

UglyDolls 11.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 11.50,14.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

11.50, 14.20, 17.05; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.00; Angry Birds 2: Der Film

12.15, 14.50, 17.20; Joker 14.00, 17.00, 20.00,

23.00; Dem Horizont so nah 14.20, 16.45,19.40;

Gemini Man 17.00, 19.50, 22.50; Es: Kapitel II

19.35,22.30; Downton Abbey 19.50; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.15,23.00

Wolf (✆ 921 03 93 33) Synonymes (OmenglU)

12.00,20.40; Ama-San (OmU) 12.00, 18.30; Systemsprenger

(OmenglU) 14.10, 18.50; Wajib –Die

Hochzeitseinladung (OmU) 14.30; Preview: Momo

16.30; Heute oder morgen (OmenglU) 16.40; Ad

Astra –Zuden Sternen (OmU) 21.10; Midsommar

(OmU) 23.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Shaun das

Schaf:Der Film: UFO-Alarm13.45,15.45; Deutschstunde

17.45, 20.30; Fritzi –EineWendewundergeschichte

13.30, 15.30; Nurejew –The White Crow

17.30; Systemsprenger 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Joker

15.00,17.45, 20.30,22.10; M. C. Escher: Reise in

die Unendlichkeit 13.45; Nurejew –The White Crow

15.30, 18.15; Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

21.00; Systemsprenger 16.45, 19.30; Shaun das

Schaf:Der Film:UFO-Alarm14.00, 16.00; Downton

Abbey (OmU) 18.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 20.40; Deutschstunde 14.00, 17.15,

20.00; Fritzi –EineWendewundergeschichte 15.15

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Systemsprenger 13.45, 16.40, 19.30, 22.30; Fritzi

– Eine Wendewundergeschichte 13.45, 16.00;

Deutschstunde 13.45, 16.40, 19.30; Joker (OmU)

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Dem Horizont so

nah 14.15, 17.00, 19.45; Angry Birds 2: Der Film

14.15, 16.40;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.30,

16.45; Downton Abbey14.30,19.45;Der Glanzder

Unsichtbaren 17.15, 19.00; M.C.Escher: Reise in

die Unendlichkeit 18.15; Nurejew –The White Crow

19.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.30; Skin 21.40; Es: Kapitel II–It: Chapter Two

(OF) 22.00; Midsommar (OmU) 22.30; Ronny &

Klaid 22.40; Intrigo: In Liebe Agnes 22.40

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Nurejew –The White

Crow (OmU) 17.45; Und der Zukunft zugewandt

20.00; Dunkel, fast Nacht –Ciemno, prawie noc

(OmU) 22.00

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Joker

14.15, 17.15, 20.15, 22.45; Dem Horizont sonah

14.15, 16.55, 19.45; Dora und die goldene Stadt

14.20, 16.50; Gemini Man 14.30; Der König der

Löwen 14.30, 17.10; AToy Story: Alles hörtauf kein

Kommando 14.30; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 14.35; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.40, 16.55; Angry Birds 2: Der Film 14.45,

16.55; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

15.00, 17.15; Downton Abbey 17.00; 3D: Gemini

Man 17.10,20.00,22.55; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.15; Once Upon aTime in... Hollywood

19.20; Gut gegen Nordwind 19.20; Systemsprenger

19.30; Ad Astra –Zuden Sternen 19.40;

47 Meters Down: Uncaged 19.45,23.00; 25km/h

19.50; Es: Kapitel II 19.55,22.15; Intrigo: InLiebe

Agnes22.30;MidnightMovie: Monster Party22.45;

Rambo 5: Last Blood 22.50; Sneak Preview 23.00

Zeiss-Großplanetarium (✆ 42 18 45 12) Memory

Games 18.00; #Female Pleasure (OmU) 20.30

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.15, 14.15, 17.45;

Playmobil: Der Film 11.20; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

11.20, 13.50; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 11.30, 14.10, 16.50; Pets II 11.45;

Angry Birds 2: Der Film 12.15, 15.00, 17.00; Ugly-

Dolls12.20; Mein Lotta-Leben –AllesBingomit Flamingo!

12.20; Dem Horizont so nah 13.40,16.40,

19.40; Joker 13.50, 17.00,20.10, 23.15; 3D: Gemini

Man 14.00, 16.20, 19.45, 23.20; Dora und

die goldene Stadt 14.45,17.30; Good Boys 15.00;

Der König der Löwen 17.00; Downton Abbey17.30,

20.15; Gut gegen Nordwind 19.20; Es: Kapitel II

19.30, 22.20; Ad Astra –Zuden Sternen 20.00;

Angel Has Fallen 20.15; 47 Meters Down: Uncaged

20.30, 23.00; Midsommar 22.40; Rambo 5: Last

Blood 22.45; Ready orNot? –Auf die Plätze,fertig,

tot 23.10; Intrigo: In Liebe Agnes 23.15; Intrigo –

Samaria 23.15

SCHÖNEBERG

Cinema am Walther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

12.30; Systemsprenger 14.35, 17.30, 20.25

Cosima (✆ 85 07 58 02) Downton Abbey 18.00,

20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Kurzfilmprogramm (Derfilmische

Nachlass; m. Gästen) 18.00; Nurejew –The

White Crow (OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Ugly-

Dolls 10.00, 12.20; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 10.00, 12.15, 14.20; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 10.00, 12.30, 15.00; Angry Birds

2: Der Film 10.00, 12.10, 14.40, 17.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 10.00, 12.10;

Joker14.20,17.20,20.10,23.00;Dem Horizont so

nah 14.30, 17.15, 20.00; Downton Abbey 16.45;

3D: Gemini Man 17.30, 20.15, 23.00; Es: Kapitel

II 19.30, 22.50; Ad Astra –Zuden Sternen 19.45,

22.45; Midsommar 23.00

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 6081) Gloria:

Das Leben wartet nicht 13.30; Und wer nimmt

den Hund? 16.00; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Systemsprenger 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Downton Abbey

11.30, 14.20, 17.10, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

UglyDolls 10.00, 12.00; Shaun das Schaf:Der Film:

UFO-Alarm 10.00, 12.10, 14.25, 17.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 10.00,12.10,14.35; Dora

und diegoldeneStadt 10.00, 12.15, 14.10, 17.35;

Angry Birds 2: Der Film 10.00, 12.10, 14.35; Joker

14.30, 17.20, 20.10, 23.00; Dem Horizont so nah

14.45, 17.30, 20.15; Gut gegen Nordwind 16.40;

3D: Gemini Man 16.45, 19.30; Deutschstunde

17.00, 19.55; Es: Kapitel II 19.30, 22.15;AdAstra

–Zuden Sternen 20.10, 23.00; Joker (OF) 22.50;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig, tot 23.00;

Good Boys 23.00; Gemini Man 23.00

Thalia MovieMagic (✆ 774 3440) Everest:Ein Yeti

will hoch hinaus 10.00, 14.00, 16.00; Dasfliegende

Klassenzimmer 10.00; Benjamin Blümchen 10.00;

Angry Birds 2: Der Film 10.00, 14.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.00, 14.00, 18.15;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 12.00; Dora

und die goldene Stadt 12.00, 13.45, 15.45; 3D:

Angry Birds 2:Der Film 12.00; Joker 15.45, 18.00;

Dem Horizont sonah 16.00, 18.15, 20.30; Gemini

Man 18.00, 20.30; DowntonAbbey 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Jocelyne Saab: Dunia –

Kiss MeNot on the Eyes (OmenglU) 20.00; Magical

HistoryTour: Parade im Rampenlicht –Footlight Parade

(OmfrzU) 19.30

CinemaxX PotsdamerPlatz (✆ 040/80 80 69 69)

GoodBoys12.30, 15.10, 17.40, 20.10, 22.40;Angry

Birds 2: Der Film 12.30, 13.50; Joker 12.40,

14.00, 16.00, 17.10, 19.00, 20.30, 22.20, 23.00;

Gemini Man 13.30; Downton Abbey 13.30, 16.40,

19.30; Dem Horizont so nah 13.30, 16.40, 19.40,

22.40; UglyDolls 13.40; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 13.40; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 13.40; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 13.50, 16.30; Get Lucky – Sex verändert

alles 13.50; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.00; Dora und die goldene Stadt 14.00,

17.00; Der König der Löwen 14.00, 19.40; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 14.00; Pets II

14.10, 14.20; Enzo und die wundersame Welt der

Menschen 15.00; Der Distelfink 16.15; 3D: Gemini

Man 16.30, 19.45, 23.00; Es: Kapitel II 16.30,

20.20, 22.30; 3D: Der König der Löwen 16.30; Ad

Astra –Zuden Sternen 16.30, 19.50, 23.00; Und

der Zukunft zugewandt 16.40; Once Upon aTime

in...Hollywood 16.40, 19.45, 22.15; Der Glanz der

Unsichtbaren 16.45, 19.30; 3D: Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 16.50; 3D: Angry Birds 2: Der Film

16.50; Systemsprenger 17.00, 19.50; Zwischen

uns die Mauer 18.00, 19.00; Gut gegen Nordwind

19.30; Angel Has Fallen 19.45, 22.50; Yesterday

19.50; Rambo 5:Last Blood 20.20,23.00; 47 Meters

Down: Uncaged 20.30, 23.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 20.45, 22.50; Ready orNot? –Auf

die Plätze, fertig, tot 22.00; Midsommar 22.30;

Skin 22.50

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 02 00)

3D: Gemini Man (OF) 13.30, 16.30, 19.30, 22.30;

Downton Abbey (OF) 13.30, 16.30, 19.40; Angry

Birds 2: Der Film –The Angry Birds Movie II(OF)

13.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm –

Shaun the Sheep Movie: Farmageddon (OF) 13.50,

16.20; Joker (OF) 14.15, 17.15, 20.15, 23.15;

Dora und die goldene Stadt –Dora the Explorer

(OF) 14.20, 17.10; UglyDolls (OF) 14.30; Intrigo:

In Liebe Agnes (OF) 14.40; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 16.00, 20.30; Ad Astra –Zuden

Sternen (OF) 17.00, 20.00, 22.50; Der König der

Löwen –The LionKing(OF) 17.30; Es: Kapitel II –It:

Chapter Two (OF) 19.00, 22.40; Midsommar (OF)

19.30; Skin (OF) 19.50, 23.15; Ready or Not? –

Auf die Plätze, fertig,tot (OF) 23.00; Rambo 5: Last

Blood (OF) 23.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Buckelwale:

Giganten der Meere 11.30; Joker (OF) 13.00,

16.15,19.30,22.45

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) UglyDolls 10.00, 12.00;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.00, 16.00; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 10.00, 12.15, 14.00, 16.00; Dora und die

goldene Stadt 10.00, 12.30, 15.00, 18.00; Angry

Birds2:Der Film 10.00,12.00, 14.00, 16.00; Joker

14.30, 17.00, 20.00, 22.30; Dem Horizont so nah

17.30, 20.00, 22.30; Gemini Man 18.00, 20.00,

22.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 18.00;

Ad Astra –Zuden Sternen 20.15,22.30; Rambo 5:

Last Blood 20.30, 22.45

Casablanca (✆ 677 57 52) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.15; Gloria: Das Leben wartet

nicht 16.00; Downton Abbey 18.00; Once Upon a

Time in... Hollywood 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Playmobil: Der Film 11.30; Angry Birds 2:Der Film

11.30, 14.40, 17.25; Aladdin 11.30; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.30; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 11.45, 14.15, 16.50; Pets

II 11.55; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

12.00, 14.25, 17.10; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.10; UglyDolls 12.15; Joker

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Der König der Löwen

14.05; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 14.10,

17.30; 3D: Gemini Man 14.20, 17.15, 20.10,

23.00; Dora und die goldene Stadt 14.30, 17.10;

Dem Horizont so nah 14.40, 16.50, 19.45, 23.00;

Es: Kapitel II 16.30, 19.30, 22.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.20; 47 Meters Down: Uncaged

19.50, 22.45; Intrigo: In LiebeAgnes 19.55;

Gut gegen Nordwind 20.15; Ad Astra –Zuden Sternen

20.15, 23.10; Midsommar 22.30; Rambo 5:

Last Blood 23.10; Ready orNot? –Auf die Plätze,

fertig, tot 23.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Ugly-

Dolls 12.00; Shaun das Schaf: Der Film:UFO-Alarm

12.00, 14.15, 16.30; Playmobil: Der Film 12.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 12.00, 14.20;

Angry Birds 2: Der Film 12.00, 14.20; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 12.00, 14.15; Dora

und die goldene Stadt 12.15, 14.50, 16.30; Joker

14.15, 16.50, 19.45, 22.40; Dem Horizont so nah

14.30, 17.20, 19.30; Gemini Man 16.45, 19.50;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.45; Der

König der Löwen17.20; Es:Kapitel II 19.15, 22.40;

Joker(OF) 20.10; 47 MetersDown: Uncaged20.15,

22.30; Annem (OmU) 22.00;

Ad Astra –Zuden Sternen 22.15; Rambo 5: Last

Blood 22.50; 3D: Gemini Man 23.00

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Gelobt

sei Gott 18.30; Once Upon aTime in... Hollywood

21.15

WEIßENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Systemsprenger

18.00; Burning –Beoning (OmU) 20.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.45, 15.45; Gut gegen Nordwind

17.45; Systemsprenger 20.30; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 10.00, 15.00; Downton Abbey

12.15, 19.45; Und der Zukunft zugewandt 17.15

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Deutschstunde

15.30, 18.00; Systemsprenger 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05)Der Königder Löwen

12.30; Deutschstunde 15.00, 20.15; Nurejew

–The White Crow 17.45

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 4678) Diesagenhaften Vier –Marnies

Welt 16.00; Ich war zuhause, aber... 18.00; Dene

wos guet geit 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Deutschstunde 15.00,

20.30; Nurejew –TheWhite Crow 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Stan &Ollie 17.00; Ich war zuhause,aber... 19.00;

Yesterday 21.00

ThaliaPotsdam (✆ 03 31/743 70 20)Angry Birds

2: Der Film 13.30; Shaun das Schaf: DerFilm:UFO-

Alarm 14.00, 16.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.00,16.00; Und der Zukunft zugewandt

14.15; Deutschstunde 15.30, 20.30; Welcome to

Sodom –Dein Smartphone ist schon hier (OmU)

16.30; Systemsprenger 18.00, 20.45; Nurejew

–The White Crow 18.00; Joker (OmU) 18.15; Der

Glanz der Unsichtbaren 18.30; Joker 20.45; Bruder

Schwester Herz 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Gemini

Man 13.40, 16.40, 19.50,23.00; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 13.50, 17.10; Dem Horizont

so nah 13.50,16.30,19.30;AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 13.50; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingomit Flamingo! 14.00; Joker14.00, 17.00,

20.00, 23.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm14.15, 16.50; AngryBirds 2: Der Film 14.15,

17.00;Der König der Löwen16.40; Downton Abbey

16.50, 19.50; Es: Kapitel II19.30, 22.30; Gut gegen

Nordwind 19.40; Once Upon aTime in... Hollywood

19.45; Ad Astra –Zuden Sternen 20.00;

Midsommar 22.50; Rambo 5:Last Blood 23.00;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 23.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019

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NACHRICHTEN

Apple löscht Hongkonger

Protest-App

STREAMING

Zeit für

Tränen der

Rührung

VonMarcus Posimski

Während hier und da dem Sommer

noch hinterhergetrauert

wird, ist für den gemeinen Serienfan

der Herbst natürlich die Lieblingsjahreszeit.

In den USA, dem Mutterland

der Serienunterhaltung, überschlagen

sich die Pilotfolgen neuer

Shows und obwohl es meist einen

Moment dauert, bis diese neuen Serien

es nach Deutschland schaffen,

gibt es bei uns natürlich auch ein

paar sehenswerte Serienstarts.

„Euphoria“: Diese HBO-Serie kommt

jetzt endlich auch zu uns. Die Story

klingt relativ simple –eine Gruppe

von Highschool-Schülern schlägt

sich irgendwie durchs Teenager-Sein

–aber wie die Geschichte,die auf einer

israelischen Miniserie basiert,

umgesetzt wurde, ist wahrlich großartig.

Nicht nur hat SamLevinson es

geschafft, mit Zendaya (einem Ex-

Disney-Kinderstar) die Rolle einer

17-jährigen Drogensüchtigen perfekt

zu besetzen, sondern schafft es

auch noch, eine derart ehrliche und

manchmal auch schockierende Seite

des Teenager-Daseins aufzuzeigen,

dass man froh sein kann, wenn man

all das schon hinter sich hat.

Zu sehen ist „Euphoria“ ab dem 16.Oktober auf

Sky Atlantic.

Die Jugend hat es auch nicht leicht –darum

geht es in der Serie „Euphoria“. SKY

„Modern Love“: Wenn man es etwas

leichter mag, hin und wieder herzlich

lachen will, aber die Tränen der Rührung

auch zu schätzen weiß, sollte

man unbedingt „Modern Love“ anschauen.

Die von Amazon eigenproduzierte

Serie ist auf acht Episoden

angelegt, in jeder Folge wird eine eigenständige

Geschichte erzählt. Die

jeweiligen Geschichten basieren auf

Artikeln, die in der NewYorkTimes erschienen

sind, die Liste der Darsteller

reicht von Anne Hathaway über Tina

Feybis hin zu Andy Garcia. „Modern

Love“beleuchtet die verschiedensten

Facetten von Liebe und schafft es,

ähnlich wie bei guten Woody-Allen-

Filmen oder der Serie „Sex and the

City“, die Stadt New York inbestem

Licht darzustellen.

Zu sehen ist „ModernLove“abdem 18.Oktober

bei Amazon Prime.

Und sonst noch: Aufdie Adaption der

Graphic Novel „Daybreak“ darf man

gespannt sein, die ab Ende Oktober

auf Netflix zu sehen sein wird. Zu erwarten

ist Action-Horror wie bei

„Dawn of the Dead“ allerdings mit

schwarzemHumor.Außerdem empfehlenswert:

„Les Miserables“. Die

BBC-Serie wird aktuell auf Starzplay

angeboten. Die Geschichte ist unglaublich

gut erzählt. Die Besetzung

lässt sogar den Hollywood-Blockbuster

gleichen Titels alt aussehen.

Marcus Posimski hat

amerikanische Kultur mit

Schwerpunkt Film studiert.

Einkaufen im Netz machte die Nutzer lange glücklich, doch inzwischen sind die günstigen Angebote nicht mehr so leicht zu finden.

Schnäppchen gibt es anderswo

Das Einkaufen im Netz galt lange Zeit als besonders günstig, doch Experten warnen

VonErich Reimann

Am Anfang war das Internet

der Traum eines jeden

Schnäppchenjägers. Wenige

Klicks genügten, um

den besten Preis für das gewünschte

Produkt zu finden –und das Angebot

der Onlinehändler lag in aller Regel

deutlich unter dem Preis im Laden

nebenan. „Aber das ist Vergangenheit“,

urteilt der E-Commerce-Experte

Gerrit Heinemann von der

Hochschule Niederrhein. Den günstigsten

Preis für das gewünschte Produkt

zu finden ist oft mühsam –und

oft verhilft inzwischen nur noch ein

alter Trick zum besten Angebot: das

klassische Feilschen mit dem Händler

vorOrt.

Ständige Preisveränderung

„Die Verbraucher merken selber,

dass der Preisvergleich im Internet

schwieriger geworden ist.Wenn man

sie heute fragt, ist online einkaufen

billiger, ist die Antwort oft: Nein“,

sagt Heinemann. „Aus der vollkommenen

Preistransparenz im Internet

ist die völlige Intransparenz geworden,

weil die Unternehmen alle nach

Wegen suchen, aus der Preisvergleichbarkeit

herauszukommen –

etwa durch ständige Preisveränderungen,

durch schwer durchschaubare

Gebühren oder Exklusivangebote.“

Heinemann spricht von Vernebelungstaktiken.

Der Grund dafür ist einfach.

„Preistransparenz ist für den Kunden

gut, für den Verkäufer nicht“, erklärt

Kai Hudetz, der Geschäftsführer des

Institutsfür Handelsforschung (IFH)

77

Prozent der Bundesbürger

nennen den Einkauf unabhängig

vonder Öffnungszeit

als wichtigsten Grund für das

Shoppen im Netz.

UNABHÄNGIG VON DEN ÖFFNUNGSZEITEN

1086

Personen, darunter 1054

Online-Käufer,hatte der

Branchenverband Bitkom im

Alter ab 14 Jahren Anfang

des Jahres befragen lassen.

in Köln. Denn sie führt oft zu einer

Preisspirale nach unten und lässt die

Gewinne der Unternehmen

schrumpfen.

Viele Kunden machen es den

Händlern allerdings auch einfach.

„Den meisten reicht heute ein Blick

auf das Amazon-Angebot. Das wird

dann als fairer Preis akzeptiert“, beobachtet

Branchenkenner Hudetz.

„Sie wissen, dass sie irgendwo vielleicht

noch einen günstigeren Preis

finden als bei Amazon. Aber sie akzeptieren

den möglichen Aufschlag,

weil sie das Gefühl haben, dort gut

aufgehoben zu sein.“

Dabei kommt die Bequemlichkeit

die Kunden oft teuer zu stehen. Die

Verbraucherzentrale Nordrhein-

Westfalen kam mit Stichproben zu

dem Ergebnis, dass die Händler sehr

häufig ihre Produkte auf dem Amazon-Marktplatz

teurer anbieten als

im eigenen Shop. „Es galt die Produkt-Faustregel:

ein Händler –zwei

Preise. Und bei 98 der 100 Produkte

Schnelle Hilfe

52

Prozent der Befragten

glaubten tatsächlich, dass

die Produkte im Netz

günstiger sind als im

stationären Handel.

fand sich der niedrigste Preis im

Händler-Shop“, fasste die Verbraucherzentrale

das Ergebnis zusammen.

NurinzweiFällen sei das Angebot

auf Amazon günstiger gewesen.

Die Preisunterschiede waren teilweise

erheblich. So bot ein Händler

einen Kaffeeautomaten bei Amazon

für 840 Euro an. Auf seiner eigenen

Website war das Gerät schon für 673

Euro zu haben –eine Differenz von

167 Euro.Wer sich dieMühemachte,

noch etwas länger zu suchen, konnte

das Gerät bei einem Konkurrenten

für 613 Euro entdecken,noch einmal

60 Euro weniger.

Eine in diesem Jahr veröffentlichte

Studie des Zentrums für Europäische

Wirtschaftsforschung kam außerdem

zu dem Ergebnis, dass jedes vierte

Übernachtungsangebot auf der hoteleigenen

Webseite günstiger war als

bei einem Buchungsportal.

Die Mühe eines Preisvergleichs

kann sich also lohnen. ZurWahrheit

gehört allerdings auch: Die wirklich

Smartphone-Standortdienste leiten Retter künftig zum Unglücksort

Nutzer eines Android-Smartphones

in Deutschland, die den

Notruf 112 anwählen, übertragen

künftig akkuratereStandortinformationen,

um Retter schneller zum Unglücksortzuleiten.

In einer Kooperation

der drei Mobilfunk-Netzbetreiber

sowie Google wird bei Notrufen

aus dem Mobilfunknetz der genaue

Unglücksortautomatisch an die Rettungsleitstelle

übermittelt –bis auf

wenige Meter genau. Insbesondere

in Situationen, in denen Hilfesuchende

den Notfallort nicht genau

beschreiben könnten, sparedie neue

Technik wertvolle Zeit, erklärten Telekom,

Vodafone und Telefónica am

Donnerstag in einer gemeinsamen

Stellungnahme.

Damit die präzisen Standortdaten

übertragen werden, müssen die

Anwender keine zusätzliche App installieren

oder eine Funktion auf

dem Smartphone aktivieren. Mitder

Technik „Advanced Mobile Location“

(AML) wird der Standortdienst

in einem Smartphone automatisch

aktiviert, wenn die Notrufnummer

112 angewählt wird. Damit kann der

Standortandie zuständige Leitstelle

übermittelt werden.

DerDienst wirdfür alle Leitstellen

in Deutschland von der Integrierten

Leitstelle Freiburg-Breisgau Hochschwarzwald

in Zusammenarbeit

mit der Berliner Feuerwehr betrieben.

Derzeit seien ein Drittel der

rund 250 Leitstellen in Deutschland

an das System angebunden und

empfangen somit bereits die Standortdaten.

Die übrigen Leitstellen

würden in den kommenden Monaten

folgen.

Bei der Entwicklung des Konzeptes

sei von Anfang an großen Wert

auf eine datenschutzfreundliche

Umsetzung gelegt worden, erklärten

die Provider.Google hat seinen And-

großen Erfolgserlebnisse für

Schnäppchenjäger sind seltener geworden.

„Preisvergleichsportale haben

vielfach an Bedeutung verloren,

nicht zuletzt, weil die Preisunterschiede

im Internet heutezumindest

bei den seriösen Anbietern nicht

mehr so groß sind wie früher“, meint

Hudetz. Die Händler hätten gemerkt,

dass eine aggressive Preispolitik

eine scharfe Waffe ist, mit der

man sich auch leicht selbst Schaden

zufügen kann. Deshalb agierten sie

nicht mehr so aggressiv wie früher.

Feilschen üben

GETTY/VIEWSTOCK

Werein Schnäppchen machen will,

sollte überlegen, ob er sich nicht besser

auf eine Sparstrategie besinnt,

die so alt ist wie der Handel selbst:

das Feilschen. „Die wenigsten von

uns feilschen gerne. EineWeile lang

hat uns das Internet diese Mühe abgenommen,

weil man irgendwo immer

ein supergünstiges Angebot

fand“, sagt Hudetz.Aber inzwischen

seien die meisten Händler bei ihrer

Preispolitik im Internet vorsichtiger

geworden. „Deshalb wird es wieder

spannender mit dem Händler persönlich

über einen Preisnachlass zu

verhandeln. Da geht vielleicht noch

etwas, weil dieser Rabatt dann ja

nicht gleich füralle anderen gilt“, rät

der Branchenkenner.

Heinemann sieht hier sogar

schon einen Trend.„Der Kundekann

im Internet nicht über den Preisverhandeln.

Im Laden kann er das –und

er tut es auch immer öfter. Dadurch

kommen im Endeffekt tatsächlich

oft günstigere Preise heraus als im

Internet.“ (dpa)

roid Emergency Location Service so

entwickelt, dass die Standortdaten

nur übermittelt werden können,

wenn der Smartphone-Nutzer den

Notruf 112 wählt. In den Leitstellen

würden die Daten nur kurzzeitig vorgehalten.

„Eine Stunde nach dem

Notruf werden die Standortdaten

dortunwiederbringlich gelöscht und

stehen dann nur noch in der zuständigen

Leitstelle zur Verfügung.“ Eine

Arbeitsgruppe der Datenschutzkonferenz,

einem Gremium der Datenschutzaufsichtsbehörden

des Bundes

und der Länder, habe das Konzept

ausgiebig geprüft, hieß es. (dpa)

Nach scharfer Kritik aus China hat

Apple eine Appaus seinem Angebot

entfernt, die Demonstranten in

Hongkong bei ihren Protesten die

Standorte der Polizeieinheiten anzeigte.Die

Macher von„hkmap.live“

teilten am Donnerstag auf Twitter

mit, dass Apple das Programm aus

dem App-Storegelöscht habe.Demnach

begründete der Konzernseine

Entscheidung damit, dass die mobile

Verkehrsanwendung die Strafverfolgung

behindertund Bewohner

Hongkongs gefährdet habe.Zuvor

hatte China dem iPhone-Konzern

vorgeworfen, die Demonstranten in

Hongkong zu unterstützen. DieApp

mache es Demonstranten leichter,

sich an gewalttätigen Aktionen zu

beteiligen, kritisierte am Mittwoch

das Parteiorgan Volkszeitung. (dpa)

Gebührenstreit um Paypal

geht wohl an das BGH

DerStreit um die Rechtmäßigkeit

vonGebühren für Paypal-Zahlungen

und Sofortüberweisungen wirdaller

Voraussicht nach erst vomBundesgerichtshof

(BGH) endgültig geklärt

werden. DasOberlandesgericht

München (OLG) erklärte es am Donnerstag

für rechtmäßig, wenn Unternehmen

im Online-Handel vonihrenEndkunden

Gebühren für diese

beiden Zahlungsarten verlangen.

DieRichter ließen aber die Revision

zum BGH zu. Im konkreten Fall geklagt

hatte die Wettbewerbszentrale

gegen Flixbus. (dpa)

Jack Ma ist auch 2019

wieder der reichste Chinese

Das Vermögen des Alibaba-GründersJack

Ma soll 35 Milliarden Euro betragen. DPA

Jack Ma,der Gründer des chinesischen

Internet-Konzerns Alibaba,

bleibt der reichste Mann Chinas.Mit

einem geschätzten Vermögen von

275 Milliarden Yuan (etwa 35 Milliarden

Euro)belegte der 55-Jährige das

zweite Jahr in Folge den Top-Platz

der am Donnerstag veröffentlichten

Reichenliste des chinesischen Magazins

Hurun. Ma liegt auch in der Liste

des US-Magazins Forbes auf Platz

eins der reichsten Chinesen. Weltweit

liegt er dortauf Platz 21. Forbes

schätzt sein Vermögen auf knapp 34

Milliarden Euro. (dpa)

Bundesanstalt verteidigt

Verkauf von Cyberbunker

Nach dem Auffliegen eines Darknet-

Rechenzentrums in einem ehemaligen

Bundeswehr-Bunker an der Mosel

hat die für den Verkauf verantwortliche

Bundesanstalt ihr Vorgehen

im Jahr 2013 verteidigt.

Ermittlungen des Landeskriminalamtes

(LKA) gegen den Käufer des

Bunkers seien erst zwei Jahrenach

dem Erwerb aufgenommen worden,

teilte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

in Bonn mit. Der59

Jahrealte niederländische Besitzer

des Bunkers sitzt seit dem Zugriff im

„Cyber-Bunker“ vom26. September

gemeinsam mit sechs anderen Personen

in Untersuchungshaft. Ihnen

wirdvorgeworfen, auf Servernin

dem Rechenzentrum Webseiten

gehostet haben, über die Kriminelle

Drogen verkauften, Falschgeldgeschäfte

abwickelten, Kinderpornos

verschickten oder Cyberangriffe

starteten. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 27

· ·

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TV-Programm

ARD

9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live

nach Neun 9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.44

(für HG) Tagesschau 10.45 (für HG) Meister des

Alltags 11.15 (für HG) Wer weiß denn sowas?

12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG)

ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG)

Sturm der Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG) Verrückt nach Fluss 17.00 (für

HG) Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant 18.00

(für HG) Wer weiß denn sowas? 18.50 (für HG)

Quizduell-Olymp 19.45 (für HG) Wissen vor acht

–Werkstatt 19.50 (für HG)Wetter 19.55 (für HG)

Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Servus, Schwiegersohn!

Komödie, D2019. Mit Adnan Maral, Aram

Arami. Bayrischer als „Toni“ Freitag kann

man kaum sein. Dass sich der Muster-

Bajuware mit seiner türkischen Herkunft

schwertut, sorgt für Turbulenzen.

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort: Im toten Winkel

Krimireihe, D2018. Mit Sabine Postel

23.30 (für HG) Mörderisches Tal –Pregau:

Die Lügen

Krimireihe, D/A 2016

1.00 (für HG) Tagesschau

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 (für HG) Ninja Warrior Germany –

Die stärkste Show Deutschlands

Fünfte Vorrunde der vierten Staffel: Auch

heute treten motivierte Athleten mit dem

Ziel an, um Ninja Warrior Germany zu

werden. Wer schafft es ins Halbfinale?

23.05 Darf er das? Live! Die Chris Tall Show

Comedyshow

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.35 (für HG) Ninja Warrior Germany –Die

stärkste Show Deutschlands

2.55 Darf er das? Live! Die Chris Tall Show

MDR

11.00 (für HG) MDR um 11 11.40 (für HG) In

aller Freundschaft 12.25 (für HG) Gustav Adolfs

Page. Historienfilm, D1960 13.58 (für HG)

Aktuell 14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für

HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) Aktuell 18.05 (für HG) Wetter für

3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG) Unser

Sandmännchen 19.00 Regionales 19.30 (für

HG) Aktuell 19.50 (für HG) Elefant, Tiger &Co.

20.15 (für HG) Schlager meiner Heimat 21.45

(für HG) Aktuell 22.00 (für HG) Riverboat 0.03

Aktuell 0.05 (für HG) MDR Kultur –Filmmagazin

Bayern

14.15 (für HG) Lichters Schnitzeljagd 14.45 (für

HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut.

Alles aus dem Garten 16.00 (für HG) Rundschau

16.15 (für HG) Wir in Bayern 17.30 Regionales

18.00 (für HG) Abendschau 18.30 (für HG)

Rundschau 19.00 (für HG) Unser Land 19.30

(für HG) Heimatrauschen 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Hubert und Staller

21.00 (für HG) Die Bergpolizei 22.05 (für HG)

Rundschau Magazin 22.20 (für HG) Heißmann &

Rassau 23.05 (für HG) Papillon. Drama, USA/F

1973 1.30 Rundschau Nacht

Vox

6.00 (für HG) CSI: NY 6.55 (für HG) CSI: Vegas

7.50 (für HG) CSI: Vegas 8.45 Verklagmich

doch! 9.50 Verklag mich doch! 10.50 Vox

Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind 11.55

Shopping Queen 12.55 Zwischen Tüll und Tränen

13.55 Mein Kind, dein Kind 15.00 Shopping

Queen 16.00 Die schönste Braut 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein

Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00

Prominent! 20.15 (für HG) Bones 21.15 (für HG)

Bones 22.10 (für HG) Bones 23.05 (für HG)

Bones 0.00 Vox Nachrichten

Super RTL

6.45 Peppa Pig 6.55 Paw Patrol 7.25 Caillou

7.50 Peppa Pig 8.00 Die Nektons 10.40

Angelo! 13.10 Polly Pocket 13.40 Angelo!

14.15 Die Tom und Jerry Show 14.45 Dragons

–Auf zu neuen Ufern 15.15 Mr. Bean –Die

Cartoon-Serie 15.45 Alvinnn!!! 16.40 Die

Nektons 17.10 Mr. Magoo 17.40 Zak Storm

18.10 Die Tom und Jerry Show 18.35 Woozle

Goozle 19.05 Alvinnn!!! 19.40 Super Toy Club

20.15 Robinson Crusoe.Animationsfilm, B/F

2016 22.00 Columbo: Mord unter Brüdern.

Krimireihe, USA 1995 0.05 Infomercials

Sport1

6.00 Teleshopping 15.30 Storage Wars –Die

Geschäftemacher. Raue Sitten 16.00 Storage

Wars –Die Geschäftemacher. Gute Laune,

schlechte Laune 16.30 Lost &Sold. Falsche

Bräune 17.00 Lost &Sold. Pokerface 17.30

Poker 18.30 Motorsport 19.00 Sport1 News

19.15 Fußball. Toto-Pokal, Viertelfinale: TSV 1860

München –SpVgg Unterhaching, live 21.30

Sport1 News 22.00 FC Bayern Inside 22.30 Die

PS Profis Fahrschule 23.00 Die PS Profis Schule

23.30 Sport1 News 0.00 Sport Clips

ZDF

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

(für HG) Soko Wismar. Feuerstühle 12.00 heute

12.10 drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15

Die Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Mord im Klassenzimmer 17.00 (für

HG) heute 17.10 (für HG) hallo deutschland

17.45 (für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Wien. Der Geist 19.00 (für HG) heute 19.20 (für

HG) Wetter 19.25 (für HG) Bettys Diagnose. Der

richtige Riecher

20.15 (für HG) Der Kriminalist

GefährlicheLiebschaft. Julia von Harden

wird erstochen in ihrer Penthouse-Wohnung

aufgefunden.Ihre Mutter Katharina

hat die Leiche entdeckt und steht jetzt

völlig neben sich.

21.15 (für HG) Schuld nach Ferdinand von

Schirach Der Freund

22.00 (für HG) heute journal

22.30 (für HG) heute-show

23.00 Sketch History

23.25 aspekte

0.10 heute+

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen. Moderation:

Matthias Killing, Alina Merkau. Gäste: Leslie

Mandoki, Paulina Krasa 10.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! 11.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie!

12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im

Einsatz 14.00 Auf Streife 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer. Doku-Soap 17.30 Klinik am

Südring –Die Familienhelfer /oder Sat.1

Regional-Magazine 18.00 Die Ruhrpottwache

19.00 Genial daneben –das Quiz. Rateteam:

Hella von Sinnen, Wigald Boning, Sonja Zietlow,

Thorsten Bär 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 LUKE! Die Greatnightshow

EntertainerLuke Mockridgeverspricht die

größte, früheste und längste Late-Night-

Show aller Zeiten: mit neuem Studio,

toller Band, großartigen Gästen und

überraschenden Studioaktionen.

22.10 Mord mit Ansage –

Die Krimi-Impro Show

Comedyshow. Tankstelle

23.10 Nightwash

0.05 Switch reloaded

1.00 Sechserpack

2.10 Die Dreisten Drei –Die Comedy WG

WDR

12.45 (für HG) Aktuell 13.05 (für HG) Elefant,

Tiger &Co. 13.55 Erlebnisreisen 14.00 Lecker

an Bord 14.30 (für HG) In aller Freundschaft

16.00 (für HG) Aktuell 16.15 Hier und heute

18.00 (für HG) Aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Mission Traumurlaub 18.45 (für HG) Aktuelle

Stunde 19.30 Regionales 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Countdown ins neue

Jahrtausend –1999 21.00 (für HG) Das Beste

im Westen 21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für HG)

Kölner Treff 23.30 (für HG) Kölner Treff 1.00 (für

HG) nuhr gefragt 1.45 Erlebnisreisen

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) Aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) Aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag

17.10 (für HG) Leopard, Seebär &Co. 18.00

Regionales 18.15 (für HG) Hofgeschichten

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) die nordstory

21.15 (für HG) Neues Leben in alten Dörfern

21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für HG) NDR Talk

Show 0.30 NDR Talk Show –Highlights aus

40 Jahren 1.30 (für HG) NDR Talk Show

Kabel eins

5.05 Numb3rs 6.00 Without aTrace 6.45 (für

HG) The Mentalist 7.40 Blue Bloods 9.30 (für

HG) Navy CIS: L.A. 10.25 Navy CIS 11.20

Without aTrace 12.10 Numb3rs 13.05 (für HG)

Castle 14.00 (für HG) The Mentalist 14.55 (für

HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wir kümmern uns drum 20.15

(für HG) Elementary 21.15 Navy CIS 22.10 Navy

CIS: New Orleans 23.10 (für HG) Navy CIS: L.A.

0.05 Navy CIS 0.55 kabel eins late news

RTL 2

5.15 Privatdetektive im Einsatz 6.00 Die

Straßencops West 7.00 Die Straßencops West

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Die Kochprofis 13.00 Die Kochprofis 14.00

Traumfrau gesucht 15.00 Hilf mir! Die volle

Dröhnung 16.00 Hilf mir! Die volle Dröhnung

17.00 RTL II News 17.04 RTL II Wetter 17.05

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Face/

Off –ImKörper des Feindes. Actionfilm, USA

1997 22.50 The Walking Dead 23.45 The

Walking Dead 0.40 The Walking Dead

Eurosport 1

8.30 Tennis. Upper Austria Ladies Linz. Tag 4

10.00 Radsport. Giro del Piemonte 2019 11.30

Tennis. Upper Austria Ladies Linz. Tag 4 13.55

Tennis. Upper Austria Ladies Linz. Viertelfinale, live

17.30 Schwimmen. Weltcup in Berlin. Tag 1, live

18.50 Fußball. Bundesliga der Frauen:1.FCKöln

–VfL Wolfsburg, live 21.15 Nachrichten 21.20

Fußball Freitag International. Match der Woche

23.15 Nachrichten 23.20 Fußball. Bundesliga

der Frauen: 1. FC Köln –VfL Wolfsburg 0.30

Tennis. Upper Austria Ladies Linz

TV-Tipps

ARD, 20.15 UHR KOMÖDIE

Servus, Schwiegersohn!

Von 2005 bis 2008 war SchauspielerAdnan MaralinBoraDagtekins ARD-

Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ zu sehen. Dortspielte er einen

zweifachen türkischen Vater,der sich nach dem Todseiner Frau in eine deutsche

Frau verliebt und mit ihr eine neue Beziehungeingeht. In drei Staffeln

wurden dieGeschichten der Patchwork-Familie erzählt,bei denenHumor,

Drama und jede Menge kulturelleUnterschiede nicht zu kurzkamen. Am

heutigen Abend ist MaralimFernsehfilm „Servus,Schwiegersohn!“ erneut als

türkischer Vater zu sehen. In der Rolle des Toni Freitag mimt er einen Muster-

Bajuwaren, der seine Herkunft am liebsten vergessen würde.Jedoch wird

Tonis Einstellung auf eine harte Probe gestellt, als ihm seine Tochter Franzi

ihren Freund Osman Göker vorstellt, den sie im Urlaub kennengelernt hat.

(D/2019)

Foto: ARD Degeto/Hendrik Heiden

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Die schönsten Flussreisen

auf Donau, Rhein, Mosel,

Saar, Elbe, Wolga u. v. m.

Berliner Zeitung Leserreisen

SUDOKU

NORMALVARIANTE mittel

NORMALVARIANTE –MITTEL

7 4

3 9 1

5 2

9 2 8 3

1 4 5 2 6

6 8 1

4 7

9

MitDIAGONALEN-schwer

MIT DIAGONALEN –SCHWER

6 8

2 5

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4 9 7

8

2 7

LESERREISEN

INFO-MATERIALANFORDERN

030–23 27 66 33

www.berliner-zeitung.de

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AUFLÖSUNG Auflösung

vom VOM 10.10.2019

MITTEL mittel

5 3 9 4 2 8 6 1 7

4 1 2 5 7 6 9 8 3

8 6 7 9 1 3 2 5 4

7 8 3 2 5 1 4 9 6

6 9 4 3 8 7 1 2 5

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3 2 8 1 6 5 7 4 9

9 4 5 7 3 2 8 6 1

1 7 6 8 4 9 5 3 2

AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM

10.10.2019

10. 10. 2019

SCHWER schwer

2 7 5 1 8 3 4 6 9

8 4 9 6 2 7 1 3 5

3 6 1 5 4 9 7 8 2

5 2 7 8 3 4 6 9 1

4 8 6 9 5 1 3 2 7

1 9 3 2 7 6 5 4 8

7 3 8 4 1 2 9 5 6

9 1 2 3 6 5 8 7 4

6 5 4 7 9 8 2 1 3

RBB

9.00 (für HG) In aller Freundschaft. Voreilige

Schlüsse 9.45 (für HG) In aller Freundschaft.

Scherbengericht 10.30 (für HG) Rote Rosen

11.20 (für HG) Sturm der Liebe 12.10 (für HG)

Julia –Eine ungewöhnliche Frau. Familienserie.

Endlich ein Vater 13.00 rbb24 13.10 (für HG)

Verrückt nach Meer 14.00 (für HG) Bella und der

Feigenbaum.Komödie,D2013 15.30 (für HG)

Tiere bis unters Dach. Familienserie.Schlangenbeschwörer

16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für

HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG) rbb24

17.05 (für HG) Panda,Gorilla &Co. 17.55 (für

HG) Unser Sandmännchen 18.00 rbb UM6

18.30 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Die 30 schönsten Liebeslieder

der Achtziger In den 1980er-Jahren

überschlugen sich junge deutsche

Songschreiber vor kreativen Einfällen. Sie

versuchten, in der NeuenDeutschen

Welle das Liebeslied neu zu erfinden.

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Kaisermania

Konzert

0.35 (für HG) Musikladen

1.20 (für HG) Musikladen

2.00 (für HG) Abendschau

2.30 (für HG) Brandenburg aktuell

ProSieben

5.15 2Broke Girls 5.35 The Middle 6.20 (für

HG) Two and aHalf Men 7.40 (für HG) The Big

Bang Theory 8.55 (für HG) How IMet Your Mother

10.40 Fresh Off the Boat. Laber-Louis 11.10

Mike &Molly. Happy End 11.35 2Broke Girls.

Schuldenkrise /Das Schrankbett 12.30 Mom.

Therapie wider Willen /Supermom 13.20 (für

HG) Two and aHalf Men. Wie im Hamsterkäfig/

Unmusikalisch und arrogant /Ein Mann braucht

höhere Ziele 14.40 The Middle.Der Neubeginn /

Der Test 15.40 (für HG) The Big Bang Theory. Die

Herren des Rings /Die dunkle Seite des Mondes

/Das L-Wort 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10

(für HG) Die Simpsons. Jailhouse Blues /Chief

der Herzen 19.05 Galileo

20.15 (für HG) Star Wars: Eine neue

Hoffnung

Science-Fiction-Film, USA 1977/1997.

Der junge Luke Skywalker wird in den

Kampf der Rebellen gegen das grausame

Imperium hineingezogen.

22.50 (für HG) Red Riding Hood –

Unter dem Wolfsmond

Fantasyfilm, USA/CDN 2011. Mit

AmandaSeyfried, Gary Oldman

0.40 (für HG) The Tournament

Actionfilm, GB 2009. Mit Ian Somerhalder,

Robert Carlyle

Arte

11.25 Kuba –Flüchten oder standhalten? 12.15

(für HG) Re: 12.50 Arte Journal 13.00 Stadt

Land Kunst 14.10 (für HG) Goldene Hochzeit mit

Handicap. Komödie, F2019 15.50 Feine Stoffe,

ferne Länder 16.45 (für HG) Xenius 17.10 (für

HG) Yangtse –Unterwegs in China 17.40

Deutschland, 24 Stunden. Dokumentarfilm, F

2015 18.30 (für HG) Tierisch alt! 19.20 Arte

Journal 19.40 Re: 20.15 Zwei HerrenimAnzug.

Familiensaga, D2018 22.25 David Bowie.

Porträt 0.00 (für HG) Ziggy Stardust and the

Spiders from Mars. Dokumentarfilm, D1982

3Sat

5.20 (für HG) Paragleit-ParadiesVorarlberg 5.45

Newton 6.10 3satTextVision 6.20 Kulturzeit 7.00

nano 7.30 Alpenpanorama 9.00 (für HG) ZIB

9.05 Kulturzeit 9.45 nano 10.15 Markus Lanz

11.30 (für HG) Stöckl. 12.30 (für HG) Sehen

statt Hören 13.00 (für HG) ZIB 13.25 (für HG)

Kielings wilde Welt 15.35 Big Pacific 18.30 nano

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Das vergessene

Gift 21.00 makro 21.30 auslandsjournal extra

22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 Bram Stoker’s

Dracula. Horrorfilm, USA 1992 0.20 10 vor 10

Phoenix

9.00 phoenix vor ort 9.30 Polen vor der Wahl

10.00 phoenix vor ort 10.30 Dicke Luft –Alpenverkehr

am Limit 11.00 Zukunft Umwelt 12.00

phoenix vor ort 12.45 Leben ohne Bargeld 14.00

phoenix vor ort 14.45 BundeswehramLimit

16.00 Maybrit Illner 17.05 augstein und blome

17.15 Mein Polen 17.30 phoenix der tag 18.00

phoenix persönlich 18.30 China 19.15 China

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 Panische

Zeiten! 21.45 Dolce vita in der DDR 22.30

Sanssouci von oben 23.00 phoenix der tag 0.00

phoenix persönlich 0.30 augstein und blome

Kika

12.00 Kein Keks für Kobolde 12.25 The Garfield

Show 12.50 Marcus Level 13.15 (für HG) Die

Wilden Kerle 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner

14.10 Schloss Einstein –Erfurt 15.00 (für HG)

Eine lausige Hexe 15.50 Miss Moon 16.15 Die

Piraten von nebenan 16.50 Geronimo Stilton

17.35 Der kleine Ritter Trenk 18.00 Der kleine

Nick 18.15 Kleine lustige Krabbler 18.35

Elefantastisch! 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 Tib &Tumtum 19.25 (für

HG) logo! 19.30 Löwenzahn –Das Kinoabenteuer.

Familienfilm, D2011

Dmax

11.15 Highway Patrol 11.45 Highway Patrol

12.15 Border Control 12.45 Border Control

13.15 Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in der

Wildnis 15.15 Ed Stafford: Wie ich die Welt

überlebte 16.15 Die Zwangsvollstrecker 17.15

Asphalt-Cowboys 18.15 Steel Buddies 19.15 A8

–AbenteuerAutobahn 20.15 Hurricane Man

21.15 Yukon Men 22.15 Caravaning &Cooking

22.40 DMAX News 22.45 Jack Maxwell:

Hochprozentig um die Welt 23.40 Man vs. Food

mit Casey Webb 0.00 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Drei Lehrer –Ein Schuljahr 9.45 Shift

10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 quer

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Mex –Das Marktmagazin 20.00

Tagesschau 20.15 Panorama 20.45 Wetter

extrem 21.15 Tagesschau 21.17 Geheimnisvolle

Orte 22.00 Tagesthemen 22.15 mehr/wert

22.45 Extra 23.00 Tagesthemen 23.15

Europa-Reportage 23.45 Tagesschau vor 20

Jahren 0.00 Tagesthemen 0.15 Fakt ist! 1.15

Tagesschau 1.25 mehr/wert 1.54 Extra

ONE

6.10 Großstadtrevier 7.00 Erlebnisreisen 7.05

Brisant 7.45 Fischer sucht Frau. Komödie, D

2018 9.15 Brisant 9.55 Hot in Cleveland 10.15

Hot in Cleveland 10.35 Lindenstraße 11.05

Großstadtrevier 11.55 Sturm der Liebe 12.40

Sturm der Liebe 13.30 Um HimmelsWillen

14.20 Party of Five 15.05 Party of Five 15.50

Großstadtrevier 16.40 Hot in Cleveland 17.00

Hot in Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Har

aber herzlich 18.40 Sturm der Liebe 19.25

Sturm der Liebe 20.15 Nuhr im Ersten 21.00

Eine Braut kommt seltenallein. Komödie, D201

22.30 Grand Hotel 23.15 Grand Hotel 0.00

Tatort: Im toten Winkel. Krimireihe, D2018

ZDF NEO

5.05 Dead End 5.50 Dead End 6.30 Vera –Ein

ganz speziellerFall: Rasend vor Wut. Krimireihe,

GB 2016 8.00 Topfgeldjäger 8.55 (für HG)

Lafer!Lichter!Lecker! 9.40 (für HG) Bares für

Rares 10.35 (für HG) Bares für Rares 11.25

Bares für Rares 12.10 (für HG) Monk 12.50 (für

HG) Monk 13.35 Psych 14.15 Psych 15.00 (für

HG) Monk 15.40 (für HG) Monk 16.15 Psych

17.00 Psych 17.45 Bares für Rares 18.30 (für

HG) Bares für Rares 19.20 (für HG) Bares für

Rares 20.15 Death in Paradise 21.05 Death in

Paradise 22.00 Death in Paradise 22.50

CountdownCopenhagen II 23.35 (für HG) New

Blood 0.25 (für HG) New Blood

ZDF INFO

6.45 Die schwerstenUnglücke der DDR 7.45

forum am freitag 7.58 heute Xpress 8.00 (für

HG) Frontal 21 8.45 Abgezockt! 10.15

Milliardenspiel in Monaco 11.00 Der Milliardencoup

11.45 Der Milliardenbetrug des Bernie

Madoff 12.30 Das unsichtbare Venedig 13.15

Das unsichtbare Athen 14.00 Berlin Berlin 14.4

Die geheimen Bunker der DDR und der Schweiz

15.30 GeheimesRussland 16.15 Geheime

Unterweltender Krim 17.00 Geheimes Paris

18.45 Wunder der Wissenschaft 19.30 Poker

Brain –ImKopf derProfi-Zocker 20.15 Wunder

der Wissenschaft 23.15 Leschs Kosmos 0.45

(für HG) heute journal

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Die Kölner Akademie, mit Bernhard

Schrammek, ca. 46 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Heinrich Schütz Musikfest, Live aus der

Kirche St. Marien, Weißenfels, ca. 117 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Brandenburgisches Konzert Musikfestspiele

Potsdam Sanssouci: 4Times Baroque und Shai

Kribus, ca. 116 Min.

0.05 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

ARD Nachtkonzert Darius Milhaud: Klavierkonzert

Nr. 5, op. 346 /Maurice Ravel: „Daphnis et

Chloé“, Suite Nr. 2/Carl Maria von Weber:

Klarinettenkonzert Nr. 2Es-Dur, op. 74 /Joseph

Haydn: Symphonie Nr. 102 B-Dur /Jean Cras:

Klavierkonzert, ca. 115 Min.

HÖRSPIEL

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Hörspiel Dope! (2/6) von Tim Staffel, mit Luci

Hollmann,Murat Dikenci, Florian Steffens, Matej

Meded, Martin Engler, Dirk Borchardt, Uwe

Preuss, Frederik Schmid u. v. m., ca. 56 Min.

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Mitternachtskrimi Die Jagd nach dem Täter

(15): Hochzeit mit dem Tode, von Heinz van

Nouhuys, Regie: S.O. Wagner, mit Josef Dahmen

Erwin Linder, Doris Masjos, Mita von Ahlefeld,

Heinz Piper, Helmuth Peine, Wolfgang Schwarz,

Karlheinz Möhle, Heinz Dunkhase, Marga

Maasberg, ca. 55 Min.

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lebenszeit Segen oder Fluch? Das vernetzte

Zuhause. Gäste: Prof. Dr. Jens Großklags (TU

München, Fakultät für Informatik, Professurfür

Cyber Trust), Sven Häwel (Geschäftsführer,

homeandsmart GmbH), ca. 80 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Mikrokosmos –Die Kulturreportage Theateru.

Performancefestival Ruhrtriennale 2019, Kann

Kunst Zukunft gestalten?,ca. 45 Min.

19.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen. Literatur „In der großen Schwere

das unglaublich leichte Licht“ –Begegnungen

mit dem norwegischen Schriftsteller Jon Fosse,

ca. 30 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Gewebte Geschichte(n): Die

Textilkünstlerin Hannah Ryggen, ca. 50 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Sarah Vaughan, ca. 30 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 236 · F reitag, 11. Oktober 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Oprah Winfrey (65) moderierte einer

der berühmtesten Talkshows in den

USA, nämlich von1986 bis 2011 die

„The OprahWinfrey Show“, und sie

war laut dem Magazin Forbes die

erste Milliardärin afroamerikanischer

Herkunft und in dem Film„Die Farbe

Lila“ (1985) reüssierte sie sogar als

Schauspielerin:Wirkönnen dieWinfreyalso

getrost eine erfolgreiche,

starke Frau nennen. Gleichwohl plagten

sie lange Ängste vorihrem Tod,

wie sie nun dem People-Magazine

sagte:„Ich hatte diesen Traum, dass

ich mit 56 sterben würde.Ich glaube,

ich wäreimAlter von56Jahren gestorben.

Ichglaube,ich hätte 216 Kilo

gewogen, ich glaube,ich hätte Diabetes

gehabt, und ich glaube,ich hätte

hohen Blutdruck gehabt.“ Dann, als

sie schließlich 57 wurde,habe sie sich

gefragt:„Warum habe ich das mein

ganzes Leben lang gedacht?“ Ja.

Nadja Benaissa (37) hat in ihrem Leben

so einige Aufs und Abserlebt.

2000 war die Sängerin eine der fünf

No Angels,also jener Mädchen-Band,

die aus der ersten deutschen Staffel

der Castingshow„Popstars“ hervorging

und mit über fünf Millionen verkaufter

Platten und vier Nummereins-Hits

in den deutschen Singlecharts

bis zu ihrer vorläufigen Trennung

2003 ein echtes Erfolgsprodukt

war.Danach wurde es ruhiger,Benaissa

versuchte sich in verschiedenen

Solo-Projekten, 2010 war sie für

Aufnahmen das letzte MalimStudio.

Nunheuerte die Frankfurterin bei der

Dresdner A-cappella-Band medlz an.

Ostwärts: vomMain an die Elbe!

DirkNowitzki (41) ist dereinst voneiner

Sportlerkarriereabgeraten worden.

DemMannheimer Morgen erzählte

der Basketball-Superstar,dass

ihm in der Schule,dem

Röntgen-Gymnasium in

Würzburg, der Schulleiter

jedes mal eine

Standpauke hielt,

wenn er um Freistellung

für ein

Spiel mit der Bayern-Auswahl

oder

der Jugend-Nationalmannschaft

bat: MitSport

könne man kein Geld

verdienen, habe der

Direxdageschimpft.

(schl.)

Gut so: Hat seinen Lehrern

nicht alles geglaubt. IMAGO IMAGES

TIERE

Nur die Liebe zählt: eine der seltenen

Turteltauben. NABU/MANFRED DELPHO

Tja, die Turteltaube ist derVogel des

Jahres 2020, und wie immer verbindet

sich mit derWahl zu einem Jahrestier

die ernste Botschaft, dass es ihm

nicht gut geht. Am Donnerstag nun

gaben der Naturschutzbund (Nabu)

und der bayerische Landesbund für

Vogelschutz mit der Turteltaube ein

Vogel bekannt, der als global gefährdete

Artauf der weltweiten Roten

Liste steht:„Seit 1980 haben wir fast

90 Prozent dieser Artverloren, ganze

Landstriche sind turteltaubenfrei“,

erklärte ein Nabu-Sprecher dazu. Nix

da mit Symbol der Liebe! (schl.)

„Angst vor der rechten Ecke“

Die amerikanische Schauspielerin Eva Longoria sorgt sich um die politischen Zustände ihres Landes

Sie ist in naturawinzig –nicht

einmal 1,60 Meter groß. Aber

die dunklen Augen sind so

strahlend und die ganzePerson

so energiegeladen, wie man sie

aus „Desperate Housewives“ kennt:

EvaLongoria sitzt in einem Sessel am

Strand des Hotel Martinez inCannes

und genießt den Blick auf das Azur

des Meeres.Seit eineinhalb Jahren ist

sie nun Mutter, ihr Sohn hält gerade

im Kinderwagen seinen Mittagsschlaf.

Ihre Babypause hat sie längst

beendet, jetzt ist sie im Kino im Familienabenteuer

„Doraund die goldene

Stadt“ (im Kino) zu sehen, eine Live-

Action-Version der kultigen Zeichentrickserie.

Ms Longoria, Sie haben schon zwei

Monate nach der GeburtIhres Sohnes

wieder für „Dora und die goldene

Stadt“ vorder Kameragestanden?

Ich hatte keine andere Wahl. Ich

musste einfach.

Konnten Sienicht ablehnen?

Dazu war mir das Projekt zu wichtig.

Dora ist für Latinos eine Kultfigur,

man wächst mit der Zeichentrickserie

auf. Dieses Familienabenteuer

bot nicht nur mir eine fantastische

Möglichkeit, sondern meiner

gesamten Latino-Community, Menschen,

die wie ich aussehen. Doraist

ein siebenjähriges Mädchen, das mit

ihrem Affen Boots, Map der Karte

und ihrem Rucksack Backpack um

die Welt reist. Dora ist eine Latina

und sie spricht Spanisch. Das heißt,

die Seriefeiertnicht nur unsereSprache,sondernschwelgt

auch in unsererKultur.Daher„musste“

ich diesen

Film einfach machen.

In Deutschland kennt man „Dora“

kaum, was ist ihr Stellenwert inder

hispanischen Kultur?

Die Zeichentrickserie wurde ja

geschaffen, um die lateinamerikanische

Bevölkerung der USA anzusprechen,

und tatsächlich hat sie in

unserer Gemeinschaft einen kultischen

Status –vielleicht ist sie sogar

eine globale Ikone. Mich riefen

sogar meine Freunde aus London

an und freuten sich, dass ich

Doras Mutter Elena spiele. Daher

war ich wirklich, wirklich aufgeregt.

Wiehaben Siediesen Dreh vonder

praktischen Seite her organisiert, mit

einem Säugling?

Die Sache mit dem Stillen war

manchmal am Setnicht einfach. Aber

insgesamt war es am einfachsten,

meine Familie einzupacken und nach

Australien zu fliegen. Ichnehme meinen

Sohn seitdem mit auf jede Reise.

Er macht mir das Reisen aber auch

einfach, weil Santiago so ein unkompliziertes

Baby ist.

Wie viele Sets hat der Junior denn in

seinen eineinhalb Jahren nun schon

gesehen?

Einige –ich nehme ihn immer mit

zur Arbeit! Als ich nach „Dora“ dann

Regie bei „Grand Hotel“ geführt

habe, war er vier Monate alt. Es gibt

Fotos, auf denen rufe ich „Action“

während ich ihn an der Brust habe.

(lacht) An solche Bilder im Berufsleben

sollte man sich auch gewöhnen.

Wir sind Mütter, also müssen wir

beides unter einen Hutbringen.

Denken Sie mit Kind jetzt anders an

die Zukunft?

Ja, ich mache mir jetzt viel größere

Sorgen um die Zukunft! Ich

habe das Gefühl, die ganzeWelt retten

zu müssen, damit mein Sohn

besser aufwachsen kann. Es mag

naiv klingen, und ich war davor auch

schon politisch engagiert, aber jetzt

hat das noch mal eine ganz neue Dimension

bekommen. Wir müssen

vorallem die Umwelt für unsereKinder

retten.

Eva Longoria mit ihrem Sohn: „Wir müssen die Umwelt für unsere Kinder retten“.

ZUR PERSON

EvaJacqueline Longoria Baston wurde 1975 in Corpus Christi, Texas, geboren; dortwuchs

sie in einer mexikanisch-amerikanischen Familie auf. Weltberühmt wurde sie für ihre Rolle der

Gabrielle Solis in der Fernsehserie „Desperate Housewives“. Sie ist offizielle Sprecherin von

Padres Contra El Cáncer (PADRES), einer gemeinnützigen Organisation, die lateinamerikanischen

Kindernhilft, die an Krebs erkrankt sind.

Die engagierte Schauspielerin ist mit dem mexikanischen Manager José Bastón verheiratet.

2018 wurde ihr Sohn SantiagoEnrique geboren.

Die glückliche Familie aus „Dora und die goldene Stadt“: Longoria (r.) spielt die Mutter

der reisefreudigen Dora (M., Isabela Moner;links Michael Pena als Vater). IMAGO IMAGES

AP

Haben Sie einen moralischen Kompass,

der Ihnen im Jobden Wegzeigt?

Er hängt sehr von den Projekten

ab. Bei der TV-Serie „Grand Hotel“

war es mein Ziel, zu zeigen, dass Mexikaner

durchaus auch wichtige Rollen

in der Gesellschaft übernehmen

können und nicht nur Dienstmädchen

sind, die gebrochen Englisch

sprechen. Außerdem konnte ich in

der Serie vielen lateinamerikanischen

Kollegen einen Chance geben.

Wie oft werden Mexikaner nur als

Hausmädchen oder Drogendealer

gezeigt! Gegen diese Stereotypen

wollte ich angehen.

Warum ist es immer noch so schwer

für Frauen im Filmgeschäft Fuß zu

fassen?

Meiner Meinung nach liegt das

daran, dass es noch immer Männer

sind, die in den entscheidenden Positionen

sitzen. Sie leiten die Filmstudios.

Diese Positionen müssten

diverser besetzt werden, mit Frauen

und Menschen mit unterschiedlichen

kulturellen Hintergründen.

Würden Siesich dafür anbieten?

Klar, ich würde gerne ein Studio

leiten. (lacht) Dann könnte ich noch

ein anders Problem anpacken, nämlich,

dass Frauen keine zweite

Chance bekommen. Falls ein Film

kein Erfolg wird, war’s das für gewöhnlich

für eine Frau, sie wir nicht

mehr engagiert. Männer kriegen

aber öfter eine zweite Chance.Selbst

nach Flops werden ihnen noch die

tollsten Projekte angeboten. Da fasst

man sich wirklich oft an den Kopf.

Hatdie #MeToo-Bewegung etwas verbessern

können?

Ja, die größte Leistung von #Me-

Toound Time’s Up war, dass Frauen

jetzt mehr miteinander sprechen, offener

sind und sich besser vernetzen.

Je mehr wir wissen, desto mehr

Macht haben wir.Trotzdem bleibt das

Thema der Bezahlung schwierig, weil

es so sehr mit Erfolg verbunden ist.

Wiehaben Siegemerkt, dass Sieweniger

verdienen als Ihre männlichen

Kollegen?

Das war knifflig. Es hieß immer:

„Willst du den Job nun oder nicht?“

Natürlich wollte ich arbeiten! Aber

meine Agentin war nicht blöd, die hat

schnell herausgefunden, dass bei

denselben Filmen die Männer mehr

verdienen. So kam’s raus.Aber grundsätzlich

gibt es in jeder Branche überall

auf der Welt das Problem, dass

Frauen für die gleiche Arbeit weniger

bezahlt bekommen als Männer.

Gibt es ein Thema, das Ihnen derzeit

ganz besonders den Schlaf raubt?

Ich habe Angst vor einem Dominoeffekt

aus der rechten Ecke.Esgibt

Gewalt bei rechten Demonstrationen

und das Mitten in Amerika. Intoleranz

gegen Religionen, Kulturen und

sexuelle Orientierungen wird zunehmend

geduldet, überall auf der Welt.

Natürlich macht mir das Kummer.

Sie sind in einer großen Familie aufgewachsen.Welche

Ihrer drei Schwestern

steht Ihnen besonders nah?

Meine älteste Schwester Elizabeth.

Sie ist geistig behindert, aber

war schon immer das Licht unserer

Familie. Sie ist sehr witzig und in jeder

Hinsicht einfach erstaunlich. Ich

habe ihr zu Ehren in unserer Heimatstadt

San Antonio eine Charity gegründet,

„Eva’s Heroes“, die Kinder

mit geistigen Behinderungen unterstützt.

Diese Stiftung ist nur aus der

Erfahrung mit meiner Schwester

entstanden. Es ist gut, denen etwas

zurückgeben zu können, die uns so

sehr unterstützt haben.